Die Sprüche Salomos


Diese Sprüche hat der Sohn Davids, Salomon König von Israel, geschrieben, welchen Gott selbst so große Weisheit gegeben hat, als sonst nie einen Menschen. Und es ist kein Zweifel, Salomo hat dieses Buch gemacht, bevor er von den Weibern verführt worden, welches in seinem Alter geschehen, als er angefangen hat in Aberwitz, um seinen Weibern zu gefallen, Abgötterei angerichtet hat. Wenn wir darum die Sprüche Salomo lesen oder hören, so sollen wir wissen, dass wir nicht allein den allerweisesten König, von himmlischen und irdischen Sachen aufs Beste reden hören, sondern es gewiss glauben, dass der Geist Gottes in dieses Königs Schriften mit uns von höchst wichtigen Sachen redet. Und obwohl dieses Buch besonders zur Unterweisung der Jugend geschrieben wurde, so gibt es doch einem jedem Alter in jedem Stand und Beruf genügend Unterricht. Weil aber diese Wörter, Narr, Weise, Torheit, Weisheit, in diesem Buch oft vorkommen, so soll der Leser wissen, dass Salomo als Narren versteht, die Verächter des göttlichen Wortes, welche ihr Leben nicht nach dem Wort richten, und Torheit ist nichts anderes, als Irrtum und Sünden. Die Weisen heißen dagegen diejenigen, welche ihren Glauben und Wandel nach dem Worte Gottes richten und heißt Weisheit genauso wie bei Salomo, die heilsame Erkenntnis Gottes. Wer dieses so annimmt, der wird das ganze Buch besser verstehen. In den ersten neun Kapiteln hat man eine ausführliche Erklärung der 10 Gebote. Danach aber folgen kurze, und auf mancherlei Weise durch einander gemengte, herrliche Sprichwörter oder Sprüche, welche uns lehren, wie man für Gott in Gerechtigkeit und Gottseligkeit leben, und sich dem Nächsten ehrlich und richtig verhalten soll.


Das 1. Kapitel


I. Salomo ermahnt, dass wir die Gebote der Weisheit zu Herzen nehmen, und warnt uns, dass wir uns vor böser Gesellschaft hüten. Ab Vers 10 beklagt er sich über die Verachtung der himmlischen Weisheit, und droht den Verächtern die Strafen, den Gehorsamen verheißt er Belohnungen.

1. Dies sind die Sprüche Salomos, des Königs Israels, Davids Sohns,

Dies: Am Anfang wird der Titel oder die Überschrift dieses Buches gesetzt. In dem auch auf den Gebrauch und Nutzen hingewiesen wird.

Königs: Es ist eine weise und gottselige Obrigkeit, wie Salomo in den ersten Regierungsjahren gewesen, eine vortreffliche Gabe und Gnade Gottes.

2. zu lernen Weisheit und Zucht, Verstand,

3. Klugheit, Gerechtigkeit, Recht und Schlecht,

4. dass die Albernen witzig und die Jünglinge vernünftig und vorsichtig werden.

Albernen, witzig: Will so viel sagen: Diese Sprüche habe ich als König Salomo, König von Israel darum geschrieben, damit verständige Leute gleich welchen Alters eine Unterweisung haben, wo sie in Gottes Wort noch nicht genügend Kenntnis haben, die rechte Weisheit und Klugheit lernen, und wo sie in einem Irrtum stecken oder einen ungebührlichen Wandel führen, solches verbessern und in Zucht und Ehrbarkeit ihr Leben führen. Dass sie auch verstehen, was der Gerechtigkeit und Billigkeit gemäß ist, damit sie selber richtig leben, und andere, wenn es ihr Beruf so fordert, recht zu regieren wissen. Weil aber diese Sprüche nicht nur von weltlichen, sondern von himmlischen Sachen lehren und handeln, so ist daraus selbstverständlich, dass die Heilige Schrift, wenn man sie liest oder hört, das Mittel und Werkzeug ist, durch welches unsere Herzen mit himmlischer Weisheit erleuchtet werden.

5. Wer weise ist, der hört zu und bessert sich; und wer verständig ist, der lässt ihm raten,

hört zu: Denn es soll niemand denken, dass er zu klug ist, und dieses Unterrichts nicht bedarf. Sondern es werden auch verständige und weise Leute, wenn sie dies Buch lesen, etwas darin finden, wodurch sie noch weiser werden können, und werden in großen wichtigen Sachen erinnert werden, in schwierigen Situationen nützliche und gute Ratschläge daraus nehmen zu können. Darum sollen sie diese Lehre nicht verachten, sondern sich vielmehr willig dazu zeigen.

6. dass er vernehme die Sprüche und ihre Deutung, die Lehre der Weisen und ihre Beispiele.

Vernehme: Das heißt, wer verständig oder gottesfürchtig ist, der wird die weisen Sprüche und Erklärungen vieler dunkler Sachen gerne lesen, weil er weiß, dass in diesem Leben keiner soweit kommen kann, dass er in der Weisheit des Wortes Gottes nicht noch mehr zu lernen hätte. Welche aber wegen ihrer vermeintlichen Weisheit so aufgeblasen sind, dass sie sich nicht lehren lassen wollen, die zeigen damit, dass sie die größten Narren sind.

7. Des Herrn Furcht ist Anfang zu lernen. Die Ruchlosen verachten Weisheit und Zucht.

Des: Jetzt geht Salomo zur Sache selbst, und lehrt, wie man zu der richtigen Weisheit kommt.

Anfang: Das ist, wer die rechte und heilsame Kunst und Weisheit erlangen will, der muss Gott fürchten, nach seinem Wort und Befehl, und was er verbietet, für Sünde halten und meiden. Wer ihm aber glaubt und folgt, der wird er sein Leben in Weisheit führen, und wird glückselig sein in diesem und in dem zukünftigen Leben. Luther sagt dazu, wer lernen will, der muss zum Ersten gottselig sein.

Ruchlosen: Das sind die gottlosen Leute, welche vor Gott die größten Narren sind. Obwohl sie sich in weltlichen Sachen für sehr klug halten, verachten sie die rechte und himmlischer Weisheit, und die heilsame Lehre des göttlichen Wortes, darum sind und bleiben Sie Narren, und leben so, dass sie sich in große Gefahr dieses Lebens begeben, bis sie endlich ins Verderben stürzen. Darum soll man ihnen nicht folgen. Luther sagt dazu: Wer Gott gering erachtet, der fragt auch nach keiner Weisheit, und will keine Strafe und Zucht leiden.

8. Mein Kind gehorche der Zucht deines Vaters und verlass nicht das Gebot deiner Mutter!

Gehorche: Lass dich von deinen Eltern lehren und folge Ihnen.

9. Denn solches ist ein schöner Schmuck deinem Haupt und eine Kette an deinem Halse.

Halse: Denn der Gehorsam gegen die Eltern macht einen Menschen bei den Leuten angenehm und ist eine größere Zierde als ein goldenes Halsband oder Kette.

10. Mein Kind, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht!

Mein: Weil sich Salomo vorgenommen hat, in diesem Buch allerlei Leuten gleich welchen Berufs, oder welchen Alters sie sind, Unterricht zu geben, so schreibt er jetzt den jungen Leuten, und denen, die zu einem männlichen Alter gekommen sind, wie sie sich vor böser Gesellschaft hüten.

Locken: Dass sie dich mit guten Worten und schönen Verheißungen begehren, zu sich zu ziehen, und dich überreden wollen, dass du mit ihnen böse Dinge begehen sollst.

Folge nicht: Denn wir sollen den Reizungen der Welt widerstreben, durch die sie uns zum Sündigen reizen will.

11. Wenn sie sagen: Gehe mit uns, wir wollen auf Blut lauern und den Unschuldigen ohne Ursache nachstellen;

Blut lauern: Wir wollen rauben und warten auf der Straße, wo uns Gefahr ankommt, wollen wir uns erwehren.

Nachstellen: Wir wollen auf eine Zeit warten, wo wir einen Mann mit viel Geld finden und ihn erwürgen. Es ist uns gleich, wenn er auch unschuldig ist und den Tod nicht verdient hat, wenn wir nur eine gute Beute bekommen können.

12. wir wollen sie lebendig verschlingen wie die Hölle, und die Frommen, als die hinunter in die Grube fahren;

Verschlingen: Welche uns in die Hände fallen, die müssen Haare lassen, und wir wollen einen kurzen Prozess mit ihnen machen, dass man meint, die Erde habe ihn plötzlich verschlungen und er ist warm in die Hölle gefahren, damit niemand erfahren soll, durch wen er umgebracht worden ist. Es wird kein Hahn danach krähen. (Denn die Mörder und Straßenräuber träumen vom großen Glück, aber es geht übel aus, weil die Sache einen ganz anderen Ausgang nimmt, als sie gedacht hätten.)

13. wir wollen großes Gut finden; wir wollen unsere Häuser mit Raube füllen;

Finden: Bei den Leuten, die wir ermordet haben.

14. wage es mit uns; es soll unser aller ein Beutel sein:

Beutel sein: Was wir durch Räuberei zusammengebracht haben, das soll gemeinsam unser aller sein, und ein jeder soll seinen Genuss davon haben, weil wir es mit allgemeiner Mühe und Gefahr erworben haben. (Denn es halten auch die Mörder und Räuber eine Zeit lang Recht und Gerechtigkeit untereinander.)

15. mein Kind, wandle den Weg nicht mit ihnen; wehre deinem Fuß von ihrem Pfad!

Wehre: Gehe weit von ihnen fort und mach dich ihrer Sünden nicht teilhaftig.

16. Denn ihre Füße laufen zum Bösen und eilen, Blut zu vergießen.

Bösen: Sie begehren große böse Stücke zu begehen.

Zu vergießen: nämlich unschuldiges Blut, welches ein schreckliches Laster ist, welches Gott nicht ungestraft lässt.

17. Denn es ist vergeblich, das Netz auswerfen vor den Augen der Vögel.

Vergeblich: Ihre Rechnungen gehen nicht auf, obwohl sie von großen Verheißungen ausgehen, von großem Reichtum, den sie ohne große Mühe und Arbeit zusammenbringen wollen.

Das Netz auswerfen: Es geht ihnen, wie man sagt: Ihr Vorhaben wird fehlen, sie werden selbst umkommen.

Vögel: Wenn ein Vogelfänger das Netz vor den Vögeln ausbreitet, also die Vögel zusehen, werden sie dadurch gewarnt, dass sie sich vor der Gefahr hüten sollen. So werden die Anschläge der Räuber und Mörder aufgedeckt, oder es werden die, welchen sie mit List nachstellen, durch ein heimliches göttliches Eingeben gewarnt, damit sie der Gefahr entgehen. So bekommen die Räuber und Mörder nicht, was sie sich erhofft haben, sondern werden selbst ergriffen und zur notwendigen Strafe gezogen.

18. Auch lauern sie selbst untereinander auf ihr Blut, und stellet einer dem andern nach dem Leben.

Ihr Blut: Dass einer den anderen umbringen und so seine Güter bekommen möchte. (Denn wo keine wahre Gottseligkeit und Gerechtigkeit ist, da ist auch keine richtige Freundschaft oder beständige Gesellschaft. Sondern die bösen Buben fallen endlich selber übereinander her, einer richtet den anderen entweder mit der Hand oder mit List hin.)

19. Also tun alle Geizigen, dass einer dem andern das Leben nimmt.

Alle Geizigen: Das ist die Natur und das Wesen derer, welche aus Geiz nach anderer Leute Güter streben. Sie schonen nichts, wo sie sich nur einen Gewinn erhoffen, darum, wenn sie die Gelegenheit sehen, fallen sie ihre eigenen Gesellen bald an und erwürgen sie wie Unbekannte. (Dabei sieht man der Mörder Art und Anschläge, welche, indem sie andere ins Verderben bringen möchten, sich selber aber auch unversehens hinein stürzen.

20. Die Weisheit klagt draußen und lässt sich hören auf den Gassen.

Die: Jetzt beklagt sich Salomo in der Person des Sohnes Gottes, welcher des Vaters Weisheit ist, dass, der die rechte Weisheit, nämlich die Erkenntnis Gottes und die wahre Gottseligkeit im Worte Gottes öffentlich und viel erklärt wird, trotzdem der meiste Teil mehr Lust zur Torheit hat, das ist, zum gottlosen Wesen hat. Und droht den halsstarrigen Verächtern des göttlichen Wortes mit schrecklichen Strafen, dass Gott sie in der Gefahr nicht helfen, sondern verlassen werde.

21. Sie ruft in der Tür am Tor vorne unter dem Volk; sie redet ihre Worte in der Stadt:

Volk: Wo viele Leute versammelt sind, da predigt sie. Denn zu der Zeit hielt man öffentlich Gericht unter den Toren wie bei uns auf dem Rathaus oder Gericht.

Stadt: Auf allen Plätzen und Straßen predigt der Sohn Gottes den Leuten das Wort Gottes reichlich. (Denn es geschieht, dass wo Gott sein Wort offenbart, da gibt er es mit großen Haufen und schüttet es gleichwie ein Platzregen überflüssig aus, damit die Unbußfertigen keine Entschuldigung bringen können.)

22. Wie lange wollt ihr Albernen albern sein und die Spötter Lust zu Spötterei haben und die Ruchlosen die Lehre hassen?

Albernen: Darunter versteht er diejenigen, die von Gottes Wort nichts Wissen und es verachten. Und albern sein heißt, ein gottloses Leben führen, welches mit keinem Worte Gottes regiert wird. Solche Albernen haben nur Lust zu dem, was Unrecht ist.

Spötter: Das ist: Wie lange wollt ihr gottlosen Verächter des göttlichen Wortes mit solcher Verachtung euch selber kitzeln und eure Lust und Freude daran haben?

Lehre: Des göttlichen Wortes.

23. Kehrt euch zu meiner Strafe! Siehe, ich will euch heraussagen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.

Kehrt: Hört mein Wort, bekehrt euch und tut Buße.

Kundtun: was zur Seligkeit der Menschen gehört, obwohl es doch so oft vergebens ist. Sie hassen, verachten Gottes Wort und verspotten es mutwillig.

24. Weil ich denn rufe, und ihr weigert euch; ich recke meine Hand aus, und niemand achtet drauf,

Weil: Folgt jetzt dem, was den halsstarrigen Verächtern des göttlichen Wortes begegnet.

Rufe: Zur Buße, dass ihr euch bekehren soll.

Achtet darauf: Dass ihr die angebotene Gnade begehrt und annehmt.

25. und lasst fahren allen meinen Rat und wollt meiner Strafe nicht:

Rat: Dass ich durch das Predigtamt meines Wortes euch selig machen möchte.

Strafe: Meine Ermahnungen habt ihr nicht angenommen, darum will ich eure Arbeit nicht mit Erfolg belohnen.

26. so will ich auch lachen in eurem Unfall und euer spotten, wenn da kommt, dass ihr fürchtet,

auch lachen: Genau wie ihr mein Wort verlacht habt.

Fürchtet: Denn was die Gottlosen fürchten, das begegnet ihnen.

27. wenn über euch kommt wie ein Sturm, das ihr fürchtet, und euer Unfall als ein Wetter, wenn über euch Angst und Not kommt.

Wetter: Dem ihr nicht entkommen könnt. (Denn die Gottlosen werden plötzlich und unvorhergesehen von großem Unglück überfallen.)

28. Dann werden sie mir rufen, aber ich werde nicht antworten; sie werden mich frühe suchen und nicht finden.

Rufen: Sie werden Gott um Hilfe anflehen.

Nicht antworten: Noch viel weniger ihnen Hilfe gewähren.

Frühe: Das ist, mit großem Fleiß werden sie zu mir beten, aber ich werde Ihnen doch nicht zu Hilfe kommen.

29. Darum dass sie hassten die Lehre und wollten des Herrn Furcht nicht haben,

hassten: Sie haben also nicht nur aus Schwachheit, sondern aus Trotz und mutwilliger Widerspenstigkeit mein Wort verachtet und alle Gottesfurcht von sich gestoßen.

30. wollten meines Rats nicht und lästerten alle meine Strafe,

Rats nicht: Sie nahmen das meine Worte der Predigt nicht an. (Luther: Als Toren und Narren wendeten sie sich von dem göttlichen Rat zu fleischlicher Eitelkeit)

31. so sollen sie essen von den Früchten ihres Wesens und ihres Rats satt werden.

Satt werden: Sie sollen genießen, wie sie es durch ihre verkehrten und ungerechten Ratschläge, und mit ihren gottlosen Religionen verdient haben. Haben Sie es selbst so gut gekocht, so sollen sie es essen.

32. Das die Albernen gelüstet, tötet sie, und der Ruchlosen Glück bringt sie um.

Sie um) Das will so viel sagen: Weil die Gottlosen sehen, wie sie eine Zeit lang auf Erden Glück und gutes Leben haben, darum beharren sie in ihren Sünden, verderben Ihren Leib und Seele. Denn sie meinen, ihre gottlose Religion gefalle Gott wohl, er werde ihre Laster nicht strafen. (Dass es hier aber so klingt, als schlage der Sohn Gottes denen die Verzeihung und Hilfe ab, welche mit ihrem Gebet in der Not zu ihm fliehen. Es wird hier nicht von allerlei Sünden ohne Unterschied gesprochen, sondern von den verstockten Verächtern und Spöttern des göttlichen Wortes, welche alle heilsamen Erinnerungen hassen, verwerfen und lästern. Wenn diese danach in schreckliche Strafen geraten, so schreien sie zwar zu Gott um Hilfe, aber es gereut sie ihre Bosheit nicht, sondern sie haben allein vor den Strafen der Sünden eine Abscheu, weshalb sie diesen entkommen möchten. Darum werden sie nicht erhört. Also wird von Esau gesagt, dass er seine Erstgeburt vergebens beweint hat {1Mos 27}.Wie auch von den Feinden Jesu gesagt wird, dass sie Gott umsonst um Hilfe anrufen {Ps 18}. Darum sollen sich die bußfertigen Sünder durch solche Sprüche der Heiligen Schrift von Jesus nicht abschrecken lassen, sondern zu ihm fliehen. Denn es ist große Freude im Himmel, über einen Sünder der Buße tut, als über 99 gerechte die der Buße nicht bedürfen {Lk 15} und wer zu mir kommt, sagt Jesus, den will ich nicht hinaus stoßen.)

33. Wer aber mir gehorcht, wird sicher bleiben und genug haben und kein Unglück fürchten.

Wer: Bisher haben wir von den Strafen der gottlosen Menschen gehört, wir wollen jetzt auch von den Belohnungen der gottseligen Lehre.

Mir gehorcht: Das er mein Wort mit Glauben annimmt, spricht der Sohn Gottes die Weisheit des Vaters, und nach der Seligkeit durch Gott trachtet.

Fürchten: Das ist, ein gottseliger frommer Mensch wird mit ruhigem Gewissen unter dem göttlichen Schutz die ihm nötige Nahrung haben, keine Strafe der Sünden haben, weder zeitlich noch ewig, die aber über die Gottlosen bestimmt sind.


Das 2. Kapitel


Die Belohnungen der rechten Weisheit werden hier noch weiter ausgeführt. Und es wird gezeigt, dass die rechte Weisheit einen Menschen in seinem Beruf fördert, gegen der Welt Ärgernisse und Anstöße.

1. Mein Kind, willst du meine Rede annehmen und meine Gebote bei dir behalten,

Mein: Salomo fährt in seiner Ermahnung weiter fort, dass wir uns bemühen sollen, die richtige Weisheit zu erlangen, und deutet auf die Belohnung hin.

Behalten: Dass du meine weisen Reden wirst mit Ernst begehren zu lernen, und diese in gutem Gedächtnis zu behältst, auf dass du weiser daraus werdest.

2. so lass dein Ohr auf Weisheit achthaben und neige dein Herz mit Fleiß dazu.

Fleiß dazu: Bemüh dich allerdings, dass du das rechte Verständnis des göttlichen Wortes lernst. (Denn welche das Wort Gottes nur hören und es dabei belassen, die werden dadurch wenig gebessert. Die Lehrer werden daran erinnert, dass sie so viel wie ihnen möglich ist, diese Lehren zu unterrichten, denn dann werden sie mit großem Nutzen lehren. So spricht der Apostel Johannes zu seinen Zuhörern in seiner Epistel. Auch fordert der Apostel Paulus, dass ein Lehrer freundlich und bescheiden sein soll, da er sagt: Einen Alten schimpfe nicht, sondern ermahne ihn als einen Vater, die Jungen als die Brüder, die alten Weiber als die Mütter, die Jungen als die Schwestern, mit aller Keuschheit.) Luther sagt: Du musst Acht darauf geben, und von Herzen fleißig sein.

3. Denn so du mit Fleiß danach rufst und darum betest,

rufst: So du Gott mit Ernst anrufst um den rechten Verstand seines göttlichen Wortes und solchem Verstand nachher mit Fleiß forschst, so wirst du die rechte Weise lernen, wie man Gott ehren soll, und wirst die wahre heilsame Erkenntnis Gottes erlangen.

4. so du sie suchst wie Silber und forschest sie wie die Schätze,

5. alsdann wirst du die Furcht des Herrn vernehmen und Gottes Erkenntnis finden.

Finden: Das ist: Gott wird dem, der Geschmack an der himmlischen Weisheit hat, und noch mehr Verlangen danach, mit noch mehr Erkenntnis seines Wortes begaben, und noch besseren Verstand der Heiligen Schrift mitteilen: Nach dem Spruch: Wer da hat, dem wird gegeben {Lk 19}.

6. Denn der Herr gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Verstand.

Denn: Jetzt zahlt er die Belohnungen derjenigen, welche sich auf die rechte Weisheit, die das Wort Gottes lehrt, auf dass sie ihr Leben recht danach führen.

7. Er lässt‘s den Aufrichtigen gelingen und beschirmt die Frommen

8. und behütet die, so recht tun, und bewahrt den Weg seiner Heiligen.

Heiligen: Das ist: Gott wird bewirken, dass die wiedergeborenen Menschen und die, die sich der rechten Gottseligkeit ohne Heuchelei bemühen, glücklichen Fortgang haben, und in ihrem Beruf von Gott geschützt werden. Und er wird seinen Gläubigen bewahren, welcher ein gerechtes und gottseliges Leben führt, nach seinem Wort.

9. Dann wirst du verstehen Gerechtigkeit und Recht und Frömmigkeit und allen guten Weg.

Guten Weg: Das ist: Ein frommer Mensch, der in der wahren Gottesfurcht lebt, wird je länger je mehr darin zunehmen, auf dass er versteht, was gut und richtig ist, und auf welchem Weg er gehen soll, damit er Gott nicht erzürnt und sich selber in Leibes und seine Seele in Gefahr bringt.

10. Wo die Weisheit dir zu Herzen geht, dass du gerne lernest,

Herzen geht: Dass du von der rechten Weisheit aus dem Wort Gottes etwas gelernt hast und eine Lust bekommst, dass du aus einer besonderen Gesinnung mit der Betrachtung des göttlichen Wortes umgehst.

11. so wird dich guter Rat bewahren und Verstand wird dich behüten,

guter Rat: Nämlich der Wille Gottes, den er dir in seinem Wort offenbart hat.

Verstand: Den du aus dem Wort Gottes gelernt hast.

12. dass du nicht geratest auf den Weg der Bösen noch unter die verkehrten Schwätzer,

der Bösen: Das du nicht in den Irrtum der Religion oder der Sünde fällst, weil solche Wege einen Menschen zum Verderben führen. (Darum hat das Wort Gottes einen großen Nutzen.)

13. die da verlassen die rechte Bahn und gehen finstere Wege,

14. die sich freuen, Böses zu tun, und sind fröhlich in ihrem bösen, verkehrten Wesen,

verkehrten Wesen: Wenn sie nämlich etwas Böses ausgedacht haben, oder es ausgerichtet. (Denn so sind die Gottlosen gesinnt, dass sie noch darüber froh sind, wenn sie eine böse Tat begangen haben, als hätten sie es gut ausgerichtet. Wenn aber die Frommen in eine schwere Sünde gefallen sind, so seufzen sie darüber und es ist Ihnen herzlich leid.)

15. welche ihren Weg verkehren und folgen ihrem Abwege;

Abwege: Ihr Tun und Vorhaben bringt keine rechte Gottseligkeit, sondern großes Unglück und endlich die ewige Verdammnis. (Dass wir nun solche verkehrten Wege erkennen können und uns davor hüten, dazu dient uns die himmlische Weisheit, welche wir aus dem Worte Gottes lernen.)

16. dass du nicht geratest an eines anderen Weib, und die nicht dein ist, die glatte Worte gibt

Nicht geratest: Sondern davor bewahrt wirst. Du wirst später dieser himmlischen Weisheit dafür noch danken.

Andern Weib: Die nicht deine Ehefrau ist und dennoch deinen Beischlaf wünscht, und sich dir selbst anbietet.

Glatte Worte: Die damit meint, wie sie dich zu überreden, dass du unwürdige Sachen mit ihr Treiben sollst, wie Potiphars Weibes mit dem frommen Josef tat {1Mos 37}. (vor solchen Frauen die mit Schmeichelworten umgehen sollen wir uns mit höchstem Fleiß hüten.)

17. und verlässt den Herrn ihrer Jugend und vergisst den Bund ihres Gottes;

Herrn: Ihren Ehemann, der sie in der Jugend geheiratet hat, von welchem sie ihr Herz und Gemüt abwendet und sich an die Männer anderer hängt.

Bund: Nämlich das Gesetz, in welchem der Ehebruch mit der Strafe des Leibes und der ewigen Verdammnis verboten worden ist, solches achtet sie alles nicht.

18. denn ihr Haus neigt sich zum Tode und ihre Gänge zu den Verlornen;

19. alle, die zu ihr eingehen, kommen nicht wieder und ergreifen den Weg des Lebens nicht:

Lebens nicht: Das ist, welche sich mit Ehebruch beflecken, die werden dem ewigen Tod nicht entgehen, wenn sie nicht Gott besonders zur Buße zieht. (Denn es vertiefen sich ihrer viele in den unreinen Gelüsten so schlimm, dass sie an keine Buße denken und verderben in ihren Sünden.)

20. auf dass du wandelst auf gutem Wege und bleibest auf der rechten Bahn.

Rechten Bahn: Als wollte er sprechen: Wenn es dir mit deinem zeitlichen und ewigen Leben ein Ernst ist, so habe mit Fleiß Acht darauf, und siehe zu, dass du auf dem Weg der Gebote Gottes gehst, welcher allein gut ist, und auf diesem Weg bleibst, darauf die Gerechten, das ist, die Gläubigen aus Glauben gehen, nämlich im Gehorsam der Gebote Gottes.

21. Denn die Gerechten werden im Lande wohnen und die Frommen werden drinnen bleiben {Ps 1v3 Mt 5v4};

Gerechten: Welche wirklich fromm und wiedergeborenen sind.

Frommen: Die aufrichtig und keine Heuchler sind.

Bleiben: Sie werden die Güter in ihrem Land lange genießen, welches Gott ihnen zum Besitz gegeben hat.

22. aber die Gottlosen werden aus dem Lande gerottet, und die Verächter werden draus vertilgt.

Vertilgt: Das ist: Gott erhält die Frommen auch in dieser Welt, damit sie ein ruhiges Leben führen. Die Gottlosen aber vertilgt er wegen ihrer Übeltaten und Sünden. (Aber weil Gott manchmal nach seiner Freiheit und bestem väterlichen Willen von dieser Regel abweicht, und die Gottlosen in ihrem Vaterland eine Zeit lang lässt, und sie noch im Glück leben und schweben lässt, die Frommen aber aus dem Land ins Elend vertrieben, ja auch aus der Welt verstoßen werden, so wird er ihnen doch anstatt des irdischen Vaterlandes die ewige Erbschaft des Himmelreichs geben.)


Das 3. Kapitel


Ist eine Ermahnung zu den Geboten Gottes wie wir danach leben sollen. Und dass wir auf Gott, aber nicht auf unserer Weisheit bauen. Dass wir auch den Predigern und der Kirche mit Freudigkeit dienen. Unser Kreuz mit Geduld auf uns nehmen. Danach folgt ein Rühmen der rechten Weisheit, und es geschieht mit verdeckten Worten der Hinweis auf Gottes Sohn, der die Weisheit Gottes ist. Zum Schluss wird befohlen, dass man den Nächsten Gutes tun und von den Gottlosen nicht lernen soll.

1. Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote,

Mein: In diesem Kapitel sind mancherlei Lehren enthalten. Am Anfang ermahnt Salomo zum Gehorsam der Gebote Gottes.

Gebote: Die ich dir vorlege und die aus dem Worte Gottes genommen sind.

2. Denn sie werden dir langes Leben und gute Jahre und Frieden bringen;

3. Gnade und Treue werden dich nicht lassen. Hänge sie an deinen Hals und schreibe sie in die Tafel deines Herzens,

nicht lassen: Das ist: Gott der Herr wird mit seiner väterlichen Gnade und Treue stets bei uns sein. Obwohl nun keiner existiert, der die Gebote Gottes vollkommen halten kann und darum auch niemand durch seine eigenen Werke vor Gott gerecht wird, so wird doch den Gläubigen durch Jesus sein ganzer Verdienst zugerechnet, und es bleiben ihnen die Verheißungen des Gesetzes gewiss, als ob sie diese erfüllt hätten. So segnet auch Gott die Gottseligkeit mit leiblichen Gütern. Und obwohl nicht alle Gottseligen viele Jahre leben, so haben sie doch lang genug gelebt, wenn sie Jesus ihren Heiland erkannt haben und aus dieser Welt abgeschieden sind.)

Hals: als ein köstliches Halsband

Sie: Meine heilsamen Gebote und lehren.

Herzens: bilde dir die Gebote und Lehren ins Herz und halte sie für deine größte Zierde.

4. so wirst du Freundlichkeit (Gunst) und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.

Klugheit: Luther sagt dazu: Du wirst ein vernünftiger Mensch werden, dem alles Gute gelingt, was du dir vornimmst {Ps 1v3}.

gefällt: Du wirst für verständig und gelehrt angesehen und willkommen sein bei Gott und allen frommen Leuten, denen du lieb und wert sein wirst.

5. Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand;

Verlass: Glaube an Gott den Vater, den Sohn, und den Heiligen Geist, in einem Wesen und drei Personen, dass er dein gnädiger Gott und Herr ist, der dir die Sünden vergibt und zum Erben der himmlischen Güter machen will, der dich auch in keiner Gefahr dieses zeitlichen Lebens verlassen wird. (Denn der Glaube an Gott ist der vornehmste Gottesdienst und das herzlichste Werk des ersten Gebotes.)

Verstand: Mach dir keine Gedanken, dass du mit deiner menschlichen Weisheit und Geschwindigkeit deine Geschäfte und Handel zu einem guten und glücklichen Ende bringen könntest. (Denn welche sich auf ihre eigene Weisheit verlassen, die sind für Gott Abgöttische und werden Schaden erleiden.)

6. sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

Wegen: In all deinem Tun und Vorhaben sieh auf Gottes Willen und ergib dich ihm mit einem gottseligen Gebet, dass er dich regieren soll.

Führen: mit seinem Heiligen Geist. Dass du die Werke deines Berufes recht und glücklich verrichten kannst.

7. Dünke dich nicht weise zu sein, sondern fürchte den Herrn und weiche vom Bösen.

Weise zu sein: Als ob du nicht irren könntest, und brauchst keine Unterrichtung aus dem göttlichen Wort noch irgendeinen guten Rat oder treuherzige Erinnerung. (Wie man doch solchen Stolz bei etlichen spürt, welche wenn sie die Bibel einmal oder zweimal durchgelesen haben, oder sonst ein Buch oder zwei, in denen von geistlichen Sachen gehandelt wird, sich von da an selbst einreden, sie sind gelehrter denn alle Lehrer der reinen Lehre, und wollen sich nicht weisen, noch von ihrem einmal gefassten Irrtum abführen lassen. Genauso tun auch die, die in weltlichen Sachen aus Übermut und vermeintlicher Weisheit, aber sonst aus keinem rechten Grund oder Verstand, ihre Meinung aller anderen Meinung unterordnen. Hierher gehören auch die, welche weder der Freunde, Lehrmeister, älteren Erinnerungen achten.)

Herrn: Der ein Rächer aller Bosheit ist.

Bösen: Meide die falsche Religion und hüte dich vor Sünden und groben Lastern.

8. Das wird deinem Nabel gesund sein und deine Gebeine erquicken.

Gesund sein: Viel gesünder als die allerbeste Arznei.

Erquicken: Denn genau wie eine gesunde Speise und Trank den ganzen Leib, auch die Gebeine und das Mark erfrischen und erquicken, bringt also die Furcht Gottes und ein gottseliges Leben den Menschen ein ruhiges und fröhliches Gewissen. Dadurch werden die Kräfte des Leibes und des Gemütes länger erhalten. Die Sünden aber machen dem Gewissen Angst, saugen dem Leib und den Gebeinen allen Saft und Kraft aus und kürzen dadurch einem Menschen das Leben ab.

9. Ehre den Herrn von deinem Gut und von den Erstlingen all deines Einkommens,

Ehre) Das ist: Opfere Gott die Erstlinge und den zehnten Teil deiner Früchte, wie im Gesetz befohlen ist. (Es wurden aber von solchen Opfern, die den Herrn geschahen, auch die Priester, Leviten und Armen unterhalten. Und weil solches alles zur Ehre Gottes war, so wird recht gesagt, dass der Gott den Herrn ehre, welcher von seinen Gütern etwas gibt zur Erhaltung des Predigtamtes und der Armen Nahrung.)

10. so werden deine Scheunen voll werden und deine Kelter mit Most übergehen.

Übergehen: Das ist: Gott wird deine übrigen Güter reichlich segnen, damit du deine Nahrung überflüssig haben wirst, wenn du dem Predigtamt (dazu gehören auch die Schulen und Armen) reichlich Hilfe leistest, nach dem Spruch Jesu: Gebet, so wird euch gegeben, es wird euch aber eine volle, gedrückte und überflüssige Maß in euren Schoß gegeben werden {Lk 6} (Welche aber der Kirche nichts geben, die Kirchendiener hungern lassen, die Armen auch verschmachten lassen, die empfinden immer einen Abgang an ihren Gütern und werden den Fluch Gottes spüren.)

11. Mein Kind, verwirf die Zucht des Herrn nicht und sei nicht ungeduldig über seiner Strafe!

Strafe: Wenn du von Gott gezüchtigt wirst, er dir ein Kreuz auflegt, so murre nicht aus Ungeduld wider ihn.

12. Denn welchen der Herr liebt, den straft er, und hat Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.

Den straft er: Es sind aber verschiedene Züchtigungen und Strafen. Wie der Mangel an Nahrung, Krankheiten des Leibes, Schwermütigkeit von großen Versuchungen und anderen Unfällen: Und werden wir von den dem Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verdammt werden {1Kor 2}. Es ist ein Zeichen der Göttlichen und väterlichen Gnade, wenn er uns züchtigt, damit wir uns bessern {Hebr 12}.

Sohn: Denn wie ein Vater, wenn er seinen Sohn gezüchtigt hat, danach größeren Wohlgefallen an ihm hat und ihn darum viel inniglicher liebt. So wird die Liebe des himmlischen Vaters gegen uns nach der Züchtigung auch größer, wenn wir uns bessern, und er hat seine väterliche Freude an uns, wenn wir gezüchtigt und frömmer geworden sind.

13. Wohl dem Menschen, der Weisheit findet, und dem Menschen, der Verstand bekommt!

Wohl: Salomo fängt wieder an die Weisheit zu rühmen, wie sie im Worte Gottes zu finden ist.

Findet: Das ist ein glücklicher Mensch, der die rechte Weisheit lernen kann, die im Worte Gottes steht.

14. Denn es ist besser, um sie hantieren, weder um Silber, und ihr Einkommen ist besser denn Gold.

Denn Gold: Es ist viel nützlicher, dass man den höchsten Fleiß darauf legt, die Weisheit des göttlichen Wortes zu lernen und zu leben, als dass wir unseren ganzen Fleiß nur darauf setzen, Geld und Gut zu erwerben. Es ist besser, solche Weisheit zu haben und diese zu genießen, als dass man im Jahr ein großes Einkommen von Gold und Silber hat. (Aber es werden leider viele gefunden, die großen Gewinn suchen, und die Predigten des göttlichen Wortes verachten, die viel lieber mit Edelsteinen und Perlen glänzen wollen, als mit dem Verstand des göttlichen Wortes leuchten.)

15. Sie ist edler denn Perlen; und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu gleichen.

Gleichen: Was durchaus in dieser Welt die Menschen am meisten begehren, sei es gleich Reichtum, Wollust, Ehre oder anderes, das soll uns viel geringer und schlechter sein als die himmlische Weisheit.

16. Langes Leben ist zu ihrer rechten Hand; zu ihrer Linken ist Reichtum und Ehre.

Und Ehre: Das ist: Die Weisheit bringt alle zeitlichen Wohltaten mit sich. (Denn diejenigen, die aus dem Wort Gottes den rechten Glauben erlangen, und die Gottseligkeit erlernt haben, die pflegt Gott der Herr mit einem langen Leben zu beschenken, beschert ihnen genügend Nahrung, und erhebt sie zu Ehren. Der aber hat lange gelebt, welcher zum Sterben bereit ist und hat großen Reichtum und Ehre bekommen, welcher sich begnügt mit dem, was ihm Gott gegeben hat.)

17. Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Friede.

Friede: Das ist: Glück und Heil. (Denn wer nach dem geschriebenen Worte Gottes sein Leben führt, der hat Frieden und Glück. Weil er ehrlich lebt, ein ruhiges Gewissen hat, und sein Tun von Gott zum guten Ende gerichtet wird.)

18. Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen; und selig sind, die sie halten.

Lebens: Denn gleichwie der Baum des Lebens im Paradies dem Menschen dazu gedient hätte, dass, wenn er von dieser Frucht gegessen, ewig nicht gestorben wäre. Also welcher die himmlische Weisheit des göttlichen Wortes erlangt, und die Verheißungen des Evangeliums von Jesus mit Glauben ergreift, und auch bis ans Ende seines Lebens dabei bleibt (denn das ist die rechte Weisheit), der hat das ewige Leben und Seligkeit.

19. Denn der Herr hat die Erde durch Weisheit gegründet und durch seinen Rat die Himmel bereitet.

Denn: Jetzt nimmt Salomo die Gelegenheit an die Hand, dass er von der Weisheit, die man aus Gottes Wort gelernt, kommt auf die selbstständige Weisheit Gottes, welche der Sohn oder das Wort Gottes ist, durch das Gott alles erschaffen hat.

Bereitet: Das ist: Gott hat durch Weisheit, nämlich durch seinen eingeborenen ewigen Sohn, Himmel Erde und Meer erschaffen und hat durch diese bewirkt, dass der Tau auf die Erde falle, die Pflanzen zu befeuchten und zu erfrischen. So kann also ohne die wahre Weisheit nichts Rechtes geschehen. Von dieser Weisheit empfangen wir die Weisheit des Evangeliums, wodurch wir Gott erkennen lernen und selig werden.

20. Durch seine Weisheit (Wort) sind die Tiefen zerteilt, und die Wolken mit Tau triefend gemacht.

21. Mein Kind, lass sie nicht von deinen Augen weichen, so wirst du glückselig und klug werden.

Mein: Salomo wendet sich wieder der Weisheit zu, die wir aus dem Worte Gottes lernen, und streicht ihr Lob noch weiter heraus.

Weichen: Verachte die himmlische Lehre nicht und lege sie nicht beiseite, welche ich dir aus dem Worte Gottes vorhalte.

22. Das wird deiner Seele Leben sein, und dein Mund wird holdselig sein.

Leben sein: Das ist: Wenn du das Wort Gottes mit Glauben annimmst, so wird es dir das ewige Leben bringen, und wenn du mit dem Heiligen Geist erleuchtet worden bist, wirst du aus dem Worte Gottes solche Dinge reden, welche Gott und den frommen Leuten angenehm, auch deinem Nächsten heilsam sein werden.

23. Dann wirst du sicher wandeln auf deinem Wege, dass dein Fuß sich nicht stoßen wird.

Wege: In deinem Beruf wirst du dein Amt sicher und ohne Sorge verrichten können, mit gutem und fröhlichem Gewissen. Und du wirst nicht fallen oder zuschanden werden, wenn du der himmlischen Weisheit des Wortes Gottes folgen wirst, wie sie dir den Weg zeigt.

24. Legst du dich, so wirst du dich nicht fürchten, sondern süß schlafen,

schlafen: Denn ein frommer Mensch, der gelernt hat sein Vertrauen auf Gott zu setzen und gottselig lebt, der schläft sanft und sicher, weil er weiß, dass er in dem Schutz Gottes und der heiligen Engel ist.

25. dass du dich nicht fürchten darfst vor plötzlichem Schrecken noch vor dem Sturm der Gottlosen, wenn er kommt.

Kommt: Wenn Gott die Gottlosen plötzlich von einem Schrecken oder Unfall überfallen lässt, und sie nicht wissen wo sie hin sollen, so wirst du mutig sein und deine Hoffnung auf Gott setzen, weil du gewiss bist, dass weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges dich scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn {Röm 8}.

26. Denn der Herr ist dein Trotz; der behütet deinen Fuß, dass er nicht gefangen werde.

Fuß: Gott wird in der Gefahr bei dir sein und diese von dir treiben, auf dass du nicht unter den Gottlosen in ihrem Unglück umkommst, oder wenn durch je etwas von dem allgemeinen Jammer mit empfinden musst, das du dennoch nicht umkommst.

27. Weigere dich nicht, dem Dürftigen Gutes zu tun, so deine Hand von Gott hat, solches zu tun.

Zu tun: Denn Gott will, dass wir durch die Liebe mit Rat und Gütern dem Elend helfen, und fordert doch nicht, dass wir mehr leisten, denn wir Vermögen haben, weil seine Meinung nicht ist, dass andere von unseren Gütern satt werden und wir Mangel leiden {2Kor 8}.

28. Sprich nicht zu deinem Freunde: Gehe hin und komm wieder, morgen will ich dir geben, so du es doch wohl hast.

Freunde: Der bei dir um Hilfe bittet.

Morgen: Denn welche es aufschieben, wenn sie etwas Gutes zeigen wollen, die geben damit zu verstehen, dass sie kein rechtes Mitleid für den Armen haben. Es geht auch der Wohltat das Gute mit ab, in dem man‘s aufschiebt. Weil der, welcher ein Ding bald gibt, so gut als zweifach gibt.

29. Trachte nicht Böses wider deinen Freund, der auf Treue bei dir wohnt.

Wohnt: Denn es ist ein großes Bubenstück, das man den heimlich begehrt in Unglück zu bringen, der an nichts Böses denkt. Obwohl eine solche Untreue in der Welt nichts Außergewöhnliches ist.

30. Hadre nicht mit jemand ohne Ursache, so er dir kein Leid getan hat.

Ohne Ursache: Mit diesen Worten wird auf die Streitsüchtigen gestochen, welche nur Streit suchen und sich freuen, wenn sie mit einem zu tun bekommen, der sie noch nie beleidigt hat. Wir aber, wenn wir gleich beleidigt worden sind, sollen dennoch nicht Böses mit Bösem vergelten {Röm 12}.

31. Eifre nicht einem Freveln nach und erwähle seiner Wege keinen.

Freveln: Der mit Recht und Unrecht anderer Leute Güter an sich reißt, auf den sollst du nicht neidisch sein, noch heimlich wider Gott murren, wenn es mit seiner Bosheit eine Zeit lang gut geht.

Keinen: Dass du nicht denkst: Weil ich sehe, wie es diesen gottlosen Menschen alles gelingt und nach seines Herzens Wunsch geht, so will ich auch tun, was er tut, damit es mir auch besser geht.

32. Denn der Herr hat Gräuel an dem Abtrünnigen und sein Geheimnis ist bei den Frommen.

Frommen: Diese liebt Gott und teilt Ihnen die wahre himmlische Weisheit mit. Die Verkehrten aber verwirft er. (Wie kann deren Glück lange einen Bestand haben, welche Gott hasst. Und wer wollte nicht viel lieber mit stetiger Betrachtung des göttlichen Wortes umgehen, als sich zu der gottlosen Gemeinschaft halten, welche zum Verderben eilt.)

33. Im Hause des Gottlosen ist der Fluch des Herrn; aber das Haus der Gerechten wird gesegnet.

Fluch: Das ist: Gott straft die Gottlosen mit mancherlei Unglück und zum Schluss mit der ewigen Verdammnis.

Gesegnet: Das ist: Welche an Jesus glauben und aus solchem Glauben ein gottseliges Leben führen, die belohnt Gott mit einem glücklichen Fortgang, soviel zu ihrer Seligkeit ihnen nützlich ist, und macht sie endlich mit dem himmlischen wahren Segen ewig selig.

34. Er wird der Spötter spotten; aber den Elenden wird er Gnade geben.

Spotten: Das ist: Diejenigen, die wegen ihres zeitlichen Glückes stolz und aufgeblasen sind, daneben aber das Wort Gottes, durch welches sie erinnert werden, dass sie auf den rechten Weg kehren sollen, verachten und verlachen, denen wird Gott wiederum spotten, wenn sie von ihrer Würde und Hoheit zur Hölle hinab stürzen. (So nimmt es ein Ende mit den Verächtern und Spöttern des göttlichen Wortes).

35. Die Weisen werden Ehre erben; aber wenn die Narren hochkommen, werden sie doch zuschanden.

Ehre erben: Die Gottseligen, die im Worte Gottes unterrichtet sind, werden von Gott zu Ehren erhoben werden. Wir sehen, dass David, Joseph und andere auch zeitliche Ehre und Herrlichkeit bekommen haben. (Denn Gott hat zugesagt, dass er die Frömmigkeit auch in diesem Leben belohnen will. Wenn es aber aus Gottes besonderem und besten Rat eine Weile dauert, so wird doch im künftigen Leben den Frommen ihre Frömmigkeit umso mehr vergolten werden.)

Narren: Nach Luther: Spötter, lose Leute, die Gott nicht achten, noch sein Wort.

zuschanden: Das ist: Die Gottlosen (denn das sind die richtigen Narren) obwohl sie hoch aufsteigen, werden nur darum so hoch erhoben, auf dass sie umso schrecklicher fallen und zuschanden werden, wie an Absalom, Haman, Ahitofel und ihresgleichen zu sehen ist.


Das 4. Kapitel


Das ist eine Ermahnung, dass wir der rechten Weisheit folgen sollen, wobei auch uns der Nutzen gezeigt wird. Danach werden wir erinnert, dass wir keine böse Gesellschaft haben sollen. Auch dass wir unsere Zunge und Augen im Zaum halten, damit wir nicht in eine Leichtfertigkeit oder Unzucht wegen in Argwohn geraten.

1. Hört, meine Kinder, die Zucht eures Vaters; merkt auf, dass ihr lernt und klug werdet!

Hört: Salomo ermahnt nun wieder, dass man die rechte Weisheit des Wortes Gottes lernen und bewahren soll. (Denn man kann uns nicht genug davon predigen, weil die Welt und menschliche Vernunft sie verachten.)

Klug werdet: An der himmlischen Weisheit. Denn Salomo gebraucht die Wörter, Klugheit, Weisheit, Gunst, Verstand, Zucht, Rat, alle für ein und dasselbe.

2. Denn ich gebe euch eine gute Lehre; verlasst mein Gesetz nicht!

Nicht: Schlagt es nicht in den Wind, was ich euch aus dem Wort Gottes bringe.

3. Denn ich war meines Vaters Sohn, ein zarter und ein einiger vor meiner Mutter,

zarter: Noch ein Junge, und meiner Mutter sehr lieb.

Mutter: Die mich auch sehr liebte.

4. und er lehrte mich und sprach: Lass dein Herz meine Worte aufnehmen; halte meine Gebote, so wirst du leben.

Er lehrte: Mein Vater David, der mich in der wahren Gottseligkeit mit Fleiß unterrichtete, gleichwie ich euch jetzt auch unterrichten möchte. (Es sollen aber die Eltern ihre Kinder in der Furcht Gottes aufziehen {Eph 6}.

Leben: Du wirst hier auf Erden Glück haben und durch den zeitlichen Tod zum ewigen Leben übergehen, wenn du glaubst und tust, was ich dir aus dem Worte Gottes zu glauben und zu tun vorhalte.

5. Nimm an Weisheit, nimm an Verstand; vergiss nicht und weiche nicht von der Rede meines Mundes!

Mundes: Sondern trachte mit allem Fleiß dahin, dass du dir die himmlische Lehre zu Herzen nimmst, sie fest und streitbar hältst, und dein Leben nach allem Tun der Lehre ausrichtest.

6. Verlass sie nicht, so wird sie dich behalten; liebe sie, so wird sie dich behüten.

Behüten: Das ist: Wenn du die heilsame Lehre nicht verachtest, sondern sie liebst, und nach dieser mit Fleiß dein Leben richtest, so wirst du viel und große Gefahr deines Leibes und der Seele vermeiden. (Denn welche das Wort Gottes außer acht gelassen, die verwickeln sich in des Teufels Stricke und stürzen sich selbst in große Gefahr.)

7. Denn der Weisheit Anfang ist, wenn man sie gerne hört und die Klugheit lieber hat denn alle Güter.

Gerne hört: Also (sprach mein Vater David ferner) wirst du anfangen, recht, weise und klug zu werden, wenn du nach der göttlichen Weisheit ein herzliches Verlangen hast und gelernt hast, dieses für deinen köstlichen Schatz zu achten.

8. Achte sie hoch, so wird sie dich erhöhen und wird dich zu Ehren machen, wo du sie herzest.

Erhöhen: Denn wenn du viel von der rechten Weisheit hältst, und sie hoch schätzt, du sie also lieb hast, so wird sie dich berühmt machen bei allen frommen und gottseligen Leuten.

9. Sie wird dein Haupt schön schmücken und wird dich zieren mit einer hübschen Krone.

Schmücken: Dass du bei den Leuten Gunst erlangst, und ein Ansehen bekommst.

Krone: Sie wird dir anstatt von köstlichem Schmuck eine große Zierde sein. (Denn die wahre Erkenntnis Gottes und Frömmigkeit ist ein viel herrlicher Schmuck als eine königliche Krone, die von Gold und Edelsteinen schimmert. In welchem Schmuck alle Könige und Fürsten gehen sollten).

10. So höre, mein Kind, und nimm an meine Rede, so werden deiner Jahre viel werden.

Rede: ebenso wie ich (spricht Salomo) meines Vaters Lehre und Erinnerungen angehört und zu Herzen genommen habe.

Viel werden: Denn welche die Laster und Sünden meiden, die im Worte Gottes verboten sind, die entgehen der Rache Gottes, sie werden nicht am Leben gestraft, und wenn sie sich der wahren Gottseligkeit befleißigen, so verlängert Ihnen Gott das Leben.

11. Ich will dich den Weg der Weisheit führen, ich will dich auf rechter Bahn leiten,

leiten: Ich will dich lehren wie du recht und klug leben sollst auf den Wegen oder nach den Geboten Gottes.

12. dass, wenn du gehst, dein Gang dir nicht sauer werde, und wenn du läufst, dass du dich nicht anstoßest.

Anstoßes: Du wirst in keine Gefahr kommen, noch zuschanden werden, wenn du meine Lehre hörst und mir folgst. (Welche aber auf krummen Wegen der Schalkheit gehen, die verwickeln sich in ihren Listen und sie fallen schändlich.)

13. Fasse die Zucht, lass nicht davon; bewahre sie, denn sie ist dein Leben.

Nicht davon: Sondern bleibe standhaft, die Gebote Gottes zu halten, weil dir solches zur Verlängerung deines Lebens dienlich sein wird. (Denn man muss im Gehorsam der Gebote Gottes beharren, und es ist nicht genug, wenn man damit nur angefangen hat.)

14. Komm nicht auf der Gottlosen Pfad und tritt nicht auf den Weg der Bösen.

Pfad: Glaube, rede und tue nicht, was die Gottlosen und Bösen nach ihrer bösen verkehrten Art glauben, reden, und tun.

15. Lass ihn fahren und gehe nicht drinnen; weiche von ihm und gehe vorüber!

Vorüber: Hüte dich und pass auf, dass du auch keinen Fuß auf diesen Weg stellst, sondern, wenn du ihn erkannt hast, so sieh ihn an als einen Irrweg.

16. Denn sie schlafen nicht, sie haben denn übel getan; und sie ruhen nicht, sie haben denn Schaden getan.

Schlafen nicht: Die Gottlosen können vor großer Bosheit ihres Herzens keine Ruhe haben, bis sie ihre Bubenstücke und Werke ausgerichtet, damit sie umgegangen sind, lassen sich den Schlaf nicht teuer sein, bis sie einen, dem sie nichts gönnen, in Jammer und Not gebracht haben oder ins Verderben. (Wenn die Gottlosen so einen Sinn haben, so sollen wir Gott bitten, dass er uns vor ihnen behüten möchte und sollen selbst sehen, dass wir Ihnen nicht zu viel trauen.)

17. Denn sie nähren sich von Gottlosen Brot und trinken vom Wein des Frevels.

Frevels: Sie stolzieren und leben köstlich von dem, das sie mit Bosheit, Betrug, Gewalt und Räuberei anderen Leuten abgenommen haben. (Solch ein Brot essen auch viele faule Bäuche im Papsttum, die aus den Messen oder anderen falschen Gottesdiensten reiche Einkommen der Kirchen zu sich nehmen, und solche danach üppig mit Fressen, Saufen, Spielen und Hurerei verschwenden.)

18. Aber der Gerechten Pfad glänzt wie ein Licht, das da fortgeht, und leuchtet bis auf den vollen Tag.

Vollen Tag: Denn obwohl die Gläubigen in der Finsternis dieser Welt wandeln, in der alles in Irrtum, Jammer und Not durcheinandergeht, so haben sie dennoch das Licht des göttlichen Wortes, welches vor ihnen hergeht, welches ihnen leuchtet und den Weg zeigt, bis sie endlich den fröhlichen Tag erreichen, da es im anderen Leben alles voll Licht und ewiger Freude sein wird.

19. Der Gottlosen Weg aber ist wie Dunkel und wissen nicht, wo sie fallen werden.

Dunkel: Voller Irrtum und Unglück. Genau wie einer der im Finsteren geht, nicht weiß wo er ist, und wenn er am wenigsten daran glaubt, sich stößt oder fällt. Also gehen die Gottlosen, weil sie das Licht des göttlichen Wortes nicht haben, in der Irre und ihrer Bosheit herum, stoßen sich wieder ihrer Vorhaben schrecklich, um dann zu Boden zu fallen und zu Grunde zu gehen. Darum sollen wir das Licht des göttlichen Wortes lieb haben und Gott dafür danken.

20. Mein Sohn, merke auf mein Wort und neige dein Ohr zu meiner Rede!

Rede: Die ich dir aus dem Worte Gottes vorhalte, dabei höre mir fleißig zu. (Solche häufigen Vermahnungen des Wortes Gottes zu hören, geschehe nicht vergebens und zum Überfluss. Weil der alte Adam immer Lust zu weltlichen Sachen, und unnützem Geschwätz zu hören mehr Lust hat, als zu Gottes Wort.)

21. Lass sie nicht von deinen Augen fahren; behalte sie in deinem Herzen!

22. Denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und gesund ihrem ganzen Leibe.

Leben: Wenn das Wort Gottes gehört, verstanden und mit Glauben ergriffen wird, so bringt es das Leben. Gleichwie eine köstliche Arznei zur Gesundheit des Leibes dient, ist das Wort Gottes für die Seele gesund. Denn es lehrt nicht allein, wie man gottselig leben soll, sondern hat auch Verheißungen von der Barmherzigkeit Gottes um Christi willen.

23. Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus geht das Leben.

Geht: Darauf kommt es an, wenn du in das Leben willst und das ewige Leben nicht verscherzen, dass du dein Herz mit dem Wort Gottes regierst, damit es sich nicht unwillig dagegen stellt, dadurch der Heilige Geist vertrieben wird. (Denn wenn das Herz recht regiert wird, so wird das Tun dem Gesetz Gottes gleichförmig sein, soviel in der Schwachheit dieses Fleisches geschehen kann)

24. Tu von dir den verkehrten Mund und lass das Lästermaul ferne von dir sein.

Von dir: Denn ein gottloser Mensch soll sich mit Fleiß hüten, dass er nichts gottloses, Hässliches, Schändliches, Böses oder Verkehrtes rede, wodurch der Nächste geärgert wird. Er soll aber reden, was gottselig ist, was zur Ehre Gottes dient, was heilsam ist, was zum Frieden und zum Wohl des Nächsten dient.

25. Lass deine Augen stracks vor sich sehen und deine Augenlider richtig vor dir hinsehen.

Vor sich: Dass sie nicht umher schweifen, sondern ein züchtiges und aufrichtiges Gemüt anzeigen. (Denn umherschweifende Augen geben zu verstehen, dass ein verkehrtes boshaftes, betrügliches, häufig auch unkeusches Herz vorhanden ist.)

26. Lass deinen Fuß gleich vor sich gehen, so gehest du gewiss.

Gewiss: Wenn du nicht krumme Umwege suchst, sondern gerade gehst in deinem Tun, nach dem vorgeschriebenen Worte Gottes, so wird alles glücklich gehen. (Richtig hindurch ist der allerbeste Weg)

27. Wanke weder zur Rechten noch zur Linken; wende deinen Fuß vom Bösen!

Rechten: Dass du mit Vorwitz wolltest meinen, du könntest mehr und bessere Werke tun als Gott geboten hat.

Linken: Dass du Gottes Gebot verachten wolltest und deinem Fleisch den freien Lauf lassen. Dieser Befehl wird häufig in den Schriften von Mose wiederholt.

Vom Bösen: das du nicht tust, was gegen die Gebote Gottes ist. (Sollten wir trotzdem den Fuß auf den Weg der Gottlosen gesetzt haben, so sollen wir ihn doch bald wieder zurückziehen, Buße tun und bitten, dass uns Gott die Sünde um Christi Willen verzeihen soll. Dazu aber sollen wir auch auf den Weg der Gebote Gottes behutsam und mit mehr Vorsicht gehen.)


Das 5. Kapitel


Das ist eine Warnung, dass man sich vor Hurerei und Ehebruch hüten soll. Man soll auch kein Verschwender sein. Es soll sich ein jeder mit seinem eigenen Weibe vergnügen lassen, in Betrachtung der zeitlichen und ewigen Strafen, so auf die Hurerei und Ehebruch erfolgen.

1. Mein Kind, merke auf meine Weisheit; neige dein Ohr zu meiner Lehre,

Weisheit: Die ich aus dem Worte Gottes genommen habe, und dich lehre.

2. dass du behaltest guten Rat und dein Mund wisse Unterschied zu haben.

Rat: Das du meinen heilsamen Anschlägen folgst.

Zu haben: Und was du von mir lernst, betrachten, wiederholen, erzählen, und anderen lehren kannst.

3. Denn die Lippen der Hure sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter denn Öl,

Süß: Die unzüchtigen Weiber geben gute und glatte Worte, damit sie die Männer zur ungebührlichen Liebe reizen.

4. aber hernach bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.

Schwert: Denn wer mit unzüchtigen Weibern verkehrt, der empfindet endlich nach der ersten Lieblichkeit eine schädliche und bittere Traurigkeit und großes Herzeleid. Denn die Wunde, so er sich selber in seinem Gewissen gemacht hat, verursacht große Schmerzen bei ihm. Und die Schande, so er mit Ehebruch und Hurerei über sich gezogen, wie auch des Leibes abscheuliche Krankheiten, dazu den Fluch Gottes, dadurch eines Hurers Habe und Güter zerstört werden, geben genügend zu verstehen dass er anstatt von Honig Galle, und anstatt von Öl, ein scharfes Schwert zu seinem Verderben gefunden hat. Also befindet es sich auch, dass der Huren - Jäger Worte, damit sie die einfältigen Mädchen verführen, nichts anderes als Wermut und Schwert waren. Darum, wo jemand vom anderen zu Unkeuschheit gereizt wird, so soll niemand darauf achthaben, sondern die Ohren dazu zustopfen.

5. Ihre Füße laufen zum Tod hinunter, ihre Gänge erlangen die Hölle.

Hölle: Das ist: Eine Hure oder Ehebrecherin geht in ihren Sünden dem Tode unter Hölle entgegnen, und welche sich zu ihr gesellen, die geraten auf denselben Weg. Denn der Ehebruch wurde bei den Juden am Leben gestraft, und es bezeugt die Schrift, dass die Bohrer und Ehebrecher kein Teil am Reich Gottes haben {1Kor 6v9}.

6. Sie geht nicht stracks auf dem Wege des Lebens; unstet sind ihre Tritte, dass sie nicht weiß, wo sie geht.

Lebens: Sie ist nicht auf den rechten Weg, der zum ewigen Leben führt.

