Der Psalter


Dies Buch wird darum der Psalter genannt, weil in diesen vielen Psalmen sind, dass ist: Gesänge oder Lieder sind, in denen Gottes Majestät, Herrlichkeit, Allmacht, Gerechtigkeit, Weisheit, Güte und Barmherzigkeit gelobt und gepriesen wird. Denn im Psalter findet man nicht allein feine Formen und Weisen, wie man Gott loben, desgleichen wie man beten und unserem Herrn und Gott unsere Beschwerden, Not und Anliegen klagen möge, sondern es finden sich auch hierin herrliche Verheißungen von Christus und schöne lehrhafte Sprüche von den vornehmsten Hauptstücken unserer christlichen Religion oder Lehre: Wie auch Weissagungen von Trübsalen und Anfechtungen der christlichen Kirche und wiederum von der selbigen Erlösung: Also Ermahnungen zum rechten gottseligen Leben und zur Geduld im Kreuz. Daher denn der Psalter wohl möchte ein kurzer Begriff oder Auszug der Heiligen Schrift genannt werden.

Obwohl aber der Titel und Überschriften der Psalmen anzeigen, dass etliche nicht von dem königlichen Propheten David, sondern von anderen gemacht wurden, so ist doch das gewiss, dass der ganze Psalter aus Eingeben des Heiligen Geistes zusammengetragen und aufgeschrieben wurde. Dieweil Christus und die Apostel, wenn sie ihre Lehre mit Weissagungen des Heiligen Geistes wollen bestätigen, hin und wieder Zeugnisse aus dem Psalter genommen haben. Deswegen so hören wir nun in diesem Buch der Heiligen Schrift nicht einen Menschen, sondern Gott, der mit uns redet.


Der 1. Psalm


1. Dieser Psalm ist gleichsam eine Vorrede über den ganzen Psalter. Es ermahne uns aber der Heilige Geist in diesem Psalm, dass wir dem gottlosen Wesen in dieser Welt fliehen und Gottes Wort fleißig in Achthaben sollen. Denn also werden die Frommen Glück und Heil haben, die Gottlosen aber zugrunde gehen. Und wird uns dieser Psalm dazu dienlich sein, dass wir dadurch aufgemuntert werden, Gottes Wort mit Fleiß zu hören und unser Leben gottselig danach anzurichten.

1. Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, da die Spötter sitzen,

Wohl dem: Der wird ein überaus glückseliger Mensch sein.

Gottlosen: Der sich gottloser Leute Anschläge nicht teilhaftig macht und in ihr böses Vorhaben nicht einwilligt. (Denn wer mit bösem Ratschlag Gemeinschaft hat, der wird auch der Strafe teilhaftig.)

Der Sünder: Also dass er nicht in Sünden wider das Gewissen beharrt, ob er wohl etwa aus menschlicher Schwachheit vom rechten Weg abgewichen und einen Misstritt oder zwei getan hat. (Denn dass einer sich irrt und fällt, ist menschlich. Aber in Irrtum und Sünden beharren, ist des Teufels Arbeit.)

Spötter sitzen: Der sich nicht unter solcher Leute Zahl mengt, die Gott und sein Wort ungescheut verlachen und verspotten. (Ob sich aber wohl in allen Ständen solche Spötter finden, so sind doch diejenigen die giftigsten und allerschädlichsten, welche entweder im weltlichen Regiment Gewalt und Oberhand haben und auf die wahre Religion mit allerhand spöttischen Worten und Reden giftig stechen, da sie doch in ihrem Herzen sich keiner Religion achten: Oder aber die bei der Kirche ihrer Lehre halben im Ansehen sind und doch die heilsame reine Lehre wider ihr eigenes Gewissen lästern. Daher auch hier von ihnen gesagt wird, dass sie auf dem Stuhl sitzen, anzuzeigen, dass sie eine öffentliche Gewalt haben, wie die Richter und Lehrer.) * (Nach Luther) Die es für eitle Narrheit halten, was Gott redet und tut.

2. sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht {Jos 1v8}.

Hat Lust: Denn weil ein frommer Mensch oben erzählter Sachen müßig stehen und sich davor hüten soll, so wird jetzt gesagt, womit er denn umgehen soll.

Gesetze: Nämlich zu Gottes Wort. Denn Gesetz heißt hier die allgemeine, die rechte göttliche Lehre: Dazu soll er Lust haben und es für seinen höchsten und himmlischen Schatz halten, sich darin fleißig üben, mit Hören, Lernen und Nachdenken, das er dadurch seinen Glauben und Hoffnung stärken, auch nach Anweisung desselben sein Leben anrichten und anschicken möge. (Denn eines ist nötig {Lk 11} nämlich Gottes Wort hören und lernen. Weil das Evangelium eine Kraft Gottes ist, selig zu machen alle, die daran glauben {Röm 1}. Und alle Schrift von Gott eingegeben, ist nütze nicht allein für die Leute in göttlichen Geheimnissen zu unterweisen, sondern auch ein gottseliges Leben anzustellen.)

3. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verwelken nicht und was er macht, das gerät wohl {Jer 17v8}.

Der: Folgt von der Belohnung einer solchen Frömmigkeit

Frucht bringt: Das ist: (Ein solcher frommer Mensch wird sein wie ein fruchtbarer Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, da man nicht sorgen darf, dass er vielleicht etwa durch die Hitze der Anfechtungen überwunden, verdorre und als dürres Holz ins Feuer geworfen und verbrannt werde, sondern wird durch den Heiligen Geist aus dem Strom des lebendigen Wassers, davon Joh. 7. steht, befeuchtet werden, dass er auf alle zutragende Gelegenheit, zu seiner Zeit, rechtschaffene Früchte guter Werke mit Haufen hervorbringe, zum Lobe Gottes und des Nächsten Nutzen und also in wahrem Glauben bis ans Ende erhalten werde, dass, wenn er gleich etwa in Sünde gerät, er dennoch endlich aus dem Gnadenbund Gottes nicht entfalle.)

Gerät wohl: (Gott wird eines solchen frommen Menschen Vorhaben und Arbeit segnen, dass es einen glücklichen Fortgang gewinne, was er anfängt, es sei gleich sein Beruf und Verrichtung, dass er der Kirche mit Lehren vorstehe oder dem gemeinen Nutzen dienen oder eine Haushaltung verwalte, so wird er dabei Gottes milden Segen und Hilfe spüren.)

4. Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Aber: Bisher haben wir gehört, was die Frommen zugemessen wird. Jetzt folgt, was die Gottlosen für Strafen zu erwarten haben.

Verstreut: (Denn obwohl die Gottlosen und besonders die Heuchler scheinen etwas zu sein in der Welt und daher prangen, als gewaltige, heilige, hochverständige und in dieser weltselige Leute: Jedoch, sobald Gott mit dem Odem seines Zorns und gerechten Eifers sie anbläst oder anweht, so verschwinden sie, dass man kein Stäublein mehr von ihnen findet, wie der 37. und 73. Psalm bezeugen.)

5. Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gerichte, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Darum: Dieweil sie nicht gute Früchte, sondern leeres Spreu sind.

Gerichte: Nämlich vor dem Jüngsten Gericht werden sie nicht bestehen, sondern verloren und verdammt werden, weil sie nicht glauben an den eingeborenen Sohn Gottes {Joh 3}. Und werden stehen wie Butter an der Sonne. * (Nach Luther) Das ist: Sie werden weder Amt haben noch sonst in der Christengemeinde bleiben, ja, sie verweben sich selbst, wie die Spreu vom Korn.

Sünder: Welche in ihrer Unbußfertigkeit beharren.

Gerechten: Die nämlich durch den Glauben an den Messias gerechtfertigt sind und ihren Glauben mit guten Werken bezeugt haben. (Und werden die Gottlosen von den Auserwählten abgesondert werden, wie die Böcke von den Schafen, in die ewige Pein gehen {Mt 25}. Es werden aber auch oft in diesem Leben die Gottlosen also vor Gottes Gericht in ihrem eigenen Gewissen vorgestellt, dass sie sich selber nicht mehr trösten können, noch von anderen sich wollen trösten lassen, sondern fallen in Verzweiflung: Ja, es verschafft Gott manchmal, dass sie auch vor das weltliche Gericht gezogen und verurteilt und also solche Heuchler und lasterhafte Personen, da sie offenbar, aus der Gemeinde Gottes verstoßen werden.)

6. Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht.

Kennt: Es sind ihm der frommen Leute Anschläge, Vorhaben, Händel, ja all ihr Tun und Lassen bekannt und angenehm, der solche auch regiert, befördert und belohnt, in diesem und dem zukünftigen Leben {1Tim 4}.

Vergeht: (Denn weil der Gottlosen Anschläge und lasterhaftes Leben unserem Herrn und Gott auch unverborgen sind, so wird er solche unnützen Leute mit ihren bösen Praktiken zugrunde richten und ihren Bubenstücken ein Ende machen. Da nun dem also ist, so sollen wir von der Frömmigkeit nimmermehr aussetzen noch zum Bösen uns kehren: sondern das Ende betrachten und in der Furcht Gottes beharren. Also werden wir die unverwelkliche Krone der Ehren empfangen. {1Petr 5}


Der 2. Psalm


1. In diesem Psalm weissagt David von dem Leiden Christi und seinem Reich, was es, damit für eine Gestalt haben werde. Da nämlich die Welt alle ihre Rat- und Anschläge zu derselben Unterdrückung richten und alle ihre Kräfte daran strecken werde, aber doch vergeblich. Denn es werde Gott der Vater seinem eingeborenen Sohn sein Reich erhalten, die Tyrannen aber, da sie nicht ablassen und Buße tun, sollen zugrunde gehen. Wiederum verheißt der Prophet ewiges Heil und Seligkeit allen denen, die an Christus glauben. Dieser Psalm wird auf Christus angezogen und gedeutet, Apostelgeschichte 4. Hebr. 1. und 5. und dient uns dazu, dass wir aus dem selbigen Trost fassen, wenn die Welt wider das Evangelium Christi wütet und tobt.

1. Warum toben die Heiden und die Leute reden so vergeblich?

Toben: Warum wüten die Gottlosen also wider den Messias? Denn es erkannte David aus Erleuchtung des Heiligen Geistes, wie ungestüm und unsinnig die Welt Christus mit seinem Evangelium doch ohne alle rechtmäßige Ursache verfolgen würde.

Vergeblich: Woher kommt doch das eitle vergebliche Dichten und Trachten der Leute, dass sie den Namen Christi begehren auszutilgen, da er doch so wohl um das menschliche Geschlecht sich verdient hat?

2. Die Könige im Lande lehnen sich auf und die Herren ratschlagen miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten:

Gesalbten: Nämlich wider Christus, den der Vater mit dem Heiligen Geist gesalbt hat {Ps 45 Jes 61}. Dass er des menschlichen Geschlechts Hohepriester, König und vornehmster Prophet sein soll. (Diese Weissagung ist erfüllt worden, da Pontius Pilatus, die Hohepriester und Obersten des Volkes, Christus zum Tode des Kreuzes verurteilt und später seine Apostel um der Predigt des Evangeliums willen verfolgt haben {Apg 4}. Ist danach auch erfüllt, als die römischen Kaiser und andere heidnischen Regenten die Christen auf das Gräulichste verfolgt und gemartert haben. Es wird noch heutigentags erfüllt, wenn der Türke den Namen Christi sich untersteht zu vertilgen, dass Christus nicht für Gott gehalten werde. Das haben auch die alten Arianer getan und werden es, da Gott nicht abwehrt, die neuen Arianer auch tun. Eben zu diesem hilft auch der Papst zu Rom mit seinem Anhang erfüllen, welche die Lutherischen (wie man sie nennt) auszurotten und zu vertilgen sich unterstehen, darum dass sie der Menschen ewiges Heil und Seligkeit nicht ihren Werken oder eigenem Verdienst, sondern einzig und allein Christus zuschreiben. So wird auch diese Prophezeiung erfüllt werden vor dem Jüngsten Tage, wenn Gog und Magog die Christen mit aller Macht überfallen und sie auszurotten sich unterstehen werden.)

3. lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile {Jer 2v20}!

Lasst: Folgt die Ursache, welche die Feinde Christi vorwenden, darum sie also wüten und toben.

Ihre Seile: Die neuen Prediger (sprechen sie) des Evangeliums von Christus, wollen uns mit ihrer Lehre, als mit Fesseln und Stricken binden und fange. Als ob wir nicht sollten unsere uralte Lehre behalten und den Gottesdienst unseres Gefallens bestellen dürfen, sondern beweisen und verbinden uns schnell zu ihrem Evangelium, Ja sie wollen uns auch lehren, was wir tun sollen und uns Ordnung geben, welches beides uns in keinem Wege zu leiden ist, darum wollen wir sie ganz aufreiben. (Aber das müssen je unsinnige Leute sein, die da meinen, man begehre sie zu fangen und zu binden, wenn die Diener des heiligen Evangelium ihnen am allermeisten angelegen sein lassen, wie sie solche elenden Leute von den Banden des abgöttischen Aberglaubens, der Sünden und ewigen Verdammnis erledigen und entbinden mögen.)

4. Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer und der Herr spottet ihrer {Spr 1v26}.

Aber: Bisher haben wir das Wüten und toben der Könige, Fürsten und Völker wider das Evangelium Christi vernommen, folgt jetzt, was Gott dabei tut.

Spottet ihr: Denn er weiß, dass sie sich das Evangelium Christi zu vertilgen vergeblich unterfangen. (Mit diesen Worten sollen wir uns trösten, wenn eine große Gefahr vorhanden, dass man besorgt, es werde mit der christlichen reinen Religion ganz aus und geschehen sein. Daneben aber, wenn Gott seiner Kirche Frieden beschert, sollen wir solchen Trost zu fleischlicher Sicherheit nicht missbrauchen.)

5. Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn und mit seinem Grimm wird er sie schrecken.

Zorn: Es wird einmal die Zeit kommen, da Gott mit der Tat erklären wird, wie er der Feinde des Evangeliums spotte, wenn sie nämlich seinen Zorn empfinden werden. Gleich, als wenn ein großer Herr einen mit unfreundlichem Gesicht, trotzigen Auge und harten Worten so anfährt, dass er vor Furcht nicht weiß, wo er ist, wo aus oder ein.

Erschrecken: Das sie vor Furcht ihres Rats nicht wissen, die Flucht geben, oder doch die Verfolgung einstellen müssen. (Denn zu seiner Zeit, wenn unser Herr und Gott seiner Kirche Glauben und Beständigkeit genügend probiert hat, nimmt er den Verfolgern Herz und Mut, dass die, für welche zuvor jedermann sich fürchten müsse, selbst zittern und zagen. Wie man denn dergleichen Beispiel auch bei unseren Zeiten gesehen hat.)

6. Aber ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion.

Aber: Jetzt wird die Ursache hinzugesetzt, warum die Feinde das Reich Christi zu dämpfen vergeblich sich bemühen, nämlich dieweil Gottes des Vaters Rat vom ewigen Reich Christi niemals zurückgehen kann.

Ich habe: Spricht nämlich Gott der himmlische Vater von seinem eingeborenen Sohn Christus.

Eingesetzt: Ich hab meinem eingeborenen Sohn das Regiment über die Kirche Gottes befohlen, welche durch den Tempel zu Jerusalem (so auf dem Berge Zion gebaut war) vorgebildet wurde: Und will, dass von Jerusalem (welche Stadt von wegen des allerherrlichsten Tempels, auf den Berg Zion erbaut, hoch berühmt werden soll) durch die Apostel, die Predigt des Evangeliums, in die ganze weite Welt ausgebreitet werde. Diesen meinen einmal beschlossenen Rat wird mir niemand umstoßen: Dabei soll es bleiben und wenn die Könige Fürsten und Herren unsinnig darüber würden. So lange nun Christus von dem Stuhl seiner Majestät und Herrlichkeit nicht mag verstoßen werden, so lange wird die Kirche Gottes nicht untergehen, ob sie gleich manchen harten Anstoß leiden muss.)

7. Ich will von einer solchen Weise predigen, dass der Herr zu mir gesagt hat: Du bist mein Sohn, heute hab ich dich gezeugt {Hebr 1v5 5v5}.

Ich: Jetzt bestätigt der Sohn Gottes und Messias, zu Trotz seinen Feinden, dasjenige, so der himmlisches Vater gesagt.

Weise: Nämlich, meines Vaters Rat, von meinem ewigen Reich. * (Nach Luther) Von einer neuen Weise, das ist, die neue Lehre des Evangeliums, von Christus Gottes Sohn.

Herr: Mein himmlischer Vater.

Sohn: Nämlich, mein geliebter Sohn, an dem ich ein Wohlgefallen habe {Mt 3 17}.

Heute: Das ist: Von Ewigkeit her. (Denn bei Gott ist keine Zeit, sondern die Ewigkeit selbst ist vor ihm ein stetiges Heute. Daher wir auch die ewige Gottheit des Sohnes Gottes beweisen können.)

8. Heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben und der Welt Ende zum Eigentum.

Heische: So viel deine angenommene Menschheit betrifft, fordere von mir was du willst, ich will dir nichts abschlagen.

Welt Ende: Denn ich will dir untergeben alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles was mag genannt werden und was da ist, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Ich will es alles unter deine Füße tun und unter deine Gewalt geben {Eph 1}. Und dich zum Haupt der Kirche setzen, die du mit dem Heiligen Geist, durch die Predigt des Evangeliums, regieren wirst, dass sie dir gutwillig gehorsam sei.

9. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen; wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen {Apg 2v27 19v15}.

Sie: Welche nämlich das Evangelium nicht annehmen werden, gegen den selbigen soll mit meinem Willen ein ernstliches Einsehen haben. Und soll nicht den gnädigen Stab des Evangeliums, sondern einen eisern Zepter mit Ernst gegen sie benutzen.

Töpfe: Wie ein Geschirr aus Ton, das sich wohl zerbrechen, aber nicht wieder zusammenflicken lässt. (Denn Christus, der zur Rechten des Vaters sitzt, dämpft seiner Feinde Gewalt so, dass sie als unnütze Scherben im Kot, mit aller Welt Spott darnieder liegen. Wie man denn dergleichen zerbrochene Scherben, verstehe, die Tyrannen, so von Gott gestürzt wurden, zu jederzeit in den Historien findet.)

10. So lasst euch nun Weisen, ihr Könige und lasst euch züchtigen, ihr Richter auf Erde!

Weisen: Lieber werdet doch einmal eins klug, dass ihr euch nicht selbst ins Verderben bringt, besonders, die ihr im Stand der Obrigkeit seid, dass ihr Recht und Gerechtigkeit sollt handhaben, lasst euch raten und helfen, nehmt die treuherzige Lehre und Warnungen an, auf dass ihr euch selbst vor Schaden bewahrt und nicht zugrunde geht.

11. Dient dem Herrn mit Furcht und freut euch mit Zittern!

Dient: (Nach Luther) seid gehorsam und untertänig.

Furcht: Nämlich, mit wahrer Gottesfurcht und tretet mit Freuden hinzu zu dem Gnadenstuhl, doch mit gebührender höchster Ehrerbietung, als Untertanen gegen der Obrigkeit gebührt, die sie zwar lieb haben und ihr doch in Untertänigkeit alle Ehre erzeigen. (Denn rechtschaffene fromme Menschen sollen gegen ihren himmlischen Vater so gesinnt sein, dass sie sich aus Glauben herzlich erfreuen und doch mit großer Ehrerbietung, als mit Furcht und Zittern ihm dienen, Nicht zwar dass sie müssten an seiner Gnade und Güte zweifeln. Aber doch auch nicht, dass sie wollten alle Gottesfurcht hinten ansetzen, sich in Sünde und Laster stecken.)

12. Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege; denn sein Zorn wird bald anbrennen. Aber wohl allen, die auf ihn trauen!

Küsst: Als wollte er sprechen: Damals werdet ihr ihm recht dienen, wenn ihr zugleich auch werdet seinen eingeborenen Sohn in Ehren haben. Denn wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt auch den Vater nicht {Joh 5}. Darum so seht zu, dass ihr ihn aus wahrem Vertrauen mit Fleiß ehrt und daneben auch herzlich liebt: Sucht und behaltet seine Gunst.

Nach Luther: Oder also huldigt dem Sohn.

Nach Luther: Das ist: In eurer Weise und Wesen.

Wege: Plötzlich und unversehens, wenn ihr noch mit euren vergeblichen Anschlägen umgeht.

Anbrennen: Wider seine Feinde. (Darum schiebe niemand seine Besserung auf, damit ihn der Zorn des Sohnes Gottes nicht übereile und er an Leib und Seele verderbe. Und sollen die, so im Stande der Obrigkeit sind, Christus in der wahren Gottseligkeit dienen, damit sie nicht vom Stuhl ihrer Herrlichkeit gestürzt werden.)

Trauen: Die an ihn glauben, wenn sie sich zu ihm bekehrt haben. (Denn ein rechtschaffener Glaube ist das Vertrauen auf Christus, dass wir um seinetwillen Vergebung der Sünden erlangen. Wer dies Vertrauen und wahren Glauben an Christus hat, der wird nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben {Joh 3}.)


Der 3. Psalm


1. Es beklagt sich David in diesem Psalm, das seine Feinde so viele sind und bittet Gott um Hilfe, als auf den er sein Vertrauen gesetzt habe. Unter dem Gebet aber spürt er den Trost des Heiligen Geistes, darauf er auch seinen Feinden Trotz bietet: Nimmt doch endlich das Gebet wieder an die Hand und begehrt, dass ihm Gott aushelfen wolle. Wir können diesen Psalm benutzen wider die leiblichen und geistlichen Feinde, dass wir nicht allein dadurch Hilfe erlangen, sondern auch unseren Glauben mit Davids Beispiel stärken, der in solcher Widerwärtigkeit von Gott nicht verlassen worden ist.

1. Ein Psalm Davids, da er floh vor seinem Sohn Absalom.

Psalm Davids: Darin er Gott angerufen hat.

Absalom: Von dem er war ins Elend ausgetrieben worden, wie man davon lesen mag {2Sam 15}.

2. Ach, Herr, wie sind meiner Feinde so viele und setzen sich so viele wider mich!

So viele: Ist es nicht zum Erbarmen, dass ich von meinem eigenen Sohn muss verfolgt werden, als wenn ich zuvor nicht Feinde genug hätte? Zudem schlagen sich auch meine Untertanen, derer viele tausend meine Feinde worden sind, die mit bewaffneter Hand sich wider mich auflehnen. (Also haben auch wir Christen mancherlei mächtige Widersacher, die blutdürstig sind und nach unserem Gut und Blut, ja nach Leib und Seele trachten: Nicht allein der Türke und Papst, sondern auch der leidige Teufel selbst mit seinen verdammten Geistern.)

3. Viele sagen von meiner Seele: Sie hat keine Hilfe bei Gott. Sela.

Viel sagen: Die sich nämlich meines Unglücks freuen, wie unter anderen Simei auch ein solcher Geselle war {2Sam 16}.

Sela: Welches Wörtlein meines Erachtens etwas bestätigt, als wenn einer spreche, gewisslich freilich: Und will so viel sagen, sie meinen, dass unser Herr Gott sich meiner nicht mehr annehmen werde, mich zu schützen und zu beschirmen, weil er von wegen meines begangenen Ehebruchs und Totschlags mich ganz von seinem Angesicht verstoßen habe. Solche giftigen Stichreden gehen mir durch das Herz wie scharfer Pfeil und machen mich sehr kleinmütig. (Eben solche Gedanken gibt uns unser eigenes Fleisch ein, welches ohne das zu Unglauben sehr geneigt ist und tut es auch der Teufel durch seine feurigen Pfeile der Anfechtung: Besonders aber rückt er uns unsere Sünden vor und bildet uns ein, als ob wir uns keiner Gnade noch Hilfe mehr zu Gott versehen dürften.)

4. Aber du, Herr, bist der Schild für mich und der mich zu Ehren setzt und mein Haupt aufrichtet.

Schild: Das ist: Vermöge deines Wortes, darin du den Bußfertigen Gnade und Hilfe versprochen, nehme ich meine Zuflucht zu dir und setze mein Vertrauen auf dich, dass ich unter deinem Schutz und Schirm wider allen Anlauf meiner Feinde bestehen möge, als wäre ich mit einem dicken Schild verwahrt.

Ehren setzt: Dass du mich nicht lässt vor meinen Feinden zu Spott werden. (Denn wer auf Gott vertraut, der aller Gläubigen Schild ist, der wird niemals zuschanden werden.)

Aufrichtet: Also dass, da ich in großer Trübsal schier versunken war, du mich wunderbarerweise wieder herausziehst, erhebst und aufrichtest. (Denn ob wir wohl von uns selbst so viel Kraft nicht haben, dass wir aus leiblicher Trübsal oder auch innerlichen höllischen Anfechtungen uns herausreißen und ausschwimmen möchten, jedoch so stecken wir nie so tief darin, dass uns nicht Gott wiederum aufheben und trösten könne und auch wolle.)

5. Ich rufe an mit meiner Stimme den Herrn, so erhört er mich von seinem heiligen Berge. Sela.

Erhört: Das ist: Ich weiß, wenn ich zu dir, meinem lieben Gott, um Hilfe schreie, dass du mich erhörst. Denn du hast versprochen, du wollest in deiner Hütte, welche jetzt auf dem Berg Zion ist, wohnen und darin das Gebet deines Volkes erhören. (Dieweil aber jetzt die Fülle der Gottheit in Christus, als in ihrer Hütte oder Tempel, leibhaftig wohnt, wissen wir, dass was wir in seinem Namen bitten, solches gewisslich erhört werde {Joh 16}.)

6. Ich liege und schlafe und erwache; denn der Herr hält mich.

Erwache: Will so viel sagen: Ich verlasse mich so ganz auf deine Güte, dass ich auch mitten in aller Unruhe und Gefahr guten Mutes bin und schlafe auch ruhig, denn ich tröste mich deines Schutzes und Schirms. In der Summe, ich gehe nieder und schlafe und stehe auf und lasse es Tag und Nacht werden und befehle mich in deinen Schutz. (Denn wo man Gottes Verheißungen mit Glauben annimmt, so machen sie einem frommen Menschen ein ruhiges Herz, weil er sich auf Gott den getreuen Vater verlässt.)

Erhält mich: Ich weiß, dass Gott mit seiner rechten Hand. ob mir hält, dass mir meine Feinde nicht den Garaus machen können.

7. Ich fürchte mich nicht vor vielen Hunderttausenden, die sich umher wider mich legen.

Mich nicht: Denn auf dich, meinen Beschirmer, vertraue ich. (Solchen Trost spüren bisweilen fromme Leute mitten unter dem Beten und denken sie, sie sind schon aller Gefahr entgangen: Aber doch beten sie nichtsdestoweniger immer fort.)

8. Auf Herr und hilf mir, mein Gott; denn du schlägst alle meine Feinde auf den Backen und zerschmetterst der Gottlosen Zähne.

Auf: Dass du meine Feinde zurücktreibst.

Hilf mir: Errette mich aus diesem Unfall.

Mein Gott: Der du mich durch den Glauben an Kindes statt hast angenommen, wie ich dich auch hingegen als einen Vater geehrt habe. Denn ob ich wohl durch den begangenen Ehebruch und Totschlag dich hoch erzürnt habe, so hast mir doch, auf meine getane Buße, Verzeihung und Vergebung der Sünden durch den Propheten Nathan anzeigen lassen. (Denn Gott will nicht, dass wir um unserer Misshandlung willen, wenn wir darüber Buße getan haben, an seiner väterlichen Gnade zweifeln, ob wir uns wohl nichtsdestoweniger zum Kreuz schicken und bereiten sollen.)

Zähne: Als wollte er sagen: Darum verlasse ich mich mit starkem Vertrauen auf deine Hilfe, weil du bisher meine Feinde so tapfer aufs Maul geschmissen, dass ihnen nicht nur die Zähne wackeln, sondern sie auch ganz eingeschlagen und zerschmettert hast. Denn ob sie mich wohl als wilde rasende Tiere zerreißen wollen, so haben mir doch solche gottlose, ungerechte und übergebene Leute nicht schaden können. Warum wollten wir denn nicht auch gute Hoffnung haben, wenn uns Gott aus dem vorigen Unglück errettet hat, dass er uns auch künftig mit Hilfe erscheinen werde?)

9. Bei dem Herrn findet man Hilfe und deinen Segen über dein Volk. Sela.

Hilfe: Denn er erhält, die auf ihn trauen.

Segen: Das ist: Gott wendet den Fluch und die Strafe der Sünden in Segen und Heil und tut das nicht gegen einem oder zwei allein, sondern gegen alle, die seines Volkes sind.


Der 4. Psalm


1. Anfangs betet David, dass ihn Gott in seiner gerechten Sache wider seine Feinde, die im Ansehen waren, beschirmen wolle. Bald darauf schilt er seiner Widersacher Unweise, dass sie nur Lust haben zu lästern und dem zeitlichen Gut zu viel nachhängen, daneben aber das ewige aus der acht lassen und versäumen. Lehrt darauf, dass unser Heil und Wohlfahrt nicht darin stehe, wenn wir an zeitlichen Gütern allen Überfluss, sondern wenn wir ein ruhiges Gewissen haben. Und scheint dieser Psalm gemacht sein, da David um des Sauls Tyrannei willen noch im Elend herumzog. Wir sollen ihn benutzen, wenn wir in Gefahr stehen und sollen uns darin nach unserem Herrn Gott umsehen, auch mehr nach den himmlischen als nach den irdischen Gütern trachten. Es soll uns aber nicht wundernehmen, dass die Psalmen Davids, in denen er über seine Feinde und ausgestandene Verfolgung klagt, in der Kirche Gottes öffentlich gesungen wurden. Denn sein Leiden und Erlösung erinnern die christliche Kirche, dass sie das Kreuz mit Geduld tragen und Gottes gnädiger Hilfe erwarten soll. So ist auch David ein Vorbild Christi, des Sohnes Gottes gewesen, daher wir sehen, dass durch seine Trübsal das Leiden unseres Heilandes Christi abgebildet wurde.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen auf Saitenspielen.

Vorzusingen: (Nach Luther) Wie der Kantor oder Priester einen Vers oder Epistel vorsingt und der Chor hiernach singt ein Responsorium, Halleluja oder Amen.

Saitenspielen: Ich halte aber dafür, dass, wenn man die Psalmen gesungen, dabei allerlei musikalische Instrumente oder Saitenspiel sind gebraucht worden, nachdem ein Psalm fröhlich, traurig oder anders gelautet. Denn auch heutigentags etliche Gesänge sich besser schicken zu posaunen, andere auf Saitenspiel, andere auf anderen Pfeifen besser lauten. Ich mache mir auch keinen Zweifel, dass damals die Melodie und Weise mit höchstem und bestem Fleiß sei nach dem Text und Inhalt eines jeden Psalmen aufs artigste und zierlich gerichtet wurde. Wie das auch noch heutzutage in den orlandischen lieblichen Gesängen besonders in Acht genommen wird.

2. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!

Gerechtigkeit: Der du mich bisher bei meiner gerechten Sache geschützt und behütest hast, dass ich von meinen Widerwärtigen und Verfolgern nicht bin unterdrückt oder aufgerieben worden.

Angst: Wenn ich in großen Nöten stecke, dass mir nicht anders zumute ist, als wäre ich in einem engen Kerker verschlossen, daraus du mich wiederum errettest und auf freien Fuß stellst. Denn wie oft bin ich schon von Saul umringt gewesen, da er selbst und ich auch nicht anders gemeint, denn ich wäre schon in seinen Händen und könnte ihm nicht mehr entgehen, dennoch hast mich immer ins weite Feld wiederum hinausgebracht? (Denn es ist richtig, dass, wenn wir denken, wie uns Gott zuvor geholfen, wir auch in gegenwärtiger vor Augen schwebender Not ihm vertrauen.)

Gnädig: Nämlich auch jetzt und zu dieser Zeit. (Denn ob wir wohl gegen unsere Feinde eine gute Sache haben, jedoch, weil wir dennoch vor Gott Sünder sind, so müssen wir Gott bitten, dass er aus lauter Gnade und Barmherzigkeit uns zu Hilfe komme.)

Erhöre: (Denn das ist unsere einzige Zuflucht, dass wir in äußerster Not uns um Gottes Hilfe bewerben.)

3. Liebe Herren, wie lange soll meine Ehre geschändet werden? Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lügen so gerne! Sela.

Herren: Die ihr eures Herkommens und Ansehens halben hochgehalten seid. Denn es wendet sich der Prophet mit diesen Worten zu den Feinden und stellt sie ernstlich zu Rede von wegen ihres gottlosen Lebens, weil wenn das Gebet inbrünstig ist und von Herzen geht, so braucht man mancherlei Form.

Nach Luther: Das ist: Ihr großen Hansen und was etwas gelten will.

Ehre: Das ist: Mein Psalm oder Lehre, da ich Gott mit ehre.

Geschändet: Warum verkehrt und lästert ihr meine ritterlichen Heldentaten? Als wenn ich dadurch dem Saul nach der Krone greifen und das Königreich zu mir reißen wollte.

So gerne: Wie tut euch doch das Lügen so wohl, denn ihr es so ganz grob macht, dass es ein jeder Bauer merken muss, wie ihr nur mit Lästerungen und faulen Fischen umgeht. (Und tut es den Frommen ganz weh, wenn mächtige Leute über sie liegen oder doch den Verleumdungen so gern glauben und leicht Platz geben, die wider sie ausgestoßen werden.)

4. Erkennt doch, dass der Herr seine Heiligen wunderlich führt! Der Herr hört, wenn ich ihn anrufe.

Führt: Dass er mit den frommen Leuten wunderlich umgeht. (Denn er die Geringen und Niedrigen einstmals aus dem Staub aufrichtet, wie der 113. Psalm sagt: Bald gedemütigt und beschwert er sie wiederum mit mancherlei Kreuz und Trübsal, bis er sie endlich zu hohen Ehren bringt. Ebenmäßig geht auch Gott wunderlich mit uns um, bis er uns aus Adams Kindern, Kinder Gottes und Erben des Himmelreichs macht.)

Anrufe: Dass ich ihm mein Elend erkläre. Darum ob ich wohl jetzt und in meinem Elend von meinen Freunden verlassen, von meinen Feinden, die mächtig und stark sind, verfolgt und mit allerhand falschen Auflagen beschwert werde, will ich dennoch nicht verzagen.

5. Zürnt ihr, sündigt nicht! Redet mit eurem Herzen auf eurem Lager und harrt. Sela {Eph 4v26}.

Nach Luther: Bewegt euch etwas zu Unlust.

Und harrt: Will so viel sagen: Wenn es euch verdrießt, dass mir Gott durch meine Heldentaten (als da ich den Goliath erlegt habe und anderes mehr) solche große Ehre gegönnt hat und mich für viel andere hervorgezogen, so lasst euch doch Darum von dem Zorn nicht so ganz einnehmen und überwinden, dass ihr deswegen einen unschuldigen Menschen unterdrücken wolltet, sondern denkt der Sache bei euch selber besser nach, nicht zwar, wenn ihr sonst mit anderen Geschäften beladen seid, sondern zu Abend und bei Nacht, wenn ihr noch wacht und ruhig seid und hörte auf mir Unschuldigen mit Lästerworten oder gewalttätiger Hand weiter nachzustellen. (Diesen Spruch zieht auch der Apostel Paulus an {Eph 4} und lehrt uns damit, dass wir dem Zorn den Zaum nicht lassen sollen, auf dass wir Gott nicht erzürnen und dem Nächsten nicht unrechterweise Schaden zufügen. Denn der Zorn ist beinahe eine Wut, die zwar nicht lange währt.)

Nach Luther: Seid stille.

6. Opfert Gerechtigkeit und hofft auf den Herrn.

Gerechtigkeit: Als wollte er sprechen: Ihr wolltet zwar für gerechte und heilige Leute gehalten werden und unterlasst die gewöhnlichen Opfer nicht, da ihr doch samt dem Saul mich daneben verfolgt. Aber solche eure Opfer gefallen gewisslich dem Herrn nicht, denn sie werden von Leuten verrichtet, die voller giftiges Neides und Hass gegen dem Nächsten stecken und die ihr Vertrauen auf äußerliche Gewalt und zeitliches Glück und nicht auf Gott den Herrn setzen. Darum sollt ihr euch vielmehr bemühen, dass ihr der Gerechtigkeit beisteht, welches Gott viel angenehmer sein wird, als wenn ihr sonst tausend Opfer schlachtet.

Herrn: Unserem Gott und nicht auf Saul, da ihr meint, wenn euch der günstig und mit Gnaden gewogen sei, so sei es alles richtig und stehe eurer Sache wohl. (Denn unserem Herrn Gott gefallen die Zeremonien in der Kirche nicht, noch dass man die Heiligen Sakramente gebraucht, wenn ein unbußfertiges Herz dabei ist und kein wahrer Glaube an den Messias gespürt wird.)

7. Viele sagen: Wie soll uns dieser weisen, was gut ist? Aber, Herr, erhebe über uns das Licht deines Antlitzes!

Viel: Sowohl von den großen Hansen als vom gemeinen Volk.

Gut ist: Wer wollte es ihm sagen, was Recht oder Unrecht ist, dass er uns zu lehren begehrt? Hätten wir unterdes hier zeitliches Gut dafür. Es ist noch Zeit, dass wir uns nach dem himmlischen umsehen, wenn wir einmal sterben und hier ausziehen müssen, lasst uns unterdes sehen, dass wir hier gute Tage bekommen. (Diese rohlosen Gedanken sieht Gott in vieler Menschen Herzen, ob man es sich wohl nicht immer mit Worten vernehmen lässt.)

Licht deines Antlitz: (Nach Luther) Dein freundliches und gnädiges Ansehen.

Antlitz: Als wollte er sprechen: Die Leute zwar suchen der Menschen Gunst und zeitliches Gut. Ich aber halte das für mein größtes Glück, wenn wir deine väterliche Güte und Gnade spüren mögen. (Diesen teuren Schatz der Gnaden und Barmherzigkeit Gottes wird ein frommer Mensch nicht um aller Welt Reichtum hingeben oder vertauschen.)

8. Du erfreust mein Herz, ob jene gleich viel Wein und Korn haben.

Erfreust: Das ist: Ich lasse jene sich über ihre stattlichen Einkommen freuen und bin mit deiner Gnaden vergnügt, dabei ich ein fröhliches Herz habe. (Denn wenn wir gleich Mangel leiden, können wir dennoch fröhlich dabei sein, wenn wir nur einen gnädigen Gott haben.)

9. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.

Frieden: Ich bin guten Mutes und ob ich wohl mit mancher Gefahr bedrängt und umringt bin, so lege ich mich doch schlafen und tröste mich deines Schutzes und Schirms.

Wohne: Du allein machest es, dass ich mitten unter allem Unfall sicher bleiben kann, weil du mit deiner gewaltigen Hand mich beschirmst. (Denn wer Gott vertraut, der ist vor aller Gefahr oder doch auch mitten in der Gefahr sicher, dass es mit seinem Tun einen glücklichen Ausgang gewinnt.)


Der 5. Psalm


1. In diesem Psalm ruft David Gott an wider die Feinde der christlichen Kirche, welche die frommen und unschuldigen Leute mit Lügen oder mit unrechter Gewalt dämpfen wollen und bittet, dass Gott ihr Vorhaben steuere und sie umbringe. Wir sollen diesen Psalm sprechen wider die, welche die Lehre des heiligen Evangeliums mit Gewalt zu unterdrücken sich unterstehen, es tun gleich solches die Heuchler oder andere Tyrannen.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen für das Erbe.

Erbe: Das ist: Für das Volk Gottes, welches sein Erbteil ist, wie heutzutage alle Gläubigen sind.

2. Herr, höre meine Worte, merke auf meine Rede!

Mein Wort: Welches ich dir vorbringe, dass du mich und andere Frommen wider unrechte Leute schützen wollest. (Denn obwohl Gott nicht leibliche Ohren hat, als der ein Geist ist {Joh 4}. So hört er jedoch ganz scharf. Denn der das Ohr gemacht hat, sollte der nicht hören {Ps 94}?)

Rede: Lieber, erhöre mein Gebet, welches ich zu dir mit leiser Stimme und mehr mit dem Herzen als mit dem Munde tue.

3. Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will vor dir beten.

Schreien: (Denn bisweilen bringen wir unser Gebet mit heller Stimme, bisweilen mit tiefen Seufzen unserem Herrn und Gott vor, nachdem uns in großem Herzeleid zumute ist.)

Mein Gott: Zu dem ich, als zu meiner höchsten Obrigkeit, dazu einem allergütigsten, allerweisesten und allermächtigsten Monarchen, meine untertänige Zuflucht habe. (Denn wir haben ja keine gewissere und bessere Hilfe, als dass wir unser Elend vor Gott in seinem Schoß ausschütten.)

4. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören; frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken.

Frühe: Beizeiten. (Denn ob wir wohl unserem Herrn und Gott weder Zeit noch Maß zu helfen vorschreiben sollen. So dürfen wir dennoch bitten, dass er uns zu Hilfe komme, eher wir ganz darnieder liegen.)

Merken: Das ist: Ich bin allewege frühe und ängstlich auf der Bahn, dass ich dir mein Gebet als ein untertäniges Flehen überreiche und als wie einer auf einem hohen Turm, so sehe ich um mich und warte, woher du mir Hilfe zusenden wollest. Darum wirst du deine Kirche wider das Lästern und Toben der Gottlosen zu beschirmen wissen.

5. Denn du bist nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt; wer böse ist, bleibt nicht vor dir.

Vor dir: (Denn es pflegt Gott die Bösen nicht zu lange um sich zu leiden. Er ist auch nicht eine Ursache der Sünden.)

6. Die Ruhmredigen bestehen nicht vor deinen Augen; du bist feind allen Übeltätern.

Ruhmredigen: Die stolzen und aufgeblasenen Leute.

Übeltätern: Die in ihrer Unbußfertigkeit fortleben. (Darum wird es denen nicht ungestraft hingehen, die anderen Leides antun.)

7. Du bringst die Lügner um; der Herr hat Gräuel an den Blutgierigen und Falschen.

Lügner: Die entweder auf die reine Lehre oder auf unschuldige gutherzige Leute mit lügenhaften und giftigen Lästerworten stechen.

Um: Dass du sie aus dem Wege räumst und vertilgst.

Falschen: Welche die guten frommen Leute hintergehen, gegen denen sie sich freundlich stellen, aber daneben nach ihrem Verderben trachten. Darum Herr (will er sagen), weil du aller Ungerechtigkeit und Mutwillen feind bist, so hoffe ich gänzlich, du wirst unseren Feinden, die solche Gesellen sind, zuwider sein, wie solches deine Majestät und Herrlichkeit fordert. (Wir sollen uns auch von aller Grausamkeit und Falschheit enthalten.)

8. Ich aber will in dein Haus gehen auf deine große Güte und anbeten gegen deinem heiligen Tempel in deiner Furcht.

Haus gehen: Nämlich in den Tempel und dich darin anrufen. Denn ob ich wohl auch ein Sünder bin, so wohl als andere Menschen, so bin ich doch durch den Glauben wieder mit dir versöhnt und darf mit Glauben zu dir, meinem lieben Gott, hinzutreten und um Hilfe wider meine Feinde dich bitten.

Güte: Denn ich verlasse mich nicht auf mein Verdienst, sondern auf deine grundlose Barmherzigkeit, weil ich weiß, dass du dich der bußfertigen armen Sünder väterlich annimmst.

Tempel: Denn du hast unser Gebet zu erhören versprochen.

Furcht: Nämlich mit einer kindlichen Furcht und wahrer herzlicher Demut will ich dich anrufen. (Denn wir dürfen nicht vor Gott treten mit unserem Gebet, wenn wir uns verlassen auf eigene Werke oder Frömmigkeit, sondern aus Glauben auf den Verdienst Christi des Sohnes Gottes, um welches willen er sich unser erbarmt. Heutigentags aber kommen wir auch zum Tempel Gottes, wenn wir uns aus Glauben getrösten der Fürbitte Christi, in welchem alle Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt, {Kol 2}. Und das herzliche Vertrauen hindert die wahre Gottesfurcht nicht. Denn wir fürchten den als einen Vater, welchen wir auch als einen Vater lieb haben.)

9. Herr, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; richte deinen Weg vor mir her.

Leite: Das ist: Regiere mich mit deinem Heiligen Geist, dass ich gerecht und gottselig lebe, nach deinen Geboten, die eine Regel und Richtschnur der Gerechtigkeit sind.

Feinde willen: Die alle Zeit darauf lauern, ob sie etwas zu lästern und zu tadeln haben möchten.

Richte: Verleihe mir, dass ich auf dem Wege deiner Gebote richtig wandle. (Denn wir sollen uns hüten, dass wir unseren Feinden nicht Ursache geben, damit sie später um unserer Misshandlung willen den Namen Gottes und sein heiliges Evangelium lästern.)

10. Denn in ihrem Munde ist nichts Gewisses, ihr Inwendiges ist Herzeleid, ihr Rachen ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen heucheln sie.

Nichts Gewisses: Die Feinde der Kirche Gottes sind so verschlagene Leute, die anders reden und anders denken dürfen, darum bitte ich, dass du dich solchen verkehrten Leuten widersetzen und sie nach deinem gerechten Gericht ernstlich strafen wollest. (Solche Gesellen sind alle Ketzer, die durch ihre schlüpfrigen und zweifelhaften Reden ihre vergiftete Lehre verbergen und nicht redlich heraus sagen, was sie in ihrem Herzen glauben.)

Nach Luther: Das ist: Ihre Lehre macht eitel unruhige, unselige Gewissen, weil sie eitel Werke und nicht Gottes Gnade predigen.

Herzeleid: In ihrem Herzen gehen sie mit lauter gottlosen, bösen und schädlichen Gedanken um.

Grab: Aus ihrem Munde geht kein Wort, das zur Ehre Gottes und des Nächsten Wohlfahrt diente, sondern was gotteslästerlich, dem Nächsten nachteilig, ja das Gott, und frommen Herzen ein Gräuel ist, als ein faules stinkendes Aas, das speien sie heraus.

Heucheln sie: Dass sie jetzt dies, bald ein anderes reden, nachdem sie Leute antreffen. (Obwohl nun alle Menschen ihrer verdorbenen Natur nach, sofern sie noch nicht wiedergeboren, solche Leute sind, wie Paulus Römer 3. bezeugt, da er diesen Spruch von unser aller verdorbenen Natur anzieht, jedoch, so hüten sich die Frommen, welche aus Wasser und Heiligem Geist in der Taufe wiedergeboren sind, vor den Lügen, bitterem Neid, schandbarem Wesen, Heuchelei und dergleichen Lastern und reden die Wahrheit und solche Sachen, die anderen, so ihnen zuhören, zur Besserung dienen.)

11. Schuldige sie, Gott, dass sie fallen von ihrem Vornehmen! Stoße sie aus um ihrer großen Übertretung willen; denn sie sind dir widerspenstig.

Sie: Nämlich die Feinde, weil sie so ganz verbittert sind, so decke ihre Sünde nicht zu, sondern bringe sie ans Licht und strafe sie mit Ernst.

Fallen: Dass sie zu Spott und Schanden werden und ihnen ihre Anschläge nicht fortgehen.

Stoße: Vertreibe sie aus der Gemeinde Gottes, dass sie keinen Platz mehr darunter haben und mustere sie auch aus vom weltlichen Regiment, dass man ihrer in der Welt ohne werde und sie von der Zahl deiner Schäflein abgesondert, in die ewige höllische Pein gestürzt werden.

Widerspenstig: Also dass sie nicht aus Einfalt oder Unwissenheit sündigen und sich irren, sondern mutwillig, aus gefasstem Streitkopf, wider ihr Gewissen, widersetzen sie sich deinem Wort. (Ob wir wohl nun für die Feinde bitten sollen, die entweder unsere Person beleidigt oder aus Unwissenheit die Wahrheit verfolgen {Mt 5}. So sollen wir doch für die, welche die erkannte Wahrheit des Evangeliums mutwilligerweise lästern und derselben Bekenner noch dazu verfolgen, nicht bitten. Denn sie sündigen in dem Heiligen Geist und zum Tode {Mt 12 1Joh 5}. Ja wir dürfen auch wider die selbigen bitten. Und dergleichen Flüche bei frommen Christen gehen nicht aus fleischlicher Rachgierigkeit, sondern aus göttlichem Eifer, den der Heilige Geist in ihren Herzen anzündet. Welcher auch den Nachdruck hat, dass die Gottlosen über den Haufen gehen.)

12. Lass sich freuen alle, die auf dich trauen; ewig lass sie rühmen, denn du beschirmst sie; fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben!

Freuen: Wenn nämlich die gottlosen Verfolger also ausgerottet und zugrunde gegangen sind, so lass die Frommen hervor und aufkommen.

Trauen: Die ihre Hoffnung auf dich setzen.

Rühmen: Über deiner Güte und Allmacht, dass du sie also herausgerissen hast.

Beschirmst sie: Darum sie dir richtig zu danken haben.

13. Denn du, Herr, segnest die Gerechten; du krönst sie mit Gnade wie mit einem Schilde {Ps 103v4}.

Segnest: Das ist: Ich verstehe mich dessen, was ich zuvor gesagt, gänzlich zu dir, weil das dein Brauch ist, dass du leiblicher und geistlicherweise Gutes erzeigst denen, die durch den Glauben gerecht sind und ihren Glauben mit guten Werken beweisen.

Schilde: Das ist: Du bist mit deiner mehr denn väterlichen Güte und Fürsorge um uns her, dass wir von unseren arglistigen Feinden so sicher sein können, als wenn wir mit einem Schilde bedeckt wären. Also möchtest du dich, wie unser Vertrauen zu dir steht, auch künftig gegen uns erweisen, dass wir dich in alle Ewigkeit loben und preisen. (Mit diesem Psalm, wenn wir den selbigen mit inbrünstigem Gebet wider die Feinde des heiligen Evangeliums benutzen, werden wir mehr ausrichten, als wenn wir überall um uns schlagen würden.)


Der 6. Psalm


1. Als David heftig von seinen Feinden geplagt war, gerät er in die beschwerliche Anfechtung, dass er fürchtet, Gott sei um seiner Sünden willen also über ihn erzürnt, dass er ihn ganz zugrunde richten und verwerfen wolle. Demnach bittet er, dass Gott seiner gnädig verschonen und ihn nicht allein aus der Feinde Hände, sondern auch von innerlichen Schrecken des Gewissens erledigen wolle. Danach, als er sich wieder mit Trost des Heiligen Geists fasst, spottet er mit freudigem Herz seiner Feinde und bietet ihnen Trotz, in gewisser Zuversicht, dass sein Gebet erhört und er von ihnen erlöst werde. Diesen Psalm sollen wir benutzen, wenn wir uns in beschwerlichen Anliegen, wie es auch Name haben mag, fürchten, wir sind ganz und gar von unserem Herrn und Gott verstoßen.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen auf acht Saiten.

Acht Saiten: Das ist: Auf ein musikalisches Instrument, welches acht Saiten hatte.

2. Ach, Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm {Ps 38v2}!

Grimm: Denn ich bitte nicht, dass du mich ganz und gar ungestraft hingehen lässt, sondern das ist allein mein demütiges Begehren, dass du mich nicht mit einem zornigen und grimmigen Gemüt strafen, sondern väterlich züchtigen wollest. (Denn wir bedürfen der Züchtigung Gottes, aber darum sollen wir bitten, dass die selbige nicht schwerer sei, denn wir ertragen können {1Kor 10}.)

3. Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken,

Gnädig: Vergib mir meine Sünde, mildere mein Unglück und richte mich auf, der ich durch deinen Zorn niedergeschlagen bin.

Schwach: Meine Kräfte des Leibes und Gemüts sind dahin.

Heile mich: Erquicke mich wieder, denn weil ich aus Furcht bei der vorstehenden Gefahr und Angst meines Herzen mir einbilde, du seist über mich erzürnt, so ist keine Kraft mehr in allen meinen Gliedern, ich bin von Traurigkeit ganz erschlagen.

4. und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach, du Herr, wie lange {Ps 13v2 v3}!

Wie lange: Ach mein Gott, wie lange willst du mich in so mancher Gefahr und Anfechtung umtreiben? Wann wird des Unglücks einmal ein Ende werden? (So geht es zu, dass, wie gute Tage schnell vergehen. Also denken wir in Trübsal und Anfechtung ein Tag ein Jahr lang sei.)

5. Wende dich, Herr und errette meine Seele; hilf mir um deiner Güte willen!

Wende: Kehre dich von deinem vorigen Vorhaben, damit du mich bisher geplagt hast.

Errette: Reiße mich heraus aus dem Unglück und Angst meines Herzens.

Güte willen: (Denn wenn Gott mit uns handeln wollte nach unserem Verdienst, so würde unser Übel noch viel größerer Strafen wert, als wir jetzt leiden: Weil aber Gott gnädig und barmherzig ist, so sollen wir von seinem strengen Gericht zu seiner Barmherzigkeit appellieren.)

6. Denn im Tode gedenkt man dein nicht; wer will dir in der Hölle danken?

Dein nicht: Das ist: Die zugrunde gehen, werden dich in deiner Kirche und Gemeinde, die noch hier auf Erde streitet, nicht loben und preisen können.

Hölle: d. i. Auch keiner, der zur Hölle verstoßen ist, wird dich loben. Darum hilf mir und tröste mein Herz, dass ich deine Güte vor deiner Gemeinde preisen und einmal eins dich dort ewig loben möge.

7. Ich bin so müde vom Seufzen, ich schwemme mein Bett die ganze Nacht und netze mit meinen Tränen mein Lager.

So müde: Ich erleide große Mühe und Elend, wenn ich also stetig seufzen muss, ich mühe mich schier zu Tode, darum hilf mir, du mein Gott.

Schwemme: (Nach Luther) Ich bin im Schweiß gelegen.

Ganze Nacht: Andere Leute haben die Gnade, dass sie zu Nacht von aller Mühe und Arbeit Ruhe haben und durch den Schlaf erquickt werden: Ich armseliger Mensch aber kann das Glück nicht haben, dass ich vor Weinen schlafen könnte. (Aus dieser Klage des Propheten sollen diejenigen Trost schöpfen, welche stetig mit Traurigkeit, Heulen und Weinen zu schaffen haben. Denn der den David getröstet hat, wird auch sie erquicken und trösten.)

8. Meine Gestalt ist verfallen vor Trauern und ist alt worden; denn ich überall geängstigt werde.

Verfallen: Mein Gesicht hat von dem vielfältigen Weinen abgenommen und hab mir schier die Augen ausgeweint.

Alt worden: Ich bin für Schwermütigkeit und Herzeleid grau und ungestaltet und vor der Zeit alt worden, da hingegen meine Feinde gleichsam sich verjüngen. (Denn die Trübsal und innerliche Anfechtungen saugen alle Kräfte an Leib und Gemüt aus, aber Gott kann uns wiederum neue Kräfte geben {Ps 103}.)

9. weicht von mir, alle Übeltäter; denn der Herr hörte mein Weinen {Mt 7v23 25v41 Lk 13v27},

Weicht: Trollt euch schnell hinweg. Denn nach dem der Prophet seine Herzensangst vor Gott ausgeschüttet und aber von ihm wiederum in seinem Herzen einen neuen Trost empfangen hatte, so fasst er wiederum einen Mut, dass er alle seine Feinde noch dazu trotzen darf.

Übeltäter: Ihr Gottlosen und lasterhaften Leute, die ihr mich habt begehrt unrechterweise unterzudrücken und nichts könnt, denn nur frommen Leuten Schaden zufügen.

Hörte: (Denn Gott lässt seiner Leute Seufzen und Weinen nicht leer aufhören, ob er schon eine Zeit lang dergleichen tut, als achte er es nicht.)

10. der Herr hört mein Flehen, mein Gebet nimmt der Herr an.

Nimmt: Das ist: Ich bin gewiss, dass Gott mein Seufzen und Beten erhört habe, und werde mir also bald Hilfe tun.

11. Es müssen alle meine Feinde zuschanden werden und sehr erschrecken, sich zurückkehren und zuschanden werden plötzlich.

Sehr erschrecken: Dass sie ihres Rats nicht wissen.

Plötzlich: Ehe sie sich es versehen und in einem Augenblick. (Also tröstet unser Herr und Gott oft unser Herz mit seinem Heiligen Geist, mitten in unserem Seufzen und Weinen und macht uns gute Hoffnung, dass wir uns wiederum erholen und meinen, wir haben schon alles Unglück überstanden, gleich als wenn nach einem schrecklichen Wetter es wieder schön wird. Das wissen die, welche manchen geistlichen Kampf haben ausgestanden, sollen wir darum in höchsten Ängsten auf Trost hoffen.)


Der 7. Psalm


1. David betet, dass ihn Gott wider seine unverträglichen Feinde und derselben giftigen Verleumdungen erhalte, seine Unschuld retten und die Verleumder strafen wolle. Er hängt aber eine treffliche Ermahnung hinten an, von dem Urteil Gottes, der zwar nach seiner Langmütigkeit ein Zeit lang auf Buße warte, aber später, was er lange übersehen, mit desto schwerer und ernstlicher Strafe hereinbringe. Weil nun David diesen Brauch Gottes weiß, stärkt er damit seinen Glauben in gegenwärtiger Trübsal und verlässt sich darauf, dass er gewiss erledigt und seine Feinde umkommen werden. Dieser Psalm wird uns dienstlich sein können, sooft wir von unseren Widersachern verkleinert und gelästert werden, besonders aber, wenn uns die Feinde des Evangeliums zumessen, dass wir an aller Unruhe und Unglück bei der Kirche und Polizei schuldig sind. Es erinnert uns aber auch dieser Psalm, dass wir Gottes Langmütigkeit zur Sünde nicht missbrauchen sollen.

1. Die Unschuld Davids, davon er sang dem Herrn von wegen der Worte des Mohren, des Jemeniten.

Unschuld: Die er dem Herrn in diesen Psalmen erklärt und klagt.

Sang: Und ihn um Hilfe anrief.

Worte: Der giftigen Lügen und Verlästerungen.

Jemeniten: Der vom Geschlecht Jemini, aus dem Stamm Ben Jamin gebürtig war, aus welchem auch Saul seine Herkunft hatte. Ich halt es aber dafür, dass dieser Mohr sei ein Schmeichler gewesen, an des Königs Sauls Hofe, der den König mit seinen falschen Aussagen noch mehr wieder David verhetzt habe, dem er vorhin feind war.

2. Auf dich, Herr, traue ich, mein Gott! Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich,

Mein Gott: Der du mich an Kindes statt angenommen hast und ich dich auch mit gottseligem Wandel, als einen Vater ehre. Zu dir steht all meine Hoffnung, wenn du mir nicht zu Hilfe kommst, so ist es um mich geschehen: Ich verlasse mich aber auf deine Güte, die ich, sooft erfahren habe.

Errette mich: So wohl von denen, die mir meine guten Leumund oder Namen begehren abzuschneiden, als auch von denen, die solche Verleumdung glauben und mich darüber auf das äußerste verfolgen.

3. dass sie nicht wie Löwen meine Seele erhaschen und zerreißen, weil kein Erretter da ist.

Löwen: Als mein Feind, der Saul, einer ist. (Denn so es Gott verhängt, gehen die Tyrannen mit frommen Leuten ebenso jämmerlich um, als die reißenden wilden Tiere mit den armen Schäflein.)

4. Herr, mein Gott, hab ich solches getan und ist Unrecht in meinen Händen;

Solches getan: Dessen mich die Ohrenbläser anzeigen, dass ich nämlich meinem Herrn und König Saul nach der Krone greife.

Unrecht: Dass ich mit bösen Stücken umgehe.

5. hab ich Böses vergolten denen, so friedlich mit mir lebten, oder die, so mir ohne Ursache feind waren, beschädigt,

Beschädigt: Habe ich einem Menschen Gutes mit Bösem vergolten, ja auch, wenn ich denen Unrecht getan habe, die ohne alle erhebliche Ursache meine Feinde worden sind, so begehre ich, dass du mich mit ernster Strafe heimsuchst, wie später folgt. Nun ist kein Zweifel, die Fuchsschwänzer bei Hofe, haben David solches zugelegt und gesagt: Saul habe dem David große Gnade erwiesen, denn er ihn an seinen Hof genommen, ihm seine schönste Tochter vermählt, später zu einem Hauptmann über etliche Fähnlein Knechte bestellt: Für diese erzeigte Gnade tue David das dagegen, dass er dem König Saul aufrührerischer und hinterlistigerweise nach dem Leben und Königreich trachte.

6. so verfolge mein Feind meine Seele und ergreife sie und trete mein Leben zu Boden und lege meine Ehre in den Staub. Sela.

Feind: Saul, mit seinen Anhängern.

Staub: Als wollte er sprechen: So will ich freilich nicht dagegen sein, dass mein Feind, der Saul, mich fange und erwürge, und hänge mir auch einen solchen Schandflecken an, der bei allen meinen Nachkommen nicht abgehe und will mich aller Hoffnung zur königlichen Würde (die mir Gott verheißen hat) gänzlich verziehen haben. (Denn warum soll ein Mensch, der sich unschuldig weiß, solches nicht auf das höchste nehmen und beteuern dürfen, zum Zeugnis seiner Unschuld? Doch sollen wir mit Gott nicht scherzen, wenn wir uns selber Böses bewusst sind, dass uns nicht eben das auf den Kopf komme, was wir uns gewünscht haben.)

7. Stehe auf, Herr, in deinem Zorn, erhebe dich über den Grimm meiner Feinde und hilf mir wieder in das Amt, das du mir befohlen hast,

Zorn: Lieber, lass dich dies unrechte Anliegen einmal eins bewegen, dass du über meine Feinde erzürnst.

Erhebe: Mache dich auf zur Rache und dämpfe meiner Feinde übermütiges und blutdürstiges Herz.

Befohlen: Denn es denkt mich, du schläfst, wenn es so unrecht zugeht. Lieber, stehe doch auf und nimm dich meiner Sachen wider meine Feinde an, richte sie und führe sie aus. Denn du hast verheißen, du wollest die, welche Unrecht leiden, bei Recht und Gerechtigkeit handhaben.

8. dass sich die Leute wieder zu dir sammeln; und um derselben willen komm wieder empor.

Empor: Setze dich auf den Richterstuhl, dass du mir Recht sprichst und ob der Gerechtigkeit hältst. Denn das haben die Richter im Brauch, wenn in Rechtfertigung zwischen den Parteien sie die Urteile aussprechen wollen, setzen sie sich auf ihre Stühle, die etwas höher stehen, da steht das Volk herum und wartet auf der Obrigkeit Urteil und Ausspruch.

9. Der Herr ist Richter über die Leute. Richte mich, Herr, nach meiner Gerechtigkeit und Frömmigkeit.

Richter: Also dass er die, so unrechte Sachen führen, straft, die Gerechten aber schützt und beschirmt: Eben dasselbe bitte ich von dir, als dem höchsten Richter, du wollest mich nicht rechtlos stellen. * (Nach Luther) Das ist: Nicht ich, noch jemand, sondern Gott selbst allein regiert über uns.

Frömmigkeit: Die sich an mir befindet. (Denn obwohl vor dem strengen Gerichte Gottes niemand unschuldig ist, darum wir auch nicht begehren dürfen, dass er nach seinem strengen Urteil uns richte. Jedoch, wenn wir unsere eigene Sache gegen der Feinde Sache halten, dürften wir wohl unseren Gott bitten, dass er unsere Unschuld rette. Denn ob wir wohl alle Sünder sind, so ist doch einer ärger als der anderer.)

10. Lass der Gottlosen Bosheit ein Ende werden und fördere die Gerechten; denn du, gerechter Gott, prüfst Herzen und Nieren {1Sam 16v7 Jer 11v20 17v10 20v12 Apg 2v23}.

Ende werden: Schaffe ihre Bubenstück ab, damit gute Leute auch einen Fortgang haben mögen. (Denn die Gottlosen mit ihren Praktiken hindern und verwickeln die Frommen, dass sie nirgendwo fortkönnen.)

Prüfst: Dir sind aller Menschen Herzen Gedanken und all ihr Tun und Lassen bekannt, darum bist du ein gerechter Richter, dem sein Unheil nicht fehlen kann, dieweil dir nicht allein alle Handlung, sondern auch alle Gedanken und Begierden des Herzens offenbar sind. (Deswegen keiner mit seiner Heuchelei unseren Herrn Gott betrügen wird.)

11. Mein Schild ist bei Gott, der den frommen Herzen hilft.

Bei Gott: Der mich auch schützen und beschirmen wird.

Frommen Herzen: Denen, die aufrichtige und redliche Leute sind.

12. Gott ist ein rechter Richter und ein Gott, der täglich droht.

Rechter Richter: Der die Verkehrten und Arglistigen umbringt, ob er gleich eine Zeit lang durch die Finger sieht.

Droht: (Es droht aber Gott zum Teil in seinem Wort zeitliche und ewige Strafen, zum Teil droht er, wenn er Strafen schickt, dadurch er uns von Sünden abschrecken will.)

