Der erste Brief des Paulus an Timotheus


Timotheus stammte von einem griechischen Vater und einer jüdischen Mutter ab, die zu Christus bekehrt worden war. Als aber Paulus an diesem Jüngling Timotheus, der auch die christliche Religion angenommen hatte, gespürt hatte, dass er in der heiligen Schrift gute Kenntnisse hatte, dazu unverdrossen war und einen gottseligen Eifer an den Tag legte, wie es einem Diener Christi zustand, hat er ihn zum Gehilfen zu sich gezogen, dass er ihm helfen könnte, das Evangelium Christi auszubreiten und dem Herrn Christus durch das Predigtamt helfen würde, mehr Kirchen zu pflanzen, was Timotheus auch treu getan hat. Damit er aber, weil Paulus nicht ständig bei ihm sein konnte, ausreichende Anweisungen hätte, wie er die Kirche Gottes regieren sollte, schreibt Paulus in diesen Brief nicht allein ihm, dem Timotheus, sondern auch allen Kirchendienern und Aufsehern der Kirche vor, wie sie ihr Amt in der Kirche Gottes recht verrichten sollen. Im 1. Kapitel ermahnt er Timotheus, dass er fleißig wachen soll, damit die falschen Lehrer, die das Gesetz und das Evangelium durcheinander mischen, die Kirche nicht mit unreiner Lehre irre machen. Und er erklärt den rechten Sinn und Gebrauch, sowohl des Gesetzes, als auch des Evangeliums mit sehr deutlichen Worten. Im anderen Kapitel erinnert der Apostel Timotheus, er soll seine Zuhörer dahin weisen, dass sie die weltliche Obrigkeit in Ehren halten und für deren heilsame Regierung Gott anrufen. Er ermahnt auch die Männer, dass sie fleißig beten sollen, die Frauen aber, dass sie züchtig und mit einem ehrlichen, gebührenden Hausstand zufrieden sein sollen, verbietet auch, dass sie sich nicht selbst für zu schlau halten sollen und sich nicht unterstehen, in der Kirche öffentlich zu lehren. Im 3. Kapitel beschreibt er, wie die Kirchendiener beschaffen sein sollen und wie sie ihr Personal unterrichten und aufziehen sollten. Das 4. Kapitel ist eine Weissagung von den abergläubischen und falschen Lehrern, die besondere Speisen und die Ehe verbieten, womit auf das Papsttum hingewiesen wird. Und Paulus erinnert den Timotheus, dass er die Kirche Gottes mit fleißigem Lernen, Lehren und gutem Beispiel des Lebens erbaut. Das 5. Kapitel lehrt, wie die Kirchendiener mit allerlei Personen je nach Gelegenheit ihres Alters und Standes umgehen sollen, damit dem Evangelium kein Schandfleck angehängt wird. Besonders aber beschreibt Paulus ausführlich, was für Witwen es sein sollen, die von den Kirchengütern zu unterhalten sind, damit die Kirche nicht ohne Grund beschwert würde. Er gibt auch Anleitungen vom Unterhalt der Kirchendiener und wie man sie, wenn es notwendig ist, schelten und eines Besseren erinnern kann. Danach fügt er auch etwas von der Person des Timotheus hinzu, was auch seinen Nutzen hat. Im 6. Kapitel werden die Knechte an ihre Aufgabe erinnert und nebenbei verbietet Paulus, dass die Kirchenlehrer nicht anstatt mit dem göttlichen Wort, mit unnötigen Fragen und unnützem Geschwätz umgehen sollen, und nicht aus Geiz etwas tun, was ihnen übel ansteht. Zugleich lehrt er, was der Geiz für eine schädliche Sache ist. Und er befiehlt dem Timotheus die Kirche an, er solle sie so regieren, dass er einmal von seiner Verwaltung Christus, dem gerechten Richter, Rechenschaft geben kann.


Das 1. Kapitel


I. Nach der Unterschrift, der Überschrift und den gewöhnlichen Beginnt er seinen Brief mit einer Einleitung. II. Er verwirft die unnützen Fragen und vorwitzigen Nachforschungen nach den jüdischen Geschlechtsregistern. III. Er zeigt den rechten Gebrauch des Gesetzes an. IV. Und er erklärt den Inhalt des Evangeliums. V. Schließlich ermahnt er Timotheus, dass er sein Amt recht und freudig verrichten soll.

1. Paulus, ein Apostel Jesu Christi, nach dem Befehl Gottes, unseres Heilandes, und des Herrn Jesu Christi, der unsere Hoffnung ist {Tit 3v4 Kol 1v27}:

Befehl Gottes: Denn ich bin Gottes Gesandter, dem das Amt und die Botschaft von Gott dem Vater befohlen wurde, der uns selig machen will und sein Sohn Jesus Christus, der uns nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem Blut erworben hat. Auf diesem Erlöser besteht all unsere Hoffnung und unsere ewige Seligkeit. Wenn also Paulus Gottes Gesandter gewesen ist, so soll man freilich seine Schriften nichts anders als Gottes unfehlbares Wort ansehen. Da er sagt, das Apostelamt sei ihm befohlen worden, lehrt uns, dass niemand ohne ordentlichen Beruf sich in der Kirche zur Predigt drängen soll, und dass wir die nicht anhören sollen, die keinen ordentlichen Beruf haben. Weil auch Christus unsere Hoffnung ist, sollen wir freilich nicht auf die Verdienste der Heiligen oder gar auf unsere Verdienste hoffen, sondern nur den einzigen Erlöser Christus und keinen weiteren anerkennen. Bis hierhin lautet die Unterschrift des Briefes.

2. Timotheus, meinem rechtschaffenen Sohn im Glauben. Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn Jesu Christo {Tit 1v4}.

Sohn: Den ich geistlich durch das Evangelium Christi gezeugt, dass er durch mein Predigtamt den Glauben an Christus empfangen hat. Die gleiche Art zu sprechen findet sich auch später in dem Brief an Philemon. Ich ermahne dich, sagt er um meines Sohnes willen Onesimus, den ich in meiner Gefangenschaft gezeugt habe. Es irren sich deswegen die Schwenkfelder sehr, die bestreiten, dass das äußere Predigtamt des Evangeliums kein Mittel oder Werkzeug sei, wodurch die Menschen zu Gott bekehrt werden. Und dies ist die Überschrift des Briefes: Es folgt der Gruß.

Jesus Christus: Die Gnade und Barmherzigkeit bedeutet Gottes gnädige Güte, die uns am nützlichsten und am nötigsten ist. Der Friede bezeichnet allerlei Glück, worunter ist das vornehmste ist, der Friede mit Gott, das ist, die Ruhe des Gewissens. Dass Gott unser Vater genannt wird, dient zur Stärkung unseres Glaubens von der Güte Gottes gegen uns, und gibt uns Anlass, einen solch gütigen Vater zu ehren und zu lieben. Dass Christus unser Herr genannt wird, erinnert uns an den Gehorsam, den wir unseren Heiland und Erlöser schuldig sind. Denn so spricht Gott: Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich? spricht der Herr Zebaoth {Mal 1}.

3. Wie ich dich ermahnt habe, dass du zu Ephesus bliebest, da ich nach Mazedonien zog, und gebietest etlichen, dass sie nicht anders lehrten,

Wie: Jetzt kommt Paulus zur Sache und ermahnt Timotheus, dass er fleißig darauf achten soll, dass die falschen Apostel die Kirche nicht irre machen.

Bliebest: Und ausrichtest, was ich dir befohlen hatte, so begehre ich noch solches von dir. Es ist also Paulus, ein solch hoher Apostel nicht so gesinnt gewesen, wie der Papst in Rom, dass er seinen Gehilfen, der dazu noch viel geringer war als er selbst, nichts gebietet, wie es der Papst in Rom gegen seine Gehilfen, die Bischöfe tut, und andere mit großem Übermut, sondern er ermahnt und bittet ihn auf das freundlichste.

4. auch nicht achthätten auf die Fabeln und der Geschlechtsregister, die kein Ende haben, und bringen Fragen auf, mehr denn Besserung zu Gott im Glauben {1Tim 4v7 Tit 1v14 3v9}.

Fabeln: Der Juden, die nicht in der Heiligen Schrift stehen.

Geschlechtsregister: In denen die bekehrten Juden in abergläubischerweise nachforschen und wissen möchten, aus welchem Geschlecht oder welchem Stamm sie ihre Herkunft haben, damit sie damit prangen könnten. Wenn Paulus es verbietet, man solle nichts anderes in der Kirche lehren, gibt er damit zu verstehen, wie der Kirche ständig die Gefahr auf dem Hals liegt, dass die reine Lehre nicht gefälscht wird, darum sollen wir nicht sicher sein. Mit den Fabeln meint er meiner Meinung nach die liederlichen Gedichte und Fantasien der Juden, vom Leben der Patriarchen und dergleichen Sachen mehr, die nicht in der Heiligen Schrift stehen wie es zum Beispiel Philo, ein Jude in seinen Büchern von den alten biblischen Geschichten viel hat. So haben auch heutzutage noch etliche Prediger eine besondere Lust, solche Geschichten zu erzählen, die in keiner Schrift begründet sind, sondern von müßigen Leuten erdichtet worden sind. Was die Geschlechtsregister betrifft, ist es an sich selbst keine Sünde, wenn jemand seine Herkunft über viele Jahre von seinen Vorfahren ableiten kann, jedoch sind diejenigen keineswegs zu loben, die von der Hoheit und Würde ihrer Vorfahren viel rühmen betreiben und damit prangen, sie jedoch keineswegs begehren, es diesen an Tugenden und Männlichkeit nachzutun.

Im Glauben: Sie erbauen das Gewissen nicht mit dem Wort Gottes und dienen auch nicht der Stärkung des Glaubens. Deswegen sollen sie in geistlichen und göttlichen Sachen die unnützen und vorwitzigen Fragen meiden, aus denen die Zuhörer nicht gebessert werden. Denn dass einer in himmlischen Sachen seinen Vorwitz sehen lassen will, ist die größte Dummheit.

5. Denn die Hauptsumme des Gebots ist Liebe von reinem Herzen und von gutem Gewissen und von ungefärbtem Glauben {Mi 6v8 Röm 13v8 v10 Gal 5v14},

Gebotes: Oder Gesetzes. Denn nachdem Paulus den Timotheus ermahnt hatte, er solle nicht zulassen, dass in Ephesus etwas anderes gelehrt würde, als er dort gelehrt hätte, weil viele falsche Lehrer immer wieder eindrangen und lehrten, dass man das Gesetz und auch die Zeremonien notwendigerweise halten müsste, sofern man anders die Seligkeit erlangen wollte, und dass die Gerechtigkeit der Christen darauf bestehen würde, wenn man das Gesetz hielte, dazu auf die Gebote von den Zeremonien, besonders aber auf die Beschneidung mehr drangen, als auf die 10 Gebote, wie es die Art aller Heuchler ist, so zeigt Paulus an, wie der rechte Gebrauch des Gesetzes Gottes aussieht, nämlich, dass wir ein gottseliges Leben führen und nicht in abergläubischerweise mit Sachen, die entweder abgetan oder nicht der Mühe wert sind, die Zeit vergeblich zubringen. Denn diejenigen, die vom Gesetz lehren, treiben viel Geschwätz davon, dringen hart darauf und möchten die Zeremonien, die durch Christus abgetan worden sind, wieder einführen, sehen aber nicht auf den rechten Gebrauch des Gesetzes, weshalb sie mit ihrer Lehre und mit ihrem Unterricht viel mehr Heuchler als rechtschaffene Christen schaffen. Die Summe aber und der Inhalt des ganzen Gesetzes ist, dass wir Gott und den Nächsten von reinem Herzen lieben sollen, damit wir ein gutes Gewissen behalten und aus rechtschaffener, ungefärbtem Glauben alles Gute von unserem himmlischen Vater erwarten. Deswegen sollen wir in unserem ganzen Leben dies besonders beachten, dass wir an Gott glauben und ihm wahrhaftig zutrauen, er sei unser gnädiger Vater um Christi willen. Dass wir ihn auch wiederum lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Unseren Nächsten aber sollen wir um Gottes willen lieben, und uns von Sünden, auch von den heimlichen, enthalten, damit unser Gewissen nicht verwundet oder verunreinigt wird.

6. welcher haben etliche gefehlt und sind umgewandt zu unnützem Geschwätz,

Welcher: Nämlich von den aufgezählten Sachen, die im Gesetz Gottes besonders erforderlich sind.

Geschwätz: Dass sie vom Gesetz viele ungereimte und ungeschickte Dinge vorbringen.

7. wollen der Schrift Meister sein und verstehen nicht, was sie sagen, oder was sie setzen.

Meister sein: Und möchten einen Ruhm daraus ernten, dass sie so heftig auf das Gesetz Moses dringen.

Sie setzen: Indem sie aus Vorwitz viele Diskussionen betreiben, wie man das Gesetz halten soll, bestreiten sie viele Dinge mit großer Verwegenheit und Halsstarrigkeit, und verstehen doch das ganze an sich selbst nicht, sondern verwickeln sich so, dass sie selbst nicht wissen, was sie reden oder anordnen. Dies pflegt auch heutzutage allen sophistischen Lehrern zu begegnen, die bestreiten, dass der Mensch gerecht und selig wird nicht durch den Glauben an Christus allein, sondern auch durch menschliche Werke und Verdienste, dass sie nämlich den rechten Verstand des Gesetzes nicht beachten, wie den Glauben, die Liebe und ein gutes Gewissen, und bemühen sich unterdessen mit den Zeremonien und Menschensatzungen, die jedoch, da sie von Menschen erdacht worden sind, zur wahren Gottseligkeit nichts nutzen. So sieht man, wie die Schullehrer, die auch Meister des Gesetzes sein wollen, mit liederlichen, unnützen und spitzfindigen Fragen sich dermaßen selbst verwirrt und verwickelt haben, dass weder sie, noch ihre Zuhörer zuletzt verstanden haben, was sie gesagt, gesetzt und bestätigt haben.

8. Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, so sein jemand recht braucht {Röm 7v12},

Gut ist: Und seinen Nutzen hat, darum ist es keineswegs aus der Kirche Gottes auszumustern. Denn es zeigt uns die Sünde und lehrt, wie wir recht gottselig leben sollen. Daneben soll man aber nicht so hart auf das Gesetz dringen, wie es die Gesetzesprediger zu tun pflegen, die vorgeben, niemand könnte selig werden, wenn er nicht das Gesetz vollkommen halten würde. Diesen Irrtum verwerfen wir zu Recht.

9. und weiß solches, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern,

10. den Hurern, den Knabenschändern, den Menschendieben, den Lügnern, den Meineidigen, und so etwas mehr der heilsamen Lehre wider ist,

Zuwider ist: Und dieser schnurstracks widerstrebt. Diese gesunde und heilsame Lehre wird im evangelischen Predigtamt vorgetragen, was vor den Augen des allmächtigen Gottes herrlich ist. Solch ein Predigtamt hat mir Gott anvertraut. Damit will aber der Apostel Paulus folgendes sagen: Die apostolische Lehre billigt die Laster nicht, die das Gesetz auch verbietet. Daneben aber soll man das Gesetz nicht so lehren und betreiben, als ob die, die an Christus glauben, nicht selig werden könnten, wenn sie dem Gesetz Gottes nicht vollkommen genug tun. Darum, die das Gesetz samt den Fluch bei den Gerechtfertigten treiben, die lehren das Gesetz nicht richtig. Denn die durch den Glauben an Christus gerechtfertigt worden sind, die stehen nicht unter dem Gesetz, also auch nicht unter dem Fluch des Gesetzes, sondern unter der Gnade, und nachdem sie wieder geboren sind tun sie aus Anleitung und Antrieb des Heiligen Geistes, was im Gesetz der 10 Gebote gefordert wird, so viel dies in der Schwachheit des Fleisches geschehen kann, und tun gute Werke, nicht vom Gesetz gezwungen, sondern aus freiem Willen, gleichwie ein sittsamer, ehrlicher Mann in seinem männlichen Alter es für sich selbst tut, was ihm gut ansteht, auch wenn er keinen Zuchtmeister mehr hat, der ihn mit der Rute bestraft. Darum soll man das Gesetz mit seinen Drohungen und Flüchen bei den sicheren, ruhelosen, lasterhaften, ungerechten, boshaften und gottlosen Menschen ernsthaft betreiben, damit sie mit dem Gesetz und den Strafen, wie mit einem Zaum festgehalten werden, damit sie die menschlichen Hände und den allgemeinen Wandel in der Welt nicht verwirren oder sogar aufheben, und alle menschlichen und göttlichen Rechte durcheinander werfen. Diesen muss man das Gesetz Gottes wohl abbilden, mit einer scharfen Erinnerung des Fluchs, damit sie ihre Sünden und Laster erkennen, und sich vor der Hölle zu fürchten lernen, Buße tun und schließlich selig werden. Mit diesem Hammer des Gesetzes muss man ihre Herzen zerschlagen, damit sie gedemütigt werden, Gott um Verzeihung bitten und zu ihrem Mittler Christus fliehen. Und man muss die Worte des Paulus (dem Gerechten ist kein Gesetz gegeben) nicht so verstehen, als ob das Gesetz in der Kirche nicht gelehrt werden müsste, wie die Antimoner fantasieren, weil ein Christenmensch, der aus Glauben gerecht oder gerechtfertigt worden ist, noch nicht vollständig geistlich ist, sondern den alten Adam mit sich herumschleppt, weil er lebt, der ihn zur Sünde reizt, bisweilen auch hineinstürzt. Sofern nun ein Christ noch nicht erneuert ist, benötigt er das Gesetz, damit er sein verdorbenes Wesen, das dem Gesetz widerstrebt, erkennt und durch die Gebote Gottes und deren Bedrohungen von Sünden abgehalten wird, damit er sein Leben nach der Richtschnur des göttlichen Wortes und Willens anstellt und sich nicht untersteht, mit selbst erwählten Werken Gott zu dienen. Schließlich auch, wenn er in irgendeine Sünde gefallen ist, wiederum Buße tut, sich demütigt und um Christi willen von Herzen um Verzeihung bittet und so wieder auf den rechten Weg umkehrt.

