Der Brief des Paulus an die Römer



Das 1. Kapitel


1. Paulus, ein Knecht Jesu Christi, berufen zum Apostel, ausgesondert, zu predigen das Evangelium Gottes,

Knecht: Der ich mich zum Predigtamt des Evangeliums Christi ergeben habe.

Berufen: Denn ich habe mich nicht selber aus eigener Willkür dazu begeben, wie es falsche Apostel und verführerische Lehrer tun. Ich bin auch nicht hingelaufen, ehe mich Gott gesandt hat. Sondern Gott hat mich zu diesem Amt berufen, dass ich sein Gesandter sein soll, und aufzeige, was er mir in seinem Namen den Menschen zu verkündigen befohlen hat, und ich auch nichts dazu oder davon tue. Denn es soll keiner in der Kirche öffentlich zu lehren sich unterstehen, er sei denn ordentlich dazu berufen, und welche berufen sind, sollen das Wort Gottes treu lehren, und nichts von eigenen Gedanken mit einbringen.

Ausgesondert: Gott hat mich im Mutterleibe schon zum Predigtamt seines Wortes verordnet {Gal 1}. Obwohl ich aus Unwissenheit die Kirche eine Zeit lang verfolgt habe. Danach aber bin ich auch von der allgemeinen Kirche aus Befehl des Heiligen Geistes zum Predigtamt des Evangeliums an die Heiden ausgesondert und verordnet worden {Apg 13}. Nämlich, dass ich das Evangelium predige, und die fröhliche Botschaft von der Vergebung der Sünden aus Gnaden und als ein Geschenk des ewigen Lebens um Christi willen, der Welt verkündige. Denn das Evangelium ist von dem Gesetz weit zu unterscheiden, weil das Evangelium Gottes Gnade verkündigt, das Gesetz aber den Sündern Gottes Zorn droht.

2. welches er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift,

Heiligen Schrift: Des Alten Testamentes. Darum ist das Evangelium keine neue Lehre, welches in neuerer Zeit von uns erdacht wäre. Denn die Schriften der Propheten haben die herrlichen Verheißungen von Christus. Und Christus ist der alleinige Zweck in der ganzen Heiligen Schrift. Auch hätte man die Apostellehre nicht annehmen können, wenn sie nicht in der Propheten Schriften gegründet wäre. Darum sie ihre Predigten und Schriften aus den Büchern des Alten Testamentes beweisen. So klagen uns die Katholiken unrechter Sachen an, dass sie begehren, man solle ihnen in großen wichtigen Sachen, was die christliche Religion betrifft, glauben, davon sie jedoch kein einziges Zeugnis der Heiligen Schrift richtig vorbringen können.

3. von seinem Sohn, der geboren ist von dem Samen Davids nach dem Fleisch

Seinem Sohn: Denn in dem allerältesten Evangelium lehrt Gott nicht von liederlichen Dingen oder von vielen neuen Zeremonien, die zur Seligkeit nichts nützen, sondern von seinem Sohn, welcher der Welt Heiland ist.

Fleisch: Das heißt: nach seiner menschlichen Natur. Es ist aber Maria, die Mutter Christi, von dem Geschlecht Davids gekommen, welches aus zwei Geschlechtsregistern Christi {Mt 1 Lk 3} bewiesen werden kann. Denn Christus war dem David verheißen worden, dass er aus seinem Geschlecht geboren werden sollte {2Sam 7}. Darum ist Christus nach seiner menschlichen Natur unser Bruder, weil er wahrhaftiger Mensch ist. Und wer die wahre Menschheit Christi leugnet (es sei gleich seines Kommens oder der Verklärung wegen), der nimmt den Christen den höchsten Trost, und widerspricht der Heiligen Schrift.

4. und kräftig erwiesen als ein Sohn Gottes nach dem Geist, der da heiligt, seit der Zeit, da er auferstanden ist von den Toten, Jesus Christus, unser Herr,

Gottes: Der vom Vater von Ewigkeit her geboren und mit ihm eines Wesens ist.

Nach Luther: Der Geist Gottes ist gegeben nach der Himmelfahrt Christi, von da an heiligt er die Christen und verklärt Christus in aller Welt, dass er Gottes Sohn ist, mit aller Macht in Worten, Wundern und Zeichen.

Auferstanden ist: Das heißt: Christus hat bewiesen, dass er wahrer Gott ist, indem er seine göttliche Allmacht (welches hier durch das Wort, kräftig, verstanden wird) durch die Wirkung des Heiligen Geistes nicht allein mit herrlichen Wunderwerken, sondern auch eben damit erklärt und bestätigt hat, dass er aus eigener Gewalt den Tod überwunden hat, und aus eigener Kraft vom Tode wiederum auferstanden ist. Denn er hat die Macht gehabt (weil er Gott ist), sein Leben zu lassen und dieses wieder zu nehmen {Joh 10}, welches sonst kein Mensch kann, sondern es muss eine göttliche Gewalt dabei sein. Denn aus eigener Gewalt Wunderwerke tun und aus eigener Kraft von den Toten wiederauferstehen, sind unfehlbare Beweise der ewigen Gottheit des Sohnes Gottes, welches wohl zu merken ist, wider die alten und neuen Arianer.

5. durch welchen wir haben empfangen Gnade und Apostelamt, unter allen Heiden den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter seinem Namen,

Wir: Nämlich, ich, der Apostel Paulus. Denn er redet hier von sich selber.

Gnade: Dass er mir die Sünde vergibt, und mit besonderer Gnade und aus lauter Güte und Barmherzigkeit mir zugetan ist.

Apostelamt: Dass ich sein Gesandter wäre, und jedermann ermahnte, sie sollten sich mit Gott versöhnen lassen {2Kor 5}. So ist Gottes Güte und Barmherzigkeit gegen die bußfertigen Sünder, dass er ihnen nicht nur die Sünde vergibt, sondern auch herrliche Gaben des Heiligen Geistes mitteilt, denen, die das Evangelium aus Unwissenheit eine Zeit lang verfolgt haben, gebraucht sie zu den allerhöchsten Verrichtungen. Für diese unaussprechliche Gnade sollen sie ihm dankbar sein. Es ist auch solche Barmherzigkeit Gottes allen bußfertigen Sündern ein großer Trost.

Aufzurichten: Dass die Predigt des Evangeliums von jedermann mit Glauben angenommen werde. Denn Gott hat kein Volk von der ewigen Seligkeit ausgeschlossen, wenn sie nur dem Evangelium glauben.

Seinem Namen: Dass er sein Vertrauen auf den Namen Christus setzt, oder auch Christus selbst, welches ebenso viel ist. Darum soll niemand, der an Christus glaubt, sich selber aus der Zahl derer, die da sollen selig werden, ausschließen.

6. unter welchen ihr auch seid, die da berufen sind von Jesu Christo,

Welchen: Heiden, nämlich, die da selig werden sollen.

Berufen sind: Durch das Evangelium, zur ewigen Seligkeit. Bis hierher lautet die Unterschrift der Epistel, in welcher Paulus darum von seinem Apostelamt so weitläufig geredet hat, auf dass seine ganze Epistel in größerem Ansehen gehalten würde. Denn der Apostel, als Gottes Gesandte und Botschafter, Schriften sollen ein solches Ansehen bei uns haben, dass, wenn wir sie lesen, uns nicht anders zumute ist, als wenn wir Gott selbst vom Himmel mit uns reden hörten.

7. allen, die zu Rom sind, den Liebsten Gottes und berufenen Heiligen. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unsrem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Allen: Dies ist die Überschrift der Epistel.

Liebsten Gottes: Welche Gott nicht nur so geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn für sie gegeben {Joh 3}, sondern auch durch das Predigtamt des Evangeliums die Seligkeit ihnen anbieten lässt.

Berufenen Heiligen: Die zur Erkenntnis Christi berufen sind, und durch den Glauben an Christus, weil ihnen die Unschuld Christi zugerechnet wird, sie vor Gott vollkommen heilig geachtet, auch vom Heiligen Geist geheiligt oder wiedergeboren sind. Weil aber alle Christen zur Erkenntnis Christi berufen sind, so geht diese Epistel an die Römer nicht nur an sie, sondern auch an alle Christen. Und sind alle, die an Christus glauben, rechte Heilige vor Gott, obwohl sie noch viele große Schwachheiten an sich haben, dazu in den heiligen Verzeichnissen der römischen Kirche nicht stehen. Daneben aber werden wir auch hier erinnert, dass wir heilig und unsträflich leben sollen.

8. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unsrem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Gnade: Jetzt folgt der Gruß dieser Epistel: Als wollte er sprechen, ich wünsche euch Gottes Gnade und Güte und glückliches Leben.

Dem Herrn: Es wird aber hier Christus einfach Herr genannt, das heißt, der wahre ewige Gott. So ist dies ein unwiderlegbares Zeugnis von der Gottheit Christi, dass er mit dem Vater ein Geber der Gnaden und aller Wohlfahrt ist. Die Gnade aber bedeutet Gottes Güte und Barmherzigkeit. Der Friede begreift allerlei glücklichen Zustand in sich, darunter der Friede des Gewissens der vornehmste ist. Wir sollen aber auch wissen, dass Leute und Glückwünsche ganz kräftig sind, wenn sie nicht an ganz gottlose und verkehrte Menschen geraten {Mt 10}.

9. Aufs Erste danke ich meinem Gott durch Jesum Christus euer aller halben, dass man von eurem Glauben in aller Welt sagt.

Aufs: Jetzt folgt der Eingang, darin Paulus sich die Römer gewogen machen will, und er nimmt die Ursachen der Römer und seiner Person dazu.

Meinem Gott: Denn es soll ein jeder Christ Gott ehren als seinen Gott, das heißt, glauben, er ist mit ihm versöhnt, und habe einen gnädigen Vater an ihm.

Durch Jesum Christi: Um welches Mittlers willen ich begehre, erhört zu werden. Denn das heißt, im Namen Christi beten.

Welt sagt: Als wollte er sprechen: Ich freue mich eurer wegen und preise Gott, den Herrn, der euch begabt hat mit der Erkenntnis Christi, seines Sohnes, dessen Evangelium ihr mit Glauben angenommen habt, dazu mit solcher Freudigkeit und großem Eifer, dass man hin und wieder in der ganzen Welt, wo christliche Kirchen sind, von eurem Glauben an Christus viel redet und rühmt. Denn wir sollen unseren Glauben nicht verhehlen, sondern bekennen, zu der Ehre Gottes und des Nächsten Erbauung. Die Katholiken verstehen hier nichts, weil sie aus diesem Ruhm des römischen Glaubens sich hier unterstehen zu beweisen, dass auch heute zu Rom der rechte Glaube und die rechte Religion vom Papst und seinem Anhang verwaltet werden, da man doch von der Zeit an über die 1500 Jahre (jetzt 2017 Jahre), besonders aber in den letzten 100 Jahren, weit von der Lehre des Paulus, welche die Römer zu seiner Zeit annahmen, abgewichen ist, dass in jetziger Zeit in der Stadt Rom genau dieser Glaube, welchen Paulus hier rühmt und in dieser Epistel lehrt, mit Feuer, Schwert, Gift, und allerhand grausamer Wüterei verfolgt und vertilgt wird. So oft aber anderen Leuten entweder die Erkenntnis Christi oder eine andere göttliche Guttat mitgeteilt werden, sollen wir uns mit diesen von Herzen freuen, aus christlicher Liebe, und Gott für sie Dank sagen.

10. Denn Gott ist mein Zeuge, welchem ich diene in meinem Geist am Evangelium von seinem Sohn, dass ich ohne Unterlass euer gedenke

Zeuge: Es ist darum in einer wichtigen Sache, die zu der Ehre Gottes, oder des Nächsten nutzen dienlich sein kann, zu schwören nicht verboten.

Diene: Denn obwohl ich nun nicht mehr äußerliche Opfer tue nach der Weise des Alten Testamentes, so diene ich doch meinem Gott wahrhaftig und von Herzen mit reinem Gemüt, geistlicherweise, in wahrem Glauben, Anrufen, wahrer Danksagung, rechtschaffener kindlicher Furcht und Liebe: Besonders aber weiß ich, dass ich ihm den angenehmsten Gottesdienst, und das lieblichste geistlicher Opfer tue, wenn ich aus Glauben sein Evangelium in der Welt ausbreitete, und solches nicht ohne große Gefahr des Leibes und des Lebens predige. Denn die Gottesdienste sind Gott, dem Herrn, am allerangenehmsten, wenn jemand Christus vor der Welt bekennt, sein Reich zu befördern sich befleißigt, und dieses Amt treu ausübt.

11. und immer in meinem Gebet flehe, ob sich‘s einmal zutragen wollte, dass ich zu euch käme durch Gottes Willen.

Flehe: Und bitte Gott, dass er mir einmal nach seinem gnädigen Willen eine glückliche Reise zu euch gestattet. Welches doch nicht aus Vorwitz geschieht, dass ich begehre fremde und weit abgelegene Länder, zu sehen, sondern die christliche Liebe und Zuneigung treibt mich dazu.

12. Denn mich verlangt, euch zu sehen, auf dass ich euch mitteile etwas geistliche Gabe, euch zu stärken;

Euch zu sehen: Deren Eifer in der christlichen Religion ich so sehr rühmen höre.

Zu stärken: Dass ihr durch meine Predigten und gottseligen Gespräche im Glauben gestärkt, und in der Hoffnung zunehmend, auch in der Liebe, also in der rechten Religion und in euren gottseligen Vorsatz je länger je standhafter werdet.

13. das ist, dass ich samt euch getröstet würde durch euren und meinen Glauben, den wir untereinander haben.

Getröstet würde: Denn damit die Römer nicht auf den Gedanken kommen möchten, als hielte Paulus zu viel auf sich selbst, dass er meinte, es könnten andere wohl viel von ihm empfangen, aber er von anderen nichts dagegen bekommen. So setzt er hinzu, wie er auch der Ursache wegen sie zu sehen begehre, nicht dass sie nur von ihm gestärkt werden, sondern dass durch ihr gottseliges Gespräch untereinander, von der Religion und dem Glauben an Christus, er auch zugleich mit ihnen Trost, Freude und mehr Kraft im Glauben empfange. Denn der gottseligen Leute Gespräch miteinander erhalten und stärken den Glauben zu beiden Teilen. So hört oft ein guter Kirchendiener, der mit herrlichen Gaben des Heiligen Geistes geziert ist, von einem einfältigen Christen etwas, davon er besser unterrichtet, und in der rechten Religion und Glauben gestärkt, oder auch im Wandel gebessert wird. Auch steht es einem evangelischen Kirchendiener zu, dass er Fleiß tut, damit er viele (nachdem sein Beruf es fordert) in der rechten Religion nicht allein lehre, sondern auch stärke.

14. Ich will euch aber nicht verhalten, liebe Brüder, dass ich mir oft habe vorgesetzt, zu euch zu kommen (bin aber verhindert bisher), dass ich auch unter euch Frucht schaffte gleichwie unter andern Heiden.

Vorgesetzt: An meinem guten Willen hat es nie gemangelt, aber das Vermögen ist nicht da gewesen, dass ich hätte können zu euch kommen. Denn es sind mir bisher viele Hindernisse in den Weg geworfen worden. Es macht uns Gott aber nicht immer, wie wir es gerne hätten, weil er die rechte oder bessere Zeit weiß, als wir. Und weil Paulus später als ein Gefangener nach Rom gekommen ist, was er nicht vorausgesehen hat, gibt uns das die Nachricht an die Hand, dass Gott häufig unserem Begehren nachkommt, aber doch nicht, wie wir gemeint, sondern wie es zu seiner Ehre dienlich ist.

Frucht schaffte: Dass mein Predigtamt auch bei euch reichlich Frucht brächte, Gott und euch, besonders ich bei anderen Heiden mein Evangelium nicht ohne großen Nutzen gepredigt habe. Denn ein frommer Kirchendiener soll nicht danach trachten, wie er einen großen Sack mit Gold und Silber von den Zuhörern zuwege bringe, (obwohl ein Arbeiter seines Lohnes auch wert ist); sondern er wird vielmehr danach handeln, dass viele Christus recht erkennen, gottselig leben, und ewig selig werden. Dies sind die Früchte, welche Paulus so hoch von den Römern begehrte zu empfangen.

15. Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Ungriechen, der Weisen und der Unweisen.

Ungriechen: Das heißt: Aller Völker, ganz gleich welchen Namen sie haben, und sind gleich gelehrt oder ungelehrt, spitzfindig oder einfältig, denen bin ich des Amtes wegen schuldig, das Evangelium zu predigen. Denn Christus hat befohlen, dass die Apostel in die ganze Welt ausgehen sollen und allen Kreaturen das Evangelium predigen, ganz gleich, wie die Leute beschaffen sind oder sein wollen. Und gehört diese fröhliche Botschaft des Evangeliums allen Menschen, wenn sie nur solche angebotene Guttaten durch Unglauben und Widerspenstigkeit nicht von sich stoßen.

16. Darum, soviel an mir ist, bin ich geneigt, auch euch zu Rom das Evangelium zu predigen.

Zu predigen: Denn mein Beruf erstreckt sich nicht nur zu einem Volk, sondern zu allen. Wir sollen darum zusehen, dass wir nicht weniger tun, denn unser Beruf ausweist, oder uns auch nicht unterstehen, wie dieser es zulässt, damit wir nicht in ein fremdes Amt greifen. Mit dieser Vorrede hat Paulus seine Liebe gegen die Römer erklärt, und den Argwohn, als ob ihn der Vorwitz treiben könnte, abgelehnt.

17. Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich und auch die Griechen.

Denn: Jetzt fängt der Apostel Paulus etwas mehr über sein Vorhaben zu schreiben, und sagt, wie er bereit ist das Evangelium Christi überall und jedermann zu predigen.

Nicht: Als wenn es ein verächtliches und unnötiges Ding wäre.

Kraft Gottes: Die Predigt des Evangeliums von Christus ist ein kräftiges Instrument oder Werkzeug; dadurch Gott alle selig macht, die dem Evangelium glauben. Denn ob sie wohl nicht alle glauben, so ist und bleibt dennoch das Evangelium den Gläubigen ein Mittel und Werkzeug der ewigen Seligkeit. Darum sind die Schwenkfelder nicht ganz bei Sinnen, wenn sie sagen, dass die Menschen die Seligkeit nicht durch die Predigt des Evangeliums erlangen.

Juden vornehmlich: Wenn sie dem Evangelium glauben. Denn es musste Christus, der versprochene Messias, den Juden zuerst verkündigt werden.

Griechen: Das heißt: Alle Völker, ganz gleich welchen Namen sie haben, sie sind gelehrt oder ungelehrt, spitzfindig oder einfältig, denen bin ich von Amt es schuldig, das Evangelium zu predigen. Denn Christus hatte befohlen, dass die Apostel in die ganze Welt ausgehen sollten, und allen Kreaturen das Evangelium predigen. Die Leute sind gleich so beschaffen, wie sie sind. Und gehört zwar die fröhliche Botschaft des Evangeliums allen Menschen, wenn sie nur solcher angebotener Guttat durch den Glauben und Widerspenstigkeit nicht von sich stoßen.

18. Weil darin offenbart wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht. „Der Gerechte wird seines Glaubens leben.“

Offenbart wird: Das heißt: Das Evangelium zeigt uns den rechten Weg zur Rechtfertigung, und führt uns zur Gerechtigkeit, dass wir diese bekommen, welche vor Gott in seinem Gericht bestehen kann. Das ist aber die Gerechtigkeit Gottes, nicht die, die man sich selbst denkt und gibt, sondern welche uns Gott schenkt, nämlich, Vergebung der Sünden: Weil Christi Unschuld, Erfüllung des Gesetzes, und sein Leiden uns zugerechnet werden, dass uns unsere Sünden vergeben werden, um Christi willen, wenn wir ihn mit Glauben ergreifen in seinem Verdienst, und Erben werden des ewigen Lebens.

Aus Glauben: (Nach Luther) Alle Gottseligen, von Anfang bis zum Ende der Welt, werden durch einerlei Glauben gerecht, denn Christus ist gestern, heute und in Ewigkeit.

In Glauben: Das heißt: Wir bekommen die Gerechtigkeit durch den Glauben, nämlich, aus dem Glauben des Alten Testamentes in den Glauben des Neuen Testamentes: Das bedeutet: Es sind auch die Väter im Alten Testament gerechtfertigt worden durch den Glauben, welcher sich gründete auf den Sohn Gottes, der noch sollte Mensch werden. Welche aber unter den Juden und frommen Heiden (wie Kornelius/Apostelgeschichte 10) solchen Glauben noch haben vom zukünftigen Christo (spricht Paulus), die sollen weitergehen zum Glauben zu dem erschienenen Christo. So werden sie die wahre Gerechtigkeit bekommen, welche vor dem strengen Gericht Gottes bestehen kann. Denn die Väter im Alten Testament sind eben auf solche Weise gerechtfertigt worden, wie wir im Neuen Testament, nämlich, durch den Glauben. Dass wir aber durch den Glauben gerecht werden, ist das vornehmste Stück im 1. Teil dieser Epistel, darin von der Rechtfertigung eines sündigen Menschen steht, welches wir im Folgenden mit einem Zeugnis der Heiligen Schrift bestätigt finden.

Glaubens leben: Das heißt: Der Mensch ist vor Gott gerecht, und vor dem Gericht Gottes freigesprochen, hat ein ruhiges Gewissen, und wird ewig leben, nicht aus dem Verdienst seiner Werke, sondern aus wahrem Glauben an Christus. Darum ist der gerecht, welchem Gott die Sünde vergibt, und welchen Gott um des Verdienstes Christi willen für gerecht erklärt. Denn wer will solchen verdammen {Röm 8}? Leben und selig werden aber heißt hier an diesem Ort so viel wie das andere. Wie auch wiederum sterben und verdammt werden, auch einerlei bedeuten. Der Glaube aber, davon hier gehandelt wird, ist nicht nur eine Wissenschaft der Geschichten von Christo, sondern ist ein rechtes Vertrauen, so man aus dem Evangelium empfängt von Christo, durch sein Verdienst sind unsere Sünden versöhnt, dass wir um seinetwillen einen gnädigen Vater im Himmel haben. Dieser Glaube rechtfertigt und macht selig, nicht darum, dass er für sich selber eine solche gewaltige und große Tugend wäre, auch nicht darum, dass dieser Glaube später gute Werke bringt, als gute Früchte. Sondern darum macht er gerecht und selig, weil er uns gibt die ganze Unschuld Christi, seine Erfüllung des Gesetzes, und sein Leiden, das heißt, seinen ganzen Verdienst, durch diese Vollkommenheit wir vor dem Gericht Gottes bestehen können. Und obwohl Gott uns die angezeigten Güter durch drei Mittel anbietet, durch die Predigt des Evangeliums, durch die Taufe, und durch das Abendmahl des Herrn. Wir können dennoch diese nicht annehmen und uns nicht zu eigen machen, als allein durch das Werkzeug das, uns gegeben ist, der Glaube. Wie zum Beispiel es geschehen kann, dass ein gesundes und heilsames Wasser zwar durch viele Kanäle aus einem Brunnen hervorkommt, aber dennoch ein durstiger Mensch nur eine Möglichkeit hat, sich zu erquicken, nämlich, den Mund, mit dem er trinkt. Darum ist es richtig gesagt, dass wir allein durch den Glauben gerecht werden. Hierauf, als den vornehmsten Zweck, geht fast alles, was bis zum Anfang des 5. Kapitels vorgebracht wird.

19. Denn Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten.

Denn: Paulus beweist sein Vorbringen aus diesem Grund, dass alle Menschen Sünder sind. Darum können sie durch ihre Verdienste nicht gerecht werden, sondern werden allein aus Gnade, durch den Glauben an Christus gerechtfertigt. Solches erklärt er ausführlich bis zum Anfang des 3. Kapitels. Er teilt das ganze menschliche Geschlecht in zwei Parteien, als Juden und Heiden, mit der Meldung, dass sie beide Sünder sind. Darum sei es unmöglich, dass sie durch die Werke könnten gerecht und selig werden. Zuerst aber beweist er den Heiden ihre Bosheit und ihre Sünden.

Offenbart: Gott erklärt auf vielerlei Weise, und mit mancherlei Sprachen, die er den Heiden zugeschickt hat und noch zuschickt, dass er über sie zornig ist.

Nach Luther: Es wird vom Himmel offenbart (sonst wüsste die ganze Welt davon nichts), dass kein Mensch fromm sei vor Gott. Sondern alle sind sie gottlos, Sünder, Ungerechte, das heißt, Kinder des Zorns (Kapitel 3,10). Da ist keiner gerecht. Und wenn sie schon von Gott etwas wissen oder hören, so sind sie doch böse, da sie ihm weder danken noch dienen. Daher müssen sie auch zur Strafe in allerlei Laster fallen.

gottloses Wesen: Dass sie den rechten Gottesdienst nicht beachtet haben.

Ungerechtigkeit: Die sie im Handel treiben, sowohl in ihrer eigenen Person, als auch gegen den Nächsten. Denn die allgemeinen Landplagen und besonderen Strafen sind ein Zeichen, dass Gott die Sünden straft.

Aufhalten: Also, dass sie zwar einigermaßen eine Erkenntnis Gottes haben, und dennoch weder in Religionssachen, noch im Wandel tun, was sich gebührt, darum dass sie die Wahrheit, so sie erkannt haben, nicht für wichtig halten, dass sie keine rechten Früchte bringen. Viel schlimmer aber sind die, welche im Papsttum die Wahrheit des Evangeliums im Herzen erkennen, und dennoch um des Bauches willen, oder damit sie ihre Macht gebrauchen, die Wahrheit begehren zu unterdrücken. Darum behalten alle diejenigen die Wahrheit in der Ungerechtigkeit auf, welche wissen, was recht ist, und die es dennoch nicht tun wollen.

20. Denn dass man weiß, dass Gott ist, ist ihnen offenbar, denn Gott hat es ihnen offenbart,

Offenbar: Darum die Heiden keine Unwissenheit der Wahrheit zu ihrer Entschuldigung vorbringen können, weil ihnen bekannt ist, dass man Gott aus seinen Werken wissen und erkennen kann.

Offenbart: Dass Gott den Heiden auch Propheten, wie den Israeliten, geschickt, die sie in der rechten Religion unterrichten hatten, obwohl auch solches zwar geschehen ist, aber doch mit wenig Nutzen. Wie zum Beispiel Jonas zu Ninive und Jeremias in Ägypten gepredigt haben. Sondern es redet Paulus hier von einer anderen Offenbarung.

21. damit dass Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt, an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt; also dass sie keine Entschuldigung haben,

An der Schöpfung: Denn obwohl weder das ewige göttliche Wesen, noch Gottes ewige Wahrheit, Güte und Gerechtigkeit mit leiblichen Augen gesehen werden kann. So kann man doch aus der Schöpfung der Welt, und besonders aus der Schaffung des Menschen (welcher auch eine kleine Welt zu nennen ist) augenscheinlich erkennen, dass Gott sein muss, der da ewig, weise, gut, gerecht und allmächtig ist, welcher Himmel und Erde, und alles, was darin ist, besonders aber den Menschen, als ein besonderes wunderbares Geschöpf, erschaffen habe. Besonders das Werk den Meister lobt.

Keine Entschuldigung: Die sie vorbringen könnten, warum sie einen so mächtigen und ewigen Gott nicht mit gebührenden Ehren und gottseligem Wandel geehrt und angebetet haben. Denn obwohl solches, was der menschlichen Natur von Gott und seinen Geboten noch eingepflanzt ist, und aus den Kreaturen und Strafen der Gottlosen erkannt werden kann, nicht genug ist zur rechtschaffenen und vollkommenen Erkenntnis Gottes, so reicht es dazu, dass die gottlosen Heiden von ihrer Bosheit überzeugt werden, weil sie auch das nicht, was sie gewusst, getan haben. Sondern noch dazu die Dinge der Wahrheit in der Ungerechtigkeit geändert haben, wie oben geschrieben ist. Es will aber Paulus hier nicht lehren, dass die Erkenntnis Gottes, welche aus der Kreaturen Betrachtung geschöpft werden kann, genügend sei, die Seligkeit zu bekommen; sondern allein, dass man der Heiden Ungehorsam und Bosheit damit beweisen könne. Denn weil das Gesetz der Natur in uns durch die Erbsünde sehr verdunkelt ist, und die Erkenntnis Gottes, so von den Kreaturen genommen wird, in schweren und großen Anfechtungen häufig verschwindet, so ist es nötig gewesen, dass die zehn Gebote gegeben wurden, damit das Gesetz Gottes in uns erneuert würde: Besonders aber war die Predigt des Evangeliums von Jesus Christo, dem Erlöser des menschlichen Geschlechtes, nötig, davon die menschliche Vernunft natürlicherweise nichts weiß. Doch steht es daneben auch einem frommen Menschen zu, der aus Gott bereits wiedergeboren ist, dass er die Kreaturen Gottes mit Fleiß betrachtet, damit er durch derselben Betrachtung verursacht und gereizt werde, sich über einen so weisen, mächtigen und gütigen Gott zu verwundern und ihn zu lieben.

22. dieweil sie wussten, dass ein Gott ist, und haben ihn nicht gepriesen als einen Gott noch ihm gedankt, sondern sind in ihrem Dichten eitel geworden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert.

Gott ist: Der da weise, gerecht, gütig und allmächtig wäre.

Nicht gepriesen: Dass sie ihm keinen gewöhnlichen Gottesdienst geleistet haben, wie sie es hätten tun sollen.

Noch gedankt: Sie haben ihre Dankbarkeit gegen Gott mit gottseligem Wandel nicht gezeigt, für so viele und große göttliche Guttaten, dem menschlichen Geschlecht erwiesen wurden. Darum, weil die Heiden eine Erkenntnis Gottes aus den Kreaturen schöpfen können, und doch diese vor Gott nicht richtig gebraucht haben, so sind sie vor dem Gericht Gottes keineswegs entschuldigt.

Dichten: (Nach Luther) Wo nicht der Glaube ist, da fällt die Vernunft von einem auf das andere, bis sie ganz verblendet wird in ihrem Denken, wie denn allen Weisen und spitzfindigen Köpfen geschieht.

Eitel geworden: Das heißt: Was sie sich selber ausgedacht haben, wie man Gott ehren müsste, so haben sie die rechte und gewöhnliche Weise Gott zu ehren, wie es seiner Majestät gebührt, nicht erwischt, sondern sind aus einem närrischen Wahn auf solche Weise gefallen, die ihrer Art wie auch ihrem Tun und Wandel nicht entgegen ist. Daher ist es geschehen, dass, welche ein grausames kriegerisches Gemüt hatten, die Maria ehrten, welche aber den Wolllüsten des Fleisches nachhingen, andere Heiligen ehrten. Aber man muss nicht von Gott urteilen, wie es dem menschlichen Verstand und den verdorbenen Begierden gefallen möchte.

Verfinstert: Je länger je mehr, also dass, je heftiger sie sich bemühten, Gott den Herrn in ungebührlicher und unrechtmäßigerweise zu ehren, je törichter und unsinniger sind sie geworden, und so immer weiter von dem rechten wahren Gottesdienst abgewichen.

23. Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden

Weise hielten: Dass sie meinten, sie hätten den Gottesdienst auf das Beste und Köstlichste angerichtet. Siehe, so haben sie eben damit ihren Unverstand und ihre große Torheit in Religionssachen am meisten an den Tag gebracht. Denn je größere Andacht sich bei der Abgötterei findet, je närrischer und schädlicher ist sie.

24. und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich dem vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere.

In ein Bild: Denn da sonst Gott ein ewiger und unvergänglicher Geist ist, einer unendlichen Majestät und Herrlichkeit, dessen Wesen und große Majestät man auch nicht mit Gedanken begreifen, viel weniger mit einem Gemälde oder Bild vor Augen stellen kann. Nichtsdestoweniger haben die unbesonnenen törichten Leute (die Heiden) gemeint, sie wollten Gottes Gestalt sehen und ihn ehren nach dem Bild eines Menschen, der vor Zeiten gestorben und in der Erde verwest ist: Ja es sind viele in solche falsche Weise gekommen, dass sie den ewigen und allmächtigen Gott in der Gestalt etlicher unvernünftiger dazu abscheulicher Tiere abzubilden und zu verehren sich unterstanden haben. Denn die Ägypter haben etliche Vögel und vierfüßige Tiere, besonders aber einen Ochsen für einen Gott geehrt: So findet man in den heidnischen Geschichten, dass man auch die Drachen und Schlangen, welche sich manchmal bei den heidnischen Altären sehen ließen, für Götter gehalten hat. Daraus ist die Blindheit des menschlichen Herzens zu erkennen. Aber eben damit haben die Heiden Gott, dem Herrn, die größte Schmach angelegt. Und ist eben ein Ding gewesen, als wenn einer einen gewaltigen Herren, König oder Kaiser malen wollte, und setzte ihm eine Narrenkappe auf. Darum, obgleich etliche unter den Heiden, wie Sokrates, Aristoteles usw., vor der Welt einen ehrbaren Wandel geführt haben. Jedoch weil sie daneben mit allerhand Abgötterei sich befleckt, sind sie vor dem Gericht Gottes nicht entschuldigt, noch unter die Seligen im Himmel zu schätzen. Denn die Abgötterei ist vor Gott, dem Herrn, gräulich und abscheulich, als sonst irgendein Laster sein mag. In gleiche Torheit aber und gottloses Wesen ist man im Papsttum geraten, da man meint, Gott könne recht abgemalt und geehrt werden in den Bildern, besonders wenn sie hübsch und künstlerisch gemalt und mit Gold überzogen oder aus köstlichem Material gehauen und zierlich geschnitzt sind, wenn sie, nämlich, vor den Säulen oder Bildern Gott anbeten. Und können sie sich damit nicht entschuldigen, dass sie sagen, sie beten diese Bilder nicht an. Denn das wussten die Heiden auch, dass die Bilder selbst nicht die Götter wären, glaubten aber doch, dass Gott in den Bildern, oder durch sie geehrt würde, wie die Katholiken auch meinen.

25. Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Unreinigkeit, zu schänden ihre eigenen Leiber an sich selbst,

Darum: Weil sie solch eine schreckliche Abgötterei getrieben haben. Es aber keine schwerere Sünde sein kann als diese. So hat sie Gott darum auch auf das Härteste gestraft und es geschehen lassen, dass die Heiden in die schrecklichsten Sünden gefallen sind, welche nicht zu erzählen sind und ein ehrliches Gemüt scheut.

Dahingegeben: Dass er sich ihrer nicht mehr angenommen oder geachtet hat, soviel den äußerlichen Wandel betrifft, und hat sie so frei dahingehen lassen, wie das unvernünftige Vieh, dass sie den allerschändlichsten Wolllüsten nachgegangen sind, und nur getan haben, wozu sie von ihrem verdorbenen Fleisch gereizt wurden. Es ist aber Gott nicht die Ursache der Sünden. Denn gleichwie ein böser Baum, welchen der Gärtner eben darum, dass er böse ist, nicht beachtet und seiner nicht mehr wartet, immer je länger je ärger wird. Und dennoch die Schuld, dass er nicht mehr nütze, ist, dem Gärtner nicht angelastet werden kann: Also, wenn Gott von einem bösen und verkehrten Menschen die Hand abzieht, dass er von einer Sünde in die andere fällt, so kann Gott dem Herrn keine Schuld gegeben werden.

Ihnen selbst: Dass sie ihre eigenen Leiber untereinander mit abscheulicher Unzucht schändlich befleckt haben. Davon wird später noch mehr gesagt.

26. sie, die Gottes Wahrheit haben verwandelt in die Lüge und haben geehrt und gedient dem Geschöpfe mehr denn dem Schöpfer, der da gelobt ist in Ewigkeit. Amen.

Gottes Wahrheit: (Nach Luther) Das heißt: Aus dem rechten Gott haben sie Götzen gemacht.

Verwandelt: Denn darum sind sie aus dem gerechten Urteil Gottes in solche schändlichen Laster geraten, weil sie das, was sie von Gott gewusst, verdorben, verfinstert, verkehrt und befleckt haben mit ungebührlichen, närrischen und nichtigen Götzendiensten, dass es ein Ansehen gewonnen hat, als ob sie mit Fleiß das Geringe, so sie noch von Gott wussten, wollten auslöschen und vertilgen.

Geschöpfe: Denn welche eine Säule oder Bildnis die Ehre erzeigen, die verlassen eben damit nach des Apostel Paulus Meinung ihren Schöpfer und ehren das Geschöpf, welches auch die Katholiken noch heute tun, so oft sie vor einem Bild den Hut abziehen, oder davor niederfallen, und es anbeten. Und mögen ihnen ihre nichtigen Ausreden nicht helfen, da sie einen Unterschied suchen unter dem heiligen Dienst und Gottes Dienst. Denn es werden beide Wörter in der Heiligen Schrift ohne Unterschied gebraucht.

Amen: Das heißt: Solches ist gewiss. Es hat aber der Apostel Paulus im Sinn, dass er der Hebräer Gewohnheit nach, und zum Zeichen seiner Ehrerbietung gegen Gott, der gleichen Lobesworte seinen Schriften daneben mit einzuführen und einzumengen gepflegt, auf dass er uns erinnere, wie man den Allerheiligsten Namen Gottes immer und zu jeder Zeit in großen Ehren halten soll.

27. Darum hat sie auch Gott dahingegeben in schändliche Lüste, denn ihre Weiber haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen;

Darum: Jetzt kommt Paulus wieder auf die Erklärung der Laster, darin die Heiden aus dem gerechtem Urteil Gottes wegen ihrer begangenen Abgötterei geraten sind.

Schändliche Lüste: Dass sie solche Dinge begehrt und getan haben, welche auch der Natur selbst entgegen sind, und die unvernünftigsten Tiere nicht tun.

Unnatürlichen: Dass sie unter sich selbst oder auch mit den Männern eine abscheuliche verkehrte Unzucht, darauf keine Frucht folgt, getrieben, der gleichen schändlichen Laster häufig auch unter den Nonnen im Papsttum vorgegangen sind. Von welchen Lastern ein Prediger also behutsam und vorsichtig reden soll, dass sie nicht viel eher gelernt und begangen, als gehindert und verhütet werden.

28. desgleichen auch die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen.

Schande gewirkt: Dass sie solche Sünden begangen haben, um welcher willen Gott vor Zeiten die Sodomiten mit Schwefel und Feuer vom Himmel herab verbrannt hat {1Mos}.

29. Und gleichwie sie nicht geachtet haben, dass sie Gott erkannten, hat sie Gott auch dahingegeben in verkehrtem Sinn, zu tun, was nicht taugt,

Geachtet haben: Wie sie richtig hätten tun sollen, und ihren höchsten Fleiß darauf legen, dass sie Gott recht erkennen möchten, und seinen rechten Gottesdienst gelernt und befördert hätten.

Dahingegeben: Aus seinem gerechten Urteil, dass sie in ihrem Leben und Wandel ganz verrucht und in ein wüstes Wesen geraten, auch je länger je ärger und verkehrter geworden sind.

Nicht taugt: Welches frommen, ehrlichen und gerechten Leuten nicht zusteht.

30. voll alles Ungerechten, Hurerei, Schalkheit, Geizes, Bosheit, voll Neides, Mordes, Haders, List, giftig, Ohrenbläser,

Ungerechten: Dass sie es nicht achten, was richtig und gut, recht oder unrecht sei, dagegen nur auf ihren Nutzen sehen. Und fängt jetzt der Apostel Paulus an, ein langes Register der vielen groben Sünden und Laster zu erzählen, (deren jede einem Prediger eine besondere Lehre an die Hand gibt). Denn damit die Heiden dem Apostel Paulus nicht vorwürfen, es wären nicht alle Menschen mit den genannten abscheulichen Lastern behaftet, darum könne man sie nicht alle solcher Sünden und Laster beschuldigen, so erzählt er jetzt andere und mehr und einen ganzen Haufen Sünden, daraus der Heiden keiner sich entziehen kann, dass er, wo er nicht in allen, doch in einem oder zwei sich müsse schuldig geben und dazu bekennen, und also klar bewiesen wird, dass der Mensch sich nicht anders rechtfertigen kann, als aus lauter Gnade Gottes durch den Glauben.

Schalkheit: Dass sie dem Nächsten begehren, zu schaden oder Leid anzutun, wenngleich sie keinen Nutzen davon haben, nur dass sie ihnen ihren Trotz beweisen: Das sind boshafte Leute.

Geizes: Mit dem sie so eingenommen werden, dass sie mit dem sich nicht begnügen, was sie mit Recht und gutem Titel haben, sondern streben nach anderer Leute Güter, und setzen alle ihre Hoffnung auf den Reichtum.

Bosheit: Das, wo sie dem Nächsten nützlich sein könnten, dennoch solches aus lauter Bosheit nicht tun wollen.

Voll Hasses: Dass es ihnen nicht wehtut und sie verdrießt, wenn es dem Nächsten nicht gut geht.

Mordes: Dass sie ihre Hände mit unschuldigem Blut beflecken, oder sonst Blut vergießen, aus Rachgier, obwohl es ihnen von Amtswegen nicht befohlen ist.

Haders: Dass sie sich freuen, wenn sie mit anderen Leuten zanken und hadern können.

List: Dass sie sich anders stellen, als sie im Herzen haben, damit sie den Nächsten betrügen.

Giftig: Welches ihnen von Natur angeboren ist, und sich nicht verbessern lässt.

31. Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hoffärtig, ruhmredig, Schädliche, den Eltern ungehorsam,

Verleumder: Die anderen Leute gute Namen öffentlich ausschreien und verkleinern.

Gottesverächter: Die ihren Hass und ihre Verachtung gegen Gott nicht verbergen können. Als da sind die rohen Weltkinder, und die, welche in Widerwärtigkeit Gott, den Herrn, der Ungerechtigkeit beschuldigen, wie denn die Reden vom Bruto Catoni und anderen vortrefflichen Männern, welche bei den Heiden hoch angesehen waren.

Nach Luther: Epikureer (Genussmenschen), die so leben, als sei kein Gott.

Frevler: Die eine Lust daran haben, den Nächsten mit Schmähworten anzugreifen und den Leuten einen Hohn zu beweisen, damit sie diese zum Zorn reizen möchten, welches ihre größte Freude ist.

Hoffärtig: Dass sie ihre Gaben, welche sie an Leib oder Gemüt besitzen, oder auch von wegen ihrer zeitlichen Güter stolz und aufgeblasen sind, und dabei andere verachten.

Ruhmredig: Großmäuler, Schnarchhansen und trotzige Eisenbeißer, die jeden fressen wollen.

Nach Luther: Die viel rühmen und gerühmt werden wollen, als wären sie etwas Besonderes, und sind es doch nicht.

Schädlich: Welche viele böse Künste und Tücke ausdenken, damit sie Schaden tun können. Als da sind welche Gift- oder Liebestränke kochen, oder neue schändliche unzüchtige Wollüste ausdenken (wie der Kaiser Tiberius solche Leute mit Geschenken begabte, oder welche neue Waffen erfunden hatten, damit man andere beschädigen konnte, wie die gewesen sind, welche zuerst die Gewehre erfunden haben).

Nach Luther: Die Tag und Nacht danach trachten, anderen Leuten Leid anzutun, sind auch geschickt und schnell, solche Praktiken zu finden.

Eltern ungehorsam: Welches das schlimmste unter Jungen und Mädchen ist. Besonders sie solches damit genügend anzeigen und tun, wenn sie sich nicht erziehen lassen wollen und alle Zucht verwerfen, oder aber, wenn sie stark geworden sind, ohne der Eltern Bewilligung sich in einer Heirat einlassen.

32. Unvernünftige, Treulose, Lieblose, unversöhnlich, unbarmherzig.

Unvernünftige: Die nicht wissen, was ihnen gut ist, und keiner Ehrbarkeit weder für sich oder allgemein gut ist, sich nicht bemühen und befleißigen, sondern nur grobe unverständige Köpfe sind und bleiben.

Treulose: Die weder Treue noch Glauben halten, und einem etwas versprechen dürfen, dass sie zu leisten nie im Sinn hatten.

Störrige: Die alle natürlichen Zuneigung gegen die Eltern, ihre Kinder, Brüder oder Eheleute verloren haben: Dass man sie viel eher für Steine oder Klötze ansehen möchte, als für Menschen: Ja sie sind auch schlimmer als die unvernünftigen und wilden Tiere, weil diese nicht ohne solche gute Zuneigung sind.

Nach Luther: Ohne Bruderliebe, wie Wölfe, wie Hunde, die weder Lust noch Liebe zu Frauen, Kinder, Brüder, Schwestern und Eltern haben.

Unversöhnliche: Die nicht verzeihen wollen, da ihnen ein Unrecht begegnet ist.

Nach Luther: Die nicht vergeben können und nicht zu versöhnen sind.

Unbarmherzige: Die eines anderen Unglücks nicht achten, noch zum Mitleiden bewegt werden, sondern nicht danach fragen, wie es anderen Leuten geht, wenn es nur ihnen gut geht.

33. Sie wissen Gottes Gerechtigkeit, dass, die solches tun, des Todes würdig sind, und tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun.

Gefallen: Denn der Menschen Bosheit ist so groß, dass sie wohl aus dem Gesetz der Natur wissen, welche so tun, dass sie der ewigen Verdammnis schuldig sind (denn es haben auch die Heiden geglaubt, dass eine Hölle ist, wie bei dem Propheten Virgilio in seinem 6. Buch „Ueneidos“, zu sehen ist), dennoch sie die oben aufgezeigten Laster nicht nur tun (aus irgendeiner Schwachheit ihres Fleisches), sondern man findet auch derer viele, welche der gleichen bösen Stücke an anderen loben und sie in den angezeigten Sünden stärken, und solche zu begehen Anlass geben. Es ist darum eine große Sünde, dass man die Laster an anderen richtig nennt, das ist so, als wenn man sie selber begeht. Es geht aber dies Register der Laster nicht nur die Heiden an. Sondern wir sollen uns auch darin spiegeln, dass wir aus den bösen Früchten des Baumes, nämlich unseres Herzens, Bosheit erkennen und Gott durch Christus um Verzeihung bitten. Und sollen uns eben dabei erinnern, dass kein Mensch anders als aus lauter Gnade und Barmherzigkeit Gottes durch den Glauben gerecht werde, weil das strenge Gericht Gottes eine solche Vollkommenheit fordert, die in keinem Menschen gefunden wird.


Das 2. Kapitel


Die Anklage gegen die Heiden wird weiter ausgeführt. Und spricht Paulus den Juden, nachdem er sie der Sünden überzeugt, ihren stolzen und nichtigen Ruhm ab, den sie vom Gesetz und von der Beschneidung zu haben meinen.

1. Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der da richtet. Denn worin du einen andern richtest, verdammst du dich selbst; weil du eben dasselbe tust, was du richtest.

Darum: Vorher hatte Paulus gesagt, es sind viele böse und verkehrt, dass sie nicht allein selbst Böses tun, sondern auch die loben und rühmen, welche es tun. Aber es hätten etliche Juden, so im Gesetz gut unterrichtet, oder auch etliche Heiden, welche für ihre freien Künste und weltlichen Weisheiten erlernt, antworten mögen, und sagen: Sie tadeln und verwerfen der gottlosen Leute Tun und Wandel täglich mit vielen Worten, darum kann man ihnen keine Schuld geben, weil solches, was man nicht verbieten kann, beweist und gibt zu verstehen, wie hoch es zuwider ist. Solchen antwortet Paulus, und zeigt ihnen an, dass man sie darum aus der Sünderzahl nicht ausschließen kann, wenn man anderer Leute Übeltat verwirft, da sie doch das Gleiche tun, was sie an anderen Unrecht nennen. Und sind solche doppelter Strafen wert, dass sie selber eben das tun, was sie an anderen heftig beschimpfen und aufs Äußerste verwerfen: Denn solche sündigen nicht aus Unwissenheit.

Nicht entschuldigen: Vor dem strengen Gericht Gottes hat der Mensch keine Entschuldigung vorzubringen.

Du bist: Es ist gleich, ob du von den Juden oder Heiden gekommen bist.

Richtet: Von der anderen Leute Reden oder Taten, und zeigst an, wie böse oder verkehrt sie sind.

Richtest: Dass er ein nicht ehrbares und gottloses Leben geführt hat, und deshalb schwere Strafen verdient habe.

Dich selbst: Dass du das Urteil der Verdammnis gegen dich selber fällst.

Eben dasselbe: Denn es geschieht oft, dass die so in Sünden und Laster liegen, eben dieses an anderen, von denen sie dergleichen spüren, zum höchsten verwerfen und verdammen, weil sie meinen, ihre Sünden bleiben dadurch zugedeckt und verborgen.

2. Denn wir wissen, dass Gottes Urteil ist recht über die, so solches tun.

Ist recht: Das ist gewiss, dass Gott uns einmal nach der Wahrheit richten wird. Also, dass niemand, der eben solche Sünden getan hat, die er an anderen straft, vor ihm verbergen könnte. Nun ist es nicht zu leugnen, dass es niemanden gibt, auch wenn er sich der Ehrbarkeit und Gerechtigkeit befleißigt, so viel ihm immer möglich ist, der nicht etwas von dem tut, was er an anderen verwirft. Darum kann auch niemand der Verdammnis entgehen, er nimmt denn seine Zuflucht zur Barmherzigkeit Gottes durch den Glauben an Christus.

3. Denkst du aber, o Mensch, der du richtest die, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen werdest?

Urteil Gottes: Wo einmal alle Menschen gerichtet werden (von welchen zwar die Heiden meinten, es würde vor dem Radamantho – ein großer Götze der Ägypter – geschehen: Sie glaubten dennoch so, dass ein solches Gericht sein würde). Also wird keiner der Verdammnis entgehen, der eben das getan, was er an anderen getadelt hat. Es wird aber hier nicht verboten, dass ein Kirchendiener aus dem Worte Gottes nicht dürfte an anderen das strafen, was er selber auch tut, und Unrecht ist: Wie auch der Obrigkeit nicht verboten wird, die Laster zu strafen, womit sie selber oft behaftet ist: Genauso auch die Eltern nicht abgeschreckt werden, die ihre Kinder wegen solcher Laster züchtigen, die sie selber, die Eltern, vor Zeiten auch getan haben, oder noch tun. Sondern es wird hier von dem Gericht Gottes gehandelt und angezeigt, dass vor diesem niemand unschuldig ist. Darum, so oft wir finden, dass wir selber in solche Sünde oder Laster geraten sind, die wir entweder des Amtes wegen oder sonst an anderen tadeln, so sollen wir uns vor Gott mit Ernst demütigen, durch Christus um Vergebung bitten und unser Leben bessern.

4. Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

Verachtest du: Dass du der Güte Gottes mutwillig missbrauchst, indem du in Sünden immer weitermachst, und meinst, Gott sehe entweder deine Sünde nicht, oder werde sie nicht strafen, weil er mit der Strafe verzieht und auf deine Buße (aber vielleicht vergeblich) wartet.

Reichtum: Seine überaus große Güte, dadurch er den Menschen Gutes tut, die es gar nicht verdient haben, und seine Sonne aufgehen lässt über Böse und Fromme.

Geduld: Damit er den Gottlosen und undankbaren Leuten eine lange Zeit ihre Laster nicht straft.

Langmütigkeit: Dass er sich nicht so schnell erzürnen lässt, und den Leuten Raum zur Buße gibt.

Nach Luther: Auf Lateinisch tardus ira, das ist hebräisch geredet. Und ist eine Tugend, die langsam zürnt, und straft das Unrecht. Aber Geduld ist, dass das Übel erträgt an Gut, Leib und Ehre, wenn es auch zu Unrecht geschieht. Güte ist die leibliche Wohltat untereinander und freundliches Wesen.

Buße leitet: Das du immer alles beachten und überlegen und dir zu Gemüte führen solltest. Wir sollen deswegen mit allem Fleiß uns hüten, dass wir unseres frommen himmlischen Vaters Langmütigkeit nicht in den Wind schlagen, und seinen gerechten Zorn gegen uns erregen. Denn es folgt eine schreckliche Drohung, welche höchst nötig ist, auf dass wir nicht allein erkennen, wie wir Sünder sind, sondern es auch uns lassen von Herzen leid sein, dass wir die Langmütigkeit Gottes so oft und vielfältig missbraucht haben.

5. Du aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst den Zorn auf den Tag des Zornes und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes,

Herzen: Welches sich zur Buße gar nicht bewegen lassen will.

Zorn: Gottes, welchen du mit deiner Widerspenstigkeit und fleischlicher Sicherheit gegen dich sammelst.

Tag des Zorns: Nämlich, am Jüngsten Tage, an welchem Gott seinen gerechten Zorn über dich ausschütten wird.

Offenbarung: Wenn sein gerechtes Gericht wider die Sünder offenbart werden wird, welches zwar jetzt vor der Menschen Augen noch verborgen ist: Weil wenig mit Ernst glauben, dass Christus als ein Richter der Lebendigen und Toten kommen werde.

6. welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken.

Seinen Werken: Dass er, nämlich, die Gottseligkeit mit ewigen Belohnungen würdigen wird, die Bosheit aber und das gottlose Wesen mit unendlicher Pein und Qual straft. Genau wie die geizigen Leute für sich Schätze sammeln, so häufen die Unbußfertigen den Zorn Gottes wider sich. Es wird aber auch häufig der Zorn Gottes in diesem Leben, in des Menschen Gewissen geoffenbart, dazu so schrecklich, dass etliche darüber verzagen und in Verzweiflung fallen, andere aber der Verzweiflung kümmerlich entgehen. Darum sollen wir mit Gott keinen Scherz treiben.

7. Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben;

Ewigen Leben: Das heißt: Denen die aus wahrem Glauben Gutes tun und in guten Werken mit Geduld fortfahren, dass sie sich weder durch der Menschen Bosheit und Undankbarkeit, noch durch andere vielfältige Anfechtungen und Trübsal von der Gottseligkeit abtreiben lassen. Sondern sie denken nicht allein an die zeitliche Glückseligkeit und Herrlichkeit, trachten aber mit Ernst nach der himmlischen und ewigen Herrlichkeit und nach der seligen Unsterblichkeit. Denen wird das ewige Leben widerfahren, welches ihnen Christus mit seinem Blut erworben hat, und nicht aus unseren Verdienst kommt. Denn dass Gott diejenigen mit ewiger Herrlichkeit und Seligkeit begaben will, welche aus Glauben gute Werke getan haben, entzieht oder nimmt solches unserer Rechtfertigung aus Gnaden nichts. Denn wir werden aus Gnaden gerechtfertigt durch den Glauben, danach tun wir aus diesem Glauben gute und Gott wohlgefällige Werke. Es wird aber dabei von einem frommen Menschen große Geduld gefordert, dass er Gutes zu tun nicht müde werde {Gal 6}. Und hat die Gottseligkeit Belohnungen der himmlischen Gaben im ewigen Leben.

8. aber denen, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit, Ungnade, und Zorn;

Zänkisch sind: Dass sie der Wahrheit der himmlischen Lehre mit Zanken widersprechen.

Nicht gehorchen: Dass sie die rechte Lehre nicht annehmen, und sich damit nicht leiten oder regieren lassen, sondern alle gottselige Erinnerung verachten.

Ungerechten: Dass sie Ungerechtigkeit wider den Nächsten üben, und ein gottloses Leben führen.

Zorn: Der ewige Zorn Gottes ist ihnen bereitet.

9. Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses tun, vornehmlich der Juden und auch der Griechen;

Angst: Des Gewissens, die unleidlich ist, und ins ewige höllische Feuer bringt.

Böses tun: Die ein gottloses Leben geführt und nicht Buße getan haben. Denen sind solche schreckliche Strafen zur Belohnung von Gott bestimmt.

Vornehmlich: Denn es werden die gottlosen Juden besonders vor den Griechen oder Heiden schwere Strafen ausstehen müssen, weil sie eine bessere Erkenntnis Gottes gehabt haben als die Heiden, und dennoch gottlos geblieben sind. Denn der Knecht der seines Herrn willen weiß, und nicht tut, wird mit viel Streichen geschlagen werden {Lk 12}.

10. Preis aber und Ehre und Friede allen denen, die da Gutes tun, vornehmlich den Juden und auch den Griechen.

Gutes tun: Die aus Glauben gottselig leben, es sind gleich Juden oder Heiden vor Zeiten gewesen, oder haben von anderen Völkern ihre Herkunft, die wird Gott alle mit ewiger Freude und Herrlichkeit begaben. Denn die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in ihres himmlischen Vaters Reich {Mt 13}. Und dass es kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott bereitet, denen, die ihn lieben {1Kor 2}.

11. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.

Kein Ansehen: Gott wird in seinem Gericht der Juden so wenig achten als der Heiden, und dagegen der Heiden so wenig als der Juden. Gleich, wie auch im selben Gericht die Reichen oder Mächtigen keinen Vorzug vor den Armen oder Untertanen haben werden. Und weil die Richter auf Erden Gottes Statthalter sind, sollen sie auch die Person nicht ansehen, sondern ein gerechtes Urteil fällen und aussprechen, dem Armen sowohl als dem Reichen.

12. Welche ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verloren werden; und welche unter dem Gesetz gesündigt haben, die werden durchs Gesetz verurteilt werden

Ohne Gesetz: Denn obwohl die Heiden das Gesetz Mose nicht empfangen haben, und deshalb nicht könnten angeklagt werden, dass sie das Gesetz, vom Mose gegeben, nicht gehalten, weil sie es nie gesehen haben. So werden sie dennoch nichtsdestoweniger um ihrer Bosheit und ihres gottlosen Lebens willen verdammt werden, denn sie werden wegen einer anderen Ursache zur ewigen Verdammnis verurteilt. Davon wir etwas später hören werden.

Durchs Gesetz: Nach des Gesetzes Ausspruch, welches sie übertreten haben.

13. (weil vor Gott nicht, die das Gesetz hören, gerecht sind, sondern die das Gesetz tun, werden gerecht sein.

Gesetz hören: Und also nur dem Namen nach Juden oder Christen sind.

Gesetzt tun: Dass sie es vollkommen halten. Weil aber denen, die das Gesetz gehört haben, keiner solches tut oder hält (nach dem rechten Verstand des Gesetzes, welches nicht nur reine Werke, sondern auch ein reines Herz erfordert) so folgt daher, dass auch alle Juden vor dem gerechten Gericht Gottes verdammt werden, wenn Gott nach den Verdiensten ihrer Werke urteilen will. Da uns nun hier die Katholiken vorwerfen wollten, dass denen, die das Gesetz halten, die Rechtfertigung versprochen werde, so könnten wir dagegen von ihnen begehren, dass sie uns solche zeigen sollten, die das Gesetz Gottes vollkommen erfüllt hätten. Denn durch einen unvollkommenen Gehorsam wird das ewige Leben nicht verdient. Nach dem Ausspruch: Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in alledem, dass geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er es tue {5Mos 27 Gal 3}.

14. Denn so die Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun des Gesetzes Werk, sind dieselben, dieweil sie das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz,

Denn: Jetzt zeigt Paulus an, wie die Heiden sich damit nicht behelfen können, dass sie das Gesetz Mose nicht gehört, als ob sie die Unwissenheit entschuldigte. Denn sie sind dennoch Übertreter des Gesetzes, obwohl sie kein geschriebenes, sondern nur ein angeborenes Gesetz haben.

Gesetz: Mose, auf Papier oder Pergament geschrieben.

Von Natur: (Nach Luther) Das natürliche Gesetz heißt: Was du willst, das dir getan und geschehen soll von einem anderen, das tue und wünsche du auch einen anderen. Darin das ganze Gesetz Mose begriffen ist, wie Christus sagt {Mt 7 12}. An welchem Gesetz die Heiden auch nicht mehr denn das äußerliche Werk tun, wie die Juden am Gesetz Mose. Und das Verklagen und Entschuldigen heißt, dass eine Sünde größer ist denn die andere gegen das Gesetz.

Ihnen selbst: Denn sie mit dem Urteil ihrer Vernunft ihren Gliedern gebieten, was sie tun oder lassen sollen. Darum sind sie auch nicht ohne Gesetz.

15. als die da beweisen, des Gesetzes Werk sei geschrieben in ihren Herzen, weil ihr Gewissen ihnen zeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder entschuldigen),

Beweisen: Mit etlichen äußerlichen Werken, die sie nach Anweisung ihrer Vernunft tun, geben sie zu erkennen, dass in ihren Herzen ein Unterschied eingepflanzt ist, dessen, was ehrbar oder schändlich ist, auf dass sie wissen, wie man das Gute tun und das Böse meiden müsse.

Bezeugt: Dass sie daran recht getan haben, wenn sie etwas Gutes oder Ehrbares verrichtet haben.

Gedanken: So in den Herzen der Heiden entstehen, diese zeigen auch an, dass sie nicht ohne Gesetz sind. Denn ihr Gewissen beschuldigt ihre Taten zum einen Teil, dass sie böse und gottlos sind. Etliche aber entschuldigt und verteidigt es, weil sie zu Recht zu loben sind. Darum sollen wir uns vorsehen, dass wir nicht wider das Gewissen handeln, und eine stetige Pein und Marter mit uns müssen herumschleppen.

16. auf den Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird laut meines Evangeliums.

Tag: Nämlich, am Jüngsten Tage, an welchem sie die Beschuldigung und etliche Sachen zur Entschuldigung ihres Gewissens am allermeisten empfinden werden, obwohl sie diese auch oft hier in diesem Leben fühlen.

Verborgene: Es sind gleich Taten oder Gedanken. Darum sollen wir uns vor heimlichen Sünden mit allem Fleiß hüten, damit wir nicht vor Gott, den heiligen Engeln, und allen Auserwählten mit Schanden bestehen. Wenn wir aber gefallen sind, sollen wir Buße tun, auf dass unsere Sünden durch den Glauben mit dem Verdienst Christi zugedeckt werden {Ps 32}.

Jesum Christi: Gottes und Marien Sohn, welchen der himmlische Vater zum Richter verordnet hat über die Lebendigen und die Toten, der auch, da er noch auf Erden gewandelt ist, so oft er gewollt hat, der Menschen heimliche Gedanken gesehen, nicht nur als Gott, sondern auch als ein Mensch, und solches aus Kraft der Gottheit, welche mit seiner Menschheit persönlich vereinigt ist.

Evangeliums: Das heißt: nach Ausweisung der evangelischen Lehre. Denn es braucht hier Paulus das Wort Evangelium allgemein für die Lehre und das Predigtamt des Evangeliums, welches alle Artikel des Glaubens in sich begreift. So auch nun der Apostel Paulus ausführlich bewiesen hat, dass auch die Heiden keine Unwissenheit vor Gott und seinem Gericht vorbringen können, weil sie kein Gesetz gehabt haben, weil aber das Gesetz der Natur, so ihnen eingepflanzt wurde, allein genügt, sie der Übertretung zu beschuldigen, so ist es offenbar, dass sowohl die Heiden als auch Juden und in der Summe alle Menschen vor dem gerechten Gericht Gottes, wenn das Urteil nach dem Verdienst der Werke ausgesprochen werden soll, der ewigen Verdammnis nicht entrinnen können, wenn sie nicht (allein) durch den Glauben an Christus gerecht und selig werden.