13. Will man sich nicht bekehren, so hat er sein Schwert gewetzt und seinen Bogen gespannt und zielt,

Bekehren: Und von Sünden abstehen.

Gewetzt: Und ist das Unglück für der Tür.

Zielt: Nämlich auf die Gottlosen und Unbußfertigen.

14. und hat darauf gelegt tödlich Geschoß; seine Pfeile hat er zugerichtet zu verderben.

Zugerichtet: Darum fehlt es nur noch an dem, dass er die Pfeile seines Zorns und Strafen auf die Gottlosen abdrücke. (O wie elend und armselige Leute sind denn die Gottlosen, die solche große Gefahr nicht sehen oder achten.)

15. Siehe, der hat Böses im Sinn, mit Unglück ist er schwanger; er wird aber einen Fehler gebären {Hi 15v35 Jes 33v11 59v4}.

Der: Nämlich die Gottlosen, welche meine Feinde sind.

Gebären: Das ist: Ich weiß, dass meine Feinde mit Ungerechtigkeit und Büberei schwanger gehen, und wollten gern, sie könnten Unbilligkeit und alles Herzeleid, damit sie mich begehren zu verderben, gebären, aber es wird eine Missgeburt daraus werden und ihr Vorhaben wird ihnen fehlen, ja sie werden dem gerechten Urteil Gottes nach gewisslich zugrunde gehen.

16. Er hat eine Grube gegraben und ausgeführt und ist in die Grube gefallen, die er gemacht hat {Ps 9v16}.

Ausgeführt: Und hat sie also zugerichtet, dass er hofft, ich werde die Schanze einmal übersehen und hineinfallen.

Gemacht: (Denn indem böse Leute anderen nachstellen, bringen sie sich selbst damit zum Verderben.)

17. Sein Unglück wird auf seinen Kopf kommen und sein Frevel auf seinen Scheitel fallen.

Sein Unglück: Das er anderen zugerichtet hat.

Kopf kommen: Es wird über ihn selbst hinausgehen.

Fallen: Das ist: Seine Anschläge, die er mir zum Nachteil macht, werden sein Verderben sein. (Darum sollen wir Gott vertrauen, sooft wir merken, dass unsere Feinde nach unserem Verderben trachten. Denn der Herr wird das Übel lassen über sie kommen, das sie uns zugerichtet haben.)

18. Ich danke dem Herrn um seiner Gerechtigkeit willen und will loben den Namen des Herrn, des Allerhöchsten.

Ich danke: Wenn nämlich solches, was vorgemeldet, geschieht, wie ich in keinen Zweifel stelle.

Gerechtigkeit: Da er recht zwischen mir und meinen Feinden gerichtet hat.

Allerhöchsten: Der mit großer Majestät regiert, dem will ich einen Lobgesang singen. (Denn dies ist Gott das allerangenehmste Opfer, wenn wir seine Guttaten rühmen, damit auch andere seine Güte erkennen und sich zu ihm bekehren.)


Der 8. Psalm


1. In diesem Psalm preist David die Herrlichkeit Gottes, welche besonders daran erscheint, dass Gott der Vater seinen Sohn Christus, als er zuvor durch den Tod des Kreuzes erniedrigt, zur höchsten Glorie und Herrlichkeit im Himmel und auf Erde erhaben, indem er ihn nämlich zu seiner Rechten gesetzt hat. Denn dass dieser Psalm von der Erhöhung Christi redet, das bezeugt Christus selbst, Matth. 21. und Paulus Eph. 1. wie auch der Apostel zu Hebr. 1. So soll nun dieser Psalm den Artikel des Glaubens vom Sitzen Christi zur Rechten Gottes in unseren Herzen bestätigen und uns trösten, wenn die Welt wider Christus und sein Wort wütet und tobt. Denn der zur rechten Hand Gottes sitzt, wird seine Feinde leicht, ohne Mühe, überwinden und unter seine Füße treten.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen auf der Githith.

Githith: Nämlich auf einem musikalischen Instrument oder Saitenspiel, welches also geheißen.

2. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, da man dir dankt im Himmel!

Wie herrlich: Wie groß ist deine Majestät, die hin und wieder in der ganzen weiten Welt durch die Predigt des Evangeliums bekannt wird, dass du nämlich deinem Sohn Jesu Christus, das Regiment des Himmels und der Erde übergeben hast.

Im Himmel: Denn dein Lob reicht von der Erde bis in Himmel, es ist alles voll deiner Herrlichkeit und kann dein Lob niemand genügend ausbreiten.

3. dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgst den Feind und den Rachgierigen.

Eine Macht: Nämlich eine solche Macht, die des Teufels Reich zerstören wird. Diese Weissagung ist an Christus erfüllt worden, da die jungen Kinder Christus, als Gott und der Welt Heiland, zu Jerusalem im Tempel erkannt und gepriesen {Mt 21}. (Irren sich darum die Wiedertäufer sehr weit, die da verleugnen, dass die jungen unmündigen Kinder auch einen Glauben haben.) Ja auch die Apostel, so vor der Welt als Kinder und unberedete Leute, schienen, haben die Herrlichkeit unseres Heilandes Christi in der ganzen Welt ausgebreitet und solche Fortgang gehabt, darüber man sich verwundern und entsetzen müsse.

Vertilgst: Das ist: Du wirst solches durch Kraft und Wirkung deines Heiligen Geistes ausrichten, auf dass du deine Feinde, die klugen Weltkinder, die gottlose und verkehrte weltweise Leute zuschanden machst, die vor Neid und Rachgier wider das Reich Christi brennen und dein Evangelium samt desselben Bekennern zu verderben begehren. (Denn was töricht und einfältig vor der Welt ist, das erwählt Gott, auf dass er die, so sich selbst für Weise halten, zuschanden mache {1Kor 1}.)

4. Denn ich werde sehen die Himmel, deiner Finger Werke, den Mond und die Sterne, die du bereitest.

Bereitest: d. i. (Aus Erleuchtung des Heiligen Geistes sehe ich vor mir die Apostel, welche durch die Predigt des Evangeliums Christus als die Sonne der Gerechtigkeit in der ganzen Welt herumführen, auf dass er allen Völkern erscheine und bekannt werde. Auch sie, die Apostel, sind erfüllt mit dem Licht der himmlischen Lehre. So sehe ich auch vor mir die Kirche Gottes, welche von wegen ihres göttlichen Glanzes, den sie von der Sonne Christus empfängt, so hell und schön ist, als der Mond, wie im Hohelied Salomons Kapitel 6. steht. Weiter sehe ich die herrlichen und vortrefflichen Leute in der Kirche Gottes, welche anderen mit reiner Lehre und gottseligem Wandel vorleuchten und zu seiner Zeit leuchten werden, wie die Sterne am Firmament {Dan 12}.)

5. Was ist der Mensch, dass du sein gedenkst; und des Menschen Kind, dass du dich sein annimmst {Ps 144v3 Hebr 2v6}?

Annimmst: Ach wie ein großes Wunderwerk ist es, dass du das menschliche Geschlecht mit solchen Gnaden ansiehst und versorgst, dass du willst, dein eingeborener ewiger Sohn soll Mensch werden, oder menschliche Natur in Einigkeit der Person annehmen und achtest die Elend menschliche Natur, die mit so mancher Gebrechlichkeit und Schwachheit behaftet, so großer Ehren wert?

6. Du wirst ihn lassen eine kleine Zeit von Gott verlassen sein. Aber mit Ehren und Schmuck wirst du ihn krönen.

Verlassen: Du hast dem Menschen Christus eine kleine Weile zur Zeit seines Leidens deine Hilfe entzogen, also dass er nach seiner menschlichen Natur nichts anderes meint, denn er wäre von Gott verlassen. Daher er auch am Kreuz geschrien: Mein Gott, mein Gott, warum hast mich verlassen? (Hier hat man ein Zeugnis von der Erniedrigung Christi, davon auch der Apostel Paulus zu Philip. Kapitel 2. lehrt.)

Krönen: Du wirst ihn mit großer Majestät und höchsten Ehren begaben, gleichwie ein König mit großem Gepränge und besonderer Herrlichkeit gekrönt wird. Von solcher Majestät Christi mag man auch lesen das Gesicht des Propheten {Dan 7}.

7. Du wirst ihn zum Herrn machen über deiner Hände Werke; alles hast du unter seine Füße getan {Apg 2v36 1Kor 15v25 Eph 1v22}:

Hände Werke: Das ist: Über alle deine Kreaturen.

Getan: Also dass er alles unter seiner Gewalt hat. Denn es redet der Prophet, weil er der Sache gewiss ist vom Zukünftigen, als wenn es schon geschehen wäre.

8. Schafe und Ochsen allzumal, dazu auch die wilden Tiere,

9. die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und was im Meer geht.

H.L.: Die Christen sollen auch zu essen haben auf Erden.

Geht: Unter diesen erzählten Stücken aber versteht der Prophet alle Kreaturen, auch die Engel, wie davon Paulus Epheser 1. und Kolosser 1. lehrt. (Denn es ist nichts unter allen Kreaturen, das nicht unter seiner Gewalt sei, weil Christus die Sonne der Gerechtigkeit ist, so alles sieht, alles lebendig macht und mächtig ist. Mir (spricht er) ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden {Mt 28}. Darum sollen wir auf Christus, der zur Rechten Gottes sitzt, das ist, alles mit dem Vater gewaltig regiert, unser Vertrauen setzen und ihn mit wahrer Gottesfurcht ehren.)

10. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Wie herrlich: Als wollte er sprechen: Wer wollte sich nicht darüber entsetzen, wenn einer die wunderbare Weisheit Gottes betrachtet, die er in Erlösung des menschlichen Geschlechts sehen lassen? Diesem allein weisen Gott samt seinem eingeborenen Sohn Jesu Christus, der zur Rechten Gottes sitzt und mit dem Vater alles gegenwärtig regiert, und dem Heiligen Geiste sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit, Amen.


Der 9. Psalm


1. David preist Gott den Herrn, dass er ihn von seinen Feinden erlöst habe und bittet, er wolle ihn auch weiter gnädiglich schützen und beschirmen. Wir können diesen Psalm benutzen, nicht allein, wenn uns Gott aus der leiblichen Feinde Gewalt errettet, sondern auch, wenn wir einen geistlichen Sieg wider des Teufels Anfechtung erhalten haben. Und dieweil David ein Vorbild Christi gewesen, mag man diesen Psalm auch recht singen von dem Sieg Christi, den er bis daher wider die Verfolger des Evangeliums viele Male erlangt hat.

1. Ein Psalm Davids von der schönen Jugend, vorzusingen.

Jugend: d.i. Von dem Tode eines berühmten Mannes, der in seinem besten Tun draufgegangen, wie denn dergleichen viele Leute, so des Davids Feinde waren, besonders bei den Philistern geschah.

2. Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder.

Danke: Ich preise dich von Grund meines Herzens.

Wunder: Nämlich deine wunderbaren Erlösungen will ich anderen erzählen. (Denn wir sollen Gottes Guttaten, die er uns erzeigt hat, rühmen, auf dass auch andere mit uns den Herrn preisen und loben und durch unser Beispiel aufgemuntert werden, dass sie lernen Gott zu vertrauen.)

3. Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster,

Fröhlich: Dass ich vor Freuden aufspringen möchte, weil du so gnädig gegen mir gesinnt bist, dass du mich in keinem Unfall verlässt.

Lobe: Ich will dir zum Lob ein Liedlein singen.

4. dass du meine Feinde hinter sich getrieben hast; sie sind gefallen und umgekommen vor dir.

Vor dir: Sie sind schändlich angelaufen, denn da sie mich aufreiben wollten, sind sie so angefahren, dass sie zu Boden gefallen und zugrunde gegangen sind, weil sie deiner Majestät und Allmacht nicht widerstehen können. (Wenn wir deswegen etwas glücklich und wohl ausgerichtet haben, sollen wir es uns nicht zumessen, dieweil Gott Rat, Herz, Kraft und Fortgang dazu verleiht.)

5. Denn du führst mein Recht und Sache aus; du sitzt auf dem Stuhl, ein rechter Richter.

Rechter Richter: Du hast mich beim Recht erhalten wider meine Feinde und meine Sache rechtmäßig erkannt, wie rechtschaffene Richter tun. (damals aber halten wir dafür, dass sich Gott auf den Richterstuhl gesetzt habe, wenn wir merken, dass er an den Gottlosen, die uns alles Leid angetan, Strafe übt.)

6. Du schiltst die Heiden und bringst die Gottlosen um; ihren Namen vertilgst du immer und ewig.

Schiltst: Du hast ein hartes Urteil ausgesprochen wider die Heiden, die mein Königreich angefallen haben.

Um: Du hast dein Urteil an ihnen vollstreckt, dass die gottlosen Völker geschlagen wurden und umgekommen sind. Denn hier redet David von seinen Siegen, die er wider die benachbarten Heiden erhalten hat. Davon man in den Büchern der Könige findet.

ewig: Dass man nicht mehr an sie gedenkt, sondern ihrer ganz und gar vergessen hat und was man noch von ihnen weiß, das ist nichts denn Schande und Schmach. (Denn also pflegt Gott mit den Feinden seiner Kirche umzugehen, dass sie mit Unehren in ewiger Finsternis liegen und niemand ihrer in Ehren gedenkt. In massen es dem Neroni, Juliano, Domitiano, Herodi und ihres gleichen ergangen ist.)

7. Die Schwerter des Feindes haben ein Ende; die Städte hast du umgekehrt; ihr Gedächtnis ist umgekommen samt ihnen.

Ende: Du hast ihnen das Kriegen niedergelegt.

Samt ihnen: Sie sind nicht allein umgekommen, sondern man denkt auch in Ehren nie an sie, da liegen sie, wie ein faul stinkend Aas, wie ein Bock und ein toter Körper.

8. Der Herr aber bleibt ewig; er hat seinen Stuhl bereitet zum Gericht.

Bleibt: Die Feinde zwar sind dahin, aber unser Herr und Gott lebt und regiert in Ewigkeit.

Bereitet: Denn es hat der Sohn Gottes nicht allein jetzt seiner Kirche recht verschafft wider derselben Feinde, sondern er rüstet sich bereits dazu, dass er einmal den ganzen Umkreis der Erde richte. (Denn vor Gott ist auch das noch abwesend und zukünftig bereits gegenwärtig.)

9. Und er wird den Erdboden recht richten und die Leute regieren rechtschaffen {Ps 90v13 98v1}.

Recht richten: In Gerechtigkeit und wird allen Menschen Recht schaffen. (Denn Christus wird den ganzen Erdboden richten. Und denen, die einen wahren Glauben gehabt, denselben auch mit guten Werken bezeugt haben, wird er das ewige Leben geben, welches er verdient hat. Die Ungläubigen aber, so keinen rechtschaffenen Glauben gehabt, den sie auch mit Werken nicht sehen lassen, wird er in die ewige Pein verstoßen.)

10. Und der Herr ist des Armen Schutz, ein Schutz in der Not.

Armen Schutz: Dass er sich der Bedrängten und Unterdrückten annimmt, die ihre Zuflucht zu ihm haben: Und also noch vor dem Jüngsten Tag, gleichsam als durch ein Urteil, zu erkennen gibt, wie er für ein gerechter Richter sei.

Not: Zu rechter Zeit, wenn wir seiner Hilfe am nötigsten bedürfen. (Denn Gott weiß die Zeit am besten, wenn er helfen soll.)

11. Darum hoffen auf dich, die deinen Namen kennen; denn du verlässt nicht, die dich, Herr, suchen.

Kennen: Die dich recht und wahrhaftig dafür erkennen, dass du ein gnädiger Gott seist gegen allen denen, die mit bußfertigem Herzen zu dir kommen.

Suchen: Du lässt nie Hilf- und Trostlose, die mit gläubigem und inbrünstigem Gebet, bei dir um Hilfe ansuchen. (Warum wollten wir denn nicht vielmehr zu dem gnädigen Gott, als zu den Menschen, in unserem Anliegen Zuflucht haben?)

12. Lobt den Herrn, der zu Zion wohnt; verkündigt unter den Leuten sein Tun!

Lobt: Singt ihm deswegen zu Ehren einen Lobgesang.

Wohnt: Das ist: Dessen Hütte auf dem Berge Zion steht, da er aller Gläubigen Gebet und Danksagungen erhören will, denn dahin hat er sich in seinem Wort gebunden. (Heutigentags bei den Christen sind wir an keinen gewissen Ort gebunden, da wir Gott anrufen sollen, sondern an allen Orten erhört der himmlische Vater seine Gläubigen, die ihn im Namen seines Sohnes anrufen.)

Tun: Erzählt seine trefflichen Taten hin und wieder bei anderen Leuten, damit auch sie diesen gnädigen Gott in Ehren haben.

13. Denn er gedenkt und fragt nach ihrem Blut; er vergisst nicht des Schreiens der Armen.

Ihrem Blut: Nämlich derer, die unrechterweise sind erwürgt worden. (Denn obwohl Gott eine Zeit lang zusieht, dass die Gottseligen ermordet werden, jedoch rächt er zu seiner Zeit das unschuldige vergossene Blut {Mt 23}.)

Vergisst nicht: (Denn ob er wohl etwa die Unbilligkeit der betrübten Herzen eine lange Zeit verdrückt und sich stellt, als ob er entweder ihr Gebet nicht gehört oder wieder in Vergessenheit gestellt hätte, so vergisst er doch ihrer nimmermehr, er verzieht aber mit der Hilfe bis zu gelegener Zeit.)

14. Herr, sei mir gnädig; siehe an mein Elend unter den Feinden, der du mich erhebst aus den Toren des Todes,

Herr: Jetzt bittet David weiter, dass ihn auch Gott künftig schützen wolle.

Gnädig: Ich bitte, dass du mich mit Gnaden ansiehst.

Elend: Das ich leide. Denn ich habe meine Gefahr noch nicht alle überstanden. (Also geht es mit uns Menschen hier auf Erde zu, wenn wir durch ein Unglück hindurch sind, so ist bald ein anderes vorhanden.)

Todes: Erhalte mich auch weiter, wie du mich bisher zu etlichen Malen dem Tode gleichsam aus dem Rachen gerissen hast, da mein Leben am allernächsten bei dem Verderben war. Als da Saul den Berg umringte und mich schon in Händen hatte {1Sam 23}.

15. auf dass ich erzähle all deinen Preis in den Toren der Tochter Zion, dass ich fröhlich sei über deine Hilfe.

Erzähle: Dass ich deine Ehre und Macht verkündige in der Kirche und Stadt Jerusalem, die unten am Berge Zion liegt.

Hilfe: Darum, dass du mir geholfen hast.

16. Die Heiden sind versunken in der Grube, die sie zugerichtet hatten; ihr Fuß ist gefangen im Netz, das sie gestellt hatten.

Gestellt: Verborgenerweise, damit sie mich fangen möchten, wie man die Netze vor den Vögeln und wilden Tieren, so viel möglich ist, verbirgt. (Und geschieht es oft aus gerechtem Urteil Gottes, dass die Gottlosen in eben den Stricken gefangen werden, die sie den Frommen legten, oder in das Unglück geraten, das sie anderen zugerichtet haben.)

17. So erkennt man, dass der Herr Recht schafft. Der Gottlose ist verstrickt in dem Werke seiner Hände durch das Wort. Sela.

Erkennt: Also wird es offenbar, dass Gott der Herr den Unschuldigen zu ihrem Rechten hilft wider die Gottlosen.

Gottlose: Der wider sein eigenes Gewissen die Gerechten verfolgt.

Hände: Er ist in seinen Anschlägen gefangen.

Durch das Wort: Das ist: Durch die Betrachtung des göttlichen Wortes. (Denn des Satans Reich wird nicht mit dem äußerlichen Schwert zerstört, sondern durch Betrachtung und stetige Übung des Wortes Gottes und mit einem inbrünstigen Gebet. Ja das Gebet ist die allernützlichste Übung eines Menschen. Darum, sooft uns der Widersacher arglistige Anschläge schrecken, sollen wir uns dieses Trostes erinnern und hoffen, es werde noch dazu kommen, dass die Gottlosen in ihren Praktiken so verstrickt werden, dass sie daraus sich selbst niemals auswickeln mögen.)

Nach Luther: Durch Betrachtung des göttlichen Wortes und wahren Glauben an dasselbe, ohne äußerliche Macht, Schwert, fleischlichen Arm, nach dem, was Esra 30, 15. gesagt wird: Durch Stille sein und Hoffen werdet ihr stark sein.

18. Ach, dass die Gottlosen müssten zur Hölle gekehrt werden, alle Heiden, die Gottes vergessen!

Gekehrt: Immer der Hölle zu mit diesem Gottlosen unbußfertigen Personal.

Vergessen: Die ohne alle Gottesfurcht wider Recht und Gerechtigkeit handeln und tun, was sie nur gelüstet. (Das wünscht David den Feinden, nicht aus fleischlicher Rachgier, sondern wie er vom Heiligen Geist gelehrt ist, also verkündigt er, was es mit den Gottlosen und Unbußfertigen für ein Ende nehmen werde. Denn die Gottlosen werden umkommen, die Unschuldigen aber und Frommen werden erhalten werden.)

19. Denn er wird des Armen nicht so ganz vergessen und die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewig.

Nicht verloren: Es wird den gottseligen und betrübten Leuten ihre Hoffnung nicht immer fehlen, obwohl der Herr seine Hilfe und Trost eine Zeit lang aufzieht. (Denn Hoffnung lässt nicht zuschanden werden {Röm 5}.)

20. Herr, stehe auf, dass Menschen nicht Überhand kriegen; lass alle Heiden vor dir gerichtet werden!

Stehe auf: Weil du solches einmal zu tun versprochen hast, weil wir oft denken, dass du ruhst und schläfst.

Menschen: Nämlich welche gottlose sind, dass sie nicht ganz zu mächtig werden.

Gerichtet: Brauche dein gerechtes Gericht wider die gottlosen Völker.

21. Gib ihnen, Herr, einen Meister, dass die Heiden erkennen, dass sie Menschen sind. Sela.

Meister: Der ihrem Mutwillen und Bosheit steuern könne. (Der ist aber Christus, welcher die gottlosen Heiden mit einem eisernen Zepter zuschlagen soll {Ps 2}.)

Erkennen: Und mit ihrem Schaden klug werden.

Menschen sind: Und nicht Götter, auf dass sie einmal eins gedemütigt und zum wenigsten etliche aus ihnen zu dir bekehrt werden. (Also sollen wir auch den allmächtigen ewigen Gott bitten, dass die Türken und gottlosen Heiden seines eingeborenen Sohnes Jesu Christi Kraft und Allmacht empfinden und nicht mehr so grausam wider seine liebe Kirche wüten und toben.)


Der 10. Psalm


1. Dieser Psalm ist eine Klageschrift, darin der Heilige Geist die Bosheit und Tyrannei der Feinde christlicher Kirchen erzählt. Unter allen Feinden aber der Kirche Gottes ist der Antichrist der Erz-Feind. Der plagt die Kirche zum Teil mit äußerlicher Tyrannei und verfolgt sie mit Feuer und Schwert. Zum Teil aber verflucht er sie mit seiner lügenhaften Lehre, bringt die Leute dazu mit List und Betrug um Habe und Güter, die zieht er später an sich. Über solche Übel klagt der Prophet hier. Daneben wird ein Gebet mit angehängt, dass Gott seine Gläubigen schützen und beschirmen wolle. Dieser Psalm wird uns dienstlich sein, wenn der Antichrist oder andere gottlose Leute, entweder einer ganzen Kirche und allgemeines oder insbesondere unser Verderben suchen.

1. Herr, warum trittst du so ferne, verbirgst dich zur Zeit der Not?

Not: Da man deiner Gegenwart am besten bedürfte, und siehst also zu unserem Unglück, dass es das Ansehen gewinnt, als stündest du weit von uns und wolltest nicht herzutreten, dass du uns Hilfe tust. Ja, du verbirgst dich, dass wir dich schier ganz aus den Augen und Herzen verloren haben. (Es verbirgt sich aber Gott vor uns, wenn wir seine Hilfe nicht also bald in der Not spüren können.)

2. Weil der gottlose Übermut treibt, muss der Elend leiden. Sie hängen sich aneinander und erdenken böse Tücke.

Übermut: (Nach Luther) Nämlich wegen böser Reden und schädlicher Taten, sich freventlich erhebt, als hätte er es ganz wohl ausgerichtet.

Treibt: Dass er mit Worten und Werken sich über die Frommen erhebt und sie ängstigt.

Böse Tücke: Sie lassen sich von ihrem Vorhaben nicht abwenden. (Denn der Antichrist und die anderen Gottlosen sind über die Maßen streitig, dass sie ihren Kopf nicht sanft legen wollen, sie haben es denn hinausgebracht.)

3. Denn der Gottlose rühmt sich seines Mutwillens und der Geizige segnet sich und lästert den Herrn.

Rühmt: Wenn er ein böses Stücke vollbracht hat, so bereut ihn seine Bosheit nicht, dass er derselben sich wohl erst rühmen darf. (Also rühmt sich auch der Antichrist, wenn er etwa die lebendigen Glieder Christi grausam ermordet, als hätte er Gott einen angenehmen Dienst daran getan.)

Geizige: Der anderen Leuten ihre Habe und Güter mit Gewalt nimmt.

Segnet: Er frohlockt darüber, als hätte er es wohl ausgerichtet.

Lästert: Er darf noch wohl Gottes dazu spotten, dass er solche Unbilligkeit nicht könne oder nicht wolle strafen. (Solchermaßen spotten die Tyrannen Christi und seiner Kirche und sagen: Wo jetzt eine feste Burg ist, ist unser Gott?)

4. Der Gottlose ist so stolz und zornig, dass er nach niemand fragt; in allen seinen Tücken hält er Gott für nichts.

Fragt: Der Gottlose achtet keines frommen und unschuldigen Menschen, sondern tut nach aller seines Herzen Lust, was ihm sein hoffärtiger Mut und unsinniger Zorn eingibt.

Für nichts: Er geht in seinem Herzen mit solchen Gedanken um, es sei kein Gott, der sich der Menschen Händel annehme, die Frömmigkeit belohne und hingegen die Ungerechtigkeit strafe. (Ob nun wohl wenige Leute dergleichen gottlose Reden sich hören lassen, so denken doch ihrer viel solches in ihrem Herzen, Welches auch ihr ganzes Leben und Wandel bezeugt {Tit 1}. So ist bekannt, dass unter den römischen Päpsten sich gefunden, die nicht geglaubt, dass die Seelen unsterblich sind und haben die christliche Religion und Lehre eine Fabel oder Gedicht von Christus genannt.)

5. Er fährt fort mit seinem Tun immer; deine Gerichte sind ferne von ihm; er handelt trotzig mit allen seinen Feinden.

Er fährt: (Nach Luther) Arbeitet und lässt es sich sauer werden, doch gern, dass sein Tun bestehe und fortgehe.

Feinden: Die Meinung ist diese. (Alles Tun und Wesen des Gottlosen ist unnütze und stinkt nach einem rohlosen sicheren und wilden Leben, er versteht dein Gericht nicht und weiß nicht, wie du mit den Gottlosen pflegst umzugehen, darum verspottet diejenigen ganz höhnisch, die ihm zuwider sind und mit rechten Sachen umgehen, sich auch auf Gottes gerechtes Gericht berufen, da hält der Gottlose davor, es werde nichts daraus werden.)

6. Er spricht in seinem Herzen: Ich werde niemals daniederliegen; es wird für und für keine Not haben.

Keine Not: d. i. (Weil der Gottlose noch nicht in der Strafe steckt, ist er so sicher, dass er sich einbildet, es werde ewig also eben hinausgehen und verlässt sich darauf, er möge nie mehr zu Platz gelegt werden.)

7. sein Mund ist voll Fluchens, Falsches und Trugs; seine Zunge richtet Mühe und Arbeit an {Röm 3v14}.

Und Trugs: (Denn der Antichrist kann anders nichts als verfluchen und verbannen, dem Teufel ergeben, die, so seine Schurkerei und Heuchelei an Tag bringen. Daneben aber mit seinem schmeichlerischen Segen betört und hintergeht er die Monarchen und andere Potentaten, dass sie seinen arglistigen Lügen gehorchen und darüber der christlichen Reformation in der Kirche vergessen.)

Arbeit an: Der Gottlose redet anders nichts, denn was zu Schaden und Nachteil anderer Leute dient. (Also macht auch des Antichristen Lehre nicht stille und ruhig, sondern nur angefochtene und erschrockene Gewissen. Und tut der anderen Ketzer Lehre eben dasselbe.)

8. Er sitzt und lauert in den Höfen; er erwürgt die Unschuldigen heimlich; seine Augen halten auf die Armen.

Heimlich: Er stellt den Frommen nach, gleich als wenn sich einer im Hause in einen Winkel versteckt, dass er unversehens erschlage, da jemand aus- oder eingeht. (Zu wünschen wäre es, dass die Christen, so unter dem Antichristen oder anderen Tyrannen sitzen, solche bösen Tücken, nicht sooft innewürden.)

Halten: Das ist: Er gibt fleißig Achtung darauf, ob er möchte einen guten armen und hilflosen Menschen anfallen.

9. Er lauert im Verborgenen, wie ein Löwe in der Höhle; er lauert, dass er den Elenden erhasche, und erhascht ihn, wenn er ihn in sein Netz zieht.

Löwe: Der auf einen Raub wartet.

Höhle: Dass er die Tiere, so vorüberlaufen, fange und darin schleife.

Zieht: (Denn bisweilen lässt es Gott zu, dass die Gottlosen fromme Leute unter ihre Gewalt bringen und sie mit arglistigen Praktiken, wie in einem Garn, fangen.)

10. Er zerschlägt und drückt nieder und stößt zu Boden den Armen mit Gewalt.

Mit Gewalt: Das ist: Wenn ein solcher Tyrann einen unschuldigen Menschen in seiner Gewalt hat, so geht er mit ihm seines Gefallens um, weil der Arme sich nicht gegen ihm wehren kann.

11. Er spricht in seinem Herzen: Gott hat es vergessen; er hat sein Antlitz verborgen, er wird es niemals sehen {Ps 94v7}.

Spricht: Dass er sich bei seinem Gottlosen Tun nicht fürchtet.

Vergessen: Was sollte Gott nach diesen Bettlern fragen?

Sehen: Gott nimmt sich der Menschen Händel nicht an, darum wird er es nicht achten, wie ich mit dem Armen umgehe. (Also verhalten sich auch etliche, die im Stand der Obrigkeit sind, gegen ihren Untertanen, als wenn kein Gott im Himmel wäre, der sich der armen Leute annehme.)

12. Stehe auf, Herr Gott, erhebe deine Hand; vergiss der Elenden nicht!

Stehe auf: Weil der Antichrist und sein gottloser Haufen wider die unschuldige Leute gehörter maßen wüten und toben, so erzeige deine Macht und Herrlichkeit, der du bisher, unserem Bedenken nach, immer still gesessen bist und schier ganz dazu geschlafen hast, wenn es so unrecht zugegangen und lass der unrechten Gewalt, damit die Armen bedrängt und beschwert werden, nicht länger also hingehen. (Dergestalt müssen wir den himmlischen Vater mit unserem Gebet aufwecken, dass er uns zu Hilfe komme.)

13. Warum soll der Gottlose Gott lästern und in seinem Herzen sprechen: Du fragst nicht danach?

Gott lästern: Denn wenn du ja unser Unrecht nicht rächen willst, so räche doch dich selbst, dass dein Name nicht verlästert werde.

Nichts danach: Du achtest es nicht, man gehe wohl oder übel mit den Armen um. Denn welche sagen: Gott nehme sich der Menschen Sachen nicht an, die tun nichts anders, denn dass sie leugnen, es sei kein Gott und lästern ihn auf das allergräulichste. Darum so erzeige ihnen, Herr, dass du noch lebst und dir deine Kirche, auch alle und jede derselben Glieder lässt angelegen sein und lass diese gottlosen Leute mit der Tat erfahren, dass sie Unrecht sind.)

14. Du siehst ja, denn du schaust das Elend und Jammer; es steht in deinen Händen. Die Armen befehlen es dir; du bist der Waisen Helfer.

Siehst ja: Darum liegen diejenigen, welche leugnen, dass Gott der Seinen Anliegen mit Gnaden ansehe.

Händen: Dass du dich ihrer Sache annimmst.

Befehlens: Sie verlassen sich auf dich, weil sie sonst nirgends eine Zuflucht haben, als zu dir.

Weisen: Aller arbeitsseligen Leute.

Helfer: Wie du denn vielfältig erwiesen hast. (Wenn wir denken, wir sind von allen Kreaturen verlassen, so sollen wir in gewisser Zuversicht Gottes Hilfe erwarten.)

15. Zerbrich den Arm des Gottlosen und suche das Böse, so wird man sein gottloses Wesen nie finden.

Arm: Steuere der Gewalt böser Leute.

Suche: Strafe die Bosheit.

Nie finden: Wenn du nämlich sie, wie sie mit ihrer Tyrannei wohl verdient haben, fein sauber aufräumst, so werden sie später weder dir noch den deinen mit ihrem gottlosen Wesen mehr Verdruss tun. (Denn es ist uns erlaubt zu bitten, dass Gott an den unbußfertigen Sündern strafen wolle und zu erkennen geben, wie er ein gerechter Richter sei.)

16. Der Herr ist König immer und ewig; die Heiden müssen aus seinem Land umkommen {Ps 29v10}.

Ist König: Nämlich unser Herr Jesus Christus. (Darum so lange die Feinde ihn von dem Stuhl seiner Herrlichkeit nicht stürzen werden, so lange wird seine Kirche bestehen und soll es allen Teufeln leid sein.) Denn weil David wiederum Trost vom Heiligen Geist empfangen, verspricht er der Kirche Gottes mit großer Freudigkeit göttliche gewisse Hilfe wider den Antichristen und andere Tyrannen.

Lande: Das sie mit Gewalt eingenommen haben, so es doch nicht ihnen, sondern den Israeliten zugehörig ist. (Durch die Israeliten aber werden heutigentags alle Christen verstanden {Gal 6}. Wie wiederum durch die Heiden alle Feinde der Kirche Christi gemeint werden.)

17. Das Verlangen der Elenden hörst du, Herr; ihr Herz ist gewiss, dass dein Ohr darauf merkt,

Elenden: Die zu dir um Hilfe seufzen.

Merkt: Denn die Frommen empfinden bisweilen im Gebet gleich alsbald Trost, dass sie ihnen keinen Zweifel machen, Gott habe ihr Gebet erhört.

18. dass du Recht schaffst dem Waisen und Armen, dass der Mensch nicht mehr trotze auf Erde.

Recht schaffst: Dass du bereit bist, zu richten und Gerechtigkeit zu handhaben.

Nicht mehr: Das ist: Dass weiter solche ruhmredigen Leute andere nicht mehr so schändlich trotzen, als wären sie Gott und nicht vielmehr arme Menschen auf Erde, Asche und Staub, darum sie auch zur Erde wieder werden müssen {1Mos 3}. (Wenn nun unsere Widersacher unser Verderben suchen, so sollen wir diesen Psalm beten und nicht zweifeln, unser Herr und Gott werde uns mit Hilfe erscheinen, wo nicht leiblicher, jedoch auf geistliche Weise, dass wir ihm dort ewig dafür Lob und Dank sagen werden.)


Der 11. Psalm


1. Dieser Psalm ist ein Bekenntnis des Glaubens, damit David anzeigt, dass er in so großer Trübsal, darin er steckte, dennoch nicht verzagte. Denn obwohl die Leute sehr listig und grimmig sind, so werde ihn doch Gott beschützen und die Feinde durch schreckliche Strafen umbringen und austilgen. Wir sollen solchen Psalm benutzen, wenn entweder äußerliche Feinde uns trotzen, als ob Gott weder könne noch wolle helfen, oder dass uns unser misstrauisches Fleisch solche Gedanken eingibt.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen. Ich traue auf den Herrn. Wie sagt ihr denn zu meiner Seele, sie soll fliegen wie ein Vogel auf eure Berge?

Herrn: Der mich nimmermehr hilf- oder trostlos stellen wird.

Berge: Das ist: Ihr meine Freunde sagt, wenn ich mein Leben erhalten wolle, so soll ich mich aus dem Lande Juda hinwegmachen und mich weiter da nicht sehen lassen: Seid also ganz zu furchtsam.

2. Denn siehe, die Gottlosen spannen den Bogen und legen ihre Pfeile auf die Sehne, damit heimlich zu schießen die Frommen.

Frommen: Aufrichtige redliche Leute und wollen dennoch davor nicht angesehen sein, dass sie diejenigen sind, die anderen Unglück zurichten, sondern schlagen hinterm Licht hinein.

3. Denn sie reißen den Grund um; was soll der Gerechte ausrichten?

Nach Luther: Was sollte uns der Narr wehren oder lehren?

Ausrichten: Das ist: Die dieser Zeit im Regiment sind, kehren dem Rechten den Rücken und wenden das Unterste über sich und reißen alle Gerechtigkeit aus dem Grund heraus: Wie sollen wir dich denn handhaben können? Wenn wir gleich gerechten Sachen hold sind und unser Amt, wie aufrichtigen redlichen Leuten gebührt, gerne tun wollten, was werden wir wider deine Feinde, die so mächtig sind, ausrichten können? Was soll ein Biedermann machen? Es geht alles durcheinander, zuunterst und zuoberst. (Denn unsere guten Freunde sind etwa ganz zu verzagt und furchtsam, da sie uns richtig ein Herz machen sollten, das geschieht aber darum, dass sie fürchten, wenn wir den Feinden nicht aus dem Weg weichen, so werden sie mit uns in Gefahr gesetzt werden.) Es hätte aber David ganz recht getan, wenn er immer so beherzt geblieben und sich im Königreich Israel, im Elend enthalten hätte. Denn wie übel es ihm und den Seinen ausgeschlagen, da er endlich aus Furcht vor dem Saul, gen Gath zu Achis der Philister Könige gezogen, das wird nach längst beschrieben {1Sam 29 30}. Da er aber diesen Psalm gemacht, ist noch eine größere Kraft des Heiligen Geists in ihm gewesen, darum er seinen Freunden, die ganz erschlagen waren, tröstlich zuspricht.

4. Der Herr ist in seinem heiligen Tempel, des Herrn Stuhl ist im Himmel; seine Augen sehen darauf, seine Augenlider prüfen die Menschenkinder.

Tempel: Da er seine Wohnung hat und das Gebet erhört, auch denjenigen hilft, die im Tempel zu Jerusalem drinnen sind, oder da sie sich nur gegen denselben wenden, sie sind jetzt, wo sie wollen und bei ihm um Hilfe ansuchen. Denn Gott ist noch nicht landräumig worden.

Im Himmel: Mein Gott und Schirmherr herrscht gewaltig im Himmel, von dort werden ihn meine Feinde nicht herabstürzen. (Denn wenn alle menschliche Hilfe aus ist, so sollen wir unser Vertrauen auf Gott setzen. Es sagt aber die Schrift von Gott, dass er im Himmel sitze, nicht dass er im Himmel eingeschlossen sei, denn er erfüllt Himmel und Erde {Jer 23} sondern darum, dass er mit großer Majestät über alle Kreaturen herrscht und alles vor Augen sieht.)

Darauf: Nämlich auf die Armen, denn er sieht gleich als von einem hohen Turm herab, was überall vorgehe.

Prüfen: Er sieht alle Gedanken, Hantierung, Rat- und Anschläge der Menschen.

5. Der Herr prüft den Gerechten; seine Seele hasst den Gottlosen und die gerne freveln.

Prüft: Er erkundigt aufs fleißigste, wer gerecht im Glauben und wer ungerecht sei: Was ein jeder Gutes oder Böses tue, dass er die guten Werke, so aus Glauben her fließen und einen ehrbaren Wandel belohne.

Freveln: Die Lust zu gottlosen Wesen haben, die hasst der Herr. (Ob wir wohl nun nicht immer dem Gesetz Gottes dienen nach dem Fleisch, so sollen wir es doch mit dem Gemüt tun und Lust dazu haben, nach dem inwendigen Menschen, wie Paulus Römer 7. davon redet, dass uns Gott auch nicht feind werde.) Weil demnach (will David sagen) Gott aller Menschen Tun bekannt ist und er gewaltig helfen kann alle, die durch das Gebet zu ihm ihre Zuflucht haben, so hoffe ich gänzlich, er werde auch über mich in so mancher großer Gefahr mit seiner gnädigen Hand halten und mir helfen.

6. Er wird regnen lassen über die Gottlosen Blitz, Feuer und Schwefel und wird ihnen ein Wetter zu Lohn geben.

Schwefel: Das ist: Gott wird sie vom Himmel herab schrecklich verderben, wie die Sodomiten. Sie werden in ihrer Bosheit gefangen und ewig gequält werden, obwohl in dieser Welt niemand gegen so mächtige Feinde das Maul auftun darf.

Lohn geben: Ein schreckliches Unwetter wird ihrer Schurkerei Lohn sein. (Ob nun wohl David mit diesem Gleichnis zu verstehen geben will, dass seine Feinde ein schreckliches Ende nehmen werden, so bezeugen doch auch die Beispiele beides, der Heiligen Schrift und der glaubwürdigen Historien, dass unser Herr und Gott die Feinde seiner Kirche vom Himmel herab mit schrecklichen Wettern verderbt habe. So liest man auch in der Schrift von Gog und Magog, dass ihn Gott durch ein Wetter vertilgen werde {Hes 39 Apg 20}. Sie kommen aber um, wie es immer sein mag, so ist das gewiss, dass die Feinde der Kirche und die, welche unschuldigen Leute unterdrücken, um ihrer Büberei willen von Gott gräulich, wo nicht in dieser Welt, doch endlich mit ewigem höllischem Feuer gestraft werden.)

7. Der Herr ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb, darum dass ihre Angesichte schauen auf das da recht ist.

Gerecht: Ja er ist auch die Gerechtigkeit selber.

Lieb: Er liebt gerechte Sachen und beschirmt die, so recht haben.

Ihr: (Nach Luther) Das ist: Der Frommen.

Angesicht: (Nach Luther) Sie verzagen nicht in den Verfolgungen, sondern dauern aus, in herzlichem Anschauen und Übung dessen, was recht und gut ist. Darum erfahren sie in der Tat, dass Gott dem Herrn die Gerechtigkeit lieb ist.

Recht ist: Das ist: Er liebt die Gerechten darum, weil sie sich bemühen, dass sie recht tun, sehen sich um, was Recht oder Unrecht sei, dass sie dieses meiden, jenem aber nachstreben. (Obwohl nun Gott etwa lange der Gottlosen unrechtmäßigen Gewalt zusieht, so sollen wir jedoch aus diesen Psalmen unsere Hoffnung stärken und gewisslich glauben, es werde die Zeit kommen, dass die Unschuldigen und Gottseligen ihre Frömmigkeit genießen werden, in diesem und in dem zukünftigen Leben.)


Der 12. Psalm


1. Es beklagt sich die Kirche Gottes in diesem Psalm, dass der recht frommen Leute, die heilsam lehren, recht leben und aufrichtig mit dem Nächsten handeln, ein sehr kleines Häuflein sei. Denn der Heilige Geist zuvor gesehen, wie eine große Flut irriger Meinung, Menschensatzungen und Ketzerei, die Kirche überschwemmen werde. Darum bittet sie (die christliche Kirche), dass Gott durch sein Wort solche irrigen Lehrer zurücktreibe und tut die Verheißung, dass solches geschehen soll. Betet auch weiter, dass Gott für uns sein Wort bei uns erhalten wolle. Diesen Psalm sollen wir besonders zu diesen kümmerlichen Zeiten beten, da die reine Lehre bei etlicher Kirche zerstört, auch Frömmigkeit und Redlichkeit teuer ist.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen auf acht Saiten.

Acht Saiten: Nämlich auf ein Instrument, welches acht Saiten gehabt.

2. Hilf, Herr, die Heiligen haben abgenommen und der Gläubigen ist wenig unter den Menschenkindern.

Hilf Herr: O lieber Gott, komme du uns in unserem Elend zu Hilfe, sonst ist es mit uns schon geschehen.

Abgenommen: Sie sind ganz dünne worden, welche recht glauben und einen gottseligen Wandel auf Erden führen.

Ist wenig: Man findet deren nicht viele, die sich um die Wahrheit göttlicher Lehre mit Ernst annehmen. (Besonders zur Zeit der Verfolgung bedünkt uns, es habe jedermann der Wahrheit genug und ihr Urlaub gegeben, wie auch Elias meinte, es wäre niemand mehr übrig, der dem rechten Gott diente, denn er einzig und allein.)

3. Einer redet mit dem anderen unnütze Dinge und heucheln und lehren aus uneinigem Herzen.

Unnütze Dinge: Sie reden eitel Menschentand und nicht dein Wort.

Heucheln: Sie haben zwei Zungen im Maul.

Uneinigem: Sie reden nicht aus redlichem und einfältigem, sondern aus falschem Herzen. (Diese Schurkerei geht heutigentags zum Teil bei den Katholiken, zum Teil bei den Calvinisten und auch anderen Ketzern im Schwange, dass sie anders reden und anders denken. Die Katholiken zwar geben mit Worten vor, sie schreiben unser Heil und Seligkeit allein dem Verdienst Christi zu. Die Zwinglianer sagen, sie glauben, dass Christi Leib wahrhaftig zugegen sei, betrügen aber beide ihre Zuhörer.)

4. Der Herr wolle ausrotten alle Heuchelei und die Zunge, die da stolz redet {Gal 5v12}.

Der Herr: Folgt jetzt des Heiligen Geistes Wunsch, den er wider die Verführer durch den Mund des Propheten ausgesprochen hat.

Stolz redet: Nämlich die zweizüngigen falschen Leute, die falsche Lehre freventlich und mit großer Pracht vorbringen und sich aus Gottes Wort nicht wollen weisen lassen.

5. die da sagen: Unsere Zunge soll überhand haben, uns gebührt zu reden; wer ist unser Herr?

Überhand: Was wir reden, das soll gelten.

Zu reden: Es steht uns frei, dass wir reden mögen, was uns gefällt.

Unser Herr: Uns hat niemand Maß oder Ordnung zu geben, was wir schließen oder diktieren sollen. Solchen Übermut treibt auch der Papst zu Rom, der sich selbst über die Konzilen denkt zu sein, gleich als ob es ihm freistünde, in der Religion zu ordnen was ihm beliebt, Gottes Wort nach hinten gesetzt. Auch die Zwinglianer prangen mit den alten Kirchenlehrern und wenden derselben hohes Ansehen, doch fälschlich zu ihren Behelf vor. Daneben aber wissen sie auf die Hölle Zeugnis der Heiligen Schrift nichts Gründliches zu antworten.)

6. Weil denn die Elenden verstört werden und die Armen seufzen, will ich auf, spricht der Herr; ich will eine Hilfe schaffen, dass man getrost lehren soll.

Verstört: Wie ich sehe, dass sie von solchen Wölfen sehr bedrängt und unterdrückt werden.

Armen: Welche ich aus väterlicher Zuneigung gegen ihnen und nach meiner Barmherzigkeit nicht kann in die Schanze schlagen.

Ich auf: Es ist eine Notdurft, dass ich mich fertig mache, die armen Bedrängten zu retten. (Dies sind die armseligsten Leute, die in irriger Lehre verwickelt sind und keine Ruhe ihres Gewissens in den Menschensatzungen finden können.)

Lehren: Ich will helfen und retten, dass man Gottes Wort rein und lauter predigen soll.

7. Die Rede des Herrn ist lauter, wie durchläutert Silber im irdenen Tiegel, bewährt siebenmal {2Kön 22v3 Ps 18v31}.

Die Rede: Jetzt preist er das Wort Gottes, wie rein und lauter solches sei, auf dass im Gegenteil daraus erscheine, wie ganz ein eitles Ding es sei mit den Menschensatzungen.

Lauter: Nicht mit Irrtum und Lügen vermengt.

Siebenmal: Denn das ist das allerbeste feine Silber, wenn es siebenmal umgeschmolzen wurde. (Gottes Wort aber sollen wir für unseren köstlichsten und teuersten Schatz halten und uns von dem selbigen nicht auf der Menschen Träume abführen lassen.)

8. Du, Herr, wollest sie bewahren und uns behüten vor diesem Geschlecht ewig.

Sie: Nämlich deine Rede und dein Wort, das du deiner Kirche geoffenbart hast. (Denn der Teufel begehrt das angezündete Licht des göttlichen Wortes wiederum auszulöschen.)

Geschlecht: Nämlich von der nicht nützlichen und verkehrten Art, die zwar einen großen Eifer wahrer Gottesfurcht vorgibt, aber doch anstatt des göttlichen Wortes Menschentand einschiebt. (Denn solche falschen Lehrer und reißenden Wölfe können großen Schaden in der Kirche Christi tun, wo wir nicht von Gott erhalten werden.)

9. Denn es wird überall voll Gottloser, wo solche losen Leute unter den Menschen herrschen.

Voll Gottloser: Wo du nämlich diese losen Leute nicht austilgen wirst, so werden ihrer viele ihnen mit Haufen zufallen und ihren Irrtum gutheißen. Also dass die ganze Welt wird voller gottloser Leute werden, bei denen dein Wort nichts gelten wird. (Denn wo Gott die Anfänger der Ketzereien nicht dämpft, so wird die Kirche voller vorwitziger Leute, die in Gottes Wort und Geheimnissen mit ihrer tölpischen Vernunft grübeln und vergiften damit, als mit einer bösen Sucht, auch andere, dass sie es ihnen nachtun.)


Der 13. Psalm


1. Dieser Psalm ist eine feine Weise und Form zu beten für einen betrübten und angefochtenen Menschen, der lange nach Trost und Hilfe Gottes geseufzt hat, aber noch keine Milderung findet. Er hörte aber nicht auf, bei Gott um Hilfe zu schreien, und verspricht dankbar zu sein. Wir sollen diesen Psalm beten, wenn wir unter der schweren Last der Traurigkeit und Anfechtung seufzen und nicht gleich bald Hilfe spüren.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen.

Vorzusingen: Dass er nämlich in der Gemeinde Gottes dem Volk vorgesungen werde.

2. Herr, wie lange willst du mein so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?

Vergessen: Denn es hat schier das Ansehen, als ob du mich ganz aus der acht gelassen hättest. (Denn wir können unseres schwachen Fleisches halben nicht anders denken, als dass Gott unser vergessen habe, wenn er keine Hilfe sehen lässt.)

Antlitz: Nämlich dein gnädiges Angesicht, dass ich keine Zeichen deines guten Willens spüre. Als wenn sich ein Vater vor dem Kinde verbirgt und lässt sich mit weinenden Augen suchen.

3. Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?

Sorgen: Und mich selbst müde machen mit vergeblichen Gedanken und Anschlägen, wie und durch was Mittel ich aus dem großen Unfall kommen möchte? Damit ich doch nichts ausrichte und fehle mir alle meine Anschläge. (Die tun aber unweislich, welche in Anfechtung und Bekümmernis ihren Gedanken nachhängen und nicht vielmehr das Gebet und gutherziger Leute Rat an die Hand nehmen.)

Erheben: Mit solcher Gewalt, dass ich ihm immer weichen muss. (Dies wird uns hier darum vorgehalten, auf dass die Gottseligen, wenn sie lange Zeit entweder mit leiblicher Trübsal oder innerlicher beschwerlicher Anfechtung heimgesucht werden, nicht meinen, sie sind darum ganz von Gott verworfen, dieweil wir sehen, dass David und andere Heilige, so Gott die allerliebsten gewesen, von ihm gleichermaßen in die Schule geführt worden sind.)

4. Schaue doch und erhöre mich, Herr, mein Gott! Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,

Schaue doch: Siehe mein Elend gnädiglich an und komme mir zu Hilfe, denn ob es gleich scheint vergebens zu sein, wenn ich lange gebetet habe, so will ich dennoch mit dem Gebet anhalten.

Augen: Nämlich die Augen meines Herzens, durch das Wort des heiligen Evangeliums, dass ich in Trübsal und Anfechtung nicht ganz und gar verderbe, sondern lass mir dein heiliges Wort also vorleuchte, dass ich durch alle Anfechtung, Kreuz und durch das finstere Tal des Todes zum ewigen Leben eingehe.

Nach Luther: Mache mir das Angesicht fröhlich.

5. dass nicht mein Feind rühme, er sei mein mächtig geworden und meine Widersacher sich nicht freuen, dass ich niederliege.

Feind: Er sei gleich leiblich oder geistlich.

Niederliege: Denn wenn sie mich ganz zugrunde gerichtet hätten, so würde solches nicht nur allein mir zum Verderben, sondern auch deinem allerheiligsten Namen zu Unehren gereichen. Weil die Feinde sich rühmen würden, sie hätten den zu Platz gelegt, der sich auf deine Verheißung verlassen und doch keine Hilfe erlangen möge. (Wenn man also Gott seines Namens Ehre vorhält, so wird er dadurch bewegt, dass er seine Hilfe erzeigt.)

6. Ich hoffe aber darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut.

Gnädig bist: Ich habe gute Hoffnung zu deiner Güte, denn dich deine Barmherzigkeit und Gnade dazu treibt, dass du dem Elenden mit Hilfe erscheinst. (Darum, wenngleich der Trost lange aufgehalten wird, sollen wir doch gute Hoffnung haben, es werde einmal eins unsere äußerliche und innerliche Beschwernis gemildert, dass wir uns unseres wahren ewigen Heils, welches Christus der Heiland uns zuwege gebracht und erlangt hat, freuen können.)

Singen: Und den Namen des Herren preisen. (Denn, wir sollen Gott für die empfangene Erlösung Lob und Dank sagen.)


Der 14. Psalm


1. Dieser Psalm ist außerhalb etlicher weniger Worte dem dreiundfünfzigsten ganz gleich und predigt David anfangs von der verderblichen Sünde, welche das menschliche Geschlecht durchdrungen und verdorben hat. Danach zeigt er an, dass unter den Sündern etliche Unbußfertige in ihrem gottlosen Wesen fortfahren. Etliche aber werden durch wahren Glauben zu Gott dem Herrn bekehrt, denen stehe zwar Gott mit seiner Hilfe bei, müssen aber doch daneben auch von den Gottlosen viel Ungemach leiden. Wünscht hierüber der Prophet, dass Gott seiner Kirche durch die Predigt des Evangeliums förderlich wahre Hilfe tue und Heil verschaffe.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen. Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Sie taugen nichts und sind ein Gräuel mit ihrem Wesen. Da ist keiner, der Gutes tue {Ps 10v4 v6 Ps 53v1 Röm 3v11 v12}.

Toren: Nämlich die Gottlosen, so nicht wiedergeboren sind und mit der heilsamen Erkenntnis Gottes nicht erleuchtet wurden. Denn solche werden in der Heiligen Schrift für Toren und Narren ausgerufen. * (Nach Luther) Die rohen, losen Leute, die nach Gott nicht fragen.

Herzen: Ob sie sich es gleich mit Worten nicht verlauten lassen.

Kein Gott: (Denn wenn sie es gleich mit dem Munde bekennen, dass ein Gott sei, so verleugnen sie ihn doch mit den Werken {Tit 1}. Und bezeugt es all ihr Tun und Vornehmen, dass solcher Unglaube in ihrem Herzen verborgen stecke, es sei entweder gar kein Gott oder, da schon einer sei, nehme er sich dessen, was auf Erde vorgeht, nicht an, welches ebenso viel ist als das vorige. Denn dass keine Gottesfurcht bei ihnen sei, geben ihre Worte und Werke genügend zu erkennen.)

Taugen nichts: Es sind alle Menschen mit der Erbsünde verdorben.

Wesen: Und all ihrem Tun. (Denn was sollte Gutes aus einem solchen Herzen kommen, das ganz und gar verdorben ist?)

Keiner: Unter denen, die nicht wiedergeboren sind. (Ja auch wenngleich die Wiedergeborenen etwas Gutes tun, so tut es vielmehr Gott in ihnen, als sie selbst. Denn Gott ist es, der da gibt beides, dass sie Gutes wollen und vollbringen {Phil 2}. Und hängt dennoch immer etwas Sündliches den selbigen guten Werken von unserem verdorbenen Fleische an. (Darum soll man nicht meinen, dass solches, was hier gesagt wird, nur von etlichen Menschen zu verstehen sei, sondern es wird vielmehr aller Menschen verdorbenen Natur hier abgemalt, wie Paulus bezeugt {Röm 3}.)

2. Der Herr schaut vom Himmel auf der Menschen Kinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.

Jemand: Unter dem menschlichen Geschlecht.

Frage: Der Gott und seinen heiligen Willen recht erkenne und ihm von Herzen diene.

3. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig; da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer {Röm 3v10}.

Abgewichen: Sie haben sich allerdings von Gott abgewandt, welches wohl zum Erbarmen ist.

Untüchtig: Denn alle Menschen sind von Natur mit Blindheit in ihrem Verstand und mit Bosheit in dem Herzen behaftet. (Darum hat kein freier Wille bei den Menschen in geistlichen Sachen statt.)

Nicht einer: Unter allen Menschen. (Denn dass die Wiedergeborenen gute Werke tun, ist diesem Spruch nicht zuwider, weil Gott solche in ihnen wirkt und krönt seine Gaben in uns. Christus aber als ein Mensch, der nicht aus des Mannes Samen, sondern vom Heiligen Geist empfangen wurde, gehört keineswegs unter die Zahl der sündigen Menschen.)

4. Will denn der Übeltäter keiner das merken, die mein Volk fressen, dass sie sich nähren, aber den Herrn rufen sie nicht an?

Merken: Denn weil die menschliche Natur so ganz verdorben ist, so sollen die Sünder ihr Unrecht richtig erkennen und sich umsehen, wie der Sache Rat zu finden wäre, dass sie Buße täten, aber es geschieht nicht.

Fressen: Da sie doch vielmehr sollten friedlich mit ihnen leben und zugleich miteinander Gott dem Herrn dienen.

Nicht an: Sie dienen dem Herrn nicht, sondern beharren in ihrem angeborenen sündlichen Wesen. Denn durch das Wörtlein (anrufen) versteht hier und an anderen Orten oftmals der Heilige Geist den ganzen Gottesdienst.

5. dort fürchten sie sich; aber Gott ist bei dem Geschlecht der Gerechten.

Fürchten: (Nach Luther) Gott fürchten sie nicht, sonst fürchten sie allerlei, als Bauch, Brot, Gut, Ehre, Gefahr, Tod.

Sie sich: Da sie sich nicht fürchten sollten, wie der 53. Psalm davon redet. Und ist so viel gesagt: Die Gottlosen wollen dafür nicht angesehen sein, dass sie den Gottesdienst nicht achten, aber sie gehen mit einem solchen Gottesdienst um, den sie fliehen sollten. Gott fürchten aber heißt hier und an anderen Orten der Schrift so viel, als Gott dienen. (Darum weil sie Gott nicht nach Anweisung seines Wortes, sondern mit Menschentand und Satzungen dienen wollen, so haben sie keinen Gott. Denn die Heuchler haben ganz einen verkehrten Eifer in ihrer Religion, dass sie den rechten Gottesdienst verwerfen und mit dem falschen sich vergeblich martern.)

Gerechten: Das ist: Gott ist mit Gnaden allein bei seiner Kirche, die aus Gottes Wort wiedergeboren, durch den Glauben gerechtfertigt ist und Gott nach seinem Wort rechtschaffen dient. (Und das macht den Unterschied unter den Menschen, dass, ob wir wohl von Natur alle Sünder sind, dennoch etliche durch den Glauben gerecht und mit dem Heiligen Geist begabt werden und Gott im Glauben dienen, die anderen aber bleiben Gottlose. Und ob sie gleich auch ganz für fromm und heilig wollen gehalten werden, so nehmen sie sich doch des Gottesdienstes, der ihm gefällig ist, nicht an und die gottlose Kirche hasst immer die rechte Kirche Gottes.)

6. Ihr schändet des Armen Rat; aber Gott ist seine Zuversicht.

Ihr schändet: Die ihr zu der rechten Kirche Gottes nicht gehört, geht allein damit um, dass ihr alle der frommen Vorhaben, Tun und Lassen verlacht und verhindert und da es euch möglich wäre, wolltet ihr sie gerne ganz ausrotten. Durch die Armen aber versteht der Psalm die recht gottseligen Leute, dieweil der größte Haufen der Reichen und gewaltigen gottlos ist, die rechten Glieder aber Christi oft mit Armut und Trübsal bedrängt sind.)

Zuversicht: Sie trauen auf den Herrn, der sie behütet, dass sie nicht von den Gottlosen aufgerieben werden. (Und wird die Kirche bleiben bis auf die Zukunft Christi am Jüngsten Tage, wenn gleich alle Gottlosen darüber zerspringen sollten.)

7. Ach, dass die Hilfe aus Zion über Israel käme und der Herr sein gefangen Volk erlöste! So würde Jakob fröhlich sein und Israel sich freuen.

Ach: Jetzt beschließt er den Psalm mit einem Wunsch, als wollte er sprechen: Ach dass aus Jerusalem das Evangelium ausgebreitet würde, dadurch die Kirche Gottes, das Heil und die ewige Seligkeit erlangt. (Denn die Patriarchen haben mit großem Verlangen auf die Zukunft Christi und auf die helle Predigt des Evangeliums gewartet.)

Erlöste: Das ist: Wenn Gott durch seinen eingeborenen Sohn seine Kirche wird erlösen aus der Dienstbarkeit der Sünden, des Teufels und von der Gewalt des ewigen Todes und solche Erledigung durch die Predigt der Apostel auskommen wird, in der ganzen weiten Welt, so werden des Patriarchen Jacobs Nachkommen, das Volk Israel, das ist, Gottes Volk, dessen Freude und Wonne haben. Denn das sind nicht die rechten Israeliten, die nach dem Fleisch von dem Patriarchen Jakob (der mit dem Zunamen Israel ist genannt worden) geboren sind, sondern die an Christus glauben, ob sie gleich von Heiden herkommen {Gal 6 Röm 2}. (Denn das Evangelium Christi macht ein rechtschaffen ruhiges Herz und bringt Friede und Freude im Heiligen Geist {Röm 5 14}.)


Der 15. Psalm


1. Dieweil in der Kirche Gottes (so viel den äußerlichen Wandel betrifft) ihrer viele sich finden, die sich zwar der rechten Lehre rühmen und aber weder Glauben zu Gott haben, noch sich in ihrem Leben einer rechten Gottseligkeit bemühen, so beschreibt der Prophet in diesem Psalm etliche Merkzeichen, dabei man diejenigen erkennen soll, welche der Kirche Gottes angehören und verspricht, dass die sollen Glück haben. Und ist dieser Psalm dahin sehr dienlich, dass die, so ihnen selber, doch fälschlich großen Glauben einbilden (da sie gar keinen rechten Glauben haben), hierdurch aufgebracht und zur Annehmung desselben aufgemuntert werden. Denn die solchen Merkzeichen, so in diesem Psalm erzählt werden, nicht haben, gehören nicht zu der Kirche Gottes. Auch sollen hierdurch die lauen Christen angereizt werden, dass sie mit wahrem Eifer rechtschaffene Früchte des Glaubens bringen.

1. Ein Psalm Davids. Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte? Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge?

Berge: Das ist: Wer gehört eigentlich zu deiner Kirche, die bei der Stiftshütten auf dem Berge Zion versammelt wird? (Jetzt aber ist die Kirche nicht an einen gewissen Ort gebunden, sondern hin und wieder in der ganzen Welt befindet sie sich, wo das Evangelium von Christus rein gepredigt wird.)

2. Wer ohne Wandel einhergeht und recht tut und redet die Wahrheit von Herzen;

Wer: Jetzt antwortet David sich selber auf oben gesetzte Frage und zeigt an, was das für Leute sind, die einen rechten Glauben haben und lebendige Glieder der Kirche Gottes sind. Er erzählt aber nicht alle Tugenden, die einem frommen Menschen geziemen, sondern allein etliche und besonders die, welche sich oft und täglich sehen lassen.

Geht: Der ein unsträfliches Leben führt und sich nicht mit Schande und Lastern besudelt. (Denn Schande und Laster und ein seligmachender Glaube können nicht beieinander stehen.)

Recht tut: Der sich recht gegen seinem Nächsten hält. (Denn die Ungerechten werden das Reich Gottes nicht erben {1Kor 6}.)

Herzen: Der ein redliches aufrichtiges Gemüt hat und redet was wahr ist, dabei er auch beständig bleibt und achtet weder hoher Leute Gunst noch böser Leute Ungunst. (Denn die ihre Rede nach anderer Leute Wohlgefallen richten und nicht beständig bei der Wahrheit bleiben, die gehören nicht unter die Zahl der Kinder Gottes.)

3. wer mit seiner Zunge nicht verleumdet und seinem Nächsten kein Arges tut und seinen Nächsten nicht schmäht;

Nicht verleumdet: (Sind deswegen die Verleumder und Ohrenbläser auch nicht Kinder Gottes.)