Nicht weiß: Denn eine Hure oder Ehebrecherin verwickelt sich in der schändlichen Unzucht, und verwirrt sich in der Unwissenheit ihres Verstandes, dass sie den Weg zur Seligkeit nicht sieht, damit sie der Verdammnis entwenden könnte. Denn welche der Unzucht nachhängen, die werden in der Liebe betört, und vertiefen sich ganz in den Wust der Unzucht, dass der meiste Teil an keine Buße denkt.

7. So gehorcht mir nun, meine Kinder, und weichet nicht von der Rede meines Mundes!

Weichet nicht: Last euch von meinen heilsamen und treuen Erinnerungen nicht abführen.

8. Lass deine Wege ferne von ihr sein und nahe nicht zur Tür ihres Hauses,

Ferne: Flieh aller Gemeinschaft der unzüchtigen Weiber, so viel und weit du immer kannst.

Hauses: Hüte dich, dass es wohl geschehen kann, dass jemand nicht der Meinung zu solchen Personen geht, damit er der Keuschheit den Rücken kehren, und gerät dennoch in ein Laster. Darum soll man die Gelegenheiten zu sündigen fliehen, auf dass man Gott nicht versuche.

9. dass du nicht den Fremden gebest deine Ehre und deine Jahre dem Grausamen,

Fremden: nach Luther. Denn die Hure verzehren ihr gut und leben mit bösen Buben, die ihnen später nur noch die Kleie und die Rinden geben, wie man bei dem verlorenen Sohn im Evangelium sieht, da er sein Buch verprasst hatte {Lk 15v16}.

Ehre: Das ist: Deine Habe und Güter, die dich zu Ehren bringen. Ist also dies die andere Ursache, warum man Unzucht meiden soll, nämlich, weil man dadurch um seine Güter und Nahrung gebracht wird.

Grausamen: Das ist: Damit du nicht dem unbarmherzigen Wucher deine Güter gibst, von denen du dein Leben solltest unterhalten.

10. dass sich nicht Fremde von deinem Vermögen sättigen, und deine Arbeit nicht sei in eines anderen Haus,

Arbeit: Deine Güter, die du mit deiner Arbeit zuwege gebracht hast. Denn obwohl die Huren besonders damit umgehen, dass sie mit ihren Schmeichelworten derjenigen Güteransicht ziehen, mit denen sie Unzucht treiben, oder sie sonst darum bringen, so kommt es doch nicht eigentlich daher, dass die Huren-Führer verarmen, sondern weil Gott von wegen der Unzucht ergrimmt, den Fluch über sie schickt, dass sie ihre Güter in kurzer Zeit verlieren.

11. und müssest hernach seufzen, wenn du dein Leib und Gut verzehrt hast,

Seufzen: Welches du mit allem Fleiß verhüten sollst, und das nicht dahin kommen lassen, dass, wenn du an allen Kräften des Leibes abgenommen, und alle deiner Habe und Güter verloren hast, später in große Schwermütigkeit und Elend bedauerst.

12. und sprechen: Ach, wie habe ich die Zucht gehasst, und mein Herz die Strafe verschmäht,

Gehasst: Das ich die Ermahnungen aus dem Worte Gottes verworfen, damit ich von der Hurerei abgemahnt wurde.

Verschmäht: Das ich es nicht leiden wollte, wenn man mich wegen meiner Unzucht, die ich liebte, mich zur Rede stellte.

13. und habe nicht gehorcht der Stimme meiner Lehrer und mein Ohr nicht geneigt zu denen, die mich lehrten!

14. Ich bin schier in alles Unglück gekommen, vor allen Leuten und allem Volk.

Volk: Das ist: Ich habe mich selber in den großen Jammer gestürzt, und bin bei allen Menschen verachtet, dass jeder mit den Finger auf mich zeigt, wenn ich vor einer großen Versammlung des Volkes vorübergehe. In der Summe, ich bin ein verdorbener Mann. Denn das hat einer von der Unzucht zu erwarten, dass man nicht nur in Armut gerät, sondern auch zu Sport und Schanden, und von jedermann verachtet wird. Welche auch den heilsamen und gutherzigen Erinnerungen nicht folgen wollen, die verstehen es endlich zu spät, mit ihrem großen Schaden und Nachteil, in was für ein Unglück sie gestürzt sind. Jedoch, wenn sie rechtschaffener und ernstliche Buße tun, kommen sie nicht in die ewige Verdammnis, aber die zeitliche Strafe müssen Sie tragen.

15. Trinke Wasser aus deiner Grube und Flüsse aus deinem Brunnen.

Trinke: Weil Salomo von dem Verlust der Güter Nachricht gibt, so bringt er daneben eine Lehre mit ein, wie man sich vor der Verschwendung hüten soll. Als wollte er sprechen: Gebrauche deine Güter selbst, und schenke sie nicht Fremden hin, dass du danach darben musst.

16. Lass deine Brunnen herausfließen und die Wasserbäche auf die Gassen.

Herausfließen: Das ist: Was du von deinen Gütern übrig hast, davon gibt deinen Nächsten mit, der dürftig ist. Denn unser Überfluss soll der anderen Mangel dienen, wie der Apostel Paulus lehrt {2Kor 8v14}.

17. Habe du aber sie alleine und kein Fremder mit dir.

Allein: Denn Gott fordert es nicht von dir, dass du anderen in deine Güter setzt, sondern du sollst Herr darüber bleiben. Von dem aber, was du übrig hast, sollst du anderen zu Hilfe kommen, welche Mangel leiden, also wird es geschehen, dass Gott deine anderen Güter mit seinem Segen reichlicher mehren wird.

18. Dein Born sei gesegnet, und freue dich des Weibes deiner Jugend!

Und: Jetzt wendet er sich wiederum zu der vorigen Erinnerung, dass wir uns vor der Hurerei und Ehebruch hüten sollen.

19. Sie ist lieblich wie eine Hindin und holdselig wie ein Reh. Lass dich ihre Liebe immer sättigen, und ergötze dich allewege in ihrer Liebe.

Hindin: Nach Luther: Was von der Hindin oder Reh hier steht, das ist nach einem Sprichwort geredet, und hat die Meinung dieses Textes: Bleibe bei deinem Weibe, und halte dein gut, dass du es nicht umbringst mit Huren, sondern anderen damit hilfst. Denn es gibt kein lieblicheres Wesen auf Erden, denn wo sich Mann und Weib freundlich zusammen halten.

Reh: Das ist: Gleichwie ein Hirsch sich über der Hinde freut, und der Rehbock über ein Reh: Also sollst du an deinem Weib deine Lust und Freude haben, dass sie dir in deinen Augen die liebste, Schönste und Holdseligste sei.

Sättigen: Du sollst dich an der Liebe deines Weibes genügen lassen, und derselben nicht überdrüssig werden, dass du dich wolltest von ihr wenden, und nach einer anderen sehen, sondern sollst mit einer beständigen herzlichen Liebe ihr gewogen bleiben, dass du keine fremde Liebe bei dir einwurzeln lässt.

20. Mein Kind, warum willst du dich an der Fremden ergötzen und herzest dich mit einer andern?

Fremden: Die nicht dein Eheweib ist.

21. Denn jedermanns Wege sind stracks vor dem Herrn, und er misst gleich alle ihre Gänge.

Gänge: Aller Menschen tun und lassen ist Gott dem Herrn bekannt, der zählt die Strafen ab, die nach der Gestalt und Beschaffenheit derselben er den Unbußfertigen desto größere Strafen auflegt. Denn die Finsternis kann vor den Augen Gottes niemand verdecken.

22. Die Missetat des Gottlosen wird ihn fangen, und er wird mit dem Strick seiner Sünde gehalten werden.

Fangen: Der Gottlose verwickelt sich mit seinen Sünden und Misshandlungen selbst in die Strafe, dass er entweder durch die Obrigkeit, oder auch ohne derselben zutun von Gott selbst gestraft wird. Und kann ein solcher gottloser Mensch sein Unglück niemand als sich selber zu messen.

23. Er wird sterben, dass er sich nicht will ziehen lassen, und um seiner großen Torheit willen wird‘s ihm nicht wohlgehen.

Sterben: Die Hurer und Ehebrecher sind des ewigen Todes und der Verdammnis schuldig, und werden auch zeitlich öffentlich zuschanden. Denn weil sie ihrer Bosheit immer nachhängen, und sich von dem Worte Gottes nicht wollen wehren und strafen lassen, so bekommen Sie für eine kurze zeitliche Wollust die ewige Pein, welches doch ist weit neben der Glückseligkeit daneben getroffen, und durch zeitliche Wollust gewaltig betrogen werden.


Das 6. Kapitel


Dieses Kapitel ist eine Erinnerung, dass wir nicht aus Unbedachtsamkeit für andere Menschen bürgen. Wir sollen der Faulheit und dem Müßiggang fliehen, denn dadurch kommen wir in Armut. Danach werden unzüchtige Leute, unzüchtige Gebärden beschrieben. Weiter wird von sieben Söhnen erzählt, denen Gott besonders feind ist. Danach folgen etliche Gebote der Eltern und unseres Herrn Gottes, die man halten soll. Zum Schluss wird wiederum eine Ermahnung gegeben, dass man nicht unzüchtig lebt.

1. Mein Kind, wirst du Bürge für deinen Nächsten und hast deine Hand bei einem Fremden verhaftet,

verhaftet: Weil du als Bürger dem Gläubiger gegenüber genau so gefangen bist wie dein Freund.

2. so bist du verknüpft mit der Rede deines Mundes und gefangen mit den Reden deines Mundes.

Verknüpft: Indem du dem Gläubiger versprochen hast, dass du für deinen Freund zahlen willst, wenn er es nicht kann. Du hast dich also selbst zum Schuldner gemacht. (Es streicht aber Salomo die Gefahr der Bürgschaften mit vielen Worten heraus. Nicht dass er uns von der Liebe des Nächsten abschrecke, wo einer dem anderen dienen kann, sondern dass er die unvorsichtigen und unerfahrenen Hausväter erinnere, damit, wenn sie für einen anderen zum Bürgen werden, das nicht ohne Rat tun, auf dass sie nicht ihre Hausgenossen in Unglück bringen. Denn wer seinem Freund zu viel traut, für den er sich verbürgt, der pflegt häufig darüber in Schande zu kommen.)

3. So tu doch, mein Kind, also und errette dich; denn du bist deinem Nächsten in die Hände kommen; eile, dränge und treibe deinen Nächsten!

Also: wenn die Wirtschaft geschehen ist.

Hände kommen: Du bist in des Gläubigers Gewalt, weil du ihm deine Treue und Glauben versichert hast. Darum trachte mit allem Fleiß danach wie du deine Freiheit wiedererlangen kannst.

Treibe: Halte bei dem Schuldiger an, für den du Bürge geworden ist, dass er sich mit der Bezahlung eilt, um den Gläubiger zu befriedigen, damit du nicht um seinetwillen deine Güter verkaufen musst. (Denn es sind etliche Schuldiger so kalt und fahrlässig, dass, wenn sie einen Bürgen bekommen haben, sich danach mit der Bezahlung sehr viel Zeit lassen oder gar nicht mehr darum kümmern, solche muss man mahnen und treiben.)

4. Lass deine Augen nicht schlafen, noch deine Augenlider schlummern! Es

Schlafen: Lass dir den Schlaf nicht zu lieb werden, bevor du die Bezahlung von dem Schuldiger herausgebracht hast.

5. Errette dich wie ein Reh von der Hand und wie ein Vogel aus der Hand des Voglers.

Aus der Hand des Voglers: Des Voglers, das ist, mach mit Fleiß, damit du je eher je lieber von der Bürgschaft kommst. (Wenn nun die Schuldiger und Bürgen recht bedächten, in was für ein hartes Gefängnis sie sich gesteckt haben, so werden sie alle beide mit großem Ernst danach trachten, dass sie sich wieder frei machen.)

6. Gehe hin zur Ameise, du Fauler, siehe ihre Weise an und lerne!

Weise: Ihren Fleiß, Arbeit und Mühe.

Lerne: Von einem solchen kleinen und unbedeutenden Tier, wie du deinen Beruf fleißig verrichten sollst. Denn weil die Leute ihrem Beruf lässig nachgehen, folgt darauf die Armut, so schimpft Salomo solche faulen Leute und stellt ihnen unvernünftige Tiere zum Lehrmeister.

7. Ob sie wohl keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat,

Herrn hat: Die Ameise hat keine Obrigkeit, die sie antreibt.

8. bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte.

Ernte: Damit sie die übrige Zeit des Jahres und besonders im Winter zu essen hat. Wenn nun ein solch kleines Tier, das doch keine Vernunft hat, aus eigenem, freien Willen arbeitet, damit es zu leben hat, so ist es bei einem Menschen selbstverständlich, dass er in seinem Beruf emsig arbeiten sollte, weil er noch gesund und stark und bei guten Kräften des Leibes ist, dass er sich und seine Hausgenossen im Alter, welches mit dem Winter zu vergleichen ist, ernähren kann. Besonders weil auch die Obrigkeit durch ihre weltlichen Gesetze und Ordnungen dazu anhält, dass wir unsere Güter richtig gebrauchen und gut anlegen sollen, auf dass wir Freude und Nahrung haben können.

9. Wie lange, liegst du, Fauler? Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?

Liegst du: Und schläfst oder bist faul? Meinst du, dass du in deinem Beruf gut bist und Reichtum erlangen wirst, wenn du bis zum Mittag im Bette bleibst?

10. Ja, schlaf noch ein wenig, schlummere ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, dass du schlafest,

schlage: Das sind die Gebärden der schläfrigen und faulen Leute.

11. so wird dich die Armut übereilen wie ein Fußgänger und der Mangel wie ein gewappneter Mann.

Gewappneter: Das ist: Welche einen Tag nach dem anderen Aufschieben und ihrem Beruf nicht richtig nachkommen, diesem nicht mit Fleiß nachkommen, sondern nur auf Faulheit und Müßiggang sehen, die werden von Armut überfallen, welches schnell über sie kommen wird. Der Mangel wird solche Faulenzer so hart angreifen, dass sie sich dann nicht mehr schützen können und wie ein wehrloser Mensch gegenüber einem gewappnetem Krieger nicht erwehren können.

12. Ein loser Mensch, ein schädlicher Mann, geht mit verkehrtem Munde,

loser: Ein Teufelskind und gottloser Mensch, der die Rechte anderer nicht achtet.

Verkehrtem Munde: Er redet nichts Nützliches, das zum Frieden, zur Ruhe und zu der Menschen Besserung dient. (Luther: Er führt keine beständigen Reden)

13. winkt mit Augen, deutet mit Füßen, zeigt mit Fingern,

winkt: (Luther: Sieht keinen aufrichtig an).

Füßen: Dass er mit der Bewegung des einen Fußes seine Meinung zu verstehen gibt, wie es uns wichtige Leute häufig zu tun pflegen.

Fingern: Und gibt dadurch seinen Kameraden eine Nachricht, wie sie sich verhalten sollen.

14. trachtet immer Böses und Verkehrtes in seinem Herzen und richtet Hader an.

Hader: Es ist ihm wohl dabei, wenn er Uneinigkeit und Zwietracht unter den Leuten anzettelt. (Es steht aber keinem aufrichtigen, gottseligen, frommen Menschen an, dass er mit den Augen, Händen und Füßen seine Meinung zu verstehen gibt. Die solches Tun sind häufig böse Leute, welche sich ehrbar stellen, aber einen verkehrten Sinn haben und voller Bosheit im Herzen stecken.)

15. Darum wird ihm plötzlich sein Unfall kommen und wird schnell zerbrochen werden, dass keine Hilfe da sein wird.

Keine Hilfe: Er wird schwer ins Verderben kommen und zugrunde gehen, dass ihm nicht mehr zu helfen sein wird. (Denn, obwohl keinem die Verzeihung abgeschlagen wird, wer wahrhaftige Buße tut, so ist es selten zu finden, dass solche verkehrten Leute und Spötter wieder zurechtkommen, sondern häufig in ihren Sünden elendig dahin sterben. Darum sollen wir uns vor einem solchen verkehrten Wesen hüten, und einen aufrichtigen, ehrbaren und keuschen Wandel führen.)

16. Diese sechs Stücke hasst der Herr, und am Siebenten hat er einen Gräuel:

Gräuel: Die ihm höchst zuwider sind.

17. hohe Augen, falsche Zungen, Hände, die unschuldig Blut vergießen;

Hohe Augen: Das ist: Einen stolzen Sinn. (Es zeigt sich der Stolz häufig im Gesicht und am Gang.)

Falsche Zungen: Ein Lügenmaul, das unnütz Geschwätz treibt. (Weil Gott die Wahrheit ist, der Teufel aber ein Vater der Lügen, darum ist Gott den Lügen Feind.)

Blut vergießen: Weil der Mensch zum Ebenbild Gottes erschaffen ist, so will Gott nicht, dass sein Ebenbild mit Grausamkeit beschädigt oder verdorben wird.

18. Herz, das mit bösen Tücken umgeht; Füße, die behände sind, Schaden zu tun;

Bösen Tücken: Welche Böses im Sinn haben, auch wenn sie es nicht immer ausrichten, die sind vor Gott ein Gräuel, weil Gott der Menschen Gedanken wie Taten sieht.

Die behände sind: Denn welche gern mit einer besonderen Lust Böses tun, die können Gott nicht gefallen.

19. falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und der Hader zwischen Brüdern anrichtet.

Frech Lügen: Ein Zeuge der Lügen betrügt den Richter und drückt mit seinem falschen Zeugnis die gerechte Partei unter.

Anrichtet: Denn so die Friedfertigen selig sind und Gottes Kinder heißen, {Mt 5} so sind die verflucht und des Teufels Kinder, welche Uneinigkeit zwischen den Leuten erregen.

20. Mein Kind, bewahre die Gebote deines Vaters und lass nicht fahren das Gesetz deiner Mutter!

Bewahre: Wir sollen nicht nur in der Jugend, sondern auch in unserm männlichen Alter solcher Sachen mit Ehrerbietung gedenken, die wir in unserer Kindheit von unseren Eltern gehört haben.

21. Binde sie zusammen auf dein Herz allewege und hänge sie an deinen Hals:

Binde: Behalte solche heilsamen Lehren als einen köstlichen Schatz nicht in der Tasche, sondern im Herzen.

Hals: Als ein christliches Halsband und trage solche Lehren mit dir herum, damit du nach diesen dein Leben führst.

22. wenn du gehst, dass sie dich geleiten; wenn du dich legst, dass sie dich bewahren; wenn du aufwachst, dass sie dein Gespräch seien.

Geleiten: Und auf den rechten Weg führen, wie ein Hirte seine Schafe.

Bewahren: Sie also deine Wächter sind, die sich um dich lagern, wenn du schläfst, das ist: Lass sie nie mehr aus deinem Herzen kommen.

Gespräch seien: Mit dem du stets umgehst und sie bedenkst.

23. Denn das Gebot ist eine Leuchte und das Gesetz ein Licht; und die Strafe der Zucht ist ein Weg des Lebens,

Gebot: Nämlich Gottes Wort, welches uns durch die Eltern oder Prediger vorgehalten wird.

Licht: Welches uns leuchtet, dass wir uns nicht stoßen noch fallen, das ist, damit wir Gott nicht erzürnen und darüber zu Grunde gehen.

Lebens: Das ist: Die Lehre des göttlichen Wortes führt uns auf den Weg zum ewigen Leben. (Denn wir können dem Gesetz Gottes nicht vollkommen nachkommen, darum wird aus dem Gesetz auch niemand gerecht. Wenn wir jedoch durch den Glauben aus Gnaden gerechtfertigt sind, so sollen wir in dem Gehorsam der Gebote Gottes gehen, so viel uns in der Schwachheit unseres Fleisches immer möglich ist, auf dass wir nicht von neuem wieder aus der Gnade Gottes fallen.)

24. auf dass du bewahrt werdest vor dem bösen Weibe, vor der glatten Zunge der Fremden.

Bewahrt: Denn das lehren und leisten die Gebote Gottes, nämlich, wie man sich vor allen anderen Sünden, besonders aber vor der Unzucht hüten soll.

Fremden: Einer Hure oder Ehebrecherin, dass sie dich mit ihren glatten Worten nicht betrügt und in die Sünde stürzt.

25. Lass dich ihre Schöne nicht gelüsten in deinem Herzen und verfange dich nicht an ihren Augenlidern.

Augenlidern: Die dazu abgerichtet sind, dich zur unzüchtigen Liebe zu reizen. (Wir sollen darum die Augen von unzüchtigen schönen Frauen abwenden, damit unser Herz durch solch eine Fackel nicht entzündet wird und mit der Flamme der Unzucht brennt, welche danach schwer wieder zu löschen ist.)

26. Denn eine Hure bringt einen ums Brot; aber ein Eheweib sät das edle Leben.

Ums Brot: Die Huren bringen ihre Buhler in Armut, dass sie kein Brot mehr im Haus behalten. (Denn die Huren begehren ihre Liebhaber nicht bei Leben, Gut und Ehren zu erhalten, sondern sie vielmehr um diese zu bringen.) Dazu Luther: Wer sich von den Huren nährt und große Wagen fährt, dem ist Unglück beschert.

Edle Leben: Eine ehrliche Frau ist mit Fleiß darauf bedacht, ihres Ehemannes Güter zu vermehren, und ihn beim Leben eine lange Zeit frisch und gesund als ihren größten Schatz zu erhalten.

27. Kann auch jemand ein Feuer im Busen behalten, dass seine Kleider nicht brennen?

28. Wie sollte jemand auf Kohlen gehen, dass seine Füße nicht verbrannt würden?

29. Also geht es, wer zu seines Nächsten Weib geht; es bleibt keiner ungestraft, der sie berührte.

Bleibt: Luther: Denn ein Ehebrecher wird nach dem göttlichen Gesetz an Leib und Leben bestraft.

Berührt: Wer eines anderen Frau unzüchtig berührt, der wird vor Gott nicht unschuldig sein, sondern wegen solch einer Sünde schwer bestraft werden. (Welche darum sich zu fremden Frauen halten, wenn sie es auch noch so heimlich tun, sollen doch wissen, dass sie Feuer im Busen halten und auf Kohlen gehen, und solche bösen Stücke werden nicht ungestraft bleiben, sie werden im ewigen Feuer dafür büßen müssen, wenn ihr Unrecht nicht gleich in dieser Welt an den Tag kommen sollte. Dass aber Salomo sooft von der Unzucht ermahnt, war eben ohne Zweifel deswegen eine Anleitung, weil zu seiner Zeit, da es in der Regierung gut stand, guter Friede und überall Überfluss, viele Leute aus fleischlicher Sicherheit in Unzucht geraten sind. Denn unsere Natur ist so verdorben, dass wir die guten Gaben Gottes schändlich missbrauchen. Und es soll die Kirche solche Laster am allermeisten strafen.

30. Es ist einem Diebe nicht so große Schmach, ob er stiehlt, seine Seele zu sättigen, weil ihn hungert.

Schmach: Ein Dieb, der stiehlt, weil ihn der Hunger quält, hat nicht so große Schmach als wenn einer Ehebruch begeht.

31. Und ob er begriffen wird, gibt er‘s siebenfältig wieder und legt dar alles Gut in seinem Hause.

Alles Gut: Nach den alten Gesetzen soll der Diebstahl siebenfältig wiedererstattet werden. Der ganze Hausrat und sein gesamtes Gut dienen notfalls als Schadenersatz. Das kann bei einem Ehebruch aber nicht geschehen. Da kann der Ehemann der geschändeten Frau mit Geld nicht versöhnt werden. (Es ist aber im Gesetz geboten gewesen, dass der Diebstahl fünffach, oder vierfach, oder auch häufig nur doppelt erstattet werden soll. Dieses bezieht sich auf Tiere, die man gestohlen hat. Darum glaube ich, dass man siebenfältig wiedergeben muss, wenn einer Geld oder Kleider gestohlen hat. Jener Diebstahl wurde darum härter bestraft, weil er leichter verborgen bleiben kann.)

32. Aber der mit einem Weibe die Ehe bricht, der ist ein Narr, der bringt sein Leben ins Verderben.

33. Dazu trifft ihn Plage und Schande, und seine Schande wird nicht ausgetilgt.

Nicht ausgetilgt: Das ist: Der Ehebrecher legt sich selber die Schlinge um den Hals, dass er am Leben bestraft wird, und dazu einen schlechten Ruf in dieser Welt hinterlässt, dass er wegen seines begangenen Ehebruchs gesteinigt wurde. Denn das war der Ehebrecher und Ehebrecherinnen Strafe, dass sie mit dem Leben büßen mussten, aber der Diebstahl wurde nicht mit dem Leben bestraft. (Heute wird der Diebstahl hart, und der Ehebruch nicht mehr bestraft. Wir sollten aber viel mehr die Ehrbarkeit, als den Nutzen betrachten.)

34. Denn der Grimm des Mannes eifert und schont nicht zur Zeit der Rache

Eifert: Wenn der Ehemann erfährt, dass seine Frau einen Ehebruch begangen hat, so wird er in großem Eifer um Rache schreien und begehren, dass man den Ehebrecher mit der Ehebrecherin bestraft.

35. und sieht keine Person an, die da versöhne, und nimmt‘s nicht an, ob du viel schenken wolltest.

Viel schenken wolltest: Er wird sich mit dir als einem Ehebrecher nicht versöhnen wollen, gleichwie viel Gut oder Ehre du ihm anbietest. (Obwohl nun ein frommer Ehemann mit gutem Gewissen seiner Frau einen begangenen Ehebruch, je nach Umstand, verzeihen kann, wo sonst keine Hoffnung vorhanden, dass sie zukünftig keusch und züchtig leben werde, so soll jedoch, wenn jemand auf die Zucht seiner Frau nicht traut, und wesentlich zu seines Weibes Ehebruch die Augen verschließt, weil er hofft, einen Gewinn davon zu haben, solch einer ernstlich bestraft werden, denn der ist kein Ehemann, sondern ein Hurenwirt.)


Das 7. Kapitel


Hier wird erzählt wie man zu Hurerei und Ehebruch gereizt wird, und wie man sich davor hütet.

1. Mein Kind, behalte meine Rede und verbirg meine Gebote bei dir!

Bei dir: Was ich dich aus Gottes Wort lehre, damit du dein Leben danach richtest und bewahrst meine Gebote als den allerbesten Scherz.

2. Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und mein Gesetz wie deinen Augapfel.

Leben: Du wirst glücklich sein und nicht in den ewigen Tod geraten, wenn du mir folgst.

Augapfel: Dass du nicht dagegen sündigst und es übertrittst.

3. Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens!

Herzens: Fasse sie so in dein Gemüt, als wären sie dir ins Herz geschrieben, auf einen Zettel oder an einen Finger gebunden, damit du sie immer vor Augen hast. (So sollen wir das Gesetz Gottes stets betrachten, und dieses nie vergessen, so werden wir uns vor viel und großen Sünden hüten können.)

4. Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin,

Freundin: Liebe die Weisheit, die in Gottes Wort vorgelegt wird, nicht anders als deine allerliebste Schwester oder Freundin, dass du sie nie verlässt oder verachtest.

5. dass du behütet werdest vor dem fremden Weibe, vor einer andern, die glatte Worte gibt.

Fremden Weibe: Vor einer Hure oder Ehebrecherinnen, die der Unzucht nachgeht und nicht deine Frau ist, daher wird sie auch eine Fremde oder Ausländische genannt.

Glatte Worte: Die sich wunderbar bei dir einzuschmeicheln weiß. (Denn wenn wir nicht mit dem Wort Gottes verwahrt sind, so werden wir den Reizen der Welt und den Stricken des Teufels nicht entgehen.)

6. Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter und sah unter den Albernen

Denn: Salomo setzt ein Beispiel dazu, von einem jungen Mann, der sich von einer unzüchtigen Frau betören lässt. Beschreibt hier, welche Kraft die Augen haben.

Albernen: Das ist: Die unverständigen und unvorsichtigen jungen Burschen, die auf der Straße gut gekleidet und herausgeputzt spazieren gehen, um den Mädchen zu gefallen.

7. und ward gewahr unter den Kindern eines närrischen Jünglings,

närrischen Jünglings: Der Gottes Wort nicht achtet, wie es der Ausgang nachher bezeugt.

8. der ging auf der Gasse an einer Ecke und trat daher auf dem Wege an ihrem Hause,

Ecke: Er geht Schritt für Schritt? Auf der Straße und um die Ecke, bis er vor ihr Haus kam.

9. in der Dämmerung, am Abend des Tages, da es Nacht ward und dunkel war.

Dunkel war: Denn solche nächtlichen Vögel lassen sich am Tage nicht oft sehen. Besonders wer Böses tut, der hasst das Licht.

10. Und siehe, da begegnete ihm ein Weib im Hurenschmuck, listig,

listig: Die Gelegenheit zum Ehebruch nutzte.

11. wild und unbändig, dass ihre Füße in ihrem Hause nicht bleiben können.

Nicht bleiben: Was aber solch umherschweifende Frauen sind, denen das Haus zur eng ist, die sind selten keusch.

12. Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse und lauert an allen Ecken.

Allen Ecken: Sie wartet an allen Orten, ob sie einen in ihr Haus bringen kann, mit dem sie Ehebruch treibt.

13. Und erwischte ihn und küsste ihn unverschämt und sprach zu ihm:

Unverschämt: Dass sie sich als unzüchtige Frau gar nicht schämt.

14. Ich habe Dankopfer für mich heute bezahlt, für meine Gelübde.

Gelübde: Das ist: Ich hatte Gott versprochen, dass ich ihm zur Dankbarkeit opfern wollte, was ich heute verrichtet habe, darum habe ich ein fröhliches Gastmahl zugerichtet. Denn es war damals der Brauch, dass man nach erbrachtem Opfer, besonders aber, wenn es Dankopfer waren, ein Fest anzurichten pflegte.

15. Darum bin ich herausgegangen, dir zu begegnen, dein Angesicht frühe zu suchen, und habe dich gefunden.

Gefunden: Den ich mir besonders zu einem allerliebsten Gast vor allen anderen gewünscht habe. (Hier wird die Art der gottlosen Leute gezeigt, welche, damit sie nicht als solche angesehen werden, die sie sind, sich zum allgemeinen Gottesdienst halten, damit sie nicht für die allerschlimmsten gehalten werden. Kaum wenn sie aber aus der Kirche kommen, so wenden Sie sich sofort ihrer Bosheit zu und wälzen sich in den Schlamm der Sünden, gerade als ob Gott solches leiden könnte, dass sie zugleich ihm und seinem Widersacher dem Teufel dienen.)

16. Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Teppichen aus Ägypten.

Aus Ägypten: Wie man sie aus Ägypten bringt, wo die schönsten gemacht werden.

17. Ich habe mein Lager mit Myrrhen, Aloes und Zinnamen besprengt.

Besprengt: Ich habe das Bett mit wohlriechenden Sachen schön gemacht.

18. Komm, lass uns genug buhlen bis an den Morgen und lass uns der Liebe pflegen;

19. denn der Mann ist nicht daheim, er ist einen fernen Weg gezogen;

Fernen Weg: Um seine Geschäfte zu verrichten.

20. er hat den Geldsack mit sich genommen; er wird erst aufs Fest wieder heimkommen.

Fest: Die vornehmsten Feste waren das Oster-, das Pfingstfest und das Fest der Laubhütten.

Heimkommen: Darum brauchst du dich nicht fürchten, dass du erwischt werden könntest.

21. Sie überredete ihn mit vielen Worten und gewann ihn ein mit ihrem glatten Munde.

Gewann: Dass er in den Ehebruch einwilligte, obwohl er zuvor, da er vor ihrem Hause ging, sich dieses noch nicht vorgenommen hatte, dass er einen Ehebruch mit ihr begehren wollte. (Wer darum seine Zucht und Keuschheit zu erhalten begehrt, der meide verdächtige Örter und der unzüchtigen Leute glatte Worte. Denn es geschieht oft, wenn ein Mensch die Gelegenheit zum sündigen bekommt, dass er solche Dinge tut, die ihm niemals zuvor in den Sinn gekommen sind.

22. Er folgte ihr bald nach; wie ein Ochs zur Fleischbank geführt wird und wie zur Fessel, da man die Narren züchtigt,

züchtigt: Das ist: Da der närrische Jüngling von der Ehebrecherin in ihr Haus geführt wurde, geschieht es so, wie wenn ein Ochse in das Schlachthaus geführt, oder ein Übeltäter zum Gefängnis, wo er in Ketten gelegt wird. Denn welche sich von den Huren verführen lassen, die gehen dem ewigen Tod entgegen und sind sich selbst nicht mächtig, sondern werden von ihnen so betört, als wären sie der Huren leibeigene Knechte und Sklaven.

23. bis sie ihm mit dem Pfeil die Leber spaltete, wie ein Vogel zum Strick eilt und weiß nicht, dass ihm das Leben gilt.

Spaltete: Das ist: Bis sie mit ihren Schmeichelworten sein Gewissen tödlich verwundet, dazu seinen Leib und Seele mit dem Gift der Unzucht verdirbt. Denn es wird von ihr gesagt, dass sie die Leber spaltet und nicht das Herz, weil durch die unzüchtige Liebe die Leber von allen Gliedern am meisten entzündet und verdorben wird.

Leben gilt: Denn in dem die Hurer zur Unzucht eilen, so stürzen sie sich in Leibes und in Gefahr der Seele.

24. So gehorcht mir nun, meine Kinder, und merkt auf die Rede meines Mundes.

Rede: Damit ich euch treu mahne und vermahne, auf dass ich euch erhalte.

25. Lass dein Herz nicht weichen auf ihren Weg und lass dich nicht verführen auf ihre Bahn!

Nicht weichen: Dass es sich zur Unzucht neige und du deinen Leib und deine Seele damit befleckst.

26. Denn sie hat viele verwundet und gefällt, und sind allerlei Mächtige von ihr erwürgt.

Gefällt: Die Huren und Ehebrecherinnen haben auch viele tapfere und vornehme Männer betört und ins Verderben des Leibes und der Seele gestürzt. Hier meint Salomon die unzüchtigen Frauen allgemein, spricht aber nur von einer.

27. Ihr Haus sind Wege zur Hölle, da man hinunterfährt in des Todes Kammer.

Hölle: Das ist: Wer in das Haus einer Hure oder Ehebrecherin geht, der soll wissen, dass er auf einem solchen Weg geht, der zum Tode, ja zur Hölle und ewigen Verdammnis führt {1Kor 6}.


Das 8. Kapitel


Jesus der Sohn Gottes, welcher die Weisheit des Vaters ist, rühmt seine himmlische Lehre. Ab Vers 13. gibt er sich selbst zu erkennen, als der, von dem alles Gute kommt. Ab Vers 22 ermahnt er uns, dass wir seinem Wort folgen sollen.

1. Ruft nicht die Weisheit und die Klugheit lässt sich hören?

Hören: Die Stimme des Sohnes Gottes gehört in das Predigtamt des göttlichen Wortes. Denn es führt Salomon der Sohn Gottes, der die Weisheit des Vaters ist, selber ein, dass er redet und seine Lehre rühmt als Gottes Wort, welches auch die Weisheit ist, die da lehrt glauben, was wahrhaftig ist, und tun, was recht ist.

2. Öffentlich am Wege und an der Straße steht sie.

3. An den Toren bei der Stadt, da man zur Tür eingeht, schreit sie:

Eingeht: Wo viel Volk zusammenkommt, um einem gerichtlichen Prozess beizuwohnen. Als wollte er sprechen: Der Sohn Gottes gibt sein Wort überflüssig und reichlich, damit er die Menschen zur Buße ermahnt, dass sie die Torheit des gottlosen Wesens lassen sollen, und rechtschaffene Weisheit der Gottseligkeit annehmen, damit sich niemand entschuldigen kann, er hätte es nicht gewusst. Wir haben das Wort heute auch reichlich, darum sollen wir es mit Fleiß annehmen, dass wir es nicht zu unserem Gericht hören.

4. O ihr Männer, ich schreie zu euch und rufe den Leuten!

Schreie: Durch die Predigt meines Wortes.

Leuten: Die ich alle gerne selig machen möchte.

5. Merkt, ihr Albernen, den Witz; und ihr Toren, nehmt es zu Herzen!

Merkt: Lernt mein Wort, welches euch lustig machen kann in der Gottseligkeit.

Herzen: Werdet verständig, die ihr bisher in göttlichen Sachen unerfahren gewesen seid, lernt jetzt die richtige Weisheit, welche euch den Weg zur ewigen Seligkeit zeigen wird.

6. Hört, denn ich will reden, was fürstlich ist, und lehren, was recht ist.

Fürstlich ist: Ich will von großen wichtigen Sachen mit euch reden, die eurer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt dienlich sind.

Luther: Fürsten sollen löblich tun, reden und machen, dass man ihre Beispiele rühmt.

Recht ist: Ich will euch zeigen was recht, gottselig, ehrlich, nützlich und heilsam ist.

7. Denn mein Mund soll die Wahrheit reden, und meine Lippen sollen hassen, das gottlos ist.

Gottlos ist: Denn wie der Sohn Gottes uns in seinem Wort nicht betrügt, so ist für ihn alle falsche und betrügliche Lehre ein Gräuel, und darum mit größtem Fleiß zu meiden.

8. Alle Reden meines Mundes sind gerecht; es ist nichts Verkehrtes noch Falsches drinnen.

Gerecht: Es ist nichts Falsches und Verkehrtes in ihnen. Darum muss man sich umso mehr wundern, dass einige das Wort Gottes, welches in der Heiligen Schrift steht, so gering schätzen, dass sie etliche Sprüche aus heidnischen Schriften höher achten als ein ganzes Kapitel in der Bibel.

9. Sie sind alle gleich aus denen, die sie vernehmen, und richtig denen, die es annehmen wollen.

Gleichauf: Nicht krumm oder ungerade, noch dunkel und zweifelhaft.

Annehmen wollen: Die sich des Wortes Gottes mit Ernst annehmen, damit sie es lernen und verstehen, die werden erkennen müssen, dass es hell und klar ist. Darum machen die Katholiken es sehr übel, dass sie sich über etliche dunkle Stellen der Heiligen Schrift beklagen und ihre Zuhörer zu der Väter Satzungen oder Konzilien weisen. Dass sie nicht die schwer verständlichen Stellen der Schrift, sondern ihre Unwissenheit und Blindheit entschuldigen sollten. Und wenn auch an etlichen Orten in der Schrift etwas Unverständliches sein mag, so wird doch, so viel zur Seligkeit zu wissen nötig ist, uns in der Heiligen Schrift deutlich genug vorhalten.

10. Nehmet an meine Zucht lieber denn Silber und die Lehre achtet höher denn köstlich Gold.

Gold: Denn weil ich die wahrhaftigste, beste und heilsamste Lehre führe, so ist es doch verständlich, dass ihr meine Lehre mit größerem Verlangen aufnehmen solltet als Gold oder Silber.

11. Denn Weisheit ist besser denn Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.

Wünschen mag: Dass die Leute auf dieser Welt gerne haben.

Nicht gleichen: Darum sollen wir das Wort Gottes für den größten Schatz halten, viel mehr als alle zeitlichen Güter in den Wind schlagen, als das Wort Gottes fahren lassen.

12. Ich, Weisheit, wohne bei dem Witz und ich weiß guten Rat zu.

Guten Rat: Ich weiß dir den richtigen Weg zu zeigen, wie man zu der wahren Weisheit kommt.

13. Die Furcht des Herrn hasst das Arge, die Hoffart, den Hochmut und bösen Weg, und bin feind dem verkehrten Munde.

Arge: Wenn darum jemand Gott fürchtet, der wird den Lastern feind sein und der Lehre des Wortes Gottes folgen.

Bösen Weg: Einen gottlosen Wandel.

Verkehrten Munde: Welcher gottlose, verkehrte, schandbare und schädliche Dinge redet. Wer nun nicht dem Sohn Gottes ein Gräuel werden will, soll dem Stolz und Hochmut fliehen, und mit Fleiß nach der wahren Demut trachten, einen verkehrten Wandel lassen und auf den rechten Weg der Gebote Gottes gehen. Ungebührliche Reden, die einem frommen Christen übel anstehen, uns enthalten, reden was zur Ehre Gottes und des Nächsten Erbauung dient.

14. Mein ist beides, Rat und Tat; ich habe Verstand und Macht.

Rat und: Ich bin die Weisheit selber und kann anderen die rechte Weisheit und heilsamen Rat mitteilen. Was ich aus all meiner Weisheit erdenke, das kann ich nicht alles ausführen und auch anderen Kraft geben, dass sie ausrichten können, was sie durch meine Gnade und Güte verstehen.

15. Durch mich regieren die Könige und die Ratsherren setzen das Recht.

16. Durch mich herrschen die Fürsten und alle Regenten auf Erden.

Auf Erden: Das ist: Was sich in allen Regierungen und Herrschaften bei einer jeden Obrigkeit findet, was als weise, gerecht angesehen wird, das haben sie alles von dem Sohn Gottes, der des Vaters Weisheit ist.

17. Ich liebe, die mich lieben; und die mich frühe suchen, finden mich.

Finden mich: Das ist: Wenn mich jemand erkennt, mich und mein Wort liebt und um größeren Glauben und wahrer Erkenntnis Gottes ehrlich bittet, dann will ich ihn im Worte Gottes noch weiser und verständiger machen. (Denn wer da hat, dem wird gegeben {Mt 13}.

18. Reichtum und Ehre ist bei mir, wahrhaftig Gut und Gerechtigkeit.

Bei mir: Es steht in meiner Gewalt, Reichtum, Ehre, Güter, Macht und Weisheit zu geben, damit ein jeder in seinem Beruf treu ist. Und solche Gaben teile ich denen mit, die nach der rechten Weisheit trachten. Darum soll man auf diese Weisheit, die im Wort Gottes gebracht wird, allen möglichen Fleiß setzen.

19. Meine Frucht ist besser denn Gold und fein Gold und mein Einkommen besser denn auserlesen Silber.

Silber: Ein Mensch, der in dem Wort Gottes wohl unterrichtet ist, wird größeren Nutzen daraus haben als von den größten Schätzen und Einkommen dieser Welt. Denn aus dem Wort Gottes werden wir gelehrt, wie wir zur Seligkeit richtig an Jesus glauben und gottselig leben sollen, damit wir die Gnade Gottes nicht verscherzen.

20. Ich wandle auf dem rechten Wege, auf der Straße des Rechts,

21. dass ich wohl berate, die mich lieben und ihre Schätze vollmache.

Voll mache: Das ist: Ich gehe mit meinen Dienern um wie es recht, und dem Umstand gemäß ist. Das ich sie für Ihre guten Dienste reichlich belohne. Der aber ist wirklich richtig reich, welcher um Jesu Willen einen gnädigen Gott und Vater hat, und an dem, was ihm Gott beschert, sich begnügen lässt.

22. Der Herr hat mich gehabt im Anfang seiner Wege; ehe er was machte, war ich da.

Anfang: Da Gott anfing, die Welt zu erschaffen, war ich bei ihm. (Denn im Anfang war das Wort, das ist, der Sohn Gottes war vor Erschaffung der Welt, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort {Joh 1}. Denn es ist eben derselbe Sohn Gottes, welchen der Evangelist Johannes das Wort, und Salomon hier die Weisheit nennt. Besonders durch das allerweiseste und allermächtigste Wort Gottes ist alles erschaffen.)

23. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit, von Anfang vor der Erde.

Eingesetzt: Dass ich in der Welt herrschen soll nach dem 2. Psalm: Ich habe dich zu meinem König eingesetzt.

Vor der Erde: Da war ich bereits beim Vater.

24. Da die Tiefen noch nicht waren, da war ich schon bereitet, da die Brunnen noch nicht mit Wasser quollen,

25. Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln war ich bereitet.

26. Er hatte die Erde noch nicht gemacht, und was dran ist, noch die Berge des Erdbodens.

Dran ist: Das ist: Was später aus der Erde gewachsen ist, wie Bäume, Gras und Kraut. (Weil danach die Weisheit Gottes da ist: Der Sohn Gottes ist vor allen Kreaturen gewesen, und vor dem sonst nichts gewesen ist, denn nur der einige ewige Gott, so kann man gewiss sein, dass der Sohn Gottes ewiger wahrer Gott ist, und ein Wesen mit dem Vater und dem Heiligen Geist.)

27. Da er die Himmel bereitete, war ich dort; da er die Tiefe mit seinem Ziel verfasste,

verfasste: Dass das Meer nicht aus dem ihm gesteckten Ziel schreitet.

28. da er die Wolken droben festete, da er festigte die Brunnen der Tiefe,

Festete: Das ist: Dass sie nicht auf die Erde fallen und es ohne seinen Willen regnen lassen.

Brunnen: Damit sie sich nicht mit einmal öffnen und überlaufen, mit Wasser, alles überschwemmen, wie es später zur Strafe in der Sintflut geschehen ist.

29. als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,

30. da war ich als sein Liebling (Werkmeister) bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm immer;

Liebling: (Werkmeister: Dass er durch mich alles aufs Beste gemacht und geordnet hat. (Weil der Sohn Gottes bei der Schöpfung der Welt mit dem Vater der Werkmeister (Liebling) gewesen ist, die Schöpfung aber allein des ewigen Gottes Werk ist, so ist gewiss, dass der Sohn Gottes ewiger wahrer Gott ist und ein Wesen mit dem Vater und dem Heiligen Geist.)

Lust: Da ich mit dem Vater alles schuf.

Spielte: Mit der wunderbaren Erschaffung aller Dinge.

31. ich spielte auf seinem Erdkreis (Erdboden) und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

Erdkreis: (Erdboden: Durch die Schöpfung und deren herrliche Werke kann mich jedermann erkennen, wenn er auf die Sachen, die in der Natur geschehen, fleißig achtet. Die Weisen der Heidenvölker haben an den Werken der Natur erkannt, dass hier ein Schöpfer am Werk gewesen ist. Keine andere Theorie der neuen modernen Wissenschaft konnten das nicht widerlegen.

Menschenkindern: An denen ich mein Wohlgefallen habe, denn ihretwegen habe ich die Welt geschaffen, die ich auch begehre selig zu machen. Darum habe ich selber menschliche Natur an mich genommen und habe unter ihnen gelebt. In der Summe, es freut mich, wenn ich dem menschlichen Geschlecht viele und große Guttaten erzeigen soll. Darum sollen wir auf den Sohn Gottes, der das menschliche Geschlecht so sehr liebt, all unser Vertrauen setzen. Denn wer an ihn glaubt, der wird nie mehr zuschanden werden.

32. So hört (gehorcht: nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten (behalten)!

Hört: (gehorcht) Als der Sohn Gottes, der ich euch durch mein Wort lehre, welches die rechte Weisheit ist.

Einhalten: (behalten) Die an mich glauben und nach meinem Wort gottselig leben.

33. Hört die Mahnung (Zucht: Und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind!

Mahnung: Meine Lehre, die ich euch vortrage.

Werdet weise: In den göttlichen Geheimnissen.

34. Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore!

Gehorcht: Dass er mir folgt und an mich glaubt.

Täglich: Dass er mein Wort mit Fleiß hört und es zu hören ein großes Verlangen hat.

35. Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN.

Wohlgefallen: Das ist: Der soll wissen, dass er Gott, meinem himmlischen Vater, angenehm sei und das ewige Leben erlangen wird, der durch das Predigtamt des göttlichen Wortes mich erkennt und an mich glaubt, und auch in meinem Gehorsam sich ergibt.

36. Wer aber mich verfehlt (an mir sündigt:, zerstört sein Leben (Seele); alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Leben: (Seele) Denn wer das Wort Christi verwirft und diesem widerstrebt, der hat seiner Seele übel getan.

Den Tod: So viel sich auch wieder mich setzen, die tun nichts anderes, als dass sie vorsätzlich und aus freiem Willen über sich selbst Trübsal und den ewigen Tod bringen. Weil wir allein durch den Glauben an den Sohn Gottes selig werden, jedoch nicht in der Gnade Gottes bleiben, wenn wir uns nicht unter den Gehorsam von Jesus stellen. Darum lasst uns Jesus hören, der uns das Predigtamt lehrt, und ihm Gehorsam leisten, so werden wir in seiner Erkenntnis zunehmen und endlich das ewige Leben erlangen.


Das 9. Kapitel


Hier wird mit versteckten Worten angezeigt, wie fleißig der Sohn Gottes sich eine Kirche baut. Danach wird die Furcht Gottes gerühmt. Weiter werden die Reizungen der Unzucht beschrieben und dass wir uns davor hüten sollen.

1. Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen.

Ihr Haus: Die christliche Kirche, welche Gottes Haus ist {Eph 2}. Und durch das Predigtamt versammelt und erhalten wird.

Sieben Säulen: Damit dieses Haus unterstützt wird: Gott gibt seiner Kirche vortreffliche Lehrer, welche Säulen genannt werden {Eph 2}. Er gibt ihnen genug Säulen, denn das bedeutet die Zahl sieben als eine Zeit der Vollkommenheit. Und es wird hier von der Kirche geredet, wenn es darin wohl und gut zugeht. Obwohl sie meistens wenig gute und reine Lehrer hat.

2. Sie hat ihr Vieh geschlachtet, trug ihren Wein auf und bereitet ihren Tisch

Wein auf: Das ist: Sie legt die Schrift aus zum Erkennen, als einen voll zubereiteten Tisch, dass wir unsere Seelen davon speisen und erquicken sollen. Denn die Heilige Schrift wird mit einem wohl zubereiteten Tisch verglichen, mit vielerlei Speisen zur Labung der Seelen {Ps 23}.

3. und sandte ihre Dirne (Mägde: aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt:

Dirne: Salomo gibt der Weisheit ihre Mägde dazu, die sie ausschickt, die Leute zu laden. Dadurch werden die Prediger verstanden, welche vermahnen, dass man die Kirchen als himmlische Paläste besuchen und das Wort Gottes darin hören soll.

4. Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!, und zum Toren (Narren) spricht sie:

Wer: Dies sind die Worte der Einladung, damit die Weisheit die Leute durch ihre Diener zu der himmlische Mahlzeit des göttlichen Wortes berufen lässt.

Toren: Wer im Wort Gottes noch keinen Unterricht hat und von göttlichen Sachen nichts weiß, der komme in die Kirche und höre die Predigten des göttlichen Wortes, auf dass er mit einer solchen himmlischen Speise seiner Seele labe.

5. Kommt, esset von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe!

6. Verlasset die Torheit (albern Wesen:, so werdet ihr leben, und geht auf dem Wege der Klugheit.

Torheit: Legt die Unwissenheit von Gott ab und die Bosheit des Lebens, gehorcht dem Wort Gottes, so werdet ihr das ewige Leben erlangen. Solche lieblichen und heilsamen Ermahnungen des Sohnes Gottes, die durch die Prediger geschehen, sollen wir nicht verachten, sondern uns dem Sohn Gottes ergeben, damit er uns unterweise und führe. Man muss es aber auch nicht so verstehen, dass nur die das Wort Gottes hören müssen, welche bisher nichts davon wissen. Denn auch die, die schon einen guten Anfang darin haben, und weit fortgeschritten sind, können von Tag zu Tag mit dem Wort Gottes in der himmlischen Weisheit zunehmen.

7. Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Gottlosen zurechtweist, holt sich Schmach.

Wer: Jetzt lehrt Salomo, was das für Leute sind, an denen die Kirchendiener Fleiß und Mühe vergebens anwenden.

Spötter: Sich untersteht einen verkehrten Menschen, der das Wort Gottes verlacht, aus dem Wort Gottes zu strafen, der bringt nichts anderes davon, als dass er von ihm verschmäht wird und Übles erfährt. Luther: Denn die Welt will ungestraft sein.

Schmach: Er wird nichts anderes gewinnen, als dass der Gottlose seinen guten Namen beschmutzen wird.

8. Rüge nicht den Spötter, dass er dich nicht hasse; rüge (strafe) den Weisen, der wird dich lieben.

Spötter: Das ist ein Verächter Gottes und der Religion. Luther: Spötter nennt Salomo alle Verächter und Widerspenstigen der Wahrheit.

Nicht hasse: Wenn du den Spötter zum Guten ermahnen willst, läuft es darauf hinaus, dass er dich in Gefahr bringt, wo doch keine Hoffnung vorhanden ist, dass er bekehrt werden könnte. Denn man soll die nicht strafen, welche sich nicht weisen lassen wollen, weil wir damit nicht nur Ihnen nicht nutzen, sondern uns selber dazu in Gefahr bringen. Darum sagt Jesus: Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, noch eure Perlen vor die Säue werfen, auf dass sie die selbigen nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen {Mt 7}.

Weisen: Das ist: Bei den gottseligen und Frommen, die im Wort Gottes einen guten Unterricht haben, bei denen wird deine Arbeit gut angelegt sein.

Lieben: Obwohl auch die Frommen häufig die ernstliche Vermahnung ungern hören, wenn sie die Sache jedoch bedenken, so lieben sie dieselben, von welchen sie gestraft worden sind.

9. Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen.

Zunehmen: Das ist: Wenn der Weise, der aus dem Worte Gottes unterrichtet wurde, und der Gerechte, der an Jesus glaubt, aus dem Worte Gottes gelehrt und erinnert wird, so nehmen sie in der Erkenntnis und Gottseligkeit immer weiter zu. Darum soll niemand glauben, er wisse alles, er habe nichts weiter mehr zu lernen.

10. Der Weisheit Anfang ist die Furcht des HERRN, und der Verstand lehrt, was heilig ist.

Furcht: Das ist: Wer die rechte heilsame Kunst und Weisheit zu bekommen begehrt, der fürchte Gott nach seinem Wort und Geboten, und meide, was Gott verboten hat, indem er es für Sünde halte, glaubt aber an Gott, und ist ihm gehorsam.

Heilig: Das ist: Die rechte Weisheit die aus dem Wort Gottes genommen ist, lehrt uns, dass wir wissen können, was heilig ist oder nicht. Darum sind die Werke, die von Menschen erdacht wurden, keine heiligen Werke, wie die Heuchler meinen. Die himmlische Weisheit lehrt uns von solchem Narrenwerk nichts.

11. Denn durch mich werden deine Tage viel werden und die Jahre deines Lebens sich mehren. (sich mehren) Das ist: Wer dem Wort Gottes glaubt und diesen folgt, der wird mit einem langen Leben begabt werden und wird nach diesem Leben in Ewigkeit leben. Darum achtet auf mich, spricht die Weisheit des göttlichen Wortes, welche an diesem Ort als eine besondere Person eingeführt wird.

12. Bist du weise, so bist du‘s dir zugut; bist du ein Spötter, so musst du‘s allein tragen.

Dir zugut: Wenn du dich bemühen wirst, das Wort Gottes zu lernen und darauf zu achten, dass du dein ganzes Leben danach führst, so wird es dir viel Nutzen bringen.

Spötter: Ein Verächter Gottes und seines Wortes.

Tragen: Du wirst wegen solch einer Verachtung gestraft. Denn es wird ein jeder seine Last tragen {Gal 6}. Der Nutzen und der Schaden ist dein. Darum kannst du jetzt wählen, ob du weise und selig sein willst, oder ein Spötter und verdammt werden. Luther: Du wirst nicht mich deinen Lehrer, den du verspottest, sondern dich selbst am meisten betrügen und dir schaden.

13. Frau Torheit ist ein unbändiges Weib, verführerisch, und weiß nichts von Scham.

Ist ein: Es folgt wiederum eine Ermahnung an die Jugend, dass sie sich vor der Unzucht hüten soll. Die Jugend ist dazu sehr geneigt und leicht in eine unehrliche Liebe vernarrt.

Unbändiges Weib: Die nicht ruhig sein kann, noch in gutem Zustand verrichten kann, was ihr eigentlich zusteht.

Weiß nichts: Vom Worte Gottes.

14. Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt,

Tür: Sie sollte besser im Hause ihre Arbeiten verrichten.

Stadt: An einem öffentlichen Ort, wo viele Leute vorüber gehen.

15. einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln

Wandeln: Das ist: Sie untersteht sich auch die, die richtig gehen, zu betören und in unzüchtige Liebe zu verwickeln.

16. «Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!», und zum Toren spricht sie:

Hier ein: Zu mir: Denn sie lädt am allermeisten die, welche vom Worte Gottes nicht unterrichtet werden wollen, diese lockt sie mit ihren Schmeichelworten an sich.

17. «Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.»

Schmeckt fein: Das ist: Sie redet den Unverständigen ein, dass die heimliche Liebe, welche die Hurer und Ehebrecher miteinander treiben, viel schöner ist als die ordentliche Ehe. Hurer und Ehebrecher vertretenen die Meinung, dass man vom Ehestand Abstand nehmen solle, weil sie solch ein unordentliches Leben lieben. Die ordentliche Ehe ist aber gut und schön, weil sie das Gewissen nicht belastet. Fromme Eheleute wissen, dass sie mit einer ordentlichen Ehe Gott gefallen.

18. Er weiß aber nicht, dass dort nur die Schatten der Toten wohnen, dass ihre Gäste in der Tiefe (Hölle) des Todes hausen.

Hölle: Das ist: Ein Unverständiger gibt zwar den glatten Worten einer Hurer Beifall und kehrt bei ihr ein, in der Meinung, dass er ein gutes Leben mit ihr haben kann. Aber der elende Mensch bedenkt nicht, dass die, welche sich mit Huren und Ehebrecherinnen umgeben, schwere zeitliche Strafen über sich ziehen und mit dem Tod in die Hölle fahren. Denn diejenigen, die Hurerei treiben oder einen Ehebruch begehen, die geraten in Gefahr dieses zeitlichen Lebens und verlieren darüber das ewige, dass sie also anstatt einer kurzen Wollust, mit der sie sich im Hause einer Hure belustigen, die ewige höllische Pein empfinden und leiden müssen.


Das 10. Kapitel


Weil in den folgenden Kapiteln fast jeder Vers eine besondere Lehre in sich hat, so kann man sie in der Summe nicht zusammenfassen, man müsste sonst alles von Wort zu Wort erzählen oder viel auslassen. Der Text wird den Inhalt für sich selbst aussagen.

1. Dies sind die Sprüche Salomos. Ein weiser Sohn ist seines Vaters Freude; aber ein törichter Sohn ist seiner Mutter Grämen.

Freude: Fromme Kinder, die in der wahren Erkenntnis Gottes unterrichtet sind, erfreuen ihre Eltern, die dagegen, die gottlos und übel erzogen wurden, welche die Heilige Schrift Toren nennt, machen den Eltern täglich Sorge. Darum sollen wir die Kinder in der Furcht Gottes erziehen und Gott bitten, dass er uns dabei behilflich ist, wenn wir einmal unsere Lust und Freude an ihnen haben möchten. Es sollen aber auch die Kinder sich Mühe geben, dass sie mit ihrer Gottseligkeit und Frömmigkeit die Eltern erfreuen.

2. Unrecht Gut hilft nicht; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode.

Hilft nicht: Weder für den zeitlichen noch den ewigen Tod. Wo viel Gut beieinander ist, ist es häufig so, dass man es entweder mit Unrecht erworben hat, oder aber, dass es diejenigen, die es besitzen, übel missbrauchen. Darum auch Jesus den Reichtum einen ungerechten Mammon nennt {Lk 16}.

Vom Tode: Wer durch den Glauben gerechtfertigt worden ist und aus solchem Glauben ein unsträfliches Leben führt, der wird dem ewigen Tode entgehen und auch in keine zeitlichen schrecklichen Strafen der Sünden fallen. Und wenn es sich dennoch so begeben sollte, dass er um der Gerechtigkeit Willen etwas leiden müsste, so wird ihn Gott solches im ewigen Leben reichlich vergüten. Darum muss man sich nicht darüber wundern, dass so viel Leute sich Mühe geben, Reichtum zu bekommen, geschehe es mit Recht oder Unrecht zusammenbringen, aber der wahren Gerechtigkeit so wenig nachstreben.

3. Der Herr lässt die Seele des Gerechten nicht Hunger leiden; er stürzt aber der Gottlosen Schinderei.

Leiden: Sondern wird den Frommen die notwendige Nahrung im Leben geben.

Schinderei: Jenen, die durch anderer Leute Schaden denken, reich zu werden, denen zerschlägt Gott es, dass sie in Armut geraten. Wenn jemand verständig wäre, sollte er viel lieber der Frömmigkeit nachstreben als sich der Bosheit befleißigen. Obwohl Gott häufig diese Ordnung umkehrt, dass die Frommen Mangel leiden und die Bösen Überfluss haben, so hat es doch auf Dauer keinen Bestand. Die Frommen dürfen die Früchte ihrer Frömmigkeit in der Ewigkeit genießen.

Luther: Dadurch sie mit anderer Leute Schaden reich werden.