11. nach dem herrlichen Evangelium des seligen Gottes, welches mir vertraut ist.

12. Und ich danke unserm Herrn Christo Jesu, der mich stark gemacht und treu geachtet hat und gesetzt in das Amt {1Kor 7v25},

Und: Bisher hat Paulus gelehrt, was der rechte Sinn und Nutzen des Gesetzes ist. Jetzt bringt er auch den Inhalt des Evangeliums hervor, dass wir sehen, was für ein großer Unterschied zwischen dem Gesetz und dem Evangelium besteht. Weil das Gesetz die Verdammnis droht, das Evangelium aber von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes predigt. Und Paulus stellt sich selbst als Beispiel der unendlichen Gnade Gottes vor, wie er aus einem Verfolger des Evangeliums ein Apostel Christi geworden ist. Durch das Verdienst des Erlösers hat er Verzeihung all seiner Sünden erlangt.

13. der ich zuvor war ein Lästerer und ein Verfolger und ein Schmäher. Aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren; denn ich hab‘s unwissend getan, im Unglauben.

14. Es ist aber desto reicher gewesen die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu ist.

Christus Jesus: Es ist recht, dass ich meinen Herrn und Heiland Christus preise, weil er nicht nach dem strengen Gesetz mit mir umgegangen ist, sondern nach seiner Barmherzigkeit, wovon sein Evangelium lehrt. Denn als ich Jesus Christus, der für mich gekreuzigt worden ist, lästerte und seine Kirche verfolgte, auch gegenüber den Christen großen Übermut betrieb und mich sehr grausam zeigte, da hat sich Gott meiner erbarmt und mich mitten im Lauf meines gottlosen Wesens, worin ich zum Verderben eilte, zurückgehalten, und mich auch dazu geachtet, dass ich ein treuer Prediger des Evangeliums werden sollte. Darum hat er mir nach seiner unendlichen Güte das Predigtamt des Evangeliums befohlen und anvertraut. Ich aber habe Barmherzigkeit und Verzeihung meiner Verfolgungen erlangt, weil ich die Christen aus Unwissenheit und Unglauben verfolgt habe, und Christus gelästert habe, als ich noch nicht an ihn glaubte, auch nicht wusste, dass die christliche Religion recht und gottselig ist. Je größer aber meine Sünde gewesen ist, indem ich die Christen in den Tod stieß und sie zwang, dass sie den Namen Christi lästern und verleugnen mussten, umso größere Gnade hat mir Gott gezeigt. Denn er hat mich mit den Glauben an Christus beschenkt und eine rechtschaffene, reine Liebe, die Christus seinen Jüngern befohlen hat in meinem Herzen angezündet. Hier hat man viel zu merken. Zum einen, dass wir über unsere Bekehrung Gott dem Herrn ewig Lob und Dank sagen sollen. Und dass man an den Verfolgern nicht verzagen soll. Denn es kann wohl geschehen, dass aus einem Wolf nicht nur ein Schaf, sondern auch ein getreuer Hirte wird. Dass auch die Verfolger, die das Evangelium Christi aus Unwissenheit lästern, Verzeihung erlangen, wenn sie Buße tun. Denn diejenigen, die mit gutem Wissen und Willen, nicht gezwungen aus reinem Mutwillen, wegen Reichtum, Wollust oder Ehre nicht nur die evangelische Lehre verleugnen, sondern diese auch lästern und verfolgen, die werden aus gerechtem Urteil Gottes in einen verkehrten Sinn gegeben, dass sie entweder in Sicherheit geraten, oder in Verzweiflung fallen und ewig verloren werde. Ferner hat man zu beachten, dass die Gnade Gottes desto reicher und großzügiger ist, je größer die Übertretungen und Sünden derjenigen gewesen sind, die wahrhaftig und von Herzen Buße tun.

15. Denn das ist je gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort, dass Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin {Mt 9v13 Mk 2v17}.

Denn: Jetzt fasst Paulus die ganze Summe des Evangeliums mit wenigen Worten zusammen.

Wertes Wort: Welches man annehmen und mit Glauben behalten soll.

Zu machen: Wenn wir deswegen erkennen, dass wir Sünder sind und es uns leid tut, wir auch unser Leben bessern wollen, so sollen wir nicht verzagen, denn der Sohn Gottes ist deshalb Mensch geworden, damit er die bußfertigen Sünder selig macht.

Vornehmste bin: Der ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Denn wir sollen unsere Sünden nicht verbergen oder gering schätzen.

16. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf dass an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigte alle Geduld zum Exempel denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.

Geduld: Und Langmütigkeit, die er gegenüber den unbußfertigen Sündern anwendet.

Zum Exempel: Gott der Herr hat in meiner Person ein Beispiel seiner Barmherzigkeit sehen lassen wollen, damit alle, die an Christus glauben würden daraus einen Trost nehmen, und das ewige Leben erlangen. So oft uns deshalb in der Heiligen Schrift ein Beispiel eines bekehrten Sünders, der selig geworden ist, vorgehalten wird, so oft soll unser Glaube von der Vergebung der Sünde daraus gestärkt werden.

17. Aber Gott, dem ewigen Könige, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren und allein Weisen, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen {Röm 16v27}.

Sei Ehre: Diese herrliche Danksagung hängt Paulus an, um seine Dankbarkeit damit zu erklären, als wollte er sagen: Der ewige Gott, Schöpfer und Erhalter des Himmels und der Erde, der weder Anfang noch Ende hat, dessen göttliches Wesen man in diesem Leben mit leiblichen Augen nicht sehen kann, obwohl er doch in nächster Nähe bei uns ist, der allein weise ist, sodass die Weisheit der Welt vor ihm reine Torheit ist, dieser sei gelobt und gepriesen in alle Ewigkeit, wegen seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit, die er in der Aufnahme der bußfertigen Sünder täglich erklärt. Wenn Gott also ein ewiger König ist, so haben wir uns nicht zu sorgen, dass ihn die Tyrannen vom Stuhl seiner Herrlichkeit stürzen werden, weil er auch nicht stirbt, so lasst uns zu ihm fliehen in allen unseren Trübsalen, und daran denken, dass Gott doch noch lebt. Auch wenn er unsichtbar ist, so sollen wir nicht glauben, er wäre weit weg von uns, dass er nicht sieht, was wir tun. Ist er allein weise, so sollen wir das Urteil unserer Vernunft seinem ausdrücklichen Wort nichts entgegensetzen, sondern vielmehr glauben, dass er weise und wir unverständig sind.

18. Dies Gebot befehle ich dir, mein Sohn Timotheus, nach den vorigen Weissagungen über dir, dass du in ebendiesen eine gute Ritterschaft übst

Gebot: Oder Lehre, dass nämlich Christus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen.

Nach Luther: Das bedeutet, von Christus zu predigen, wie er hier sagt, dass er in die Welt gekommen ist.

Weissagungen: (Nach Luther: Das bedeutet, nach der Lehre, die du zuvor empfangen hast, die in den Propheten geschrieben steht.

Übst: Und du dich tapfer gebrauchen lässt, das Evangelium zu predigen, wie etliche, durch den Geist Gottes erleuchtete Männer, von dir geweissagt haben. Darum halte dich ritterlich in deinem Predigtamt.

19. und habest den Glauben und gut Gewissen, welches etliche von sich gestoßen und am Glauben Schiffbruch erlitten haben {1Tim 3v9};

Glauben: Und reine Lehre, die du mit wahrem Glauben behalten sollst.

Gutes Gewissen: Dass du unsträflich lebst und in deinem ganzen Predigtamt aufrichtig und redlich handelst, damit dein Gewissen nicht verletzt wird.

Welche: Nämlich den rechten Glauben und das gute Gewissen.

Erlitten haben: Wie sie ihren Glauben und ihre Religion, gleichwie in einem Schiffbruch verloren haben.

20. unter welchen ist Hymenäus und Alexander, welche ich habe dem Satan übergeben, dass sie gezüchtigt werden, nicht mehr zu lästern {1Kor 5v5}.

Hymenäus: Der die Auferstehung der Toten verleugnet hat {2Tim 2v17}.

Alexander: Der entweder in diesen oder in einen anderen Irrtum geraten war, und unter den Augen des Apostels mit großer Verwegenheit widersprochen hat {2Tim 4v14}.

Satan gegeben: Also ich sie aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen habe, und sie in die Gewalt des Satans übergab, damit sie von diesem heftig geplagt werden, und so aus ihren Strafen erkennen, dass sie der Wahrheit der himmlischen Lehre nicht lästern sollen. Man soll deswegen das Evangelium mit allem Fleiß lehren, weil das Gesetz von Natur aus allgemein bekannt ist, das Evangelium aber der Natur unbekannt ist und es ist schwerer, ein zerschlagenes Gewissen mit dem Evangelium aufzurichten, als einen sicheren Menschen mit dem Hammer des Gesetzes niederzuschlagen. Die Kirchendiener sollen sich auch erinnern, dass ihr Amt eine geistliche Ritterschaft darstellt, worin sie sich tapfer gebrauchen lassen sollen und wachen, dass die Kirche durch die List des Teufels keinen Schaden nimmt. Die Kirchendiener sollen in der rechten Religion beständig und im Wandel unsträflich sein, damit sie ein gutes Gewissen behalten. Der Abfall des Hymenäus und des Alexander von der reinen Lehre zeigt an, wie ständig etliche von der reinen Kirche abfallen, obwohl die Kirchendiener ihr Amt treu verrichten. Die aber entweder mit der falschen Lehre die Kirche verwirren, oder sie mit Lastern verstellen, die soll man von der Kirche ordentlich ausschließen und in den Bann geben. Die dann so ausgeschlossen worden sind, sind wahrhaft in der Gewalt des Satans, daher geschieht es, dass solche gelegentlich auch in diesem Leben ernsthaft von Gott gestraft werden. Und man liest in den Geschichten Beispiele, dass die, die in ordentlicherweise in Bann getan wurden, verrückt wurden und so lange vom Teufel geplagt worden waren, bis sie ernstlich Buße getan haben, freigesprochen und wieder in den Schoß der Kirche aufgenommen wurden.


Das 2. Kapitel


1. Zunächst lehrt er, dass man für alle Menschen, besonders aber für die Obrigkeit bitten soll. 2. Und er fordert die Frauen auf, dass sie sich vielmehr um die Tugenden, als um den äußeren Schmuck des Leibes bemühen sollen. 3. Er spricht ihnen aber das Lehramt in der Kirche und die Vorherrschaft über die Männer ab. 4. Danach rühmt er ihr Amt und erfreut sie mit Trost.

1. So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen,

So: In diesem Kapitel befiehlt Paulus, dass wir für die Obrigkeit bitten sollen. Er fordert von den Frauen, dass sie sich in der Kleidung mäßigen sollen und verbietet ihnen auch, dass sie sich nicht unterstehen sollen, in der Kirche öffentlich zu lehren. Daraus ist abzunehmen, dass es in der Kirche in Ephesus etliche Frauen gegeben hat, die eine solche Erinnerung nötig hatten. Denn es geht nirgends in allen Dingen richtig zu.

Alle Menschen: Deswegen sollen die Christen nicht nur für diejenigen bitten, die sich zur gleichen Religion mit Ihnen bekennen, sondern auch für alle Menschen, dass Gott ihre Herzen lenken möge, das Evangelium Christi anzunehmen. So soll man auch für zeitliche Guttaten bitten, dass Gott von dem menschlichen Geschlecht das Böse abwendet und das Gute beschert. Denn weil die Christen mit den Gottlosen in dieser Welt vermischt sind, soll man bitten, dass Gott die Bosheit der Gottlosen nicht strafen möge, nach seiner strengen Gerechtigkeit, damit nicht zugleich mit Ihnen die Frommen hingerissen und aufgerieben werden. Danach erinnert Paulus nicht umsonst, dass die Christen für ihre Obrigkeit, die damals noch heidnisch war, fleißig beten sollen aus verschiedenen Gründen, aber auch deswegen, dass man unter dem Schutz der Obrigkeit ein ruhiges und ehrbares Leben führen kann. Denn ohne Obrigkeit können wir in dieser Welt nicht leben. Und man soll die Untertanen mit besonderem Fleiß dahin bringen und ermahnen, dass sie nicht gegen die Obrigkeit murren, obwohl diese einer anderen Religion anhängen. Denn mit einem gottseligen Gebet kann mehr ausgerichtet werden, als mit heimlichen Nachstellungen oder öffentlicher Gewalt, womit man sich gegen die Obrigkeit auflehnt, was keinem Christen gut ansteht. Und man soll sich erinnern, dass das Herz des Königs in der Hand Gottes steht, der es neigt, wohin er will {Spr 21}.Weiter, wenn die Obrigkeit und die Untertanen, die einer falschen Religion anhängen, sehen, dass die rechtschaffenen Christen dennoch für ihre Wohlfahrt zu Gott beten, so werden ihre Herzen zum Guten gemildert und erweicht, damit sie gegen die Herde Christi nicht so sehr wüten. Darum sollen wir für die zeitliche und ewige Wohlfahrt aller Menschen beten.

2. für die Könige und für alle Obrigkeit, auf dass wir ein ruhig und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.

3. Denn solches ist gut, dazu auch angenehm vor Gott, unserm Heilande,

Vor Gott: Dem es gut gefällt, dass einer für den anderen in seinem Gebet bittet. Denn Gott missgönnt niemandem die Seligkeit. Und man soll unserem Herrn Gott keinen widerwärtigen Willen zumessen, als ob er sich später so stellen würde, dass er von vielen Menschen die Seligkeit wünscht, wenn er es doch nicht mit Ernst meinen würde. Und tatsächlich ist das Gerücht von der rechten Religion sowohl im Alten, wie auch im Neuen Testament dermaßen erschollen, dass die Heiden keine Ursache gehabt hatten, sich zu entschuldigen, warum sie die rechte Religion nicht gelernt hatten. Denn auch vor der Ankunft Christi sind viele Heiden aus weit abgelegenen Orten nach Jerusalem gekommen, damit sie Gott dort recht ehren könnten. Man soll aber Gott anrufen, dass er auch anderen Völkern die reine christliche Religion zu ihrer ewigen Wohlfahrt mitteilen möge, weil dem menschlichen Geschlecht keine größere Guttat widerfahren kann.

4. welcher will, dass allen Menschen geholfen werde, und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

5. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus,

Denn: Paulus fügt den Grund hinzu, warum man auch für andere Heiden bitten soll, dass sie den Erlöser Christus erkennen und selig werden.

Mittler: Der die Welt mit Gott versöhnt hat.

6. der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass solches zu seiner Zeit gepredigt würde;

Sich selbst: Und kein Gold oder Silber. Darum ist die Erkenntnis des wahren Gottes und seines eingeborenen Sohnes, des Mittlers höchst notwendig, weil es außerhalb dieses Gottes keinen anderen Gott gibt, der selig machen kann und außer Christus kein Erlöser gefunden werden kann, der die Welt so geliebt hat, dass er zu ihrer Erlösung sich selbst in den Tod gegeben hat. Wer deshalb einen anderen, als diesen Gott, Vater, Sohn und Heiligen Geist ehrt, der betet nicht Gott, sondern seines Herzens Dünkel an. Wenn es also einen Mittler und nicht mehrere gibt, so tun diejenigen dem Mittler Christus Unrecht und schmähen ihn, die aus den Heiligen Mittler machen, damit sie ihnen einen gnädigen Gott zuwege bringen. Es wird aber der Mensch Christus Mittler genannt, weil, wenn der Sohn Gottes nicht Mensch geworden wäre, so hätte von uns keiner vor Gott treten dürfen. Denn Gott ist den Sündern ohne einen Mittler ein verzehrendes Feuer. Und hat dieser Mittler unsere Seligkeit sich so sehr angelegen sein lassen, dass er sich selbst dahingegeben hat, so will es uns gebühren, dass wir ihm dafür von Herzen dankbar sind. Diese Dankbarkeit sollen wir nicht nur in Worten, sondern auch und am meisten sogar in guten Werken zeigen. Hat er sich für alle hingegeben, so hat kein bußfertiger Sünder Ursache, in seinen Sünden zu verzweifeln.

Gepredigt würde: Denn nachdem Paulus gesagt hatte, dass wir durch Christus erlöst worden sind, so zeigt er jetzt auch an, wie Gott gewollt hat, dass diese Guttat durch die Predigt des Evangeliums bekannt gemacht würde. Als wollte er sagen: Das Evangelium vom Erlöser Christus soll zu seiner bestimmten Zeit deutlich und hell gepredigt werden, was im Alten Testament mit etwas dunklen Verheißungen und unter dem Schatten der Zeremonien dem israelitischen Volk aufgezeichnet war.

7. dazu ich gesetzt bin ein Prediger und Apostel (ich sage die Wahrheit in Christo und lüge nicht), ein Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit {2Tim 1v11 Röm 9v1 Apg 15v12 Röm 1v5 11v13 15v16 Gal 1v16 2v7 v8}.