Kein Arges: Der seinem Nächsten nicht tut, was er selber nicht gerne hätte, das man ihm tat. (Denn welche ohne rechtmäßige billige Ursache ihrem Nächsten wissentlich und vorsätzlich (nicht Amtes und Berufes halben gedrungen) Leides tun, die geben damit zu erkennen, dass sie nicht Bürger des Himmelreichs sind.)

Nicht schmäht: Der ihn nicht schändet und lästert. (Darum sind auch die Lästerer nicht Erben am ewigen Leben. Dass aber durch den Nächsten nicht allein die Freunde, sondern auch die Feinde sollen verstanden werden, ist offenbar aus dem Gleichnis Christi von dem, der unter die Mörder gefallen war {Lk 10}.)

4. wer die Gottlosen nichts achtet, sondern ehrt die Gottesfürchtigen; wer seinem Nächsten schwört und hält es;

Nicht achtet: Der die Gottlosen und Verstockten verachtet, die Frommen aber hochhält. Obwohl diese arm und verachtet in der Welt, jene aber reich und mächtig sind. (Welche aber den Gottlosen um Gutes und Gewalt willen schmeicheln, die Frommen aber ihrer Armut wegen verachten, die haben kein Teil am Reich Gottes.)

Und hält es: Das ist: Der das allein, was wahr und nicht erlogen ist, mit einem Schwur beteuert und was er einmal geschworen hat, dasselbe auch treulich hält und leistet. (Sind deswegen die Meineidigen nicht Glieder der Kirche Gottes. In wahrhaftigen, ehrlichen und hochwichtigen Sachen aber einen Eid schwören ist nicht verboten und dergleichen Schwur wird hier gerühmt, wider den Irrtum der Wiedertäufer.)

5. wer sein Geld nicht auf Wucher gibt und nimmt nicht Geschenke über den Unschuldigen: Wer das tut, der wird wohl bleiben.

Wucher: (Denn die Wucherer werden ebenso wenig ins Himmelreich kommen als die Diebe und Mörder. Was aber für Wucher zu halten, da geben die weltlichen Gesetze Ordnung und Maß darin. Denn solche Kontrakte und Hantierungen, die in ehrlichen weltlichen Satzungen und Rechten erlaubt sind, soll man nicht für Wucher halten.)

Geschenk: Der sich mit Geschenken und Gaben nicht bestechen lässt, dass er unrechte Urteile über einen Unschuldigen fälle oder ihn mit falscher Kundschaft beschwere oder in anderen Wegen Schaden zufüge. (Denn die sind nicht unter die Kinder Gottes zu rechnen, die sich durch Geschenke und Gaben dahin bewegen lassen, dass sie den Frommen Unrecht tun oder den Gottlosen in ihrer ungerechten Sache beipflichten.)

Tut: Aus wahrem Glauben, daher alle gute Werke entspringen.

Bleiben: Den wird Gott nicht unter seinem Volk ausrotten, sondern wird ein rechtes Glied der Kirche sein und bleiben und da er in seiner Frömmigkeit beharrt, endlich ewig selig werden. (Durch diesen Psalm aber wird denjenigen, welche gefallen sind und gesündigt haben, die Gnade nicht abgekündigt oder abgeschnitten, als ob die, so solchen oben erzählten Tugenden zuwidergehandelt und später Buße getan haben, nicht sollten Erben des Himmelreichs sein können. Denn denen, die rechtschaffene Buße wirken, wird ihre Sünde nicht zugerechnet {Ps 32}. Es wird auch das ewige Leben menschlichen Kräften, Werken und Verdiensten nicht zugemessen, sondern wird erzählt, was für ein Unterschied sei zwischen denen, die fälschlich sich des Glaubens rühmen und mit guten Werken denselben nicht bezeugen und denen, die einen lebendigen Glauben an Christus haben, welcher durch die Liebe gegen dem Nächsten tätig ist. Darum sollen wir diesen Psalm oft sprechen, damit wir unseren Glauben mit guten Werken zu bezeugen angehalten und aufgemuntert werden.)


Der 16. Psalm


1. In diesem Psalm tut Christus sein Gebet zu seinem himmlischen Vater, dass er ihn in Todesnöten, am Kreuz und im Tod darin, unter der schweren Last der Sünden des ganzen menschlichen Geschlechts, gnädiglich erhalten wolle. Und weissagt daneben, wie Gott das jüdische Volk verwerfen und verstoßen werde, bei welchem zu großem Teil das Leiden Christi übel angelegt ist. Er verkündigt auch, dass die Heiden sein Evangelium annehmen und sich ihm willig untergeben werden. Danach dankt er seinem himmlischen Vater, dieweil er weiß, dass er ihn im Leiden, Sterben und auch in der Hölle nicht lassen, sondern wiederum auferwecken und zu der Rechten seiner Majestät setzen werde, da er ewig herrschen und regieren soll. Diesen Psalm hat der Apostel Petrus in seiner ersten Predigt, Apostelgeschichte 2. und Paulus, Apostelgeschichte 13. angezogen.

1. Ein goldenes Kleinod Davids. Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.

Gott: Mein himmlischer Vater, in der großen Angst meines Herzens. Denn ich, als der ich die Sündenlast der ganzen Welt trage, deinen schweren und schrecklichen, aber doch auch gerechten Zorn wider die Sünde empfinde, darum ich, wenn ich mein Kreuz, den Tod und die Hölle vor mir sehe, nicht allein zittere und zage, sondern auch blutigen Schweiß schwitze. Denn ob ich wohl meiner Person halben wahrer Gott und Herr Himmels und der Erde und also der Herr der Herrlichkeit bin {1Kor 2}. Jedoch dieweil ich mich das menschliche Geschlecht zu erlösen erniedrigt habe {Phil 2} und dieser Zeit meine Gewalt nicht benutzen soll, sondern das Elend des menschlichen Geschlechts wohl erfahren und innewerden muss, so hab ich in dieser äußersten und menschlicher Natur schier unerträglicher Angst, meine Zuflucht zu dir und bitte, du wollest mich nicht verlassen.

Traue: Du hast aber zugesagt, wer auf dich traut, soll nicht zuschanden werden.

2. Ich habe gesagt zu dem Herrn: Du bist ja der Herr, ich muss um deinetwillen leiden.

Gesagt: Mit demütigem Herzen.

Der Herr: Darum will mir gebühren, dass ich dir gehorsam sei.

Leiden: Du hast mir die Last aufgelegt, dass ich das Gesetz für das menschliche Geschlecht erfülle und für die Sünden desgleichen die schwere Strafe leide, darum will ich dir Gehorsam leisten, dem menschlichen Geschlecht zum Besten.

3. Für die Heiligen, so auf Erde sind und für die Herrlichen; an denen habe ich all mein Gefallen.

Heiligen: Die durch den Heiligen Geist geheiligt werden, denen wird die Erfüllung des Gesetzes, die durch mich geschieht und dies mein Leiden zum Besten gereichen.

Herrlichen: Die in meinen Augen, um der Liebe willen, so ich zu ihnen trage, für herrlich gehalten werden und mir die Allerliebsten sind, denen wird mein Gehorsam nützlich und dienlich sein. (Weil deswegen Christus seine Apostel, die doch mit so mancherlei menschlicher Schwachheit und Ängstlichkeit behaftet gewesen, seine Freunde und Brüder nennt. Auch gegen die Zöllner und Sünder so freundlich sich erzeigt, so gibt er damit zu erkennen, welche er lieb habe und hoch oder herrlich halte, nämlich nicht die aufgeblasenen hochtrabenden Heuchler und Pharisäer, sondern die armen bußfertigen Sünder.) Diese (spricht Christus) die mich ihren Heiland mit Glauben annehmen, sind mir lieb und wert, für die will ich mich auch die allergrößten Marter zu leiden nicht weigern. Aber die verstockten Juden, welche meine Gnade, die ihnen durch das Evangelium soll angeboten werden, ausschlagen, die will ich verwerfen und mit ihnen ganz nichts zu schaffen haben, wie folgt.

4. Aber jene, die einem anderen nacheilen, werden großes Herzeleid haben. Ich will ihres Trankopfers mit dem Blut nicht opfern, noch ihren Namen in meinem Munde führen.

Anderen: Nämlich ihren Götzen und abergläubischen Sachen.

Herzen leid: Sie werden sich selbst und anderen mit vielen verdrießlichen Menschensatzungen, damit sie Gott dienen wollen, große Mühe und Arbeit auf den Hals laden, darin sie doch weder Trost noch ein ruhiges Gewissen finden können. Darum ihr Herz immer zittern und erschrecken wird vor einem rauschenden Blatt. (Denn Menschensatzungen machen kein ruhiges Herz und solche Gottesdienste, die nicht von Gott geboten, sondern von Menschen erdichtet wurden, sind lauter Abgötterei, wie sonst auch oftmals erwiesen und dargetan wurde.)

Trankopfers: Welches eine besondere Art von Opfern war.

Mit dem Blut: (Nach Luther) Das ist: Die mit Bocksblut Gott versöhnen, ich aber mit meinem eigenen Blut.

Nicht opfern: Das ist: Ich will weder Teil noch Gemeinschaft mehr mit ihren Opfern haben, die sie tun mit besprengtem Blut von unvernünftigen Tieren. Denn sie halten solche Zeremonien nicht mit gläubigem Herzen und sind den selbigen so ganz ergeben, dass sie darunter meines Opfers, welches durch die ihrige abgebildet wurden, nichts achten. So sollen auch die levitischen Opfer des Alten Testaments, wenn mein Opfer am Kreuz vollbracht wird, ganz abgetan werden und will sie mit ihren Opfern verwerfen.

Namen: (Nach Luther) Das ist: Ich will ihr Ding nicht lehren noch predigen, die mit Werken umgehen, sondern vom Glauben, den Gott gibt.

Führen: Ich will die verstockten Juden auch vor meinem himmlischen Vater nicht bekennen und niemals sagen, dass sie mir angehören, denn sie mich auch verleugnen und verwerfen werden.

5. Der Herr aber ist mein Gut und mein Teil; du erhältst mein Erbteil.

Mein Teil: d. i. Ob mich gleich die Juden verleugnen. Ich sie auch wegwerfen werde, so werde ich doch nichts desto ärmer sein, sondern der Allerreichste. Denn ich habe einen gnädigen Vater im Himmel, der mich herzlich liebt, der ist mir so gut, als wenn ich alles hätte, und wird mir auch reichlich vergelten, was ich an den verstockten Juden für Schaden leiden und einbüßen werde.

Erbteil: Du wirst mir mein stattliches Erbteil handhaben und für die Juden einen unzählbaren Haufen der Heiden zustellen, die sich unter mein Reich ergeben werden.

6. Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche; mir ist ein schön Erbteil worden.

Erbteil worden: Als wollte er sprechen: Ich sehe bereits mein Erbteil in der Hoffnung. Und ist in der Erbteilung, da mir das Meinige soll zugeteilt werden, ein treffliches gutes Land worden. Dies ist eben eine Rede, als wenn in Teilung der Fürstentümer oder Herrschaften eines Königs Sohn sagte: Mir ist in meinem väterlichen Erbteil ein schönes Land worden. Ich habe herrliches Land und Leute bekommen. (Es hält aber Christus viel auf die Kirche, die aus den Heiden gesammelt wurde, nicht allem darum, dieweil so viele Heiden viel zu ihm durch das Evangelium bekehrt wurden, sondern auch um des inbrünstigen Eifers willen, den sie zu der christlichen Religion und Lehre gehabt, wie die Historien der ersten Kirche bezeugen.)

7. Ich lobe den Herrn, der mir geraten hat; auch züchtigen mich meine Nieren des Nachts.

Geraten: Und mir den Weg gezeigt, wie ich durch den Tod des Kreuzes zu der höchsten Glorie und Herrlichkeit meiner menschlichen Natur nachkommen möge. (Denn weil Christus im Stand der Erniedrigung ist, misst er alle empfangene Guttat seinem himmlischen Vater mit Danksagung zu.)

Nieren: Durch die Nieren wird eines Menschen Begierde und Verlangen verstanden und ist so viel gesagt: Es steht nicht allein am Tage, sondern auch bei Nacht meine Begierde und Verlangen dahin, dass ich dir Gehorsam leiste, das menschliche Geschlecht zu erlösen. (Denn obwohl sonst auch die Natur, so nicht in Sünden verdorben ist, sich vor dem Tod entsetzt, so hat jedoch Christus mit herzlichem Verlangen, seine Kirche vom ewigen Tod zu erlösen und sie aller himmlischen Güter teilhaftig zu machen begehrt.)

8. Ich habe den Herrn immer vor Augen; denn er ist mir zur Rechten, darum werde ich wohl bleiben {Apg 2v25}.

Vor Augen: Ich wandle immer in der Furcht Gottes, wie ich richtig tun soll.

Zur Rechten: Mit seiner väterlichen Hilfe.

Wohl bleiben: Das ist: Dieweil ich mich der Furcht Gottes von Herzen befleißige, auch deswegen einen getreuen, gnädigen und allmächtigen Vater habe, werden mich meine Feinde nicht verderben können, ob sie sich gleich mit großem Gewalt an mich machen. (Denn die Feinde Christi werden weder ihm noch seinen geistlichen Gliedern etwas abgewinnen, wenn sie schon wider ihn und seine Kirche heftig und mit Gewalt stürmen.)

9. Darum freut sich mein Herz und meine Ehre ist fröhlich, auch mein Fleisch wird sicher liegen.

Freut sich: Wenn ich schon den Tod vor Augen sehe.

Ehre: (Nach Luther) Das ist: Meine Zunge, da ich Gott mit Ehre und preise.

Fröhlich: Das ist: Darum will ich dich loben und preisen mit freudigem Herzen, dass du mich nicht im Verderben stecken lässt, ob ich gleich alle Sünde der ganzen Welt zu büßen auf mich genommen habe. Einen solchen Trost und innerliche Freude hat Christus empfangen nach dem letzten Abendmahl, kurz zuvor, eher denn er an den Ölberg hinausgegangen, da er zu seinen Jüngern sagt, nun ist des Menschen Sohn verklärt {Joh 13}.

Sicher liegen: Denn ob ich gleich sterben muss, so wird dennoch mein Fleisch unverwesen und sicher im Grab behalten werden bis zur bald künftigen Auferstehung. (Das soll auch aller derer, die an Christus glauben, Trost sein. Denn obwohl ihre Leiber verwesen, so werden sie doch in Gottes Hand also bewahrt, dass sie zur ewigen Seligkeit wiederum einmal eins werden auferstehen.)

10. Denn du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger verwese.

Lassen: Und ob ich wohl zur Hölle hinabsteigen, auch die Schrecken des Todes und der Hölle Schmerzen werde, so wird doch meine Seele in diesem Schmerzen und Schrecken der Hölle nicht zugrunde gehen, sondern überwinden und endlich den Sieg erhalten. (Hier haben wir ein Zeugnis von der Höllenfahrt Christi. Er hat aber darum die Angst und Schrecken der Hölle erfahren wollen, auf dass wir vor der ewigen höllischen Pein gesichert würden, in Kraft seines Verdienstes und Leidens.)

Verwese: Du wirst nicht zulassen, dass mein Leib lange von der Seele abgeschieden bleibe und in dem Grabe anfange zu faulen, weil ich der allerheiligste Gott und auch der allerheiligste Mensch bin.

11. Du tust mir kund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle und lieblich Wesen zu deiner Rechten ewig.

Zum Leben: Das ist: Du wirst durch den rechten Weg aus dem Tode zum Leben einführen. Und ist dies eine sehr schönes Gleichnis, als wenn einer sehe, wie der Vater, dem Sohn mit einem Finger die richtige Straße zeigte, darauf man aus dem Tode zum Leben eingehen könnte. (Hier hat man ein Zeugnis der Auferstehung Christi.)

Die Fülle: Das bringt mir samt den Meinen unaussprechliche Freude, dass, wenn wir von den Toten auferstehen, wir dich in großer Herrlichkeit sehen werden. Denn wir werden Gott sehen, wie er ist {1Joh 3}. (Dies ist ein Zeugnis von der Freude des ewigen Lebens.)

Rechten: Das ist: Du wirst mich setzen zu deiner Rechten in großer Herrlichkeit, dass ich auch ein Mensch, mit dir in gleicher Macht, im Himmel und auf Erde überall gegenwärtig regieren soll. Keine größere Herrlichkeit, Lieblichkeit und Freude kann nie sein. (Hierdurch ist auch in diesem Psalm der Artikel vom Sitzen Christi zur Rechten des Vaters bestätigt. Demnach nun mit dieser Weissagung des Herrn Christi Leiden, Sterben, Begräbnis, Höllenfahrt, Auferstehung, Himmelfahrt und Sitzen zur Rechten des Vaters durchaus übereintreffen, so sollen wir mit festem Vertrauen all unsere Hoffnung auf Christus setzen. Also werden wir ihn auch samt dem himmlischen Vater in höchsten Freuden anschauen immer und ewig.)


Der 17. Psalm


1. Dieser Psalm mag zwar auch von de Beschwernissen und Trübsalen der christlichen Kirche (sofern sie ein geistlicher Leib Christi ist) verstanden werden, besonders aber und eigentlich ist er von Christus zu verstehen. Denn der, so in diesem Psalm betet, rühmt sich solcher Unschuld, die keinem anderen Menschen, als allein Christus zusteht. Es bittet aber Christus, dass ihn der himmlische Vater in seinem Leiden, unter so vielen grimmigen, mächtigen und Gottlosen Feinden nicht verlassen, sondern aus aller Not heraus reißen wolle. Wir mögen diesen Psalm auch beten, als Glieder Christi, die um seiner Gerechtigkeit und Unschuld willen von dem Gerichte Gottes für gerecht gehalten werden, wenn wir von vielen und starken Feinden, oder Trübseligkeit so umgeben sind, dass wir nicht wissen, wo wir hinaussollen.

1. Ein Gebet Davids. Herr, erhöre die Gerechtigkeit, merke auf mein Geschrei, vernimm mein Gebet, das nicht aus falschem Munde geht.

Nach Luther: Ich weiß, dass ich nicht Lügen, sondern dein Wort lehre, darum, so du mich nicht erhören willst, so erhöre doch deine gerechte Sache.

Gerechtigkeit: Lass dich die gerechte Sache, die ich wider meine Feinde habe, bewegen, dass du mich erhörst und erhältst, denn sie hassen mich ohne Ursache. (Denn obwohl Christus die Sünde der ganzen Welt auf sich trug und darum auch die Strafe der Sünden leiden musste, so haben ihn doch seine Feinde nicht um solcher Ursache willen verfolgt, sondern darum, weil sie ihm spinnefeind waren. Also hasst die Welt auch noch die fromme Christen, nicht darum, dass sie Sünder sind, sondern darum, weil sie Christus lieben und den selbigen bekennen.)

Geht: Es ist bei mir keine Heuchelei, sondern ich rufe dich herzlich und inbrünstig an. (Denn Christus hat nicht allein keine Sünde getan, sondern es ist auch kein Betrug in seinem Munde nie erfunden worden {1Petr 2}.)

2. Sprich du in meiner Sache und schaue du aufs Recht!

Sache: Ich begehre, dass du mir mit Ernst wider meine Feinde Recht schaffst.

Recht: Lass meine Unschuld bei dir etwas gelten.

3. Du prüfst mein Herz und besuchst es des Nachts und läuterst mich und findest nichts. Ich habe mir vorgesetzt, dass mein Mund nicht soll übertreten.

Nachts: Das ist: In der Trübsal hast erfahren, dass ich dich ehre und deinen Geboten gehorsam sei.

Läuterst: Durch das Feuer der Anfechtung, wie ein Goldschmied das Gold.

Findest nichts: Das du an mir tadeln oder strafen könntest. (Diese Unschuld, wie sie allein Christus gehört, also hat er es dem himmlischen Vater dargetan, unseren Ungehorsam damit zu büßen und zu bezahlen, dadurch das menschliche Geschlecht so Gott den Herrn erzürnt hat, dass es nicht auszusprechen ist. Denn kein Mensch überall ist, der vor Gottes Angesicht und seinem Gericht mit seiner eigenen Gerechtigkeit bestehen könnte {Ps 143}.)

Übertreten: So ganz hab ich mit der Tat nichts wider dich gesündigt, dass ich mich auch in so vielfältigem Kreuz dafür hüte, dass ich kein Wort wider dich rede, von welcher Sünde sich auch der fromme Hiob nicht enthalten konnte.

4. Ich bewahre mich in dem Wort deiner Lippen vor Menschenwerk auf dem Wege des Mörders.

Mörders: Will so viel sagen: Ich tue nicht nach menschlichen Werken und besudele mich nicht in Sünden, dass doch sonst alle Menschen tun, sondern ich übe mich in deinem Wort und nach Ausweisung desgleichen richte ich mein Leben an: Ich habe auch gemerkt, auf welchen Weg der Satan, als ein Mörder mit seinen Anfechtungen mich begehrt anzugreifen und ihm stattlichen Widerstand getan. (Hier haben wir wiederum ein Zeugnis der Unschuld Christi, die uns durch den Glauben zugerechnet wird {Röm 5}. Und eine Bestätigung des Sieges Christi, den er wieder die Anfechtungen des Satans {Mt 4} erhalten hat, welcher durch den Glauben auch uns gehört, dass wir nämlich nicht darum verdammt werden, wenn wir schon in Anfechtung und Versuchung den Satan nicht immer von wegen unseres schwachen Fleisches überwinden und obsiegen können.)

5. Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen, dass meine Tritte nicht gleiten!

Fußsteigen: Leite mich also, dass ich auch forthin mich bei deinen Geboten finden lasse wider die Anfechtungen, damit mich der Teufel und die Welt angreifen.

Nicht gleiten: Lass mich keine Ungeduld noch andere Anfechtung, von dem Gehorsam, welchen ich dir zur Erlösung des menschlichen Geschlechts zu leisten gedenke, abführen. (So denn Christus selber gebeten hat, dass ihn der himmlische Vater regieren und leiten wolle, wie vielmehr ist es bei uns eine hohe Notdurft, die wir das sündliche Fleisch, welches von Natur zum Argen geneigt ist, an uns tragen?)

6. Ich rufe zu dir, dass du, Gott, wollest mich erhören; neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede!

Zu dir: Denn ich weiß, dass ich gewisse Hilfe bei dir finde.

Rede: Hab Acht auf mein Gebet. (Es sollen aber die Guttaten, so wir schon zuvor von Gott empfangen haben, uns zum Gebet desto beherzter machen.)

7. Beweise deine wunderliche Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen, wider die, so sich wider deine rechte Hand setzen.

Güte: Errette mich auf wunderbare Weise nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit gegen mich.

Setzen: Das ist: Der du hilfst und erhältst die, welcher Verderben diejenigen suchen, so deinem Willen widerstreben und nicht denken, dass sie sich vergeblich deiner Allmacht widersetzen. (Wenn denn Gott diejenigen erhält, so auf ihn hoffen, so sollen wir in keiner Anfechtung, wie schwerlich sie auch sein mag, unser Vertrauen zu Gott fallen lassen.)

8. Behüte mich wie einen Augapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel

Im Auge: Das ist: Mit allem Fleiß: Wie ein Mensch Sorge hat, dass seine Augen wohl bewahrt sei.

Flügel: Erhalte mich unter deinem göttlichen Schirm, wie eine Gluckhenne ihre Hühnlein, vor dem grimmigen Anlauf meiner Feinde.

9. vor den Gottlosen, die mich zerstören, vor meinen Feinden, die um und um nach meiner Seele stehen.

Zerstören: Und ganz zugrunde richten wollen.

Stehen: Die mich überall mit ihrem blutgierigen Anschlag so umringt haben, dass es das Ansehen hat, als ob nirgend keine Ausflucht mehr vorhanden wäre.

10. Ihre Fetten halten zusammen; sie reden mit ihrem Munde stolz.

Fetten: (Nach Luther) Das ist: Die Großen und Gewaltigen.

Zusammen: Das ist: Die Allermächtigsten haben zusammen geschworen, dass sie alle ihre Macht daran strecken wollen, bis sie mich unterdrücken.

Stolz: Sie treiben hochmütige und trotzige Reden wider mich, dass sie Macht haben, mich zu verderben. (Solches ist Christus nicht allein von den Hohepriestern, Pharisäern und Schriftgelehrten begegnet, sondern es werden es auch die lebendigen Glieder Christi noch oft inne, wenn die Feinde des Evangeliums sie zu vertilgen sich unterstehen.)

11. Wo wir gehen so umgeben sie uns; ihre Augen richten sie dahin, dass sie uns zur Erde stürzen,

Umgeben: Als wie die Jäger, wenn sie Wildbret spüren, alles mit Garnen, Tüchern und anderem Zeug umstellen, dass es nirgend ausreißen kann.

Stürzen: Und unterdrücken. (Mit diesen Worten deutet Christus nicht allein auf sein, sondern auch auf seiner Kirche Trübseligkeit. Denn es muss auch die christliche Kirche durch Kreuz und Trübsal dem Ebenbild Christi ähnlich werden.)

12. gleichwie ein Löwe, der des Raubes begehrt, wie ein junger Löwe, der in der Höhle sitzt.

Begehrt: Also wünschen sich selbst meine Feinde nichts mehr, denn dass sie mich und meine Kirche zerreißen und zerstören möchten.

Sitzt: Und auf einen Raub wartet, den er anfallen möge. (Also versäumen die Feinde Christi und seiner Kirche keine Gelegenheit, wo sie Schaden tun können. Darum wider solche ihr Wüten und Toben hoch vonnöten ist, dass wir inbrünstig beten.)

13. Herr, mache dich auf, überwältige ihn und demütige ihn; errette meine Seele von dem Gottlosen mit deinem Schwert,

Dich auf: Erzeige der Gottlosen Welt, du mein himmlischer Vater, dass du noch lebst und dich der Deinen annimmst.

Überwältige: Komm meinem Feinde vor mit deiner Hilfe, ehe denn er mich verderbe.

Demütige: Brich seine Gewalt und stürze seinen Hochmut.

Schwert: Das ist: Mit deiner Gewalt, damit du die Gottlosen verdirbst und aufräumst.

14. von den Leuten deiner Hand, Herr, von den Leuten dieser Welt, welche ihr Teil haben in ihrem Leben, welchen du den Bauch füllst mit deinem Schatz, die da Kinder die Fülle haben und lassen ihr übriges ihren Jungen.

Deiner Hand: Nämlich von den gottlosen Leuten, an welchen du deine Hand, das ist, deine Macht sehen lässt, wenn du sie ausrottest, möchtest du mich erretten. * (Nach Luther) Das ist: Die dir in deine Hand kommen, zu strafen {Hebr 10v31}. Es ist schrecklich, dem lebendigen Gott in die Hände fallen {Ps 21v9}. Deine Hand wird finden alle deine Feinde.

Dieser Welt: Die dieser Welt ergeben, nur fleischlich und nicht aus dem Heiligen Geist wiedergeboren, sondern ganz und gar weltlich sind.

Leben: Das ist: Die ihr gutes Leben in dieser Welt einnehmen, wie der reiche Mann {Lk 16}.

Schatz: Das ist: Welchen du zeitliche Güter reichlich gibst, Korn, Wein, Geld und anders, danach die Leute in diesem Leben so sehr trachten.

Fülle haben: Denen du viele lieber Kinder beschert hast. Denn viele Kinder haben, ist vor der Zeit bei den Juden für einen großen Segen und Glück gehalten worden.

Jungen: Die ihren Kindern stattlich Gut verlassen. (Ob nun wohl auch die Frommen bisweilen diesen zeitlichen Segen von Gott empfangen, so hängen sie doch ihr Herz nicht daran, sondern an Gott bleiben sie, denn sie sind nicht von dieser Welt. Die aber solcher zeitlicher Güter in Mangel stehen, sollen das geduldig leiden und noch auf viel herrlichere himmlische und ewige Güter, die sie dort bevor haben, warten.)

15. Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit; ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde.

Erwache: (Nach Luther) Wacker sein im Wort und Glauben, nicht schnarchen.

Bilde: Das ist: Jene zwar setzen ihr Heil und Wohlfahrt auf zeitliche und vergängliche Güter. Das ist aber meine rechte Glückseligkeit, dass ich dich in jenem Leben sehen werde. Nicht zwar wie die Gottlosen, die um ihrer Ungerechtigkeit willen, ob deinem Angesicht erschrecken werden, sondern ich will dein Angesicht anschauen, als ein Gerechter, mit großer Freudigkeit. Und wenn ich von den Toten auferweckt werde, so wird das meine höchste Freude sein (damit ich auch ganz und wohl vergnügt und zufrieden sein werde), dass ich dein Angesicht, und deine unaussprechliche Herrlichkeit vollkommen schauen werde in alle Ewigkeit. (Dies wird dem Herrn Christus (nach seiner Menschheit) recht zugemessen, dass er nämlich im Stand seiner Erniedrigung und in der Knechtsgestalt sich erfreue, dass er durch den Tod zum ewigen Leben eingehen und in dem selbigen Gott sehen werde, wie er ist {1Joh 2}. Denn wenn dies seiner ewigen Gottheit nichts nimmt, dass er, als ein Mensch, auf Erde den Jüngsten Tag nicht gewusst hat, so nimmt auch dies seiner Gottheit nichts, dass Christus als ein Mensch hier bezeugt, er werde in jenem Leben Gott vollkommen anschauen. Es sollen aber auch alle frommen Menschen der zeitlichen Güter so viel desto lieber mangeln, dass sie wissen, ihnen sei im zukünftigen Leben bereit, die ewige Seligkeit.)


Der 18. Psalm


1. Es hat gleichwohl David von seinen eigenen Nöten und Anliegen, auch Erledigung aus den selbigen, Anlass und Gelegenheit genommen, diesen Psalm zu machen. Aber dieweil er ein Vorbild Christi war, führt er den Herrn Christus ein in diesem Psalm, welcher hier durch den Mund des Propheten redet. Derselbe nun dankt seinen himmlischen Vater, dass er in seinem Leiden, Kreuz und Tod wunderlich und aus göttlicher Kraft zur seligen Auferstehung und ewigem Reich erhalten wurde. Diese Erledigung und Erlösung beschreibt er mit vielen, und zwar verblümten Worten. Und weissagt, dass die Juden vom Reich Christi verstoßen, die Heiden aber sollen an ihre statt durch das Evangelium zur Seligkeit berufen werden. Diesen Psalm zieht der Apostel Paulus im Römer, Kapitel 15. von Christus an. Dieweil aber auch die Gottseligen, als Glieder Christi, mit allerlei Kreuz und Anfechtungen in dieser Welt heimgesucht und beladen, doch wiederum aus den selbigen von Gott dem Herrn herrlich errettet werden, so haben auch sie in diesem Psalm Weise und Maß zu finden, wie sie Gott für geschehene Erledigung danksagen sollen.

1. Ein Psalm vorzusingen, Davids, des Herrn Knechts, welcher hat dem Herrn die Worte dieses Liedes geredet zur Zeit, da ihn der Herr errettet hatte von der Hand seiner Feinde und von der Hand Sauls {2Sam 22v1},

Geredet: Das ist: Welcher diesen Psalm gemacht hat.

Hand Saul: Das ist: Da sich David nunmehr von seinen Feinden nie fürchtete, dass sie ihn unterdrücken würden und bei sich bedacht hatte, wie oft er aus höchster Gefahr, besonders aber von des Sauls Tyrannei und seiner Nachkommen arglistigen Praktiken, durch Gott den Herrn errettet und erlöst wurde, hat er dem Herrn zu Ehren dies Danklied gesungen. Und wird dieser Psalm auch beschrieben {2Sam 22}.

Sprach: Nämlich, der König David, in des Herrn Christi und seiner Person.

2. und sprach: Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke,

Stärke: Dass ist: Ich hab dich richtig von Herzen lieb, himmlischer Vater, dieweil du mit deiner Macht bei mir gehalten hast, dass ich diese schwere Anfechtung und Versuchung in meinem Leiden und großen Kreuz hab überstehen können. (Denn dieweil Christus (so viel seine Erniedrigung, darin er zur Zeit seines Leidens gewesen, anbelangt) Knechtsgestalt an sich genommen hatte {Jes 53 Phil 2} so hat er für seine Erledigung nicht unrecht seinem himmlischen Vater zu danken.)

3. Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz!

Burg: (Darum wer mit gläubigem Gebet sich dem Herrn befiehlt und durch das Gebet zu ihm seine Zuflucht hat, der ist viel sicherer, als wenn er sich auf einen Felsen, den man nicht besteigen könnte, oder auf ein ganz festes Schloss begebe.)

Erretter: Der du mich aus allen Nöten errettest.

Hort: Meine Zuflucht und Sicherung, dazu ich fliehe und Sicherheit suche. Denn wie Christus in seinem Leiden auf Gott als einen hohen Felsen gebaut hat, dieweil er wusste, dass die Feinde dahin nicht kommen mögen, also sagt auch David, wenn ihm künftig etwas Widriges begegnen sollte (wie denn bei diesem menschlichen Leben sich allerlei ungerades zuträgt, wollte er auf Gott, als seine starke Zuflucht, noch mehr vertrauen. (Denn unser Glaube und Hoffnung sollen zunehmen und wachsen, wenn wir hiervor schon Gottes gnädige Hilfe empfangen haben.)

Schild: Der die beschützt, so auf ihn hoffen, dass der Feinde Pfeile und blutdürstigen Anschläge leer aufhören.

Horn: (Gott ist mein allermächtigster König (denn das Horn heißt einen König oder Fürsten), der mich als seinen Untertanen und alle, die sich unter sein Regiment ergeben, wider allen unrechten Gewalt beschirmt und erhält, sofern solches zwar zu seiner Ehre und der Frommen ewigem Heil dient.)

Schutz: Der mit keiner Gewalt noch List zu überwinden ist. (Darum, die sich ihm Vertrauen, die sind unüberwindlich.)

4. Ich will den Herrn loben und anrufen, so werde ich von meinen Feinden erlöst.

Erlöst: Das ist: Sooft ich künftig der Hilfe Gottes, meines himmlischen Vaters, bedürfen werde, will ich seine vorige Guttaten preisen und ihn bitten, das er mir weiter Hilfe tue, auch in keinen Zweifel setze, denn dass mir gewisslich geholfen werde (weil durch unsere Dankbarkeit Gott etlichermaßen verursacht wird, dass er uns je länger je mehr Gutes erzeigt).

5. Denn es umfingen mich des Todes Bande und die Bäche Belials erschreckten mich;

Bande: Ich bin in solchen Todesnöten gesteckt, weil ich der ganzen Welt Sünde trug {Jes 53v1 Joh 1 2}, dass mich gedachte, ich hätte nicht nur den zeitlichen, sondern auch den ewigen Tod und Verdammnis vor mir. Denn es erzählt David hier in der Person Christi, in was großem Unfall er gesteckt, daraus er von Gott erlöst wurde.

Bäche Belial: Das ist: Der Satan hat mit seinen Anfechtungen, da er mir die Sünde groß gemacht und aufgemotzt, auch den Zorn Gottes vor Augen gestellt, mich nicht anders erschreckt, als wenn einer sieht, dass er unversehens mit einem großen Bach oder Gewässer so umringt ist, dass er nirgend aus weiß und nicht anders meint, denn er müsse ersaufen. Daher sind diese Reden in der Passion gekommen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Also mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen? (In diese Angst haben wir Christus mit unseren Sünden gesteckt.)

6. der Hölle Bande umfingen mich und des Todes Stricke überwältigten mich.

Umfingen: Mich bedünkte, ich wäre mit Stricken der Hölle schon gefangen und müsste gleich zur Hölle verstoßen werden und darin bleiben, dieweil ich die Sünde der ganzen Welt auf mir liegen hatte.

Überwältigt: Denn ob ich wohl in diesem Schrecken der Hölle nicht verzweifelte, so war ich dennoch im Tode so gleichsam verwickelt, dass ich befand, wie ich dem menschlichen Geschlecht, welches ich einmal zu erlösen mich unterfangen hatte, anders nicht helfen konnte, es wäre denn, dass ich den allerschmerzlichsten und schmählichsten verfluchten Tod, am Kreuz litte. (Es empfinden und erfahren aber bisweilen auch die Christen etwas von den Schrecken des Todes und der Hölle. Davon denn David im 31. Psalm sagt: Ich sprach in meinem zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen.)

7. Wenn mir angst ist, so rufe ich den Herrn an und schreie zu meinem Gott, so erhört er meine Stimme von seinem Tempel und mein Geschrei kommt vor ihn zu seinen Ohren.

So rufe: (Denn es ist nichts Besseres in Anfechtungen, als dass man dem Gebet zulaufe und nicht vergeblich das Gewissen mit seltsamen Gedanken martere, oder mit allerhand Einreden unruhig und müde mache.)

Schreie: Nämlich mit diesen Worten, mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen? Und anders mehr, aus dem 22. Psalm. Denn etliche halten es so, dass Christus denselben ganz am Kreuz ausgebetet habe.

Tempel: Das ist: Unser lieber Gott, der anfangs in seiner heiligen Hütte, später aber im Tempel zu Jerusalem zu wohnen versprochen, hat mich erhört, da ich zu ihm geschrien. Denn die im Alten Testament beten wollten, haben entweder in der Stiftshütte oder später im Tempel zu Jerusalem ihr Gebet verrichtet, oder doch ihr Angesicht gegen den Tempel zu Jerusalem wenden müssen, welche beide, nämlich die Hütte und der Tempel Vorbild unseres Herrn Christi waren. (Wenn wir aber heutigentags beten wollen, sollen wir uns zu Christus wenden und verfügen und in seinem Namen den Vater bitten, also werden wir des rechten Gottes nicht fehlen. Denn in Christus, als dem allerheiligsten Tempel der Heiligen Dreifaltigkeit, wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig {Kol 2 Joh 2}.)

Ohren: Mein Gebet hat durchdrungen, bis es vor ihn gekommen ist. (Es sagt aber die Schrift von Gott, der doch ein Geist ist und nicht Fleisch und Blut hat, dass er Ohren habe, darum, dass er der Gläubigen Gebet gewisslich erhört.)

8. Die Erde bebte und wurde bewegt und die Grundfesten der Berge regten sich und bebten, da er zornig war.

Die: Jetzt erzählen Christus und David weitläufig und mit verblümten Worten, wie sie Gott aus mancher großen Not errettet und wie ihre Feinde mit großem Ernst von Gott zerstört und abgetrieben wurden.

Bebte: Obwohl nun dem Buchstaben nach, dass sich solches alles also zugetragen, in der Passion nicht gelesen wird, wie es der Prophet hier mit verblümten Worten in Psalmen ganz artig vormalt. So hat doch Gott der Vater mit erschrecklichen Wunderzeichen zu erkennen gegeben, wie hoch er über die Juden zürne, die seinen liebsten Sohn gekreuzigt hatten. Als da er den Sonnenschein, wie Christus am Kreuz gehangen, der Welt entzogen, damit sie ihren Schöpfer am Holz des Kreuzes nicht sollte sehen sterben, da auch der Vorhang im Tempel zerrissen und der großen Erdbeben gekommen, davon die Felsen zerspaltet wurden: Welches Zeichen eines zornigen Gottes, viel, die bei dem Kreuz Christi gewesen, verstanden und aus dem, was geschehen, der Unschuld Christi Zeugnis gegeben haben.

9. Dampf ging auf von seiner Nase und verzehrendes Feuer von seinem Munde, dass es davon blitzte.

Blitzte: Mit diesen Worten gibt uns der Prophet etlichermaßen Gottes zorniges Angesicht zu erkennen und braucht ein Gleichnis, damit er auf das schreckliche Spektakel deutet, welches bei Eröffnung und Bekanntmachung der Zehn Gebote gesehen wurde. Und was Gott für schreckliche Wunderwerke getan, bis er die Feinde seines Volkes vertilgt hat, zum Teil, da er sie aus Ägypten ausgeführt, zum Teil, da er sie ins Land Kanaan gebracht. Und zwar auf dem Berge Horeb, auf welche Historie hier besonders gesehen wird, hatte die Gegenwart Gottes ein sehr schreckliches Ansehen, dass ein Rauch vom Berge aufging, wie ein Rauch vom Ofen {2Mos 19}. Nun ist aber Gottes Zorn viel größer gewesen wider die Juden, welche Christus gekreuzigt haben, denn dieser Ernst auf dem Berge Sinai, dieweil in der Passion der Herr der Herrlichkeit gekreuzigt wurde. (Bei welchem allem wir zu lernen haben, wie höchlich Gott nicht allein über die Juden, die Christus gekreuzigt und ihn noch heutzutage lästern, erzürnt sei, sondern auch über die, so unschuldige fromme Leute, als Glieder Christi, heutigentags kreuzigen und verfolgen, welchen Zorn Gottes zu seiner Zeit die Verfolger empfinden werden.)

10. Er neigte den Himmel und fuhr herab und Dunkel war unter seinen Füßen.

Herab: Der Prophet nimmt und nimmt diese Worte von der schrecklichen Offenbarung Gottes auf dem Berge Horeb, da das Gesetz ist gegeben worden und es eben ein Ansehen gehabt, als wenn der Himmel auf dem Berge Horeb lege.

Dunkel: Denn der ganze Berg war mit einer dicken Wolke bedeckt und blitzte doch aneinander heraus, ja in der dicken Wolke sah es eben, als wenn ein erschreckliches Feuer brannte.

11. Und er fuhr auf dem Cherub und flog daher; er schwebte auf den Fittichen des Windes.

Cherub: Dadurch die Engel verstanden werden, von welchen die Schrift gleichnisweise redet, dass sie Flügel haben, weil Cherub eine geflügelte Gestalt bedeutet.

Fittichen: Oder Flügeln, als wenn ihn die Federn hätten empor gehalten. In diesen Worten richtet sich die Schrift einfältig nach unserem Verstand, nicht das Gott also auf dem Wind daher fahre oder in der Luft fliege, der Himmel und Erde immer erfüllt {Jer 23}, sondern dass es in einem großen und schrecklichen Wetter also scheint, als käme er in einem Windwirbel daher geflogen. (Denn kein Rechtverständiger ist, der sich nicht darüber entsetze und den nicht bedenke, als wollte Gott näher und schrecklicher zu uns herzurücken.)

12. sein Zelt um ihn her war finster und schwarze dicke Wolken, darin er verborgen war {Ps 50v3}.

Verborgen: Das ist: Er steckt gleichsam verborgen in den dicken Wolken, die einen großen Haufen Wassers fassen. Durch dies alles wird uns die Herrlichkeit Gottes vorgebildet, welche in großem Unwetter den Leuten einen Schrecken einjagt.

13. Vom Glanz vor ihm trennten sich die Wolken mit Hagel und Blitzen.

Trennten: Das ist: Wenn es hervorgeblitzt hat, ist es eben gewesen, als wenn die Wolken zerrissen wären.

Und Blitzen: Es hat gehagelt und geblitzt untereinander auf Erde und unter dem Hageln blitzte es stetig, so, dass alles lauter Schrecken war. Mit einem solchen Hagel hat Gott den Pharao in Ägypten geschreckt, vor dem Auszug der Kinder Israel aus Ägypten {2Mos 9}.

14. Und der Herr donnerte im Himmel und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Blitzen.

Höchste: Nämlich Gott, welches Majestät die allerhöchste ist.

Aus: Er hat seinen Donnerklopfen hören lassen: Wie auch wir, wenn wir einen Donnerstreich hören, sagen: Unser Herr Gott lebt noch, er lässt sich hören.

Und Blitzen: Damit er die Menschen schreckt.

15. Er schoss seine Strahlen und zerstreute sie; er ließ sehr blitzen und schreckte sie.

Sie: Nämlich seine Feinde. Wie denn dergleichen etwa sich zugetragen, da Josua wider die Kanaaniter gestritten, dass der Feinde mehr vom Hagel, als durch das Schwert erschlagen wurden {Jos 10}.

Schreckt: Dass sie vor Schrecken fliehen und schändlich ausreißen mussten.

16. Da sah man Wassergüsse und des Erdbodens Grund wurde aufgedeckt, Herr, von deinem Schelten, von dem Odem und Schnauben deiner Nase.

Wassergüsse: Gott hat einen starken Platzregen auf Erde geschickt, als wenn er sie ersaufen wollte.

Aufgedeckt: Es sah nicht anders, als wenn alles unter und über sich gehen und die Welt von Grund herausgerissen würde. Wie wir von einem solchen schrecklichen Wetter sagen: Ich meinte, die Welt würde untergehen oder der Jüngste Tag würde kommen.

Nase: Das ist: Durch deinen gerechten und schweren Zorn, ist das geschehen, weil Gott auf das heftigste wider die Feinde Christi und seiner Kirche ergrimmte, nicht anders, als wenn ein zorniger Mann, der vor Zorn brennt, alles was er antrifft, zu Boden schmeißt, damals auch seinen Feind mit harten trotzigen Worten schilt und nichts tut denn schnauben und drohen. (Solchen Zorn Gottes werden die Gottlosen vollkommen spüren und erfahren am Jüngsten Tage.)

17. Er schickte aus von der Höhe und holte mich und zog mich aus großen Wassern.

Wassern: Das ist: Aus großen Nöten. Denn der himmlische Vater hat seinen Sohn vom Tode erweckt und aus allen Nöten erlöst. Auch David, der ein Vorbild Christi gewesen, ist dem Tode oft aus dem Rachen, als aus tiefen Wassern herausgerissen worden. (Denn da ist Gottes Hilfe am allernächsten, wenn wir meinen, es sei ganz aus mit uns.)

18. Er errettete mich von meinen starken Feinden, von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren,

Zu mächtig: Denn so viel haben die Hohepriester und Schriftgelehrten, als Feinde Christi, wider ihn vermocht, als er seine göttliche Kraft nicht wollte sehen lassen, damit er leiden und sterben könnte, dass sie ihn ans Kreuz gebracht haben. Nachdem er aber solches überstanden, hat er nicht allein wider sie, sondern auch wider die noch mächtigeren Feinde, den Tod, Teufel und Hölle, einen stattlichen Sieg erhalten. So ist auch David vor vielen mächtigen Feinden durch Gottes Hilfe wunderlich erhalten worden, wie seine ganze Historie bezeugt. (Der Sieg Christi aber kommt uns zum Besten. Und dass David so vielfältig gesiegt und erhalten wurde, lehrt uns solches in unserer Gefahr gute Hoffnung zu Gott haben.)

19. Die mich überwältigten zur Zeit meines Unfalls; und der Herr wurde meine Zuversicht.

Überwältigten: Dass sie mit Gewalt hart zusetzen, da ich in Nöten steckte und nirgends hinaus konnte.

Zuversicht: Da mich die Feinde überall drängten und mich ganz vertilgen wollten, hab ich mich aus Glauben, auf die Güte meines himmlischen Vaters verlassen, der hat mich erhalten, dass ich nicht zugrunde ging. (Denn wer sich auf diesen, als auf einen starken Stab lehnt, der wird nicht umgestoßen werden. Menschliche Hilfe aber fehlt oft und bricht entzwei, wie ein schwacher Stab, wenn man der selbigen am allernötigsten bedarf {Jer 17}.)

20. Und er führte mich aus in den Raum, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.

Raum: Da ich überall umringt und in Ängsten steckte. Denn was ist enger als das Grab, darin der Herr Christus bis an dritten Tag, wie ein Gefangener des Todes gehalten wurde. Aber er ist daraus mit großer Herrlichkeit zur himmlischen Freude eingegangen. (Das soll unsere Hoffnung auch sein.)

Lust: (Denn Christus ist der einzige, ewige, liebe Sohn Gottes, an dem er Wohlgefallen hat {Mt 3v17}, welchen der Vater so hoch liebt, dass er um seinetwillen auch alle, die an ihn glauben, lieben und selig machen will {Eph 1 Joh 3}.)

21. Der Herr tut wohl an mir nach meiner Gerechtigkeit; er vergilt mir nach der Reinigkeit meiner Hände.

Gerechtigkeit: Weil ich gerecht gewesen bin, darum hat mich Gott erlöst. * (Nach Luther) Nicht wird verstanden die Gerechtigkeit der Person, sondern der Sache und ist die Meinung: Ich habe nichts aus Frevel angefangen, sondern bin bei Gottes Wort geblieben, habe darüber gelitten, was ich leiden sollte.

Hände: Das ist: Eben damit, dass er mich erlöst hat, hat er mir vergolten und belohnt, dass ich ein reines Leben geführt und in meinem Leben nie kein Unrecht getan habe. (Denn obwohl auf dem Herrn Christus die Sünde der ganzen Welt gelegen, so hat er doch für sich selbst nie keine Sünde getan und ist in seinem Munde kein Betrug erfunden worden {Jes 53 1Petr 2}. Darum hat er zwar um fremder Sünde willen gelitten, um seiner Unschuld willen aber ist er von Gott erlöst worden. Die Frommen aber können sich keiner solchen Reinigkeit und Unschuld vor Gottes Gericht rühmen, jedoch, dieweil sie durch den Glauben an Christus für gerecht gehalten werden, können sie sich ihrer guten und gerechten Sache (so viel ihre Feinde belangt) wohl und richtig getrösten.)

22. Denn ich halte die Wege des Herrn und bin nicht gottlos wider meinen Gott.

Ich halte: Christus fährt weiter fort, seine Heiligkeit und Unschuld zu rühmen und das zwar richtig und mit Wahrheit.

Nicht Gottlos: Ich habe sein Gebot mit Fleiß gehalten und habe die Furcht Gottes nie aus der acht gelassen.

23. Denn alle seine Rechte hab ich vor Augen und seine Gebote werfe ich nicht von mir,

Für Augen: Ich vergesse seine Gebote nicht, verachte auch und übergehe sie nicht, sondern gedenke stets daran und liegen mir immer im Sinn.

Nicht von: Ich tue nicht wie die, welche Gottes Wort auf einen Ort und ihre Seele auf die Übertür setzen und tun unterdes was sie gelüstet. Kein solcher Mensch bin ich nie gewesen.

24. sondern ich bin ohne Wandel vor ihm und hüte mich vor Sünden.

Vor Sünden: Dass nichts Böses bei mir gefunden werde. (Darin sollten auch alle Christen unserem Herrn Jesu Christus nachschlagen. Aber wenn wir an Christus glauben, so ist alle diese seine Vollkommenheit und Erfüllung des Gesetzes unser eigen. Denn wie durch eines Menschen (Adams) Ungehorsam viele Sünder worden sind. Also werden durch eines (Christi) Gehorsam viele gerecht {Röm 5}.)

25. Darum vergilt mir der Herr nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinigkeit meiner Hände vor seinen Augen.

Vergilt: Das ist: Er handelt mit mir nach meiner Frömmigkeit oder Reinigkeit, die auch vor den Augen Gottes nicht unrein kann geachtet werden. (Darum ist ein großer Unterschied unter Christi und der Menschen Gerechtigkeit. Denn Christi Gerechtigkeit mag das strenge Gericht Gottes leiden, unsere Gerechtigkeit aber ist wie ein unflätiges Kleid {Jes 64}. Und hat Christus nicht unrecht diesen Vers zu wiederholen, darin er von seiner Unschuld bezeugt. Denn wo er nicht allerdings rein und unschuldig gewesen wäre, so hätte uns sein Blut von unseren Sünden nicht reinigen können, wie doch geschehen {1Joh 1}.)

26. Bei den Heiligen bist du heilig und bei den Frommen bist du fromm

Heilig: Dass ist: Gegen fromme und tugendhaften Leuten erzeigst du dich auch sanftmütig und tugendhaft.

Fromm: Das ist: Gegen aufrichtigen und unsträflichen Leuten erweist du dich auch aufrichtig, rechtschaffen und als ein gerechter gütiger Richter.

27. und bei den Reinen bist du rein und bei den Verkehrten bist du verkehrt.

Verkehrt: Denn ob du wohl sonst als ein gnädiger Gott, willig und bereit bist Gutes zu tun. Jedoch, wenn du mit verkehrten Leuten und unbußfertigen Sündern zu schaffen hast, hältst du dich viel anders gegen sie, dass sie dich für einen verkehrten Gott ansehen. Denn wenn sie aufs Gute hoffen, so schickst du ihnen Böses und Unglück zu. Dieweil aber an Christus nichts Verkehrtes gewesen ist, hat er in seiner Erlösung seinen himmlischen Vater auch gnädig gefunden.

28. Denn du hilfst dem elenden Volk und die hohen Augen niedrigst du.

Niedrigst du: Du gnädiger Vater behältst deinen alten Brauch, dass du die Niedrigen erhöhst und die Hoffärtigen erniedrigst. (Darum wenn es übel geht, sollen wir Gott vertrauen, wenn es gut geht, sollen wir nicht übermütig werden.)

29. Denn du erleuchtest meine Leuchte; der Herr, mein Gott, macht meine Finsternis licht.

Licht: Das ist: Du vertreibst mein Elend und Jammer, wie das Licht die Finsternis vertreibt. (Denn Finsternis heißt in der Schrift oftmals Traurigkeit und Angst, wie dagegen, Licht, Freude und Lust, denn das Licht macht die Leute fröhlich und lustig, Finsternis aber bringt Traurigkeit und Schrecken.)

30. Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschmeißen und mit meinem Gott über die Mauern springen.

Meinem Gott: Mit Gottes Hilfe und Beistand darf ich ein großes und mächtiges Heer angreifen, und traue mir auch zu feste Städte und Schlösser zu erobern. (Ob aber wohl David auch etliche feste Orte mit Gewalt eingenommen hat, so redet doch der Psalm hier von einer geistlichen Kriegsrüstung, da Christus mit dem Wort seines Evangelium und Kraft seines Geistes die Welt bezwingen kann, von welchem Streit Paulus sagt: Die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu zerstören die Befestigung, damit wir zerstören die Anschläge, nämlich alle menschliche und fleischlichen Anschläge, die dem Evangelium zuwider sind und alle Höhe, die sich erhebt (und streitet) wider das Erkenntnis Gottes und nehmen gefangen alle Vernunft unter den Gehorsam Christi, dass man nämlich seinem Evangelium Glauben zustelle {2Kor 10}.)

31. Gottes Wege sind ohne Wandel; die Reden des Herrn sind durchläutert. Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

Ohne Wandel: Das ist: Was Gott beschließt und tut, das ist recht und kann es niemand richtig schelten.

Durchläutert: Gottes Wort, welches allen denjenigen, die ihre Zuflucht zu seiner Güte haben, Heil und Wohlfahrt verspricht, das ist wahrhaftig und ohne allen Betrug, als wie Gold, das im Feuer wohl bewehrt und probiert ist.

Schild: (Darum sollen wir in unseren Nöten, aus Glauben uns auf ihn verlassen, so werden wir erhalten werden.)

32. Denn wo ist ein Gott ohne den Herrn? Oder ein Hort ohne unseren Gott?

Hort: Auf den man sich kecklich verlassen durfte. (Erinnert uns deswegen unser Bruder Christus, dass wir alles Vertrauen auf menschliche oder vermeinter und erdichteter Götter Hilfe fallen lassen und uns allein Gott dem Vater mit seinem Sohn (mit welchem die Menschheit Christi eine Person ist) samt dem Heiligen Geist vertrauen und befehlen.)

33. Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Wandel.

Kraft: Denn des Menschen Sohn hat seine Allmacht von der Gottheit, welche die menschliche Natur angenommen hat und ist dem Menschen Christus alle Gewalt gegeben, im Himmel und auf Erde {Mt 28}.

Ohne Wandel: Er verschafft es, dass ich meine Sache wohl und weislich angreife. (Denn wenn man etwas Wichtiges ausrichten soll, muss ein gutes Herz, auch ein Verstand und Geschicklichkeit beisammen sein.) Also hat Gott dem David Stärke und Weisheit (nach seinem Maß) mitgeteilt, damit er die Feinde überwinden und dem gemeinen Nutzen verständig sein möchte.

34. Er macht meine Füße gleich den Hirschen und stellt mich auf meine Höhe.

Hirschen: Das ist: Gott macht, dass ich schnell verrichten kann, was ich mir vornehme. (Denn das sind oft die besten Kriege gewesen, wenn man dem Feinde zuvorkommt, ehe er etwas davon erfahren hat. Also ist auch der Lauf des Evangeliums(davon er hier redet) hurtig und schnell vonstattengegangen.)

Höhe: Das ist: Gott stellt mich an einen sicheren Ort, da mir niemand zukommen mag, damit, wenn gleich die Welt mich und das Predigtamt des heiligen Evangeliums angreift, sie uns doch nicht überzögen und nichts abgewinnen sollen.

35. Er lehrt meine Hand streiten und lehrt meinen Arm einen eisernen Bogen spannen.

Streiten: Recht und glücklich. (Hiermit bekennt Christus, Gott und Mensch, dass er die Feinde seines Reiches nicht mit menschlicher, sondern göttlicher Gewalt darnieder schlage. Also haben auch andere Potentaten ihre Kraft und Stärke von Gott.)

36. Und gibst mir den Schild deines Heils und deine Rechte stärkt mich; und wenn du mich demütigest, machst du mich groß.

Heils: Das ist: Mein Reich wird in dieser Welt unter dem göttlichen Schutz ausgebreitet und fortgepflanzt.

Rechte: Deine allmächtige Gewalt enthält mich, dass ich nicht falle. (Denn die Kirche Gottes muss mancherlei Anstöße von vielen Verfolgungen leiden, darum wohl nötig ist, dass sie Gott unterbaue und erhalte.)

Groß: (Denn wenn es das Ansehen hat, als wollte die Kirche ganz untergehen, so kommt sie doch bald wieder empor, darum die Alten recht gesagt haben, die Kirche sei durch das Blut der Märtyrer benetzt und befeuchtet worden. Und soll niemand wundernehmen, dass Christus von der Kirche, auch ihren Beschwerden und Anliegen, nicht anders, als von seinen eigenen Sachen redet, dieweil er zum Paulus, als er noch ein Verfolger war, sagte: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Da doch Christus damals schon zur Rechten Gottes des Vaters gesessen war.)

37. Du machst unter mir Raum zu gehen, dass meine Knöchel nicht gleiten.

Zu gehen: Das ist: (Wenn die Kirche (welche mein geistlicher Leib ist), in höchsten Ängsten zu stecken scheint, da führst du sie ins weite Feld hinaus, das ist, du lässt sie wiederum verschnaufen und ausruhen von den Verfolgungen.)

Nicht gleiten: (Denn obwohl die Kirche (will Christus sagen) viele harte Anstöße leiden wird, so soll sie doch nicht zugrunde gehen. Denn auch die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen mögen {Mt 16}.)

38. Ich will meinen Feinden nachjagen und sie ergreifen und nicht umkehren, bis ich sie umgebracht habe.

Ich: Nun wird weiter beschrieben, wie Christus den Feinden seiner Kirche das Verderben droht.

Feinden: Die Feinde Christi aber sind, die seine Lehre lästern und seine Kirche des Evangeliums halben verfolgen.

Ergreifen: Sie sollen mir nicht entlaufen.

Nicht umkehren: Ich will mir nicht lassen abwehren, sie zu plagen und ihnen nachzujagen.

Umgebracht: (Denn ob es gleich scheint, als liegen die Christen in Verfolgungen darnieder, so wird doch die Kirche durch keine Tyrannei vertilgt werden. Denn die Tyrannen, welche die Kirche verfolgen, nehmen oft ein schreckliches und jämmerliches Ende. Ein solches schändliches Ende nehmen auch die Ketzer, so die Kirche verwirren, wie Arius und seinesgleichen.)

39. Ich will sie zerschmeißen und sollen mir nicht widerstehen; sie müssen unter meine Füße fallen.

Widerstehen: Sie sollen sich nicht wieder aufrichten, sondern müssen zu Boden gehen.

Fallen: (Es ist aber vonnöten, dass die Christen der Zeit mit Geduld erwarten, bis es Christus gelegen sein wird, solchermaßen mit seinen Feinden umzugehen, er wird es aber gewiss nicht unterlassen. Und ob er gleich solches in dieser Welt etwa aufzieht, so wird er es ihnen doch in jener Welt reichlich weit machen und vergelten, wenn er die Feinde seiner Kirche in die ewige Pein verstoßen wird, da werden denn alle seine Feinde vollkommen unter seine Füße geworfen werden {Ps 110}.)

40. Du kannst mich rüsten mit Stärke zum Streit; du kannst unter mich werfen, die sich wider mich setzen:

Zum Streit: Du hast mir Stärke gegeben, dass ich meine Feinde konnte überwinden. Dies reimt sich auch wohl auf David. (Eben dieser Gott rüstet auch uns aus mit der Kraft seines Geistes zum Streit wider den Satan, unser Fleisch und die Welt, dass wir ihnen obsiegen können.)

Werfen: Dass ich meinen Feinden obliege.

41. Du gibst mir meine Feinde in die Flucht, dass ich meine Hasser verstöre.

Flucht: Du hast gemacht, dass ich meine Feinde in die Flucht gejagt und endlich unter meine Gewalt gebracht habe.

Verstöre: (Denn wenn die Rache Gottes die Feinde ergreift, so ist kein Entrinnen mehr da, bis sie aufgerieben sind.)

42. Sie rufen, aber da ist kein Helfer; zum Herrn, aber er antwortet ihnen nicht.

Rufen: Zu Gott, wenn sie in Nöten stecken. (Denn es beten auch die Gottlosen, aber mit unbußfertigem Herzen und nicht aus wahrem Glauben, darum erhört auch Gott solches Gebet nicht.)

Zum Herrn: Schreien sie, nicht dass ihnen ihre Sünde leid sind und sie reuen, sondern dieweil sie die Strafen der Sünden fürchten und ihnen allein angelegen ist, ob sie derselben möchten entgehen, wo immer möglich, darum werden sie nicht erhört werden, sondern in ihrem Unfall verzweifeln und verderben. (Denn man soll dies von den unbußfertigen Sündern und Feinden Gottes verstehen, wo aber eine ernstliche Buße bei einem Menschen sich findet, so ist sie nie zu spät, wie das Beispiel Pauli des Verfolgers und des Schächers am Kreuz bezeugt.)

43. Ich will sie zerstoßen wie Staub vor dem Winde; ich will sie wegräumen wie den Kot auf der Gasse.

Winde: Von dem der Staub verjagt und verwebt wird, dass man nicht weiß, wo er gewesen ist oder wo er hinkommen wird.

Kot: Also ganz sollen sie zunichtewerden, dass man nicht mehr an sie denken noch etwas von ihnen wissen wird {Ps 37 73}. (Und gewisslich sind heutigentags der Tyrannen und Ketzer, die der Kirche viel Überdrang angetan haben. Die Namen kamen in große Verachtung, wie Kot.)

44. Du hilfst mir von dem zänkischen Volk und machst mich ein Haupt unter den Heiden; ein Volk, das ich nicht kannte, dient mir.

Du: Jetzt weissagt David in der Person Christi weiter von der Juden Verstoßung und Berufung der Heiden.

Zänkischen: Du wirst mir des zänkischen losen Volkes, der Juden, abhelfen, dass ich nicht weiter mit ihrem unsinnigen Streit (damit sie immer meinem heiligen Predigtamt sich widersetzt) zu schaffen haben müsse.

Heiden: Die mein Evangelium mit Freuden und gutem Willen annehmen, mich für ihren Heiland, Hohepriester und Himmels König erkennen und sich mir gehorsam untergeben werden.

Nicht kannte: Nämlich die Heiden, welche ich bisher nicht für mein Volk erkannt habe, werden sich unter meiner Gewalt ergeben.

45. Es gehorcht mir mit gehorsamen Ohren; Ja, den fremden Kindern hat es wider mich gefehlt.

Ohren: Das ist: Die Heiden werden mein Evangelium mit Glauben annehmen und mir gehorsam sein.

Fremden Kindern: Nämlich den ungläubigen Juden, die sich immer rühmten, dass sie Kinder Gottes wären und waren es doch nicht.

Gefehlt: Sie haben mich nicht wollen für den Messias erkennen, sondern haben mich verleugnet und gesagt: Wir haben keinen König, denn den Kaiser.

46. Die fremden Kinder verschmachten und zappeln in ihren Banden:

Fremden Kindern: Die Hurenkinder, nämlich die ungläubigen Juden, so mich verleugnet haben.

Banden: Das ist: Gott wird sie binden als mit Fesseln und im Gefängnis behalten, dass sie ihrem Verderben nicht entrinnen sollen. (Und zwar, so sind die verstockten Juden fein in der Stadt Jerusalem beisammen verschlossen und als in einem Gefängnis eingesperrt gewesen, da sie Vespasianus und Titus belagert, und sind in der letzten Zerstörung Jerusalem um ihres gottlosen Wesens willen gräulich gestraft worden. Welches schreckliche Beispiel des Zorns Gottes richtig jedermann von Verachtung des Evangeliums abschrecken und abhalten soll.)

47. Der Herr lebt und gelobt sei mein Hort; und der Gott meines Heils müsse erhaben werden,

Lebt: Obwohl die Gottlosen es davon halten möchten, als wäre er gestorben, dieweil ich in meinem Leiden am Kreuz also zugesehen und mich nicht erlöst hat, ehe ich stürbe.

