Der erste Brief des Paulus an die Korinther


Korinth ist eine sehr berühmte Gewerbe– oder Handelsstadt in einem Gebiet Griechenlands gewesen, dass Achaja geheißen hat. Dort hat Paulus durch sein Predigtamt Christus eine Kirche aus Heiden und Juden gepflanzt. Denn in dieser Stadt hat er fast anderthalb Jahre gepredigt {Apg 18}. Aber nach seinem Weggang waren viele Laster dort in der Kirche eingerissen, wie es bei einer großer Menge Menschen, besonders in gewaltigen Handels- und Konsumstädten zu geschehen pflegt. Diese Laster will Paulus in diesem Brief oder in dieser Botschaft abwehren, worin er sie zum großen Teil heftig tadelt. Dies ist auch kein Wunder, weil etliche Spaltungen anrichteten und Sekten in der Kirche aufbauten, indem sie einen Kirchendiener dem anderen vorgezogen, sodass sie den einen bis in den Himmel hoben, den anderen aber dagegen verachteten, obwohl diese Kirchendiener alle die gleiche Lehre und das gleiche Evangelium predigten, vielleicht mit dem Unterschied, dass einer etwas beredter und gelehrter sein konnte als der andere. Und weil die Griechen ohnedies zu dieser Zeit von sich selber meinten, sie wären besonders schlau und in der Philosophie erfahrener als andere, so wollten viele von den Korinthern (die der evangelischen Lehre einigermaßen überdrüssig geworden waren) etwas Besonderes und Spitzfindiges aus der Philosophie oder Weltweisheit lernen. Solche Prediger wollten sie gerne hören. Dies prangert Paulus schon am Anfang seines Briefes an, bis zum 5. Kapitel, er fordert sie auf, die Spaltungen zu vermeiden, und er ermahnt sie, vielmehr die himmlische Weisheit des Evangeliums und die rechte Erkenntnis Christi, anstatt die fleischliche und nur zum äußeren Schein und zur Pracht angemaßte Kunst zu suchen, und dass sie diese hoch achten sollten. Etliche Korinther waren nach ihrer Bekehrung auch wieder umgekehrt zu ihrem vorigen, verdorbenen Wandel nach der Art der Heiden, dass sie der Hurerei, der Unzucht, der Völlerei und anderen Dingen nachgingen, die einem Christen schlecht anstehen. Aus dieser großen Leichtfertigkeit heraus war es sogar dazu gekommen, dass einer seine Stiefmutter zur Frau genommen hatte. Auf dieses und auch auf andere Laster schimpft Paulus heftig im 5. und zum Teil auch im 6. Kapitel. Zudem zankten und stritten sie sich vor einer heidnischen Obrigkeit nicht ohne Verunglimpfung des Evangeliums und zum Ärgernis vieler Menschen. Dieses Verhalten verwirft Paulus im 6. Kapitel als Unrecht. Ferner hatten sie mancherlei strittige Punkte, unter anderem den vom Ehestand. Ob es freistünde, sich in den Ehestand zu begeben oder nicht, oder ob man heiraten müsste? Ob man die schuldige eheliche Pflicht mit gutem Gewissen leisten könnte. Ob es besser wäre, im Jungfernstand zu bleiben, als in der Ehe zu leben. Ob wegen der gegensätzlichen Religionen Eheleute voneinander geschieden werden könnten und dergleichen Dinge mehr. Auf diese Fragen antwortet Paulus im 7. Kapitel. Auch missbrauchten sie die christliche Freiheit übermäßig, als ob ihnen alles freistünde, wenn sie sich nur Christen nannten. Sie aßen vom Götzenopfer zum großen Ärgernis der Schwachgläubigen. Diesem Unheil begegnet Paulus im 8., 9. und 10. Kapitel und lehrt zugleich, es sei nicht ausreichend, dass einer den Namen eines Christen führt, wenn er sich daneben selbst einredet, er könnte tun, was er nur wollte. Vielmehr sollten sie sich das Beispiel der Israeliten anschauen, von denen zwar eine große Anzahl aus Ägypten ausgezogen und durchs Rote Meer gegangen war, aber dennoch viele wegen ihres bösen Wandels in der Wüste gestorben und nicht ins gelobte Land gekommen waren. Und sie sollten zusehen, dass sie nicht auch so, durch ihr gottloses Leben, der versprochenen himmlischen Erbschaft verlustig werden würden. In öffentlichen Versammlungen der Kirchen behielten die Männer ihre Hüte auf dem Kopf und die Frauen beteten mit unbedecktem Haupt, was beides der Ehrbarkeit an diesen Orten widerstrebt. Und es ereigneten sich große Ärgernisse beim Empfang des heiligen Abendmahls. Diese beiden Fehler verbessert Paulus im 11. Kapitel. Mit den Gaben, in fremden Sprachen sprechen zu können und dergleichen, protzten viele und verachteten die anderen, die solche Gaben nicht hatten. Andere beneideten heimlich die, die mit dergleichen Gaben geschmückt waren. Sie benutzten ihre Gaben also derart, dass sie die Ordnung in der Kirche viel mehr verwirrten, als dass sie diese damit aufgebaut hätten. Diese Menschen unterrichtet Paulus vom rechten Gebrauch der Gaben und ermahnt sie, dass sie besonders die Liebe wahrnehmen sollen, weil ohne diese auch die allerherrlichsten Gaben nichts nutzen. Davon spricht er im 12., 13. und 14. Kapitel. Danach widerlegt er im ganzen 15. Kapitel gründlich die gottlose Meinung derjenigen, die sich zwar zum Christentum bekannten, dennoch aber die Auferstehung der Toten öffentlich leugneten. Dies war in der Kirche Christi eine seltsame Sache, dass sich ein solch großer Irrtum darin befinden konnte. Endlich erinnert er sie im letzten Kapitel, dass sie mit ihren Spenden den Bedürftigen im jüdischen Land zu Hilfe kämen, wie andere Kirchen es auch taten. Dies ist also der Inhalt dieses Briefes. Weil nun auch heutzutage viele christliche Kirchen, wenn auch nicht mit allen angesprochenen, jedoch mit etlichen und anderen ähnlichen Lastern behaftet sind, so wird dieser Brief seinen großen Nutzen haben, wenn er dem Volk recht vorgehalten und erklärt wird. Und es wird zugleich dabei auch erkannt werden, wie unrecht die Baptisten und Wiedertäufer unsere Kirche verdammen wegen der Uneinigkeit und des ungebührlichen Wandels, der darin gespürt wird, weil auch die Kirche Christi in Korinth, die zwar vom Apostel Paulus selbst gegründet worden war, nicht ohne große Mängel und Gebrechen gewesen ist.


Das 1. Kapitel


I. Sowohl mit der Unterschrift als auch mit der Anrede erklärt er mit einem gottseligen Wunsch seinen guten Willen gegenüber den Korinthern. II. Und er ermahnt sie, dass sie sich vor Zwietracht und Spaltungen hüten sollen. III. Er verwirft danach ihre Fehler und Mängel, dass sie nur Predigten wünschten, die der Philosophie ähnlich wären. IV. Bei dieser Gelegenheit gibt er zu verstehen, dass die Kirche von verachteten Leuten versammelt wird. V. Und er lehrt, was der rechte Ruhm ist.

1. Paulus, berufen zum Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Bruder Sosthenes:

Jesu Christi: Dass ich sein Evangelium predige, nicht nur an einem Ort, sondern überall auf der ganzen Welt. Denn es war das Amt der Apostel, dass sie nicht nur an einem Ort blieben, sondern an den unterschiedlichsten Orten den Samen des Evangeliums ausstreuen sollten. Weil nun Paulus auch ein Gesandter Jesu Christi gewesen ist, so sollen wir die Lehre dieses Apostels nicht anders annehmen, als wenn wir Jesus Christus selbst mit uns reden hören.

Willen Gottes: Der mir nach seinem gnädigen und väterlichen Willen aufgetragen hat, das Evangelium zu predigen. Mit seiner Unterschrift unter diesem Brief bekennt Paulus jedoch seinen Namen, damit er diesem bei den Lesern zu einem Ansehen verhelfen konnte, und er hat sich seiner Lehre nicht geschämt, wie sich auch die Zuhörer seiner nicht geschämt haben und ihn als ihren Apostel nicht verleugnet haben. Der Geist der Wiedertäufer, der das Licht scheut, handelt viel anders, indem er nicht bekennen will, von wem er seine wiedertäuferische Lehre gelernt hat. Weil nun diese schwärmerischen Menschen, die sich zum Predigtamt drängen, rühmen, sie seien von Gott erweckt und gesandt worden, so soll man ihnen nicht eher glauben, dass sie das Amt zu Lehren nach dem Willen Gottes ausführen würden, bevor sie es nicht in ihrem Beruf, den sie ohne Mittel empfangen haben, mit Wunderwerken, wie Paulus es getan hat, beweisen. Aber das werden sie am Sankt Nimmerleinstag erst schaffen.

Bruder Sosthenes: Dieser war früher ein Vorsteher in einer Judenschule gewesen, hatte sich aber zu Christus bekehrt und predigte das Evangelium. Er war auch deshalb von den Juden verfolgt worden, die sie ihn mit vielen Schlägen übel zugerichtet hatten, was in Gegenwart des Landflegers von Achaja, Galion, geschah, der sich darum nicht gekümmert hatte und ihn nicht schützen wollte, wie er es von Amts wegen eigentlich hätte tun sollen {Apg 18}. Diesen frommen Mann zieht der Apostel Paulus zum Gehilfen zu sich in Abfassung dieses Briefes. Und er erinnert die Kirchendiener mit seinem Beispiel an die Demut, dass sie sich nicht alles allein zumessen, sondern auch Gehilfen neben sich dulden sollen und sich wünschen sollen, das Lob des Glaubens, Fleißes und die Unverdrossenheit in der Erbauung der Kirche mit ihnen gemeinsam zu haben.

2. Der Gemeinde Gottes zu Korinth, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen samt allen denen, die anrufen den Namen unseres Herrn Jesu Christi an allen ihren und unsern Orten.

Der Gemeinde: Dies ist die Überschrift des Briefes. Hier hat man zu merken, dass Paulus den Korinthern den Namen einer Gemeinde oder christlichen Kirche lässt, obwohl sie dieser mit vielen und großen Lastern einen großen Schandfleck angehängt hatten. Daraus wird erwiesen, dass die Wiedertäufer und andere schwärmerische Menschen sich sehr irren, die ständig eine reine Kirche suchen, aus der alles Ärgernis hinweggeschafft ist. Eine solche Kirche wird es niemals vor dem Jüngsten Tag geben, wie es das evangelische Gleichnis von dem Netz bezeugt, welches ins Meer geworfen wird und in dem allerlei Fische gefangen werden {Mt 13}.

3. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Gnade: Dies ist der Gruß. Als wollte er sagen: Gott möge euch mit väterlicher Güte aus lauter Gnade annehmen.

Friede: Er gebe euch einen glücklichen Zustand, in denen der Friede und die Ruhe des Gewissens samt anderen geistlichen Gütern das Vornehmste ist. Denn Gott will, dass wir einander Gutes wünschen sollen und solche Wünsche sind kräftig {Mt 10}.

Unserem Vater: Weil Gott unser Vater ist, so sollen wir uns zu Recht nichts anderes als Gutes von ihm erwarten und erhoffen, mehr noch als von irgendeinem irdischen Vater.

Jesus Christus: Der uns mit seinem Blut erlöst hat. Weil auch Paulus wünscht, dass uns dasselbe von Jesus Christus widerfährt, wie vom Vater, so gibt er deutlich genug zu verstehen, dass er, der Sohn Gottes, wahrer und ewiger Gott und eines Wesens mit dem Vater ist. Wir werden zugleich daran erinnert, dass sowohl geistliche als auch leibliche Güter weder von den Patriarchen noch von anderen Heiligen, die in Christus ruhen, sondern allein von dem einzigen Gott in drei Personen zu begehren sind.

4. Ich danke meinem Gott immer eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus,

Ich: Jetzt beginnt Paulus seinen Brief von der Danksagung. Dadurch gibt er sein Wohlwollen gegenüber den Korinthern zu erkennen, und zeigt, wie er sich über ihren glücklichen Zustand von Herzen freut und für ihre Seligkeit und ihr Wohlergehen gute Hoffnung hat.

Meinem Gott: Denn wir sollen so an Gott glauben, dass wir sicher sein können, er ist unser gnädiger Gott.

Eurethalben: So oft ich an euch denke. Denn wir sollen nicht nur für die Guttaten, die Gott uns erwiesen hat, loben und danken, sondern auch für die, die er unserem Nächsten erwiesen hat.

Christus Jesus: Um dessentwillen ihr von Gott in Gnaden an- und aufgenommen worden seid.

5. dass ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntnis

Durch ihn: Denn aus seiner Güte und Gnade habt ihr die rechten göttlichen und geistlichen Gaben.

Erkenntnis: Denn Gott hat euch reichlich gegeben, dass ihr in allen geistlichen Gütern, die zur Seligkeit nötig sind, eine rechtschaffene Erkenntnis habt, die ihr auch anderen, mit Lehren und Bekennen vor der Welt nutzbringend vorlegen könnt. Denn Gott gibt den Christen und besonders den frommen Kirchendienern Sprache und Weisheit, damit sie die Lehre der Wahrheit bekennen und jeder nach seinem Maß und seiner Aufgabe diese verteidigen kann.

6. wie denn die Predigt von Christus in euch kräftig geworden ist,

Kräftig geworden: Dass Gott euch in der Lehre von Christus gestärkt hat. Denn ein frommer Christ soll in der selig machenden Lehre nicht nur oberflächlich unterrichtet sein, sondern auch innerlich Stärke und Kraft haben, damit er von keinem Unwetter aus Trübsal, Anfechtungen und Verfolgungen in seinem Bekenntnis wankelmütig und zweifelhaft gemacht werden kann.

7. also, dass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus

Keinen Mangel: So reich hat euch Gott, der himmlische Vater, ausgestattet und beschenkt. Auch wenn nun die Kirche zu unterschiedlichen Zeiten mal größere und dann wiederum kleinere und geringere Gaben des Heiligen Geistes hat und damit hervorscheint, so hat sie doch ständig so viele und so große, wie zur Förderung ihrer Seligkeit nötig sind.

Wartet nur: Denn ihr seid in der Erkenntnis Christi so weit gekommen, dass ihr nun auf die Ankunft Christi mit Freuden und Verlangen wartet, der zu unserer Zeit heimlich und verborgen bei seiner Kirche gegenwärtig ist, aber am Jüngsten Tag einmal öffentlich wiederkommen wird. Ein recht frommer Mensch jedoch ist ständig fertig und gerüstet und erwartet die Ankunft Christi mit gutem Gewissen, wie es die Jungfrauen sind, die mit Öl gesalbt und bereit sind {Mt 25}.

8. welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, das ihr unsträflich seid auf den Tag unseres Herrn Jesus Christus.

Unsträflich: Denn wenn uns unsere Sünden um Christi willen verziehen sind und mit seiner Unschuld zugedeckt werden und auch das, was im Fleisch noch an Sünden übriggeblieben ist, durch den Tod ausgefegt und gereinigt wird, so wird uns freilich am Jüngsten Tag niemand beschuldigen können {Röm 8}.

9. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn {Röm 15v5}.

Treu: Der als ein gütiger Vater seine Verheißungen fest und unzerstörbar hält.

Berufen seid: Durch das Predigtamt des Evangeliums.

Gemeinschaft: (Nach Luther) Das bedeutet, ihr seid Miterben und Mitgenossen aller Güter Christi.

Jesus Christus: Dass ihr nämlich seine Miterben seid am Himmelreich und an den ewigen Gütern {Röm 8}. Denn da er die himmlische Erbschaft, die ihm von Rechts wegen gebührt, für sich alleine hätte behalten können, so wollte er doch viel lieber uns zur Gemeinschaft der himmlischen Güter mit zulassen. Wer deshalb bezweifelt, oder einen Christ in Zweifel bringt, ob er auch in der Gnade Gottes bis ans Ende beharren wird (wie es die päpstlichen Lehrer tun), der gibt deutlich genug zu verstehen, dass er den himmlischen Vater der Untreue beschuldigt, als ob dieser uns entweder den Himmel missgönnen würde, oder seine Verheißungen nicht einhalten würde. Es wird aber auch allen Christen ein großes Unrecht zugefügt, und es gereicht ihnen zu einer großen Schande, dass die neuen Heuchler, die Jesuiten, für sich allein die Gemeinschaft oder Gesellschaft Jesu zumessen, wohingegen Paulus hier sagt, dass alle Christen zur Gemeinschaft Jesu Christi berufen werden.

10. Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus; dass ihr allzumal einerlei Rede führt und lasst nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest aneinander in einem Sinn und in einerlei Meinung.

Ich: Es folgt der Vortrag und Inhalt des 1. Teiles dieses Briefes, worin Paulus die Kirche in Korinth, die durch Spaltungen, Sekten und Rotten geteilt war, ermahnt, dass sie sich um Einigkeit bemühen sollen.

Jesus Christus: Um dessentwillen ihr meinen Erinnerungen Stätte und Raum geben sollt.

Spaltungen: Oder Trennungen, wodurch die Kirche gleichsam auseinandergerissen und getrennt wird, sodass einer diese, ein anderer jene Meinung hat. Es ist aber der Wille Gottes, dass die Kirche sich um christliche Einigkeit bemühen muss. Die Alten haben einen Unterschied gemacht zwischen Spaltungen und Ketzereien oder Sekten. Denn sie haben die Ketzerei als einen solchen Irrtum in der Religion bezeichnet, der nicht zu leiden ist, wodurch die christliche Religion zugrunde gerichtet wird. Zu den Zeiten des Apostels Paulus war dies die Meinung derjenigen, die die Auferstehung der Toten leugneten. Dagegen geht der Apostel danach im 15. Kapitel dieses 1. Briefes ausführlich vor. Solche Sekten sind heutzutage die Wiedertäufer, Zwinglianer, Schwenkfelder und ihresgleichen. Mit diesen kann man keinen Frieden und keine Einigkeit haben, es sei denn, sie wenden sich von ihrem Irrtum ab. Trennungen oder Spaltungen haben sie einen Streit genannt, der die Glaubensartikel nicht betrifft und die Religion nicht zugrunde richtet. Als Beispiele mögen dienen, dass Victor, der Bischof in Rom, die Kirchen in Asien verbannen wollte, weil sie das Osterfest zu einer anderen Zeit hielten als die Römer. Ähnlich verhält es sich auch, wenn unter den Evangelischen, die mehr Zeremonien in der Kirche behalten haben, diejenigen verachten, die weniger haben. Und auch wiederum, die wenige Zeremonien haben, die anderen, die mehr davon haben, als halbe Katholiken beschimpfen, wo doch in beiden Teilen den Zuhörern die gleiche gottselige und reine Lehre vorgetragen wird. Von solchen Spaltungen spricht Paulus in diesem 1. Kapitel, da die Kirche durch Uneinigkeit getrennt wird, was jedoch mit keinem Artikel des Glaubens zu tun hat.

Nach Luther: Dass ihr euch nicht trennen lasst.

Aneinander: Wie die Glieder an einem Leib richtig und ordentlich aneinanderhängen. Denn das entspricht der eigentlichen Übersetzung aus dem Griechischen.

Meinung: Denn es ziemt sich nicht, dass ihr untereinander uneinig seid und jeder seine Meinung, die mit der Meinung der anderen Menschen nicht übereinstimmt, halsstarrig verteidigt, sondern einer soll den anderen hören und dem, der die richtige Meinung vertritt, zustimmen. Denn die, die Kirche mit unnötigem Streit oder mit einer neuen und falschen Lehre verwirren, die verrenken die Glieder an dem geistlichen Leib Christi und zerreißen den Leib Christi in schändlicher und boshafter Weise.

11. Denn mir ist vorkommen, liebe Brüder, durch die aus Chloes Personal von euch, dass Zank unter euch sei.

Chloes Personal: Paulus verschweigt nicht, von wem er es hat, weshalb er die Korinther schimpft. Und er lehrt die Kirchendiener, dass sie nicht wegen jedes anonymen Hinweises sofort auf der Kanzel lospoltern sollen. Es zeigt zugleich an, dass diejenigen richtig und christlich handeln, die entweder allgemeine Fehler der Kirchen oder Übertretungen und Misshandlungen einer besonderen Person ordentlich anzeigen, damit dieses Übel verbessert wird und größerem Unheil zuvorgekommen werden kann.

12. Ich sage aber davon, dass unter euch einer spricht: Ich bin paulisch; der andere: Ich bin apollisch; der Dritte: Ich bin kephisch; der Vierte: Ich bin christisch.

Ich: Jetzt erklärt Paulus stückweise, von was für Spaltungen er spricht.

Bin christlich: Der ist richtig dran, der sich als Jünger Christi ausgibt und nicht in abergläubischerweise zwischen seinem rechtschaffenen Dienern unterscheidet. Es war aber Apollo, einer von den bekehrten Juden, in Alexandria geboren, ein beredter Mann und in der Heiligen Schrift sehr erfahren, der das Evangelium von Christus mit großem Eifer und Nutzen sowohl in Korinth {Apg 19} wie auch an anderen Orten {Apg 18} gepredigt hatte. Kephas ist der Apostel Petrus, dem Christus in syrischer Sprache diesen Namen gegeben hatte, was ebenso viel heißt wie ein Fels {Joh 1}. Obwohl man nun nichts davon liest, dass er in Korinth gelehrt und gepredigt habe, so hatten ihn doch die bekehrten Juden gehört, von denen viele, nachdem sie durch Verfolgungen aus dem jüdischen Land vertrieben worden waren, nach Korinth gekommen waren. Diese rühmten Petrus so hoch, dass sie Paulus und Apollo unter ihm einordneten. Der Grund war, dass sie meinten, Petrus würde noch etwas ehrlicher auf das Gesetz des Moses achten, als Paulus, der den bekehrten Heiden allzu viel nachsah. Hingegen priesen diejenigen, die sich aus den Heiden zu Christus bekannten, Paulus als ihren Apostel und Lehrmeister (weil er bestritt, dass man die Heiden zu den mosaischen Zeremonien keinesfalls drängen sollte) dermaßen, dass sie Petrus verachteten als einen, der zu sehr auf der Seite der Juden stand. Andere wiederum hielten viel von Apollo, weil er sehr beredt war, und wollten weder Petrus noch Paulus neben ihm gelten lassen. Dies alles geschah mit solcher Wildheit, dass die Zuhörer sich in verschiedene Parteien trennten und voneinander absonderten und einer den anderen hasste und anfeindete, was bei den Ungläubigen als anstößig und ärgerlich aufgenommen wurde. Es ist deswegen nichts Neues in den christlichen Kirchen, wenn Spaltungen darin entstehen, worüber sich die Feinde des Evangeliums ärgern. Es sündigen aber die Zuhörer schwer, die ihre Lehrer gar zu hochheben, sodass sie daneben sogar Christus vergessen und sich fester an die hängen, die sie in der gottseligen Lehre unterrichtet haben, als an Christus selbst. Denn dies verbietet Christus, weil er nicht will, dass wir uns Meister nennen lassen sollen, weil er allein unser Meister ist {Mt 23}. Denn man soll Christus zu den Menschen bringen, und nicht den Menschen Jünger zuführen.

13. Wie? ist Christus nun zertrennt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt, oder seid ihr auf des Paulus Namen getauft?

Zertrennt: Dass er nicht mehr einen geistlichen Leib hat, der die Kirche ist? Ihr Lieben, was tut ihr anderes, als dass ihr mit euren Spaltungen den einzigen Christus gleichsam in viele Stücke zerreißt, indem ihr wegen solch nichtiger Sachen die Einigkeit der Kirche trennt? Sollt ihr nicht alle dem einzigen Christus, eurem Erlöser, wie die Glieder dem Haupt anhängen?

Gekreuzigt: Dass ihr euch vielmehr nach Paulus als nach Christus nennen wollt, gerade so, als ob Paulus euch mit seinem Tod erlöst hätte und dies nicht allein Christi Werk wäre? Denn die Marter der Heiligen tun nichts zu unserer Erlösung, wie es früher die Katholiken mit dem Schatz des Verdienstes und der Leiden heiliger Menschen gesehen und viel dummes Zeug davon geredet haben.

Getauft: Dass ihr deswegen mir anhängen wollt, als ob ich euer Gott und Erlöser wäre? Aber ihr seid in keinem anderen Namen, als im Namen der ungeteilten Dreifaltigkeit, nämlich des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Diesem einigen Gott und keiner Kreatur seid ihr verpflichtet und verbunden. Daher hängt viel mehr Gott an, so werdet ihr eines Leibes in Christus sein und die schädlichen Spaltungen werden aufhören.

14. Ich danke Gott, dass ich niemand unter euch getauft habe außer Crispus und Gajus,

Getauft habe: Bei diesen entstandenen Spaltungen freue ich mich darüber, dass nicht viele Menschen von mir getauft worden sind, obwohl mir nicht unbekannt ist, dass etliche falsche Apostel sich dessen rühmen und überheblich werden, weil sie viel getauft und viele Jünger an sich gezogen haben.

Crispus: Dem Vorstand der Schule, der auch in der Apostelgeschichte, Kapitel 18, erwähnt wird.

Cajus: Der von Derben gebürtig gewesen ist und den Lukas in der Apostelgeschichte, Kapitel 20, erwähnt. Er wird auch Wirt des Apostel Paulus genannt {Röm 16}.

15. dass nicht jemand sagen möge, ich hätte auf meinen Namen getauft.

Getauft: Und euch vielmehr zu meinen als zu Christi Jüngern gemacht. Dafür würde man mich zwar groß achten, mir jedoch unrecht damit tun.

16. Ich habe aber auch getauft des Stephanus Personal; danach weiß ich nicht, ob ich etliche andere getauft habe.

Stephanus Personal: Denn wenn ein Hausvater die christliche Religion annahm, so tauften die Apostel das ganze Personal, das sich der Religion des Hausvaters nicht frevelhaft und halsstarrig widersetzten. Zum Personal gehörten auch die Kinder. Darum besteht kein Zweifel, dass gleichwie Abraham, als er den Bund der Beschneidung angenommen hatte, an diesem Tag auch alle, die männlich gewesen sind, in seinem Haus beschnitten hat {1Mos 17}. Wenn also ein Hausvater die christliche Religion angenommen hatte, so hat er all sein Personal, das unter ihm gewesen war und sich ihm nicht widersetzt hatte, taufen lassen. Dies muss man sich gut merken gegenüber den Fantasien der Wiedertäufer, die behaupten, man würde nirgends in der Schrift eine Stelle finden, in der die Apostel Kinder getauft hätten.

Weiß ich nicht: Das weiß ich aber ganz gut, dass ich nur wenige von euch getauft habe. Hier sieht man, wie fleißig der Apostel Paulus seine Jünger von sich auf Christus verweist, und nicht will, dass sie ihm, sondern dass sie Christus anhängen sollen. Das steht auch allen frommen Kirchendienern zu, sonst erregen sie leicht unter den Kirchendienern schädliche Uneinigkeit und unter den Zuhörern Trennungen. Es liegen aber gemeinsam mit den Korinthern im gleichen Krankenhaus auch noch heutzutage diejenigen, die von etlichen unter den Kirchendienern so hochgehalten werden und ihnen so sehr ergeben sind, dass sie deren fromme Mitgehilfen verwerfen, verachten, oder auch heimlich anfeinden, weil sie nicht die gleichen Gaben haben. Oder dass die Zuhörer aus anderen Gründen anderen mit einer fleischlichen Gutwilligkeit angenehmer sind, obwohl doch die anderen ebenso rein und christlich lehren und gottselig leben.

17. Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen, nicht mit klugen Worten, auf dass nicht das Kreuz Christi zunichtewerde. 1. Korinther 2, Vers 1.4.13.2; Petrus 1.16.

Zu predigen: Dies ist meine besondere Aufgabe gewesen, dass ich das Evangelium von Christus predigen sollte, was sonst nicht jedem gegeben ist. Die Sakramente aber können auch durch andere Personen, die geringere Gaben des Heiligen Geistes haben, mitgeteilt werden. Darum, auch wenn ich wenig getauft habe, so soll man es doch nicht so verstehen, als wäre ich meinem Amt nicht gebührend nachgekommen. Es ist deswegen die Vorgehensweise in etlichen Kirchen nicht zu kritisieren, wo zwei oder drei gelehrte Männer nur das Evangelium predigen sollen, und von der Abhandlung der Sakramente befreit sind. Dies soll anderen Kirchendienern auszuüben auferlegt werden, die zwar den vorigen an Geschicklichkeit nicht gleichen können, sich jedoch in Religionssachen auch gut auskennen und die Angefochtenen mit dem Wort Gottes trösten können und dazu einen ehrbaren Wandel führen. Die Kraft der Sakramente besteht sowieso nicht auf der Würde derer, die sie reichen.

Klugen Worten: Unter anderem hatten die Korinther auch diesen Mangel, dass sie, weil sie größtenteils Griechen waren, gerne solche Predigten hören wollten, die mit Philosophie und Weltweisheit gespickt waren und unter die etliches von den spitzfindigen Künsten der Heiden daruntergemischt war. Darum begannen sie, der einfachen Predigten des Evangeliums überdrüssig zu werden. Auch heutzutage schleicht sich dieses Übel langsam und heimlich in den Kirchen ein, dass etliche lieber weltliche als biblische Geschichten von der Kanzel hören wollen. Und sie wundern sich in den theologischen Schriften mehr über die weltweisen Sprüche des Pindaros, Euripides, Sophokles, Platons und anderer Väter, als über die Zeugnisse des Alten und Neuen Testaments, auch wenn diese sehr ordentlich behandelt werden. Diesem Überdruss will Paulus im 1. Teil dieses Briefes mit vielen Worten ausführlich zuvorkommen, darum führt er die Korinther von der Verwunderung über die weltlichen Weisheiten weg zur rechten und göttlichen Weisheit, die im Evangelium Christi vorgehalten wird. Und er sagt, Gott habe ihn gesandt, das Evangelium zu predigen, und er habe nicht gewollt, dass er mit kräftigen Worten vorbringen sollte, was sich zur menschlichen Weisheit reimt oder mit spitzfindigen Beweisen aus der Vernunft dargestellt werden müsste. Nicht dass er die rechte Ordnung und seine Art zu reden verwerfen würde, sondern dass man keine menschlichen Fantastereien vorbringen sollte, die in der Heiligen Schrift keinen Grund haben.

Zunichte werde: Und die Predigt von seinem Leiden umsonst wäre. Denn wo die Lehre des Evangeliums in eine Weltweisheit verkehrt oder damit vermischt wird und man größtenteils darauf achtet, wie man seine Fähigkeiten und besondere Weisheit in den Vordergrund stellt, da lehrt man in der Kirche mit schlechtem Nutzen. So hat man im Papsttum früher öfter etwas von dem heidnischen Schreiber Aristoteles gehört, als aus den Schriften der Propheten. Und obwohl sie von dem Leiden Christi jährlich in der Fastenzeit predigten, so brachten sie daraus vielmehr Lehren von guten Sitten und feinem Wandel hervor, als dass sie den rechten Nutzen des Kreuzes und des Leidens Christi gezeigt hätten.

18. Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft {1Kor 4v10 Röm 1v16}.

Wort vom Kreuz: Nämlich die Predigt des Evangeliums vom gekreuzigten Christus.

Torheit: Weil es Gott so gefallen hat, hat er den Vorwitz derer, die weltliche Spitzfindigkeiten und Gründe suchen, nicht gestraft, sondern sie vielmehr betört. Darum hatte er ihnen eine solche Lehre vortragen lassen, wodurch die (jedoch aus ihrer eigenen und nicht aus Gottes Schuld) geärgert werden, die die menschliche Weisheit der göttlichen Weisheit vorziehen. Denn sie meinen, es könne nichts närrischer vorgebracht werden, als dass Gott einen Sohn habe, der mit ihm gleich ewig ist. Dass dieser menschlichen Natur an sich genommen hat. Dass er sich gefangen nehmen, geißeln, kreuzigen und töten ließ. Dass durch diesen Tod die Seligkeit für die ganze Welt erworben ist. Dies alles kommt den ungläubigen und besonders weltweisen Menschen sehr ungereimt und lächerlich vor, darum verachten sie die Apostel als unsinnige Leute.

Gottes Kraft: Nämlich die Predigt des Evangeliums vom Leiden Christi ist ein mächtiges Instrument oder Werkzeug Gottes, wodurch er die Gläubigen selig macht {Röm 1}. Es irren sich deswegen die Schwenkfelder sehr, die die Kraft und die Wirkung des Predigtamts leugnen.

19. Denn es steht geschrieben: Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.

Geschrieben {Jes 29}: Darum sollen wir uns nicht daran ärgern, dass durch diese Predigt von Christus die Weisen dieser Welt gleichsam toll und verrückt gemacht und vom Glanz der evangelischen Wahrheit je länger umso mehr geblendet werden, weil es schon vor langer Zeit durch die Propheten geweissagt worden ist, dass dies so geschehen wird.

Verwerfen: Das bedeutet: Ich will dafür sorgen, dass die Weisen dieser Welt und die Verständigen als unverständig befunden werden und von Religionssachen nichts wissen. Ich will sie alle zu Narren machen.

20. Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weltweisen? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht?

Wo sind: Jetzt beginnt der Heilige Geist und verspottet die Weisen und Gelehrten in dieser Welt durch den Propheten Jesaja sehr höhnisch in Kapitel 33, Vers 18; Römer 1.22.

Schriftgelehrten: Diese vortrefflichen, gelehrten Männer, die in den guten Künsten viel studiert haben.

Weltweisen: Die spitzfindigen Forscher, die mit ihrem subtilen Verstand die Ursachen ihres Vorbringens und der natürlichen Dinge erkunden. Als wollte er sagen: All diese Leute werden in der Kirche Christi zuschanden und müssen sich mit Scham verkriechen.

Torheit gemacht: Denn nachdem Gott die Kirche so wunderbar erlöst hat und noch erhält, werden gerade dadurch diejenigen, die von sich selbst der Meinung sind, sie seien die Weisesten, zu Narren, weil sie es mit ihrer Vernunft nicht fassen, glauben oder verstehen können. Sie werden verstört und zu Narren darüber und können es nicht in ihren Kopf bekommen. Darum handeln die nicht weise, die sich in Religionssachen auf das Urteil der Weisen dieser Welt verlassen. Und diejenigen handeln ebenso närrisch, die in der Heiligen Schrift menschliche Weisheit suchen. Am schlimmsten ärgern aber die Kirche diejenigen, die die menschliche Weisheit oder die Philosophie mit der Theologie vermischen.

21. Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben,

Denn: Jetzt zeigt Paulus den Grund an, warum es Gott gefallen hat, dass er die Weisen der Welt durch die Predigt des Evangeliums betört und zu Narren macht.

Seiner Weisheit: Nämlich in den Geschöpfen, in denen die wunderbare Weisheit Gottes hervorleuchtet {Röm 1}. Das bedeutet: Weil die Weisen dieser Welt aus den Geschöpfen die wahre und heilsame Erkenntnis Gottes nicht erlangen können, so hat es Gott also gefallen, dass er durch die Predigt des Evangeliums, welche die Weisen dieser Welt für eine Torheit halten, die Gläubigen selig macht. Wer deshalb dem Evangelium glaubt und getauft wird, der wird selig werden {Mk 16}. Und die Predigt des Evangeliums ist ein Werkzeug oder ein Mittel, wodurch wir zum ewigen Leben kommen. Und wir sollen auch unsere Herzen von der rechten Religion nicht abwenden, weil sie in vielen Bereichen mit dem Urteil unserer Vernunft nicht übereinstimmt.

22. weil die Juden Zeichen fordern, und die Griechen nach Weisheit fragen {Mt 12v38 16v1 Joh 6v30}.

Zeichen fordern: Und wollen immer andere und neue Zeichen zur Bestätigung, und die augenscheinlichen und gewaltigen Wunderzeichen Christi und der Apostel genügen ihnen nicht.

Weisheit fragen: Indem sie die gründlichen Beweise der christlichen Religion in der Vernunft suchen. Weil sie aber diese nicht finden, so verachten sie das Evangelium und handeln ebenso wie Galenus, der geschrieben hatte: Moses sagt zwar viel, aber er beweist nichts. Darum (will Paulus sagen) hat es Gott gefallen, dass er eine solche Predigt hervorbringt, die der Welt ungereimt erscheint. Denn weil viele Juden und Griechen in der Religion nicht genug für sich finden, sondern sie ständig etliche Ausreden und Entschuldigungen ihres Unglaubens suchen, so verachtet sie Gott wiederum und will ihnen nicht in ihren Gottlosen Begierden nachgeben. Deswegen legte er ihnen auch keine Lehre vor, die ihnen gefallen könnte. Wenn nun die Weisen durch ihre Weisheit Gott nicht erkennen können, so ist es sicher, dass es keine Kräfte des freien Willens gibt, auch nicht die geringsten, die uns zu unserer Seligkeit verhelfen könnte. Und die Katholiken handeln schlecht mit uns, dass sie von uns Wunderzeichen fordern, gerade so, als ob die Lehre des Evangeliums mit den Wunderwerk Christi und der Apostel noch nicht ausreichend bestätigt wäre. Desgleichen fordern die Zwinglianer boshafter Weise im Abendmahl des Herrn solche Beweise und Bestätigungen, die aus der Vernunft genommen sind.

23. Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.

Gekreuzigten: Der für die Sünde der Welt gekreuzigt worden ist. Denn wir sind von Gott nicht dazu berufen, dass wir für den Glauben der Juden Genugtuung leisten oder den Vorwitz der Heiden büßen und menschliche Weisheit vorbringen sollen.

Ärgernis: Weil sie stark auf einen anderen Messias gehofft hatten, als der sollte ans Kreuz geschlagen werden.

Torheit: Wenn sie meinen, es sei ein großer Unsinn, wenn man lehrt, dass durch eines Menschen Strafe die Sünden der ganzen Welt gebüßt und bezahlt werden.

24. Denen aber, die berufen sind, beide, Juden und Griechen, predigen wir Christi göttliche Kraft und göttliche Weisheit.

Berufen sind: Zur Erkenntnis Christi und das Evangelium annehmen, die erfahren, dass wir Ihnen in der Lehre des Evangeliums von Christus, die wunderbare Kraft Gottes und seine unendliche Weisheit gezeigt haben, wodurch Christus das menschliche Geschlecht von der Tyrannei des Teufels wunderbar erlöst hat. Die deshalb dem Evangelium glauben, die halten solch eine Lehre für keine Torheit, sondern für einen Schatz der unendlichen Weisheit Gottes.

25. Denn die göttliche Torheit ist weiser, denn die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, denn die Menschen sind.

Göttliche Torheit: Das heißt: Die Werke Gottes, die vor der menschlichen Vernunft närrisch und ungereimt erscheinen, sind viel weiser als die größte und höchste Weisheit der Menschen, wenn sie auch von sich selbst eingenommen sind, und glauben, sie sind besonders schlau und obwohl die Einsetzung der Taufe und das Abendmahl des Herrn vor der Vernunft verächtlich erscheinen, so sind es doch sehr weise und heilsame Ordnungen Gottes.

Nach Luther: Göttliche Torheit und Schwachheit ist das Evangelium, das für den Klugen närrisch, für den Heiligen ketzerisch, für den Christen aber mächtig und weise ist.

Göttliche Schwachheit: Weil nämlich der Sohn Gottes menschliche Schwachheit (ausgenommen die Sünde) auf sich genommen hat, und so als schwach angesehen worden ist, weil ihn gehungert und gedürstet hat, er müde und traurig gewesen ist, er sich gefangen nehmen, geißeln, anspucken, kreuzigen und töten hat lassen. Damit hat er größere Sachen verrichtet, als die gesamte menschliche Macht und Gewalt jemals hätten verrichten können. Denn er hat die ganze Gewalt des Satans und der Hölle zerstört und allen Gläubigen den Zugang zum Himmel geöffnet. Auch wenn also die Kirche in der Welt betrübt wird und unter mancherlei Schwachheiten seufzt, so richtet unterdessen Gott wunderbare Sachen zu ihrer Wohlfahrt aus.

26. Seht an, liebe Brüder, euren Beruf: Nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen.

Seht: Um die Korinther noch mehr von der großen Verwunderung über die menschliche Weisheit wegzuziehen, legt Paulus ihnen nahe, die Versammlung der Kirchen zu betrachten, die nicht auf vielen weisen, edlen oder solchen Personen besteht, die in der Welt hoch angesehen sind.

Euren Beruf: Denkt ein wenig besser über die Sachen nach, wie es mit denen beschaffen ist, die unter euch zur Erkenntnis Christi gekommen sind, ob sie an Weisheit, Adel und weltlichen Ansehen berühmt sind oder nicht. Ihr werdet leicht sehen, dass Gott die menschliche Weisheit nicht achtet.

Gewaltige: Die sonst für weise und verständig gehalten werden.

Berufen: Und bis hierhin zur Erkenntnis Christi kommen.

27. sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er die Weisen zuschanden machte; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er zuschanden machte, was stark ist;

Töricht ist: Die die Welt als unverständige, einfältige Menschen, die weder weise noch gelehrt sind, verachtet.

Schanden macht: Indem er sie übergeht, sie in ihrer Blindheit und in ihrem Verderben bleiben lässt und jene Einfältigen und Törichten selig macht.

Schwach ist: Menschen, die keine äußere Macht haben.

Stark ist: Dass die Mächtigen mit Schande bestehen. Sie müssen entweder ihre Torheit und ihren Unverstand in Religionssachen bekennen oder ewig verloren und verdammt bleiben.

28. und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und dass da nichts ist, dass er zunichtemachte, was etwas ist,

Unedle: Das vor der Welt kein Ansehen hat.

Nichts ist: Solche Menschen, die in der Welt nicht geachtet werden, macht Gott durch die Erkenntnis seines Sohnes berühmt und er beachtet die nicht und lässt sie im Dunklen, die vor der Welt einen großen Namen haben.

29. auf dass sich vor ihm kein Fleisch rühme.

Kein Fleisch: Oder dass ein Mensch sagen könne vor Gott, er habe die Erkenntnis Gottes und das ewige Leben durch seine Weisheit, seinen Adel oder seine Macht erlangt. Darum ist es nicht nötig, dass ihr euch die weltliche Weisheit so sehr wünscht und euch darüber wundert, dass sie so gar nichts zur Seligkeit beiträgt. Es ist aber deshalb nicht so zu verstehen, als ob keine Weisen, Mächtigen oder Edlen zur Erkenntnis der evangelischen Wahrheit und zur Seligkeit kommen könnten. Denn Moses, Josef, Daniel, David, Josua, Elias, Josias und viele andere waren mit vortrefflicher Weisheit, Gewalt und hohem Adel begabt gewesen, aber insgesamt waren es wenige, wenn sie mit den Einfältigen und Verachteten verglichen wurden. So haben wir auch diese Botschaft daraus zu entnehmen, dass wir durch die Konzile, Päpste und Monarchen oder das Ansehen vortrefflicher, gelehrter Menschen uns von der Lehre der Wahrheit nicht abführen lassen. Und es können geringe und einfache Menschen, wenn sie fromm sind, aus diesem Text einen Trost fassen, dass sie vor den Augen Gottes in einem viel größeren Ansehen stehen, als die Weisesten, Edelsten und Mächtigsten dieser Welt.

30. Von welchem auch ihr herkommt in Christus Jesus, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung,

Herkommt: Als Kinder Gottes, die aus Gott wiedergeboren sind.

Christus Jesus: Eurem Heiland, dem ihr, wie die Reben am Weinstock durch den Glauben eingepflanzt seid. Darum seid ihr nicht unter denen, die Gott verachtet und in der Blindheit ihres Unglaubens bleiben lässt. Ein Kirchendiener hat an dieser Stelle zu merken, dass er seine Strafpredigten wiederum mit sanften Worten lindern soll, wie es Paulus sehr oft tut. Denn in der Form werden die Strafen zur Erbauung der Kirchen von Nutzen sein.

Zur Weisheit: Denn Christus hat uns den gnädigen Willen seines ewigen Vaters geoffenbart, dass wir durch sein Evangelium Gott recht erkennen können. Dies ist die höchste und heilsamste Weisheit.

Zur Gerechtigkeit: Denn seine Unschuld, die Erfüllung des Gesetzes, sein Leiden und der ganze Verdienst wird uns von Gott dem Vater zur Gerechtigkeit zugerechnet, damit wir vor dem Gericht Gottes bestehen, gerecht und selig werden.

Zur Heiligung: Denn eben derselbe Christus schenkt uns auch den Heiligen Geist, der uns wiedergebiert und heiligt.

Zur Erlösung: Weil wir durch sein Blut von der Tyrannei des Teufels und der ewigen Verdammnis erlöst sind.

31. auf das (wie geschrieben steht:, wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn {1Kor 10v17}.

Des Herrn: Dass er denselben, nämlich, Jesus Christus, den Heiland der Welt, der unser Herr und Meister ist, erkennt, indem er alles im Überfluss hat, was ihm zur Seligkeit nötig ist. Und er möge sich nicht seiner Macht, seines Reichtums oder seiner Weisheit rühmen. Dieser Spruch stammt vom Propheten Jeremia, Kapitel 9. Wer aber die Erkenntnis Christi nicht hat, der hat Christus selbst auch nicht und darum keine rechte Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung oder Erlösung. Weil wir nun diese Güter alle durch den Glauben an Christus besitzen, so soll uns darum die einfache Lehre von dem gekreuzigten Christus, der uns unseren Heiland erkennen lässt, lieber sein, als die ganze Philosophie und die Weisheit der ganzen Welt. Und dennoch wird die Philosophie nicht völlig verworfen, sondern an eine Stelle verwiesen, dass sie sich nicht unterstehen kann, die christliche Lehre zu reformieren. Denn die Philosophie soll Magd und nicht Frau sein, sonst wird sie zur Hure in dem großen Haus Gottes, das heißt, in der christlichen Kirche.


Das 2. Kapitel


1. Im Predigtamt des Evangeliums soll man mit keiner menschlichen Weisheit protzen, sondern das Wort Gottes mit einer gottseligen Einfachheit predigen. 2. Danach wird gezeigt, wie die Blindheit des menschlichen Herzens in geistlichen Dingen ist.

1. Und ich, liebe Brüder, da ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch zu verkündigen die göttliche Predigt.

Hohen Worten: Obwohl ich ein Apostel Christi bin und ohne Mittel von Jesus Christus berufen, auch in den 3. Himmel und ins Paradies versetzt worden bin, so habe ich doch versucht, in meinen Predigten nicht zu protzen mit meiner großen Kunst und Weisheit, indem ich meine Redekunst und wohlgesetzten Worte an den Tag legte. Paulus will also mit seinem Beispiel bestätigen, dass in Religionssachen keine menschliche Weisheit oder prächtige Art zu reden zu suchen ist. Darum sind diejenigen zu Recht zu schelten, die sich in ihren Predigten darum bemühen, wie sie die Worte zierlich setzen und dadurch ihre Kunst sehen lassen könnten.

2. Denn ich hielt mich nicht dafür, dass ich etwas wüsste unter euch ohne allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.

Etwas wüsste: Ich habe also bei euch gepredigt, als wenn ich sonst nichts anderes gelernt hätte, als das Evangelium Christi, und zwar von dem gekreuzigten Christus, dessen Kreuz, als ein abscheuliches und hässliches Ding, die Weisen dieser Welt vollkommen scheuen. Denn der Grund der Heiligen Schrift ist der für uns gekreuzigte Christus und in ihm besteht all unsere Seligkeit.

3. Und ich war bei euch mit Schwachheit und mit Furcht und mit großem Zittern.

Schwachheit: Dass ich nicht mit verwegenem und aufgeblasenem Herzen meine Weisheit und Redekunst sehen ließ, sondern ich predigte das Evangelium mit wahrer Demut und großer Bescheidenheit auf das Einfachste, weil ich mit mancherlei Anfechtungen und Trübsal und vielfältigen Empfinden meiner menschlichen Schwäche niedergeschlagen war. So lehren die sanftmütigen und sittsamen Prediger am besten und am nützlichsten.

4. Und mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft {1Kor 1v17},

Menschlicher Weisheit: Meine Predigten beruhen nicht auf Beweisen, die ihre Ursache in der menschlichen Weisheit haben. Denn die göttlichen Sachen können mit der Philosophie nicht bewiesen werden.

Der Kraft: Dass man dennoch in der Tat spüren müsste, es wäre bei meiner Predigt, wie einfach sie auch ist und wie sie auch ohne zierliche Reden vorgebracht wird, die Kraft und Wirkung des Heiligen Geistes, der seine Kraft nicht nur damit zeigt, dass er durch mein Predigtamt viele zum Evangelium Christi gezogen hat, dass sie es annahmen, sondern er bestätigte das auch mit herrlichen Wunderwerken.

5. auf das euer Glaube bestehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

Bestehe: (Nach Luther) Darum kann Menschenlehre kein Grund des Gewissens oder des Glaubens sein.

Menschenweisheit: Denn ansonsten würde die christliche Religion auf einem schwachen und bodenlosen Grund bestehen, wenn sie auf der Philosophie begründet wäre, in der sich viele ungewisse Dinge befinden.

Gottes Kraft: Dass er mit göttlichen Wunderwerken und Zeugnissen des Heiligen Geistes in eurem Herzen bestätigt werde. Denn die Wunderzeichen, die in der Heiligen Schrift Kräfte genannt werden, sind Siegel der himmlischen Lehre. Und der Heilige Geist gibt unserem Geist Zeugnis, dass wir Gottes Kinder sind.

6. Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Obersten dieser Welt, welche vergehen;

Dennoch Weisheit: Wir Apostel lehren nichtsdestoweniger auch eine Weisheit, auch wenn sie nicht weltlich, sondern himmlisch ist. Dies sagt Paulus darum, damit nicht jemand denken könnte, er wüsste von keiner Wissenschaft und könnte folglich eine törichte und schlecht klingende Predigt des Evangeliums vorbringen.

Vollkommenen: Das bedeutet, dass die rechtschaffenen Christen, die keine Heuchler sind, die diese Weisheit erkennen, sie billigen, sich darüber verwundern und diese annehmen.

Der Obersten: Die eine solche Weisheit suchen und sich als weltweise Leute darüber verwundern, besonders aber, die im Stand der Obrigkeit sind.

Vergehen: Und in Zukunft einmal wiederum zunichtewerden, wenigstens im Tod. Und damit verschwindet zugleich auch all ihre weltliche Weisheit, obwohl sie in dieser Welt so hoch angesehen worden ist. Denn es waren damals noch keine hohen oder fürstlichen Personen unter den Heiden oder Juden zum christlichen Glauben bekehrt. Der Apostel Paulus will aber hiermit die weltliche Weisheit – zur rechten und gebührenden Zeit und an der richtigen Stelle gebraucht – keineswegs verworfen haben, sondern er zeigt lediglich an, dass sie nicht dazu beiträgt, den Weg der ewigen Seligkeit zu finden.

7. sondern wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unserer Herrlichkeit {Ps 57v8},

Verborgenen: (Nach Luther) Denn es liegt unter der Torheit und dem Kreuz verborgen und erscheint nicht in Ehre und Reichtum.

Weisheit Gottes: Wir predigen und verkündigen die göttliche Weisheit, die früher ein verborgenes Geheimnis und im Alten Testament wenigen bekannt gewesen ist, nämlich, das Dekret Gottes von der wunderbaren Erlösung des menschlichen Geschlechts durch den Sohn Gottes. Dieses Dekret wurde für die Welt gemacht, dass Gott auf diese Weise uns zur ewigen Herrlichkeit und Seligkeit bringen will. Und es gibt keine größere Weisheit, als dass Gott der Vater auf so wunderbare Weise durch den Tod seines Sohnes das menschliche Geschlecht erlöst hat.

8. welche keiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat; denn wo sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt;

Erkannt hat: Bis hierhin hatte noch niemand von der weltlichen Obrigkeit aus Juden und Heiden dieses Dekret Gottes erkannt oder geglaubt.

Der Herrlichkeit: Den allmächtigen Gott und Menschen in einer Person. Denn wenn sie gewusst hätten, dass Jesus von Nazareth der ewige und gleich wesentliche Sohn Gottes wäre, der vom Vater in diese Welt gesandt worden ist, um das menschliche Geschlecht von der ewigen Verdammnis zu erlösen, so hätte freilich weder die weltliche Obrigkeit der Juden geschrien, kreuzige, kreuzige ihn; noch hätte ihn Pilatus den Kriegsleuten zur Kreuzigung übergeben. Denn wenn auch wenige unter den Pharisäern gewesen sind (wie aus der evangelischen Geschichte zu sehen ist), die gemerkt haben, dass in Christus etwas mehr als eine menschliche Kraft war, so haben ihn doch die Hohepriester und Obersten des Volkes für keinen Propheten, sondern für einen Verführer und Lästerer gehalten, der nicht wert wäre, dass er leben dürfte. Wenn man deswegen von der richtigen Religion urteilen soll, so muss man nicht auf Fürsten und Obrigkeiten sehen, was die für einen annehmen oder verwerfen, sondern auf Gottes Wort.

9. sondern wie geschrieben steht: Das kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz kommen ist, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.

Geschrieben steht {Jes 64}: So verhält es sich auch mit dieser Sache. Und Paulus beweist mit diesem Spruch, dass das vorgemerkte Dekret Gottes ein solches Geheimnis ist, dass mit keiner menschlichen Vernunft und Weisheit begriffen werden kann. Darum ist es kein Wunder, dass weder die Obersten der Heiden noch die der Juden den Heiland, Christus erkannt haben, obwohl sie ansonsten keine unverständigen Menschen gewesen sind.

Die ihn lieben: Im Propheten steht: Die auf ihn harren. Dies hat aber den gleichen Sinn. Denn die aus Glauben in Hoffnung auf Gott, ihren Erlöser, harren, die lieben ihn freilich auch. Es ist aber dies der Sinn: Gott hat seinen Auserwählten in jener Welt eine solch große Herrlichkeit und Wohlfahrt bereitet, wie sie nie jemand auf Erden gesehen oder von so etwas gehört hat, dass es auf Erden gewesen wäre; es kann auch kein Mensch eine solche Freude mit wenigen Gedanken in seinem Herzen begreifen, wie es den Auserwählten Gottes in jenem Leben gehen wird. Gleichwie aber die Glückseligkeit des ewigen Lebens der Vernunft der Menschen zu erforschen unmöglich ist, so ist auch die Art, wie Gott die Auserwählten zum ewigen Leben führt, nämlich durch den Tod seines eingeborenen Sohnes, der menschlichen Vernunft unmöglich zu begreifen. Denn alles, was zu unserer Seligkeit gehört, sind lauter Geheimnisse und der menschlichen Vernunft unbekannt. Darum, wer in diesen Geheimnissen die Spitzfindigkeiten seines Verstandes probieren und sehen lassen will, der ist ein doppelter Narr. Und man hat an dieser Stelle auch die Beschreibung des ewigen Lebens wahrzunehmen, die uns bewegen soll, dass wir alles Glück dieser Welt einer solch großen Herrlichkeit und Glückseligkeit nicht im Geringsten gleichstellen sollen.

10. Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.

Offenbart: Nämlich das Geheimnis von der Seligkeit des menschlichen Geschlechts.

Seinen Geist: Nämlich durch den Heiligen Geist, der unsere Herzen mit der Erkenntnis des Heilandes Christus durch das Predigtamt des Evangeliums erleuchtet. Denn ohne Mitwirkung des Heiligen Geistes ist das Predigtamt des Evangeliums nicht kräftig.

Die Tiefe: Das heißt: Der Heilige Geist weiß auch die größten Geheimnisse Gottes, die er uns durch das Predigtamt des Wortes, bei dem er sich kräftig finden lässt, mitteilt und offenbart. Dies ist ein augenscheinliches Zeugnis, dass der Heilige Geist von Natur Gott ist. Zumal kein Wesen die Geheimnisse Gottes erforschen oder erkunden kann, wie es die folgenden Gleichnisse besser erklären werden.

11. Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, ohne dem Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne den Geist Gottes.

Geist Gottes: Denn gleichwie kein Mensch dir in dein Herz sehen und deine Gedanken erforschen oder wissen kann ohne deinen Geist, das ist deine Seele, so kann auch niemand die Geheimnisse Gottes erkunden oder wissen, ohne den Geist Gottes. Deswegen werden diejenigen, die ohne Erleuchtung des Heiligen Geistes versuchen, die göttlichen Geheimnisse zu erforschen, alle Mühe und Arbeit vergebens tun. Christus, der Herr, hat aber den Heiligen Geist denen versprochen, die ihn mit inbrünstigem Gebet von Gott erbitten, Lukas 11.

12. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist.

Geist der Welt: Nämlich den Irrgeist der Lügen und falschen Lehre, den der Fürst der Finsternis in diese Welt geschickt, damit er die Herzen der Menschen damit betört, verführt und blendet, damit sie das Licht der Wahrheit nicht sehen können und dass sie die ewigen himmlischen Güter außer Acht lassen und unterdessen nur den irdischen und vergänglichen Dingen nachtrachten. Einen solchen Geist haben wir Christen nicht empfangen.

Aus Gott: Denn der Heilige Geist geht vom Vater und dem Sohn aus. Er ist uns gegeben worden, damit wir aus seiner Erleuchtung durch das Wort des Evangeliums erkennen, was wir für himmlische Wohltaten von Gott empfangen haben. Denn die Erleuchtung des Heiligen Geistes geschieht nicht darum, dass wir vergeblichen Gedanken nachhängen sollen, mit denen wir den Vorwitz des menschlichen Herzens büßen könnten, sondern dass wir die geistlichen Guttaten, die uns durch Christus erworben sind, erkennen und mit Glauben ergreifen.

13. Welches wir auch reden, nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Heilige Geist lehrt, und richten geistliche Sachen geistlich.

Reden: Und von solchen geistlichen Guttaten das Volk lehren.

Geist lehrt: Das heißt: Wir bringen die Geheimnisse und Guttaten Christi, von denen wir wissen, nicht mit hochtrabenden, prächtigen Worten vor, die aus der menschlichen Kunst oder natürlichen Gründen genommen sind, sondern wir bemühen uns um eine einfache Art zu sprechen, und bringen solche Beweise auf die Bahn, die uns vom Heiligen Geist in den Schriften der Propheten vorgesagt worden ist und von eben diesem Heiligen Geist eingegeben werden.

Geistlich: Dass wir je nach Gestalt und Gelegenheit anstehender geistlicher Sachen und himmlischer Geheimnisse eine solche Art zu reden und unser Vorhaben zu beweisen benutzen, die sich zu geistlichen und Religionssachen reimt und sich am besten schickt, diese zu erklären. Darum sind die nicht recht dran, die bei der Abhandlung geistlicher und göttlicher Sachen mit einer prächtigen und hochtrabenden Rede daherkommen. Nicht etwa, dass eine feine, zierliche Rede zu verwerfen wäre, sondern das Übermaß und das unnütze Geschwätz mit vielen verblümten Worten reimt sich nicht zu den geistlichen Sachen.

14. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich gerichtet sein.

Natürliche Mensch: Der zwar Leib und Seele hat, aber doch nicht wiedergeboren, noch mit dem Heiligen Geist erleuchtet worden ist.

Nach Luther: Der natürliche Mensch ist, wie er aus der Gnade ist mit aller Vernunft, Kunst, Sinnen und Vermögen auch auf das Beste geschickt.

Geist Gottes: Er versteht die geistlichen Geheimnisse nicht, die zur wahren Erkenntnis Gottes und zu unserer Seligkeit gehören. Denn so wie die geistlichen Geheimnisse mit menschlicher Weisheit oder Beredsamkeit und mit Gründen, die aus dem natürlichen Können genommen sind, nicht recht erklärt werden kann, so versteht auch die menschliche Vernunft, auch wenn sie noch so spitzfindig ist, die Geheimnisse Gottes nicht.

Torheit: Was er von solchen Geheimnissen hört, das kommt ihm sehr ungereimt und lächerlich vor.

Geistlich gerichtet: Dazu ist die Erleuchtung des Heiligen Geistes nötig, dass man solche Sachen recht versteht und gebührend davon urteilen kann. Denn der fleischliche Verstand reicht dabei nicht aus.

15. Der Geistliche aber richtet alles und wird von niemand gerichtet.

Richtet alles: Dass der alles versteht, aufnimmt und davon urteilen kann, was zur ewigen Seligkeit nötig ist, der wiedergeboren und durch den Geist Gottes erleuchtet worden ist.

Nach Luther: Versteht, fühlt, findet, ist gewiss. Was beim Menschen die Vernunft nicht vermag, der weiß auch nicht, was Glaube oder Evangelium ist.

Niemand gerichtet: Denn die natürlichen oder fleischlichen Menschen können von einem Wiedergeborenen nicht recht urteilen, sondern sie meinen, er sei ein törichter und unverständiger Mensch, der so ungereimte Sachen glaubt und um dessen Bekenntnisses willen seinen Leib und alle zeitlichen Güter in Gefahr bringt. Weil jedoch auch die fleischlichen Menschen an einem christlichen Menschen eine große Veränderung sehen, so wundern sie sich zwar darüber, was das ist, wie es aber zugegangen ist, das wissen sie nicht.

16. Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen? Wir aber haben Christi Sinn.

Denn wer: Jetzt führt der Apostel Paulus mit einem Zeugnis aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 40, an, wie der Verstand des Menschen von göttlichen Sachen nichts Rechtes wissen oder urteilen kann.

Herrn Sinn: Nämlich die Geheimnisse Gottes hat noch kein Mensch mit seiner menschlichen Weisheit ergründen können. Paulus benutzt in Anlehnung dieses Zeugnisses des Propheten nicht eben dessen Worte, sondern deutet auf den Sinn dessen hin.

Unterweisen: Mit Rat. Denn es wird auch der weiseste Mensch mit all seiner Vernunft die verborgenen Geheimnisse Gottes nicht ergründen oder erkunden können. Und Gott hat in der Erlösung, der Versammlung und Regierung seiner Kirche die Ratschläge der Weisen dieser Welt nicht gebraucht, sondern die Weisheit Gottes. Und die Klugheit der Menschen ist viel weiter von der Weisheit Gottes entfernt, als es der Himmel von der Erde ist. Weil nun also (will Paulus sagen) auch die weisesten fleischlichen Menschen in göttlichen Sachen nichts verstehen, warum trachtet ihr Korinther denn so sehr danach, dass ihr solche Worte hören wollt, die aus der menschlichen Weisheit vorgebracht werden, wo sie doch zu dieser Seligkeit nichts nützt?

Christus Sinn: Denn wir Christen und besonders die Apostel wissen aus dem Evangelium, das mit herrlichen Wunderwerken bestätigt ist, den allergnädigsten Willen unseres Heiland Christus und so auch seines himmlischen Vaters selbst, der aller menschlichen Weisheit unerforschlich ist. Darum sollen wir vielmehr den einfachen evangelischen Predigten, die die rechte Erkenntnis Gottes mit sich bringen, zuhören, als den prächtigen Worten, die nur menschliche Weisheit lehren, Gehör zu geben. Allerdings verwirft Paulus die menschliche Weisheit nicht. Denn sie ist auch eine Gabe Gottes. So haben die freien Künste ihren Nutzen, nicht nur in der Regierung, sondern auch in der Kirche, wenn man sie richtig gebraucht, dass die Zuhörer deutlich und ordentlich unterrichtet werden. Und die Erkundung der Natur nützt viel zur Erhaltung dieses Lebens. Wie auch die weltliche, bürgerliche und häusliche Weisheit in Sachen, die zu diesem Leben gehören, nützlich gebraucht werden kann. Aber Paulus möchte nicht haben, dass man die menschliche Weisheit unter die Geheimnisse des Glaubens mengt und die philosophischen Gründe oder Regeln zur Theologie gebraucht, wenn diese dadurch verdorben wird. Allerdings kommen heutzutage die Zwinglianer mit dem philosophischen Grund, dass ein Leib nur an einem einzigen Ort sein kann. Und sie unterstehen sich, mit dieser Regel, die zwar in der Philosophie seinen Platz hat, aber in der Theologie nicht bestehen kann, die Gegenwart des Leibes Christi im Heiligen Abendmahl umzustoßen. Man hat auch hier zu merken, wie in göttlichen Sachen so gar keine Kräfte des freien Willens sind, weil der natürliche Mensch von göttlichen Sachen mit seiner Vernunft nichts begreifen kann, es sei denn, er würde aus dem Heiligen Geist wiedergeboren. Darum kann man nicht schließen, dass etliche Heiden, wie Cato, Scipios, Numa Pompilius, Sokrates, Aristides oder andere weltweise Menschen die ewige Seligkeit erlangt haben. Denn Gott kann durch des menschlichen Gemüts spitzfindiges Nachsinnen nicht erkannt werden, und ohne diese Erkenntnis kann niemand das ewige Leben erlangen {Joh 17}.


Das 3. Kapitel


1. Paulus tadelt die Korinther, dass sie ihren fleischlichen Begierden nachhängen, und ermahnt sie, dass sie sich mäßigen sollen und Gott um die Vermehrung seiner Gaben anrufen. 2. Danach lehrt er, dass die Kraft des Wortes nicht auf besonderen Gaben, Beredtheit, Ansehen oder Spitzfindigkeiten der Kirchendiener, sondern auf Gott besteht. 3. Ferner warnt er sie vor Zwietracht und Missgunst, wodurch die Erweiterung der christlichen Kirchen behindert wird.