4. Lässige Hand macht arm; aber der Fleißigen Hand macht reich.

Lässige Hand: Das ist: Die in ihrem Beruf voll und schläfrig sind und diesem nicht ordentlich nachkommen, die werden ein ihrer zeitlichen Nahrung Mangel spüren.

Macht reich: Die ihrem Beruf fleißig nachkommen, werden von Gott gesegnet, so dass sie genügend Nahrung haben und ihre Güter sich mehren.

5. Wer im Sommer sammelt, der ist klug; wer aber in der Ernte schläft, wird zuschanden.

Ist klug: Und er bringt für sich und sein Haus die nötige Nahrung zusammen, weil er Zeit hat und die Gelegenheit nicht versäumt. Solange er noch bei den Kräften seines Leibes ist, dass er durch die Arbeit seines Berufes etwas erwerben kann, ist das der richtige Zeitpunkt. Es ist auch die Zeit der Ernte, wenn uns Gott ein reiches Einkommen gibt, dass man solches zusammenhält und nicht unnütz verschwendet. Das beschwerliche Alter wird häufig mit dem Winter verglichen. Wer nun die Gelegenheit zu sammeln versäumt, der wird nachher Schande haben. Es wird uns aber hier nicht gelehrt, dass wir geizig sein sollen, sondern vorsichtig, damit wir unsere Familie ernähren, welches unser Amt ist.

Luther: Schande und Ehre nennt Salomo oft Armut und Reichtum, darum, dass wer reich ist, Ehre hat.

6. Den Segen hat das Haupt des Gerechten; aber den Mund der Gottlosen wird ihr Frevel überfallen.

Gerechten: Das ist: Die Frommen werden von Gott geliebt und Ruhe haben. Aber die Gottlosen, welche wider ihrem Nächsten böses Reden und handeln, werden ihrer Strafe finden. Denn Lästerungen, mit denen sie andere Leute beschweren, werden auf ihren Kopf fallen.

7. Das Gedächtnis der Gerechten bleibt im Segen; aber der Gottlosen Name wird verwesen.

Im Segen: Das ist: Die Frommen werden am Schluss einen ehrlichen und guten Namen haben. Abraham, Isaak, Jakob sind für uns Beispiele. Ein guter Name ist als eine gute Gabe Gottes zu rechnen.

Verwesen: Dass er nach seinem Tode stinkt, wie die Beispiele Kain, Pilatus und Herodes beweisen.

8. Wer weise von Herzen ist, nimmt die Gebote an; der aber ein Narrenmaul hat, wird geschlagen.

Gebote an: Das ist: Ein frommer und verständiger Mensch nimmt die Erinnerung mit Dank an. Aber ein Unverständiger, der sich nicht weisen lassen will, sondern nur gottlose Reden führt, bringt sich selber in Gefahr.

9. Wer unschuldig lebt, der lebt sicher; wer aber verkehrt ist auf seinen Wegen, wird offenbar werden.

Lebt sicher: Das ist: Wer mit aufrichtigem Herzen seinen Beruf ausrichtet und gottselig lebt, der ist ruhig und sicher und hat ein gutes Gewissen. Dieses ist eine große Gabe Gottes.

Offenbar: Wer unrecht handelt und mit Betrug umgeht, dessen Bosheit kommt einmal an den Tag und wird ihm öffentlich zur Schande, damit er für seine Bosheit die richtige Strafe empfange.

10. Wer mit Augen winket, wird Mühe anrichten; und der ein Narrenmaul hat, wird geschlagen.

Anrichten: Darum soll man sich vor solchen Menschen hüten, weil es verschlagene und tückische Leute sind. Diese haben anderes auf der Zunge als im Herzen, und was sie hören, das tragen sie sofort wieder aus. Sie handeln auch nicht aufrichtig damit, sondern geben hier noch einen Zusatz oder lassen dort etwas aus, verkehren das allermeiste. Wenn jemand aus Unvorsichtigkeit oder im Scherz etwas sagt, der wird sich in Gefahr stürzen. Darum soll man bei solchen Leuten mit den Reden behutsam sein.

11. Des Gerechten Mund ist ein lebendiger Brunn; aber den Mund der Gottlosen wird ihr Frevel überfallen.

Brunn: Das ist: Die Frommen und gottseligen Reden, was heilsam ist, und ihre Worte sind wie eine frische Quelle, durch welche die Leute erfrischt und erquickt werden. Darum soll man auf ihre Reden fleißig achten und ihren Ratschlägen folgen.

Überfallen: Die gottlosen Reden nur, was schädlich und nachteilig ist, welches ihnen zuletzt selbst begegnen wird.

12. Hass erreget Hader; aber Liebe deckt zu alle Übertretungen.

Hader: Denn welche ein neidisches und feindseliges Herz wieder den Nächsten tragen, diesen kann leicht eine Gelegenheit zustoßen, bei der sie einen Hader erregen und den Nächsten schmähen, seine Fehler ausschreien werden. Solches steht aber einem frommen Menschen übel an. Darum soll in unseren Herzen die Liebe zum nächsten Platz finden, dass sie die Mängel des Nächsten nicht ans Licht bringt. Luther: Liebe lässt sich nicht erzürnen.

13. In den Lippen des Verständigen findet man Weisheit; aber auf den Rücken des Narren gehört eine Rute.

Weisheit: Wer eine nützliche Lehre und guten Rat begehrt, der gehe zu einem frommen gottseligen Mann und höre ihm fleißig zu.

Rute: Das ist: Wer so dumm ist, sich selbst nicht helfen kann, noch sich beraten lässt, der wird Schläge davon tragen, so dass er mit Jammer und Not überfallen wird.

14. Die Weisen bewahren die Lehre; aber der Narren Mund ist nahe dem Schrecken.

Bewahren: Die Gottseligen halten die Lehre des göttlichen Wortes hoch und bewahren sie fleißig in ihrem Herzen als köstlichen Schatz. Darum handeln sie auch weise.

Schrecken: Das ist: Ein gottloser Mensch bringt sich selber mit seiner Bosheit in Gefahr.

15. Das Gut des Reichen ist seine feste Stadt; aber die Armen macht die Armut blöde.

16. Der Gerechte braucht seines Guts zum Leben; aber der Gottlose braucht seines Einkommens zur Sünde.

Zum Leben: Das ist: Der Fromme braucht seine Güter recht, die er mit seiner Arbeit erworben hat, damit sie ihm und anderen nützlich sind, damit er auch im anderen Leben solches genieße {Lk 16 Mt 25}.

Zur Sünde: Er missbraucht seine Güter, indem er umso mehr sündigt, daher wird er später auch schwerer gestraft werden. Es wäre ihm viel besser gewesen, wenn er nie Güter gehabt hätte, als dass er durch dessen Missbrauch größere Verdammnis auf sich lädt.

17. Die Zucht halten, ist der Weg zum Leben; wer aber die Strafe verlässt, der bleibt irrig.

Irrig: Das ist: Wer sich von dem Wort Gottes regieren lässt, der wandelt auf dem Weg der zum ewigen Leben und zur Seligkeit führt. Wer sich aber von dem Wort Gottes nicht weisen lassen will, der wird den Weg zur Seligkeit verfehlen. Luther: Es geht ihm nicht wohl.

18. Falsche Mäuler decken Hass; und wer verleumdet, der ist ein Narr.

Falsche: Luther: Der eine ermahnt seinen Bruder nicht wegen seiner Sünden, oder wo ihm ein Unglück begegnet sieht er es gerne. Der andere redet hinter dem Rücken des Nächsten und bessert auch niemand damit.

Decken: Die Leute, die mit zwei Zungen reden, verbergen ihren Groll und tragen heimlich Neid und unterstehen sich aber, den Unschuldigen Schaden zu tun. Einige aber können den Hass nicht verbergen, sondern fahren mit Schmähworten heraus und beschmutzen dem Nächsten seine Ehre.

19. Wo viel Worte sind, da geht es ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen hält, ist klug.

Ist klug: Das ist: Ein frommer Mensch soll seine Zunge mäßigen und im Zaum halten, damit er nicht alles erzählt, was ihm einfällt. Denn wer viel geredet, der lügt häufig oder bewirkt durch solche Sachen, dass der Nächste entweder beleidigt oder in seinem guten Namen verletzt wird. Es ist gewiss, dass ein geschwätziger Mensch viel unbedacht reden muss, darum auch oft sündigt, wo er die Zunge nicht halten kann. Wir Deutschen sagen: Wer viel redet, der lügt viel.

20. Des Gerechten Zunge ist köstlich Silber; aber der Gottlosen Herz ist nichts.

Silber: Darum soll man eines gottseligen Menschen Rede hochhalten und nicht in den Wind schlagen.

Ist nichts: Es ist nichts wert, sondern verkehrt, und es bringt ein solch gottloser Mensch keine guten und nützlichen Reden. Darum soll man solchen Leuten nicht zuhören, wenn man nicht ärger werden will. Böse Geschwätze verderben gute Sitten {1Kor 15}.

21. Des Gerechten Lippen weiden viele; aber die Narren werden in ihrer Torheit sterben.

Weiden: In geistlicherweise speisen sie viele Menschen und ihre Seelen mit der Lehre, damit sie zum ewigen Leben erhalten werden.

Narren: Das ist: Die Gottlosen, weil sie zu der rechten reinen Lehre keine Lust haben, sondern viel mehr in ihrer Bosheit bleiben wollen, werden so in den ewigen Tod kommen.

22. Der Segen des Herrn macht reich ohne Mühe.

Luther: Gott beschert, Gott berät.

Ohne Mühe: Denn wenn Gott die Seinen reich machen will, so macht er sie reich, indem sie sich nicht mit vielen Sorgen beladen müssen und mit großer Mühe Angst haben. Dass sie den Reichtum zusammenbringen, wie es die Gottlosen tun. Sondern es fließt den Frommen alles Gute zu, wenn sie in ihrem Beruf gottselig wandeln {Ps 127}.

23. Ein Narr treibt Mutwillen und hat‘s noch dazu seinen Spott; aber der Mann ist weise, der drauf merkt.

Merkt: Denn wenn gottlose Leute Übles tun, so bedenken Sie nicht, was für großes Unglück ihnen selbst und anderen Leuten geschieht, sondern lachen noch dazu und freuen sich, als wenn sie die Sache gut gemacht hätten. Aber wenn ein frommer Mensch etwas Unrechtes getan hat, so überlegt er und hält es gegen die Gebote Gottes, nämlich gegen Gottes Wort, und verbessert, was er falsch gemacht hat.

24. Was der Gottlose fürchtet, das wird ihm begegnen; und was die Gerechten begehren, wird ihnen gegeben.

Fürchtet: Weil er ein böses Gewissen hat, darf er dem Glück nicht trauen, will darum mit unlauteren Mitteln dem Unfall zuvorkommen. So meint er, dem Unfall zu entkommen, stürzt aber immer tiefer hinein.

Gegeben: Ein gottseliger Mensch ist sicher, von seinem himmlischen Vater alles Gute zu bekommen, weil er weiß, dass ihm Gott um Christi Willen gnädig und zugeneigt ist. Und wenn er das auch nicht sofort empfindet, so wartet er doch auf Hoffnung und wird nicht betrogen. Denn Hoffnung lässt nicht zuschanden werden {Röm 5}.

25. Der Gottlose ist wie ein Wetter, das überhin geht und nicht mehr ist; der Gerechte aber besteht ewig.

Geht: Obwohl es den Gottlosen eine Zeit lang gut geht, während es bei den Frommen langsam vorangeht, so werden sie doch endlich umkommen. Nach dem Unwetter der gottlosen Tyrannei scheint den Frommen die Sonne der Freuden.

Besteht: Die Frommen gehen nicht zugrunde, sondern bleiben unbeweglich wie ein starkes Fundament. Und wenn es auch häufig das Ansehen hat, als werden sie in dieser Welt gestoßen, so beharren sie doch im wahren Glauben und bleiben in der ewigen Erbschaft.

26. Wie der Essig den Zähnen und der Rauch den Augen tut, so tut der Faule denen, die ihn senden.

Essig: (Nach Luther) Wo lose Herren und Amtleute sind, da sehen die Augen nicht und beißen die Zähne nicht, es geht Zucht und Strafe unter.

Senden: Denn fahrlässige Leute, die ihren Beruf nicht fleißig ausüben, tun mehr Schaden als sie Nutzen bringen, den sie verrichten sollten. Gleichwie der Essig den Zähnen schadet und der Rauch den Augen wehtut. Darum soll man zum Predigtamt und in der weltlichen Regierung wie auch in der Haushaltung keine faulen und ungeschickten Leute brauchen, sondern solche, die verständig und fleißig sind.

27. Die Furcht des Herrn mehrt die Tage; aber die Jahre der Gottlosen werden verkürzt.

Mehrt: Das ist: Gott verlängert den Frommen das Leben, sofern es zu der Ehre Gottes und ihrer Seligkeit dienlich ist.

Verkürzt: Gott bricht den Gottlosen ihr Leben ab, bevor sie das Werk ausrichten, welches sie im Sinn haben. Es gibt darum keine bessere Arznei gegen den vorzeitigen Tod als die Gottseligkeit.

28. Das Warten der Gerechten wird Freude werden; aber der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein.

Freude werden: Das ist: Die Frommen werden endlich mit großen Freuden bekommen, was sie hoffen. Sie hoffen aber auf das ewige Leben.

Verloren sein: Denn es wird ihnen in diesem Leben nicht alles so gehen, wie sie es gern hätten, und wenn sie meinen, es werde ihnen nach diesem Leben das Glück auch bestehen, so werden sie in die ewige Pein fallen. Darum sollen die Frommen auf die wahre beständige Glückseligkeit mit Geduld warten und sich vor aller Bosheit hüten.

29. Der Weg des Herrn ist des Frommen Trotz; aber die Übeltäter sind blöde.

Trotz: Wer nach der wahren Gottseligkeit und einem guten Wandel trachtet, der ist stark genug und vor allem Unglück sicher. Welche aber in Sünden und Lastern leben, die werden von großem Unglück befallen. Darum sollen die Frommen einen guten Mut haben, die Gottlosen aber sollen zur Buße kommen, ehe sie zu Grunde gehen.

30. Der Gerechte wird nimmermehr umgestoßen; aber die Gottlosen werden nicht im Lande bleiben.

Umgestoßen: Denn Gott erhält die Frommen in diesem Leben, bevor er sie einmal in die ewige Freude und Herrlichkeit setzt.

Bleiben: Sondern Gott wird sie aus der Welt stoßen, plötzlich, wenn sie es am wenigsten erwarten.

31. Der Mund des Gerechten bringt Weisheit; aber das Maul der Verkehrten wird ausgerottet.

Bringt Weisheit: Die Frommen reden und bringen solche Sachen, die sie aus dem Worte Gottes gelernt haben, welches alles nützlich und heilsam ist.

Ausgerottet: Weil sie nur verkehrte und schlechte Dinge reden, darum werden sie für solche Bosheit gestraft.

32. Die Lippen der Gerechten lehren heilsam Ding; aber der Gottlosen Mund ist verkehrt.

Heilsam Ding: Denn die Frommen reden nicht allein, was gut ist, sondern wissen, dass ihre Rede für den Zuhörer angenehm und erbaulich ist.

Verkehrt: Obwohl sie manchmal die Wahrheit sagen, so tun sie es doch aus einem giftigen Herzen, so dass sie mit ihrem Ermahnen mehr Schaden als Nutzen.


Das 11. Kapitel


1. Falsche Waage ist dem Herrn ein Gräuel; aber ein völlig Gewicht ist sein Wohlgefallen.

Gräuel: Gott hasst jeden Betrug der im Gewicht, Maß und Aufteilung geschieht, und straft solche Betrüger. Denn wie Gott denen ein langes Leben verheißt, die in ihrem Beruf aufrichtig handeln, so gibt es keinen Zweifel, verkürzt denen das Leben, die den Nächsten betrügen, und lässt sie ihre Güter nicht genießen, die sie mit Unrecht und Betrug zusammengebracht haben. Es soll aber auch eine Regierung mit Fleiß darauf achten, dass sie solchen Betrügereien wehrt, damit sie nicht ungestraft bleiben, wenn sie um sich greifen. Gott wird einem ganzen Land Feind, wo Unrecht und Betrug nicht gestraft wird.

2. Wo Stolz ist, da ist auch Schmach; aber Weisheit ist bei den Demütigen.

Schmach: Welche wegen ihrer Gaben des Leibes oder des Gemüts oder auch anderer Güter überheblich werden und damit stolzieren, die können sich der Schmach weder enthalten noch mäßigen, dass sie anderen Leuten mit Worten oder Werken Verachtung oder Schaden zufügen. Diese bringen eine Unruhe in der Kirche wie auch im weltlichen Regiment oder der Haushaltung.

Demütigen: Welche demütig und mäßig zu leben versuchen, die sind anderen Leuten nicht lästig, sondern richten alles zum Frieden und zur Ruhe, woraus man die rechte gottseligen Weise derer erkennen kann, die in dem Wort Gottes gut unterrichtet sind. Wie es im Sprichwort lautet: Der ist Weise und wohl gelehrt, der alle Dinge zum Besten kehrt.

3. Unschuld wird die Frommen leiten; aber die Bosheit wird die Verächter verstören.

Leiten: Denn welche aufrichtig handeln und gottselig leben, die sind auf dem richtigen Weg, wo keine Gefahr ist, weil sie wissen, dass sie tun, was recht ist und Gott gefällt. Darum setzen Sie Ihr Vertrauen auf Gottes Schutz und erwarten den Segen ihrer Arbeit von Gott. Sie sind ruhig und zufrieden.

Verächter: Welche Gottes Wort mit verkehrtem Herzen übertreten, die verwickeln sich in Bosheit, indem sie mit List suchen, wie sie ihre Bosheit verbergen, stürzen sich aber dadurch ins Verderben.

4. Gut hilft nicht am Tage des Zorns; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode.

Des Zorns: Unter dem Tag des Zorns versteht der Apostel Paulus den Tag des jüngsten Gerichts {Röm 2}. Da wird kein Reichtum mehr helfen. Wer aber durch den Glauben an Jesus gerecht geworden ist, der wird von dem ewigen Tod befreit sein und die ewige Seligkeit ererben {Röm 3}. So nutzen auch in diesem zeitlichen Leben die Güter nichts, wenn Gott anfängt, das Unrecht zu strafen. Aber die Gerechten, die aus Glauben ein gottseliges Leben führen, die empfangen den göttlichen Schutz zur Belohnung ihrer Frömmigkeit wie Noah, Lot und andere.

5. Die Gerechtigkeit des Frommen macht seinen Weg eben; aber der Gottlose wird fallen durch sein gottloses Wesen.

Weg eben: Das ist: Wer der Seligkeit Gottes und einem ordentlichen Leben nachstrebt, der geht auf einem sicheren Weg, aber die Gottlosen fangen sich durch ihre eigene Bosheit und bringen sich in Gefahr und ins Verderben. Der Heilige Geist hat dieses kurz zuvor mit anderen Worten erklärt. Denn mit etlichen Sachen und viel Worten will er uns deutlich machen, dass wir uns der Frömmigkeit befleißigen und vom Wege der Gottlosen abweichen.

6. Die Gerechtigkeit der Frommen wird sie erretten; aber die Verächter werden gefangen in ihrer Bosheit.

Erretten: Es werden wohl auch fromme Menschen in Gefahr geraten können, doch wird Gott sie zur Belohnung ihrer Frömmigkeit daraus erretten, und ihre Redlichkeit und Unschuld wird an den Tag kommen.

Verächter: Welche Gottes Wort verachten und übertreten, die werden in ihrer Bosheit ergriffen und gestraft.

7. Wenn der gottlose Mensch stirbt, ist Hoffnung verloren; und das Harren der Ungerechten wird zunichte.

Wird zunichte: Das ist: Wenn der gottlose Mensch in seiner Bosheit stirbt, so kann man zu seiner Seligkeit wenig Hoffnung haben. Ein solch ungerechter Mensch hat keine Hoffnung, dass er von der ewigen Pein errettet werden kann. Denn nach diesem Leben ist kein keine Zeit mehr zur Buße, und es werden die in alle Ewigkeit Verdammten nie mehr zu Gnaden aufgenommen werden. Darum soll niemand seine Buße aufschieben, besonders weil die Stunde des Todes ungewiss ist.

8. Der Gerechte wird aus der Not erlöst und der Gottlose kommt an seine statt.

Seine statt: Das ist: Wenn das ganze Land gestraft wird, so errettet Gott die Frommen wunderbar und bringt sie aus der Gefahr, aber die Gottlosen lässt er jämmerlich umkommen.

9. Durch den Mund des Heuchlers wird sein Nächster verdorben; aber die Gerechten merken‘s und werden erlöst.

Verdirbt: Denn welche häufig sich als gute Freunde geben, die bringen diejenigen in große Gefahr, oder stürzen sie ganz ins Verderben, welche mit ihnen umgehen und sich nicht vorsehen. Aber ein frommer Mensch, der solche Leute aus der Anleitung des göttlichen Wortes kennen lernt, der weiß sich vor ihnen zu hüten und entgeht der Gefahr.

10. Eine Stadt freut sich, wenn es dem Gerechten wohlgeht; und wenn die Gottlosen umkommen, wird man froh.

Fehlgeht: Wenn es frommen und guten Leuten in einer Stadt gut geht, und andere fromme und gottselige Bürger solches sehen, so freuen Sie sich darüber, weil sie wissen, dass solche Leute im Regiment gebraucht werden. Genau wie es uns auch von Herzen freut, wenn die Gottlosen umkommen, weil solch ein schädliches Unkraut ausgerottet wurde, welches dem Regiment eine Last gewesen ist. Darum sollen wir es achten, dass fromme Leute uns viel mehr Glück wünschen und gönnen, als dass sie sich über unseren Untergang freuen.

11. Durch den Segen der Frommen wird eine Stadt erhaben; aber durch den Mund der Gottlosen wird sie zerbrochen.

Erhaben: Wenn die Frommen in der Regierung sitzen, so segnet Gott ihre gottseligen Ratschläge und bestätigt die Regierung. Wenn aber die Gottlosen die Regierung führen, so richten sie mit ihren bösen, verkehrten und schädlichen Ratschlägen ein Land zugrunde, und kehren das unterste nach oben. Darum soll man Gott fleißig um eine fromme Obrigkeit bitten.

12. Wer seinen Nächsten schändet, ist ein Narr; aber ein verständiger Mann stillt es.

Schändet: Luther: wer die Gebrechen des anderen gerne erzählt. Aber ein weiser Mensch deckt zu und entschuldigt es.

Narr: Ein gottloser Mensch. Denn solche pflegen andere zu beschmutzen und solche Sachen unter die Leute zu bringen, die den Nächsten zur Verachtung bringen. Aber wenn ein frommer und gottseliger Mensch etwas von seinem Nächsten weiß, das nicht zu loben ist, so schweigt er trotzdem und offenbart es nicht, es sei denn, ihn treibe die Not dazu. Darum sollen wir das Laster der Verleumdung meiden, damit wir nicht als gottlose Narren angesehen werden.

13. Ein Verleumder verrät, was er heimlich weiß; aber wer eines getreuen Herzens ist, verbirgt dasselbe.

Verrät: Wer gerne Märchen erzählt, kann keine Heimlichkeit verschweigen, darum soll man ihnen keine geheimen Sachen vertrauen.

Getreuen Herzens: Ein verständiger und gottseliger Mensch verbirgt heimliche Sachen bei sich selbst und breitet sie nicht aus.

14. Wo nicht Rat ist, da geht das Volk unter; wo aber viel Ratgeber sind, da geht es wohl zu.

Wohl zu: Wo nicht etliche fromme Leute in der Regierung sind, die gute Ratschläge zu geben wissen, da kann die Regierung nicht lange bestehen. Und wenn Gott solche Leute wegnimmt, so bedeutet das, der Untergang steht vor der Tür {Jes 3}. Wo aber der frommen und weisen Ratgeber viele sind, da wird die Regierung glücklich und gut dastehen. Denn viele Augen sehen mehr als eins.

15. Wer für einen andern Bürge wird, der wird Schaden haben; wer sich aber vor Geloben hütet, ist sicher.

Schaden haben: Weil er sich selber Mühe macht und sich in Gefahr begibt, denn wenn der Schuldiger nicht zahlt, muss er als Bürge zahlen.

Hütet: Dass er sich nicht aus Unverstand für einen anderen verbürgt, der wird viel ruhiger leben können. Hiermit will aber Salomo jenes Werk der christlichen Liebe nicht verbieten, dass man seinem Nächsten dienen und behilflich sein kann, sondern will, dass wir mit unserem Tun vorsichtig sind, und wohl zuvor betrachten, was wir für eine Last auf uns laden.

16. Ein holdseliges Weib erhält die Ehre; aber die Tyrannen erhalten den Reichtum.

Ehre: Eine verständige Frau geht mit der Haushaltung recht um und hilft, die Güter ihres Mannes mit Fleiß zu erhalten. Aber die Tyrannen gehen mit ihren Gütern, welche sie noch dazu mit Unrecht an sich gebracht haben, nicht mit der richtigen Bescheidenheit um, sondern mit Gewalt. So ist das erste zu loben und das andere des Tadelns wert.

Tyrannen: Luther: Eine fromme Frau erhält die Ehre, auch wenn sie nicht reich ist. Tyrannen trachten nach Gut und achten keiner Ehre.

17. Ein barmherziger Mann tut seinem Leibe Gutes; aber ein unbarmherziger betrübt auch sein Fleisch und Blut.

Gutes: Ein frommer Mensch achtet auf seine Gesundheit und quält seinen eigenen Leib nicht ohne Not oder mit übermäßiger Arbeit.

Und Blut: Ein grausamer Mensch schont auch seinen eigenen Leib nicht. Besonders die Geizigen, welche auch nicht genug essen, schwächen auch ihre Kräfte mit zu großer und stetiger Arbeit. So machen es auch viele Heuchler, die mit viel Fasten ihre und anderer Leute Gesundheit belasten, obwohl heutigen Tages der meiste Teil solcher Blender sich nur vor den Leuten so stellt, und sich im geheimen mit Speise und Trank wie die Sau mästet. Es will aber Gott, dass wir dem Leib seine Ehre erweisen sollen, damit wir in unserem Beruf die Geschäfte ordentlich verrichten können {Röm 13 Kol 2}.)

18. Der gottlosen Arbeit wird fehlen; aber wer Gerechtigkeit sät, das ist gewiss Gut.

Gottlosen: Unter welchen die Heuchler die größten sind.

Fehlen: Dass sie im anderen Leben keine Belohnung erwarten dürfen. Denn Gott ist ihrer Person feind.

Gut: Das ist: Der Frommen gute Werke, die sie aus einem gottseligen Herzen verrichten, will Gott in diesem und in jenem Leben belohnen {1Tim 4}.

19. Denn Gerechtigkeit fördert zum Leben; aber dem Übel nachjagen, fördert zum Tode.

Zum Leben: Wenn man aus dem Glauben ein gerechtes und gottseliges Leben führt, so hat man als Belohnung das ewige Leben zu erwarten. Wer aber ein gottloses Leben führt, der stürzt sich in den ewigen Tod. So verlängert auch die Gottseligkeit dies zeitliche Leben, gleichwie wiederum die Ungerechtigkeit solches verkürzt. Dieses muss man den Leuten sagen, denn die meisten meinen, sie werden in dieser Welt lange Glück haben, wenn sie sich mit Sünden und Lastern dieser Welt gleichstellen.

20. Der Herr hat Gräuel an den verkehrten Herzen und Wohlgefallen an den Frommen.

Verkehrten Herzen: Gott verwirft und verstößt einen solchen Menschen, der nur mit bösen, Gottlosen und ungerechten Gedanken umgeht.

Frommen: Welche sich der Frömmigkeit und Unschuld von Herzen bemühen, die liebt Gott. Darum bekommen sie auch von ihm Belohnungen, gleichwie die anderen ihre Strafe zu erwarten haben.

21. Den Bösen hilft nichts, wenn sie auch alle Hände zusammentäten; aber der Gerechten Same wird errettet werden.

Zusammentäten: Wenn einer dem anderen in einer bösen Sache zu helfen begehrt, so können Sie doch ihre Bosheit weder ausführen, noch zu einem guten Ende bringen, sie werden auch die Frommen nicht immer unterdrücken können. Wer fromm ist, der wird errettet, aber die Bösen werden mit ihren Listen zuschanden.

22. Ein schönes Weib ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem güldenen Haarband.

Haarband: Das ist: Wenn eine Frau schön ist, aber die wahre Gottseligkeit nach hinten setzt und sich mit Leichtfertigkeit und Unzucht umgibt, ist sie einer Sau gleich, sie trägt zwar ein goldenes Halsband, aber bleibt trotzdem wie eine unflätige Sau. Darum sollen schöne Frauen sich dahin bemühen, dass zu der Schönheit ihres Leibes auch ein tugendhaftes gottseliges Gemüt hinzukommt. Und wer eine Frau heiraten will, der soll nicht so sehr auf die Gestalt des Leibes, sondern auf die Frömmigkeit des Gemütes sehen, damit er nicht anstatt eines frommen und züchtigen Weibes eine Sau bekommt.

23. Der Gerechten Wunsch muss doch wohl geraten; und der Gottlosen Hoffen wird Unglück.

Wunsch: Was die Frommen Gutes wünschen und begehren nach der Verheißung des göttlichen Wortes, das widerfährt ihnen wohl und glücklich. Denn die Hoffnung lässt nicht zuschanden werden (Römer fünf). Dieses soll uns zum Trost dienen, auf dass wir in allen Dingen einen glücklichen Ausgang erwarten können.

Wird Unglück: Also das, da sie Gutes hoffen, Strafen und Klagen von dem zornigen Gott empfinden. Sie warten auf das Licht, siehe, so wird es finster {Jes 59}.

24. Einer teilt aus und hat immer mehr; ein anderer karget, da er nicht soll, und wird doch ärmer.

Doch ärmer: Das ist: Wer aus Glauben von seinen Gütern den Bedürftigen reichlich nach seinem Vermögen austeilt, der wird nicht ärmer davon, sondern Gott vermehrt seine Güter. Wer aber geizig ist, wo er nicht sollte, dessen Güter nehmen, je länger es dauert, immer mehr ab. Darum sollen wir freigiebig sein, aber doch nicht verschwenderisch.

25. Die Seele, die da reichlich segnet, wird fett; und wer trunken macht, der wird auch trunken werden.

Segnet: Das ist: Wer den Elenden und Bedürftigen reichlich hilft. So hat auch der Apostel Paulus Spenden und Steuer für die Armen einen Segen genannt {2Kor 9}. Die werden immer mehr Gaben von Gott empfangen. Und es wird Ihnen gehen, wie es einem geht, der einen anderen betrunken machen will, dass er selber darüber auch betrunken wird, wie es oft passiert, dass der Wirt betrunkener ist, als die Gäste. So wird der Wirt früher als die Gäste arm. Also, welche anderen reichlich Gutes tun, die bekommen von Gott eine reichliche Belohnung. Die Trunkenheit wird hier nur als ein Gleichnis beschrieben. Wir sollen erkennen, dass wir mehr auf die christliche Liebe, als auf zeitliche Güter achten. Durch eine reichliche Belohnung sollen wir ermuntert werden die Werke der Liebe reichlich zu leisten.

Trunken: Luther: Das ist, wer reichlich gibt, dem wird wieder reichlich gegeben.

26. Wer Korn innehält, dem fluchen die Leute; aber Segen kommt über den, so es verkauft.

Innehält: Das ist: Wenn in einer Wirtschaftskrise die Güter knapp werden, und er es den Menschen zu dieser Zeit nicht gibt, sondern bei sich behält, damit es noch teurer werde.

Fluchen: Und es haben solche Flüche eine gewaltige Wirkung, dass sie dem Verderben bringen, welcher die brüderliche Liebe vergessen hat, und vielmehr darauf bedacht war, wie er seinen Geiz stillen kann, als Menschen Hilfe zu tun.

Verkauft: Wer es gegen richtige Bezahlung gibt, auch wenn Not vorhanden ist, dem wünschen die Leute alles Gute. Diese Wünsche bekommen die frommen Leute, die ihres Nächsten Not mehr als ihren eigenen Nutzen betrachten.

27. Wer da Gutes sucht, dem widerfährt Gutes; wer aber nach Unglück ringt, dem wird‘s begegnen.

Begegnen: Wer darauf bedacht ist, dass er Menschen nützlich sein möchte, dem geht es nach seinem Wunsch, wer aber mit bösen Sachen umgeht und nur danach trachtet, was ungerecht ist, den wird das Unglück treffen.

28. Wer sich auf seinen Reichtum verlässt, der wird untergehen; aber die Gerechten werden grünen wie ein Blatt.

Untergehen: Wer seine Hoffnung auf seine Güter setzt und nicht auf Gott allein, der wird zuschanden und geht zugrunde. Aber die Gottseligen, die auf Gott vertrauen, werden in mancherlei Trübsal erhalten. Obwohl es so scheint als wären sie verloren, so werden Sie doch wieder aufstehen und Glück haben.

29. Wer sein eigen Haus betrübt, der wird Wind zu Erbteil haben; und ein Narr muss ein Knecht des Weisen sein.

Wind: Wenn jemand sein Haus nicht im Bau erhält, sondern selber Löcher hinein reißt, dann richtet er also nichts anderes aus, als dass die Winde überall durchwehen und ihm lästig sind. Das tut auch der, welcher öffentlich unredlich lebt und alles verschwendet, der sich und die Seinen anderen zum Gespött macht und seiner Familie schädlich ist, er gerät schließlich dahin, dass er sich einem anderen zum Dienst untergeben muss und denen in die Hände arbeiten muss, welche ihre Haushaltung redlich und in der Furcht Gottes anstellen.

30. Die Frucht des Gerechten ist ein Baum des Lebens; und ein Weiser nimmt sich der Leute herzlich an.

Baum des Lebens: Der Gerechte ist wie ein guter Baum der herrliche Früchte trägt, nämlich gute Werke, womit er die elenden und angefochtenen Leute erquickt. Welcher auch recht weise und gottselig ist, der nimmt sich der Leute herzlich an und beschwert sich nicht, ihnen zu dienen und ihren Nutzen zu fördern. Wer aber keine guten Werke tut, und auch nicht die elenden Leute beachtet, der ist weder weise noch gerecht. Luther: Was die Gerechten tun, kommt allen zu Gute.

31. So der Gerechte auf Erden leiden muss, wie viel mehr der Gottlose und Sünder!

Gerechte: Luther: So die Frommen alles Gute anderen tun und Gott gefallen, und dennoch viel geplagt werden, wie will‘s denn den Gottlosen gehen.

Leiden muss: Wenn Gott seine Kinder zur Besserung ihres Lebens zu strafen pflegt, ihnen aber doch ihre Sünden verzeiht, damit sie nicht ewig verloren gehen, wie viel weniger wird er den Gottlosen schonen, dass er ihn in dieser Welt nicht schwer strafen sollte, wo er nicht Buße tut, danach noch in die ewige Verdammnis stürze? Diesen Spruch bringt der Apostel Petrus: es ist Zeit, dass anfangen des Gerichtes an dem Hause Gottes: So aber zuerst an uns, was will es für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder bleiben {1Petr 4}.


Das 12. Kapitel


1. Wer sich gerne lässt strafen, der wird klug werden; wer aber ungestraft sein will, der bleibt ein Narr.

Lässt Strafen: Wenn er sich geirrt hat.

Ein Narr: Das ist: Er gibt damit zu verstehen, dass er ein Narr ist und auch ein Narr bleiben wird, wenn er es nicht leiden kann, dass man ihm etwas sagt. Denn es ist keiner so schlau oder fromm, der nicht manchmal einer Erinnerung bedarf. Solches ist in allen Berufen und Ämtern nötig.

2. Wer fromm ist, der bekommt Trost vom Herrn; aber ein Ruchloser verdammt sich selbst.

Fromm ist: Dass er ein aufrichtiges Gemüt hat und begehrt, anderen Leuten Gutes zu tun und zu nutzen, der wird von Gott getröstet und wird ihm mit Gnade begegnen und viel Gutes erzeigen.

Sich selbst: Er macht sich zum Scheusal vor Gott und wird die ewige Verdammnis über sich ziehen, weil er den Nächsten betrübt und ihm Schaden zufügt.

3. Ein gottloses Wesen fördert den Menschen nicht; aber die Wurzel der Gerechten wird bleiben.

Menschen nicht: Denn Gott wird die Gottlosen in ihrer Bosheit nicht stärken, sondern machen, dass ihre Sachen nur schlimmer werden.

Bleiben: Gott wird die Gerechten erhalten, dass sie nie ausgerottet werden oder umkommen. Darum sollen wir uns an dem Glück der Gottlosen nicht ärgern.

4. Ein fleißig Weib ist eine Krone ihres Mannes; aber eine Unfleißige ist ein Eiter in seinem Gebeine.

Fleißig Weib: Welche verständig und züchtig ist, dazu sich der Haushaltung mit Ernst annimmt, die ist ihrem Mann eine Zierde.

Befleißige: Ein närrisches Weib ist des Mannes stetige Krankheit, die ihm klagt und ihn in Verachtung bringt. Wer darum ein Weib nehmen will, der soll Gott den Herrn um ein frommes und züchtiges Weib bitten, nicht so sehr auf die Gestalt, Reichtum oder Freundschaft sehen, sondern auf die Sitten seines künftigen Eheweibes und auf ihren Wandel. Hat aber jemand ein verständiges Weib bekommen, so soll er Gott dafür danken.

5. Die Gedanken der Gerechten sind redlich; aber die Anschläge der Gottlosen sind Trügerei.

Sind redlich: Denn fromme Leute raten, was ehrlich und recht ist, die Gottlosen aber, was Betrug und schädlich ist. Darum sollen wir fromme Leute um Rat fragen, nicht die Gottlosen, auch wenn sie als klug und witzig gelten.

6. Der Gottlosen Predigt richtet Blutvergießen an; aber der Frommen Mund errettet.

Errettet: Der gottlosen Reden sind nur darauf gerichtet, dass sie unschuldige fromme Leute in Gefahr bringen. Aber die gottseligen Reden jene Sachen, die zu der Unschuldigen Errettung dienen. Darum soll man viel mehr die Frommen, als die Gottlosen hören, besonders zur Hoffnung und in der Regierung.

7. Die Gottlosen werden umgestürzt und nicht mehr sein; aber das Haus der Gerechten bleibt stehen.

Bleibt stehen: Das ist: Gott wird die Bösen zugrunde richten, ausrotten und vertilgen. Aber der gottseligen Geschlecht und Nachkommen erhalten. Darum sollen wir uns nicht über das Glück der Gottlosen ärgern und ihrer Bosheit nicht folgen.

8. Eines weisen Mannes Rat wird gelobt; aber die Tücken werden zuschanden.

Gelobt: Denn Weise reden, was gottselig und nützlich ist, machen den Menschen ein Ansehen. Wer aber aus einem falschen Herzen närrische und gottlose Sachen vorbringt, der bewirkt, dass er verachtet wird. Denn die Rede eines Menschen ist ein Zeichen des Gemüts. Und Christus spricht: Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt, und aus deinen Worten wirst du verdammt {Mt 12} Luther: Die Wahrheit muss doch endlich den Sieg und den Preis behalten.

9. Wer gering ist und wartet des Seinen, der ist besser, denn der groß sein will, dem des Brots mangelt.

Mangelt: Das ist: Einem Menschen, der einen geringen Beruf hat, aber diesen mit aller Kraft ausübt und damit auch seine auskömmliche Nahrung erwirbt, ist viel besser, als der, der nach Ehre strebt und sich einen großen Namen machen will, darum viel Schulden aufnimmt, um vor den Leuten stattlich zu sein. Diese Leute die nach einem hohen Stand trachten und doch danach das Einkommen nicht haben, das sind stattliche Bettler.

10. Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes; aber das Herz der Gottlosen ist unbarmherzig.

Erbarmt: Denn er erkennt mit dankbarem Herzen, was ihm sein Vieh für Arbeit leistet und legt ihnen nicht schwerere Arbeit auf als sie ertragen können, sondern lässt ihnen ihre nötige Ruhe und gibt ihnen das nötige Futter.

Unbarmherzig: Gottlose Leute haben ein grausames Gemüt, so dass sie ihr Vieh mit unerträglicher Arbeit schwächen und ihnen nichts Gutes tun. Diese Grausamkeit ist vor Gott abscheulich, der das Vieh den Menschen zum Nutzen geschaffen hat. Und welche so unbarmherzig damit umgehen, die lehnen sich gegen Gott und ihren Schöpfer auf.

11. Wer seinen Acker baut, der wird Brots die Fülle haben; wer aber unnötigen Sachen nachgeht, der ist ein Narr.

Fülle haben: Der seinem Beruf fleißig nachgeht, dem wird Gott genug Nahrung geben, wer aber die Arbeit seines Berufes lässig macht und daneben mit anderen Sachen umgeht, besonders solchen, die nichts wert sind und weder zur Ehre Gottes noch zu des Nächsten Nutzen etwas dienen, der steht seinem Beruf Übel vor und wird mit Armut bedroht werden. Nach dem Sprichwort: vierzehn verschiedene Berufe, zwanzig Unglück.

12. Des Gottlosen Lust ist, Schaden zu tun; aber die Wurzel der Gerechten wird Frucht bringen.

Zu tun: Darum darf man von ihnen nichts anderes erwarten, außer was zum Schaden führt. Besonders freuen sie sich, wenn sie etwas Böses tun. Die Gottseligen aber tun, was ihnen und anderen Leuten nützlich und heilsam ist. Darum sollen wir uns vor der gottlosen Gesellschaft hüten, uns dagegen aber zu frommen und gottseligen Leuten halten.

13. Der Böse wird gefangen in seinen eigenen falschen Worten; aber der Gerechte entgeht der Angst.

Angst: Das ist: Ein gottloser Mensch verursacht mit seinen verkehrten Reden, dass er dem Nächsten seine Ehre abschneidet, sich damit selbst viel und große Gefahr bringt, aber ein gottseliger Mensch, der seine Zunge im Zaum hält, entgeht viel und großem Unglück. Das sollen wir oft betrachten und uns zu Gemüte führen, damit wir lernen, unsere Zunge im Zaum zu halten.

14. Viel Gutes kommt einem durch die Frucht des Mundes; und dem Menschen wird vergolten, nachdem seine Hände verdient haben.

Mundes: Also dass, nachdem er sich bemüht, Gutes zu reden, er auch die Belohnung dafür empfangen wird, beides in diesem und in dem zukünftigen Leben. Darum sollen wir die Gabe zum Reden recht gebrauchen, zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Nächsten.

Verdient: Danach, wie ein jeder Gutes oder Böses in diesem Leben getan hat, so wird es ihm auch zeitlich und ewig gelohnt werden. Der Böses getan hat, wird seine Strafe darüber zu erwarten haben, wenn er nicht Buße tut, dass seine Sünden mit dem Verdienst von Jesus zugedeckt werden. Wer aber aus Glauben gute Werke tut, der wird diese Werke genießen können, sowohl in dieser wie auch in jener Welt. Darum sollen wir uns um der Gottseligkeit Willen bemühen.

15. Dem Narren gefällt seine Weise wohl; aber wer Rat gehorcht; der ist weise.

Weise wohl: Ein gottloser und törichter Mensch denkt, es sei alles recht, was er tut, und lässt sich von niemanden weisen.

Ist weise: Ein gottseliger und verständiger Mensch schlägt den Rat von weisen Leuten und gut gemeinte Erinnerungen nicht aus.

16. Ein Narr zeigt seinen Zorn bald; aber wer die Schmach verbirgt, ist witzig.

Bald: Das ist: Ein unverständiger närrischer Mensch ist bald im Zorn, wenn er mit einem Wort oder Werk meint, man habe es ihm nicht recht gemacht, platzt dann mit Schmach- und Scheltworten heraus und will sich von nun an rächen.

Witzig: Ein verständiger und frommer Mann lässt es sich nicht anmerken, dass er beleidigt ist, soweit er es seiner Ehre wegen übersehen kann, und stellt die Rache Gott dem Herrn an {Röm 12}.

17. Wer wahrhaftig ist, der sagt frei, was recht ist; aber ein falscher Zeuge betrügt.

Betrügt: Das ist: Wer mit aufrichtigem Gemüt von einer Sache redet, wie sie sich zugetragen hat und fügt, nichts anderes dazu, den mag man wohl für einen wahrhaftigen Zeugen halten. Aber wer viel ausschweifende Wörter gebraucht, der ist gewiss ein falscher Zeuge. Diese Lehre sollen wir uns merken, besonders die Leute im Amt, welche Zeugen verhören müssen, damit sie auf die Reden eine große Achtung geben, um daraus zu erkennen, welche Zeugen glaubwürdig und welche für verdächtig zu halten sind.

18. Wer unvorsichtig herausfährt, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen ist heilsam.

Unvorsichtig: Luther: Wer nicht auf seine Worte achtet und wie sie wirken. Solches geschieht beides in Predigten, Gerichten oder in anderen Versammlungen.

Heilsam: Es kann einer mit einer unbedachten Rede, die er aus Unvorsichtigkeit tut, ein großes Unglück anrichten, woraus Uneinigkeit und Zwietracht entsteht. Aber ein frommer Mensch, der im Worte Gottes unterrichtet ist, redet nicht nur, was keinen Schaden bringt, sondern, wo andere Leute durch unnützes Geschwätz eine Unrichtigkeit entstehen lassen, verbessert er es und bringt alle Sachen mit seiner weisen Rede wieder zurecht. Darum sollen wir wissen, wie wir unsere Zunge regieren und, wo andere ein Unglück verursachen, solches weise und gottselig ablehnen.

19. Wahrhaftiger Mund besteht ewig; aber die falsche Zunge besteht nicht lange.

Besteht: Denn mit der Wahrheit kommt man durch das Land und auch wieder hindurch, und wer die Wahrheit redet, der wird keinen Schaden haben. Die aber mit der Unwahrheit umgehen, werden mit ihren Lügen ergriffen, dass sie stehen wie Butter in der Sonne.

20. Die, so Böses raten, betrügen; aber die zum Frieden raten, machen Freude.

Betrügen: Das ist: Böse Leute begehren, andere in Unglück zu bringen, und sind bei sich selbst unruhig, plagen und martern sich selbst, als rechte Märtyrer des Teufels. Aber fromme Leute sind so gesinnt, dass sie handeln und auch damit umgehen, was zum Frieden und der gottseligen Nutzen dient. Sie sind fröhlich und haben einen guten Mut. Denn sie trösten sich des Zeugnisses ihres guten Gewissens, dass sie anderer Leute Nutzen und nicht Verderben suchen.

21. Es wird dem Gerechten kein Leid geschehen; aber die Gottlosen werden voll Unglücks sein.

Kein Leid: Denn Gott wird die Frommen schützen, damit ihnen kein Unfall passiert, aber die Gottlosen werden mit schrecklichem Jammer überfallen werden. Dieses ist gewiss, dass Gott seine Kirche erhalten will. Aber es wird dieser Regel nicht immer nachgegangen. Und obwohl Gott die Seinen lange behütet, dass sie auch bei den allgemeinen Strafen des Landes behütet werden, wie Noah in der Sintflut, so will er doch, dass auch sie einen Teil des Kreuzes in diesem Leben tragen, diese Trübsal wird ihnen nachher in ewiger Freude vergolten {Röm 8}.

22. Falsche Mäuler sind dem Herrn ein Gräuel; die aber treulich handeln, gefallen ihm wohl.

Gräuel: Dass er die verwirft, welche Lügen bringen und damit umgehen, indem sie begehren, solche zu verbreiten. Dagegen liebt er die, die die Wahrheit reden, erkennen, lehren und verteidigen. Welche aber in der Kirche falsche Lehren oder in der Regierung falsche Urteile sprechen, böse Sachen mit Lügen schmücken oder sonst im Handel den Nächsten mit falschen Worten betrügen, die sollen wissen, dass sie Gott zum Feind haben, der sie zu seiner Zeit gewiss darum Strafen wird.

23. Ein witziger Mann gibt nicht Klugheit vor; aber das Herz der Narren ruft seine Narrheit aus.

Nicht Klugheit: Das er aus Ehrgeiz seine Kunst und Weisheit rühmt. Denn diejenigen, die große Klugheit vorgeben, sind die größten Narren. Und wenn jemand seine Weisheit ins Licht setzen will, geschickt und gelehrt angesehen werden will, gibt er seine Torheit zu verstehen. Darum sollen wir uns vor dem Ehrgeiz und der Ruhmsucht hüten.

24. Fleißige Hand wird herrschen; die aber lässig ist, wird müssen zinsen.

Herrschen: Er wird Glück haben und anderen Menschen vorgesetzt werden.

Zinsen: Und anderen dienen. So geschieht es auch denen, die in ihrem Beruf nachlässig sind, dass sie oft in Armut geraten, Schulden machen und ihren Gläubigern jährlich Zinsen geben müssen, woraus sie dann schwer oder gar nicht wieder kommen. Darum sollen wir vor der Faulheit fliehen.

25. Sorge im Herzen kränkt; aber ein freundlich Wort erfreut.

Kränkt: Wenn jemand ständig Sorgen hat, so wird er mit der Zeit immer schwermütiger und an den Kräften des Leibes und Gemütes erschöpft. Welche deshalb traurig sind, die sollen zu frommen und gottseligen Leuten gehen, dass sie Trost von Ihnen hören, damit sie erquickt werden und ihren vorigen guten Mut wieder bekommen. Man soll der Traurigkeit nicht viel Raum geben.

26. Der Gerechte hat‘s besser denn sein Nächster; aber der Gottlosen Weg verführt sie.

Besser: Luther: Selbst wenn er viel leidet und es dem Gottlosen besser geht.

Nächster: Der sich um Frömmigkeit nicht kümmert.

Verführt sie: Weil die Gottlosen hoffen, dass sie durch ihren eigenen Fleiß und Mühe Glückseligkeit bekommen, so fehlen sie weit und fallen ins Verderben. Darum sollen wir uns um Gottseligkeit bemühen, welches geschieht, wenn wir von dem Wort Gottes nicht abweichen.

27. Einem Lässigen gerät sein Handel nicht; aber ein fleißiger Mensch wird reich.

Handel: Er wird von seiner Arbeit keinen Genuss empfinden.

Fleißige Mensch: Der seinen Beruf fleißig ausgeübt, dessen Güter werden durch den Segen Gottes gemehrt.

28. Auf dem rechten Wege ist Leben, und auf dem gebahnten Pfad ist kein Tod.

Pfad: Luther: Landstraßen sind sicher, der Holzweg ist gefährlich. Gottes Wort für zum Leben, aber Stolz zum Tod.

Kein Tod: Wenn jemand aus wahrem Glauben ein gottseliges und gerechtes Leben führt, wird er vielen Gefahren entgehen und nach diesem Leben ewig leben. Und wer auf dem schmalen Weg der Gebote Gottes geht (von welchem die Welt zum breiten Wege abweicht), der wird auf solchem schmalen Weg nicht zum ewigen Tode, sondern viel mehr zur ewigen Freude eingehen {Mt 7}. Darum sollen wir Gott bitten, dass er uns durch seinen Geist auf diesen heilsamen Weg erhalte, damit für diesen nicht verfehlen.


Das 13. Kapitel


1. Ein weiser Sohn lässt sich den Vater züchtigen; aber ein Spötter gehorcht der Strafe nicht.

Weiser Sohn: Der fromm und von guter Art ist.

Spötter: Welcher ein böses und störrisches Gemüt hat, ein Verächter vom Worte Gottes, der sieht die Strafe von den Eltern nicht für gut an, sondern verlacht die väterlichen Erinnerungen, murrt auch öffentlich dagegen, läuft vielleicht sogar davon, wenn man einen etwas größeren Ernst gegen ihn gebraucht. Solch eine störrische Art wird endlich von der Justiz gezüchtigt.

2. Der Frucht des Mundes genießt man; aber die Verächter denken nur zu freveln.

Genießt: Das ist: Wer Sachen redet, die recht und heilsam sind, zum Frieden und zur Ruhe dienen, der wird davon den Nutzen haben, dass er ein gutes Gewissen behält und von allen Frommen lieb gehalten wird.

Zu Freveln: Die gottlosen Reden nur was Unrecht ist, und womit niemand gedient wird, außer dass der Friede dadurch gestört wird. Sie werden aber endlich wegen dieser Bosheit gestraft.

3. Wer seinen Mund bewahrt, der bewahrt sein Leben; wer aber mit seinem Maul herausfährt, der kommt in Schrecken.

Bewahrt: Wer nicht von solchen Sachen redet, die nichts taugen, sondern in seinen Reden behutsam ist, wer keine Heimlichkeiten dem Nächsten verrät, besonders aber hohen Personen nicht übel nachredet, der kann viel Gefahr verhüten.

Schrecken: Denn er bringt sich in große Gefahr, worüber er erschrecken muss, wenn er alles heraus schwatzt, was ihm in den Sinn kommt. Damit lädt er sich die Feindschaft von vielen Leuten auf, die er sonst als Freunde haben könnte. Es wird aber hier nicht verboten, dass die Kirchendiener und weltliche Personen solches dürften, so ihr Amt und Beruf es erfordert. Wir werden erinnert, dass es nicht ohne Gefahr geschieht, wenn wir ohne Not und Grund solche Dinge sagen, die uns schaden können.

4. Der Faule begehrt und kriegt es doch nicht; aber die Fleißigen kriegen genug.

Doch nicht: Denn faule Leute wünschen sich zwar viel Geld und Gut, aber weil sie das Mittel, wodurch Gott Reichtum gibt, verachten, nämlich, dass sie ihren Beruf nicht mit Fleiß ausüben, so erlangen sie nicht, was sie begehren, sondern werden mit Armut belohnt. Denn es geschieht nicht durch Wünschen, dass einer reich wird.

5. Der Gerechte ist der Lüge feind; aber der Gottlose schändet und schmäht sich selbst.

Feind: Ein frommer gottseliger Mensch hasst die Lügen, Lästerungen und Verleumdungen, durch welche der Nächste bei seinem guten Namen benachteiligt wird, so dass er solches nicht gern hört und selber redet.

Sich selbst: Ein gottloser Mensch hat seine Lust daran, dass er solche Sachen redet und tut, die andere klein machen zu großer Schande führen. Wer darum zu solch einer Bosheit Lust hat, der soll wissen, dass er ein gottloser Mensch ist und von Gott gehasst wird.

6. Die Gerechtigkeit behütet den Unschuldigen; aber das gottlose Wesen bringt einen zu der Sünde.

Unschuldigen: Wer durch den Glauben an Jesus gerecht geworden ist, und mit dem Heiligen Geist begabt, der wird von ihm regiert, so dass er ein rechtes Leben führt. Wer aber gottlos ist, der fällt von einer Sünde in die andere. Darum sollen wir Gott bitten, dass er uns im Glauben erhalte und die Sünder zur Buße rufe.

7. Mancher ist arm bei großem Gut; und mancher ist reich bei seiner Armut.

Mancher: Man findet Leute, die tun als wären sie sehr reich, obwohl sie Zuhause nicht viel haben, und noch dazu in großen Schulden stecken. Denn es ist nicht alles Gold, was glänzt. Dagegen gibt es wieder andere, die stellen sich als wären sie arm, obwohl sie reich und vermögend sind. Darum soll man denen, die prahlen, nicht immer glauben, und auch nicht jene, die nicht prahlen, verachten. Und es irren sich die Eltern oft wenn sie ihre Töchter zur Ehe Prahlern mit vermeintlich großem Gut geben, da sie doch bald danach erfahren, wie sie schändlich betrogen wurden.

8. Mit Reichtum kann einer sein Leben erretten; aber ein Armer hört das Schelten nicht.

Erretten: So geht es in dieser Welt zu, dass die Reichen häufig, wenngleich sie auch Strafe verdienen, trotzdem der Strafe entgehen, weil sie den Richter mit Geschenken bestechen. Darum sollten sie auf das härteste bestraft werden, doch man lässt sie aber los und gibt ihnen nur einen Verweis. Das ist ein großer Filz in dieser Welt, aber darum sind sie dem Urteil des gerechten Gottes nicht entlaufen.

Schelten nicht: Wenn ein Armer sich vergriffen hat, so kommt er nicht so leicht davon, dass man ihn nur mit Verweisen straft und danach loslässt, sondern er muss mit Leib und Gut herhalten und häufig mit dem Leben büßen. Darum hat man vorzeiten das Gesetz mit Spinnweben verglichen, durch die die großen Brummer durchfliegen, aber die kleinen Mücken daran hängen bleiben (solches ist aber vor Gott nicht recht, sondern er verwirft es). Luther: Einen Reichen verwarnt man und gibt ihn für Geld los. Ein Armer muss herhalten, wer nicht Geld hat, bezahlt mit der Haut.

9. Das Licht der Gerechten macht fröhlich; aber die Leuchte der Gottlosen wird auslöschen.

Fröhlich: Wenn die Gerechten und Gottseligen Glück haben (welches das Licht bedeutet), so freuen sich fromme Leute mit ihnen, weil sie wissen, dass die Gottseligen ihr Glück zum Nutzen des Nächsten gebrauchen, genau wie es ihnen dagegen weh tut, wenn sie sehen, dass es den Gottlosen gut geht, weil diese ihr Glück zur Unterdrückung der Frommen missbrauchen. Der Gottlosen Glück dauert nicht lange und geht zu Ende wie ein Licht. Darum sollen wir Zeit und mit Geduld warten.

10. Unter den Stolzen ist immer Hader; aber Weisheit macht vernünftige Leute.

Hader: Aufgeblasene und übermütige Leute sind erregen Uneinigkeit und Streit, entweder in der Kirche oder im weltlichen Regiment oder auch in der Familie, sie fragen nicht danach, ob sie zu dem großen Unglück die Ursache geben. Welche aber die Weisheit des göttlichen Wortes recht gelernt haben, die sind vorsichtig und hüten sich vor jedem Anlass, der zum Zank oder auch Missverständnis führt, raten zum Frieden und stillen alle Unruhe soviel ihnen immer möglich ist.

11. Reichtum wird wenig, wo man‘s vergeudet; was man aber zusammenhält, das wird groß.

Vergeudet: Wer von seinen Gütern, die er einmal durch ein Erbe erworben hat, nach und nach verschwendet, kommt endlich in Armut. Wer aber durch die Geschäfte seines Berufes zu seinen Gütern immer mehr hinzutut, der wird reich. Dieses ist denen gesagt, die großes Gut geerbt haben und täglich verprassen, so tun als könnte es nie abnehmen bis sie zum Schluss am Bettelstab gehen. Die aber verständige Leute sind, die bedenken, wie sie zu dem erworbenen Gütern etwas hinzutun wollen, und sie haben sich um Armut nicht zu sorgen.

12. Die Hoffnung, die sich verzieht, ängstig das Herz; wenn‘s aber kommt, das man begehrt, das ist ein Baum des Lebens.

Lebens: Das ist: Wenn wir bekommen, worauf wir so ängstlich gewartet haben, dann ist es wie eine liebliche Frucht, durch die unser Herz erfrischt und erquickt wird. Darum sollen wir in Hoffnung und mit Geduld warten, bis uns Gott der Herr gebe, was er uns in seinem Wort versprochen hat. Dann wird in dem anderen Leben die Offenbarung der himmlischen Freude wahrhaftig und uns erst richtig mit den schönsten und ewigen Früchten erquicken, die viel besser sein werden, als wenn wir im Paradies von dem Baum des Lebens gegessen hätten {Ps 14 126}.

13. Wer das Wort verachtet, der verdirbt sich selbst; wer aber das Gebot fürchtet, dem wird‘s vergolten.

Verachtet: Nämlich das Wort Gottes und die heilsamen Erinnerungen.

Verdirbt: Er bringt sich selbst in große Gefahr des Leibes und der Seele.

Fürchtet: Wer das Wort Gottes hört und diesem folgt, der hat ein gutes Gewissen und entgeht vielem Unglück.

14. Die Lehre des Weisen ist eine lebendige Quelle, zu meiden die Stricke des Todes.

Quelle: Wie eine herrliche Quelle in der Wüste einen erfrischt, damit er nicht verdurstet, so erquickt eines gottseligen Menschen Lehre, die aus dem Wort Gottes genommen ist, das Herz, damit es nicht in Widerwärtigkeit verzagt und verdirbt. Diese Lehre des göttlichen Wortes lehrt uns, wie wir uns vor den Schrecken des Teufels hüten, dass wir nicht darin verwickelt und in den ewigen Tod gezogen werden.

15. Ein guter Rat tut sanft; aber der Verächter Weg bringt Wehe.

Sanft: Welche von Gott mit einem guten Verstand begabt sind, die trachten danach, dass, soviel immer möglich ist, sie die Sachen gut ausrichten wollen, aber gottlose Leute unterstehen sich mit Gewalt zu Wege bringen, bedenken nicht, was sie mit ihrem stürmischen Wesen für Schaden tun.