Erhaben: Dass er mich in meinem Leiden und Sterben erhalten hat, darum danke ich ihm für meine Erlösung.

48. der Gott, der mir Rache gibt und zwingt die Völker unter mich,

Rache gibt: Der die Unbilligkeit rächt, die ich von meinen Feinden erlitten habe, darum will ich ihn loben und preisen.

Unter mich: Dass sie entweder mich für einen himmlischen König erkennen und annehmen oder aber endlich zugrunde gehen müssen. (Gott aber hält auch über der weltlichen Obrigkeit und erhält ihre Untertanen im Gehorsam.)

49. der mich errettet von meinen Feinden und erhöht mich aus denen, die sich wider mich setzen. Du hilfst mir von den Frevlern.

Feinden: Die noch heutigentags meine Kirche verfolgen.

Setzen: Es setzen sich aber wider Christus die, welche seine Kirche beleidigen. Solcher seiner Kirche hilft Gott wiederum empor, dass sie nicht ganz unterdrückt werden oder in Anfechtungen darnieder liegen.

Frevlern: Nämlich von denen Leuten, die wider alles Recht und Gerechtigkeit gegen meiner Kirche grausam wüten und toben, bei welchen gar kein Recht, auch zum wenigsten kein weltliches oder bürgerliches Recht oder Gerechtigkeit gilt. (Die Verheißung aber von Hilfe und Rettung, welche hier der Kirche Gottes geschieht, erinnert uns, dass die Welt sie (die Kirche) zwar drücken und plagen, aber nicht unterdrücken oder austilgen werde.)

50. Darum will ich dir danken, Herr, unter den Heiden und deinem Namen lobsingen {Röm 15v9},

Lob singen: Das ist: Diese deine Gnade und Guttaten werden die Heiden, die sich zur christlichen Religion bekehren, erkennen und dich deshalb mit Psalmen und Lobgesängen preisen. (Denn dies soll der Christen stetige Übung sein {Hebr 13}.)

51. der seinem Könige groß Heil beweist und wohltut seinem Gesalbten, David und seinem Samen ewig.

Beweist: Darum werden sie (die Heiden) dich loben, dass du deinem König, Christus und seiner Kirche, alles Gutes erzeigst und sie von geistlichen und leiblichen Feinden erlöst.

David: Nämlich mir, Christus. Denn Christus wird etliche Male in den Schriften der Propheten David genannt, dieweil David ein Vorbild Christi gewesen, wie im Propheten Hesekiel Kapitel 34. und anderswo zu sehen ist.

Samen: Das ist: Man wird dich preisen, dieweil du auch denen, die an mich glauben, Gutes erzeigen wirst, welche ich nicht allein für Brüder, sondern auch für Kinder erkenne {Jes 53 Hebr 2}.

ewig: Denn du ihnen nicht allein in dieser Welt Gutes tun wirst, sondern auch um meinetwillen, vermittelst ihres Glaubens, das ewige Leben geben, darum sie dich auch in alle Ewigkeit loben und preisen werden. (Welche deswegen rechte Christen sein, die werden Gott dem Herrn auch für diese Guttaten, die er uns um Christi willen erzeigt hat, von Herzen danksagen.)


Der 19. Psalm


1. David preist Gott den Herrn um dieser großen Guttat willen, dass er sein Evangelium in der ganzen Welt ausgebreitet habe. Denn die Propheten reden von zukünftigen Dingen, als wenn es schon geschehen wäre, dieweil sie des gewiss sind, dass solches geschehen werde. Danach lobt er die Lehre des Evangeliums, wie heilsam sie dem menschlichen Geschlecht sei. Endlich bittet er den Herrn, dass er die Psalmen und geistlichen Lieder, welche er Gott zu Lob und Ehren singe, sich gefallen lassen und in Gnaden annehmen wolle. Dass aber dieser Psalm von Ausbreitung des Evangeliums lautet, bezeugt er Paulus zu Röm. 10. Da er von der Predigt der Apostel, welche in der ganzen Welt erschollen ist, handelt. Uns aber soll dieser Psalm erinnern, dass wir für die Offenbarung des heiligen Evangeliums unserem Herrn und Gott danken und uns das Predigtamt des Evangeliums lieb sein lassen.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen.

2. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Feste verkündigt seiner Hände Werke.

Himmel: Das ist: Die Apostel, so mit der himmlischen Lehre erleuchtet und in der weiten Welt durch die Predigt des Evangeliums Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, herumtragen.

Erzählen: Das ist: Sie halten der Welt das Evangelium von Christus vor, in welchem die hohe Majestät und Ehre Gottes geoffenbart wird, dass er nämlich aus Gnade dem menschlichen Geschlecht die Sünde vergeben wolle, so sie allein an Christus glauben und Buße tun.

Feste: Oder das Firmament. Das ist, der Apostel Schar verkündigt seine herrlichen Werke. (Denn es ist viel ein größeres und herrliches Werk Gottes, dass er die armen Sünder selig macht und sie gleichsam der Hölle und dem Teufel aus dem Rachen reißt, als dass er die Welt erschaffen hat.)

3. Ein Tag sagt es dem anderen und eine Nacht tut es kund der anderen.

Der anderen: Das ist: Von der Zeit an, da das Evangelium in der Welt ist offenbar worden, hörte diese Lehre nimmer auf, sondern wird stetig gepredigt. (Und obwohl die Kirche zu einer Zeit mehr Licht hat als zur anderen, weil die Lehre des Evangeliums in der Kirche etwa reiner und heller, etwa dunkler ist. So ist doch das Evangelium immer in der Kirche erhalten worden und wird bis am Jüngsten Tag in der Welt gepredigt werden, obgleich unser Herr Gott das Licht desgleichen bisweilen einem undankbaren Volk nimmt und einem anderen gibt und anzündet.)

4. Es ist keine Sprache noch Rede, da man nicht ihre Stimme höre.

Sprache: Es ist kein Volk oder Land, dahin nicht das Evangelium von Christus gekommen sei. Denn die Apostel haben am Pfingsttag zu Jerusalem angefangen mit mancherlei Sprachen das Evangelium von Christus zu predigen, von dort sind sie später in die weite Welt ausgezogen und haben in allen Sprachen und in allen Landen, wohin sie gekommen, bei allen Völkern, Christus den Sohn Gottes, der für unsere Sünde gekreuzigt wurde, verkündigt. (Wo auch das Evangelium Christi noch nicht hingekommen ist, da wird es ohne allen Zweifel noch vor dem Jüngsten Tag gepredigt werden, nach Laut der Worte Christi: Es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt, zu einem Zeugnis über alle Völker.)

5. Ihre Schwiegermuttertochter geht aus in alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende; er hat der Sonne eine Hütte in denselben gemacht {Röm 10v18}.

Schwiegermuttertochter: Das ist: Die göttliche Lehre ist durch die Apostel und ihre Nachkommen in der ganzen Welt ausgebreitet worden, welche gleichsam eine Regel oder Richtschnur ist, so da zeigt, auf welchen Weg man ebenen Pfades zum Himmelreich gehen möge. Und scheint, als habe Paulus der Apostel hierauf gesehen, da er sagt {Gal 6}. Wie viel nach dieser Lehre einhergehen, über die sei Friede und Barmherzigkeit.

Rede: Nämlich der Apostel evangelische Lehre.

Welt Ende: (Darum kann sich niemand einiger Unwissenheit Halben entschuldigen. Denn auch heutigentags die allergröbsten Völker etwas von Christus gehört haben. Dass sie aber nicht mehr und weitere Nachfrage haben und die wahre Erkenntnis Christi nicht suchen, ist ihr eigene Schuld.)

Gemacht: Das ist: Gleichwie der Himmel ist eben als eine Hütte oder Behausung der Sonne und der Himmel führt die Sonne um das ganze Erdreich herum: Also ist Christus bei der Predigt des Evangeliums zugegen, der die Sonne der Gerechtigkeit ist {Mal 4}. Der ist durch die Predigt des Evangeliums, vermittelt durch der Apostel Dienst, in der ganzen weiten Welt, herumgetragen worden.

6. Und dieselbe geht heraus, wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen den Weg.

Kammer: Darin er wohl geschmückt und herausgeputzt, in großer Zierde und Herrlichkeit sich sehen lässt. (Also wenn Christus sein Evangelium mit Gaben des Heiligen Geistes ziert, so zeigt er der Welt eine große, aber doch himmlische Majestät und Herrlichkeit. Gleichwie die Sonne am Morgen aufgeht und scheint, als ob sie ganz golden wäre.)

Held: Das ist: (Wie die Sonne so schnell daher läuft, als ein starker Held, den niemand aufhalten kann, also geht Christus mit der Predigt seines Evangeliums fort in der Welt, dass seinen Lauf, wohin der angestellt ist, niemand aufhalten oder verhindern kann und sollte der Teufel und alle Tyrannen darüber zerbersten.)

7. Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an dasselbe Ende; und bleibt nichts vor ihrer Hitze verborgen.

Ende: Das ist: Die Sonne kommt wieder dahin, da sie ausgegangen ist, und vollbringt solchen ihren Lauf innerhalb vierundzwanzig Stunden.

Verborgen: Sie durchgeht alles und erhitzt alles, wohin sie mit ihrem Glanz gelangt. (Also erleuchtet auch Christus die Sonne der Gerechtigkeit, unsere Herzen mit der Kraft seines Geistes und entzündet oder erhitzt die Herzen der Auserwählten mit der Liebe.)

8. Das Gesetz des Herrn ist ohne Wandel und erquickt die Seele. Das Zeugnis des Herrn ist gewiss und macht die Albernen weise.

Ohne Wandel: Es ist allerdings vollkommen, dem nichts mangelt. (Darum ist nicht nötig, dass das Evangelium mit Menschensatzungen ersetzt oder ergänzt werde. Denn man muss hier die Lehre des Evangeliums von Christus verstehen und nicht das Gesetz Mose, weil dasselbe die Wirkungen nicht hat, so hier erzählt werden. Darum alles das, was später folgt, allein vom Evangelium geredet wird, welches der Prophet jetzt ein Gesetz, bald ein Gebot oder Befehl und denn wiederum, das Zeugnis, auch die Rechte und die Furcht Gottes nennt. Welche Namen alle miteinander ebenso viel heißen als eine Lehre. Rühmt deswegen der Prophet hier das Evangelium und erzählt, was dasselbe ausgerichtet hat.)

Erquickt: Das ist: (Die Lehre des Evangeliums ist das Mittel und Werkzeug, dadurch der Glaube und der Heiligen Geist gegeben wird, welcher die Herzen der Menschen rechtschaffen bekehrt, dass sie dem Worte Gottes von Herzen gehorsam leisten.)

Gewiss: Fest, steif und beständig. (Denn die Verheißungen des Evangeliums werden uns niemals fehlen.)

Weise: Das Evangelium unterrichtet die Einfältigen, auf welcherlei Weise und Wege man zum Himmel kommen möge. (Diese Weisheit, welche die allerhöchste ist, wird oft von den Weisen dieser Welt verachtet {Mt 11}.)

9. Die Befehle des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des Herrn sind lauter und erleuchten die Augen.

Richtig: (Denn das Evangelium weist uns nicht auf allerlei unrichtige und irrige Wege zur Seligkeit, wie die Menschensatzungen, sondern zeigt uns den rechten Pfad zum Himmelreich.)

Erfreuen: Nämlich die Verheißungen des Evangeliums. (Denn die Lehre des Evangeliums ist den angefochtenen Gewissen sehr anmutig, tröstet, heilt, erfreut die zerschlagenen Herzen und bringt Frieden des Gewissens {Jes 61 Röm 5}.)

Lauter: (Die Lehre des Evangeliums ist hell und klar, steckt nicht voller dunkler Spitzfindigkeit und Menschentand, sondern erleuchtet der Menschen Herzen, dass sie den Willen des himmlischen Vaters sehen können. Denn was kann heller und deutlicher gesagt werden, als da Christus die Summe des Evangeliums und was zu unserer Seligkeit gehört, uns mit diesen Worten vorhält: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Und wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.)

10. Die Furcht des Herrn ist rein und bleibt ewig. Die Rechte des Herrn sind wahrhaftig, allesamt gerecht.

Rein: Das ist: (Das Evangelium erweckt in unseren Herzen wahre und kindliche Furcht Gottes, dass wir Gott den Herrn von Herzen und nicht aus Heuchelei oder zum Schein ehren und ihm dienen.)

ewig: Das Evangelium wird nicht abgetan wie das Gesetz Mose und auch nicht geändert. (Wir sollen auch auf keine andere Lehre warten, nachdem das Evangelium geoffenbart ist. Denn dasselbe wird bestehen wider alle Gewalt des Teufels.)

Wahrhaftig: (Es ist kein Betrug im Evangelium und nichts ungewiss wie in der Menschenlehre.)

11. Sie sind köstlicher denn Gold und viel feines Gold; sie sind süßer denn Honig und Honigseim.

Feines Gold: Wenn es gleich das Allerreinste ist. (Denn das Evangelium ist einem frommen Menschen ein teurer Schatz als ein großen Klumpen Goldes. Daher auch Christus dasselbe einen köstlichen Schatz und Perlen vergleicht {Mt 13}.)

Süßer: (Denn es kann einem angefochtenem Gewissen, welches den Zorn Gottes fühlt, nichts lieblicher und angenehmer sein, als wenn er im Evangelium hört, dass Christus für alle Sünden der ganzen Welt gebüßt und bezahlt habe und dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben ererben werden.)

12. Auch wird dein Knecht durch sie erinnert; und wer sie hält, der hat großen Lohn.

Erinnert: Das ist: Ich (dein Knecht und Diener) betrachte die Verheißungen des Evangeliums mit allem Fleiß und nehme so viel darin zu, dass ich den wahren Gott je mehr und mehr daraus erkennen lerne. (Dem David sind ihrer etliche sehr ungleich, welche, wenn sie eine evangelische Predigt oder zwei gehört haben, sich selbst bereden, sie wissen schon alles ganz und gar. Also dass sie danach das Wort Gottes mit großem Verdruss anhören. Wir aber sollen den evangelischen Verheißungen stetig und mit Fleiß nachdenken, dass wir sie nach und nach mit desto stärkerem Glauben fassen und ergreifen mögen.)

Lohn: Das ist: Wenn man das Evangelium von Christus mit Fleiß und fest behält, so bringt es einen merklichen großen Nutzen. (Denn es ist nicht genug, dass wir einmal anfangen zu glauben, sondern wer beharrt bis ans Ende, der wird selig {Mt 24}.)

13. Wer kann merken, wie oft er fehlt? Verzeihe mir die verborgenen Fehler!

Fehlt: (Darum bedürfen wir des Evangeliums von Christus ganz wohl, darin uns die Vergebung der Sünden aus Gnaden verkündigt wird. Denn wir sündigen sooft und viel, dass kein Mensch alle seine Sünde vollkommen erkennen kann, besonders die Sünde, so er begeht, wenn es dasjenige unterlässt, welches er zu tun schuldig ist, auch versteht niemand vollkommen, wie kein nütze sein Herz sei, weil des Menschen Herz böse, trotzig und verzagt und nicht zu erforschen ist {Jer 17}.)

Verborgenen: Vergib mir meines Herzens angeborene Blindheit, meinen verkehrten Willen und andere meine Sünde, die ich nicht erkennen kann. (Darum hat ein Christenmensch oft und viel zu bitten.)

14. Bewahre auch deinen Knecht vor den Stolzen, dass sie nicht über mich herrschen; so werde ich ohne Wandel sein und unschuldig bleiben großer Missetat.

Stolzen: Nämlich Sünden. Als wollte er sprechen: Mein Gott, gib mich nicht in einen verkehrten Sinn, dass ich nicht trotzig, übermütig und halsstarrig wider deine Gebote sündige. Denn wenn ich in deiner Furcht beharre, werde ich erfunden unter die Zahl der heiligen und frommen Menschen, die durch den Glauben an den Messias für vollkommen, unschuldig und gerecht gehalten werden und werde also behütet, damit ich nicht in ein gottloses Wesen gerate, dass ich mich halsstarrig Gott widersetze, dadurch der Heilige Geist vertrieben würde und ich später schwerlich mich zu Gott bekehren könnte.

15. Lass dir wohl gefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, Herr, mein Hort und mein Erlöser!

Meines Herzens: Lieber, lass dir meine Psalmen gefallen und angenehm sein, die ich in meinem Herzen betrachte und mit meinem Munde dir zu Lob singe.

Hort: Auf den ich mit starkem Vertrauen als auf einen Felsen, mich verlasse und nicht zuschanden werde.

Erlöser: Du Sohn Gottes, der du mich zu erlösen, zu seiner Zeit menschliche Natur an dich nehmen wirst. (Wir sollen auch Gott den Herrn bitten, dass er sich unser gottseliges Vorhaben, so zu seiner Ehre gerichtet wird, gefallen lassen und zu Gnaden annehmen wolle.)


Der 20. Psalm


1. Dieser Psalm ist eine Form und Weise zu beten, darin die Kirche ihrer Könige oder Fürsten und ihrer Obrigkeit Wohlfahrt unserem Herrn und Gott befehlen mag. Denn es wird in diesem Psalm Gott gebeten, dass er die Obrigkeit schütze, regiere und derselben Glück und Heil zu ihrem Regiment verleihe, sowohl zu Kriegs- als zu Friedenszeiten. Und mag dieser Psalm besonders dazu dienlich sein, wenn unsere Obrigkeit etwas Hochwichtiges, der Kirche Gottes zum Besten, vornimmt. Und sieht ihm gleich, dass dieser Psalm in der Gemeinde der Kinder Israel gesungen wurde, wenn David einen Zug wider die Feinde vorhaben wollte.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen.

2. Der Herr erhöre dich in der Not; der Name des Gottes Jakobs schütze dich!

Dich: Nämlich unseren König oder Fürsten.

Not: Wenn du um des gemeinen Nutzens willen in irgendeiner Not steckst und zu Gott um Hilfe seufzt und betest. (Denn es gerät auch oft eine fromme Obrigkeit in große Not, da sie besonders das Gebet zu dem Herrn soll an die Hand nehmen, alsdann wird auch der Untertanen Gebet bei Gott desto mehr erreichen.)

Gottes Jakob: Der wahre Gott, der sich dem Patriarchen Jakob geoffenbart hat, der Sohn Gottes, der mit Jakob in Gestalt eines Menschen gerungen {1Mos 33}. Und ihm Kraft gegeben, dass ihn keine Anfechtung überwinden möge. Derselbe schütze dich auch, dass du weder im Krieg noch in anderen großen Anfechtungen darnieder liegst. (Denn große hohe Titel machen einen Herren nicht unüberwindlich, sondern Gottes Hilfe tut es, die durch das gläubige Gebet erlangt wird.)

3. Er sende dir Hilfe vom Heiligtum und stärke dich aus Zion!

Er: Gott der Herr.

Dir: Unserem König oder Fürsten.

Aus Zion: Das ist: Der wahre Gott, der in dem Heiligtum, welches zu Jerusalem auf dem Berge Zion ist, das demütige Gebet erhört, der erhalte dich und stehe dir bei, dass du nicht umkommst. (Wir aber haben und empfangen alles Gutes von Gott um Christi willen, der durch den Gnadenstuhl im Heiligtum vorgebildet wurde.)

4. Er gedenke all deines Speisopfers und dein Brandopfer müsse fett sein. Sela.

Fett sein: Das ist: Gott wolle deine Opfer mit Gnaden ansehen, als fette Opfer, nicht als die mageren und dürren, welche Gott ein Gräuel sind {Mal 1}. Und wolle dich erhören, erhalten und schützen um des Leidens und Verdienstes des Messias willen, welches Vorbild die Opfer gewesen.

Sela: Ist so viel, als ja, es geschehe immer.

5. Er gebe dir, was dein Herz begehrt und erfülle alle deine Anschläge!

Anschläge: Gott gebe, dass deine Anschläge glücklich fortgehen. (Denn es ist nicht genug, wohl Ratschlagen, wenn Gott nicht Glück und Heil dazu verleiht.)

6. Wir rühmen, dass du uns hilfst; und im Namen unseres Gottes werfen wir Panier auf. Der Herr gewähre dir alle deine Bitten!

Hilfst: Wir erfreuen uns über deine Hilfe.

Panier auf: Das ist: Weil wir uns nicht auf unsere eigene Macht, sondern auf dich verlassen, so wollen wir den Feinden stattlichen Widerstand und Abbruch tun. (Denn wir sollen Gott die Ehre geben und nicht uns selbst.)

Gewähre: Das ist: Gott wolle unserer Obrigkeit ihrer Bitte gewähren, damit sie dasjenige, was sie vorhat, zur Ehre Gottes und der Kirche Wohlfahrt ausrichte.

7. Nun merke ich, dass der Herr seinem Gesalbten hilft und erhört ihn in seinem heiligen Himmel; seine rechte Hand hilft gewaltig.

Merke ich: Denn weil der Glaube im Gebet immer stärker und mehr entzündet wird. So erfreut sich nun die Kirche Gottes, in gewisser Zuversicht, dass ihr Gebet erhört und ihr König den Sieg wider seine Feinde erhalten werde. * (Nach Luther) Das ist: Gott muss helfen und raten, unsere Anschläge und Tun ist sonst kein nütze.

Gesalbten: Seinem König, welchen er gesalbt und erwählt hat, seine Kirche zu schützen und die Gemeinde zu regieren.

Himmel: Der zur Wohnung und Stuhl Gottes geweiht und geheiligt ist.

Gewaltig: Gott wird ihm stattlich helfen durch seine allmächtige Hand.

8. Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber denken an den Namen des Herrn, unseres Gottes.

Jene: Unsere Feinde.

Wagen: Aus welche man sich im Streit zu wehren pflegte.

Rosse: Sie setzen alle ihre Hoffnung auf ihre Reiterei.

Denken: Wir führen uns in der Gefahr die Gnade und Güte Gottes zu Gemüte, der uns seine Hilfe versprochen hat wider die Feinde, so auf ihre eigene Macht pochen. Denn du himmlische Vater hat gesagt {5Mos 20} zu deinem Volk: Wenn du in einen Krieg ziehst wider deine Feinde und siehst Ross und Wagen, des Volkes, das größer ist denn du, so fürchte dich nicht vor ihnen, denn der Herr dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, ist mit dir. Darum mit deiner Hilfe wollen wir den Feinden gewachsen sein. (Also sollen wir im Gebet, die göttliche Verheißungen mit Glauben ergreifen und uns stark daran halten. Und sollen wissen, der Sieg sei eine Gabe Gottes und werde nicht durch viel Rüstung und großes Heer zuwege gebracht.)

9. Sie sind niedergestürzt und gefallen; wir aber stehen aufgerichtet.

Aufgerichtet: Und haben gesiegt.

10. Hilf, Herr! Der König erhöre uns, wenn wir rufen!

Hilf, Herr: Und gib, dass unsere liebe Obrigkeit frisch und unverletzt erhalten werde, weil auch unsere Wohlfahrt darauf steht. Denn ob wir uns wohl auf Gottes Verheißung verlassen sollen, so sollen doch uns die selbigen auch dazu treiben und anreizen, dass wir desto inbrünstiger beten. (Und lehrt uns dieser Psalm, dass Gott der Herr ihm die Obrigkeit angelegen sein lasse, darum wir auch der selbigen gehorsam sind und fleißig für ihr Heil und Wohlfahrt bitten sollen {1Tim 2}. Die Obrigkeit aber soll hinwiederum mit den Untertanen väterlich und also umgehen und sie regieren, dass die Untertanen sie in ihrem andächtigen und eifrigen Gebet jederzeit einschließen und Gott befehlen. Welches ihnen vielmehr behilflich sein wird, den allerlei Wehr und Waffen, Kriegsrüstung und dergleichen.)


Der 21. Psalm


1. In diesem Psalm preist David die Erhöhung, Majestät und Herrlichkeit Christi, zu welcher er erhaben worden, nachdem er sein Leiden überstanden. Und weissagt von der Zerstörung und endlichen Untergang der Juden, auch anderer Feinde Christi. Aus diesem Psalm können wir Trost schöpfen, sooft es das Ansehen hat, als ob die Feinde des Evangeliums die christliche Kirche unterdrücken und zugrunde richten würden.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen.

2. Herr, der König freut sich in deiner Kraft und wie sehr fröhlich ist er über deine Hilfe!

König: Nämlich unser König, der Messias, ist hoch erfreut und springt auf vor Freuden, darum, dass du ihm mit deiner allmächtigen Kraft beigestanden und aus allem Unfall errettet hast. (Denn Christus, so viel seine Menschheit betrifft, ist unter Gott, der doch nach seiner göttlichen Natur von Ewigkeit her und ungefähr Wesens ist, mit Gott dem Vater und Heiligen Geist.)

3. Du gibst ihm seines Herzens Wunsch und weigerst nicht, was sein Mund bittet. Sela.

Bittet: Was er wünscht und bittet, das erhält er. (Denn obgleich wohl Christus das nicht erlangt hat, dass er den Kelch seines Leidens nicht trinken dürfe, welches er auch gehorsam in den Willen seines himmlischen Vaters gesetzt und gesagt, nicht mein, sondern dein Will geschehe: Jedoch ist er erlöst worden aus allem Übel, welches er allein begehrt hat, auch erhört unser Herr Gott uns, die Glieder Christi, gewisslich, ob er wohl nicht immer eben auf solche Weise uns erlöst, wie es uns bedünkt am besten sind.)

4. Denn du überschüttest ihn mit gutem Segen; du setzt eine goldene Krone auf sein Haupt.

Segen: Du lässt Christus, des Menschen Sohn, viel Gutes gleichsam haufenweise zufließen und was er kaum begehren dürfe, das hast ihm freiwillig angeboten und gegeben, eher denn es fordert: Warum soll er sich denn nicht erfreuen, so du ihn doch nicht allein errettet, sondern auch zur höchsten Majestät und Herrlichkeit erhaben hast?

Haupt: Das ist: Du setzt des Menschen Sohn, den Messias, zu deiner Rechten, dass er als ein ewiger König, mit großer Macht und Herrlichkeit, gegenwärtig regiert über alles, was im Himmel und auf Erde ist: Ja er ist auch über die Engel erhaben worden. Denn ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erde. Und du hast ihm einen Namen gegeben über alle Namen, dass in seinem Namen sich alle Knie beugen sollen {Phil 2}.

5. Er bittet dich ums Leben, so gibst du ihm langes Leben immer und ewig.

Ums Leben: Da er im Garten demütig bat und sagte, Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir. Es redet aber der Psalm, nach Art der Propheten, von den zukünftigen, als wenn es bereits geschehen wäre. (Obwohl nun Christus damals sterben müsse (Denn wie hätte sonst das menschliche Geschlecht können erlöst werden?), so hat ihn doch Gott am dritten Tage von den Toten auferweckt und wird nun weiter leben und regieren lassen in alle Ewigkeit, dass der Tod über ihn nicht herrschen wird {Röm 6}. Uns schenkt Gott auch oft mehr und größere Gaben, denn wir hoffen dürfen.)

6. Er hat große Ehre an deiner Hilfe; du legst Lob und Schmuck auf ihn.

Ehre: Er ist mit großer Herrlichkeit geziert, die er durch deine Gnade und Hilfe hat.

Auf ihn: Du hast ihm solche Majestät und Herrlichkeit mitgeteilt, dass er, als Gott und Mensch in einer Person, von der christlichen Kirche angebetet und sein Name gelobt und gepriesen wird.

7. Denn du setzt ihn zum Segen ewig, du erfreust ihn mit Freuden deines Antlitzes.

Zum Segen: Das ist: Du hast ihn darum also erhaben, dieweil es dir wohl gefallen hat, durch diesen Jesum Christus, den wahren ewigen Segen und die Seligkeit über das menschliche Geschlecht auszuschütten und auszugießen, dass in ihm alle Völker der Erde gesegnet werden {1Mos 22}.

Antlitzes: Das ist: Dies bringt ihm große Freude, dass er dein gnädig väterlich Angesicht anschaut, da er in seinem bitteren Leiden nur das zornige Angesicht Gottes sah, wie er am Kreuz schrie: Mein Gott, mein Gott, wie hast mich verlassen?

8. Denn der König hofft auf den Herrn und wird durch die Güte des Höchsten festbleiben.

König: Unser Messias.

Hofft: Und ist ihm solche Hoffnung niemals aus seinem Herzen gekommen noch entfallen, ob es wohl in so schweren Anfechtungen schien, als wäre die selbige in solcher Schwachheit des menschlichen Fleisches etlichermaßen verloschen und zugedeckt, da er im Garten mit dem Tode rang und Blutstropfen von seinem Angesicht herabfielen.

Bleiben: Das ist: Dieweil er an seines himmlischen Vaters Gnade und Hilfe nicht verzagt hat, so wird er dadurch erhalten, dass er in seinem Leiden nicht zugrunde gehe.

9. Deine Hand wird finden alle deine Feinde; deine Rechte wird finden, die dich hassen.

Deine: Jetzt weissagt der Psalm weiter von der Strafe und Untergang der Feinde Christi, beides der Juden und anderer, die Christus und sein Reich zu dämpfen sich unterstanden und es noch heutigentags im Sinn haben.

Finden: Du wirst durch deine Allmacht deine Feinde erhaschen, die sich deinem eingeborenen Sohn halsstarrig widersetzen, dass sie dir nicht entrinnen werden, du wirst sie wohl finden. (Denn obwohl Gott eine Zeit lang dem Übermut seiner Feinde zusieht, jedoch, wenn er ihnen lange zusammen gespart hat, so straft er sie danach desto härter.)

10. Du wirst sie machen wie einen Feuerofen, wenn du dreinsehen wirst; der Herr wird sie verschlingen in seinem Zorn; Feuer wird sie fressen.

Sie: Die Juden, die dem Messias widerspenstig sind.

Sehen wirst: Wenn du sie mit zornigen Augen ansehen und anfangen wirst, deinen Zorn ihnen zu erkennen geben.

Fressen: Du wirst sie schrecklich ausrotten, ihr Land und Gebäude mit Feuer verderben. (Denn David hat zuvor im Geist gesehen die letzte Zerstörung Jerusalems, wie die Stadt und der herrliche Tempel, dessen auch Titus Vespasianus selbst gern verschont hätte, mit Feuer angesteckt und verbrannt sollte werden. Die Verfolger aber Christi und seines Evangeliums haben nach diesem Leben auch das ewige höllische Feuer noch bevor.)

11. Ihre Frucht wirst du umbringen vom Erdboden und ihren Samen von den Menschenkindern.

Frucht: Das ist: Ihre Nachkommen wirst du ausrotten. (Denn obwohl hin und wieder in der ganzen Welt noch etliche tausend Juden übergeblieben sind, so sind sie doch in äußerster Verachtung und sind in solchem Elend mehr tot als lebendig und fühlen den Fluch Gottes, welchen ihre Voreltern ihnen, als ihren Nachkommen gewünscht haben, da sie geschrien: Sein (Christi) Blut komme über uns und über unsere Kinder. Darum haben sie auch keine bleibende statt, sind aus ihrem Vaterlande vertrieben, jedermanns Raub und Fußtuch worden und welches das allergrößte ist, so sind sie auch von der Erbschaft des ewigen Lebens ausgeschlossen, so lange sie in ihrem Unglauben beharren.)

12. Denn sie gedachten dir Übles zu tun und machten Anschläge, die sie; nicht konnten ausführen.

Dir: Nämlich Christus, denn es redet David jetzt mit Christus und sagt, dass die Juden solche Übel nicht unrecht leiden.

Übles zu tun: Also dass sie nicht allein in deinem heiligen Leiden dir alles Leid angetan, sondern auch später deine Apostel und ganze Kirche verfolgt haben.

Anschläge: Wider dich, unseren Messias, wie sie dich und deinen Namen könnten austilgen, aber alle ihre Ratschläge und Witz ist ihnen in die Asche gefallen. (Also werden auch alle Anschläge der Feinde des Evangeliums zunichtewerden.)

13. Denn du wirst sie zu Schultern machen; mit deiner Sehne wirst du gegen ihr Antlitz zielen.

Schultern machen: Du wirst ihnen viele und unerträgliche Last auflegen. Denn die Schulter wird mit Last beladen und müde gemacht, muss auch Streiche leiden. * nach Luther) Dass sie immer tragen und Unglück leiden müssen.

Sehnen: Oder mit Pfeilen, die man auf die Sehnen legt.

Zielen: Dass sie nicht allein mit schwerer Last, unter fremder Herrschaft und täglich mit allerlei Unfall geplagt, auch zu Spott müssen werden, sondern wirst auch unversehens solche schreckliches Verderben über sie kommen lassen, dass sie jämmerlich und haufenweise umkommen. (Und zwar wer die Historien mit Fleiß besieht, der wird finden, dass der Juden oft viele tausend plötzlich und unversehens, mit Weib und Kindern, um schlechter Ursache willen erwürgt wurden.)

14. Herr, erhebe dich in deiner Kraft, so wollen wir singen und loben deine Macht.

Herr: Jetzt beschließt der Prophet diesen Psalm mit einem kurzen Gebetlein. Als wollte er sprechen: Herr Jesu Christus, du Sohn Gottes, wir bitten dich, dass du dich aufmachen, deine Herrlichkeit und Allmacht sehen lassen und deine Feinde dämpfen wollest.

Macht: Dadurch du deiner Kirche Feinde gewaltig aufgerieben hast. (Wie uns aber der erste Teil dieses Psalms tröstet wider das Wüten und Toben derer, so die Kirche Christi verfolgen. Also erinnert uns der andere Teil von der schrecklichen Verstörung der Juden, welche bis dahin Gottes Volk waren, dass wir gottesfürchtig und Christus dankbar sind, damit er nicht unser ebenso wenig, als der Juden, welche die natürlichen Ölzweige waren, verschone {Röm 11}.)


Der 22. Psalm


1. Man hält es dafür, dass Christus diesen ganzen Psalm am Kreuz gesprochen habe, wie denn die Evangelisten des Anfangs ausdrücklich Meldung tun und die Apostel denselben von Christus auch ausgelegt haben. Es klagt aber Christus zuerst seinem himmlischen Vater, wie er so schreckliche und hochbeschwerliche Anfechtungen habe, welche David mit so viel und solchen Umständen beschreibt, als wenn er Christus selbst hätte gesehen am Kreuz hängen und die Kriegsknechte unterm Kreuz spielen, auch gehört, wie die Juden Christus verspottet und verhöhnten. Danach bittet Christus, das ihn der himmlische Vater herausreißen und helfen wolle, und verspricht dabei, wenn er erlöst werde, dass er solches dankbar erkennen und preisen wolle. Endlich weissagt Christus von seinem großen und weitläufigen Reich und lehrt, dass auch die Heiden zur Gemeinschaft des Volkes Gottes sollen berufen werden. Wir sollen aus diesen Psalmen lernen unseren Glauben stärken, von dem Leiden Christi und seinem Verdienst, darin all unser Heil und Seligkeit steht. Und dieweil wir Glieder Christi sind, haben wir uns zu erinnern, dass wir auch unseren Teil, und zwar beschwerliche Anfechtungen erdulden müssen, doch sollen wir auch das dabei wissen, dass wir daraus zu seiner Zeit erlöst und den himmlischen Vater in alle Ewigkeit loben und preisen werden.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen, von der Hinde, die frühe gejagt wird.

Hinde: Das ist: Von Christus, der in seinem Leiden in höchsten Nöten und Ängsten gewesen, gleichwie eine Hinde, die frühe von den Jägern gejagt und von den Hunden aus dem Holz getrieben wird, für sich nichts, denn die Garn und Tücher sieht, hinter sich aber die Hunde jagen hörte.

2. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich heule, aber meine Hilfe ist ferne {Mt 27v46 Mk 15v34}.

Mein Gott: Dem ich bis daher gedient und auf welchen ich all meine Hoffnung zu jeder Zeit gesetzt habe.

Verlassen: Dass du nach so vielfältigem ausgestandenen Herzeleid, Gefängnis, Spott, Verspeiung, Streich und Schmach mich auch am Kreuz hängen und sterben sehen kannst und mir in solchem meinem Unfall so ganz keine Hilfe erzeigst?

Ferne: Denn ob ich dir wohl mein Elend mit Heulen und Weinen klage, so ist doch gar keine Hilfe noch Rettung da.

3. Mein Gott, des Tages rufe ich, so antwortest du nicht; und des Nachts schweige ich auch nicht.

Auch nicht: Und du tust mir dennoch so gar keine Hilfe. (Also bedünkt uns oft, dass unser Beten ganz vergebens sei, aber Gott erhört es dennoch.)

4. Aber du bist heilig, der du wohnst unter dem Lob Israels.

Lob Israel: Will so viel sagen: Ich kann mich nicht genügend verwundern, dieweil du ein solcher heiliger, gnädiger, beständiger und in deine Verheißungen wahrhafter Gott bist, der du bei deinem Volk hältst und alle Zeit gegenwärtig dich erzeigst, dass du ihr Gebet, wenn sie zu dir rufen, erhörst, auch von deinem Volk deshalb gepriesen wirst, weil du ihnen sooft und mannigfaltig Hilfe geleistet hast, wie es doch jetzt und zugehe, dass du mich nicht hörst, wenn ich zu dir schreie? (Also denken auch wir oftmals, dass Gott unser nicht achte, so er doch sonst jedermann helfe. Wir sollen aber hier merken, dass Christus solche Schwachheit der menschlichen Natur und Kleinmütigkeit gelitten und erfahren habe, in seiner Knechtsgestalt, oder, da er sich erniedrigt hat, wie der Apostel Paulus davon redet {Phil 2}. Das ist, da er seine göttliche Macht nicht benutzen und erzeigen wolle. Er hat aber solche Anfechtung in seinem Herzen wahrhaftig leiden und empfinden wollen, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hohepriester vor Gott wäre, zu versöhnen und zu büßen die Sünde des Volkes. Denn darin er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden. Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist überall, gleichwie wir, doch ohne Sünde. Darum wird uns Christus in keiner Angst unseres Herzen verderben lassen.) * (Nach Luther) Das ist: Im heiligen Volk, da man dich lobt in Israel.

5. Unsere Väter hofften auf dich und da sie hofften, halfst du ihnen aus.

Auf dich: Als ihren Herrn und Gott, vor alten Zeiten.

Hofften: Dass sie Hilfe von dir begehrte und erwartete.

6. Zu dir schrien sie und worden errettet; sie hofften auf dich und nicht zuschanden.

Schrien sie: Wenn sie etwa in Nöte kamen.

Nicht zu: Denn du ihnen ausgeholfen und sie aus mancherlei großen Beschwerlichkeiten erledigt hast, wie die ganze Historie der Patriarchen in der Heiligen Schrift bezeugt.

7. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volkes.

Kein Mensch: Denn es hat das Ansehen nicht, dass du meiner achtest, wie anderer Menschen, die zu deinem Ebenbild erschaffen sind.

Spott: Andere Leute verachten mich und treiben das Gespött aus mir, als ob ich kein Mensch, sondern nur ein Wurm wäre, dessen man sich nicht achtet, sondern auch wohl mit Füßen darauf tritt.

8. Alle, die mich sehen, spotten mein, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

Spotten mein: Da ich am Kreuz hing.

Maul auf: Und verziehen es. (Dies ist zwar Christus vor der Zeit, da er am Kreuz gehangen, von den Gottlosen Juden begegnet. Aber sie tragen das Malzeichen dieser schändlichen Tat noch an sich. Denn man sieht noch in ihrem Angesicht die Zeichen solches ihres Verspottens, dass sie entweder krumme Mäuler oder krumme Nasen oder dergleichen etwas haben, dass es scheint, als habe sie Gott zu ewiger Gedächtnis also bezeichnen wollen.

9. Er klage es dem Herrn, der helfe ihm aus und errette ihn, hat er Lust zu ihm!

Klage: Er befehle seine Sache Gott und klage es ihm, wenn er etwas Unbilliges leidet. Denn sie haben auch neben ihren hässlichen Gebärden mit ganz giftigen Worten auf mich gestochen. Und ist dies eben das, was die Hohepriester unserem Herrn Christus vorgeworfen und gesagt: Ist er Gottes Sohn, so steige er vom Kreuz. (Solche giftige Stichreden müssen etwa auch die Christen leiden in ihren größten Anfechtungen.)

10. Denn du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du warst meine Zuversicht, da ich, noch an meiner Mutter Brüsten war.

Denn: Jetzt hängt er ein Gebet an seine Klage.

Mutterleibe: Nämlich der Jungfrau Maria, die immer eine reine Jungfrau geblieben.

Gezogen: Dass ich in der Geburt nicht zugrunde gegangen bin. Darum bitte ich dich (will Christus sagen), erhöre mich auch in diesem Unfall und komm mir zu Hilfe.

Brüsten war: Damals hab ich schon, so viel meine Kindheit zu geben, auf dich gehofft und deine väterliche Hilfe gespürt. (Denn es haben auch die Kinder einen Glauben an Gott und hoffen auf ihn.)

11. Auf dich bin ich geworfen aus dem Mutterleibe; du bist mein Gott von meiner Mutter Leib an.

Mutterleibe: Sobald ich vom Mutterleibe gekommen bin, hast mich in gnädigen Befehl gehabt und dich meiner väterlich angenommen, ja du hast auch im Mutterleibe für mich gesorgt und von der Zeit meiner Empfängnis an, hast mich väterlich behütet: Denn im Mutterleibe hast du mich erhalten und als ich später an die Welt geboren war, hast mich ernährt und vor des Herodes Wüten beschützt. (Deswegen ich aus den zuvor mir erzeigten Guttaten das Vertrauen schöpfe, du wirst mich auch in dieser Not nicht verlassen.)

12. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.

Von mir: Mit deiner Hilfe und Beistand.

Ist nahe: Ich bin mit großem Elend umfangen. (Je näher und beschwerlicher aber die Anfechtung ist, je näher ist auch Gottes Hilfe.)

Kein Helfer: Wo aber alle menschliche Hilfe ausgeht, da geht Gottes Hilfe an. (Solche Sprüchlein sollen wir wohl zu Herzen fassen, dass wir in schwerer Anfechtung und Trübsal unsere Hoffnung stärken und im Gebet inbrünstig fortfahren.)

13. Große Farren haben mich umgeben, fette Ochsen haben mich umringt;

Große: Jetzt kommt er wieder auf seine Klage und erzählt seinen großen Jammer, den er leiden muss, dazu mit solchen Worten, dass einem bedünkt, er sehe Christus angeheftet am Kreuz vor seinen Augen hängen.

Ochsen: Denn meine Feinde, die Hohepriester, Pharisäer, Schriftgelehrten, die Ältesten und der ganze Rat, sind so stark und wild, dass sie mit den wilden Farren wohl mögen verglichen werden. Diese allesamt haben mich umgeben und als ich am Kreuz gehangen, sind sie um mich herum gestanden und haben die allergiftigsten Schmachworte wider mich ausgestoßen, ich aber weiß nirgend keine Ausflucht.

14. ihren Rachen sperren sie auf wider mich wie ein brüllender und reißender Löwe.

Reißender Löwe: (Denn es ist nicht auszusprechen, wie grimmig die Feinde Christi waren.)

15. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser; alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.

Ausgeschüttet: In solchem großen Jammer.

Wasser: Welches, so es auf die Erde gegossen wird, darin verschleift und sich verliert: Also lässt sich es auch ansehen, als sei es ganz aus mit mir.

Zertrennt: Mir ist eben, als wenn alle meine Gebeine auseinander gewichen wären und nicht mehr in ihrem Gewebe gingen.

Wachs: Es ist keine Kraft mehr in meinem Herzen, all mein Vermögen hat abgenommen, oder (wie wir reden) das Herz ist mir versunken.

16. Meine Kräfte sind vertrocknet wie ein Scherben und meine Zunge klebt an meinem Gaumen; und du legst mich in des Todes Staub.

Scherben: So ganz dürre bin ich, dass weder Saft noch Kraft mehr in mir ist.

Gaumen: Vor Durst ist mir mein Hals so trocken, dass ich kaum reden kann.

Todes Staub: Es mangelt nichts Weiteres mehr, denn dass man mich ins Grab lege. Du wirst mich mit diesem großen Leiden unter die Erde legen. (Es hat sich aber Christus nach seiner Menschheit vor dem Tode entsetzt, dass er uns in den Schrecken des Todes erhalte.)

17. Denn Hunde haben mich umgeben und der Bösen Rotte hat sich um mich gemacht; sie haben meine Hände und Füße durchgraben.

Umgeben: Darum weiß ich dem Tode nirgend zu entgehen, weil ich in meiner Feinde Hände bin, die viel grimmiger sind als die Jagdhunde, die das Wild, welches sie erhoffen, stark halten und zerreißen. (Eben das widerfährt auch den Christen, die von den römischen Päpsten verdammt und zum Feuer verurteilt werden.)

Durchgraben: Da sie mich mit spitzen Nägeln an das Kreuz geheftet haben. Kein gräulicher Tod mag kaum erdacht werden, so viel beides die Schande und auch den Schmerzen anbelangt.

18. Ich möchte alle meine Beine zählen. Sie aber schauen und sehen ihre Lust an mir.

Zählen: Also haben sie mir meinen Leib mit Gewalt am Kreuz ausgespannt.

An mir: Sie kühlen ihr Mütlein an meinem schändlichen Tod des Kreuzes. (Das ist nun ein elender Jammer, wenn einer zusehen muss, dass seine Feinde über seinem Verderben frohlocken und jubilieren. Christus aber ist am Kreuz ausgespannt worden, dass er uns alle zu sich ziehe {Joh 12}. Auch sollen die Frommen ihr Fleisch kreuzigen {Gal 6}.)

19. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand {Mt 27v35 Mk 15v24 Lk 23v34 Joh 19v24}.

Kleider: Die sie mir noch dazu rauben, damit mir ja mein Leiden schwer genug würde, dass meiner armen betrübten Mutter das wenigste nicht von meiner Verlassenschaft wurde.

Gewand: Um den Rock, der ungenäht war. Wie solches alles Christus, da er am Kreuz gehangen, begegnet, das bezeugen die Evangelisten. (Wir aber sollen hieraus lernen, wenn auch wir um des Evangeliums willen unser Habe und Güter beraubt werden, dass wir solches mit Geduld aufnehmen.)

20. Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Aber: Jetzt und mengt Christus neben seiner Klage, auch sein Gebet mit unter.

Nicht ferne: Stehe mir bei mit deiner Hilfe. (Den uns bedünkt in unserer Trübsal, dass Gott sehr weit von uns sei und ganz gemach vonstattengehe, wenn er helfen soll.)

21. Errette meine Seele vom Schwert, meine Einsame von den Hunden!

Einsame: Denn ich habe doch nichts Weiteres, als das liebe Leben, das möchtest du von solcher Gefahr erretten. Denn ich bin gleich als mitten zwischen zweischneidigen Schwertern, erhalte mein Leben von den wütigen Lästermäulern, meinen Feinden.

22. Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und errette mich von den Einhörnern.

Des Löwen: Das der Satan, als ein brüllender Löwe, nicht Macht über meine Seele habe.

Einhörnern: Das ist: Von der Gewalt meiner Feinde, welche mich mit ihren geschwinden Anschlägen und gewalttätigen Handlungen ganz vertilgen wollen. Denn das Einhorn ist ein sehr geschwindes und ganz wildes grimmiges Tiere, wie Plinius davon schreibt. (Obwohl aber Christus nach diesem Gebet von dem zeitlichen leiblichen Tod nicht ist befreit worden, so ist er doch wahrhaftig erhört worden, wie die Epistel zu Hebr. Kapitel 5. bezeugt. Denn der himmlische Vater hat ihn nicht lange später durch den Tod aus allem Übel erledigt. Und hat ihn am dritten Tage von den Toten auferweckt und in die höchste Majestät eingesetzt, dass er ein Herr Himmels und der Erde ist, auch nach seiner menschlichen Natur. Darum, wenn wir nicht immer errettet werden eben auf den Weg, wie wir es begehren, so sollen wir doch gewiss wissen, dass wir nichtsdestoweniger wahrhaftig erhört werden und wird bald darauf eine gewaltige Hilfe erfolgen.)

23. Ich will deinen Namen predigen meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen {Joh 20v17 Hebr 2v12}.

Ich: Dieweil Christus nicht daran zweifelt, denn dass er gewisslich erhört wäre und innerlichen Trost empfangen, daher er auch seinem himmlischen Vater seine Seele gehorsam befohlen hat. So hängt er jetzt eine Danksagung daran und verspricht, dass er für seine Erledigung sich dankbar erzeigen wolle.

Brüdern: Nicht allein den Aposteln, sondern auch durch sie, anderen Leuten, welche ich mir zu Brüder und Erben meines himmlischen Reiches annehmen werde, denen will ich verkündigen, wie gnädiglich du mich aus dem Tode errettet und durch mein Leiden das menschliche Geschlecht erlöst hast. (Wie eine große Freude aber soll dieses in unserem Herzen erwecken? Das wir heißen und sind Brüder Christi, auch Erben Gottes und Miterben unseres Herrn Christi {Röm 8}.)

Rühmen: Ich will verschaffen, dass mein Evangelium gepredigt werde, darin man deines herrlichen Lobes niemals vergessen soll, wie du nämlich also die Welt geliebt hast, dass du mich deinen eingeborenen Sohn gegeben, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

24. Rühmt den Herrn, die ihr ihn fürchtet; es ehre ihn aller Same Jakobs und vor ihm scheue sich aller Same Israels!

Rühmt: Jetzt ermahnt Christus auch seine Kirche zur Dankbarkeit gegen Gott für die Erlösung des menschlichen Geschlechts, die er durch sein Leiden und Sterben zuwege gebracht hat.

Same Jakob: Alle die zur Kirche und Gemeinde Gottes gehören, sollen Gott preisen, dass er sie aus der Hölle Rachen erlöst, wie auch aus allen anderen zeitlichen Nöten errettet und gnädiglich geholfen hat.

Scheue sich: Und erzeige ihm göttliche Ehre, in kindlicher Furcht und Demut, wie ein Kind sich vor seinem Vater scheut und ihn dennoch lieb hat.

Same Israel: Solcher Same aber, oder die Nachkommen Jakob, der mit den Zunamen Israel genannt wurden, sind nicht der große Haufen der Juden, die Christus halsstarrigerweise verfolgt haben und noch auf den heutigen Tag aus lauter Bosheit und großem Mutwillen von sich stoßen, ihn schmähen und lästern: Sondern es sind die Christen, so den Glauben Abrahams, Isaacs und Jacobs an den Messias haben, der rechte Same Israel und Kindern oder Nachkommen der vorgemeldeten gläubigen Patriarchen, wie der Apostel Paulus bezeugt in der Epistel zu Römern, am 4. und zu Galater am 6. Kapitel.

25. Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen und da er zu ihm schrie, hörte er es.

Des Armen: Nämlich mich Armen hat er nicht verschmäht, noch von seinem Angesicht verworfen, da ich in großem Unfall steckte und in Knechtsgestalt war, in welchem stand meiner Erniedrigung, ich von etlichen nicht wert gehalten wurde, dass ich ein Mensch genannt würde. Aber der himmlische Vater hat mein Leiden zur Bezahlung für die Sünden des ganzen menschlichen Geschlechts für genügend angenommen und mich nicht verschmäht, obwohl die Sünde der ganzen Welt auf mir lag und ich die abscheuliche Strafe aller Missetaten leiden musste, sondern er hat mich mit väterlichen und gnädigen Augen angesehen und das Auskommen gegeben, dass ich es ertragen könne.

Verborgen: Er hat mein Gebet nicht ausgeschlagen.

26. Dich will ich preisen in der großen Gemeinde; ich will meine Gelübde bezahlen vor denen, die ihn fürchten.

Preisen: Deine Barmherzigkeit soll durch die Predigt des Evangeliums gerühmt werden, nicht allein unter den Juden, sondern auch unter den Heiden, und zwar in der ganzen Welt. (Denn das Evangelium soll aller Kreatur gepredigt werden, wie im Evangelisten Markus am letzten Kapitel der Herr Christus seinen Jüngern solches zu tun und zu verrichten befiehlt.)

Bezahlen: Ich will dir zu Dank mein Dankopfer opfern. Es redet aber Christus hier nach der Gewohnheit und Weise des Alten Testaments. Denn die Patriarchen, wenn sie in Gefahr gewesen, haben im Brauch gehabt, dass sie ein Gelübde getan, ihr Opfer zu bringen, das haben sie später, wenn sie aus dem Unglück errettet wurden, Gott dem Herrn treulich geleistet und gehalten. So will nun Christus so viel sagen, ich will dir, mein himmlischer Vater, dankbar sein, dass du mir den Sieg wider alle meine Feinde, als da sind, die Welt, der Teufel, Tod und die Hölle, verliehen hast. (Die Opfer aber, damit wir Christen im Neuen Testament gegen Gott uns dankbar erzeigen, das sind die Früchte unserer Lefzen, die den Namen des Herrn loben, wie in der Epistel zu Hebräer 13. Kapitel geschrieben steht. Dieweil aber Christus seiner Menschheit nach alle Zeit geringer ist, als der Vater, so verspricht er recht, dass er den Namen seines himmlischen Vaters rühmen und preisen wolle, als von dem er alle Gewalt im Himmel und auf Erde empfangen hat. Davon man lesen mag im Propheten {Dan 7 Mt 28 Joh 13}.)

27. Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden und die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewig leben.

Die: Bis daher hat Christus von seinem Leiden und Erlösung aus dem Tode geredet, und zwar zum guten Teil in Knechtsgestalt. Nun aber fängt er an von seinem geistlichen Reich, seiner Herrlichkeit und Majestät zu weissagen. Und davon redet er, als von einer dritten Person, wie er vielfältig im Brauch gehabt zu reden, als er noch sichtbarlich auf Erde umging: Oben (will er sagen) hab ich davon geredet, wie ich meine Gelübde bezahlen und mein Dankopfer bringen wolle, welches von der Predigt meines Evangeliums in der ganzen Welt zu verstehen ist. (Solche Predigt aber von Gottes Barmherzigkeit ist ein sehr angenehmes liebliches Opfer bei Gott. Daher auch Paulus sagt, {Röm 15}, dass er opfere das Evangelium Gottes.) Nun ist es im Brauch gewesen (spricht Christus) besonders bei den Dankopfern, dass vom Opfer etliche Stücke behalten und darüber eine Mahlzeit angestellt wurde. Davon nicht allein die, so das Opfer gebracht und die Leviten, welche dem Gottesdienst abgewartet, sondern auch die Armen, Elenden und Fremdlinge gespeist und erquickt wurden: Also will ich bei dem Opfer des Evangeliums eine Mahlzeit zurichten, dass durch die Predigt des Evangeliums die Herzen der Menschen, so dasselbe mit Glauben annehmen, sollen erquickt werden, wie sonst hungrige und durstige Leute mit guter Speise und Trank sich erlaben.

Satt werden: (Denn die nach der Gerechtigkeit hungrig und durstig sind, das ist, welche vor Gott begehren gerecht zu werden, die werden gesättigt, wenn sie aus Glauben zu Christus kommen. Denn Christus erquickt sie mit dem Evangelium {Mt 5 11}. Und die durch den Glauben gerechtfertigt sind, die haben Friede mit Gott und werden hoch erfreut, welche Freude der Heilige Geist in ihnen erweckt.)

Fragen: Die ihren Erlöser Jesum Christus, Gottes und des Menschen Sohn, für den Messias erkennen und ihm zu dienen begehren, in rechtschaffener Heiligkeit und Gerechtigkeit {Lk 1}.

ewig leben: Das ist: Welche in Gott den Herrn, Jesum Christus, glauben, die sollen das ewige Leben haben {Joh 3}. Wir sollen aber auch hierbei das merken, wo in dem vorhergehenden und den nachfolgenden Versen, das Wörtlein, Herr, gesetzt wird, da steht im hebräischen Text das Wort, Jehova, welches allein Gott gehört. Dieweil nun Christus zu etliche malen hier solcher Name gegeben wird, ist das ein unwidersprechliches Zeugnis seiner ewigen Gottheit, nach welcher er mit dem Vater ungefähr Wesens und Gott ist, von Ewigkeit her.)

28. Es werde gedacht aller Welt Ende, dass sie sich zum Herrn bekehren und vor ihm anbeten alle Geschlecht der Heiden.

Herrn: Jesu Christus, Gott und Menschen. Denn es werden nicht nur viele tausend Juden, sondern auch viele tausend aus den Heiden sich bekehren und Leute aus allerlei Völkern unter dem Himmel zur Erkenntnis Christi kommen. (Das ist aber von denen Völkern zu verstehen, die entweder das Evangelium gehört haben, oder noch hören werden. Denn wo das Predigtamt des Evangeliums gar nicht ist und niemand vom Namen Christi etwas weiß, da soll man nicht meinen, dass eine rechte Kirche, oder Glieder der Kirche sind.)

Der Heiden: Nämlich die Christen, welche aus allen Völkern gesammelt sind, werde dem Herrn Jesu Christus göttliche Ehre erweisen. (Dass aber Christus soll angebetet werden, ist auch ein Zeugnis seiner wahren ewigen Gottheit.)

29. Denn der Herr hat ein Reich und er herrscht unter den Heiden.

Ein Reich: (Es ist ja Christus der König aller Könige und Herr aller Herren, darum ist es richtig, dass die Christen, so aus allen Heiden versammelt sind, ihn anbeten und ihm Gehorsam leisten, denen gibt er auch das ewige Leben.)

30. Alle Fetten auf Erde werden essen und anbeten; vor ihm werden die Knie beugen alle, die im Staube liegen und die, so kümmerlich leben.

Fetten: Das ist: Die Gewaltigen und Reichen, als Könige, Fürsten und Herren, so zur Erkenntnis Christi kommen, werden auch durch die geistliche himmlische Speise des Evangeliums erquickt werden und Christus anbeten. * (Nach Luther) Das sind die Reichen und Großen. Die im Staube liegen, sind die Armen und Geringen, die übel und kümmerlich leben oder zum Tode bereit sind. Alle sollen sie Christus anbeten.

Kümmerlich leben: Das ist: (Auch die, welche Christus nicht annehmen wollen, werden sich seinem Reich unterwerfen müssen, darüber zugrunde gehen und ewigen Todes sterben. Darum denn Paulus sagt, in dem Namen Christi werden sich beugen alle Knie, derer die im Himmel, auf Erde und in der Hölle sind {Phil 2}. Denn auch die verdammten Menschen und die Teufel müssen Christus für ihren Herrn erkennen, sie wollen gleich oder nicht.)

31. Er wird einen Samen haben, der ihm dient; vom Herrn wird man verkündigen zu Kindeskind.

Kindeskind: Denn obwohl der größere Teil des jüdischen Volkes Gottlose sind und Christus lästern wird. So wird doch unter ihnen ein heiliger Same übergelassen werden {Röm 9 Jes 1}. Und werden unter dem jüdischen Volk auch etliche fromme und wahre Israeliten sein, unter welchen die Vornehmsten sind die heiligen Apostel, die Christus mit dankbarem Herzen annehmen und sein Evangelium auf die Nachkommen fortpflanzen und ausbreiten. (Darum wie gottlos und undankbar auch die Welt ist, sollen wir doch an der Kirche Gottes nicht verzagen. Denn Gott erhält immer etliche, welche die reine Lehre annehmen und an ihren Fleiß nichts ermangeln lassen, damit solche auch auf die Nachkommen gebracht werden mögen.)

32. Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird, dass er es tut.

Sie: Nämlich die Apostel und ihre Nachkommen, fromme Kirchendiener, werden von der Gerechtigkeit Christi predigen, wie nämlich Christus uns von Gott sei gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung {1Kor 1}. Das ist, dass all sein Verdienst (sowohl die Erfüllung des Gesetzes, als sein Leiden und Sterben) uns durch den Glauben vor Gott zur Gerechtigkeit zugerechnet werde. Und diese Lehre wird überall ausgebreitet werden, bis zum Ende der Welt, obwohl sie zu einer Zeit reiner als zur anderen sein wird. Dies Predigtamt wird auch kräftig sein zur Seligkeit und erhalten werden, zwar nicht durch menschliche Vernunft, Witz, Geschicklichkeit und Ratschläge, sondern durch die Kraft und Gewalt Christi, der zur Rechten Gottes sitzt und den Heiligen Geist gibt seinen Auserwählten. Darum wird keine äußerliche Gewalt das Evangelium von Christus ausrotten können und sollten alle Teufel, Ketzer und Tyrannen unsinnig darüber werden. Also hat der christliche Leser in diesem Psalm eine Predigt von dem Leiden Christi und von dem Nutzen desgleichen, auch wie uns die Guttaten, die uns Christus zuwege gebracht hat, zugeeignet werden, welches geschieht, wenn wir das Evangelium mit Glauben annehmen. Diesem Christus, der für uns gelitten hat, sollen wir Vertrauen und ihm davor von ganzem Herzen danken.


Der 23. Psalm


1. In diesem Psalm preist David die Guttaten, welche Christus in seinem geistlichen Reich hier auf Erde, durch die Predigt des Evangeliums, allen Gläubigen mit und austeilt, dass sie nämlich von ihm, Christus, als ihrem guten Hirten erquickt und zum ewigen Leben erhalten werden. Diesen Psalm sollen wir oft sprechen, dass wir Gottes Gnade und Güte gegen uns erkennen, ihm lernen vertrauen und wiederum dankbar uns gegen ihn erzeigen.

1. Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln {Jes 40v11 Jer 23v4 v5 1Petr 2v25}.

Herr: Der ewige Gott und Herr Jesus Christus.

Hirte: Er ist ja der gute Hirte, davon Joh. 10. und Hesekiel 34. steht.

Nichts mangeln: Das zu meinem Heil dient. (Denn Christus ist gekommen, auf dass seine Schäflein das Leben haben und alles, was ihnen notwendig sein mag, reichlich und überflüssig erlangen {Joh 10}. Und ob es wohl das Ansehen hat, als hätten die Christen oftmals an äußerlichen Sachen in dieser Welt Mangel. So ist doch ihr Herz mit dem Evangelium Christi also erfüllt und gesättigt, dass sie diesen zeitlichen Mangel gern für gut annehmen und dessen nicht hoch achten. Gleichwie die neu zusammen kommenden Eheleute vor großer Liebe es nicht hoch achten, wenn sie gleich noch viele Sachen, so zur Haushaltung notwendig sind, in Mangel stehen. Denn wo das Evangelium Christi von Herzen angenommen wird, da ist an allen geistlichen Gütern voll auf.)

2. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser.

Er: Jetzt fängt der Prophet an, stückweise nacheinander zu erzählen, was wir an unserem Hirten Christus haben.

Aue: Da ich nicht nur den Hunger büßen, sondern auch wohl ruhen mag.

Frischen Wasser: Welches dazu ganz gesund ist, dass ich mich reichlich damit erquicken kann. (Das Evangelium Christi aber erlabt uns und vertreibt den Hunger und Durst der Seelen und schafft unserem Gewissen Friede und Ruhe. Auch traktiert uns Christus ganz stattlich in seinem heiligen Abendmahl, in dem er uns mit seinem Leib und Blut speist und tränkt.)

3. Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Straße: Das ist: (Durch sein Wort richtet und leitet er mein Herz dahin, dass ich von Sünden, als einem solchen Irr- und Abweg, der zum Verderben führt, auf den rechten Weg seiner Gebote umwende und also aus Anleitung und Trieb des Heiligen Geistes ein ehrliches Leben führe. Das erzeigt uns Christus durch das Predigtamt des Evangeliums.)

Namens willen: Dass derselbe für solche seine Gnade und Güte gepriesen werde. (Denn er hat an uns nichts gefunden, um welches willen er sich unser erbarmen sollte. Darum der alten Schullehrer Fabelwerke, da sie gelehrt haben, was dem Menschen für Gnade und Seligkeit von Rechtswegen gebühre, bei Gott gar nicht stattfindet.)

4. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Und: Folgt ein andere Guttat, welche uns Christus durch das Predigtamt des Evangeliums mitteilt.

Kein Unglück: Das ist: Obwohl ich in dieser Welt in mancherlei Kreuz und Anfechtungen gerate, dass mich erscheint, ich müsse darin verzweifeln, sterben und verderben, ja, wenn ich auch gleich mit dem Tode kämpfen muss und also in dicker Finsternis stecke, so fasse ich doch ein Herz aus deinem Evangelium, dieweil ich weiß, dass du in allen Anfechtungen und Gefahr mein Erlöser bist. Weil nun du bei mir bist, wirst du nicht zugeben, dass mich jemand aus deiner Hand reiße {Joh 10}. (Denn Christus (Gott und Mensch in einer Person) ist überall bei alle Gliedern seiner Kirche zugegen, tröstet sie mit dem Wort seines Evangeliums, dass sie nicht in Anfechtung zugrunde gehen.)