Gesetzt bin: Denn Gott hat mich zum Prediger und Gesandten dieses Evangeliums verordnet im Namen des allmächtigen Gottes, die Menschen zu ermahnen, dass sie sich durch den Glauben an Christus mit Gott versöhnen lassen {2Kor 5}. Ich bin aber nicht nur den Juden zum Lehrer und Prediger gegeben, sondern auch und zwar besonders den Heiden, dass ich diesen das Evangelium verkündige, denen der Erlöser und Heiland Christus noch nicht bekannt gemacht worden war. Und ich bringe auch hier keine Unwahrheit vor, denn Christus ist ein Zeuge meines Berufes, der mein apostolisches Amt mit herrlichen Wundern und Zeichen bestätigt hat. Ich lehre aber die Heiden den Glauben an Christus, und die Wahrheit der christlichen Religion. Deswegen gehört das Evangelium Christi auch den Heiden. Denn nachdem Paulus den Timotheus ermahnt hatte, er solle nicht zulassen, dass in Ephesus etwas anderes gelehrt würde, als er dort gelehrt hätte, weil viele falsche Lehrer immer wieder eindrangen und lehrten, dass man das Gesetz und auch die Zeremonien notwendigerweise halten müsste, Die Kirchendiener aber sollen nach dem Beispiel Paulus keine unnützen Verteidigungsreden vortragen, oder was der menschlichen Vernunft gefällt, sondern den Glauben an Gott und die himmlische Wahrheit, wie sie in der Heiligen Schrift beinhaltet ist.

8. So will ich nun, dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände, ohne Zorn und Zweifel {Jes 1v15 v16 Mt 5v23 6v14}.

So: Während Paulus zu Beginn dieses Kapitels die Christen zum Gebet ermahnt hatte und uns den Mittler Christus gezeigt, um dessen willen wir erhört werden, so fährt er jetzt fort, zum Gebet zu ermahnen.

Allen Orten: Denn heutzutage sind die Christen nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden, wie es die Juden damals mit dem Tempel in Jerusalem gewesen sind. Es kommt die Zeit (sagt Christus), dass ihr weder auf diesen Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Und bald danach: Es kommt die Zeit und sie ist schon jetzt da, dass die wahrhaftigen Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden {Joh 4}.

Heilige Hände: Es heben aber diejenigen heilige und reine Hände zum Himmel auf (was an sich selbst eine feine äußerliche Zucht ist, die den Christen gut ansteht, aber die jedoch nicht notwendig ist), die in ihrem Gewissen mit keinen Lastern befleckt sind. Denn die Unbußfertigen werden nicht erhört, gemäß des Spruchs: Wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen von euch, und obwohl ihr viel betet, höre ich euch doch nicht, den eure Hände sind voll Blut {Jes 1}. Er befiehlt auch, ohne Zorn zu beten, weil Gott dem Herrn die Gebete derjenigen nicht angenehm sein können, die gegen ihren Nächsten Hass und Neid im Herzen tragen und rachgierig sind. Darum hat Petrus die Ehemänner ermahnt, dass sie mit Vernunft oder Sanftmut bei ihren Frauen wohnen sollen, damit ihr Gebet nicht verhindert wird {1Petr 3}. Weiter sagt Paulus, man solle ohne Zweifel beten, weil man glauben und nicht zweifeln soll, unsere Gebete werden um Christi willen gewiss erhört. Ich sage euch (spricht Christus). Alles was ihr bittet in eurem Gewissen, glaubt, dass ihr es empfangen werdet, so wird es euch auch gegeben {Mk 11}.

Zweifel: (Nach Luther: Dass sie nicht murren gegen Gott, noch zweifeln an seiner Gnade im Gewissen {Phil 2v14}.

9. Desgleichen die Weiber, dass sie in zierlichem Kleide mit Scham und Zucht sich schmücken, nicht mit Zöpfen oder Gold oder Perlen oder köstlichem Gewand {1Petr 3v3 v4},

Sich schmücken: Besonders wenn sie zu einer öffentlichen christlichen Versammlung gehen wollen, und Gott den Herrn anrufen möchten, sollen sie sich mit der Kleidung und in allem Tun gebührlich zeigen, wie es ehrlichen und christlichen Matronen zusteht, und aus gottseligem Herzen Gott anrufen.

10. sondern wie sich‘s ziemt den Weibern, die da Gottseligkeit beweisen durch gute Werke.

Gute Werke: Und mit der Tat. Deswegen soll die weibliche Kleidung so beschaffen sein, dass sie dem christlichen Bekenntnis nicht zur Unehre gereicht. Und obwohl meiner Meinung nach es nicht die Meinung des Paulus gewesen ist, dass jeder Gebrauch von Gold, Silber, Perlen und Edelsteinen den christlichen Frauen sonderlich denen die hohen Standes sind, verboten sein sollte, man jedoch in solchen Dingen Maß halten soll, dass die Frauen die Gebühr nicht überschreiten und sich nicht mit üppiger Pracht sehen lassen, als hätten sie einen unzüchtigen Hurenschmuck an ihren Leib gelegt. Sie sollen sich jedoch schmücken und zieren mit herrlichen und feinen Tugenden, wie mit der Gottseligkeit, dem Glauben, der Zucht, der Demut, der Sanftmut, der Guttätigkeit, der Hoffnung in Widerwärtigkeiten, der christlichen Liebe gegenüber jedermann, Keuschheit, Schamhaftigkeit und dergleichen. Die mit solchen Tugenden begabt sind, erscheinen und glänzen vor den Augen Gottes, der Engel und der frommen Menschen viel mehr, als wenn ihre ganze Kleidung von Silber, Gold, Perlen und Edelsteinen starrt. Denn solch äußerlicher Schmuck macht einen Menschen weder besser noch frömmer.

11. Ein Weib lerne in der Stille mit aller Untertänigkeit.

Lerne: Was zur christlichen Religion gehört und sie soll sich nicht unterstehen, öffentlichen der Kirchenversammlung über die Lehrpunkte zu diskutieren, sondern sich daheim mit ihrem christlichen Ehemann über die Sachen unterhalten, wovon öffentlich in der Kirche gelehrt wird, und sie soll dies mit aller Untertänigkeit tun, damit sie ihren Ehemann in Ehren hält, Scheu vor ihm hat und nicht heftig mit ihm streite.

12. Einem Weibe aber gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei {1Kor 14v34}.

Still sei: Und sich züchtig und demütig verhalte, aber nicht den Mann mit ihren Ratschlägen regieren, oder über ihn herrschen möchte.

13. Denn Adam ist am ersten gemacht, danach Eva {1Mos 1v27 2v7 v21 2v18 v22}.

Am ersten: Darum steht die Würde der Herrschaft und des Vorzug dem Manne zu, die Frau aber ist ihm zum Gehilfen, und nicht zur Herrscherin gegeben.

14. Und Adam ward nicht verführt; das Weib aber ward verführt und hat die Übertretung eingeführt {1Mos 3v6}.

Eingeführt: Denn sie ist zuerst abgefallen und hat das ganze menschliche Geschlecht mit sich zu Fall gebracht, darum sollen uns die weiblichen Anschläge und Herrschaften zu Recht verdächtig erscheinen, besonders jetzt, nach dem Fall des menschlichen Geschlechtes. Darum sollen die Frauen in der Kirche nicht zu lehren begehren, daheim aber sollen sie ihre Kinder den Katechismus lehren, und was sie sonst noch an Unterricht benötigen, sie sollen sich von frommen Ehemännern unterweisen lassen, und die Herrschaft den Ehemännern in die Hände legen, weil auch Eva vor dem Fall von schwächerer Natur gewesen ist, als Adam, weshalb sich der Satan nicht an Adam, sondern an Eva herangemacht hatte. Und doch sollen wir darum das weibliche Geschlecht nicht verachten, und auch nicht anfeinden. Denn es haben auch die Frauen ihre Gaben von Gott und sind Miterben der Gnade, wie Petrus bezeugt {1Petr 3}.

15. Sie wird aber selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleiben im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung samt der Zucht.

Sie: Jetzt fügt Paulus einen Trost für die gottseligen Matronen hinzu.

Kinder zeugen: Denn das ist ihre ordentliche Aufgabe, dass sie die Schmerzen der Geburt und die Mühe der Kindererziehung auf sich nehmen soll. Doch damit will der Apostel Paulus den unfruchtbaren Frauen das Himmelreich nicht abgesprochen haben, sondern er lehrt allein, was die ordentliche Aufgabe der Frauen sei, worin gottselige Matronen um des Mittlers Christi willen durch den Glauben die ewige Seligkeit erlangen. Denn die Sorge mit der Erziehung der Kinder ist den Frauen von Gott befohlen, und die Männer können diese Sachen nicht ordentlich ausrichten. Die Frauen aber sollen wissen, dass sie Erben des Himmelreiches sind, wenn sie in der wahren Gottseligkeit beharren und sollen sich darum bemühen, dass sie das Ziel der christlichen Zucht nicht überschreiten.

Bleiben: Nach Luther: Bleibt oder bleiben ist das gleiche, denn es ist von den Frauen insgesamt geredet, nicht von Kindern, wie sich etliche hier ohne Ursache quälen.


Das 3. Kapitel


1. Der Apostel lehrt, wie sich die Diener des göttlichen Wortes ihrem Personal gegenüber verhalten sollen. 2. Danach beschreibt er das Amt und die Tugenden der Diakone und Helfer. 3. Darauf fasst er den gesamten Inhalt der apostolischen Lehre wie in einem Bündel zusammen.

1. Das ist je gewisslich wahr, so jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt ein köstlich Werk.

Das: Zu des Apostel Paulus Zeiten fanden sich Menschen, die ihre Dienste, die Kirche Gottes zu lehren und zu regieren freiwillig angeboten haben. Dies verwirft Paulus an sich selbst nicht, beschreibt aber, wie ein Bischof beschaffen sein soll, der die Kirche Gottes lehren und regieren will, und er tut dies deshalb, damit die, die nicht tauglich sind, abgeschreckt werden und auch die Kirche nicht solche erwählt, die das Amt nicht mit Nutzen verwalten können.

Köstlich Werk: Und ein solches Amt, worin er mit vielen und vortrefflichen guten Werken Gott und dem Nächsten dienen kann. Es waren aber die bischöflichen Ämter früher keine weltlichen Fürstentümer, sondern das Amt eines Bischofs war, das Evangelium zu lehren, die Kirche mit dem Wort Gottes zu regieren, und die Zustände der benachbarten Kirchen fleißig zu beachten, dass sie weder von falschen Lehrern noch einreißenden Ärgernissen keinen Schaden nimmt. Und die Gefahr der Bischöfe war allgemein größer als der zeitliche Nutzen oder die Belohnungen. Denn wenn Verfolgungen erregt wurden, so ging es zunächst über die Bischöfe, denen von den Gottlosen am meisten zugesetzt wurde. Wenn sich heutzutage Menschen in dem Sinn zum Predigtamt anbieten, dass sie Gott und der Kirche treu dienen möchten, und nicht mit bösen Praktiken eindringen, sondern, nachdem sie ihren Dienst der Kirche angeboten haben, dieser danach das Urteil anheimstellen, ob sie als tauglich dazu geachtet werde oder nicht, die handeln wohl. Die aber nach Hoheit und Reichtum trachteten, die lassen schließlich spüren, dass sie Tagelöhner und keine treuen Hirten gewesen sind.

2. Es soll aber ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaftig {Tit 1v7 2Tim 2v24},

Es: In den folgenden Worten beschreibt der Apostel, wie ein Bischof beschaffen sein soll.

Unsträflich: Er ist unsträflich, wenn man ihm zu Recht kein Laster vorwerfen kann, noch irgendeiner Übeltat beschuldigen. Doch man wird keinen solchen Kirchendiener zeigen oder antreffen können, der gar keine menschliche Schwäche an sich hätte, und dessen Leben und Wandel von den giftigen Verleumdern mit einem gesuchten Anschein nicht verlästert werden könnte.

Eines Weibes: Und nicht, dass er zwei oder mehr Frauen gleichzeitig habe. Denn die Vielweiberei war damals bei den Juden noch nicht abgeschafft, was ein Zeichen der Geilheit war, was einen Kirchendiener am wenigsten gebührt. Dennoch kann man niemanden zwingen, dass er sich in den Ehestand begibt, weil etliche dazu nicht tauglich sind, andere aber die Gabe von Gott haben, sich zu enthalten {Mt 19}. So ist es doch ratsam, dass die Kirchendiener verheiratet sind, damit sie nicht vom Satan mit List hintergangen und in Unzucht gestürzt werden, oder die Kirche keinen bösen Argwohn auf sie werfen kann, besonders, weil die Lästerer ständig nach jeder Gelegenheit suchen, den frommen Kirchendienern übel nachzureden. Diesen Text stehen die Dekrete der römischen Päpste entgegen, denn Paulus sagt von einem Bischof, dass er der Mann einer Frau sein soll. Aber der Papst in Rom sagt: Er soll keine Frau haben. Und dies ist eine sehr ungereimte Dichtung, dass viele von ihnen es so auslegen, mit der Frau würde an dieser Stelle die Kirche gemeint sein und es würde ebenso viel bedeuten, dass ein Bischof nur einer Kirche vorstehen soll. Denn diese übel erzwungene Auslegung wird bald danach von Paulus selbst widerlegt, als er sagt: Der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat. Darum sollen wir das Dekret des römischen Antichristen, der den Kirchendienern die Ehe verbietet, fahren lassen.

Nüchtern: Denn wenn man das Wort Gottes lernen und lehren soll, muss man nüchtern sein. Die Mäßigkeit und Bescheidenheit soll alles Handeln eines Bischofs regieren. Die Gastfreundschaft und Wohltätigkeit gegenüber armen, fremden und frommen, verjagten Personen reizt die Zuhörer, dass sie solche Werke der Liebe nachtun möchten. Die Kirche aber soll ihre Diener mit Nahrung so versorgen, damit sie etwas haben, womit sie gastfreundlich sein können und nicht selbst betteln müssen. Und man soll die Prediger und Diener der Kirche nicht nach Gunst erwählen, sondern die Gaben an ihnen betrachten, ob sie so beschaffen sind, dass sie die Kirche Gottes mit Nutzen lehren können. Denn viele haben zwar gut studiert, können aber dennoch nicht lehren. Diese sollen Gott um die Gnade, recht zu lehren, anrufen und sich bemühen, den Mangel der Natur mit der Kunst zu verbessern, auch keine Scheu tragen, von anderen die Art und das Maß zu lernen, wie man recht und deutlich lehren kann. Denn viele Mängel können verbessert werden, wenn man nicht widerspenstig und vermessen ist.

3. nicht ein Weinsäufer, nicht pochen, nicht unehrliche Hantierung treiben, sondern gelinde, nicht haderhaftig, nicht geizig,

Weinsäufer: Denn die Trunkenheit steht keinem Christen wohl an, sie bringt noch dazu viele andere Untugenden mit sich, und macht einen Lehrer untauglich und ungeschickt, in der Kirche zu predigen, und die Kranken oder Angefochtenen zu trösten. So sind auch allgemein Trunkenbolde in Gebärden unhöflich, in ihren Handlungen leichtfertig, im Reden unehrlich und schandlos.

Pochen: Dass er immer streiten und raufen möchte. Denn die Verwegenheit und Tollkühnheit steht einem Soldaten besser an, als einem Kirchendiener.

Hantierungen: Denn ein Kirchendiener soll nicht mit einem unehrlichen oder unrechten Gewinn und Umsatz sein Hab und Gut zu vermehren versuchen.

Gelinde: Dass er sich ordentlich verhält, und vielmehr mit Sanftmut als nach dem strengen Recht seine Sachen ausführt.

Haderhaftig: Denn wenn jemand Lust zu streiten hat, so werden dadurch die Herzen der Zuhörer von ihrem Prediger abwendig gemacht, daher geschieht es manchmal, dass er mit schlechtem Nutzen in der Kirche lehrt.

Geizig: Denn der Geiz ist eine Wurzel allen Übels, der aus dem Apostel Judas einen Verräter gemacht hat. Dies sind aber undankbare Zuhörer, die ihre treuen Kirchendiener, wenn sie ihre gebührende Besoldung fordern, als geizig bezeichnen.

4. der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe mit aller Ehrbarkeit

Ehrbarkeit: Dass sie in allen guten Sitten wohl erzogen sind, und einen ehrbaren Wandel führen.

5. (so aber jemand seinem eigenen Hause nicht weiß vorzustehen, wie wird er die Gemeinde Gottes versorgen?),

Vorzustehen: Dass er seine Mitarbeiter nicht recht regieren kann, oder aus Fahrlässigkeit seine Kinder nicht gut aufzieht, der wird viel weniger einer ganzen Gemeinde mit Nutzen vorstehen können. Denn wer in Kleinigkeiten faul und untreu ist, dem darf man das Große gar nicht anvertrauen. Darum sieht man an der Zucht im Haus, was die Kirchendiener für einen Eifer und Fleiß haben. Wenn jedoch jemand sich in der Kindererziehung fleißig bemüht hat, die Kinder aber durch die böse Gesellschaft verführt und verdorben werden, so kann man dies den Eltern nicht zurechnen. Denn auch die Patriarchen haben zum großen Teil viele böse und ungehorsame Kinder gehabt.

6. nicht ein Neuling, auf dass er sich nicht aufblase und dem Lästerer ins Urteil falle.