16. Ein Kluger tut alles mit Vernunft; ein Narr aber breitet Narrheit aus.

Mit Vernunft: Dass er sich nicht schnell von einem blinden Gedanken betören lässt, sondern mit Verstand handelt, weise und mäßig in allem seinem Tun.

Narrheit aus: Ein unverständiger gottloser Mensch platzt mit seinen tollen Gedanken überall hinein und handelt widersinnig. Damit gibt er den anderen Leuten seinen Unverstand und gottloses Gemüt zu erkennen. Darum sollen wir vorsichtig sein, behutsam handeln, damit wir nicht für unverständig gehalten werden.

17. Ein gottloser Bote bringt Unglück; aber ein treuer Werber ist heilsam.

Unglück: Wenn du einen bösen Menschen zum Boten oder Gehilfen machen willst, so wird er den Schaden tun, dass er Zwietracht anrichtet, wodurch ein großes Unglück entsteht. Aber ein frommer und treuer Bote oder Arbeiter wird sich nicht nur hüten, keine böse Ursache zu geben, sondern achtet darauf, keine Verbitterung entstehen zu lassen. Solches wird er lindern und mit seiner Bescheidenheit verbessern. Darum sollen Fürsten und Herren gut acht geben, was für Menschen sie ausschicken. So geht es auch in der Familie, in den Geschäften, dass man darauf achten soll, welchen Menschen man etwas anvertraut.

18. Wer Zucht lässt fahren, der hat Armut und Schande; wer sich gerne strafen lässt, wird zu Ehren kommen.

Fahren: Wer sich nichts sagen lassen will, gerät in Unglück. Wer sich aber unterweisen lässt und eines Besseren unterrichten, der wird Ehre haben. Damit wir nun Schande und Armut meiden, sollen wir die Zucht nicht verwerfen.

19. Wenn‘s kommt, dass man begehrt, das tut dem Herzen wohl; aber der das Böse meidet, ist den Toren ein Gräuel.

Wohl: Die Gottlosen freuen sich darüber, wenn sie die Lüste ihres Fleisches vollbringen, als da sind Unzucht, Rache, Geiz und anderes. Dagegen haben sie eine Abscheu für die Frommen, die sie für Toren halten, weil sie nicht mit ihnen den bösen Lüsten nachgehen {1Petr 4}.

20. Wer mit den Weisen umgeht, der wird weise; wer aber der Narren Geselle ist, der wird Unglück haben.

Unglück haben: Der durch die Gesellschaft der Narren wird niemand gebessert, sondern auch mit ihnen in die Strafe fallen wird. Darum sollen wir uns vor böser Gesellschaft hüten. Das Sprichwort sagt: Wer mit Toten um geht, nimmt Leichengeruch an.

21. Unglück verfolgt die Sünder; aber den Gerechten wird Gutes vergolten.

Sünder: Also, dass sie Gott nicht entgehen können.

Vergolten: Denn Gott will die Gottseligkeit in diesem und dem zukünftigen Leben belohnen {1Tim 4}.

22. Der Gute wird erben auf Kindeskind, aber des Sünders Gut wird dem Gerechten vorgespart.

Kindeskind: Denen er seine Güter erblich hinterlassen wird.

vorgesagt: Dass also die Erben sich nicht an dem Reichtum der Gottlosen freuen werden, sondern es vielmehr durch Gottes Anordnung geschieht, dass die Güter der Gottlosen den Frommen zufallen.

23. Es ist viel Speise in den Furchen der Armen; aber die unrecht tun, verderben.

Viel Speise: Gott gibt einem gottseligen Menschen, der arm ist, genügend Nahrung, wenn er in seinem Beruf fleißig arbeitet. Wo man aber durch unredliche Mittel Reichtum zusammenbringen will, da empfängt man endlich den göttlichen Fluch und es bricht Armut herein. Solches sollten Arme und Reiche sehr wohl bedenken.

24. Wer seiner Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn bald.

Schont: Wer seinen Sohn nicht straft, wenn er übertritt, sondern durch die Finger sieht, wodurch der Sohn an Leib und Seele verdirbt, der hat ihn auch sicher nicht geliebt. Wer aber bei seinen Kindern Rat schaffen will, der hört mit der Züchtigung so lange nicht auf, bis sie ihren Trotz abgelegt haben. Solches muss in der Jugend geschehen. Es handeln Eltern übel und versündigen sich sehr, wenn sie zu spät anfangen, ihre Kinder zu erziehen, da sie schon stark geworden sind. Doch soll man auch in der Züchtigung ein Maß einhalten {Kol 3}.

25. Der Gerechte isst, dass seine Seele satt wird; der Gottlosen Bauch aber hat nimmer genug.

Satt wird: Ein frommer Mensch begnügt sich mit dem, was ihm Gott gibt, und dankt dafür.

Nimmer genug: Die Gottlosen bekommen nicht genug und danken Gott auch nicht für die empfangenen Güter, sondern trachten noch nach mehr. Denn auch ein Geiziger hat doch Mangel bei vielen Gütern. Darum sollen wir uns mit dem, was wir haben, begnügen und Gott dankbar sein.


Das 14. Kapitel


1. Durch weise Weiber wird das Haus erbaut; eine Närrin aber zerbricht es mit ihrem Tun.

Erbaut: Durch ihre gottselige und fleißige Vorsorge richtet sie die Sachen so aus, dass die Haushaltung in der Familie immer gebessert wird und zunimmt.

Zerbricht: Das ist: Eine gottlose Frau, die nicht nach den Geboten Gottes ihr Amt ausrichtet, kann eine gute Haushaltung mit ihrem verkehrten Wesen zu Trümmern richten. Denn wo eine Frau dem Ehemann nicht gehorsam ist, die Kinder nicht richtig erzieht, die Haushaltung schleifen lässt, da kann es nichts mit der Haushaltung werden. Um eine fromme und verständige soll man Frau bitten, und wer eine solche Frau bekommt, der soll auch Gott danken und freundlich mit ihr umgehen. Luther: Der Mann muss verderben, der ein unordentliches Weib hat.

2. Wer den Herrn fürchtet, der geht auf rechter Bahn; wer ihn aber verachtet, der weicht aus seinem Wege.

Bahn: Daraus kann man sehen, was in einem Menschen ist, und ob er Gott fürchtet (soweit von einem Menschen über den anderen zu urteilen möglich ist), wenn jemand in seinem Handeln aufrichtig, redlich und einfältig, mit keinem Betrug umgeht. Wo aber jemand böse handelt, um etwas zu bekommen, über den kann man nicht anders urteilen, als dass er ein Verächter Gottes ist.

3. Narren reden tyrannisch; aber die Weisen bewahren ihren Mund.

Tyrannisch: Dass sie andere Leute mit starken Worten anfahren, darum werden sie auch nicht ungestraft bleiben. Die Frommen, die sich in ihrer Rede mäßigen, brauchen keine Gefahr zu fürchten.

4. Wo nicht Ochsen sind, da ist die Krippe rein; aber wo der Ochse geschäftig ist, da ist viel Einkommens.

Ochsen: Luther: Wo man nicht arbeitet, da gewinnt man auch nichts.

Rein: Das ist: Wo keine Arbeit ist, da ist auch nichts zu essen.

Einkommens: Wo man redlich arbeitet, da gibt Gott Segen. Dieses wird gesagt, damit wir uns bezüglich unserer Arbeit überlegen sollen, wie wir es ausrichten, dass wir in unserem Beruf nicht faul, sondern fleißig sind. Wir warten sonst vergebens auf den Segen Gottes, wenn wir das Mittel der Arbeit verachten, wodurch Gott uns seinen Segen geben will.

5. Ein treuer Zeuge lügt nicht; aber ein falscher Zeuge redet dürstiglich Lügen.

Lügt: Man soll vom Zeugnis eines solchen Menschen viel halten, von welchem man Treue erfahren hat, dagegen, wenn man von einem weiß, dass er verschlagen ist, soll man diesem nicht so leicht glauben. Denn solche haben keine Scheu, etwas zu erdichten, auch wenn sie darüber einen Eid tun sollen. Darum soll man nicht nur auf die Worte, sondern auch auf die Person der Zeugen achthaben, ob sie glaubhaft sind oder nicht.

6. Der Spötter sucht Weisheit und findet sie nicht; aber dem Verständigen ist die Erkenntnis leicht.

Sucht: Luther: Lose Leute suchen die Weisheit nicht mit Ernst, sondern zu ihrem Nutzen, Ruhm und Pracht.

Sie nicht: Wer ein Spötter ist und die Religion verachtet, der fragt mit Absicht nicht nach der Wahrheit, auch wenn er in Religionssachen forscht, fragt nicht, welche Lehre wahr oder falsch ist, geht es doch solchen Leuten nicht um die Wahrheit, sondern nur zum Schein, damit sie ihre Bosheit verdecken und als aufrichtige Leute angesehen werden. Weil es aber lauter Heuchelei ist, so finden sie die Wahrheit nicht {2Thes 2}. Die Gottseligen, welche Salomo Verständige nennt, erkennen aus Gottes Wort leicht, was wahr oder falsch ist. Denn sie suchen die Wahrheit von Herzen. So werden heutzutage viel vornehme weltweise Leute gefunden, welche schwere Klage führen, dass sie unter so viel Sekten nicht wissen, zu welcher sie sich halten sollen. Wenn solche aber so ein großes Verlangen nach der ewigen Seligkeit hätten, wie sie großen Fleiß darauf verwenden, reich zu werden und zu Ehren kommen, und so viel Zeit damit verbringen, die Heilige Schrift zu lesen, wie mit anderen zeitlichen Feiern, Spielen und Stolzieren, so würde es ihnen mit der Hilfe Gottes nicht schwer fallen, dass sie die schädlichen Sekten wohl unterscheiden könnten. Denn Jesus sagt, meine Schafe hören meine Stimme und folgen mir. Aber einem anderen folgen sie nicht, sondern fliehen vor ihm {Joh 10}.

7. Gehe von dem Narren; denn du lernst nichts von ihm.

Narren: Denn man soll mit den Gottlosen und unverständigen Leuten keine Gemeinschaft haben, weil es keine Hoffnung gibt, dass man etwas Gutes und Nützliches von Ihnen hören kann. Daher nimmt man in der wahren himmlischen Weisheit nicht zu und wird gebessert.

8. Das ist des Klugen Weisheit, dass er auf seinen Weg merkt; aber das ist der Narren Torheit, dass es eitel Trug mit ihnen ist.

Klugen: Die Weisheit eines gottseligen und verständigen Menschen besteht nicht darin, dass er ein Lob seiner Frömmigkeit oder Klugheit davon bringt, sondern dass er auf sein eigenes Tun und Lassen fleißig Acht hat, damit er nicht wissentlich etwas tut, was Gott zuwider sein möchte. Aber die Gottlosen und Unverständigen sind nach ihrem Unverstand und aus bösen Herzen darauf aus, sich heuchlerischerweise fromm zu stellen und die Leute zu betrügen. Doch sie werden Gott nicht blenden können.

9. Die Narren treiben das Gespött mit der Sünde; aber die Frommen haben Lust an den Frommen.

Gespött: Wenn die Gottlosen etwas Böses begangen haben, dann lachen Sie noch dazu und halten es für einen guten Scherz, sagen, es sei ein großer Spaß, freuen sich darüber und rühmen ihre Bosheit, indem einer dem anderen seine bösen Taten erzählt.

Lust: Die Frommen freuen sich solcher Gottlosen Bosheit nicht, sondern begehren nur, von gottseligen Sachen miteinander zu reden, und empfangen daher Trost, wenn einer des anderen Glauben und Gottseligkeit spürt {Röm 1}. Sie freuen sich auch dessen, dass ein gottseliger Mensch zum anderen kommen kann. Bei solchen Gespräch sind die heiligen Engel zugegen, genau wie bei den anderen die bösen Geister.

10. Wenn das Herz traurig ist, so hilft keine äußerliche Freude.

Freude: Vergebens versucht man, äußerlich einen guten Mut durch Musik, Tanz, Spiel und dergleichen zu machen, wenn das Herz voller Angst ist. Denn man richtet entweder nichts damit aus, ja es wird die innerliche Traurigkeit häufig nur dadurch genährt, oder aber es kommt bald danach die Traurigkeit viel schlimmer zurück. Darum muss man dem innerlichen Leid des Herzens zuerst Rat schaffen. Das geschieht, wenn einem bekümmerte Menschen aus dem Worte Gottes beständiger Trost vorgehalten wird, und man Gott für ihn anruft, dass er die Gnade seines Heiligen Geistes dazu geben möchte, damit der bekümmerte Mensch heilsamen Trost fassen und annehmen kann.

11. Das Haus der Gottlosen wird vertilgt; aber die Hütte der Frommen wird grünen.

Vertilgt: Gott wird die Gottlosen samt ihren Nachkommen ausrotten.

In grünen: Die Frommen werden Glück haben, wenn nicht immer in diesem, so geschieht es doch in dem zukünftigen Leben. Darum sollen wir uns durch die zeitliche und vergängliche Glückseligkeit der Gottlosen nicht irremachen lassen.

12. Es gefällt manchem ein Weg wohl; aber endlich bringt er ihn zum Tode.

Zum Tode: Das ist: Es geschieht häufig, dass der Mensch entweder in Religionssachen, oder in anderen Handlungen meint, er irrt in dem Weg von Gerechtigkeit und Wahrheit nicht. Darum bleibt er auf seiner Meinung steif und fest stehen, aber er wird dadurch verloren und verdammt. Es ist damit gesagt, dass einer in einer guten Meinung etwas tut, dadurch erhofft, selig zu werden und der ewigen Verdammnis zu entkommen. Damit uns solches nicht begegnet, sollen wir das Wort Gottes unseres Fußes Leuchte sein {Ps 119}. Dieses führt nicht zum Tode, sondern zum Leben.

13. Nach dem Lachen kommt Trauern, und nach der Freude kommt Leid.

Kommt Leid: So ist es mit der Freude dieses Lebens beschaffen, dass sich kaum eine Fröhlichkeit findet, bei der nicht auch etwas Trauriges ist, und es geschieht häufig, dass auf die Freude Traurigkeit folgt. Daher das Sprichwort: Keine Freude ohne Leid. Darum sollen wir, wenn es glücklich bei uns zugeht, nicht frohlocken, als ob uns nichts Widerwärtiges begegnen könne. Wir sollen uns nach der himmlischen Freude sehnen, da kann nichts Trauriges hineinkommen, sondern sie währt bis in alle Ewigkeit.

14. Einem losen Menschen wird‘s gehen, wie er handelt; aber ein Frommer wird über ihn sein.

Handelt: Also, dass er für seine Bosheit die gerechte Strafe empfange. Denn er wird hinunter gestoßen und zu Boden gedrückt werden.

Über ihn: Ein gottseliger Mensch, der sein Leben nach dem Worte Gottes ausrichtet, wird zu Ehren erhoben werden.

15. Ein Alberner glaubt alles; aber ein Witziger merkt auf seinen Gang.

Gang: Ein verständiger Mensch vertraut den Leuten nicht zu sehr, sondern gibt gut Acht, dass er von den Gottlosen und verschlagenen Leuten nicht betrogen wird. Und es wäre ein närrisches Leben, wenn man einem jeden alles glauben wollte. Denn ob man wohl nach der Art der christliche Liebe von den Leuten Gutes hoffen sollte, und ob Jesus seinen Jüngern befiehlt, dass sie einfältig sein sollen wie die Tauben, so hält er sie doch an, auch klug zu sein wie die Schlangen. Denn wer leicht alles glaubt, der wird leicht betrogen.

16. Ein Weiser fürchtet sich und meidet das Arge; ein Narr aber fährt hindurch dürstiglich.

Fürchtet: Dass er Gott nicht erzürne und so zeitliche und ewige Strafe über seinen Hals zieht, darum meidet er Sünden, oder, wenn er gefallen ist, so tut er wieder Buße.

Hindurch: Der Gottlose übertritt Gottes Gebot mit großer Verwegenheit und Sicherheit. Aber aus solcher fleischlichen Sicherheit wird oft eine letzte Verzweiflung.

17. Ein Ungeduldiger tut närrisch; aber ein Bedächtiger hasst es.

Hasst es: Nämlich solch ein närrisches Tun, bei dem man bald ungeduldig wird und sich dazu leicht zum Zorn bewegen lässt. Denn wer sehr schnell zornig wird und sich nicht mäßigen kann, der redet viel und tut viel im Zorn, das ihm übel ansteht. Wer aber zuvor die Sache bei sich selbst beratschlagt und bedenkt, was zu tun ist, der hasst und meidet einen solchen schnellen Zorn und enthält sich, damit er nichts tut, was er bald später bereut. Darum sollen wir vor dem Zorn als vor einem schädlichen Ratgeber fliehen.

18. Die Albernen erben Narrheit; aber es ist der Witzigen Krone, vorsichtiglich handeln.

Erben: Das ist: Die Gottlosen empfangen von ihrer Torheit und Bosheit nur Schmach, Sport und Schande. Aber die Weisen, die mit Gottes Wort unterrichtet sind, werden das rechte Lob empfangen, weil sie sich gottselig und klug verhalten haben. Dieses ist besser als aller Reichtum.

19. Die Bösen müssen sich bücken vor den Guten und die Gottlosen in den Toren des Gerechten.

Bücken: Sie müssen endlich denen Ehre geben, die sie zuvor mit großem Übermut verachtet haben. Denn Gott sorgt in dieser Welt dafür, dass die Gottlosen, welche die Frommen hochmütig behandelt haben, diesen bald danach zu Füßen fallen müssen. Ein Beispiel dafür gibt uns Simei {2Sam 19}. Darum sollen wir der Gottlosen Stolz mit Geduld abwarten, denn er wird sie einmal zu Boden stoßen.

20. Einen Armen hassen auch seine Nächsten; aber die Reichen haben viel Freunde.

Viel Freunde: Es geht in dieser Welt so zu, wo Glück ist, da will jedermann dabei sein. Wenn sich aber das Glück wieder wendet, so verlieren sich die Freunde auch, was aber hier vom Heiligen Geist nicht gelobt, sondern viel mehr gerügt wird. Wir sollen in der Freundschaft beständig bleiben, geht es unseren Freunden gut oder schlecht. Jedoch, wenn wir von den Freunden verlassen werden, sollen wir wie David sagen: Mein Vater und Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf {Ps 27}.

21. Der Sünder verachtet seinen Nächsten; aber wohl dem, der sich der Elenden erbarmt!

Verachtet: Und eben damit versündigt er sich wider Gott, dass er sich aus Verachtung seines Nächsten nicht annimmt, ihm auch keine Hilfe gewährt, obwohl er es könnte. Denn was ihr dem Geringsten unter den Meinen nicht getan, das habt ihr mir nicht getan, spricht Christus {Mt 25}.

Erbarmt: Wer sich aus christlicher Liebe der angefochtenen bekümmerten Leute herzlich annimmt, ihnen hilft, der wird im ewigen Leben reiche Belohnung dafür bekommen {Mt 25}.

22. Die mit bösen Ränken umgehen, werden fehlen; die aber Gutes denken, denen wird Treue und Güte widerfahren.

Umgehen: Dass sie mit bösen Praktiken großes Glück haben wollen, wie Betrüger, Glücksspieler und dergleichen Personal es tun, trifft weit daneben, denn anstatt eines guten Fortgangs ziehen sie sich selbst Unglück und die Strafen Gottes über den Hals.

Denken: Und Tun, denen wird Gott geben, dass ihnen wieder Gutes widerfährt, in dieser und in jener Welt. Nach dem Spruch: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen {Mt 5}.

23. Wo man arbeitet, da ist genug; wo man aber mit Worten umgeht, da ist Mangel.

Genug: Wer die Arbeit seines Berufes in Treue verrichtet, wird durch den Segen Gottes genug haben. Wo man aber viele Worte gebraucht, dazu die Arbeit mit geringem Fleiß verrichtet, da schleicht die Armut nach und nach herein. Denn Gott will, dass wir im Schweiße unseres Angesichtes unser Brot essen und nicht faul sind.

24. Den Weisen ist ihr Reichtum eine Krone; aber die Torheit der Narren bleibt Torheit.

Ihr Reichtum: Der ihnen von Gott besonders durch ihren Fleiß beschert wird. Dieser ist den Frommen eine Ehre, und sie können solchen mit gutem Gewissen behalten und besitzen. Sie bekommen daher auch die Gelegenheit, dass sie sich und viel Leute damit dienen können.

Bleibt Torheit: Die faulen und lässigen Leute empfangen zur Belohnung ihrer Faulheit Spott und Schande, dass jeder spüren muss, wie übel und töricht sie ihre Sachen ausrichten.

Ende

25. Ein treuer Zeuge errettet das Leben; aber ein falscher Zeuge betrügt.

Leben: Nämlich das eines unschuldigen Menschen, wenn er die Wahrheit frei heraus sagt, obwohl er weiß, dass er etliche vornehme und mächtige Gottlose dadurch erzürnt.

Betrügt: Denn was zweizüngige Leute und die ein falsches Herz haben, die reden nach dem Munde derjenigen die hoch achten und meinen einen Gewinn davon zu haben. Darum soll man nicht allein auf die Reden der Zeugen fleißig achten, sondern auch auf ihre Person ein Auge haben.

26. Wer den Herrn fürchtet, der hat eine sichere Festung, und seine Kinder werden auch beschirmet.

Festung: Darauf kann er sich ganz gewiss verlassen, dass er unter Gottes Schutz wie in einem festen Schloss ohne Gefahr bleiben kann, und Gott wird auch seine Kinder nach seinem Tode sich gnädig annehmen. Wie Gott auch zu Abraham gesagt hat: Ich bin dein Gott und deines Namens Gott nach dir. Dieses ist frommen Eltern ein großer Trost, die gern sehen, dass es ihren Kindern gut geht.

27. Die Furcht des Herrn ist eine Quelle des Lebens, das man meide die Stricke des Todes.

Meide: Wenn man Gott fürchtet, so erhält er uns, damit wir nicht in den Stricken des Teufels verwickelt und zum ewigen Tode hingerissen werden. Darum sollen wir Gott bitten, dass er uns in seiner wahren Furcht erhalte.

28. Wo ein König viel Volks hat, das ist seine Herrlichkeit; wo aber, wenig Volks ist, das macht einen Herrn blöde.

Herrlichkeit: Die Menge der Untertanen macht der Obrigkeit ein Ansehen, auch darum ist sie mächtig. Denn das Einkommen ist größer und wenn Krieg kommt, so kann die Obrigkeit ein mächtiges Heer ins Feld bringen, dazu kann er aus vielen Leuten fromme Männer erwählen, die er zur Verwaltung des Regimentes gebraucht. Darum sind jene großen Narren, welche meinen, dass die Menge der Bürger dem Regiment schädlich ist, davon können die Bürger nicht reich oder glücklich sein.

29. Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, der offenbart seine Torheit.

Geduldig ist: Wer in seinem Tun bedächtig handelt und nicht zu sehr eilt, der gibt damit zu verstehen, dass er mit einem hohen Verstand begabt ist. Wer sich aber zur Eile drängen oder zu Ungeduld und Zorn bewegen lässt, der zeigt an, dass er ein Narr ist.

30. Ein gütiges Herz ist des Leibes Leben; aber Neid ist Eiter in Beinen.

Leben: Wenn einer aufrichtig, freundlich und fröhlich ist, so erhält er seines Leibes Gesundheit länger, dagegen und im Gegenteil ein neidisches Herz sich nagt und verzehrt. Denn die Neidischen martern und peinigen sich selbst so, dass ihnen weder Essen noch Trinken schmeckt. So werden sie auch das Reich Gottes nicht der ererben {Gal 5}.

31. Wer dem Geringen Gewalt tut, der lästert desselben Schöpfer; aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott,

Schöpfer: Weil Gott es so rechnet, als wenn es ihm selbst geschehen wäre, was wir armen Leuten tun, sollen wir uns hüten, dass wir Ihnen nicht unrecht Gewalt tun, sondern ihnen vielmehr behilflich sein und sie nach unseren Vermögen fördern. Denn sie haben einen mächtigen Rächer.

32. Der Gottlose besteht nicht in seinem Unglück; aber der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost.

Besteht nicht: Sondern wird von seinen Anfechtungen umgestoßen, so dass er in Verzweiflung fällt.

Getrost: Wenn er gleich sterben muss, so hat er doch ein festes Vertrauen zu Gott, und weiß, dass er durch den Tod zum ewigen Leben eingeht {Joh 5}.

33. Im Herzen des Verständigen ruht Weisheit und wird offenbar unter den Narren.

Offenbar: Das ist: Wenn weise Leute und Narren zusammen sind, so erkennt man unter vielen Ungeschickten und Unverständigen einen Weisen und gottseligen Menschen leicht an der Rede. Denn die Reden der Weisen und der Narren sind leicht zu unterscheiden.

34. Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben.

Erhöht: Wenn bei einem Volk Gerechtigkeit geübt und Ehrbarkeit hochgehalten wird, so bekommt dieses Volk einen herrlichen Namen und wird weit und breit gerühmt. Aber wo die Ungerechtigkeit überhandnimmt und man der Ehrbarkeit den Rücken wendet, da wird ein solches Volk von jedermann verachtet und bekommt in den anderen Ländern einen bösen Namen. Darum sollen wir in Deutschland, die wir wegen unseres Glaubens, Gerechtigkeit und Wahrheit bisher in der ganzen Welt berühmt waren, wieder Fleiß darauf verwenden, dass wir solch ein Lob wieder bekommen.

35. Ein kluger Knecht gefällt dem König wohl, aber einem schändlichen Knecht ist er feind.

Feind: Denn Gleichwie ein frommer und verständiger Diener der Obrigkeit angenehm ist, so soll, wer mit schändlichen Sachen umgeht, wer sich mit Schmeichelworten und anderen bösen Praktiken bei der Obrigkeit einzuschleichen versucht, endlich in Ungnade fallen. Und wenngleich auch etliche ein großes Ansehen über eine gewisse Zeit bekommen, so fallen Sie doch bald danach in Ungnade, weil Gott ihnen selbst feind ist.


Das 15. Kapitel


1. Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hart Wort richtet Grimm an.

Linde: Luther: Ein gutes Wort findet eine gute Stätte.

Grimm: Denn wie ein gutes Wort einen guten Platz findet, so wird durch ein hartes Wort auch oft ein sonst redlicher Mensch so aufgebracht, dass er zornig wird. Weil aber die Christen sich des Friedens und der Ruhe bemühen sollen, so sollen sie auch der Sanftmut nachgehen, und der Störrigkeit fliehen.

2. Der Weisen Zunge macht die Lehre lieblich; der Narren Mund speit eitel Narrheit.

Lieblich: Weise und verständige Leute wissen die heilsame Lehre bei guter Gelegenheit und Klugheit zu bringen, dass sie lieblich und angenehm ist, aber die gottlosen Narren reden nicht nur unnütze Dinge, sondern schwätzen auch ihre Sachen so heraus, dass ein jeder frommer Mensch dadurch geärgert wird. Wir sollen darum nicht nur reden, was recht und nützlich ist, sondern uns auch mit Lehren und Ermahnen so verhalten, dass die Rede angenehm ist und dem Zuhörer zu Herzen geht {Eph 4} Luther: Der Weise kann fein helfen.

3. Die Augen des Herrn schauen an allen Orten beide, die Bösen und Frommen.

Allen Orten: Es gibt keinen Ort, der so weit weg ist, wo Gott nicht beides sieht, die Frommen und Gottlosen. Darum sollen wir an der väterlichen Hilfe nicht zweifeln, wenn wir fromm sind. Wir betragen uns ganz gleich in welchem Land oder Ort wir sind, und sollen uns vor Sünden hüten, damit wir nicht in dessen Ungnade fallen, bei Gott, der alles sieht.

4. Eine heilsame Zunge ist ein Baum des Lebens; aber eine lügenhafte macht Herzeleid.

Baum des Lebens: Ein gottseliger Mensch, der mit seiner Zunge solche Dinge redet, die zu des Nächsten Erbauung dienen, ist wie ein guter Baum, der gute Früchte bringt, weil dadurch die Menschen zeitliches und geistliches Leben gut fortgehen wird. Denn ein gottseliger Mensch tröstet die verwirrten Gewissen mit dem Worte Gottes, ermahnt brüderlich, dass man sich vor Sünden hüten soll, damit man das ewige Leben nicht verscherzt. Eine verkehrte Zunge dagegen erfreut nicht, sondern erschreckt vielmehr einen Menschen. Sie redet aber besonders von einer falschen Lehre in der Religion, welche die Gewissen nicht ruhig macht, sondern sie mehr martert, als hilft.

5. Der Narr lästert die Zucht seines Vaters; wer aber Strafe annimmt, der wird klug werden.

Lästert: Ein gottloser Mensch, der die Strafe seiner Eltern, Lehrmeister, Obrigkeit und Kirchendiener nicht als etwas Gutes annimmt, nicht dulden will, sondern sie schmäht und lästert, der gibt damit zu verstehen, dass er einen schlechten Verstand hat, mit welchem er auch verloren geht, wenn er nicht Buße tut. Wer aber die Strafen mit dankbarem Gemüt aufnimmt und folgt, der bessert sich von Tag zu Tag und nimmt an Verstand zu. Diese Erinnerung sollen wir wohl zu Herzen nehmen, weil wir alle von der Natur der Strafe feind sind.

6. In des Gerechten Hause ist Guts genug, aber in dem Einkommen des Gottlosen ist Verderben.

Guts genug: Denn Gott gibt den Frommen genügend Nahrung, dass man sie nicht zu Unrecht reich nennen soll, weil sie genug haben, und wohlvergnügt sind. Aber wenn die Gottlosen gleichgroßes Gut haben, so wird es doch verschwinden.

7. Der Weisen Mund streut guten Rat; aber der Narren Herz ist nicht also.

Guten Rat: Als einen guten Samen, damit man immer etwas von Ihnen hören kann, was in den Herzen wurzelt und zu seiner Zeit gute Früchte bringt. Aber von den gottlosen Narren hört man nichts als unnütze Dinge, woraus niemand gebessert, sondern geärgert wird. Darum sollen wir uns an die frommen und verständigen Leuten halten, und die tollen Gottlosen fahren lassen.

8. Der Gottlosen Opfer ist dem Herrn ein Gräuel; aber das Gebet der Frommen ist ihm angenehm.

Opfer: Das ist: Die Gottesdienste, die von den Gottlosen und unbußfertigen Leuten ausgerichtet werden, sind Gott nicht angenehm, ja er hat sogar ein Gräuel daran. Denn weil ihre Person Gott nicht gefällt, so können auch ihre Werke nicht gefallen. Darum ist Gott den Gottlosen feind, ob sie auch beten oder gebrauchen die Sakramente oder geben Almosen, oder loben Gott mit Gesang.

Angenehm: Weil sie vor Gott durch den Glauben gerechtfertigt sind, sind sie ihm um Christi Willen angenehm, darum gefällt ihm auch ihr Gebet und er erhört es. Ebenso wie alle anderen Werke, die sie aus dem Glauben tun, ihm gefallen, obwohl sie auch nicht ohne Fehler sind.

9. Des Gottlosen Weg ist dem Herrn ein Gräuel; wer aber der Gerechtigkeit nachjagt, der wird geliebt.

Weg: Das ist: All ihr Tun und was sie anfangen. Denn weil Gott an den gottlosen Gottesdiensten kein Gefallen hat, wie zuvor geschrieben, so wird er ihre Sünden, die sie wider das Gewissen begehen, vielmehr verwerfen. Welche aber zur Frömmigkeit einen Fleiß haben, die liebt Gott, wie ein Vater seine gehorsamen Kinder lieb hat.

10. Das ist eine böse Zucht, den Weg verlassen; und wer die Strafe hasst, der muss sterben.

Böse Zucht: Die haben es noch nicht richtig begriffen und können für ihre Seligkeit nichts schaffen, welche im Glauben oder im Lebenswandel von dem Wort Gottes abweichen. Darum sollen wir Gott bitten, dass er uns im wahren Glauben und in der Gottseligkeit bis an das Ende unseres Lebens erhalten möchte.

Hasst: Wer sich nicht auf den Weg der Gebote weisen lassen will, sondern darüber unwillig wird, wenn man ihm sein Unrecht vorhält, der wird in seinen Sünden des ewigen Todes sterben.

11. Hölle und Verderbnis ist vor dem Herrn; wie viel mehr der Menschen Herzen!

Herzen: Weil auch in der Hölle selbst, wo doch sonst nichts als das Verderben und der ewige Tod ist, Gott dem Herrn nichts verborgen ist, wie viel weniger werden ihm die Gedanken des Menschen unbekannt sein, die er im Herzen hat. Darum sollen wir den unreinen und Gottlosen Gedanken nicht nachhängen, auf dass wir Gott nicht erzürnen, dem solche ein Gräuel sind.

12. Der Spötter liebt nicht, der ihn straft, und geht nicht zu den Weisen.

Liebt nicht: Wer es unterlässt, den Spötter und Verächter des Wortes Gottes zurechtzuweisen, der wird keinen Dank bei ihm verdienen, sondern vielmehr Hass und Feindschaft auf sich laden, nichts Fruchtbares ausrichten. Denn solche Leute haben keine Lust, mit den Frommen umzugehen, damit sie gebessert würden. Darum soll man das Heilige nicht den Hunden geben, noch die Perlen vor die Säue werfen {Mt 7}. Luther: Die ruchlosen Spötter lassen sich nichts sagen.

13. Ein fröhlich Herz macht ein fröhliches Angesicht; aber wenn das Herz bekümmert ist, so fällt auch der Mut.

Angesicht: Aus dem Gesicht eines Menschen kann man leicht erkennen, ob das Herz fröhlich oder traurig ist. Denn obwohl verständige Leute eine Zeit lang die Schmerzen im Herzen verbergen und sich äußerlich fröhlich stellen, so kann man doch solche angenommene Weise bemerken, wenn einer darauf achtet. Man soll deshalb darauf achten, damit wir traurige Brüder trösteten und ihr Herzeleid lindern.

14. Ein kluges Herz handelt bedächtig; aber die kühnen Narren regieren närrisch.

Bedächtig: Weil er sich bemüht, die Weisheit des göttlichen Wortes zu lernen und in der Erkenntnis Gottes und seines Willens täglich dazuzulernen. Aber die Unverständigen haben Lust zum Irrtum und suchen ihre Freude in unrechten Sachen.

15. Ein Betrübter hat nimmer keinen guten Tag; aber ein guter Mut ist ein täglich Wohlleben.

Wohlleben: Wer sich mit traurigen Gedanken immer martert und plagt, der hat nie eine fröhliche Stunde, wer aber seine Sorgen auf Gott den Herrn wirft, der kann dieses in diesem Leben freuen und gut leben. Denn man muss die Traurigkeit aus dem Sinn schlagen, weil sonst die Kräfte des Leibes und des Gemütes geschwächt werden, und die Werke unseres Berufes gehindert, und auch das Leben abgekürzt wird. Darum sagt der Apostel: Freut euch in dem Herrn allewege, und sage noch mal, freut euch {Phil 4}.

16. Es ist besser ein wenig mit der Furcht des Herrn denn großer Schatz, darin Unruhe ist.

Wenig: Wenn einer mit gutem Gewissen und bei guter Ruhe sein tägliches Brot hat, der führt ein viel besseres Leben als ein anderer, der großen Reichtum besitzt, hat aber daneben ein unruhiges Gewissen und das Herz voller Sorgen. Denn die, die reich werden wollen, mit vielen närrischen Sorgen sich verstricken {1Tim 6}. Also sind auch die nicht viel ruhiger, welche ein großes Gut bekommen haben, indem sie sich nicht bemühen solches zu behalten, sondern wollen immer noch mehr haben. Diese sorgen häufig so sehr für das Zeitliche, dass sie darüber das Himmlische versäumen und verlieren.

17. Es ist besser ein Kraut mit Liebe denn ein gemästeter Ochse mit Hass.

Mit Liebe: Der ist viel glücklicher, welcher eine schlechte Speise hat und mit seiner Frau und Nachbarn im Frieden und Ruhe lebt, als jemand, der zwar köstlich lebt, aber von vielen angefeindet wird und sich immer mit den Leuten zanken muss. Darum sind die närrisch, welche um zeitliche Güter sich viele Feinde machen, damit sie köstlich leben können, Zank und Unwillen erregen.

18. Ein zorniger Mann richtet Hader an; ein Geduldiger aber stillt den Zank.

Stillt: Der Friede ist viel besser als der Unfriede, darum sollen wir uns um Langmütigkeit bemühen und uns des Zorns enthalten.

19. Der Weg des Faulen ist dornig; aber der Weg der Frommen ist wohl gebahnt.

Dornig: Denn faule Leute, die ihrem Beruf nicht nachkommen, wollen, finden immer Vorwand, damit sie in ihrem Beruf nicht weiter machen dürfen. Welche aber recht gottselig sind, um Gott zu dienen, und dazu den Nächsten nützlich zu sein begehren, die haben einen guten richtigen Weg, weil sie wissen, was sie tun sollen, und Gott zu ihrem Vorhaben Glück gibt. Dieser Text ist für die geschrieben, die ihre Sachen von einem Tag auf den anderen schieben und nichts ausrichten. Leider findet man in allen Berufen zu viele von diesen Leuten.

20. Ein weiser Sohn erfreut den Vater; und ein närrischer Mensch ist seiner Mutter Schande.

Erfreut: Damit wir nun mehr Freude als Schmach an den Kindern erleben, so sollen wir sie in der Gottseligkeit und Gottesfurcht erziehen, welches die größte Weisheit ist. Und wir sollen Gott fleißig anrufen, dass er zu unserem Tun Glück und Gedeihen geben möchte.

21. Dem Toren ist die Torheit eine Freude; aber ein verständiger Mann bleibt auf dem rechten Wege.

Freude: Die Gottlosen haben ihre Lust und Freude daran, wenn sie etwas Unrechtes tun, so ist Ihnen die Sünde nicht zuwider. Aber die Frommen sind vorsichtig und hüten sich, dass sie Gott nicht mutwillig beleidigen.

22. Die Anschläge werden zunichte, wo nicht Rat ist; wo aber viel Ratgeber sind, bestehen sie.

Nicht Rat: Wer nicht Rat bei weisen Leuten sucht, der kann sich zwar viel erdenken, dass er meint, es sei ihm nützlich und gut, aber es wird dann häufig nicht so gehen, wie er es sich vorgenommenen hat, sondern er wird noch häufig darüber Spott und Schande haben. Häufig ergeht es so Fürsten und Herren, welche auf treue Weise und gottselige Ratgeber hören und ihnen folgen, dass sie solche Sachen machen, die einen Verstand haben und richtig ausgerichtet werden können.

23. Es ist einem eine Freude, wo man ihm richtig antwortet; und ein Wort zu seiner Zeit ist sehr lieblich.

Lieblich: Wer gute und heilsame Sachen redet, der wird sich darüber freuen, wegen des Zeugnisses seines guten Gewissens. Und es hat eine gute Rede großen Nutzen, wenn sie zur rechten Zeit ausgesprochen wird. Darum soll ein frommer und verständiger Mensch immer danach streben, dass er rede, was heilsam ist, und auch darauf achtet, dass er es zu rechter Zeit redet. Denn es ist manchmal besser zu schweigen, als dass man zur Unzeit redet. Es ermahnt uns aber der weise König Salomo so oft, dass wir weise und zur rechten Zeit reden sollen, weil er wohl gewusst hat, dass man in keiner Sache zu schnell sein soll und etwas übersehen, als dass man Böses oder zu Unzeit rede.

24. Der Weg des Lebens geht, überwärts klug zu machen, auf dass man meide die Hölle unterwärts.

Überwärts: Das ist: Das Wort Gottes lehrt den, der sich lehren lässt und fromm ist, den rechten Weg, wie man in den Himmel kommt und den Tiefen der Höllen entgeht. Darum sollen wir auf dem Weg des Lebens bleiben und uns bemühen und Gott bitten, dass er uns beständig darauf erhalte.

25. Der Herr wird das Haus der Hoffärtigen zerbrechen und die Grenze der Witwen bestätigen.

zerbrechen: Gott wird die mit ihren Nachkommen und Gütern zugrunde richten, welche mit großem Hochmut anderer Leute Güter an sich reißen, und die Schwachen unterdrücken. Aber die Weisen und Verachteten wird er schützen und ihnen endlich Recht verschaffen. Dieser Spruch soll die Stolzen schrecken und die Unterdrückten trösteten.

26. Die Anschläge des Argen sind dem Herrn ein Gräuel; aber tröstlich reden die Reinen.

Gräuel: Gott verwirft der bösen Leute gottlose und unreine Gedanken, weil sie nur dahin gerichtet sind, dass sie mit bösen und schädlichen Sachen handeln. Aber die Frommen denken und reden, was Gott angenehm und dem Nächsten lieblich und nützlich ist. Oder aber, wenn manchmal auch in ihrem Herzen böse Gedanken entstehen, so hängen sie diesen doch nicht lange nach, sondern unterdrücken sie. Darum werden sie ihnen nicht zugerechnet, sondern mit dem Verdienst von Jesus zugedeckt. Luther: Die Rede der Freundlichen sind rein.

27. Der Geizige verstört sein eigen Haus; wer aber Geschenk hasst, der wird leben.

Verstört: Wer aus geizigem Herzen und mit Unrecht Reichtum sammelt, den mögen die Leute nicht. Diese sammeln auch zugleich den Fluch Gottes, wodurch solche Güter zerstreut werden und Gott kürzt ihnen das Leben ab, wenn sie meinen, sie möchten ihr unrechtes Gut jetzt genießen. Und dieses widerfährt allgemein denen, die ein Amt in der Regierung haben und mit Recht und Gerechtigkeit umgehen sollen, sich aber dagegen mit Geschenken bestechen lassen. Welche aber die Geschenke nicht achten, sondern mit gottseligen und aufrichtigen Herzen ihr Amt recht tun, die werden von Gott gesegnet und ihnen wird das Leben auf viele Jahre verlängert.

28. Das Herz des Gerechten dichtet, was zu antworten ist; aber der Mund der Gottlosen schäumt Böses.

Dichtet: Ein frommer Mensch bedenkt bei sich, was er antworten will, damit er Gott und den Nächsten nicht beleidigt. Aber ein gottloser Mensch schwatzt heraus, was ihm einfällt, und redet solche Sachen, die wider Gott und dem Nächsten schädlich sind. Darum kann man aus der Menschen Rede urteilen, was sie im Sinn führen: Und wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über, spricht Christus {Mt 12}.

29. Der Herr ist ferne von den Gottlosen; aber der Gerechten Gebet erhört er.

Ferne: Darum dürfen sich die Gottlosen mit keiner Hilfe von Gott trösten. Wenn aber die Frommen in Gefahr sind und zu Gott rufen, so werden sie erhört und erlöst.

30. Freundlicher Anblick erfreut das Herz; ein gutes Gerücht macht das Gebeine fett.

Anblick: Wenn große und gewaltige Leute einen freundlich ansehen, so wird eines Menschen Herz sehr fröhlich darüber, denn es ist ein Zeichen der Gunst und Gnade. Wenn man uns alles Gute nachsagt, so freuen wir uns. Damit aber hohe Personen uns freundlich ansehen und man uns Gutes nachsagt, sollen wir unserem Beruf treu und fleißig in der Gottseligkeit nachkommen, denn dann werden wir beides erlangen.

31. Das Ohr, das da hört die Strafe des Lebens, wird unter den Weisen wohnen.

Hört: Das ist: Ein Mensch, der nützliche und heilsame Erinnerungen annimmt, wird in der Kirche Gottes mit Lob und Ruhm sich verhalten, weil er in der wahren und himmlischen Weisheit sehr zunehmen wird.

32. Wer sich nicht ziehen lässt, der macht sich selbst zunichte; wer aber Strafe hört, der wird klug.

Zunichte: Er ist seinem Leben feind, der keine Strafe oder Ermahnung für gut annimmt. Wer sich aber weisen lässt, der erhält beides, sein zeitliches und ewiges Leben.

33. Die Furcht des Herrn ist Zucht zur Weisheit; und ehe man zu Ehren kommt, muss man zuvor leiden.

Zucht: Das ist: Die Furcht Gottes lehrt die wahre und himmlische Weisheit, so dass die, welche Gott fürchten, recht und weise werden in den Sachen, die zur Ehre Gottes und ihrer eigenen ewigen Seligkeit gehören.

Leiden: Denn wen Gott erhöhen will, den demütigt er vorher unter dem Kreuz. Wenn wir deswegen gedemütigt werden, so sollen wir nicht verzagen, sondern gewiss sein, dass Gott an unsere Erhöhung denkt, geschieht es nicht in diesem zeitlichen Leben, dass wir zu Ehren erhoben werden, so wird es uns doch in der himmlischen Freude und Herrlichkeit widerfahren.


Das 16. Kapitel


1. Der Mensch setzt ihm wohl vor im Herzen; aber vom Herrn kommt, was die Zunge reden soll.

Wohl vor: Es nimmt sich ein Mensch oft vor, was er reden will, aber Gott regiert seine Zunge, dass er oft solche Sachen sagt, die er nicht im Sinn gehabt hat. Wenn nun solches in weltlichen Sachen stattfindet, wird es sicherlich in geistlichen Sachen auch sein. Daher kann der freie Wille nichts ausrichten.

2. Einen jeglichen dünken seine Wege rein sein; aber allein der Herr macht das Herz gewiss.

Rein sein: Er meint, er sei in seinem Vorhaben richtig, besonders wenn es eine ehrliche Sache ist. Gott gibt aber den Auserwählten solch ein Herz und Gemüt, dass sie es nicht nur meinen, sondern gewiss sind, dass ihr Tun Gott gefalle.

3. Befiehl dem Herrn deine Werke, so werden deine Anschläge fortgehen.

Fortgehen: Richte du deinen Beruf aus und befiehl den Ausgang mit inbrünstigem Gebet Gott dem Herrn, bekümmere dich auch nicht mit vergeblichen Sorgen, so wirst du erfahren, dass es alles gut geht, was du tust.

4. Der Herr macht alles um sein selbst willen, auch den Gottlosen zum bösen Tage.

Selbst willen: Gott hat alles erschaffen zu seines Namens Ehre, damit seine Weisheit, Allmacht und Güte daraus erscheine. Er ist auch Schöpfer der gottlosen Menschen, obwohl er vorher schon sah, dass sie gottlos und unbußfertig sind. Aber ihr gottloses Wesen und Tun hat er darum nicht erschaffen, denn das bringen sie erblich aus dem Mutterleibe mit auf die Welt, aber ihren Leib und ihre Seele erschafft Gott. Er wird einmal durch ernste Strafe seine Gerechtigkeit und gerechtes Gericht zeigen, genau wie er dagegen die Frommen selig macht, seine Barmherzigkeit und Güte an ihnen erklärt.

5. Ein stolzes Herz ist dem Herrn ein Gräuel und wird nicht ungestraft bleiben, wenn sie sich gleich alle aneinanderhängen.

Stolz Herz: Ein aufgeblasener Mensch, der mit großem Übermut andere unterdrückt, ist vor den Augen Gottes ein Scheusal, und bleibt nicht ungestraft. Es kann ihm auch niemand helfen, wenn er sich mit Menschen seinesgleichen umgibt, sich mit diesen verbindet und meint, seine Sache so zu behaupten.

6. Durch Güte und Treue wird Missetat versöhnt; und durch die Furcht des Herrn meidet man das Böse.

Versöhnt: Wenn man dem Nächsten Gutes tut und sich freundlich gegen ihn zeigt, es aus einem bußfertigen Herzen kommt, dann ist das Gott so angenehm, dass er denjenigen, welche schwer gesündigt haben, viel zeitliche Strafen erlässt. Aber vor Gott versöhnen unsere guten Werke die Sünden nicht. Denn allein das Blut von Jesus hat unsere Sünden bei Gott versöhnt.

Das Böse: Wo bei einem Menschen die wahre Furcht Gottes im Herzen ist, da wird dieser sich mit Ernst von Sünden fernhalten und wird nicht nur vor den Leuten ehrlich leben, sondern sich auch vor heimlichen Sünden hüten. Denn das sind die Früchte einer wahren Buße.

7. Wenn jemandes Wege dem Herrn wohl gefallen, so macht er auch seine Feinde mit ihm zufrieden.

Zufrieden: Worauf sie seine Freunde werden, weil sein Tun Gott gefällt. Darum sollen wir uns bemühen, dass wir Gott dem Herrn gefallen mögen, denn dann wird er uns viele Leute und auch die Herzen der Feinde uns günstig stimmen, sofern es zu seiner Ehre und unserer Seligkeit nützlich sein wird.

8. Es ist besser wenig mit Gerechtigkeit denn viel Einkommens mit Unrecht.

Besser: Es ist auch nützlicher, dass man wenig Güter hat, die mit Recht erworben sind, als dass man großen Reichtum besitzt, den man mit Unrecht zusammengebracht hat. Denn recht erworbenes Gut hat den Segen Gottes und beschert ein ruhiges Gewissen dazu. Bei Reichtum dagegen, der mit Unrecht zusammen gebracht worden ist, da findet man das Gegenteil.

9. Des Menschen Herz schlägt seinen Weg an, aber der Herr allein gibt, dass er fortgehe.

Weg an: Es nimmt sich zwar ein Mensch vor, was er tun will, aber wo Gott sein Vorhaben nicht geraten lässt, dort wird er nichts ausrichten. Wenn darum in äußerlichen Sachen des Menschen Wille nicht frei ist, wie viel weniger wird es in geistlichen Sachen sein.

10. Weissagung ist in dem Munde des Königs; sein Mund fehlt nicht im Gericht.

Königs: Luther: Denn er richtet nach dem Recht oder Gesetz, welches Gott bestätigt, und gebietet als ein öffentliches Amt.

Fehlt nicht: Gott begabt die Könige, Fürsten und Obrigkeiten mit einer besonderen Weisheit, aufgrund derer sie Entscheidungen in Streitfragen zu urteilen wissen, wer Recht oder Unrecht hat. Darum soll sich niemand unterstehen, seine Obrigkeit mit List zu betrügen. Und auch die Untertanen sollen der Obrigkeit Handlungen nicht öffentlich verwerfen.

11. Rechte Waage und Gewicht ist vom Herrn; und alle Pfunde im Sack sind seine Werke.

Vom Herrn: Der Gebrauch von Gewicht und Maß ist alles Gottes Ordnung. Darum soll man sie mit Unrecht und Betrug nicht verfälschen. Und es soll die Obrigkeit darauf achthaben, dass die Untertanen diese Ordnung Gottes nicht zerrütten oder hindern. Es wird auch der Irrtum der Wiedertäufer mit diesem Spruch belegt, welche behaupten, dass ein Christ etwas Eigenes nicht mit gutem Gewissen besitzen kann. Denn wenn das richtig wäre, dass ein frommer Mensch nichts Eigenes haben darf, wozu wären dann Gewicht und Maß nützlich?

12. Vor den Königen unrecht tun, ist ein Gräuel; denn durch Gerechtigkeit wird der Thron bestätigt.

Bestätigt: Fromme und gottselige Obrigkeit ist den Leuten feind, die mutwillig und unrecht handeln, wenn sie auch mächtig sind oder mit Schmeichelei bei den Obrigkeiten Ansehen zu bekommen begehren. Denn es wissen fromme Obrigkeiten, dass ihr Amt mit bösen Praktiken nicht bestätigt wird, oder wenn man zu den Lastern und Übeltaten durch die Finger sieht, sondern wenn man Recht und Gerechtigkeit übt. Darum ziehen sie die Bösen zur gerechten Strafe, sobald sie dazu Gelegenheit haben, und sind den Gottlosen Ratgebern feind.

13. Recht raten gefällt den Königen; und wer gleich zu rät, wird geliebt.

Zu rät: Wer ohne Angst frei und öffentlich herausredet, was wahr und recht ist, der wird von den Obrigkeiten geliebt geschätzt, genau wie sie die Listigen verachten, die nur immer reden, was man gerne hört.

14. Des Königs Grimm ist ein Bote des Todes; aber ein weiser Mann wird ihn versöhnen.

Todes: Wer in die Ungnade eines Königs gerät, der soll wissen, dass er in der Gefahr seines Lebens ist. Wenn aber ein gottseliger und verständiger Mensch dabei ist, kann der mit einer demütigen Fürbitte oder Entschuldigung das Gemüt eines zornigen Fürsten mildern und zur Güte bewegen. Solches sollten nicht alleine die tun, die in der Gefahr sind, sondern auch andere, mit denen sich große Fürsten umgeben.

15. Wenn des Königs Angesicht freundlich ist, das ist Leben; und seine Gnade ist wie ein Abendregen.

Ist Leben: Ein freundliches und gnädiges Gesicht des Königs oder Fürsten erfreut die Diener und Untertanen genau wie ein fruchtbarer warmer Regen, der das Land befeuchtet. Darum sollen die Obrigkeiten sich bemühen, freundlich zu sein, damit sie bei den Untertanen beliebt werden und diese ihnen Leib und Gut im Fall der Not geben.

16. Nimm an die Weisheit, denn sie ist besser weder Gold, und Verstand haben, ist edler denn Silber.

Nimm an: Bemühe dich der wahren und himmlischen Weisheit, die aus dem Worte Gottes geschöpft wird, und lass dir diese lieber sein als allen irdischen Reichtum. Denn Reichtum nützt nicht zur Seligkeit, Weisheit aber lehrt den Weg zum ewigen Leben.

17. Der Frommen Weg meidet das Arge; und wer seinen Weg bewahrt, der behält sein Leben.

Meidet: Das ist: Ein gottseliger Mensch hütet sich, dass er nichts Böses begehe, wenn ihm das Heil seiner Seele wichtig ist. Er achtet darauf, dass er auf dem Wege der Gebote Gottes bleibt. Diejenigen, die sich der Laster bemühen und von dem Wege Gottes mutwillig abweichen, die soll man nicht für fromme Leute halten, auch wenn sie sich so stellen, als wären sie eifrig in der Religion.

18. Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und stolzer Mut kommt vor dem Fall.

Fall: Also dass diejenigen, welche bald danach schwer fallen und in großes Unglück geraten werden, obwohl sie zuvor einen hohen Geist gehabt, je näher sie dem Fall kommen, übermütig werden. Wenn wir darum sehen, dass einer einen großen Mutwillen treibt, so sollen wir dabei denken, dass sein Verderben vor der Tür steht. Der Fall der Stolzen, und ihr Untergang, soll dazu dienen, dass wir demütig sind.

19. Es ist besser niedriges Gemüts sein mit den Elenden, denn Raub austeilen mit den Hoffärtigen.

Niedriges Gemüts: Dass man sich unter dem Kreuz mit anderen Gottseligen stellt, die auch angefochten und betrübt sind, demütigen, ist ratsamer als mit den Gottlosen gehen, die stolz sind und in großem Glück leben, denn diese werden bald danach gestürzt und kommen um. Jene aber werden erhöht und ihre Traurigkeit wird in Freude verändert.

20. Wer eine Sache klüglich führt, der findet Glück; und wohl dem, der sich auf den Herrn verlässt.

Führt: Welcher weiß wie er eine Sache richtig angeht und behandeln soll, der wird sie zum glücklichen Ausgang bringen. Doch solle er sich nicht auf seine Weisheit und Kunst verlassen, sondern sein Vertrauen auf Gott setzen, der sein Tun regieren und dahin richten werde, damit es glücklich ausgeht. Wer das tut, der ist ein recht glückseliger Mann.

21. Ein Verständiger wird gerühmt für einen weisen Mann, und liebliche Reden lehren wohl.

Lehren wohl: Denn es wird einer nicht für Weise und verständig gehalten, wenn er von seiner Weisheit viel rühmt, sondern derjenige, der es mit der Tat in seinem Reden und Tun beweist, dass er ein verständiges Herz hat, der wird das Lob der Weisheit davon tragen. Und ein solcher verständiger Mensch wird auch andere mit seinen weisen Reden weiser und gelehrter machen. Darum sollen wir uns viel mehr bemühen, die göttliche Weisheit zu erlangen, als dass wir nur nach großem Reichtum trachten wollten.

22. Klugheit ist ein lebendiger Brunn dem, der sie hat; aber die Zucht der Narren ist Narrheit.

Brunn: Das ist: Der rechte Verstand des göttlichen Wortes ist wie ein heilsamer Brunnen, woraus köstliches Wasser oder Lehren fließen, durch welche der Mensch erfrischt und erquickt wird, damit er das ewige Leben nicht verfehlt. Aber der Gottlosen Leute Lehre ist voller Irrtum und führt zum Tod. Darum sollen wir die gottseligen und verständigen Leute in Ehren halten, aber der gottlosen Lehre und Wandel meiden.

23. Ein weises Herz redet klüglich und lehrt wohl.

Klüglich: Ein verständiger Mensch weiß, was er Reden soll.

Lehrt wohl: Wenn das Herz mit der heilsamen Erkenntnis des Wortes Gottes erleuchtet ist, wird der Mensch etwas Nützliches reden und heilsames lehren. Darum sollen wir Gott bitten, dass er unsere Herzen mit seinem Wort erleuchte, damit wir mit rechter und ordentlicher Rede und Ermahnen auch anderen nützlich sein können.

24. Die Reden des Freundlichen sind Honigseim, trösten die Seele und erfrischen die Gebeine.

Honigseim: Seliger Trost aus Gottes Wort, besonders wenn es aus der Bibel genommen wird, ist lieblich und erfreut, erquickt und erfrischt das Herz, den Leib und die Seele. Solch einen Trost hat man in der Heiligen Schrift täglich, wofür wir Gott danken sollen, und es gebrauchen, um die geängstigten und geschlagenen Gewissen damit aufzurichten.

25. Manchem gefällt ein Weg wohl; aber sein Letztes reicht zum Tode.

Zum Tode: Es kann wohl geschehen, dass ein Mensch entweder in Religionssachen oder auch in anderem Tun meint, er sei auf dem richtigen Weg, und will sich darum auch nicht davon abweisen lassen, doch sein Vorhaben führt entweder zum zeitlichen oder ewigen Tode.

26. Mancher kommt zu großem Unglück durch sein eigenes Maul.

Maul: Wer seine Zunge nicht im Zaum hält und solche Dinge redet, durch die er meint, anderen zu schaden, der wird sich selber mit seinem bösen Maul in Gefahr bringen und in die Grube stürzen, welche er anderen gegraben hat.

27. Ein loser Mensch gräbt nach Unglück, und in seinem Maul brennt Feuer.

Brennt Feuer: Ein gottloser Mensch hat keine Ruhe bis er mit seinen bösen und nachteiligen Reden ein Unglück angestiftet hat, er zündet auch Zank und Hader an, als wenn einer Feuer in eine Stadt geworfen hätte. So ein schädliches Ding ist es mit eines gottlosen Menschen falscher und lästerlicher Zunge.

28. Ein verkehrter Mensch richtet Hader an, und ein Verleumder macht Fürsten uneins.

Hader an: Auch unter denen, die vorher die besten Freunde miteinander gewesen sind.

Fürsten uneins: Dass sie sich untereinander streiten und die Freundschaft aufkündigen. Davon gibt es viele Beispiele, da auch Fürsten und Brüder durch geschwätzige Mäuler gegen einander verhasst sind. Aber solche Störer des Friedens sollte man vom Hofe der Fürsten jagen, damit sie nicht Uneinigkeit unter den Fürsten erregen, wodurch häufig Kriege entstehen.

29. Ein Frevler lockt seinen Nächsten und führt ihn auf keinen guten Weg.

Lockt: Er verwickelt ihn in Sünden und Laster, wenn er ihm vertraut, und bringt ihn so ins Verderben, so dass er mit ihm zur Strafe gezogen wird.

30. Wer mit den Augen winkt, denkt nicht Gutes; und wer mit den Lippen deutet, vollbringt Böses.

Deutet: Welche mit den Augen und Lippen eine Andeutung machen (wie verschlagene Leute zu tun pflegen), die sind verkehrt und haben kein aufrichtiges Gemüt, gehen nur mit bösen Tücken um und trachten danach, wie sie diese in die Tat umsetzen. Vor solcher Leute Gemeinschaft, die mit den Augen zu reden pflegen, soll man sich hüten, damit man nicht in Gefahr kommt.

