Der zweite Brief des Petrus


In diesem Brief verwirft Petrus den Irrtum derjenigen, die sich einen solchen gerecht machenden Glauben einbildeten, der keine guten Früchte bringt. Darum ermahnt der Apostel die Christen, dass sie gute Werke tun sollen und warnt zugleich vor der Menschenlehre, dass wir uns davor hüten und mit der Lehre, die uns von Gott geoffenbart worden ist, genug sein lassen, und diese auch fleißig beachten. Dies alles wird im 1. Kapitel ausführlich behandelt. Im 2. Kapitel warnt er uns sorgfältig, dass wir die falschen Lehrer meiden sollen, die sich in der Zukunft in den Schafstall Christi drängen würden. Und er bildet diese genau ab, wie sie nämlich ihren Geiz mit der Religion beschönigen und daneben doch dem Fleisch zu allerlei Schande und Lastern den Zaum nicht verhängen. Im 3. Kapitel macht er die Christen auf die Bosheit der rohen und sicheren Menschen aufmerksam, die mit dem Jüngsten Tag ihr Gespött treiben. Und er lehrt, dass Christus sicher wiederkommen wird zum Gericht, er zeigt auch an, was dann geschehen wird. Dies tut er mit einer Ermahnung, dass wir in der wahren Gottseligkeit zur Ankunft Christi vorbereitet sind.


Das 1. Kapitel


I. Nach der gewohnten apostolischen Vorrede erzählt Petrus die Guttaten, derer wir durch Christus teilhaftig geworden sind. II. Danach fordert er von den Christen die schuldige Dankbarkeit und erzählt eine Menge an Tugenden auf, denen die nachstreben sollen, die sich zum Christentum bekennen. III. Ferner bestätigt er die Lehre des Evangeliums und rühmt die Schriften der Propheten in bester Form.

1. Simon Petrus, ein Knecht und Apostel Jesu Christi: Denen, die mit uns eben denselben teuren Glauben überkommen haben in der Gerechtigkeit, die unser Gott gibt und der Heiland Jesus Christus {Röm 1v1 Phil 1v1}.

Petrus: Der mit dem Nachnamen so geheißen hat. Und der Herr Christus hat ihm selbst diesen Namen gegeben, nicht deswegen, weil er ein Fels sei, auf den die Kirche gebaut worden sei, denn dieser Fels ist allein Christus, sondern dass er Christus bekannt hatte {Mt 16}. Es soll aber auch ein jeder Christ ein Petrus sein, das ist: Er soll den Felsen Christus erkennen, ihm beständig anhängen und ihn mit Worten und Werken vor der Welt bekennen. Die Bezeichnung Apostel zeigt uns, mit welcher Ehrerbietung man seine Lehre annehmen soll. Denn weil er Apostel und Gesandter des Herrn Christus gewesen ist, soll man ihn hören und seinen Worten Glauben schenken. Obwohl an dieser Stelle die Bezeichnung „Knecht“ Kirchendiener bedeutet, die man auch in Ehren halten, lieben und hören soll, obwohl sie nicht so hoch angesehen sind wie die Apostel, so sollen sich doch alle Christen daran erinnern, dass sie durch Christus erlöst sind, damit sie ihm in Heiligkeit und Gerechtigkeit ein Leben lang dienen, was ihm gefällt {Lk 1}.So lautet die Unterschrift des Briefes. Es folgt jetzt die Überschrift.

Überkommen haben: Das will so viel sagen: Ich schreibe diesen Brief an alle Christen, egal ob sie zuvor Juden oder Heiden gewesen sind, die aus der Predigt des Evangeliums den köstlichsten Glauben, wodurch wir gerecht werden, erlangt haben. Diese Gerechtigkeit des Glaubens haben wir durch das Verdienst Jesu Christi, durch dessen Guttat wir von der ewigen Verdammnis erlöst worden sind. Dass Petrus zwischen Juden und Heiden keinen Unterschied macht, lehrt uns, dass alle, die wahrhaft an Christus glauben, Glieder der rechten Kirche sind, unabhängig, aus welchem Volk sie herkommen. Denn es gibt hier kein Ansehen der Person bei Gott {Apg 10}. Dass er die Gerechtigkeit zum Glauben setzt, lehrt somit das Gleiche, was Paulus sagt: Wir glauben, dass der Mensch durch den Glauben gerecht wird, ohne das Gesetz des Werkes {Röm 3}. Er nennt es aber eine Gerechtigkeit, die Gott und unser Heiland Christus gibt, weil wir sie nicht von uns selbst haben, sondern es eine Gabe Gottes ist, der uns das Verdienst Christi, wenn wir dieses mit Glauben ergreifen, zur Gerechtigkeit zurechnet.

2. Gott gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unseres Herrn! Brief an Judas Vers 2.

Viel Gnade: Dies ist der Gruß. Als wollte er sagen: Ich wünsche euch von Herzen, dass Gott der Herr je länger umso mehr mit seiner Gnade und väterlichen Güte über euch wacht und euch mit allerlei Segen und Guttaten reich überschüttet. Besonders aber, dass der Friede und die Ruhe des Gewissens in euch gemehrt werden und zunehmen. Diese großen Guttaten werden von Gott gegeben durch die wahre Erkenntnis Gottes und unseres Seligmachers, Jesus Christus, des Sohnes Gottes. Und die Wünsche der Gottseligen sind kräftig, wenn sie an fromme Menschen geraten {Mt 10}. Hingegen handeln diejenigen bösartig, die aus fleischlichem Zorn dem Nächsten alles Übel wünschen und solche Flüche und Verwünschungen, die aus erbittertem, zornigem Herzen herrühren, fallen oftmals denen wieder auf den Kopf, die sie ausgestoßen haben. Darum sollen wir unseren Mitchristen nichts Böses, vielmehr alles Gute wünschen. Und es kann einer dem anderen nichts Besseres wünschen als Gottes Gnade und den Frieden des Gewissens, den wir dann erlangen, wenn wir erkennen, mit welch großer Liebe der himmlische Vater uns meint und dass uns unser Bräutigam Jesus Christus aus unendlicher Liebe erlöst hat und uns auch noch heutzutage auf das Höchste liebt.

3. Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft (was zum Leben und göttlichen Wandel dient) uns geschenkt ist durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend {1Petr 2v9}.

Nach: Weil der Apostel Petrus sich vorgenommen hatte, die Menschen zu einem gottseligen und christlichen Leben zu ermahnen, so spricht er zunächst von den Guttaten, die uns durch Christus widerfahren sind, damit wir aus wahrer Dankbarkeit unseres Gemütes tun, was uns wegen unserer Aufgabe zusteht.

Geschenkt ist: Denn Gott hat uns aus reiner Güte und Gnade eine himmlische Kraft geschenkt, dass wir mit Beistand des Heiligen Geistes durch den Glauben das ewige Leben ergreifen und in dieser Welt gottselig leben können, dass auch die, die eine sichere Hoffnung auf das ewige Leben haben, ein gottseliges Leben anstreben sollen. Denn diese beiden gehören zusammen.

Erkenntnis: Die das Mittel ist, wodurch uns das ewige Leben und die wahre Gottseligkeit widerfahren. Denn Gott hat uns durch die herrliche und kräftige Predigt des Evangeliums zur ewigen Seligkeit berufen und durch seine Erkenntnis im Glauben erleuchtet, auch unsere Herzen zur wahren Gottseligkeit geneigt. Die nun aus dem Evangelium Gottes Güte erkennen, die vertrauen dem himmlischen Vater von Herzen und bemühen sich, dass sie sich dankbar zeigen. Man hat aber auch hier zu merken, dass das Evangelium eine Herrlichkeit ist, das ist, ein herrliches Predigtamt, wie Paulus davon spricht {2Kor 3}, weil darin die herrliche und hochgelobte Barmherzigkeit und Gnade Gottes hervorleuchtet, dass er die Sünder in Gnade aufnimmt und ihnen das ewige Leben schenkt. Diese Herrlichkeit oder Klarheit des evangelischen Predigtamtes ist viel größer als die des Gesetzes, wie es Paulus meint. Zumal das Gesetz mit der Verdammnis droht, das Evangelium aber das Leben verspricht. Der Apostel Petrus nennt das Evangelium aber auch eine Tugend oder Kraft Gottes, weil es eine solche Kraft Gottes ist, die alle selig macht, die daran glauben {Röm 1}. Darum fantasieren diejenigen, die das äußere Predigtamt des Evangeliums verachten, als sei es zur Seligkeit nicht notwendig.

4. durch welche uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt sind, nämlich, dass ihr durch dasselbe teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr flieht die vergängliche Lust der Welt:

Durch welche: Durch die herrliche und kräftige Predigt des Evangeliums werden uns die stattlichen Verheißungen von den köstlichsten und größten Dingen gegeben, sodass wir durch das Evangelium, wenn wir glauben, zu Kindern Gottes und Erben der himmlischen Güter aufgenommen werden. Denn obwohl wir von Natur aus weder Götter sind noch Götter werden, so ist dies dennoch ein großes und herrliches Ding, dass wir uns wahrhaftig rühmen können, wir sind Kinder Gottes. Denn Christus hat Macht gegeben, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben {Joh 1}. Es macht uns aber Gott der göttlichen Natur so teilhaftig, als wenn ein Kaiser oder König jemanden aus einem unadeligen Geschlecht und aus dem gemeinen Haufen unter die Edelleute rechnet und aufnimmt und ihm die Würde und die Freiheit des Adels schenkt. Dies kann zwar in der Politik dieser Welt geschehen wegen eines Verdienstes oder einer besonderen Tugend, aber uns wird der himmlische Adel nicht wegen unseres Verdienstes geschenkt, sondern aus Gnade und um des Verdienstes Christi willen, wenn wir dies mit Glauben ergreifen.

Der Welt: Mit diesen Worten schränkt Petrus seine vorige Rede ein, damit wir nicht glauben, diese große Würde widerfahre auch den Lasterhaften und Unbußfertigen. Denn es gebührt denen, die unter die Kinder Gottes gezählt werden wollen, dass sie sich hüten, dass sie nicht den bösen und schändlichen Lüsten nachhängen, die eine vergängliche Wollust machen und den Menschen ins ewige Verderben stürzen. Denn sie reden sich selbst etwas Falsches ein, die ihren bösen Begierden nachhängen und dennoch glauben, sie seien Kinder und Erben Gottes.

5. so wendet allen euren Fleiß daran und reicht dar in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Bescheidenheit

So: Jetzt ermahnt der Apostel uns zur Dankbarkeit und zählt viele Tugenden auf, die einem Christen notwendig sind.

Daran: Dass ihr tut, was ich euch jetzt sage und vorhalten werde. Denn die Christen sollen in ihrer Aufgabe und in ihrem Stand nicht träge und fahrlässig sein, wie es der heilige Petrus sagt: Christus hat sich ein Volk gereinigt, das fleißig zu guten Werken wäre {Tit 1}.

Reicht dar: Beweist euren Glauben gegen den Nächsten mit solchen Tugenden und Taten oder Werken, die einem Christenmenschen wohl anstehen. Denn der Glaube soll mit allerlei guten Werken und christlichen Tugenden geziert sein und leuchten, daher sagt Paulus weiter: Ihr lieben Brüder, was wahrhaft ist, was ehrbar ist, was gerecht ist, was keusch ist, was lieblich ist, was wohl lautet, gibt es etwa eine Tugend, ein Lob, daran denkt, was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut, so wird der Herr des Friedens mit euch sein {Phil 4}.

Bescheidenheit: Dass ihr klug handelt, wenn ihr euch in den Tugenden übt. Denn es geschieht häufig, dass etwas, was an sich selbst richtig und löblich ist, wenn es zur falschen Zeit oder mit Übermaß geschieht, jedes Lob der Tugend verliert und mehr schadet als nutzt.

6. und in der Bescheidenheit Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Gottseligkeit

Mäßigkeit: Dass ihr den fleischlichen Begierden nicht den Zaum lasst, sondern keusch und züchtig lebt. Diese Ermahnung war damals sehr wohl nötig, weil die Heiden die Hurerei, wenn Ledige mit ledigen Personen Unzucht trieben, für keine Sünde hielten und jemanden, der ansonsten in anderen Stücken gerecht und ehrlich lebte, für einen frommen Mann durchgehen ließen. Auch heutzutage werden unter den Christen etliche gefunden, die die Hurerei für keine Sünde halten, besonders wenn sie der päpstlichen Religion zugeneigt sind. Für diese ist diese Erinnerung Petrus hoch notwendig.