Stecken und Stab: Das ist: Dein Evangelium und Heiliges Sakrament. (Denn in Anfechtungen dürfen wir nicht auf besonderen Trost und heimliche Offenbarung von Himmel herab warten, sondern wir sollen Trost suchen in Gottes Wort, welches Christi, unseres Hirten Stab ist und sollen uns unserer Taufe wiederum erinnern, darin wir zu Kinder Gottes angenommen sind, auch unseren Glauben mit Empfang des heiligen Abendmahls stärken.)

5. Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Du: Jetzt erklärt weiter der Prophet mit einem anderen Gleichnis, von einer stattlichen Mahlzeit, die Guttaten, so uns Christus mitteilt.

Feinde: Denn ich habe zwar viele Feinde, leibliche und geistliche, die mich überall plagen und zu verderben begehren. Du aber erzeigst mir ihnen zu Leide viel Gutes. Darunter das Vornehmste und Beste ist, dass du mich durch die Lehre des Evangeliums aufs lieblichste erquickst und erfreust, als mit dem großen Abendmahl, dazu du viele berufen hast.

Mit Öl: Du hältst mich ganz ehrlich und stattlich. Denn die Juden hatten es im Brauch, dass sie die geladenen Gäste mit einem guten und lieblichen Geruch erlabten. Daher das Weib auch Christus über der Mahlzeit mit köstlichem Öl oder Salben begossen hat {Joh 12}. (Der Geruch des Evangeliums aber ist sehr lieblich und kräftig, dadurch die zerschlagenen Herzen über die Maßen wohl erquickt werden.)

Voll ein: Dass ich einen guten starken Trunk tun kann. (Welches doch nicht dahin zu verstehen ist, als ob Gott an der Völlerei ein Gefallen hätte, wie er auch nicht viel Wein lässt wachsen, dass man die Herzen mit Fressen und Saufen beschweren soll, sondern es ist eine andere geistliche Völlerei, dazu Gott Lust hat, nämlich wenn sich die Christen mit dem Evangelium also ergötzt und erlabt haben, dass sie später (gleich als ob sie davon trunken wären) sich nicht beschweren, um des Ruhmes und der Ehre Christi willen, Elend oder Todesgefahr oder auch die allergrößte Marter und Pein zu leiden und auszustehen.)

6. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lange und ich werde bleiben im Hause des Herrn immer.

Leben lang: Bis auf mein letztes Seufzen wirst du mit deiner väterlichen Güte und Gnade bei mir halten.

Hause: Nämlich bei der rechten Kirche Gottes, welcher lebendig und rechtschaffenes Glied ich sein werde in alle Ewigkeit. (Denn obwohl auch die Auserwählten bisweilen eine Zeit lang aus der Gnade Gottes fallen. So bekehren sie sich doch wiederum zu Gott und kommen wieder zu seiner Kirche, beharren auch darin bis ans Ende, dass sie in wahrer und seligmachender Erkenntnis Gottes absterben. Dieser Spruch des Psalms ist der päpstlichen Zweifel ganz und gar zuwider. Denn David sagt hier anderes nicht, weder was Paulus {Röm 8} bestätigt, da er sagt, ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel oder Fürstentümer, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in Christus Jesu unserem Herrn.)


Der 24. Psalm


1. In diesem Psalm rühmt und preist David das Reich Christi, wie groß und weitläufig es sei. Und lehrt erstlich, dass Christus ihm aus der ganzen Welt durch die Predigt seines Evangeliums, eine Kirche sammle. Danach zeigt er an, welche die rechten Glieder dieser Kirche sind. Endlich ermahnt er alle Könige, Fürsten und Obrigkeiten, dass sie Christus die Tore ihrer Königreiche öffnen und ihn mit seinem Evangelium einziehen lassen, wo sie nicht seine Gewalt mit ihrem Schaden und Verderben wollen innewerden. Dieser Psalm erinnert alle Menschen, dass sie sich bemühen, das Reich Christi vielmehr zu fördern als zu hindern und soll uns ein Herz machen, wenn die Welt wider das Evangelium Christi wütet und tobt.

1. Ein Psalm Davids. Die Erde ist des Herrn und was darin ist, der Erdboden und was darauf wohnt {2Mos 19v5 5Mos 10v14 Hi 4v2 Ps 50v12 1Kor 10v26}.

Darin ist: Was in der ganzen weiten Welt ist, das ist alles sein. Darum erwählt er aus dem menschlichen Geschlecht, welche er will und mag mit einem jeden handeln, wie es seiner Güte und göttlichen Majestät gefällig ist. Sammelt deswegen unser Herr Jesus Christus (welcher da ist dieser Herr der Herrlichkeit {1Kor 2} von dem dieser ganze Psalm redet) sich eine Kirche aus dem ganzen menschlichen Geschlecht durch die Predigt des Evangeliums. Aus diesem Spruch lehrt der Apostel Paulus auch, dass einem Christen frei stehe, Gottes Kreaturen zu gebrauchen, in Speise und Trank, dieweil alle Kreaturen unseres Herrn und Gottes sind, der sie zu unserem Nutzen erschaffen hat. Zudem haben wir hier einen Trost zu behalten, wenn jemand verjagt ist oder an fremden gefährlichen Orten sich aufhält. Denn die Erde ist des Herrn, der kann uns ernähren und erhalten, wo wir auch sind.)

2. Denn er hat ihn an die Meere gegründet und an den Wassern bereitet.

Ihn: Nämlich den Erdboden.

Gegründet: Weil demnach Gott der Schöpfer ist der ganzen Welt, so ist es in allen Wegen richtig, dass er mit seinen Kreaturen handeln und umgehen mag, wie es ihm gefällt, und zwar, so schwimmt die Erde gleichsam im Wasser. Denn in der ersten Erschaffung hat unser Herr und Gott die Erde von dem Wasser geschieden und an besondere Orte sich heißen sammeln, dass man das Trockene sehe.

Bereitet: Denn von den Seiten her steht das Wasser im Meer über der Erde, also dass das Meer höher ist denn die Erde, welches die Verständigen im Augenschein befinden. (Und ist es freilich ein großes Wunderwerk, dass uns Gott mitten im Wasser erhält und auf dem trocknen wohnen lässt, besonders aber sollen wir hier merken, dass unserem Herrn Jesu Christus die Erschaffung Himmels und der Erde zugemessen und zugeschrieben wird, welches ein unwidersprechliches Zeugnis ist seiner wahren und ewigen Gottheit {Joh 2}. Denn dass dieser Psalm von Christus redet, wird kein Verständiger leugnen.)

3. Wer wird auf des Herrn Berg gehen? Und wer wird stehen an seiner heiligen Stätte?

Wer: Jetzt lehrt der Prophet weiter, welche die rechten Glieder Christi sind. Denn obwohl Christus über alle Menschen herrscht, so sind sie doch nicht alle Bürger des Himmelreichs: Darum zeigt er hier an, wie solche Bürger beschaffen sind.

Berg: Das ist: Zur Hütte des Stifts, die auf dem Berge Zion war.

Stätte: Bei der Hütte Gottes: Als wollte er sprechen: Wer gehört zu der Kirche Gottes? Wer ist ein rechtes Glied der selbigen? (Denn viele sind, die den Namen der Kirche führen, aber dennoch derselben rechten Glieder nicht sind, als der römische Papst, Türken, Juden, Wiedertäufer, Heuchler und ihresgleichen.)

4. Der unschuldige Hände hat und reines Herzens ist; der nicht Lust hat zu loser Lehre und schwört nicht fälschlich.

Hände hat: Der ein unsträfliches Leben führt und den Glauben, den er im Herzen hat, mit guten Werken bezeugt.

Herzen ist: Das ist: Der an den Messias Jesum Christus den Sohn Gottes glaubt. Denn dass durch den Glauben an Christus unsere Herzen gereinigt werden, bezeugt Petrus {Apg 15}.

Loser Lehre: Der falsche Lehre nicht bestätigen hilft. (Und deutet der Heilige Geist hiermit auf die falschen Lehrer in der Kirche Gottes, die den Zuhörern auch wohl dürfen ihre Seele zu Pfand setzen, sie zeigen ihnen den rechten Weg zur Seligkeit an, da sie doch nichtsdestoweniger die Unwahrheit vorgeben.)

Nicht fälschlich: Der den Namen Gottes nicht missbraucht, seinen Nächsten mit falschem Eidschwur zu betrügen. So ist nun dies der eigentliche Verstand dieser Wort: Diese sind die rechten Glieder der Kirche, welcher Herzen durch den Glauben gereinigt sind, dass ihnen die Heiligkeit und Gerechtigkeit des Messias zugerechnet wird und die durch den Heiligen Geist wiedergeboren wurden, dass sie dasjenige nicht aus falschem und heuchlerischen Herzen reden, was zu der Ehre Gottes und des Nächsten Wohlfahrt dient und auch in ihrem äußerlichen Wandel unsträflich sind. Denn wahre Gottseligkeit steht in reinem Herzen, Mund und Werken. Darum gehört der nicht zur Kirche Gottes, der zwar unsträflich lebt, aber keinen wahren Glauben an Christus hat. Welcher auch leichtfertig ist in Reden und schändlich lebt, der ist nicht ein Glied der christlichen Kirche, ob er sich gleichviel des Glaubens rühmt.)

5. Der wird den Segen vom Herrn empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.

Empfangen: Wer nämlich an Christus glaubt, redet, was erbaulich ist und unsträflich lebt, dem wird Gott allerlei Gutes, besonders aber geistliche, himmlische und ewige Guttaten bescheren.

Gerechtigkeit: Wird er nämlich auch empfangen, das ist: Einen solchen wird der Gott des Lebens für gerecht erkennen und halten. (Wenn uns denn Gott für gerecht erkennt, wer will verdammen? Wir werden aber für gerecht erkannt um Christi willen, so wir den mit Glauben ergreifen. Wo nun der Glaube im Herzen ist, da wird dasselbe erneuert durch den Heiligen Geist. Und diese Erneuerung des Herzens lässt sich danach sehen in Worten und Werken eines Christen.)

6. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Jakob. Sela.

Fragt: Das ist: (Die sind gewisslich recht fromme Menschen, die sich von ganzem Herzen fleißigen, dass sie Gott recht erkennen und ihm dienen und finden oder sammeln sich mit allem Fleiß zu der Kirche des Volkes Gottes, welches Volk vom Patriarchen Jakob her entspringt, der mit dem Zunamen Israel geheißen. Heutigentags sind das die rechten Israeliten und Nachkommen Jacobs, welche das Evangelium Christi mit Glauben annehmen. Zu dieser Gemeinde sollen sich tun alle die, so Kinder Gottes sein wollen.)

Antlitz: (Nach Luther) Das ist: Gottes Antlitz und Gegenwärtigkeit, die im Volk Israel war und sonst nirgends.

7. Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!

Macht: Jetzt erinnert der Heilige Geist weiter alle Obrigkeiten, dass sie dem Herrn Jesu Christus samt seiner Kirche und Evangelium in ihren Königreichen oder Herrschaften, Herberge und Platz einräumen.

Einziehe: Das ist: Lasst bei euch einziehen unseren Herren Jesum Christus, den ewigen König, der aller Gewalt und alle Herrlichkeit hat im Himmel und auf Erde, welcher die Welt, den Tod, Teufel und die Hölle überwunden hat. (Diesem Herrn nun sollen nicht allein alle Könige, Fürsten und Herren in ihren Königreichen Tür und Tor öffnen, sondern auch alle Hausväter ihm ihre eigenen Häuser auftun. Denn er bringt mit sich himmlische Schätze, Vergebung der Sünden, Huld und Gnade Gottes des Vaters und ewige Seligkeit.)

8. Wer ist derselbe König der Ehren? Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.

Der Ehren: Dass wir ihm in unserem Gebiet sollten Platz machen oder uns ihm ergeben? (Denn die Welt eines großen Teils will dem Herrn Christus die Tore nicht öffnen. Und fürchten etliche Obrigkeiten, wenn sie das Evangelium Christi bei ihnen einlassen, so werden sie um ihre Herrschaften kommen. Aber sie irren sich sehr weit. Denn wie sollte der das zeitliche Reich nehmen, der das Himmelreich geben will?)

Im Streit: Der bei euch einziehen will, ist Jesus Christus, der Herr und Gott von Ewigkeit: Der starke Held, der den Teufel selbst überwunden, die Hölle den Gläubigen zerstört, viele seiner auch die mächtigsten Feinde, die seine Kirche angefochten haben, geschlagen und erlegt. Dessen man ein augenscheinliches Beispiel hat an dem Könige Pharao. (Darum ihr Herren seht zu, wenn ihr diesen Helden, der bei euch anklopft, nicht auftut, dass ihr nicht eure Königreiche, ja zeitliches und ewiges Leben, zugleich verscherzt. Und hütet euch, dass nicht der, dem ihr auf Erde Herberge abgeschlagen, euch auch später im Himmel keinen Platz gebe.)

9. Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!

Macht: Dieweil die Welt mit großer Halsstarrigkeit Christus von sich weist, so wiederholt der Heilige Geist die vorige Erinnerung.

10. Wer ist derselbe König der Ehren? Es ist der Herr Zebaoth, er ist der König der Ehren. Sela.

Wer ist: Die widerspenstige Obrigkeit wiederholt auch ihre vorige Ausrede. Darauf der Prophet wieder Antwort gibt.

Zebaoth: Das ist: Der Heerscharen, denn er ist ein Gott und Herr aller Engel, aller Menschen und in der Summe aller Kreaturen.

Der Ehren: Dem ihr die Tore immer öffnen sollt. (Und ist kein Zweifel, der Apostel Paulus hat hierher gesehen, da er {1Kor 2} sagt, wenn sie (die Juden) ihn erkannt hätten, nämlich Jesum von Nazareth, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Damit er zu verstehen gibt, dass Christus sei eben der Herr der Herrlichkeit oder Ehren, welcher der Herr der Heerscharen ist. Darum ob sich wohl ihrer viele bemühen, dass sie Christus vor ihrer Herrschaft draußen behalten und nicht einlassen, so wird es doch vergebens sein. Denn er wird in ihre Herrschaft einziehen, ob es ihnen gleich leid ist. Selig sind aber alle die, welche ihn mit dem demütigen und gläubigen Herzen auf- und annehmen.)


Der 25. Psalm


1. Dieser Psalm ist eine Form und Weise zu beten, darin wir Gott anrufen, dass er uns in Nöten erhalte und nicht um unserer Sünde willen verwerfe, sondern die selbige vielmehr aus Gnaden nachlasse und uns mit seinem Heiligen Geist regiere, dass wir nach seinen Geboten wandeln.

1. Ein Psalm Davids. Nach dir, Herr, verlangt mich.

Verlangt: Zu dir seufze ich in meiner Not, begehre und hoffe Hilfe von dir. (Denn wir sollen nicht die verstorbenen Menschen, sondern den lebendigen Gott anrufen.)

2. Mein Gott, ich hoffe auf dich. Lass mich nicht zuschanden werden, dass sich meine Feinde nicht freuen über mich!

Hoffe: Dass du mir aus der Gefahr helfen wirst.

Nicht zuschanden: Damit ich nicht in meiner Hoffnung betrogen und meinen Feinden ein Spott werde.

3. Denn keiner wird zuschanden, der dein harrt; aber zuschanden müssen sie werden, die losen Verächter.

Harrt: Und auf dich hofft, ob man wohl etwa eine Zeit lang auf die Hilfe warten muss. (Dies ist ein ausbündiger Trost, daran man sich in aller Not und Anfechtung stark halten soll.)

Verächter: Die Gott und sein Wort verachten. (Denn die Unbußfertigen haben sich keiner Hilfe Gottes zu trösten, die Bußfertigen aber sollen an seiner Gnade nimmer verzagen.)

Nach Luther: Die da große und doch nichtige Ursache haben zu verachten, als Gewalt, Kunst, Weisheit, Reichtum.

4. Herr, erzeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige {Ps 27v13}!

Steige: Das ist: Regiere mich mit deinem Heilige Geist, dass ich weder von der Lehre in Irrtum gerate, noch vom gottseligen Wandel in Schande und Laster falle. (Denn keiner ist so heilig und fromm, dem nicht beten not sei, dass ihn Gott gnädiglich regieren und leiten wolle. Dieweil unseres Fleisches Schwachheit groß ist, so ist der Welt Bosheit noch größer und des Teufels arge List am allergrößten.)

5. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich; denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich dein.

Wahrheit: Dein Wort aber ist die Wahrheit {Joh 17}.

Lehre mich: Gib, dass ich von deinem Wort kein Haarbreit weiche und täglich in deiner wahren Erkenntnis zunehme.

Hilft: Auf dem all mein Heil und Wohlfahrt steht.

6. Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist.

Gedenke: Ach Herr, handle mit mir nach deiner großen Barmherzigkeit, wie du denn von Anfang der Welt bis daher deine Barmherzigkeit gegen die bußfertigen Sünder mit vielen herrlichen Exempeln dargetan und bekannt gemacht hast. (Solche Beispiele der Barmherzigkeit, die Gott an anderen Leuten erwiesen hat, sollen unseren Glauben stärken und uns zu eifrigem Gebet aufmuntern.)

7. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretung; gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen {Hi 13v26 Jer 31v19}!

Jugend: Vergib mir meine vielfältigen Sünden, damit ich dich in meiner Kindheit und Jugend erzürnt habe, wenn ich dir ungehorsam und widerspenstig gewesen bin, dass möchtest du mir nicht zurechnen und nicht strafen.

Barmherzigkeit: In Gnaden und nicht in deinem Zorn.

Güte willen: Nicht von wegen meines Verdienstes, sondern dieweil du ein solcher gnädiger und barmherziger Gott bist. (Denn wir dürfen unser Verdienst vor dem Gericht Gottes nicht rühmen, sondern sollen vielmehr von seiner Gerechtigkeit zu seiner Barmherzigkeit appellieren.)

8. Der Herr ist gut und fromm, darum unterweist er die Sünder auf dem Wege.

Wege: Das ist: (Gott ist gnädig und fromm, darum hat er nicht Lust an dem Tod und Verderben des Sünders, sondern durch sein Wort und Heiligen Geist wendet er die Sünder von dem bösen Wege, der zum Verderben führt, ab und leitet sie auf den rechten Weg, dass sie Buße tun und selig werden.) Solche Sprüchlein mischt David in seinem Gebet mitunter, dass er darunter seinen Glauben im Gebet stärke.

9. Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Elenden: Nämlich die armen Sünder, die Gott unter dem Kreuz gedemütigt hat, regiert er und lehrt sie in seinen Geboten wandeln. (Denn Kreuz und Trübsal sind dazu gut, dass wir aufhören zu sündigen und ein ehrliches Leben führen {1Petr 4}.)

10. Die Wege des Herrn sind eitel Güte und Wahrheit denen, die seinen Bund und Zeugnis halten.

Wahrheit: Es ist lauter väterliche Treue, was Gott mit uns armen Sündern macht und tut, ob es wohl zu Zeiten vor unserer Vernunft ganz ein anderes Ansehen hat.

Halten: Das ist: Die durch den Glauben mit ihm versöhnt sind und aus Glauben sich befleißigen, seine Gebote zu halten. (Denn alle die an Christus glauben, sind im Bund Gottes und haben einmal Gott dem Herrn mit guten Werken sich dankbar zu erzeigen versprochen.)

11. Um deines Namens willen, Herr, sei gnädig meiner Missetat, die da groß ist!

Namens: Damit man dich als einen gnädigen, gütigen, barmherzigen Gott erkenne und rühme.

Groß ist: Meine Sünden sind groß und viel und drücke mich hart, darum ich auch deiner großen Barmherzigkeit hoch notdürftig bin. So wirst du auch desto größeres Lob, deiner Gnade und Güte wegen, davon haben, wenn du mir so viele und große Sünden vergibst. (Denn wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade viel mächtiger geworden gegen die bußfertigen Sünder {Röm 5}.)

12. Wer ist der, der den Herrn fürchtet? Er wird ihn unterweisen den besten Weg.

Besten Weg: Das ist: Welcher unserem Herrn und Gott ernstlich dient, den wird er mit seinem Wort unterrichten und unterweisen in dem Weg der Wahrheit und Frömmigkeit, damit er nicht in schädlichen Irrtum oder gottloses Wesen gerate. (Diese Verheißung soll unseren Glauben stärken, dass Gott uns bis ans Ende beständig erhalten werde, wider die Katholiken vorgeben, dass wir an unserer Seligkeit stets zweifeln sollen.)

13. Seine Seele wird im Guten wohnen und sein Same wird das Land besitzen.

Wohnen: Ein solcher Mensch wird Gottes großer und vielfältiger Gnaden lange genießen.

Same: Seinen Nachkommen wird es auf Erden wohl gehen und werden den Segen Gottes haben. (Obwohl nun der Prophet hier auf die Besitzung des Landes Kanaan sieht, welches die Israeliten damals durch die Gnade Gottes innehatten. Jedoch versteht er unter der Besitzung des Landes Kanaan auch die Erbschaft des ewigen Lebens und zeigt damit an, dass den Frommen ewig wohl sein und durch sie die wahre Erkenntnis Gottes auf die Nachkommen werde fortgepflanzt werden, damit auch die selbigen zum ewigen Leben mögen erhalten werden. Welches einem frommen Menschen viel eine höhere Gnade ist, denn wenn ihm das ganze Römische Reich geschenkt würde.)

14. Das Geheimnis des Herrn ist unter denen, die ihn fürchten und seinen Bund lässt er sie wissen.

Wissen: Das ist: (Die Gottseligen, so an Christus glauben und den Herrn fürchten, die haben wahre Erkenntnis der Geheimnisse Gottes. Denn seinen Willen offenbart er ihnen in seinem Wort. Die Gottlosen aber, so mit ihrer blinden Vernunft in das Geheimnis Gottes hineinfallen, die lernen nichts Heilsames aus dem Worte Gottes. Denn sie bringen ihren fleischlichen Gedanken in die Heilige Schrift. Nun ist es eine große Guttat Gottes, wenn er uns seinen Willen und sein Geheimnis offenbart, daher wir ihn also erkennen lernen, dass wir auf ihn unser Hoffnung und Vertrauen setzen.)

15. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen {Ps 141v8}.

Herrn: Von ihm warte ich Errettung aus allen meinen Nöten.

Ziehen: (Denn obwohl die Welt und der Teufel uns nachstellen und ihre Stricke legen, dass sie uns fangen und umringen, so wird uns doch Gott nach seiner Güte von ihren arglistigen Anschlägen erledigen.)

16. Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend.

Gnädig: Verzeihe mir meine Missetat und erlasse mich der Strafe der Sünden.

Einsam: Von jedermann, außer dir, verlassen. (Wenn wir deswegen von vielen verlassen und im Elend sind, so sollen wir unsere Zuflucht zu Gott haben. Denn je mehr uns an menschlicher Hilfe zerrinnt, je geneigter ist Gott zu helfen.)

17. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten!

18. Siehe an meinen Jammer und Elend und vergib mir alle meine Sünde!

Sünde: Strafe mich nicht nach meinem Verschulden, sondern verzeihe mir meine Sünde und nimm der selbigen Strafe hinweg, denn ich werde schwer angefochten und übel geplagt. (Also schweben uns in unserem Anliegen unsere Sünden immer vor Augen und wenn wir denselben nachdenken, das tut vielmehr wehe, denn die Strafe an ihr selber. Darum sollen wir Vergebung der Sünden durch Christus bitten, damit unser Gewissen von der schweren Last der Sünden erledigt, desto rühriger werden und wir das Kreuz desto geduldiger ertragen mögen.)

19. Siehe, dass meiner Feinde so viel ist und hassen mich aus Frevel {Ps 3v2 Joh 15v25}.

Viel ist: Darum tue du ihnen Widerstand, denn ich vermag nichts wider einen solchen großen Haufen.

Frevel: Sie haben doch keine billige Ursache ihres Neids gegen mich.

20. Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.

Seele: Mein Leben, unter so vielen mächtigen und grimmigen Feinden.

Errette mich: Aus ihren Händen.

Auf dich: (Denn also können wir unseren Herrn und Gott aufbringen, dass er uns Hilfe schaffe, wenn wir ihm seines Namens Ehre vorhalten, dass er die selbige retten wolle, damit er nicht gelästert werde, wenn er die verlasse, welche auf ihn ihr Hoffnung setzen.)

21. Schlecht und recht, das behüte mich; denn ich harre dein {Hi 1v1 v8 2v3}.

Behüte mich: Lass mich meiner Redlichkeit und guten Sache, die ich wieder meine Feinde habe, genießen. Denn ob ich wohl ein armer Sünder bin. Jedoch, wenn man meine Sache, gegen meiner Feinde Händel halten wird, so weiß ich, dass ich mich gehalten habe, wie einem Biedermann gebührt.

Harre dein: Ich verlasse mich auf deine Güte und Allmacht, dass du mich bei meiner gerechten Sache handhaben wirst. (Denn wenn wir ein gut Gewissen haben, können wir desto herzhafter und getroster wider unsere Feinde beten.)

22. Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not!

Gott: Jetzt und hängt der Prophet ein allgemeines kurzes Gebet hinten an, das Gott seine ganze Kirche erlösen wolle.

Not: Das ist: Du wollest nicht allein mich aus gegenwärtiger Gefahr erretten, sondern erbarme dich auch deiner ganzen Kirche, deren Glieder allerlei Unfalls und Leides zu Händen geht und erlöse uns von allem Übel, Amen. (Denn wenn wir unser eigenes Elend bei uns selbst hinterdenken, sollen wir auch uns alle Not und Anliegen der Kirche Gottes (die in der ganzen Welt zerstreut ist) zu Herzen gehen lassen und zugleich vor aller Auserwählten Heil und Wohlfahrt bitten. Ein solches gläubiges Gebet wird unser Herr Gott niemals verachten oder ausschlagen.)


Der 26. Psalm


1. Es ist bekannt und offenbar aus 1. Chron. 13. und anderen Orten der Schrift, dass der König David, nachdem er in die Regierung eingetreten ist, den Gottesdienst reformiert und von neuem angerichtet hat. Denn unter dem gottlosen Könige Saul ist viel ungerades, wie zu geschehen pflegt, auch in der Religion und Glaubenssachen mit untergelaufen, als bei einer heuchlerischen Obrigkeit. Nun ist kein Zweifel, dass nicht allein viel unter den Vorhaben und Häuptern in Israel, sondern auch die Priester und Leviten diese Reformierung und Änderung in der Religion schimpflich angezogen und gelästert, als ob David eine neue und ketzerische Lehre anrichten und aufbringen wolle und eine Ursache wäre alles Unglücks, so über das Königreich Israel ging. Hierüber trägt David seine Sache bei Gott dem Herrn aus und appelliert von dieser Leute verkehrtem Urteil, auf Gottes Urteil und Ausspruch und bittet, dass ihn Gott bei der guten und gerechten Sache handhaben wolle und er seiner Unschuld gemessen möge. Verspricht hinwiederum sich dankbar zu erzeigen. Diesen Psalm mögen fromme Fürsten und andere beten, welche um angestellter christlicher Reformation oder Glaubensbekenntnis willen allerlei Schmach und auch Verfolgung leiden müssen.

1. Ein Psalm Davids. Herr, schaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig. Ich hoffe auf den Herrn, darum werde ich nicht fallen.

Recht: Wider meine Feinde, die meine gute Sache lästern und mich der Ketzerei beschuldigen, dieweil ich eine Änderung in der Religion vorgenommen habe.

Unschuldig: Ich hab in diesem ganzem Werke nichts gehandelt, denn was ich wusste, das recht und gut sei und du weißt, was ich getan habe, dass ich mich solches alles mit reinem und einfältigem Herzen unterwunden habe.

Nicht fallen: Ich habe es auf dich gewagt mit dieser Reformation, darum wirst du mich nicht fallen oder dadurch in Gefahr kommen lassen. (Ein solches Herz und Gemüt soll auch ein frommer Herr haben, der Änderung in Glaubenssachen und in der Religion vornimmt, der soll bei sich selbst das gute Gewissen haben, dass er solches aus rechtschaffenem gottseligem Herzen tue und soll Gott vertrauen, ob es gleich etwa an einem oder anderen Ort ein gefährlich Ansehen bekommen will.)

2. Prüfe mich, Herr und versuche mich; läutere meine Nieren und mein Herz!

Läutere: Wie ein Goldschmied das Silber. Das ist: Wenn du gleich meine Begierde in dieser Glaubens- und Religionssache und mein ganzes Herz fleißig erwägen und probieren wirst, so wirst du doch anders nichts finden, denn dass ich deines Namens Ehre und meiner Untertanen Wohlfahrt mit gutem Gewissen und aufrichtigem Herzen hab befördern wollen.

3. Denn deine Güte ist vor meinen Augen und ich wandle in deiner Wahrheit.

Güte: Die du versprochen hast allen, so dir rechtschaffen dienen, auf tausend Glied {2Mos 20}.

Augen: Darauf ich mit Glauben sehe und richte alle meine Sache dahin, dass ich an dir vielmehr einen barmherzigen Gott als einen gestrengen Richter habe.

Wahrheit: Ich habe gehandelt nach Ausweisung deines Wortes, welches die Wahrheit ist {Joh 17}. (Denn wenn man in Glaubenssachen Änderungen vornimmt, soll man alle Zeit Gottes Wort als eine gewisse Regel und Richtschnur vor Augen haben.)

4. Ich sitze nicht bei den eitlen Leuten und habe nicht Gemeinschaft mit den Falschen.

Eitlen Leuten: Ich habe mich nicht mit heillosen und solchen Leuten, die nur viel auf Menschensatzungen halten, beratschlagt, wie ich solche Reformation angreifen wolle.

Falschen: Ich hab in diesem Handel mich nicht gehalten zu den verkehrten Leuten und Heuchlern, die auswendig schön scheinen, inwendig aber voll Unflats sind, wie die getünchten Gräber {Mt 28}. (Denn ein frommer Herr tat ganz unweislich, wenn er die Religion reformieren und ändern wollte und suchte Rat mit solchen Leuten, die zum allervordersten Reformieren und Verbessern bedürften und doch am allerwenigsten leiden können, dass ihre Lehre oder Leben geändert und im besseren Stand gerichtet würde.)

5. Ich hasse die Versammlung der Boshaften und sitze nicht bei den Gottlosen {Ps 119v128}.

Boshaften: Ich fliehe der Gottlosen und heuchlerischen Rotte.

Gottlosen: Welche irrige Lehre verteidigen. Ich will auch niemals in ihren Rat einwilligen, ja ganz nichts mit ihnen beratschlagen. (Darum tun fromme Fürsten und Regenten wie auch andere Christen recht und wohl daran, welche des Papstes zu Rom Konzilen verwerfen. Denn in den selbigen sitzen blinde, gottlose Leute und Heuchler, die solche Lehre und Religion verteidigen, welche dem ausgedrückten Wort Gottes zuwider ist. Solcher Versammlung und des Teufels Kirche sollen wir auch aus göttlichem Eifer von Herzen feind sein. Daneben aber sollen wir bitten für die, die das Evangelium unwissend und nicht mutwilligerweise verfolgen, damit sie erhalten und selig werden. Wir sollen aber auch sonst böser Leute Gesellschaft und Gemeinschaft meiden, dass wir nicht, nach dem Sprichwort, bei den Hinkenden auch hinken lernen.)

6. Ich wasche meine Hände mit Unschuld und halte mich, Herr, zu deinem Altar,

Unschuld: Denn gleichwie die Priester nicht sollen mit ungewaschenen Händen mit dem Heiligtum umgehen, also hab ich nicht mit unreinem und gleichsam ungewaschenem, sondern durch den Glauben gereinigtem Herzen diese christliche und gottselige Reformation der Religion angriffen und es auf dich in deinem Namen gewagt, darum wirst du mir Beistand tun und deine göttliche Gnade dazu verleihen, auf dass ich, was ich wohl angefangen, zu deinem Lob und Ehren glücklich vollführen und zu Ende bringen möge.

Altar: Welcher vermöge deines ausdrücklichen Wortes gebaut und zugerichtet und nicht nach menschlichem Gefallen erdichtet wurde. Das ist, ich halte mich zu solchem Gottesdienst, der dir gefällt und den du selber befohlen hast. (damals aber können wir gewiss sein, dass unsere Gottesdienste ihm gefallen, wenn wir tun, was er geboten hat. Denn vergeblich dient man Gott mit Menschen Gebot {Mt 15}.)

7. da man hörte die Stimme des Dankens und da man predigt alle deine Wunder.

Dankens: Das ist: Ich gehe nicht zu den Heuchlern, sondern zu deinem Gottesdienst, da ich hören möge dein Lob, welches aus deinem Wort erzählt wird, dass du nämlich um des Messias willen den Bußfertigen ihre Sünden vergeben und ihnen das ewige Leben schenken, dass du auch deine Kirche auf dieser Erde wunderbarerweise unter so vielen Feinden in aller Widerwärtigkeit erhalten wollest.

Predigt: Als wollte er sprechen: Ich komme auch zu dem öffentlichen und ordentlichen Gottesdienst, auf dass ich deine wunderliche Güte, die du zum Teil deiner ganzen Kirche, zum Teil aber mir insbesondere erzeigt hast, predige und verkündige, damit auch andere dir vertrauen lernen. (Denn darum sollen wir in der Kirche zusammenkommen und uns versammeln, dass wir unseren Glauben aus den Predigten von Gottes Barmherzigkeit aufrichten und stärken und unseren Herrn und Gott mit dem Gebet und Psalmen für die empfangene Guttaten preisen und rühmen.)

8. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.

Deines Hauses: (Nach Luther) Gottes Haus und Versammlung ist, wo sein Wort geht und sonst nirgends, denn darin wohnt Gott. Darum preist er so fröhlich Gottes Haus um des Wortes willen.

Wohnt: Das ist: Du weißt Herr, dass ich keine Lust habe zu den Gottesdiensten, die von Menschen erfunden werden, sondern zu denjenigen, welche an dem Ort, auf die Weise und Maß verrichtet werden, die du geordnet und vorgeschrieben hast, da du dein Wort und deine Güte offenbarst, da du erhörst das Gebet derer, die dich anrufen, da das Leiden und Sterben deines eingeborenen Sohnes, welcher das menschliche Geschlecht erlösen wird, durch gebührende Opfer wird vorgebildet, da wird deine Ehre und Herrlichkeit am allermeisten bekannt. (Welche nun nicht gern zur Kirche gehen, darin das Evangelium von Christus rein und lauter gepredigt und die heilige Sakramenten ordentlich ausgespendet werden, die geben damit zu erkennen, dass sie weder Gottes Ehre noch ihrer selbst ewigen Heils und Seligkeit achten.)

9. Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern, noch mein Leben mit den Blutdürstigen,

Raffe: Nachdem David seine Sachen bei Gott ausgetragen, hängt er ein Gebet daran: Dieweil ich (spricht er) solche Änderung und Reformation in Glaubenssachen aus Gottseligem und aufrichtigem Herzen habe vorgenommenen, so weiß ich, dass du die wütenden Heuchler einmal in diesem Leben um ihres gottlosen Wesens willen strafen wirst. Alsdann möchtest du meiner gnädig verschonen und mich nicht in die Gemeindestrafe mit hinraffen, denn ich die reine Lehre von Grund meines Herzens befördert habe. Solches meines gottseligen Werkes lass mich genießen, wie du denn versprochen hast.

Blutdürstigen: Nämlich mit den Gottlosen und Heuchlern. (Denn die Heuchler haben den Namen recht und richtig, dass sie blutdürstig genannt werden, weil ihnen nach derer Blut dürstet, die nicht ihres Glaubens sind. Es zeigt auch dies Gebet daneben an, dass Gott endlich die Heuchler aufräume und ausrotte.)

10. welche mit bösen Tücken umgehen und nehmen gerne Geschenke.

Tücken: Die allerlei List und Praktiken machen, dass sie entweder die Frommen verderben, oder doch ihnen Verdruss tun.

Geschenke: Es sind geizige Bösewichte, die in Glaubenssachen mehr auf Gewinn als auf Frömmigkeit abgerichtet sind und auch in äußerlichen Sachen sich gern schmieren und bestechen lassen. Es ist aber kein Zweifel, David hat hiermit auf etliche der vornehmsten Häupter, die im Regiment bei den Israeliten waren, gestochen, die dem Geist ganz ergeben und denen das die liebste Religion gewesen, die zum besten in ihre Küche (wie man sagt) gedient. (Also soll man auch noch wohl heutigentags an etlicher Fürsten Höfe solche Räte finden, die es mit der päpstlichen Religion halten, nicht um des Gewissens willen, sondern um Geizes wegen, dieweil ihnen die päpstliche Religion einträglicher ist als die evangelische.)

11. Ich aber wandle unschuldig. Erlöse mich und sei mir gnädig!

Unschuldig: Ich handele redlich und suche nicht meinen eigenen Nutzen, sondern Gottes Ehre und der Kirche Wohlfahrt. (Also sollten richtig alle evangelische Obrigkeiten das geistliche Gut dergestalt verwalten, dass sie bei sich selbst das gute Gewissen haben möchten, wie sie nicht die Güter, sondern die lebendigen Glieder der Kirche zu erhalten begehrt.)

Erlöse mich: Wende das Unglück von mir ab.

Gnädig: Nimm dich meiner an, nach deiner großen Barmherzigkeit. Denn ob ich wohl in diesem ganzen Handel mir nichts Bösem oder keiner argen List bewusst bin, so bin ich doch darum vor dir nicht gerechtfertigt. Und obwohl ich eine ganz gute Sache habe, so weiß ich dennoch, dass du mir nichts schuldig bist, denn wenn ich gleich etwas Gutes tue, so tust du doch solches durch mich, darum es mir nicht soll zugemessen werden. (Es bittet aber David um Gottes gnädigen Schutz, dieweil der Teufel nach angestellter Reformation allerhand Unruhe zu erwecken sich untersteht, beides in der Kirche und Polizei. Darum sollen auch fromme Regenten Gott um seinen väterlichen Schutz und Schirm anrufen.)

12. Mein Fuß geht richtig. Ich will dich loben, Herr, in den Versammlungen.

Richtig: Ich habe dennoch (will David sagen) ein gutes Gewissen, ob ich mich wohl sonst für einen armen Sünder erkenne, denn ich weiß, dass ich die rechte Religion (und nicht Menschensatzungen) angerichtet habe, dabei ich mich auch noch finden lasse. (Wir sollen dessen auch in unserem Herzen gewiss sein, dass wir den rechten Glauben haben.)

Loben: Weil du mich bei der rechten reinen Lehre erhältst und beschirmst, so will ich deinen Namen preisen vor der ganzen Gemeinde, dass du dich der rechten Religion annimmst. (In dem aber der Prophet von Versammlungen, als von vielen redet, zeigt er damit an, es werde die Zeit kommen, dass die Kirche nicht allein aus Juden, sondern auch aus den Heiden versammelt werde, die Gott recht erkennen und ihm gebührlich dienen werden. Wenn wir aber beten, sollen wir versprechen dankbar zu sein und da wir erhört werden, solches auch halten.)


Der 27. Psalm


1. Weil David in seinem langwierigen Elend mit allerlei falschen Auflagen beschwert wurde, als ob er dem Saul nach der Krone greifen wollte und bei seinen Freunden und Verwandten weder Hilfe noch Trost fand, läuft er mit dem Gebet zu Gott, wie sein Brauch war, und ruft ihn um Hilfe an. Anfänglich aber dankt er dem allmächtigen Gott für solchen väterlichen Schutz und Schirm, den er nun zum wiederholten Mal im Werke gespürt und erfahren hatte. Zeigt daneben an, dass er sein einziges Vertrauen auf Gottes gnädige Hilfe setze. Danach erklärt er sich, wie ein herzliches Verlangen er habe nach dem wahren Gottesdienst, davon er etlichermaßen durch dies sein Elend abgehalten werde. Bittet auch weiter, dass Gott ihn, als der von aller Welt verlassen, gnädig beschirmen und erhalten wolle. Und mischt hin und wieder Trost mit unter, damit er sich selbst und auch andere betrübte Leute aufrichtet, dass sie gute Hoffnung haben sollen. Mit diesem Psalm sollen auch wir uns in unseren Anfechtungen und Kreuz uns trösten.

1. Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem soll ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem soll mir grauen {Mi 7v8}?

Licht: Der die Finsternis der Traurigkeit und beschwerlicher Anfechtung bei mir vertreibt.

Heil: Oder Heiland, der mir in allen Nöten zu Hilfe kommt.

Fürchten: (Denn wenn Gott mit uns ist, wer will wider uns sein? Also können wir auch im finsteren Tal des Todes noch dazu dem Teufel Trotz bieten, dieweil wir bei uns haben unseren Herrn und Heiland Jesum Christus, der das wahre Licht ist {Joh 1} auch den Tod und Teufel überwunden hat.)

Kraft: Deshalb ich so sicher bin, als wenn ich auf einem festen Schloss wäre.

Grauen: Wenn ich gleich noch so mächtige Feinde habe. (Es ist aber David nicht immer so stark im Glauben gewesen, besonders da er sich beim Achis dem Könige zu Gath in großer Angst und Not gestellt, als ob er unsinnig wäre. Lehrt uns doch hiermit, dass die Gottseligen mit der Hilfe Gottes, darauf sie sich verlassen, alle Schrecken überwinden, dass sie nicht verzagen, ob sie wohl bisweilen stark und dann wiederum schwach im Glauben sind.)

2. Darum, so die Bösen, meine Widersacher und Feinde, an mich wollen, mein Fleisch zu fressen, müssen sie anlaufen und fallen.

An mich: Wenn sich böse und grausame Leute über mich machen, mir zu schaden.

Zu fressen: Dass sie zum Teil mit ihren giftigen Verleumdungen auf mich stechen, zum Teil wenn sie nur könnten, mich auch mit den Zähnen zerrissen.

Anlaufen: Es wird ihnen nicht allein nicht nach ihrem Willen hinausgehen, dass sie mich verderben, sondern sie werden auch den Kopf an mir stoßen und das Maul übel zufallen. (Denn welche fromme und unschuldige Herzen verfolgen, die trifft die Rache Gottes, dass sie endlich in die Grube fallen, die sie anderen gemacht haben.)

3. Wenn sich schon ein Heer wider mich legt, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn {Ps 3v7}.

Heer: Nämlich Saul, mit einer großen Kriegsmacht, damit er wider mich auszieht.

Herz nicht: Dass es darum an Gottes Hilfe verzweifeln soll.

Erhebt: Dass ich mich mit meinen Feinden schlagen muss.

Auf ihn: Meinen Gott, der mein Licht und mein Heil ist, darum mir das Herz nicht entfallen soll, zweifle auch nicht, dass er mich in äußerster Gefahr erhalten werde. Und zwar so ist David zu etlichen Malen errettet worden, besonders, da ihn schon Saul mit seinem Heer auf eine Zeit in der Wüste Maon {1Sam 23} umringt hatte. Denn durch der Philister geschehenen Einfall ist Saul schnell abgefordert worden, dass er von David ab- und nachlassen musste. (Darum sollen wir uns vor der großen Gewalt der Feinde nicht entsetzen, sondern Gott vertrauen, der wird nicht zugeben, dass uns etwas widerfahre, es diene denn zu seines Namens Ehre und unserer ewigen Wohlfahrt.)

4. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, dass ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lange, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu besuchen.

Gerne: Vor allen anderen Dingen und wünsche mir sonst nichts mehr.

Leben lang: Dass ich könnte immer und stetig der Versammlung in der Kirche Gottes beiwohnen und bei der heiligen Hütte des Herrn mich halten. Denn als David im Elend war, durfte er sich an dem Ort nicht kecklich finden lassen, da die Lade des Herrn stand und der ordentliche Gottesdienst öffentlich verrichtet wurde, das war ihm unter allem anderem seinem Kreuz das beschwerlichste. (Heutigentags sind der verkehrten Leute viele, die mehr begehren, dass sie möchten weit von der Kirche sein, als nahe dabei.)

Zu besuchen: Als wollte er sprechen: Ach wie große Freude wäre es mir, wenn ich alle Tage und zu rechter Zeit bei den Opfern sein könnte, durch welche das bittere Leiden und Sterben des Sohnes Gottes, Messias und Erlöser des menschlichen Geschlechts, wird abgebildet, damit ich daraus meinen Glauben stärken möchte. Und dass ich könnte mit einer ganzen Gemeinde Gott dem Herrn Lob und Dank sagen, für so viele und große Guttaten, die er dem ganzen menschlichen Geschlecht und mir insbesondere erwiesen hat. (Denn die Patriarchen haben ihre Lust an den Opfern gehabt, nicht darum, dass das Vieh schlachten und desgleichen Fleisch verbrennen, ihnen so eine große Freude wäre, sondern dieweil solche Zeremonien sie des Leidens Christi erinnerten. Und ohne Zweifel sind derer Leute heutigentags unter dem Papsttum noch viele, die mit David sagen: Ach, dass ich so selig wäre und bei den Evangelischen wohnen möchte, damit ich alle Tage die Predigt des Evangeliums besuchen, nach der Einsetzung Christi sehen taufen, zum Heiligen Abendmahl gehen und daraus meinen Glauben vom Leiden Christi, Vergebung und Versöhnung der Sünden stärken könnte.)

5. Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er verbirgt mich heimlich in seinem Zelt und erhöht mich auf einem Felsen;

Hütte: In der Stiftshütte, da sein Wort gehandelt und seine Opfer verrichtet werden, finde ich Ruhe von allerlei Trübsal und Anfechtung. Denn Gott tröstet mich in seinem Wort, dass ich alle Beschwernis getrost leide und mir kein Leid geschehe, nicht anders, als wenn einer in einem großen Wetter unter eine Hütte flieht, da er unter stehen kann, oder wenn einer vor einem Feind flieht und in einem sicheren Ort untergeschleift und verborgen wird.

Felsen: Er stellt mich durch sein heiliges Predigtamt auf einem Felsen, dass ich gewaltig durch den Glauben wider alle Anläufe des Teufels bestehen kann. (Denn obwohl einer auch im Elend unter gottlosen Leuten das Wort Gottes betrachten und aus demselben Trost fassen kann, so ist es doch viel eine größere Gnade und Guttat Gottes, wenn man in der Kirche kann zusammenkommen, darin Gottes Wort öffentlich hören predigen und Psalmen singen, dadurch unser Glaube gestärkt und Gott gepriesen wird.)

6. und wird nun erhöhen mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind; so will ich in seiner Hütte Lob opfern, ich will singen und lobsagen dem Herrn.

Um mich: Das ist: Der Gott, welcher bisher mich durch sein Wort getröstet und mir oftmals geholfen hat, der wird mich auch in gegenwärtigem beschwerlichen Zustand über meine Feinde (die mich überall umgeben) erheben, dass ich, ob es ihnen gleich leid sein soll, hervor und zu dem von Gott einmal versprochenen Königreich kommen. (Denn aus den zuvor empfangenen Guttaten Gottes sollen wir unsere Hoffnung von den zukünftigen, die wir noch empfangen werden, stärken.)

Lob opfern: Er sieht auf die Gewohnheit selbiger Zeit, da man nämlich bei den Opfern (besonders denen, die Gott dem Herrn zu Lob und Dank verrichtet wurden) auch Trompeten und Posaunen, neben anderen Gesängen gebraucht hat, zum Zeichen der Freude und Wonne. Also erklärt er sich hiermit auch, dass er einmal eins mit großen Freuden unserem Herrn und Gott, für die geschehene Erledigung, danksagen wolle. (Es gebührt aber auch uns, dass wir mitten in Trübsal gute Hoffnung haben, Gott werde uns erhalten und sollen ihm später Lob opfern, das ist, ihm von Herzen danken, wenn wir einer Gefahr durch Gottes Gnade entgangen sind.)

Lob sagen: Für solche vielfältigen Guttaten, die er an mich gewendet hat. (Denn es soll sich niemand schämen, unseren Herrn Gott mit geistlichen Liedern und Gesängen zu loben.)

7. Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!

Herr: Nachdem David unserem Herrn Gott für seine Gnade und Guttaten Dank gesagt und in gottseliger Betrachtung der selbigen seinen Glauben damit gestärkt, so bittet er nun weiter, dass ihn Gott auch künftig also schützen und beschirmen wolle.

Erhöre mich: Dem so viel Unfalls zu Händen geht. Denn ich bin noch nicht aller Gefahr entgangen. (Wir sollen auch alle Zeit Gebet mitunter laufen lassen, das uns Gott forthin erhalte. Denn wie auf Unglück wieder Glück kommt. Also hinwiederum kommt auch nach Glück bald etwa Unglück.)

8. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Suchen: Ihr sollt mich inbrünstig in der Not anrufen.

Antlitz: Ich komme vor dich mit meinem Gebet, weil du solches befohlen hast.

9. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht; denn du bist meine Hilfe. Lass mich nicht und du nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil!

Nicht vor mir: Lass mich nicht ohne Hilfe und trostlos stehen.

Im Zorn: Erzürne nicht über meine Sünde, dass du mein Gebet nicht hörst vor Grimm, als wenn einer sehr erzürnt ist und einen, der etwas demütig begehrt, mit harten Worten abweist. (Denn es begibt sich zu Zeiten, dass, wenn auch die Frommen in langwierigem Unfall lange nach Hilfe schreien, es doch immer ärger wird, also dass sie, nach Eingebung des Fleisches in dieser menschlichen Schwachheit, nicht anders denken, denn Gott Weise sie im Zorn von sich, da er doch eben zur selbigen Zeit sie am fleißigsten hörte.)

Hilfe: Dass ich die Anfechtungen ausstehen und überwinden kann.

Mich nicht: Denn wenn du mich lässt, so ist es aus mit mir.

Mein Heil: An dem all meine Wohlfahrt steht. (Denn menschliche Hilfe ist zur Zeit der Not keinem nütze.)

10. Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich; aber der Herr nimmt mich auf.

Verlassen: Meine lieben Eltern, die mich von Herzen lieb haben, können mir auch nicht helfen, ja sie sind mit mir im Elend und ich muss ihnen eine sichere Wohnung schaffen, dass sie nicht von dem grimmigen Saul aufgerieben werden {1Sam 22}.

Mich auf: Ich habe die Hoffnung zu dir meinem Herrn und Gott, dass du für mich sorgen wirst, denn bei mir ist keine menschliche Hilfe. (Mit diesen Worten sollen wir uns trösten, wenn wir weder von Freunden noch Verwandten uns einiger Hilfe versehen dürfen, dass sie entweder nicht wollen oder uns nicht können helfen. Und sollen gewiss wissen, wenn es an aller menschlichen Hilfe fehlt, da werde Gott mit seiner Hilfe bei uns sein.)

11. Herr weise mir deinen Weg und leite mich auf richtiger Bahn um meiner Feinde willen {Ps 25v4}.

Leite mich: Regiere mich mit deinem Heiligen Geist, dass ich nicht aus Kleinmütigkeit oder Ungeduld etwas begehe, welches später meine Feinde, die auf all mein Tun ganz eben Achtung geben, mir aufmotzen und ausbringen möchten. (Denn in Anfechtungen stehen die Frommen in großer Gefahr, dass sie nicht, wo ihnen das Kreuz zu schwer oder zu langwierig sein wollte, etwas tun, welches ihnen nicht wohl anstehe.)

12. Gib mich nicht in den Willen meiner Feinde; denn es stehen falsche Zeugen wider mich und tun mir Unrecht ohne Scheu.

Feinde: Dass sie nicht ihr Mütlein an mir kühlen, wenn sie mich umbrächten, und gib mich auch nicht dem Saul in die Hand.

Zeugen: Die mich bei dem Saul angeben, dass ich ihn begehre, um das Königreich zu bringen, die tun mir scheinbar Gewalt und Unrecht.

13. Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen.

Aber doch: Ob mich wohl die Verleumder mit falschen Auflagen beschweren und Saul mit Gewalt verfolgt.

Sehen werde: Ich hoffe nichtsdestoweniger, es werde mir Gott in diesem Leben noch große Guttaten erzeigen und im zukünftigen, welches das rechte Leben ist, mich ohne Zweifel der ewigen Freuden teilhaftig machen. (Also sollen wir auch mit den Augen des Glaubens auf künftige Hilfe und Errettung sehen und gewiss wissen, dass wir in jenem Leben von aller Anfechtung befreit und ewiger Freude genießen werden.)

Lebendigen: (Nach Luther) Denen es gut geht.

14. Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn {Hab 2v3}!

Harre: Jetzt ermahnt David die Kirche Gottes durch sein Beispiel, dass sie mit Geduld der göttlichen Hilfe erwarte. (Denn Gott wird unser Hoffen und Harren nicht lassen vergeblich sein, noch zuschanden werden.)


Der 28. Psalm


1. David bittet den Herrn, dass er in zukünftig in Unfall ihn beschirmen wolle, damit er nicht zugrunde gehe. Dankt ihm auch zugleich für die empfangenen Guttaten. Wir können diesen Psalm vielfältig benutzen, wenn wir merken, dass uns ein Kreuz zu Händen gehen werde.

1. Ein Psalm Davids. Wenn ich rufe zur dir, Herr, mein Hort, so schweige mir nicht, auf dass nicht, wo du schweigst, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren.

Mir nicht: Will so viel sagen: Herr, du bist meine Zuflucht, darum, wenn ich dich anrufen werde, so versage mir deine Hilfe nicht, denn wo du mir die selbige entziehst und dich meiner entschlägst, so wird mir es gehen, wie denen, die durch das zeitlich Verderben zur Hölle, als in eine tiefe Grube gestürzt werden, daraus sie niemals kommen mögen. (Weil nun die Gottseligen immer der Anläufe des Teufels sich bewahren müssen, der jetzt mit äußerlichen Unfall, bald mit innerlichen Anfechtungen an sie setzt, tun sie ganz recht, wenn sie auch außerhalb der Not und Anfechtung sich Gott dem Herrn befehlen und bitten, dass er sie gnädig erhören wolle, wenn ihnen Hilfe nötig sein wird.)

2. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem heiligen Chor.

Schreie: (Denn auch unser Seufzen ist bei Gott ein großes Geschrei.)

Aufhebe: Wie die zu tun pflegen, welche beten wollen.

Chor: Denn die da beten wollten, kehrten sich gegen der Lade des Bundes, welche Christus bedeutet und vorgebildet hat und im Chor oder Allerheiligsten stand, da auch Gott verheißen hatte, das Gebet zu erhören. (Wenn wir im Namen Christi beten, so heben wir unsere Hände auf zu dem rechten Chor Gottes und werden gewisslich erhört. Denn was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben, spricht Christus {Joh 16}.)

3. zieh mich nicht hin unter den Gottlosen und unter den Übeltätern, die freundlich reden mit ihrem Nächsten und haben Böses im Herzen {Jer 9v8}.

Hin: Nämlich ins Verderben. Erklärt also sich hier, warum er bitte.

Reden: Die guten glatten Worte geben und sich ganz freundlich stellen, als hätte man sich nichts von ihnen zu bewahren. Will so viel sagen: Ich sehe, wie große Untreue und Falschheit in der Welt vorgeht, dass verruchte Leute, die Gott nicht fürchten und meinen, sie dürfen tun, was sie nur gelüstet, den Frommen, gegen denen sie sich freundlich stellen, arglistiger Weise nachtrachten, darum sie wohl Wert, dass du sie gräulich strafst und verdirbst. Ein solcher Geselle war Joab, der den Abner und Amasa treuloserweise erwürgt hat. Du aber Herr schone mein, der ich unter solchen bösen Leuten in der Welt leben muss. (Also darf wohl ein frommer Mensch bitten, wenn er das gottlose verdorbenen Wesen dieser Welt und die Strafen Gottes, die darauf folgen möchten, bedenkt, dass Gott ihn nicht zugleich mit den Gottlosen ins Verderben stürze, sondern ihn darunter, wie den Lot in der Stadt Sodom Untergang und Noah mitten in der Sintflut, gnädig erhalte.)

4. Gib ihnen nach ihrer Tat und nach ihrem bösen Wesen; gib ihnen, nach den Werken ihrer Hände; vergilt ihnen, was sie verdient haben!

Ihnen: Den unbußfertigen und bösen Leuten.

Tat: Wie sie verdienen. Als wollte er sprechen: Ich begehre nicht, dass du solcher verstockter und unbußfertiger Leute verschonst, vielmehr bitte ich, nicht zwar aus eigener Rachgier, sondern aus Eingebung des Heiligen Geistes, dass du ein Beispiel deiner Gerechtigkeit an ihnen erzeigst und sehen lässt, auf dass sich andere daran stoßen, dich fürchten und Buße tun lernen. (Weil aber David den gottlosen Leuten zeitliches und ewiges Verderben wünscht (welches denn auf ein gottloses Wesen gehört), lehrt er damit, dass solches Gottes beschlossener Rat und Dekret sei, dass er die Gottlosen verderben wolle. Darum, wer in Sünden und Lastern liegt, der tue Buße, auf dass er nicht in der Tat erfahre, was solcher Fluch hinter sich habe.)

5. Denn sie wollen nicht achten auf das Tun des Herrn noch auf die Werke seiner Hände; darum wird er sie zerbrechen und nicht bauen.

Nicht achten: Darum haben sie wohl verdient, dass du sie vertilgst, weil sie nach Gottes Willen und Erkenntnis nicht fragen, auch sein gerechtes Gericht nicht achten, dass sie durch die Strafen, welche Gott anderen zuschickt, gebessert würden, sondern fahren ungescheut und halsstarrig fort in ihren Sünden, als ob kein Gott im Himmel wäre, der das Unrecht strafen könnte.

Nicht bauen: Sie werden weder Glück noch Fortgang haben, sondern ausgerottet und vertilgt werden.

6. Gelobt sei der Herr; denn er hat erhört die Stimme meines Flehens.

Gelobt: Jetzt dankt er Gott, dass er ihm zum öfteren Mal wider die Gottlosen geholfen hat.

Flehens: Er hat mein ängstliches Gebet nicht verachtet.

7. Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz und mir ist geholfen; und mein Herz ist fröhlich und ich will ihm danken mit meinem Liede.

Stärke: Er macht mich stark und unüberwindlich. (Denn wo Gott nicht unser Stärke wäre, würden wir mit unseren Kräften wider der Feinde (besonders der geistlichen) Gewalt nicht bestehen können.)

Schild: Der gleichsam alle Pfeile, die von allen Orten her auf mich gehen, als ein starker Schild, aufhält und abwendet.

Geholfen: Von ihm. (Denn welche auf ihn Vertrauen, denen wird ihre Hoffnung nicht fehlen.)

Danken: (Darum wenn wir im Unfall stecken, sollen wir denken, es werde gewisslich noch die Zeit kommen, dass wir uns erfreuen und ihm darüber danken werden.)

8. Der Herr ist ihre Stärke; er ist die Stärke, die seinem Gesalbten hilft.

Gesalbten: Das ist, dem Könige. Als wollte er sprechen: Gott wird beide, sein Volk und die Obrigkeit, so von ihm geordnet, gewaltig schützen und beschirmen.

9. Hilf deinem Volk und segne dein Erbe; und weide sie und erhöhe sie ewig!

Hilf: Nämlich auch weiter, sowohl wider geistliche als leibliche Feinde.

Segne: Mit leiblichen und geistlichen Gütern.

Erbe: Das ist: Dein Volk, welches du als ein väterliches Erbteil besitzt und unter dir hast, wie ein Herr seine Untertanen.

Weide sie: Denn du bist der allergetreueste Hirte, der den Schäflein ihre Weide, leibliche und geistliche Nahrung heranschaffen und sie vor den Wölfen behütet.

Erhöhe: Das ist: Verschaffe, dass sie vor anderen Völkern berühmt und mächtig werden, gib ihnen, dass sie zu seiner Zeit nach diesem Leben der wahren ewigen und himmlischen Herrlichkeit teilhaftig werden. (Es erinnert aber David mit diesen letzten Worten alle Obrigkeiten, dass sie inbrünstig für ihre Untertanen bitten sollen. Denn wie der Untertanen Heil und Wohlfahrt mit seinem Maß an der Obrigkeit Heil und Wohlfahrt steht, also hinwiederum steht der Obrigkeit Herrlichkeit und Gewalt daran, dass es den Untertanen wohl und glücklich gehe.)


Der 29. Psalm


1. In diesem Psalm preist David die Majestät und Herrlichkeit des Reiches Christi, nämlich wie große, wunderliche und dem menschlichen Geschlecht hochnützliche Dinge durch die Predigt des Evangeliums ausgerichtet werden. Die Auslegung dieses Psalms wird der Kirche Gottes dienstlich sein, wider diejenigen, welche dem Predigtamt des Evangeliums alle Kraft und Wirkung absprechen.

1. Ein Psalm Davids. Bringt her dem Herrn, ihr Gewaltigen bringt her dem Herrn Ehre und Stärke!

Bringt her: Es fängt David diesen Psalm mit einer starken Erinnerung an, dass wir Christi Majestät und Herrlichkeit rühmen und loben sollen. Und will so viel sagen: Ihr Potentaten, Könige, Fürsten, Herren und gewaltige Helden, untergebt euch diesem Könige Jesu Christus und erzeigt ihm Ehre, als eurem Gott. Bringt ihm aber nicht levitischen Opfer, Ochsen, Widder, sondern Lobopfer, dass ihr ihm das Lob und die Ehre der höchsten Herrlichkeit gebt, als dem der Vater einen Namen über alle Namen gegeben hat {Phil 2} und preist seine Allmacht. (Denn ihm ist gegeben aller Gewalt im Himmel und auf Erde {Mt 28}. Daher erscheint, dass auch etliche Fürsten und Gewaltige Christus erkennen und ihm dienen werden, welcher der wahre ewige Gott ist. Denn hier wird ihm der Name, Jehova, Herr, gegeben, welcher allein Gott gehört. Der Gottesdienst aber im Neuen Testament steht darin, dass man den Namen Gottes ehre und in andere Wege sich gottselig verhalte.)

2. Bringt dem Herrn Ehre seines Namens; betet an den Herrn in heiligem Schmuck!

Bringt dem: Er ermahnt sie noch weiter dazu, dass sie den Namen Gottes preisen sollen.

Namens: Ehrt seinen herrlichen Namen.

Betet: Wie auch die Engel ihn anbeten {Hab 1}.

Schmuck: Es hat aber Gott keine Lust an dem stattlichen und köstlichen Schmuck und Zierde, welchen die Welt bei den fürstlichen und reichen Personen hochhält, sondern der geistliche Schmuck gefällt ihm, wenn inwendig das Herz durch den Glauben gereinigt und mit allerlei christlichen Tugenden geziert ist.)

3. Die Stimme des Herrn geht auf den Wassern; der Gott der Ehren donnert, der Herr auf großen Wassern.

Die: Jetzt zeigt der Prophet Ursachen an, warum jedermann den Herrn Christus preisen und ehren soll.

Wassern: Welches die Wolken fassen: Wie er denn sich hören lässt im Donnern. (Es donnert aber unser Gott und Herr Jesus Christus, der Gott der Ehren und Herr der Herrlichkeit {1Kor 2}, durch die Predigt des Evangeliums und erweckt die Leute, dass sie seine Herrlichkeit, als der nach überwundenem Tode, Teufel und Welt, zur Rechten des Vaters herrscht und regiert, erkennen und verehren. In massen auch Christus selber beide Apostel, Johannes und Jakobus, Donnerskinder nennt {Mk 3}. Und das um der Predigt des Evangeliums willen, welche alle falsche Lehre und menschlichen Verdienst, wie ein Strahl und Donner niederschlägt.)

4. Die Stimme des Herrn geht mit Macht; die Stimme des Herrn geht herrlich.

Macht: Das ist: Das Evangelium hat große Kraft und Wirkung. (Denn das Evangelium ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben, weil es den Menschen zu Gott bekehrt, Vergebung der Sünden und ewiges Leben bringt.)

Herrlich: Die Predigt des Evangeliums ist eine herrliche Stimme Gottes. (Denn ob es wohl bei den Helden eine Torheit zu sein scheint, auch die Juden über solche Predigt geärgert wurden. Jedoch so ist und scheint es für den Gläubigen eine ganz herrliche Predigt. Denn was ist bei Gott herrlicheres und bei den Menschen, die angefochtene Gewissen haben, annehmlicheres, als die Stimme unseres Herrn Jesu Christi hören, da er sagt: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.)

5. Die Stimme des Herrn zerbricht die Zedern; der Herr zerbricht die Zedern im Libanon

Zerbricht: Das ist: Das Evangelium schlägt als ein Strahl darnieder, alles was hoch ist in der Welt, gleichwie ein Wetter die höchsten Bäume und Zedernbäume im Wald Libanon zerschlägt und abwirft. (Denn die Predigt des Evangeliums macht zuschanden die Klugen dieser Welt und der Menschen heuchlerische Gerechtigkeit. Es mag auch der Lauf des Evangeliums durch keine menschliche Gewalt aufgehalten, viel weniger ganz abgestellt werden. Darum, wo die Weltweisen der Stimme des Evangeliums nicht weichen, die Heuchler gedemütigt und die Tyrannen ruhig werden, so müssen sie endlich alle zugrunde gehen, doch nicht durch menschliche Gewalt, sondern durch göttliche Kraft Christi, der zur Rechten Gottes sitzt und herrscht.)