17. Siehe aber zu. Du heißest ein Jude und verlässt dich aufs Gesetz und rühmst dich Gottes

Siehe: Jetzt wendet sich Paulus, nachdem er die Heiden abgefertigt hat, zu den Juden, dass er sie auch überzeuge, wie sie durch die Erkenntnis des Gesetzes, weil sie dieses nicht gehalten haben, nicht besser sind, denn die Heiden, welche bereits zur Verdammnis verurteilt wurden.

Jude: Und kitzelst dich selber mit solchem Namen, weil du zu dem auserwählten Volk Gottes gehörst.

Gottes: Dass du ihn erkennst, als den wahren Gott, und also nicht die erdichteten Götzen der Heiden, sondern den Schöpfer Himmels und der Erde ehrst.

18. und weißt seinen Willen; und weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, prüfst du, was das Beste zu tun sei,

Willen: Wie er will geehrt und angebetet werden.

19. und vermissest dich, zu sein ein Leiter der Blinden, ein Licht derer, die in Finsternis sind,

Leiter: Der andere könnte auf den Weg der Gebote Gottes führen. Besonders aber ihnen die rechte Religion und wie man zur ewigen Seligkeit kommen müsse, zeigen.

Licht: Dass du mit der Lehre des göttlichen Wortes könntest der elenden Leute Herzen erleuchten, welche in dicker Finsternis und großer Unwissenheit der rechten Religion und wahren Gottseligkeit stecken.

20. ein Züchtiger der Törichten, ein Lehrer der Einfältigen, hast die Form, was zu wissen und recht ist, im Gesetz.

Züchtiger: Als könntest du diejenigen eines Besseren unterweisen, welche von der himmlischen Weisheit, so im Gesetz steht, nichts wissen.

Einfältigen: Die von wegen ihres geringen Verstandes, in Religionssachen nicht recht urteilen, noch ihren Wandel recht anstellen können, wie es sich gebührt.

Die Form: Du rühmst dich, dass du nicht allein weißt, was recht ist, sondern könntest solches auch anderen lehren. Weil du es aus dem Gesetz gelernt hast, wie man andere recht unterrichten und unterweisen müsse, dass sie eine rechte und völlige Erkenntnis in göttlichen und weltlichen Sachen erlangen.

21. Nun lehrst du andere, und lehrst dich selber nicht; du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst;

Selber nicht: Dass du gottselig lebst. Tust also selber, was du anderen verbietest. Zu wünschen wäre es, dass auch nicht heutigen Tages unter den Christen solche Evangelischen gefunden würden, welche von der Heiligen Schrift und den Artikeln unsere Religion ordentlich reden, und andere Leute Mängel aus dem Worte Gottes recht zeigen können, da sie doch in ihrem Wandel selber dergleichen nichts leisten, was sie von anderen fordern, und den Weg der Gottseligkeit nicht einhergehen, welchen sie anderen vorzeigen.

Predigst: Und unterrichtest andere richtig aus dem Gesetz.

Du stiehlst: Es ist nun ein allgemeiner bekannter Diebstahl, oder dass du mit gemeinen Praktiken deines Nächsten Güter an dich ziehst. Weil du mit dem Geiz besessen bist.

22. du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe; dir graut vor den Götzen, und du raubst Gott, was sein ist;

Brichst die Ehe: Und Sünde ist wider das 6. Gebot. Geschieht es nicht mit Werken oder Worten, so geschieht es doch mit Gedanken und unreinen Begierden.

Götzen: Davor auch das Gesetz Gottes einen Abscheu hat. So kann man hier verstehen, als hätte Paulus auf die Hohepriester der Juden und andere, so sie mit dem levitischem Priesteramt umgingen, gestochen, welche allgemein für eifrige Diener Gottes gehalten werden wollten, die gegen die Abgötterei mit einem göttlichen Eifer brennen würden, da sie doch daneben die Einkommen der Kirchen, so zum Gottesdienst gestiftet waren, in ihren eigenen Nutzen wandten. Denn es wusste Paulus sehr gut, dass diese Epistel nicht nur von den Römern, sondern auch von anderen Juden und Heiden gelesen werden würde. Solche Leute aber, davon hier Paulus redet, finden sich auch heutigen Tages unter uns, die wir Evangelische heißen wollen und der päpstlichen Abgötterei zwar heftig zuwider sind, aber die Einkommen der Kirchen, damit das Predigtamt sollte unterhalten werden in räuberischer Weise an sich ziehen.

23. du rühmst dich des Gesetzes und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes;

Gesetzes: Dass du kennst und auch auswendig weißt, daher auch gelehrter bist als alle anderen Heiden und Völker.

Schändest: Du bist unserem Herrn Gott eine Schande, nicht allein damit, dass du ihn mit Ungehorsam beleidigst, sondern auch, dass du mit deinem ärgerlichen Wandel, dem Allerheiligsten Namen Gottes (dessen Kind du dich rühmst) eine Unehre tust, und machst, dass man ihm übel nachredet.

24. denn „eurethalben wird Gottes Name gelästert unter den Heiden“, wie geschrieben steht.

Geschrieben steht: In der Weissagung des Propheten Hesekiel, Kapitel 36. Denn die richtige Religion und also auch Gott selbst werden von denen gelästert, welche der reinen Lehre feind sind, wenn man sieht, dass die, so sie sich zur rechten Lehre bekennen, ein gottloses Leben führen. Darum sollen wir den göttlichen Namen schonen und ehrbar und gottselig leben, dass, wenn die Menschen unsere guten Werke sehen, den himmlischen Vater preisen {Mt 5}. Es ist darum erwiesen (will Paulus sagen), dass die Juden der ewigen Verdammnis genauso unterworfen sind wie die Heiden. Denn obgleich sie das Gesetz wissen und sich dazu bekennen, so halten sie es doch nicht. Und es liegt nichts daran, wenngleich nicht alle Juden so grobe Laster begehen wie manche Heiden. Denn es ist keiner unter uns, der nicht viele Dinge tut, von denen er weiß, dass es im Gesetz verboten ist, und dass er selbst an anderen, nach Ausweisung des Gesetzes Unrecht nennt. Darum die Juden eben dadurch, dass sie das Gesetz wissen und es aber nicht tun, sich der ewigen Verdammnis schuldig machen. Darum können weder die Juden noch die Heiden oder irgendein anderer Mensch aus den Werken gerecht und selig werden, sondern müssen es alles durch den Glauben an Christus erlangen.

25. Die Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das Gesetz hältst; hältst du das Gesetz aber nicht, so bist du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden.

Die: Paulus mengt in dieser Sache von der Rechtfertigung immer etliche Einreden, die ihm hätten mögen vorgeworfen werden, hinein und widerlegt sie. Denn es hätte irgendein Jude sagen mögen: Wenn du uns den Heiden gleich machst, wozu nutzt es denn, dass wir beschnitten werden, und das Zeichen des Bundes von Gott empfangen? Denn die Juden rühmten sich mit ihrer Beschneidung. Darum nahm ihnen Paulus solchen Ruhm.

Hältst: Wenn du einen rechten Glauben haben wirst, durch welchen des Messias Verdienst dir zugerechnet wird, und bist mit dem Heiligen Geist begabt, dass du anfängst, von Herzen nach dem Gesetz Gottes zu leben, so kann die Beschneidung wohl etwas nutzen, zur Stärkung deines Glaubens, und wird ein ewiges Zeugnis sein, dass du bist in den Bund Gottes aufgenommen.

Gesetz nicht: Dass du aus Unglauben wider das Gesetz handelst und übel lebst.

Unbeschnittener: Es ist eben so, als wenn du noch eine Vorhaut hättest und unbeschnitten wärest. So kann man auch zu einem Christen sagen: Wenn du an Christus glaubst und ein gottseliges Leben führst, so wird dir die Taufe sehr viel von Nutzen sein. Glaubst du aber nicht, und führst ein schändliches Leben, so ist es eben, als wenn du nie getauft worden wärest. Denn du wirst gewiss verdammt werden {Mk 16}. Dagegen aber (will Paulus sagen) kann es wohl geschehen, dass ein Heide die rechte Religion annehme, und gottselig lebe, wenn er sich nicht beschneiden lässt. Denn die Beschneidung gehört allein dem jüdischen Volk und zu ihren Ordnungen; und waren die, so sie nicht Abrahams Samen waren, die Beschneidung anzunehmen, nicht gebunden, sie täten es denn freiwillig, wie viele Beispiele der Heiligen Schrift bezeugen. Aber mit der Taufe hat es eine andere Bedeutung. Denn diese ist nicht nur einem Volk oder Geschlecht gegeben, sondern allen denen, die da sollen selig werden, zu unserem Nutzen {Mt 28}. Geht hin, und lehrt alle Völker, und tauft sie, und: Es sei denn das jemand aus Wasser und Geist von Neuem geboren werde, anders kann er nicht in das Reich Gottes gehen {Joh 3}. Darum ist die Taufe kein Mittelding, welches man nach seinem Gefallen möchte gebrauchen oder nicht. Die Beschneidung aber war den Heiden freigelassen, dass sie diese mit gutem Gewissen möchten annehmen oder lassen, wenn sie nur recht glaubten und gottselig lebten.

26. So nun der Unbeschnittene das Gesetz hält, meinst du nicht, dass da der Unbeschnittene werde für einen Beschnittenen gerechnet?

Die Vorhaut: Nämlich, irgendein Mensch aus den Heiden, der zu Gott bekehrt, aber doch unbeschnitten ist.

Nach Luther: So nennt Paulus die Heiden, darum dass sie Unbeschnittene sind.

Gesetz hält: Dass ein solcher Mensch nach den Zehn Geboten Gottes aus wahrem Glauben ein gottseliges Leben führt.

Gerechnet: Ein solcher Mensch, der sich als Heide bekehrt, wird vor Gott und allen fromme Menschen für beschnitten geachtet werden, wenngleich er die äußerliche Beschneidung nicht angenommen hat.

27. Und wird also, der von Natur unbeschnitten ist und das Gesetz vollbringt, dich richten, der du unter dem Buchstaben und der Beschneidung bist und das Gesetz übertrittst.

Dich richten: Das will so viel sagen: Ein heidnischer Mensch, der sich zu Gott bekehrt, und noch eine natürliche Vorhaut hat, aber dennoch das Gesetz hält, wird dich am Jüngsten Tage verdammen, oder bekennen, dass du richtigerweise verdammt wirst, der du zwar die äußerliche Beschneidung nach dem Buchstaben des Gesetzes empfangen hast, aber doch keinen rechten Glauben an den Messias gehabt, noch dein Herz beschnitten hast, wie du es hättest tun sollen. Denn du bist nicht von Neuem geboren, hast auch nicht gottselig nach dem Gesetz gelebt.

28. Denn das ist nicht ein Jude, der auswendig ein Jude ist, auch ist das nicht eine Beschneidung, die auswendig am Fleisch geschieht;

Ein Jude: Dass man ihn ohne Zweifel unter die rechten und lebendigen Glieder der Kirche zählen müsste. Denn es finden sich auch viel Heuchler in der Kirche Gottes.

Auswendig: Dass er von den Menschen dafür angesehen wird.

Fleisch geschieht: Es ist mit dieser äußerlichen Beschneidung noch nicht ausgerichtet und nutzt diese nichts, wo nicht der wahre Glaube des Herzens dazukommt. Denn es sind auch die Sakramente im Neuen Testament ohne Glauben nichts nutze.

29. sondern das ist ein Jude, der‘s inwendig verborgen hat, und die Beschneidung des Herzens ist eine Beschneidung, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Eines solchen Lob ist nicht aus Menschen, sondern aus Gott.

Verborgen ist: Und dem Herzen vor Gott mit einem wahren Glauben begabt, auch aus dem Heiligen Geist wiedergeboren worden, der ist ein rechter Israelit, so zum auserwählten Volk Gottes gehört, obgleich er von heidnischen Eltern geboren und die Beschneidung nie empfangen hat.

Nach Luther: Geist heißt, was Gott im Menschen über die Natur wirkt. Buchstabe heißt, alles tun nach der Natur ohne Geist.

Geschieht: Da zwar der Mensch nicht äußerlich nach dem Buchstaben des Gesetzes fleischlichen und leiblich beschnitten wird, sondern geistlich, wenn er vom Heiligen Geist durch das Predigtamt des göttlichen Wortes inwendig im Herzen und an der Seele erneuert und wiedergeboren wird: Das ist die rechte und wahrhaftige Beschneidung.

Aus Gott: Denn wenngleich auch wenig Leute solch eine Beschneidung an einem bekehrten Menschen spüren, und die Juden sich nicht über die bekehrten Heiden freuen, so gefallen sie doch Gott, und er ist damit ganz zufrieden, wenngleich bei den Heiden die äußerliche Beschneidung nicht dazukommt. Wenn jemand aus diesen Worten des Apostels Paulus von der Beschneidung, genau wie von der Taufe auch beweisen und sagen wollte, die äußerliche Taufe wäre uns ebenso wenig nötig, als den Heiden die Beschneidung gewesen ist, der irrt sich sehr. Denn man muss von den Sakramenten des Neuen Testamentes nicht urteilen, aus den Sakramenten im Alten Testament und vergleichen, wie die Zwinglianer es tun, sondern aus dem Worte Gottes, mit welchem er das Sakrament eingesetzt hat. Darum ist die Taufe wahrhaftig ein Bad der Wiedergeburt und zur Seligkeit nötig {Joh 3}. Und sind im heiligen Abendmahl keine Schatten, sondern der wahre Leib und das wahre Blut Christi, wie die Worte der Einsetzung bezeugen {Mt 26}. So viel aber die Diskussion von Paulus betrifft, beweist sie weiter, dass die Juden vor den Heiden, auch der Beschneidung wegen, sofern sie nicht an Christus glauben, keinen Vorzug haben. Und dass sie durch ihre Werke oder Verdienste nicht gerecht werden. Denn es ist nötig gewesen, dass der Juden Hochmut auf viele und mancherlei Wege abgeschafft würde. Obwohl nun die Taufe zur Seligkeit nötig ist, so kann man doch zu etlichen Christen, welche meinen, es sei genug damit, dass sie die Taufe empfangen haben, sie aber nicht an Christus glauben, auch nicht gottselig leben, auch so sagen: Der ist kein Christ, welcher sich der Taufe rühmt, da doch keine Zeichen eines wahren Glaubens oder gottseligen Wandels an ihm gespürt werden. Denn die Gaben, so man sie in der Taufe empfangen hat, können durch Unglauben und unreinen Wandel wiederum verloren werden.


Das 3. Kapitel


Der Juden Einrede, von ihrer Freiheit wird widerlegt. Und nachdem erwiesen wurde, dass beide, Juden und Heiden, mit der Sünde befleckt sind, deswegen auch der Verdammnis unterworfen sind. So folgt der Entschluss darauf, dass kein Mensch durch des Gesetzes Werke vor Gott gerecht werde. Zum Schluss wird die richtige Weise der Rechtfertigung, so durch den Glauben geschieht, klar und deutlich verwiesen.

1. Was haben denn die Juden für Vorteil, oder was nützt die Beschneidung?

Was: Weil der Apostel Paulus kurz zuvor Juden und Heiden ihres gottlosen Wesens wegen verdammt, und aber sich besorgte, dass man es nicht so verstehen möchte, als ob er zugleich auch die israelitische oder jüdische Religion verwerfen würde, so macht er jetzt einen Unterschied unter den Juden und Heiden und zeigt an, dass Gott den Juden vor anderen Heiden große Wohltaten erzeigt habe.

Vorteil: Vor den Heiden, die in dem gleichen Mangel stehen.

2. Fürwahr sehr viel. Zum Ersten, ihnen ist vertraut, was Gott geredet hat,

Geredet hat: Da er sich den Israeliten geoffenbart, und die richtige Religion in den prophetischen Schriften auch bei ihnen hinterlegt, auch in seinem Wort die Vergebung der Sünden und das ewige Leben ihnen angeboten hatte, welches keinem anderen Volk zuvor widerfahren ist {Ps 147}. Darum hatten die Juden zu ihren Zeiten zwar alle anderen Völker übertroffen, doch danach hat er ihnen durch die Beschneidung die Verheißung des ewigen Lebens versiegelt. Ein solcher Unterschied ist heutigen Tages unter uns Christen und den Türken. Denn uns ist das Wort Gottes geoffenbart, und wir haben die Sakramente der Taufe und des Abendmahls des Herrn. Mit welchen Guttaten wir sie weit übertreffen, für die wir uns auch dankbar erzeigen sollten, da sie das Allerhöchste und Größte sind.

3. dass aber etliche nicht daran glauben, was liegt daran? Sollte ihr Unglaube Gottes Glauben aufheben?

Liegt daran: Es geht darum der israelitischen Hoheit in diesem Stück nichts verloren. Denn die göttlichen Verheißungen geben den Juden, die daran glauben, auch die Seligkeit, und ist solchen die Beschneidung ein rechtes Sakrament, dadurch Gott die zuvor gegebenen Verheißungen in ihnen bestätigt: Ja, eben die Juden, die jetzt auch ungläubig sind, wenn sie vom Unglauben abstehen und den rechten Glauben annehmen, so sind ihnen die zuvor gesagten Verheißungen auch nützlich, die ewige Seligkeit zu erlangen.

Aufheben: Meinst du, Gott werde darum seine Verheißungen widerrufen, und den Bund gegen die Israeliten nicht halten, weil viele von ihnen durch Unglauben die himmlischen Guttaten von sich gestoßen haben? In diesem Spruch steckt ein großer Trost, dass Gott seine Verheißungen, die er einmal zugesagt, nicht widerrufe. Darum, so oft wir durch die wahre Buße wieder zu ihm umkehren, so wird er seine evangelischen Verheißungen immer halten, welche den Bußfertigen, und die an Christus glauben, Vergebung der Sünden und das ewige Leben versprechen.

4. Das sei ferne! Es bleibe vielmehr also, dass Gott sei wahrhaftig und alle Menschen falsch; wie geschrieben steht. „Auf dass du gerecht seist in deinen Worten und überwindest, wenn du gerichtet wirst.“

Wahrhaftig: In seinen Verheißungen, die er beständig hält.

Falsch: Unbeständig, leichtfertig und gottlos. Denn Gott, der vom Himmel schaut, dass er sehe, ob jemand klug sei, der nach Gott fragt. Siehe, so sind sie alle abgewichen von der Gottseligkeit, so viele da sind. Also dass kein einziger, und gottseliger Mensch zu finden ist, der da Gutes täte {Ps 14}. Wenn denn Gott wahrhaftig ist, die Menschen aber falsch sind, warum glauben denn etliche der Menschen Wahn mehr als dem Worte Gottes? Aber Gott behält allein das Lob der Gerechtigkeit und Wahrheit.

Nach Luther: Gott hält gewiss. Wer aber auf Menschen vertraut, der fehlt.

Gerichtet wirst: Wie im 51. Psalm steht: An dir allein habe ich gesündigt und Übel vor dir getan, also, dass all mein Tun mit Sünden befleckt ist, und erkenne ich, dass ich auch nichts Gutes ohne Sünde tun kann. Darum gebührt mir und anderen Menschen keine Ehre vor dir, sondern nur Schande, wenn du nach meinen Werken und Verdiensten mit Ernst handeln wolltest. Aber dir gebührt das Lob der Wahrheit und Güte. Besonders du im Gesetz aus gutem Grund und aller Billigkeit die Menschen alle miteinander der Sünden beschuldigst, welches wahr ist, die Sache selber bezeugt, und verheißt im Evangelium den bekehrten Sündern Gnade und Barmherzigkeit: In welchem Tun du dich ebenso wohl wahrhaftig, gerecht und standhaft erzeigst, wenn du arme Sünder zu Gnaden aufnimmst, auch wenn du die Unbußfertigen verdammst. Darum, wenn die Menschen mit dir richten wollten, so würden sie ihrer Falschheit und Bosheit leicht überwiesen werden. Du aber würdest das Zeugnis der Wahrheit und Gerechtigkeit davon bringen. Und würde es also geschehen, dass aus der Menschen Sünder und Unrecht deine Wahrheit und Güte umso mehr hervorleuchte und deutlich würde: Wenn nämlich kundwird, dass du das menschliche Geschlecht aus gutem Grund und mit Recht der Bosheit beschuldigst, und daneben dennoch so gütig bist, dass du die Bußfertigen zu Gnaden aufnimmst. Darum sollen wir mit Gott nicht richten, sondern ihm vielmehr demütig zu Fuß fallen und mit David sagen: Gehe nicht in das Gericht mit deinem Knecht. Denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht {Ps 143}.

5. Ist‘s aber also, dass unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit preist, was wollen wir sagen? Ist denn Gott auch ungerecht, wenn er darüber zürnt? (Ich rede also auf Menschenweise.)

Ist es: Hier wird noch einmal eine Einrede widerlegt, die da könnte vorgebracht werden.

Preist: Und dieselbe durch unsere Bosheit desto herrlicher hervorleuchtet.

Zürnt: Und seinen Zorn mit zeitlichen und ewigen Strafen wider die Sünder erklärt, da sie doch mit ihren Sünden seine Gerechtigkeit herrlicher machen.

Menschenweise: Nicht wie ich es meine, sondern wie irgendein gottloser Mensch, so er mit dem Heiligen Geist nicht erleuchtet ist, aus seiner Vernunft reden möchte. Denn der Mensch geht seiner angeborenen Bosheit nach, darum, dass er die Ursache seiner Verdammnis gern von sich schieben möchte und die Schuld Gott zuschreibt. So fragen etliche Gottlose in der Meinung: Warum Gott den Fall unsere ersten Eltern nicht verhindert habe?

6. Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten?

Welt richten: Wenn Gott selbst ungerecht wäre, so könnte er der ganzen Welt Richter nicht sein, wie er doch ist {1Mos 15 Ps 7 103}. Dennoch gibt die Vernunft einem Menschen solche Gedanken ein, und es ist am allerschlimmsten, wenn sie in göttlichen Sachen vorwitzig (altklug) sein wollen.

7. Denn so die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seinem Preis, warum sollte ich denn noch als Sünder gerichtet werden

Herrlicher wird: Dass durch mein eitles und gottloses Wesen (spricht die tolle und blinde Vernunft) Gottes Wahrheit, Gerechtigkeit und Güte nur desto besser zum Vorschein kommt (wie zu geschehen pflegt, wenn man ungleiche Sachen gegeneinanderhält) und solches Gott zu größerer Ehre kommt. So würde Gott ja mit mir nicht richtig umgehen, wenn er mich um der Sünden willen verdammte. Darum dürfen wir uns (sprechen gottlose Leute) vor der Sünde nicht so sehr scheuen, weil der Gerechtigkeit Gottes Lob und Ruhm dadurch befördert wird. Denn das menschliche Herz fürchtet den Zorn Gottes nicht, bis die Sünde im Gewissen aufwacht, in der Zwischenzeit verachtet und verlacht es jedoch das Gericht Gottes mit großer Sicherheit, aber auch in sehr großer Gefahr.

Nach Luther: David spricht im Psalm 51,6: An dir habe ich allein gesündigt und übel getan, auf dass du gerecht bist in deinen Worten, und überwindest, wenn du gerichtet wirst. Das lautet, als sollte man Sünde tun, auf dass Gott gerecht sei. Wie hier Paulus auch anzeigt. Und doch ist es nicht so, sondern wir sollen die Sünde erkennen, die wir an Gott schuldig sind, auf dass er also in seinem Gesetz wahrhaftig und gerecht erkannt wird. Aber über diese Erkenntnis zanken die Werkheiligen mit Gott und wollen ihre Werke nicht Sünde sein lassen, und muss also Gott ein Lügner und in seinen Worten gerichtet sein. So will nun Paulus, dass nicht die Sünder Gott preisen (sonst wäre es besser sündigen denn Gutes tun), sondern das Bekenntnis der Sünden preist Gott und seine Gnade. Also bleibt Gott wahrhaftig, und alle Menschen lügen wahrhaftig, die solches nicht bekennen wollen, und ihr Unglaube macht Gottes Glauben nicht zunichte, denn er gewinnt doch und bleibt wahrhaftig.

8. und nicht vielmehr also tun, (wie wir gelästert werden und wie etliche sprechen), dass wir sagen sollen: „Lasst uns Übles tun, auf das Gutes daraus komme“? Deren Verdammnis ist ganz recht.

Übles tun: Also sprechen gottlose Leute, welche fleischlich gesinnt sind: Lasst uns ohne Scheu sündigen, und das tapfer, weil ein so großes Gut darauf folgt, dass die Wahrheit Gottes, wenn er die Sünden des menschlichen Geschlechtes anklagt, und seine Güte, indem er solche vergibt, dadurch an den Tag kommt. Und finden sich etliche Leute (spricht Paulus) die aus giftigem Herzen uns verlästern, als ob wir dergleichen lehrten, dadurch die Menschen zu Sünden gereizt werden. Ja, man misst uns auch zu, als lockten wir die Leute zur Sünde, damit Gottes Ehre durch ihre Sünde umso klarer werde. Aber sie tun uns Gewalt und Unrecht. Denn dass die Wahrheit Gottes durch der Menschen Sünden herrlicher wird, solches geschieht zufälligerweise und lässt sich die Sünde damit nicht entschuldigen, will auch nicht sagen, dass man sie noch dazu loben sollte. Genau wie eines Übeltäters Verbrechen nicht darum zu loben sind, weil die Obrigkeit Gnade und Güte dabei walten lässt, wenn sie ihm etwas nachlässt. So haben wir auch niemand dazu ermuntert, dass er Böses tun soll, damit Gottes Güte leuchten sollte, sondern sprechen zu solchen Leuten, die so leben, den Himmel ab, wenn sie sich nicht bekehren. Denn sie sind nichts Besseres wert, als dass sie Gott, um ihrer großen Bosheit willen, seine Majestät und Güte mutwillig verachten, ewig verdamme. Hier gibt Paulus Antwort auf die Einrede der Katholiken, wenn sie sagen: Aus der Lehre unseres Evangeliums folge nichts anderes, denn dass die Menschen nur ärger werden, als sie zuvor gewesen sind und wenn sie uns verlästern, wir verbieten gute Werke. Darum ist es eine neue Lästerung, damit das Evangelium Christi ungerechterweise beschwert wird. Wir sollen aber an diesem Ort auch die allgemeine Regel lernen, dass man nichts Böses tun soll, damit Gutes daraus komme. Also soll man keinen Aufruhr erregen, auf dass man die Predigt des Evangeliums hören kann. Und soll man keine öffentlichen Hurenhäuser halten in der Meinung, damit gute Jungfrauen nicht vergewaltigt werden. So könnte man noch viele andere Sachen aufzählen, dass man nun nicht mutwillig sündigen soll, damit Gottes Güte und Barmherzigkeit gepriesen werde. Jedoch, wenn man gesündigt hat, sollen wir die oben gehörte Lehre der Verzweiflung entgegensetzen, dass Gott uns die Sünden verzeihen werde, wenn wir Buße tun, und sich unser erbarmt, auf dass er das Lob der Wahrheit und Gütigkeit dadurch bekomme.

9. Was sagen wir denn nun? Haben wir einen Vorteil? Gar keinen. Denn wir haben oben bewiesen, dass beide, Juden und Griechen, alle unter der Sünde sind,

Was: Nach den behandelten Einreden und Lästerungen wendet sich der Apostel Paulus wieder zu seinem Vorhaben, davon er kurz zuvor gehandelt und gelehrt hatte, dass alle Menschen Sünder sind, sowohl die Juden als die Heiden.

Denn nun: Wie noch weiter? Und wie stehen die Sachen?

Vorteil: Dass wir besser wären als die Heiden, wenn man von der Frömmigkeit und dem Verdienst der Werke handelt, aber nicht von der Offenbarung des göttlichen Wortes?

Sünde sind: Denn es ist mir nicht unbewusst, dass die Juden sich für besser halten als die Heiden. So hat doch Gott selber oft gegen das ganze menschliche Geschlecht, besonders aber gegen die Juden, bezeugt, dass sie alle von Natur gottlos sind.

10. wie denn geschrieben steht. „Da ist keiner, der gerecht sei, auch nicht einer.“

Wie geschrieben steht {Jes 59}:

11. Da ist nicht, der verständig sei; da ist keiner, der nach Gott fragt.

Verständig sei: Unter den Menschen, und Gott recht erkenne.

Fragt: Und ihn mit Ernst fürchte oder ihm von Herzen begehre zu dienen.

12. Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.

Abgewichen: Es geht von denen keiner auf den richtigen Weg, der zum ewigen Leben führt.

Untüchtig geworden: Es ist keiner, der von sich selbst etwas Gutes ausdenken kann, ich will schweigen, es zu tun.

Nicht einer: Keinen ausgenommen. In der Summe es ist niemand zu finden, der ein richtiges gutes Werk hat. Denn obwohl etliche nicht wiedergeborene Menschen vortreffliche Taten verrichtet haben, so sind sie doch alle mit Heuchelei, Ehrgeiz, oder dergleichen Laster befleckt gewesen. So also ist es mit dem freien Willen nach dem Sündenfall beschaffen.

13. Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handeln und betrügen sie. Otterngift ist unter den Lippen;

Offenes Grab: Also dass nichts anderes rauskommt, als was Gott zu Schmach und dem Nächsten zum Schaden geschieht, als da sind, falsche Lehre, gottlose Reden, Gotteslästerung, Bedrückung des Nächsten, schlechte Worte und Narrendinge.

Betrügen: Wenngleich sie auch mit ihrem Nächsten freundlich reden, so tun sie es doch nur darum, dass sie mit ihren glatten Worten den Nächsten betrügen möchten, und reden viel anders, als sie es meinen.

Otterngift: Sie reden Worte, die mit tödlichem Gift bestrichen sind, davon man nichts, als das Ärgste hoffen kann. In der Summe: Sie sind giftiger denn Schlangen, weil sie oft mit einem giftigen Wort einen unschuldigen Menschen in Leibes- und Lebensgefahr bringen.

14. ihr Mund ist voll Fluchen und Bitterkeit.

Fluchen: Wider Gott und dem Nächsten, welchem sie alles Schlechte wünschen.

Bitterkeit: Dass sie mit denen, welchen sie feind sind, nichts anderes reden können, wie es in ihrem Herzen ist, es geschieht laut oder leise. Weil also die Rede ein Zeichen des Gemütes ist, so kann ein jeder aus seinen eigenen Worten merken, was für eine Bosheit in seinem Herzen verborgen steckt, wovon auch die Wiedergeborenen nicht befreit sind, weil der alte Adam in ihnen noch nicht ganz getötet ist. Darum sollen wir fleißig beten: Vergib uns unsere Schuld. Und wir sollen uns bemühen, solche Mängel zu verbessern.

15. Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen;

Vergießen: Sie sind bemüht, dem anderen das Leben zu nehmen, als es zu erhalten, und freuen sich, wenn sie einen Mord begehen und Menschenblut vergießen können.

16. auf ihren Wegen ist eitel Schaden und Herzeleid,

Herzeleid: Sie richten nur Unglück und Schaden an und wenden allen ihren Fleiß an.

17. und den Weg des Friedens wissen sie nicht.

Sie nicht: Sie können nichts tun, was zu ihrer und anderer Leute Heil und Wohlfahrt dienlich wäre. In der Summe, sie können nichts Nützliches oder Heilsames schaffen. Denn obwohl etliche Helden unter den Heiden große Dinge verrichtet haben, die dem menschlichen Geschlecht sehr nützlich gewesen sind, so haben sie doch solches nicht aus sich selbst, sondern aus Gottes heimlichen Antrieb getan, und ist ihnen solches zur ewigen Seligkeit nicht nützlich gewesen.

18. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.

Ihren Augen: Sie haben Gott nicht vor Augen, und es ist ihnen auch nie in den Sinn gekommen, dass sie Gott fürchten sollten. Auch wenn sie manchmal entweder aus Furcht vor den Leuten oder weil sie hoffen, einen Ruhm zu bekommen und zu hohen Ehren gelangen, dem Ansehen nach etwas Gutes tun. Jedoch, sobald die Furcht der Strafe oder Hoffnung und Nutzen nicht dabei ist, so tun sie ohne alle Scheu, was ihnen gefällt. In diesem Register sind alle Menschen eingeschlossen, wie sie von Natur sind, sie sind gleich eines ehrbaren oder unehrbaren Wandels. Denn obwohl einer seine Untugenden mehr verbergen kann als der andere, wie denn die Heuchler solches am besten können. So ist doch kein Zweifel, es erkenne der allmächtige Gott aller Menschen Herzen und Gedanken auf das Genaueste, und urteile recht von dem menschlichen Geschlecht. So liegt es auch nicht daran, dass wir solche böse Art an uns selber gleich nicht empfinden. Denn sie sich schnell zeigt und sehen lässt, wenn die Gelegenheit zu sündigen da ist, und der Mensch zum Bösen gereizt wird. Darum sollen wir solche verkehrte Bosheit unseres Herzens erkennen und bereuen, auch mit rechtschaffenem Vertrauen zu des Herrn Christi Unschuld, Gesetzeserfüllung und Versöhnung, die er am Kreuz vollbracht hat, Zuflucht nehmen, damit uns unsere Bosheit verziehen und nicht zugerechnet wird.

19. Wir wissen aber, dass, was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen Mund gestopft werde und alle Welt Gott schuldig sei;

Wir: Auf dass die Juden, welche voller Heuchelei stecken, keine Ausreden suchen, und sagen, die oben erzählten Laster würden in der Heiligen Schrift nicht die Juden, sondern die gottlosen Heiden betreffen, so kommt ihnen Paulus hier mit der Antwort zuvor.

Gesetz sagt: Es versteht aber der Apostel Paulus hier durch das Wort Gesetz nicht nur die 5 Bücher Mose, sondern auch die anderen prophetischen Schriften, aus welchen das vorige Sünden-Register gezogen wurde.

Gesetz sind: Denn Gott redet im Gesetz und in dem Propheten mit euch Juden und hat nicht nur die Heiden, denen er sein Wort damals noch nicht geoffenbart hatte, sondern vielmehr und besonders euren Wandel beschreiben wollen. Darum geht euch dies am allermeisten an, denen das Gesetz Gottes geoffenbart ist.

Schuldig sei: Denn Gott beschuldigt nicht nur ein Volk oder zwei, sondern das ganze menschliche Geschlecht ihrer Sünden und ihres gottlosen Wesens und bezeugt die Erfahrung für sich selbst genügend, dass niemand vor Gott seine Unschuld, Gerechtigkeit oder Verdienste sich zu rühmen hat, sondern jeder Mann muss bekennen, dass er vieler und schwerer Sünden schuldig ist, und deswegen die ewige Verdammnis verdient hat. Darum, welche sich vor Gott ihrer Gerechtigkeit rühmen, die kennen weder Gottes Willen noch sich selbst genügend.

20. darum dass kein Fleisch durch des Gesetzes Werke vor ihm gerecht sein kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Sein kann: Denn obwohl euch Juden das Gesetz gegeben ist, so haltet doch weder ihr noch irgendein anderer Mensch das Gesetz Gottes vollkommen. Darum kann auch keiner aus seinen Werken vor dem Gericht Gottes gerecht beurteilt werden. Wie geschrieben steht: Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht. Denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht {Ps 143}. Das heißt: Es kann kein Mensch vor deinem Gericht freigesprochen werden, wenn du das Urteil nach unserem Verdienst und nicht nach deiner Barmherzigkeit fällen willst. Dies ist ein gewaltiger Donnerschlag, damit man aller Menschen falschen Wahn von ihren Verdiensten, als ob sie zur Rechtfertigung eines Menschen vor Gott etwas nutzten, zu Boden stoßen kann. Denn dass Paulus an diesem Ort nicht nur von den Werken des Gesetzes handelt, welche die Zeremonien oder weltlichen Gerichte betreffen, wie die Sophisten schwätzen, sondern besonders von den Werken der 10 Gebote, wird aus dem Folgenden gut zu erkennen sein, da er sagt: Durch das Gesetz kommt nur Erkenntnis der Sünde. So zeigen die 10 Gebote die Sünden am allermeisten an. Darum, wenn Paulus in dem Artikel von der Rechtfertigung vom Gesetz redet, so versteht er besonders die 10 Gebote. Es wird darum keiner so spitzfindig oder scharfsinnig sein, der diese Lehre des Apostel Paulus von der Rechtfertigung, und der Katholiken Lehre von den Verdiensten der Werke könne zusammenreimen.

Erkenntnis der: Mit diesen Worten begegnet der Apostel Paulus abermals einer Einrede. Denn da jemand hätte fragen können: Wozu ist denn das Gesetz gegeben, wenn es nicht rechtfertigt? So zeigt Paulus an, dass obwohl die Gerechtigkeit nicht aus dem Gesetz kommt, weil es niemand vollkommen hält, so diene es dennoch dazu, dass man die Sünder daraus recht erkennen lernt. Denn Gott hat sein Gesetz nicht darum gegeben, dass er anzeigen will, man könnte es in dieser verdorbenen Natur unseres Fleisches vollkommen erfüllen; sondern vielmehr aus der Ursache, dass er uns zu verstehen gibt, wie weit wir von der wahren Gottseligkeit und Gerechtigkeit abgekommen sind, auf dass wir alle unsere Hoffnung von unsere Gerechtigkeit und eigenen Verdiensten fallen lassen, und zu dem Mittler Christo fliehen. Da haben wir den rechten Gebrauch des Gesetzes, nämlich, dass durch dessen Erklärung und Einbildung die sicheren Leute so, sie in dem Wahn eigener Gerechtigkeit ersoffen sind, zur Erkenntnis ihres elenden und jämmerlichen Zustandes gebracht werden. Denn den sicheren und rohen Leuten soll man das Gesetz vorlegen, den erschrockenen Herzen, die ihre Sünden erkennen, aber das Evangelium predigen.

21. Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart und bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.

Nun: Jetzt zeigt Paulus an, woher man denn die Gerechtigkeit oder Rechtfertigung bekommt, wenn aus den Werken des Gesetzes niemand gerechtfertigt wird.

Offenbart: Gott hat uns eine andere Gerechtigkeit geoffenbart und gezeigt, durch welche wir die Seligkeit erlangen, und wodurch wir gerecht werden ohne die Werke des Gesetzes oder unserer Verdienste. Solches ist die Gerechtigkeit Gottes, welche uns durch den Glauben zugerechnet wird. Es wird uns aber durch den Glauben der ganze Verdienst Christi zugerechnet, nämlich, dass er das Gesetz für uns vollkommen erfüllt hat {Mt 5 Röm 5}, und unsere Sünden durch sein heiliges Leiden und Sterben ausgesöhnt hat. Dieser ganzen Verdienst Christi, wenn er mit Glauben von uns ergriffen wird, ist unsere Gerechtigkeit vor Gott. Daher Paulus an anderer Stelle schreibt: Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung {1Kor 1}.

Bezeugt: Darum (will Paulus sagen) ist diese Gerechtigkeit nicht jetzt von mir erdacht, sondern man findet und liest in Mose und auch bei andere Propheten Schriften davon. Denn alle Verheißungen von Christo, welche im Alten Testament stehen, reden besonders von dieser Gerechtigkeit Gottes, das heißt, von der uns zugerechneten Gerechtigkeit, von welcher wegen Gott um des Messias Willen uns unsere Sünden aus Gnaden verzeihen, und das ewige Leben schenken will. Es geschieht aber nicht ohne Ursache, dass Paulus das Gesetz und die Propheten anzieht. Denn von der Erfüllung des Gesetzes, welche Christus für uns geleistet hat, redet der Sohn Gottes im 40. Psalm. Im Buch ist von mir geschrieben: Deinen Willen, mein Gott, tue ich gerne, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Und von der Kraft und Zurechnung des Leidens Christi redet Jesaja also: Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg, aber der Herr warf unserer aller Sünde auf ihn {Jes 53}. Und soll man keine andere Lehre in der Kirche annehmen, die nicht mit dem Worte Gottes bewiesen werden kann.

22. Ich sage aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesum Christus zu allen, die da glauben.

Glauben: Und nicht durch Verdienste der Werke.

Alle: Sie werden alle durch diese Gerechtigkeit Gottes gerechtfertigt, so viel ihrer wahrhaftig an Christus glauben. Darum wird niemand von dieser Rechtfertigung und Seligmachung aus Gnaden ausgeschlossen, er sei gleich ein Jude oder Heide, er habe gleich viel oder wenig vor oder nach der Taufe gesündigt, und sei einmal oder öfter in Sünde gefallen. Wenn er nur wahrhaftig an Christus glaubt. Dieser Trost soll in den Herzen gut und tief eingebildet werden. Und soll man hier auch beachten, dass die Gerechtigkeit Gottes uns mitgeteilt und zugeeignet werde, nicht durch unsere Werke oder Verdienste, sondern durch den Glauben. Denn der allein kann sie ergreifen, und bekommen.

23. Denn es ist hier kein Unterschied. Sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,

Denn: Jetzt beweist Paulus, was er von der gnadenreichen Barmherzigkeit Gottes, und Gerechtigkeit des Glaubens gesagt hat.

Kein Unterschied: In diesem Stück, unter Juden und Heiden. Sondern es ist ihnen allen dieser einzige Weg zur Seligkeit vorgelegt, dass sie aus Gottes Gnaden und Barmherzigkeit, welche um des Verdienstes Christi willen, durch den Glauben, uns widerfährt, das ewige Leben zu erlangen.

Nach Luther: Merke dies, da er sagt: Sie sind allzumal Sünder. Denn dies ist das Hauptstück und das Haupt dieser Epistel und der ganzen Schrift, nämlich, dass alles Sünde ist, was nicht, durch das Blut Christi erlöst, im Glauben gerecht wird. Darum bedenke diesen Text gut. Denn hier liegen darnieder alle Werke Verdienst und Ruhm, wie er selbst hier sagt, und bleibt allein lauter Gottes Gnade und Ehre.

Sünder: Vor Gott, allein schon wegen der Erbsünde, wie auch in anderen tatsächlichen Sünden.

Ruhmes: Sie können sich dessen vor Gott nicht rühmen, dass sie sein Gesetz erfüllt hätten. Denn das im Handel der Rechtfertigung keiner sich vor Gott rühmen kann, bezeugt Paulus auch im Epheserbrief im 2. Kapitel.

24. und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Jesum Christus geschehen ist,

Seiner Gnade: Weil es ohne Verdienste und aus Gnaden geschieht, dass wir gerecht werden, so ist es also nicht aus den Werken {Röm 2}. Darum soll kein bußfertiger Sünder verzagen, wenngleich er auch keine Werke hat.

Geschehen ist: Die wir durch Christus haben. Denn er hat uns von der ewigen Strafe erlöst, und den gerechten Zorn Gottes gestillt, dass er allen Ernst fallen lassen will, und an seine gerechte Rache gegen die Übertreter des Gesetzes nicht mehr denken, da er sonst im Gesetz die Strafe der ewigen Verdammnis fordert, also einen vollkommenen Gehorsam.

25. welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut, damit er die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, darbiete indem, dass er Sünde vergibt, welche bisher geblieben war unter göttlicher Geduld;

Vorgestellt: Dem menschlichen Geschlecht. Denn der himmlische Vater wollte ihm nichts abschlagen, da er für uns gebeten hat.

Gnadenstuhl: Denn auch wie im Alten Testament diejenigen, welche sich zur Bundeslade kehrten und um Verzeihung der Sünden baten, gewiss Gnade erlangten. Also, welche aus Glauben auf Christus sehen und um Verzeihung ihre Sünden bitten, denen verzeiht Gott die Sünden um Christi willen, der im Alten Testament durch den Gnadenstuhl, welche die Bundeslade bedeckte, abgebildet war {2Mos 25}. Weil Gott verheißen hatte, dass er da wollte selbst gegenwärtig sein, Gebete erhören und die Sünden vergeben. Gleich, wie in dem rechten Gnadenstuhl Christo die ganze Fülle der Gottheit ist und leibhaftig wohnt {Kol 2}. Um welchen Willen auch Gott das menschliche Geschlecht erhört und die Sünde verziehen hat.

Glauben: Denn durch ihn, und kein anderes Mittel oder Werkzeug, empfangen wir die Guttat der Erlösung Christi. Und gleichwie ein Wasser kann durch viele Teiche oder Rohre fließen, ein durstiger Mensch aber nur ein einziges Werkzeug hat, mit dem er den Durst lösche, nämlich mit seinem Mund. Also wird uns zwar die Erlösung Christi durch das Wort des Evangeliums, die Taufe und das Abendmahl des Herrn vorgetragen. Aber wir können solche Erlösung durch kein anderes Mittel oder Werkzeug und zueignen, denn allein durch den Glauben, der sich auf das Verdienst Christi gründet.

Seinem Blut: Denn damit sich keiner darüber verwundert, dass Gott die Sünden so leicht vergibt, so zeigt Paulus an, was für eine köstliche und teure Bezahlung für unsere Erlösung geschehen ist, nämlich, dass uns der Sohn Gottes mit seinem Blut erkauft hat. So sind also unsere Sünden und Schulden ausgesöhnt und bezahlt, nicht mit dem Blut der Kälber oder Böcke, sondern mit dem Allerheiligsten und kostbarsten Blut Christi, welches durch das Blut der Opfer im Alten Testament vorgebildet wurde. Christus aber ist in einer Person Gott und Mensch. Darum hat er auch von wegen der Würdigkeit dieser Person sein Blut der ganzen Welt Sünde auslöschen können, wie Johannes spricht: Das Blut Jesu Christi, Gottes Sohn, macht uns rein von aller Sünde {1Joh 1}. Denn wenn nur ein Mensch gelitten hätte, obgleich er der Allerunschuldigste gewesen wäre, so hätte er darum das menschliche Geschlecht nicht mit seinem Leiden erlösen können. Aber Christi, als Gottes und Menschen Blut, hat es tun können. In dieser Form macht nun Gott einen Menschen gerecht, dass er ihn aus Gnaden gerecht achtet und erklärt.

Bis hierher: (Nach Luther) Die Sünde konnte weder das Gesetz noch irgendein gutes Werk wegnehmen. Das musste Christi Blut und die Vergebung tun.

26. auf dass er zu diesen Zeiten darböte die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt; auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jesum.

Diesen Zeiten: Im Neuen Testament hat Gott die wahre Gerechtigkeit, welche besteht in der Vergebung der Sünden, uns ganz klar aufgetragen und angeboten. Dass er um des Verdienstes Christi willen nicht allein die Sünden verzeihe, welche zu diesen Zeiten begangen werden, sondern auch die, welche vom Anfang der Welt her von den Auserwählten begangen wurden. Denn dieselben hat Gott geduldet, und gewartet, bis die Zeit käme, dass sie durch seinen allerliebsten Sohn ausgesöhnt würden: Er hat also mit Geduld auf die Bezahlung gewartet. Denn die Opfer des Alten Testamentes pflegten die Sünde nicht wahrhaftig, sondern waren nur ein Vorbild der Aussöhnung, so durch Christus geschehen sollte. Aber jetzt im Neuen Testament zeigt es Gott auf das Hellste an und bietet die wahre Gerechtigkeit, welche im strengen Gericht Gottes bestehen kann, in dem er durch das Evangelium öffentlich verkündigen lässt, wie nun alle Sünden der ganzen Welt versöhnt sind.

Gerecht sei: Und darum immer und beständig erkannt und gepriesen werde, wie er sei der allergütigste und gnädigste Vater, der aus Gnaden für gerecht hält und urteilt den, der da glaubt an den versprochenen und nun erschienen Messias. Denn es wird Gott an diesem Ort gerecht genannt, das heißt, gütig und gnädig: In welcher Bedeutung von ihm geschrieben wird 1. Johannes 1: Gott ist treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt. Welche darum streiten, dass der Mensch durch die Verdienste seiner Werke gerechtfertigt werde, die rauben Gott dem Herrn das Lob der Güte und Gnaden, damit doch Gott seinen Namen unter uns will bekannt und berühmt machen. Wenn wir also von Sünden bedrückt werden, sollen wir zu der grundlosen Gnade und Güte Gottes Zuflucht suchen und ihn bitten, dass er zur Ausbreitung seines Namens Ehre uns unsere Sünden verzeihen wolle.

27. Wo bleibt nun der Ruhm? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch des Glaubens Gesetz.

Der Ruhm: Indem du Jude, oder wer du bist, ein Heuchler, die Aussöhnung deiner Sünden und das Verdienst des ewigen Lebens deinen Werken zueignest. Da doch gewiss ist, dass alle Menschen Sünder sind und auf keine andere Weise vor Gott gerecht und selig werden, als aus Gnaden, um Christi willen, durch den Glauben.

Welches Gesetz: Oder Lehre. Durch eine heuchlerische und pharisäische Lehre vom Verdienst der Werke?

Nein: Denn diese Lehre widerstrebt den Verdiensten und Guttaten Christi und verdunkelt das Lob der göttlichen Gnade.

Glaubens Gesetz: Das heißt: Durch die wahre Lehre des Evangeliums vom Glauben, der gerecht macht. Denn diese Lehre stürzt den Ruhm und Übermut der Heuchler zu Boden. Darum ist es kein Wunder, dass sie von den Heuchlern mit Feuer und Schwert verfolgt wird.

28. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

So: Jetzt beschließt Paulus seinen ersten Beweis, dass wir aus Gnaden durch den Glauben gerecht werden. Darum, weil wir alle Sünder sind.

Halten wir: Das heißt: Wir schließen also und sind dessen gewiss.

Gesetzes Werk: Dass aber durch des Gesetzes Werke nicht nur die Zeremonien oder weltlichen Gesetze verstanden werden, sondern auch und besonders die 10 Gebote, ist oben aus dem Text genügend behandelt und erwiesen. Darum ist unter diesen Reden kein Unterschied, da man sagt: Wir halten es dafür, dass der Mensch gerecht werde durch den Glauben ohne Werke: Und: Wir halten es dafür, dass der Mensch gerecht werde, allein durch den Glauben. Beide Reden haben den gleichen Verstand. Darum auch etliche Väter diese Art zu reden gebraucht haben. Wie zum Beispiel Hilarius über den Evangelisten in Matthäus 8 spricht: Der Glaube macht allein gerecht. Darum ist es ein großer Unverstand oder lauter Bosheit an den Katholiken, dass sie schreien, es ist eine gotteslästerliche Rede, die man nicht leiden solle, und man habe die Bibel verfälscht, wenn man lehre, wir werden allein durch den Glauben gerecht.

29. Oder ist Gott allein der Juden Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott? Ja freilich, auch der Heiden Gott.

Juden Gott: Man soll nicht meinen (will Paulus sagen), weil ich wider der Juden Vermessenheit und Übermut geredet habe, dass ich allein von diesen, und nicht auch von der Heiden Rechtfertigung gesagt habe.

Heiden Gott: Dazu ihr gnädigerer und barmherziger Gott, sofern sie sich zu ihm bekehren. Denn er nicht weniger bereit und geneigt ist, sich gegen die Heiden gnädig zu erzeigen, als gegen die Juden. Darum er auch in der Heiden Rechtfertigung kein anderes Mittel gebrauchen wird, als es bei den Juden war.

30. Weil es ist ein einiger Gott, der da gerecht macht die Beschnittenen aus dem Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben.

Einiger Gott: Bei dem kein Ansehen der Person. Und werden die Heiden von keinem anderen gottselig gemacht, als die Juden.

Glauben: Es ist aber einerlei bei Paulus, aus dem Glauben, oder durch den Glauben gerecht werden. So ist also der Vortrag des Apostel Paulus, dass der Gerechte seines Glaubens lebe, welches er aus dem Propheten Habakuk genommen, genügend bewiesen: Dagegen aber der Katholiken Lehre widerlegt und verworfen ist, welche das ewige Leben und die Seligkeit den Verdiensten ihre Werke zuschreiben.

31. Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf.

Wie: Damit die Juden nicht sagen möchten, er verwerfe das Gesetz Gottes, dass dieses nichts nützen würde, so begegnet er dieser Einrede auch.

Gesetz auf: Dass wir durch die Lehre des Evangeliums, welches den Glauben vorhält und demselben allein die Rechtfertigung zumisst, verwerfen, als sei es nicht nütze.

Sei ferne: Dass wir dem Gesetz Gottes sollten begehren eine Schmach zu beweisen.

Richten auf: (Nach Luther) Der Glaube erfüllt alle Gesetze, die Werke erfüllen keinen Punkt des Gesetzes.

Gesetz auf: Dass wir es erhalten und vor der Verachtung befreien. Denn oben haben wir gelehrt, was des Gesetzes Nutzen und Brauch sei, dass es den Leuten die Sünde zeige, damit, wenn sie ihren Schaden empfinden und bei Christus Hilfe suchen. Darum, gleichwie der sich um eine Krankheit kümmert, welcher sagt, was es für eine Krankheit und wie gefährlich diese ist, auch anzeigt, wo sie entstanden ist: So macht es auch das Gesetz, indem es die Sünde zeigt, und die schwere derselben, samt der darauf stehenden Verdammnis, hat es in der Kirche einen sehr großen Nutzen. Und tut oder tilgt die Lehre des Evangeliums, so den Gläubigen den Heiligen Geist bringt, durch diesen Antrieb sie ihr Leben nach den Geboten Gottes richten, das Gesetz nicht aufheben, sondern zeigen vielmehr den Brunnen und Ursprung der richtigen guten Werke. Also, dass die, welche die Lehre des Glaubens annehmen, nun von Herzen das Gesetz Gottes zu halten sich befleißigen, wie es in den 10 Geboten verfasst ist. Das heißt nicht, das Gesetz wegwerfen, sondern es vielmehr an einen höheren und herrlicheren Ort aufstellen. Um dieser zwei Ursachen willen, nämlich, dass das Gesetz die Sünden aufdeckt und lehrt, wie man gottselig leben soll, so muss man den Gegnern des Gesetzes nicht zulassen, dass sie dieses aus der Kirche Gottes herausnehmen. Dies hat also der Apostel Paulus, zur Widerlegung einer Einrede, hier kurz angeregt. Jetzt wird er einen anderen Beweis vorbringen, die Rechtfertigung aus Gnaden zu bestätigen, wie wir hören werden.


Das 4. Kapitel


An Abraham wird ein Muster der Rechtfertigung vorgestellt. Und an seinem Beispiel, des rechten Glaubens Natur zu betrachten, vorgelegt.

1. Was sagen wir denn von unsrem Vater Abraham, dass er gefunden habe nach dem Fleisch?

Was: Jetzt bring Paulus einen anderen Grund vor, dass er damit beweise, wie wir aus Gnaden gerecht werden, und nicht aus den Werken, sondern durch den Glauben. Dieser ist: Wir werden auf die gleiche Weise gerecht, wie Abraham auch gerecht geworden ist. Abraham aber ist durch den Glauben und nicht durch die Werke gerecht geworden. Darum werden auch wir durch den Glauben gerecht.

Dem Fleisch: Denn wir bekennen zwar gerne, dass der Erzvater Abraham ein vortrefflicher und herrlicher Mann gewesen ist, und nach dem äußerlichen Wandel gerecht und unsträflich war. Aber lasst uns sehen, ob solche äußerliche Gerechtigkeit auch vor Gott ihm zur Seligkeit hilfreich gewesen ist. Welches wir keineswegs gestehen, und das Gegenteil aus der Heiligen Schrift beweisen wollen.

2. Das sagen wir. Ist Abraham durch die Werke gerecht, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor Gott.

Werke gerecht: Dass man ihm das Lob der Gerechtigkeit gibt, weil er mit guten Werken vor anderen geleuchtet hat.

Nicht vor Gott: Denn die äußerliche Gerechtigkeit kann vor Gottes strengem Gericht nicht bestehen, weil alle unsere Werke unvollkommen sind. Darum hat die Gerechtigkeit der Werke ihr Lob bei den Menschen. Aber dem strengen Gericht Gottes kann sie nicht standhalten.

3. Was sagt denn die Schrift? „Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.“

Die Schrift: Lasst uns der Heiligen Schrift Beweis hierüber hören, wie diese von der Sache redet und lehrt, durch was Abraham gerecht geworden ist {1Mos 15}.

Gerechnet: Da hörst du, dass Abraham, weil er geglaubt und nicht, weil er gewirkt hat, vor Gott sei gerecht gerechnet worden, und siehst, dass er durch den Glauben und nicht durch die Werke gerechtfertigt wurde. Obwohl nun an diesem Ort der Schrift nicht ausdrücklich davon geschrieben ist, dass Christus kommen soll, sondern gehandelt wird von der Verbreitung des Samens Abrahams und von der Besetzung des Landes Kanaan, dadurch die ewige und himmlische Seligkeit abgebildet wurde. So sind doch auch in diesem Gespräch Gottes mit Abraham die ersten Worte diese gewesen: Fürchte dich nicht Abraham, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn. Das heißt: Du sollst das für gewiss halten, du hast einen gnädigen Gott und die Erbschaft des ewigen Lebens gehört dir. In dieser allergnädigsten Verheißung auch die Verheißung von Christus mit eingeschlossen wurde. Weil Gott zum Abraham sagt, als er aus seinem Vaterlande ging {1Mos 12}. In dir, das ist in Christo, der aus deinem Samen einmal soll geboren werden, sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden. Diese Verheißung der göttlichen Gnade ist dem Abraham in diesem Gespräch wiederholt worden, da unter anderem Gott auch die Vermehrung seiner Nachkommen versprach und dieselben gleichsam mit einem Sakrament oder Zeichen bestätigte, da er ihn hinausführte und ihm die Sterne des Himmels zeigte. Weil also der fromme Abraham, nachdem er aus seinem Vaterlande gezogen ist, die Verheißung von dem himmlischen Segen gehört hatte, und nun Gott eben diese mit Erklärungen seiner väterlichen Gnade wiederholte, indem er ihm seines Geschlechtes Vermehrung versprach, und solches mit dem Beweis der Sterne bestätigte. So hat Abraham Gott geglaubt, und auf die göttliche Gnade sich verlassen, derer er um des Messias willen gegenwärtig war. Darum ist ihm sein Glaube auf Gottes Gnade, die er um Christi willen empfing, zur Gerechtigkeit gerechnet worden. Es gibt darum keinen größeren Gottesdienst, als auf Gottes Güte und Gnade trauen.

4. Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus Pflicht.

Dem: Jetzt zeigt Paulus an, wie die Zurechnung den Verdienst der Werke aufhebe und hinwegnimmt.

Aus Pflicht: Denn es ist offenbar, dass in dem Verdienst der Werke die Zurechnung nicht stattfindet. Besonders, wer einem seinen verdienten Lohn gezahlt hat, den er ihm schuldig ist, der kann nicht sagen, dass er ihm, den Arbeiter, einen Verdienst zugerechnet habe, da doch nirgendwo einer gewesen ist. Denn Verdienst und die Zurechnung aus Gnaden sind gegeneinander. Darum, wo Gott die Gerechtigkeit zurechnet, da darf man an keine menschlichen Verdienste denken.

5. Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.

Umgeht: Dass er die Rechtfertigung nicht in den Werken sucht.

An den: Am allergnädigsten Gott und Herrn.

Gottlosen: Solche Leute, die gottlos gewesen sind, und von guten Werken oder Gerechtigkeit sich vor Gott nicht rühmen können.

Zur Gerechtigkeit: Er wird vor Gott gerecht gehalten durch solch ein wahres Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit und nicht anders geachtet, als wenn er das ganze Gesetz Gottes auf das Vollkommenste gehalten hätte. Hier soll man mit Fleiß darauf achten, dass vom Paulus der Verdienst der Werke und die Zurechnung der Gerechtigkeit so durch den Glauben geschieht, gegeneinandergehalten werden als solche Dinge, die zugleich nicht sein können: wider den Katholiken, welche die Rechtfertigung des Menschen aus dem Verdienst der Werke und aus dem Glauben an Christus zusammenflicken. Die rechten guten Werke aber folgen später, wenn der Mensch nun durch den Glauben gerecht geworden ist. Denn ein guter Baum bringt gute Früchte.

6. Nach welcher Weise auch David sagt, dass die Seligkeit sei allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke, da er spricht.

David sagt: Denn damit keiner vorgeben und dagegen etwas sagen möchte, Abraham wäre zwar aus Gottes besonderen Gnaden vielmehr durch den Glauben als durch die Werke gerecht geworden. Aber dieses deutliche Beispiel Abrahams und der deutliche Spruch der Schrift sind nicht zu beweisen, dass es ein allgemeiner und richtiger ordentlicher Weg der Rechtfertigung wäre. So beweist er jetzt ausführlich aus dem 32. Psalm, dass der Menschen Gerechtigkeit oder Seligkeit (denn es ist keine rechte Seligkeit ohne Gerechtigkeit: Und braucht Paulus die Wörter, gerechtfertigt und selig werden, oft für das Gleiche) bestehe nicht auf menschliche Verdienste, sondern auf Gottes Barmherzigkeit, die man mit Glauben ergreifen muss.

Nach Luther: Sie beweist sich mit zwei Beispielen, dass Verdienst nichts ist, sondern allein Gottes Gnade.

Des Menschen: Der ist allein vor Gott gerecht und selig.

Der Werke: Ungeachtet eines menschlichen Verdienstes, aus Gnaden durch den Glauben.

7. „Selig sind die, welchen ihre Ungerechtigkeiten vergeben sind, und welchen ihre Sünden bedeckt sind!“

Selig sind: Sind sie denn selig, so müssen sie auch gerecht sein, denn es kann keiner selig sein, er ist dann auch vor Gott gerecht.

Vergeben sind: Denen Gott die Sünden aus Gnaden verzeiht.

Bedeckt sind: Also, dass sie Gott in seinem strengen Gericht nicht mehr sehen will. Denn sie sind verziehen und zugedeckt, als wenn sie nie geschehen wären. Es werden aber unsere Sünden zugedeckt mit dem Verdienst Christi, wenn wir dieses mit Glauben ergreifen. Darum werden am Jüngsten Tage die Gläubigen an Christus nicht zuschanden werden um der begangenen Sünden willen.

8. Selig ist der Mann, welchem Gott die Sünde nicht zurechnet!

Zurechnet: Das sieht man auch aus dem Zeugnis Davids, dass unsere Seligkeit und Gerechtigkeit allein darin besteht, wenn uns Gott unsere Sünden nicht zurechnet. Darum welche durch den Glauben Vergebung ihrer Sünde bekommen, die sind vor Gott gerecht, heilig und selig, wenn sie nur in solchem rechten Glauben beharren.

9. Nun diese Seligkeit, geht sie über die Beschnittenen oder auch über die Unbeschnittenen? Wir müssen ja sagen, dass Abraham sei sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.

Nun: Paulus zeigt weiter an, ob diese Weise zu rechtfertigen nur die Juden oder aber auch die Heiden angehe.

Diese Seligkeit: Welche aus Gnaden durch den Glauben kommt und allein auf die Vergebung der Sünden besteht.

Unbeschnittenen: Ist sie allein auf die Juden gedeutet, welche beschnitten sind, oder aber gehört sie auch den Heiden zu, die noch eine Vorhaut haben?

Sagen: Gerechtigkeit, diese Frage kann nirgends besser beantwortet werden, als aus des Abrahams Geschichte.