1. Und ich, liebe Brüder, konnte nicht mit euch reden als mit Geistlichen, sondern als mit Fleischlichen, wie mit jungen Kindern in Christo.

Reden: Als ich begann, das Evangelium bei euch zu predigen, da musste ich mich mit meinen Lehren und Predigten nach eurem Verstand richten und euch zunächst die einfältigen Kinderlehren der christlichen Religion vortragen. Ich konnte euch nicht alles zugleich lehren, sondern was vornehmlich zur Seligkeit nötig war. Denn ihr wart noch fleischlich und mit dem Heiligen Geist noch nicht erleuchtet. Ja auch später, als ihr durch das Evangelium das Licht der Wahrheit erkannt habt, konntet ihr nicht sogleich die ganze Lehre der christlichen Religion fassen, sondern ich musste mit euch umgehen wie mit jungen Kindern, die zuerst durch den Glauben und die Taufe wiedergeboren sind und Christus neu einverleibt wurden. Darum wundert es mich, dass ihr so sehr nach menschlicher Weisheit strebt, und, so wie es aussieht, der göttlichen Weisheit, die euch im Evangelium vorgetragen wird, bereits überdrüssig geworden seid, wo ihr sie doch bei Weitem noch nicht ergründet auch nicht verstanden habt, sondern einige von euch kaum den ersten Anfang davon wissen und ihr noch jede Menge zu lernen hättet, wenn ihr nur Lust hättet, göttliche Sachen zu erkunden.

2. Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht Speise; denn ihr konntet noch nicht; auch könnt ihr noch jetzt nicht, dieweil ihr noch fleischlich seid,

Nicht Speise: Nämlich solch eine starke Speise, wie man sie alten, erwachsenen Leuten vorzugeben pflegt, sondern so, wie man die jungen Kinder mit der Muttermilch aufzieht. Also habe ich euren zarten Glauben mit solcher Lehre unterhalten, zu der ihr damals fähig wart. Und ich enthielt mich der hohen Sachen, die schwer zu verstehen sind, bis die Lehre und der Glaube an Christus in euch besser zugenommen hatten und gestärkt waren.

Noch nicht: Nämlich die großen und hohen geistlichen Geheimnisse konntet ihr damals noch nicht fassen oder verstehen. Darum sollen sich die Kirchendiener nach dem Verstand ihrer Zuhörer richten und nicht nur darauf bedacht sein, wie sie die Erkenntnis der hohen göttlichen Geheimnisse ohne Nutzen der Zuhörer mit stattlichen Worten vortragen können.

Jetzt nicht: Was soll ich den viel davon reden, dass ihr damals die hohen geistlichen Geheimnisse hättet fassen oder verstehen sollen?

Fleischlich seid: Es stecken noch viele fleischliche Gedanken und Begierden in euch, oder, wenn ich es deutlicher sagen soll, so seid ihr mehr fleischlich als geistlich. Das verdorbene Fleisch richtet mehr in euch aus als der Geist Gottes, darum seid ihr noch nicht ausreichend tauglich dafür, dass ihr alle Geheimnisse Gottes fassen könnt. Dennoch legt ihr euch so stark auf die philosophischen Spitzfindigkeiten und habt eine besondere Lust daran, menschliche Weisheit zu lernen, als ob ihr in geistlichen Dingen bereits alles können würdet und nichts mehr zu lernen übrig wäre.

3. Denn weil Eifer und Zank und Zwietracht unter euch sind, seid ihr denn nicht fleischlich und wandelt nach menschlicherweise?

Zwietracht: Sodass ihr euch in etliche Parteien aufteilt und einer gegen den anderen aus einem heftigen erbitterten Gemüt über die Kirchendiener streitet, welcher den anderen vorzuziehen sei.

Nicht fleischlich: Weil ihr so etwas tut. Denn das ist nicht das Werk des Heiligen Geistes, sondern das des verdorbenen Fleisches.

Menschlicher Weise: Wie die Weltkinder und nicht, wie es den Kindern Gottes gebührt und wohl ansteht.

4. Denn so einer sagt: Ich bin paulisch, der andere aber: Ich bin apollisch, seid ihr denn nicht fleischlich?

Sagt: Aus einem zänkischen und parteiischen Gemüt.

Paulisch: Und ziehe den Apostel Paulus allen anderen Lehrern vor, sodass ich die anderen dagegen nicht achte.

Apollisch: Ich bin Zuhörer des gelehrten und sehr beredten Juden Apollo, der sich unlängst zu Christus bekehrt hat. Der kann mir allein genug predigen und ich frage nicht viel nach den anderen.

Nicht fleischlich: Und lasst das Fleisch gar zu sehr in euch herrschen, was daran gut zu sehen und zu beweisen ist, dass ihr wegen der unterschiedlichen Gaben und nach euren eigenen Begierden etliche Lehrer in der Kirche so hoch hervorhebt, dass ihr die anderen, die doch ebenso rein in der Lehre sind dagegen verachtet und ablehnt, und auf diese Weise die Kirche mit euren Spaltungen trennt, nicht ohne großes Ärgernis der Gläubigen und Ungläubigen. Sollte das ein Zeichen eurer Geistlichkeit sein, die vom Geist Gottes erleuchtet und regiert wird? Hier sehen wir, wie das Fleisch gelegentlich in etlichen Gliedern der Kirche so sehr herrscht, dass es den Geist gleichsam unterdrückt. Aber solche Fehler sollen von den Kirchen aus dem Wort Gottes ernstlich gestraft werden, denn die unter den Christen noch am meisten fleischlich sind, die haben allgemein einen solchen Ekel vor der gewöhnlichen Lehre des Evangeliums, als ob sie alle Geheimnisse der christlichen Religion sich schon lange an den Schuhen abgelaufen hätten, obwohl sie doch sehr unverständig sind und von göttlichen Dingen wenig wissen.

5. Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig worden, und dasselbe, wie der Herr einem jeglichen gegeben hat.

Wer: Um die Korinther von ihrer Parteilichkeit abzuweisen und damit sie sich nicht an der Person der Kirchendiener vergaffen, verweist sie der Apostel Paulus auf den Gründer des Predigtamtes, nämlich zu Gott, in dessen Hand allein es steht, dass die Kirchendiener mit ihren Predigten Nutzen schaffen und für Christus eine Kirche sammeln.

Diener sind sie: Unter denen keiner Gott ist, dass er euch durch seine Kraft den Glauben und das ewige Leben geben könnte.

Gläubig geworden: Indem ihr das Evangelium von ihnen gehört habt, wozu Gott die Kraft des Heiligen Geistes gegeben hat, dass ihr dem Evangelium geglaubt habt. An dieser Stelle muss man sich wieder vor den Schwenkfeldern in Acht nehmen, weil Paulus von den Predigten sagt, durch diese seid ihr gläubig geworden.

Gegeben hat: Nämlich die Gnade und das Gedeihen oder seinen himmlischen Segen, dass sein Predigtamt kräftig gewesen ist. Also hat es mit seinem Handeln einen glücklichen Fortgang genommen, dass er etliche bekehrt hat. Denn Gott bewirkt durch den einen Kirchendiener mehr als durch den anderen und dennoch werden alle getreuen und reinen Kirchendiener von Gott geliebt.

6. Ich habe gepflanzt, Apollo hat begossen, aber Gott hat das Gedeihen gegeben.

Ich: Jetzt erklärt Paulus die Sache mit zwei schönen Gleichnissen.

Gepflanzt: Nämlich die Kirche Christi in Korinth, gleich, wie ein Gärtner die zarten Pflanzen oder den Setzling in die Erde setzt.

Begossen: Diese Pflanzen können in der Erkenntnis Gottes und im christlichen Wandel wachsen und zunehmen, indem er mit der Predigt des göttlichen Wortes (die ich angefangen habe) bei euch weitermacht, wo ich den Grund der christlichen Religion gelegt habe.

Gedeihen gegeben: Nämlich seinen himmlischen Segen durch die Kraft und Wirkung des Heiligen Geistes, damit mein Pflanzen und eines anderen Begießens nicht umsonst ist. Gleichwie nun im Ackerbau, wo einer pflügt, der andere sät, der Dritte eggt, jedes Mal dazu nötig ist, dass Gott sein Gedeihen dazu gibt, damit ihre Arbeit nicht vergebens ist, sondern dass der Samen wächst und reiche Frucht bringt, so soll auch im Predigtamt jeder in seiner Aufgabe fleißig tätig sein und dabei Gott emsig bitten, dass dieser das Gedeihen dazu geben möge, damit bei der Erbauung der Kirchen die Arbeit nicht vergeblich aufgewendet wird.

7. So ist nun weder der da pflanzt noch der da begießt, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.

Etwas: Es kann keiner von denen euch die Seligkeit geben, dass ihr ihn als einen Gott anbeten und ehren solltet.

Gedeihen gibt: Der hat zu Recht die Ehre davon, dass er euch die Seligkeit gibt.

8. Der aber pflanzt und der da begießt, ist einer wie der andere. Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.

Wie der andere: Nämlich Knechte Gottes und nicht eure Herren. Darum sollt ihr dem einen gleich gewogen sein wie dem anderen und nicht einen hoch erheben, die anderen aber anfeinden oder verachten. Hier werden die Zuhörer erinnert, dass sie sich nicht in die Person der Kirchendiener vergaffen sollen und diese gleichsam für Götter halten. Doch sollen sie sie lieben und in Ehren halten, als Diener Gottes, durch deren Zutun Gott die Menschen bekehrt und selig macht. Und es irrt sich Schwenkfeld stark, der leugnet, dass durch das Predigtamt der Kirchendiener der Glaube gegeben werde, und er tut so, als wenn ein Bauer mähen wollte, wo man nie gepflügt oder gesät hat. Weil aber Gott das Gedeihen gibt, so sollen die Kirchendiener, wenn sie an einem Ort mit ihren Predigten etwas Fruchtbares angerichtet haben, dieses nicht sich selbst, sondern Gott zuschreiben.

Seiner Arbeit: Nachdem er fleißig und treu in der Kirche Gottes gearbeitet hat. Denn obwohl uns Gott nichts schuldig ist, so verheißt er doch denen, die in ihrem Amt ihre Aufgabe treu verrichten, himmlische Belohnung. So pflegt er auch in diesem Leben etwas zu vergelten, aber in jener Welt werden die vor anderen leuchten, die viele Menschen durch ihr Predigtamt zu Gott bekehrt haben {Dan 12}. Darum sollen wir nicht müde werden zu arbeiten, weil uns Gott der Herr unsere Arbeit wohl belohnen wird.

9. Denn wir sind Gottes Gehilfen; ihr seid Gottes Ackerwerk und Gottes Gebäude.

Gehilfen: Oder Mitarbeiter, nämlich so: Wir arbeiten mit Lehren, Gott aber, indem er sein Gedeihen und seinen Segen dazu gibt, sorgt dafür, dass wir nicht vergebens arbeiten. Auf diese Weise kommen unsere Arbeit und der Segen Gottes zusammen. Doch der Unterschied ist in dieser Sache der, dass, wenn Gott wollte, er ohne unsere Arbeit sich eine neue Kirche schaffen, pflanzen und begießen könnte. Wir aber können ohne ihn nicht arbeiten, desgleichen nutzt unsere Arbeit nichts, wenn Gottes Mitwirkung und Segen nicht dazukommt. Nichtsdestoweniger erkennt uns Gott nach seiner unermesslichen Güte als seine Mitgehilfen und Mitarbeiter in der Pflanzung und Erbauung der Kirchen.

Ackerwerk: Gott ist der Ackermann, die Menschen sind der Acker. Der Same ist das Wort Gottes, die Kirchendiener sind die Knechte und Diener dieses obersten Ackermanns, die zwar mit der Lehre des Gesetzes den Acker der Herzen pflügen und danach den Samen des Evangeliums hineinwerfen. Gott aber gibt das Gedeihen und den Segen, damit das Evangelium in den Herzen der Zuhörer Frucht bringt.

Gebäude: Dies ist ein anderes Gleichnis vom Aufbau der Häuser, womit Paulus lehrt, wie die Kirchendiener Mitgehilfen Gottes sind, und er erinnert zugleich die Diener der Kirchen in Korinth, dass sie darauf achten sollen, in der Erbauung der Kirchen Gottes in ihrem möglichen Fleiß nicht nachzulassen. So baut Gott sich unter uns durch das Predigtamt eine Kirche oder einen geistigen Tempel, worin er wohnt. Dabei sind die Kirchendiener gleichsam wie Zimmerleute und sie bauen, wenn sie das Wort Gottes lehren. Je gründlicher einer lehrt, umso beständiger und besser baut er die Kirche.

10. Ich von Gottes Gnaden, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue.

Gegeben ist: Nach den Gaben des Heiligen Geistes, die ich von Gott dazu empfangen habe, dass ich das Evangelium von Christus ausbreiten kann.

Grund: Nämlich die beständige Lehre von der Person unseres Heilandes Jesus Christus und von seinem Amt.

Baut darauf: Auf das angefangene Gebäude, dass er fortfährt die Kirche zu lehren und weiter zu unterrichten, damit die Kirche in der Erkenntnis der geistlichen Sachen zunimmt, wie ein Bau immer größer wird und höher aufsteigt.

Darauf baue: Dass er nämlich, die rechte Lehre aus dem Wort Gottes genommen, auf den Grund Christus und nicht auf die Träume menschlicher Vernunft baut, damit nicht der übrige Bau dem Grund ungleich wird und eines solchen Grundes nicht wert ist.

11. Einen andern Grund kann zwar niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus {Mt 16v18 Eph 2v10 1Petr 2v7}.

Anderen Grund: Worauf sich einer sicher verlassen könnte.

Jesus Christ: Auf diesem Erlöser besteht wie auf einem Fundament all unsere Seligkeit. Seine Person und sein Amt habe ich euch treu und gründlich erklärt und so den Grund zum Bau der Kirchen gelegt. Die deswegen ohne die Lehre von der Person und dem Amt Christi nur mit der Unterrichtung eines ehrbaren Wandels Christus an irgendeinem Ort eine Kirche bauen wollen, die unterstehen sich, einen Bau zu errichten, der kein Fundament hat, weswegen er notwendigerweise zusammenfallen muss.

12. So aber jemand auf diesen Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln,

Grund baut: Sodass er den Grund der Person und den Guttaten Christi behält.

Gold, Silber, Edelsteine: Die alle im Feuer bleiben und nicht verzehrt werden. Dies will so viel sagen: Wenn jemand die gründliche Lehre des göttlichen Wortes von allen Stücken der christlichen Religion und eines gottseligen Wandels seinen Zuhörern vorgetragen wird, und diese Lehre die Hitze der Verfolgung, schwere Anfechtungen und auch Todesangst ausstehen kann, der hat recht und lobenswert gebaut.

Nach Luther: Dies alles ist von Predigen und Lehren gesagt, die zur Besserung oder Verschlechterung des Glaubens gelehrt werden. Es besteht aber keine Lehre im Sterben, Jüngsten Tag und in allen Nöten; alles wird verzehrt, es sei denn das reine Wort Gottes, das befindet sich alles im guten Gewissen.

Holz, Heu, Stoppeln: Davon widersteht keines dem Feuer und der Sinn ist Folgender: Wenn jemand etliche Lehren vorbringt, die aus der menschlichen Vernunft und nicht aus Gottes Wort genommen sind (wie es die besondere Meinung etlicher Theologen ist, die dem Wort Gottes nicht gemäß sind) oder in der Unterweisung und Ermahnung zum göttlichen Wandel den Zuhörern Menschensatzungen vorhält, die in der Hitze der Verfolgungen oder Anfechtungen oder in Todesangst nicht bestehen können, der hat nicht gut gebaut, wie es der Ausgang ausreichend bezeugen wird.

13. so wird eines jeglichen Werk offenbar werden; der Tag wird‘s klar machen. Denn es wird durchs Feuer offenbar werden, und welcherlei eines jeglichen Werk sei, wird das Feuer bewähren.

Offenbar werden: Was es ist, dass er auf den Grund gebaut hat.

Klar machen: Nämlich zur Zeit der Trübsal, wenn entweder äußere Verfolgung heranrückt oder man innerlich im Gewissen Gottes strenges Gericht empfindet, oder auch, dass Gott eine Reformierung der Kirchen anstellt, so wird die Sache an sich selbst zu verstehen geben, welche Lehre beständig ist oder nicht.

14. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

Bleiben: Sodass seine Lehre die Hitze der Anfechtung oder ernsthafte Proben erdulden und überwinden kann.

Lohn empfangen: Von Gott dem Herrn an jenem Tag, weil er die Kirche beständig mit gründlicher Lehre erbaut hat.

15. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er des Schaden leiden; er selbst aber wird selig werden, so doch wie durchs Feuer.

Verbrennen: Und so also in der Hitze der Verfolgung, Anfechtung, oder ernster, scharfer Probe verschwinden wird.

Schaden leiden: Dass seine Lehre verworfen wird und seine Arbeit verloren ist.

Selig werden: Er wird nichtsdestoweniger zum ewigen Leben erhalten werden, weil er den Grund, nämlich den Heiland Christus, behalten hat.

Durchs Feuer: Mit Verlust seiner Arbeit. Genauso, wie einer durch ein Feuer in einer Stunde verliert, woran er etliche Jahre lang gearbeitet und viel Mühe damit gehabt hat. Wie dies zu verstehen ist, wollen wir mit einem oder zwei Beispielen erklären: Zyprianus, ein Bischof und Märtyrer, hat den Grund von Christi Person und Amt behalten und dazu viele herrliche Dinge gottselig gelehrt und geschrieben, die mit dem Gold und Silber wohl zu vergleichen sind. Aber er hat etliche Stoppeln im selben Bau mit untergemischt, indem er geschrieben hat, dass man die, die von Ketzern getauft worden sind, wieder taufen müsse. Da er aber über diesen Artikel noch vor seinem Tod einen Kampf des Gewissens ausgestanden hat, so konnte solcher Wahn zweifellos nicht bestehen. Ein anderes: Beispiel: Bernardos hat einen Mönchsorden gestiftet und sich darin viel geübt und heftig bemüht. Aber ein Feuer der Anfechtungen und Empfindungen des göttlichen Gerichtes sagt von diesem, seinem Klosterleben: Ich habe übel gelebt. Da sind die Stoppeln alle verzehrt worden und er hat alle Arbeit verloren, die er auf seine Übungen angewandt hatte. Er aber ist selig geworden, weil er auf den Grund von der Person und dem Verdienst oder Amt Christi sich verlassen hat, wie es seine Schriften bezeugen. Also kann es wohl passieren, dass ein frommer Kirchendiener eine besondere Meinung fasst und sich einbildet, die mit der Heiligen Schrift nicht übereinstimmt, die er doch nicht halsstarrig handhaben würde, wenn man ihm aus Gottes Wort eines Besseren berichtet, der wird, wie oben gehört, selig werden. Die aber den Grund umstoßen, die werden nicht selig, wie auch ihre Zuhörer nicht, sofern sie bis ans Ende im Irrtum verharren. Wie Arius und Mohamed, welche die Gottheit Christi leugnen, den Grund umreißen, fehlen sie an der Person Christi. Darum werden die Arianer und Mohammedaner nicht selig. Der römische Antichrist, der lehrt, dass durch den Verdienst der Menschen und durch Messen die Sünden versöhnt und gegen Geldablass verkauft werden, kehrt und stürzt den Grund um, weil er halsstarrig mit Schwert und Feuer einen groben Irrtum verteidigt, der dem Amt und dem Verdienst des Erlösers Christi schnurstracks zuwider ist. Darum wird der Papst mit seinen Anhängern, wenn sie im Vertrauen auf ihren eigenen Verdienst sterben, nicht selig werden. Deswegen müssen wir uns vor allen Dingen vorsehen, dass wir von dem Grund, Christus, Gott und Menschen, unseren Heiland, nicht abweichen. Danach, dass wir auf diesen Grund nicht unseren eigenen Wahn oder gute Meinung bauen. Wenn aber dergleichen etwas aus Irrtum von uns begangen worden ist, sollen wir den Irrtum nicht halsstarrig verteidigen. Denn nicht der Irrtum, sondern der beharrliche Irrtum macht einen Ketzer. Über die Katholiken aber ist zu lachen, die mit diesem Spruch das Fegefeuer anzünden und aufblasen wollen. Denn es ist nicht zu leugnen, dass Paulus hier vom Amt der Kirchendiener und von der Lehre spricht und nicht vom bösen Wandel der Zuhörer, die nach der Aussage der Katholiken durch das Fegefeuer gereinigt werden. Da auch von den guten und schlechten Taten und Werken der Menschen und nicht von der Lehre an dieser Stelle gesprochen wird, so müsste folgen, dass die Frommen und Vollkommenen, die keine Stoppeln, sondern gewollt auf den Grund gebaut hätten, dennoch die Hitze des Fegefeuers ebenso erdulden müssten, wie die, die übel gelebt haben (weil sie alle miteinander, wie Paulus an dieser Stelle sagt, durchs Feuer müssen probiert werden), was den Katholiken selbst ungereimt vorkommen müsste.

16. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt {1Kor 6v19 2Kor 6v16}?

Wisst: Bisher hat Paulus gelehrt, dass die Kirchendiener geistliche Zimmerleute sind, die alle mit der Erbauung der Kirche zu tun haben. Darum soll man den einen nicht zu hochheben, dass man die anderen dagegen verächtlich auf die Seite stellt, als brauchte man diese nicht. Er hat auch die Kirchendiener ermahnt, dass sie auf den Grund des Glaubens die rechte Lehre bauen sollen, damit ihre Arbeit nicht verloren ist. So erinnert er jetzt die Korinther ernsthaft, dass sie mit all ihren Trennungen, ihrem Streit und ihrer Missgunst den Bau der Kirchen nicht behindern oder das Werk des Gebäudes wiederum zerstören.

Euch wohnt: Wenn wir nun also Tempel Gottes sind, dass der Geist Gottes, nämlich der Heilige Geist in uns wohnt, so ist offenbar, dass der Heilige Geist wahrhaftiger Gott ist.

17. So jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr.

Gott verderben: Dass er mit zeitlichen und wo man nicht Buße tut, auch mit ewigen Strafen diejenigen heimsuchen wird, die den Tempel Gottes einreißen, verwüsten und, soweit sie können, das gut angefangene Gebäude mit ihrem unnötigen Streit zugrunde richten.

Ist heilig: Darum soll er nicht verunreinigt werden. Weiter unten wird Paulus dieses Gleichnis so deuten, dass man vor einem bösen Wandel fliehen soll. Aber an dieser Stelle spricht er von Zank, Zwietracht und Spaltungen und von dem falschen, aufgeblasenen Wahn eigener Weisheit, wodurch die Kirche übel zerrissen und getrennt war. Aus diesem allen ist abzunehmen, was für eine große Sünde oder vielmehr Kirchenraub diejenigen begehen, die die Kirche Gottes mit falschen Vorstellungen oder unnötigem Streit und Spaltungen irremachen, und so ein herrliches Gebäude, soweit sie können, zerstören.

18. Niemand betrüge sich selbst! Welcher sich unter euch erscheint, weise zu sein, der werde ein Narr in dieser Welt, dass er möge weise sein.

Sich selbst: Mit dem unnützen Wahn, als sei er gelehrter und schlauer als alle Kirchendiener und könne von allen Dingen nach seinem Kopf und seiner großen Weisheit richtig urteilen. Er hält auch desto weniger auf sie, weil er keine menschliche Weisheit oder zierliche Rede von ihnen hört. Denn die Korinther waren sehr hochtrabend und aufgeblasen und hielten sich selbst für sehr klug und witzig und verachteten deshalb die reinen Kirchendiener mit großem Übermut.

Weise sein: Und meint, er sei in der weltlichen Weisheit wie in der Erkenntnis der Philosophie und in politischen Fragen sehr erfahren.

Werde ein Narr: Vor Gott, dass er seine menschliche Weisheit dem Wort Gottes unterwirft und sich nicht darauf verlässt, sondern erkennt, dass er in göttlichen Sachen sehr ungeschickt und unwissend ist. So wird er gelehrig werden, die rechte göttliche Weisheit des Wortes Gottes zu erlangen. Dies ist der einzige Weg, wodurch die Weisen dieser Welt selig werden, wenn sie Narren werden; das ist, wenn sie ihre Torheit in geistlichen Sachen erkennen.

19. Denn dieser Welt Weisheit ist Torheit bei Gott. Denn es steht geschrieben: Die Weisen erhascht er in ihrer Klugheit.

Bei Gott: Die weltliche Weisheit ist in göttlichen Sachen eine reine Dummheit. Und Gott hält diejenigen für Toren, die wegen ihrer menschlichen Weisheit und Klugheit aufgeblasen sind und meinen, sie wollen mit solcher Weisheit die Geheimnisse des Reiches Gottes verstehen und auch davon recht urteilen können.

Erhascht er: Nämlich Gott, der Herr, betört die Weisen, indem er ihre listigen Anschläge zunichtemacht. Und damit, dass er seine Kirche in wunderbarerweise sammelt und errettet, bezeugt er, wie die Weisen dieser Welt durchaus Narren sind und nichts verstehen in den Sachen, die ihr zur Ehre Gottes und der Menschen Wohlfahrt dienen.

20. Und abermals: Der Herr weiß der Weisen Gedanken, dass sie eitel sind.

Eitel sind: Gott sieht es und bringt es auch an den Tag, dass das Vorhaben der weisesten Menschen in geistlichen Dingen eine reine Dummheit ist. Auch wenn im 94. Psalm für das Wort Weise nur für Menschen steht, so ist doch aus allem, was vorangeht und was danach folgt, ausreichend abzuleiten, dass die Schrift an derselben Stelle von den Weisen dieser Welt spricht, deren Handeln und Vorhaben in geistlichen Dingen Dummheit ist. Darum soll die menschliche Weisheit in ihrem Wert bleiben und sich nicht in die Theologie einmischen. Es soll auch die Kirche nicht nach der Weisheit dieser Welt regiert werden, sondern nach dem vorgeschriebenen Wort des Heiligen Geistes.

21. Darum rühme sich niemand eines Menschen! Es ist alles euer,

Eines Menschen: Dass er meint, es sei einer gelehrter und beredter als der andere.

Nach Luther: Darum hat kein Mensch Macht, über die Christen Gesetze zu machen und die Gewissen zu binden.

22. es sei Paulus oder Apollo, es sei Kephas oder die Welt, es sei das Leben oder der Tod, es sei das Gegenwärtige oder das Zukünftige: Alles ist euer.

Kephas: Worunter der Apostel Petrus verstanden wird. Diese alle (will Paulus sagen) sind euch von Gott zugeordnet und vorgestellt worden, dass sie euch zu eurem Nutzen dienen. Darum sollt ihr euch ihrer mit einträchtigen und einmütigen Herzen gebrauchen als gemeinsame Gaben und im gemeinsamen Besitz, aber nicht auf parteiische Art dem einen oder dem anderen allein anhängen.

Die Welt: Dass ihr sie braucht, aber nicht missbraucht. Denn es ist euch alles von Gott zu eurem Nutzen verordnet, nicht allein die Apostel, sondern auch alle anderen Kreaturen.

Leben: Nämlich das gegenwärtige, zeitliche Leben, dass ihr in der Gottseligkeit zur Ehre Gottes auf dieser Erde verbringen sollt.

Tot: Nämlich der zeitliche Tod, der euch eine Tür zum ewigen Leben ist.

Zukünftige: Was euch noch begegnen wird oder bereits begegnet ist, das ist euch alles von Gott zum Guten geordnet. Darum sollen wir in jeder Trübsal gute Hoffnung haben.

Ist euer: Und Gott will, dass ihr es zu eurem besten Nutzen und zur Erbauung gebraucht. Dies soll das Herz eines Christen fröhlich machen. Wenn also die Apostel der Kirche gehören und nicht die Kirche den Aposteln, so folgt daraus, dass die römischen Päpste mit einer unleidlichen Tyrannei die Herrschaft in der Kirche Gottes an sich gerissen haben und diese gegen alles Recht und Ordnung mit ihren Gesetzen und menschlichen Satzungen unterdrücken, wofür sie jedoch nach Durchforschung der Heiligen Schrift keine Macht haben. Wie nun Paulus sagt: Alle Apostel gehören der Kirche, so sagt hingegen der Papst, alle Kirchen gehören dem römischen Papst, dass er darin und damit umgehen kann, wie er möchte. Mit solcher Tyrannei erklärt der Papst in Rom ausreichend, dass er der rechte Antichrist ist, der in dem Tempel Gottes sitzt und vorgibt, er sei Gott {2Thes 2}.

23. Ihr aber seid Christi; Christus aber ist Gottes.

Seid Christi: Mit seinem Blut erkauft. Darum richtet alles zu seiner Ehre, so wird es euch zu eurer Seligkeit gedeihen. Wir sollen deswegen unserem Herrn Christus willig und gehorsam dienen.

Ist Gottes: Zwar gleich ewiger natürlicher Sohn eines Wesens und Majestät mit dem Vater, aber doch nach seiner Menschheit unter Gott, darum schreibt er alles der Ehre seines himmlischen Vaters zu.


Das 4. Kapitel


1. Der Apostel fährt noch weiter fort, die Korinther daran zu hindern, dass sie Trennungen anrichten. 2. Und er warnt sie, dass sie nicht frevelhaft von der Vortrefflichkeit und den himmlischen Belohnungen der Kirchendiener vor der Zeit urteilen sollen. 3. Erinnert auch die Kirchendiener, dass sie wegen ihrer Gaben nicht überheblich werden sollen.

1. Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse.

Diener und: Denn ihr könnt sonst, wegen der Gaben und der Beredtheit, von uns halten, was ihr wollt. So ist es dennoch recht, dass ihr uns wenigstens für Diener Christi haltet und wisst, wir sind von ihm dazu geordnet, dass wir die göttlichen Geheimnisse der Kirche Gottes mitteilen sollen mit Predigen des göttlichen Wortes und Austeilung der Sakramente, der Taufe und des Abendmahls. Denn ein Kirchendiener ist wie ein Verwalter oder Hausvater in der Kirche, der wie aus einem Schatz die notwendige und heilsame Lehre vorbringen soll {Mt 13}.

Nach Luther: Das ist das Evangelium, worin die göttlichen Güter verborgen sind und vorgetragen werden.

2. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn dass sie treu erfunden werden.

Treu erfunden: Und mit den Gütern ihres Herrn treu umgehen zur Aufnahme und Vermehrung des Haushalts, dass er alles recht austeilt, wie es sich gebührt. Es ist aber ein Kirchendiener dann ein getreuer Haushalter, wenn er die Lehre des Gesetzes und des Evangeliums rein und fleißig, wie es sich gebührt, den Zuhörern vorträgt und die Sakramente mit gutem Gewissen nach der Einsetzung Christi abhandelt und nichts unterlässt, was zu seinem Amt gehört. Auch dass ihn keine Furcht oder Gunst daran hindert, er mit Fleiß verrichtet, was er sich vorgenommen hat, dass es zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Kirchen dienlich sein wird.

3. Mir aber ist‘s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht.

Geringes: Mir ist es nicht so wichtig, was ihr von mir urteilt, ihr haltet mich meiner Gaben wegen für den Ersten, den Zweiten oder den Dritten, denn ich bin mir selbst aller Treue bewusst. Andere mögen von mir sagen oder halten, was sie wollen.

Menschlichen Tage: Ich beachte die Lobsprüche und Verwunderung der Welt nicht. Paulus nennt einen menschlichen Tag, wenn jemand in großem Ansehen steht, zum Beispiel, wenn ein römischer Bürgermeister mit Triumph in die Stadt eingezogen ist, hat er einen menschlichen Ehrentag gehabt. Die Kirchendiener aber sollen nicht nach menschlicher Ehre streben, obwohl sie ihren guten Namen nicht außer Acht lassen sollen Gott zu ehren, damit das Predigtamt nicht verlästert wird und zur Erbauung der Kirche dient, damit die Zuhörer durch das böse Geschrei der Kirchendiener nicht geärgert werden. Diejenigen sind aber Narren, die aus Ehrgeiz heraus von ihren Zuhörern Erkundigungen einziehen, was man von ihnen hält und wie sie mit ihren Predigten den Menschen gefallen.

Selbst nicht: So wenig achte ich aus Ehrgeiz das Urteil anderer Menschen, dass ich von meiner Arbeit und Belohnung selbst nicht urteile, sondern das Urteil Christus anheimstelle, der zu seiner Zeit jedem geben wird nach seinen Werken.

4. Ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist‘s aber, der mich richtet.

Bewusst: Ich habe zwar ein gutes Gewissen, dass ich mein Amt in der Kirche bis daher treu und fleißig verrichtet habe.

Nicht gerechtfertigt: Bei Gott. Denn wir bestehen vor Gottes Gericht nicht damit, dass wir ein gutes Gewissen haben und unserem Amt gebührend nachgekommen sind, sondern weil wir an Christus glauben, dessen ganzer Verdienst uns zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.

Herr: Jesus Christus, der Richter der ganzen Welt, dem ich mich allerdings ergebe.

Mich richtet: Oder richten wird, dass er nach seiner Verheißung meinen Fleiß in meinem Beruf, der aus dem Glauben her geflossen ist, belohnt. Derselbe wird auch anderen Kirchendienern für ihre Treue Belohnungen widerfahren lassen, nachdem ein jeder in der Kirche gearbeitet hat. Da wird es offenbar werden, wer dem anderen vorzuziehen ist, nicht allein der Gaben wegen, sondern auch wegen seiner Treue und Arbeit.

5. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren.

Richtet nicht: Aus Vorwitz von der Arbeit und Belohnung der Kirchendiener.

Herr komme: Nämlich unser Herr Jesus Christus am Jüngsten Tage.

Verborgen ist: Was wie ein großes Geheimnis behandelt worden und in der Finsternis gleichsam versteckt und verwickelt gewesen ist, das wird er vor jedermann offenbar machen und an den Tag bringen.

Der Herzen: Was ein jeder gedacht und im Sinn gehabt hat und mit welchem Rat oder welchen Vorschlägen einer dies oder jenes getan hat.

Widerfahren: Und jeder wird die Belohnung der himmlischen Herrlichkeit empfangen, nachdem er treu in der Kirche Gottes gearbeitet hat. Deswegen sollen wir aufhören mit unserem frevelhaften Urteilen über solche Sachen, die uns nicht befohlen sind. Und weil an jenem Tag alles Heimliche offenbar werden soll, so sollen wir in dieser Welt Christus mit Glauben ergreifen und gottselig leben, damit uns dort unsere Sünden nicht zugerechnet werden, sondern vielmehr zugedeckt und vergeben sind {Ps 32}. Und die getreuen Kirchendiener sollen für ihre Arbeit, die sie in dieser Welt verrichtet haben, die himmlische Belohnung erwarten. Dass aber Paulus verbietet, man soll nicht vor der Zeit über die Kirchendiener richten oder urteilen, ist nicht so zu verstehen, als ob man unter den reinen Lehrern und falschen Aposteln als Hirten und Wölfen keinen Unterschied machen dürfte. Sondern es wird hier davon gesprochen, dass man von frommen und treuen Kirchendienern nicht mutwillig und frevelhaft verächtlich urteilen soll.

6. Solches aber, liebe Brüder, habe ich auf mich und Apollo gedeutet um euretwillen, dass ihr an uns lernt, dass niemand höher von sich halte, denn jetzt geschrieben ist, auf dass sich nicht einer wider den andern um jemandes Willen aufblase.

Euren Willen: Denn was ich bis hierhin von mir und von Apollo geredet habe und verboten habe, dass ihr über unsere Personen zu urteilen euch nicht entzweien sollt, und einen Streit miteinander anfangt. Dies gilt nicht nur für unsere Personen, sondern ich habe unter unserem Namen auch auf etliche andere Kirchendiener aus eurer Mitte deuten wollen, deren Namen ich nicht nennen will, die aus Ehrgeiz den Zuhörern zu viel einräumen, dass diese sich in verschiedene Parteien teilen und ihnen anhängen. Diese erinnern wir, dass sie nicht mehr von sich halten sollen, als es sich gebührt, wie wir es geschrieben haben, sondern dass sie erkennen, dass sie alle miteinander Mitarbeiter sind im Ackerbau Gottes und nicht ihre Ehre suchen, sondern diese Ehre Gott zumessen, der das Gedeihen gibt. Die Zuhörer ermahnen wir auch, dass sich nicht in übermütiger Art und Weise einer über den anderen erhebt unter dem Schein und dem Namen derjenigen Kirchendiener, die sie anderen vorziehen. Dass Paulus hier sagt, er habe auf sich gedeutet, wo er doch andere gemeint hat, erinnert uns daran, dass wir nach Möglichkeit die Namen derjenigen, die wir strafen, verschweigen sollen. Denn sie nehmen auf diese Weise die Strafe eher an und erdulden sie leichter und kommen auch umso lieber wieder auf den rechten Weg, als wenn sie vor jedermann schamrot gemacht werden, sodass sie dann normalerweise die Tat entweder leugnen oder doch mit allerlei Farben verschmieren und verstreichen und keine ernsthafte Buße tun. Allgemein aber werden wir alle an die wahre Demut und Mäßigkeit dabei erinnert.

7. Denn wer hat dich vorgezogen? Was hast du aber, dass du nicht empfangen hast? So du es aber empfangen hast, was rühmst du dich denn, als der es nicht empfangen hätte {Joh 3v27}?

Denn: Paulus ermahnt die Kirchendiener noch weiter zur Demut, dass sie wegen ihrer Gaben nicht überheblich werden sollen.

Vorgezogen: Wer hat dich vortrefflicher gemacht als andere Menschen? Und wer hat dich mit mehr Gaben geschmückt als andere? Hat es nicht Gott getan?

Nicht empfangen hätte: Tust du nicht, indem du dich wegen deiner empfangenen Gaben übermütig aufbläst, genauso, als wenn ein Bettler sich gegen einen anderen erhebt, dass er mit seinem Betteln ein größeres Stück Brot bekommen hätte, als der andere? Solltet ihr nicht vielmehr alles zu dessen Ehre richten und ihm zuschreiben, der es aus lauter Gnade gegeben hat? Es soll deshalb niemand mit seinen Gaben protzen. Denn Gott, der sie aus Gnade gegeben hat, hat auch die Macht, diese wiederum zu nehmen.

8. Ihr seid schon satt worden; ihr seid schon reich worden; ihr herrscht ohne uns. Und wollte Gott, ihr herrscht, auf dass auch wir mit euch herrschen möchten.

Ihr: Korinther im Allgemeinen, die ihr an Christus gläubig geworden seid. Denn weil das, was Paulus hier von dem übermütigen Missbrauch der Gabe vorbringt, nicht nur die Kirchendiener angeht, sondern auch etliche andere Korinther betraf, die ebenfalls mit ihren besonderen Gaben des Heiligen Geistes, die sie empfangen hatten, Übermut trieben, wie wir später im 14. Kapitel hören werden, so richtet er jetzt seine Rede allgemein an die Korinther und zeigt Ihnen ihr Unrecht spöttisch auf.

Satt geworden: Von der Erkenntnis des Evangeliums, dass euch davor ekelt und ihr glaubt nichts anderes, als dass ihr alle himmlische Weisheit schon längst verarbeitet und an den Schuhen abgelaufen habt.

Reich worden: An Gaben und geistlichen Guttaten, dass ihr meint, es mangelt euch an gar nichts mehr.

Nach Luther: Ironie, er spottet ihr und meint das Gegenteil.

Herrscher: Wie ihr euch selbst einredet, ihr habt bereits auf ewig Hölle und Teufel überwunden und euch eure Feinde schon längst unter eure Füße gelegt, sodass ihr nun in gewaltiger Majestät regiert und euch um keine geistlichen Feinde mehr sorgen müsst.

Herrschen möchten: Denn wir würden eben dieser Glückseligkeit mit euch auch teilhaftig sein, weil ihr durch unser Zutun so zu solcher Herrschaft gekommen seid. Also würden wir auch die überwinden und Herrscher all unsere geistlichen Widersacher sein, mit denen wir doch nicht ohne große Mühe und Arbeit streiten müssen und in vielen und großen Trübsalen leben. Dies wird von Paulus nicht gegen die Gewissheit unseres Glaubens gesagt, als ob wir an unserer Seligkeit zweifeln müssten, sondern gegen die fleischliche Sicherheit, da etliche so frech und aufgeblasen sind, als wenn sie alle Teufel am Strick gefangen hätten und einen Triumph über sie feiern könnten.

9. Ich halte aber, Gott habe uns Apostel für die Allergeringsten dargestellt, als dem Tode übergeben. Denn wir sind ein Schauspiel worden der Welt und den Engeln und den Menschen.

Dargestellt: Ich bin ganz der Meinung, dass Gott uns Apostel aus besonderem Ratschluss und Bedenken tief habe demütigen lassen wollen und als die verachtesten Menschen in der ganzen Welt gehalten werden.

Übergeben: Die unzähligen Jammer und Unheil unterworfen sind und sozusagen gleichsam täglich sterben, die ausschließlich um seines Namens willen durch die Hände gottloser Menschen umgebracht werden und den Tod erleiden müssen. Darum sollen wir aus einem großen und schweren Unfall keineswegs schließen, als ob uns Gott feind wäre, weil er mit seinen lieben Aposteln auch so umgegangen ist. Die aber Gott mit herrlichen Gaben geschmückt hat, die behält er derart in der Demut, dass sie wegen ihrer Gaben nicht überheblich werden.

Schauspiel: Denn gleich, wie man unter den Heiden allerlei Spektakel oder Schauspiele abgehalten hatte, als die Fechter vor dem Volk miteinander gekämpft haben oder arme Menschen gegen die wilden Tiere unter großer Verwunderung der Zuschauer gekämpft haben, so müssen wir gegen mancherlei Beschwernisse und Verfolgungen streiten und so der Welt gleichsam ein Schauspiel geben, die unseren Trübsalen mit Freuden zusieht. So entsetzen sich auch die Engel und alle frommen Menschen darüber, wenn sie unseren Kampf anschauen. Denn obwohl alle Christen ihr Kreuz haben, welches sie tragen müssen, so werden doch etliche vor anderen mit schweren Trübsalen belegt, die auch in der anderen Welt vor anderen mit umso größerer Herrlichkeit leuchten werden.

10. Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christo; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet.

Sind Narren: Die Welt hält uns um die Bekenntnisse des Evangeliums von Christi willen für unverständige, törichte Leute, wo sie hingegen euch, die ihr dieselbe Religion habt, für weise und verständige Menschen ansieht.

Wir schwach: Wir erkennen, dass wir noch mit vielen und verschiedenen Schwächen des Fleisches behaftet sind und unser Glaube noch nicht so stark ist, wie wir es gerne hätten.

Stark: Wie ihr euch selbst einredet und wie es etliche verwegene Kriegsleute auch machen, die noch nie einen Feind gesehen haben, so fürchtet ihr euch vor keinen schweren Anfechtungen, die euch überfallen könnten, weil ihr von diesen noch keine empfunden habt.

Herrlich: Berühmt, in großem Ansehen und in Ehren gehalten.

Verachtet: Vor den Kindern dieser Welt, die sagen, wir sind unansehnliche Menschen, haben keine vornehme Abstammung und sind aus dem feindseligen Volk der Juden, das in der ganzen Welt verhasst ist, entsprungen. Darum hält man nichts von uns und wir leben in großer Verachtung.

11. Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst und sind nackend und werden geschlagen und haben keine gewisse Stätte {2Kor 11v23 v27}.

Sind nackt: Denn obwohl wir unser apostolisches Amt treu ausüben, so geschieht es doch oft, dass unsere Arbeit, was den Nutzen für dieses Leben betrifft, gar nicht belohnt wird und wir oftmals an Nahrung und Kleidung großen Mangel leiden. Von einem derartigen Mangel wissen die vermeintlichen Nachkommen der Apostel, die römischen Päpste und andere Glieder des römischen Antichristen nichts, die sich mit stattlichen Einkommen und täglichem Wohlleben mästen. Aber die evangelischen Kirchendiener sollen geduldig leiden, wenn sie mit den ihren wegen der geringen Bezahlung sich kaum des Hungers erwehren und ihre Leiber bedecken können. Die aber von einer frommen und milden Obrigkeit etwas reichlicher beschenkt werden, die haben es Gott zu danken und sollen bereit sein, wenn es ihre Aufgabe erfordert, alle solchen Annehmlichkeiten zu verlassen und mit den Aposteln im Elend Hunger und Kummer zu leiden. Denn Gott wird ihnen einmal in jenem Leben solchen Mangel auf das Reichlichste wiederum erstatten.

Geschlagen: Man treibt großen Mutwillen mit uns und erlegt uns allerlei Schmach auf. Paulus ist vom Diener eines Hohepriesters auf den Backen geschlagen worden {Apg 23}. Diese Schmach und dieses Unrecht sind ihm zweifellos mehrmals begegnet.

Gewisse Stätte: Wir wandern hin und her und haben nirgends eine eigene Wohnung oder eine sichere Herberge, was ohne Zweifel ein erbärmliches Dasein ist.

12. und arbeiten und wirken mit unseren eigenen Händen. Man schilt uns, so segnen wir; man verfolgt uns, so dulden wir‘s, man lästert uns, so flehen wir {Apg 18v3 20v34 1Thes 3v8 Mt 5v44}.

Eigenen Händen: Dass wir unsere Nahrung mit der Arbeit unsere eigenen Hände anschaffen können ohne Kosten für unsere Zuhörer. Danach, im 9. Kapitel spürt man, dass nicht alle Apostel so gehandelt haben. Und der Apostel Paulus hat mit seinem Beispiel den Kirchendienern nichts vorschreiben wollen, dass sie etwa auch ohne Besoldung predigen und mit der Handarbeit ihre Nahrung suchen müssten. So hat er es auch nicht an allen Orten getan. Denn an verschiedenen Orten dankt er seinen Zuhörern dafür, dass sie ihm Geld geschickt haben. Doch hat man hieraus zu lernen, dass wir nicht wegen einer geringen Bezahlung unsere Aufgabe verlassen sollen.

Schilt uns: Beide, Juden und Heiden verfluchen uns und wünschen uns alles Übel.

Segnen wir: Dass wir Ihnen dagegen Wohlfahrt des Leibes und der Seele wünschen.

Verfolgt uns: Um der Lehre des Evangeliums willen.

Dulden wir es: Und ertragen es mit Geduld, damit wir unsere Zuhörer nicht aufbringen, als sollten sie zu unserem Vorteil zu den Waffen greifen und uns vor Unrecht der Gewalt beschützen. Hier sieht man wieder den Geist des Apostel Paulus, der so gar nicht mit den schwärmerischen Geistern übereinstimmt, die unter dem Schein der Religion gegen ihre ordentliche Obrigkeit zur Waffe greifen.

13. Wir sind stets als ein Fluch der Welt und ein Fegeopfer aller Leute.

Lästert uns: Wir müssen ohne unser eigenes Verschulden hören, dass wir Verführer des Volkes wären und alle Unruhe anstiften würden, wo wir doch nichts davon erzeugen wollen.

Flehen wir: Und bitten demütig, dass man die Wahrheit, bevor man sie erkannt hat, nicht verdammen soll und uns nicht solche Laster zumessen soll, die wir von Herzen verabscheuen. Hier haben die zu lernen, die Verfolgungen ausstehen und verlästert werden, dass sie nicht mit Schmachworten wieder um sich werfen sollen.

Fluch der Welt: Man hält uns für solche Menschen, die es nicht wert sind, dass sie die Erde tragen soll, und es gäbe kein Glück im Lande, solange wir darin sind; viel schlimmer noch, als wenn einer seinen eigenen Vater ermordet oder mit seiner Mutter geschlafen hätte. Und darum würde kein Regiment Bestand haben können, weil wir leben und der Zorn Gottes wird nicht außen vor bleiben können.

Nach Luther: Fluch, auf Griechisch Katharma, Fegefeuer, Peripsema, lateinisch Piaculum, wurde ein Mensch genannt, der eine solch böse Tat begangen hatte, dass man glaubte, Gott würde Land und Leute darum verfluchen und verderben. Darum, wenn sie diesen beseitigten, meinten sie, sie hätten den Fluch beseitigt und das Land gereinigt. Solch ein Fluch war der Prophet Jonas, als er ins Meer geworfen wurde. Manchmal nahmen sie auch einen unschuldigen Menschen, wenn es eine so große Plage im Land gab und meinten, sie würden das Land von dieser Plage mit einem solchen Tod oder Opfer befreien, warfen ihn ins Meer und sprachen: Du bist unser Fegeopfer, damit wir genesen und erlöst werden. So meint die Welt, dass die Apostel und die Prediger des Evangeliums die schlimmsten und schändlichen Menschen auf Erden sind. Wenn sie die los wäre, so stünde es gut und sie wären alles Unglück und alle Flüche los und hätten damit Gott einen großen Dienst getan {Joh 16v2}.

Fegeopfer: Viele Leute meinen, wenn wir nur nicht mehr versorgt und aus dem Weg geräumt wären, wie die schrecklichsten Menschen, so würde alles wieder gut stehen und es in der Welt glücklich zugehen. Denn ein Fluch oder ein Fegeopfer zu sein, bedeutet nichts anderes, als der ärgste Mensch und böseste Bub auf Erden zu sein, dem keine Übeltat und kein Ganovenstück zu groß wäre, wenn er es nur ausführen könnte. Das Gleiche begegnet auch noch heutzutage den reinen Lehrern und Bekennern des Evangeliums, dass sie sowohl von den Katholiken als auch von anderen rohen Menschen für Anstifter aller Unruhe und allen Übels gehalten werden. Sie meinen, wenn man die Prediger des Evangeliums loswerden könnte, so würden wiederum gute Zeiten folgen. Denn sie schieben die Ursache allen Unglücks auf das Evangelium Christi und seine reinen Bekenner. Von diesem allen (will Paulus sagen), was wir Apostel leiden und ausstehen müssen, davon seid ihr Korinther zurzeit noch befreit. Darum lebt ihr in Freuden, seid hochmütig, richtet aus großer fleischliche Sicherheit Streit und Spaltungen in der Kirche an und schafft eine große Unordnung, was euch nicht gebührt.

14. Nicht schreibe ich solches, dass ich euch beschäme, sondern ich ermahne euch als meine lieben Kinder.

Nicht: Was Paulus bisher mit großem Eifer und gebührendem Ernst vorgetragen hat, das mildert er jetzt mit einer sanften Rede. Denn die Kirchendiener sollen ihre Strafpredigten so mäßigen, dass die Zuhörer spüren, es ist von Herzen und mit bester Meinung geschehen und sie viel mehr daraus gebessert werden, als sich davor zu verschließen.

Beschäme: Es ist nicht meine Absicht, dass ich mit diesem meinem Brief euch öffentlich schimpfen oder mit Schimpfworten überziehen oder gleichsam an den Pranger stellen möchte.

Kinder: Aus väterlicher Zuneigung und rechtschaffener Liebe erinnere ich euch, dass ihr nicht solche Dinge begehrt, die euch nicht gut anstehen und euch Schaden bringen. Dazu hat mich auch die Not gezwungen, dass ich dies tun musste.

15. Denn ob ihr gleich zehntausend Zuchtmeister hättet in Christo, so habt ihr doch nicht viele Väter. Denn ich habe euch gezeugt in Christo Jesu durch das Evangelium.

Zuchtmeister hättet: Und so genug Lehrmeister habt, die euch in der christlichen Religion unterrichten. Denn es wollte beinahe jedermann das Lehramt in der Kirche anstreben, der unter den Korinthern die Gabe, in fremden Sprachen zu sprechen o. Ä. empfangen hatte, wie wir im 14. Kapitel sehen werden. So waren es zu viele, die sich um das Predigtamt drängten.

Nicht viel Väter: Es gibt darunter nur wenige, die mit väterlicher Zuneigung gegen euch eingestellt sind. Gleichwie die Zuchtmeister, wenn sie auch fleißig sind, dennoch nicht die gleiche Zuneigung zu den Schülern haben, wie ihre Väter. Ich aber (will Paulus sagen) bin sehr väterlich gegen euch eingestellt.

Gezeugt: Ich kann wegen der christlichen Religion mit Fug und Recht euer Vater genannt werden, weil ihr durch mein Predigtamt aus Gott wiedergeboren seid, sodass ihr aus Heiden und Juden Christen und Kinder Gottes geworden seid. Hier hört man, dass durch das Predigtamt des Evangeliums die Menschen in Christus wiedergeboren werden, was Schwenkfeld leugnet.

16. Darum ermahne ich euch: Seid meine Nachfolger!

Meine Nachfolger: Denn weil ihr meine geistlichen Kinder seid, so gebührt es euch immer, dass ihr mir, als eurem Vater in der Demut, Mäßigkeit und Liebe nacheifert.

17. Aus derselben Ursache habe ich Timotheus zu euch gesandt, welcher ist mein lieber und getreuer Sohn in dem Herrn, dass er euch erinnere meiner Wege, die da in Christo sind, gleichwie ich an allen Enden in allen Gemeinden lehre.

Sohn: Als der durch mein Predigtamt zum Glauben an Christus bekehrt worden ist und mich als einen Vater liebt, dazu mir in der Frömmigkeit nachfolgt und ein getreuer Diener der christlichen Kirche ist, der nach Gottes Ehre und der Wohlfahrt der Kirche ein herzliches Verlangen hat.

Meiner Wege: Er wird euch meine Lehre von Jesus Christus wiederum zu Gemüte führen, womit ich stets umgehe und sie in allen Kirchen auf die gleiche Weise lehre und euch meinen Wandel vorhalte, der nur dahin gerichtet ist, dass er eine rechtschaffene Liebe anzeigt und zur Erbauung der Kirche dienlich ist. Damit werdet ihr im wahren Glauben gestärkt und aufgemuntert, meinen Tugenden nachzufolgen. Denn die an einem Ort die Kirche Christi gepflanzt haben, die sollen sie von Zeit zu Zeit entweder selbst besuchen oder Personen, die dazu taugen, hinschicken, die an ihrer Stelle sich mit Fleiß darum kümmern, dass die Zuhörer in der einmal erkannten, reinen Lehre ausharren und in der Gottseligkeit nicht ab, sondern zunehmen. So sollen die Kirchendiener nach dem Beispiel des Paulus sich also verhalten, dass die Kirche ihrem Wandel recht und löblich folgen kann, was dann geschieht, wenn die Kirchendiener selbst Christus mit reinem Herzen nachzufolgen sich bemühen.

18. Es blähen sich etliche auf, als würde ich nicht zu euch kommen.

Es: Weil es die Notwendigkeit erfordert, so tadelt Paulus abermals einen Teil der Kirchendiener und auch der Zuhörer in Korinth, die wegen ihrer Gaben überheblich geworden waren und die Kirche mit Trennungen irremachten.

Etliche auf: Unter euch, in dem je einer den anderen verachtet, der nicht so viele Gaben hat wie er. Zu wünschen wäre es, dass so etwas an den Orten noch geschieht, wo viele Prediger einer Kirche vorstehen.

19. Ich will aber gar kürzlich zu euch kommen, so der Herr will, und erlernen nicht die Worte der Aufgeblasenen, sondern die Kraft {Apg 18v21 Jak 4v15}.

Kommen: Und sehen, was Unrecht getan wird und mit gebührendem Ernst dieses verbessern.

Herr will: Denn wir können gegen den Willen Gottes unsere Vorhaben nicht ausführen.

Aufgeblasenen: Ich werde diejenigen nicht viel beachten, noch auf ihre Beredtheit sehen, die wegen ihrer Gaben überheblich sind, sondern ich will darauf bedacht sein, mit welchem Nutzen und Fortgang sie in der Kirche lehren.

20. Denn das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.

In Kraft: Das geistliche Reich Gottes wird in den Herzen der Menschen nicht gepflanzt oder gefördert, wenn man seine Kunst oder seine Beredtheit sehen lässt, sondern diejenigen arbeiten im Reich Gottes treu und fördern es, die mit der Tat und Kraft oder Wirkung zeigen, dass sie die Kirche Gottes glücklich erbaut haben. Hier haben die Kirchendiener ihre Lehre, die das Lob der guten Rede zu erlangen wünschen und daneben mit schlechtem Nutzen in der Kirche lehren. Denn sie werden Gott einmal eine schwere Rechenschaft dafür geben müssen. So werden auch die Zuhörer mit dieser Aussage des Paulus ernsthaft erinnert, dass sie die christliche Religion nicht nur auf der Zunge und im Mund führen sollen, sondern sie auch mit der Tat eines gottseligen Wandels beweisen.

21. Was wollt ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen oder mit Liebe und sanftmütigem Geist?

Geist: Wollt ihr lieber, dass ich mit einer scharfen Züchtigung zu euch komme und euch, wie ein Vater sein Kind züchtigt? Oder aber, dass ich mit Anzeichen einer besonderen väterlichen Liebe und großer Sanftmut mich bei euch einfinde und freundlich mit euch umgehe? Das Letzte, das ihr ohne Zweifel wählt, werdet ihr dann erlangen, wenn ihr von meiner Ankunft bei euch an das Gezänk samt den Trennungen und aufgeblasenen Herzen, was aus dem Wahn und der Bewunderung der eigenen Weisheit und Beredtheit herrührt, ablegt. Dann werdet ihr keinen Tadel, sondern lieblichen Trost hören. Es sollen deswegen die Zuhörer nicht für ungut aufnehmen, wenn ihre Prediger vielmehr Ernst als Sanftmut gebrauchen, weil sie viele Laster strafen müssen. Wenn sie sanfte Prediger haben möchten, so sollen sie von ihren Lastern zurückstehen und sich so verhalten, dass man freundlich mit ihnen umgehen kann, ansonsten muss man, wie ein Arzt bei einem unleidlichen Kranken, die Schärfe verwenden. Doch sollen die Kirchendiener auch an die Mäßigkeit und christliche Liebe denken und nicht über das Ziel hinausschießen, damit es eine väterliche Züchtigung ist, die zur Besserung dient und die die Zuhörer nicht verstockt macht.


Das 5. Kapitel


1. Der Apostel befiehlt, dass man die unreinen Menschen, deren Laster öffentlich bekannt sind, aus der Kirchengemeinschaft ausschließen soll und dass der Korinther, der eine Blutschande begangen hat, verbannt würde. 2. Bei dieser Gelegenheit hat er auch das Bild des Osterlammes erklärt, mit dem man nichts Gesäuertes essen dürfe. 3. Und er zeigt an, wie wenig die Christen mit den Abgöttischen und Lasterhaften Gemeinschaft haben sollen.

1. Es geht ein gemeines Geschrei, dass Hurerei unter euch ist, und eine solche Hurerei, da auch die Heiden nicht von zu sagen wissen, dass einer seines Vaters Weib habe.

Es: Nachdem der Apostel das unnötige Streiten bei den Korinthern verworfen hat, so stellt er sie jetzt wegen eines schändlichen Lasters zur Rede, das einer in Korinth begangen hat und befiehlt, ihn zu verbannen.

Heiden: Bei denen Zucht und Ehrbarkeit vorhanden ist. Das ist freilich schrecklich zu hören, denn es findet sich auch bei den Heiden noch ein Unterschied zwischen Ehre und Schande.

Weib habe: Er hat seine Stiefmutter geheiratet. Dies ist gegen die Natur und auch im Gesetz Moses, als er das Gesetz der Natur erklärte, auf das Ernsteste verboten und mit der Todesstrafe verbunden {3Mos 20}. Dabei haben wir zu lernen, dass zwischen diesen Personen keine rechte Ehe vorhanden sein kann, die das Gesetz der Natur voneinander scheidet. Und wir sehen auch hier, was für ein großes Ärgernis der Satan zu erregen pflegt in den Kirchen, in denen die Lehre rein ist. Es sollen aber die Zuhörer nicht übel aufnehmen, wenn solche öffentlichen Laster auch öffentlich angegangen und von den Predigen mit Ernst gestraft werden.

2. Und ihr seid aufgeblasen und habt nicht vielmehr Leid getragen, auf dass, der das Werk getan hat, von euch getan würde.

Aufgeblasen: Ihr anderen rühmt euch unterdessen eurer vortrefflichen Gaben und gefallt euch selber gut damit, weil ihr die Vermessenheit habt, als werdet ihr in allen göttlichen und menschlichen Weisheiten bestens erfahren.

Leid getragen: Wie ihr es richtig hättet tun sollen, dass ihr euch vielmehr gedemütigt und den Hochmut hättet sinken lassen sollen, darum, dass eure Kirche wegen einer solchen schrecklichen Tat einen hässlichen Schandfleck bekommen hat, was euch traurig machen sollte. Denn diese Wunde ist nicht nur dem Blutschänder allein vom Satan geschlagen worden, sondern dadurch ist die ganze Kirche im höchsten Maß beleidigt und übel zugerichtet worden, weil die Heiden daraus einen Anlass bekommen haben, diese zu verlästern und ihr übel nachzureden.

Getan wurde: Denn obwohl das, was geschehen ist, nicht mehr umgedreht werden kann, so hättet ihr dennoch das Eure bei dieser Sache tun können und den Menschen durch den Bann aus eurer Kirche und Gemeinde ausschließen können, damit nicht die anderen Glieder (diesem zur Folge) auch die gleichen Laster begehen oder die Heiden diese große Sünde eurer ganzen Kirche zurechnen, weil ihr einen solchen Menschen ungestraft hingehen lasst. Es ist aber der Bann eine heilsame Arznei der Kirche, womit einem lasterhaften Menschen Gottes strenges Gericht von der Kirche gedroht wird und er von dieser ausgeschlossen bleibt, bis er Buße tut. Dies aber soll aus zwei Gründen geschehen. Dass er nämlich nicht andere mit sich verführt und dann, dass die Kirche nicht in einen bösen Ruf gerät oder auch eine ganze Gemeinde deswegen von Gott zur Strafe gezogen wird, wenn sie bei diesen Lastern durch die Finger sieht und sich solcher Sünden teilhaftig macht. Christus hat den Bann eingesetzt und bestätigt {Mt 18}, und wir lernen an dieser Stelle, dass man bei groben Lastern den Bann nicht aufschieben soll, bis die dritte Warnung ausgesprochen ist, sondern man soll ein faules Glied so schnell wie möglich vom gesunden Leib abschneiden.

3. Ich zwar, als der ich mit dem Leibe nicht da bin, doch mit dem Geist gegenwärtig, habe schon als gegenwärtig beschlossen über den, den solches also getan hat:

Geist gegenwärtig: Mein Sinn und meine Gedanken sind bei euch und ich trage ängstliche Sorge für euch, was zur Wohlfahrt eurer Kirche dienlich sein mag.

Beschlossen: Ich habe meine Stimme erhoben und das Urteil über ihn bereits gefällt, dass er wegen seiner schändlichen Misshandlungen ernsthaft gestraft werden soll.

4. in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi, in eurer Versammlung mit meinem Geist und mit der Kraft unseres Herrn Jesu Christi.

Versammlung: Wo ihr einen solchen Menschen öffentlich strafen und ihn nicht schonen sollt.

Meinem Geist: Dass ich eben dies weiß, und in meinen Gedanken mit euch handle.

Jesu Christi: Der gegenwärtig bei euch dieses kräftig leisten und ins Werk richten wird, was ihr mit Worten über diesen gottlosen Menschen aussagen werdet.

5. ihn zu übergeben dem Satan zum Verderben des Fleisches, auf dass der Geist selig werde am Tage des Herrn Jesu.

Fleisches: Auf dass sein alter Adam mit dieser Strafe getötet wird und er Buße tut.

Geist selig: Dass wir seine arme Seele erretten und zur ewigen Seligkeit bringen können, wenngleich nach der Strafe des Banns andere zeitliche Unglücksfälle über ihn kommen, wodurch er an seinem Leib geschädigt oder ihm gar das Leben genommen wird. Es pflegt aber manchmal zu passieren, dass die Verbannten in eine große zeitliche Trübsal geraten. Dies liest man zum Beispiel von dem Schreiber Silicone. Als dieser von Ambrosius in den Bann getan wurde, ist er verrückt geworden und hat danach Buße getan. Und dergleichen Beispiele sind mehr geschehen, wo die, die in ordentlicherweise in den Bann getan wurden, zugleich auch von Gott in schwere zeitliche Strafen gestürzt worden sind. Denn es ist eine schreckliche Sache, wenn einer von dem geistlichen Leib Christi abgeschnitten und dem Teufel in seine Gewalt übergeben und somit des göttlichen und engelischen Schutzes beraubt wird. Darum ist der rechtmäßige und ordentliche Bann keineswegs zu verachten. So wie aber Paulus diesen Menschen nicht aus eigener Macht, sondern mit Bewilligung der Kirche in Bann tut, so sollen die Kirchendiener die Macht des Banns nicht allein anwenden, sondern mit der Bewilligung derjenigen handeln, die von der Kirche zur Verrichtung solcher Sachen verordnet sind. Und der Bann soll so gemeint sein, dass er dem Verbannten nicht zur Verdammnis, sondern zu seiner ewigen Seligkeit gereicht.

6. Euer Ruhm ist nicht fein. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert {Gal 5v9}?

Nicht fein: Ihr handelt übel, dass ihr euch eurer Gaben und Weisheit wegen rühmt und unterdessen einen solchen hässlichen Schandfleck eines verdorbenen Wandels in eurer Kirche nicht beachtet noch beseitigt. Denn es handeln diejenigen nicht richtig, die zwar viel von der Erkenntnis Gottes rühmen aber unterdessen ihre bösen Gebräuche oder Mängel im Wandel an sich selbst oder bei anderen behalten.