Geduld: Dass ihr nicht wegen der Feindschaft der Menschen vom Weg der Gottseligkeit abweicht. Denn wenn wir nicht nach der Art der Kinder dieser Welt leben, so hasst uns die Welt, nach dem Spruch Christi: Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb, weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählt, darum hasst euch die Welt {Joh 15}. Dazu ist aber große Geduld notwendig, dass wir durch die Bosheit der Welt nicht bewegt werden und unsere Hände zu Ungerechtigkeit ausstrecken {Ps 125}.

Gottseligkeit: Die müsst ihr auch immer behalten, dass ihr stets auf Gott hofft, ihn ehrt und das Ende des Übels erwartet. Sonst werden die auch unter den Heiden gefunden, die allerlei Widerwärtigkeiten mit beherztem Mut erdulden, weil sie gesehen haben, dass es nicht anders sein kann. Aber daneben haben sie gegen Gott gemurrt, wie es Kleopatra an ihrem Ende gesagt haben soll: Unsere Götter haben uns verraten. Aber ein frommer Christ hofft auch mitten im Tod auf seinen Gott und erwartet von ihm die Erlösung.

7. und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe gemeine Liebe {Gal 6v10}.

Brüderliche Liebe: Die unter denen ist, die mit euch in der gleichen Religion sind, dass ihr eure Mitchristen liebt und ihnen Gutes erweist. Denn auch im Unglück, was wir erleiden, sollen wir für die Freunde und Mitbrüder im Herrn sorgen. Wie Christus, als er am Kreuz hing, seine Mutter dem Johannes befahl. Und als David ins Elend hinauszog, wollte er seine Freunde, Ithai, Husai Zadock und Abjatar verschonen, damit er sie nicht auch mit sich in Gefahr bringen würde {2Sam 15 16}.

Gemeine Liebe: Die sich auf alle erstreckt, wenn man nicht allein den Frommen, sondern auch den Bösen, ja auch den Feinden Gutes tut. Denn unsere Liebe soll sich auch auf unsere Feinde erstrecken, wie Christus sagt: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und er lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte {Mt 5}.

8. Denn wo solches reichlich bei euch ist, wird es euch nicht faul noch unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesu Christi.

Euch ist: Dass der rechte Glaube und die aufgezählten Tugenden sich bei euch finden, so werdet ihr euch nicht allein der Erkenntnis Christi rühmen, sondern euch auch mit vielen guten Werken ständig bemühen. Die guten Werke aber, worin wir uns üben sollen, sind keine heuchlerischen Werke, wie es im Papsttum viel geschieht, wie der Bilderdienst, die Wallfahrten und dergleichen Narrenwerk, sondern es sind Werke, die nach den Geboten Gottes verrichtet werden zu seiner Ehre und zum Nutzen des Nächsten.

9. Welcher aber solches nicht hat, der ist blind und tappt mit der Hand und vergisst der Reinigung seiner vorigen Sünden {5Mos 28v29 Hi 5v14 12v25} sehen.

Tappt: Wie es die Blinden tun, die in Sorge sind, dass sie anstoßen könnten. Das will so viel sagen: Wer mit der wahren Erkenntnis Christi oder im Glauben an ihn nicht ausgerüstet ist, wie auch mit den anderen genannten Guttaten, der schwankt in der Religion und weiß auch in seinen anderen Verrichtungen nicht, was er tut, er stößt sich oft und fällt schließlich wieder in ein sicheres, rohes Leben. Er denkt auch nicht mehr daran, dass er von seinen vorigen Sünden darum durch das Blut Christi gereinigt ist, damit er in Zukunft heilig und unsträflich lebt, sondern befleckt sich mit allerlei Ungerechtigkeit und Schande. Zu wünschen wäre es, dass heutzutage keine Christen gefunden würden, die von der Religion noch nichts Sicheres bei sich beschlossen haben und vergessen haben, dass sie, weil sie von den Sünden erlöst sind, Gott dienen sollten.

10. Darum, liebe Brüder, tut desto mehr Fleiß, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht straucheln.

Darum: Der Apostel Petrus fährt noch weiter mit seinen Ermahnungen fort, dass wir uns in guten Werken fleißig üben sollen.

Festzumachen: Denn wenn ihr aus wahrem Glauben euch in guten Werken fleißig üben werdet, so wird in euren Herzen das Vertrauen von Tag zu Tag, je länger umso mehr, bestätigt werden, dass ihr von Gott zur Gemeinschaft des ewigen Lebens berufen seid und nicht nur berufen, sondern auch von Ewigkeit her zur Seligkeit erwählt und verordnet worden seid. Unsere Wahl in Gott ist so fest, dass dieses Dekret Gottes niemals geändert wird. Es jedoch in uns befestigt und bestätigt, wenn wir in unserem Herzen davon, je länger umso mehr, vergewissert werden. Dies erreicht man jedoch nicht mit vorwitzigem Nachsinnen, wenn wir in Gottes geheime Ratschlüsse Einsicht nehmen wollen und sein unerforschtes Geheimnis zu erkunden uns vergebens bemühen, sondern es geschieht durch die Übung guter Werke, woraus wir merken, dass wir vom Geist Gottes getrieben werden. Die aber vom Geist Gottes getrieben werden, die sind Kinder Gottes {Röm 8}.

Nicht straucheln: Wenn ihr euch nämlich in guten Werken fleißig übt, so werdet ihr umso weniger befürchten müssen, dass ihr etwa eine große Übeltat begehen könntet. Denn wie ein freudiger Soldat, der sich täglich an den Waffen übt, umso weniger Sorge vor einem Überfall der Feinde hat, so kann der, der sich ständig im Stand guter Werke befindet, vom Satan umso weniger überlistet werden.

11. Und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi.

Der Eingang: Das ist: Ihr werdet viel leichter ins Himmelreich eingehen und der Tod wird euch nicht so schrecklich sein wie manch anderem, besonders werdet ihr mit innerlicher Freude des Herzens durch den Tod ins Himmelreich gelangen. Denn die ein unordentliches Wesen und Leben führen, um die steht es gefährlich, dass ihnen der Eingang zum Himmelreich verschlossen wird. Und obwohl die bußfertigen Sünder, sofern es ihnen ernst ist, dass sie von Herzen Buße tun, sicher in Gnade aufgenommen werden, so ist es doch sehr schwer und eine besondere Gnade Gottes, wenn man aus dem tiefen Schlamm der groben und vielfältigen Sünden zur wahren Buße sich herausreißen, und die Gnade Gottes, die im Evangelium verheißen ist, mit Glauben ergreifen kann. Es sterben die am seligsten, die gottselig gelebt haben. Nach dem alten deutschen Sprichwort: Wohl gelebt, wohl gestorben.

12. Darum will ich es nicht lassen, euch immer solches zu erinnern, obwohl ihr es wisst und gestärkt seid in der gegenwärtigen Wahrheit {Röm 15v14 v15 1Joh 2v21}.

Zu erinnern: Was zu eurer Seligkeit und ewigen Wohlfahrt dienlich ist. Denn die Kirchendiener sollen mit Lehren, Ermahnen und Strafen nicht ablassen, damit die Gläubigen gebührend angehalten werden und einmal vor dem Richterstuhl Christi die Krone der Ehre erlangen können. Wenn aber die Kirchendiener schlummern, so schlafen und schnarchen die Zuhörer und vertiefen sich in fleischlicher Sicherheit. Solche werden an jenem Tag vor dem Erzhirten Christus allesamt mit Schanden stehen.

Wahrheit: Der evangelischen Lehre, die ihr in dieser Zeit gelernt habt. Denn wenn wir auch den rechten Weg der Seligkeit wissen und uns einbilden, wir seien in der rechten Religion gut unterrichtet und gestärkt, so brauchen wir doch ständig die gottselige Lehre und die gutherzigen Ermahnungen, damit wir täglich zunehmen und mehr und mehr gestärkt werden. Denn die in der wahren Gottseligkeit nicht zunehmen, die nehmen allmählich ab und der Eifer lässt in ihnen nach, bis er endlich ganz und gar erkaltet und verschwindet. Aber es werden viele gefunden werden, die, wenn sie die Lehre des Evangeliums auch nur ein wenig gefasst haben, sich bald selbst einreden, sie seien schon so weit gekommen, dass sie keinen weiteren Unterricht oder keine Ermahnungen mehr brauchen würden. Diese fallen normalerweise wieder in ihren vorherigen Irrtum oder geraten in ein rohes, wildes Leben und Wesen.

13. Denn ich achte es billig sein, solange ich in dieser Hütte bin, euch zu erwecken und zu erinnern {2Kor 5v1 v4}.

Erinnern: Mit gottseligen und christlichen Ermahnungen, dass ihr eurem Amt gebührend nachkommt.

14. Denn ich weiß, dass ich meine Hütte bald ablegen muss, wie mir denn auch unser Herr Jesus Christus es eröffnet hat {Joh 21v18 v19}.

Ablegen muss: Das ist, dass ich bald sterben werde.

Eröffnet hat: Durch eine besondere Offenbarung ist mir von meinem Herrn Christus angezeigt worden, dass ich in Kürze von dieser Welt meinen Abschied nehme und zu ihm kommen werde. Weil ich aber noch ein wenig Zeit übrig habe, will ich in der Kirche Gottes nichts versäumen. An dieser Stelle nennt der Apostel Petrus seinen Leib eine Hütte, damit wir uns an die Gebrechlichkeit und Schwäche unserer Leiber erinnern und jederzeit uns auf den Tod gefasst machen. Denn manchmal wird diese, unsere Hütte plötzlich aufgehoben wie ein kleines Hirtenhaus {Jes 38}. Obwohl nun etlichen frommen Menschen die Zeit ihres Sterbens geoffenbart wird, dass sie empfinden, dass das Ende ihres Lebens nicht mehr weit ist, jedoch, weil wir größtenteils nicht wissen, wann die Zeit oder Stunde unseres Todes kommt, sollen wir mit allem Fleiß dahin arbeiten, dass wir in unserem Beruf nichts versäumen oder unterlassen, was wir vor unserem Tod von Rechts wegen hätten verrichten können, damit wir nicht, ehe wir uns versehen, vom Tod überfallen werden und dahinscheiden, ehe wir unsere notwendigen Sachen verrichtet haben.

15. Ich will aber Fleiß tun, dass ihr allenthalben habt nach meinem Abschied, solches im Gedächtnis zu halten.

Habt: Nämlich treue Kirchendiener, die die heilsame Lehre, die ihr von mir gehört habt, euch wiederum zu Gemüte führen. Und meine Schriften werden nach meinem Tod das Gleiche ausdrücken, was ihr von mir zu meinen Lebzeiten gehört habt. Deswegen sollen wir mit Fleiß darauf bedacht sein, dass wir hinter uns lassen, die die reine Lehre auch auf unsere Nachkommen fortpflanzen. Und wenn alle Nachkommen der Apostel die apostolische Lehre sich gut zu Gemüt geführt hätten und stets in frischem Gedächtnis behalten hätten, wie sie es bezeugt haben, so wären freilich nicht so viele Irrtümer und Menschensatzungen in die Kirche eingeschlichen. Darum soll man die apostolische Lehre fleißig behalten, die Gott aus besonderer Gnade durch sein teures Werkzeug, Dr. Luthers heiliges Gedächtnis, hat wieder an den Tag kommen lassen. Dass aber Petrus seinen Tod einen Abschied nennt, gibt zu verstehen, dass die Frommen durch den Tod aus diesem Jammertal in die ewige Seligkeit hinwegscheiden.

16. Denn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolgt, da wir euch kundgetan haben die Kraft und Zukunft unseres Herrn Jesu Christi, sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen {Joh 1v14},

Klugen Fabeln: Der Heiden oder Juden, die von ihrem Narrenwerk viel Geschwätz treiben dürfen und daher für sehr gelehrte Leute gehalten und angesehen werden wollen.