10. Wie ist er ihm denn zugerechnet? Als er beschnitten oder als er unbeschnitten war? Nicht, als er beschnitten, sondern als er unbeschnitten war.

Beschnitten: Denn Abraham war damals, da, als es ihm verheißen war, noch nicht beschnitten, sondern hatte noch eine Vorhaut. Dabei ist zu merken, was man daraus schließen muss, wird etwas später folgen.

Nach Luther: Denn Abraham glaubte, und wurde für gerecht gelobt, ehe denn er beschnitten wurde {1Mos 15v6}. Dass ja die Gnade vor dem Werk sein müsse.

11. Das Zeichen der Beschneidung empfing er zum Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen er hatte, als er noch nicht beschnitten war, auf dass er würde ein Vater aller, die da glauben in der Vorhaut, dass denselben solches auch gerechnet werde zur Gerechtigkeit.

Empfing er: Nämlich, Abraham empfing zwar die Beschneidung als ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und ihm {1Mos 17}. Aber solche Beschneidung machte ihn nicht gerecht, denn er war bereits zuvor gerecht durch den Glauben, vor der empfangenen Beschneidung.

Siegel: Es war die Beschneidung eine Bestätigung und Befestigung der göttlichen Guttat, dass er, nämlich aus Gnaden, durch den Glauben gerechtfertigt wurde, auch damals, da er noch die Vorhaut hatte. Ist darum der Brauch der Sakramente dieser (ich sage aber Brauch und Nutzen, und nicht Substanz oder Wesen) dass sie Siegel sind, welche uns vergewissern von der Rechtfertigung aus Gnaden und vom ewigen Leben. Diese sind im Neuen Testament, zwei, die Taufe und das Abendmahl des Herrn.

Vorhaut: Nämlich, der Heiden, welcher geistlicher Vater er sein sollte, damit sie auch nach seinem Beispiel an Christus glaubten, und durch solchen Glauben gerechtfertigt würden. Das ist die Ursache, warum Gott den Abraham vor der Beschneidung für gerecht beurteilt hat.

12. Und würde auch ein Vater der Beschneidung, derer, die nicht allein beschnitten sind, sondern auch wandeln in den Fußtapfen des Glaubens, welcher war in unsrem Vater Abraham, als er noch unbeschnitten war.

Der Beschneidung: Nämlich, der beschnittenen Juden, welche auch nach dem Beispiel des Altvaters Abrahams an Christus glauben sollen, damit ihnen ihr Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet werde.

Von der Beschneidung: Welche dem Fleisch nach von Abraham herkommen, und beschnitten sind: Denen wird nicht nur allein die Gerechtigkeit oder der Verdienst Christi durch den Glauben zugerechnet, sondern auch den Heiden, ja allen denen, so sie den Glauben haben, welchen Abraham vor der Beschneidung gehabt hat. Diese Meinung zu wiederholen, war nötig um der Juden willen, welche von wegen ihres Geschlechtes, dass sie nach dem Fleisch von Abraham herkamen, aufgeblasen waren und die Heiden verachteten, auch nicht glaubten, diese könnten selig werden. Weil nun auch wir von den Heiden, nicht von den Juden, unsere Herkunft haben, so soll dieser Beweis Paulus unseren Glauben stärken, das, nämlich, wenn wir nach dem Beispiel des Abrahams glauben, wir auch durch solchen Glauben die Seligkeit bekommen werden. Denn welche an Christus glauben, die sind rechte Kinder Abrahams und Erben des ewigen Lebens.

13. Denn die Verheißung, dass er sollte sein der Welt Erbe, ist nicht geschehen Abraham oder seinem Samen durchs Gesetz, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens.

Denn: Der Apostel Paulus wirft noch einen anderen Beweis ein von der Person Abrahams, und bestätigt damit, dass der Mensch nicht durch die Werke, sondern durch den Glauben gerecht werde.

Welt Erbe: Da Gott dem Abraham zuerst die Erbschaft des Landes Kanaan versprochen (darunter das himmlische Vaterland vorgebildet wurde), war aber noch nicht die Rede vom Gesetz, sondern Gott erklärte dem Abraham seine Gnade nur mit Worten, diese Gnade hat Abraham mit Glauben ergriffen und ist also durch den Glauben, aber nicht durch des Gesetzes Werke gerechtfertigt worden. Wie nun auch der Besitz des Landes Kanaan ein Gnadengeschenk Gottes gewesen ist und mit keinem Werk oder menschlicher Gerechtigkeit zuwege gebracht wurde, wie Mose es öffentlich bezeugt {5Mos 19}, so bekommt man das Himmelreich, welches durch das Land Kanaan abgebildet wurde, nicht aus den Werken, sondern aus Gnade.

14. Denn wo die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist abgetan.

Vom Gesetz: Welche durch die Werke des Gesetzes begehren, gerechtfertigt zu werden, da doch kein Mensch das Gesetz vollkommen hält.

Erben sind: Des ewigen Lebens, dass sie dieses erlangen könnten.

Abgetan: Denn es würde daraus folgen, dass Gott seine Verheißungen nicht gehalten hätte, und dass der Glaube, welcher sich auf solche Verheißungen gründet, eine vergebliche und nichtige Hoffnung wäre. Welches ein ganz gottloser Gedanke ist. Darum werden wir aus dem Gesetz nicht gerecht. Denn Gott tut die Verheißung seiner Gnade nicht ab, und weist den elenden Sünder zum Gesetz, dass er aus diesem müsste gerecht werden.

15. Denn das Gesetz nur Zorn anrichtet; denn wo das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung.

Zorn an: Und bringt uns keinen Segen noch Seligkeit, sondern verkündigt und legt uns auf den Fluch und Zorn Gottes, droht auch zeitliche und ewige Strafen an, nach dem Ausspruch, verflucht sei ein jeder der nicht bleibt in alledem, das geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er es tue {Gal 3 5Mos 27}. Ja es bringt das Gesetz die Gerechtigkeit und Seligkeit überhaupt nichts, es jedoch die Sünde viel größer macht. Gleich, wie eine gute Arznei zufälligerweise, ohne des Arztes Schuld, die Krankheit in einem Menschen größer machen kann, da er zuvor nicht todkrank gewesen ist. Denn je mehr das Gesetz verbietet, je mehr wird gesündigt, weil die Menschen so vielen heilsamen Geboten nicht gehorchen, denn wenn kein Gesetz wäre, würden weniger Sünden in der Welt geschehen.

Keine Übertretung: Also, was im Gesetz Gottes nicht verboten ist (dass es entweder in den Menschenherzen von Natur eingepflanzt oder durch Mose gegeben wurde), das ist auch keine Sünde. Darum geschieht es schon wegen der Verdorbenheit unseres Fleisches, dass, je mehr Gesetze uns gegeben werden, je mehr wir Sünden haben. Wie sollte denn der Mensch durch das Gesetz oder dessen Haltung, welches bei allen unvollkommen ist, könnte gerecht werden? Also, durch ein solches Ding, welches die Sünde nicht wegnimmt, sondern zeigt und vergrößert die Übertretungen? Darum macht das Gesetz aus Sündern noch größerer Sünder und keine Gerechten. Also muss man an einen anderen Weg zur Rechtfertigung suchen, welche aus Sündern nicht größere Sünder, sondern Gerechte macht. Dieser heilsame Weg aber ist die Rechtfertigung des Glaubens, davon oben berichtet ist. Denn Gott zeigt mit dem Beispiel Abrahams, dass er die Sünder will gerecht machen durch den Glauben oder durch das Vertrauen auf seine Barmherzigkeit um des Messias willen.

16. Der halben muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf dass sie sei aus Gnaden und die Verheißung festbleibe allem Samen, nicht dem allein, der unter dem Gesetz ist, sondern auch dem, der des Glaubens Abrahams ist, welcher ist unser aller Vater

Glauben kommen: Und müssen wir bekennen, dass wir nicht durch die Werke unserer Verdienste gerecht werden.

Aus Gnaden: Und lauter Gerechtigkeit Gottes. Denn Gott, als der reichste Monarch, will uns nichts schuldig sein, sondern wir müssen ihm schuldig sein, und alle unsere Gerechtigkeit und Seligkeit seiner Güte und Gnade anbefehlen.

Fest bleibe: Darum wir nicht nur seinetwegen, sondern auch, und viel mehr, um unseretwegen aus Glauben und nicht aus den Werken gerecht werden.

Allem Samen: Allen Kindern Abrahams, oder allen seinen Nachkommen.

Nach Luther: Beide, der Juden und der Heiden, denn die gläubigen Heiden sind sowohl Abrahams Samen wie die Juden.

Glaubens Abrahams: Der nach dem Beispiel des Patriarchen Abraham der göttlichen Barmherzigkeit glaubt und traut, wenngleich er nicht nach dem Fleisch von seinem Geschlecht kommt. Also ist die Meinung diese, wenn die Gerechtigkeit aus den Werken des Gesetzes käme, so wäre die Verheißung Gottes vom ewigen Leben nicht gewiss genug, ja vielmehr ganz ungewiss, weil niemand dem Gesetz vollkommen nachkommt. Gott aber will, dass die versprochene Seligkeit sowohl den Heiden wie auch den Juden, sofern sie alle beide glauben, ganz gewiss ist. Darum, so macht uns nun Gott gerecht, es sind Juden oder Heiden nicht aus den Werken, sondern durch den Glauben aus Gnaden. Diese Stelle ist wohl zu merken, nicht allein gegen die Rechtfertigung der Werke, sondern auch wider der Katholiken Zweifel, ob der Mensch bei Gott in Gnaden sei? Denn Gott will, dass der Glaube auf die göttliche Verheißung von der Gnade Gottes fest und steif sich gründe. Die Katholiken aber dagegen wollen: Ein Mensch soll an der Gnade Gottes zweifeln.

Aller Vater: Dessen Kinder und Miterben wir sind, und wie viel unser seinem Glauben folgen. Denn durch den Glauben sind wir Abrahams Kinder und Miterben der Gnade Gottes mit Abraham, alle, die wahrhaftig an Christus glauben.

17. (wie geschrieben steht. „Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker“) vor Gott, dem er geglaubt hat, der da lebendig macht die Toten und ruft dem, was nicht ist, dass es sei.

Vieler Heiden: Ist darum Abraham nicht nur der Juden, sondern auch der Heiden Erzvater, welche miteinander durch den Glauben müssen gerecht werden.

Vor Gott: Auch wenn es vor den Menschen ein viel anderes ansehen hatte.

Lebendig macht: Welches sonst keiner Kreatur, aus eigenen Kräften möglich ist. Darum Abraham einem solchen wahrhaftigen und mächtigen, ja allmächtigen Gott richtigerweise geglaubt hat.

Dass es sei: Er redet von Sachen, die noch nie gewesen, als wären sie bereits gegenwärtig vorhanden, denn er kann und pflegt, was er einmal versprochen hat, so in das Werk stellen, dass es gewiss geschehen muss. Daher auch die Propheten, aus Anregung des Heiligen Geistes, von zukünftigen Sachen so geredet haben, als von solchen Sachen, als wären sie bereits geschehen, weil sie gewusst haben, dass sie gewisslich geschehen würden. Darum sollen wir Gott dem Herrn in seinen Verheißungen trauen, wenngleich alle Dinge sich ganz anders ansehen lassen, ja auch das Gegenteil uns viel eher scheinen möchte. Und sollen solches tun, nach dem Beispiel Abrahams, in welchem die rechte Art des wahren Glaubens sich sehen lässt.

18. Und er hat geglaubt auf Hoffnung, da nichts zu hoffen war, auf dass er würde ein Vater vieler Völker, wie denn zu ihm gesagt ist. „Also soll dein Same sein.“

Hoffen war: Nach der menschlichen Vernunft, trotzdem hat er Gott vertraut und sich eine starke Hoffnung gemacht.

Vater vieler Heiden: Nicht nur geistlicher-, sondern auch leiblicherweise. Dass nämlich von seinen Nachkommen viel und große Völker kommen würden, wie von Ismael und Isaak seinen Söhnen, desgleichen von den Kindern seines Kebsweibes (Nebenfrau)geschehen.

Gesagt ist {1Mos 15}: Da ihm Gott die Sterne des Himmels zeigte.

Same sein: Wie die Sterne am Himmel, welche wegen der großen Menge nicht können gezählt werden.

19. Und er ward nicht schwach im Glauben, sah auch nicht an seinem eigenen Leib, welcher schon erstorben war (weil er schon fast hundertjährig war), auch nicht den erstorbenen Leib der Sara;

Und: Paulus fährt noch weiter fort, in des Abrahams Beispiel des Glaubens Natur besser herauszustreichen, damit er den rechten Glauben vom falschen und gefärbten unterscheide.

Nicht schwach: Dass er die Verheißung aus den Augen oder vielmehr aus dem Herzen sich hätte nehmen lassen, oder aber daran gezweifelt.

Erstorben war: Dass er wegen seines Alters und seiner Schwachheit seines Leibes zum Kinderzeugen nicht mehr fähig war.

Der Sara: Seiner Frau. Dass sie, von Natur unfruchtbar, dazu in einem hohen Alter, um Kinder zu empfangen oder zu tragen untauglich war. All diese Hindernisse hat Abraham aus den Augen gesetzt. Also will uns auch gebühren, dass wir unsere Augen von der Vernunft abwenden von dem, was der Verheißung Gottes zuwider sein scheint, und standhaft uns an das Wort Gottes halten.

20. denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre

Zweifelte nicht: Er grübelte nicht über Gottes Wort, dass er der ganzen Sache nachgedacht hätte, was Gott möglich sein möchte oder nicht.

Im Glauben: Er ergreift die göttlichen Verheißungen mit wahrem und starkem Glauben.

Nach Luther: Der Gott glaubt, der gibt ihm seine Ehre, dass er wahrhaftig, allmächtig, weise und gut ist. Also erfüllt der Glaube die 10 Gebote und macht den Menschen gerecht vor Gott, das ist der richtige Gottesdienst.

Die Ehre: Dass er wahrhaftig wäre. Denn welche an Gott glauben, die geben ihm das Lob der Wahrheit, gleichwie die wiederum ihn Lügen strafen, welche ihm nicht glauben {1Joh 5}.

21. und wusste aufs Allergewisseste, dass, was Gott verheißt, das kann er auch tun.

Auch tun: Er hat aber verheißen, dass er alle, die an Christus glauben, selig machen will. Darum sollen auch wir dieser Sachen gewiss sein, wider der Katholiken Geschwätz vom Zweifel. Und sollen auch den Zwinglianern nicht glauben, dass Gott alles leisten kann, was er verheißen hat, wenngleich es unserer Vernunft unmöglich scheint. Und obwohl in unserem verdorbenen Fleisch der Zweifel und Unglaube klebt, wie auch andere Laster. Jedoch müssen wir solche lassen und überwinden. Es will auch Gott den schwachen Glauben nicht wegwerfen, wenn er nur rechtschaffen.

22. Darum ist‘s ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet.

Gerechnet: Solch ein Glauben und Vertrauen: Weil er aus der Verheißung Gottes einen gewissen und wahren Glauben oder Vertrauen geschöpft hat zu der Barmherzigkeit und Gnade Gottes, dass er einen gnädigen Gott hätte, um des versprochene Messias willen: Also nicht durch die Werke, sondern durch den Glauben sind wir gerechtfertigt worden, wie oben bewiesen ist.

23. Das ist aber nicht geschrieben allein um seinetwillen, dass es ihm zugerechnet ist,

24. sondern auch um unseretwillen, welchen es zugerechnet werden soll, so wir glauben an den, der unsren Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten,

Unseretwillen: Denn wir sollen wissen, dass alles, was in der Heiligen Schrift aufgezeichnet steht, um unseretwillen aufgeschrieben ist, auf dass wir daraus den rechten Weg zur Seligkeit, und wie wir gottselig leben sollen, lernen.

Zugerechnet werden: Der Glaube zur Gerechtigkeit, eben auf solche Weise.

Glauben an den: Nämlich, an Gott, und seiner Barmherzigkeit vertrauen.

Auferweckt hat: Denn gleichwie die ganze Heilige Dreifaltigkeit in der Menschwerdung des Sohnes Gottes mitgewirkt hat, obwohl nur die andere Person in der Gottheit Mensch geworden ist. Also hat auch die ganze Dreifaltigkeit mitgewirkt in der Auferstehung des Menschensohnes.

25. welcher ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Gerechtigkeit willen auferweckt.

Unserer Sünden: Und nicht wegen seiner, weil er nie eine getan hat.

Dahingegeben: Von seinem himmlischen Vater unter das Gesetz in den Tod, und hat mit der Erfüllung des Gesetzes, auch mit seinem Leiden und Tod, uns die Vergebung unserer Sünden erlangt.

Auferweckt: Denn er hat mit seiner herrlichen Auferstehung bezeugt, dass er die Sünde und den Tod, uns zum Guten, überwunden, auf dass alle, die an ihn glauben, vor Gott gerecht geachtet werden, das heißt, dass sie Vergebung der Sünden haben, und Erben des Himmelreichs sind. Weil demnach Christus (und nicht Maria, auch nicht Petrus oder Paulus) für unsere Sünden gestorben ist, muss man allein auf das Verdienst Christi und sich nicht auf einen anderen Heiligen verlassen. Wir sollen aber guten Mutes und unerschrocken sein, weil für unsere Sünde genug geschehen ist. So beschließt also Paulus den Artikel von der Rechtfertigung des Glaubens, dass sie aus Gnaden ist, und nicht aus den Werken, sondern aus dem Glauben. Gleich, wie auch Abraham ist durch den Glauben und nicht durch die Werke gerecht geworden. Welche darum durch die Werke gerecht werden wollen, die geben zu verstehen, dass sie keine Kinder Abrahams sind, und darum auch keine Miterben des Himmelreichs. Und streiten nicht so sehr wider uns, als gegen den Apostel Paulus, ja wider die ganze Heilige Schrift, Altes und Neues Testament.


Das 5. Kapitel


Die herrlichen Früchte der Gerechtigkeit des Glaubens werden erzählt, darunter die Hoffnung die vornehmste ist, welche nicht lässt zuschanden werden. Danach wird die Sünde, so durch Adam auf uns gekommen ist, gegen die Gnade, welche uns Christus erworben hat, gehalten, auf dass die überschwängliche Gnade Gottes desto besser erkannt und gepriesen werde.

1. Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus,

Nun: Nachdem Paulus den Artikel von der Rechtfertigung zu Ende gebracht hat, wird er in etlichen Kapiteln lehren, von der Hoffnung eines Christen-Menschen, damit er soll gegen alle Anstöße und Unfälle steif und fest bestehen, und unter allerlei Gefahren und Anfechtungen das ewige Leben, so in Christo verheißen ist, gewiss sein. Er erzählt aber kurz die Früchte der Rechtfertigung des Glaubens und geht dann zur Handlung von der christlichen Hoffnung.

Friede mit Gott: Weil wir mit ihm wieder versöhnt sind, also dass wir in unserem Gewissen Ruhe und Frieden haben können, weil wir wissen, dass uns Gott um der Sünde willen nicht mehr feind, sondern unser aller gnädigster Vater ist.

Jesum Christi: Der uns solche Guttat gegeben und zuwege gebracht hat. Wenn darum der Satan unser Gewissen irremacht, dass er uns unsere begangenen Sünden wieder in das Gedächtnis ruft, so sollen wir ihm antworten: Wir haben Friede mit Gott, welche du Lügengeist (Teufel) uns vorhält. Denn wir sollen immer auf Christus sehen, den Gekreuzigten, welcher für die Sünde der ganzen Welt ein Opfer geworden ist.

2. durch welchen wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll.

Wir stehen: In welcher wir gewiss sind, weil uns Christus zur solcher Gnade Gottes gebracht hat, und noch dazu bringt. Das Mittel aber, dadurch uns die Gnade, von Christo erworben und zugeeignet wird, ist der Glaube. Wo sind hier die Verdienste der Heiligen und der Jungfrau Maria Fürbitte, weil Paulus uns den einzigen Mittler Christus vorstellt, durch welchen wir einen Zutritt zum himmlischen Vater haben.

Geben soll: Das heißt: Weil wir wissen, dass wir durch Christus mit Gott versöhnt sind, so rühmen wir uns jetzt auch der Hoffnung, dass wir, nämlich, die ewige und himmlische Herrlichkeit gewiss erlangen werden, welche Gott seinen Auserwählten bereitet hat. Also kommt Paulus auf den Handel von der christlichen Hoffnung, und wird bis auf das 12. Kapitel bewiesen, dass die Hoffnung nicht lässt zuschanden werden. Es ist aber die christliche und geistige Hoffnung, davon Paulus hier handelt, eine Tugend, da wir warten auf die Offenbarung der himmlischen Güter, welche uns Christus mit seinem Tod verdient hat, obwohl wir in dieser Welt mit mancherlei Unfall betrübt werden und gegen viel Anfechtungen kämpfen müssen. Dass wir dennoch nichtsdestoweniger gewiss hoffen, Gott der Herr werde uns durch alle Widerwärtigkeit in das Himmelreich führen. Wenn nun die rechten Christen sich rühmen der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes, wie Paulus sagt, wie bestehen denn mit diesem Ruhm der Katholiken Zweifel, welchen sie haben von ihrer ewigen Seligkeit? Heißt das, sich der himmlischen Erbschaft rühmen, wenn du nicht weißt, ob du sie auch bekommen wirst?

3. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, dass Trübsal Geduld bringt;

Aber das: Wir rühmen uns nicht nur des Himmelreichs, welches wir gewiss hoffen zu erlangen.

Der Trübsale: Die wir in dieser Welt ausstehen. Also so achten wir es für keine Schande, noch dass sie uns zur Seligkeit schädlich wären. Die Welt hält zwar nicht viel davon. Aber ein Christ soll wissen, dass seine Trübsal vor den Augen Gottes lauter köstliche Edelsteine, und der beste Schmuck ist. Ja wir sollen es gewiss so halten, dass sie unsere Seligkeit befördert, weil sie vielfältigen Nutzen haben, wie wir bald hören werden.

Geduld bringt: In den gottseligen Leuten. Darum rühmen wir uns der Trübsal nicht ohne Grund. Denn es macht zwar die Trübsal nicht, dass die Christen das Böse nicht empfinden, oder dass es ihnen nicht wehtäte. Sondern, obwohl das Fleisch häufig ungeduldig ist, so unterwerfen sie sich doch dem göttlichen Willen, und denken, dass alle Trübsale ihnen von Gott dem allergütigsten Vater zugeschickt werden, zwar nicht darum, dass er sie verderbe, sondern dass er den alten Adam in ihnen töte: Darum bringt das Kreuz in den Gläubigen Geduld und macht feine demütige geduldige Leute.

4. Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung;

Erfahrung: Hier muss man fleißig beachten, wie fein Paulus eins aus dem anderen zieht. Denn welche in der Furcht Gottes die Widerwärtigkeiten geduldig überstehen, die erfahrenen in der Tat, dass Gott der Herr die Seinen nicht verlasse, sondern sie mit seinem Heiligen Geist tröste, damit sie in der Trübsal nicht versinken. Denn Gott ist treu, der uns nicht lässt versucht werden über unser Vermögen {1Kor 10}.

Nach Luther: Erfahrung ist, wenn einer wohl versucht ist, und kann davon reden, als einer der dabei gewesen ist.

Hoffnung: Denn diejenigen die göttliche Hilfe etliche Male erfahren haben, die hoffen, es werde sie Gott der Herr in den künftigen Unfällen auch nicht verlassen.

5. Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist.

Zuschanden werden: Denn welche von Gott Trost und die rechte Erlösung von allem Übel hoffen, die werden nicht ewig zuschanden und in ihrer Hoffnung nie betrogen werden. Dies soll man sich in Anfechtung und Trübsal zu Herzen nehmen.

Denn: Paulus beweist seine Rede, die er zuletzt gesagt hat, dass, nämlich, die Hoffnung nicht lasse zuschanden werden, im Folgenden mit etlichen Gründen, darunter einer ist, dass uns Gott niemals verlassen will, wenn wir nur an ihn glauben und auf ihn hoffen.

Liebe Gottes: Damit er uns, als seine Kinder, liebt, dieses ist ein herrliches Zeugnis vom Heiligen Geist in unserem Herzen, damit wir begabt sind. Denn dieses gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder werden {Röm 8}. Darum ist es kein Zweifel, Gott sei immer väterlich gegen uns gesinnt, wie gegen seine Kinder, obgleich er vor der Welt sich viel anders ansehen lässt. Wie sollte er uns denn in Widerwärtigkeit verderben lassen?

6. Denn auch Christus, da wir noch schwach waren nach der Zeit, ist für uns Gottlose gestorben.

Gottlose gestorben: Dies ist ein anderer Beweis, und ein großes Zeichen der Liebe Gottes gegen uns, dass Christus für uns gestorben ist, da wir noch, der Zeit nach, unter dem Gesetz waren, und die richtige Erkenntnis Christi nicht hatten (es redet aber Paulus hier von den Israeliten). Ja wir waren recht gottlos, dennoch hat uns Gott also geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn in den Tod gegeben hat. So ist doch Christus für uns gestorben, die wir unserer Natur und ersten Geburt wegen Gottlose waren. Er ist aber gestorben um unserer Sünde willen, weil er diese auf sich genommen hat. Darum hat er auch die Strafen der Sünden getragen.

7. Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des guten Willen dürfte vielleicht jemand sterben.

Rechten willen: Es ist nicht so, dass jemand um seiner guten Werke willen ums Leben gebracht wird. Denn die Strafe erfolgt richtigerweise auf die Misshandlungen, und nicht auf die Tugenden.

Jemand sterben: Es möchten zwar etliche gefunden werden, welche einen ewigen Namen zu erlangen oder um ehrlicher Gesetze willen, ihr Vaterland, samt Frau und Kinder zu retten, sich nicht weigern zu sterben. Und haben diese zwar auf dieser Welt ihr Lob, aber Christus ist nicht für die Gerechten, sondern für die Ungerechten, lasterhaften Menschen, ja für die Sünde der ganzen Welt, diese zu versöhnen, gestorben. Und hat er sich solches schmählichen Todes nicht geschämt, auf dass er uns elenden Leute vom ewigen Tod erlöste. Wenn sich also Christus unser nicht geschämt hat, warum wollten wir uns seiner und seines Evangeliums schämen?

8. Darum preist Gott seine Liebe gegen uns, dass Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren.

Preist Gott: Es leuchtet Gottes Güte und Liebe gegen uns in dem hervor und zeigt sich, dass er wollte seinen Sohn für uns sterben lassen, als wir noch nicht bekehrt gewesen waren. Denn Christus ist für die Sünde der ganzen Welt und für alle Sünder gestorben.

9. So werden wir ja viel mehr durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir durch sein Blut gerecht geworden sind.

Durch ihn: Nämlich, durch Christus und seine Guttaten.

Zorn: Gottes, und vor der ewigen Verdammnis.

Seinem Blut: Durch das Vergießen seines Blutes hat er uns von unseren Sünden gereinigt, dass sie uns nicht mehr zugerechnet werden. Es erklärt aber Paulus ein Ding mit vielen Worten, weil er wohl gewusst hat, dass dieser Trost den Schwachen, und besonders dem geängstigten Gewissen, sehr nötig sein würde, die Hoffnung vom ewigen Leben zu behalten. Darum sollen wir guten Mutes sein: Das wir von dem Zorn Gottes werden sicher bleiben, wenn wir im Glauben beharren.

10. Denn wenn wir mit Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren, viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, so wir nun versöhnt sind.

Seines Sohnes: Welcher ein Opfer für unsere Sünden geworden ist.

Feinde waren: Wie die, die noch nicht zu Gott bekehrt sind. Ja, auch unser viele noch nicht geboren waren.

Selig werden: Dass wir die ewige Seligkeit gewiss erlangen werden, da wir häufig in Sünden fallen, wenn wir nur wieder umkehren und Buße tun. Weil Christus, unser Mittler, bereits von den Toten erstanden, lebt, und sitzt zur rechten des Vaters, mit dem er in gleicher Macht regiert, und bittet den Vater für uns armen Sünder {Röm 8}.

Versöhnt sind: Und durch den Glauben und Christo einverleibt werden.

11. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben.

Das: Dass wir gute Hoffnung haben zu unserer Seligkeit.

Rühmen uns: Wider die Sünde und Anläufe des Teufels.

Gottes: Als eines gnädigen Vaters, von dessen Gnade und väterlichen Willen wir versichert sind.

Nach Luther: Dass Gott unser sei, und wir sind sein, und alle Güter von ihm und mit ihm haben in aller Zuversicht.

Empfangen haben: Denn er hat uns diese Guttat am Kreuz getan, und lässt sie uns durch die Predigt des Evangeliums verkündigen und anbieten. Aus diesem Grund soll ein Christenmensch den Anfechtungen entgegensetzen, welche sich der ewigen Seligkeit und Hoffnung entgegenstellen. Und soll ein Christ sagen: Wenn Gott mich in meinen Sünden hätte verderben lassen wollen, so hätte er mich nicht durch den Tod seines eingeborenen Sohnes, auch damals, als ich noch sein Feind gewesen bin, erlöst. Hat er sich denn die Seligkeit seines Feindes so hoch angelegen sein lassen, wie viel mehr wird er mich seinen Sohn annehmen, wenn ich durch wahre Buße wieder zum Vater umkehre {Lk 15}.

12. Der halben, wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben;

Der halben: Jetzt bringt der Apostel Paulus einen stattlichen Beweis vor, die christliche Hoffnung zu stärken und zu unterhalten. Denn er vergleicht Adam und Christus und zeigt an, weil Adam mit Sündigen seine Nachkommen ins Verderben stürzen konnte, so könne vielmehr Christus seine Nachkommen, nämlich, die Gläubigen, selig machen, indem er für sie genug getan hat.

In die Welt: Als Eva durch die Schlange und Adam durch Eva verführt worden ist, dass er von der Frucht des verbotenen Baumes gegessen hat, da ist durch die Sünde ihre Natur so verdorben worden, dass später Adam und Eva solche Kinder gezeugt haben, die mit der Erbsünde vergiftet, und der ewigen Verdammnis unterworfen gewesen sind.

Tod: Welcher der Sünden Sold oder Strafe ist {Röm 6}.

Allen Menschen: Ganz gleich, welchen Standes und Geschlechtes oder Alters sie auch sind, also dass ihm niemand entgehen kann, bei dem er sich nicht einbringt.

Alle gesündigt: Es sind vor Gott alle Menschen Sünder, und von Natur schuldig des zeitlichen und ewigen Todes. Denn es haben auch die kleinen Kinder Sünde, wenn sie sterben. Dagegen aber ist durch Christus die Gerechtigkeit und das Leben wiedergebracht, dass so viel ihrer unter seinen Kindern gerechnet werden (es sind aber alle Gläubigen seine Kinder). Sie werden vor Gott gerecht geachtet, und erlangen durch ihn die Erlösung vom Tod und das ewige Leben. Dieser Vergleich bringt zwar Paulus an diesem Ort nicht ganz zu Ende, aber später wird er ausführlicher davon handeln. Sondern begegnet zuvor einer Einrede, wie der Tod könne um der Sünde willen gegen alle Menschen helfen, da doch viel tausend Menschen gegen das Gesetz Gottes nicht gesündigt haben, welches erst 2000 Jahre nach der Erschaffung der Welt gegeben wurde, auch mit dem Essen vom verbotenen Baum sich nicht vergriffen hatten, wie Adam und Eva. Auf solche Gedanken ist der folgende Bericht vom Paulus zu merken.

13. denn die Sünde war wohl in der Welt bis auf das Gesetz; aber wo kein Gesetz ist, da achtet man der Sünde nicht.

In der Welt: Und hat nicht erst angefangen, da das Gesetz gegeben wurde, sondern von dem Fall Adams an haben die Menschen immer gesündigt. Ist es nicht gegen das Gesetz Mose geschehen, welches damals noch nicht gegeben war, so ist es doch geschehen gegen das natürliche innerliche Gesetz, welches auch Gottes Geist ist, dem menschlichen Geschlecht eingepflanzt und eingegraben, wie in den vorigen Kapiteln bereits erwiesen wurde.

Kein Gesetz ist: Denn das Gesetz der Natur ist in der Menschen Herz sehr verdunkelt: Darum, wo das geschriebene Gesetz nicht dazukommt, da kann das Gesetz der Natur durch die menschlichen Begierden und Zuneigung leicht ausgelöscht und auch erstickt werden, dass man es nicht mehr spürt, und die Sünde nicht mehr empfindet, gleichwie man ein Licht zudeckt, dass es nicht mehr oder doch gar dunkel scheint.

Sünde nicht: Die Menschen merken nicht, dass sie oft und schwer sündigen, und obwohl sie häufig im Gewissen einen Stich empfinden, so ist doch die Sicherheit des Fleisches so, dass man es nicht beachtet. Also werden heutigen Tages im Papsttum, von wegen der Finsternis in der Region die schrecklichsten Laster nicht besonders geachtet, besonders zu Rom, da man sie ungestraft gehen lässt, weil die reine Lehre vom Glauben und den rechten guten Werken dort begraben liegt. Wo aber das reine Predigtamt des göttlichen Wortes im Schwange geht, da merkt man bald, wenn die Evangelischen übertreten, weil das Licht der rechten Religion so hell scheint.

14. Doch herrschte der Tod von Adam an bis auf Moses auch über die, die nicht gesündigt haben mit gleicher Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild des, der zukünftig war.

Herrschte: Über alle Menschen, dass ihm niemand entgehen kann: Obgleich die Menschen der Sünden sich nicht besonders annahmen, weil das Gesetz Mose noch nicht gegeben war.

Moses: Welcher das Gesetz der Natur durch den Aushang der 10 Gebote erklärt, und auch erneuert hat.

Gleicher Übertretung: Denn wenngleich sie auch könnten sagen, sie hätten nicht von der Frucht des verbotenen Baumes gegessen, wie Adam, so waren sie doch mit der Erbsünde befleckt und haben selbst auch andere Sünden begangen, die des zeitlichen und ewigen Todes wert gewesen wären. Welches aber augenscheinlich und genügend bewiesen wird, weil sie gestorben sind. Denn der Tod ist der Sünden Sold. Darum ist es gewiss, dass Adam die Sünde fortgepflanzt, und durch die Sünde den Tod über alle seine Nachkommen gebracht habe.

Nach Luther: Wie Adam uns mit fremder Sünde, ohne unsere Schuld, verdorben hat. Also hat uns Christus mit fremder Gnade, ohne unseren Verdienst, selig gemacht.

Zukünftig war: Nämlich, des Heilandes Christi, der in die Welt kommen sollte, dessen Figur und Vorbild war Adam. Denn sie sind in vielen Dinge miteinander zu vergleichen. Ein jeder ist der Patriarch seiner Nachkommen. Ein jeder hat auch seinen Nachkommen etwas vererbt. Von Adam sind durch die leibliche Fortpflanzung und fleischlichen Geburt gekommen alle Sünder: Von Christo kommen her durch die geistliche Fortpflanzung und Wiedergeburt alle Gerechten, welche durch den Glauben gerechtfertigt worden sind. Adam hat über seine Kinder die Sünde und den Tod gebracht: Christus bringt den Seinen Gerechtigkeit und ewiges Leben.

15. Aber nicht verhält sich‘s mit der Gabe wie mit der Sünde. Denn so an eines Sünde viele gestorben sind, so ist viel mehr Gottes Gnade und Gabe vielen reichlich widerfahren durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus.

Aber: Jetzt zeigt Paulus an, wie die Kraft und Wirkung der Guttaten Christi, zu unserer Seligkeit, größer sind als die Sünde, so von Adam begangen zur Verdammnis.

Gabe: Die Gerechtigkeit, so sie durch Christus erworben ist. Denn diese Gewalt ist größer als die Sünde, die von Adam kommt. Dass aber durch die Gabe die Gerechtigkeit des Glaubens, und nicht die Schenkung des Heiligen Geist an diesem Ort zu verstehen ist, wird später dieser Text lehren.

Gestorben sind: Dass Adam mit seiner einzigen Sünde so viel tausend Menschen in den zeitlichen und ewigen Tod stürzen konnte.

In Gnaden: Welche seine Gnade er uns als seinen Brüdern, und allen Gläubigen reichlich gibt, dass wir aus Gottes Gnaden und durch die Gabe der Gerechtigkeit des Glaubens, auch durch die Liebe Christi gegenüber dem menschlichen Geschlecht, das ewige Leben erlangen, gleichwie wir durch Adams Sünde in den ewigen Tod und die Verdammnis gefallen waren. Wie es nun ein weit Größeres ist, einen toten Menschen aufzuwecken und lebendig zu machen, als einen Lebendigen töten, also leuchtet eben dadurch Christi größere Gewalt hervor, uns selig zu machen, als der Sünden Kraft, uns zu verdammen.

16. Und nicht ist die Gabe allein über eine Sünde, wie durch des einen Sünders eine Sünde alles Verderben. Denn das Urteil ist gekommen aus einer Sünde zur Verdammnis; die Gabe aber hilft auch aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit.

Eine Sünde: Dass die Gabe der Gerechtigkeit, nur eine Sünde wegzunehmen, genügen würde. Denn in dieser Weise wäre den Sündern durch Christus die wahre vollkommene Seligkeit nicht wiedergebracht worden; sondern es hat zwar eine Sünde viele in die Verdammnis gestürzt, aber die Gerechtigkeit des wahren Glaubens durch Christus erworben, tilgt und bedeckt nicht nur eine, sondern unzählige Sünden, wenn man nur an Christus glaubt.

Zur Verdammnis: Derer, die durch den Glauben mit Gott nicht versöhnt werden.

Zur Gerechtigkeit: Also, dass, obgleich viele und schwere Sünden begangen wurden. Dennoch, wenn die Gnade Gottes mit Glauben ergriffen wird, so reicht allen denen es zur Gerechtigkeit, welche Buße tun, und an Christus glauben. Hat uns also eine Sünde ins Verderben gebracht. Aber die Gnade Gottes nimmt nicht nur eine, sondern unzählige Sünden weg. Für diese unermessliche Güte Gottes wir ihm stets Lob und Dank sagen sollen.

17. Denn so um des einen Sünder willen der Tod geherrscht hat durch den einen, viel mehr werden die, so da empfangen die Fülle der Gnade und der Gabe zur Gerechtigkeit, herrschen im Leben durch einen, Jesum Christus.

Geherrscht hat: Also, dass durch eines Adams Sünde der Tod die Herrschaft und Gewalt bekommen hat über alle Menschen.

Gabe zur Gerechtigkeit: Hier hat man zu beachten, dass die Gerechtigkeit eine Gabe genannt wird.

Herrschen im Leben: Denn so eines Menschen einige Sünder konnte alle Menschen des Todes Herrschaft unterwerfen, wie viel mehr wird die Gnade und Güte Gottes (welcher er über uns nicht wenig, sondern reichlich und überflüssig ausschüttet, indem er uns die Gerechtigkeit des Verdienstes Christi schenkt) verschaffen, dass, welche sie mit Glauben ergreifen, im ewigen Leben herrschen werden durch die Guttat ihres Heilandes Christi. Also das, wie um eines Menschen Sünde Willen der Tod zuvor über die Menschen herrschte. In gleicher Weise jetzt die Gläubigen um eines Menschen Verdienst oder Gerechtigkeit willen, die ihnen aus Gnaden geschenkt und zugerechnet wird, über den Tod wiederum herrschen. So ist darum Christi Verdienst, oder die selig machende Gerechtigkeit viel mächtiger in uns als die Sünde, so da verdammt. Und hat Adam durch die Sünde uns können verderben, wie sollte uns Christus durch sein Verdienst oder seine gnadenreiche Gerechtigkeit nicht selig machen können? Es wäre denn, dass die Sünde mächtiger wäre als die Gerechtigkeit und der Satan gewaltiger als Christus: Welches niemand sagen wird. Diese Gründe sollen wir zur Bestätigung unsere Hoffnung fleißig betrachten, besonders, wenn wir die vielfältigen Schwachheiten unseres Fleisches und die Sünde, so sie noch in uns wohnt, empfinden, und sollen mit Paulus sagen: Hat uns Adam mit seiner Sünde in einen solchen Jammer stürzen können, wie sollte uns Christus, als der andere und bessere Adam, nicht können aus solchem Jammer erretten und selig machen? Und mit seinem Verdienst oder Gerechtigkeit alle unsere Sünden vertilgen.

Nach Luther: Merke, dass er hier von der Erbsünde redet, welche von Adam seinem Ungehorsam gekommen ist, daher alles sündlich ist, was an uns ist.

18. Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen.

Wie: Jetzt zeigt der Apostel an, in welchen Sachen Christus und Adam miteinander übereinkommen.

Nach Luther: Wie Adams Sünde unsere eigene geworden ist, also ist Christi Gerechtigkeit auch unsere eigene geworden.

Gekommen ist: Wo sie mit Gott nicht wiederum versöhnt wird.

Des Lebens: Dass wir aus Glauben gerechtfertigt werden und das ewige Leben haben. Denn Adam macht seine Kinder zu Sündern und verdammt: Christus aber macht seine Kinder gerecht und selig.

19. Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also auch durch eines Gehorsam werden viele Gerechte.

Viele Gerechte: Das heißt: Gleichwie des einzigen Adams Ungehorsam (darauf die Natur sobald verdorben wurde), so viel zuwege gebracht hat, dass alle, die von ihm her kommen, Sünder werden: Also hat der Gehorsam Christi geschafft, dass die ihm angehören (es gehören ihm aber alle Gläubigen an), die durch die Zurechnung seines Gehorsams vor Gott gerecht geachtet werden und das Recht zum ewigen Leben bekommen. Man muss aber des Adams Ungehorsam nicht nach der Vernunft Urteil gering achten. Denn obwohl es eine geringe Übertretung zu sein scheint, die wohl gar keine Strafen verdient hätte, dass Adam von der Frucht des verbotenen Baumes gegessen hat. So ist es doch keine kleine Sünde gewesen, das Gebot Gottes, des Schöpfers des Himmels und der Erde, zu übertreten, und durch Ungehorsam von dem höchsten und ewigen Gott sich abwenden und zum Teufel halten; so ist auch der Gehorsam Christi ebenso wenig gering zu schätzen. Denn ist das nicht ein Großes, dass Christus, der in göttlicher Gestalt und Majestät war (wahrer ewiger Gott und Mensch in einer Person) ein Herr, und kein Knecht des Gesetzes, dennoch freiwillig dem Gesetz sich unterworfen hat, für uns das ganze Gesetz erfüllt hat {Mt 5 Gal 4}. Danach ist er auch seinem himmlischen Vater Gehorsam gewesen in seinem Leiden für unsere Sünden, und zwar so gehorsam, dass er auch den allerschlimmsten Tod des Kreuzes erduldet hat. Dieser zweifache Gehorsam Christi, von einer solchen Person, die Gott und Mensch ist, geleistet, ist vor den Augen Gottes so groß geachtet worden, dass er alle unsere Sünden zugedeckt und versöhnt. Diesen Trost muss man, wie oben gemeldet, den schwachen und geängstigten Gewissen vorhalten.

Gestorben ist: Wie zuvor gehört, geistlicherweise, durch die Taufe mit Christus.

Gerechtfertigt: Dass ihm die Erbsünde, und auch seine begangenen wirklichen Sünden nicht mehr zugerechnet werden. Wenn wir darum davon erlöst sind, so sollen wir keine Gemeinschaft mehr damit haben, und obwohl wir die anklebende Sünde in diesem Leben nicht ganz aus unserem Fleisch reißen können, so sollen wir doch seinen Begierden nicht folgen. Welche ihre Sünden und Schwachheiten empfinden, und deshalb ängstlich und bekümmert sind, sich auch fürchten, dass sie nicht von Gott verstoßen werden: Diese sollen eine gute Hoffnung haben. Denn Christus hat das Gesetz für uns auf das Vollkommenste erfüllt und auf das Reichlichste wiederum erstattet und zuwege gebracht, was Adam in uns verloren hatte.

20. Das Gesetz aber ist neben reingekommen, auf dass die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden,

Das: Weil einem wohl hätten solche Gedanken einfallen können, wozu nutzt denn das Gesetz, wenn alle unsere Seligkeit auf eine fremde Gerechtigkeit, nämlich auf den Gehorsam Christi besteht. Darauf gibt Paulus Antwort, und sagt, das Gesetz tut zwar zur wahren Gerechtigkeit nichts, wie es auch nicht so schnell nach des Menschen Fall gegeben wurde. Sondern es ist um einer anderen Ursache Willen uns gegeben, nicht dass es uns zeigt, nicht wie wir Gnade und Vergebung der Sünden bekommen, sondern vielmehr das uns bekannt würde die Größe, Menge, Kraft und Bosheit der Sünde aus dem Gesetz. Darum hebt das Gesetz die Sünde nicht auf, sondern zeigt und streicht die Sünde heraus. Und ist eben um dieser Ursache Willen in der Kirche Gottes nötig, dass wir unsere Sünden recht erkennen, und darüber wahrhaftig Reue und Leid tragen.

Mächtiger geworden: Denn es hätte jemand sagen mögen: Weil nun das Gesetz so beschaffen ist, so wäre es besser gewesen, wenn dieses nie gegeben wäre, als dass man ein solches Gesetz an den Tag gebracht hat, welches uns zur Verzweiflung treibt. Dieser Einrede setzt Paulus diesen herrlichen Trost entgegen, dass er sagt, wo man die Größe und Menge der Sünden im Gewissen empfindet und erkennt, Gott auch um Vergebung bittet, da will sich Gott der Herr desto gnädiger finden lassen, je mehr und größer als die Sünden, die begangen wurden. Und wird es nun niemals dahin kommen, dass des Sünders Übertretungen, wenn er nur nicht begehrt, darin zu verharren, größer sind als die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, sondern vielmehr wird die Gnade die Sünden, wie sie auch immer sein mögen, überwältigen, sie überschwemmen und verschlingen. Diesen Trost muss man nicht den Säuen vorlegen, welche noch in dem Sumpf ihrer Sünden, ohne alle Buße, sich herumwälzen und davon nicht denken zu lassen. Sondern den verwundeten und zerschlagenen Gewissen, welche die Sünde und den Zorn Gottes empfinden, und davor erschrecken, kleinmütig und verzagt sind, diese sollen sich diesen leiblichen und herrlichen Trost vom Teufel sich nicht nehmen lassen.

21. auf dass, gleichwie die Sünde geherrscht hat zum Tode, also auch herrsche die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesum Christus, unsren Herrn.

Geherrscht hat: Über alle Menschen hat sie angefallen und als ein mächtiger König, oder vielmehr Tyrann, gefangen genommen, dass sie alle der Sünden unterwürfig und leibeigen wurden, sie später in den Tod oder ewige Verdammnis zu stürzen begehrt.

Herrsche die Gnade: Denn Gott will, dass im Gegenteil seine Gnade und Güte die Macht und Größe der Sünden überwinde, damit die Menschen von Sünden erlöst werden, durch die Zurechnung der Gerechtigkeit des Glaubens, und also durch die Gnade, welche die Sünde überwunden und gedrückt hat, des Lebens und der ewigen Seligkeit teilhaftig werden.

Jesum Christi: Der uns solche Guttat gegeben und zuwege gebracht hat. Dem sollen wir all unsere Wohlfahrt und Seligkeit zumessen und ihm, als dem Sohn Gottes, von Herzen danken, dass er uns vom Reich der Sünden erlöst, und das Leben wiedergebracht hat. Und sollen in der christlichen Hoffnung beständig bestehen und nicht zweifeln, der Sünde und Verdammnis sei die Gewalt genommen, also, dass die Überschwemmung der Gnaden, wie eine Sintflut alle unsere Sünden ersäuft, damit sie nicht mehr vor Gottes Angesicht kommen und uns nicht zugerechnet werden.


Das 6. Kapitel


Paulus widerlegt die Einrede derjenigen, die das Evangelium von der Rechtfertigung des Glaubens aus Gnaden verlästern, als würde es einen Anlass zum ordentlichen Leben geben.

1. Was wollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf dass die Gnade desto mächtiger werde?

Beharren: Und darin mutwillig fortfahren.

Mächtiger werde: Und Gott Anlass bekomme, seine Gnade und Barmherzigkeit umso reichlicher über uns auszuschütten.

2. Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?

Sei ferne: Von uns, dass wir solches sagen oder denken sollten.

Abgestorben sind: Wir sind aber der Sünden geistlich abgestorben, dass sie ebenso wenig recht an uns hat, als an einem toten Menschen. Warum wollten wir uns der Sünde wiederum unterwerfen und nach ihren Lüsten tun, mit der wir, als Verstorbener und Toter, einfach nichts mehr zu schaffen haben sollten. Denn weil Paulus in den vorigen Episteln ausführlich gelehrt hatte, dass wir nicht durch die Werke, sondern aus Gnaden, allein durch den Glauben gerecht werden, und dass wir mit starker Hoffnung es so halten sollen, Gott werde uns vor dem ewigen Zorn bewahren. Auch wenn sich noch eine große Macht und Menge der Sünden sich bei uns finden lassen, sei doch die Gnade und Güte Gottes viel mächtiger: Da ist es geschehen, dass etliche Maulchristen diese holdselige Lehre missbraucht haben, und nach ihren Begierden gelebt haben, als wenn nichts daran gelegen wäre, was sie auch für ein Leben führten, und sie täten gleich was sie wollten, so könnten sie doch nicht verloren und verdammt werden. So haben sich auch solche gefunden, welche Paulus übel nachgeredet haben, und gesagt: Er macht mit seiner Lehre von der Größe der Gnade Gottes, aller Bosheit der Menschen Tür und Fenster auf. Wie auch die Katholiken uns verlästern und sagen, wir verbieten gute Werke und lassen den Leuten zu, dass sie nach ihrem Gefallenen leben können. Darum macht Paulus in diesem folgenden Kapitel einen Sprung von dem Artikel der christlichen Hoffnung und zeigt an, wie man diese Lehre nicht missbrauchen müsse zur fleischlichen Wollust, sondern dass man vielmehr gottselig leben soll.

3. Wisst ihr nicht, dass alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?

Getauft sind: Und durch die Taufe ihm geweiht und eingepflanzt sind, oder vielmehr geistlicherweise einverleibt wurden, dass wir seine Glieder sind.

Nach Luther: Dass wir auch, wie er, sterben, denn wir sterben der Sünde nicht ganz ab, das Fleisch sterbe denn auch leiblich.

Tod getauft: Dass wir seines Todes teilhaftig werden, nicht anders, als wenn wir selbst bereits für die Sünden gestorben wären. Denn so er für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben, wie Paulus es an einem anderen Ort redet {2Kor 5}. Wir sind aber mit Christus gestorben, also, dass uns sein Tod zugerechnet wird, damit wir nun von Sünden frei sind, und um derselben willen nicht verdammt werden.

4. So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.

Begraben: Es ist eben ein solches Ding, als wenn wir mit Christus auch begraben wären, und das darum, damit wir später und in künftigen Sünden abgestorben bleiben, dass sie keine Ursache mehr an uns haben, noch uns verdammen können. Darum sollen wir die Sünde fahren lassen, und nichts mit ihr zu tun haben. Denn da wir wollen, dass diese uns nicht zugerechnet, sondern aus dem Weg geräumt werde, so sollen wir auch uns zukünftig von den Sünden enthalten.

Leben wandeln: Denn wir sind nicht darum der Sünden abgestorben und begraben, dass wir uns von Neuem in Sünden wiederum verwickeln, sondern, wie Christus jetzt ein neues, und kein irdisches Leben mehr führt, er auch mit der ganzen Welt Sünde, diese zu büßen, wie sie ihm vor der Zeit zu büßen aufgelegt wurde, nichts mehr zu tun hat. Also sollen auch wir ein gottseliges und ehrbares Leben führen, welches mit der Regel und Richtschnur des Gesetzes Gottes übereinstimmt, und nicht nach dem alten Adam stinke. Sind darum diejenigen Christus dem Herrn ganz undankbar, und achten sich ihrer ewigen Seligkeit wenig, welche, nachdem sie durch seinen Tod von den Sünden erlöst wurden, sich wieder und mutwillig in den Sündendienst begeben, und dieser somit leibhaftig werden.

5. So wir aber samt ihm gepflanzt werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein,

Gepflanzt werden: Dass wir ihm als Samen durch die Taufe eingepflanzt werden, dass sein Tod unser Tod ist, und ebenso viel ist, als wenn wir selbst gestorben wären, so wird auch seine Auferstehung unsere Auferstehung sein, und ebenso sein, als wenn wir mit ihm bereits auferstanden wären. Darum leben wir jetzt geistlicherweise auch in einer anderen Welt, da die Sünde abgetan ist.

6. dieweil wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir künftig der Sünde nicht mehr dienen.

Alter Mensch: Der durch die Sünde in uns verdorben ist.

Aufhöre: Denn so oft wir daran denken, dass Christus gekreuzigt wurde, sollen wir so gesinnt sein, als wenn wir unseren alten Adam (nämlich, die anklebende Sünde, welche zu äußerlichen Sünden reizt) sehen samt Christus mit Nägeln ans Kreuz geheftet, damit er seine bösen Werke weiter nicht mehr, wie zuvor, treibe. Ja wir sollen uns ganz dafürhalten, dass der alte Adam darum gekreuzigt wurde, auf dass solche Verdorbenheit einmal ganz und gar ausgelöscht werde, welches zwar im Tode vollkommen geschehen wird. Denn welche Christus angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden {Gal 5}.

Nicht dienen: Denn wir sollen wissen, dass Christus unsere Sünden nicht darum an das Kreuz geheftet hat, dass wir diese wieder losmachen, und ihre Gewalt über uns lassen, indem wir tun, was unserem verdorbenen Fleisch, der Welt, und dem Teufel gefällt. Die aber dienen den Sünden, welche den bösen Begierden mutwillig folgen. Dagegen die, die solche bösen Begierden überwinden und von äußerlichen groben Sünden sich enthalten, über die Sünde herrschen.

7. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde.

Gestorben ist: Wie zuvor gehört, geistlicherweise durch die Taufe mit Christus.

Gerechtfertigt: Dass ihm die Erbsünde und auch seine begangenen wirklichen Sünden nicht mehr zugerechnet werden. Wenn wir darum davon erlöst sind, so sollen wir keine Gemeinschaft mehr damit haben, und obwohl wir die anklebende Sünde in diesem Leben nicht ganz aus unserem Fleisch reißen können, so sollen wir doch seinen Begierden nicht folgen.

8. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden,

Gestorben ist: Wie zuvor gehört, geistlicherweise durch die Taufe mit Christus.

Gerechtfertigt: Dass ihm die Erbsünde, und auch seine begangenen eigenen Sünden nicht mehr zugerechnet werden. Wenn wir darum davon erlöst sind, so sollen wir keine Gemeinschaft mehr damit haben, und ob wir wohl die anklebende Sünde in diesem Leben nicht ganz aus unserem Fleisch reißen können, so sollen wir doch seinen Begierden nicht folgen.

9. und wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, künftig nicht stirbt; der Tod wird künftig nicht mehr über ihn herrschen.

Nicht stirbt: Sondern bleibt in dem neuen himmlischen Leben immer und ewig, in welches er durch die Auferstehung eingegangen ist.

Nicht herrschen: Er hat kein Recht auf Anspruch nach mehr zu ihm, nachdem die Sünde jetzt abgetan und versöhnt ist, welches des Todes Ursache gewesen war. Also sollen auch wir, die wir Christus einverleibt sind, im neuen Leben beharren, welches dem Gesetz Gottes gemäß ist.

10. Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott.

Sünde: Nämlich, der ganzen Welt Sünde, welche er auf sich genommen hat, diese zu versöhnen.

Lebt er Gott: Und kämpfe nicht mehr mit der Sünde durch den Tod, sondern lebt jetzt in höchster und himmlischer Freude mit Gott, und vor den Augen Gottes, damit er sich Gott erfreut, und der göttlichen ewigen Seligkeit genießt.

11. Also auch ihr, haltet euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christo Jesus, unserem Herrn.

Gestorben seid: Und keine Gemeinschaft mehr mit ihr haben sollt.

Lebt Gott: Also, dass ihr jetzt ein himmlisches Leben führen sollt, in geistlicher Freude, welche aus einem ruhigen Gewissen und unsträflichen Wandel kommt, und nachdem ihr den vorigen gottlosen Wandel abgelegt habt, Gott ergeben seid, und auch seines Willens euch bemüht: Denn ihr seid dem Sohn Gottes, Jesu Christo, einverleibt, wie jetzt oft gesagt ist, mit dem ihr der Sünden abgestorben seid, und Gott lebt. Sieht man darum, dass die Lehre des Evangeliums von Vergebung der Sünden, welche wir durch das Verdienst Christi erlangen, kein gottloses, sondern ein gottseliges Leben erfordert. Welche darum unter dem Schein der evangelischen Lehre noch ihres verdorbenen Fleisches Gelüsten mit Willen leben, die sollen wissen, dass sie das Evangelium von Christo noch nicht mit wahrem Glauben angenommen haben.

12. So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten.

So: Jetzt folgt ein Beschluss der bisher bewiesenen Sache, von der Vermeidung der Sünden. Und will so viel sagen: Aus den bisher erzählten Gründen schließe ich, dass, obwohl ihr in diesem sterblichen Leibe die Erbsünde noch mit euch herumschleppt, diese auch nicht von euch ablegen könnt, solange ihr lebt, so sollt ihr es doch nicht so weit kommen lassen, dass solche Sünde in euch herrsche, und ihr ihren Begierden nachgebt, dass ihr tun wollt, was die anklebende Sünde begehrt und auch befiehlt, sondern herrscht ihr viel mehr über die Sünden, und überwindet sie männlich. Die regierende oder herrschende Sünde aber ist, wenn der Mensch seinen bösen Gelüsten nachgeht. Wie geschehen, als König David die Bathseba sah und seiner angeborenen Sünde folgte, die ihn zum Ehebruch reizte, da herrschte die Sünde in ihm: Als er aber seinen Feind, den Saul, in seinen Händen hatte, und ihn doch nicht umgebracht hat, da herrschte er über die Sünde. Welche nun aus Glauben über die Sünde herrschen, die behalten Gottes Gnade und den Heiligen Geist, obwohl sie im Herzen noch böse Bewegungen empfinden. Welche aber die Sünden herrschen lassen, die verlieren Gottes Gnade und den Heiligen Geist und fallen ins Verderben. Es sei denn, dass sie durch wahre Buße sich wieder zu Gott bekehren.

Nach Luther: Merke, die Heiligen haben noch böse Lust im Fleisch, der sie aber nicht folgen.

13. Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit.

Auch: Jetzt bringt der Apostel Paulus noch eine andere Ursache vor, welche uns dazu bewegen soll, dass wir der Sünde nicht folgen sollen.

Eure Glieder: Die ja Gott zu ehren, und ihm zum Gehorsam geschaffen sind.

Waffen: Oder Werkzeuge für allerlei Sünde, Schande, und Laster zu treiben. Denn wer da lügt, der braucht seine Zunge als ein Werkzeug zur Ungerechtigkeit: Wer der Trunkenheit ergeben ist, der gibt seinen Mund, Leib und andere Glieder mit dem Wein der Sünden preis. Es wäre auch von anderen Lastern noch mehr zu reden.

Gott: Dass ihr euren Leib und eure Seele in seinem Gehorsam ergebt.

Lebendig sind: Weil ihr durch Christus vom ewigen Tod erlöst seid, und mit der Verheißung des ewigen Lebens begabt wurdet, solches sollt ihr gut bedenken und euch zu Gemüte führen.

Der Gerechtigkeit: Dass ihr gerechte, ehrliche, und heilsame Werke verrichtet, und Gott seinen gebührenden Dienst leistet.

14. Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.

Denn: Jetzt zeigt Paulus an, wie man der Sünde, so in uns wohnt, widerstehen kann, dass sie nicht über uns herrsche, und gibt den Christen einen guten Trost, indem er sagt, dass es leicht geschehen kann.

Nicht herrschen können: Sie wird euch nicht überwinden können, obgleich sie euch ganz hart angeklebt, sofern ihr Gott darum um Hilfe bittet und euren Wandel, recht zu regieren, mit Fleiß bemüht.

Nach Luther: Solange die Sünde regiert, bleibt das Gewissen frei und zwingt die Sünde im Fleisch. Aber ohne Gnade regiert sie, und das Gesetz verdammt das Gewissen.

Unter der Gnade: Darum gehorcht ihr den Geboten Gottes nicht wider eurem Willen, aus Zwang des Gesetzes, und von wegen der Drohungen des Fluches, ohne Hilfe und Beistand des Heiligen Geistes, wie die Heuchler es tun, deren Werke mit Zwang geschehen; und was sie tun, das tun sie mit Unwillen und nicht aus Glauben: Sondern macht das, weil ihr wisst, dass ihr einen gnädigen Gott habt, und mit dem Heiligen Geist begabt seid. Ihr werdet dem Gesetz Gottes willig gehorchen, obgleich noch viele gute Werke mit Schwachheit von euch geschehen. Denn welche Christus den Erlöser noch nicht erkennen, die tun etliche äußerlichen guten Werke aus Zwang, aber die Christen, nachdem sie neu geboren sind, gehorchen den Geboten Gottes gern und willig {Ps 110}.

15. Wie nun? Sollen wir sündigen, dieweil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!

Wie nun: Paulus begegnet hier wiederum einer Einrede, da manche möchten sagen. Es stehe einem frei, zu sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Fluch des Gesetzes sind, sondern unter der Gnade und gnädigen Güte Gottes, damit er uns, als seine Kinder, herzlich liebt.

Gnade sind: Sollten wir darum die Gnade Gottes, damit er uns gewogen ist, zur Sünde missbrauchen?

Sei ferne: Denn es wäre ein ganz ungereimtes Ding, wie ich euch mit einem feinen Gleichnis erklären will.

16. Wisst ihr nicht. Welchem ihr euch begebt zu Knechten in Gehorsam, des Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?

Knechte seid ihr: Und nicht mehr euer eigener Meister, sondern dessen eigen, den ihr euch zu Diensten ergeben habt.

Der Sünde: Dass ihr dessen Knechte seid, welche Knechtschaft oder Dienstbarkeit den Menschen zur ewigen Verdammnis gereicht.

Gehorsam: Gegen die Gebote Gottes, dass ihr euch unter diese stellt: Welches euch dazu dienen wird, dass ihr von Tag zu Tag besser werdet, und in einem gottseligen gerechten Leben immer weitermacht. Es werden aber die mit viel härterer Dienstbarkeit beschwert, welche den Sünden nachhängen, als welche, die den Geboten Gottes sich befleißigen gehorsam zu sein. Und plagt der Teufel seine Märtyrer viel schlimmer, denn unser Herr Gott die Seinen.

17. Gott sei aber gedankt, dass ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun gehorsam geworden von Herzen dem Vorbilde der Lehre, welchem ihr ergeben seid.

Gewesen seid: In welcher elenden und verdammten Dienstbarkeit ihr jedoch nicht geblieben seid.