Neuling: Hierunter versteht Paulus nicht junge Menschen, die seit ihrer Taufe in der gottseligen Lehre gut und recht unterwiesen worden sind, sondern die erst vor kurzem von einer falschen Religion zur richtigen übergetreten sind, wie es damals diejenigen waren die aus der Heidenschaft oder dem Judentum sich zu Christus bekehrt hatten. Diese pflegen allgemein sehr verwegen zu sein, oder sagen oder tun gelegentlich aus Unvorsichtigkeit oder falschen Eifer etwas, wodurch die Widersacher Anlass zur Lästerung bekommen. Darum sollen wir auch diejenigen, die von der päpstlichen Religion zu uns gekommen sind, nicht zu schnell in ein vornehmes Kirchenamt befördern, bis sie als gut erkannt wurden und sich bewährt haben.

7. Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, auf dass er nicht falle dem Lästerer in die Schmach und Strick {1Kor 5v11}.

Draußen sind: Das ist: Die einer anderen Religion angehören, mit denen er zuvor umgegangen ist, dass diese bekennen müssen, er ist ein frommer und ehrlicher Mann gewesen.

Und Stricke: Sodass bald danach ein böses Geschrei über ihn in Umlauf kam und ihn die Lästermäuler irregemacht, und mit allerlei Schmachreden umgetrieben haben. So wie die Jäger mit einem wilden Tiere, dass sie ins Visier bekommen, nach ihrem Gefallen umgehen. Denn obwohl man alle, die von einer falschen Religion sich zur richtigen begeben, in den Schoß der Kirche aufnehmen soll, so soll man aber doch das Predigtamt des göttlichen Wortes denen nicht anvertrauen, die wegen ihrer Laster verschrien sind. Denn die Verleumder nehmen aus solchen Misshandlungen der Personen mit großer Freude die Gelegenheit war, dass sie die reine Lehre lästern können, wodurch die Kirche und andere, die die rechte Religion noch nicht angenommen haben, sehr geärgert werden.

8. Desgleichen die Diener sollen ehrbar sein, nicht zweizüngig, nicht Weinsäufer, nicht unehrliche Hantierung treiben

desselben: Jetzt beschreibt Paulus auch die Diener oder Diakone und Helfer, wie diese beschaffen sein sollen. Denn anfangs war es das Amt der Diakone, dass sie die allgemeinen Güter der Kirche in Händen hatten und verwalteten, damit sie diese so austeilen konnten, dass niemand in der Kirche an notwendigen Sachen einen Mangel leiden müsste, wie es in der Apostelgeschichte Kapitel 6 zu sehen ist. Jedoch weil diese Gemeinschaft der Güter nicht lange gewährt hat ist dennoch der Name der Diakone geblieben, die die Armen und Waisen zu versorgen als Aufgabe haben, und, so viel man aus der Schrift Nachricht darüber hat, hat man sie in der Kirche auch dazu gebraucht, dass sie gelehrt und die Sakramente gereicht haben.

Zweizüngig: Die sowohl kaltes wie auch warmes schwätzen. Denn es ist ein abscheuliches Laster an einem Christen, und noch viel mehr an einem Kirchendiener, wenn er in einer Sache widerwärtige Sachen vorbringt, womit er andere betrügt. Und die sich so verhalten, erregen im allgemeinen unter Freunden tödlichen Hass und Feindschaft.

Weinsäufer: Denn so wie der Wein, wenn er mäßig gebraucht wird, einen subtilen und scharfen Verstand macht, so macht er jedoch, wenn er haufenweise hineingeschüttet wird nicht nur Dummheiten, sondern auch Leichtfertigkeit und Boshaftigkeit, dass sich die, die dies tun, wenn sie betrunken sind sich auch nüchtern allgemein so erweisen. Denn die Mängel, die vom Wein verursacht werden, bleiben auch, wenn der Wein verdaut ist.

Hantierung: Dass sie sich vom Geiz enthalten. Denn die bei jeder Sache förmlich nach einem großen Gewinn riechen, von denen kann man sich nichts ehrbares oder aufrichtiges erwarten.

9. die das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen haben.

Reinem Gewissen: Sie sollen die christliche Religion so bekennen, dass sie diese mit einem gottseligen Wandel schmücken und ein gutes Gewissen behalten. Weil nun Paulus an dieser Stelle den christlichen Glauben ein Geheimnis nennt, so müssen sicher diejenigen nicht recht bei Sinnen sein, die die Geheimnisse der christlichen Religion nach ihrer menschlichen Vernunft abmessen und beurteilen wollen, wie es besonders die Zwinglianer tun.

10. Und dieselben lasse man zuvor versuchen; danach lasse man sie dienen, wenn sie unsträflich sind.

Versuchen: In geringeren Ämtern, mit welcher Treue, Fleiß und Frömmigkeit sie diese ihnen anbefohlen Sachen ausrichten.

Unsträflich sind: Und ihre Frömmigkeit ausreichend gefestigt ist. Denn den Fleiß und die Aufrichtigkeit derer, die große Geschäfte verrichten sollen, muss man zuvor in geringeren Sachen ausprobieren. Denn wer in Kleinigkeiten treu ist (sagt Christus) der ist auch im Großen treu und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht {Lk 16}.

11. Desgleichen ihre Weiber sollen ehrbar sein, nicht Lästerinnen, nüchtern, treu in allen Dingen.

Ihre Weiber: Sowohl der Diakone als auch der Bischöfe.

Lästerinnen: Die bösen Mäuler haben und den Leuten übel nachredeten. Denn die geschwätzigen und vorwitzigen Frauen richten Streit an, und bringen es zuwege, dass ihre Ehemänner von den Menschen angefeindet werden, wo sie doch sonst von der Kirche geliebt und hoch geachtet würden.

Nüchtern: Denn die Frauen, die sich der Trunkenheit ergeben, bringen sich wegen ihrer Zucht und Keuschheit selbst in einen bösen Verdacht.

Treu: Nicht geizig, sondern mild und freigiebig. Denn wenn die Frauen, die mit dem gemeinsamen Geld umgehen, geizig sind, so können sie großen Schaden anrichten.

12. Die Diener lass einen jeglichen sein eines Weibes Mann, die ihren Kindern wohl vorstehen und ihren eigenen Häusern.

Eines Weibes: Dass sie nicht zwei Frauen zugleich haben, was ein Zeichen von Geilheit ist, wie oben bereits angesprochen wurde.

Wohl vorstehen: Und sie in der Gottseligkeit und Ehrbarkeit aufziehen.

Eigenen Häusern: Dass sie ihr Personal gut regieren, gute Hausväter und Haushälter sind. Denn man darf jemanden, der sein eigenes Gut vertut, darf man kein fremdes anvertrauen. Auch wenn die Kinder der Kirchendiener ein unordentliches Leben führen, so geht dem Predigtamt an seinem Ansehen viel ab.

13. Welche aber wohl dienen, die erwerben sich selbst eine gute Stufe und eine große Freudigkeit im Glauben in Christo Jesu {1Joh 3v21 5v15}.

Gute Stufe: Sodass sie von der Kirche später zu größeren Sachen gebraucht werden, so werden sie auch in jenem Leben mit größerer Herrlichkeit leuchten und in diesem Leben eine große Freude ihres Glaubens empfinden, darum soll ihnen keine Arbeit leidtun, die sie in der Kirche Gottes aufwenden. Denn obwohl der Glaube an Christus sich nicht auf unseren Verdienst gründet, sondern auf die Verheißung des Evangeliums und auf die Sakramente, die von Gott eingesetzt sind, haben dennoch diejenigen eine größere Freude, die in ihrem Gewissen sicher sind, dass sie Gott und der Kirche treu gedient haben, als andere, und können auf eine größere Herrlichkeit im Himmel warten. Daher sagt Paulus an anderer Stelle: Ich habe einen guten Kampf gekämpft. Ich habe den Lauf vollendet. Ich habe Glauben gehalten. Damit ist mir die Krone der Gerechtigkeit verliehen, die mir der Herr, der gerechte Richter geben wird an jenem Tag, und nicht allein mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben {2Tim 4}.

14. Solches schreibe ich dir und hoffe, aufs schierste zu dir zu kommen.

Zu kommen: Damit, wenn du in irgendeiner Sache meinen Rat brauchst, wie du der Kirche in Ephesus mit Nutzen vorstehen kannst, ich dir dies mitteilen kann.

15. So ich aber verzöge, dass du wissest, wie du wandeln sollst in dem Hause Gottes, welches ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit.

Haus Gottes: Denn Gott wohnt in der Kirche, wie in seinem Haus, ja in seinem Tempel, regiert, erhält und schützt sie und schenkt ihr schließlich das ewige Leben.

Der Wahrheit: Nicht dass die himmlische Wahrheit sich auf menschliches Ansehen gründet, oder dass es alles für das unfehlbare Wort Gottes zu halten und anzunehmen ist, was unter dem Namen und dem Schein der Kirche uns untergeschoben wird, sondern dass die rechte Kirche Gottes den rechten Grund der Seligkeit, Christus, den Mittler, Gott und Menschen ständig behält, obwohl sie sie einmal heller leuchtet, als ein anderes Mal. Und es ist sicher, dass es außerhalb der Kirche Gottes keine Seligkeit gibt, und auch die Wahrheit in göttlichen Sachen nichts außerhalb gefunden werden kann. Denn die Kirche behält und bewahrt die prophetischen und apostolischen Schriften. Das aber der römische Papst mit seinen Kardinälen und ihresgleichen die Kirche und somit Pfeiler der Wahrheit sind, dies wird er in Ewigkeit niemals beweisen. Denn man kann den nicht als Hirten erkennen, der gegen die Schafe Christi, die all ihr Vertrauen auf Christus, als ihren einzigen Mittler setzen, und nach den Geboten Gottes unsträflich zu leben sich bemühen, mit Feuer und Schwert wütet.

16. Und kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit {Joh 1v14 Lk 24v51 Apg 1v9 Phil 2v9}.

Und: Und weil in der Regierung der Kirche es die vornehmste Aufgabe ist, dass in der Kirche von Christus recht gelehrt wird, so fasst Paulus den Inhalt dieser Lehre gleichsam wie in einem Bündel mit wenigen Worten zusammen.

Geheimnis: Wenn also die christliche Religion ein großes Geheimnis ist, wird man sie mit menschlicher Vernunft niemals begreifen können. Ist sie auch ein gottseliges Geheimnis, so wird freilich die rechte Geistlichkeit nicht auf unnützen und spitzfindigen Fragen bestehen, die nichts zur Erbauung und zur wahren Gottseligkeit nutzen.

Im Fleisch: Das ist: Der ewige Sohn Gottes und wahrer Gott, der mit dem Vater eines Wesens ist, hat menschliche Natur an sich genommen und ist ein sichtbarer Gott geworden. Denn wer Christus gesehen hat, der hat richtig sagen können, er habe Gott, seinen Herrn gesehen {Joh 14}. Dieser Gott, der Mensch geworden ist, ist auch gerechtfertigt, das ist, aus seinen Wunderwerken, die er durch die Kraft seines Heiligen Geistes getan hat, als der rechte Heiland und Seligmacher erkannt worden. Über ihn haben sich die Engel verwundert, als sie ihn von den Toten wieder auferstehen und triumphieren sahen. Dieser Messias ist nicht allein den Juden, sondern auch den Heiden gepredigt worden. Diesen hat die Welt für ihren Heiland angenommen, und er ist in die himmlische Herrlichkeit eingegangen, wo er zur Rechten Gottes sitzt und regiert alles im Himmel und auf der Erde. Er wird auch am Jüngsten Tag mit großer Majestät wiederkommen, zu richten den ganzen Erdkreis. Deswegen sehen wir Christus nicht nur als einen schlichten Menschen, sondern auch als einen wahrhaften Gott, der im Fleisch geoffenbart worden ist, an und weil er sich durch herrliche Wunderwerke als ein Heiland der Welt erklärt hat, so sollen wir all unser Vertrauen auf ihn setzen. Er ist auch ein Erlöser der Heiden und es ist nicht zu bezweifeln, dass er zur Rechten Gottes sitzend in unendlicher und unermesslicher Majestät und Herrlichkeit uns bis ans Ende gegen alle Anläufe des Satans erhält.

Im Geist: (Nach Luther: Der Heilige Geist preist Christus im Evangelium und im Glauben, den sonst alle Welt verdammt und lästert.


Das 4. Kapitel


1. Paulus warnt, dass man jeder falschen Lehre, insbesondere aber der des Antichrist fliehen soll. 2. Und er will, dass Timotheus niemand verachtet, er aber soll stets an sein Amt denken.

1. Der Geist aber sagt deutlich, dass in den letzten Zeiten werden etliche von dem Glauben abtreten und anhangen den verführerischen Geistern und Lehren der Teufel {2Tim 3v1 2Petr 3v3 Jud 1v18}.

Der: So wie der Apostel Paulus fast in allen seinen Briefen die Kirche ermahnt, dass sie sich vor falschen Lehrern, die bereits damals großen Schaden in der Kirche taten, hüten sollten, so hat er auch in diesem Kapitel mit einer gewissen Weissagung die Kirche Gottes warnen wollen, dass sie sich vor den Geboten und Satzungen des Antichrist, worin der Ehestand und besondere Speisen verboten werden, hüten soll.

Abtreten: Und die reine, unverfälschte, prophetische und apostolischen Lehre nicht behalten die letzte Zeit aber nennt Paulus das dritte und letzte Alter der Welt, das von der Geburt und Auferstehung Christi an beginnt und bis zum Ende dauert. Denn das erste Alter ist die Zeit von der Erschaffung der Welt bis zum Gesetz gewesen. Das andere, vom Gesetz bis zu Christus. Das dritte von Christus bis zum Ende der Welt. In diesem, letzten Teil der Welt, sagt der Apostel, werden etliche vom rechten Glauben abweichen und den falschen Lehrern und Verführern zuhören und die gottlose Lehre, die vom Teufel herkommt, annehmen. Und diese Lehrer werden im äußeren Wandel ihre falsche Lehre mit der Heuchelei bedecken, vor den Leuten heilig erscheinen und dennoch Lügen lehren. Sie werden eine äußere Heiligkeit an sich nehmen, obwohl sie doch inwendig ein verletztes Gewissen haben. Denn wenn die Zuhörer der reinen Lehre überdrüssig geworden sind, so wollen sie die gesunde Lehre nicht mehr leiden, sondern erwählen sich Meister nach ihren Gelüsten, die ihnen angenehm in den Ohren klingen, und wenden das Gehör von der Wahrheit zu den Märchen ab {2Tim 4}.Wir sollen uns aber besonders hüten, dass wir durch die Heuchelei der falschen Lehrer nicht betrogen werden. Denn die falschen Propheten kommen in Schafskleidern, aber inwendig sind sie reißende Wölfe {Mt 7}. Und die, die dem Anschein nach nicht ein menschliches, sondern vielmehr ein engelisches Leben führen, und die Anfänger neuer Lehren oder neue Orden sind, haben im allgemeinen zuvor ihr Gewissen heftig verwundet und gräulich besudelt. Diese Abscheulichkeit wollen sie danach mit Heuchelei und Verstellung zur äußeren Heiligkeit bedecken und verbergen. Es fügt aber der Apostel Paulus insbesondere ein Stück der falschen Lehre hinzu, worüber sich die Menschen wundern, und diese sehr hoch ansehen, nämlich dass sie die Lehrpunkte derjenigen Heuchler beachten werden, die sie denen, die nach dem Heiligen Wandel streben, vorschreiben werden, dass sie sich alle vom Ehestand enthalten und besondere Speisen meiden sollen. Gerade so, als ob Gott der Herr solche Speisen nicht darum erschaffen hätte, dass die Gläubigen, die die Wahrheit der himmlischen Lehre angenommen haben, diese mit guten Gewissen gebrauchen könnten und für solche leibliche Guttaten Gott dem Herrn Dank zu sagen schuldig wären. Es gab natürlich auch Ketzer, die den Ehestand verboten hatten, wie die Enkriniten und ihresgleichen. Jedoch, weil der römische Papst allen Kirchendienern, dazu auch den Mönchen und Nonnen den Ehestand verbietet, und den Christen, die er mit seiner Tyrannei unterdrückt, vorschreibt, sich zu gewissen Zeiten von besonderen Speisen zu enthalten, so ist offenbar, dass auch er den Irrgeistern zuzurechnen ist.

2. durch die, so in Gleisnerei Lügenredner sind und Brandmal in ihrem Gewissen haben

3. und verbieten, ehelich zu werden und zu meiden die Speisen, die Gott geschaffen hat, zu nehmen mit Danksagung, den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkennen.

4. Denn alle Kreatur Gottes ist gut und nichts verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird {Röm 14v20 1Kor 10v25 Tit 1v15}.

Denn: Paulus begründet nun, warum das Verbot der Speisen, dass wegen keiner weltlichen Ursache geschieht, abergläubisch und nicht zu dulden ist. Denn Gott hat die Speise erschaffen, darum ist diese eine gute Schöpfung Gottes, und es wird nicht damit gesündigt, wenn man sie recht gebraucht, Gott dafür dankt, und der Mensch aus dem Wort Gottes recht unterrichtet ist, dass er sicher weiß, wie er solche Speise mit guten Gewissen essen kann. Die deswegen die Speisen, die von Gott erschaffen sind, mit Danksagungen gebrauchen, ohne Zweifel des Gewissens und ohne Ärgernis der Schwachen, die sündigen überhaupt nicht, obwohl sie die Menschensatzungen in diesem Stück übertreten. So ist die Frau ein gutes Geschöpf Gottes, darum kann ein frommer Ehemann diese im Ehestand in ordentlicherweise richtig gebrauchen, weil sie ihm durch das Wort der Einsetzung des Ehestandes geheiligt ist.

5. Denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.

6. Wenn du den Brüdern solches vorhältst, so wirst du ein guter Diener Jesu Christi sein, auferzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, bei welcher du immerdar gewesen bist {2Tim 3v14}.