Jesu Christi: Was wir von Jesus Christus, dem ewigen Sohn Gottes, dem Heiland und Seligmacher der Welt, der den Satan überwunden hat, gelehrt haben, wie er bereits in diese Welt gekommen ist, das haben wir weder aus den Märchen der Juden oder Heiden, die sie ohne und außerhalb des Wortes Gottes erdichtet haben, gelehrt.

Seine Herrlichkeit: Womit ihn der himmlische Vater vor unseren Augen geziert hat und dadurch erklärt, dass er der Messias ist. Deshalb sollen wir den Zeugnissen und Schriften der Apostel als glaubwürdige Zeugen fest glauben.

17. da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe {Mt 17v1 v2 Mk 9v17 Lk 9v35 Mt 3v17 12v18 17v5 Mk 9v7}.

Ehre und Preis: Dass ihm nämlich der himmlische Vater die Ehre des Messias gab und wir ein Stück seiner Herrlichkeit sahen, da haben wir bei solch herrlichen Erscheinungen und Verklärung eine Stimme gehört, die von Christus, dem Messias predigte. Was aber Christus von der göttlichen Majestät und Herrlichkeit empfangen hat, das hat er nach seiner menschlichen Natur empfangen. Darum sollen wir ihn auch nach seiner Menschheit für den Herrn der Herrlichkeit erkennen, obwohl seine göttliche Majestät im Stand seiner Erniedrigung größtenteils verborgen und heimlich gehalten wurde, bis er das Werk unserer Erlösung vollendete.

Lieber Sohn: Den ich in meiner Liebe und meine größte Lust und Freude an ihm habe. Indem Gott der Vater Christus, seinen lieben Sohn nennt, unterscheidet er ihn von allen anderen Söhnen, die er aus Gnade an Kindes statt angenommen hat, und gibt zu verstehen, dass er gleichen und eines Wesens mit ihm ist. Es liebt aber der himmlische Vater diesen, seinen Sohn, so sehr, dass er ihm zu Gefallen um seines Verdienstes und seiner Fürbitte willen alle, die an diesen Sohn glauben, für Kinder annehmen und erkennen will. Er hat Macht gegeben (sagt Johannes), Gottes Kinder zu werden denen, die an seinen Namen glauben {Joh 1}.

18. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.

Diese Stimme: Des himmlischen Vaters, die von seinem eingeborenen Sohn, dem Messias und Heiland der Welt, berichtete.

Heiligen Berg: Von dem viele glauben, es sei der Berg Tabor gewesen. Diese herrlichen Erscheinungen und Verklärung in Christi, die er vor seinem Leiden drei Aposteln, dem Petrus, Jakobus und Johannes, hat sehen lassen, beschreiben die drei Evangelisten Matthäus in Kapitel 17, Markus in Kapitel 9 und Lukas in Kapitel 9. Es sind ihnen aber auch Moses und Elias erschienen, die mit Christus von seinem Ausgang geredet haben, den er in Jerusalem erfüllen sollte. Das ist: von seinem Leiden und der Erlösung des menschlichen Geschlechts. Da nun die Jünger solche große Herrlichkeit Christi gesehen hatten, wollten sie dort auf dem Berg ständig bei ihm sein und bleiben. Durch diese Erscheinung und die Stimme des himmlischen Vaters von seinem eingeborenen Sohn ist die himmlische Lehre bestätigt, dass der eingeborene Sohn Gottes, Jesus Christus, der Messias und Heiland der Welt ist, der das menschliche Geschlecht von der ewigen Verdammnis befreit und erlöst hat.

19. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr tut wohl, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

Wir: Der Apostel fährt noch weiter fort, die Lehre des Evangeliums zu bestätigen.

Prophetisches Wort: Denn die Lehre des Evangeliums, die wir euch gepredigt haben, ist in den Schriften der Propheten, die von Christus und seinen Guttaten geweissagt haben, fest begründet, und ihr tut recht daran, dass ihr in den Schriften der Propheten fleißig nachforscht und Christus in der Heiligen Schrift des Alten Testamentes sucht, damit ihr die einhellige und gemeinsame Stimme unseres Evangeliums und der prophetischen Weissagungen in der Tat und in Wahrheit findet. Denn die Schriften der Propheten sind wie ein Licht, welches den Menschen vorleuchtet, wenn es dunkel ist, bis der Tag anbricht und der helle Morgenstern aufgeht, der ein Vorbote davon ist, dass die helle Sonne bald danach folgen wird. So zeigen die prophetischen Schriften wie ein Licht den Israeliten den Weg zum ewigen Leben und zeigen Christus, der dem Morgenstern wegen seines lieblichen Glanzes zu Recht vergleichbar ist. Denn von diesem herrlichen Stern, der alle anderen an Klarheit übertrifft, gibt es eine Weissagung im 4. Buch Moses, Kapitel 24. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen. Darum sollt ihr Christen (will Petrus sagen) in den Schriften des Alten Testaments fleißig forschen, dann werden diese euch den gleichen Christus zeigen, den wir euch gepredigt haben, damit Christus in euren Herzen je mehr umso heller wird und ihr euren Heiland von Tag zu Tag immer besser kennenlernt. Wir sollen deswegen denen zu Berrhöen folgen, von denen in der Apostelgeschichte berichtet wird, dass sie in der Schrift des Alten Testaments fleißig gesucht und erkundet haben, ob die Lehre des Evangeliums mit den Weissagungen von Christus übereinstimmen {Apg 17}. Denn so werden wir in unserem christlichen Glauben mehr und mehr gestärkt. Auch hat man hier zu beachten, dass die Erkenntnis Christi in uns nach und nach gemehrt wird. Denn wie das Licht des Tages vom Morgen an immer heller wird, so nehmen auch wir in der wahren Erkenntnis unseres Heilands täglich zu, wenn wir das Wort Gottes fleißig hören und betrachten.

20. Und das sollt ihr für das erste wissen, dass keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung {2Tim 3v16};

Und: Jetzt rühmt der Apostel Petrus auch das Ansehen der prophetischen Schriften.

Eigener Auslegung: Die Propheten, die die Geheimnisse der Religion ausgesprochen und erklärt haben, habe nicht aus ihrem Hirn gepredigt, auch nicht ihr eigenes Gutdünken und ihre Vorstellungen dem Volk vorgetragen.

21. denn es ist noch nie keine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem Heiligen Geist {2Sam 23v2 Apg 1v16 1Petr 1v11}.

Menschlichem Willen: Die Propheten haben nicht von solchen Dingen geredet, die ihnen nach ihrer menschlichen Vernunft zugefallen und in den Sinn gekommen sind.

Heiligen Geist: Dieser hat durch sie geredet, darum soll man ihre Lehre für die Weissagung des Heiligen Geistes ansehen. Hier hört man, dass Petrus die Christen nicht zu den Menschensatzungen und den eigenen Vorstellungen, von denen es damals auch unter den Juden viele gab, noch viel weniger zu der Weltweisheit oder Philosophie und deren Meinungen, die unter den Heiden sehr gebräuchlich war, weist, sondern er befiehlt, die Heilige Schrift zu lernen. Auch hat man hier zu merken, wofür man die prophetischen Schriften halten und ansehen soll, nämlich, dass es Worte und Reden oder Weissagungen des Heiligen Geistes sind. Das gleiche Ansehen haben auch die Schriften des Neuen Testaments, da sie durch die Weissagungen der Propheten samt Christus und den Wunderwerken der Apostel bestätigt worden sind. Darum kann und soll sich unser Glaube auf die prophetischen und apostolischen Schriften sicher gründen und verlassen.


Das 2. Kapitel


1. Der Apostel beschreibt die Heuchelei, den Geiz, die Art und den Wandel der falschen Apostel, besonders derjenigen, die den Antichristen um Geldes willen handhaben würden und noch handhaben und warnt davor, dass man sie meiden soll. Er droht ihnen auch schwere Strafen an und erzählt etliche Beispiele ernsthaften Zornes Gottes gegen solche widerspenstigen und erklärten Feinde Christi. 2. Danach zeigt er an, wie Gott, wenn er an den Gottlosen Rache übt, dennoch seine Auserwählten nicht außer Acht lässt. 3. Und schließlich wendet er sich wieder den falschen Lehrern zu, die er noch weiter beschreibt.

1. Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die neben einführen werden verderbliche Sekten und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat, und werden über sich selbst führen eine schnelle Verdammnis {Mt 24v11 Mk 13v22 1Tim 4v1 Jud 1v4 1Kor 6v20 7v23}.

Es: Nachdem der Apostel Petrus die Christen ermahnt hatte, dass sie in der rechten Erkenntnis Christi mittels der Heiligen Schrift fortfahren sollen, so erinnert er jetzt die Kirche, dass sie sich vor falschen Lehrern und Verführern hüten soll.

Volk: Israel. Denn die Propheten Baals hatten ein großes Ansehen im israelitischen Königreich. Und die falschen Propheten, die die Abgötterei verteidigten, widersprachen dem Propheten Jeremia, indem sie von lauter Glück predigten, der Weissagung des Propheten Jeremia zuwider.

Falsche Lehrer: Die die falsche und unrechte Lehre in der Kirche ausbreiten werden. Diese Erinnerung geht besonders an die römische Kirche und richtet sich danach auch an alle anderen Kirchen. Darum soll man nicht glauben, der Heilige Geist sei an die römische Kirche so gebunden, dass die römischen Bischöfe nicht ihre und keine falschen Meinungen in der Kirche einführen könnten. Es sollen aber sowohl die Lehrer als auch die Zuhörer gut darauf achten, dass keine Irrtümer in der Kirche einreißen. Denn Christus hat nicht vergeblich gesagt: Hütet euch vor den falschen Propheten.

Verderbliche Sekten: Wodurch die Menschen ins ewige Verderben gestürzt werden. Hier hat man zu beachten, dass Petrus sagt: Sie werden Zusätze einführen. Damit gibt er zu verstehen, dass solche falschen Lehrer die Artikel der christlichen Religion nicht verleugnen werden, sondern unter diesen falschen Lehrern und Nebensächlichkeiten mit einmischen als eine Ergänzung der christlichen Lehre. Zum Beispiel: Ein päpstlicher Lehrer spricht nicht, man solle den himmlischen Vater nicht anrufen, denn dies sei dem Vater unser schnurstracks zuwider, was so lautet, Vater unser, der du bist im Himmel, sondern er führt zugleich eine Nebenlehre mit ein und spricht: Man müsse zwar Gott anbeten, aber sicher muss man daneben auch die Heiligen anrufen, damit sie unsere Mittler bei Gott sind und uns einen Zugang zum himmlischen Vater machen, damit er uns mit gnädigem und väterlichem Angesicht hört. Er nennt aber Sekten, nicht nur die besonderen Lehren der Schultheologen, von denen etliche Scotisten, anderen Thomisten sind, sondern er meint besonders die verschiedenen Orden in den Klöstern, wo einer den anderen mit großem Übermut verachtet, aber sie bilden zusammen eine Rotte gegen den Heiligen Mann Gottes, Dr. Luther, da sind sie verbunden und zusammen geschworen. Und Petrus nennt solche Orden recht verderbliche Sekten. Denn obwohl viele von ihnen selig geworden sein mögen, die nämlich in Todesnöten das Vertrauen auf ihre Verdienste haben fahren lassen und all ihre Hoffnung allein auf Christus gesetzt haben, so ist jedoch der größere Haufen der Mönche und Nonnen wie auch der Pfaffen und Domherrn ewig verloren worden und wird noch verdammt, nämlich die, die entweder auf ihr Verdienst trauen, von denen es noch wenige gibt, oder im unreinen, ehelosen Stand Leib und Seele gräulich beflecken und verunreinigen und ohne wahre Buße aus diesem Leben abscheiden.

Erkauft hat: Mit seinem Blut (so wie man früher die Knechte kaufte), damit sie von der Tyrannei des Teufels erlöst und ihm (Christus) dienten. Denn obwohl die päpstlichen Heuchler Christus mit Worten nicht öffentlich verleugnen, so tun sie es doch mit der Tat, indem sie Vergebung der Sünden und das ewige Leben mit ihren Werken verdienen wollen. Denn wozu brauchen diese den Mittler und Erlöser Christus, wenn sie sich selbst, ihrer Meinung nach, Mittler sein können? Darum sagt der Apostel Paulus richtig: Ihr habt Christus verloren und seid von der Gnade gefallen, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wolltet {Gal 5}.