Ergeben seid: Das heißt, ihr habt das heilige Evangelium Christi angenommen und mit gehorsamen Glauben in diese Lehre bewilligt, welche eine andere Art oder Gestalt in sich begreift, als eure vorige Religion, sei es eine jüdische oder heidnische. Wenn wir aber die falsche Religion verlassen haben, so sollen wir auch den gottlosen Wandel von uns ablegen.

18. Denn nun ihr frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte der Gerechtigkeit geworden.

Frei geworden seid: Durch die Lehre des Evangeliums, welches ihr mit Glauben ergriffen habt. Denn dieser hat euch von der Dienstbarkeit der Sünden freigemacht.

Knechte geworden: Also dass, gleichwie ihr zuvor der Sündenwerke getan habt, also jetzt Werke tut der Gerechtigkeit oder gerechte Werke.

19. Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienst der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zur andern, also begebt auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden.

Reden: Denn ich richte mich nach eurem Verstand, wie ihr es fassen könnt, wenn ich sage, ihr seid von der Sünden Dienstbarkeit erlöst und Knechte der Gerechtigkeit geworden. Da ich doch sagen sollte, ihr wäret frei: Aber ich darf so nicht reden, damit nicht jemand unter euch aus fleischlicher Schwachheit, weil er diese Sache noch nicht genügend versteht oder fassen kann, meinen möchte, ich gebe euch Freiheit zu tun, was euch gelüstet. Darum will ich im Gleichnis von der Dienstbarkeit fortfahren, damit ihr zu guten Werken aufgemuntert werdet.

Unreinigkeit: Dass ihr euch mit Unzucht befleckt, und mit eurer Bosheit und Ungerechtigkeit Gott und den Nächsten beleidigt habt.

Zur anderen: Dass ihr je länger je böser wurdet. Denn wenn man dem Satan und seinen Versuchungen Platz gibt, so treibt er von einer Sünde in die andere, die dazu je länger je beschwerlicher wird, und der Mensch Bosheit von Tag zu Tag zunimmt. Darum sollen wir uns vor der ersten Sünde hüten, damit wir die übrigen desto besser meiden können.

Der Gerechtigkeit: Dass ihr tut, was die Gerechtigkeit erfordert, nämlich gute und gerechte Werke.

Heilig werden: Und ihr im heiligen Wandel je länger je mehr zunehmt, besser und heiliger werdet. Denn welche aus Glauben in guten Werken sich üben, die nehmen je länger je mehr darin zu. Von welcher Heiligkeit des Wandels Johannes redet, da er sagt: Wer fromm ist, der sei immer fromm, und wer heilig ist, der sei immer heilig, das heißt, er nehme in der Frömmigkeit und im heiligen Wandel immer mehr und mehr zu {Apg 22}.

20. Denn da ihr der Sünde Knechte wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit.

Denn: Paulus stellt uns zu betrachten vor, was wir Böses oder Gutes aus der Dienstbarkeit der Sünden oder auch aus der Gerechtigkeit empfangen und zu erwarten haben.

Frei von der: Dass ihr damals nicht geachtet, wie ihr der Gerechtigkeit dienen möchtet, ihr wart nicht viel damit bemüht, wie ihr möchtet ein gottseliges Leben führen, und hattet mit der Gerechtigkeit nichts zu tun.

21. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämt; denn ihr Ende ist der Tod.

Schämt: So oft ihr daran denkt, welche darum wegen ihrer begangenen Sünden sich noch rühmen, die haben nicht wahrhaftige Buße getan.

Der Tod: Samt allerlei Unglück und der ewigen Verdammnis, welche auf solch ein gottloses und lasterhaftes Leben folgen. Denn es begreift Paulus in dieser Materie mit dem Wort, Tod, allerlei Unglück und Jammer, auch den zeitlichen Tod und die ewige Verdammnis. Und gibt Sünde solchen Lohn, dass sie die Leute vor Gott und den Menschen schamrot und zuschanden macht, auch in unzählige Jammer, und endlich ins ewige Verderben stürzt. Es soll sich aber keiner selber damit kitzeln, dass die Strafen eine Zeit lang sich nicht sehen lassen. Denn Paulus lügt gewiss nicht, da er sagt, dass der Sünden Ende der Tod ist.

22. Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, dass ihr heilig werdet, das Ende aber ist das ewige Leben.

Tod: Und allerlei Unglück wie oben angezeigt. Denn die Sünde lohnt den Menschen, wie der Henker seinem Knecht.

Ewige Leben: Die ewige und himmlische Freude, welche uns nicht widerfährt durch unsere Verdienste, sondern ist ein gnadenreiches Geschenk, welches dem Dienst der Gerechtigkeit gegeben wird um Christi willen, der uns das ewige Leben mit seinem Blut erworben hat. Hier muss man auch merken, wie behutsam Paulus redet, indem er das ewige Leben ein Geschenk und eine Gabe Gottes nennt, damit niemand meinen möchte, wir bekommen es durch unsere Werke. Denn Gott schenkt denen, die durch den Glauben Gottes Kinder geworden sind, und ihm gottselig dienen, die ewige Belohnung. Darum sollen wir dadurch aufgemuntert werden, dass wir vielmehr der Gerechtigkeit, als der Sünden dienen.

23. Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unsrem Herrn.

Tod: Und allerlei Unglück wie oben angezeigt. Denn die Sünde lohnt den Menschen, wie der Henker seinem Knecht.

Ewige Leben: Die ewige und himmlische Freude, welche uns nicht widerfährt durch unsere Verdienste, sondern sie ist ein gnadenreiches Geschenk, welches dem Dienst der Gerechtigkeit gegeben wird um Christi willen, der uns das ewige Leben mit seinem Blut erworben hat. Hier muss man auch merken, wie behutsam Paulus redet, indem er das ewige Leben ein Geschenk und eine Gabe Gottes nennt, damit niemand meinen möchte, wir bekommen es durch unsere Werke. Denn Gott schenkt denen, die durch den Glauben Gottes Kinder geworden sind, und ihm gottselig dienen, die ewige Belohnung. Darum sollen wir dadurch aufgemuntert werden, dass wir vielmehr der Gerechtigkeit als der Sünden dienen.


Das 7. Kapitel


Die Wiedergeborenen werden vom Fluch des Gesetzes freigesprochen. Danach wird von des Gesetzes Natur und Wirkungen gehandelt. Und damit er des Gesetzes höchste Vollkommenheit besser herausstreicht, so klagt er sein Unvermögen in der Erfüllung desselben.

1. Wisst ihr nicht, liebe Brüder (denn ich rede mit solchen, die das Gesetz wissen), dass das Gesetz herrscht über den Menschen, so lange er lebt?

Wisst: Weil Paulus wusste, wie langsam und träge unser Fleisch ist zu guten Werken, so fährt er in der Ermahnung zur Gottseligkeit fort und bringt ein anderes Gleichnis vor, von einem Weibe, welches ihrem Mann zum Gehorsam verbunden ist. Denn wie ein Weib gegen ihren Mann sich gehorsam zu verhalten schuldig ist, so steht es auch einem gottseligen Menschen zu, dass er sich gegen Christus so erzeige.

2. Denn ein Weib, das unter dem Manne ist, ist an ihn gebunden durch das Gesetz, so lange der Mann lebt; so aber der Mann stirbt, so ist sie los vom Gesetz, das den Mann betrifft.

Gesetz: Welches sie mit dem Mann so verknüpft, dass sie den Mann nicht verlassen darf, noch ihm den Gehorsam absagen, so lange er lebt. Es wird aber hier nicht gehandelt von etlichen Fällen, die sich zutragen, und genügend Ursache geben können, dass ein Weib von dem Mann in ordentlicherweise geschieden wird, sondern Paulus bleibt hier bei der allgemeinen Regel und beim allgemeinen Gesetz des Ehestandes.

Vom Gesetz: Welches sie des Mannes Gewalt und Willen unterwarf, also dass sie ungehindert einem anderen Mann heiraten kann, wenn sie will. Denn es haben sich etliche darin sehr geehrt, welche vorgeben, dass eine neue Heirat eine Hurerei ist.

3. Wo sie nun eines anderen Mannes wird, solange der Mann lebt, wird sie eine Ehebrecherin geheißen; so aber der Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz, dass sie nicht eine Ehebrecherin ist, wo sie eines anderen Mannes wird.

Mannes wird: Dass sie mit ihm lebt und zu ihm hält. Solches, will Paulus sagen, sollt ihr mit Fleiß betrachten: Denn ihr bald hören werdet, was daraus folgt, wenn ich dieses Gleichnis auf mein Vorhaben deuten werde.

4. Also seid auch ihr, meine Brüder, getötet dem Gesetz durch den Leib Christi, dass ihr eines andern seid, nämlich des, der von den Toten auferweckt ist, auf dass wir Gott Frucht bringen.

Dem Gesetz: Also, dass ihr demselben gestorben, und das Gesetz euch gestorben ist, durch den Tod Christi, welchen er in seinem Fleisch gelitten, damit das Gesetz kein Anspruch oder Recht mehr an euch habe, und euch mit den Geißeln des Fluches, als ein harter Ehemann, nicht mehr plagen kann. Denn ihr seid von solchem unfreundlichen und sperrigen Mann erlöst.

Nach Luther: Der alte Mensch hat das Gewissen mit Sünden zu eigen, wie ein Mann sein Weib. Aber wenn der alte Mensch stirbt durch die Gnade, wird das Gewissen frei von Sünden, dass ihm auch das Gesetz nicht mehr die Sünde auflegen, und den alten Menschen nicht mehr unterwürfig machen kann.

Auferweckt ist: Welcher ist Christus, mit dem ihr in einem neuen Ehestand vereinigt, und zusammen gegeben worden seid.

Frucht bringen: Nämlich, viel gute Werke zur Ehre Gottes und des Nächsten Nutzen, und solches aus Gehorsam gegen unseren Ehemann Christo. Dieses gute Gleichnis von der Ehe zwischen Christo und der Kirche soll unseren Glauben, von der inbrünstigen Liebe Christi gegen uns, stärken und uns zu rechtschaffener Dankbarkeit und zum Gehorsam gegen ihm reizen.

5. Denn da wir im Fleisch waren, da waren die sündigen Lüste, welche durchs Gesetz sich erregten, kräftig in unseren Gliedern, dem Tode Frucht zu bringen.

Fleisch waren: Und fleischlich gesinnt, weil wir durch das Predigtamt des Evangeliums noch nicht wiedergeboren wurden.

Lüste: So in unserem Fleisch verborgen lagen.

Erregten: Und hervor ans Licht kamen.

Gliedern: Dass sie diese antrieben, allerlei Sünde zu begehen.

Frucht zu bringen: Denn es geschahen solche Werke von uns, die uns den Tod oder die ewige Verdammnis verursachten. Wo darum die bösen Lüste herrschen, da hat man nichts anderes, als den Tod, das heißt, allerlei Unglück und die ewige Verdammnis zu erwarten.

6. Nun aber sind wir vom Gesetz los und ihm abgestorben, das uns gefangen hielt, also dass wir dienen sollen im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens.

Gefangen hielt: Und wir waren ungern unter ihm, als bei einem störrischen Ehemann, taten auch mit Unwillen und von Herzen nichts rechtes, sondern, wenn auch, nach dem Ansehen, manchmal etwas Gutes von uns verrichtet wurde, so war es doch lauter Heuchelei. Jetzt aber sind wir von einem solchen harten Ehemann erlöst, in der Gestalt, dass uns das Gesetz nicht mehr fluchen oder zwingen kann.

Neuem Wesen: Das heißt, dass wir unserem Ehemann Christo gehorchen mit einem neuen, willigen, und freudigen Geist und mit herzlicher Zuneigung, welcher gute Geist den Gläubigen durch die Predigt des Evangeliums gegeben wird: Und sollen ihm mit keinem unwilligen oder gezwungenen Geiste dienen, welcher in denen ist, die das alte Gesetz, so es mit Buchstaben in steinerne Tafeln geschrieben wurde, noch unter seiner Gewalt hat. Diese Änderung empfinden die rechten Gottseligen in sich, dass sie nämlich, oft mit einer besonderen Freudigkeit tun, was zu Gottes Ehre und des Nächsten Nutzen dient. Denn sie lieber ihren Ehemann und Erlöser Christus, von dem sie auch fest glauben, dass er sie inbrünstig liebt.

7. Was wollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht, außer durchs Gesetz. Denn ich wusste nichts von der Lust, wo das Gesetz nicht hätte gesagt. „Lass dich nicht gelüsten!“

Was: Weil Paulus nun sagt, was das Gesetz bisher getan hat, was es für eine Wirkung zu haben pflegt in den noch nicht wiedergeborenen Menschen, dass es, nämlich die Sünde nicht mindere, sondern vermehre, so nimmt er sich jetzt die Wirkung dieses Gesetzes vor, die zufälligerweise geschehe, ausführlicher zu erklären. Es wird aber hier nicht gehandelt von dem Brauch, welchen das Gesetz im weltlichen Regiment oder in der Kirche hat, da es den groben Sünden und Misshandlungen wert, sondern von dem Brauch, welches es in den Gewissen eines Sünders hat, der noch zu Gott bekehrt werden soll. Und fängt der Apostel die Sache an, dass zuvor nach seiner Gewohnheit eine Einrede vorbringt.

Sünde: Wollen wir darum sagen, das Gesetz sei gottlos, unrecht, nicht richtig und ein schädliches und böses Ding? Weil es die Sünde nicht aufhebt oder verbietet, sondern dies vielmehr erregt und mehrt, so höre ich wohl (möchte einer sagen) es ist nichts Gutes am Gesetz.

Durchs Gesetz: Darum macht oder schafft das Gesetz die Sünde nicht in uns, gießt uns auch die Sünde nicht ein, sondern es bringt sie hervor und an den Tag, da sie in uns vorher verborgen war. So ist das Gesetz dazu nützlich, dass es uns die Sünde offenbare, damit wir ein solch großes Übel erkennen, also bei Christus Rat und Hilfe suchen.

Wusste nichts: Hätte nie geglaubt, dass in meinem Herzen so viel böse Begierden stecken, noch gemeint, dass es so eine schwere Sünde vor Gott wäre, wenn man verbotene Dinge begehrte.

8. Da nahm aber die Sünde Ursache am Gebot und erregte in mir allerlei Lust; denn ohne das Gesetz war die Sünde tot.

Am Gebot: Das Gesetz, welches die böse Lust verbietet.

Lust: Denn wir streben immer nach dem, was uns verboten ist, und begehren, was uns abgeschlagen wird. Gleichwie das Wasser, wenn es auf den Kalk gegossen wird, nicht das Feuer macht, sondern dass zuvor im Kalk verborgen gewesen, erregt. Aus diesem hat man zu merken, weil uns von den 10 Geboten gezeigt wird, dass Paulus, wenn er vom Gesetz handelt, besonders die 10 Gebote, und nicht nur die Zeremonien versteht.

Sünde tot: Solange ich dem Gesetz nicht mit Ernst nachgedacht oder nachgetrachtet, war die Sünde in mir so unruhig wie das Gesetz, und empfand das Gewissen die Sünde und den Zorn Gottes nicht.

9. Ich aber lebte einst das ohne Gesetz; da aber das Gebot kam, wurde die Sünde wieder lebendig,

Ohne Gesetz: Denn obwohl ich von meiner Jugend auf im Gesetz zu den Füßen Gamaliel unterrichtet wurde, und mich von äußerlichen Sünden und Lastern enthielt {Apg 22}. Jedoch lebte ich in großer Sicherheit, und ich fragte nach dem rechten Verstand des Gesetzes wenig, erkannte auch die großen und vielen Sünden nicht, weil ich die Last des Gesetzes im Gewissen noch nicht empfand. Darum war es damals mit mir so beschaffen, als wenn ich allerdings kein Gesetz gehabt hätte. Und findet sich häufig, auch bei etlichen Auserwählten eine große Sicherheit, dass sie sich eine Zeit lang darin vertiefen.

Gebot kam: Dass ich den rechten Verstand des Gesetzes besser und eigentlicher nachdachte, und fand, was es für eine Unschuld von mir forderte, dass auch die böse Neigung bei Strafe des ewigen Fluches verboten wurde.

Lebendig: Da fing ich erst an zu empfinden, was für eine Grundsuppe in mir steckte. Denn die Sünde wachte in meinem Gewissen auf und gab sich zu erkennen, was für ein verdorbenes und tödliches Gift es ist.

10. ich aber starb; und es fand sich, dass das Gebot mir zum Tode gereichte, das mir doch zum Leben gegeben war.

Starb: Das hießt: Ich empfand im Gewissen, dass ich den ewigen Tod verdient hatte, darum war ich der Verzweiflung ganz nahe, ja, ich fing bereits an, an meiner Seligkeit zu verzagen. Denn das heißt wahrhaftig geistig sterben. Hier hören wir, dass auch die bösen Lüste des ewigen Todes für sich selbst wert sind, wo sie nicht um Christi willen verziehen werden.

Zum Tode gereichte: Und mir zur ewigen Verdammnis Vorschub tat.

Zum Leben: Dass ich das ewige Leben erlangen sollte, sofern ich das Gesetz vollkommen halten würde. Denn das Gesetz zeigt wahrhaftig den Weg zum ewigen Leben dem, der es vollständig hält: Weil es aber niemand vollkommen halten kann, so weist es alle Ungehorsamen von sich ab zum Tode.

11. Denn die Sünde nahm Ursache am Gebot und betrog mich und tötete mich durch dasselbe Gebot.

Betrog mich: Das will so viel sagen: Da die Sünde in mir durch das Gesetz, welches sie verbot, regiert wurde, reizte sie mich, dass ich der bösen Lust folgte, und bediente mich mit List, dass ich ihr, dem Gebote Gottes zuwider, gehorchte. Danach aber, als die Sünde begangen war, fing sie an, durch eben das gleiche Gebot, welches zuvor den Anlass gegeben hatte, die bösen Begierden in mir zu erregen, mich zu töten, dass es mich zur Verzweiflung treibt. Denn da die Erbsünde, so in mir wohnt, meine Augen wendete, nicht zur Barmherzigkeit, sondern zur Betrachtung des Sohnes Gottes, der im Gesetz angezeigt wird, fühlte ich, dass nichts weiter übrig ist als die Verzweiflung. Dies sollen die sich gut merken, welche um ihrer begangenen Sünde willen mit der Verzweiflung kämpfen, und mit dem Beispiel Paulus, als eines ganz vortrefflichen Mannes sich trösten, der in gleichem Kampf gestritten, aber dennoch nicht verloren wurde, sondern die ewige Seligkeit erlangt hat.

12. Das Gesetz ist ja heilig, und das Gebot ist heilig, recht und gut.

Das: Damit nicht jemand meint, es wäre das Gesetz schuldig daran, dass ein Mensch verdammt würde, so setzt Paulus jetzt eine Entschuldigung des Gesetzes hinzu.

Heilig: Und gebietet die Sünde nicht, bringt sie auch nicht zu uns.

Gebot: Gottes, welches auch der Grund ist, warum es gegeben wurde.

Und gut: Aber wir elenden Menschen sind von Natur nicht heilig, aber ungerecht und böse.

13. Ist denn, dass da gut ist, mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Aber die Sünde, auf dass sie erscheine, wie sie Sünde ist, hat sie mir durch das Gute den Tod gewirkt, auf dass die Sünde würde überaus sündig durchs Gebot.

Tod geworden: Hatte Gott sein heiliges und gutes Gesetz darum gegeben, dass er uns dadurch zur Verzweiflung treibe, und ins ewige Verderben stürze?

Sei ferne: Es ist das Gesetz nicht darum gegeben, dass wir verloren und verdammt werden. Denn sonst wäre es besser, wenn es nie gegeben worden wäre. Und will Gott den Tod des Sünders nicht.

Sünde ist: Und derselben Bosheit umso mehr an den Tag kommt.

Das Gute: Nämlich, durch das Gesetz, welches an ihm selber gut ist.

Tod gewirkt: Und mich zur Verdammnis gebracht.

Überaus sündig: Und der Sünden große überschwängliche Bosheit, auch was es für ein teuflisches Gift ist, durch das Gesetz desto besser erkannt würde. Denn daraus erkennt man, was die Sünde für ein schreckliches und abscheuliches Ding ist, dass sie, nämlich, von dem guten Gesetz Gottes, welches das Böse verbietet, Anlass und Gelegenheit nimmt, Übles zu tun. Und dass sie später eben aus diesem Gesetz Gründe sucht, dem elenden Menschen, welchen sie zuvor mit Schmeichelei hintergangen hat, mit großer Grausamkeit zur Verzweiflung zu bringt. Darum sollen wir uns vor Sünden, als wie vor einem grausamen wilden Tier hüten, dass wir sie nicht mit Willen begehen. Wenn wir sie aber begangen, und solche im Gewissen aufwachen, so sollen wir aus Glauben zum Mittler Christo fliehen, damit uns die Sünde nicht tötet durch das Gesetz. Denn das Gesetz zeigt uns, wie unsere Natur so verdorben ist, auch wie groß und schrecklich die Sünde ist, und hält uns solches nicht allein vor, wenn wir von schweren Sünden zu Gott bekehrt werden, sondern auch, wenn wir bereits wiedergeboren sind, so zeigt uns dennoch das Gesetz, wie weit es uns an der Vollkommenheit fehlt, welche Gott von uns im Gesetz fordert, auf dass wir in wahrer Demut und in der Furcht Gottes beharren. So hat auch das Gesetz in den Wiedergeborenen seinen Nutzen, weil es ein stetiger Kampf des Geistes und Fleisches bleibt, solange wir in dieser Welt leben.

14. Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich bin aber fleischlich, unter die Sünde verkauft.

Geistlich ist: Darum wird von einem Menschen gefordert, der mit dem Heiligen Geist begabt ist, und keine fleischliche, sondern geistliche Bewegungen des Gemütes hat, welche heilig sind und mit dem Gesetz Gottes übereinstimmen, der auch nicht nur einen äußerlichen, sondern innerlichen Gehorsam nach allen Geboten Gottes leistet. Es haben sich aber die ganz weit geirrt, welche aus diesem Spruch Paulus zum Anlass genommen haben, und die Schriften des Alten Testament zum größten Teil in einem verblümten Verstand in Gleichnissen erklärt, mit dem Vorwand, sie suchen den geistlichen Verstand des Gesetzes. Denn in dieser Gestalt würde uns die Schrift nicht viel nutzen, weil nichts Gewisses darin wäre.

Fleischlich: Weil der alte Adam noch in mir ist, und noch nicht ganz ausgefegt wurde.

Verkauft: Dass ich nicht frei bin, weil ich noch nicht vollkommen wiedergeboren und erneuert bin. Und kann ich den alten Adam in mir nicht zwingen, dass er tue oder denke, was recht und Gott angenehm ist, sondern er zwingt mich viel mehr, dass ich häufig tue, rede und denke, was ich lieber nicht wollte gedacht oder getan habe. Dieser Streit findet sich bei einem jeden fromme Menschen. Und redet Paulus hier von sich selber, der bereits wiedergeboren war. Denn in den nicht wiedergeborenen Menschen ist ein solcher Streit des Fleisches und Geistes nicht, von welchem Kampf auch im 5. Kapitel der Galater steht.

15. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern, was ich hasse, das tue ich.

Was ich tue: Es entstehen in meinem Herzen viele böse Gedanken, Zweifel, heimliches Murren unter dem Kreuz, böse Lüste, Rachgier, Zorn, Hass, ehe ich es merke oder mich dessen versehe. Solche Bewegungen des Gemütes gefallen mir nicht, sondern ich möchte wünschen, nachdem ich wiedergeboren bin, dass mir keines von diesen jemals in den Sinn käme. Häufig rede ich gar sehr schnell solche Dinge heraus, die ich, nachdem ich geistlich bin, lieber nicht gesagt haben möchte: Ich tue auch wohl etwas, das mir, als einem Christen zum höchsten zuwider ist, wie auch häufig in meinen guten Werken immer etwas da mitläuft, dass ich nicht recht heißen kann.

Das tue ich: Denn ich wollte gerne ganz vollkommen nach dem Gesetz Gottes leben und alles hinter mich lassen, auch die Widerspenstigkeit des alten Adams, aber ich kann es nicht so weit bringen. Und ich kann auch nicht alles meiden, oder führe dieses lässig aus, was ich, nach Art des neuen und wiedergeborenen Menschen, hasse und verdamme. Es redet aber Paulus hier nicht von den groben äußerlichen Lastern, welche wider das Gewissen begangen werden, sondern er tröstet mit seinem Beispiel diejenigen, welche der Gottseligkeit und eines heiligen Wandels von Herzen sich befleißigen, aber dennoch niemals genug dazu tun. Man sieht aber hier, dass auch die heiligen und rechten wiedergeborenen Menschen dennoch dem Gesetz Gottes in diesem Leben niemals vollkommen genug tun können, welches gegen der Katholiken und Wiedertäufer schwärmerische Hirngespinste von der Christen Vollkommenheit, um gänzliche Erfüllung des Gesetzes Gottes zu beachten ist.

16. So ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut sei.

Das tue: Nach dem alten Menschen, welchen ich nicht ablegen kann, wie ich gern wollte.

Nicht will: Nach dem neuen Menschen, aus Bewegung und Regierung des Heiligen Geistes.

Gut sei: Ich erkenne und bekenne von Herzen, dass das Gesetz gut und heilig ist, und lobe es. Es verdrießt mich aber, dass ich nicht vollkommen nach diesem leben kann, wie ich gerne wollte.

17. So tue ich nun dasselbe nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

Nicht: Weil ich mit meinem Gemüt, nachdem ich wiedergeboren bin, in das Gesetz willige, und es für recht erkenne.

Mir wohnt: Die Sünde widerstrebt meinem Willen. Darum rechnet uns Gott solche Sünde nicht zu. Wir verlieren auch darum die Gnade nicht, solange wir wider Willen sündigen und uns nicht in Laster stürzen. Denn der himmlische Vater weiß, dass solches der alte Adam in uns tut, wider unserem Willen.

18. Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, wohnt nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht.

Nichts Gutes: Darum kommt auch nichts Gutes heraus, und kann mein verdorbenes Fleisch aus sich selbst nichts anderes als Böses tun. Denn wenn etwas Gutes im Menschen ist (ich rede aber von den Bewegungen des Herzens, und nicht von des Menschen Wesen). Solches kommt nicht vom Fleisch her, sondern vom Heiligen Geist, der uns geschenkt ist. Dieser aber ist kein Teil unseres verdorbenen Fleisches. Jetzt mögen die Katholiken und andere wohl herkommen und die Kräfte des freien Willens zu rühmen sich mäßigen, weil Paulus, auch nachdem er wiedergeboren, sich beklagt, dass in seinem Fleisch nichts Gutes sei.

Finde ich nicht: Ich begehre zwar von Herzen, Gutes zu tun, und dieses wollte ich gerne vollkommen leisten. Aber solche Vollkommenheit den guten Werken kann ich nicht erreichen. Denn es ist die Meinung nicht, als ob die Christen überhaupt keine guten Werke täten. Sondern sie tun viele gute Werke. Aber sie sind nicht so vollkommen, wie sie es sein sollten.

19. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Tue ich nicht: Denn obwohl begehre, den Geboten Gottes vollkommenen Gehorsam zu leisten, so kann ich doch diese Vollkommenheit nicht leisten, und kann die innerlichen Sünden, so sie doch selbst bei den guten Werken mit dabei sind und sich auch damit vermischen, nicht genügend verhüten. Es ist darum wahr, dass der Gerechte in allen guten Werken sündigt, das heißt, dass keines frommen Menschen Werk so vollkommen ist, wo nicht ein Fehler oder Mangel, welcher sündig ist, mit dabei ist. Man soll aber darum die guten Werke nicht verlassen, sondern die Größe unserer verdorbenen Natur erkennen. Daher es kommt, dass auch unser bestes Werk als mangelhaft erscheint.

20. So ich aber tue, was ich nicht will, so tue ich dasselbe nicht; sondern die Sünde, die in mir wohnt.

21. So finde ich mir nun ein Gesetz, der ich will das Gute tun, dass mir das Böse anhängt.

Gesetz: Jetzt nennt Paulus die in uns wohnende Sünde ein Gesetz, darum, dass sie als ein böser Lehrmeister den Menschen dazu bringt, dass er Übles tue.

Tun: (Nach Luther) Tun heißt ihr nicht das Werk vollbringen, sondern die Lüste fühlen, dass sie sich regen. Vollbringen aber ist, ohne Lust Leben, ganz rein, das geschieht aber in diesem Leben nicht.

Anhängt: Das will so viel sagen: Ich erfahre es in der Tat, so oft ich ein gutes Werk tun will, dass mir die Sünde noch angeklebt, ja mir zuwider ist und das gute Werk zu hindern, sich untersteht. Und wenn sie es nicht verhindern kann, so besudelt sie es doch mit ihrer Unreinigkeit. Darum wir auch mit den Werken, die wir, nachdem wir wiedergeboren wurden, tun, vor Gott nicht gerecht werden, denn sie sind viel zu unvollkommen, als dass sie vor dem strengen Gericht Gottes bestehen könnten.

22. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen.

Gesetz: Welches mir wohl gefällt, was auch gerecht, heilig, und auch richtig gegründet ist.

Inwendigen Menschen: Nachdem ich wiedergeboren bin, und wollte gern diesem Gesetz vollkommenen Gehorsam leisten.

Nach Luther: Inwendigen Mensch heißt hier, der Geist aus Gnaden geboren, welche in den Heiligen streitet wider den äußerlichen, das ist, Vernunft, Sinn und alles, was Natur am Menschen ist.

23. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.

Gliedern: Ich empfinde, dass die Sünde in meinem Fleisch steckt, wie ein Gesetz.

Gemüt: Es widerstrebt die Sünde meinem wiedergeborenen Willen, in welchem ich bei mir beschlossen habe, dass ich nach dem Gesetz Gottes leben will.

Sünden Gesetz: Das heißt: Die Sünde, so in meinem Fleisch ist, hält mich gefangen, dass ich nicht verrichten kann, was ich will, und wie ich es gerne wollte.

24. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?

Dieses Todes: Das heißt: Von so großem Jammer und großer Mühe, so ich in diesem verdorbenen Fleisch ausstehen muss, welches mir bitter und beschwerlicher ist als der Tod selber. Denn die Frommen stöhnen unter der Last der Sünden, die in ihnen wohnt, wenn sie sie oft empfinden, dass sie nicht vollbringen können, was sie gerne wollten. (Nach Luther) Tod heißt hier der Jammer und die Mühe in dem Streit mit der Sünde (wie 2. Mose 10,17 der Pharao spricht: Nimm diesen Tod – das waren die Heuschrecken – von mir:

25. Ich danke Gott durch Jesum Christus, unsrem Herrn. So diene ich nun mit dem Gemüte dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleische dem Gesetz der Sünde.

Danke Gott: Nämlich, dass mir dennoch die Sündenschuld nicht zugerechnet wird, obwohl ich mich mit der Erbsünde herumschleppen muss bis zum Tode. Tröstet sich also Paulus mit diesen Worten wiederum.

Unserm Herrn: Durch welchen ich aller Sünden, sowohl der Erbsünde als auch der wirklichen Sünden Vergebung bekommen habe. Denn die Frommen freuen sich darüber, dass sie wissen, dass ihnen ihre Sünden nicht zugerechnet werden {Ps 32}.

So: Jetzt folgt ein kurzer Beschluss dieser Materie.

Gemüt: Und nach dem wiedergeborenen Willen.

Gesetz Gottes: Dass ich es für richtig und gut erkenne und begehre, ihm gehorsam zu sein.

Fleische: Sofern ich nicht wiedergeboren bin.

Der Sünden: Oder der anklebenden Sünde, welche und wider meinen Willen mir oft hinderlich ist, und immer meine guten Werke mit besudelt. Dazu kann ich mich solcher Dienstbarkeit nicht entschuldigen, solange ich lebe. Diese Lehre ist uns in vielen Sachen nützlich. Dass die Frommen auf ihren Gehorsam vor dem Richterstuhl Gottes nicht ihr Vertrauen setzen, sondern allein auf den Gehorsam Christi. Dass sie andere nicht verachten, sondern denken, wie sie ihr verdorbenes Fleisch auch noch an sich haben, und mit sich herumschleppen. Dass sie in Widerwärtigkeit geduldig sind, und sich erinnern, wie ihr verdorbenes Fleisch einer solchen Züchtigung auch Bedarf. Dass sie behutsam wandeln, damit sie nicht von der Sünde, so sie noch in ihnen wohnt, in Schande und Laster gestürzt werden.


Das 8. Kapitel


Den Auserwählten angefochtener Gewissen wird ein beständiger Trost vorgehalten, dass, nämlich, die Gläubigen sich vor keiner Verdammnis fürchten dürfen. Doch soll man dem Heiligen Geist gehorchen und das Fleisch nicht kasteien. Der Christen Trübsal, die sie in diesem Leben ausstehen, wird ein herzlicher Trost entgegengesetzt.

1. So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.

So: Nachdem nun Paulus ausführlich gelehrt hat, wie man die Gnade Gottes nicht missbrauchen soll. So wendet er sich jetzt wiederum zu seinem Vorhaben und handelt von der christlichen Hoffnung, damit er uns stärke und zeige, wie es ganz gewiss ist, dass er die Hoffnung nicht lässt zuschanden werden. Doch streut er häufig etliche Erinnerungen mitunter, dass wir gottselig leben sollen. Er hängt aber das Folgende mit dem Vorigen ganz fein zusammen, indem er anzeigt, obwohl in den Frommen noch Sünde bleibt, so dürfen sie sich doch vor keiner Verdammnis fürchten oder ängstlich sein.

Jesu sind: Dass sie durch den Glauben ihm einverleibt wurden und seine Glieder sind, die werden auf keinen Fall verdammt werden. Es sind aber alle, die an Christus glauben, ihm einverleibt und seine Glieder geworden.

Die nicht: Damit sich nicht jemand rühme, er sei Christus einverleibt, da er es doch nicht ist, so setzt er jetzt ein Kennzeichen hinzu, da durch die Rechtgläubigen von denen unterschieden werden, welche sich des Glaubens vergeblich rühmen. Denn welche den rechten Glauben haben, die folgen den fleischlichen Lüsten der Sünde nicht, sondern lassen sich von dem Heiligen Geist regieren, dass sie ein gottseliges Leben führen. Welche aber in Sünden fortfahren, die rühmen sich des Glaubens an Christus umsonst.

2. Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Denn: Jetzt zeigt Paulus, wie den Rechtgläubigen die Verdammnis nicht mehr geschehe.

Gesetz des Geistes: Dieses ist die Lehre des Evangeliums von Jesus Christus, dadurch den Gläubigen der Heilige Geist gegeben wird, der die Herzen lebendig macht und erfreut.

Frei gemacht: Nachdem ich solche Lehre des Evangeliums mit Glauben ergriffen habe, hat sie mich von der Sünde Anklage und von dem Recht des Todes der Verdammnis befreit. Also, dass ich um der Sünde willen, die ich entweder begangen, oder die auch noch in mir wohnt, nicht verdammt werde.

3. Denn was dem Gesetz unmöglich war (weil es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches um der Sünde wegen und verdammte die Sünde im Fleisch,

Unmöglich war: Das uns gerecht machen könnte. Solches geschah aber nicht aus des Gesetzes Schuld, sondern weil es durch unsere verdorbene Natur gehindert wurde, das Gesetz nicht vollkommen zu halten.

Tat Gott: Der sich aus lauter Gnade über uns erbarmte.

Gestalt: Denn er hat menschliche Natur an sich genommen, welche unserem Fleisch, so durch die Sünde verdorben ist, nicht ungleich war. Denn obwohl Christus keine Sünde an sich gehabt hatte, noch getan hat, so hat er doch in seinem Fleisch die Strafen der Sünden erlitten. Also dass etliche ihn für den allergrößten Sünder und von Gott verstoßenen Menschen hielten {Jes 53}.

Im Fleische: Oder in seiner angenommenen menschlichen Natur.

Durch Sünde: Nämlich, durch ein Opfer, welches, wenn es für die Sünde geopfert wurde, nach Art der hebräischen Sprache Sünde hieß, weil es zur Versöhnung der Sünden aufgeopfert wurde.

4. auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist.

Erfüllt wurde: Denn darum ist es alles geschehen, auf dass wir die wahre Gerechtigkeit vor Gott bekommen, und der Gehorsam Christi uns zur Gerechtigkeit zugerechnet würde, damit also dem Gesetz genug geschehe, und wir vor Gott gerecht geachtet würden, als ob wir selbst das Gesetz vollkommen erfüllt hätten. Solche Guttat aber gehört denen zu, nicht, welche den Glauben mit Worten rühmen und dabei ein gottloses Leben führen. Denn das hieße nach dem Fleisch wandeln. Sondern die dem Heiligen Geist gehorsam sind, und sich von Herzen eines gottseligen Wandels befleißigen. Darum, weil solche durch Christus von der Gewalt der Sünden und Verdammnis, wie vorher gehört, erlöst sind, so werden sie in ihrer Hoffnung nicht zuschanden werden, sondern gewiss die ewige Seligkeit erlangen.

Fleisch wandeln: (Nach Luther) Obwohl noch Sünde im Fleisch wütet, so verdammt es doch nicht, darum dass der Geist gerecht ist, und dagegen streitet. Wo dieses nicht ist, da wird das Gesetz durch das Fleisch geschwächt und übertreten, dass es unmöglich ist, dass den Menschen das Gesetz helfen sollte, denn nur zur Sünde und Tod. Darum sandte Gott seinen Sohn, und lud auf ihn unsere Sünde, und half uns so, das Gesetz zu erfüllen durch seinen Geist.

5. Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt.

Denn: Im folgendem will der Apostel Paulus anzeigen, wie solcher Trost allen Frommen gehört, weil sie nicht fleischlich, sondern geistlich sind, und beweist solches aus ihrer Eigenschaft.

Fleischlich gesinnt: Dass sie von dem Hochhalten, sich darüber verwundern, es suchen und begehren, was dem Fleisch gefällt, darum sie nach dieser Welt Ehre und Reichtum streben und den verbotenen ungebührlichen Wolllüsten sich ergeben. Wenn solche auch etwas Gutes tun, so ist es doch nur lauter Heuchelei.

Geistlich sind: Dass sie aus dem Heiligen Geist wiedergeboren wurden.

Geistlich gesinnt: Dass ihnen gefällt, suchen und begehren, was vom Heiligen Geist kommt, und einem wiedergeborenen Menschen gut ansteht, nämlich, die Früchte des Geistes. Das ist aber nicht ein wiedergeborener Mensch, der sich in einem Kloster versteckt und der Leute Gemeinschaft meidet: Denn es kann wohl sein, dass ein solcher Mensch ganz fleischlich ist. Sondern der ist ein geistlicher Mensch und geistlich gesinnt, welcher, nachdem er aus Gott wiedergeboren wurde, sich eines gottseligen Lebens befleißigt. Und tut ein solcher Mensch wahrhaftig geistliche Werke, wenngleich er mit weltlichen oder auch häuslichen Geschäften in seinem Beruf umgeht, und diese aus Glauben verrichtet.

6. Aber fleischlich gesinnt sein, ist der Tod, und geistlich gesinnt sein, ist Leben und Friede.

Fleischlich gesinnt sein: Dass man des Fleisches Lüsten und Begierden nachgeht, und sich in Sünden wälzt.

Nach Luther: Dass man nicht nach Gott fragt, oder seiner nicht achtet, und nichts davon versteht.

Der Tod: Und bringt die ewige Verdammnis mit sich.

Leben und Friede: Denn wer dem Geiste Gottes folgt und Gehorsam leistet, der soll gewiss wissen, dass er ein Erbe des ewigen Lebens sei. Er wird auch mit Gott Frieden und ein ruhiges Gewissen haben. Darum sagen die Frommen den Werken des Fleisches ab, damit sie den Glauben und ein gutes Gewissen behalten.

7. Denn fleischlich gesinnt sein, ist wie eine Feindschaft wider Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag es auch nicht.

Wider Gott: Dass man Gott selber feind ist, wenn man fleischlich lebt. Es ist aber fleischlich an dem Menschen, was aus dem Heiligen Geist nicht wiedergeboren ist, auch eines nicht wiedergeborenen Menschen Gemüt und Verstand, welcher doch das Allerköstlichste am Menschen ist. Darum wenn auch die Weisen dieser Welt, so sie nicht wiedergeboren sind, vor den Menschen ehelich leben, und die Heuchler die ansehnlichsten Gottesdienste anrichten, dazu vor der Welt ein unsträfliches Leben führen. Jedoch, weil sie wahrhaftig fleischlich sind, so sind sie Feinde Gottes.

Nicht Untertan: Denn der fleischliche Wille und Verstand begibt sich nicht unter das Wort und den Geboten Gottes, so kann es auch ein fleischlicher Mensch nicht leisten, wenn er nicht wiedergeboren wird. Darum mag zwar ein solcher Mensch sagen oder sich äußerlich stellen, wie er wolle, so ist er doch dem Gesetz im Herzen heimlich feind und hasst Gott den Gesetzgeber selber.

8. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen.

Nicht gefallen: Sondern sind ihm ein Gräuel, solange sie nicht wiedergeboren werden. Denn wie wollte er sie zur heimlichen ewigen Freude kommen lassen, oder für seine Kinder erkennen, von denen er weiß, dass sie feindlich gegen ihn gesinnt sind? Die Katholiken aber geben diesen Spruch ganz ungereimt wider den Ehestand, besonders der Kirchendiener. Als ob es einerlei wäre, im Fleisch leben und im Ehestand leben. Welches nicht allein den Evangelischen, sondern auch Gott selbst, als dem Stifter des Ehestandes, zur Schmach gerechnet wird, gerade als ob Gott einen solchen Stand eingesetzt hätte, da er den Menschen nicht gefallen würde.

9. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.

Ihr: Paulus macht es noch weitläufiger, was für ein böses Ding es ist, wenn einer fleischlich gesinnt ist, und fleischlich lebt. Denn er die Hoffnung zu behalten also anmahnt, und die Frommen mit Erzählung der Güte Gottes tröstet, dass er nichtsdestoweniger immer auch zum gottseligen Wandel reize, damit nicht jemand die Lehre von der Gnade Gottes gegen uns missbrauche zu des Fleisches Freiheit. Gibt darum Paulus zu verstehen, dass die Römer, ja alle Gottseligen, nicht fleischlich sind und darum auch frei von der Verdammnis.

Wohnt: Denn obwohl nicht alle Christen besondere Gaben des Heiligen Geistes erlangen, die er mitteilt, wem er will. Als da sind in der ersten Kirche, die Gaben von mancherlei Sprachen, der Weissagung von künftigen Dingen, der 100 Zeichen, und wie heutigen Tages noch etliche besondere Personen zur Erbauung der Kirche gegeben werden. So wird jedoch der Heilige Geist den Christen gegeben, der in ihnen das Vertrauen stärkt und versiegelt, dass sie Kinder und Erben Gottes sind, von welchem Geist sie auch angetrieben werden, Gutes zu tun und zu beten, und empfangen Trost von ihm in Widerwärtigkeit.

Nicht sein: Es ist kein Glied oder Miterbe Christi, der den Heiligen Geist nicht hat. Darum, wer den Heiligen Geist hat, der ist nicht fleischlich, sondern geistlich, und ist frei von der ewigen Verdammnis, wird auch in Ewigkeit nicht zuschanden.

10. So nun aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

In euch ist: Denn wo in einem Menschen der Heilige Geist wohnt, da wohnt auch Christus, der Sohn Gottes, mit dem Vater. Nach dem Spruch: Ich (spricht Christus) und der Vater werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm halten {Joh 14}.

Tod: Das Fleisch ist dem zeitlichen Tod unterworfen, weil die Sünde noch darin steckt, und wird auch vor dem Tode mit allerlei Trübsal, innerlichen Anfechtungen und plagen, samt äußerlichen Jammer und Unfällen bedrängt.

Der Geist: Das heißt: Der geistliche oder innerliche Mensch, welcher aus Gott wiedergeboren ist, wird von Tag zu Tag lebhafter und stärker, auch je länger und je mehr erneuert, nimmt im Glauben, in der Hoffnung und Liebe zu, darum dass er durch die Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott gerecht und mit Gott versöhnt ist. Denn Christus ist nicht müßig, wenn er in uns wohnt. Und reinigt der himmlische Vater die Reben, so dem Weinstock Christus eingepflanzt wurden, dass sie täglich mehr Früchte bringen {Joh 15}.

11. So nun der Geist des, der Jesum von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird auch derselbe, der Christus von den Toten auferweckt hat, eure sterblichen Leiber lebendig machen um deswillen, dass sein Geist in euch wohnt.

Des: Nämlich des himmlischen Vaters. Und ist ein Geist, der zuvor Christi Geist und hier des Vaters Geist genannt wird, darum, dass er von Vater und Sohn ausgeht.

Lebendig machen: Wie vergänglich sie auch immer sind und wenngleich sie auf mancherlei Weise umkommen und zunichtewerden. Das hat Paulus hinzusetzen wollen, damit nicht jemand meinen möchte, es hätte ein Christ nach der innerlichen Erneuerung nichts mehr zu erwarten: Wie denn zu des Apostels Paulus Zeiten Leute gefunden wurden, welche die Auferstehung des Fleisches verleugneten, und sagten, das wäre die Auferstehung, wenn man von Sünden aufsteht und recht lebt.

Euch wohnt: Weil denn eure Leiber Tempel und Wohnungen des Heiligen Geistes sind, so wird er sie nicht in dem Stande bleiben lassen, sondern viel herrlicher machen, denn sie je gewesen sind, und den Bau eures Leibes viel herrlicher zieren, denn er in diesem Leben gesehen wurde. Darum bleibt fest in der Hoffnung (will der Apostel sagen) und haltet es so, dass weder die innerliche Trübsal, noch die äußerlichen Unfälle, noch der Tod selbst euch schaden könnten, oder wehren, dass ihr der ewigen Seligkeit an Leib und Seele nicht solltet teilhaftig werden. Darum soll ein Christ, voller Hoffnung, durch den Glauben die Trübsal und den Tod verachten.

12. So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, dass wir nach dem Fleisch leben.

So: Jetzt streut Paulus zum anderen Mal eine Ermahnung mit unter vom heiligen Wandel.

Schuldner: Soviel den Gehorsam angeht, sind und bleiben wir immer Schuldner, solange wir leben.

Nicht dem Fleisch: Wir sind solcher Schuld nicht unserem verdorbenen Fleisch schuldig, dass wir dessen Begierden müssten Gehorsam leisten, und den alten Adam zähmen, damit er sich in Sünden und Lastern könnte herumwälzen.

13. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben.

Sterben müssen: Und wieder in die ewige Verdammnis fallen, der ihr zuvor durch den Glauben entkommen seid. Darum kann der Menschen nicht unter Gnade bleiben, welcher seinen Begierden nachhängt, dem Fleisch folgt und mit äußerlichen groben Lastern sich besudelt. Denn der Glaube und ein unreines Gewissen, so noch nicht neu gesäubert wurde, kann nicht beieinander sein.

Tötet: Dass ihr die Sünde, so in euch wohnt, zurückhaltet, und ihren Werken nicht Platz noch Raum gebt, sondern sie mithilfe des Heiligen Geistes, der durch fleißiges Anhören und Betrachten des göttlichen Wortes in euch kräftig ist, unterdrückt.

Leben: Ihr werdet das Recht und die Erbschaft des ewigen Lebens erhalten, und eure Hoffnung, in der ihr desselben Lebens Offenbarung gegenwärtig seid, wird euch nicht zuschanden werden lassen.

14. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

Denn: Paulus bestätigt weiter, dass wir Gottes Kinder und Erben des ewigen Lebens sind.

Treibt: Und reizt zu allen guten Werken gegen den Nächsten und zur inbrünstigen Anrufung Gottes.

Gottes Kinder: Weil nun der Heilige Geist euch zum Gebet aufmuntert, dass ihr den himmlischen Vater mit kindlicher Zuneigung anruft, so ist kein Zweifel, ihr seid wahrhaftig Gottes Kinder.

15. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen. Abba, lieber Vater!

16. Derselbe Geist gibt Zeugnis unsrem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.

Der selbige Geist: Oder bezeugt es in unseren Herzen. Denn wie könnten wir sonst so seufzen, wenn uns nicht der Heilige Geist inwendig mit heimlicher Reizung bewegen würde, zu schreien, O lieber himmlischer Vater. Welcher darum von Herzen sagen kann, Vater Unser der du bist im Himmel, der hat gewiss den Heiligen Geist, und ist ein Kind Gottes.

Gottes Kinder: Nicht Natürliche, sondern angenommene und an Kindes statt aufgenommen.

17. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mitleiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Miterben Christi: Der aus unermesslicher Liebe uns für Brüder erkennt, und darum erlöst hat, damit Leute sind, die mit ihm der ewigen Herrlichkeit und Seligkeit teilhaftig würden. Oh was sind wir für glückselige Leute, denen die gewisse Erbschaft im Himmel zubereitet und behalten wird, die unvergänglichen Güter, gegen aller Welt Herrlichkeit, Macht und Reichtum nicht zu vergleichen sind. Wird auch darum die Hoffnung der Christen nicht zuschanden werden, sondern sie werden gewisslich die himmlische Erbschaft erlangen, von welcher Gewissheit der Heilige Geist in unseren Herzen Zeugnis gibt.

Mitleiden: Denn damit nicht jemand meint, die ewige Erbschaft widerfahre uns so, dass wir zuvor auf Erden auch könnten immer Glück haben, und keine Trübsal sein dürfte. So zieht uns Paulus zurück, zur Lehre vom Kreuz, und ermahnt uns, dass wir uns sollen darauf gefasst machen, damit wir es geduldig tragen können. Denn Gott will, dass, welche mit Christo die himmlische Erbschaft antreten wollen, auch mit ihm zuvor Ungemach leiden. In der Gestalt werden sie der himmlischen Herrlichkeit teilhaftig werden. Wer nun sein Kreuz nicht auf sich nimmt und Christus folgt, der kann sein Jünger nicht sein. Es leiden aber mit Christus nicht die, welche sich selbst freiwillig ein Kreuz auferlegen und in unnötige Trübsal stecken, wie die Heuchler es tun, oder welche mit ihren Misshandlungen und Übeltaten die Strafen verdienen, denn solche, wenn sie nicht Buße tun, tragen nicht Christi, sondern des Teufels Kreuz, sondern welche im wahren Glauben und Gottseligkeit ihrem Beruf fleißig nachgehen, und dennoch mit Unglück geplagt werden.

18. Denn ich halte es dafür, dass dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden.

Nicht Wert sei: Denn obwohl das Unglück, welches die Frommen in diesem Leben ausstehen, oft so unmöglich scheint, so halte ich es doch dafür, dass es mit der ewigen Herrlichkeit und Seligkeit, welche wir zwar jetzt im Glauben und in der Hoffnung haben, aber in jener Welt offenbar besitzen werden, keineswegs zu vergleichen ist. Dieser Spruch soll uns lehren, geduldig in Widerwärtigkeiten zu sein.

19. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes.

Kreatur: Himmel, Erde, und was darin ist, erwarten mit großem Verlangen und wünschen auf ihre Weise, dass sie doch einmal auch am Jüngsten Tage der Kinder Gottesseligkeit und himmlische Erbschaft offenbar werden. Und ist dies eine verblümte Rede, da der Apostel mit einer besonderen Zierlichkeit den nicht lebenden Kreaturen einen Verstand und ein Verlangen zumisst, damit sie auf die Erlösung der Frommen gleichsam ängstlich warten und diese wünschen. Wenn denn die unvernünftigen und nicht lebenden Kreaturen nach dem Jüngsten Tage seufzen, wie viel mehr sollen wir die Zukunft Christi begehren.

20. Weil die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung.

Der Eitelkeit: Denn obwohl die Kreatur anfangs darum von Gott geschaffen wurde, dass sie den Menschen dienen sollte, so ist es doch um der Sünde willen geschehen, dass sie dem Menschen, zur Strafe, vielmehr entgegen ist, und etlichermaßen wider ihn zu streiten gezwungen wird. Obwohl nun die Frommen wiedergeboren sind, und ihnen durch die Erneuerung zum Ebenbild Gottes, ein Stück der Herrschaft über die Kreaturen wieder zugestellt wurde. Jedoch weil Gott zu den gottlosen Zeiten Wohlfahrt, welche Bosheit er mit ewiger Pein zu strafen vorhat, eine Zeit lang durch die Finger sieht, so geschieht es, dass die besten Kreaturen Gottes, aus göttlichem Verhängnis, den gottlosen Leuten dienen, dass sie diese zu ihren Sünden missbrauchen. Solches tun sie (zwar auf ihre Weise) wider ihren Willen. Denn sie wollten lieber den Kindern Gottes dienen, zu der Ehre Gottes, und des Nächsten Nutzen. Aber Gott will, dass sie eine Zeit lang den Gottlosen zu ihrem Mutwillen unterworfen sind, jedoch in der Hoffnung, dass sie einmal von solcher Tyrannei der Bösen sollten erlöst werden, nämlich, am Jüngsten Tage, da sie wiederum erneuert und zurechtgebracht werden. Dann werden sie den Gottlosen nicht mehr dienen nach ihrem Willen, sondern Gott und den Frommen, wenn sie in ihre rechte Freiheit wieder eingesetzt sind. Was aber das für eine Erneuerung oder Wiedererstattung der Welt sein wird, dass weiß Gott allein, der einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird {2Petr 3}. Es will aber Paulus in der Summe so viel sagen: Die ganze Welt verwirft und verdammt das unordentliche Wesen, so darin vorgeht, da es den Frommen übel und den Bösen wohl geht. Und es sieht so aus, als seufzen sie zu Gott für die Erlösung und Erneuerung der Welt.

21. Denn auch die Kreatur wird frei werden vom Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

22. Denn wir wissen, dass alle Kreatur sehnt sich mit uns und ängstet sich noch immerdar.

Sehnt sich: Gleichwie ein Mensch, der unter der Last ermüdet ist, sich sehnt und ein Verlangen danach hat, dass er dieser möge entgehen, und davon frei werde. Wie auch eine Frau, die ängstlich auf die Geburt des Kindes wartet, und diese Geburt gerne hinter sich hätte. So begehrt die Kreatur, dass sie von der zuvor angezeigten Dienstbarkeit der Gottlosen möchte erlöst werden. Darum ist es gewiss, dass Gott der Herr seine Kreatur einmal von solcher Eitelkeit erlöse, und wiederum zu Recht bringen werde, damit ein neuer Himmel und eine neue Erde nicht den Gottlosen, sondern den Frommen dienen. So oft wir darum sehen, dass die gute Kreatur Gottes der gottlosen Bosheit und Missbrauch dienen, sollen wir an dieses Seufzen denken und nicht zweifeln, es werde die Erlösung zu seiner Zeit gewiss darauf folgen. Darum lässt die Hoffnung, in welcher wir die Erlösung der Kreatur erwarten, nicht zuschanden werden.

Ängstet: (Nach Luther) Wie eine Frau in Kindesnot.

23. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unseres Leibes Erlösung.

Sie: Die Kreaturen, welche Gott den Frommen zum Nutzen erschaffen hat, seufzen um ihre Erlösung.

Erstlinge: Nämlich, etliche Gaben des Heiligen Geistes. Denn die Gaben des Heiligen Geistes, welche wir jetzt haben, sind wie ein Vorgeschmack von den zukünftigen Gaben, die wir im anderen Leben empfangen werden. Es deutet aber der Apostel mit diesem Wort auf die Zeremonien des Alten Testamentes, wo man den Priestern die Erstlinge von den Früchten der Erde zur Stiftshütte brachte. Nach der Ernte wurde ihnen dann der 10. Teil gegeben. Dieses kann man lesen im 2. Buch Mose 22, 5. Mose 5., also empfangen wir in diesem Leben nur die Erstlinge, das heißt, wenig und unvollkommene Gaben des Heiligen Geistes. Aber im künftigen Leben werden wir viel mehr und die Vollkommensten besitzen.

Erlösung: Dass auch unser Leib von so vielem Jammer, besonders aber von der Sünden Dienstbarkeit völlig freigemacht werde. Wie könnte aber Gott das Seufzen der Frommen, welche er jetzt immer mit dem Geschenk des Heiligen Geistes von der zukünftigen ewigen Seligkeit versichern will, nicht beachten und uns vergeblich hoffen lassen.

24. Denn wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man des hoffen, dass man sieht?

Wohl selig: Bereits jetzt, und dürfen nur auf die Offenbarung unsere Seligkeit warten.

Nicht Hoffnung: Mit diesen Worten will Paulus einer Einrede begegnen, wenn jemand sagen möchte: Ich sehe nichts von dem allen, was du so gewaltig rühmst, sondern empfinde vielmehr großen Jammer und Not. Dem gibt Paulus hier die Antwort, und sagt: Wenn wir es mit Augen sehen, was wir hoffen, so bedürfen wir keine Hoffnung.

25. So wir aber des hoffen, dass wir nicht sehen, so warten wir sein durch Geduld.

Warten wir: Es ist darum die rechte christliche Hoffnung eine Erwartung der Dinge, die uns Gott verheißen hat, und die wir aus seinem Worte glauben. Denn der Glaube traut, und die Hoffnung wartet: Gleichwie aber der Glaube nicht bekommen kann, wenn er auf das Wort Gottes gegründet ist, welches nicht lügt, so wird auch die christliche Hoffnung niemand zuschanden werden lassen.

26. Desgleichen auch der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich‘s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns aufs Beste mit unaussprechlichem Seufzen.

desselben: Paulus erweist noch mit einem anderen Grund, dass unsere Hoffnung nicht lässt zuschanden werden. Sondern dass wir solches gewiss bekommen werden, was wir hoffen.

Schwachheit auf: Und kommt uns in dem Stück zu Hilfe, in welchem wir seiner Hilfe am meisten bedürfen, nämlich im Gebet, mit welchem wir immer zu Gott dem Vater fliehen, da bringt er es zuwege, dass wir mit unserem Gebet nicht abgewiesen, noch mit unserer Hoffnung vergeblich aufgehalten werden.

Wissen nicht: Denn obwohl Christus eine Form des Vater unseres vorgeschrieben, und sonst viel gottselige Gebete in den Psalmen hin und wieder gefunden werden. Jedoch, weil außer dem vorgeschriebenen Worte Gottes viele Dinge vorgehen, so wir sie nach unserem Gedanken begehren, so geschieht es oft, dass wir solche Dinge bitten, die uns schädlich wären, wenn wir sie bekommen würden, oder sie sonst zu begehren sich nicht gebühre.

Vertritt uns: In unserem Herzen, dass wir in diesem heimlich zu Gott, dem Vater, seufzen und begehren, nicht zwar, dass er uns solches geben wolle, darum weil wir aus Unvorsichtigkeit bitten, sondern was uns am nützlichsten ist.

27. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefällt.

Gott gefällt: Der Heilige Geist bittet für die Gläubigen nach dem Willen Gottes. Darum obgleich wir mit Worten und fleischlicher Zuneigung etwas anderes bitten; so fordert er doch in unserem Herzen heimlich von Gott, was zur Förderung seiner Ehre und zu unserer Seligkeit dienlich ist: Solches Seufzen des Heiligen Geistes wird von Gott, der das am allerbesten weiß, erhört. Darum, obgleich wir nicht immer bekommen, was wir mit dem Munde und fleischlicher Zuneigung begehren, so werden wir doch nur bekommen, was uns zur Seligkeit viel nötiger ist. Weil wir also einen solchen Fürbitter haben, wie den Heiligen Geist, welcher unser Gebet regiert und auch verbessert, so werden wir gewiss erhört, und wird uns die Hoffnung niemals zuschanden werden.

28. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.

Wir: Paulus fährt fort, mit einem anderen Beweis unsere Hoffnung zu stärken. Das, nämlich, was uns begegnet, von Gott zur Beförderung unsere Seligkeit gerichtet wird.

Besten dienen: Und zu ihrer ewigen Seligkeit, obgleich es der menschlichen Vernunft widersinnig vorkommt.

Vorsatz: Und der ewigen Gnadenwahl oder Dekret des allmächtigen Gottes.

Berufen sind: Zur Erkenntnis des Evangeliums und mit dem Blut des Sohnes Gottes durch den Glauben geheiligt wurde, denen muss alles zum Besten gedeihen. Darum, wie es auch geht, so sollen wir ganz das Vertrauen haben, dass es uns Gläubigen zum Besten geschieht, und werde uns die christliche Hoffnung nicht lasse zuschanden werden. Denn wenn Gott der Herr einen glücklichen Fortgang gibt, so bezeugt solcher von der väterlichen Liebe Gottes gegen uns. Schickt er aber Unglück und Widerwärtigkeit, so erinnert uns solches an die Zeit begangener Sünden, und muntert uns auf zur wahren Erkenntnis der Sünden und zur Buße. Tun wir denn etwas Gutes, so machen wir unserem Beruf gewiss, dass wir aus den Früchten an uns selbst erkennen, wir sind gute Bäume, und werden einmal eine reiche Belohnung empfangen: Oder aber, wenn wir aus Schwachheit des Fleisches in Sünden fallen, so wendet Gott eben das selbige nach seiner Güte auch zum Besten, auf dass wir die uns ankleben der Sünde erkennen, und in Zukunft vorsichtiger handeln, und in wahrer Demut gegen Gott und dem Nächsten beharren. Den Gottlosen aber und Ungläubigen, so sie nicht bekehrt werden, geschieht das alles aber zum zuvor berichteten Ärgsten.

29. Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch verordnet, dass sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf dass derselbe der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

Denn: Jetzt zeigt uns der Apostel mit den Fingern einen Trost, aus der ewigen Vorsehung Gottes, davon er in den folgenden drei Kapiteln ausführlich behandeln wird, und gibt zu erkennen, durch welche Stufen oder Staffeln also zu reden, Gott der Herr, diejenigen zu führen pflegt, welche in ihrer Hoffnung nicht betrogen werden.

Versehen hat: Nach seiner unendlichen und ewigen Weisheit, ehe sie geboren wurden, so ihm aus Gnaden gefallen, dass sie Erben sein sollen des Himmelreichs.

Seines Sohnes: Dass sie geheiligt werden, und mit ihm Widerwärtigkeit leiden. Später auch mit eben demselben der ewigen Herrlichkeit teilhaftig werden.

Erstgeborene sei: Denn obwohl Christus seine ewige Herrlichkeit den Auserwählten mitteilt, so behält er jedoch immer den Vorzug in allen Sachen vor allen anderen frommen Menschen. Als der Gottes natürlicher Sohn ist, in welches menschliche Natur auch, von wegen der persönlichen Vereinigung, die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt: Der auch die Gaben des Heiligen Geistes nicht nach dem Maß, wie wir, sondern ohne Maß, auf das Reichlichste und Überflüssigste empfangen hat {Joh 3 Ps 45}. Denn die Erstgeborenen empfingen vor Zeiten, nach Ausweisung des Gesetzes Mose, vom väterlichen Erbgut doppelt so viel, als die anderen Brüder.

30. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht, welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht.

