Das Evangelium des Markus


Dieser Markus ist der stetige und treue Gefährte des Apostels Petrus gewesen, was aus seinen eigenen Worten zu entnehmen ist, wenn er sagt: Es grüßen euch, die samt euch auserwählt sind zu Babylonien und mein Sohn Markus {1Petr 5}. Er nennt aber Markus seinen Sohn, so, wie auch Paulus den Timotheus seinen Sohn nennt, weil er ihn in der Heiligen Schrift auf das Fleißigste unterrichtet hatte. Es hat auch in der christlichen Kirche bisher niemand daran gezweifelt, dass dieses Evangelium des Markus das Evangelium des Apostels Petrus sei. Denn, was Markus von Petrus gehört hat, das hat er in Schriften treu aufgezeichnet. Darum, wenn wir das Evangelium von Markus lesen, so sollen wir wissen, dass wir den Apostel Petrus selbst die Geschichte von Christus erzählen hören, der dabei gewesen ist und alles mit eigenen Augen gesehen hat. Markus aber hat sich kurz gefasst und in summarischerweise zusammengefasst, was die anderen Evangelisten weitläufig ausgeführt haben. Die Schreiber der Kirchen melden, dieser Markus habe das Evangelium Christi in Alexandrien in Ägypten zuerst gepredigt und dort Christus eine herrliche Kirche gepflanzt. Darum sollen wir dieses Evangelium auch mit höchstem Fleiß lesen, damit wir daraus unseren Glauben an Christus stärken und ewig selig werden.


Das 1. Kapitel


I. Johannes predigt und tauft in der Wüste und gibt Christus Zeugnis seiner Person und seines Amtes wegen. II. Danach wird das Wunderzeichen beschrieben, das sich bei der Taufe Christi ereignet hat. III. Ferner werden die Versuchungen Christi erzählt, die er in der Wüste ausgestanden hat. IV. Darauf beginnt Christus sein Predigtamt. V. Und nimmt die Apostel als Mitgehilfen zu sich. VI. Er lehrt danach in der Schule der Juden mit einem besonderen Ansehen. VII. Er erlöst auch dort einen Besessenen vom Teufel. VIII. Und er macht die Schwiegermuttertochter des Petrus gesund, die an Fieber erkrankt war, wie auch nicht wenige andere Kranke von ihm geheilt worden sind. IX. Er predigt das Evangelium hin und wieder. X. Und gewährt einem Aussätzigen seine Bitte.

1. Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes,

Dies: Weil sich der Evangelist Markus vorgenommen hatte, mit kurzen Worten die Sachen zu beschreiben, die besonders zum Beruf und Predigtamt des Messias, unseres Heiland Jesus Christus, gehören, so beginnt er seine Geschichte mit der Predigt des Johannes des Täufers, der von Gott gesandt war, damit er Christus den Weg bereitet.

Sohn Gottes: Das heißt: Auf diese Weise hat die Predigt des Evangeliums von dem Sohn Gottes ihren Anfang genommen. Und man hat hier genau zu beachten, dass Markus Jesus den Sohn Gottes nennt. Er heißt aber nicht in dem Sinn der Sohn Gottes, als ob er an Kindes statt angenommen wäre, denn dergestalt sind alle gläubigen Kinder Gottes, sondern er ist der eingeborene Sohn Gottes {Joh 1}, der vom Vater von Ewigkeit her geboren und mit dem Vater eines Wesens ist, ein wahrhaftiger Gott, durch den alles gemacht worden ist {Joh 1}. Darum, wer an diesen Jesus glaubt, der glaubt an den wahren und ewigen Gott. Denn wir sind durch Gottes Blut erlöst, wie es Paulus bezeugt in der Apostelgeschichte 20.

2. wie geschrieben steht in den Propheten: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der da bereite deinen Weg vor dir!

Als: Was Markus in den nachfolgenden Worten von Johannes dem Täufer erzählt, das findet man auch in Matthäus 3. und Lukas 3. Denn zuvor, ehe Christus selbst angefangen hat zu lehren, ist Johannes der Täufer als ein Gesandter vorhergeschickt worden, dass er die Leute ermahnte und ermunterte, damit sie Buße täten und den Messias erkennen würden.

Engel: Das heißt: meinen Boten, oder Gesandten, den Johannes. So hat es beinahe 400 Jahren v. Chr. Geburt der Prophet Maleachi geschrieben in Kapitel 3.

Bereite: Bevor du, mein eingeborener Sohn, Jesus Christus, das Predigtamt anfasst. Der wird mit seiner Bußpredigt die Leute vom Schlaf der Sicherheit aufwecken und auf dich, den Heiland der Welt, mit Fingern zeigen, damit du danach mit größeren Nutzen und bessere Frucht gehört wirst und man dich mit Verlangen aufnimmt.

3. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige richtig {Mt 3v3 Lk 3v4 Joh 1v24}!

Es ist: So hatte es der Prophet Jesaja 700 Jahre vor der Geburt Christi von Johannes dem Täufer geweissagt, Kapitel 40.

Bereitet: Das wird die Stimme des Predigers sein. Macht euch gefasst und bereit, dass ihr den Messias, welcher der Herr, Jehova und wahrer, ewiger Gott und euer Heiland ist, an- und aufnehmt und alle Hindernisse aus dem Weg räumt und erreicht es, dass der Weg gerade und eben ist, durch den der Herr richtig einziehen kann. Dieses Gleichnis ist hergeleitet von der Pracht der großen Herren, wenn sie an einem Ort ihren Einzug halten wollen, denen man den Weg so vorbereitet, dass sie mit einem majestätischen und herrlichem Ansehen einziehen können. Und dem Herrn Christus wird dann der Weg bereitet, wenn die Leute aus dem Gesetz Gottes ihre verkehrte Art und Natur und ihre Sünden erkennen und ihren hohen Geist und falschen Wahn der eigenen Gerechtigkeit, samt der krummen Heuchelei fahren lassen und wenn diejenigen, die im tiefen Schlamm der Sünden sich gewälzt haben, daraus aufstehen und Buße tun. Bei denen zieht Christus ein.

4. Johannes, der war in der Wüste, taufte und predigte von der Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

Wüste: Es sind deswegen (will Markus sagen) die Weissagung der Propheten im Johannes erfüllt worden, der sich eine Zeit lang von der Gemeinschaft anderer Menschen abgesondert und in der Wüste aufgehalten hat, danach aber, weil es Gott so wollte, ist er hervorgetreten und hat angefangen zu predigen und zu taufen. Er hat die Buße gepredigt und die Leute ermahnt, dass sie sich bekehren sollen. Er hat auch von Christus gelehrt, dass er das Lamm Gottes sei, welches die Sünden der Welt trägt und ein neues Sakrament der Taufe hinzugefügt, das die Leute nicht allein an die Abwaschung der Sünden erinnert, sondern auch ein Zeugnis wäre, für die Vergebung ihrer Sünden. So, wie aber die Juden damals einen solchen Prediger benötigten, weil sie sich sehr in ihre Sünden vertieft hatten und sich ein großer Teil mit Heuchelei selbst betrog, dass sie meinten, sie wären um der Opfer willen, die sie taten, vor Gott gerecht und weil sie etliche andere äußere Zeremonien des Gesetzes hielten, so ist die Bußpredigt in der Kirche Gottes immer vonnöten. Denn es steckt eine große Sicherheit in den Leuten, besonders in denen, die meinen, sie gefallen Gott darum, weil sie die Predigten hören und auch regelmäßig das Abendmahl des Herrn gebrauchen, obwohl sie unterdes mit Heuchelei oder anderen Lastern besudelt sind. Die aber Buße tun, denen muss man das Lamm Gottes, Christus, zeigen, der für die Sünden genug getan hat, damit sie nicht, wenn sie den Zorn Gottes empfinden, in Verzweiflung geraten. Und man muss auch (zur Bestätigung des Glaubens) die Sakramente gebrauchen, nämlich die Taufe und das Abendmahl des Herrn. Dieses zweite Sakrament muss man oft gebrauchen, die Taufe aber soll man nur einmal im Leben empfangen. Denn die Taufe ist anstelle der Beschneidung eingesetzt, und Johannes hat aus Antrieb des Heiligen Geistes diese angefangen, die Christus danach bestätigte. Die Taufe ist aber nicht nur ein Zeichen der Wiedergeburt und Vergebung der Sünden, sondern auch ein Werkzeug oder Mittel, wodurch Gott solche Guttaten den Menschen mitteilt. Denn Christus sagt: Wo nicht jemand geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen {Joh 3}. Und Petrus sagt: Tut Buße und ein jeglicher lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi, zur Vergebung der Sünde {Apg 2}.

5. Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und die von Jerusalem und ließen sich alle von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden.

Und: In den vorigen Worten haben wir vom Amt des Johannes des Täufers gehört. Jetzt lasst uns auch sehen, was er für Zuhörer gehabt hat. Davon steht in Matthäus 3. und Lukas 3. geschrieben.

Land: Es gab einen großen Zulauf des Volkes zu ihm, aus allen Orten.

Sünde: Sie baten Gott um Verzeihung und empfingen die Taufe zur Bestätigung ihres Glaubens. Hier kann man über die Katholiken lachen, die aus diesen Worten ihre Ohrenbeichte erzwingen wollen. Als ob an dieser Stelle gemeint wäre, dass jeder seine Sünde dem Johannes ins Ohr geflüstert hätte? Wann wäre er aber bei einer solch großen Masse des Volkes mit der Beichte fertig gewesen? Darum sollen wir uns von dem Narrenwerk der Katholiken nicht irremachen lassen. Es sind aber allerlei Leute zu Johannes gekommen, wie die anderen Evangelisten es bezeugen, Pharisäer, Zöllner, Kriegsknechte und anderes gemeines Gesindel. Und er hat zwar die Pharisäer ernsthaft gescholten, weil sie sich mit dem Wahn einer eigenen Gerechtigkeit brüsteten. Denn man muss die Heuchler demütig machen, damit sie ihre Sünden richtig kennenlernen. Den Zöllnern hat er gesagt, dass sie nichts gegen das Recht und gegen die guten Sitten fordern sollen, und hat sie in Ihrem Amt bleiben lassen. Denn wenn ein Stand an sich selbst nicht Sünde ist, darf man ihn nicht verlassen um dessentwillen, dass man die Seligkeit erlangt, sondern der Betrug und die Übervorteilung ist verboten. So hat er auch den Kriegsleuten nicht angeraten, ihre Geschütze und Waffen wegzuwerfen, sondern er hat Ihnen untersagt, dass sie nicht rauben oder Tyrannei ausüben sollten. Denn in den Krieg ziehen ist an sich selbst nicht Sünde. Dem gemeinen Volk aber hat er allgemein befohlen, dass jeder mit den Werken der Liebe nach seinen Möglichkeiten dem anderen dienen soll. Und dies ist kein neues Gebot gewesen, denn Jesaja, der Prophet, hatte vor 700 Jahren auch so gepredigt: Brich dem Hungrigen dein Brot und die, die im Elend sind, führe in dein Haus, wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn und entziehe dich nicht von deinem Fleisch {Jes 58}. Wenn wir deshalb unser Leben bessern wollen, so ist es nicht nötig, dass wir in ein Kloster laufen, sondern dass wir uns der Sünden enthalten und die Werke der Gottseligkeit gegen Gott und den Menschen zeigen, was jeder in seiner ordentlichen Aufgabe tun kann.

6. Johannes aber war bekleidet mit Kamelhaaren und mit einem ledernen Gürtel um seine Lenden und aß Heuschrecken und wilden Honig.

Kamelhaaren: Er verwendete eine schlichte Kleidung, die aus Kamelhaaren gemacht war.

Ledernen Gürtel: Wie sich auch arme Leute zu umgürten pflegen.

Heuschrecken: Es war eine besondere Art der Heuschrecken im jüdischen Land und es stand den Juden frei und war Ihnen erlaubt, diese zu essen, Levitikus 11. Er hat also das gegessen, was er in der Wüste haben konnte und es sich damit begnügen lassen, wie auch Matthäus im Kapitel 3 zu verstehen gibt. Dass er sich aber in der Wüste aufgehalten hat, bis er hervortreten sollte vor das Volk Israel, dieses ist geschehen, damit er später mit umso größerem Ansehen sein Predigtamt anfangen könnte. Und dies ist seine besondere Aufgabe gewesen, dass er in der Wüste geblieben ist, die auf der Weissagung des Propheten Jesaja gegründet war, der vor ihm gesagt hat: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste. Und die Einsiedler deuten zu Unrecht das Beispiel des Johannes auf ihr abergläubisches Tun, weil sie nicht die gleiche Aufgabe haben. So fliehen die, die sich in der Wüste verkriechen, auch nicht deshalb aus der Welt, wenn sie die Welt in ihrem Fleisch mit sich in die Wüste tragen und sich dort in viele unnötigen Gefahren des Leibes und der Seele begeben. Es werden hiermit auch nicht die schwachen Christen verdammt, die früher unter großen Verfolgungen in die Wälder geflohen sind, nicht in dem Sinn, dass sie sich wünschten, sich ein heiliges Leben auszudenken, sondern aus Furcht, dass sie Christus wegen der unerträglichen Martern nicht verleugneten. Und obwohl auch dem Johannes mit seiner schlichten Kleidung aus Kamelhaaren kein Maß und keine Ordnung vorgeschrieben war, wie er sich kleiden sollte, er uns auch nicht auffordert, Heuschrecken und wilden Honig zu essen, so verweist er uns doch in Wirklichkeit damit auf unsere tolle Üppigkeit in der Kleidung, die heutzutage üblich ist, und verdammt mit seiner schlichten Speise unser Fressen und Saufen.

7. Und predigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der ist stärker denn ich, dem ich nicht genügend bin, dass ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe auflöse.

Predigte: Nämlich von Christus, wie auch Matthäus 3. und Lukas 3. bezeugen.

Kommt einer: Nämlich Christus, der jetzt anfangen wird zu lehren und zu predigen, nicht lange, nachdem ich mein Predigtamt angefangen habe.

Nicht genug: Johannes demütigte sich tief vor Christus und hat auch die angebotene Ehre des Messias von den Gesandten der Juden nicht annehmen wollen. Also sollen wir auch die wahre Demut von ihm lernen, dass wir uns den Oberen gern und willig unterwerfen. Er nennt aber Christus einen Stärkeren, weil er auch ewiger Gott ist, vom Vater dazu berufen war, dass er uns zuliebe den Teufel, die Welt und die Hölle überwinden sollte, was allein Christus und nicht Johannes dem Täufer zugehörte.

8. Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Mit Wasser: Johannes fährt noch weiter fort, seine Person und die des Herrn Christus zu vergleichen, damit daraus die Vortrefflichkeit Christi mehr erkannt werden konnte und will so viel sagen: Ich taufe euch mit der Taufe des Wassers zur Vergebung der Sünden, aber der Messias wird am Pfingsttag die wunderbare Gabe des Heiligen Geistes über euch ausschütten. Daher werdet ihr völlig erkennen, dass ich nicht der Messias bin, sondern sein Knecht und Diener, er aber der Herr und Sohn Gottes. Deswegen schwärmen die Wiedertäufer, die bestreiten, dass die Taufe des Johannes eine andere ist, als die Taufe Christi, in der wir auch mit Wasser begossen werden, während offenbar ist, dass Johannes an diesem Ort nicht von der Taufe redet, die die Jünger Christi gebraucht haben, sondern von der wunderbaren Sendung des Heiligen Geistes. Denn dieses Wort des Johannes hat Christus selbst deutlich erklärt, als er nach seiner Auferstehung seinen Jüngern, die freilich damals längst getauft waren, befahl, dass sie auf die Sendung des Heiligen Geistes warten sollten, da Lukas sagt: und als er (Christus) sie (die Apostel) versammelt hatte, befahl er ihnen, dass sie nicht von Jerusalem weichen, sondern auf die Verheißung des Vaters warten sollten, die ihr von mir (sprach er) gehört habt. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen {Apg 1}. Die also im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft werden, die sind recht und ausreichend getauft, auch wenn sie solche Gaben des Heiligen Geistes nicht erlangen, die am Pfingsttag über die Apostel ausgegossen wurden.

9. Und es begab sich zu derselben Zeit, dass Jesus aus Galiläa von Nazareth kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan.

Und: Es folgt jetzt, wie Christus getauft worden ist, was auch die Geschichten von Matthäus 3. und Lukas 3. erzählen.

Von Johannes: Heutzutage spielt es keine Rolle, von wem oder mit welchem Wasser wir getauft werden, wenn nur die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes geschieht. Christus aber hat für seine Person die Taufe nicht gebraucht, weil er keine Sünde gehabt hat. Darum hat er, indem er sich taufen ließ, bezeugt, wie er fremde Sünden vor Gott zu versöhnen auf sich genommen hat. Und er hat nicht allein dem Predigtamt des Johannes dergestalt ein Ansehen schaffen wollen, sondern auch diejenigen widerlegen, die die Sakramente verächtlich machen oder von ihnen reden, als ob sie zur Seligkeit nicht nützen würden.

10. Und alsbald stieg er aus dem Wasser und sah, dass sich der Himmel auftat, und den Geist gleichwie eine Taube herabkommen auf ihn.

Taube: Diese Geschichte bezeugt, dass Christus nach seiner Menschheit der Heilige Geist nicht nach dem Maß, sondern vollkommen gegeben wurde, also, dass der Mensch Christus nicht nur etliche Gaben des Heiligen Geistes, sondern alle und dazu auch alle im höchsten Grad besitzt. Und der Geist Gottes hat in der Gestalt einer Taube erscheinen wollen, um uns dadurch zu erinnern, dass der Heilige Geist ein reiner und aufrichtiger Geist ist, dem die gottselige und heilige Einfalt und Aufrichtigkeit wohl gefällt, dem aber List und Verschlagenheit am höchsten zuwider sind.

11. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Wohlgefallen: Der mir der Liebste und Angenehmste ist. Diese Erscheinung bestätigt die Dreifaltigkeit der Personen in meinem göttlichen Wesen und gibt Zeugnis, dass Jesus der versprochene Messias ist und der ewige Sohn Gottes. Es liebt aber Gott, der himmlische Vater, seinen eingeborenen Sohn so hoch, dass, um dieses Sohnes willen, auch wir von Gott geliebt werden, wie Paulus bezeugt {Eph 1}. Und die Rede des Vaters ist aus zwei Sprüchen der Heiligen Schrift genommen. Denn im 2. Psalm steht also von Christus geschrieben: Der Herr hat zu mir gesagt, Du bist mein Sohn, heute habe ich Dich gezeugt. Und Jesaja 42. schreibt so von Christus: Siehe, das ist mein Knecht, den ich erhalte und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Daran kann man sehen, wie hoch die Heilige Schrift zu halten ist, weil auch der himmlische Vater daraus redet.

12. Und bald trieb ihn der Geist in die Wüste.

Und: Markus beschreibt die Versuchungen in der Wüste kurz und in summarischerweise. In Matthäus 4. und Lukas 4. werden diese noch ausführlicher erzählt.

Geist: Nämlich der Heilige Geist, durch dessen Antrieb er in die Wüste gegangen ist.

13. Und war allda in der Wüste vierzig Tage und ward versucht von dem Satan und war bei den Tieren, und die Engel dienten ihm.

40 Tage: In diesen 40 Tagen hat sich Christus stets mit göttlichen Dingen beschäftigt und über diese so tief nachgedacht, dass der Leib weder Speise noch Trank bedurfte, wie es auch dem Mose gleich widerfahren ist, als er das Gesetz von Gott auf dem Berg Sinai empfangen hat. Und Elias, nachdem er die Kirche reformiert hat. So wird es auch mit uns in jener Welt beschaffen sein, wenn wir mit himmlischen Dingen umgehen und weder Speise noch Trank benötigen werden.

Versucht: Denn nachdem 40 Tage vorüber gewesen sind, hat Christus die menschliche Schwachheit wiederum empfunden. Darum, wie zuvor seine Menschheit gleichsam verzückt gewesen ist und geruht hat, dass sie nach diesen Sachen nicht gefragt hat, die man sonst zur Aufrechterhaltung des menschlichen Lebens bedarf, so hat danach, in der Versuchung, die Gottheit sich wieder zurückgehalten und geruht, dass sie diese nicht schnell vertrieben hat, sondern Christus die Stärke der Versuchung hat empfinden lassen, die ihm der Satan vorsetzte.

Tiere: Die sich in der Einöde aufhielten. Es hatte den Anschein, als sei er von aller menschlichen Hilfe verlassen in höchster Lebensgefahr. Christus wollte aber versucht werden, damit er mit uns, wenn wir versucht werden, ein Mitleid haben könnte {Hebr 2}. Und sein Sieg wird uns zugerechnet, weil wir Anfechtungen oft nicht überwinden, sondern ihnen unterliegen. Wir werden auch zugleich gelehrt, wie die Anfechtungen einen rechten, geistlichen Gelehrten oder Theologen machen. Denn diejenigen, die selbst versucht worden sind, wissen, anderen im gleichen Fall einen guten Rat zu geben. Es erzählen aber die beiden anderen Evangelisten, Matthäus und Lukas, dreierlei Anfechtungen Christi. Zuerst hat ihn der Satan mit der Versuchung von der Nahrung angegriffen, als ob Christus in dieser grausamen Wüste an Hunger sterben müsste. Dem hat er den Spruch der Heiligen Schrift entgegengesetzt: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes geht {5Mos 8}. Dabei können wir lernen, dass man den Teufel mit der Heiligen Schrift von sich treiben soll und daneben wissen, dass Gott viele Möglichkeiten und Wege finden kann, uns zu ernähren, auch wenn kein Brot vorhanden ist. Die andere Versuchung ist gewesen, dass der Satan versucht hat, Christus zur Vermessenheit zu reizen und ihm vorschlug, er sollte sich von den Zinnen des Tempels hinabstürzen, damit er sich einen Namen macht und dem Ehrgeiz Platz geben würde. Und hier zog der Satan auch die Schrift von der Behütung durch die Engel heran {Ps 91}. Sie werden dich auf den Händen tragen, dass dein Fuß an keinen Stein stößt. Dieser Versuchung hat Christus jedoch einen anderen Spruch der Schrift entgegengesetzt: Du sollst Gott, Deinen Herrn, nicht versuchen {5Mos 6}. Bei dieser Antwort lernen wir, dass man die Schrift durch die Schrift erklären soll. Und dass die Vermessenheit, wenn man sich außerhalb seines ordentlichen Berufs große Dinge erlaubt, Sünde sind und keinen glücklichen Ausgang haben. Die dritte Versuchung bot Christus alle Reiche der Welt an, wenn er nur den Teufel anbeten wollte. Aber Christus antwortet aus der Schrift: Man soll Gott anbeten und ihm allein dienen {5Mos 6}. Auch heutzutage wirft der Satan etlichen diese Versuchung in den Weg und verspricht ihnen (durch hohe Personen) große Ehre und Reichtum, wenn sie die päpstlichen Abgöttereien annehmen wollen. Wir sollen aber wissen, dass die göttliche Ehre allein der allerheiligsten Dreifaltigkeit und keiner Kreatur gebührt. Es begehren auch die Heiligen solcher Ehre nicht, sondern sie ist Ihnen vielmehr höchst zuwider, weil sie wissen, dass diese ihnen nicht zusteht.

Dienten ihm: Nachdem der Satan vertrieben worden und zurückgewichen war (da sie zuvor dem Kampf zugesehen hatten), traten sie danach zu Jesus und kümmerten sich um alles, was er damals benötigte. Denn nach der Anfechtung folgt Trost und inmitten der Anfechtung sollen wir uns an der Hoffnung des künftigen Trostes festhalten.

14. Nachdem aber Johannes überantwortet ward, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium vom Reich Gottes

Überantwortet: Dass er gefangen genommen wurde. Denn Herodes hatte ihn ins Gefängnis werfen lassen, weil er seine Blutschande, die er mit der Frau seines Bruders getrieben hatte, gestraft hatte.

Kam Jesus: Nach dem errungenen Sieg gegen den Teufel, auf dass er sein geistliches Reich begann und anrichtete, was er mit der Predigt des Evangeliums tut. Dies erzählt auch Matthäus im Kapitel 4.

Vom Reich: Das heißt: Dieses Evangelium zeigt den Weg, wodurch man das Reich Gottes erlangt. Es ist also für einen guten Prediger, Johannes den Täufer, noch etwas Besseres und Herrlicheres gekommen, nämlich Jesus Christus. Denn obwohl der Satan begehrt, fromme und nützliche Kirchendiener mit Hass und Verfolgung aus der Welt zu reißen, so schickt Gott doch stattdessen andere treue Lehrer und oft herrlichere, als es die vorigen gewesen sind, solange sich die Kirche selbst des Predigtamts nicht unwürdig macht.

15. und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeikommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!

Zeit: Die bei der Ankunft des Messias beisammen waren. Darum steht das Himmelreich jetzt weit offen und jeder hat einen freien Zugang dazu, dem etwas an der Seligkeit seiner Seele liegt. Darum erkennt euer gottloses Wesen, tut Buße, bessert euer Leben und glaubt der frohen Botschaft des Evangeliums, die allen Bußfertigen Vergebung der Sünden und das ewige Leben verspricht. Christus hat deswegen nichts Neues oder anderes gepredigt, als Johannes der Täufer. Denn man soll neue Lehren meiden, die kein Zeugnis der alten prophetischen und apostolischen Schriften haben. Auch lernen wir hier, dass keine erwachsene Person ohne Buße selig werden kann. Denn die Unbußfertigen häufen sich selbst den Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes {Röm 2}. Man soll aber wegen der schweren Sünden nicht verzagen, sondern der fröhlichen Botschaft des Evangeliums glauben, dass uns die Sünden um Christi willen verziehen werden und dass wir Erben des Himmelreichs durch den Glauben sind.

16. Da er aber an dem Galiläischen Meer ging, sah er Simon und Andreas, seinen Bruder, dass sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer.

Da: Weil Christus in seinem Predigtamt Gehilfen zu sich nehmen wollte, so hat er etliche zu Aposteln berufen, um sie hernach auszuschütten ins jüdische Land und zu predigen und sie zu seiner Zeit sein Evangelium in der ganzen Welt ausbreiteten. Davon schreibt auch Matthäus im Kapitel 4.

Simon: Der mit dem Zunamen Petrus geheißen hat.

Fischer: Es hat aber Christus Fischer und Zöllner erwählt, als einfache, schlichte Menschen, damit die Kraft Gottes in Fortpflanzung des Evangeliums erkannt würde. Denn wenn er zu diesem Amt Mächtige, Weise, Gelehrte und beredte Leute berufen hätte, so wäre der Fortgang des Reiches Christi der menschlichen Weisheit, Macht und Geschicklichkeit zugemessen worden. Aber Paulus sagt: Was töricht ist für die Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden macht; und was schwach ist für die Welt, das hat Gott erwählt, dass er zuschanden macht, was stark ist. Und das Ungeregelte vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt und, dass da nichts ist, das hat er zunichtegemacht, was etwas ist, damit sich vor ihm kein Fleisch rühme {1Kor 1}. Und zwar hat Gott durch diese schwachen Werkzeuge, die Apostel, viel mehr und viel größere Sachen ausgerichtet in der Welt, auch viel bessere, als jemals der große Alexander oder der Kaiser Augustus mit ihren unüberwindlichen Kriegsheeren verrichtet haben.

17. Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen.

Folgt: Haltet euch künftig an mich, damit ihr meine Predigten hört und meine Wunderzeichen seht, womit ich euch zu dem Apostelamt, das ihr künftig führen sollt, geschickt und durch meinen Unterricht tauglich gemacht habe. Denn Christus hat die Apostel, als er sie von der Fischerei abgefordert hatte, nicht sofort wieder weggeschickt und ausgesandt, dass sie das Evangelium in der ganzen Welt predigen sollten, sondern er hat sie zuvor unterwiesen und mit notwendigen Gaben des Heiligen Geistes ausgerüstet und sie erst danach in der ganzen Welt herumzuziehen geheißen. Darum schwärmen die Wiedertäufer, die nichts studiert und die Heilige Schrift nie gelernt haben und sich dennoch fälschlich einreden, sie seien nach dem Beispiel der Apostel, als Fischer tauglich genug, obwohl sie doch keinen solchen Lehrmeister, wie die Apostel, gehabt haben, noch die Gaben des Heiligen Geistes, die zum Predigtamt nötig sind, empfangen haben.

Menschenfischern: Denn, so, wie die Fische aus dem Meer oder Wasser mit dem Netz (wozu es genutzt wird) gezogen werden, so wird mit der Predigt des Evangeliums Christus aus der Welt eine Kirche versammelt, zu dem Zweck, zu dem das menschliche Geschlecht anfangs erschaffen war, nämlich, dass es der ewigen Seligkeit teilhaftig werde und Gott in alle Ewigkeit rühmt.

18. Alsbald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.

Folgten: Denn man soll einen ordentlichen Beruf nicht ausschlagen. Und wer Gott nicht folgen will, wenn er von ihm zum Predigtamt berufen wird, der muss wie Jonas, vom Walfisch verschlungen werden, das heißt, sie geraten in viel größere Gefahr, als wenn sie den ihnen aufgetragenen Beruf angenommen hätten.

19. Und da er von dort ein wenig fürbass ging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, dass sie die Netze im Schiff flickten;

Flickten: Die Ketzer aber zerreißen das Netz der Heiligen Schrift mit ihren falschen Auslegungen. Darum steht es frommen Kirchendienern zu, dass sie solche Worte in der Schrift wieder richten und in ihren rechten Sinn bringen und also gleichsam wieder flicken.

20. und bald rief er sie. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Schiff mit den Tagelöhnern und folgten ihm nach.

Rief: Dass sie ihm auch folgen und seine Apostel werden sollten. Christus hat aber viele Gehilfen an sich gezogen, damit er denen ihre närrische Fürsorge zu erkennen gab, die meinen, es könne nichts Rechtes geschehen, wo sie es nicht tun. So hatte er auch viele Zeugen seines Handelns haben wollen, damit der Glaube der Kirche auf die gewisse, unfehlbare Wahrheit gegründet wäre.

Ihm nach: Dass sie seine Jünger wurden. Denn es sollen uns keine weltlichen Geschäfte und keine Verwandten daran hindern, dass wir ihretwegen die Aufgabe, zu der uns Gott fordert, nicht annehmen wollen.

21. Und sie gingen gen Kapernaum; und bald an den Sabbaten ging er in die Schule und lehrte.

Kapernaum: Eine berühmte Stadt in Galiläa.

Lehrte: Nämlich, das Wort Gottes. Denn in den Schulen oder Synagogen der Juden wurden die prophetischen Schriften gelesen und erklärt, wie es heutzutage bei uns in den Kirchen geschieht. So durften die Juden nur einen Tempel haben, in dem sie opferten. Aber daneben hatten sie viele Schulen, in denen das Volk von der Religion unterrichtet wurde. Christus aber hat sein Reich mit der Predigt des göttlichen Wortes und nicht mit Waffen fortgepflanzt.

22. Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten {Mt 7v28 Lk 4v32}.

Gewaltig: Mit einem großen Ansehen von nützlichen und nötigen Sachen und seine Predigten drangen den Leuten durch das Herz.

Nach Luther: Das heißt: Seine Predigt war von jemanden, der es ernst meinte und was er sagte, das hatte eine Gewalt und lebte, als hätte es Hände und Füße. Nicht wie die Lumpenprediger daherspein und geifern, sodass man darüber Unlust und Gräuel bekommt.

Schriftgelehrten: Die, wenn sie das Gesetz lehrten, nur auf die äußerlichen Werke des Gesetzes drangen. Aber Christus erklärt den eigentlichen und geistlichen Sinn derselben. Wenn die Schriftgelehrten davon sprachen, wie man gute Werke tun sollte, so forderten sie den Zehnten von Geld, Dill und Kümmel, sprachen vom vielen Waschen, Säubern und ähnlichen geringen Sachen. Christus aber treibt zu den rechten Werken der Liebe, welche dem Nächsten nützlich und vonnöten waren. Wenn die Schriftgelehrten sagten, wie man Vergebung der Sünden erlangen sollte, so verwiesen sie die Leute auf die Opfer, das Fasten und dergleichen Werke, Christus aber hieß sie, an ihn, als den Messias, zu glauben, damit sie Vergebung der Sünden und das ewige Leben erlangten. Darum lehrte er mit einem besonderen Ansehen und großem Nutzen. Es sollen deshalb die Kirchendiener in ihren Predigten nicht unnötiges Geschwätz treiben, oder dunkle Fragen vorbringen, die mehr zum Schein und zur Pracht, als zu Erbauung der Kirche angesehen werden können, sondern nötige und heilsame Sachen ihren Zuhörern vorhalten. So wird Gott das Gedeihen geben, dass sie auch mit Ansehen und mit Nutzen lehren können.

23. Und es war in ihrer Schule ein Mensch, besessen mit einem unsauberen Geist, der schrie

Und: Es folgt ein herrliches Wunderwerk, womit Christus seine Lehre bestätigt hat, was auch Lukas im Kapitel 4 beschreibt.

24. und sprach: Halt, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Du bist kommen, uns zu verderben. Ich weiß, wer du bist, der Heilige Gottes.

Zu schaffen: Wir wollten, dass du weit von uns wärest.

Heilige: Der Messias, der dazu geheiligt und bestimmt ist, dass er das menschliche Geschlecht erlösen soll. An diesem Ort bekennt der Satan die Wahrheit, dass der Sohn Gottes darum in die Welt gekommen ist, dass er die Werke des Teufels zerstört und der Schlange den Kopf zertritt. Welche sich deshalb mit wahrem Glauben Christus anbefehlen, an denen wird der Satan keine Macht haben.

25. Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm!

Bedrohte: Dass er ihm zu schweigen befahl. Und Christus hat von Satan kein Zeugnis annehmen wollen, weil er ein Lügengeist ist und er, auch wenn er zuweilen die Wahrheit redet, dieses nur darum tut, damit er sich unverdächtig macht, oder dass er doch bald darauf etliche Lügen mit untermischt und diese, zugleich mit der Wahrheit, wie ein Tausendkünstler, den Leuten mit List beibringt.

26. Und der unsaubere Geist riss ihn und schrie laut und fuhr aus von ihm.

Riss ihn: Das heißt: Er beugte die Glieder des Menschen so schrecklich und jämmerlich, als wenn er ihn zerreißen wollte. Dazu schrie er gräulich, weil er ungern ausfahren wollte und dennoch vom selben Menschen weichen musste. Wo deswegen der Satan entweder aus der Kirche, oder der Schule, oder aus einer Regierung getrieben wird, da wütet er schrecklich, als ob er alles zerreißen und zerfetzten wollte. Aber man soll fortfahren und sein Rumoren nicht scheuen. Denn schließlich muss er doch weichen.

27. Und sie entsetzten sich alle, also dass sie untereinander sich befragten und sprachen: Was ist das? Was ist das für eine neue Lehre? Er gebietet mit Gewalt den unsauberen Geistern, und sie gehorchen ihm.

Entsetzten: Als sie die großen Wunderwerke sahen.

Ist das: Was soll daraus werden, dass der so große Wunderwerke tut?

Neue Lehre: Etwas Gleiches haben wir bisher von den Schriftgelehrten und Pharisäer nicht gehört. Es muss ohne Zweifel eine himmlische Lehre sein, weil sie mit einem solchen herrlichen Wunderwerk bestätigt wird. Es erscheint aber die Lehre des Evangeliums vor den Leuten neu, wenn sie von den Menschensatzungen und dem falschen Wahn gereinigt wird.

Geistern: Dass sie von den Leuten ausfahren sollen.

Gehorchen: Darum muss er mit einer himmlischen Kraft begabt sein, der über die mächtigen, unsauberen Geister mit Gewalt herrscht. Denn die Wunderwerke Christi sind Zeugnisse, dass seine Lehre himmlisch ist und dass er der Christus, das heißt, der versprochene Messias ist, der denen das ewige Leben gibt, die an ihn glauben {Joh 20}.

28. Und sein Gerücht erscholl bald umher in die Grenze Galiläas.

Umher: In den benachbarten Landschaften, von seiner Lehre willen und seinen Wunderzeichen. Denn bei frommen und verständigen Menschen folgt auf recht löbliche Taten aus sich selbst ein guter Name.

29. Und sie gingen bald aus der Schule und kamen in das Haus des Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes.

Und: Es folgt noch ein anderes Wunderwerk, das auch in Matthäus im Kapitel 8 und Lukas im Kapitel 4 beschrieben ist.

Simons: Der mit dem Zunamen Petrus hieß. Es ist aber zweifellos eine schlichte Hütte gewesen, worin Christus mit seinen Jüngern eingekehrt war. Denn Gott ist öfter in den geringen Hütten, als in den großen Palästen.

30. Und die Schwiegermutter Simons lag und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie ihm von ihr.

Schwiegermutter: Wenn nun Simon Petrus, einer von den vornehmsten Aposteln eine Schwiegermuttermutter gehabt hat, so muss er auch ein Weib gehabt haben. Und dennoch hat ihn Christus seines Ehestandes wegen für das Apostelamt nicht als untüchtig betrachtet. Darum fantasieren die Katholiken, die eheliche, fromme und gelehrte Ehemänner um ihres Ehestandes willen vom Predigtamt wegtreiben.

Sagten: Und baten ihn zugleich, dass er sie wieder gesund machen sollte. Denn wir sollen Gott für die Kranken bitten.

31. Und er trat zu ihr und richtete sie auf und hielt sie bei der Hand; und das Fieber verließ sie bald, und sie diente ihnen.

Diente ihnen: Dass sie wieder gesund geworden war. Obwohl Gott heutzutage nicht auf solche Weise die Krankheiten vertreibt, jedoch, wenn wir in der Krankheit deren Ursache, nämlich die Sünde, mit demütigen Herzen erkennen und um Christi willen um Verzeihung bitten, danach Gott um Gesundheit anrufen, so werden wir endlich erfahren, dass unser Gebet nicht vergebens gewesen ist. Denn die zeitlichen Arzneien werden dann richtig gebraucht, wenn wir zuvor mit Gott versöhnt sind. Wenn uns aber Gott unsere Gesundheit wiedergibt, dann sollen wir die übrige Zeit unseres Lebens uns bemühen, ihm zu dienen {1Petr 4}.

32. Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm allerlei Kranke und Besessene.

33. Und die ganze Stadt versammelte sich vor der Tür.

Tür: An der Behausung des Simon Petrus und baten Jesus, dass er den elenden Leuten helfen sollte.

34. Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Seuchen beladen waren, und trieb viele Teufel aus und ließ die Teufel nicht reden; denn sie kannten ihn.

Kannten ihn: Dass er der Sohn Gottes ist. Warum aber Christus das Zeugnis der unreinen Geister nicht annehmen wollte, ist bereits oben gesagt. Und man muss hier darauf achten, dass die Wunderwerke Christi alles Guttaten gewesen sind. Denn er hat mit der Tat bezeugen wollen, dass er in die Welt gekommen ist, um die Menschen nicht zu verderben, sondern sie zu erhalten.

35. Und des Morgens vor Tag stand er auf und ging hinaus. Und Jesus ging in eine wüste Stätte und betete dort {Lk 4v42}.

Betet dort: Denn wenn wir allein sind, so schütten wir unsere Begierden und unser Seufzen gegen Gott ohne Scheu aus. Und Christus hat auch daran gedacht, dass er der rechte Hohepriester wäre. Nun war das Amt des Hohepriesters, dass er für die Kirche beten musste. Darum hat er auch für seine Kirche ernsthaft gebetet und ein solch herrliches Gebet ist beschrieben im Evangelium des Johannes im Kapitel 17. Und wir sollen nicht zweifeln, dass dieses Gebet erhört worden ist. Weil auch Christus im Stand seiner Erniedrigung bei sich selbst erwogen hat, was er für eine schwere Last in seinem Beruf auf sich nehmen müsste, hat er seine Zuflucht im Gebet gehabt und von Gott, dem Vater, himmlische Hilfe und Gedeihen begehrt. Diesem, seinem Beispiel sollen wir auch nachfolgen, da wir zur Verrichtung der Geschäfte unseres Berufs viel schwächer sind als er.

36. Und Petrus mit denen, die bei ihm waren, eilten ihm nach.

Ihm nach: Mit den anderen Aposteln und suchten ihn ängstlich. Denn es erscheint uns manchmal, als ob wir Christus verloren hätten.

37. Und da sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht Dich.

Sucht Dich: Darum wundert es uns, dass Du Dich von den Leuten zurückgezogen hast.

38. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns in die nächsten Städte gehen, dass ich dort auch predige; denn dazu bin ich kommen.

Kommen: Von meinem himmlischen Vater, dass ich die armen und elenden Sünder mit meinem Evangelium tröste. Darum muss ich meiner Aufgabe nachgehen.

39. Und er predigte in ihren Schulen in ganz Galiläa und trieb die Teufel aus.

Teufel aus: Wie es auch Lukas im Kapitel 5 meldet. Es soll deswegen jeder seine Aufgabe wahrnehmen und Gott darin seinen Gehorsam und seine Treue beweisen. Die, die ihm zu versorgen anbefohlen sind, die soll er so beachten, dass er sich nicht nur um einige kümmert, andere aber versäumt.

40. Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete vor ihm und sprach zu ihm: Willst Du, so kannst Du mich wohl reinigen.

Und: Es folgt ein herrliches Wunderwerk, an einem Aussätzigen geschehen, von dem auch Lukas berichtet im Kapitel 5.

Bat ihn: Und rief ihn demütig um Hilfe an.

Kannst Du: Als wollte er sagen: Ich erkenne, dass eine göttliche Allmacht in Dir verborgen steckt, wodurch Du schaffen kannst, was Du willst, darum zweifle ich auch nicht, dass Du mich auch von meinem Aussatz rein machen kannst. Darum, dass Du dies tust, bitte ich Dich demütig. Obwohl wir nun, dem Anschein nach, in unserem Gebet nicht an der Allmacht Gottes, sondern an seinem Willen zweifeln, so steckt doch oft in den sehr erschrockenen Herzen ein solcher Wahn, dass das gegenwärtige Unglück zu groß sei und dass es nicht abgewendet werden könne. Darum sollen wir von diesem Aussätzigen lernen, es ist kein Unfall so groß, den Gott nicht wegnehmen könnte. Und wenn wir um zeitliche Güter bitten, sollen wir diese Bedingung hinzusetzen: wenn Gott will. Bitten wir aber um geistliche Güter, so sollen wir sagen: Herr, weil Du willst, so bitten wir Dich, dass du uns erhörst.

41. Und es jammerte Jesum und reckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will‘s tun; sei gereinigt!

Jammerte: Das Jammern Christi lehrt uns, dass er ein Mitleid hat mit unserem Elend und er uns in der Form zu Hilfe kommen wird, wie es zu seiner Ehre und so unsere Seligkeit dienlich ist. Dass aber Christus mit seinem Wort und seiner Berührung den Aussätzigen sofort reinigte, dies ist ein Zeugnis, dass Christus nicht nur der ewige Sohn Gottes ist, mit dem Vater eines Wesens, sondern auch, dass er wegen der persönlichen Vereinigung allmächtig ist, nach seiner angenommenen menschlichen Natur, weil er mit seiner Berührung und mit seiner Stimme den Aussatz so leicht vertreiben konnte.

42. Und als er so sprach, ging der Aussatz alsbald von ihm, und er ward rein.

43. Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich

Bedrohte: Dass er ihm verbot, er sollte es niemanden sagen, von wem er gesund gemacht worden ist. Denn Christus wollte nicht, dass er damals von diesem Wunderwerk zur falschen Zeit viele Worte machte.

44. und sprach zu ihm: Siehe zu, dass du niemand nichts sagst, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, zum Zeugnis über sie.

Nichts sagst: Davon, dass ich dich vom Aussatz gereinigt habe.

Priester: Dass er von dir urteilt, ob du tatsächlich vom Aussatz gereinigt worden bist, damit du sein unfehlbares Zeugnis hast.

Geboten hat: Dass man opfern soll zum Zeichen der Dankbarkeit gegen Gott, wie es im Gesetz vorgeschrieben war. Denn im Alten Testament mussten die Priester von den Aussätzigen urteilen, was heutzutage den Ärzten zusteht. Weil im Gesetz Moses, Levit. 13 und 14 den Priestern aus dem Stamm Levi vorgeschrieben war, wie sie den Aussatz erkennen sollten, und was man für Zeremonien gebrauchen musste, wenn man dem, der vom Aussatz rein geworden war, diesbezüglich ein öffentliches Zeugnis geben wollte. Darum will ich, sagt Christus, dass Du Dich den Priestern zeigst und dass sie ohne Falsch von Dir urteilen, dass Du wahrhaftig vom Aussatz gereinigt wurdest, ehe sie erfahren, von wem oder wie du rein geworden bist.

Zeugnis: Das heißt: Wenn es danach offenbar geworden ist und an den Tag kam, wie Du durch mein Wunderwerk und meine Guttat gereinigt worden bist, dass sie dann nichts haben, was sie für ihren Unglauben und ihre Bosheit verwenden können und nicht sagen dürfen, Du seist nicht wahrhaftig vom Aussatz gereinigt. Denn wir sollen uns bemühen, die Verleumdungen zu verhüten, so viel immer möglich ist. Dass aber die Katholiken aus diesem Tun die heimliche Ohrenbeichte erzwingen wollen, weil im Alten Testament das Urteil der Aussätzigen den Priestern befohlen war und darum auch das Urteil über den geistlichen Aussatz, der eine Sünde ist, ihnen, den Pfaffen zugehöre, so ist das doch schon ein ungereimtes Ding. Denn man kann einen Artikel der Religion, wie es der von der Ohrenbeichte ist, nicht auf einen solch schwachen Grund oder ein solches Gleichnis bauen. Darum müssen sie ein ausdrückliches Zeugnis der Heiligen Schrift vorbringen, wenn allen Christen geboten wird, dass ein jeder alle seine Sünden dem Priester erzählen muss und das da sagt, es werden keine Sünden vergeben, die einer, der beichtet, wissentlich verschweigt. Solange dies die Katholiken aus der Heiligen Schrift nicht beweisen können, solange bemühen sie sich vergebens, uns mit ihren Gleichnissen zu überreden. Die Opfer aber, die die gereinigten Aussätzigen tun mussten, erinnern uns der Dankbarkeit, dass, wenn wir aus einem Unglück erlöst sind, wir gegen Gott mit einem Opfer dankbar zu sein haben und es nicht vergessen sollen. Solche Opfer aber sind bei den Christen gemeinhin diese, wovon der Apostel an die Hebräer so schreibt: So lasst uns nun opfern durch ihn (Christus, das Lobopfer Gottes immer, das heißt, die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen (das heißt, die ihm Lob sagen). Und gleich darauf spricht er: wohlzutun und mitzuteilen, vergesst nicht. Denn solche Opfer gefallen Gott wohl {Hebr 13}. Man hat aber aus der mosaischen Polizei auch das zu merken, dass in wohlbestellten Regimentern man sich hüten soll, damit diejenigen, die mit Erbkrankheiten behaftet sind, nicht ohne Unterschied unter die anderen Leute gehen, bis man erkennt, dass sie solche Krankheiten losgeworden sind. Dazu muss man taugliche Personen hernehmen, die von diesen Sachen richtig urteilen können.

45. Er aber, da er hinauskam, hob er an und sagte viel davon und machte die Geschichte ruchbar, also dass er künftig nicht mehr konnte öffentlich in die Stadt gehen, sondern er war draußen in den wüsten Örtern. Und sie kamen zu ihm von allen Enden.

Ruchbar: Die an ihm geschehen war. Denn auf rechtschaffene Taten folgt der Ruhm für sich selbst, auch wenn man nicht danach strebt.

Stadt gehen: Es kam zu einem so großen Zulauf des Volkes, der ihn dermaßen überfallen hatte, dass er nicht einmal Zeit genug hatte, zu essen. Um also ein wenig zu ruhen und sich wieder erholen zu können, hat er nicht öffentlich in der Stadt bleiben dürfen. Denn man muss den Leib seine gebührende Ehre antun, damit wir auf unsere Gesundheit achten.

Zu ihm: Auch in die Wüste, sobald sie erfahren hatten, wo er war. Einen solchen Eifer hatten sie nach dem Wort Gottes, dieses zu hören. Unsere Leute sind heutzutage größtenteils des Wortes Gottes so satt und überdrüssig, dass sie noch nicht einmal in die Nähe der Kirche gehen möchten, um Gottes Wort anzuhören. Auf diesen Ekel vor dem göttlichen Wort wird ein schrecklicher Hunger und Durst nach dem Wort Gottes folgen, wovon der Prophet Amos geweissagt hat im Kapitel 8: Siehe es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern danach, das Wort des Herrn zu hören, dass sie hin und her, von einem Ort zum anderen, von Mitternacht bis zum Morgen herumlaufen, das Wort des Herrn suchen und es doch nicht finden werden.


Das 2. Kapitel


1. Christus heilt einen Gichtkranken, da er ihm zuvor die Sünden verziehen hat. 2. Matthäus wird zum Apostelamt berufen. 3. Es wird erzählt, was bei der Mahlzeit geschehen ist, die Matthäus dem Herrn Christus zugerichtet hat. 4. Die Jünger Johannes erhalten eine Antwort, da sie die Jünger Christi beschuldigen, dass sie nicht fasten. 5. Den Pharisäern wird das Maul gestopft, die sich über die Tat der Jünger ärgerten, dass sie am Sabbat Ähren ausrissen.

1. Und über etliche Tage ging er wiederum gen Kapernaum; und es ward ruchbar, dass er im Hause war.

Und: Es folgt eine denkwürdige Geschichte, in der der rechte Ursprung aller Krankheiten gezeigt wird, und es wird gelehrt, wie diese zu vertreiben ist. Dies wird auch geschrieben in Matthäus 9. und Lukas 5.

2. Und alsbald versammelten sich viele, also dass sie nicht Raum hatten, auch draußen vor der Tür. Und er sagte ihnen das Wort.

Das Wort Gottes: Denn die Predigt des göttlichen Wortes ist das Mittel und Werkzeug, womit Gott die Auserwählten selig macht.

3. Und es kamen etliche zu ihm, die brachten einen Gichtbrüchigen, von Vieren getragen.

Vieren getragen: Die Mitleid mit ihm hatten und nichts unterließen, was zur Wiedererlangung seiner Gesundheit dienen konnte. Denn es soll ein jeder dem anderen durch die Liebe dienen; und wer aus Glauben kranken und bedürftigen Leuten einen Dienst tut, dem wird es so angerechnet, als hätte er es Christus selbst getan {Mt 25}.

4. Und da sie nicht konnten zu ihm kommen vor dem Volk, deckten sie das Dach auf, da er war, und gruben es auf und ließen das Bett hernieder, da der Gichtbrüchige innen lag.

Dach auf: Denn im jüdischen Land waren die Dächer flach, sodass man darauf laufen konnte, wie es bei uns die Altanen sind.

5. Da aber Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Mein Sohn, Deine Sünden sind Dir vergeben.

Glauben sah: Weil sie glaubten, Christus könnte und wollte dem elenden Menschen helfen, er hatte ihn geheilt und noch viele, auf eine andere Weise kuriert, wie die Ärzte es zu tun pflegen. Denn diese kurieren nur den Leib, aber Christus hat zuvorderst die Seele gesund machen wollen.

Vergeben: Ich verzeihe Dir alle deine Sünden. Es haben deswegen diejenigen ihre Gesundheit nicht recht im Auge, die sich nur um die Wohlfahrt des Leibes sorgen und die Seele oder des Gewissens nicht heilen lassen. Denn man soll bei der Heilung der Krankheiten mit der Kur der Seelen beginnen. Danach wird auch an diesem Ort gelehrt, dass es Christi vornehmste Aufgabe sei, dass er uns von unseren Sünden losmacht, die die eigentliche Ursache aller Krankheiten und aller Unfälle sind.

6. Es waren aber etliche Schriftgelehrte, die saßen allda und gedachten in ihrem Herzen:

Saßen allda: Und gaben acht auf Christi Reden und Taten.

7. Wie redet dieser solche Gotteslästerung? Wer kann Sünde vergeben denn allein Gott?

Allein Gott: Der durch die Sünden beleidigt worden ist. Denn die Kirchendiener verzeihen die Sünden nicht aus eigener Gewalt, sondern sie verkündigen den Leuten, dass ihnen diese vergeben sind. Es irrten sich aber die Schriftgelehrten, da sie in Christus nichts anderes, als nur einen Menschen sahen.

8. Und Jesus erkannte bald in seinem Geist, dass sie also gedachten bei sich selbst, und sprach zu ihnen: Was Gedenkt ihr solches in euren Herzen?

Geist: Dass er in seinem Gemüt ihre Gottlosen Gedanken sah und erkannte.

Gedenkt ihr: Meint ihr, dass ich von euren Gedanken nichts weiß? Dass man aber die Gedanken des Herzens erkennt, ist ein göttliches Werk, das dem Menschen Christus auch mitgeteilt worden war, wegen der persönlichen Vereinigung. Diese Majestät hat die Menschheit Christi, weil sie mit dem Sohn Gottes persönlich vereinigt ist.

9. Welches ist leichter, zu dem Gichtbrüchigen zu sagen: Dir sind Deine Sünden vergeben, oder: Stehe auf, nimm Dein Bett und wandele?

Leichter: Nach eurer Meinung. Meint ihr nicht, es müsse eine gleiche Gewalt vorhanden sein, dass man einen Gichtkranken in einem Augenblick gesund macht und einem Menschen die Sünden vergibt? Ja, bedenkt ohne Zweifel, es ist ein viel schwereres Ding, einen Gichtkranken mit einem Wort gesund zu machen, als in die Sünden zu vergeben. Darum, wenn ich das leisten kann, was euch schwerer erscheint, so werdet ihr das auch mit recht zulassen müssen, von dem ihr glaubt, dass es leichter ist.

10. Auf dass ihr aber wisst, dass des Menschen Sohn Macht hat, zu vergeben die Sünden auf Erden, sprach er zu dem Gichtbrüchigen:

Auf Erden: So will ich ihn, den Gichtkranken, gleich jetzt vor euren Augen gesund machen.

11. Ich sage Dir, stehe auf, nimm dein Bett und gehe heim!

Dein Bett: Das Dich so lange getragen hat.

12. Und alsbald stand er auf, nahm sein Bett und ging hinaus vor allen, also dass sie sich alle entsetzten und priesen Gott und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.

Nie gesehen: Ei solch herrliches Wunderwerk ist uns noch nicht vorgekommen, wie es dieser Jesus von Nazareth getan hat, dass er die Sünden vergibt und die Absolution mit einem Wunderwerk bestätigt. Wir sollen aber auch dem Sohn des Menschen, Jesus Christus, unsere Sünden bekennen. Denn er ist getreu und gerecht, dass er uns unsere Sünden verzeiht und von allen Untugenden reinigt {1Joh 1}. Daher ist sein Name Jesus genannt, dass er sein Volk selig macht von ihren Sünden {Mt 1}.

13. Und er ging wiederum hinaus an das Meer; und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie.

Lehrt sie: Denn das Reich Christi wird nicht mit Kriegen, sondern mit Lehren erweitert.

14. Und da Jesus vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.

Und da: Es folgt von der Aufgabe des Matthäus im Apostelamt, wovon auch in Matthäus 9. und Lukas 5. geschrieben steht.

Levi: Mit dem Zunamen, der sonst Matthäus geheißen hat.

Folge mir: Und verlasse das Zollamt, dass Du in Zukunft mein Jünger bist. Denn ich will Dich dazu gebrauchen, dass Du hilfst, mein Evangelium fortzupflanzen. Obwohl das Zöllneramt an sich selbst nicht unehrlich war, sie jedoch dieser Zeit die Einkünfte aus dem Zoll von den Römern um eine gewisse Summe Geldes gekauft hatten, und danach in diesem Handel einen großen Geiz betrieben mit Umtauschen und Draufschlagen, so hatten sie einen bösen Ruf bei den Leuten und wurden als unredlich angesehen. Christus aber beruft einen Zöllner zum Apostelamt, um anzuzeigen, dass dies die Summe des Evangeliums ist, Jesus Christus ist darum in dieser Welt gekommen, auf dass er die Sünder selig mache {1Tim 3}.

Ihm nach: Dass er weder auf seine Güter noch auf eigene Gefahren achtet. Wir sollen auch Christus folgen, wohin er uns beruft und uns nicht von unserem eigenen Nutzen oder andere Gefahr daran hindern lassen. Denn wenn wir um seinetwillen einen Verlust und Schaden erleiden, so wird er uns dies reichlich wiederum vergelten.

15. Und es begab sich, da er zu Tische saß in seinem Hause, setzten sich viel Zöllner und Sünder zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. Denn ihrer war viele, die ihm nachfolgten.

Hause: Da, wo Matthäus Christus und auch seine Jünger zu Gast geladen hatte, wie er selbst auch berichtet im Kapitel 9 und bei Lukas 5.

Sünde: Die bisher ein böses und ärgerliches Leben geführt hatten. Denn weil sie nach der Lehre Christi ein sehnliches Verlangen hatten, so nahmen sie jede Gelegenheit wahr, dass sie Christus hören konnten.

Nachfolgten: Dass sie aus seiner Lehre gebessert würden, weil sie ihren vorigen, unehrenhaften Wandel und Leben bereuten und nach der ewigen Seligkeit trachteten. Man soll deswegen an denen nicht verzagen, die eine Zeit lang übel und unordentlich gelebt haben, denn es kann wohl geschehen, dass sie ernstlich Buße tun und danach andere in der wahren Gottseligkeit weit übertreffen. Daher sagt man im Sprichwort: große Sünder, große Büßer.

16. Und die Schriftgelehrten und Pharisäer, da sie sahen, dass er mit den Zöllnern und Sündern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern?

Trinkt er: Sorgt sich euer Meister nicht, dass man ihn nach seiner Gesellschaft beurteilen wird? Denn es hat den Anschein, als lasse er sich die Laster derer wohl gefallen, zu denen er sich so freundlich gesellt. Was können wir uns von einem solchen Lehrer Gutes oder Sonderliches erwarten? Denn die Lästermäuler, als ein recht teuflisches Gesindel, deuten auch die besten Reden und das beste Handeln auf das Schlechteste und es kann niemand so unsträflich leben, dass er alle üble Nachrede vermeiden könnte.

17. Da das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin kommen, zu rufen die Sünder zur Buße und nicht die Gerechten.

Kranken: Darum gehe ich, als der allerbeste Seelenarzt mit den armen Sündern richtig um, damit ich die Wunden des Gewissens heile und für diese Krankheiten eine angemessene Arznei verwende. Es ist aber einem Prediger des Evangeliums Aufgabe, dass er die Gewissen heilt. Denn so spricht der Sohn Gottes von sich selber: Der Geist des Herrn ist über mir, darum hat mich der Herr gesalbt. Er hat mich geschickt, um den Elenden zu predigen, die gebrochenen Herzen zu verbinden, den Gefangenen eine Erlösung zu predigen und den Gebundenen eine Befreiung {Jes 61}.

Gerechten: Denn wenn ich nur mit den Gerechten umgehen wollte, so könnte ich doch keinen auf der Erde finden, weil sie alle vor Gott Sünder sind, obwohl vor der Welt einer ein ehrbareres Leben führt als der andere. Darum bin ich von meinem himmlischen Vater gesandt worden, dass ich die Sünder zur Buße rufe, damit sie die ewige Seligkeit erlangen. Deshalb sollen die bußfertigen Sünder nicht verzagen, sondern zu Christus, dem Arzt und Mittler fliehen. Sie sollten aber bedenken, dass sie zur Buße gerufen sind und nicht zu einem unordentlichen, rohen Leben, auf dass, wenn sie Buße tun und an Christus glauben, sie auch gute Früchte der Buße hervorbringen.

18. Und die Jünger des Johannes und der Pharisäer fasteten viel; und es kamen etliche, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und der Pharisäer, und Deine Jünger fasten nicht?

Fasteten viel: Nach den Gebräuchen ihrer Vorfahren und waren mit dem Fasten nicht vergnügt, wie es dem Gesetz Moose nach vorgeschrieben war. Hiervon redet auch Matthäus 9. und Lukas 5. Es haben aber diese Jünger des Johannes gegen den Herrn Christus kein gutes Herz gehabt, weil sie sich nur in das strenge Leben des Johannes vergafft hatten und sich bemühten, ihm darin nachzufolgen. Aber daneben, was das Vornehmste war, nämlich das Zeugnis Johannes von Christus außer acht ließen und Christus nicht anhingen, darum sind sie viel mehr mit dem Namen als mit der Tat Jünger des Johannes gewesen.

Fasten nicht: Heute ärgern sich die Katholiken, dass wir nicht mit ihnen Ihre Menschensatzungen halten, an denen ihrer Meinung nach ein großer Teil der Gottseligkeit gelegen ist. Aber wir sollen auch daran richtig denken, dass Christus sagt, Matthäus 15.: Man dient Gott dem Herrn vergeblich mit den Geboten der Menschen. Und der Gehorsam gegen Gottes Gebote wird durch solche Menschensatzungen behindert.

19. Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsleute fasten, dieweil der Bräutigam bei ihnen ist? Also lange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten.

20. Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten.

Sie fasten: Das will so viel sagen: Diese Zeit, da ich, Christus, der Bräutigam der wahren Kirche, sichtbar mit meinen Jüngern auf der Erde wandelte, die sich über meine Lehre, Gegenwart und Wunderwerke sehr freuen, ist einer Hochzeit gleich. Nun wäre es aber eine ungereimte Sache, wenn die Gäste bei der Hochzeit fasten und traurig sein sollten. Aber wenn ich von ihnen genommen werde, so wird die vielfältige Angst und Trübsal sie wohl lehren, zu fasten und traurig zu sein, denn jedes Ding hat seine Zeit, Ecclesia 3. Und obwohl Gott die Übungen, die zur Zähmung unseres Fleisches nützlich sind, nicht verwirft, so will er doch nicht, dass wir uns selbst ein unnötiges Kreuz auferlegen, sondern dass wir das Kreuz, das uns von Gott auferlegt wird, in Hoffnung geduldig tragen und seine Guttaten, wenn wir sie haben, mit dankbarem Herzen genießen.

21. Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch an ein altes Kleid; denn der neue Lappen reißt doch vom alten, und der Riss wird ärger.

Niemand: Die zwei folgenden Gleichnisse haben den gleichen Sinn. Denn Christus will bei den Jüngern des Johannes anzeigen, wie unrecht sie damit haben, sich um die alten, pharisäischen Menschensatzungen zu bemühen und nichts für recht oder gut ansehen, es sei denn, es wäre auf die Pharisäer gerichtet. Darum waren sie der evangelischen Lehre nicht fähig, sondern wurden dadurch nur geärgert und davon abgeschreckt. Als wollte Christus sagen: Ihr Jünger Johannes habt bisher bei eurem frommen Lehrmeister nicht viel gelernt, denn ihr seid noch wie die alte getragene Kleidung oder alte Schläuche, sodass, wenn euch jemand die Lehre des Evangeliums vorhält und sie wie ein neues Tuch annähen will, er sich vergebens bemüht. Aber meine Jünger sind durch den Glauben und die Taufe wiedergeboren und erneuert, darum hören sie das Evangelium mit Nutzen und gebrauchen die christliche Freiheit recht, die ihr nicht gebrauchen wollt und könnt. Darum könnt ihr mit euren Satzungen hinziehen, wo es euch gefällt, denn sie gehen meine Jünger, als neue und wiedergeborene Menschen, nichts an. Wenn man nun auch den Gebrauch der christlichen Freiheit den Schwachgläubigen nicht zumuten soll, so muss man aber doch den Pharisäern, das heißt, den Heuchlern und Scheinheiligen zuliebe, wenn sie sich der Wahrheit halsstarrig widersetzen, vom Gebrauch der christlichen Freiheit nichts fallen lassen, obwohl solche Heuchler dadurch geärgert werden. Denn das heißt, ein genommenes und sich selbst gemachtes, aber nicht gegebenes Ärgernis.

22. Und niemand fasst Most in alte Schläuche; anders zerreißet der Most die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche kommen um. Sondern man soll Most in neue Schläuche fassen.

23. Und es begab sich, da er wandelte am Sabbat durch die Saat, und seine Jünger fingen an, indem sie gingen, Ähren auszuraufen.

Auszuraufen: Und zu Essen. Denn sie waren hungrig, wie es die anderen Evangelisten bezeugen in Matthäus 12. und Lukas 6. Wir sollen mit Christus auch lernen, Mangel zu leiden, Überfluss zu haben und uns in beides mit gebührendem Maß recht schicken. Es war aber im Gesetz Moses zugelassen, dass ein Wanderer im Vorbeigehen Ähren ausreißen durfte und diese essen, aber nichts mit der Sichel abzuschneiden. Und sie durften auch Trauben in einem fremden Weinberg nehmen, aber in keinem Geschirr sammeln und wegtragen. In solchen Dingen hat jedes Land seine eigenen Gebräuche und Ordnungen, denen man, wo sie nicht gegen das Recht sind, nachgeben soll. Denn, was du nicht willst, was man dir tut, das sollst du auch einem anderen nicht tun. Und es sind diejenigen es nicht wert, Brot zu essen, die die Früchte mutwillig verderben.

24. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Siehe zu, was tun Deine Jünger am Sabbat, das nicht recht ist?

Sprachen: Als sie nämlich sahen, wie die Jünger am Sabbat Ähren ausrissen, konnten sie dieses, nach ihrer bösen Art, nicht ungelästert lassen.

Nicht recht: Denn am Sabbat soll man feiern. Aber die Heuchler denken nicht daran, dass der Sabbat darum eingesetzt ist, dass man an diesem Tag besonders den Gottesdienst feiert und danach, dass der Mensch von seiner täglichen Handarbeit ruht, damit sich der Leib wiederum erholen kann. Was nun diesen beiden Stücken nicht entgegensteht, das widerstrebt dem Sabbat nicht. Weil die Jünger nicht deswegen die Ähren ausrissen, weil sie arbeiten wollten, sondern um den Hunger zu stillen und den Leib zu stärken, so zeigt Christus im Folgenden an, wie die Gesetze der Zeremonien der Not weichen müssen.

25. Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da es ihm Not war und ihn hungerte samt denen, die bei ihm waren,

26. wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjathars, des Hohepriesters, und aß die Schaubrote, die niemand durfte essen denn die Priester, und er gab sie auch denen, die bei ihm waren? Samariter 21,6

Abjathar: Der bereits zum Hohepriesteramt bestimmt war, weil sein Vater Ahimelech alt geworden war.

Nach Luther: Abimelech ist der Sohn Abiathars, darum sagt die Schrift, es sei unter Abimelech gewesen, da sie zu einer Zeit Priester waren.

Schaubrot: (Nach Luther). Das heißt hebräisch Panis facierum, Brot, das immer für die Augen sein soll, so wie das Wort Gottes immer für unsere Herzen Tag und Nacht sein soll {Ps 23v5}. Denn du bereitest für mich einen Tisch etc.

Durfte Essen: Nach den Bestimmungen des Gesetzes Moses.

Ihm waren: Die seine Gefährten waren und im Elend mit ihm herumgezogen sind. Und David wird in der Heiligen Schrift nirgends wegen einer solchen Tat beschuldigt, dass er gesündigt hätte, weil er aus Not die Schaubrote zu essen gezwungen war, da keine anderen Brote vorhanden gewesen sind. Gleich, wie nun die Hungersnot den David entschuldigt, dass er die heiligen Brote gegessen hat, die nur allein für die Priester, die aus dem Stamm Levi gebürtig waren, bestimmt waren, so sind meine Jünger ebenso für entschuldigt zu halten, dass sie am Sabbat Ähren ausreißen, weil sie der Hunger dazu treibt. Denn die Not ist in den Zeremonien an kein Gesetz gebunden. Aber in den Sachen, die schlicht auf dem Recht der Natur bestehen und die zu jeder Zeit zur Erfüllung der 10 Gebote gehören, da soll sich keiner unter einem Vorwand der Not, weder vor sich, noch vor anderen, freisprechen.

27. Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen Willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.

Und er: Nämlich Christus bringt noch eine andere Ursache vor, weswegen er seine Jünger für unschuldig erkennt und losspricht.

Menschen willen: Der Sabbat ist nicht nur darum eingesetzt, dass man den Gottesdienst verrichtet, sondern auch, dass der Mensch sich an diesem Tag erholt. Es soll deswegen der Sabbat dem Menschen zum Besten und nicht zum Schaden oder Nachteil angewendet werden, darum kann er auch meinen Jüngern nicht hinderlich sein, dass sie etwas essen dürfen, weil sie hungrig sind. Deswegen soll man die Feiertage so halten, dass durch die Betrachtungen des göttlichen Wortes das Gemüt erfrischt und gebessert und der Leib erquickt wird, und so der ganze Mensch sich erholen kann. Denn so sagt es der Text des Gesetzes ausdrücklich im 3. Gebot: auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen, gleichwie du {5Mos 5}.

28. So ist des Menschen Sohn ein Herr auch des Sabbats.

So ist: Christus bringt noch eine andere Ursache vor, damit die Jünger entschuldigt werden. Und er will so viel sagen: Ich, des Menschen Sohn, bin ein Herr des Himmels und der Erden wegen der persönlichen Vereinigung meiner beiden Naturen, und es ist mir von meinem Vater alles in meine Hände oder in meine Gewalt übergeben {Joh 13}. Wie sollte ich denn dann nicht so viel Macht haben, dass ich mich vom Sabbat halten dispensieren dürfte, besonders darum, weil ich, nach meiner Gottheit eben der Gesetzgeber bin, der in der Wüste wiederholt den Sabbat zu halten, befohlen hat? Darum, wenn auch sonst jeder auf das Genaueste verpflichtet wäre, den Sabbat zu halten, so könnte ich doch in diesem Stück meinen Jüngern etwas zulassen und übersehen. Hierbei hat man zu merken, dass Christus ein Herr des Gesetzes ist, dass er sich aber freiwillig dem Gesetz unterworfen hat, dieses ist um unseretwillen geschehen, auf dass seine vollkommenste Erfüllung des Gesetzes (dem er wegen seiner Person nichts schuldig war) uns, die wir an ihn glauben, zugerechnet würde. Obwohl nun im Christentum niemand gezwungen ist, den Sabbat zu halten, so sollen wir doch die Feiertage, die um der guten Ordnung willen eingesetzt worden sind, dergestalt achten, dass wir nicht frevelhaft ohne notwendigen Grund die Feiertage in Werktage und die Werktage in Feiertage verändern. Denn Gott ist ein Liebhaber der Ordnung und nicht der Zerrüttung.


Das 3. Kapitel


1. Christus bringt eine dürre Hand wiederum zurecht. 2. Die Pharisäer beraten sich mit den Dienern des Herodes darüber, wie sie Christus umbringen könnten. 3. Christus weicht ihnen aus dem Weg und wird von einer großen Menge des Volkes gesucht. 4. Er tut viele Wunderwerke. 5. Er beordert zwölf Apostel und befiehlt ihnen, zu lehren und Wunderwerke zu tun. 6. Seine Verwandten halten ihn für verrückt, die Schriftgelehrten aber und Pharisäer zeigen ihn an, er habe mit dem Teufel einen Pakt. 7. Schließlich erkennt er die für seine Verwandtschaft an, die seinen Willen tun.

1. Und er ging abermal in die Schule. Und es war da ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand.

Und: Es hat sich etliche Male ein Streit zwischen Christus und den Pharisäern erhoben, über die Haltung des Sabbats. Denn so oft Christus am Sabbat ein Wunderwerk getan hat, so oft verlästerten dieses die Pharisäer, als ob er den Sabbat gebrochen hätte. Christus aber hat sich von ihren Lästerungen nicht beirren lassen und die Kranken am Sabbat, wie auch am folgenden Tag, gesund gemacht, wie aus dem folgenden Beispiel zu sehen ist, dass auch Matthäus 12. und Lukas 6. beschreiben.

Verdorrte: Deswegen konnte er nicht arbeiten, noch sein Brot verdienen, wie aus allen Umständen dieser Geschichte leicht abzunehmen ist. Denn Gott lässt uns bisweilen unserer Nahrung wegen in Gefahr kommen, nicht dass er uns verhungern lassen möchte, sondern dass er unseren Glauben und unsere Geduld probiert, danach kommt er zur rechten Zeit zu Hilfe.

2. Und sie hielten auf ihn, ob er auch am Sabbat ihn heilen würde, auf dass sie eine Sache wider ihn hätten.

Ihn heilen: Nämlich, den armen Menschen. Denn die Heuchler dringen auf die Zeremonien mit großem Ernst, aber was rechte Zucht und Ehrbarkeit im Lebenswandel betrifft, da ist ihnen alles gleich.

3. Und er sprach zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: Tritt hervor!

4. Und er sprach zu ihnen: Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, das Leben erhalten oder töten? Sie aber schwiegen stille.

Zu ihnen: Seinen Widersachern, den Pharisäern, die auf ihn lauerten und fleißig auf jede Gelegenheit warteten, wie sie ihn verlästern könnten.

Schwiegen: Denn sie hatten nichts, dass sie ihm hätten antworten können. Und obwohl sie hätten sagen können, es gäbe einen Mittelweg, dass einer weder Böses noch Gutes tut, wodurch der Mensch weder getötet noch erhalten wird am Sabbat, so verstanden sie doch selber gut, dass solche Ausflüchte nicht standhalten würden. Denn wer einem Menschen Gutes tun und ihn erhalten kann, dies aber nicht tut, der wird vor Gott nicht anders gehalten und beurteilt, als dass er Übles getan und den Menschen verderbt oder erwürgt hat.

5. Und er sah sie umher an mit Zorn und war betrübt über ihre verstockten Herzen und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und die Hand ward ihm gesund wie die andere.

Zorn: Dass sie weder vor der Wahrheit zurückweichen, noch Gott die Ehre geben wollten.

Verstockten: Dass sie an der Person Jesu den Messias und Heiland der Welt nicht sehen wollten. Denn es findet sich neben der Bosheit oft auch eine Verstockung des Herzens, und beide sind normalerweise beisammen, sodass solche Widersacher der Wahrheit sich vor Gott nicht entschuldigen können, weil sie nicht aus Unwissenheit der Wahrheit irren, sondern sich dieser vielmehr mutwillig widersetzen.

Menschen: Der die verdorrte Hand hatte, dass er ihm trotzdem helfen wollte. Wir sollen wegen der Bosheit der Heuchler es nicht unterlassen, dem Nächsten Gutes zu tun.

Gesund: Dass er sie gebrauchen und bewegen konnte. Hier sehen wir, wie leicht Christus ein großes Unglück oder Übel auch mit einem Wort wenden kann.

6. Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten alsbald einen Rat mit des Herodes Dienern über ihn, wie sie ihn umbrächten.

Und: Es folgt die Belohnung der Welt, die sie Christus für dieses Wunderwerk gegeben hat, welches er an dem armen Menschen getan hatte. Davon steht auch in Matthäus 12. und Lukas 6.

Umbrächten: Und aus dem Weg räumen. Denn die Welt pflegt für die Guttaten Böses zum Lohn zu geben. Aber Gott vergilt die Guttaten zu seiner Zeit.

7. Aber Jesus entwich mit seinen Jüngern an das Meer. Und viel Volks folgte ihm nach aus Galiläa und aus Judäa

Entwich: Hier hat Christus mit seinem Beispiel gelehrt, dass man dem Wüten und Toben der Widersacher aus dem Weg gehen soll, so lange man kann, damit wir uns nicht in eine unnötige Gefahr stürzen.

Viel Volks: Denn obwohl die Feinde und Widersacher Christi das Evangelium unterdrücken und die Leute durch Verfolgung davon abschrecken, so sammelt Gott dennoch nichtsdestoweniger eine Kirche, die sein Wort hört und lieb hat.

8. und von Jerusalem und aus Idumäa und von jenseits des Jordans und die um Tyrus und Sidon wohnen, eine große Menge, die seine Taten hörten, und kamen zu ihm.

Taten: Nämlich seine herrlichen Wunderwerke und gewaltigen Predigten.

9. Und er sprach zu seinen Jüngern, dass sie ihm ein Schifflein hielten um des Volkes willen, dass sie ihn nicht drängten.

Hielten: Und zur Hand hatten, worin er sitzen konnte.

Volkes willen: Die sich in Massen zu ihm drängte.

10. Denn er heilte ihrer viele, also dass sie ihn überfielen, alle, die geplagt waren, auf dass sie ihn anrührten.

Geplagt: Mit Krankheit und allerhand Gebrechen. Und die glaubten und ihn berührten, die wurden gesund. Es hat sich aber Christus nicht darum ins Schiff gesetzt, dass er den Leuten ihre Gesundheit missgönnen würde, sondern dass er sich ein wenig erholen und zugleich auch zu verstehen geben konnte, dass er ein wahrer Mensch wäre, den menschlichen Schwachheiten unterworfen, jedoch ohne Sünde.

11. Und wenn ihn die unsauberen Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder, schrien und sprachen: Du bist Gottes Sohn!

12. Und er bedrohte sie hart, dass sie ihn nicht offenbar machten.

Bedrohte: Er befahl ihnen zu schweigen. Denn Christus hat von dem Lügengeist kein Zeugnis der Wahrheit annehmen wollen, auf dass er uns lehrt, wie man den bösen Geistern kein Gehör schenken, sondern dem geoffenbarten Wort Gottes glauben soll.

13. Und er ging auf einen Berg und rief zu sich, welche er wollte, und die gingen hin zu ihm.

Und: Bis hierhin hatte Christus allein gelehrt und Wunderzeichen getan, obwohl er etliche Jünger zu sich genommen hatte. Jetzt aber erwählt er aus der ganzen Menge seiner Jünger, zwölf Apostel, denen er das Predigtamt befiehlt und dass sie glaubwürdige Zeugen all seines Handelns und seiner Lehre sein sollten. Das erzählen auch Matthäus 10. und Lukas 6.

Rief: Nämlich aus dem ganzen Haufen seiner Jünger.

14. Und er ordnete die Zwölfe, dass sie bei ihm sein sollten, und dass er sie aussendete zu predigen,

Bei ihm: Dass sie fast immer bei ihm wären, seine Lehre hörten und seine Wunderzeichen sähen.

Predigen: Das Evangelium. Denn Christus hat auch noch vor seinem Leiden die Apostel ins jüdische Land ausgeschickt und sie geheißen, zu predigen und zu sagen: Das Himmelreich ist nahe gekommen und das Reich des Messias ist vorhanden. Darum tut Buße, auf dass ihr der Guttaten des Messias teilhaftig werdet. Und obwohl Christus nach seiner Allmacht selbst an allen Orten allein das Evangelium hätte predigen oder auch die Herzen der Menschen ohne die äußere Predigt erleuchten können, so hat er doch Gehilfen zu sich nehmen wollen, um uns zu erinnern, dass wir nicht glauben sollen, es könnte nichts Rechtes geschehen, wo wir es nicht allein tun. Und dann auch, dass wir lernen, die Predigt des Evangeliums ist das Mittel und Werkzeug, womit der Heilige Geist in den Herzen der Menschen wirkt und stark ist.

15. und dass sie Macht hätten, die Seuchen zu heilen und die Teufel auszutreiben,

Macht hätten: Christus hat seinen Jüngern auch die Gabe verliehen, Wunderwerke zu tun, damit sie gleichsam ihre Empfehlungsschreiben wären, womit sie ihrer Lehre ein Ansehen und den Glauben geben könnten. Weil aber zu unserer Zeit die Lehre des Evangeliums mit so vielen Wunderwerken Christi und der Apostel ausreichend bestätigt ist, so braucht man keine neuen Wunderwerke mehr. Darum sind die Wunderzeichen der Katholiken, mit denen sie Ihre Abgötterei und falschen Gottesdienste zu bestätigen sich unterstehen, lauter teuflische Blendungen und Betrügereien.

16. und gab Simon den Namen Petrus;

Petrus: Bei diesem Namen erinnerte er an die Beständigkeit in der christlichen Religion. Weil aber Christus der rechte Fels ist, worauf wir durch den Glauben erbaut werden müssen, so sollen wir uns mit höchstem Fleiß darum bemühen, dass wir auf diesem Fels fest bestehen. So werden wir niemals zugrunde gehen und die Pforte der Hölle wird uns nicht umstoßen können.

17. und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und gab ihnen den Namen Bnehargem, das ist gesagt, Donnerskinder;

Bnehargem: (Nach Luther) Kinder des Donners bedeutet, dass Johannes besonders das rechte Evangelium schreiben sollte, welches eine gewaltige Predigt ist, die alles erschreckt, zerbricht und umkehrt und die Erde fruchtbar macht.

Donnerkinder: Die hat er darum so genannt, weil sie mit großem Ansehen lehren würden, sodass man ihre Predigten dafür gehalten hat, als wenn es donnern würde.

18. und Andreas und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, des Alphäus Sohn, und Thaddäus und Simon von Kana

Thaddeus: Der sonst auch Judas und Lebeus genannt wurde.

19. und Judas Ischariot, der ihn verriet.

Verriet: Sodass hernach aus einem Apostel ein Verräter wurde. Und Christus hat schlechte und verachtete Menschen zum Apostelamt berufen, damit in der Predigt des Evangeliums die Kraft Gottes umso mehr hervorleuchte und die Weisen dieser Welt zuschanden gemacht würden {1Kor 1}. Er hat Sünder erwählt, um damit zu lehren, er sei darum in die Welt gekommen, dass er die Sünder selig mache {1Tim 1}. Unter anderem hat er aber auch seinen Verräter Judas zum Apostelamt berufen, damit die Schrift erfüllt würde, die zuvor verkündigt hatte, dass einer von den vornehmsten Jüngern Christus verraten würde. Und er hat zugleich auch lehren wollen, dass man bei der Wahl der Menschen zu Ämtern man die gegenwärtigen Gaben betrachten soll, womit sie geschmückt sind und das Übrige, wie sie sich verhalten, das soll man Gott befehlen. Und weil Judas Ischarioth auch von Christus ausgesandt worden ist, um zu predigen und zu taufen, so haben wir daraus zu lernen, wie stark das Predigtamt ist, obwohl der Kirchendiener in seiner Person ein lasterhafter Mensch ist. Endlich sollen wir aus dieser Wahl des Vertreters Judas einen Trost fassen, wenn die, auf die wir gehofft hatten, uns betrügen und sich nicht verhalten, wie es sich gebührt und wie wir es wohl angenommen hätten. Denn, wenn unter den zwölf Aposteln der eine zum Verräter geworden ist, so soll es uns nicht wundern, wenn unter vielen Kirchendienern einer oder zwei zu Mamelucken werden, oder mit einem anderen, schrecklichen Fall der Kirche Christi einen Schandfleck anhängen.

20. Und sie kamen nach Hause; und da kam abermal das Volk zusammen, also dass sie nicht Raum hatten zu essen.

Volk: Das seine Hilfe zur Heilung der Kranken begehrte.

Nicht Raum: Wir sollen deswegen auch die Arbeit unseres Berufs mit rechtschaffenem Herzen auf uns nehmen. Denn der Knecht ist nicht größer als sein Herr {Joh 15}.

21. Und da es hörten, die um ihn waren, gingen sie hinaus und wollten ihn halten; denn sie sprachen: Er wird von Sinnen kommen.

Um ihn: Nämlich etliche seiner Verwandten, als sie hörten, wie sehr er beschäftigt war und wie viel Mühe er sich machte, indem er das Volk und jedermann, der ihn zu sehen wünschte, zu sich ließ, und sich auch mit der Heilung der Kranken stets bemühte.

Sinnen kommen: Weil er so große Sachen anpackt, die über seine Möglichkeiten gehen. Obwohl man nun die Arbeit mäßigen soll, dass wir sie ertragen können, so sollen wir doch davon ausgehen, dass Gott uns Kräfte verleihen wird, damit wir unsere Aufgaben gebührend erledigen können. Aber diese Verwandten Christi tun zu viel des Guten und erweisen ihm eine Schmach, indem sie ihn als einen Verrückten angreifen wollen, wo sie doch viel mehr sein Ansehen und seine Ehre zu erhalten und zu retten hätten helfen sollen. Aber es passiert solches auch heutzutage, dass wir von denen verachtet werden, die uns ein guter Leumund sein sollten.

Nach Luther: Sie fürchten, er würde zu viel arbeiten, wie man sagt: Du wirst den Kopf verrückt machen.

22. Die Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabkommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebub und durch den Obersten der Teufel treibt er die Teufel aus {Mt 9v34 Lk 11v15}.

Die: Es waren zwar die Verwandten Christi sehr Unrecht dran, wenn sie meinten, er wäre unsinnig, aber die Schriftgelehrten machten es noch viel ärger, indem sie ihn für einen solchen Menschen hielten, der mit dem Teufel zu tun habe. Davon handelt das Folgende und es berichtet auch Matthäus im Kapitel 12 davon.

Herabgekommen waren: Um seine Wunderwerke zu sehen, und ihn predigen hören, obwohl sie durch das allgemeine Geschehen aufgebracht waren und ihnen das, was von ihm gesagt wurde, wie ein neuer und ungewöhnlicher Handel, seltsam vorkam. Da sie aber seine gewaltigen Wunderwerke gesehen hatten und verstanden hatten, wie er den Teufel austrieb, so haben sie alles zum Schlechtesten deutet und verlästert.

Belzebub: (Nach Luther). Das ist so viel wie eine Fliege aus Metall, Hummel oder Fliegenkönig; denn so lässt sich der Teufel durch die Seinen verachten wie die großen Heiligen.

Teufel aus: Dass sie von den Menschen weichen. Es nannten aber die Juden den obersten Teufel mit einem verächtlichen Namen Belzebub, was so viel heißt, wie ein Mückenkönig. Und dies war eine gräuliche Gotteslästerung, dass sie die göttlichen Wunderwerke Christi dem Teufel zuschrieben. Darum darf man sich heutzutage nicht so sehr darüber wundern, wenn die Feinde der Wahrheit, auch wenn sie ausreichend überführt worden sind, dennoch damit fortfahren, die Wahrheit zu lästern. Denn was hätte denen genug sein können, die mit den herrlichen Wunderwerken Christi nicht glücklich gewesen waren?

23. Und er rief sie zusammen und sprach zu ihnen in Gleichnissen: Wie kann ein Satan den andern austreiben?

Rief sie: Von denen er wusste, dass sie solche Reden entweder geführt oder gehört hatten. Denn Christus hat solche teuflischen Gotteslästerungen nicht unbeantwortet lassen können.

Austreiben: Sollte ein vernünftiger Mensch so etwas glauben können?

24. Wenn ein Reich mit ihm selbst untereinander uneins wird, mag es nicht bestehen.

Uneins: Wenn ein solcher Zwiespalt in einem Reich entsteht, dass ein Teil gegen den anderen streitet.

Nicht bestehen: Darum sollen wir uns um die gottselige Einigkeit bemühen.

25. Und wenn ein Haus mit ihm selbst untereinander uneins wird, mag es nicht bestehen.

Haus: Wo das Personal untereinander Hass und Feindschaft in sich trägt und so im Hausregiment kein Frieden und keine Ruhe ist, da kann es mit dieser Haushaltung nicht lange Bestand haben. Darum sollen wir uns bemühen, den häuslichen Frieden zu erhalten.

26. Setzt sich nun der Satan wider sich selbst und ist mit ihm selbst uneins, so kann er nicht bestehen, sondern es ist aus mit ihm.

Ist aus: Sein Reich wird zugrunde gehen müssen. Aber der Satan ist nicht so verrückt, dass er sein eigenes Reich zerstört, sondern er trachtet vielmehr mit höchstem Fleiß dahin, wie er es bestätigen kann. Darum kann es nicht sein, dass ein Satan den anderen austreibt. Die aber heutigentags zur Bestätigung der Abgötterei, die dem Wort Gottes ausdrücklich widerstrebt, dem Anschein nach Teufel austreiben, die treiben sie nicht aus, sondern sie begehen einen Betrug, der endlich an den Tag kommt, sodass die Betrüger und Verführer zuschanden kommen werden.

27. Es kann niemand einem Starken in sein Haus fallen und seinen Hausrat rauben, es sei denn, dass er zuvor den Starken binde und alsdann sein Haus beraube.

Es: Jetzt zeigt Christus an, wie er nicht nur der Widersacher und ausdrückliche Feind des Satans ist, sondern auch, dass er ihn überwindet und gleichsam einen Triumph feiert.

Binde: Und ihn auf diese Weise unter seine Gewalt bringt. Denn welcher tapfere und mutige Held würde es zulassen, dass ein anderer sein Haus plündert, wenn er nicht zuvor gefangen und gebunden wäre, sodass er sich und die Seinen nicht mehr schützen könnte? Weil ihr demnach seht, dass ich im Reich des Satans so hause und die Teufel austreibe, dass sie sich zwar stark dagegen widersetzen, aber doch weichen müssen, warum merkt ihr dann nicht, dass ich ein solcher Herr bin, der stärker ist als der Satan, nämlich, Gott und Mensch, der ich mit dem Teufel umgehen kann, wie ich will? Denn dieser Jesus Christus ist der Held, der das menschliche Geschlecht allein aus der Gewalt des Satans reißen und retten kann. Darum sollen wir an ihn glauben und in allen Widerwärtigkeiten zu ihm fliehen.

28. Wahrlich, ich sage euch, alle Sünden werden vergeben den Menschenkindern, auch die Gotteslästerung, damit sie Gott lästern {Mt 12v31 Lk 12v10 1 Joh 5v16};

Wahrlich: Christus setzt eine ernsthafte Drohung hinzu, womit er den halsstarrigen Gotteslästerern die ewige Verdammnis verkündigt.

29. wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewig, sondern ist schuldig des ewigen Gerichts.

Ewigen Gerichts: Das heißt: Er hat eine solche Sünde begangen, die vor dem Angesicht Gottes niemals vergessen wird, sondern mit ewiger Pein gestraft werden muss.

30. Denn sie sagten: Er hat einen unsauberen Geist.

Unsauberen Geist: Er hat den Teufel bei sich, durch dessen Kraft er solche Wunderwerke tut. Den Heiligen Geist aber lästern oder gegen ihn sündigen, wird von denen gesagt, die das Evangelium Christi wissentlich und aus lauter Bosheit gräulich verlästern und verfolgen, wo doch ihr eigenes Gewissen sie vom Gegenteil überzeugt und sie darum nicht aus Unwissenheit, sondern aus einer teuflischen Bosheit und mit vorsätzlichem Mutwillen sündigen. Denn die Pharisäer und Schriftgelehrten verlästern und verfolgen die Lehre und Wunderwerke Christi gegen ihr eigenes Gewissen. Und solche Lästerer tun niemals Buße. Aber die anderen Sünden, wenn sie auch gegen das Gewissen geschehen, werden den bußfertigen Sündern verziehen. Denn das Blut Jesu Christi, Gottes Sohn, reinigt uns von allen Sünden {1Joh 1}. Wer von der Sünde gegen den Heiligen Geist Weiteres nachlesen möchte, der findet es droben, in Matthäus 12.

31. Und es kam seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.

Brüder: Seine Verwandten. Denn die Hebräer pflegen, die ihren Brüder und Schwestern zu nennen.

Draußen: Da er in der Schule oder Synagoge lehrte.

Rufen: Sie ließen ihm sagen, dass er zu Ihnen herauskommen sollte. Davon schreibt auch Matthäus im Kapitel 12. Dieses, zur Unzeit geschehene Begehren der Jungfrau Maria ist allerdings nicht ohne Ehrgeiz geschehen, da die allerheiligste Mutter des Herrn sich über ihren lieben Sohn erhebt und sehen lassen wollte, wie sie ihrem Sohn zu gebieten hätte. Denn es können auch die allerheiligsten Leute in diesem Leben den alten Adam nicht ganz ablegen, dass sie nicht täglich um Vergebung der Sünden bitten müssten. Es kann deswegen auch niemand durch seine eigene Gerechtigkeit vor dem Angesicht Gottes bestehen.

32. Und das Volk, das seine Lehre hörte, saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir und begehren mit dir zu reden.

33. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?

Brüder: Die mich zur Unzeit auffordern, nach draußen zu kommen und mich an meiner Predigt hindern wollen? Ich bin Ihnen nicht so verbunden, dass ich mich von der Ausübung meiner Aufgabe abhalten lassen müsste. Sie mögen warten, bis ich meine Predigt beendigt habe und es mir gelegen ist, dass ich hinausgehe. Denn obwohl man die Eltern ehren und die Verwandten lieben und ihnen helfen soll, so soll man sich ihrer doch nicht so annehmen, dass wir ihretwegen unser Amt und unseren Beruf versäumen.

34. Und er sah rings um sich auf die Jünger, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und meine Brüder.

Das ist: Die sind mir eben so lieb wie meine Brüder und Verwandten. Denn bei Christus gibt es kein Ansehen der Personen.

35. Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter {Mt 12v50}.

Willen tut: Darum, wer in das edle Geschlecht Christi kommen will, der soll den Willen Gottes tun. Der Wille des himmlischen Vaters aber ist es, dass wir mit demütigen Herzen an Christus glauben und aus Glauben ein gottseliges Leben führen. Wer deswegen an Christus glaubt und sich von Herzen bemüht, seinem Willen zu folgen, den muss man unter die liebsten Verwandten Christi rechnen.


Das 4. Kapitel


1. Christus gebraucht ein Gleichnis von verschiedenem Samen, womit er den Zustand seines Reiches auf Erden erklärt. Desgleichen ein anderes, von dem Licht, das auf den Leuchter gesetzt wird. Auch vom Weizen, der langsam heranwächst, sowie das Gleichnis vom Senfkorn. 2. Danach besänftigt er ein Unwetter, das auf dem Meer entstanden war und den Jüngern ihren Untergang drohte.

1. Und er fing abermal an zu lehren am Meer. Und es versammelte sich viel Volks zu ihm, also dass er musste in ein Schiff treten und auf dem Wasser sitzen. Und alles Volk stand auf dem Lande am Meer {Mt 13v1 Mk 3v9 Lk 1v4}.

Und: Das folgende Kapitel beinhaltet viele herrliche Gleichnisse, wodurch die Möglichkeiten und der Zustand des evangelischen Predigtamts erklärt werden.

Meer: Am See Genezareth in Galiläa. Denn die Hebräer nennen jedes große Wasser ein Meer.

Sitzen: Und aus dem Boot wie aus einem Predigtstuhl predigen. Er ist aber deshalb in das Boot gestiegen, um nicht vom Volk bedrängt zu werden. Dies ist ein Vorbild des Predigtamts gewesen. Denn die Prediger sitzen auf dem Meer, die Zuhörer aber stehen auf dem Land, das bei 5. Mose steht: Die Lehrer der Kirche sind im Allgemeinen viel mehr und viel größeren Gefahren unterworfen als die Zuhörer.

2. Und er predigte ihnen lange durch Gleichnisse. Und in seiner Predigt sprach er zu ihnen:

Gleichnisse: Der Grund, warum Christus dem gemeinen Volk mehr durch Gleichnisse als durch sonst etwas gepredigt hat, wird bald in diesem Kapitel beschrieben.

3. Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen.

Hört zu: Denn diejenigen, die während der Predigt mit ihren Gedanken anderswo umherschweifen, die hören das Wort Gottes ebenso wenig, als die, die in der Kirche nicht anwesend sind. Es bringt aber Christus ein Gleichnis vor vom Samen, der zwar gut ist, aber nicht auf jedem Land Frucht trägt. Weil nun Christus solche Gleichnisse danach selbst erklärt, so wollen wir sie auch zunächst kurz ansprechen und anschließend an der jeweiligen Stelle die Auslegung hören. Dieses Gleichnis wird auch beschrieben in Matthäus 13 und Lukas 8.

4. Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel unter dem Himmel und fraßen es auf.

Weg: Auf dem man täglich betete. Es war ein Fußweg, der über viele Äcker führte.

Fraßen es auf: Weil es nicht unter die Erde gelegt wurde, haben es die Vögel weggeholt, sodass es weder Wurzeln noch Frucht bringen konnte.

5. Etliches fiel in das Steinige, da es nicht viel Erde hatte, und ging bald auf, darum dass es nicht tiefe Erde hatte.

Nicht tiefe: So, dass Sonne und Regen leicht durchdringen konnten und es bald aus der Erde heranwachsen konnte.

6. Da nun die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es.

Verdorrte es: Von Sonne, Hitze und Dürre, weil es nicht tief verwurzelt war und aus den Felsen keine Feuchtigkeit an sich ziehen konnte.

7. Und etliches fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten es, und es brachte keine Frucht:

Erstickten es: Weil es unter den Dornen nicht hoch wachsen konnte und es schaffte, Ähren zu bringen und reif zu werden.

8. Und etliches fiel auf ein gut Land und brachte Frucht, die da zunahm und wuchs; und etliches trug dreißigfältig und etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig.

9. Und er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Höre: Das bedeutet: Wem es gegeben ist, zu verstehen und zu hören, was ich sage, der merke sorgfältig darauf, dass er in der Erkenntnis der göttlichen Geheimnisse zunimmt. Denn man muss zu dem Vorigen immer etwas Weiteres lernen. Und es steht zwar einem Christen zu, dass er eine falsche, neue Lehre verwirft, die alte aber Tag für Tag immer fleißiger lernt. Die aber keine Ohren haben, um zu hören, das heißt, die aus gerechtem Urteil Gottes verstockt sind, die werden auch mit den heilsamsten Predigten nicht gebessert, sondern oft schlimmer gemacht.

10. Und da er allein war, fragten ihn um dieses Gleichnis, die um ihn waren, samt den Zwölfen.

Um ihn: Nämlich, nicht nur die zwölf Apostel, sondern auch etliche andere Jünger, die mit Christus und den Aposteln umherzogen, begehrten zusammen, dass Christus ihnen dieses Gleichnis auslegen sollte. Denn wir sollen uns vom Lernen nicht deshalb abschrecken lassen, wenn wir nicht gleich vom ersten Augenblick an alles verstehen, was gesagt wird.

11. Und er sprach zu ihnen: Euch ist‘s gegeben, das Geheimnis des Reichs Gottes zu wissen; denen aber draußen widerfährt es alles durch Gleichnisse,

Geheimnis: Euch hat Gott dazu würdig gemacht, dass ihr geistliche Sachen erkennen sollt.

Draußen: Die nicht zu der Kirche Gottes gehören und auch nicht auserwählt sind.

Gleichnisse: Sie hören Gleichnisse, die sie nicht verstehen und wenn ihnen auch auf das genauste etwas gesagt wird, so ist es genauso, als wenn sie lauter dunkle Sprüche gehört hätten.

12. auf dass sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, auf dass sie sich nicht dermal einst bekehren, und ihre Sünden ihnen vergeben werden {Mt 13v12 Lk 8v10 Joh 12v40 Apg 28v26 Röm 11v8}.

Nicht verstehen: Was ihnen gesagt wird. Solche Zuhörer werden aber aus gerechtem Urteil Gottes verstockt, sodass sie sich durch die Predigten nicht bessern.

Vergeben werden: Dieser Spruch ist aus dem 6. Kapitel des Propheten Jesaja genommen, und er hat aber nicht den Sinn, als ob Gott etlichen Menschen die Seligkeit missgönnen würde. Denn im Propheten Hesekiel 18. spricht Gott: Ich habe keinen Gefallen am Tod des Sterbenden. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben. Aber das rohe Wesen und die Verachtung der himmlischen Wahrheit straft Gott nach seinem gerechten Gericht, damit, die, die das Wort Gottes nicht mit Ernst hören, dieses auch nicht verstehen, sondern mehr Lust zu falschen Lehren und zur Lüge haben, als zur Wahrheit. Denn Paulus lehrt, dass die, die in einen falschen Sinn geführt werden, sich in Irrtümern verwickeln und verderben, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben (das heißt, weil sie die Wahrheit nicht geliebt haben), dass sie selig werden {2Thes 2}.

13. Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr dieses Gleichnis nicht, wie wollt ihr denn die andern alle verstehen?

Nicht: Da doch die Sache an sich selbst klar und deutlich genug ist?

Verstehen: Darunter sind etliche auch etwas dunkler. Und Christus verweist seine Jünger auf ihren Unverstand. Denn im Lernen der Geheimnisse des Reiches Gottes sind auch die Auserwählten von Natur aus ungeschickter, als sie es sein wollen.

14. Der Sämann sät das Wort.

Sämann: Der Prediger, der die himmlische Wahrheit lehrt, streut gleichsam das Wort Gottes unter den Zuhörern aus. Denn man soll das Wort Gottes lehren und nicht Menschentand oder Satzungen.

15. Diese sind‘s aber, die an dem Wege sind, wo das Wort gesät wird, und sie es gehört haben; so kommt alsbald der Satan und nimmt weg das Wort, das in ihr Herz gesät war.

Nimmt weg: Denn die über das Wort Gottes nicht nachdenken, sondern es, wie ein Märchen, wieder aus den Gedanken werfen, oder vielmehr vom Teufel es sich aus ihren Herzen reißen lassen, tragen keine guten Früchte, weil der Same des göttlichen Worts in Ihrem Herzen nie angefangen hat, zu wurzeln. Wenn insofern Gott einen solchen harten Weg mit dem Pflug des Gesetzes nicht umstürzt, dass solche harte Herzen den Zorn Gottes empfinden und das Evangelium mit großer Begierde annehmen, so hören sie das Evangelium vergebens.

16. Also auch die sind‘s, die aufs Steinige gesät sind; wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es bald mit Freuden auf

Freuden auf: Und haben Lust zur Predigt des Evangeliums.

17. und haben keine Wurzel in ihnen, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Trübsal oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, so ärgern sie sich alsbald.

Wetterwendisch: Dass sie den Mantel nach dem Wind hängen und nur eine Zeit lang glauben.

Wortes willen: Nämlich Gottes, dass sie predigen gehört und es auch angenommen haben.

Ärgern: Dass sie anfangen, zu zweifeln, ob das die Rechte und himmlische Lehre ist, weil gerade diese Zuhörer, und die sich dazu bekennen, so viel Unheil und Trübsal unterworfen sind und von dieser Lehre wieder abfallen. Denn, die bei der Lehre des Evangeliums die Freiheit des Fleisches und weltliches Glück suchen, die pflegen in schweren Versuchungen, Trübsal oder Verfolgungen nicht zu bestehen, sondern lassen die Bekenntnisse des Evangeliums fahren und gewinnen die Welt wieder lieb, wie Paulus von Demas schreibt, 2. Timotheus 4. Wenn nun Gott das steinige Erdreich mit dem Hammer des Gesetzes nicht zerschlägt und nicht mit dem Wasser des Heiligen Geistes befeuchtet, so bleiben diese in Trübsal nicht beständig.

18. Und diese sind‘s, die unter die Dornen gesät sind, die das Wort hören,

19. und die Sorge dieser Welt und der betrügliche Reichtum und viel andere Lüste gehen hinein und ersticken das Wort, und bleibt ohne Frucht {Lk 12v15 1Tim 6v17}

Hinein: Und nehmen ihre Herzen ein. Was jedoch nicht so zu verstehen ist, als wenn die Sorgen unseres Berufs die Seligkeit behindern würden, oder der Reichtum allein jemanden im Weg stehen würde, dass er nicht selig werden könnte. Sondern dies ist der Sinn der Worte Christi: Die sich in den weltlichen Sorgen verwickeln und so gesinnt sind, als wenn sie sich nur um irdische und nicht um himmlische Dinge sorgen müssten, und die sich durch die zeitlichen Güter verführen lassen, dass sie die Reichtümer dieser Welt höher schätzen als die himmlischen Schätze, die auch durch die Fleischeslust hingerissen werden, dass sie nur danach streben wie sie diese befriedigen können, daneben aber nicht nach Gott und seinem Willen fragen, die bringen keine gute Frucht. Denn obwohl sie die Wahrheit wissen und verstehen, so sind sie doch den zeitlichen Sorgen, Gütern und Wolllüsten so sehr ergeben, dass sie dem Worte Gottes nicht folgen. Darum, weil sie ihre ewige Seligkeit sich nicht mit Ernst angelegen sein lassen und die irdischen Sachen den himmlischen vorziehen, so erlangen sie auch die ewige Seligkeit nicht. Es sei denn, dass Gott solchen Leuten die Schlafsucht vertreibt und die Liebe zu Reichtum und Wollust bekämpft, sonst bringen sie keine Frucht.

20. Und diese sind‘s, die auf ein gutes Land gesät sind, die das Wort hören und nehmen es an und bringen Frucht, etlicher dreißigfältig und etlicher sechzigfältig und etlicher hundertfältig.

Gut Land: Die, wie ein gutes, fruchtbares Erdreich, den Samen des göttlichen Wortes recht annehmen.

Frucht: Dass sie dem Evangelium glauben und gute Früchte des Glaubens bringen.

Hundertfältig: Denn etliche Christen sind williger zu guten Werken und tun diese reichlicher als andere. Ebenso nutzt einer, je nachdem, wie es mit seinem Beruf und seinen Gaben beschaffen ist, die Kirche Gottes mehr als der andere und erweist ihr größere Guttaten. Die allerdings keine guten Früchte bringen, dies sind nur mit dem Namen, aber nicht mit der Tat Christen. Dieses Gleichnis sagt nicht, dass Gott ein unfruchtbares Land nicht fruchtbar machen könnte, sondern Christus wollte lehren, dass der gute Samen Gottes nicht überall gute Früchte bringt, und es ist nicht die Schuld des Samens, sondern der Zuhörer. Darum sollen wir an der Wahrheit der himmlischen Lehre nicht zweifeln, obwohl sie nicht jeder annimmt, noch sich daraus bessert. Deswegen sind die Katholiken und Wiedertäufer unrecht dran, wenn sie wegen etlicher Zuhörer, die ein gottloses Leben führen, unsere rechte Lehre beschuldigen, dass sie irrig und böse sei.

21. Und er sprach zu ihnen: Zündet man auch ein Licht an, dass man‘s unter einen Scheffel oder unter einen Tisch setze? Mitnichten, sondern dass man‘s auf einen Leuchter setze {Mt 5v15}.

Und: Jetzt erzählt Christus etliche Sprichwörter und richtet sie zu seinem Vorhaben, dass er die Jünger ermahnt, sie sollen seiner Lehre auf das Fleißigste zuhören, weil sie bald danach auch wieder andere lehren würden. Dies steht auch in Lukas 8.

Leuchter setze: Und den Menschen leuchtet, die im Hause sind. Also unterrichte ich euch jetzt, damit ihr später einmal mit eurer Lehre anderen vorleuchtet und ihnen den Weg zum ewigen Leben zeigt. Darum gebührt es euch, dass ihr lernt, damit ihr wiederum andere lehren könnt. Die sich also mit der Heiligen Schrift beschäftigen, die sollen sie so lernen, dass sie sie einmal mit Nutzen wiederum andere lehren können. Sie sollen aber darauf gefasst sein, dass die Zuhörer sich viel mehr über ihre Lehre wundern, als diese zu verstehen.

22. Denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, und ist nichts Heimliches, das nicht hervorkomme {Mt 10v26 Lk 8v17}.

Hervorkomme: Das hießt: Obwohl ich von etlichen Sachen besonders mit euch rede, so geschieht doch nichts in dem Sinn, dass es als ein Geheimnis verborgen bleiben müsste, sondern dass ihr es später öffentlich, zu seiner Zeit, in der Kirche Gottes predigt. Und die Wunderwerke, die ich für euch allein tue, die nicht wenige gewesen sind, tue ich nicht darum für euch allein, dass sie immer verborgen bleiben sollten, sondern dass ihr einmal davon öffentlich zeugen könnt. Darum habt fleißig Acht darauf, was ihr seht und hört, und erhaltet es frisch in eurem Gedächtnis, damit ihr öffentlich lehren könnt, was ihr Besonderes gelernt und gesehen habt. Deswegen irren sich die Katholiken, die, ich weiß nicht was für apostolische Satzungen der Kirche zuschanzen und aufdrängen, die die Apostel weder öffentlich gelehrt noch in Schriften verzeichnet und hinterlassen haben, sondern angeblich ihren Zuhörern gleichsam heimlich ins Ohr eingeblasen haben sollen. Wir sollen uns aber an prophetischen und apostolischen Schriften erfreuen, von denen niemand zweifelt, dass sie der Kirche Gottes von den Aposteln hinterlassen worden sind.

23. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Zu hören: Dessen Herz allerdings nicht verblendet und verstockt ist, der soll darauf achten, damit er das Wort Gottes nicht vergeblich hört. Denn etliche sind zu schläfrig und fahrlässig, wenn sie Gottes Wort hören, als ob sie keine, oder taube Ohren hätten. Aber wo sie Lästerung, unnützes Geschwätz und Lügen hören, da stehen Ihnen die Ohren weit offen.

24. Und sprach zu ihnen: Seht zu, was ihr hört! Mit welcherlei Maß ihr messt, wird man euch wieder messen; und man wird noch zugeben euch, die ihr dies hört {Mt 7v2 Lk 6v38}.

Ihr hört: Achtet fleißig darauf, dass ihr wisst, was ich euch gesagt habe. Denn ich bespreche mit euch keine nichtigen, sondern wichtige Sachen, die das ewige Heil und die Seligkeit des Menschen betreffen. Darum sollen wir das Wort Gottes nicht nur oberflächlich hören, als wenn nichts daran gelegen wäre.

Wieder messen: Denn wenn ihr großen Fleiß aufwendet, so wird euch auch eine große Erkenntnis der himmlischen Sachen gegeben werden, und es wird sogar mehr sein, gleich, als ob man eine Hauptsumme mit einem Zins wiedergibt. Denn wer Gottes Wort fleißig lernt, dem vergilt es Gott reichlich mit größerem Verständnis der Geheimnisse Gottes.

25. Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, von dem wird man nehmen, auch was er hat {Mt 13v12 Lk 8v18 19v26}.

Er hat: Es ist in der Art eines Sprichworts gesprochen, so wie wir sagen könnten: Den Reichen gibt man, den Armen nimmt man. So geht es auch zu mit dem Erlernen der Geheimnisse Gottes. Denn wer das Wort Gottes treulich lernt, der nimmt in der Erkenntnis Gottes immer zu. Wer aber keine Erkenntnis Gottes hat, diese auch nicht zu lernen begehrt, der wird, je länger, je ärger und je mehr, umso mehr verblendet.

26. Und er sprach: Das Reich Gottes hat sich also, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft

Und: Es folgt ein schönes Gleichnis, womit angezeigt wird, wie das geistliche Reich Christi wächst und zunimmt.

27. und schläft und steht auf Nacht und Tag, und der Same geht auf und wächst, dass er es nicht weiß.

Nicht weiß: Das heißt: So wie der Same, der in die Erde geworfen und gesät wird, zu seiner Zeit hervorkommt und aufgeht, währenddessen der Bauer schläft, aufsteht und sich niederlegt, mal früh, mal spät, so wurzelt auch das gepredigte Wort Gottes zu seiner Zeit in den Herzen der Auserwählten und kommt dermaßen hervor, dass die Kirchendiener spüren, sie haben Ihre Mühe nicht schlecht angelegt. Wenn sie aber ihr Amt fleißig getan haben und Gott bitten, dass er zu Ihrem Ackerbau das Gedeihen geben soll, so sollen sie danach zufrieden sein und den Fortgang Gott anheimstellen, dann wird ihre Arbeit nicht vergebens sein.

28. Denn die Erde bringt von ihr selbst zum ersten das Gras, danach die Ähren, danach den vollen Weizen in den Ähren.

Gras: Das aus dem Samen hervorwächst.

29. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er bald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Schickt er: Nämlich der Bauer, der den Samen ausgesät hatte.

Ist da: Dass die Frucht reif geworden ist und er seine Arbeit genießen kann, worüber er sich sehr gefreut hat. So ist es auch, wenn treue Kirchendiener sehen, dass sie etliche für Christus gewonnen und aus dem Verderben gerissen haben, so freuen sie sich darüber, wie über eine reiche Ernte. Aber die völlige Frucht und die Belohnung ihre Arbeit werden sie im anderen Leben einnehmen. Denn wenn der oberste Hirte erscheinen wird, so werden sie die Krone der Ehre empfangen, die niemals verwelkt {1Petr 5}.

30. Und er sprach: Wem wollen wir das Reich Gottes vergleichen und durch welch Gleichnis wollen wir es vorbilden?

Und: Das folgende Gleichnis lehrt uns, dass wir uns wegen des geringen Anfangs des Reichs Christi nicht ärgern sollen. Dieses erzählt auch Markus im Kapitel 13.

Reich Gottes: Nämlich die Predigt des Evangeliums, wodurch die Leute zum Reich Gottes gebracht werden.

Vorbilden: Mit was für einem Gleichnis kann man erklären, wie das Evangelium von einem geringen Anfang zunimmt?

31. Gleichwie ein Senfkorn, wenn das gesät wird aufs Land, so ist‘s das kleinste unter allen Samen auf Erden {Mt 13v31 Lk 13v19}.

Senfkorn: Wir wollen das Gleichnis von einem kleinen Senfkorn gebrauchen, dem das Reich Gottes mit seinem schlichten Anfang ähnlich ist. Darum sollen wir uns nicht darüber ärgern, wenn wir den geringen Anfang der Kirche sehen, die durch das Evangelium gepflanzt wird. Denn das Reich Gottes nimmt allmählich zu. So ist zu den Anfängen des Philippus die Kirche sehr schlicht gewesen, aber danach hat sie am gleichen Ort gewaltig zugenommen {Apg 16}.

32. Und wenn es gesät ist, so nimmt es zu und wird größer denn alle Kohlkräuter und gewinnt große Zweige, also dass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.

33. Und durch viele solche Gleichnisse sagte er ihnen das Wort, nach dem sie es hören konnten.

Hören konnten: Er richtet sich nach dem Verstand der gottseligen Zuhörer, dass er mit einfachen Gleichnissen große Sachen darstellt, woraus sie es einigermaßen lernen konnten, es zu verstehen, wenn sie wollten.

34. Und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen; aber insonderheit legte er es seinen Jüngern alles aus.

Er nichts: Damit er den schläfrigen Zuhörern und den Verächtern des göttlichen Wortes nicht die Perlen vorwirft und die Geheimnisse des Reiches Gottes denen vergeblich vorlegt, die zur Erkenntnis der Wahrheit keine Lust haben.

Alles aus: Weil die später andere wieder lehren sollten, deshalb bemüht sich Christus umso mehr, sie zu unterrichten. Denn diejenigen, die andere lehren sollen, die müssen auch von der Erkenntnis Gottes umfangreichere Berichte haben, damit sie aus ihrem Schatz Neues und Altes hervorbringen können, wie es an anderer Stelle Christus sagt. Und die, die andere lehren wollen, die müssen sich nach dem Verstand ihre Zuhörer richten, damit sie von denen verstanden werden können, die von ihnen unterrichtet werden möchten. Es hat aber Christus seine Jünger nicht darum besonders unterrichtet, dass er ihnen eine andere Lehre vorgegeben hätte, als den anderen Zuhörern, oder dass er anordnete, die Wahrheit zu verhehlen, der sie mit Fleiß nacheifern, sondern er hat gewollt, dass es einen Unterschied im Lernen gäbe und somit nach und nach ein Fortschritt erreicht würde. Denn was er zuerst den Jüngern allein deutlich erklärt hat, das haben später die Apostel ebenso verständlich jedermann vorgetragen.

35. Und an demselbigen Tage, des Abends, sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren!

36. Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn, wie er im Schiff war; und es waren mehr Schiffe bei ihm {Mt 8v23}.

Schiff war: Ohne eine weitere Aufrüstung des Schiffes. Denn es hatte Christus das Volk aus dem Schiff gelehrt darum sie ihn also sitzend auf sein Begehren fortführten, dem anderen Ufer zu.

Ihm: In denen vielleicht die anderen Jünger gefahren waren, die nicht unter der Zahl der zwölf Apostel gewesen waren, jedoch mit einem gottseligen Eifer der Lehre Christi zuhörten und deshalb das Schiff gemietet hatten, damit sie Christus in der Nähe umso besser hören konnten.

37. Und es erhob sich ein großer Windwirbel und warf die Wellen in das Schiff, also dass das Schiff voll ward.

Und: Was jetzt folgt, meldet auch Lukas im Kapitel 8.

Voll war: Es hat nur wenig gefehlt, dass sie untergegangen wären. Diese Boote, die um Christi willen in Gefahr gekommen sind, sind ein Bild und Konterfei der Kirche Gottes auf Erden gewesen. Denn, die Christus mit Glauben annehmen und ihm anhängen, die empfinden bisweilen großen Sturm der Trübsal und der Anfechtungen, dass es aussieht, als würden sie zugrunde gehen.

38. Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst Du nichts danach, dass wir verderben?

Schlief: Sodass ihn die Gefahr seiner Jünger, dem Anschein nach, wenig kümmerte. Denn Gott sieht bisweilen auf die Trübsal der Frommen durch die Finger, als ob er schlafen würde und von unseren Zustand nichts wüsste.

Nichts danach: So wollen wir auch oft gerne mit Gott einen Hader beginnen, wenn wir meinen, er kümmere sich wenig um unsere Wohlfahrt, wo er doch viel mehr uns zu schelten Ursache hätte, dass wir seiner Güte und Allmacht nicht genügend trauen. Daneben aber gefällt ihm ein gottseliges Gebet gut und er lässt sich dadurch vom Schlaf aufwecken.

39. Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und ward eine große Stille.

Verstumme: Höre auf, zu wüten und zu toben.

Große Stille: Denn Gott hat alle Kreaturen in seiner Hand und kann die allergrößten Tumulte, Verwirrungen, Anfechtungen und Verfolgungen geschwind stillen, dass sie aufhören müssen.

40. Und er sprach zu ihnen: Wie seid ihr furchtsam? Wie, dass ihr keinen Glauben habt?

Glauben habt: Warum vertraut ihr Gott, den himmlischen Vater und mir, seinem eingeborenen Sohn nicht? Meint ihr, dass der Himmel herunterfallen wird, oder dass Gott gestorben ist? Wenn wir deswegen in Gefahr gar zu furchtsam sind, so ist unser schwacher Glaube daran schuld. Darum sollen wir unseren Glauben mit der Anhörung und Betrachtung des göttlichen Wortes und mit dem Gebrauch des Abendmahls des Herrn, wie auch mit inbrünstigem Gebet oft stärken.

41. Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Denn Wind und Meer sind ihm gehorsam.

Sich sehr: Dass sie über ein solch großes Wunderwerk heftig entsetzt waren.

Ist der: Es muss dieser, unser Lehrmeister, nicht nur ein schlichter Mensch, sondern auch ewiger und allmächtiger Gott sein, der den Kreaturen befiehlt, was er will, die man ansonsten mit keiner menschlichen Gewalt steuern kann, und sie gehorchen ihm willig. Es erkennen aber die Jünger Christi nicht erst in diesem Augenblick Jesus, dass er der Sohn Gottes ist, sondern, was sie zuvor geglaubt hatten, das glaubten sie jetzt noch fester. Denn Gott macht, dass nach überstandenen Anfechtungen der Glaube in uns umso größer wird. So hat auch sonst der Glaube seinen Unterschied, dass er von Tag zu Tag zunimmt, wenn er mit der Betrachtung des Wortes Gottes und mit dem Gebet geübt wird.


Das 5. Kapitel


1. Christus treibt aus einem besessenen Menschen eine Legion Teufel aus, die daraufhin in den Gadarener See stürzen. 2. Danach heilt Christus eine Frau, die an Blutfluss leidet und macht die verstorbene Tochter des Jairus wieder lebendig.

1. Und sie kamen jenseits des Meers, in die Gegend der Gadarener {Mt 8v28}.

Und: Es ist ein großes Wunderwerk gewesen, das Christus zuvor getan hat, als er das ungestüme Meer still gemacht hat. Aber das Folgende ist schier noch größer, indem er einem Menschen geholfen hat, der nicht nur von einem, sondern von einer ganzen Legion Teufel besessen gewesen ist. Diese Geschichte beschreibt auch Lukas in Kapitel 8.

Meers: Nämlich über den See Genezareth.

2. Und als er aus dem Schiff trat, lief ihm alsbald entgegen aus den Gräbern ein besessener Mensch mit einem unsauberen Geist,

Unsauberen Geist: Und zwar nicht nur mit einem, sondern mit vielen Teufeln, wie bald folgen wird.

3. der seine Wohnung in den Gräbern hatte. Und niemand konnte ihn binden, auch nicht mit Ketten.

Gräbern: Denn er konnte nicht unter den Leuten geduldet werden.

4. Denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen und hatte die Ketten abgerissen und die Fesseln zerrieben, und niemand konnte ihn zähmen.

5. Und er war immer, Tag und Nacht, auf den Bergen und in den Gräbern, schrie und schlug sich mit Steinen.

Mit Steinen: Hier sehen wir, was für einen grausamen und mächtigen Feind wir in dem Satan haben. Er hätte wegen der Sünde Macht über alle Menschen, wenn ihn Gott nicht abwehren würde. Manchmal wird ihm jedoch zugelassen, dass er gegen wenige Leute seine Wüterei betreibt, damit wir daran erkennen, was wir alle verdient hätten. Und die, die sich mit Lastern besudeln, die ergeben sich selbst unter die Gewalt des Satans. Es werden auch diejenigen nicht aus der Gewalt des Teufels befreit, die sich mit dem Kreuz zeichnen, oder mit Weihwasser besprengen, sondern die Buße tun und an Christus glauben, die entgehen seiner Gewalt.

6. Da er aber Jesus sah von ferne, lief er zu und fiel vor ihm nieder, schrie laut und sprach:

Ihm nieder: Denn der Satan hat Christus für seinen Herrn erkannt und ist vor dessen Ankunft erzittert. Zumal sich im Namen Christi alle Knie beugen müssen, nicht nur derer, die im Himmel und auf Erden, sondern auch unter der Erde sind {Phil 2}

7. Was hab‘ ich mit dir zu tun, o Jesu, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, dass du mich nicht quälst!

Nicht quälst: Er bat aber Christus, dass er ihn nicht aus seiner Herberge vertreiben sollte.

8. Er aber sprach zu ihm: Fahre aus, du unsauberer Geist, von dem Menschen!

Fahre aus: Denn Christus wollte es ihm nicht gestatten.

9. Und er fragte ihn: Wie heißest du? Und er antwortete und sprach: Legion heiße ich; denn unser ist viel {Mt 26v53}.

Legion: So werde ich samt meinen Gesellen, die wir in diesem Menschen wohnen, wegen der Menge genannt. Eine Legion aber ist nach gängiger Meinung eine Zahl von 12.500 Kriegsknechten, andere sagen, es wäre nur 3300. Manche halten es auch für irgendeine Zahl dazwischen, aber das ist an dieser Stelle nicht wichtig, und es reicht aus, dass man weiß, es werden mindestens einige 1000 darunter verstanden. Weil wir demnach mit so vielen Feinden in dieser Welt umgeben sind, so sollen wir Gott anrufen, dass er uns beschützt, und wir sollen auch ein heiliges und unsträfliches Leben führen, damit wir uns nicht selbst des Schutzes der Engel berauben.

10. Und er bat ihn sehr, dass er sie nicht aus derselben Gegend triebe.

11. Und es war dort an den Bergen eine große Herde Säue auf der Weide.

12. Und die Teufel baten ihn alle und sprachen: Lass uns in die Säue fahren!

Baten ihn: Es hat der Satan dann keine Macht, einen Menschen oder ein Vieh zu plagen, wenn es ihm Gott nicht zulässt. So, wie aber die Teufel in die Säue zu fahren begehren, so finden sie sich heutzutage gern und leicht bei denen, die ein säuisches, das ist ein sicheres und rohes Leben führen.

13. Und alsbald erlaubte ihnen Jesus. Da fuhren die unsauberen Geister aus und fuhren in die Säue und die Herde stürzte sich mit einem Sturm ins Meer (ihrer war aber bei zweitausend) und ersoffen im Meer.

Erlaubt: Nicht, dass er Lust am Schaden der Menschen hätte, sondern dass es Sinn und Meinung dieses Volkes an den Tag käme, ob sie auch die Seligkeit des Menschen höher achten würden als das Leben der Säue, und ob sie lieber die Gegenwart Christi oder die der Säue hätten?