Verdammnis: Mit solcher schrecklichen Sünde werden sie sich ins ewige Verderben stürzen, weil sie sich selbst in ihrer Heuchelei das ewige Leben versprechen. Denn die Heuchler sind vom Wahn der eigenen Gerechtigkeit stolz und aufgeblasen, dass sie sich vor Gott nicht demütigen noch die wohlverdiente zeitliche und ewige Strafe abbitten. Darum, wenn sie mit dem Schrecken des Todes überfallen werden und das Gewissen aufwacht, auch ihre Heuchelei entdeckt wird, so wissen sie nicht, wohin sie sich wenden sollen, fallen plötzlich und unversehens in den ewigen Tod, wie wenn einer auf dem Eis, das mit Schnee bedeckt ist, unwissend über ein tiefes Wasser geht und sich sicher wähnt, das Eis aber auf einmal unter ihm bricht und er ersäuft, als er es am wenigsten erwartet hatte. Da aber etliche erhalten worden sind oder auch noch heutzutage unter der päpstlichen Heuchelei und in den Ordensklöstern erhalten werden, so geschieht dies aus der besonderen Gnade und Barmherzigkeit Gottes, dass er sie in der letzten Not, nachdem sie ihre Sünde und ihr Unrecht erkannt haben, zum Mittler Christus führt, damit sie auf ihn all ihr Vertrauen setzen und gleichsam aus dem Rachen des Teufels gerissen werden. Denn der Spruch Bernhards ist bekannt, der ohne Zweifel einer der vornehmsten Mönche gewesen ist, jedoch als er sterben wollte, hat er gesagt: Ich habe übel gelebt. Wenn er auch nicht zu dem Mittler Christus seine Zuflucht gesucht hätte und jeden falschen Wahn seiner Verdienste weggeworfen hätte, so wäre er mit den anderen Heuchlern ins ewige Verderben geraten.

2. Und viele werden nachfolgen ihrem Verderben; durch welche wird der Weg der Wahrheit verlästert werden.

Nachfolgen: Indem sie sich über ihre Heuchelei, die doch zum Verderben führt, wundern, sie billigen und dieser nachfolgen werden. Denn das Mönchstum ist in der Kirche mit großem Frohlocken angenommen worden und man hat Klöster und Domkapitularien mit großen Unkosten gestiftet, die Messen gehäuft und haufenweise Messpfaffen beordert, es gab auch kaum einen Hausvater, den Gott mit vielen Kindern gesegnet hatte, der nicht aus etlichen seiner Kinder entweder Domherren oder Messpfaffen oder Mönche oder Nonnen gemacht hat. Und sie haben dies nicht nur deswegen getan, damit sie den anderen Kindern ein umso stattlicheres Erbgut hinterlassen konnten, sondern auch und sogar besonders, damit sie so Gottes Gnade und Huld erlangen würden und Leute hätten, die für ihre Sünden mit Beten, Opfern, Fasten und dergleichen gute Werke genug täten.

Welche: Verführer und Betrüger, die die Christen in solche Irrtümer und Aberglauben führen werden.

Verlästert werden: Das ist: Sie werden diejenigen, die recht glauben, lehren und ihren Aberglauben und ihre Abgötterei samt den Menschensatzungen verwerfen, als Ketzer ausschreien und meiden und die gottselige Lehre, wodurch ihre Irrtümer und falschen Meinungen widerlegt werden, der Ketzerei beschuldigen. Dies betreiben die Päpste in Rom nun bereits viele Jahre, dass sie die reinen Lehrer alle miteinander gerne als Ketzer vertilgen würden, wenn sie es nur könnten, und sie die reine und unverfälschte Lehre des Evangeliums in ihren Konzilien verdammen, wie es besonders in dem in Trient geschehen ist. Aber diese Verdammung und Verbannung ist wie ein kalter Streich, der leer abgeht und weder Kraft noch Nachdruck hat.

3. Und durch Geiz mit erdichteten Worten werden sie an euch hantieren; von welchen das Urteil von lange her nicht säumig ist, und ihre Verdammnis schläft nicht.

Hantieren: Sie werden in geistlichen Sachen eine Krämerei und ein Geschäft errichten, weil es sehr geizige Menschen sind und sie werden mit Lügen eure Geldbeutel leeren, um ihre eigenen zu füllen. Wie hätte aber irgendein Maler die Hantierungen der römischen Päpste und ihrer Anhänger besser herausstreichen und vor Augen stellen können? Denn was ist dem Antichristen in Rom bis hierhin nicht recht gewesen? Und hat Papst Johannes der 22. mit solchen päpstlichen Jahrmarkt zusammengescharrt und nach seinem Tod dreieinhalb 100 t Gold hinterlassen. Dies hieß, meine ich ja, die Schäflein Christi weiden?

Schläft nicht: Das ist: Es sind ihnen von Gott sehr schwere Strafen vorbereitet, die sie überfallen werden, bevor sie sich versehen. Obwohl nun solche Kaufleute und Krämer, was ihre leiblichen Strafen anbelangt, sich nicht besonders darum kümmern und durch die Langmütigkeit Gottes zur Buße gereizt werden, auch in dieser Welt für sehr glückliche Menschen anzusehen sind, so ist es doch sicher, dass sie in jener Welt für ihren Geiz und Heuchelei ewige Strafe werden leiden müssen. Es sind zur jetzigen Zeit die Wechsler Tische durch Dr. Luther dermaßen umgestoßen worden, dass die römischen Päpste kaum mehr den zehnten Teil ihres vorigen Einkommens behalten haben.

4. Denn so Gott der Engel, die gesündigt haben, nicht verschont hat, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen und übergeben, dass sie zum Gerichte behalten werden;

Denn: Jetzt fordert der Apostel Paulus anhand etlicher Beispiele für solche Kaufleute schreckliche Strafen, ob irgendwer von ihnen, wenn sie diesen seinen Brief lesen, Buße tun würde.

Gesündigt haben: Und mit ihrem obersten Belzebub von Gott abgefallen sind.

Behalten werden: Damit sie dann das Urteil des Richters Christus anhören und in alle Ewigkeit vollständig gepeinigt werden. Hier muss man weiter verstehen: Wie viel weniger wird Gott diese Kaufleute als gottlose schonen? Denn die Engel sind viel mächtigere Geister und haben ein herrlicheres Wesen als die Menschen. Und alle Engel sind zuerst gut erschaffen worden, aber von ihnen sind viele tausend abgefallen und zu Teufeln geworden. Diese sind also in die Hölle gestürzt, wo sie doch unterdessen auch auf der Erde umherziehen und Ruhe suchen. Sie haben aber eine besondere Lust und Wohlgefallen daran, wenn sie, aus Verhängnis Gottes, den Menschen Schaden zufügen können. Sie schweifen also, nachdem sie aus dem Himmel verstoßen worden sind, in der Welt herum wie böse und gottlose Buben, die vom römischen Kaiser geächtet wurden. Denn solche sind nirgends sicher und ziehen in großer Gefahr mit verängstigten Herzen umher, dass sie alle Tage erwarten müssen, man werde sie ertappen und am Leben strafen, anderen zum schrecklichen und abscheulichen Beispiel. So erwarten die Teufel das Jüngste Gericht mit Zittern und Griesgramen.

5. und hat nicht verschont der vorigen Welt, sondern bewahrte Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben anderen und führte die Sintflut über die Welt der Gottlosen;

und: Es folgt noch ein Beispiel des ernsten Zornes Gottes, wodurch solche Hand ihrer und Kaufleute zur Buße bekehrt werden sollen. Und nicht allein sie, sondern auch alle unbußfertigen Sünder.

Nicht verschonen: Um ihres gottlosen Lebens willen. Da die Menschen sich der Unzucht, Üppigkeit und den Wolllüsten des Leibes ganz und gar ergeben, Tyrannei ausgeübt haben und alles voller Ungerechtigkeit und Bosheit gewesen ist.

Prediger der Gerechtigkeit: Welcher zur wahren Gottseligkeit, Gerechtigkeit und anderen Tugenden, dass man diesen nachstreben soll, täglich ermahnte und treu, jedoch vergeblich, der vorigen ersten Welt, die vor der Sintflut gewesen war, predigte. Diesen hat Gott mitten in der Sintflut erhalten mit seinem Weib, drei Söhnen und ihren drei Frauen, sodass nur dieselben acht Personen am Leben blieben, während sonst alle anderen Menschen im Wasser umgekommen sind {1Mos 6 7}. Da nun Gott dieselbe erste und bessere Welt und die Menschen, die damals gelebt haben, aber in große fleischliche Sicherheit geraten waren, auch nicht verschont hat, so wird er freilich die jetzige, letzte Welt, wie sie nach der Sintflut ist und an Schönheit der ersten Welt nicht gleichen kann, dazu mit Zulassung allerhand Laster und Bosheit ärger ist, viel weniger schonen. Es sollen aber solche schrecklichen Beispiele des göttlichen Zorns allen Menschen eine Warnung sein, dass sie sich vor Sünden hüten, besonders aber vor der Unzucht, der unbilligen Gewalt, Ungerechtigkeit und Tyrannei sich enthalten. Daneben aber sollen fromme Menschen mitten unter den Strafen der Gottlosen gute Hoffnung haben. Denn Gott kann sie wohl erhalten, wenngleich die anderen zugrunde gehen. Und da sie gleich mit den Gottlosen zeitlich hingerafft würden und draufgingen, so werden sie jedoch im Tod zum ewigen Leben erhalten.

6. und hat die Städte Sodom und Gomorra zu Asche gemacht, umgekehrt und verdammt, damit ein Exempel gesetzt den Gottlosen, die hernach kommen würden {1Mos 19v24 v25 5Mos 29v23 Jud 1v7}.

Und: Petrus bringt das dritte Beispiel des göttlichen Zorns vor gegen die Gottlosen.

Verdammt: Nämlich die Einwohner derselben Stelle wegen ihrer gräulichen Laster, davon sie nicht ablassen noch Buße tun wollen, hat Gott in alle Ewigkeit verdammt. Was sie aber für Übeltaten begangen haben, ist aus der Schrift offenbar, besonders 1. Mose 19, da ihrer abscheulichen Unzucht gedacht wird. Und redet von der Sodomie der Bosheit der Prophet Hesekiel so: Siehe, das war deiner Schwester Sodom Missetat, Wohlfahrt und alles voll auf und guter Friede, den sie und ihre Töchter hatten, aber dem Armen und Dürftigen halfen sie nicht, sondern waren stolz und taten Gräuel vor mir {Hes 16}. Denn die Landschaft um Sodom und Gomorrha ist sehr lustig und fruchtbar gewesen. Wie die Schrift sagt: Ehe der Herr Sodom und Gomorrha verderbt hat, war sie wasserreich wie ein Garten des Herrn. Und nach etlichen Zeilen: Aber die Leute in Sodom waren böse und sündigten sehr gegen den Herrn {1Mos 13}. Es geschieht aber allgemein, dass an lustigen und fruchtbaren Orten gottlose Menschen wohnen, weil alle Dinge Überfluss und Müßiggang viele Laster verursachen, wo nicht die Menschen mit dem Wort Gottes und vom Heiligen Geist regiert werden. Kein Land ist jedoch so fruchtbar und wohl erbaut, das nicht könnte verdorben und verwüstet werden, wenn ohne Scheu und ungestraft allerlei Schande und Laster darin vorgehen.

Kommen würden: Und gleiche Bosheit zu begehren sich wollten gelüsten lassen, dass sie durch solchen Ernst Gottes abgeschreckt würden. Denn was für Strafen der Gottlosen in der Heiligen Schrift beschrieben werden, die erinnern uns ernsthaft, dass wir die Laster und Bosheit fliehen, und ermahnen die, die gesündigt haben, dass sie Buße tun sollen, damit sie nicht in ihren Sünden mit schrecklichen Strafen überfallen werden und darin ewig verderben.