Versäuert: Also kann auch ein einziger böser Mensch in der Kirche eine große Menge mit seinen bösen Beispielen verführen. Und so schleicht der Sauerteig unreiner Lehre allmählich bei vielen sich ein, und nicht allein das, sondern auch, wenn ein Teil der Lehre verfälscht ist, so gerät man nach und nach auch auf andere, weitere Artikel der Verfälschung. Darum soll man den Sauerteig oder die Verfälschung in der Lehre und im Leben ausfegen und ausmustern.

7. Darum fegt den alten Sauerteig aus, auf dass ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ungesäuert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert.

Neuer Teig: Der Apostel weist mit diesen Worten auf das Osterfest hin, bei dem man, wenn es abgehalten wurde, zuerst allen Sauerteig aus den Häusern wegbringen musste {2Mos 12}. Das will so viel sagen: Tut das Ärgernis weg aus eurer Kirche, damit diese mit solchen Lastern nicht versäuert und verdorben wird, sondern dass ihr viel mehr wie ein neuer Teig seid, der süß und rein und von aller Bosheit befreit ist.

Nach Luther: Es gibt auch bei den Heiligen noch Sünden, die auszufegen sind, darum spricht er: Ihr seid ungesäuert, das ist heilig. Aber bemüht euch, dass ihr alles ausfegt und ganz rein, ein ganz neuer Teig werdet.

Ungesäuert seid: Das bedeutet: Weil ihr jetzt rein von Sünden seid, nämlich durch die Vergebung der Sünden und durch die Zurechnung des Verdienstes Christi. Darum sollt ihr danach trachten, dass ihr bei solcher Reinheit auch einen reinen und unsträflichen Wandel führt.

Denn: Jetzt geht Paulus, seinem Brauch nach, von einer besonderen Erinnerung zu einer allgemeinen Ermahnung über und zeigt sehr freundlich an, dass wir uns von jeder Befähigung der Sünden reinigen sollen, indem er das Vorbild des Osternamens mit wenigen Worten erklärt, bei dem man nichts Gesäuertes haben oder essen durfte.

Christus: Der das rechte Osterlamm ist, dessen Figur und Vorbild das vorige im Alten Testament gewesen ist. Denn Christus ist für uns geopfert, zur Vergebung unserer Sünden. Und sein Blut, mit Glauben besprengt, erhält uns, dass wir wegen unserer ersten Geburt, von der aus wir Sünder sind und des ewigen Todes schuldig und um der Sünden willen, die wir begangen haben, nicht den ewigen Tod sterben müssen. Dieses Osterlamm, das am Kreuz die Bezahlung und Versöhnung für unsere Sünden gewesen ist, essen wir geistlich, wenn wir an ihn glauben, und essen es auch leiblich in dem heiligen Abendmahl, wo wir mit dem Brot den wahren Leib Christi essen und mit dem Wein sein wahres Blut trinken.

8. Darum lasst uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schalkheit, sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und der Wahrheit.

Ostern halten: Es ist egal, auf welche Weise wir von diesem, unserem Osterlamm essen.

Alten Sauerteig: Dass wir nicht das verdorbene Wesen des alten Adams mit untermischen.

Auch nicht: Dies ist eine Erklärung des Vorigen. Denn gleich, wie die, die vom Osterlamm essen wollten, kein gesäuertes Brot essen durften, sondern Süßbrot, so müssen auch die, die Christus entweder geistlich im Glauben oder auch leiblich mit dem Mund im Sakrament essen wollen, die Bosheit des alten Adam ablegen, sofern er noch aktiv ist. Denn sonst kann ihn niemand vor dem Tod ausreißen und keiner würde jemals recht zum Abendmahl des Herrn gehen. Unter Bosheit und Schalkheit aber versteht Paulus alle Sünden, die im Gesetz Gottes verboten sind und er will, dass wir uns der Reinlichkeit und Aufrichtigkeit, die er Wahrheit nennt in der Gottseligkeit befleißigen sollen. Dies geschieht, wenn die Christen nach einem reinen und unbefleckten Wandel streben und dies vom Herzen kommt und nicht aus Heuchelei oder, dass es nur eine angenommene Art sei. Diese können würdig zum Abendmahl des Herrn gehen.

9. Ich habe euch geschrieben in dem Briefe, dass ihr nichts sollt zu schaffen haben mit den Hurern.

Zu schaffen haben: Ihr sollt keine Gemeinschaft mit ihnen haben, auch nicht viel mit solchen Leuten umgehen, damit es nicht den Anschein hat, als würdet ihr euch ihr gottloses Wesen gefallen lassen, oder aber, dass ihr durch ihr Beispiel zur gleichen Bosheit gereizt werdet. Es ist aber aus diesen Worten abzunehmen, dass vor diesem noch ein weiterer Brief von Paulus an die Korinther geschrieben worden ist, der jedoch nicht mehr vorhanden ist, worin er die Korinther gewarnt hat, dass sie die Gemeinschaft der lasterhaften Menschen meiden sollen. Die Korinther verstanden das so, als ob sie mit keinen lasterhaften Leuten, auch mit denen, die Heiden und keine Christen wären, nichts zu tun oder zu schaffen haben, und duldeten dennoch unter sich in der christlichen Gemeinde einen Blutschänder. Diese verkehrte Weise verwirft der heilige Paulus, dass sie die, die fremd von der Kirche und wegen ihres gottlosen Lebens mieden, von denen sie sich jedoch vor keiner Gefahr sorgen mussten und im Gegenteil mitten unter ihnen einen solchen Menschen umgehen und bleiben ließen, der nicht ohne großen Nachteil der Kirche gelitten werden könnte. Es zeigt aber Paulus an, wie er das verstanden haben wollte, indem er sie ermahnt, dass sie die Gemeinschaft der Gottlosen meiden sollen.

10. Das meine ich gar nicht von den Hurern in dieser Welt oder von den Geizigen oder von den Räubern oder von den Abgöttischen; sonst müsstet ihr die Welt räumen.

Dieser Welt: Von den ungläubigen Hurern, die in dieser Welt außerhalb der Kirche sind.

Geizigen: Die mit Unrecht Geld und Gut zustande bringen oder etwas besitzen, was auf unrechte Weise zuwege gebracht wurde.

Räubern: Die den anderen ihr Eigentum mit Gewalt nehmen oder rauben.

Abgöttischen: Die unter den Heiden den Abgöttern dienen.

Welt räumen: Wenn ihr solche Menschen allerdings meiden solltet, so müsstet ihr eine andere Welt suchen, weil ihr in dieser Welt unter den Heiden wohnen müsst, die mit den gleichen Lastern behaftet sind und es notwendig ist, dass ihr mit ihnen arbeitet und sonstige Dinge verrichtet, die nicht unterlassen werden können.

Nach Luther: Wer nicht unter bösen Menschen sein möchte, der müsste die ganze Welt meiden, darum will er, dass man böse Christen meiden soll, dass sie nicht den Namen führen oder sich bessern müssen. Denn die Unchristen haben den Namen nicht.

11. Nun aber habe ich euch geschrieben, ihr sollt nichts mit ihnen zu schaffen haben; nämlich, so jemand ist, der sich lässt einen Bruder nennen, und ist ein Hurer oder ein Geiziger oder ein Abgöttischer oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit demselbigen sollt ihr auch nicht essen.

Geschrieben: In meinem vorigen Brief, worin ich euch ermahnt habe, dass ihr nicht mit jedermann euch ohne Unterschied gemeinmachen sollt. Das habe ich so gemeint, wie ihr es jetzt hören werdet.

Bruder nennen: Dass er sich für einen Christen ausgibt.

Abgöttischen: Der in der Religion nicht richtig ist, sondern heimlich zu den Götzendienern hält.

Lästerer: Der die Reden und Taten anderer Menschen zum Schlechtesten deutet, aus giftigem Herzen lästert, umtreibt und dem Nächsten seine Ehre entzieht.

Trunkenbold: Der auf dem Luderbett liegt und seine Zeit mit Fressen und Saufen verbringt.

Nicht essen: Desgleichen lehrt Paulus auch an einer anderen Stelle, dass wir uns der Gemeinschaft gottloser Leute enthalten sollen, damit sie schamrot werden, in sich selbst gehen und Buße tun, wenn sie spüren, dass wir sie, als faule Glieder der Kirche, meiden. Am Ende soll man die Gesellschaft böser Menschen meiden {2Thes 3}. Er sagt auch noch, dass man sie daneben ständig zur Buße ermahnen soll.

12. Denn was gehen mich die draußen an, dass ich sie sollte richten? Richtet ihr nicht, die da drinnen sind?

Draußen an: Dass ich euch vor diesen warnen sollte, die gar nicht zur Kirche Gottes gehören. Von diesen Heiden habe ich nichts geschrieben, sondern von euren Nebenchristen und Mitbrüdern, die ein ärgerliches Leben führen.

Drinnen sind: Denn es steht euch zu, dass ihr darauf achtet, nicht wie die Heiden zu leben, die außerhalb der Kirche sind, sondern was die tun, die Mitglieder eurer Kirchen sind.

13. Gott aber wird, die draußen sind, richten. Tut von euch selbst hinaus, wer da böse ist!

Richten: Gott wird die zu seiner Zeit wohl finden, die außerhalb der Kirchen ein schändliches Leben führen und es ist unnötig, dass die Christen sich viel darum kümmern oder ängstlich nachfragen, was sie machen, sondern sie sollen besonders auf die achten, die in der Kirche sind und für Glieder der Kirche gehalten werden wollen, aber daneben ein unordentliches Leben führen. Dieses sündhafte Leben (will Paulus zu den Korinthern sagen) stärkt und unterhaltet ihr durch eure Fahrlässigkeit, indem ihr mit ihnen umgeht und sie nicht beizeiten ausschließt. Immerhin habt ihr auch bis hierher dessen Übeltat ungestraft gelassen, der seine eigene Stiefmutter geheiratet hat, den ihr schon längst von euch hättet absondern sollen und aus der Kirche ausschließen, wenn ihr meiner Erinnerung von der Vermeidung der lasterhaften Menschen gebührend hättet nachkommen wollen.

Hinaus: Durch den ordentlichen Bann, damit solche Bosheit nicht weiter einreißt oder doch deswegen der ganzen Kirche von den Ungläubigen nicht mit Wahrheit übel nachgeredet werden kann.

Böse ist: Nämlich den Blutschänder und andere seinesgleichen lasterhafte Personen. Es sind aber die Wiedertäufer nicht recht dran, die meinen, man solle die Übeltäter nur mit dem Bann schlagen und ihnen sonst keine leibliche Strafe antun, denn zu der Zeit, als Paulus dies den Korinther geschrieben hat, hatte die weltliche Obrigkeit, die das Schwert führte, die christliche Religion noch nicht angenommen. Darum, wo solche Obrigkeit die Übeltäter nicht von sich aus strafte, konnte ihnen die christlichen Kirchendiener nichts vorschreiben. Demnach irren sich auch die, die meinen, weil wir eine christliche Obrigkeit haben, dass alle geistliche Gewalt oder jeder Bann aufgehoben seien. Denn obwohl es einer weltlichen Obrigkeit ausreicht, einen solchen Übeltäter mit einer äußeren Strafe zu belegen, so hat doch die Kirche kein Vergnügen daran wegen des Ärgernisses, das damit erregt worden ist. Und es gibt viele, die, auch wenn sie eine leibliche oder weltliche Strafe ausgestanden haben, dennoch an keine Buße denken. Wenn sie jedoch in den Bann gelegt würden, würden sie vielleicht die Schwere ihrer Sünden und die Gefahr ihrer Seelen erkennen und kämen so zur Buße. Dennoch sind die Kirchen nicht zu verdammen und man soll sich von ihnen nicht absondern, bei denen solch ein öffentlicher Bann nicht in Gebrauch ist, wenn sie sonst die Lehre rein und lauter halten denn man kann die Lasterhaften auch auf eine andere Weise zurechtbringen. Was aber den Wandel betrifft mit denen, die außerhalb der Kirche sind, so steht dies einem Christen in weltlichen Geschäften und Handlungen dieses Lebens frei, doch soll er sich so verhalten, dass er die Bosheit der Gottlosen nicht billigt. Mit denen, die in der Kirche und unter der christlichen Gemeinde öffentlich im Laster liegen, mag man manchmal so umgehen, wenn eine Hoffnung auf Besserung vorhanden ist, dass sie gewonnen und wieder zurechtgebracht werden, so wie Christus mit den Pharisäern, Zöllnern und öffentlichen Sündern, die sich zum Teil noch nicht bekehrt hatten, aber zu bekehren waren, umgegangen ist. Dass man aber um ein eigenes Nutzen willen ihre Freundschaft wünscht und ihnen bei ihrer Bosheit hilft, dies gebührt keinem Christen. Es irren sich auch die Wiedertäufer darin, dass sie aus diesem Spruch zu Unrecht schließen, ein frommer Mensch dürfe nicht neben dem zum Heiligen Abendmahl gehen, bei dem noch keine ausreichenden Anzeichen einer rechtschaffenen, beständigen Bekehrung gespürt werden kann, denn es spricht Paulus hier nicht vom Gebrauch des Abendmahls, sondern vom gemeinsamen und bürgerlichen Umgang. Und man muss die nicht sofort für Gottlose halten, die, wenn sie in Sünde gefallen sind, danach zum Abendmahl des Herrn gehen und gleich darauf wiederum in die gleiche Sünde geraten. Denn es kann wohl geschehen, dass sie mit recht bußfertigen Herzen und in einem guten Vorsatz der Besserung ihres Lebens hingegangen sind. Diesen muss man dem Urteil Gottes anbefehlen, der ein Herzenskundiger ist. Obwohl es nun der Kirche von Amts wegen zustehen würde, dass sie solch Gefallene eine Zeit lang vom Gebrauch des heiligen Abendmahls durch den Bann abweisen, bis sie wiederum Anzeichen einer wahren Buße geben (jedoch wo solche Kirchenzucht vor der Zeit gefallen und noch nicht wieder angerichtet ist, dass also die Kirche in diesem Stück fahrlässig ist), so steht es einer besonderen einzelnen Person, also mir oder dir nicht zu, aus eigener Willkür, als wenn er bereits Bann gelegt worden wäre, zu meiden, dass er sich viel eher vom Gebrauch des Abendmahls enthält, als mit einem solchen hingehen zu wollen. Denn es haben weder Christus selbst noch die Apostel keine besonderen Opfer angerichtet wegen der Bosheit der Pharisäer und der Sünden des gemeinen Volkes, obwohl es zu dieser Zeit sehr übel in der Welt zugegangen ist. Sondern sie opferten in eben dem gleichen Tempel und auf demselben Altar, worauf die Gottlosen Hohepriester, Pharisäer, Schriftgelehrten, Zöllner, Huren und dergleichen Leute opferten. Dies hätte ihnen nicht gebührt, wenn die Meinung der Wiedertäufer richtig wäre. Daneben aber werden die, die mit Händen und Füßen abwehren und verhindern, dass der ordentliche und christliche Bann nicht wieder angerichtet wird und in Übung kommt, nur damit er sie nirgends einmal auch treffen könnte, Gott an jenem Tag Rechenschaft dafür geben müssen, dass sie die Kirchenzucht behindert haben, und es werden alle Ärgernisse und Laster, die eingerissen sind, auf ihren Kopf fallen, die durch die Wiedereinsetzung und den ordentlichen Gebrauch des Banns hätten verhütet werden können. Solche Sünden alle miteinander werden sie vor dem Richterstuhl Gottes tragen müssen als wären sie von ihnen selbst begangen worden, wenn sie nicht Buße tun.


Das 6. Kapitel


1. Der Apostel tadelt die Korinther heftig, dass sie vor einem Gottlosen, heidnischen Richter, dem Evangelium zu Schmach und Nachteil miteinander gezankt haben und nicht vielmehr ihre strittigen Themen unter sich selbst und in Güte beigelegt haben. 2. Und noch heftiger schimpft er die, die unter dem Schein der Freiheit sich mit Unzucht und anderen groben Lastern besudeln und entzieht ihnen alle Hoffnung zur Seligkeit, sofern sie nicht Buße tun.

1. Wie darf jemand unter euch, so er einen Handel hat mit einem andern, hadern vor den Ungerechten und nicht vor den Heiligen?

Wie: Paulus hält den Korinthern noch einen anderen schweren Mangel vor, nämlich, dass sie so große Lust zu streiten hätten, dass sie auch vor einer heidnischen Obrigkeit miteinander stritten, zum großen Ärgernis der Gläubigen und Ungläubigen, und sich untereinander mit schweren Beschuldigungen aus erbittertem Gemüt verklagen. Daraus haben die Heiden Anlass genommen, die Christen in ihrer Person und in ihrem Wandel zu beschimpfen und auch ihre Person zu verunglimpfen, wie es üblicherweise zu geschehen pflegt.

Ungerechten: Oder heidnischen Richtern, die nicht an Christus glauben und weder vor Gott noch vor den Menschen als gerecht befunden werden.

Den Heiligen: Oder gläubigen Christen, dass er vor diesen seine Sachen behandelt und von ihnen fordert, dass sie den Streit unter sich in Güte und recht schlichten. Schämt ihr euch nicht, dass ihr so frech und verwegen seid, dass ihr vor einer gottlosen Obrigkeit ohne Scheu miteinander streitet? Als ob sonst niemand euren Streit richten und schlichten könnte, woran ohnedies nicht sonderlich viel gelegen sein wird?

2. Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? So denn nun die Welt soll von euch gerichtet werden, seid ihr denn nicht gut genug, geringere Sachen zu richten {Mt 19v28}?

Heiligen: Nämlich die Gläubigen an Christus. Denn obwohl Christus der oberste Richter sein wird, jedoch, wenn er an jenem Tag die Böcke von den Schafen scheiden wird und den Schafen das ewige Leben zuerkennt, so wird er zugleich die seligen Menschen auch als Richter der Welt sein lassen, darum werden sie die Teufel und gottlosen Menschen verdammen und verurteilen, dass sie es wert sind, die zur ewigen Pein übergeben werden sollen.

Geringere Sachen: Daran ist nicht sonderlich viel gelegen, weswegen ihr Christen untereinander missgünstig seid und worüber ihr euch gegenseitig vor einer heidnischen Obrigkeit verklagt. Als ob ein Christ nicht ausreichend wäre, einen solchen Streit zu entscheiden.

3. Wisst ihr nicht, dass wir über die Engel richten werden? Wie viel mehr über die zeitlichen Güter!

Engel: Nämlich die mächtigen, bösen Geister, die früher gute Engel gewesen sind.

Richten werden: Am Jüngsten Tag, an dem wir das Urteil ihre Verdammnis über sie aussprechen werden.

Zeitliche Güter: Die zum Unterhalt dieses zeitlichen Lebens nötig sind. Weil demnach Gott einen Christen so würdig erachtet, dass er ihn zum Richter über die Engel setzt, wie sollte er dann nicht so gut sein, dass er in den Angelegenheiten seiner Mitbrüder erkennen könnte, was recht oder unrecht ist? Besonders in den Streitigkeiten, die nur zur leiblichen Nahrung gehören und die anderen vergänglichen Güter dieses Lebens betreffen?

4. Ihr aber, wenn ihr über zeitlichen Gütern Sachen habt, so nehmt ihr die, so bei der Gemeinde verachtet sind, und setzt sie zu Richtern.

Verachtet sind: Nämlich die Heiden, die doch deshalb, weil sie nicht an Christus glauben und mit schrecklicher Abgötterei, oft auch mit anderen groben Lastern behaftet sind, bei der Kirche in großer Verachtung sind und auch sonst nicht als wert geachtet werden, dass sie Glieder der Kirche sein sollten. Dennoch tut ihr ihnen die Ehre an und lasst sie über eure Sachen urteilen, damit sie sich danach gegen die Christen rühmen können und Grund haben, dem Evangelium Christi immer wieder übel nachzureden, wie die Christen unnötigen Streit erregen und einer dem anderen Unrecht tut.

Nach Luther: Das sind die Heiden, die man nicht mit den Christen zu christlichen Sachen, wie den Sakramenten, lässt.

5. Euch zur Schande muss ich das sagen. Ist so gar kein Weiser unter euch oder doch nicht einer, der da könnte richten zwischen Bruder und Bruder?

Sagen: Und kann es nicht verbergen, worüber ihr zu Recht schamrot werden solltet.

Kein Weiser: Der so viel Verstand hätte, dass er zwischen den strittigen Sachen der christlichen Mitbrüder ein richtiges und gerechtes Urteil fällen könnte.

6. Sondern ein Bruder mit dem andern hadert, dazu vor den Ungläubigen.

Hadert: Einer von den Parteien muss natürlich die brüderliche Liebe hintenansetzen, wozu uns doch Christus so treu angewiesen hat.

Ungläubigen: Welche also euer Tun erkennen, weil nicht alles löblich ist, wodurch sie von der Lehre des Evangeliums abgeschreckt werden und diesem umso mehr übel nachreden, was nicht sein sollte. Wir sollen deswegen die Mängel unserer Kirchen, soweit wir dies mit guten Gewissen tun können, zudecken und den Widersachern nicht Anlass zur Lästerung geben.

7. Es ist schon ein Fehler unter euch, dass ihr miteinander rechtet. Warum lasst ihr euch nicht viel lieber unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht viel lieber übervorteilen {Mt 5v39 Lk 6v29 Röm 12v19}.

Rechtet: Dies ist ein augenscheinliches Anzeichen dafür, dass ihr nicht alle so seid, wie ihr sein solltet, weil ihr miteinander streitet und euch untereinander vor der weltlichen Obrigkeit verklagt, von der ihr wisst, dass sie euch nicht gewogen ist. Und es muss einer von den streitenden Parteien entweder so unverständig sein, dass er nicht weiß, was recht oder unrecht ist, oder er ist so böse, dass er gegen sein Gewissen eine unrechte Sache handhabt. Der andere aber wird so zornig und rachgierig sein, dass er den Prozess mit Willen annimmt und viel lieber die Gefahr des Rechts ausstehen will, als um des Friedens willen ein wenig von seinem Recht abzurücken.

Übervorteilen: Und erleidet den Schaden mit Geduld, verschweigt auch viel eher das empfangene Unrecht, als dass ihr mit erbittertem Gemüt vor einer heidnischen Obrigkeit gegeneinander streiten solltet. Dieser Spruch leistet den Wiedertäufern keinen Vorschub, die alle weltlichen Gerichte verwerfen. Denn eine Obrigkeit ist in ihrem Amt Gottes gute Ordnung. Und Paulus selbst beruft sich in der Apostelgeschichte im Kapitel 25 auf die hohe Obrigkeit und appelliert an den Kaiser. Das Appellieren ist aber ein Teil des gerichtlichen Prozesses. Deswegen kann ein Christenmensch mit gutem Gewissen die Hilfe des weltlichen Rechts für sich nutzen. Und ebenso verwirft Paulus hier das Laster etlicher Personen, da nämlich unter den Korinthern einer von den streitigen Parteien eine unrechte Sache zu verteidigen sich bemühte, der andere aber, der ebenso streitsüchtig ist, viel eher zum großen Ärgernis der Ungläubigen aus erbitterten Herzen mit dem anderen vor Gericht streiten will, als zur Ehre Gottes etwas von seinem Recht nachzulassen. Also, dass der eine zum Unrecht geneigt, der andere aber streitsüchtig gewesen ist. So handeln auch heutzutage noch viele, auch wenn sie vor der Obrigkeit eine rechte Sache vertreten, dass sie dennoch sich nicht vom Gebrauch allerhand giftiger Schimpfwörter enthalten, womit sie ihre Gegenpartei angreifen und diese oft unfreundlich ansehen, nicht nur in der Zeit, in der der Rechtsstreit dauert, sondern sie feinden ihn auch danach an, wenn das Rechtsverfahren zu Ende gelaufen ist. Zu solchen, die also Prozesse führen, wenn sie auch vor einer christlichen Obrigkeit geführt werden, kann man zu Recht sagen: Es ist ein Fehler unter euch, der nicht gelobt werden kann, dass ihr so schnell miteinander vors Gericht lauft, wenn euch von dem Nächsten etwa ein Unrecht zugefügt worden ist, und ihr euer Recht mit solch einem Ernst führt, was leicht so erscheinen kann, als ob ihr alle christliche Liebe vergessen habt. Wie viel besser würde es euch anstehen, dass ihr Unrecht, Gewalt und Schaden erleidet, als dass ihr einen solchen Rechtsstreit anfangt? Denn Paulus verwirft nicht einfach jeden Gebrauch der weltlichen Rechte, sondern das, was man damals tat, als man mit großer Verbitterung und Erhitzung der Gemüter gegeneinander stritt. So weiß man, wie es zu dieser Zeit mit den Gerichtsprozessen bei den Römern und Griechen beschaffen gewesen ist, wie nun die Propheten, indem sie die Opfer verwerfen, die doch von Gott dem Herrn selbst geboten waren (wie es Jesaja tut im 1. und im 66. Kapitel), dies nicht in dem Sinn tun, dass künftig niemand opfern soll, auch nicht lehren, dass die Opfer an sich selbst unrecht wären, sondern den gottlosen Wahn des jüdischen Volkes verwerfen, weil sie ohne Buße opferten und sich dennoch selbst einredeten, sie täten mit einem solchen Werk an sich selbst Gott einen angenehmen Dienst, wodurch ihre begangenen Sünden und Misshandlungen versöhnt würden. Also verwirft Paulus nicht die weltlichen Gerichte und das Amt der weltlichen Obrigkeit für sich selbst, welches von Gott selbst eingesetzt worden ist {Röm 13}, sondern er verwirft die Art und Weise des gerichtlichen Prozesses, wobei sich zweierlei Mängel finden. Dass nämlich die Christen vor den Heiden nicht ohne Ärgernis ihre strittigen Sachen vorbrachten und dann, dass es mit verbitterten Herzen aus Rachgier geschah. Denn dass die Korinther streitbar gewesen sind und wegen eines schlechten Urteils einen Streit angefangen haben, ist aus dem 1. und aus anderen Kapiteln dieses Briefes ausreichend bekannt. Weil wir aber heutzutage eine christliche Obrigkeit haben, so kann ein frommer Mensch mit gutem Gewissen vor einer solchen Obrigkeit seine gute Sache vortragen, dergestalt, dass er zunächst alle Mittel und Wege sucht, ob der Streit durch Schiedsleute zur Zufriedenheit beider Parteien geschlichtet und beigelegt werden könnte. Kann dies nicht erfolgen und einer weiß ohne Zweifel, dass ihm Unrecht geschieht, so mag er die Sache wohl der Obrigkeit vortragen, jedoch nicht mit zornigem oder neidischem Herzen, dass er gegen seinen Nächsten keinen heimlichen Hass in sich trägt, sondern seine Gründe der Obrigkeit bescheiden vortragen, warum er meint, dass er im Recht sei und von seiner Gegenpartei zu Unrecht belastet würde. Dann mag er von der Obrigkeit begehren, dass sie den Streit nach Recht und Gerechtigkeit entscheidet. Danach soll er die ganze Sache Gott und der Obrigkeit anheimstellen und mit ruhigem Herzen auf deren Urteil warten und auch mit dem zufrieden sein, was gesprochen worden ist. Befinden aber er und die Seinen sich gar zu sehr beschwert, sodass er es nicht ertragen kann, so ist es ihm gestattet, dass er dem Beispiel des Paulus nach an die höhere Obrigkeit appellieren kann, jedoch auch so, dass er nicht mit Absicht den Streit auf die lange Bank schiebt. Man findet immer wieder etliche Menschen, die mit Verzögerungen und Verschiebungen des Rechts sich behelfen, damit die Sache zu keinem Ende kommt und sie inzwischen ihren Nutzen dabeihaben.

8. Sondern ihr tut unrecht und übervorteilt, und solches an den Brüdern.

Tut unrecht: Es fehlt weit dahin, dass ihr das Unrecht mit Geduld leiden würdet.

Brüdern: Oder Mitchristen, die sich zur gleichen Religion mit euch bekennen, was umso schlimmer ist, da ihr im Falle der Not auch das Leben für sie lassen solltet. Auch wenn es bei anderen, wenn sie nicht mit euch gleichen Glauben sind, auch nicht recht wäre.

9. Wisst ihr nicht, dass die Ungerechten werden das Reich Gottes nicht ererben? Lasst euch nicht verführen: weder die Hurer noch die Abgöttischen noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder

Ungerechten: Die ihren Nächsten mit List hintergehen oder ihn mit Gewalt unterdrücken.

Ererben: Denn das Himmelreich ist nicht unser Verdienst, sondern ein Erbe, das uns aus Gnaden geschenkt wird um Christi willen, der uns zu Miterben der ewigen Herrlichkeit gemacht hat {Röm 8}. Weil demnach unter den Korinthern, dazu in der äußeren Gemeinschaft der Kirchen, sich ungerechte Leute gefunden haben, die anderen Gewalt angetan haben und Paulus dennoch nicht angeordnet hat, diese in Bann zu legen, so werden die Katholiken hiermit widerlegt, die um derer willen, die in weltlichen Sachen unbilligen Rechtsstreit haben, das Evangelium verlästern, als ob man so etwas aus unserem Evangelium lernen würde. Dazu gehören auch die Wiedertäufer, die eine solche reine Kirche suchen, worin es nichts Unrechtes oder Unbilliges gibt.

Verführen: Dass ihr vom alten Gebrauch oder der allgemeinen Vorstellung, dass man große Sünden für nichts hält, euch selbst betrügt. Denn weil Paulus wusste, dass es auch noch andere, schwerere und sehr grobe Sünden unter den Korinthern gab, die noch zum Teil von der Heidenschaft übrig geblieben waren, zum Teil aus menschlicher Schwäche geschahen, so nimmt er diese eine Sünde der Ungerechtigkeit zum Anlass, dass er auch weitere Laster anzeigt und die Korinther warnt, dass sie sich davor hüten sollen, falls sie anders der ewigen Verdammnis entkommen möchten.

Hurer: Die außer dem Ehestand noch ein unehrenhaftes Verhältnis mit ledigen Personen pflegen und Unzucht treiben.

Abgöttischen: Die sich zwar für Christen ausgeben und auch dafürgehalten werden wollen, aber dennoch daneben im Gottesdienst sich auch zu den Heiden halten.

Ehebrecher: Die verheiratet sind und mit fremden, verheirateten oder ledigen Personen sich befleckt und ihre eheliche Treue nicht beachten. Oder aber, wenn sie nicht im Ehestand leben, sich mit Personen, die verheiratet sind, verunreinigen.

Weichlinge: Die, wenn sie auch allein sind, dennoch unzüchtige Werke betreiben.

Kinderschänder: Wie es die in Sodom und Gomorrha gewesen sind, die deswegen auch mit Schwefel und Feuer vom Himmel herab gestraft worden sind. Es ist unnötig, dieses Laster deutlicher zu erklären.

10. noch die Diebe noch die Geizigen noch die Trunkenbolde noch die Lästerer noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben.

Diebe: Es können gemeine, öffentliche oder heimliche Diebe sein, die mit Betrug und List anderen ihr Eigentum entwenden und fremde Güter in ungebührlicher Weise an sich nehmen. Daher gehören dazu auch die ungerechten Kaufleute, Wucherer und untreuen Haushalter oder Amtsleute.

Geizigen: Die Geld und Gut mit Recht oder Unrecht zusammenscharren und dennoch nicht satt werden können, daneben aber dem Nächsten das Almosen entziehen und die Werke der Liebe versagen.

Trunkenbold: Die sich dem Fressen und Saufen hingeben, mit Genusssucht und Völlerei die Zeit verbringen und ihre Lust darin suchen.

Lästerer: Die dem Nächsten ihre Ehre abschneiden mit falschen Verleumdungen, wenn sie die Reden und die Handlungen anderer Menschen auf das Schlechteste deuten oder die Fehler und Mängel des Nächsten überall herumschreien, wo es ihnen doch vom Amt oder Berufs wegen nicht zusteht.

Räuber: Die die Güter anderer Menschen mit Gewalt an sich reißen. Aus diesem Register, worunter Paulus auch alle anderen Laster versteht, die er unter die Werke des Fleisches zählt {Gal 5}, lernen wir, dass der christliche Glaube, der auch der recht machende Glaube ist, nicht bei solchen Sünden gegen das Gewissen sein kann. Denn weil es ein Vertrauen ist, dass wir bei Gott in Gnaden sind, unser Gewissen aber das Zeugnis gibt, dass von Gott, der nicht geliebt wird, der solche Laster begeht, so muss es an uns sein, dass wir uns entweder vor dergleichen Lastern hüten, oder den Glauben verlieren. Wenn deswegen die Katholiken behaupten, dass der christliche Glaube bei einer Todsünde sein könne, geben sie damit zu verstehen, dass sie nicht wissen, was der christliche Glaube ist. Ferner sieht man auch hierin, dass ein wiedergeborener Mensch durch die jetzt erzählten und durch andere gleiche Laster aus der Gnade Gottes fallen kann. Darum muss man einen Unterschied machen zwischen den verzeihlichen Sünden in den Gläubigen, die allerlei Schwachheiten sind, die in ihnen bis zum Tod stecken, und zwischen den groben Lastern, die den Heiligen Geist vertreiben und den Menschen des Himmelreichs verlustig machen, wenn er nicht Buße tut.

11. Und solche sind euer etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht worden durch den Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes.

Und: Weil Paulus mit den hier erzählten harten Worten die Korinther, von denen viele damals solche Laster begangen hatten, heftig erschreckt hatte, setzt er bald einen Trost hinzu, für die, die von solchen Sünden Abstand genommen haben. So soll es ein evangelischer Prediger auch tun.

Abgewaschen: Durch die Taufe und mit dem Blut Christi, damit auch täglich gereinigt werden, die mit bußfertigen Herzen an den Sohn Gottes glauben, der für ihre Sünden gekreuzigt worden ist.

Geheiligt: Durch den Heiligen Geist, der euch jetzt als Wiedergeborene regiert, dass ihr vor solch gräulichen Lastern flieht oder doch, wenn ihr gefallen seid, wiederum Buße tut und ein besseres Leben anfangt.

Namen: Das bedeutet: Durch den Verdienst Christi, welcher uns im Evangelium angeboten wird, dass wir ihn mit Glauben ergreifen sollen. Darum werden euch solche begangenen Misshandlungen nicht mehr zugerechnet, sondern mit dem Verdienst Christi zugedeckt.

Geist: Nämlich durch den Heiligen Geist, durch den ihr wiedergeboren und geheiligt worden seid, dass ihr euch jetzt um einen gottseligen und reinen Wandel bemüht. Darum braucht ihr euch wegen eurer begangenen Sünden nicht um die Verdammnis sorgen, weil euch eurer Sünden vergeben sind und ihr Christus durch den Glauben einverleibt worden seid und auch nicht fortfahrt, nach den Lüsten des Fleisches zu wandeln {Röm 8}. Diesen herrlichen Trost sollen wir mit dankbaren Herzen annehmen und uns fest daran halten, besonders aber die, die in schwere Sünden gefallen sind, dass nämlich, sofern sie Buße tun und an Christus glauben, dass Gott sie nicht mehr für Höllendiener des Teufels ansehen will, sondern sie für abgewaschene, geheiligte und gerechtfertigte Kinder erkennt. Diesen Trost soll ein verängstigtes Gewissen nicht um alle Güter der Welt hergeben.

12. Ich hab‘ es alles Macht; es frommt aber nicht alles. Ich hab‘ es alles Macht; es soll mich aber nichts gefangen nehmen {1Kor 10v23}.

Ich: Paulus wendet sich wieder den Lastern zu, die bei den Korinthern häufig vorkamen, und fährt fort, diese zu strafen. Besonders aber schimpft er auf die Hurerei, die viele von ihnen nur für einen Scherz und Spaß, aber für keine Sünde hielten. Sie dehnten also die christliche Freiheit soweit aus und bezogen sie fälschlich auch auf diese Sache, als ob es freistünde und zugelassen wäre, Hurerei zu betreiben und es wäre ebenso natürlich wie essen und trinken, was man ohne Sünde tun dürfe.

Gefangen nehmen: Diese Worte des Paulus haben den Sinn: Ich habe euch zwar gelehrt, dass man die christliche Freiheit benutzen kann und dass euch alles zugelassen ist, ich habe aber vom Unterschied der Speise und Tage gesprochen und darunter nicht andere und ehrliche Sachen verstanden. Daneben habe ich euch auch in Erinnerung gebracht, dass ihr die christlichen Freiheiten so gebrauchen sollt, dass ihr dem Nächsten nutzt, aber nicht mit einem Ärgernis schadet. Ich habe daneben berichtet, obwohl es in unserer Macht und Willkür steht, dass man die christlichen Freiheiten gebrauchen kann oder auch nicht, so soll man es dennoch nicht dahin kommen lassen, dass die Heuchler, die noch Juden sind, uns gefangen nehmen und uns verbieten, solche Dinge zu gebrauchen, die an sich selbst frei und nicht verboten sind. Aber es ist hier nicht so gemeint, dass ihr dies nur auf das Laster der Hurerei beziehen sollt. Denn es ist eine ganz andere Sache, Hurerei zu betreiben, als die eine oder andere Speise ohne Unterschied zu essen.

13. Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird diesen und jene hinrichten. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn und der Herr dem Leibe.

Dem Bauch: Dass er daher seine Nahrung hat.

Der Speise: Dass er sie zu sich nimmt und verdaut, denn dazu ist er bestimmt.

Hinrichten: Es wird einmal geschehen, dass der natürliche und irdische Leib, der ohne Speise und Trank in diesem Leben nicht bestehen kann, zerstört wird und eben dieser unverwest wieder aufersteht, wo er keine Speise oder keinen Trank mehr brauchen wird. Darum muss der Leib in diesem vergänglichen Leben zwar Speise und Trank haben und kann darauf nicht verzichten aber auf die Hurerei sehr wohl. Und der menschliche Leib ist so von Gott geschaffen, dass er in diesem Leben die Nahrung nicht lange entbehren kann. Darum ist er gleichsam zum Behälter der Speise von Gott geschaffen worden.

Dem Herrn: Nämlich Gott, dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus samt dem Heiligen Geist. Diesem ist er erschaffen und zugeordnet, damit er ein heiliger Tempel Gottes ist, worin Gott wohnt und wirkt.

Dem Leib: Dessen er sich so annimmt, dass er nicht allein die Seele, sondern auch den Leib von Sünden reinigt und nicht allein die Seele, sondern auch unsere Leiber heiligt und der seligen Unsterblichkeit teilhaftig macht.

14. Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird uns auch auferwecken durch seine Kraft.

Uns auch: Als Glieder Christi, der unser Haupt ist, obwohl unser Leib stirbt und verwest, so wird er dennoch diesen durch seine Allmacht zur ewigen Seligkeit wiederauferwecken, wo wir vollkommene Tempel Gottes sein werden, auch wenn es unserer Vernunft unmöglich erscheint. Darum, liebe Brüder, weil der Leib in diesem Leben nicht zur Hurerei wie zum Essen und Trinken erschaffen ist, sondern vielmehr, dass er ein heiliger Tempel Gottes ist, so sollt ihr ihn mit der Hurerei nicht verunreinigen. Zu wünschen wäre es, dass auch heutzutage niemand unter den Christen gefunden würde, der die Hurerei ebenso wenig für Sünde achtet wie essen und trinken. Und ich (Osiander) habe selbst einen Katholiken, der noch dazu eine vornehme Person gewesen ist, in der Gegenwart vieler anderer stattlicher Menschen sagen hören: Ein Mensch könne sich ebenso wenig der Unzucht enthalte, als dem Essen und Trinken. Das waren seine Worte. Darum ist es kein Wunder, dass unter den Korinthern auch etliche der Meinung gewesen sind, wie die, die früher im heidnischen Unglauben gelebt haben, worin sie erzogen worden sind. Aber dass man von den Christen dergleichen hören soll, ist schrecklich. Darum ermahnt sie Paulus mit weiteren Worten, wie wir noch hören werden.

15. Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Christi Glieder sind? Sollte ich nun die Glieder Christi nehmen und Hurenglieder daraus machen? Das sei ferne!

Glieder: Nämlich geistliche Glieder. Denn Christus ist unser Haupt, und wir sind seine Glieder, da wir ihm durch den Glauben einverleibt worden sind.

Sei fern: Von einem Christen. Denn was ist das für eine gräuliche Tat, und welch große Schmach legt einer seinem eigenen Leib an, der ansonsten in so hohen Ehren gehalten worden ist, dass er ein Glied Christi gewesen ist, indem er dieses von dem Haupt Christus durch Hurerei abschneidet und daraus ein schändliches, schädliches Hurenglied macht, ja eine Kloake des Teufels. Das tut wahrhaftig der, der sich zu Huren gesellt.

16. Oder Wisst ihr nicht, dass, wer an der Hure hängt, der ist ein Leib mit ihr? Denn sie werden (spricht er) zwei in einem Fleische sein {1Mos 2v24}.

Hure hängt: Dass er sich mit ihr vereinigt und ungebührliche Sachen mit ihr treibt.

Zwei: Nämlich Mann und Frau, dass sie zusammenwohnen und sich auch mit den Leibern vereinigen, sich miteinander vermischen und gleichsam ein Leib und ein Fleisch werden. Dieses Wort spricht der Heilige Geist durch Adam von der Beiwohnung der Eheleute. Jedoch, weil auch die Hurer sich mit den Huren vereinigen und gleichsam um die fleischliche Zusammenfügung willen ein Fleisch werden, so zieht sie Paulus zu Recht hierher. Wird also der Hurer mit einer schandlosen Hure ein Leib, so steht dies einem ehrbaren Mann, geschweige denn einem Christen schlecht an.

17. Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm.

Herrn anhängt: Dass er durch den Glauben mit ihm vereinigt und ihm einverleibt worden ist und, sofern er in der Gottseligkeit verharrt, in ihm bleibt.

Ein Geist: Denn die Seele eines gottseligen Menschen wird mit Gott in geistlicherweise vereinigt, und sein Leib ist eine Wohnung Gottes.

Nach Luther: Er ist ein Geist mit ihm, wie jene ein Fleisch sind.

18. Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außer seinem Leibe; wer aber hurt, der sündigt an seinem eigenen Leibe.

Alle: Paulus bringt noch andere Gründe vor, warum man die Hurerei meiden soll, und spricht von der Abscheulichkeit dieses Lasters.

Außer seinem Leib: Und es wird mit den anderen Sünden dem Anschein nach vielmehr der Nächste beschädigt oder in Nachteil gebracht, als derjenige, der die Sünde begeht. Und so geht es auch bei Totschlag, Diebstahl, Verleumdung.

Eigen Leib: Denn er verunreinigt nicht nur mit freiwilliger ungebührender Verschüttung des Samens seinen Leib (wo doch auch der Samenfluss, der im Schlaf gegen den Willen geschieht, nicht ohne Befleckung ist), sondern hängt sich selbst noch durch den Beischlaf mit dem Huren im Allgemeinen abscheuliche Krankheiten an. So schwächen sie sich selbst an Kräften des Leibes und des Gemüts und verlieren ihren Verstand. Obwohl nun nach dem äußeren Werk einer denken könnte, im Ehestand geschieht das Gleiche wie in der Hurerei, so ist doch ein großer Unterschied dazwischen. Denn die Personen im Ehestand halten zusammen und wohnen beieinander aus Gottes Ordnung. Darum gefällt auch diese ihre fleischliche Vermischung Gott gut, obwohl wegen der Erbsünde, die in ihnen wohnt, etwas Unreinheit mit dabei läuft, wie dies auch in allen anderen menschlichen Handlungen geschieht. Diesen Mangel jedoch beachtet Gott in den Gläubigen nicht und deckt ihn zu. Darum werden die Eheleute, die beisammen wohnen durch die fleischliche Vermischung von ihrem Herrn Christus nicht getrennt, sondern bleiben in Gnaden und behalten den Heiligen Geist, beflecken auch weder ihre Leiber noch ihre Gewissen, weil sie es in ordentlicherweise tun, um dessen willen Gott den Ehestand eingesetzt hat und diesen im menschlichen Geschlecht noch heutzutage erhält.

19. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst {1Kor 3v16 2Kor 6v16}.

Oder: Es folgt noch ein weiterer Grund, warum man die Hurerei meiden soll.

Von Gott: Der ihn euch geschenkt hat, dass er in euch wohnt, euren Glauben von der ewigen Seligkeit bestätigt und versiegelt, euch in alle Wahrheit leitet und erleuchtet, dass ihr in keinen schändlichen Irrtum der Lehre geratet oder darin verharrt. Der euch auch regiert und zu guten Werken treibt, dazu in Trübsal und Anfechtungen rechtschaffenen Trost, Kraft und Standhaftigkeit verleiht. Warum wollt ihr denn mit diesem überaus trefflichen und nützlichen Gast so ungebührlich umgehen, dass ihr eure Leiber, die er sich zu Tempeln geweiht und geheiligt hat, mit einer schändlichen, abscheulichen Unzucht beflecken und böse verunreinigen? So dürft ihr euch nicht selber einreden, dass euch solch gräuliches Laster ungestraft hingehen werden. Deshalb soll uns die Erinnerung, wenn wir sie uns zu Gemüte führen, dass der Geist Gottes in uns wohnt, nicht nur von der Hurerei, sondern auch von allen anderen Lastern abhalten.

Und: Paulus bringt noch einen Grund vor, der uns von der Hurerei abschrecken soll.

Euer selbst: Erinnert euch auch daran, dass ihr euer selbst nicht mächtig seid, dass ihr tun dürftet, was euch nur gelüstet.

20. Denn ihr seid teuer erkauft. Darum so preist Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes {1Kor 7v23 1Petr 1v18}.

Teuer erkauft: Mit dem köstlichsten und reinsten Blut Jesu Christi, des unbefleckten Lammes seid ihr erlöst von der ewigen Verdammnis und Dienstbarkeit des Teufels und vom Zorn Gottes. Darum sollt ihr euch ihm ganz und gar ergeben, mit allem, was ihr um euch habt und seid, wie ihr es ohnedies zu tun schuldig seid, demnach er euch, als Gefangene mit dem Lösegeld seines Blutes von der Tyrannei des Teufels befreit hat.

Sind Gottes: Denn weil ihr nicht euch selbst, sondern Christus gehört, der euch gekauft hat, so ist es recht, dass all euer Tun, sowohl des Leibes als auch der Seelen zum Lob und Preis eures Herrn Jesus Christus dient, der euch darum von der Dienstbarkeit des Teufels errettet und erlöst hat, dass ihr ihm zukünftig dienen sollt in rechtschaffener Heiligkeit und Reinheit des Leibes und des Gemüts. Dieses letzte Stück des Kapitels von der Vermeidung der Hurerei sollen diejenigen wohl betrachten, die Unzucht für einen Scherz oder für Kurzweil halten, so werden sie verstehen, mit welch gräulichem Wust sie sich wieder besudeln und verunreinigen, die zuvor durch das Blut Christi von ihren Sünden gereinigt worden sind. Darum sollen sie Buße tun, damit sie nicht, wenn sie sich selbst von Christus absondern und den Huren anhängen, zugleich mit ihnen dem Teufel zur ewigen, höllischen Pein übergeben werden.


Das 7. Kapitel


In diesem Kapitel werden etliche Fragen entschieden. 1. Ob es besser sei, in oder außer der Ehe zu leben. 2. Inwiefern die Eheleute verbunden sind, um einander die schuldige Freundschaft zu leisten. 3. Ob man wegen der Religion den ungläubigen Ehegatten verlassen kann. 4. Ob die andere Ehe verboten ist. 5. Ob die Beschneidung oder Vorhaut, Knechtschaft oder Herrschaft die Religion fördert oder hindert. 6. Ob ein Vater, aus Not gezwungen, seine Tochter aufgeben kann oder aber, ob er sie nach seinem Wohlgefallen bei sich zu Hause behalten darf.

1. Von dem ihr aber mir geschrieben habt, antworte ich: Es ist dem Menschen gut, dass er kein Weib berühre.

Von: Die Korinther hatten etliche Fragen vom Ehestand vorgebracht, weil sich allerlei Fälle zugetragen hatten, in denen sie Paulus um Rat fragten. Denn es begannen bereits damals viele von ihnen zu zweifeln, ob es nicht besser sei, ledig zu bleiben, als zu heiraten. Und einesteils sorgten sie sich, dass sie durch die Leistung der ehelichen Pflicht, besonders mit einem ungläubigen Ehegatten, sich nicht etwa vor Gott verunreinigen würden, und beschäftigen sich mit den Gedanken, wie sie eine solche Ehe trennen könnten. Auch kam eine Frage auf, ob die Witwen, wenn sie sich wieder verheiraten, sich richtig verhalten? Um in diesen Sachen Rat zu schaffen löst Paulus solche Fragen in diesem Kapitel auf.

Geschrieben habt: Ob es besser sei, sich in den Ehestand zu begeben oder ohne Ehe zu bleiben. So will ich euch sagen was ich davon denke oder vielmehr, was die Meinung des Heiligen Geistes ist.

Kein Weib berühre: Sondern ohne Ehe bleibt wegen der gegenwärtigen Gefahr der Verfolgung und anderer Beschwerden, die der Ehestand mit sich bringt. Denn dass dies die Meinung des Apostels Paulus ist, wird sich später in diesem Kapitel noch aus seinen eigenen Worten ausdrücklich finden. Denn das Gute wird hier dem Bösen nicht entgegengesetzt, als ob es böse oder sündig wäre, im Ehestand zu leben und die ehelichen Werke mit seinem Ehegatten zu verrichten. Sonst wäre Gott als ein Stifter des Ehestandes eine Ursache der Sünde.

2. Aber um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigenes Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann.

Hurerei willen: Es ist deswegen neben dem vornehmsten Grund der Ehe, der das Kinderzeugen ist, auch nachdem die Sünde in die Welt gekommen war, aus einem weiteren Grund der Ehestand von Gott geordnet worden, dass er gleichsam eine Arznei ist gegen die unzüchtige Brunst, damit die, die ohne Ehe leben, nicht in Unzucht und Hurerei geraten. Darum können auch solche Personen mit gutem Gewissen Eheleute werden, die keine Hoffnung zum Kinderzeugen haben. Aber doch ist hier den Jünglingen und den jungen Mädchen keineswegs befohlen, dass, sobald sie die Flammen der Unzucht empfinden, sie sich von diesem Augenblick an mit großer Sorglosigkeit und gegen den Willen der Eltern in den Ehestand begeben. Denn sie können, wenn sie fleißig ein gottseliges Gebet sprechen, sich enthalten und züchtig leben, bis sie gelernt haben, zu haushalten und die Eltern oder die an deren Stelle stehen, sie mit einer ehrlichen Heirat versorgen. Doch sollen die Eltern in dieser Sache ihre Aufgabe auch erfüllen, damit sie nicht zum eigenen Nutzen die Kinder zu lange vom Ehestand abhalten und sie dadurch den Versuchungen des Satans unterwerfen, der sie zur Unkeuschheit reizt und in Sünden stürzt.

3. Der Mann leiste dem Weibe die schuldige Freundschaft, desgleichen das Weib dem Manne.

Schuldige Freundschaft: Wenn es nun so weit gekommen ist, dass man im Ehestand lebt, so sollen die Eheleute sich einer dem anderen nicht entziehen, auch nicht die eheliche Pflicht unter dem Vorwand irgendeiner Religion oder einer besonderen Andacht oder etwa aus Störrigkeit versagen, damit nicht einer von den Ehepartnern, dem dies abgeschlagen wird, in Unzucht fällt oder vielleicht sein Herz und Gemüt von ihm abwendet. Denn die eheliche Pflicht unterhält und erneuert die Liebe zwischen Eheleuten.

4. Das Weib ist ihres Leibes nicht mächtig, sondern der Mann. Desgleichen der Mann ist seines Leibes nicht mächtig, sondern das Weib.

Das: Jetzt gibt der Apostel einen Bericht und zeigt den Grund an, warum die Eheleute einander die schuldige Freundschaft nicht versagen sollen.

Nicht mächtig: Denn von dem Augenblick an, nachdem sie sich zum ersten Mal dem Mann zum Ehestand hingegeben hat, ist sie aufs Festeste mit ihm verbunden, dass sie ihren Leib keinem anderen geben noch den Mann entziehen darf. Darum steht es dem Mann frei, die eheliche Pflicht zu fordern, und die Frau ist verpflichtet, diese zu leisten.

Das Weib: Sie sind einander in gleichem Maße verpflichtet, sodass der Leib des Mannes in der Gewalt der Frau, wie der Leib der Frau in der Gewalt des Mannes ist. Daraus ist zu entnehmen, dass die Ehemänner, wenn sie noch ein Verhältnis mit anderen ledigen Personen haben, dennoch vor Gott wahrhaft Ehebrecher sind. Darum sind die nicht recht daran, die meinen, es sei nur Ehebruch, wenn dies zwischen zwei verheirateten Personen geschehen würde. Deshalb ist die Obrigkeit zu loben, die einen Ehemann, der ein Verhältnis mit der Magd unterhält, ebenso straft, als wenn er die Ehefrau eines anderen entehrt hätte. Es steht auch einem Ehemann nicht zu, dass er seine Ehefrau verlässt und unterdessen ohne erheblichen Grund gegen den Willen seiner Frau in fremden Ländern umherzieht. Denn auf diese Weise trennen sich die Bande der Ehe. Darum werden solche boshaften Herumtreiber in gut bestellten Regierungen ebenso wie die Ehebrecher durch ein öffentliches Urteil geschieden, und es wird nach einer gewissen Zeit der verlassenen ehrlichen Frau freigestellt, dass sie sich anderweitig verheiraten kann.

5. Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn aus beider Bewilligung eine Zeit lang, dass ihr zum Fasten und Beten Muße habet; und kommt wiederum zusammen; auf das euch der Satan nicht versuche um eurer Unkeuschheit willen.

Dem anderen: Von dem ehelichen Beischlaf mit irgendeinem erdachten und vorgeschobenen Grund.

Zeit lang: Dass ihr euch etliche Tage oder Wochen vom ehelichen Beischlaf enthalten wollt.

Muse habt: Wenn eine große Not oder eine vor den Augen schwebende Gefahr ein inbrünstiges Gebet erfordert, so soll man sich mit dem Essen mäßigen, damit das Gebet umso ernsthafter und inbrünstiger ist, und so mag man sich auch in dieser Zeit des ehelichen Beischlafs enthalten, damit ihr dem Gebet ganz und gar ergeben seid. Es wird aber dies von Paulus nicht darauf bezogen, als ob in der Zeit, in der die Eheleute beieinander sind und sich vereinigen, kein rechtes gottseliges Gebet von ihnen verrichtet werden könnte. Er will allein darauf abzielen, dass solche Übungen der Enthaltungen dann sinnvoll erscheinen, wenn eine gegenwärtige und vor Augen schwebende Gefahr ein inbrünstiges Gebet erfordert. So wie man auch alle anderen Freudenzeichen in solchen Zeiten einzustellen pflegt, die doch ansonsten keineswegs unrecht sind. Und das ist auch der rechte Gebrauch des Fastens, dass es umso mehr Andacht erregt, aber nicht, dass man Vergebung der Sünden damit verdienen würde.

Zusammen: Nachdem so eine Zeit vorüber ist, in die ihr zu beiden Teilen eingewilligt habt, so haltet euch wieder zusammen und lebt beieinander, wie es unter Eheleuten üblich ist.

Nicht versuche: Und Anlass bekomme, euch in Hurerei zu stürzen (weil er weiß, dass ihr zu Unzucht geneigt seid), wenn ihr euch länger voneinander enthaltet, als es eure Unkeuschheit aushalten kann. Darum ist es viel besser und der sicherste Weg, dass man den ehelichen Beischlaf nutzt, als dass man sich und seinen Ehegatten dem Teufel zur Versuchung und zum Fällen anbietet.

6. Solches sage ich aber aus Vergunst und nicht aus Gebot.

Aus Vergunst: Damit niemand seine Worte verkehrt und anders deutet, als wenn er sie so verstanden haben wollte, als würde er die Menschen zum Beischlaf reizen und locken, wo doch die Menschen ohnehin der Unkeuschheit stark zugeneigt sind. So fügt er jetzt hinzu, wie er es meint, als wollte er sagen: Dass ihr mich recht versteht, so fordere ich euch nicht auf, dass ihr den ehelichen Beischlaf oft gebrauchen sollt, also dennoch mit solchen Sachen umgehen müsstet, auch wenn ihr euch enthalten könntet und wolltet, sondern ich gewähre euch, dass ihr euch untereinander willfährig erzeigt, damit ihr nicht, weil ihr von Natur aus unkeusch seid, in die Versuchungen und Stricke des Teufels fallt. Wenn deshalb die Eheleute zu beiden Teilen gleich gesinnt sind, dass sie der ehelichen Beiwohnung keinen Wert beimessen, so tun sie recht, dass sie sich davon enthalten. Und wenn einer der Ehegatten die schuldige Freundschaft nicht erfordert, so steht es dem anderen unterdessen frei, sich zu enthalten, wenn es ihm gefällt.

7. Ich wollte aber lieber, alle Menschen wären, wie ich bin; aber ein jeglicher hat seine eigene Gabe von Gott, einer so, der andere so.

Wie ich: Ich möchte bestimmt niemanden mit einem Gebot zum Beischlaf zwingen, wenn es eines der beiden Eheleute nicht möchte, sondern vielmehr wünsche ich, ein jeder könnte außerhalb der Ehe rein und keusch leben wie ich. Denn auf die Art könnte er Gott umso besser dienen und die Verfolgungen leichter erdulden, weil er viele Sorgen und Mühen weniger haben würde, die die Frau oder der Mann und die Kinder verursachen, die man in den Verfolgungen oftmals verlassen muss.

Der andere so: Denn es ist nicht jedem von Gott gegeben, dass er außerhalb der Ehe rein und keusch leben kann, wie es auch Christus selbst bezeugt {Mt 19}. Darum, die die Gabe, sich zu enthalten, von Gott erlangt haben, die mögen diese nutzen, die sie aber nicht haben, die sollen mit dem Brauch des Ehestands die Flammen der Unzucht löschen. Mit diesem Spruch kann man die Katholiken widerlegen, die diejenigen mit dem Gelübde der Keuschheit verwickeln, denen es von Gott nicht gegeben ist, dass sie sich enthalten könnten. Und sie dürfen nicht einwenden, man soll solche Gaben von Gott erbitten, die gewiss erlangt werden können. Denn wenn Paulus gemeint hätte, dass jeder die Gabe der Enthaltung von Gott erlangen könnte, so hätte er gesagt: Weil ich wünsche, dass ihr alle außerhalb der Ehe leben sollt wie ich, so gebiete ich euch, dass ihr diese Gabe von Gott erbittet, und zweifelt nicht, ihr werdet sie erlangen. Darum enthaltet euch vom Ehestand oder, wenn ihr im Ehestand lebt, so meidet doch den ehelichen Beischlaf. Aber davon meldet und lehrt der Apostel nichts.

8. Ich sage zwar den Ledigen und Witwen: Es ist ihnen gut, wenn sie auch bleiben wie ich.

Ledigen: Personen, die nie im Ehestand gelebt haben.

Witwen: Den Frauen, die im Witwenstand leben.

Bleiben wie ich: Außerhalb der Ehe und aus vorgenanntem Grund.

9. So sie aber sich nicht enthalten, so lass sie freien; es ist besser freien, denn Brunst leiden.

Nicht enthalten: Egal ob sie ledig sind oder im Witwenstand leben, dass sie empfinden, wie sie die Gabe der Enthaltung nicht haben, sondern ständig von der Natur zum ehelichen Werk gereizt werden, oder auch, dass sie an ihrem Leib, auch wenn es gegen ihren Willen geschieht, sich verunreinigen, wie es einem bisweilen im Schlaf zu widerfahren pflegt.

Sie freien: Und sich in den Ehestand begeben, egal ob junge Burschen, Jungfrauen, Witwer oder Witwen.

Brunst leiden: Es ist besser, ein Ehemann oder eine Ehefrau zu sein, als innerlich im Herzen mit Flammen der Unzucht zu brennen, wenn auch der Leib äußerlich nicht damit verunreinigt wird. Der Papst aber, als vermeintlicher Nachkomme der Apostel meint, es sei besser, dass die geweihten Personen nicht nur brennen, sondern auch Hurerei betreiben und Ehebruch begehen oder sich mit anderen Lastern gegen die Natur verunreinigen, als ehelich zu werden. Darum gibt er sich schon aus diesem einzigen Stück, auch wenn sonst nichts wäre, als Antichrist zu erkennen, der die Welt unter dem Schein der Keuschheit mit schändlicher Unzucht erfüllt hat.

10. Den Ehelichen aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass das Weib sich nicht scheide von dem Manne {Mt 5v32 Lk 16v18}.

Der Herr: Jesus Christus. Denn was ich jetzt sagen will, das ist Christi ausdrücklicher Befehl, und ihr sollt nicht glauben, dies sei nur mein guter Rat, dass es euch freistehen würde, ob ihr ihm folgt oder nicht.

Nicht scheide: Außerhalb des Ehebruchs. Denn das ist der Befehl Christi {Mt 19}.

11. So sie sich aber scheidet, dass sie ohne Ehe bleibe oder sich mit dem Manne versöhne, und dass der Mann das Weib nicht von sich lasse.

Scheidet: Von dem Ehemann aus irgendeinem anderen Grund als wegen des Ehebruchs, dass er sie vielleicht zu hart gehalten hat, was zum Teil die widerwärtigen Religionen verursachen können.

Versöhne: Denn sie kann keinen anderen heiraten, es sei denn, dass sie von ihrem vorigen Ehemann wegen des Ehebruchs in ordentlicherweise geschieden worden ist.

Nach Luther: Kein Grund scheidet Mann und Frau ohne den Ehebruch {Mt 19v9}. Darum in anderen Sachen des Zorns müssen sie entweder einig werden oder ohne Ehe bleiben, wenn sie sich deswegen trennen.

Lasse: Oder ausstoße. Denn wer seine Frau verstößt, die keinen Ehebruch begangen hat und eine andere nimmt, der bricht die Ehe, und wer die Verstoßene nimmt, der bricht auch die Ehe {Mt 19}. Es irren sich aber hier die Katholiken, die die Ehe, wenn ein Ehebruch dazwischengekommen ist, so trennen, dass sie der unschuldigen Person nicht gewähren, sich anderweitig zu verheiraten. Denn Paulus spricht hier nicht vom Ehebruch, sondern von solcher Zwietracht, die keine ausreichende Ursache der Ehescheidung ist. Darum befiehlt er den Eheleuten, sich miteinander zu versöhnen, oder ohne Ehe zu bleiben.

12. Den andern aber sage ich, nicht der Herr: So ein Bruder ein ungläubiges Weib hat, und dieselbe lässt es sich gefallen, bei ihm zu wohnen, der scheide sich nicht von ihr.

Den anderen: Die sich noch nicht voneinander geschieden haben.

Nicht der Herr: Denn ich habe dazu keinen ausdrücklichen Befehl von Christus, wie vorhin, aber doch will ich das Beste raten, was ich meine, dass es nützlich und heilsam ist. Diese Bescheidenheit sollen die Prediger hier von Paulus lernen, dass sie in den Fällen, wovon in der Schrift nichts Genaues ausgedrückt oder angeordnet worden ist, ihre Bedenken, auch wenn sie ehrlich und christlich sind, nicht ihren Zuhörern für das ausdrückliche Wort Gottes aufdrängen.

Ungläubig Weib: Die noch nicht zum christlichen Glauben bekehrt worden ist.

Gefallen: Dass sie ihn wegen der christlichen Religion nicht scheut, sondern in ihrem Amt fortfährt und so wirtschaftet, wie es einer Ehefrau gebührt und zusteht.

13. Und so ein Weib einen ungläubigen Mann hat, und er lässt es sich gefallen, bei ihr zu wohnen, die scheide sich nicht von ihm.

14. Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch das Weib, und das ungläubige Weib wird geheiligt durch den Mann. Sonst wären eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig.

Geheiligt: Das heißt: Wenn die Frau eine Christin und fromm ist, obwohl der Ehemann ein Heide ist, oder einer anderen, falschen Religion anhängt und nicht heilig ist, so ist er doch diesem Weib geheiligt, ihr zugelassen und so rein, dass sie durch seine Beiwohnung vor Gott nicht verunreinigt wird. Denn den Reinen ist alles rein. Im Alten Testament aber (dessen Art zu reden Paulus im Allgemeinen gebraucht) nennt die Schrift heilig, was einem Menschen erlaubt ist und freisteht, wodurch er nicht verunreinigt wird.

Nach Luther: So wie dem Reinen alles rein ist {Tit 1v15}, so ist einem Christen ein unchristlicher Gemahl auch rein, dass er ohne Sünde bei ihm sein kann und die Kinder nicht als unrein verwerfen, die er nicht leiden soll oder mag. Denn die Ehe und die Sorge um die Kinder bleibt recht, egal ob es heidnisch oder christlich ist.

Unrein: Das heißt, unehelich geboren und Hurenkinder, wenn unter den Personen, die einer widerwärtigen Religion angehören, die Ehe nicht stattfände.

Heilig: Und ehrlich, aus rechter Ehe gezeugt, dass ihr euch ihrer nicht schämen dürft und ihr werdet durch ihre Geburt vor Gott nicht verunreinigt. Dies muss man aber nicht so deuten, als ob die Kinder der Christen bereits, bevor sie durch die Taufe wiedergeboren werden, von ihrer ersten Geburt an für sich selbst heilig wären, weil sie von heiligen Eltern geboren worden sind. Denn darum ist die Taufe, ein Bad der Wiedergeburt, nötig, dass sie dadurch geheiligt werden. Weil was aus Fleisch geboren ist, das ist Fleisch {Joh 3}. Und wir werden von Natur als Kinder des Zorns geboren {Eph 2}. Darum muss man das Wort heilig nach den Umständen des Textes verstehen, wie kurz zuvor daran erinnert wurde.