31. Graue Haare sind eine Krone der Ehren, die auf dem Wege der Gerechtigkeit gefunden werden.

Gefunden werden: Einem Mann stehen graue Haare wohl an und sind eine große Zierde, sofern er fromm ist und ein unsträfliches Leben führt. Dagegen sind die Gottlosen Alten vor Gott ein Gräuel und werden Kinder haben, die auch endlich des ewigen Todes sterben {Jes 65}. (Wir sollen fromme Alte in Ehren halten)

32. Ein Geduldiger ist besser denn ein Starker, und der seines Muts Herr ist, denn der Städte gewinnt.

Geduldiger: Wer langmütig ist und sich von dem Zorn nicht so schnell einnehmen lässt, macht es besser und es ist auch mehr von ihm zu halten, als von einem Starken der in der Schlacht viele Feinde zu Boden geschlagen hat. Und wer sich selber mäßigen kann, dass er seinen bösen Begierden widersteht, der tut ein größeres Werk als der, der eine feste Stadt erobert. Denn das sind vor Gott die rechten Helden, welche durch den Heiligen Geist über die Lüste des Fleisches und der Begierden herrschen. Darum sollen wir viel mehr nach solchem Lob streben, als dass wir uns rühmen können, wir haben wer weiß wie viele Feinde in die Flucht geschlagen.

33. Los wird geworfen in den Schoß; aber es fällt, wie der Herr will.

Will: Wenn man das Los über irgendeine Sache wirft, so hält man es für ein ungefährliches Ding, es wird aber doch von Gott regiert. So ist der Kirchenräuber Achan durch das Los überführt worden {Jos 7}, durch das Los hat man den König Saul erwählt {1Sam 10} und durch das Los ist auch Matthias den 12 Aposteln zugeordnet worden. Dieses soll jedoch nicht heißen, dass wir durch abergläubische Weise mit dem Los unsere Sachen erforschen sollen, sondern es wird hier zu verstehen gegeben, dass nichts in dieser Welt so gering ist, dass nicht Gott der Herr auch dabei ist, und es zur seines Namens Ehre richtet. Darum sollen wir wissen, dass wir unter dessen Schutz leben, der bei allen Kreaturen und bei allem ihrem Tun gegenwärtig ist und alles in seiner Gewalt hat, so dass auch kein Sperling ohne ihn auf diese Erde fällt {Mt 10}.


Das 17. Kapitel


1. Es ist ein trockner Bissen, daran man sich genügen lässt, besser denn ein Haus voll Geschlachtetes mit Hader.

Geschlachtetes: Wovon man ein großes Büfett anrichten kann, man aber keine ruhige Stunde dabei hat, sondern immer nur im Streit und Uneinigkeit lebt. Darum soll man sich lieber eine geringe Nahrung wünschen, aber mit guten Frieden und ohne Streit. Daraus lernen wir, wie in allen Ständen der Friede hoch nötig ist.

2. Ein kluger Knecht wird herrschen über unfleißige Erben und wird unter den Brüdern das Erbe austeilen.

Erben: Wenn die Kinder im Hause ungeschickt und faul sind und nichts gelernt haben, so kommt es mit ihnen dahin, dass die Eltern einem verständigen Knecht im Hause ihre Sachen anvertrauen, damit er nach seinem Gefallen damit umgeht. So geschieht es auch oft, wenn man die Sache bei Licht besehen will, dass die Knechte oder Diener ihre Herren regieren, besonders, wenn die Herren träge und faul sind.

3. Wie das Feuer Silber und der Ofen Gold, also prüft der Herr die Herzen.

Herzen: Genau wie das Silber und Gold durch das Feuer gemacht wird, so macht Gott durch das Feuer der Trübsal und Anfechtung unsere Herzen, damit wir uns selbst erkennen, ob wir Gott mit Ernst fürchten und ihm wahrhaftig vertrauen {1Petr 1}. Darum sollen wir zusehen, dass wir eine solche Probe bestehen und rechtschaffen erkannt werden.

4. Ein Böser achtet auf böse Mäuler, und ein Falscher gehorcht gerne schädlichen Zungen.

Gerne: Wer ein verkehrtes und boshaftes Gemüt hat, der hört gern falsche Ratschläge, und leichtfertige unachtsame Leute folgen denen willig, welche zu bösen Sachen raten. Aber ein verständiger und frommer Mensch hört nicht auf solche Ratgeber, die zu unrechten Sachen hetzen, die dem Nächsten schädlich sind.

5. Wer des Dürftigen spottet, der höhnt desselben Schöpfer; und wer sich seines Unfalls freut, wird nicht ungestraft bleiben.

Seines: Nämlich das Armen, dass er ihn noch dazu in seinem Elend verspottet, der soll wissen, dass er nicht nur wider die Menschen, sondern auch wider Gott sich vergreift, welcher auch solche Bosheit und verkehrtes Wesen aufs ernstlichste strafen wird.

6. Der Alten Krone sind Kindeskinder, und der Kinder Ehre sind ihre Väter.

Krone: Es ist eine große Freude und besondere Zierde der Alten, wenn sie ihre Kindeskinder sehen, die gut erzogen sind. Und es ist der Kinder Ehre, wenn sie fromme und ehrliche Eltern haben. Darum sollen die Alten für einen solchen Segen Gott dem Herren danken, und es sollen die Kinder ihre Eltern in Ehren halten.

7. Es steht einem Narren nicht wohl an, von hohen Dingen reden, viel weniger einem Fürsten, dass er gerne lügt.

Lügt: Wie es ein ungeschicktes Ding ist, wenn ein ungeschickter Mensch von großen wichtigen Sachen reden will, so ist es auch ein Übel, wenn ein Fürst in seinen Reden leichtfertig ist, dass er entweder solche Sachen sagt, die nicht wahr sind, oder viel verspricht und wenig leistet.

8. Wer zu schenken hat, dem ist‘s wie ein Edelstein; wo er sich hinkehrt, ist er klug geachtet.

Geachtet: So geht es in dieser Welt zu, dass einer mit Geschenken und Gaben andere bestechen will, die diesem ein Ansehen geben, dass er, wohin er sich wendet, für weise und fromm geachtet wird, obwohl er gleich ein Narr ist und eine böse Sache anrichtet. So werden oft ungeschickte und untaugliche Leute in Ämter befördert, als ob sie sehr verständig wären. Er sind aber die, die sie fördern, mit Geschenken bestochen worden. Denn Geschenke blenden auch die Weisen.

9. Wer Sünde zudeckt, der macht Freundschaft; wer aber die Sache aufrührt, der macht Fürsten uneins.

Zudeckt: Wer einen begangenen Irrtum nicht öffentlich macht, sondern vielmehr vertuscht, der tut recht und wohl und begehrt Freundschaft und Einigkeit zwischen den streitenden Parteien zu machen.

Aufrührt: Wer einen Fehler zum schlimmsten auslegt, der handelt übel und kann damit auch Fürsten gegeneinander aufhetzen. Darum sollen wir die begangenen Fehler vielmehr zudecken als sie aufzudecken, denn über geschehene Dinge soll man das Beste reden, soweit einer in seinem Amt um des Gewissens Willen tun kann.

10. Schelten schreckt mehr an dem Verständigen denn hundert Schläge an dem Narren.

Schreckt: Bei verständigen Menschen kann man mit Worten bei einer Übertretung mehr ausrichten, als wenn man einen verkehrten und bösen Menschen schlägt. Darum sollen wir uns mit Worten erziehen lassen, damit es keiner Schläge bedarf. Auch sollte man mit verständigen Leuten nicht zu hart und unfreundlich umgehen wie mit ungeschickten Eseln. Ein solcher Unterschied findet sich besonders bei der Jugend, wo sich mancher mit Worten erziehen lässt, bei einem anderen solches aber nicht wirkt.

11. Ein bitterer Mensch trachtet Schaden zu tun; aber es wird ein grausamer Engel über ihn kommen.

Kommen: Es werden solche Leute vom Teufel besessen und endlich in den Abgrund der Hölle stürzen, welche aus einem verbitterten und giftigen Herzen nur danach trachten, wie sie anderen Leuten an Leib und Seele Schaden zufügen können. Darum sollen wir uns vor aller Bitterkeit hüten und darauf sehen, was dem Nächsten Nutzen bringt.

12. Es ist besser, einem Bären begegnen, dem die Jungen geraubt sind, denn einem Narren in seiner Narrheit.

Geraubt: Und der darum wütend und rasend ist.

Narrheit: Wenn ein gottloser böser Mensch mit Zorn gegen jemand entbrannt ist. Denn ein solcher achtet keinen Menschen, scheut auch weder Zeit noch Ort, fragt nicht danach, ob jemand schuldig oder unschuldig ist und hält auch kein Maß im Wüten wie das Beispiel vom König Saul bezeugt. Welcher wegen dem kleinen David 80 Priester des Herrn ermordet, ja auch alle Bürger der Stadt, Männer, Frauen und Kinder erwürgen ließ {1Sam 22}. Solchen zornigen Leuten soll man aus dem Wege gehen und sich nicht gegen sie auflehnen, damit uns nicht, indem wir für stark gehalten werden, und die Unseren in Unglück bringen.

13. Wer Gutes mit Bösem vergilt, von des Hause wird Böses nicht lassen.

Nicht lassen: Wer sich undankbar erzeigt gegen seinen Wohltäter, indem er dem Böses tut, von welchem er Gutes empfangen hat, der wird durch Gottes gerechtes Urteil mit einem Unglück nach dem anderen überfallen werden. Darum sollen wir uns vor Undankbarkeit hüten.

14. Wer Hader anfängt, ist gleich, als der dem Wasser den Damm aufreißt. Lass du vom Hader, ehe du drein gemengt wirst.

Anfängt: Wer zu Uneinigkeit und Zwietracht Grund gibt, der tut, als wenn er ein Loch in einen Damm reißt, der ein starkes fließendes Wasser aufhält, damit das Wasser auslaufe und alles überschwemme. Danach steht es nicht mehr in seiner Macht, sich dem Wasser erwehren zu können, damit es keinen Schaden tut, wenngleich er es auch wollte. Also, wer einmal Zank und Streit erzeugt hat, kann danach nicht verhüten oder wehren, dass nicht ein größeres Unglück daraus entstehe. Darum soll ein jeder zusehen, dass wir nicht eine Ursache zu großem Unglück geben. Wenn aber durch andere Streit verursacht worden ist, so sollen wir uns rechtzeitig davon abziehen, damit wir nicht darin verwickelt werden und in ein Unglück kommen.

15. Wer den Gottlosen recht spricht und den Gerechten verdammt, die sind beide dem Herrn ein Gräuel.

Gottlosen: Wer eine unrechte Sache hat und trotzdem den Nächsten vor Gericht zieht und dem da Recht zugesprochen wird.

Gerechten: Der eine gute und rechte Sache führt.

Gräuel: Denn unser Herr Gott hat ebenso ein großes Missfallen an der Obrigkeit, die einen bösen Menschen freispricht wie an der, die einen Unschuldigen zum Tode verdammt. Darum soll eine Obrigkeit die Schuldigen strafen und die Unschuldigen schützen, damit Gott sie nicht vom Amt absetze.

16. Was soll dem Narren Geld in der Hand, Weisheit zu kaufen, so er doch ein Narr ist?

Narr: Darum nutzt ihm sein Geld und Reichtum nichts. Wenngleich einer alle seine Güter für die Weisheit geben wollte, so bliebe er doch ein Narr. Darum sollen wir Gott um himmlische Weisheit viel mehr als um großen Reichtum bitten. Einen frommen und verständigen armen Mann viel höher achten als einen Gottlosen und ungeschickten Reichen. Darum hat man richtig gesagt: Es ist ein Schwiegermuttersohn besser ohne Geld, als das Geld ohne den Mann.

17. Ein Freund liebt immer, und ein Bruder wird in der Not erfunden.

Erfunden: Das ist: Wer ein rechter und getreuer Freund ist, der begehrt nicht allein dann Gutes zu tun, wenn es ihm gut geht, sondern auch wenn es ihm übel geht. Darum sieht man in der Not am allermeisten, welches die rechten Freunde sind und welche nicht.

18. Es ist ein Narr, der an die Hand gelobt und Bürge wird für seinen Nächsten.

Gelobt: Dass er sich aus Unachtsamkeit für einen anderen verbürgt. Denn wenn der Schuldiger nicht zahlt, muss der Bürge zahlen. Dadurch sind viele unvorsichtige Hausväter um ihr Gut gekommen, dass sie fremde Schulden bezahlen mussten, weil der Schuldige Konkurs machte oder aus dem Lande zog. Es wird hier nicht jede Bürgschaft verboten, sondern wir werden dadurch erinnert, dass wir nicht Bürge für eine Schuld werden, die wir nicht bezahlen können.

19. Wer Zank liebt, der liebt Sünde; und wer seine Tür hoch macht, ringt nach Unglück.

Sünde: Wer nur Lust dazu hat, Zank und Hader anzurichten, der gibt sein gottloses Gemüt dadurch zu verstehen, dass er sich nicht vor Sünden fürchtet. Aus Zank und Hader entstehen viele Sünden.

Hoch macht: Wer die Tür seines Mundes nicht zu weit aufmacht und solche Dinge redet, die nur Hader erregen, der macht sich selber ein Unglück. Darum sollen wir lernen, die Zunge im Zaum zu halten.

20. Ein verkehrt Herz findet nichts Gutes, und der verkehrter Zunge ist, wird in Unglück fallen.

Nichts Gutes: Der ein böses Gemüt hat, dass er viel lieber schaden als nutzen möchte, der wird kein Glück haben. Und welcher verkehrte Dinge redet, der bringt sich selber in Gefahr. Darum sollen wir uns der Frömmigkeit und Redlichkeit bemühen.

21. Wer einen Narren zeugt, der hat Grämen, und eines Narren Vater hat keine Freude.

Keine Freude: Das ist: Von Gottlosen und närrischen Kindern haben die Eltern nichts als Sorgen zu erwarten. Darum sollen die Eltern Gott bitten, dass er ihnen fromme Kinder geben möchte. Es ist kein Wunder, wenn versoffene Eltern ungeschickte Kinder bekommen. Die Kinder aber sollen der Gottseligkeit und Weisheit nachstreben, auf dass sie den Eltern eine Freude machen und sich für die Mühe und Arbeit der Erziehung dankbar zeigen.

22. Ein fröhlich Herz macht das Leben lustig; aber ein betrübter Mut vertrocknet das Gebeine.

Lustig: Damit ein Mensch lange frisch und gesund erhalten wird. Traurigkeit dagegen verzehrt das Leben. Darum sollen wir sehen, dass wir eine ehrliche und gottselige Freude haben können.

23. Der Gottlose nimmt heimlich gern Geschenke, zu beugen den Weg des Rechts.

Beugen: Er fällt ein verkehrtes und unrechtes Urteil. Darum soll man solche Leute nicht zu Richtern oder anderen hohen Ämtern wählen, wo Recht und Gerechtigkeit gehandelt wird. Denn man kann die Geizigen nicht genug abwehren, selbst wenn man noch so strenge Gesetze hat, dass sie sich trotzdem heimlich mit Geschenken bestechen lassen. Die Katze lässt das Mausen nicht.

24. Ein Verständiger gebärdet weislich; ein Narr wirft die Augen hin und her.

Weislich: Man kann auch aus dem Gesicht erkennen, was einer im Schilde führt. Auch ungeschickte tolle Leute lassen ihre Augen überall herumgehen und geben dadurch ihre Torheit zu erkennen. Dieser Spruch lehrt, wie man die Weisen von den Narren unterscheiden soll.

25. Ein närrischer Sohn ist seines Vaters Trauern und Betrübnis seiner Mutter, die ihn geboren hat.

Trauern: Darum sollen wir uns der Gottseligkeit und Weisheit bemühen, auf dass wir den Eltern keine Traurigkeit verursachen. Welchen aber Gott keine Kinder gibt, die sollen mit ihrer Unfruchtbarkeit zufrieden sein und geduldig, weil es viel besser ist, ohne Kinder sein als gottlose Kinder zu haben.

26. Es ist nicht gut, dass man den Gerechten schindet, den Fürsten zu schlagen, der recht regiert.

Schindet: Eine Obrigkeit wird nicht ungestraft bleiben, wenn sie die Gerechten, die sie freisprechen sollte, im Gericht unterdrückt und verdammt. Ebenso bleibt es auch nicht ungestraft, wenn die Untertanen einer frommen und gerechten Obrigkeit übel nachreden, obwohl sie ihr Amt richtig verrichtet.

27. Ein Vernünftiger mäßigt seine Rede, und ein verständiger Mann ist eine teure Seele.

Mäßigt: Ein weiser Mann ist vernünftig und redet nicht schnell heraus, was ihm ins Maul kommt, sondern achtet auf seine Reden, damit er nicht sagt, was besser verschwiegen bliebe. Darum wird er umso mehr verständiger und in höheren Ehren gehalten.

28. Ein Narr, wenn er schwiege, würde auch weise gerechnet und verständig, wenn er das Maul hielte.

Hielte: Denn die Rede ist ein Zeichen des Gemüts. Daher kann man einen Menschen an seiner Rede erkennen wie einen Vogel am Gesang.


Das 18. Kapitel


1. Wer sich absondert, der sucht, was ihn gelüstet, und setzt sich wider alles, was gut ist.

Luther: Sucht nicht die Wahrheit, sondern seinen eigenen Nutzen.

Gut: Diejenigen, die an der gesunden und reinen Lehre des Wortes Gottes nicht genug haben und noch andere Wege suchen, die suchen etwas Besonderes, durchforsten alle Religionen und nehmen aus jeder etwas an. Das Übrige verwerfen sie, bis sie endlich eine neue Lehre schmieden, die ihnen gefällt.

2. Ein Narr hat nicht Lust am Verstand, sondern was in seinem Herzen steckt.

Nicht Lust: Denn wenn man einem Gottlosen verkehrten Menschen die rechte reine Lehre vorhält, so gefällt sie ihm doch nicht, sondern er zieht seine Gedanken und Meinung dem Wort Gottes vor. Darum, wenn ein ketzerischer Mensch mehrmals ermahnt ist, so soll man ihn lassen und ihn meiden, weil man sich mit seiner Bekehrung vergebens bemühen würde {Tit 3}.

3. Wo der Gottlose hinkommt, da kommt Verachtung und Schmach mit Hohn.

Verachtung: Das ist: Die gottlosen Lehrer verursachen eine Verachtung der Religionen und erfüllen alles mit Schmach und Lästerworten, die sie wider die Wahrheit ausstoßen.

4. Die Worte in eines Munde sind wie tiefe Wasser, und die Quelle der Weisheit ist ein voller Strom.

Strom: Das ist: Ein gottseliger und reiner Lehrer ist so voller Weisheit und Verstand des göttlichen Wortes, dass es nicht zu begründen und wie eine reiche Quelle ist, die nicht nur einen Brunnen, sondern einen ganzen Strom macht. Denn das Wort Gottes ist der allerreichste Schatz der wahren Weisheit.

5. Es ist nicht gut, die Person des Gottlosen achten, zu beugen den Gerechten im Gericht.

Nicht gut: Es wird einer solchen Obrigkeit nicht gut gehen, die einen Gottlosen und mächtigen Reichen, der eine böse Sache führt, dennoch einem Gerechten vorzieht, diesen verdammt, jenen aber freispricht. Denn Gott wird eine solche Ungerechtigkeit nicht ungestraft lassen.

6. Die Lippen des Narren bringen Zank, und sein Mund ringt nach Schlägen.

Schlägen: Ein toller und unverständiger Mensch kann nichts als Zank und Hader erregen und bringt solche Sachen vor, aus denen Mord und Totschlag entstehen. Darum sollen wir dies Laster meiden und dem Frieden nachjagen.

7. Der Mund des Narren schadet ihm selbst, und seine Lippen fangen seine eigene Seele.

Ihm selbst: Ein gottloser und verkehrter Mensch bringt sich mit seinem Reden selbst in Unglück.

8. Die Worte des Verleumders sind Schläge und gehen einem durchs Herz.

Durchs Herz: Wenn ein Verleumder unschuldige Leute falsch anzeigt, so schlägt er ihnen tödliche Wunden, die oft sogar zum Tode führen. Darum ist ein Verleumder ein Totschläger vor Gott {Jer 18}.

9. Wer lass ist in seiner Arbeit, der ist ein Bruder des, der das Seine umbringt.

Umbringt: Das ist: Ein fauler und träger Mensch, der seinen Sachen nicht nachkommt, wird um seine Güter kommen und in Armut geraten.

10. Der Name des Herrn ist ein festes Schloss; der Gerechte läuft dahin und wird beschirmt.

Schloss: Das ist: Wenn man den Namen Gottes recht anruft, so ist einer ebenso sicher, als wenn er in einer starken Festung wäre. Darum werden die Frommen gegen ihre Feinde unüberwindlich, wenn sie in ihrer Not zum gottseligen Gebet stehen.

11. Das Gut des Reichen ist ihm eine feste Stadt und wie eine hohe Mauer um ihn her.

Stadt: Denn ein Reicher verlässt sich auf seinen Reichtum und setzt sein ganzes Vertrauen darauf, ist sich auch eine Zeit lang sicher, aber wenn ihn die göttliche Rache verfolgt, so nutzt ihm der Reichtum nichts.

12. Wenn einer zugrunde gehen soll, wird sein Herz zuvor stolz; und ehe man zu Ehren kommt, muss man zuvor leiden.

Gehen soll: Wen Gott für seine Bosheit und gottloses Leben strafen und von seinem Ehrenstand stürzen will, den lässt er zuvor eine Zeit lang seinen Übermut treiben. Welche er dagegen zu erhöhen im Sinn hat, die demütigt er vorher und legt ihnen sein Kreuz auf.

13. Wer antwortet, ehe er hört, dem ist‘s Narrheit und Schande.

Schande: Es ist sehr übel und hässlich, wenn einer schnell antwortet, ehe er des anderen Rede recht angehört und vorher betrachtet hat.

14. Wer ein fröhliches Herz hat, der weiß sich in seinem Leiden zu halten; wenn aber der Mut liegt, wer kann‘s tragen?

Zu halten: Wenn jemand von schwacher Natur ist, aber daneben ein freudiges Herz und einen guten Mut hat, der wird seine Gesundheit lange erhalten. Wer aber immer schwermütig ist, der bekümmert sich selbst zu Tode und stirbt, ehe die Zeit dazu ist. Darum sollen wir uns die Traurigkeit aus dem Sinn schlagen.

15. Ein verständig Herz weiß sich vernünftig zu halten, und die Weisen hören gern, dass man vernünftig handelt.

Hören gern: Die Frommen nehmen immer zu in der himmlischen Weisheit, und je mehr sie zunehmen, desto mehr begehren sie zu lernen. Besonders ein frommer Mensch kann in der Erkenntnis des Wortes Gottes nie genügend gesättigt werden.

16. Das Geschenk des Menschen macht ihm Raum und bringt ihn vor die großen Herren.

Raum: Welch ein verkehrter Brauch dieser Welt ist es, dass die Menschen mit Geschenken sich zu den Richtern und Obrigkeiten einen Zugang verschaffen, damit sie einen Vorteil haben, den doch ohne Geschenk ein jeder zu der Obrigkeit haben sollte. Aber wer schmiert, der fährt. Luther: Geld bringt vor die Herren.

17. Der Gerechte ist seiner Sache zuvor gewiss; kommt sein Nächster, so findet er ihn also.

Gewiss: Ein gottseliger Mensch geht vorher in sich selbst und richtet sein Tun, damit er von seinem Nächsten als ehrlich empfunden wird. Aber die Heuchler sehen auf anderer Leute Mängel sehr scharf, und sind in ihrem eigenen Tun blind. Sie sehen also einen Splitter in des Bruders Auge, und empfinden den Balken in ihrem Auge nicht {Lk 6}.

18. Das Los stillt den Hader und scheidet zwischen den Mächtigen.

Stillt: Dass die streitigen Sachen, welche man schwer entscheiden kann, durch das Los beigelegt werden. Denn was das Los einem jeden zueignet, dessen hat er sich nicht zu beschweren. Und es täten die Obrigkeiten oft besser daran, wenn sie ihren Streit durch das Los entscheiden würden, als wenn sie endlos lange Prozesse miteinander führen, die es oft der Mühe nicht wert sind, dass man sich lange darüber zankt.

19. Ein verletzter Bruder hält härter denn eine feste Stadt; und Zank hält härter denn Riegel am Palast.

Verletzter: Luther: Wenn ein Bruder vom anderen mit Unrecht erzürnt wird, so ist es leichter, eine feste Stadt zu erobern, als sich mit ihm zu vertragen. Je näher und lieber Freunde, desto bitterer und heftiger Zorn. So ist es zwischen Mann und Weib, zwischen Schwester und Bruder usw.

Hält härter: Das ist: Wenn zwischen Brüdern oder Verwandten, oder auch sonst unter guten Freunden eine Uneinigkeit entsteht, dann ist viel Mühe notwendig bis sie sich wieder bereden lassen, sich zu vertragen. Der Streit ist so groß, dass man eher eine Festung einnehmen könnte, oder auch eine verschlossene Tür aufbrechen als solche Personen miteinander zu vereinigen. Darum sollen wir uns hüten, dass wir keinen Grund zum Zank zwischen den Freunden geben. Ist aber ein solcher entstanden, so sollen wir uns mit dem größten Fleiß bemühen, dass die erbitterten Herzen gemildert und versöhnt werden.

20. Einem Mann wird vergolten, danach sein Mund geredet hat, und wird gesättigt von der Frucht seiner Lippen.

Geredet: Danach, ob ein Mensch Gutes oder Böses, Nützliches oder Schädliches redet oder tut, danach wird ihm auch beides in diesem und in jedem Leben mit Gutem oder Bösen gelohnt werden. Darum sollen wir in der Gottesfurcht mit Bedacht reden oder handeln.

21. Tod und Leben steht in der Zunge Gewalt; wer sie liebt, der wird von ihrer Frucht essen.

Essen: Wir können solche Sachen vorbringen und reden, wodurch wir entweder uns oder andere in Lebensgefahr bringen oder uns und andere beim Leben erhalten. Je nachdem, ob ein jeder seine Zunge gerecht und gut gebraucht oder nicht, ob er danach nutze oder schade, nachdem wird er auch von Gott belohnt werden.

22. Wer eine Ehefrau findet, der findet was Gutes und bekommt Wohlgefallen vom Herrn.

Was Gutes: Das ist: Wem Gott eine fromme Frau beschert, der soll wissen, dass er eine herrliche Gabe von Gott empfangen hat, und dass er im Ehestand mit gutem Gewissen eine eheliche Freude und Wollust genießen kann. Denn ein glücklicher Ehestand ist ein holdseliger Stand, obwohl er nicht ohne Kreuz und Trübsal ist. Luther: Wenn es häufig ganz ungleich zugeht, so weiß er doch, dass sein Ehestand Gott gefällig ist, als ein Geschöpf und Ordnung und was er darin tut oder leidet, heißt vor Gott wohlgetan.

23. Ein Armer redet mit Flehen; ein Reicher antwortet stolz.

Mit Flehen: Das ist dieser Welt verkehrtes Wesen, dass die Armen den Reichen zu Füßen fallen müssen, wenn sie etwas bekommen wollen. Die Reichen aber geben trotzige, übermütige und stolze Antworten. Aber Gott ist solchem Übermut feind und wird sich deswegen gegen den Reichen wenden wie sie sich den Armen gegenüber benommen haben.

24. Ein treuer Freund liebt mehr und steht fester bei denn ein Bruder.

Liebt mehr: Er wird in der Freundschaft beständiger und williger sein, Gutes zu zeigen, als irgendein Verwandter. Wie auch die Erfahrung es oftmals zeigt, dass die guten Freunde einem mehr Wohltaten erzeigen, als die eigenen Verwandten. Luther: Fremde tun oft einem Menschen mehr Gutes als eigene Freunde.


Das 19. Kapitel


1. Ein Armer, der in seiner Frömmigkeit wandelt, ist besser denn ein Verkehrter mit seinen Lippen, der doch ein Narr ist.

Besser: Man soll mehr auf einen armen Mann achten, der ein aufrichtiges Gemüt hat, als auf einen Gottlosen verkehrten Menschen, der sich mit seinen listigen Reden zwar bei den Mächtigen einschmeicheln kann, aber daneben doch ein Schalk und keinem nützlich ist. Man lobt zwar die Frömmigkeit, doch sind wenig die danach streben.

2. Wo man nicht mit Vernunft handelt, da geht es nicht wohl zu; und wer schnell ist mit Füßen, der tut Schaden.

Handelt: Wo kein rechter Verstand des göttlichen Wortes vorhanden ist, da kann eine Sache nicht gelingen. Wer in der Eile ohne Bedacht handelt, der sündigt oft und bringt sich samt anderen in Schaden.

3. Die Torheit eines Menschen verleitet seinen Weg; da sein Herz wider den Herrn tobt.

Verleitet: Das ist: Ein gottloser Mensch stürzt sich durch sein gottloses Wesen in Unglück, danach murrt er wider Gott, dass dieser solch ein Unglück nicht von ihm abgewendet hat, wo er doch viel mehr wider sich selbst und wider seine Sünde murren sollte.

4. Gut macht viel Freunde; aber der Arme wird von seinen Freunden verlassen.

Verlassen: Darum soll man nicht auf Menschen, sondern auf Gott seine Hoffnung setzen. Denn wenn es einem gut geht, so will jedermann der beste Freund sein, aber wenn einer in Armut gerät, da findet sich niemand mehr, der zu einem steht. In der Not gehen 1000 Freunde auf ein Lot.

5. Ein falscher Zeuge bleibt nicht ungestraft, und wer Lügen frech redet, wird nicht entrinnen.

Ungestraft: Obwohl er die Leute betrügt und mit seinen Lügen dem Nächsten schadet, es aber nicht merkt, so wird er doch der göttlichen Strafe nicht entgehen.

6. Viele warten auf die Person des Fürsten und sind alle Freunde des, der Geschenke gibt.

Fürsten: Den Gewaltigen und großen Herren ist man gern zu Diensten, besonders wenn man meint, ihre Freigebigkeit zu genießen. Zu wünschen wäre es aber, dass man auf Gott auch so fleißig achtetet, von dem man doch alles Gute empfangen muss, da einen die Menschen oft vergebens hoffen lassen.

7. Den Armen hassen alle seine Brüder, ja auch seine Freunde fernen sich von ihm; und wer sich auf Worte verlässt, dem wird nichts.

Fernen: Der Arme wird von seinen eigenen Verwandten angefeindet und von seinen Freunden verlassen. Wer auf die guten Worte der falschen Freunde zu viel traut, der wird schließlich herausfinden, dass er schändlich betrogen worden ist. So geht es in dieser Welt zu, dass die, die man kennen lernen soll, damit man sein Hab und Gut nicht aus Unvorsichtigkeit einem anderen zufallen lässt, danach, wenn wir unser Geld losgeworden sind, nur dazu spotten und sich von uns absondern. Denn es heißt bei solchen Leuten: nimmer Geld, nimmer Gesell.

8. Wer klug ist, liebt sein Leben; und der Verständige findet Gutes.

Luther: Er hütet sich vor Fahrlässigkeit und traut den Menschen nicht ihren guten Worten.

Leben: Er hütet sich, dass er sich nicht mutwillig in Gefahr begibt. Wer auch das Wort Gottes fleißig achtet und liebt, dazu sein Leben nach dem Wort richtet, der wird Glück haben, auch wenn er das Kreuz Christi mittragen muss. Denn der ist recht glücklich, welcher ein ruhiges Gewissen hat und sich mit dem begnügt, was er hat und ist.

9. Ein falscher Zeuge bleibt nicht ungestraft, und wer frech Lügen redet, wird umkommen.

Falscher: Dieses ist auch kurz vorher gesagt worden und wird hier darum wiederholt, dass wir die Liebe zur Wahrheit bekommen und den Lügen feind werden.

10. Dem Narren steht nicht wohl an, gute Tage haben, viel weniger einem Knechte, zu herrschen über Fürsten.

Haben: Man soll mit den Gottlosen und unverständigen Leuten nicht zu sanft umgehen. Denn je mehr man ihnen lässt, desto verwöhnter und ärger werden sie. Man soll es nicht soweit kommen lassen, dass die, welche dienen sollen, nach der Herrschaft greifen wollten. Denn je mehr man sie erhöht, desto übermütiger werden sie. Wie dies ist, erfahren Fürsten und Herren oft mit großem Schaden und Nachteil, wenn sie das Regiment lässig ausüben und sich häufig an Menschen hängen, von denen sie dann regiert werden.

11. Wer geduldig ist, der ist ein kluger Mensch, und ist ihm ehrlich, dass er Untugend überhören kann.

Luther: Wer gut überhören kann, der wird weise werden.

Überhören: Denn die Lehre des göttlichen Wortes macht einen Menschen langsam zum Zorn, dass er mit seiner Langmütigkeit viel gebessert und nichts schlimmer macht, welches ihm zum besonderen Lob reicht, dass er nach empfangenem Unrecht in Gottes Sachen und zum Wohl der Allgemeinheit übersehen und verzeihen kann. Aber Gottlose und unbesonnene Leute meinen, dass sie eine Ehre und Ruhm haben, wenn sie heftig zürnen und sich rächen, wenn sie ein wenig beleidigt worden sind.

12. Die Ungnade des Königs ist wie das Brüllen eines jungen Löwen; aber seine Gnade ist wie Tau auf dem Grase.

Luther: Er trägt das Schwert nicht umsonst {Röm 13v4}.

Löwen: Das ist: Einer Obrigkeit Zorn und Ungnade bringt oft einen Menschen in große Gefahr. Aber seine Gnade erquickt den Menschen wunderbar. Darum sollen wir gottselig und ehrlich leben, damit wir vielmehr gnädige als ungnädige Herren behalten. Denn des Königs Herz ist in Gottes Hand, der es lenkt, wohin er will, wie es auch nachher in Kapitel 21 steht.

13. Ein närrischer Sohn ist seines Vaters Herzeleid und ein zänkisches Weib ein stetiges Triefen.

Herzeleid: Solche Gottlosen und ungeschickten Kinder sind mit ihren verkehrten Wesen nicht allein ihren Eltern lästig, sondern bringen sie auch oft in Armut.

Triefen: Denn Gleichwie ein undichtes Dach im Haus dem Vater sehr lästig ist, das Haus selbst dadurch baufällig wird, so ist es einem Mann ein sehr schweres Ding um ein zänkisches Weib und bricht sie ihm endlich das Herz. Darum soll man nicht darauf achten, wie viel Geld oder Gut einem eine Frau bringt, sondern wie sie erzogen und von Natur ist.

14. Haus und Güter erben die Eltern; aber ein vernünftig Weib kommt vom Herrn.

Vernünftig: Die gottselig und verständig ist und mit der Haushaltung recht umzugehen weiß. Viel Geld können die Eltern den Kindern überlassen, aber dass sie eine gute Ehe haben, das ist allein eine Gabe Gottes, die man von ihm erbeten soll. Denn es irren sich in der Erwählung einer Frau auch jene oft, die auf die Schönheit oder große Freundschaft sehen.

15. Faulheit bringt Schlafen, und eine lässige Seele wird Hunger leiden.

Schlafen: Wer faul ist, viel schläft und dabei die Geschäfte seines Berufes mit Nachlässigkeit verrichtet, der gerät schließlich in Armut. Wer darum nicht in Armut kommen will, der meide die Faulheit.

16. Wer das Gebot bewahrt, der bewahrt sein Leben; wer aber seinen Weg verachtet, wird sterben.

Bewahrt: Wer sein Leben in der Furcht Gottes und nach seinen Geboten ausrichtet, dem wird Gott auch das zeitliche Leben verlängern. Ein solcher Mensch wird nicht aus der Gnade Gottes fallen, noch den Verlust des ewigen Lebens haben.

Verachtet: Wer nicht danach fragt oder daran denkt, wie er sein Leben richtig lebt, sondern seinen bösen Gelüste nachhängt und in Sünden fällt, der zieht sich selber zeitliche Strafen über den Hals und stürzt sich in den ewigen Tod. Nach dem Spruch des Apostel Paulus: Wenn ihr nach dem Fleisch leben werdet, so werdet ihr sterben {Röm 8}.

Luther: Ungehorsame fallen dem Henker in die Hände und kommen an den Galgen.

17. Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn; der wird ihm wieder Gutes vergelten.

Erbarmt: Wer aus rechtschaffener Liebe den Bedürftigen von seinen Gütern hilft, entweder indem er ihnen etwas schenkt oder leiht, der soll wissen, dass solches nicht verloren ist, sondern es ist, als sei es Gott geliehen, der es zu seiner Zeit reichlich und mit Wucher wiedergeben wird. Wenn wir solches fest glauben würden, dann wären wir nicht so unbarmherzig gegen den Armen.

18. Züchtige deinen Sohn, weil Hoffnung da ist; aber lass deine Seele nicht bewegt werden, ihn zu töten.

Hoffnung: Das ist: Er könne wieder zurechtgebracht werden.

Töten: Du sollst dich vom Zorn nicht so einnehmen und überwinden lassen, dass du ihn im Zorn erwürgen wolltest. Es werden aber hier solche Eltern gestraft, die die Bosheit der Kinder lange übersehen. Danach, wenn sie einmal erbittert werden, so kennen sie kein Maß und schlagen, dass auch häufig Schaden am Leibe entsteht oder sie ihn gar ums Leben bringen. Es ist den Eltern im Gesetz Mose zugelassen worden, dass sie einen ungehorsamen Sohn, der alle Warnungen verachtet und dem Wohlleben immer nachgeht, vor der Obrigkeit verklagen dürfen und ihn zu strafen begehren. Auf diese Anklage soll die Obrigkeit die Kinder strafen.

19. Denn großer Grimm bringt Schaden; darum lass ihn los, so kannst du ihn mehr züchtigen.

Schaden: Pass auf, was du tust, auf dass du nicht zu schnell handelst und im Zorn deinen Sohn verklagst. Das Urteil des Todes, das zwar nach dem Gesetz Mose gegeben ist, könnte dich aber reuen, wenn der Zorn vorüber ist. Wenn du ihn aber gleich ins Gefängnis werfen lässt und mit der Strafe drohst, dass du ihn um Leib und Leben anklagen wolltest, solange man jedoch noch Hoffnung hat an seiner Buße, so soll man für ihn beten, dass er nicht dem Tode übergeben werde. Denn wenn du ihn der Strafe des Todes übergibst, so kannst du ihn nicht wieder züchtigen und es kann vielleicht geschehen, dass er sich bessere, was nicht mehr sein kann, wenn er einmal zum Tode verurteilt wurde. Dieser Spruch erinnert die Eltern daran, dass sie eine Anklage gegen die Kinder nicht ohne guten Rat tun, später könnten sie es bereuen.

20. Gehorche dem Rat und nimm Zucht an, dass du hernach weise seist.

Weise seist: Darum lass dich jetzt lehren und ermahnen, wie man mit den Kindern umgehen soll, damit nicht am Ende deiner Handlungen eine Unbedachtsamkeit und Torheit, sondern vielmehr Weisheit und Klugheit gespürt wird und deine Erziehung dich nicht gereut.

21. Es sind viel Anschläge in eines Mannes Herzen; aber der Rat des Herrn bleibt stehen.

Viel Anschläge: Ein Mensch bedenkt, beratschlagt und beschließt mancherlei Sachen mit sich selbst, aber häufig geht es nicht gut. Was aber Gott vorhat und was bei ihm beschlossen ist, das bleibt beständig und kräftig. Wenn wir uns darum über eine Sache beratschlagen, so sollen wir Gott bitten, dass er entweder einen guten Ausgang bewirkt, oder aber, da wir keinen rechten Entschluss gemacht haben, dass er diesen verhindern möchte.

22. Einen Menschen lüstet seine Wohltat; und ein Armer ist besser denn ein Lügner.

Lüstet: Ein frommer Mensch hat eine Freude daran, wenn er armen und bedürftigen Leuten Gutes tun soll.

Lügner: Darum sollen wir die Armen nicht verachten, sondern ihnen Gutes tun. Doch wir sollen darauf achten, dass wir unsere guten Taten am meisten bei den frommen Leuten einsetzen.

23. Die Furcht des Herrn fördert zum Leben und wird satt bleiben, dass kein Übel sie heimsuchen wird.

Zum Leben: Das ist: Wer Gott fürchtet, der wird lange Leben und wird durch den Glauben das ewige Leben erlangen. Ja es wird einen solchen frommen Menschen an nichts mangeln und Gott wird keine schrecklichen Unfälle über ihn kommen lassen. Diese Verheißungen sind wahr, doch muss man sie so verstehen, dass man das Kreuz nicht ausschließt. Die Frommen werden durch das Kreuz gebessert, die Gottlosen meist noch mehr verhärtet.

24. Der Faule verbirgt seine Hand im Topf und bringt sie nicht wieder zum Munde.

Nicht wieder: Das ist: Faule Leute lassen auch die allerbesten Gelegenheiten vorübergehen, bei denen ihnen geholfen werden könnte. Als wenn man jemanden eine Speise vorsetzt, er aber verhungert, statt die Hand zum Mund zu bringen. So einer muss doch ein fauler Bursche sein.

Luther: Wie man spricht: Er ist so faul, dass er vor Faulheit nicht essen mag, wenn er gleich die Hand in der Schüssel oder das Essen vor sich hat. Das sind die Lehrer, Obrigkeiten und Arbeiter, die ihren Beruf fahren lassen, obwohl sie es leicht ausrichten könnten.

25. Schlägt man den Spötter, so wird der Alberne witzig; straft man einen Verständigen, so wird er vernünftig.

Alberne witzig: Das ist: Wenn ein Spötter oder Verächter Gottes gestraft wird, so wird er doch dadurch nicht gebessert, aber das Beispiel der Strafe dient anderen Gottlosen, die noch nicht so verstockt sind, dazu, sich zu bessern. Darum soll man verwegene Verächter Gottes strafen, damit wenigstens andere durch das Beispiel von der Bosheit abgeschreckt werden.

Verständigen: Wenn man einen frommen und weisen Mann, der sich in irgendeiner Sache geirrt hat, dazu zur Rede stellt, so wird er in der Gottseligkeit und wahren himmlischen Weisheit zunehmen.

26. Wer Vater verstört und Mutter verjagt, der ist ein schändlich und verflucht Kind.

Verstört: Wer seinem Vater seine Güter nimmt oder verschwendet und gegen seine Mutter sich grausam zeigt, so dass das arme Weib vor ihm fliehen muss, ein solcher verfluchter Mensch muss zu Spott und Schanden werden.

27. Lass ab, mein Sohn, zu hören die Zucht, die da abführt von vernünftiger Lehre!

Abführt: Gib denen kein Gehör, die solche Dinge lehren, die dem Worte Gottes und der wahren Gottseligkeit zuwider sind. Darum soll man böse Gesellschaften meiden, welche jungen Leuten einreden wollen, dass sie den Eltern nicht gehorsam sein sollen.

28. Ein loser Zeuge spottet des Rechts, und der Gottlosen Mund verschlingt das Unrecht.

Spottet: Er bedenkt aber nicht, dass er mit seinen falschen Aussagen die göttliche Ordnung der Gerichte verwirft und mit Füßen tritt, indem er den Richter wissentlich betrügt und dadurch ein unrechtes Urteil entsteht. Solche gottlosen Leute haben kein Gewissen. Darum soll ein Richter auf den Charakter der Zeugen fleißig achthaben, ehe er das Urteil fällt.

29. Den Spöttern sind Strafen bereitet und Schläge auf der Narren Rücken.

Luther: Ungehorsame lose Buben kommen gewiss zum Henker.

Bereitet: Gott hat solchen Gottlosen und unbußfertigen Leuten längst schreckliche und ewige Strafen zugedacht, die sie nach diesem Leben empfangen werden. Darum sollen wir Gott fürchten und ein gottseliges und ehrbares Leben führen.


Das 20. Kapitel


1. Der Wein macht lose Leute und stark Getränk macht wild; wer dazu Lust hat, wird nimmer weise.

Lose Leute: Wenn man vom Wein oder anderen starken Getränken zu viel nimmt, dass man davon betrunken wird, auch solches täglich treibt und seinen Beruf nicht mehr ausübt, so wird ein solcher Mensch roh und wild, ein Verächter Gottes und seines Wortes. So ist der Missbrauch vom Wein ein Grund für viele böse Sachen. Wer vom Wein abhängig ist, der wird in der wahren Gottseligkeit und himmlischen Weisheit nicht zu-, sondern abnehmen. Aber der richtige Gebrauch vom Wein, wenn man Durst damit löscht oder zu ehrlichen Freude trinkt, ist nicht verboten, nur die Trunkenheit wird uns untersagt, welche vom Reich Gottes ausschließt {1Kor 6 Gal 5}. Und solches lehrt die Erfahrung selbst, dass die Leute, die sich betrinken, letztlich zu Narren werden.

Luther: Das ist: Das unordentliche Wesen, davon Paulus sagt: Epheser 5,18: Sauft euch nicht voll Weins, daraus ein unordentliches wildes Wesen folgt.

2. Das Schrecken des Königs ist wie das Brüllen eines jungen Löwen; wer ihn erzürnt, der sündigt wider sein Leben.

Leben: Wenn jemand eine Obrigkeit erzürnt, so ist das nichts anderes, als wenn man einen Löwen reizt. Wer solches tut, der kommt in Gefahr seines Leibes und Lebens. Darum sollen wir der Obrigkeit den Gehorsam leisten, dass wir sie nicht zum Zorn bewegen.

3. Es ist dem Mann eine Ehre, vom Hader bleiben; aber die gerne hadern, sind allzumal Narren.

Bleiben: Wenn einer nicht immer das letzte Wort haben will und den Zank meidet, soviel er kann oder auch dazu gereizt wird. Trotzdem aber ruhig bleibt und sich zufriedengibt, der hat eine größere Ehre und ist seinem guten Namen nicht nachteilig sein.

Narren: Welche Lust zu zanken haben und sich freiwillig in fremde Sachen mischen, die geben eben damit zu verstehen, dass sie große Narren und nicht bei Sinnen sind.

4. Um der Kälte willen will der Faule nicht pflügen; so muss er in der Ernte betteln und nichts kriegen.

Luther: Also auch Prediger und Regenten, die ihr Amt nicht ordentlich ausüben und Anfechtung oder Hass fürchten, sind die faulen Haushalter.

Nicht pflügen: Wenn faule Leute die Mühe und Arbeit nicht auf sich nehmen wollen, welche zur Nahrung erforderlich ist, so merken Sie, wenn es zu spät ist, wie übel sie für sich selbst gesorgt haben. Denn wer wollte seine Güter wissentlich gerne an einen faulen Menschen geben, um ihn zu erhalten? Und so geht es in allen Berufen zu, nicht nur im Ackerbau. Also fliehen die faulen, schläfrigen und zarten Knaben vor den Mühen des Lernens. Wenn sie später erwachsen und älter geworden sind, so gereut sie die Fahrlässigkeit aber zu spät.

5. Der Rat im Herzen eines Mannes ist wie tiefe Wasser; aber ein Verständiger kann‘s merken, was er meint.

Tiefe Wasser: Ein listiger Mensch kann seine Gedanken im Herzen wunderbar verdecken, so dass es scheint, als sind sie nicht zu ergründen, genau wie ein Wasser, das keinen Boden hat. Aber ein gottseliger und weiser Mensch kann aus vielen Erfahrungen spüren, was jener im Schilde führt. Und merkt man oft aus der Menschen Gebärden (ganz zu schweigen von den Reden), wie sein Herr gegen ihn gesinnt ist, obgleich er es mit Fleiß zu verbergen begehrt.

6. Viele Menschen werden fromm gerühmt; aber wer will finden einen, der rechtschaffen fromm sei?

Luther: Denn die Heuchelei gibt es auch unter guten Werken. Man hält manchen für böse und manchen für gut, da man beiden unrecht tut, darum traue auf Menschen nicht.

Fromm sei: Man sagt zwar von vielen wie fromm, gut und gerecht sie sind, aber es werden wenige gefunden, die rechtschaffene gottselige und getreue Leute sind, die das in sie gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen. Darum soll man zwar nach der Art der Liebe in jedermann Vertrauen haben, aber wenn man Freunde und Arbeiter wählen will, da gehört eine große Vorsichtigkeit dazu. Wir sollen nicht auf eines jede Rede eingehen, denn oft werden Leute von ihren Mitgesellen und Weinbrüdern in bester Form gelobt, an denen doch nichts Gutes ist.

7. Ein Gerechter, der in seiner Frömmigkeit wandelt, des Kindern wird‘s wohlgehen nach ihm.

Nach ihm: Denn ein frommer Mensch, der an Jesus glaubt und aus solchem Glauben ein gottseliges Leben führt, wird diesen Segen von Gott bekommen, dazu werden auch seine Kinder Glück haben, sofern sie auch gottselig und fromm sind, nach der göttlichen Verheißung, dass der Frommen Nachkommen gesegnet werden sollen bis ins tausendste Glied.

8. Ein König, der auf dem Stuhl sitzt zu richten, zerstreut alles Arge mit seinen Augen.

Augen: Wenn eine Obrigkeit ihr Amt mit Fleiß und Ernst ausrichtet, so wird vielen übel gewährt und allerlei vornehmen der Gottlosen zunichtegemacht. Denn Gott gibt der Obrigkeit ein einsehen, dass diejenigen, welche böses im Sinn haben, sich fürchten müssen und von ihrem unrechten Vorhaben Abstand nehmen.

9. Wer kann sagen: Ich bin rein in meinem Herzen und lauter von meiner Sünde?

Kann sagen: Es müssen alle Menschen bekennen, dass sie vor Gott Sünder sind. Und wenn ihnen auch von keiner groben äußerlichen Sünde oder übel Tat bewusst ist, so haben sie doch die Erbsünde an sich kleben, und auch sonst viel verborgene Sünde, die sie selbst nicht wissen oder verstehen. Wie der 19. Psalm sagt: Wer kann merken, wie oft er fehlt? Verzeihe mir die verborgenen Fehler. Darum muss sich ein jeder demütigen und bitten: Vergib uns unsere Schuld.

10. Mancherlei Gewicht und Maß ist beides Gräuel dem Herrn.

Gräuel: Wenn einer große und kleine Gewichte vertauscht, und die Obrigkeit damit betrügt, um einen Vorteil zu bekommen, oder auch den Nächsten damit betrügt, daran hat Gott ein großes Missfallen und straft solche Betrüger, wenn sie auch vor der Obrigkeit frei ausgehen.

11. Auch kennt man einen Knaben an seinem Wesen, ob er fromm und redlich werden will.

Wesen: Obwohl alle Menschen wegen ihrer verdorbenen Natur von Jugend an zum Bösen geneigt sind, so werden doch oft an den Knaben etliche gute Anlagen gespürt, die vom Heiligen Geist kommen, dass sie gleich von Kind auf der Gottseligkeit und Ehrlichkeit sich bemühen, woraus man auch schließen muss, dass besonders vortreffliche Leute aus ihnen werden. Die Eltern und Lehrmeister sollen solche mit gebührendem Lob bestätigen. Welche sich aber der Bosheit befleißigen, die muss man mit einer ernsten Zucht strafen.

Luther: Jung gewohnt, alt getan.

12. Ein hörend Ohr und sehend Auge, die macht beide der Herr.

Macht beide: Dass die Untertanen Gehorsam leisten und die Obrigkeit Vorkehrungen trifft, die dem Wohlstand dienlich sind, solches ist beides Gottes Gabe und von ihm zu erbitten, dass man ihm auch dafür danken soll.

13. Liebe den Schlaf nicht, dass du nicht arm werdest; lass deine Augen wacker sein, so wirst du Brots genug haben.

Schlaf nicht: Meide die Faulheit, wenn du nicht in Armut geraten willst. Übst du aber deinen Beruf mit Fleiß und Treue aus, so wirst du den Segen Gottes spüren.

14. Böse, böse! Spricht man, wenn man‘s hat; aber wenn‘s weg ist, so rühmt man es denn.

Luther: Das ist: Was man hat, des wird man überdrüssig, und will haben, das nicht da ist.

So rühmt: So ist es mit uns beschaffen, dass wir aus einer verkehrten Art die gegenwärtigen Gaben Gottes nicht achten oder sogar Missfallen daran haben, wenn uns diese aber entzogen werden, so erkennen, und bereuen wir es, dass wir solches verloren haben. Dies geschieht im Predigtamt, im weltlichen Regiment und in der Haushaltung. Diesen Mangel sollen wir verbessern, damit wir Gott für seine guten Taten dankbar sind und uns damit begnügen.

15. Es ist Gold und viel Perlen; aber ein vernünftiger Mund ist ein edles Kleinod.

Kleinod: Ein Mensch, der weislich und nützlich von wichtigen Sachen redet, ist mit Gold, Perlen und Edelsteinen zu vergleichen, ja auch einen solchen vorziehen. Darum soll man solche in Ehren halten.

16. Nimm dem sein Kleid, der für einen anderen Bürge wird, und pfände ihn um des Unbekannten willen.

Bürge wird: Das er unvorsichtig ist und für einen Fremden aus unbedacht sich verbürgt, dass er die Schuld nicht bezahlen will, so sollten von einem solchen Bürgen, sofern er an der Bezahlung zweifelt, ein Pfand nehmen, damit er nicht sein Geld verliert. Du sollst deine Hausgenossen nicht übel behandeln und den anderen verschonen. Obwohl wir nun einem jeden die Werke der Liebe zu zeigen schuldig sind, so soll man doch darauf achten, wie groß das eigene Vermögen ist, damit wir nicht anderen behilflich sind und uns selbst und unsere Hausgenossen ins Verderben bringen {2Kor 8}.

17. Das gestohlene Brot schmeckt jedermann wohl; aber hernach wird ihm der Mund voll Kieseling werden.

Voll Kieseling: Es freuen sich zwar die Ungerechten am Anfang darüber, wenn sie mit Betrug und Lügen ihre Nahrung bekommen und davon gut leben, aber wenn sie danach das Gewissen beißt und der Fluch Gottes, also mancherlei göttliche Strafen geschickt werden, empfinden sie, dass sie mit ihrem unrecht erworbenen Gut wenig genießen können, genau als wenn einer Kieselsteine essen sollte. Erst dann verstehen sie, wie schlecht sie ihrer zeitlichen und ewigen Zukunft gedacht haben. Darum sollen wir unsere Nahrung ehrlich verdienen.

18. Anschläge bestehen, wenn man sie mit Rat führt; und Krieg soll man mit Vernunft führen.

Rat führt: Denn es ist nicht genug, dass einem Regenten etwas in den Sinn kommt, wovon er meint, dass es dem Regiment nützlich sein werde, sondern in großen, wichtigen Sachen muss er auch andere um Rat fragen, sonst werden alle solche Gedanken zunichte, weil viele Augen mehr sehen als ein Auge. Besonders aber soll man nicht leicht und ohne Bedacht einen Krieg anfangen, oder diesen auch so führen. Denn ein einziger Fehler ohne Rat kann ein ganzes Land in großes Unglück bringen.

19. Sei unverworren mit dem, der Heimlichkeit offenbart, und mit dem Verleumder und mit dem falschen Maul.

Offenbart: Wer Märchen hin und her trägt und nicht schweigen kann, wo er schweigen sollte, dessen Gemeinschaft soll man meiden. Denn er ist kein treuer Freund und kann einen leicht in eine unnötige Feindschaft verwickeln, wenn er zu frei und ohne Scheu herausredet und dabei geheime Sachen offenbart.

20. Wer seinem Vater und seiner Mutter flucht, des Leuchte wird verlöschen mitten in Finsternis.

Finsternis: Ein solcher undankbarer und ungeratener Sohn wird letztlich aus einem glücklichen Zustand in einen schrecklichen Unfall geraten, so dass er nicht wissen wird, wo er sich hinwenden soll. Denn gleich, wie es dem gut geht, der seine Eltern ehrt {Eph 6}, also wird es denen übel gehen, die ihre Eltern verachten.

21. Das Erbe, danach man zuerst sehr eilt, wird zuletzt nicht gesegnet sein.

Eilt: Das ist: Wenn die Kinder oder Verwandten ihre Eltern, von denen sie ein Erbe zu erwarten haben, den Tod wünschen und noch zu Lebzeiten der Eltern das Maul nach dem Erbe reden, oder auch mit viel Besuch und Worten etwas herausschlagen wollen, die werden nicht viel Glück noch Segen davon haben.

Luther: Als die Kinder, die gerne ihre Eltern und Freunde Tod sehen. Also, die anderer Leute Gut mit einem Schein des Rechtes zu sich bringen, wider das 9. Gebot.

22. Sprich nicht: Ich will Böses vergelten. Harre des Herrn, der wird dir helfen.

Helfen: Wenn man dir Unrecht getan hat, so sollst du dich nicht selber rächen, sondern die Sache Gott befehlen, der wird durch ordentliche Mittel deine Unschuld an den Tag bringen und dir zur Hilfe kommen.

23. Mancherlei Gewicht ist ein Gräuel dem Herrn, und eine falsche Waage ist nicht gut.

Nicht gut: Gott ist allem Betrug feind, den man mit falschen Gewichten und Maßen treibt, und straft die Betrüger, damit sie nicht viel Glück haben. Denn wenn sie auch von der Obrigkeit nicht gefasst werden, so schickt Ihnen doch Gott schwere Strafen zu, um diejenigen, die als sehr reich angesehen werden, endlich in eine große Schuldenlast geraten und im Gefängnis sterben zu lassen. Dieses wird noch etliche Male wiederholt, damit die Leute vom Betrug abgeschreckt werden.

24. Jedermanns Gänge kommen vom Herrn. Welcher Mensch versteht seinen Weg?

Weg: Das ist: Gott ordnet einem jeden seinen Ausgang, und es gibt niemanden, der wissen kann, wie es ihm gehen werde. Darum sollen wir aus wahrem Glauben unserem Beruf in der Gottseligkeit nachkommen und uns um das, was zukünftig geschehen mag, nicht kümmern, sondern uns mit der ganzen Familie dem allergütigsten himmlischen Vater befehlen, der es wohl machen wird.

25. Es ist dem Menschen ein Strick, das Heilige lästern und danach Gelübde suchen.

Luther: Es ist ein böses Ding, Gottes Namen, Wort, Dienst und so weiter zu lästern und dabei Almosen zu geben, zu beten, zu fasten und so weiter. Das heißt: Sie opfern dir einen Pfennig und stehlen dir ein Pferd.

Suchen: Wenn einer den heiligen Namen Gottes missbraucht und sein Wort verachtet, und fährt dazu in seiner Unbußfertigkeit fort und begehrt trotzdem zu opfern als ob Gott sich damit müsste versöhnen und bezahlen lassen, der irrt sich und verwickelt sich in Jammer und Unglück. So wuchern und saugen die Heuchler und Betrüger, welche Geld und Gut mit Recht und Unrecht zusammenbringen, den Nächsten aus, verfolgen wohl auch die Frommen, meinen aber danach, dass Gott mit ihnen zufrieden sein müsse, wenn sie Almosen für den Armen geben. Aber sie werden erfahren, dass es vor Gottes Gericht mit ganz anderem Maß gerichtet wird.

26. Ein weiser König zerstreut die Gottlosen und bringt das Rad über sie.

Über sie: Das ist: Eine fromme und verständige Obrigkeit zieht die Übeltäter zur Strafe, um ihre Zahl zu verringern, und ehrliche fromme Leute in Frieden und Ruhe leben können. Denn der Obrigkeit Amt bringt es mit sich, dass sie das Unrecht mit Ernst strafe und das Land von bösen Buben reinige, welche sonst den allgemeinen Frieden zerstören und die Straßen unsicher machen. Wo aber einen jeden alles freisteht und zugelassen wird, da sind die frommen Untertanen übel versorgt.

27. Die Leuchte des Herrn ist des Menschen Odem; die geht durchs ganze Herz.

Leuchte: Luther: Das ist: Gottes Trost und gnädiger Wille.

Herz: Das ist: Eines Menschen Leben, welches den ganzen Leib durchdringt und durch alle seine Glieder geht, ist wie ein Licht, welches Gott angezündet hat, durch das alle Glieder ihre Aufgabe verrichten. Solch ein Licht aber kann Gott in einem Augenblick auslöschen, indem er die Seele vom Leibe scheidet, dann ist da alles blind und tot. Darum sollen wir Gott fürchten, in dessen Macht allein unser Leben steht. Wir sollen darum das zeitliche Leben recht gebrauchen, damit wir nicht das ewige Leben versäumen.

28. Fromm und wahrhaftig sein behüten den König, und sein Thron besteht durch Frömmigkeit.

Behüten: Dass eine Obrigkeit sicher und ihre Regierung beständig und standhaft ist, ist nicht damit ausgerichtet, dass man starke Männer um sich hat oder mit Strenge regiert, sondern Gütigkeit und Gerechtigkeit erhalten das Regiment. Denn durch solche Tugenden machen Königen und Fürsten ihre Untertanen gewogen, dass sie sich auch im Falle der Not nicht beschweren, ihre Obrigkeit schützen und in Gefahr Leib und Leben wagen.

29. Der Jünglinge Stärke ist ihr Preis; und grau Haar ist der Alten Schmuck.

Schmuck: Jungen Leuten steht die Stärke und Tapferkeit des Leibes und Gemütes gut an, gleichwie die Alten ihr graues Haar ziert. Darum sollen junge Leute sich hüten dass sie ihre Kräfte, derer man im Regiment als auch zur Arbeit oder im Krieg bedarf, mit Unzucht und Völlerei zu schwächen. Die Alten aber sollen ihr graues Haar mit einem ehrbaren Lebenswandel zieren.