7. und hat erlöst den gerechten Lot, welchem die schändlichen Leute alles Leid taten mit ihrem unzüchtigen Wandel {1Mos 19v5 v8};

Erlöst: Denn Gott weiß den Haufen der Gottlosen so zu strafen, dass er unterdessen die Frommen verschont.

Gerechten Lot: Welcher durch den Glauben an den damals zukünftigen Messias gerechtfertigt worden war und aus solchem Glauben einen untadeligen Wandel führte, so viel die menschliche Schwäche zuließ. Denselben hat ihn Gott, da er die Gottlosen und schändlichen Sodomiter vertilgen wollte, nicht zugleich mit ihnen verderben lassen, sondern ihn durch die Enge zuvor aus Sodom geführt, und der Gestalt ihn nicht nur beim Leben erhalten, sondern auch von solchen gottlosen Leuten errettet, deren schändliches Wesen und Leben er zuvor mit großer Bekümmernis und Angst des Herzens vor Augen täglich sehen musste. Dieses Beispiel führte Petrus an, damit die Frommen in den gemeinen Landstrafen gute Hoffnung haben sollen und sich der Tröstungen in den Psalmen erinnern. Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es dich doch nicht treffen {Ps 91}. Und ist das Gesicht des Propheten Hesekiel gar tröstlich, da vom Engel an der Stirn gezeigt werden, damit sie neben anderen in der Zerstörung Jerusalems nicht umkommen, welche nämlich seufzen über alle Gräuel, die in der Stadt geschahen {Hes 9}. Damit wir aber solche Guttat erlangen, müssen wir mit David beten und sprechen: Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern noch mein Leben mit den Blutdürstigen {Ps 26}.

8. denn dieweil er gerecht war und unter ihnen wohnte, dass er es sehen und hören musste, quälten sie die gerechte Seele von Tag zu Tage mit ihren ungerechten Werken.

Hören musste: Was sie täglich für gräuliche und abscheuliche Schande und Laster begingen, welches dem frommen Patriarchen besonders zum höchsten zuwider und sehr beschwerlich war, dass er unter solchen schandlosen Menschen wohnen musste. Denn welche entweder gräuliche Gotteslästerungen hören mögen oder abscheulichen Werken zusehen können, in denen ist ohne Zweifel der rechte Eifer zur Gottseligkeit ganz und gar erloschen.

9. Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichtes, zu peinigen;

Der: Weil den Frommen der Welt Bosheit sehr zuwider ist, so mischt Petrus jetzt einen Trost mit unter.

Zu erlösen: Lässt es deswegen Gott geschehen, dass die Frommen versucht und geplagt werden, aber er errettet sie auch zu seiner Zeit aus der Versuchung und Angst. Denn sie müssen im Leiden dem Ebenbild des Sohnes Gottes ähnlich werden. Die Gottlosen aber, obwohl sie nicht alle Wege, nachdem sie mit ihren bösen Werken verdient, in dieser Welt gestraft werden, haben ewige und schrecklichste Strafen zu erwarten.

10. allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust und die Herrschaft verachten, durstig, eigensinnig, nicht erzittern, die Majestäten zu lästern, Brief Judas Vers 8.

Aber die: Weiß nämlich Gott zur ewigen Strafe zu behalten, welche ihrem verderbten Fleisch den Zaum lassen, ihren bösen Begierden nachhängen und keine Ruhe haben, bis sie die im Werk erfüllen. Wendet sich also der Apostel von dem, was er von dem Patriarchen Lot nebenbei mit eingeführt hat, wiederum zur Beschreibung der Heuchler und falschen Lehrer, wie sonderlich die Katholiken sind, die sich stellen, als seien sie sehr fromm, führen aber ein schändliches Wesen und Leben und bringen unter dem Schein der Gottseligkeit und des Gottesdienstes die einfältigen Leute ums Geld. Denn was nunmehr von vielen Jahren her für Unzucht und Bosheit unter den geistlichen Personen im Papsttum vorgegangen ist, das ist bekannt und öffentlich am Tage. Daneben aber sollen auch andere Hurer, Ehebrecher und schandlose Menschen, wessen Standes oder Religion sie auch sind, wissen, dass ihnen die Hölle bereitet ist, wenn sie nicht wahrhaftig Buße tun {1Kor 6}.

Verachten: Dies ist eine andere Bosheit der Heuchler, dass sie der weltlichen Obrigkeitsgebote nicht achten noch derselben untertan sein wollen, sondern entziehen sich aus derselben Gewalt unter dem Schein der Religion und laden die bürgerlichen Beschwerden anderen auf. Der Gestalt haben die römischen Päpste und andere ihres Anhangs geistliche Personen das Joch der weltlichen Obrigkeit von sich geworfen und wollen derselben weder unterworfen noch gehorsam sein. Wie sie auch anderen weltlichen Beschwerden, so viel sie immer gekonnt haben, sich fernhielten. Ja es ist Papst Gregorius, der Siebente, so stolz und übermütig geworden, dass er den römischen Kaiser mit Füßen getreten und daneben den Spruch aus dem 91. Psalm gesprochen hat: Auf den Löwen und Orten wirst du gehen, und treten auf den jungen Löwen und Drachen. Hieße dies nicht, die Herrschaften verachten? So pflegen auch andere schwärmerische Lehrer ihren Zuhörern der Obrigkeit Verachtung einzureden, wie an den Wiedertäufern besonders zu sehen ist.

dürstig: Die aus Verwegenheit etwas Neues anfangen und ohne Not oder ordentlichen Beruf gefährliche Dinge versuchen. Ein solcher war Thomas Münzer, der die bayerische Aufruhr erregte. Aber es sind lange vor ihm auch die Päpste in Rom gewesen, die den Kaisern und Königen ihre Herrschaft nehmen und sie anderen aufzuteilen sich unterfangen dürfen.

Eigensinnig: Die sich nicht weisen lassen und keiner gutherzigen Erinnerung folgen wollen. Es wird aber kaum eine größere Widerspenstigkeit zu finden sein als bei den päpstlichen Lehrern. Welche, obwohl sie hinsichtlich ihrer vielfältigen Abgötterei angesichts des Irrtums, Aberglaubens und der Missbräuche aus dem Wort Gottes öfter Beweise erhalten haben, so weichen sie doch im Geringsten nicht davon ab, dass sie Gott die Ehre geben würden, sondern widersprechen der himmlischen Wahrheit mit großer Halsstarrigkeit und Widerspenstigkeit gegen ihr eigenes Gewissen.

Zu lästern: Denn der Satan nimmt solchen übergebenen Leuten alle Zucht und Scham, dass sie der Obrigkeit und anderen vortrefflichen Männern keine Ehre mehr erweisen wollen, verachten sie nicht allein, sondern greifen sie auch mit Schmachworten an. Wie denn dieses verwegene Tun ein augenscheinliches Beispiel ist, Bruder Johannes Nas, ein sehr unverschämter päpstlicher Lotterbube, der sich nicht gescheut hat, die Fürsten der Augsburger Konfession und reinen Lehrer, besonders aber Dr. Luther, in öffentlichen Schriften auf das Schändlichste zu schmähen und zu lästern und sie mit gräulichen Lügen und falschen Verleumdungen zu beschweren. Sodass seine Übermacht der Bosheit und Mutwillen auch etlichen ehrliebenden Personen, die der päpstlichen Religion zugetan sind, missfallen hat. Da nun Petrus an diesem Ort vornehmlich die päpstlichen Lehrer und die Päpste selber abmalt und beschreibt, sollen sich auch alle Christen mit Fleiß vorsehen und hüten, dass sie nicht in gleiche Laster fallen und von der Bosheit betroffen werden.

11. so doch die Engel, die größere Stärke und Macht haben, nicht ertragen das lästerliche Gericht wider sich vom Herrn. Brief Judas Vers 9.

Engel: Nämlich, die gefallen sind und zu Teufeln geworden, die können das gerechte Urteil Gottes nicht ertragen, sondern müssen darunter ewig zugrunde gehen und verderben, wo sie doch sehr mächtige Geister sind. Denn obwohl sie dasselbe gerechte Urteil Gottes lästern und schelten, gleichwie ein böser Bube das Urteil des Richters, das er gegen ihn gefällt hat, der Unbilligkeit und Ungerechtigkeit beschuldigt, so können sie jedoch demselben nicht entgehen. Darum sie mit Murren und Griesgrämen vor der Majestät Gottes, wenn sie daran denken, erzittern, wie Jakobus bezeugt. Wie viel weniger werden denn die gottlosen Menschen, als die römischen Päpste, samt derselben Anhänger und anderen ihresgleichen das gerechte Urteil Gottes erdulden und ausstehen können. Sondern sie werden zu seiner Zeit dadurch zur ewigen höllischen Pein verurteilt und verdammt werden.

12. Aber sie sind wie die unvernünftigen Tiere, die von Natur dazu geboren sind, dass sie gefangen und geschlachtet werden, lästern, da sie nichts von wissen, und werden in ihrem verderblichen Wesen umkommen Brief Judas Vers 10.

Geschlachtet werden: Denn wie etliche unvernünftige Tiere nur dazu geboren sind, dass man sie fängt und schlachtet, so sind die Leute um ihres gottlosen Wesens willen zum Verderben verordnet. Weil ihre Bosheit so groß ist, dass sie die Lehre der Wahrheit verlästern dürfen, da sie doch die selber nicht verstehen. Deshalb werden sie in solcher, ihrer Bosheit verderben und zugrunde gehen und für ihre Übeltaten billige Strafe leiden müssen, wenn nicht in dieser Welt, so wird es doch in jener Welt gewiss geschehen. Wir sollen deswegen den faulen Mastbäuchen im Papsttum ihre zeitliche Glückseligkeit nicht so sehr missgönnen. Denn sie werden von Gott gemästet, auf dass sie zum ewigen Unglück geschlachtet werden. Wir sollen uns aber hüten, dass wir nicht nach ihrem Beispiel die Dinge verleumden und verlästern, die wir nicht genug verstehen, damit unser Gewissen nicht beschwert wird. Denn solche gottlosen Leute pflegt Gott gemeinhin mit dieser Strafe zu plagen, dass sie je länger, je mehr geblendet in halsstarriger Verfolgung der Wahrheit sterben, und nachdem ihre Bosheit gewesen ist in jener Welt, desto schwerere Verdammnis empfangen. Denn gleichwie der Frommen Sünden vergeben und zugedeckt werden {Ps 32 Röm 4}, so wird Gott der Gottlosen Misshandlungen vor sein Angesicht stellen und nach derselben Größe auch die Höllenpein ihnen größer machen. Denn d. h. den Lohn der Ungerechtigkeit davonbringen und einem jeden vergelten nach seinen Werken.

13. und den Lohn der Ungerechtigkeit davon bringen. Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben; sie sind Schande und Laster, prangen von euren Almosen, prassen mit dem Euren, Brief Judas 12.

Sie: Petrus hat die Beschreibung der falschen Lehrer und besonders der Katholiken noch nicht zu Ende gebracht. Darum fährt er jetzt weiter darin fort.

Zeitliches Wohlleben: Welches nur eine kleine Zeit währt und nicht ewig ist. Das sind aber die allernärrischsten Leute, welche die vergänglichen Wollüste der ewigen Seligkeit vorziehen.

Schande: Dass sie der Kirche einen Schandfleck anhängen. Denn gleichwie die Flecken und Unsauberkeit einen schönen Leib ungestalten und hässlich machen, so besudeln lasterhafte Leute unter den Christen die christliche Kirche mit ihren Sünden sehr, dass die Kirche um ihretwegen bei den Ungläubigen verschrien ist und ihr übel nachgeredet wird.

Nach Luther: Das ist: Sie prangen von euren Stiftern und Probenden, dafür sie nichts tun und spotten eurer noch dazu. Denn Entryphontes heißen, die der Leute als der Narren spotten zu ihrem Schaden, wollen dazu ihre Sünde ungestraft haben.

Dem euren: Denn wenn sie mit ihren Lügen und ihren Betrug die einfältigen Christen angeführt und ums Geld gebracht haben, verschwenden sie hernach dasselbe üppig mit köstlichen Mahlzeiten, Spielen und stattlichen Gebäuden, ja auch mit Huren in allerlei Schande und Unzucht, lassen es sich also von euren Gütern wohl sein. Wie hätte aber ein Maler die päpstlichen Heuchler besser treffen und abmalen können? Welche von ihren Lügen und Betrügereien in Wolllüsten leben und nicht weniger als die Pharisäer zu den Zeiten des Herrn Christus, die Witwenhäuser fressen und lange Gebete vorrichten {Mt 23}. Es handeln aber auch sonst andere mehr böse und übel, die von den Almosen zärtlich und in Lüsten leben.

14. haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die Sünde nicht wehren, locken an sich die leichtfertigen Seelen, haben ein Herz, durchtrieben mit Geiz, verfluchte Leute,

Voll Ehebruchs: Sie stellen ehrlichen Matronen nach, dass sie diese um ihre Ehre bringen. Denn es geht sehr beschwerlich zu, dass unter denen die Weiber keusch bleiben können, die sich zum ehelosen Stand verlobt haben, aber daneben sich nicht enthalten.

Nicht wehren: Es ist auf keine Buße bei ihnen zu hoffen und sie können von Sünden nicht ablassen. Das ist aber ein schreckliches Gericht Gottes, wenn einer so in einen verkehrten Sinn gegeben wird, dass er mit Sündigen immer fortfährt und von einem geringeren Laster immer zum höheren aufsteigt, auch an keine wahre Buße mit Ernst mehr denkt.

An sich: In ihrem Irrtum und dass sie ihnen in ihren Lastern nachfolgen.

Leichtfertigen Seelen: Solche Leute, die zur neuen Lehre Lust haben und sich leicht bald von dieser, bald von jener bereden lassen. Solche Leichtfertigen in Religionssachen verwirft auch Paulus, wenn er sagt: dass wir nicht mehr Kinder sind und uns wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen {Eph 4}.

Verfluchte Leute: Welche Gott verflucht hat, weil sie sich da auf den Geiz legen und allerlei Ränke zu finden und zu erdenken wissen, sie andere Leute ums Geld bringen und ihre Güter an sich ziehen mögen. Das ist ihre beste Kunst, die sie gelernt haben, und darin sie sich am besten geübt haben. Denn lieber, wie vielerlei Geldnetze hat man im Papsttum nur erdacht? Mit wie verschiedenen Lügen und Betrügereien haben sie liegende Güter, Äcker, Weinberge, Dörfer, ja auch endlich ganze Städte und Länder an sich gezogen? Es sollen aber fromme Leute wissen, dass die Geizigen dem Fluch unterworfen sind. Darum sollen sie sich vor dem Geiz mit höchstem Fleiß hüten.

15. verlassen den richtigen Weg und gehen irre und folgen nach dem Wege Bileams, des Sohns Bileams, welcher liebte den Lohn der Ungerechtigkeit,

Gehen Irre: Denn da die Katholiken das Wort Gottes hätten lehren sollen, haben sie anstatt dessen Menschentand und Satzungen auf die Bahn gebracht. Und da sie hätten sollen ihrer Zuhörer ewige Seligkeit suchen, haben sie nach zeitlichen Gütern getrachtet und solche an sich gerissen. In welchem Stück sie freilich viel anders gesinnt gewesen sind als der Apostel Paulus, welcher sagt: Ich suche nicht das Eure, sondern euch {2Kor 12}.

16. hatte aber eine Strafe seiner Übertretung, nämlich das stumme lastbare Tier redete mit Menschenstimme und wehrte des Propheten Torheit {4Mos 22v33 Jud 1v12}.

Torheit: Das ist: Der falsche Prophet Bileam war so geizig, dass er wegen des Geldes gar eine unbillige Sache sich unterfangen durfte. Denn er wollte das israelitische Volk, von dem er wusste, dass es Gott lieb hatte, verfluchen. Als ihm aber der Engel des Herrn auf dem Wege widerstand, dass die Eselin, auf der Bileam saß, nicht fortgehen konnte und er diese mit dem Stecken schlug, fing sie mit menschlicher Stimme an zu reden und ihm sein Unrecht zu nennen. Daher hätte der falsche Prophet erkennen sollen, wie er, aus Antrieb des Geistes, eine unbillige und gar gottlose Sache im Sinn hatte. Zu wünschen wäre es, dass nicht auch heutigen Tages sich viele finden ließen, welche um zeitlicher Güter, Würden und Wollust willen im Papsttum das Volk Gottes, das sind die reinen und rechtschaffenen Christen, verfluchen, der Ketzerei beschuldigen und verbannen. Aber solche werden also von Gott gestraft, dass ihre Bosheit, ihr Geiz, ihre Torheit und ihr rohes Leben auch von gemeinen groben Leuten und Bauern öffentlich ausgemacht und gescholten wird.

17. Das sind Brunnen ohne Wasser und Wolken, vom Windwirbel umgetrieben; welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit {Spr 25v24 Jud 1v12}.

Umgetrieben: Dass sie schnell fortfahren und geschwind vorbeirauschen, obwohl sie das Ansehen haben, als wollten sie einen fruchtbaren Regen geben, so geschieht es doch nicht. Obwohl nun Petrus in den vorangegangenen Worten besonders die Bosheit der päpstlichen Lehrer vor Augen stellen wollte, so glaube ich doch, dass er bei dieser Gelegenheit mit diesen Worten auf die falschen Lehrer hinweisen wollte, die bereits zur Zeit der Apostel anfingen, sich hervorzutun und die Kirche irrezumachen, die sie nicht allein mit falscher Lehre, sondern auch mit einem schandlosen Leben und Wandel verderbt haben. Als besonders die Nikolaiten und Gnostiker gewesen sind, deren gräuliche Taten Epiphaniejus beschreibt. Doch muss man die Worte Petrus so verstehen, dass sie auch auf die päpstlichen Verführer zum guten Teil gerichtet werden. Denn welche sich miteinander vergleichen, die können auch einerlei Unrechts zurecht beschuldigt werden. Und haben beide Gleichnisse einerlei Verstand. Das nämlich die falschen Lehrer zuerst das Ansehen haben, als seien sie voll heilsamer und gesunder Lehre, davon auch zum Überfluss, aber wenn man etwas besser auf sie sieht, so sind es Brunnen ohne Wasser und Wolken ohne Regen. Denn sie bringen keinen rechtschaffenen Trost aus der Schrift auf die Bahn, mit denen die durstigen und betrübten Gewissen erquickt werden könnten. Sie halten auch den Zuhörern keine solche Lehre vor, die sie wie der zeitige Regen in guten Werken fruchtbar macht. Darum soll man solche Lehrer meiden und fliehen. Und weil sie als unnütz und schädlich in die ewige Finsternis, wo Heulen und Zähneklappern sein wird, verstoßen werden, so sollen die Kirchendiener sich wohl vorsehen und mit Fleiß acht darauf haben, was und wie sie lehren, damit sie nicht für die Krone der Ehre ewige Schande und Schmach empfangen.

18. Denn sie reden stolze Worte, da nichts hinter ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust diejenigen, die recht entronnen waren und nun im Irrtum wandeln,

Stolze Worte: Nämlich die Verführer und Betrüger lassen sich an der einfältigen und gottseligen Lehre, wie sie in der Heiligen Schrift vorgetragen wird, nicht vergnügen, sondern verheißen viel höhere Geheimnisse von verborgenen Sachen. Daneben aber verhängen sie ihren Zuhörern nicht allein den Zaum zu allerlei schändlichen Wolllüsten, sondern geben auch mit ihren Predigten Anlass und Ursache zu Sünden. Und verwickeln diejenigen, die bereits bekehrt gewesen und den Lastern Urlaub gegeben hatten, wiederum in die vorigen Irrtümer und Sünden, sodass sie jetzt von Neuem hineingeraten. Sie verheißen den Zuhörern die geistliche Freiheit und stürzen sie unterdessen in die schändlichste Dienstbarkeit der Sünden, was zwar kein Wunder ist, weil sie selbst, die Lehrer, sich aller schändlichen Lüste und bösen Begierden, gleichsam als Leibeigene, ergeben haben, womit sie ihre Leiber und Seelen verunreinigen und verderben. Darum, weil sie von ihren fleischlichen Begierden überwunden sind, kann man sie nicht unbillig derselben Knecht nennen. Wie wollten nun solche andere freimachen, da sie selbst leibeigene Knechte aller Schande und Laster sind? Deswegen sollen uns solche Prediger und Lehrer verdächtig sein, die mit ihrem Rühmen und Sprechen weiß nicht was für verborgene Geheimnisse ihren Zuhörern zu offenbaren sich vermessen und nicht die allgemeine Art, in der Heiligen Schrift zu reden, gebrauchen, denn dieselbe verfälschen und bringen anstatt der göttlichen Offenbarungen ihre schwärmerischen Meinungen hervor. Wie früher die Nikoaliten, Gnostiker und ihresgleichen gewesen sind, denen im Papsttum die Theologie gefolgt ist, besonders die seraphischen Lehrer, die aus einem gefassten Wahn eigener Weisheit aufgeblasen, von Sachen diskutiert, die weder sie selbst noch ihre Zuhörer verstanden. Zu unserer Zeit haben sich Schwärmer gefunden, die sich selbst die himmlischen Propheten genannt haben, und Anstifter der bäuerlichen Aufruhr gewesen sind. Danach hat Schwenkfeld mit vollem Maul großes Narrenwerk vorgegeben. Und es weichen die Wiedertäufer noch auf den heutigen Tag von der gesunden Lehre ab, führen einen hohen Geist und treiben viel Rühmen von göttlichen Offenbarungen. Gleichwie aber der Schatten dem Leib nachgeht, so folgen gemeinhin auf falsche Lehre allerlei Schande und Unzucht, welche anfangs heimlich herumschleichen, wie sie dermal einst ausbrechen und an den Tag kommen. Denn was die Nikoaliten für abscheuliche Unzucht getrieben haben, ist auch schändlich zu sagen: Und was die päpstliche Lehre vom ehelosen Stand für gräuliche Unzucht verursacht, ist jedermann bekannt. Wie ein unflätiges und schändliches Leben die Schwärmer größtenteils geführt haben, bezeugen die Historien. Denn die Wiedertäufer in Münster, obwohl sie viele Weiber nahmen, ließen sich doch an denen nicht begnügen, sondern trieben Notzucht auch an den unverheirateten Mägden. Und früher war unter den Wiedertäufern ihr Vorsteher einer L. H., welcher sagen durfte, er könne nicht gut predigen, wo er nicht zuvor mit einer Weibsperson zu schaffen gehabt habe. Auch fanden sich unter den vorstehenden Wiedertäufern, die sich unterstanden, ehrliche Matronen zu bereden, sie könnten nicht selig werden, wo sie nicht einen Ehebruch begingen. Denn sonst prangten sie mit ihrer Keuschheit vor Gott und würden nicht rechtschaffen gedemütigt. Deswegen sollen die Christen sich hüten, dass sie nicht, wenn sie vom päpstlichen Irrtum frei geworden sind, auf andere schwärmerische Meinungen geraten. Und wir sollen die Freiheit, wovon Christus und die Apostel reden, für keine Freiheit des Fleisches verstehen, als ob es uns freistünde und zugelassen wäre, dass wir tun dürften, was unserem verdorbenen Fleisch gelüstet. Denn eine solche Freiheit ist die schändlichste Dienstbarkeit, worauf die ewige Verdammnis folgt.

Unzucht: (Nach Luther: Wie der Papst durchs Verbieten der Ehe die Welt erfüllt hat mit allem mutwilligen Leben und gräulichen fleischlichen Sünden.

19. und verheißen ihnen Freiheit, so sie selbst Knechte des Verderbens sind. Denn von welchem jemand überwunden ist, des Knecht ist er worden {Joh 8v34 Röm 6v16}.

20. Denn so sie entflohen sind dem Unflat der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesu Christi, werden aber wiederum in denselben geflochten und überwunden, ist mit ihnen das Letzte ärger worden denn das Erste {Mt 12v45}.

Denn: Petrus zeigt an, in welch großer Gefahr die stecken, ja viel mehr, wie ihnen ihr unfehlbares Verderben darauf steht, die nach erkannter Wahrheit des Evangeliums in ein sicheres und ruchloses Leben wiederum umschlagen.