15. So aber der Ungläubige sich scheidet, so lass ihn sich scheiden. Es ist der Bruder oder die Schwester nicht gefangen in solchen Fällen. Im Frieden aber hat uns Gott berufen.

Sich scheidet: Von einem gläubigen Mann oder einer gläubigen Frau, weil er nicht mit einem Christen im Ehestand leben möchte und sich anderweitig verheiratet.

Sich scheiden: Man muss es geschehen lassen und Gott befehlen.

Nicht gefangen: Es ist in einem solchen Fall ein christlicher Ehemann oder eine christliche Ehefrau nicht gebunden, sich des Ehestands in Zukunft zu enthalten, wenn sie in dieser bösen Art vom Ehegatten verlassen worden ist, sondern es steht ihm frei, dass er mit einer anderen und neuen, ehrlichen Heirat seine Sachen in ordentlicherweise ordnet.

Berufen: Das ist ein Stück unseres Amtes und Berufes, dass Gott von uns erfordert, dass wir, soweit wir können, mit dem Nächsten friedlich und ruhig leben. Darum sollen sich fromme Eheleute hüten, dass sie mit ihrer Störrigkeit und Widerspenstigkeit oder auch mit unnötigem Gezänk ihren Ehegatten keinen Anlass geben, an Scheidung oder Verlassen zu denken.

16. Was weißt du aber, du Weib, ob du den Mann werdest selig machen? Oder du Mann was weißt du, ob du das Weib werdest selig machen?

Selig machen: Denn es kann wohl geschehen, dass der Mann durch den gottseligen und züchtigen Wandel seiner christlichen Ehefrau oder die Frau durch die Frömmigkeit eines christlichen Ehemanns gereizt wird, die christliche Religion zu erkennen und anzunehmen, und so durch die Gelegenheit eines solchen Ehestandes aus Glauben an Christus die ewige Seligkeit erlangt. Wenn deswegen gottselige Personen im Ehestand einen solchen Ehegatten haben, der mit einer falschen Religion eingenommen ist, so sollen sie sich fleißig bemühen, dass sie mit ihrer Freundlichkeit und ihrem gottseligen Wandel ihren Ehegatten für Christus gewinnen. Dies befiehlt der Apostel Petrus besonders den christlichen Matronen {1Petr 3}.

17. Doch wie einem jeglichen Gott hat ausgeteilt. Ein jeglicher, wie ihn der Herr berufen hat, also wandle er. Und also schaffe ich‘s in allen Gemeinden.

Wandle er: Mit diesen Worten fasst Paulus das, was er zuvor weitläufig vorgetragen hat, in einem Beschluss zusammen, und es ist seine Meinung die, dass jeder zusehen und beachten soll, was er von Gott für Gaben hat, ob er zum ledigen Stand, um außerhalb der Ehe zu bleiben, tauglich ist oder nicht und wohl betrachten, was für eine Aufgabe er von Gott bekommen hat, zum Ehestand oder zum ledigen Stand. Und er soll seine Gaben so gebrauchen, dass er die angebotenen Gelegenheiten nicht versäumt, noch sich selbst in Gefahr begibt und sein Leben so ausrichten, dass er seinen Beruf nicht unter dem Schein der Religion mutwillig oder unbedacht verlässt. Denn es ist dies auch eine ehrliche Aufgabe, die Gott wohl gefällt, dass einer ein Ehemann oder eine Ehefrau ist. Ebenso, dass einer ein frommer und züchtiger Jüngling oder Witwer und eine züchtige Jungfrau oder ehrliche und keusche Witwe sei. Darum sollen wir uns nicht gegen unser Können oder gegen unsere Aufgabe etwas unterstehen, damit wir Gott nicht versuchen und unser Gewissen beschweren.

Allen Gemeinden: Nicht nur bei euch, sondern es ist eine gewöhnliche, allgemeine Lehre, die ich überall vortrage, darum sollt ihr dieser zu Recht folgen. Und ich will dies nicht allein von dem Stand, nämlich dem Ehestand, sondern auch von allen anderen Ständen im allgemeinen Leben gesprochen und gemeint haben, dass jeder seinen Beruf betrachtet und darin gottselig lebt. Denn Paulus pflegt oft einen allgemeinen Spruch zum Anlass zu nehmen und zu einer anderen Lehre, die der vorigen verwandt ist, weiter zu gehen, wie er es hier auch tut.

18. Ist jemand beschnitten berufen, der zeuge keine Vorhaut. Ist jemand berufen in der Vorhaut, der lasse sich nicht beschneiden.

Beschnitten berufen: Dass er aus dem Judentum zur Erkenntnis Christi gekommen ist.

Keine Vorhaut: Er soll nicht glauben, dass er aus Not so leben müsse, wie die, die aus der Heidenschaft bekehrt worden sind, sondern er soll leben wie ein bekehrter Jude. Er darf sich darum nicht stellen, als wenn er ein Heide gewesen wäre. Denn obwohl die Juden, die den Glauben an Christus angenommen hatten, nicht mehr daran gehalten waren, die jüdischen Zeremonien einzuhalten und die Heiden, die zur christlichen Religion übergetreten sind, den heidnischen Abgötterei oder anderen äußerlichen, groben Lastern nicht mehr anhingen, so gab es doch zwischen zwei Menschen einen großen Unterschied, was den äußeren Wandel, die Sitten und Gebräuche betraf.

Vorhaut: Dass er aus der Heidenschaft zum christlichen Glauben gekommen ist.

Nach Luther: Das heißt: Niemand soll darauf dringen, dass Vorhaut oder Beschneidung nötig wäre, sondern lasse es beides unnötig und für jedermann frei sein.

Nicht beschneiden: Wenn er bereits den christlichen Glauben angenommen hat.

19. Die Beschneidung ist nichts, und die Vorhaut ist nichts, sondern Gottes Gebote halten {Gal 5v6 v15};

Beschneidung ist nichts: Denn sie ist in Sachen, die die ewige Seligkeit betreffen nicht mehr nützlich oder förderlich, nachdem Christus in die Welt gekommen ist, das Gesetz erfüllt hat und die Satzungen der Zeremonien abgetan hat.

Vorhaut ist nichts: Denn sie behindert die Seligkeit nicht und fördert sie auch nicht.

Gebot halten: Wenn du durch den Glauben an Christus gerechtfertigt worden bist, so liegt nichts daran, ob du beschnitten bist oder nicht, sondern daran liegt es, dass du dein Leben nach den Geboten Gottes christlich ausrichtest. Denn obwohl die guten Werke nicht gerecht machen, noch ihre Gegenwart in der Rechtfertigung nötig sind, so sollen wir doch, nachdem wir gerechtfertigt worden sind, ein gottseliges Leben führen, damit wir nicht aus der Gnade Gottes fallen und den Heiligen Geist verlieren.

20. Ein jeglicher bleibe in dem Beruf, darin er berufen ist {Eph 4v1}.

Bleibe: Und er soll sich keine Gedanken machen, als ob er keinen rechten christlichen Wandel führen würde, wenn er nicht in einen anderen Stand tritt. Paulus spricht aber an dieser Stelle nicht von solchen Ständen, die Sünde sind, wie wenn man eine Hurenwirtschaft betreibt, seinen Lebensunterhalt mit Hurerei finanziert ein Schwarzkünstler oder Gaukler ist und was es dergleichen gibt, sondern er spricht von solchen Berufen und Ständen, die an sich selbst keine Sünde sind. Und ein Hofmann soll nicht meinen, er könne nicht gottselig leben, wenn er sich vom Hof wegbegibt, sondern er soll in seinem Beruf bleiben und auf dem Hof einen ehrbaren, christlichen Wandel führen, dass er sich nicht wegen des Hasses oder der Verachtung anderer Leute zum Bösen abwendig machen lässt.

21. Bist du als Knecht berufen, sorge dich nicht; doch kannst du frei werden, so brauche des viel lieber.

Sorge dich nicht: Du darfst dir keine Sorgen machen, dass du ein Knecht und verachteter Mensch bist, als ob du in der Knechtschaft nicht selig werden könntest, christlich leben und Gott gefallen.

Frei werde: Dass du gute Gelegenheiten bekommen wirst, wodurch du rechtmäßig die Freiheit gewinnen kannst.

Viel lieber: Und nimm es mit Dank an. Denn man soll die göttlichen Guttaten nicht in abergläubischerweise ausschlagen, wenn uns eine Gelegenheit geboten wird, dass wir in rechtmäßigerweise, aber nicht mit bösen Praktiken, einen beschwerlichen Zustand in einen besseren verwandeln können.

22. Denn wer als Knecht berufen ist in dem Herrn, der ist ein Gefreiter des Herrn; desgleichen, wer als Freier berufen ist, der ist ein Knecht Christi.

Knecht berufen: Dass er keine Gelegenheit bekommt, frei zu werden, so soll er in diesem Stand geduldig ausharren.

Gefreiter: Denn wer als Knecht durch das Evangelium Christi zum ewigen Leben und einem gottseligen Wandel in dieser Welt berufen ist, obwohl er vor den Menschen ein Knecht ist und dafür gehalten wird, wird er doch vor Gott recht frei sein und freigelassen werden. Denn auch wenn er leiblich nicht frei ist, so hat er doch die geistliche und beste Freiheit erlangt, dass er von der Knechtschaft und Dienstbarkeit der Sünden vor dem Teufel und dem ewigen Tod, wie auch vor dem Joch der jüdischen Zeremonien befreit ist. Für diese Freiheit, die die andere, leibliche weit übertrifft, soll er Gott Lob und Dank sagen. Es ist deshalb die leibliche Knechtschaft für einen frommen Menschen bei Weitem nicht so beschwerlich, als für jemanden, der Christus nicht erkennt.

Freier berufen ist: Zur christlichen Religion, der soll darum nicht meinen, er sei von jedem Joch der Dienstbarkeit befreit und sein eigener Meister, dass er tun dürfe was er selbst will und was sein verdorbenes Fleisch begehrt, sondern er ist Knecht und Diener Christi geworden. Darum sollen wir uns ihm, dem Herrn Christus, ganz und gar ergeben und all unser Handeln zu seiner Ehre und nach seinem Willen richten, der zu unserer Erlösung gestorben und wiederauferstanden ist {2Kor 5}.

23. Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte {1Kor 6v10 1Petr 1v19}!

Ihr seid: Paulus fügt, seiner Gewohnheit nach, eine kurze Ermahnung nebenbei hinzu.

Teuer erkauft: Nämlich mit dem Blut Christi seid ihr erlöst von der Tyrannei des Teufels und von mancherlei Satzungen des Gesetzes.

Menschen Knechte: Dass ihr entweder, um den Heuchlern zu gefallen, den Gebrauch der christlichen Freiheit fahren lasst, oder auch meint, ihr müsstet gottlosen Menschen mit einem bösen Leben gefallen, sondern ihr sollt euch erinnern, dass ihr Knechte Christi seid, dem ihr alle Treue und Gehorsam zu leisten euch verbunden habt.

24. Ein jeglicher, liebe Brüder, worin er berufen ist, darin bleibe er bei Gott.

Bei Gott: Dass er weiß, er gefällt Gott in jedem Stand gut, es sei damit beschaffen, wie es wolle, wenn er nur an sich selbst nicht gottlos oder unrecht ist. Und es ist unnötig, dass er sich in einen Stand unter dem Schein der Religion begibt. Denn es geschieht allgemein, dass solche unbeständigen Menschen ihre Sachen mit solchen Abwechslungen nicht gut ordnen können. Die aber früher ehrliche und allgemeine Ämter, die sie ausgeübt haben, verlassen und sich in den Klöstern verstecken, die haben unvorsichtig, schlecht und abergläubisch gehandelt. Denn sie haben den Stand, den Gott eingesetzt und gebilligt hat, in einen anderen, abergläubischen verändert, der von Gott weder eingesetzt noch jemals gebilligt worden ist. Es hat aber Paulus diese Sache, dass man nicht ohne erheblichen Grund seinen Stand verändern soll, etwas weitläufiger und ausführlicher behandeln wollen, um die Eheleute daran zu erinnern, dass sie nicht unter dem Anschein der christlichen Religion sich in den Sinn kommen lassen, den Ehestand zu trennen.

25. Von den Jungfrauen aber habe ich kein Gebot des Herrn; ich sage aber meine Meinung, als ich Barmherzigkeit erlange habe von dem Herrn, treu zu sein.

Kein Gebot: Es gibt keinen ausdrücklichen Befehl von Christus, der den Jungfrauen allgemein etwas Gewisses vorschreibt, ob sie heiraten oder immer ledig bleiben sollten.

Meinung: Und ich will euch einen guten Rat geben, weil ihr euch mit dieser Bitte an mich gewandt habt.

Erlangt habe: Dass mir Gott die Gnade seines Heiligen Geistes mitgeteilt hat, damit ich die Kirche des Sohnes Gottes treu erbaue.

26. So meine ich nun, solches sei gut um der gegenwärtigen Not willen, dass es dem Menschen gut sei, also zu sein {Jer 16v2}.

Not willen: Weil man sich um allerlei Gefahren wegen der Verfolgung gegen die Kirchen sorgen muss, so ist es besser, nützlicher und sicherer, dass man im ledigen Stand bleibt, und in dieser Zeit und bei diesen Zuständen in keine Heirat wechsle, sofern jemand die Gabe der Keuschheit hat, um außerhalb der Ehe zu bleiben. Denn bei schweren Angriffen und Verfolgungen wird die gemeinsame Last und Würde des Ehestands noch beschwerlicher, und es haben die verheirateten Personen größere Anfechtungen zu erleiden, als die ledigen. Zum Beispiel: Eine christliche Matrone ist unter Umständen schwanger, oder hat viele Kinder oder einen lieben Ehemann, die muss einen harten Kampf mit dem Fleisch und dem Geist ausstehen, bis sie so standhaft wird, dass sie ihren Ehemann und die lieben Kinder verlässt und entweder ins Elend hinauszieht oder den Tod erleidet. So verhält es sich auch bei den Männern. Darum handeln die weise, die, wenn sie vom Band der Ehe befreit sind, sofern sie sich nur enthalten können, zumindest so lange den Ehestand in solch gefährlichen Zeiten meiden, bis es wieder etwas leidlicher in den Kirchen zugeht, und man weniger Beschwernisse und Anfechtungen erlebt. Die aber, wie die Katholiken es tun, die Jungfrauen schaffen und den ledigen Stand dem Ehestand vorziehen, als ob es an sich selbst eine heilige Handlung wäre, die irren weit von der Meinung des Apostels Paulus ab.

27. Bist du an ein Weib gebunden, so suche nicht, sie loszuwerden; bist du aber los vom Weibe, so suche kein Weib.

Nicht los: Mach dich nicht vom Ehestand los, sondern bleibe bei dem Tun, wozu dich Gott erfordert hat. Dies fügt Paulus mit ein, damit nicht jemand, wegen der herannahenden Gefahren, vom Ehestand, worin er sich bereits befindet, austritt.

Vom Weibe: Dass du entweder nie eine Frau gehabt oder durch deren Tod vom Band der Ehe freigeworden bist.

Kein Weib: Sondern bleibe in der Freiheit des ledigen Standes wegen der gegenwärtigen gefährlichen Zustände in den Kirchen, sofern du dich vom Ehestand enthalten kannst. Denn die oben aufgestellte Regel gilt allgemein: Wer sich nicht enthält, der heirate. Es ist besser zu heiraten, als unter der Geilheit zu leiden.

28. So du aber freist, sündigst du nicht; und so eine Jungfrau freit, sündigt sie nicht; doch werden solche leibliche Trübsal haben. Ich verschone aber euer gerne.

Sie nicht: Wenn sie sich in den Ehestand begibt, auch in diesen beschwerlichen Zeiten.

Trübsal haben: Sie werden viele beschwerliche Unfälle und Anfechtungen ausstehen müssen in den Verfolgungen, als andere, die nicht verheiratet sind.

Verschont: Und ich möchte euch gerne raten, dass ihr so viel wie möglich, nur die leichteste und erleidbare Trübsal ausstehen müsstet. Denn es soll sich selber keiner das Unglück anrichten, wenn er ihm ausweichen kann.

29. Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Weiter ist das die Meinung: Die da Weiber haben, dass sie seien, als hätten sie keine, und die da weinen, als weinten sie nicht,

Das: Jetzt ermahnt Paulus die Eheleute, dass sie den Ehestand recht und gebührend nutzen sollen.

Zeit ist kurz: In diesem vergänglichen Leben. Darum muss man fleißig darauf achten, dass sie gut angelegt wird. Denn die vergangenen Zeiten sind nicht wiederzubringen.

Sie keine: Sie sollen nicht all ihr Glück und ihre Wohlfahrt darauf setzen, wenn sie liebe, holdselige und anmutige Gehilfen dieses Lebens haben, dass sie, um den Frauen zu gefallen die Werke der Liebe unterlassen, oder die christliche Religion verbergen oder auch verleugnen wollten, damit sie nicht gezwungen werden, die Frauen zu verlassen oder sie mit sich in Gefahr bringen müssen. Sondern sie sollen Gott mit freiem Gemüt dienen und die Liebe Gottes der Zuneigung der Ehefrauen vorziehen. Diese Lehre sollen diejenigen Ehemänner wohl beachten und fleißig darüber nachdenken, die liebe Frauen haben, dass sie diese Ehefrauen nicht mehr lieben oder auch fürchten, als Gott.

Und: Paulus wendet sich in seiner Rede, nach seiner Gewohnheit, nun einer anderen Sache zu und erinnert uns, dass wir mit unseren Gedanken uns nicht so sehr in diese Welt vergaffen sollen und ihr gar zu viel ergeben sind.

Sie nicht: Dass sie sich in ihrem Herzeleid mäßigen und erinnern, wie der fromme Tod all ihrem Unglück ein Ende macht. Denn man soll auch in der Traurigkeit maßhalten.

30. und die sich freuen, als freuten sie sich nicht, und die da kaufen, als besäßen sie es nicht,

Freuen: Wenn sie mit zeitlichen Guttaten von Gott beschenkt worden sind.

Sich nicht: Das bedeutet: Sie sollen es mit der Freude nicht übertreiben, als ob die rechte Seligkeit auf zeitlichem Glück und Wohlfahrt beruhen würde, sondern sie sollen Gott dankbar sein aber dennoch nach den himmlischen und ewigen Gütern ein sinnliches Verlangen in sich tragen. Denn Gott schenkt uns die zeitlichen Güter nicht darum, dass wir darüber die himmlischen Güter vergessen sollten.

Es nicht: Dass sie das Herz nicht an solch vergängliche Güter hängen, noch für den rechten Reichtum halten, ihr Vertrauen daraufsetzen oder damit protzen. Sondern sie sollen ihren Schatz und Reichtum im Himmel haben {Mt 7}. Denn die sich zu sehr um die Erde kümmern, die verlieren gewöhnlich den Himmel.

31. und die diese Welt gebrauchen, dass sie dieselbe nicht missbrauchen; denn das Wesen dieser Welt vergeht {Joh 2v17}.

Brauchen: Denn man muss mit den Leuten umgehen, mit ihnen handeln und andere Sachen mehr mit ihnen gemeinsam gebrauchen. Doch das geschehe in der Gottseligkeit, mit Gerechtigkeit und Ehrbarkeit und indem man das Herz nicht ganz und gar an weltliche Sachen hängt, dass man wegen derer willen sich des Ewigen nicht mehr annimmt. Denn d. h., die Welt missbrauchen. Deswegen soll ein Christ diese Welt gebrauchen, wie ein Wanderer eine Herberge, dass, wenn er auf eine Herberge am Wegesrand stößt, er sich ehrlich erfreut. Trifft er dann dort einen unbequemen Gast an, so soll er nicht aus Ungeduld kleinmütig werden, sondern daran denken, dass er in dieser Herberge sich nicht lange aufhalten wird.

Vergeht: Der Zustand, alles Glück, Pracht und Herrlichkeit dieser Welt währt nicht lange. Denn entweder verlassen die Güter uns, oder wir müssen sie verlassen.

32. Ich wollte aber, dass ihr ohne Sorge wäret. Wer ledig ist, der sorgt, was dem Herrn angehört, wie er dem Herrn gefalle.

Ich: Paulus wendet sich wieder an den ledigen Stand und rühmt diesen.

Sorge währt: Und so viel wie möglich in dieser Welt wenig, Kummer und Anfechtung hättet, damit ihr Gott dem Herrn desto fertiger und ungehindert ohne Abwendung oder Abhaltung, den der Ehestand manchmal verursachen kann, ganz dienen könnt. Es ist aber dies alles von denen zu verstehen, die die Gabe der Keuschheit außerhalb der Ehe haben.

Herrn gefalle: Er braucht die Sorge nicht, wie er Frau und Kinder ernähren und schützen soll, und er fürchtet sich auch nicht, dass er mit dem Bekenntnis der Wahrheit entweder seine Frau, wenn sie eine andere Religion hat, beleidigt oder, wenn sie einen gemeinsamen Glauben haben, sie mitsamt den Kindern in Gefahr des Leibes und Gutes stürzt. Sondern er kann sich ohne Hindernis darum bemühen, weil er weiß, dass es Gott gefällt.

33. Wer aber freit, der sorgt, was der Welt angehört, wie er dem Weibe gefalle. Es ist ein Unterschied zwischen einem Weibe und einer Jungfrau.

Weibe gefalle: Dass er sie nicht erzürnt, sondern sich solche Sachen vornimmt, wodurch das Gemüt seiner Frau besänftigt wird, damit er im ruhigen Ehestand lebt. Solche Gedanken lenken das Gemüt des Mannes oftmals ab, dass er sie nicht dahin richten kann, wie er all sein Tun zur Ehre Gottes anstellt. Paulus will aber mit diesen Worten nicht lehren, dass der Ehestand immer ein Hindernis ist, womit man Gott nicht ordentlich dienen könnte. Denn es kann wohl geschehen, dass ein frommer Ehemann eine solche fromme Ehefrau bekommt und wiederum eine christliche Ehefrau einen solch frommen Mann, dass sie sich beide gegenseitig anreizen und behilflich sind, um mit allem Fleiß der wahren Gottseligkeit nachzustreben. Sondern Paulus spricht von Ehepaaren, wie es damals bei ihnen üblich war, dass sie größtenteils nicht einen Glauben hatten. Da hatte ein christlicher Ehemann eine heidnische oder jüdische Frau und wiederum eine christliche Ehefrau war mit einem heidnischen oder jüdischen Mann verheiratet. Da war es nötig, dass christliche Ehepaare um des häuslichen Friedens und der Ruhe wegen viel übersehen und dulden, was sie im ledigen Stand nicht gebraucht hätten. Wie auch noch heutzutage ein Ehemann, der nicht in der rechten Religion ist, den Eifer seiner frommen Frau gleichsam schwächt und zurückhält und andersherum. Und dennoch will Paulus nicht, dass wegen solcher Hindernisse, die im Ehestand vorkommen, sich die Eheleute scheiden lassen sollen, wie oben gehört, sofern einer der frommen Eheleute nicht gezwungen wird, die Wahrheit des Evangeliums zu verleugnen oder etwas zu tun, was Gott verboten hat.

34. Welche nicht freit, die sorgt, was dem Herrn angehört, dass sie heilig sei, beide, am Leibe und auch am Geist; die aber freit, die sorgt, was der Welt angehört, wie sie dem Manne gefalle.

Unterschied: Nämlich, was diese Sache betrifft, dass eine Person viel besser und mit weniger Hindernissen Gott dienen kann, als die andere.

Angehört: Sie wird nicht von Sorgen abgehalten, dass sie darüber nachdenken müsste, wie sie die gutwillige Freundschaft und eheliche Zuneigung ihres Mannes unterhalten und erhalten kann, sondern sie richtet all ihren Sinn und ihre Gedanken dahin, dass sie tun kann, was Gott angenehm und gefällig ist. Diese hält nicht nur allein den Leib keusch und unbefleckt, sondern hütet sich auch, so viel es einem Menschen möglich ist, dass innen im Herzen keine Flammen der Unzucht brennen. Mit diesen Worten zeigt Paulus an, was für eine große Gabe der Keuschheit diejenigen haben müssen, die sich vorgenommen haben, im ledigen Stand zu bleiben, dass sie nämlich, auch von allen anderen unreinen Begierden frei sind. Darum sind solche Personen, egal ob Männer oder Frauen, nicht tauglich zum ledigen Stand, die, obwohl sie den Leib nicht beflecken, dennoch innerlich mit unzüchtigen Begierden brennen.

Welt angehört: Sie wird mit vielen weltlichen Sorgen umgetrieben und abgehalten, darunter befindet sich auch diese, und das ist nicht die kleinste, dass sie beachten muss, was sie tun oder lassen kann, damit sie die Gunst des Mannes nicht verliert. Wenn nun eine im Ehestand mit solchen Sachen umgeht und sich damit bemüht, so hat sie weniger Gedanken darauf, wie sie in allem ihrem Handeln Gott gefallen kann. Und so erkaltet also der Eifer in der Gottseligkeit oder ist doch nicht so inbrünstig. Dies alles ist, wie oben berichtet, vornehmlich auf ungleiche Heirat bezogen. Darum, damit nicht jemand meint, man müsse den Ehestand generell meiden, weil er an der Ehre Gottes und an der Seligkeit hinderlich wäre und den ledigen Stand erwählt, sich mit seiner Seele in Gefahr begibt, weil er die Gabe der Keuschheit außerhalb der Ehe nicht hat, so zeigt Paulus bald darauf an, wie er keinem zum Ehestand rät, noch jemanden zum ledigen Stand treibt, obwohl er diesen wegen seines besonderen Vorteils rühmt. Es sollen aber auch die Ehemänner nicht so weich und verzagt sein, dass sie vielmehr Gott, als die Frau erzürnen wollten.

35. Solches aber sage ich zu eurem Nutz; nicht, dass ich euch einen Strick an den Hals werfe, sondern dazu, dass es fein ist, und ihr stets und unverhindert dem Herrn dienen könntet.

Solches: Jetzt erklärt Paulus deutlich, was seine Meinung ist, damit nicht jemand denken könnte, er hielte den ledigen Stand so hoch, dass er vom Ehestand abraten würde.

Nutz: Dass euch in diesen trübseligen Zeiten umso weniger Ungelegenheiten begegnen und ihr nicht so vielen Anfechtungen unterworfen seid.

Nach Luther: Paulus will niemandem die Ehe verbieten, wie es im Gelübde geschieht bei den Pfaffen, Mönchen und Nonnen.

Hals werfe: Mit diesem Ratschlag, den ich euch in Bezug auf den ledigen Stand geschrieben habe, möchte ich euer Gewissen nicht irremachen, sodass ihr zweifeln müsst, ob ihr euch auch mit gutem Gewissen in den Ehestand begeben dürft, wenn ihr es gerne möchtet. Dagegen aber verwickelt und verstrickt der Papst (der doch Nachfolger von Petrus und Paulus sein will) unter dem Schein der Religion die Gewissen der Menschen mit dem Gelübde der Keuschheit außerhalb der Ehe, stürzt dadurch mit seinem unreinen, ehelosen Leben viele 1000 Seelen, die die Gabe der Keuschheit außerhalb der Ehe nicht haben, indem sie Leib und Seele verunreinigen, ins ewige Verderben.

Fein ist: Und an sich selbst ebenso wohl recht ist und erlaubt ist wie der Ehestand. Darum rate ich euch zum ledigen Stand.

Dienen könnt: Und im Bekenntnis der christlichen Religion ohne teures Hindernis umso standhafter und freudiger verharrt und mit umso größerem Eifer Gott dem Herrn dient.

36. Aber jemand sich lässt dünken, es wolle sich nicht schicken mit seiner Jungfrau, weil sie eben wohl mannbar ist, und es will nicht anders sein, so tue er, was er will; er sündigt nicht, er lasse sie freien.

Nicht schicken: Dass sie also in der Jungfernschaft bleibt und veraltet. Denn in den Augen der Menschen ist es eine ungewöhnliche Sache mit einer alten Jungfrau.

Nicht anders: Dass es die Not erfordert, sie auszusteuern, weil sich der Vater sorgen muss, wenn er seine Tochter von der Ehe abhält, dass sie wegen ihrer Zucht und Ehre nicht etwa in Gefahr kommt und in Schande gerät.

Er will: Er kann sie aussteuern und jemandem zur Ehe geben.

Sündigt nicht: Wenn er seine Tochter aussteuert. Hier spürt man, mit welch großem Fleiß der Apostel Paulus verhindern möchte, dass er den Leuten keinen Aberglauben einreden möchte, als ob sie eine Sünde begehen würden, wenn sie sich in den Ehestand begeben.

37. Wenn einer aber sich fest vornimmt, weil er ungezwungen ist und seinen freien Willen hat, und beschließt solches in seinem Herzen, seine Jungfrau also bleiben zu lassen, der tut wohl.

Fest vornimmt: Dass er seine Tochter nicht aussteuern will wegen der gegenwärtigen gefährlichen Zeiten.

Freien Willen: Dass ihn keine Not dazu treibt, damit er die Ehre und Keuschheit seiner Tochter durch den Ehestand in Ordnung hält, sondern nach seinem Wohlgefallen es ihm freisteht, das eine oder das andere zu tun, sodass das Gewissen der Tochter durch den ledigen Stand nicht gefährdet wird.

Nach Luther: Das heißt: Wenn sie einwilligt, ist er ungezwungen, denn Gottes Gebot zwingt ihn nicht dazu.

Tut wohl: Denn es wird seiner Tochter so zum Besten geschehen, wenn sie rührig bleibt und nicht durch eine ungleiche Heirat in große Unannehmlichkeiten kommt. Diese Aussage lehrt klar, dass die Kinder so in der elterlichen Gewalt sind, dass deren Bewilligung zur Heirat der Kinder erforderlich ist. Diese Gewalt sollen die Eltern jedoch nicht missbrauchen. Denn Paulus lässt dem Vater diese Gewalt über seine Tochter, dass er sie in der Jungfernschaft behalten kann, in der Form, wenn es die Not nicht erfordert, dass die Tochter ausgesteuert wird und keine Gefahr um ihre Keuschheit und ihr Gewissen besteht. Darum, wenn die Eltern aus keinem erheblichen Grund, sondern aus irgend einer Halsstarrigkeit oder wegen ihres eigenen Nutzens oder aus Habgier (wie es oft geschieht) ihre Kinder von einer ehrlichen Heirat abhalten wollen, so soll die Obrigkeit als Vater des Vaterlands von Amts wegen solch eine Tyrannei der Eltern abwehren und es diesen Kindern erlauben, dass sie sich in den Ehestand begeben können.

38. Endlich, welcher verheiratet, der tut wohl; welcher aber nicht verheiratet, der tut besser.

Tut besser: Er hilft seiner Tochter in ihrer zeitlichen Wohlfahrt und Ruhe, dass sie dem Herrn umso besser dienen kann, und nicht mit den Sorgen des Ehestands abgehalten oder gehindert wird. Und es besteht kein Zweifel, dass diejenigen ruhiger leben, die sich vom Ehestand enthalten, als im Ehestand leben (sofern sie die Gabe der Keuschheit außerhalb der Ehe haben).

Nach Luther: Nicht dass er oder seine Tochter vor Gott damit höher werden, vor welchem allein der Glaube hebt, sondern wie er droben sagt, dass sie Gott besser dienen kann in diesem Leben.

39. Ein Weib ist gebunden an das Gesetz, solange ihr Mann lebt; so aber ihr Mann entschläft, ist sie frei, sich zu verheiraten, welchem sie will; allein, dass es in dem Herrn geschehe.

Ein: Jetzt gibt Paulus auch den Witwen einen Rat, was ihnen bei dem jetzigen Zustand am nützlichsten ist.

Gesetz: Des Ehestands, den sie unzerbrechlich halten soll.

Mann lebt: Dass sie diesen nicht verlassen, noch einen anderen ohne Übertretung der Gesetze Gottes heiraten kann, es sei denn, sie ist in ordentlicherweise wegen eines Ehebruchs des Mannes von ihm geschieden, was Christus selbst als rechte Ursache der Ehescheidung anzeigt {Mt 19}.

Herrn geschehe: Wenn sie jedoch für sich selbst beschlossen hat, dass sie sich wiederum verheiraten möchte, so soll sie in der Furcht des Herrn heiraten und sich einen solchen Ehemann aussuchen, durch dessen Gemeinschaft sie von der wahren Gottseligkeit nicht abgehalten wird, damit es nicht den Anschein hat, als würde sie allein ihre fleischliche Wollust befriedigen, den Eifer zur rechten Religion und zur Ehrbarkeit aber fahren lassen. Es wäre aber zu wünschen, dass sich nicht tägliche Beispiele ereignen würden, die voller Ärgernisse sind, wo ehrbare Männer sich mit Witwen in eine solche Heirat einlassen, dass sie weder auf ihren guten Namen, noch die Ehrbarkeit oder auch ihre ewige Wohlfahrt achten, sondern gleichsam mit einer unzüchtigen Wut getrieben werden. Darum soll man die Witwen mit Fleiß ermahnen, wenn sie wieder heiraten wollen, dass sie dies in der Furcht Gottes und in Ehrbarkeit tun.

40. Seliger ist sie aber, wo sie also bleibt, nach meiner Meinung. Ich halte aber, ich habe auch den Geist Gottes.

Seliger: In diesem zeitlichen Leben, dass sie weniger Anstoß hat, ruhiger bleibt und Gott besser dienen kann. Es spricht aber Paulus von den Witwen, die auf den Ehestand verzichten können. Denn den anderen, jungen Witwen, die die besondere Gabe der Keuschheit nicht haben, rät er nicht allein, sondern er befiehlt ihnen auch, dass sie sich wieder in den Ehestand begeben sollen, damit ihre Keuschheit, ihr guter Name und ihre Gottseligkeit nicht in Gefahr kommen {1Tim 5}.

Geist Gottes: Diese Worte setzt Paulus hinzu, damit niemand seinen Ratschlag verachtet oder ihm deswegen übel nachredet, als wäre es nur eine fleischliche Weisheit und nicht aus Erleuchtung des Heiligen Geistes gekommen. Und das will so viel sagen: Ich weiß, dass ich mit dem Heiligen Geist begabt bin, und was ich euch rate, das rede ich nicht nach dem Urteil der menschlichen Vernunft, sondern aus Erleuchtung des Geistes Gottes. Darum, die in schweren Läufen die Gabe der Keuschheit außerhalb der Ehe haben, die mögen sie gebrauchen und ohne Ehe bleiben nach dem heilsamen und gottseligen Ratschlag des Apostels Paulus. Die aber fleischliche Lust und Begierde empfinden, die sollen mit dem Ehestand ihrer Schwachheit helfen, nach dem Befehl Paulus, wenn er sagt: Wer sich nicht enthält, der heirate.


Das 8. Kapitel


Paulus beantwortet die Frage nach dem Essen des Götzenopfers und mahnt, dass man sich davor hüten soll, damit wir mit heimlicher Bewilligung in die Abgötterei unser Gewissen nicht beschweren, noch den Nächsten mit falschem Gebrauch der Freiheit ärgern.

1. Von dem Götzenopfer aber wissen wir; denn wir haben alle das Wissen. Das Wissen bläst auf; aber die Liebe bessert.

Von: Der Apostel Paulus behandelt in diesem Kapitel den richtigen Gebrauch der christlichen Freiheit. Denn damals fand in der Stadt Korinth noch Abgötterei statt. Wenn nun die abgöttischen Heiden ihre Opfer verrichtet hatten, wurden die Christen gelegentlich von den Heiden, weil sie mit ihnen befreundet oder bekannt waren, zum Feiern eingeladen, wobei unter anderem auch Teile, die von den abgöttischen Opfern übrig geblieben waren, vorgesetzt wurden. Und zweifellos hat es sich oft zugetragen, dass eine christliche, gottselige Hausmutter beim Gastmahl ihres heidnischen Ehemanns erscheinen musste, wo man Fleisch von den Opfern gegessen hat. Auch wenn etliche Christen von den Götzenopfern oder von dem Fleisch, wovon ein Teil den Götzen geopfert worden war, ungescheut aßen, weil sie wussten, dass die Götzen oder Götter der Heiden in der Natur nichts waren, Gott aber alle Dinge erschaffen hatte und dass solches Fleisch an sich selbst nicht unrein, sondern von Gott zum Nutzen der Menschen erschaffen worden ist, so ärgerten sich andere Christen darüber, die im christlichen Glauben noch schwach waren und in der Lehre von der christlichen Freiheit noch keine ausreichende Erfahrung hatten. Denn diese fassten einen bösen Verdacht gegen die anderen Christen, die vom Götzenopfer aßen, als ob ihnen die Abgötterei nicht sonderlich zuwider sei, und sie würden vielleicht bald wieder zur Heidenschaft zurückkehren. Oder es fanden sich auch etliche, die, damit sie beim Gastmahl nicht für unhöflich und unbescheiden gehalten wurden, unter Verletzung ihres Gewissens zugleich neben anderen vom Götzenopfer aßen, obwohl sie es in ihrem Gewissen für Unrecht hielten, weil sie noch nicht genug von dieser Sache erfahren hatten. Darum erinnert Paulus die Korinther, dass sie den Gebrauch der christlichen Freiheit etwas zurücknehmen sollten, und damit die Gewissen der Schwachen etwas verschonen, damit sie nicht durch einen übertriebenen Gebrauch der Freiheit die Schwachen ins Verderben stürzen. Daneben aber streut er scharfe Strafpredigten mit unter, wegen der nichtigen Aufblähung einer vermeintlichen Weisheit, womit viele Korinther behaftet waren, weil sie ihre Weisheit schlecht gebrauchten.

Das Wissen: Dies ist ironisch gemeint, als wollte er sagen: Ich weiß, dass ihr Korinther wegen eurer großen Weisheit, die ihr in Sachen, die die christliche Religion betreffen, zu haben meint, aufgeblasen seid. Darum kommt ihr mit eurer Weisheit aus diesem Wahn zur falschen Zeit hervor, indem ihr gelernt habt, dass den Reinen alles rein ist. Aber ihr seht nicht auf die schwachen Christen, sündigt also gegen die christliche Liebe, wo ihr euch doch viel mehr nach der Liebe, als nach eurer aufgeblasenen Weisheit richten solltet. So sollen die Kirchendiener das Unrecht ihrer Zuhörer und ihre Irrtümer mit gebührender Mäßigung und Bescheidenheit strafen.

Bläst auf: Wenn jemand in Religionssachen viel weiß, dies aber nicht zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Nächsten anwendet, so wird er dadurch nur stolz und aufgeblasen und schadet der Kirche mehr, als dass er sie fördert. Wessen Herz aber mit christlicher Liebe brennt, der gebraucht seinen Verstand so, dass der Nächste dabei erbaut wird, im Glauben zunimmt und in der wahren Gottseligkeit immer weiterkommt. Es wird aber hiermit die Weisheit keineswegs verworfen, ebenso wenig, wie die Unwissenheit gerühmt wird, sondern der Missbrauch der Weisheit zu Stolz und Überheblichkeit ist zu verdammen, weil die Kirche Christi davon nicht erbaut wird. Denn es bläst das Wissen auf, nicht für sich selbst, sondern auf zufällige Art und Weise. Und dieser Spruch des Paulus soll auch diejenigen Kirchendiener zurückhalten und zurechtweisen, die ihre Kunst mehr zur Pracht als zur Erbauung der Kirche missbrauchen, womit sie auch allgemein den gottseligen Frieden und die christliche Einheit zerstören. Denn die aufgeblasenen Korinther hatten eine viel größere Fantasie der Weisheit als eine rechtschaffene und gründliche Erkenntnis in geistlichen Sachen. Sonst hätten sie sich nicht nur der christlichen Freiheit gerühmt, sondern auch gewusst, wie und wann sie diese recht gebrauchen sollten.

Nach Luther: Hier beginnt der Apostel, die Liebe gegen die Schwachgläubigen zu preisen.

2. So aber sich jemand dünken lässt, er wisse etwas, der weiß noch nichts, wie er wissen soll.

Wissen soll: Denn die wegen irgendeiner angemaßten Weisheit aufgeblasen sind und unter solchem Anschein die Schwachen ärgern, die geben eben damit zu verstehen, dass sie in geistlichen Dingen noch nicht so viel gelernt haben, wie sie sollten. Und es geschieht allgemein, dass die, die in geistlichen Sachen wenig erfahrenen, damit sehr übermütig werden, gerade so, als wüssten sie alle Geheimnisse auf den Punkt genau auswendig, wo ihnen doch noch so viel zu wissen mangelt.

3. So aber jemand Gott liebt, derselbe ist von ihm erkannt.

Erkannt: Denn es ist damit nicht alles ausgerichtet, dass jemand die christliche Religion versteht und das reine Wissen macht allein nicht selig. Gott erkennt auch diejenigen nicht gleich für seine Kinder und Erben des ewigen Lebens, die viel wissen, sondern die ihn lieben. Die aber Gott lieben, die lieben auch um Gottes willen den Nächsten und missbrauchen ihr Wissen nicht zum Ärgernis des Nächsten. Paulus stellt an diesem Ort die Liebe Gottes, dass wir Gott lieben, nicht als einen Grund unserer Seligkeit dar, sondern lehrt, was das Kennzeichen ist, woran diejenigen erkannt werden, die bei Gott in Gnaden sind, nämlich die Liebe Gottes. Es lieben aber die Gott nicht, die den Nächsten nicht lieben. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann der Gott lieben, den er nicht sieht {1Joh 4}? Es ist deswegen aus diesen Worten des Apostel Paulus offenbar, dass die Gott nicht lieben, die sich nicht scheuen, ihren Nächsten mit einem unnötigen Ärgernis zu schaden. Bis hierher war die Strafpredigt des Paulus auf die nichtige Vermessenheit der Korinther und ihren Vorwitz bezogen. Jetzt geht er zur Sache selbst über.

4. So wissen wir nun von der Speise des Götzenopfers, dass ein Götze nichts in der Welt sei, und dass kein anderer Gott sei ohne der einige.

Nichts: Wir Christen wissen, dass die Götter der Heiden, denen man abgöttische Bilder errichtet und ihnen opfert, in Wahrheit an sich selbst nichts sind, sondern nur eine vergebliche Fantasie und reine Menschendichtung. Wie auch die Teufel, die von etlichen verehrt werden, keine Götter sind, sondern böse Geister, die keine Gewalt haben, gerade so viel wie ihnen von Gott zugelassen wird.

Einige: Die deswegen mehr Götter verehren, wie es die tun, die drei Götter erdichten, oder die einer Kreatur (außer der persönlichen Vereinigung in Christus) göttliche Ehre zumessen, die legen dem wahren Gott eine Schmach an. Denn Gott kann nicht leiden, dass seine Ehre einem anderen gegeben wird.

5. Und wiewohl es sind, die Götter genannt werden, es sei, im Himmel oder auf Erden, weil es sind viel Götter und viel Herren:

Im Himmel: Wie die Heiden dergleichen himmlische Götter errichten.

Auf Erden: Wie die, die im Stand der weltlichen Ordnung sind, die auch Götter genannt werden.

Sind: Nach der Meinung und der falschen Vorstellung der Heiden.

Viele Götter: Die nach dem Gottlosen Aberglauben der Heiden als Götter ausgerufen wurden.

Herren: Die Gewalt auf Erden haben.

6. So haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von welchem alle Dinge sind und wir in ihm, und einen Herrn, Jesum Christus, durch welchen alle Dinge sind und wir durch ihn.

Einen Gott: Wir Christen haben nicht viele Götter, weil wir die heidnischen Götter verwerfen. Von der Obrigkeit aber wissen wir, dass sie sterbliche Menschen sind {Ps 82}. Darum gibt es nur einen einzigen wahren und allmächtigen Gott.

Von welchem alle: Der alles erschaffen hat, was im Himmel und auf Erden ist. Denn dem Vater, als einem Urheber, wird die Schöpfung zugemessen, weil er durch den Sohn in Kraft des Heiligen Geistes alles erschaffen hat.

In ihm: Wir sind um seinetwillen und zu seiner Ehre erschaffen. Darum sollen wir auch all unser Tun zu seinem Lob ausrichten und ihm von ganzem Herzen dienen.

Wir durch ihn: Wir Menschen sind durch ihn zum ewigen Leben erschaffen. Hier muss man beachten, wie fleißig Paulus den Sohn in der Erschaffung der Welt zum Vater setzt, um anzuzeigen, der Sohn sei eben derselbe wahre Gott, obwohl er eine andere Person ist als der Vater. Denn so oft die Schrift irgendeine Person der Gottheit einen und allein Gott nennt, schließt sie die anderen beiden Personen von der Gottheit nicht aus, sondern nur die nichtigen Götzen der Heiden, damit man diesen keine Gottheit zumisst. Ferner hören wir hier, dass wir nur einen Herrn Jesus Christus haben, der unser Erlöser ist, nicht mehr. Denn es ist ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung {1Tim 2}. Die deswegen mehr Mittler zwischen Gott und den Menschen erwählen, die tun dem Sohn Gottes, Jesus Christus, eine Schmach an.

7. Es hat aber nicht jedermann das Wissen. Denn etliche machen sich noch ein Gewissen über dem Götzen und essen es für Götzenopfer; damit wird ihr Gewissen, weil es so schwach ist, befleckt.

Das Wissen: Von der christlichen Freiheit, was einem Christen freisteht oder nicht. Und es wissen zwar etliche, weil die Götzen der Heiden nichts sind, dass das Fleisch, wovon den Götzen etwas geopfert worden ist, an sich selbst vor Gott ebenso ist, wie anderes Fleisch, darum gehen sie zum Gastmahl der Heiden und essen vom Götzenopfer ohne Verletzung ihres eigenen Gewissens. Andere aber, die noch schwach sind und die Lehre von der christlichen Freiheit nicht ausreichend erfasst haben, aber dennoch bei den Mahlzeiten nicht zu unhöflich oder für etwas Besonderes gehalten werden möchten. Diese, obwohl sie wissen, dass man von diesem Fleisch den Götzen geopfert hat, und die es in ihrem Gewissen für eine Sünde halten, wenn man von dem Götzenopfer isst, essen dennoch davon mit zweifelhaftem, ja widerstrebendem Gewissen.

Schwach ist: Und mit dem Wort Gottes noch nicht ausreichend unterrichtet und gestärkt worden ist. Denn der kann kein reines und gesundes Gewissen haben, der eine Sache für Sünde hält oder doch zweifelt, ob es Sünde ist, und dennoch genau das tut, woran er zweifelt oder was sein Gewissen verwirft. Daher sagt Paulus: Was nicht aus dem Glauben ist, das ist Sünde. Und die Alten haben zu Recht gesagt: Ein zweifelhaftes Gewissen baut die Hölle. Darum (will Paulus sagen) müssen wir uns fleißig hüten, dass wir mit unserem Beispiel niemandem Anlass geben, etwas mit zweifelhaftem oder bösem Gewissen zu tun. Denn obwohl für Gott nichts daran gelegen ist, ob wir vom Götzenopfer essen oder nicht, so ist doch den schwachen Mitchristen viel daran gelegen.

8. Aber die Speise fördert uns nicht vor Gott. Essen wir, so werden wir darum nicht besser sein; essen wir nicht, so werden wir darum nichts weniger sein.

Gott nicht: Wir sind darum Gott nicht lieber oder stehen in größerem Ansehen bei ihm, wenn wir die christlichen Freiheiten gebrauchen und mit ruhigem Gewissen von den Götzenopfern essen.

Nichts weniger: Wir werden vor Gott weder mehr noch weniger gelten, ob wir vom Götzenopfer essen oder nicht. Denn das Reich Gottes besteht nicht aus Essen und Trinken, sondern aus Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist {Röm 14}.

9. Seht aber zu, dass diese eure Freiheit nicht gerate zu einem Anstoß der Schwachen.

Seht aber zu: Nämlich ihr, die ihr die christliche Freiheit gebrauchen wollt.

Freiheit: Indem ihr wisst, dass es an sich selbst jedem freisteht und zugelassen ist, von den Götzenopfern zu essen.

Schwachen: Die erst seit Kurzem zur christlichen Religion gekommen sind und noch nicht ausreichend davon erfahren oder gestärkt worden sind, dass sie euch nicht mit einem zweifelnden Gewissen folgen und ihre Gewissen darüber verletzen.

10. Denn so dich, der du die Erkenntnis hast, jemand sähe zu Tische sitzen im Götzenhause, wird nicht sein Gewissen dieweil er schwach ist, verursacht, das Götzenopfer zu essen?

Götzenhaus: Wo verzehrt wird, was von den Opfern übrig geblieben ist und man eine Mahlzeit oder ein Bankett davon hält. Wenn ein Schwacher im Glauben dich dort sitzen sieht, so würde er freilich denken: Siehe, dieser ist auch ein Christ und isst dennoch vom Götzenopfer, warum sollte ich mich denn davor ekeln? Er würde also durch dein Beispiel dazu gereizt werden, dass er auch isst, was doch nicht ohne Verletzung seines Gewissens geschehen kann.

11. Und wird also über deiner Erkenntnis der schwache Bruder umkommen, um welches willen doch Christus gestorben ist.

Umkommen: Und ewig verdammt werden durch dein Wissen, was du zur falschen Zeit gebrauchst, weil er, der schwache Mitchrist daher verleitet wird, gegen sein Gewissen zu handeln, den doch Christus so hoch geachtet hat, dass er um seinetwillen gestorben ist. Du bringst also mit deinem unangemessenen Gebrauch der christlichen Freiheit denjenigen ins Verderben, den Christus selig haben möchte. Denn wer gegen sein Gewissen handelt, der kann den Glauben nicht behalten, dass er einen gnädigen Gott habe. Wer aber den Glauben verliert, der verliert auch die Seligkeit.

12. Wenn ihr, aber also sündigt an den Brüdern und schlagt ihr schwaches Gewissen, so sündigt ihr an Christo.

Schlagt: Damit, dass er ihnen Anlass gibt, ihre schwachen Gewissen zu verletzen und zu verwunden.

An Christus: Und nicht nur allein an den Menschen. Denn was gegen einen Christen geschieht, das ist Christus selbst zuwider, dessen Glieder alle rechtschaffenen Christen sind. Daher sagte Jesus zu Paulus, als dieser noch ein Verfolger war: Saul, Saul was verfolgst du mich? Wo er doch seiner Meinung nach nicht Christus, sondern etliche schlechte und liederliche Menschen verfolgte {Apg 9}.

13. Darum, so die Speise meinen Bruder ärgert, wollte ich nimmermehr Fleisch essen, auf dass ich meinen Bruder nicht ärgerte.

Nimmermehr: Ich bin also so eingestellt, dass ich viel eher während meines ganzen Lebens auf Fleisch verzichten würde, als das Gewissen eines einzigen Christen mit einem falschen Gebrauch der christlichen Freiheit zu verletzen oder zu beflecken, wenn ich wüsste, dass irgend ein schwacher, christlicher Bruder dadurch geärgert werden würde, wenn er sieht, dass ich vom Götzenopfer esse. Es wäre zu wünschen, dass man sich auch heutzutage so sehr davor hütet, dass man nicht Ärgernis gibt und an den Spruch Christi denkt: Wer einen von diesen Kleinsten ärgert, die an mich glauben, dem wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er im Meer ersäuft würde, wo es am tiefsten ist {Mt 18}. Diese Lehre des Paulus von den Götzenopfern kann auch auf unsere heutige Zeit angewendet werden. Denn weil die römischen Päpste die Kirche Christi mit vielen Menschensatzungen beschwert haben, wir aber durch Gottes Gnade wissen, dass die Christen Freiheit haben, die Mitteldinge, die Gott weder geboten noch verboten hat frei und nach ihrem Gefallen zu gebrauchen, so müssen wir uns vorsehen, dass wir unsere Freiheit nicht zur Unzeit missbrauchen mit einem Ärgernis für die Schwachgläubigen oder denen, denen noch zu helfen ist und von denen man noch gute Hoffnung haben kann, dass sie für Christus gewonnen werden können, und so entweder die schwachen Gewissen irremachen oder denen noch zu helfen sein könnte, von Gott abwenden. Sondern wir sollen uns vielmehr so verhalten, dass wir mit jedermann einig werden, damit wir für Christus viel gewinnen. Dies lehrt Paulus im folgenden 9. Kapitel. Aber gegen die halsstarrigen und verstockten Feinde des Evangeliums soll man die christliche Freiheit nicht gebrauchen und sie mit Beispielen bestätigen, damit solche Heuchler die Kirche Christi nicht in eine Dienstbarkeit zwingen {Gal 2}.


Das 9. Kapitel


1. Der Apostel mahnt, dass man im Gebrauch der äußeren Sachen die christliche Freiheit nicht missbrauchen soll, sondern alles Tun zur Ehre Gottes und zur Fortpflanzung des Evangeliums richten. 2. Er beweist danach, dass den Kirchendienern ihr Lohn gebührt. 3. Endlich erinnert er, dass man im Glauben und in der Gottseligkeit verharren soll.

1. Bin ich nicht ein Apostel? Bin ich nicht frei? Habe ich nicht unsern Herrn Jesum Christus gesehen? Seid nicht ihr mein Werk in dem Herrn?

Bin: Nachdem der Apostel Paulus die Korinther ermahnt hatte, dass sie mit einem unzeitigen Gebrauch der christlichen Freiheit die Schwachen im Glauben nicht ärgern und ins Verderben stürzen sollten, sondern vielmehr die Wohlfahrt und Seligkeit ihrer Mitbrüder im Auge haben sollen, so stellt er ihnen jetzt sein Beispiel zur Nachfolge vor, wie er, obwohl er, als ein vortrefflicher Apostel Christi, Fug und Macht gehabt hätte, er dennoch bei den Korinthern seine Freiheit nicht gebrauchen wollte, damit er niemandem ein Ärgernis gab, sondern vielmehr viele von ihnen für Christus gewann. Besonders aber dringt er darauf, dass er, obwohl er für die Predigt des Evangeliums von den Korinthern eine gebührende Bezahlung empfangen hätte können, er dies dennoch nicht tun wollte. Er beweist mit vielen Gründen und Zeugnissen aus der Schrift, dass man den Kirchendienern Bezahlung schuldig ist, damit die Korinther verstehen konnten, wie viel der Apostel von seiner Freiheit nachgelassen hatte, da er mit seiner Hände Arbeit seine Nahrung suchen wollte, als die gewöhnliche Besoldung empfangen, damit nicht jemand sagen könnte, er suche nicht Gottes Ehre und die Wohlfahrt der Kirchen, sondern schaue auf seinen eigenen Nutzen oder würde dem Müßiggang nachgehen.

Nicht frei: Dass ich nicht eben sowohl wie irgendein anderer Apostel Christi in äußeren Sachen Freiheit haben sollte, weil der Stand der Apostel der nächste Grad ist, nach dem höchsten und obersten Lehrer Christus?

Gesehen: Mit meinen Augen, als den Heiland der Welt, der mir auf dem Weg, als ich nach Damaskus gereist bin, erschienen ist und er mich zum Apostelamt berufen hat. Hier hat man zu beachten, dass Christus nach der Himmelfahrt auf Erden gewesen ist, als er Paulus erschienen ist {1Kor 15 Apg 22v23 v26}. Es irren sich deswegen diejenigen, die leugnen, dass Christus nach seiner Menschheit vor dem Jüngsten Tag auf Erden gewesen ist.

Ihr mein Werk: Als wollte er sagen: Gibt mir nicht die Kirche in Korinth, die ich dem Herrn Christus Jesus gepflanzt habe von sich selbst Zeugnis, dass ich ein vornehmer Apostel Gottes bin? Denn das Werk lobt den Meister. Und Gott erleuchtet oder bekehrt die Menschen durch Menschen. Dies steht dem entgegen, was Schwenkfeld als ein Schwärmer vorgibt.

2. Bin ich andern nicht ein Apostel, so bin ich doch euer Apostel; denn das Siegel meines Apostelamts seid ihr in dem Herrn.

Euer Apostel: Denn es ist mir nicht verborgen, dass es etliche Lästermäuler gibt, die mich verachten und in Zweifel ziehen, ob ich ein Apostel Christi bin, weil ich nicht unter die Zahl der zwölf gezählt werde. So lass ich mich doch durch diese Lästerung nicht irremachen. Und ihr Korinther werdet mich freilich für euren Apostel erkennen müssen, den Christus zu euch gesandt hat. Denn eure Bekehrung zu Christus, die Gott durch mich erwirkt hat, ist wie ein Siegel, womit mein apostolisches Amt bestätigt wird. Und so pflege ich mein Ansehen bei denjenigen zu handhaben, welche dies in Zweifel ziehen und genau danach forschen. Denn das ist die beste Art, die Lästerung zu widerlegen, wenn wir mit dem Werk bezeugen und beweisen, dass wir eine gute Sache haben und unschuldig sind. Weil ich demnach ein Apostel bin, dem auch Jesus Christus nach seiner Himmelfahrt auf Erden erschienen ist, meint ihr denn nicht, ich habe eine solche Gewalt und Freiheit, als sonst irgendein Christ? Dennoch habe ich mich dieser Freiheit niemals zu einem Ärgernis der Schwachen gebraucht, sondern mich vielmehr so verhalten, dass ich mich meiner christlichen Freiheit oftmals enthalten habe, damit ich die Schwachen im Glauben stärken und noch viele andere mehr für Christus gewinnen könnte.

3. Wenn man mich fragt, so antworte ich also:

4. Haben wir nicht Macht, zu essen und zu trinken?

Haben: Jetzt erzählt Paulus stückweise, worin er seine Freiheit gebrauchen könnte, es aber dennoch nicht tun wollte, um die Korinther zu ermutigen, ihm nachzufolgen.

Zu trinken: Steht es uns nicht frei, dass wir bei Speise und Getränken die christliche Freiheit nutzen dürfen? Denn wir sind an die mosaischen Satzungen nicht gebunden, die besondere Speisen verbieten {3Mos 11}, und den Kirchendienern zu gewissen Zeiten den Wein untersagen, 3. Mose 10. Dennoch nutze ich meine Freiheit nicht oft, obwohl ich es könnte.

5. Haben wir nicht auch Macht, eine Schwester zum Weibe mit umherzuführen wie die anderen Apostel und des Herrn Brüder und Kephas?

Herrn Brüder: Wie der Apostel Jakobus, der Sohn des Alphaei und etliche andere, die mit Christus nach dem Fleisch verwandt gewesen sind. Denn diese werden nach der Art der hebräischen Sprache Brüder genannt.

Kephas: Der Apostel Petrus. Denn Kephas heißt in syrischer Sprache ein Fels. Und Petrus hat eine Ehefrau gehabt, weil Christus seine Schwiegermuttermutter vom Fieber gesund gemacht hat {Mt 8}. Wenn es also den Aposteln freigestanden war, Ehefrauen zu haben und mit sich herumzuführen, so handelt der römische Papst bösartig, dass er allen Kirchendienern den Ehestand verbietet.

6. Oder haben allein ich und Barnabas nicht Macht, solches zu tun?

Zu tun: Was alle anderen Apostel zu tun Macht haben? Denn es ist kein Apostel Christi gebunden, dass er sich mit seiner Hände Arbeit ernähren müsste und den Kirchen das Evangelium umsonst predigen müsste, dass er keine Besoldung für seinen Unterhalt einnimmt. Darum empfangen sie ihren Unterhalt von den Kirchen. Aber ich und Barnabas gebrauchen für uns diese Freiheit selten, sondern wir arbeiten mit unseren Händen, damit wir den Kirchen Christi in keinerlei Weise beschwerlich sind, obwohl wir doch mit gutem Gewissen Bezahlungen empfangen könnten.

7. Welcher zieht jemals in den Krieg auf seinen eigenen Sold? Welcher pflanzt einen Weinberg und isst nicht von seiner Frucht, oder welcher weidet eine Herde und isst nicht von der Milch der Herde?

Welcher: Jetzt beweist Paulus noch länger und ausführlicher, dass es den Kirchendienern erlaubt ist, von den Kirchen ihre gebührende Bezahlung zu nehmen, damit die undankbaren Zuhörer den Kirchendienern ihren Lohn nicht abschlügen, eben darum, weil Paulus und Barnabas oft umsonst predigten.

Eigen Sold: Ist denn auch jemand, der einem anderen im Krieg gezwungen dient, dass er sich von seinen eigenen Gütern ernährt? Muss er nicht viel mehr von dem unterhalten werden, von dem er sich hat einschreiben und zum Krieg mustern lassen? So ist das Predigtamt eine geistliche Ritterschaft und Kriegsübung {2Kor 10}. Darum ist die Kirche, für die diese Arbeit zum Guten gereicht, den Kirchendienern ihre Besoldung zu geben, schuldig.

Seiner Frucht: Hat nicht Gott selbst den Israeliten früher, als er ihnen einen Weinberg gepflanzt hat, Freiheit gegeben, dass sie nicht in den Krieg ziehen mussten, sondern von der Frucht ihres Weinbergs, den sie gepflanzt hatten, essen, damit sie nicht im Krieg umkämen, ehe sie ihre Arbeit genossen hätten? Wir aber (will der Apostel sagen) pflanzen den Weinberg des Zebaoth {Jes 5}. Sollte es denn ein Wunder sein, wenn wir auch einen Genuss davon hätten?

Von der Milch: Hält etwa ein Hausvater das ganze Jahr hindurch eine Herde, damit er keinen Nutzen davon haben sollte? Aber wir weiden die Herde des Herrn, was die christliche Kirche ist, mit himmlischem Futter. Warum sollten wir denn nicht auch einen Nutzen davon empfangen, so viel zu unserem Unterhalt erforderlich ist?

8. Rede ich aber solches auf Menschenweise? Sagt nicht solches das Gesetz auch?

Gesetz auch: Denn ihr sollt nicht meinen, dass sich das, was ich vorbringe, nur aus solchen Gründen habe, die von Menschen erdacht worden sind und aus der Vernunft entnommen, sondern dies lehrt die Heilige Schrift auch {5Mos 25}.

9. Denn im Gesetz Mose steht geschrieben: Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, der da drischt. Sorgt Gott für die Ochsen {5Mos 25v4 1Tim 5v18}?

Ochsen: Früher wurde das Korn im gelobten Land nicht auf die Weise ausgedroschen, wie es bei uns geschieht, sondern man benutzte Ochsen dazu, die ein besonders schweres Instrument über den Früchten herumzogen, wodurch das Korn vom Stroh abgedrückt wurde. Weil sich aber so geizige und filzige Hausväter gefunden haben, die dem Ochsen, der gedroschen hat, das Maul zubanden, damit er während der Arbeit keine Ähren fressen konnte, so wird eine solche Unbarmherzigkeit und Sparsamkeit durch den aufgeführten Spruch der Heiligen Schrift verdammt und verworfen. Aber Gott hat in Wahrheit nicht nur auf die Ochsen gesehen, sondern allgemein auch lehren wollen, dass die, die da arbeiten ihres Lohnes wert sind. Darum hat Paulus dieses Gebot, das dem äußeren Anschein nach nur auf die Haushalte gerichtet gewesen ist, auch zu Recht auf das Predigtamt des göttlichen Wortes bezogen und gedeutet.

Sorgt: (Nach Luther) Gott sorgt für alle Dinge, aber er sorgt nicht, dass für die Ochsen geschrieben wird, denn sie können nicht lesen.

10. Oder sagt er‘s nicht allerdinge um unsertwillen? Denn es ist ja um unsertwillen geschrieben. Denn der da pflügt, soll auf Hoffnung pflügen, und der da drischt, soll auf Hoffnung dreschen, dass er seiner Hoffnung teilhaftig werde.

Unsertwillen: Ihr sollt nicht meinen, dass dies wegen der Ochsen aufgezeichnet worden ist, obwohl man es nicht in Abrede stellen darf, dass auch Gott für diese sorgt. Denn er gibt dem Vieh sein Futter {Ps 147}, sondern er lässt sich das Tun des Menschen viel mehr angelegen sein und hat insbesondere ein Auge auf treue Kirchendiener, von denen sein Wille ist, dass man sie nicht außer acht lassen soll, sondern ihnen ihren notwendigen Unterhalt verschaffen, damit sie ihr Amt gebührend ausüben können. Es verbinden aber die dem Ochsen der da , das Maul, die den Kirchendienern viele und große Arbeiten auferlegen, aber so eine geringe Besoldung gewähren, dass sie mit ihrem Personal beinahe verhungern müssen.

Hoffnung pflügen: Dass er sich nämlich gute Hoffnung macht, er werde seine Arbeit genießen.

11. So wir euch das Geistliche säen, ist‘s ein großes Ding, ob wir euer Leibliches ernten {Röm 15v27 Gal 6v6 v7}?

So: Paulus bringt noch einen anderen Beweis seiner Angelegenheit vor. Wir Apostel und andere treue Lehrer und Kirchendiener haben euch das Evangelium Christi in eure Herzen gesät. Daher genießt ihr jetzt geistliche Früchte und werdet einmal das ewige Leben ernten. Sollte es denn ein so großer Handel sein, wenn wir an euren zeitlichen Gütern, die doch vergänglich sind, teilhaftig werden? Denn die göttlichen Guttaten, die den Zuhörern durch das Predigtamt des Evangeliums dargeboten werden, sind viel köstlicher, als dass sie mit irgendeinem zeitlichen Gut vergolten werden könnten. Jedoch sollen die Kirchendiener sich mit einer ausreichenden Bezahlung zufriedengeben und die Kirche wiederum soll ihre Dankbarkeit erweisen.