30. Man muss dem Bösen wehren mit harter Strafe und mit ernsten Schlägen, die man fühlt.

Bösen: Luther: Bei bösen Leuten helfen keine Worte, sondern es müssen Schläge und scharfe Strafen tun.

Fühlt: Man muss böse und widerspenstige Leute mit ernster Strafe, die sie empfinden, zwingen, dass sie ihren Beruf tun, aber diese so anwenden, dass sie nicht schaden. Denn gleichwie die Gnade, so hat auch der Ernst seine Zeit und seinen Ort, und soll man grobe Laster nicht mit einem Fuchsschwanz streichen.


Das 21. Kapitel


1. Des Königs Herz ist in der Hand des Herrn wie Wasserbäche, und er neigt es, wohin er will.

Wasserbäche: Wie Gott auch diese leitet, wohin es ihm gefällt, dass sie oft mit keiner menschlichen Gewalt aufgehalten werden können, so hat er auch die Herzen der Könige und Regenten in seiner Gewalt, dass er sie entweder zum Zorn oder zur Güte neigen kann. Darum sollen wir Gott bitten, dass er den Sinn der Regenten und ihre Gemüter zu gottseligen und heilsamen Regungen neige. Wir sollen unser Vertrauen auf den Herrn setzen und ihm unseren Gehorsam zeigen, denn er kann die Obrigkeit mit Gütigkeit und Gnaden auch in einem Augenblick uns zugetan machen.

2. Einen jeglichen erscheint sein Weg recht sein; aber allein der Herr macht die Herzen gewiss.

Gewiss: Ein jeder gefällt sich in seinem Handeln und Vorhaben selbst, aber in den Anfechtungen besteht ein solcher Wahn nicht. Gott aber stärkt seine Auserwählten im Herzen und im Geist mit seinem Wort so, dass sie um der in Wahrheit und Gerechtigkeit willen zu sterben sich nicht weigern. Um solch eine feste Zuversicht des Herzens soll man Gott bitten.

Luther: Was man tut aus Gottes Befehl, da ist man gewiss, dass es richtig sei. Alles andere, was nicht Gottes Wort ist, ist eitel, ein Wahn und ungewiss.

3. Wohl und recht tun ist dem Herrn lieber denn Opfer.

Denn Opfer: Wenn man ein gerechtes und gottseliges Leben nach dem vorgeschriebenen Wort Gottes führt, ist dass Gott viel angenehmer, als dass man sich in vielen kirchlichen Dingen bemüht. Diese sollen aber darum nicht verworfen werden, besonders die, die von Gott selbst eingesetzt sind, wie auch die nicht, die zur guten Ordnung dienen, sondern es wird hier der Aberglaube, der Heuchler verdammt, welche sich auf die Ordnungen der Kirche berufen, die doch meistens von Menschen erdacht wurden, und dazu den Glauben an Gott und die Liebe gegen den Nächsten außer acht lassen.

4. Hoffärtige Augen und stolzer Mut und die Leuchte der Gottlosen ist Sünde.

Leuchte: Das ist: Der Gottlosen scheinbare Pracht samt ihrer Hoffart und Hochmütigkeit ist Gott dem Herrn ein Gräuel. Aber einer frommen Obrigkeit rechter Schmuck und angemessenes Betragen, wenn das Herz demütig ist, missfällt Gott nicht.

Luther: Gunst der Welt. Wer aber der Welt Freund ist, der ist Gottes Feind {Jak 4v4}.

5. Die Anschläge eines Endelichen bringen Überfluss; wer aber allzu jach ist, wird mangeln.

Endelichen: Wer tapfer vorangeht, die Werke seines Berufes fleißig verrichtet und sein Geschäft schnell zu Ende bringt, wird durch den Segen Gottes im Überfluss bekommen, was er bedarf.

Jach: Dass er so schnell ist und einmal reich werden will, jedoch nicht darauf sieht, wie er richtig sein Amt verrichten soll, sondern nur, dass er Reichtum zusammenbringt, das wird verhindert, und anstatt Überfluss wird er Mangel haben. Darum sollen wir darauf achten, dass wir den mittleren Weg treffen, und nicht auf dem einen zu schnell oder auf dem anderen zu langsam sind.

6. Wer Schätze sammelt mit Lügen, der wird fehlen und fallen unter die den Tod suchen.

Tod suchen: Das ist: Wer mit Lügen und Betrug begehrt, reich zu werden, der bemüht sich umsonst. Denn er wird entweder den Reichtum nicht bekommen, oder aber, wenn er ihn bekommen hat, wird der ihn ums Leben bringen. Diesen Spruch machen viele reiche Kaufleute, die betrügen, wahr, wenn sie von den Räubern später geplündert und umgebracht werden.

7. Der Gottlosen Rauben wird sie schrecken; denn sie wollten nicht tun, was recht war.

Schrecken: Wenn Gott über die Gottlosen eine allgemeine Strafe im Land ergehen lässt, wodurch Städte und Königreiche verwüstet werden, dann wissen sie vor großer Angst nicht, wo sie sind oder was sie tun sollen, weil sie in Zeiten des Friedens alle Furcht Gottes nicht geachtet und seinen Geboten nicht gefolgt sind. Darum sollen wir vor der fleischlichen Sicherheit fliehen, damit wir nicht auch einmal in Verzweiflung fallen.

8. Wer einen andern Weg geht, der ist verkehrt; wer aber in seinem Befehl geht, des Werk ist recht.

Anderen Weg: Wer ein gottloses und verkehrtes Leben führt, von dem soll man nichts anderes denken, als dass er sich von Gott in allen Dingen abgewandt hat, wenngleich er auch die Religion viel rühmt. Denn an den Früchten erkennt man den Baum {Mt 7}. Gleichwie jemand gute Früchte bringt und sein ganzes Leben nach dem Worte Gottes ausrichtet, der ist für einen gottseligen Menschen zu halten, dessen Herz durch den Glauben gereinigt ist. Darum sollen wir unseren Glauben mit guten Werken bezeugen.

Luther: Wer es besser oder anders macht, denn ihm befohlen ist, der verdirbt es, wie schön auch sein Ansehen ist. Wie Saul ist hart über Amalek {1Sam 15}.

9. Es ist besser wohnen im Winkel auf dem Dach, denn bei einem zänkischen Weibe in einem Hause beisammen.

Dach: Es ist für einen Ehemann viel besser, wenn er in einem engen Winkel des Hauses wohnt als in einem großen und weiten Haus bei einem zänkischen Weib. Denn ein solches Weib kürzt dem Mann das Leben ab. Weil nun heute die Ehescheidung nicht nur bei Ehebruch stattfindet, so soll man Gott desto fleißiger um eine fromme Ehefrau anrufen, und man soll sich die Eheschließung gut überlegen. Hat aber jemand ein zänkisches Weib bekommen, so soll er sich bemühen, dass er sie so viel wie möglich auf den rechten Weg bringt, auch wenn solches vergebens ist, so soll er Gott um Geduld bitten und die Ohren bei ihren Zank zustopfen.

10. Die Seele des Gottlosen wünscht Arges und gönnt seinem Nächsten nichts.

Wünscht Arges: Einen gottlosen Menschen verlangt nur danach, dass er Unglück stiftet, er gönnt seinen Nächsten nichts, wenn er nur seinen Mutwillen stillen kann. Darum soll man sich von den Gottlosen nichts Gutes erhoffen.

11. Wenn der Spötter gestraft wird, so werden die Albernen weise; und wenn man einen Weisen unterrichtet, so wird er vernünftig.

Albernen weise: Wenn man einen Verächter des Wortes Gottes straft, so hilft es ihm zu seiner Besserung nicht, aber andere, denen noch zu helfen ist, lassen sich durch das Beispiel der Strafe abschrecken, so dass sie verständig werden und sich vor Sünden hüten.

12. Der Gerechte hält sich weislich gegen des Gottlosen Haus; aber die Gottlosen denken nur Schaden zu tun.

Luther: Ein Beispiel ist David in seinem Verhalten gegen den König Saul.

Haus: Ein frommer Mensch geht mit den Dienern des Gottlosen klug um, damit er den Gottlosen nicht erzürnt und seine Nachkommen ins Verderben stürzt, sondern ihnen in Vorsichtigkeit hilft.

13. Wer seine Ohren verstopft vor dem Schreien des Armen, der wird auch rufen und nicht erhört werden.

Verstopft: Dass er ihnen nicht helfen will, obwohl er doch könnte.

Nicht erhört: Es werden solche unbarmherzigen Leute, wenn sie in Gefahr geraten, darin verderben müssen. Und wenn sie auch Gott den Herrn in heuchlerischerweise anrufen, so wird Gott seine Ohren zustopfen wie sie es bei dem Armen vorher getan haben.

14. Eine heimliche Gabe stillt den Zorn und ein Geschenk im Schoß den heftigen Grimm.

Heimliche: Luther: Wenn man seine Wohltaten nicht rühmt, wie es die Pharisäer taten {Mt 6}.

Grimm: So geht es (will er sagen) in dieser Welt zu, dass etliche von den Richtern und Räten heftig darüber zürnen, wenn eine Übeltat begangen ist, und sie stellen sich auch so voller Eifer als wollten sie den Übeltäter zum Tode verdammen. Aber wenn sie heimlich mit Geschenken bestochen werden, so treffen sie danach ein mildes Urteil und handeln eben wie die, welche hoch anfangen aber nachher nichts ausrichten. Sie nehmen aber die Geschenke heimlich, weil sie nicht als solche Leute angesehen werden wollen, die Geschenke lieb haben.

15. Es ist dem Gerechten eine Freude zu tun, was recht ist, aber eine Furcht den Übeltätern.

Freude: Genau wie die ungerechten Richter sich über die Geschenke freuen und ihr Urteil danach beugen, und damit die Schuldigen freilassen, so behandeln dagegen fromme und gerechte Richter die Gerechtigkeit mit großer Freudigkeit, auf dass die Bösen sich fürchten und, wenn man an die Gesetze denkt, davor erschrecken müssen, wodurch sie besser im Zaum gehalten werden.

16. Ein Mensch, der vom Wege der Klugheit irrt, der wird bleiben in der Toten Gemeinde.

Irrt: Wer Gottes Wort außer acht lässt und seinen bösen Gelüsten nachgeht, der wird sich in den zeitlichen und ewigen Tod stürzen.

17. Wer gern in Wollust lebt, wird mangeln; und wer Wein und Öl liebt, wird nicht reich.

Öl liebt: Es brauchten die Israeliten wohlriechende Öle, um den Leib damit zu säubern und glatt zu machen, wie es im 104. Psalm steht. Das will uns sagen: Welche täglich köstlich leben wollen und die besten Bissen essen, die werden nicht reich, sondern viel eher arm. Denn es tut ja auf Dauer keinem gut, wenn man immer und jeden Tag gut leben will, sondern jede Freude hat ihre Zeit und ihr Maß.

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18. Der Gottlose muss für den Gerechten gegeben werden und der Verächter für die Frommen.

Gegeben: Wenn allgemeine Strafen das Land treffen, so bewahrt Gott die Frommen in der Gefahr, wogegen er die Gottlosen in Elend oder Verderben stürzt. Darum sollen wir uns um Frömmigkeit bemühen.

19. Es ist besser wohnen im wüsten Lande denn, bei einem zänkischen und zornigen Weibe.

Weibe: Dieser Spruch steht kurz vorher auch, nur mit etwas anderen Worten, darum wird er aber hier wiederholt, damit wir, wenn wir Frauen nehmen wollen, das mit sehr viel Bedacht tun sollen.

20. Im Hause des Weisen ist ein lieblicher Schatz und Öl aber ein Narr verschlemmt es.

Schatz: Das ist: Ein weiser Mensch, der seinem Beruf fleißig nachgeht, hat in seinem Haus seine gute Nahrung und ausreichend Güter, die er nicht nur zur Not, sondern auch zur ehrlichen Erquickung gebrauchen kann. Aber ein närrischer Mensch jagt es durch die Gurgel und verschwendet es, wenngleich ihm Gott entweder durch ein Erbe oder auf andere Weise etwas beschert. Es ist aber Gott der unnützen Verschwendung feind, besonders, wenn frommer Eltern gottlose Kinder üppig leben, was die Eltern mit großer Mühe erworben haben.

21. Wer der Barmherzigkeit und Güte nachjagt, der findet das Leben, Barmherzigkeit und Ehre.

Nachjagt: Wer ein gottseliges Leben führt und mit den Leuten freundlich umgeht, dem gibt Gott ein langes glückseliges Leben, und der behält einen guten ehrlichen Namen.

Luther: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen {Mt 5v7}.

22. Ein Weiser gewinnt. die Stadt der Starken und stürzt ihre Macht durch ihre Sicherheit.

Starken: Luther: Die sich auf Gewalt verlassen unsicher sind, da ist kein Glück, wie Babylon und Rom.

Stürzt: Er richtet alles zugrunde, worauf sich die gottlosen Feinde verlassen. Denn ein weiser Mensch kann durch seine Weisheit diejenigen unter sich bringen, welche sonst wegen ihrer Stärke unüberwindlich wären. Darum ist die Weisheit besser als Stärke.

23. Wer seinen Mund und Zunge bewahrt, der bewahrt seine Seele vor Angst.

Vor Angst: Darum sollen wir unsere Zunge regieren, damit wir uns nicht selbst in unnötige Gefahr bringen.

24. Der stolz und vermessen ist, heißt ein loser Mensch, der im Zorn Stolz beweist.

Heißt: Luther: Er bekommt einen solchen schändlichen Namen, dass daraus nie mehr ein guter ehrlicher Name wird, denn sein Vermessen, das ist Trotz und Stolz, macht ihn feindselig.

Loser Mensch: Es ist richtig, den für einen Spötter und Verächter Gottes zu halten, der sich der Wahrheit und Frömmigkeit halsstarrig widersetzt und solche Widerspenstigkeit verteidigt, der sich von niemanden weisen lassen will. Solch eine Beschreibung eines gottlosen Menschen wird hier darum gegeben, damit wir uns der Gottlosen Gemeinschaft entsagen und nicht viel Mühe auf uns nehmen, diese zur Besserung zu weisen, weil doch alles an ihnen vergebens und verloren sein würde.

25. Der Faule stirbt über seinem Wünschen; denn seine Hände wollen nichts tun.

Stirbt: Luther: Bevor er etwas Ordentliches tut, stirbt er, das sind, lässige Prediger, Regenten, Hausherren, die wollen den Himmel, Ehre, Güter haben und doch nichts arbeiten oder erleiden.

Wünschen: Ein fauler Mensch wünscht immer viel Geld, aber er stirbt darüber, ehe er es bekommt, weil er nicht arbeiten will in seinem Beruf. Darum hat er auch den Segen Gottes nicht.

26. Er wünscht täglich; aber der Gerechte gibt und versagt nicht.

Versagt nicht: Der Faule wünscht sich viele Güter und bleibt doch immer arm, so dass er nicht viel hat, was er den Armen etwas geben kann. Aber ein Frommer arbeitet in seinem Beruf, nicht allein, damit er für sich selbst etwas habe, sondern dass er auch den Bedürftigen mit Almosen helfen kann, wie der Apostel Paulus es befiehlt {Eph 4}.

27. Der Gottlosen Opfer ist ein Gräuel; denn sie werden in Sünden geopfert.

Gräuel: Solche Gottesdienste gefallen Gott nicht, die ein gottloser und unbußfertiger Mensch verrichtet, dessen Herz voller Heuchelei steckt. Damit die Werke Gott gefallen, ist es nötig, dass die Person, die es tut, durch den Glauben gerecht geworden ist.

28. Ein lügenhafter Zeuge wird umkommen; aber wer gehorcht, den lässt man auch immer wiederum reden.

Umkommen: Denn Gott vertilgt die Lügner und besonders die falschen Zeugen.

Gehorcht: Wer dem Wort Gottes folgt und die Wahrheit redet, der wird immer mit gutem Lob und Ruhm reden, so dass man seiner Meinung Beifall gegeben wird.

29. Der Gottlose fährt mit dem Kopf hindurch; aber wer fromm ist, des Weg wird bestehen.

Hindurch: Wer halsstarrig in Irrtum und Sünden stecken bleibt und keine Warnungen achtet.

Fromm ist: Ein wiedergeborener gottseliger Mensch lässt sich weisen, wenn er gelernt hat, und bessert sich, warum ihm auch seine Arbeit gelingen wird.

30. Es hilft keine Weisheit, kein Verstand, kein Rat wider den Herrn.

Kein Rat: Denn was Gott beschlossen hat, das kann niemand, weder mit Weisheit noch mit List, noch irgend einem Ratschlag, abwenden. Darum sind diejenigen nicht bei Sinnen, welche meinen, dass sie entweder mit List oder anderen Praktiken oder mit öffentlicher Gewalt das Evangelium Christi dämpfen wollen.

31. Rosse werden zum Streittage bereitet; aber der Sieg kommt vom Herrn.

Bereitet: Man kann zwar ein großes Kriegsheer zusammenbringen und in eine Schlachtordnung stellen, aber der Sieg beruht nicht auf der Menge und Tapferkeit, sondern auf dem Willen Gottes, der den Sieg gibt, wem er will. Welche darum aus Not dazu gedrängt werden, dass sie Krieg führen müssen, die sollen nicht auf ihr großes Heer mit Waffen, sondern auf Gott ihre Hoffnung setzen.


Das 22. Kapitel


1. Das Gerücht ist köstlicher denn großer Reichtum und Gunst besser denn Silber und Gold.

Köstlicher: Es ist viel besser, einen guten Namen zu haben als großen Reichtum, und viel besser, die Zuneigung frommer Leute zu haben als viele Güter.

2. Reiche und Arme müssen untereinander sein; der Herr hat sie alle gemacht.

Sein: Denn das menschliche Leben ist so beschaffen, dass wir nicht alle reich, auch nicht alle arm sind, sondern ein jedes Land Reiche und Arme hat. Gott hat sie beide erschaffen, den einen hat er reich, den anderen arm gemacht. Darum sollen weder die Reichen die Armen verachten, noch die Armen auf die Reichen neidisch sein.

3. Der Witzige sieht das Unglück und verbirgt sich; die Albernen gehen durchhin und werden beschädigt.

Witzige: Ein verständiger, gottseliger und weiser Mensch, der im Wort Gottes gut unterrichtet ist, merkt ein Unglück bald kommen und meidet dasselbe. Darum entgeht er ihm auch.

Albernen: Unverständige, ungeschickte Leute glauben keiner Erinnerung und Warnung aus dem Wort Gottes, sondern fahren in ihrer fleischlichen Sicherheit fort, bis sie in ein großes Unglück geraten.

4. Wo man leidet in des Herrn Furcht, da ist Reichtum, Ehre und Leben.

Und Leben: Diesen Nutzen werden die Auserwählten aus den göttlichen Züchtigungen haben, dass sie Gott noch mehr fürchten und dadurch fleißiger Ehren werden. Und gibt Gott den Frommen nach einen erlittenen Unfall genügend Nahrung, Ehre und glückseliges langen Leben. Darum sollen wir in Trübsal geduldig sein und gute Hoffnung haben.

5. Stacheln und Stricke sind auf dem Wege des Verkehrten; wer aber sich davon entfernt, bewahrt sein Leben.

Und Stricke: Das ist: Der gottlosen Leute Tun und Vorhaben ist nicht ohne große Gefahr und kostet auch viel Mühe. Wer deswegen seinem Leibe und, auch der Seele Recht zu schaffen begehrt, der muss sich fern von ihnen halten. Denn der Teufel plagt seine Märtyrer härter als unser Herr Gott die Seinen.

6. Wie man einen Knaben gewöhnt, so lässt er nicht davon, wenn er alt wird.

Gewöhnt: Wie man einen in der Jugend erzieht, so wird er im Alter sein. Denn jung gewohnt, alt getan. Darum soll man die Kinder in der wahren Gottseligkeit erziehen und mit ehrlicher Arbeit angemessen aufziehen, so werden sie in ihrem erwachsenen Alter der Kirche und dem Regiment nützlich sein.

7. Der Reiche herrscht über die Armen, und wer borgt, ist des Lehners Knecht.

Knecht: Er muss sich in vielen Dingen nach ihm richten. Damit wir uns durch unsere Faulheit keine Knechtschaft über den Hals ziehen, sollen wir uns so gut wie möglich davor hüten, dass wir uns nicht verschulden.

8. Wer Unrecht sät, der wird Mühe ernten und wird durch die Rute seiner Bosheit umkommen.

Ernten: Das ist: Wer nur danach trachtet, dass er seine fleischlichen Begierden stillt und Böses tut, der wird Gottes Strafe nicht entgehen und, indem er anderen aus bösem Herzen ein Unglück anrichtet, wird er sich selbst hinein stürzen und darin umkommen. Wir sagen: Er hat sich selbst eine Rute über seinen eigenen Rücken gebunden. Wenn wir also ein wenig Glück und gutes Leben haben wollen, so sollen wir Gerechtigkeit säen, das heißt, wir sollen gottselig leben und gegen den Nächsten Liebe üben.

9. Ein gutes Auge wird gesegnet; denn er gibt seines Brots den Armen.

Gut Auge: Das ist: Ein milder freigiebiger Mensch, der fromm ist und nach seinem Vermögen hilft, wird durch Gottes Segen mehr Güter bekommen. Denn wer gibt, dem wird von Gott dem Herrn wieder gegeben werden {Lk 6}.

Luther: Das ist: Ein milder Mensch.

10. Treibe den Spötter aus, so geht der Zank weg, so hört auf Hader und Schmach.

Spötter: Welcher nur Lust dazu hat, dass er über Gottes Wort spottet und die Leute verwirrt, den treibe aus deiner Haushaltung, aus dem Regiment und aus der Kirche, so wird alles still und ruhig sein. Denn sie richten mit ihren giftigen Reden viel Unruhe an. Darum stieß auch Abraham den Ismael aus, weil er ein Spötter war.

11. Wer ein treu Herz und liebliche Rede hat, des Freund ist der König.

Rede hat: Wer ein aufrichtiges Gemüt hat und weiß, mit einer bequemen und guten Rede solche Dinge vorzubringen, die wahr und heilsam sind, der wird von der Obrigkeit geliebt und zu geheimen Sachen gebraucht werden. Denn fromme Regenten haben die Schmeichler nicht lieb, sondern sehen gerne aufrichtige Leute um sich, welche doch in ihrem Reden und Tun nicht stürmisch oder unerträglich sind.

12. Die Augen des Herrn behüten guten Rat; aber die Worte des Verächters verkehrt er.

Guten Rat: Das ist: Gott der Herr hilft und fördert einen guten Rat, der mit seinem Wort übereinstimmt.

Luther: Was Gutes ist in der Lehre und im Rat, dass behütet Gott, sonst sind der falschen Mäuler so viel, dass alles verdorben würde.

Verkehrt er: Gott verhindert der gottlosen Vorhaben, so dass sie es nicht ausrichten werden. Denn unter dem Wort wird hier nach hebräischer Art ein Geschäft oder eine Handlung verstanden.

13. Der Faule spricht: Es ist ein Löwe draußen, ich möchte erwürgt werden auf der Gasse.

Ein Löwe: Das ist: Die Entschuldigung eines faulen Menschen, mit welcher er sich vor der Arbeit drückt, dass er vorgibt, es sei für ihn, wer weiß nicht was, für eine Gefahr. Denn im Lande Israel waren früher Löwen und andere grausame Tiere. Es wird aber mit dieser bildlichen Rede besonders auf die faule Art der Leute aufmerksam gemacht, welche ihre Arbeit nicht verrichten wollen, um nicht anderer Leute Feindschaft auf sich zu laden. Solche findet man sowohl in den geistlichen Ämtern, wie auch beim einfachen Mann. Aber Gott wird ihre Entschuldigung nicht annehmen.

Erwürgt: Luther: Das sind Prediger, Regenten, Personal die den Fuchs nicht beißen, gehen auch nicht durch dick und dünn.

14. Der Huren Mund ist eine tiefe Grube; wem der Herr ungnädig ist, der fällt drein.

Grube: Wenn man sich nicht vorsieht, fällt man hinein, welches denen widerfährt, die Gott strafen will wegen ihrer Bosheit. Denn wenn sich jemand in Hurenliebe verwickelt, so ist das nichts anderes, als eine Strafe anderer Sünden, wodurch er um Leid, Gut und Ehre, ja endlich um die eigene Seele gebracht wird.

15. Torheit steckt dem Knaben im Herzen; aber die Rute der Zucht wird sie ferne von ihm treiben.

Steckt: Dem Menschen ist die Sünde angeboren, und es steckt in allen Kinderherzen eine große Bosheit, so dass, wenn man ein Kind nach seinem Gefallen fortleben ließe, dieses zu einem bösen und gottlosen Menschen würde. Aber die gottselige Zucht, welche nicht nur mit Worten, sondern auch manchmal mit Schlägen vorgenommen wird, rückt eine solche Bosheit so zurecht, dass ein Mensch lernt, auf sein Tun fleißiger Acht zu haben, damit er kein unehrbares oder gottloses Leben führt. Darum soll man eine ernste Zucht, doch auch mit seinem Maß, in der Kindererziehung gebrauchen.

16. Wer dem Armen unrecht tut, dass seines Guts viel werde, der wird auch einem Reichen geben und mangeln.

Und mangeln: Das ist: Wer dem Armen sein Gut abringt, damit er umso reicher werde, der wird aus gerechtem Urteil Gottes eben dasselbe von einem anderen wieder erleiden müssen, dass er ihm seine Güter lassen muss und Mangel haben wird. Dieses sollten die bedenken, welche die Güter von armen Leuten mit listigen Praktiken an sich ziehen.

17. Neige deine Ohren und höre die Worte der Weisen und nimm zu Herzen meine Lehre.

Neige: Höre fleißig, wenn dich jemand mit der Weisheit Gottes belehren will, und nehme sie dir zu Herzen.

18. Denn es wird dir sanft tun, wo du sie wirst bei dir behalten, und werden miteinander durch deinen Mund wohl geraten,

sanft tun: Das Wort Gottes wird dir großen Nutzen bringen, wenn du es dir zu Herzen nimmst, es wird dich laben wie eine gute gesunde Speise. Wenn du auch die reine Lehre gelernt hast, so wirst du danach wiederum andere lehren und von wichtigen Sachen weise reden können.

19. dass deine Hoffnung sei auf den Herrn. Ich muss dich solches täglich erinnern dir zu gut.

Den Herrn: Und weder auf Menschen, noch auf eine von Menschen erschaffene Kreatur setzt, was man besonders aus dem Wort Gottes lernen soll.

Täglich: Denn man muss uns immer ermahnen, dass wir uns nicht auf Kreaturen verlassen, die uns oft betrügen, sondern all unsere Hoffnung auf den wahren ewigen Gott setzen.

20. Hab ich dir‘s nicht mannigfaltig vorgeschrieben mit Raten und Lehren,

vorgeschrieben: Ich habe es dir nicht nur einmal, sondern immer wieder vorgehalten, durch lehren, raten, ermahnen, strafen, damit ich dich in der wahren Gottseligkeit und himmlischen Weisheit unterrichtete.

21. dass ich dir zeigte einen gewissen Grund der Wahrheit, dass du recht antworten könntest denen, die dich senden?

Zeigte: Das ist: Ich habe mir vorgenommenen, dich in der Wahrheit des göttlichen Wortes zu lehren und zu unterrichten, damit du dich in jeder Sache, die dir befohlen wird, weise verhalten könntest. Denn das Wort Gottes ist der allerbeste Grund der Weisheit. Wer darin gut unterrichtet ist, hält sich weise und löblich in allen Sachen.

22. Beraube den Armen nicht, ob er wohl arm ist, und unterdrücke den Elenden nicht im Tor;

Arm ist: Und darum dir nicht widerstehen, noch sich an dir rächen kann.

Im Tor: Das ist: Im Gericht. Denn bei den Israeliten hielt man früher unter dem Tor Gericht wie bei uns im Rathaus oder Gerichtssaal. Es werden aber viele gefunden, die arme Leute um ihr Gut bringen, entweder mit öffentlicher Gewalt oder unter dem Schein des Rechts, weil sie ihnen eine Rechnung machen, durch die solche armen Leute leiden müssen und sich nicht wehren können.

23. denn der Herr wird ihre Sache handeln und wird ihre Untertreter untertreten.

Handeln: Gott selber wird Fürsprecher derjenigen sein, die Unrecht leiden. Und genau wie jene Gewalt gegen ihren Nächsten gebraucht haben, so wird Gott nach seinem gerechten Gericht solchen auch mit Gewalt begegnen und grausam mit ihnen umgehen. Darum sollen wir keinen unrechten Handel anfangen oder, wenn irgendeiner angefangen ist, diesem beistehen oder es begehren.

24. Geselle dich nicht zum zornigen Mann und halte dich nicht zu einem grimmigen Mann;

Grimmigen Mann: Entfliehe derjenigen Gemeinschaft oder Gesellschaft, die eines zornigen Gemütes ist und was sie tut, nicht aus Überlegung, sondern mit erhitztem Gemüte tut und sich von ihren Begierden leiten und regieren lässt.

25. du möchtest seinen Weg lernen und deiner Seele Ärgernis einfangen.

Lernen: Dass du dich immer danach richtest und begehrst ihm nachzueifern, würdest du mit der Zeit immer böser werden. Darum sollen wir mit denen umgehen, durch deren Gemeinschaft wir lernen, sanftmütig und demütig zu sein.

26. Sei nicht bei denen, die ihre Hand verhaften und für Schuld Bürge werden;

Bürge werden: Lass dich nicht in etwas hineinziehen, wo du für jemanden Bürge wirst, wenn auch viele da sind, die Bürge werden. Denn wer sich verbürgt, der muss zuletzt die Schulden zahlen. Es werden hier nicht die Werke der Liebe verboten, sondern vor dem unbedachten und leichtsinnigen Geloben gegenüber jedermann gewarnt.

27. denn wo du es nicht hast zu bezahlen, so wird man dir dein Bett unter dir wegnehmen.

Wegnehmen: Es steigt die Gefahr, dass du dich immer sorgen musst, ob der Gläubiger einmal nicht bezahlen können wird. Ohne deine Schuld wird man dann dein Bett als Pfand von dir nehmen.

28. Treibe nicht zurück die vorigen Grenzen, die deine Väter gemacht haben!

Gemacht haben: Was von deinen Vorfahren recht weise angeordnet wurde, dem soll man keinen Abbruch tun.

29. Siehst du einen Mann emsig in seinem Geschäfte, der wird vor den Königen stehen und wird nicht vor den Unedlen stehen.

Stehen: Denn aufrichtige Leute bringen ihre Sachen mit Fleiß und zu rechter Zeit zum Ende und werden an der Herren Höfe in den Rat befördert, wo sie vornehme Ämter und ihren Stände erlangen. Besonders im Rat der Obrigkeiten kann man keine faulen, fahrlässigen und ungeschickten Leute gebrauchen. Wer aber einen faulen und trägen Menschen in den Rat oder auf die Kanzel stellt, der tut eben, der könnte ebenso aus einem Ochsen ein Rennpferd machen wollen.


Das 23. Kapitel


1. Wenn du sitzest und issest mit einem Herrn, so merke, wen du vor dir hast,

hast: Achte darauf, was du für einen Mann vor dir hast und bei dem du sitzt, damit du nicht aus Unvorsichtigkeit etwas redest, wodurch du in Gefahr kommen kannst.

2. und setze ein Messer an deine Kehle, willst du das Leben behalten.

Messer: Luther: Das ist: Bewahre deine Zunge, damit du nicht zu viel redest und dabei umkommst, denn das Recht ist untreu.

Kehle: Rede alles mit Bedacht und sei klug so gut du kannst, wenn du es anders machst, kannst du dein Leben in Gefahr bringen.

3. Wünsche dir nicht seiner Speise, denn es ist falsch Brot.

Falsch Brot: Begehre nicht, bei großen Herren an der Tafel zu sitzen, denn man lädt dich nicht dazu ein, damit es dir gut geht und dir Ehre gibt, sondern damit man sich erkundigen und erforschen kann, was du für Gedanken und Sinne hast. Dieses ist besonders bei den Herrschern zu beachten. Denn egal, wie es einem Ehre und Lust bereitet, wenn man bei frommen Regenten sitzt, so geschieht es ohne Gefahr. Anders, wenn man bei tyrannischen Herren essen muss. Wie man im Sprichwort sagt: Es ist mit großen Herren nicht gut Kirschen essen, sie werfen einem die Stiele ins Gesicht.

Luther: Es ist in der Regierung falsch Brot, weil immer einer den anderen über sein will und somit heuchelt, bis er ihn unten hat und sich selbst empor bringt.

4. Bemühe dich nicht, reich zu werden, und lass ab von deinen Fündlein!

Fündlein: Bemühe und martere dich selber nicht, einen Vorteil über den anderen zu erlangen, damit du zu großen Gütern kommst, sondern sei mit dem zufrieden, was dir Gott beschert, wenn du in deinem Beruf fleißig bist. Denn welche reich werden wollen, (spricht der Apostel Paulus) die fallen in Versuchung und Stricke, und in viel törichte und schädliche Lüste, welche die Menschen ins Verderben und in die Verdammnis bringen {1Tim 6}.

5. Lass deine Augen nicht fliegen dahin, dass du nicht haben kannst; denn dasselbe macht ihm Flügel wie ein Adler und fliegt gen Himmel.

Nicht fliegen: Trachte nicht nach großem Reichtum. Denn wenn du meinst, dass du nun ganz nahe daran bist, es zu bekommen, so wird es dir wieder entgehen, so dass du genauso wenig dazu kommen kannst, als wenn ein Adler in den Himmel flöge. Besonders der böse Feind der armen elenden Leute also spottet, dass sie oft um der vergeblichen Hoffnung willen, reich zu werden, sich in zeitliches und ewiges Verderben stürzen.

Luther: Je mehr man es begehrt, je ferner es kommt.

6. Iss nicht Brot bei einem Neidischen und wünsche dir seiner Speise nicht.

Iss nicht: Entziehe dich so viel wie möglich einem neidischen Menschen, damit du nicht mit ihm essen musst.

7. Denn wie ein Gespenst ist er inwendig. Er spricht: Iss und trink! Und sein Herz ist doch nicht an dir.

Gespenst: Das ist: Gleichwie die bösen Geister, die sich häufig so stellen als meinen sie es gut mit einem Menschen, diesem dennoch feind sind und ihm alles Unglück gönnen, so macht es auch ein neidischer Mensch: Denn wenngleich er sich auch äußerlich stellt, als gönne er dir alles Gute, so meint er es doch nicht ehrlich, und es verdrießt ihn, wenn er sieht, dass du tapfer dein Brot isst und fröhlich bist.

An dir: Sein Herz ist nicht bei dir, was er sagt, ist dir nicht nützlich.

8. Deine Bissen, die du gegessen hattest, musst du ausspeien und musst deine freundlichen Worte verloren haben.

Ausspeien: Hast du etwas bei der Mahlzeit gesagt, so deutet er es zum Schlimmsten, dass es dich endlich bereuen wird wegen der guten Worte die du vergebens zu ihm geredet hast. Wir sollen uns darum nach redlichen und frommen Leuten umsehen, an denen wir uns ehrlich ergötzen können.

9. Rede nicht vor des Narren Ohren; denn er verachtet die Klugheit deiner Rede.

Ohren: Bei ungeschliffenen und verkehrten Leuten soll man nicht von großen und wichtigen Sachen reden, weil sie weise Reden verachten und verlachen. Denn man soll die Perlen nicht vor die Säue werfen {Mt 7}. Also ist es auch nicht ratsam, dass man bei unerfahrenen Leuten, die nie aus ihrem Vaterland gekommen sind, von wunderbaren seltsamen Sachen, welche man in weit abgelegenen Orten und Ländern gesehen hat, reden sollte. Denn sie lachen einen nur aus und meinen, es wäre nur ein guter Witz.

10. Treibe nicht zurück die vorigen Grenzen und gehe nicht auf der Waisen Acker!

Grenzen: Dass du entweder aus Bosheit oder mit Gewalt deines Nachbarn Güter schmälern und deine vergrößern willst.

Acker: Weil du denkst, durch Beschwerden, Anzeigen und Gerichtsklagen deinen Nächsten zu bedrängen, und meinst, er könne sich deiner Gewalt nicht erwehren.

11. Denn ihr Erlöser ist mächtig; der wird ihre Sache wider dich ausführen.

Ausführen: Obwohl die Witwen und Waisen ihre Sache nicht handhaben können und häufig keine treuen und nützlichen Vormünder und Pfleger haben, die sich ihrer Sache annehmen, so soll man doch wissen, wer Witwen und Waisen Unrecht tut, der wird Gott zum Widersacher haben, welcher das nicht ungerächt lässt.

12. Gib dein Herz zur Zucht und deine Ohren zu vernünftiger Rede.

Rede: Das ist: Lass dich aus dem Wort Gottes unterrichten.

13. Lass nicht ab, den Knaben zu züchtigen; denn wo du ihn mit der Rute haust, so darf man ihn nicht töten.

Haust: Luther: Strafst du ihn, so kann ihn der Richter nicht strafen, tut es der Vater nicht, so tut es der Richter, es wird nicht anders werden. Niemand ist ihm je entlaufen, denn der Richter ist Gottes Gericht.

Nicht töten: Wenn du ihn nach Gebühr züchtigst und in Gottseligkeit erziehst, so kommt er dem Richter nicht in die Hände.

14. Du haust ihn mit der Rute; aber du errettest seine Seele von der Hölle.

Hölle: Damit sie nicht in die Hölle gestürzt werden, weil du sie mit der Züchtigung nicht von der Bosheit abgehalten hast. Es ist darum eine verkehrte Liebe bei vielen Eltern, ja vielmehr ein Hassen ihrer Kinder, wenn sie sie nicht züchtigen wollen. Denn solche Kinder geraten häufig in Schande und Laster und kommen um ihr zeitliches und ewiges Leben. Dessen sind die Eltern schuldig.

15. Mein Sohn, so du weise bist, so freut sich auch mein Herz;

Freut: Denn es bringt den Eltern große Freude, wenn sie sehen, dass ihre Kinder in der Gottseligkeit recht und wohl erzogen sind.

16. und meine Nieren sind froh, wenn deine Lippen reden, was recht ist.

Recht ist: Als wollte er sagen: Wenn die Eltern ihre Kinder gottselig reden hören, was ein Zeichen ihres guten Gemütes ist, so hören sie solches mit großer Lust und Freude, weil sie merken, dass sie ihre Mühe in der Erziehung gut angelegt haben. Sie haben der Kirche und dem Regiment nützliche Personen hinterlassen. Darum sollen die Kinder der Gottseligkeit und Weisheit nachjagen, auf dass sie die Eltern für Ihre Mühe, die sie sich mit der Erziehung gehabt haben, entlohnen.

17. Dein Herz folge nicht den Sündern, sondern sei täglich in der Furcht des Herrn.

Folge nicht: Ärgere dich nicht am zeitlichen Glück der Gottlosen, dass dir in den Sinn kommen sollte, es ihnen in ihrer Bosheit nachzumachen, sondern beharre in der Furcht Gottes bis ans Ende, so wirst du selig werden.

18. Denn es wird dir hernach gut sein und dein Warten wird nicht fehlen.

Gut sein: Wer in der Furcht Gottes beständig bleibt, dem wird es zuletzt gut gehen und der wird um seine Belohnung, die er von Gott seiner Frömmigkeit wegen erwartet, nicht betrogen werden.

19. Höre, mein Sohn, und sei weise und richte dein Herz in den Weg.

Weg: Wir sollen das Wort Gottes oft und fleißig hören, auf dass wir daraus die richtige Weisheit lernen, welche uns auf den richtigen Weg zum ewigen Leben bringt. Und Gott wird nicht aus den verborgenen Eingebungen oder Gedanken erkannt, sondern aus dem Worte Gottes, wenn es gepredigt wird.

20. Sei nicht unter den Säufern und Schlemmern;

Schlemmern: Halte dich nicht zu denen, die früh und spät fressen und saufen und immer so leben.

21. denn die Säufer und Schlemmer verarmen, und ein Schläfer muss zerrissene Kleider tragen.

Verarmen: Wer dem Fressen und Saufen nachgeht, der verzehrt nicht nur sein Geld, sondern gewöhnt sich auch an Müßiggang und an Faulheit, verrichtet sein Amt nicht. Dadurch gerät er später in Armut und es wird geschehen, dass er mit zerrissenen Kleidern herumläuft. Darum sollen wir das tägliche und ungebührlich Stolzieren meiden und unseren Beruf fleißig und treu ausrichten, so werden wir keinen Mangel haben.

22. Gehorche deinem Vater, der dich gezeugt hat, und verachte deine Mutter nicht, wenn sie alt wird!

Vater: Folge nicht den leichtfertigen Leuten, die dich zum Trinken und gutem Leben einladen, und dich somit an den Geschäften deines Berufes hindern. Sondern sei vielmehr deinem Vater gehorsam, den du nach Gottes Willen ehren sollst, und schlage deiner Mutter Ermahnungen nicht in den Wind, wenn sie auch alt geworden ist. Begehre nicht, zu stolzieren, wodurch du die nützliche Arbeit deines Berufes vergisst. Aber es werden leider viele gefunden, die sich mit guten Gesellen (wie sie es nennen,) abgeben, und dagegen die Eltern, besonders wenn sie alt geworden sind, mit Füßen treten. Doch sie werden es einmal spüren, dass es ihnen ein großer Schaden war, dass sie den Eltern nicht gehorsam waren.

23. Kaufe Wahrheit und verkaufe sie nicht, Weisheit, Zucht und Verstand.

Kaufe: Denn die Wahrheit des göttlichen Wortes und die heilsame Weisheit, die darin begriffen ist, sollen wir uns mit höchsten Fleiß zu erlangen bemühen und das bis zum Ende des Lebens beibehalten.

24. Ein Vater des Gerechten freut sich, und wer einen Weisen gezeugt hat, ist fröhlich darüber.

Darüber: Weil fromme und verständige Kinder die Eltern zum Höchsten erfreuen, darum sollen sie die Weisheit mit Freude annehmen, damit sie ihren Eltern mit ihrer Frömmigkeit und Weisheit eine Freude machen.

25. Lass sich deinen Vater und deine Mutter freuen und fröhlich sein, die dich gezeugt hat.

Freuen: Über deine Frömmigkeit und deinen Verstand.

Gezeugt: Dass sie dich mit großen Schmerzen und unter Einsatz ihres Lebens in die Welt geboren haben. Dass sie wiederum so viel genießen, dass sie an deinem guten Lebenswandel ihre Lust und Freude haben.

26. Gib mir, mein Sohn, dein Herz und lass deinen Augen meine Wege wohl gefallen.

Herz: Dass ich dich im Wort Gottes unterweise.

Wohl gefallen: Lass dir meine Lehre gefallen, nehme sie an und richte dein Leben danach.

27. Denn eine Hure ist eine tiefe Grube, und die Ehebrecherin ist eine enge Grube.

Grube: Darum hüte sich ein jeder vor unzüchtigen Weibern, denn diejenigen, die sich in ungebührliche Liebe mit fremden Weibern verwickeln, egal ob ledig oder verheiratet, stürzen sich ins Verderben und tun nichts anderes, als wenn einer mutwillig in eine tiefe Grube oder einen Brunnen springt, aus dem er nicht wieder herauskommen kann. Es tun wenig Hurer oder Ehebrecher rechtschaffene Buße, sondern sie verderben an Gut, Ehre, Leib und Seele.

28. Auch lauert sie wie ein Räuber und die Frechen unter den Menschen sammelt sie zu sich.

Lauert: Ein unzüchtiges Weib stellt den Leuten nach, und welche leichtfertig sind, sich nicht nach dem Wort Gottes richten, die werden in unzüchtiger Liebe von ihr gefangen und verstrickt, und sie führt sie dann auch so gefangen und gebunden dem Teufel zu.

29. Wo ist Weh? Wo ist Leid? Wo ist Zank? Wo ist Klagen? Wo sind Wunden ohne Ursache? Wo sind rote Augen?

30. Nämlich, wo man beim Wein liegt, und kommt auszusaufen, was eingeschenkt ist.

Wein liegt: Die dem Wein nachlaufen wie ein Hund einer Hündin. Denn die Trunkenheit bringt dem Leib und der Seele Angst und Schmerzen, richtet unnötigen Zank und Hader an, auch unter denen, die zuvor die besten Freunde gewesen sind, erregt Mord und Totschlag ohne Grund, verdirbt das Gesicht und verstellt den ganzen Leib eines Menschen.

31. Siehe den Wein nicht an, dass er so rot ist und im Glase so schön steht. Er geht glatt ein;

Rot ist: Lass dich durch die Farbe des Weins nicht betrügen, dass du darum über Gebühr mehr trinken möchtest.

Glatt ein: In den Leib, so dass du nicht zu Anfang meinst, er sei dir nicht schädlich, sondern mache dich vielmehr lustig.

32. aber danach beißt er wie eine Schlange und sticht wie eine Otter.

Beißt: Man empfindet nicht, wie schädlich der Wein ist, wenn er über die Maßen getrunken wird. Aber endlich, wenn der Leib vom Wein erhitzt wird und die Dämpfe in den Kopf steigen, dann spürt man erst seine Wirkungen. Genau wie ein Gift von den ein Schlangengift sich langsam in eines Menschen Leib ausbreitet bis er ganz dadurch eingenommen und verdorben ist. Obwohl der Wein eine gute und nützliche Gabe Gottes ist, so ist doch auch der Missbrauch so viel schädlicher, und als ein tödliches Gift zu meiden.

33. So werden deine Augen nach andern Weibern sehen, und dein Herz wird verkehrte Dinge reden,

sehen: Wenn du vom Wein zu viel getrunken hast, so wirst du von der Unzucht gereizt werden und dich nach fremden Weibern umsehen, mit welchen du eine Lust bekommen wirst, ungebührliche Sachen zu treiben.

Reden: Du wirst schandbare Worte und ungereimte Sachen vorbringen, die einem frommen Menschen übel anstehen. Welche darum unter den Männern und Frauen zur Zucht und Ehrbarkeit Lust haben, die sollen sich vor der Trunkenheit hüten.

34. und wirst sein wie einer, der mitten im Meer schläft, und wie einer schläft oben auf dem Mastbaum.

Mastbaum: Im Korb, der oben am Mastbaum ist, das heißt, du wirst in große Gefahr mit Leib und Seele schweben, als schliefest du im tosenden Meer oder säßest oben im Korb, woraus du leicht, wenn sich das Schiff etwas zur Seite legt, ins Wasser fallen könntest. Denn was kann man mit einem betrunkenen Menschen anstellen? Wenn Feinde vor der Tür stehen oder sonst eine Gefahr vor Augen ist, so kann sich ein solcher nicht retten. Und wie oft geschieht es, dass einer in betrunkener Weise eine Treppe herabfällt und sich den Hals bricht? Oder in einen kleinen Bach, der kaum eine Hand tief ist, ertrinkt? Oder dass der Wein, den jemand im Übermaß zu sich genommen hat, einen Menschen erstickt, so dass er tot im Bett gefunden wird? Ist aber das nicht eine unsinnige Weise, dass man, um einer guten Gesellschaft zu gefallen, sich nicht in so große Gefahr allein des Leibes, sondern auch die Seele stürzt?

35. Sie schlagen mich, aber es tut mir nicht weh; sie klopfen mich, aber ich fühle es nicht. Wann will ich aufwachen, dass ich‘s mehr treibe?

Sie: Mit diesen Worten zeigt Salomo an, dass die betrunkenen Leute gar keine Empfindungen haben. Denn die Trunkenheit macht einen Menschen zum Klotz und Stein, aus einer vernünftigen Seele eine unvernünftige wüste Sau.

Mehr treibe: So sind der betrunkenen Leute Reden böse, dass sie, wenn sie ausgeschlafen und den Wein verdaut haben, bald wieder vom neuem begehren, sich zu betrinken, dass man also häufig solche Leute in acht Tagen nicht einmal nüchtern antreffen kann. Damit bringen sie sich nicht allein um ihres Leibes Gesundheit, vertun ihre Güter und stürzen sich in mancherlei Gefahr, sondern sie zerrütten auch ihren Verstand so, dass sie, selbst wenn sie nüchtern sind, dennoch als Betrunkene angesehen werden und vor der Zeit in Aberwitz gehen. Das Allerschlimmste daran ist, dass sie sich auch des ewigen Lebens unwürdig machen.


Das 24. Kapitel


1. Folge nicht bösen Leuten und wünsche nicht, bei ihnen zu sein.

Folge: Luther: Das ist: Lass dich dein armes und böses Leben nicht verdrießen, dass du den Bösen in ihrem guten Leben folgen wolltest.

Zu sein: Lass den Gottlosen ihr zeitliches Glück und missgönne es ihnen nicht, mische dich auch nicht unter ihrem gottlosen Wesen, damit du des Guten in dieser Welt teilhaftig werden möchtest. Denn sie werden dieses zeitliche und gute Leben nicht lange genießen, werden es mit ewiger Pein bezahlen müssen.

2. Denn ihr Herz trachtet nach Schaden, und ihre Lippen raten zu Unglück.

Unglück: Sie gehen nur mit dem Gedanken um, wie sie fromme Leute in Gefahr und Angst bringen können. Darum werden sie nicht ungestraft bleiben.

3. Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.

Erhalten: Denn wo man einer Haushaltung in Gottseligkeit weise vorsteht, da wird das Einkommen zunehmen und alles geht glücklich aus.

4. Durch ordentlich Haushalten werden die Kammern voll aller köstlichen, lieblichen Reichtümer.

Ordentlich: Luther: Wenn es ordentlich im Hause zugeht, das schafft mehr denn viel Arbeit.

Voll: Wer in der Haushaltung erfahren ist, der wird durch den Segen Gottes sein Haus mit allerlei Gütern füllen. Da aber in der Haushaltung viele nicht wissen, womit umzugehen, verschwenden sie, was sie von ihren Eltern geerbt haben. Darum sollen junge Haushalter von anderen Erfahrungen zu lernen begehren, was nützlich oder schädlich ist. Und Jungen und Mädchen sollen sich nicht in den Ehestand begeben, bevor sie gelernt haben, wie man einem Haushalt vorstehen soll.

5. Ein weiser Mann ist stark und ein vernünftiger Mann ist mächtig von Kräften.

Stark: Denn Weisheit ist viel besser als äußerliche Stärke. Die Geschichte beschreibt oft, dass ein weiser Mann ein großes gewaltiges Kriegsheer überwindet, nicht mit einer großen Macht, sondern mit Klugheit. So hat Abraham seine mächtigen Feinde überfallen und sie mit einem kleinen Haufen in die Flucht geschlagen, weil er die Sache mit Weisheit angegangen ist.

6. Denn mit Rat muss man Krieg führen; und wo viel Ratgeber sind, da ist der Sieg.

Mit Rat: Es sieht so aus, als werden die Kriege mit Gewalt geführt, nicht mit Rat. Aber wo es ohne Rat durcheinandergeht, da darf man keinen Sieg erhoffen, sondern man muss weise und treue Ratgeber hören, die im Krieg erfahren sind. Darum bleibt es dabei, dass die Stärke von der Weisheit übertroffen wird. Doch soll man so das Werk angehen, dass man die Sache nicht auf die lange Bank schiebt und dabei die gute Gelegenheit verpasst, und dem Feind die Ratschläge verraten werden.

7. Weisheit ist dem Narren zu hoch; er darf seinen Mund im Tor nicht auftun.

Zu hoch: Also, dass er sie nicht erreichen oder verstehen kann.

Auftun: Wenn ein ungeschickter Mensch in den Rat kommt, wie es oft geschieht, so versteht er doch nicht die großen wichtigen Sachen, welche da gehandelt werden. Er weiß auch nicht von den Ursachen, warum dieses oder jenes so und nicht anders geschehen muss, weshalb er nichts dazu sagen darf, weil er nichts davon versteht. Er gibt seine Meinung von Dingen preis, die er nicht verstanden hat. Damit uns nicht auch so etwas widerfährt, sollen wir uns der wahren Weisheit befleißigen und Gott darum bitten. Eine Obrigkeit soll die Berater nicht nach dem äußeren Schein bestellen, sondern auf die Weisheit sehen.

8. Wer sich selbst Schaden tut, den heißt man billig einen Erzbösewicht.

Wenn einer so böse ist, dass er sich nicht scheut, sich selber Schaden zuzufügen, nur damit einem anderen ein größerer Schaden entsteht, muss er ein besonders böser Mensch sein.

9. Des Narren Tücke ist Sünde; und der Spötter ist ein Gräuel vor den Leuten.

Sünde: Die Gottlosen und unverständigen Leute denken nur an Böses, darum sind sie vor Gott und allen frommen Leuten ein Übel.

10. Der ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist.

Stark: Luther: Viele sind mutig, wenn keine Gefahr ist, dagegen fürchtet sich mancher vor zehn anderen nicht, wenn er allein ist.

Fest ist: Man kann den nicht für einen standhaften Menschen halten, der in der Trübsal kleinmütig ist. Darum sollen wir Trost aus dem Wort Gottes begehren und uns gegen Trübsal und Anfechtungen mit der Hilfe Gottes unüberwindlich zeigen. Denn der ist nicht stark, welcher sich viel rühmt, wenn keine Gefahr vorhanden ist, sondern der, welcher im Unglück unerschrocken ist.

11. Errette die, so man töten will, und entziehe dich nicht von denen, die man würgen will.

Töten will: Wenn du spürst, dass ein Mensch unschuldig zum Tode verurteilt wird, weil man ihn mit falschen Beschuldigungen hintergangen hat, so nimm dich seiner an soviel es dein Beruf fordert und unterstütze seine Sache, damit ein gerechtes Urteil über ihn gefällt wird, damit du ihn am Leben erhältst. Dieses ist besonders denen gesagt, die als Beisitzer im Gericht sitzen, damit sie nicht, um der höheren Obrigkeit zu gefallen, unschuldige Leute verdammen. Nicht wie die Ratsherren es getan haben, welche den unschuldigen Nabot mit ihrem Urteil zum Tode verdammt haben, um der gottlosen Königen Isebel zu gefallen. Dagegen will Gott aber nicht, dass man die Leute, die einen Tod verschuldet haben, befreie. Die Meinung ist auch nicht, dass die Untertanen Unschuldige mit Gewalt aus dem Gefängnis oder aus des Richters Hand befreien sollen. Denn man kann nicht lesen, dass die Christen in der ersten Kirche so etwas getan hätten. Es haben damals viele unschuldige Leute wegen ihres Glaubens an Jesus durch Marter gelitten und sind hingerichtet worden. Den Richtern wird vorgeschrieben, was ihr Amt ist, wenn sie finden, dass ein Mensch unschuldig angeklagt wird.

Luther: Wie man die Christen früher und auch noch heute würgt, und lacht dazu, oder spricht: Wir verstehen es nicht, ich muss meines Herzens Befehl lassen und gehorsam sein.

12. Sprichst du: Siehe, wir verstehen‘s nicht; meinst du nicht, der die Herzen weiß, merkt es, und der auf die Seele Acht hat, kennt es und vergilt dem Menschen nach seinem Werk?

Sprichst du: Nämlich der Richter, Ratsherr oder Beisitzer.

Kennt es: Gott, der ein Kenner der Herzen ist, und sieht, was deine Gedanken sind, weil ihm nichts verborgen ist, der weiß, ob du die Wahrheit sagst oder dich so verstellt als würdest du es nicht verstehen, nur damit du anderen einen Gefallen tust, um selbst aus der Gefahr zu kommen.

Werk: Darum wird der Richter dich darum, weil du dich dumm stellst aufs ernstlichste strafen. Denn wer seinen Beruf nicht ordentlich ausübt, unschuldige Leute richtet und bei Schuldigen durch die Finger sieht, der ist am Totschlag ebenso schuldig, als wenn er selber einen Totschlag begangen hätte. So sind auch in geringeren Sachen diejenigen vor Gott nicht entschuldigt, welche fromme Leute vor Gericht unrecht haben lassen, die sie mit gerechter Gewalt retten sollten und könnten.

13. Iss, mein Sohn, Honig, denn es ist gut, und Honigseim ist süß in deinem Halse.

Honig: Nämlich der Weisheit des göttlichen Wortes. Luther: Das ist: Brauche die Güter, die dir Gott gibt, und spare sie nicht, dir zum Nachteil.

Süß: Denn die gottselige und heilsame Lehre ist einem verständigen Menschen lieblicher und angenehmer als Honig und Zucker.

14. Also lerne die Weisheit für deine Seele. Wenn du sie findest, so wird‘s hernach wohlgehen, und deine Hoffnung wird nicht umsonst sein.

Weisheit: Welche dir süß und lieblich sein wird wie Honig.

Wohlgehen: Wenn du dem Wort Gottes glaubst und dein Leben danach richtest, so kannst du dir der wahren Glückseligkeit sicher sein, welche, wenn sie dir auch nicht in diesem Leben widerfährt, so doch in jenem Leben begegnet.

15. Laure nicht, als ein Gottloser, auf das Haus des Gerechten; verstöre seine Ruhe nicht!

Ruhe nicht: Dass du aus boshaftem Herzen nach der Gelegenheit trachten wolltest, wie du einem frommen Menschen Unruhe machst, und ihm etwas zu zufügst, wodurch er an seiner zeitlichen Nahrung gehindert oder um seine Güter gebracht wird.

Luther: Die der armen Häuser und Güter zu sich reißen oder sonst mit List an sich bringen.

16. Denn ein Gerechter fällt siebenmal und steht wieder auf; aber die Gottlosen versinken in Unglück.

Siebenmal: Das ist: Obwohl ein Frommer oft in Gefahr und Unglück kommt, so hilft ihm Gott doch wieder heraus, damit er nicht zugrunde geht. Ja, wenn auch die Frommen aus Schwachheit des Fleisches in Sünde fallen, so werden sie doch durch die Buße wieder aufgerichtet. Aber die Gottlosen, welche der Frommen Untergang begehren, werden selbst in Unglück fallen und darin verderben.

Luther: Gott hilft dem Gerechten immer wieder auf, sooft er verdorben und vertrieben wird.

17. Freue dich des Falles deines Feindes nicht, und dein Herz sei nicht froh über seinem Unglück;

Feindes nicht: Wenn dich jemand beleidigt hat und ihm danach ein Unfall zustößt, so sollst du dich über sein Unglück nicht freuen. Denn Gott will, dass wir die lieben sollen, die uns hassen {Mt 5}.

18. es möchte der Herr sehen und ihm übel gefallen und seinen Zorn von ihm wenden.

Übel gefallen: Wenn du wider deinen Feind hochmütig bist und Bosheit mit Bosheit vergelten willst, so siehe zu, dass Gott nicht dadurch zu ernstlichem Zorn auf dich bewegt wird, das Unglück von deinen Feind nimmt und es dir auferlegt.

19. Erzürne dich nicht über den Bösen und eifre nicht über die Gottlosen;

Den Bösen: Das du über seinen glücklichen Fortgang murren möchtest und den Gottlosen ihr zeitliches Glück nicht gönnst.

20. denn der Böse hat nichts zu hoffen, und die Leuchte der Gottlosen wird verlöschen.

Zu hoffen: Die Gottlosen werden endlich in Verzweiflung und ins ewige Verderben fallen, es wird auch ihre Freude und Glück in diesem Leben letztlich aufhören, als wenn jemand ein Licht löscht. Darum soll man ihnen das kurze Glück in diesem Leben nicht missgönnen, dass sie mit ewiger Pein und Marter teuer genug bezahlen müssen.

21. Mein Kind, fürchte den Herrn und den König und menge dich nicht unter die Aufrührerischen!

König: Solches gebietet auch der Apostel Petrus {1Petr 2}. Denn wir sollen Gott fürchten, dass wir nicht gegen sein Wort handeln. Der Obrigkeit aber soll man gehorsam sein, weil sie Gottes Dienerin ist, die Frommen zu schützen und die Bösen zu strafen {Röm 13}.

Aufrührerischen: Man soll sich von denen absondern, die immer nach neuen Dingen im Regiment trachten und einen Aufruhr verursachen.

22. Denn ihr Unfall wird plötzlich entstehen; und wer weiß, wann beider Unglück kommt? ist

Beider: Nämlich dessen, der Gott verachtet und der sich der Obrigkeit widersetzt. Denn ihr Verderben wird plötzlich hereinfallen, dann, wenn sie es am wenigsten vermuten.