Ins Meer: In gleicher Weise würde auch der Satan um der Sünden willen gegen viele Menschen zugleich wüten, wenn er nicht durch Gottes Güte und Langmut aufgehalten würde. Denn der Satan bemüht sich einzig und allein darum, wie er Menschen und Tieren Schaden zufügen kann.

14. Und die Sauhirten flohen und verkündigten das in der Stadt und auf dem Lande. Und sie gingen hinaus, zu sehen, was da geschehen war.

15. Und kamen zu Jesu und sahen den, so von den Teufeln besessen war, dass er saß und war bekleidet und vernünftig, und fürchteten sich.

Fürchten sich: Sie waren über ein solches Wunderwerk stark entsetzt.

16. Und die es gesehen hatten, sagten ihnen, was dem Besessenen widerfahren war, und von den Säuen.

Widerfahren: Wie er durch Christus von den Teufeln erlöst worden war.

Säuen: Wie auf Christi Befehl die Teufel in die Säue gefahren und ins Meer gestürzt waren.

17. Und sie fingen an und baten ihn, dass er aus ihrer Gegend zöge.

Zöge: Denn die Welt ist so gesinnt, dass sie viel lieber Christus mit der Predigt des Evangeliums fahren lassen will, als nur einen geringen Verlust an ihren Gütern zu erleiden.

18. Und da er in das Schiff trat, bat ihn der Besessene, dass er möchte bei ihm sein.

Besessene: Der vom Teufel besessen gewesen war, aber durch Christus davon erlöst worden ist.

Bei ihm: Er wünschte sich, ein ständiger Gefährte Christi sein zu können, von dem er eine so große Guttat empfangen hatte und er bot sich an, Christus nach seinen Möglichkeiten zu dienen.

19. Aber Jesus ließ es ihm nicht zu, sondern sprach zu ihm: Gehe hin in Dein Haus und zu den Deinen und verkündige ihnen, wie große Wohltat Dir der Herr getan und sich Deiner erbarmt hat.

Gehe hin: Wir sollen auch der Aufgabe nachgehen, die wir von Gott empfangen haben und alle miteinander die Guttaten Gottes mit dankbarem Herzen preisen.

20. Und er ging hin und fing an auszurufen in den zehn Städten, wie große Wohltat ihm Jesus getan hatte. Und jedermann verwunderte sich.

Zehn Städten: In der Landschaft, die von den zehn Städten den Namen gehabt hat.

Verwunderte: Es besteht kein Zweifel, dass aus demselben Volk etliche Christus für ihren Seligmacher erkannt und die Seligkeit erlangt haben. Denn weil in der ganzen Landschaft das Elend des besessen gewesenen Menschen bekannt gewesen war, so ist auch das Wunderwerk Christi, das er vor ihm ausgebreitet hat, umso herrlicher gewesen. Deswegen ist Gottes Güte so groß, dass er auch undankbaren Menschen eine Zeit lang Prediger der Wahrheit lässt, dass sie vielleicht einmal Buße tun werden.

21. Und da Jesus wieder herüberfuhr im Schiff, versammelte sich viel Volks zu ihm und war an dem Meer.

Herüber: Nämlich, über den See Genezareth. Im Folgenden werden zwei herrliche Wunderwerke erzählt, die Christus getan hat, davon eines an einem blutflüssigen Weib, das andere an der Tochter des Jairus, die von den Toten auferstanden ist. Beide Wunderwerke beschreibt auch Lukas im Kapitel 8.

Viel Volk: Um seine Predigten zu hören und seine Wunderzeichen zu sehen.

An dem Meer: Er stand am Ufer des Meeres.

22. Und siehe, da kam der Obersten einer von der Schule mit Namen Jairus. Und da er ihn sah, fiel er ihm zu Füßen {Mt 9v1}

Obersten: Nämlich von den Juden, die in der Synagoge wegen ihrer Kunst und Geschicklichkeit, auch wegen ihres heiligen Wandels ein großes Ansehen hatten.

23. und bat ihn sehr und sprach: Meine Tochter ist in den letzten Zügen; du wollest kommen und deine Hand auf sie legen, dass sie gesund werde und lebe.

Letzten Zügen: Sodass es um sie geschehen sein wird und keine Hoffnung auf Leben mehr da ist, wenn du uns nicht zu Hilfe bekommst. Es ist jedoch bekannt, wie wenig fast alle Obersten der Juden auf Christus sonst gehalten haben. Darum ist zu vermuten, dass dieser Jairus vielleicht niemals zu Christus gekommen wäre, wenn die Krankheit seiner Tochter ihn nicht dahin getrieben hätte, dass er Hilfe bei ihm suchte. Also nötigt Gott oft die Menschen durch großes Unglück dazu, dass sie nach Gott fragen, ihn kennenlernen und selig werden.

24. Und er ging hin mit ihm. Und es folgte ihm viel Volks nach, und sie drängten ihn.

Ging hin: Obgleich Christus den schwachen Glauben des Jaitus zurecht hätte verwerfen können, weil er nicht geglaubt hatte, dass seine Tochter gesund werden könnte, es sei denn, Christus würde mit ihm gehen, so hatte er ihm doch diese Schwäche zugutegehalten. Denn Gott wirft schwachen Glauben nicht weg.

25. Und da war ein Weib, das hatte den Blutgang zwölf Jahre gehabt

26. und viel erlitten von vielen Ärzten und hatte all ihr Gut darüber verzehrt; und half ihr nichts, sondern vielmehr wurde es ärger mit ihr.

Erlitten: Nämlich, viel Ungemach und Schmerzen, die sie ausgestanden hatte, indem sie diese Krankheit vergeblich versucht hatten, zu kurieren.

Ihr Gut: Das sie für allerlei Arzneimittel aufgewendet hatten, damit sie diese beschaffen konnten.

27. Da die von Jesu hörte, kam sie im Volk von hinten zu und rührte sein Kleid an.

Hörte: Dass er allerhand Krankheiten auch nur mit einem einzigen Wort vertreiben könnte.

Hinten zu: Sie drängte sich unter das Volk und bemühte sich, dass sie Christus berühren konnte, in der Hoffnung, sie würde ihre Gesundheit wiedererlangen, die sie bei den Ärzten bisher umsonst gesucht hatte. Es wird aber der Gebrauch der Arzneimittel an dieser Stelle nicht verworfen, die eine gute und nützliche Gabe Gottes sind, sondern wir werden an diesem Beispiel erinnert, dass wir uns nicht allein auf die Arzneien verlassen sollen, sondern unser Vertrauen auf Gott setzen, der den Arzneimitteln die Kraft zu heilen geben oder nehmen kann, wie es ihm gefällt.

28. Denn sie sprach: Wenn ich nur sein Kleid möchte anrühren, so würde ich gesund.

Möchte anrühren: Denn ich glaube, dass dieser Jesus eine so große göttliche Gewalt hat, dass er mich auch durch das Anrühren seiner Kleider gesund machen kann.

29. Und alsbald vertrocknete der Brunn ihres Bluts; und sie fühlte es am Leibe, dass sie von ihrer Plage war gesund worden.

Gesund worden: Es ist ihr deswegen so ergangen, wie sie geglaubt und das Vertrauen zu Christus gehabt hatte.

30. Und Jesus fühlte alsbald an ihm selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war, und wandte sich um zum Volk und sprach: Wer hat meine Kleider angerührt?

Ihm selbst: Dass sonst kein Mensch von etwas wusste, das ihn an so etwas erinnerte.

31. Und die Jünger sprachen zu ihm: Du siehst, dass dich das Volk drängt, und sprichst: Wer hat mich angerührt?

Drängt: Sollte es ein Wunder sein, dass dich jemand berührt, in einem solchen Gedränge und einer solchen Menschenmenge?

32. Und er sah sich um nach der, die das getan hatte.

33. Das Weib aber fürchtete sich und zitterte (denn sie wusste, was an ihr geschehen war), kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.

Zitterte: Weil sie sich schämte, dass ihr heimliches Anliegen an den Tag kommen sollte.

Geschehen: Dass sie durch ein großes Wunderwerk gesund geworden war.

Ganze Wahrheit: Mit was für einer Krankheit, auch wie lange sie damit behaftet gewesen war, wie gar keine anderen Arzneimittel geholfen hatten und dass sie nur durch das Berühren seines Kleides ihre Gesundheit wiedererlangt hätte.

34. Er sprach aber zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Gehe hin mit Frieden und sei gesund von deiner Plage!

Mit Frieden: Sei guten Mutes und fürchte dich nicht, denn du bist von deiner Krankheit genesen. Dieses Wunderwerk lehrt uns, dass wir durch den Glauben die göttlichen Guttaten erlangen aber das Berühren der Kleider Christi schützt den Aberglauben derjenigen gar nicht, die bei den Gebeinen der verstorbenen Heiligen ihre Zuflucht suchen, damit sie wieder gesund werden. Denn ein einziges, besonderes Beispiel macht keine allgemeine Regel. Wir berühren aber die Kleider Christi dann mit Nutzen und zu unserer Wohlfahrt, wenn wir die Sakramente der Taufe und das Abendmahl des Herrn recht gebrauchen. Denn in diesem ist Christus sozusagen eingewickelt und erteilt uns dadurch die Gesundheit der Seelen. Die Heilung der heimlichen Krankheit erinnert uns daran, dass Gott unser Anliegen, dessen wir uns schämen, sieht und dafür Rat schafft, wenn wir ihn nur aus wahrem Glauben anrufen. Es macht uns auch Gott bisweilen schamrot und zuschanden, nicht dass er uns darin stecken lassen will, sondern dass er uns mit größere Ehre und Herrlichkeit beschenkt.

35. Da er noch also redete, kamen etliche vom Personal des Obersten der Schule und sprachen: Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du weiter den Meister?

Da: Jetzt wird ein anderes Wunderwerk behandelt und angezeigt, was es mit diesem für einen Ausgang gehabt hat.

Bemühst du: Du darfst ihm nicht weiter zumuten, dass er mit dir gehen soll, weil es um deine Tochter bereits geschehen ist. Mit dieser Botschaft ist der Glaube des Obersten zweifellos heftig angefochten worden und hat einen harten Schlag bekommen. So wird unser Glauben immerzu von neuen Anfechtungen angegangen, aber wir sollen bitten, dass wir den Glauben behalten können.

36. Jesus aber hörte bald die Rede, die da gesagt ward, und sprach zu dem Obersten der Schule: Fürchte dich nicht; glaube nur!

Fürchte dich nicht: Denn weil sich Christus um den Glauben des Jairus sorgte, sprach er ihm tröstend zu.

Glaube nur: Dass ich dir helfen will und kann, so wird dies auch geschehen. Denn wenn unser Glaube in uns ringt und es gefährlich mit ihm steht, so kommt uns Christus mit seinem Wort und Geist zur Hilfe, dass er nicht ganz aufhört.

37. Und ließ niemand ihm nachfolgen denn Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.

Bruder des Jakobus: Beide Brüder waren die Söhne des Zebedäus, und diese drei Apostel hat Christus bei der Verrichtung sehr wichtiger Sachen als besondere Zeugen herangezogen.

38. Und er kam in das Haus des Obersten der Schule und sah das Getümmel, und die da sehr weinten und heulten.

Im Getümmel: Dass die Hausangestellten alle durcheinanderliefen und herumjammerten, wie es allgemein zu geschehen pflegt.

Heulten: Über das verstorbene Mädchen. All diese Umstände machen zusammen das Wunderwerk umso größer und scheinbarer.

39. Und er ging hinein und sprach zu ihnen: Was tummelt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn.

Schläft: Ihr meint zwar, es sei ganz zu Ende mit ihr, aber ich will es ebenso leicht vom Tod wiederum erwecken, wie jemanden leicht aus dem Schlaf aufgeweckt wird. Denn der Tod ist ein Schlaf für die Gottseligen, von dem ihre Leiber wieder zur ewigen Herrlichkeit erweckt werden.

40. Und er trieb sie alle aus und nahm mit sich den Vater des Kindes und die Mutter und die bei ihm waren, und ging hinein, da das Kind lag.

Verlachten: Weil sie meinten, er würde vom leiblichen Schlaf reden. So, wie aber diese nicht glauben, dass das Mädchen von den Toten wieder auferweckt werden könnte, so meint der menschliche Verstand, es sei mit einem Menschen aus, wenn er gestorben ist. Aber der Glaube allein sieht die künftige Auferstehung.

Bei ihm: Nämlich die vorhin angesprochenen drei Apostel. Denn Christus hat mit dem Wunderwerk keinen Prunk betreiben wollen. Diejenigen aber sind ganz anders gesinnt als Christus, die alles zum Schein tun, damit sie dadurch gesehen werden.

41. Und ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihr: Talitha, kumi! das heißt verdolmetscht: Mägdlein, ich sage dir, stehe auf!

Zu ihr: Die folgenden Worte in syrischer Sprache, die damals im jüdischen Land und in Galiläa die Muttersprache war.

Ich sage dir: Diese Worte sind vom Evangelisten zum besseren Verständnis und der besseren Erklärung wegen hinzugesetzt worden.

42. Und alsbald stand das Mägdelein auf und wandelte; es war aber zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich über die Maßen.

Wandelte: So, dass es jedermann sehen konnte, wie sie tatsächlich lebte.

43. Und er verbot ihnen hart, dass es niemand wissen sollte, und sagte, sie sollten ihr zu essen geben.

Verbot: Denn Christus wollte nicht, dass dieses Wunderwerk zur falschen Zeit ausposaunt würde und wollte vermeiden, dass ihn das Volk zum König vorschlug. Denn was uns nicht gebührt oder zusteht, das soll man nicht begehren, sondern davor fliehen.

Essen geben: Daher ist umso mehr zu glauben, dass sie wirklich lebte. Und obwohl sie Christus durch ein Wunderwerk erweckt hatte, so hat er doch gewollt, dass sie danach durch natürliche Mittel am Leben erhalten würde. Denn man soll die ordentlichen Mittel nicht verachten, die Gott zur Erhaltung dieses zeitlichen Lebens gegeben hat. Dieses Wunderwerk bezeugt auch, dass Jesus der Messias ist, der den Tod überwunden hat.


Das 6. Kapitel


1. Christus wird von seinen Landsleuten verächtlich gemacht. 2. Er schickt abermals zwölf Jünger ins jüdische Land aus, was glücklicherweise auch gelingt. 3. Darauf wird die Geschichte von der Standhaftigkeit und der Marter des Johannes des Täufers erzählt. Als die Jünger wieder zu Christus kommen, heißt er sie, sich zu erholen. 5. Danach speist er mit 5 Broten und 2 Fischen 5000 Mann. 6. Als die Jünger im Meer in Gefahr geraten, begibt er sich zu Ihnen und geht über das Wasser, wodurch der Glauben der Jünger sehr gestärkt wird. 7. Er hilft im Land Genezareth und anderswo vielen Kranken.

1. Und er ging aus von dort und kam in sein Vaterland; und seine Jünger folgten ihm nach {Lk 4v16}.

Und: Der Evangelist fängt an zu erzählen, wie Christus von seinen Landsleuten in Nazareth empfangen worden ist. Davon liest man auch in Matthäus 13.

2. Und da der Sabbat kam, hob er an zu lehren in ihrer Schule: Und viele, die es hörten, verwunderten sich seiner Lehre und sprachen: Woher kommt dem solches? und: Was für Weisheit ist es, die ihm gegeben ist, und solche Taten, die durch seine Hände geschehen?

Zu lehren: Das Evangelium. Christus hat dafür, dass er dort aufgezogen worden ist, seinem Vaterland wiederum Gutes und die allergrößte Wohltat erweisen wollen. Zumal den Menschen keine größere Guttat widerfahren kann, als wenn Ihnen das Wort Gottes rein gepredigt wird, was die ewige Seligkeit mit sich bringt.

3. Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder des Jakobus und Josefs und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich an ihm.

Zimmermann: Er hatte noch vor Kurzem bei seinem Vater Josef dieses Handwerk betrieben.

Bruder: Oder Verwandter. Seine Vettern sind uns alle gut bekannt.

Schwestern: Seine Blutsfreundinnen. Wir kennen sein ganzes Geschlecht gut, darum können wir uns nicht vorstellen, dass dieser ein Prophet sein soll.

Ärgerten: Dass sie nicht glaubten, dass er der Messias wäre, wegen der Armut seines Geschlechts und weil er das Zimmererhandwerk betrieben hatte. Man soll aber nicht wegen der geringen Person die Lehre verachten, sondern Gottes gegenwärtige Gaben betrachten, die Gott einem mitgeteilt hat und nicht zu schnell sein Urteil fällen. Denn wenn sie in Nazareth die Person Christi recht erkannt hätten, so hätten sie ihn, als den Sohn Gottes und ihren Messias, geehrt.

4. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgend weniger denn im Vaterland und daheim bei den Seinen {Joh 4v44}.

Seinen: Bei seinem Geschlecht. Denn wir verachten üblicherweise diejenigen, die wir von Jugend auf kennen. Dies aber ist Unrecht. Als ob Gott nicht einem solchen, besondere und herrliche Gaben mitteilen könnte, mit dem wir früher gute Kameradschaft gehabt und wir damals solche Gaben an ihm nicht gesehen haben.

5. Und er konnte allda nicht eine einzige Tat tun; ohne wenig Siechen legte er die Hände auf und heilte sie.

Tat: Er konnte dort kein Wunderwerk tun, weil ihr Unglaube dies verhinderte.

6. Und er verwunderte sich ihres Unglaubens. Und er ging umher in die Flecken im Kreis und lehrte.

Unglaubens: Dass sie sich so gar nicht bewegen ließen, wo sie doch von seinen Wunderwerken, die von überall zu hören waren, erfahren hatten, hätten sie wohl an ihn glauben sollen. Denn der Unglaube hindert uns oft daran, dass wir nicht so große und viele Guttaten von Gott empfangen, wie es sonst wohl geschehen würde. Und der Glaube ist gleichsam die Hand, wodurch wir Gutes von Gott bekommen.

Ging: Von seinen undankbaren Landsleuten weg. Der Evangelist Lukas sagt, dass die Menschen in Nazareth Christus vom Felsen stürzen wollten. Ich glaube allerdings, dass dies zu einem anderen Zeitpunkt geschehen ist. Denn ich bezweifle nicht, dass Christus seine Landsleute etliche Male besucht hat, obwohl sie es ihm wohl wenig dankten.

Lehrte: Das Evangelium, wie man zum Himmelreich kommen könnte. Denn obwohl wir den Undank von vielen Menschen spüren, so sollen wir uns dennoch nicht von unserem Amt zurückziehen.

7. Und er berief die Zwölfe und fing an und sandte sie je zwei und zwei und gab ihnen Macht über die unsauberen Geister {Mt 10}.

Zwölfe: Die er früher bereits zu Aposteln für sich auserwählt hatte.

Sandte sie: Zwar nicht in die ganze Welt, aber im jüdischen Land herum und forderte sie auf, bald wieder zu ihm zu kommen. Davon berichtet auch Lukas im Kapitel 9.

Zwei: Damit aus dem Mund von zwei oder drei Zeugen die Wahrheit käme. Das heißt, damit die Zuhörer den beiden Aposteln, die die gleiche Lehre vorbrachten, umso eher glaubten. Denn die Einigkeit der Lehre hilft viel zur Erbauung der Kirche, genauso, wie deren Zwiespalt die Kirche jämmerlich verwirrt und zerrüttet.

Geister: Die sie mit Worten und in Vollmacht des Herrn Christus austreiben sollten, sowie auch andere Wunderzeichen tun. Diese Wunderzeichen sind Zeugnisse der Lehre und gleichsam Empfehlungsbriefe.

8. Und gebot ihnen, dass sie nichts bei sich trügen auf dem Wege denn allein einen Stab, keine Tasche, kein Brot, kein Geld im Gürtel {Mt 10v9},

Gebot: Es folgt die Instruktion, die Christus seinen Jüngern gegeben hat.

Stab: Den sie irgendwo auf dem Weg finden konnten.

Gürtel: Denn früher trugen die Menschen ihr Geld im Gürtel, wie wir heute in Beuteln oder in Säckeln. Und Christus hat nicht gewollt, dass sie sich auf dieser Reise um Geld oder Proviant kümmern sollten.

9. sondern wären geschuht, und dass sie nicht zwei Röcke anzögen.

Geschuht: Damit sie sich die Füße nicht verletzten und ihrer Aufgabe umso besser nachgehen konnten.

Zwei Röcke: Wie die zu tun pflegen, die sich sorgfältig zu einer langen Reise rüsten. Christus hat also seine Apostel auf eine Reise, die nicht sehr lange dauern sollte, ohne Wegzehrung geschickt und damit nicht etwa ein Gebot erlassen, dass es allen Kirchendienern untersagt sei, oben genannte Sachen auf einer Reise mitzunehmen, sondern vielmehr zu verstehen gegeben, dass sein Reich kein weltliches Reich ist. Darum hat er auch seine Gesandten nicht mit der notwendigen Ausrüstung auf den Weg geschickt, wie es die weltlichen Fürsten zu tun pflegen. Und die Kirchendiener sollen sich daran erinnern, dass sie kein irdisches, sondern ein himmlisches Reich Christi anrichten und fortpflanzen sollen.

10. Und sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus gehen werdet, da bleibt innen, bis ihr von dort zieht.

Zieht: Dass Ihr euch nicht gleich eine andere Herberge sucht, auch wenn es euch drinnen nicht so gut gefällt, sondern euch damit zufriedengebt, was man euch anbietet. Denn es gab damals bei den Israeliten keine allgemeinen Herbergen oder Gasthöfe, wie bei uns, sondern fromme und gutherzige Menschen nahmen die Fremden zu Herberge auf. Deswegen sollen die Kirchendiener daran erinnert werden, dass sie sich zufriedengeben sollen, auch wenn Ihnen nicht alle Gegebenheiten gefallen. Die Zuhörer aber sollen treue Kirchendiener in Ehren halten.

11. Und welche euch nicht aufnehmen noch hören, da geht von dort heraus und schüttelt den Staub ab von euren Füßen zu einem Zeugnis über sie. Ich sage euch: Wahrlich, es wird Sodom und Gomorra am Jüngsten Gerichte erträglicher ergehen denn solcher Stadt {Apg 13v5}.

Über sie: Dass ihr also mit dieser Zeremonie öffentlich bezeugt, wie sie die ihnen angebotenen Seligkeiten nicht annehmen wollen.

Ergehen: Das bedeutet: Gott wird solche Verächter des Evangeliums am jüngsten Tage härter bestrafen, als die Sodomiter, die doch sehr böse und lasterhafte Menschen gewesen sind. Darum sollen wir wissen, dass die Verachtung der evangelischen Lehre das allergrößte Laster ist, welches Gott auch ernsthaft rächen wird.

12. Und sie gingen aus und predigten, man sollte Buße tun.

Buße tun: Damit sie die Verzeihung ihre Sünden von Gott erlangten. Denn die Unbußfertigen häufen sich selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und auf die Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes {Röm 2}.

13. Und trieben viele Teufel aus und salbten viele Sieche mit Öl und machten sie gesund {Jak 5v15}.

Teufel aus: Es besteht kein Zweifel daran, dass Judas, der Verräter, auch viele Wunderzeichen getan hat, als er noch unter die Zahl der zwölf Apostel gezählt wurde. Deshalb ist das Predigtamt des Wortes Gottes kräftig, auch wenn der Kirchendiener seiner Person wegen nicht nützlich ist.

Öl: (Nach Luther) Diese Öle machten die Kranken gesund. Daraus wurde später ein Sakrament eingerichtet für die Sterbenden. Es sollte viel besser Magdalenen-Salbe heißen, weil sie Christus auch so im Grab gesalbt hat {Mt 26v12}.

Gesund: Mit der Salbung des Öles. Die Apostel haben dieses Öl als ein äußeres Mittel für die Wunderzeichen verwendet, wenn sie die Leute gesund machten. Genau, wie Christus auch seinen Speichel und Dreck verwendet hat, als er dem Blinden die Augen auftun wollte. Sie wollten aber damit kein Sakrament in der Kirche einrichten, dass die Katholiken heutzutage die letzte Ölung oder Salbung zu nennen pflegen. Und die Salbung der Katholiken hat mit den Aposteln nichts gemeinsam. Denn die Apostel machten sie mit ihrer Salbung wieder gesund, aber die Katholiken salben nur diejenigen, von denen sie annehmen, dass sie sterben werden.

14. Und es kam vor den König Herodes (denn sein Name war nun bekannt); und er sprach: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; darum tut er solche Taten.

Und: Es folgt die Geschichte von dem Tod Johannes des Täufers, eines sehr heiligen Mannes, die der Evangelist bei dieser Gelegenheit zusammen mit den Wunderwerken Christi, die auch vor dem Herodes kommen, erzählt. Dieses steht auch in Matthäus 14 und Lukas 9.

Kam: Das Gerücht von Christus und seinen Wunderwerken.

Bekannt: Dass seine Wunderwerke und herrlichen Predigten von vielen gerühmt wurden. Denn wer recht handelt, der erlangt Ehre und einen berühmten Namen, auch wenn er nicht danach strebt.

Er sprach: Herodes entsetzte sich über das Gerücht von den Wunderwerken Christi und fürchtete sich.

Taten: Denn, weil ich diesen heiligen Mann gegen jedes Recht und jede Billigkeit unschuldig hinrichten ließ, so hat ihn Gott von den Toten wiederum erweckt und es zeigt sich jetzt die göttliche Kraft in ihm, dass er solche Wunderwerke verrichtet.

15. Etliche aber sprachen: Er ist Elia; etliche aber: Er ist ein Prophet oder einer von den Propheten.

Elia: Denn Gott hat durch den Propheten Maleachi versprochen, dass Elias kommen wird, bevor denn der große und schreckliche Tag des Herrn kommt {Mal 4}. Darum glauben wir, dass dieser Jesus von Nazareth dieser versprochene Elias ist.

Propheten: Er ist ein Mann, wie die vorigen alten Propheten es gewesen sind, egal woher er kommt. Unter diesen sind etliche dem Herrn Christus nicht gerade ungewogen gewesen und hatten dennoch eine unterschiedliche Meinung von Christus. Darum sollen wir uns nicht ärgern, wenn es Spaltungen in der Religion gibt, sondern vielmehr danach trachten, dass wir die rechte Meinung haben, was dann geschieht, wenn wir dem Wort Gottes wie einem Licht folgen.

16. Da es aber Herodes hörte, sprach er: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe; der ist von den Toten auferstanden.

Hörte: Obwohl der Großteil Christus für einen besonders vortrefflichen Mann hielt, blieb er in seiner vorigen Meinung. Herodes fürchtete sich davor, wenn Johannes von den Toten wieder auferstanden wäre, ob er sich nicht etwa rächen würde, das Volk gegen ihn aufhetzen und ihn aus dem Königreich vertreiben würde. Besonders, weil er sich mit so vielen herrlichen Wunderwerken sehen ließ. Hieran sieht man, was es für ein unruhiges Ding ist mit einem schlechten Gewissen. Darum sollen wir uns bemühen, dass wir ein gutes Gewissen behalten. Haben wir es aber jemals verwundet, so sollen wir es mit wahrer Buße schnell wieder heilen, auf dass wir bei Gott wieder zu Gnaden kommen.

17. Er aber, Herodes, hatte ausgesandt und Johannes gegriffen und ins Gefängnis gelegt um der Herodias willen, seines Bruders Philippus Weib; denn er hatte sie gefreit.

Ihr aber: Jetzt erzählt der Evangelist die Umstände, wie Johannes umgekommen ist, was auch berichtet wird in Matthäus 14 und Lukas 9.

18. Johannes aber sprach zu Herodes: Es ist nicht recht, dass du deines Bruders Weib habest.

Nicht recht: Du begehst einen Ehebruch und Blutschande zugleich. Denn du hast die Frau eines anderen entführt und sie geheiratet, die dir im 1. Grad als Schwägerin verwandt ist. Es ist aber das Amt der Kirchendiener, dass sie ohne Ansehen der Person die Laster strafen sollen, jedoch mit gebührender Bescheidenheit. Und sie sollen bereit sein, unrechte Gewalt und Verfolgung zu leiden. Denn die Wahrheit bringt Feindschaft.

19. Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten und konnte nicht.

Ihm nach: Denn das unzüchtige Weib sorgte sich darum, Herodes würde einmal den Ermahnungen des Johannes folgen und sie verstoßen.

Konnte nicht: Sie hat mit ihren listigen Anschlägen eine lange Zeit nichts gegen ihn ausrichten können. Denn ohne göttliches Verhängnis sind alle Praktiken der Gottlosen gegen die Frommen vergebens und gehen leer aus.

20. Herodes aber fürchtete Johannes; denn er wusste, dass er ein frommer und heiliger Mann war; und verwahrte ihn und gehorchte ihm in vielen Sachen und hörte ihn gerne.

Fürchtete: Auch im Gefängnis, damit er nicht, wenn er sich etwa an ihm vergreifen würde, er dadurch in ein großes Unglück bekäme und von Gott gestraft würde.

Heiliger: Der ein unsträfliches Leben führte, Gott lieb war und auch bei den Menschen ein großes Ansehen hatte.

Gerne: Er pflegte, den Gefangenen Johannes oft vorzuladen und mit ihm wichtige Sachen zu besprechen, folgte auch oft seinem Rat, daneben aber behielt er ihn dennoch gefangen, zum Teil um der Herodias zu gefallen, zum anderen Teil, weil er sich sorgte, Johannes könnte mit seiner allzu freien Rede Anlass zu Aufruhr geben. Deswegen müssen die Tyrannen fromme und vortreffliche Leute fürchten, auch wenn sie sie gefangen halten, weil ihr eigenes Gewissen sie anklagt. Und sie sind nicht damit entschuldigt, wenn sie den Kirchendienern des göttlichen Worts in etlichen Sachen folgen, in anderen Dingen jedoch dem Wort Gottes nicht gehorchen wollen, auch wenn sie mehrmals ermahnt werden. Und hierher gehört der Spruch aus der Geschichte Jakobus, Kapitel 2. Wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt an einem, der ist ganz schuldig. Denn der da gesagt hat: Du sollst nicht ehebrechen, der hat auch gesagt: Du sollst nicht töten. Wenn du nun auch die Ehe nicht brichst, aber tötest, so bist du ein Übertreter des Gesetzes.

21. Und es kam ein gelegener Tag, dass Herodes auf seinen Jahrestag ein Abendmahl gab den Obersten und Hauptleuten und Vornehmsten in Galiläa.

Gelegener Tag: Als das gottlose Weib, die Herodias, dem allerheiligsten Mann Johannes mit List beikommen und in umbringen konnte. Diese Gelegenheit versäumte sie nicht.

Gab: Er hielt an seinem Geburtstag für seine vornehmsten Leute ein stattliches Bankett ab. Man kann wohl bei einem solchen Gastmahl eine angemessene Pracht dulden, jedoch, wo man mit der Üppigkeit und allem Überfluss der Dinge zu viel tut, da kommt üblicherweise etwas dazwischen, sodass ein solch stattliches Bankett einen traurigen Ausgang gewinnt.

22. Da trat hinein die Tochter der Herodias und tanzte, und gefiel wohl dem Herodes und denen, die am Tisch saßen. Da sprach der König zum Mägdelein: Bitte von mir, was du willst; ich will dir‘s geben.

Der König: Weil er zweifellos vom Wein fröhlich geworden war, wollte er dem Mägdelein eine stattliche Belohnung erweisen, weil sie so zierlich getanzt hatte. Es sind zwar die Tänze an sich selbst nicht Sünde, solange sie an einem ehrlichen Ort geschehen und sich ehrbare, züchtige Leute beim Tanz zusammenfinden. Den Gottlosen aber und den Unzüchtigen ist nichts rein, weil ihr Gewissen böse und unrein ist.

23. Und schwur ihr einen Eid: Was du wirst von mir bitten, will ich dir geben, bis an die Hälfte meines Königreichs.

Hälfte: Das kann der Wein, wenn man zu viel davon trinkt, dass die Leute versprechen, was sie entweder ohne großen Schaden, oder sofern sie nicht gegen Gott und Recht handeln, nicht tun können. Man soll aber auf solche Versprechungen, die den Leuten beim Wein unbedacht herausrutschen, nicht dringen. Denn was du willst, dass man dir nicht tut, das tue auch einem anderen nicht. An dieser Stelle wird auch der Zustand der Hofleute vor Augen geführt. Das Mägdelein bekommt wegen eines Tanzes eine herrliche Versprechung. Es sind ohne Zweifel am gleichen Hof Personen gewesen, die sich sehr um den König verdient gemacht haben, jedoch keine, oder wenigstens keine so große Belohnung für Ihre treuen Dienste empfangen haben. Daher sagt man im Sprichwort: Bei Hofe bekommt der ebenso viel, der die Stube schmutzig macht, wie der, der sie ausfegt. Und das Geld der Herren gehört nicht denen, die es verdienen, sondern denen, denen es das Glück gönnt. Und man wendet bei Hofe oft große Kosten auf für liederliche Sachen, aber was man an nützlichen und gottseligen Sachen gebrauchen soll, da kümmert man sich wenig darum.

24. Sie ging hinaus und sprach zu ihrer Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers.

Sie: Es folgt, wie übel das Mägdlein die Mutwilligkeit des Königs, die er ihr freiwillig angeboten hatte, ausgenutzt hat.

Des Täufers: Dieses ist am nötigsten und auch für dich und mich am nützlichsten. Denn der Mensch Johannes lässt nicht nach, den König Herodes gegen mich aufzusetzen, dass dieser mich verlassen und verstoßen soll. Sollte er dies erreichen, so werden Du und ich im Elend ein erbärmliches Leben führen müssen, weil mein voriger Ehemann mich nicht wieder aufnehmen würde. Wenn Johannes aber umgebracht werden würde, so würde alles gut stehen und sicher sein und wir würden beide die Gnade und Freigebigkeit des Königs dauerhaft genießen. Darum ist es viel besser, dass wir durch den Tod Johannes die dauerhafte Gunst des Königs erlangen, statt das wir im Augenblick ein großes Geschenk erhalten und alle anderen Hoffnungen gefährdet bleiben. Da sieht man, wie ein böses Weib ein Werkzeug des Teufels ist, wodurch die Frommen in großes Unglück gestürzt werden.

25. Und sie ging bald hinein mit Eile zum König, bat und sprach: Ich will, dass du mir gibst jetzt sobald auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers.

Mit Eile: Nachdem sie von der Mutter einen Rat erhalten hatte, damit der König seine Gesinnung nicht gleich wieder ändern würde.

Bat: Dass er seine Versprechungen halten sollte. Genauso, wie aber das boshafte Menschen sind, die zu schändlichen Sachen raten, so sind die verrückt, die ihnen unbedacht folgen und sich nicht überlegen, was das für ein Rat ist, denn sie gehört haben.

26. Der König ward betrübt; doch um des Eides willen und derer, die am Tische saßen, wollte er sie nicht lassen eine Fehlbitte tun.

Betrübt: Dass das Mägdelein eine solche Bitte geäußert hatte. Denn es würde ihm schwerfallen, den Johannes zu töten, den er und das Volk wegen seines heiligen und unsträflichen Lebens hoch achteten. Denn auf verrückte Versprechungen folgt die Reue.

Saßen: Die die Zusage aus seinem Mund gehört hatten.

Fehlbitte: Er wollte sie nicht mit Schande abweisen, gleichzeitig wollte er auch nicht für leichtfertig oder meineidig angesehen werden, darum nahm er sich vor, ihren Wunsch zu erfüllen. Herodes hat abermals schwer gesündigt, dass er einen Gottlosen und unbedachten Eid viel eher halten wollte, als dass sich sein Ansehen bei anderen, verrückten und gottlosen Menschen, verringerte. Denn die Eide, die dem Wort Gottes zuwider sind, soll man nicht halten.

27. Und bald schickte hin der König den Henker und hieß sein Haupt herbringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis.

Im Gefängnis: Und nicht öffentlich, damit es keinen Auflauf des Volkes gäbe.

28. Und trug her sein Haupt auf einer Schüssel und gab‘s dem Mägdelein, und das Mägdelein gab‘s ihrer Mutter.

Ihrer Mutter: Die sich ohne Zweifel von Herzen darüber gefreut hat, dass sie den abgeschlagenen Kopf ihres Feindes gesehen hat. Denn die vom Teufel wie von einem Mordgeist regiert werden, die sind auch grausam und man sieht hier einen wunderbaren, verkehrten Handel menschlicher Dinge: Der Gottlose und schändliche Herodes bankettiert auf das Herrlichste, während aber Johannes, ein heiliger und unschuldiger Mann, im Gefängnis enthauptet wird. Darum bedarf es nicht viel, dass sich die Gottlosen wegen ihres glücklichen, zeitlichen Weiterlebens in dieser Welt selbst einreden wollen, sie hätten einen gnädigen Gott und es sollen auch die Frommen nicht glauben, dass sie wegen ihres Unfalles bei Gott nicht in Gnaden sind. Denn es wird die Zeit kommen, da die Gottlosen ihre Strafe empfangen und die Frommen für Ihre Gottseligkeit Belohnung erhalten werden.

29. Und da das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leib und legten ihn in ein Grab.

Grab: Und scheuten sich weder vor Herodes noch Herodias Tyrannei. Denn man soll die Frommen ehrlich begraben. Und dieses Beispiel lehrt uns auch, dass etliche vortreffliche Lehrer und Kirchendiener Gottes den Lauf ihres Berufs in kurzer Zeit vollenden, weil Johannes der Täufer kaum drei Jahre in der Kirche Gottes gelehrt hat.

30. Und die Apostel kamen zu Jesu zusammen und verkündigten ihm das alles, und was sie getan und gelehrt hatten {Mt 14v13}.

Kamen: Nachdem sie Ihre Botschaft ausgerichtet hatten. Denn droben in diesem Kapitel ist gesagt worden, wie Christus seine Apostel ausgesandt hat, dass sie im jüdischen Land das Evangelium predigen und ihre Predigten mit Wunderwerken bestätigen sollten. Darum wird jetzt von ihrer Wiederkehr gesprochen, was auch Lukas in Kapitel 9 erwähnt.

Hatten: Was sie gepredigt und was für große Wunderwerke sie in seinem Namen verrichtet hatten. Denn wir sollen das Predigtamt des Evangeliums so erwarten, dass wir dem obersten Hirten, Christus, mit Freuden über unser Tun Rechenschaft geben können.

31. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns besonders in eine Wüste gehen und ruhte ein wenig. Denn ihrer war viel, die ab und zu gingen, und hatten nicht Zeit genug zu essen.

Gingen: Die zu Christus und seinen Aposteln kamen um Ihre Predigten zu hören und diejenigen, die Gebrechen hatten, damit sie diese loswerden würden.

Zu essen: Darum wollte Christus, dass die Apostel nach dieser großen Mühe, sich ein wenig erholen konnten, besonders, weil sie von einer mühseligen Reise gerade erst wiedergekommen waren. Denn wir sollen in unserem Beruf so fleißig sein, dass wir doch daneben auch noch unsere Gesundheit wahrnehmen, damit wir nicht zu früh von der gar zu schweren Last, die wir uns selber auflegen, niedergedrückt werden.

32. Und er fuhr da in einem Schiff zu einer Wüste besonders.

Er fuhr: Nämlich, Christus mit seinen Jüngern, damit sie sich miteinander ein wenig ausruhten.

33. Und das Volk sah sie wegfahren, und viele kannten ihn und liefen dort hin miteinander zu Fuß aus allen Städten und kamen ihnen zuvor und kamen zu ihm.

Kannten: Und glaubten, dass er der Messias und versprochene Heiland der Welt wäre.

Liefen: Damit sie Christus predigen hören und seine Wunderwerke sehen konnten.

Zuvor: Es war so, da Christus und die Jünger in Ruhe über das Wasser fuhren, bis sie zur Wüste kamen, die anderen, die sich auf dem Landweg dahin begaben, eher dort waren. Deswegen wurde Christus und den Jüngern so viel Platz und Ruhe gelassen, wie sie Zeit mit den Schiffen gebraucht hatten und nicht mehr. Denn obwohl wir in dieser Welt Ruhe suchen, so werden wir doch bald wiederum mit Geschäften überfallen.

34. Und Jesus ging heraus und sah das große Volk; und es jammerte ihn derselben, denn sie waren wie die Schafe, die keinen Hirten haben; und fing an eine lange Predigt.

Und Jesus: Was jetzt folgt, wird auch beschrieben in Matthäus 14; Lukas 9; Johannes 6.

Keinen Hirten: Denn obwohl es eine große Anzahl an Priestern, Schriftgelehrten und Pharisäer gab, befanden sich doch unter so vielen Hirten keine rechten, nützlichen Hirten, sondern es waren vielmehr Wölfe, als Hirten. Und es ist der Kirche nicht damit geholfen, dass es viele gibt, die da lehren, sondern er steht dann gut mit ihr, wenn sie taugliche, reine und treue Diener des Wortes Gottes bekommen hat.

Lange Predigt: Dass er Ihnen von sehr wichtigen Sachen, die zur ewigen Seligkeit gehören, ausführlichen Bericht gab. Denn die Predigt des göttlichen Wortes ist das Werkzeug oder Mittel, wodurch die Leute Gott recht erkennen und die Seligkeit erlangen.

35. Da nun der Tag fast dahin war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Es ist wüste hier, und der Tag ist nun dahin {Mt 14v15 Lk 9v10}.

Dahin war: Er hatte die meiste Zeit des Tages mit Predigen zugebracht, und es wollte anfangen, Abend zu werden.

36. Lass sie von dir, dass sie hingehen umher in die Dörfer und Märkte und kaufen sich Brot; denn sie haben nicht zu essen.

37. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebet ihr ihnen zu essen! Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn hingehen und zweihundert Pfennig wert Brot kaufen und ihnen zu essen geben?

Gebt ihr: Denn ich will sie nicht hungrig begehen lassen, die mich den ganzen Tag predigen hören haben. Und Gott wird diejenigen mit zeitlicher Nahrung reichlich versehen, die das Wort Gottes fleißig und in der Gottseligkeit hören, nach dem Spruch: Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, so wird euch das andere alles zufallen {Mt 6}.

Brot kaufen: Woher sollen wir so viel Geld nehmen und Brot kaufen, das für eine solch große Menge ausreichend wäre? Denn wenn auch für 200 Pfennige Brot vorhanden wäre, so wäre es doch nur wenig für eine solche Masse des Volks. So pflegt die menschliche Vernunft mit ihrer Rechenkunst die Sachen zu überschlagen, wie viel Einkommen sie zu ihrer Nahrung haben müsste, aber es fehlt oft sehr weit.

38. Er aber sprach zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Geht hin und seht! Und da sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf und zwei Fische.

Habt ihr: Dies fragt Christus nicht darum, als ob er es nicht wüsste, sondern damit das Wunderwerk umso scheinbarer wäre.

Fisch: Was freilich ein geringes Essen für etliche tausend Menschen gewesen wäre.

39. Und er gebot ihnen, dass sie sich alle lagerten bei Tischen voll auf das grüne Gras.

40. Und sie setzten sich nach Schichten, je hundert und hundert, fünfzig und fünfzig.

Schichten: Sie teilten sich also so auf, dass an einer Stelle hundert, an der anderen fünfzig zu Tisch saßen. Denn die Ordnung ist gut und Gott hasst alle Unordnung.

41. Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf gen Himmel und dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie ihnen vorlegten; und die zwei Fische teilte er unter sie alle.

Himmel: Er rief seinen himmlischen Vater an und sprach den Segen über dem Tisch.

Dankte: Für die wenigen Brote und Fische, mit der Bitte, Gott der himmlische Vater, sollte das Gegenwärtige segnen, dass es für die vielen ausreichend sei.

Sie alle: Sodass ein jeder nicht nur vom Brot, sondern auch von den Fischen zu essen bekam. Dieses Wunderwerk ist ein Zeugnis der Allmacht Christi, der so wenig Speise in einem Augenblick vermehren konnte, dass es für viele tausend genug gewesen ist. Obwohl nun Gott nicht auf die gleiche Weise heutzutage unsere Nahrung vermehrt, so sorgt er dennoch dafür, wenn wir ihm für die gegenwärtigen Gaben danken und bitten, dass er sie durch seinen Segen vermehren soll, dass wir lange genug daran haben, womit wir sonst über einen kurzen Zeitraum kaum erhalten werden könnten. Wir sollen deswegen aus diesem Wunderwerke lernen, Gott zu vertrauen, wenn trübselige und teure Zeiten kommen.

42. Und sie aßen alle und wurden satt.

43. Und sie huben auf die Brocken, zwölf Körbe voll, und von den Fischen.

Huben auf: Auf den Befehl Christi. Und die übrig gebliebenen Stücke machen nicht nur das Wunderwerk größer, sondern erinnern uns auch, dass wir, was wir übrig haben, zur Not aufbewahren sollten. Denn die, die das Ihre vertun, die heben die Brocken nicht auf, sondern werfen sie weg, darum haben sie später zu Recht Mangel zu leiden.

44. Und die da gegessen hatten, der waren fünftausend Mann.

Mann: Ohne Frau und Kinder, wie Matthäus 14. berichtet. Dieses große Wunderwerk bezeugt, dass Jesus von Nazareth der Prophet ist, wovon Moses, 5. Mose. 18. geweissagt hat, das heißt, dass er der Messias und Heiland der Welt ist. Daher hat auch das Volk, als es ein solches Wunderwerk gesehen hat, gesagt: Dies ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll. Darum wollen sie ihn zum König machen {Joh 6}. Sie wollten aber einen solchen König, unter dem sie in Müßiggang gut leben konnten und mit allem gut versorgt waren. Denn unser Fleisch sucht bei Christus fleischliche Sachen. Einer nimmt das Evangelium Christi an, weil er sich erhofft, ein größeres Einkommen zu erlangen, ein anderer sucht mehr Freiheit. Wenige glauben dem Evangelium und der Seligkeit der Seelen willen.

45. Und alsbald trieb er seine Jünger, dass sie in das Schiff träten und vor ihm hinüberführen gen Bethsaida, bis dass er das Volk von sich ließe.

Trieb er: Nämlich Jesus, als er das Vorhaben des Volkes bemerkte, und weil er sich sorgte, die Jünger könnten dem Aufruhr des Volkes helfen und sich auf diese Weise versündigen. Denn die Christen sollen sich hüten, dass sie sich nicht in Aufruhr einmischen. Und Christus hat das Königreich deshalb nicht annehmen wollen, nicht weil er die weltliche Regierung und Herrschaft verachten würde, sondern weil es nicht seine Aufgabe war das weltliche Regiment zu übernehmen.

46. Und da er sie von sich geschafft hatte, ging er hin auf einen Berg, zu beten.

Zu beten: Und ohne Zweifel hat Christus für das Volk gebetet, dass ihr aufrührerisches Ansinnen nicht an den Tag käme und sie deshalb gestraft würden und auch dafür, dass das Evangelium Christi nicht verlästert würde. Denn man soll Gott bitten, dass er uns nicht durch Verleumdungen unterdrücken lässt.

47. Und am Abend war das Schiff mitten auf dem Meer und er auf dem Lande alleine.

Meer: Nämlich auf dem See Genezareth. Von dieser Schifffahrt berichten auch Matthäus 14. und Johannes 6.

48. Und er sah, dass sie Not litten im Rudern; denn der Wind war ihnen entgegen. Und um die vierte Wache der Nacht kam er zu ihnen und wandelte auf dem Meer.

Not litten: Darum wollte er ihnen zu Hilfe kommen. Denn Christus, unser Bruder, sieht alles, auch wenn wir meinen, er wäre fern von uns, und er will denen zu Hilfe kommen, die seinetwegen in Gefahr stecken. Und es passiert, dass die, die dem göttlichen Beruf folgen, bisweilen in große Not geraten.

Wache: Wenn es bei uns morgens um 3:00 Uhr ist.

49. Und er wollte vor ihnen übergehen. Und da sie ihn sahen auf dem Meer wandeln, meinten sie, es wäre ein Gespenst, und schrien.

Übergehen: Er tat so, als wäre er ein Fremder, den Jünger nichts angingen. Denn Christus zögert bisweilen mit der Hilfe und stellt sich fremd gegen uns, obwohl er dennoch da ist, um uns zu helfen. Dass aber Christus auf dem Meer geht, als sei es trockenes Land, so ist dies ein Zeichen dafür, dass er nicht an die Natur gebunden ist und solche Dinge verrichten kann, die den Eigenschaften des menschlichen Leibes entgegenstehen.

50. Denn sie sahen ihn alle und erschraken. Aber alsbald redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost; ich bin‘s fürchtet euch nicht!

Erschraken: Dass sie Angst hatten, ein böser Geist, der das Unwetter gemacht hätte, wollte versuchen, sie umzubringen. Denn wenn die Hilfe am nächsten ist, so ist die Angst allgemein am größten. Was aber die Gespenster betrifft, so sind dies nicht Seelen der Verstorbenen, sondern Teufel, die aus Gottes Verhängnis die Leute erschrecken.

Euch nicht: Es soll euch nichts Böses widerfahren. Wie Petrus auf dem Befehl Christi auch auf dem Wasser gegangen ist, findet man in Matthäus 14.

51. Und trat zu ihnen ins Schiff, und der Wind legte sich. Und sie entsetzten sich und verwunderten sich über die Maßen.

Legte sich: Denn Christus kann plötzlich eine große Unruhe stillen und die verwirrten Sachen wiederum zurechtbringen.

52. Denn sie waren nichts verständiger worden über den Broten, und ihr Herz war erstarrt.

Nichts verständiger: (Nach Luther) Aus diesem Beispiel heraus sollten sie stark im Glauben geworden sein, sodass sie sich nicht vor einem Gespenst fürchten mussten.

Erstarrt: Denn obwohl sie das große Wunderwerk gesehen hatten, als Christus mit wenigen Broten und Fischen so viele Tausend Menschen gespeist hatte, so erkannten sie dennoch Christus nicht, was er für ein großer Herr wäre, wie sie es an sich hätten tun sollen. Und es steckte noch ein großer Unverstand in ihnen. Denn es erlangen auch die heiligen Leute niemals die völlige Erkenntnis Christi, darum sollen wir demütig bitten, dass Gott seine Gaben in uns mehrt.

53. Und da sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth und fuhren an.

Land Genezareth: Das zweifellos wegen dem daran angrenzenden See so genannt worden ist.

Fuhren an: Mit dem Schiff ans Land. Dies erzählt auch Matthäus im Kapitel 14.

54. Und da sie aus dem Schiff traten, alsbald kannten sie ihn

Sie an: Nämlich die Einwohner dieses Ortes, die auch früher etliche seiner Wunderzeichen im selben Land gesehen hatten.

55. und liefen alle in die umliegenden Länder und huben an, die Kranken umherzuführen auf Betten, wo sie hörten, dass er war.

Er war: Dass sie den elenden und kranken Menschen ihre Gesundheit von Christus erbaten. Dieser Liebe, wie sie die Einwohner gegen die Krankenmenschen gezeigt haben, indem sie sich ihretwegen bemühten, damit ihnen wiederum geholfen würde, sollen wir nacheifern, dass wir mit den elenden Menschen, die unsere Hilfe benötigen, Mitleid haben und darauf bedacht sind, wie man ihnen helfen kann.

56. Und wo er in die Märkte oder Städte oder Dörfer einging, da legten sie die Kranken auf den Markt und baten ihn, dass sie nur den Saum seines Kleides anrühren möchten. Und alle, die ihn anrührten, wurden gesund.

Gesund: Diese Kraft Christi bestätigt seine Majestät und Lehre, dass er der Sohn Gottes ist und dass die, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Es haben aber die Gebeine der verstorbenen Heiligen mit diesem Wunderwerken Christi nichts zu tun oder gemeinsam. Denn diese besonderen Beispiele machen keine allgemeine Regel. Und es gibt keinen Befehl, dass man die Gebeine der Heiligen dazu verwenden soll, dass man Krankheiten damit heilt. Auch kein Versprechen, dass sie etwas helfen würden. Wir sollen aber Christus in dem folgen, dass wir uns mit den Gaben, die uns gegeben sind, gegen den nächsten hilfsbereit zeigen und sein Unglück nach unseren Möglichkeiten mildern.


Das 7. Kapitel


1. Christus überzeugt die Pharisäer davon, dass sie Gottes Gebot aufgehoben und den Menschen Satzungen ganz und gar ergeben wären. 2. Danach folgt ein herrliches Beispiel eines starken und beständigen Glaubens von einer Frau aus Kanaan. 3. Weiter befreit Christus einen stummen und tauben Menschen von der Tyrannei des Teufels.

1. Und es kamen zu ihm die Pharisäer und etliche von den Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren.

Und: Die folgende Handlung Christi mit den Pharisäern und Schriftgelehrten über die Menschensatzungen lehrt uns, was man von Menschensatzungen und dem Papsttum halten soll, darum sollen wir fleißig darauf achten. Dies beschreibt auch Matthäus im Kapitel 15.

Kommen waren: In Galiläa, weil sie durch das Gerücht von Christus aufgebracht worden waren, auf dass sie ihn predigen hören, seine Wunderzeichen Seelen und, wenn sie etwas an ihm spürten, dieses tadeln konnten. Solche Zuhörer finden sich auch heutzutage noch etliche beim Evangelium.

2. Und da sie sahen etliche seiner Jünger mit gemeinen, das ist, mit ungewaschenen Händen das Brot essen, versprachen sie es.

Gemeinen: Die Juden nannten gemein, was unrein war, weil das jüdische Volk durch das Gesetz Moses die Beschneidung von allen anderen Heiden abgesondert war.

Nach Luther: Heilig nennt das Gesetz, was ausgesondert war zum Gottesdienst, dagegen gemein, was unrein und zum Gottesdienst untüchtig war.

3. Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, sie waschen denn die Hände manchmal; halten also die Aufsätze der Ältesten.

Alle Juden: So viele, wie es mit den pharisäischen Satzungen hielten.

Ältesten: Nämlich des obersten Rates in Jerusalem. Dessen Satzungen waren, wie bei den Katholiken die päpstlichen Rechte oder Dekrete ihrer Konzilien. Es ging aber damals nicht der Streit über weltliche Höflichkeit, wenn wir die Hände zu waschen pflegen, ehe wir Essen, sondern es betraf die Reinlichkeit vor Gott. Denn die Pharisäer hatten den Wahnsinn gefasst, dass, wenn jemand mit ungewaschenen Händen essen würde, der für Gott unrein wäre. Zwar hatte Gott, der Herr, den Juden im Gesetz geboten, wenn jemand etwas Unreines angefasst hätte, dass er sich mit Wasser waschen sollte und unrein sei bis zum Abend, damit er sie durch die äußerliche Reinlichkeit an die innerliche Reinigung erinnerte. Die Pharisäer aber drangen auf das Waschen aus einem abergläubischen Gebot ihrer Vorfahren, auch wenn sich einer gar nicht bewusst war, dass er etwas Unreines angerührt hatte.

4. Und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, sie waschen sich denn. Und des Dings ist viel, das sie zu halten haben angenommen, von Trinkgefäßen und Krügen und ehernen Gefäßen und Tischen zu waschen.

Sich denn: Weil sie sich sorgten, sie könnten ansonsten vor Gott unrein werden.

Zu waschen: Denn sie reinigten solche Dinge alle miteinander in abergläubischerweise, auch wenn sie nicht unrein waren. Es hatte aber Gott den Juden im Gesetz geboten, dass sie den Hausrat reinigen sollten, wenn er mit irgendeinem unreinen Dingen verunreinigt worden war und nicht, dass man reine Sachen reinigen müsste. Aber das Herz des Menschen ist so verwegen, dass es sich untersteht, mehr und größere Sachen zu leisten, als Gott geboten hat, gerade so, als ob es das alles vollkommen halten und tun könnte, was Gott befohlen hat.

5. Da fragten ihn nun die Pharisäer und Schriftgelehrten: Warum wandeln deine Jünger nicht nach den Aufsätzen der Ältesten, sondern essen das Brot mit ungewaschenen Händen?

Fragten ihn: Nämlich Christus, dass sie gesehen hatten, dass seine Jünger bei Tisch saßen und das abergläubische pharisäische Waschen nicht beachtet hatten.

Ältesten: Nach den Satzungen, dem obersten Rat in Jerusalem aufgestellt worden waren. Heutzutage dringen auch die Katholiken heftig und viel mehr auf die Satzungen und Ordnungen der Konzilien, dass man diese halten sollte, als auf die Gebote Gottes.

6. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wohl fein hat von euch Heuchlern Jesaja geweissagt, wie geschrieben steht: Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir.

Geweissagt: Und euch sehr freundlich abgebildet im Buch seiner Weissagungen im Kapitel 29.

Lippen: So sind auch heutzutage die Heuchler gesinnt, die mit Psalmen und gottseligen Sprüchen, wie es den Anschein hat, Gott ehren, wo sie doch unterdessen im Herzen Gott nicht fürchten. Solche Heuchler wird Gott, wo sie nicht Buße tun, mit den Pharisäern ernstlich strafen.

7. Vergeblich aber ist es, dass sie mir dienen, dieweil sie lehren solche Lehre, die nichts ist denn Menschengebot.

Menschengebot: Das heißt: Sie machen sich selbst und anderen vergebliche Mühe, indem sie solche Gottesdienste lehren und betreiben, die ich weder eingesetzt noch befohlen habe, sondern die von Menschen erdacht sind. Deswegen nehmen die, die neue Gottesdienste anordnen oder ausüben, die Gott nicht geboten hat, eine vergebliche Mühe auf sich. Dergleichen Gottesdienste aber, die von Menschen erdacht worden sind, gibt es im Papsttum unzählige. Und es wäre besser, müßigzugehen, als vergebens zu arbeiten.

8. Ihr verlasst Gottes Gebot und haltet der Menschen Aufsätze, von Krügen und Trinkgefäßen zu waschen; und desgleichen tut ihr viel.

Ihr: Jetzt richtet Christus den Spruch des Propheten auf sein Vorhaben.

Vielen: Von denen Gott keines befohlen hat, was allerdings zu lange dauern würde, dies alles zu erzählen. Unterdessen aber lasst ihr die Gebote Gottes außer Acht. Denn, während man die Menschensatzungen hält, versäumt und übertritt man unterdessen die Gebote Gottes. Die Satzungen der Menschen aber sind solche Ordnungen und Anweisungen, die von Menschen erdacht und eingesetzt worden sind, dass man Gott damit ehren soll und doch haben sie kein Wort oder keinen Befehl Gottes.

9. Und er sprach zu ihnen: Wohl fein habt ihr Gottes Gebot aufgehoben, auf dass ihr eure Aufsätze haltet.

Und: Christus bringt ein Beispiel vor, mit dem er beweist, dass die Heuchler Gottes Gebot fahren lassen, indem sie sich auf die Menschensatzungen verlegen.

Wohl fein: Dies ist im Spott geredet, als wollte er sagen: Freilich seid ihr gewaltige, große Heilige, dass ihr Gottes ausdrückliches Gebot beiseitestellt und übertretet, nur damit eure Satzungen gehalten werden. Dies will ich mit einem Beispiel beweisen, was ihr täglich im Gebrauch habt.

10. Denn Mose hat gesagt: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren; und: Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben: {5Mos 16 Eph 6v2 Spr 20v20}

Gesagt: Aus Erleuchtung des Heiligen Geistes {2Mos 20 3Mos 20}.

Ehren: In diesem Gebot fordert Gott nicht nur, dass man die Eltern mit äußerlichen Gebärden und Worten ehren soll, sondern er will vielmehr, dass wir ihnen Gutes tun und uns für die Erziehung dankbar gegenüber ihnen verhalten sollen.

Sterben: So sehr ist die Verachtung der Eltern unserem Herrn Gott zuwider, und er befiehlt uns, dass wir ihnen alle Ehre und Guttaten erzeigen sollen, und er befiehlt auch, diejenigen am Leben zu strafen, die ihren Eltern eine Schmach anlegen.

11. Ihr aber lehrt: Wenn einer spricht zum Vater oder Mutter: Korban, das ist, wenn ich‘s opfere, so ist dir‘s viel nützer, der tut wohl.

Korban: Das heißt ebenso viel, wie ein Opfer oder eine Gabe, die Gott geopfert wurde, zur Unterhaltung des Gottesdienstes. Es ist aber der Sinn der Worte Christi dieser: Ihr Pharisäer, als Heuchler, lehrt das Volk so, wenn jemand seine Güter mit einem Gelübde für den Gottesdienst verschreibt oder zur Unterhaltung des Gottesdienstes herzugeben für sich selbst beschlossen hat, der könnte nichts davon wiederbekommen, noch seinen Eltern weiter damit behilflich sein, auch wenn sie große Not und Mangel leiden würden. Zudem sagen solche Kinder zu ihren Eltern, wenn sie von diesen um Hilfe angerufen werden: Es ist dir, mein Vater und meine Mutter, viel besser und ratsamer, dass ich es zum Gottesdienst geopfert habe, was ich dir hätte geben können, denn auf diese Weise wird deiner Seele geholfen. Und so haben im Papsttum unterm Schein der Religion die Eltern ihre Kinder und die Kinder ihre Eltern der Güter beraubt. Weil aber Jesus selber sagt, dass die Menschensatzungen, wenn sie nicht öffentlich gegen Gottes Wort stehen, die Leute daran hindern, dass sie Gottes Gebot nicht halten können, so haben diejenigen recht und es richtig gemacht, die die päpstlichen Satzungen aus den Kirchen ausgemustert haben.

Nach Luther: Es heißt ein Opfer und es ist kurz gesagt, so viel wie, lieber Vater, ich gebe es dir gerne. Aber es ist Korban, ich lege es besser an, dass ich es Gott gäbe, als dir und so hilft es dir auch besser.

12. Und so lasst ihr künftig ihn nichts tun seinem Vater oder seiner Mutter

13. und hebt auf Gottes Wort durch eure Aufsätze, die ihr aufgesetzt habt; und desgleichen tut ihr viel.

14. Und er rief zu sich das ganze Volk und sprach zu ihnen: Hört mir alle zu und vernehmt es {Mt 15v10}!

Und: Weil die Pharisäer gelehrt hatten, dass der Mensch vor Gott unrein würde, wenn er entweder mit ungewaschenen Händen, oder wenn das Geschirr nicht sauber wäre, essen würde und sich stattdessen um die wahre Reinlichkeit des Herzens nicht kümmerte, so unterrichtet Christus das Volk, wie es sich vor der Unreinheit richtig hüten soll.