Berufen: Durch das Predigtamt des Evangeliums, dass sie zu Christo bekehrt werden. Es sind darum außer der Versammlung der Berufenen keine Auserwählten zu suchen. Und schwärmen die, welche etliche Heiden um ihrer zum Teil scheinbaren Tugenden in den Himmel setzen.

Herrlich gemacht: Dass er ihnen die ewige Herrlichkeit und Seligkeit schenkt. Denn Paulus redet nach Art der hebräischen Sprache von der gegenwärtigen Zeit, als wenn sie bereits vergangen wäre. Darum, weil Gott nicht damals erst angefangen hat, uns anzunehmen, wenn wir uns zum Evangelium bekennen, sondern vor vielen hundert Jahren, ja vor Erschaffung der Welt uns erkannt hat, die wir sollen selig werden, und ein solches Dekret oder einen solchen Beschluss von uns gemacht hat, welches nicht geändert werden kann, uns auch auf diese Stufen bis zur Rechtfertigung führt, so soll kein Zweifel sein, er werde uns auch bis zur letzten Stufe, nämlich, zur ewigen Herrlichkeit bringen. Darum wird ein Christ in seiner Hoffnung niemals betrogen werden. Welche nun berufen und gerechtfertigt sind, die sollen das Vertrauen haben, dass sie unter der Zahl derjenigen sind, welche Gott von Ewigkeit verordnet hat. Solche sollen sich aber darum nicht in grobe äußerliche Laster mutwillig stürzen. Denn Gott hat uns nicht zu Lastern verordnet, sondern zum heiligen Wandel.

31. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?

Was: Weil es somit gewiss ist, dass Gott uns mit beständiger Gnade von Ewigkeit her zugetan ist. So freut sich Paulus im Geist darüber, und spottet aller Trübsal und Anfechtung.

Wider und sein: Wer kann uns unterdrücken oder verderben? Wer will Gott wehren, dass er uns nicht durch alle Trübsal, ja auch durch den Tod selbst zum rechten himmlischen Leben führt.

32. Welcher auch seinen eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Dahingegeben: In den allerschrecklichsten Tod des Kreuzes, auf dass wir vom ewigen Tod errettet würden.

Alles schenken: Was zu unserer Seligkeit gehört. Meint ihr, er werde etwas unterlassen, was noch zu unserer Seligkeit nötig ist? Oder das uns nicht gegeben werde, was uns zur völligen Einnahme des Himmelreiches nötig ist? Wie sollte er uns nicht alle unsere Sünden vergeben? Der eben um dieser Ursache willen seinen einigen Sohn für uns gegeben, und denselben ganzen Mittler und Heiland uns geschenkt hat.

33. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht.

Beschuldigen: Wer dürfte sich unterstehen, sie vor dem Richterstuhl Gottes, um ihrer begangenen Sünden willen zu verklagen?

Gerecht macht: Der uns durch den Glauben um Christi willen für gerecht hält, und gerecht erklärt.

34. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.

Verdammen?: Wenn uns Gott frei- und losspricht. Wenn auch der Satan vor dem Gericht Gottes sich über unsere Sünden empört. So ist es doch gewiss, dass wir freigesprochen werden. Denn Gott hat seinen Willen und seine Meinung in seinem Wort bereits erklärt, dass er uns will für gerecht urteilen, die wir an seinen Sohn Jesum Christus glauben. Darum wird der Satan mit seiner Anklage ins höllische Feuer fahren. Diesen Trost sollen wir uns gut einbilden und zu Herzen fassen. Denn es wird die Zeit einmal kommen, dass wir dem bedürfen werden.

Gestorben ist: Für uns, aus unendlicher Liebe, und hat mit seinem Tod die Sünde gebüßt, auch den Tod überwunden, und ihm die Herrschaft und Gewalt genommen.

Rechten Gottes: Zu welcher er nach seiner menschlichen Natur erhöht ist, und regiert mit dem Vater in unendlicher Majestät alles gegenwärtig im Himmel und auf Erden.

Vertritt uns: Denn obwohl er, als unser Bruder, zu der höchste Majestät erhoben ist, so hat er sich unser doch nicht entledigt, sondern bleibt noch unser getreuer Mittler, und bittet den himmlischen Vater, dass er von wegen unserer vielfältigen Schwachheiten und Sünden, sein väterliches Gemüt nicht von uns abwenden will. Wie sollten wir dann unsere Sache verlieren können, weil wir einen solchen gewaltigen Fürsprecher haben, dem der himmlische Vater, als seinem eingeborenen Sohn nichts abschlagen kann? Wie könnte doch die Hoffnung unserer Seligkeit vergebens sein? Darum lässt die Hoffnung nicht zuschanden werden.

35. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahren oder Schwert?

Scheiden: Wer könnte verhindern, dass uns Gott nicht mehr mit inbrünstiger und herzlicher Liebe gewogen wäre? Was kann uns von der Gnade Gottes, damit er uns gewogen ist, verstoßen? Weil der himmlischer Vater uns so sehr geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns in den Tod gegeben hat: Weil auch der Sohn Gottes, Jesus Christus, Gott und Mensch, zur Rechten des Vaters sitzt, für uns auf das Treueste und Kräftigste bittet? Man hat aber hier zu merken, dass Paulus nicht nur von seiner Person redet, sondern im Namen aller derer, die an Christus glauben. Darum sollen wir wissen, dass diese Gewissheit der Seligkeit und Beharrung bis ans Ende allen Gläubigen gehört. Dagegen lehren die Katholiken, es könne keiner ohne besondere Offenbarung, wissen, ob er in Gnaden ist, und ob er daran bis ans Ende seines Lebens beharren werde. Welche gottlose Lehre dem Glauben und der christlichen Hoffnung durchaus zuwider ist.

Trübsal: Sie sei gleich so groß, und dauert so lange, als sie immer wolle?

Verfolgung: Welche die Frommen um der rechten Religion und um der Gerechtigkeit willen zu Zeiten erdulden.

Hunger: Wenn wir auch gleich hungers sterben müssten.

Blöße: Weil die Christen häufig nicht so viel haben, dass sie den Leib genügend bedecken können.

36. Wie geschrieben steht. „Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.“

Geschrieben steht: Von der Verfolgung frommer Christen {Ps 44}.

Deinen Willen: Unseres Herrn und Gottes, zu dessen rechter Religion wir uns bekennen, und darum, dass wir die Gerechtigkeit lieb haben.

Ganzen Tag: Man spürt kein Ende oder Aufhören an der Feinde Grausamkeit, welche mit der Frommen Blut, wenngleich sie etliche erwürgt haben, nicht können gesättigt werden, wenn sie nicht fortfahren können, gegen viele ihre Wüterei zu treiben.

Schlachtschafe: Welche von einem Hausvater dazu ausgesondert wurden, dass sie sollen geschlachtet werden. Denn also haben sie uns zum Tode ausgesucht, dass wir ohne alle Barmherzigkeit erwürgt werden. Und da sonst die Leute ein Mitleiden haben mit den Mördern und Übeltätern, welche an den Galgen geführt werden, wenn sie sollen mit dem Tod gerichtet werden, so haben die Feinde des Evangeliums alle kein Mitleiden mit den Christen.

37. Aber in dem allem überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat.

Überwinden: Dass wir einen herrlichen Sieg davon bringen, und durch mancherlei Gefahr und Unglück zum ewigen Leben eingehen.

Geliebt hat: Also, dass er seinen eingeborenen Sohn für unsere Erlösung uns geschenkt hat: Dieser allergütigste Vater gibt uns durch seinen Heiligen Geist Kraft, dass wir alles Unglück überstehen, und in den Himmel kommen können. Darum dürfen wir uns nicht fürchten, dass wir etwa aus Widerwärtigkeit von Gott möchten abfällig gemacht werden.

38. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

Tod: Nämlich, der zeitliche Tod, wie grausam und schrecklich er auch ist.

Leben: Wenngleich es ganz mühselig ist.

Engel: Nämlich, die bösen Engel, so sie gefallen sind.

Fürstentum noch Gewalt: Auch die allermächtigsten bösen Geister, so vor anderen eine große Gewalt haben, und aus dem Verhängnis Gottes den Menschen großen Schaden zufügen können, werden uns dennoch von Gott nicht absondern können.

Zukünftiges: Allerlei Gefahr, die wir entweder bereits vor Augen sehen, oder davor wir uns künftig besorgen müssen.

39. weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unsrem Herrn.

Hohes noch Tiefes: Dass wir entweder hoch aufgehängt oder in die Tiefe des Meeres versenkt und ertränkt werden: Man hängt oder ertränke uns.

Kreatur: Dass ich es alles zusammenfasse und mit einem Wort sage, so muss uns keine Kreatur hinderlich sein, sie sei gleich groß und mächtig, wie sie immer sein kann.

Scheiden: Dass wir seiner Liebe und Gnade irgendwann einmal möchten beraubt werden.

Unserem Herrn: Um welches willen uns Gott mit väterlicher Liebe gewogen ist und bleibt, der unser Mittler ist und mit seinem Blut uns erlöst hat, auf dass wir ihm dienen sollen in Heiligkeit und Gerechtigkeit unser Leben lang {Lk 1}. Welche darum Christus durch den Glauben recht erkannt haben und wahrhaftig an ihn glauben, die sollen aus dieser trostreichen Lehre, davon Paulus im 5. Kapitel bis zum Ende dieses 8. Kapitels gehandelt hat, die christliche Hoffnung von der ewigen Seligkeit so bestätigen und unterhalten, dass sie gewiss das Vertrauen haben, sie können durch keine Kreatur von der Liebe und Gnade Gottes gerissen werden. Denn obwohl auch recht fromme Christen häufig in schwere Sünden fallen, wie David und andere, und doch zwar in der Gnade Gottes nicht sind, so beruft sie doch Gott nach seiner unendlichen Güte wiederum zur Buße, und nimmt die Bußfertigen zu Gnaden auf, steht ihnen auch bei in ihren letzten Nöten, dass sie den Sieg davonbringen, und das ewige Leben erlangen.


Das 9. Kapitel


Paulus erklärt seine Zuneigung zu den Juden, mit ganz ernsten Worten und erzählt der Juden Vorzüge ordentlich nacheinander. Lehrt später, welches die rechten Israeliten, und welche nur nach dem Fleisch Kinder sind. Erklärt auch die Ursache, warum wir in die himmlische Gemeinschaft aufgenommen werden, nämlich, durch Gottes Barmherzigkeit. Zeigt weiter an, dass auch die Heiden, durch den Glauben, der Verheißung Kinder geworden sind.

1. Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir Zeugnis gibt mein Gewissen in dem Heiligen Geist,

In Christo: Dem Sohn Gottes, mit welchem ich meine Rede, die ich später vorbringen werde, bezeugen will.

Heiligen Geist: Der mir auch in meinem Gewissen Zeugnis gibt, dass es wahr ist, was ich jetzt sagen will. Wenn man aber Christus und den Heiligen Geist zu Zeugen ruft, was ist das anderes, als einen Eid schwören? So machen die Wiedertäufer Unrecht damit, welche alle Schwüre ohne Unterschied verbieten.

2. dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe.

Herzen habe: Über der Juden Blindheit und Verstockung, dass sie so gegen Christus erbittert sind. Denn damit Paulus, indem er von der Juden Verstoßung reden will, nicht in einen Argwohn komme, als brächte er solches seinem Volk als Neid und Leid vor, so erklärt er am Anfang seine gottselige Zuneigung zu den Juden öffentlich. Es wird aber Paulus, zur Stärkung derjenigen, die sich Christus ergeben, in ihrem Glauben und ihrer Hoffnung, im Folgenden zeigen. Wie unsere Seligkeit keineswegs auf unsere Würdigkeit, Werke oder Verdienste bestehe. Sondern es sind die Auserwählten auch vor der Erschaffung der Welt von Gott die ewige Seligkeit zu erlangen verordnet, davon auch im vorigen 8. Kapitel etwas steht. Darum lehrt er, dass sie in ihrer Hoffnung niemals betrogen werden. Und weil es in der Kirche Christi ein großes Ärgernis gab, dass die vornehmsten der Juden, denen doch Christus zuerst verheißen worden war, dem Evangelium Christi nicht glaubten, so lehrt Paulus, dass der größte Teil des jüdischen Volkes von Gott, nach seinem gerechten Gericht verstoßen wurde: Darum man sich nicht darüber wundern soll, dass sie Gott der selig machenden Erkenntnis seines Sohnes nicht wert achte. Weil aber diese Lehre des Paulus von der ewigen Vorsehung Gottes etwas dunkel ist, wollen wir den ganzen Inhalt solcher Lehre, in wenigen Punkten betrachten, auf dass, was hier vom Paulus später folgt, besser verstanden wird.

1. So ist gewiss, dass Gott von Ewigkeit her bestimmt oder verordnet habe, wen er selig zu machen willens ist.

2. Solch Dekret Gottes ist fest, und wird nicht geändert.

3. Dennoch folgt nicht recht daraus, dass jemand sagen wollte: Hat mich denn Gott zur Seligkeit verordnet, so werde ich selig, ich tue gleich, was ich wolle: Hat er mich nicht erwählt, so werde ich verloren sein, und es wird mir nicht helfen, wie sehr ich auch gleich danach strebe, damit ich selig werden möchte. Denn welche Gott zur ewigen Seligkeit verordnet hat, die hat er so verordnet, dass er will, sie sollen an Christus glauben, und aus solchem Glauben ein gottseliges Leben führen. Darum welche ohne wahren Glauben und Besserung des Lebens aus dieser Welt scheiden, die zeigen eben damit an, dass sie nicht erwählt sind.

4. Es glauben aber auch viele, so das Wort des Evangeliums hören, nicht an Christus, führen auch kein gottseliges Leben, daran doch Gott nicht schuldig ist, sondern weil sie in Sünden empfangen und geboren, blind, und zu allen Lastern geneigt sind. Darum können Sie Christus aus eigenen Kräften nicht erkennen. Und können die Schuld solcher Blindheit und Bosheit nicht Gott zumessen, weil die Sünde nicht von Gott ist, sondern vom Teufel, der die gute Kreatur Gottes in unseren ersten Eltern mit der Sünde, als mit einem tödlichen Gift, vergiftet hat.

5. Es treibt auch Gott, als der in seinem Wesen der Allerfrömmste und Gerechteste ist, niemand zu sündigen, viel weniger zwingt er sie dazu. Sondern in seinem Wesen, und so viel an ihm ist, will er, dass alle Menschen gerecht, fromm und selig sind. Gleich, wie die Sonne alles begehrt, zu erleuchten, und sich doch zufälligerweise begibt, dass sie die blöden Augen blendet, welches aber der Sonne nicht fälschlicherweise zugemessen werden kann, und Schuld gegeben werden, sondern dem blöden Gesicht.

6. Gleichwie aber die Verworfenen nicht aus Gottes Schuld verloren werden. Also werden wiederum die Auserwählten nicht selig gemacht, durch ihre Würdigkeit, Werke oder Verdienst, sondern nur aus lauter Gnade und Barmherzigkeit Gottes, der sich aus Gnade über sie erbarmt. Denn weil alle Menschen von Natur Sünder sind, so wären auch die Auserwählten der ewigen Verdammnis unterworfen, wo sie nicht aus lauter Erbarmen Gottes erhalten würden.

7. Dass aber Gott die Auserwählten erhält, die anderen aber in Sünden lässt verloren werden, kann man ihn keiner Ungerechtigkeit beschuldigen, denn er verdammt nicht Heilige oder unschuldige Leute, sondern Sünder. Und, wie es ihm freisteht, dass er in den Auserwählten seine unaussprechliche Barmherzigkeit zeigt. Also steht es ihm auch frei, dass er in den Verstockten sein gerechtes Gericht wider die Sünde sehen lässt.

8. Dass man aber viel fragen wollte, warum Gott den Verworfenen auch nicht den Glauben gibt. Und, warum Gott die verdorbene Natur in den Menschen durch ständige Fortpflanzung erhalte, dass er sie nicht durch Tilgung unserer ersten Eltern zugleich mit auslöscht, und eine neue unverdorbene erschafft: Desgleichen, dass man außer dem Predigtamt des göttlichen Wortes forschen wollte, welche erwählt sind, oder nicht? Solches alles, und viel mehr, ist ein Vorwitz und keine Gottseligkeit. Denn es ist nicht richtig, dass der Mensch sich selber weiser und gerechter denken lässt, als Gott. Darum man die Gerichte Gottes demütig erkennen, und nicht meistern soll.

9. Du aber, der du wahrhaftig an Christus glaubst, sollst das Vertrauen haben, dass du auserwählt bist. Dazu aber sollst du Gott, den Herrn, nicht desto weniger fleißig anrufen und bitten, dass er den Glauben in dir mehren, und mit seinem Heiligen Geist dich in deinem Tun regieren wolle.

10. Denn die Lehre von der Vorsehung Gottes beruht nicht darauf, dass jemand unter dem Schein der Wahl, sein Fleisch wollte bändigen, oder aus Einbildung der Verstoßung in Verzweiflung fallen. Sondern vielmehr, dass wir erkennen, wie wir aus lauter Gnaden zum ewigen Leben verordnet sind, und uns wiederum mit dem Herzen, Mund, und im Werk Gott dankbar erzeigen, dass sie auch in den aller schwersten Anfechtungen, dazu, wenn wir schwer gesündigt haben, aber uns wiederum bekehren und Buße getan haben, nicht verzagen. Sondern wissen, es könne durch keine Gewalt des Teufels zuwege gebracht werden, dass Gottes Dekrete von uns aufgehoben werden: Das wir ferner uns nicht stoßen oder ärgern an derjenigen Blindheit, welche, da sie sonst in weltlichen Sachen so scharfsinnig und verschmitzt sind, dennoch die reine christliche Religion nicht erkennen, sondern sie vielmehr verlästern und verfolgen. Aber lasst uns Paulus selber hören, was er von der Heiden Erwählung und der Juden Verstoßung vorbringt.

3. Ich habe gewünscht, verbannt zu sein von Christo für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch;

Verbannt zu sein: Dass ich von Christo zur ewigen höllischen Pein verstoßen würde.

Fleisch: Oder fleischlichen Geburt. Denn ich bin aus dem israelitischen Volk geboren. Dies ist ein Beispiel der rechtschaffenen Liebe, da man nicht nur den Feind liebt, sondern auch dessen Schaden mit seinem selbst größten Unfall begehrte zu verhüten. Obwohl nun wenig Christen zu einer solchen hohen Liebe kommen, dass sie ihre Seligkeit verlustig zu werden sich nicht scheuen, nur damit andere möchten selig werden, so sollen wir uns dennoch auch befleißigen, dass wir unseren Feinden mit rechtschaffener und ungefärbter Liebe wohl gewogen bleiben. Wie wir zwar sehen, dass Paulus gegen die Juden getan hat, von denen er doch so schwere Verfolgungen erdulden musste.

4. die da sind von Israel, welchen gehört die Kindschaft und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen;

Die: Jetzt erzählt Paulus mit wenig Worten viel Vorzüge der Juden, um welcher willen es ihm sehr wehtut, dass sie von Gott verstoßen sind.

Von Israel: Welches ein edles Volk ist, und von dem Patriarchen Jakob seine Herkunft hat, der mit Gott gerungen, und gesiegt, darum auch den Namen Israel bekommen hat {1Mos 32}.

Kindschaft: Aus welcher Gott pflegte sich Kinder zu erwählen und anzunehmen. Wie denn Gott zum Abraham gesagt: Ich will dein Gott sein, und deines Samens nach dir {1Mos 17}.

Herrlichkeit: Welche auch ist bei den Israeliten, dass sie vor anderen des lebendigen Gottes Volk genannt wurden, so Gott vor allen anderen sich ihrer annehmen.

Bund: Nämlich, die Verheißung von der Gnade Gottes, und von dem Besitz des Landes Kanaan, dadurch das ewige Leben abgebildet wurde. Solches gehört diesem Volk auch zu.

Gesetz: Welches Gott vom Himmel mit herrlichen Wunderwerken ihnen verkündigt hat. Solches ist keinem anderen Volk auf dem ganzen Erdboden widerfahren {Ps 147}.

Gottesdienst: Nämlich die levitischen Opfer, Zeremonien und Kirchenbräuche, so von Gott zu verrichten befohlen wurden, welche alles Vorbilder auf das Leiden Christi und andere Geheimnisse Gottes waren.

Verheißung: Von Christo, dass er kommen sollte. Denn diese Verheißung gehört zuerst den Juden, welche Guttat sie später verachtet haben, den Heiden gegeben wurde.

5. welcher auch sind die Väter, und aus welchen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.

Die Väter: Das heißt: Die Juden haben in ihrem Volk die vortrefflichsten Erzväter gehabt, deren Nachkommen sie sind. Trotzdem sind sie von Gott verstoßen worden, obwohl sie vor anderen Völkern die angezeigten herrlichen Vorzüge gehabt hatten. Wenn nun ohne Ansehen solcher Vorteil das jüdische Volk verworfen ist. Sollte es denn ein Wunder sein, dass die letzten römischen Päpste mit ihren Anhängern von Gott verstoßen werden, und den Titel der rechten Kirche nicht mehr besitzen, wenn ihnen auch das Predigtamt des Evangeliums vor Zeiten anvertraut gewesen ist und so viel den äußerlichen Ort angeht, an statt der Apostel aufgekommen sind, auch vorher unter den römischen Bischöfen etliche Gelehrte und heilige Männer, die dazu Zeichen getan haben. Denn die jetzigen Päpste, welche die Lehre Christi mit mancherlei Irrtümern gefälscht, die Sakramente mit Menschensatzungen besudelt und überhäuft, und gegen die Bekenner der reinen Religion mit Schwert und Feuer wüten, sind nicht um ein Haar besser, als die verstockten Juden zu Paulus Zeiten gewesen.

Aus: Es folgt noch ein anderer Vorzug der Juden, den sie vor allen anderen Völkern haben.

Über alles: Über alle Kreaturen, welcher Herr und Schöpfer er ist. Und hat man hier die Beschreibung der Person Christi wohl in acht zu nehmen, da uns gezeigt wird, dass Christus wahrer Gott und Mensch in einer Person sei.

Gelobt: Es pflegen aber die Hebräer, wenn sie Gottes Nachrichten verkündigen, solche Lobsprüche mit anzuhängen, ihre Ehrerbietung gegen Gott zu bezeugen. Weil nun die Juden, so vor Zeiten ein herrliches Volk gewesen sind, von Gott verstoßen wurden, und Paulus aus diesem Volk gekommen war, hat er hier wollen zu erkennen geben, wie es ihm um der Juden Verstoßung herzlich leid sei, damit nicht jemand denken möchte, er handelte aus Bosheit und Widerwillen gegen die Juden, indem er von ihrer Verstoßung geredet.

6. Aber nicht sage ich solches, als ob Gottes Wort darum aus sei. Denn es sind nicht alle Israeliter, die von Israel sind;

Aber: Demnach Paulus aus Not von der Verstoßung der Israeliten und der Heiden Berufung handeln musste, und aber merkte, dass ihm könnte vorgeworfen werden: Wenn Gott die Juden verstieße, so würde die Verheißung aufgehoben, welche ihnen geschehen war. Darum kommt er solcher Einrede zuvor, und bildet sie in den folgenden Worten ab.

Aus sei: Es folgt nicht daraus, obwohl Gott die Juden verstoßen hat, dass darum sein Wort und die Verheißungen sollten nichtig und kraftlos sein, da er den Israeliten die ewige Seligkeit versprochen hat. Denn die Verheißung bleibt fest und unbeweglich. Aber sie muss richtig verstanden werden, nämlich, nicht von allen denen, die sich des israelitischen Namens rühmen, sondern von den rechten Israeliten.

7. auch nicht alle, die Abrahams Same sind, sind darum auch Kinder. Sondern „in Isaak soll dir der Same genannt sein“.

Israel: Die heutigen Tages Israeliter oder Juden genannt werden.

Samen sind: Dass sie nach dem Fleisch von Abraham kommen.

Kinder: Nämlich rechte Kinder Abrahams. Sondern die, welche Israels und Abrahams, der beiden Patriarchen Glauben folgen. Darum auch Gott selbst, da er von der Verheißung der ewigen Seligkeit, so sie zu des Abrahams Nachkommen gehörten, redete, einen Unterschied macht unter Abrahams leiblichen und geistlichen Kindern. Denn Gott spricht zu ihm: Ismael soll nicht dein Erbe sein. Unter solcher Erbschaft aber wurde auch die verheißene Erbschaft des ewigen Lebens begriffen.

Genannt sein: Isaak und seinesgleichen, sollen für deine Kinder und Erben des ewigen Lebens gerechnet werden.

8. Das heißt, nicht sind das Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern die Kinder der Verheißung werden für Samen gerechnet.

Fleisch Kinder: Dass sie nach der fleischlichen Geburt nur allein von Abraham her entsprungen sind.

Verheißung: Das heißt: Die gottseligen Nachkommen, so sie dem Abraham in Isaacs Person verheißen sind, muss man für rechte und wahrhaftige Kinder Abrahams halten, denen die Verheißung der Seligkeit gehörte. Denn diese nutzt den verstockten und widerspenstigen Israeliten nichts.

9. Denn dies ist ein Wort der Verheißung, da er spricht. „Um diese Zeit will ich kommen, und Sara soll einen Sohn haben.“

Diese Zeit: Über ein Jahr, nämlich, spricht der Engel oder vielmehr der Sohn Gottes selber, zu Abraham {1Mos 18}.

Sohn haben: Den Isaak. Dergleichen dem Abraham von des Ismaels Empfängnis nichts gesagt wurde, der auch sein Sohn war nach dem Fleisch. Aber er hatte keine Verheißung von ihm, wie vom Isaak. Darum, so viel die Verheißung der rechten, nämlich der ewigen Erbschaft betrifft, ist dieselbe zu verstehen von den rechten Nachkommen Abrahams, die des Abrahams Glauben, als seine Fußstapfen, und des Isaacs Gottseligkeit folgen. Darum kann man Gott keiner Untreue beschuldigen, wenn er des Abrahams Nachkommen nach dem Fleisch verwirft, welche im rechten Glauben mit Abraham und Isaak nichts gemein haben. Eben das muss man heutigen Tages von den römischen Päpsten und ihrer antichristlichen Kirche auch sagen: Nicht alle, die sich des Titels der Kirche rühmen, sind darum die rechte Kirche, und die sich für Nachkommen des Apostels ausgeben, sind es nicht darum, sondern welche ihre rechte Lehre rein bekennen, die sind auch die rechten Nachkommen. Also sind auch die nicht alle Christen oder evangelische, welche sich des Christentums, oder des Evangeliums von Christo rühmen, sondern welche wahrhaftig an Christus glauben, und dieses Bekenntnis ihres Glaubens mit heiligem Wandel zu zieren sich befleißigen. Darum will Paulus schließen, dass nicht alle, welche die fleischliche Geburt von Abraham haben, von Gott auch zur ewigen Seligkeit erwählt sind, sondern die, welche seinen Glauben fassen, und also beweisen, dass sie Gottes auserwähltes Volk sind. Denn unsere Seligkeit steht auf Gottes Wahl und nicht auf die fleischliche Geburt oder Fortpflanzung.

10. Nicht allein aber ist‘s mit dem also, sondern auch, da Rebekka von dem einen, unsrem Vater Isaak, schwanger ward.

Nicht: Darum nicht einer den Vorwurf macht, Isaak hätte darum den Vorzug in der Wahl gehabt vor Ismael, weil er aus einer freien, edlen und vornehmen Frau im Hause geboren wurde. Ismaels Mutter aber eine ägyptische Frau Magd gewesen ist. So bringt Paulus noch ein anderes Beispiel, damit er beweise, dass Gott sein Geschlecht oder seinen Verdienst, weder Gegenwärtiges oder Zukünftiges, ansehe.

Mit dem also: Es hat sich dies nicht nur mit dem Isaak und Ismael so zugetragen.

Isaak: Von dem sie Zwillinge empfangen hatte und im Leibe trug, die einander sehr ungleich waren. Weil der eine aus Gnaden erwählt, der andere aus gerechtem Urteil Gottes verworfen wurde.

11. Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, auf dass der Vorsatz Gottes bestünde nach der Wahl,

Geboren waren: Und noch im Mutterleibe lagen: Jakob und Esau.

Bestünde: Dass Gottes ewiges Dekret fest und unverrückbar bliebe, da er einen erwählt, den anderen verwirft.

Ihr gesagt: Nämlich, der Rebecca, durch eine göttliche Offenbarung {1Mos 25}.

12. nicht aus Verdienst der Werke, sondern aus Gnade des Berufers, ward zu ihr gesagt: „Der Ältere soll dienstbar werden dem Jüngeren“,

Aus Gnade: Dadurch Gott den Jakob zum ewigen Leben verordnet und berufen hat.

Dem Kleinen: Esau, als der Erstgeborene, wird dem Jüngeren, nämlich, dem Jakob müssen unterworfen sein, welcher den rechten geistlichen Segen erlangen wird. Denn obwohl es Jakobs Nachkommen, die Edomiter, als des Esau Nachkommen auch zeitlich überwunden und überwältigt haben, so weiß man doch, dass Esau selber in diesem Leben, dem äußerlichen Ansehen nach, viel glückseliger gewesen ist, als Jakob, dem viel Unglück geschehen war. Darum reden die zuvor angezeigte Verheißung und der Vorzug vornehmlich vom ewigen Leben, und es wird damit angezeigt, dass Jakob von Gott geliebt, aber Esau verworfen würde.

13. wie denn geschrieben steht. „Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“

Geliebt: Darum will ich auch seinen Nachkommen Gutes tun. Es steht aber diese Verheißung in Maleachi 1.

Gehasst: Darum will ich seine Nachkommen zerstreuen und vertilgen. Denn das solches der Verstand von diesem Ort ist, bezeugen die Umstände der Weissagung. Darum besteht der Menschenseligkeit nicht auf menschlichem Verdienst. Besonders Gott auch, die noch nicht geboren sind, zum einen Teil erwählt, und etlicher verworfen hat. Sondern alle unsere Seligkeit kommt aus lauter Gnade und Barmherzigkeit Gottes her.

14. Was wollen wir denn hier sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne!

Hier sagen: Es muss dies wohl der menschlichen Vernunft ganz ungereimt vorkommen, dass dem die Seligkeit von Ewigkeit zuerkannt würde, der noch nie etwas Gutes getan hat, und ein anderer in die Verdammnis kommt, der noch nie Böses getan hat.

Ungerecht: Denn es meint die menschliche Vernunft, dass dieses ein unrichtiger Handel ist.

Sei ferne: Dass wir Gott der Ungerechtigkeit beschuldigen sollten. Denn es steht Gott frei, dass er aus Menschen, die in Sünden empfangen, und mit der Erbsünde behaftet sind, nach seiner Barmherzigkeit erwählt zum Leben, welche er will, und verwerfen oder in ihrer Blindheit angeborenen Bosheit bleiben lassen, welche er will.

15. Denn er spricht zu Mose. „Welchem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und welches ich mich erbarme, des erbarme ich mich.“

Ich mich: Dass es beides einerlei Meinung (gnädig sein und Erbarmen) und nur mit etwas anderen Worten wiederholt: So viel will aber der Herr sagen: In der Menschen Seligmachung sehe ich noch keine Würdigkeit oder Verdienst, sondern aus Gnade mache ich selig, welche ich will, damit niemand sich wider mich rühmen kann.

16. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.

Oder Laufen: Wenngleich einer mit höchstem Fleiß und größter Mühe, aber nicht auf dem richtigen Weg, nach dem ewigen Leben, dieses zu bekommen strebte, so würde er es doch nicht bekommen, er wäre denn von Gott erwählt. Denn es liegt nicht an des Menschen, sondern an Gottes Willen, dass jemand selig werde. Es wird aber selig, dessen Gott sich erbarmt. Dies, was hier vom Wollen und Laufen gesagt wird, ist nicht so zu verstehen, als ob die, so sie bereits wiedergeboren sind und von Herzen Gott begehren, zu gehorchen, auch ein seliges Verlangen nach dem ewigen Leben haben, und wiederum von Gott verstoßen würden, weil dieser ihr Wille ein großes Zeichen und Zeugnis der ewigen Wahl ist. Sondern es ist von den nicht wiedergeborenen Menschen zu verstehen. Denn es sind auch unter den Heiden etliche gefunden worden, welche nach einem besseren Leben getrachtet haben, wie aus den Sprüchen des Sokrates und etlicher anderer Philosophen zu sehen ist: Und haben die Juden (wie Paulus später in diesem Kapitel bezeugt) die Gerechtigkeit zwar gesucht, aber aus den Werken, und nicht aus Glauben, darum sie die Gerechtigkeit und Seligkeit nicht bekommen haben. Aber weil diese Leute die wahre Erkenntnis Gottes nicht gehabt, so haben sie vergebens nach der Seligkeit gestrebt, weil Gott sich ihrer nicht erbarmt hat. Denn sonst hätte er ihnen die Augen des Verstandes geöffnet, dass sie den Weg zum ewigen Leben gefunden hätten. Und ist dennoch Gott nicht ungerecht, weil er keinen Reinen oder Unschuldigen verstößt. Denn es sind alle Menschen von Natur Sünder. Darum mag er wohl in der Erwählung seiner Barmherzigkeit, und in der Verstoßung seine Gerechtigkeit erzeigen.

17. Denn die Schrift sagt zum Pharao. „Ebendarum habe ich dich erweckt, dass ich an dir meine Macht erzeige, auf dass mein Name verkündigt werde in allen Landen.“

Schrift sagt: 2. Buch Mose: Beweist also Paulus der Gottlosen Verstoßung gemäß der Schrift, wie er zuvor der auserwählten Seligkeit daraus erklärt.

Macht erzeige: Indem ich dich strafe. Es erweckt aber Gott die Gottlosen nicht so, dass er sie zu sündigen zwingt, sondern nach seiner unerforschlichen Weisheit braucht er ihre angeborene Bosheit zu der Auserwählten Nutzen, dass, je besser und größere Werke er tut zu der auserwählten Seligkeit, je unsinniger die Gottlosen werden, bis sie endlich zugrunde gehen, und mit Leib und Seele verderben, dadurch Gottes Majestät, desto besser bekannt wird. Und kann ihm doch keine Schuld der Verstockung zugemessen werden. Denn gleichwie eine fromme Obrigkeit, wenn sie einen widerspenstigen Untertanen mit Gebühr straft, nicht der Grund dafür ist, wenn dieser später noch ärger wird, und mit Morden und Brennen sich begehrte zu rächen. Also ist Gott der Herr nicht schuldig daran, dass die Gottlosen, wenn sie sein Wort hören, und von wegen ihrer vorigen Sünden gezüchtigt werden, später nur ärger werden. Es wird aber die Bosheit, so in den Gottlosen verborgen liegt, erweckt, und tut sich je länger je mehr hervor, wenn Gott wirkt, was seiner Majestät gebührt: Gott kann ihre Gesinnung aufdecken, dass sie wollen vor Bosheit unsinnig werden. Und schafft doch Gott solche unsinnigerweise in ihnen nicht, sondern zufälligerweise wird ihre Bosheit durch die guten und wunderbaren Werke Gottes hervorgelockt und gereizt. Und das nennt die Schrift, eines gottlosen Menschen Herz verstocken. Wenn der Mensch aus den Werken Gottes Anlass nimmt, dass er immer ärger und böser wird.

18. So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, welchen er will.

Welchen er will: Denn es ist an seinem freien, gerechten und allerbesten Willen gelegen, dass er aus der von Natur verdorbenen und verkehrten Menschen eine unzählige Menge, etliche aus lauter Gnaden erwählt, bekehrt, und selig macht. Die übrigen aber, noch seine Gerechtigkeit, in der Blindheit ihres Herzens bleiben lässt, dass sie nicht allein nicht besser, sondern wie zuvor gehört, auch ärger werden. Darum haben die Frommen Ursache, Gott für seine Gnade und Güte zu danken, die Gottlosen aber haben keine Gründe, sich über die Gerechtigkeit Gottes zu beklagen.

19. So sagst du zu mir. Was beschuldigt er uns denn? Wer kann seinem Willen widerstehen?

So: Jetzt folgt eine andere Einrede, die von vorwitzigen Leuten, in diesem Artikel der Vorsehung, oft an den Tag gebracht wird.

Was beschuldigt: Das uns Gott unserer Bosheit und unseres verkehrten Wandels wegen anklagt und straft, weil alle von Natur solche sind, nämlich, in Sünden empfangen und geboren, und es so nicht bei uns steht, dass wir uns selber bekehren können? Auch keiner bekehrt werde, Gott wolle es denn, und gebe seine Gnade dazu, dass der Mensch bekehrt werde. Darum wenn er mich nicht selig machen will, so hat es ja das Ansehen, als sei er der Grund meiner Verdammnis und nicht ich.

Widerstehen: Wenn es ihm nicht gefällt, dass ich bekehrt werde, so kann ich sein Dekret nicht ändern, oder schaffen, dass nicht geschehe, was er will, dass es geschehen soll. Warum verdammt er denn nicht um der Sünde willen alle Menschen oder bekehrt sie alle und macht sie selig? Eine unverschämte Verleumdung und schreckliche Gotteslästerung, die man mit Ernst aus dem Sinn schlagen soll, darum auch Paulus einen solchen heftig mit folgenden Worten beschimpft.

20. Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister. Warum machst du mich also?

Mit Gott: Als dem allerweisesten, gerechtesten und frommsten Schöpfer, wo du dagegen nichts anderes als Staub und Erde, dazu mit Sünden verdorben bist? Denn Gott ist nicht schuldig seinen Kreaturen Rechenschaft zu geben, wie er verfahre.

Spricht auch: Wer hat jemals gehört, dass das Werk seinen Meister beschimpft hat, da doch der Meister, er sei so schlimm wie er will, besser ist als sein Werk, dass er gemacht hat?

21. Hat nicht ein Töpfer Macht, aus einem Klumpen zu machen ein Gefäß zu Ehren und das andere zu Unehren?

Hat nicht: Jetzt will Paulus auch mit einem gründlichen Beweis die vorwitzigen Mäuler der Leute stopfen.

Zu Ehren: Oder zu gutem Gebrauch, als, dass ein Becher oder ein Schlüssel daraus werde, so man auf den Tisch stellt, und den Gästen in einem Wohlleben zu Ehren aufstellen darf.

Unehren: Dass man nicht öffentlich aufstellen darf, als eine Brunzkachel (bayerisches Schimpfwort für eine hässliche Frauenperson). Also ist es auch mit uns sündigen Menschen beschaffen. Denn wir sind wegen unserer verdorbenen Natur nicht Gold oder Silber, sondern Ton oder Lehm, wie Jesaja bezeugt in Kapitel 64. Und Jeremia in Kapitel 18. Darum, da Gott der Herr aus einer so schlechten Materie nicht alle zu einem guten Gebrauch macht, so soll niemand solches Unrecht nennen, denn es geschieht aus Barmherzigkeit und nicht aus Pflicht, wenn er aus schlechter Materie gutes oder schlechtes macht. So haben sie keine Ursache, sich zu beklagen, wenn sie nicht gute Sachen werden, die man auf den Tisch stellen kann.

22. Der halben, da Gott wollte Zorn erzeigen und kundtun seine Macht, hat er mit großer Geduld getragen die Gefäße des Zorns, die da zugerichtet sind zur Verdammnis;

Der halben: Jetzt zeigt Paulus an, was dieses Gleichnis meint, und wie es zu gebrauchen ist.

Zorn erzeigen: Nämlich, seinen gerechten Zorn wider die Sünde.

Seine Macht: Die verstockten Sünder zu überwältigen und zu strafen.

Getragen: Dass sie nur noch stolzer und verwöhnter werden, dass sie eine Sünde über die andere begehen.

Zugerichtet sind: An welchen er das Verderben und Verdammen seines gerechten Zorns zu erklären beschlossen hat.

23. auf dass er kundtäte den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er bereitet hat zur Herrlichkeit,

Seiner Herrlichkeit: Die, welche besonders leuchten, welche zur Seligkeit verordnet sind.

Der Barmherzigkeit: Die er aus lauter Gnade und Barmherzigkeit selig machen will.

Zur Herrlichkeit: Dass sie, nämlich, in diesem Leben, durch den Glauben gerechtfertigt, und im anderen der himmlischen Seligkeit und Herrlichkeit teilhaftig werden. Wenn nun (will Paulus sagen) Gott die Bösen mit großer Langmütigkeit duldet, dass er an den abscheulichen Gefäßen seine Macht und Gerechtigkeit, in den Gefäßen aber der Barmherzigkeit seine Herrlichkeit und Gnade zeige. Wer hat das Recht, ihn jetzt zu beschuldigen? Damit ist den vorwitzigen Leuten genügend geantwortet: Und ist es gleich so, als ob Paulus mit Fleiß seine Rede abgekürzt hätte, damit er auch zugleich alle vorwitzigen Fragen aufhebe. Denn man soll der Kreatur nicht zulassen, dass sie mit ihren Schöpfer hadere. Und soll die Lehre von der ewigen Vorsehung zur Bestätigung des Glaubens und der Hoffnung dienen, aber diese nicht umstoßen.

24. welche er berufen hat, nämlich uns, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden.

Berufen hat: Zur Erkenntnis des Evangeliums, und weist uns Paulus mit diesen Worten von der ewigen Vorsehung Gottes ab, zum geoffenbarten Willen Gottes, mit Meldung, dass Gott diejenigen, welche er von Ewigkeit erwählt hat, nicht immer in der Blindheit und bei ihrem gottlosen Wesen bleiben lasse, bis sie einmal durch eine plötzliche Entzückung bekehrt werden. Sondern dass er sie zur Erkenntnis seines Evangeliums berufe, denn die Auserwählten werden nach Gottes ordentlicherweise berufen.

Heiden: So sammelt sich Gott auch eine Kirche: obwohl sie von den Juden unrein geachtet wurden.

25. Wie er denn auch durch Hosea spricht. „Ich will das mein Volk heißen, dass nicht mein Volk war, und meine Liebe, die nicht meine Liebe war.“

Volk war: Welches vor Zeiten nicht dafür geachtet wurde, dass es mein Volk wäre, dieses will ich jetzt für mein Volk erkennen.

Liebe war: Sondern die feindseligen, nämlich, die Heiden, will ich jetzt lieb und wert halten. Denn die Kirche Gottes ist die allerliebste Gruppe Christi.

26. „Und soll geschehen. An dem Ort, da zu ihnen gesagt ward. ‚Ihr seid nicht mein Volk’, sollen sie Kinder des lebendigen Gottes genannt werden.“

Genannt werden: Und auch in der Wahrheit sind, als die ich an Kindes statt an- und aufgenommen habe. Mit diesen und dergleichen Sprüchen, die von der Heiden Erwählung um Berufung vom Paulus genannt werden, sollen wir unseren Glauben stärken und festmachen, die wir von den Heiden und nicht von den Juden herkommen. So kann es auch wohl geschehen, dass Gott den Heiden, die jetzt ganz gottlos sind, das Licht des Evangeliums einmal schenke.

27. Jesaja aber schreit für Israel. „Wenn die Zahl der Kinder Israel würde sein wie der Sand am Meer, so wird doch nur der Überrest selig werden;

Schreit: Kapitel 10. Und weissagt der Prophet selbst mit einem großen Eifer von der Verstoßung des jüdischen Volkes, welches auch Paulus hier anzeigt.

Der Sand: Dass es von einer so großen Menge ist und nicht gezählt werden kann.

Das Übrige: Nämlich, ganz wenig, dazu die Geringsten und Unachtsamsten unter dem Volk, werden Christus erkennen und die Seligkeit erlangen.

28. denn es wird ein Verderben und Steuern bedeutet. Ein Beenden, ein Entgegenwirken geschehen zur Gerechtigkeit, und der Herr wird das Steuern tun auf Erden.“

Denn es wird: In diesem letzten Teil des Spruches hat Paulus der griechischen Übersetzung gedacht, welche den 70 Dolmetschern angerechnet wird, weil er nicht gezweifelt hat, dass die, so in der Heiligen Schrift des Alten Testamentes gut erfahren waren, den rechten und eigentlichen Verstand dieses Spruches fassen könnten. Und ist dies die Meinung: Gott wird das jüdische Volk von seinem Angesicht verstoßen und seinen Zorn dennoch also mäßigen, dass etliche Juden sich zu Christus bekehren und selig werden. Wenn sie aber zu Christus bekehrt werden, so werden sie in ihm die vollkommene Gerechtigkeit haben, und wird der Sünden nicht mehr gedenken.

Steuern: (Nach Luther). Obwohl der meiste Teil abfällt, und ungläubig bleibt, wird er sie doch nicht alle fallen lassen, sondern die übrigen erhalten, und durch sie sein Wort und seine Gnade desto reichlicher ausbreiten, dadurch sie umso gerechter und herzlicher werden.

29. Und wie Jesaja zuvor sagte. „Wenn uns nicht der Herr Zebaoth hätte lassen Samen übrig bleiben, so wären wir wie Sodom und Gomorra.“

Zuvor sagt: Im 1. Kapitel Jesaja seiner Weissagung sagt.

Übrig bleiben: Dass Gott aus dem jüdischen Volk etliche, als ein wenig Samen in der Kirche bewahre und zur Erkenntnis Christi führte, so würde das ganze jüdische Volk im Unglauben und gottlosen Wesen verderben, wie die Einwohner der Stadt Sodom und Gomorra in Grund und Boden vertilgt wurde, und sie sowohl mit dem Leib als mit der Seele umgekommen sind. Weil also Gott durch die Verstoßung des jüdischen Volkes seinen gerechten und ernstlichen Zorn sehen lassen hat, so sollen wir Gott fürchten, dass wir ihn nicht mit unseren Sünden erzürnen, und er uns auch verwerfe {Röm 11}.

30. Was wollen wir nun hier sagen? Das wollen wir sagen. Die Heiden, die nicht haben nach der Gerechtigkeit getrachtet, haben Gerechtigkeit erlangt; ich sage aber von der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.

Hier sagen: Worauf beruht denn nun eigentlich die Sache? Gleich, wie aber Paulus zuvor angezeigt hat, woher es komme, dass viel aus den Heiden dem Evangelium glauben und selig werden, nämlich, aus Gottes gnädiger Erwählung: Dagegen aber, wie es geschähe, dass die Juden dem Evangelium nicht glauben und verdammt werden, nämlich, weil sie nicht auserwählt sind zum ewigen Leben, so ist es ihnen nicht gegeben, dass sie dem Evangelium Christi glauben: Also lehrt er jetzt, welches der Grund für die Seligkeit der Heiden ist, und der Juden Verdammnis. Weil, nämlich, die Juden vergebens suchen aus den Werken gerecht zu werden: Die Heiden aber die Barmherzigkeit Gottes, so ihnen aus Gnaden angeboten wird, mit Glauben ergreifen.

Getrachtet: Und der rechten Religion nicht geachtet, dazu auch mit vielen groben Lastern befleckt gewesen sind.

Erlangt: Dass sie sind gerechtfertigt und selig gemacht worden.

Glauben kommt: Denn aus Glauben sind sie gerechtfertigt worden, also dass durch den Glauben der ganzen Verdienst Christi ihnen zu Gerechtigkeit gerechnet ist.

31. Israel aber hat dem Gesetz der Gerechtigkeit nachgetrachtet, und hat das Gesetz der Gerechtigkeit nicht erreicht.

Nicht erreicht: Das heißt: Das jüdische Volk, in dem es mit großem Fleiß und viel Mühe, Weise und Wege gesucht, dadurch es vor Gott gerecht und selig würde, hat es den richtigen Weg der Rechtfertigung nicht gefunden. Darum es auch weder die Gerechtigkeit noch Seligkeit erlangt hat.

32. Warum das? Darum dass sie es nicht aus dem Glauben, sondern aus den Werken des Gesetzes suchen. Denn sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anlaufens,

Aus den Werken: Aus diesem einzigen Weg die Seligkeit zu erlangen, haben sie sich allein gehalten, und die angebotene Gnade Christi, darauf allein das ewige Leben besteht, nicht beachtet. Werden darum die Menschen durch die guten Werke nicht selig gemacht, wie auch nicht durch schlechte oder durch die bösen Werke verdammt, sondern durch den Glauben werden sie selig, und durch den Unglauben verdammt. Sonst wären die Heiden um ihres vorigen unreinen Wandels Willen verdammt worden, und hätten die Juden, weil sie der Gerechtigkeit und Ehrbarkeit in ihrem Leben sich befleißigt hatten, die ewige Seligkeit gegeben. Dieses Gericht und Urteil Gottes kommt der menschlichen Vernunft ganz ungereimt vor, ist aber doch ganz richtig, weil es Gott dem Herrn, als dem Allerweisesten und Gerechtesten so gefällt.

Denn: Jetzt folgt die Ursache, warum die Juden die in Christo angebotene Gnade von sich gestoßen haben.

Anlaufens: (Nach Luther) Christus macht ohne Werke gerecht, dem glauben sie nicht. Also stoßen sie sich an ihm und ärgern sich.

33. wie geschrieben steht. „Siehe da, ich lege in Zion einen Stein des Anlaufens und einen Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.“

Des Ärgernisses: Paulus hat es dabei belassen, dass er den Inhalt des prophetischen Spruches kurz angezogen hat. Und es ist die Meinung sowohl der Prophetie, als der Worte Paulus diese: Die Juden sollten sich auf den allerältesten Eckstein Christus verlassen, das ist: Sie sollten mit ganzem Vertrauen bei ihm anfangen, auf dass sie also vor Gottes Gericht und gegen alle Anstöße der Anfechtungen fest bestehen könnten: Aber da haben sie das Gegenteil getan. Denn sie haben sich an diesem Stein gestoßen, an Christus sich geärgert, und sind darüber zugrunde gegangen. Denn indem sie auf die Niedrigkeit seiner Person geachtet haben, wie er in Knechtsgestalt erschienen ist {Phil 2}, und gesehen haben, wie er von den Hohepriestern verworfen wurde, mit den Sündern Umgang hatte, viele Dinge lehrte, dass mit den Predigten der Hohepriester und Schriftgelehrten nicht übereinstimmte, am Sabbat heilte, und zum Schluss eines schrecklichen Todes des Kreuzes getötet wurde, und kein weltliches Reich anrichtete, mit dem sie ihre Freiheit wiederbekommen hätten, ist es geschehen, dass sie ihn für keinen Messias, sondern für einen Verführer und falschen Propheten gehalten haben. Dass aber solches geschehen würde, hat der Prophet Jesaja lange zuvor verkündigt, welcher geweissagt hat, wenn Christus in Zion, das heißt, zu dem jüdischen Volk, welches Gott auf dem Berge Zion ehrte, würde gesandt werden, so würden sie nicht an ihn glauben, sondern sich an ihn stoßen und ärgern: Also dass Christus, da er ihnen ein heilsamer Eckstein sein sollte, durch ihren Unglauben zu einem Anstoß und Ärgernisse würde, doch nicht durch seine, sondern durch ihre eigene Schuld. Also suchen auch heute noch viele einen Schein, damit Sie dem Evangelium nicht glauben dürften, und werfen uns jetzt mancherlei Sekten und Spaltungen vor, einen unordentlichen Wandel, machen sich selbst also aus dem Eckstein Christo ein Fels des Ärgernisses. Diese werden, wie die Juden, auch durch ihre eigene Schuld umkommen.

Und: Damit es nicht das Ansehen bekommt, als wäre Christus nur ein Stein des Anstoßes und Ärgernisses, so bringt Paulus auch einen anderen Spruch aus dem Propheten Jesaja (Kapitel 28) hervor, da geschrieben steht: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein, der wohl gegründet ist.

Schanden werden: Paulus hat hier auch aus dem Griechischen den Text übersetzt. Im hebräischen Text lautet es so: Wer glaubt, der flieht nicht. Es ist aber einerlei Meinung, dass, nämlich, wer wahrhaftig an Christus glaubt, der kann sein erschrockenes Gewissen in diesem Leben stärken und festmachen und vor Gottes Gericht bestehen. Wird auch an keine Flucht denken, weil er nicht zuschanden wird, sondern durch den Glauben an Christus die ewige Herrlichkeit und Seligkeit sicher bekommen.


Das 10. Kapitel


Paulus zeigt die Ursachen der Juden Verstoßung an, und lehrt, dass zweierlei Gerechtigkeit ist, die eine des Gesetzes, die andere des Evangeliums. Behandelt danach von dem Mittel, dadurch man den wahren Glauben bekommt, nämlich, von dem mündlichen Predigtamt. Zum Dritten zeigt er an, dass der Juden Verstockung und der Heiden Berufung von dem Propheten schon lange zuvor verkündigt wurde.

1. Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist, und ich flehe auch zu Gott für Israel, dass sie selig werden.

Liebe Brüder: Die ihr entweder aus den Juden oder auch Heiden zum christlichen Glauben bekehrt worden seid. Es fährt aber der Apostel noch weiter fort zu beweisen, dass die Juden selbst an ihrer Verdammnis schuldig sind, darum, dass sie die Gerechtigkeit des Gesetzes suchen, und die Gerechtigkeit Christo, so sie aus dem Glauben kommt, nicht beachten, welcher allein gerecht und selig macht. Bezeugt doch vorher von seinem guten Willen und herzlicher Zuneigung gegen das jüdische Volk, damit nicht jemand meinen möchte, er schreibe solches aus Trotz und Hass gegen die Juden.

Selig werden: Ich möchte nichts lieber wünschen, könnte mir auch keine größere Freude vorstellen. Ja ich bitte Gott ständig und inbrünstig, dass die Juden, welche meine Verwandten sind nach dem Fleisch, die ewige Seligkeit bekommen möchten. Es verfolgten aber die Juden Paulus auf das Äußerste: Darum hat man hier ein Beispiel, wie man die Feinde lieben soll und kann {Röm 12}.

2. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um Gott, aber mit Unverstand.

Um Gott: Und um sein Gesetz, dadurch sie hoffen, die ewige Seligkeit zu bekommen: Ließen sich auch viel eher töten, als dass sie das Gesetz Mose sollten in Verachtung kommen lassen.

Unverstand: Es mangelt ihnen am rechten Verstand des göttlichen Wortes und Gesetzes. Darum sie ohne Bedenken (ungleich wie die Blinden tappen) zur Handhabung des Gesetzes getrieben werden: Merken aber nicht, wozu das Gesetz gegeben ist, nämlich, nicht dass jemand solches vollkommen halte, und daraus gerecht werden könnte, sondern dass wir unsere verdorbene Natur und die innerlichen und äußerlichen Sünden daraus erkennen lernen. Darum nutzt ihnen solcher Eifer nichts. Gefällt darum die gute Meinung in Religionssachen Gott nicht, wenn etwas wider den rechten Verstand des Wortes Gottes vorgenommen wird, obgleich ein großer Eifer bei solchen Leuten ist. Die selbst erwählten Gottesdienste aber, so in guter Meinung angerichtet wurden, findet man im Papsttum viele. Darum, wenn die Juden die Gerechtigkeit auf diese Weise suchen, verfehlen sie diese dennoch.

3. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachten, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und sind also der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan.

Gott gilt: Und allen Gläubigen durch den Glauben und nicht aus den Werken widerfährt.

Eigene Gerechtigkeit: Welche auf die Werke und menschlichen Verdienste gegründet ist.

Aufzurichten: Dass sie diese gebrauchen und verteidigen, als ob der Mensch dadurch die wahre Gerechtigkeit und Seligkeit bekommen könnte.

Nicht untertan: Sie wollen der zuvor angezeigten Gerechtigkeit des Glaubens das Lob der Rechtfertigung und Seligkeit nicht bestätigen, wollen sie auch nicht annehmen oder dulden, sondern verwerfen solche Weise der Rechtfertigung aus Gnaden, und verachten sie, als ganz unlogisch. In gleicher Krankheit liegen auch die Heuchler und Katholiken. Denn indem sie ihre Gerechtigkeit der Werke hochheben, so verlästern sie die Rechtfertigung aus Gnaden, welche allein durch den Glauben geschieht, und sind ihr im Herzen feind. Aber solche alle miteinander, sie heißen gleich Christen oder Juden, verfehlen den Zweck der wahren Rechtfertigung weit.

4. Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.

Ende: Und Erfüllung. Darum sind unsere Werke keine Vollkommenheit oder vollkommene Erfüllung des Gesetzes, sondern Christus allein hat das Gesetz vollkommen für uns erfüllt. Wer an diesen nun wahrhaftig glaubt, der ist vor Gott gerecht {Apg 13}. Denn es wird die allervollkommenste Erfüllung des Gesetzes, welche Christus geleistet hat, mit seinem ganzen Verdienst ihm zugerechnet. Und gleichwie durch eines Menschen (Adam) Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also werden durch eines (Christi) Gehorsam viele gerecht, nämlich, welche an ihn glauben {Röm 5}.

5. Mose schreibt wohl von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt. „Welcher Mensch dies tut, der wird dadurch leben.“

Gesetz kommt: Welche das Gesetz verspricht {3Mos 18}.

Dies tut: Dass er die Gebote Gottes, und also das ganze Gesetz vollkommen hält, der wird das ewige Leben gewiss erlangen. Aber wir können solche Vollkommenheit bei Weitem nicht erreichen, darum kann auch niemand durch das Gesetz gerecht werden. So redet darum Mose auch von einer anderen Gerechtigkeit, nämlich, welche aus dem Glauben kommt, darauf Paulus in den folgenden Worten deutet.

Dadurch leben: (Nach Luther) Das heißt: Er meidet durch äußerliche Werke, die äußerliche Strafe des Gesetzes. Aber das bedeutet Gott nichts.

6. Aber die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht also. „Sprich nicht in deinem Herzen. Wer will hinauf gen Himmel fahren?“ (Das ist nichts anderes denn Christus herabholen.)

Spricht also {5Mos 30}: Und führt Paulus ein Gleichnis mit einer verblümten Rede, die Gerechtigkeit des Glaubens selber ganz ordentlich ein, dass sie in den folgenden Worten selbst erklärt.

7. Oder. „Wer will hinab in die Tiefe fahren?“ (Das ist nichts anderes denn Christus von den Toten holen.)

Nach Luther: Wer nicht glaubt, dass Christus gestorben und auferstanden ist, uns von Sünden gerecht zu machen, der spricht: Wer ist in den Himmel gefahren und in die Tiefe gefahren? Das tun aber die, so sie mit Werken und nicht mit Glauben gerecht werden wollen, obwohl sie es mit dem Mund so sagen, aber nicht im Herzen. Der Nachdruck steht in diesen Worten im Herzen.

8. Aber was sagt sie? „Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen.“ Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen.

Sagt sie: Nämlich, die Gerechtigkeit des Glaubens, welche noch, als eine besondere Person, also weiter zu reden fortfährt.

Wir predigen: Denn obwohl Moses in den Worten zuvor, dem Ansehen nach, vom Halten des Gesetzes redet. Jedoch, wenn man dieses ganze Kapitel mit Fleiß betrachtet, so wird es sich finden, dass es eine einzige evangelische Predigt ist, von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes gegen den bußfertigen Sünder, von Vergebung der Sünden. Darum handelt Mose nicht davon, wie man das Gesetz erkennen und erfüllen könne, sondern wie wir durch den Glauben an das Evangelium Christi die ewige Seligkeit bekommen mögen. Und es ist kein Zweifel, der Apostel Paulus, als er bis in den dritten Himmel entzückt gewesen war, ist der beste Ausleger der Heiligen Schrift, und hat diesen Spruch Mose ganz richtig angezogen. Es hat aber diesen Verstand: Ich habe gesagt (spricht Mose) dass Gott euch gnädig und barmherzig sein wird, wenn ihr Buße tut, darum ist es nicht nötig, dass ihr vorwenden wolltet. Wer wird uns das Wort der Verheißung von der Gnade und Güte Gottes vom Himmel bringen? Oder wer wird über das Meer fahren oder in die Tiefe der Erde hinabsteigen, dass er uns das Wort der evangelischen Verheißung hervorbringe? Dieses alles darf sich keiner vermessen. Denn es ist nicht nötig, dass Christus entweder vom Himmel (dahinter einmal aufgefahren) wieder sichtbar herabsteige, und einem jeden die Vergebung seiner Sünden verkündige: Oder dass er wieder aus dem Grabe von den Toten auferstehe, (daraus einmal auferstanden ist) und predige von der gnadenreichen Vergebung der Sünden. Sondern ihr habt schon jetzt die evangelischen Verheißungen, welche ihr gehört habt, und könnt sie mit dem Herzen ergreifen, welche auch durch die Apostel Christi damals im Predigtamt des Evangeliums ausführlicher erklärt werden. Dies ist das Wort der Verheißung, nämlich das Evangelium Christi (spricht Paulus), welches wir Apostel jetzt und in der ganzen Welt predigen. Solches ist nicht weit von uns, denn es jetzt viel tausend Christen mit dem Munde bekennen, und der meiste Teil dieser es auch im Herzen angenommen hat. Dieses ist die wahre Gerechtigkeit, welche Mose in seiner evangelischen Predigt vorhält. Aber nicht die, welche in der Predigt vom Gesetz redet, und man nicht erfüllen kann. Darum, indem die Juden auch heute nur die Gesetzespredigt Mose annehmen, schaffen sie für ihre Seligkeit nur Übles. Aber die Gerechtigkeit des Glaubens kann man ergreifen und behalten.

9. Denn so du mit deinem Munde bekennst Jesum, dass er der Herr sei, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du selig.

Herr sei: Der ewige Sohn Gottes, welcher wahre menschliche Natur in Einigkeit der Person angenommen hat, auf dass er das menschliche Geschlecht mit seinem Leiden und Verdienst von der ewigen Verdammnis erlöste.

Auferweckt hat: Nachdem er den Tod überwunden und alles erfüllt hat, was zu deiner und anderer Leute Seligkeit nötig gewesen ist, damit diese erlangt und wiederum zuwege gebracht würde.

Selig: Wenn du, nämlich, es gewiss dafürhältst, dass solches alles dir zum Guten geschehen ist.

10. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig.

Herzen glaubt: Dass man nicht nur mit dem Munde sich zum Christentum bekennt, sondern wahrhaftig mit dem Herzen an ihn glaubt, so wird man wahrhaftig vor Gott durch solchen Glauben gerechtfertigt. Wenn aber der Mensch gerechtfertigt wurde, so ist er auch ein Erbe des ewigen Lebens. Jedoch, damit wir diesen Glauben und die Gerechtigkeit nicht wieder verlieren, so ist es nötig, dass wir Christus vor der Welt auch mit dem Munde bekennen. Denn wer sich Christi, und seines Evangeliums schämt, dessen wird sich Christus wiederum auch schämen am Jüngsten Tage {Mk 8}. Und wer Christus verleugnet vor den Menschen, den wird er wiederum verleugnen vor seinem himmlischen Vater {Mt 10}. Darüber muss man sich auch bemühen, dass unser äußerlicher Wandel gleich ein Stück solches unseres Bekenntnisses ist. Das heißt, dass unser Leben dem Bekenntnis des Glaubens gleichförmig sei, damit nicht, wenn wir Christus mit den Worten bekennen, ihn dagegen mit der Tat verleugnen {Tit 1}. Welche aber aus diesem Spruch Paulus sich unterstehen, zu beweisen, dass die Werke zur Seligkeit nötig sind, die irren sehr. Denn Paulus Meinung ist diese, dass man den Glauben des Herzens vor der Welt nicht verhehlen soll. Und dass die des Glaubens Gerechtigkeit nicht behalten, welche, damit sie sich Sicherheit und Rat schaffen (Angst vom Ausschluss der Gemeinschaft der Menschen), ihren Glauben nicht bekennen wollen.