6. und macht sie löcken wie ein Kalb, Libanon und Sirion wie ein junges Einhorn.

Löcken: (Nach Luther) Das ist: Springen, hüpfen.

Libanon: Nämlich die Zedern, so auf den Bergen Libanon und Sirion (welcher sonst auch der Berg Hermon oder Senir geheißen hat {5Mos 3}.) macht er springend, das ist, wie die Kälber und junge Einhörner springen, also wird er mit dem Strahl grausam in die hohe Zedern schlagen, dass die Äste auf der Erde umspringen.

7. Die Stimme des Herrn sprüht wie Feuerflammen.

Sprüht: Die Bäume ab. Denn wie sonst ein Baum mit der Axt abgehauen wird, also wird die Stimme des Herrn mit einem Strahl plötzlich in einem Streich die höchsten Zedern niederschlagen. (Welche deswegen dem zeitlichen und ewigen Verderben entgehen wollen, die sollen sich vielmehr gegen Christus demütigen, als sich ihm widersetzen. Es lehren uns aber auch diese Gleichnisse, wie schnell und kräftig der Lauf des Evangeliums sei, welches als ein Strahl in der Eile durchdringt.)

8. Die Stimme des Herrn erregt die Wüste; die Stimme des Herrn erregt die Wüste Kades.

Wüste Kades: Durch die Wüste und besonders die Einöde Kades versteht der Heilige Geist die Heiden, welche ohne allen rechten wahren Gottesdienst leben. Will demnach so viel sagen: Die Predigt des Evangeliums wird auch bei den Heiden so viel ausrichten, dass sie sich gegen Christus demütigen und sich ihm ergeben.

9. Die Stimme des Herrn erregt die Hündinnen und entblößt die Wälder. Und in seinem Tempel wird ihm jedermann Ehre sagen.

Wälder: Das ist: Das Evangelium wird die wilden Heiden bewegen, dass auch sie den Herrn Christus erkennen, fürchten und ehren. Und da zuvor zwischen Juden und Heiden kein Weg, das ist, keine Vertraulichkeit gewesen, sollen durch die Predigt des Evangeliums, die dicken Wälder licht, bloß und durchsichtig oder gebahnt werden, dass Juden und Heiden, die sich zu Christus bekehren, werden später sich wohl miteinander vergleichen.

Ehre sagen: Das ist: Es werden die Juden und Heiden ihren Erlöser Christus loben.

10. Der Herr sitzt, eine Sintflut anzurichten. Und der Herr bleibt ein König in Ewigkeit.

Anzurichten: Das ist: Unser Herr Jesus Christus geht darauf um, dass er die Sintflut der heiligen Taufe anrichte, darin der alte Adam ersäuft und die Sünde ausgelöscht werde, damit sie uns vor dem Angesicht Gottes nicht mehr zugerechnet werde. Denn dass durch die Sintflut die Taufe vorgebildet worden, steht {1Petr 3}. (Wie aber die Sintflut nicht allein die Erwachsenen, sondern auch die Kinder hinweg genommen hat. Also wird auch die heilige Taufe nicht allein die Sünde der Alten, welche die christliche Lehre und Religion annehmen, sondern auch der jungen Kinder Sünde abgetan. Denn es ist sowohl von den jungen Kindern als von alten gesagt: Es sei denn, dass jemand durch Wasser und Geist wiedergeboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.)

Bleibt: Jesus Christus, als ein Himmelskönig, bleibt auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit immer, der zur Rechten Gottes in göttliche Herrlichkeit gesetzt ist, dass er seine Kirche gegenwärtig regiere, schütze und beschirme auf himmlische Weise.

11. Der Herr wird seinem Volk Kraft geben; der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden.

Volk: Den rechten Christen wird er Kraft und Stärke verleihen, dass sie ihren geistlichen Feinden Widerstand tun können. (Alsdann gibt uns aber Christus Kraft zu streiten wider solche Feinde, wenn er im Heiligen Abendmahl mit seinem Leib und Blut unseren Glauben stärkt und uns zum ewigen Leben speist.)

Frieden: (Christus wird die himmlischen Guttaten seiner Kirche reichlich und milde austeilen, unter welche nicht die wenigsten sein werden, Fried und Ruhe des Gewissens {Röm 5}, welches besser ist denn alle Schätze dieser Welt.) Also haben wir eine herrliche Predigt des Heiligen Geistes gehabt, von der Majestät und Kraft des Evangeliums, auch von der Einsetzung und vom Brauch der Heiligen Sakramente. * (Nach Luther) Das ist: Das es ihm wohlgehen wird.


Der 30. Psalm


1. Nachdem David manche große Beschwerlichkeit und Gefahr, die er unter des Sauls Tyrannei erduldet, überstanden und viele schwere Anfechtungen überwunden, dankt er davor dem Herrn in diesem Psalm. Und sieht ihm gleich, es habe David diesen Psalm gemacht, nachdem er kurz zuvor von einem großen Lager und tödlicher Krankheit wieder aufgestanden und gesund worden. Er wird uns dienlich sein, sooft wir von dem Herrn aus irgendeiner großen Gefahr oder Angst erledigt wurden.

1. Ein Psalm, zu singen von der Einweihung des Hauses Davids.

Einweihung: Man hält es davor, dass David, nachdem er im Königreich bestätigt und darauf zu Jerusalem ein Haus gebaut, dasselbe auch eingeweiht oder doch mit besonderen Sachen und Gepränge, wie die Israeliten im Brauch hatten, eingezogen sei, da habe er diesen Psalm gemacht und singen lassen.

2. Ich preise dich, Herr, denn du hast mich erhöht und lässt meine Feinde sich nicht über mich freuen.

Erhöht: Da ich ganz darnieder gelegen und in Gefahr zeitliches, auch großer Anfechtung wegen, ewigen Verderbens gestanden.

Mich freuen: Da ihnen sonst keine größerer Freud widerfahren könnte, denn wenn sie meinem Verderben sollten zusehen. (Und muss zwar der Gerechte viel leiden, aber der Herr hilft ihm aus dem allem.)

3. Herr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund.

Gesund: In meiner Not, da ich in Leibes- und Lebensgefahr stand, halfst du mir wider zu meiner Gesundheit. (Denn das Gebet der Gläubigen, welches sie vor Gott ausschütten, geht nicht leer ab, so ist in leiblicher Schwachheit kein besserer Arzt als unser lieber Gott.)

4. Herr, du hast meine Seele aus der Hölle geführt; du hast mich lebendig behalten, da die in die Hölle fuhren {Ps 86v13}.

Geführt: Du hast mich der Hölle aus dem Rachen heraus gerissen.

Behalten: Das ist: Du hast mich durch deinen Geist wiederum lebendig gemacht, dass ich in großer Bekümmernis und Anfechtung nicht untergelegen und ins ewig Verderben geraten bin. (Solche Angst erfahren die Frommen in diesem Leben manchmal in ihrem Herzen, dass sie bedünkt, sie sind schon in der Hölle. Der Herr aber führt zwar die Seinen in die Hölle, aber er führt sie auch wiederum heraus {1Sam 2}.)

5. Ihr Heiligen, lobsingt dem Herrn; dankt und preist seine Heiligkeit!

Heiligen: Die ihr an den Messias glaubt. (Denn solche sind durch den Glauben geheiligt.)

Heiligkeit: Rühmt des Herrn große, herrlichen und heilige Werke, die ewigen Lobes wert sind. (Weil demnach alle Gläubigen, an einem geistlichen Leibe Christi Glieder sind, so ist es richtig, wenn einem Glied Gutes von Gott widerfährt, dass sich die anderen mit dem selbigen Freuen und zugleich unserem Herrn Gott danken.) * (Nach Luther) Das ist: Predigt, dass Gott nicht sei ein Gott der falschen Heuchler, wie sie sich rühmen, sondern er ist heilig und hat die rechten Heiligen lieb {Ps 18v26}. Bei den Heiligen bist du heilig.

6. Denn sein Zorn währt einen Augenblick und er hat Lust zum Leben; den Abend lange währt das Weinen, aber des Morgens die Freude.

Lust: (Nach Luther) Es ist sein Ernst nicht, er meint es gut und nicht das Sterben, wie sich es fühlt.

Leben: Darum ist er wohl wert, dass er von seiner Kirche gelobt und gepriesen werde um seiner großen Güte willen. (Denn ob er gleich zu Zeiten, wie ein Vater über seine Kinder zürnt und sie züchtigt, so dauerte doch der Zorn nicht lange und er hat nicht Lust an dem Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe {Hes 18}.)

Freude: Das ist: Des Abends macht er seine Kinder weinend, wenn er sie züchtigt, am Morgen aber kommt Freude für das Weinen später. (Denn ob uns wohl die Zeit der Trübsal, unserem Fleisch nach, sehr lange sein denkt. Jedoch, wenn wir es gegen dem ewigen Leben halten, so ist es kaum ein Augenblick. Es dauerte auch oft das Kreuz und Trübsal nicht so lange, wie wir besorgt haben. Demnach sollen wir mit Geduld erwarten, bis nach der Verheißung Christi unsere Traurigkeit in Freude verkehrt werde {Joh 16}.)

7. Ich aber sprach, da mir es wohl ging: Ich werde niemals daniederliegen.

Ich: Jetzt bekennt David, wie ihm zuvor, ehe das Kreuz gekommen, zumute gewesen sei.

Wohl ging: Da es alles nach meines Herzen Wunsch hinausging, als ich wieder kam, nach dem ich den Goliath erschlagen hatte und mir der König Saul seine Tochter von sich selbst gutwillig zur Ehe anbot, darüber ich bei den Hofgesinde Sauls ein großes Ansehen bekam, wie auch, da ich von der Schlacht der Philister wiederkam und brachte dem Könige ihre Vorhäute, für mein Heiratsgut, dass ich des Königs Schwiegermuttersohn würde. Da ich nun also in meinem Herzen ruhig und in Freuden war, gedachte ich bei mir selbst, es würde mir kein Kreuz zu schaffen geben, sondern alles nach meines Herzens Willen gehen. (Denn auch bisweilen heilige Leute mit fleischlicher Sicherheit angegriffen werden.)

8. Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen hast du meinen Berg stark gemacht. Aber da du dein Antlitz verbargst, erschrak ich.

Stark gemacht: Also sagte ich zu dir: Du hast mich durch glücklichen Fortgang meine Hoheit und Herrlichkeit so bestätigt, dass ich mich keiner Gefahr zu besorgen habe.

Verbargst: Da du mich bald später in Gefahr stecktest und nicht bald mit deiner Hilfe da warst, fing ich darüber an zu zweifeln, ob du mich auch noch lieb hättest und dich meiner forthin annehmen würdest.

Erschrak ich: Dass ich nicht wusste, wo ich mich hinkehren sollte. (Denn wenn die Not vorhanden ist, so fällt die fleischliche Sicherheit bald zu Boden und wird Zittern und Zagen daraus.)

9. Ich will, Herr, rufen zu dir; dem Herrn will ich flehen.

Zu dir: Da ich in solchen Ängsten und Nöten war, gedacht ich bei mir selbst also, dass ich bei dir meinem Herrn und Gott Hilfe und Trost suchen wollte.

Flehen: Und ihm mein Elend klagen, der mich zuvor niemals verlassen hat. (Denn ob wir wohl in großen und schweren Anfechtungen uns einbilden, Gott sei über uns erzürnt, so bleibt doch immer ein Fünklein Glaubens, welches uns heißt zu Gott rufen und schreien.)

10. Was ist nütze an meinem Blut, wenn ich tot bin? Wird dir auch der Staub danken und deine Treue verkündigen {Ps 6v6}?

Blut: Wenn solches entweder durch den Saul oder seine Lügen- und Lästermäuler oder andere meine Feinde vergossen wird oder wenn du mich durch tödliche Krankheit und unzeitigen Tod hinweg nimmst.

Tod bin: Was hilfst dich, mein Gott, wenn du mich schon unter die Erde legst?

Staub: Eines verstorbenen Menschen, der zu Asche worden ist.

Danken: Oder dich loben in deiner Kirche hier auf der Erde.

Verkündigen: Wird auch mein Staub und Asche mit einem herrlichen Lied oder Lobgesang dich rühmen, wie ein getreuer Gott du seist, gegen allen denen, die auf dich hoffen? (Denn obwohl die Frommen auch, wenn sie sterben, bei Gott leben und ihn auf ihre Weise mit den himmlischen Geistern loben und preisen, so können sie doch die Menschen auf Erde nicht mehr lehren.)

11. Herr, höre und sei mir gnädig; Herr, sei mein Helfer!

Höre: Mein Gebet, das ich zu dir tue.

Gnädig: Siehe an meine Angst in solchem Unfall, darin ich stecke, und hilf mir, dass ich möge lebendig bleiben und Lob in der Kirche verkündigen, damit dein Name gepriesen und deine Güte von anderen auch erkannt werde, dass sie dir dienen.

12. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen; du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet,

Reihen: Du gnädiger himmlischer Vater hast mein Gebet nicht ausgeschlagen, darum, wie ich mich zuvor mit stetigem Weinen müde und matt gemacht, also möchte ich jetzt und vor Freuden aufspringen: Und hat sich es so mit mir geändert, als wenn jemand einen, der da weinte und ihm vor Herzeleid das Haar ausraufte, erfreute und zu einem Freudenspiel hinführte.

Gegürtet: Du hast das Leid von mir genommen und mich mit Freuden überschüttet. Denn vor der Zeit diejenigen, so Leid getragen, in einem Sack, das ist, in geringer und schlechter Kleidung einhergegangen und angezogen gewesen bei den Israeliten. (Hieraus werden wir erinnert, dass Gott der Gläubigen Gebet erhöre und ihre Traurigkeit in Freude verkehre. Darum wir mit Geduld und beherztem Mut das Kreuz tragen sollen.)

13. auf dass dir lobsinge meine Ehre und nicht stille werde. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit {Ps 16v9}.

Lobsinge: Du hast es also mit mir gemacht, du getreuer Gott, dass ich dich lobe, und preise mit meiner Zunge und mit meiner Harfe, wie mein Brauch ist, welches ich auch für meine höchste Ehre rechne. (Denn darum hilft uns Gott, dass wir ihn loben sollen.)

Ehre: (Nach Luther) Meine Zunge und Saitenspiel, da ich dich mit ehre.

In Ewigkeit: Ich will dich in dieser Welt all mein Leben lang und in jenem Leben dort ewig loben und preisen. (Also sollen auch wir Gott dankbar sein und das nicht allein mit dem Munde, sondern in wahrer Gottseligkeit, auf dass die Menschen unsere guten Werke sehen und preisen den Vater, der im Himmel ist {Mt 5}.)


Der 31. Psalm


1. Dieweil in diesem Psalm eben die Worte erzählt werden, mit welchen Christus, da er sterben wollte, seine Seele am Kreuz seinem himmlischen Vater befohlen hat, so ist kein Zweifel, dass dieser Psalm sei ein Gebet des Herrn Christi, darin er, als er am Kreuz gehangen, seinen Vater gebeten, dass er ihn in solchen Schmerzen nicht ganz wolle verderben lassen. Und wird hierin immer Trost mit untergemengt, dadurch unser Vertrauen zu Gott gestärkt wird. Nachdem aber die Kirche der Leib Christi ist, dessen Glieder alle Gläubigen sind, so mag auch unser jeder in seinem Anliegen (besonders in großer Angst und Schrecken des Gewissens) mit diesem Psalm den himmlischen Vater um Hilfe ersuchen und aus diesem Gebet seinen Glauben stärken.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen.

2. Herr, auf dich traue ich. Lass mich niemals zuschanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Zuschanden werden: Ich weigere mich, o himmlischer Vater, nicht zu leiden oder auch zu sterben, allein bitte ich das von dir, dass du in meinem bitteren Leiden und Sterben mich nicht ganz verlassen wollest, damit meine Feinde sich nicht freuen mögen, dass sie mich überwunden, ganz ausgerottet und meinen Namen von der Erde vertilgt haben. (Ob nun wohl Christus wahrer und ewiger Gott ist, jedoch, dieweil er auch ein Mensch und sich in seinem Leiden erniedrigt, seine Majestät nicht erzeigt, sondern zugedeckt und Knechtsgestalt an sich genommen hatte {Phil 2}. So hat er auch in solcher Knechtsgestalt wahrhaftig große Leibesschmerzen und Herzeleid empfangen und ausgestanden, darum er mit seinem Gebet seinen himmlischen Vater ersucht. Damit er uns lehrt, dass auch wir in unseren Nöten solches tun sollen. Denn wer dem himmlischen Vater vertraut, der soll nicht zuschanden werden.)

Gerechtigkeit: Denn weil du ein gerechter Gott bist, so bitte ich dich, du wollest eine stattliche Probe deiner Gerechtigkeit darin tun, dass du meine Feinde unrechtem Vorhaben wehrst und steuerst, damit offenbar werde, du seist noch ein gerechter Richter. (Auch wir, ob wir gleich Sünder sind, können doch in einer gerechten Sache Gott um Hilfe wider die Feinde Unbilligkeit anrufen.)

3. Neige deine Ohren zu mir, eilend hilf mir! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest.

Neige: Dieweil Christus in großer Angst steckt, betet er inbrünstig und wiederholt sein Gebet zu etlichen Malen, mit anderen Worten.

Zu mir: Höre mir fleißig zu.

Hilf mir: Damit ich nicht zugrunde gehe, eher du mit deiner Hilfe kommst. (Obwohl wir nun Gott keine Zeit zu helfen vorschreiben sollen, so mögen wir doch wohl beten, dass er solches förderlich tue.)

Fels: Gib, dass ich mich mit Glauben auf deine Güte verlasse und wider allen Anlauf meiner Feinde bestehen möge, als ob ich auf einen starken Felsen stünde.

Eine Burg: Sei du mir anstatt eines festen Schlosses, damit wenn ich zu dir fliehe, als auf einer festen Burg erhalten werde. (Auf diese Festung, nämlich auf Gott, sollen alle Fürsten und Herren sich verlassen. Denn alles andere, was mit Menschen Händen gebaut wird, ist nicht fest und stark.)

4. Denn du bist mein Fels und meine Burg und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

Meine Burg: Mein festes Schloss, wie oben gemeldet, zu dem ich meine Zuflucht habe. Denn also hab ich dich bisher erfahren und bei anderen gerühmt.

Führen: Das ist: Du wolltest mich leiten und schützen wie ein Hirte seine Schäflein, auf dass dein Name gepriesen werde in deiner Gemeinde, als dass du seist ein gütiger, barmherziger und wahrhaftiger Gott, ein starker Helfer, Beschirmer und Erretter aller derer, die auf dich hoffen. (Denn damit bringen wir unseren Herrn und Gott am meisten auf, dass er uns Hilfe schaffe, wenn wir ihm vorhalten, dass solches zu seines Namens Ehre und Ausbreitung der selbigen diene.)

5. Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir gestellt haben; denn du bist meine Stärke.

Gestellt: Die Hohepriester, Schriftgelehrten und Pharisäer haben mir nachgestellt und keine Ruhe gehabt, bis sie mich ans Kreuz gebracht, gehen auch noch damit um, dass sie mit ihren Anschlägen mich in ihren Stricken behalten und ganz und gar austilgen: Da möchtest du, Herr, nach deiner Güte mit Fleiß zusehen, dass ihnen ihr Anschlag nicht fortgehe. (Wenn wir nun durch der Feinde List so verstrickt und verwickelt sind, dass wir uns nicht daraus losmachen können, so sollen wir Gott bitten, dass er uns daraus helfe.)

Stärke: Du wirst mir Kraft verleihen, dass ich meiner Feinde List entgehen möge.

6. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott {Lk 23v46 Apg 7v59}.

Geist: Meine Seele befehle ich dir, meinem himmlischen Vater.

Treuer: Der du mich als ein wahrhafter und getreuer Gott durch den zeitlichen Tod von aller gegenwärtigen Anfechtung erledigst und meine Seele erhältst, dass sie bald wieder mit dem Leibe vereinigt und mit demselben ewig leben möge. (Also sollen auch wir (besonders wenn wir in Gefahr unseres Lebens stehen) unsere Seele in die allmächtige Hand Gottes befehlen. Und dieweil wir bereits durch Christus erlöst sind, können wir mit dem heiligen Stephanus recht sagen: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf: Und, Du hast mich erlöst, Jesus Christus, unser getreuer Gott und Heiland.)

7. Ich hasse, die da halten auf lose Lehre; ich hoffe aber auf den Herrn.

Ich hasse: Jetzt erzählt Christus kürzlich, was doch die Ursache sei, um welcher willen er von den Hohepriestern, Schriftgelehrten und Pharisäern solche Verfolgung leide.

Lose Lehre: Als da sind die Heuchler, welche mit Menschensatzungen und Lehre, sich bei Gott zu tun, und zuflicken wollten, damit man ihm doch vergeblich dient, dieselben habe ich gehasst und verflucht. (Nun können die Heuchler nichts weniger leiden, denn dass die Menschensatzungen, darauf sie hoch halten, in Verachtung kommen. Darum erregen sie so manche schrecklichen Verfolgungen.)

Herrn: Und nicht auf ihre Gottesdienste, welches sie verdrießt und ihnen wehe tut.

8. Ich freue mich und bin fröhlich über deiner Güte, dass du mein Elend ansiehst und erkennst meine Seele in der Not

Freue mich: Ob ich wohl schwerlich angefochten werde.

Güte: Die du mir bisher erzeigt hast, in dem du mich aus vielen Anfechtungen gnädiglich erlöst.

Ansiehst: Denn ich weiß, dass du dich meines Elendes mit Gnaden annimmst und mir Hilfe schaffst. (Wir sollen es auch gewiss so halten, dass Gott unser Elend wisse und sich unser darin mit Gnaden annehmen wolle.)

9. und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Raum: Du gibst mich nicht ganz in meiner Feinde Gewalt, sondern gibst das Auskommen, dass ich auch durch den Tod hindurch entrinnen kann. (Also wird immer im Kreuz und Anfechtung Trost mit untergemengt, welchen der Heiligen Geist in unseren Herzen erweckt, dass wir nicht unter dem Kreuz darnieder liegen.)

10. Herr, sei mir gnädig, denn mir ist angst; meine Gestalt ist verfallen vor Trauern, dazu meine Seele und mein Bauch.

Gnädig: Komm mir zu Hilfe, du getreuer Gott, aus treuem väterlichen Mitleiden. Kehrt sich also der Prophet wieder zum Gebet.

Verfallen: Ich weine in solchem meinem Elend schier meine Augen aus.

Bauch: Mein Leib und Seele verschmachtet vor Kummer und Herzeleid.

11. Denn mein Leben hat abgenommen vor Trübnis und meine Zeit vor Seufzen; meine Kraft ist verfallen vor meiner Missetat und meine Gebeine sind verschmachtet.

Abgenommen: Alle meine Leibeskräfte nehmen ab über solchem meinem großem Herzeleid.

Seufzen: Mein stetiges und immerwährendes Seufzen kürzt mir mein Leben, dass ich in meinem besten Tun und blühender Jugend dahin gehe.

Missetat: Von wegen der großen Sündenlast des ganzen menschlichen Geschlechts, die ich gutwillig auf mich genommen habe, sind meine Kräfte ganz dahin.

Verschmachtet: Sie sind gleichsam verdorrt vor stetigem Kummer und haben alle Kraft und Saft verloren, bis ich der ganzen Welt Sünden gebüßt habe. (So sind nun unsere Sünden Christus zugerechnet worden, uns aber, die wir an Christus glauben, wird sein vollkommener Verdienst zur Gerechtigkeit zugerechnet. In solchem Tausch und Wechsel steht all unsere Seligkeit.)

12. Es geht mir so übel, dass ich bin eine große Schmach worden meinen Nachbarn und eine Scheu meinen Verwandten; die mich sehen auf der Gasse, fliehen vor mir.

Nachbarn: Da mich nämlich meine Feinde hin und wieder einer zum anderen geschickt haben, von der Hohepriester Räteversammlung zum Pilatus, von dort zum Herodes und von ihm wieder zum Pilatus geschleppt, da bin ich ja ein Spott und Schauspiel meiner Feinde worden, denen ich viel und große Guttaten mit Heilen der Kranken erzeigt habe, die schreien über mich: Kreuzige, kreuzige ihn.

Fliehen: Auch meine Freunde sind durch meinen Jammer abgeschreckt worden, da sie gesehen, mich gefangen und gebunden daher führen, dass sie von mir geflohen und sich meiner entschlagen haben, weil sie sich besorgten, sie möchten auch in Gefahr ihres Lebens kommen, wenn sie bei mir hielten und mich trösteten. (Eben also geht es auch den Gliedern Christi, dass sie in Nöten von ihren Freunden verlassen werden, also dass, wenn einem solchen angefochtenen betrübten Menschen, seine Freunde einer auf der Gassen begegnet, so geht er bald einen anderen Weg, auf dass er nicht in eine Gefahr komme, wenn er nur einem solchen betrübten Menschen freundlich zuspreche.)

13. Mein ist vergessen im Herzen wie eines Toten; ich bin worden wie ein zerbrochenes Gefäß.

Vergessen: Das ist: Denen ich Gutes getan habe, die haben alle Guttaten vergessen und fragen nach mir nichts mehr, wie man eines Toten, der nicht mehr unter den Menschen umgeht, nicht weiter achtet, nach dem Sprichwort: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Gefäß: Ich werde eben gehalten wie ein irdisches Geschirr, das zerbrochen und auf die Gassen geworfen wird.

14. Denn viele schelten mich übel, dass jedermann sich vor mir scheut; sie ratschlagen miteinander über mich und denken mir das Leben zu nehmen.

Schelten: Es ist meines Jammers kein Ende, ich habe müssen hören die Schmach der Hohepriester, die in jeder Räteversammlung um mich her gewesen und geschrien: Ich sei ein Gotteslästerer und des Todes schuldig.

Ratschlagen: Was sie gegen mich vorhaben wollen. (Dieweil es denn Christus so viel Angst, Kummer und Schmerzen gekostet hat, bis er uns erlöste, sollen wir uns künftig vor Sünden hüten, uns selber und was wir haben, in seinem Gehorsam, ihm zu Dank ergeben.)

15. Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott.

Spreche: Ich gedenke also bei mir selber.

Gott: Darum möchtest du mich nicht verlassen.

16. Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.

Händen: Ich stelle zu deinem Willen die gelegene Zeit, zu helfen. (Denn wir haben unserem Herrn Gott keine Zeit vorzuschreiben, wann er soll helfen.)

Errette mich: Damit mich nicht der Satan mit seinem Haufen vertilge, da ich weiß, dass er weder Macht noch Gewalt an mir habe, weiteres und mehr, denn so viel du ihm verhängt und zugelassen hast, damit durch mich das menschliche Geschlecht erlöst würde.

17. Lass leuchten dein Antlitz über deinen Knecht; hilf mir durch deine Güte!

Leuchten: Siehe mich mit gnädigen Augen an, wie ein Herr seinen Diener, den er mit Gnaden meint.

Güte: Komm mir mit deiner Gnade und Güte zu Hilfe und erhalte mich.

18. Herr, lass mich nicht zuschanden werden; denn ich rufe dich an. Die Gottlosen müssen zuschanden und schweigen werden in der Hölle.

Dich an: So hast verheißen, du wollest erhören alle, die dich recht und mit ernst anrufen. (Hierbei sehen wir, wie Christus mit dem Gebet anhalte. Also sollen auch wir im Gebet nicht nachlassen, bis wir erhört werden {Lk 18}.)

Gottlosen: Seinen Feinden wünscht David dagegen, dass sie mit Schanden bestehen und zugrunde gehen sollen.

19. Verstummen müssen falsche Mäuler, die da reden wider den Gerechten, steif, stolz und höhnisch.

Falsche Mäuler: Die nämlich prächtigerweise große Dinge sich austun und rühmen, frommer Leute trotzig spotten und nach ihrem Verderben trachten.

Höhnisch: Das ist: Welche stolz und trotzig, dazu mit großer Verachtung Christus und seine Kirche lästern und derselben endliches Verderben drohen, die müssen verstummen. (Derethalben wird derer Leute Übermut in der Hölle seine Endschaft nehmen, welche Christus in seinen Gliedern, dazu auch sein Evangelium lästern und verfolgen.)

20. Wie groß ist deine Güte, die du verborgen hast denen, die dich fürchten und erzeigst denen, die vor den Leuten auf dich trauen.

Wie groß: Jetzt lehrt der Prophet in der Person Christi wiederum und hingegen, wie selig die Frommen in jenem Leben sein werden. Damit wir in Betrachtung solcher künftigen Seligkeit hier auf der Erde alle Widerwärtigkeit desto geduldiger leiden.

Fürchten: Das ist: Wie große Herrlichkeit hast den Frommen vorbehalten, welche erst soll in jenem Leben offenbar werden? Die du doch in dieser Welt gleichsam ihnen verborgen hast? (Denn das kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist, hat Gott zubereitet denen, die ihn lieben {Jes 64 1Kor 2}.)

Leuten: Nämlich vor den gottlosen Adamskindern erzeigst du den Kindern Gottes unermesslich viel Gutes, also dass die Gottlosen mit ihrem großen Herzeleid werden sehen müssen, wie selig die Kinder Gottes in jenem Leben sind, wie der reiche Mann {Lk 16} den seligen Lazarus in Abrahams Schoss gesehen hat, da er dagegen in höllischen Flammen brennen musste.

21. Du verbirgst sie heimlich bei dir vor jedermanns Trotz; du verdeckst sie in der Hütte vor den zänkischen Zungen.

Zungen: Das ist: (In jener Welt werden die Frommen alles hochmütigen Feixen der Feinde erübrigt und ihnen niemand mehr mit falschen Auflagen beschwerlich sein. Denn sie in ewiger Freude und Seligkeit und als in einer lustigen Laubhütte, Gottes Angesicht immer anschauen werden. Da wir denn werden den Gott sehen, an welchen wir jetzt glauben {Hi 19 1Joh 3}.)

22. Gelobt sei der Herr, dass er hat eine wunderliche Güte mir bewiesen in einer festen Stadt!

Gelobt: Nun beschließt Christus sein Gebet mit einer Danksagung und zugleich auch Erinnerung an die Kirche Gottes, dass sie dem Herrn diene und auf ihn ihr festes Vertrauen setze. Will so viel sagen: Ich danke meinem Gott, der mich gnädiglich und wunderlich erhält, mitten unter meinen großen Feinden, nicht anders, als wenn ich mich in einer festen und unüberwindlichen Stadt aufhielte. (Und können zwar auch die geistlichen Feinde den Auserwählten nichts nehmen, denn zeitliches Gut, welches ohne das zunichtewird und ob sie gleich, da es Gott also verhängt, den Leib töten, so können sie doch der Seele keinen Schaden zufügen {Mt 10}.)

Festen Stadt: (Nach Luther) Heißt allerlei Sicherheit.

23. Denn ich sprach in meinem Zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen; dennoch hörtest du meines Flehens Stimme, da ich zu dir schrie.

Zagen: Nämlich in meinem Leiden, da eitel Angst und Jammer um mich gewesen ist, bin ich in die Anfechtung geraten, dass ich meinte, ich wäre von dir verstoßen und du wärest mir, von wegen der Sünde des menschlichen Geschlechts, die ich auf mich genommen, so ganz zuwider, dass du dich meiner nicht mehr annehmen wolltest. Daher ich am Kreuz geschrien: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen? (Es hat aber Christus im Stand seiner Erniedrigung und in seiner Knechtsgestalt die beschwerliche Anfechtung erfahren, als ob er von Gott verstoßen wäre und, hat darum auch dieselbe überwinden wollen, auf dass wir, wenn wir etwa auch in dergleichen Anfechtungen gerieten, wissen sollten, dass Christus eben dies gelitten hätte und uns selber damit trösten. Denn darin er gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden {Hebr 2}.)

24. Liebt den Herrn, alle seine Heiligen! Die Gläubigen behütet der Herr und vergilt reichlich dem, der Hochmut übt.

Herrn: Einen solchen treuen Gott, der seine Kinder in der Anfechtung nicht lässt verderben.

Übt: Gegen den Frommen. (Denn die Gläubigen, welche die rechten Heiligen sind, werden von Gott auch im Tode darin erhalten, die Gottlosen übermütigen Verfolger aber der Kirche Gottes haben ewige Pein zu erwarten.)

25. Seid getrost und unverzagt, alle, die ihr des Herrn harrt!

Getrost: Fasst und habt ein gutes Herz, die ihr an Gott glaubt. (Denn die auf den Herrn trauen, werden nicht zuschanden, sondern durch alle Trübsal zum ewigen Leben hindurch dringen.)


Der 32. Psalm


1. In diesem Psalm lehrt David die Kirche Gottes, dass alle Menschen Sünder sind und dass all unser Heil und Seligkeit stehe in Vergebung der Sünde, das wir auch solche aus lauter Gnade Gottes erlangen, wenn wir unsere Sünde vor Gott demütig bekennen. Dessen alles stellt er sich zum Beispiel dar. Danach dankt er Gott für seine väterliche Regierung, Schutz und Schirm und ermahnt die Leute zur Buße, damit sie Gott nicht mit Plagen, als mit Gewalt, herbeibringen müsse. Wir sollen uns diesen Psalm zunutze machen, zum Teil, dass wir unser Gewissen der begangenen Sünden halben trösten, zum Teil, dass wir uns selbst damit zum gottseligen Leben und Wandel aufmuntern.

1. Eine Unterweisung Davids. Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist {Röm 4v7}!

Vergeben: (Steht deswegen unser Heil in Vergebung der Sünden {Lk 1}. Denn wenn uns Gott gerecht macht, wer will verdammen {Röm 8}? So uns aber die Sünden vergeben werden, so werden wir sie gewisslich mit unseren Werken und Verdiensten nicht büßen. Vergeben werden sie aber uns um des bitteren Leidens und Verdienstes Christi willen, wenn wir den mit Glauben annehmen.)

Bedeckt: Mit diesen Worten erklärt er das vorige. (Es ist aber keine andere Decke, damit sie zugedeckt werde, denn der vollkommene Verdienst Christi. In Ansehung desgleichen will der himmlische Vater unsere Sünden nicht sehen.)

2. Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet, in des Geist kein Falsch ist!

Missetat: Sowohl die Erbsünde als wirkliche Sünde.

Nicht zurechnet: (Welchem aber die Sünde nicht zugerechnet wird, der wird vor Gott gerechtfertigt, das ist, für gerecht erkannt und gehalten und das ohne Ansehen einiger guter Werke, wie der Apostel Paulus solches aus den Worten dieses Psalms lehrt {Röm 4}.)

Kein Falsch: (Denn weil derer viele sind, die sich rühmen, dass sie durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangt und aus Glauben gerechtfertigt sind, da sie doch nicht Buße getan haben, sondern lauter Heuchler sind. So wird recht hinzugesetzt, dass die selbigen selige Leute sind, welche nicht aus Heuchelei und fälschlich sich der Buße und des Glaubens rühmen, sondern ernstlich und von Herzen Grund der Sünden feind sind und all ihr Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, welche uns durch den Verdienst Christi zuwege gebracht worden, setzen.)

3. Denn da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Heulen.

Denn: Jetzt lehrt David weiter, in was großem Streit und Ängsten sein Herz gestanden, eher er mit Gott wieder versöhnt worden. Denn er vielfältig aus menschlicher Schwachheit gesündigt, ob er wohl in viele äußerliche grobe Laster geraten ist. Er hat auch oft mit sich selber gestritten, wenn ihn sein eigenes Gewissen genagt und gemartert hat.

Verschweigen: (Nach Luther) Das ist: Da ich nicht wollte bekennen, dass eitel Sünde mit mir wäre, hatte mein Gewissen keine Ruhe, bis ich es musste bekennen und allein auf Gottes Güte trauen.

Heulen: Als wollte er sprechen: Solange ich bei mir selbst in meinem Gewissen diskutierte und hin und her gedachte, wie ich meine Sünde entschuldigen oder doch vernichten und gering machen könnte, dazu allerlei Ausflüchte und Worte suchte, damit ich mein unruhiges und nagendes Gewissen stillen möchte, richtete ich nichts mehr damit aus, denn dass mir das Mark in den Beinen dadurch verzehrt wurde und nichts mehr konnte als heulen und wehklagen, weil ich weder Rast noch Ruhe in meinem Gewissen hatte. (Tun demnach diejenigen sehr töricht daran, die ihrem Gewissen damit Ruhe schaffen wollen, dass sie entweder ihre Sünden entschuldigen oder verringern. Denn das Gewissen nicht dadurch, sondern viel auf eine andere Weise gestillt werden muss, davon bald später folgen wird.)

4. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Sela.

Schwer: Das ist: Je mehr ich meine Sünde entschuldigen und vernichten wollte, je schwerer hast mich mit innerlicher Gesetzespredigt in meinem Herzen angegriffen, dass ich deinen Zorn wider die Sünde und Schrecken des Gewissens, welche du mir gemacht und mich damit, als mit einer harten Strafe heimgesucht hattest, nicht konnte erdulden oder erleiden.

Dürre wird: Als wenn durch eine langwierige und große Sommerhitze die grünen Kräutlein ganz ausbrennen und aller Saft verdorrt. Ebenermaßen hat sich aller Saft und Kraft in mir durch solches Herzeleid und Angst verloren.

5. Darum bekenne ich dir meine Sünde und verhehle meine Missetat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. Da vergabst du mir die Missetat meiner Sünde. Sela {Spr 28v13}.

Bekenne: Denn weil ich nichts ausrichten konnte, ob ich gleich bei mir selbst ein langes und breites Diskutieren hatte, sondern meine Sache nur je länger je ärger wurde. So hab ich weiter meine Sünde nicht mehr entschuldigen oder gering machen wollen.

Nicht: Mit keinerlei Ausrede oder Entschuldigung.

Sprach: Bei mir selber.

Bekennen: Ich will mich selbst anklagen und in die Schuld geben, meinem lieben Gott meine Sünde bekennen und abbitten und hab es auch getan.

Vergabst du: (Denn so wir dem Herrn unsere Sünde bekennen, so ist er gerecht und treu, dass er uns die Sünde vergibt, und reinigt uns von aller Untugend {1Joh 1}.)

6. davor werden dich alle Heiligen bitten zur rechten Zeit; darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an die selbigen gelangen.

Davor: Nämlich um Vergebung der Sünden.

Zeit: Nämlich so oft einen frommen Menschen sein Gewissen anklagt, dass er merkt, es sei ihm Verzeihung der Sünden nötig. (Denn alle Frommen müssen um Verzeihung der Sünden bitten, weil auch der Gerechte des Tages siebenmal fällt, wenn er sich gleich hütet vor den groben Sünden und Lastern, dadurch der Heilige Geist vertrieben wird.)

Gelangen: Das ist: (Dieweil die Frommen, ob sie gleich aus menschlicher Schwachheit sündigen, doch in Sünden nicht unbußfertig verharren, sondern um Gnade bitten und solche auch erlangen, so erhält sie Gott in großem Jammer und Unfall, dass sie darin nicht verderben oder zugrunde gehen.)

7. Du bist mein Schirm; du wollest mich vor Angst behüten, dass ich errettet, ganz fröhlich rühmen könnte. Sela.

Schirm: Und verbirgst mich, dass ich nicht mit anderen zugrunde gehe, sondern hältst mich gleichsam verborgen, bis das Unglück vorüberrauscht.

Behüten: Mit deiner Hilfe. (Es ist aber keine gewisse Hilfe und kein stärkerer Schirm oder Besatzung, denn einen gnädigen Gott haben.)

Errettet: Wenn ich aus der Gefahr erlöst bin.

8. Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.

Unterweisen: Ich will (hast mein Gott gesagt) dich leiten und regieren mit meinem Geist, dass du weislich handelst und großer Gefahr entgehen mögest, darum hoffe ich, dass ich unter deinen Schutz und Schirm sicher sein werde.

Leiten: Ich will gleichsam dein Auge sein und dich führen, dass du dich nicht stößt, fällst und zugrunde gehst.

9. Seid nicht wie Rosse und Mäuler, die nicht verständig sind, welchen man Zaum und Gebiss muss ins Maul legen, wenn sie nicht zu dir wollen.

Seid: Jetzt ermahnt der Prophet auch andere, dass sie sich von Gottes Geist und sein Wort regieren und leiten lassen.

Mäuler: Wie die unvernünftigen Maultiere, die nicht wissen, was sie tun sollen, sie werden denn mit Gewalt und mit Zäumen gezwungen.

Legen: Wie man die unställigen Pferde im Zaum halten muss, also sind die, welche man kann nicht anders zum Gehorsam bringen, sie werden denn mit großem Kreuz und Trübsal als mit einem harten Gebiss und starken Zaum dazu angehalten und gezwungen.

Wollen: Das ist: Solche Leute kommen nicht zu dir, dass sie dich lernten erkennen und dir dienten, es treibe sie denn das Kreuz herzu. (Denn so wir uns selber richteten, das ist, besserten, so würden wir von dem Herrn nicht gerichtet, das ist, mit so vielen und mancherlei Plagen heimgesucht. Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir von ihm gezüchtigt, dazu bisweilen ganz ernstlich, doch aus väterlichem Herzen, dass wir nicht mit der Welt verdammt werden {1Kor 11}.)

10. Der Gottlose hat viele Plage; wer aber auf den Herrn hofft, den wird die Güte umfangen.

Plage: Dem Gottlosen schickt Gott vielen und großen Unfall nach Hause, dass er seinen Mutwillen und Hartnäckigkeit breche.

Umfangen: Den Frommen, die auf den Herrn ihren Gott hoffen, ist Gott hold und tut ihnen alles Gute. (Darum, wenn wir nicht die harten Strafen Gottes erfahren wollen, so sollen wir von Sünden lassen.)

11. Freut euch des Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten und rühmt, alle ihr Frommen!

Freut: Nun beschließt er den Psalm mit einer kurzen Erinnerung.

Gerechten: (Alle, die durch den Glauben gerechtfertigt, durch den Heiligen Geist wiedergeboren und nicht Heuchler sind, sollen sich freuen und rühmen, nicht zwar ihres Reichtums oder großer weltlichen Ehre, sondern dessen, dass sie einen gnädigen Gott und gütigen Vater haben, zu dem sie sich alles Gutes versehen dürfen und das ewige Leben von ihm gewärtig sind.)


Der 33. Psalm


1. Dieser Psalm ist vom David dazu gemacht worden, dass die Kirche Gottes eine Form und Weise hätte, wie sie Gott den Herrn loben und preisen soll von wegen seiner wunderlichen Taten, an denen seine Weisheit, Allmacht, Herrlichkeit und große Güte gegen dem menschlichen Geschlecht erscheinen, die er besonders darin sehen lässt und erzeigt, dass er seine Kirche erhält und erlöst. Darum sollen wir diesen Psalm auch dazu benutzen, wenn wir Gott für seine vielfältigen großen so wohlgeistlichen als leiblichen Wohltaten danken wollen.

1. Freut euch des Herrn, ihr Gerechten! Die Frommen sollen ihn schön preisen.

Gerechten: Ihr alle miteinander, die ihr durch den Glauben an den Messias gerecht worden seid. Es soll aber eure Freude nicht stehen in weltlichem Reichtum oder solchen Wollüsten, die Gott verboten hat, sondern im Herrn, dass ihr nämlich einen solchen gütigen Vater an Gott habt. (Sollen wir darum das zeitliche Gut also benutzen, dass unsere größte Freude sei, dass Gott gnädig gegen uns gesinnt ist.)

Frommen: Die Wiedergeborenen, nicht die Heuchler und losen Leute sollen den Namen des Herrn herrlich rühmen und preisen. (Denn Gott hat kein Gefallen daran, dass ihn gottlose Leute loben {Ps 50}. Darum auch der Bauchpfaffen im Papsttum Geplärr in ihren Kirche Gott ebenso angenehm ist als der Landsknechte Fluchen und Schwören.)

2. Dankt dem Herrn mit Harfen und lobsingt ihm auf dem Psalter von zehn Saiten!

Zehn Saiten: Das mag vielleicht eine Laute gewesen sein, wie wir es nennen. (Weil demnach die liebliche Musik eine Gabe Gottes ist, warum sollten wir nicht richtig auch mit den musikalischen Instrumenten unseren Herrn Gott loben und preisen? Doch sollen wir die Musik also benutzen, dass zuerst Gottes Lob und Preis also von Herzen gehe, dass wir die Guttaten Gottes dankbar erkennen.)

3. Singt ihm ein neues Lied; macht es gut auf Saitenspielen mit Schalle!

Neues Lied: Wie nämlich Gott sich des menschlichen Geschlechts erbarmt habe, dass er seinen Sohn senden wolle, der ihnen Vergebung der Sünden und ewiges Leben bringe. Denn es sieht der Prophet hier auf das Neue Testament und auf desgleichen Guttaten.

Macht es gut: Erhebt eure Stimme und singt Gott zu Lob, zierlich und wohl. (Das heißt, aber wohl gesungen, wenn man die Wohltaten Christi preist.)

4. Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält er gewiss.

Denn: Jetzt bringt er etliche Ursachen vor, warum man Gott loben soll.

Hält er: (Gott betrügt niemand mit dunklen Worten, die man nicht eigentlich verstehen kann, wie sie gemeint, sondern was er verheißt, das ist gewiss, fest und wahr und solches beweist er mit der Tat selber. Darum sollen wir uns auf seine Verheißungen, unter welchen die Verheißungen des Evangeliums die vornehmsten sind, mit Glauben keck verlassen.)

5. Er liebt Gerechtigkeit und Gericht. Die Erde ist voll der Güte des Herrn.

Er liebt: Folgen noch mehr Tugenden Gottes. Er hat Lust zu Recht und Gerechtigkeit, dass er den Frommen nach seiner Gerechtigkeit Gutes tue, die Gottlosen aber nach seinem ernsten Gericht strafe. (Darum hasst auch Gott ungerechtes Leben und ein verkehrtes Gericht.)

Ist voll: (Denn wo wir unsere Augen hinwenden, da sehen wir an allen Orten Beispiele der Güte und Gnade Gottes. Besonders aber erscheint seine unaussprechliche Barmherzigkeit, dass er alle die, so an den Messias glauben, nicht will verderben lassen, sondern nimmt sie zu Gnaden an und schenkt ihnen das ewige Leben {Joh 3}.)

6. Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht und all sein Heer durch den Geist seines Mundes {1Mos 1v6 2v1}.

Der: Jetzt setzt er auch Beispiel und Probe seiner Allmacht.

Himmel: Das große herrliche und mächtige Gebäude, welches ohne alle Stützen und Säulen in der Luft besteht.

Wort: Nämlich durch das ewige Wort, welches ist der eingeborene Sohn Gottes {Joh 1}.

Heer: Das ist, die Sterne, welche ganz helle Lichter und eine Zierde am Himmel sind.

Mundes: Nämlich durch den Heiligen Geist. (Hierbei sollen wir das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit merken, dass nämlich Gott der Vater durch sein Wort, in Kraft des Heiligen Geistes, die Himmel erschaffen habe. Dem aber die Erschaffung zugemessen wird, demselben gehört auch die wahre ewige Gottheit zu. Nun wird hier die Erschaffung der Himmel wie auch der Sterne dem Sohn und Heiligen Geiste zugeschrieben. Darum kann auch niemand die ewige wahre Gottheit des Sohnes und Heiligen Geistes ohne große Gotteslästerung leugnen.)

7. Er hält das Wasser im Meer zusammen wie in einem Schlauch und legt die Tiefe ins Verborgene {Hi 38v8}.

Er hält: Der Prophet fährt noch weiter fort in Betrachtung der großen wunderlichen Werke Gottes.

Zusammen: Das ist: Es hat Gott das Wasser im Meer gleichsam auf einen Haufen gesammelt. Denn das Wasser ist höher als das Erdreich, dennoch überschwemmt dasselbe das Erdreich nicht. Denn von Gott ist es auf einen Haufen gesammelt und wird durch die Kraft Gottes auf diesem Haufen beisammen gehalten, damit das menschliche Geschlecht nicht ersäuft werde.

Verborgen: Es hat Gott dem Wasser im Meer eine solche Tiefe geschaffen, dass der Grund desgleichen ist, wie ein verborgener Schatz, dazu kein Mensch, wie vorwitzig er auch sei, kommen mag. (Daneben sollen wir wissen, dass auch dem Wasser der Trübsal, das ist, allem Jammer und Elend von Gott ein gewisses Ziel gesteckt sei, dass uns solches nicht verderben könne.)

8. Alle Welt fürchte den Herrn und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnt!

Alle Welt: Das ganze menschliche Geschlecht fürchte, ehre und diene dem so gnädigen und allmächtigen Herrn. (Obwohl nun der wenigste Teil der Menschen Gott recht ehrt und ihm dient, so sind doch alle Menschen ihm zu dienen schuldig. Welche aber ihn verachten, die werden ihr gottloses Wesen in ewiger höllischer Pein büßen müssen.)

9. Denn er spricht, so geschieht es; so er gebietet, so steht es da {1Mos 1v3}.

Geschieht es: Denn sobald Gott gesagt: Es werde, so ist es bald da gewesen, was er gewollt hat, dass zuvor nicht vorhanden war {1Mos 1}.

Gebietet: Sobald er es geheißen, dass etwas erschaffen würde, so ist es gleich vor ihm dagestanden. (Eben solche Macht hat Gott noch und wird es in Ewigkeit behalten, dass er mit einem Wort, ja wenn er nur winkt, verschaffen kann, was er will. Darum, wenn wir seinem Wort und Sakramenten nachdenken, sollen wir nicht sehen auf das, was uns möglich oder unmöglich denkt, sondern was Gott gesagt habe.)

10. Der Herr macht zunichte der Heiden Rat und wendet die Gedanken der Völker.

Der: Jetzt erzählt David weiter, was Gott insbesondere bei seiner Kirche Gutes ausrichte.

Rat: Wenn sie darauf umgehen, dass sie die Kirche Gottes vertilgen wollen, so schafft Gott, dass nichts daraus wird.

Völker: Die nach der Kirche Gottes Verderben trachten. Er macht ihre Anschläge zunichte, dass ihnen nichts fortgeht. (Es ist aber eine besondere große Gnade Gottes, dass er der Feinde blutdürstigen Anschläge zunichtemacht, sonst wäre die Kirche Gottes längst untergegangen.)

11. Aber der Rat des Herrn bleibt ewig, seines Herzens Gedanken für und für {Spr 21v30}.

Rat des: Wie nämlich seines Namens Ehre ausgebreitet, seine Kirche erhalten und selig werden soll.

ewig: Und mag nicht verhindert oder umgestoßen werden.

Für und für: Was er gedenkt und beschließt, das muss beständig bleiben in alle Ewigkeit. (Darum werden uns auch alle Pforten der Hölle unsere ewige Seligkeit nicht nehmen können.)

12. Wohl dem Volk, des der Herr ein Gott ist, das Volk, das er zum Erbe erwählt hat {Ps 144v15}!

Gott ist: (Der Herr aber ist ein Gott aller derer, die durch Wasser und Geist in der heiligen Taufe wiedergeboren sind und im christlichen Glauben beharren, derer nimmt er sich väterlich an und sind Gottes Volk, welches Christus, als seinen allerliebsten Schatz behütet und erhält zum ewigen Leben.)

13. Der Herr schaut vom Himmel und sieht aller Menschen Kinder.

Schaut: Der Herr sieht gleichsam als von einem hohen Turm herab und besieht alle Menschen, was sie tun, womit sie umgehen, ja auch, was sie denken. (Der wird auch einmal geben, einem jeden nach seinen Werken.)

14. Von seinem festen Thron sieht er auf alle, die auf der Erde wohnen.

Thron: Nämlich vom Himmel herab. (Denn von wegen der großen Majestät und Herrlichkeit Gottes pflegt man von ihm zu sagen, dass er im Himmel wohne, der doch überall ist, auch Himmel und Erde erfüllt {Jer 23 Apg 17}, darum ihm nichts, was da geschieht, verborgen sein mag.)

15. Er lenkt ihnen allen das Herz, er merkt auf alle ihre Werke.

Lenkt: (Denn obwohl Gott nichts Böses will noch einiger Sünden Ursache ist, so richtet er doch aller Menschen Ratschläge und Tun dahin, dass sie zu seiner Ehre und der Kirche Wohlfahrt dienen.) * (Nach Luther) Das ist: Was die Menschen denken, das lenkt und wendet er, wie er will.

Merkt: Er hat Acht darauf und weiß, womit sie umgehen, was sie vorhaben und tun und kann solches alles zu seinem Vorhaben richten.

16. Einem Könige hilft nicht seine große Macht; ein Riese wird nicht errettet durch seine große Kraft;

Hilft nicht: Es kann die hohen Häupter nichts, von allem das sie vermögen, erhalten, wenn sie Gott, zu Rettung seines Namens Ehre, von ihrem Stuhl stoßen will.

Nicht errettet: Aus der Gefahr. (Denn menschliche Kraft und Stärke erlangt den Sieg nicht, sondern Gott gibt ihn, wem er will.)

17. Rosse helfen auch nicht und ihre große Stärke errettet nicht.

Rosse: Will so viel sagen: Mit reisigem Zeug, wie stark er auch sein mag, ist es ein missliches und betrügliches Ding. (Denn wenn Gott einem Heer einen Schrecken einjagt, so reißen die Kriegsleute schnell aus und werden bald getrennt. Darum sollen wir uns vor menschlichem Gewalt nicht entsetzen, sondern Gott den Herrn fürchten und ihm dienen.)

18. Siehe, des Herrn Auge sieht auf die, so ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen,

Fürchten: Und sich, so viel immer möglich, hüten, dass sie ihn nicht beleidigen und erzürnen, die sieht er mit Gnaden an und trägt väterliche Vorsorge für sie, für die Gottlosen aber nicht, ob sie gleich in dieser Welt Gewalt haben.

Hoffen: Die seiner Gnade und Güte in unangezweifelter Hoffnung erwarten. (Denn das will Gott von uns haben, dass wir ihn als Kinder fürchten und von ihm allerlei Gutes beständig gewärtig sind, ob er gleich eine Zeit lang damit verzieht.)

19. dass er ihre Seele errette vom Tode und ernähre sie in der Teuerung {Ps 34v10}.

Vom Tode: Dass er die Frommen in Todesnöten erhalte.

Ernähre sie: Damit sie nicht zugleich mit den Gottlosen Hungers sterben. (Solchen Trost soll man den Schwachgläubigen zu teuren Zeiten vorhalten, die immer sorgen, sie müssen noch Hungers sterben.)

20. Unsere Seele harrt auf den Herrn; er ist unsere Hilfe und Schild.

Harrt: Das ist: Dieweil wir wissen, dass der Herr mit väterlichen Augen ansieht, die, so ihn fürchten und auf ihn hoffen, darum erwarten wir seiner Gnade und Hilfe und machen uns keinen Zweifel, er werde uns schützen, beschirmen und helfen. (Also sollen wir Gottes Macht und seine Werke betrachten, dass dadurch unser Glaube und Hoffnung gestärkt werden.)

21. Denn unser Herz freut sich sein und wir trauen auf seinen heiligen Namen.

Freut sich sein: Wenn er uns hilft.

Trauen: Weil so viel Löbliches und Gutes von ihm gesagt wird, setzen wir unser Vertrauen auf ihn. Denn er lässt die, welche auf ihn hoffen, nicht zuschanden werden.

22. Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.

Deine: Jetzt beschließt der Prophet diesen Psalm mit einem Gebet.

Sei über uns: Erzeige an uns deine Gnade und Barmherzigkeit, dass du uns erhältst und selig machst.

Hoffen: Und unser Vertrauen zu dir steht. (Wenn wir nun gewisslich glauben, dass wir einen gütigen Gott haben, so werden wir verursacht, dass wir Gott anrufen um alles das, was wir, laut seiner göttlichen Verheißung zu erlangen erhoffen. Sollen auch immer im Gebet unsere Danksagung mit unterlaufen lassen.)


Der 34. Psalm


1. In diesem Psalm dankt David Gott, dass er ihn errettet hat, und preist seine Güte, dass er die, so auf ihn hoffen, väterlich schütze und beschirme und ihnen viel und mancherlei Gutes erzeige. Ermahnt hiermit die Kirche Gottes zu einem starken Vertrauen und guter Hoffnung gegen Gott wie auch zu einem gottseligen Leben und Wandel. Mengt auch hin und wieder lieblichen Trost mit unter. Denn von seiner Erlösung nimmt David Gelegenheit, dass er diesen Psalm macht, zu Nutzen und Trost der ganzen christlichen Kirche. Wir sollen ihn benutzen, wenn wir Gottes Gnade und Güte dankbar preisen, auch unseren Glauben, sooft wir in Gefahr sind, stärken wollen.

1. Ein Psalm Davids, da er seine Gebärde verstellte vor Abimelech, der ihn von sich trieb und er wegging.

Psalm Davids: Den er gemacht, da er in äußerster Gefahr steckte.

Abimelech: Der Philister König, der sonst 1. Sam. 21. Achis genannt wird. Und sieht ihm gleich, dass der Philister Könige allesamt den Namen Abimelech geführt haben, wie auch aus dem 20., 21. und 26. Kapitel des 1. Buch Mose zu sehen ist. Es heißt aber Abimelech so viel als ein König der Vater, durch welchen Namen die selbigen Könige erinnert wurden, dass sie ein solches Regiment führen sollten, damit man sie mehr für Väter des Vaterlandes als für Könige erkennen könnte. So viel nun diese Geschichte angeht, hält sich es damit also: Als David vor des Königs Sauls Tyrannei und Wüten aus dem jüdischen Lande floh, kam er in das Land der Philister, in die Stadt Gath und hoffte darin etwas sicherer zu sein. Nachdem ihn aber die Philister erkannten, dass er nämlich der David wäre, welcher vor der Zeit den starken Philister Goliath erwürgt hatte und ihn zu dem Könige brachten, hat er sich anders nicht versehen, denn er würde entweder getötet oder in ewige Gefängnis gesprochen oder aber dem Saul zugeschickt werden, dass er ihn vom Leben zum Tode richtete. Darum so hat er sich gestellt, als ob er wäre von Sinnen gekommen, also dass der König Achis oder Abimelech nicht geglaubt, dass er der David sei, sondern meint, es wäre ein anderer unsinniger Mensch. Daher er ihn freigelassen und seines Pfads wieder hinziehen lassen.

2. Ich will den Herrn loben immer; sein Lob soll immer in meinem Munde sein.

immer: Denn man kann ihn nie genügend loben.

Munde sein: Ich will mich nie schämen, seinen Ruhm und Preis zu verkündigen. (Das Widerspiel halten die, welche in ihrem Munde immer nur Gotteslästerungen haben. Wir aber sollen dem Beispiel Davids folgen und der Guttaten Gottes nicht bald vergessen, sondern die selbigen stetig loben und preisen.)

3. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass die Elenden hören und sich freuen.

Des Herrn: Das ist: Ich will mich nicht rühmen meiner Tugenden oder meiner Stärke, sondern meines Herrn, dass ich nämlich einen solchen getreuen und gnädigen Gott habe, der mich in keiner Gefahr stecken lässt.

Freuen: Und daher Trost schöpfen in ihrem Elend, dass auch Gott sie nicht verlassen werde. (Um dieser Ursache willen sollen auch wir Gott den Herrn loben und preisen, dass andere ein gutes Vertrauen zu Gott fassen, dass, wie er uns geholfen, also auch ihnen helfen werde und sie darüber Gott im Himmel preisen. Denn darum lässt uns Gott bisweilen in Gefahr kommen, damit, wenn wir daraus erledigt worden, wir auch andere trösten können {2Kor 1}.)

4. Preist mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Mit mir: (Denn dieweil wir alle Glieder eines Leibes sind, sollen wir ihm auch miteinander danksagen, wenn ein Glied unter uns irgend aus einer großen Gefahr errettet wurde.)

5. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Da: Jetzt bringt David Ursache, warum man den Herrn loben soll.

Sucht: Mit einem inbrünstigen Gebet.

Antwortet: Als mich in meinen Nöten meinte, er hätte sich vor mir verborgen.

Furcht: Darin ich steckte. (Solches ist aber nicht nur um Davids, sondern auch um unseretwillen aufgeschrieben, damit wir Gott, wenn er sein Angesicht verbirgt, suchen und gewiss wissen, dass er uns erhören und erlösen werde.)

6. Welche ihn ansehen und anlaufen, deren Angesicht wird nicht zuschanden.

Anlaufen: Die Gott mit Glauben anschauen und zu ihrem einigen Hort ihre Zuflucht haben, werden nicht zuschanden. (Solche goldene Sprüchlein des Heiligen Geistes sollen wir in unsere Herzen einschreiben.) * (Nach Luther) Die sich zu ihm dringen und gleich überfallen, wie die geilende Frau den Richter {Lk 18v3}. Oder wie Wasser daher fließen, mit Haufen und stürmen. Denn er hat es gern, dass man suche, klopfe und poltere mit Beten ohne Ablassen {Mt 7v8}.

7. Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.

Da: Jetzt führt er sich selber zum Beispiel ein, dass Gott die nicht verlasse, so zu ihm fliehen und setzt doch die Worte, als wenn er von einem anderen redete.

Rief: Um Hilfe zu Gott.

Nöten: Darin er steckte. (Wie wir nun, wenn wir von einem vortrefflichen Arzt hören, der unserer Freunde einem geholfen, eben den selbigen Arzt auch in gleichem Fall benutzen, also sooft wir sehen, dass Gott einem trübseligen elenden Menschen geholfen habe, sollen wir uns gleicher Gestalt zum Herrn, einem solchen Helfer, verfügen.)

8. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten und hilft ihnen aus {1Mos 31v6 2Sam 6v17}.

Engel: So gütig ist Gott, dass er uns die heiligen Engel zu Wächtern zugeordnet hat, damit wir in keinem Unfall verderben. (Denn die Gott fürchten, sind mit der heiligen Engel Schutz so umgeben (als wenn einer in einem wohl bewachten und besetzten Heerlager liegt), dass sie durch des Teufels Arglist und Wüten nicht umkommen. Solchergestalt hat Jakob, da er mit seinem Personal aus Syrien wiedergekommen, ein Lager oder Heer der lieben Engel gesehen, die ihn überwacht haben {1Mos 32}. Für solche Hut und Wacht der Engel sollen wir Gott danken und gottselig leben, damit nicht, wenn wir solchen Schutz verlieren, unsere so wohl geistlichen als leiblichen Feinde, allen ihren Mutwillen an uns üben.)

9. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist! Wohl dem, der auf ihn trauet!

Schmeckt: Lieber versucht doch, wie gütig und gnädig Gott ist, ruft den Herrn in eurem Anliegen an, so werdet ihr mit der Tat erfahren, wie freundlich er ist.

Traut: Denn solcher wird nicht zuschanden werden. (So wir denn alles Kreuz mit Geduld tragen, so befinden und erfahren wir mit der Tat, wie ein gnädiger Helfer der Herr sei {Röm 5}.)

10. Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen; denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel {Ps 37v19}.

Heiligen: Die ihr durch den Glauben an den Messias geheiligt seid, ehrt Gott den Herrn.

Keinen Mangel: (Denn Gott trägt väterliche Fürsorge für die, so ihn fürchten, dass sie nicht aus Mangel notwendiger Unterhaltung sterben, ob sie gleich nicht allesamt, noch auch zu allen Zeiten, Überfluss und den Vollauf haben. Denn wenn wir Nahrung und Kleidung haben, so sollen wir uns es genügen lassen.)

11. Die Reichen müssen darben und hungern; aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Reichen: Nämlich die ungerechten räuberischen Leute, welche anderen Gewalt tun, werden Gottes Segen nicht haben, sondern Mangel leiden.

Suchen: (Die Gott um Nahrung und Unterhaltung bitten, werden allerlei Gutes, und zwar mehr, als sie hoffen dürfen, von ihm empfangen. Darum sollen wir einen solchen gnädigen Gott fürchten, den wir auch niemals genügend rühmen und loben können.)

12. Kommt her, Kinder, hört mir zu! Ich will euch die Furcht des Herrn lehren.

Kommt her: Dieweil Gott nicht allein mit Worten, sondern auch mit einem gottseligen Leben und Wandel geehrt und gepriesen wird, so zeigt der Prophet jetzt und mit wenig Worten an, wie wir uns gegen Gott dem Herrn auch mit einem unsträflichen Wandel dankbar erzeigen sollen.

Mir zu: Meiner rechten und heilsamen Lehre.

Lehren: Wie ihr dem Herrn sowohl mit Werken als mit Worten dankbar sein sollt.

13. Wer ist, der gutes Leben begehrt und gerne gute Tage hätte {1Petr 3v10}?

Begehrt: In dieser Welt zu haben, dass er zumal auch die Erbschaft des ewigen Lebens nicht verscherze.

Gute Tage: Der Glück und Fortgang zu haben begehrt, damit er Gott preisen möge: Derselbe soll sein Leben folgender Gestalt anrichten.

14. Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht falsch reden.

Behüte: (Nach Luther) Das ist: Flieh falsche Lehre und tue Gutes und leide dich.