15. Es ist nichts außer dem Menschen, was ihn könnte gemein machen, so es in ihn geht; sondern was von ihm ausgeht, das ist‘s, was den Menschen gemein macht.

Gemein macht: Das heißt: Essen und Trinken an sich machen einen Menschen nicht schlecht vor Gott, sondern was Böses und Verkehrtes vom Menschen ausgeht mit Gedanken, Reden und Handeln, das verunreinigt einen Menschen, dass er vor Gott abscheulich wird. Darum liegen die weit daneben, die meinen, sie würden sich an Gott versündigen, wenn sie am Freitag oder in der Fastenzeit Fleisch essen, während sie sich unterdessen nicht scheuen, fleischlich zu leben, das heißt, dem Fleisch den Willen zu lassen und ihre fleischlichen Gelüste nicht zu bändigen. Die Trunkenheit aber verunreinigt den Menschen nicht wegen des Weins, sondern wegen des übermäßigen Trinkens, was von Gott verboten ist. So hat auch das Essen von der Frucht des Baumes im Paradies unserer ersten Eltern nicht durch sich selbst verunreinigt, sondern weil diese Frucht verboten war. Und die, die im Alten Testament verbotene Speisen verwendet hatten, die hatten ihr Gewissen verunreinigt, nicht dadurch, dass solche Speise an sich selbst den Menschen unrein gemacht hätte, sondern weil sie im Worte Gottes verboten waren. Heutzutage aber, weil im Christentum die mosaischen Satzungen aufgehoben worden sind, sündigen diejenigen schwer, die mit Verboten von Speisen die Gewissen der Menschen verwirren. Von solchen Heuchlern und falschen Lehrern in der Kirche schreibt Paulus folgendermaßen: Der Geist sagt 5. Mose, dass in den letzten Zeiten etliche vom Glauben abfallen und den verführerischen Geistern und Lehrern der Teufel anhängen werden, die in hellem Glanz Lügenredner sind und Brandmale in ihrem Gewissen haben, die verbieten, zu heiraten und Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat, damit die Gläubigen und die, die die Wahrheit erkennen, mit Danksagung nehmen können.

16. Hat jemand Ohren zu hören, der höre!

Höre: Wem es gegeben ist, dass er dies hören und verstehen kann, der behalte es im Gedächtnis. Denn viele haben taube Ohren für das Wort Gottes, aber unnützes Geschwätz oder Märchen hören können sie gut.

17. Und da er von dem Volk ins Haus kam, fragten ihn seine Jünger um dieses Gleichnis.

Gleichnis: Wie es zu verstehen ist, als er gesagt hat: Was in einen Menschen hineingeht das verunreinigt den Menschen nicht, sondern was von Menschen ausgeht. Denn diese Worte kamen ihnen vor, als wenn es eine verblümte Rede und ein Gleichnis wäre, wie es auch Matthäus im Kapitel 15 berichtet. Es hat aber Christus den Unverstand seiner Jünger mit großer Geduld ertragen, damit der uns mit seinem Beispiel lehrt, wie man die einfältigen und unverständigen Menschen nicht von sich treiben, sondern vielmehr unterrichten soll.

18. Und er sprach zu ihnen: Seid ihr denn auch so unverständig? Vernehmt ihr noch nicht, dass alles, was außen ist und in den Menschen geht, das kann ihn nicht gemein machen?

Unverständig: Ihr solltet doch bis hierhin aus meinen Predigten geschickter geworden sein, denn man muss die schläfrigen und unachtsamen Zuhörer des göttlichen Wortes aufmuntern und ihnen mit Ernst zureden.

19. Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch und geht aus durch den natürlichen Gang, der alle Speise ausfegt.

Herz: Darum kann es dieses nicht verunreinigen oder schlechter machen.

Ausfegt: Denn der Bauch ist so beschaffen, dass die Speise zunächst in den Magen kommt, und wenn die Verdauung geschehen ist, so wirft er, was überflüssig ist, wieder von sich. Das geht das Herz nichts an, welches durch die eingenommene Speise für sich selbst weder besser noch böser gemacht wird.

20. Und er sprach: Was aus dem Menschen geht, das macht den Menschen gemein.

21. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, gehen heraus böse Gedanken, Ehebruch, Hurerei, Mord,

22. Dieberei, Geiz, Schalkheit; List, Unzucht, Schalksauge, Gotteslästerung, Hoffart, Unvernunft.

Schalksauge: Wo einer dem anderen heimlich etwas neidet und ihn anfeindet.

Unvernunft: Das heißt: Grobheit und Unbescheidenheit gegen den Nächsten, wie die Bauern stolz sind und andere neben sich verachten. Hier hört man also, was für ein böses Nest das Herz ist. Dabei kann man sich auch vorstellen, was für Kräfte des freien Willens in einem nicht wiedergeborenen Menschen sind in geistlichen Sachen, nämlich keine. Weil demnach diese Sünden und Laster, die hier erzählt werden, den Menschen vor Gott verunreinigen, so sollen wir den alten Adam mit größtem Fleiß bekämpfen, damit er das, was er im Herzen kocht, nicht herausschütten kann. Denn diejenigen, die die bösen Neigungen des Herzens und die Gedanken nicht hervorbrechen lassen, sondern sich an den Glauben an Christus halten, dass die Sünde nicht in ihrem Leib herrscht, die bleiben in der Gnade Gottes. Diejenigen aber, die den Begierden ihres Herzens und bösen Gelüsten nachhängen, die fallen aus der Gnade Gottes. Denn Paulus sagt: Werdet ihr nach dem Fleisch leben, so werdet ihr sterben. Wo ihr aber durch den Geist die Geschäfte des Fleisches tötet, werdet ihr leben {Röm 8}.

23. Alle diese bösen Stücke gehen von innen heraus und machen den Menschen gemein.

24. Und er stand auf und ging von dort in die Grenze von Tyrus und Sidon und ging in ein Haus und wollte es niemand wissen lassen und konnte doch nicht verborgen sein.

Und er: Der Evangelist erzählt ein herrliches Beispiel eines großen Glaubens von einem Weib aus Kanaan, beschreibt die Sache, seiner Gewohnheit nach, jedoch ganz kurz. Matthäus berichtet auch darüber im Kapitel 15.

Tyrus und Sidon: Dies waren zwei herrliche und berühmte Handelsstädte am Mittelmeer gewesen.

Wissen lassen: Dass er da wäre. Denn er wollte mit den Jüngern ein wenig ausruhen. Und Christus hat neben anderen menschlichen Schwachheiten auch diese auf sich genommen, jedoch ohne Sünde, dass er in der Ausübung seines Berufs müde geworden ist. Darum hat er ein Mitleid mit denen und gibt ihnen neue Kräfte, die in Ihrem Beruf tapfer arbeiten, sodass sie darüber müde werden. Er lehrt auch mit seinem Beispiel, dass wir mit gutem Gewissen von Zeit zu Zeit von unseren Geschäften ausruhen und uns richtig erholen können.

Nicht verborgen: Gleich nach seiner Ankunft erhob sich ein Geschrei darüber, dass er da wäre. Darum konnte er nicht lange müßig bleiben. Denn wir werden immer wieder zu unseren Aufgaben gezogen, obwohl wir eine längere Ruhepause bräuchten.

25. Denn ein Weib hatte von ihm gehört, deren Töchterlein einen unsauberen Geist hatte. Und sie kam und fiel nieder zu seinen Füßen

Gehört: Darum hat sie sich vorgenommen, ihn um Hilfe anzuflehen.

Kam: Ihm entgegen, als er noch auf dem Weg war, wie Matthäus berichtet.

26. (und es war ein griechisches Weib aus Syrophönizien); und sie bat ihn, dass er den Teufel von ihrer Tochter austriebe.

Syrophönizien: Denn Syrien und Phönizien sind nicht weit von Sidon entfernt und grenzen aneinander, daher werden die Bewohner dieser Landschaft Syrophönizier genannt. Und es ist ein heidnisches Weib zu Christus gekommen, um anzuzeigen, dass er nicht nur der Heiland der Juden, sondern auch der Heiden wäre.

Tochter: Es sollen aber die Eltern für die Kinder eine gottselige Fürsorge haben und die, die sie außer Acht lassen, sind ärger als die wilden Tiere. Dies geschieht dann, wenn sie diese nicht zur Gottseligkeit gewöhnen und erziehen, damit sie der Gewalt des Satans entrissen werden.

27. Jesus aber sprach zu ihr: Lass zuvor die Kinder satt werden! Es ist nicht fein, dass man der Kinder Brot nehme und werfe es vor die Hunde.

Sprach: Auf die erste Bitte der Frau hat Christus allerdings geschwiegen, sodass auch die Jünger für sie gebeten haben. Denen hat er zur Antwort gegeben, es sei nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt worden. Als sie aber nicht aufgehört hatten zu schreien, haben sie dann noch eine ebenso ungnädige Antwort von Christus herausgepresst.

Hunde: Ich bin dazu gesandt worden, dass ich meine Guttaten den Israeliten erzeige, als dem auserwählten Volk Gottes und nicht den Heiden, als den unflätigen Hunden. Darum, wenn ich dir oder deiner Tochter Gutes täte, so wäre es genauso, als wenn ich das Brot nehme, dass den Kindern gehört und es den Hunden vorwerfe. Dies sagt Christus aber nicht richtig ernst, sondern damit er den Glauben dieser Frau bewerten konnte ihn übte. Ebenso lässt uns Gott auch manchmal mit diesem Gedanken in unserem Gewissen anfechten, dass wir meinen, die Guttaten Christi gingen uns nichts an und wir wären ihrer wegen unserer großen und vielfältigen Sünden nicht wert. Aber das ist nicht der ernste Wille und die Meinung Gottes, darum soll man solche Anfechtungen im Glauben überwinden.

28. Sie antwortete aber und sprach zu ihm: Ja, Herr; aber doch essen die Hündlein unter dem Tisch von den Brosamen der Kinder.

Ja Herr: Du sagst zurecht, dass man den Kindern das Brot nicht wegnehmen soll, um die Hunde damit zu füttern. So erkenne ich auch, dass man mich wohl mit einem Hund vergleichen möchte, aber es kann durchaus geschehen, dass die Kinder gesättigt sind und ihnen nichts abgeht und dennoch die Hunde auch etwas zu fressen bekommen.

Brosamen: Die von den Tischen der Kinder fallen, wenn sie gespeist und gesättigt werden. Darum begehre ich nicht, dass du mir solche Guttaten erweist, die das Volk Gottes benötigt, sondern dass du mir nur die Brosamen mitteilst, die die Israeliten, wenn sie satt geworden sind, nicht brauchen. So sollen auch wir mit dem Gebet bei Gott anhalten und uns mit den Gedanken an unsere Unwürdigkeit nicht vertreiben lassen. Denn ein verängstigtes und geschlagenes Herz wird Gott nicht verachten {Ps 51}. Darum sollen wir sagen: Herr ich bekenne, dass sich ein armer Sünder bin, aber du bist um der Sünden willen in die Welt gekommen, damit du dieselben selig machst {1Tim 1}.

29. Und er sprach zu ihr: Um des Worts willen so gehe hin; der Teufel ist von deiner Tochter ausgefahren.

Wortes willen: Womit du deinen gewaltigen und starken Glauben zu erkennen gegeben hast. Denn der Glaube erlangt, was der Mensch glaubt. Er gründet sich aber auf das Wort Gottes.

30. Und sie ging hin in ihr Haus und fand, dass der Teufel war ausgefahren und die Tochter auf dem Bette liegend.

Liegend: Und es ist zu vermuten, ehe der Teufel ausgefahren, hat er das Mädchen treulich gewarnt, in einem Ausmaß, wie man kein gleiches Beispiel der evangelischen Geschichte mehr findet, daher war das Mädchen noch etwas schwach und im Bett gelegen, aber doch vom Teufel befreit gewesen. So fangen unsere Sachen auch nicht immer im nächsten Augenblick an, besser zu werden, sondern nach und nach. Wir sollen aber den Glauben an den Heiland Christus und die zweifelsfreie Hoffnung, unsere Bitte erfüllt zu bekommen, (wenn es uns auch scheint, sie sei uns abgeschlagen), auch die Liebe gegen den Nächsten, von dieser Frau lernen und uns bemühen, es ihr nachzutun.

31. Und da er wieder ausging von den Grenzen Tyrus und Sidon, kam er an das Galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehn Städte.

Und: Es folgt ein anderes, ebenso großes Wunderwerk, wie das vorige.

Zehn Städte: Von denen die ganze umliegende Landschaft den Namen gehabt hat. Und dieser Umstand des Ortes zeigt an, dass dieses herrliche Wunderwerk nicht in einem Winkel oder im Verborgenen geschehen ist.

32. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war; und sie baten ihn, dass er die Hand auf ihn legte.

Stumm war: Denn der Teufel hatte Ihnen durch Gottes Verhängnis das Gehör und die Sprache geraubt. Und solche Beispiele geben zu verstehen, mit welch großer Tyrannei der Satan um der Sünde willen unter dem menschlichen Geschlecht wüten kann, wo ihn Gott nicht steuert. Auch wenn nun der Teufel nicht viel Leibliches besitzt, dass sie stumm und taub werden, so steht es doch mit denen sehr gefährlich, die zur Anhörung des göttlichen Wortes oder auch zu anderen heilsamen Warnungen taube Ohren haben und diejenigen, die stumm sind, dass sie die Wahrheit der himmlischen Lehre nicht bekennen wollen, noch Gott anrufen, oder loben, auch nichts Heilsames zu reden wünschen.

Legte: Und dem elenden Menschen sein Gehör und seine Sprache wiedergab. Denn wir sollen für andere Leute bitten.

33. Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spützte und rührte seine Zunge.

Finger: Es hätte Christus den Teufel mit einem Wort verjagen können und diesen Menschen seine Sprache und sein Gehör wiedergeben können, aber er brauchte Mittel dazu, und so benötigt er auch zu unserer geistlichen Heilung das Predigtamt des göttlichen Wortes und die heiligen Sakramente. Wer solche Mittel verachtet, der bleibt ohne Zweifel in der Gewalt des Teufels.

34. Und sah auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm: Hephatha! das ist: Tu dich auf!

Gen Himmel: Dass er den himmlischen Vater um die Erlösung dieses armen Menschen bat. Denn in der Knechtsgestalt hat Christus seine Wunderwerke seinem himmlischen Vater anheim geschrieben.

Seufzte: Er seufzte über das Elend dieses Menschen, oder vielmehr über das ganze menschliche Geschlecht. Denn der Sohn Gottes hat ein Mitleid mit unseren Trübsalen.

Hepheta: Das ist ein syrisches Wort, das der Herr Christus gebraucht, weil die syrische Sprache bei den Juden zu dieser Zeit gebräuchlich war. Die Übersetzung ist vom Evangelisten hinzugefügt worden.

35. Und alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los und redete recht.

Alsbald: Daraus ist die Kraft des Wortes Christi zu spüren.

Recht: Wenn uns auch Gott die Sprache verleiht, so sollen wir nicht närrische, böse, unflätige und lästerliche Reden führen, sondern was heilsam und gottselig ist vorbringen, und unsere Ohren sollen nicht für Verleumdungen, sondern für die Schreie der Elenden offen stehen.

36. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten.

Niemand sagen: Damit er nicht durch die Mitteilung solcher Guttaten dafür angesehen würde, als würde er die Gunst des Volkes suchen, um dieses an sich zu bringen und das Königreich an sich zu reißen. Denn es soll niemand das Ziel seiner Aufgabe überschreiten.

Ausbreiteten: Denn der Ruhm folgt auf löbliche Taten von selbst.

37. Und verwunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht: die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.

Wunderten sich: Über das große Wunderwerk.

Redend: Denn man soll die Guttaten Gottes preisen und rühmen, nicht nur die, die wir empfangen haben, sondern auch die, die anderen erzeigt worden sind. Denn wir sind alle Glieder eines geistlichen Leibes, dessen Haupt Christus ist. Darum sollen wir uns miteinander freuen, einander Glück wünschen und einer für den anderen Gott danken, wenn jemand eine Guttat von Gott empfangen hat.


Das 8. Kapitel


1. Christus speist mit sieben Broten und wenigen Fischen eine große Menge des Volkes. 2. Und er ermahnt die Jünger, dass sie sich vor dem Sauerteig der Pharisäer und des Herodes hüten sollen und sich nicht in Sorge um ihren Bauch vertiefen sollen. 3. Danach machte er einen Blinden sehend. 4. Und er möchte von seinen Jüngern wissen, wie viel sie in seiner Erkenntnis zugenommen haben. Da ihm aber Petrus von seinem Leid abraten will, befiehlt er ihm, zu schweigen. 5. Schließlich ermahnt er zur Beständigkeit in der Erkenntnis der Wahrheit.

1. Zu der Zeit, da viel Volks da war und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen:

Zu: Christus speist abermals mit wenigen Broten und Fischen etliche tausend Menschen, wie es auch Matthäus im Kapitel 15 beschreibt.

Zu Essen: Weil sie an einem Ort in der Wüste waren. Denn diejenigen, die Christus folgen, laufen eine Zeit lang Gefahr, hungern zu müssen.

2. Mich jammert des Volks; denn sie haben nun drei Tage bei mir beharrt und haben nichts zu essen;

Jammert: Christus kümmert sich aber um unser Elend, um zur rechten Zeit helfen zu können.

Beharrt: In dieser Wüste, wo sie meine Predigten und Wunderwerke beachtet haben und wie ungleich in ihrem Eifer sind diesem Volk diejenigen, die kaum eine Stunde in der Predigt verharren können. Wenn wir aber zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen, so will Gott für das andere sorgen und uns verschaffen, was wir benötigen.

3. und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne kommen.

4. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste, dass wir sie sättigen?

Wüste: Denn wo der menschliche Verstand momentan keine Möglichkeiten sieht, da traut sie Gott nicht.

5. Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brots? Sie sprachen: Sieben.

Fragte: Dies hat er darum getan, dass, wenn man von der geringen Anzahl der Brote wüsste, das Wunderwerk danach umso herrlicher erscheint.

6. Und er gebot dem Volk, dass sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote und dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie dieselben vorlegten; und sie legten dem Volk vor.

Dankte: Wenn wir aber Gott für die gegenwärtigen Gaben danken und um seinen Segen bitten, so wird er angeregt, dass er uns mehr und größere Guttaten erzeigt.

7. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselben auch vortragen.

8. Sie aßen aber und wurden satt und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe.

Auf: Denn was wir übrig haben, das sollen wir nicht unnötig vertun oder verschwenden. Und die mit Überfluss an Kleidern, Banketten oder Gebäuden überheblich sind, die werfen die Brocken, die ihnen von Gott gegeben sind, weg oder treten sie vielmehr mit Füßen. Aber wir sollen, was uns übrig bleibt, aufheben, damit wir dem nächsten Bedürftigen damit dienen können.

9. Und ihrer war bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich.

Viertausend: Dieses Wunderwerk soll unserem schwachen Glauben zu Hilfe kommen, wenn wir uns zu sehr um unsere Nahrung kümmern. Denn obwohl solche Wunderwerke nicht täglich geschehen, so vermehrt doch Gott das Korn auch heute noch wunderbar, was ansonsten nicht ausreichen würde. Und wir sollen uns auf die Verheißung Christi verlassen, die uns Nahrung und Kleider verspricht {Mt 6}.

10. Und alsbald trat er in ein Schiff mit seinen Jüngern und kam in die Gegend Dalmanuthas.

11. Und die Pharisäer gingen heraus und fingen an, sich mit ihm zu befragen, versuchten ihn und begehrten von ihm ein Zeichen vom Himmel.

Gingen heraus: Dies beschreibt auch Matthäus im Kapitel 8.

Zeichen: Sie forderten von ihm, wenn er ein Prophet wäre und dafür gehalten werden möchte, dass er ein ähnliches Zeichen oder Wunder tun sollte, wie es Moses getan hat, als er mit seinem Gebet in der Wüste für die Israeliten erreicht hatte, dass sie mit dem Brot vom Himmel gespeist wurden. Oder wie es Josua einst getan hatte, als er Sonne und Mond mit seinem Gebet stillstehen hieß, bis er über seine Feinde gesiegt hatte. Die Pharisäer forderten Christus jedoch nicht deshalb dazu auf, dass sie die Wahrheit von ihm lernen wollten, sondern um zu sehen, ob er auch ein solches Wunderwerk tun könnte oder nicht. Daneben aber waren sie nicht willens, dass sie an ihn glauben wollten, auch wenn er ein solches Wunderwerk getan hätte. Denn es gibt nicht viele, die die himmlische Wahrheit suchen, sondern nur einen Anschein für ihren Unglauben und ihre Widerspenstigkeit. Denen schickt Gott starke Irrtümer, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben {2Thes 2}.

12. Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was sucht doch dies Geschlecht Zeichen? Wahrlich, ich sage euch, es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben.

Geist: Es tat ihm im Herzen weh, dass er die verstockte Bosheit dieser Menschen sehen musste, auf die ihre ewige Verdammnis folgen würde. Denn Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehrt und lebt.

Was sucht: Warum suchen diese Leute einen wertlosen Schein ihres Unglaubens? Da sie jedoch für sich selbst beschlossen haben, dass sie mich nicht für den Heiland und Messias erkennen wollen, darum sind sie es nicht wert, dass ihnen ein solches Wunderwerk gezeigt wird, wie sie es wünschen. Sie haben Wunderzeichen genug, wenn sie nur glauben wollten. Aber doch wird ihnen ein Zeichen des Propheten Jonas gegeben werden. Denn, so wie dieser, nachdem er aus dem Bauch des Walfisches gekommen war, den Bewohnern von Ninive die Buße gepredigt hat und gesagt hat, dass die Stadt nach vierzig Tagen untergehen würde, so will ich, wenn ich von den Toten wiederum auferstanden sein werde, die Juden durch mein Evangelium zu Buße rufen; und weil nur sehr wenige folgen werden, so sollen die anderen nach vierzig Jahren zugrunde gehen. Wir sollen Gott keine Mittel vorschreiben, wodurch er uns zu seiner wahren Erkenntnis und zur Seligkeit bringen könnte, wie es die Pharisäer hier getan haben, sondern wir sollen demütig und gehorsam annehmen, was er uns vorlegt.

13. Und er ließ sie und trat wiederum in das Schiff und fuhr herüber.

Ließ sie: In Ihrem verstockten Sinn. Es besteht aber kein Zweifel, dass die Pharisäer, als Heuchler, sich danach gerühmt haben, sie hätten den Sieg errungen und Christus vertrieben. Jedoch beachtet Christus ihre Lästerung nicht, sondern er zieht von ihnen weg. Denn man muss die verstockten Menschen gehen lassen, die den himmlischen Wahrheiten in Ihrem Gewissen widersprechen. Daher sagt Paulus: Meide einen ketzerischen Menschen, wenn er ein und das andere Mal ermahnt worden ist. Und du sollst wissen, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt, als jemand, der sich selbst verurteilt hat.

14. Und sie hatten vergessen, Brot mit sich zu nehmen, und hatten nicht mehr mit sich im Schiff denn ein Brot.

Vergessen: Die Jünger hatten auf dieser Reise, bevor sie auf das Schiff gingen, nicht darauf geachtet, ob sie auch genug Brot dabei hätten, wovon auch Matthäus im 16. Kapitel berichtet.

Ein Brot: Was Ihnen für dreizehn Leute nicht genug erschien. Es sind aber die Kinder dieser Welt in der Fürsorge von zeitlichen Dingen viel fleißiger und emsiger, als die Kinder des Lichts in den geistlichen.

15. Und er gebot ihnen und sprach: Schaut zu und seht euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig Herodes!

Sauerteig: Mit diesen Worten hat Christus die Jünger ermahnt, dass sie sich hüten sollen, damit sie nicht von der falschen und heuchlerischen Lehre verführt werden, welche die Pharisäer und Herodes sich befleißigten. Und Christus gebraucht das Wort Sauerteig in einen bösen Sinn. An anderer Stelle hat er es auch in einem guten Sinn verwendet. Er hat aber zu verstehen geben wollen, so, wie der Sauerteig einen ganzen Teig säuert, so verdirbt die falsche Lehre endlich auch die ganze Religion. Denn aus einem Irrtum entstehen nach und nach viele andere mehr, bis die ganze Religion zugrunde geht.

16. Und sie gedachten hin und wieder und sprachen untereinander: Das ist‘s, dass wir nicht Brot haben.

Nicht Brot: Darum weist er mit versteckten Worten auf unsere Unachtsamkeit und Trägheit hin. Denn die Jünger verstanden die Worte Christi von der Lehre nicht, sondern weil er den Sauerteig erwähnt hatte, meinten sie, Christus hätte Ihnen Ihre Vergesslichkeit und Fahrlässigkeit heimlich vorwerfen wollen, weil sie nicht ausreichend Brot mit ins Schiff genommen hätten.

17. Und Jesus vernahm das und sprach zu ihnen: Was bekümmert ihr euch doch, dass ihr nicht Brot habt? Vernehmt ihr noch nichts und seid noch nicht verständig? Habt ihr noch ein erstarrtes Herz in euch?

Bekümmert: Wie kommt euch doch das in den Sinn, wenn ich vom Sauerteig rede, dass ihr euch darum Sorgen macht, weil wir nicht genug Brote im Schiff dabei haben.

18. Habt Augen und seht nicht und habt Ohren und hört nicht und denkt nicht daran,

Verständig: Dass ihr Gottes Allmacht und Güte hättet erkennen lernen, wie ich mit wenig Brot viele tausend Menschen speisen konnte.

Hört nicht: Habt ihr aus dem neulich geschehenen Wunderwerk euren Glauben nicht besser gestärkt, dass ihr so blind und unverständig seid, als wenn ihr wieder Augen noch Ohren hättet? Denn man muss den Zuhörern gelegentlich ernsthaft zureden und sie aus dem Schlaf der Sicherheit aufwecken. Wenn auch die Zuhörer von ihren Predigen mit gebührendem Ernst zur Rede gestellt werden, so sollen sie darüber nicht zornig sein, denn wenn ein Kranker sich nicht richtig verhalten will, so muss der Arzt desto bitterere Arzneimittel verwenden.

19. da ich fünf Brote brach unter fünftausend, wie viel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgehoben? Sie sprachen: Zwölf {Joh 6v9 v13}.

20. Da ich aber die sieben brach unter die viertausend, wie viel Körbe voll Brocken hubet ihr da auf? Sie sprachen: Sieben.

21. Und er sprach zu ihnen: Wie vernehmt ihr denn nichts?

Denn nichts: Das nichts daran gelegen ist, die Menschen zu ernähren, ob es viele oder wenige sind, wenn ich mit meinem Segen dabei bin. Darum sollt ihr aus meinen Worten, als ich euch geheißen habe, den Sauerteig zu meiden, nicht schließen, dass ich mir wegen des Brotes Sorgen machte, sondern ihr sollt es vielmehr dahingehend verstehen, dass ich euch warne, dass ihr euch vor der Heuchelei und der falschen Lehre der Pharisäer und des Herodes vorseht. Deswegen sollen die vorhergegangenen Guttaten Gottes, die uns erzeigt worden sind, unseren Glauben stärken, damit wir an Gottes Allmacht und Güte keinen Zweifel hegen. Aber die falsche Lehre sollen wir, wie einen Sauerteig, ja wie ein Gift der Seelen, meiden und vor ihnen fliehen.

22. Und er kam gen Bethsaida. Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn, dass er ihn anrührte.

Anrührte: Und ihn so wieder sehend gemacht hat. Denn es ist recht, dass wir uns der Not anderer Menschen annehmen und bei Gott, mit unserem Gebet, für andere bedrängte Personen eine Fürbitte tun.

23. Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor den Flecken und spützte in seine Augen und legte seine Hände auf ihn, und fragte ihn, ob er etwas sähe.

Spützte: Dass Christus den blinden in die Augen spuckt, lehrt uns, wie Gott, wenn er uns helfen will, oft einen solchen Prozess benutzt, dass es so aussieht, als wollte er das Gegenteil tun. Denn wenn man einem in die Augen spuckt, so wird man viel eher einen Sehenden blind, als einen Blinden sehend machen.

24. Und er sah auf und sprach: Ich sehe Menschen gehen, als sähe ich Bäume.

Bäume: So, dass ich Ihre Gestalten oder Gliedmaßen noch nicht recht erkennen kann. Denn Gott wendet unser Unglück manchmal nicht auf einmal, sondern nach und nach von uns ab. Darum sollen wir geduldig warten, bis er vollendet, was er in uns angefangen hat.

Nach Luther: Er sieht noch verschwommen, wie man aus der Entfernung Menschen für Bäume oder Baumstämme ansieht. So ist auch unser Anfang, Christus zu erkennen, schwach, er wird aber immer stärker und gewisser.

25. Danach legte er abermal die Hände auf seine Augen und hieß ihn abermal sehen; und er ward wieder zurechtgebracht, dass er alles scharf sehen konnte.

Hieß: (Nach Luther) Er fragte, wie siehst du nun?

26. Und er schickte ihn heim und sprach: Gehe nicht hinein in den Flecken und sage es auch niemand drinnen.

Niemand: Mit diesem Beispiel hat uns Christus Lehren wollen, dass wir die Guttaten, die wir dem Nächsten erzeigen, nicht in ruhmsüchtiger Weise und zum Schein tun sollen. Man kann aber auch dieses Gleichnis von dem Wunderwerk weise auslegen. Wir alle sind von Natur aus blind in göttlichen Sachen. Christus heilt uns zuerst durch die Predigt des Gesetzes, dass er uns die Sünde vor Augen stellt und uns ins Gesicht spuckt. Danach legt er durch die Lehre des Evangeliums, die Hand des Heiligen Geistes, auf unsere Herzen, damit wir anfangen, Christus zu erkennen, an ihn glauben und selig werden. Wir sind aber in der Erkenntnis Christi nicht sofort vollkommen, sondern wir nehmen von Tag zu Tag darin zu, bis wir im anderen Leben ihn vollkommen erkennen werden, so wie wir von ihm erkannt sind {1Kor 3}.

27. Und Jesus ging aus und seine Jünger in die Märkte der Stadt Cäsarea - Philippi. Und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Wer sagen die Leute, dass ich sei?

Ich sei: Was halten die Leute von mir? Dies beschreiben auch Matthäus 16 und Lukas 9. Christus fragt aber nicht deshalb, als ob er es nicht wüsste, was man von ihm erzählte, oder, dass er aus Ehrgeiz sich selbst gern rühmen hörte, sondern, dass er als ein Lehrmeister seine Jünger versuchte, was sie gelernt hatten und nachdem er ihr Bekenntnis gehört hatte, sie entweder zurechtweisen, konnte, weil sie irrten, oder wenn sie die rechte Meinung hätten, dass er sie darinnen stärken konnte. Denn man soll darauf achten, was die Zuhörer lernen und wie sie sich bessern, damit man nicht vergeblich lehrt.

28. Sie antworteten: Sie sagen, du seist Johannes der Täufer; etliche sagen, du seist Elia; etliche, du seist der Propheten einer.

Täufer: Und bist von den Toten wiederum auferstanden, darum geschehen solche Wunderwerke von dir.

Elias: Der Thisbiter, der vor langer Zeit im feurigen Wagen in den Himmel gefahren ist und bist aber wiederum vom Himmel gekommen, damit du den elenden und verderbten Zustand des jüdischen Volkes wiederum zurechtbringst.

Propheten einer: Nämlich der alten und bist von den Toten wieder aufgeweckt worden. Diese alle miteinander waren nicht feindlich gegen Christus gesinnt und hatten doch mancherlei falsche Meinungen von ihm. Darum sollen wir uns nicht ärgern, wenn wir sehen, dass mancherlei Sekten in der Religion entstehen, sondern wir sollen mit Fleiß danach trachten, dass wir uns nicht im Irrtum verführen lassen.

29. Und er sprach zu ihnen: Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist Christus.

Sagt ihr: Denn ich will eure Meinung von meiner Person auch anhören. Und jeder Christ soll seiner rechten Religion sicher sein und nicht auf die Meinung anderer Menschen sehen, damit er nicht bald auf diese, bald auf eine andere Seite fällt.

Petrus: In seinem und dem Namen aller anderen Apostel.

Christus: Der verheißene Messias, der Heiland der Welt und der ewige Sohn Gottes. Wie aber Christus dieses Bekenntnis des Petrus gerühmt und in seiner Person den Aposteln die Schlüssel des Himmelreichs versprochen hat, davon berichtet der Evangelist Matthäus im Kapitel 16 ausführlich.

30. Und er bedrohte sie, dass sie niemand von ihm sagen sollten.

Sagen sollten: Dass er der Messias wäre. Denn er wusste wohl, dass das Volk zu dieser Zeit es so aufnehmen würde, als wollte er einen Aufruhr erregen und sie würden sich unterstehen, ihn zum irdischen König zu machen, womit seinem Evangelium ein großer Schandfleck angehängt worden wäre. Denn wir sollen uns mit höchstem Eifer davor hüten, dass wir keinen Anlass geben, dass dem Evangelium Christi übel nachgeredet wird.

31. Und hob an, sie zu lehren: Des Menschen Sohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und über drei Tage auferstehen {Mt 16v21 Lk 18v31}.

Zu lehren: Weil er wusste, dass die Herzen der Jünger von der vergeblichen Vorstellung eingenommen waren von einem weltlichen Königreich Christi.

32. Und er redete das Wort frei offenbar. Und Petrus nahm ihn zu sich, fing an, ihm zu wehren.

Offenbar: Ohne Umschweife oder dunkle Sprüche, damit die Jünger auf die Weise viel mehr zur Betrachtung des Kreuzes, als zur Hoffnung eines weltlichen Reiches ermahnt würden. Denn man muss das herannahende und vor Augen schwebende Unglück anzeigen, damit wir uns rüsten, es recht anzunehmen und das Herz gegen die hereindringenden Anfechtungen zu stärken.

Petrus: Der immer beherzter gewesen ist, als die anderen Apostel.

Wehren: Dass er ihn ernstlich davor ermahnte, er solle sich nicht wissentlich und willentlich in so große Gefahr und Not begeben, wenn er dieser doch überlegen sein konnte. Denn unser verderbtes Fleisch sieht vielmehr auf die zeitliche Gefahr und den Schaden, als auf unsere Aufgabe.

33. Er aber wandte sich um und sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

Jünger an: Damit sie umso mehr aufpassen würden.

Bedrohte: Indem er ihnen einen ernstlichen Verweis gab.

Du Satan: Denn du gibst mir keine nützlichen oder heilsamen, sondern einen recht teuflischen Rat, weil du dich vom Satan betrügen lässt.

Meinst nicht: Du gehst und strebst nicht den Sachen nach, die zur Ehre Gottes dienen, sondern die nur zur zeitlichen und vergänglichen Wohlfahrt der Menschen gehören. Kurz zuvor hatte Petrus ein herrliches Bekenntnis von Christus getan. Jetzt aber gibt der bald darauf einen solch teuflischen Rat, welcher, wenn er weitergegangen wäre, die Seligkeit des ganzen menschlichen Geschlechtes verhindert hätte. Darum lehrt dieser Fall des Petrus, was ein Mensch ist, wenn er sich selbst überlassen wird, nämlich ein Werkzeug des Teufels. Es mögen sich also die Schutzherren des freien Willens verkriechen, die die Kräfte des Menschen in geistlichen Sachen vor der Wiedergeburt so hoch rühmen, weil auch die wiedergeborenen Menschen den Bosheiten und Listen des Teufels nicht immer widerstehen können. Und Petrus soll uns mit seinem Beispiel abermals erinnern, wenn wir ernstlich gescholten werden, wo wir es wohl verdient haben, dass wir es geduldig erleiden.

34. Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir will nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach {Joh 12v25}.

Nachfolgen: Und begehrt, mein rechter Jünger zu sein und auch mit mir der ewigen Seligkeit teilhaftig zu werden.

Sich selbst: Und verzichtet auf alles, was er auf dieser Erde lieb hat, sodass er sein eigenes Herz dermaßen verschließt, dass er lieber alles verlieren möchte, als Gott zu erzürnen.

Sein Kreuz: Er leide die Trübsal geduldig, welche Gott über ihn verhängt.

Folge mir: Er fahre in seinem Beruf tapfer fort, denn Gott ihm auferlegt hat. Es hat aber die ungereimte Antwort des Petrus Christus Anlass zu dieser Erinnerung gegeben, dass er sich daran machte, seine Jünger und andere Zuhörer zu ermahnen, dass sie nicht, indem sie der körperlichen Gefahr entgehen wollten, die ewige Seligkeit verlieren würden. Und davon berichten auch Matthäus 16 und Lukas 9. Was nun den Jüngern damals gesagt worden ist, das sollen wir uns alle gesagt sein lassen. Sich selbst verleugnen heißt nicht, ein Klosterleben anzustreben, sondern all das Seine gering achten, auch das zeitliche Leben, auf dass man Gott in seiner Aufgabe gerecht dienen kann. Und der nimmt sein Kreuz auf sich, nicht der sich selbst Mühe und Trübsal auferlegt, sondern wer das Kreuz geduldig trägt, das ihm von Gott auferlegt worden ist. Und der folgt Christus nach, der in seiner allgemeinen Aufgabe des Christentums und in seinem besonderen Amt seinen größtmöglichen Fleiß aufwendet, damit er dies recht erledigt.

35. Denn wer sein Leben will behalten, der wird‘s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinet und des Evangeliums willen, der wird‘s behalten.

Behalten: Dass er es gar zu sehr liebt und die ewige Seligkeit darüber ausschlägt.

Willen: Dass er an mich glaubt und mein Evangelium vor der Welt bekennt.

Wird es behalten: Und es immerdar in Ewigkeit genießen. Wir sollen deswegen die Verfolgung getrost und mit standhaftem Gemüt erdulden, die um des Bekenntnisses der reinen Lehre willen erregt wird. Und auch wenn wir das Leben darüber lassen müssten, so wird doch dieser Verlust im ewigen Leben uns oft vergolten werden.

36. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme an seiner Seele Schaden {Mt 16v26}?

Gewönne: So, dass er ein Herr der ganzen Welt würde, daneben aber seine Seele in die ewige Verdammnis geraten würde, der hätte sich für seine Sachen einen schlechten Rat geschaffen.

37. Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele löse?

Löse: Wenn sie ewig verdammt ist. Denn es gibt aus der Hölle keine Rettung mehr. Deshalb ist die Weisheit dieser Welt, die da lehrt, dass man das Evangelium vielmehr verleugnen soll, als Leib und Besitz in Gefahr zu bringen, die größte Dummheit.

38. Wer sich aber mein und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, der wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln {Mt 10v32 Lk 9v26 12v8}.

Schämt: Es schämen sich aber diejenigen Christi und seines Evangeliums, die ihre Bekenntnisse nicht tun wollen, wenn sie erfordert werden, oder sonst vonnöten sind. Denn Petrus sagt: Seid immer bereit zur Antwort an jedermann, der nach dem Grund der Hoffnung fragt, die in euch ist.

Geschlecht: Für die gottlosen Menschen, die meinen Wort und der Wahrheit widersprechen.


Das 9. Kapitel


1. Christus wird auf dem Berg verklärt. 2. Und gelehrt, dass Johannes der Täufer der Elias gewesen ist, der in den letzten Zeiten kommen sollte. 3. Er hilft einem Mondsüchtigen, dem die Jünger nicht helfen können. 4. Er predigt von seinem Leiden, das nahe herangerückt. 5. Er dämpft den Ehrgeiz der Jünger und stellt ihnen ein Kind zum Beispiel der Demut vor. 6. Er gibt Antwort auf Ihre Frage, weil sie einem Fremden verboten hatten, Teufel auszutreiben. 7. Und er ermahnt sie sehr ernsthaft, dass sie niemanden Ärgernis geben sollen.

1. Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, es stehen etliche hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis dass sie sehen das Reich Gottes mit Kraft kommen.

Und: Jetzt erzählt der Evangelist, wie Christus seinen Jüngern bereits mit etwas dunklen Worten zuvor verkündet hatte, dass er etlichen von Ihnen ein Stück seiner himmlischen Herrlichkeit sehen lassen werde, bevor sie sterben.

Kraft kommen: Das heißt: Wie sie meine wunderbare Majestät in himmlische Herrlichkeit gesehen haben. Es redete aber Christus von den drei Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes, die er bald danach mit sich auf den Berg genommen hatte, wo sie seine himmlische Herrlichkeit und auch das Reich Gottes in diesem Leben gesehen haben.

2. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus, Jakobus und Johannes und führte sie auf einen hohen Berg besonders alleine und verklärte sich vor ihnen.

Und: Jetzt folgt die Geschichte von der Verklärung Christi auf dem Berg, wovon er am Ende des vorigen Kapitels Andeutungen gemacht hat. Dieses wird auch beschrieben in Matthäus 17. und Lukas 9.

Und Johannes: Die drei Apostel, damit sie seine Herrlichkeit zuvor sehen, die auch danach seine tiefe Erniedrigung an dem Ölberg sehen würden, damit zu dieser trübselig Zeit ihr Glauben nicht verlischt. Denn Gott stärkt den Glauben der Seinen, ehe die Anfechtungen kommen, damit sie danach nicht darin versinken.

Berg: Von dem man glaubt, dass es der Berg Thabor gewesen ist.

Verklärt: So, dass er in großer Majestät gesehen wurde.

3. Und seine Kleider wurden hell und sehr weiß wie der Schnee, dass sie kein Färber auf Erden kann so weiß machen.

Sehr weiß: Dazu hat sein Gesicht geleuchtet wie die Sonne, wie Matthäus im Kapitel 17 schreibt. Obwohl Christus auch in seiner Menschheit mit Majestät und Herrlichkeit alle Lebewesen übertrifft, so werden doch auch unsere Leiber im anderen Leben herrlich auferstehen. Denn so schreibt Paulus: Christus wird unseren nichtigen Leib verklären, dass er seinem verklärten Leib nach der Wirkung ähnlich wird, damit er sich auch alle Dinge untertan machen kann {Phil 3}. Und Christus selbst sagt, die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im Reich ihres Vaters {Mt 24}.

4. Und es erschien ihnen Elia mit Mose und hatten eine Rede mit Jesu.

Eine Rede: Von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte, wie Lukas hinzusetzt im Kapitel 9. Das heißt: Sie sprachen mit ihm von seinem Leiden und Tod, den er in Jerusalem erdulden würde für die Erlösung des menschlichen Geschlechts. Denn im Leiden Christi besteht die Seligkeit der ganzen Kirche.

5. Und Petrus antwortete und sprach zu Jesu: Rabbi, hier ist gut sein; lasst uns drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

Antwortete: Oder redet. Denn das Wort antworten wird vom Evangelisten oftmals für einfaches reden gebraucht.

Gut sein: Ich wünsche nichts mehr, als dass wir stets hierbleiben können und Deine Majestät und Herrlichkeit sehen.

Elias eine: Petrus hatte aber weder Moses noch Elias zuvor jemals gesehen und kennt sie dennoch von dieser Stunde an alle beide. Darum besteht kein Zweifel, wir werden einander im ewigen Leben kennen.

6. Er wusste aber nicht, was er redete; denn sie waren bestürzt.

Redete: Vorfreude. Denn er war gleichsam verzückt und sprach noch wahre, vernünftige Worte.

Bestürzt: Sie hatten sich über so eine große Herrlichkeit und Majestät Christi heftig entsetzt, sodass Freude und Schrecken Durcheinander in ihnen waren. Denn die menschliche Natur, wenn sie noch nicht verwandelt worden ist, kann die Majestät des ewigen Lebens nicht dulden, darum müssen unsere Leiber verklärt werden.

7. Und es kam eine Wolke, die überschattete sie. Und eine Stimme fiel aus der Wolke und sprach: Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören {Mt 3v17 17v5}.

Ihr hören: Matthäus setzt hinzu: an dem ich ein Wohlgefallen habe. Und diese Worte des Vaters sind aus drei Stellen der Heiligen Schrift genommen, wie dem Psalm 2: Du bist mein Sohn. Jesaja 42: Meine Seele hat Wohlgefallen an ihm und 5. Mose. 18: Als Moses den Propheten hören heißt, den Gott senden wird. Und dies ist die herrlichste Synode gewesen oder die stattlichste geistliche Versammlung, die jemals auf Erden gehalten worden ist. Denn es haben sich Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Moses und Elias und die drei vornehmsten Apostel Petrus, Jakobus und Johannes darin gefunden. In dieser Synode ist beschlossen worden, dass Jesus von Nazareth der Geliebte, das heißt, der eingeborene Sohn Gottes, aus dem Wesen des Vaters von Ewigkeit her geboren, ist. Und er ist dem Vater so lieb, dass er um seinetwillen auch alle, die an Christus glauben, lieb hat. Und dass man Christus hören solle. Darum sollen wir an diesen eingeborenen Sohn Gottes glauben und sicher daraus schließen, dass wir um seinetwillen Gott dem Vater angenehm sind. Diesen himmlischen Lehrmeister lass uns hören und nicht die Heuchler, die uns Menschensatzungen aufdrängen wollen. Auch nicht die Weltweisen, die mit ihren spitzfindigen Meinungen aus der Natur die himmlische Lehre verfälschen, die uns von Christus, den Propheten und den Aposteln gegeben ist.

8. Und bald danach sahen sie um sich und sahen niemand mehr denn allein Jesum bei ihnen.

Bei ihnen: In seiner vorigen Knechtsgestalt, die er wieder angenommen hatte und in der er leiden wollte für das menschliche Geschlecht. Denn Christus hat das menschliche Geschlecht so sehr geliebt, dass er seine Majestät, die er gehabt hatte, eine Zeit lang ablegte und sie nicht gebrauchen wollte, sondern er hätte viel eher sich dieser entledigt, bevor wir armen Sünder nicht hätten erlöst werden sollten.

9. Da sie aber vom Berge herabgingen, verbot ihnen Jesus, dass sie niemand sagen sollten, was sie gesehen hatten, bis des Menschen Sohn auferstünde von den Toten.

Gesehen: Auf dem Berg. Davon berichten auch Matthäus 17 und Lukas 9. Denn Christus sorgt sich, wenn seine himmlische Majestät zur falschen Zeit unter den Leuten ausgebreitet und gerühmt werden würde, ob nicht etwa das jüdische Volk einen Aufruhr bekannten, besonders, weil ihre Herzen, wie auch die der Apostel selbst, mit der falschen Vorstellung vom weltlichen Reich Christi eingenommen waren. Denn man soll die Leute, wenn möglich, immer so lehren, dass sie das, was man ihnen recht vorhält, nicht falsch verstehen.

10. Und sie behielten das Wort bei sich und befragten sich untereinander: Was ist doch das Auferstehen von den Toten?

Wort: Nämlich die Handlung von der Verklärung Christi.

Auferstehen: Denn sie konnten nicht verstehen, wie der Tod Christi sich mit seinem ewigen Reich reimte, wovon so herrliche Weissagungen in den Propheten vorhanden waren. Es gibt also einen Unterschied in der Erkenntnis Christi. Darum sollen wir uns darum bemühen, dass wir täglich darin zunehmen.

11. Und sie fragten ihn und sprachen: Sagen doch die Schriftgelehrten, dass Elia muss zuvor kommen {Mt 17v10}.

Zuvor kommen: Nämlich, vor dem Ende der Welt. Es meinten aber die Jünger, wenn Christus einmal sterben würde und wieder auferstehen, so würde er dennoch (vielleicht einige Hundert Jahre lang) in weltlicher Weise herrschen und regieren. Und wenn das Ende dieses weltlichen Reiches gekommen wäre, welches sie auch mit dem Ende der Welt gleichsetzten, so würde zuvor Elias der Thisbitter wieder auf die Erde kommen, der vor langer Zeit in einem feurigen Wagen in den Himmel aufgenommen worden ist. Denn in einem solchen verkehrten Sinn nahmen sie den Spruch des Propheten Maleachus auf. Gleichermaßen legten ihn auch die Schriftgelehrten falsch aus, als besagter Prophet im Kapitel 4 spricht: Siehe, ich will euch den Propheten Elias senden, ehe dann der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. Nun können wir (wollen die Jünger sagen) dies nicht zusammenreimen, wie du ihn Kürze sterben und auferstehen wirst, wo doch Elias der Thisbitter noch nicht wiedergekommen ist auf die Erde, von dem doch gesagt wird, dass er vor dem Jüngsten Tag und vor der Auferstehung der Toten wieder in diese Welt kommen wird?

12. Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Elia soll ja zuvor kommen und alles wieder zurechtbringen; dazu des Menschen Sohn soll viel leiden und verachtet werden, wie denn geschrieben steht.

Zurechtbringen: Es stimmt schon, dass der Prophet gesagt hat, Elias werde kommen und die Kirche Gottes wiederum zurechtbringen, aber man muss es nicht so verstehen, wie ihr es auslegt.

Leiden: Von seinem Volk, die nicht anders mit ihm umgehen werden, als wenn er der ärgste Lump und Mörder wäre.

Geschrieben steht: Jesaja 53 und Psalm 22.

13. Aber ich sage euch: Elia ist kommen, und sie haben an ihm getan, was sie wollten, nachdem von ihm geschrieben steht.

Wollten: Denn obwohl viele von ihnen aus allen Ständen der Predigt Johannes des Täufers geglaubt und Buße getan haben, so ist doch der größere Teil der Zuhörer im gottlosen Leben verharrt und hat seine Erinnerungen verachtet, sodass sich sogar etliche haben hören lassen: Johannes sei vom Teufel besessen. Schließlich ist er von Herodes hingerichtet worden. Darum legen sie die Bosheit ihrer Herzen in seiner Verachtung und Verfolgung ausreichend an den Tag. Nichtsdestotrotz aber ist er seinem Amt treue nachgekommen, solange es ihm zugelassen worden ist, wie die Propheten Jesaja in Kapitel 40 und Maleachi im Kapitel 4 von ihm geweissagt haben. Denn er hat die Heuchler mit großem Eifer gescholten (gleichermaßen hat es auch Elias mit den Abgöttischen getan), damit sie sich besserten, aber er hat bösen Dank von Ihnen erhalten. Darum sollt ihr wissen, dass Elias bereits gekommen ist, von dem Maleachi geweissagt hat und dass mein Reich vorhanden ist, in das ich eingehen werde, nicht mit einem äußerlichen und weltlichen Prunk, sondern durch mein Leiden. Die Welt aber hasst die frommen Kirchendiener, wie auch Johannes einer gewesen ist und vergilt ihnen Gutes mit Bösem.

14. Und, er kam zu seinen Jüngern und sah viel Volks um sie und Schriftgelehrte, die sich mit ihnen befragten.

Und: Es folgt eine sehr denkwürdige Geschichte, die Matthäus im Kapitel 17 und Lukas in Kapitel 9 auch erzählen.

Befragten: Denn es hatte einer seinen besessenen Sohn zu den Aposteln gebracht und sie gebeten, dass sie den Teufel von ihm austreiben sollten, was sie aber nicht tun konnten. Darum haben die Schriftgelehrten den Jüngern zweifellos vorgeworfen, dass sie sich Wunderwerke angemaßt hätten, dieses aber nicht verrichten wollten, woraus gut zu schließen wäre, dass die Jünger mit ihrem Meister Verführer wären. Denn die Widersacher der rechten Religion nehmen jede Gelegenheit wahr, um etwas zu verlästern, und finden schnell etwas, dass sie zur Verachtung des Evangeliums hernehmen und aufblasen.

15. Und alsbald, da alles Volk ihn sah, entsetzten sie sich, liefen zu und grüßten ihn.

Entsetzten: Mit einer Ehrerbietung über die unvorhergesehene Ankunft Christi.

Grüßten: Mit Freuden, was der größere Teil deswegen tat, weil sie zeitliche Wohltaten von Christus empfingen. Denn solang das Evangelium etwas für die Kirche einträgt, so hat es viele Anhänger und Nachfolger.

16. Und er fragte die Schriftgelehrten: Was befragt ihr euch mit ihnen?

17. Einer aber aus dem Volk antwortete und sprach: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu Dir, der hat einen sprachlosen Geist {Mt 17v14 Lk 9v38};

Sprach: Weil die Schriftgelehrten schwiegen und nicht sagen durften, was sie seinen Jüngern vorgeworfen hatten.

Geist: Der ihm die Sprache und das Gehör genommen hat, wie aus dem, was danach folgt, zu sehen ist.

18. und wo er ihn erwischt, so reißt er ihn und schäumt und knirscht mit den Zähnen und verdorrt. Ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austrieben, und sie können‘s nicht.

Verdorrt: Dass er (mein Sohn) bei solch großen Jammer und Elend an Leibeskräften sehr geschwächt wird und abnimmt.

19. Er antwortete ihm aber und sprach: O Du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich mich mit euch leiden? Bringt ihn her zu mir!

Ungläubiges: Du und meine Jünger ihr steckt voller Unglauben und habt bisher aus meiner Lehre und meinen Wunderwerken nicht viel begriffen. Muss ich denn euren Unverstand und Unglauben immer weiter erdulden? Denn man soll die Laster der Zuhörer strafen, aber doch so, dass man sie nicht ganz verstößt.

Bringt: Dieser Vater wäre es wegen seines Unglaubens wert gewesen, dass ihm Christus die Hilfe abgeschlagen hätte. Aber er erbarmt sich dennoch seiner und seines Sohnes. Denn Gott handelt nicht mit uns nach unserem Verdienst, sondern nach seiner großen Barmherzigkeit kommt er den Kranken und Angefochtenen zu Hilfe.

20. Und sie brachten ihn her zu ihm. Und alsbald, da ihn der Geist sah, riss er ihn und fiel auf die Erde und wälzte sich und schäumte.

Riss: Dass er ihm seine Gliedmaßen jämmerlich verkehrt, verdreht und gekrümmt hat, als wollte er ihn in der Mitte auseinanderreißen.

21. Und er fragte seinen Vater: Wie lange ist‘s, dass ihm das widerfahren ist? Er sprach: Von Kind auf.

Fragt: Es könnte den Anschein haben, als ob Christus diese Frage der falschen Zeit vorgebracht hätte, da er dem Sohn vielmehr beizeiten hätte zu Hilfe kommen sollen. Aber Gott verzichtet bisweilen ein wenig auf die Hilfe, damit er ein umso größeres Verlangen in uns erweckt.

22. Und oft hat er ihn in Feuer und Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Kannst Du aber was, so erbarme Dich unser und hilf uns!

Umbrächte: Dieser elende Zustand des Besessenen soll uns erinnern, wie grauenhaft der Satan gegen alle Menschen toben und hüten würde, wo ihn Gott in seiner großen Güte nicht abwehren würde.

Kannst Du: Es ist kaum noch ein kleiner Funken Glauben bei dem hochbekümmerten und leidenden Vater vorhanden. Denn das Vertrauen, dass er anfangs für die Gesundheit seines Sohnes mitgebracht hatte, war schier ganz und gar verloschen, weil es den Jüngern so schlecht von der Hand gegangen war und ihn das gegenwärtige, erbärmliche Spektakel ganz verzagt gemacht hatte, dass er nicht mehr wusste, weshalb er sich von Christus Trost erhofft hatte. Denn wenn wir unsere Gedanken auf den gegenwärtigen Unfall richten, so wird der Glaube dadurch heftig angefochten, bisweilen auch gar geschwächt.

23. Jesus aber sprach zu ihm: Wenn Du könntest glauben! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.

Glauben: Dass ich deinen Sohn gesund machen könnte, so würde es um Deine Sache gut stehen.

Glaubt: Diese Antwort Christi gibt ausreichend zu verstehen, dass er helfen möchte, wenn nur der Vater glauben würde. Wir können aber das glauben, wovon wir göttliche Verheißungen haben und was wir so glauben, das geschieht auch sicher, auch wenn es sich eine Weile damit hinzieht. In den Sachen aber, die nicht eigentlich zu unserer Seligkeit nötig sind, soll man glauben, dass Gott das tun wird, was zu seiner Ehre und zu unserer ewigen Seligkeit gehört.

24. Und alsbald schrie des Kindes Vater mit Tränen und sprach: Ich glaube, lieber Herr; hilf meinem Unglauben!

Unglauben: Denn ich muss leider bekennen, dass mein Glaube sehr schwach ist, darum möchtest Du bitte meine Schwachheit zur Hilfe kommen, damit der kleine Funke des Glaubens, der noch in mir ist, nicht durch Unglauben verlischt. Denn in den Auserwählten ringt des Öfteren der Glaube mit dem Unglauben, sodass es scheint, als wollte der Glaube ganz verlöschen. Da tut beten am allermeisten Not, dass wir sagen: Herr, hilf unserem Unglauben, damit unser Herz, das schon großenteils vom Unglauben eingenommen worden ist, gebessert wird und den Glauben behält.

25. Da nun Jesus sah, dass das Volk zulief, bedrohte er den unsauberen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete Dir, dass du von ihm ausfährst und fährst künftig nicht in ihn!

Zulief: Und er nun spürte, dass es Zeit wäre, vor so vielen Zeugen ein herrliches Wunderwerk zu tun, zur Stärkung seiner Lehre.

Bedrohte: So, dass er den Satan mit Ernst gescholten hat und ihn mit Gewalt auszufahren befahl.

Tauber: Der du diesen armen Menschen stumm und taub gemacht hast.

künftig nicht: Wir sollen auch bitten, dass er diejenigen erhält, die einmal aus der Gewalt des Teufels erlöst worden sind, damit sie nicht wieder unter seine Gewalt kommen.

26. Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und er ward, als wäre er tot, dass auch viele sagten: Er ist tot.

Schrie er: Der unsaubere Geist durch des Besessenen Mund schrecklich.

Fuhr aus: Sehr ungern und mit großem Unwillen.

Er war: Nämlich, der da besessen gewesen war, hatte vor jedermann das Aussehen, als wäre er gestorben und der Satan hätte ihn umgebracht.

27. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf; und er stand auf.

Stand auf: Frisch und gesund und war den Teufel losgeworden. Denn wenn unsere Wohlfahrt am allernächsten vor der Tür steht, so scheint es, als sei es mit uns ganz und gar verloren. Aber man muss ein festes Vertrauen behalten. Denn Gott ist all denen nahe, die ihn aus Glauben anrufen. Dieses Wunderwerk bezeugt auch, dass Christus darum in die Welt gekommen ist, damit er das menschliche Geschlecht aus der Tyrannei des Teufels erlöst. Ferner kann man dieses Wunderwerk als Gleichnis so auslegen: Alle Menschen sind von Natur aus arme und elende Kreaturen. Denn der Satan behält ihre Herzen und ihre Sinne gefangen, sodass er sie führt wo und wie er will. Er macht sie stumm, wenn sie beten sollen und taub, wenn sie Gottes Wort hören sollen. Etliche wirft er auf den Boden, dass sie zornig schäumen und toben gegen den Nächsten, andere wirft der ins Feuer der Unkeuschheit, etliche ersäuft er sogar in der Völlerei und Trunkenheit, dass sie ständig vom Wein nass sind. Darum muss man die Menschen durch das Predigtamt des Wortes zu Christus führen, damit sie aus den Stricken, aus der Gewalt und der Tyrannei des Satans erlöst und zur ewigen Seligkeit gebracht werden.

28. Und da er heimkam, fragten ihn seine Jünger besonders: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?

Ihn: Den Teufel, der den armen Menschen so jämmerlich plagte. Dies erzählt auch Matthäus im Kapitel 17.

29. Und er sprach: Diese Art kann mitnichten ausfahren denn durch Beten und Fasten.

Und Fasten: Das will so viel sagen, um solche bösen Geister austreiben zu können, die so schrecklich wüten, gehört eine inbrünstige Anrufung des göttlichen Namens dazu, die nicht mit Völlerei und Trunkenheit hitziger und eifriger gemacht wird, sondern mit Fasten und Nüchternheit. Aus dieser Antwort Christi kann man entnehmen, dass die Jünger in Abwesenheit Christi ein wenig unordentlicher gelebt und ein wenig gezecht hatten, vom Wohlleben verweichlicht, das Wunderwerk am Besessenen tun wollten. Denn dass die Apostel viele und große menschlichen Schwachheiten an sich gehabt haben, ist aus der evangelischen Geschichte bekannt. Darum ist es kein Wunder gewesen, dass ihr Vorhaben keinen Erfolg gehabt hat. Es sollen sich auch die Kirchendiener hüten, dass sie nicht von einem Zechgelage kommen und sich daran machen, eine Predigt zu studieren oder zu halten, denn die Gefahr, die dann dabei ist, ist, dass es mit einem schlechten Nutzen enden wird. Besonders aber sollen sie sich der Trunkenheit enthalten, die keinem Christen, noch viel weniger einem Kirchendiener zusteht. Und es kann sich schnell einmal eine Sache ereignen, wozu man einen nüchternen Kirchendiener am allermeisten benötigt.

30. Und sie gingen von dort hinweg und wandelten durch Galiläa; und er wollte nicht, dass es jemand wissen sollte.

Galiläa: Wie es auch Matthäus im Kapitel 17 und Lukas im Kapitel 9 vermelden.

Wissen sollte: Dass er dort anwesend wäre. Denn er wollte bisweilen sich auch ausruhen und sich von der Arbeit erholen; auch wollte er keinen Zulauf des Volkes verursachen, damit er nicht eines Aufruhrs beschuldigt würde, besonders weil das Volk und auch die Jünger sich selbst einer falschen Vorstellung hingegeben hatten von einem weltlichen Königreich, was er versuchte, ihnen aus dem Kopf zu bringen.

31. Er lehrte aber seine Jünger und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn wird überantwortet werden in der Menschen Hände. Und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er am dritten Tage auferstehen.