11. Denn die Schrift spricht. „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“

Schrift spricht {Jes 28}: Jetzt beweist Paulus aus der Schrift, dass durch den Glauben die wahre Gerechtigkeit und Seligkeit kommt, und dass Gott solche Gerechtigkeit aus Gnaden, sowohl den Juden als den Heiden, durch das Evangelium anbiete, wenn sie dieselbe nur annehmen wollten.

Ihn glaubt: Nämlich, an den Eckstein, welcher ist Christus: Dass er all sein Vertrauen auf ihn setzt.

Zuschanden werden: Vor dem Gericht Gottes. Der hebräische Text im Propheten lautet: Wer glaubt, der flieht nicht, hat aber durchaus einerlei Verstand, wie zu Ende des 9. Kapitels angezeigt wird. Denn von denen wird das gesagt, dass sie fliehen, welche ihr erschrockenes und zaghaftes Gewissen nicht aufrichten oder stärken können. Sondern in Verzweiflung fallen, und begehren, dem Angesicht Gottes zu entkommen, wenn sie nur könnten.

12. Es ist hier kein Unterschied unter Juden und Griechen; es ist aller zumal ein Herr, reich über alle, die ihn anrufen.

Kein Unterschied: Es werden sowohl die Juden als auch die Heiden, wenn sie nur wahrhaftig an Christus glauben, die Seligkeit gewiss erlangen: Und haben es die Heiden in diesem Fall ebenso gut wie die Juden.

Ein Herr: Aller Menschen, sowohl der Heiden und Juden, nämlich, unser Herr und Heiland Christus.

Anrufen: Aus rechtem, wahrem Glauben. Und muss dies nicht nur von den beiden Völkern, als Juden und Heiden, allgemein verstanden werden, sondern auch auf jede Person gezogen werden: Dass, wer Gott aus Glauben anrufen wird, der habe einen gnädigen Gott um Christi willen. Es gilt aber gleich, man rufe den Vater oder den Sohn an. Denn der Sohn ist kein anderer Gott als der Vater, obwohl er eine andere Person ist.

13. Denn, „wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll selig werden.“

Des Herrn: Nämlich, unseres Herrn und Heilandes, Jesu Christi, oder, welches ebenso viel ist, den Vater, im Namen des Herrn Christi.

Selig werden: Wie der Prophet Joel im 2. Kapitel bezeugt: Er sei gleich, aus welchem Land er kommt, welchen Alters, Standes, oder Geschlechtes er ist, ob er wohl viel und große Sünden begangen hat. Solche allgemeinen Verheißungen soll man ergreifen, und dem geängstigten Gewissen wohl einbilden und fleißig erklären.

14. Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?

Wie: Auf dass nicht jemand diese Verheißung zu weit auslege, und es auch auf die Heiden deute, welche das Evangelium Christi nicht annehmen. Als da sind heutigen Tages die Türken, Juden, und andere, so sie in ihrem Unglauben beharren und dennoch sich rühmen, sie rufen Gott den Herrn, Schöpfer des Himmels und der Erde, an, so führt uns Paulus zum Predigtamt des Evangeliums und zeigt an, es könne niemand Gott recht anrufen, denn allein durch die Predigt des Evangeliums den Glauben an Christus empfangen zu haben.

Nicht glauben: Denn wenn wir einen anrufen wollen, so müssen wir unser Vertrauen auf ihn setzen: Welches Glauben heißt.

Gehört haben: Was sollten sie wohl für ein Vertrauen zu dem haben, von dem sie noch nie etwas empfangen und gehört haben, wie gütig und gnädig er sei, wie er sich zu den armen bußfertigen Sündern halte?

Ohne Prediger: Der eines solchen gütigen Herren Wohltaten und Verdienst dem menschlichen Geschlecht, nämlich, die Erfüllung des Gesetzes, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung, ihnen zu erkennen, vorhielte. So haben die Schwenkfelder Unrecht daran, welche leugnen, dass der Glaube aus der äußerlichen Predigt des Evangeliums erlangt werde, und warten auf innerliche Erleuchtungen. Mit den jungen Kindern zwar hat es eine andere Meinung, welche wegen ihres Alters der Lehre noch nicht fähig sind: In denen wirkt der Glauben eben der Heilige Geist, mit welchem Johannes der Täufer erfüllt wurde, da er noch im Mutterleibe gelegen ist. Wie aber der Glaube ordentlicherweise aus der Predigt des Evangeliums erlangt wird. Also wird er auch eben damit gestärkt und vermehrt. Wir sollen uns aber erinnern, dass nicht der Heiden weltliche Schriften, welche von etlichen in den Predigten zu oft genannt werden, sondern Gottes Wort das Mittel sei, dadurch der Glaube angezündet, und das Leben wahrhaftig gebessert wird.

15. Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht. „Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das Gute verkündigen!“

Gesandt werden: Denn wo Gott nicht besondere Personen zur Verwaltung des Predigtamtes des Evangeliums ordentlicherweise beruft, und sie mit notwendigen Gaben, so zum Lehramt nötig werden, ausrüstet, so wird keiner das Evangelium von Christo recht predigen können. Es ist aber der ordentliche Beruf zum Predigtamt zweierlei: Etliche sind ohne Mittel von Gott berufen worden, wie die Propheten und Apostel. Andere werden von der Kirche berufen, als Timotheus, Titus, und dergleichen mehr, von denen in der Apostelgeschichte berichtet wird, wie auch noch heutigen Tages die reinen Kirchendiener und Prediger des Evangeliums. Die Wiedertäufer aber und andere ihresgleichen Wirrköpfe und Schwärmer soll man für keine ordentlichen Kirchendiener halten, weil sie von der Kirche nicht berufen sind: Wie auch der Papst mit seinen Anhängern, so sie das Evangelium Christi verlästern und verfolgen, keine rechtschaffenen Prediger sind.

Geschrieben steht {Jes 52}: Da der Prophet lange zuvor davon geweissagt hat, dass die Apostel und ihre ordentlichen Nachkommen, das Evangelium von Christo zu predigen sollten gesandt werden.

Verkündigen: Nämlich die Apostel und derselben ordentlichen Nachkommen, als liebliche und holdselige Prediger des Evangeliums, werden den Frieden und die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen verkündigen, indem sie Vergebung der Sünden und die ewige Seligkeit versprechen allen denen, die an Christus glauben, und also dem menschlichen Geschlecht sehr fröhliche und heilsame Dinge verkündigen. Das aber der Prophet der Füße gedenkt, hat er damit anzeigen wollen, wie das geistliche Reich Christi nicht mit äußerlicher Gewalt und einem großen Kriegsheer, sondern mit der vor der Welt unachtsamen Predigt des Evangeliums ausgebreitet werden soll. Darum, welche dafür angesehen sein wollen, als griffen sie um dieser einigen Ursache willen zur Waffe, damit sie das Evangelium Christi fortpflanzen, die haben selten Glück.

16. Aber sie sind nicht alle dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja sagt. „Herr, wer glaubt unsrem Predigen?“

Gehorsam: Dass sie der Predigt des Evangeliums zufielen und glaubten. Obwohl die Apostel und ihre Nachkommen dazu gesandt wurden, dass sie den Menschen durch die Predigt des Evangeliums, die himmlischen Guttaten anbieten sollten.

Jesaja sagt: Kapitel 53. Darum soll sich keiner daran ärgern, weil die Schrift solches auch längst zuvor verkündigt hat, dass es auch so gehen werde.

Wer glaubt: Als wollten die Apostel sprechen: Wir predigen zwar das Evangelium von Christo recht und rein, aber wenn man die Gläubigen gegen die Ungläubigen rechnen will, so sind es ganz wenig, die dem Evangelium glauben. Man muss darum in Religionssachen nicht nach der Menge urteilen, welche dem einen oder anderen Teil zufällt. Denn obgleich sich ihrer viel irren, so wird dadurch der Irrtum nicht desto besser.

17. So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber aus dem Wort Gottes.

Wort Gottes: Darum, damit einer von Christo etwas höre, so ist es nötig, dass ihm das Wort des Evangeliums gepredigt werde. Es ist darum wahr, dass, welcher glauben soll, der muss das Evangelium von Christo hören. Aber trotzdem folgt daraus nicht, dass alle die das Evangelium hören, den Glauben an Christus empfangen.

18. Ich sage aber. Haben sie es nicht gehört? Wohl, es ist ja in alle Lande ausgegangen ihr Schall und in alle Welt ihre Worte.

Nicht gehört: Das Evangelium von Christo. Wie der 19. Psalm solches bezeugt. Darum können Sie vor Gott keine Entschuldigung vorwenden.

Schall: Im Hebräischen steht Schnur, es ist aber die gleiche Meinung und so zu verstehen: Der Apostel Predigt ist nicht nur an einen Ort, sondern auch an die weit und abgelegensten Orte der Welt ausgebreitet worden: Diese Lehre der Apostel ist die richtige Schnur, die uns zeigt, was wir tun sollen, auf dass wir das ewige Leben bekommen. Darum, obwohl nicht alle Menschen die Apostel selbst, oder auch ihre Nachkommen haben hören predigen, so ist es dennoch das Gerücht von dem Evangelium Christi, welches die Apostel gepredigt, in der ganzen Welt erschollen ist. Wer nun durch solch ein Gerücht sich nicht aufbringen lassen will, dass er die Lehre von Christo zu erkennen und zu suchen begehrt, der hat seine Seligkeit durch seine eigene Fahrlässigkeit und Sicherheit verloren. Also, obgleich heutigen Tages die reine Lehre des Evangeliums nicht in allen Städten oder Dörfern verkündigt wird, so hat dennoch das Gerücht von demselben weit und breit sich hören lassen. Welche nun solches gehört und dennoch in ihren vorigen Irrtümern schläfrig verharren, die werden vor dem Richterstuhl Gottes keine Entschuldigung ihrer Unwissenheit haben.

19. Ich sage aber. Hat es Israel nicht erkannt? Aufs Erste spricht Mose. „Ich will euch eifern machen über dem, dass nicht mein Volk ist; und über ein unverständiges Volk will ich euch erzürnen.“

Nicht erkannt: Dass das Evangelium Christi in der Welt gepredigt wurde. Ganz sicher muss das israelitische Volk solches erkannt haben, weil der Anfang seiner Predigt in ihrem jüdischen Lande, ja in der Stadt Jerusalem geschehen ist, dazu auf das herrliche Pfingstfest. Aber sie haben die heilsame Predigt von Christo verachtet. Ja diese auch noch angefeindet und verfolgt: Darum hat Gott solche Guttat den Heiden gegeben.

Spricht {5Mos 32}: Was künftig geschehen werde, und solches in der Person des großen Propheten, welchen Gott der Herr nach Mose in gleichem Ansehen der Wunder und Zeichen zu senden versprochen hat.

Eifern machen: Denn weil die Juden in ihrer Heuchelei und in ihrem gottlosen Wesen und in ihren abergläubischen Gottesdiensten beharren, und mein angebotenes Evangelium nicht annehmen wollen, und mich also auch zum Eiferer machen, indem sie sich von mir abziehen, gleichwie ein Weib, die ihren Mann verlässt, und sich an einen anderen hängt, darum will ich wiederum einen Eifer in sie erwecken. Denn ich will die Juden verstoßen, und die Heiden durch den Glauben mir anvertrauen, von welchen ich weiß, dass sie bei den Juden in höchster Verachtung sind, als ein närrisches Volk, das in großer Blindheit steckt, und von Gott nichts weiß: Und will solches darum tun, ob auch etliche von den Juden mit einem Eifer entzündet würden, dass sie Buße täten, dem Evangelium glaubten, und also mit den Heiden selig werden. Gleich, wie eine Mutter mit ihrem Sohn tut, der nicht essen will, sagt, wenn du nicht willst, so will ich deinen Brei den Hunden geben. Darum (spricht Paulus) ist den Juden begegnet, was ihnen Mose vorher bereits geweissagt hat, und darf sich keiner daran ärgern, dass so wenig Juden das Evangelium annehmen. Denn Gott nimmt sein Evangelium von den undankbaren Leuten weg und gibt es einem anderen Volk.

20. Jesaja aber darf wohl so sagen. „Ich bin gefunden von denen, die mich nicht gesucht haben, und bin erschienen denen, die nicht nach mir gefragt haben.“

Wohl sagen: Kapitel 65. Dass er von der Heidenberufung frei und ohne Scheu sagt, und kein Blatt vors Maul nimmt.

Gefragt haben: Nämlich, den gottlosen Heiden, welche den wahren Gottesdienst nicht anhängen, ja auch denen, die sich nicht um ein ehrbares Leben bemühten, und die die Erkenntnis Gottes oder glückliche Wohlfahrt des anderen Lebens wenig bekümmerten, denen hab ich mich durch mein Evangelium geoffenbart und ihnen meine himmlischen Guttaten angeboten, habe auch mit meinem Geist durch die Predigt des Evangeliums in ihnen gewirkt, dass sie die rechte Religion erkannt, sich bekehrt und selig geworden sind. Es wollen aber weder die Propheten noch die Apostel mit diesen Worten ein rohes Leben und Verachtung Gottes einführen, sondern sie zeigen an, dass Gott aus lauter Barmherzigkeit ohne ein Ansehen menschlicher Verdienste, berufe, zu seiner selig machenden Erkenntnis, welche er will.

21. Zu Israel aber spricht er: „Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt zu dem Volk, das sich nichts sagen lässt und widerspricht.“

Spricht er: Nämlich, der Herr, im zuvor angezeigten Kapitel 65 des Propheten Jesaja.

Ausgestreckt: Und höre nicht auf, die Juden mit der Predigt meines Wortes zur Buße zu rufen, habe auch meine Flügel ausgebreitet, dass ich sie mir versammle, wie eine Henne ihre Küken. Aber sie geben meinem Evangelium nicht nur keinen Glauben, sondern der meiste Teil unter ihnen verlästert und verfolgt es auch. Darum bin ich an ihrem Verderben nicht schuldig, und werden sie von wegen der Verachtung des Evangeliums ihre gerechte Strafe empfangen. Also breitet Christus auch heutigen Tages durch das Predigtamt des göttlichen Wortes seine Flügel zu uns aus. Aber viele verachten es, wenn sie von Gott berufen werden, zu ihrem großen nicht nur zeitlichen Schaden, sondern auch zum ewigen Verderben {Lk 19}.


Das 11. Kapitel


Paulus lehrt, dass einige von den Juden sollen selig werden. Und macht einen Vergleich der Juden mit den die Heiden, dass er jener Verzweiflung zuvorkomme, und dieser Hoffart begegne. Endlich beschließt er die Lehre von der Vorsehung mit einem Ruhm der unaussprechlichen Tiefe göttlicher Geheimnisse.

1. So sage ich nun. Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn ich bin auch ein Israeliter von dem Samen Abrahams, aus dem Geschlecht Benjamin.

Sage ich: Und bringe eine notwendige Frage vor, um der Juden willen, so noch selig werden sollen, antworten muss. Denn nachdem Paulus aus der Schrift bewiesen hatte, dass die Heiden auserwählt, die Juden aber von Gott verstoßen wären, erklärt er jetzt mit wenigen Worten, wie solches zu verstehen ist. Nämlich, nicht so, als ob nie ein Jude könnte zur Erkenntnis Christi kommen: Denn Gott habe unter dem jüdischen Volk noch etliche Auserwählte, welche sollen bekehrt und selig werden, wenn auch die anderen in ihres Herzens schrecklicher Blindheit verharren und verloren werden.

Verstoßen: Also, dass kein Jude zur Seligkeit eine Hoffnung haben könnte.

Ein Israeliter: Oder Jude, und dennoch nach der Auffahrt Christi bekehrt wurde: Und hat Gott an meiner Aufnahme (Person) ein Beispiel seiner Güte und Barmherzigkeit erzeigen wollen {1Tim 1}.

2. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er zuvor erwählt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift sagt von Elia, wie er tritt vor Gott wider Israel und spricht.

Erwählt hat: Und von Ewigkeit her zum ewigen Leben verordnet. Hat darum (will Paulus sagen) Gott der Herr im jüdischen Volk hin und wieder etliche tausend Menschen, die zur ewigen Seligkeit erwählt sind, so entweder bereits zu Christo bekehrt wurden, oder noch zu seiner Zeit vor ihrem Ende sich zu ihm bekehren werden. Und ist dies bei unserem Herrn Gott nichts Neues oder Ungewöhnliches, dass er in der allerdicksten Finsternis eines Volkes dennoch etliche erleuchtet, und zum ewigen Leben in seiner wahren Erkenntnis erhält.

Nach Luther: Es ist nicht alles Gottes Volk, was Gottes Volk heißt. Darum wird es auch nicht alles verstoßen, wenn auch der größte Teil verstoßen wird.

Von Elia: Was von ihm geschrieben steht, im 1. Buch der Könige Kapitel 19. Diese Geschichte ist euch bekannt.

Wider Israel: Über welches Volkes schrecklicher Abgötterei und unsittlicher Grausamkeit, in Verfolgung der frommen Lehrer und Diener Gottes, er sich vor Gott beklagt.

3. „Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre zerbrochen; und ich bin allein übrig geblieben, und sie stehen mir nach meinem Leben?“

Altar: Die vor Zeiten auf deinen Befehl gebaut wurden, dass man die ordentlichen, und angenehmen Opfer darauf brächte, haben sie niedergerissen und bis auf den Grund zerstört.

Meinem Leben: Dass sie dieses verfolgen, damit ja kein frommer Mensch mehr überbleibe.

4. Aber was sagt die göttliche Antwort? „Ich habe mir lassen übrig bleiben siebentausend Mann, die nicht haben ihre Knie gebeugt vor dem Baal.“

Siebentausend: Das heißt, eine große Menge Volk. Denn es wird eine gewisse Zahl für eine ungewisse gesetzt.

Gebeugt: Dass sie sich mit keiner Abgötterei verunreinigt haben.

5. So geht es auch jetzt zu dieser Zeit mit diesen, die übrig geblieben sind nach der Wahl der Gnade.

Zu dieser Zeit: Im Neuen Testament, denn obwohl Gott das jüdische Volk, um ihres Unglaubens willen, verstoßen hat, so hat er dennoch im selben Volk etliche Menschen übergelassen, die er aus Gnaden zum ewigen Leben erwählt hat, dass sie durch den Glauben an Christus selig werden. Darum ist den Juden die Tür zur Seligkeit nicht versperrt, wenn sie nur an Christus glauben. So erhält Gott in dieser Welt immer eine Kirche bis zum Ende der Welt, wenngleich der größte Teil der Menschen verloren geht, weil sie sich mit Abgötterei beflecken und mit schrecklichen Lastern verderben. Aber die selbige Kirche hat nicht solche Leute, welche in gottlosen Wesen und Lastern bis ans Ende beharren. Darum muss man die Türken, Juden, und ihresgleichen nicht für Glieder der Kirche Gottes halten, obgleich sie vor der Welt ein ehrbares Leben führen. Denn außer Christo ist kein Heil {Apg 4}. Gleich, wie aber unter den abgetanen Israeliten zu Zeiten des Propheten Elia eine Kirche erhalten wurde, die sich der Abgötterei enthalten hat, so hat sich auch Gott im Papsttum unter so viele und mancherlei Abgötterei, (davon zu anderer Zeit ausführlicher gehandelt wird) eine Kirche erhalten. Denn er viele tausend Kinder, Knaben, und Mädchen aus diesem Leben abberufen hat, ehe denn sie mit den päpstlichen falschen Gottesdiensten und Aberglauben verunreinigt wurden. Solche, weil sie auf Christus getauft gewesen sind, hat Gott für Heilig gehalten, und ihnen die Seligkeit gelassen. So haben sich auch unter den alten und erwachsenen Personen fiel fromme Leute gefunden, welche die päpstliche Abgötterei und Aberglauben verworfen haben. Und obwohl sie zum größten Teil nicht die Gabe des Heiligen Geistes gehabt haben, dass sie mit öffentlichem Schreiben oder Predigen der Abgötterei sich widersetzen konnten, so haben sie doch ihr Personal in der wahren Erkenntnis Christi unseres Heilandes unterwiesen und aufgezogen. Auch haben viele Christen im Papsttum, die zwar einen großen Eifer zu Gottseligkeit gehabt haben, aber durch den allgemeinen Irrtum zum Aberglauben hingerissen wurden, am Ende ihres Lebens ihr ganzes Vertrauen und eigene Werke fallen lassen, und alle ihre Hoffnung auf das einzige Verdienst Christi gesetzt, sind also gottselig im Herrn entschlafen und haben die ewige Seligkeit erlangt. Denn obwohl unzählige Aberglauben, und viele schreckliche Irrtümer im Papsttum im Schwange gegangen sind, so wussten doch die Christen sehr gut, dass sie im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit zur Abwaschung ihrer Sünden getauft waren, und haben die 10 Gebote, daraus sie konnten ihre Sünde erkennen. So wurden sie auch im christlichen Glauben unterrichtet und unterwiesen, dass sie durch Christus am Kreuz erlöst worden sind. Sie beteten auch das Vater Unser und wussten, dass sie von Gott, dem himmlischen Vater, solche Dinge erhielten, die ihnen zur Leibes- und der Seelen Wohlfahrt nötig wären. Hörten dabei, dass Christus das heilige Abendmahl seines Leibes und Blutes eingesetzt hatte, zur Stärkung unseres Glaubens und Vergewisserung der Vergebung unserer Sünden: Hörten auch, dass die Absolution von Sünden kräftig wäre, also das, wem die Vergebung der Sünden im Namen Christi auf Erden verkündigt wurde, demselben auch solches im Himmel verziehen würde. Diesen ganzen Inhalt hat der Heilige Geist vor dem Ende des Lebens in den Christen kräftigen können und wiederum zum Gemüte führen, und also den wahren Glauben an Christus, durch das zuvor gehörte Wort Gottes aufmuntern. Und wenn doch ein Unverstand mit untergefahren ist, ist solcher durch den Glauben um Christi willen nicht zugerechnet worden, daneben aber, welche im Papsttum bis ans Ende ihres Lebens ihr Vertrauen nicht auf Christus, sondern auf ihre Verdienste gesetzt hatten, die sind verloren worden. Denn wer an Christus nicht glaubt, das heißt, dass er nicht auf ihn, als dem Mittler, all sein Vertrauen setzt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm {Joh 3}. Gleichwie darum zu Zeiten Elias, obwohl im Volk Gottes allerlei Abgötterei mit aller Macht öffentlichem Schwange ging, welche auch von den Hohepriestern und Königen mit Gewalt gehandhabt wurden, dennoch die rechte Kirche Gottes geblieben ist: so auch unter dem Papsttum, neben mannigfaltigem und schrecklichem abgöttischen Aberglauben, dennoch die Kirche der Auserwählten Gottes erhalten wurde. Und wird Gott diese noch erhalten bis ans Ende der Welt, unter allerlei schrecklichen Sekten und gottlosen Leben.

6. Ist es aber aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst der Werke; sonst würde Gnade nicht Gnade sein. Ist es aber aus Verdienst der Werke, so ist die Gnade nichts; sonst wäre Verdienst nicht Verdienst.

Ist es: Weil Paulus der Gnadenwahl Meldung getan hat, hält er jetzt die Gnade Gottes und das Verdienst menschlicher Werke gegeneinander.

Aus Gnaden: Dass die Auserwählten zur Seligkeit erhalten werden.

Nicht Gnade: Denn die Gnade und der Verdienst der Werke in dem Handel unserer Seligkeit, sind alle zusammen gegeneinander und können zusammen nicht bestehen. Darum, wenn wir aus Gnaden oder aus lauter Güte selig werden, so können natürlich unsere Verdienste nicht zugemessen werden. Sonst wäre die Gnade Gottes keine Gnade mehr, sondern ein Lohn, so für unsere Werke Arbeit uns gegeben würde.

Der Werke: Dass wir die Seligkeit mit unseren Werken verdienen könnten.

Gnade nichts: Und würde das ewige Leben uns nicht aus Gnaden gegeben.

Nicht Verdienst: Sondern ein lauter Gnadengeschenk. Mit diesen Worten werden die Gnade und das Werk gegeneinander verglichen und es wird klar angezeigt, wie das Wort Gnade beim Paulus im Artikel der Rechtfertigung nicht heiße, eine eingegossene Gabe des Heiligen Geistes, sondern die gnädige Güte und Barmherzigkeit Gottes. Und dass wir keineswegs sogleich durch die Gnade und Werke gerecht werden, sondern allein aus Gnaden, neben welcher (nach der Lehre des Apostel Paulus) der Werke Verdienst nicht stehen kann.

7. Wie denn nun? Was Israel sucht, das erlangte es nicht; die Auserwählten aber erlangten es. Die andern sind verstockt,

Wie denn nun: Was wollen wir von den Israeliten sagen, welche durch die Werke des Gesetzes wollten gerecht werden?

Erlangte es nicht: Weil nämlich die Juden ihre Seligkeit nicht aus dem Glauben, sondern aus den Werken suchen: Wie die Ursache solches ihres Irrtums oben (Kapitel 9) angezeigt worden ist.

Erlangten es: Welche zur Seligkeit erwählt sind, die bekommen die Seligkeit, zwar aus keinem Verdienst ihrer Werke, sondern allein aus lauter Gnade und Barmherzigkeit Gottes.

Nach Luther: Das heißt, die erwählt sind im Volk Gottes.

Verstockt: Es wird aber von den Gottlosen und verworfenen Menschen gesagt, dass sie verstockt werden, nicht dass Gott denen, die mit dem Glauben erleuchtet wurden, das Licht der Wahrheit wiederum entziehe, sondern dass er die Verstockten in ihrem Unglauben nicht nur bleiben lässt, sondern auch den Glanz des Evangeliums ihnen vorhält, daher sie (doch aus ihrer eigenen Schuld) noch törichter und verstockter werden, gleich, wie man von einer Nachteule sagt, dass sie der Glanz der Sonne blendet: Und wie der Kot auch von der Hitze der Sonne hart gemacht wird, welche das Wachs weich macht.

8. wie geschrieben steht. „Gott hat ihnen gegeben einen Geist des Schlafs, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.“

Geschrieben steht: Jesaja Kapitel 29. Der solches alles zuvor verkündigt hat, was jetzt den Juden begegnet.

Erbitterten Geist: Im hebräischen Text des Propheten Jesaja steht: einen Geist des harten Schlafs. Obwohl nun Paulus der allgemeinen griechischen Übersetzung gefolgt ist, die häufig von dem hebräischen Text etwas abweicht, so kann man jedoch beides sehr gut miteinander vergleichen. Denn die Meinung im hebräischen Text ist diese, dass den Juden ein unverständiges oder unempfindliches Herz gegeben sei, also dass sie gleich, als in einer ganz finsteren Nacht in einem tiefen Schlaf liegen, und nicht empfinden oder merken, dass sie durch die Predigt des Evangeliums zum ewigen Leben berufen werden, ja es verdrießt sie auch sehr, und sind ihnen zum Höchsten zuwider, wenn sie durch die Apostel und andere Kirchendiener aufgemuntert werden, dass sie das Evangelium Christi annehmen sollen. Gleichwie die, so voller Schlaf sind, über die zornig werden, welche sie aufwecken. Denn des menschlichen Herzens Blindheit ist so groß, dass es auch die hasst und anfeindet, welche ihre ewige Seligkeit suchen. Das sind die Kräfte des freien Willens in einem unwiedergeborenen Menschen, davon etliche so viel rühmen.

Augen: Was jetzt folgt, ist aus dem 6. Kapitel des Propheten Jesaja genommen.

Heutigen Tag: So lange dauern dieser Unverstand und diese Unempfindlichkeit des jüdischen Volkes, und es wird auch noch länger dauern, dass wenngleich sie die gewaltigen und herzlichen Wunderwerke Gottes sehen, dennoch dadurch sich nicht bewegen lassen, als ob sie blind wären. Und wenn sie die herzlichen prophetischen Predigten hören, dennoch diese nicht verstehen, und so das Ansehen bekommen, als ob sie mit sehenden Augen blind und mit hörenden Ohren taub wären.

9. Und David spricht. „Lass ihren Tisch zu einer Falle werden und zu einer Schlinge und zum Ärgernis und ihnen zur Vergeltung.“

Spricht {Ps 69}: Es sind aber die nachfolgenden Worte ein schrecklicher Fluch des Sohnes Gottes, darin er von seinem himmlischen Vater richtigerweise die göttliche Rache begehrt, gegen die verstockten Juden, wie alle Umstände dieses ganzen Psalms ausweisen. Und die Meinung ist diese: Gib, lieber himmlischer Vater, dass die Juden, wenngleich sie über die Schriften der Propheten, als über einen Tisch zusammen kommen, der mit lieblichen und heilsamen Gedanken, die Seelen zu speisen, bereitet ist, dennoch vom selben Tisch nicht erquickt, sondern vielmehr als in einem Garn verwickelt, und wie ein wildes Tier zu ihrem Verderben gefangen werden, dass sie nicht wissen, was sie glauben, oder wo sie sich hinwenden sollen, damit sie den Weg zur Seligkeit finden möchten: Gib, dass sie sich an der Heiligen Schrift als an einem Stein stoßen, und nicht dadurch zur ewigen Seligkeit aufgerichtet, sondern zu ihrer Seelen Verderben gefällt werden: Gib, dass das Wort Gottes, wenn sie es lesen oder hören, ihnen zur Vergeltung, das heißt, zur Strafe und desto schwererem Urteil geht. Also, dass das Gehör des göttlichen Wortes ihnen alle Entschuldigungen der Unwissenheit nehme, und sie der ewigen Verdammnis schuldig mache: Gib, dass sie geblendete Augen des Herzens haben, damit sie das selig machende Licht des Evangeliums nicht annehmen: Endlich, gib auch, dass sie niemals aufrecht oder geschickt in ihrem Tun sind, sondern mit krummen und gebogenem Leibe als ein Krüppel oder Lahmer einher ziehen, das heißt, dass sie eines verzagten und erschlagenen Gemütes sind, und ihnen nichts oder nichts Glückliches vonstattengehe. Es wünscht aber Christus den verstockten Juden solche Rache Gottes und begehrt, dass sie für ihr gottloses Wesen die richtige Strafe empfangen. Denn das ist die allergrößte Strafe der Sünden, wenn die Leute vom Heiligen Geist nicht erleuchtet und regiert, sondern dem Teufel übergeben werden, der sie in eine große Blindheit und Wahnsinnigkeit stürzt. Wir sollen aber Gott bitten, dass er unsere Sünden nicht mit solcher Strafe heimsuche. Auch muss man sich in Acht nehmen, dass die Heilige Schrift gleich sei einem Tisch, der mit den allerköstlichsten Seelenspeisen zubereitet ist, davon doch die in ihrem Herzen geblendeten und verstockten Leute keine Köstlichkeit empfangen, welches man ihrem Unglauben zuschreiben muss. Darum sollen die Kirchendiener des Evangeliums ihren Zuhörern einen Tisch vorstellen, der nicht mit ihres Herzens eigener Meinung, oder menschlicher Weisheit, sondern mit dem Worte Gottes zugerichtet ist. Denn dieses ist eine rechte heilsame Speise der Seelen.

10. „Verblende ihre Augen, dass sie nicht sehen, und beuge ihren Rücken immer.“

11. So sage ich nun. Sind sie darum angelaufen, dass sie fallen sollten? Das sei ferne! Sondern aus ihrem Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, auf dass sie denen nacheifern sollten.

Fallen sollten: Hat Gott die Juden darum im Unglauben irren und fallen lassen, dass sie alle miteinander verloren würden, und keiner aus ihnen konnte bekehrt werden.

Fall: Weil sie Christus verworfen haben.

Heiden: Welche Gott an der verstockten Juden statt angenommen hat.

Nacheifern sollten: Und durch der Heiden Glauben aufgemuntert würden, damit auch sie ihren Heiland Christus einmal erkennen und selig würden. Welches ihr Heiden wohl beachten sollt. Denn nachdem Paulus, was er von der Juden Verstoßung und der Heiden Erwiderung zu sagen notwendig gewesen ist, ausführlich anzeigt und erklärt hat, so erinnert er jetzt die bekehrten Heiden auch, dass sie die Juden nicht übermütig verachten sollen, und dadurch in fleischliche Sicherheit geraten, die Gnade Gottes wiederum verscherzen, und ins ewige Verderben fallen möchten. Denn es waren etliche unter den Heiden gegen die Juden so hochtrabend, als wenn kein Jude mehr selig, und kein Heide mehr könnte verdammt werden. Wie sich auch heutigen Tages unter den Evangelischen Leute finden, welche von den Katholiken übel reden, aber doch selber ein gottloses unchristliches Leben führen.

12. Denn so ihr Fall der Welt Reichtum ist, und ihr Schade ist der Heiden Reichtum, wie viel mehr, wenn ihre Zahl voll würde?

Voll würde: Darum dürfen die Heiden sich nicht besorgen, dass von ihrer Seligkeit etwas abgehe, wenn aus den Juden etliche bekehrt werden. Denn da es von wegen der Sünde ihres Unglaubens zufälligerweise geschehen ist, dass der himmlische Reichtum, als Vergebung der Sünden und das ewige Leben, nun nicht mehr allein einem Volk, den Juden, sondern der ganzen Welt vorgetragen wird, und also der Juden Rückgang oder geringe Anzahl, derer die an Christus glauben, den Heiden zufälligerweise genützt hat, dass sie die himmlischen Schätze der ewigen Seligkeit erlangten, wie viel mehr würde es ihnen eine Erquickung sein, wenn die Juden in großer Anzahl zu Christo sich bekehrten, wie ein jeder wünschen sollte. Denn so würde die Kirche Christi durch einen solchen gewaltigen Zusatz des jüdischen Volkes gewaltig gemehrt, und der Heiden Glaube an Christus desto mehr gestärkt werden, dass sie Christus, ihren Gott und Heiland, gemeinsam mit einem Munde in diesem und dem zukünftigen Leben rühmen und preisen würden. Denn im Reich Christi ist es nicht so beschaffen, dass dem anderen etwas genommen, was dem anderen gegeben wird, sondern viel mehr, wenn ein Glied des geistlichen Leibes Christi herrlich gemacht wird, so freuen sich die anderen Glieder alle zugleich mit {1Kor 12}.

13. Mit euch Heiden rede ich; denn dieweil ich der Heiden Apostel bin, will ich mein Amt preisen,

Rede ich: Und sage, dass der Juden Fall durch Gottes unendliche Güte, euch zur Seligkeit reiche, und ihr mit ewigen Schätzen reich gemacht werdet.

Preisen: Und die Barmherzigkeit Gottes rühmen, dass, weil er mich den Heiden zum Apostel gegeben hat, durch meine Predigt viele tausend Heiden zum Glauben an Christus und zur ewigen Seligkeit gekommen sind. Und will nicht aufhören solches zu tun.

14. ob ich möchte die, so mein Fleisch sind, zu eifern reizen und ihrer etliche selig machen.

Mein Fleisch: Nämlich, die Juden, so meine Verwandten sind nach dem Fleisch, die wollte ich gerne durch das Lob der bekehrten Heiden reizen, damit sie den gleichen Glauben aus einem christlichen Eifer begehrten, nachzufolgen. Darum will ich euch Heiden mitteilen, dass ihr euch nach meinem Beispiel richtet, und die Juden mit eurem Übermut von dem Christentum nicht abschreckt, sondern sie vielmehr mit Freundlichkeit, Demut, und Willen zu Christo gewinnt. Darum ist der Kirchendiener Ruhm richtig und zu loben, wenn er zum Bau der Kirche dient. Es ist auch hier zu merken, dass Paulus sagt: Er begehre etliche Juden, selig zu machen, nämlich, durch die Predigt des Evangeliums. Darum sich Schwenkfeld irrt, da er vorgibt, das Predigtamt des göttlichen Wortes sei nicht kräftig dazu, dass es die Menschen selig mache.

15. Denn so ihre Verwerfung der Welt Versöhnung ist, was wird ihre Annahme anders sein als Leben aus den Toten?

Aus den Toten: Darum sage ich, dass man an der Juden Bekehrung nicht verzagen soll. Denn wenn Gott die Juden der Ursache wegen sollte verstoßen, und allerdings verworfen hat, dass den Heiden im Reich Gottes Platz gegeben würde, was wäre das anderes, als, einen annehmen, auf dass man den anderen verstoßen könnte, und einen armen Sünder umbringen, auf dass durch seinen Tod ein anderer Sünder beim Leben erhalten würde? Dieses wäre ein ganz ungereimtes Ding und der Güte Gottes ganz unangemessen. Sondern die Heiden sind darum angenommen worden, auf dass auch die Juden dadurch gereizt würden, den Glauben an Christus anzunehmen. Denn Gott hat das heilige Geschlecht der Patriarchen Nachkommen nicht ganz und gar verworfen. (Nach Luther) Von den Toten das Leben holen, ist nichts, wie sollte denn der Heiden Leben daherkommen, dass die Juden gefallen und tot sind? Vielmehr sollen die toten Juden von der Heiden Beispiel zum Leben gereizt werden.

16. Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig.

Erstlingsgabe: Erstlingsgabe oder die Erstlinge. Denn im Alten Testament wurde von den ersten Früchten des Jahres ein Teig gemacht und Brot daraus gebacken, welche man Gott zur Dankbarkeit opferte. Danach war der ganze übrige Teil, ja alles Getreide desselben Hausvaters geheiligt, also dass er später sein Einkommen mit gutem Gewissen und göttlichem Segen genießen konnte. Also auch, wenn die ersten Früchte eines Baumes, so vor wenig Jahren gepflanzt wurden, Gott dem Herrn zum Opfer gebracht waren, so war dieser Baum später dem Hausvater geheiligt, dass er von diesen Früchten mit gutem Gewissen essen durfte, und war also der ganze Baum zum notwendigen Gebrauch geweiht. Diese beiden Gleichnisse deutet Paulus auf die Juden und heiligen Patriarchen, als auf die heiligen Erstlinge und heiligen Wurzeln. Ihre Nachkommen aber vergleicht er mit dem Teig und den Zweigen, nicht als ob die Patriarchen von Natur heilig gewesen wären. Denn auch sie sind in Sünden empfangen und geboren und allein durch den Glauben geheiligt worden. Oder dass ihre Nachkommen, von wegen der fleischlichen Geburt, nach der sie von jenen herkommen, vor Gott heilig wären. Sondern dass Gott diese Erstlinge und Wurzeln, nämlich die Patriarchen, also geliebt hat, dass er auch aus ihren Nachkommen noch ihrer viel wieder neu geboren, bekehren, und heilig machen wolle. Und ist die Kirche Gottes im jüdischen Volk vor der Zukunft Christi gewesen wie ein Baum, den Gott gepflanzt und seiner fleißig gewartet hat. Darum soll man nicht leicht an der Menschen Seligkeit verzagen, weil etliche, wenngleich sie nicht zur 6. oder 9., dennoch um die 11. Stunde können in den Weinberg des Herrn berufen werden.

17. Ob aber nun etliche von den Zweigen ausgebrochen sind und du, da du ein wilder Ölbaum warst, bist unter sie gepfropft und teilhaftig geworden der Wurzel und des Safts im Ölbaum,

Zweigen: Dieses schönen und natürlichen Ölbaums.

18. so rühme dich nicht wider die Zweige. Rühmst du dich aber wider sie, so sollst du wissen, dass du die Wurzel nicht trägst, sondern die Wurzel trägt dich.

Rühme dich nicht: Der du aus den Heiden zu Gott bekehrt bist, sollst dich erinnern, dass zwar etliche Zweige zerbrochen sind, das heißt, dass durch den Unglauben aus der Kirche Gottes viele Juden verstoßen wurden. Du aber (der du vor Zeiten vom Volk Gottes fremd gewesen, wie ein wilder Ölbaum) der Kirche des Volkes Gottes einverleibt bist, und jetzt mit den heiligen Patriarchen der himmlischen Guttaten des Sohnes Gottes teilhaftig geworden, so darfst du dich darum nicht überheben und das ganze jüdische Volk verachten.

Wider sie: Die Zweige, dass, nachdem etliche von denen abgebrochen wurden, du an seiner statt dem Baum der Kirche bist eingepflanzt worden.

Trägt dich: Das heißt: Du sollst dich erinnern, dass die Kirche, deren Erstlinge die heiligen Patriarchen gewesen sind, nichts von dir haben, sondern vielmehr, was du hast, ist dir geworden, weil du der Kirchen Gottes Sohn, ohne dein Verdienst, eingepflanzt worden bist. Und bedarf die Kirche deiner nicht, sondern du bedarfst der Kirche, dass du ihr Glied bist. Darum ist es nicht richtig, dass du um etlicher ungläubiger Juden Willen, dich gegen das ganze jüdische Volk übermütig erheben wolltest. Also sollen wir nicht ein ganzes Volk, oder Geschlecht oder auch irgendeinen Stand um etlicher lasterhaften Personen Willen, so darunter sind, aus einem Stolz und Übermut verwerfen.

19. So sprichst du. Die Zweige sind ausgebrochen, dass ich hineingepfropft würde.

Sind zerbrochen: Welches dennoch wahr ist, du sagst, gleich von des jüdischen Stammes und Geschlechtes Heiligkeit, was du willst, so sind sie verstoßen, und bin ich an ihrer statt der Kirche eingepflanzt worden.

20. Ist wohl geredet! Sie sind ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du stehst aber durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich.

Ausgebrochen: Und aus der Kirche Gottes verstoßen worden.

Stehst: Nachdem du der Kirche Gottes bist eingepflanzt worden und noch nicht in Unglauben gefallen bist, wie die Juden.

Früchte dich: Halte dich in der wahren Demut, bleib in der Furcht Gottes und bestehe im christlichen Wandel.

21. Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, dass er vielleicht dich auch nicht verschone.

Natürlichen Zweige: Nämlich, der Juden, so sie von den heiligen Patriarchen entsprungen sind, dass er sie um ihres Unglaubens Willen verworfen hat.

Nicht verschone: Denn es kann geschehen, dass du auch aus der Gnade Gottes fällst, so würde dich Gott auch aus der Kirche verstoßen, der du nicht von dem heiligen Geschlecht der Patriarchen kommst. Dies ist nicht so gemeint, dass die Gewissheit unseres Glaubens umgestoßen würde, da wir glauben, dass wir bereits bei Gott in Gnaden sind, und dass uns Gott zur ewigen Seligkeit bis ans Ende unseres Lebens erhalten werde. Sondern es wird gesagt wider die Sicherheit des Fleisches, da etliche sich selbst zu viel Freiheit lassen im Wandel, und dennoch sich bereden, es werde niemals so kommen, dass sie in Gottes Zorn fallen, dadurch sie könnten verloren werden, und sind etliche so kaltsinnig, das Wort Gottes zu lernen, als wenn es nicht möglich wäre, dass sie einmal durch schwärmerische Leute verführt werden könnten. Es deutet auch Paulus hier darauf, wie es einmal so kommen wird, dass auch die Heiden wiederum aus der Gnade Gottes fallen werden: Welches leider im Orient nur zu oft geschehen ist, da viel tausend Menschen, so sie von den Heiden ihre Herkunft haben, aus dem Christentum in die Ketzerei und weiter auf die Gotteslästerung des Mohammed geraten sind. Und ist zu besorgen, dass solches auch bei uns geschehe. Denn die Lehre der Zwinglianer, der Arianer Ketzerei, ist der erste Weg zum Koran von Mohammed.

22. Darum schau die Güte und den Ernst Gottes. Den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte aber an dir, sofern du an der Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden.

Schaue: Nämlich, der du von den Heiden deine Herkunft hast, und nun an Christus glaubst.

Gefallen sind: Und von der Kirche abgeschnitten wurden, um ihres Unglaubens willen. Welches dir dazu dienen soll, dass du in der Furcht Gottes bleibst.

Güte bleibst: Derer du auch ewig genießen wirst, wo du nicht mit Unglauben oder anderen schrecklichen Sünden aus einem gütigen und gnädigen Vater dir selbst einen strengen Richter machst.

Abgehauen werden: Aus dem Baum oder der Kirche und Gemeinde des Volkes Gottes. Dies soll uns eine Mahnung sein, wie denn deine Voreltern auch Heiden auch gewesen sind, dass wir, wenn wir der Juden Fall und Verderben anschauen und betrachten, uns hüten, dass uns nicht auch Gleiches widerfahre.

23. Und jene, so nicht bleiben in dem Unglauben, werden eingepfropft werden; Gott kann sie wohl wieder einpfropfen.

Einpfropfen: In die christliche Kirche, und also die selbige durch der Juden Zusatz vermehren, dass sie wachse und zunehme.

24. Denn so du aus dem Ölbaum, der von Natur aus wild war, bist abgehauen und wider die Natur in den guten Ölbaum gepfropft, wie viel mehr werden die natürlichen eingepfropft in ihren eigenen Ölbaum.

Guten Ölbaum: Von welchem du nach deiner Art ganz unterschieden und abgesondert warst, wenn du die Verheißungen, so sie dem jüdischen Volk und ihren Heiligen vor Eltern geschehen, betrachtest.

Natürlichen: Zweige. Welche dem Patriarchen sehr nahe verwandt sind, und ihres Ursprungs wegen, wegen der Verheißungen, so sie diesem Volk geschehen sind, vor Zeiten zu der Kirche des Volkes Gottes gehörten.

Eigenen Ölbaum: Der Kirche Gottes: Darin die heiligen Patriarchen, des jüdischen Volkes Voreltern, die Vornehmsten sind. Und wir, so oft wir sehen, dass unser Mitbruder fällt, sollen wir seiner nicht spotten, und uns selbst gut gefallen, sondern vielmehr denken, es könne wohl geschehen, dass er durch wahre Buße der Kirche wieder einverleibt wird, wir aber durch fleischliche Sicherheit daraus verstoßen werden.

25. Ich will euch nicht verhalten, liebe Brüder, dieses Geheimnis (auf dass ihr nicht stolz seid). Blindheit ist Israel zum Teil widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei

Geheimnis: Welches die Juden bis heute nicht glauben wollen.

Stolz seid: Denn darum erinnere ich euch solches.

26. und also das ganze Israel selig werde, wie geschrieben steht. „Es wird kommen aus Zion, der da erlöse und abwende das gottlose Wesen von Jakob.“

Selig werde: Und nicht der Meinung, als müssten alle Juden verdammt werden. Sondern dass unterdes in dem die Heiden in großer Anzahl bekehrt, der Juden auch viel zur Seligkeit erhalten werden, und also das ganze Israel, nämlich, die Kirche, aus Juden und Heiden versammelt, die Seligkeit erlangen. Darum soll man die Juden dieser Ursache wegen nicht begehren, aus der Welt zu vertilgen, weil noch etliche Auserwählte im selben Volk sind, die vor ihrem Ende zum christlichen Glauben sich bekehren werden.

Geschrieben steht: Im Propheten Jesaja im Kapitel 59. Und zieht der Apostel doch vielmehr den Sinn und Verstand des prophetischen Spruches, als die Worte selber an. Will aber so viel sagen: Es wird geschehen, dass die Juden ihren Messias und Erlöser, so im gelobten Lande geboren wurde, erkennen und von ihrem gottlosen Wesen wahrhaftig zu Christus sich bekehren werden, und werden wiederum in den Bund Gottes aufgenommen werden, von dem sie zuvor durch Unglauben abgefallen waren. Solcher Bund wird darauf beruhen, dass ihnen Gott, der Herr alle ihre Sünden verzeihe, um Christi willen, und sie zu Kindern an- und aufnehme. Sie aber werden dem Sohn Gottes mit dem Bekenntnis ihres Namens, und wahrer Gottseligkeit ihre Dankbarkeit bezeugen.

27. „Und dies ist mein Testament mit ihnen, wenn ich ihre Sünden werde wegnehmen.“

28. Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Wahl sind sie Geliebte um der Väter willen.

Für Feinde: Und sind mir von wegen meines evangelischen Predigtamtes auch feind, dass sie mich verfolgen, besonders aber der Ursache wegen, dass ich euch Heiden das Evangelium von Christo verkündige, und euch eine gewisse unzweifelhafte Hoffnung zur Seligkeit mache. Und zwar kann ich es nicht unterlassen, ihren Unglauben und ihr gottloses Wesen mit dem Worte Gottes zu strafen. Ich habe sie aber trotzdem lieb, weil sie so heilige Voreltern, die Patriarchen gehabt haben und weil ich weiß, dass noch etliche Auserwählte unter ihnen sind, welche sich zu Christo bekehren und selig werden. Darum sollen wir der Menschen Sünden und Bosheit also scheuen, dass wir sie, die Personen, dennoch lieben und ihre Seligkeit wünschen, die selbige auch bei ihnen zu fördern und uns dazu befleißigen.

29. Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht bereuen.

Nicht bereuen: Denn was Gott für Gaben und himmlische Guttaten, durch Christus zu empfangen, von dem Propheten und Aposteln vortragen lassen hat, und dass er die Juden zur Erkenntnis Christi, auch die ewige Seligkeit zu erlangen, berufen hat. Desgleichen auch versprochen, dass wer an Christus Glaube selig werde: Solcher seiner Verheißungen bereut er nicht, so wird auch sein Dekret niemals geändert. Darum, sobald die Juden der Propheten und Apostel Predigt mit Glauben annehmen werden, wird der himmlische Vater bereit sein, sie zu Gnaden aufzunehmen. Dieser Trost soll uns und allen bußfertigen Sündern auch gesagt sein, dass Gott, nämlich seine Verheißungen nicht bereut, da er gesagt hat: Es sei große Freude im Himmel über einen Sünder der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte {Lk 15}. Aber nun lasst uns Paulus weiter hören, was er von der Juden Bekehrung vorbringt.

Nach Luther: Das heißt: Sie sind unwandelbar, und er ändert sie nicht.

30. Denn gleicherweise wie ihr zuvor nicht an Gott geglaubt habt (ungehorsam gewesen), nun aber Barmherzigkeit bekommen habt durch ihren Unglauben,

An Gott: Nämlich an den wahren und einigen Gott in einem Wesen und drei Personen.

Bekommen: Also, dass sich Gott erbarmt, und euch mit seiner wahren und heilsamen Erkenntnis begabt hat.

Ihren Unglauben: Nämlich der Juden, weil sie den ihnen angeboten Messias nicht annehmen wollen.

31. also haben auch jene jetzt nicht wollen glauben an die Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, auf dass sie auch Barmherzigkeit bekommen.

Widerfahren ist: Und zufälligerweise euch zum Besten geschieht, dass ihr Gottes Gnade und Barmherzigkeit durch das Predigtamt des Evangeliums bekommen habt. Solches ist aber geschehen, nicht dass jene (die Juden) alle miteinander im Unglauben sind verloren. Sondern vielmehr, dass sie durch euren Eifer zu christlichen Religion aufgemuntert und Christus anzunehmen gereizt werden.

Barmherzigkeit: Welche besteht in Vergebung der Sünden und ewigem Leben.

32. Denn Gott hat alle beschlossen unter den Unglauben, auf dass er sich aller erbarme.

Alle: Sowohl die Juden und Heiden hat er in den Unglauben fallen lassen, und zwar die Heiden zuerst, danach aber auch die Juden, dass sie um ihres Unglaubens willen der ewigen Verdammnis schuldig wurden: Und hat sie in seiner Gewalt gehabt als einen Haufen gottloser Leute, die in einem Kerker verschlossen steckten. Solches aber ist nicht darum geschehen, dass Gott die Juden und Heiden alle miteinander im Unglauben wollte verderben lassen, sondern dass er sich ihrer erbarmte, und aus ihnen, sowohl Juden als auch Heiden, welche er will mit der Erkenntnis Christi erleuchten und ihnen das ewige Leben aus Gnaden schenken. Man soll aber daraus nicht schließen, dass Gott die Menschen, so vom Unglauben so befreit und unschuldig gewesen, in Unglauben gestürzt habe, noch dass Gott endlich alle Menschen, keinen ausgenommen, wolle selig machen, denn solches beides der Heiligen Schrift öffentlich widerstrebt. Sondern die Meinung des Apostel Paulus ist diese, dass Gott darum zu der Leute Unglauben und Bosheit durch die Finger sieht, auf dass er ihrer, welche er will, sich erbarme und sie aus lauter Gnaden selig mache.

Nach Luther: Merke diesen Hauptspruch, der alle Werke und menschliche Gerechtigkeit verdammt, und allein Gottes Barmherzigkeit bezeugt, durch den Glauben zu erlangen.

33. O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

Erkenntnis Gottes: Wie ist doch die Weisheit Gottes so ein tiefer und unerschöpflicher Abgrund? Denn unser Gott, der über alle Engel und Menschen ist, weiß am allerbesten, was Recht und Unrecht ist, was seiner Majestät und Güte gebührt oder nicht, wie er mit den Menschen umgeht und handeln soll, obwohl es uns, nach unserem geringen Verstand, als nicht richtig vorkommen möchte, was er weiß, dass es am besten sei. Denn Paulus hat wohl gewusst, was für ein Haufen vorwitziger Fragen aufgebracht werden könnte, wenn von der ewigen Wahl gehandelt wird. Weil etliche Fragen, warum Gott einen solchen Menschen erschaffen hat, der in Sünde fallen konnte? Warum Gott nicht abgewehrt hat, dass unsere ersten Eltern gesündigt haben? Warum er sie nicht, nachdem sie gesündigt hatten, vernichtet und andere unschuldige Menschen erschaffen hat? Aus was für Ursachen, weil jetzt alle Menschen als Sünder geboren werden, er etliche zur Buße bekehren, andere aber in der Blindheit und gottlosen Wesens bleiben lässt? Warum er nicht zu allen Zeiten und an allen Orten in der Welt sein Wort predigen lässt, damit niemand eine Unwissenheit vorwenden könnte? Warum er den Menschen die Ursachen ihrer Verdammnis zuschreibt, weil sie dem Evangelium nicht glauben wollen, weil doch niemand glauben könne, wo er ihm nicht den Glauben gegeben hat? Das solches und dergleichen Dinge vielmehr die menschliche Vernunft wider Gott dem Allmächtigen aufstoßen könnte, war Paulus nicht unbewusst. Darum er dazu angezeigt und erklärt hatte, was uns von dem Artikel der Vorsehung zu wissen nützlich und nötig wäre, kürzt er diese Sache mit Willen ab und führt uns von unserem ungereimten Grübeln zur Betrachtung der unerforschlichen göttlichen Weisheit, damit wir uns vielmehr über diese verwundern, als diese zu tadeln und zu meistern uns unterstehen.

Unbegreiflich: Darum wird sich der vergeblich bemühen, welcher sich unterstehen wollte, mit seiner Vernunft zu erforschen, warum Gott diesen selig mache und den anderen in seinem Gericht verdamme, weil sie alle beide ungläubig gewesen, und einer sowohl Gottloser als der andere, oder dass auch der selig wird, welcher gottlos und böser gewesen ist als der andere?

Seine Wege: Also dass sein Tun und Vorhaben keiner begreifen kann, ohne was er davon in seinem Wort geoffenbart hat. Denn gleichwie ein erfahrener Jäger, der alle Wege und Örter in einem Wald weiß, wenn er in einem Wald ist, dass die anderen sehen, und diese meinen, er werde an einen Ort wieder herauskommen, da sie es meinen, so zieht er doch durch andere heimliche Pfade, die er allein weiß, und wird an einem anderen Ort gesehen, als man gemeint hätte: Also handelt auch Gott mit den Menschen, welche er selig machen will, dass, da einer einen Eid darauf schwöre, es wären die allerschlimmsten und von Gott verstoßenen Menschen, siehe, so findet es sich, dass sie einmal von Gott dem Herrn doch umgekehrt unverändert werden. Solches alles kann die Vernunft nicht begreifen.

34. Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?

Sinn erkannt: Der nicht im Wort geoffenbart ist. Wer will ihn auslernen? Darum soll niemand sich unterstehen, außer den geoffenbarten Willen Gottes in seinem Wort, Gottes heimlichen Rat, Gericht, und Vorhaben zu erforschen. Denn er sich doch vergeblich bemühen wird, ja er wird sich dadurch in den Abgrund des Verderbens stürzen.

Ratgeber gewesen: Gott hat die Welt erschaffen und uns nicht zurate gezogen, auch unseren Witz nicht dazu gebraucht. Er hat die Welt bisher erhalten, und nicht zu seinem Ratgeber gebrauchen wollen. So regiert er in gleicher Weise seine Kirche, und benötigt unseren Rat nicht. Darum sollen wir ihm zutrauen, er werde solches, was zu des Menschen ewige Seligkeit nützlich ist, auch ohne unseren Rat schaffen.

35. Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass ihm vergelten müsste?

Vergelten: Wer hat ihm jemals vorher eine Guttat erzeigt, dass ihm Gott, der Herr, wiederum etwas dafür leisten oder zu erstatten schuldig wäre? Darum, weil Gott nicht unser Schuldner ist, sondern wir sind seine Schuldner, so ist es richtig, dass wir sein Tun, seine Ratschläge, und Handlungen, wenn sie uns bekannt werden, nicht schimpfen, sondern uns darüber verwundern und sie billigen. Denn wenn Gott, der Herr, nicht jedermann selig macht, so kann er darum keines Unrechts bezichtigt werden, weil er die Seligkeit keinem schuldig ist. Uns steht es nicht zu, dass wir mit einem solchen großen, weisen, gerechten und mächtigen Gott abrechnen wollten.

36. Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Von ihm: Nämlich Gott dem Vater: Welcher allen Kreaturen den Anfang gegeben hat.

Durch ihn: Durch Gott den Sohn, als durch das ewige und wesentliche Wort des Vaters ist alles erschaffen.

In ihm: In dem Heiligen Geist, das heißt, mit seiner Kraft und Gewalt ist es alles erschaffen, und wird noch alles erhalten. Hier hat man das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit und dieser dreifachen Wiederholung zu beachten.

Ihm: Dem einigen Gott im Wesen, und in den drei Personen.

Sei Ehre: Dieser allmächtige gütige Gott werde gelobt und gepriesen in alle Ewigkeit.

Amen: Das heißt: Es soll geschehen. Ja es wird gewisslich geschehen. Was nun von Anfang des 5. Kapitels bis hierher vom Paulus gesagt wurde, das geht alles dahin, dass wir gewiss wissen, die christliche Hoffnung lässt nicht zuschanden werden. Denn Gott will das angefangene Werk unserer Seligkeit vollführen, weil er uns in Christus erwählt hat, ehe der Welt Grund gelegt wurde. Und soll der Juden Blindheit oder Verstockung unseren Glauben keinen Anstoß machen, weil es kein Wunder ist, dass sie Christus nicht erkennen, die zum ewigen Leben nicht verordnet sind. Daneben aber sollen wir nicht das ganze jüdische Volk verachten. Denn Gott hat unter den Juden noch etliche Auserwählte, die sich bekehren werden. Wir sollen uns aber hüten, dass wir diese Lehre von der Vorsehung oder ewigen Wahl Gottes nicht missbrauchen, und dadurch in fleischliche Sicherheit geraten. Denn sonst würden wir die Gnade Gottes verscherzen, und aus dem Ölbaum der Kirche ausgerissen werden. Wo es sich jedoch trifft, dass wir in Sünde fallen, sollen wir nicht verzagen. Denn Gottes Gaben und Berufung mögen ihnen nicht bereuen, und er wird die Verheißung der Barmherzigkeit gegen den bußfertigen Sünder nicht aufheben, wenn wir nur wieder auf den richtigen Weg umkehren. Warum aber Gott nicht allen Menschen die Wohltat erzeigt, dass sie selig würden, steht uns nicht zu, darin in Vorwitz zu forschen: Denn Gottes Gericht und Ratschläge sind viel zu tief, als dass wir sie sollten ergründen können. Vielmehr aber sollen wir Gott dem Herrn Lob und Dank sagen für seine unaussprechliche Gnade und Barmherzigkeit gegen uns, dass er uns den rechten Glauben aus Gnaden geschenkt hat, und sollen solche unsere rechtschaffene herzliche Dankbarkeit mit einem gottseligen Leben und vortrefflichen Wandel bezeugen. Auf diese Weise werden wir den Artikel von der Vorsehung und Wahl Gottes mit Nutzen lernen und handeln. Hat also Paulus bisher gelehrt von der christlichen Hoffnung, jetzt wird er uns auch diese Lehre von der christlichen Liebe vorhalten, wie wir hören werden.


Das 12. Kapitel


Der Apostel ermahnt allgemein, dass man würdige Früchte der Buße bringen soll. Und zeigt an, wie man die Gaben, so sie uns Gott verliehen hat, richtig anwenden müsse. Drängt auch auf die Liebe zu dem Nächsten.

1. Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst.

Ich: Nachdem Paulus gelehrt hat, dass wir durch den Glauben gerecht werden, ohne des Gesetzes Werke, und dass man die Seligkeit, die uns Christus erworben hat, mit beständiger Hoffnung gegenwärtig sein muss, so geht er jetzt zur Lehre von der Liebe, oder den guten Werken: Ehe denn er aber allerlei gute Werke erzählt, lehrt er mit einer allgemeinen Ermahnung, was die Frommen, welche durch den Glauben wiedergeboren sind, Gott für einen Gottesdienst zu leisten schuldig sind.

Ermahne: Bei diesem Wort sollen die Kirchendiener erinnert werden, dass ihnen keine Herrschaft über die Zuhörer gehört {1Petr 5}.

Brüder: Dies Wort soll die Prediger der Freudigkeit und Demut erinnern.

Barmherzigkeit: Welche er euch gezeigt hat, indem er seinen Sohn zum Erlöser gesandt. Darum es dadurch auch richtig ist, dass ihr euch wiederum dankbar gegen ihn verhaltet. Denn die Lehre von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes soll den Frommen eine andere Reizung sein zum gottseligen Leben und Wandel. Darum irren sich die sehr, welche meinen, dass die Predigt von der Rechtfertigung des Glaubens aus Gnaden den Menschen zur Bosheit und zu gottlosen Wesen Anleitung gebe.

Lebendig: Und nicht ein totes, wie man bisher Opfer von geschlachtetem und erwürgtem Vieh auf dem Alter geopfert hat. Diese Art der Opfer ist durch des Messias Ankunft aufgehoben worden: Sondern dass ihr Gott ein lebendiges angenehmes Opfer seid. Es bringen aber diejenigen Gott ihrer Leiber zum lebendigen Opfer, welche sich auch in dem Gehorsam Gottes ergeben und des Fleisches Lüste töten, also, dass sie diese nicht mehr in ihren Leibern regieren lassen, auch bereit sind, alles zu dulden, was ihnen Gott zu leiden auferlegt.

Heilig: Denn die Gewissen sind heilig, weil ihnen die Heiligkeit Christi zugerechnet wird, und der Heilige Geist ihnen geschenkt ist, dass sie wiedergeboren und heilig macht.