12. So aber andere dieser Macht an euch teilhaftig sind, warum nicht viel mehr wir? Aber wir haben solche Macht nicht gebraucht, sondern wir vertragen allerlei, dass wir nicht dem Evangelium Christi ein Hindernis machen.

Mehr wir: Wenn etliche andere Kirchendiener des Evangeliums, wie Apollo und seinesgleichen, die Macht haben, dass sie von euch Besoldung empfangen, warum sollte ich diese Macht nicht auch haben, da ich die Kirche bei euch gepflanzt und mit mehr Mühe und auch größeren Nutzen bei euch im evangelischen Predigtamt gearbeitet habe?

Nicht gebraucht: Obwohl wir dazu befugt gewesen wären.

Nach Luther: Siehe, der Apostel schont so die Schwäche an den anderen, dass er sich auch all dessen enthält, da er Macht hat, als ein Apostel auch den anderen Aposteln Beispiel zu sein.

Vertragen allerlei: Und suchen viel eher unsere Nahrung mit unserer eigenen Hände Arbeit.

Hindernis machen: Und der Lauf des Evangeliums aufgehalten wird. Denn die falschen Apostel verlästerten Paulus und sagten, dass er so viele Länder durchstreifte und das Evangelium überall ausbreitete, auch mit einem großen Eifer dieses Wort zu pflanzen sich bemühte, dies alles würde er nur wegen seines Genusses und seines Gewinns tun. Darum, damit er ihnen diesen Grund zum Lästern nehmen konnte, hat Paulus viel lieber an den meisten Orten große Mühe auf sich nehmen und seine Nahrung mit seinen Händen suchen wollen, als eine Bezahlung zu empfangen, damit offensichtlich wurde, wie er nicht nach den Gütern, sondern nach der Wohlfahrt der Kirchen trachtete. So sollen wir uns, so viel wie möglich, bemühen, dass wir Ärgernisse, wodurch der Lauf des Evangeliums behindert wird, aus dem Weg räumen und wegschaffen.

13. Wisst ihr nicht, dass, die da opfern essen vom Opfer, und die des Altars pflegen, genießen des Altars {5Mos 18v1 v2}?

Wisst: Paulus wendet sich wieder seinen Beweisen zu, mit denen er darstellt und bestätigt, dass man den Kirchendienern ihren Lohn schuldig ist.

Genießen des Altars: Denn die Priester im Alten Testament hatten von den Opfern, das die Leute zum Tempel brachten und dem Herrn opferten, ihren bestimmten Anteil als eine Belohnung für ihre Arbeit, indem sie mit den Opfern umgehen und sich bemühen mussten. Sie hatten also ihre Nahrung und ihren Unterhalt für sich und vom Gottesdienst, den sie pflegten {4Mos 18}.

14. Also hat auch der Herr befohlen, dass, die das Evangelium verkündigen; sollen sich vom Evangelium nähren {Mt 10v10}.

Nähren: Und ihren Unterhalt davon haben. Die also den Kirchendienern ihre notwendige Nahrung absprechen, die heben Gottes Ordnung auf und werden den Fluch an ihrem Einkommen wahrnehmen. So hat man auch hier zu bemerken, dass Gott anstelle der Priester, die geopfert haben, die Prediger und Lehrer verordnet und aufgestellt hat, die das Evangelium verkündigen sollen. Denn das Neue Testament hat keine Kirchendiener, die opfern, sondern die das Evangelium predigen.

15. Ich aber habe der keines gebraucht. Ich schreibe auch nicht darum davon, dass es mit mir also sollte gehalten werden. Es wäre mir lieber, ich stürbe, denn dass mir jemand meinen Ruhm sollte zunichtemachen.

Gebraucht: Denn ich habe keine Bezahlung für mich gefordert, obwohl es mir freigestanden hätte, von euch Korinthern einen Lohn zu empfangen, aber ich habe dies nicht tun wollen. Darum sollt auch ihr den Gebrauch der christlichen Freiheit in anderen Sachen, zum Beispiel bei den Götzenopfern, maßvoll handhaben, dass ihr nicht nur tut, was euch freisteht und erlaubt ist, sondern zuvor genau betrachtet, ob es auch den Nächsten nützlich oder schädlich ist, was ihr tun wollt. Denn die Zuhörer sollen den löblichen Beispielen ihrer Kirchendiener folgen.

Gehalten werden: Ich fordere keinen Lohn für mich. Diese Worte hat der Apostel Paulus hinzusetzen wollen, damit die Korinther nicht meinten, weil er so mancherlei Gründe anzeigte, dass man den Predigern eine Bezahlung geben müsste, er würde damit eine heimliche Andeutung, man solle auch ihm einen Lohn reichen wie anderen auch, obwohl er bis dahin keinen empfangen hatte.

Zunichte machen: Und ich diesen verlieren würde, da ich ansonsten bis zum heutigen Tag mich mit gutem Gewissen rühmen kann, dass ich das Evangelium Christi umsonst und ohne Bezahlung gepredigt habe. Dies war weder fleischlicher Ehrgeiz noch nichtige Ruhmsucht von Paulus, sondern er setzt diesen, seinen Ruhm, den falschen Apostel entgegen, die seinem Evangelium übel nachredeten und sich daneben noch um ihre Sachen kümmerten. Gegen diese hat er sich rühmen können und wollen, dass er keinesfalls um sein eigenes Nutzen willen (wie es die falschen Apostel taten), sondern allein um die Ehre Gottes und die Wohlfahrt der Kirchen zu fördern, das Evangelium Christi predigte. Mit diesem Handeln hat er sich tapfer gegen die falschen Apostel gestellt. Und Paulus wusste, dass im anderen Leben eine so viel größere Belohnung für ihn hinterlegt und aufbewahrt war, je weniger er von so vieler und großer Arbeit in diesem Leben Nutzen empfinden. Darum leistet der Ruhm des Apostel Paulus dem fleischlichen Ehrgeiz etlicher Theologen keinen Vorschub.

16. Denn, dass ich das Evangelium predige, darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!

Muss es tun: Wegen meines tragenden Amtes, das mir von Gott auferlegt und befohlen ist. Und wenn ich es nicht täte, so hätte ich nichts Besseres als zeitliche und ewige Strafe zu erwarten.

17. Tue ich‘s gerne, so wird mir gelohnt; tue ich‘s aber ungerne, so ist mir das Amt doch befohlen.

Gelohnt: Dass ich im anderen Leben reiche Belohnung dafür empfangen werde, wenn ich das Evangelium willig und gern predige. Denn die viele zur Gerechtigkeit gewiesen haben, die werden leuchten wie die Sterne immer und ewig {Dan 12}.

Ungern: Dass ich das Evangelium mit Unwillen predigte.

Befohlen: Sodass ich nichts versäumen darf, es sei denn ich wollte mit dem unnützen Knecht, der sein Pfund vergraben hat in die äußerste Finsternis verstoßen werden.

18. Was ist denn nun mein Lohn? Nämlich, ich predige das Evangelium Christi und tue dasselbe frei, umsonst, auf dass ich nicht meiner Freiheit missbrauche am Evangelium.

Mein Lohn: Was habe ich für eine Belohnung zu erwarten, weil ich das Evangelium Christi zu predigen schuldig bin?

Nach Luther: Der heilige Paulus will sich nicht rühmen, dass er predigt, denn das ist er schuldig, sondern dass er umsonst predigt, ohne Lohn, das hält er für einen besonderen Lohn und einen besonderen Ruhm.

Umsonst: Dass ich mich in dieser und jener Welt rühmen darf, wie ich das Evangelium Christi umsonst gepredigt habe und den Kirchen mit keinen Kosten beschwerlich gewesen bin. Und ich habe dies getan, nicht, als wäre es mir verboten gewesen, dass ich keine Besoldung empfangen dürfte, sondern damit ich meine Freiheit nicht zur falschen Zeit missbrauche und den Lauf des Evangeliums behindern würde. Denn wir sollen uns mit höchstem Fleiß darum bemühen, dass wir solche Hindernisse aus dem Weg räumen, wodurch der Lauf des Evangeliums aufgehalten wird.

19. Denn wiewohl ich frei bin von jedermann, hab‘ ich mich doch selbst jedermann zum Knechte gemacht, auf dass ich ihrer viel gewinne.

Von jedermann: Dass mir keiner aus irgendeiner Gewalt heraus die er hat, in meinem Gewissen etwas vorschreiben kann, wie ich die Mitteldinge gebrauche oder nicht gebrauchen darf.

Knecht gemacht: Und mich gleichsam aus freiem Willen in eine Dienstbarkeit ergeben habe.

Gewinne: Zur Seligkeit. Es fährt also der Apostel noch weiter fort, sein eigenes Beispiel anzuzeigen, und aufzuführen, dass er, wie er zuvor seine Freiheit nicht gebraucht hat, indem er keine Besoldung empfangen hat und dies zum Besten der Kirche getan hat, damit sie umso mehr erbaut werden konnte. So hat er sich auch in anderen Sachen verhalten und auf die christliche Freiheit verzichtet, so oft er bemerkt hat, dass er durch den Verzicht auf diese Freiheit umso mehr Leute für Christus gewinnen konnte, als mit einem falschen Gebrauch derselben.

20. Den Juden bin ich geworden als ein Jude, auf dass ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden als unter dem Gesetz, auf dass ich, die, so unter dem Gesetz sind, gewinne.

Als ein Jude: Dass ich viele Gesetze des Moses gehalten habe, die ich doch, nachdem ich die christliche Religion angenommen habe, zu halten nicht mehr gebunden war, wie, dass ich meinen Jünger Timotheus habe beschneiden lassen, das Gelübde der Nazarener auf mich genommen und mich mit den levitischen Zeremonien durch ein Opfer habe reinigen lassen, auch andere dergleichen Dinge mehr gehalten habe, zu denen ich vor Gott in meinem Gewissen nicht verpflichtet gewesen wäre. Ich habe es aber mit freiem Willen getan und wollte damit den Juden dienen, damit ich sie so zum christlichen Glauben bringen konnte.

Geworden: Ich habe mich nach ihrer Weise gerichtet, als ob ich auch noch an ihre Zeremonien und Satzungen gebunden wäre.

Gewinne: Dem Herrn Christus. Denn als die Juden, die noch zu bekehren gewesen sind, gesehen haben, wie ich das Gesetz Moses nicht verwerfe, wie es etliche Lästermäuler fälschlich von mir behauptet haben, so haben sie mit billigem Herzen meiner Predigt zugehört und das Evangelium Christi von mir lernen wollen.

21. Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich als ohne Gesetz worden (so ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi), auf dass ich die, so ohne Gesetz sind, gewinne.

Ohne Gesetz sind: Nämlich den Heiden, wenn ich mit diesen umgegangen bin und zu tun hatte, so hielt ich gar keine jüdischen Zeremonien und stellte mich, als wenn ich von den mosaischen Satzungen nichts wüsste. Dies tat ich aber darum, damit die Heiden nicht meinten, ich wollte ihnen mit meinem Beispiel das Joch des Gesetzes Moses aufdrängen, was für sie ungewohnt war. Wenn ich bei ihnen also die levitischen Zeremonien gebraucht hätte, wären sie durch mein Beispiel vom Evangelium Christi abspenstig gemacht worden. Und ich war doch unterdessen nicht ohne Gesetz. Denn das Wort Christi war mir Gesetz genug zum unsträflichen Wandel und um ein gottseliges Leben in meiner Aufgabe zu führen, obwohl ich die Satzungen und Zeremonien der Juden nicht hielt. Denn die christliche Freiheit ist eine Erlösung vom Zorn Gottes, vom Zwang des Gesetzes nach dem neuen und inwendigen Menschen, von den Zeremonien und weltlichen Satzungen Moses und vom Halten der Menschensatzungen, aber nicht von den 10 Geboten, worin das Gesetz der Natur begriffen ist.

22. Den Schwachen bin ich worden als ein Schwacher, auf dass ich die Schwachen gewinne. Ich bin jedermann allerlei worden, auf dass ich allenthalben ja etliche selig mache.

Als ein Schwacher: Dass ich mit den Schwachen im Glauben genauso umgegangen bin, als wenn ich selbst auch schwach wäre, und ich habe mich von all den Sachen enthalten, wodurch die Schwachen hätten verärgert werden können.

Gewinne: Nämlich Christus, dass sie im Glauben und in der christlichen Religion gestärkt werden und nicht wieder von der Gottseligkeit abweichen oder von Christus abfallen.

Allerlei worden: Ich habe mich immer nach dem Handeln und nach der Weise der anderen gerichtet, soweit dies mit gutem Gewissen und ohne Nachteil der Gottseligkeit geschehen konnte, damit ich, wenn nicht alle, doch wenigstens etliche dem Teufel aus dem Rachen reisen konnte und zu Christus bringen, damit sie die ewige Seligkeit erlangen. Diesem Beispiel Paulus sollen wir folgen, damit wir die Schwachen aus einem falschen Eifer der christlichen Freiheit nicht ärgern. Und ein Kirchendiener muss sich nach den Leuten richten und in ihre Weise schicken, soweit dies ohne Nachteil der Religion und des christlichen Wandels möglich ist, damit er Christus umso mehr zuführt.

23. Solches aber tue ich um des Evangeliums willen, auf dass ich sein teilhaftig werde.

Teilhaftig werde: Als wollte er sagen: Ich gebe in meiner großen Arbeit und großen Mühen, von meinen Rechten und vom Gebrauch der christlichen Freiheit in vielen Sachen etwas nach, damit ich der himmlischen Guttaten, die im Evangelium vorgetragen und geschenkt werden, teilhaftig werde und nicht aus der Gnade Gottes falle oder die himmlische Schätze verlieren kann, wenn ich jemals aus dem unrichtigen Gebrauch der christlichen Freiheit das Verderben meines Nächsten verursachen würde, für den doch Christus gestorben ist. Die deswegen ihren Nächsten mit Missbrauch der Freiheit ärgern, die sündigen schwer und werden der Guttaten Christi nicht teilhaftig, wenn sie nicht Buße tun.

24. Wisst ihr nicht, dass die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlangt das Kleinod? Lauft nun also, dass ihr es ergreift!

Wisst: Von der Lehre über den Gebrauch oder Missbrauch der christlichen Freiheit wendet sich Paulus einer allgemeinen Erinnerung zu und warnt ernsthaft, dass wir uns vorsehen sollen, dass wir nicht durch Trägheit und fleischliche Sicherheit in ein gottloses Leben geraten und darin verloren werden. Denn es ist nicht genug, dass man anfängt, wenn man nicht auch bis ans Ende der wahren Gottseligkeit verharrt. Diese allgemeine Erinnerung von Paulus erstreckt sich bis an die Worte des folgenden Kapitels, das so lautet: Darum meine Liebsten, flieht vor dem Götzendienst. Denn an derselben Stelle wendet sich der Apostel wiederum zur vorigen, besonderen Lehre vom Götzenopfer, dass man und warum man und wie man sich davon enthalten soll. Und das alles, was dem Anschein nach allgemein gesagt wurde, betraf auch zu Recht die Korinther, die mit vielen Lastern, die Paulus hier behandelt und verwirft, behaftet waren.

Nach Luther: In oder um die Wette.

Ergreift: Die himmlische Belohnung, damit ihr nicht vergebens lauft. Paulus hat aber mit diesem Gleichnis nicht lehren wollen, als ob in der ganzen Kirche nur ein Mensch selig und die anderen alle verdammt würden, sondern er zeigt an, dass zwar viele tapfer anfangen zu laufen, um das himmlische Kleinod zu erlangen, etliche aber bleiben im Lauf stehen oder lassen sich von ihren bösen Begierden des Fleisches abspenstig machen, dass sie durch ihre eigene Schuld die Seligkeit nicht erlangen. Darum sollen wir im Lauf der wahren Gottseligkeit nicht nachlassen, noch vom rechten Weg des göttlichen Wortes abweichen. So lief der König Saul schlecht, wie auch der König Joas, ebenso Demas und andere ihresgleichen, die sich zu Anfang fromm gestellt hatten und einen gottseligen Anschein führten, aber schließlich aus der Gnade Gottes gefallen und ins Verderben geraten sind. Und Paulus sagt dies auch nicht in dem Sinn, dass er einen Zweifel in uns erwecken möchte, ob wir bis ans Ende in der Gnade Gottes beharren werden, sondern damit er uns von der fleischlichen Sicherheit und Müdigkeit aufmuntert. Doch sollen wir darum das ewige Leben unserem Lauf nicht zumessen, denn diese Ehre gebührt allein Christus und seinem Verdienst, sondern wir werden dadurch erinnert, dass wir uns vorsehen, dass wir durch unsere Undankbarkeit und Trägheit Gottes Gnade nicht verscherzen, sondern vielmehr, dass wir tapfer fortlaufen und mit ewiger Herrlichkeit, die Christus uns erworben hat, gekrönt werden.

25. Ein jeglicher aber, der da kämpft, enthält sich aller Dinge: jene also, dass sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche.

Aller Dinge: Was ihm zur Erlangung des Siegs nicht hinderlich ist.

Jene: Die in einem Stadion einen Wettlauf veranstalten oder auf dem Kampfplatz gegeneinander streiten, lassen es sich sauer werden und bemühen sich heftig, damit sie eine schlichte Krone oder einen Kranz als Siegeszeichen davontragen.

Unvergängliche: Wir Christen erlangen die ewige und unvergängliche Belohnung und solche Ehre, die niemals aufhören wird, wenn wir gegen die Welt, unser Fleisch und den Teufel recht streiten werden.

26. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse; ich fechte also, nicht als der, der in die Luft streicht,

Aufs Ungewisse: Ich laufe nicht wie die, die sich kein festes Ziel vorgenommen haben, hin- und herschweifen und vom rechten Lauf abweichen, sondern ich strebe mit höchsten Fleiß nach einem gewissen Ziel.

Nach Luther: So wie ein Kämpfer, der zur Seite aus der Bahn läuft, das Ziel verfehlen muss und der, der ficht, einen Fehltritt tut, der schlägt vergeblich in die Luft. So geht es allen, die viele gute Werke ohne Glauben tun, denn sie sind ungewiss, wie sie mit Gott dran sind, darum sind es lauter Fehlläufe, Fehlstreiche und Fehlwerke.

Luft streicht: Wie die Fechter manchmal viele Streiche vergebens ausführen und schlecht anlegen, dass sie ihren Gegner nicht treffen, sondern in die Luft schlagen, werden sie keine Belohnung erhalten. Es laufen aber die ins Ungewisse, vergessen das Ziel und schlagen in die Luft, die sich zwar zur christlichen Religion bekennen, aber nach den Wolllüsten des Fleisches, nach zeitlichen Gütern und Ehren streben und nicht, wie sie, die ewige Seligkeit erlangen möchten; sie kämpfen auch nicht ernsthaft gegen den Teufel, das Fleisch und die Welt. Von diesen Menschen findet sich eine große Menge. Danach laufen auch die ins Ungewisse und schlagen in die Luft, die meinen, dass sie Gott herrlich ehren, wenn sie die Menschensatzungen halten, und denken nicht daran, dass Gott mit diesen umsonst geehrt wird, Matthäus 15. Diese können nicht wissen, ob ihr Werk (worauf sie doch so viel Mühe, oft auch große Kosten aufgewendet haben) Gott gefällt oder nicht? Es wenden sich aber die auch vom Ziel weg und streichen vergebens in die Luft, die mit Abgötterei oder schädlichen ketzerischen Vorstellungen befleckt und geblendet werden, obwohl sie viel Arbeit mit Gebet, Wallfahrten, Fasten, Singen, Lehren, Schreiben und anderen äußerlichen Übungen zubringen. Denn dies ist alles vergebens und sie versöhnen Gott nicht, ja Gott wird dadurch nur umso heftiger erzürnt.

27. sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, dass ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde.

Zähme ihn: Dass ich meinen fleischlichen Zuneigungen und Begierden nicht nachhänge, die mich vom rechten Lauf abhalten und verhüte, dass sie nicht die Oberhand gewinnen. Paulus will mit seinem Beispiel die Enthaltung der Heuchler vom Ehestand oder von gewissen Speisen keineswegs bestätigen, sondern er zeigt an, wie er sein Fleisch im Zaum hält, damit es nicht den Geist überwindet und er solche Sachen begeht, die einem Christen übel anstehen. Vielleicht hat Paulus auch irgendeine besondere Übung verrichtet, nach der Beschaffenheit seiner Person. Er hat davon jedoch nichts aufschreiben wollen, was dies für Sachen gewesen sind, viel weniger, dass er sie anderen zu halten befohlen hätte. Denn wie es eine große Ungleichheit der Naturen, Ämter, Leiber und Kräfte der Menschen gibt, so kann man ihnen in ihrer Vielzahl im Einzelfall keine gewissen Regeln vorschreiben. Darum sind die Regeln der Mönche nichts anderes als schädliche Stricke und Verwirrungen des Gewissens. Aber in dem Stück hält Paulus sein Beispiel seinen Zuhörern vor, dass sie lernen sollen, ihr Fleisch im Zaum zu halten, damit es dem Geist untertan ist. Und die Kirchendiener sollen ihr Leben so anstellen, dass sie den Zuhörern mit gutem Beispiel vorangehen, so soll die Kirche der Frömmigkeit ihrer Lehrer folgen.

Verwerflich: Das heißt, dass ich nicht andere zur Seligkeit bringe und selbst verdammt werde. Denn die Kirchendiener, die zwar recht lehren, aber schlecht leben zeigen anderen Leuten den Weg zur Seligkeit und gehen ihn selbst nicht, sondern laufen auf dem Abwege der Hölle zu.


Das 10. Kapitel


1. Paulus lehrt mit den Beispielen des Alten Testaments, dass nicht die äußeren Bekenntnisse der Religion, sondern die hinzugetane wahre Gottseligkeit ein Anzeichen und Wahrzeichen ist, dass wir Kinder Gottes und Mitbürger der Heiligen sind. 2. Darum warnt er vor der Sicherheit. 3. Und er mischt einen Trost mit ein von der ständigen Güte Gottes gegen uns. 4. Er warnt auch ernsthaft vor der Abgötterei und will, dass das Leben der Christen zur Ehre Gottes gerichtet wird.

1. Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten, dass unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen und sind alle durchs Meer gegangen {2Mos 13v21 v22 2Mos 14v22}?

Ich: Der Apostel Paulus fährt noch fort, die Korinther zu ermahnen, dass sie sich hüten sollen, damit sie nicht in fleischliche Sicherheit und ins Verderben geraten. Denn es könnte wohl geschehen, dass die, die getauft sind und das Abendmahl des Herrn gebrauchen dennoch schwer sündigen an Gott und deswegen verstoßen werden. Und er hält ihnen das Beispiel der Juden im Alten Testament vor, die auch etliche Sakramente nach den Gebräuchen der damaligen Zeit gehabt haben, und dennoch sind viele 1000 Israeliten zugrunde gegangen. Danach wendet er sich wieder seinem 1. Vorhaben zu, dass man die Götzenopfer meiden soll, damit die Schwachen nicht geärgert werden.

Wolke gewesen: Die mit ihnen ging. Davon schreibt Moses Folgendes: Und der Herr zog vor ihnen her am Tag in einer Wolkensäule, dass er sie auf den rechten Weg führte und nachts in einer Feuersäule, dass er ihnen leuchtete, sodass sie Tag und Nacht weiterziehen konnten. Die Wolkensäule wich niemals von dem Volk am Tag und die Feuersäule nicht in der Nacht. Denn Gott ist ständig bei seiner Kirche, leitet und regiert sie, obgleich sie heutzutage solche Säulen nicht sieht.

2. und sind alle unter Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer;

Getaufte: Das bedeutet, weil sie unter der Wolke und durch das Meer von Moses geführt wurden, ist es ebenso viel gewesen, als wenn sie von Moses getauft worden wären. Denn obwohl Moses nicht Christus, der Heiland und Erlöser der Welt gewesen ist, so war er doch ein Vorbild Christi, der seine Kirche damals durch Moses regierte. Und Gott wollte, dass die Kirche Moses folgte und gehorchte, wie Gott selbst. Darum wird von den Israeliten, nachdem sie durch das Rote Meer geführt worden waren, gesagt: Und das Volk fürchtete den Herrn und sie glaubten ihm und seinem Knecht Moses {2Mos 14}. Das heißt: Sie haben geglaubt, dass dieser Gott der wahrhaftige Gott wäre und haben erkannt, dass Mose ein getreuer Diener Gottes und ein vortrefflicher Prophet war, dessen Worten sie ebenso wohl glauben und gehorchen müssten, als wenn Gott selbst vom Himmel mit ihnen redete. Obwohl wir nun die heiligen Menschen Gottes, durch die Gott seine Kirche regiert und ihr viele große Wohltaten erweist, in Ehren und Wert halten sollen, so sollen wir aber doch all unser Vertrauen wegen unserer Seligkeit allein auf den Erlöser Christus setzen.

3. und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen;

Geistliche Speise: Das heißt, eine übernatürliche Speise, die weder durch menschlichen Fleiß noch Geschwindigkeit zustande gebracht worden ist. Denn das Manna (Speise) hat Gott, der Herr, den Israeliten vom Himmel gegeben {2Mos 16}. Daher steht geschrieben: Sie aßen Engelbrot.

4. und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mit folgte, welcher war Christus.

Geistlichen Trank: Der ihnen von Gott durch ein Wunderwerk aus einem Felsen gegeben worden war. Denn als das israelitische Volk wegen Wassermangel in der Wüste allem Anschein nach hätte verdursten müssen, hat Mose auf dem Befehl des Herrn den Felsen mit einem Stock geschlagen, worauf alsbald Wasser aus dem Felsen hervorgeflossen ist, sodass alles Volk und Vieh erfrischt werden konnte {2Mos 17}.

War Christus: Das bedeutet, sie hatten solchen Trank des Wassers nicht aus irgendeiner Guttat der Natur. Denn wie hätte aus einem trocknen und harten Felsen so viel Wasser fließen können? Vielmehr erlangten sie dieses aus lauter Gnade und Guttaten des Sohnes Gottes, der ein Fels ist, allen die auf ihn trauen, der auch damals seiner Kirche mit folgte und sie nimmer verließ. Denn als Moses das Wasser herausbringen sollte, sprach der Herr so zu ihm: Siehe ich will dort stehen vor dir auf einem Fels in Horeb, da sollst du den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinken kann {2Mos 17}. Hier hat man sehr genau darauf zu achten, dass Paulus bezeugt, Christus sei ständig mit der israelitischen Kirche oder Gemeinde in der Wüste umhergezogen. Der Herr aber, der mit den Israeliten gezogen war, wird hin und wieder der wahre Gott, Jehova, genannt. Dieser Name steht keinem anderen Wesen, sondern allein Gott zu. Darum ist Christus, nach seiner göttlichen Natur, der wahre und ewige Gott. Die Zwinglianer aber verkehren diese Worte des Paulus (sie haben alle die gleiche geistliche Speise gegessen) mit einer falschen Auslegung, als wenn Paulus gesagt hätte: Die Israeliten früher und wir heutzutage im Neuen Testament essen durchaus die gleiche geistliche Speise im heiligen Abendmahl und trinken den gleichen Trank. Daraus schließen sie fälschlicherweise Folgendes: Weil zur selben Zeit der Sohn Gottes noch nicht Mensch geworden war, so empfangen wir seinen Leib nicht im heiligen Abendmahl, den die Väter des Alten Testaments auch nicht empfangen haben, weil er noch nicht gewesen ist. Aber der Text des Apostels Paulus steht im Gegensatz zu dieser verkehrten Meinung. Denn Paulus sagt nicht, die Israeliten und Christen essen die gleiche Speise, sondern alle unsere Väter (sagt er) haben die gleiche geistliche Speise gegessen. Darum ist bei diesem einzigen Spruch der Erklärung der Zwinglianer ausreichend abzuleiten, was sie für gewaltige Ausleger der Schrift sind. Darum wäre es besser, dass die ungebildeten und noch ungeübten jungen Menschen die Erklärungen in der Schrift der Zwinglianer nicht lesen, denn nicht jeder kann solche Verfälschungen der Schrift und Betrügereien spüren und sich davor hüten. Und die göttliche Lehre wird viel sicherer aus einem sauberen Brunnen geschöpft als aus trüben Pfützen.

5. Aber an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste.

Aber: Jetzt deutet Paulus, was er bisher gesagt hat, auf sein Vorhaben.

Kein Wohlgefallen: Denn obwohl 600.000 Menschen aus Ägypten ausgezogen und unter der Wolkendecke durchs Rote Meer gegangen sind, die auch alle mit dem Brot vom Himmel gespeist und mit dem Wasser aus dem Felsen getränkt worden sind, so haben doch viele von ihnen mit ihren Sünden Gott, den Herrn, dermaßen beleidigt, dass er sie nicht ins Land Kanaan bringen wollte, sondern er hat sie in den Wüsten sterben lassen, sodass von dieser großen Menge von denen, die das 20. Jahr ihres Alters erreicht hatten, als sie aus Ägypten gezogen waren, nicht mehr als nur zwei, Josua und Kaleb, ins gelobte Land gekommen sind. Und dennoch wurde das israelitische Volk, Gottes Volk genannt, war auch bereits in der ganzen Welt berühmt wegen der großen vielen Wunderwerke, die Gott unter diesem Volk getan hat. Darum seht ihr Korinther zu, dass ihr nicht wie jene um ihr gottloses Leben willen des Besitzes des Landes Kanaan beraubt worden sind, so auch ihr vom Himmelreich ausgeschlossen werdet, wenn ihr Gott mit euren Sünden schwer erzürnt und euch nicht der wahren Gottseligkeit befleißigt. Denn es wird euch dann nichts nützen, dass ihr zu Erkenntnis des Evangeliums gekommen seid, getauft worden und des Herrn Abendmahl empfangen habt, wenn ihr euch nicht daneben auch von Herzen um die Gottseligkeit bemüht, sondern euren Gelüsten nachhängt. Denn dass man sich äußerlich zur christlichen Religion bekennt, macht niemanden selig, sondern ein rechter, lebendiger Glaube tut es, der sich mit guten Werken und gottseligem Wandel sehen lässt.

6. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, dass wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelüstet hat.

Vorbild: Gott hat an dem israelitischen Volk in einer Figur, einem Bild und einem Beispiel gezeigt, was wir im Neuen Testament zu erwarten haben, wenn wir unseren fleischlichen Begierden nachhängen werden. Denn gleichwie die Israeliten, die in der Wüste Fleisch essen wollten, davon zwar satt wurden, sogar so, dass ihnen davor ekelte, aber bald danach eine große Anzahl von ihnen starben, dass sie nicht ins gelobte Land kamen, weshalb der Ort den Namen bekommen hatte, dass man ihn als Lustgräber bezeichnet hat {4Mos 11}, so werden die Christen, die voll in fleischlichen Gelüsten stecken und diesen nachhängen zugrunde gehen und des Himmelreichs nicht teilhaftig werden. Hier ist aber von denen zu reden, die in ihren Sünden ohne wahre Buße sterben. Es gehen aber leider auf diese Art und Weise viele 1000 Menschen verloren. Dem entgehen auch die, die wiederum Buße tun, aber nicht der zeitlichen Strafe.

7. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden, als geschrieben steht: Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und stand auf, zu spielen.

Jener etliche: Der Israeliten, die in die Sünde der Abgötterei gerieten und das Goldene Kalb anbeteten, das Aaron gemacht hatte.

Zu trinken: Dass sie nach der Verrichtung des Gottesdienstes und nachdem sie dem Goldenen Kalb geopfert hatten, ein Bankett oder Festessen anrichteten.

Zu spielen: Sie hielten, wie sie meinten, zur Ehre Gottes, geistliche Tänze ab mit Singen und Jauchzen. Denn dass solche Tänze auch beim Gottesdienst gebräuchlich waren, erscheint aus dem Tanzen des Königs David {2Sam 6}. Weil aber dieser Gottesdienst der Israeliten beim Goldenen Kalb abgöttisch war, so verwarf Gott auch alle Zeremonien, die dabei geschahen, wo es um Freude, Tanz, Gesang und Jauchzen ging, zusammengefasst, es ging zu wie auf einer Kirchweih. Aber noch am gleichen Tag wurden wegen der begangenen Abgötterei 3000 Menschen getötet {2Mos 32}. Es warnt aber Paulus die Christen nicht umsonst, dass sie sich hüten sollen, dass sie nicht in Abgötterei verfallen. Denn der Satan trachtet mit Fleiß danach, dass er die Christen, die ihm bisher entgangen sind, wieder in seine vorigen Stricke des gottlosen Lebens verwickeln kann. Und auch heutzutage fallen noch viele mit einem großen Schaden und Verderben wieder zur päpstlichen Abgötterei ab.

8. Auch lasst uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag dreiundzwanzigtausend.

Hurerei trieben: Mit den Töchtern der Moabiter, von denen sie sich auch überreden ließen, die moabitischen Götter zu ehren.

Dreiundzwanzigtausend: Moses sagt, es wären 24.000 getötet worden, 4. Mose 25. Aber Paulus hat es dabei bewenden lassen, dass er von einer großen Zahl gesprochen hat. Gleichwie aber die Abgötterei, so wird auch die Hurerei von Gott gestraft; nicht nur mit zeitlichen, sondern auch mit ewigen Plagen. Lasst euch nicht verführen (sagt Paulus im vorhergehenden 6. Kapitel gegen die Hurer), weder die Abgöttischen, noch die Ehebrecher, noch die Weichlinge, noch die Kinderschänder, noch die Diebe, noch die Geizigen, noch die Trunkenbolde, noch die Lästerer, noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben.

9. Lasst uns aber auch Christus nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten und wurden von, den Schlangen umgebracht.

Schlangen umgebracht: Von dieser Sache schreibt Moses {4Mos 21}. Und es sind zwar viele von ihnen von den Schlangen umgebracht worden, etliche aber, die die eiserne Schlange, die an einem Holz aufgerichtet war, angesehen haben, sind am Leben geblieben, wie Moses an dieser Stelle berichtet. Es wird aber von den Israeliten gesagt, dass sie Christus versucht haben, weil sie nicht mehr in ihrem Beruf (Auftrag) wandeln wollten, der war, dass sie durch das Land der Edumiter ziehen sollten, um auf diesem Umweg ins verheißene Land Kanaan zu gelangen. Sie wollten sich auch mit der ordentlichen Speise, die ihnen Gott vom Himmel gab, nicht begnügen und vertrauten Gott nicht, dass er ihnen in der Wüste ausreichend Speise und Trank verschaffen könnte. In Summe, sie schweiften mit ihren Gedanken aus und fielen von den ordentlichen Mitteln, die ihnen Gott zugeordnet hatte, zu unordentlichen ab. Darum sind sie wegen dieser großen Sünden schwer bestraft worden. Deswegen sollen wir uns hüten, dass wir nicht aus unserem Beruf schreiten und die Mittel nicht verachten, die Gott zu unserer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt angeordnet hat. Denn Christus will uns regieren und nicht von uns regiert werden. Ferner hat man hier zu beachten, dass Christus bei den Israeliten in der Wüste gewesen ist, darum hat der Sohn Gottes nicht erst angefangen zu sein, als er Mensch geworden ist, wie es die neuen Arianer schrecklich lästern, die den Anfang des Sohnes Gottes von der Zeit ansetzen, da er im Leib der Jungfrau Maria empfangen worden ist.

10. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murrten und wurden umgebracht durch den Verderber.

Verderber: Denn als Gott die aufrührerischen Leute, Kora, Dathan und Abira mit ihrem Anhang von der Erde vernichtet hatte, murrte am anderen Tag die ganze Gemeinde der Kinder Israels gegen Moses und Aron, worauf die Plagen begannen (Ich glaube jedoch, Gott hat zu dieser Plage einen bösen Engel benutzt, den Paulus den Verderber nennt), sodass 14.700 von ihnen gestorben sind {4Mos 16v16}. Die also gegen treue und reine Kirchendiener und gegen die fromme Obrigkeit murren oder sie schmähen, die sündigen nicht gegen die Menschen, sondern gegen Christus, daher sagte auch Gott zum Propheten Samuel, dem Herrscher des israelitischen Volkes: Sie haben nicht dich, sondern mich verworfen {1Sam 8}.

11. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist.

Zum Vorbild: Das heißt: Gott hat solche Beispiele als Figuren und Abbildungen von zukünftigen Sachen in der Heiligen Schrift aufzeichnen lassen, damit wir dabei erinnert werden, was auch uns widerfahren kann, besonders uns, die wir im letzten Teil der Welt leben zu einer Zeit, in der der Satan unruhiger ist als zuvor, und die viel gefährlicher ist als die vorige. Denn der Satan versucht mit höchstem Fleiß, ob er die Frommen von Gott abwendig machen kann. Darum, die meinen, sie sind bei Gott gut dran und haben einen starken Glauben, die sollen sich vorsehen, dass sie nicht vom Satan mit List hintergangen werden, in Sünde fallen und ins Verderben geraten. Was also für Beispiele, entweder vom Zorn oder der Barmherzigkeit Gottes in der Heiligen Schrift aufgezeichnet worden ist, das ist um unseretwillen aufgeschrieben worden, damit Gottes ernsthafte Strafen uns in seiner Furcht erhalten, seine Barmherzigkeit aber unseren Glauben stärkt, die Hoffnung mehrt und erhält. So hört man auch hier, dass der Satan in dieser letzten Zeit heftig wütet, damit er den Frommen beikommt und sie ins Verderben stürzt, weil er weiß, dass er nur noch wenig Zeit bis zu seiner endgültigen und vollkommenen Verdammnis hat {Apg 12}. Paulus sagt aber auch deshalb, die Korinther seien zum Ende der Welt gekommen, das heißt, sie wären in die letzte Zeit geraten, weil die Apostel die Dauer der ganzen Welt in drei verschiedene Zeiten aufgeteilt haben. Die erste Zeit der Welt war ohne das geschriebene Gesetz. Die andere unter dem Gesetz Moses. Die dritte und letzte ist die Zeit des erschienenen Messias. Darum sagt auch der Apostel und Evangelist Johannes von seinen Zeiten: Kinder, es ist jetzt die letzte Stunde {1Joh 2}. Und man hat hier auch wahrzunehmen, dass die, die meinen, sie würden stehen, sich besonders davor vorsehen sollen, dass sie durch die Listen des Satans nicht gestürzt werden. Denn die fleischliche Sicherheit überredet uns von Zeit zu Zeit, dass wir jeder Gefahr entronnen wären, wo wir doch nie in größere Gefahr gesteckt haben, und der Teufel uns mit seinen Listen mehr nachgestellt hätte. So bezeugt dieser Spruch ebenso, dass die Auserwählten in große Sünden fallen können und den Heiligen Geist verlieren, darum ist eine gottselige Vorsicht nötig, dass wir uns selbst ermuntern und die Sicherheit des Fleisches austreiben.

12. Darum wer, sich lässt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, dass er nicht falle.

Nach Luther: Darum soll keiner den anderen verachten, egal wie stark oder schwach er ist. Wer weiß, wie lange er selbst bleibt.

13. Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht lässt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende gewinne, dass ihr‘s könnt ertragen.

Betreten: Darum will ich, dass ihr nicht in fleischliche Sicherheit geratet, als ob ihr den Satan bereits überwunden hättet. Ihr habt zwar früher etliche Anfechtungen gehabt, aber die sind schlicht und gering gewesen und nur von eurem eigenen Fleisch und von der Welt hergekommen, die ihr ohne besondere Beschwernis leicht habt überwinden können. Aber die rechten, feurigen und schrecklichen Pfeile des Satans, womit er sich ohne Mittel untersteht, die Menschen, um das Heil und die Seligkeit ihrer Seelen zu bringen, habt ihr noch nicht recht empfunden. Das ist zum Beispiel, wenn der Mensch mit seiner Verzweiflung kämpft, so stark, dass er auch eine lange Zeit keinen Trost aus der Heiligen Schrift fassen kann. Solche Anfechtungen empfand König David, als er schrieb: Ich sprach in meinem Zagen. Ich bin von deinen Augen verstoßen {Ps 31}. Darum ist es unnötig, dass ihr bereits jauchzen wollt, sondern es ist notwendig, dass ihr in der Furcht Gottes und in wahrer Demut wandelt und daneben mit einem eifrigen Gebet Gott anruft, dass er euch nicht vom rechten Glauben abfallen lässt. Diese ernstliche Erinnerung nimmt das Vertrauen der Gottseligen nicht weg, die sicher schließen, dass sie keine Kreatur trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus, unserem Herrn, ist {Röm 8}, sondern es wird von dem Apostel Paulus allein die fleischliche Sicherheit entgegengestellt. Und es lehrt uns daneben, dass Gott nicht gleich am Anfang schwere Anfechtungen zu schicken pflegt, sondern wenn wir im Glauben wohl erstarkt sind.

Aber: Damit die Korinther durch die ernsthafte Warnung des Apostels nicht kleinmütig gemacht wurden und anfingen zu zweifeln, ob sie im rechten Glauben gegen die Anläufe des Teufels bestehen können, so mildert er jetzt seine vorige Rede und spricht ihnen wiederum tröstlich zu.

Könnt ertragen: Und in den Anfechtungen nicht unterliegt. Dies ist ein herrlicher und lieblicher Trost, der uns lehrt, dass Gott uns nicht in dem Sinn Versuchungen schickt, um uns zu verderben, weil er getreu ist, sondern er sieht auch unser Vermögen an, was wir ertragen können, und wägt sie gegen die Versuchungen ab, die er uns auferlegt. Wenn es uns auch an Kräften mangelt, die er uns verliehen hat, so gibt er uns wiederum neue. Und er schafft schließlich das Auskommen, dass wir ohne Schaden hindurchdringen wie die, die durch ein tiefes und breites Wasser unbeschädigt ans Land kommen. Gleich, wie man aber die Soldaten noch nicht für überwunden halten soll, die zwar in der Schlacht zurückweichen und danach die empfangene Schmach der vorhergehenden Flucht mit neu gefasstem Mut und männlichem Kampf wieder auslöschen wollen (denn wenn ein Mann flieht, so kann er wieder kämpfen), so soll man auch glauben, dass sie in den Anfechtungen überwunden haben, die, die sich dem Fleisch und dem Teufel nicht freiwillig ergeben, sondern, obwohl sie im Kampf etwas schwach gewesen sind, so widersetzen sie sich doch dem Teufel, dem Fleisch und der Welt mit einer neuen Freude und bringen endlich den Sieg davon.

14. Darum, meine Liebsten; flieht von dem Götzendienst!

Darum: Jetzt wendet sich Paulus wieder an sein erstes Vorhaben und ermahnt die Korinther, dass sie sich mit dem Essen vom Götzenopfer nicht mit der Abgötterei beflecken, noch sich deren Sünden teilhaftig machen sollen.

Flieht: Denn weil der Satan die Menschen auf vielerlei Weise und bei mancherlei Gelegenheiten in Sünde stürzt, damit er sie ins ewige Verderben bringt, so hütet euch, dass ihr euch nicht, indem ihr euch bei den abgöttischen Mahlzeiten einfindet, der Abgötterei mit schuldig macht und so Gott und den Nächsten schwer beleidigt. Denn ein frommer Christ soll sich mit allem Fleiß vorsehen, dass er sich in keiner Weise der falschen Gottesdienste teilhaftig macht.

15. Als mit den Klugen rede ich; richtet ihr, was ich sage!

Rede ich: Ich will jetzt anfangen, mit euch zu sprechen wie mit verständigen und in geistlichen Sachen erfahrenen Leuten, die im Wort Gottes gut unterrichtet sind und bitte euch, ihr sollt selbst ohne Scheu urteilen, ob ich nicht solche Sachen vorbringe, die christlich, wahrhaftig und dem Wort Gottes gemäß sind? Denn die Kirchendiener sollen das Urteil von ihrer Lehre der Kirche anheimstellen, damit sie nicht dafür angesehen werden, als wollten sie über die Kirche herrschen, dem Befehl des Apostel Petrus entgegen {1Petr 5}.

16. Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?

Blutes Christi: Mit diesen Worten bringt er einen Beweis seiner Sache gegen die abgöttischen Mahlzeiten vor, als wollte er sagen: Der heilige Kelch, der im heiligen Abendmahl gereicht wird, und den wir durch das Sprechen der Worte der Einsetzung segnen oder zum heiligen Brauch ordnen, reicht der uns nicht das Blut Christi dar? Auf die Weise, dass alle die, die aus demselben Kelch trinken des Blutes Christi, das sie trinken, teilhaftig werden?

Leibes Christi: Gibt nicht das Brot, das wir im heiligen Abendmahl empfangen uns den Leib Christi, sodass die, die von diesem Brot essen, auch den Leib Christi essen? Dies setzt der Apostel Paulus als bekannt voraus, um dann daraus zu schließen, es würde sich nicht gehören, dass jemand beim Tisch des Herrn den Leib und das Blut Christi empfängt und daneben zu anderen Zeiten beim Tisch des Teufels isst. Denn was den Abgöttern geopfert wurde, das wurde den Teufeln geopfert. Und hier soll man fleißig wahrnehmen, dass die, die das Brot im heiligen Abendmahl empfangen und aus dem gesegneten Kelch trinken des Leibes und Blutes Christi teilhaftig werden, die Frommen zwar zu ihrer Seligkeit, die Gottlosen aber und die Unbußfertigen zum Gericht. Und Paulus spricht hier nicht von der geistlichen Gemeinschaft, in der wir durch den Glauben der Guttaten Christi teilhaftig werden. Denn er sagt nicht, der Kelch ist eine Gemeinschaft der Vergebung der Sünden, oder das Brot ist eine Gemeinschaft des ewigen Lebens, sondern er sagt: Der Kelch ist eine Gemeinschaft des Blutes Christi und das Brot ist eine Gemeinschaft des Leibes Christi. Darum sollen wir uns nicht durch die Deutungen der Zwinglianer, womit sie diesen klaren Text zu verdunkeln versuchen, irremachen lassen.

17. Denn ein Brot ist‘s; so sind wir viele ein Leib, dieweil wir alle eines Brotes teilhaftig sind.

Denn: Jetzt bestätigt Paulus, was er vorher von der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi gesagt hat.

Teilhaftig sind: Das will so viel sagen: Wie aus vielen Körnern ein Brot oder ein Kuchen wird, so sind wir Christen, die wir von einem heiligen Brot essen, womit uns der Leib Christi dargereicht wird, essen, ein Leib und schaffen eine Kirche oder christliche Gemeinde, worin doch zugleich Gute und Böse sind, nämlich, rechtgläubige Christen und Heuchler. Es reimt sich aber schlecht und ist nicht richtig, dass die, die in der äußeren Gemeinschaft der Kirche Christi wie in einem Leib sind im Gottesdienst Gemeinschaft mit denen haben, die zur Kirche des Teufels gehören. Es wird aber der Leib der Kirche auf zweierlei Weise und Wege betrachtet. Denn wenn man von dem rechten, geistlichen Leib Christi spricht, wie ihn der himmlische Vater ansieht und annimmt, so gehören zu diesem Leib nur die Auserwählten, die rechte und lebendige Glieder Christi sind, von denen auch keines in alle Ewigkeit verloren wird. Denn obwohl manchmal etliche aus der Gnade Gottes fallen, so werden sie doch durch die Buße wiederum zurechtgebracht. Wenn man aber von der äußeren Versammlung der Kirchen redet, so beinhaltet dieser Leib gute und böse Glieder miteinander. Wie aus dem Spruch Christi abzuleiten ist, als er sagt: Ich bin ein rechter Weinstock und mein Vater ein Weingärtner. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen. Und bald danach: Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und verbrennt sie {Joh 15}. Dies ist freilich nicht von den auserwählten und rechtschaffenen Gliedern Christi gemeint. Darum muss man diesen Spruch des Paulus, worin er von der äußeren Versammlung der Kirche spricht, nicht darauf beziehen, als würde Paulus in diesem ganzen Text von der geistlichen Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, das heißt, von der Mitteilung der himmlischen Guttaten sprechen. Auch hat man hier wahrzunehmen, dass durch Paulus, so oft er des Brotes gedenkt, die Verwandlung der Katholiken zugrunde gerichtet wird.

18. Seht an den Israel nach dem Fleisch. Welche die Opfer essen, sind die nicht in der Gemeinschaft des Altars?

Seht: Es folgt ein weiterer Beweis, um die Korinther zu bewegen, sich vom Götzenopfer zu enthalten.

Nach dem Fleisch: Betrachtet die Israeliten, die nach der Abstammung des Fleisches Kinder der Patriarchen sind. Ist es nicht so, dass die, wenn sie nach der Beendigung der Opfer von dem, was übriggeblieben ist, bei der heiligen Mahlzeit essen, eben damit zu verstehen geben, dass sie das vollbrachte Opfer billigen und recht heißen und sich an diesem Gottesdienst teilhaftig machen? Darum, die von den Götzenopfern essen, die haben zugleich auch Gemeinschaft mit den heidnischen und abgöttischen Opfern und billigen mit solchem Essen die heidnische Abgötterei. Die also heutzutage unter der Messe zum Opfer gehen und dem Pfaffen etliche Pfennige opfern, die geben mit der Tat zu verstehen, dass sie die gottlose Messe billigen und mit der Abgötterei Gemeinschaft haben, die in der päpstlichen Messe begangen wird, obwohl sie es im Herzen besser wissen.

19. Was soll ich denn nun sagen? Soll ich sagen, dass der Götze etwas sei, oder dass das Götzenopfer etwas sei?

Etwas sei: Nämlich etwas anderes als ein nichtiger Aberglaube. Und Paulus will mit diesen Worten der Einrede begegnen und zuvorkommen, die er auch zu Anfang des 8. Kapitels angesprochen hat. Denn es hätten die Christen, die von den Götzenopfern gegessen haben, sagen können: Wir wissen, dass die Götzen der Heiden nichts sind und dass das Fleisch, das den Götzen geopfert worden ist, seinem Wesen nach, keinen Unterschied zu anderem Fleisch hat. Wie kann man denn eine Sünde damit begehen, auch wenn wir vom gleichen Fleisch essen? Denn wir ehren ja nicht die Abgötterei der Heiden und billigen ihre Opfer ebenso wenig. Es sind doch die Götter und Götzen der Heiden, und ihre Gottesdienste bedeuten nichts, sind nur Narrenwerk. Wie kann man sich also an einer solchen Sache so stark versündigen? Auf diese Weise entschuldigen sich auch noch heutzutage diejenigen, die sich beim päpstlichen Gottesdienst finden lassen, dass sie sagen, sie billigen diesem Gottesdienst nicht, sondern verspotten ihn vielmehr. Und ebenso handeln auch die, die bei nichtigen Sachen falsch oder vergeblich schwören, wie bei dem Salböl, und sie sagen danach, sie schwören bei dem päpstlichen Salböl, das nichts wert ist. Aber dies ist keine Entschuldigung, wie wir aus den folgenden Worten des Paulus vernehmen werden.

Götzenopfer: Soll ich sagen, dass das Fleisch, das den Abgöttern geopfert worden ist, an sich selbst anders ist, als ein anderes Fleisch, oder dass es verwandelt wäre? Ich weiß freilich genau, dass kein anderer Gott in der ganzen Welt ist, als der einzig wahre Gott. So weiß ich auch, dass solch ein Fleisch an seinem Wesen nicht verwandelt wird, auch wenn es den Göttern geopfert worden ist.

20. Aber ich sage, dass die Heiden, was sie opfern, das opfern sie den Teufeln und nicht Gott. Nun will ich nicht, dass ihr in der Teufel Gemeinschaft sein sollt. Levitikus 17.7, 5. Mose 32.17, Psalm 106.37.

Teufeln: Denen sie damit dienen, obwohl sie den Namen Gottes oder ihrer Götter im Munde führen. Denn Saturn, Jupiter und andere sind Menschen gewesen (wie die heidnischen Schreiber selbst bekennen), die schon lange gestorben sind und nichts Göttliches an sich gehabt haben. Darum, wenn die Heiden anderen Göttern, als dem einzigen, wahren Gott opfern, so tun sie dies, den Teufeln zu gefallen, die den Menschen die Abgötterei eingeben, damit sie diese vom wahren Gott wegführen.

Sein sollt: Dies geschieht, wenn ihr von den Opfern esst, die in der Wahrheit den Teufeln geopfert worden sind. Denn denen wird mit den heidnischen Opfern gedient, obwohl es die Heiden nicht gestehen wollen. Darum, wenn ihr zu solchen geweihten Mahlzeiten geht, so sollt ihr euch erinnern, dass ihr Gäste und Gesellen des Teufels seid. Auf die gleiche Art sind auch die Gäste des Teufels, die um des Bauches willen sich bei den abgöttischen und falschen Gottesdiensten im Papsttum finden lassen. Die fressen und saufen und heucheln den abgöttischen Pfaffen.

21. Ihr könnt nicht zugleich trinken des Herrn Kelch und der Teufel Kelch; ihr könnt nicht zugleich teilhaftig sein des Tisches des Herrn und des Tisches der Teufel.

Teufels Tisches: Denn es kann nicht mit gutem Gewissen und ohne große Sünde geschehen, dass ihr im heiligen Abendmahl den Leib Christi esst und sein Blut trinkt und also Gäste seid am Tisch des Herrn, danach aber auch mit Wissen und Willen, dazu nicht ohne Ärgernis der Schwachen esst und trinkt, was dem Teufel geweiht worden ist. Also, dass ihr beides, nämlich Gäste am Tisch des Herrn und am Tisch des Teufels seid. Dies ist nichts anderes, als Gott, dem Herren, und seinem Feind, dem Teufel, gleiche Ehre zu erweisen. Hier mögen die aufmerksam sein, die meinen, sie können zugleich mit verschiedenen Religionen umgehen, je nachdem wie es Brauch und Gelegenheit ist. Es sind aber die Zwinglianer große Narren, dass sie aus diesen Worten von Paulus schließen wollen, die Gottlosen könnten im Abendmahl des Herrn den Leib und das Blut Christi nicht empfangen. Denn der ganze Text, wenn man ihn im Kontext liest, bezeugt klar, dass Paulus an dieser Stelle nicht davon spricht, was Schlechtes geschehen könnte, sondern was man christlich und mit gutem Gewissen tun kann, das nicht gegen Gott ist. Denn es konnten freilich die Korinther sowohl des Tisches des Herrn als auch des Tisches des Teufels teilhaftig werden, aber mit gutem Gewissen konnten sie sich nicht beider Tische bedienen. Und Paulus sagt im folgenden Kapitel von den Gottlosen, dass sie den Leib und das Blut Christi wahrhaftig, aber nicht zum Heil empfangen, wenn er sagt, dass die, die unwürdig essen schuldig werden am Leib und Blut des Herrn. Darum soll man diesen Betrug der Zwinglianer merken und meiden.

22. Oder wollen wir dem Herrn trotzen? Sind wir stärker denn er?

Oder: Paulus möchte die Korinther noch weiter abschrecken, dass sie sich durch das essen vom Götzenopfer nicht der Abgötterei teilhaftig machen sollen.

Trotzen: Und ihn zur Eifersucht reizen? Denn die sich mit der Abgötterei beflecken, die begehen einen geistlichen Ehebruch und werden von ihrem Bräutigam oder Ehemann Christus abtrünnig und hängen den Götzen an. Gegen diese geistliche Hurerei haben die Propheten oftmals heftig gepredigt und darüber geschimpft. Wollt denn ihr Korinther euren Bräutigam Christus zu solchem Eifer reizen? Dass er dulden muss, dass ihm so viel Widerwärtigkeiten vor Augen geführt werden, wie es Götzen zu Korinth gibt, von deren Opfer ihr euch nicht zu essen scheut? Meint ihr, dass euch eine solche Bosheit ungestraft hingehen wird? Oder sind wir so mächtig, dass wir Christus, unserem Bräutigam, Trotz bieten können, gleich so, als müsste er uns allen unseren Übermut nachsehen? Die sich also der Abgötterei teilhaftig machen, die reizen Christus zum Eifern. Sie werden aber darum nicht ungestraft bleiben, denn Christus hat Kraft und Stärke genug, um ihren Mutwillen zu zerstören.

23. Ich habe es zwar alles Macht; aber es frommt nicht alles. Ich habe es alles Macht; aber es bessert nicht alles {1Kor 6v12}.

Frommt nicht alles: Es nutzt dem Nächsten nicht. Und Paulus begegnet hiermit erneut einer Einrede, weil die Korinther ihre christliche Freiheit in äußeren Sachen hätten vorbringen können, und will so viel sagen: Ich weiß gut, dass den Christen nach ihrer Freiheit viele Dinge freistehen und zugelassen sind. Aber es kann auch geschehen, wenn die Freiheit zur falschen Zeit gebraucht wird, dass sie mehr schadet, als nützt und unseren Nächsten mehr ärgert als besser macht. Denn es kann leicht geschehen, dass ein falscher Gebrauch der Freiheit sowohl die Gläubigen als auch die Ungläubigen ärgert und vor den Kopf stößt, oder auch die Ungläubigen in ihren Irrtum bestätigt. Dies geschieht besonders dann, wenn man, ihnen zu gefallen, ihre Zeremonien, die zwar an sich selbst Mitteldinge und weder geboten noch verboten sind, zur falschen Zeit gebraucht, wo es besser wäre, dass man sich davon enthalten würde.

24. Niemand suche, was sein ist, sondern ein jeglicher, was des andern ist {Röm 15v1 1Kor 10v33 Phil 2v4}.

Andern ist: Achtet in dieser Sache nicht darauf, was für euch angenehm ist, sondern was dem Nächsten zuträglich ist, damit er nicht durch euch geärgert, sondern vielmehr erbaut wird. Es soll deshalb der Brauch der christlichen Freiheit nach der christlichen Liebe gerichtet werden, dass wir bisweilen auf unsere Freiheit verzichten, damit wir den Nächsten nicht ärgern.

25. Alles was feil ist auf dem Fleischmarkt, das esst und forscht nichts, auf dass ihr des Gewissens verschont.

Alles: Weil die Korinther noch Folgendes erwidern hätten können: Wenn man sich also vor dem Götzenopfer so genau hüten muss, dass man nichts davon isst, wer kann denn dann gewiss und sicher sein, dass er sich nicht mit dieser Sünde befleckt hat, wo doch die Götzendiener dieses übrig gebliebene Fleisch, wovon sie ihren Götzen geopfert haben, auf dem Fleischmarkt oder in der Metzgerei öffentlich verkaufen und verschweigen, dass es solch ein Fleisch ist? Darauf antwortet Paulus und zeigt an, was in dieser Sache mit gutem Gewissen geschehen kann.

Esst: Wenn ihr Lust dazu habt oder ihr hungrig seid, so kauft es, kocht es und esst es nach eurem Wohlgefallen.

Forscht nichts: Denn es ist nicht nötig, dass ihr ängstlich nachforschen müsst, was dies für ein Fleisch ist. Ob es irgendetwas von dem ist, dass den Götzen geopfert worden ist, damit ihr nicht die Gewissen der Schwachen irremacht, zumal die Unwissenheit euch an dieser Stelle ausreichend entschuldigt. Darum fragt nicht viel, denn wer viel fragt, der irrt auch viel.

26. Denn die Erde ist des Herrn, und was darinnen ist {Ps 24v1 50v12}.

Des Herrn: Unseres Gottes, der uns bei dem ordentlichen Gebrauch seiner Kreaturen nichts missgönnt. Darum könnt ihr mit gutem Gewissen vom Fleisch, das öffentlich angeboten wird, essen, weil es Gottes gute Kreatur ist, das den Menschen und besonders den Auserwählten zum Gutem verordnet ist. Es soll sich deswegen ein Christ davor hüten, dass er gar zu ängstlich und sorgfältig ist, die Dinge zu erkunden, die er mit gutem Gewissen nicht wissen braucht.

Nach Luther: Christus ist Herr und frei. Also auch alle Christen in allen Dingen.

27. So aber jemand von den Ungläubigen euch ladet, und ihr wollt hingehen, so esst alles, was euch vorgetragen wird, und forscht nichts, auf dass ihr des Gewissens verschont.

Ladet: Zur Mahlzeit, weil er euer guter Freund oder Verwandter ist.

Forscht nicht: Es ist unnötig, dass ihr fragen wollt, was dies oder jenes für eine Speise ist, ob man den Götzen davon geopfert hat oder nicht? Damit schont ihr die Gewissen der Gäste. Denn wenn niemand vom Götzenopfer etwas sagt, so entschuldigt euch eure Unwissenheit vor Gott und den Menschen ausreichend. Es ist deswegen erlaubt, dass man mit denen wohl mit am Tisch sitzen darf und essen, die sich zu einer falschen Religion bekennen, wenn man nur nicht um den Menschen zu gefallen, mit heuchelt oder zulässt, dass die Wahrheit in Gefahr kommt.

28. Wo aber jemand würde zu euch sagen: Das ist Götzenopfer, so esst nicht, um deswillen, der es anzeigte, auf dass ihr des Gewissens verschont. Die Erde ist des Herrn, und was darinnen ist.

29. Ich sage aber vom Gewissen nicht dein selbst, sondern des andern. Denn warum sollte ich meine Freiheit lassen urteilen von einem anderen Gewissen?

Des anderen: Denn weil alle Kreaturen Geschöpfe unseres Herrn Gottes sind und er euch deren Nutzung keineswegs missgönnt, jedoch, wenn ihr bei der Mahlzeit hören würdet, dass von dem vorgesetzten Fleisch den Götzen etwas geopfert worden ist, so esst nichts davon und verschont dessen Gewissen, der euch dies angezeigt hat, damit er nicht, wenn er sieht, dass ihr vom Götzenopfer esst, er dadurch geärgert und sein Gewissen verletzt wird. Denn wenn er noch schwach im Glauben sein wird, so wird er bei sich selbst denken, der Götzendienst sei gar kein so abscheuliches Ding. Darum könnte er leicht, wenn Gott seine Hand abziehen würde, wieder zur Abgötterei umfallen. So kann es auch geschehen, dass ein heidnischer Mensch, der sehen würde, dass ihr dennoch vom Götzenopfer esst, obgleich ihr darauf aufmerksam gemacht worden seid, in seiner Abgötterei mehr gestärkt würde oder sich doch Gedanken machen würde, dass unter dem Christentum ein sicheres und gottloses Leben verborgen steckt, als ob die Christen auf keine Religion achten würden oder mit Ernst beurteilen. Darum soll man sich nicht nur hüten, dass man nichts tut, wodurch unser eigenes Gewissen verletzt wird, sondern man soll sich auch solcher Dinge enthalten, die die Gewissen unserer nächsten irremachen und ihren Glauben schwächen können.

Denn: Bis hierhin hat Paulus die Korinther ernsthaft ermahnt, dass sie nicht durch einen falschen Gebrauch der christlichen Freiheit die schwachen Gewissen anderer Leute ärgern sollen, nun erinnert er die schwachen Christen auch, dass sie nicht zu schnell und mit bösem Vorsatz über die Handlungen ihrer Mitbrüder urteilen oder sie wegen des Gebrauchs der christlichen Freiheit frevelhaft verdammen.

Lassen urteilen: (Nach Luther: Er mag mich beurteilen, aber mein Gewissen soll darum nicht verurteilt und gefangen sein, auch wenn ich äußerlich zu Dienst weiche.

Anderen Gewissen: Als wollte er sagen: Ich habe zwar gesagt, man soll auf die Gewissen der Schwachen Rücksicht nehmen, damit diese durch einen falschen Gebrauch der christlichen Freiheit nicht irregemacht werden, aber doch will ich wiederum auch nicht, dass die Schwachen sich von diesem Augenblick an über jeden Gebrauch der christlichen Freiheit ärgern sollen und den Mitbrüdern deswegen übel nachreden oder nichts auf sie halten. Denn wenn ich nichts Böses tue, sondern die Freiheit in äußerlichen und in Mitteldingen gebrauche, die mir Gott zulässt, so hat kein anderer eine rechte Ursache sich darüber, über ein freies Ding, ein Gewissen zu machen und aus diesem Gewissen, das er sich selbst gemacht hat, von meiner Freiheit unrecht urteilen. Und wenn ich die Speise, die mir von Gott nicht verboten ist, mit wahrer Danksagung gegenüber Gott genieße, so hat mein Nächster keinen Grund, mich deswegen zu verlästern und mir übel nachzureden. In dem gleichen Sinn schreibt auch Paulus an die Römer folgende Worte: Wer isst, der verachtet den nicht, der nicht isst. Und der nicht isst, der richtet den nicht, der da isst. Denn Gott hat ihn aufgenommen. Wer bist du, dass du den Knecht eines Fremden richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn {Röm 14}. Es wird deswegen bei beiden Teilen die Liebe erforderlich. Von denen, die die christliche Freiheit gebrauchen wollen, dass sie auf die Schwachen Rücksicht nehmen, damit sie diesen kein Ärgernis geben, wo es nicht nötig ist, von den Schwachen aber, dass sie nicht frevelhaft von ihren Mitbrüdern urteilen und sich an solchen Sachen ärgern, die vor Gott keine Sünden sind.

30. Denn so ich‘s mit Danksagung genieße, was sollte ich denn verlästert werden über dem, dafür ich danke?

31. Ihr esst nun oder trinkt, oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre.

Ihr: Jetzt beschließt Paulus das ganze Thema von den Götzenopfern und dem Brauch der christlichen Freiheit und lehrt, wohin man bei den Mitteldingen besonders sehen soll.