Lehrte: Von seinem herannahenden Leiden. Christus hat die Jünger so oft an sein Leiden erinnert, dass er lehrte, wie sein Reich kein weltliches, sondern ein geistliches und himmlisches Reich wäre, damit niemand unter dem Anschein, das Reich Christi zu errichten, einen Aufruhr im weltlichen Regiment erregen könnte. Danach auch deswegen, um das Ärgernis zu mildern, dass er vorhersah, dass es bei den Jüngern aus seinem Leiden entstehen würde, und er wusste, dass solche vorher geschehene Verkündigung den Glauben der Apostel nach seiner Auferstehung stärken würde, weil sie spüren würden, dass Christus recht gelehrt hätte und alles so ergangen ist, wie er es zuvor gesagt hatte. Denn wenn man zuvor weiß, was einem begegnet, so tut es einem nicht so weh. Es sollen auch die Predigten von den Leiden Christi uns an unsere Trübsal erinnern, dass wir sie mit Geduld annehmen. Gleich, wie aber Christus nicht nur von seinem Leiden, sondern auch von seiner Auferstehung den Jüngern gepredigt hat, so sollen wir wissen, dass nach der Trübsal sicher die Erlösung folgen wird.

32. Sie aber vernahmen das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.

Sie aber: Es folgt, wie ungelehrig die Jünger Christi auch damals noch gewesen sind und sogar nichts verstanden haben.

Wort nicht: Sie wussten nicht, wie sie die Rede Christi verstehen sollten, weil sie das Leiden und das Reich Christi nicht miteinander vergleichen konnten.

Fragen: Wie diese, seine Rede zu verstehen wäre, denn sie sorgten sich, er möchte sie wieder schelten wegen ihres Unverstandes und ihrer Grobheit. So, wie aber Christi Sanftmut uns ein Trost sein soll, dass er diesen groben Unverstand der Jünger übersehen konnte, so sollen wir uns hüten, dass wir es den Jüngern in diesem Stück nicht nachtun und nötige Sachen viel lieber nicht wissen wollten, als denselben ständig nachzufragen. Denn man sagte recht im Sprichwort: Es ist keine Schande, dass man ein Ding nicht kann, es ist aber eine Schande, wenn man es nicht lernen will.

33. Und er kam gen Kapernaum. Und da er daheim war, fragte er sie: Was handeltet ihr miteinander auf dem Wege?

Und: Weil die Jünger von der Vorstellung des äußerlichen, zeitlichen Reiches Christi völlig besoffen waren, fingen sie immer wieder einen Streit um ihre Rangfolge an. Denn es gab keinen unter ihnen, der sich nicht selbst für tauglich und geschickt genug fühlte, um der Nächste nach Christus zu sein, wovon auch jetzt berichtet wird. Von diesen Streitereien berichten auch Matthäus 17. und Lukas 9. Kapitel.

Daheim war: Er ist in die Behausung eines frommen Mannes zu Herberge eingekehrt.

Handeltet ihr: Denn ich habe es sehr wohl gespürt, dass ihr etwas miteinander zu tun hattet. Es war Christus zwar unverborgen, was sie untereinander hatten, aber er wollte ihr eigenes Bekenntnis von ihnen hören, damit er Anlass bekäme, sie eines Besseren zu belehren.

34. Sie aber schwiegen; denn sie hatten miteinander auf dem Wege gehandelt, welcher der Größte wäre {Mt 18v1 Lk 9v46}.

Schwiegen: Denn sie schämten sich, ihren Ehrgeiz vor Christus zu bekennen, und sie konnten sich selbst leicht ausrechnen, dass sich Christus ihr Handeln nicht gefallen lassen würde. Wenn wir aber immer daran denken würden, dass Gott von all unserm Reden und unserem Tun Kenntnis hätte, so würden wir vieles sein lassen, was wir sonst tun und dessen wir uns danach selbst schämen müssen. Also konnten die Apostel auch nicht öffentlich vor Christus bekennen, worüber sie miteinander gestritten hatten.

Größte: Wer in allen Dingen den Vorzug haben und der Nächste nach Christus sein sollte. Und zweifellos haben Jakobus und Johannes diese Ehre vor den anderen Apostel beansprucht (hierauf 5. Mose die Evangelisten auch an anderer Stelle ihn), weil sie Blutsverwandte von Christus gewesen sind. Allerdings haben ihnen die anderen Apostel hierin widersprochen und wollten nicht geringer sein, als sie. Auch Petrus wird es nicht versäumt haben, damit er nicht der Letzte blieb, weil er sonst immer gern vorne dran gewesen war. Denn es ist allen Menschen in dieser verderbten Natur angeboren, dass sie viel lieber über andere zu herrschen, als Untertan zu sein, begehren.

35. Und er setzte sich und rief den Zwölfen und sprach zu ihnen: So jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein vor allen und aller Knecht.

Rief: Christus hatte es für eine Notwendigkeit angesehen, dass er diesen Mangel der Jünger verbesserte und lehrte, wie wir recht erhöht werden, nämlich, wenn wir uns demütigen.

Letzte sei: Wenn er sich also gegen die andern so verhält, als wäre er der Geringste und Unterstellte, so wird er von anderen für den Größten und Vornehmsten gehalten werden. Denn die wahre Demut und der Wille, anderen zu dienen, macht uns die Leute gewogen, dass sie daran denken, wie sie uns noch höher erheben können. Und Gott widerstreben die Hoffärtigen, den Demütigen aber gibt er Gnade. Er erhöht die Niedrigen und stürzt die Stolzen vom Stuhl. Und die, die ihren nächsten Beleg dienen, jeder in seinem Aufgabenbereich, die werden im anderen, himmlischen Leben mit ewiger Herrlichkeit gekrönt werden.

36. Und er nahm ein Kindlein und stellte es mitten unter sie und herzte dasselbe und sprach zu ihnen:

Kindlein: Durch dieses Beispiel wollte er die Jünger und uns alle zur Demut locken und uns diese umso besser nahe bringe.

Unter sie: Mit der Ermahnung, dass sie lernen sollten, es den Kindern mit wahrer Demut nachzumachen. Denn so wie die Kinder in dieser Welt nicht nach großen und hohen Dingen trachten, sondern sich in ihrer Einfalt mit ihrem gegenwärtigen Zustand zufrieden geben, so sollen wir in wahrer und christlicher Einfalt uns nicht anderen gegenüber vorziehen, sondern es uns mit dem Beruf und mit den Gaben genügen lassen, die uns widerfahren.

Herzte: Denn die Kinder sind dem Herrn Christus lieb und angenehm, wenn sie der Kirche einverleibt worden sind.

37. Wer ein solches Kindlein in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Kindlein: Das in seiner Einfalt nicht hoch hinaus will und Gott deshalb angenehm ist.

Mich auf: Das heißt: Wer sich um meinetwillen eines solchen Kindes annimmt und ihm eine Guttat erweist, das nehme ich so an, als wenn es mir selbst geschehen wäre.

Gesandt hat: Wer um meinetwillen einem Kind Gutes tut und auch gegen mich guttätig ist, dem wird es so angerechnet werden, als wenn er meinem himmlischen Vaters selbst eine Guttat erwiesen hätte. Gott liebt also die demütigen und einfältigen Kinder, die nicht nach der Herrlichkeit und Hoheit dieser Welt streben. Darum: So oft alle Christen und insbesondere die Kirchendiener die Kinder anschauen, so sollen sie sich der wahren Demut erinnern. Und wir sollen uns auch der Kinder, besonders der armen Waisen, treu annehmen und wissen, dass wir Christus selbst aufnehmen, der ohne Zweifel solche Guttaten reichlich belohnen wird.

38. Johannes aber antwortete ihm und sprach: Meister, wir sahen einen, der trieb Teufel in Deinem Namen aus, welcher uns nicht nachfolgt; und wir verboten es ihm darum, dass er uns nicht nachfolgt.

Sprach: Denn weil die Frage um den Vorzug aufgekommen war und die Apostel davon Christi Meinung gehört hatten, hat Johannes angefangen zu zweifeln, ob sie recht daran getan hatten, dass sie einem Fremden die Teufel auszutreiben verboten hatten. Darüber wünschte er auch einen Bericht zu haben, wovon auch Lukas in Kapitel 9 erzählt.

Nicht nachfolgt: Er war nicht aus dem apostolischen Haufen, darum erschien es uns nicht richtig, dass jemand, der nicht aus der Zahl Deiner Jünger kommt, sich solche Dinge unterstehen sollte, die Du uns befohlen hast, sie zu verrichten. Denn die Apostel sorgten sich, dass auf diese Weise die Gabe, Wunderzeichen zu tun, in Verachtung kommen könnte und daher sowohl ihrem Ansehen, wie auch anderen Vorteilen, die sie von den Wunderzeichen empfingen, Nennenswertes verloren gehen würde. In diesem Stück zeigt sich auch die verdorbene Art der Menschen bei den Aposteln, und sie wurden mit dem Neid und Geiz angefochten. Denn auch die frömmsten und treuesten Kirchendiener haben ihre Gebrechen, weil sie Menschen sind und in Sünden gefangen und geboren, genau wie alle anderen.

39. Jesus aber sprach: Ihr sollt es ihm nicht verbieten. Denn es ist niemand, der eine Tat tue in meinem Namen und möge bald übel von mir reden {1Kor 12v3}.

Nicht verbieten: Dass er in meinem Namen keine Wunderzeichen tun sollte. Denn dies wird weder meinem noch eurem Ansehen und Nutzen schaden.

Reden: Denn wie könnte mich oder die Meinen jemand in Verachtung bringen, der in meinem Namen die Teufel auszufahren befiehlt, oder auch andere Wunderzeichen unter der Anrufung meines Namens tut?

40. Wer nicht wider uns ist, der ist für uns.

Für uns: Wir müssen ihn nicht für unseren Feind halten, der uns nicht zuwider ist, sondern vielmehr für unseren Freund, der es nicht böse mit mir meint, auch wenn er nicht unter der Zahl der Apostel oder der siebzig Jünger ist. Was mir also nicht zum Nachteil, sondern vielmehr zu Ehre meines Namens gereicht, das soll man niemandem verbieten. Wir sollen deshalb die Gaben Gottes nicht an besondere Personen binden, und es soll keiner dem anderen die Gabe Gottes missgönnen, sondern wir sollen vielmehr für alle Guttaten, die zur Ehre Gottes und zur Wohlfahrt des Nächsten dienlich sind, Gott danken.

41. Wer aber euch tränkt mit einem Becher Wassers in meinem Namen darum, dass ihr Christo angehört, wahrlich, ich sage euch, es wird ihm nicht unvergolten bleiben {Mt 10v42}.

Bleiben: Darum wird es euch Aposteln an nichts mangeln. Denn Gott wird überall etliche fromme Menschen erwecken, die euch aufnehmen werden, um euch zu unterhalten, wenn ihr das Apostelamt gebührend ausübt, und diese frommen Menschen, die euch versorgt haben, den festen Trost geben, dass sie einmal eine himmlische Belohnung dafür empfangen werden. Und diese Verheißung soll uns auch aufmuntern, dass wir um unseres Heiland Christi willen zu den Werken der Liebe willig und froh sind, denn wir haben himmlische Belohnung dagegen zu erwarten.

42. Und wer der Kleinen einen ärgert, die an mich glauben, dem wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an seinen Hals gehängt würde, und er ins Meer geworfen würde {Lk 17v1 v2}.

Ärgert: Johannes war dem Herrn Christus ins Wort gefallen, als dieser angefangen hatte, sie von den Kindern zu unterrichten. Darum, als er nun die Frage des Johannes beantwortet hatte, was für den Moment ausreichend war, wendet er sich wieder seiner Kinderpredigt zu und ermahnt uns, dass wir ihnen nicht nur Gutes tun, sondern uns auch hüten sollen, dass wir sie weder mit Tat noch mit Worten ärger machen. Denn der nutzt einem Kind wenig, der zwar dessen Leib versorgt, aber seine Seele verwahrlosen lässt. Diese Erinnerung Christi steht auch bei Matthäus 18.

Glauben: Deswegen haben auch die Kinder einen wahren Glauben.

Geworfen: Denn Gott wird die ernsthaft strafen, die die Kinder ärgern. Es wird aber in diesem Stück oft und schwer gesündigt, wenn nämlich die Eltern und andere vor den Kindern solche Dinge reden und tun, wodurch sie geärgert und schlimmer gemacht werden. Denn was sie andere tun sehen, das tun sie ihnen im Lauf der Zeit nach und glauben, es würde ihnen zustehen. Daher entsteht heutzutage ein solch verkehrtes Wesen in der Welt.

43. So Dich aber Deine Hand ärgert, so haue sie ab. Es ist dir besser, dass du als ein Krüppel zum Leben eingehst, denn dass du zwo Hände habest und fahrest in die Hölle, in das ewige Feuer,

So: Christus nimmt das Ärgernis bei den Kindern zum Anlass und ermahnt uns aufs Ernstliche, dass wir alle Gelegenheiten meiden, zu sündigen, und uns mit Fleiß hüten sollen, dass wir selber auch nicht schlechter werden. Davon berichtet Matthäus im Kapitel 18.

44. da ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlischt.

Ihr Wurm: Nämlich, der Gottlosen und Verdammten. Der Sinn der Worte Christi aber ist dieser, dass man sich mit höchstem Fleiß vor Sünden hüten soll. Er geht sogar so weit, dass es besser wäre, wenn Deine Hand Dich zu Sünde reizt, Du sie abschlägst und wegwirfst und auf diese Weise die Gelegenheit zu sündigen aus dem Weg schaffst, anstatt dass Du mit Leib und Seele in die ewige, unendliche und unermessliche Pein verstoßen würdest. Christus will aber nicht, dass wir unseren Leib verstümmeln sollen und somit Totschläger an unserem Leibe werden, denn dies wäre dem 5. Gebot zuwider. So liest man auch nichts davon, dass jemals ein Apostel sich selbst eine Hand oder einen Fuß oder irgendein anderes Glied am Leib abgeschlagen hätte, obwohl sie auch vor Gott Sünder gewesen sind und sich beklagt haben, dass in Ihnen, das heißt, in Ihrem Fleisch, nichts Gutes wohnt, und dass sie ein anderes Gesetz in ihren Gliedern finden, dass dem Gesetz Gottes entgegensteht. Darum muss man die Hände und Füße und andere Glieder in geistlicherweise abschlagen, das heißt, der alte Adam oder die Sünde, wenn sie in uns wohnt, muss getötet werden. Denn so spricht der Apostel Paulus: So tötet nun eure Glieder, die da auf Erden sind: Hurerei, Unreinheit, Unzucht, böse Lust und der Geiz, der Abgötterei ist {Kol 3}. Was aber Christus von dem unsterblichen Wurm und unauslöschlichem Feuer sagt, das ist aus dem Kapitel 66 im Propheten Jesaja genommen. Mit diesen Worten stellen Christus und Jesaja den Jammer der ewigen Verdammnis bildlich dar, und der unsterbliche Wurm bedeutet die schreckliche Pein der Seelen, das Feuer aber bedeutet die gräulichen Martern des Leibes. Weil nun diese beiden ewig sein werden, so sollen wir uns in unserem ganzen Leben mit höchstem Fleiß darum bemühen, dass wir solcher schrecklichen Strafe entfliehen können. Dies wird geschehen, wenn wir Buße tun werden und an Christus glauben. Es wiederholt aber Christus diese Worte und diese Meinung etliche Male, damit er uns umso mehr aufmuntert und den Schlaf der Sicherheit vertreibt. Darum sollen wir uns wohl vorsehen, dass wir nicht entweder anderen Ärgernis geben und sie so ins Verderben stürzen, oder, indem wir dem alten Adam nachhängen, selbst schlechter werden und ins Verderben geraten. So lasst uns unsere räuberischen Hände an uns halten und unsere Füße abhalten, damit sie nicht zum Bösen eilen, auch unsere unzüchtigen Augen abwenden, damit wir uns nicht in die ewige Verdammnis verwickeln.

45. Ärgert Dich Dein Fuß, so haue ihn ab. Es ist Dir besser, dass Du lahm zum Leben eingehst, denn dass Du zwei Füße habest und werdest in die Hölle geworfen, in das ewige Feuer,

46. da ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlischt.

47. Ärgert Dich Dein Auge, so wirf es von Dir. Es ist dir besser, dass Du einäugig in das Reich Gottes gehst, denn dass Du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen,

48. da ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlischt.

49. Es muss alles mit Feuer gesalzen werden, und alles Opfer wird mit Salz gesalzen.

Gesalzen werden: Das heißt: Wer der ewigen Verdammnis entrinnen will, der muss in dieser Welt viel Trübsal aushalten, wodurch der alte Adam allmählich getötet und verzehrt wird. Denn, so wie das Salz das Fleisch vor dem Verfaulen bewahrt, so hält das Feuer der Trübsal die Lüste und die Geilheit des alten Adams im Zaum. Denn wer im Fleisch leidet, der hört auf zu sündigen {1Petr 4}.

Nach Luther: Im Alten Testament wurden alle Opfer gesalzen und von allen Opfern wurde etwas verbrannt im Feuer. Dies zeigt Christus hier an und legt es geistlich aus, nämlich, dass durch das Evangelium wie durch ein Feuer und wie durch Salz der alte Mensch gekreuzigt, verzehrt und wohl gesalzen wird. Denn unser Leib ist das rechte Opfer {Röm 12v1}. Wo aber das Salz unwirksam wird und das Evangelium mit Menschenlehre verdorben, da gibt es kein Würzen des alten Menschen mehr, da wachsen viel mehr Maden. Salz beißt aber, darum ist es nötig, Geduld und Frieden im Salz zu haben.

Opfer: Denn es war im Gesetz so geboten, dass man alle Opfer salzen musste, Levitikus 2. Und das Salz bedeutet das Predigtamt des Evangeliums, wodurch die Sünden gestraft werden. Ich spreche aber vom ganzen Predigtamt und nicht nur von einem Stück allein. Aber unser alter Adam hat es sehr ungern, wenn er gescholten wird, weil es ihn, wie das Salz, beißt. Dennoch soll man fortfahren mit Lehren und Strafen.

50. Das Salz ist gut; so aber das Salz dumm wird, womit wird man würzen? Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander {Lk 14v34}!

Würzen: Man kann es zu nichts mehr gebrauchen. Es wird aber das Salz dann unwirksam, wenn das Wort Gottes nicht rein gepredigt wird und die Irrtümer und Sünden nicht gestraft werden. Ein solches Predigtamt nutzt wenig oder gar nichts. Solche Prediger sind stumme Hunde, die auch von Christus in Matthäus 5 als unwirksames Salz bezeichnet werden.

Habt Salz: Das heißt: Lasst die reine Lehre bei euch den Vorzug haben, und lasst die Strafen und die freien Ermahnungen unter euch stattfinden.

Friede: Lasst euch nicht von den Strafpredigten, die aus dem Wort Gottes vorgebracht werden, erbittern und ihn Wut bringen, dass ihr deswegen untereinander Feindschaft entstehen lasst. Und wir sollen uns auch nicht mit den Galatern gleichstellen, von denen Paulus so schreibt: Bin ich denn auf diese Weise euer Feind geworden, dass ich euch die Wahrheit vorhalte {Gal 4}? Sondern wir sollen diejenigen viel mehr lieben, die uns mit ihrer Schärfe vor der geistlichen Fäulnis bewahren.


Das 10. Kapitel


1. Christus erörtert die Frage der Pharisäer von der Ehescheidung. 2. Er heißt die Kinder zu sich bringen und segnet sie. 3. Er antwortet einem reichen jungen Mann, der da fragte, was er tun müsste, um das ewige Leben zu erlangen, und lehrt, wie beschwerlich die Reichen selig werden. 4. Seinen standhaften Bekennern verspricht er eine reiche Vergeltung. 5. Und er spricht von seinem Leiden, Tod und seiner Auferstehung. 6. Die Jünger streiten über den Vorzug, aber Christus befiehlt ihnen, an anderes, als an die weltliche Herrschaft zu denken. 7. Bartomeus, ein Blinder, wird von Christus sehend gemacht.

1. Und er machte sich auf und kam von dort in die Örter des jüdischen Landes jenseits des Jordans. Und das Volk ging abermal mit Haufen zu ihm, und wie seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermal.

Jüdischen: Christus ist aus Galiläa ins jüdische Land gezogen, obwohl er gewusst hat, was er dort für Trübsal in Würde ausstehen müsse. Denn man soll sich nicht um der Gefahr willen seiner Aufgabe entziehen.

Lehrte: Denn obwohl auch andere Sachen nötig sind, so ist doch dies das Allernötigste, dass man Gottes Wort lehrt und lernt, nach dem Spruch Christi: Martha, Martha, Du hast viel Sorge und Mühe, eines aber ist wichtig, Maria hat das gute Teil erwählt und das soll nicht von ihr genommen werden {Lk 10}.

2. Und die Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden möge von seinem Weibe; und versuchten ihn damit.

Traten: Wie auch Matthäus berichtet im Kapitel 19.

Versuchten: Denn sie hofften, dass er, egal wie er antworten würde, bei seinen Zuhörern in Verachtung kommen und die Feindschaft der Menschen auf sich laden würde. Denn es war damals bei den Ehescheidungen eine derartige Unordnung, dass die große Leichtfertigkeit des Volkes den frommen und ehrbaren Menschen nicht gefallen konnte. Darum, wenn Christus die Ehescheidung für recht befinden würde, so hätte es das Ansehen, als würde er der Leichtigkeit Tür und Tor öffnen, würde er sie aber verwerfen, so hätte es den Anschein, als wollte er aufheben und verbieten, was Moses im Gesetz zugelassen hatte. Die Kirchendiener aber sollen sich in Acht nehmen, nach welchen Sinn sie in zweifelhaften Sachen gefragt werden, damit sie vorsichtig antworten. Denn etliche fragen nicht, um etwas zu lernen, sondern damit sie etwas finden, über das sie lästern können.

3. Er antwortete aber und sprach: Was hat euch Mose geboten?

Geboten: Christus wusste wohl, was im Gesetz Moses von der Ehescheidung angeordnet war, aber er suchte die Gelegenheit, den Text Moses recht zu erklären.

4. Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden.

Zu scheiden: Von einem feindseligen und unlustigen Weib.

5. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härtigkeit willen hat er euch solch Gebot geschrieben.

Härtigkeit: Denn weil eure Vorfahren die Ehescheidungen in Ägypten gewohnt und so halsstarrig waren, dass sie die feindseligen Frauen viel eher umbringen als dulden würden, so hat Moses ihnen mit der Ehescheidung viel lieber etwas anbieten wollen und es in Maßen zugelassen, um ein größeres Übel zu vermeiden. Denn man muss manchmal etwas gehen lassen, was nicht ohne großes Unglück verbessert werden kann, als dass man es mit höchster Gefahr abschaffen wollte.

6. Aber von Anfang der Kreatur hat sie Gott geschaffen ein Männlein und Fräulein {1Mos 1v27}.

Anfang: Als Gott das menschliche Geschlecht erschaffen hat.

Und Fräulein: Er hat dem einzigen Adam nicht zwei oder drei Frauen erschaffen, dass er entweder viele gleichzeitig, oder wenn er eine verstoßen würde, er eine andere nehmen sollte, sondern er hat gewollt, dass der Ehestand ein unauflösliches Band zwischen den Eheleuten wäre.

7. Darum wird der Mensch seinen Vater und Mutter lassen und wird seinem Weibe anhangen,

Lassen: Nicht dass er sie nicht mehr beachten würde, sondern dass er in Zukunft ein Heim mit seiner Frau haben würde.

Anhangen: Dass er zu ihr halten und freundlich bei ihr leben würde.

8. und werden sein die zwei ein Fleisch. So sind sie nun nicht zwei, sondern ein Fleisch.

Ein Fleisch: Sie werden seien, als wenn sie nur ein Mensch wären. Wer also Eheleute trennt, der teilt den Menschen gleichsam in zwei Stücke.

9. Was denn Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Gefügt: Es hat aber Gott diejenigen zusammengefügt, die in ordentlicherweise zusammengekommen sind. Die aber gegen das Gesetz der Natur zur Ehe greifen, die werden nicht von Gott, sondern vom Teufel zusammengefügt. Und eine Ehe, die gegen jede Ehrbarkeit vollzogen worden ist, könnte nach der Beschaffenheit der Umstände wiederum getrennt werden. Denn man soll die Ordnungen der Obrigkeit halten, die mit dem Gesetz Gottes übereinstimmen. Was aber die Ehescheidungen betrifft, so soll man sie nicht ohne erhebliche Ursachen zulassen.

10. Und daheim fragten ihn abermal seine Jünger um dasselbe.

Um dasselbe: Die Ehescheidung nicht zugelassen wäre? Christus antwortete ihnen in Bezug auf die Ehescheidungen, wie sie zur damaligen Zeit vor sich gingen und um einer liederlichen Ursache willen geschahen. Dieses ist fleißig zu beachten.

11. Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe an ihr.

Scheidet: Es sei denn, um des Ehebruchs willen, wie Matthäus im Kapitel 19 hinzufügt.

12. Und so sich ein Weib scheidet von ihrem Manne und freit einen andern, die bricht ihre Ehe.

Ihrem Manne: Es sei denn, dass der Mann ein Ehebrecher geworden ist.

Ihre Ehe: Denn wer bei einem anderen liegt, obwohl sie den Vorigen noch nicht losgeworden ist, die kann nicht des anderen Ehefrau genannt werden, sondern ist für eine Ehebrecherin zu halten. Wir sollen aber hier wiederum daran denken, dass sich die Worte Christi auf die schrankenlose Leichtfertigkeit der Ehescheidung beziehen, die bei dem jüdischen Volk sehr überhandgenommen hatte. Darum hat Christus an dieser Stelle viele andere Ursachen der Ehescheidung nicht ausgeschlossen. Und es werden in der Heiligen Schrift drei Ursachen gefunden, weswegen eines von den Eheleuten gemacht hat, sich anderweitig zu verheiraten, auch wenn der vorherige Ehepartner noch am Leben ist. Die Erste ist der Ehebruch, wie es Christus selbst lehrt in Matthäus 19. Denn wenn ein Ehebruch begangen worden ist, so kann die unschuldige Person nicht gezwungen werden, dass sie die andere, die an ihrer Ehe brüchig geworden ist, wieder annehmen muss, man kann es ihr auch nicht verwehren, dass sie sich nicht anderweitig wiederum verheiraten dürfte. Doch man soll allen möglichen Fleiß anwenden, dass sich Eheleute wieder miteinander versöhnen. Die andere Ursache ist die der ungleichen Religionen, wo eine der anderen ganz und gar zuwider ist und einer den anderen verlässt, sodass keine Hoffnung der Vereinigung mehr da ist. Man soll auch hier nicht zu geschwind forteilen, denn es kann wohl geschehen, dass der Irrende der Ehepartner zur rechten Religion bekehrt wird und wiederum begehrt, zu dem Verlassenen zurückzukommen, was dann möglich ist, wenn in der Zwischenzeit keine andere Ehe dazwischengekommen ist. Von dieser Ehescheidung spricht Paulus, als er schreibt, wenn der Ungläubige sich scheidet, so lass ihn sich scheiden. In diesen Fällen ist der Bruder oder die Schwester nicht gefangen {1Kor 7}. Unter diesem Fall wird auch das boshafte und mutwillige Verlassen verstanden, wenn eines von den Eheleuten alle eheliche Zuneigung fahren lässt, heimlich wegläuft und in der Fremde umherzieht, sodass man aus allen Umständen wohl augenscheinlich schließen kann, diese Person werde nicht mehr zurückkehren. Auch wenn man in solchem Fall keine Eile an den Tag legen soll und in gut bestellten Regierungen üblicherweise sieben Jahre gewartet wird, ob man nicht wiederkommen will. Die dritte Ursache ist das natürliche oder sich zufällig entwickelnde Unvermögen, wo keine Hoffnung mehr besteht, dass dies verbessert werden kann. Denn die Impotenten oder Frigiden sind nicht tauglich zum Ehestand, wie Christus selbst bezeugt bei Matthäus 19. Weil demnach der Ehestand unter anderem auch darum eingesetzt worden ist, dass die Hurerei vermieden wird, so kann die Person, die zum Ehestand tauglich ist, wenn man sie betrogen hat, nicht gezwungen werden, dass sie bei einem wohnen soll, der impotent ist und auf diese Weise des Gebrauchs des Ehestands beraubt ist. Da es auch noch etliche ungenannte Ursachen geben mag, weswegen eine Ehescheidung als notwendig angesehen wird, so kann dem unschuldigen Teil leicht geraten werden, wenn die Obrigkeit den nötigen Ernst gebraucht, um die Laster zu strafen, wie sie es von Amts wegen zu tun schuldig und verpflichtet ist.

13. Und sie brachten Kindlein zu ihm, dass er sie anrührte. Die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen.

Anrührte: Die Leute baten ihn, dass er die Hände auf sie legen sollte und sie segnen, in der zweifellosen Hoffnung, dass so ein Segen Christi den Kindern förderlich sein würde zu Gottseligkeit und zur wahren Glückseligkeit; und sie taten recht daran, wovon auch Matthäus im Kapitel 19 und Lukas im Kapitel 18 berichten. Wir bringen die Kinder dann zu Christus, dass er sie segnet, wenn wir sie, wenn sie noch im Mutterleib sind, dem Herrn Christus mit unserem gottseligen Gebet befehlen und wenn sie zur Welt gekommen sind, taufen lassen, danach auch zu Schule und in die Predigten schicken, damit sie die wahre Gottseligkeit lernen.

Die an: Sie befahlen ihnen ungestüm wegzugehen, weil sie meinten, es würde sich nicht schicken, dass man Christus damit überfallen würde, zu allererst die Kinder zu herzen, da er doch ansonsten mit den erwachsenen Menschen genug zu tun hatte. Denn der menschliche Verstand meint, es sei zu viel, dass Gott sich geringer Sachen und schlechter Personen annehmen sollte. Und die Wiedertäufer stecken in dem närrischen Wahn, es sei unnötig, dass man die Kinder in der Taufe Christus vortrage und der Kirche einverleibe, wo doch Christus sagt: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus dem Wasser und dem Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen {3Joh}

14. Da es aber Jesus sah, ward er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kindlein zu mir kommen und wehrt ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.

Sah: Dass die Jünger die Leute abwerten, damit sie ihre Kinder Christus nicht vortragen konnten.

Unwillig: Über seine Jünger, dass sie den Kindern seine liebliche und heilsame Fürsorge missgönnten.

Reich Gottes: Das Himmelreich gehört den Kindern ebenso, wie den Alten. Weil also das wahr ist, so soll man ihnen freilich auch die Taufe nicht abschlagen. Dieses Sakrament ist von Gott darum eingesetzt worden, dass es uns dem Besitz des Himmel Reichs bestätigt.

15. Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht empfängt als ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen.

Ein Kindlein: In gottseliger Einfalt, dass er sich Gott so ergebe, wie ein Kind sich und seine Seligkeit Gott anheimstellt.

Nicht hinein: Denn die mit ihrem Vorwitz Gott immerzu in den Ohren liegen, oder die mit dem Wahn ihrer eigenen Gerechtigkeit aufgeblasen sind, die sind nicht tauglich zum Reich Gottes, es sei denn, dass sie solchen vergeblichen Wahn fahren lassen.

16. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Segnete: Er wünschte ihnen, dass sie in der wahren Gottseligkeit zu nehmen, nützliche Mitglieder der Kirche würden und schließlich das ewige Leben erlangen. Weil die Kinder unserem Herrn Christus so lieb sind und er selbst auch ein Kind gewesen ist, so sollen wir uns ihrer fleißig annehmen, damit nichts versäumt wird, was zu Ihres Leibes und der Seelen Wohlfahrt dienlich sein mag.

17. Und da er hinausgegangen war auf den Weg, lief einer vorne vor, kniete vor ihn und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?

Einer: Der sehr reich und einer der Vornehmsten im jüdischen Volk war.

Guter Meister: Denn ich bezweifle nicht, dass Du ein Lehrer von Gott gegeben bist, auf dass Du den Leuten den rechten Weg zur Seligkeit zeigen kannst. Diese Geschichte findet man auch bei Matthäus 19 und Lukas 18.

Ich tun: Dieser Jüngling war nicht übel gegen Christus gesinnt, aber er irrte sich insofern, dass er meinte, die Menschen könnten durch Handeln oder Wirken das ewige Leben erlangen. Und diese Meinung steckt wegen der verderben Natur in aller Menschen Herzen. Als könnten wir mit unseren Werken das ewige Leben verdienen. Denn wir erkennen unsere Bosheit und unsere verkehrte Art nicht, sofern sie uns Gott durch sein Gesetz nicht offenbart.

18. Aber Jesus sprach zu ihm: Was heißest Du mich gut? Niemand ist gut denn der einige Gott.

Einige Gott: Weil dieser Jüngling nichts weiter glaubte, als dass Christus nur ein Mensch wäre, wie andere Menschen, einzig dass er mehr und herrlichere Gaben hätte und ihn dennoch nichtsdestoweniger guthieß, der zusätzlich sich selber auch für gut erachtete, so hat Christus mit dieser Antwort lehren wollen, wie das ganze menschliche Geschlecht (ihn allein ausgenommen) ist. Nämlich nicht gut, sondern böse. Gott aber ist allein wahrhaftig gut. Der Mensch Christus aber ist auch gut, weil er mit Gott eine Person ist. Zwar hätte der Jüngling aus dieser Antwort Christi seine verderbte Natur erkennen lernen sollen, wenn er nicht in dem Wahn seiner Gerechtigkeit selbst ersoffen gewesen wäre. Es haben deswegen die Arianer an dieser Stelle nichts, dass sie für Ihre lästerliche Bosheit verwenden könnten, als ob Christus nicht Gott wäre. Denn Christus richtet seine Antwort zu dem Jüngling, dass er ihn von der verderbten Natur der Menschen unterrichtet. Und wenn diese Worte auch von der Person Christi zu verstehen wären, so würde daraus folgen, dass er ein Sünder gewesen sein musste, welches doch den Arianern selbst ungereimt vorgekommen.

19. Du weißt ja die Gebote wohl: Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden. Du sollst niemand täuschen. Ehre deinen Vater und Mutter {2Mos 20v2 5Mos 5v16}.

Gebot wohl: Weil Christus bemerkte, dass in diesem Jüngling auch eine Heuchelei und eine falsche Vorstellung verborgen steckte, als ob er das Gesetz Gottes vollkommen erfüllte, so hat er solches hervor und ans Licht bringen wollen.

Täuschen: Das heißt, auch gestohlen, obwohl es nur wenige glauben. Es erzählt aber Christus mit Fleiß nur von diesen Geboten, die den Anschein haben, als könnten sie von den Menschen in diesem Leben leicht gehalten werden, damit die Heuchelei des Jünglings umso eher gespürt würde.

20. Er antwortete aber und sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.

Jugend auf: Dies ist das Urteil menschlicher Vernunft von den Geboten Gottes, als ob sie nicht nur möglich, sondern auch leicht zu halten wären, weil sie meint, es geschehe den Geboten Gottes genug mit äußeren Werken und ehrbarem Wandel vor den Menschen, aber sie irren sich stark. Denn Gott fordert nicht allein einen äußeren, ehrbaren Wandel, sondern will auch das Herz von allen bösen Begierden rein und frei haben. In diesem Sinn erklärt Christus selbst die Gebote Gottes {Mt 5}.

21. Und Jesus sah ihn an und liebte ihn und sprach zu ihm: Eines fehlt Dir. Gehe hin, verkaufe alles, was Du hast, und gib es den Armen, so wirst Du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach und nimm das Kreuz auf dich.

Liebte ihn: Weil er sah, dass dieser Jüngling nicht aus Bosheit, sondern aus Einfalt irrte. Darum hat er ihn nicht so hart angeredet wie die Schriftgelehrten und Pharisäer, sondern er spricht ihn freundlich an.

Eines: Als wollte Christus sagen: Du glaubst von dir selbst, gerecht zu sein, und meinst, Du hättest bisher alle Gebote Gottes gehalten, aber es wird sich bald herausstellen, dass Du auch das 1. Gebot Gottes nicht hältst. Denn du liebst deine Güter mehr als Gott. Setzt Du aber dein Vertrauen nicht auf Deinen Reichtum, wohl an, so mache eine Probe. Verkauf all dein Hab und Gut und teile das Geld unter den Armen aus und zweifle nicht, dass Du für deine Freigebigkeit im anderen Leben reichlich belohnt werden wirst. Folge mir auch nach, wie du es siehst, dass es meine Apostel tun, die meine ständigen Gefährten sind und leide geduldig, was Dir Gott zu leiden schickt, weil Du Dich bei mir aufhältst. Wenn Du das tust und mir, den Du zuvor einen guten Meister genannt hast, gehorchen wirst, so will ich glauben, dass Du Gott mehr liebst als Deine Güter. Es hat aber Christus mit dieser Antwort nicht lehren wollen, dass die Vollkommenheit und die Erfüllung des Gesetzes darin bestehen, dass man die Güter verlässt oder Almosen gibt, sondern er wollte das Gemüt dieses Jünglings erkunden, ob er die zeitlichen Güter mehr oder weniger liebt als Gott. In dieser Art hat Gott dem Abraham auch befohlen, dass er seinen eingeborenen Sohn Isaak opfern sollte, nicht weil er wollte, dass dieser geopfert werden sollte, sondern damit der Gehorsam Abrahams bekundet würde. Darum wird mit diesem besonderen Befehl, der dem Jüngling gegeben worden ist, anderen Menschen kein Weg zur Vollkommenheit vorgeschrieben.

Nach Luther: Das heißt: Es fehlt dir ganz und gar, denn du willst fromm sein und doch dein Gut nicht lassen um meinetwillen auch nicht mit mir leiden. Darum ist gewiss Mammon dein Gott, und du hast ihn lieber als mich.

22. Er aber ward Unmuts über der Rede und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.

Unmuts: Sodass man von diesem Augenblick an spüren konnte, wie er gesinnt war.

Rede: Dass Christus solche Sachen von ihm forderte, die ihm zu schwer und leidlich vorkamen. Denn man findet nur sehr wenige, die die himmlischen Schätze den zeitlichen Gütern vorziehen.

23. Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwerlich werden die Reichen in das Reich Gottes kommen {Mt 19v23}!

Schwerlich: Wie aber diese Worte Christi zu verstehen sind, wird bald danach folgen.

24. Die Jünger aber entsetzten sich über seine Rede. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwerlich ist‘s, dass die, so sie ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, ins Reich Gottes kommen!

Entsetzten sich: Als sie hörten, dass ein Reicher nur schwer selig werden könnte.

25. Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.

Kamel: Ein großes dickes Schiffstau. Es ist aber der Reichtum an sich nicht böse, er treibt auch die Menschen nicht vom Reich Gottes ab, sondern er ist dann schädlich, wenn man das Vertrauen darauf setzt. Und es wäre zu wünschen, dass nicht zu viele Reiche dies tun würden. Die aber auf den Reichtum vertrauen, die sind Abgöttische {Eph 5}. Darum werden sie nicht selig, sofern sie nicht Buße tun. Gott aber, der die Herzen aller Menschen in seiner Hand hat, erleuchtet und regiert etliche Menschen mit seinem Geist so, dass sie dem Mammon nicht dienen, sondern dass sie ihren Reichtum zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Nächsten recht gebrauchen.

26. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann denn selig werden?

Vielmehr: Denn es kam den Jüngern sehr seltsam vor, dass Christus zum wiederholten Male davon sprach, wie die reichen Leute so schwer selig werden könnten.

Selig werden: Denn wenn die Reichen so schwer selig werden, so wird eine große Menge Leute ins Verderben fallen, weil fast jedermann nach Reichtum strebt.

27. Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist‘s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Unmöglich: Dass ein geiziger Reicher selig wird. Denn es kann niemand sein Herz aus eigener Kraft ändern.

Alle Dinge: So ist es ihm auch möglich, dass er aus einem geizigen einen milden und aus einem Diener des Mammons einen frommen und guttätigen Menschen machen kann, der über seine Güter herrscht, aber sich ihnen nicht unterwirft. Darum ist es eine abscheuliche Bosheit von etlichen Leuten, dass sie nach ihrer Vernunft abmessen wollen, was Gott möglich ist oder nicht. Und es wäre kein Wunder, wenn Gott solche Gottlosen Verächter mit Donner und Blitz in den Abgrund der Hölle schlagen würde.

28. Da sagte Petrus zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.

Verlassen: Wir, deine Jünger lieben den Reichtum dieser Welt nicht so, wie dieser Jüngling, der seine Güter viel lieber behalten, als dir folgen will. Sondern wir haben das unsere in den Wind geschlagen, unsere Netze, die Schiffe und unsere Hütten stehen lassen, damit wir dir, der du uns berufen hast, gehorsam wären. Was werden wir denn für diese, unsere Freiwilligkeit, als Belohnung empfangen? Hiervon schreiben Matthäus im Kapitel 19 und Lukas in Kapitel 18.

29. Jesus antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es ist niemand, so er verlässt Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker um meinetwillen und um des Evangeliums willen,

Antwortete: Ein anderer hätte vielleicht über diesen eigenen Ruhm lachen können, aber Christus, der so freundlich und holdselig war, ist deswegen gar nicht über die Jünger erzürnt gewesen, sodass es sie auch auf das Lieblichste getröstet hat. Denn er, der der Holdseligste unter den Menschenkindern gewesen ist, hat wohl gewusst, wie mit den Menschen umzugehen ist und hat die Jünger nicht zu schnell vor den Kopf gestoßen und mit harten Worten abweisen, sondern mit Tröstungen vielmehr zu sich locken wollen.

30. der nicht hundertfältig empfange jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mit Verfolgungen und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

Verfolgungen: Denn es werden die Trübsale und das Kreuz nicht außen bleiben, damit niemand meint, er werde eine beständige und vollkommene Glückseligkeit in dieser Welt finden. Es verlassen aber ihre Freunde und Güter um Christi und des Evangeliums willen diejenigen, die dies viel eher verlieren möchten, als Christus und sein Evangelium zu verleugnen. Diejenigen werden in diesem Leben das Hundertfache dafür empfangen, das heißt, Gott wird ihnen ihren Verlust reich erstatten, sodass sie für wenige Freunde oder Verwandte viele frommen Menschen finden werden, die sie freundlich aufnehmen werden. Und Gott wird Ihnen Nahrung verschaffen, sodass sie weniger Mangel leiden werden, als wenn sie ihre Güter noch besitzen würden. Als Petrus sein Schiff verlassen hat und in die Welt hinauszog und sein Apostelamt verrichtete, hat er überall fromme Menschen gefunden, die ihn reichlich unterhielten. Wie der Hauptmann Kornelius, der sogar bereit war ihn anzubeten, der hat ihm noch viel weniger die Nahrung und den Tisch abgeschlagen. Unter diese Vergeltung des Verlusts wird allerdings allerlei Trübsal untergemischt, welche die Christen bisweilen versucht und sie sich eine Zeit lang für verlassen ansehen werden. Darum sagt Paulus: Ich habe gelernt, dass ich es mir dort, wo ich bin, genügen lasse. Ich kann niedrig sein und ich kann hoch sein. Ich bin in allen Dingen und bei allen geschickt, beide, satt sein und hungern, beide, übrig haben und Mangel leiden. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus {Phil 4}. Man soll aber darum nicht denken, als würde das ewige Leben wegen der verlassenen Güter oder erlittenen Verfolgung gegeben. Denn das ewige Leben ist eine Gabe Gottes, das den Menschen durch den Glauben widerfährt und nicht aus den Werken, damit sich niemand rühmen kann {Eph 2}. Jedoch ist das ewige Leben eine Belohnung, womit Gott reichlich und aus Gnaden all das belohnt, was wir in diesem Leben um seinetwillen verloren haben.

Nach Luther: Wer glaubt, der muss Verfolgung leiden und alles daran setzen. Dennoch hat er genug. Wo er hinkommt, findet er Vater, Bruder, Güter mehr, als er je verlassen konnte.

31. Viele aber werden die Letzten sein, die die Ersten sind, und die Ersten sein, die die Letzten sind {Mt 19v30 Lk 13v30}.

Letzten sein: Das heißt: Diejenigen, die augenblicklich das Ansehen haben, als seien sie die Vornehmsten in meinem Reich und haben das Evangelium als Erstes angenommen, die können mit der Zeit wohl die Geringsten werden und diejenigen, die jetzt für nichts geachtet werden, die können die Vornehmsten werden, dass sie die anderen weit hinter sich lassen, die ihnen dem Anschein nach im Eifer vorangegangen waren. Es soll aber dieser Spruch unseren Glauben von der Beharrlichkeit nicht umstoßen, sondern uns die fleischliche Sicherheit vertreiben, dass wir nicht meinen, es würde ausreichen, was wir begonnen haben. Und es soll denen zum Trost dienen, die am Anfang etwas langsamer und zurückhaltender gewesen sind, die rechte Religion anzunehmen, dass diese nicht kleinmütig werden. Denn es kann wohl geschehen, dass der Eifer nachlässt und auf der anderen Seite den anderen der Schlaf vergeht, die Vornehmsten die Geringsten und die Geringsten die Vornehmsten im geistlichen Reich Gottes werden. Deswegen sollen die Ersten lernen, demütig zu sein, und die Letzten sollen Trost hieraus nehmen.

32. Sie waren aber auf dem Wege und gingen hinauf gen Jerusalem. Und Jesus ging vor ihnen; und sie entsetzten sich, folgten ihm nach und fürchteten sich. Und Jesus nahm abermal zu sich die Zwölfe und sagte ihnen, was ihm widerfahren würde:

Entsetzten: Wenn sie sich an die Weissagungen Christi von seinem Leiden, welches ihm zu Jerusalem begegnen würde, erinnerten, standen ihnen die Haare zu Berge.

Ihm nach: Was zu loben ist und nacheifern wert, dass sie Christus nicht verlassen haben, obwohl sie aus Furcht vor dem künftigen Unglück sehr kleinmütig waren. Denn man soll um keine Gefahr willen von Christus ablassen.

Nahm: Dies erzählen auch Matthäus 20 und Lukas 18.

Sagt Ihnen: Weil es notwendig war, dass sie ihren Glauben gegen das zukünftige Unglück stärkten. Denn man muss uns an das Kreuz und die Trübsale oft erinnern, damit wir beizeiten rechtschaffenen Trost aus Gottes Wort gewinnen und uns darauf gefasst machen können, dass wir das ausstehen werden.

33. Siehe, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und des Menschen Sohn wird überantwortet werden den Hohepriestern und Schriftgelehrten; und sie werden ihn verdammen zum Tode und überantworten den Heiden.

34. Die werden ihn verspotten und geißeln und verspein und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.

Auferstehen: Gleich, wie aber Christus durch sein Leiden in seine Herrlichkeit eingegangen ist {Lk 24}, so müssen wir auch durch viele Trübsale ins Reich Gottes gehen {Apg 14}. Darum sollen wir uns im Leiden an die Auferstehung erinnern, das heißt, in Trübsal mit Geduld die Erlösung erwarten.

35. Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass Du uns tust, was wir Dich bitten werden.

Da: Es hätte die vorige Predigt den Jüngern an sich alle Gedanken von dem weltlichen Reich Christi aus dem Sinn bringen sollen, aber Christus hatte bis zu diesem Augenblick mit Lehren bei Ihnen wenig ausgerichtet, denn sie träumten immer noch von einem weltlichen Reich, in dem ein jeder gerne der Vornehmste gewesen wäre, wie es auch Matthäus im Kapitel 20 berichtet.

Tust: Wir begehren, dass du uns nicht abschlagen mögest, worum wir dich bitten werden. Auch wenn man das schon Ungestüme fordern nennen kann, so hat Christus ihnen dies doch nachgesehen. Hierbei hat er uns an die Sanftmut erinnern wollen, dass wir die Schwachheit der Brüder und Mitchristen ertragen sollen.

36. Er sprach zu ihnen: Was wollt, ihr, dass ich euch tue?

37. Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen, einer zu Deiner Rechten und einer zu Deiner Linken, in Deiner Herrlichkeit.

Herrlichkeit: Lass uns in Deinem Reich die Vornehmsten am Tisch bei Dir sein und erhebe uns über alle anderen, damit wir in allen Dingen den Vorzug haben und die Nächsten nach dir sind. Denn die verderbte menschliche Natur trachtetet nur nach hohen Dingen in dieser Welt und ist der Demut feind. Wir sehen aber hier, dass die Kirchendiener auch ihre Mängel haben, denn obwohl sie wie andere Christen aus Gott wiedergeboren sind, so tragen sie dennoch Fleisch und Blut, durch die Sünde verdorben, mit sich herum. Wer deswegen einen solchen Kirchendiener haben will, an dem man keine Schwachheiten finden kann, der muss bei den Engeln und nicht bei den Menschen suchen, dass sie seine Prediger sind.

38. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, und euch taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getauft werde?

Wisst nicht: Ihr versteht nicht, was für eine ungereimte Sache, dazu noch zur falschen Zeit, ihr regiert. Denn mein Reich wird nicht weltlich sein, wie ihr es meint, in dem ihr zu weltlichen Ehren aufsteigen könntet; und es ist jetzt nicht die Zeit, dass ihr daran denkt, wie ihr zu hohen Dingen kommen könnt, sondern kümmert euch vielmehr darum, wie ihr Kreuz und Trübsal ausstehen werdet. Wenn wir deswegen gelegentlich etwas Ungeschicktes und zur falschen Zeit von Gott erbitten und nicht erhört werden, so sollen wir daran denken, dass uns gesagt ist: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Und wenn wir nicht erhört werden, so ist die Schuld nicht bei Gott, sondern bei uns, weil wir nicht recht und um ungebührliche Sachen bitten.

Getauft werde: Denn ihr sollt jetzt nicht daran denken, wie ihr zu hohen Ehren kommen könnt, sondern wie ihr die Trübsal recht aufnehmen könntet. Trübsal wird in der Schrift sehr oft mit einem Becher verglichen, den man austrinken muss. Und obwohl so ein Trank dem Fleisch bitter und herb vorkommt, so ist er doch sehr heilsam. Und wenn wir geplagt werden, so werden wir in die Trübsal getaucht, aber wir sollen bedenken, dass wir wieder einmal daraus hervorkommen werden.

39. Sie sprachen zu ihm: Ja, wir können es wohl. Jesus aber sprach zu ihnen: Zwar ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, da ich mit getauft werde;

Wohl: Wir wollen alles mit Dir ausstehen, wenn Du uns nur zu Ehren erhebst, wie wir es uns wünschen. Denn bevor wir die Schwere des Kreuzes empfinden, so erscheint es uns sehr leicht zu sein, und wir überreden uns selber, dass wir die Trübsal und Anfechtungen leicht überwinden wollen.

Trinken: Es wird ein jeder seinen Teil Trübsal ausstehen müssen, den ihm Gott auferlegen wird.

40. zu sitzen aber zu meiner Rechten und zu meiner Linken, steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern welchen es bereitet ist.

Bereitet ist: Von meinem himmlischen Vater {Mt 20}. Christus verweist seine Jünger mit ihrer Bitte zurecht von sich zu seinem Vater, nicht deshalb, dass er nicht der eingeborene Sohn Gottes wäre, eines Wesens und gleich allmächtig mit dem Vater, sondern weil er in der Knechtsgestalt und im Stande der Erniedrigung war. So wollte er sich gebührlich verhalten wie ein Knecht, bis er das Werk unserer Erlösung verrichtet hätte. Daneben aber war er nichtsdestoweniger ein Herr des Himmels und der Erde. Wir sollen uns jetzt nicht darum kümmern, an welche Stelle wir einmal im Himmel gesetzt werden, sondern danach trachten, dass wir durch den Glauben an Christus das Himmelreich erlangen. Die Ehrenstände und Hoheiten aber sollen wir dem himmlischen Vater im anderen Leben aufzuteilen anheimstellen.

41. Und da das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes {Mt 20v24}.

Und: Christus hatte kaum den Ehrgeiz der beiden Apostel gestillt, da tut sich bei den andern zehn Aposteln ein gleiches Gebrechen hervor, wovon auch Matthäus im Kapitel 20 berichtet.

Hörten: Was ihre beiden Mitgesellen begehrt und erbeten hatten.

Unwillig: Dass sie sich im Reich Christi den anderen Apostel vorziehen wollten, denn jeder meinte, er könnte diese Lücke auch schließen. Wir können also deswegen mit Paulus zurecht sagen: Ich weiß, dass in mir, das ist, in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt {Röm 7}.

42. Aber Jesus rief sie und sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass die weltlichen Fürsten herrschen, und die Mächtigen unter ihnen haben Gewalt.

Herrschen: Mit äußerer Gewalt und die unter ihnen sind, müssen gehorchen, ob sie es gerne tun oder nicht. Aber mit meinem Reich hat es viel andere Umstände, als mit den Herrschaften in dieser Welt. Darum irrt ihr euch alle miteinander sehr, dass ihr nach einer äußeren und weltlichen Herrschaft trachtet und euch erhofft, große Ehre und Macht in dieser Welt zu erlangen.

Gewalt: Mit Macht über Leib und Besitz der Untertanen haben sie die Macht, zu gebieten. Die Untertanen aber müssen gehorchen.

43. Aber also soll es unter euch nicht sein, sondern welcher will groß werden unter euch, der soll euer Diener sein.

Nicht sein: Unter euch ist keine solche Herrschaft, da einer über den anderen mit Gewalt zu gebieten hätte. Ihr seid Apostel und Lehrer der Kirchen und nicht Könige oder Fürsten. Darum legt die Vorstellung von eurer äußeren Macht oder Würde ab.

44. Und welcher unter euch will der Vornehmste werden, der soll aller Knecht sein.

Knecht sein: Denn je williger jemand seinen Mitgesellen zu dienen wünscht, umso größer wird sein Ansehen unter ihnen werden.

45. Denn auch des Menschen Sohn ist nicht kommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung für viele.

Er diene: Darum nehmt euch ein Beispiel an mir, da es euch ja sonst zu schwer erscheint, was ich gesagt habe. Denn ihr seht ja, dass ich, euer Herr, mir auf dieser Welt keine Diener oder Knechte bestellt habe, die mir als einem König oder Fürsten Dienst tun müssten, sondern ich habe euch als Mitgehilfen und nicht als Knechte zu mir genommen. So bin ich auch keinem von euch bisher lästig gefallen, dass ich viele Dienste von ihm begehrt hätte, sondern es ist vielmehr bis zu diesem Augenblick mein ganzes Leben nichts anderes als eine ständige Dienstbarkeit gewesen. Zumal ich auch den Untersten und Geringsten gedient habe mit Lehren, Trösten und Heilung der Kranken. Und bin weiter noch bereit, anderen zu dienen, dass ich auch mein Leben zur Erlösung des menschlichen Geschlechts lassen will. Diese Guttat werden all diejenigen genießen, die an mich glauben. Die anderen werden aus ihrer eigenen nicht aus meiner Schuld zugrunde gehen. Mit dieser Rede hat aber Christus das Amt der weltlichen Obrigkeit nicht aufgehoben oder für unrein bezeichnet, dass es einem Christen nicht zustehe, dieses zu führen, sondern er hat einen Unterschied zwischen den beiden Ständen, dem weltlichen und dem apostolischen gemacht. Denn es ist eine Sache, eine Regierung vorzustehen und es ist eine andere Sache, die Kirche zu lehren und die Sakramente auszuteilen. Darum soll sich keiner unter dem Anschein eines apostolischen Amtes oder Kirchenamtes die Herrschaft im weltlichen Regiment anmaßen, oder einen Fuß auf dem Predigtstuhl und den anderen auf dem Rathaus haben wollen. Da aber einem Kirchendiener auch etliche weltliche Geschäfte zu verrichten anbefohlen und aufgetragen werden, so soll dieser darauf achten, dass er unterdessen in der Kirche nichts versäumt. Und die Kirchendiener haben also darum bemüht zu sein, wie sie sich recht verhalten, nämlich, wenn sie Ihre Sachen so ordnen, dass sie mit ihrer Gaben, die sie von Gott empfangen haben, vielen dienen und wie sie wahrhaftig demütig sind und bleiben. Denn diese werden von frommen und verständigen Leuten in großen Ehren gehalten und werden im anderen Leben vor anderen leuchten {Dan 12}. Wenn es uns aber schwer erscheint, dass wir anderen dienen, so sollen wir nach dem Beispiel Christi, der jedermann gedient hat unsere Willigkeit aufmuntern.

46. Und sie kamen gen Jericho. Und da er aus Jericho ging, er und seine Jünger und ein groß Volk, da saß ein Blinder, Bartimäus, des Timäus Sohn, am Wege und bettelte {Mt 20v29 Lk 18v35}.

Und: Es folgt ein herrliches Wunderwerk Christi, das er an einem blinden Menschen erwiesen hat.

Bettelte: Es ist ein großes Elend, wenn einer blind ist und noch dazu arm. Wenn wir deswegen solche armseligen Menschen anschauen, so sollen wir uns der göttlichen Guttaten an uns erinnern und Gott von Herzen Lob und Dank sagen. Wir sollen auch unsere gesunden Glieder zur Ehre Gottes und des nächsten Nutzens gebrauchen, aber das Fleischliche nicht unverhältnismäßig hoch im Zaum halten.

47. Und da er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein!

War: Der mit einer großen Menge des Volkes vorüberzog. Da hat er sich schnell eine gute Hoffnung gemacht, dass ihm wieder zu seinem Augenlicht geholfen werden könnte. Denn dieser Blinde hat zweifellos von den Guttaten Christi und von seinen Wunderwerken gehört. Darum hat er geglaubt, dass dieser der verheißene Heiland der Welt ist.

Sohn David: Der du unser Messias bist, von dem die Propheten geweissagt haben, dass er aus dem Geschlecht Davids herkommen soll.

Erbarme: Denn du siehst, was ich für ein elender Mensch bin. So soll es uns auch zustehen, dass wir in unserem Elend zu Christus fliehen und ihn um Hilfe anrufen.

48. Und viele bedrohten ihn, er sollte stillschweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein!

Schweigen: Und dem Herrn Christus samt dem anderen Volk, das mit ihm zog, mit seinem Geschrei nicht lästig werden sollte. So sträubt sich auch oft unser ungläubiges Fleisch, wenn man beten soll, und will uns zurückhalten, als ob wir es nicht wert wären, dass wir mit Gott reden, oder Hilfe von ihm erwarten dürften. Aber wir sollen im Gebet fortfahren. Denn obwohl wir unserer Person wegen unwürdig sind, dass wir erhört werden, so wird doch Gott um unsere Unwürde willen in seinen Versprechungen nicht zum Lügner werden.

49. Und Jesus stand stille und ließ ihn rufen. Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, stehe auf! Er ruft Dich.

Ruft dich: Und wird Dir ohne Zweifel dein Augenlicht wiedergeben. So geht es auch noch heutzutage. Denn wenn Gott anfängt, uns mit gnädigen Augen anzusehen, da fangen die Leute auch an, freundlicher mit uns umzugehen, die zuvor entweder gegen uns gewesen sind, oder uns doch ihre Hilfe abgeschlagen haben.

50. Und er warf sein Kleid von sich, stand auf und kam zu Jesu.

51. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was willst Du, dass ich Dir tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabuni, dass ich sehend werde.

Sehend werde: Dieser Blinde ist den Bettlern sehr ungleich, die nicht wollen, dass ihnen geholfen wird, wenn es auch geschehen könnte. Denn sie möchten viel lieber ihr Leben im Müßiggang verbringen, als zu arbeiten.

52. Jesus aber sprach zu ihm: Gehe hin; Dein Glaube hat Dir geholfen. Und alsbald ward er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.

Geholfen: Du hast durch deinen Glauben Dein Augenlicht erlangt, weil Du geglaubt hast, ich könnte und wollte dir helfen.

Sehend: Da er zuvor blind gewesen war. Denn was wir von Gott bitten, das bekommen wir, wenn wir seinem Wort glauben. Und gleichwie dieser Blinde das Augenlicht durch den Glauben empfangen hat, so erlangen alle, die ihrem Mittler Christus vertrauen, Vergebung der Sünden und das ewige Leben.

Folgte: Als er zweifellos Gott den Herrn und Christus, seinen Sohn, gelobt und gepriesen hat, dass er ihm das Augenlicht wiedergegeben hat. Denn wir sollen die Guttaten Gottes, die uns begegnet sind, die dankbaren Herzen rühmen, damit auch andere Anlass bekommen, Gott zu erkennen und anzurufen.


Das 11. Kapitel


1. Christus reitet in Jerusalem ein als ein geistlicher König. 2. Er lässt einen Feigenbaum, der keine Frucht hat, verderben. 3. Treibt die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel. 4. Darauf trachten ihm die Priester nach dem Leben. 5. Er erklärt die Kraft eines Gläubigen und des fleißigen Gebets. 6. Als er im Tempel gefragt wird, aus welcher Macht er die Reformierung des Tempels angefangen hat, hält er seinen Widersachern wiederum eine andere Frage vor, damit er ihnen das Maul stopft.

1. Und da sie nahe zu Jerusalem kamen, gen Bethphage und Bethanien an den Ölberg, sandte er seiner Jünger zwei

Und: Weil die Zeit des Leidens Christi gekommen war, so hat Christus zuvor in Jerusalem als ein König und Messias mit besonderer Pracht einziehen wollen. Damit die Weissagung des Propheten Zacharias erfüllt wird, der zuvor verkündigt hatte, dass der verheißene König Israels, auf einem Esel reitend, in die Stadt Jerusalem einziehen würde. Zumindest an diesem Einzug Christi hätten die Juden ihren Messias erkennen sollen. Es war aber mit diesem königlichen Prunk so beschaffen gewesen, dass es Hinweise auf ein geistliches und nicht weltliches Königreich gab. Diesen Einzug Christi beschreiben auch alle anderen Evangelisten {Mt 21 Lk 19 Joh 12}.

Und Bethanien: Zwischen diesen beiden Flecken, die nicht weit von der Stadt, und darüber klagen. Dort hat Christus zu allererst ein Tier suchen lassen, worauf er in die Stadt einziehen könnte, denn er hatte den ganzen Weg bisher zu Fuß zurückgelegt. Und dies war Hinweis genug, dass er kein weltlicher König wäre, der seinen Einzug auf diese Weise anstellen würde.

2. und sprach zu ihnen: Geht hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald; wenn ihr hineinkommt, werdet ihr finden ein Füllen angebunden, auf welchem nie kein Mensch gesessen ist. Löst es ab und führt es her!