Auferzogen: Denn du hast von Kindheit an die Heilige Schrift gelernt und bist von mir nunmehr über viele Jahre hinweg in der reinen und heilsame Lehre, die den Glauben an Christus lehrt, unterrichtet worden. Diesen Glauben hast du auch angenommen. Es sind deswegen diejenigen rechtschaffene Diener Christi, nicht die, die dieser Weltweisheit vor dem Volk aus Ehrgeiz sehen lassen und damit prangen, oder mit Menschensatzungen, oder selbst erdachten Vorstellungen ihre Zuhörer betören, sondern die, die die reine Lehre, die zum guten Glauben und zur wahren Gottseligkeit dienlich ist, vortragen. Es muss aber ein Diener des Evangeliums etliche Jahre lang in der himmlischen Lehre unterrichtet worden sein. Denn die, die einen großen Teil ihres Lebens in anderen, weltlichen Künsten zubringen und sich wenig um die Theologie kümmern, danach aber, wenn sie ein paar theologische Bücher gelesen haben, bald darauf in den Kirchen oder Schulen auftreten wollen, und sich unterstehen, vom geistlichen Sachen zu lehren, die lehren und tun gemeinhin aus Unwissenheit und Frevel viele Dinge, die weder Ihnen, noch der Kirche nützlich ist.

7. Der ungeistlichen aber und altväterlichen Fabeln entschlage dich. Übe dich selbst aber an der Gottseligkeit {2Tim 2v23 Tit 1v14}.

Fabeln: Ich meine, dass Paulus an dieser Stelle von den jüdischen Geschichten redet, die in den Schriften nicht nur keinen Grund haben, sondern an denen auch nichts gottseliges gewesen ist. Auch wenn man heutzutage in der Predigt gelegentlich eine Geschichte aus einem weltlichen Buch mit einführt, wenn es notwendig ist und damit zu erhoffen ist, dass es etwas Besonderes nutzen würde, so soll man sich doch darin mäßigen und vornehmlich das erzählen, was sicher ist und in der Heiligen Schrift seinen Grund hat.

Gottseligkeit: Auf dass du darin zunimmst. Denn die äußeren Übungen des Fastens, Wachen und dergleichen bringen einen schlechten Nutzen, aber sich in der wahren Gottseligkeit gegenüber Gott und dem Nächsten üben nutzt sehr viel, weil Gott solche guten Werke in diesem und im zukünftigen Leben belohnen will. Und dies ist die gesunde Lehre, die wir annehmen und der wir folgen sollen. Wegen dieser werden wir auch viel Arbeit und beschwerliche Mühe in unserem Beruf ausstehen, ja auch Verfolgungen erleiden, weil wir die ewige Belohnung erwarten. Denn wir hoffen auf den wahren und ewigen Gott, der darum gütig und milde ist, dass er allen Menschen (auch den Bösen) Gutes tut, dieser wird vielmehr denen Gutes tun, die an Christus glauben. Dies soll man in den Kirchen fleißig lehren und vortragen, weil es viel größeren Nutzen bringt als irgendwelche Gebote von äußeren Übungen des Leibes, die vielmehr einen Schein der Heiligkeit haben, als dass sie recht gottselig wären. Hier mögen die Mönche und ihresgleichen aufmerken, was Paulus von ihren Übungen, selbst wenn sie ohne Heuchelei und Aberglauben geschehen, hält. Und es besteht kein Zweifel, dass ein einfacher Laie, wenn er gottselig lebt und seinen Beruf mit Fleiß nachkommt, Gott dem Herrn viel angenehmer ist, als der heiligste Mönch. Denn was sie geistliche Übungen nennen, die sind in der Wahrheit leibliche. Zumal Paulus hier nicht von der Fechtkunst oder dergleichen weltlichen und häuslichen Übungen spricht, sondern von denen, mit denen die scheinheiligen sich kitzeln und sich selbst wohl gefallen, wo sie doch unterdessen die rechten Werke der Gottseligkeit außer Acht lassen. Auch sollen wir wissen, dass Gott die rechte Gottseligkeit, größtenteils auch in diesem Leben belohnt, jedoch mit einem untergemischten Kreuz. Dass er aber auch den Bösen in dieser Welt Gutes tut {Mt 5} geschieht darum, um sie durch diese, seine Güte, wieder auf den rechten Weg zu bringen. Verachten sie dies dann, so werden sie danach in jener Welt nur umso schwerere Strafen empfangen, je mehr und je größere Guttaten sie in diesem Leben empfangen haben.

8. Denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.

9. Das ist je gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort {2Tim 1v15}.

10. Denn dahin arbeiten wir auch und werden geschmäht, dass wir auf den lebendigen Gott gehofft haben, welcher ist der Heiland aller Menschen, sonderlich aber der Gläubigen.

11. Solches gebiete und lehre!

12. Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild den Gläubigen im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit.

Deine Jugend: Dass er deswegen auch dein Predigtamt hinlegen möchte, weil du noch sehr jung bist. Diese Ermahnung des Paulus ging nicht so sehr den Timotheus an, als die Kirche, der Timotheus damals vorstand. Denn etliche sind unrecht daran, wenn sie die Kirchendiener nach dem Alter einschätzen, wo doch auch oftmals junge Menschen von Gott mit besonderen Gaben und Weisheiten geschmückt werden.

Vorbild: Damit Timotheus nicht glauben konnte, es wäre ihm die Herrschaft über die Kirche Gottes eingeräumt und übergeben, so gibt ihm Paulus schnell zu verstehen, mit welchen Dingen er, als ein junger Geselle, sich ein Ansehen in der Kirche schaffen und zuwege bringen könnte. Denn die Kirchendiener schaffen sich ein Ansehen nicht mit saurem Ansehen und pharisäischem Stolz, nicht mit hochtrabenden Gemüt oder übermütigen Befehlen, sondern auf eine ganz andere Weise, wenn sie sich als ein Muster und Vorbild der Gottseligkeit darstellen, dass die Zuhörer sie mit Verwunderung anschauen und ihnen sicherlich folgen können. Im Wort sollen die Prediger ein Vorbild der Zuhörer sein, wenn sie selbst das Wort Gottes gern hören und lernen. Denn die ihre Mitgehilfen, die öffentlich predigen, nicht hören möchten, die geben mit ihrem Beispiel den anderen Zuhörern Anlass, dass diese auch anfangen, das Wort Gottes gering zu schätzen. Von gelegentlich anfallenden und sehr wichtigen Geschäften, wodurch jemand von einer Predigt abgehalten wird, ist hier nicht die Rede. In der Liebe geschieht es, wenn sie gegenüber den Armen und Betrübten wohltätig und dienstfertig sind. Im Geist, wenn sie mit einem rechtschaffenen und gottseligen Eifer besonders in Religionssachen entzündet sind. Im Glauben, wenn sie in Widerwärtigkeiten ihr Vertrauen zur Güte Gottes erklären und die rechte Religion auch unter Lebensgefahr bekennen. In der Keuschheit, wenn sie nicht nur von allerlei Unzucht sich enthalten, sondern auch, soviel sie können, verhüten, dass nicht jemand einen bösen Verdacht zu Recht auf sie lenken könnte.

13. Halt an mit Lesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich komme!

Mit Lesen: In der Heiligen Schrift und anderen nützlichen Büchern.

Ermahnen: Dass du deine Zuhörer allgemein und insbesondere ermahnt, sich der wahren Gottseligkeit zu befleißigen, und sie in der rechten reinen Lehre fleißig und treu unterrichtest. Darum sind die Tagelöhner zu Recht zu schelten, die kaum noch in die Bücher schauen, bevor sie predigen sollen. Auch außerhalb der Predigt keinen Zuhörer zur Gottseligkeit ermahnen oder von Lastern abmahnen. Und wenn sie in der Kirche predigen, machen sie es in so einem kalten Sinn, dass einer einen Eid schwören könnte, dass ihnen die ewige Seligkeit ihrer Zuhörer wenig oder gar nicht angelegen ist. Diese werden einmal vor Gott dem Herrn schwere Rechenschaft geben müssen.

14. Lass nicht aus der acht die Gabe, die dir gegeben ist durch die Weissagung mit Handauflegung der Ältesten {1Tim 1v18 Apg 6v6 13v3}.

Der Ältesten: Lass die Gabe des Heiligen Geistes, die in dir ist, nicht achtlos bei dir herumliegen. Denn weil der Heilige Geist durch fromme Männer zuvor verkündigt hat, was du für ein nützliches Werkzeug bist, die Kirche Gottes zu lehren und zu regieren, so haben dir die Kirchendiener die Hand aufgelegt, da hast du die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, mit welchen du vor vielen anderen begabt bist. Darum lege dein Fund wohl an und behalte es nicht in einem Schweißtuch, wie es jener untreue Knecht tut {Lk 19}. Gott bestimmte aber früher in der ersten Kirche etliche besondere Personen vor anderen, denen die Kirche zu regieren befohlen war, wie von Paulus und Barnabas gesagt wird {Apg 13}. Und wenn ihnen neben einem gottseligen Gebet die Hände aufgelegt wurden, so vermehrte Gott in ihnen die Gaben des Heiligen Geistes oder teilte ihnen neue mit, wie man liest {Apg 19}. Es hat aber die Gaukelei und das Narrenwerk der päpstlichen Weihbischöfe, die diese bei der Priesterweihe benutzen nichts mit den gottseligen Zeremonien gemeinsam. Obwohl nun die wunderbaren Gaben des Heiligen Geistes in der Kirche aufgehört haben, so werden doch den angehenden Kirchendienern in einer öffentlichen Versammlung der Kirchen die Hände recht aufgelegt und mit einem gottseligen Gebet Gott dem Herrn anbefohlen, wenn sie zum Predigtamt berufen wurden. Denn das Gebet der Frommen geht nicht leer ab. Es lehrt aber auch die vorangegangene Ermahnung des Paulus alle Menschen im allgemeinen, dass ein jeder sein Pfund wohl anlegen und nicht unter der Erde vergraben soll {Mt 25}.

Nach Luther: Das ist: der Priester oder die Priesterschaft.

15. Solches warte, damit gehe um auf dass dein Zunehmen in allen Dingen offenbar sei.

Gehe um: Lass dir dies ernst angelegen sein, und denke darüber mit allem Fleiß nach.

Offenbar sei: Und man spüren muss, wie du in allen Stücken, die Kirche recht zu lehren und zu regieren, immer weiter kommst und von Tag zu Tag zunimmst. Denn jeder soll in seiner Aufgabe mit Fleiß arbeiten und sein Amt nicht schläfrig oder oberflächlich verrichten. Und wir sollen in der Verrichtung unsere Aufgabe nicht fahrlässiger werden, sondern vielmehr zunehmen. So wie dies allen Menschen zusteht, gebührt es den Kirchendienern am allermeisten.

16. Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wo du solches tust, wirst du dich selbst selig machen, und die dich hören {Röm 11v14 1Kor 9v22 Jak 5v20}.

Hab acht: Mit diesen Worten ermahnt der Apostel die Kirchendiener, dass jeder auf sich sehen soll, damit er nicht durch die List des Satans in Schande und Laster gestürzt wird, oder der Kirche ein Ärgernis gibt. Und dass er wach sein soll, damit die himmlische Lehre nicht verfälscht wird. In beiden Sachen, sowohl im aufrichtigen Wandel und in der reinen Lehre soll ein Kirchendiener standhaft sein. Denn es reicht nicht aus, dass man gut anfängt.

Dich hören: Dass du um des Mittlers Christi willen die ewige Seligkeit erlangen wirst, und dein Predigtamt wird auch deinen Zuhörern zu ihrer ewigen Wohlfahrt dienlich sein. Hier wird die Ursache der ewigen Seligkeit nicht den Verdiensten der Werke zugeschrieben, sondern es wird gelehrt, dass Gott die selig machen wird, die aus wahrem Glauben an Christus gute Werke tun. Und es wird befestigt, dass das Predigtamt des Wortes ein Mittel oder ein Werkzeug ist, wodurch die Gläubigen die ewige Seligkeit erlangen. Solche Sprüche der Schrift soll man den Fantasien Schwenkfelds entgegenhalten, der geleugnet hat, dass die Arbeit der Kirchendiener zur Förderung der Seligkeit der Zuhörer nötig und heilsam wäre.


Das 5. Kapitel


1. Der Apostel spricht von verschiedenen Witwen, und zeigt an, wie es mit ihnen zu halten ist. 2. Danach lehrt er, wie man mit den Kirchendienern umgehen soll. 3. Er bringt verschiedene Sachen mit ein, sowohl für die Kirchendiener, als auch für die anderen Gläubigen.

1. Einen Alten schilt nicht, sondern ermahne ihn als einen Vater, die Jungen als die Brüder,

Einen: In diesem Kapitel behandelt Paulus mancherlei Lehren, die zum Teil die Kirchendiener, zum Teil die Zuhörer angehen.

Einen Vater: Denn obwohl das Ansehen der Kirchendiener groß sein soll, sollen sie sich doch, wenn sie mit alten Leuten zu tun haben sich des göttlichen Gebotes erinnern. Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen, und die Person des Alten ehren. Denn du sollst dich fürchten vor deinem Gott, denn ich bin der Herr, {3Mos 10}. Denn wenn man einen Alten hart anfährt, so wird man ihn wohl eher widerspenstiger als besser machen.

Brüder: Denn ein Kirchendiener soll sich auch nicht gegenüber den Gleichaltrigen so zeigen, als wollte er über sie herrschen.

2. die alten Weiber als die Mütter, die jungen als die Schwestern mit aller Keuschheit.

Mütter: Damit sie nicht meinen, man würde sie wegen ihres hohen Alters verachten. Denn die über alte Frauen schimpflich sprechen, oder auch auf das Feuer verweisen, die sündigen schwer.

Keuschheit: Dass du ein keusches Herz hast und züchtige Reden führst. Denn wenn ein Kirchendiener mit einer jungen Frau spricht, so soll er sich mit Fleiß hüten, dass sein Herz nicht mit einer unehrlichen Liebe entzündet wird, noch ein Argwohn der Unkeuschheit entsteht, weil der schreckliche Fall des königlichen Propheten Davids jedermann bekannt ist.

3. Ehre die Witwen, welche rechte Witwen sind {Röm 16v1}.

Ehre: Es folgt eine andere Lehre von der Versorgung der Witwen.

Rechte Witwen: Die von jedermann verlassen sind und sich in ihrem Wandel so verhalten wie es frommen Witwen zusteht. Diese sollst du nicht nur in Ehren halten, sondern sie auch versorgen, dass sie von der Kirchensteuer unterhalten werde. Denn in den ersten Kirchen waren etliche Witwen zu besonderen Ämtern verordnet, meiner Meinung nach um die kranken Christen zu pflegen und ihnen zu helfen. So wurden sie auch aus besonderen Gründen gelegentlich von einer Kirche zu einer anderen geschickt, wie es aus den Worten, dass am Ende des Briefes Paulus an die Römer steht, zu sehen ist. Denn dieser Brief vom Korinth durch Phoebe, die im Dienst der Kirche in Kenchrea geschickt worden war. Heutzutage werden in den gut bestellten Kirchen die Witwen auch vom allgemeinen Einkommen unterhalten und ihnen die Fürsorge für die Armen anbefohlen.

4. So aber eine Witwe Kinder oder Neffen hat, solche lass zuvor lernen ihre eigenen Häuser göttlich regieren und den Eltern Gleiches vergelten; denn das ist wohl getan und angenehm vor Gott.

Neffen hat: Die sollen nicht zulassen, dass ihre Witwen den Kirchen beschwerlich sind. Sie sollen vielmehr zuvor lernen, recht zu haushalten und die Kinder oder Neffen sollen ihren Eltern oder Müttern, von denen sie erzogen worden sind, dankbar sein, dass sie diese selbst ernähren und nicht wollen, dass sie in ihrem hohen Alter von der Kirchensteuer unterhalten werden.

Vor Gott: Der will, dass die Kinder ihre Eltern ehren sollen und sie in ihrem Alter ernähren und christlichen Unterhalt für sie leisten. Darum sollen wir uns hüten, dass so weit wie möglich unsere Hausgenossen nicht durch unsere Versäumnisse anderen beschwerlich sein dürfen. Besonders aber sollen die Kinder und Neffen oder Enkel ihre Eltern und Vorfahren nicht außer Acht lassen, wie es doch allzu oft, jedoch nicht ohne große Bosheit zu geschehen pflegt.

5. Das ist aber eine rechte Witwe, die einsam ist, die ihre Hoffnung auf Gott stellt und bleibt am Gebet und Flehen Tag und Nacht {Lk 2v37}.

Das: Jetzt zeigt Paulus an, wie die Witwen beschaffen sein sollen, die von den gemeinsamen Einnahmen unterhalten werden können.

Einsam ist: Und niemanden hat, von dem sie menschlichen Trost begehren könnte und doch auf Gott hofft, dass er sie erhalten wird. Denn je weniger Schutz wir in menschlichen Sachen sehen, umso mehr sollen wir auf die Güte Gottes vertrauen.

Nach Luther: Das ist: Die niemand zu versorgen hat und allein ist.

Am Gebet: Denn die Witwen sollen Gott mit Ernst anrufen, nicht nur, dass Gott sich ihrer annehmen soll, sondern auch, dass er seine ganze Kirche regieren und erhalten möge.