Für Bösem: Dass du deinem Nächsten mit Verleumden und Lästern nicht Schaden tust.

Falsch reden: Handele nicht betrüglich mit deinem Nächsten, dass du dich eines anderen mit Worten gegen ihm verlauten lässt und ein anders im Herzen hast. (Denn wer seinen Nächsten verleumdet, der ist ein Totschläger {Jer 18}. Und wer anderes im Herzen hat, als er mit Worten vorgibt, gehört unter der Zahl, die in den verkehrten Sinn gegeben sind {Röm 1}. Obwohl nun in diesen beiden Stücken, dass wir nämlich uns für Betrug und Verleumdungen hüten sollen, nicht alles das steht, was zu einem gottseligen Leben gefordert wird, so ist aber doch ein solches Herz, das nicht boshaft und tückisch, sondern sanftmütig und aufrichtig ist, ein Anzeigen eines frommen Menschen, ein boshaftes aber und falsches Herz gibt zu erkennen, dass ein solcher Mensch gottlos und keine Gottesfurcht in ihm sei.)

15. Lass vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach.

Lass: Jetzt zeigt er ein allgemeines an, worin ein gottseliges Leben stehe. Welches aus Glauben an den Messias her fließt.

Vom Bösen: Enthalte dich von allen Worten, Werken und Gedanken, welche Gottes Worte böse heißt.

Tue Gutes: Gedenke, rede und tue, was Gott in seinem Wort geboten hat. Denn das ist gut und heilig. (Also begreift auch Jesaja alles, was zu einem gottseligen Leben und Wandel gehört, mit diesen Worten, lasst ab vom Bösen, lernt Gutes tun. Dass wir aber solches Leisten und halten können, ist eine Notdurft, dass zuerst das Herz durch den Glauben an Christus gerechtfertigt, gereinigt und wiedergeboren sei. Denn ein böser Baum kann nicht gute Früchte bringen, {Mt 7}.)

Suche Friede: Denn weil zuzeiten auch allerlei Unwillen zwischen den Leuten sich begibt, ist vonnöten, dass wir unseres teils zu Friede und Ruhe geneigt sind und wo uns der Friede angeboten wird, dass wir ihn annehmen.

Jage ihm nach: Wenn er gleich vor dir flieht. Und hast du ihn erlangt, so behalte ihn, so viel dir immer möglich ist. (Eben dieses lehrt uns auch Paulus, da er spricht: Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden {Röm 12}.)

16. Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien {Hi 36v7 Ps 33v18}.

Die: Jetzt bringt er Ursache, warum wir uns eines unsträflichen Lebens und Wandels bemühen sollen.

Gerechten: Dass er sie ernähre und ihnen alles Gutes erzeige. Die sind aber die Gerechten, welche durch den Glauben gerechtfertigt sind und gottselig leben.

Schreien: (Welches ja eine große Guttat ist, dass wir einen solchen Gott haben, der uns mit Gnaden ansehen und unser Gebet erhören will. So fürchte nun Gott, alsdann wirst du erfahren, dass Gott also gegen dich gesinnt sei.)

17. Das Antlitz aber des Herrn steht über die, so Böses tun, dass er ihr Gedächtnis ausrotte von der Erde.

Antlitz: Nämlich das zornige und ungnädige Antlitz Gottes. Als wollte er sprechen: Gott wird diejenigen mit ungnädigen Augen ansehen und ihnen alles Übel antun, die aller Büberei und Bosheit ergeben sind.

Ausrotte: Dass sie entweder keinen oder doch sehr bösen Namen hinter sich lassen und dazu noch in Abgrund der Hölle verstoßen und ewig gepeinigt werden. (Damit wir nun solcher Strafe entgehen, sollen wir alles gottlose Wesen fliehen und meiden. Wie denn auch der Apostel Petrus in der ersten Epistel, Kapitel 3. die vorgehende fünf Verse anzieht und daraus die Kirche Gottes zum gottseligen Leben ermahne.)

Nach Luther: Dass man nichts mehr von ihnen hält.

18. Wenn die (Gerechten: Schreien, so hört der Herr und errettet sie aus all ihrer Not.

Schreien: In ihren Ängsten. Denn es wendet sich der Prophet jetzt und wiederum zu seinem ersten Vorhaben, dass er nämlich uns lehre, wie gnädig der Herr sei, gegen denen, die ihre Zuflucht zu ihm haben.

Errettet: Soll man denn nicht richtig einen solchen Gott loben, fürchten und ehren?

19. Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenes Herzens sind und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Haben: Die angefochten und sehr geängstigt sind. (Je mehr wir nun in Ängsten stecken, je näher ist Gott mit seiner Hilfe bei uns. Es ist aber niemand mehr zerbrochenes und zerschlagenes Herzens und geängstigtes Geistes, denn die in ihrem Gewissen Gottes ernstes Gericht über ihre Sünde empfinden und fehlt ein geringes, dass sie nicht ganz verzweifeln. Solche zerstoßenen Rohre und betrübten Herzen will der Sohn Gottes nicht ganz zerbrechen, sondern vielmehr heilen und aufrichten {Jes 42}.)

20. Der Gerechte muss viel leiden; aber der Herr hilft ihm aus dem allem.

Viel leiden: (Denn durch viel Trübsal müssen wir in das Reich Gottes eingehen {Apg 14}.)

Dem allen: (Doch werden wir oft also aus einer Anfechtung errettet, dass etwa bald wiederum ein neues Kreuz uns über den Hals kommt. Darum so wird uns damals recht und vollkommen geholfen, wenn wir durch den Tod zum ewigen Leben eingeführt werden.)

21. Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass deren nicht eins zerbrochen wird.

Nicht eins: (Diese Verheißung ist den Buchstaben nach erfüllt worden an unserem Haupt, dem Herrn Christus. Welchem seiner Gebeine keins zerbrochen wurde. An uns aber wird sie auch erfüllt werden, also dass, obwohl die Christen bisweilen jämmerlich gemetzelt, gewürgt, den wilden Tieren vorgeworfen oder mit Feuer zu Pulver verbrannt werden, dennoch ihre Leiber herrlich wiederum auferstehen werden, nicht anders, als wenn ihnen nie kein Bein beschädigt oder verletzt worden wäre.)

22. Den Gottlosen wird das Unglück töten und die den Gerechten hassen, werden Schuld haben.

Töten: Die Gottlosen werden um ihrer Bosheit willen ewig leiden und des ewigen Todes sterben müssen.

Gerechten: Einen unschuldigen Menschen, der an Christus glaubt.

Schuld haben: Nämlich dass sie der ewigen Verdammnis schuldig sind. (Dieweil nun den Feinden der Kirche Gottes, die beharrlich in Sünden fortfahren, ihre Schuld und Sünde nicht erlassen noch vergeben wird. So müssen sie, dem gerechten Urteil Gottes nach, ewig verdammt werden. Und dient solches nicht weniger zu Lob und Ehre Gottes, dass er die Unbußfertigen verdammt, als dass er die bußfertigen Sünder selig macht.) * (Nach Luther) Wie die Verurteilten werden sie umgekommen und verderben.

23. Der Herr erlöst die Seele seiner Knechte und alle, die auf ihn trauen, werden keine Schuld haben.

Der: Nun beschließt David diesen Psalm mit einem ganz lieblichen Trost.

Keine Schuld: Nämlich der ewigen Verdammnis: Das ist: (Unser Herr Jesus Christus, der wahre ewige Gott, wird seine Kirche mit seinem Blut erlösen, dass, ob sie wohl nicht ohne Sünde ist, es sei gleich wirkliche oder Erbsünde, dennoch der Kirche Christi keine Sünde zugerechnet, noch die selbige um der Sünden willen verdammt und verloren werden soll, sondern alle die an Jesum Christus glauben, das ewige Leben haben {Joh 3}.)


Der 35. Psalm


1. Dieweil Christus selber aus diesem Psalm einen Vers von seiner Person anzieht, so ist unleugbar, dass es von ihm zu verstehen sei. Obwohl auch dem David, als der ein Vorbild Christi war, dergleichen begegnet ist. Es bittet aber Christus, dass der himmlische Vater sich an seinen Feinden rächen wolle, was sie ihm Leides getan und erzählt, wie übel und wie grausam seine Feinde mit ihm umgehen. Verheißt daneben dem himmlischen Vater, dass er für solche gnädige Erlösung, zur Danksagung seinen Namen preisen und ehren wolle. Diesen Psalm mögen auch wir benutzen wider die unbußfertigen Feinde der Kirche Gottes, die das Evangelium Christi mit List und grausamer Tyrannei verfolgen.

1. Ein Psalm Davids. Herr, hadere mit meinen Haderern; streite wider meine Bestreiter!

Haderern: Den es hadern mit mir in ihrer Räteversammlung die Hohepriester, Pharisäer und Schriftgelehrten und fleißigen sich, dass sie mich zu einem Ketzer und Gotteslästerer machen. Verklagen mich auch vor der weltlichen Obrigkeit, Pontio, Pilatus, als einen Aufrührer und stehen mir mit aller Macht nach Leib und Leben, haben auch den größten Haufen des Volkes an sich gehängt, dass die Juden schreien, kreuzige, kreuzige ihn. Darum bitte ich dich, dass du dich meiner Sachen annimmst, meine Unschuld an Tag bringst und mich in solcher Gefahr erhaltest, dass ich nicht ganz zugrunde gehe. (Obwohl aber Christus leiblicherweise nicht errettet wurde, also dass er vor der Juden Rat wäre losgesprochen und ledig ausgegangen. So ist er doch also erhört worden, dass sich seine Unschuld, vor, in und nach seinem Tode genügend befunden. Da dagegen die Juden auf diesen Tag Gottes Urteil, welches sie verdammt, in der Tat spüren und erfahren mit so mancherlei Fluch, der über sie geht. Denn Gott der Vater hat sich seines eingeborenen Sohnes wider die gottlosen Juden angenommen. Also auch wir, wenn uns schon nicht gleich also bar, äußerlicherweise geholfen wird, so bringen wir dennoch so viel mit unserem Gebet zuwege, dass unsere gute Sache endlich hindurch dringe und gewinne.)

2. Ergreife den Schild und Waffen und mache dich auf, mir zu helfen!

Ergreife: Nämlich du, mein himmlischer Vater, mach dich bewehrt mit göttlicher Majestät und komm mir zu Hilfe.

Dich auf: Dieweil es das Ansehen hat, als schliefest du.

Helfen: In solcher meiner Gefahr.

3. Zücke den Spieß und schütze mich wider meine Verfolger! Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe.

Hilfe: Sprich meiner Seelen tröstlich zu, dass du mir helfen wollest. (Wir sollen auch bitten, dass der Herr in Anfechtung uns durch sein Wort und Heiligen Geist in unseren Herzen tröstlich zuspreche. Es zeigt aber der Prophet mit diesen schönen Gleichnissen von Rüstungen, Wehr und Waffen so viel an, dass Gott durch seiner Gläubigen Gebet aufgebracht werde und gleichsam mit bewaffneter Hand unter die Feinde laufe und sie angreife.)

4. Es müssen sich schämen und gehöhnt werden, die nach meiner Seele stehen; es müssen zurückkehren und zuschanden werden, die mir übel wollen {Ps 70v3}.

Gehöhnt werden: Wenn du nämlich für mich streitest.

Stehen: Die mir nach dem Leben trachten und mir dasselbe zu nehmen begehren.

Kehren: Und mit Schimpf abgetrieben werden.

Übel wollen: Die darauf umgehen, dass sie mir mögen Schaden zufügen und ins Verderben bringen.

5. Sie müssen werden wie Spreu vor dem Winde und der Engel des Herrn stoße sie weg.

Spreu: Dass sie zerstreut und zerstäubt werden.

Engel: Schaffe, dass sie durch deine heiligen Engel zu Boden gestoßen werden, dass sie fallen und umkommen. (Denn Gott braucht seine Engel auf mancherlei Weise: Durch die guten Engel schützt er die Frommen, durch die bösen Engel straft er oft die Gottlosen.)

6. Ihr Weg müsse finster und schlüpfrig werden und der Engel des Herrn verfolge sie.

Verfolge: Das ist: Strafe und schlage das jüdische Volk mit Blindheit, dass sie in der Blindheit ihres Herzen den Weg der Wahrheit und des Lebens nicht finden. Setze sie aufs Schlüpfrige, dass sie keinen gewissen und beständigen Fortgang haben, sondern wenn sie sich Bedenken lassen, sie stehen am allersteifsten, dass sie bald fallen und zugrunde gehen. Lass auch deine Engel dies Volk verfolgen, mit allerlei Strafen und Plagen. (Es will uns aber Christus hier mit seinem Exempel nicht lehren, dass wir denjenigen, die uns unsere Person beleidigt, Übles wünschen sollen, denn er selbst am Kreuz für seine Feinde gebeten, zwar für die, so nicht wussten, was sie taten, das ist, die aus Unwissenheit sündigen: Sondern er will damit zu verstehen geben, dass diejenigen, welche Christus, sein Evangelium und seine Glieder halsstarrig verfolgen, je länger je mehr in größere Blindheit ihres Herzen geraten, bis sie zuletzt jämmerlich an Leib und Seele verderben. Dass man für solche (wenn wir gewiss wissen, dass sie verhärtet sind) weiter nicht bitten sollen, bezeugt auch der Evangelist und Apostel Johannes, in seiner 1. Epistel, Kapitel 5. Sondern sagt, dass man vielmehr wider sie bitten soll, wie solches auch viel Beispiel die Psalmen hin und wieder bezeugen.)

7. Denn sie haben mir ohne Ursache gestellt ihre Netze, zu verderben, und haben ohne Ursache meiner Seele Gruben zugerichtet.

Denn: Jetzt zeigt er Ursache an, warum er bitte, dass ihn der himmlische Vater an seinen Feinden rächen soll.

Netze: Das ist: Wie man den Wildbret Garn oder Tücher richtet, dass man es darin fangen möge, also haben die Juden in ihrer Räteversammlung sich wider mich beratschlagt, wie sie doch einen Schein finden möchten, damit sie mich zum Tode brächten. Und haben alle Gelegenheiten gesucht, wie sie ihr Mütlein kühlen könnten.

Gruben: Gleich als wenn man einem Wolf oder Fuchs eine Grube macht und richtet, dass sie hineinfallen. (Dieweil aber Christus solches alles unschuldig leidet, so ist offenbar, dass er es um unserer Sünde willen gelitten habe, damit wir, die wir vor Gottes Gericht nicht unschuldig sind, in Kraft des Leidens Christi, ledig erkannt, vom ewigen Verderben befreit und mit ewiger Freud und Herrlichkeit begabt werden.)

8. Er müsse unversehens überfallen werden und sein Netz, das er gestellt hat, müsse ihn fangen und müsse darin überfallen werden.

Unversehens: Das ist: Wie die Jäger erstlich die Garn richten und danach im Walde hinter dem Wildbret her im Horn blasen und ein großes Geschrei machen, die Hunde auch anfangen zu bellen, dadurch das Wild in solchem Getümmel erschrickt, aus dem Holz getrieben und unversehens ins Garn gejagt wird: Also möchtest du, lieber Gott, nach deinem gerechten Gericht einstmals ein solches Getümmel machen und dadurch meine Feinde also erschrecken, dass ihnen alle ihre Rat- und Anschläge vor Angst entfallen und zunichtewerden und sie in solchem Schrecken in die Gruben und Stricke fallen, die sie mir zugerichtet haben. (Und solches zwar ist eben den Juden widerfahren, denn wie sie haben Christus ausrotten und ihm einen ewigen Schandflecken anhängen wollen, also sind sie darüber zugrunde gegangen und stecken in ewiger Schande und Schmach. Denn die Feinde des Reiches Christi sollen in die Gruben fallen, die sie anderen gemacht haben.)

9. Aber meine Seele müsse sich freuen des Herrn und fröhlich sein auf seine Hilfe.

Fröhlich sein: Dass ich einen solchen gnädigen Gott habe, der mir Hilfe schafft, dagegen meine Feinde gewisslich jämmerlich umkommen werden.

10. Alle meine Gebeine müssen sagen: Herr, wer ist deinesgleichen? Der du den Elenden errettest von dem, der ihm zu stark ist und den Elenden und Armen von seinen Räubern.

Gleichen: Das ist: Alles was an mir ist, soll dich loben, nach allem meinem Vermögen und sprechen: Wer ist so gütig und so mächtig in der ganzen weiten Welt, wie du Herr Gott bist?

Errettest: Und dem unterdrückten Recht schaffst.

Armen: Der überall darnieder liegt, den erlösest du. (Denn ob man wohl den Armen nicht viel nehmen kann, so geht es doch in der Welt also zu, dass, wie man den Reichen immer noch mehr dazu gibt, also nimmt man oft den Armen, dass sie noch übrig haben. Denn die Stärksten schieben die Schwächsten in den Sack. Der eingeborene Sohn Gottes aber bezeugt hiermit, dass Gott die Gewaltigen demütige und die Unterdrückten erhebe und aufrichte. Darum sollen die Tyrannen und Ungerechten bedenken, wie einen mächtigen Widersacher sie an Gott haben, der allen Mutwillen und unrechte Gewalt rächen will.)

11. Es treten frevle Zeugen auf, die zeihen mich, wovon ich nichts weiß.

Es: Jetzt erzählt Christus weiter, was für Unbilligkeit und Überdrang er von den Juden erlitten hat.

Frevle Zeugen: Unverschämte Gesellen, die sich nicht scheuen, wider ihr eigenen Gewissen, die Unwahrheit mit ihrem Zeugnis zu bestätigen.

Nichts weiß: Sie zeihen und beschuldigen mich solcher Übeltaten und Misshandlungen, die mir ganz unbewusst und in mein Herz nie gekommen sind. (Hier hört man die falschen Zeugen, welche also unterwiesen waren, dass sie sagten, es hätte Christus sich gerühmt, wie er wollte den Tempel zu Jerusalem abbrechen und in drei Tagen ihn wieder aufbauen. Und hörte man auch hier die Hohepriester, Pharisäer und Schriftgelehrten vor Pilatus fälschlich zeugen, Christus hätte verboten, dem Kaiser den Zins zu geben und das jüdische Volk aufrührerisch und vom Kaiser abfällig zu machen begehrt. Solches begegnet auch den Gliedern Christi, dass man sie mit mancherlei falschen Zu- und Auflagen beschwert, der sie doch kein Wissen haben. Denn der Knecht ist nicht über seine Herren.)

12. Sie tun mir Arges um Gutes, mich in Herzeleid zu bringen.

Um Gutes: Denn ich bin um ihretwillen vom Himmel herabgekommen und habe allerlei menschliche Schwachheiten (die Sünde ausgenommen) auf mich geladen, habe für sie das Gesetz erfüllt, den Weg zur ewigen Seligkeit in meinen Predigten ihnen gezeigt, ihre Krankheiten geheilt, die Teufel ausgetrieben, die Hungrigen in der Wüste gespeist und anderes unbezahlbar viel Gutes erzeigt, sie aber sind mir anstatt solcher Guttaten, nach Leib und Leben gestanden und haben allerlei Schmachreden und Lästerungen wider mich ausgestoßen und begehren mich nicht dazu ganz ab dem Brot zu richten. Ja sie gehen damit um, dass sie auch meinen Namen auf Erde austilgen, damit meiner ganz und gar vergessen werde.

Herzeleid: (Nach Luther) Als müsse meine Seele verlassen und verachtet sein wie eine Witwe oder Unfruchtbare.

13. Ich aber, wenn sie krank waren, zog einen Sack an, tat mir wehe mit Fasten und betete von Herzen stets.

Sack an: Ich hab mich viel anders gegen sie verhalten, denn ich ihr Verderben nicht gesucht, sondern vielmehr herzliches Mitleiden mit ihnen gehabt, wenn es ihnen übel gegangen ist.

Mir wehe: Ich hab meinem Leibe wehgetan von ihretwegen mit Fasten, aus Mitleiden über ihre Krankheit.

Betet: Ich hielt an im Gebet um ihre Wohlfahrt. (Es ist aber offenbar, dass Christus die armen Sünder den Kranken vergleicht. So zeigt er nun hiermit an, dass er von Herzen betrübt gewesen über die Sünden des jüdischen Volkes, habe auch für das ganze menschliche Geschlecht gebeten, dass solche ihre Krankheit zum Tod geheilt würde. Wie er auch für die ganze Welt Sünde gelitten hat, aber die Juden haben sich selbst durch Unglauben solcher Guttat beraubt.)

14. Ich hielt mich, als wäre es mein Freund und Bruder; ich ging traurig wie einer, der Leid trägt über seine Mutter.

Ging traurig: Wie traurige Leute zu tun pflegen. (Mit diesen Worten bezeugt Christus, dass er sich des Todes und Verderbens des Sünders nicht freue, sondern wolle, dass er bekehrt werde und lebe. Darum er auch, als er der Stadt Jerusalem ansichtig worden, über ihrem Verderben und Untergang bitterlich weinte {Lk 19}.)

15. Sie aber freuen sich über meinen Schaden und rotten sich; es rotten sich die Hinkenden wider mich ohne meine Schuld; sie reißen und hören nicht auf.

Hinkenden: Das ist: Die wankelmütigen Leute, welche auf beiden Seiten hinken und jetzt mir anhingen, als ich sie in der Wüste speiste und ihre Krankheiten heilte, bald später zu den Pharisäern, meinen Feinden, sich gesellten, die rotten sich, laufen mit Haufen zusammen wider mich. * (Nach Luther) Das ist: Die den Baum auf beiden Achseln tragen, dienen Gott und dienen doch auch dem Teufel.

Schuld: Ich weiß doch nicht, womit ich es sollte um sie beschuldet habe.

Nicht auf: Sie begehren mich zu zerreißen, wollen mich tot haben und schreien, kreuzige, kreuzige ihn und lassen nicht nach, bis ihnen ihr Wille erfüllt werde.

16. Mit denen, die da heucheln und spotten um des Bauchs willen, beißen sie ihre Zähne zusammen über mich.

Über mich: Das ist: Sie haben es zugelassen, ja sie haben es angerichtet, dass die Knechte der Hohepriester, als leichtfertige lose Buben, auf das Schändlichste mit mir umgingen. Da sie mir meine Augen gebunden, mit Fäusten schlugen und sprachen: Weissage uns Christus, wer ist es, der dich schlug? Welches lose leichtfertige Personal, um ein Stücke Brotes, alle Bubenstück treiben durften. Unterdes haben die Pharisäer und Hohepriester aus unersättlichem Neid wider mich die Zähne zusammengebissen. (Wenn wir nun dies hinterdenken, wie viel Christus unser Heil und Seligkeit gekostet, sollen wir ihm danksagen und uns ferner vor Sünden hüten.)

17. Herr, wie lange willst du zusehen? Errette doch meine Seele aus ihrem Getümmel und meine Einsame von den jungen Löwen.

Zusehen: Solche gräulichen Wesen, bis du es an diesen Leuten, wie richtig rächst. (Denn wir sollen unseren Herrn und Gott aufwecken, dass er die Unbilligkeit, welche den Seinigen widerfährt, rächen wolle.)

Getümmel: Hilf mir von ihrem Wüten und Toben.

Einsame: Das ist: Mein Leben, denn weiteres hab ich nichts mehr. (Obwohl nun Christus nicht also aus solchem Wüten und Toben errettet wurde, dass er nicht hätte sterben dürfen, so ist er doch also daraus erlöst, dass er nun zur Rechten des Vaters in höchster Majestät und Herrlichkeit herrscht und regiert. Uns aber erhört auch der himmlische Vater, nach dem Verstand, wie der Heiligen Geist in uns bittet, obgleich wohl das Fleisch immer die leibliche Erlösung sucht und begehrt, welches wir doch nicht immer erlangen. In Christus aber ist dies Verlangen und Begierde des zeitlichen Lebens ohne Sünde gewesen.)

18. Ich will dir danken in der großen Gemeinde und unter viel Volkes will ich dich rühmen {Ps 40v10}.

Ich: Jetzt verheißt er seinem himmlischen Vater dankbar zu sein, wenn ihm geholfen werde, und kehrt sich doch bald später wieder zum Gebet.

Rühmen: Ich will deines Namens Ehre unter den Heiden durch die Predigt des Evangeliums ausbreiten und werde aus den Heiden eine größere Kirche und Gemeinde sammeln als aus den Juden. (Im Evangelium aber wird die große Gnade und Güte des himmlischen Vaters gelobt und gepriesen, weil er die Welt so hoch geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn gegeben, auf dass alle die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben {Joh 3}.)

19. Lass sich nicht über mich freuen, die mir unbillig feind sind, noch mit den Augen spotten, die mich ohne Ursache hassen.

Lass: Jetzt wendet sich Christus wieder zum Gebet.

Ohne Ursache: Dass sie keine Ursache zu mir haben. Diesen Spruch zieht Christus an von dem Neid der Juden, den sie unverschuldeter Sachen gegen ihm getragen {Joh 15}. (Dieweil nun Christus solches alles ohne seine Schuld gelitten, so ist gewiss, dass er durch sein Leiden unsere Sünden vollkommen gebüßt und bezahlt habe.)

20. Denn sie trachten, Schaden zu tun, und suchen falsche Sachen wider die Stillen im Lande;

Zu tun: Sie reden nichts Gutes, dass zu Friede, Ruhe und Wohlfahrt der Menschen diente.

Stillen: Wider die frommen Leute, die Lust zu Ruhe und Frieden haben, erdichten sie allerlei arglistige Praktiken. (Denn die Feinde Christi gehen damit um, dass sie die Friedliebenden, welche der rechten Lehre zugetan sind, dämpfen und unterdrücken.) Nun hat niemand jemals mehr den Frieden gesucht, als Christus, nach dessen Verderben doch die gottlosen Leute stetig trachten. * (Nach Luther) Die gerne Friede hätten.

21. und sperren ihr Maul weit auf wider mich und sprechen: Da, da! Das sehen wir gerne.

Weit auf: Wie die Herumtreiber zu tun pflegen, wenn sie andere verspotten.

Gerne: Dass einmal der Jesus von Nazareth seine Strafe empfangen hat, der beide unsere Lehre und Leben gescholten und getadelt, jetzt empfängt er seinen verdienten Lohn, also ist es recht, ist er Gottes Sohn, so steige er jetzt vom Kreuz. (Solches und dergleichen giftiges und teuflisches Gespött hat dem Herrn Christus sehr wehgetan. Er hat es aber gelitten für uns, damit nicht der Teufel unser ewig spottete. Wenn aber uns auch dergleichen hier auf Erden widerfährt, sollen wir es geduldig, dem Beispiel Christi nach, leiden.)

22. Herr, du siehst es, schweige nicht; Herr, sei nicht ferne von mir!

Siehst: Du mein himmlischer Vater weist freilich wohl und hast auch gehört die Lästerungen, die sie wider mich ausgestoßen haben.

Schweige nicht: Und lass es ihnen nicht ungestraft hingehen.

Nicht ferne: Verlass mich nicht so ganz, dass mich Bedenken möchte, du stündest auch ferne von mir, wie meine anderen Freunde, bei denen ich weder Trost, Rat, noch Hilfe habe.

23. Wache auf zu meinem Recht und zu meiner Sache, mein Gott und Herr {Ps 44v24}!

Wache auf: Lass dich mein Schreien und Gebet erwecken, dass du mir wider meine Feinde recht verschaffst, denn mich erscheint bisher immer, du schläfst. (Also bedünkt uns, so lange Gott, der Feinde Mutwillen zusieht, er liege in einem tiefen Schlaf, so doch seine Augen nimmer schlafen oder schlummern {Ps 121}. Wir sollen ihn aber dennoch mit unablässigem Gebet aufmuntern {Lk 18}.)

24. Herr, mein Gott, richte mich nach deiner Gerechtigkeit, dass sie sich über mich nicht freuen.

Deiner Gerechtigkeit: Denn ich mag dein strenges Recht und Gericht wohl leiden, so ganz bin ich mir keiner Sünde bewusst.

Nicht freuen: Dämpfe meine Feinde, dass sie nicht frohlocken über meinem Verderben.

25. Lass sie nicht sagen in ihrem Herzen: Da, da! Das wollten wir. Lass sie nicht sagen: Wir haben ihn verschlungen.

Wollten wir: Jetzt ist es uns einmal geglückt, danach wir lange getrachtet haben, dass unser Feind, der Jesus von Nazareth, hinunter ist.

Verschlungen: Es ist aus mit ihm, wir haben ihn den Garaus gemacht. (Dies Gebet Christi ist erhört worden. Denn obwohl die Hohepriester, Pharisäer und Schriftgelehrten einen Tag oder drei eine kleine Freude hatten, dass sie Christus ans Kreuz gebracht und erwürgt, so haben sie doch bald später von den Hütern des Grabes Christi verstanden, dass Christus aus dem Grab herrlich auferstanden sei. Da ist ihnen auf einmal alle Freude in Brunnen gefallen. Christus aber ist es ernst gewesen mit diesem Gebet. Denn da er in Knechtsgestalt und im Stande der Erniedrigung war, hat er nicht alle Zeit den Trost von seiner künftigen Auferstehung empfangen, sondern oftmals mit den Anfechtungen gerungen und gestritten, dass er gefürchtet, er müsse ganz zugrunde gehen. Dieweil er aber solche Anfechtung und Herzeleid ausgestanden, weiß er zu helfen denen, die gleicher Gestalt versucht werden {Hebr 2}.)

26. Sie müssen sich schämen und zuschanden werden, alle, die sich meines Übels freuen; sie müssen mit Schande und Scham gekleidet werden, die sich wider mich rühmen.

Übles: Das mir begegnet und zu Händen stößt. (Diesen Fluch Christi werden nicht allein die Juden, sondern auch alle unbußfertigen Feinde des Sohnes Gottes erfahren und empfinden und werden nicht allein das nicht ausrichten, was sie vorhaben (indem sie das Evangelium Christus austilgen wollen), sondern auch darüber zuschanden und mit ewiger Schmach angetan werden in höllischer Pein und Qual.)

Rühmen: Dass sie mir überlegen sind und gewonnen haben.

27. Rühmen und freuen müssen sich, die mir gönnen, dass ich recht behalte und immer sagen: Der Herr müsse hoch gelobt sein, der seinem Knechte wohl will!

Behalte: Welche meine Unschuld und vollkommene Erfüllung des Gesetzes wissen, glauben, preisen und sich der selbigen freuen, dieweil sie wissen, dass solches zu ihrer selbst eigenem Heil und Wohlfahrt gereichen soll, die selbigen werden zugleich mit mir dir danken, dass ich mit deiner Hilfe und Beistand den Tod und Fluch des Gesetzes überwunden habe.

Knecht: Nämlich Christus, der um unserer Erlösung willen Knechtsgestalt an sich genommen hat {Phil 2 Jes 53}. (Dieweil aber solcher Sieg Christi unser eigen ist, soll richtig die christliche Kirche Gott loben, dass er Christus von den Toten erweckt und ihn über alle Himmel erhaben hat und gesetzt zu seiner Rechten, in göttliche Herrlichkeit. Diese Guttaten aber, die Christus widerfahren sind, kommen auch uns, als Brüdern Christi, zugute, daraus wir denn einen großen Trost nehmen können.)

28. Und meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.

Preisen: Das ist: Ich will verschaffen, dass deine Güte und Gnade durch das Predigtamt des Evangeliums in der ganzen Welt gepriesen werde, dass du nämlich für gerecht erkennst alle, die an mich glauben. (Dieses Lob der Gnaden und Gerechtigkeit Gottes (davon Paulus in der Epistel zu Römern weitläufig handelt) wird in der Kirche Gottes dauern und bleiben, bis an den Jüngsten Tag. Denn das Evangelium wird nimmermehr ganz in der Kirche Gottes verlöschen, ob es wohl zu einer Zeit dunkler, zur anderen Zeit heller leuchtet.)


Der 36. Psalm


1. In diesem Psalm malt David der Heuchler Natur und Bosheit meisterlich ab. Hingegen aber lobt und rühmt er die Treue und Güte Gottes, der die Seinen schützt und beschirmt wider der Heuchler List und Anschläge. Endlich bittet er, dass Gott seine Kirche vor der Heuchler Schalkheit und Arglistigkeit behüte und bewahre. Wir sollen aus diesem Psalm uns wider der Heuchler Büberei trösten und mit dem Gebet bewehrt machen, dass sie uns nicht verderben.

1. Ein Psalm Davids, des Herrn Knechts, vorzusingen.

2. Es ist von Grund meines Herzens von den gottlosen Wesen gesprochen, dass keine Gottesfurcht bei ihnen ist.

Von Grund: (Nach Luther) Wenn ich gründlich die Wahrheit sagen soll. Denn die Gottlosen scheinen, als seien sie so fromm und heilig und sind doch im Grunde falsch.

Ihnen ist: Das ist: Wenn ich gründlich die Wahrheit sagen soll, so muss ich doch bekennen und rund sagen, dass die Heuchler in ihrem Herzen Gott nicht fürchten. (Denn sie tun ihre guten Werke nur, dass sie vor den Leuten scheinen, als heilige gerechte Menschen und liegt doch in ihren Herzen viele und große Schalkheit verborgen. Also auch die falschen Lehrer geben einen ernstlichen Eifer und große Heiligkeit vor, so ihnen doch ihr Herz viel ein anderes sagt.)

3. Sie schmücken sich untereinander selbst, dass sie ihre böse Sache fördern und andere verunglimpfen.

Verunglimpfen: Das ist: (Die Heuchler geben sich selbst recht und schmücken ihre Sache, daneben aber geben sie spitzige Achtung auf anderer Leute Worte und Werke und bringen es ganz giftig vor, damit sie solche Leute (die doch besser sind als sie) bei anderen verhasst machen.)

4. Alle ihre Lehre ist schädlich und erlogen; sie lassen sich auch nicht weisen, dass sie Gutes täten,

Erlogen: Das ist: Wenn man solche Leute bei der Kirche gebraucht, so lehren sie falsch, und wissen ihren Irrtum arglistig zu verschlagen. Braucht man sie dann im weltlichen Regiment, so helfen sie unrechte Sachen fördern, reden ein anderes mit dem Munde und haben ein anderes im Herzen. (Denn wenngleich unnütze Leute das allerunbilligste Ding mit Worten vorgeben, wollen sie dennoch für Biederleute angesehen sein und einen Ruhm haben, wenn sie redliche Leute mit verschlagenen Worten hinterführen und übertäuben können. Und solche Bubenstücke nennen sie heutigentags temporisieren, das ist, sich nach der Zeit richten.)

Nicht weisen: Das ist: Sie nehmen keine heilsame Warnung an, sondern verachten, beharren und bestreiten ihre Irrtum und Bosheit immerfort. (Das tun besonders die heuchlerischen Lehrer in der Kirche Gottes, dass sie sich nicht weisen lassen: Daher Paulus sagt, einen ketzerischen Menschen meide, wenn du ihn einmal oder zwei ermahne hast {Tit 2}.)

5. sondern sie trachten auf ihrem Lager nach Schaden und stehen fest auf dem bösen Wege und scheuen kein Arges.

Trachten: Sie gehen Tag und Nacht mit unbilligen Sachen um, wie sie dasjenige, welches sie ihnen einmal zu bestreiten und zu verteidigen vorgenommenen, hinausbringen mögen.

Lager: (Nach Luther) Das ist: Ohne Aufhören, sie ruhen nicht.

Fest: Sie beharren steif im Irrtum und auf ihrem bösen Vorhaben.

Kein Arges: Es hat sie ihr Irrtum und böser Vorsatz noch nie bereut. (Denn die Heuchler sind in dem sehr emsig und unverdrossen, wenn sie ihren unbilligen und Gottlosen Handel forttreiben sollen, bleiben auch halsstarrig in ihrem Irrtum und Büberei und tun nicht leicht Buße. Daher auch Christus zu den Heuchlern sagt, die Zöllner und Huren werden euch vorgehen im Reich Gottes. Denn die öffentlichen Sünder werden eher bekehrt als die Heuchler.)

6. Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen {Ps 57v11}.

Herr: Bisher haben wir ein rechtes Konterfei und gute Beschreibung der Heuchler gehabt, wie Saul auch einer war. Nun lasst uns hingegen hören, wie gütig Gott der Herr sei. Der die Heuchler hasst und die Frommen beschirmt, dass sie nicht durch der Heuchler Büberei und List ins Verderben geführt werden.

Reicht: Es ist alles voller Beispiele deiner Güte und Barmherzigkeit.

Wahrheit: Das ist: Du bist in allen deinen Worten und Verheißungen ganz wahrhaftig und beständig und tust nicht wie die Heuchler, die ein anderes reden und ein anders denken. (Darum sollen wir uns keck auf Gottes Güte und auf sein Wort, welches nicht betrügen kann, verlassen.)

7. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie große Tiefe. Herr, du hilfst Menschen und Vieh.

Berge Gottes: Wie die höchsten und größten Berge. (Das ist: Du bleibst immer beständig in deiner Gerechtigkeit oder Frömmigkeit und bist nicht so wankelmütig wie die Menschen, besonders die Heuchler.) * (Nach Luther) d. i. Fest und unzerstörbar.

Tiefe: Deines gerechten Urteils ist kein Ende, gleichwie man den Abgrund der Tiefe nicht ermessen kann. (Es wird aber zugleich mit diesem Spruch auch angezeigt, dass die vielerlei Urteile Gottes der menschlichen Vernunft ebenso unerforschlich sind als der tiefste Abgrund. Darum ob uns wohl bisweilen Gottes Gerichte unrecht sein bedenken, so sollen wir doch für gewiss wissen, dass sie ganz gerecht sind, wenn gleich wir solchen Abgrund in diesem Leben nicht ausgründen und ausforschen mögen.

Und Vieh: Du bist so gütig und gnädig, dass du nicht allein die Menschen, als die zu deinem Ebenbild erschaffen sind, ernährst und erhältst, sondern auch den unvernünftigen Tieren Nahrung verschaffst und ihnen ihr Leben fristest, so lange es dich gut denkt. (Dieweil aber Gott auch das Vieh erhält, welches doch nicht zum ewigen Leben erschaffen ist, wieviel mehr wird er seine Kinder, die durch den Glauben wiedergeboren sind, nicht in die Schanze schlagen, der die Vögel unter dem Himmel ernährt {Mt 6}.)

8. Wie teuer ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen!

Teuer: O wie ein teuer Schatz ist das, wenn man dich zu einem gnädigen Gott hat, um des Messias willen, daher wir denn deine unendliche Güte und Gnade spüren.

Trauen: Das ist: (Unter deinen herrlichen Guttaten ist auch dies der Vornehmsten eine, dass fromme Menschen in ihrer Not und Gefahr, es gehe gleich über den Leib oder über die Seele, zu deiner Hilfe und unter deinem Schirm ihre Zuflucht haben mögen, wie die jungen Hühnlein unter ihrer Gluckhennen Flügel. Welche ganz holdselige Gleichnisse die Schrift auch an anderen mehr Orten gebraucht, als 5. Mose 32. und Matth. 23.)

9. Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses und du tränkst sie mit Wollust als mit einem Strom.

Trunken: Das ist: Sie haben nicht allein Schutz und Schirm bei dir, sondern du erquickst auch deine Kinder reichlich mit himmlische Gütern, als mit köstlicher Speise, die in deiner Kirche vor- und aufgetragen werden, die Seelen damit zu laben.

Strom: Das ist: Du wirst deine Auserwählten mit unermesslichen und unaussprechlichen Freuden und Lust, welche du zubereitet hast, sättigen und erfüllen in alle Ewigkeit. (Ja auch in diesem Leben erquickt und tränkt gleichsam unser Herr und Gott die Seinen reichlich mit geistlichen Gütern, dort aber wird er sie im ewigen Leben mit ewiger Freude überschütten.)

10. Denn bei dir ist die lebendige Quelle und in deinem Licht sehen wir das Licht.

Quelle: Von dir Gott kommt und quillt gleichsam hervor das Leben und ewiges Heil.

Licht: Das ist: (Wenn du unsere Herzen durch das Wort deines Evangeliums erleuchtest, werden wir dadurch zum ewigen Licht, das ist, zur ewigen Freude kommen, da wir dich sehen werden in höchster himmlischer Ehre und Herrlichkeit.) * (Nach Luther) Das ist: Trost, Freude.

11. Breite deine Güte über die, die dich kennen und deine Gerechtigkeit über die Frommen.

Breite: Nachdem David Gottes Güte und Gnade gepriesen und mit solcher Betrachtung seinen Glauben gestärkt hat, wendet er sich wiederum zum Gebet. Als wollte er sprechen: Bedecke mit deiner Barmherzigkeit als mit einem kühlen Schatten alle die, die dich mit Glauben erkennen, dass sie vor der Hitze des künftigen Zorns über die Sünder sicher sein mögen und beschirme vor der Verdammnis, durch die Gerechtigkeit des Glaubens (welches deine Gerechtigkeit heißt {Röm 1}.) Diejenigen, die durch Wasser und Geist wiedergeboren sind, damit jenen sowohl die Erbsünde, welche ihnen noch anklebt, als die wirklichen begangenen Sünden nicht zugerechnet werden. (Wir werden aber durch Gottes Barmherzigkeit, so wir die mit seligmachendem Glauben ergreifen, vor dem Gericht Gottes also zugedeckt als mit einem Schatten, dass wir nicht zugrunde gehen. Dieser Trost aber gehört denen allein zu, die Gott erkennen und wiedergeboren sind, welche der Heilige Geist nennt Fromme und Rechtschaffene: Nicht darum, dass keine Sünde mehr in ihnen sei, sondern dass sie aus rechtschaffenem Herzen Gottes Willen zu folgen und nachzusetzen sich bemühen.)

12. Lass mich nicht von den Stolzen untertreten werden und die Hand der Gottlosen stürze mich nicht,

Lass: Jetzt bittet er auch um leiblichen Schutz und Schirm. Will so viel sagen: Erhalte mich mein Gott, dass die stolzen Leute mich nicht ganz mit Füßen treten und unterdrücken. (Das sind aber besonders diese Stolzen, welche ihres Ansehens und Gewalt halben davor halten, sie haben alle Macht und deswegen frommen schlechten Leuten Gewalt und Unrecht tun.)

Mich nicht: Hilf, dass ich vor ihnen bleiben möge und nicht umgestoßen werde.

13. sondern lass sie, die Übeltäter, dort fallen, dass sie verstoßen werden und nicht bleiben mögen.

Nicht bleiben: Das ist: Verschaffe du so viel, dass, wenn die Gottlosen andere Leute begehren zu stürzen, sie selbst fallen und lass sie so mit Gewalt danieder fallen, dass sie sich nicht mehr erheben und aufhalten können. (Wie wir aber für unsere Verfolger bitten sollen, so lange Hoffnung da ist, dass sie sich zur Buße bekehren werden {Mt 5}. Also mögen wir auch wider sie bitten, wenn gewisse Anweisungen vorhanden sind, dass sie ganz und gar verhärtet und nie zur Buße und Bekehrung kommen werden. Sollen uns doch hüten, dass wir nicht ganz zu schnell und bald urteilen und nicht unserer eigenen fleischlichen Rachgier für einen guten Eifer ausgeben.)


Der 37. Psalm


1. Dieweil in dieser Welt oftmals den Frommen und Bösen einem wie dem anderen geht. Ja wohl auch den Frommen übel, den Gottlosen aber gut geht, werden dadurch nicht allein die rohlosen, sondern auch gottseligen Leute geärgert und vor den Kopf gestoßen: Und werden bisweilen die Frommen schwer darüber angefochten, dass es so unrecht (wie es das Ansehen bei unserem Fleisch hat) zugeht, also dass sie heimlich wider Gott murren und angereizt werden, dass sie von ihrer Frömmigkeit ablassen und auch Gottloswerden sollen. Dieser beschwerlichen Anfechtung begegnet David und kommt uns zu Hilfe in diesem Psalm. Denn er ermahnt darin, dass man über dem glücklichen Fortgang der Gottlosen nicht soll unwirsch und unwillig werden, auch nicht den Gottlosen in ihrer Büberei nachfolgen, weil der gottlosen Leute Glück nur ein Augenblick wärt und unbeständig sei, da dagegen den Gottlosen ihre Frömmigkeit ewig belohnt werde. Wir sollen diesen Psalm sprechen und uns nützlich machen, sooft uns böser Leute Glück irrt und ärgert, damit wir solche Ärgernisse überwinden und nicht auch zu den Gottlosen treten.

1. Ein Psalm Davids. Erzürne dich nicht über die Bösen; sei nicht neidisch über die Übeltäter {Spr 24v19 v20}!

Dich nicht: Lass dich nicht dazu bewegen, dass du wider Gott murrst, wenn es bösen Leuten glücklich geht. * (Nach Luther) Dieser Spruch (Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen) ist eine Glosse und Auslegung dieses Psalms.

Übeltäter: Missgönne den Gottlosen ihr Glück nicht. Dies ist der Inhalt dieses Psalms. (Wenn aber ein solches Murren und Missgunst nicht in unserem Fleisch steckte, so bedürfte es dieser Ermahnung nicht.)

2. Denn wie das Gras werden sie bald abgehauen und wie das grüne Kraut werden sie verwelken.

Kraut: Wenn es abgemäht ist. (Sooft wir uns nun über der Gottlosen großem Glück und Fortgang verwundern, sollen wir allewege das Heu ansehen und bedenken, wie das Kraut bald all seine Schöne verloren hat. Also werde auch böser Leute Glück nicht lange Bestand haben, sondern bald und plötzlich vergehen.)

3. Hoffe auf den Herrn und tue Gutes; bleibe im Lande und nähre dich redlich.

Hoffe: Vertraue Gott und glaube, dass es gewisslich noch dazu kommen werde, dass du deiner Frömmigkeit genießest, obgleich die Belohnung deiner guten Werke aufgezogen wird.

Tue Gutes: Lass nicht ab und werde nicht müde recht zu tun.

Bleibe: Du sollst deinen Stand und Beruf nicht verlassen oder oft ändern, es sei denn, dass dich Gott anders wohin berufe, sollst auch nicht, wenn etwa beschwerliche Zeiten sind, hin und herlaufen, jetzt in dieser, bald in einer anderen Landesart dich häuslich ein und niederlassen, da du hoffst, du wollest vielleicht zu großer Herrlichkeit oder großem Gut kommen, sondern bleibe an dem Ort, dahin dich Gott durch ordentlichen Beruf gesetzt hat.

Redlich: Gehe nicht mit Vorteil und Betrug um. (Denn diejenigen, die ihren Stand und Haushaltung ändern, darum, dass sie gleich nicht hochkommen oder reich werden können und meinen, sie wollen an einen anderen Ort ihr Glück suchen und ihre Sache wohl verbessern, die tun sich oft selber übel und ihren großen Schaden. Die aber noch dazu allen Vorteil und Betrug suchen, auch etwa die rechte reine Lehre fallen lassen, damit sie besser Glück haben, die verlieren ihrer Seelenheil und Seligkeit.) * (Nach Luther) Mit Gott und mit Ehren, dass du Gott fürchtest und niemand Unrecht tust.

4. Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.

Am Herrn: Das soll deine Freude und Reichtum sein, dass du weißt, du hast einen gnädigen gütigen Gott zum Vater, um des Messias willen, bei ihm suche um Hilfe an.

Wünscht: Du wirst von ihm haben zu gelegener Zeit, was du begehrst und was du bedarfst. Allein vertrauen ihm und erwarte seine väterliche Hilfe. (Denn was wir den Vater bitten werden, im Namen Christi, das wird er uns geben {Joh 16}.)

5. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird es wohl machen {Ps 55v23 1Petr 5v7}

Wege: Dein ganzes Leben und deinen Fortgang, der wird es alles richten zu seines Namens Ehre und zu deinem Heil und ewiger Wohlfahrt. (O wie selige Leute wären wir, wenn wir solchergestalt unsere Sorge auf den Herrn würfen, unserem Beruf mit Fleiß abwarteten und Gott das Ende und den Ausgang heimstellten.)

6. und wird deine Gerechtigkeit hervorbringen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag.

Bringen: Denn obwohl zuzeiten du an deinen guten Namen und Leumund angegriffen und mit mancherlei falschen Auflagen beschwert wirst von bösen Leuten, die dazu mächtig und in einem Ansehen sind und das eben darum, dieweil du deinem Amt treu und fleißig nachsetzt, so sollst du doch von deswegen nicht kleinmütig werden, Gott wird deine Unschuld wohl an Tag bringen und verschaffen, dass deine Redlichkeit zu seiner Zeit so offenbar werde und heller am Tage sei, als das Licht und der Sonnenglanz und jedermann verstehe, dass dir mit solchem falschen Bezug Unrecht geschehen sei. (Dies soll auch unser Trost sein, damit wir uns aufhalten, wenn unsere wahrhaftige Entschuldigung bei den Leuten nicht statthaben und gelten hat wollen.)

7. Sei stille dem Herrn und warte auf ihn! Erzürne dich nicht über den, dem sein Mutwille glücklich fortgeht.

Stille: Das heißt aber still sein, wenn wir nicht ein solches stetiges großes Klagen, Fluchen, Lästern entweder wider Gott oder wider den Nächsten führen und haben, sondern demütig mit Geduld unserer Sachen Ende und Ausgang Gott befehlen und seine Hilfe erwarten. * (Nach Luther) Harre und tobe nicht.

Fortgeht: Der mit bösen Tücken umgeht. (Denn Gott sieht bisweilen der Gottlosen Mutwillen und Büberei eine Zeit lang zu. Aber später sieht er sie mit desto ernstlicher Strafe an.)

8. Stehe ab vom Zorn und lass den Grimm; erzürne dich nicht, dass du auch übel tust.

Stehe ab: Stille den Zorn und enthalte dich, wenn du dich über der gottlosen Leute Glück etwa erzürnt hast.

Übel tust: Lass dich der Gottlosen glücklichen Fortgang nicht aufbringen, dass du auch denken wolltest, ihnen Böses nachzutun, damit dir deine Sache künftig desto glücklicher fort und vonstattengehe. (Unser Fleisch aber ist zu Zeiten sehr unruhig und ungestüm und heißt uns, wir sollen den Gottlosen in ihrem Tun nachfolgen, damit wir es auch so gut haben mögen, als sie. Obwohl wir nun solche bösen Einfälle nicht verhüten können, so sollen wir sie doch mit Beistand des Heiligen Geistes dämpfen, in Betrachtung Gottes Wortes, welches denen, die Übles tun, ihre Strafe droht und anzeigt.)

9. Denn die Bösen werden ausgerottet; die aber des Herrn harren, werden das Land erben.

Denn: Jetzt folgt der Sentenz und Urteil, welches über die Gottlosen geht und ausgesprochen wird.

Ausgerottet: Nämlich solch böse Bäume werden von dem Erdboden vertilgt und ins ewige höllische Feuer geworfen {Mt 7 Lk 3}.

Erben: Und innehaben, dass sie also Gottes Gnade und Guttaten auch in diesem Leben genießen. (Und obwohl die Frommen nicht alle langes Leben und Glück haben auf dieser Erde, so ist doch gewiss, dass sie durch den Glauben des ewigen, unvergänglichen und unverwelklichen Erbes teilhaftig werden, welches uns im Himmel zubereitet ist. Aber durch die zeitlichen Güter wird etlichermaßen die ewige Seligkeit vorgebildet und abgemalt.)

10. Es ist noch um ein kleines, so ist der Gottlose nimmer; und wenn du nach seiner Stätte sehen wirst, wird er weg sein.

Kleines: Es wird bald geschehen, dass es mit dem Gottlosen ein Ende nehmen wird, der jetzt ganz glückselig scheint.

Nimmer: Entweder im Leben oder doch in seiner vorigen Herrlichkeit nicht mehr.

Weg sein: Und wirst den gottlosen Buben nicht mehr finden, sondern wenn du dich nach ihm umsiehst, so wird ihn der Teufel bereits hinweggeführt haben. Und zwar denkt es uns oft, eine lange Zeit zu sein, darin es den Gottlosen gut geht. Wenn wir aber nach des Heiligen Geistes Zahl die Rechnung anlegen, da tausend Jahre sind wie der gestrige Tag, der erst vergangen ist und hinterdenken, dass die Gottlosen ihr zeitlich gutes Leben in der ewigen Pein büßen müssen, so werden wir sehen, dass ihnen kaum ein Augenblick wohl gewesen sei.)

11. Aber die Elenden werden das Land erben und Lust haben in großem Frieden {Mt 5v5}.

Elenden: Die unter dem Kreuz gedemütigt sind und des Herrn Kreuz mit Geduld tragen.

Friede: Sie werden an der Glückseligkeit ihre Freud und Wonne haben, die ihnen Gott bescheren wird. (Denn obwohl die Frommen nicht allesamt viel zeitliches Glück und Wollust haben. Jedoch, dieweil sie wissen, dass sie einen gnädigen Gott haben und sich an ihrem Teil begnügen lassen, mögen sie wohl mit Wahrheit auch in diesem Leben glückselig genannt werden. Wie aber ein Vater sein Kind oder junges Söhnlein, dieweil es noch jung und schwach ist, viel zärtlicher hält, als wenn er ein junger Geselle wird oder zu seinem männlichen Alter kommt, so er ihn doch jederzeit lieb hat. Also ist Gott mit seinem Volk im Alten Testament, so viel die zeitlichen und leiblichen Guttaten belangt, etlichermaßen zärtlicher umgegangen. Denn die Israeliten waren gleichsam die Kinder, jetzt aber im Neuen Testament heißt er uns vielmehr auf die ewigen und himmlischen Güter sehen, daneben aber versieht er uns nicht desto weniger mit Nahrung ganz väterlich.)

12. Der Gottlose droht dem Gerechten und beißt seine Zähne zusammen über ihn.

Der: Folgt ein anderer Trost wider der Gottlosen Gewalt und wüten, damit sie den Frommen in dieser Welt nachstellen.

Droht: Und geht in seinem Herzen damit um, wie er den Gerechten verderben wolle.

Über ihn: Er ist ganz giftig über einen frommen Menschen, dass es sich ansehen lässt, der Fromme stecke in großer Gefahr.

13. Aber der Herr lacht sein; denn er sieht, dass sein Tag kommt {Ps 2v4}.

Kommt: Das ist: Gott lacht über die eitlen und vergeblichen Anschläge der Gottlosen, die sie machen über das Verderben der Gerechten. (Denn Gott sieht schon bereits, dass das Ziel ihres Lebens, welches er ihnen gesetzt hat, aus ist und ein Ende hat, dass der Gottlose eher darüber zugrunde gehen muss, eher denn er seine blutdürstigen Anschläge ins Werk setzen mag. Dessen haben wir viele Beispiele. Der Ahab droht dem Propheten Micha den Tod, wenn er aus dem Krieg wieder heimkommen werde. Er kam aber nicht wieder. Julianus drohte die Christen zu vertilgen, wenn er die Perser überwunden hätte. Er ist aber unten gelegen und selbst zugrunde gegangen. Darum sollen wir ein Herz fassen, dieweil wir Gott auf unserer Seite haben.)

14. Die Gottlosen ziehen das Schwert aus und spannen ihren Bogen, dass sie fällen den Elenden und Armen und schlachten die Frommen.

Frommen: Welche nach Gottes Geboten recht und gottselig wandeln, die sind sie zu erwürgen gerüstet und bereit und fehlt ihrethalben nichts an allem, was zum Verderben der Frommen gereichen soll.

15. Aber ihr Schwert wird in ihr Herz gehen und ihr Bogen wird zerbrechen.

Zerbrechen: Das ist: Der Gottlosen blutgierige Anschläge werden zu ihrem eigenen Verderben geraten und ihr grausames Vorhaben wird zu Spott werden, nicht anders, als wenn einer den Bogen spannt und mit seinem Pfeil einen erschießen wollte, aber der Bogen zerspränge ihm, eher der Pfeil abgegangen wäre. (Und daran hat Gott seine Lust, dass er die Gottlosen soweit kommen lässt, dass sie jetzt gleich die Frommen meinen anzugreifen, als denn aber treibt er sie unversehens zurück.)

16. Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser denn das große Gut vieler Gottlosen.

Das: Folgt weiter ein anderer Trost wider die Anfechtung der Armut halben, wenn wir sehen, dass die Gottlosen alles vollauf haben, die Frommen aber Mangel leiden.

Besser: Ein geringes Vermögen eines frommen Menschen ist ihm nützlicher denn der Gottlosen große Schätze, die sie haben. (Denn ein frommer Mensch, welcher einen gnädigen Gott hat, ist in seinem Herzen der allerreichste und nimmt auch mit geringem Gut vorlieb, welches er mit unruhigem Gewissen und mit Danksagung braucht. Großer Reichtum aber, neben dem, dass sie viele Sorge und Angst und große Gefahr bringen, wenden auch manchmal das Herz von Gott ab, dass man dem Mammon an Gottes statt dient. Davor uns Christus, Matth. 6. und Paulus 1. Tim. 6. warnt.)

17. Denn der Gottlosen Arm wird zerbrechen; aber der Herr erhält die Gerechten.

Arm: Das ist: Seine Macht und Gewalt.

Zerbrechen: (Gottloser Leute Reichtum ist nicht beständig. Wenn sie denn um ihr Gut kommen und in Armut geraten, so sind sie die ungeduldigsten und unwilligsten Leute und schmerzt sie sehr übel. Darum ein frommer gutherziger Mensch sich des Gottlosen Reichtum nicht wünschen soll.)

Enthält: (Gott ernährt die Frommen so väterlich und gnädig, dass, wenn sie gleich nicht einen Vorrat auf viele Jahre hinter sich gelegt haben, ihnen doch nichts, das sie zu ihrer Notdurft haben müssen, mangelt. Denn die Natur lässt sich an wenigem genügen, sofern sich des Menschen Herz allein der Güte und Gnaden Gottes tröstet.)

18. Der Herr kennt die Tage der Frommen und ihr Gut wird ewig bleiben.

Frommen: (Es sind aber die Frommen und vollkommen vor Gott, welchen der vollkommene Verdienst Christi zugerechnet wird. An denen hat Gott keine Klage oder Mangel, ob sie gleich wohl das Fleisch, welches mit Sünden behaftet an sich tragen, dem sie doch den Zaum nicht lassen.)

Bleiben: Das ist: (Gott hat schon beschlossen, wie lange die Gottseligen in diesem Jammertal bleiben sollen, so lange versieht er sie auch väterlich, danach wird er ihnen geben die Erbschaft des ewigen Lebens.)

19. Sie werden nicht zuschanden in der bösen Zeit und in der Teuerung werden sie genug haben.

Bösen Zeit: Wenn irgend beschwerliche und gefährliche Zeiten einfallen, so werden die Frommen auch in diesem Leben von Gott erhalten, beschützt und beschirmt.

Genug haben: Gott verlässt sie nicht in allgemeiner Teuerung und Hungersnot. (Solchen Trost soll man zur Zeit der Teuerung den Frommen vorhalten.)

20. Denn die Gottlosen werden umkommen und die Feinde des Herrn, wenn sie gleich sind wie eine köstliche Aue, werden sie doch vergehen, wie der Rauch vergeht {Ps 68v3}.

Umkommen: In gemeinen Landstrafen.

Vergeht: d. i. (Je mehr die Gottlosen sich preisen und je herrlicher sie scheinen, je näher ist ihr Verderben. Ja sie werden verschwinden wie der Rauch, welcher zuerst, hoch, dick und mit Gewalt über sich steigt, als wollte er bis an den Himmel gehen, sobald aber die Luft darin geht, wird er verweht und verschwindet, dass man ihn nicht mehr sieht, also wird es auch gehen allen denen, die sich feindlich wider Gott, sein Wort und fromme Leute setzen.)

21. Der Gottlose borgt und bezahlt nicht; der Gerechte aber ist barmherzig und milde.

Der: Jetzt zeigt er im Gegenteil an, dass die Frommen auch in dieser Welt glückseliger sind als die Gottlosen.

Bezahlt nicht: Das ist: Die Gottlosen, damit sie ihr Gut mehren, scharren und kratzen von allen Orten her fremder Leute Gut zusammen, leihen bisweilen etliche tausend Gulden und treiben also eine große Pracht, prangen mit fremdem Gut eine Zeit lang, später aber, wenn es offenbar wird, wie ihre Sachen stehen, als denn so die Gläubiger das ihre wiederum bei ihnen holen, können sie nicht bezahlen, sind alles schuldig, was sie an Leib und Gut um und an haben. (Der Beispiele hat man zu unseren Zeiten in Deutschland viele gesehen, dass diejenigen, welche man für die Allerreichsten hielt, wegen großer Schuldenlast jämmerlich und elendiglich im Gefängnis gestorben sind.)

Und milde: Er geht nicht damit um, dass er mit fremdem Gut durch List und Betrug seinen Nutzen schaffe, von den Leuten Geld ausbringe, sie später betrüge und anführe, die ihres Gutes selbst hoch notdürftig sind, sondern er ist vielmehr gegen armen Leuten barmherzig, leiht selbst den Dürftigen und ist milde von seinem Vermögen, zu Unterhaltung der Armen, so viel sein Gut austragen mag. (Denn es freut sich in der Wahrheit ein gottseliger Mensch, wenn er einem Armen helfen kann.)

22. Denn seine Gesegneten erben das Land; aber seine Verfluchten werden ausgerottet.

Erben: Das ist: Welche den Segen von ihrem himmlischen Vater haben, die werden erhalten, dass sie in ihrem Vaterland bei Ehren bleiben mögen.

Ausgerottet: (Die Gottlosen, welche mit ihren Sünden den Fluch Gottes auf sich geladen haben, müssen um großer Schuldenlast willen landräumig werden.)

23. Von dem Herrn wird solches Mannes Gang gefördert und hat Lust an seinem Wege.

Gefördert: Das ist: Gott der Herr richtet der Frommen Tun und Lassen dahin, dass ihnen endlich solches zu ihrem Heil und Wohlfahrt dienen muss. Denn er hat Lust an ihrem gottseligen Leben und Wandel. (Weil denen, die Gott lieben, alle Ding zum besten dienen müssen. Und gefallen Gott frommer Leute gute Werke um Christi willen, ob sie wohl unvollkommen sind.)

24. Fällt er, so wird er nicht weggeworfen; denn der Herr erhält ihn bei der Hand.

Hand: (Denn ob es wohl bisweilen das Ansehen hat, als ob die Gottesfürchtigen durch einen großen Unfall ganz untergegangen sind, so werden sie doch von Gott erhalten und nicht weggeworfen, wie Saul, Judas und ihresgleichen, die an Leib und Seele verdorben sein. Und wenn sie gleich etwa in Sünde fallen, werden sie dennoch zur Buße berufen, dass sie nicht verloren werden.)

25. Ich bin jung gewesen und alt worden und habe noch nie gesehen den Gerechten verlassen oder seinen Samen nach Brot gehen.

Alt worden: Da ich die Tage meines Lebens viele seltsame Dinge gesehen habe.

Brot gehen: Und betteln. (Obwohl man aber nicht leugnen kann, dass zu Zeiten geschehe, dass eines frommen Menschen Kinder nach Brot gehen und es scheint, als ob die Gerechten oftmals verlassen wären worden, dass sie keine leibliche Hilfe spüren, jedoch so errettet wahrhaftig Gott die Gerechten, das ist, die an Christus glauben, endlich aus allen ihren Nöten. Er lässt auch ihre Kinder darum betteln, dass er sie später aus höchster und äußerster Armut zu großen Ehren und Herrlichkeit bringe, dadurch also Gottes Güte und Gnade desto mehr bekannt werde. Und wenn gleich Gott das nicht tun wollte in diesem Leben, so ist er darum kein Lügner, dass er etliche, doch wenige, wider dieser Regel, gleichsam als Märtyrer, durch Hunger und Mangel lässt geplagt werden, dass sie im zukünftigen ewigen Leben desto größerer Herrlichkeit teilhaftig werden. Denn warum sollte der Allmächtige ewige gütige Gott nicht Macht haben, manchmal aus der gemeinen Regel zu schreiten und davon zu weichen, besonders, so das mit der Frommen großen und merklichen Nutzen geschieht?)

26. Er ist immer barmherzig und leiht gerne; und sein Same wird gesegnet sein.

Er: Jetzt zeigt der Prophet Ursache an, warum Gott den Gerechten und seine frommen Nachkommen nicht lasse Hunger leiden oder doch nicht darin zugrunde gehen.

Barmherzig: Gegen den Dürftigen und lässt nicht ab, den armen Leuten Gutes zu tun.

Leiht gern: Denen, die es bedürfen, so viel in seinem Vermögen ist.