Füllen: Samt einer Eselin, wie es Matthäus im Kapitel 21 berichtet. Und durch die Eselin wurden die Juden, die die Last des Gesetzes gewohnt waren, durch das Füllen aber die Heiden abgebildet. Unter diesen beiden Völkern hatte Christus seine Auserwählten, die ihn aufnehmen würden. Es wird auch noch heutzutage Christus die Eselin und das Füllen zugeführt, wenn die Menschen durch das Predigtamt des göttlichen Wortes zur Erkenntnis Christi gebracht werden; ja, auch wenn ein Hausvater seine Hausangestellten in die Kirche führt und schickt, um das Wort Gottes zu hören und zu lernen.

3. Und so jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr das? so sprecht: Der Herr bedarf sein; so wird er‘s bald hersenden.

Hersenden: Und nicht mehr dagegen sein. Weil aber Christus abwesende Dinge sieht und auch weiß, was dir, dem der Esel gehört, sagen und antworten wird, lernen wir dabei, dass Christus alle, auch die heimlichen Sachen sieht und die Gedanken der Herzen weiß. Darum sollen wir uns fleißig davor hüten, dass wir nichts Schändliches, auch nicht in der dunkelsten Finsternis, tun, noch mit Heuchelei umgehen.

4. Und gingen hin und fanden das Füllen gebunden an der Tür, draußen auf dem Wegscheid, und lösten es ab.

Gingen: Die Jünger, um das Füllen samt der Eselin abzuholen. Denn man soll tun, was Gott gebietet, auch wenn es unserem Verstand ungereimt und seltsam vorkommt und Gott für den Ausgang sorgen lassen, so wird es recht und gut hinausgehen.

5. Und etliche, die da standen, sprachen zu ihnen: Was macht ihr, dass ihr das Füllen ablöst?

6. Sie sagten aber zu ihnen, wie ihnen Jesus geboten hatte; und die ließen es zu.

Geboten: Dass nämlich ihr Meister, Christus, solch ein Tier benötigte.

Ließen es zu: Und sagten nichts mehr dagegen. Hier sieht man, dass die Jünger mit einem angenehmen Wort die Herzen der Leute neigen konnten, damit sie in ihr Tun einwilligten. Denn eine milde Antwort stillt den Zorn, Sprüche. 15.

7. Und sie führten das Füllen zu Jesu und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.

Sich darauf: Auf das Füllen, da er zuvor auf einem Feldweg bereits auf der Eselin geritten war. Denn das Evangelium musste zuerst den Juden und danach den Heiden vorgetragen werden, die noch nie dem Joch des Gesetzes unterworfen gewesen waren.

8. Viele aber breiteten ihre Kleider auf den Weg. Etliche hieben Maien von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

Kleider: Weil sie mit keinem anderen Ornat den Einzug Christi zieren konnten. So soll also ein jeder nach seinem Vermögen das Reich Christi zu fördern helfen.

9. Und die vorne vorgingen, und die hernach folgten, schrien und sprachen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!

Schrien: Dass sie dem König Christus Glück wünschten für seinen Einzug.

Hosianna: Das heißt, oh Gott, erhalte uns diesen unseren König, den Messias. Dieses Wort ist aus dem 118. Psalm genommen, worin es auch um das Reich Christi geht.

Des Herrn: Unseres Gottes, der ihn aus besonderer Gnade zu uns gesandt hat.

10. Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Vaters David: Dieses glückselige Reich aus den Nachkommen Davids beginnt Gott der Herr heutzutage wieder für uns aufzurichten. Das Volk aber meinte, dass Christus ein weltliches Reich anfangen würde, unter dem sie vom Joch der Römer und aller anderen Heiden befreit sein würden. Aber sie hätten aus diesem schlichten Einzug Christi ableiten sollen, dass Christus kein weltlicher Herr sein würde, der seine Untertanen mit zeitlichen Gütern reich und selig macht, sondern dass er ein geistlicher und himmlische König wäre, der den Seinen gerechte und himmlische Güter mitteilt, nämlich, Vergebung der Sünden, Gnade und Güte des himmlischen Vaters um die ewige Seligkeit im anderen Leben.

Höhe: Der du in der Höhe wohnst und dessen Macht über alle Geschöpfe geht, wir bitten Dich, erhalte uns unseren König. Hier bemerkt man die Unbeständigkeit dieses Volkes. Denn, den sie am Palmtag als einem König Glück und alles Gute wünschten, für den fordern sie sechs Tage später mit großem Geschrei, dass er gekreuzigt wird. So schnell verändern sich Sachen in einem Menschen, darum sollen wir in unserem Glück nicht überheblich und im Unglück nicht verzagt werden.

11. Und der Herr ging ein zu Jerusalem und in den Tempel. Und er besah alles; und am Abend ging er hinaus gen Bethanien mit den Zwölfen.

Tempel: Denn die Herrscher sollen ihre Regierung mit einem gottseligen Gebet beginnen.

Besah alles: Was im Tempel vorging, nachdem er die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel getrieben hatte, wie es auch Matthäus im Kapitel 21 und Lukas im Kapitel 19 erzählen.

Bethanien: Ein Flecken, der nicht weit von der Stadt gelegen war. Und man liest nirgends, dass jemand von den Bürgern in Jerusalem ihn eingeladen hätte und zu Herberge aufnehmen wollte. Denn sie waren besorgt, dass sie bei den Hohepriestern Feindschaft auf sich laden würden, weil sie wussten, dass Christus bei ihnen verhasst war. Denn wo sich das Glück hinwendet, da wenden sich auch die Leute hin.

12. Und des andern Tages, da sie von Bethanien gingen, hungerte ihn.

Hungerte: Wie auch Matthäus im Kapitel 22 bezeugt. Denn Christus hat im Stande seiner Erniedrigung alle menschlichen Schwachheiten und Gebrechen (allein die Sünde ausgenommen) auf sich nehmen und versuchen wollen, damit er für unsere Sünden genug täte. Und sein Hunger hat unsere Völlerei gebüßt. Er hat auch Mitleid mit den frommen Menschen, die Hunger leiden und er ist darauf bedacht, wie es sie sättigen könnte.

13. Und sah einen Feigenbaum von ferne, der Blätter hatte. Da trat er hinzu, ob er etwas darauf fände. Und da er hinzukam, fand er nichts denn nur Blätter; denn es war noch nicht Zeit, dass Feigen sein sollten.

Zeit: Die normalerweise in großer Menge wuchsen. Denn Christus wusste in seiner Knechtsgestalt nicht alle Dinge, weil die Gottheit ihre Kraft in der angenommenen Menschheit sich nicht in allen Bereichen sehen ließ. Und es entzieht doch seiner ewigen Gottheit nichts, wie auch nicht der Majestät Christi, in der er jetzt regiert, dass nichts davon abgeht. Denn, gleichwie ein schlafender Mensch darum nicht tot ist, sondern seine Seele noch in ihm ist, so hat Christus nicht aufgehört, Gott zu sein, obgleich die Gottheit in ihm bisweilen, besonders in seinem Leiden, geruht hat.

14. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Nun esse von dir niemand keine Frucht ewig! Und seine Jünger hörten das.

Keine Frucht: Sondern ich will, dass du bald verdorrst. Dieser Feigenbaum ist ein Abbild der Heuchler, die einen äußeren Anschein der Gottseligkeit haben, wie Blätter, aber man findet keine rechten Früchte des Glaubens an ihnen. Darum werden sie auch von Gott verstoßen, wo sie nicht Buße tun.

Hörten: Diese, seine Rede und achteten darauf, wie es danach damit ergehen würde. Und der Ausgang hat den Fluch bestätigt, wie bald folgen wird.

15. Und sie kamen gen Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel, fing an und trieb aus die Verkäufer und Käufer in dem Tempel; und die Tische der Wechsler und die Stühle der Taubenkrämer stieß er um {Mt 21v12 Lk 19v45};

Tempel: Da hatte er wiederum dieselbe Verunreinigung unter Beteiligung des Tempels gespürt, die er schon den Tag vorher auch gesehen und verbessert hatte, dass sie nämlich eine Kaufmannschaft im Tempel angerichtet hatten und alles vielmehr auf den Gewinn, als auf die Gottseligkeit ausgerichtet war.

16. und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trüge.

Trüge: Nämlich durch den Vorhof des Tempels. Denn durch diesen trug man, wie über einem öffentlichen Markt, allerlei Sachen, die nicht zum Gottesdienst gehörten. Und dort hatten die Geldwechsler ihre Tische, damit sie denjenigen ihre Münzen umwechselten, die andere Münzen in kleinen oder großen Sorten brauchten zur Verrichtung der Opfer. Und dort wurden auch die Tauben angeboten, auf dass die Armen, die nicht so vermögend waren, dass sie Ochsen oder Schafe opfern konnten, wenigstens Tauben kauften und so ihr Opfer darbringen konnten. Es war aber dies alles besonders darauf ausgerichtet, dass die Priester ihren Geiz füllen konnten, die von den Opfern regelmäßig ihren Anteil empfingen. Inzwischen hatten die Kaufleute und Geldwechsler auch ihren Nutzen davon. Und was das aller Unleidlichste war, war, dass das Volk von den Priestern so unterrichtet war, dass sie glaubten, Gott ließe sich mit den Opfern und Gaben abweisen und versöhnen, auch wenn sie keine rechtschaffene Buße täten und mit den Sünden weiter fortfahren würden. Solche Kämmerei findet sich im Papsttum an unzähligen Stellen. Denn was wird im Papsttum nicht um Geld verkauft? Dass sogar ihr eigener Poet Mantuanus sagt: Es sind die Kirchen, Priester, Altäre, Heiligtümer, Kronen, Feuer, Weihrauch, Gebete, ja der Himmel und Gott selbst den Katholiken ums Geld feil. Was aber diese vorgenommene Reformierung Christi betrifft, so sollen wir wissen, dass es eine besondere Heldentat gewesen ist, die seiner Person gebührt hat, aber einem Kirchendiener oder gemeinen Mann steht es nicht frei, dies aus einem unbedachten Eifer heraus nachzutun. Wir sollen heutzutage die Kirchen, die uns anbefohlen sind, mit der reinen Predigt des Evangeliums reformieren und die Obrigkeit soll die abgöttischen Bilder aus dem Weg räumen. Und wir sollen auch darauf achten, dass unsere Kirchen den Sauställen nicht ähnlicher als Gotteshäusern sind. Denn Gott ist ein Gott der Ordnung und nicht der Zerrüttung.

17. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll heißen ein Bethaus allen Völkern? Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.

Lehrte: Dass er den Grund seines Handelns anzeigte, weil es vielen seltsam und ungereimt vorkam.

Geschrieben {Jes 46}: Da Gott der Herr sagt: Mein Haus ist ein Bethaus allen Völkern. Als wollte er sagen: Ich habe den Tempel in Jerusalem darum bauen geheißen, dass beide, die Israeliten und die Heiden, die sich zu Gott bekehren, meinen heiligen Namen darin anrufen können, jedoch habe ich es zu keinem Kaufhaus bestellt.

Mördergruben: Im gleichen Ton hat auch der Prophet Jeremias von der Entheiligung des Tempels im Kapitel 7 gesprochen. Es sind deshalb die Kirchen, in denen die wahre Religion nicht vonstattengeht und in denen keine reine Übung der Religionen ist, nichts anderes als Mördergruben. Und die falschen Lehrer sind vor Gott Mörder, die mit Betrug die Güter der einfältigen Leute an sich reißen und ihre Seele töten. Und eine solche Übung der Religion ist für Gott nichts als Räuberei und Mörderei.

18. Und es kam vor die Schriftgelehrten und Hohepriester; und sie trachteten, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich aber vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich seiner Lehre.

Umbrächten: Entweder heimlich oder mit List. Denn die Heuchler sind auch blutdürstig und wollen dennoch nicht am unschuldig vergossenen Blut schuld sein.

Fürchten: Und waren besorgt, dass sie nicht etwa um seinetwillen vom Volk erwürgt würden, deshalb durften sie ihn nicht öffentlich angreifen. Denn ein schlechtes Gewissen muss sich allerlei befahren. Und die eine gute Sache haben, die jagen auch ihren Feinden einen Schrecken ein, dass sie von ihnen nicht angegriffen werden, bis sie den Lauf ihre Aufgaben vollendet haben.

19. Und des Abends ging er hinaus vor die Stadt.

Hinaus: Nach Bethanien, wo Christus seine Herberge die meiste Zeit hatte.

20. Und am Morgen gingen sie vorüber und sahen den Feigenbaum, dass er verdorrt war bis auf die Wurzel.

Vorüber: Nämlich, als sie von Bethanien aus wieder Richtung Jerusalem gingen.

Feigenbaum: Den Christus verflucht hatte, wovon auch Matthäus im Kapitel 21 berichtet.

21. Und Petrus gedachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, siehe, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.

Gedachte: Denn wir sollen die Werke Gottes zu unserer Besserung wahrnehmen.

22. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott!

Antwortete: Und nahm die Gelegenheit wahr, vom Glauben und vom Gebet zu sprechen.

An Gott: Traut der Allmacht und Güte Gottes und lernt an diesem Beispiel, was Gebet und Wunsch eines frommen Menschen vermögen.

23. Wahrlich, ich sage euch, wer zu diesem Berge spräche: Heb‘ dich und wirf dich ins Meer! und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass es geschehen würde, was er sagt, so wird‘s ihm geschehen, was er sagt.

Berg spräche: Das heißt: Wenn es jemandes Aufgabe erfordert, dass er mit der Versetzung dieses Berges, den ihr das seht, ein Wunderzeichen tun soll und er einen festen Glauben daran hat, dass es geschehen wird, was er gebietet, so könnte er diesen Berg von seiner Stelle wegbringen und ihn ins Meer werfen. Es sieht aber so aus, dass dies eine allgemeine Redewendung bei den Juden gewesen ist, die man wie ein Sprichwort gebrauchte, wenn man von schweren und unglaublichen Sachen etwas berichten wollte, dass man an die Versetzung von Bergen gedacht hat. Daher sagt auch Paulus: Wenn ich allen Glauben hätte, so, dass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts {1Kor 13}. Diese Verheißung Christi bezieht sich auf die Werke, die unsere Aufgaben erfordern. Und es ist heutzutage nicht unsere Aufgabe, dass wir Berge versetzen, oder andere Wunderzeichen tun. Doch wir versetzen dann auch die allergrößten Berge, wenn wir die Last unserer Sünden auf Christus, das Lamm Gottes, legen und wenn wir unsere Sorgen und Anliegen, die freilich große Berge sind, auf Gott werfen, wie Petrus es befiehlt {1Petr 5}. Beides sollen wir aus wahrem Glauben tun, so wird es glücklich vonstattengehen.

24. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr‘s empfangen werdet, so wird es euch werden {Mt 7v7 21v22 Lk 11v9}.

Glaubt nur: Wenn wir deswegen solche Sachen erbitten, die im Vaterunser, das von Christus selbst angegeben und aufgestellt worden ist, begriffen sind und glauben, dass der himmlische Vater uns erhören wird, so sollen wir sicher sein, dass uns dies widerfahren wird, auch wenn es sich damit etwas verzögert. Doch man soll um leibliche Güter, wenn man etwas Besonderes begehrt, so bitten, wenn es Gott gefällig ist. Wenn nicht, dann soll sein und nicht unser Wille geschehen.

25. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wo ihr etwas wider jemand habt, auf dass auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Fehler.

Und: Christus fügt eine nötige Erinnerung hinzu, dass, wenn wir beten wollen, wir alle Rachgier aus dem Sinn schlagen und ablegen sollen. Denn es wäre ein ungerechter Handel, wenn wir darum bitten wollten, dass Gott sich uns gegenüber gnädig erzeigt und wir unserem Nächsten gegenüber unversöhnlich und rachgierig sind.

Habt: Wenn euch jemand beleidigt oder erzürnt hat, so verzeiht ihm.

Fehle: Denn wer aus Glauben um Christi willen seinem Nächsten seine Sünden verzeiht, dem verzeiht auch der himmlische Vater seine Fehler. Es ist aber darum unsere Vergebung kein verdientes Werk, um dessen willen uns Gott die Sünde verzeiht. Denn diese Ehre gebührt allein dem Verdienst Christi. Unsere Verzeihung ist gleichsam eine Vergewisserung oder Versicherung, wodurch wir vergewissert werden, dass uns Gott unsere Sünde verziehen hat. Weil wir aber dennoch dem Nächsten nicht so vollständig seine Missetaten nachsehen, wie wir es tun sollten, so sollen wir Gott bitten, dass er die Rachgier aus unserem Herzen reißt und, was an unserer Vollkommenheit fehlt, mit all dem vollkommensten Verdienst Christi zudeckt.

26. Wenn ihr aber nicht vergeben werdet, so wird auch euer Vater, der im Himmel ist, eure Fehle nicht vergeben {Mt 6v15}.

27. Und sie kamen abermal gen Jerusalem. Und da er in den Tempel ging, kamen zu ihm die Hohepriester und Schriftgelehrten und die Ältesten

Kamen abermals: Wovon auch Matthäus 21. und Lukas 20. berichten.

Ältesten: Die Vornehmsten und Räte in Jerusalem, die alle miteinander sehr unwillig darüber waren, dass Christus die Käufer und Verkäufer aus dem Vorhof des Tempels vertrieben hatte, die Tische der Wechsler umgestoßen und dazu gesagt hatte, der Tempel des Herrn wäre zu Mördergrube gemacht worden. Darum stellten ihn diese Heuchler mit zornigem Gemüt zur Rede.

28. und sprachen zu ihm: Aus was für Macht tust du das, und wer hat dir die Macht gegeben, dass du solches tust?

Gegeben: Wer hat dir dieses Amt befohlen, dass du den Tempel reformieren sollst und unsere Gewohnheiten änderst, die auf ausreichend wichtigen Ursachen begründet sind? Wer hat dich dazu bestellt, dass du unsere Kirche reparieren sollst? Es hatten aber die Hohepriester und Schriftgelehrten dies deshalb als Übel angesehen, weil sie in dem Tempel Gottes einen Jahrmarkt angerichtet oder doch zumindest geduldet hatten. Aber jetzt verhalten sie sich noch viel schlimmer, dass sie sich dem Herrn Christus halsstarrig widersetzen, als er sich bemüht, den zerrütteten Zustand der Kirche wiederum zurechtzubringen. Daher erfolgten auch schließlich die Zerstörung des Tempels und das jämmerliche Elend des jüdischen Volkes. Denn die, die Verbesserung der Regierung und der Kirche nicht dulden wollen, die gehen daran zugrunde.

29. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch ein Wort fragen; antwortet mir, so will ich euch sagen, aus was für Macht ich das tue:

Ein Wort: Oder einer Sache wegen. Und obwohl Christus geradeheraus hätte antworten können, dass er von Gott gesandt ist, hatte er Ihnen doch viel eher mit einer Gegenfrage begegnen und sie zuschanden machen wollen und so lehren, diese Gewalt gebühre ihm von Rechts wegen.

30. Die Taufe Johannes, war sie vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir!

Die Taufe: Er versteht aber darunter das ganze Predigtamt und den Beruf des Johannes, dass er gelehrt und getauft hat, und fragte sie, ob er diesen Befehl von Gott gehabt oder ob Johannes ohne göttlichen Befehl dies aus seinem Kopf erdacht hätte? Als würde er sagen: Ist Johannes von Gott gesandt gewesen, dass er gepredigt und getauft hat, oder ist er ein Verführer gewesen, der die Leute betrogen hat?

Antwortet mir: Äußert euch richtig dazu und sucht keine Ausflüchte. Johannes hatte aber nicht allein geheißen, Buße zu tun, sondern er hat auch gelehrt, dass Jesus der Christus oder Messias ist, Gottes Sohn und der Heiland der Welt. Denn er hat auf Christus mit den Fingern gezeigt und gesagt: Siehe das ist Gottes Lamm, welches die Sünde der Welt trägt {Joh 1}. Da deswegen die Juden das Predigtamt des Johannes angenommen hatten, so hätten sie auch zu Recht diesen Jesus von Nazareth für den Messias erkennen sollen, dessen Amt es unter anderem auch war, den zerrütteten Gottesdienst zu verbessern.

31. Und sie gedachten bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie war vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr denn ihm nicht geglaubt {Lk 7v30}?

Vom Himmel: Er sei von Gott dazu erweckt worden, dass er die Wahrheit lehrt.

Geglaubt: Da er doch von mir so herrlich gepredigt mir Zeugnis gegeben hat, dass ich Christus oder der Messias und Sohn Gottes bin. Denn das ganze Predigtamt Johannes ist besonders dahin anzusehen und von Gott eingesetzt gewesen, damit er bezeugte, Jesus von Nazareth wäre Christus, der versprochene Heiland der Welt. Wer an den glaubt, der hat das ewige Leben. Die Hohepriester sahen sehr wohl die Folge, wenn sie mit Ja antworten würden, dass Johannes einen göttlichen Beruf gehabt hätte. Darum hielten sie es für ratsam, nicht zu antworten.

32. Sagen wir aber, sie war von Menschen, so fürchten wir uns vor dem Volk. Denn sie hielten alle, dass Johannes ein rechter Prophet wäre.

Menschen: Dass er ein Verführer gewesen wäre, und sich nur so gestellt hat, als wenn er von Gott gesandt worden wäre.

Fürchten: Dass er uns wegen einer solchen Rede nicht überfallen und umbringen wird. Denn ein schlechtes Gewissen ist sehr furchtsames, auch wenn keine Gefahr vorhanden ist.

33. Und sie antworteten und sprachen zu Jesu: Wir wissen es nicht. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus was für Macht ich solches tue.

Wissen es nicht: So werden auch heutzutage noch viele gefunden, die es in diesem Stück den Hohepriestern und Schriftgelehrten nachtun, dass, wenn sie nach einem strittigen Artikel der Religion gefragt werden, was sie davon halten, um ihren Irrtum nicht bekennen zu müssen, sie darauf antworten, es seien hohe Artikel, wovon gestritten werde, die sie nicht verstehen oder worüber sie nicht urteilen könnten. Aber Gott bemerkt solche Arglist oder Verschlagenheit wohl und wird sie zu seiner Zeit strafen.

Tue: Denn weil ich sehe, dass ihr die Wahrheit mit Fleiß versteckt, so achte ich euch auch nicht wert, dass ich euch weitere Rechenschaft geben sollte, warum ich die Reformierung des Tempels vorgenommen habe. Es haben also die Hohepriester und Schriftgelehrten mit Schimpf und Spott abziehen müssen. Denn diejenigen, die die reine Lehre des Evangeliums verunglimpfen wollen, die werden darüber selbst zuschanden kommen.


Das 12. Kapitel


1. Zuerst wird gehandelt vom Weinberg, der von den bösen und untreuen Weingärtner bearbeitet worden ist und von ihrer gerechten Strafe. 2. Danach vom Zins, die man dem Käufer geben soll. 3. Und dann von der Auferstehung der Toten, die Christus gegen diese Sadduzäer behauptet hat. Viel. Auch vom vornehmsten Gebot im Gesetz, desgleichen von Christus, Davids Sohn und Herren. 5. Ferner, wie man sich vor den Pharisäern, Schriftgelehrten und ihresgleichen hüten soll. 6. Und schließlich von dem kleinen Almosen der armen Witwe, die aber Gott dem Herrn angenehm war.

1. Und er fing an, zu ihnen durch Gleichnisse zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und führte einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und tat ihn aus den Weingärtnern und zog über Land.

Und: In den wenigen Tagen, die zwischen dem Einritt Christi in Jerusalem und seinem Leiden verliefen, sind etliche gedenkwürdige Dinge geschehen. Denn Christus hat mit Gleichnissen und anderen Worten die Bosheit und Heuchelei der Hohepriester, Pharisäer und Schriftgelehrten gewaltig ans Licht gezogen. So haben sie wiederum mit dem Vorlegen etlicher schwerer und gefährlicher Fragen ihm eine Falle gebaut und wollten ihm mit List beikommen, dass er darüber das Leben lassen müsste.

Gleichnisse: Dass er ihnen ihre Heimtücke mit verblümten Worten zu verstehen gab. Es wird aber das folgende Gleichnis auch in Matthäus 21. und Lukas 20. beschrieben. Hier hat er angezeigt, wie untreu die Priester und Hohepriester seit vielen Hundert Jahren das Kirchenamt versehen haben; und auch wenn sie von den Propheten daran erinnert worden sind, haben sie sich nur ärger und grausamer dagegen verhalten. Sie sind alle auch in ihrer Bosheit und in unsinniger Weise so weit gekommen, dass sie ihn, den Sohn Gottes zu töten, sich nicht scheuen würden.

Mensch: Dieser allerheiligste Hausvater ist Gott der Allmächtige, der ihm aus dem israelitischen Volk eine Kirche gesammelt hat, die den Weinberg bedeutet, in dem die Worte Gottes eingepflanzt sind. Dieses Gleichnis ist genommen aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 5.

Zaun: So führt Gott einen Zaun um die Kirche, wenn er sie schützt, damit sie nie verwüstet oder ausgerottet wird. Für diese Guttat sollten wir ihm dankbar sein, damit Gott den Zaun nicht zerreißt und den Weinberg von wilden Tieren zertreten lässt. Davon steht im 80. Psalm: Warum hast du seinen Zaun zerbrochen, dass ihn verwüstet, alles was darüber geht? Es haben ihn die wilden Säue zerwühlt und die wilden Tiere haben ihn verdorben.

Kelter: Worin der Wein gekeltert und ausgepresst wurde. Denn wo man eine Kelter hatte, da war es notwendig, dass etliche Stellen etwas tiefer ausgegraben wurden, in denen man die Geschirre gestellt hatte, worin der ausgepresste Wein aufgefangen wurde. Die Kelter aber be5. Mose das Predigtamt, das von Gott eingesetzt ist, dass es gute Werke als Früchte des Glaubens von den Menschen herauspressen soll. Die deswegen die Predigten des göttlichen Wortes versäumen, die weigern sich in die Kelter zu kommen. Darum werden sie auch verloren und kommen um, dass sie weder Gott noch den Menschen nützlich sind.

Turm: Nämlich eine Warte, von der man die Diebe anschreien und vertreiben konnte. Der Turm bedeutet die Könige und die Obrigkeiten, von denen Gott will, dass sie über sein Volk wachen sollen.

Land: Es hat Gott damals den Ackerleuten seinen Weinberg aufgeschlossen, als er dem Aaron und seine Nachkommen das Kirchenamt anbefohlen hatte. Und es hat den Anschein, als wäre er übers Land gezogen, da er nicht mehr so oft bei den Hütten des Stifts erschienen war, als zuvor. Denn sobald die Menschen keine offenbaren Zeichen der göttlichen Gegenwart spüren, so bilden sie sich ein, Gott sei weit von ihnen gewichen. So sprachen die Juden in Hesekiel 9. Der Herr hat das Land verlassen und er sieht uns nicht. Es folgt aber gleich darauf eine ernsthafte Drohung. Darum soll mein Auge nicht ruhen, ich will auch nicht gnädig sein, sondern ich will ihr Handeln auf sie zurückwerfen.

2. Und sandte einen Knecht, da die Zeit kam, zu den Weingärtnern, dass er von den Weingärtnern nähme von der Frucht des Weinberges.

Sandte: Gott sandte die Propheten, dass sie von den Hohepriestern, Priestern, Leviten und Schriftgelehrten die Frucht des Kirchenamtes einforderten und sich erkundigten, ob die Kirche durch das Predigtamt so erbaut wäre, dass die Ehre Gottes und die Seligkeit der Menschen dadurch gefördert wurden. Denn man soll von dem Predigtamt seinen eigenen Nutzen derart empfangen, dass der Herr zuerst seine Früchte davon nimmt, nämlich die Ehre seines Namens und die Vermehrung des Himmelreiches.

3. Sie nahmen ihn aber und stäupten ihn und ließen ihn leer von sich.

Sie: Es folgt jetzt, wie die Weingärtner die Knechte Gottes empfangen haben, und wie sie mit ihnen umgegangen sind. Diese Heuchler haben den Propheten Gottes allerlei Schmach angelegt. So wie auch heutzutage den treuen Dienern Gottes von den päpstlichen Heuchlern und ihresgleichen ebensolcher Lohn gegeben wird.

4. Abermal sandte er zu ihnen einen andern Knecht; demselben zerwarfen sie den Kopf mit Steinen und ließen ihn geschmäht von sich.

Anderen: Denn Gott hat zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder Propheten gesandt, die die Hohepriester, Priester und Schriftgelehrten ihres Amtes erinnerten. Weil er den Tod des Sünders nicht wollte, sondern dass er sich bekehrt und lebt {Hes 33}.

Mit Steinen: Denn die Heuchler wollen keine Erinnerungen leiden.

5. Abermal sandte er einen andern, denselben töteten sie; und viele andere: etliche stäupten sie, etliche töteten sie.

Einen anderen: Ob sie vielleicht diesen hören würden und diesem nun gebührenden Respekt erweisen wollten. Denn Gottes Langmütigkeit ist groß, dass er auf die Buße wartet.

Töteten: Denn je öfter die Heuchler zur Buße aufgerufen wurden, umso unsinniger stellten sie sich.

6. Da hatte er noch einen einigen Sohn, der war ihm lieb; den sandte er zum letzten auch zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.

Scheuen: Und ihn nicht wieder mit solcher Schmach abfertigen oder die Früchte des Weinbergs ihm zu geben abschlagen. Und die Hohepriester und Schriftgelehrten hätten den eingeborenen Sohn Gottes zurecht in Ehren halten sollen, wenn sie nicht ganz und gar vom Teufel verblendet und besessen gewesen wären.

7. Aber dieselben Weingärtner sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein.

Unser sein: Und es wird danach niemand mehr von uns Rechenschaft fordern dürfen, wie wir den Weinberg gebaut haben, sondern wir wollen ihn ganz nach unserem Gefallen gebrauchen.

8. Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn heraus vor den Weinberg.

Töteten ihn: Es besteht kein Zweifel, wenn Christus heutzutage in Rom solche Dinge lehren würde, wie er es zu Jerusalem gelehrt hat, so würde ihn der römische Papst samt seinen Kardinälen wiederum kreuzigten oder verbringen, ihn auf jeden Fall gräulich behandeln, wie es auch die israelitischen Hohepriester getan haben.

9. Was wird nun der Herr des Weinberges tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben.

Anderen geben: Die ihn besser anbauen. Diese Antwort haben auch die Hohepriester und Schriftgelehrten sich selbst gefallen lassen und gegen sich selbst bestätigt, wie auch Matthäus bezeugt. Denn was sollten solche Weingärtner anderes, als ihren Untergang zu erwarten haben? Es ist aber der Herr damals gekommen und hat die Weingärtner umgebracht, auch den Weinberg anderen gegeben, als er unter Titus Vespasian den Tempel und die Stadt Jerusalem zerstören und die Hohepriester, Priester, Leviten, Schriftgelehrten und das ganze Geschmeiß der gottlosen Heuchler entweder erwürgen oder ins Elend wegführen ließ und seinen Aposteln samt deren Nachkommen das Predigtamt und die Kirche anbefohlen hatte. Weil demnach dem Volk Gottes so etwas begegnete, so sollen wir uns hüten, dass wir die Religion nicht verfälschen oder verkehren und wir sollen Fleiß aufwenden, dass wir all unser Tun zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Kirchen ausrichten, damit uns Gott nicht ausstößt und andere an unserer Stelle nimmt. Die Kirche aber soll sich hüten, dass sie nicht mit Verachtung des Wortes Gottes und mit der Freiheit des Fleisches Gott erzürnt, dass er sein reines Wort wegnimmt und das ganze Regiment zugrunde richtet. Denn Gott hat die natürlichen Zweige nicht verschont, wie Paulus sagt, so soll man sich vorsehen, dass er uns vielleicht auch nicht schont {Röm 11}.

10. Habt ihr auch nicht gelesen diese Schrift: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein worden {Jes 28v16 Mt 21v42 Apg 14v11 Röm 9v33 1Petr 2v7};

Schrift {Ps 118v22}; Als wollte er sagen: Es wird diese Weissagung des königlichen Propheten Davids an mir und an euch erfüllt werden. Denn ich bin der allerköstlichste Grund und Eckstein, und auf mich werden die Israeliten und die Heiden durch den Glauben erbaut werden, so viele von ihnen mein Evangelium annehmen. Wer also auf mich erbaut ist, der wird ewig nicht umgestoßen werden. Darum solltet ihr, die ihr von Gott dazu berufen seid, dass ihr seine Kirche bauen sollt, mich zu allererst erkennen und viel auf mich halten. Aber ihr verstoßt und verwerft mich zu eurem großen Unglück. Jedoch, wem ihr die größte Schmach anlegt, den wird über eine kleine Zeit der himmlische Vater zur höchsten Ehre erheben und zum Haupt seiner Kirche machen, was euch einen Schrecken einjagen wird. Denen aber, denen noch zu helfen ist, wird es wunderbar vorkommen. Wir sollen deswegen durch den Glauben auf diesen Eckstein uns bauen lassen, damit wir erhalten werden und ewig leben. Und wir sollen uns nicht an die wenden, die diesen Eckstein verwerfen und entweder die menschlichen Verdienste oder die philosophischen Träume höher als diesen Eckstein achten. Denn diese werden einmal schwer gestraft werden.

11. von dem Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbarlich vor unsern Augen.

12. Und sie trachteten danach, wie sie ihn griffen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie vernahmen, dass er auf sie dieses Gleichnis geredet hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.

Griffen: Dass sie ihn umbringen wollten, und dürften sich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht an ihm reiben.

Volk: Welches Christus damals, dem Anschein nach, noch anhing.

Ließen ihn: Dass sie sich aus seiner Strafpredigt nicht besserten, sondern noch ärger wurden, als sie es zuvor gewesen sind, als sie zu ihm gekommen waren. Wenn wir aber zurecht gestraft werden, so sollen wir nicht zürnen, uns nicht zu rächen begehren, sondern vielmehr dafür danken und unseren Irrtum verbessern.

13. Und sie sandten zu ihm etliche von den Pharisäern und des Herodes Dienern, dass sie ihn fingen in Worten.

Und: Da die Hohepriester und Schriftgelehrten merkten, wie Christus ihre Bosheit in seiner Predigt vor dem Volk hervorzog und ihnen die Maske vom Gesicht riss, dass man sehen konnte, was sie im Schilde führten, so stellten sie ihm heimlich nach und erdachten eine List nach der anderen, womit sie die Obrigkeit gegen Christus aufhetzen und aufbringen konnten, damit sie nach ihm greifen und ihn ums Leben bringen würde. Aber dieses Vorhaben ist ihnen nicht gelungen. Dies beschreibt auch Matthäus im Kapitel 22 und Lukas im Kapitel 20.

Pharisäer: Arglistige und verschlagene Heuchler, die sich fromm stellen konnten, wie es die anderen Evangelisten bezeugen.

Dienern: Oder Hofleute, die zum Hof des Herodes gehörten.

Fingen: Wenn er sich mit ihren Fragen nicht gut vorsehen würde und in der Antwort einen kleinen Fehler machen würde, dass sie ihn beim Herodes anzeigen würden als aufrührerischen Menschen, der begehrte, in der Regierung Unruhe anzurichten. Dann könnte man auch die Sache an den Landpfleger in Jerusalem, Pilatus, gelangen lassen.

14. Und sie kamen und sprachen zu ihm: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist, und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht. Ist‘s recht, dass man dem Kaiser Zins gebe, oder nicht? Sollen wir ihn geben oder nicht geben?

Wahrhaftig bist: Und lässt die himmlische Wahrheit. Denn man soll keine menschlichen Träume und eigenen Gedanken in der Kirche vorbringen, sondern Gottes Wort lehren.

Niemand: Ob er dir darüber feind wird oder nicht und sich vor keinem Ansehen oder keiner Gewalt fürchtet.

Achtest nicht: Du siehst die Person nicht an, dass du jemanden etwas zu gefallen redest und die Wahrheit verschweigst. Denn ein Kirchendiener soll nichts nach der Gunst reden, sondern vielmehr ohne Ansehen der Person die Sünden strafen.

Gottesrecht: Du zeigst den Leuten treu den Weg zum Himmel, ohne Arglist und Verfälschungen. Darum kommen wir zu dir, als einem reinen und aufrichtigen Lehrer und bitten, dass du auf unsere Frage eine richtige und ehrliche Antwort gibst.

Zins gebe: Können wir denn auch mit gutem Gewissen dem römischen Kaiser die jährlichen Zinsen und Steuern geben und ihn so für unsern Herrn anerkennen, dass daneben der Ehre Gottes nichts abgeht, dessen Volk wir sind? Oder täten wir besser daran, wenn wir ihm sein Begehren abschlagen, das Joch der Dienstbarkeit von uns werfend unsere Freiheit handhaben würden.

Nicht geben: Was erscheint dir richtig und der Gottseligkeit gemäß zu sein? Denn wir wollen nicht gerne wissentlich in einem oder anderen Fall unrecht tun und sündigen. Dies war eine sehr arglistige und gefährliche Frage. Denn wenn Christus einfach geantwortet hätte, man sollte den Zins geben, so waren Leute da, die ihn bei dem Volk mit der Lästerung verhasst machen würden, als ob Christus gegen die Freiheit der Juden lehren würde und die Tyrannei der Römer recht heißen würde. Und es sind eine ganze Menge vom gemeinen Volk bei diesem Handel anwesend gewesen, wie Lukas meldet. Würde er aber sagen, man sollte den Zins nicht geben, so waren die Diener des Herodes anwesend, die Christus bei der Obrigkeit anzeigen würden, als ob er einen Aufruhr plane und das Volk in Harnisch bringen würde, wenn man ihn nicht beizeiten abwehrt. Denn wenn die Heuchler selbst den frommen Kirchendienern oder anderen, die sich zur rechten Religion bekennen, nicht beikommen und schaden können, so versuchen sie, dass sie diese bei dem Volk oder bei der Obrigkeit mit gräulichen Lügen und giftigen Lästerung verhasst machen und in einen bösen Verdacht bringen, damit sie in Gefahr des Leibes und des Lebens kommen; und wollen doch danach nicht dafür angesehen werden, als ob sie es getan hätten.

15. Er aber merkte ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir einen Groschen, dass ich ihn sehe.

Merkte: Darum stellte man im vergeblich nach. Denn Christus sind auch die innersten Gedanken der menschlichen Herzen bekannt.

Ihr mich: Ihr Heuchler. Als ob ich eure Falle nicht merken würde. Doch ich will euch Antwort geben.

Sehe: Was ihr jetzt üblicherweise für Münzen verwendet.

16. Und sie brachten ihm. Da sprach er: Wes ist das Bild und die Überschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers.

Überschrift: Der Name welches Fürsten oder Königs steht auf dieser Münze geschrieben?

17. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie verwunderten sich sein {Röm 13v7}.

So gebt: Als wollte er sagen: Ihr seid wahrhaftig boshafte Menschen. Denn vor ungefähr dreißig Jahren und noch länger habt ihr das Joch des römischen Kaisertums auf euch genommen und im selben Jahr, da ich geboren worden bin, unter dem Landpfleger Cyrenius den Römern die ersten Steuern bezahlt. Von dieser Zeit an habt ihr nicht mehr eure, sondern die Münzen der Römer verwendet, zum Zeugnis dafür, dass ihr das Joch auf euch genommen habt. Und ihr fragt jetzt zuallererst, ob Ihr eurer römischen Obrigkeit, unter deren Gewalt ihr euch schon längst begeben habt, gehorchen und den Zins bezahlen sollt? Wer sollte solche Dinge fragen, wenn er nicht ein Narr oder ein Lästermaul wäre? Damit ihr aber meine Antwort auf eure weltliche Frage richtig versteht und nicht dahin bedeutet, als wollte ich auch, dass ihr, den Römern zu gefallen, eure Religion ändern sollt, so sage ich ausdrücklich und unverhohlen, dass ihr in weltlichen Sachen der Obrigkeit gehorsam sein sollt. In Religionssachen aber sollt ihr allzeit Gottes Ehre und die ewige Seligkeit der Seelen vor Augen haben und nicht gegen Gott sündigen, um irgendeinem Menschen zu gefallen. Diese Regel sollen wir auch beachten, dass wir der Obrigkeit ihren gebührenden Gehorsam erweisen und Gott seinen Gottesdienst auch rein und unverfälscht erhalten. Aber es gibt viele, die diese Regel umkehren und der Obrigkeit in weltlichen Sachen nicht mehr gehorchen wollen. In der Religion aber richten sie sich allerdings nach dem Willen und dem Gefallen ihre Obrigkeiten.

Sein: Des Herrn Christus, dass er weise und behutsam geantwortet hat und so die List der Feinde zuschanden gemacht hat. Denn es hilft kein Rat gegen den Herrn.

18. Da traten die Sadduzäer zu ihm, die da halten, es sei keine Auferstehung; die fragten ihn und sprachen:

Sadduzäer: Die sich an Christus herannahten, als die Pharisäer nichts gegen ihn ausrichten konnten. Und auch wenn sie ansonsten mit den Pharisäern in vielen Hauptpunkten der Lehre nicht einig waren, stimmten sie aber mit ihnen überein, dass sie Christus unterdrücken wollten. Denn gegen Christus halten auch die Feinde zusammen. Davon erzählen auch Matthäus im 22. Kapitel und Lukas im Kapitel 20.

Sprachen: Sie legten ihm aber eine solche Sache vor, woraus man aus ihren Überlegungen heraus nichts anderes schließen konnte, als dass keine Auferstehung der Toten zu erwarten wäre, weil viel ungereimte Dinge daraus erfolgen würden.

19. Meister, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemands Bruder stirbt, und lässt ein Weib und lässt keine Kinder, so soll sein Bruder desselben Weib nehmen und seinem Bruder Samen erwecken.

Erwecken: Das heißt, dass er einen jungen Mann zeugt, der die Hinterlassenschaft des verstorbenen Bruders antritt und sein väterliches Erbgut besitzt. Dieses Gesetz steht in 5. Mose. 25, und war zur selben Zeit recht und ehrlich aus besonderen Gründen. Denn Gott wollte, dass die Erbschaften im Lande Kanaan unterschiedlich blieben, damit nicht zusammen mit den Gütern auch die israelitischen Stämme miteinander vermengt würden und man eigentlich wissen könnte, aus welchem Stamm Christus geboren würde. Heutzutage aber ist es nicht mehr zugelassen, dass einer die Frau seines Bruders zur Frau nimmt.

20. Nun sind sieben Brüder gewesen. Der erste nahm ein Weib; der starb und ließ keinen Samen.

21. Und der andere nahm sie und starb und ließ auch nicht Samen. Der dritte desgleichen.

22. Und nahmen sie alle sieben und ließen nicht Samen. Zuletzt nach allen starb das Weib auch.

23. Nun in der Auferstehung, wenn sie auferstehen, wessen Weib wird sie sein unter ihnen? Denn sieben haben sie zum Weibe gehabt.

Gehabt: Die Sadduzäer aber meinten, egal was Christus antworten würde, es müsste eine ungereimte Sache sein, die er vorbringen würde. Denn sollte sie im Himmel einem allein zur Frau gegeben werden, so würden die anderen sechs zu kurz kommen. Sollte sie bald des einen, bald des anderen Weibes sein, zu sah das auch keinem ehrbaren Handel gleich. Es bildet sich also die menschliche Vernunft in den Artikeln der christlichen Religion viel ungereimtes Zeug ein, von denen keines zutrifft, wenn wir uns von der Schrift leiten lassen.

24. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Ist‘s nicht also? Ihr irrt darum, dass ihr nichts wisst von der Schrift noch von der Kraft Gottes.

Schrift: Ihr habt die Heilige Schrift nicht gut studiert, die vom Heiligen Geist eingegeben worden ist.

Kraft Gottes: Die nicht erkennt und betrachtet. Die Irrtümer in der Religion entstehen deshalb davon, wenn man die Heilige Schrift nicht richtig lernt und dass die Menschen, die doch Asche und Staub sind, Gottes Allmacht nach dem engen Maß ihrer eigenen Vernunft abmessen. Darum können sie ungezügelt leugnen, was ihnen entweder ungereimt oder unmöglich vorkommt. In dieser Sache ziehen die Zwinglianer mit den Sadduzäern wohl an einem Strick.

25. Wenn sie von den Toten auferstehen werden, so werden sie nicht freien noch sich freien lassen, sondern sie sind wie die Engel im Himmel.

Engel: Unter denen der Ehestand keinen Platz hat. Nicht etwa, dass der Ehestand ein unreiner Stand wäre, sondern man braucht im anderen Leben den Ehestand nicht mehr. Denn wenn die Zahl der Auserwählten erfüllt ist, so wird das Zeugen der Kinder aufhören. Und weil die Auserwählten im anderen Leben den bösen Gelüsten nicht mehr unterworfen sein werden, so werden sie auch keinen Ehestand dazu brauchen, damit die Hurerei vermieden bleibt. Es ist deswegen eine teuflische Unsinnigkeit, dass Mohamed in seinem Koran einen solchen Himmel errichtet, indem die Seligen mit schönen Frauen unterhalten werden. Ein solches Himmelreich gehört für die Säue und nicht für die gottseligen Christen.

26. Aber von den Toten, dass sie auferstehen werden, habt ihr nicht gelesen im Buch des Mose bei dem Busch, Wie Gott zu ihm sagte und sprach: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?

Aber: Nachdem Christus die Einrede der Sadduzäer abgewiesen hatte, beweist er jetzt die Auferstehung der Toten auch aus der Schrift.

Busch: Der da brannte und doch nicht verzehrt wurde {2Mos 3v6},

27. Gott aber ist nicht der Toten, sondern der Lebendigen Gott. Darum irrt ihr sehr.

Lebendigen: Denn was hätte es den Patriarchen sonst genutzt, dass sie einen gnädigen Gott gehabt hatten, wenn ihr Leib und ihre Seele miteinander zunichtegeworden wären? So ist der Mensch nicht nur Seele allein, sondern es gehört auch der Leib dazu, den Gott zuerst gemacht hat, ehe er die Seele erschaffen hat {1Mos 2}. Deswegen, damit der ganze Mensch selig wird und sowohl der Leib, als auch die Seele Gnade und Güte Gottes ewig genießt, so ist es nötig, dass die Leiber wieder auferstehen. Es wäre zu wünschen, dass es auch heutzutage nicht so viele gäbe, die mit ihrem ganzen Leben zu verstehen geben, dass sie mit den Sadduzäern an keine Auferstehung der Toten glauben. Und man hat hier auch das zu beachten, dass man nicht nur allein glauben muss, was die Heilige Schrift mit ausgedrückten Worten und Versen setzt, sondern auch, was durch einen guten Verstand aus den Sprüchen der Heiligen Schrift geschlossen werden kann. Denn Christus bringt hier nicht ein solches Zeugnis der Heiligen Schrift, das ausdrücklich gesagt würde, die Toten werden auferstehen, sondern aus der Liebe Gottes, gegen den bereits verstorbenen Patriarchen, schließt er, dass Ihre Leiber wieder lebendig hervorkommen werden.

28. Und es trat zu ihm der Schriftgelehrten einer, der ihnen zugehört hatte, wie sie sich miteinander befragten, und sah, dass er ihnen fein geantwortet hatte, und fragte ihn: Welches ist das vornehmste Gebot vor allen?

Vor allen: Dies erzählt auch Matthäus im Kapitel 22. Und obwohl dieser Schriftgelehrte zuerst Christus nach seiner Meinung gefragt hatte, weil er ihn versuchen wollte, wie Matthäus bezeugt, so kann man doch aus dem folgenden schließen, dass er Christus nicht so ganz ungeneigt gewesen ist, als er wieder von ihm gegangen war.

29. Jesus aber antwortete ihm: Das vornehmste Gebot vor allen Geboten ist das: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Gott!

30. Und: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und von allen deinen Kräften. Das ist das vornehmste Gebot.

Kräften: Das heißt, du sollst dich mit höchstem Fleiß darum bemühen, dass du Gott über alle Dinge liebst und dass keine Bewegung des Gemüts in dir ist, die Gott widerstrebt. Dein ganzes Gemüt, dein ganzes Herz und all deine Gedanken sollen nur auf die Liebe Gottes gerichtet sein. Wer aber Gott liebt, der ein gerechter und reiner Gott ist, der wird sich auch bemühen, sich jeder Ungerechtigkeit und Unreinheit zu enthalten. Es wird aber die vollkommene Liebe Gottes bei keinem Menschen in diesem Leben gefunden. Nur Christus allein hat solch eine Liebe Gott dem himmlischen Vater gegenüber geleistet, dessen Gehorsam uns durch den Glauben zugerechnet wird {Röm 5}.

31. Und das andere ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie Dich selbst; es ist kein anderes größeres Gebot denn diese {Mt 22v39 Röm 13v9 Gal 5v14 Jak 2v8}.

Andere: Was das Nächste nach dem vorigen ist und von der Liebe des Nächsten handelt, darum soll man diesen auch mit höchstem Fleiß nachtrachten. Und das steht in Levitikus 19.18.

Dich selbst: So, dass du deines Nächsten Nutzen von Herzen genauso wie deinen eigenen zu fördern wünscht und seinen Schaden mehr noch als den deinen abwendest und verhütest. Wer nun seinen Nächsten so lieben wird, der wird niemals wünschen, ihm zu schaden, sondern immer nützlich zu sein, so viel es sein Beruf zulässt. Es hat aber eine solche vollkommene Liebe des Nächsten kein Mensch in diesem Leben jemals geleistet, Christus allein ausgenommen. Denn dass mit der Bezeichnung des Nächsten auch die Feinde verstanden werden, lehrt Christus im Gleichnis vom Samariter {Lk 10}. Und solche Liebe soll nicht nur einmal, sondern immerdar gezeigt werden. Es ist deswegen nötig, dass auch in diesem Gebot der Gehorsam Christi uns zu Hilfe kommt und durch den Glauben zugerechnet wird.

Größer: Denn was kann Größeres oder Heiligeres von uns gefordert werden, als dass wir Gott über alles und den Nächsten wie uns selbst lieben. Und in diesen beiden Geboten werden alle rechten guten Werke eingeschlossen. Es ist deswegen ein Aberwitz der Katholiken, die ihre Menschensatzungen, die doch nur Narrenentscheidungen sind, so ernstlich zu halten befehlen, dass unterdessen die Liebe Gottes und des Nächsten oft versäumt, ja sogar verhindert wird.

32. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, Du hast wahrlich recht geredet; denn es ist ein Gott, und ist kein anderer außer ihm.

33. Und denselben lieben von ganzem Herzen; von ganzem Gemüte, von ganzer Seele und von allen Kräften und lieben seinen Nächsten wie sich selbst, das ist mehr denn Brandopfer und alle Opfer.

Opfer: Gott hat sich bereits ausführlich durch den Propheten Hosea im Kapitel 6 erklärt, dass er die wahre Frömmigkeit gegen Gott und die Liebe gegen den Nächsten allen Opfern vorziehen würde. Denn obwohl die äußeren Zeremonien auch gut sind, jedoch, wo solche Übungen der Religion ohne Liebe Gottes und des Nächsten geschehen, das sind sie nur eine Heuchelei und eine Decke über die heimliche Bosheit. Daher werden solche Zeremonien und Gottesdienste von den Propheten verworfen werden, wie es bei Jesaja 1. und 66. und an anderen Stellen steht.

34. Da Jesus aber sah, dass er vernünftig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht ferne von dem Reich Gottes. Und es durfte ihn niemand weiter fragen.

Nicht fern: Du bist nicht weit von der wahren Erkenntnis Gottes, die dir mit der Zeit widerfahren kann, wenn du nur sofort hörst, denn du bist auf der rechten Bahn und es ist zu hoffen, dass dieser Schriftgelehrte nach der Auferstehung Christi bekehrt worden ist, weil er so vergnügt und zufrieden von Christus abgezogen ist. Denn obwohl etliche von Vorwitz getrieben die evangelischen Predigten nicht mit den Gedanken hören, dass sie etwas lernen, sondern dass sie etwas Neues hören, so kann es doch geschehen, dass sie ein wenig gebessert wiederum davongehen und mit der Zeit Christus erkennen lernen. Man soll deswegen die Predigten so anstellen, dass die, die zu lernen begehren und denen noch zu helfen ist, nicht abgetreten werden.

Fragen: Dass sie sich weiter trauen durften, mit ihm zu diskutieren, weil er nicht überwunden werden konnte. Denn, die die reinen Lehrer zuschanden machen wollen, die müssen selbst mit Schimpf und Spott abziehen.

35. Und Jesus antwortete und sprach, da er lehrte im Tempel: Wie sagen die Schriftgelehrten, Christus sei Davids Sohn.

Und: Bisher hatten die Pharisäer und Schriftgelehrten den Herrn Christus mit vielen verschiedenen Fragen versucht, aber jetzt liegt ihnen Christus wiederum eine Frage vor von dem Messias, damit offenbar würde, wie sie nur von den Menschen Satzungen oder vom Gesetz redeten, vom Evangelium aber nichts wussten, und dass so vornehme Lehrer den Messias nicht kannten, von dem doch so viele herrliche Weissagung in den Propheten vorhanden waren. Hiervon berichten auch Matthäus im Kapitel 22 und Lukas im Kapitel 20.

Sohn: Da möchte ich gerne hören, wie sie dies mit den anderen Sprüchen der Heiligen Schrift vergleichen, weil sie im Messias nichts weiter als nur einen Menschen suchen.

36. Er aber, David, spricht durch den Heiligen Geist: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße {Ps 110v1}.

Geist: Aus Erleuchtung des Heiligen Geistes. Denn die Psalmen sind vom Heiligen Geist eingegeben.

Rechten: Ich will dich in eine unendliche, himmlische und göttliche Majestät und Gewalt einsetzen, denn das heißt, zur rechten Gottes sitzen.

Füße: Dass du die mit Füßen trittst, die dein Reich und deine Namen zerstören möchten. Denn das wird das Ende der Feinde Christi sein, dass sie jämmerlich und schändlich umkommen.

37. Da heißt ihn ja David seinen Herrn; woher ist er denn sein Sohn? Und viel Volks hörte ihn gerne.

Herrn: Und erkennt ihn für seinen Oberen und Höheren als sich selbst.

Sein Sohn: Wie wird er den Davids Sohn genannt, wo ihn doch David seinen Herrn heißt? Denn welcher König nennt seinen Sohn seinen Herrn? Mit diesem Vorbringen hat Christus die Sprüche der Schrift nicht umstoßen wollen, die melden, dass Christus nach dem Fleisch der Sohn Davids gewesen ist, das heißt, dass er aus dem Geschlecht Davids kommt; sondern er wollte anzeigen, dass der Messias nicht nur ein Mensch, sondern auch mehr als ein Mensch ist, nämlich, der ewige Sohn Gottes und kurz selbst, den David aus Erleuchtung des Heiligen Geistes für seinen Herren erkannt hat. Dies soll man wohl merken gegen die alten und neuen Arianer. Denn darum ist das Leiden Christi eine ausreichende Bezahlung für unsere Sünden, weil wir mit dem Blut Gottes erlöst sind {Apg 20}, und der Herr der Herrlichkeit für uns gekreuzigt worden ist {1Kor 2}.

Gerne: Obwohl die Pharisäer und Schriftgelehrten ihm spinnefeind waren. Denn sie sind bereits zuvor öfter und auch hier wieder über diese Frage zuschanden geworden, dass sie mit Schimpf und Spott abgezogen sind, wie Matthäus berichtet. Denn obwohl es viele heimliche und öffentliche Feinde der reinen Lehre gibt, so erweckt doch Gott immer wieder etliche, die das Wort Gottes fleißig hören und mit dankbaren Herzen annehmen.

38. Und er lehrte sie und sprach zu ihnen: Seht euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Kleidern gehen und lassen sich gerne auf dem Markte grüßen

Lehrte sie: Die ihm des Lernens wegen zuhörten. Und Christus hat, wenn es die Gelegenheit ergeben hatte, oft auf die Pharisäer und Schriftgelehrten als Heuchler heftig geschimpft, nicht damit er ihnen etwas zuleide und gegen sie tun würde, sondern, damit er seine Zuhörer erinnerte, dass sie sich nicht von solchen Heuchlern verführen lassen. Davon schreiben auch Matthäus 23 und Lukas 20. Denn man muss die Leute berichtigen, dass sie sich vor falschen Lehrern und hier insbesondere vor denen, die sich mit einem Schafspelz bedecken, hüten, damit sie nicht von solchen Wölfen zerrissen werden {Mt 7 Apg 20}.

Schriftgelehrten: Matthäus setzt die Pharisäer dazu, als er diese Predigt schreibt.

Langen Kleidern: Die irgendeine besondere Heiligkeit bedeuten sollen. Die Kirchendiener aber sollen sich in der Kleidung um Mäßigkeit bemühen. Und es gehört sich für sie nicht, wie einfache Leute umherzulaufen. Denn was einem einfachen Mann wohl anstehen mag, das könnte an einem Prediger leichtfertig gescholten werden. Allerdings hat aber auch eine gar zu lange Kleidung, wie sie üblicherweise die Jesuiten heutzutage tragen ein wenig den Anschein, als wäre eine Heuchelei darunter verborgen.

Grüßen: Da es viele Leute hörten und sie freuten sich besonders, wenn man sie als Rabbi titulierte. So wie nun die Titel Doktor und Magister für sich selbst ein öffentliches Zeugnis der Kunst und der Gaben sind, womit Gott etliche vor anderen geziert hat, so soll man sich doch hüten, dass man solche Titel aus Ehrgeiz und Hoffart missbraucht.

39. und sitzen gerne obenan in den Schulen und über Tisch im Abendmahl;

Oben an: Obwohl sie sich dergleichen nicht öffentlich anmerken lassen. Hiermit verwirft aber Christus die Ordnung in der Kirche und im weltlichen Regiment, wie auch in der Haushaltung nicht, sondern straft Stolz und Ehrgeiz derjenigen, die sich vor allen anderen als die Würdigsten betrachten. Aber die wahre Demut, wenn einer den anderen höher achtet als sich selbst, wird in der Schrift oft gerühmt.

40. sie fressen der Witwen Häuser und wenden langes Gebet vor: dieselben werden desto mehr Verdammnis empfangen.

Mehr Verdammnis: Das heißt: Diese Heuchler versprechen den Witwen ihre Gebete, die sie für ihr Wohlergehen tun und ziehen auf diese Weise deren Häuser und Besitztümer an sich. Darum werden sie umso schwerere Pein in der Hölle leiden müssen, weil sie den Gottesdienst und das Gebet verkaufen und so die heiligen Sachen zu ihrem Geiz missbrauchten. Auf die gleiche Weise haben früher im Papsttum die Heuchler und Mönche und ihresgleichen nicht allein die Häuser der Witwen, sondern auch ganze Herrschaften sich einverleibt unter dem Vorwand ihrer langen Gebete. Und wenn Gott Dr. Luther nicht erweckt hätte, so wären auch den Fürsten ihre Länder entzogen worden. In der Summe: Wenn man die Predigt Christi nach Matthäus 23., dessen Inhalt von Markus hier nur kurz angerissen wird, gegen das Papsttum hält, so möchte man einen Eid darauf schwören, Christus hätte sich vorgenommen, die ganze Heuchelei der geistlichen Orden im Papsttum zu beschreiben und mit lebendigen Farben herauszustreichen.

41. Und Jesus setzte sich gegen den Gotteskasten und schaute, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viel Reiche legten viel ein.

Gotteskasten: Im Tempel in Jerusalem. Darin sammelte man das Geld, was entweder zur Erhaltung des Tempels oder zur Förderung des Gottesdienstes oder zur Unterhaltung der Armen hineingelegt wurde. Dies beschreibt auch Lukas 21.

Viel ein: Wie es den Anschein hatte, gaben sie reichlich, damit der heilige Schatz vermehrt wurde. Zweifellos haben damals viele das Ihre so reichlich gegeben, damit sie dadurch gesehen und für fromm gehalten wurden; wie das jüdische Volk allgemein mehr zum äußeren Schein als zur wahren Gottseligkeit geneigt gewesen war. So werden doch diese Reichen am Jüngsten Tag viele, die ein stattliches Vermögen haben, anklagen und verdammen, die nichts, oder selten, oder doch gar wenig in den Kasten der Armen legten. Wie wird es aber wohl denen ergehen, die nicht nur nichts geben, sondern noch dazu die heiligen Schätze rauben und danach unnütz oder üppig verschwenden oder diese mit schnellen Griffen und listigen Praktiken an sich ziehen?

42. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; die machen einen Heller.

43. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt denn alle, die eingelegt haben.

44. Denn sie haben alle von ihrem Übrigen eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut alles, was sie hatte, ihre ganze Nahrung, eingelegt.

Ganze Nahrung: Mit diesen Worten will Christus nicht, dass man die Almosen so austeilen soll, dass wir selbst Mangel leiden. Denn unser Überfluss, so sagt Paulus, soll dem Mangel der anderen dienen {2Kor 8}. Sondern dies ist die Meinung Christi, dass die Spenden zum Gottesdienst eines armen Menschen, sofern es von einem gottseligen Herzen herkommt, Gott viel angenehmer sind, als wenn die Reichen viel von dem geben, was sie übrig haben. Darum sollen die Armen wissen, dass ihre Almosen, wie gering sie auch sind, vor Gott als eine große Steuer geachtet werden. Es haben also die, die nur ein geringes Vermögen haben, keine Entschuldigung vorzubringen, dass sie keine Almosen geben könnten. Denn wenn ein Armer auch nur einen Heller gibt, so ist dies doch vor Gott mehr, als wenn ein Reicher etliche Gulden hinlegt.


Das 13. Kapitel


In diesem Kapitel wird von zwei sehr denkwürdigen Sachen berichtet, nämlich von der Zerstörung der Stadt Jerusalem des Tempels und vom Ende der Welt; und Christus mischt viele herrliche und notwendige Ermahnungen mit darunter.

1. Und da er aus dem Tempel ging, sprach zu ihm seiner Jünger einer: Meister, siehe, welche Steine und welch ein Bau ist das?

Tempel: Der stattlich und in herrlicher Pracht erbaut war.

Ist das: Dieser Jünger redete aber im Namen aller anderen. Denn auch die anderen Jünger haben sich sehr über den gewaltigen Bau des Tempels gewundert. Darum antwortet Christus diesem Jünger so, dass er es allen miteinander gesagt haben möchte.

2. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Siehst du wohl allen diesen großen Bau? Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

Zerbrochen werde: Davon berichten auch Matthäus 24 und Lukas 21. Wir sollen uns deswegen über stattliche oder wohl befestigte Gebäude nicht allzu sehr verwundern. Denn was Menschen Hände gemacht haben, dass können Menschen Hände auch wiederum zerstören. Die Ursache der Zerstörung eines solch herrlichen Tempels ist aber die Verfälschung der Religion und die Verachtung des Evangeliums Christi, das die Juden nicht annehmen wollten, gewesen.

3. Und da er auf dem Ölberge saß gegenüber dem Tempel, fragten ihn besonders Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas:

Saß: Bald nachdem er aus der Stadt gegangen war.

Gegenüber: So, dass er mit seinen Jüngern den Tempel im Gesicht haben konnte. Da haben sich die Jünger wieder seiner vorherigen Weissagung erinnert von der Zerstörung des Tempels.

4. Sage uns, wann wird das alles geschehen, und was wird das Zeichen sein, wann das alles soll vollendet werden?

Geschehen: Was Du von der Zerstörung des Tempels geweissagt hast?

Zeichen sein: Die für so große Veränderungen der menschlichen Dinge hergenommen werden.

Das alles: Was wir von der Zerstörung des Tempels, deiner Zukunft und dem Ende der Welt zu erwarten haben. Denn es haben die Jünger nach beiden Sachen gefragt, wie Matthäus im Kapitel 24 bezeugt, weil sie nichts anderes glaubten, dass bald nach der Zerstörung des Tempels das Ende der Welt auch gekommen sein würde. Weil demnach Christus von zwei Dingen befragt worden ist, so antwortet er auch auf beide Fragen zugleich. Somit richtet sich etliches von dem Folgenden auf das Ende der Welt, anderes aber auf die Zerstörung der Stadt und des Tempels. Und es hat den Anschein, als ob Christus mit Absicht etliche Sachen durcheinander mischt, damit sich niemand unterstehen könnte, einen festen Zeitpunkt des Jüngsten Tages zu erforschen. Denn Gott will, dass wir jeden Augenblick für seine Ankunft bereit sind. Und die Sachen sind untereinander so gleich, die einerseits von der Zerstörung Jerusalem, andererseits vom Jüngsten Tag handeln, dass man sich leicht irren kann, wenn man etliches zum Jüngsten Tag, anderes zum Untergang der Stadt und andersherum bedeutet.

5. Jesus antwortete ihnen und fing an zu sagen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe!

Seht zu: Was aber Christus den Aposteln hier sagt, das hat er allen Christen gesagt.

6. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin Christus, und werden viele verführen.

Ich bin: Sie werden fälschlich vorgegeben, sie seien Christus und so meinen Namen zu ihrer falschen Lehre missbrauchten und das Volk zum Aufruhr anregen.

Verführen: Diejenigen, die solchen Leutebetrügern anhängen werden und glauben, sie hätten den rechten Christus gefunden, die werden hernach aber wegen ihrer Verwicklungen durch die Obrigkeit gestraft werden und so an Leib, Seele und Gütern Schaden erleiden. Dieses ist erfüllt worden, da nach der Auferstehung Christi etliche (wie die Geschichte bezeugt) sich für Christus ausgegeben und gerühmt haben, sie seien von Gott gesandt, um das jüdische Volk zu erlösen. Aber sie sind mit ihrem Anhang schändlich und jämmerlich umgekommen. In unserer Zeit ist in Basel ein Niederländer gewesen, ein durchtriebener Bösewicht, mit Namen David Georg, der seine Jünger heimlich überredete, er sei derselbe König David, von dem Hesekiel und etliche andere Propheten geweissagt haben, das heißt, er sei Christus, der die Welt wiederum zurechtbringen sollte. Weil aber seine Gaunereien erst nach seinem Tod an den Tag gekommen sind, so ist er auf Befehl des Rates der Stadt Basel ausgegraben und verbrannt worden. Und es werden vielleicht vor dem Jüngsten Tag noch mehr aufstehen, die die gleichen Schwärmereien den Leuten, die auf etwas Neues Lust haben, einflößen werden. Denn die, die des reinen Evangeliums bereits überdrüssig geworden sind, sodass ihnen die Ohren nach einer neuen Lehre jucken, die sind nicht mehr wert, als dass sie solchen Christus hören und ihm folgen. Solche falschen Christen sind nicht ganz ungleich den heuchlerischen Mönchen und anderen ihresgleichen, die versprechen, dass sie mit ihren guten Werken, jedoch muss man ihnen dafür Geld geben, die Sünden der Menschen bei Gott aussöhnen. Denn was ist das anderes, als wenn sie sagen würden: Ich bin Christus, dein Heiland und Seligmacher.

7. Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht; denn es muss also geschehen. Aber das Ende ist noch nicht da.

Ende: Der Stadt Jerusalem oder auch der ganzen Welt. Denn man kann es von beiden verstehen.

8. Es wird sich ein Volk über das andere empören und ein Königreich über das andere. Und es werden geschehen Erdbeben hin und wieder, und wird sein teure Zeit und Schrecken. Das ist der Not Anfang.

Das andere: Bevor die Regierungen und Königreiche zugrunde gehen, werden große und unnötige Kriege von unruhigen Köpfen erregt werden.

Erdbeben: Denn wenn sich die Erde erschüttert, so will sie damit zu verstehen geben, dass sie die Bosheit der Leute nicht mehr ertragen kann.

Teure Zeit: Die öfter als sonst gespürt werden wird. Denn Himmel und Erde versagen denen nicht zu Unrecht ihre Nahrung, die die Früchte der Erde, die vom Himmel herabgegossen werden, zur Üppigkeit, Völlerei und zu anderen Lastern missbrauchen.

Schrecken: Dass die Leute über so vielfältige Trübsale entsetzt waren.

Anfang: Denn es wird noch Schlimmeres danach folgen. Es sollen sich deswegen die Gottseligen gegen die künftigen Unfälle gefasst machen und mit dem Wort Gottes ihre Herzen stärken und befestigen. Denn Gott lässt auch die Seinen in viele und große Trübsal geraten, damit sie dieser Welt überdrüssig werden und sich desto inbrünstiger nach dem Himmelreich sehnen.

9. Ihr aber, seht euch vor! Denn sie werden euch überantworten vor die Rathäuser und Schulen; und ihr müsst gestäupt werden und vor Fürsten und Könige müsst ihr geführt werden um meinetwillen zu einem Zeugnis über sie.

Euch vor: Denn ihr werdet in große Gefahr kommen. Und obwohl Gott der Herr will, dass wir das Kreuz, dass er uns auferlegt, geduldig tragen sollen, so will er doch auch nicht, dass wir uns aus Unachtsamkeit in unnötige Gefahr stürzen, der wir mit gutem Gewissen entweichen könnten.

Überantworten: Als gottlose Menschen, die der rechten Religion widerstreben.

Gestäupt: Man wird euch mit Schlägen und Peitschenhieben stark plagen.

Und Könige: Vor denen man euch anklagen wird, dass ihr mit eurer Lehre allerlei Unruhe in der Regierung angerichtet habt; und aber es wird euch dies alles nicht darum begegnen, weil ihr so große Übeltäter seid, sondern weil ihr mein Evangelium lehrt.

Über sie: Die nicht an mich glauben, dass sie keine Entschuldigung ihrer Unwissenheit haben werden. Denn die Verfolgungen sorgen dafür, dass die strittigen Religionssachen öffentlich bekannt werden. Die deswegen zur Wahrheit Lust haben, die können mithilfe des Heiligen Geistes diese Wahrheit erkennen. Die aber ihre Seligkeit nicht achten, denen wird durch die Berichte über die Verfolgung jeder Schein der Unwissenheit genommen. Weil wir nun auch im Konzil von Trient und ähnlichen Teufelsschulen der Ketzerei beschuldigt und verdammt werden, so sollen wir darum das Bekenntnis der himmlischen Wahrheit nicht hinter uns lassen, sondern, auch wenn wir bei der weltlichen Obrigkeit verhasst gemacht werden, somit halsstarrig, unruhige Köpfe sein müssen, so sollen wir darum nicht kleinmütig sein, sondern uns mit unseren guten Gewissen trösten, dass wir keine Verursacher der Unruhe sind und sollen uns das Beispiel Christi zu Gemüt führen, der vor dem Konzil in Jerusalem der Gotteslästerung und vor Pilatus des Aufruhrs beschuldigt worden ist, wo er doch an beiden Orten als der Allerunschuldigste verdammt worden ist. Wenn wir deswegen mit Christus das Unrecht erdulden werden, so werden wir auch mit ihm in alle Ewigkeit herrschen {2Tim 2}.

10. Und das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter alle Völker. {Mt 24v14}

Zuvor: Bevor ich denn wiederkomme, um zu richten die Lebenden und die Toten. Obwohl nun der Satan die Ausbreitung des Evangeliums mit höchstem Fleiß verhindern möchte, so kann er es doch nicht ausrichten.

11. Wenn sie euch nun führen und überantworten werden, so sorgte nicht, was ihr reden sollt, und bedenkt euch nicht zuvor, sondern was euch zu derselben Stunde gegeben wird, das redet. Denn ihr seid‘s nicht, die da reden, sondern der Heilige Geist. {Mt 10v19 Lk 12v11}

Überantwortet werden: Und gefangen sein, entweder vor der geistlichen oder auch vor der weltlichen Obrigkeit.

Nicht zuvor: Was ihr euren Anklägern und verloren dann antworten werdet.

Heilige Geist: Der wird durch euren Mund reden. Diese Worte haben nicht den Sinn, dass ein Christenmensch die Hauptartikel der christlichen Religion nicht lernen oder wissen dürfte, damit er von diesen Rede und Antwort stehen könnte, oder dass er unbedacht heraussagen sollte, was ihm ins Maul kommt, sondern es ist ein Trost, dass wir uns nicht davor fürchten sollen, dass wir vor solch stattlichen Leuten verstummen würden oder etwas reden, was unserer Sache mehr schadet als es nützt. Denn wenn wir Gott um Hilfe und Beistand anrufen, so wird der Heilige Geist unsere Zunge regieren.

12. Es wird aber überantworten ein Bruder den andern zum Tode und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören wider die Eltern und werden sie helfen töten.

Es wird: Christus fährt noch weiter fort, von Trübsal und Verfolgung der Kirche zu weissagen.

Töten: Wegen des Bekenntnisses der christlichen Religion. Denn die Bosheit des Satans gegen das Evangelium Christi ist so groß, dass er den Kindern und Eltern, die der reinen Lehre feind sind, alle natürliche Zuneigung aus dem Herzen reißt, dass sie die Christen, egal ob es ihre Eltern oder Kinder sind, verfolgen. Es soll deswegen niemand in dieser Sache der Freundschaft oder der Verwandtschaft trauen. Und man kann mindestens aus diesem Hinweis ableiten, was der Unterschied zwischen der rechten und der falschen Religion ist. Denn die falsche Religion ist blutdürstig und wütet mit Mord gegen die Bekenner der rechten Religion {Gal 4 Joh 8}

13. Und werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. Wer aber beharrt bis an das Ende, der wird selig.

Namens willen: Denn die, die ansonsten keinen Grund der Feindschaft gegen euch haben, die werden euch doch darum nicht hochkommen lassen wollen, weil ihr an mich glaubt. Es ist aber viel besser, dass uns die Welt hasst und Gott liebt, als dass wir in der falschen Religion von den Leuten für lieb und wert gehalten werden, Gott uns aber feind ist.

Beharrt: Im wahren Glauben. Wenn wir die himmlische Krone der Ehre erhalten wollen, so müssen wir bis ans Ende beständig bleiben. Auch die verharren bis ans Ende, die aus Schwachheit zwar fallen, aber durch die Buße wiederauferstehen und das Ende ihres Lebens in wahrem Glauben beschließen. Ein solcher ist der Apostel Petrus gewesen, der Christus verleugnet hat, jedoch Buße getan und endlich, das Leben um Christi willen zu lassen, sich nicht gewehrt hat.

14. Wenn ihr aber sehen werdet den Gräuel der Verwüstung, von dem der Prophet Daniel gesagt hat, dass er steht, da er nicht soll (wer es liest, der vernehme es!), alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf die Berge {Mt 24v15 Lk 21v20};

Wenn: Was jetzt folgt, handelt eigentlich von der Zerstörung der Stadt Jerusalem.

Nicht soll: An einem heiligen Ort, nämlich im Tempel des Herrn.

Vernehme: Dass, wer diese Weissagungen wohl anschaut und sich zu Gemüte führt, so wird er seine Sachen desto besser ordnen können, weil bald der Untergang der Stadt Jerusalem herannahen wird. Die Weissagung des Propheten Daniels lautet so im Kapitel 9: Er wird aber vielen den Bund stärken eine Woche lang und mitten in der Woche wird das Speiseopfer aufhören. Und bei den Flügeln werden Gräuel und Verwüstung stehen. Und es ist beschlossen, dass es bis ans Ende über die Verwüstung triefen wird. Diese Weisungen hat der römische Kaiser Cajus Caligula erfüllt, als er den Tempel in Jerusalem sich aneignete für den herrlichen neuen Gott Cajus, wie es Eusebius in der Kirchengeschichte im 2. Buch Kapitel 6 berichtet. So hatte auch Pilatus zuvor in dunkler Nacht die Bildnisse des Kaisers verdeckt nach Jerusalem gebracht. Diese Sache hatte nach drei Tagen unter den Juden einen großen Tumult angerichtet, als sie es erfahren hatten, wie Josef im 2. Buch vom jüdischen Krieg Kapitel 8 meldet. Und Gott der Herr gab hiermit zu verstehen, dass der Tempel in Jerusalem bald danach von den Heiden verunreinigt und zerstört werden würde. Man soll deswegen die Heilige Schrift fleißig lesen und darin nachsuchen, weil man daraus von vielen und wichtigen Sachen Bericht erhalten kann. Der vornehmste Zweck aber der ganzen Heiligen Schrift ist es, dass sie uns den Erlöser Christus zeigt. Wenn aber Gott ein Volk wegen seiner Bosheit zu strafen im Sinn hat, so erinnert er sie mit etlichen ungewöhnlichen Sachen, die geschehen, dass sie Buße tun, weil sie daraus sehen können, dass viele große und gefährliche Änderungen der Königreiche sich ergeben werden. Aber die Welt lässt solche Dinge üblicherweise vorbeirauschen, als hörte und sehe sie derselben nicht. Denn sie ist in der fleischlichen Sicherheit ganz und gar ersoffen.

Als dann: Wenn nämlich der Tempel mit den heidnischen Abgöttereien verunreinigt ist, so ist es Zeit, zu fliehen, wenn man nicht von den Feinden überfallen und unterdrückt werden will.

15. und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder ins Haus und komme nicht hinein, etwas zu holen aus seinem Hause;

Nicht hinein: Sondern er mache sich geschwind auf die Flucht, und es soll kein Hausrat so lieb oder köstlich sein dass er, um diesen mitzunehmen, sich noch lange in seinem Haus aufhalte.

16. und wer auf dem Felde ist, der wende sich nicht um, seine Kleider zu holen.

Kleider zu: Nur um in der Fremde besser auskommen zu können. Sondern er nehme ohne Verzug die Flucht in die Hand. Christus will uns hiermit ermahnen, dass wir in gefährlichen Zeiten das Leben mehr als die Güter als wichtig ansehen sollen. Denn gleichwie in unvorhersehbaren Überschwemmungen oder Feuersnöten diejenigen normalerweise umkommen, die lieber ihre Güter als ihre Leiber davonbringen möchten, so geschieht es auch oft in anderen Fällen, dass viele, weil sie ihre Güter nicht verlassen wollen, auch das Leben mit den Gütern hingeben müssen.

17. Wehe aber den Schwangeren und Säugerinnen zu der Zeit!

Und Säugern: Denn es wird um diese Leute nicht so beschaffen sein, dass sie dem Unglück entgehen könnten. Und obwohl die allgemeinen Landstraßen jeden denn sie treffen, sauer und schwer ankommen, so sind doch etliche Personen vor anderen größeren Gefahren unterworfen, besonders aber die, die viele und zarte Kinder haben. Daher rät auch Paulus denen, die mit der Gabe der Keuschheit begnadet sind, dass sie den ledigen Stand dem Ehestand vorziehen sollen. Nicht dass der Ehestand böse wäre, sondern weil die Eheleute in Zeiten der Verfolgung größere Beschwernisse haben, als ledige Personen {1Kor 7}.

18. Bittet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter.

Winter: Denn diese unangenehme Jahreszeit macht ein Unglück größer. Wenn wir deswegen von Gott nicht soviel erlangen können, dass er uns das Unglück vollständig abnimmt, so sollen wir dennoch bei ihm bitten, dass er es lindern möge.

19. Denn in diesen Tagen werden solche Trübsale sein, als sie nie gewesen sind bisher vom Anfang der Kreaturen, die Gott geschaffen hat, und als auch nicht werden wird.

Werden wird: Wer eine völlige Erklärung dieser Worte möchte, der kann die Bücher Josephs vom jüdischen Krieg lesen, so wird er sehen, dass kein Unglück oder Elend dem Menschen auf dieser Welt begegnen könnte, das die Juden nicht auch vor der Belagerung, in der Belagerung und nach der Belagerung erlitten hätten. Sogar der Feind selbst, Titus Vespasian, soll geweint haben, als er die Stadt eroberte, wie man von ihm schreibt, als er solches Elend sah. Die Ursache aber eines solchen großen Unglücks ist gewesen, dass die Juden die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkannt hatten {Lk 19}. Das heißt: Sie haben den Heiland Christus nicht erkannt und nicht angenommen, sondern ihn mit seinem Evangelium von sich gestoßen und verworfen. Wir sollen uns aber hüten, dass wir nicht mit Verachtung des göttlichen Wortes uns gleiche Plagen auf den Hals ziehen.

20. Und so der Herr diese Tage nicht verkürzt hätte, würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er diese Tage verkürzt.

Verkürzt: Das heißt: Wenn Gott nicht beizeiten diesem Jammer ein Ende machte, so würde das ganze jüdische Volk ausgerottet und vertilgt werden. Aber weil Gott im selben Volk noch seine Auserwählten hat, die er zum ewigen Leben berufen hat, so wird er nicht seinen ganzen Zorn über sie ausschütten. Denn in den allgemeinen Landstrafen schont oft Gott viele Böse um weniger Frommen willen, die unter ihnen sind. Und dieser Spruch gelehrt, dass nicht das ganze jüdische Volk vor dem Jüngsten Tag vertilgt werden wird, denn Gott hat in diesem Volk auch noch seine Auserwählten, die er zum ewigen Leben berufen hat, die Christus für ihren Erlöser erkennen werden und auch noch einige, wenn auch wenige, die sich zu Christus bekehren. Die anderen, die verstockt bleiben, gehen unter den Menschen um, in ewiger Schmach und Schande ihres Geschlechts, und sind ein lebendiges Beispiel des Zornes Gottes.

21. Wenn nun jemand zu der Zeit wird zu euch sagen: Siehe, hier ist Christus! siehe, da ist er! so glaubt nicht {Mt 24v23}.

Glaubt nicht: Denn es werden sich etliche rühmen, sie seien Christus, obwohl sie doch Verführer und Spitzbuben sind. Unter denen ist einer gewesen mit dem Namen Theudas, von dem in der Apostelgeschichte im Kapitel 21 berichtet wird. Jeder von ihnen hatte eine Anzahl aufrührerisches Gesindel an sich gehängt und sich für den Messias ausgegeben, als ob er das jüdische Volk zu erlösen von Gott gesandt wäre. Diese Worte werden von etlichen unverständigen Menschen sehr übel gegen die Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl verwendet. Denn Christus spricht hier nicht von seinem Sakrament, sondern von etlichen Personen, die sich selbst den Namen des Messias aneignen würden. So etwas hat kein Verständiger bei uns jemals getan.

22. Denn es werden sich erheben falsche Christi und falsche Propheten, die Zeichen und Wunder tun, dass sie auch die Auserwählten verführen, so es möglich wäre {Lk 21v8}.

Möglich wäre: So sichtbare Wunderwerke werden sie tun. Die falschen Lehrer aber werden nicht nur vor der Zerstörung Jerusalems, sondern auch bis ans Ende der Welt die Kirche Christi irre und unruhig machen, vor denen man sich mit Fleiß hüten soll. Und man soll den Wunderzeichen (so es die päpstlichen sind) keinen Glauben schenken, die geschehen zu Bestätigung etlicher neuer Glaubensartikel, welche keinen Grund in den prophetischen und apostolischen Schriften haben. So ist dieser herrliche Trost wohl zu merken, dass die Auserwählten nicht verführt werden. Denn obwohl es geschehen kann, dass sie eine Zeit lang betrogen wurden und in einem großen Irrtum geraten, so merken sie doch vor ihrem Ende den Betrug und kehren davon um. Denn die Schäflein Christi erkennen seine Stimme, und niemand wird sie aus seiner Hand reißen {Joh 10}.

23. Ihr aber, seht euch vor! Siehe, ich habe es euch alles zuvor gesagt.

Euch vor: Dass ihr nicht verführt werdet, wenn euch das Heil und die Seligkeit eurer Seele lieb sind.

Gesagt: Und euch treue gewarnt, dass euch niemand verführen kann, wenn ihr nicht zu sicher und schläfrig seid. Deswegen ist Gott nicht Grund für die Irrtümer und das Verderben. Die aber die Liebe zur Wahrheit nicht haben, die geraten aus einem gerechten Urteil Gottes, auch wenn sie gewarnt worden sind, in gräuliche und unbegreifliche Irrtümer {2Thes 2}.

24. Aber zu der Zeit, nach dieser Trübsal, werden Sonne und Mond ihren Schein verlieren {Mt 24v29 Lk 21v25};

Aber: Bis hierhin hat Christus größtenteils von der Zerstörung Jerusalems gepredigt. Im Folgenden spricht er besonders von der Zeit, die vor dem Jüngsten Tag sein wird, obwohl er manchmal etwas mit untermischt, was zur Zerstörung Jerusalems gehört.

25. Und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen.

Bewegen: Das heißt: Nach der Zerstörung Jerusalems wird es allmählich zum Ende der Welt gehen. Und auch der Untergang der Welt wird seinen Vorlauf haben, wodurch die Menschen erinnert werden, dass sie sich zum Jüngsten Tag gefasst machen. Denn Gott wird das menschliche Geschlecht zeitig genug mit allerlei ungewöhnlichen Sachen vor dem Jüngsten Tag warnen. Gleichwie ein großer Herr, wenn er anderswo hinziehen will, seine Reiter zuvor etliche Male mit der Trompete ein Zeichen geben lässt, ehe er fortzieht. Wenn aber das letzte Zeichen gegeben wird, so ist er unterwegs und wartet auf niemanden. So werden auch vor der herrlichen Ankunft Christi viele Zeichen rechtzeitig vorher geschehen. Es werden viele Sonnen - und Mondfinsternisse sein und man wird viele Zeichen in der Luft sehen, sodass es bisweilen den Anschein hat, als ob die Sterne vom Himmel fallen und der Himmel brennen würde. Und es werden dergleichen Dinge viele geschehen, die der Welt den Untergang drohen werden. So oft wir deswegen sehen oder hören, dass etwas derartiges geschieht, so sollen wir uns aufmuntern, dass wir für die Ankunft Christi bereit sind so, wie auch der Apostel Petrus uns erinnert, wenn er sagt: Darum meine Lieben, während ihr darauf warten sollt, so achtet fleißig darauf, dass ihr von ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden gefunden werdet {2Petr 3}.

26. Und dann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Herrlichkeit: Denn der, der vorher in großer Demut und in Knechtsgestalt auf Erden umgegangen ist, der wird am Jüngsten Tag in unaussprechlicher Majestät mit vielen Tausend Engeln sichtbar vom Himmel kommen, während er unterdessen unsichtbar auf Erden bei seiner Kirche bleibt, bis ans Ende der Welt {Mt 28}.

27. Und dann wird er seine Engel senden und wird versammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von dem Ende der Erde bis zum Ende der Himmel.

Der Himmel: Denn wie es für das menschliche Auge erscheint, als ob das Ende der Erde, so weit man sehen kann, an den Himmel anstößt, so wird hier davon geredet. Darum, auch wenn wir in der Fremde sterben oder unsere Beine und Glieder zur Asche verbrennen und in die Luft gestreut und verweht werden, so werden wir doch sicher am Jüngsten Tag bei Christus, unserem Heiland, wiederum versammelt werden.

28. An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis. Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter gewinnen, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.

An: Christus lehrt mit einem Gleichnis, wie wir erkennen sollen, dass die Ankunft Christi vor der Tür steht.

29. Also auch, wenn ihr seht, dass solches geschieht, so wisst, dass es nahe vor der Tür ist.

Es nahe: Nämlich meine herrliche Ankunft. Dieses Gleichnis vom Jüngsten Tag soll uns deswegen daran erinnern, dass, wenn wir die vorhergehenden Zeichen spüren, wir ein gutes Vertrauen schöpfen, weil das Ende des traurigen Winters, nämlich, dieses trübseligen Jammertals der Welt, gekommen ist und der fröhliche, immerwährende Sommer darauf folgen wird.

30. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass dies alles geschehe.

Wahrlich: Mit den folgenden Worten beschließt Christus alles, was er bisher vom Untergang der Stadt Jerusalem verkündigt hatte.

Geschehe: Was ich von der Zerstörung Jerusalems gesagt habe. Es leben zur jetzigen Zeit viele Menschen, die den Untergang der Stadt Jerusalem mit ihren Augen sehen werden. Es wird noch in dieser Welt, die jetzt lebt, geschehen.

31. Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.

Nicht vergehen: Sondern lässt uns gewiss bleiben und viel fester bestehen, als der Himmel selbst. Dies ist eine sehr ernste Bestätigung des göttlichen Wortes, wobei wir erinnert werden, dass man unserem Herrn Gott vertrauen und an ihn glauben muss, sowohl in seinen Drohungen, als auch in seinen Verheißungen.

32. Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.

Von: Christus wendet sich wiederum der Handlung von seiner herrlichen Ankunft zu.

Der Stunde: Meiner herrlichen Ankunft am Jüngsten Tag.

Sohn nicht: Denn Christus wollte damals nach seiner Menschheit, als er noch in der Knechtsgestalt und im Stand seiner Erniedrigung war {Phil 2}, den Tag seiner Ankunft nicht wissen. Aber jetzt, im Stande seiner Majestät und Herrlichkeit, da er zur Rechten des Vaters sitzt, weiß er alles und es ist ihm nichts verborgen. Weil demnach Christus dies eine Zeit lang nicht wusste, so gebührt es uns elenden Menschen nicht, dass wir hier aus Vorwitz ängstlich nachforschen, was Gott verborgen lassen will.

33. Seht zu, wacht und betet; denn ihr wisst nicht, wann es Zeit ist {Mt 24v42 24v13 v14}.

Wacht: Mit diesen Worten ermahnt uns Christus, dass wir auf den Tag seiner Ankunft immer gefasst sein sollen. Wir tun dies dann, wenn wir uns vor der fleischlichen Sicherheit hüten und im wahren Glauben und gottseligen Wandel und unter Verrichtung unserer Aufgabe auf den Tag des Herrn warten.

Betet: Dass euch Gott im wahren Glauben und in der Gottseligkeit bis ans Ende erhalte. Denn weil der Teufel wie ein brüllender Löwe um uns herschleicht und uns immerzu nachstellt, so ist es nötig, dass wir fleißig und eifrig im Gebiet sind.

Zeit ist: Dass ihr dem Erlöser Christus entgegenziehen werdet, darum müsst ihr alle Augenblicke bereit sein. Denn eben darum will Gott, dass wir die Zeit des jüngsten Tages nicht wissen, damit wir jede Stunde darauf warten. Denn wenn er eine gewisse Zeit bestimmt hätte, so würden wir uns ganz und gar in die fleischliche Sicherheit vertiefen.

34. Gleichwie ein Mensch, der über Land zog und ließ sein Haus und gab seinen Knechten Macht, einem jeglichen sein Werk, und gebot dem Türhüter, er sollte wachen.

Gleich: Christus will uns auch mit einem Gleichnis aufmunternd, dass wir wacker sein sollen.

Über Land: Denn es scheint uns, Gott sei nicht daheim, weil wir ihn nicht mit leiblichen Augen gegenwärtig sehen.

Macht: Seinen Haushalt inzwischen zu versehen, bis er wiederkommt.

Sein Werk: Das er verrichten soll. Denn Gott teilt die Ämter unter den Menschen hier auf Erden aus und er will, dass ein jeder in seinem Beruf fleißig und treu ist.

Türhüter: Das sind die Kirchendiener, die Gott als Türhüter seiner Kirche vorgesetzt hat, dass sie vor dieser wachen sollen. Darum soll sich ein jeder an seinen Beruf erinnern und darin nicht schläfrig oder fahrlässig sein, sondern mit Freude sein Amt verrichten und die Sicherheit des Fleisches von sich treiben.

35. So wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob er kommt am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder des Morgens,

Morgens: Ob er in der ersten, der zweiten, dritten oder vierten Nachtwache kommen wird. Denn die Alten teilten die Nacht früher so ab, dass jeder Wächter drei Standen zu wachen hatte.

36. auf dass er nicht schnell komme und finde euch schlafend.

Schlafend: Es werden aber die schlafend gefunden, die den fleischlichen und weltlichen Gelüsten nachhängen und ihre Aufgabe unterdessen versäumen.

37. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wacht!

Allen: Dass ihr euch alle miteinander für den Tag meiner Ankunft tröstet , dass so viele von euch an mich glauben. Denn was Christus den Aposteln gesagt hat, das sollen wir uns auch gesagt sein lassen. Es sei wie eine Ermahnung, Lehre, Strafe oder Trost.


Das 14. Kapitel


Christus hält das Passah. Er setzt das Abendmahl ein und wird mit christlichem Wasser überschüttet zu seiner bevorstehenden Aufopferung. Er wird den Feinden verraten, von Petrus verleugnet, von den anderen Jüngern verlassen und dem Hohepriester vorgeführt.

1. Und nach zwei Tagen war Ostern und die Tage der süßen Brote. Und die Hohepriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List griffen und töteten.

Und: Es folgt das Leiden unseres Herrn Jesus Christus, von dessen Nutzen an anderer Stelle weitläufig erzählt wird. Dies beschreiben Matthäus 26; Lukas 22; Johannes 13.

Süßen Brote: Das heißt, auf diesem Fest pflegte man ungesäuertes Brot zu essen. Und das Fest war von Gott nicht allein deswegen eingesetzt, dass die Israeliten alljährlich das Gedächtnis ihrer Erlösung aus Ägypten erneuerten, sondern vielmehr zum Anzeichen der Erlösung, die wir durch Christus haben. Das Blut, wenn es mit Gauben auf unsere Herzen geschmiert wird, erhält uns, sodass der Satan keine Gewalt über uns hat. Und Christus wollte um dieselbe Zeit dieses Festes für unsere Sünden sterben, um zu bezeugen, dass er das rechte Opferlamm wäre, das die Sünde der Welt trägt und wegnimmt. So wie es aber den Juden nicht zugelassen war, die ganze Zeit des Festes über gesäuertes Brot zu essen, so sollen wir uns davor hüten, dass die himmlische Lehre mit dem Sauerteig der menschlichen Satzungen und falschen Vorstellungen nicht verdorben wird {Mt 16} oder dass wir unser Leben mit dem Sauerteig der Sünden und Laster nicht besudeln {1Kor 15}.

Mit List: Ohne Tumult oder Rumoren. Dass aber jemanden mit List nachgestellt wird, ist eine Strafe der Sünden, die Christus unschuldig gelitten hat, damit er unsere Sünden versöhnt. Denn wir haben mit unseren Sünden verdient, dass man uns nach dem Leben trachten. Die Hohepriester und Schriftgelehrten aber hassten Christus, weil er die Wahrheit lehrte, die mit ihren Narreteien nicht übereinstimmten und weil er ihre Blindheit und Heuchelei ohne Scheu hervorzog. Denn wer die Wahrheit sagt, der lädt Feindschaft auf sich. Und es soll sich heutzutage niemand darüber ärgern, dass die römischen Päpste und ihre Anhänger Christus in seinen Gliedern verfolgen, auch wenn sie sich der ordentlichen Folge nacheinander rühmen, wie es die Hohepriester der Juden mit der gleichen Vererbung des hohen Stuhles taten.

2. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das Fest, dass nicht ein Aufruhr im Volk werde!

Fest: Ostern, als eine unzählige Menge des Volkes hier nach Jerusalem zu kommen pflegte. Darum wird es sich nicht schicken, dass wir uns unterstehen, ihn jetzt umzubringen, weil das Volk, dem er mancherlei Guttaten erzeigt hatte, viel auf ihn hält und ihn lieb hat. Darum besteht die Gefahr, dass wir in einem Aufruhr vom Volk ermordet werden, wenn wir ihn jetzt zu erwürgen versuchen. Dieser listige Anschlag der Hohepriester ist diesen vom Teufel eingegeben worden, der nach seinen Möglichkeiten so viel er kann, zu verhindern versucht, dass Christus, das rechte Osterlamm, am Osterfest nicht getötet würde und so das Vorbild mit der Tat und Wahrheit nicht übereinstimmten. Hier hat man zu sehen, wie ein böses Gewissen die Leute so furchtsam macht. Jedoch, weil bald danach der Verräter Judas ihnen eine unverhoffte Gelegenheit an die Hand gab, wie sie Christus vorteilhaft bekommen könnten, hat die Rachgier bei ihnen soviel vermocht, dass sie keine Gefahr mehr geachtet haben.

3. Und da er zu Bethanien war in Simons, des Aussätzigen, Hause und saß zu Tisch, da kam ein Weib, die hatte ein Glas mit ungefälschtem und köstlichem Nardenwasser; und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt.

Aussätzigen: Der nämlich vor einiger Zeit außer sich gewesen und von Christus gereinigt worden war. Dies erzählt auch Matthäus im Kapitel 26.

Zerbrach: Damit das Wasser umso eher und häufiger verschüttet würde.

Haupt: Denn in den Morgenländern benutzte man allgemein allerlei wohlriechende und köstliche Sachen, besonders bei stattlichen Paketen. Und obwohl diese Frau Christus hiermit schlicht nur eine Ehre erweisen wollte, so hat doch der Heilige Geist sie um einer anderen Ursache willen angetrieben, das zu tun, was bald folgen wird.

4. Da waren etliche, die wurden unwillig und sprachen: Was soll doch dieser Unrat?

Etliche: Von denen, die zugleich mit ihm zu Tisch gesessen waren.

Unwillig: Über so eine unnütze Verschwendung des christlichen Wassers, wie sie sich einbildeten.

Unrat: Wozu ist es gut, dass man so viel köstliches Wasser zugleich und auf einmal verschüttet? Denn man findet Menschen, die meinen, alles sei verloren, was zur Ehre Christi angewendet wird. Gerade, als ob der ewige Sohn Gottes und Messias nicht eines solchen Wassers würdig wäre, wenn es auch noch so köstlich war? Es ist aber eine Strafe der Sünden, dass uns andere missgünstig sind und uns der Guttaten oder Ehren, die man uns antut, nicht für würdig erachtet. Diese Strafe hat Christus für unseren Stolz gelitten, wenn wir meinen, wir sind viel größere Ehren wert, als man uns erweist.

5. Man könnte das Wasser um mehr denn dreihundert Groschen verkauft haben und dasselbe den Armen geben. Und murrten über sie.

Nach Luther: Diese Groschen würde bei uns dreißig Meißnische Löwenpfennige oder dreieinhalb unserer Groschen ausmachen.

Anmerkungen des Bearbeiters im Jahr 2017: Die hier genannten 300 Groschen entsprechen also etwa 1000 Meißner Groschen. Der Lohn eines Steinmetzes betrug um das Jahr 1500 ca. 60 Meißner Groschen im Monat (mithin sprechen wir hier also vom etwa 14-fachen Jahreseinkommen eines Handwerkers).

6. Jesus aber sprach: Lasst sie mit Frieden! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.

Sprach: Dass er das gute fromme Weiblein entschuldigte.

Bekümmert: Mit eurem Murren und zürnen, wo ihr jedoch vielmehr loben als schelten solltet. Wenn wir deswegen zu Unrecht gescholten werden, so sollen wir wissen, dass wir Christus zum Fürsprecher haben, der unsere Unschuld einmal an den Tag bringen wird.

Getan: Dass sie mich für die Ehre würdig gehalten und mit diesem köstlichen Wasser geehrt und erquickt hat, weil sie es noch konnte.

7. Ihr habt immer Arme bei euch; und wann ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht immer.

Gutes tun: Wenn euch die Armen zu sehr am Herzen liegen, so wird es euch doch nicht Angelegenheiten mangeln, dass ihr euch um sie verdient machen könnt.

Nicht immer: In dieser sichtbaren Weise gegenwärtig, jetzt, der gleichen Dienste tun könnt. Aber viele stellen sich so, als meinten sie es so gut mit den Armen, denen sie doch viel weniger Guttaten erzeigen, als sie könnten. Aber die Zwinglianer machen es gar zu grob und ungereimt, dass sie diesen Spruch Christi dahin ziehen, dass sie die ganze Gegenwart des Menschen Christi auf Erden leugnen und nur an den anderen Spruch Christi denken, als er sagt: Siehe ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt {Mt 28}. Es ist jedoch gar nicht nötig, dass man die Gottheit von der Menschheit trennt.

8. Sie hat getan, was sie konnte; sie ist zuvorkommen, meinen Leichnam zu salben zu meinem Begräbnis.

Konnte: Weil es ihr noch freigestanden war und sie Platz gehabt hat, so hat sie mich nach ihrem Vermögen geehrt.

Salben: Sie hat aus einer heimlichen Eingebung des Heiligen Geistes heraus meinen Leib zum Begräbnis vorbereitet, zwar auf eine andere Weise, als man es sonst zu tun pflegt. Denn andere besprengen die verstorbenen Körper mit Salben und köstlichen Spezereien und legen sie so ins Grab, dass sie nicht bald verwesen. Sie aber hatte mich noch bei meinen Lebzeiten, obwohl ich bald sterben muss und begraben werde, gesalbt und mir noch zu Lebzeiten meines Leibes den Dienst getan, den andere den Toten erst zu tun pflegen. Auch wenn es nun mit dem Begraben in fast jedem Land seine Gewohnheiten und Gebräuche hat, so sollen wir doch das sehen, dass die Begräbnisse der Christen ehrlich sind und die Hoffnung der künftigen Auferstehung damit bezeugen. Denn die Gräber der Gottseligen sind Schlafkammern, in denen ihre Leiber bis zur herrlichen Ankunft Christi ruhen {Jes 56}.

9. Wahrlich, ich sage euch, wo dies Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Gedächtnis: Diese Frau hat sich also mit dieser Tat einen ewigen Namen gemacht. Viele bemühen sich darum, in dieser Welt einen großen Namen zu bekommen, indem sie sich entweder in große Gefahr begeben, oder große Kosten für etwas aufwenden. Aber diejenigen erlangen die rechte und unsterbliche Ehre, die die Lehre Christi, so viel ihnen immer möglich ist, zu befördern begehren. Denn wer mich ehrt, sagt Gott, den will ich auch ehren. Wer mich aber verachtet, der soll wieder verachtet werden {1Sam 2}.

10. Und Judas Ischariot, einer von den Zwölfen, ging hin zu den Hohepriestern, dass er ihn verriete {Mt 26v14 Lk 22v3}.

Verriete: Den Feinden verraten zu werden, und zwar von denen, die uns schützen sollen, ist eine Strafe der Sünden, die Christus um unserer Sünden gelitten hat. Denn wir waren es wert, dass wir in die Gewalt unsere Feinde übergeben werden. Das Beispiel des Abfallen und des Verrats Judas Ischariots erinnert uns, dass wir uns nicht ärgern sollen, wenn jemand von den vornehmsten Dienern des Evangeliums von der Wahrheit abfällt und sich zu den Feinden schlägt, mit denen er danach die himmlische Wahrheit lästert und verfolgt.

11. Da sie das hörten, wurden sie froh und verhießen, ihm das Geld zu geben. Und er suchte, wie er ihn füglich verriete.

Froh: Dass ihnen die Gelegenheit vorgeschlagen wurde, wie sie Christus umbringen könnten. Aber die zeitliche Freude der Gottlosen wird in ein ewiges Leid verändert werden.

Zu geben: Wenn er das leisten würde, was er ihnen zusagte. Sie sind auch mit ihm einig geworden, ihm die 30 Silberlinge zur Belohnung für seinen Verrat alsbald ausbezahlten, wie es die anderen Evangelisten ausführlicher beschreiben. Es ist aber Christus, der Sohn Gottes und Heiland der Welt, um ein solch geringes Geld geschätzt und verkauft worden, damit wir unachtsame Menschen vor den Augen Gottes köstlich und der ewigen Herrlichkeit um Christi willen Wert geachtet werden. Der Abfall des Judas aber, der zum größten Teil vom Geiz herrührt, lehrt uns, was der Geiz vermag. Darum sollen wir diesen, als eine Wurzel allen Übels mit höchsten Fleiß vermeiden und ihm entfliehen {1Tim 6}.

12. Und am ersten Tage der süßen Brote, da man das Osterlamm opferte, sprachen seine Jünger zu ihm: Wo willst du, dass wir hingehen und bereiten, dass du das Osterlamm essest?

Tage: Da die Juden anfangen, ungesäuertes Brot zu essen.

Gehen: Bei welchen Bürger in Jerusalem sollen wir einkehren, damit wir das Osterlamm dort schlachten?

13. Und er sandte seiner Jünger zwei und sprach zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folgt ihm nach.

Stadt: Jerusalem. Denn dort und an keinem anderen Ort muss man das Osterlamm essen. Obwohl nun Christus selber das rechte Osterlamm war, dessen Blut uns reinigt von allen unseren Sünden {1Joh 1}, so hat er dennoch auch in diesem Stück dem Gesetz Gottes, dass von diesen Zeremonien handelt, genugtun wollen {2Mos 12}. Und Christus hat das Gesetz vollkommen erfüllt, um uns von dem Fluch des Gesetzes, der ansonsten über alle Übertreter desselben geht, frei macht {Gal 4}.

Mit Wasser: Hier bilden sich viele Katholiken eine närrische Fantasie ein und schließen aus diesem Wasserkrug, dass Christus im heiligen Abendmahl den Wein mit Wasser gemischt habe, darum müsse man in der Messe auch Wasser unter den Wein mischen.

14. Und wo er eingeht, da sprecht zu dem Hauswirt: Der Meister lässt Dir sagen: Wo ist das Gasthaus, darinnen ich das Osterlamm esse mit meinen Jüngern?

Gasthaus: Zeige meinen Jüngern einen Ort, wo sie in dein Haus einkehren können, um das Osterlamm dort zuzubereiten.

15. Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der gepflastert und bereit ist; dort richtet für uns zu.

Bereit ist: Für fremde Personen und Gäste. Denn die Gastfreundschaft war früher gebräuchlicher als heute.

16. Und die Jünger gingen aus und kamen in die Stadt und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte; und bereiteten das Osterlamm.

Fanden es: Denn die Christus glauben und gehorchen, die werden nicht betrogen. Wir sollen auch eingedenk sein, dass wir täglich vor seinen Augen umgehen, weil er auf dem Stand seiner Erniedrigung, so oft er gewollt hatte, abwesende Dinge gesehen hatte und ihm die Herzen aller Menschen offen standen. Christus jedoch, der ein Herr des Himmels und der Erden ist, hat in Jerusalem (wie auch anderswo) keine eigene Behausung gehabt, wo er das Osterlamm hätte essen können. Denn er hat in dieser Welt, die ganze Zeit über so lange er auf der Erde wandelte, gleichsam im Elend umherziehen wollen, damit wir im Himmel eine bleibende Wohnung finden.

17. Am Abend aber kam er mit den Zwölfen {Mt 26v20}.

Zwölfen: Denn der Verräter Judas war auch noch dabei, obwohl er sich bereits darauf vorbereitet und auch schon Geld dafür empfangen hatte, dass er ihn verraten wollte, es sich jedoch öffentlich nicht anmerken ließ.

18. Und als sie zu Tische saßen und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch, einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten {Joh 13v21}.

Verraten: Und in die Hände der Feinde ausliefern, den ich doch bisher bei mir unterhalten und viel Gutes erzeigt habe. Es ist aber eine schwere Strafe der Sünde und ein großer Jammer, wenn jemand unter seinem Hauspersonal und an seinem Tisch Leute sieht, die ihn zu verraten begehren, ihm für seine Guttaten nach dem Leben trachten. Und dies ist ein viel größeres Herzeleid, als die meinen oder glauben, die zwar davon gehört, es jedoch nicht empfunden haben. So etwas hat Christus, um unsere Sünden zu büßen, gelitten. Es soll uns aber auch dieses Beispiel Christi ein Trost sein, wenn wir unter solchen Leuten sind und leben müssen, die uns alles neiden und uns nach Leib und Leben trachten.

19. Und sie wurden traurig und sagten zu ihm, einer nach dem andern: Bin ich es? und der andere: Bin ich‘s?

Traurig: Die unschuldig waren. Denn es kommt unschuldigen Leuten sehr beschwerlich vor, wenn sie großer Übeltaten bezichtigt werden.

20. Er antwortete und sprach zu ihnen: Einer aus den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel taucht.

Taucht: Wird mich verraten. Ich denke aber, dass damals etliche gleichzeitig mit Christus eingetaucht haben, unter denen auch Judas gewesen ist. Denn Christus hat Ischarioth nicht öffentlich zuschanden machen wollen, damit er ihm Zeit und Raum zur Buße ließe, wie die anderen Evangelisten augenscheinlich vermuten. Denn man soll den Sündern den Weg zu Buße nicht verwehren.

21. Zwar des Menschen Sohn geht hin, wie von ihm geschrieben steht; wehe aber dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird! Es wäre demselben Menschen besser, dass er nie geboren wäre.

Zwar: Jetzt setzt Christus eine ernsthafte und treuherzige Warnung hinzu, ob vielleicht Judas von seinem bösen Vorhaben Abstand nehmen würde.

Geschrieben steht: In den Schriften der Propheten, die auf diese Weise ihre Erfüllung erreichen werden.

Dem Menschen: Der wegen dieser Weissagung in der Propheten nicht entschuldigt sein wird. Denn dass Gott ein Ding zuvor sieht und weiß, entschuldigt Bosheit und übel Tat der Menschen nicht, wie auch die Weissagungen der Propheten Judas nicht entschuldigt haben. Weil Judas nicht Christus darum verraten hat, weil die Propheten es zuvor verkündigt hatten, sondern eher nur seinen Geiz erfüllen und die Gunst der Hohepriester erlangen wollte.

Geboren wäre: Als dass er in der ewigen höllischen Verdammnis gepeinigt werden muss. Man soll deswegen die Sünder oft zur Buße ermahnen. Gehorchen sie dann nicht, so hat doch der nach seinem Gewissen gehandelt, der sie gewarnt hat.

22. Und indem sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und gab es ihnen und sprach: Nehmt, esst; das ist mein Leib {Mt 26v26 Lk 22v19 1Kor 11v23}.

Und: Es folgt die Einsetzung des heiligen Abendmahls.

Brot: Denn wie das Brot die Nahrung des Leibes ist, so speist der Leib Christi, der mit dem Brot dargereicht wird, die Seelen derjenigen, die das Abendmahl recht gebrauchen.

Dankt: Seinem himmlischen Vater. Denn man soll Gott für die Gaben danken, die wir von ihm empfangen haben, damit wir ihn dadurch bewegen, dass er uns noch mehr gibt.

Brach es: Um es unter den Jüngern aufzuteilen. Hier geben sich etliche Zwinglianer eine Blöße, die über das Brechen des Brotes heftig streiten, als ob das Abendmahl nicht recht gehalten würde, wenn man nicht Kuchen backen würde und diesen mit den Händen bricht. Und sie denken nicht so weit, dass es bei den Hebräern ein allgemeiner Brauch gewesen ist, dass sie Ihre Brote, besonders die ungesäuerten, ähnlich wie Kuchen gebacken haben, dass man sie brechen konnte und austeilen, wenn man kein Messer dazu benutzte. Daher wird auch in Jesaja 58 gesagt, brich den Hungrigen dein Brot, obwohl das Schneiden darum nicht verboten ist.

Mein Leib: Es wird deswegen nach dieser Einsetzung und Verheißung Christi mit dem Brot der Leib Christi mit dem Mund gegessen. Und wir sollen Christus glauben, der uns nicht betrügen wird, denn er ist kein Verführer.

23. Und nahm den Kelch und dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus.

Alle daraus: Gleichwie nun alle Jünger auf den Befehl Christi, wie Matthäus meldet, getrunken haben, so ist es sicher, dass Christus kein anderes Abendmahl für die Kirchendiener, als für die Laien eingesetzt hat. Darum tun die Katholiken unrecht, die den Laien einen Teil des Sakraments zu rauben sich unterstehen.

24. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Neuen Testaments, das für viele vergossen wird.

Testaments: Damit das Neue Testament als der Bund der Gnade bestätigt und versiegelt wird.

Vergossen wird: Darum sollen wir fest glauben, dass uns im heiligen Abendmahl mit dem Wein das Blut Christi gereicht wird. Der Leib und das Blut Christi im heiligen Abendmahl bezeugen, dass wir von Gott in Gnaden aufgenommen werden um des Mittlers Jesu Christi willen. Und es wird gesagt, dass das Blut Christi für viele vergossen wird, nicht, dass Christus nur für einige Menschen genug getan hat. Denn er ist die Versöhnung nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt {1Joh 2}. Seine Genugtuung kommt jedoch nur denen zugute, die an ihn glauben. Wir sollen aber das Abendmahl des Herrn oft gebrauchen, damit wir durch dessen Gebrauch unseren Glauben stärken.

25. Wahrlich, ich sage euch, dass ich künftig nicht trinken werde vom Gewächse des Weinstocks bis auf den Tag, da ich es neu trinke in dem Reich Gottes.

künftig nicht: Ich trinke jetzt in diesem vergänglichen und sterblichen Leben das letzte Mal Wein mit euch. Denn ich werde keinen Wein mehr trinken, bis ich von den Toten auferstanden und in meine Herrlichkeit eingegangen bin. Dann will ich zuvor, ehe ich in den Himmel fahre, wieder mit euch trinken, damit ihr euch umso mehr meiner Auferstehung vergewissern könnt. Christus hat aber in der Einsetzung seines Abendmahls Wein gebrauchen wollen, um uns zu lehren, wie sein Blut mit dem Wein im heiligen Abendmahl getrunken unser Gewissen erquickt, wie sonst ein guter Wein den Menschen erfreut {Ps 104}. Man soll auch hier beachten, dass Christus nach seiner Auferstehung im Reich Gottes gewesen ist, als er noch auf Erden mit seinen Jüngern gegessen und getrunken hat, damit wir nicht meinen, das Reich Gottes könnte sonst nirgends sein, als über den obersten Sternen des Himmels. Nach der Einsetzung des Abendmahls hat Christus eine herrliche Trostpredigt gehalten, die bei Johannes 14 beschrieben wird.

26. Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg {Mt 26v30 Lk 22v39}.

Lobgesang: Dass sie nach dem Essen Gott Lob und Dank sagten, wie es der Brauch war. Denn die vom Essen aufstehen und davongehen, wie das unvernünftige Vieh, dass sie Gott für die Nahrung nicht danken, die sind unserem Herrn Gott undankbar für seine Gaben.

Gingen: Auf dem Weg zum Ölberg hat Christus noch eine längere Predigt gehalten als die vorige, die vom Evangelisten Johannes im Kapitel 15 und 16 beschrieben wird. Darin macht er den Jüngern, oder vielmehr seiner ganzen Kirche Mut, die Trübsal recht zu erdulden. Darauf folgt das inbrünstige Gebet Christi zu seinem himmlischen Vater, dass er für die Wohlfahrt der Kirche gesprochen und indem er alle und jeden Christen Gott dem himmlischen Vater anbefohlen hat. Durch die Kraft dieses Gebetes hat die Kirche bisher noch so viele Anläufe des Teufels und der Welt unbeweglich bestanden. Wir sollen aber auch unser Gebet zu dem Gebet unseres Hohepriesters Christus hinzufügen und nicht zweifeln, dass wir um seinetwillen erhört werden.

27. Und Jesus sprach zu ihnen: Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern. Denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.

Ärgern: Mein Leiden wird euch vor den Kopf stoßen und irremachen, wenn die Feinde so jämmerlich mit mir umgehen werden, dass ihr mich verlassen und fliehen werdet. Denn wenn schwere Verfolgungen entstehen, so fangen die Leute an, an der Wahrheit der himmlischen Lehre zu zweifeln.

Geschrieben {Sach 13}; Diese Weissagung (will Christus sagen) wird bald danach erfüllt werden.

28. Aber nachdem ich auferstehe, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.

Galiläa: Dort werde ich nicht nur euch, sondern auch einer großen Menge meiner Jünger mich leibhaftig stellen und zeigen, darum fasst ein Herz und seid getrost, denn die Trübsale werden nicht immer andauern. Und es spricht Christus hier von der herrlichen Erscheinung, wovon Paulus schreibt, 1. Korinther 15. Dass Christus gesehen worden ist von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal. Indem aber Christus seine Jünger durch die Betrachtung der Trübsale auf seine Auferstehung hinweist, lehrt er uns damit, dass wir nicht unser Herz und unser Gemüt auf die Trübsale wenden sollen, die uns doch nur kleinmütig machen können, sondern auf die künftige Erlösung schauen sollen.

29. Petrus aber sagte zu ihm: Und wenn sie sich alle ärgerten, so wollte doch ich mich nicht ärgern.

Nicht ärgern: Es soll mich kein Unglück und keine Gefahr von dir bringen. Denn unser Fleisch ist dann mutig und trotzig, wenn die Gefahr noch nicht da ist. Aber Gott dem Herrn ist unsere Schwachheit viel besser bekannt, als uns selbst. Dennoch will er uns darum nicht verwerfen.

30. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

31. Er aber redete noch weiter: Ja, wenn ich mit dir auch sterben müsste, wollt‘ ich dich nicht verleugnen. Desgleichen sagten sie alle.

Alle: Denn es wollte keiner geringer oder kleinmütiger sein, als Petrus. Und jeder wollte gern das Lob der Standhaftigkeit erringen, aber wenige erlangen solche Ehre. Auch ist es eine Strafe der Sünde, dass man Menschen bei und um sich haben soll, weshalb einer sich nicht tröstet, dass sie ständig zu ihm halten würden. Diese Strafe der Sünden hat Christus für uns gelitten, damit unsere Namen vor dem himmlischen Vater nicht verleugnet werden.

32. Und sie kamen zu dem Hofe mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hier, bis ich hingehe und bete {Mt 26v36}.

Und betete: Denn wenn jemand recht inbrünstig beten will, besonders in großer Angst, kann er es am besten verrichten, wenn er allein und einsam ist und sich nicht viele Leute um ihn herum befinden. Denn so kann er sein Anliegen umso besser in den Schoß Gottes ausschütten.

33. Und nahm zu sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen.

Und Johannes: Damit sie ein Stück von seiner großen Angst und Not sehen könnten, die kurz zuvor seine Herrlichkeit auf dem Berg gesehen hatten.

34. Und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; enthaltet euch hier und wacht.

Den Tod: Ich werde mit einer solchen Angst und Traurigkeit überfallen, dass es kein Wunder wäre, wenn sie mir das Leben nehmen. Die Traurigkeit und Angst sind Strafen der Sünde, die Christus um unseretwillen erduldet hat, damit wir nicht in der Traurigkeit und Angst verzagen. Und diese Traurigkeit Christi hat uns die ewige Freude zuwege gebracht. Weil er auch mit großer Traurigkeit überfallen gewesen ist, so hat er Mitleid mit uns, damit wir in allzu großer Traurigkeit nicht versinken.

Wacht: Damit ihr nicht vom Satan in Versuchung geführt werdet. Wir wachen aber dann, wenn wir uns die fleischliche Sicherheit aus dem Sinn schlagen und unsere Seligkeit im inbrünstigen Gebet Gott dem Herrn anbefehlen.

35. Und ging ein wenig fürbass, fiel auf die Erde und betete, dass, so es möglich wäre, die Stunde vorüberginge,

Fürbass: Auch von den drei genannten Aposteln weg.

Ginge: Und er aus der traurigen Zeit erlöst werden möchte, damit er nicht leiden und sterben müsste. Denn dass sich jemand vor dem Tod fürchtet und entsetzt ist, ist an sich selbst nicht Sünde, sondern eine Strafe der Sünde, die Christus erfahren wollte, damit er uns in der Furcht des Todes erhält, damit wir nicht verzagen.

36. und sprach: Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich, überhebe mich dieses Kelchs; doch nicht, was ich will, sondern was du willst.

Möglich: Denn es ist kein Unglück so groß, woraus Gott einen nicht erwecken könnte.

Kelchs: Des schmählichen und schmerzlichen Leidens und bitteren Todes, dass ich nicht leiden und sterben muss. Und der Schrecken des Todes setzt einem bisweilen heftiger zu, als der Tod selbst. Die Trübsale werden in der Schrift oft mit einem Kelch verglichen. Denn Gott schenkt einem jeden Gottseligen seinen Teil Trübsal gleichwie in einen Becher oder Kelch ein, den er austrinken, das heißt, erdulden muss. Und ein solcher Kelch ist eine heilsame nützliche Arznei, die uns Sündern nützt zur Tötung des alten Adams. Die Gottlosen aber müssen die Hefen aussaufen, wie der 75. Psalm bezeugt, die ihnen das Herz abstoßen und sie in den Abgrund der Hölle stürzen werden.

Du willst: Das will ich leiden. Diese Worte geben hell und klar zu verstehen, dass in Christus zwei Willen, ein menschlicher und ein göttlicher ist. So wie in ihm auch zwei Naturen sind. Aber der menschliche Wille hat sich dem Göttlichen unterworfen. Auf die gleiche Weise sollen wir auch beten, wenn wir um leibliche Erlösung bitten, dass nicht unser, sondern Gottes Wille geschehe. Und das bedeutet so viel mehr, weil unser Wille nicht immer gut, ja, durchaus niemals gut ist. Darum begehren wir oft solche Dinge, die weder zur Ehre Gottes noch zu unsere Seligkeit nützlich wäre, wenn uns Gott all diese Wünsche erfüllen würde.

37. Und kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen?

Zu wachen: Dass du mir Trost geben kannst. Es ist aber eine Strafe der Sünde, wenn man die Freunde schlafend findet, das heißt, dass sie fahrlässig sind in der Verrichtung unserer Sachen, wenn wir ihre Hilfe am meisten brauchen. Diese Strafe hat Christus zu unserem Nutzen ausgestanden. Und wenn uns dergleichen auch etwas begegnet, so nimmt er sich unser an, nach dem Spruch: Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf {Ps 27}.

38. Wacht und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

Fallt: Wischt den Schlaf aus den Augen und ruft Gott ernsthaft an, damit euch der Satan nicht stürzt, dass ihr von mir abfallt und ins Verderben geratet. Deswegen sollen wir die Sicherheit und die Schläfrigkeit aus dem Herzen treiben und fleißig beten. Denn unser Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wenn er verschlingen kann {1Petr 5}.

Schwach: Als wollte er sagen: Ich weiß wohl, dass ihr, nachdem ihr wiedergeboren und geistlich seid, euch fest und steif an mich halten wollt. Aber ich sehe, dass die Schwächen und Schläfrigkeit des alten Adam sehr groß sind. Darum ist es nötig, dass ihr fleißig betet, damit ihr in Anfechtungen bestehen könnt. Denn ein gottseliger Mensch ist gleichsam eine zweifache Person. Sofern er wiedergeboren ist, wünscht er sich von Herzen, Gott Gehorsam zu leisten. Sofern er aber noch fleischlich ist, so ist er zu guten Werken zu träge und zu langsam, ja, er widerstrebt dem Gesetz Gottes. Daher sagt Paulus: Ich habe Lust am Gesetz Gottes aus meinem Inneren heraus. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz in meinem Gemüt streitet und nimmt mich im Gesetz der Sünde gefangen, dass in meinen Gliedern ist {Röm 7}. Darum ist es notwendig, dass wir dem Fleisch mit dem Geist widerstreben, und damit wir den Sieg erhalten, müssen wir fleißig und emsig beten.

39. Und ging wieder hin und betete und sprach Worte.

Wort: Dass der Kelch des Leidens von ihm genommen werden möge.

40. Und kam wieder und fand sie abermal schlafend; denn ihre Augen waren voll Schlafs, und wussten nicht, was sie ihm antworteten.

Abermal: Das kommt aber einem frommen Menschen äußerst beschwerlich vor, wenn er die Freunde etliche Male anspricht, sie an seine Gefahr erinnert und sie dennoch nicht bewegen kann, dass sie ihm zu Hilfe kommen.

41. Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände.

Dritten Mal: Nachdem er seinen himmlischen Vater wiederum ernsthaft angerufen hatte, da fand er seine vor gemeldeten drei Jüngern wieder schlafend, die er doch vor den anderen, als seine vertrautesten Diener zu sich genommen hatte.

Nun schlafen: Es ist jetzt nicht die Zeit zu faulenzen, will er sagen, da ich, euer Meister, in so großen Ängsten und ihr nicht in der geringsten Gefahr steckt. Normalerweise aber geschieht es, dass die Leute nicht mehr sicherer sind, als wenn ihnen ein großes Unglück am allernächsten ist. So sehr ist die menschliche Natur verdorben.

Genug: Ihr müsst jetzt ausgeschlafen haben, denn die Zeit ist gekommen, in der ihr wachen sollt.

Sünder: Gottlosen Menschen und böser Buben, dass sie ihm alle Schmach anlegen und endlich töten werden. Es ist aber Christus unseretwegen in die Hände der Sünder ausgeliefert worden, damit wir in die Zahl der Kinder Gottes aufgenommen werden und mit den Engeln die himmlische Freude in Ewigkeit genießen können.