23. Dies kommt auch von den Weisen: Die Person ansehen im Gericht ist nicht gut.

Kommt auch: Die folgenden Sprüche wurden auch von weisen Leuten gesagt, die mit dem Geist Gottes erleuchtet gewesen sind, und heilsame Lehren gegeben haben, wie man das Leben führen soll. Denn es ist zu vermuten, dass die vorigen Sprüche noch zu Zeiten des König Salomo in ein Buch geschrieben worden sind, und auch diese danach noch dazugekommen sind, weil sie von gleichen Sachen handeln.

Nicht gut: Man soll nicht nach dem Ansehen der Person urteilen. Ungerechte Reichen den Armen, die eine gerechte Sache vertreten, vorzuziehen, ist nicht ehrlich und nützlich. Eine solche Obrigkeit wird von Gott gestraft.

24. Wer zum Gottlosen spricht: Du bist fromm, dem fluchen die Leute und hasst das Volk.

Fromm: Wer jemanden freispricht, weil er seine Person ansieht, der lädt einen Fluch auf das ganze Volk und auf sich, und es gehen solche Flüche nicht vergebens ab.

25. Welche aber strafen, die gefallen wohl, und kommt ein reicher Segen auf sie.

Strafen: Diejenigen, die den Gottlosen um seiner Bosheit willen verurteilen und verdammen, die sind dem Volk angenehm und ihnen wünscht der einfache Mensch alles Gute. Dieses ist nicht nur der weltlichen Obrigkeit, sondern auch den Dienern der Kirche gesagt. Denn welcher den gottlosen Menschen heuchelt, der ist den Frommen ein Gräuel. Welche aber die falsche Lehre und die Laster frei und ohne Scheu strafen, die erlangen die Gunst bei den Zuhörern und den Segen Gottes. Jedoch sollte das Strafen mit Gebühr und mit Salz gewürzt sein, strafen will erbeten und gelernt sein.

26. Eine richtige Antwort ist wie ein lieblicher Kuss.

Kuss: Wer gebührlich, recht und wohl antwortet, der ist lieb und angenehm, als wenn er seinem Freund einen Kuss gegeben hätte. Denn früher grüßte und empfing man einander mit dem Kuss, wie man sich jetzt die Hände gibt. Darum sagt der Apostel: Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss {1Kor 16}. Dagegen ist eine unfreundliche und ungereimte Antwort, als wenn jemand dem nächsten ins Angesicht spuckt oder ihn aufs Maul schlägt.

27. Richte draußen dein Geschäft aus und arbeite deinen Acker; danach baue dein Haus.

Richte: Erledige solche Sachen, die zur Nahrung am nötigsten sind, danach ist es Zeit, dass du darauf siehst, wie du auch eine bequeme Wohnung bekommen möchtest. Aber viele tun gerade das Gegenteil, sie bauen sich zuerst große Häuser, aber wenn sie mit großen Kosten gekauft sind nach ihren Wünschen herausstreichen und zieren, obwohl sie nicht so ein Einkommen haben, dass solche Kosten tragen kann. Jene handeln aber viel besser, welche zuerst nach einem gewissen jährlichen Einkommen sehen, als dass sie sich um eine bequeme Wohnung kümmern. Denn es ist keinem Haus nützlich, wenn nichts darin ist, oder es mit Verlust wieder verkauft werden muss.

28. Sei nicht Zeuge ohne Ursache wider deinen Nächsten und betrüge nicht mit deinem Munde!

Ohne Ursache: Wenn du etwas nicht mit gutem Gewissen sagen kannst, so gib wider deinen Nächsten kein Zeugnis, denn dann wirst du dich und ihn schonen und ihn dir nicht ohne Not zum Feinde machen.

Betrüge nicht: Halte niemanden mit guten Worten vergeblich auf, damit er von dir nicht irgendeine Hilfe erwartet, die du ihn nicht leisten kannst. Diese Untugend ist heute nicht selten.

29. Sprich nicht: Wie man mir tut, so will ich wieder tun und einem jeglichen sein Werk vergelten.

Wieder tun: Ich will es meinem Feind gleichtun, wie er es mit mir getan hat. Denn wir sollen nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern die Rache Gott überlassen {Röm 12}. Dass man sich nicht selbst rächen soll, ist wie hier und im Neuen Testament gesagt wird, nicht nur ein guter Rat, sondern auch im Alten Testament ein Gebot gewesen.

30. Ich ging vor dem Acker des Faulen und vor dem Weinberge des Narren,

31. und siehe, da waren eitel Nesseln drauf und stand voll Disteln, und die Mauer war eingefallen.

Eingefallen: Aus Fahrlässigkeit des Hausvaters. Man sieht in allen Berufen, dass die Mauern eingefallen sind und alles mit Disteln überwachsen ist. Wenn die Kirchendiener in ihrem Amt fahrlässig sind, so reißt in der Kirche eine verkehrte Meinung ein, und schädliche Sekten nehmen mit Sicherheit überhand. Wenn eine Obrigkeit ihr Amt nicht fleißig versieht, so läuft viel Unrichtiges unter den Leuten im bürgerlichen Leben, und es werden viele Schulden und Bankrott gemacht. Verrichtet ein Hausvater sein Amt nicht gut, so fällt die Hauszucht dahin und Armut schleicht herein.

32. Da ich das sah, nahm ich‘s zu Herzen und schaute und lernte dran.

Zu Herzen: Bei dem Beispiel des unglücklichen Hausvaters dachte ich über die Sache fleißig nach, und erkannte, was für ein schädliches Ding es mit der Faulheit ist, darum bemühte ich mich um Fleiß. Denn wir sollen aus dem Schaden anderer Leute klug werden.

33. Du willst ein wenig schlafen und ein wenig schlummern und ein wenig die Hände zusammentun, dass du ruhst;

Schlafen: Du Fauler nämlich pflegst die Sache aufzuschieben und eine Entschuldigung nach der anderen vorzubringen, aber dir wird deine Faulheit übel bekommen.

Luther: Also sagen alle faulen Leute, morgen, morgen nur nicht heute. Ja es kommt noch gut, aber es ist dann bald geschehen.

34. aber es wird dir deine Armut kommen wie ein Wanderer und dein Mangel wie ein gewappneter Mann.

Armut kommen: Welche ihre Sachen von einem Tag zum anderen schieben, und in ihrem Beruf nicht darauf achten, dass sie diesem mit Fleiß nachkommen, sondern sich auf die faule Haut legen und dem Müßiggang nachhängen, die werden mit Armut überfallen, welche so schnell über sie kommen wird wie bei einem Wandersmann, der über das Feld geht und wird der Mangel ihn so stark angreifen, dass er sich seiner nicht wehren kann, als ein unbewaffneter Mann gegen einen bewaffneten Kriegsmann widerstehen kann. Denn Gott entzieht faulen Leuten seinen Segen. Darum sollen wir gegen die Trägheit kämpfen.


Das 25. Kapitel


1. Dies sind auch Sprüche Salomos, die hinzugesellt haben die Männer Hiskias, des Königs Judas.

Männer Hiskias: Es ist zu vermuten, dass die folgenden Sprüche zu Zeiten des Königs Hiskias gefunden wurden, und die verständige Leute als Sprüche des Königs Salomo erkannt haben. Denn es hat der König Hiskia vortreffliche Leute um sich gehabt, die wegen ihrer Frömmigkeit und Weisheit gerühmt wurden, besonders der Prophet Jesaja. Darum haben sie diese Sprüche an die vorigen gehängt, damit das Buch der Sprüche ergänzt wurde. Wir sollen wissen, dass sie ebenso angesehen sind wie die vorigen.

2. Es ist Gottes Ehre, eine Sache verbergen; aber der Könige Ehre ist‘s, eine Sache erforschen.

Verbergen: Das ist: Es bringt Gott Ruhm und herrliches Lob, dass er aus unendlicher Barmherzigkeit um seines Sohnes willen unsere Sünden verdeckt und sie denen, die an Jesus glauben, nicht zurechnen will {Ps 32}. Aber einer Obrigkeit ist es zu rühmen, dass sie die begangenen Laster erforsche und nach den Gesetzen strafe. Genau wie Gott den Unbußfertigen die Sünden verzeihen will, damit sie darum nicht ewig verdammt werden. Also will er nichts weniger, als dass die begangenen Misshandlungen äußerlich und am Leibe gestraft werden, um andere dadurch von gleicher Bosheit abzuschrecken.

Luther: In Gottes Regiment sollen wir nicht klug sein und wissen wollen warum? Sondern alles glauben. Aber im weltlichen Reich soll ein Herz wissen und fragen warum, und niemand nichts vertrauen.

3. Der Himmel ist hoch und die Erde tief; aber der Könige Herz ist unerforschlich.

Unerforschlich: Das ist: Genau wie niemand den Himmel mit dem Finger anfassen, noch bis mitten in die Erde reichen kann, so kann keiner eines Königs oder Regenten Herz und Sinn wissen. Denn es haben solche hohen Personen besondere Gedanken, die sie keinen Menschen wissen lassen, besonders, ehe sie solches, sich vorgenommenen und ausgerichtet haben. Und steht solche Verschwiegenheit den Regenten gut an, ist es auch nötig, da sonst, wenn sie dazu frei mit Reden sein wollen, viel gute Ratschläge, die nichts taugen, oder von bösen Leuten gehindert werden. Darum soll niemand denken, er habe eines Fürsten oder Herrn Sinn und Gemüt erkundet, auch wenn er täglich mit ihm umgeht.

4. Man tue den Schaum vom Silber, so wird ein reines Gefäß draus.

Draus: Aus Silber, wenn es gut gereinigt und gesäubert ist, kann man feines und sauberes Geschirr machen.

5. Man tue gottloses Wesen vom Könige, so wird sein Thron mit Gerechtigkeit bestätigt.

Bestätigt: Wenn die Obrigkeit allem gottlosen Wesen und Tun feind ist, so wird sie wohl und recht regieren und Gott wird ihr Regiment bestätigen, dass es auf ihre Nachkommen übergehen wird.

6. Prange nicht vor dem Könige und tritt nicht an den Ort der Großen.

Prange: Sei nicht stolz und übermütig bei Fürsten und Herren, denn es steht einem frommen Menschen übel an, und Fürsten und Herren sehen es auch nicht gerne.

Tritt nicht: Stelle dich nicht an solche Orte, die allein hohen Herren und Personen gebührt.

7. Denn es ist dir besser, dass man zu dir sage: Tritt hie herauf! Denn dass du vor dem Fürsten erniedrigt wirst, dass deine Augen sehen müssen.

Sehen müssen: Deine eigene Schande, wenn du von einem höheren Ort herunter gewiesen wirst, um den die Demütigen erhöht und die Stolzen gedemütigt werden. Welches nicht nur vom Sitz, sondern auch von anderen Sachen verstanden werden muss. Denn Hoffart ist nie zu loben und hat auch kein Glück.

8. Fahre nicht bald heraus zu zanken; denn was willst du hernach machen, wenn du deinen Nächsten geschändet hast?

Bald heraus: Welche schnell zornig werden und ihren Nächsten mit Schmähworten anfahren, die können danach nicht mehr ändern, was geschehen ist, sondern müssen entweder dem Nächsten solches beweisen, was sie im Zorn ausgestoßen haben, oder schändlich widerrufen. Und wenngleich manchmal die Sache schon beigelegt ist, so bleibt doch ein heimlicher Gräuel im Herzen dessen, der mit Schmähworten angegriffen ist.

9. Handle deine Sache mit deinem Nächsten und offenbare nicht eines andern Heimlichkeit,

Nächsten: Hast du etwas, das du an deinem Nächsten meinst, strafen zu müssen, so schmähe ihn darum nicht in der Gegenwart anderer Leute, sondern halte ihm die Sache an einem verborgenen Ort und geheim vor und schrei seine Sache nicht heraus wie die zu tun pflegen, welche im Zorn des Nächsten heimlich die Mängel offenbaren, damit sie sich rächen, und diese Torheit nachher bereuen müssen.

10. auf dass dir‘s nicht übel spreche, der es hört, und dein böses Gerücht nimmer ablasse.

Spreche: Wer im Zorn anderer Leute Heimlichkeiten an den Tag bringt, über den wird wegen solcher Bosheit von anderen übel geredet, und es wird ihm nichts Heimliches mehr anvertraut.

11. Ein Wort, geredet zu seiner Zeit, ist wie güldene Äpfel in silbernen Schalen.

Schalen: Ebenso wie die Kunststücke der Goldschmiede schön anzusehen sind, wenn sie an den Bechern goldene Verzierungen machen, ist es ein schönes und angenehmes Ding, wenn jemand zur rechten Zeit etwas Gutes redet, das dem Zuhörer nützlich ist. Darum sollen wir darauf achten, dass wir nicht nur recht, sondern auch zu rechter Zeit reden.

12. Wer einen Weisen straft, der ihm gehorcht, das ist wie ein gülden Stirnband und gülden Halsband.

Halsband: Das ist: Wenn jemand einen gottseligen und verständigen Menschen, der es in einer Sache falsch gehandelt hat (weil alle Menschen leicht irren und Fehler machen), erinnert und ihn wieder auf den rechten Weg bringt, und der andere dann auch folgt, welcher ihn zurechtgewiesen hat, so ist solch eine Ermahnung genau wie ein köstliches und goldenes Halsband oder Schmuck. Dies sollen wir wohl betrachten, damit wir uns vor der Strafe nicht scheuen, sondern sie vielmehr begehren und mit dankbaren Herzen aufnehmen. Denn wer uns straft, der legt eine goldene Kette um unseren Hals.

13. Wie die Kälte des Schnees zur Zeit der Ernte, so ist ein getreuer Bote dem, der ihn gesandt hat und erquickt seines Herrn Seele.

Kälte: Luther: Ein treuer Diener oder Untertan ist nicht zu bezahlen.

Ernte: Das ist: Genau wie in großer Hitze etwas Kaltes am besten ist, weil es einen Menschen herrlich erfrischt, so sind getreue Boten und Gesandte auch angenehm und erfreuen ihren Herrn, wenn sie die ihnen befohlenen Sachen treu ausrichten. Darum soll ein jeder zusehen, dass er seiner Pflicht nachkommt, die ihm aufgetragen ist.

14. Wer viel geredet und hält nicht, der ist wie Wolken und Wind ohne Regen.

Viel: Luther: Wie die Welt tut, gute Worte und nichts dahinter.

Hält nicht: Wenn ein Mensch von seinem guten Willen viel rühmt und viele Dinge verspricht, hält es aber doch nicht, der ist wie ein Wind und Wolken, die dem Bauern oft eine gute Hoffnung auf einen fruchtbaren Regen machen, wenn die Erde durstig ist, ohne dass aber der erwünschte Regen folgt. Darum soll man sich hüten, dass man nicht mehr verspricht, als man halten kann.

15. Durch Geduld wird ein Fürst versöhnt, und eine linde Zunge bricht die Härtigkeit.

Versöhnt: Wenn die Obrigkeit sich über dich erzürnt und hart mit dir redet, so hüte dich, dass du nicht auch mit groben Worten oder unnützer freier Rede sie noch mehr zum Zorn bewegst, sondern entschuldige dich, sei bescheiden, so wirst du das Gemüt leichter zur Gnade und Güte bewegen.

16. Findest du Honig, so iss sein genug, dass du nicht zu satt werdest und speist ihn aus.

Genug: Und nicht zu viel, höre mit Lust auf. Wenn dir Gott eine ehrliche Freude beschert, so gebrauche diese aber doch in Maßen, damit dir nicht, wenn du zu der Sache zu viel Lust hast, mehr Unlust und Verdruss darüber entsteht, als du zuvor gehabt hast. Denn man wird aller Menschen Wollust endlich satt und überdrüssig, und wenn der Missbrauch dazukommt, wird schließlich eine Unlust daraus.

17. Entzieh deinen Fuß vom Hause deines Nächsten, er möchte dein überdrüssig und dir gram werden.

Nächsten: Wenn auch der Nachbar und Freund dich gerne um sich hat, so nähere dich ihm doch nicht täglich, damit er nicht, wenn er deiner müde ist, anfängt, dir überdrüssig zu werden.

18. Wer wider seinen Nächsten falsch Zeugnis redet, der ist ein Spieß, Schwert und scharfer Pfeil.

Pfeil: Er erwürgt den Nächsten mit seiner Lüge. Darum sollen falsche Zeugen wissen, dass sie vor Gott Totschläger sind. Darum hat Gott auch im Gesetz Mose befohlen, sie ernst zu strafen.

19. Die Hoffnung des Verächters zur Zeit der Not ist wie ein fauler Zahn und gleitender Fuß.

Fuß: Wie ein böser Zahn immer Schmerzen macht, und ein gleitender Fuß den Körper nicht hält, sondern einen Menschen fallen lässt, so empfinden die Verächter der Gebote Gottes, wenn Trübsal kommt, stetige Schmerzen im Gewissen und haben nichts Beständiges, worauf sie sich verlassen können, sondern es fehlt ihnen die Hoffnung und sie gehen zugrunde. Darum sollen wir der Gottseligkeit nachstreben und in der Furcht Gottes wandeln.

20. Wer einem bösen Herzen Lieder singt, das ist wie ein zerrissen Kleid im Winter und Essig auf der Kreide.

Lieder singt: Das ist: Wer einem bösen und verkehrten Menschen freundlich zuspricht, der tut ebenso wie einer, der einen im Winter die Kleider zerreißt und den anderen umso mehr zum Frieren bringt. Also wird das, was herbe ist, noch herber gemacht. So wird auch ein böser Mensch noch ärger, als er gewesen ist, wenn man ihn in seinem bösen Tun noch Recht gibt.

Luther: Denn er wird doch ärger oder stolzer dadurch. Und mit solchen Leuten ist es (wie man sagt) der erste Zorn der beste. Denn er hört doch nicht auf, bis er zuletzt einen Zorn anrichtet.

21. Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot; dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser.

Hungert: Diesen Spruch zieht der Apostel Paulus an {Röm 12} und lehrt, dass man nicht allein Böses mit Bösen vergelten solle, sondern auch denen wohltun soll, die uns beleidigt haben. Denn indem wir unserem Feinde Gutes tun und zur Hilfe kommen, sammeln wir Kohlen auf sein Haupt, dass er uns als seinen Wohltätern nicht mehr feind sein kann, machen also aus einem Feind einen Freund. Fährt er aber böse und undankbar fort, so wird doch Gott, der Herr die guten Taten vergelten, welchen wir denen gezeigt haben, die sich übel gegen uns verhalten haben.

22. Denn du wirst Kohlen auf sein Haupt häufen; und der Herr wird dir‘s vergelten.

23. Der Nordwind bringt Unwetter, und die heimliche Zunge macht sauer Angesicht.

Zunge: Genau wie die Wolken sich zerteilen und der Regen aufhört, wenn der Nordwind weht, so werden die heimlichen Verleumder vertrieben, wenn sie sauer angesehen und ungern gehört werden, bei denen, die sie sich mit Schmeichelworten und Verkleinerung bei anderen Leuten einzuschmeicheln begehren, so dass sie merken und spüren müssen, man habe an ihrer Schmeichelei keinen Gefallen.

24. Es ist besser im Winkel auf dem Dache sitzen, denn bei einem zänkischen Weibe in einem Hause beisammen.

Winkel: Es geht dem Ehemann viel besser, der in einem engen Winkel des Hauses in Ruhe wohnt, als wenn er in einem großen Haus bei einem zänkischen Weib sein muss. Denn ein solches Weib verkürzt dem Mann das Leben, weshalb man Gott bitten soll, dass er einem ein frommes Weib beschere und sie lange leben lasse.

25. Ein gutes Gerücht aus fernen Landen in wie kalt Wasser einer durstigen Seele.

Seele: Wie frisches kaltes Wasser einem durstigen und müden Menschen angenehm ist, so ist ein gutes Gerücht, welches aus einem fernen oder weit abgelegenen Land kommt und ausgebreitet wird, für den, der es hört, eine besondere Erquickung. Damit aber Gutes von uns geredet werde, sollen wir Gutes tun und uns befleißigen, was lobenswert ist.

26. Ein Gerechter, der vor einem Gottlosen fällt, ist wie ein trüber Brunnen und verderbte Quelle.

Fällt: Wenn die Gerechten unterdrückt werden, und die Gottlosen den Vorzug haben, das ist, eben als wenn jemand einen guten Brunnen trübe macht, so dass man das Wasser nicht trinken kann. Denn wenn die Frommen unterdrückt werden, so können sie der Kirche und dem Regiment nicht nützlich sein, wie sie es wären, wenn sie ihren Ehrenstand und rechte Gewalt hätten. Darum sollen wir Gott bitten, dass er den Frommen beisteht und hilft, sie fördert, erhöht und schützt.

27. Wer zu viel Honig isst, das ist nicht gut; und wer schwere Dinge forscht, dem wird‘s zu schwer.

Nicht gut: Es ist zwar der Honig süß, wenn man ein wenig davon nimmt, isst aber einer zu viel, so tut es dem Menschen weh, der es genossen hat. Also wenn man den Geheimnissen Gottes mit Maßen nachtrachtet, so viel uns nämlich im Wort Gottes offenbart ist, so ist es dem Menschen nützlich und heilsam. Wenn aber jemand kein Maß halten, und auch solche Sachen erkunden will, die Gott uns in diesem Leben verborgen lassen wollte, wird er von der schweren Last solcher Sachen erdrückt und in Irrtum fallen. Wir sollen deswegen in der Erforschung der Schrift Gottes keinen Vorwitz treiben.

28. Ein Mann, der seinen Geist nicht halten kann, ist wie eine offene Stadt ohne Mauern.

Ohne Mauern: Wie eine solche Stadt, die nicht befestigt ist, sondern hier und dort Lücken in den Mauern hat, vor den Feinden nicht gesichert ist, so setzt der sich in mancherlei Gefahr, welcher sich nicht zurückhalten kann und unbedacht, besonders in der Hitze, etwas redet, dessen er sich nachher schämen muss.


Das 26. Kapitel


1. Wie der Schnee im Sommer und Regen in der Ernte, also reimt sich dem Narren Ehre nicht.

Ernte: Zur selben Zeit bedarf man eines trockenen Wetters und keines Regens.

Narren: Das ist: Ein gottloser Mensch ist keiner Ehre wert, und je mehr er erhöht wird, desto übermütiger und weniger zu leiden ist er, und tut auch noch mehr Schaden.

Luther: Ehre heißt hier Reichtum und alles, von dem man Ehre hat.

2. Wie ein Vogel dahinfährt und eine Schwalbe fliegt, also ein unverdienter Fluch trifft nicht.

Trifft nicht: Genau wie die Vögel über einen Menschen fliegen und sich nicht an ihm stoßen, so geschieht es, wenn ein böser Mensch einen Frommem etwas Böses wünscht, dass es nicht in Erfüllung geht und solcher Wunsch leer ausgeht, so dass er einem Unschuldigen nicht schadet. Darum fürchten wir uns vor dem Fluchen des römischen Papstes und seinen Verbannungen nicht, denn sie haben keinen Erfolg.

3. Dem Ross eine Geißel und dem Esel ein Zaum; und dem Narren eine Rute auf den Rücken.

Rücken: Das ist: Die Gottlosen und verkehrten Leute muss man mit Strafen zurechtweisen, weil sie von selbst keinem etwas Gutes tun wollen wie es fromme und verständige Leute machen.

4. Antworte dem Narren nicht mich seiner Narrheit, dass du ihm nicht auch gleich werdest.

Gleich werdest: Lass dich nicht mit einem törichten Menschen ein, auf dass du dich nicht mit ihm zanken möchtest und dich mit Schmähworten oder schlechten Reden gegen ihn auflehnst, wenn er dir einen Grund dazu gibt, damit du nicht für einen Narren gehalten wirst.

5. Antworte aber dem Narren nach seiner Narrheit, dass er sich nicht weise lasse Dünken.

Narrheit: Gehe mit einem törichten und gottlosen Menschen um, doch mit gebührendem Ernst und Bescheidenheit, so dass er seiner Torheit überführt wird und begreifen muss, er ist ein böser und närrischer Mensch, damit er dir und anderen später nicht mehr lästig ist.

6. Wer eine Sache durch einen törichten Boten ausrichtet, der ist wie ein Lahmer an Füßen und nimmt Schaden.

Schaden: Wenn einer einem bösen und ungeschickten Menschen seine Sachen auszurichten befiehlt, verhält er sich ebenso wie ein Lahmer, der nicht richtig auf den Füßen stehen kann, aber mit einem anderen um die Wette laufen will. Darum sollen Fürsten und Herren besonders aufpassen, welchen Dienern sie ihre Sachen zu verrichten befehlen.

7. Wie einem Krüppel das Tanzen, also steht den Narren an, von Weisheit reden.

reden: Wenn unverständige böse Leute von geistlichen Sachen und von der rechten Weisheit reden wollen, so ist es, als wenn man einen Lahmen sieht, der versucht zu tanzen. Denn sie verstehen so hohe Sachen nicht. Darum bringen sie gar närrische Dinge hervor.

8. Wer einem Narren Ehre anlegt, das ist, als wenn einer einen Edelstein auf den Rabenstein würfe.

würfe: An einen solchen Ort da man die Übeltäter mit dem Leben zu strafen pflegt. Also legt einer seine Ehrerbietung übel an, wer einem gottlosen Menschen viel Ehre tut. Mag es zwar manchmal geschehen, dass man gottlosen Leuten, wenn sie zu hohen Ämtern gebraucht werden und um einem solchen Amt Ehre antun muss. Aber außer in einem solchen Fall soll man ihnen nicht besondere Ehre erzeigen, wie der Psalm 15. befiehlt.

9. Ein Spruch in eines Narren Mund ist wie ein Dornzweig, der in eines Trunkenen Hand sticht.

Dornzweig: Luther: Wenn ein Betrunkener einen Rosenstiel in der Hand trägt, so kratzt er sich mehr damit als die Rosen riechen. Also richtet ein Narr mit der Schrift oder mit einem Rechtsspruch oft mehr Schaden als Nutzen an.

sticht: Denn wenn man einen unverständigen Menschen einige weise Sprüche lehren kann, so weiß er sie doch nicht zu rechter Zeit zu gebrauchen, sondern bringt sich und andere vielmehr aus Unverstand in Gefahr, als dass er jemand damit erfreuen oder etwas damit verbessern sollte, weil er sie zur falschen Zeit bringt.

10. Ein guter Meister macht ein Ding recht; aber wer einen Hümpler (Pfuscher) dingt, dem wird‘s verderbt.

verderbt: Wenn du etwas machen lassen willst, so nimm keinen ungeschickten Tölpel dazu, der es nur oberflächlich macht, sondern nimm einen erfahrenen Meister, der es recht machen wird. Dieses sollte man in allen Sachen machen, soweit es möglich ist, denn mit Pfusch ist nichts auszurichten.

11. Wie ein Hund sein Gespeites wieder frisst, also ist der Narr, der seine Narrheit wieder treibt.

wieder treibt: Die Gottlosen, welche sich stellen als wären ihnen begangene Misshandlungen leid und doch bald wieder um sich schlagen und in die vorige Sünde fallen, die verhalten sich wie die Hunde, welche ihr Gespeites wieder fressen. Diesen Spruch sagt der Apostel Petrus von denen, die sich zu Christus bekehrt haben und danach wieder abfallen {2Petr 2}. Wir sollen uns hüten, dass wir nicht wieder in die Sünde geraten, aus der wir durch Gottes Gnade gerissen wurden.

12. Wenn du einen siehst, der sich weise erscheint, da ist an einem Narren mehr Hoffnung denn an ihm.

mehr Hoffnung: Es ist viel eher anzunehmen, dass ein Narr einmal klug werden könnte als ein solcher, der sich selbst für klug hält, denn ein solcher lässt sich nichts sagen.

13. Der Faule spricht: Es ist ein junger Löwe auf dem Wege und ein Löwe auf den Gassen.

Faule spricht: Faule Leute suchen immer einen Weg, damit sie ihr Amt nicht verrichten brauchen, oder erdenken oder verschaffen sich selbst eine Gefahr, wo keine ist. Solche faulen Leute, die sich vor Arbeit und Verantwortung drücken wollen, findet man in allen Berufen.

14. Ein Fauler wendet sich im Bette wie die Tür in der Angel.

wendet: Dass er nicht zur rechten Zeit aufsteht und das Bett verlässt. Mit diesem Bild werden die Fahrlässigen und diejenigen, welche eine Sache aufschieben, gut abgemalt, Leute, von denen man schwer verlangen kann, dass sie zur rechten Zeit etwas Gutes ausrichten.

15. Der Faule verbirgt seine Hand in dem Topf, und wird ihm sauer, dass er sie zum Munde bringe.

bringe: So faul ist er, dass er, wenn man ihm gleich einen Topf oder eine Speise vorsetzt, die Hand darein stieße, diese doch nicht wieder heraus zöge und zum Munde brächte, damit er esse. Das ist: Wenn er eine Gelegenheit bekommt, dass er sich selber etwas schaffen kann, so vermag er sie doch nicht zu nutzen.

16. Ein Fauler erscheint sich weiser denn sieben, die da Sitten lehren.

erscheint: Luther: Das sind die, die andere Leute lehren und richten, und selbst doch nichts Besseres tun können oder wollen

weiser: Unverständige Leute überzeugen sich selber, dass sie sehr weise sind, darum verachten sie die rechten Weisen, und wollen sich weder lehren noch weisen lassen.

17. Wer vorgeht und sich mengt in fremden Hader, der ist wie einer, der den Hund bei den Ohren zwackt.

fremden Hader: Der ihn nichts angeht.

zwackt: Dass er ihn erst richtig wach macht. Darum sollen wir uns nicht in einen fremden Handel einmischen, auf dass wir nicht in Unglück kommen.

18. Wie einer heimlich mit Geschoss und Pfeilen schießt und tötet,

tötet: Diejenigen, welche sich am wenigsten davor hüten und tun solches aus unsinniger Wut, fürchtet sich auch nicht, dass man ihn darum Strafen werde.

19. also tut ein falscher Mensch mit seinem Nächsten und spricht danach: Ich habe gescherzt.

Gescherzt: Das ist der bösen Leute Art, wenn sie ihren Nächsten entweder mit Worten beleidigen oder ihm auch mit der Tat Schaden zugefügt haben, so stellen sie sich als hätten sie es nicht mit Vorsatz oder mit Ernst getan und wollen es für einen Scherz gehalten haben. Aber solchen Menschen und die Bosheit ihres Herzens ist vor Gott nicht verborgen, der sie auch nicht ungestraft gehen lässt. Luther: Geht ihm sein böser Anschlag fehl, so hat er gescherzt, und weiß sich nicht zu entschuldigen. Es wäre aber besser, wenn er nicht gefehlt hätte.

20. Wenn nimmer Holz da ist, so verlöscht das Feuer, und wenn der Verleumder weg ist, so hört der Hader auf.

Hader auf: Genau wie das Feuer verlöscht, wenn kein Holz mehr da ist, so wird, wo ein Aufrührer vertrieben wird, Friede und Ruhe wieder einkehren. Darum sollen wir die Aufrührer von uns treiben, denn sie sind des Teufels Gesellen, durch welche er Uneinigkeit auch unter den allerbesten Freunden anrichtet.

21. Wie die Kohlen eine Glut und Holz ein Feuer, also richtet ein zänkischer Mann Hader an.

Feuer: Macht, dass der Eifer immer größer wird.

Hader an: Das solch ein Mensch je länger er lebt, je mehr zunimmt. Wo man Friede machen soll, da muss man die zänkischen Leute nicht lassen, denn sie machen immer viel Ärger.

22. Die Worte des Verleumders sind wie Schläge und sie gehen durchs Herz.

Durchs Herz: Ein Ohrenbläser verwundet diejenigen, welchen er mit seinen Verleumdungen übel nachredet, bis in den Tod. Darum ist ein Verleumder vor Gott nicht besser als ein Totschläger.

23. Giftiger Mund und böses Herz, ist wie ein Scherben mit Silberschaum überzogen.

Scherben: An dem nichts Gutes ist, es sei gleich inwendig oder auswendig. Also ist ebenso wenig Gutes an einem Menschen, der ein falsches Herz und ein böses Maul hat.

24. Der Feind wird erkannt bei seiner Rede, wiewohl er im Herzen falsch ist.

Erkannt: Obwohl etliche den Hass, den sie im Herzen tragen, mit großem Fleiß zu verbergen versuchen, was ihnen jedoch kaum gelingt, wenn man auf ihre Reden, ihr Gesicht und ihre Gebärden genau achtet, so können sie einen nicht leicht betrügen, man sollte ihres Herzens Bosheit spüren. Darum muss man unter falschen Brüdern vorsichtig wandeln, damit sie uns nicht schaden.

25. Wenn er seine Stimme holdselig macht, so glaube ihm nicht; denn es sind sieben Gräuel in seinem Herzen.

Sieben Gräuel: Wenn ein solcher heimlicher Feind sich am harmlos stellt, so hat er ein Gaunerstück im Sinn. Denn wenn ein Böser sich fromm stellt, ist er am schlimmsten.

26. Wer den Hass heimlich hält, Schaden zu tun, des Bosheit wird vor der Gemeine offenbar werden.

Offenbar: Das ist: Wer den Hass verbirgt und daneben doch seinem Nächsten heimlich alles Böse beweist, dabei aber nicht zugeben will, dass er vielmehr aus Neid als wegen seines Berufes so handelt, dessen Bosheit wird offenbar werden, so dass er bei frommen Leuten einen schlechten Stand haben wird, weil er sich durch besondere Zuneigung einen Vorteil geschaffen hat.

27. Wer eine Grube macht, der wird hineinfallen; und wer einen Stein wälzt, auf den wird er kommen.

Wälzt: Wer mit dem Stein einen anderen treffen will, der wird selbst davon beschädigt werden. Will also sagen: Wer einem anderen ein Unglück bereitet, der wird selber hinein geraten. (Denn Gott ist ein Rächer aller Bosheit)

28. Eine falsche Zunge hasst, der ihn straft; und ein Heuchelmaul richtet Verderben an.

Straft: Wenn du einen falschen Menschen seiner Lügen überführst, so musst du wissen, dass er dich hassen wird.

Verderben an: Darum soll man einem Heuchler nicht zuhören, denn er tut nur Schaden, indem er gute Freunde gegeneinander erbittert. So soll man also vor beiden, Lügnern und Heuchlern, fliehen. Es sind zwar die letzteren schlimmer als die ersten, weil sie die Leute, sofern diese sich selber noch nicht recht kennen, übermütig und ärger machen, als sie zuvor gewesen sind.


Das 27. Kapitel


1. Rühme dich nicht des morgenden Tages; denn du weißt nicht, was heute sich begeben mag.

Begeben: Du sollst nicht im Übermut selbst viel von dir behaupten, was du in Zukunft verrichten oder erlangen kannst, denn du weißt nicht, was Böses oder was für Hindernisse dir noch am heutigen Tag begegnen können. Darum soll man in der Demut und Furcht Gottes beharren, weil wir keinen Freibrief dafür haben, ob wir auch den morgigen Tag erleben möchten.

2. Lass dich einen andern loben und nicht deinen Mund, einen Fremden und nicht deine eigenen Lippen.

Andern loben: Denn Eigenlob stinkt. Derjenige tut seinem Lob und Ruhm einen großen Abbruch, der seine eigenen Taten selber rühmt.

3. Stein ist schwer und Sand ist Last; aber des Narren Zorn ist schwerer denn die beiden.

Narren Zorn: Wenn ein unverständiger und gottloser Mensch zum Zorn gereizt wird und dazu noch eine Gewalt hat, so weiß er in der Rache kein Maß zu halten. Darum sollen wir Gott bitten, dass er uns nicht den Narren oder Gottlosen übergebe, und wenn wir sehen, dass solche toben, so sollen wir weichen und ihrer Wut aus dem Wege gehen, so gut wir es können.

4. Zorn ist ein wütiges Ding, und Grimm ist ungestüm; und wer kann vor dem Neid bestehen?

Wütiges Ding: Der Zorn eines Menschen stiftet viel Böses. Eines ungerechten Menschen Zorn ist wie eine plötzliche Überschwemmung, die großen Schaden tut. Auch wer einmal Neid auf jemanden aufkommen lässt, besonders bei den mächtigen und hohen Personen, der wird schwer davor behütet bleiben. Darum ist es von einem klugen Menschen richtig, wenn er der Wut und dem Zorn der großen Herren weicht und dem Neid aus dem Wege geht, damit er nicht in ein großes Unglück kommt. So ist es auch besser, dass er von seinem Ort und Beruf geht, als dass er immer nur leidet und angefeindet wird, worüber er zum Schluss ins Verderben gerät.

5. Öffentliche Strafe ist besser denn heimliche Liebe.

Besser: Wenn jemand für seine Sünde öffentlich bestraft wird, ist ihm das viel nützlicher, als wenn er zwar heimlich geliebt wird, aber, weil ihm niemand sein Unrecht sagt, er dadurch in seinem Irrtum oder Sünden bleibt. Darum sollen wir denen nicht feind werden, die uns strafen.

6. Die Schläge des Liebhabers meinen‘s recht gut; aber das Küssen des Hassers ist ein Gewäsch.

Recht gut: Wenn dein Freund dich wegen einer falschen Handlung ernstlich straft, so ist dir solches viel nützlicher, als wenn der, welcher dir heimlich feind ist, dir gute Worte gibt. Dieses wird nicht nach der Meinung gesagt, als müssten wir mit den Freunden hart und roh umgehen, sondern damit wir es den Freunden nicht übel nehmen, wenn sie Ernst mit uns reden, was sie tun, weil sie uns Gutes gönnen.

7. Eine volle Seele zertritt wohl Honigseim; aber einer hungrigen Seele ist alles Bitter süß.

Zertritt: Das ist: Wenn man von einer Sache satt ist, so achtet man sie nicht mehr, und wenn sie noch so gut ist. Aber der Hunger ist ein guter Koch, der macht, dass solche Sachen gut und angenehm sind, die doch an sich fast ungenießbar sind. Etliche sind der Worte Gottes so satt, dass sie die Kirchendiener verachten und mit Verdruss hören. Aber an anderen Orten ist ein solcher Hunger nach dem göttlichen Wort, das sie die Kirchendiener, welche zwar nicht besonders gelehrt sind, in großen Ehren halten. So verhält es sich auch in anderen Sachen, dass wir die Gaben Gottes, mit denen er uns häufig überschüttet, mit Füßen treten, woraufhin danach ein großer Mangel solcher Dinge folgt, den wir mit unserer Undankbarkeit verursachen.

8. Wie ein Vogel ist, der aus seinem Nest weicht, also ist, der von seiner Stätte weicht.

Weicht: Ebenso wie ein Vogel, der sich aus seinem Nest treiben lässt, hin und her fliegt und nicht weiß, wo er bleiben soll, so sind auch die, welche bei etwas Schwierigkeiten ihren ordentlichen Beruf verlassen, in den Gott sie gesetzt hat.

Luther: Lass dich durch keine Anfechtung von deinen Befehlen treiben, halte fest, es wird Gott wohl und gut machen.

9. Das Herz freut sich der Salbe und Räucherwerk; aber ein Freund ist lieblich um Rats willen der Seele.

Salbe: Es gibt wohlriechende Öle oder Salben, damit das Herz erfrischt und erquickt wird, ebenso erquickt auch ein Freund mit seinen guten Ratschlägen, die er aus dem Wort Gottes nimmt, eines angefochtenen und bekümmerten Menschen Seele.

10. Deinen Freund und deines Vaters Freund verlass nicht. Und gehe nicht ins Haus deines Bruders, wenn dir‘s übel geht; denn ein Nachbar ist besser in der Nähe weder ein Bruder in der Ferne.

Vaters Freund: Dessen guten Willen du eine Zeit gespürt hast, aus den guten Taten, die er deinem Vater und dir erzeigt hat.

Verlass nicht: Halte eine Freundschaft fest und unterhalte sie beständig. Luther: Alte Freunde sind die besten. Fremde tun oft mehr Gutes, denn eigene Freunde.

Ferne: Wer weit von dir wohnt, will oder kann dir nicht helfen. Denn man soll die Freundschaft fleißig pflegen, welche man mit einem treuen und bewährten Freund geschlossen hat. Und wir sollen uns nicht auf unsere Verwandten verlassen, als ob man viel Hilfe von ihnen haben könnte. Denn sie sind häufig weit von uns, oder nehmen sich unsere Sorgen nicht besonders zu Herzen, wie der Nachbar oder getreue Freund, welche nicht blutsverwandt mit uns sind.

11. Sei weise, mein Sohn, so freut sich mein Herz, so will ich antworten dem, der mich schmäht.

Sei weise: Sei fleißig, damit du verständig und gottesfürchtig bist, so wirst du auch mein Herz erfreuen und wirst mir eine Ehre sein, weil um deiner gottseligen Erziehung mein aufrichtiges Gemüt gespürt wird, damit den Lästerern das Maul gestopft wird, die mir gern Schande anhängen wollen. So kannst du auch öffentlich vor Gericht mir bestehen und meine Sachen wieder meiner gegnerischen Partei helfen. So einen Spruch findet man auch im Psalm 127. Die werden nicht zuschanden, welche viele und wohlerzogene Kinder haben, wenn sie mit ihren Feinden vor Gericht verhandeln. Darum sollen wir mit unserer Frömmigkeit und Weisheit die Eltern erfreuen, und mit Fleiß danach streben, dass durch ihre Frömmigkeit ihr guter Name vielmehr gemehrt als gemindert werde.

12. Ein Witziger sieht das Unglück und verbirgt sich; aber die Albernen gehen durch und leiden Schaden.

Sieht: Ein frommer und verständiger Mensch, der aus dem Worte Gottes gut unterrichtet ist, merkt aus Eingebung des Heiligen Geistes ein Unglück, das sich naht, frühzeitig, darum handelt er vorsichtig und entgeht ihm. Aber ein unverständiger Mensch fährt in seiner blinden Sicherheit fort und fällt in Unglück.

13. Nimm dem sein Kleid der für einen andern Bürge wird, und pfände ihn um der Fremden willen.

Bürge wird: Wenn jemand für einen anderen Bürge geworden ist, und du das Geld geliehen hast, so sieh zu, dass dir der Bürge für die Bezahlung zuverlässig ist, und wenn er nicht bezahlen kann, so nimm ein Pfand von ihm, damit du nicht um dein geliehenes Geld kommst. Denn wenn einer so unvorsichtig ist, dass er ohne Bedacht für einen anderen Bürge wird, so siehe zu, dass deine Unbedachtsamkeit dir nicht zum Nachteil gereicht. Dies Gebot hebt die christliche Liebe nicht auf, sondern unterrichtet einen Hausvater, was er in solchen Fällen tun soll, damit ihm selbst und den Seinen kein Schaden geschieht. Denn er ist seinen eigenen Hausgenossen diesem Spruch verpflichtet: „Wenn jemand seine Hausgenossen nicht versorgt, der hat den Glauben verleugnet und ist ärger denn ein Heide.“ {1Tim 5}.

14. Wer seinen Nächsten mit lauter Stimme segnet und früh aufsteht, das wird ihm für einen Fluch geredet.

Segnet: Das ist: Wer seinen Nächsten verflucht und ihm aus Neid alles Böse wünscht (denn so wird das Segnen im hebräischen oft verstanden {Hi 1}), obgleich er sich auch morgens früh aufmacht, damit er reichlich Nahrung bekommt, so wird doch Gott den Fluch, welchen er dem Nächsten gewünscht hat, auf ihn legen und derjenige wird kein Glück haben. Das ist: Wer sehr schimpft, der lobt, und wer sehr lobt, der schimpft. Denn man glaubt ihm nicht, weil er es zu groß macht.

15. Ein zänkisches Weib und stetiges Triefen, wenn‘s sehr regnet, werden wohl miteinander verglichen.

Verglichen: Eine solche Frau ist einem Mann sehr lästig und verzehrt ihm Leib und Gemüt bis sie ihn ums Leben bringt.

16. Wer sie aufhält, der hält den Wind und will das Öl mit der Hand fassen.

Aufhält: Wer eine solche Frau zu behalten begehrt und versucht, ihren Sinn und Gemüt zurechtzubringen, der tut, als wenn jemand den Wind oder das Öl in seiner Hand fassen und behalten wollte, obwohl er doch keines von beiden kann. Weil das jüdische Volk sehr halsstarrig war, so war die Sorge und Gefahr, dass nicht etwas Schlimmeres daraus entstünde, wenn ein Ehemann immer bei seiner zänkisches Frau wohnen müsste. Darum hat Mose einen Scheidebrief zugelassen, mit dessen Hilfe ein Ehemann sich von einer solchen Frau scheiden kann, weil man keine Hoffnung zu ihrer Besserung haben könnte. Heute aber, nachdem die Ehescheidung nur durch den Ehebruch rechtens ist, und falls jemand eine solche Frau bekommt, so soll er zu Gott rufen, dass er der Frau einen besseren Sinn verleihen möge, und es soll der Ehemann die ordentlichen Mittel gebrauchen. Richten diese nichts aus, so soll er die Sache Gott befehlen, das Kreuz geduldig tragen und die Ohren zustopfen.

17. Ein Messer wetzt das andere und ein Mann den andern.

Wetzt: Genau wie ein paar Messer, die man aneinander schleift und scharf macht, so machen es auch gute Gesellen, dass sie von Tag zu Tag fleißiger und geschickter werden. So auch die Kirchendiener es untereinander treu meinen, so wird einer durch des anderen Fleiß, Kunst und Unverdrossenheit aufgemuntert, so dass er ihm nachfolgt oder ihn auch übertreffen möchte, was ein gottseliges und heiliges Eifern ist. So soll es auch unter Fürsten und Herren gehen. Darum ist es viel besser, wenn man große wichtige Sachen zu zweit oder mit vielen, und nicht allein zu verrichten anfängt. Denn was einer nicht gemerkt hat, das kann der andere bemerken und so Schaden verhüten.

18. Wer seinen Feigenbaum bewahrt, der isst Früchte davon; und wer seinen Herrn bewahrt, wird geehrt.

Bewahrt: Genau wie einer, der bei einem fruchtbaren Baum gut darauf achtet, dass er nicht verdirbt, und alles dafür tut, dass der Baum fruchtbar ist und lange lebt, genießt er dessen Früchte auch lange und viel. Also ist ein Knecht, der die Güter und das Glück seines Herrn fleißig vermehrt so viel an ihm ist, dazu hilft, der wird der guten Taten viel genießen, die von seinem Herrn kommen. So werden treue Diener, die für das Wohl ihrer Obrigkeit fleißig sind und Sorge tragen, zu Ehren und Würden erhoben.

19. Wie der Schemen im Wasser ist gegen das Angesicht, also ist eines Menschen Herz gegen den andern.

Schemen: (Schatten: Genau wie das Wasser das Angesicht wie ein Spiegel zeigt und doch solch ein Gesicht selbst nicht im Wasser ist, sondern nur ein Schatten, der verschwindet, so bieten sich viele Leute ihren Nächsten in großer Freundschaft an, so dass man von einem solchen sagen muss, er ist wie ein Fuchs, wenn es nämlich an die Sache geht, so darf man keine Hilfe von ihm erhoffen, besonders wenn noch eine Gefahr dazu kommt. Dieses ist nicht deshalb gesagt, dass man von den Freunden Böses annehmen soll, sondern damit wir uns nicht auf Menschen verlassen.

Luther: Wie der Schatten im Wasser wackelt und ungewiss ist, so sind auch die Herzen. Es heißt: Traue niemandem.

20. Hölle und Verderbnis werden nimmer voll, und der Menschen Augen sind auch unsättig.

Nimmer voll: Vor dem Jüngsten Tag, sondern es fahren leider immer mehr zur Hölle und fallen ins ewige Verderben, so dass die Hölle immer mehr und mehr zunimmt, und sie auch immer mehr begehrt.

Unsättig: Je mehr einer an zeitlichen Gütern hat, desto geiziger wird er und trachtet nach immer mehr. Darum sollen wir Gott bitten, dass er den Geiz, der uns allen angeboren ist, mit seinem Geist davor bewahrt, damit wir nicht vom Geiz eingenommen werden. Denn es besteht eines Menschen Glückseligkeit nicht darin, dass er viele Güter hat, sondern in einem ruhigen Herzen, welches sich mit Gottseligem und dankbarem Gemüt an den gegenwärtigen Gaben Gottes begnügen lässt.

21. Ein Mann wird durch den Mund des Lobers bewährt wie das Silber im Tiegel und das Gold im Ofen.

Bewährt: Genau wie Gold und Silber durch das Feuer gereinigt werden, so dass man merken kann, ob solch ein Metall rein oder unrein ist, so kann man, wenn man einen Menschen in seiner Gegenwart lobt, bald erkennen, ob er klug ist oder nicht. Denn ist er ein Narr, so wird er es nicht verbergen können, sondern durch sein Lob aufgebracht werden und anfangen, von großen Sachen zu reden. Aber ein Weiser schweigt zu seinem Lob und wird aus Scham sagen, dass er diese Sachen an sich noch nicht erkannt hat, für die man ihn rühmt. Wenn du darum einen kennenlernen willst, so lobe ihn, und steckt ein Gräuel in ihm, so wird er wenigstens ein oder zwei Sachen dazu sagen.

Luther: Wer sich gerne loben hört, wird schnell betrogen, denn er beweist damit, dass er ein loser Mann ist, der seine Ehre über alles Recht liebt.

22. Wenn du den Narren im Mörser zerstießest mit dem Stößel wie Grütze, so ließe doch seine Narrheit nicht von ihm.

Nicht von ihm: Es ist vergebens, dass man einen Narren und verstockten bösen Menschen auf den rechten Weg bringen will. Dieses ist jedoch nicht so zu verstehen, als sollte man nicht alles versuchen, was zur Bekehrung der gottlosen Leute nützlich sein möchte, sondern dass wir uns nicht mit vergeblichen Sorgen plagen, wenn uns unsere Vorhaben nicht gelingen. Denn viele Gottlose sind nicht zu bekehren.

23. Auf deine Schafe hab acht und nimm dich deiner Herde an;

Herde an: Sieh selbst zu deinem Vieh, damit du weißt, ob sie recht versorgt werden oder nicht. Denn früher war der größte Reichtum der Menschen das Vieh. Hier werden die Hausväter (Unternehmer und Selbständige) ermahnt, dass sie fleißig auf die Haushaltung achten sollen. Wie das Sprichwort in Deutschland sagt: Willst du, dass es dir gelingt, so schau selbst zu deinem Ding. Es ist aber über die Katholiken hier zu lachen, welchen diesen Spruch zur Bestätigung der Ohrenbeichte, wie sie es nennen, auslegen, aber Salomo es doch von der Haushaltung sagt, wie es auch bis ans Ende dieses Kapitels klar ist.

24. denn Gut währt nicht ewig, und die Krone währt nicht für und für.

Krone: Das ist: Reichtum und Güter, um derentwillen ein Mensch in Ehren gehalten wird, die sind nicht beständig, sie halten nicht lange an, sondern gehen bald dahin und verlieren sich leicht, wenn der Hausvater in seiner Haushaltung fahrlässig ist. Darum hast du Bienen oder Schafe, so lege dich nieder, doch schlaf nicht zu lange, damit dir nichts entgeht. Luther: Das ist die Herrschaft im Hause. Als wollte er sagen: Lass dir genügen an dem, was vorhanden ist, hier ist nichts von Dauer.

25. Das Heu ist aufgegangen und ist da das Gras, und wird Kraut auf den Bergen gesammelt.

Gesammelt: Darum kannst du dein Vieh leicht erhalten, weil das Land viel gute Weide hat. Denn es soll ein Hausvater acht darauf haben, was für eine Haushaltung unter den gegebenen Umständen am besten ist. Besonders, weil an einem Ort das Korn, am anderen der Wein besser gedeiht, wieder andere Orte geben eine gute Weide. Wer darum die Haushaltung so einstellen wird, wie es die Natur eines jeden Ortes leiden mag, der wird durch den Segen Gottes genügend Nahrung haben. (Wer im Januar Weihnachtsbäume verkaufen will, wird keinen Erfolg haben.)

26. Die Lämmer kleiden dich, und die Böcke geben dir das Ackergeld.

Ackergeld: Damit du kaufen kannst, was du zum Ackerbau benötigst. Darum sind die ihrer Haushaltung nützlich, welche sich nach dem Ort und den Gegebenheiten richten. Denn von der Wolle und den Fellen kann man sich und die Seinen kleiden und wenn man die Böcke davon verkauft, so bekommt man Geld, so dass man einen Acker davon kaufen kann. Daher sehen wir, dass die Väter geschickt mit der Viehzucht umgegangen sind.

27. Du hast Ziegenmilch genug zur Speise deines Hauses und zur Nahrung deiner Dirnen.

Genug zur: Das ist: Wenn du dein Vieh gut versorgst, kannst du deine nötigen Nahrung davon für dich und deine Hausgenossen bekommen. Darum sollen wir in der Haushaltung fleißig sein, dass wir uns und die Unseren oder andere Leute Schaden ernähren und erhalten können.


Das 28. Kapitel


1. Der Gottlose flieht, und niemand jagt ihn; der Gerechte aber ist getrost wie ein junger Löwe.

Getrost: Auch wenn Gefahr vorhanden ist. Denn die Gottlosen und Unbußfertigen erschrecken und fliehen vor einem rauschenden Blatt, die Frommen jedoch, wenn sie auch gesündigt haben und noch das schwache Fleisch mit sich herumtragen, weil ihr Gewissen durch das Wort des Evangeliums ruhig gemacht worden ist, überwinden die Gefahr mit einer besonderen Großmütigkeit. Damit wir mutig sein können, sollen wir zusehen, dass wir ein gutes Gewissen haben.

Luther: Ein gutes Gewissen ist mehr denn tausend Zeugen.

2. Um des Landes Sünde willen werden viel Änderungen der Fürstentümer; aber um der Leute willen, die verständig und vernünftig sind, bleiben sie lange.

Änderungen: Wenn ein Volk gottlos ist und in Sünden ohne Scheu lebt, so straft Gott solche Bosheit der Untertanen mit vielen Änderungen der Fürsten. Und solche Änderungen machen ein Land unruhig, so dass sich viel Verkehrtes zuträgt und viel Schaden angerichtet wird. Wenn aber die Untertanen verständig sind, dass sie Gottes Wort lieb haben und sich der Gottseligkeit befleißigen, dann gibt Gott den Fürsten langes Leben, damit sie also ein Regiment ruhig verwalten und alles gut dasteht.

3. Ein armer Mann, der die Geringen beleidigt, ist wie ein Mehltau, der die Frucht verdirbt.

Verdirbt: Obwohl doch ein Armer mit dem anderen Mitleid haben und seinen Jammer lindern sollte, geschieht es häufig, dass ein Bettler den anderen verderbt, was so ist, als wenn ein Mehltau die Früchte verderbt, obwohl der Tau sie erfrischen sollte. Eine solche Unbarmherzigkeit und Bosheit vielen Armen ist ein schändliches Ding. Deshalb sagt man im Sprichwort: Wenn man einen Bauern verderben will, so muss man einen Bauern dazu gebrauchen.

4. Die das Gesetz verlassen, loben den Gottlosen; die es aber bewahren, sind unwillig auf sie.

Verlassen: Die Gott nicht wahrhaftig fürchten, die schmeicheln den gottlosen Leuten, besonders, wenn sie eine Macht haben.

Unwillig: Fromme Leute werden mit einem gottseligen Eifer gegen die Gottlosen bewegt, damit sie sich von ihnen fernhalten, ihre Bosheit und Laster verwerfen, obwohl es oft nicht ohne große Gefahr geschieht.

5. Böse Leute merken nicht aufs Recht; die aber nach dem Herrn fragen, merken auf alles.

Merken nicht: Gottlose Leute hängen ihrem blinden Unverstand nach und meinen, dass das recht ist, was ihnen gefällt.

Auf alles: Diejenigen, die Gott fürchten, achten fleißig darauf und wissen auch was recht ist, gottselig ist usw., was verkehrt, gottlos ist, und sie lassen sich von der Vernunft (Gottes Wort) regieren.

6. Es ist besser ein Armer, der in seiner Frömmigkeit geht, denn ein Reicher, der in verkehrten Wegen geht.

Geht: Wer unsträflich lebt und seine Armut mit Geduld erleidet, der ist vor Gott höher geachtet und soll auch von frommen Leuten mehr geliebt werden als ein Reicher, der verkehrt ist und seinen Reichtum zur Bosheit missbraucht.

7. Wer das Gesetz bewahrt, ist ein verständiges Kind; wer aber Schlemmer nährt, schändet seinen Vater.

Bewahrt: Auf dass er nach dem Gesetz ein gottseliges und unsträfliches Leben führt.

Kind: Und wird seine Eltern erfreuen.

Nährt: Und hält sich zu leichtfertigen Leuten.

Schändet: Er verschwendet seines Vaters Gut, dass dieser dadurch in Armut gerät. Diejenigen, die Gott fürchten und wissen, dass sie die Eltern in Ehren halten sollen, die müssen sich vor böser Gesellschaft fleißig hüten.

8. Wer sein Gut mehrt mit Wucher und Übersatz, der sammelt es zu Nutzen der Armen.

Mehrt: Wer unrechte Mittel dazu gebraucht, viel Geld und Gut zusammen zu bekommen, der wird es seinen Erben nicht überlassen können, sondern es wird zerstreut und unter die Armen ausgeteilt werden. Dieser Spruch bezeugt, dass Gott allem Wucher feind ist.

9. Wer sein Ohr abwendet, zu hören das Gesetz, des Gebet ist ein Gräuel.

Abwendet: Wer Gottes Wort nicht hören will und sich nicht weisen lassen will, dessen Gebet erhört Gott auch nicht, wenn er in der Not zu ihm schreit. Darum sollen wir uns durch das Wort Gottes unterweisen, ermahnen und strafen lassen, damit wir in Trübsal von Gott nicht verstoßen werden. Denn es ist kein Wunder, dass Gott den nicht hören will, der ihn nicht hat hören wollen.

10. Wer die Frommen verführt auf bösem Wege, der wird in seine Grube fallen; aber die Frommen werden Gutes ererben.

Grube fallen: Die er den Frommen gemacht hat. Denn wenn jemand frommen Leuten mit List nachstellt und sie ins Verderben zu führen begehrt, wird er selber hinein fallen. Aber den Frommen wird endlich Gutes widerfahren, auch wenn sie in Gefahr stecken, denn Gott sorgt für sie.

11. Ein Reicher erscheint sich weise sein; aber ein armer Verständiger merkt ihn.

Weise sein: Wer reich ist, der hält sich selber für klug, so als ob man kein Ende seiner Weisheit finden könnte und als ob es von Natur so sein müsste, dass derjenige, der reich ist, auch weise ist. Aber ein armer Mensch, der aber einen guten Verstand hat, merkt des Reichen Torheit. Und will viel lieber weise und arm sein als viele Güter haben und ein Narr sein.

12. Wenn die Gerechten überhand haben, so geht es sehr fein zu; wenn aber Gottlose aufkommen, wendet sich‘s unter den Leuten.

Fein zu: Wenn fromme Leute vorankommen und dem Regiment vorstehen, so steht es für alle recht und gut in der Kirche und im weltlichen Regiment.

Wendet sich‘s: Wenn Gottlose herrschen, so müssen sich fromme Leute wegen der Tyrannen verkriechen. Darum soll man Gott bitten, dass er fromme Obrigkeit lange gesund erhalten möchte.

13. Wer seine Missetat leugnet, dem wird‘s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.

Nicht gelingen: Er wird kein Glück haben, sondern von Gott gestraft werden, sowohl in diesem wie auch in jenem Leben, wer seine Sünden leugnet oder beschönigt. Wer diese aber vor Gott, und wenn es nötig ist, auch vor den Menschen bekennt, also wahrhaft Buße tut, dem wird Gott die Sünden verzeihen und die leiblichen Strafen entweder ganz wegnehmen oder zumindest mildern. Dieses lehrt das Evangelium und auch die Apostel (Johannes im 1. Kapitel: “So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst und ist die Wahrheit nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünde bekennen, so ist Gott treu und gerecht, dass er uns unsere Sünden vergibt und rein nicht uns von aller Untugend“.)

14. Wohl dem, der sich allewege fürchtet! Wer aber halsstarrig ist, wird in Unglück fallen.

Fürchtet: Wer immer in der Furcht Gottes beharrt und sich bemüht, dass er nicht etwas tut, was Gott zuwider ist, der wird Glück haben. Wer aber mit halsstarrigem Kopf tun darf, was ihn gelüstet, der wird ins Verderben des Leibes und der Seele fallen.

15. Ein Gottloser, der über ein arm Volk regiert, das ist ein brüllender Löwe und gieriger Bär.

Bär: Genau wie ein brüllender Löwe und ein hungriger Bär alles anfallen, was ihnen begegnet, so saugt eine tyrannische Obrigkeit die Untertanen aus und wütet wider sie, so dass sie ihnen bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, ihre Güter und auch manchmal das Leben nimmt. Sie zieht also den armen Leuten die Haut vom Kopf. Darum sollen wir Gott bitten, dass er uns nicht eine solche grausame Obrigkeit gebe, sondern eine fromme Obrigkeit lang erhalte.