Was ihr tut: Denn es können nicht alle Fälle, die sich beim Gebrauch der christlichen Freiheit zutragen können, im Einzelnen aufgezählt werden. Darum kann ich auch nicht für den Einzelfall eine Lehre geben, wie man sich zu verhalten hat. Doch will ich euch eine allgemeine Regel gegeben, wonach ihr euch richten und euch Rat dabei einholen könnt, wie ihr euch im einen oder anderen Fall verhalten sollt. So oft ihr in freien Mitteldingen zweifelt, was ihr tun oder lassen sollt, so erinnert euch, was zu Gottes Ehre gereicht und dem Nächsten nützlich ist. Denn man muss die christliche Freiheit nicht gebrauchen, wo die Gefahr abzusehen ist, dass dem Evangelium übel nachgeredet werden könnte, oder wo kein Zweifel besteht, dass sich die Schwachen daran stoßen könnten. Darum schont die schwachen Christen, die sich entweder aus Juden oder Heiden zu Christus bekehrt haben, ja verschont die ganze Kirche, egal ob sie sich aus Heiden oder Juden versammelt haben. Lieber folgt meinem Beispiel. Denn ich stelle meinen Gebrauch der christlichen Freiheit so an, dass ich die Schwachen nicht ärgere oder ihre Herzen von mir abwende, sondern ich befleißige mich in solchen freien Mitteldingen, dass ich so viel wie möglich jedermann gefalle. Und seht nicht darauf, was mir angenehm ist, sondern was vielen nützlich ist, damit sie nicht geärgert oder wieder vom Evangelium abwendig gemacht und verloren werden, sondern vielmehr, dass sie täglich stärker und schließlich selig werden. Es ist deswegen dies die sicherste Regel vom Gebrauch der christlichen Freiheit, dass man alles zur Ehre Gottes und zum Nutzen der Gewissen der Schwachen richtet, so werden wir solche Dinge tun, die die Ehre Gottes fördern und der Erbauung unseres Nächsten dienen. Und die Kirchendiener sollen sich so zeigen, dass die Zuhörer ihrem Beispiel sicher folgen können.

32. Seid nicht ärgerlich weder den Juden noch den Griechen noch der Gemeinde Gottes,

33. gleichwie ich auch jedermann in allerlei mich gefällig mache und suche nicht, was mir, sondern was vielen frommt, dass sie selig werden.


Das 11. Kapitel


1. Paulus zeigt an, wie die Unordnungen, die in den gemeinsamen Versammlungen bei den Korinthern vorgefallen sind, zu verbessern sind. Wie, dass die Männer mit bedecktem und die Frauen mit unbedecktem Kopf beteten oder weissagten und dass bei der Abhaltung des Abendmahls die Reichen tapfer tranken und gleichsam ein Bankett hielten, indem unterdessen die Armen vernachlässigt wurden. 2. Um die Korinther aber zu größerer Ehrerbietung und Andacht gegenüber dem Abendmahl des Herrn aufzumuntern so hält er ihnen die erste Einsetzung davon vor und erzählt davon fast mit den gleichen Worten, wie es die Evangelisten beschrieben haben.

1. Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi!

2. Ich lobe euch, liebe Brüder, dass ihr an mich Gedenkt in allen Stücken und haltet die Weise, gleichwie ich euch gegeben habe.

Ich lobe euch: Weil Paulus die Absicht hatte, in diesem Kapitel die Korinther mit einer ernsten Strafpredigt hart anzugreifen, so macht er den Anfang vorher mit guten Worten und rühmt zunächst ihren Gehorsam gegen die apostolischen Satzungen. Danach schreitet er zur Sache, worum es ihm geht. Solch eine gottselige Geschwindigkeit sollen die Kirchendiener von ihm lernen, damit sie die Herzen ihrer Zuhörer an sich ziehen, damit diese die folgende Strafpredigt umso geduldiger aufnehmen. Paulus verwirft zwei Stücke an ihnen. Erstens, dass sie in den gemeinsamen Versammlungen der Kirchen an keinen Anstand dachten, weil die Männer mit bedecktem Haupt und die Frauen mit unbedecktem Haupt beteten, was keinem von ihnen gut anstand. Und es ist wohl zu vermuten, dass in Korinth, in einer vermögenden und berühmten Handelsstadt, die Frauen der Üppigkeit und Hoffart nachgehangen haben, sodass sie ihre Haare und Zöpfe aus Übermut sehen ließen. Danach, dass die Korinther ohne gebührende Vorbereitung zum Abendmahl des Herrn gingen und solches zum Gericht empfingen. Etliche von ihnen gebrauchten das heilige Abendmahl auch betrunken und machten sich dessen teilhaftig.

Die Weise: Meine Satzungen, die ich euch zu halten befohlen habe. Deshalb rühme ich euch wegen eures gottseligen Eifers, dass ihr diesem mit Fleiß nachkommt, was ich euch gelehrt habe, als ich noch bei euch war. Paulus versteht mit seinen Satzungen allerdings nicht die päpstlichen Gaukeleien und lächerlichen Zeremonien, die die Romanisten unter dem Namen der apostolischen Satzungen uns gerne aufdrängen wollten, wo es kein Ende oder kein Maß gibt, sondern er meint die Lehre von der wahren Gottseligkeit, dem unsträflichen Wandel und der guten Ordnung, die er in der Kirche in Korinth angerichtet hatte. Es sind aber dreierlei Satzungen: Etliche haben ein ausdrückliches Wort Gottes, wie zum Beispiel, was danach folgt. Eine ehrbare Frau soll in der gemeinsamen Versammlung in der Kirche mit bedecktem Haupt beten. Solche und ähnliche Satzungen verwerfen wir keineswegs. Andere sind dem Wort Gottes ausdrücklich zuwider, wie der heilige Dienst und die Anrufung. Denn die Schrift sagt: Du sollst Gott deinen Herrn anbeten ihm allein dienen {Mt 4}. Solche Satzungen sind den Aposteln gar nicht zuzumessen. Etliche sind freie Mitteldinge, die sich nach der Beschaffenheit der damaligen Zeit gerichtet haben und angesehen gewesen sind. Mit diesen Satzungen haben die Apostel anderen Kirchen kein Gesetz vorschreiben wollen, deshalb sind sie auch nicht daran gebunden. Denn die Kirche Christi kann sich in diesem Stück der christlichen Freiheit erfreuen. Darum gehen uns die Katholiken mit ihren erdichteten und falschen Satzungen nichts an, die sie versuchen, unter dem apostolischen Namen zu verkaufen und die zum Teil nichts nützen, zum Teil auch schädlich sind. Von diesen sagt Christus: Vergeblich dienen sie mir, weil sie solche Lehren verbreiten, die nichts als Menschengebote sind {Mt 15}.

3. Ich lasse euch aber wissen, dass Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt, der Mann aber ist des Weibes Haupt; Gott aber ist Christi Haupt {Eph 5v23}.

Ich: Jetzt schreitet er zur Strafpredigt und beginnt hierin noch sehr leise.

Christus Haupt: Das heißt: Gott hat unter den Frauen, Männern, Christus (nach seiner Menschheit) und Gott einen besonderen Unterschied gemacht. Wie nun Gott das Haupt Christi ist (denn Christus hat das Amt des Mittlers und Priesters vom Vater empfangen und ist nach seiner menschlichen Natur geringer als der Vater), so ist Christus das Haupt des Mannes, und der Mann steht somit an der Stelle des Herrn Christus, auf die Weise, dass er in der Haushaltung zum Herrn und Regenten von Gott geordnet worden ist. So werden auch zum weltlichen Regiment und im Predigtamt (wenn man den ordentlichen Weg gehen will) Männer gebraucht. Der Mann aber ist das Haupt der Frau und Gott will, dass die Frauen den Männern gehorsam sein sollen und sie für ihre Oberen anerkennen. Paulus spricht an dieser Stelle jedoch nicht vom geistlichen Leib Christi, weil Christus das Haupt der ganzen Kirche ist, woran sowohl die gottseligen Frauen als auch fromme Männer Glieder sind. Sondern er spricht von dem äußeren Vorzug der Männer, worin sie die Frauen übertreffen.

4. Ein jeglicher Mann, der da betet oder weissagt und hat etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt.

Ein: Jetzt bezieht Paulus die vorgegebene Lehre auf sein Vorhaben.

Weissagt: Dass er die Heilige Schrift erklärt. Denn das bezeichnet der Apostel mehrfach als weissagen. Wenn aber später auch von den Frauen genauso gesagt wird, wie sie weissagen, so ist dies von den besonderen Gaben des Heiligen Geistes zu verstehen, die in den ersten Kirchen eine Zeit lang andauerten und auch den frommen Frauen mitgeteilt wurden. Daher wird von dem Evangelisten Philippus gemeldet, dass er vier Töchter gehabt hat, die geweissagt haben {Apg 21}. Das Wort des Paulus hat aber folgenden Sinn: Weil der Mann des Herrn Christus, als seinem Haupt, wie an seiner Stelle ist, so ist es freilich ein Übel, wenn er mit bedecktem Haupt predigen oder lehren will und sich nicht vielmehr mit unbedecktem Haupt in der Kirche hinstellt, damit er seine Freiheit und Herrschaft, die ihm Gott über die Frau gegönnt hat, öffentlich zu verstehen gibt. Denn der Mann ist der Herrschaft nach (allerdings nur in dieser Sache) Christi Ebenbild. Darum soll er in den öffentlichen Versammlungen und Handlungen das Haupt nicht bedecken, damit er nicht den Anschein erweckt, als übergebe er den Vorzug und die Herrschaft und er wollte dadurch andeuten, dass Christus nicht der Herr wäre. Die Frau aber soll nicht mit unbedecktem Haupt in den öffentlichen Versammlungen der Kirchen erscheinen, damit sie nicht dafür angesehen wird, als wolle sie die Herrschaft ihres Mannes abschütteln, was dem Mann zur Schmach gereicht, der das Haupt und Herz der Frau ist. Denn Gott will nicht, dass die Frauen das Joch von sich werfen und sich ihren Männern widersetzen. Viel weniger noch, dass sie über ihre Männer herrschen sollen.

5. Ein Weib aber, das da betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist ebenso viel, als wäre sie beschoren.

Denn: Paulus fügt noch einen anderen Grund hinzu, warum die Frauen ihr Haupt bedecken sollen, nämlich die allgemeine und bürgerliche Ehrbarkeit oder der Anstand, der in der Natur für sich selbst enthalten ist.

Ebenso viel: Wenn die Frau in einer öffentlichen Versammlung mit unbedecktem Haupt erscheint und sich sehen lässt, so ist es genauso, als wenn die sie in der Kirche mit geschorenem Kopf sitzen würde. Und wenn die Frauen der Christen in einer öffentlichen Versammlung der Kirche ihre Häupter nicht bedecken wollen, so lassen sie sich ebenso das Haupt scheren, weil eines so gut ist wie das andere. Die Natur zeigt es ja für sich selbst, dass es sehr hässlich wäre, wenn eine Frau mit geschorenem Kopf dastünde, so sollen sie sich zu Recht der allgemeinen Ehrbarkeit befleißigen und mit bedecktem Kopf einhergehen. An sich selbst ist es zwar keine Sünde, ob eine Frau bedeckt oder unbedeckt ist, sondern es ist Sünde, wenn man in der Kirche Christi etwas tut, das einem übel ansteht und gegen die gute und löbliche Ordnung ist, auch den Nächsten ärgert und den Widersachern Anlass zur Lästerung gibt.

6. Will sie sich nicht bedecken, so schneide man ihr auch das Haar ab. Nun es aber übel steht, dass ein Weib verschnitten Haar habe oder beschoren sei, so lasst sie das Haupt bedecken.

7. Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, weil er ist Gottes Bild und Ehre; das Weib aber ist des Mannes Ehre {1Mos 1v27}.

Nicht bedecken: In einer allgemeinen Versammlung der Kirchen.

Bild und Ehre: Der Mann steht wegen der Herrschaft ungefähr an Gottes Stelle und hat ein besonderes Ansehen, welches Gott gegeben hat. In diesem Sinn gibt der auch der Obrigkeit die Ehre und Majestät, dass sie Götter genannt werden. Deswegen sollen die Männer den Frauen nicht die Herrschaft überlassen, noch sich in ihrer Kleidung weibisch verhalten, was heutzutage nichts Seltsames ist bei diesen großen Veränderungen der Kleidung, wo man schier nicht weiß, wie man sich nur üppig genug verkleiden und verstellen kann.

Mannes Ehre: Dem Mann als eine Hilfe von Gott gegeben, denn eine ehrliche Frau ziert den Mann, wie es die Schrift zu verstehen gibt, welches einer ehrbaren Matrone zum Lob und Ruhm gesagt wird: Ihr Mann ist berühmt in den Toren {Spr 31}. Wiederum erlangt die Frau ihre Ehre des Mannes.

8. Denn der Mann ist nicht vom Weibe, sondern das Weib ist vom Manne.

Denn: Damit die Frauen wegen ihrer Ehre nicht so schnell überheblich werden, streicht Paulus die Würde des Mannes mit weiteren Worten heraus.

Vom Manne: Denn Gott hat Eva aus der Rippe des Mannes gemacht.

9. Und der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes willen; sondern das Weib um des Mannes willen.

Mannes willen: Gott hat Eva zum Gefallen des Mannes erschaffen, dass er eine Gehilfin hätte und nicht den Adam zum Gefallen der Frau. Darum sollen die Frauen darauf bedacht sein, dass sie sich nach dem Willen und den Vorstellungen der Männer richten. Denn sie sind wegen der Männer da, deshalb sollen sie sich fleißig um ihre Männer kümmern und ihnen gehorsam sein.

10. Darum soll das Weib eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel willen.

Nach Luther: Das ist der Schleier oder die Decke, woran man merkt, dass sie unter der Macht des Mannes ist, Mose 3.16.

Engel willen: Denn es ist recht, weil Gott dem Mann die Herrschaft über die Frau gegeben hat, dass ehrliche Frauen ihr Haupt bedecken und damit bekennen, dass sie unter der Gewalt des Mannes sind. So missfällt auch den Engeln die Leichtfertigkeit der Frauen, wenn sie in der Kirche beim Gottesdienst mit unbedecktem Haupt erscheinen. Diese Leichtfertigkeit kann kein frommer Mann, noch viel weniger ein Engel recht heißen und sich gefallen lassen. Es sind die Engel auch in einer öffentlichen Versammlung der Kirche zugegen, darum soll man sich hüten, dass nichts Ehrloses oder Schändliches dort vorgeht, das die heiligen Engel Gottes, als Wächter und Hüter der Kirchen beleidigen könnte.

11. Doch ist weder der Mann ohne das Weib, noch das Weib ohne den Mann in dem Herrn.

Doch: Damit nicht jemand Anlass nimmt, das weibliche Geschlecht zu verachten, weil Paulus die Männer den Frauen vorzog, so fügt er die folgenden Worte hinzu, die die Frauen von der Schmach retten.

In dem Herrn: Es kann weder der Mann ohne die Frau, noch die Frau ohne den Mann mit gutem Auskommen und ausreichender Bequemlichkeit leben, darum soll kein Geschlecht das andere unterdrücken und verachten, besonders bei Eheleuten sollen sie in der Furcht des Herrn und mit reinem Gewissen friedlich beieinander leben.

12. Denn wie das Weib von dem Manne, also kommt auch der Mann durch das Weib, aber alles kommt von Gott.

Von dem Mann: Dass sie aus seiner Seite genommen ist.

Durchs Weib: Wodurch die Männer in diese Welt geboren werden. Und wenn es keine Frauen gäbe, so gäbe es auch keine Männer. Denn der Mann allein kann keine Kinder zeugen.

Alles von Gott: Sowohl der Mann als auch die Frau haben ihren Leib und ihre Seele von Gott, dem Schöpfer, dem sie darum danken sollen. Denn beide Geschlechter sind Kreaturen Gottes. So wie sich also die Frau dem Mann nicht widersetzen soll, so steht es einem Mann keineswegs zu, dass er die Frau verachtet oder für schändlich hält. Und diese Worte des Apostels Paulus sollen sich diejenigen wohl zu Herzen nehmen, die nicht nur vielen Frauen wegen ihres bösen Wandels übel nachredeten, sondern auch das ganze weibliche Geschlecht mit höhnischen Reden und giftigen Schmachworten angreifen. Diese sündigen mit diesem Mutwillen und Frevel schwer gegen Gott, dem Schöpfer dieses Geschlechts und denken nicht daran, dass sie auch von einer Frau auf diese Welt geboren sind und dass der Sohn Gottes von einer Jungfrau geboren werden wollte.

13. Richtet bei euch selbst, ob es wohl steht, dass ein Weib unbedeckt vor Gott bete.

Richtet: Paulus wendet sich wieder seinem vorigen Beweis zu, dass er aus dem Urteil der Vernunft entnommen hat, und erinnert die Korinther weiter, dass sie den Frauen nicht gestatten sollen, mit unbedecktem Kopf in der Kirchenversammlung zu erscheinen.

Bete: In der allgemeinen Versammlung der Kirche. Sollte das in der Kirche Christi gut angesehen werden, worin alles ordentlich zugehen soll?

14. Oder lehrt euch auch nicht die Natur, dass einem Manne eine Unehre ist, so er lange Haare zeuge,

Haare zeuge: Denn wer wollte da nicht sagen, der Mann möchte sich selbst zum Teil in eine Frau verändern?

15. und dem Weibe eine Ehre, so sie lange Haare zeuge? Das Haar ist ihr zur Decke gegeben.

Ehre: Denn langes Haar ziert eine Frau und steht ihr wohl an.

Decke gegeben: Deshalb lehrt die Natur selbst, dass die Frauen, wenn sie öffentlich ausgehen, ihre Köpfe bedecken sollen. Warum wollen sie dann in der heiligen Kirchengemeinde mit unbedecktem Haupt erscheinen? Denn wenn man sich an irgendeinem Ort anständig verhalten soll, so soll dies besonders in den Kirchenversammlungen geschehen, wo die Heilige Dreifaltigkeit mit vielen 1000 Engeln anwesend ist. Denn die Lehre des Evangeliums tut in äußeren Sachen, was der Vernunft gemäß ist, nicht ab, so viel es einen ehrbaren Wandel betrifft, sondern bestätigt vielmehr dieses. Im Allgemeinen aber erinnert diese ganze Abhandlung des Paulus alle Christen, dass sowohl Männer als auch Frauen in den öffentlichen Kirchenversammlungen eine solche Kleidung gebrauchen sollen, die an dem Ort, wo sie wohnen, für züchtig und ehrlich gehalten wird. Denn es gibt in verschiedenen Ländern auch verschiedene Kleidungsstile, sodass man nicht allen Kirchen die gleiche Art und Form der Kleidung vorschreiben kann.

16. Ist aber jemand unter euch, der Lust zu zanken hat, der wisse, dass wir solche Weise nicht haben, die Gemeinden Gottes auch nicht.

Ist aber: Damit die Korinther (die als Griechen an Streitereien und Grübeleien viel gewohnt waren) nicht allzu viel Spitzfindigkeiten vorbringen könnten, hebt Paulus diesen Streit auf und gibt mit folgenden Worten zu verstehen, dass es unnötig ist, weiter davon zu handeln.

Gemeinde Gottes: Die ebenso wenig auf unnötigen Zank und Streit Lust hat wie wir. Darum, wenn jemand mit vielen Worten über diese Sache streiten möchte, nur damit er seine Kunst sehen lassen kann und seinen Streit gewinnt, der mag hadern, solange er will, mir reicht es aus, dass ich augenscheinliche Gründe vorgebracht habe, warum die Frau mit bedecktem, die Männer aber mit unbedecktem Haupt in der Kirche beten sollen. Dieser Beschluss des Apostels Paulus erinnert uns, dass wir uns mit zänkischen Menschen, besonders wenn es um keine wichtigen Sachen geht, nicht so weit einlassen sollen. Denn geschwätzigen Menschen finden immer etwas, das sie einzuwenden haben. Und die Kirche wird durch Streit nicht erbaut. Wenn man aber von den Lehrpunkten und Geheimnissen der Religion spricht, so soll man von einer guten Sache nicht abstehen und die Handhabung der Wahrheit nicht fahren lassen. Aber dennoch, wenn die himmlische Wahrheit erklärt, und die falsche Lehre ausreichend widerlegt ist, so muss man auch mit dem Streiten ein Ende machen.

17. Ich muss aber dies befehlen: Ich kann‘s nicht loben, dass ihr nicht auf bessere Weise, sondern auf ärgere Weise zusammenkommt.

Nicht loben: Eure Art gefällt mir eben deshalb nicht, dass ihr in den öffentlichen Kirchenversammlungen euch gegen die Gebühr und gegen die Gottseligkeit erweist und so verhaltet, dass ihr anderen vielmehr ein Ärgernis gebt, als dass ihr euch untereinander mit guten Beispielen erbaut. Darum erfordert die Notwendigkeit, dass ich euch wegen meines tragenden Amtes dies aufzeige und an euch tadle und euch auch anzeige, wie ihr euch verhalten sollt. Paulus verwirft auch etliche Missbräuche, die sich in den Abhandlungen des Abendmahls des Herrn Christus bei den Korinthern eingeschlichen hatten. Denn etliche machten die Kirche irre mit Spaltungen und Streit, auch in den gemeinsamen Versammlungen der Kirche. Andere gingen mit einer fleischlichen Sicherheit zum Abendmahl wie zu einer gewöhnlichen Mahlzeit, waren dazu zum Teil nicht nüchtern, und die Reichen hielten in der gemeinsamen Versammlung Bankette, wodurch die Armen, die nichts beisteuern konnten, schamrot gemacht wurden. Darum verweist sie Paulus auf die erste Einsetzung des heiligen Abendmahls und unterrichtet sie, auf welche Weise sie die Missbräuche verbessern sollen. Denn es soll ein Kirchendiener die groben Mängel bei den Kirchen, die ihm anbefohlen sind, nicht verschweigen, damit er nicht unter die stummen Hunde gezählt wird, über die der Herr in der Weissagungen des Jesaja klagt, als er sagt: Ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts, stumme Hunde sind sie, die nicht strafen können {Jes 56}. Man hat auch hier zu merken, wie schnell und leicht es geschieht, dass solche Lehre in der Kirche einreißt, kaum dass die reinen Lehrer weggegangen sind. Denn Paulus hatte die Kirche in Korinth gepflanzt {Apg 18}. Aber wegen seines apostolischen Amtes konnte er nicht immer dortbleiben, sondern musste auch an anderen Orten predigen und das Evangelium verkündigen. Darum sollen die Kirchendiener fleißig wachen und achthaben, dass die gut erbaute Kirche nicht wiederum zerfällt.

18. Zum ersten, wenn ihr zusammen kommt in der Gemeinde, höre ich, es seien Spaltungen unter euch; und zum Teil glaube ich‘s.

Glaube ich‘s: Denn ich werde von glaubwürdigen Leuten verständigt, wenn ihr euch versammelt, um das Wort Gottes zu hören und das Abendmahl des Herrn, das ein Band der christlichen Liebe sein soll, empfangt, dass ihr eben zu dieser Zeit eine feindselige Streiterei von der Religion anfangt, sodass ihr im Sinn und im Herzen missgünstig seid und die Einigkeit der Kirchen trennt, indem etliche einen falschen Wahn handhaben. Und ich muss solchem Geschrei, das von eurer Spaltung erzählt, Glauben schenken, weil es wegen der Bosheit des Satans nicht anders sein kann, als dass in wohl bestellten Kirchen Spaltungen entstehen. Denn der Satan ist nicht ruhig, bis er die Kirche mit mancherlei falschen Meinungen getrennt hat. Dies lässt Gott geschehen, damit die recht gottseligen Menschen, die es mit der Religion von Herzen ernst meinen und die gottselige und reine Lehre standhaft beibehalten, offenbar werden. Und Paulus spricht hier nicht nur von den liederlichen Sachen, als die Korinther sich über die Personen der Lehrer miteinander stritten, wo einer dem anderen wegen seiner besonderen Gaben des Heiligen Geistes vorgezogen worden war. Sondern er spricht hier von den Ketzereien, von denen sich eine, dazu nicht einmal eine einfache, in der Kirche in Korinth bereits eingeschlichen hatte. Denn viele leugneten die Auferstehung der Toten. Diese Ketzerei hat Paulus danach im 15. Kapitel deutlich widerlegt. Darum ist es kein großes Wunder, wenn auch noch heutzutage in den evangelischen Kirchen Ketzereien entstehen. Die Katholiken sollten dieses als ein Zeichen für eine falsche Kirche nicht gar so hoch bewerten, es sei denn sie wollten die ganze Kirche in Korinth, die Paulus gepflanzt hat, als falsch und ketzerisch verdammen. Deswegen sollen wir uns an den Sekten und Spaltungen, die der Teufel in den Kirchen erregt, nicht ärgern, sondern vielmehr mit Fleiß danach streben, dass wir in der Wahrheit beständig bleiben. Daneben aber sollen wir die Sekten aus dem Wort Gottes widerlegen und sie so weit wie möglich abwehren, damit nicht schließlich das Unkraut den guten Samen überwuchert und unterdrückt.

19. Denn es müssen Rotten unter euch sein, auf dass die, so rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden.

20. Wenn ihr nun zusammenkommt., so hält man da nicht des Herrn Abendmahl.

Wenn: Jetzt rügt Paulus eine andere Sünde der Korinther, die sie bei der Abhandlung des heiligen Abendmahls begingen.

Da nicht: Soweit ich von anderen gehört habe, pflegt ihr das Abendmahl des Herrn so zu halten, dass es kein Abendmahl des Herrn zu nennen ist, sondern ein volles und trunkenes Wohlleben, was freilich rechtschaffenen Christen übel ansteht und sich keineswegs beim Abendmahl des Herrn gebührt.

21. Denn so man das Abendmahl halten soll, nimmt ein jeglicher sein eigenes vorhin, und einer ist hungrig, der andere ist betrunken.

22. Habt ihr aber nicht Häuser, da ihr essen und trinken mögt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, so da nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht.

Euch nicht: Das will so viel sagen: Wenn ihr zusammenkommt, so meint ihr zwar aus einem närrischen, falschen und abergläubischen Wahn, ihr müsstet alle Umstände bei dem Abendmahl genauestens halten und es könnte kein Abendmahl bei euch in der Kirche recht gehalten werden, es sei denn, ihr hättet in der Kirchenversammlung vorher ein anderes Abendmahl gehalten, weil Christus das Osterlamm zuvor mit seinen Jüngern gegessen und erst danach das heilige Abendmahl, indem er seinen Leib und sein Blut den Jüngern ausgeteilt hat, eingesetzt hatte. Darum habt ihr eine große Ungleichheit an euch, wenn ihr zusammenkommt, um das heilige Abendmahl zu empfangen, sodass etliche Reiche nicht eher den Leib und das Blut Christi empfangen, bevor sie sie nicht ihren Wanst mit allerlei köstlichem Essen gefüllt und bis zum Überfluss getrunken haben, wo unterdessen die Armen, die nichts haben, was sie vor dem Empfang des Abendmahls essen könnten, hungrig hingehen. Auf diese Weise verachtet ihr Reichen die heiligen Armen, die doch der bessere und größere Teil der Kirche Gottes in Korinth sind und die warten müssen, bis ihr euch mit euren Leckereien den Bauch gefüllt habt. Es stehen also die frommen, bedürftigen Christen schamrot vor euch als elende Bettler, bis ihr euch gesättigt habt. Was soll ich von dieser eurer Art, oder vielmehr Unart, sagen? Meint ihr dass ich diese Unordnung und Zerrüttung bei dieser heiligen Handlung billigen und loben könnte? Das kann nicht sein. Denn wer sollte ein solch ungereimtes Wesen in der Kirche Gottes dulden? Aus diesen Worten vernimmt man, dass es bereits damals unter den Korinthern etliche Maulchristen gegeben hat, die vom heiligen Abendmahl des Herrn nicht viel gehalten haben, sonst hätten sie es mit größerer Ehrerbietung zu empfangen begehrt. Darum sagt auch Paulus weiter in diesem Kapitel, dass sie keinen Unterschied machen bei dem Leib des Herrn, weil sie nicht anders zum heiligen Abendmahl gehen, als sonst zu einem gemeinsamen Festessen. Darum haben die Zwinglianer Grund, sich zu rühmen, weil ihre Sekte schon so lange besteht. Aber der Apostel Christi befindet ihr gottloses Wesen als nicht recht, sondern verwirft es und droht ihnen mit dem Gericht Gottes, wie wir bald danach hören werden.

23. Ich habe von dem Herrn empfangen, dass ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot {Mt 26v26 Mk 14v22 Lk 22v19},

Herrn empfangen: Das Geheimnis des heiligen Abendmahls. Paulus weist also die Korinther auf die erste Einsetzung des Abendmahls hin, wenn er die Missbräuche, die in ihrer Kirche eingerissen waren, verbessern will. Denn die Missbräuche können nicht besser abgeschafft und aus dem Weg geräumt werden, als wenn man die Leute auf die erste Stiftung und Einsetzung eines guten Dinges verweist.

Gegeben habe: Wie ich es im dritten Himmel vom Herrn Christus gelernt habe. Darum, wenn ihr mir glaubt und in dieser Sache gehorcht, so werdet ihr dem Herrn Christus selbst glauben und gehorchen. Es müssen deswegen sehr gottlose Menschen sein, die das heilige Abendmahl des Herrn verachten, dessen Einsetzung Christus selbst dem Apostel Paulus geoffenbart und dieses zu halten befohlen hat.

Verraten ward: Von seinem treulosen Jünger, dem Judas Ischariot, und den Tod bereits vor Augen sah, da hat er dieses, sein Allerheiligstes Testament gemacht und eingesetzt.

Brot: Denn die Sakramente haben auch äußere Elemente, die man mit den Augen sehen kann.

24. dankte und brach es und sprach: Nehmt, esst; das ist mein Leib der für euch gebrochen wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis!

Dankte: Seinem himmlischen Vater für seine Gaben, damit er uns zur gleichen Dankbarkeit gegenüber Gott aufmuntert.

Brach es: Denn es waren ungesäuerte Brote, die so angerichtet waren, dass man sie brechen und nicht schneiden durfte. Es spielt aber keine Rolle, ob man das Brot in der Handlung der Abendmahlzeit bricht oder schneidet, wenn es nur ohne Aberglaube und Ärgernis geschieht.

Sprach: Zu seinen Jüngern, unter denen auch Judas anwesend war.

Gebrochen: Das bedeutet ausgeteilt. Es ist deswegen der Leib des Herrn mit dem Brot gegenwärtig, wenn das Brot gegessen wird, aber nicht wenn es auf päpstliche Weise geweiht, umhergetragen, oder in ein kleines Holzhaus (Kasten) der Sakramente eingeschlossen wird. Der Leib des Herrn wird all denen dargereicht und gegeben, die das Abendmahl des Herrn empfangen und der Leib Christi wird von ihnen empfangen. Denn es wird gesagt, dass der Leib Christi für uns gebrochen wird, nicht dass er am Kreuz gebrochen worden ist, sondern dass er uns im heiligen Abendmahl ausgeteilt wird. Denn brechen heißt in hebräischer Sprache (die Paulus an dieser Stelle gebraucht) ebenso viel, wie austeilen. Brich dem Hungrigen dein Brot (spricht Jesaja), das heißt: Teile dein Brot unter die Hungrigen aus.

Gedächtnis: Das bedeutet: Haltet das Abendmahl des Herrn oft, damit durch diese oftmals wiederholte Zeremonie das Gedächtnis meines Leidens und Todes erhalten wird. Denn dazu ist das heilige Abendmahl von Christus eingesetzt, dass wir uns so seiner Guttaten erinnern, unseren Glauben stärken und dass sein Verdienst uns angeboten und durch den Glauben zugeeignet wird. Denn es ist genauso, als wenn Christus zu jedem, der das Abendmahl des Herrn empfängt, sagen würde: Siehe, ich habe meinen Leib für dich in den Tod gegeben und mein Blut für deine Sünden vergossen, darum sind jetzt alle deine Sünden getilgt. Glaube nur und sei getrost, so wird mein ganzer Verdienst deiner sein, denn ich schenke mich dir selbst mit meinem ganzen Verdienst.

25. Desgleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut. Solches tut, so oft ihr‘s trinkt, zu meinem Gedächtnis!

In meinem Blut: Denn ich reiche euch mit dem Kelch mein Blut, um dessen Vergießung willen Gott, mein himmlischer Vater, einen Neuen Bund mit euch geschlossen hat, nämlich den Bund der Gnade, auf dass er euch eure Sünden umsonst verzeiht und zu Erben des ewigen Lebens einschreibt. Das Blut des Alten Testamentes war das Blut der unvernünftigen Tiere, womit Moses, wenn er das Buch des Gesetzes gelesen hat das Volk besprengte {2Mos 24}. Aber das Blut des Neuen Testaments ist das Blut Christi, dass durch das Blut der Opfer abgebildet worden ist.

Ihr es trinkt: Weil aber Paulus dies den Korinthern als Laien und nicht als Priestern geschrieben hat, so wollte er freilich auch, dass sie nach der Einsetzung Christi das Abendmahl des Herrn unter beiderlei Gestalt (wie man es nennt) empfehlen. Darum handeln die römischen Päpste unrecht, die die Kirche Gottes unter ihrer Tyrannei gefangen halten und sie eines Teils ihrer Sakramente berauben.

26. Denn so oft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis dass er kommt.

Diesem Brot: Was ein natürliches Brot ist und nicht in den Leib Christi verwandelt worden ist, sondern mit dem Leib Christi im Sakrament vereinigt wurde.

Verkündigen: Deswegen soll die Haltung des heiligen Abendmahls keine stumme oder stille Handlung und kein lautes Schauspiel sein, sondern das Leiden Christi soll verkündet und die Worte der Einsetzung in verständlicher Sprache, die das Volk hören kann, ausgesprochen werden. Denn wozu ist es gut, dass man etwas in unbekannter Sprache vorträgt, das die Gemeinde nicht versteht? Wir sollen auch das heilige Abendmahl oft gebrauchen, Gott zu ehren und zur Stärkung unseres Glaubens. Denn das Abendmahl des Herrn ist keine solche Zeremonie, die nur eine Zeit lang in der Kirche währen soll, sondern man soll es halten bis ans Ende der Welt, weil auch die Kirche, solange die Welt steht, bleiben wird.

27. Welcher nun unwürdig von diesem Brot isst oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn.

Welcher: Bisher hat Paulus gelehrt, was Christus für ein Abendmahl eingesetzt hat. Jetzt zeigt er an, was dieser für Gäste bei einem solchen heiligen Abendmahl haben wollte und warnt die Leute, dass sich keiner unwürdig dazu drängen soll, damit er nicht anstatt der Seligkeit die Verdammnis empfängt.

Unwürdig: Dass er dieses heilige Abendmahl, worin uns eine heilige Speise und Trank vorgestellt wird, nicht würdig zu empfangen geschickt ist.

Diesem Brot: Mit dem der Leib Christi gereicht wird. Denn das Brot wird nicht verwandelt.

Kelch: Worin sich das Blut Christi mit dem Wein befindet.

Schuldig: Als einer, der mit dem allerheiligsten Pfand unserer Seligkeit, nämlich mit dem Leib und Blut Christi, ungebührlich umgegangen ist, es entehrt und geschmäht hat. Es sind aber diejenigen nicht unwürdig, die einen schwachen Glauben oder andere Mängel und menschliche Gebrechen an sich haben, aber dennoch wahrhaftig an Christus glauben. Denn die brauchen das Abendmahl des Herrn am meisten, damit ihr schwacher Glaube gestärkt wird. Sondern diejenigen sind unwürdig, die in der fleischlichen Sicherheit leben, in der Sünde gegen das Gewissen verharren und solche Sachen begehren, um deren willen sie vom Himmelreich ausgeschlossen werden und keine Buße tun, sondern daneben unbeschwert zum heiligen Abendmahl wie zu einem allgemeinen Fest gehen. Diese sündigen schwer gegen Christus.

28. Der Mensch prüfe aber sich selbst und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch.

Prüfe: Bevor er das Abendmahl des Herrn empfangen möchte, soll er zuvor in sein eigenes Gewissen schauen, ob er seine Sünden von Herzen erkennt und es ihm leidtut, dass er gesündigt hat? Ob er Vertrauen zu Christus hat, dass ihm um dieses Mittlers willen Gott seine Sünde verzeihen wird? Ob er einen ernsthaften Vorsatz hat, sein Leben zu bessern? Ob er glaubt, dass er dort den Leib und das Blut Christi empfängt? Wenn er dann feststellt, dass er in diesen Stücken die richtige Einstellung hat, so kann er das Abendmahl recht und zum Heil und zur Seligkeit seiner Seele empfangen. Hier hat man wohl darauf zu achten, dass Paulus sagt, der Mensch soll sich selbst prüfen. Darum will er nicht, dass wir wegen der Unwürdigkeit unseres Nächsten uns vom Abendmahl enthalten sollen, sondern dass jeder auf sich selbst aufpasst. Denn wenn Paulus an einer anderen Stelle verbietet, dass wir nicht mit unbußfertigen Christen essen sollen, so soll man dies nicht auf das Abendmahl des Herrn beziehen. Denn Paulus spricht dort von einer zu großen Gemeinschaft, die man nicht mit den Gottlosen haben soll, damit sie dadurch nicht in ihrer Bosheit gestärkt werden.

Nach Luther: Jeder soll zusehen, wie er diesem Abendmahl glaubt, was und wozu er es empfängt.

29. Denn welcher unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt ihm selber das Gericht damit, dass er nicht unterscheidet den Leib des Herrn.

Gericht: Denn er reizt Gott zur Rache und zieht sich Strafen auf den Hals, weil er die Allerheiligste Sache, wie den Leib und das Blut Christi, missbraucht und das heilige Abendmahl nicht besser als eine andere gemeinsame Mahlzeit hält. Wenn also jemand mit dem Essen und Trinken sich am Leib und Blut des Herrn Christi versündigt, so empfangen wir freilich auch den Leib und das Blut Christi mit dem Mund und es empfangen nicht allein die Frommen, sondern auch die Gottlosen oder Unbußfertigen den Leib und das Blut Christi, aber zum Gericht. Denn wie wollten sie sonst mit dem Essen und Trinken schuldig werden an dem Leib und Blut des Herrn und sich selbst das Gericht über den Hals ziehen, wenn sie den Leib und das Blut Christi nicht empfangen würden? Oder wenn, nach der Meinung der Zwinglianer, der Leib und das Blut Christi so weit vom heiligen Abendmahl entfernt wären, wie der höchste Himmel von der Erde entfernt ist?

Nach Luther: Der mit dem Leichnam Christi handelt und damit umgeht, als würde er es nicht mehr beachten als eine andere Speise.

30. Darum sind auch so viel Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Teil schlafen.

Schlafen: Denn weil bis hierhin viele unter euch das Abendmahl des Herrn unwürdig empfangen haben, so hat sie Gott auch gestraft, dass sie in Krankheiten gefallen, viele von ihnen auch gestorben und eines frühen Todes dahingerafft worden sind, weil sie das heilige Abendmahl entehrt haben. Denn Gott lässt die Entweihung seiner Sakramente nicht ungestraft. Aber darum sollen wir uns vom heiligen Abendmahl nicht ganz und gar enthalten, sondern vielmehr darauf bedacht sein, dass wir es würdig und oft empfangen können.

31. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet.

Selber richteten: Dass wir in uns gehen, unsere Sünden erkennen und unseren vorherigen bösen Lebenswandel verwerfen, verdammen und ernsthafte Buße tun, so können wir der göttlichen Strafen, mit denen uns Gott zur Buße treibt wohl entrinnen. Denn eine wahre und ernsthafte Buße hebt auch die zeitliche Strafe und Trübsal auf oder mildert sie zumindest. Es redet aber Paulus hier nicht von der päpstlichen Genugtuung, die die abergläubischen Menschen entweder freiwillig auf sich nehmen oder von einem Priester zur Versöhnung ihrer Sünden oder Wegnahme der Strafen ihnen auferlegt werden. Denn Christus hat allein unsere Sünden gebüßt und genug dafür getan. So lehrt die Heilige Schrift nicht, dass solche selbst erwählten Werke, die dazu größtenteils lächerlich und wertlos sind, die Strafen der Sünden wegnehmen sollten.

32. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtigt, auf dass wir nicht samt der Welt verdammt werden.

Verdammt werden: Diesen Trost fügt Paulus hinzu, damit wir unter den göttlichen Strafen nicht kleinmütig werden oder verzagen. Denn Gott züchtigt uns nicht darum, um uns zu verderben, sondern um uns zu erhalten. Und er richtet oder straft die Sünder, damit sie Buße tun. Bekehren sie sich, so verzeiht er ihnen und nimmt die Strafe weg oder mildert sie doch so, dass sie es ertragen und gottselig aus diesem Leben scheiden können. Bessern sie sich aber auf diese zeitlichen Strafen nicht, so folgt schließlich das Gericht der ewigen Verdammnis.

33. Darum, meine lieben Brüder, wenn ihr zusammenkommt., zu essen, so harre einer des andern.

Darum: Jetzt beschließt Paulus die Abhandlung vom Abendmahl des Herrn mit einer kurzen Ermahnung an die Korinther dass sie sich mit Ehrerbietung und gottseligen Herzen beim Abendmahl finden lassen, wenn sie dieses empfangen wollen.

Zu essen: Dass ihr euch zum Empfang des heiligen Abendmahls versammelt, so sollt ihr euch erinnern, dass ihr nicht da seid, um euch den Bauch zu füllen, sondern dass ihr euren Glauben mit dem Sakrament des Leibes und Blutes Christi stärkt. Darum stellt euch nicht vor, dass ihr in die Kirche geht, um euch den Bauch zu füllen, sondern stillt euren Hunger vielmehr daheim und geht ordentlich in die Kirche zum Abendmahl des Herrn, damit euch Gott nicht wegen der Entweihung seines Abendmahls ernstlich straft. Wenn man auch das Abendmahl nach dem Essen empfangen kann, so ist es doch besser, man geht nüchtern da hin, damit es uns nicht so geht, wie wir es bis hierhin in diesem Kapitel vernommen haben, wie es den Korinthern gegangen ist, wo einer hungrig, der andere betrunken ist.

34. Hungert aber jemand, der esse daheim, auf dass ihr nicht zum Gerichte zusammenkommt. Das andere will ich ordnen, wenn ich komme.

Das andere: Daran ist nicht so viel gelegen, und es kann im Zustand eurer Kirche besser geordnet werden, darüber will ich mich gegenwärtig mit euch nicht auseinandersetzen, wie alles richtig angeordnet ist. Die Katholiken geben sich hier jedoch eine Blöße, dass sie aus diesem Spruch ihre Menschensatzungen, von denen doch viele der Heiligen Schrift schnurstracks zuwider sind, handhaben wollen. Denn Paulus spricht von Mitteldingen, in denen jede Kirche ihre Freiheit hat und hier von verschiedenen Umständen, die selten in allen Kirchen gleichermaßen angetroffen werden können.


Das 12. Kapitel


Paulus erklärt nun ausführlich, was es für verschiedene Gaben Gottes in der Kirche gibt und wie sie zu gebrauchen sind, nämlich zur Ehre Gottes und zur Erbauung des Nächsten.

1. Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, liebe Brüder, nicht verhalten.

Nicht verhalten: Woher ihr sie habt und was der richtige Gebrauch davon ist, damit ihr euch daran nicht überhebt und aus Stolz damit sündigt. Denn es gab unter den Korinthern etliche, welche etliche wunderbare Gaben des Heiligen Geistes empfangen hatten, die den Gläubigen zum Teil in den ersten Kirchen mitgeteilt wurden, wie die Gabe, mit verschiedenen Sprachen zu sprechen, Krankheiten zu heilen und dergleichen. Mit solchen Gaben protzten etliche Korinther und verachteten die andern, die dergleichen Gaben nicht empfangen hatten, gebrauchten sie auch nicht zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Kirchen, sondern vielmehr zur Pracht und zur Zerrüttung der Kirchen. Etliche beneideten auch die anderen, die bessere Gaben empfangen hatten. Darum ermahnt Paulus die Korinther zur wahren Demut und warnt sie, dass sie ihre Gaben nicht missbrauchen oder deswegen überheblich werden sollen, auch einer dem anderen nichts missgönnen soll, sondern dass sie vielmehr diese Gaben in der Furcht Gottes zur Ehre seines Namens und zum allgemeinen Nutzen der Kirche anwenden sollen.

2. Ihr wisst, dass ihr Heiden seid gewesen und hingegangen zu den stummen Götzen, wie ihr geführt wurdet.

Nach Luther: Das besagt, da ihr Heiden ward, wusstet ihr nichts von Christus noch vom Heiligen Geist. Nun aber solltet ihr die Gaben des Geistes kennen, ohne die niemand Christus erkennen kann, sondern ihn vielmehr verflucht.

Geführt wurdet: Das will so viel sagen: Erinnert euch, was ihr früher für Menschen gewesen seid, ehe ihr das Evangelium Christi gehört habt, so werdet ihr den Hochmut bald sinken lassen. Denn ihr habt euch mit vielfältiger Abgötterei befleckt. Darum, wenn ihr noch an euren vorherigen gottlosen Wandel denken würdet, so solltet ihr die Gaben, die ihr von Gott aus lauter Gnade und milder Güte empfangen habt in wahrer Demut gebrauchen. Denn unsere alten Sünden oder Irrtümer, worin wir vorher gesteckt waren, sollen uns in wahrer Demut des Herzens halten.

3. Darum tue ich euch kund, dass niemand Jesum verflucht, der durch den Geist Gottes redet; und niemand kann Jesum einen Herrn heißen ohne durch den Heiligen Geist.

Darum: Paulus setzt zu Beginn als einen Grund der ganzen Handlung von den Gaben des Heiligen Geistes, dass alle Gläubigen an Christus wahrhaftig den Heiligen Geist haben, auch wenn sie keine Wunderwerke tun, noch mit mancherlei Sprachen sprechen können. Danach spricht er auch von den wunderbaren Gaben des Heiligen Geistes und zeigt den rechten Gebrauch von diesen.

Herrn heißen: Darum ist es offenbar, dass alle, die von Christus übel und verächtlich reden, nicht mit dem Heiligen Geist begabt sind, auch wenn sie Wunderwerke tun. Wiederum ist es nicht zu leugnen, dass die, die aus gottseligen Herzen bekennen, dass Jesus Christus unser Herr und Gott ist, wahrhaftig den Heiligen Geist haben, dadurch ihnen die himmlische Erbschaft besiegelt ist, ob sie nun in unterschiedlichen Sprachen sprechen oder Wunderzeichen tun. Die deswegen Christus, ihren Heiland, von Herzen bekennen und lieben, die habe den Heiligen Geist, obgleich sie nicht mit besonderen Gaben in der Kirche vor anderen Christen begabt sind. Haben sie nun den Heiligen Geist, so sind sie auch Kinder und Erben Gottes. Denn so spricht Paulus: Weil ihr Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesendet, der schreit, Abba lieber Vater {Gal 4}.

4. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist.

Es sind: Jetzt lehrt Paulus, dass man sich wegen der Gaben nicht miteinander zanken soll, weil sie alle von einem Geist, unserem Herrn und Gott, gegeben werden. Und er hat oben angezeigt, dass alle die, die wahrhaftig an Christus glauben, den Heiligen Geist empfangen haben.

Ein Geist: Von dem alle solchen Gaben, die aus lauter Gnade und umsonst den Menschen gegeben werden, herkommen. Man muss aber wissen, dass der Heilige Geist vieles in allen Auserwählten wirkt, einiges aber nur in einigen. In allen Auserwählten wirkt oder verschafft er den Glauben, die Hoffnung und die Liebe gegen Gott und den Nächsten wie auch ein inbrünstiges Gebet zu Gott. Daher wird er ein Geist des Gebetes genannt {Sach 12}. Über etliche aber schüttet er besondere Gaben aus, von denen Paulus insbesondere an dieser Stelle spricht. Diese sind nicht allen Christen gemein oder auch nötig, sondern werden nur wenigen gegeben aber doch zum Nutzen der ganzen allgemeinen Kirche. Etliche Gaben haben auch nur eine Zeit lang gedauert, die, nachdem die Wahrheit des Evangeliums bestätigt worden ist, allmählich noch in den ersten Kirchen nachgelassen und aufgehört haben.

5. Und es sind mancherlei Ämter, aber es ist ein Herr.

Ämter: In der Kirche, sodass einer diese, der andere eine andere Aufgabe hat, und es gibt doch nur einen Herrn, der einem jeden ein Amt durch den ordentlichen Beruf auferlegt. Darum soll keiner dem anderen eine höhere Verrichtung missgönnen.

6. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.

Alles: Was der Kirche Gottes nützlich und heilsam ist.

In allen: Gläubigen, denen die besonderen Gaben des Heiligen Geistes mitgeteilt worden sind. Denn obwohl zwei Menschen die gleiche Gabe und das gleiche Amt befohlen wird, so wirkt Gott doch in dem einen mehr und größere Dinge, als im anderen. Wer will aber Gott dem Herrn das Maß vorschreiben, dass er nicht tun dürfe, was er wolle und etwas durch diesen oder einen anderen ausrichten? Danach hat man hier ein herrliches Zeugnis von der Gottheit des Heiligen Geistes zu bemerken: Denn es macht Paulus hier einen Unterschied unter den Gaben, die von dem Heiligen Geist als einem Schöpfer erschaffen worden sind, die dieser auch austeilt. Und er nennt ihn zuerst einen Geist, danach einen Herrn, schließlich auch Gott, der alles in allen wirkt.

7. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nutzen.

Gemeinen Nutzen: Das heißt: Gott, der Heilige Geist, erzeigt seine Wirkungen in jedem, nachdem er weiß, dass dieser zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Kirchen nützlich ist, auch zu dessen Seligkeit, in dem der Heilige Geist wirkt. Darum sollen wir uns damit zufriedengeben, dass der Kirche und uns am besten geholfen ist mit den Gaben, die der Heilige Geist jedem austeilt und man soll anderen größere Gaben nicht missgönnen.

8. Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben, zu reden von der Erkenntnis nach demselbigen Geist;

Einem: Jetzt zählt Paulus mancherlei Gaben des Heiligen Geistes auf, damit wir verstehen, wie allen Christen nicht die gleiche Gabe gegeben wurde.

Von der Weisheit: Dass er die Menschen in der rechten Weisheit, die in der Heiligen Schrift begriffen ist, unterrichten kann. Das bedeutet, dass er von den vornehmsten Stücken der christlichen Religion deutlich und gründlich in der Kirche zu lehren weiß. Denn die rechte und höchste Weisheit ist, wenn man von der Religion recht urteilt und weiß, wie man gottselig leben soll. Solche Leute nennt Salomon in seinen Schriften weise, die anderen nennt er Narren.

Erkenntnis: Die der Kirche, um recht und gut zu regieren, besonders nötig ist, dass man in dunklen und zweifelhaften Dingen einen nützlichen und heilsamen Rat geben kann. Denn dass dies eine besondere Gabe ist, ist daraus offenbar, weil sich oftmals bei vielen Menschen, die sonst fromm und gelehrt sind solch eine Erkenntnis und Vorsicht nicht findet, die aber doch, wenn sie anderen, Vorsichtigeren, folgen, in der Kirche großen Nutzen mit ihren Lehren schaffen können.

9. einem andern der Glaube in demselbigen Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in demselbigen Geist;

Glaube: Nämlich ein besonderer und wunderbarer Glaube, wodurch er sich aus einem besonderen Vertrauen auf die göttliche Hilfe verlassen darf, woran ein anderer einfacher Christ kaum denken darf. Von solch besonderem Glauben redet der Apostel Paulus zu den Hebräern, wenn er sagt: Und was soll ich mehr sagen? Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich erzählen sollte, von Gedeon und Barack und Samson, David und Samuel und den Propheten. Welche haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit erlangt, die Verheißung bekommen, den Löwen den Rachen gestopft, des Feuers Kraft ausgelöscht {Hebr 11}. Mit dem gleichen besonderen Glauben war Moses begabt, als er am Roten Meer stand und sprach: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. Denn diese Ägypter, die ihr heute seht, werdet ihr niemals Lichtes wiedersehen. Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet still sein {2Mos 14}. Wiederum war dieser Glaube im selben Moses erloschen, als er vor dem Fels in der Wüste stand und sagte: Werden wir euch auch Wasser aus diesem Fels entspringen lassen? Darum sprach auch Gott der Herr zu Moses und Aron: Weil ihr an mich nicht geglaubt habt, dass ihr mich vor den Kindern Israel geheiligt hättet, so sollt ihr diese Gemeinde nicht ins Land bringen, das ich Ihnen geben werde {4Mos 20}. Dieser besondere und wunderbare Glaube wird nicht allen Christen gegeben, und denen er gegeben wird, die behalten ihn nicht für alle Zeit. Wie auch am Beispiel des Propheten Elias zu sehen ist, der, als er aus solchem Glauben gewaltige Taten vollbracht hatte, hernach von einer Frau, der Gottlosen Isabel, sich schrecken ließ, dass er vor ihren Drohungen in die Wüste floh {1Kön 19}.

10. einem andern, Wunder zu tun; einem andern Weissagung; einem andern, Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Sprachen; einem andern, die Sprachen auszulegen.

Gesund zu machen: Sodass er ohne äußere Arzneimittel einen kranken Menschen nur durch die Auflegung der Hände oder eine andere Zeremonie wieder zu seiner Gesundheit bringen kann, wie die Apostel und etliche andere in den ersten Kirchen es getan haben. Wie Paulus, nachdem er gebetet hatte und dem Vater des Publius die Hand aufgelegt hatte, ihn vom Fieber und der roten Ruhr gesund gemacht hatte {Apg 28}.

Wunder zu tun: Dass er wunderbare und ungewöhnliche Sachen verrichten kann. Wie Petrus mit einem Wort Hananias und Saphira, die mit Lügen und Betrügereien umhergegangen sind, getötet hat {Apg 5}. Diese bisher erzählten Gaben haben in der christlichen Kirche aufgehört, nachdem das Evangelium genug bestätigt worden war.

Weissagung: Nämlich die Gabe, dass er die Heilige Schrift recht und deutlich erklären kann. So gebraucht später im 14. Kapitel Paulus das Wort Weissagung in diesem Sinn. Solch eine Gabe findet sich durch Gottes Gnade noch heutzutage in den Kirchen, wofür man Gott, dem Herrn, zu danken hat.

Zu unterscheiden: Dies ist eine solche Gabe, wenn einer schnell von den neuen Lehrern (denn diese werden zur damaligen Zeit in der Schrift Geister genannt) urteilen kann, ob sie aus Gott sind, oder aber vom Satan erweckt wurden. Ob sie eine rechte und heilsame, oder aber schädliche und falsche Lehre führen. Denn es kann nicht sofort jeder Christ die falsche Lehre erkennen, besonders die, die sich unter dem Schafskleid mit List einzuschleichen wissen. Und diese Gabe bleibt auch, Gottlob, heutzutage in der Kirche, dass fromme, gelehrte und verständige Männer gefunden werden, die die Verschlagenheit der falschen Lehrer schnell erkennen und entdecken können. Diese Gabe hat vor anderen zu unserer Zeit besonders Dr. Martin Luther, heiligen Gedächtnisses, gehabt, der nicht allein der Wiedertäufer, Zwinglianer und Schwenkfelder Geist und ihr Vorhaben alsbald bemerkt, sondern auch den römischen Antichristen offenbart hat und der Kirche Gottes zum Gespött darstellte.

Mancherlei Sprachen: Dass er mit verschiedenen Menschen reden kann. Diese wunderbare Gabe ist es gewesen, die am Pfingstsonntag über die Apostel und hernach auch über andere ausgegossen worden ist, dass sie das Evangelium in der ganzen Welt ausbreiten und mit verschiedenen Völkern reden konnten, obgleich sie deren Sprache in keine Schule und auch nicht durch tägliche Übungen gelernt hatten. Etwas Ähnliches findet sich manchmal auch noch heutzutage in der christlichen Kirche, dass es etliche gelehrte Männer gibt, die zwar mit großer Mühe und besonderem Fleiß, aber doch durch die Hilfe des Heiligen Geistes so viel erlangt haben, dass sie fremder Sprache vorbringen und richtig aussprechen können, was sie wollen, da ihnen doch diese nicht angeboren ist. Für solche Gaben des Heiligen Geistes sollen wir Gott danken, aber nicht damit protzen, wie wir es auch mit den anderen Gaben nicht tun sollen.

Nach Luther: Es ist in allen Christen ein Geist, eine Weisheit, eine Erkenntnis, ein Glaube und eine Kraft. Aber dies gegen andere auszuüben und zu beweisen, ist nicht jedermanns Sache, sondern von Weisheit sprechen, die da lehren Gott zu erkennen. Von Erkenntnis reden die, die das äußere Wesen und die christliche Freiheit lehren. Glauben beweisen die, die ihn öffentlich bekennen mit Worten und Werken, wie die Märtyrer. Geister unterscheiden die, die da prüfen die Prophezeiungen und lehren.

Auszulegen: Dass er das, was andere in fremder Sprache geschrieben haben richtig übersetzen konnte, obgleich er diese Sprache nicht richtig konnte. Diese Gabe existiert auch noch heutzutage in der Kirche, dass man Leute findet, die zwar fremde Sprachen nicht reden, aber doch das, was in derselben Sprache geschrieben ist, recht erklären und in eine andere oder auch ihre angeborene Muttersprache übersetzen können. Also hat Dr. Luther, so viel mir bewusst, weder Hebräisch, Griechisch noch chaldäisch geredet, aber dennoch hat er solche Sprachen so gut verstanden, dass er das Alte Testament aus dem Hebräischen und Chaldäischen und das Neue Testament aus der griechischen in die deutsche Sprache so übersetzt hat, dass man etwas Ähnliches in deutscher Sprache oder auch in einer anderen Übersetzung nicht so schnell finden wird.

11. Dies aber alles wirkt derselbe einige Geist und teilt einem jeglichen seines zu, nachdem er will {Röm 12v3 Eph 4v7}.

Einige Geist: Nämlich der Heilige Geist. Darum sollen wir alle Gaben diesem, als dem wahren ewigen Gott, zuschreiben und ihm dafür danken, auch sie zur Ehre Gottes recht gebrauchen.

Er will: Hiermit unterscheidet Paulus abermals den Heiligen Geist von allen anderen erschaffenen Gaben, indem er ihm die Gewalt zumisst, dass er die Gaben austeilt wie und wem er will. Dies ist ein sicheres Zeugnis und ein starker Grund dafür, dass der Heilige Geist rechter, natürlicher und wahrer Gott ist.

12. Denn gleichwie ein Leib ist und hat doch viel Glieder, alle Glieder aber eines Leibes, wiewohl ihrer viel sind, sind sie doch ein Leib: also auch Christus.

Denn: Jetzt lehrt Paulus mit einem schönen Gleichnis vom Leib und seinen Gliedern, dass man keinem neidisch sein soll wegen seiner herrlichen Gaben, auch nicht damit protzen, sondern sie vielmehr zum gemeinsamen Nutzen der ganzen Kirche anwenden soll.

Auch Christus: Das will so viel sagen: Gleich, wie viele Glieder in einem Leib nicht so viele besondere Leiber machen, als es Glieder sind, sondern alle Glieder, obwohl sie voneinander unterschiedlich sind und eine ungleiche Wirkung oder Verrichtung haben, dennoch nur einen Leib ausmachen, so ist es mit dem geistlichen Leib Christi, nämlich mit der Kirche, auch beschaffen. Denn Christus ist das Haupt. Die Christen sind die Glieder. Diese geistlichen Glieder, obgleich sie unterschiedliche Gaben und ungleiche Ämter oder Verrichtungen haben, sollen dennoch daran denken und wissen, dass sie die Glieder eines Leibes sind. Darum sollen sie nicht untereinander missgünstig sein oder streiten wegen der verschiedenen Gaben und Ämter. Es soll deswegen keiner wegen seiner Gaben eine Trennung oder Spaltungen in der Kirche Christi anrichten, sondern diese vielmehr so gebrauchen, dass Einigkeit geschaffen und erhalten wird.

13. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle zu einem Geist getränkt.

Getränkt: Das heißt: Wir sind darum in der Taufe durch den Heiligen Geist wiedergeboren worden, dass wir alle ein geistlicher Leib sind, dessen Haupt Christus ist, und trinken auch darum im heiligen Abendmahl alle miteinander einen Trank, das Blut Christi, damit wir des einigen Geistes Christi je länger umso mehr teilhaftig werden und dass wir alle einen Sinn und ein Herz haben und sich so unter uns eine gottselige Einigkeit und Zusammenhalt der Herzen und Gemüter findet. Deswegen sollen die Taufe und das Abendmahl des Herrn uns an die brüderliche Einigkeit erinnern. Und die durch den Heiligen Geist getauft werden, die werden Glieder Christi. Auch die das Abendmahl des Herrn würdig empfangen, die werden mit dem Leib Christi umso genauer vereinigt und des Geistes Gottes je länger umso mehr teilhaftig gemacht. Man hört ferner hier, dass damals in den ersten Kirchen beide Gestalten des heiligen Abendmahls (wie man es nennt) von den Laien gebraucht worden ist. Denn Paulus sagt: Wir sind alle in einem Geist getränkt.

Nach Luther: Wir trinken das gleiche Sakrament, dass wir auch den gleichen Geist empfangen, gleich, wie wir die gleiche Taufe empfangen, dass wir ein Leib sind.

14. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.

Denn: Jetzt erklärt Paulus das Gleichnis vom Leib mit seinen Gliedern und zeigt an, wie das gegenwärtige Thema zu deuten ist.

Sondern viele: Denn wenn der Leib nur ein Glied hätte, wo würden dann die verschiedenen Ämter und Verrichtungen des Leibes bleiben? So nimmt die Ungleichheit der Glieder diesen nichts, dass sie darum keine Glieder des Leibes sein sollten, obwohl sie geringere Verrichtungen haben, als andere Glieder.

15. So aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich des Leibes Glied nicht, sollte er um deswillen nicht des Leibes Glied sein?

16. Und so das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum bin ich nicht des Leibes Glied, sollte es um deswillen nicht des Leibes Glied sein?

17. Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? So er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch?

18. Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, ein jegliches sonderlich am Leibe, wie er gewollt hat.

Am Leib: An seinem Ort und unterschiedlichen Verrichtungen unter ihnen ausgeteilt.

19. So aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib?

Wo bliebe: Was wäre das für ein Leib, der nur aus einem Glied gemacht wäre? Paulus tröstet aber mit all diesen Worten diejenigen, die in der Kirche mit keiner vortrefflichen Gabe erscheinen und will, dass sie wissen, sie sind nichtsdestoweniger Glieder Christi, auch wenn ihnen Gott geringe Ämter anvertraut hat. Und er erinnert sie zugleich, dass sie anderen ihre besseren Gaben und höheren Ämter nicht missgönnen sollen, weil es Gott so haben will, dass unterschiedliche Gaben und verschiedene Ämter in der Kirche sind und er jedem Glied seine Gabe und sein Amt zugeordnet hat, wie er gewollt hat. Darum steht es uns nicht zu, dass wir Gott etwas vorschreiben, sondern was ihm gefallen hat, das sollen auch wir uns gefallen lassen.

20. Nun aber sind der Glieder viele, aber der Leib ist einer.

21. Es kann das Auge nicht sagen zu der Hand: Ich bedarf dein nicht; oder wiederum das Haupt zu den Füßen: Ich bedarf euer nicht;

Es: Wie der Apostel Paulus diejenigen getröstet hat, die geringere Gaben als andere empfangen hatten, so erinnerte er jetzt die, die herrlichere Gaben und Ämter erlangt haben, dass sie die Unteren nicht verachten sollen.

Auge: Obwohl es ein köstlicheres Glied ist als die Hand.

22. sondern vielmehr, die Glieder des Leibes, die uns dünken, die schwächsten zu sein, sind die nötigsten,

Schwächsten: Und den Anschein haben, als ob man nichts besonderes oder köstliches damit ausrichten könnte.

Nötigsten: Dass man auf sie ohne großen Schaden und Nachteil des ganzen Leibes nicht verzichten kann. Es ist deswegen unter den Christen keiner so gering, dass er der Kirche nicht nützlich sein könnte, wenn er will. Darum soll man niemanden verachten. Denn es kann wohl geschehen, dass man einen schlechten Menschen auch wohl nötig braucht.

23. und die uns dünken, die unehrlichsten sein, denselben legen wir am meisten Ehre an, und die uns übel anstehen, die schmückt man am meisten.

Übel anstehen: Deren wir uns schämen müssen.

24. Denn die uns wohl anstehen, die bedürfen es nicht. Aber Gott hat den Leib also vermengt und dem dürftigen Glied am meisten Ehre gegeben,

Bedürfen es nicht: Dass man sie viel schmückt oder ziert.

Vermengt: Dass er aus vielen und ungleichen Gliedern zusammengesetzt ist.

Dürftigen Glied: Was keinen natürlichen Schmuck hat.

Ehre gegeben: Dass er aus der Kunst geziert und geschmückt wurde.

25. auf dass nicht eine Spaltung im Leibe sei, sondern die Glieder füreinander gleich sorgen.

Spaltung: Und ein Glied, das andere nicht verachtet und beschädigt.

Gleich sorgen: Wie das eine durch das Zutun und die Hilfe des anderen geschmückt und geschützt wird. Es sind deshalb die schwachen Glieder der Kirchen nicht zu verachten oder abzulegen, sondern man soll, so viel es geht, ihre Schwachheit mit Fleiß und mit Liebe zudecken, so wie wir die Glieder mit einem schönen Kleid bedecken, wenn wir meinen, dass sie uns übel anstehen.