6. Welche aber in Wolllüsten lebt, die ist lebendig tot {Mt 8v22 Lk 9v60}.

Wollüsten lebt: Und froh darüber ist, dass sie vom Joch des Mannes erlöst wurde, damit sie nach ihrem Willen leben kann und sich den Wollüsten ergibt, diese lebt zwar, ist aber geistlich bereits tot. Denn Witwen, die nach zeitlicher Wollust trachten, die werden durch die List des Teufels vom Fleisch überwunden, dass sie viele Dinge tun, die einem Christen übel anstehen. Darum sterben sie geistlich, das ist, sie fallen aus der Gnade Gottes und werden der Erbschaft des ewigen Lebens beraubt. Denn wenn ihr nach dem Fleisch leben werdet, so werdet ihr sterben {Röm 8}.

7. Solches gebiete, auf dass sie untadelig seien.

Untadelig: Und nichts begehen, was einer gottseligen und christlichen Matrone übel ansteht, oder Anlass zur bösen Nachrede geben könnte. Denn jeder soll sich hüten, dass er nicht so lebt, dass um seinetwillen dem Evangelium übel nachgeredet wird. Und es sollen die Christen, besonders aber die Frauen, auch jeden bösen Schein meiden {1Thes 5}.

8. So aber jemand die Seinen, sonderlich seine Hausgenossen, nicht versorgt, der hat den Glauben verleugnet und ist ärger denn ein Heide {1Tim 3v5 Tit 1v16}.

Verleugnet: Mit seiner Unfreundlichkeit, Störrigkeit und Unart. So ermahnt Paulus also abermals die Kinder und Neffen oder die Kindeskinder, dass sie ihre Witwen nicht außer Acht lassen, und er wird dies auch später zum dritten Mal tun. Dies ist aber eine allgemeine Regel und sie hat folgenden Sinn: Wenn jemand seine Verwandten, besonders aber diejenigen, die wegen der Blutsverwandtschaft ihm sehr nahe stehen und seine Hausgenossen sind, nicht versorgt, sondern sie Mangel, Hunger und Frost leiden lässt, der zeigt mit dieser Tat, dass er kein Christ ist und verleugnet Christus dadurch. Denn dabei werden die Jünger Christi erkannt, wenn sie einander lieben, wie es der Herr Christus sagt, Johannes im 13. Kapitel. Wenn aber jemand die Werke der Liebe, die er leisten könnte, seinen Hausgenossen und besonders seinen nächsten Freunden und Verwandten abschlägt, was würde er erst mit Fremden tun? Darum sind solche schlimmer als die ungläubigen Heiden, weil auch die ehrbaren Heiden ihre Blutsverwandten nicht missachten, sondern ihnen Hilfe leisten. Wie viele mag es wohl heute noch geben, die sich Christen nennen, die den Glauben aber der Gestalt verleugnen, weil sie auch ihre Eltern, wenn sie alt geworden sind, nicht ernähren und ihnen keinen Unterhalt leisten wollen?

9. Lass keine Witwe erwählt werden unter sechzig Jahren, und die da gewesen sei eines Mannes Weib,

Erwählt werden: Dass sie der Kirche dient, und von dieser wiederum erhalten wird. Der Grund hierfür wird später folgen. Es handeln deswegen die Katholiken schlecht, die die jungen Frauen und jungen Witwen zum Gelübde der Ehelosigkeit mit einem Eid verbinden, woraus hernach viel Unrat folgt.

Eines Mannes: Denn obwohl es einer gottseligen Matrone freisteht und zugelassen ist, dass sie nach dem Tod ihres ersten Ehemanns einen anderen heiraten kann {Röm 7}. Und Paulus selbst in diesem Kapitel die jungen Witwen zur Ehe auffordert, geben jedoch diejenigen, die sich wiederum oft verheiraten dadurch ihr leichtfertiges und geiles Gemüt zu verstehen. Darum wurden diese früher zum Dienst in der Kirche nicht gebraucht.

10. und die ein Zeugnis habe guter Werke, so sie Kinder aufgezogen hat, so sie gastfrei gewesen ist, so sie der Heiligen Füße gewaschen hat, so sie den Trübseligen Handreichung getan hat, so sie allem guten Werk nachkommen ist {1Mos 18v4 19v2 Lk 7v44}.

Guter Werke: Dass diese der Kirche bekannt sind und von jedermann gesehen werden. Wie dann auch viele, besonders die Apostel, folgendes erzählt und namhaft gemacht haben.

Kinder auf: Denn es ist ein sehr gutes Werk, wenn man die Kinder in der Furcht Gottes aufzieht und nichts versäumt, was zu ihrer leiblichen und ewigen Wohlfahrt dienlich sein kann. Denn eine solche Erziehung braucht viel und große Mühe.

Gastfrei: Gegenüber fremden und vertriebenen Christen, dass sie diese zur Herberge aufgenommen hat. Denn es ist bei den Matronen eine seltene Tugend, dass sie in diesem Fall freigiebig sind, weil sie sich sorgen, es würde von ihren Gütern und von der häuslichen Nahrung etwas abgeben, was für die Gäste aufgewendet wird, darum haben sie nicht alle gern Gäste.

Heiligen Füße: Das bedeutet: Wenn sie rechtgläubigen, frommen Menschen (denn die sind heilig) allerlei liebenswürdige Dienste und Guttaten erzeigt hat, und dabei nicht träge oder verdrossen gewesen ist. Denn früher war es im jüdischen Land der Brauch, dass man vor dem Essen, bevor man sich zu Tisch setzte, die Füße wusch, wie bei uns die Hände.

Handreichungen getan: Dass sie sich elender, bekümmerte Menschen angenommen und willfährig und dienstbar sich bemüht hat, ihnen ihre Trübsal zu lindern. Denn man soll mit betrübten Menschen Mitleid haben.

Nachkommen: Und sich darin geübt hat, so viel ihr Beruf und ihr Stand es leiden konnte. Obwohl es nun in heutiger Zeit mit den Witwen etwas anders aussieht, die vom gemeinen Gut ernährt werden, so soll man jedoch unter den Personen, unter denen die Almosen ausgeteilt werden einen Unterschied machen, dass man denen am meisten und am erste Hilfe leistet, deren Ehrbarkeit Frömmigkeit und gute Werke bekannt sind. Und man sieht hier, was Paulus für ein Register guter Werke aufzählt, nämlich: Kinder aufziehen, gegen Fremde gut tätig sein, die Trübsal der Elenden mit Hilfe und Trost lindern. Aber von den päpstlichen guten Werken hört man an dieser Stelle nichts, als da wären, auf Wallfahrten gehen, die Heiligen anrufen, Rosenkränze beten, sich von Fleisch, Eier oder Butter enthalten und dergleichen Gaukelwerk. Denn die Werke, die Gott in unserem allgemeinen oder besonderen Beruf von uns fordert sind recht gute und christliche Werke, wenn sie aus Glauben geschehen.

11. Der jungen Witwen aber entschlage dich; denn wenn sie geil geworden sind wider Christus, so wollen sie freien

Der: Bis hierhin hat Paulus von den 60 jährigen Witwen geredet, jetzt zeigt er auch an, wie es mit den jungen Witwen gehalten werden soll, und sagt, dass man sie nicht im Kirchendienst gebrauchen soll, und auch nicht vom allgemeinen Gut unterhalten.

Entschlage dich: Dergestalt, dass du sie zu keinem Dienst in der Kirche aufnimmst.

Geil: (Nach Luther: Wie die, die der Hafer sticht, weil sie von den allgemeinen Almosen gut leben, müßig gehen und faul werden.

12. und haben ihr Urteil, dass sie den ersten Glauben gebrochen haben.

Gebrochen: Denn wenn die jungen Witwen, die noch zum Ehestand tauglich sind, vom allgemeinen Gut unterhalten werden, so werden sie mutwillig und geil und treiben Unzucht, wollen danach zur Ehe greifen, und es mit dem Ehestand alles richtig machen. Diese, wenn sie nicht Buße tun, werden dem göttlichen Urteil nicht entkommen, weil sie ihrem Heiland Christus den Glauben nicht gehalten haben. Denn die sich der Unzucht ergeben, die verleugnen eben damit den Glauben. Die Katholiken sind hier unrecht daran, dass sie aus diesem Spruch die ewige Verdammnis drohen all den Frauen und Männern, die die abergläubischen Gelübde des ehelosen Standes und des Mönchtums hintansetzen und sich in eine ehrbare Heirat begeben, damit sie nicht ihre Leiber und Seelen mit Unzucht beflecken, weil sie an sich die Gabe, sich zu enthalten, nicht finden. Deswegen wird diese meisterliche Erklärung des Textes nach der päpstlichen Lehre ungefähr so lauten müssen. Von den Witwen (das sind die Nonnen) enthalte dich (das ist, tue sie in Bann) Denn wenn sie geil geworden sind gegen Christus (das ist, wenn sie eine ehrliche und christliche Heirat eingehen) so haben sie ihr Urteil (das ist, sie werden darum wegen des vollzogenen Ehestand ewig verdammt werden) dass sie den ersten Glauben gebrochen haben (das ist, weil sie das abergläubische Gelübde der Keuschheit, welches doch Gott weder geboten noch gebilligt hat, nicht beachtet haben). Das aber Paulus etlichen jungen Witwen Gottes Urteil droht, geschieht nicht darum, dass sie irgend ein Gelübde, außerhalb der Ehe keusch zu bleiben, übertreten und sich in den Ehestand begeben haben, sondern wegen ihres bösen und unehrenhaften Wandels, der einer christlichen Frau nicht geziemt, wie es aus dem folgenden Text ausreichend angezeigt wird.

13. Daneben sind sie faul und lernen umlaufen durch die Häuser; nicht allein aber sind sie faul, sondern auch schwätzig und vorwitzig und reden, was nicht sein soll.

Umlaufen: Wenn die jungen Witwen von den allgemeinen Almosen geil geworden sind, so laufen sie im Müßiggang hin und her, und kümmern sich mehr um fremde also ihre eigenen Sachen und schwätzen viel, dazu noch solche Sachen, die einer christlichen Frau schlecht anstehen. Darum sollen die gottseligen Matronen sich größtenteils zu Hause aufhalten, dass sie sich um ihre Sachen mit Fleiß kümmern können, nicht viel schwätzen, und wenn sie reden, solche Dinge vorbringen, deren eine christliche und ehrliebende Frau sich nicht schämen braucht.

14. So will ich nun, dass die jungen Witwen freien, Kinder zeugen, haushalten, dem Widersacher keine Ursache geben zu schelten.

Kinder zeugen: Im Ehestand. Dies fügt Paulus deswegen hinzu, damit nicht jemand glauben könnte, er würde die jungen Witwen alle gleich einschätzen.

Schelten: Das ist, dass die Feinde des Evangeliums aus dem unordentlichen Leben der jungen Witwen keinen Grund nehmen, die christliche Religion zu verlästern. Es haben sich deswegen diejenigen grob geirrt, die gesagt haben, dass zwischen einer zweiten Heirat und der Hurerei ein schlichter oder sogar gar kein Unterschied vorhanden sei. Denn weil Paulus den jungen Witwen das Heiraten rät, so sagt er ihnen natürlich nicht die Hurerei an. Die Hausmütter aber werden hier erinnert, dass sie ihren Haushalt versorgen sollen. Denn indem sie die Kinder erziehen und den Haushalt mit Fleiß versehen, wird viel Übles vermieden, in das sonst müßige und zarte Frauen geraten können, weil ihre Gedanken vom Satan und dem verdorbenen Fleisch hin und wieder umgetrieben werden. Denn der Müßiggang ist des Teufels weiches Polster oder Kissen, aber die Versorgung des Haushalts ist gut gegen böse Gedanken.

15. Denn es sind schon etliche umgewandt dem Satan nach.

Etliche: Jungen Witwen, die sich vom Ehestand enthalten und den Müßiggang leben.

Umgewandt: Vom Weg der Seligkeit, indem sie ihre Zucht und Ehre verloren haben, und allmählich von der christlichen Religion wieder abgefallen sind, weswegen ich nicht vergebens diese Erinnerung von den Witwen gebe. Wir sollen aber Gott den Herrn bitten, dass er uns nicht in Versuchung führt. Denn der Satan führt die Menschen gleichsam staffelweise zum Verderben ab. Und viele von ihnen, die zunächst mit ungebührenden Wolllüsten eingenommen werden, fallen auch schließlich wegen der Wollust, dem Reichtum und der Ehre willen von der rechten Religion ab.

16. So aber ein Gläubiger oder Gläubigen Witwen hat, der versorge dieselben und lasse die Gemeinde nicht beschwert werden, auf dass die, so rechte Witwen sind, mögen genug haben.

So: Jetzt ermahnt Paulus zum dritten Mal, dass die Witwen von ihren Verwandten nicht vernachlässigt werden sollen, und den Kirchen zum Unterhalt aufgedrängt werden.

Witwe hat: Entweder seine Mutter oder Großmutter.

Genug hat: Von dem, was die Gemeinde zum Unterhalt der Witwen beisteuert. Dieses Gebot wird deshalb oft wiederholt, weil sich viele Kinder gegenüber den Eltern, wenn diese alt geworden sind, nicht als dankbar zeigen. Und die das Almosen nicht benötigen, weil sie sich selbst erhalten können, die sollen kein allgemeines Almosen annehmen und sich davon enthalten, damit denen, die wirklich bedürftig sind, umso reichlicher gegeben werden kann. Und so viel sei nun von den Witwen gesagt.

17. Die Ältesten, die wohl vorstehen, die halte man zweifacher Ehre wert, sonderlich die da arbeiten im Wort und in der Lehre.

Die Ältesten: Paulus lehrt auch, wie man sich gegenüber den Kirchendienern, die er nach seiner Gewohnheit die Ältesten nennt, verhalten soll. Er meint aber nicht den geschmiegten und geschorenen Haufen, die so eingestellt sind, dass sie Christus in der Messe für die Sünden der Lebendigen und der Toten (ihrer Meinung nach) opfern möchten, sondern vortreffliche, gelehrte Männer, die der Kirche vorgesetzt waren, von denen etliche den Wandel der Kirche regierten, andere die Armen versorgten, einesteils die Sakramente austeilten und aber andererseits das Wort Gottes in der Kirche lehren. Gott will aber, dass die, die im Kirchenamt fleißig und treu sind auch ausreichend unterhalten werden, besonders aber, die mit der Predigt des göttlichen Wortes die Kirche unterrichten. An dieses Gebot sollen sich diejenigen gut erinnern, die mit den Kirchendienern um ihre Besoldung streiten und anordnen, dass etliche Prediger mit ihrem Hauswesen schier dabei verhungern könnten.

18. Denn es spricht die Schrift: Du sollst nicht dem Ochsen das Maul verbinden, der da drischt, und: Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert {1Kor 9v9 5Mos 24v14 Lk 10v7}.

Denn: Paulus beweist mit Zeugnissen aus der Heiligen Schrift, dass man den Kirchendienern Unterhalt leisten soll.

Da drischt: {5Mos 25}. Denn früher drosch man in den Morgenländern die Früchte nicht so aus, wie es bei uns in Deutschland geschieht, sondern man führte die Ochsen mit einem besonderen Instrument über das Getreide, dass die Körner von den Ähren ausfielen. Da sind nun etliche Hausväter so unbarmherzig gewesen, dass sie den Ochsen, die auf diese Weise gedroschen haben, die Mäuler verbunden haben, damit sie keine Ähren fressen konnten, was Gott mit diesem Gesetz verboten hatte. Das aber Gott nicht nur für die Ochsen, sondern auch für die Kirchendiener gesorgt hat, indem er dies befahl, so lasst uns davon Paulus selbst, als den besten Ausleger hören, der in 1. Korinther 9 {1Kor 9} folgendes sagt: Es steht geschrieben, du sollst den Ochsen nicht das Maul verbinden, der da drischt. Sorgt Gott für die Ochsen? Oder sagte er es nicht wenigstens unseretwegen? Denn es ist ja um unseretwegen geschrieben. Denn der da pflügt, soll in der Hoffnung pflügen, und der drischt, soll in der Hoffnung dreschen, dass sich seine Hoffnung erfüllt. So wir euch das Geistliche säen. Ist es ein großes Ding, ob wir euer Leibliches ernten? Dass aber Gott auch die Kirchendiener unter dem Namen der Ochsen mit begreift, soll uns anzeigen, welch große Arbeit zur treuen Verwaltung der Kirche gehört. Darum sind die müßigen Bäuche im Papsttum, die die Kirchengüter mit Prasseln, Spielen und Huren verschwenden, ebenso wenig getreue Kirchendiener, als Hummeln Bienen sind.

Und: Es folgt ein weiteres Zeugnis der Heiligen Schrift.

Lohnes wert: Wie Christus sagt in Matthäus 10. Denn so wie man einen Arbeiter seinen Lohn von Rechts wegen schuldig ist, so gebührt auch einem Kirchendiener eine angemessene Bezahlung, und so wie auch ein Arbeiter keinen unrechten Lohn fordern soll, so soll auch ein Kirchendiener mit einer angemessenen Bezahlung zufrieden sein, damit seine Arbeit einigermaßen belohnt wird und er sein Personal erhalten kann.

19. Wider einen Ältesten nimm keine Klage auf außer zwei oder drei Zeugen {5Mos 17v6 19v15}.

Wider: Es folgt eine sehr nützliche Ermahnung.

3 Zeugen: Wenn die Übertretung eines Kirchendieners nicht mit zwei oder drei glaubwürdigen Zeugen bewiesen werden kann, so sollst du keiner Klage gegen ihn glauben, noch etwas gegen den Beklagten vornehmen. Denn weil der Satan den getreuen Kirchendienern besonders feindlich eingestellt ist, so pflegt er giftigen Verleumder, Ohrenbläser und Lästermäuler zu ermuntern, dass sie unter dem gemeinen Volk gegenüber den unschuldigen Predigen ein solches Geschrei anstimmen. Darum soll die Kirche keine so großen Ohren haben, dass sie solche Lästerung schnell auffangen, und für wahr halten will.