16. Wenn ein Fürst ohne Verstand ist, so geschieht viel Unrechts; wer aber den Geiz hasst, der wird lange leben.

Viel Unrechts: Eine gottlose Obrigkeit (denn die nennt Salomo ohne Verstand) tut vielen Gewalt an und straft sie mit Steuern, herrscht nicht gnädig, sondern streng. Aber Gott lässt solche Tyrannen nicht lange leben, denn er hört das Seufzen der Armen, die zu Unrecht unterdrückt werden und errettet sie aus ihrer Trübsal, so dass sie nach der Angst wieder erquickt werden.

Geiz hasst: Eine Obrigkeit soll sich hüten, dass sie ihre Untertanen nicht mit unnötigen Steuern beschwert, sondern mit dem Einkommen zufrieden ist, dass sie mit gutem Gewissen haben kann. Einer solchen gütigen und gerechten Obrigkeit verlängert Gott das Leben und beschert ihr auch gehorsame Untertanen, denen sie trauen und alles Gute wünschen darf.

17. Ein Mensch, der am Blut einer Seele unrecht tut, der wird nicht erhalten, ob er auch in die Hölle führe.

Unrecht tut: Wer unschuldiges Blut vergießt, den wird niemand schützen, noch viel weniger vor dem gerechten Gericht Gottes helfen können, so dass ihm Gott nicht zu seiner Zeit zur rechten Strafe ziehe, wenngleich er sich auch an dem heimlichsten Ort oder in der Hölle verbergen wollte. Darum soll sich ein jeder hüten, dass er sich nicht an unschuldigem Blut vergreife. Denn es bleibt nicht ungerächt.

18. Wer fromm einhergeht, wird genesen; wer aber verkehrtes Weges ist, wird auf einmal zerfallen.

Einhergeht: Wer in seiner Einfalt und ohne Fehler auf dem Weg der Gebote Gottes geht, den wird Gott schützen. Wer aber mit bösen Praktiken umgeht und mit Betrug handelt, der wird ins Verderben fallen, wenn er am wenigsten damit rechnet.

19. Wer seinen Acker baut, wird Brots genug haben; wer aber Müßiggang nachgeht, wird Armuts genug haben.

Acker baut: Wer seinen Beruf in Gottseligkeit tapfer ausübt, der wird durch den Segen Gottes seine Nahrung zur Genüge bekommen. Wer aber die Zeit mit Müßiggang oder anderen unnützen Sachen verbringt, der wird in die Armut gedrückt werden.

20. Ein treuer Mann wird viel gesegnet; wer aber eilt, reich zu werden, wird nicht unschuldig bleiben.

Treuer Mann: Wer seinen Nächsten treu und aufrichtig behandelt, wird reichen Segen von Gott empfangen.

Eilt: Wer in der Eile begehrt, großes Gut zusammenzubringen, der wird sich der Ungerechtigkeiten und des Betruges nicht enthalten können, wodurch er Gott erzürnt und in die Strafe fallen wird, dass sein Vorhaben nicht glücklich enden wird. Darum plane und handle mit Ruhe und Bedacht, denn zu große Eile tut keinem gut.

21. Person ansehen ist nicht gut; denn er täte übel auch wohl um ein Stück Brots.

Nicht gut: Es ist nicht richtig, dass man in der Entscheidung einer strittigen Sache nach dem Ansehen der Person urteilt, und welche solches tun, die werden auch wohl wegen eines geringen Gewinns oder Nutzens ein falsches Urteil fällen oder ein anderes Bubenstück begehen. Darum taugen solche Räte im Regiment nichts, die vielmehr auf die Personen und ihren eigenen Nutzen sehen, als dass sie der Gerechtigkeit dienen sollten, wie es ihnen vom Amt her zusteht.

22. Wer eilt zum Reichtum und ist neidisch, der weiß nicht, dass ihm Unfall begegnen wird.

Begegnen: Wer also nach Reichtum trachtet, dem Nächsten seinen Gewinn nicht gönnt und alles zu seinem Nutzen begehrt, der wird seine Güter nicht lange behalten. Denn Gott straft die Neidischen und Geizigen, so dass sie nicht reich werden und in große Verachtung geraten.

23. Wer einen Menschen straft, wird hernach Gunst finden, denn der da heuchelt.

Gunst finden: Bei denselben, welchen er an sein Unrecht erinnert, und von seinem Irrtum zurechtgewiesen hat, wenn es auch am Anfang das Ansehen hat, als wenn er einen schlechten Dank davon bekommt, so wird er doch endlich lieber und angenehmer sein als der, der seinen Irrtum und Sünde mit Schmeichelworten beschönt. Denn ein verständiger Mensch merkt, dass es ein großer Nutzen gewesen ist, dass man ihn hart angesprochen hat. Welche sich dagegen mit Schmeichelworten die Gunst bei Menschen erhalten wollen, die verlieren endlich dieselben.

24. Wer seinem Vater oder Mutter nimmt und spricht, es sei nicht Sünde, der ist des Verderbers Geselle.

Geselle: Das ist: Die Kinder, welche ihre Eltern heimlich betrügen und es für keine Sünde halten, wenn sie nur nicht fremde Leute betrügen, die verderben die Haushaltung und stehen ihren Eltern wie auch sich selbst übel vor, weil sie sich mit den Eltern in Armut bringen. Davon gibt es viele Beispiele. Denn wo viel Geld im Hause ist, da muss es verderben. Und das sind närrische Eltern, welche das Geld und andere Sachen, die man leicht stehlen kann, ohne Gefahr liegen lassen, so dass sie den Kindern oft einen Anlass zum Stehlen geben. Denn Gelegenheit macht Diebe.

25. Ein Stolzer erweckt Zank; wer aber auf den Herrn sich verlässt, wird fett.

Erweckt Zank: Stolze und aufgeblasene Leute, die sich auf ihr Gut oder ihre Macht verlassen, die verwickeln sich in vielen unnötigen Zank und können selten Ruhe haben, bevor sie ihr Hab und Gut verzehrt haben. Aber welche sich demütig nicht auf ihre Güter, sondern auf den Herrn verlassen, ruhig sind und nicht gerne Streit anfangen, die werden gesegnet und haben ihre Nahrung reichlich.

26. Wer sich auf sein Herz verlässt, ist ein Narr; wer aber mit Weisheit geht, wird entrinnen. Es ich

Verlässt: Wer sich selbst viel zutraut und meint, er könne es alleine richten, was er anfängt, es sei gleich gut oder böse, der ist ein gottloser und unverständiger Mensch und wird sich in große Gefahr stürzen. Wer aber in der Furcht Gottes wandelt, der ist ruhig, sicher und glückselig.

27. Wer dem Armen gibt, dem wird nicht mangeln; wer aber seine Augen abwendet, der wird sehr verderben.

Nicht mangeln: Es wird keiner ärmer davon, wenn er aus richtiger Liebe den Armen hilft. Ja, Gott lässt ihn nicht Mangel leiden.

Abwendet: Wer sich von den Armen abwendet, sie nicht ansehen und ihnen nicht helfen will, der wird den göttlichen Fluch empfinden und danach selbst in Armut geraten.

28. Wenn die Gottlosen aufkommen, so verbergen sich die Leute; wenn sie aber umkommen, wird der Gerechten viel.

Aufkommen: Dass sie eine Gewalt bekommen oder in die Regierung gesetzt werden, da müssen die Frommen aus Furcht der Tyrannen sich verkriechen und haben die groben Esel immer einen Vorzug. Aber wenn Gott solche Tyrannen wiederum aus dem Weg räumt und vertilgt, so kommen fromme Leuten wieder hervor, und es lassen sich viele Gottselige sehen, welche sich um den Nächsten wohl verdient machen. Gleichwie im Gegenteil, wenn Gottlose regieren, die Bösen hin und wieder oben schweben und alles voller Laster geht. Darum sollen wir Gott bitten, dass er fromme und gottselige Obrigkeiten schütze, und die Tyrannen, wenn sie sich nicht bessern wollen, vom Stuhl stürze und zugrunde richte. Denn das ist allein Gottes Werk {Lk 1}.


Das 29. Kapitel


1. Wer wider die Strafe halsstarrig, ist, der wird plötzlich verderben ohne alle Hilfe.

Halsstarrig: Wer, nachdem er gewarnt wurde, dennoch vorsätzlich und mutwillig in eine Sünde willigt, dem wird Gott plötzlich ein solches Unglück auf den Hals schicken, dass ihn niemand daraus retten kann.

2. Wenn der Gerechten viel ist, freut sich das Volk; wenn aber der Gottlose herrscht, seufzt das Volk.

Viel ist: Die zu öffentlichen Ämtern und im Regiment gebraucht werden, so haben die Untertanen Grund zum Freuen, weil sie glücklich und gut regiert werden.

Seufzt: Weil es von den gottlosen Regenten in tyrannischerweise beschwert und unterdrückt wird. Darum sollen wir für eine fromme Obrigkeit fleißig beten.

3. Wer Weisheit liebt, erfreut seinen Vater; wer aber mit Huren sich nährt, kommt um sein Gut.

erfreut: Ein gottseliger und verständiger Mensch ist seines Vaters Trost im Alter.

sich nährt: Wer sich nicht in den Ehestand begeben und mit seiner Frau keusch darin leben will, sondern mit Huren verkehrt, der wird sein Gut in kurzer Zeit vertun, und zwar nicht, weil die Huren so viel kosten, sondern weil Gott den Hurern feind ist und sie verflucht, damit sie mit ihrem Tun den Krebsgang gewinnen und immer ärger werden, nach dem Sprichwort: Wer sich mit Huren nährt und mit Karren fährt, dem ist Unglück beschwert.

4. Ein König richtet das Land auf durchs Recht; ein Geiziger aber verdirbt es.

durchs Recht: Wenn den Untertanen Recht verschafft wird, so wird ein Regiment bestätigt und steht fest. Wenn aber die Regenten übermütig sind und tyrannisch regieren, so dass ihr Wille über dem Recht steht, dann wird es im Regiment nicht lange gut stehen. Denn Gott straft die Ungerechtigkeiten an der Obrigkeit wie an den Untertanen {Ps 82}.

Luther: Der das Land übermäßig besteuert.

5. Wer mit seinem Nächsten heuchelt, der breitet ein Netz zu seinen Fußtapfen.

Netz: Es ist ein böses Ding mit der Heuchelei, durch die der Nächste, dem man heuchelt, in Unglück gebracht wird.

6. Wenn ein Böser sündigt, verstrickt er sich selbst; aber ein Gerechter freut sich und hat Wonne.

Sich selbst: Der Gottlose bringt sich selbst in große Angst, indem er seinen bösen Begierden nachhängt, aber die Frommen, welche unsträflich Leben, erhalten ein gutes Gewissen und führen ein ruhiges und glückseliges Leben, wobei ihnen wohl ist.

7. Der Gerechte erkennt die Sache der Armen; der Gottlose achtet keine Vernunft.

Erkennt: Im Gericht erkundigte er sich nach dem Handel armer Leute, auf dass er ihnen Recht spreche und, soweit es ihm möglich ist, Recht widerfahren lassen.

Keine Vernunft: Weil er entweder mit Geschenken geblendet wurde, oder das große Ansehen der Gegenpartei fürchtet, sieht er nicht, wie es mit der Sache beschaffen ist, überlegt auch nicht, wer Recht oder Unrecht hat, sondern lässt sich von seinen Begierden regieren und fällt ein ungerechtes Urteil gegen einen armen Menschen.

8. Die Spötter bringen frechlich eine Stadt in Unglück; aber die Weisen stillen den Zorn.

Spötter: Das ist: Die Verächter Gottes und der Menschen richten mit ihrem Mutwillen und ihrer Bosheit ein Regiment zugrunde, wenn sie zu der Regierung beordert werden. Denn sie raten, beschließen und tun solche Sachen, die einem Regiment schädlich sind, und geben oft mit einem bösen Schreiben zu blutigen Kriegen Ursache. Darum sind diejenigen Regenten als glückselig zu achten, welche entweder keine solchen Spötter unter ihren Räten haben oder ihnen keine großen und wichtigen Geschäfte anvertrauen. gottselige Leute sind in der Verwaltung des Regimentes nach ihrer Gottseligkeit und Weisheit darauf bedacht, wenn ein Unglück oder eine Gefahr sich ergibt, dass diese beizeiten abgewendet wird.

Luther: Es beschließen die Ratsherren häufig sorglos etwas, fragen nichts danach, dass sie eine Stadt oder ein Land in Unglück bringen, daraus viele Jahre Unglück entsteht.

9. Wenn ein Weiser mit einem Narren zu handeln kommt, er zürne oder lache, so hat er nicht Ruhe.

Handeln kommt: Wenn sie eine strittige Sache miteinander vor Gericht zu verhandeln haben, ganz gleich, ob es mit Güte oder mit Ernst zugeht, so kann er von dieser Sache nicht leicht abkommen. Denn gibt man einem solchen Narren ein gutes Wort, so meint er, man fürchte sich vor ihm und traue ihm, dass er eine gute Sache habe, spricht er ihn dann Ernst und hart zu, so nimmt er es für eine Schande auf und sucht immer neuen Zank. Darum soll man sich so viel wie möglich davor hüten, dass einer nicht mit solchen Leuten zu tun bekommt oder aber sich bemüht, dass man möglichst schnell davonkommt, und sollte man gleich in der Sache, darüber der Streit ist mit etwas Schaden nachgeben.

10. Die Blutgierigen hassen den Frommen; aber die Gerechten suchen seine Seele.

Hassen: Und stellen ihm nach dem Leben, obwohl er ihnen nichts getan hat. Denn sie wünschen, dass alle Frommen aus dem Wege geräumt werden, damit sie ihr böses Leben, welches sie vom Teufel haben, weiterführen können.

Suchen: Und begehren, eines unschuldigen Menschen Leben mit höchstem Fleiß zu retten. Darum sollen wir uns an gute fromme Leuten halten und den Gottlosen nicht trauen.

11. Ein Narr schüttet seinen Geist gar aus; aber ein Weiser hält an sich.

Gar aus: Ein närrischer Mensch stößt im Zorn oder auch bei anderen Gelegenheiten alles aus, was er im Herzen hat, und redet von jedermann unverschämt und ohne Scheu, was auf der Zunge liegt und im Zorn einfällt.

An sich: Damit er nicht aus Unbedachtsamkeit etwas sagt, was ihm und anderen Schaden bringen könnte.

12. Ein Herr, der zu Lügen Lust hat, des Diener sind alle gottlos.

Lust hat: Wenn eine Obrigkeit zu Verleumdung, losem Geschwätz und zur Falschheit Lust hat, mehr mit Lügen und Betrug regiert als mit Aufrichtigkeit und Redlichkeit, sorgt sie dafür, dass ihre Diener auch so gesinnt sind. Nach dem Spruch: Wie es der König hält, also es den Dienern gefällt. Dagegen aber sind die frommen Diener jene, welche gerne sehen, dass es gerecht zugeht. Darum soll sich eine Obrigkeit der Wahrheit befleißigen, auf dass die Diener es nicht noch viel schlimmer machen.

13. Arme und Reiche begegnen einander; aber beider Augen erleuchtet der Herr.

Reiche: (Nach Luther) Heißt hier einen Reichen, der wuchern kann, wie sie denn allgemein alle wuchern {Jes 53v9} den Reichen auch gottlos nennt.

Begegnen: Das ist: Sie sind in einem Regiment untereinander vermischt und müssen miteinander leben. Darum soll ein Armer dem Reichen nichts missgönnen, und ein Reicher soll den Armen nicht verachten. Denn Gott hat dem Reichen seinen Reichtum gegeben, dessen er sich freut, und eben derselbe Gott erfreut sich auch über einen gottseligen Armen, der bei seinem schlechten Lohn oft fröhlicher ist als ein Reicher. Denn die Augen erleuchten heißt im hebräischen an diesem Ort eben so viel wie freuen.

14. Ein König, der die Armen treulich richtet, des Thron wird ewig bestehen.

Bestehen: Hier sollen Fürsten und Herren, welche ihre Herrschaften begehren zu bestätigen, merken, dass sie ihr Amt fleißig und treu in der Gottseligkeit ausrichten, den armen und unterdrückten Leuten Recht verschaffen, so wird Gott ihr Regiment bestätigen und auf ihren Nachkommen lange erhalten.

15. Rute und Strafe gibt Weisheit; aber ein Knabe, ihm selbst gelassen, schändet seine Mutter.

Gibt Weisheit: Die Rute macht böse Kinder gut. Wenn also die Eltern ihre Kinder mit Worten und Schlägen züchtigen, so machen sie diese tugendhaft, wenn man ihnen aber zu viel nachsieht und nachlässt, so kommt es mit ihnen schließlich so weit, dass sie den Eltern eine Schande sind und häufig auch dem Richter in die Hände geraten.

16. Wo viel Gottlose sind, da sind viel Sünden; aber die Gerechten werden ihren Fall erleben.

Viel Sünden: Je größer der gottlose Haufen wird, desto mehr werden auch die Sünden und Laster. Denn wenn die Gottlosen sehen, dass sie mehr sind als die Frommen, so sündigen sie umso freier, wodurch es so aussieht und so zugeht, als sei alles im Regiment mit Bosheit überschwemmt. In dieser Zeit müssen die Frommen leiden und werden unterdrückt. Aber sie müssen das Urteil Gottes mit Geduld erwarten. Denn er wird die Gottlosen stürzen und die Frommen beim Leben erhalten, damit sie den Untergang der Gottlosen mit Freuden sehen können.

17. Züchtige deinen Sohn, so wird er dich ergötzen und wird deiner Seele sanft tun.

Sohn: Weil er noch die Züchtigung zulässt und noch mag, dass er gebessert wird.

Sanft tun: Damit du Freude und Ehre durch ihn erleben wirst. Denn eine gottselige Erziehung dient den Kindern zur Wohlfahrt und den Eltern zur Freude.

18. Wenn die Weissagung aus ist, wird das Volk wild und wüst; wohl aber dem, der das Gesetz handhabt!

Weissagung: Luther: Ohne Gottes Wort kann der Mensch nichts anderes tun, denn Abgötterei und seinen Willen treiben.

Und wüst: Wo das Predigtamt des göttlichen Wortes nicht mehr rein ist, da gerät das Volk in ein rohes Leben. Denn einige nehmen eine falsche Lehre an, andere fragen nach gar keiner Religion mehr. Derjenige ist aber am allerbesten dran, der das Wort Gottes in seinem Herzen behält und sein Leben danach richtet. Darum sollen die Kirchendiener mit allem Fleiß danach arbeiten, wie auch die Obrigkeit, besser jeder darauf achten, dass man das reine Wort Gottes nicht verliert.

19. Ein Knecht lässt sich mit Worten nicht züchtigen; denn ob er‘s gleich versteht, nimmt er sich‘s doch nicht an.

Knecht: Hier redet Salomo von denjenigen verkauften Knechten, die vorzeiten in der ganzen Welt waren, und sagt, dass diese eine böse Art haben, dass sie sich mit Worten von einem Hausvater nicht erziehen lassen wollen. Denn wenn sie es auch verstehen, was der Hausvater von ihnen haben will, so tun sie, so als wenn sie es nicht verstanden hätten. Darum muss man sie mit Schlägen lehren. Davon kann man in den alten Büchern viele Beispiele finden. So findet man auch heute noch so böse Diener, denen man mit Worten nichts beibringen kann, sondern die man mit Schlägen hart strafen muss. Auf solche unterschiedliche Art der Leute sollen diejenigen achten, welche ihnen vorgesetzt sind.

20. Siehst du einen schnell zu reden, da ist an einem Narren mehr Hoffnung denn an ihm.

Mehr Hoffnung: Denn diejenigen geben ihren großen und groben Unverstand dadurch genügend zu erkennen und können auch nicht zurechtgebracht werden, welche sich für so weise und gelehrt halten, dass sie fürchten, sie möchten platzen, wo sie nicht schnell auf alles, was sie hören, eine Antwort geben. Und sie meinen, sie müssen alle Dinge mit einer Antwort versiegeln.

21. Wenn ein Knecht von Jugend auf zärtlich gehalten wird, so will er danach ein Junker sein.

Jugend auf: Früher zog man von den gekauften Knechten wieder junge Knechte auf. Wenn nun solche Knechte zärtlich aufgezogen wurden, gewöhnten sie sich daran und wollten das Kind im Hause sein. Wir werden aber hier von Salomo nicht gelehrt, dass wir mit den Knechten tyrannisch umgehen sollen, denn solches verbietet der Apostel Paulus im sechsten Kapitel des Epheser Briefes. Jedoch werden wir daran erinnert, dass wir die Knechte anders halten sollen als die Kinder. Denn wenn sie eine zu große Ähnlichkeit empfinden, fangen sie in ihrem Herzen an zu verachten und wollen im Haus regieren. Solche Undankbarkeit der Knechte wird heute von vielen Herren beklagt, obwohl sie doch selber Schuld daran sind, weil sie nicht gelernt haben, wie man die Diener richtig regieren soll.

22. Ein zorniger Mann richtet Hader an, und ein Grimmiger tut viel Sünde.

Viel Sünde: Darum sollen wir mit Sanftmut umgehen und uns einer zornigen Gesellschaft so weit wie möglich fernhalten.

23. Die Hoffart des Menschen wird ihn stürzen; aber der Demütige wird Ehre empfangen.

Empfangen: Das ist: Gott stürzt die Hoffärtigen und erhöht die Demütigen.

24. Wer mit Dieben teilhat, hört fluchen und sagt‘s nicht an, der hasst sein Leben.

Teil hat: Das er um seines Nutzens Willen mit ihnen hält, wie auch, welcher schreckliche Gotteslästerung anhört und solches der Obrigkeit nicht anzeigt, auf dass sie gestraft werden, der steht sich selber und seiner Seele Übel vor, denn er macht sich solcher Sünden teilhaftig, darum er auch von Gott ernstlich gestraft wird. Zu wünschen wäre es, dass heute nicht so viele böse Menschen wären, besonders unter denen, die von Amts wegen solche Bösen strafen sollten.

25. Vor Menschen sich scheuen, bringt zu Fall; wer sich aber auf den Herrn verlässt, wird beschützt.

Zu Fall: Wer die Menschen mehr fürchtet als Gott und sein Amt darum nicht ordentlich ausübt, weil er Sorgen hat, dass er der Leute Gunst verlieren oder in Gefahr kommen könnte, der wird in ein Unglück geraten, und ihm wird genau das begegnen, wovor er sich gefürchtet hat.

Beschützt: Wer auf Gott vertraut und seinen Beruf gerecht und ohne Scheu ausübt, der wird von Gott darum erbaut, weise und beschützt werden.

26. Viele suchen das Angesicht eines Fürsten; aber eines jeglichen Gericht kommt vom Herrn.

Angesicht: Viele Leute trachten mit großem Fleiß danach, wie sie eines Fürsten Gunst oder Gnade erlangen, damit sie viel Gut von ihm bekommen. Aber Gott macht der Obrigkeit Herz und Gemüt geneigt, wem er will, und wendet dasselbe auch ab, von wem er will, so dass also die Güter vielmehr in Gottes als in der Hand der Fürsten liegen. Darum sollen wir bedenken, was wir in solchen Fällen Gutes oder Böses empfangen, hat Gott angeordnet, damit wir ihm für das Gute Lob und Dank sagen, das Böse aber mit Geduld tragen.

Luther: Auf Fürsten Gnade sich verlassen, ohne Gott, das ist umsonst.

27. Ein ungerechter Mann ist dem Gerechten ein Gräuel, und wer rechtes Weges ist, der ist des Gottlosen Gräuel.

Gräuel: Zwischen den Kindern Gottes und Kindern des Teufels ist eine stetige Feindschaft und Uneinigkeit, obwohl sie nicht immer herausbricht, denn sie sind beide von einem widerwärtigen Geist getrieben.


Das 30. Kapitel


1. Dies sind die Worte Agurs, des Sohns Jakes, Lehre und Rede des Mannes Leithiel, Leithiel und Uchal.

Worte: Oder Sprüche, welche der vortreffliche Mann ausgesprochen hat, und welche seine beiden Jünger aus seinem Mund aufgezeichnet haben, und die sie den Nachkommen in diesem Buch angehängt haben. Denn die Kirche im Volk Gottes hat viel gute Männer gehabt, die mit einem prophetischen Geist erleuchtet gewesen sind, wie die Bücher der Chronik bezeugen. Darum ist auch dieser Argur mit einem prophetischen Geist begabt gewesen und hat folgende Lehrsprüche vorgebracht, welche ein ebensolches Ansehen haben wie die vorigen.

2. Denn ich bin der allernärrichste, und Menschenverstand ist nicht bei mir.

Allernärrichste: Das ist: Ich erkenne die Blindheit des menschlichen Herzens in göttlichen Sachen und behaupte nicht von mir, dass ich mit meinem Verstand die Geheimnisse Gottes begreifen könnte. Wie die tun, welche von dem Wesen und Willen Gottes und von dem Gottesdienst, nach ihrer eigenen Vernunft mit großer Verwegenheit nicht ohne vorsätzliche Bosheit schließen und beurteilen. Ich erkenne und bekenne gern, wenn ich von göttlichen Sachen aus der Vernunft diskutieren und grübeln sollte, dass ich ein Kind, ein Tor und ein Narr bin.

Luther: Weise Leute erkennen, dass ihre Weisheit nichts ist. Narren wissen ihrer Meinung nach alles und können nicht irren.

3. Ich habe Weisheit nicht gelernt, und was heilig sei, weiß ich nicht.

4. Wer fährt hinauf gen Himmel und herab? Wer fasst den Wind in seine Hände? Wer bindet die Wasser in ein Kleid? Wer hat alle Enden der Welt gestellt? Wie heißt er und wie heißt sein Sohn? Weißt du das?

Fährt: Wer ist so witzig, dass er mit seiner Vernunft das Wesen, den Willen, die Majestät, Macht und Weisheit Gottes erforschen und begreifen könne? Er erfüllt Himmel und Erde, ist oben und unten gegenwärtig. Er hat die Winde und alle Gewitter in seiner Hand und kann sie auslassen oder festhalten, wann es ihm gefällt. Er fasst das Meer zusammen, so dass es sich nicht ergießen kann, oder über sein gestecktes Ziel auslaufen. Er hat auch die Grenzen der Erde gesetzt, wie weit sie trocken sein sollen. Sage mir, ob du es mit deiner Vernunft ergründen kannst, wie dieser Gott heißt? Und wie sein ein geborener Sohn heißt, durch den er die Welt erschaffen hat. Denn dies alles ist der menschlichen Vernunft, außerhalb der Offenbarung des göttlichen Wortes unbekannt, dass bezeugender Heiden schreckliche Schriften, die sie von ihren Göttern aufgeschrieben haben. Denn etliche haben an keine, etliche an viel Götter geglaubt. Welche auch viele Götter erdacht haben, die sind in dem Wahn als würden etliche Götter mit Sünden geehrt, wie mit Unzucht, und anderen Lastern. Man hat unter ihnen einige gefunden, die einen guten Gott, Jowem genannt, verehrt haben, von dem sie annehmen, dass man ihm dienen muss, damit er Gutes tut. Und obwohl sie ihren erdichteten Göttern mancherlei Namen gegeben, so haben sie doch alle miteinander nicht von dem wahren Gott gewusst, der sich im Alten Testament einen Gott Abraham, Gott Isaak und Gott Jakob genannt hat. Und keiner von ihnen hat seinen Sohn, unseren Herrn Jesu Christo erkannt, oder sich von der Erlösung des menschlichen Geschlechtes durch den Sohn etwas träumen lassen. Wer darum seiner Vernunft folgen will, damit er Gott erkennt, dem wird es gehen wie einem, welcher bekennen muss, je fleißiger er darüber nachgedacht hat, was Gott sein mag, desto weniger weiß er davon. Wir aber erkennen aus der Heiligen Schrift Gott in drei Personen und in einem Wesen und wissen, dass die Person Jesus der Erlöser des menschlichen Geschlechtes ist. So wissen wir auch, dass dieser Gott recht geehrt wird, wenn wir nach seinem Gesetz das Leben richten. Davon weiß die Vernunft nichts, sondern das lehrt uns das Wort der Heiligen Schrift.

5. Alle Worte Gottes sind durchläutert und sind ein Schild denen, die auf ihn trauen.

durchläutert: Und bewährt wie Gold, das im Feuer lauter und rein gemacht wird. So ist auch das Wort Gottes ohne jede Falschheit und Betrug und ohne Irrtum oder Lügen. Darum können wir dem Wort sicher glauben.

Trauen: Denn wer den Verheißungen Gottes glaubt, der wird sicher sein vor dem ewigen Tod, und dazu auch in widerwärtigen Zuständen dieses Lebens von Gott nicht verlassen werden, sondern wird durch den Glauben alle Trübsal überwinden, dass sie ihm nicht schaden kann.

6. Tue nichts zu seinen Worten, dass er dich nicht strafe, und werdest lügenhaftig erfunden.

Worten: Man soll dem Wort Gottes nicht etwas von dem unseren hinzusetzen, oder etwas als Gottes Wort lehren, das nicht aus der Heiligen Schrift bewiesen werden kann. Denn es kommt die Falschheit an den Tag, und solche Lehrer werden zuschanden. So ist es den Katholiken widerfahren, welche, weil sie viele erdichtete Dinge und von Menschen gemachte Satzungen unter das Wort Gottes gebracht haben. Darum werden jetzt, nachdem die Schrift fleißig erklärt wird, ihre Lügen ans Licht gezogen, die sie unter dem Schein des Wortes Gottes dem Volk aufgelegt haben, welches ihnen nun zu keiner Ehre gereicht.

7. Zweierlei bitte ich von dir, die wollest du mir nicht weigern, ehe denn ich sterbe;

Von dir: Meinem Gott und Herrn.

Sterbe: Weil ich noch in diesem Leben bin, möchtest du mir diese zwei Dinge nicht abschlagen, um die ich dich bitte.

8. Abgötterei und Lügen lass ferne von mir sein; Armut und Reichtum gib mir nicht; lass mich aber mein bescheiden Teil Speise dahinnehmen.

Abgötterei: Luther: Ein feines Gebet ist, das erbetene Wort Gottes sein täglich Brot sei.

Von mir sein: Dies ist das erste, dass du mich behütest vor falscher Lehre, damit ich nicht in einen Irrtum gerate. Denn man soll Gott bitten, dass er die falschen Lehren von einem abwende.

Mir nicht: Das ist das andere, lass mich nicht Mangel oder Überfluss an zeitlichen Gütern spüren, so dass ich entweder mit Hunger geplagt, oder mit Reichtum überschüttet werde.

Bescheiden Teil: Gib mir genügend Nahrung und gutes Auskommen. Denn der Mangel und Überfluss sind beide nicht ohne Gefahr der Anfechtung.

9. Ich möchte sonst, wo ich zu satt würde, verleugnen und sagen: Wer ist der Herr? Oder wo ich zu arm würde, möchte ich stehlen und mich an dem Namen meines Gottes vergreifen.

Satt würde: Nicht nur, weil ich von Speise und Trank zu viel nehme, sondern damit ich mich nicht meines Reichtums überheben möchte.

Verleugnen: Und Gott verachten.

Herr: Müsste ich ihm dienen und bin an seinem Gesetz gebunden? Was geht mich Gott mit seinen Gesetzen an, lässt er mir dies Leben, so will ich ihm seinen Himmel lassen. Denn solche schrecklichen Reden hört man häufig von denen, die mit Reichtum überschüttet, und in den Lüsten dieser Welt ersoffen sind. Darum lass du, allergütigster Gott, nicht zu, dass ich durch übermäßigen Reichtum in ein sicheres und rohes Leben gerate.

Vergreifen: Darum dass auch auf der anderen Seite nicht, dass ich mit zu großer Armut überfallen und gedrückt werde, damit nicht aus Hunger ein Diebstahl entsteht und ich so gegen meinen Gott sündige. Wir sollen darum bitten, dass uns Gott nicht des Hungers sterben lässt. Also soll man auf der anderen Seite nicht zu großen Reichtum begehren, sondern mit einer angemessenen Nahrung dankbar leben. Denn es ist eine große Kunst, dass man bei großem Gut und Überfluss fromm bleibt.

10. Verrate den Knecht nicht gegen seinen Herrn; er möchte dir fluchen und du die Schuld tragen müssest.

Knecht nicht: Wir sollen die Knechte und Diener nicht bei ihren Herren mit bösen Reden verklagen. Denn wenn der Knecht aus Zorn und Eifer Gottes einem solchen Verräter verflucht und verwünscht, so wird dieser die göttliche Strafe empfangen. Denn Gott hört das Seufzen der unschuldigen Leute. Wenn wir aber sehen, dass ein Knecht seinem Herrn untreu ist, so ist dies nicht so gemeint, dass man es dem Herrn nicht berichtet, damit er sich vorsieht, sondern wir sind es nach Art der christlichen Liebe schuldig und sollen nicht darauf achten, ob solche untreuen und böse Knechte uns fluchen oder segnen, denn solche Wünsche treffen nicht.

11. Es ist eine Art, die ihrem Vater flucht und ihre Mutter nicht segnet;

Nicht segnet: Die ihren Eltern nichts Gutes, sondern alles Böse wünscht, von denen sie doch viel Gutes empfangen hat. Solchen undankbaren Leuten, die ihre Eltern verfluchen, ist Gott besonders feind, und diese werden von Gott gestraft, wie wir später noch hören werden.

12. eine Art, die sich rein erscheint und ist doch von ihrem Kot nicht gewaschen;

Rein erscheint: Es finden sich Heuchler in der Welt, welche sich selbst einreden, sie seien rein und fromm, weil sie keine Diebe, Räuber, Ehebrecher sind wie die Pharisäer im Tempel {Lk 18}. Und sie sind doch mit vielen und großen Sünden besudelt, wie auch mit Hoffart, Unglauben, Ehrgeiz, Geldsucht, Hass, Neid, Grausamkeit und dergleichen. Solchen Leuten ist Gott feind {Mt 23}. Und es sind solche, die in offenbaren großen Lastern leben, viel leichter zu bekehren, als solche Heuchler.

13. eine Art, die ihre Augen hoch trägt und ihre Augenlider emporhält;

Hoch trägt: Man findet Leute, die wegen ihrer angeblichen Weisheit oder wegen ihrer großen Güter hochtrabend auftreten und andere verachten. Gott aber widersteht den Hoffärtigen, und gibt den Demütigen Gnade {1Petr 5}.

14. eine Art, die Schwerter für Zähne hat, die mit ihren Backenzähnen frisst und verzehrt die Elenden im Lande und die Armen unter den Leuten.

Zähne hat: Es sind die Reichen auf Erden, welche es mit den armen und unschuldigen Leuten grausam treiben, wie die wilden Tiere, welche die kleinen und schwachen fressen. Aber Gott wird es zu seiner Zeit rächen.

15. Die Egel hat zwo Töchter: Bring her, bring her! Drei Dinge sind nicht zu sättigen, und das vierte spricht nicht: Es ist genug:

Egel: Das ist ein kleines Tier, welches im Wasser lebt und Blut saugt, entweder von einem Menschen oder einem anderen Tier. Es lässt sich auch nicht sättigen, bis es sich so vollsaugt, dass es platzt. Von solchem Tier wird gesagt, dass es zwei Töchter hat, die auch nicht sattzukriegen sind. Damit wird angezeigt, dass der Geiz unersättlich ist und mit mancherlei Begierden, die daraus kommen, nicht gesättigt werden kann. Darum sollen wir vor dem Geiz fliehen und uns mit dem begnügen, was wir haben {1Tim 6}.

16. die Hölle, der Frauen verschlossene Mutter, die Erde wird nicht Wassers satt, und das Feuer spricht nicht: Es ist genug.

Hölle: Welche bis zum Jüngsten Tag immer nach dem Untergang der Gottlosen begierig ist und von Anfang der Welt viele tausend Seelen verschlungen hat. Darum sollen wir uns durch den Glauben an Jesus halten, damit uns die Hölle nicht verschlingt.

Verschlossen: Die unfruchtbar ist. Dadurch will er zu verstehen geben, dass die unfruchtbaren Frauen meist zur Wollust mit bösen Reden geneigt sind, mehr als andere, welche empfangen und Kinder gebären.

Wassers satt: Ob sie auch durch einen großen Platzregen nass und feucht wird, so fängt sie doch bald wieder an, trocken zu werden und begehrt einen neuen Regen.

Genug: Die Natur vom Feuer ist, dass, solange es Material findet, es darin seine Wirkung haben kann. So verzehrt es immer eins nach dem andern, wie die großen Feuer in der Stadt beweisen.

17. Ein Auge, das den Vater verspottet, und verachtet, der Mutter zu gehorchen, das müssen die Raben am Bach aushacken und die jungen Adler fressen.

Verspottet: Wer seine Eltern verlacht und ihre Ermahnungen verspottet, der wird keinen rechten, sondern einen schändlichen Tod sterben und nicht ehrlich begraben werden, sondern unbegraben oder der Tiere Vögel oder Speise werden.

18. Drei Dinge sind mir zu wunderlich, und das vierte weiß ich nicht:

Zu wunderlich: Genau wie niemand des Adlers Fußstapfen sehen kann, weil er in der Luft fliegt, noch die Schlange Zeichen auf den Felsen hinterlässt, wo sie gekrochen ist, genau wie ein Schiff im Wasser keinen Weg macht, den man aufspüren kann, so kann einer auch, wenn er ein Mädchen lieb hat, listige und heimliche Dinge finden. Dass mancher Liebhaber der Tochter sein Gemüt nicht zeigt, damit sie die Eltern, wenn sie gleich noch so gut achthaben, es nicht merken, bis beide in einander ganz verliebt und verstrickt sind. Darum sollen die Eltern ihre Töchter also so erziehen, dass sie Gott den Herrn fürchten lernen und sich in keine Heiratsabsichten begeben ohne der Eltern Willen, viel weniger aber sich mit unzüchtiger Liebe beflecken. Ist bei einer Jungfrau keine wahre Gottesfurcht, so werden die Eltern vergeblich aufpassen. Und man soll Gott anrufen, dass er die Töchter vor Keuschheit bewahre.

19. des Adlers Weg im Himmel, der Schlangen Weg auf einem Felsen, des Schiffs Weg mitten im Meer und eines Mannes Weg an einer Magd.

20. Also ist auch der Weg der Ehebrecherin; die verschlingt und wischt ihr Maul und spricht: Ich habe kein Übels getan.

Ist auch: Denn die List der Ehebrecherin ist nicht zu beschreiben, wenngleich sie ihre Unzucht mit Buhlen getrieben hat, so leugnet sie es doch stark. Man wird es nur beweisen können, wenn Sie beim Ehebruch ertappt wird, welches selten geschieht. So weiß sie den Ehemann auch mit guten Worten zu blenden, dass er nichts davon merkt, was die Ehebrecherin tut. Darum, wenn ein Weib nicht keusch sein will, so kann man durch keine Klugheit verhüten, dass sie nicht die Ehe bricht. Der Ehemann kann auch durch Eifersucht nichts verhindern, denn die Ehebrecherin trachtet nur umso mehr nach dem, was ihr verboten wird. Daher das Sprichwort: Eifersucht hilft entweder nicht, oder es bedarf ihrer nicht. Es werden aber nach Gottes Gericht eben die mit solchem Eifer geplagt, welche vorher auch mit fremden Weibern in und Lastern sich gehalten haben.

21. Ein Land wird durch dreierlei unruhig, und das vierte mag es nicht ertragen:

Unruhig: Sie richten große Meuterei und große Mühe an.

22. ein Knecht, wenn er König wird; ein Narr, wenn er zu satt ist;

König wird: Also wird ein Land voll Unruhe. Denn welche aus einem niedrigen Stand zur Hoheit des Regimentes gemacht werden, die herrschen oft mit großem Übermut und sind grausam. Wie es bei Saul zu sehen ist. Denn solche wie David findet man nicht viel.

Satt ist: Wenn ein gottloser und unverständiger Mensch Geld und Gut zum Überfluss bekommt, so weiß er nicht, wie er sich benehmen soll, und niemand kann mit einem solchen Narren auskommen.

23. eine Feindselige, wenn sie geheiratet wird, und eine Magd, wenn sie ihrer Frauen Erbe wird.

Feindselige: Darunter wird jedoch nicht eine solche Frau verstanden, die hässlich ist, sondern eine, die störrisch und unfreundlich ist, die sich gegen den Ehemann sich nicht lieb und gut erzeigt. Ein Holzbock, der nichts kann als sauer gucken, hadern, murren und schimpfen mit dem Ehemann. Solche Jungfrauen täten besser daran, wenn sie sich gar vom Ehestand enthielten.

Erbe wird: Welche nach dem Tod ihres Eheweibes ihre Magd heiraten, die haben oft eine unglückliche Ehe. Besonders die Mägde, welche vorher im Dienst fleißig und treu gewesen sind, wenn sie danach die Haushaltung bekommen, so wollen sie gern auch das ganze Regiment über den Mann haben. Und es werden nicht viele gefunden, die es der Esther nachtun, welche aus einer Dienstmagd zur königlichen Majestät erhoben wurde.

24. Vier sind klein auf Erden und klüger denn die Weisen:

Weisen: Das ist: Wenn die vier nachher genannten Tiere auch klein sind, so haben sie doch mehr Weisheit, als mancher, der sich klug nennt.

25. die Ameisen, ein schwaches Volk, dennoch schaffen sie im Sommer ihre Speise;

Ameisen: Diese Tiere sammeln im Sommer, damit sie nachher im Winter zu essen haben. Die Ameisen erinnern uns daran, dass wir unsere Nahrung zu rechter Zeit bereiten sollen.

26. Kaninchen, ein schwaches Volk, dennoch legt es sein Haus in den Felsen;

Kaninchen: Dieses Tier sieht sich nach einem festen und sicheren Wohnort um. Das Kaninchen lehrt uns, dass wir uns vor der Gefahr hüten sollen. Wir bauen unser Haus auf einem Felsen, wenn wir auf Gott unserer Hoffnung setzen und unserem Beruf nachgehen.

27. Heuschrecken haben, keinen König, dennoch ziehen sie aus ganz mit Haufen;

Heuschrecken: Die Heuschrecken ziehen in großen Schwärmen durchs Land. Durch dieses Verhalten der Tiere werden wir zur Einigkeit ermahnt, auf dass wir mit einträglichem Gemüt unseren Feinden widerstehen.

28. die Spinne wirkt mit ihren Händen und ist in der Könige Schlösser.

Spinne wirkt: Sie breitet ihr Gewebe aus und heftet sie künstlich an die Wand. Dieses Tier soll uns zum Fleiß ermuntern. Denn unsere fleißigen Werke schaffen Nutzen, während die Spinnweben nichts nutzen und darum auch weggekehrt werden. Also hätten wir an jedem Tier etwas zu betrachten, woran wir uns wir uns zu unserem Nutzen erinnern können.

29. Dreierlei haben einen feinen Gang, und das vierte geht wohl:

30. Der Löwe, mächtig unter den Tieren, und kehrt nicht um vor jemand;

Nicht um: Er fürchtet sich vor keinen Menschen. Dieser Mut des Löwen lehrt uns, dass wir in unserem Beruf unerschrocken fortfahren sollen.

31. ein Wind von guten Lenden; und ein Widder; und der König, wider den sich niemand darf legen.

Guten Lenden: Er kann schnell laufen. Bei solcher Schnelligkeit des Jagens werden wir erinnert, dass wir nicht aus Faulheit die Gelegenheit, etwas Gutes zu tun, versäumen.

Widder: Der vor der Herde geht und beschützt sie. Er sagt uns, dass wir für unsere Knechte und Hausgenossen fleißig Sorge tragen sollen.

Darf legen: Weil er mächtig und mit einer großen Majestät begabt ist. Dadurch wird uns angezeigt, dass wir die Sachen richten sollen, damit wir ein Ansehen bei den Menschen, denen wir vorgesetzt sind, haben und erhalten, auf dass wir sie gut regieren können.

32. Hast du genarrt und zu hoch gefahren und Böses vorgehabt, so lege die Hand aufs Maul.

Genarrt: Wenn du entweder in der Lehre oder in Ratschlägen oder auch in deinen eigenen Sachen von der Wahrheit und Gerechtigkeit abgeändert bist, so verteidige es nicht, sondern lass ab und schweige. Denn nicht der Irrtum, sondern wenn man im Irrtum beharrt, das macht einen Narren aus. Und es ist menschlich, dass einer irrt, aber nach empfangener Erinnerung im Irrtum halsstarrig zu bleiben, das ist des Teufels Arbeit. Wer auch seinen Irrtum vertuschen will, der wird nur umso mehr zuschanden, beleidigt Gott und fromme Leute umso heftiger.

Luther: Schäme dich nicht, wenn du etwas falsch gemacht hast, und verteidige es nicht, denn Irren ist menschlich, Verteidigen ist teuflisch.

33. Wenn man Milch stößt, so macht man Butter draus; und wer die Nase hart schnäuzt, zwingt Blut heraus; und wer den Zorn reizt, zwingt Hader heraus.

Hader heraus: Wenn man die Milch lange genug stößt, so wird Butter daraus. Und wenn man sich zu hart schnäuzt, so kommt endlich Blut heraus. Also wenn man auch den geduldigsten Menschen zu viel reizt, so macht man ihn endlich zornig. Darum sollen wir uns hüten, dass wir frommer Leute Langmütigkeit nicht zu sehr missbrauchen.


Das 31. Kapitel


1. Dies sind die Worte des Königs Lamuel, die Lehre, die ihn seine Mutter lehrte:

Mutter lehrte: Das ist: Dies ist die Lehre des Königs Lamuels, der von seiner Mutter, einer sehr weisen Frau, die mit dem Heiligen Geist erleuchtet gewesen ist, unterrichtet wurde. Es ist auch bekannt, dass die Hebräer die Herren und Fürsten einer Stadt Könige nennen. Gott hat im israelitischen Volk auch unter dem weiblichen Geschlecht häufig hervorragende Gaben des Heiligen Geistes zum Weissagen ausgeteilt. Häufig zeigen sich Beispiele, wie Miriam, die Schwester Mose, Deborah, Hanna und dergleichen. So können wir annehmen, dass dieser Lamuel ein Fürst in einer Stadt gewesen ist. Die Mutter hatte besondere Gaben des Heiligen Geistes und hat ihrem Sohn folgende Lehren aufgeschrieben, welche dem Ende dieses Buches, der Sprüche Salomos, angehängt wurden, damit sie nicht verloren gehen.

2. Ach, mein Auserwählter, ach, du Sohn meines Leibes, ach, mein gewünschter Sohn,

Leibes: Den ich geboren habe.

Gewünschter: Den ich von Gott dem Herrn gewünscht und erbeten habe. Mit diesem Eingang will die Mutter ihrem Sohn das Herz abgewinnen und zu verstehen geben, wie lieb sie ihn hat und wie gern sie sähe, dass ihm geraten und geholfen werden möchte.

3. lass nicht den Weibern dein Vermögen und gehe die Wege nicht, darin sich die Könige verderben!

Vermögen: Verschwende deine Güter nicht üppig, um den Weibern zu gefallen, und du ihren närrischen Begierden genüge tust, während sie mit ihrer Pracht kein Maß zu halten wissen. Genau wie auch die Könige ihrem Regiment übel vorstehen, indem sie ihr Einkommen auf den weiblichen Schmuck und Pracht verwenden. Obwohl nun in dieser Zeit, wegen der stattlichen Vermögens und weil viele Weiber nehmen nicht mehr Brauch ist, dem Ansehen nach daher keine Gefahr mehr sein möchte, wenn gleich Fürsten und Herren ihren Weibern zu Willen werden, mit Kleidung und köstlichen Steinen zu kaufen, jedoch wo der Sache kein Maß und Ende ist, da wird auch des Fürsten Reichtum zuletzt erschöpft sein. Besonders schrecklich ist es für einfachen Leuten, wenn sie prächtige und verschwenderische Weiber haben. Denn dadurch wird eine Haushaltung geschwächt oder ganz zu Boden gestoßen.

Verderben: Luther: Welche um ihres schlechten Verhaltens willen verjagt oder erstochen werden, oder sonst schändlich umkommen.

4. O, nicht den Königen, Lamuel, gib den Königen nicht Wein zu trinken noch den Fürsten stark Getränke.

Getränke: Man muss denen, die im Regiment sitzen nicht so viel Wein geben, dass sie betrunken werden. Es will zwar der Heilige Geist nicht, dass die Regenten, Räte, Könige und Fürsten nur Wasser trinken sollen, aber er verbietet, dass sie vom Wein zu viel gebrauchen.

5. Sie möchten trinken und der Rechte vergessen und verändern die Sache irgend der elenden Leute.

Vergessen: Das ist der Grund warum die, welche zu der Regierung gebraucht werden, nicht viel Wein trinken sollen, damit sie die Entscheidung einer gerechten Sache nicht wider dem Recht in einem unbesonnenen Zustand beschließen. Denn wenn betrunkene Leute in den Rat kommen, so vergessen sie die Gesetze des Landes und fällen in betrunkener Weise aus einer besonderen Zuneigung das Urteil.

6. Gebet stark Getränke denen, die umkommen sollen, und den Wein den betrübten Seelen,

umkommen: Die das Leben verwirkt haben und zum Tod hinaus geführt werden.

7. dass sie trinken und ihres Elendes vergessen und ihres Unglücks nicht mehr gedenken.

Gedenken: Das der Wein die große Angst des Herzens vertreibe darin sie stecken. Es wird aber hier nicht zugelassen, dass die traurigen Leute oder diejenigen, welche zum Tode verurteilt sind, sich mit Wein betrinken sollen, so dass sie nicht mehr wissen, was sie tun, sondern es wird den Traurigen freigestellt, dass sie etwas trinken mögen, auf dass sie sich selber Mut machen und nicht in der großen Traurigkeit ihres Herzens versinken. Allgemein geschieht das Gegenteil, nämlich dass die, welche voller Freuden sind, den Wein in sich schütteln, die Traurigen aber keinen guten Trunk versuchen.

8. Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.

Stummen: Verteidige diejenigen vor Gericht, welche selber ihre Sache nicht handhaben können, und die auch keine guten und treuen Fürsprecher haben.

verlassen sind: Denen Gewalt geschieht, und die unrechterweise unterdrückt werden.

9. Tu deinen Mund auf und richte recht und räche den Elenden und Armen.

Recht: Wenn du im Rat oder Gericht sitzt, so verhehle die Wahrheit und Gerechtigkeit nicht, schweige nicht bis der Gerechte unterdrückt worden ist, sondern sage deine Meinung frei und öffentliche heraus, welche auf Wahrheit und Billigkeit gegründet ist. Du darfst dich vor dem Zorn der anderen Leute nicht fürchten, welche die armen und elenden Leute unterdrücken. Mache deinen Mund auf und denke nicht, dass du ohne Grund da sitzest.

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10. Wem ein tugendsames Weib beschert ist, die ist viel edler denn die köstlichsten Perlen.

Wem: Jetzt werden die Tugenden einer gottseligen und verständigen Frau beschrieben. Uns wird ein vollkommenes Muster einer Hausmutter vor Augen gestellt. Je mehr nun eine Frau zu dieser Beschreibung gelangen mag, desto mehr ist auch an ihr zu loben. Jedoch soll ein Ehemann seine Frau lieben, wenngleich auch der Lebenswandel in vielen Dingen nicht mit diesem Bild übereinstimmt. Denn in diesem Leben ist nichts vollkommen.

Tugendsam: Die fromm, verständig und im Haushalt erfahren ist.

Perlen: Darum soll man die Frauen nicht verachten, denn sie haben gute Gaben, die man rühmen muss.

11. Ihres Mannes Herz darf sich auf sie verlassen, und Nahrung wird ihm nicht mangeln.

Verlassen: Das ist: Ein Mann, der eine solche Frau bekommt, kann ruhig und zufrieden sein, denn er weiß, dass die Haushaltung recht durchgeführt wird und seine Güter nicht vertan, sondern durch eine solche Frau mit Fleiß und Treue gemehrt werden. Weil sich darum der Ehemann nicht mit der Haushaltung beladen darf, so kann er seinen Beruf viel besser ausüben.

12. Sie tut ihm Liebes und kein Leid sein Leben lang.

Liebes: Sie geht freundlich mit ihm um und trachtet mit Fleiß danach, ihn zu erfreuen und lange gesund zu erhalten.

13. Sie geht mit Wolle und Flachs um und arbeitet gerne mit ihren Händen.

Flachs um: Sie geht nicht mit Sachen um, die nicht zu ihrer Aufgaben gehören, wie viele Frauen es tun, die sich in den weltlichen Handel mengen wollen, sondern lässt sich mit dem begnügen, was ihre Aufgabe ist, dass sie nämlich mit Wolle und Flachs umgeht und ihre Arbeit nicht aus Zwang oder mit Unwillen verrichtet, sondern gern und mit besonderer Freude.

14. Sie ist wie ein Kaufmannsschiff, das seine Nahrung von ferne bringt.

Schiff: Genau wie das Schiff aus fernen Ländern viel Ware bringt, wodurch die Güter des Kaufmanns zunehmen und er reichlich Nahrung haben kann, so vermehren fromme und fleißige Frauen mit ihrer Arbeit ihres Mannes Güter.

15. Sie steht des Nachts auf und gibt Futter ihrem Hause und Essen ihren Dirnen.

Nachts auf: Eine gutmütige und treue Hausmutter schläft oder faulenzt nicht, sondern steht morgens früh auf und sorgt für die Ihren, damit sie alle ihre Arbeit verrichten können. Hier werden die Frauen getroffen, welche zwar sehen, dass alle im Hause viel schaffen, aber sie selbst wenig dazu tun.

16. Sie denkt nach einem Acker und kauft ihn und pflanzt einen Weinberg von den Früchten ihrer Hände.

Kauft ihn: Sie begehrt, die Wirtschaft mit solchem Fleiß und unverdrossener Mühe zu verbessern, dass sie von ihrem erworbenen Geld bald einen Acker, dann einen Weinberg kauft.

17. Sie gürtet ihre Lenden fest und stärkt ihre Arme.

Gürtet: Greift die Arbeit an und bringt sie auch glücklich zum Ende.

18. Sie merkt, wie ihr Handel Frommen bringt; ihre Leuchte verlöscht des Nachts nicht.

Frommen bringt: Sie hat Acht darauf, was ihrem Handel zuträglich ist und was zur Haushaltung dient, und ist mit großem Fleiß darauf bedacht, dass aus Fahrlässigkeit kein Schaden geschieht.

Luther: Verhütet Schaden und sieht was kommt.

19. Sie streckt ihre Hand nach dem Rocken, und ihre Finger fassen die Spindel.

Spindel: Sie freut sich, wenn sie spinnen und nähen soll. Denn solches steht den Frauen viel besser an, als dass sie Sachen zu handeln, die den Männern zu stehen.

20. Sie breitet ihre Hände aus zu dem Armen und reicht ihre Hand dem Dürftigen.

Dürftigen: Das ist: Sie ist nicht so genau auf die Haushaltung abgerichtet, dass sie daneben die Armen außer acht lassen wollte, oder dass sie hart und geizig gegen Mägde um Knechte wäre, sondern sie gibt reichlich Almosen und kommt den Armen zur Hilfe. Denn solches bringt den Segen Gottes, wie zuvor in Kapitel 28 gezeigt worden ist.

21. Sie fürchtet ihres Hauses nicht vor dem Schnee, denn ihr ganzes Haus hat zwiefache Kleider.

Zwiefache Kleider: Das ist: Sie kleidet Ihr Personal, das sie zu kleiden hat, bei rechter Zeit und ausreichend, ehe der Winter kommt, und lässt nicht zu, dass durch ihre Fahrlässigkeit jemand durch die Kälte an seiner Gesundheit Schaden hat.

22. Sie macht ihr selbst Decken; weiße Seide und Purpur ist ihr Kleid.

Decken: Die man über die Betten breitet.

Ihr Kleid: Das ist: Sie macht nicht nur, was die Not erfordert, sondern auch solche Sachen, die zum Schmuck und zur Zierde des Hauses dienen. Und sie lässt hübsche und feine Kleider machen, mit denen sie zu seiner Zeit geschmückt hereintritt. Denn eine saubere und hübsche Kleidung ist an einer frommen Frau nicht zu verwerfen, wenn nur der Überfluss unterbleibt und das Kleid dem Stand gemäß ist, in dem die Frau lebt.

23. Ihr Mann ist berühmt in den Toren, wenn er sitzt bei den Ältesten des Landes.

Toren: An Orten, wo man zusammenkommt und öffentliche Versammlungen abhält. Denn wie die Frau ihr Ansehen und Ehrenstand von dem Manne hat und so seiner Ehren teilhaftig wird, so wird des Mannes Ansehen gemehrt, wenn er ein frommes, vortreffliches und verständiges Weib hat, die seiner Haushaltung gut verwaltet und seine Güter mit Fleiß und unverdrossener Mühe mehrt.

24. Sie macht einen Rock und verkauft ihn; einen Gürtel gibt sie dem Krämer.

Verkauft: Sie ist so fleißig und geschäftig, dass sie nicht allein für ihr Personal Kleider macht, sondern sie auch verkaufen kann, damit für solch ein Geld nachher ein Acker oder andere nötige Sachen gekauft werden können.

25. Ihr Schmuck ist, dass sie reinlich und fleißig ist; und wird hernach lachen.

Reinlich: Sie ist nicht faul, sondern in ihrem Amt fleißig und daneben sauber. Darum, je länger sie der Haushaltung vorsteht, desto besser stehen ihre Sachen, und im Alter wird sie schließlich mit Freude ihre Nahrung reichlich genießen können, die sie sich und den ihrigen mit ihrem Fleiß und unverdrossener Mühe erworben hat.

26. Sie tut ihren Mund auf mit Weisheit, und auf ihrer Zunge ist holdselige Lehre.

Mund: Luther: Sie zieht ihre Kinder und Personal fein zu Gottes Wort.

Lehre: Sie redet wohl und weise, nicht närrisch oder ungeschickt, und unterrichtet ihr Personal mit Freundlichkeit und Sanftmut, vermahnt auch zur Gottseligkeit, und hält sich zu ehrlicher Arbeit, sie ist nicht zänkisch oder mürrisch.

27. Sie schaut, wie es in ihrem Hause zugeht, und isst ihr Brot nicht mit Faulheit.

Schaut: Sie achtet fleißig darauf, was im Hause geschieht, ob auch jeder sein Amt gebührend ausrichtet, und wenn sie auch mit ihren Händen immer arbeitet, so ist sie doch nicht unmäßig und fett, vertut Ihres Mannes Güter nicht mit Faulheit, sondern verdient ihr Brot ebenso wie eine Dienstmagd. Denn bald greift sie die Arbeit selber an, bald treibt sie andere an, dass diese ihr Geschäft gut und richtig verrichten.

28. Ihre Söhne kommen auf und preisen sie selig; ihr Mann lobt sie.

Selig: Denn sie alle erkennen und preisen mit dankbaren Herzen ihrer Mutter Frömmigkeit, Unverdrossenheit und Treue. Weil sie ihre Kinder so aufzieht, dass sie aus dem Worte Gottes gelernt haben, wie sie ihre Eltern in Ehren halten sollen. Genauso verhält sich auch ihr Ehemann, der sie inniglich liebt und bei anderen rühmt, wie gut sie haushalten kann.

29. Viele Töchter bringen Reichtum; du aber übertriffst sie alle.

Sie alle: Es sind zwar viele Töchter im Hause lobenswert, weil sie mit ihrer fleißigen Arbeit die Haushaltung verrichten und verbessern, aber dennoch ist eine fromme und verständige Hausmutter mit vielen Töchtern vorzuziehen. Denn sie ist die Seele des ganzen Hauses und versieht fleißig alles, gibt auch den Kindern und Arbeitern Weisung, damit ein jedes sein Geschäft gut geht.

30. Lieblich und schön sein ist nichts; ein Weib, das den Herrn fürchtet, soll man loben.

Fürchtet: Nämlich die Furcht Gottes: Welche Frauen aber Gott wahrhaftig fürchten, die sind zu loben, auch wenn sie nicht sehr schön sind.

31. Sie wird gerühmt werden von den Früchten ihrer Hände; und ihre Werke werden sie loben in den Toren.

Früchten: Eine gottselige und ehrliche Frau wird ihre Arbeit genießen und deswegen auch gerühmt werden, weil sie ihrem Haus gut vorsteht. Es soll aber eine fromme Frau ihren guten Namen für den besten Schatz halten. Wie auch Paulus solchen Frauen und gottseligen Hausmüttern das ewige Leben verspricht {1Tim 2}.