Ärger worden: Denn welche von ihrem gottlosen Wesen und Leben sich zu Gott bekehrt haben durch die Lehre des Evangeliums, woraus sie Christus haben lernen recht zu erkennen und wiederum vom Fleisch sich so übermeistern lassen, dass sie sich vom Neuen im Schlamm der Sünde vertiefen und herumwälzen, mit denen steht es viel ärger als mit anderen, die die Wahrheit nie erkannt haben, weil, wenn sie wieder umschlagen, sie gottloser werden, als sie zuvor je gewesen sind. Denn der Satan kommt wieder mit sieben anderen Geistern, die schlimmer sind als er, er nimmt solche Menschen ein {Lk 11}. Doch muss man dieser Drohung des Petrus nicht auf alle Gefallenen beziehen. Denn es kann wohl geschehen, dass ein rechtschaffener Christ in eine schwere Sünde fällt, aber wieder umgekehrt, Buße tut und selig wird. Sondern er redet hier zunächst zwar von den Abtrünnigen und Mamelucken, die die rechte Religion verleugnen und diese verlästern, danach auch von denen, die der Gottseligkeit den Rücken kehren und sich den fleischlichen Begierden gleichsam gefangen ergeben, sie geraten in ein wüstes, loses Leben und in die Verachtung Gottes, wie die Beispiele beider Abfälle zu unseren Zeiten viel gesehen worden sind.

21. Denn es wäre ihnen besser, dass sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, denn dass sie ihn erkennen und sich kehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist.

Der Gerechtigkeit: Nämlich die rechte Religion, die lehrt, wie wir vor Gott gerecht werden sollen, und vor den Menschen heilig und gerecht leben.

Heiligen Gebot: Oder gottseligen und heilsamen Lehre, welche uns ein heiliges und unsträfliches Leben führen heißt. Denn ein Knecht, der des Herrn Willen weiß und ihn nicht tut, wird mit viel Streichen geschlagen werden {Lk 12}.

22. Es ist ihnen widerfahren das wahre Sprichwort: Der Hund frisst wieder, was er gespeit hat, und: Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot.

Gespeit hat: Mit diesen Worten weist Petrus sie auf den Spruch Salomons hin, da er sagt: Wie ein Hund sein Gespeites wieder frisst, so ist der Narr, der seine Narrheit wieder treibt {Spr 26}. Darum sollen wir uns scheuen, zu unseren Sünden wieder umzukehren, die wir von uns geworfen und denen wir abgesagt haben. Und wir sollen uns erinnern, dass wir mit dem Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, von Sünden gereinigt worden sind. Darum sollen wir uns mit höchstem Fleiß hüten, dass wir uns nicht vom Neuen im Schlamm der Sünden herumwälzen, wenn wir nicht ins ewige Verderben gestürzt werden wollen.


Das 3. Kapitel


1. Der Apostel will, dass die Christen alle Stunde und Augenblicke bereit sind, ihren Heiland zu empfangen, und widerlegt die gottlosen Reden der verstockten Menschen vom Jüngsten Tag, als ob nichts daraus werden würde. 2. Danach zeigt er an, wie es mit der letzten Zukunft Christi beschaffen sein wird und was die Welt für ein Ende nehmen wird. 3. Ferner gibt er dem Apostel Paulus in seinen Schriften ein herrliches Lob. 4. Und er ermahnt die Gläubigen, dass sie bei der apostolischen Lehre beständig bleiben sollen.

1. Dies ist die andere Epistel, die ich euch schreibe, ihr Lieben, in welcher ich erwecke und erinnere euren lautem Sinn,

Dies: Nachdem der Apostel Petrus die päpstlichen Lehrer und andere ihresgleichen Verführer mit lebendigen Farben abgemalt und herausgestrichen hat, wendet er jetzt seine Rede zu den Frommen und gottseligen und ermahnt sie, dass sie zum Jüngsten Tag alle Stunde und Augenblick bereit sein Mögen und nicht auf das Geschwätz gottloser Menschen hören sollen, die von der herrlichen Zukunft Christi nichts glauben.

Euch schreibe: Damit ja nichts versäumt werde in meiner Abwesenheit, was zur Beförderung eurer Seligkeit dienlich sein kann. Es ist aber eine große Guttat Gottes, dass die Abwesenden durch Schriften mit anderen reden und je einer dem anderen seine Meinung eröffnen kann. Solcher Gaben Gottes sollen wir zur Erbauung des Nächsten und zur Ehre Gottes gebrauchen. So hat Paulus durch seine Schreiben und Briefe die Kirchen in der rechten Religion unterrichtet, zur Gottseligkeit ermahnt und den falschen Lehrern ein Gebiss angelegt, dass sie nicht in dem Schafstall Christi wüten können.

Erwecke: Denn ich sehe in diesem letzten Schreiben nicht darauf, dass ich den Grund der christlichen Lehre von Neuem lege, weil ihr diesen vorher bereits gut wisst, sondern dass ihr solches, was ihr recht und christlich gelernt habt und versteht, in Übung bringt und in der reinen Lehre und im unsträflichen Wandel verharrt und immer mehr zunehmt. Denn weil wir, nach dem alten Menschen, zum Guten träge sind, so bedürfen wir vielfältiger Erinnerungen, wodurch wir aufgemuntert werden und im Glauben, in der Hoffnung und Liebe tapfer voranschreiten.

2. dass ihr gedenkt an die Worte, die euch zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten, und an unser Gebot, die wir sind Apostel des Herrn und Heilandes. Brief Judas 17.

Propheten: Im Alten Testament. Denn wir sollen die Schriften der Propheten im Alten Testament fleißig lesen, als die von Christus reden und einen gottseligen Wandel beschreiben und auch mancherlei heilsamen Trost uns vorstellen.

Unser Gebot: Daran sollt ihr auch oft und viel denken, wie wir euch in der christlichen Lehre unterrichtet haben und was wir euch, als Gesandte des Herrn Jesus Christus, vorgehalten haben. Wir sollen deswegen die Lehre der Apostel als Gesandte Gottes mit festem Glauben annehmen und dieser folgen. Auch es niemals dahin kommen lassen, dass sie aus unseren Herzen gerissen wird.

3. Und wisst das aufs erste, dass in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln {1Tim 4v1 2Tim 3v1 Jud 1v18}.

Aufs erste: Davon habe ich euch zuerst ermahnen wollen, dass ihr euch hütet, dass euer Glauben und eure Frömmigkeit durch die ruchlosen Reden gottloser Menschen keinen Anstoß leiden.

Spötter: Die von der christlichen Religion glimpflich reden werden, obwohl sie auch den christlichen Namen führen. Nach Luther: Diese sind unsere Epikureer und Sadduzäer, die weder dies noch das glauben, Leben nach ihrem Gefallen dahin. Oder wie der heilige Petrus sagt, nach ihren eigenen Lüsten tun sie, was sie wollen und gar wohl gelüstet, wie wir vor Augen sehen.

Wandeln: Und tun dürfen, was sie nur gelüstet. Zu wünschen wäre es, dass nicht auch heutzutage viele unter den Christen gefunden würden, die, ungeachtet aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, meinen, es stünde ihnen alles frei. Aber solcher Verdammnis ist ganz recht.

4. und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist {Jer 17v15 Neh 12v22}.

Gewesen ist: Die Welt behält beständig die gleiche Form und Gestalt und wir spüren keine Veränderung der Natur, darum halten wir es für ein Gedicht, was von Christus gesagt wird, dass er seine herrliche Zukunft und die Erneuerung der Welt samt dem Jüngsten Gericht verheißen hat. Denn da man davon etwas hätte spüren müssen, so wäre es bereits längst geschehen. Das sind die Reden verstockter Menschen, von denen sich in den letzten Zeiten der Welt viele finden werden, wovor man die Ohren zustopfen muss. Denn böses Geschwätz verdirbt gute Sitten {1Kor 15}. Obwohl nun in Deutschland nur wenige so unverschämt sind, dass sie der gleichen Worte öffentlich verlauten lassen dürfen, weil es eine christliche Obrigkeit nicht ungestraft hingehen lassen würde, so bezeugt jedoch das gottlose und lasterhafte Wesen und Leben vieler Menschen, dass dies ihre Meinung ist.

5. Aber sie wollen davon nichts wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort {1Mos 1v6 v7}.

Aber: Jetzt gibt der Apostel Petrus Antwort, allerdings nicht den Spöttern. Denn wer wollte die Perlen vor die Säue werfen, sondern frommen Menschen, und er erklärt, wie dieser Unsinn und die Bosheit solcher Spötter ist.

Nicht wissen: Sie blinzeln aus lauter Mutwillen und mit Fleiß in einer Sache, die an sich selbst klar und offenbar ist und, was sie sehr wohl wissen könnten, begehren sie aus der Heiligen Schrift weder zu lernen noch zu wissen. Das ist aber eine angemaßte, boshafte Unwissenheit, wenn jemand die Wahrheit weder wissen noch hören will, nur damit er umso freier und mit weniger Empfindungen seines Gewissens sündigen könnte und seinen Gelüsten nachhängen kann. Aber solche Unwissenheit ist eine dreifache Bosheit und hat vor dem Gericht Gottes durchaus keine Entschuldigung, sondern ist des ewigen höllischen Feuers wert.

Auch war: Vor der Sintflut. Und zwar kam die Erde zunächst aus dem Wasser hervor, als Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besonderen Stellen, dass man das Trockene sehen kann, und so geschah es. Und Gott nennt das Trockene Erde und die Sammlung der Wasser nennt er Meer {1Mos 1}. Und zwar wurde die Erde vom Wasser aufgehalten und bestand im Wasser, dass sie nicht untersank, noch mit Wasser überschwemmt war, nicht aus ihrer Natur, sondern durch das Wort Gottes. Denn weil die Erde auf dem Wasser schwimmt und mit Wasser, das an vielen Orten höher als die Erde ist, umgeben wird, hätte sie notwendigerweise alsbald vom Wasser müssen überschwemmt werden, wenn sie Gott nicht aus der Kraft seines Wortes bis zur Sintflut aufgehalten hätte. Und es wäre auch noch heutzutage die Erde vom Wasser überschwemmt, wenn Gott uns nicht auf besondere Weise erhalten würde. Diese Guttat Gottes verstehen nur wenige Leute, auch unter den Christen, und können sie doch mit dankbarem Herzen nicht erkennen.

6. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselben mit der Sintflut verdorben {1Mos 7v17}.

Dieselben: (Nach Luther: Durch Wort und Wasser.

Verdorben: Und mit Wasser überflossen, obwohl die Erde auch vor der Sintflut die Wohnung der Menschen war und durch Gottes Wort im Wasser bestand. So haben auch ohne Zweifel vor der Sintflut sich später finden lassen, die Noah, der von der Sintflut gepredigt hat und die Arche gebaut hat, verspottet, und sagten: Ist die Welt nunmehr über 1600 Jahre im Wasser bestanden, meinst denn, du alter und wahnsinniger Narr, sie könnte nicht noch länger bestehen? Meinst du, es werde darum der Himmel einfallen, wenn wir auf dein Geschwätz nicht achten? So wie aber die gottlose Sicherheit der ersten Welt mit der Sintflut des Wassers, dazu gegen der Gottlosen Hoffen, unversehens gestraft worden ist, so wird Gott der letzten Welt sichere Bosheit und gottloses Wesen mit plötzlicher, feuriger Sintflut rächen.

7. Also auch der Himmel jetzt und die Erde werden durch sein Wort gespart, dass sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammnis der gottlosen Menschen.

Himmel: Der früher gewesen ist und noch ist.

Erde: Die in der Sintflut allerdings vom Wasser überschwemmt wurde und danach wiederum hervorgekommen ist.

gottlosen Menschen: Das ist: An welchem Tag Gott der Herr die gottlosen Menschen in ewige Pein verstoßen wird. Darum soll man nicht meinen, dass die Welt ewig dauern würde, obgleich der Himmel in der Sintflut geblieben ist und die Erde, nachdem das Wasser sich verlaufen hatte und verloren war, wiederum hervorgekommen ist, trocken geworden und Gras, Kräuter, Bäume und Früchte hervorbrachte. Denn so wie die Erde früher im Wasser erhalten worden ist bis auf die Sintflut des Wassers, so werden jetzt Himmel und Erde zur feurigen Sintflut aufbehalten. Und was für Übeltaten der Gottlosen in dieser Welt zeitlich nicht gestraft wird, die werden gewiss in jener Welt ewig gestraft werden.