20. Die da sündigen, die strafe vor allen, auf dass sich auch die andern fürchten {Mt 18v17 2Kor 2v6}.

Fürchten: Und sich vor Sünden hüten, wenn sie sehen, dass es auch ihren Predigen nicht ungestraft dahingehend, wenn sie etwas Unrechtes tun. Dies hat Paulus getan, als er Petrus in aller anderer Gegenwart gescholten hat. Als ich sah (spricht er) dass sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, in aller Öffentlichkeit zu Petrus: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben {Gal 2}? Obwohl man nun die Schwächen der Kirchendiener so weit wie möglich zu decken soll wegen der Würdigkeit des Predigtamts, damit diese nicht in Verachtung kommen, so muss man doch aus den groben Übertretungen der Kirchendiener, die bekannt sind, nicht übersehen, sondern sie deswegen gebührend strafen, damit die Kirche versteht, dass man solche Dinge an den Kirchendienern nicht duldet, die an den Zuhörern als Unrecht gescholten werden.

21. Ich bezeuge vor Gott und dem Herrn Jesu Christo und den auserwählten Engeln, dass du solches hältst ohne eigen Gutdünken und nichts tust nach Gunst {1Tim 6v13}.

Ich.: Jetzt fügt Paulus eine ernsthafte Ermahnung hinzu.

Bezeuge: Dass ich an die Sachen, die zur Wohlfahrt der Kirche nützlich sind, ernst und treu erinnert habe. Darum befehle ich dir, und zeige dir vor dem Angesicht Gottes an, sofern dir an deiner eigenen Seligkeit etwas gelegen ist, dass du all dem nachfolgst, was ich dir vorgeschrieben habe, nicht aus Kunst oder aus Neid tust, auch nicht deinen Begierden nachhängst. Deswegen soll ein Kirchendiener sich ebenso davor hüten, dass er niemandem zuliebe vom rechten Weg sich abführen lässt, als dass er irgendjemanden zuleide etwas gegen Recht und Ordnung tun würde. Dies steht auch einer weltlichen Obrigkeit zu.

Gutdünken: (Nach Luther: Dass du in keiner Sache keiner Person zuliebe nachgibst oder ihr hilfst, gegen diese Lehre und Ordnung. Als wenn einer wegen seiner eigenen Sachen, oder seine eigenen Vorstellungen etwas raten, oder einer Person helfen würde gegen das Recht.

22. Die Hände lege niemand bald auf; mache dich auch nicht teilhaftig fremder Sünden. Halte dich selber keusch {1Tim 4v14}!

Bald auf: Denn man soll niemanden aus Unvorsichtigkeit in aller Eile zum Kirchenamt befördern und erwählen, dessen Treue und Fleiß noch nicht ausreichend bekannt ist. Die aber untaugliche und böse Menschen, entweder aus Unachtsamkeit oder aus einer besonderen Zuneigung befördern, die werden an all denen der Misshandlungen vor Gott schuldig, die jene in der Kirche Gottes begehen. In diesem Handel vergreifen sich etliche weltliche Personen sehr stark, dass sie ihren Kirchen ungeschickte, ungelehrte, oder boshafte Menschen vorstellen, nicht, weil sie keine besseren haben würden, sondern weil solche Mitläufer nur die halbe Besoldung nehmen, und den Rest ihren Vorgesetzten überlassen.

Keusch: Paulus verbietet jedoch dem Timotheus nicht, dass er ein Ehemann werden kann, sondern das er sich nicht mit Unzucht befleckt soll. Denn auch die Kirchendiener sind nur Menschen. Und man soll im Predigtamt keineswegs solche dulden, die sich mit Hurerei oder Ehebruch befleckt haben.

23. Trinke nicht mehr Wasser, sondern brauche ein wenig Wein um deines Magens willen, und dass du oft krank bist.

Krank bist: Wodurch die Verrichtung deines Predigtamts gelegentlich behindert wird. Deswegen sollen die Kirchendiener auf ihre Gesundheit gut achten, damit sie der Kirche länger dienen können. Sie sollen aber mit wenig Wein zufrieden sein, und diesen nicht überflüssig nutzen, damit sie durch ihre Völlerei niemandem ein Ärgernis geben, und ihre eigene Gesundheit verwahrlosen. Es ist aber auch allen Christen und nicht nur den Kirchendienern geboten, dass sie auf ihre Gesundheit achten sollen.

24. Etlicher Menschen Sünden sind offenbar, dass man sie vorhin richten kann; etlicher aber werden hernach offenbar.

Offenbar: In der Kirche, und geben ihre Bosheit so öffentlich preis, entweder mit der Ausstreuung falscher Lehre oder mit einem lasterhaften Leben, dass man sie entweder zur Besserung anhalten, oder von der Gemeinde ausschließen, und in den Bann geben kann. Etliche aber können ihre Bosheit eine Zeit lang heimtückisch und meisterlich verbergen, bis im Laufe der Zeit ihre Heuchelei aufkommt. Andererseits liegt die Frömmigkeit mancher Menschen so deutlich am Tag, dass man sie zu Recht rühmen muss für die Handlungen, die nützlich und heilsam sind, und doch zu Beginn nicht jedermann recht gefallen, die aber danach erkennen, dass sie es recht und gut gemeint haben. Denn das Himmelreich ist wie ein Netz, dass man ins Wasser wirft, damit man allerlei Gattungen fängt {Mt 13}. Darum ist keine Kirche vollständig rein und sauber. Die Kirchendiener aber werden durch diese Lehre des Paulus erinnert, dass sie sich nicht unterstehen, die Gewissen der Menschen zu erforschen, und diese vor der Zeit hervorziehen und ans Licht bringen wollen, die Gott länger verborgen bleiben lassen wollte. Und hier gilt der Spruch: Von heimlichen und verborgenen Sachen urteilt die Kirche nicht. Darum soll man verbessern, was offenbar ist, was aber heimlich geschieht, Gott, dem gerechten Richter, anheimstellen, und man soll dem Argwohn nicht nachhängen, noch dem allgemeinen Geschrei Glauben schenken. Auch sollen in diesen Sachen die Kirchendiener, ja auch ihre Zuhörer behutsam sein, dass sie von Handlungen frommer Menschen, die dem Wort Gottes nicht zuwider sind, nicht allzu schnell urteilen. Denn viele Dinge der Frommen geschehen weise und mit großer Vorsicht, aus Gründen, die andere nicht wissen. Der Ausgang erweist aber schließlich, dass ihre Vorhaben vom Heiligen Geist regiert worden sind.

25. Desgleichen auch etlicher gute Werkes sind zuvor offenbar; und die andern bleiben auch nicht verborgen.

Offenbar: (Nach Luther: Das Wesen vieler Ketzer und böser Menschen ist so offenbar, dass sie niemanden mit ihrer Heuchelei betrügen können. Etliche betrügen eine Weile, aber zuletzt kommt es doch an den Tag. Wiederum lehren und leben etliche göttlich, sodass es offenbar ist und jedermann bessert. Das Reden und Handeln von manchen lässt man jedoch nicht gut sein, bis es die Zeit danach erweist, dass es gut gewesen ist.


Das 6. Kapitel


1.Paulus erinnert die Knechte ihres Amtes. 2. Und er malt die falschen Lehrer deutlich ab, mit einer angehängten Warnung, dass man sie mit Fleiß meiden soll. 3. Er verwirft den Geiz, und schreibt den Reichen etliche Regeln vor, an die sie sich halten sollen. 4. Er will auch, dass sich Timotheus nicht um unnütze und vorwitzige Fragen kümmern soll.

1. Die Knechte, so unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehren wert halten, auf dass nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde {Eph 6v5 Kol 3v22 Tit 2v9 1Petr 2v18}.

Die: Die Christen hätten denken können, sie wären nun durch Christus erlöst, darum würde es sich nicht gebühren, dass sie unter die Dienstbarkeit der Menschen gezwungen würden, besonders weil man zur damaligen Zeit die Knechte sehr hart hielt. Darum, damit sie die evangelische Freiheit nicht falsch verstanden ermahnt Paulus die Knechte, dass sie ihren Herren gehorsam sind und ihnen treu und redlich dienen sollen.

Ehrenwert: Denn die Knechte sollen ihren Herren nicht nur gehorchen, sondern sie auch in Ehren halten, weil die Herren den Knechten von Gott vorgesetzt sind, darum sollen die Knechte nicht so sehr auf ihre Herren, und die Obrigkeit als Menschen, sondern auf Gott sehen. Und solchen Gehorsam sind wir auch den Herren schuldig, die einer anderen Religion angehören, als wir. Denn die sich gegen die Vorgesetzten widerspenstig und ungehorsam erweisen, die sind der Grund dafür, dass dem Evangelium Christi übel nachgeredet wird. Und was hier von den Knechten gesagt wird, das kann auch zu Recht auf die Untertanen gegenüber ihrer Obrigkeit angewendet werden.

2. Welche aber gläubige Herren haben, sollen dieselben nicht verachten (mit dem Schein), dass sie Brüder sind, sondern sollen vielmehr dienstbar sein, dieweil sie gläubig und geliebt und der Wohltat teilhaftig sind. Solches lehre und ermahne!

Brüder sind: In Christus, was die Religion und Erbschaft des ewigen Lebens betrifft. Denn dies ist eine geistliche und keine fleischliche Verwandtschaft, darum hebt sie in äußeren und weltlichen Sachen den Unterschied zwischen Herrn und Knechten nicht auf, noch macht es die Knechte den Herrn in dieser Welt gleich.

Wohltat: Nämlich der himmlischen Güter und der ewigen Seligkeit, durch Christus erworben. Darum sollen sie auch aus diesem Grund die Herren in großen Ehren halten. Dieser Spruch Paulus erinnert uns auch, wenn wir gnädige und milde Herren haben, dass wir sie nicht verachten sollen, weil wir uns vor ihrer strengen Regierung nicht zu fürchten haben, indem sie uns nicht als Knechte, sondern sogar wie Brüder halten.

Ermahne: Die Christen öffentlich und insbesondere, damit jeder in seinem Ort seine Aufgabe verrichtet. Denn die reinen Lehrer sollen sich nicht mit unnützen und spitzfindigen Fragen bemühen, die nichts zur Stärkung des Glaubens und zur wahren Gottseligkeit dienlich sind, was bald darauf folgen wird, sondern dass sie solche Lehren vortragen, wodurch der Glaube gestärkt und ein Christ gebessert wird.

3. So jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesu Christi und bei der Lehre von der Gottseligkeit {1Tim 1v3 v4 2Tim 1v13},

So: Jetzt ermahnt Paulus den Timotheus, dass er sich vor falschen Lehrern hüten soll, und zeichnet von diesen ein deutliches Bild.

Anders lehrt: Als du es bisher von mir gelernt hast.

Bleibt nicht: Wer das heilsame Evangelium Christi und die himmlische Lehre, die zur wahren Gottseligkeit dienlich ist, nicht annimmt und standhaft behält, der wird die Kirche nicht erbauen, sondern sie vielmehr verwirren und irremachen. Auch zu Zeiten des Apostels Paulus haben viele falsch gelehrt und Sekten in der Kirche eingeführt, der reinen Lehre aber übel nachgeredet.

4. der ist verdüstert und weiß nichts, sondern ist süchtig in Fragen und Wortkriegen, aus welchen entspringt Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn {1Kor 8v2 2Tim 2v23 Tit 3v9},

Verdüstert: (Nach Luther: Der von seinen eigenen Gedanken besoffen ist und auf niemanden achtet.

Weiß nichts: Denn die schwärmerischen Menschen halten sich selbst für besonders schlau und verachten die reinen Lehrer mit großem Übermut, wo sie doch selbst den ersten Anfang in der Gottseligkeit noch nicht richtig studiert haben. So halten auch heutzutage die Calvinisten alle reinen Lehrer, die vor ihrer verkehrten Lehre ein Abscheu haben, für grobe und ungelehrte Esel, wo sie doch selbst den ersten Artikel des Glaubens, ich glaube an Gott den Allmächtigen, noch nicht richtig studiert haben.

Ist süchtig: Ein solch stolzer Sektierer, der die rechte Lehre der Gottseligkeit nicht versteht und doch wegen seiner vermeintlichen Kunst aufgeblasen ist, behandelt nicht die gesunde und heilsame Lehre. Sondern hat eine Theologie, die voller unnützer Fragen und eigentümlich ist, wie ein kranker Leib voll schlechter Feuchtigkeit, zankt und streitet zuweilen über die Worte, obgleich die Sache an sich selbst richtig ist. Man soll aber die spitzfindigen Fragen, die zu nichts nütze sind, meiden, bei denen es früher unter den Schullehrern weder Maß noch Ende gegeben hat. So ziehen auch heutzutage die Zwinglianer viele Dinge in Zweifel, wovon früher in der reformierten Kirche kein Streit gewesen ist. Und man soll über die Worte und die Art zu reden nicht feindlich und hässlich miteinander streiten, wenn man sich in der Sache selbst einig ist.

Nach Luther: Lügen ist immer schlecht und benötigt viel Flicken und Spotten.

Hadert: Dass die Christen mit feindlichem Gemüt gegeneinander erbittert werden, die doch freundlich und friedlich miteinander leben sollten. Solchen Anstifter zu Streit und Hader sind diejenigen, die falsche Lehre vorbringen und nicht die, die die gesunde Lehre verteidigen.

Lästerung: Die werden auch gehört. Denn indem die Ketzer ihre falsche Meinung halsstarrig verteidigen, stoßen sie bisweilen gräuliche Lästerung in aus und bestätigen solche Sachen, wodurch Gott und unser Heiland Jesus Christus geschmäht wird.

Böser Argwohn: Der genauso aus solch einem Streit entsteht. Denn auch was recht und christlich gesagt wird deutet man anders, als ob ein Betrug dahinter verborgen stecken würde

5. Schulgezänke solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die da meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe. Tue dich von solchen {2Tim 3v8 Tit 1v12 2Petr 2v3}.

Gewerbe: Das ist: Die falschen Lehrer, die einmal von der Wahrheit abgekommen sind, werden dieser je länger umso mehr beraubt, und weichen von Tag zu Tag weiter davon ab. Dennoch unterstehen sie sich, ihre Irrtümer mit viel Streiterei zu betreiben. Aber ihre Sinne sind verrückt und zerrüttet, auch wenn sie nicht öffentlich aus der Rolle fallen. Denn wer auf einen ketzerischen Menschen mit Fleiß achtet, und sein Gemüt und sein Wandel mit dem Zustand vergleicht, worin er vor der Ketzerei gewesen ist, der wird sicher feststellen, dass ein solcher Mensch ganz und gar umgekehrt ist, und sich selbst nicht mehr ändert, was bei allen anderen, besonders aber bei den Wiedertäufern deutlich zu spüren ist. Und wenn solche falschen Lehrer etliche auf ihren Weg gebracht haben, so trachten sie danach, wie sie diese ums Geld bringen können. Denn sie rühmen sich, sie wären allein übrig geblieben als Beschützer der Wahrheit, machen ein großes Gerede davon, in welcher großer Gefahr sie stecken, und wie sie ins Elend vertrieben worden sind, was doch entweder nicht wahr ist, oder wegen irgendeiner Übeltat ihnen zu Recht geschehen ist. Aber es ist ihnen nicht ernst damit, die rechte Gottseligkeit zu lehren, sondern sie wollen nur ihre Brieftaschen füllen.

Nach Luther: Ein Geschäft, womit man Ehre oder Gut suchen kann, und nicht nur Gott allein dient.

Von solchen: Mit diesen Worten zeigt Paulus an, wie sich ein frommer und reiner Lehrer des Evangeliums gegenüber solchen Leuten verhalten soll. Davon werde auch an anderer Stelle, als er sagt: Einen ketzerischen Menschen meiden, wenn er einmal und noch einmal ermahnt worden ist, und seid ihr sicher, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt, als einer, der sich selbst verurteilt hat {Tit 3}, denn die Anstifter der Ketzereien werden durch noch so viele Gespräche nicht gebessert, sondern sie werden vielmehr noch verstockte und stoßen immer gebräuchlichere Gotteslästerungen aus. Und die Zuhörer, die solchen ständig wiederholten zänkischen Gesprächen zuhören gehen oftmals schlechter als besser davon. Darum, wenn ein ketzerischer Mensch ein ums andere Mal ermahnt und widerlegt ist, so soll man ihm dem gerechten Gericht Gottes anbefehlen, und die Kirche erinnern, dass sie solche schwärmerischen Lehrer meidet.

6. Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässt sich genügen.

Es: Weil Paulus kurz zuvor vom Geiz gesprochen hat, den er an den falschen Lehrern gescholten hat, so fügt er jetzt eine sehr nützliche Erinnerung daran, dass wir uns mit unserem Stand zufrieden geben sollen und dem Geiz in unserem Herzen keinen Platz geben.

Begnügen: Denn der ist wahrhaft reich, der fromm und gottselig ist, und mit dem zufrieden ist, was ihm Gott gibt. Denn die Gottseligkeit will Gott in dieser und in jener Welt belohnen, wie es oben im 4. Kapitel steht. Daher sagt auch Christus: Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und die Diebe ausgraben und sie stehlen, sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder die Motten noch der Rost fressen und die Diebe sie nicht ausgraben und stehlen können. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz {Mt 6}.

7. Denn wir haben nichts in die Welt gebracht, darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen {Joh 1v21 Ps 49v18 Pred 5v14}.