Wohlgefällig: Denn beide, unsere Person und Werke, so sie aus dem Glauben kommen, gefallen Gott um Christi willen.

Vernünftiger Gottesdienst: Also, dass der Gottesdienst, welchen ihr nun verrichten werdet, nicht bestehe auf das Opfern der unvernünftigen Tiere, sondern dass ihr euch selbst als vernünftige Kreaturen Gottes dem Herrn aufopfert: Denn ein solcher Gottesdienst in Christentum gefällt ihm wohl. Darum sind alle Christen vor Gott Priester, nach Art der aufgezeigten Opfer, welches sie alles zu opfern schuldig sind. Darum irren sich die Papisten sehr, welche besondere Leute (die Messpfaffen meine ich) dazu erwählen, dass sie den Leib und das Blut Christi in der Messe für die Lebendigen und die Toten aufopfern sollten, da sie vielmehr durch die Lehre des Evangeliums, wenn sie diese predigten, das zuwege bringen und schaffen sollten, damit die Zuhörer sich selbst Gott dem Herrn opferten, wie gesagt ist.

Nach Luther: Paulus nennt hier alle Opfer, Werke, Gottesdienste unvernünftig, wenn sie ohne Glauben und Gottes Erkenntnis geschehen.

2. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen mögt, welches da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille.

Und: Weil jemand sagen möchte. Ich sehe viele andere Beispiele in der Welt, nämlich, die Leute, welche ihrer Leiber nicht Gott opfern, sondern von ihren bösen Lüsten und Begierden sich regieren lassen, und diesen nachhängen: So begegnet Paulus solcher Einrede in den folgenden Worten.

Welt gleich: Folgt nicht den verkehrten Sitten dieser Welt, denn ihr seid Kinder Gottes und nicht des Teufels. Die Welt achtet sich keiner Gottes Furcht, legt sich aber auf den Geiz, eitle Ehre und verbotene Wollüste, folgt durchaus seinem verdorbenen Fleisch, sucht nicht des Nächsten, sondern seinen eigenen Nutzen. So sollt ihr nicht tun. Darum gilt das Sprichwort hier nicht: Wer unter den Wölfen ist, der müsse mit ihnen heulen. Denn die Christen sollen so leben, nicht dass sie den Bösen folgen. Sondern dass die Bösen durch der Christen gute Beispiele gebessert werden.

Sinnes: Bekommen einen anderen Sinn, dass ihr die Sünden scheut, aber der Gerechtigkeit und Heiligkeit euch befleißigt. Also dass die, welche euren vorigen Wandel in Sünden gesehen, jetzt merken, dass ihr auch andere Menschen geworden seid. Diese Veränderung aber besteht nicht in dem Wechsel der Kleidung, sondern in der Annahme eines anderen Sinnes, dass die, so zuvor an der Sünde ihre Lust und Freude gehabt hatten, und nichts Gutes zu tun begehrten, jetzt die Laster scheuen, und einen unsträflichen Wandel zu führen von Herzen sich befleißigen.

Prüfen mögt: Oder, dass ihr erlernt, mit Fleiß erkundigt, und erforscht.

Vollkommene: Das Wort Vollkommenheit bedeutet in der hebräischen Sprache ebenso viel, als was aufrichtig oder rechtschaffen ist. In diesem Verstand des Paulus es hier auch gebraucht wird, wie denn in der gleichen hebräischen Art zu reden man in seinen Episteln hin und wieder findet. Das will so viel sagen: Ihr müsst euch richten nach dem Willen Gottes, dass ihr tut, was gut und ehrbar, und was Gott gefällig, auch was christlich und recht ist. Denn gleichwie ein frommer Sohn sich befleißigt, zu tun, da er weiß, dass der Vater ein Gefallen daran hat, und meidet, was ihm zuwider ist, also sollen wir uns das am meisten angelegen sein, dass wir nicht solche Dinge tun, die unserem himmlischen Vater zum höchsten Missfallen, dagegen aber mit allem Fleiß danach trachten, dass wir verrichten, was wir aus seinem Wort hören und wissen, dass ihm wohlgefällig und angenehm sei.

3. Denn ich sage euch durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, dass niemand weiter von sich halte, als sich‘s gebührt zu halten, sondern dass er von sich mäßig halte, ein jeglicher, nach dem Gott ausgeteilt hat das Maß des Glaubens.

Denn: Nach allgemeiner vorher getaner Ermahnung lehrt Paulus Folgendes besonders, was man für Laster meiden und welchen Tugenden, die einem Christenmenschen gut anstehen, nachzufolgen sich befleißigen soll. Und hat der Apostel im Brauch, dass er viele Gebote von mancherlei Sachen kurz zu erzählen pflegt. Erstlich will er uns die Hoffart verleiden.

Gegeben ist: Wie es mein Predigtamt mit sich bringt, und ausweist, welches ich ohne meinen Verdienst, aus lauter Gnade erlangt habe.

Jedermann: Denn was ich euch schreibe, das schreibe ich allen.

Das Maß: Wie Gott einem jeglichen Gläubigen seine Gaben zugeteilt hat, so soll er nicht damit protzen, oder andere verachten, sondern ihnen vielmehr damit dienen. Diese Erinnerung ist in der Kirche sehr nötig, sowohl für die Lehrer, wie auch Zuhörer. Denn es ist kaum etwas, das in der Kirche eher für Unruhe sorgt, als wenn etliche gar zu viel auf sich selbst halten, und andere verachten. Daraus Sekten und allerlei Ungereimtes in der Kirche entsteht. Darum soll man sich vor dem Übermut hüten und so arbeiten, dass einer dem anderen sich mit rechtschaffener Demut und Beschaffenheit vertrage, und nicht verachte.

4. Denn gleicherweise als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäft haben,

Geschäfte haben: Sondern der gleichen Verrichtungen nicht gegeneinander sind, als die Hände arbeiten, die Füße gehen. Und verachte dennoch ein Glied das andere nicht, obwohl sie nicht alle die gleiche Verrichtung haben.

5. also sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied,

In Christo: Der unser Haupt ist, und wir ihm durch den Glauben einverleibt sind.

Anderen Glied: Darum, wie die Glieder in ihren Verrichtungen einander dienen, also sollen wir mit unseren Gaben auch einer dem anderen dienen und förderlich sein. Aber nicht gegen die Mitbrüder uns erheben. Denn so oft wir unseren Leib ansehen, sollen wir uns der Liebe und Bescheidenheit gegeneinander erinnern und all unser Tun zum gemeinen Nutzen des geistlichen Leibes verrichten.

6. und haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist.

Gegeben ist: Denn Gott hat uns aus lauter Gnade unterschiedliche Gaben des Heiligen Geistes gegeben, dass wir derselben zu des Nächsten und der ganzen Kirche Nutzen gebrauchen sollen.

7. Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amtes. Lehrt jemand, so warte er der Lehre.

Hat: Jetzt wird der Apostel etliche Gaben und Geschäfte, besonders der geistlichen Personen, die im Kirchenamt sind, stückweise erzählen, und lehren, wie man sie gebrauchen soll.

Weissagung: Dass er die Weissagung in der Heiligen Schrift gut auslegen kann. Denn in solchem Verstand braucht Paulus das Wort Weissagung, wie es auch in der Epistel der Korinther bezeugt wird.

Ähnlich: Dass seine Erklärung mit dem Evangelium Christo übereinstimme, und demselben nicht zuwider gehe. Denn Christus ist der Zweck der ganzen Heiligen Schrift. Und welche die Schrift so auslegen, dass sie die Sprüche von guten Werken, der Rechtfertigung des Glaubens aus Gnaden entgegensetzen, wie es die Katholiken tun, die weichen von der Regel und Richtschnur der Schrift ab, und verkehren sie. Wie auch andere Ketzer die Schrift nicht so erklären, dass es mit einander übereinstimme.

Nach Luther: Alle Weissagung, die auf die Werke und nicht auf Christus führen, als den einzigen Trost, wie köstlich sie ist, so ist sie doch dem Glauben nicht ähnlich. Als da sind, die Offenbarung der Poltergeister, die Messen, Wallfahrten, Fasten und Heiligen Dienst suchen.

Des Amtes: Dass man diesem mit allem Fleiß nachkomme, es ist aber zu vermuten, dass es zu des Apostels Paulus Zeiten Leute im Amt gab, welche ihr Amt schlecht ausführten, dass sie die Sakramente handelten, und andere Verrichtungen in der Kirche versahen, darunter auch die Versorgung der Armen war. Denn Paulus will, dass ein jeder sein eigenes Amt tue, und in kein fremdes greife, noch des anderen zu verrichten sich unterstehe. Denn wer alles tun will, der tut nichts richtig.

Lehrt jemand: Das Wort Gottes in den Kirchen, vielleicht die angehenden Christen.

Der Lehre: Dass er sich befleißige, die gesunde und heilsame Lehre seinen Zuhörern vorzuhalten, und nicht begehre, mit prächtigen Worten aus Ehrgeiz seine Kunst sehen zu lassen. Denn die bauen in der Kirche wenig oder auch nichts, welche in den Predigten solche Dinge vorbringen, darüber die Zuhörer, wegen des hohen Verstandes sich vielmehr verwundern, als dass sie sollten eine heilsame Lehre daraus fassen, da sie durch sie gebessert würden.

8. Ermahnt jemand, so warte er des Ermahnens. Gibt jemand, so gebe er einfältig. Regiert jemand, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er es mit Lust.

Ermahnt: Zum Glauben, Hoffnung und christlicher Liebe.

Des Ermahnens: Dass er mit guten Gründen heiliger göttlicher Schrift gelehrt ist, wenn er jemand ermahnen soll. Solche sind an etlichen Orten, welche die Kranken und Betrübten trösten und bei den Sterbenden sind. So sollen auch die Prediger die christliche Gemeinde zu ermahnen sich bemühen.

Gibt jemand: Dass er den Bedürftigen Almosen austeilt.

Einfältig: Mit aufrichtigem gutherzigem Gemüt: Dass er keine eitle Ehre suche, und solches nicht nur in der Meinung, dass er damit als mit seinem Verdienst, die Sünde bei Gott ausdehnen wolle. Denn die geben nicht aus Einfalt, sondern aus Heuchelei.

Regiert jemand: Die Kirche, dass er dieser vorstehe: Wie in der ersten Kirche es war, die, so auf den Wandel und Leben der Christen geachtet haben.

Sorgfältig: Er lasse sich das Kirchenregiment mit besonderem Ernst und Fleiß befohlen sein, und Sorge tragen für seine Kirche. Denn das Kirchenamt ist kein Müßiggang, sondern ein sehr großes und wichtiges Geschäft.

Barmherzigkeit: Gegen die Armen, dass er ihnen Hilfe leiste, entweder von seinen Gütern oder mit Diensten, Freundschaft, und gutem Rat.

Mit Lust: Aus willigem Herzen, dazu nicht karg, sondern nach dem sein Vermögen es möglich macht, reichlich und mild. Denn einen fröhlichen, das heißt, einen milden und willigen Geber hat Gott lieb.

9. Die Liebe sei nicht falsch. Hasst das Arge, hängt dem Guten an.

Nicht falsch: Wir sollen unseren Nächsten nicht nur mit Worten und mit der Zunge lieben, dass wir viel Köstliches sagen, daneben aber im Werk nichts oder gar wenig leisten, sondern wir sollen uns untereinander mit der Tat und in der Wahrheit lieben {1Joh 3}. Also dass wir mit unseren Werken die Zuneigung unserer rechtschaffenen Liebe bezeugen und erklären.

Das Arge: Oder die Sünde, wider welche wir zürnen sollten und dieselbe nicht begehren zu tun. Darum wir den Nächsten also lieben sollen, dass wir uns dennoch seine Sünde nicht gefallen lassen. Denn wer dem Bösen nicht von Herzen feind ist, sondern mit anderer Leute begangenen Übeltaten sich kitzelt, und darüber lacht, der gibt zu verstehen, dass er keinen christlichen Eifer hat.

Guten an: Dass sie in der wahren Gottseligkeit und im unsträflichen Wandel beständig beharren.

10. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.

Sei herzlich: Denn es fordert Gott von uns, dass wir als Brüder unter einem himmlischen Vater, wir untereinander mit rechtschaffener brüderlicher Liebe zugetan und gewogen sind, die von Herzen geht, wie es bei dem frommen Josef gegen seine Brüder gewesen ist.

Zuvor: Nicht allein mit dem Munde und äußerlicher Höflichkeit, damit einer dem anderen will überlegen sein. Sondern dass er in der Wahrheit von seinem Nächsten mehr und höher halte, als von sich selbst. Denn solche Freundlichkeit und Sittsamkeit gefällt Gott und den Menschen.

11. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brünstig im Geiste. Schickt euch in die Zeit.

Tun sollte: Dass euch nach Ausweisung eures Amtes, zu verrichten, gebührt, das tut nicht fahrlässig oder schläfrig, sondern mit großem Fleiß. Denn welche aus Faulheit eine Sache von einem Tag zum anderen verschieben, die versäumen viele gute Gelegenheit zu nützlichen Verrichtungen, und sind auch ihrem Nächsten mit ihrer Trägheit lästig, weil man von ihnen keine Liebe erhalten kann.

Im Geist: Dass sich ein gottseliger Eifer in euch zeige, der vom Heiligen Geist erweckt wurde, zur Handhabung der rechten Religion und Unterhaltung, eines christlichen Wandels unter euch: Seid eifrige Christen.

Die Zeit: Achtet gut darauf und befleißigt euch dahin, dass ihr eure Verrichtungen so anstellt, nach Gelegenheit gegenwärtiger Zeit, dass es zur Ehre Gottes, eurer und anderer Leute Seligkeit dient. Denn jede Zeit erfordert eine andere Handlung und eine andere Weise zu handeln, als die andere. Und wird oft durch eine unzeitige Handlung Gottes Ehre und der Kirchen Nutzen viel mehr gehindert als gefördert. Es haben aber hier die keine Hilfe, welche das Bekenntnis der Religion nach großer Herren Wohlgefallen ausrichten: Oder die zu einer Zeit, wenn auf sie gezwungen wird, viele gute Dinge zu versprechen, wenn aber die Not vorüber ist, nichts leisten, und die sich eine Zeit lang anders stellen und doch ein anderes wider den Nächsten im Sinn haben. Diese Bosheit wird heutigen Tages zwar mit einem höflichen Namen verdunkelt, dass man es temperieren nennt (zögern, zaudern, die Zeit abwarten, hinhalten, sich der Zeit anpassen).

12. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.

In Hoffnung: Also, dass sie auch in großen Beschwerlichkeiten, aus Hoffnung der künftigen Erlösung euch selbst und andere tröstet, und ein Herz fasst. Denn die Kleinmütigkeit erschöpft den Menschen in seinen Kräften und verkürzt das Leben, wenn wir nämlich der Traurigkeit nachhängen, und macht einen Menschen zur Verrichtung seines Berufes untauglich.

Geduldig: Dass ihr nicht gegen Gott murrt oder giftige Lästerwörter gegen die Leute redet. Denn durch Ungeduld wird das Unglück nur größer gemacht.

Am Gebet: Denn wir haben immer etwas, darum wir Gott entweder für uns, oder für unseren Nächsten bitten können, oder dass wir Gott danken. Und so wird Gott unseres stetigen und inbrünstigen Gebetes nicht überdrüssig, sondern hat vielmehr eine Lust daran.

13. Nehmt euch der Notdurft der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft.

Heiligen: Kommt den frommen Leuten in ihrer Not und Dürftigkeit zu Hilfe, und teilt ihnen mit von euren Gütern. Denn wir sind nicht alleine denen Gutes zu tun schuldig, die unsere Verwandten, Landsleute oder sonst gute Freunde sind, sondern allen gottseligen und frommen Christen. Denn dies sind die rechten Heiligen, welche mit dem Blut Christi geheiligt und mit dem Heiligen Geist begabt wurden.

Übt Gastfreundschaft: Dass ihr die frommen, verjagten und elenden Leute aufnehmt. Denn es war vor Zeiten anders mit dieser Sache beschaffen, als jetziger Zeit, weil damals keine allgemeinen Wirtshäuser waren. Also, dass fromme Leute die Fremden in ihre Häuser aufnehmen mussten. Wir aber sollen nichtsdestoweniger fromme Vertriebene und andere elenden Leute, die sonst ohne Hilfe umkämen, uns lassen befohlen sein und ihnen mit Herberge und Nahrung helfen. Wir sollen auch den Fremden, besonders welche um der rechten Religion willen von anderen Orten vertrieben wurden, bei uns zu wohnen lassen und ihre Nahrung zu suchen, Platz und Raum geben. Und sieht man hier, dass diese Lehre von der Gutmütigkeit gegen die armen und bedürftigen Leute jetzt zum dritten Mal, aber doch immer mit anderen Worten vom Paulus angeregt wird. Darum man eine besondere Ordnung in diesen Geboten zu finden, sich nicht ängstlich bemühen darf.

14. Segnet, die euch verfolgen; segnet und flucht nicht.

Verfolgen: Entweder um der rechten Religion willen, oder sonst aus unrichtiger Weise: Denen wünscht nicht wiederum alles Böses, sondern bittet für sie, dass sie mögen zur wahren Erkenntnis Christi kommen, und wünsche ihnen alles Gute, was ihnen zu ihres Leibes Wohlfahrt und der Seelen Seligkeit nützlich ist. Denn es hat Gott auch unter den Verfolgern seine Auserwählten, die sich einmal bekehren werden, und steht es niemanden frei, dass er einem wollte etwas Böses wünschen, es geschähe denn aus seinem besonderen Beruf und Anregung des Heiligen Geistes. Also ist es mit dem Propheten Elisa Wunsch beschaffen gewesen, da er den Knaben geflucht, die später von den Bären zerrissen wurden. Im 2. Buch der Könige im 2. Kapitel. Wie man auch etliche dergleichen Flüche in den Psalmen findet, die aus einem göttlichen Eifer rühren.

15. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.

Fröhlichen: Wenn ihnen Glück widerfährt.

Weinenden: Dass ihr ein herzliches Mitleiden mit ihnen habt, so oft ihnen etwas Widerwärtiges begegnet. Denn solche Bewegungen sollen sich bei einem Christen finden, weil wir alle untereinander Glieder eines Leibes sind, dessen Haupt Christus ist.

16. Habt einerlei Sinn untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen.

Einerlei Sinn: Die Christen sollen alle miteinander ein aufrichtiges, redliches Gemüt haben, dass ein jeder wisse, wie er sich zum andern verhalten soll, und sollen einander von Herzen treu sein.

Hohen Dingen: Dass ihr aus Ehrgeiz und einen nichtigen Ruhm zu erjagen, große und schwere Dinge zu verrichten euch unterstehen wolltet. Denn welche aus Antrieb des Ehrgeizes begehren, hochzukommen, die verwickeln sich oft in große Mühe und Gefahr, und fallen oft schändlich ins Verderben.

Niedrigen: Geht nicht mit schlechten Sachen um und habt gut Acht darauf, was euer Beruf ist.

17. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Fleißigt euch der Ehrbarkeit gegen jedermann.

Für klug: Bildet euch nicht selbst ein, dass ihr klug seid. Denn welche aus einem Wahn eigener Weisheit aufgeblasen sind, die wollen oft die heilsamen Ermahnungen der Brüder nicht hören, und werden darüber zuschanden.

Niemand: Auch den Feinden nicht, wenngleich er ein Gottloser ist, sondern vergeltet vielmehr Böses mit Gutem. Denn auch der himmlische Vater, nach seiner Langmütigkeit, den Bösen Gutes tut, dieser Art sollen wir auch folgen {Mt 5}.

Ehrbarkeit: Geht mit solchen Sachen um, die kein verständiger Mensch tadeln kann, dass ihr nicht allein den Christen, sondern auch den Heiden, so viel wie möglich, genug tut. Denn man soll sich eines guten Namens befleißigen, dass wir denselben auch unter den Feinden behalten. Gott, unserem himmlischen Vater, zu Ehren, dessen Name sonst auch verlästerst wird, wenn man uns mit Wahrheit Übles nachsagt {Röm 5}.

18. Ist es möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden.

Frieden: Seid des Friedens begierig gegen jedermann, dass ihr nicht nur keine Gelegenheit und keinen Anlass zum Hader sucht, sondern wenn euch solches begegnet, dass ihr dennoch mit allem Fleiß es meidet, solange und viel es euch immer möglich ist. Denn obgleich solche Sachen vorkommen können, da wir wider unserem Willen zu zanken genötigt werden, so soll jedoch nichtsdestoweniger ein Christenmensch der Einigkeit an dem Frieden mit höchstem Fleiß nachstreben. Wie denn einem frommen Menschen nichts Angenehmeres widerfahren kann.

19. Rächt euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben. „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

Gebt Raum: Und lasst Gott, dem Herrn, wenn es von seiner Seite recht ist, die Strafe an euren Widersachern üben.

Ist mein: Und wir sollen es ihm befehlen {5Mos 23}.

Vergelten: Einem jeden, nachdem er es verdient hat. Denn Gott weiß am allerbesten, welchen, wann, und wie er strafen soll, dahingegen die Menschen, wenn sie sich selbst rächen wollen, dieses oft überschreiten.

20. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.

So nun: Diesen Spruch hat Paulus aus den Sprüchen Salomons, Kapitel 25,21 genommen. Denn man soll dem Feind nicht nur nichts Böses tun, sondern ihm auch Gutes erzeigen, nach dem Beispiel Christi, Stephanus, Mose, Paulus und andere gottselige Menschen, die den Feinden für ihre Übeltat Gutes erzeigt und gewünscht haben.

Nach Luther: Feuer auf das Haupt legen heißt, dass der Feind durch Wohltat über sich selbst zornig ist, dass er uns so übelgetan hat.

Sammeln: Das heißt, du wirst durch dein Wohltun es zuwege bringen, dass der Feind in sich gehe, und mit sich selbst zornig wird, und in seinem Gewissen nicht leiden kann, dass er dich, als einen frommen und guttätigen Menschen, ohne Grund beleidigt hat, und wird nicht ruhen, bis er sich wiederum mit dir versöhnt hat. Denn man kann einen Feind mit Guttaten viel schneller überwinden, und zum Freund machen als mit Übeltaten.

21. Lass dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Das Böse: Welches dir unrichtigerweise, und ohne all dein Verschulden widerfahren ist.

Überwinden: Dass du Böses mit Bösem vergelten wolltest.

Mit Gutem: Begegne der dir zugefügten Übeltat mit Wohltun und reize also den Feind, viel eher Gutes zu tun, als dass er zu noch mehr Bösem bewegt werde. Denn es ist der herrlichste Sieg, wenn man den Nächsten, besonders aber den Feind, viel mehr mit Guttaten und Dienst und Billigkeit, als mit Übeltaten überwindet. Diese Lehre des Apostels Paulus sollen wir stets betrachten, wenn wir durch unser verdorbenes Fleisch zu eigener Rachgier Hörigkeit gereizt werden.


Das 13. Kapitel


Paulus lehrt von der weltlichen Obrigkeit, und was man ihr schuldig ist. Er fordert die Werke der Liebe. Und ermahnt uns zu einem solchen Leben, dass der Christen Glaube und Bekenntnis gemäß, und von allen Lastern befreit sei.

1. Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet.

Jedermann: Paulus setzt eine ernstliche Ermahnung hinzu von dem Gehorsam gegen die Obrigkeit. Denn es tut viel zu einem gottseligen Leben, dass ein Christ darin ruhig bleibe und mit gutem Gewissen sich verhalten kann, wenn er weiß, was er seiner ordentlichen Obrigkeit zu leisten schuldig ist.

Über ihn hat: Und ihm vorgesetzt ist. Es soll aber ein solcher Gehorsam von den Geboten verstanden werden, die nicht wider Gott sind. Denn wenn eine Obrigkeit gottlose Sachen befiehlt, so muss man Gott mehr gehorchen, als den Menschen {Apg 5}. Und soll man denn: Sich in der Gestalt dem Gehorsam weigern, dass wir darum nicht aufrührerischer Weise der Obrigkeit uns widersetzen, und Gewalt gebrauchen, sondern vielmehr die Strafen zu leiden bereit sind, wenn wir sie auch nicht verschuldet haben.

Von Gott: Der die Obrigkeit an allen Orten (wie wir sehen) zu solcher Würde erhoben hat. Weil aber alle Ordnungen Gottes gut sind, so muss das Amt der Obrigkeit, welches Gott selbst geordnet hat, auch gut sein, dazu also gut und ehrlich, dass ein Christ das Amt einer Obrigkeit mit gutem Gewissen richtig verwalten kann, wider der Wiedertäufer Schwärmer, welche nicht eingestehen wollen, dass ein frommer Christ im Stand der Obrigkeit sein könne.

2. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen.

Gottes Ordnung: Und hindert, so viel an ihm ist, die schöne Ordnung Gottes in boshafter Weise. Hier mögen die Aufrührer beachten, welche unter dem Schein der Religion, oder mit einer anderen Ausrede, gegen die ordentliche Obrigkeit sich widersetzen. Es gehören hier aber nicht die wenigen Beispiele her, wie man von den Richtern im jüdischen Volk des Alten Testament liest, dass sie die heidnische tyrannische Obrigkeit erwürgt haben.

Urteil: Die Strafe, welche sie sich selbst über den Hals ziehen. Denn es ist kein Glück bei dem Aufruhr. Darum soll man der Obrigkeit mit höchstem Fleiß gehorsam sein, so viel ohne Verletzung des Gewissens geschehen kann.

3. Denn die Gewaltigen sind nicht den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, so wirst du Lob von ihr haben.

Gewaltigen: Oder allerlei Obrigkeit und Amtspersonen, die anderen vorgesetzt sind.

Zu fürchten: Das heißt: Welche recht tun, die haben sich vor der weltlichen Obrigkeit nicht um Böses zu besorgen. Denn eine Obrigkeit pflegt nicht die guten und ehrlichen Werke, sondern die Bösen zu strafen. Man redet aber hier nicht von den Verfolgern und Tyrannen, sondern von der Obrigkeit, die ihrem Amt richtig nachkommt: Für welche gute Ordnung man Gott dem Herrn Lob und Dank sagen soll.

Nicht fürchten: Sondern unter deiner Obrigkeit ruhig und sicher leben.

Lob: Die Obrigkeit wird dich, als einen frommen und ehrlichen Bürger lieben, rühmen, und mit Belohnungen begaben. Denn Gott regiert die Obrigkeit, auch bei großem Unrecht und großen Verwirrungen, dass die Tugenden belohnt und die Laster gestraft werden. Und wenn eine Obrigkeit zum Tyrannen wird, dass sie die Laster mit Guttaten belohnt, die Tugenden aber mit Strafen belegt, so soll man es geduldig leiden, als einen von Gott zugeschickten Unfall (wie durch Hagel das Korn vernichtet wird) bis Gott selber solchem Übel ein Ende macht.

4. Denn sie ist Gottes Dienerin dir zu gut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut.

Dir zu gut: Dass du unter ihrem Schutz ein ruhiges Leben führst. Darum sollst du die Obrigkeit in Ehren halten, welche Gottes Statthalterin auf Erden ist.

Fürchte dich: Und bedenke, dass sie dich zur Strafe ziehen werde, sonst aber hast du dich ihretwegen keiner Gefahr zu besorgen.

Nicht umsonst: Sie hat das Recht und die Gewalt von Gott empfangen, dass sie die Bösen mit dem Schwert strafen soll. Darum können die Übeltäter richtigerweise mit dem Schwert gestraft werden. Das ist entgegen der Wiedertäufer Schwärmerei, welche das bestreiten, sagen dagegen man soll die Bösen nur mit dem Bann strafen.

Gottes Dienerin: Wie zuvor auch gesagt: Darum, wenn sie die Übeltäter mit dem Schwert straft, tut sie es nicht aus eigener Willkür, sondern ist von Gott dazu berufen.

Rächerin: Sie ist es des Amtes wegen schuldig, dass sie in einem Gottesstaat ordentliche Rache übt gegen diejenigen, welche Übles tun, um solches zu strafen.

5. Darum ist es Not, untertan zu sein, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen.

Aus Not: Denn es steht nicht in eurer freien Willkür, ob wir wohl gehorsam sind oder nicht, sondern die Not erfordert es also, dass ihr müsst gehorchen.

Gewissens willen: Auf dass sie ein gutes Gewissen behalten. Denn die, so sie sich widerspenstig und rebellisch zeigen, erzürnen eben damit Gott, den Herrn, und verletzen ihr Gewissen. Und sind darum vor Gott nicht entschuldigt, wenngleich sie auch von der Obrigkeit nur eine Geldstrafe bekommen. Denn sie haben auch mit ihrem Ungehorsam gegen Gott gesündigt, dessen Statthalter die Obrigkeit ist.

Nach Luther: Weltliche Gewalt ist um des zeitlichen Friedens willen, darum ist das Gewissen aus pflichtbewusster Liebe schuldig, dieser Untertan zu sein.

6. Derhalben müsst ihr auch Schoß geben; denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schutz handhaben.

Schoß (Steuern geben: Weil ihr euch längst dazu bekannt habt, dass ihr solchen zu zahlen schuldig seid, und eben damit zu verstehen gebt, dass ihr in eine ordentliche Obrigkeit bewilligt habt.

Nach Luther: Seht, wie gut es ist, Steuern geben und gehorchen, dass ihr damit helft die Frommen schützen und die Bösen zu strafen. Darum lasst es euch nicht verdrießen.

Handhaben: Dass die Frommen beschützt, die Bösen aber mit Strafen gefangen und zurecht gehalten werden. Dass man aber solches leisten kann, da gehört Schoß (Steuer) dazu. Welches der Allgemeinheit zugutekommt, so man es willig gibt.

7. So gebt nun jedermann, was ihr schuldig seid. Schoß, dem der Schoß gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.

Schuldig seid: Was einen jeden gebührt mit billigem Herzen, und ohne Verweigerung, von Rechts wegen. Aus diesem allgemeinen Spruch beweist Paulus später stückweise, dass ein Christ von seinen Gütern zu der Unterhaltung der Obrigkeit seinen gebührenden Anteil zahlen soll.

Furcht: Denn man soll die Obrigkeit auch fürchten, dass man, wider derselben Personen oder Satzungen, nicht ungebührlich handeln soll.

Ehre gebührt: Dem soll man sie erzeigen, nämlich, der Obrigkeit. Denn diese ist von wegen ihrer Hoheit und ihrem Nutzen in Ehren zu halten. Darum sündigen die schwer wider Gott, welche über ihre Obrigkeit schimpfen und verächtlich reden.

8. Seid niemand nichts schuldig, als dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.

Seid: Von dem besonderen Befehl des Gehorsams der Untertanen gegen ihre Obrigkeit, schreitet Paulus im folgendem zu einer allgemeinen Ermahnung, und erinnert die Christen, dass ein jeder seinem Amt in rechtschaffener Liebe nachkommen soll.

Nichts schuldig: Sondern leistet einem jeden, was ihr wisst, dass ihr ihm zu tun schuldig seid. Denn die Gerechtigkeit unter den Menschen ist nichts anderes, als wenn man einem jeden tut, was ihm gebührt.

Liebt: Und solche Liebe mit gutherzigen Diensten und geneigtem Willen erklärt. Diese Schuld werdet ihr niemals ganz bezahlen können, dass ihr sie nicht bald wiederum und von Neuem schuldig seid. Denn wenn du deinem Nächsten heute aus christlicher Liebe Gutes erzeigt hast, er aber morgen wiederum deiner Hilfe bedarf, so bist du schon wiederum sein Schuldner, dass du ihn wieder nach deinem Vermögen, und so viel du kannst, Hilfe leistest. Diese Schuld der Liebe und der gutherzigen Dienste gegeneinander wird täglich erneuert.

Erfüllt: Darum weil wir dem Gesetz Gehorsam zu leisten schuldig sind, und aber dessen Erfüllung (so viel es die anderen Gesetze angeht) auf die Liebe des Nächsten beruhen. So ist offenbar, dass wir den Nächsten immer lieben sollen, damit wir dem Gesetz Gottes gehorchen. Denn obwohl in diesem Leben niemand dem Gesetz vollkommenen Gehorsam leisten kann, so soll man jedoch tun, so viel in dieser Schwachheit des Fleisches möglich ist. Denn auch der unvollkommene Gehorsam, so er aus Glauben fließt, ist Gott dem Herrn um Christi willen angenehm. Es ist aber etwas anderes, das Gesetz erfüllen, und ein anderes, das Gesetz vollkommen erfüllen. Denn dieses kann allein Christus, jenes steht einem jeden Christen zu.

9. Denn was da gesagt ist. „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; dich soll nichts gelüsten“, und so ein anderes Gebot mehr ist, das wird in diesen Worten zusammengefasst. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Zusammengefasst: Denn die Liebe des Nächsten ist ein Begriff aller Gebote in der Summe, die zu der anderen Tafel (die Gebote 4-10) gehören. Unter dem Namen des Nächsten aber muss man nicht nur den Freund, sondern auch den Feind verstehen, wie aus dem Gleichnis Christi vom Samariter {Lk 10} gut zu sehen ist.

10. Denn Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.

Nichts Böses: Sondern erzeigt ihm alles Gute, wenn sie rechtschaffen ist. Weil wir, darum dem Nächsten die Liebe zu leisten, schuldig sind, wie oben erklärt. So sollen wir darauf sehen, dass wir solche Schuld immer ablegen, und zahlen mit Werken der Liebe, die wir einander erzeigen schuldig sind. Jedoch, wenn die Übeltäter von der Obrigkeit bestraft werden, nicht aus eigener Rachgier, sondern des Amtes wegen straft, so sündigt sie gegen dieses Gesetz nicht. Denn man soll nicht einen bösen Menschen so lieben, dass man vielleicht vieler anderer Wohlfahrt in Gefahr bringe. Wenn auch die Menschen sonst gezüchtigt werden zur Besserung, so ist solches nicht unrecht gehandelt, sondern ist auch ein Werk der rechtschaffenen und ungefärbten christlichen Liebe.

Erfüllung: Darum, auf dass wir dem Gesetz Gottes Gehorsam leisten, so müssen wir uns in der Liebe gegen den Nächsten stets üben. Jedoch, weil wir nicht nur den Nächsten als uns selbst, sondern auch Gott, den Herrn von ganzer Seele und allen Kräften zu lieben schuldig sind, niemand aber in diesem Leben solche vollkommene Liebe hat. So müssen wir zu dem vollkommenen Gehorsam des Gesetzes, welchen Christus für uns geleistet hat, unsere Zuflucht suchen. Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viel Sünder geworden sind. Also werden durch eines Gehorsams viel Gerechte {Röm 5}.

11. Und weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf (weil unser Heil jetzt näher ist, denn da wir gläubig wurden;

Und: Jetzt setzt Paulus eine herzliche Ermahnung hinzu und erinnert uns ernstlich, dass wir nicht allein der Werke der Liebe gegen den Nächsten uns befleißigen sollen, sondern auch allgemein ein ehrbares und unsträfliches Leben führen.

Zeit: Darin man ehrlich und vorsichtig wandeln soll, mehr als je zuvor.

Schlaf: Der fleischlichen Trägheit und Sicherheit. Nun, so lasst uns aufwachen und ermuntert werden, dass wir unseren Beruf mit Freudigkeit schaffen, und eines unsträflichen Wandels uns befleißigen.

Näher ist: Und leichter ergriffen werden kann.

Glaubten: Dass wir uns nur an die Verheißungen halten mussten, die von dem zukünftigen Christus redeten, und dennoch Christus damals noch nicht gekommen war.

12. die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen). So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes.

Herbeigekommen: Denn als Christus noch nicht in die Welt gekommen war, da waren die Figuren der Opfer und die Verheißungen von Christus wie Lichter, die man des Nachts anzündet. Darum auch Petrus in seiner Epistel {2Petr 1} die prophetischen Sprüche von Christus mit einem Licht vergleicht, dass an einem dunklen Ort scheint. Nachdem aber Christus in die Welt gekommen ist, und die Verheißungen, so von den Vätern von ihm geschehen, im Werk erfüllt, auch von dem gnädigen Willen des himmlischen Vaters gegen uns öffentlich gepredigt hat: Dass Gott die Welt also geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gegeben hat, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben: Da scheinen uns keine Lichter mehr, sondern die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, ist uns aufgegangen, und wir sehen den Weg unserer Seligkeit viel klarer als unter den Figuren, Schatten und Verheißungen des Alten Testamentes. Ferner soll man hier auch das beachten, dass Paulus den glücklichen Zustand seiner Zeit, da es doch im weltlichen Regiment sehr übel zuging, so hoch rühmt, von wegen der hellen Offenbarung des Evangeliums von Christo. Eben das sollen wir auch tun. Denn obwohl zu unserer Zeit sich viel Ungereimtes zuträgt, so sollen wir jedoch betrachten, was es für eine große Guttat Gottes sei, dass wir heutigen Tages in solchem hellen Licht des Evangeliums wandeln, und so leicht verstehen, dass wir unserem Herrn Gott für seine große Güte nicht genügend Lob und Dank sagen können.

War: Mit welchem der größte Teil der Leute, so noch unter dem Gesetz gelebt haben, umgegangen sind.

Des Lichtes: Dass wir nicht allein zur Zierde geschmückt, sondern auch wider des Satans Angriffe und wider des Fleisches und der Welt Reizungen gewappnet und gebührend verwahrt sind. Denn ein frommer Christ ist ein geistlicher Kriegsmann.

13. Lasst uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid;

Und saufen: Dass wir uns nicht mit zu viel Speise und Trank überfüllen, und also Leib und Seele beschweren.

Unzucht: Dass wir nicht Hurerei und Ehebruch treiben oder dergleichen andere abscheuliche Schande und Laster begehen. Der Papst hat diesen Spruch ganz ungereimt ausgelegt, da er den Priestern den Ehestand verboten hat: Da doch nicht zu leugnen ist, dass Paulus hier nicht nur von einem Stand der Menschen redet, sondern von allen Christen allgemein. Zudem handelt er hier gar nicht von dem Ehestand, welchen er sicherlich allen Christen nicht zu verbieten begehrt. Sondern der Apostel verbietet die ungebührlichen Schanden und Laster, da sie bei den Heiden und Juden überhandgenommen hatten.

Und Neid: Denn solche Untugenden mag das Licht des Evangeliums auch nicht leiden. Besonders Hader und Neid sind Werke des Fleisches und bei Strafe der ewigen Verdammnis verboten {Gal 5}.

14. sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde.

Zieht an: Es geschieht aber solches Anziehen des Herrn Christi auf zweierlei Art:

1.) Durch den Glauben, dass wir, nämlich, auf seiner Heiligkeit und Verdienste, damit wir ganz herrlich bekleidet, und alle unsere Sünden zugedeckt sind, vor dem Richterstuhl Gottes uns verlassen, und also bestehen können.

2.) Durch Verfolgung. Indem wir einem reinen unschuldigen Wandel und der Liebe gegen dem Nächsten nachzufolgen uns befleißigen. Von welcher anderen Kleidung der Apostel hier redet: Die Erste muss Gott an uns sehen, die andere der Nächste.

Wartete: (Nach Luther) Martert den Leib nicht über euer Vermögen mit unerträglicher Heiligkeit, mit Wachen, Fasten, Frieren, wie die Heuchler es tun.

Geil werde: Denn ich lasse es zwar zu, dass ihr eures Leibes warten möchtet. Aber mit solcher Mäßigung, dass ihr der Sachen nicht zu viel tut, euren Leib zu sehr pflegt, und dadurch in abscheuliche Gelüste fallt, auch die selbigen erfüllt. Denn man soll den Leib recht versorgen, auf dass wir Gott und dem Nächsten in unserem Beruf lange dienen können. Dazu aber sollen wir den Leib nicht so mästen, dass wir dem Müßiggang und Wollüsten nachhängen, und ihn also zur Geilheit und Widerspenstigkeit gegen den Geist bewegen. Denn gleichwie ein Pferd, das zu gut gefüttert ist, nach hinten ausschlägt: Also welche den Leib zu sehr pflegen und ihm ergeben sind, die fallen in Unzucht und ungebührliche Wollüste, oder sind dem Nächsten lästig, schimpfen und schmähen ihn, und kann kein Mensch mit ihnen auskommen.


Das 14. Kapitel


In diesem Kapitel wird von einer gottseligen Mäßigkeit, welche man in den Mitteldingen gebrauchen soll, und von dem richtigen Gebrauch der christlichen Freiheit geredet.

1. Den Schwachen im Glauben nehmt auf und verwirrt die Gewissen nicht.

Den: Unter den Werken der Liebe ist diese nicht das Geringste, dass man die christliche Freiheit so gebraucht, damit unser Nächster, so er im Glauben noch schwach ist, nicht geärgert wird: Und dass die, welche schwach sind, die anderen, die aus einem starken Glauben die christliche Freiheit in den Mitteldingen ohne Unterschied für sich gebrauchen, deswegen keines Gottlosen Wahns oder Übertretungen bezichtigen können. Dies lehrt Paulus beides in diesem Kapitel deutlich und gründlich.

Nehmt auf: Haltet mit brüderlicher Mutwilligkeit zu dem, der in der christlichen Religion noch nicht genügend unterrichtet ist, und den Gebrauch der christlichen Freiheit nicht richtig weiß. Denn die Juden zum größten Teil, obwohl sie zu Christus bekehrt waren, sich nicht von der Speise enthielten, die ihnen im Gesetz verboten war, wie auch von dem Fleisch davon man den Götzen geopfert hatte, welche später öffentlich auf dem Markt angeboten und verkauft wurden, wie in der 1. Chronik, 9 zu sehen ist. Desgleichen hielten sie auch die Sabbate und andere Feste des Alten Testaments. Welche aber aus den Heiden bekehrt waren, die gebrauchten allerlei Speise, ohne Unterschied, und achteten auch nicht den Sabbat nach der jüdischen Feste. Darum erhob sich ein Misstrauen unter den Christen, weil die, so aus den Heiden bekehrt waren, die bekehrten Juden, als abergläubisch, so um die christliche Freiheit nichts wussten, verachteten: Und wiederum die Juden, so sie gläubig geworden waren, die bekehrten Heiden, als ob sie gar zu sicher und roh wären, scheuten, und meinten fälschlicherweise, sie würden durch den freien Gebrauch der Dinge, daran aber nichts gelegen war, verunreinigt. Da beide nicht richtig gehandelt haben, besonders die Heiden, welche der Juden Gewissen aus einem unzeitigen Gebrauch der christlichen Freiheit häufig irre machten. Darum (will Paulus sagen) ermahne ich euch Heiden, dass wir die schwachen Juden nicht verachten, sondern brüderlich mit ihnen umgehen, und nicht ein unnötiges Gezänk mit ihnen anfangen, von dem Gebrauch der Dinge, daran nichts gelegen ist. Denn die Gewissen sind sehr ungleich.

Verwirrt: (Nach Luther: Zweierlei Christen sind. Etliche stark im Glauben, etliche schwach. Jene verachten die Schwachen zu frech, diese ärgern sich an den Starken zu leicht. So sollen sie nun beide sich nach der Liebe richten, dass keiner den anderen beleidige noch richte. Sondern tun und lassen, wie es dem anderen nötig und nützlich ist.

2. Einer glaubt, er möge allerlei essen; welcher aber schwach ist, der isst Kraut.

Allerlei essen: Richtig und ohne Sünde wider Gott.

Isst Kraut: Oder sonst dergleichen etwas vom Gemüse. Enthält sich aber vom Fleisch, das entweder im Gesetz verboten {3Mos 2}, oder davon etwas den Götzen zuvor geopfert wurde.

3. Welcher isst, der verachte den nicht, der da nicht isst; und welcher nicht isst, der richte den nicht, der da isst; denn Gott hat ihn aufgenommen.

Den nicht: Als sei er unverständig oder gar zu abergläubisch, der den Brauch der christlichen Freiheit noch nicht richtig weiß.

Welcher nicht isst: Dass er sich von dem zuvor geschriebenen Fleisch enthält.

Richte den nicht: Er urteile ihn nicht als einen gottlosen Menschen ab, der sich vor Gott verunreinigt, indem er von solchem Fleisch isst.

Ihn aufgenommen: Dass er beiden mit väterlicher Zuneigung gewogen ist, sowohl dem der isst, als dem der nicht isst. Es wird aber hier nicht von den Feinden des Evangeliums gehandelt, welche bestreiten, dass die Menschensatzungen zu halten nötig sind, und dazu nutzen, dass man Vergebung der Sünden und das ewige Leben verdiene, diese Gottlosen Meinungen auch mit Feuer und Schwert verteidigen. Welche aber das Evangelium von Christo annehmen und nichtsdestoweniger noch etliche päpstliche Menschensatzungen halten, dass doch Mittel Dinge und an sich selbst nicht böse sind, die muss man unter die Schwachen zählen und freundlich mit ihnen umgehen, damit wir nicht durch den unzeitigen Gebrauch der christlichen Freiheit sie wieder abwendig machen, oder sie zu etwas gegen ihr Gewissen antreiben: Dagegen aber sollen die, welche die christliche Freiheit für sich richtig gebrauchen, nicht als Gottlose verdammen.

4. Wer bist du, dass du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er mag aber wohl aufgerichtet werden; denn Gott kann ihn wohl aufrichten.

Knecht richtest: Was geht es dich an, was der Nächste in diesem Fall tut, dass du ihn mit deinem Urteil öffentlich begehrst zu verdammen? Er wird Gott den Herrn für sich selber Rechenschaft geben, und nicht für dich, wie du auch nicht für ihn.

Seinem Herzen: Und Gott, dem gebührt es, dass er ihm entweder möge sich gefallen lassen, was dein Nächster recht tut, oder da er strauchelt, und acht auf ihn haben, und ihn züchtigen.

Aufgerichtet werden: Und in der Gnade Gottes bleiben oder erhalten werden, wenn auch du meinst, er sündige und falle immer tiefer. Das schließt du aus einem, seinem Irrtum der christlichen Freiheit.

Aufzurichten: Und zwar, dass aus solchen Handlungen sein Glaube keinen Schaden nehme. Es will aber Paulus nicht, dass die Christen gar nichts und von keiner Sache urteilen sollten. Sondern er verwirft den Frevel, da man ohne Beruf von den Dingen, die für sich selbst nichts nutzen oder schaden, urteilt, dass man des Nächsten Tun aufs Ärgste deutet.

5. Einer hält einen Tag vor dem andern; der andere aber hält alle Tage gleich. Ein jeglicher sei in seiner Meinung gewiss.

Einer: Jetzt bringt der Apostel ein anderes Beispiel vor. Darin einer die christliche Freiheit für sich gebraucht, der andere aber nicht.

Für den anderen: Und solches aus Gewohnheit, nach dem Gesetz Mose, dass er einen Unterschied unter den Tagen hält, wie, dass er an den Sabbaten und anderen Festtagen, die im Alten Testament geordnet sind, ruht, doch so, dass er nicht meint, es sei zur Seligkeit nötig, dass er es halte, aber dennoch nicht außer Acht lassen will.

Tage gleich: Dass er die Feste des Gesetzes nicht hält, sondern arbeitet oder ruht, wenn es ihm gelegen ist. Und tut solches doch nicht aus Verachtung der Religion, noch dass er die Frommen begehre zu ärgern, hindert auch die Ordnung nicht, so sie in der Kirche Christi eingesetzt wurde. Denn obwohl wir im Christentum an gewisse Tage nicht so gebunden sind, dass man am Feiertag nicht durfte ein nötiges Geschäft verrichten, so gebührt es sich doch auch nicht, dass wir eine gute Ordnung mit unseren unzeitigen Handlungen zerstören wollten.

Gewiss: Dass er dessen in seinem Gewissen versichert ist, er sündige nicht, wenngleich er die Feiertage halte oder nicht. Denn wir aus zweifelhaften Gewissen etwas tun, der baut die Hölle, wie die Alten gesagt haben. Es haben aber viele diesen Spruch ganz ungereimt angezogen und missbraucht. Als ob Paulus wollte, dass auch die Irrtümer in der Lehre und Religion vor Gott könnten entschuldigt werden, wenn nur jemand in seiner Meinung nicht zweifle, ob sie wahr sei, auch wenn sie falsch ist.

Nach Luther: Das heißt: Er wanke und zweifle nicht in seinem Gewissen, sondern sei sicher, dass es vor Gott keine Sünde ist, er esse oder esse nicht.

6. Welcher auf die Tage hält, der tut‘s dem Herrn; und welcher nichts darauf hält, der tut‘s auch dem Herrn. Welcher isst, der isst dem Herrn, denn er dankt Gott; welcher nicht isst, der isst dem Herrn nicht und dankt Gott.

Dem Herrn: Dass er nicht gegen Gott sündigt, sondern tut, was ihm gefällt, wenn er ohne Gedanken einer Not oder Gottesdienstes oder Verdienstes, die Feiertage, so man von der Zeit gehalten hat, hält. Wie wiederum der aus christlicher Freiheit, ohne Ärgernis des Nächsten, solche Fest- und Feiertage nicht mehr hält, ebenso wenig sündigt und Gott dem Herrn im Geringsten nichts zuwider handelt.

Isst dem Herrn: Und gefällt ihm gut, weil er recht daran tut.

Dankt Gott: Für die Speise, die er ihm beschert hat. Darum weil er solche Speise, die ihm vorgesetzt wird, mit Gottseligem und dankbarem Gemüt gebraucht, so ist ihm diese vor Gott rein, dass er dadurch nicht verunreinigt wird. Welche aber wie die Schweine, ohne Danksagung schwelgen, und sich überfüllen, die essen nicht dem Herrn, sondern dem Teufel, welchem sie auch dienen.

Nicht isst: Von allerlei Speise. Aber daneben die, so sie allerlei essen, nicht scheut oder verwirft.

Herrn nicht: Und tut auch recht, wie es Gott gefällt, indem er sich mit einem schlechten Kraut begnügen lässt, und Gott Dank dafür sagt. Darum nimmt die Speise oder auch die Enthaltung von gewisser Speise dem Menschen an seiner Frömmigkeit nichts, weil fromme Leute ihr Tun dahin richten, dass sie Gott nicht beleidigen, sondern mit gutem Gewissen ihm gefallen mögen.

7. Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.

Sich selber: Das heißt: All unser Tun, so aus Glauben kommt, reicht zur Ehre des göttlichen Namens, ist Gott angenehm, und gefällt ihm. Es sei gleich im Leben oder im Sterben.

8. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

Dem Herrn: Das heißt: Wir leisten ihm Gehorsam, welchen er sich gefallen lässt.

Sterben wir: Darum wir auch im Tode ihm einen angenehmen Gehorsam leisten, wenn wir diesen mit Geduld leiden.

9. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebendige Herr sei.

Herr sei: Und in seinen Schutz nehme, erhalte, und selig mache, sowohl die, welche noch leben, als die, so bereits christlich gestorben sind. Es ist aber ein großer Trost, dass wir wissen, wir gefallen unserem Herrn und Gott Jesu Christo, und er sorge für uns im Leben und im Tod. Und weil wir alle zugleich unter des Sohnes Gottes Hut, auch deshalb Brüder sind, wir brauchen jetzt unsere christliche Freiheit in den Mitteldingen, oder berauben uns derselben, dass wir sie eine Zeit lang um besondere Ursachen willen nicht gebrauchen, so ist es richtig, dass wir einander mit brüderlicher Liebe und gutem Willen gewogen sind.

10. Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder, du anderer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richtstuhl Christi dargestellt werden;

Du aber: Der du nicht allerlei Speise isst und die jüdischen Feste noch hältst.

Deinen Bruder: Der aus den Heiden bekehrt ist, dass du ihn heimlich, oder auch mit Worten, öffentlich verdammst, als ob er gottlos wäre, weil er nicht eben das zu halten sich verpflichtet, wie du.

Du anderer: Der du vorzeiten ein Heide gewesen bist.

Deinen Bruder: Der aus dem Judentum bekehrt wurde, darum, dass er aus freiem Willen, aber doch guter Meinung, noch etliche Satzungen des Gesetzes, die man ohne das halten mag oder nicht, behält. Wirst du auch, der du ein Jude gewesen, einmal vor dem Richter Christo für den bekehrten Heiden Rechenschaft geben? Oder du, der du vorzeiten ein Heide gewesen bist, wirst du Christus einmal vor den bekehrten Juden Rechenschaft geben? Sicherlich nicht. Darum sollen wir fremder Leute Handlungen nicht vorwitzigerweise erkunden oder aus Aberglauben tadeln.

Nach Luther: So muss Christus rechter Gott sein, weil solches soll vor seinem Richterstuhl geschehen.

Dargestellt werden: Dort wird ein jeder nicht für fremde, sondern für seine Taten das Urteil bekommen. Und werden zwar sowohl die Frommen als die Gottlosen vor dem Richterstuhl des Richters Christi gestellt werden. Aber wenn die Frommen die holdselige Stimme gehört haben: Kommt her ihr Gesegneten {Mt 25}. So werden sie danach Christi Brüder sein, und mit ihm die Welt richten {1Kor 6}, auch die das Urteil Christi gegen die Verfluchten sich gefallen lassen, es billigen, und ihm auch zustimmen. Weil demnach ein jeder seine eigene Last tragen wird, so soll es nicht sein, dass wir auf einen anderen Wandel viel und genaue Achtung geben. Sondern es soll vielmehr ein jeder in diesem Leben dahin sehen, dass er seine eigenen Mängel verbessere.

11. denn es steht geschrieben. „So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen alle Knie gebeugt werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen.“

Geschrieben steht: In der Weissagung des Propheten Jesaja, Kapitel 45, beweist also Paulus sein voriges Vorbringen mit einem Zeugnis der Heiligen Schrift.

Gebeugt werden: Das heißt: Alle Menschen (spricht der Sohn Gottes) sollen vor meinem Richterstuhl mich anbeten und ihn für ihren Herrn Gott und Richter erkennen.

Alle Zungen: Der Auserwählten werden mich immer loben, von wegen der Verwaltung meiner Gerechtigkeit und meines gerechten Gerichtes. Ja auch die Gottlosen selbst können mir das Lob der Gerechtigkeit gegen ihren Willen nicht entziehen. Demnach nun dieser Spruch vom Propheten, in der Person des allmächtigen Gottes, der sich allein als den wahren und ewigen Gott darstellt, vorgebracht wird, und aber der Apostel Paulus hier lehrt, dass eben dieser Spruch von Christo, dem Richter der Lebendigen und Toten, zu verstehen ist. So ist offenbar, dass Christus eben dieser wahre Gott und Herr der Heerscharen ist, außer dem kein Gott ist.

12. So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben.

13. Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern das richtet vielmehr, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis darstelle.

Richten: Über den Mitteldingen, daran nichts gelegen ist.

Vielmehr: Gebraucht eure Kunst vielmehr dazu, und befleißigt euch, dass ihr so lebt, damit ihr im Gebrauch der christlichen Freiheit nichts begeht, welches euren Mitbruder Anlass zum Fall gebe, dadurch er irregemacht wird und sein Glaube einen harten Stoß erleide, denn wer etwas tut, dadurch der Nächste von der Religion abwendig gemacht wird, oder im Glauben geschwächt, oder auch im Wandel geärgert, der tut eben, als wenn er seinem Nächsten etwas hätte in den Weg geworfen, daran er sich stoßen sollte, oder hätte ihm etwas vor die Füße gelegt, dass er darüber fiele. Diese Übeltat will Paulus mit den Worten, Anstoß und Ärgernis, zu verstehen geben.

14. Ich weiß und bin gewiss in dem Herrn Jesus, dass nichts gemein ist an sich selbst; nur dem, der es rechnet für gemein, dem ist‘s gemein.

Ich: Jetzt erklärt Paulus mit einem Beispiel, in welcher Weise dem Schwachen ein solches Ärgernis gegeben wird.

Herrn Jesu: Nämlich aus dem Evangelium von Jesus Christo, welches nicht allein lehrt, wie wir von Sünden, Tod und Verdammnis erlöst, sondern auch von den levitischen Satzungen befreit sind, dass wir sie nicht halten dürfen.

Ist‘s gemein: Die Juden nannten das gemein, was sie für unrein hielten, und durch welchen Gebrauch jemand in seinem Gewissen verunreinigt würde. Als ob sie sagen wollten, unheilig. Denn es war zu dem Volk Israel gesagt worden: Seid heilig, denn ich bin heilig, spricht der Herr. Es will aber Paulus so viel sagen: Ich bin aus dem Evangelium Christi dessen versichert, dass die Christen, nachdem das Gesetz von Christus erfüllt ist, und der Tod überwunden, nicht mehr verpflichtet sind, das Gesetz, vom Unterschied der Speise, Tage und dergleichen Dinge zu halten. Darum ist an der Speise, die im Gesetz Mose verboten wurde, wie auch an der, davon den Götzen etwas geopfert wurde, für sich selbst nichts Unreines, verunreinigt auch den nicht, der dessen gebraucht, sofern er nur nicht in seinem Gewissen zweifelt und meint, die Speise sei verunreinigt, dem ist sie auch unrein, in der Gestalt, dass er sie nie ohne Verletzung seines Gewissens gebrauchen kann, welches ihm widerspricht und widerstrebt, weil er in der christlichen Freiheit noch nicht genügend Unterricht hat. Darum, wenn ein solcher Schwachgläubiger sieht, dass ein anderer Christ solche Sachen gebraucht, so ärgert er sich daran, und wird betrübt, weil er meint, dass sein Mitchrist sündige.

Nach Luther: Gemeint, ist ebenso viel als unrein, oder dass da nicht geweiht oder geheiligt ist.

15. So aber dein Bruder um deiner Speise Willen betrübt wird, so wandelst du schon nicht nach der Liebe. Verderbe den nicht mit deiner Speise, um welches Willen Christus gestorben ist.

Deiner Speise: Welche du in Gegenwart eines schwachen Bruders und Mitchristen bei einer Mahlzeit zu dir nimmst und isst.

Betrübt wird: Und ihm leid ist, dass du von solcher Speise isst, davon er meint, dass man sich enthalten solle, wird aber durch dein Beispiel, um derer willen die dabei sitzen, dazu genötigt, dass er auch davon essen muss, und solches verletzt sein Gewissen.

Nach der Liebe: Du tust sicherlich nicht, was die rechtschaffene Liebe, so immer des Nächsten Nutzen sucht, erfordert. Denn du betrübst und beleidigst ihn, und machst mit deinem Beispiel, dass er sein Gewissen verletzt.

Gestorben ist: Denn weil du mit deinem unzeitigen Gebrauch der christlichen Freiheit Ursache dazu gibst, dass er gegen sein schwaches Gewissen sündigt, so verursachst du auch, dass er den Glauben, welcher bei einem verletzten Gewissen nicht bestehen kann, verliert. Wenn nun dieser verloren ist, so gerät der Mensch ins Verderben, wenn er durch Gottes sonderbarer Gnade nicht wiederum zurechtgebracht wird; da ihn doch Christus so hoch geliebt hat, dass er sein Leben sowohl für ihn, als für dich gegeben hat. Darum sollen wir unseres Mitchristen Seele nicht gering schätzen, weil sie in den Augen des Sohnes Gottes so köstlich gehalten wird. Hier werden wir erinnert, dass wir nichts wider unserem Gewissen tun sollen, damit wir den Glauben nicht verlieren und ins Verderben fallen. Danach hören wir, was wir von unserem Nächsten halten sollen, nämlich, dass wir uns mit Fleiß hüten, damit wir ihn an seiner Seelen Seligkeit nicht hindern, er sei gleich eines hohen oder niedrigen Standes, weil Christus für ihn gestorben ist.

16. Darum schafft, dass euer Schatz nicht verlästert werde.

Darum: Jetzt bring Paulus noch eine andere Ursache vor, damit er uns erinnert, dass wir einander mit unzeitigem Gebrauch der christlichen Freiheit nicht ärgerlich sein sollen.

Schatz: (Nach Luther) Das Evangelium ist unser Schatz, dass dieser verlästern wird, machen die, so der christlichen Freiheit frech gebrauchen, den Schwachen zum Ärgernis.

Verlästert werde: Lasst es nicht so weit kommen, dass, indem ihr von dem Gebrauch der Mitteldinge untereinander zankt, die Heiden darum Anlass nehmen, das Evangelium zu verlästern, da ihr doch nie einen größeren Schatz gehabt habt, als diesen. Wir sollen uns heutigen Tages auch vorsehen, dass wir von Sachen, die zu der Ehre Gottes und der Seelen Seligkeit nichts nutzen, kein unnötiges Zanken anfangen, daher die Widersacher Gelegenheit bekommen, uns vorzuwerfen. Es sei in unsere Religion nichts Gewisses, weil einer diese, der andere eine andere Meinung hat. Darum müsse man die Lehre des Evangeliums, weil daran nichts Gewisses ist und nur Zank und Uneinigkeit zur Ursache hat, fliehen und meiden. Wenn aber von den Kerzen solche Sachen an den Tag gebracht werden, daran die Ehre Gottes und der Seelen Seligkeit hing, da soll man aus dem Worte Gottes gegen die Ketzer streiten und nicht achten, was die Widersacher dagegen vorbringen. Denn wir sollen die Wahrheit Gottes und der Seelen Wohlfahrt den Ketzern nicht verraten, nur der Ursache wegen, dass man der Widersacher Lästerung hofft, entledigt zu sein.

17. Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geiste.

Nicht essen: Darum darf es nicht sein, dass man über dem Gebrauch der Mitteldinge einen Streit anfangen möchte, weil der wahre Gottesdienst nicht darauf beruht, ob man diese oder eine andere Speise und einen anderen Trank, davon die Heiden ihren Götzen geopfert, zu sich nehme oder nicht, dergleichen, dass man diese und jene Tage halte oder nicht halte, und was solche Mitteldinge mehr sind. Darum sind die Katholiken unrecht dran, dass sie auf den Unterschied der Speise und andere Menschen Satzungen so heftig dringen, als wäre die ganze Seligkeit und der richtige Gottesdienst daran gelegen, wenn man solche Dinge hielte.

Heiligen Geist: Denn die haben den rechten Gottesdienst und ihren Gott recht, welche durch den Glauben gerechtfertigt wurden, gute Früchte des Glaubens bringen, und einen gerechten Wandel auf dieser Erde führen. Welche für sich selbst in ihrem Gewissen Frieden mit Gott haben, weil sie dessen gewiss sind, dass sie mit Gott versöhnt sind, und sich mit dem Nächsten auch versöhnen, dazu des Friedens und der Liebe gegen jedermann sich befleißigen. Welche aus innerlicher Freude Gott danken für die Gnade des Heiligen Geistes, und, nachdem sie vom Geist Gottes aufgemuntert wurden, von Herzen fröhlich sind über den Fortgang des Evangeliums und des Reiches Christi. Ja auch, wenn sie um des Evangeliums willen, Verfolgung leiden, so dulden sie es mit Freuden und danken Gott, dass sie würdig geachtet wurden, um Christi willen etwas zu leiden, wie die Apostel es taten, nachdem man sie mit Ruten geschlagen hatte {Apg 5}. Dies sind die Übungen und Geschäfte, damit die Christen stets umgeben sind, und nicht dass sie über dem Gebrauch der Mitteldinge ohne Not ein heftiges und feindseliges Streiten anfangen.