42. Steht auf, lasst uns gehen; siehe, der mich verrät, ist nahe!

Gehen: Den Feinden entgegen. Denn Christus hat gar nicht mehr begehrt, zu fliehen, noch der vor Augen schwebenden Gefahr zu entweichen, dass er auch freiwillig den herankommenden Feinden entgegengegangen ist. Und er hat willig für uns sterben wollen, damit sein aller unschuldigster, heiligster und willigster Tod ein vollkommenes Opfer wäre für die Sünden der ganzen Welt, um diese zu versöhnen. Obwohl nun Christus hiermit nicht gelehrt hat, dass wir uns in Gefahr begeben sollen, der wir mit gutem Gewissen entrinnen können, so hat er uns dennoch mit seinem Beispiel erinnern wollen, dass wir die Trübsal willig und geduldig ertragen sollen, von der wir sehen, dass sie uns Gott in unserer Aufgabe auferlegt hat.

43. Und alsbald, da er noch redete, kam herzu Judas, der Zwölfen einer, und eine große Schar mit ihm, mit Schwertern und mit Stangen von den Hohepriestern und Schriftgelehrten und Ältesten {Mt 26v47 Lk 22v47 Joh 18v3}.

Schar: Nämlich die Hohepriester und die Knechte des Rates von Jerusalem. Denn die Bosheit dieser Welt ist so groß, dass oft auch diejenigen, die die Gerechtigkeit zu handhaben bestellt sind, die Gerechten unterdrücken und die Ungerechten verteidigen.

44. Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist‘s; den ergreift und führt ihn gewiss.

Zeichen: Woran sie erkennen konnten, wen sie fangen sollten.

Gewiss: Dass er euren Händen nicht wiederum entweichen kann. Es sieht ihm aber ähnlich, dass Judas vom Teufel geblendet, die Gedanken gehabt hat, Christus würde seinen Feinden wieder aus ihren Händen entkommen können, wie er es zuvor mehrmals auch getan hatte. Darum könnte es geschehen, dass Christus keinen Schaden erleiden würde und er dennoch die dreißig Silberlinge behalten könnte, die er von den Hohepriestern mit List herausgebracht hatte. Diese Mutmaßung kann daraus entstehen, dass danach, als Judas gesehen hat, wie Christus zum Tod geführt wurde, er angefangen hat zu verzagen und das Geld weggeworfen hat. Denn der Teufel blendet die Menschen, dass, wenn sie Böses tun, sie nicht sofort verstehen, was es schließlich für einen Ausgang damit nehmen wird.

45. Und da er kam, trat er bald zu ihm und sprach zu ihm: Rabbi, Rabbi! und küsste ihn.

Küsste ihn: Damit die Feinde bei dem Kuss Christi Person erkennen konnten. Auch wenn nun in vielen Ländern es der Brauch ist, dass man sich zur Begrüßung küsst, so lehrt diese Tat des Verräters Judas jedoch, dass die Weltkinder bisweilen unter einem falschen Anschein der Freundschaft andere um ihre Wohlfahrt bringen, was eine recht teuflische Bosheit ist.

46. Die aber legten ihre Hände an ihn und griffen ihn.

Griffen: Und nahmen ihn gefangen. Dass aber einer gefangen und gebunden wird, ist eine Strafe der Sünde, die Christus büßen wollte, damit wir von den ewigen Bändern befreit bleiben.

47. Einer aber von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert aus und schlug des Hohepriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab.

Einer: Das war der Apostel Petrus, den Christus wegen seines Frevels gescholten und der den Knecht, der Malchus geheißen hat, wiederum geheilt hat, wie die anderen Evangelisten bezeugen. Denn man findet Leute, die sich unterstehen, die reine Religion mit falschem Eifer und mit Waffen zu schützen, wo es doch ihr Amt ist, dass sie mit dem Wort Gottes und mit dem Gebet gegen die Anläufe des Teufels streiten sollen.

48. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr seid ausgegangen als zu einem Mörder mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen.

Fangen: Gerade so, als ob ihr mich mit Waffengewalt überwältigen müsstet, da ich doch unbewaffnet bin und noch dazu keinem jemals ein Leid angetan habe.

49. Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht gegriffen; aber auf das die Schrift erfüllt werde.

Nicht gegriffen: Wenn ich irgendeine Übeltat begangen habe und ihr mit Recht einen Anspruch auf mich gehabt hättet, warum habt ihr mich nicht angegriffen, als ich im Tempel öffentlich gelehrt habe? Und was hätte es damit auf sich, dass ihr mich im Finsteren überfallt, als dass ihr nicht mit rechten Sachen umgeht? Denn es ist einem frommen Menschen zugelassen, dass er sich über unrechte Gewalt wohl beklagen darf, damit er nicht das Ansehen gewinnt, als fühlte er sich schuldig und würde in die Ungerechtigkeit einwilligen.

Erfüllt: Darum geschieht dies alles. Denn die Schrift hat es zuvor verkündigt, dass man mit mir umgehen wird, wie mit einem Mörder {Jes 53}. Die Übereinstimmung der prophetischen Weissagung mit dem Leiden Christi soll uns in unserer christlichen Religion stärken, damit wir sicher schließen können, dieser Jesus von Nazareth ist Christus, der versprochene Heiland der Welt.

50. Und die Jünger verließen ihn alle und flohen.

Flohen: Das sieht man, wie stark unser Fleisch ist, wenn es sich um Christi willen in Lebensgefahr begeben soll. Es hat aber Christus gefangen weggeführt werden wollen, damit wir nicht meinten, es hätte irgend ein Mensch, außer ihm, zur Erlösung des menschlichen Geschlechts etwas geholfen.

51. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut; und die Jünglinge griffen ihn.

Jüngling: Von dem man nicht wissen kann, wer er gewesen ist, weil er nicht namhaft gemacht wurde.

Jünglinge: Nämlich, die Diener der Hohepriester taten genauso, als ob sie ihn auch zugleich mit Christus gefangen wegführen wollten.

52. Er aber ließ die Leinwand fahren und floh bloß von ihnen.

Von Ihnen: Es ist aber Christus von all seinen Jüngern und von jedermann verlassen worden, auf dass wir nicht in unseren höchsten Nöten von Gott verlassen werden. So passiert es auch den Frommen in Verfolgungen, dass sie von anderen verlassen werden, denen es am wenigsten zusteht. Denn so sagt Paulus: In meiner 1. Verantwortung (für den Kaiser Nero) stand niemand bei mir, sondern sie verließen mich alle. Es sei Ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand bei mir und stärkte mich {2Tim 4}.

53. Und sie führten Jesum zu dem Hohepriester, dahin zusammenkommen waren alle Hohepriester und Ältesten und Schriftgelehrten {Mt 26v57 Lk 22v54 Joh 18v13 v14}.

Kommen waren: Damit sie eine Vorbereitung trafen zur Verurteilung und Verdammung Christi zum Tode. Denn sie versammelten in derselben Nacht ein Konzil gegen Jesus, indem alle Anordnungen getroffen wurden, damit im folgenden Konzil am Morgen Christus öffentlich des Todes für schuldig erklärt und verdammt würde. Denn die Feinde Christi halten heimliche und hinterlistige Versammlungen ab, damit sie unter dem gottseligen Schein das Evangelium Christi verdammen können.

54. Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis hinein in des Hohepriesters Palast; und er war da und saß bei den Knechten und wärmte sich bei dem Licht.

Von Ferne: Hier sieht man, wie der fleischliche Eifer nach und nach erkaltet, bis er sogar in der Verleugnung Christi erlischt. Es ist aber nicht ohne Gefahr, wenn man sich an den Höfen gottloser Herrn aufhält. Denn diejenigen, die sich bei dem Feuer ihrer Widersacher erwärmen wollen, das heißt, die an den Gottlosen Höfen was auch immer für einen Nutzen oder Vorteil suchen, die kommen selten ohne Verleumdung und Verhehlen der Wahrheit davon.

55. Aber die Hohepriester und der ganze Rat suchten Zeugnis wider Jesum, auf dass sie ihn zum Tode brächten, und fanden nichts.

Zeugnis: Die eine Gestalt und ein Ansehen hatten, dass man eine Rede oder Tat so verkehren und ihm übel auslegen konnte.

Fanden nichts: Was nur ein wenig einen Anschein gehabt hätte. Denn Gott hat gewollt, dass auch den Feinden Christi seine Unschuld deutlich würde, auf dass man wüsste, dass er nicht um seiner Sünden willen, von denen er keine gehabt hat, sondern fremder Schuld willen litt. Daneben aber lehrt auch dieses Beispiel, dass die Feinde der Wahrheit nicht damit umgehen, wie sie die Wahrheit lernen könnten, sondern wie sie diese unterdrücken können.

56. Viele gaben falsch Zeugnis wider ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein.

Nicht überein: Sondern sie waren entweder untereinander sich zuwider oder es war sogar nichts wert, dass sie sich sorgen mussten, das Volk könnte den Betrug und die Falschheit bald merken. Indem aber Christus unschuldig verlästert wurde, hat er für die Sünde der Lästerung und Verleumdung bezahlt, wo einer des anderen Reden und Handeln auf das Schlechteste zu deuten pflegt. Wir sollen Buße tun und mit dem Nächsten in Zukunft aufrichtig umgehen.

57. Und etliche standen auf und gaben falsch Zeugnis wider ihn und sprachen:

58. Wir haben gehört, dass er sagte: Ich will den Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht sei.

59. Aber ihr Zeugnis stimmte noch nicht überein.

Noch nicht: Denn einer brachte die Worte Christi anders vor, als der andere. Darum mussten sie sich abermals Sorgen machen, der einfache Mann könnte ihre Bosheit daraus erkennen. Dieses Zeugnis war aber auch eine deutliche Lästerung. Denn Christus hat nicht gesagt: Ich will den Tempel, der mit den Händen gemacht ist, abbrechen, sondern er hatte gesagt: Brecht diesen Tempel ab und am dritten Tag will ich ihn aufrichten. Es redete aber Christus von dem Tempel seines Leibes, wie es der Evangelist Johannes im Kapitel 2 berichtet.

60. Und der Hohepriester stand auf unter sie und fragte Jesum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen?

Fragte: Denn er hoffte, Christus würde sich in einer Antwort widersprechen, damit sie wieder Anlass bekämen, ihn zu verdammen.

61. Er aber schwieg stille und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermal und sprach zu ihm: Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten?

Schwieg: Denn er wollte sich nicht mit großer Mühe entschuldigen, weil er bereit war, für unsere Sünden zu sterben. So wusste er, dass es öffentliche, nichtige Verleumdungen und somit keiner Antworten oder Widerlegungen wert waren.

62. Jesus aber sprach: Ich bin‘s. Und ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft und kommen mit des Himmels Wolken {Mt 24v30 26v64 Lk 22v69}.

Sprach: Denn er wollte hier nicht länger schweigen oder die Wahrheit verbergen, damit nicht die Wahrheit des Evangeliums und das Heil des menschlichen Geschlechts in Gefahr geraten würde.

Menschen Sohn: Seine Knechtsgestalt schmäht und verachtet.

Kraft: Da werdet ihr erkennen, dass ich der bin, für den ich mich ausgebe, nämlich, ein Herr des Himmels und der Erde, wenn ich mein Evangelium in der Welt mit einem wunderbaren Fortgang ausbreiten und mit herrlichen Wunderwerken, die ich durch meine Apostel tun will, bestätigen werde.

Wolken: Mit großer Majestät und Herrlichkeit (zwar zu eurem großen Unglück), zu richten den Erdkreis, was zu seiner Zeit auch geschehen wird. Denn es wird eine Zeit kommen, da die Feinde Christi empfinden werden, dass sie nicht arme und elende Menschen, wie sie meinen, sondern den Herrn der Herrlichkeit verfolgt haben, und dann werden sie ihre ewige Strafe dafür empfangen.

63. Da zerriss der Hohepriester seinen Rock und sprach: Was bedürfen wir weiter Zeugen?

Zerriss: Für großes angemaßtes Herzeleid und Unwillen. Denn so war es die Gewohnheit bei den Juden, wenn sie von leidigen oder unrechten Sachen etwas hörten.

Zeugen: Die diesen Menschen seiner Bosheit erst noch lange überführen müssen.

64. Ihr habt gehört die Gotteslästerung; was erscheint euch? Sie aber verdammten ihn alle, dass er des Todes schuldig wäre.

Gehört: Aus seinem Mund, wie es sich für den Sohn Gottes und den Messias ausgab. Christus hatte die Wahrheit gesagt und musste dennoch hören, dass er ein Gotteslästerer wäre. In diesem Stück hat er für die Gotteslästerungen der Menschen Genüge getan. Man hat hier auch zu beachten, dass die Widersacher der Wahrheit nicht fragen, ob Christus recht gesprochen hätte; sondern nur, ob er es gesagt hätte. Also fragen die päpstlichen Verfolger nicht, ob die Rechtfertigung dem Glauben allein recht zugemessen wird, ob die Anrufung der Heiligen recht verworfen wird etc., sondern nur allein, ob man das bekennt, so wird es dann bald für eine Gotteslästerung erklärt.

erscheint euch: Sagt alle nacheinander eure Meinung, was man mit diesem Gotteslästerer anfangen soll?

Schuldig wäre: Es ist aber Christus im Konzil zum Tode verurteilt worden, damit wir vor Gott losgesprochen werden und das ewige Leben erlangen.

65. Da fingen an etliche, ihn zu verspein und zu verdecken sein Angesicht und mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.

Fingen an: Nachdem das Todesurteil über ihn gefällt war, meinten die Diener, sie könnten ihm nicht genug Schmach anlegen.

Weissage: Wer dich geschlagen hat. Dies ist in derselben Nacht geschehen, als Christus gefangen worden war, und man ist so mit Christus umgegangen, bis der Tag anbrach. Hier sollen wir uns wohl zu Gemüte führen, wer der Mann ist, der diese Schmach erlitten hat, nämlich, der Sohn Gottes. Er hat aber die ganze Nacht über so unrecht mit sich umgehen lassen, damit er die ungebührliche und verbotene Wollust der Menschen büßte, womit sie in der Nacht gegen Gott schwer sündigten. Darum sollen wir Buße tun und Christus für seine Erlösung und Versöhnung Dank sagen.

66. Und Petrus war danieden im Palast; da kam des Hohepriester Mägde eine.

Und: Es folgt der schreckliche Fall um die Verleumdung des Petrus, die auch beschrieben wird von Matthäus 26; Lukas 22; Johannes 18.

Mägde: Denn wenn der Satan einen Menschen zu Fall bringen will, so gebraucht er dazu oftmals eine Weibsperson als Mittel und Werkzeug der Versuchung. Was jedoch nicht als Nachteil oder Schmach gegen das weibliche Geschlecht gemeint ist.

67. Und da sie sah Petrus sich wärmen, schaute sie ihn an und sprach: Und du warst auch mit Jesu von Nazareth.

68. Er leugnete aber und sprach: Ich kenne ihn nicht, weiß auch nicht, was du sagst. Und er ging hinaus in den Vorhof; und der Hahn krähte.

Sagst: Diese zweifelhafte Antwort des Petrus ist seine erste Verleugnung gewesen. Denn er wollte nicht für einen Jünger Christi angesehen werden. Wenn man aber die Wahrheit verschleiert, da deren Bekenntnis gefordert wird, so ist es ebenso viel, als wenn man dieselbe verleugnet.

Krähte: Bei diesem ersten Hahnenschrei hätte sich Petrus der Warnung Christi erinnern sollen, dass er nicht fortfahren sollte, ihn weiter zu verleugnen.

69. Und die Magd sah ihn und hob abermal an, zu sagen denen, die dabei standen: Dieser ist der einer.

Der einer: Die sich bei Jesus von Nazareth aufgehalten und sich bis hierher unseren Hohepriestern widersetzt haben.

70. Und er leugnete abermal. Und nach einer kleinen Weile sprachen abermal zu Petrus, die dabeistanden: Wahrlich, du bist der einer; denn du bist ein Galiläer, und deine Sprache lautet gleich also.

Abermals: Was die andere Verleumdung Petrus gewesen ist. Denn wer sich zu bekennen schämt, ein junger Christi zu sein, der verleugne Christus.

Dir einer: Die dem Jesus von Nazareth bis hierhin nachgefolgt sind.

Gleich also: Man hört es an deiner Sprache, dass du ein Galiläer bist, leugne es nur nicht.

71. Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne des Menschen nicht, von dem ihr sagt.

Zu verfluchen: Dass er sich selbst alles Übel an gewünscht hat, wenn er Christus kennt, was eine sehr schreckliche und gräuliche Verleumdung Christi gewesen ist. Einen solchen Ausgang nimmt es mit dem Vertrauen auf menschliche Kräfte, darum sollen wir uns selbst nicht zu viel zutrauen, sondern mit dem demütigen und herzlichen Gebet Gott um Hilfe und Beistand anrufen. Denn, weil der Apostel Paulus uns wappnen will, dass wir die Anfechtungen ausstehen können, sagt er: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke {Eph 6}. Wir sollen auch bedenken, wie übel es damals, als Petrus Christus verleugnete, um die Kirche Gottes gestanden wäre, wenn sie nicht auf der Person Christi, sondern auf Petrus erbaut gewesen wäre, wie die Katholiken aus dem Spruch Christi {Mt 16}, den sie falsch verstehen, bestreiten.

72. Und der Hahn krähte zum andermal. Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm sagte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er hob an zu weinen {Mt 26v34 Lk 22v34 Joh 13v38}.

Weinen: Über seine Sünde. Wir sollen auch unsere Sünden beweinen und uns zum Herren bekehren, so wird er sich unser Erbarmen. Denn, der Petrus, als er Buße getan hatte, nicht verworfen hat, der wird uns auch nicht verstoßen. Zumal Christus gesagt hat. Es sei im Himmel eine größere Freude über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 Gerechte, die keiner Buße bedürfen {Lk 15}.


Das 15. Kapitel


1. Christus wird dem Konzil vorgestellt, das aus Hohepriestern, Pharisäern Priestern und den ältesten des jüdischen Volkes zusammengesetzt war. 2. Und es wird noch einmal erzählt, was sich mit Christus vor Pilatus zugetragen hat 3. Darauf wird Christi Kreuzigung, Tod und Begräbnis beschrieben.

1. Und bald am Morgen hielten die Hohepriester einen Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten, dazu der ganze Rat, und banden Jesum und führten ihn hin und überantworteten ihn Pilatus.

Und: Bis hierhin ist man mit Christus heimlich und bei der Nacht umgegangen jetzt wird man ihn öffentlich und bei Tage vor das Konzil führen, wo eine große Menge Beisitzer versammelt gewesen ist. Von dieser Synode melden auch Matthäus 27und Lukas 22.

Ältesten: Das waren die Vornehmsten des Rates von Jerusalem.

Ganze Rat: Alle Personen, die man in wichtigen Sachen zusammenzurufen pflegte.

Pilatus: Nachdem er in Ihrem Konzil zum Tod verurteilt war, wie auch Matthäus im Kapitel 27 und Lukas, Kapitel 13 und Johannes, Kapitel 18 erzählen. Denn es stand den Juden damals nicht mehr frei, dass er das Todesurteil an jemanden vollstrecken durften, sondern sie mussten, wenn sie einen in Ihrem Rat verurteilt hatten, ihn dem römischen Landpfleger übergeben, der gemacht hatte, das Urteil der Juden zu vollstrecken oder zu vernichten. Was aber mit Jesus im selben Konzil bei Tage abgehandelt worden ist, das überspringt Markus der Kürze wegen, weil man ohnedies kurzen Prozess mit ihm gemacht hatte, wie in der vorherigen Nacht. Es ist aber Christus abermals zum Tod verurteilt worden, damit wir vor Gottes Gericht freigesprochen werden. Man hat auch hier wahrzunehmen, dass ein solches Konzil gegen diejenigen, die es zu Unrecht der Ketzerei beschuldigt und verdammt, die weltliche Gewalt um Hilfe und Vollstreckung des Urteils anruft.

2. Und Pilatus fragte ihn: Bist Du ein König der Juden? Er antwortete aber und sprach zu ihm: Du sagst es.

Und: Es folgt, was sich vor Pilatus zugetragen hat, vor dem Christus angeklagt worden ist, als würde er einen Aufruhr unter dem Volk anrichten und würde vorgeben, Christus wäre ein König. Darum hat es Pilatus für gut angesehen, dies von ihm zu erfragen, ob es sich so verhält.

Du sagst: Das heißt: Du bist recht daran, denn ich bin derselbe König und Messias, von dem die Propheten geweissagt haben. Denn obwohl es Christus unverborgen war, dass er von Pilatus verlacht werden würde, indem er sich für einen König ausgab, wo dieser doch nichts Königliches an ihm sehen konnte. So hat er doch darum die Wahrheit nicht verschwiegen, auch nicht verleugnen wollen. Denn man soll die Wahrheit der himmlischen Lehre wegen der gottlosen Leute nicht verhehlen, wenn man ein Bekenntnis von uns fordert.

3. Und die Hohepriester beschuldigten ihn hart.

Ihn hart: Dass sie ihm vieler Sachen bezichtigten. Bald logen sie, Christus hätte einen Aufruhr erregt, dann erdichten sie, er hätte verboten, dem Kaiser den Zins zu geben, oder aber maßen ihm fälschlich zu, er hätte Gott gelästert, was alles lauter grobe und greifbare Lügen waren, sodass es auch Pilatus selbst leicht merken konnte. Darum achtete Christus solche unverschämten Lästerer als nicht wert, dass er ihnen ein einziges Wort antworten mochte. Denn es ist unnötig, dass man auf alle Lästerungen antwortet.

4. Pilatus aber fragte ihn abermal und sprach: Antwortest Du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen!

Verklagen: Denn Pilatus wollte kein Urteil gegen Christus fällen, bevor er nicht seine Antwort auf die vorgebrachte Klage gehört hatte. Und ein Richter soll beide Parteien gleichmäßig ohne vorgefasste Meinung anhören.

5. Jesus aber antwortete nichts mehr, also dass sich auch Pilatus verwunderte.

Verwunderte: Denn er verstand wohl, dass Christus solche Verleumdungen leicht hätte widerlegen können, wenn er nur gewollt hätte. Aber Christus wollte sich mit der Widerlegung der Lästerung und der falschen Anklage nicht der Gefahr entziehen, damit er seinem himmlischen Vater ein freiwilliges Opfer erbrachte, zur Versöhnung der Sünden der ganzen Welt.

6. Er pflegte aber ihnen auf das Osterfest einen Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten.

Ihr: Nämlich Pilatus, als der römische Landpfleger, der sich nach Mitteln und Wegen umsah, wie er den unschuldigen Christus aus den Händen der Juden retten könnte. Dies erzählen auch Matthäus 27; Lukas 23; Johannes 18.

Begehrten: Diese Freiheit hatten sie sich bei den Römern vorbehalten, zur Erinnerung an die Erlösung aus der ägyptischen Dienstbarkeit. Diese Gewohnheit hatte jedoch im Wort Gottes keine Begründung. Denn man soll die Übeltäter nicht freilassen, die das Gesetz Gottes töten heißt, es sei denn, es wären Umstände gegeben, dass man die Strenge des Rechts mit Billigkeit und Güte mäßigen kann.

7. Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührerischen, die im Aufruhr einen Mord begangen hatten.

Aufruhr: Es entstanden damals unter den Juden oftmals allerlei Aufläufe und Unruhen, weil sie das römische Joch sehr ungern duldeten. Darum sind sie auch wegen ihrer Widerspenstigkeit oft hart gestraft worden. Denn Gott widerstrebt den Aufrührerischen.

8. Und das Volk ging hinauf und bat, dass er täte, wie er pflegte.

Pflegte: Dass Pilatus ihnen einen Gefangenen freigebe, den sie begehren würden, wie er es jährlich zu tun pflegte.

9. Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe?

König: Jesus von Nazareth, den man beschuldigt, er sei der König der Juden, wodurch das Gegenteil die Tat selber mit sich bringt, denn er ist ein armer, elender Mensch.

Nach Luther: Höhnisch spricht Pilatus, als wollte er sagen: Wenn ihr klagt, dass dieser arme Mensch ein König ist, so seid ihr toll und töricht. So auch Matthäus 27.17, von dem gesagt wird, er sei Christus.

10. Denn er wusste, dass ihn die Hohepriester aus Neid überantwortet hatten.

Wusste: Darum fasste er diese Gelegenheit bei der Hand, damit er Christus freimachen könnte und ihm das Leben geschenkt würde. Aber auf diese Weise wäre dem guten Namen und Leumund Christi ein großer Abbruch geschehen. Denn wenn er nicht wegen seiner Unschuld, sondern nur aus Mitleid freigelassen worden wäre, hätte man ihn für einen Übeltäter und lasterhaften Menschen gehalten. Denn die fleischlichen Anschläge der menschlichen Weisheit nutzen wenig zur Ehre Gottes.

11. Aber die Hohepriester reizten das Volk, dass er ihnen viel lieber den Barabbas losgäbe.

Reizten: Gegen Christus, dass sie vielmehr Barabbas erwählten und diesen von Pilatus freizugeben forderten.

12. Pilatus aber antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Was wollt ihr denn, dass ich tue dem, den ihr schuldigt, er sei ein König der Juden?

Wiederum: Und begehrte, Christus zu erlösen, weil er unschuldig war.

13. Sie schrien abermal: Kreuzige ihn!

14. Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er Übels getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn!

Übels getan: Weshalb er ihn der Kreuzigung nicht wert hält. Ich finde keinen Grund für seinen Tod an ihm. Es hat aber Pilatus dem Herrn Christus so oft Zeugnis seiner Unschuld gegeben, damit bekannt würde, wie Christus um fremder Sünden willen starb.

Schrien: Das Volk lässt sich jedoch von den Hohepriestern gegen Christus aufbringen, dass sie fordern, man sollte ihn kreuzigten, dem sie noch vor wenigen Tagen zugeschrieben haben, Hosianna, dem Sohn David, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herren. Denselben begehren sie nun, dass er gekreuzigt wird, der ihnen viele und große Guttaten erwiesen hatte. Darum soll sich niemand auf die Gunst des gemeinen Volkes verlassen. Denn der gemeine Haufen ist sehr unbeständig. Und die Undankbarkeit der Menschen gegen ihre Wohltäter ist sehr groß.

15. Pilatus aber gedachte, dem Volk genugzutun, und gab ihnen Barabbas los und überantwortete ihnen Jesum, dass er gegeißelt und gekreuzigt würde.

Gegeißelt: Denn Pilatus hatte Christus zuvor geißeln und ihn so hässlich zurichten lassen, dass das Blut über den ganzen Leib geflossen ist und hat ihn hernach dem Volk vorgeführt, in der Hoffnung, sie würden so besänftigt und zum Mitleid bewegt werden, dass sie von ihrem unrechten Vorhaben Abstand nehmen würden. Es war aber alles vergebens gewesen. Und weil das Volk Pilatus zugeschrieben hat, er würde kein Freund des Kaisers sein, wenn er Christus, den König der Juden, freiließe, wollte Pilatus viel lieber die Gunst des Volkes und des Kaisers behalten und verurteilte Christus zum Kreuz. Aber was Pilatus gefürchtet hat, das ist ihm begegnet. Denn er ist nicht lange danach wegen einer anderen Ursache beim Kaiser in Ungnade gefallen, dass er sein Leben jämmerlich im Elend beendet hat. Denn, die die Gunst der Menschen wegen der Gerechtigkeit nicht verlieren wollen, die kommen dadurch bei Gott in Ungnade und laden schließlich die Ungunst der Menschen auch noch auf sich. Christus aber ist unschuldig, auch von der weltlichen Obrigkeit, zum Tode verurteilt worden, auf dass wir ins ewige Leben eingehen dürfen.

16. Die Kriegsknechte aber führten ihn hinein in das Richthaus und riefen zusammen die ganze Schar;

Schar: Als ob Christus von wenigen nicht genug Schmach angelegt werden könnte. Denn da Christus erneut verurteilt worden ist, haben die Kriegsknechte ihm viel Schmach angetan, ehe man ihn zum Kreuz hinausgeführt hat, wie auch Matthäus im Kapitel 27 erzählt.

17. und zogen ihm einen Purpur an und flochten eine dornene Krone und setzten sie ihm auf;

Purpur an: Zum Gespött, weil es sich für einen König ausgab. Den Purpur war zur damaligen Zeit eine königliche Kleidung.

Ihm auf: Haben sie ihm dazu aufs Haupt gedrückt, dass das Blut herausgeflossen ist. Auch haben sie ihm ein Rohr anstatt eines Zepters in die Hand gegeben, wie die anderen Evangelisten berichten.

18. und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßt seist Du, der Juden König!

19. Und schlugen ihm das Haupt mit dem Rohr und verspeiten ihn und fielen auf die Knie und beteten ihn an.

Beteten: Sie taten ihm große Ehre an, wie man sie sonst den Königen zu erweisen pflegte. Diese Schmach hat unsere Hoffart, unseren Ehrgeiz, den Überfluss in der Kleidung und unseren Übermut gebüßt, da wir aufgeblasen sind und größere Ehre suchen, als die, die uns gebührt.

20. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur aus und zogen ihm seine eigenen Kleider an und führten ihn aus, dass sie ihn kreuzigten.

Eigene Kleider: Denn Gott hat besonders gewollt, dass Christus mit seinen Kleidern angezogen zum Kreuz geführt wird, mit niemand sagen könnte, es wäre ein anderer anstelle Christi gekreuzigt worden, wie es dennoch Mohammed in seinem Koran lasterhaft vorgibt.

21. Und zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene; der vom Felde kam (der ein Vater war des Alexander und Rufus), dass er ihm das Kreuz trüge {Mt 27v12 Lk 23v26}.

Zwangen: Gegen seinen Willen, wogegen er sich nicht wehren konnte. So will unser alter Adam auch gezwungen sein, dass er das Kreuz Christi tragen soll, was er sehr ungern tut. Wie aber diese Tat dem Simon von Sirene zum ewigen Ruhm gereicht, so werden wir, wenn wir das Kreuz Christi tragen, mit ewiger Herrlichkeit geziert werden. Denn wenn wir mit Christus leiden, so werden wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden {Röm 8}.

Trüge: Bis zur Stadtmauer und weil die Kriegsleute sich sorgten, er könnte, weil er bereits zu viel Blut verloren hatte, zu kraftlos werden und auf dem Weg sterben, ehe sie ihn ans Kreuz bringen konnten.

22. Und sie brachten ihn an die Stätte Golgatha, das ist verdolmetscht: Schädelstätte {Mt 27v13 Lk 23v33 Joh 19v17};

Schädelstätte: Wo viele Schädel und Gebeine der Übeltäter, die dort vom Leben zum Tod gerichtet worden waren, lagen. Es hat aber Christus an einem unehrlichen und schändlichen Ort sterben wollen, damit wir durch den Tod zur ewigen Herrlichkeit eingehen können.

23. Und sie gaben ihm Myrrhen im Wein zu trinken; und er nahm es nicht zu sich.

Zu trinken: Da es ihn am Kreuz dürstete, so taten sie ihm zum Gespött, dass sie den Wein mit Myrrhe bitter machten, wie wenn jemand einem Menschen, der sehr durstig ist, einen bitteren Trunk Wermutwein darreicht und ihn spöttisch zu trinken heißt.

Nicht zu sich: Denn er sah, dass er solchen Durst leiden musste. Es hat aber Christus einen großen Durst am Kreuz gelitten und damit unsere Überfüllung gebüßt. Nicht dass wir uns danach umso mehr der Völlerei befleißigen sollten, sondern dass wir eine Abscheu davor haben und künftig ein nüchternes und mäßiges Leben führen.

24. Und da sie ihn gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider und warfen das Los darum, welcher was überkäme.

Gekreuzigt: Wie auch Matthäus im Kapitel 27, Lukas 23 und Johannes 19 melden.

25. Und es war um die dritte Stande, da sie ihn kreuzigten.

Dritte Stunde: Dass sie Christus zur Stadtmauer hinausgeführt hatten, was bei uns um 9:00 Uhr ist. Das Kreuz aber war damals der schmähliche Tod und bei den Juden abscheulich, viel schlimmer noch als bei uns der Galgen oder das Rad. Denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt {5Mos 21 Gal 3}. Christus aber hat uns vom Fluch des Gesetzes erlöst da er für uns ein Fluch (am Kreuz) wurde, damit deswegen Abrahams Segen unter die Heiden käme in Christus Jesus {Gal 3}. Das heißt: Christus hat gelitten, dass man ihn für einen verfluchten Menschen gehalten hatte, als er am Kreuz gehangen war, dass wir vom Fluch des Gesetzes und von der ewigen Verdammnis erlöst werden. Und dass nicht nur die Juden, sondern auch die Heiden, die an Christus glauben, des Segens und der ewigen Seligkeit, die dem Abraham verheißen worden war, durch Christus teilhaftig werden. Christus aber umfasst und nimmt mit seinen am Kreuz ausgebreiteten Händen alle bußfertigen Sünder auf. Daher spricht er: Wenn ich von der Erde erhöht werde, so will ich alle zu mir ziehen {Joh 12}. Uns aber soll es dankbar machen, dass wir den alten Adam kreuzigten und ihm nicht gestatten, dass er seinen verkehrten Willen durchsetzt. Denn so schreibt der Apostel Paulus: Die Christus angehören, die kreuzigten ihr Fleisch samt den Wüsten und Begierden {Gal 5}. Gleichwie Christus am Kreuz seiner Kleider beraubt worden ist, so berauben auch heutzutage noch etliche die Kirche, was ihnen nicht ungestraft hingehen wird.

Nach Luther: Um die dritte Stunde begannen sie zu handeln, dass er gekreuzigt würde. Aber um die sechste Stunde ist er gekreuzigt worden, wie die anderen Evangelisten schreiben. Es meinen aber etliche, der Text sei hier durch den Schreiber fehlerhaft wiedergegeben geworden, dass anstatt des Buchstabens Sigma (was im griechischen 6 bedeutet) der Buchstabe Gamma genommen worden ist, (der 3. bedeutet), weil sie einander nicht ganz ungleich sind.

26. Und es war oben über ihn geschrieben, was man ihm schuld gab, nämlich: Ein König der Juden.

Schuld gab: Was die Juden dem Pilatus vorbrachten.

Ein König: Die anderen Evangelisten setzen in den vorigen Kapiteln seinen Namen hinzu, Jesus von Nazareth. Obwohl nun Pilatus dies den Juden zur Verachtung und zur Schmach geschrieben hatte, weshalb sie auch begehrten, dass er etwas ändern sollte, so ist es durch dieses göttliche Geschick geschehen, dass dem König Christus ein Wahrzeichen am Kreuz aufgerichtet worden ist, das bezeugte, dass er nicht wegen einer Übeltat gekreuzigt wurde, sondern dass er wahrhaftig der himmlische König ist, der dem israelitischen Volk durch die Propheten versprochen gewesen war.

27. Und sie kreuzigten mit ihm zwei Mörder, einen zu seiner Rechten und einen zur Linken.

Zur Linken: Sodass er in der Mitte zwischen zwei Mördern aufgehängt wurde, als ob er der allergrößte Übeltäter wäre, der doch (wie Petrus sagt) keine Sünde getan hat und auch kein Betrug in seinem Mund gefunden werden konnte {1Petr 2}.

28. Da ward die Schrift erfüllt, die da sagt: Er ist unter die Übeltäter gerechnet.

Schrift {Jes 53}: Es ist aber Christus unter die Übeltäter gerechnet worden, damit wir unter die Gerechten und die Kinder Gottes gezählt werden. Denn die an den gekreuzigten Christus glauben, die werden vor Gott als gerecht geachtet werden.

29. Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Häupter und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel und baust ihn in dreien Tagen {Mt 27v37 Lk 23v35 Joh 2v19}!

Schüttelten: Wie es die zu tun pflegen, die andere höhnisch verspotten. Davon berichten auch Matthäus und Lukas.

Tagen: Wie du dich gerühmt hast. Du wolltest den herrlichen Tempel in Jerusalem zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen, wo du doch dir selbst am Kreuz nicht helfen kannst? Dass man aber die Schmähungen der Feinde leiden muss, wenn es einen übel ergeht, ist eine Strafe der Sünde, die Christus geduldet hat, damit die Teufel in der Hölle uns nicht verspotten. Die Welt pflegt aber fromme Menschen in ihrem Unglück zu verspotten und sie höhnisch auszulachen. Hier ist große Geduld nötig.

30. Hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!

31. Desgleichen die Hohepriester verspotteten ihn untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen.

Hohepriester: Die doch verständiger und bescheidener gewesen sein sollten, als der gemeine Haufen.

Untereinander: Das heißt: Sie hatten miteinander Spaß daran, dass sie Christus schmähten, und wetteiferten gleichsam miteinander, wer es dem anderen vormachen und die meisten Schmachworte gegen Christus ausstoßen konnte.

32. Ist er Christus und König in Israel, so steige er nun vom Kreuz, dass wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.

Glauben: Dass er der versprochene Messias ist. Dies hat Christus leiden wollen, damit er für die Gotteslästerungen büßen, womit wir Gott durch Missbrauch seines göttlichen Namens schwer erzürnen. Er hat sie aber darum gebüßt, dass wir uns zukünftig davor enthalten sollen.

Ihn auch: Doch der eine Mörder hat sich danach zu Christus bekehrt, wie Lukas berichtet im Kapitel 22 und den anderen Mörder wegen seiner Lästerungen gescholten. Es hat aber Christus ohne Zweifel dies herzlich wehgetan, dass er gesehen hat, wie sein allerheiligstes Leiden dem gottlosen und verstockten Mörder nichts genutzt hat, der auch durch keine Strafe und keine Pein zurecht gebracht werden konnte. Denn es sind etliche in der Bosheit so verhärtet, dass, wenn sie auch mitten in der Strafe stecken, sie dennoch an keine Buße denken, sondern vielmehr Sünde auf Sünde häufen. Diese sind in einen verkehrten Sinn gegeben worden, wie es denen üblicherweise geschieht, die alle heilsamen Warnungen verachtet und in den Wind geschlagen haben.

33. Und nach der sechsten Stunde ward eine Finsternis über das ganze Land bis um die neunte Stunde.

Neunte: Was bei uns um 3:00 Uhr nachmittags ist. Und von dieser Finsternis schreibt auch Matthäus im Kapitel 27. Es ist aber keine natürliche Finsternis der Sonne gewesen. Denn auf natürliche Weise geschehen die Sonnenfinsternis sonst immer bei Neumond, dies aber ist vorgegangen, als der Mond voll gewesen ist. Es hat deswegen die Sonne gegen die Natur der Erde sich ihr entzogen und wollte nicht leuchten, da ihr Schöpfer am Kreuz gestorben ist. Es bedeutet aber auch diese Finsternis die grausame finstere Nacht des jüdischen Volkes, die Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, verworfen und erwürgt haben. Darum sehen wir, dass heutzutage die Juden in der dicksten und gräulichsten Finsternis der Religion stecken und ihre Rabbiner gräuliche Irrtümer nicht merken. Auf diese Finsternis wird im anderen Leben die äußerste Finsternis folgen, wenn nichts anderes sein wird, als Heulen und Zähneklappern, Jammer und Not, Ach und Weh in alle Ewigkeit. Diese, ihre Strafen, sollen uns zur Warnung und Erinnerung dienen, dass wir unserem Heiland Christus dankbar sind, nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat.

34. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani? das heißt verdolmetscht: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Verlassen: Du lässt mich in meiner größten Not stecken und kommst mir nicht zu Hilfe. Diese Worte sind aus dem 22. Psalm genommen. Und Christus ist sich so vorgekommen, dass er verlassen sei nach der Empfindlichkeit seines Fleisches, weil er keine Hilfe von Gott empfand. Er hat aber diese Anfechtung gelitten, damit wir in ähnlichen Ängsten nicht verzagen. Denn es können Zeiten kommen, dass wir eine Zeit lang meinen, wir sind von Gott und aller Welt verlassen.

35. Und etliche, die dabeistanden, da sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elias!

Elias: Der im feurigen Wagen in den Himmel aufgenommen worden ist, von dem begehrt er Hilfe. Obwohl sie die hebräische und syrische Sprache wohl verstanden, so verkehrten sie das inbrünstige und sehnliche Gebet Christi bösartig in ein Gespött.

36. Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und tränkte ihn und sprach: Halt, lass sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme.

Rohr: Mit dem er Christus bis zum Mund reichen konnte. Hier hat Christus deine Trunkenheit mit Durst und danach mit einem Trunk Essig gebüßt, damit du danach ein nüchternes und mäßiges Leben führst.

Nehme: Um ihn zu erlösen. Solche giftigen Sticheleien hat Christus gelitten, damit er die schrecklichen Schmachworte büßte, die wir oft gegen den Nächsten ausstoßen und ihn damit beleidigen, ihm auch seine Reden und seine Taten übel auslegen und verkehren.

37. Aber Jesus schrie laut und verschied.

Schrie laut: Als er seinen Geist oder seine Seele seinem himmlischen Vater befohlen hat.

Verschied: Der Tod Christi aber ist unser Leben. Und Christus ist für alle gestorben, damit die, die da leben, nicht für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist {2Kor 5}.

38. Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke, von oben an bis unten aus.

Vorhang: Der vor dem Allerheiligsten hing. Das beschreiben auch Matthäus 27 und Lukas 23. Es wird aber damit zu verstehen gegeben, dass durch den Tod Christi die Tür des Himmelreichs geöffnet ist. Und dass Gott in Zukunft nicht mehr im Tempel in Jerusalem wohnen würde, so wären auch die levitischen Opfer nicht mehr wichtig, weil das wahre und einzige, dazu allerheiligste Opfer jetzt geopfert worden ist, für das die levitischen Opfer ein Vorbild gewesen waren.

39. Der Hauptmann aber, der dabeistand ihm gegenüber und sah, dass er mit solchem Geschrei verschied, sprach er: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Geschrei: Indem er seine Seele seinem himmlischen Vater befahl.

Gewesen: Und unschuldig ermordet worden. Dieser Hauptmann, der Christus zu seinen Lebzeiten mit den anderen aus Unwissenheit verfolgt hatte, hat ihn erst, als er gestorben war, recht erkannt und ist ohne Zweifel selig geworden. Denn Gott hat auch unter den Kriegsleuten seine Auserwählten.

40. Und es waren auch Weiber da, die von ferne solches schauten, unter welchen war Maria Magdalena und Maria, des kleinen Jakobus und des Joses Mutter, und Salome,

Schauten: Wie Christus am Kreuz hielt. Davon erzählen auch Matthäus 27 und Lukas im 23. Kapitel. Denn wenn es uns sehr übel ergeht, und wir in großer Not stecken, so pflegen die Freunde weit abseits zu stehen, wenn sie es auch sonst nicht böse mit uns meinen.

Magdalena: Von welcher Christus früher sieben Teufel ausgetrieben hatte.

41. die ihm auch nachgefolgt, da er in Galiläa war, und gedient hatten, und viel andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren {Lk 8v2}.

Nachgefolgt: Damit sie seine Predigten hörten und mit den Wunderwerken, die sie von ihm sahen, ihren Glauben stärkten.

Gedient: Mit ihren Gütern und anderen, damit sie ihm behilflich sein konnten.

Gegangen: Aufs Osterfest. Denn das weibliche Geschlecht ist Gott auch lieb, und man findet gottseligen Matronen und Jungfrauen, die vielen Männern in der Gottseligkeit und mit Eifer in der rechten Religion vorangehen. Und obwohl diese Matronen aus Furcht nicht näher zum Kreuz hinzutreten dürfen, so ist es doch an ihnen zu loben, dass sie Christus nicht ganz verlassen, wie es der größere Teil seiner anderen Jünger und Apostel getan hat.

42. Und am Abend, dieweil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbat,

Und: Es folgt das Begräbnis Christi, das auch beschrieben wird bei Matthäus im 27., Lukas im 23. und Johannes 19. Kapitel.

Rüsttag: Als man sich zum großen Sabbat des folgenden Tages rüstete.

Vorsabbat: An dem man die Leichen vom Kreuz nehmen musste wegen des folgenden Sabbats, der näher rückte.

43. kam Joseph von Arimathia, ein ehrbarer Ratsherr, welcher auch auf das Reich Gottes wartete; der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu {Mt 27v57 Lk 23v50 Joh 19v38}.

Arimathia: In dieser Stadt geboren, aber ein Bürger in Jerusalem und ein Mitglied des dortigen Rates. Dieser hatte nicht in den Tod Christi eingewilligt, wie die anderen Evangelisten bezeugen.

Wartete: Er hatte eine lange Zeit bereits auf die Ankunft des Messias gewartet und trug ein herzliches Verlangen nach der ewigen Seligkeit, hatte auch Christus recht erkennen lernen, war aber doch bis hierhin ein heimliche Jünger Christi gewesen. Denn auch wenn es um die Religion übel im Volk Gottes steht, so hat Gott dennoch seine Auserwählten darunter.

Wagte es: Dass er sich ein Herz fasste und darauf bedacht war, wie er Christus ehrlich begraben könnte, da fast alle anderen Freunde Christus verlassen hatten und die Apostel sich größtenteils aus Furcht verborgen hielten. Denn es pflegt normalerweise zu geschehen, dass die, die sehr kleinmütig gewesen sind, wenn es dann doch gut steht, sie hernach mutig und keck werden; und wenn man meint, es sei mit der Religion ganz aus, dass sie sich hervortun und Christus ohne Scheu bekennen.

44. Pilatus aber verwunderte sich, dass er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er längst gestorben wäre.

Schon tot: Weil er meinte, dass es kaum möglich sein konnte, dass Jesus so bald gebrochen sein konnte. Denn Gott hat ihm, nachdem seine Gerechtigkeit genug geschehen war, die Schmerzen dieses Lebens abgekürzt. So weiß Gott auch den Frommen in Todesnöten ihnen durch die Zeit zu helfen.

45. Und als er‘s erkundet von dem Hauptmann, gab er Joseph den Leichnam.

Erkundet: Dass er bereits eine gute Weile tot wäre.

46. Und er kaufte eine Leinwand und nahm ihn ab und wickelte ihn in die Leinwand und legte ihn in ein Grab, das war in einen Fels gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür.

Legte: Nachdem er ihn zuvor mit wohlriechenden Spezereien gesalbt hatte. Dazu ist dann auch noch Nikodemus gekommen, und hat das Seinige getan, damit Christus ehrlich begraben würde, wie die anderen Evangelisten berichten.

47. Aber Maria Magdalena und Maria Joses schauten zu wo er hingelegt ward.

Schauten: Und achteten fleißig darauf. Denn sie wollten nach dem Sabbat wiederkommen und den Leib Jesu mit Spezereien und köstlichem Salben bestreichen, damit er so viel wie möglich vor der Verwesung lange geschützt wäre. Ihr Tun wäre allerdings nicht ohne Irrtum gewesen, denn sie meinten nicht, dass Christus nach wenigen Tagen auferstehen würde. Indem aber Christus in ein neues Grab gelegt worden ist, hat er alle Gräber der Christen zu heiligen Schlafkammern geweiht, damit dort unsere Leiber ruhen, bis sie durch die Kraft des Verdienstes Christi zur ewigen Unsterblichkeit wiederum erweckt werden.


Das 16. Kapitel


Dieses Kapitel beinhaltet: 1. Die Auferstehung Christi und seine Erscheinungen. 2. Desgleichen, was Christus seinen Jüngern nach der Auferstehung für Befehle gegeben hat. 3. Endlich wird auch von seiner herrlichen Himmelfahrt erzählt.

1. Und da der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria des Jakobus und Salome Spezerei, auf dass sie kämen und salbten ihn.

Und: Wir sind endlich zu Gottes Lob bekommen, bis zu der herrlichen und siegreichen Auferstehung Christi, die zu unserer Seligkeit so nötig gewesen sind, dass ohne diese sein ganzes Leiden uns nichts genutzt hätte. Denn wenn Christus nicht auferstanden wäre, so wären wir noch in unseren Sünden und nicht davon erlöst {1Kor 15}. Die Auferstehung Christi ist deshalb ein unfehlbares Zeugnis, dass unsere Sünden versöhnt sind, der Tod überwunden ist, den Gläubigen die Hölle zerstört und der Zorn Gottes versöhnt worden ist. Und weil Christus, unser Haupt, von den Toten auferstanden ist, so wird er uns, als seine Glieder, nicht im Tod bleiben lassen, sondern am Jüngsten Tag zum ewigen Leben auferwecken. Die aber Christi Auferstehung von Herzen glauben, die stehen auch in diesem Leben geistlich auf, dass sie ohne Sünde in der Gerechtigkeit leben {Röm 6}.

Sabbat: Nämlich, des Osterfestes, an dem man nichts arbeiten durfte. Da ist die Auferstehung Christi alsbald bekannt und verlautet worden, wie auch Matthäus im 28., Lukas im 24. und Johannes im 20. Kapitel bezeugen.

Spezerei: Allerlei köstlichste und wohlriechende Sachen, wie man sie in den Morgenländern zu gebrauchen pflegte.

Ihn: Nämlich Jesus. Obwohl nun diese Frauen die Auferstehung Christi nicht recht verstanden haben, so ist doch das an ihnen zu loben, dass sie sich durch keine Gefahr abschrecken ließen, Christus zu ehren, so viel ihnen möglich war und auch keine Kosten sparen wollten. So sollen wir uns auch von nichts abhalten lassen, sei es Feindschaft, Gefahr oder Kosten, dass wir nicht tun würden, was zur Ehre Gottes gehört.

2. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbater sehr frühe, da die Sonne aufging.

Sabbater: Hier muss man wissen, dass die ganze Woche des Osterfests heilig gewesen und gefeiert worden ist, jedoch mit dem Unterschied, dass am ersten und letzten Tag das Fest am größten war. Was aber zwischen diesen beiden Tagen lag, wurde Sabbater genannt, weil man sie feierte, wenn sie auch nicht so hoch feierlich gehalten wurden, wie der erste und letzte. So ist der Sabbat der also, von dem hier die Rede ist, der nächste Tag nach dem großen Sabbat, was bei uns dem Sonntag entspricht.

3. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4. Und sie sahen dahin und wurden gewahr, dass der Stein abgewälzt war; denn er war sehr groß.

Gewahr: Darüber haben sie sich ohne Zweifel stark verwundert.

Groß: Dass sie ihn nicht alleine hätten wegheben können.

5. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an. Und sie entsetzten sich.

Weißes Kleid: Denn die Engel können Gestalt annehmen, wie sie wollen, je nach Art der Sachen, die sie zu verrichten haben.

Entsetzten: Denn die menschliche Natur erschrickt und zitterte in diesem Leben wegen ihrer Schwachheit über die Erscheinung der Engel.

6. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden und ist nicht hier. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten.

Euch nicht: Denn die heiligen Engel sind nicht darum da, dass sie den Frommen schaden, sondern dass sie ihnen Gutes tun.

Sucht Jesus: Nicht dass ihr ihm eine Schmach oder eine Unehre antun möchte, sondern in dem Sinn, dass ihr ihn salben wollt und so dem Toten auch Ehre erweisen möchtet.

Auferstanden: Von den Toten. Es ist deswegen der Teufel, mit dem Jesus einen Kampf ausgetragen hatte, für die Erlösung des menschlichen Geschlechts überwunden worden.

Nicht hier: Nämlich, in sichtbarer und greifbarer Art, sodass ihr ihn salben könntet. Hier irren sich die Zwinglianer sehr, die aus diesem und ähnlichen Sprüchen schließen, Christus könne mit seiner Menschheit höchstens an einem Ort gegenwärtig sein. Und es ist ein schlechter Beweis: Christus ist sichtbar nicht hier, darum ist er gar nicht hier.

7. Geht aber hin und sagt‘s seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat {Mt 26v32 Mk 14v28}.

Gesagt hat: Vor seinem Leiden, als er zu seinen Jüngern, wie er mit ihnen hinaus an den Ölberg gegangen ist, geredet hat. Wenn ich auferstehen werde, will ich vor euch hintreten in Galiläa. Es spricht aber der Engel von der großen Erscheinung in Galiläa, als Jesus von mehr als 500 Brüdern auf einmal gesehen worden ist {1Kor 15}. Und Christus hat Petrus seine Auferstehung insbesondere verkündigen lassen wollen, damit er und alle bußfertigen Sünder wüssten, dass Gott sie nicht verstoße, sondern in Gnaden aufnehmen will. Einen solchen Trost kann uns auch die Beichte geben, die jedem die Vergebung seiner Sünden verkündigt.

8. Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen ankommen. Und sagten niemand nichts; denn sie fürchteten sich.

Niemand nichts: Bis sie sich allmählich wieder erholt und zu sich selbst gekommen waren. Denn eine Furcht hindert uns bisweilen, dass wir nicht sofort unseren Ämtern nachgehen können.

Fürchteten sich: Sie waren über die Erscheinung des Engels heftig erschrocken.

9. Jesus aber, da er auferstanden war frühe am ersten Tage der Sabbater, erschien er am ersten der Maria Magdalena, von welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte.

Magdalena: Die früher eine große Sünderin und ein unzüchtiges Weib gewesen war.

Sieben Teufel: Denn damit hat Gott zu verstehen gegeben, wie ihm die Unzucht zuwider ist. So hat er sie eine Zeit lang vom Teufel plagen lassen. Danach hat sich Christus des elenden Weibes wiederum erbarmt und die Teufel von ihr ausgetrieben. Darum ist aus einem unzüchtigen und losen Weib eine keusche Matrone geworden, die Christus so hoch geehrt hat, dass er ihr als erste erschienen ist, um anzuzeigen, dass er in die Welt gekommen ist, um die bußfertigen Sünder selig zu machen {1Tim 1}.

10. Und sie ging hin und verkündigte es denen, die mit ihm gewesen waren, die da Leid trugen und weinten.

Weinten: Über den gekreuzigten Christus. Sie wollte nun diesen auch ihre Freude teilhaftig machen. Christus hat aber der Maria Magdalena solch fröhliche Botschaft befohlen, und sie sozusagen zur Apostelin gemacht, um anzuzeigen, wie er erhöht, was niedrig ist und dass man das weibliche Geschlecht nicht verachten soll.

11. Und dieselben, da sie hörten, dass er lebte und wäre ihr erschienen, glaubten sie nicht.

Sie nicht: Obwohl Christus selbst vor seinem Leiden etliche Male ihnen so etwas gesagt hatte, dass er am dritten Tag von den Toten auferstehen würde. Denn gleichwie das menschliche Herz sich leicht bewegen lässt, dass es den Lügen glaubt, so will es dem Wort Gottes nur schwer Beifall spenden. So stark ist unsere Natur verdorben.

12. Danach da zwei aus ihnen wandelten, offenbarte er sich unter einer andern Gestalt, da sie aufs Feld gingen.

Aus ihnen: Nämlich, aus der Zahl der Jünger Christi.

Feld gingen: Nach Emmaus. Dies ist auch noch am selben Tag geschehen, als Christus auferstanden ist. Denn er ist ihnen als ein Wandersmann erschienen, der wie zufällig auf dem Weg zu ihnen gekommen war. Und er hat ein langes Gespräch mit ihnen geführt, indem er ihnen die Schrift des Alten Testaments ausgelegt hat, die von Christus gelehrt hatte. Endlich aber, als er mit ihnen zu Tisch gesessen hatte, haben sie ihm am Brotbrechen erkannt, wie Lukas berichtet im Kapitel 24, wo er diese Geschichte weitläufig beschreibt.

13. Und dieselben gingen auch hin und verkündigten das den andern; denen glaubten sie auch nicht.

Anderen: Jüngern Christi mit Freuden, wie Christus von den Toten auferstanden wäre.

Auch nicht: Die in Jerusalem geblieben waren. Denn wir glauben das Böse eher als das Gute, wenn wir bekümmert und traurig sind, weil das menschliche Herz Gott misstraut und im Unfall eher das Böse als das Gute sieht.

14. Zuletzt, da die Elfe zu Tische saßen, offenbarte er sich und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden.

Saßen: Noch am Tag der Auferstehung Christi am Abend.

Schalt: Es schilt zwar Christus seine Jünger, aber er verstößt sie nicht ganz, denn er kann die Schwachen dulden. So sollen auch wir die Schwachheiten unserer Mitbrüder tragen, doch wir sollen uns bemühen, sie zu verbessern, so viel es möglich ist.

15. Und sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!

Und sprach: Nämlich, über die Zeit, dass sich die elf Apostel in Galiläa versammelt hatten und Christus seinen Jüngern verkündigte, dass ihm alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben worden ist {Mt 20}. Es sind aber zwischen der vorgenannten Erscheinung Christi und den danach folgenden Worten noch zwei Erscheinungen Christi vorgegangen, als er dem Thomas seine Wunden gezeigt und er sich am Meer dem Tiberias geoffenbart hatte, wie Johannes im 20. und 21. Kapitel erzählt.

Alle Welt: Nicht nur ins jüdische Land, sondern auch zu den gottlosen Heiden.

Allen Kreaturen: Allen Menschen, wie gottlos sie auch sind, auch wenn sie es nicht wert wären, dass sie Menschen genannt werden. Denn Gott will niemanden von der ewigen Seligkeit ausschließen, wenn sich selbst niemand durch den Unglauben ausschließt.

16. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Glaubt: Meinem Evangelium. Der Glaube an Christus macht deshalb gerecht und selig.

Getauft wird: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Darum soll man die Taufe nicht versäumen, wenn sie einem widerfahren kann. Denn dadurch wird der Glaube gestärkt und sie ist das Mittel der Wiedergeburt. Johannes im 3. Brief an Titus und im 1. Petrus im 3. Kapitel.

Nicht glaubt: Meinem Evangelium, egal, ob er getauft ist oder nicht und ein ehrbares Leben vor der Welt geführt hat, wie immer er es wollte.

Verdammt: Und er wird also wegen seines Unglaubens ewig gestraft werden. Deshalb sollen wir unseren Glauben durch das Anhören des Evangeliums, wie auch mit dem Gebet und dem Gebrauch des heiligen Abendmahls stärken, damit wir den Glauben bis ans Ende behalten und das ewige Leben erlangen.

17. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden {Apg 2v2 v4 10v46},

Glauben: Das heißt, die dem Evangelium glauben, die werden in meinem Namen herrliche Wunderwerke tun, damit die christliche Religion anfangs damit bestätigt wird.

Namen: Durch meine Kraft und Wirkung, wenn sie meinen Namen anrufen werden.

18. Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tödliches trinken, wird‘s ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird‘s besser mit ihnen werden.

Schlangen: Oder andere giftige Tiere, mit denen sie ohne Schaden umgehen werden. Dies ist am Beispiel des Apostel Paulus zu sehen, als er auf der Insel Malta gewesen ist und ihn eine Otter die Hand gebissen hat, die er ins Feuer schleuderte und es ist ihm nichts Böses widerfahren {Apg 28}.

Tödliches trinken: Dass man ihnen mit Gift nach dem Leben trachtet.

Besser: Und sie werden Ihre Gesundheit wiederum erlangen. Diese und ähnliche Wunderzeichen waren in der 1. Kirche nötig, dass die Lehre des Evangeliums bestätigt wurde. Danach haben sie nach und nach aufgehört. So sind auch in der 1. Kirche nicht alle Christen mit solchen Gaben geschmückt gewesen, sondern nur einige, die Gott vor den anderen zur Ausbreitung und Beförderung der himmlischen Lehre gebrauchen wollte, wie es im 1. Korinther 12. ausreichend zu sehen ist. Und weil wir heutzutage keine andere Lehre vortragen, als die in den prophetischen und apostolischen Schriften verfasst ist und die bereits mit so vielen herrlichen Wunderwerken Christi und der Apostel bestätigt worden ist, so benötigen wir zur jetzigen Zeit keine neuen Wunderwerke mehr.

19. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sitzt zur rechten Hand Gottes.

Geredet: Alles, was nötig gewesen war und hat sich wieder nach Judäa begeben, als er sie von Jerusalem hinaus nach Bethanien geführt hat, wie Lukas berichtet im Kapitel 24.

Aufgehoben: Dass die Jünger zusahen. Die Himmelfahrt Christi aber wird uns vom Apostel Paulus so erklärt {Eph 4}. Der hinuntergefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf dass er alles erfüllt. Alles erfüllen aber heißt, überall gegenwärtig sein und regieren. Und weil Gott der Vater, zu dessen rechten Christus sich gesetzt hat, ein Geist ist, der weder Fleisch noch Bein hat, so ist es auch unleugbar, dass in göttlichen Wesen eigentlich davon zu reden ist, dass es weder rechts noch links gibt. Es ist deswegen die Rechte Gottes kein fleischlicher Arm, sondern Gottes Majestät und Allmacht. Zur Rechten Gottes sitzen heißt nichts anderes, als zur unendlichen Majestät und Gewalt erhoben zu sein. Dies muss man von der Menschheit Christi verstehen, zumal der Gottheit, so wie ihr nichts genommen werden kann, auch nichts gegeben werden kann. Darum ist die Auffahrt Christi zum Himmel und sein Sitzen zur rechten Hand des Vaters der Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heiligen Abendmahl nicht zuwider, dass diese dadurch viel mehr bestätigt wird. Da aber der Mensch Christus in die himmlische Herrlichkeit eingegangen ist, hat er damit uns den Zugang geöffnet zur ewigen Freude; und es ist der Mensch Christus, der zur Rechten Gottes sitzt, bei seiner Kirche gegenwärtig alle Tage, bis ans Ende der Welt {Mt 28}. Dass er diese erhält und niemand ein einziges Schäflein aus seiner Hand reißen könnte {Joh 10 Röm 8}.

20. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen.

Sie aber: Nämlich, die Apostel, nachdem sie am Pfingsttag den Heiligen Geist empfangen hatten.

Wirkte: Dass sie mit großem Nutzen und Fortgang das Evangelium lehrten.

Zeichen: Oder Wunderwerke. Derselbe Jesus Christus, Gott und Mensch, ist auch heutzutage bei unserem Predigtamt, nach seiner Verheißung: Siehe ich bin bei euch. Und er wirkt durch den Heiligen Geist mit der evangelischen Lehre, dass die Auserwählten an Christus glauben und durch den Glauben das ewige Leben erlangen, das uns allen der ewige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, geben möge, Amen.