Hinaus bringen: Deswegen sollen wir auch mit wenigem, dass Gott beschert, zufrieden sein. Nackt (sagt Hiob in Kapitel 1) bin ich aus dem Leib meiner Mutter gekommen, nackt werde ich wieder dahin fahren. Denn wir werden außer einem Leichentuch nichts aus dieser Welt mit uns nehmen, wenn wir in die Erde, die unserer aller Mutter ist, verscharrt werden.

8. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so lasst uns begnügen.

Begnügen: Denn die Natur kommt mit wenigem gut aus, auch wenn man viel haben will, kann man sich mit wenigem doch behelfen.

9. Denn die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke und viel törichter und schädlicher Lüste, welche versenken die Menschen ins Verderben und Verdammnis {Spr 15v27}.

Verdammnis: Denn die sich darauf verlegen, dass sie viele Güter sammeln, die werden vom Teufel auf mancherlei Weise angefochten und in seinen Fangstricken verwickelt, dass sie mit Recht oder mit Unrecht zusammenbringen, was sie nur können, und aus einem närrischen Gemüt immer mehr begehren, wo doch diese Dinge zur wahren Seligkeit gar nichts nützen, dass sie einem vielleicht viel mehr daran hindern und schädlich sind, und einen geizigen Menschen ins ewige noch dazu auch oft ins zeitliche Verderben stürzen. Denn dem Geizigen fehlt sowohl das, was er hat, als auch was er nicht hat, wie ein Wassersüchtiger, je mehr er getrunken hat, umso mehr trinken will. Und wie das Geld zunimmt, so nimmt die Lust und die Liebe zum Geld auch zu und wird immer größer. Darum sind die geizigen Menschen Märtyrer des Teufels und seine leibeigenen Knechte, mit denen er sein Gespött treibt.

10. Denn Geiz ist eine Wurzel alles Übels, welches hat etliche gelüstet, und sind vom Glauben irregegangen und machen sich selbst viel Schmerzen,

Alles Übels: Darum soll man ihn zu Recht meiden.

Viel Schmerzen: Denn nachdem sie zugelassen haben, dass sich der Geiz in ihr Herz eingenistet hat und sie reich werden wollten, haben sie unterdessen den Glauben an Christus verloren und sich selbst viele und große Mühe, besonders aber ein unruhiges Gewissen gemacht. Und der Geiz wird nicht zu Unrecht eine Wurzel allen Übels genannt, weil die Sucht nach Geld viele zum Abfallen antreibt, dass sie von der rechten Religion abweichen und mit verletztem Gewissen dem Teufel dienen. Auch verursacht der Geiz oftmals Verrat und Totschlag. Der Geiz schafft Meineidige. Der Geiz bringt Frauen und Jungfrauen gelegentlich um ihre Ehre. Zusammengefasst ist keine Übeltat so groß, wozu ein geiziger Mensch sich nicht gebrauchen lassen würde. Aber schließlich empfinden die Geizigen anstatt der Freude, die sie sich von den Unrecht erworbenen Gütern erhofft hatten, Traurigkeit und Leid, wodurch sie endlich auch zum Strick genötigt werden. Denn auf schlechte Weise gewonnenes Gut kann einen Menschen nicht lange erfreuen.

Nach Luther: Nämlich mit Sorge und Angst und Unruhe, Tag und Nacht um das Gut, dessen sie niemals froh werden. Wie auch Christus den Reichtum mit Dornen vergleicht {Mt 13v22}.

11. Aber du, Gottesmensch, flieh solches! Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut.

Fliehe solches: Denn weil dich Gott mit besonderen Gaben des Heiligen Geistes beschenkt hat, dass du der Kirche vorstehen sollst, so will es dir gebühren, dass du dich vor Geiz und anderen Lastern, die einem Kirchendiener schlecht anstehen enthältst, hingegen aber deinen Zuhörern mit einem guten Beispiel vorleuchtest, indem du recht handelst und in all deinen Verrichtungen die wahre Gottseligkeit zeigst, dein Vertrauen auf Gott bekannt werden lässt, die Liebe gegenüber dem Nächsten übst, in Trübsal viel Geduld sehen lässt, und deine Sanftmut gegenüber jedermann, so weit als möglich, erklärst. Diese Tugenden sollen sich bei allen Christen, besonders aber bei den Kirchendienern finden. Und es wird nicht nur dem Timotheus allein, als einem Hirten und Prediger, der Geiz verboten, sondern es steht den Schafen und Zuhörern ebenso wenig zu.

12. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist und bekannt hast ein gut Bekenntnis vor vielen Zeugen {1Kor 9v24 Phil 3v14 2Tim 2v3}.

Guten Kampf: Denn Gott hat dich als einen tapferen Krieger vorn an die Spitze gestellt, damit du in deinem Beruf gegen das Reich des Satans streitest, darum streite und kämpfe männlich für den rechten Glauben und die reine Religion, und lass dir diese weder dir noch deinen Zuhörern durch die Anfechtungen des Teufels, oder durch die Ketzer nehmen, sondern verlege dich ganz darauf, dass du das verheißene ewige Leben ergreifst, wozu dich Christus berufen hat, dass du es erlangen sollst, da er dich mit seinem Evangelium erleuchtet. Denn du hast nicht nur in der Taufe die christliche Religion bekannt, sondern auch, als dir das Predigtamt des Evangeliums anvertraut worden ist, hast du vor vielen Zeugen, besonders aber vor dem Angesicht Gottes und der heiligen Engel öffentlich ein gutes Bekenntnis deines Glaubens abgegeben und versprochen, dass du darin bis ans Ende deines Lebens gegen alle Anfechtungen und Verfolgungen ausharren möchtest, dazu ohne Ärgernis ein unsträfliches Leben führen willst. Es sollen deswegen die Kirchendiener wissen, dass das Predigtamt ein Streit und kein fauler Müßiggang ist. Darum sollen sie sich um ihre eigene und um die ewige Wohlfahrt der Kirche mit Ernst sorgen, damit sie nicht durch Fahrlässigkeit und Verleumdung hinter dem ewigen Leben einhergehen. Auch sollen sie sich erinnern, was sie der Kirche, viel mehr Gott selbst versprochen haben, als sie zum Predigtamt des Evangeliums aufgenommen worden sind, damit sie standhaft Glauben halten.

13. Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christo Jesu, der unter Pontius Pilatus bezeugt hat ein gutes Bekenntnis {Joh 18v36 v37},

Vor Gott: Vor seinem und vor unserem Heiland Jesu Christi Angesicht lege ich dir auf und beschwöre dich, dass du die Gebote, die ich dir, die Kirche zu lehren und zu regieren übergebene beständig und festhältst ohne Mangel und ohne Tadel, damit du mit gutem Gewissen vor dem Richterstuhl Christi erscheinen kannst, wenn er kommen wird, den Erdkreis zu richten. Und erinnere dich, mit welch großer Standhaftigkeit und Gefahr Christus die Wahrheit vor Pontius Pilatus bekannt hat, obwohl er wusste, dass er deswegen sterben würde, wenn er sich für den Sohn Gottes bekennen würde. Deshalb folge du dem Beispiel deines Erlösers nach, und lehre die evangelische Wahrheit ohne Scheu beständig, verteidige sie auch gegen die, die ihr widersprechen. Tu also in allen Stücken das Amt eines frommen und treuen Bischofs. Und auch wenn du dabei sterben müsstest, so wird dich doch Christus lebendig machen und auf erwecken am Jüngsten Tag zur ewigen himmlischen Herrlichkeit. Es sollen aber nicht nur die Kirchendiener, sondern auch alle Christen die Geschäfte ihres Berufs fleißig ausrichten, damit sie mit freudiger Zuversicht vor dem Richterstuhl Christi erscheinen können. Darum sollen sie das Evangelium Christi vor der Welt standhaft bekennen, auch wenn sie darüber das zeitliche Leben verlieren würden, so wird ihnen doch durch Christus ein viel besseres und seligeres Leben wieder gegeben werden {Mt 10}.

14. dass du hältst das Gebot ohne Flecken, untadelig, bis auf die Erscheinung unseres Herrn Jesu Christi {Phil 1v6 1Thes 3v13 5v23}.

15. welche wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige, und Herr aller Herren,

Wird zeigen: Nämlich Gott der Vater wird seinen eingeborenen Sohn als einen Seligmacher der Gläubigen und als Richter der Welt in großer Herrlichkeit und Majestät darstellen. Dieser wird die Welt richtig und in Gerechtigkeit richten. Vor diesem Gericht werden sich die Verfolger des Evangeliums nicht entziehen können. An diesem Tag wird offenbar werden, dass Gott, den die Feinde des Evangeliums jetzt verlästern, wahrhaft selig und der Selige ist, seine Feinde aber, die jetzt triumphieren, werden die elendsten und unglücklichsten Menschen sein. Da wird bekannt werden und erscheinen, dass unser Gott allein mächtig ist, ein König über alle Könige und ein Herr über alle Monarchen der Erde, die er, wenn sie gottlos gewesen sind, in die Hölle stürzen wird, weil sie das Evangelium verfolgt haben. Er allein ist unsterblich, die Tyrannen aber sind sterblich wie alle anderen Menschen auch. Diesem, unserem Herrn und Gott, der in einem seligen und lieblichen Licht wohnt, und in seinem Wesen nicht mit leiblichen Augen gesehen werden kann, gebührt Ehre, Herrlichkeit und die Herrschaft in alle Ewigkeit. Er wird auch ewig gerühmt und gepriesen werden, wenn seine Feinde der Kirche in die äußerste Finsternis verstoßen werden, wo Heulen und Zähneklappern sein wird. Darum sollen wir den glücklichen Zustand der Tyrannen in dieser Welt, der sehr flüchtig ist und nicht lange dauert, nicht so hoch achten, noch uns vor ihrer Macht fürchten, uns auch nicht über ihre großen Reichtümer und Königreiche entsetzen, weil dies alles zu Grunde gehen wird. Und auch wenn sie gegen die Kirche Gottes grausame Wüterei betreiben, so sollen wir uns doch daran erinnern, dass sie sterbliche Menschen sind, und deswegen von Gott leicht von ihren Stühlen gestoßen werden können. Wir sollen in allen Widerwärtigkeiten unser Vertrauen auf Gott setzen. Denn obwohl wir ihn mit leiblichen Augen nicht sehen, so ist er doch bei uns in der Not {Ps 91}. Und weil wir ihn in diesem Leben nicht sehen können, so sollen wir den zeitlichen Tod umso geduldiger erleiden, dass wir ihn im seligsten Licht wohnen sehen können, und dass auch wir dieses Licht ewig und mit höchster Freude genießen können. Diesen sollen wir loben und preisen in alle Ewigkeit, und ihm allein die Ehre geben.

16. der allein Unsterblichkeit hat; der da wohnet in einem Licht, da niemand zukommen kann; welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann: dem sei Ehre und ewiges Reich! Amen {2Mos 33v20 Joh 1v18 4v24 1Joh 4v14}.

17. Den Reichen von dieser Welt gebiete, dass sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf den lebendigen Gott, der uns dar gibt reichlich, allerlei zu genießen {Lk 12v15 v20 Apg 14v17}.

Den: Paulus fügt für die Reichen eine nötige Erinnerung hinzu, dass sie ihre Güter recht gebrauchen sollen.

Dieser Welt: Welche weltliche und irdische Güter besitzen.

Ungewissen: Denn es ist eine närrische Sache, dass man wegen irdischer Güter überheblich sein will, die man über Nacht verlieren kann. Und es ist ein Stück der Abgötterei, wenn man seine Hoffnung auf zeitliches Gut stellt, denn die das tun, die ehren den Mammon als ihren Gott. Aber wir sollen unsere Hoffnung auf Gott setzen, der nicht nur der reichste, sondern auch der freigiebige ist, damit der uns mit dem, was wir benötigen, ausstattet. Und wir sollen mit dankbaren Herzen erkennen, dass er uns nicht nur gibt, was nötig ist, sondern seine Güter auch oft reichlich über uns ausschüttet.

18. dass sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, gerne geben, behilflich seien,

Guten Werken: Und sich darum so sehr bemühen, dass sie von diesen ebenso viel beisammen haben, wie sie sich heftig bemühen, Geld und Gut zu sammeln.

Behilflich sein: Den Armen und Bedürftigen gegenüber, dass sie von ihren Gütern gern und willig etwas abgeben, wo es die Not erfordert.

19. Schätze sammeln, sich selbst einen guten Grund aufs Zukünftige, dass sie ergreifen das ewige Leben {Mt 6v20 Lk 12v33 16v19}.

Ewige Leben: Sage ihnen, dass sie so in geistlicherweise in dieser Welt Schätze sammeln, damit sie ihre Mühe und Wohltätigkeit auch in jenem Leben genießen können. Es sollen deswegen die Reichen wissen, dass sie darum von Gott mit so vielen Gütern so reich beschenkt worden sind, damit sie sich um viele, besonders aber um bedürftige und elende Menschen verdient machen können. So ist aus diesen Worten Pauli gut abzunehmen, dass unseren zeitlichen Gütern immer etwas zugeschlagen wird, so oft wir unserem Nächsten eine Guttat erweisen. Darum sollen wir den Armen nicht karg, sondern reichlich und nicht gezwungen, sondern willig zu Hilfe kommen. Das aber Paulus die Formulierung verwendet, sich einen Schatz zu sammeln, womit man das ewige Leben ergreifen kann, hat nicht den Sinn, als ob man mit Almosen das ewige Leben erwerben könnte. Denn das ewige Leben (wie der Apostel an anderer Stelle bezeugt) ist eine Gabe Gottes und nicht aus den Werken, damit sich nicht jemand rühme {Eph 2}. Darum will er hier nichts anderes sagen, als dass die, die sich aus Glauben gegenüber den Armen und Bedürftigen freigiebig zeigen, die ewige Belohnung in jener Welt mit Freude erwarten dürfen. Diese Belohnungen hat Gott den Wohltätern aus Gnade verheißen. Dies lehrt auch das Gleichnis Christi vom ungerechten Haushalter. Und an anderer Stelle sagt Christus: Wer diesen Geringsten auch nur mit einem Becher kalten Wassers tränkt, in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, es wird ihm nicht unbelohnt bleiben {Mt 10}.

20. O Timotheus, bewahre, was dir vertraut ist, und meide die ungeistlichen losen Geschwätze und das Gezänke der falschberühmten Kunst {2Tim 1v14 1Tim 1v6 4v7 6v4 2Tim 2v16},

Oh Timotheus: Du mein lieber Sohn, den ich geistlich gezeugt habe.

Vertraut ist: Nämlich die reine Lehre des Evangeliums, die du von mir gelernt und empfangen hast. Dieses heilige Pfand, dass bei dir hinterlegt ist, lass dir nicht nehmen, noch durch falsche Lehrer verdorben werden. Es befiehlt also Paulus dem Timotheus zum Schluss noch einmal, dass er die rechte und reine Lehre handhaben solle.

Meide: Mit Fleiß, dass du nicht loses Geschwätz betreibst, wo man ohne einigen Nutzen der Gottseligkeit über die einzelnen Wörter ein unnötiges und vergebliches Gezänk anhebt, und ehrgeizige Leute mit Witz und Subtilität, und Geschwindigkeit ihres Verstandes, die Kunst ihres Diskutierens sehen lassen wollen. Allerlei spitzfindige Sachen aus der Vernunft hervorbringen, und die göttlichen Geheimnisse nach dieser beurteilen, und auf diese Weise etliche anderen folgen. Aber indem sie als scharfsinnige und gelehrte Diskutierer auftreten wollen, haben sie die himmlische Wahrheit, und also auch den rechten Glauben verfehlt, und sich selbst in die Finsternis verwickelt. Wie hätte Paulus das ungereimte und gottlose Geschwätz der Schullehrer und Zwinglianer besser beschreiben können? Denn sie haben beide bis hierhin die Theologie und die Philosophie durcheinander gemischt, und gräuliche Finsternis in der Kirche Gottes eingeführt. Darum sollen wir sie alle miteinander fahren lassen und dem einfachen Wort Gottes glauben, auch von den göttlichen Sachen einfach und in der Gottseligkeit reden, damit wir nicht vom rechten Glauben abgeführt werden. Denn die rechte, und nicht die falsche berühmte Kunst ist es, Gottes Wort zu wissen, und diesem einfach zu glauben und willig zu gehorchen.

21. welche etliche vorgeben und fehlen des Glaubens. Die Gnade sei mir dir! Amen.

Mit dir: Gott möge mit seiner väterlichen Gnade über dir wachen, mein lieber Sohn Timotheus und dich mit seinem Heiligen Geist regieren, dass du redest und tust, was dir und anderen nützlich und heilsam ist.

Amen: Es geschehe so, ja es wird gewiss geschehen. Denn die gottseligen Wünsche der Frommen sind sehr kräftig, besonders aber, die zur Ehre Gottes dienen, der gelobt und gepriesen sei in alle Ewigkeit, Amen

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Von Laodicea: Paulus hat sich ohne allen Zweifel um diese Kirche viel bemüht, damit er die Mängel, die sich darin gefunden haben, verbesserte. Denn wie aus der Offenbarung des Johannes abzunehmen ist, so ist viel Ungerades in dieser Kirche vor sich gegangen. Nichtsdestoweniger hat Paulus auch mit diesem Brief dem Timotheus, der Kirche in Ephesus und vielen anderen raten und helfen wollen, damit er uns mit seinem Beispiel zum Fleiß und zur Emsigkeit reizt, damit wir wegen der großen Mühen nicht nachlässig werden und in unserem Amt etwas versäumen.