18. Wer darin Christo dient, der ist Gott gefällig und den Menschen wert.

Darin: Nämlich, in der Gerechtigkeit, in Friede und Freude des Heiligen Geistes.

Dient: Ihm also begehrt, seine Dankbarkeit zu erklären.

Wert: Denn was fromme Leute sind, die müssen einen solchen feinen gottseligen Wandel loben und sich gefallen lassen. So findet es sich auch aus der Geschichte, dass in der ersten Kirche viel Heiden durch der Christen ehrlichen Wandel, wie auch durch ihre große Standhaftigkeit und wunderbare Geduld in der Marter, bewegt wurden, dass sie die christliche Religion angenommen haben.

19. Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und was zur Besserung untereinander dient.

Frieden dient: Dass wir nicht wegen liederlicher Sachen einen Streit erregen: Weil unter anderen Tugenden, die einem Christen gut anstehen, man auch dem Frieden auf das Fleißigste nachtrachten soll, und in dieser Sache, da man vom Gebrauch der Mitteldinge handelt, solches auch Platz hat.

Zur Besserung: Dadurch die Schwachen vielmehr gebessert, als geärgert werden. Dies ist die allergewisseste Regel oder Richtschnur, wie man die christliche Freiheit gebrauchen soll, nämlich sofern die selbige zu des Nächsten Erbauung und Besserung dient, aber nicht zu seinem Verderben und Untergang Ursache gibt.

20. Verstöre nicht um der Speise willen Gottes Werk. Es ist zwar alles rein; aber es ist nicht gut dem, der es isst mit einem Anstoß seines Gewissens.

Gottes Werk: Welches er in einem bekehrten Menschen angefangen hat. Auf dass nicht der Schwache irgendwie hinter sich gehe, von der rechten Religion sich wende, und verloren werde. Darum lasst uns auf Gott sehen, der die Schwachen aufgenommen hat, dass wir seine guten Werke, so er gut angefangen, nicht hindern oder zerreißen.

Es: Jetzt gibt Paulus Antworten auf etliche Einreden, die von denen könnten vorgebracht werden, welche die christliche Freiheit übel gebrauchen. Darunter dies eine ist: Ist denn der Brauch der Speise im Christentum nicht frei? Da doch das, was zum Menschen eingeht, diese nicht verunreinigt, wie Christus bezeugt {Mt 15}. Darum so ist dem Christen alle Speise rein. Darauf antwortet Paulus: Es ist zwar richtig, und ist einem Christen Menschen, der von der christlichen Freiheit gut unterrichtet ist, alles rein, wie es auch vor Gott alles rein ist. Aber es ist dem Menschen zur Sünde, der eine Speise isst, darüber der Nächste geärgert wird. Denn Essen und Trinken ist an sich selbst keine Sünde. Sondern wenn man den Nächsten, der noch schwach ist, ärgert, das ist Sünde. Darum man sich seiner Freiheit zu gebrauchen lieber eine Zeit lang enthalten sollte.

21. Es ist besser, du isst kein Fleisch und trinkst keinen Wein und tust nichts, daran sich dein Bruder stößt oder ärgert oder schwach wird.

Keinen Wein: Von welchem den Abgöttern etwas geopfert wurde.

Schwach wird: Im Glauben, und eine Wunde in seinem Gewissen empfängt. Dieser Spruch wird ganz ungereimt zur Bestätigung der Mönche Orden gezogen, deren etliche, wie die Kartäuser, fast das ganze Jahr kein Fleisch essen. Denn es lehrt Paulus hier: Es sei besser, dass man von dem Götzenopfer nicht esse, und den Wein, davon man den Abgöttern geopfert hat, nicht trinke, als dass man den Nächsten in seinem Glauben irremache und sein Gewissen verletze. Er verbietet auch nichts Schlechtes mit dem Gebrauch des Fleisches oder Weines (wie denn die Mönche vom Wein aber sich nicht enthalten), sondern er verbietet es, sofern es mit dem Nächsten Ärgernis geschehe.

22. Hast du den Glauben, so habe ihn bei dir selbst vor Gott. Selig ist, der sich selbst kein Gewissen macht in dem, was er annimmt.

Glauben: Vom freien Gebrauch aller Dinge. Dass du fest glaubst, du könntest ohne Verletzung deines Gewissens allerlei essen, nach der christlichen Freiheit, die uns Christus erworben hat.

Vor Gott: Denn du kannst auch deinen Glauben von dem Artikel der christlichen Freiheit nicht bei dir behalten, und in solcher Sache vor Gott ein freies Gewissen haben, wenn du mit einem unzeitigen Ruhm deines Glaubens (oder vielmehr Vermessenheit) die schwachen Brüder und Mitchristen ärgerst. Es wird aber hier nicht von dem recht machenden Glauben gehandelt, oder vom Bekenntnis des Evangeliums Christi. Denn diesen Glauben muss man vor den Menschen nicht verbergen oder verhehlen {Mt 10 Röm 10}.

Annimmt: Was er tut, isst oder trinkt, dass er solches selber in seinem Gewissen nicht verwirft oder als Unrecht verdammt, sondern dessen gewiss ist, dass er richtig tue, und Gott nicht beleidigt im Gebrauch der Mitteldinge, der ist ein seliger Mann.

23. Wer aber darüber zweifelt, und isst doch, der ist verdammt; denn es geht nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde.

Zweifelt: Dass er nicht weiß, ob eine Speise rein oder unrein sei, und meint doch, es sei ein Unterschied darin zu halten.

Verdammt: Und der ewigen Verdammnis schuldig ist, wenn er nicht Buße tut, nicht zwar darum, weil er dieses oder jenes isst oder trinkt, sondern weil er solches tut wider sein Gewissen.

Aus dem Glauben: Was er tut. Er handelt aber aus dem Glauben, wenn er sein Gewissen aus dem Worte Gottes gut unterrichtet hätte, dass er wüsste, wie der Gebrauch solcher Dinge vor Gott frei wären. Darum sollen wir nicht wider das Gewissen handeln, weil ein böses Gewissen und ein gerecht machender Glaube beieinander in einem Menschen zugleich nicht sein können.

Ist Sünde: Alles, was der Mensch tut, wenn er aus dem Worte Gottes nicht versichert ist, dass er recht tue, sondern zweifelt, ob solch ein Werk Gott angenehm sei oder nicht, so ist eben dieses Werk, was es auch für einen Namen haben mag, Sünde. Denn Gott will nicht, dass wir mit zweifelhaftem Gewissen das eine oder andere tun. Denn wer im Zweifel etwas tut, der zeigt an, dass er bereit ist, wider sein Gewissen und Gottes Wort zu handeln. Mit dieser Regel werden alle Gottesdienste umgestoßen, welche auf Menschenwahn und nicht auf Gottes Wort gegründet sind. Denn solche Diener Gottes können niemals gewiss sagen, dass ihre Verrichtungen und Gottesdienste Gott gefallen, weil sie kein Gottes Wort haben. Der Glaube aber kann sich auf Menschenwahn nicht verlassen, sondern muss sich allein auf das gewisse Wort Gottes gründen, ja, es ist der Glaube so sehr nötig, wenn man tun soll, was Gott gefällt, dass auch die, welche ohne den gerecht machenden Glauben die äußerlichen Werke des Gesetzes tun, dennoch mit solchen ihren Werken verworfen werden, weil sie nicht aus Glauben geflossen sind. Darum auch der Prophet Jesaja die Brandopfer verwirft, obwohl sie von Gott selbst eingesetzt waren, weil sie von den Leuten verrichtet worden, die keinen rechten Glauben hatten {Jes 1 66}. Darum macht allein der Glaube alle unsere guten Werke, so nach den Geboten Gottes geschehen, gut. Ist der Glaube nicht da, so gefällt Gott weder die Person, so da wirkt, noch das Werk, so viel die ewigen Belohnungen angeht.


Das 15. Kapitel


Der Apostel bleibt noch bei der Vermahnung, dass man die Schwachen nicht ärgern soll. Bestätigt also das Ansehen seiner Schriften. Und verspricht den Römern seine Zukunft. Endlich befiehlt er sich in ihr Gebet.

1. Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen und nicht gefallen an uns selber haben.

Stark sind: Und in allen Stücken der christlichen Lehre gut unterrichtet, auch im Gewissen genügend versichert sind.

Schwachen: (Nach Luther) Dieses Kapitel redet von den Gebrechlichen im Leben, als die in öffentliche Sünde oder Fehler fallen. Dass man die auch tragen und nicht verwerfen soll, bis sie stärker werden. Gleichwie das vorige Kapitel die schwachen Gewissen lehrt, zu behandeln.

Selber haben: Dass wir unseren Nächsten wollten neben uns verachten, von wegen der Schwachheit im Glauben oder auch im Wandel, und ihn deswegen anfeinden. Fährt also der Apostel noch weiter fort, die Starken im Glauben zu ermahnen, dass sie ihnen die Schwachgläubigen sollen lassen befohlen sein, freundlich mit ihnen umgehen, wie mit Brüdern, damit sie im Glauben vielmehr gestärkt, als irregemacht werden. Es geht aber diese Ermahnung nicht nur dahin, dass wir die christliche Freiheit richtig und mäßig für uns gebrauchen sollen, sondern hat auch in anderen menschlichen Schwachheiten seinen Grund, welche wir nach dem Willen Gottes also dulden sollen, dass wir um derselben willen den Bruder in Christo nicht scheuen oder verachten. Wie zum Beispiel: Einer schwätzt viel, der andere ist mürrisch, ein anderer hat auf ein Ding zu sehr genau acht, und aber ein anderer ist etwas träge, und in der Ausrichtung der Sachen fahrlässig. Obwohl man solche Mängel nicht loben kann, so muss man doch um derselben willen der christlichen Liebe gegen den Nächsten nicht absagen. Man redet aber hier nicht von äußerlichen groben Lastern, wie Diebstahl, Hurerei, Ehebruch, Betrug, Totschlag und dergleichen. Solche soll man keineswegs dulden. Aber so lässt sich Paulus weiter hören, wie er die Lehre von den Schwachen ferner ausführt, und ermahnt, dass man freundlich mit ihnen umgehen soll.

2. Es stelle sich ein jeglicher unter uns also, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung.

Nächsten gefalle: Und nicht sich selber, sondern dass der Nächste zu seinem Tun Lust habe, und dadurch viel mehr erbaut als geärgert werde. Es soll aber einer seinem Nächsten gefallen, nicht dass er Übles tue, wie die Bösen mit ihresgleichen Leuten manchmal etwas zu gefallen tun: Sondern im Guten, das geschehe, was Gott angenehm und dem Nächsten nützlich ist.

Zur Besserung: Damit er im Glauben je länger je mehr gestärkt werde und in der wahren Gottseligkeit zunehme. Denn obwohl wir uns mit Fleiß hüten sollen, dass wir den Menschen nicht also gefallen, dass Gott ein Missfallen daran habe. So soll man jedoch frommen und verständigen Menschen also zu gefallen sein, dass sie unser Tun und unseren Wandel aus rechtem Verstand billigen und lieben.

3. Denn auch Christus hatte nicht an sich selber Gefallen, sondern wie geschrieben steht. „Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“

Gefallen hatte: Von wegen der allergrößten Gaben des Heiligen Geistes, welche er in seiner Allerheiligsten Menschheit ohne Maß empfangen hat, und von wegen der allergrößten Reinlichkeit und Vollkommenheit in seinem Herzen, Leben und äußerlichen Wandel, dass er uns arme Sünder darum verworfen hätte, als die nicht wert wären, dass er sich ihrer annehmen sollte: Sondern hat vielmehr, damit er uns helfe, der gottlosen Leute Schmach und Lästerung erduldet, und seiner Ehre sich eine Zeit lang geäußert. Also hat er sich seiner allerhöchsten Vollkommenheit nicht überhoben.

Mich gefallen {Ps 69}: Das will so viel sagen: Deine Feinde, oh himmlischer Vater, welche dich zu lästern sich nicht scheuen, fallen mich, deinen eingeborenen lieben Sohn, auch mit Schmachworten an. Weil nun der Sohn Gottes, Christus, sich unser nicht geschämt hat, dass er um unserer Seligkeit willen allerlei Schmach freiwillig auf sich genommen hat: Was sollen wir tun, dass wir die Mitbrüder, so uns vor Gott gleich sind, nicht verachten, sondern freundlich mit ihnen umgehen, wenn sie auch im Glauben und im Wandel etwas schwächer sind als wir.

4. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.

Hoffnung haben: Und nicht nur wissen, was unser Amt ist, sondern auch, und zwar besonders, dass wir den allergnädigsten Willen des himmlischen Vaters zu uns, aus der Heiligen Schrift erkennen, und daher Trost empfangen, auch in Hoffnung der Erlösung und die Erbschaft des ewigen Lebens zu erlangen, alle Widerwärtigkeit und Anfechtungen mit Geduld tragen und standhaft überwinden. Also pflegt Paulus häufig zwischen den Ermahnungen auch einen lieblichen Trost mit unterzustreuen, mit welchem er die Schärfe und Rauheit der Ermahnung etwas lindere. Diese Weise zu lehren, sollen ihm fromme Kirchendiener nachmachen. Und hat man hier auch wahrzunehmen, was der Heiligen Schrift für ein Ruhm gegeben wird, dass sie, nämlich, an Lehre und Trost einen Überfluss in sich begreift. Und soll man es gewisslich so halten, dass solche Auslegung der Heiligen Schrift, welche den bekehrten Sündern die Hoffnung der Seligkeit entzieht, keineswegs der Schrift rechter und eigentlicher Verstand sei.

5. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid untereinander nach Jesu Christo,

Des Trostes: Der seinen Kinder Geduld und Trost mitteilt: Welche Gaben den Christen hoch nötig sind.

Gesinnt seid: Und nicht von wegen der christlichen Freiheit eines unterschiedlichen Gebrauches Zank untereinander erregt. Sondern dass ihr eins seid und bleibt.

Nach Jesu Christo: Nach seiner Lehre. Denn die Einigkeit der Religion, so nicht auf die reine Lehre des Evangeliums sich gründet, ist ärger als der allergrößte Zwiespalt. Aber der gottseligen Einigkeit soll man sich immer zum höchsten befleißigen. Denn durch Uneinigkeit wird das Gebet sehr gehindert {1Petr 3}. Man muss aber hier auch das beachten, dass Paulus, nachdem er fleißig gelehrt hat, wie man mit den Schwachen umgehen soll, sein Gebet hinzutut, und bittet, dass ihnen Gott im Gebrauch der christlichen Freiheit Einigkeit verleihen wolle. Also sollen auch wir, wenn wir die rechte Lehre treu vorgetragen haben, das Gebet an die Hand nehmen, und Gott anrufen. Er wolle zu unserer Arbeit das Gedeihen geben {1Kor 3}.

6. auf dass ihr einmütig mit einem Munde lobt Gott und den Vater unsres Herrn Jesu Christi.

7. Darum nehmt euch untereinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe.

Darum: Auf dass ihr euren Gott einmütig loben und preisen könnt, wie es sich gebührt.

Auf: Und geht freundlich miteinander um, befleißigt euch auch, dass, so viel möglich ist, ja, einer des anderen Seligkeit fördere. So kommt also Paulus wieder auf die Ermahnung, dass die gläubigen Juden die bekehrten Heiden nicht verachten sollen. Darum, dass sie vor Zeiten nicht Gottes Volk gewesen sind. Noch die Heiden über die Juden sich erheben, weil Gott das jüdische Volk verstoßen hat: Sondern dass sie vielmehr einträchtig untereinander leben, und sich hüten, dass keiner den anderen betrübe oder beleidige, sondern einander alle Treue und Freundschaft beweisen, in Betrachtung, dass sie beide zu der Kirche Christi gehören.

Hat aufgenommen: Und für euch, als für seine Brüder, Sorge getragen, auf dass Gott durch euch in alle Ewigkeit gepriesen würde.

8. Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Juden um der Wahrhaftigkeit Willen Gottes, zu bestätigen die Verheißungen, den Vätern geschehen;

Nach Luther: In der Summe dieser Epistel, beide, Juden und Heiden, sollen selig werden.

Diener: (Nach Luther) Das heißt: Apostel, Prediger, Boten, zu den Juden, und nicht zu den Heiden, persönlich gesandt.

Der Beschneidung: Denn er von seinem himmlischen Vater den Juden gesandt wurde, dass er ihnen zuerst sein Evangelium von der Erlösung des menschlichen Geschlechtes verkündigte, und sich ihnen, als ein Mittler, anbiete. Darum gebührt es sich‘s keineswegs, dass ihr Heiden die bekehrten Juden verachten wolltet.

Vätern geschehen: Welche die Väter von Christo empfangen hatten, dass er in die Welt kommen sollte. Weil demnach hat Gott selbst so viel auf die Juden gehalten, dass er ihnen zuerst den Heiland gesandt hat, darum sind sie auch nicht zu verachten.

9. dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht. „Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinen Namen singen.“

Barmherzigkeit willen: Die sie von Gott bekommen haben, durch Christus, dass ihnen das ewige Leben angeboten und geschenkt wird. Darum ist es wiederum richtig, dass die Juden die Heiden auch nicht verachten sollen, weil sie auch zum Reich Gottes gehören.

Geschrieben steht: Und die Propheten längst zuvor geweissagt haben, wie es im 18. Psalm steht.

Heiden: Welche du mein himmlischer Vater mir geschenkt hast, dass sie in meinem Reich nicht die Geringsten sein werden.

Singen: Denn es hat Christus seinem himmlischen Vater gedankt, dass, weil die Juden zum größten Teil ihn für den Seligmacher nicht erkennen wollten, die Heiden in großer Anzahl zum Bekenntnis des Evangeliums sich gefunden haben. Dieses Zeugnis der Heiligen Schrift wird genügend angezeigt, wie die Kirche Christi auch aus den bekehrten Heiden besteht.

10. Und abermals spricht er. „Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!“

Und abermals: Spricht die Schrift {5Mos 32}. Mit diesem Spruch Mose wird bezeugt, wie es einmal dazu kommen werde, dass beide, Juden und Heiden, über den ihnen geschenkten Messias sich freuen werden. Es wird aber von den Heiden gesagt, dass sie sich freuen, weil die Predigt des Evangeliums von Christo die Herzen fröhlich macht.

11. Und abermals. „Lobt den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker!“

Alle Heiden: So steht es im 117. Psalm. Darum es gewisslich geschehen musste, dass die Heiden Christus erkannten, und solchen, ihren Heiland, mit Lob und Danksagung preisten. Wenn nun der Prophet alle Heiden den Herrn loben heißt, so soll sich von solcher allgemeinen Verheißung der Seligkeit niemand ausschließen.

12. Und abermals spricht Jesaja. „Es wird sein die Wurzel Jesse‘s, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.“

Wurzel Jesse {Jes 2}. Welche Wurzel zu seiner Zeit wiederum wird hervorwachsen: Wenn nämlich aus dem Stamme David, der des Isai oder Jesse Sohn gewesen ist, der Welt Heiland geboren wird, und wie ein junges Reißlein und angehender Sprössling aus der Wurzel schießen, davon der Stamm samt den Zweigen abgehauen ist.

Über die Heiden: Welche sich zu ihm, als ihrem Herzog, versammeln und Schutz und Hilfe gegen die geistlichen Feinde von ihm werden bekannt sein.

Hoffnung: Und all ihr Vertrauen auf ihn setzen, da sie um seinetwillen durch den Glauben Vergebung der Sünden und das ewige Leben erlangen mögen. Mit diesem Spruch es deutlich genug gesagt wird, dass die Heiden durch Christus sollen selig werden. Darum (will der Apostel Paulus sagen) sollt ihr Juden die Heiden nicht verachten noch scheuen, wenn sie zu Christo bekehrt sind, obgleich sie eure mosaischen und levitischem Zeremonien nicht akzeptieren wollen. Denn ihr und sie streitet unter einem Herrn und Herzog Christo. Geben diese Zeugnis der Heiligen Schrift, sollen wir nicht nur uns (die wir von den Heiden, wie unsere Voreltern gewesen, herkommen) im Glauben von unserer Seligkeit stärken, sondern auch erinnern, dass, welches Standes wir auch untereinander sind, wir dennoch freundlich und friedlich miteinander leben sollen, weil wir einen Herrn und Heiland Jesum Christus haben.

13. Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Gott aber: Von dem letzten Spruch der Schrift, welcher von der Heiden Hoffnung redet, nimmt Paulus Anlass, dass er, seinem Brauch nach, ein Gebet mit dazutut.

Der Hoffnung: Welche den Heiden vom zukünftigen Leben gewisse Hoffnung macht, und solche in unseren Herzen durch den Heiligen Geist erregt und erhält.

Im Glauben: Dass ihr durch den Glauben Friede und Ruhe in eurem Gewissen habt.

Hoffnung habt: Von dem Besitz des ewigen Lebens, welches Gott uns versprochen hat.

Heiligen Geistes: Denn Gott gibt uns diese Gaben, erhält und vermehrt sie auch durch den Heiligen Geist. Und haben wir hier bei dem Beispiel des Apostels Paulus uns zu erinnern, dass wir sie von Gott erbitten müssen.

14. Ich weiß aber gar wohl von euch, liebe Brüder, dass ihr selber voll Gütigkeit seid, erfüllt mit Erkenntnis, dass ihr euch untereinander könnt ermahnen.

Ich: Demnach Paulus die Römer oben etwas scharf erinnert hat, dass sie die Schwachen nicht ärgern sollten. So lindert er solches jetzt mit einer ganz holdseligen Rede und lobt die Römer, mit dem Anhang, dass er das, was er getan hat, seines Amtes wegen hat tun müssen.

Gütigkeit seid: Und wisst, wie ihr mit den Schwachen freundlich umgehen sollt.

Erkenntnis: Ihr seid zum größten Teil im Worte Gottes so gut unterrichtet, dass ihr die, welche gegen den Gebrauch der christlichen Freiheit oder sonst wider die christliche Liebe handeln, dessen erinnern könnt, und sie wiederum zurechtweisen. Diese Sanftmut und Freundlichkeit des Apostels Paulus sollen die Kirchendiener von ihm lernen: Und sollen die Zuhörer auch wiederum gelehrig und sittsam sein.

15. Ich habe es aber dennoch gewagt und euch etwas wollen schreiben, liebe Brüder, euch zu erinnern, um der Gnade willen, die mir von Gott gegeben ist,

Nach Luther: Das heißt: Ob ihr meines Schreibens nicht bedürft, so treibt mich doch mein Amt, dass ich von Gottes Gnaden habe, euch und jedermann zu lehren und zu ermahnen.

Zu erinnern: Dessen, was ich vorher gelernt habe, und wisst, damit ihr solches in dieser gegenwärtigen Sache wiederum zu Gemüte führt, und ins Werk richtet. Denn was wir gelehrt haben, das muss man der Kirche wiederum vorhalten und gut einbilden, damit es nicht aus dem Gedächtnis komme. Und sollen die Zuhörer, was sie gelernt, auch üben und ins Werk richten.

Gnade willen: Nämlich, von wegen meines apostolischen Predigtamtes, welches mir von Gott aus lauter Gnaden befohlen ist, habe ich solches getan.

16. dass ich soll sein ein Diener Christi unter den Heiden, priesterlich zu warten des Evangeliums Gottes, auf dass die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm, geheiligt durch den Heiligen Geist.

Das Evangelium: Denn ich bin von Gott zum heiligen Predigtamt des Evangeliums berufen worden, nicht dass ich sollte unvernünftige Tiere schlachten und opfern, wie im Alten Testament durch der Priester Hände geschah. Sondern dass ich mein Amt verrichte mit der Predigt des Evangeliums von Christo, damit nicht allein die Juden, sondern auch, und zwar vornehmlich die Heiden, solches mit Glauben annehmen und aus diesem Glauben später mit der Tötung des alten Adams, sich selbst Gott geistlicherweise vorstellen und opfern zum Gehorsam des göttlichen Willens, und also die Heiden geistliche Opfer werden, so sie Gott dem Herrn ganz angenehm sind, weil sie durch den Heiligen Geist wiedergeboren und geheiligt wurden, der den Heiden, so sie an Christus glauben, ebenso wohl als den gläubigen Juden gegeben wird. Weil ich darum euch zum Apostel verordnet bin, auf dass ihr durch meine Predigt vor Gott zum angenehmen Opfer gemacht würdet, so habe ich es für nötig geachtet, dass ich euch eures Amtes erinnerte. Hier hört man nichts von den Messpfaffen, welche den Leib und das Blut Christi für die Sünden der lebendigen und Toten von Neuem opfern sollen, sondern von einem Opfer, da die Zuhörer des Evangeliums Gott zu einem Opfer gemacht werden. Aber die Messpfaffen heutigen Tages bei unseren Widersachern, den Katholiken, sehen nicht darauf, wie ihre Zuhörer aus Glauben an Christus ihr Fleisch töten mögen, sondern versprechen ihnen den Himmel durch das oft wiederholte Messopfer. Daneben finden sich etliche unter ihnen, und besonders die Jesuiten, welche die, so sie an Christus glauben und das Evangelium rein bekennen, der weltlichen Obrigkeit sie auf schrecklichste hinrichten und überliefern.

17. Darum kann ich mich rühmen in Jesus Christo, dass ich Gott diene.

Jesu Christ: Durch desselben meines Erlösers Gnade und Guttat, darf ich mich meines apostolischen Amtes, welches mit göttlichen Sachen umgeht, die zur Ehre Gottes und zu der Seelen ewiger Wohlfahrt dienlich sind, wohl rühmen, dass mir solches nicht allein befohlen wurde, sondern auch Gott der Herr dadurch kräftig gewesen ist. Also dass eine große Menge Leute durch mein Predigtamt zu Gott bekehrt wurden. Diesen Ruhm hätte Schwenkfeld dem Apostel Paulus nicht gelassen, weil er leugnet, dass der Kirchendiener Verrichtungen dazu dienen, dass die Menschen selig werden.

Nach Luther: Das heißt, dass ich sein Priester bin.

18. Denn ich wollte nicht wagen, etwas zu reden, wo dasselbe Christus nicht durch mich wirkte, die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk,

Etwas rede: Begehre, mich auch keines Werkes zu rühmen.

Durch mich: In meinem Predigtamt. Denn man muss es Christo zumessen, wenn an irgendeinem Ort das Evangelium mit Nutzen gepredigt wurde: Und ist dennoch eben dieser Herr durch das Predigtamt der Menschen in den Auserwählten kräftig.

Bringen: Durch mein Predigtamt, aus Gottes Segen, dass die Heiden das Evangelium von Christo gehorsam annehmen. Und ist kein Gehorsam Gott so angenehm, als wenn wir seinem Wort glauben.

Und Werk: Dadurch mein Evangelium berühmt geworden ist, weil ich solches nicht nur mit großem Eifer gepredigt, sondern auch mit herrlichen Wunderwerken bestätigt habe. Darum sind die Wunderwerke der Propheten Christi und Apostel eine Bestätigung der Lehre des Evangeliums, dass zu jetziger Zeit keine neuen mehr nötig sind.

19. durch Kraft der Zeichen und Wunder und durch Kraft des Geistes Gottes, also dass ich von Jerusalem an und umher bis Illyrien alles mit dem Evangelium Christi erfüllt habe

Erfüllt habe: Oder wie man sagen möchte: Ich habe vom Jordan an bis an die Donau, was zwischen diesen beiden Wassern liegt, die Lehre des Evangeliums mit großem Nutzen und Fortgang hin und wieder ausgebreitet. Mit diesen Gründen hat Paulus das Ansehen seines Predigtamtes bei den Römern am Ende dieser Epistel bekräftigen wollen, auf dass sie seine ganze Lehre desto besser behielten. Wie, nämlich, Gott mit der Tat bei seinem Predigtamt gewesen ist, und solches mit gewaltigen Wunderwerken bestätigt hat. Es schreibt aber dies Paulus damals, als einer jedermann bekannten Sache, die niemand leugnen konnte. Und wir lernen hier, dass der Lauf des Evangeliums, so es von Gott beschlossen wurde, durch keine List oder Gewalt des Satans könnte gehindert und aufgehalten werden. Es leuchtet auch Gottes wunderbare Weisheit und Güte in diesem besonders hervor, dass er den Völkern, die vor Zeiten ganz wild und unbändig, zum Teil auch mit großen Lastern behaftet waren, die heilsame Predigt des Evangeliums gegönnt hat. Wie hingegen der gerechte Ernst Gottes daher wiederum gespürt wird, dass er eben diesen Völkern, nachdem sie sich gegen das Evangelium nicht so sehr dankbar erzeigt haben, die Erkenntnis Christi wiederum entzogen, und sie mit den schrecklichen Irrtümern und Lästerung des Mohammeds gestraft hat, dass jetzt der Koran dort gelehrt wird, wo Paulus zuvor das Evangelium gepredigt hatte. Welches und zur wahren Gottseligkeit und Dankbarkeit aufmuntern soll, damit uns nicht dergleichen auch begegne.

20. und mich besonders bemüht, das Evangelium zu predigen, wo Christi Name nicht bekannt war, auf dass ich nicht auf einen fremden Grund baute,

Nicht bekannt: An den Orten, dahin die Lehre des Evangeliums von Christus zuvor nie gekommen und ausgebreitet war.

Nach Luther: Weil ihr zuvor gelehrt seid, bin ich desto weniger zu euch geeilt, da Orte waren, wo von Christus noch nicht gepredigt war.

Fremden Grund: Das ist die Ursache, um welcher willen ich viel lieber wollte an den Orten von Christo predigen, da man noch gar nichts von ihm gehört hatte, und der Grund der Lehre von dem Messias aufs Neue musste gelegt werden, damit man nicht meine, ich würde vor der Mühe fliehen, und zöge nur herum, die Lehre der christlichen Religion, so von anderen gut und glücklich zu pflanzen angefangen wurde, ferner zu erhalten.

21. sondern wie geschrieben steht. „Welchen ist nicht von ihm verkündigt, die sollen es sehen, und welche nicht gehört haben, sollen es verstehen.“

Geschrieben steht: In der Weissagung des Propheten Jesaja Kapitel 52.

Sollen es sehen: Und Christus erkennen, nämlich, die Heiden.

Verstehen: Und werden die Lehre des Evangeliums mit Glauben annehmen. Diesen allgemeinen Spruch von der Heiden Beruf deutet der Apostel Paulus richtig auf sein Vorhaben. Weil damals solche Weissagung am allermeisten erfüllt wurde, da Paulus an den Orten des Evangeliums von Christo unter den Heiden predigte, wo man nie ein Wort von ihm gehört hatte. Es erfordert aber viel Mühe und einen großen Fleiß, der vom Heiligen Geist kommen muss, wenn man die reine Lehre des Evangeliums an den Orten pflanzen will, da bisher nichts als Abgötterei im Schwange ging. Welche Arbeit die Leute, so sie dazu taugen, nicht fliehen sollen. Aber doch wissen, dass sie des Heiligen Geistes besondere Hilfe dazu nötig haben, welche sie mit ihrem gottseligen und eifrigen Gebet erhalten werden. Und soll die Kirche für solche schwere Arbeit sich zu den Kirchendienern dankbar verhalten.

22. Das ist auch die Ursache, warum ich viele mal verhindert worden bin, zu euch zu kommen.

Das: Nach dem Paulus das Ansehen seines Evangeliums bestätigt, erklärt und wiederum, zum Ende seiner Epistel, wie er es am Anfang auch getan hat, seine Gutmütigkeit gegen die Römer, und macht sich nach und nach den Weg dazu, dass er für die bedürftigen Christen in Judäa ein Almosen begehre, wie wir hören werden.

Verhindert bin: Weil ich das Evangelium zu predigen unter vielen Heiden, denen Christus vor der Zeit ganz unbekannt gewesen ist, mich bemühte.

Zu kommen: Weil ich sonst wohl gewünscht, und gerne gewollt hätte.

23. Nun ich aber nicht mehr Raum habe in diesen Ländern, habe aber Verlangen, zu euch zu kommen, von vielen Jahren her,

Ländern: In denen ich verrichtet habe, was sich sollte und konnte, und mich jetzt, nach Anweisung meines apostolischen Berufes, der mich an einem Ort nicht lange bleiben lässt, woanders hinbegeben muss.

Jahren her: In denen ich euch gern gesehen hätte, aber bisher es mir nicht gegeben war.

24. so will ich zu euch kommen, wenn ich reisen werde nach Spanien. Denn ich hoffe, dass ich da durchreisen und euch sehen werde und von euch dorthin geleitet werden möge, so doch, dass ich zuvor mich ein wenig an euch ergötze.

Geleitet werden: In Spanien. Aus einer besonderen Freundschaft und christlicher Fürsorge für mich.

Ergötze: Welches geschehen wird, wenn ich mich eine Zeit lang bei euch aufhalte. Denn sonst meine Liebe gegen euch niemals völlig genug geschehen kann, wenngleich ich etliche Jahre bei euch wäre. Dies redet Paulus nicht zum Schein und aus falschem Herzen, sondern lehrt uns mit seinem Beispiel, wie herzlich lieb die Kirchendiener ihre ihnen anbefohlene Kirche und Gemeinde haben sollen. Es tragen aber die eine geringe Liebe zu ihrer Kirche, welche ihre Zuhörer überdrüssig geworden ist, und um einer liederlichen Ursache willen andere Kirchen begehren vorgesetzt zu werden, der ihren aber sich wenig achten, weil, wenn sie eine bessere Gelegenheit ersehen, sich von Stand an dahin verfügen und nicht danach fragen, was sie ihren Schäflein für einen Hirten zum Nachkommen hinterlassen. Es sollen sich aber auch die Zuhörer so erzeigen, dass der Hirte und Seelsorger gerne bei seinen frommen Schäflein, die ihm willig folgen, bleibe und mit ihnen umgehe.

25. Nun aber fahre ich hin gen Jerusalem den Heiligen zu Dienst.

Nun aber: Jetzt geht Paulus zu seiner Bitte, um eine Steuer und Almosen für die bedürftigen Christen im jüdischen Lande zu sammeln.

Zu Dienst: Das heißt: Dass ich den Frommen und Gläubigen an Christus, so sie an diesen Orten leben und mit Armut bedrückt sind, ein Almosen bringe und ihnen so diene. Denn es wurde den Juden, die sich zu Christus bekehrt hatten, oft ihre Güter genommen {Hebr 10}. Und ging, ohne dass eine große Teuerung, fast durch die ganze Welt, besonders aber wurde das jüdische Land heftig damit geplagt. Wie denn von dieser teuren Zeit Agabus zuvor geweissagt hatte {Apg 2}.

26. Denn die aus Mazedonien und Achaja haben willig eine gemeinsame Steuer zusammengelegt den armen Heiligen zu Jerusalem.

Und Achaja: Nämlich die Christen in diesen beiden Landschaften Griechenlands.

27. Sie haben‘s willig getan, und sind auch ihre Schuldner. Denn so die Heiden sind ihrer geistlichen Güter teilhaftig geworden, ist‘s billig, dass sie ihnen auch in leiblichen Gütern Dienst beweisen.

Willig: Denn man soll mit willigem Herzen Almosen geben.

Nach Luther: Merke die apostolische Art, wie höflich und säuberlich sucht Paulus diese Steuer bei den Römern.

Ihre: Nämlich der Juden, so sie zu Christo bekehrt wurden.

Teilhaftig geworden: Das heißt: Weil Christus, der Heiden Heiland, nach seiner menschlichen Natur, von den Juden gekommen ist, und die Apostel, ihre Geburt wegen, auch Juden gewesen, dazu das Evangelium aus dem jüdischen Lande unter die Heiden fortgepflanzt und ausgebreitet wurde. Dass also die Heiden von den Juden himmlische und geistliche Guttaten empfangen haben. So ist es richtig, und gebührt sich immer, dass die Heiden, in solcher der bekehrten Juden Dürftigkeit, wiederum mit ihren zeitlichen und leiblichen Gütern, der Juden Mangel helfen, und ihnen dienen. Indem aber Paulus die Kirchen in Mazedonien und Achaja rühmt, dass sie als Mildtätigkeit Almosen gegeben haben, und sagt, sie haben solches aus schuldiger Gebühr getan, weil er zugleich die Römer ihres Amtes auch erinnern will, dass sie den bedürftigen Juden mit einem Almosen Hilfe leisten sollen. Solche Bescheidenheit sollen die Kirchendiener bei ihren Zuhörern auch gebrauchen. Und sollen hin und wieder die Zuhörer durch andere Leute gute Beispiele zu gleichen guten Werken aufmuntern, dass sie begehren, es auch zu tun, damit sich‘s keines ungestümen Bittens bedarf.

28. Wenn ich nun solches ausgerichtet und ihnen diese Frucht versiegelt habe, will ich durch euch nach Spanien ziehen.

Ausgerichtet: Dass ich die Almosen, so ich in Griechenland gesammelt habe, nach Jerusalem gebracht habe.

Versiegelt habe: Das heißt: Wenn ich solche Sachen verrichtet habe, dass ich gewiss weiß, die Frucht des Glaubens, nämlich, die Almosen, so von den Griechen gegeben wurden, sind unter die bekehrten Juden recht ausgeteilt worden. Mit diesen Worten lehrt Paulus, dass man die Almosen fleißig und treu, mit großer Sorgfalt austeilen soll.

Nach Luther: Das heißt: Treu und wohl verwahrt, überantwortet.

29. Ich weiß aber, wenn ich zu euch komme, dass ich mit vollem Segen des Evangeliums Christi kommen werde.

Vollem Segen: Denn obwohl ich euch keine weltlichen Schätze bringen werde, so weiß ich doch, dass ich die himmlischen Schätze und geistlichen Güter mitbringen werde, welche durch die Predigt des Evangeliums ausgebreitet werden: Solche wird Gott, der Herr, durch meine Ankunft reichlich und überflüssig geben, dass ihr im Glauben und in der Hoffnung gestärkt werdet, und viel Früchte der Liebe bringt. Denn Gott teilt seine geistlichen Gaben reichlich aus, wenn man mit frommen Kirchendienern umgeht. Darum tun unverständige Leute sich selbst übel, welche die treuen Kirchendiener verachten.

30. Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch unseren Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes, dass ihr helft kämpfen, mit Beten für mich zu Gott,

Jesum Christi: Um welches Willen ihr tun wollt, um was ich euch bitte.

Liebe: Welche der Heilige Geist in den Herzen der Gläubigen wirkt. In Betrachtung solcher Liebe, die ihr immer schuldig seid, werdet ihr mir nicht versagen, worum ich euch bitte.

Mit beten: Denn ich bedarf eures und meines Gebetes zu Gott sehr wohl, dass ich den göttlichen Schutz dadurch erhalte und zuwege bringe. Hier werden wir erinnert, dass der Christen bester Harnisch, Schutz und Waffe das Gebet ist, damit wir auch denen, die fern von uns sind, nützlich und förderlich sein können. Und soll der Größere sich nicht schämen, des Geringeren Fürbitte zu begehren.

31. auf dass ich errettet werde von den Ungläubigen in Judäa, und dass mein Dienst, den ich für Jerusalem tue, angenehm werde den Heiligen,

In Judäa: Denn die ungläubigen Juden, so sie zu Christo sich nicht bekehren wollten, waren des Apostels ärgste Feinde.

Heiligen: Nämlich, den bekehrten Juden, die durch den Glauben an Christus geheiligt wurden. Wenn sie ein reiches Almosen empfangen, das ich ihnen bringen werde, dass sie dann mit solchen meinen Fleiß und meine Treue, die ich in der Sammlung derselben Almosen angewandt habe, zu Dank annehmen. Welche darum mit den Almosen umgehen, die sollen sich so verhalten, damit die, so sie diese empfangen, sich nicht beklagen können. Dagegen sollen die, so sie die Almosen empfangen, nicht mit Murren und böse Nachreden die Werke der Liebe, so man sie ihnen erzeigt hat, belohnen.

32. auf dass ich mit Freuden zu euch komme durch den Willen Gottes und mich mit euch erquicke.

Komme: Wenn ich mein Amt mit den Almosen verrichtet habe.

Willen Gottes: Wenn es Gott gefallen wird. Denn wir sollen all unsere Vorhaben dem Willen Gottes anheimstellen.

Erquicke: Denn es kann einem frommen Menschen keine größere Erquickung geschehen, als wenn er mit frommen Leuten umgeht, durch welche Glauben, Hoffnung und Liebe gestärkt und erquickt werden. Es hat aber Paulus von Gott, dem Herrn, solches erlangt, dass er nach Rom gekommen ist, doch als ein Gefangener. Denn Gott verwehrt manchmal unsere Bitte, doch mit dem Anhang, dass er ein Stück vom Kreuz dabei geschehen lässt.

33. Der Gott aber des Friedens sei mit euch allen! Amen.

Des Friedens: Von dem alle glückliche Ruhe und Wohlfahrt kommt.

Euch allen: Er stehe euch mit seiner Gnade bei und gebe euch den rechten Frieden des Gewissens.

Amen: Das heißt: Es geschehe also. Ja es wird gewiss geschehen. Denn der frommen Christen gottseligen Gebete und Wünsche sind bei den Gläubigen kräftig {Mt 10}.


Das 16. Kapitel


Paulus sendet etlichen Christen, die zu Rom waren, seinen Gruß. Danach erinnert er, dass man falsche Lehre meiden, auch Ärgernisse und Zwietracht verhüten soll. Zum Schluss beschließt er die ganze Epistel mit einem christlichen Wunsch.

1. Ich befehle euch aber unsre Schwester Phöbe, welche ist im Dienste der Gemeinde zu Kenchreä,

Schwester: In Christo: Dessen Schwestern und Brüder alle Gläubige sind. Es ist aber die Phöbe eine gottselige Frau gewesen, welche den Römern diesen Brief oder Epistel des Apostels Paulus gebracht und verantwortet hat. Darum verleiht er ihr ein großes Lob, damit sie desto freundlicher mit ihrem Schreiben empfangen und aufgenommen werde.

Zu Kenchrea: Es ist aber Kenchrea eine Stadt gewesen, am Ufer des korinthischen engen Meeres gelegen {Apg 18}. Dort war auch zu dieser Zeit eine christliche Kirche, und eine heilige Versammlung frommer Leute, diese hatten die Phöbe zur Dienerin bei sich, nicht so, dass sie öffentlich in der Kirche gelehrt hätte. Denn das Weib soll in der Gemeinde schweigen {1Tim 2}, sondern dass sie die kranken Christen pflegte, und mit anderen gottseligen Verrichtungen der Kirche auf den Dienst verrichtete. Solche Witwen wurden von der Kirche bezahlt {1Tim 5}. Der Nonnen Orden aber im Papsttum ist eine närrische Einsetzung, denn sie dienen der Kirche nicht, weil sie niemals aus dem Kloster gehen dürfen, sondern entziehen sich aus einem Gottlosen Wahn der Leute Gemeinschaft, und verstecken sich in die Klöster, auf dass sie mit ihrer Lebensart Vergebung der Sünden und das ewige Leben verdienen. Jedoch ist dieses Vorhaben dem Verdienst Christi zur Schmach gereicht.

2. dass ihr sie aufnehmt in dem Herrn, wie sich‘s ziemt den Heiligen, und tut ihr Beistand in allem Geschäfte, darin sie euer bedarf; denn sie hat auch vielen Beistand getan, auch mir selbst.

Heiligen: Wie man mit frommen Leuten umgehen soll, die man freundlich empfängt und aufnimmt.

Beistand: Seid ihr mit Rat und Tat behilflich. Denn was man einem fromme Menschen Gutes tut, das tut man Christus selber.

Getan: Und ihnen Gutes erzeigt. Darum soll man das weibliche Geschlecht keineswegs verachten, weil man viele ehrliche, gottselige und nützliche Verrichtungen von ihnen erwarten kann.

3. Grüßt die Priscilla und den Aquila, meine Gehilfen in Christo Jesu,

Grüßt: Nachdem Paulus die Lehre von dem vornehmsten Artikel der christlichen Religion, also vom Glauben, von der Hoffnung und Liebe, zu Ende gebracht hat, beschließt er jetzt die Epistel mit Grüßen, wie es der Brauch ist.

Aquilam: Welcher bei den Personen in der Apostelgeschichte 18 und 1. Korinther 16 genannt werden. Da des Aquila Eheweib Priscilla genannt wird. Und sind sehr fromme Eheleute gewesen.

Gehilfen: Es haben diese heiligen Eheleute das Evangelium mit höchstem Fleiß befördern helfen.

4. welche haben für mein Leben ihren Hals hingehalten, welchen nicht allein ich danke, sondern alle Gemeinden unter den Heiden.

Hingehalten: Sie haben ihr Leib und Leben darüber in Gefahr gesetzt und gewagt, dass ich möchte erhalten werden. Was aber dies für eine Sache gewesen ist, meldet die Schrift nirgends. Es wäre denn, dass der Apostel von der Reise redet, da sie mit Paulus, als er von den Juden verfolgt wurde, aus Achaja in Sibirien geschifft waren {Apg 18}.

Den Heiden: Die aus den Heiden zur christlichen Kirche versammelt sind: Dieselben haben es den zuvor genannten frommen Eheleuten zu danken, dass ich durch ihre Hilfe und ihren Beistand in der Gefahr erhalten wurde, damit ich der Kirche Christi länger dienen könne. Also geschieht es, dass ein Mensch häufig des anderen Gottes ist, wie man im Sprichwort sagt, das heißt, Gott erhält einen Menschen durch den anderen. Es ist aber richtig und nützlich, dass man derer, die sich vor anderen um die Kirche wohl verdient machen, Taten und Tugenden rühme. Denn also werden auch andere dazu bewegt Gutes zu tun, und aufgemuntert.

5. Auch grüßt die Gemeinde in ihrem Hause. Grüßt Epänetus, meinen Lieben, welcher ist der Erstling unter denen aus Achaja in Christo.

Ihrem Hause: Wo irgendeine gottselige Haushaltung oder Hauskirche ist. Hat darum ein jeder frommer Hausvater, der seine Kinder und sein Personal in der Gottseligkeit aufzieht, eine Kirche Gottes in seinem Hause, dabei finden sich Gott Vater, Sohn, und Heiliger Geist, samt den heiligen Engeln. Welches ein großer Trost ist und uns eine Reizung sein soll, dass wir desto mehr darauf achten, ein heiliges Leben zu führen.

Erstlinge: Er ist der Erste gewesen unter denen, die in Achaja das Evangelium Christi angenommen haben. Diese nennt Paulus einen Erstling. Denn vor Zeiten wurden im Alten Testament die Erstlinge von den Früchten dem Herrn geopfert. Darum der Apostel so viel zu verstehen geben will, dass der, welcher an einem anderen der Erste ist, so er das Evangelium Christi annimmt, sei wie ein angenehmes Opfer, dass Gott dem Herrn aufgeopfert werde. Doch sollen solche dahin sehen, dass sie standhaft verharren, damit nicht die Ersten die Letzten sein werden.

6. Grüßt Maria, welche viel Mühe und Arbeit mit uns gehabt hat.

Viel Mühe: Sie hat großen Fleiß angewendet, dass sie mir, als einem Apostel Christi, Hilfe und Beistand leistete. Denn man soll keinem sein Lob entziehen. Und wer einen Propheten aufnimmt, in eines Propheten Namen, das heißt: Darum, weil er ein Prophet ist, der wird eines Propheten Lohn empfangen {Mt 10}. Es ist aber diese Maria nicht die Mutter unseres Herrn Jesu Christi gewesen. Denn man liest nirgends davon, dass sie nach Rom gekommen wäre, sondern es war eine andere gottselige Frau, welche zuvor entweder zu Jerusalem oder Antiochia oder sonst an einem Ort gewohnt hat, und dem Apostel Paulus dort Gutes erzeigt hat. So spürt man bei diesen Grüßen auch so viel, dass viele Christen, die zuvor im griechischen oder jüdischen Land gewohnt haben, nach Rom gezogen sind, ohne Zweifel, weil sie den Verfolgungen ausweichen mussten, und sonst nirgends unterkommen konnten. Darum sollen wir, ihrem Beispiel nach, die Verfolgungen mit Geduld überstehen. Denn wir werden endlich das ewige himmlische Vaterland erreichen.

7. Grüßt den Andronikus und den Junias, meine Gefreundeten und meine Mitgefangenen, welche sind berühmte Apostel und vor mir gewesen in Christo.

Mitgefangene: Wo sich solches zugetragen hat, meldet die Schrift nirgends.

Berühmte Apostel: Es wurden aber damals Apostel genannt, nicht nur die zwölf Jünger Christi und Paulus, sondern auch andere vortrefflicher Männer, welche von den anderen Aposteln ausgesandt wurden, das Evangelium Christi zu pflanzen.

Vor mir: Sie haben vor mir an Christus geglaubt, als ich. Hier sieht man des Apostels Paulus große Demut, der diese gerne und willig vorzieht, welche bereits länger bei der christlichen Religion waren.

8. Grüßt Amplias, meinen Lieben in dem Herrn.

In dem Herrn: Oder um des Herrn Christi willen, den er mit mir aus reinem Herzen ehrt.

9. Grüßt Urban, unsren Gehilfen in Christo, und Stachys, meinen Lieben.

Gehilfen: Der mit mir das Evangelium, so viel möglich, fortpflanzen hilft.

10. Grüßt Apelles, den Bewährten in Christo. Grüßt, die da sind von des Aristobulus Personal.

Bewährten: Der seines rechtschaffenen Glaubens an Christus und ungefärbter Liebe gegen dem Nächsten herrliche Zeichen von sich gegeben hat. Denn ein guter Baum wird an den Früchten erkannt.

11. Grüßt Herodian, meinen Gefreundeten. Grüßt, die da sind von des Narzissus Personal in dem Herrn.

Gefreundeten: Denn es wohnten damals viel Juden in Italien, so sie aus Syrien und anderen Landschaften gebürtig waren. Und lehrten uns die christliche Frömmigkeit, dass wir die Verwandten, Freunde und Schwäger nicht verachten sollen, wie die Heuchler zu tun pflegen.

Narcissus Personal: Hat eben den Verstand, wie zuvor auch, dass der ungläubige Hausvater ein gläubiges Personal gehabt hat.

In dem Herrn: Dass sie rechtschaffene Glieder der Kirche unseres Herrn und Gottes sind.

12. Grüßt die Tryphäna und die Tryphosa, welche in dem Herrn gearbeitet haben. Grüßt die Persis, meine Liebe, welch in dem Herrn viel gearbeitet hat.

Gearbeitet: Dass sie der Kirche Gottes mit gottseligen Verrichtungen sehr wohl gedient haben, wie oben von der Phöbe auch gemeldet wurde.

Gearbeitet hat: Dass sie mit ehrlichen Geschäften der Kirche behilflich gewesen ist, und die Fortpflanzung des Evangeliums mit höchstem Fleiß befördert hat.

13. Grüßt Rufus, den Auserwählten in dem Herrn, und seine und meine Mutter.

Auserwählten: Der vortrefflich, willig und bereit ist, den rechten Gottesdienst zu treiben und fortzupflanzen.

Meine Mutter: Die ich wegen ihrer Frömmigkeit nicht anders in Ehren halte, als wenn sie meine leibliche Mutter wäre. Hier spürt man, wie das Evangelium keine unfreundlichen sperrigen Menschen und Holzstücke macht, wie es zum Beispiel Heuchler sind, sondern ganz holdselige und liebreiche Leute.

14. Grüßt Asynkritus, Phlegon, Hermas, Patrobas, Hermes und die Brüder bei ihnen.

15. Grüßt Philologus und die Julia, Nereus und seine Schwester und Olympas und alle Heiligen bei ihnen.

Heiligen: Oder Gläubigen an Christus. So viel Grüße erinnern uns, dass wir die christlichen Mitbrüder gerne und von Herzen grüßen sollen. Denn wenn solche gutherzigen Grüße der Frommen nicht kräftig wären, so hätte sie Christus nicht befohlen {Mt 10}.

16. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch die Gemeinden Christi.

Kuss: Denn es war bei den Römern Gebrauch, dass sie einander mit dem Kuss empfingen, wie wir einander die Hände schütteln. Solchen Kuss will Paulus haben, der nicht heuchlerisch noch betrüblich und keusch, sondern der da heilig ist, das heißt, aus rechtschaffener christlicher Liebe fließt. Und will Paulus an diesem Ort die Christen der Freundlichkeit, Aufrichtigkeit, Keuschheit und Höflichkeit erinnern.

Gemeinde Christi: Welche für euch sorgen und bitten. Denn es soll eine Kirche für die andere sorgfältig sein, weil alle Kirchen Christi einen geistlichen Leib in Christo machen.

17. Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, dass ihr achtet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weicht von ihnen.

Ich: Jetzt folgt eine bemerkenswerte Erinnerung, wie man sich vor falscher Lehre hüten soll.

Anrichten: Dass sie von der gottseligen und heilsamen Lehre des Evangeliums, welche ihr angenommen habt und in dieser Epistel geschrieben ist, abweichen, und in der Kirche durch Verkehrung und Verfälschung der reinen Lehre, Spaltungen mit den Gläubigen sowohl als Ungläubigen, großes Ärgernis erregen. Denn wo die reine Lehre von Christus gepredigt wird, da stellt ihr der Satan nach, dass er sie mit dem Sauerteig der Irrtümer vergiftet. Aber man muss die Regel vom Paulus, welche er hier setzt, beachten, dass, nämlich die Lehre, welche neben der Ersten in der Kirche entsteht, zu meiden sei. Wie auch Tertullianus recht sagt: Das sei recht, welches das Erste ist, und das sei unrecht oder falsch, was später kommt. Wie zum Beispiel, das war das Erste, welches Gott vor Zeiten von seinem rechten Gottesdienst, durch Mose und durch die anderen Propheten, geoffenbart hatte. Das Nachfolgende war, was die Baals Pfaffen guter Meinung anrichteten. Das Erste war, was Christus und die Apostel von dem allein gerecht und selig machenden Glauben lehrten: Das Nachfolgende war, was die falschen Apostel und römischen Päpste von den Verdiensten der Werke vorbrachten. Das Erste war, welches zu unserer Zeit Dr. Martin Luther durch Gottes Gnade aus den prophetischen und apostolischen Schriften von allen Artikeln des Glaubens und von den Sakramenten gelehrt hat: Das Nachkommende war, was die Wiedertäufer, Zwinglianer, Schwenkfelder und andere schwärmerische Menschen in der Kirche einzuführen sich unterstanden. Darum lasst uns das Erste behalten, welches richtig und wahr ist, und das Nachfolgende verwerfen, was falsch und unrecht ist.

Denselben: Falschen Lehrern, die solche Spaltungen durch Verfälschung der Lehre erregen. Denn obwohl aus der gleichen Absonderung Ärgernis bisweilen auch Gefährlichkeiten entstehen, so muss man jedoch dem Gebot des Heiligen Geistes gehorsam sein, welcher befiehlt, dass wir uns von ihnen absondern sollen. Und tun etliche Obrigkeiten übel, welche wissentlich und mit Willen in ihren Herrschaften neben den reinen Kirchendienern auch Wölfe im Schafstall Christi dulden, da sie doch diese austreiben könnten.

18. Denn solche dienen nicht dem Herrn Jesus Christus, sondern ihrem Bauche; und durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie unschuldige Herzen.

Ihrem Bauch: Sie suchen nicht Gottes Ehre und der Seelen Wohlfahrt (denn das heißt, Christo im Predigtamt treu dienen), sondern begehren nur, ihren eigenen Nutzen zu befördern. Es wird aber hier auf die falschen Apostel gestochen, welche bestritten, dass die Haltung des Gesetzes zur Seligkeit nötig wäre, auf dass sie von den ungläubigen Juden nicht verfolgt würden. Denn die Gottlosen Juden waren den falschen Aposteln viel mehr zugetan, als den rechten Aposteln Christi, welche lehrten, dass wir allein durch den Glauben ohne Werke des Gesetzes vor Gott gerecht werden. Also dienen die Messpfaffen im Papsttum nicht Christo, sondern dem Jahrmarkt der Messe ihrem Bauch. Also streuen die Ketzer, Zwinglianer und Ihresgleichen, solche Lehren aus, und dringen darauf, was der menschlichen Vernunft angenehm, und scheinbar vernünftig zu sein scheint, auf dass sie vieler Leute Gunst bekommen.

Unschuldige Herzen: Oder einfältige Menschen. Denn die falschen Lehrer wissen sich bei den einfältigen Leuten mit glatten Worten wunderbarweise einzuschleichen, indem sie sich stellen, als wären sie ganz demütig, leutselig, und fromm, und hätten einen großen Eifer, Gottes Ehre zu befördern. Solches sind heutigen Tages die Wiedertäufer, Schwenkfelder, Calvinisten, und ihresgleichen. Weil aber viel einfältige und unschuldige Leute verführt werden, so sollen wir mit Fleiß daran halten, dass solche Verführer wiederum auf den rechten Weg gebracht werden.

19. Denn euer Gehorsam ist bei jedermann kundgeworden. Der halben freue ich mich über euch; ich will aber, dass ihr weise seid zum Guten, aber einfältig zum Bösen.

Gehorsam: Da ihr euch der evangelischen Predigt unterworfen und das reine Evangelium Christi mit Willen angenommen habt.

Aufkommen: Darum seht zu, gebt mit Fleiß und achtet darauf, dass ihr solches Lob, welches ihr von wegen der rechten Lehre bekommen habt, behaltet, und nicht wiederum verscherzt.

Über euch: Das ist meine größte Freude, und ich wünsche euch von Herzen Glück über eure Beständigkeit, ermahne euch auch, dass ihr darin beharrt. Denn gleichwie an einer Frau die Keuschheit nicht darum gerühmt wird, dass sie eine Zeit lang keusch gewesen ist, sondern wenn sie immer keusch bleibt: Also ist es auch mit der christlichen Kirche, welche die Gemeinde Christi ist, nicht löblich, dass sie einmal rein gewesen ist (wie die römische Kirche vor vielen Hunderten Jahren war), sondern wenn sie in der Reinlichkeit der himmlischen Lehre beständig beharrt. Diese Erinnerung haben etliche Kirchen in Deutschland sehr nötig, weil sie sich zur zwinglischen Lehre neigen.

Zum Böses: Das heißt: Ich will, dass ihr die reine Lehre zu erkennen, zu lernen, zu behalten und zu zieren verständlich und klug seid. Aber die falsche Lehre vorwitzigerweise zu erkundigen, und die Laster zu lernen, begehre ich, dass ihr einfältig und ungelehrig seid. Denn welche nach dem Lob eines schnellen Verstandes und großer Kunst danach streben, dass sie allerlei Lehren vorwitzigerweise als aus einer Gottseligkeit zu erkundigen begehren, die geraten in schwere Irrtümer. So ist es viel besser, dass man die Untugenden nicht lernt, als dass man sie später mit großer Mühe wieder ausrotte.

20. Aber der Gott des Friedens zertrete den Satan unter eure Füße in Kürze. Die Gnade unsres Herrn Jesu Christi sei mit euch!

Friedens: Nämlich, der Herr Jesus Christus, von dem alle Einigkeit, und Wohlfahrt kommt.

Zertrete: Denn gleichwie Christus nach der ersten Verheißung {1Mos 3} der Schlange den Kopf zertreten hat. Also gebe er, dass mit seiner Kraft, die euch durch den Heiligen Geist mitgeteilt wurde, ihr den Satan auch mit Füßen tretet, welcher durch die falschen Apostel verkehrte Lehre euch zu verführen sich untersteht, und mache euch Christus in diesen und anderen Anfechtungen zu Überwindern des Satans. Denn damit treten wir den Satan mit Füßen, wenn wir seine Tücken und Bosheit, wir er uns mit List nachstellt, merken und glücklich überwinden.

Gnade: Dadurch ihr des Himmelreichs Erben geworden seid, ohne euer Verdienst.

Mit euch: Und bleibe bei euch, dass ihr in solcher Gnade Gottes bis an das Ende des Lebens beharrt und erhalten werdet. Denn aus Gnade sind wir selig geworden, und das ist unser höchstes Gut in dieser und jener Welt, darum sollen wir dieses zu behalten mit höchstem Fleiß uns bemühen.

21. Es grüßen euch Timotheus, mein Gehilfe, und Luzius und Jason und Sosipater, meine Gefreundeten.

Es: Kurz zuvor hatte Paulus angezeigt, welche er wollte, dass man sie in seinem Namen und von seinetwegen grüßen sollte: Jetzt nennt er die, welche die christliche Gemeinde zu Rom freundlich grüßen lassen.

Gehilfe: In der Fortpflanzung des Reiches Christi. Diesem treuen Diener Christi hat Paulus auch sonst Briefe geschrieben, welche noch heutigen Tages vorhanden sind.

22. Ich, Tertius, grüße euch, der ich diesen Brief geschrieben habe, in dem Herrn.

In dem Herrn: Das heißt, zur Ehre Gottes, denn Paulus hatte einem, der Tertius hieß, diese Epistel vorgesagt, der sie ihm aus seinem Munde geschrieben, und hat sie Paulus danach mit seiner Hand unterzeichnet.

23. Es grüßt euch Gajus, mein und der ganzen Gemeinde Wirt. Es grüßt euch Erastus, der Stadt Rentmeister, und Quartus, der Bruder.

Wirt: Der nicht allein mich zur Herberge freundlich aufgenommen hat, sondern auch alle frommen Christen, so sie zu ihm kommen, aufzunehmen pflegte. Und ist zwar die Gastfreiheit eine herrliche schöne Tugend, aber heutigen Tages ganz seltsam unter den Leuten. Da man doch alles ohne Bedauern mit viel Kosten für übermäßige Feste und Feiern verwendet.

Rentmeister: Ob dieser Quartus wie auch zuvor gesagt vom Cajus, Jason und Sofipater, die gleichen sind, deren in der Apostelgeschichte 17/19/20 und 2. Timotheus 4 gedacht wird, wissen wir nicht; es ist auch nicht wichtig. Ich halte es aber doch dafür, dass es eben die Gleichen sind. Und sehen wir hierbei, dass Gott auch vornehme Leute und die in hohen Ämtern sitzen, zur Erkenntnis seines Evangeliums berufe.

24. Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen! Amen.

Die Gnade: Dies ist kurz zuvor auch erklärt worden. Und gibt diese Wiederholung des Apostels Paulus seine große Liebe gegen die Römer zu erkennen. Gleichwie die, so sehr gute Freunde sind, wenn sie wollen voneinander scheiden, nicht nur einmal, sondern etliche Male mit einerlei wiederholten Worten und Glückwünschen einander segneten. Obwohl heutigen Tages die christliche Liebe bei vielen sehr erkaltet ist.

25. Dem aber, der euch stärken kann, laut meines Evangeliums und der Predigt von Jesu Christo, durch welche das Geheimnis offenbart ist, das von der Welt her verschwiegen gewesen ist,

26. nun aber offenbart, auch kundgemacht durch der Propheten Schriften nach Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens, aufzurichten unter allen Heiden.

27. demselben Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesum Christus in Ewigkeit! Amen.