26. Und so ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und so ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder, mit.

Leiden alle Glieder: Und suchen auch Hilfe, um die Schmerzen des verletzten Gliedes zu lindern und den Schaden zu heilen. Eine solch große Einigkeit findet sich unter den Gliedern des Leibes. Es will uns also auch gebühren, dass sich einer des anderen Unfalls zu Herzen gehen lässt und ihm nach seinem Vermögen mit Hilfe zur Seite steht.

Freuen sich: Wenn also einer mit göttlichen Gaben und Guttaten andere übertrifft, so sollen die anderen ihm dies nicht missgönnen, sondern sich vielmehr mit ihm freuen und ihm von Herzen Glück dazu wünschen.

27. Ihr seid aber der Leib Christi und Glieder, ein jeglicher nach seinem Teil {Eph 4v12 5v30}.

Ihr: Der Apostel erklärt das vorige Gleichnis noch deutlicher und ausführlicher als zuvor und deutet auf sein Vorhaben.

Teil: Wie Gott jedem sein Amt zu seinem Teil in der Kirche zugeordnet und ausgeteilt hat, so ist er an seinem Ort ein geistliches Glied Christi und hat seinen Teil des Amtes zu verrichten, welches ihm, als einem Glied zugeteilt worden ist.

28. Und Gott hat gesetzt in der Gemeinde aufs erste die Apostel, aufs andere die Propheten, aufs dritte die Lehrer, danach die Wundertäter, danach die Gaben, gesund zu machen, Helfer, Regierer, mancherlei Sprachen.

Apostel: Die nicht nur an einem Ort predigen sollten, sondern das Evangelium Christi in der ganzen Welt herum verkündigen.

Propheten: Die Gott dazu angeordnet hat, dass sie die Heilige Schrift recht und gründlich erklären können.

Lehrer: Die in ihren Predigten die christliche Kirche und Gemeinde von den vornehmsten Stücken der christlichen Lehre unterrichteten. Ich meine aber, dass zwischen den Propheten und Lehrern der ersten Kirchen ein solcher Unterschied gewesen ist, wie heutzutage die Professoren oder Lehrer der Heiligen Schrift auf den hohen Schulen von anderen allgemeinen Predigen der Kirchen unterschieden werden. Denn diese lernen von den Professoren, wie sie die Heilige Schrift dem gemeinen Volk erklären und was sie für Lehrpunkte daraus nehmen und ihren Zuhörern vorhalten sollen.

Wundertäter: Denn Gott hat in den ersten Kirchen auch solche Leute geordnet und aufgestellt, die die Lehre des Evangeliums mit verschiedenen Zeichen und Wundern bestätigt haben. Wie Paulus den Zauberer Elimas mit Blindheit geschlagen hat, weil dieser Bösewicht sich unterstanden hatte, den Landvogt Sergius Paulus vom christlichen Glauben abzuwenden.

Gesund zu machen: Gott hat es solchen Leuten gegeben, die mit Aufregung der Hände mit dem Gebet und durch andere Mittel in wunderbarer und übernatürlicher Weise die Kranken wiederum gesund gemacht haben.

Helfer: Die gibt Gott der Kirche auch. Meiner Meinung nach sind es die gewesen, die da getauft und das Abendmahl des Herrn gereicht haben und die in etlichen Kirchen heutzutage Diakon oder Kaplan genannt werden. Diese predigen in vielen Kirchen nicht, sondern teilen nur die Sakramente aus. Die Prediger aber reichen an diesen Orten die Sakramente nicht, sondern lehren nur in der Kirche. Denn auch in der ersten Kirche haben die Apostel selten getauft. Wie in diesem 1. Brief zu den Korinthern im 1. Kapitel zu lesen ist: Und Christus taufte nicht selbst, sondern seine Jünger {Joh 4}.

Regierer: Die die Kirchen im Wandel regiert haben. Dies waren die Ältesten, denen die Kirchenzucht zu erhalten befohlen war. Denn in der ersten Kirche hatte man noch keine christliche, weltliche Obrigkeit, darum musste man solche Regenten oder Vorsteher haben.

Mancherlei Sprachen: Dass sie reden können, obwohl sie dies zuvor nie gelernt hatten, oder aber, dass sie dieselben auslegen und übersetzen können, wie davon oben in diesem Kapitel bereits berichtet wurde.

29. Sind sie alle Apostel? Sind sie alle Propheten? Sind sie alle Lehrer? Sind sie alle Wundertäter?

Alle Apostel: Als wollte er sagen: natürlich nicht. Denn Gott teilt die Gaben des Heiligen Geistes und die Ämter in der Kirche nach seinem göttlichen Willen und Wohlgefallen aus und gibt einem nicht alle Gaben, sondern will, dass jeder seine Gabe braucht zur allgemeinen Erbauung und zum Nutzen der Kirchen. Obwohl auch manchmal etlichen viele Gaben und nicht nur eine allein mitgeteilt werden, wie es den Aposteln geschehen ist, so haben sie doch nicht alle Gaben, sondern einem wird mehr, dem anderen weniger gegeben.

30. Haben sie alle Gaben gesund zu machen? Reden sie alle mit mancherlei Sprachen? Können sie alle auslegen?

31. Strebt aber nach den besten Gaben! Und ich will euch noch einen köstlicheren Weg zeigen.

Besten Gaben: Denn es ist euch nicht verboten, danach mit Fleiß zu streben, dass ihr immer bessere und herrlichere Gaben erlangen könnt, wenn es ohne Streit, Stolz und Neid geschieht. Denn es ist einem Kirchendiener nicht für übel zu halten, (wie auch anderen Christen nicht), wenn sie sich bemühen, andere mit Gaben zu übertreffen, wenn sie diese nur gut und gottselig zum Nutzen der Kirche gebrauchen.

Zeigen: Welches die herrlichste und vortrefflichste Gabe des Heiligen Geistes ist, die der Kirche am nützlichsten ist, dazu will ich euch ermahnen und anreizen, dass ihr diese erlangt und recht gebrauchen könnt. Es will aber Paulus von der christlichen Liebe sprechen, die die nützlichste Gabe des Heiligen Geistes ist, wenn wir betrachten, nicht was nur uns, sondern auch, was dem Nächsten dienlich ist. Von dieser christlichen Liebe wird Paulus im folgenden Kapitel genau berichten und diese hoch rühmen.


Das 13. Kapitel


1. Paulus tadelt die, die die Erkenntnis der Sprachen zu Stolz, zur Pracht und zur Verachtung des Nächsten missbrauchen. 2. Und er preist die Liebe, die, wenn sie nicht vorhanden ist, so sind alle aufgezählten, besonderen Gaben Gottes, auch wenn sie noch so köstlich sind, wenig nütze.

1. Wenn ich mit Menschen - und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle.

Wenn: Weil Paulus sagt, dass die Korinther mit den wunderbaren Gaben des Heiligen Geistes übermütig umgingen, daneben aber die vornehmste Gabe des Heiligen Geistes, die der Kirche am nützlichsten ist und einem Christ am besten ansteht, nämlich die Liebe gegen Gott und den Nächsten außer Acht ließen und sich nicht um sie kümmerten, so rühmt sie der Apostel besonders hoch und zeigt an, dass die anderen Gaben denen nichts nutzen, die ohne Liebe sind. Denn es ist ein sicheres Zeichen, dass kein richtiger, lebendiger Glaube an Christus ist, wo die Liebe nicht ist.

Schelle: Das will so viel sagen: Auch wenn ich alle Sprachen der ganzen Welt können würde, mich in diesen auch gut und angenehm ausdrücken könnte, ja selbst wenn ich mit engelischer Süßigkeit und Majestät meine Sachen vorbringen könnte, daneben aber nichts von der Liebe in mir hätte, so wäre ich ihm ein Christ wie ein Erz oder eine Glocke, die zwar einen Laut und einen Hall von sich gibt, daneben aber weder Leben noch Verstand hat. Die, weil sie viele Sprachen können, aufgeblasen sind und wegen ihrer vermeintlichen Kunst überheblich sind, daneben aber keine Liebe haben, die sind vor Gott nicht besser als ein klingendes Erz oder eine Glocke.

2. Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also dass ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.

Weissagen könnte: Dass ich die Gabe hätte, die Heilige Schrift zu erklären und auszulegen.

Erkenntnis: Dass ich auch mit höchster Weisheit begabt wäre und die Kirche gut regieren könnte.

Glauben: Der dazu erforderlich ist, wenn man Wunderzeichen tun und große Taten verrichten soll.

Nach Luther: Auch wenn der Glaube allein gerecht macht, wie ihn der heilige Paulus ständig betreibt; doch wo die Liebe nicht folgt, wäre der Glaube gewiss nicht recht, auch wenn er Wunder tun würde.

Berge versetzte: Und dergleichen unglaubliche Wunder tun würde.

Nichts: Das würde mir alles nichts nutzen, und ich wäre auch kein rechter Christ. Dass die Katholiken mit dieser Stelle beweisen wollen, der Glaube werde durch die Liebe formiert und vollkommen gemacht und der Glaube allein würde nicht gerecht machen, wo die Liebe nicht dazu kommt, damit vergewaltigen sie die Worte des Apostels Paulus und tun ihm unrecht, weil er an dieser Stelle nicht von dem gerecht machenden Glauben, sondern von dem Glauben, wodurch man Wunderwerke tut, spricht. Denn es taten in der ersten Kirche viele Wunderzeichen, die doch nicht wahrhaft an Christus glaubten, auch nicht selig wurden. Von diesen aber spricht Christus, als er sagt: Viele werden zu mir sprechen an jenem Tag, Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Und in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten begangen? Da werde ich ihnen (sagt Christus) bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weicht alle von mir, ihr Übeltäter {Mt 7}. Und Paulus spricht auch hier nicht von der Rechtfertigung, sondern von den verschiedenen Gaben des Heiligen Geistes, die die Korinther größtenteils missbrauchten. Es ist wohl wahr, dass ein solcher Glaube, der nicht durch die Liebe tätig ist, kein wahrer und gerecht machender, sondern ein falscher und heuchlerischer Glaube ist, aber dies betrifft den gegenwärtigen Grund, wovon Paulus spricht, nicht. Jedoch werden wir bei diesen Worten von Paulus erinnert, dass die keine rechten Christen sind, die zwar die Heilige Schrift ständig im Mund führen und viel von den Geheimnissen der christlichen Religion schwätzen können, bei denen aber daneben keine christliche Liebe gespürt werden kann. Doch erfordert die christliche Liebe auch nicht, dass wir die Wölfe für Schafe oder auch für gute Hirten halten und lieben sollen.

3. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen und hätte der Liebe nicht, so wäre mir es nicht nütze.

Brennen: Dass ich mich wegen des Bekenntnisses des Evangeliums in so großer Gefahr begebe, dass ich mich auch um der christlichen Religion willen verbrennen lassen würde.

Nichts nütze: Und würde mir Gott davon nichts im anderen Leben vergelten oder belohnen, dann würde ich die Seligkeit nicht erlangen. Denn wer die Liebe nicht hat, der hat auch den Glauben nicht. Wer aber den Glauben nicht hat, der wird nicht selig. Es ist zwar bei den Menschen lobenswert und rühmlich, wenn sich einer gegen die Armen freigiebig erweist und keine Kosten scheut. Wenn aber eine solche Mildtätigkeit nicht aus rechtschaffener Liebe gegen Gott und den Nächsten herkommt und entweder aus Ehrgeiz oder irgendeinem anderen Grund geschieht, so darf man deswegen keine Belohnung von Gott erwarten {Mt 6}. Es ist auch eine herrliche Tugend, dass sich jemand bei einer guten Sache standhaft finden lässt und viel eher das Leben als die Wahrheit, besonders in Religionssachen, verwirft, jedoch wenn einer die allergrößte Marter um der rechten Religion willen aushält, aber keine rechtschaffene Liebe hätte, so würde ihm das nichts nutzen. So ist es mit der Marter der Wiedertäufer und dergleichen schwärmerischen Menschen beschaffen. Darum sollen wir uns um die Liebe bemühen, damit wir, was wir Gutes tun, um der Ehre Gottes und der Wohlfahrt des Nächsten willen, von Herzen tun und in allen unseren Verrichtungen so viel wie möglich die rechtschaffene Liebe erzeigen.

4. Die Liebe ist langmütig und freundlich; die Liebe eifert nicht; die Liebe treibt nicht Mutwillen; sie bläht sich nicht;

Die: Jetzt beschreibt Paulus die rechtschaffene Liebe, was sie für einen Menschen macht, wenn sie in dessen Herz eingewickelt ist, damit ein jeder aus solchen Wirkungen erkennen kann, ob er die Liebe hat oder nicht. Und alle folgenden Wirkungen geben ihre besondere Lehre an die Hand, die man bei jeder zu merken hat.

Langmütig: Sie macht langmütige und geduldige Menschen.

Freundlich: Sie möchte jedermann Gutes tun und allen Freundschaft erweisen.

Eifert nicht: Sie missgönnt einem anderen nicht, was ihm Gott gönnt und gibt, egal ob leibliche oder geistliche Güter und Gaben.

Nicht Mutwillen: Sie verwehrt sich nicht, trotzt anderen Leuten nicht und ist ihnen nicht lästig.

Bläht sich nicht: Der Mensch, der die rechte Liebe hat, überhebt sich nicht über andere, dass er andere neben sich verachtet.

5. sie stellt sich nicht ungebärdig; sie sucht nicht das Ihre; sie lässt sich nicht erbittern; sie trachtet nicht nach Schaden;

Ungebärdig: Sie schafft keine ungestümen und stürmischen Menschen, die im Zorn solche Dinge sagen und tun, deren sie sich danach schämen und sie bereuen müssen.

Nach Luther: Wie es die zornigen, störrischen und ungeduldigen Köpfe tun.

Das Ihre: Dass sie nur nach ihrem eigenen Nutzen strebt und den Nächsten schaden oder doch, was zu ihrer Wohlfahrt dient, wenig achtet, sondern sie versäumt viel eher die eigenen Angelegenheiten, um den Nutzen des Nächsten zu fördern.

Erbittern: Dass sie Böses mit Bösem vergelten möchte, sondern sie tut Gutes für Böses.

Schaden: Sie stellt dem Nächsten nicht mit List nach, dass sie ihm Schaden bringen kann.

6. sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit; sie freut sich aber der Wahrheit;

Freut sich nicht: Sondern bekümmert sich viel mehr und wird von Herzen traurig darüber, wenn etwas Unrechtes, Schandloses, Treuloses und Grausames passiert.

Ungerechtigkeit: (Nach Luther) Sie lacht sich nicht ins Fäustchen, wenn den Frommen Gewalt und Unrecht geschieht, wie es Simei getan hat, als David vor Absalom geflohen ist {2Sam 16v7}.

Wahrheit: Ein solcher Mensch, in dessen Herz die Liebe verwurzelt ist, freut sich von Herzen, wenn er hört und erfährt, dass es recht, christlich, ehrlich und aufrichtig bei einer Sache zugeht.

7. sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Verträgt alles: Und sie verschweigt, so viel mit gutem Gewissen vertragen und verschwiegen werden kann.

Glaubt alles: Dass sie von dem Nächsten nichts Böses argwöhnt, sondern ihm alles Gute zutraut, bis sie das Gegenteil erfährt. Doch solche Aufrichtigkeit sollen mit Vorsicht gemäßigt werden, damit wir uns nicht selbst oder auch andere mit uns in große Gefahr stürzen.

Hofft alles: Obwohl sie noch viele Mängel an den Menschen sieht, hofft sie doch auf Besserung.

Duldet alles: Was ohne Verletzung des Gewissens geduldet werden kann. Dies ist gleichsam ein Abbild und Konterfei einer recht vollkommenen Liebe, wie sie im Herzen eines Christen sein soll. Aber es gab keinen Menschen (nur Christus allein), der dies alles, was hier erzählt wird, vollkommen geleistet hätte. Jedoch bemüht sich ein Christ so viel wie möglich von Herzen um diese Tugenden und verrichtet in seinem Handeln und in seinem Wandel viele Dinge, die sich zu diesem vollkommenen Bild oder Muster der Liebe reimen.

8. Die Liebe hört niemals auf, so doch die Weissagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und die Erkenntnis aufhören wird.

Niemals auf: Und hört nie auf zu wirken, sondern nimmt vielmehr zu und wird im anderen Leben am vollkommensten sein. Es rühmt also Paulus die Liebe auch, dass sie kein Ende nehmen wird, wo doch die anderen Gaben des Heiligen Geistes, die er besonders und stückweise nacheinander aufgezählt hat, einmal aufhören werden, weil wir sie im anderen Leben nicht mehr brauchen werden und auch keinen weiteren Nutzen daraus zu erwarten haben.

Nach Luther: Sie hört nicht auf, Gutes zu tun, egal ob man ihr Liebe oder Leid antut, sondern hält fest an ihren Wohltaten und wird nicht anders.

Aufhören: Denn die Gabe, dass man die Schrift gut auslegen kann, wird einmal sein Ende finden, nämlich in jener Welt, da man sie nicht brauchen wird, um die Heilige Schrift zu verstehen zu lernen. Die Gabe der verschiedenen Sprachen wird sich auch nicht mehr finden, denn da jedermann in der gleichen Sprache spricht, ist es unnötig, dass man viele Sprachen kann. Die Vorsicht, die zur Regierung der Kirchen hier auf Erden notwendig und erforderlich ist, wird man auch nicht mehr benötigen, weil Gott alles in allem sein wird und jedermann Gott mit Willen gehorsam sein wird. Darum soll man die Gaben, die nur in den Schwachheiten dieses Lebens aushelfen und in dieser Zeit nötig sind nicht höher achten, als die Liebe, die in alle Ewigkeit bleiben und blühen wird.

9. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk.

Denn: Paulus fährt noch weiter fort anzuzeigen, dass die Dinge, die zum Predigtamt gehören einmal ein Ende haben werden, und dies auch deshalb, weil sie unvollkommen sind, weil im anderen Leben die vollkommenste Erkenntnis Gottes danach folgen wird.

Unser Wissen: Dass wir Gott und was wir von ihm wissen, erkennen.

Stückwerk: Denn obwohl wir die Erkenntnis Gottes, so viel zu unserer Seligkeit nötig ist, in diesem Leben erlangen und die Heilige Schrift einigermaßen verstehen, sie auch recht auslegen können, so ist doch dieser Verstand und die Erkenntnis unvollkommen und es sind uns noch viele Dinge verborgen, die in jenem Leben uns als Erstes offenbart werden und kundgetan, damit wir das spüren können.

Nach Luther: Obwohl wir im Glauben alles haben und erkennen, was Gott ist und uns gibt, so ist doch diese Erkenntnis noch Stückwerk und unvollkommen gegen die zukünftige Klarheit.

10. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.

Kommen wird: In jenem Leben, da die vollkommenste Erkenntnis aller geistlichen Sachen folgen wird, da wird das Unvollkommene und Stückwerk aufhören, und es werden die äußerlichen Hilfsmittel auch nicht mehr nötig sein, womit wir jetzt zur Erkenntnis göttlicher Sachen teilweise und stückweise geführt werden. Man muss dies aber nicht so verstehen, als hätten die Apostel der Kirche eine unvollkommene Lehre, die nicht ausreichend wäre, um die ewige Seligkeit zu erlangen, hinterlassen. Das ist falsch, dass sich einer so gottlose Gedanken macht. Sondern der Apostel stellt die Erkenntnis der geistlichen Sachen, wie sie in diesem Leben ist, dem gegenüber, wie es im zukünftigen, ewigen Leben sein wird. Weil aber unser Wissen in diesem Leben noch unvollkommen ist, so folgt daraus, dass wir ständig, solange wir leben, in geistlichen Sachen zu lernen haben. Denn es hat noch niemand die Heilige Schrift in diesem Leben ganz ergründet, sondern so oft er die Bibel gelesen hat immer wieder etwas gefunden, das er zuvor nicht gemerkt hat, wie jeder, der die Wahrheit sagen will, bekennen muss.

11. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war.

Da: Jetzt erklärt Paulus die vollkommene und unvollkommene Erkenntnis mit einem schönen Gleichnis.

Kindisch war: So wie nun der Verstand eines kleinen Kindes von der Weisheit eines Mannes sehr unterschiedlich ist, so gibt es auch einen großen Unterschied zwischen der Erkenntnis der himmlischen Geheimnisse, die wir in diesem Leben haben, und denen, die wir im anderen Leben erlangen werden.

12. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesichte. Jetzt erkenne ich es stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.

Spiegel: Der Apostel zeigt noch mit einem doppelten Gleichnis den Unterschied auf, zwischen der Erkenntnis Gottes in diesem Leben und der Erkenntnis, die es im anderen Leben geben wird. Denn so wie das Bild eines Menschen, das im Spiegel gesehen wird, sein rechtes Bild, nicht aber der Mensch selbst ist, daher kann es wohl geschehen, dass jemand ein solches Bild sieht, der doch das Angesicht des Menschen nicht ziemt. So erkennen wir zwar den wahren Gott im Predigtamt der Kirchen richtig, aber dennoch ist solch eine Erkenntnis unvollkommen gegenüber der künftigen vollkommenen Erkenntnis Gottes in jenem Leben, so wie das Bild im Spiegel nicht das Gesicht des Menschen selbst ist, obwohl es dort wahrhaftig und recht abgebildet ist. Und wie wir in einer dunklen Rede zwar etwas verstehen, auch bekennen müssen, dass wir nicht alles gesamt und eigentlich wissen, so verstehen wir zwar die göttlichen Geheimnisse, aber doch nicht so vollkommen, wie wir sie im anderen Leben verstehen werden. Darum ist unsere Erkenntnis von himmlischen Sachen in diesem Leben Stückwerk, im anderen Leben aber wird es ganz vollkommen sein. Denn da werden wir Gott, den Herrn, von Angesicht zu Angesicht sehen und ihn vollkommen erkennen, wie er uns vollkommen und eigentlich erkennt. Diese vollkommene Erkenntnis Gottes im anderen Leben wird die höchste und ewige Freude in uns erwecken. So wie aber ein Spiegel, wenn er falsch ist, kein rechtes Bild des Menschen, sondern ein falsches zeigt, so zeigt uns auch das Predigtamt des göttlichen Wortes, wenn es mit Ketzerei verfälscht ist, den wahren Gott nicht. Darum müssen wir wohl zusehen, dass wir den Spiegel, das heißt, das Predigtamt rein und unverfälscht haben.

13. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Diese drei: Als Gaben des Heiligen Geistes, die allen Christen nötig sind.

Größte: Weil der Glaube und die Hoffnung aufhören werden, die Liebe aber in alle Ewigkeit bleibt. Paulus spricht an dieser Stelle anstatt von den geistlichen Gaben, die er zuvor erwähnt hatte, jetzt vom Glauben und der Hoffnung, um anzuzeigen, dass nicht allein die Gaben, die nicht allen Christen gemein sind, sondern auch die, auf die ein frommer Christ in diesem Leben nicht verzichten kann, in jenem Leben aber keine Rolle mehr spielen, allein die Liebe ausgenommen. Denn der Glaube, der glaubt, dass uns Gott gnädig ist, wird dort aufhören, weil wir den gnädigen Gott mit Augen anschauen und seine Gnade in der Tat vollkommen erfahren werden. Die Hoffnung die auf die Offenbarung der Güter, die uns Christus erlangt hat, wartet, wird auch ein Ende nehmen, weil wir da im völligen Besitz dieser Güter sein werden. Und Paulus sagt hier, dass die Liebe größer ist als der Glaube und die Hoffnung wegen der Dauer, dass sie länger dauern wird und ewig nicht aufhört, sondern in jenem Leben erst beginnt und vollkommen sein wird. Darum irren sich die Katholiken, die aus dieser Rede des Paulus schließen: Die größte Tugend macht gerecht. Die Liebe ist die größte Tugend, deswegen macht sie gerecht. Denn es wird hier nicht von der Rechtfertigung gesprochen, sondern von der Beständigkeit der Gabe des Heiligen Geistes. Und der Glaube macht nicht in der Form gerecht, nachdem er eine Tugend ist, die Gott das Lob der Wahrheit und Güte zumisst, sondern sofern er den Mittler Christus ergreift, der uns in Vollkommenheit Genüge getan hat. Denn derselbe Christus (wie Paulus bezeugt) ist uns von Gott zur Gerechtigkeit gemacht worden {1Kor 1}. Weil sein ganzer Verdienst uns durch den Glauben zugerechnet wird.

Nach Luther: Liebe macht nicht gerecht, sondern der Glaube {Röm 1v17}. Weil aber Glaube und Hoffnung gegen Gott handeln und nur Gutes empfangen, dazu aufhören müssen, die Liebe aber gegen den Nächsten handelt und nur Gutes tut, dazu ewig bleibt, ist sie größer, weiter, tätiger und wahrhaftiger.


Das 14. Kapitel


Paulus lehrt in diesem Kapitel, was für Ordnung in den öffentlichen Versammlungen der Kirchen zu halten ist, nämlich, dass man mit den Gaben nicht protzen soll und nicht zulassen, dass viele zugleich und auf einmal in der Versammlung predigen. Bei den fremden Sprachen soll man auch die Auslegung hinzufügen und in der Kirche alles gebührend und ordentlich abhandeln. Den Prediger soll man nicht zur Unzeit in die Rede fallen. Denen aber, die der Heilige Geist mit besonderen Offenbarungen begabt hat, soll man in der Kirche zu reden Raum geben.

1. Strebt nach der Liebe! Fleißigt euch der geistlichen Gaben, am meisten aber, dass ihr weissagen möget.

Liebe: Die eine von den vornehmsten und heilsamen Gaben des Heiligen Geistes ist, wie kurz zuvor berichtet worden ist.

Geistlichen Gaben: Dass ihr Gott, den Herrn, darum anruft und bittet, auch mit all euren möglichen Fleiß danach trachtet, dass ihr sie erlangt. Wir sollen auch heutzutage durch ein gottseliges und eifriges Gebet und mit höchstem Fleiß besonders nach den Gaben des Heiligen Geistes trachten und zuwege zu bringen uns bemühen, was der Kirche am nützlichsten ist.

Weissagen mögt: Dass ihr mit richtigen Erklärungen der Heiligen Schrift die Kirche im wahren Glauben und in der Gottseligkeit unterrichten könnt. Paulus war im vorigen Kapitel von seinem Vorhaben, als er von den wunderbaren Gaben des Heiligen Geistes gesprochen hat ein wenig abgewichen und hatte die Liebe, die alles zur Erbauung der Kirche richtet mit vielen Worten herrlich gerühmt und herausgestrichen. Damit es nun nicht bei den Leuten den Anschein habe, als würde er die wunderbaren Gaben des Heiligen Geistes verachten, so fängt er wiederum an, davon zu reden, und ermahnt die Korinther, dass sie solche Gaben am meisten wünschen und sich darin üben sollen, die zur Erbauung der Kirche am nützlichsten sind. Er preist deswegen besonders in diesem Kapitel die Gabe der Weissagung, das heißt, die Heilige Schrift recht zu erklären. Denn in dieser Bedeutung braucht der Apostel das Wort Weissagung im gegenwärtigen Thema und zieht diese etlichen anderen Gaben vor. Denn die Korinther bewunderten ansonsten zu sehr, wenn jemand mit verschiedenen Sprachen sprechen konnte und benutzten solche Gaben mehr zum Schein und zur Pracht als zur Erbauung. Darum zeigt ihnen Paulus, was die Prediger für eine Ordnung in der Kirche in Korinth halten sollten und ermahnt sie zugleich, dass alles in der Kirche Gottes ordentlich und gebührend zugehen soll. So wie durch die Weissagung oder Prophezeiung im Neuen Testament größtenteils die Erklärung und Auslegung der Heiligen Schrift verstanden wird, also werden Propheten genannt, nicht nur die, die von künftigen Dingen weissagen und etwas vorhersagen können, von denen es in der ersten Kirche wenige gab, sondern auch alle reinen Lehrer, die die Heilige Schrift recht und zur Erbauung der Kirche nützlich auslegen können.

2. Denn der mit der Zunge redet, der redet nicht den Menschen, sondern Gott. Denn ihm hört niemand zu; im Geist aber redet er die Geheimnisse.

Denn: Jetzt stellt Paulus die Gaben, mit mancherlei Sprachen zu sprechen, der Weissagung oder Auslegung der Heiligen Schrift gegenüber und zeigt an, welche unter diesen beiden für die Kirche Gottes zu Erbauung am zuträglichsten ist.

Zungen redet: Nämlich in einer fremden Sprache, die die Kirche oder christliche Gemeinde, die in der Kirche anwesend ist, nicht versteht.

Die Geheimnisse: Das will so viel sagen: Es kann zwar geschehen, dass der, der in einer fremden Sprache redet, die dem gemeinen Mann unbekannt ist, dies zum Lob Gottes tut, entweder dass er einen herrlichen Psalm erzählt oder einen prophetischen Spruch, in dem ein Geheimnis der christlichen Religion verborgen steckt, abhandelt, aber dies nutzt dem Nächsten nicht, und er wird dadurch nicht gebessert oder erbaut, weil er nicht versteht, was jener sagt. Denn wer in einer fremden und unbekannten Sprache redet, der weiß zwar in seinem Sinn wohl, was es ist und zu bedeuten hat, aber andere wissen es nicht, weswegen ihnen auch nicht damit geholfen ist, dass der seine Kunst sehen lässt und mit dem Gebrauch verschiedener Sprachen Prunk treibt. Keineswegs will Paulus die Kenntnisse der Sprachen, besonders der griechischen und hebräischen, damit verworfen haben. Denn diese leiten uns zum rechten Ursprung und zur reinen Quelle der Heiligen Schrift, sondern das vergebliche Protzen mit der Kunst, wenn man davon keinen Nutzen hat, verwirft er.

3. Wer aber weissagt, der redet den Menschen zur Besserung und zur Ermahnung und zur Tröstung.

Weissagt: Dass er die Heilige Schrift in einer allgemeinen Versammlung der Kirche recht und gründlich, dazu deutlich und verständlich erklärt.

Zur Tröstung: Sodass die Leute in der Erkenntnis Gottes zunehmen, gute Werke zu tun und sich vor Sünden zu hüten, aufgemuntert werden und gegen allerlei Anfechtungen und Trübsal Trost empfangen, weil sie ihn verstehen und er sie im Wort Gottes unterrichtet. Denn dahin sollen die Prediger des göttlichen Wortes besonders gerichtet sein, dass wir daraus Gott recht erkennen lernen, zur wahren Gottseligkeit gebracht und ermahnt werden in Widerwärtigkeiten beständigen Trost haben. Das ist, dass der Glaube und die Liebe samt der Hoffnung in uns erweckt und erhalten werden.

4. Wer mit Zungen redet, der bessert sich selbst; wer aber weissagt, der bessert die Gemeinde.

Zungen redet: In der Kirche und in einer fremden Sprache etwas erzählt, was die christliche Gemeinde nicht versteht.

Nach Luther: Mit Zungen reden ist, Psalmen oder Propheten in der Gemeinde lesen oder singen und sie nicht auslegen, obwohl sie der Leser versteht. Weissagen ist, den Sinn von Gott nehmen und anderen geben wollen. Auslegen ist, den Sinn anderen vorgeben. So meint der heilige Paulus, mit Zungen reden bessert die Gemeinde nicht, Weissagungen aber und Auslegungen bessern die Gemeinde. Im Geist heißt bei sich selbst.

Sich selbst: Und kann daraus einen Nutzen schöpfen.

Weissagt: Dass er die Heilige Schrift in einer verständlichen Sprache deutlich vorliest oder erklärt.

Die Gemeinde: Gottes und somit viele zusammen. Es ist aber besser, viele als wenige zu erbauen und in der wahren Erkenntnis Gottes und im gottseligen Wandel zu unterrichten.

5. Ich wollte, dass ihr alle mit Zungen reden könntet, aber viel mehr, dass ihr weissagt. Denn der da weissagt, ist größer, denn der mit Zungen redet, es sei denn, dass er es auch auslege, dass die Gemeinde davon gebessert werde.

Reden könntet: Dass ihr verschiedene Sprachen sprechen könntet. Denn wenn euch Gott allen miteinander solche Gaben mitgeteilt hat, wer wollte euch dies missgönnen?

Weissagt: Wenn man sich eines von diesen beiden wünschen sollte, so wollte ich vielmehr, dass ihr alle die Heilige Schrift recht erklären und auslegen könntet, als dass ihr mit fremden Sprachen sprecht, weil die Kirche Gottes von jenem einen viel größeren Nutzen zu erwarten hätte, als von diesem.

Gebessert werde: Dass sie daher zunehmen möge und einen Nutzen davon habe. Es soll sich deswegen jeder nach der Möglichkeit seines Berufs sich bemühen, solche Gaben zu erlangen, womit er der Kirche Gottes am meisten dienen kann.

6. Nun aber, liebe Brüder, wenn ich zu euch käme und redete mit Zungen, was wäre ich euch nütze, so ich nicht mit euch redete entweder durch Offenbarung oder durch Erkenntnis oder durch Weissagung oder durch Lehre?

Nun aber: Damit die Korinther besser verstehen könnten, wie das vergebliche Protzen mit allerlei Sprachen gar nichts zu Erbauung der Kirchen nutzt, hält er ihnen sein eigenes Beispiel vor.

Zungen: Das bedeutet, mit mancherlei fremden und unbekannten Sprachen, die ihr nicht verstehen würdet.

Durch Lehre: Das bedeutet: Es sei denn, dass ich euch die Geheimnisse, die mir Gott geoffenbart hat (unter anderem, dass wir nicht alle sterben, sondern in einem Augenblick verwandelt werden {1Kor 15}, mit einer verständlichen Rede erkläre oder euch einen guten Rat gebe, was ihr in dunklen und in einer zweifelhaften Sache tun sollt (wie von der Jungfrauenschaft und den ledigen Stand {1Kor 7} oder die dunklen Orte und Sprüche der Heiligen Schrift auslege, wie denn der gleichen Auslegungen in den Schriften des Paulus viele zu finden sind, oder dass ich euch von den vornehmsten Hauptstücken der christlichen Lehre besondere Artikel deutlich vorlege, als da sind, vom Gebrauch des Gesetzes, vom Evangelium, von guten Werken, von Kreuz und Trübsal, von Hoffnung in Widerwärtigkeiten und dergleichen. Gewiss (will Paulus sagen), wo ich euch nicht von diesen Sachen in einer Sprache, die ihr versteht, lehren würde, so würde ich in einer fremden Sprache umsonst mit euch reden, dazu ohne euren Nutzen, obwohl ich nicht ein einfacher Kirchendiener bin, sondern ein vornehmer Apostel Jesu Christi.

7. Hält sich‘s doch auch also in den Dingen, die da lauten und doch nicht leben, es sei eine Pfeife oder eine Harfe; wenn sie nicht unterschiedliche Stimmen von sich geben, wie kann man wissen, was gepfiffen oder geharft ist?

Hält: Paulus zeigt mit seinen Gleichnissen sehr gut an, wie der Brauch einer fremden und unbekannten Sprache in der Kirche zu nichts nutze ist bei denen, die diese Sprache nicht verstehen. Denn wenn ein Pfeiffer oder Harfenspieler auf seiner Pfeife oder Harfe (was tote Sachen sind) alles durcheinander machen würde und keinen Unterschied in den Stimmen hielte, so würde keiner einen Nutzen davon haben, noch damit belustigt werden oder auch wissen, was für ein Lied oder Gesang das wäre. Vielmehr würde man meinen, der Pfeiffer oder Harfenschläger wäre nicht recht bei Sinnen oder er hätte diese Kunst nie gelernt. So ist es auch mit denen beschaffen, die sich in der Gemeinde sehen lassen wollen, um zu zeigen, dass sie fremde Sprachen können, die kein Zuhörer versteht.

8. Und so die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer will sich zum Streit rüsten?

Ton gibt: Wovon niemand wissen kann, was er bedeutet.

Rüsten: Wenn man also die Posaune der göttlichen Worte nicht mit einem verständlichen Schall und in bekannter Sprache hört, wer wird sich dann zum Streit rüsten können gegen den Teufel, die Welt und das Fleisch?

9. Also auch ihr, wenn ihr mit Zungen redet, so ihr nicht eine deutliche Rede gebt, wie kann man wissen, was geredet ist? Denn ihr werdet in den Wind reden.

Wind reden: Denn so wie ein undeutlicher Schall niemandem nutzt, in die Luft dahinfährt und verschwindet, dass er keinen Nachdruck hat, so werdet auch ihr, wenn ihr in einer fremden Sprache redet, die man in der Kirche nicht versteht, niemandem damit etwas nutzen, sondern die Zeit und Mühe vergeblich zubringen und verlieren.

10. Zwar es ist mancherlei Art der Stimmen in der Welt, und derselben ist doch keine undeutlich.

Mancherlei Art: Es gibt viele und verschiedene Sprachen in der Welt, und kein Volk ist stumm, dass es nicht mit einer besonderen Sprache reden würde, egal wie sie jetzt beschaffen ist. Nichtsdestoweniger, wenn einer in seiner Muttersprache mit mir reden wollte, die ich nicht verstehen würde, so wäre er mir fremd, als wenn ein Türke mit einem Deutschen sprechen wollte. Und wenn ich mit einem anderen in einer ihm unbekannten Sprache sprechen wollte, die er nicht versteht, so würde ich ihm ebenso ungewöhnlich vorkommen. Was nutzt aber ein solches Gespräch?

11. So ich nun nicht weiß der Stimme Deutung, werde ich undeutsch sein dem, der da redet, und der da redet, wird mir undeutsch sein.

12. Also auch ihr, sintemal ihr euch fleißigt der geistlichen Gaben, trachtet danach, dass ihr die Gemeinde bessert, auf dass ihr alles reichlich habet.

Trachtet: Macht euch die Gleichnisse in der Weise zunutze, weil ihr ohnedies damit umgeht, wie ihr mit den Gaben des Heiligen Geistes andere übertreffen wollt, dass ihr eure Gaben zu Erbauung der Kirche anwendet, so wird es geschehen, dass je mehr einer der Kirche mit seinen Gaben nutzen wird, umso mehr wird er andere vor Gott und den Menschen übertreffen. Denn Gott gibt die Kunst der Sprachen darum, dass wir dadurch mit denen sprechen können, die diese oder jene Sprache kennen und sie in der rechten Religion unterrichten, aber nicht, dass wir fremde Sprachen ohne Nutzen und auf närrische Art bei denen hervorbringen und hören lassen, die von dieser Sprache nichts verstehen. Obwohl heutzutage die wunderbare Gabe des Heiligen Geistes in der Kirche aufgehört hat, sollen doch alle Kirchendiener sich darum bemühen, dass sie die Gaben, die sie haben nicht zum Schein und zur Pracht, sondern zu Erbauung der Kirche gebrauchen. Denn je mehr einer die Kirche baut, umso ein vortrefflicher und herrlicher Lehrer oder Prediger ist er, obwohl er wegen seiner Gaben geringer ist als ein anderer.

13. Darum, welcher mit Zungen redet, der bete also, dass er es auch auslege.

Darum: Lehrt der Apostel auch mit dem Beispiel des Gebetes, dass die Kunst der verschiedenen Sprachen in der Kirche nichts nutzt, wenn nicht die Auslegung dazu kommt.

Zungen redet: Dass er in der Kirche in einer fremden Sprache etwas vorträgt aus einer besonderen Gabe des Heiligen Geistes.

Auslege: Was er in einer fremden und unbekannten Sprache im Gebet vorgebracht hat, damit die Zuhörer einen Nutzen davon haben können.

14. So ich aber mit Zungen bete, so betet mein Geist; aber mein Sinn bringt niemand Frucht.

Niemand Frucht: Denn wenn ich das Gebet in fremder Sprache verrichte, so kann ich wohl im Geist und inbrünstig beten und verstehe selbst zwar, was ich bete, aber der Sinn der Wörter, die ich in meinen Gedanken fasse, nutzt anderen Leuten nichts, die diese Sprache nicht verstehen und es ist ebenso, als wenn sie es ganz und gar nicht gehört hätten.

15. Wie soll es aber denn sein? Nämlich also: Ich will beten mit dem Geist und will beten auch im Sinn; ich will Psalmen singen im Geist und will auch Psalmen singen mit dem Sinn.

Sein: Wie muss man sich in dieser Sache verhalten, damit die Kirche erbaut wird?

Mit dem Sinn: Das bedeutet: Wenn ich beim Beten, Singen oder den Danksagungen in der Kirche eine fremde Sprache verwenden will, so will ich eine Auslegung davon hinzufügen, damit die Zuhörer meine Gedanken und meine Meinung recht verstehen und daraus gebessert werden können. Denn mit dem Sinn reden ist ebenso viel, wie auslegen und den Sinn oder Verstand anderen erklären. Aber im Geist reden ist die Meinung für sich selbst allein verstehen und nicht auslegen.

Nach Luther: Mit dem Sinn reden ist ebenso viel wie auslegen und anderen den Sinn erklären. Aber im Geist reden ist, den Sinn selbst verstehen und nicht auslegen.

16. Wenn du aber segnest im Geist, wie soll der, so anstatt des Laien steht, Amen sagen auf deine Danksagung, sintemal er nicht weiß, was du sagst?

Segnest im Geist: Dass du in einer besonderen Form eines Gebetes oder einer Danksagung von Gott sprichst in der Form, dass du es allein in deinem Herzen verstehst und weißt, was diese Danksagung bedeutet.

Nicht weiß: Weil er die Sprache, die du gebrauchst, nicht versteht.

17. Du danksagst wohl fein; aber der andere wird nicht davon gebessert.

Gebessert: Weil er es nicht versteht. Wir sollen uns aber bemühen, dass wir vielmehr einer großen Menge, als nur uns allein nützlich sind.

18. Ich danke meinem Gott, dass ich mehr mit Zungen rede denn ihr alle.

Ich danke: Das will so viel sagen: Obwohl ich durch Gottes Gnade und ohne Ruhm zu beanspruchen, mehrere fremde Sprachen kann und darin erfahren bin, mehr als irgendjemand unter euch, so pflege ich doch diese Kunst in der Kirche nicht, dass ich damit prahlen wollte. Sondern ich will viel lieber wenige Worte so vorbringen, dass ich von den Zuhörern verstanden werde und sie in der wahren Erkenntnis Gottes und im christlichen Wandel unterrichtet werden, als mit einem langen Geschwätz in unbekannter Sprache meine Kunst sehen zu lassen, womit der Kirche nicht gedient ist. Deswegen hat der Papst in Rom an der Kirche übel gehandelt, indem er angeordnet hat, dass größtenteils Sachen in der Kirche in einer fremden, nämlich der lateinischen Sprache, die das allgemeine Volk nicht verstanden hat, verrichtet worden sind. Darum sind die des Lobes wert, die die Kirche so reformiert haben, dass nicht nur deutsche Predigten, sondern auch die Psalmen, das Lesen, das Gebet, die Abhandlung der Taufe und des Abendmahls in verständlicher und bekannter Sprache gehört werden. Denn auf diese Weise wird die Kirche erbaut. Die Katholiken aber geben sich hier teilweise eine Blöße und geben ihren Unverstand zu erkennen, indem sie bestreiten, Paulus habe durch die fünf Worte verstanden, die Worte der Kongregation (wie sie es nennen) in der päpstlichen Messe nämlich 1. Denn 2. das 3. ist 4. mein 5. Leib. Aber solche Beispiele geben ausreichend zu verstehen, was für Ausleger der Schrift die Katholiken sind, indem sie sich vergebens bemühen, ihre Irrtümer und Einwände der Heiligen Schrift zu bestätigen.

19. Aber ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinem Sinn, auf dass ich auch andere unterweise, denn sonst zehntausend Worte mit Zungen.

Sinn: (Nach Luther) Das ist, den Sinn mit Predigen auslegen.

20. Liebe Brüder, werdet nicht Kinder an dem Verständnis, sondern an der Bosheit seid Kinder; an dem Verständnis aber seid vollkommen.

Liebe: Paulus mischt eine ernsthafte Erinnerung mit unter, damit die Korinther spüren können, wie kindisch und unziemlich sie handelten. Als wollte er sagen: Wollt ihr wieder so kindisch werden, dass ihr in der Kirche mit den Sprachen angeben und wie die Kinder euch damit selbst gefallen wollt? Es würde euch doch viel besser anstehen, dass ihr klug, verständig und ernsthaft in eurem Tun wärt, als dass ihr auf kindische Weise mit der Kunst vieler Sprachen, ohne Erbauung der Kirche, einem nichtigen Ruhm nachjagen wollt. Wollt ihr aber wieder Kinder sein, wohlan, so seid in der Bosheit der Kinder, das heißt, einfältig und nicht falsch, wie die Kinder wegen ihrer Einfalt lieb und anmutig sind. Die deswegen in der Kirche ihre Kunst und Gaben ungeachtet der Erbauung der Kirche sehen lassen und meinen, sich damit ein Ansehen zu verschaffen, die geben eben dadurch zu verstehen, dass sie Kinder sind und werden ihres Ansehens viel eher verlustig.

21. Im Gesetz steht geschrieben: Ich will mit andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, und sie werden mich auch also nicht hören, spricht der Herr.

Im: Paulus trägt noch einen anderen Grund vor, womit er beweist, dass man mit der Gabe vieler Sprachen in der Kirche nicht protzen soll.

Gesetz: Nämlich im Alten Testament und in der Weissagung des Propheten Jesaja, Kapitel 28. In dieser droht Gott, der Herr, seinem Volk, dass er mit ihnen in einer fremden Sprache reden wolle, die sie nicht verstehen, weil sie ihn nicht hören wollen, als er in einer bekannten und ihnen angeborenen Sprache mit Ihnen redete. Dies ist am Pfingsttag erfüllt worden. Und als die Apostel das Evangelium von Christus in verschiedenen Sprachen predigten und etliche verkehrte Leute dies nicht verstanden, spotteten sie der Apostel und des Evangeliums Christi und sagten: Sie sind voll des süßen Weines. Diese haben freilich von der Predigt des Evangeliums keinen Nutzen empfangen. Wie auch die Pharisäer und ihresgleichen durch die Gaben der verschiedenen Sprachen, die sie an den Aposteln Christi gesehen haben, nicht gebessert, sondern sie wurden vielmehr verhärtet und verstockt.

22. Darum so sind die Zungen zum Zeichen, nicht den Gläubigen, sondern den Ungläubigen; die Weissagung aber nicht den Ungläubigen, sondern den Gläubigen.

Zum Zeichen: (Nach Luther) Durch mancherlei Zungen werden die Ungläubigen zum Glauben bekehrt wie durch andere Zeichen und Wunder, aber durch Weissagungen werden die Gläubigen gebessert und gestärkt wie durch Zeichen, woran sie ihren Glauben prüfen und erfahren, dass er recht ist.

Ungläubigen: Damit, denen noch zu helfen ist, sie durch ein solches Wunderwerk bewegt werden, dem Evangelium Christi Beifall zu zollen und zu glauben. Die aber nicht folgen wollen, haben keinen Grund, womit sie ihren Unglauben entschuldigen können.

Ungläubigen: Die noch keinen Geschmack von der rechten Religion haben. Das will so viel sagen: Gott hat die Gabe, in fremden Sprachen zu reden, nicht darum gegeben, dass ein Christ vor dem anderen in der Kirche Gottes mit solchen Gaben prangen soll, sondern vielmehr, dass die Apostel und andere, denen das Amt befohlen ist, die Gabe der Sprachen dazu gebrauchen sollen, dass sie vielen und verschiedenen Völkern das Evangelium predigen und sie mit diesem und anderen vergleichbaren Wunderwerken aufmuntern, damit sie dem Evangelium Christi glauben. Aber die Gabe, die Heilige Schrift zu erklären, ist eigentlich der Kirche Gottes gegeben, damit sie durch rechte Auslegung der Heiligen Schrift von Tag zu Tag in der wahren Erkenntnis Gottes und im christlichen Wandel zunimmt. Darum muss man im Gebrauch der Gaben fleißig beachten, welche, wann und für welche Personen man sie gebrauchen kann.

23. Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkäme an einem Ort und redeten alle mit Zungen, es kämen aber hinein Laien oder Ungläubige, würden sie nicht sagen, ihr wäret unsinnig?

Wenn: Jetzt zeigt Paulus an, dass der falsche Gebrauch der fremden Sprachen auch bei den Ungläubigen mehr schadet, als nutzt.

Alle: So viel von euch bisher die Gabe, mit verschiedenen Sprachen zu sprechen, empfangen haben.

Zungen: In ausländischen Sprachen, sodass in eurer Versammlung keine andere Sprache gehört wurde als die fremde und dem einfachen Mann unbekannte.

Laien: Einfache und ungelehrte Menschen, die nur ihre angeborene Muttersprache verstehen.

Ungläubige: Die in der christlichen Religion noch keinen Unterricht empfangen haben.

Unsinnig: Denn wer könnte meinen, dass ihr klug wärt, wenn ihr zu all den Menschen in fremder Sprache sprecht und diese nichts verstehen?

24. So sie aber alle weissagten und käme dann ein Ungläubiger oder Laie hinein, der würde von denselben allen gestraft und von allen gerichtet.

Weissagten: Dass einer nach dem anderen ordentlich ein Stück aus der Heiligen Schrift deutlich und recht erklärt.

Gestraft: Und seines Irrtums aus dem Wort Gottes bewiesen, dass nämlich der Götzendienst ein Gräuel ist.

Gerichtet: Dass man ihm aus der Heiligen Schrift zeigt, wie ein unreines und lasterhaftes Leben, das die Heiden im Allgemeinen zu führen pflegten, Gott zum höchsten missfällt.

25. Und also würde das Verborgene seines Herzens offenbar, und er würde also fallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig in euch sei.

Offenbar: Wenn sie bei ihm mit ihren deutlichen und verständlichen Erklärungen des göttlichen Wortes das Herz getroffen haben, dass er bei sich selbst erkennen kann, sie haben von der Sache geredet, als wenn sie in seinem Herzen gesessen und ihn in- und auswendig gekannt hätten. Ein solcher Mensch würde durch die verständliche Predigt und Weissagung oder Auslegung der Heiligen Schrift, aber nicht durch viele und verschiedene Sprachen, die ihm unbekannt sind, zu Christus dem Herrn bekehrt werden.

Gott: Nämlich den wahren Gott, der mit seinem Geist durch euch geredet hat.

Euch sei: Das heißt: Dass ihr mit dem Geist Gottes erleuchtet und wahrhaftige Tempel des Heiligen Geistes seid und die rechte und selig machende Religion bei euch ist. Denn die rechte Auslegung des göttlichen Wortes ist das Instrument oder Werkzeug, wodurch Gott die Herzen der Menschen erleuchtet und bekehrt.

26. Wie ist ihm denn nun, liebe Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeglicher Psalmen, er hat eine Lehre, er hat Zungen, er hat Offenbarung, er hat Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Besserung!

Wie: Im Folgenden unterrichtet der Apostel Paulus die Lehrer der Kirche in Korinth, in welcher Ordnung sie die Gaben des Heiligen Geistes in der Kirche gebrauchen sollen, damit keine Verwirrung entsteht, sondern die Kirche umso besser erbaut wird.

Denn nun: Wie muss man sich dann verhalten, damit alles in der Kirche ordentlich und gebührend zugeht? Nämlich so, wie nun folgt.

Zusammenkommt: In der Kirche zur Verrichtung des Gottesdienstes.

Jeglicher: Unter euch, der durch die Gabe des Heiligen Geistes in der Kirche etwas vorbringen möchte.

Psalmen: Die er aus einer besonderen Andacht heraus mit Fleiß gemacht und angefertigt hat, mit denen er die Gemeinde unterrichten möchte und entweder zum Gebet oder zur Danksagung aufmuntern will.

Lehre: Die er von einem Artikel der christlichen Religion der Gemeinde Gottes vorzutragen im Sinn hat.

Zungen: Dass er Lust hat, etwas in einer fremden Sprache vorzubringen.

Offenbarung: Von Gott in einer Sprache, die die Kirche kennen muss.

Auslegung: Der Sprachen. Dass er in einer bekannten Sprache erklären kann, was ein anderer in einer unbekannten vorgebracht hat.

Zur Besserung: Dass die Kirche dadurch gebessert wird und in der wahren Erkenntnis Gottes und im christlichen Wandel je länger je mehr zunimmt. Denn jeder soll seine Gaben, die er von Gott empfangen hat, zur Erbauung der Kirche anwenden, sich daneben aber hüten, dass er nicht einen nichtigen Ruhm, anstatt den Nutzen der Kirche sucht.

27. So jemand mit der Zunge redet oder zwei oder aufs meiste‘ drei, eins ums andere; so lege es einer aus.

Zungen redet: Auch wenn ihr Lust habt, in der Gemeinde mit fremden Sprachen zu reden, so will ich doch nicht, dass alle Kirchendiener in einer Versammlung zusammen reden, sondern zwei oder drei von ihnen mögen etliche Sprüche in fremder Sprache vorlesen, dazu, dass es eine Unterscheidung gibt und dass zwischen den Sprachen irgend ein Psalm gesungen oder sonst etwas vorgelesen wird, damit die Zuhörer nicht müde und überdrüssig werden und es ihnen nicht einerlei ist oder sie ohne Verstand zuhören. Einer aber von den zweien oder dreien, der am tauglichsten dazu ist, der möge es der Kirche in bekannter Sprache auslegen, was von seinen Mitgehilfen in fremder Sprache vorgetragen worden ist. Darum ist es in den Kirchen wohl geordnet, dass nicht immer Psalmen gesungen werden oder ständig gepredigt wird, sondern dass man manchmal predigt und manchmal singt.

28. Ist er aber nicht ein Ausleger, so schweige er unter der Gemeinde, rede aber sich selber, und Gott,

Ein Ausleger: Dass er das, was der eine oder andere in fremder Sprache vorgetragen und in nicht verständlicher Sprache erklärt, auslegen kann.

Schweige er: Nämlich der, der vorgehabt hat, etwas in fremder Sprache abzuhandeln, dass er nichts in der Kirche öffentlich vorbringt.

Sich selber: Das heißt: Es ist ihm erlaubt, in der Kirche für sich selbst allein in fremder Sprache zu lesen oder zu betrachten, ohne einen anderen zu behindern. Damit kann er Gott loben oder sich selbst in seinem Gewissen unterrichten und erbauen. Denn man soll die Gemeinde mit solchem Gottesdienst, wodurch sie nicht gebessert wird, nicht aufhalten.

29. Die Weissager aber lasst reden, zwei oder drei, und die andern lasst richten.

Richten: Dass sie das, was geredet worden ist bei sich selbst abwägen, ob es dem Glauben ähnlich ist und mit der gesunden Lehre übereinstimmt?

30. So aber eine Offenbarung geschieht einem andern, der da sitzt, so schweige der Erste.

31. Ihr könnt wohl alle weissagen, einer nach dem andern, auf dass sie alle lernen und alle ermahnt werden.

Alle weissagen: Damit man die Meinung des Apostels Paulus recht versteht, muss man wissen, dass in der ersten Kirche ein anderer Brauch geherrscht hat, in einer öffentlichen Versammlung der Gemeinde zu lehren und zu predigen, als es jetzt bei uns der Fall ist. Denn früher (was aus den Judenschulen kam) wurde in einer allgemeinen Versammlung der Kirche, nachdem man etliche Psalmen gesungen hatte ein Text aus der Heiligen Schrift vorgelesen. Danach stand einer auf und erklärte diesen und brachte etliche Lehren und Trost daraus hervor. Wenn er seine Rede beendet hatte und noch weitere Menschen in der Kirche anwesend waren, die man für befähigt ansah, dass sie die Gabe, die Schrift auszulegen, hätten, so sollten Sie auch aufstehen und etwas zur Erbauung der Kirche vorbringen. Es gab also nicht nur einen Prediger, sondern es waren zwei oder drei zugleich, doch es redete einer nach dem anderen. Denn so steht es geschrieben in den Geschichten der Apostel im Kapitel 13. Nach der Lektion des Gesetzes und der Propheten sandten die Obersten der Schule zu ihnen (nämlich zu Paulus und Barnabas) und ließen ihnen ausrichten: Liebe Brüder, wollt ihr etwas sagen und das Volk ermahnen, so sagt es. Da stand Paulus auf, winkte mit der Hand und sprach: Ihr Männer von Israel und die ihr Gott fürchtet, hört zu. Darum haben die oben angeführten Worte Paulus diesen Sinn: Welche von euch Korinthern die Gabe haben, dass sie die Schrift auslegen können, die sollen in der Kirche öffentlich lehren aber einer nach dem anderen. Und es ist genug, wenn in einer Versammlung der Kirche zwei oder drei nacheinander predigen. Die anderen aber, obwohl sie auch solche Gaben haben, sollen schweigen und aufpassen und fleißig darauf achten, ob diese die Schrift richtig auslegen. Wenn nun jemand von den Lehrern, die zuhören, bemerkt, dass der, der predigt, einen Text der Heiligen Schrift nicht ausreichend auslegt, dass also die Gefahr dabei besteht, dass die Kirche in einen Irrtum geführt wird, oder aber, dass der, der da lehrt, sich selbst verwickelt und durcheinander wird, dass er sich nicht wieder zurechtfindet, so soll ein anderer, der die gleichen Gaben hat, aufstehen und der andere soll schweigen. Auf diese Weise könnt ihr (will Paulus sagen) zu unterschiedlichen Zeiten alle in der Kirche lehren (ich spreche von denen, die die Gabe der Weissagung oder Auslegung der Schrift haben), damit die ganze Kirche mit euren Gaben und durch eure Predigten erbaut wird. Heutzutage aber ist es nicht ratsam, dass man einen solchen Brauch in der christlichen Kirche wieder einführt, gleich, wie wir auch das Abendmahl des Herrn nicht am Abend, sondern am Morgen vor dem Essen abzuhalten pflegen. Denn nachdem heutzutage die Leute so beschaffen sind, dass sie größtenteils voll Ehrgeiz und Frechheit stecken, so würde aus solch einer Art zu predigen mehr Verwirrung und Zerrüttung anstatt Erbauung und Besserung der Kirche entstehen. Jedoch sollen die Kirchendiener hier lernen, wenn sie in Erklärungen der Heiligen Schrift oder in einem Lehrpunkt es nicht treffen und etwas Besseres hören oder lesen, dass sie ihre unrechte und falsche Meinung nicht halsstarrig verteidigen, sondern gern und willig denen weichen, die sie eines Besseren ermahnen.

32. Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.

Und: Damit nicht irgend ein halsstarriger und eigensinniger Kopf sagt, er würde von dem Heiligen Geist, der ihn erleuchtet gedrängt, dass er seine Meinung verteidigen und das Handeln der anderen öffentlich widerlegen müsste, obwohl es doch nicht nötig wäre, so setzt Paulus jetzt eine Ermahnung dazu, womit er die Lehrer in Korinth an die Bescheidenheit erinnert.

Untertan: Gott gibt die Gaben des Heiligen Geistes einem Menschen nicht deswegen, dass er aufgeblasen und widerspenstig sein soll, der niemand hört und sich allein für klug hält, sondern er will, dass einer den andern hört und dem folgt, der ihm etwas Besseres vorbringen kann. Darum sind die Enthusiasten Schwärmer, die vorgeben, der Geist zwinge und treibe sie, solche Dinge zu lehren und zu tun, die sich fromme, gelehrte und verständige Menschen nicht gefallen lassen können.

Nach Luther: Etliche meinen, weil sie den Verstand und die Gaben des Geistes haben, sollten Sie niemandem weichen oder schweigen, woraus dann Sekten und Zwietracht folgen. Aber der heilige Paulus spricht hier: Sie sollen und mögen doch weichen zumal die Gaben des Geistes in ihrer Macht stehen, sie nicht zu gebrauchen gegen die Einigkeit, dass sie nicht sagen dürfen, der Geist treibe und zwinge sie.

33. Denn Gott ist, nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens wie in allen Gemeinden der Heiligen.

Unordnung: Wenn alles verwirrend ist und ohne Ordnung durcheinandergeht. Was würde aber (will Paulus sagen) für ein unordentliches Wesen in der Kirche entstehen, wenn ein Kirchendiener vor dem gemeinen Volk mit seinen Nebenpredigern über die Auslegung der Heiligen Schrift einen Streit anfängt und seine Meinung halsstarrig verteidigen möchte, das müsst ihr Korinther selbst ausmessen.

Heiligen: Das bedeutet: Die gläubigen Christen, bei denen dieser Brauch gehalten wird, dass die Lehrer ordentlich nacheinander ohne Verwirrung und Zank die Gemeinde unterrichten. Wir sollen uns deswegen hüten, dass wir in der allgemeinen Versammlung der Kirche keinen Streit erregen. Es ist auch einer christlichen Obrigkeit nicht zu erlauben, dass in einer Kirche die Kirchendiener in der Lehre untereinander missgünstig sind und widerwärtige Dinge lehren, diese auch noch halsstarrig verteidigen. Jedoch soll man die Wahrheit mit Predigen und Schriften gegen die falsche Lehre handhaben. Die christliche Obrigkeit aber soll diejenigen, die Irrtümer lehren, absetzen und aus dem Amt verstoßen, damit die Kirche nicht irregemacht und verführt wird.

34. Eure Weiber lasst schweigen unter der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, dass sie reden, sondern untertan sein, wie auch das Gesetz sagt {1Tim 2v12}.

Euer: Jetzt erinnert Paulus noch an eine andere Sache, die man in der Kirche Gottes meiden soll, weil sie sich nicht gehört.

Gemeinde: In einer öffentlichen Versammlung, dass sie sich nicht unterstehen zu lehren oder von Religionssachen zu handeln.

Untertan sein: Und sich nicht unterstehen, die Kirche zu lehren und zu regieren, weil Gott gewollt hat, dass die Frauen ihren Männern unterworfen wären. So steht es im Alten Testament {1Mos 3}. Denn dass die Prophetin Deborah und etliche andere im Alten und Neuen Testament (wie auch die Hanna eine Tochter Phanuels gewesen ist) öffentlich geweissagt und gelehrt haben, das sind besondere Beispiele und heben die allgemeine Regel, die den Frauen das Stillschweigen auferlegt, nicht auf.

35. Wollen sie aber etwas lernen, so lasst sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Weibern übel an, unter der Gemeinde reden.

Fragen: Und von ihnen erkundigen, was sie wissen möchten und was ihnen nötig ist.

Übel an: Die Sache gibt an sich selbst genug zu erkennen, dass es sich nicht gehört, wenn eine Frau in der Gemeinde öffentlich predigen will. Darum soll man nicht allein darauf achten, was in der Kirche zugelassen ist oder nicht, sondern auch was wohl oder übel ansteht, damit wir dieses meiden und jenes tun.

36. Oder ist das Wort Gottes von euch gekommen, oder ist es allein zu euch kommen?

Euch gekommen: Ist das Evangelium Christi von eurer Stadt Korinth aus in der ganzen Welt ausgebreitet worden?

Kommen: Seid ihr allein Christen, dass es euch freisteht, ungeachtet jeder Ordnung und unter Verachtung der Gewohnheit aller anderen christlichen Kirchen, alles in der Kirche nach euren Vorstellungen anzuordnen? Ihr solltet eigentlich daran denken, dass ihr vor nicht langer Zeit Heiden gewesen seid und fremd von der wahren Erkenntnis Gottes, darum sollt ihr euch der Demut und Bescheidenheit befleißigen. Diese Worte Paulus geben zu verstehen, dass die Korinther sehr stolz, widerspenstig und eigensinnig waren, die sich nicht gern etwas sagen ließen. Sie wollten viele Sachen in der Kirche nach ihrem Gefallen einrichten, obwohl sie nicht geschickt dazu waren, dass sie es hätten schaffen können. Denn oftmals findet sich die Verwegenheit bei der Unwissenheit. Und man soll sich hüten, dass man nicht ohne erheblichen Grund in den äußeren Zeremonien von anderen Gebräuchen reformierter Kirchen etwas Besonderes anfängt, damit man nicht ohne Not jemandem ein Ärgernis gibt.

37. So sich jemand lässt dünken, er sei ein Prophet oder geistlich, der erkenne, was ich euch schreibe; denn es sind des Herrn Gebote.

Prophet: Der vor anderen mit einer besonderen herrlichen Gabe, die Schrift zu erklären, begabt ist.

Geistlich: Dass er mit dem Heiligen Geist erleuchtet ist.

Herrn Gebot: Ich fordere nichts von euch, was nicht auch Gott selbst von euch fordert, und ich bringe nichts vor, was den Worten Gottes zuwiderlaufen würde. Die deswegen sich halsstarrig der Wahrheit widersetzen, die sind nicht geistlich, das heißt: Sie haben nicht den Geist Christi, obgleich sie dafür angesehen werden, als hätten sie etliche herrliche Gaben.

38. Ist aber jemand unwissend, der sei, unwissend.

Sei unwissend: Wenn jemand aus dem Wort Gottes ermahnt worden ist und er so tut, als hätte er es nicht verstanden, und er ist auch mit augenscheinlichen Gründen nicht zufrieden, so soll man ihn laufen lassen und keinen unnötigen Streit mit ihm anfangen.

39. Darum, liebe Brüder, fleißigt euch des Weissagens und wehrt nicht, mit Zungen zu reden.

Darum: Paulus beschließt die ganze Handlung von den Bräuchen der Kirchen und spricht den Korinthern abermals freundlich zu, um seine vorhergehende scharfe Rede zu mildern.