8. Eines aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag {Ps 90v4}.

Eines: Weil nicht allein den Gottlosen, sondern auch den Frommen der Verzug der herrlichen Zukunft des Herrn lang zu sein schien, so lehrt Paulus, dass die Zeit, die noch zum Jüngsten Tag übrig ist, nicht lange sei, sofern sie nur recht betrachtet werde.

Ein Tag: Was auch der 90. Psalm bezeugt. Denn Gott zählt oder rechnet die Zeit nicht wie wir, denen jeder Verzug zu lange dauert, aber vor den Augen Gottes ist nichts zu lang oder zu kurz, der alles, was vergangen, gegenwärtig oder zukünftig ist, für sich sieht und es wird ihm keine Zeit lang. Darum ist es kein Wunder, dass er mit der herrlichen Zukunft seines Sohnes unserer Meinung nach nicht eilt. Wenn wir auch die Zeit auf solche Weise betrachten, wie unser himmlischer Vater, so würden wir keineswegs sagen, dass Gott seine Zukunft zu lange aufschieben würde.

9. Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre {Hab 2v3 Hebr 10v37 Hes 18v23 33v11}.

Die Verheißung: Seine Zukunft schiebt er nicht länger auf, denn es soll sein.

Verzug achten: Und meinen, Gott nehme sich der menschlichen Sachen nicht sonderlich an, weil er in der himmlischen Herrlichkeit und Seligkeit ist.

Hat Geduld: Und verschont nach seiner Langmütigkeit viele Menschen, die zu seiner Zukunft noch nicht bereits gut gerüstet sind und deshalb in ihren Sünden ewig verderben, wenn sie mit dem Jüngsten Tag plötzlich überfallen würden. Es ist aber die Meinung des Petrus nicht, als wenn jemand verloren werden würde, sondern dass es an Gott dem Herrn nicht mangelt, wenn die Sünder nicht selig werden. Denn er lässt ihnen Platz und Raum genug, dass sie sich bekehren können und Buße tun, sofern sie nur wollten. Darum sollen wir dieser Geduld und Langmütigkeit Gottes zur Freiheit des Fleisches nicht missbrauchen, sondern ihm danken, dass er uns bisher gnädig verschont und in unseren Sünden uns nicht hat verderben lassen, sondern vielmehr aus Gnade Zeit zur Buße gegeben hat.

10. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die drinnen sind, werden verbrennen {Mt 24v43 Lk 12v39 1Thes 5v2 v3 Ps 102v27 Mt 24v35 Mk 13v31 Lk 21v33 Hebr 1v11}.

Es: Damit die Christen, wenn sie von der Geduld Gottes hörten, nicht sicher würden und meinten, noch viele Jahre in dieser Welt zu bleiben, so zeigt Paulus an, wie der Tag des Herrn unversehens hereinbrechen wird, und gibt zu erkennen, wie schrecklich er sein wird.

In der Nacht: Das ist: unversehens und wenn man es am wenigsten erwartet hätte. Darum kann niemand eine sichere Zeit dieses Tages bestimmen. Wir sollen aber alle wachen und gerüstet sein, damit uns dieser Tag nicht unvorbereitet überfällt.

Schmelzen: Als wenn jemand ein Gefäß oder Werkzeug aus Metall gemacht hätte, im Feuer zusammen in einem Klumpen schmelzen würde.

Verbrennen: Und zu Staub und Asche, ja ganz und gar zunichtewerden. Denn es wird kein so stattliches Gebäude in der Welt sein, nichts so lustig oder anmutig befunden werden können, was das Feuer verschonen wird. Deswegen handeln die nicht weise, die sich in der Welt mit schier unsäglich großen Kosten, dazu oftmals mit unwiederbringlichem Schaden und Nachteil gegenüber den Armen, allerlei lustige Sachen zubereiten und köstliche Gebäude errichten, als ob diese nach dem Jüngsten Tag noch bestehen würden.

11. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und Gottseligem Wesen,

So: Jetzt ermahnt der Apostel die Christen mit ernstlichen Worten, dass sie sich zur Zukunft Christi würdig bereiten sollen.

Geschickt sein: Dass ihr mit gutem Vertrauen auf den Tag des Herrn warten könnt.

Wesen: Dass euch dieser Tag darin findet und ergreift.

12. dass ihr wartet und eilt zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden {Lk 12v36 Tit 2v13}.

Wartet: Auf eure vollkommene Erlösung {Lk 21}.

Des Herrn: Christi, wenn er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Es sollen aber die Christen auf die Zukunft Christi mit Freuden warten und diese mit Verlangen wünschen, weil derselbe Tag allem Übel ein Ende machen und der ewigen und vollkommenen Glückseligkeit Anfang sein wird. Damit wir aber die Zukunft Christi mit Freude und fröhlichem Herzen erwarten können, so ist es nötig, dass wir ein gutes Gewissen haben. Dies wird geschehen, wenn unser Glauben wohl bekräftigt und gestärkt ist und wir in unserem ganzen Leben einen unsträflichen Wandel führen und danach trachten, dass wir in unserem Beruf fleißig und treu befunden werden, dann wird uns dieser Tag nicht schrecklich sein.

13. Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt.

Verheißung: Durch den Propheten Jesaja geschehen, Kapitel 65.

Gerechtigkeit wohnt: Denn es wird in dieser neuen Welt keine Sünde oder Ungerechtigkeit und darum auch keine Traurigkeit mehr sein. Deswegen soll man gewiss dafür halten, dass die Welt erneuert werden wird. Was es aber für eine Welt sein wird, werden wir in jenem Leben erfahren. Und in einer solchen erneuerten, schönen und herrlichen Welt werden keine Ungerechten, welche nämlich aus dieser Welt ohne wahre Buße abgeschieden sind, wohnen.

14. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollt, so tut Fleiß, dass ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet.] {1Kor 1v8 Phil 1v10 1Thes 3v13 5v23}.

Warten sollt: Und glauben, dass Christus kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten und dass den Frommen die ewige Seligkeit, den Gottlosen aber das ewige Verderben bereitet ist.

Im Frieden: Um den ihr euch ständig bemühen sollt. Es werden aber die unbefleckt und unsträflich im Frieden befunden werden, die nie keine Sünde begangen haben, sondern die Buße getan haben und denen die Sünden um Christi willen vergeben und zugedeckt sind {Ps 32 Röm 4}. Denn solche dienen aus christlicher Liebe dem Nächsten und bemühen sich um den Frieden in der Gottseligkeit.

15. Und die Geduld unseres Herrn achtet für eure Seligkeit, als auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat {Gal 2v7}.

Geduld: Damit er seine Zukunft noch bis daher aufgeschoben und eingestellt hat.

Seligkeit: Weil er euch nicht unvorbereitet überfallen wollte, wie oben auch gemeldet. Es gebührt uns aber, dass wir es mit dankbarem Herzen erkennen, wie uns Gottes Langmütigkeit zur Buße leitet {Röm 2}.

Als: Jetzt redet Petrus etwas von seiner Einhelligkeit mit dem Apostel Paulus und erinnert, dass man dessen herrliche Schriften recht lesen und verstehen soll.

Weisheit: Und gewaltigen Erkenntnis in göttlichen Sachen.

Geschrieben hat: In seinen Briefen von diesen und anderen Sachen, die ihr auch in meinen Briefen lest.

16. Wie er auch in allen Briefen davon redet, in welchen sind etliche Dinge schwer zu verstehen, welche verwirren die Ungelehrigen und Leichtfertigen wie auch die andern Schriften zu ihrer eigenen Verdammnis.

Redet: Was zu eurer Seligkeit nötig ist. Denn er führt in den Artikel der christlichen Religion nur eine Lehre. Gleichwie nun zwischen Petrus und Paulus in Religionssachen eine erwünschte Einhelligkeit befunden wurde, so sollen alle rechtschaffenen Kirchendiener und Lehrer sich um gottselige Einigkeit untereinander bemühen und diese beständig unterhalten.

Verwirren: Dass sie aus den Worten Paulus keinen rechten Sinn nahmen.

Ungelehrigen: Die in christlichen Sachen nicht erfahren sind.

Leichtfertigen: Denen die Ohren nach neuer Lehre und zu neuen, wunderbaren und auch ungereimten Meinungen Lust haben.

Verdammnis: In die sie, durch ihre eigene Schuld, falsche Meinungen aus denselben Schriften auf die Bahn bringen, wodurch sie sich und andere mit sich ins Verderben stürzen. Es wird aber hiermit die Heilige Schrift keiner Dunkelheit oder Ungewissheit beschuldigt. Und wenn auch etwas an einer Stelle dunkel erscheint, das findet man an einem anderen Ort in der Heiligen Schrift hell und klar gesetzt. Aber leichtfertigen Menschen, die sich der himmlischen Wahrheit nicht mit Ernst annehmen, sondern in der Heiligen Schrift nur Schein und Farben suchen, womit sie ihre Irrtümer anstreichen können oder etwas vorzuwenden haben, um ihre fleischlichen Gelüste zu verteidigen, diese verkehren den rechten Sinn der Schrift mit falschen Auslegungen, die aus anderen Orten der Heiligen Schrift widerlegt werden können. Da nun solches den Schriften des Apostels Paulus begegnet ist, so hat man sich umso weniger darüber zu verwundern, wenn heutzutage dies Dr. Luthers und anderer Männer, die sich um die Kirche wohl verdient gemacht haben, Schriften auch geschieht. Indem dieselben von schwärmerischen Menschen zur Handhabung gottloser Lehre böse und falsch herangezogen werden.

17. Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das zuvor wisst, so verwahrt euch, dass ihr nicht durch Irrtum der ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet und fallt aus eurer eigenen Festung.

Eigene Festung: Denn ihr besteht jetzt, nachdem ihr die reine Lehre des Evangeliums erkannt habt, auf einem festen Grund. Darum seht zu, dass euch nicht jemand durch Missbrauch und Verkehrung der Schriften des Paulus und anderer davon abtreiben und ins Verderben stürzen. Also muss man uns oft erinnern, dass wir von der reinen Lehre nicht abweichen, weil der Satan durch schwärmerische Menschen nichts unversucht lässt, wie dies in unserer jetzigen Zeit, die so voller Sekten ist, ausreichend bezeugt wird.

18. Wachst aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi. Demselben sei Ehre nun und zu ewigen Zeiten! Amen Brief Judas 25.

Wachst: Und bemüht euch dahin, dass ihr Gottes Gnade und Güte, die euch durchs Evangelium angeboten wird, immerzu mit stärkerem Glauben ergreift und fester behaltet, wie geschehen wird, wenn ihr in der Erkenntnis Christi durch das Wort Gottes täglich zunehmt und weiter fortschreitet. Denn es soll ein Christ im Lernen nicht abnehmen, sondern zunehmen. Und wir sollen nicht meinen, wenn wir etliche evangelische Predigten gehört und die Bibel ein oder zweimal durchgelesen hätten, seien wir in der Erkenntnis Christi so vollkommen geworden, als ob zur völligen Erkenntnis unseres Heilands nichts Weiteres mehr hinzugefügt werden müsste.

Ewigen Zeiten: Denn er, unser Erlöser und Seligmacher, soll von uns gerühmt und gepriesen werden, hier in diesem Leben und danach in alle Ewigkeit. Und Christus hat es also um uns verdient, indem er uns so viel und große Guttaten erzeigt hat, dass wir ihm niemals genug dafür danken können. Wenn wir aber all unser Tun aus wahrer und herzlicher Dankbarkeit zu seiner Ehre richten, so werden wir ihn auch im anderen Leben mit den heiligen Engeln und allen Auserwählten in höchster Freude und Herrlichkeit ewig loben und preisen.

Amen: Das ist: Es geschehe so, ja es wird gewiss geschehen. Denn ein Christ soll an seiner Seligkeit nicht zweifeln, weil uns keine Kreatur von der Liebe Gottes scheiden kann, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn {Röm 8}.

Welchem samt dem Vater und dem Heiligen Geist sei Lob, Ehre und Preis in alle Ewigkeit

Amen.