Zu reden: Denn ich möchte nicht, dass ihr den Gebrauch, mit fremden Sprachen in der Kirche zu reden, insgesamt verbietet, sondern dass man Maß damit hält und eine Auslegung dabei ist, damit die Gemeinde dadurch erbaut wird. Besonders aber will ich, dass ihr euch mit Fleiß darum bemüht, dass ihr die Heilige Schrift richtig erklären könnt, wodurch die Kirche mehr und größeren Nutzen erlangt, als durch fremde Sprachen.

40. Lasst alles ehrlich und ordentlich zugehen!

Zugehen: Zum Schluss will ich euch erinnern, dass ihr in eurer Kirche alles so anstellt, dass eine Ordnung gehalten und die guten Sitten beachtet werden. Jedoch sollt ihr alles abtun und wegschaffen, was der Kirche übel ansteht und Anlass zur Zerrüttung gibt. Denn die Kirchenordnung soll dahin gerichtet werden, dass alles gebührend und ordentlich zugeht in Verrichtung des Gottesdienstes. Und die Kirche kann in solchen Sachen ihre Freiheit recht und vorsichtig anwenden, wie es zu Erbauung der christlichen Gemeinde am dienlichsten ist.


Das 15. Kapitel


Der Artikel der Auferstehung wird mit beständigen Gründen aus der Heiligen Schrift bewiesen.

1. Ich erinnere euch, aber, liebe Brüder, des Evangeliums, das ich euch verkündigt habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch steht,

Ich: In der Kirche in Korinth war ein schrecklicher Irrtum eingerissen, dass etliche sagten, man dürfe auf keine Auferstehung des Fleisches warten, und sie die Sprüche der Heiligen Schrift nur auf eine geistliche Auferstehung bezogen, wo wir von den Sünden auferstehen und ein neues Leben führen, wie es Christen wohl ansteht und gebührt. Von solchen Irrgeistern, die dergleichen Schwärmerei in der Kirche Christi ausbreiteten, schreibt Paulus an anderer Stelle so: Enthalte dich des ungeistlichen, losen Geschwätzes, denn es hilft viel zum ungeistlichen Wesen, und das Wort frisst um sich, wie der Krebs. Unter diesen sind Hymenetus und Philetus, die die Wahrheit verfehlt haben und sagen, die Auferstehung sei schon geschehen, und sie haben dadurch bei vielen den Glauben verkehrt {2Tim 2}. Aus diesem falschen Grund ist noch ein anderer Irrtum entstanden, dass etliche Korinther gemeint haben, die Seelen würden im Tod mit dem Leib sterben und nach dem Tod bliebe nichts übrig. Darum widerlegt Paulus in diesem Kapitel beide schädlichen Irrtümer mit vielen beständigen Gründen. Und er nimmt die erste Beweisführung aus dem Evangelium Christi, welches anzeigt, dass Christus nicht nur für unsere Sünden gestorben, sondern auch von den Toten wiederauferstanden ist, und er schließt daraus fest, dass man die Auferstehung der Toten nicht leugnen kann, es sei denn, jemand wollte das ganze Evangelium verleugnen und vernichten.

Steht: Dass ihr es bisher nicht verworfen oder wegen eines Irrtums und einer Unwahrheit im Verdacht gehabt habt.

2. durch welches ihr auch selig werdet, welchergestalt ich es euch verkündigt habe, so ihr es behalten habt, es wäre, denn, dass ihr es umsonst geglaubt hättet.

Selig werdet: Sofern ihr es mit wahrem Glauben bis ans Ende behaltet.

Umsonst geglaubt: Sodass ihr alle Trübsalen, die ihr um des Evangeliums Christi willen erduldet habt, nicht vergeblich ausgestanden habt und euer Glaube, den ihr hattet, euch nichts mehr nutzt, wenn ihr diesen von euch werft. Hier hat man viele Dinge zu bemerken

1. Dass man in Widerlegung der Irrtümer die Leute auf die Schrift und auf die Hauptstücke unserer christlichen Religion verweisen soll.

2. Dass man in der reinen Religion besteht, das heißt, gegen die Anläufe des Teufels beständig ausharren soll.

3. Dass wir durch das Evangelium, wenn es mit Glauben angenommen wird die ewige Seligkeit erlangen, gegen die Irrtümer derjenigen, die leugnen, dass das Evangelium ein Werkzeug ist, wodurch die Menschen selig werden.

4. Auch dass die vergebens glauben, die nicht bis ans Ende ausharren. Darum reicht es nicht aus, dass man wohl angefangen hat, wenn das Ende mit dem Anfang nicht übereinstimmt.

3. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, dass Christus gestorben sei für unsere Sünden nach der Schrift,

Denn: Nachdem Paulus den Grund gelegt hatte, dass die Korinther das Evangelium ohne Zweifel noch behalten, so erzählt er jetzt den Inhalt des Evangeliums, in dem nicht das Geringste ist, dass Christus von den Toten auferstanden ist, auf dass er den Artikel des Glaubens von der Auferstehung der Toten bestätigte.

Nach der Schrift: Nicht von ungefähr oder auf zufällige Weise, sondern wie es Gott, der Herr, in der Heiligen Schrift vor langer Zeit hat verkündigen lassen. Er ist (spricht Jesaja im Kapitel 53) aus dem Land der Lebendigen weggerissen worden, da er wegen der Missetaten meines Volkes geplagt war. Und Daniel sagt in Kapitel 9: Christus wird ausgerottet werden. Darum sind unsere Sünden versöhnt.

4. und dass er begraben sei, und dass er auferstanden sei am dritten Tage nach der Schrift,

Schrift: Denn im 16. Psalm steht von Christus geschrieben: Du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen und nicht zulassen, dass dein Heiliger verwest. Du tust mir den Weg zum Leben kund. Deswegen hat Christus gegen den Teufel, die Welt, die Sünde und die Hölle den Sieg errungen.

Nach Luther: Denn für die Vernunft außerhalb der Schrift ist alles töricht zu hören.

5. und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.

Kephas: Oder Petrus. Denn Kephas ist ein syrisches oder chaldäisches Wort und heißt ebenso viel wie ein Fels, im lateinischen Petra, woher der Name Petrus kommt.

Zwölfen: Nämlich von allen Aposteln, als sie beieinander versammelt gewesen sind und Thomas bei ihnen war {Joh 20}. Obwohl nun Judas, der Verräter, nicht mehr vorhanden und noch kein anderer an seiner Stelle dazu erwählt worden war, dass sich also an dieser Stelle nur elf gefunden haben, so hat jedoch Paulus hier die gewöhnliche Anzahl der Apostel beibehalten. Auch soll man hier wissen, dass Paulus nicht alle Erscheinungen Christi, dazu nicht in der Reihenfolge wie sie geschehen sind, vorbringt, sondern nur die besonderen erzählt. Ohnehin pflegen die Hebräer die Ordnung in der Geschichte nicht genau zu beachten, darum steht hier das Wort danach, was nicht die Zeitordnung betrifft, sondern wie es hier eines nach dem anderen aufgezählt wird.

6. Danach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, deren noch viel leben, etliche aber sind entschlafen.

Leben: Weshalb man ihr Zeugnis gegenwärtig hören und vernehmen kann, wenn es die Not erfordert.

7. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.

Allen Aposteln: Denen er sich lebendig gezeigt hat. Denn von der Auferstehung Christi sind 40 Tage vergangen, bis er in den Himmel gefahren ist und in dieser Zeit ist er seinen Jüngern oft erschienen und hat mit ihnen vom Reich Gottes gesprochen {Apg 1}. Darum ist die Auferstehung Christi unfehlbar und gewiss, so ist es auch sicher und wahr, dass unsere Sünden bei Gott ausgesöhnt sind.

8. Am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden {Apg 9v3};

Gesehen worden: Als ich nach Damaskus gereist bin, dass ich die Christen dort verfolgte. Damals war ich noch nicht wiedergeboren, darum war ich noch wie eine Frühgeburt, die kein Leben hat. Und gleichwie der noch kein Mensch ist, so war ich noch kein Kind Gottes und wäre in meiner Blindheit und meinem gottlosen Wesen zugrunde gegangen und ins ewige Verderben geraten, wenn sich Gott meiner nicht erbarmt, mich mit Gnade angesehen, wie ein verlorenes Schäflein gesucht und auf den rechten Weg gebracht hätte. Es demütigt sich also Paulus tief wegen seines Predigtamts, jedoch so, dass er das Ansehen seiner Person erhält.

9. denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, darum dass ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe {Eph 3v8 Apg 9v1}.

Verfolgt: Darum, wenn man mein voriges Tun und Lassen betrachten will, so bekenne ich, dass ich mich damals so übel um die christliche Kirche verdient gemacht haben, dass ich von etlichen deshalb so angesehen werden könnte, als wäre ich es nicht wert, ein Apostel genannt zu werden. Deswegen sollen die Fehler, die wir in unserem Leben begangen haben uns in der wahren Demut erhalten.

10. Aber von Gottes Gnaden bin ich, dass ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet denn sie alle, nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist {Röm 1v5 15v15}.

Gottes Gnaden: Denn dass mich Gott tauglich gemacht hat, ein apostolisches Amt zu führen, ist ein Gnadengeschenk Gottes gewesen und eine Gnade des Heiligen Geistes, die mir umsonst gegeben worden ist.

Nicht vergeblich: Damit nicht jemand glauben könnte, Paulus würde sich seines Fleißes rühmen, so dreht er es jetzt wieder herum und sagt, er habe diese großen Dinge nicht durch seine Geschwindigkeit oder aus eigenen Kräften verrichtet und zuwege gebracht.

11. Es sei nun ich oder jene, also predigen wir, und also habt ihr geglaubt.

Es: Paulus war ein wenig von seinem Vorhaben abgeschweift. Jetzt wendet er sich diesem wieder zu und zeigt an, dass der Inhalt des ganzen Evangeliums, den die Korinther angenommen haben, darauf beruht, dass Christus für unsere Sünden gestorben und am dritten Tag vom Tod wiederauferstanden ist.

Oder jene: Es spielt keine Rolle, ob ich oder die anderen Apostel das Evangelium gepredigt und verkündigt haben, daran ist nichts gelegen, sondern wir haben es alle in einem Sinn gelehrt und ihr habt es auch bisher so geglaubt, wie oben berichtet. Denn es liegt nichts daran, wer das Evangelium predigt, wenn man es nur rein predigt.

12. So aber Christus gepredigt wird, dass er sei von den Toten auferstanden, wie sagen denn etliche unter euch, die Auferstehung der Toten sei nichts?

Sei nichts: Ist es nicht ein Wunderding, dass unter euch solche Leute sind, die sich nicht scheuen, zu sagen, man dürfe auf keine Auferstehung der Toten warten? Steht das nicht im völligen Gegensatz zur Auferstehung Christi, die doch sicher ist? Paulus bringt noch viele ungereimte Sachen vor, die daraus folgen würden, wenn man sagen würde, dass die Toten nicht auferstehen, damit aus solchen ungereimten Sachen die ungeschickten und falschen Lehren derjenigen erkannt wird, die die Auferstehung der Toten leugneten. Denn eine Wahrheit erfolgt aus der anderen. Wenn nun aus einer Lehre etwas Falsches und Ungereimtes folgt, so ist gewiss diese Lehre auch falsch.

13. Ist aber die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden.

Nicht auferstanden: Denn wie sollte Christus allein auferstanden sein, wenn die Toten nicht auch auferstehen werden? Darum wäre es nicht möglich, dass er 40 Tage lang mit seinen Jüngern zusammen gewesen ist nach seiner Auferstehung. Und es hätte nicht sein können, dass er von mehr als 500 Brüdern auf einmal lebendig gesehen worden ist. Es würde auch das Zeugnis so vieler frommer Männer und ehrlicher Matronen nichts bedeuten, denen sich Christus nach seiner Auferstehung lebendig gezeigt hat, die auch seinen Leib angefasst haben. Sind das nicht lauter ungereimte Sachen?

14. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.

Unsere Predigt: Von Christus, dem Heiland des menschlichen Geschlechts. Denn diese wird nicht wahr sein und keinen Nutzen bringen, obwohl sie mit herrlichen Wunderwerken bestätigt worden ist.

Glaube vergeblich: Dass ihr die christliche Religion und der Gefahr eures Lebens und eurer Güter umsonst angenommen habt, und es wird euch nichts nutzen, dass ihr an Christus glaubt.

15. Wir wären aber auch falsche Zeugen Gottes, dass wir wider Gott gezeugt hätten, er hätte Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, sintemal die Toten nicht auferstehen.

Erfunden: Wenn nämlich die gottlose Meinung der Sadduzäer gilt und Bestand haben sollte, so wären wir Apostel nicht nur falsche, sondern auch lästerliche Zeugen gegen Gott, weil wir ihm etwas andichten würden, was er nie getan hätte. Denn die von Gott falsch lehren, die lästern ihn und tun ihm eine Schmach an, zumal man mit der göttlichen Majestät keinen Scherz treiben soll.

16. Denn so die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden.

Nicht auferstanden: Da er doch wahrhaftig am Kreuz gestorben ist. Aber die Wahrheit der Auferstehung Christi ist mit herrlichen Wunderwerken bestätigt worden.

17. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden,

Eitel: Dass ihr vergebens und umsonst glaubt, Christus habe euch mit seinem Tod von Sünden und von der Verdammnis gerettet und dass er, als ein Überwinder des Todes euch mit dem himmlischen Vater versöhnt und das ewige Leben erworben hat. Dieser Glaube ist allerdings umsonst, wenn die Toten nicht auferstehen.

Euren Sünden: Denn wie hätte euch Christus von Sünden erlösen können, wenn er dem Tod nicht entgangen, sondern in ihm verblieben und zunichtegemacht worden wäre?

18. so sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren.

Verloren: Und wir dürften nicht hoffen, dass sie die Unsterblichkeit oder das ewige Leben erlangen würden. Was nutzt es ihnen dann, dass sie an Christus geglaubt und unter Gefahr ihres Leibes und Lebens in diesem Glauben bis ans Ende ihres Lebens verharrt haben?

19. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Elendesten: Dass die Sonne keine elenderen Menschen je beschienen hat, als die Christen, die sich der ungebührlichen Wollust dieser Welt enthielten und um der christlichen Religion willen mancherlei Gefahr überstanden haben, wenn sie nach diesem Leben nicht ein besseres und ewiges zu erwarten hätten. Darum hebt diese falsche Lehre der Sadduzäer die ganze christliche Religion auf und macht sie zugrunde. Diese sollen wir nach all unseren Möglichkeiten wie dem schrecklichsten aller Gifte aus dem Weg gehen und davor fliehen.

20. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling worden unter denen, die da schlafen,

Nun aber: Nachdem Paulus alle Ungereimtheiten abgelehnt und aus dem Weg geräumt hat, so wiederholt er die rechte und reine Lehre von der Wahrheit der Auferstehung Christi und zeigt an, was daraus folgt.

Erstling: Sodass er mit seiner Auferstehung den Weg geebnet und die Tür gleichsam geöffnet hat, dass auch andere nach ihm auferstehen werden. Denn er ist der Fürst des Lebens. Das aber Enoch und Elias lebendig im Himmel aufgenommen wurden und Moses wiederum vom Tode erweckt worden ist, nimmt dem Ansehen Christi nichts, denn es ist alles durch das Verdienst und aus der Kraft des Sohnes Gottes geschehen, der ihr zukünftiger Mittler war.

21. weil durch einen Menschen der Tod und durch einen Menschen die Auferstehung der Toten kommt {1Mos 3v19 Röm 5v12 Kol 1v18 Apg 1v5}.

Tod: Und die Verwesung unsere Leiber in die Welt gekommen ist, nämlich durch Adam.

Kommt: Und uns widerfährt, nämlich durch Christus.

22. Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden.

Lebendig gemacht: Adam hat mit seiner Sünde den Tod über alle seine Nachkommen gebracht. Christus bringt uns aber durch sein Verdienst und mit seiner Kraft das Leben und die Auferstehung. Denn die Frommen und Gläubigen werden zum ewigen Leben auferstehen, aber die Auferstehung der Gottlosen gereicht ihnen durch ihre eigene Schuld zur ewigen Verdammnis.

23. Ein jeglicher aber in seiner Ordnung. Der Erstling Christus, danach die Christo angehören, wenn er kommen wird {1Thes 4v14}.

Erstling Christus: Dem gebührt in dieser Ordnung der Vorzug.

Kommen wird: In seiner Majestät und Herrlichkeit. Dann wird die allgemeine Auferstehung der Toten geschehen, besonders aber der Gottseligen. Denn dass etliche kurz nach der Auferstehung Christi von den Toten auferstanden sind {Mt 28}, ist gleichsam ein Vorschuss der allgemeinen Auferstehung gewesen. Wir sollen uns erinnern, dass wir den Tod von Adam, das Leben aber von Christus haben, darum sollen wir uns gegenüber unserem Heiland dankbar erweisen.

24. Danach das Ende, wenn er das Reich Gott und dem Vater überantworten wird, wenn er aufheben wird alle Herrschaft und alle Obrigkeit und Gewalt.

Danach: Paulus macht einen Sprung von seinem ersten Vortrag und erzählt von dem Zustand des Reichs Christi, wie es nach der Auferstehung der Toten sein wird.

Ende: Der weltlichen Herrschaft und des weltlichen Wandels, dass es alles ewig und himmlisch sein wird. Denn nach der seligen Auferstehung werden keine weltlichen Regierungen, keine Könige oder Fürsten mehr in dieser Welt sein, wie sie es jetzt sind. Es wird auch Christus die Kirche nicht mehr durch das Predigtamt des Wortes und der Sakramente regieren. Sondern nach dem völligen Sieg gegen unsere und seine Feinde. Welche er aber völlig erlöst und von allem Übel errettet hat, seinem himmlischen Vater vorstellen, dass sie ihn in alle Ewigkeit preisen. Deshalb wird jedoch Christus nicht aufhören, ein König und das Haupt seiner Kirche zu sein, sondern die Art der Regierung allein wird er ändern. So wie der Sohn eines mächtigen Königs, der vom Vater vor Kurzem zum König ernannt worden ist, die Untertanen seines Vaters, die mit unleidlicher Tyrannei unterdrückt gewesen waren, erretten und wieder in ihre vorige Freiheit einsetzen, sie auch als ein fröhlicher Überwinder mit sich ganz fröhlich und mit Freuden vor das Angesicht seines Vaters führen und seinem Vater wieder zubringen, die zuvor unter einer fremden Herrschaft tyrannisch gehalten worden sind. Dieser Sohn des Königs würde freilich seine Gewalt und seine königliche Majestät nicht ablegen, sondern nur die Waffen niederlegen, womit er die Seinen aus der Tyrannei errettet hat. Denn das Reich Christi ist ein ewiges Reich und währt in alle Ewigkeit. Sein Königreich (spricht der Engel Gabriel) wird kein Ende haben {Lk 1}.

25. Er muss aber herrschen, bis dass er alle seine Feinde unter seine Füße lege.

Herrschen: In der Zwischenzeit in geistlicherweise in der Welt und sich bemühen, seine Kirche zu regieren und zu schützen.

Füße legen: Wie es im 110. Psalm geschrieben steht. Darum ist es sicher, dass alle Feinde Christi überwunden und zuschanden werden, und wenn sie nicht Buße tun, ins ewige Verderben fallen.

26. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod.

27. Denn er hat ihm alles unter seine Füße getan. Wenn er aber sagt; dass es alles untertan sei, ist‘s offenbar, dass ausgenommen ist, der ihm alles untertan hat.

Füße getan: Wie es der 8. Psalm meldet. Darum wird auch der Tod Christus unterworfen sein und dieser so aufgehoben werden, dass er die Auserwählten niemals mehr antasten oder erschrecken kann. Es wird ein sehr glücklicher Zustand in jener Welt sein, wenn man den Tod nicht mehr fürchten muss, ja dieser ganz und gar nicht mehr vorhanden sein wird, vor dessen Tyrannei die Menschen größtenteils erschrecken, wenn sie ihn nur nennen hören.

Der: Nämlich Gott, der Vater, der dem Sohn nicht unterworfen wird.

28. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, alsdann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles untertan hat, auf dass Gott sei alles in allen.

Selbst untertan: Denn der Sohn wird kein besonderes Reich haben, das vom Reich des Vaters abgesondert wäre, viel weniger, dass es diesem entgegenstehen würde, sondern gleich, wie Salomon, als er zum König gesalbt und auf dem königlichen Stuhl noch zu Lebzeiten seines Vaters David saß, dennoch seinem Vater unterworfen blieb, denn er hat den Befehl von Simei und Joab auch nach dem Tod seines Vaters David vollstreckt. So wird Christus, der Menschensohn, nach seiner angenommenen menschlichen Natur dem Vater unterworfen bleiben.

In allem: Das heißt: Dann wird Gott das höchste Gut aller Auserwählten sein und es wird kein Mensch etwas Weltliches mehr begehren, sondern unsere höchste Lust und Freude wird es sein, dass wir Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist in alle Ewigkeit anschauen werden.

29. Was machen sonst, die sich taufen lassen über den Toten, so allerdinge die Toten nicht auferstehen? Was lassen sie sich taufen über den Toten?

Was: Paulus wendet sich wieder seinem ersten Vorhaben zu, die Auferstehung der Toten zu beweisen, und verwendet den ersten Beweis nach seiner Gewohnheit.

Über den Toten: (Nach Luther) Um die Auferstehung zu bestärken ließen sich die Christen über den Totengräbern taufen und deuteten auf diese, dass eben diese auferstehen würden.

Über den Toten: Wenn keine Auferstehung der Toten zu erhoffen ist, warum werden dann viele von euch bei den Gräbern gottseliger Personen getauft? Mit dieser Gewohnheit bezeugen sie, dass sie in der christlichen Religion sterben wollen und dass sie sich vorgenommen haben, viel eher das Leben zu verlieren, als den christlichen Glauben zu verleugnen. Was würde es jetzt einem Christen nutzen, wenn er auf solchen Glauben getauft würde und er den Tod zu dieser Zeit vor Augen hat, wo er keine Auferstehung der Toten zu hoffen hat? Sind denn die Christen nicht wohl bei Sinnen, die ohne Hoffnung eines anderen Lebens sich in diesem Leben um des christlichen Glaubens willen in Gefahr stürzen und Feindschaft auf sich laden?

30. Und was stehen wir alle Stunde in der Gefahr?

31. Bei unserm Ruhm den ich habe in Christo Jesu, unserm Herrn, ich sterbe täglich.

Sterbe täglich: Das bedeutet: Ich schwöre bei meinen Ruhm, den ich in dieser Sache habe, dass ich meinem Herrn Christus im Predigtamt des Evangeliums treu dienen und in meinem Beruf so viel Leid und Elend ausstehen werde, dass man von mir nichts anderes meint und ich es selbst von mir denke, dass ich alle Tage sterben würde. Ein solches Leben, wobei sich so viel Angst und Not befindet, ist vielmehr ein ständiger Tod, als ein Leben zu nennen. Denn der Gerechte muss viel leiden, aber der Herr hilft ihm aus dem allen {Ps 34}.

32. Hab‘ ich menschlicher Meinung zu Ephesus mit den wilden Tieren gefochten, was hilft‘s mir, so die Toten nicht auferstehen? Lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot. Jesaja Kapitel 22.13, Kapitel 56.12

Gefochten: Damit ich nur ein einziges Beispiel meiner Gefahr anzeige, sollte ich aus menschlichem Bedenken oder menschlicher Verwegenheit und um der Ehre willen in der Stadt Ephesus viel lieber mit den wilden Tieren streiten wollen und mich ihnen vorwerfen lassen, als die christliche Religion zu verleugnen und Gott zu lästern? Was nutzt es mir, dass ich so große Gefahr ausstehe, wenn keine Auferstehung der Toten wäre? Denn wenn ich von den Tieren zerrissen worden wäre, so hätte es mir nichts genutzt, wenn ich nicht auf die Auferstehung der Toten und die Belohnung des ewigen Lebens warten würde. Deswegen sollen wir in Hoffnung auf die Auferstehung mit freudigem Herzen die Gefahr ausstehen, die uns in unserem Beruf begegnet. Obwohl nun die Apostelgeschichte nichts davon berichtet, was Paulus an dieser Stelle vorbringt, so soll man doch daran nicht zweifeln. Und der Apostel redet von einer damals allgemein bekannten Sache, die den Korinthern bekannt gewesen ist. Wir streiten heutzutage mit den wilden Tieren, wenn wir gegen die bösen Begierden uns tapfer wehren und allerlei falschen Meinungen um der Ehre Christi willen in der Gottseligkeit widerstehen.

Tod: Und haben nach dem Tod keine Freude mehr zu erwarten, so sollten wir jetzt fröhlich und guter Dinge sein, unsere Lust und unser Vergnügen suchen, wie es uns gefällt. Solche Reden (will Paulus sagen) kenne ich wohl, dass sie unter euch umgehen und sich bei euch etliche gottlose Menschen finden, die den christlichen Namen führen und dennoch dergleichen Reden führen.

33. Lasst euch nicht verführen! Böse Geschwätze verderben gute Sitten.

Nicht verführen: Durch solche gottlosen Reden, sondern stopft vielmehr davor die Ohren zu. Denn ihr wisst, wie ein heidnischer Poet richtig gesagt hat, dass durch gottlose Reden das Herz wie mit einem Gift eingenommen und verdorben wird. Darum sollen wir nichts Böses reden, damit wir andere nicht verderben und wir sollen auch keinem Gottlosen Geschwätz zuhören, damit wir nicht verdorben und verführt werden.

Nach Luther: Böses Geschwätz: Das ist die böse Gesellschaft, in der oft ärgerliche Worte fallen gegen den Glauben und gute Gewissen verderben {Jes 22v22}.

34. Werdet doch einmal recht nüchtern und sündigt nicht; denn etliche wissen nichts von Gott, das sage ich euch zur Schande.

Recht nüchtern: Vertreibt den Schlaf und die fleischliche Sicherheit, wie ihr es richtigerweise tun solltet und hütet euch davor, dass ihr nicht nach und nach in ein solch gottloses Wesen geratet und in andere Laster gestürzt werdet. In dem nun Paulus die Korinther ermahnt, aufzuwachen, zeigt er an, dass die Christen manchmal sicher sind und nicht darauf bedacht sind, was für gottlose Lehren in der Kirche Christi ausgegossen werden. So schlummern auch heutzutage viele in der Kirche und spüren nicht, wie weit und breit der Calvinismus in der Kirche Gottes sich einschleicht.

Zur Schande: Ich muss sagen, dass bei euch nicht alles ehrlich ist und ihr euch dessen zu Recht schämen solltet, weil unter euch Korinthern etliche gefunden werden, die den christlichen Namen führen und doch keine oder nur eine geringe Erkenntnis Gottes und der göttlichen Sachen haben. Solche sind eine schlechte Ehre für die Kirche Gottes. Zusammengefasst: Es ist für euch eine große Schande, dass man solche Leute unter euch finden kann, die nichts von Gott wissen und dennoch Christen sein wollen. Es wäre zu wünschen, dass nicht auch noch heutzutage solche Gottlosen und in göttlichen Dingen unerfahrene Menschen unter den Christen gefunden würden. Damit man aber solch einem Übel zuvorkommt, soll man die Kinder von Jugend auf im Katechismus unterweisen und die Erwachsenen auf das Einfachste und Fleißigste in der wahren Gottseligkeit unterrichten.

35. Möchte aber jemand, sagen: Wie werden die Toten auferstehen; und mit welcherlei Leibe werden sie kommen?

Möchte: Jetzt antwortet Paulus auf die Einwürfe, die zum Teil gegen die Auferstehung der Toten vorgebracht worden waren, oder noch vorgebracht werden könnten.

Sie kommen: Wenn man je bestreiten will, dass die Toten auferstehen werden, mein Lieber mit was für Leibern werden sie an jenem Tag hervorgehen, weil die, die sie in diesem Leben gehabt haben, entweder in der Erde verfault oder in Luft, Feuer und Wasser verzehrt und ganz und gar zunichte geworden sind? Die aber dies gefragt haben, wollten damit ausdrücken: Es ist ein sehr ungereimtes und unglaubliches Ding, dass die Toten auferstehen sollen. Gleichwie die Sadduzäer, als sie vor Christus der Auferstehung der Toten widersprachen, nicht einfach nur sagten, die Toten werden nicht auferstehen, sondern sie brachten ein Beispiel vor, wie nämlich eine Frau sieben Männer gehabt hatte und fragten von welchem Mann diese Frau denn dann die Ehefrau nach der Auferstehung der Toten sein würde? Ebenso fragten etliche bei den Korinthern, mit was für Leiber die Toten auferstehen würden? Darum zeigt Paulus zuvorderst an, die Auferstehung der Toten sei kein zu ungereimtes Tun, wie sie sich einbilden, sondern werde auch in den Kreaturen täglich abgebildet. Danach lehrt er, was es für menschliche Leiber an jenem Tag geben wird.

36. Du Narr, was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn.

Sterbe denn: Muss nicht der Same, der in den Acker geworfen wird, zuvor sterben und verwesen, ehe das Gras und die Frucht daraus erwächst. Danach wird es endlich wieder lebendig? Wenn dies an den geringen Kreaturen geschieht, wie wir es täglich vor Augen sehen, warum wollen wir dann schließen, Gott werde nicht die menschlichen Leiber auferwecken, die viel herrlicher sind als der Samen auf dem Feld? Und der Apostel Paulus nennt hier die menschliche Vernunft zu Recht eine Närrin, weil sie mit Nachgrübeln in den Glaubensartikeln unglaubliche Spitzfindigkeiten hervorbringt, wo sie doch die Sachen, die sie vor Augen sieht, nicht genug verstehen oder ergründen kann.

37. Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, nämlich Weizen oder der andern eines.

Und: Jetzt gibt Paulus auf die andere Frage Antwort, was nämlich für Leiber auferstehen werden.

38. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von den Samen seinen eigenen Leib.

Eigenen Leib: Aus dem Samen, dass in den Acker geworfen wird, wächst ein Leib, wie ihn Gott haben will. Zum Beispiel wächst aus einem Weizenkorn erst das Gras, danach kommen die Halme, schließlich die Ähren und in den Ähren befinden sich viele Körner. Und obwohl dieser ganze Leib, der aus einem Korn gewachsen ist, wahrhaftig aus dem Wesen des gleichen Körnleins hervorgekommen ist, so ist es doch ein viel schöneres und herrlicheres Gewächs als das Körnchen selber, das ins Erdreich geworfen worden ist. So wird es auch mit unseren Leibern geschehen. Es wird zwar das gleiche Wesen wieder auferstehen, aber mit einer viel größeren Herrlichkeit, als es in diesem Leben gewesen ist. Denn Gott wird unsere Leiber mit himmlischer Herrlichkeit zieren, und zwar jeden, wie es ihm gefällig sein wird. Davon wird später ausführlicher berichtet.

39. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein anderes Fleisch ist der Menschen, ein anderes des Viehes, ein anderes der Fische, ein anderes der Vögel.

Nicht: Paulus lehrt im Folgenden mit etlichen Gleichnissen, welchen Unterschied der Herrlichkeit in jenem Leben es auch unter den Auserwählten geben wird.

Vögel: Unter dem Fleisch dieser Tiere findet sich ein großer Unterschied. Auch wenn alle leben und empfindlich sind, sind sie doch an Gestalt und Beschaffenheit unterschiedlich. Dennoch hat jedes in seiner Art eine besondere Anmut und sie sind lieblich anzusehen.

40. Und es sind himmlische Körper und irdische Körper. Aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen.

Und: Es folgt ein anderes Gleichnis. Die Geschöpfe, sowohl die Lebenden als auch die nicht Lebenden und die auf Erden sind, haben zwar ihren Schmuck, womit sie scheinbar geziert und begabt sind, aber dennoch ist der Schmuck derjenigen Geschöpfe viel größer, die man am Himmel sieht. Denn was bedeutet die schönste Rose gegen den kleinsten Stern am Himmel? So sind auch die himmlischen Körper sehr unterschiedlich, wenn man sie gegenüberstellt, obwohl sie alle ein Wesen haben. So wird sich auch in der Auferstehung ein großer Unterschied zeigen unter den Seligen, was die Herrlichkeit und Majestät betrifft, obwohl sie alle mit himmlischer Ehre begabt sein werden. Denn wie ein jeder in diesem Leben seine Gaben zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Nächsten für andere wohl anlegt und gebraucht und sich um die Kirche und die Regierung aus Glauben wohl verdient gemacht hat, so wird er mit umso größerer Herrlichkeit geschmückt werden. Hierher gehört der Spruch des Propheten Daniel: Die Lehrer werden leuchten wie der Himmelsglanz und die, so viel zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, immer und ewig {Dan 12}. Und dennoch wird wegen eines solchen Unterschiedes in der Ehre keiner dem anderen etwas missgönnen.

41. Eine andere Klarheit hat die Sonne, eine andere Klarheit hat der Mond, eine andere Klarheit haben die Sterne; denn ein Stern übertrifft den andern an Klarheit.

42. Also auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.

Es: Indem Paulus zuvor gesagt hatte, dass der Leib, der aus einem Korn hervorwächst in der Gestalt und Schönheit vom Korn so gesät worden ist, weit unterschiedlicher ist, obwohl er das gleiche Wesen hat, um anzuzeigen, dass unsere Leiber zwar eben die gleichen sind, aber doch verklärt, wiederauferstehen werden. So lehrt er jetzt, was es für einen Unterschied zwischen unseren Leibern geben wird, wie sie jetzt sind in diesem Leben und wie sie im zukünftigen Leben sein werden.

Unverweslich: Der menschliche Körper, der der Verwesung unterworfen ist, wird begraben und verfault in der Erde. Aber eben dieser Leib wird auferstehen unverweslich, dass er nicht mehr sterben kann und auch keiner Verwesung mehr unterworfen sein wird. Hier hat man zu merken, dass der Friedhof ein Acker Gottes ist, indem unsere Leiber als Körner gesät werden, dass sie am Jüngsten Tag schön wieder daraus hervorwachsen können.

43. Es wird gesät in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft.

In Unehre: Denn der menschliche Leib ist mit allerlei Gebrechen behaftet und mit allerhand Abscheulichkeit befleckt. Um ein Beispiel zu geben: Was ist des Menschen Schweiß, Rotz und andere Auswürfe des Leibes? Sind dies nicht lauter abscheuliche Dinge? Und hat nicht jeder ein Grausen und eine Abscheu vor einem toten Körper, wie schön und hübsch er auch als Mensch gewesen ist? Besonders aber wenige Tage nach dem Tod? Die größte Abscheulichkeit aber ist es, dass der Leib mit Sünden befleckt gewesen ist. Dies alles wird in der seligen Auferstehung abgetan und aufgehoben sein denn es wird nichts Abscheuliches am menschlichen Leib gesehen werden, noch wird der Leib mit Sünden befleckt sein, sondern er wird ganz rein auferstehen und dazu mit ewiger himmlischer Herrlichkeit beschenkt werden. Aus diesem Spruch können diejenigen einen Trost fassen, die man wegen einer Übeltat öffentlich hingerichtet hat, dass ihre Leiber entweder am Galgen gehängt oder aufs Rad gelegt oder sonst schändlich hingerichtet wurden. Denn wenn sie wahrhaftig Buße taten und an Christus glaubten, so wird all ihre Schmach in jenem Leben aufgehoben sein.

44. Es wird gesät ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Hat man einen natürlichen Leib, so hat man auch einen geistlichen Leib,

in Schwachheit: Der menschliche Körper ist in diesem Leben vielen Schwächen unterworfen und kann leicht an seinen Kräften geschwächt werden. Wie ein geringes Fieber einen starken und schönen Menschen so zurichten und verstellen kann, dass man ihn kaum noch erkennt und eine schlechte Arbeit einen Menschen kraftlos macht, dazu ein widerlicher Unfall einen Menschen sogar ums Leben bringt. Unsere Leiber aber werden stark wiederauferstehen und keiner Krankheit, Müdigkeit oder widerwärtigen Zufällen unterworfen sein.

Natürlicher: Der nach der Beschaffenheit seiner Natur, wie er jetzt ist, Essen, Trinken, Ruhe und dergleichen bedarf, was das natürliche Leben erfordert, wird langsam von einem Ort zum anderen bewegt. Ein solcher Leib wird in der Erde verscharrt und begraben, aber ein geistlicher Leib wird wiederauferstehen nicht in der Form, dass er in einen Geist verwandelt wird, sondern wie ein Geist oder ein Engel, der weder Speise, Trank, Ruhe, Kleidung, Ehestand oder dergleichen bedarf, so werden unsere Leiber solche Hilfsmittel auch nicht mehr brauchen. Denn Christus sagt: In der Auferstehung werden sie weder heiraten, noch sich heiraten lassen, sondern sie sind gleichwie die Engel Gottes im Himmel {Mt 22}. Und unsere Leiber werden wie ein Geist in einem Augenblick sein können, wo sie wollen.

Nach Luther: Ein natürlicher Leib, der isst, trinkt, schläft, verdaut, zu- und abnimmt, Kinder zeugt. Geistlich, der dies alles nicht braucht und doch ein wahrer Leib und Geist lebendig ist, wie man aus 1. Mose 2. verstehen kann.

45. wie es geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, ist gemacht ins natürliche Leben und der letzte Adam ins geistliche Leben.

Erste Mensch: Von dem Moses Folgendes geschrieben hat: Gott, der Herr, machte den Menschen aus einem Lehmklumpen und blies ihm den lebendigen Odem in seine Nase, und so wurde der Mensch eine lebendige Seele (oder ein lebendiger Mensch) {1Mos 2}. Mit diesen Worten gibt die Schrift zu verstehen, dass ein anderer Mensch oder Adam kommen würde, der in einem geistlichen und ewigen Leben im Himmel leben würde. Darum, wie vom ersten Adam das natürliche Leben auf alle Menschen fortgepflanzt ist, die in demselben Leben bleiben, solange es Gott dem Herrn gefällt, so ist der andere Adam Christus (der wiederauferstanden ist und nun einen verklärten Leib hat) ein Urheber und ein Geber des geistlichen und ewigen Lebens, in der Form, dass um seinetwillen auch unsere Leiber verklärt werden sollen und mit ihm der ewigen Seligkeit teilhaftig werden. Deswegen bezeugt die Auferstehung Christi, dass auch unsere Leiber auferstehen und verklärt werden {Phil 3}.

46. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, danach der geistliche.

Danach der geistliche: Es hat Gott gefallen, dass er vor dem geistlichen, himmlischen Leben, das natürliche Leben vorhergehen lässt. Denn Gott gibt zuerst das Geringere und danach das Bessere. Hingegen zeigt die Welt zunächst große Dinge, die danach verschwinden und zunichtewerden.

47. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der andere Mensch ist der Herr vom Himmel.

Irdisch: Dass er in dieser Welt ein irdisches und natürliches Leben geführt hat.

Herr vom Himmel: Der zwar ein wahrer Mensch vom Samen Abrahams ist, aus der reinen Jungfrau Maria geboren, ist aber nicht nur ein Mensch, sondern auch unser Herr und Gott, der ewige Sohn Gottes, der um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen und Mensch geworden ist, weshalb er uns auch das himmlische und ewige Leben schenken kann. Es leisten aber diese Worte des Paulus den Ketzern keinen Vorschub, die sagen, Christus habe sein Fleisch nicht von dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria angenommen, sondern mit sich vom Himmel gebracht. Denn Paulus stellt den ersten und den anderen Adam gegenüber und sagt, dass der Adam (Christus) Mensch und Gott in einer Person ist. Darum ist es auch kein Wunder, dass er die Auferstehung samt dem geistlichen und ewigen Leben gibt. Und hier hat man das Zeugnis von der Gottheit Christi zu beachten, weil Paulus den Menschen Christus nennt, den Herrn vom Himmel.

48. Welcherlei der irdische ist, solcherlei sind auch die irdischen; und welcherlei der himmlische ist, solcherlei sind auch die himmlischen.

Himmlische ist: Nämlich, dass er einen herrlichen, verklärten und unsterblichen Leib hat.

Himmlischen: Die er zur ewigen Unsterblichkeit auferwecken wird. Denn wir erwarten vom Himmel des Heilands, unseres Herrn Jesu Christi, der unseren nichtigen Leib verklären wird, dass er seinem verklärten Leib ähnlich wird nach der Wirkung, damit kann er auch alle Dinge sich untertan machen {Phil 3}.

49. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen.

Und: In den folgenden Worten bezieht sich Paulus nicht nur auf das natürliche Leben, sondern auch auf die Vererbung der Natur, wie wir sie schließlich von Adam empfangen haben, und lehrt, dass diese getilgt werden muss, damit wir wahrhaftig und ganz geistlich im anderen Leben werden.

Himmlischen: Adams oder Menschen, nämlich, Christi. Denn der erste Adam hat, nachdem er in die Sünde gefallen und seine Natur verdorben worden ist, Menschen gezeugt, die seinem Bild ähnlich gewesen sind {1Mos 5}. Das bedeutet: Er hat Sünder gezeugt und deswegen dem Tod und der Sterblichkeit unterworfen. Aber unser himmlischer Adam wird das Ebenbild Gottes in uns wieder aufrichten, dass wir im anderen Leben heilig, gerecht, unsterblich und glückselig sein werden. Denn im anderen Leben werden wir nicht das Ebenbild des sündigen Adams tragen, sondern sozusagen geformt werden nach dem Ebenbild Jesu Christi, unserem Heiland.

50. Davon sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche,

Fleisch und Blut: Das heißt, die menschliche Natur, wie sie jetzt mit Sünden befleckt und deswegen der Sterblichkeit unterworfen ist, kann der seligen Unsterblichkeit und ewigen Wohlfahrt nicht teilhaftig werden, es sei denn, sie wird zuvor verändert und legt die Sünden samt der Sterblichkeit ab.

Nicht erben: Denn es kann nicht sein (weil es Gott, der Herr, so für gut ansieht,) dass die verdorbene Natur, die dem Tod unterworfen ist, die ewige Unsterblichkeit besitzt, bevor sie verwandelt wird. Darum sollen wir den Tod mit Geduld tragen, damit, wenn das Verwesliche abgetan ist, wir in ewiger Glückseligkeit leben.

51. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen wir werden aber alle verwandelt werden,

Siehe: Wenn jemand fragen wollte, wie es denn sein wird, wenn jemand den Jüngsten Tag lebendig erleben wird, so kommt Paulus dieser Frage zuvor und berichtet davon.

52. und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zu der Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden {Mt 24v31 1Thes 4v16}.

Letzten Posaunen: Wenn Gott, der Herr, mit seiner Posaune die Toten auferwecken wird.

Schallen: Wenn Christus in großer Majestät sichtbar wiederkommen wird, um den Erdkreis zu richten.

Verwandelt werden: Damit, wenn die Sünde und die Verwesung abgetilgt worden ist, wir unverweslich und heilig vor dem Angesicht Gottes erscheinen. Es spricht aber Paulus allgemein von den Christen, die noch am Leben sein werden, wenn Christus zum Gericht kommen wird. Darum werden auch in den verkehrtesten Zuständen der Welt dennoch bis an den Jüngsten Tag recht gottselige und heilige Leute gefunden werden, die, damit sie des ewigen Lebens fähig sind, in einem Augenblick verwandelt aber doch nicht sterben werden, obwohl die Verwandlung anstelle des Todes stattfinden wird.

53. Denn dies Verwesliche muss anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.

Anziehen: Es ist unnötig, dass der menschliche Leib, der wegen der Sünde sterblich ist, verwandelt wird und was verweslich ist, ablegt und unsterblich wird. Denn was verweslich ist und bleibt, das gehört nicht in die andere Welt, wo alles unverweslich und unvergänglich sein wird. Darum haben wir mit dem Tod keinen Verlust, weil anstatt des verweslichen Fleisches uns ein unverweslicher und unsterblicher Leib wieder erstattet werden wird.

54. Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht:

Wenn: Nachdem Paulus die Lehre von der Auferstehung der Toten zu Ende gebracht hat, setzt er einen herrlichen Trost hinzu und unterweist uns, wie wir dem Tod, der Sünde und der Hölle Trotz bieten sollen.

Nach Luther: Der Tod liegt darnieder und hat nun keine Macht mehr, sondern das Leben liegt oben und sagt: Nun habe ich gewonnen, wo bist du nun Tod?

In dem Sieg: Den Christus erworben hat. Dieser wird den Tod verschlingen.

55. Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?

Dein Sieg: Der Apostel Paulus benutzt zwar nicht die Worte des Propheten Hosea, Kapitel 13, aber doch deren eigentlichen Sinn. Gott hat also dem Tod die Macht so genommen, dass er für uns nur ein Schlaf ist. Die Hölle aber hat er für die Gläubigen zerstört. Darum sollen die, die an Christus glauben, vor dem Tod und der Hölle, wenn man an sie denkt, nicht erschrecken.

56. Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.

Aber: Paulus führt nebenbei kurz an, woher der Tod seine Macht bekommen hat, dass er die Menschen töten kann. Danach aber streut er erneut einen Trost mit unter.

Die Sünde: Die gleichsam die Speise ist, womit der Tod die Menschen umbringt. Denn wenn die Sünde nicht in die Welt gekommen wäre, so hätte der Tod kein Recht und keinen Anspruch an dem menschlichen Geschlecht gehabt. Ja es hätte keinen Tod gegeben. Denn der Sünden Gold ist der Tod {Röm 7}.

Gesetz: Dass die Sünde zeigt und erregt, den Fluch über die Sünder ausspricht und den Tod mit seiner Gewalt wappnet, dass der Mensch durch das Urteil des Gesetzes verdammt ist und geistlich und leiblich sterben muss. Daher schreibt Paulus an anderer Stelle: Die Sünde nahm Ursache am Gebot und betrog mich und tötete mich durch dieses Gebot {Röm 7}. Wenn deswegen der Fluch des Gesetzes aufgehoben ist, so wird der Tod in einen Schlaf verwandelt.

57. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christus {Joh 5v5}!

Jesus Christus: Der die Sünde versöhnt und uns vom Fluch des Gesetzes erlöst hat {Gal 3}. Dies ist uns ein herrlicher Trost, und wir sollen sicher wissen, dass wir wegen der Verdienste Christi Überwinder des Todes des Fluchs und der Hölle sind. Und wir sollen vor dem Angesicht des Todes nicht erschrecken, sondern Gott für diese Freiheit ewig Lob und Dank sagen.

58. Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unbeweglich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.

Darum: Jetzt beschließt Paulus den ganzen Handel von der Auferstehung mit einer holdseligen Ermahnung und einem tröstlichen Zuspruch.

Unbeweglich: In der reinen Lehre des Evangeliums, besonders aber in diesem Artikel von der Auferstehung des Fleisches. Denn wir sollen uns hüten, dass wir uns nicht von einer Leichtfertigkeit oder Unbeständigkeit von jedem Wind der Lehre hin und her wehen oder umtreiben lassen {Eph 4}.

Immer zu: Sodass die Kirchendiener ihr Amt in der Kirche zu lehren fleißig verrichten, damit die reine Lehre erhalten und die Ketzereien ausgemustert werden, die Zuhörer aber sich in guten Werken üben und samt ihren Lehrern gute Früchte des Glaubens reich und beständig bringen.

Ihr wisst: Und seid dessen ausreichend versichert, dass Gott die geistliche Arbeit in der Kirche segnen wird, die fromme und treue Lehrer verrichten und dass sie nicht vergeblich und ohne Nutzen arbeiten. Es ist auch sicher, dass die Arbeit und Mühe, die die Frommen über dem Bekenntnis der christlichen Religion erdulden, ihre zeitliche und ewige Belohnung haben werde. Aber die Arbeit und die Mühe der Ketzer und Heuchler ist vergebens. Darum soll sich jeder beim rechten Glauben finden lassen und sein Amt mit Fleiß und unverdrossen in der Kirche ausrichten.


Das 16. Kapitel


1. In diesem Kapitel ermahnt Paulus die Korinther, dass sie den Christen im jüdischen Land, die mit schwerer Armut, sowohl wegen der Verfolgung als auch der Teuerung gedrückt wurden, mit ihren Almosen zu Hilfe zu kommen. 2. Er befiehlt ihnen auch etliche Personen an, die sich um die Kirche wohl verdient gemacht haben, dass sie diese freundlich aufnehmen und wohl erhalten. 3. Daneben ermahnt er sie zur Standhaftigkeit in der reinen Lehre. 4. Endlich, beschließt er nach seinem gewöhnlichen Brauch den Brief mit vielen Grüßen.

1. Von der Steuer aber, die den Heiligen geschieht, wie ich den Gemeinden in Galatien geordnet habe, also tut auch ihr.

Heiligen: Oder den gläubigen Christen mitgeteilt wird. Es werden aber die Heilige genannt, und sie sind es auch in Wahrheit, alle die an Christus glauben.

Befohlen habe: Was sie für eine Ordnung damit halten sollen. Paulus führt als Beispiel die Kirche in Galatien an, damit die Korinther ebenso willig dazu seien. Dabei haben wir zu lernen, dass die Kirchen in etlichen Ordnungen dem Beispiel andere Kirchen recht und löblich folgen können.

2. Auf je der Sabbate einen lege bei sich selbst ein jeglicher unter euch und sammle, was ihn gut erscheint, auf dass nicht, wenn ich komme, dann allererst die Steuer zu sammeln sei.

Auf: Jetzt beschreibt Paulus die Art, wie man Almosen sammeln soll.

Lege: Von seinen Gütern in den Gotteskasten. Denn wir sollen den christlichen Brüdern mit unseren Almosen behilflich sein, auch wenn sie sich an weit abgelegenen Orten befinden und unsere Hilfe notwendig brauchen. Und die Almosen sollen mit willigem Herzen ungezwungen gegeben werden. Hier hat man zu merken, dass die Gemeinschaft der zeitlichen Güter in den christlichen Kirchen bereits damals aufgehört hatte. Denn wenn ein gemeinsamer Geldbeutel aller Christen in den Kirchen zu Korinth und in Galatien gewesen wäre, so hätten sie nichts gebraucht, dass jeder, insbesondere an Feiertagen, Almosen in den Gotteskasten legt, sondern man hätte die Almosen nun von dem gemeinsamen Geld nehmen und Paulus zustellen können, wenn er kommen würde, auch wenn es überraschend geschehen würde. Darum irren sich die Wiedertäufer, die auf die Gemeinschaft der Güter in der Kirche als Notwendigkeit dringen.

3. Wenn ich aber gekommen bin, welche ihr durch Briefe dafür anseht, die will ich senden, dass sie hinbringen eure Wohltat gen Jerusalem.

Anseht: Dass sie taugliche und treue Leute sind, denen das Geld sicher anvertraut werden kann, welches ihr den Armen zum Besten beigesteuert habt. Diesen will ich Briefe geben an die Brüder in Judäa, dass sie von ihnen das Geld empfangen und unter den Bedürftigen richtig austeilen. Und Paulus stellt es den Korinthern frei, dass sie selbst wählen könnten, wen sie meinen, dass durch sie die Almosen ins jüdische Land gebracht werden, damit nicht, wenn Paulus jemanden auswählen würde, es das Ansehen gewinnen würde, als suchte er seinen eigenen Nutzen. Denn es soll sich alle Christen mit Fleiß hüten, besonders aber die Kirchendiener, dass sie in keinen Argwohn der Habgier geraten.

4. So es aber wert ist, dass ich auch hinreise, sollen sie mit mir reisen.

Wert ist: Dass ihr feststellen werdet, es ist eine Notwendigkeit, dass ich selbst wegen solcher Sachen nach Jerusalem reise, dass eure Almosen recht und gebührend ausgeteilt werden, so will ich diese Reise zu tun mich nicht beschweren. Und wir sollen uns keine Arbeit verdrießen lassen, die wir zur Ergötzung der gottseligen Armen anwenden, weil wir Christus selbst solch einen Dienst leisten {Mt 25}.

5. Ich will aber zu euch kommen, wenn ich durch Mazedonien ziehe; denn durch Mazedonien werde ich ziehen.

Ziehen: Und den Zustand der Kirchen dort befehlen, auch die Brüder im christlichen Glauben stärken. Denn das war das Amt der Apostel, dass sie nicht stets an einem Ort blieben, sondern hin und wieder Christus Kirchen pflanzten und diese oft wieder besuchten. Obwohl nun heutzutage die Kirchendiener deswegen keinen Befehl haben, dass sie in der Welt herumziehen sollen wie die Apostel, so ist es aber dennoch notwendig, dass der Zustand der Kirchen jährlich einmal oder zweimal besichtigt wird, von denen, die dazu bestellt sind, damit sie verbessern, was zu verbessern ist.

6. Bei euch aber werde ich vielleicht bleiben oder auch wintern, auf dass ihr mich geleitet, wo ich hinziehen werde.

Wintern: Was nicht ohne euren großen Nutzen abgehen wird.

Geleitet: Und mir treue Gefährten zur Seite stellt, egal ob ich nach Jerusalem oder an einen anderen Ort ziehe. Denn die Kirche soll für ihre getreuen Diener sorgen, damit sie nicht in die Gefahr ihres Lebens kommen, weil ein treuer Diener des Evangeliums ein großer Schatz ist.

7. Ich will euch jetzt nicht sehen im Vorüberziehen; denn ich hoffe, ich wolle etliche Zeit bei euch bleiben, so es der Herr zulässt.

Vorüberziehen: Da ich ohnehin bald wieder von euch scheiden muss.

Herr zulässt: Denn nach seinem Willen und Wohlgefallen mussten wir uns richten. Es wusste aber Paulus gut, dass es in der Kirche in Korinth große Mängel gab, dennoch hasst er sie deswegen nicht, sondern möchte eine Zeit lang bei ihnen bleiben, damit er viele Dinge dort verbessern könnte. Es sollen deswegen die Kirchendiener ihre Herde, die ihnen anvertraut ist, nicht verlassen, sondern was mangelhaft ist nach ihrem Vermögen verbessern.

8. Ich werde aber zu Ephesus bleiben bis Pfingsten.

9. Denn mir ist eine große Tür aufgetan, die viele Frucht wirkt, und sind viel Widerwärtige da.

Aufgetan: Darum kann ich nicht so schnell von Ephesus scheiden, weil mir Gott eine gute Gelegenheit an die Hand gegeben hat, dass ich dort mit großem Nutzen selbst lehren und viele von ihnen für Christus gewinnen kann. Zudem gibt es viele, die die Lehre des Evangeliums anfechten und ihr widerstreben, denen muss ich Widerstand leisten, auf dass sie nicht, was ich erbaue, wieder einreißen. Man soll deswegen an den Orten am meisten und ohne Verdruss zu arbeiten sich bemühen, wo man sich den größten Nutzen zu schaffen erhofft. Und weil der Satan an diesen Orten besonders fleißig zu sein pflegt, wo das Evangelium mit viel Nutzen gelehrt wird, so muss man ihm tapferen Widerstand leisten und die gottseligen Lehren mit Widerlegung der Irrtümer im christlichen Eifer handhaben.

Nach Luther: Mit „große Tür aufgetan“ meint er, dass viele Zuhörer da sind, als würde das Evangelium mit Macht zur Tür hereinkommen und sie würden fleißig am Evangelium hängen, weil es in Jerusalem kaum ein Fenster oder einen Riss fand.

10. So Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei; denn er treibt auch das Werk des Herrn wie ich.

Timotheus kommt: Den ich zu euch senden werde, damit er unterdessen, bis ich komme, euren Zustand erkundigt und wo etwas zu verbessern ist, es wiederum zurechtbringt. Darum gebührt es euch, dass ihr in freundlich aufnehmt und in Ehren haltet, ihn auch nicht wegen seiner Jugend verachtet. Denn er dient dem Herrn in Fortpflanzung des Evangeliums ebenso gut und treu wie ich. Darum seid fleißig, dass er ohne Gefahr und so schnell wie möglich wieder zu mir kommt. Denn die Kirchen in diesem Land brauchen seine Gegenwart. Man soll deswegen die Kirchendiener so behandeln, dass sie ihr Amt mit Freude und nicht mit Seufzen tun. Und man soll gelehrte, fromme und tugendhafte junge Burschen, die im Predigtamt sind, nicht verachten. Denn es kann wohl passieren, dass etliche junge Menschen die Alten am Verstand übertreffen. Wiederum beginnen Alte oft wieder kindisch zu werden.

11. Das ihn nun nicht jemand verachte! Geleitet ihn aber im Frieden, dass er zu mir komme; denn ich warte sein mit den Brüdern.

12. Von Apollos, dem Bruder, aber wisst, dass ich ihn sehr viel ermahnt habe, dass er zu euch käme mit den Brüdern, und es war durchaus sein Wille nicht, dass er jetzt käme; er wird aber kommen, wenn es ihm gelegen sein wird.

Brüdern: Timotheus, Stephanus und Achaia, die ich jetzt zu euch schicke.

Käme: Weil ihn etliche Gründe hinderten, die alle hier aufzuzählen unnötig sind. Es entschuldigt also Paulus einen frommen Lehrer der Kirche, der Apollo geheißen hat, dass er sich damals bei den Korinthern nicht einstellen konnte, er werde sich aber doch zu einer anderen Zeit zu ihnen begeben. Davon wird auch in der Apostelgeschichte im Kapitel 18 berichtet. Zwar hatten die Korinther an Kirchendienern keinen Mangel, dennoch schickte ihnen Paulus vortreffliche Männer, die sich nach dem Zustand der Kirche erkundigten. Daraus ist abermals zu sehen, wie nötig es ist, dass man die Kirchen oft besucht.

13. Wacht, steht im Glauben, seid männlich und seid stark!

Wacht: Damit euch der Satan nicht überrascht und verführt. Darum vertreibt den Schlaf, und die fleischliche Sicherheit. Paulus mischt also mit wenigen Worten eine ernste Ermahnung mit unter. Denn der Teufel stellt unserer Seligkeit nach und geht herum wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann {1Petr 5}.

Im Glauben: Lasst euch vom rechten Glauben an Christus nicht abspenstig machen. Denn es ist nicht genug, dass wir die rechte Lehre einmal angenommen haben, wenn wir nicht auch beständig dabei beharren {Eph 4}.

Stark: In den Anfechtungen, Gefahren und Verfolgungen, dass ihr dem Teufel, der Welt und eurem Fleisch nicht weicht, sondern alle Widerwärtigkeiten mit beherztem Gemüt überwindet. Denn wer da recht kämpft und überwindet, wird gekrönt {2Tim 2}.

14. Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen.

Liebe geschehen: Denn auf diese Weise werdet ihr dem Nächsten viel nutzen. Und so soll unser Handeln nach der Liebe ausgerichtet werden.

15. Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, ihr kennt das Haus Stephanus, dass sie sind die Erstlinge in Achaja und haben sich selbst verordnet zum Dienst den Heiligen,

Ermahne euch: Dass ihr gut auf die achtet, die ich euch anbefehle. Denn Paulus befiehlt den Korinthern etliche an, die sich um die Kirche wohl verdient gemacht haben, und will, dass sie diese in Ehren halten und ihre Dankbarkeit gegen sie erweisen.

16. auf das auch ihr solchen untertan seid und allen, die mitwirken und arbeiten.

Untertan seid: Wie recht ist es, besonders solchen Leuten gegenüber, die sich um die Kirche verdient gemacht haben.

Arbeiten: Im Predigtamt und in den Sachen, die zur Wohlfahrt und zum Nutzen der Kirche dienlich sind. Das will so viel sagen: Ich bitte euch, dass ihr Stefanos und sein gottseliges Personal liebhabt und in Ehren haltet, auch ihre Ermahnungen nicht außer Acht lasst. Denn sie sind die ersten gewesen, die in Achaja (einer Landschaft in Griechenland) das Evangelium Christi angenommen und ihren Dienst den christlichen Kirchen dort freiwillig angeboten haben in allen Bereichen, wo sie dieser förderlich sein konnten. Darum gehorcht und folgt ihnen, weil sie euch zum Besten raten werden, und folgt nicht nur ihnen, sondern neben ihnen auch den anderen, die zusammen mit ihnen daran arbeiten, dass die Kirche erbaut wird. Denn es sollen diejenigen bei uns in großem Ansehen stehen, die sich um die Kirche Gottes verdient gemacht haben, damit wir die Erinnerung an sie nicht verachten.

17. Ich freue mich über die Zukunft Stephanus und Fortunatus und Achaicus; denn wo ich euer Mangel hatte, das haben sie erstattet.

Und Achaicus: Denn diese Männer, als sie von euch zu mir gekommen sind, haben mich nicht wenig erfreut, weil sie von eurem guten Willen mir gegenüber und von eurer Frömmigkeit in bester Form gerühmt und mir nach all ihrem Vermögen gedient haben. So weiß ich, dass ihr durch ihre Ankunft auch erfreut sein werdet, wenn sie euch meine Gedanken erklären werden. Weil sie aber vornehmlich euertwegen Reisen und viel Mühe und Arbeit auf sich nehmen, damit sie euren Nutzen suchen, und ihren eigenen nicht achten, so will es euch gebühren, dass ihr dies mit dankbaren Herzen erkennt und vergeltet. Indem Paulus den Korinthern sein Verlangen aufzeigt, wo doch in dieser Kirche sich noch viele und große Mängel befanden, will er die Kirchendiener mit seinem Beispiel erinnern, dass sie die ihnen anbefohlen Kirche wegen etlicher Fehler und Mängel nicht hassen sollen. Und wir werden auch hier gelehrt, dass man sich denen gegenüber dankbar zeigen soll, die sich für andere sorgen, und um der allgemeinen Wohlfahrt willen ihre eigenen Sachen und ihren eigenen Nutzen hintansetzen.

18. Sie haben erquickt meinen und euren Geist. Erkennt, die solche sind!

19. Es grüßen euch die Gemeinden in Asien. Es grüßen euch sehr in dem Herrn Aquila und Priscilla samt der Gemeinde in ihrem Hause.

Es: Jetzt beschließt Paulus den ganzen Brief mit den Grüßen.

Aquilas: Ein Mann, der sich um die Kirche Gottes wohl verdient gemacht hat.

Ihrem Haus: Zusammen mit ihrem frommen und christlichem Personal. Dabei hat man zu bemerken, dass ein Hausvater, der ein frommes und gottseliges Personal hat, in seinem Haus wahrhaftig eine christliche Kirche hat, die die heiligen Engel schützen. Auch sieht man hier, dass die christlichen Gemeinden miteinander Kundschaft, Gemeinschaft und Freundschaft halten. Daher sind diese Grüße entstanden.

20. Es grüßen euch alle Brüder. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss {Röm 16v16 2Kor 13v12 1Petr 5v14}.

Alle Brüder: Oder Christen, die bei mir sind, damit ich sie alle in einer Summe begreife und zusammenfasse. Es sind aber Grüße gottseliger Menschen, wenn sie gegen fromme Leute geschehen, kräftige Gebete {Mt 10}. Aber die Flüche, die von bösen Leuten herkommen, fahren da wieder hinein, wo sie ausgefahren sind.

Heiligen Kuss: Dass ihr einander freundlich umarmt. Denn früher pflegte man den Brauch, sich neben dem Gruß in züchtiger und ehrlicher Weise zu küssen, wie es noch heutzutage an etlichen Orten der Brauch ist.

21. Ich, Paulus, grüße euch mit meiner Hand.

Meiner Hand: Womit ich diesen Brief unterschrieben habe. Dies war notwendig, damit nicht unter seinem Namen den Kirchen falsche Briefe zugeschoben würden, wie es auch heutzutage noch schwärmerische Menschen zu tun pflegen, dass sie sich unter fremden Namen ausgeben und fromme Menschen betrügen. Darum sollen wir uns davor hüten, dass unter unserem Namen niemand verführt wird. Denn der Satan ist ein Betrüger und seine Gehilfen haben diese Kunst von ihm meisterlich gelernt.

22. So jemand den Herrn Jesum Christus nicht lieb hat, der sei Anathema, Maharam Motha.

So: Schließlich richtet der Apostel den Bannstrahl gegen die falschen Lehrer, gegen die Zerrütteten der Kirchen und gegen die Heuchler, die sich nicht der wahren Gottseligkeit befleißigen, sondern nur so tun als ob.

Anathema: Das ist verflucht. Diesen Gedanken wiederholt er mit dem folgenden hebräischen Wort. Dieses Beispiel des Paulus lehrt, dass diejenigen recht verdammt und dem Satan übergeben werden, die die Lehre Christi fälschen und nicht Christus Jesus, sondern ihren Bauch, Reichtum, Ehre und einen nichtigen Ruhm lieb haben.

Bann: (Nach Luther: Auf Deutsch, Anathema auf Griechisch, Maharam auf Hebräisch ist die gleiche Sache. Moth, heißt aber Tod. Paulus will nun sagen: Wer Christus nicht liebt, der ist verbannt zum Tod, Levit. 6.

23. Die Gnade des Herrn Jesu Christi sei mit euch!

Mit euch: Der Herr Jesus Christus nehme sich eurer mit Gnaden an. Denn Gottes Gnade und Güte ist unser höchster Schatz, dass wir keinen größeren haben können.

24. Meine Liebe sei mit euch allen in Christo Jesu! Amen.

Euch allen: Ich biete euch allen meine Dienste an, so viel ich aus christlicher Liebe tun kann und soll. Denn ich liebe euch von Herzen und gönne euch alles Gute, weil ihr Christi Glieder seid. Und die Diener des göttlichen Wortes sollen die ihnen anbefohlen Kirchen herzlich lieben.

Amen: Ich bitte, dass alles, was ich euch Gutes gewünscht habe, euch widerfährt. Ja es wird euch sicher widerfahren, denn Gott erhört die Wünsche der Frommen.

Die erste Epistel an die Korinther, gesandt von Philippi, durch Stephanus und Fortunatus und Achaicus und Timotheus.