Gesegnet: Das ist: Dieser Ursache halben wird Gott seine Kinder segnen, dass sie notwendige deutliche Unterhaltung haben. (Es ist auch kein Zweifel, dass fromme Kinder den reichen Segen Gottes spüren, um der Treuherzigkeit und Guttaten willen, die ihre Eltern armen elenden Leuten erzeigt und bewiesen haben. Darum irren sich die ganz weit, welche meinen, sie wollen ihren Kindern großes und beständiges Gut verlassen, wenn sie von allen Orten her, billiger oder auch unbilligerweise, Gut zusammenkratzen und scharren, daneben aber gegen armen dürftigen Leuten ganz hart, filzig und untreu sind, dass sie unseren Herrn Gott nicht mit einem Heller aus dem Grab lösten. Dieses aber alles erzählt der Prophet darum, damit wir nicht ablassen fromm zu sein, ob es wohl eine Zeit lang scheint, als haben die Gottlosen mehr Glück. Denn unser Herr und Gott der gottesfürchtigen guten Werke, die aus Glauben geschehen sind, endlich wohl und reichlich belohnen wird, beides in diesem und in dem zukünftigen Leben.)

27. Lass vom Bösen und tue Gutes und bleibe wohnen immerdar.

Lass: Der Prophet hängt noch eine Ermahnung hinten an zur Gottseligkeit.

Tue Gutes: Lebe nach dem Gehorsam der Gebote Gottes.

Immer: Beharre immer in deinem Beruf und denke nicht, wenn du immer von einem Ort zum anderen ziehst, so möchtest du mehr Glück haben, sondern tue dein Amt in dem Stand, darin dich Gott gesetzt hat, davon auch hier oben gesagt worden.

28. Denn der Herr hat das Recht lieb und verlässt seine Heiligen nicht; ewig werden sie bewahrt; aber der Gottlosen Same wird ausgerottet.

Recht lieb: Als wollte er sprechen: Du darfst dich bei deiner Frömmigkeit nicht besorgen, dass Gott deiner vergessen oder nicht achten werde. (Denn Gott ist ein gerechter Regent, der in dieser Welt recht haushält, und regiert, die Laster straft und die Frömmigkeit belohnt.)

Heiligen nicht: (Solche Heiligen aber sind alle die, so mit dem Blut Christi durch den Glauben und den Geist Gottes sind geheiligt worden {1Kor 6}.)

Bewahrt: Dass sie nicht allein hier unter Gottes gnädigen Schutz und Schirm sind, sondern auch dort nach diesem Leben, der ewigen Seligkeit teilhaftig werden.

Ausgerottet: (Denn obwohl der gottlosen Nachkommen ein Zeit lang im Leben bleiben, so werden sie doch nicht in Ehren gehalten, sondern sind in großer Verachtung, dass es eben ist, als wenn sie nicht lebten.)

29. Die Gerechten erben das Land und bleiben ewig darin.

Darin: Sie werden es immer innehaben und nicht, wie die Gottlosen vertilgt werden. Es wiederholt aber der Prophet ein Ding sooft, gleichwohl mit etwas anderen Worten, dass wir uns solches wohl einbilden, es werde den Frommen endlich noch wohl gehen.)

30. Der Mund des Gerechten redet die Weisheit und seine Zunge lehrt das Recht.

Der: Mit folgenden Worten zeigt er an, warum die Frommen erhalten und die Gottlosen vertilgt werden sollen.

Weisheit: Das ist: Der Gottselige geht stets mit Gottes Wort um, welches die höchste Weisheit ist.

Das Recht: Er redet was gottselig, recht, ehrbar, heilsam ist und was zu der Ehre Gottes und des Nächsten Wohlfahrt dient.

31. Das Gesetz seines Gottes ist, in seinem Herzen, seine Tritte gleiten nicht.

Herzen: Der Fromme betrachtet stetig das Wort Gottes, welches ihn heißt Gott Vertrauen und seinen Willen tun.

Gleiten nicht: Will so viel sagen. (Wer emsig mit Gottes Wort umgeht und solches nicht allein im Mund, sondern auch im Herzen hat, der lebt recht und wohl. Und dieweil Gott die Frömmigkeit reichlich belohnt, wird ein solcher Mensch von Gott erhalten, dass ihn kein Unglück verderben mag.)

32. Der Gottlose lauert auf den Gerechten und gedenkt ihn zu töten.

Lauert: Er sucht alle Gelegenheit, wie er den Gerechten könne unterdrücken und stellt ihm nach seinem Leben. (Denn die Gottlosen werden von ihrem Vater dem Teufel angetrieben, der ein Lügner und Mörder ist {Joh 8}. Darum haben sie Lust zu morden. Vor denen soll man sich hüten, so viel immer möglich ist.)

33. Aber der Herr lässt ihn nicht in seinen Händen und verdammt ihn nicht, wenn er verurteilt wird.

Händen: (Denn obwohl der Fromme um seiner Frömmigkeit willen viele Feinde und Widersacher hat und es bisweilen ein Ansehen gewinnt, als sei er schon in des Feindes Hand oder Gewalt, so wird ihn doch Gott bewahren und nicht verlassen.)

Verurteilt: Wenn die Gottlosen gleich einen Prozess anstellen wider einen gottseligen Menschen und ihn begehren zum Tode zu verurteilen, so spricht doch Gott im Himmel kein Urteil des Todes über ihn aus, darum wird er dem Tode entgehen. (Denn es geschieht bisweilen, dass die Frommen den Gottlosen in ihre Hände werden. Aber nichtsdestoweniger werden sie von Gott nicht verlassen, sondern kommen wunderlich und wider männigliches Erhoffen davon.)

34. Harre auf den Herrn und halte seiner Weg, so wird er dich erhöhen, dass du das Land erbst; du wirst es sehen, dass die Gottlosen ausgerottet werden.

Den Herrn: Dieweil du seiner väterlichen Hilfe gewiss bist.

Weg: Wandle fleißig und emsig nach seinen Geboten.

Erhöhen: Er wird dich aufrichten und erheben, wenn du schon unterdrückt und verstoßen bist.

Ausgerottet werden: Dem gerechten Urteil und Gericht Gottes nach. Solches wirst du mit Lust schauen. (Obwohl nun die Frommen und Gottseligen aus Liebe wünschen, dass die Gottlosen bekehrt und selig werden. Jedoch, wenn sie unbußfertig in allen Lastern fortfahren, können die Frommen anders nicht, denn sich über Gottes gerechtes Gericht verwundern und selbiges Preisen und rühmen, darum sie auch mit Lust der Feinde Gottes Verderben und Untergang zusehen, da keine Hoffnung mehr gewesen ist, dass sie Buße tun werden.)

35. Ich habe gesehen einen Gottlosen, der war trotzig und breitete sich aus und grünte wie ein Lorbeerbaum.

Grünte: Dass sich es ansehen ließ, als würde er niemals verdorren oder verderben.

36. Da man vorüberging, siehe, da war er dahin; ich fragte nach ihm, da wurde er nirgend gefunden.

Ging: Über eine kleine Zeit. Er sieht aber auf dies Gleichnis vom Lorbeerbaum.

Nach ihm: Wo der hingekommen wäre, welcher allererst so trotzig gewesen war.

Gefunden: (Denn die Gottlosen werden einstmals plötzlich hingerissen und gehen zugrunde, wenn sie schon ganz unbeweglich scheinen. Darum soll man nicht denken, es werde der gottlosen Leute Glück ganz lange wehren.)

37. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchem wird es zuletzt wohlgehen.

Recht: Du sollst dich bemühen, dass du beständig im gottseligen Leben fortfährst und nicht nur auf dasjenige sehen, was dir zu diesem zeitlichen Leben nützlich sein möchte, sondern auf das, was recht und gut ist.

Wohlgehen: Gott wird einen solchen frommen Menschen mit allerlei Glück und Wohlfahrt häufig überschütten. (Darum sollen wir nicht auf dieses zeitliche und vergängliche Leiden sehen, sondern auf das Ende, welches glückselig und gut sein wird, wo nicht in diesem, doch in dem zukünftigen Leben.)

38. Die Übertreter aber werden vertilgt miteinander und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet.

Übertreter: Welche sich wider die Frommen zusammenrotten und gebunden haben.

Ausgerottet: Es wird endlich das Verderben über sie kommen. (Wer wollte sich aber nicht viel lieber einen bösen Anfang und ein gutes Ende denn einen guten Anfang und ein böses Ende wünschen.)

39. Aber der Herr hilft den Gerechten; der ist ihre Stärke in der Not.

Aber: Jetzt beschließt der Prophet diesen Psalm mit einem herrlichen Trost, welchen er zu etlichen Malen mit etwas anderen Worten wiederholt, dass nämlich Gott der Herr die Seinen nie mehr verlasse.

Hilft: Und erhält gewisslich die, so an ihn glauben.

Stärke: Dass sie durch seine Kraft alle Anfechtung und Versuchung überwinden können. (Denn unsere eigenen Kräfte sind viel zu schwach, eine solche große Last zu tragen.)

40. Und der Herr wird ihnen beistehen und wird sie erretten; er wird sie von den Gottlosen erretten und ihnen helfen; denn sie trauen auf ihn.

Erretten: Vom Übel, zu rechter Zeit.

Gottlosen: Welche den Frommen vielfältig beschwerlich sind.

Helfen: Und sie erhalten in aller Gefahr, ja auch im Tode darin.

Trauen: Nicht zwar um ihres Verdienstes willen, sondern darum, dieweil sie all ihre Hoffnung auf ihn setzen und ihm vertrauen. (Weil nun Gott verheißen hat, dass er alle die, so auf ihn trauen, gewisslich erhalten und erlösen wolle, dass sie nicht zuschanden werden ewig, die Gottlosen aber zu vertilgen gesinnt ist. So sollen wir über ihrem Glück und Fortgang nicht ungeduldig oder unwillig werden, auch ihrem gottlosen Wesen nicht nachfolgen, sondern beständig in gottseligem Leben und Wandel, auch in beständiger Hoffnung göttlicher Hilfe und Bestandes bleiben und verharren. (Denn die Hoffnung der Frommen lässt nicht zuschanden werden {Röm 5}.)


Der 38. Psalm


1. Als David von seinen Feinden, dem Absalom und dessen Anhang in große Gefahr und Schrecken gesteckt war, denkt er hinter sich an seine begangenen Sünden, den Ehebruch und Totschlag, dadurch er solche Trübsal und Jammer verdient hatte. Und ist das Gewissen so bei ihm aufgewacht, dass er sich bedenkt, er könnte den Zorn Gottes, welchen er in seinem Herzen empfindet, nicht länger erdulden oder leiden. Denn er sich besorgt, dass ihn Gott seiner begangenen Sünden wegen in die Hände seiner Feinde übergebe und er also beides an Leib und Seele verderben möchte. Darum bittet er Gott den Herrn, dass er ihn nicht nach seinem strengen Urteil und Gericht strafen wolle und beklagt sich der großen Angst halben, die in seinem Herzen steckt. Danach betet er, dass er nicht zum Spott seiner Feinde werde. Diesen Psalm sollen wir benutzen, wenn neben einem betrübten und innerlichen angefochtenen Gewissen auch äußerliche beschwerliche Anfechtungen und Trübsal mit unterlaufen. Da wir besorgen, dass uns Gott, den wir mit unseren Sünden erzürnen, ganz wegwerfen möchte.

1. Ein Psalm Davids zum Gedächtnis.

Gedächtnis: Dass nämlich David mit diesem Psalm sich selbst und auch andere erinnert, wie eine schwere Last ein böses Gewissen sei, das mit Sünden beschwert ist: Damit wir in Betrachtung und stetiger Erwägung solches, uns vor Sünden hüten. * (Nach Luther) Gott loben und sich schuldigen, dass ist recht an Gott und sich selbst denken.

2. Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!

Grimm: Denn ich erkenne, dass ich mit meinen Sünden viele und große Strafen verdient habe. So weiß ich aber daneben auch, dass alle, die selig werden wollen, in diesem Leben das Kreuz tragen müssen, darum begehre ich nicht, dass du mich der Strafe aller Ding erlassest und nicht züchtigen sollest, sondern das bitte ich demütig und herzlich, du wollest nicht als ein strenger Richter, sondern als ein Vater gegen mit mir handeln und mich also züchtigen, dass ich erleiden könne, damit ich nicht unter der Last der Anfechtung und Trübsal danieder liege. Das ist: Handele nicht mit mir nach der Strenge deines Gesetzes, sondern nach deinem Evangelium, welches deine Gnade um Christi willen verheißt und zusagt. (Denn wir sollen nicht begehren, dass uns der himmlische Vater nicht ohne Zucht ist. Sonst, wenn wir ohne Züchtigung wären, so gehörten wir nicht unter die Kinder Gottes, wie zu Hebr. 12. steht. Sondern darum sollen wir bitten, dass er uns mehr mit den väterlichen Ruten züchtige als mit dem Richtschwert strafe.)

3. Denn deine Pfeile stecken in mir und deine Hand drückt mich {Hi 6v4}.

Stecken: Warum wolltest du denn einen solchen Ernst gegen mir vornehmen, so ich doch vorhin ein elender wohl geplagter Mensch bin. Denn die Schrecken deines Zorns, des Todes, der Verdammnis und der Hölle, machen mir arbeitsseligen Menschen unerträglichen Schmerzen und Herzeleid, nicht anders, als wenn einer mit einem Pfeil, den man nicht ausziehen könnte, auf den Tod verwundet wäre.

Drückt mich: Du drückest mich so in meinem Gewissen, als wenn ein starker Mann einen also fasst und unter sich drückt, dass er weder Odem fassen noch sich aufrichten kann. (Solche Beschreibung eines geängstigten und geplagten Gewissens, wie sie in jetzt vorhergehenden und auch folgenden Worten gelesen wird, sollen wir mit Fleiß merken, damit, wenn wir erkennen, wie ein beschwerliches und schädliches Ding es sei um die Sünde, wir davor uns mit Fleiß hüten und ein ruhiges Gewissen behalten. So wir aber gefallen sind und uns der Zorn Gottes in unserem Gewissen drückt, sollen wir uns aus diesen Worten Davids trösten und gewisslich hoffen, wir werden aus diesem schweren Streit des Gewissens mit David wiederum erlöst werden und herauskommen. Denn darum tötet der Herr und führt in die Hölle, nicht dass er verderbe, sondern dass er wieder herausführe, lebendig und selig mache {1Sam 2}.)

4. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Drohen und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde.

Kein Friede: Dein Zorn, welchen ich um meiner Sünden willen fühle, peiniget und martert mich so, dass mir alle meine Leibes und Gemütskräfte vergangen und verschmachtet sind. Dein brennender Zorn verzehrt das Mark in meinen Gebeinen. (Eine solche große unerträgliche Last ist ein böses Gewissen, das mit Sünden beschwert ist, wenn die Sünde aufwacht, dass solche zu Zeiten, wo Gott nicht mit seinem Heiligen Geist zu Hilfe kommt, dem Strick oder Schwert zulaufen oder ihnen selbst den Hals abstürzen und Vermeinen die törichten Leute, sie wollen sich damit selbst eines solchen Lasts abhelfen und Milderung finden.)

5. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer worden.

Haupt: So viel und mannigfaltig sind sie, dass ich darin, wo du mir nicht zu Hilfe kommst, als in einem tiefen Sumpf verderben muss.

Zu schwer: Sie sind viel schwerer, denn dass ich es ertragen kann, also dass ich diese Last länger auf mir nicht kann liegen lassen. (Denn die Sünde in unserem Gewissen ist eine unerträgliche Last, darum sollen wir mit Glauben unsere Sünden von uns auf Christus legen. Der ist das Lamm Gottes, welches die Sünde der ganzen Welt trägt {Joh 1}. Alsdann werden wir erhalten werden, dass wir nicht verzagen.)

6. Meine Wunden stinken und eitern vor meiner Torheit.

Torheit: Das ist: Meine begangene Missetat, welches die Schrift Torheit nennt (dieweil ja keine größere Torheit ist als die Sünde), macht, dass mein Gewissen daher große Schmerzen und Schmach leidet, nicht anders, als wenn einem ein solcher Streich worden, daher die Wunde ganz eitrig sich erzeigt und hässlich stinkt, auch alles darin will voller Würmer werden. (Daraus zu sehen, was Übles und Unrats die Sünde und Laster in den Gewissen schaffen.)

7. Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig.

Gebückt: Vor großem Kummer und Herzeleid. (Mit diesen Worten gibt der Prophet zu verstehen, wie ganz keine Freude bei denen zu finden, die heimliche innerlichen Anliegen und Schmerzen in ihrem Gewissen haben.)

8. Denn meine Lenden verdorren ganz und ist nichts Gesundes an meinem Leibe.

Verdorren: Ich bin dürr und ganz abgefallen.

Nichts Gesundes: Es ist alles an mir erschlagen und nichts Gesundes und Frisches an mir. (Ob nun wohl der Prophet mit diesem Gleichnis besonders das innerliche Anliegen des Gewissens beschreibt, so wirkt jedoch solches Herzeleid auch so in dem Leib, dass man sieht, es sind alle Kräfte dahin und vergangen. Dabei man sehen mag, wieviel ein kleines fleischliches Wollüstlein, das kaum ein Augenblick dauerte, kostet.)

9. Es ist mit mir ganz anders und bin sehr zerstoßen. Ich heule vor Unruhe meines Herzens.

Zerstoßen: Alle meine Kraft ist mir entfallen, nicht anders, als wenn es alles an mir zugeschlagen wäre.

Heule: Ich leide solche innerliche große Angst, dass ich mich vom Heulen nicht enthalten kann. (Ein solch zerbrochenes und zerschlagenes Herz aber ist Gott dem Herrn das aller angenehmste Opfer {Ps 51} Obwohl nun nicht alle Auserwählten den Zorn Gottes über die Sünden so beschwerlich empfinden und so ganz niedergeschlagen werden, so bleibt doch bei wahrer und ernstlicher Buße das rechte Herzeleid über begangene Sünden nicht außen. Und fehlt denen noch ganz viel und weit an rechter Buße, die sich ihrer begangenen Untaten noch dazu rühmen, als wenn sie es ganz wohl geschafft hätten.)

10. Herr, vor dir ist alle meine Begierde und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.

Vor dir: Dir ist all mein Tun und Lassen bekannt und du weißt, dass ich nichts mehr begehre auf Erden, denn ein ruhiges Gewissen und deine Huld und Gnade. So weiß ich auch in solchen großen Ängsten meines Herzen nicht, wo ich mich sonst hinkehren oder wenden soll, als zu dir meinem Gott. Darum lass mich in solcher Not und Angst nicht verderben.

11. Mein Herz bebt, meine Kraft hat mich verlassen und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir.

Verlassen: Ich habe alle meine Leibeskräfte verloren.

Augen: Das Gesicht vergeht mir, also dass mich bedünkt, es wolle mir auch die Sonne nicht mehr recht leuchten und scheinen. * (Nach Luther) Das ist: Mein Angesicht ist nicht licht und fröhlich, sondern sieht sauer, betrübt und finster.

12. Meine Lieben und Freunde stehen gegen mich und scheuen meine Plage und meine Nächsten treten ferne.

Gegen mir: Welches mir mein Elend noch beschwerlicher macht, dass ich auch bei meinen Freunden weder Hilfe noch Trost finde. Denn der größer Teil unter ihnen verlässt mich in diesem meinem Jammer, darin ich um der Sünden willen geraten bin.

Schauen: Das ist: Sie sehen zwar mein Elend wohl, aber helfen mir nicht, sondern fürchten, sie kommen auch mit mir in Gefahr.

Nächsten: Die mir Blutsfreundschaft oder Schwägerschaft halben am allernächsten verwandt sind und mir am allermeisten behilflich sein sollten.

Ferne: Sie fürchten sich selbst und tun mir keine Hilfe. (Denn oft verlassen uns unsere Freunde in der größten Not, darum sollen wir nicht auf Menschen, sondern auf Gott allein bauen und trauen.)

13. Und die mir nach der Seele stehen, stellen mir; und die mir übel wollen, reden, wie sie Schaden tun wollen und gehen mit eitel Hinterlist um.

Stehen: Und mich begehren zu vertilgen.

Stellen mir: (Denn böse Leute greifen immer die Frommen lieber mit heimlicher Hinterlist und Praktiken an als frei und öffentlich.) Also hat Absalom zum ersten das Volk mit Hinterlist an sich gebracht und sie vom David abwendig gemacht: Später unter dem Schein, als wollte er sein Gelübde zu Hebron ausrichten, fängt er darin die Aufruhr an {2Sam 15}.

Übel wollen: Die mir Unglück zurichten.

Schaden tun: Das sind alle ihre Rat- und Anschläge, damit sie einzig und allein umgehen, wie sie mich in Jammer und Not bringen, dazu gehen sie mit Verleumden und Lästerungen um. Denn aus der Historie des anderen Buches Samuel ist offenbar, wie Absalom dem David kleinlich nachgeredet zum Volk, dass er in seinem Regiment nicht wohl haushalte {2Sam 15}. (Denn der Teufel hat keine Ruhe in den Herzen der Gottlosen und trachtet mit Fleiß danach, wie er die Frommen ins Verderben stürzen möge, bereitet ihm aber den Weg hierzu mit allerhand Lästerungen und falschen Auflagen.)

14. Ich aber muss sein wie ein Tauber und nicht hören und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut.

Ich aber: Lasst uns jetzt hören, was dagegen David getan habe.

Nicht auftut: Ich habe dazu geschwiegen und solches verdrückt, die Schmach und Unbilligkeit verschlungen, dir aber den ganzen Handel befohlen.

15. Und muss sein wie einer, der nicht hörte und der keine Widerrede in seinem Munde hat.

Keine Widerrede: Ich habe eben geschwiegen, als ob ich nichts darüber zu antworten wüsste. Das ist geschehen, als David von Jerusalem hinweg und ins Elend zog, da Simei ihm fluchte, heraus, heraus du Bluthund, du loser Mann {2Sam 16}. Solche Schmach und Scheltworte hat David mit höchster Geduld gelitten. (Und zwar so ist es manchmal viel besser, zu der Feinde Schmachwort still zu schweigen und es verdrücken, als mit vielem Zanken die selbigen widertreiben und widerlegen wollen.)

16. Aber ich harre, Herr, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst erhören.

Erhören: Du wirst meine Unschuld dieser falschen Zulagen halben an Tag bringen und offenbar machen. Denn du verlässt nicht, die auf dich hoffen.

17. Denn ich denke, dass sie ja sich nicht über mich freuen. Wenn mein Fuß wankte; würden sie sich hoch rühmen wider mich.

Denke: Nämlich in meinem Gebet und Seufzen.

Rühmen: Und meiner dazu spotten. Darum möchtest du, ach Herr, nicht zugeben, dass meine Feinde meinen Unfall sehen und sich über meinem Verderben freuen und mich noch dazu verspotten.

18. Denn ich bin zu Leiden gemacht und mein Schmerz ist immer vor mir.

Gemacht: Ich sehe wohl, dass ich zum Elend und Jammer geboren bin.

Ist immer: Ich habe immer etwas, das mich plagt, es kommt ein Kreuz über das andere, darum möchtest du mir nicht zum vorigen Unglück auch das auflegen, dass ich meiner Feinde Gespött länger hören müsste. (Es ist aber dies einem bekümmerten Herzen ein großer Trost, wenn er hörte, dass auch David, der ein auserwählter und Gott lieber Mensch gewesen, sich klagt. Er meint, dass er nur zum Leiden geboren sei.)

19. Denn ich zeige meine Missetat an und sorge für meine Sünde.

Sünde: Ich erkenne und bekenne meine Sünde und trage herzliche Reue und Leid über solche begangene Missetat. Darum greif mich nicht noch beschwerlicher an, o lieber himmlischer Vater. (Unser Herr und Gott aber vergibt die Sünde, wenn man die selbige erkennt und bereut {1Joh 2} und mildert die Strafe, {Ps 103}.) Also wirst du auch (will David sagen) gegen mir den mildern Weg benutzen.

20. Aber meine Feinde leben und sind mächtig; die mich unbillig hassen, sind groß.

Sind groß: Ich sehe, dass ich viele mächtige Feinde habe, um die ich es doch nicht verdient, dass sie mir feind sein sollten, sondern habe ihnen alles Gutes erzeigt.

21. Und die mir Arges tun um Gutes, setzen sich wider mich, darum dass ich ob dem Guten halte.

Um Gutes: Denn meinen Sohn Absalom habe ich gezeugt, wohl und ehrlich auferzogen, ihm auch dem Mord, welchen er an seinem Bruder begangen, vergeben und nachgelassen: Den Ahitophel, meinen gewesenen Rat, jetzt aber meinen Feind, hab ich reich gemacht und zu Ehren gebracht, nun stehen sie mir beide nach dem Leben.

Wider mich: Sie sind meine ärgsten Feinde worden und das nicht von meiner begangenen Sünden, des Ehebruchs und Totschlages wegen, sondern dass ich das Regiment recht und wohl geführt und nicht ihres Gefallens hausgehalten habe. (Denn obwohl auch die Frommen ihre Fehler und Mängel haben, so verfolgen doch die Gottlosen sie nicht darum, dass sie dies oder ein anderes böses Stück begangen (denn die Gottlosen treiben solches selber vielmehr und täglich), sondern darum hassen sie die Frommen, dieweil sie nicht tun und leben wollen, wie es die verkehrte und verdorbene Welt gerne sehe und deswegen sind sie auch vor Gott rechte Märtyrer.)

22. Verlass mich nicht, Herr, mein Gott; sei nicht ferne von mir!

Mich nicht: In solchem großen Jammer.

Nicht ferne: Stehe mir bei mit deiner gnädigen Hilfe.

23. Eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe!

Beizustehen: Und mir arbeitsseligen betrübten Menschen förderlich zu helfen.

Hilfe: Der du mich bisher so gnädiglich erhalten und erlöst hast. (Solches Gebet, wenn wir nämlich unseren Glauben aus den vorigen Guttaten Gottes gestärkt und auch auf künftige Erlösung warten, geht nie leer ab. Und obwohl wir unserem Herrn und Gott weder Maß, Ziel noch Zeit zu helfen vorschreiben sollen, so dürfen wir dennoch bitten, dass er solche seine Hilfe befördern wolle.)


Der 39. Psalm


1. David bittet den Herrn, dass er ihn mit dem Heiligen Geist wolle regieren, damit er nicht wider Gott murren, wenn sonst unser Fleisch über der Gottlosen Glück und Fortgang ungeduldig werden will: Begehrt demnach, dass ihn Gott, in Betrachtung dieses vergänglichen Lebens, im Zaum, auch unter dem Kreuz, in gottseligem Leben und christlicher Geduld erhalten wolle. Diesen Psalm sollen wir uns zunutze machen, wenn uns gottloser Leute Glück und Wohlfahrt von der wahren Gottesfurcht abwendig machen will und zur Ungeduld gereizt.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen, für Jeduthun.

Jeduthun: Dem er gegeben wurde, dass er ihn als ein Sangmeister dem Volk vorsingen sollte. Es ist aber Jeduthun ein trefflicher Mann bei der Kirche gewesen und des Singens wie auch Psalmen machen es wohl Berichten und erfahren, in Maßen man aus der Schrift, dessen gute Nachrichten haben kann {1Chr 26}.

2. Ich habe mir vorgesetzt, ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge. Ich will meinen Mund zäumen, weil ich muss den Gottlosen so vor mir sehen.

Ich: Der Prophet fängt diesen Psalm damit an, dass er zuvorderst erzählt, was großen Kampf er bei sich selbst ausgestanden habe wegen der gottlosen Leute glücklichen Fortgangs. Da er den, dem verdorbenen Fleische nach, etlichermaßen Gott den Herrn beschuldigt, als ob er auf Erde nicht recht haushielte und doch daneben nach dem Geist bei ihm selber solche Reden und Gedanken wiederum stillt und schweigt.

Hüten: Ich habe mir fest vorgenommenen, dass ich mich nicht damit versündigen wolle, dass ich unserem Herrn und Gott in sein Regiment und Haushaltung rede.

Zäumen: (Nach Luther) Dass ich nicht murre, weil es mir so übel und den Bösen so wohl geht.

Sehen: Wie es ihm alles glücklich und wohl vonstattengeht. (Denn der Mensch, sofern er wiedergeboren ist, begehrt seines Fleisches Mutwillen und Ungeduld zu dämpfen und zu stillen.)

3. Ich bin verstummt und still und schweige der Freuden und muss mein Leid in mich fressen.

Schweige: Wenn ich sehe, wie glückselig die Gottlosen sind, da leide ich mich, schweige und bin kleinmütig und sieht man wenig Freude bei mir.

Der Freuden: (Nach Luther) Es ist mir nicht lächerlich.

Fressen: Weil ich also schwelge und mein Herzeleid verdrücke, wird dadurch mein Herz über der gottlosen Leute Glück bei sich selbst heimlich unwirsch und ungeduldig.

4. Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe und wenn ich daran gedenke, werde ich entzündet; ich rede mit meiner Zunge.

Entzündet: Je länger ich über das Glück der bösen Leute nachdenke, je mehr mein Herz vor Zorn brennt. (Denn unser Fleisch ist unwillig und tobt, wenn es sieht, dass die Gottlosen dieser Welt Güter genießen, den Frommen aber ihre Frömmigkeit entweder schlecht oder auch, wie es das Ansehen hat, gar nicht belohnt wird.)

Rede: Ich tue mein Gebet zu Gott. (Also sollen wir ihm auch tun und uns in solchem Kampf verhalten, dass wir nicht Lästerworte wider Gott ausstoßen, als ob er nicht recht auf Erde haushielte, oder dass wir unseren Nächsten schänden und schmähen wollten, wenn es uns verdrießt, dass es ihm gut geht, dessen er doch nicht wert ist, sondern sollen uns vielmehr zum Gebet wenden.)

5. Aber, Herr, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss.

Lehre: (Nach Luther) Dass ich nicht so sicher lebe wie die Gottlosen, die kein anderes Leben hoffen.

Davon muss: Das ist: Ich bitte dich, Herr Gott, du wollest mir zu bedenken geben, wie kurz mein Leben sei und dass ich einmal gewisslich sterben muss, damit ich mich dieser zeitlichen Glückseligkeit, die ich an den Gottlosen sehe, nicht irren lasse und mich zu einem seligen Sterbestündlein rüsten und bereiten möge und mich also nach dem Himmlischen und Ewigen sehne, damit ich alles Übel, was mir in diesem Leben begegnen mag, desto geduldiger leiden und tragen möge. (Denn ob wir wohl den Tag, die Stunde und das Jahr unseres Todes nicht ausgrübeln und ergründen können, so sollen wir doch dies unser kurzes und vergängliches Leben stetig betrachten, damit wir ein herzliches Verlangen nach dem Ewigen haben.)

6. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie ganz nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sela {Ps 90v5}.

Wie nichts: Auf dieser Erde. Denn weil vor dir tausend Jahr nur sind, wie ein einiger Tag {2Petr 3}. So ist unser Leben, das 60 oder 70 Jahre dauerte, ganz ein kurzes Ziel.

Ganz nichts: Die Menschen sind in der Wahrheit ein ganz eitles und nichtiges Ding oder wie auch die Heiden gesagt haben: Der Mensch ist gleich als eine Wasserblase. (Weil denn dieses Leben so unbeständig und vergänglich ist, so ist es ja eine unsinnige Weise, dem zeitlichen Gut also nachhängen, dass man darunter des Ewigen und Himmlischen vergesse.)

7. Sie gehen daher wie ein Schemen und machen sich viel vergeblicher Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird.

Schemen: Das ist: Der Mensch geht in dieser Welt hinweg, wie ein Schatten, der bald verschwindet.

Sammeln: Und bringen ein großes Gut zusammen.

Kriegen wird: Was sie mit großer Mühe und Arbeit und mit vielem sauren Schweiß zusammengescharrt haben. Und mag wohl geschehen, dass, die solches Gut bekommen, ihnen weder bei lebendigem Leibe noch auch nach ihrem Tode dafür danken: Es mögen es vielleicht nur lachende Erben bekommen. (Hiermit aber wird die gottselige Vorsorge nicht verboten, wenn wir entweder unseren Kindern oder zum Alter ehrbarer und gebührlicherweise etwas für uns sparen: Sondern das wird hier gestraft, wenn man mit so grausamer Begierde nach Geld und Gut trachtet, da doch oft solche Leute ihrer Güter selber nicht genießen noch viel Nutzes davon haben mögen.)

8. Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.

Auf dich: Als wollte er sagen: Du mein Gott weißt, dass ich meine Hoffnung nicht setze auf Gold, Silber oder Pracht, sondern auf dich, darum dass du meine Zuversicht bist, du wirst mir nach diesem Elend das ewige Leben mitteilen. Deswegen bitte ich, du wollest mich in dieser Hoffnung bei Geduld erhalten und begehre mein Teil Himmelreichs nicht hier auf Erde einzunehmen.

9. Errette mich von aller meiner Sünde und lass mich nicht den Narren ein Spott werden.

Errette: Als wollte er sprechen: Eine Sache bitte ich besonders, daran all mein Heil und Seligkeit gelegen ist, welches mich auch allein anficht, dass du nämlich mir meine Sünde vergeben wollest, damit ich nicht um derselben willen verdammt werde.

Spott werden: Du wollest daneben nicht zugeben, dass die Gottlosen, welche die größten Narren sind, meiner spotten.

10. Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; du wirst es wohlmachen.

Schweigen: (Nach Luther) Ich will sie lassen fahren und nicht murren wider dich.

Wohl machen: Wenn du mir allein meine Sünde verzeihen und mich nicht ganz umgekommen lassen wirst, will ich gern und geduldig leiden, dass den Gottlosen wohl und mir übel gehe und alles deinem Willen heimsetzen. (Das ist aber eine herrliche Tugend, wenn einer unserem Herrn und Gott alle Sachen in seine Hand befehlen kann, dass er darunter nicht zweifle, Gott werde alles auf das Beste und Weislichste austeilen und anschicken.)

11. Wende deine Plage von mir; denn ich bin verschmachtet von der Strafe deiner Hand.

Von mir: Schaffe es also mit mir, dass ich das Kreuz ertragen möge.

Verschmachtet: Du hast mich mit solchem Ernst gezüchtigt, dass alle meine Kräfte verzehrt und dahin sind. (Dabei wir vernehmen, dass wir wohl um Milderung der Strafe bitten dürfen.)

12. Wenn du einen züchtigest um der Sünde willen, so wird seine Schöne verzehrt wie von Motten. Ach, wie gar nichts sind doch alle Menschen! Sela.

Verzehrt: Darum ist kein Wunder, dass meine Kräfte abgenommen haben. (Wenn denn des Menschen Kräfte und schöne Gestalt so leicht vergehen und verzehrt werden, warum prangen die elenden Leute so sehr damit?)

13. Höre mein Gebet, Herr und vernimm mein Schreien und schweige nicht über meinen Tränen; denn ich bin beides, dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Väter {2Kor 5v6 v7 Phil 3v20 Hebr 11v13}.

Höre: Dass du mein betrübt Gewissen ruhig machst und lege mir nicht mehr Plagen auf, denn ich ertragen mag.

Schweige: Halt mich nicht mit Verzug der Hilfe so lange auf, dass du dich stellst, als sehest du meine Tränen nicht.

Pilgrim: Du weißt, dass ich nicht von dieser Welt, sondern ein Fremdling und Gast darin bin, darum geht die Welt übel mit mir um, als mit einem Fremdling und Ausländer, der das Bürgerrecht nicht bekommen hat.

Väter: Also hat man auch alle Patriarchen in dieser Welt gehalten, wie mich. (Denn wir haben hier keine Bleibende statt, sondern die Zukünftige suchen wir {Hebr 13}. Darum, wenn wir in dieser Welt etwas hart gehalten werden, sollen wir es mit Geduld leiden: Denn es ist um eine kurze Zeit zu tun, dass wir aus solcher unfreundlichen Herberge ausziehen werden. Wenn uns denn die Welt schmeicheln und mit allerlei fleischlichen Wollüsten dahin bringen will, dass wir uns das Zeitliche belieben lassen, sollen wir denken, dass wir Gäste sind und dieser Welt also benutzen, dass wir damit das ewige Vaterland nicht verscherzen.)

14. Lass ab von mir, dass ich mich erquicke, ehe denn ich hinfahre und nicht mehr hier sei.

Lass ab: Mit der harten Strafe.

Erquicke: Und wiederum ein wenig erholen möge.

Hier sei: Dass ich sterbe und unter den Lebendigen hier auf Erde nicht mehr gefunden werde. (Mit welchen Worten, doch David nicht das wollen zu verstehen geben, dass er mit Leib und Seele zumal zugrunde gehen werde, sondern zeigt damit an, dass wir wohl bitten dürfen, damit uns unser Kreuz und Elend vor unserem Ende um etwas gemildert werde, damit wir später, als mit neuen Kräften begabt, den Tod desto beherzter überwinden mögen.)


Der 40. Psalm


1. Das Christus selber in dieser Psalmrede, erscheint daher, dieweil in der Epistel zu Hebräer, Kapitel 10. etliches daraus auf Christus angezogen und gedeutet wird. Nachdem nun der Sohn Gottes seine Menschwerdung und sein Leiden, wie auch seine Erledigung aus demselbigen zuvor gesehen, redet er zu Anfang dieses Psalms nach Art und Weise der Propheten, also von beiden oben erzählten Stücken, als ob es schon geschehen wäre. Danach greift er zum Gebet und bittet den himmlischen Vater, dass er ihn aus solcher Not und Gefahr, die er noch ausstehen müsse, erlösen und erretten wolle. Mit diesem Psalm sollen wir unseren Glauben von dem vollkommenen Verdienst Christi stärken, welcher Verdienst uns, die wir an ihn glauben, zur Seligkeit zugerechnet wird.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen.

2. Ich harrte des Herrn; und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien

Harrte: Und machte mir die beständige Hoffnung auf ihn, dass ich mich zu ihm versah, er würde mir mit Hilfe erscheinen.

Zu mir: Dass also meine Hoffnung nicht vergebens gewesen.

Hörte: Da ich um Hilfe bei ihm ansuchte. (Also sollen auch wir beharrlich zu Gott dem Herrn schreien, der wird uns erhören. Denn wir sind Brüder und Glieder Christi.)

3. und zog mich aus der grausamen Grube und aus dem Schlamm und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich gewiss treten kann;

Gruben: Nämlich aus dem Grabe und aus der Hölle. (Denn Christus ist mit unseren Sünden und der Strafe der selbigen im Tode und in der Hölle als in einem tiefen Schlamm versunken gewesen, später aber von dem himmlischen Vater wiederum herausgerissen worden, dass er darin nicht ganz zugrunde gegangen ist.)

Treten kann: Er hat mich aus dem tiefen Sumpf, da ich keinen gewissen Tritt tun konnte, herausgezogen und mich an einen festen Ort gestellt, dass ich jetzt sicher und meiner Sachen gewiss sein kann. (Mit diesen Worten hat der Prophet auf Christi Auferstehung, Himmelfahrt und Sitzen zur rechten Hand des Vaters Andeutung tun wollen.)

4. und hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unseren Gott. Das werden viele sehen und den Herrn fürchten und auf ihn hoffen.

Neues Lied: Das ist: Der himmlisches Vater wird gelobt und gepriesen werden auf eine neue Weise, darum, dass er mich erlöst hat, welches dem ganzen menschlichen Geschlecht zugutekommt. (Denn durch die Predigt des Evangeliums wird solches hin und wieder ausgebreitet und zu Lob und Ehre Gottes mit Psalmen und Liedern davon gesungen und gesagt werden, wie nämlich der himmlische Vater seinen eingeborenen Sohn, der mit dem Fluch des Gesetzes, mit der Welt, dem Teufel und der Hölle im Kampf gewesen, also errettet und ihm ausgeholfen, dass sein Sohn gegen alle abgesagten Feinde einen ganz herrlichen Sieg erhalte und also das menschliche Geschlecht erlöst hat.)

Fürchten: Ihrer viel, die entweder solches selber sehen oder davon hören werden, die werden sich über solcher neuer und großer Tat entsetzen.

Hoffen: Sie werden an ihn glauben und ihr Vertrauen setzen auf die Barmherzigkeit Gottes, der den Gottlosen gerecht macht. (Denn wenn die Sünden durch die Predigt des Wortes Gottes gestraft und hinwiederum die Vergebung der selbigen den Bußfertigen verkündigt wird, so erhebt sich in den Herzen der Menschen eine wahre Reue über die Sünde und der Glaube an Christus, welches auch zugleich ist der Glaube an Gott den Vater und Heiligen Geist.)

5. Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen und die mit Lügen umgehen.

Setzt: (Wer sein Vertrauen setzt und glaubt an Gott den Vater, Sohn und Heiligen Geist, dass er ihm ein gnädiger Gott sei von wegen des Verdienstes Christi, der wird selig {Mk 16}.)

Nicht wendet: Das ist: Der wird ein seliger Mensch sein, der wahrhaftig an Gott den Herrn glaubt und sich nicht zu solcher Kirche oder Gemeinde gesellt, welche trotzig und halsstarrig der Wahrheit göttlicher Lehre sich widersetzt und mehr Lust hat zur Lüge oder falscher Lehre als zur Wahrheit. (Hierbei lernen wir, dass wir die Ketzer meiden und uns derselben entschlagen sollen {Röm 16 Tit 3}.)

6. Herr, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweist. Dir ist nichts gleich. Ich will sie verkündigen und davon sagen, obwohl sie nicht zu zählen sind.

Wunder: Die du an unseren Vätern getan hast und hat sich deine Güte und Macht darin herrlich erzeigt, dass du sie so gnädig erhalten hast.

Beweist: Da du uns erhältst, regierst und führst, darüber haben wir uns richtig zum höchsten zu verwundern.

Nichts gleich: Unter alle Kreatur ist dir niemand gleich.

Sie: Deine Wunder. (Und redet Christus hier in Knechtsgestalt, nach welcher ihm auch vor seiner Auferstehung die Zeit des Jüngsten Gerichts verborgen gewesen ist {Mk 13}. Nach seiner Gottheit aber, nach welcher er von Ewigkeit her und ungefähr Wesens mit dem Vater ist, hat er, der Sohn Gottes, immer alle des himmlischen Vaters Werke vollkommen wusste, als da er selber mit gewirkt hat. Es stärkt aber Christus sein Vertrauen aus denen Wunderwerken, die Gott an den Patriarchen getan hat, als er sie vielfältig errettet und erhalten. (Was nun aufgeschrieben ist, das ist uns zum Trost und zur Stärkung unseres Glaubens aufgeschrieben.)

7. Opfer und Speiseopfer gefallen dir nicht; aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer {Ps 51v18}.

Opfer: Jetzt bringt er auch eine andere Ursache, warum ihn sein himmlischer Vater nicht verlassen soll, nämlich dieweil er sich nicht selbst mutwillig in solchem Jammer gesteckt habe, sondern darum, dieweil sonst das menschliche Geschlecht nicht hätte mögen erlöst werden.

Noch Sündopfer: Das ist: Das Blut der Ochsen und der Widder oder anderer Tiere, so man geopfert, hat die Sünde nicht büßen können {Hebr 10}. Denn die levitischen Opfer sind allein ein Vorbild und Bedeutung gewesen der Abbüßung der Sünden, welche durch mich geschehen und durch mein selbst eigenes Blut verrichtet werden soll. Du hast mich aber als deinen Knecht angenommen, dass ich, der ich mich freiwillig deinem Gesetz untergeben, dasselbe für das menschliche Geschlecht erfüllte. Und dahin geht dasjenige, was er vom Ohrenauftun sagte. Denn im Alten Testament unter dem Gesetz hat man dem Knecht, der sich freiwillig in ewige Dienstbarkeit ergeben, das Ohr mit einen Pfriemen durchstochen, zum Zeichen der ewigen Dienstbarkeit {2Mos 21 5Mos 15}. (Unser Herr Christus aber, ob er wohl auch nach seiner Menschheit ein Herr über alle Kreaturen war, als der Gott und Mensch in einer Person ist, hat sich freiwillig als ein Knecht dem Gesetz unterworfen, dass er uns vom Fluch des Gesetzes erledigte {Gal 3}. Und hat in solcher Knechtsgestalt vollkommen alles, was zu unserer Erlösung dient, erfüllt. Nun aber ist er zu der allerhöchsten Majestät und Herrlichkeit erhaben und hat die Knechtsgestalt abgelegt, denn er sitzt zu der Rechten Gottes des Vaters, also dass alles unter seine Füße oder Gewalt getan ist {Phil 2 Kol 1}.)

8. Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben {Joh 5v46}.

Sprach ich: Zu dir meinem himmlischen Vater.

Ich komme: Ich will vom Himmel herabsteigen und Mensch werden. Denn dieweil ich weiß, dass das menschliche Geschlecht anders nicht als durch meinen Tod erlöst werden kann, so hab ich diese Last auf mich genommen.

Buch: Nämlich im Gesetzbuch Mose sind von meiner Menschwerdung, Leiden und Sterben allerlei Weissagungen und Vorbildungen aufgezeichnet worden. Denn gleich bald nach dem Fall des menschlichen Geschlechts ist von mir gesagt worden, dass des Weibes Samen soll der Schlange den Kopf zertreten {1Mos 2} und dass durch mich (den Samen Abrahams) sollen alle Völker der Erde gesegnet werden und dergleichen vielmehr. Ja auch der Patriarchen Trübsal und Elend, als des Isaacs und Josephs, also die levitischen Opfer haben etlichermaßen von meinem Leiden gepredigt: Darum sich gebühren will, dass solche Schrift, so vom Heiligen Geist diktiert und angegeben worden, erfüllt werde. (Hiermit weist uns Christus selber auf die Heilige Schrift, dass wir daraus seine rechte Erkenntnis schöpfen.)

9. Deinen Willen, mein Gott, du ich gerne und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.

Gerne: Ich nehme mein Leiden nicht mit Unwillen oder gezwungen auf mich, sondern bin willig und bereit dazu, dass ich durch meinen Verdienst, das menschliche Geschlecht erlöse.

Herzen: Eingeschrieben. Ich bin dir ganz gehorsam und hab eine besonders große Lust, deinen Willen zu erfüllen. (Dieweil aber diese Gutwilligkeit unseres Herrn Christi ein gewisses Zeugnis ist seiner herzlichen und inbrünstigen Liebe gegen uns arme Sünder, so ist es immer richtig, dass auch wir hinwiederum bereit sind, seinen Willen zu tun und alles Widrige um seinetwillen zu leiden.)

10. Ich will predigen die Gerechtigkeit in der großen Gemeinde; siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen, Herr, das weißt du {Ps 35v18}.

Nicht stopfen: Dass ich dein Lob nicht verkündigen und ausbreiten soll.

Weißt du: Dir ist mein Vorhaben bekannt. (Denn durch die Predigt des Evangeliums, spricht Christus, wird auch unter den Heiden die große Gemeinde gehören, die Gerechtigkeit Gottes offenbar werden, dass er nämlich die Sünder gerecht mache, damit dass ihnen ihre Sünde nicht, sondern vielmehr all mein Verdienst, durch den Glauben zugerechnet wird. Von solcher Gerechtigkeit Gottes, welche durch das Evangelium geoffenbart ist, steht, Römer 3. und 4. auch zu Galater und an anderen Orten.)

11. Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich; ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde.

Ich nicht: Ich will den menschlichen Geschlecht die Gerechtigkeit des Glaubens nicht verhalten, dadurch alle, die an mich glauben, gerecht und selig werden sollen.

Großen Gemeinde: Ich will deine Barmherzigkeit und Treue für den Heiden nicht verbergen, welche mit Haufen sich zum christlichen Glauben bekehren werden und wird aus beiden Völkern, Juden und Heiden, eine sehr große Kirche entstehen, dadurch deine große Barmherzigkeit, Güte und Treue wird gepriesen werden. (Diese Barmherzigkeit Gottes und Gerechtigkeit des Glaubens lässt uns Christus darum im Evangelium vortragen und offenbaren, dass wir sie mit Glauben annehmen und dadurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben erlangen.)

12. Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit von mir nicht wenden; lass deine Güte und Treue allewege mich behüten!

Du aber: Jetzt richtet Christus weiter sein Gebet zu dem himmlischen Vater und bittet, dass er ihn aus seinem Leiden, welches er um des menschlichen Geschlechts willen auf sich genommen, erretten und erlösen wolle.

Behüten: Höre nicht auf, dich meiner zu erbarmen, sondern erhalte mich nach deiner großen Barmherzigkeit und Treue.

13. Denn es hat mich umgeben Leiden ohne Zahl; es haben mich meine Sünden ergriffen, dass ich nicht sehen kann; ihrer ist mehr denn Haare auf meinem Haupt und mein Herz hat mich verlassen.

Ohne Zahl: Das Leiden Christi ist ja unermesslich. (Darum wenn wir uns zu Gemüte führen, wieviel unser Heil und Seligkeit ihn gestanden, sollen wir richtig mit Gedanken, Worten und Werken uns dankbar gegen ihm erzeigen.)

Meine Sünde: Nämlich die Sünden der ganzen Welt, welche sonst zwar fremde, aber jetzt meine Sünden worden sind, weil ich sie zu büßen auf mich genommen habe.

Nicht sehen: Ich kann noch kein Ende daran gewahr werden, denn sie sind unzählbar. (Christus ist deswegen die Versöhnung für unsere Sünde und nicht allein für die unsere, sondern auch vor der ganzen Welt {1Joh 1}. Und dieweil unsere Sünden Christi Sünden worden und ihm aufgerechnet sind, so ist es gewiss, dass alle die an ihn glauben, von allen ihren Sünden frei und ledig gemacht werden.) * (Nach Luther) Dass mir das Gesicht vergeht, vor großem Wehe.

Denn Haare: Denn wer wollte die Sünden der ganzen Welt zählen?

Verlassen: Ich bin in so große Bekümmernis und Anfechtung geraten, dass kein Trost in meinem Herzen gewesen ist. (Denn unsere Sündenlast ist so groß und schwer, dass es Christus den blutigen Schweiß ausgetrieben, als er im Garten die selbigen erwogen und hinterdachte, wir aber achten sie leider allzu gering.)

14. Lass dir es gefallen, Herr, dass du mich errettest; eile, Herr, mir zu helfen!

Gefallen: (Denn wider Gottes Wohlgefallen sollen wir nicht begehren aus dem Unfall erlöst zu werden.)

Eile: (Uns ist auch erlaubt zu bitten, dass Gott seine Hilfe befördern wolle.)

15. Schämen müssen sich und zuschanden werden, die mir nach meiner Seele stehen, dass sie die umbringen; zurück müssen sie fallen und zuschanden werden, die mir Übles gönnen {Ps 35v4 70v3}.

Seelen stehen: Nämlich meine Todfeinde, die danach trachten, dass sie mich um Leib und Seele bringen, die lass nicht sich über mich freuen, dass sie mich unterdrückt haben.

Fallen: Und von dir abgetrieben werden.

16. Sie müssen in ihrer Schande erschrecken, die über mich schreien: Da, da!

Schreien: Und meiner am Kreuz giftig spotten. (Und gewisslich hat dies der Juden Spotten selbiges Volk ins Verderben gestürzt. Also wird es auch anderen gehen, die sich über dem Unfall der Kirche Gottes freuen.)

17. Es müssen sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, müssen sagen allewege: Der Herr sei hochgelobt!

Fröhlich sein: Über deine Güte, dass du dich der Deinen mehr denn väterlich annimmst.

Fragen: Die dich mit wahrem Glauben anrufen.

Heil lieben: Das ist: Die bei dir Hilfe und Trost suchen und sich deiner Hilfe von Herzen freuen.

Hochgelobt: (Denn Christus will, dass die Kirche Gott dem himmlischen Vater immer lobe für seine unaussprechlichen Guttaten.)

18. Denn ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verziehe nicht!

Elend: Dieweil ich die Strafe der Sünden der ganzen Welt auf mir habe und da die Füchse ihre Höhlen, die Vögel ihre Nester haben, so hat doch der Sohn Gottes nicht, da er sein Haupt hinlege, darum bitte ich dich, du wollest mir elenden Menschen zu Hilfe kommen.

Sorgt: Das ist: Ich weiß, dass du schon beschlossen und bedacht hast, wie du mich erhalten wollest. (Denn Gott ist sorgfältig für uns {1Petr 5}.)

Verziehe nicht: Mit deiner Hilfe in meinen so großen Nöten und Gefahr. (Es hat aber Christus all unsere Schwachheit außerhalb der Sünde auf sich genommen, darum bedünkt ihn, gleichwie uns, dass die Hilfe und Erlösung lange außen bleibe. Das hat nun Christus erfahren wollen, damit er ein getreuer Hohepriester wäre und helfen könnte denen, die gleichermaßen versucht werden {Hebr 2}.)


Der 41. Psalm


1. Dieser Psalm lehrt uns zu Anfang, dass Gott viele und große Guttaten erzeige denen, die Christus erkennen und sich über seinem Kreuz, Armut und Elend nicht ärgern, sondern ihn vielmehr lieb haben und seinen Gliedern, nämlich den Christen, um seinetwillen Gutes tun. Danach beklagt sich Christus über seine Feinde, besonders aber über des Judas Untreue und Meineid. Endlich tröstet er sich in Hoffnung göttlicher Hilfe und Beistandes. Mit diesem Psalm sollen wir uns bewehrt machen wieder das Ärgernis des Kreuzes Christi und sollen dadurch aufgemuntert werden, dass wir den Gliedern Christi alle Liebe und Treue erzeigen.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen.

2. Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt! Den wird der Herr erretten zur bösen Zeit.

Annimmt: Der Christus erkennt, ihn liebt und mit wahrem Glauben ergreift (an dem sonst ihrer viele, die durch sein Leiden und Jammer abgeschreckt werden, einen Abscheu haben), der wird ein glückseliger Mensch sein. Denn dass dieser Psalm von Christus rede, ist daher offenbar, dieweil Christus selber von seiner Person einen Spruch aus diesem Psalm anzieht, wie wir an seinem Ort hören werden. (Weil aber Christus {Mt 25} bekennt, dass alle Liebe und Treue und was man Gutes seinen Gliedern, den gläubigen Christen, erzeige, ihm selber geschehe. So sollen wir demnach wissen, dass diejenigen werden wahrhaftig glückselige Leute, besonders in jener Welt sein, die Christus mit Glauben annehmen und aus solchem Glauben, arme, elende Leute um Christi willen ihnen lassen lieb und mit allen Treuen befohlen sein. Solchen treuherzigen und guttätigen Leuten gehören auch alle folgenden Verheißungen zu.)

Bösen Zeit: Zur Zeit der Trübsal wird ein solcher frommer treuherziger Mensch erhalten werden, dass er nicht umkomme. (Und verheißt Gott nicht, dass wir ganz und allerdings ohne Kreuz und Trübsal sein werden, sondern er verspricht, dass er uns daraus erlösen wolle.)

3. Der Herr wird ihn bewahren und beim Leben erhalten und ihm lassen wohlgehen auf Erden und nicht geben in seiner Feinde Willen.

Bewahren: Mitten in der Gefahr, dass er nicht darin verderbe.

Erhalten: (Denn wer an mich glaubt, spricht Christus, der wird leben, ob er gleich stirbt {Joh 11}.)

Wohl gehen: (Denn die Gottseligkeit hat Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens {1Tim 4}. Und solche Guttaten den Frommen in diesem Leben nicht widerfahren, die werden ihnen gespart ins zukünftige Leben.)

Feinde willen: Das ist: Der Herr wird nicht zugeben, dass seine Feinde ihren Mut an ihm kühlen, ihn zu verderben. (Unter unseren Feinden aber haben wir keinen mächtigeren oder auch grausameren Feind als den Teufel. Darum, welche an Christus glauben und seinen Gliedern Gutes erweisen, die sollen gewiss wissen, dass der Teufel keinen Sieg an ihnen erhalten werde.)

4. Der Herr wird ihn erquicken auf seinem Siechbette; du hilfst ihm von aller seiner Krankheit.

Siechbette: Dass ihn die Krankheit nicht hinrichte.

Krankheit: Du Herr und Gott verwendest seine Krankheit in Gesundheit. (Deswegen denn kein Zweifel ist, dass denjenigen, welche um Christi willen der armen und elenden Leute sich mit Treue annehmen und ihnen Gutes tun, durch Gottes Gnade ihre gegebenen Almosen in jeder Krankheit mehr behilflich sind als aller Ärzte und Apotheker Kunst und Dienst. Obwohl man auch solche natürlichen Mittel keineswegs verachten soll. Es sollen aber die oben gesetzten Verheißungen von denen verstanden werden, die um Christi willen gegen den Armen treuherzig und guttätig sind, wie kurz zuvor auch erinnert wurde.)

5. Ich sprach: Herr, sei mir gnädig, heile meine Seele; denn ich habe an dir gesündigt.

Sprach: In meiner Trübsal, welches ich leide von wegen der Sünden des ganzen menschlichen Geschlechts, die ich auf mich geladen habe.

Gnädig: Komm mir aus Mitleiden zu Hilfe.

Seele: Heile mein zerschlagenes Herz mit Trost und Hilfe.

Gesündigt: Das ist: Ich werde vor dir für den größten Sünder gehalten, als ob ich selber der ganzen Welt Sünde und Missetat begangen hätte. Denn die selbigen sind mir zu büßen aufgelegt. Darum liegt die große Strafe der Sündenlast auf mir, eben als wenn einer tödlich krank liegt, also leide ich mich {Jes 53}. (Wie aber dem Herrn Christus unsere Sünden zugerechnet werden, also wird uns hingegen Christi Verdienst zur Gerechtigkeit zugerechnet.)

6. Meine Feinde reden Arges wider mich: Wann wird er sterben und sein Name vergehen?

Reden Arges: Dass ich also neben den innerlichen Schmerzen, den ich im Herzen empfinde, auch äußerlich von meinen Feinden übel geplagt werde, die sich zwar freundlich stellen, aber daneben mir spinnefeind sind und wünschen mir heimlich alles Übel und den bitteren Tod.

Sterben: Damit er uns auf Erde zufrieden und unbekümmert lasse.

Vergehen: O dass er einmal und je eher, je lieber ganz ausgerottet und seiner in Ehre niemals gedacht werde. Denn die Juden hatten ein sehr großes Verlangen nach Christi Tod und Untergang. (Die aber anderen den Tod und ihr Verderben wünschen, die befördern damit ihr eigenes Verderben.)

7. Sie kommen, dass sie schauen und meinen es doch nicht von Herzen, sondern suchen etwas, dass sie lästern mögen, gehen hin und tragen es aus.

Schauen: Und stellen sich ganz freundlich, gleich als ob sie von besten wegen kämen, mich heimzusuchen, dass sie sehen, wie es um mich stünde und wie mir es gehe.

Doch nicht: Es geschieht alles nicht aus redlichem, sondern aus falschem Herzen. (Zu wünschen aber wäre, dass diese Untreue und Falschheit der Menschen ein Ende hätte genommen.)

Tragens aus: Das ist: Ein solcher falscher Freund, ja vielmehr Feind, kommt zu mir, nicht dass er etwas Gutes lernen wolle, sondern er sucht allein und erwischt aus meinem Reden oder tun etwas, das er tadeln und lästern könne, als wenn es ein böses Stück wäre, das trägt er später hin und wieder und breitet es überall aus. (Solches ist Christus vielfältig begegnet, dass die Pharisäer auf Christi Wort und Werke gute Achtung gegeben, selbige später bei dem gemeinen Volk ausgetragen und gelästert haben. Das erfahren bisweilen die Christen auch bei solchen falschen und treulosen Freunden.)

8. Alle, die mich hassen, raunen miteinander wider mich und denken Böses über mich.

Über mich: Sie tragen heimlich ihre Ratschläge zusammen wider mich, wie sie mich zu Tode bringen wollen. Dass solches zu mehrmalen von den Hohepriestern, Schriftgelehrten und Pharisäern geschehen sei, bezeugen die Evangelisten. (Das haben auch die Feinde der rechten reinen Religion getan und tun es noch, dass sie ratschlagen, wie sie das Reich Christi unterdrücken und dämpfen mögen.)

9. Sie haben ein Bubenstück über mich beschlossen: Wenn er liegt, soll er nicht wieder aufstehen!

Aufstehen: Wir wollen (sprechen sie) ihn in großes Unglück bringen und wenn wir ihn einmal zu Platz gelegt haben, soll er freilich nicht mehr aufkommen. (Denn also bereden die Feinde Christi sich selber, sie wollen es dahin bringen, dass wir ganz zugrunde gerichtet werden.)

10. Auch mein Freund, dem ich mich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich unter die Füße {Apg 1v16}.

Freund: Nämlich Judas der Apostel, dem ich den Sekel befohlen und vertraut hatte.

Aß: Den ich täglich in meiner Kost und an meinem Tisch hatte.

Füße: Und begehrt mich ganz zu vertreten. Diesen Spruch zieht Christus selber {Joh 13} auf Judas den Verräter an. (Eben das begegnet auch den Gliedern Christi, dass ihnen die, welchen sie viel Gutes getan, später übel lohnen. Die sollen sich nun trösten, dass sie in solchem Fall dem Sohn Gottes gleichförmig werden.)

11. Du aber, Herr, sei mir gnädig und hilf mir auf, so will ich sie bezahlen.

Gnädig: Komm mir unter so manchem Unfall zu Hilfe.

Mir auf: Erwecke mich aus dem Tode. Denn ich weigere mich nicht zu sterben, zur Erlösung des menschlichen Geschlechts, du aber wollest mich im Tode nicht lassen.

Bezahlen: Wie sie es um mich verdient haben. (Und zwar hat Christus auch an seinen Feinden Rache geübt. Denn Judas hat sich erhängt, die Juden aber sind nach der letzten Zerstörung der Stadt Jerusalem aller Welt Spott worden. Obwohl nun unsere eigene uns zugefügte Unbilligkeit wir nicht selbst rächen sollen, jedoch, so rächt Gott die Untreue und den Meineid, so frommen Leuten um Christi und der Gerechtigkeit willen widerfährt.)

12. Dabei merke ich, dass du Gefallen an mir hast, dass mein Feind über mich nicht jauchzen wird.

Hast: Und mich mit Gnaden meinst, weil du nicht wirst zugeben, dass meine Feinde sich über meinen endlichen Untergang und Verderben freuen. Denn obwohl die Juden einen Tag oder zwei darüber frohlockten, dass Christus gekreuzigt wurde, so ist ihnen doch bald, nachdem seine Auferstehung bekannt geworden, all ihre Freude in den Brunnen gefallen und die Sache mit ihnen je länger je ärger geworden, bis sie ganz zugrunde gegangen sind. (Also wenn gleich die Feinde der christlichen Kirche eine kleine Zeit frohlocken, so wird ihnen doch ihr eitles und nichtiges Rühmen und Spotten bald gelegt und gestillt. Die Frommen aber werden in ihrem Glauben von der Liebe Gottes gegen sie gestärkt, wenn sie Gottes Hilfe und Erlösung betrachten. So lehrt auch Paulus {Röm 1}, Christus werde daher erkannt, dass er der Sohn Gottes sei, dieweil er von den Toten auferstanden. Er ist aber seinem himmlischen Vater so lieb und wert, dass derselbe auch uns um seinetwillen liebt {Eph 1}.)

13. Mich aber erhältst du um meiner Frömmigkeit willen und stellst mich vor dein Angesicht ewig.

Erhältst: Nämlich im Tode zum Leben, von wegen meiner vollkommenen Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Wie nun Christus um seiner Gerechtigkeit willen erhalten wurde, also werden auch wir um seines Verdienstes willen im Tode zum ewigen Leben erhalten.)

Angesicht: Das ist: Ich werde gen Himmel auffahren und gesetzt werden zu deiner Rechten, dass ich in allmächtiger Herrlichkeit vor dir und mit dir herrsche und regiere, alles im Himmel und auf der Erde und dasselbe ewig. (Obwohl nun das Reich Christi am Jüngsten Tage (wenn er, wie Paulus sagt {1Kor 15} das Reich seinem Vater übergeben wird) anders, denn jetzt, wird verwaltet werden, also dass er seine Kirche nicht mehr durch die Predigt seines Wortes wird regieren, jedoch so wird Christus auch später in alle Ewigkeit ein König bleiben in unendlicher Majestät und Herrlichkeit.)

14. Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, von nun an bis in Ewigkeit! Amen, Amen.

Gelobt: Jetzt preist Christus seinen himmlischen Vater und beschließt diesen Psalm damit.

Gott Israel: Welchem Volk er sich als ein gnädiger Gott geoffenbart und erzeigt hat.

Amen: Das ist: Es wird gewisslich geschehen, dass ich den Tod überwinden, gen Himmel fahren, zur rechten Hand des Vaters sitzen und durch das Predigtamt des Evangeliums der Name meines himmlischen Vaters geehrt und gepriesen werde. (Denn die rechte wahre Ehre und Herrlichkeit des himmlischen Vaters ist diese, dass er sich des menschlichen Geschlechts erbarmt und durch seinen eingeborenen Sohn erlöst und selig gemacht hat die, so da verloren waren.)


Der 42. Psalm


1. In diesem Psalm ist eine Klage eines gottseligen Menschen, der sich an solchen Orten, da der rechte Gottesdienst im Schwange geht, nicht halten darf, sondern bei und unter solchen Leuten wohnen muss, die Gottes Wort lästern und die Kirche Gottes trotzen und verhöhnen. Daneben aber tröstet sich ein solcher frommer Mensch, der in diesem Psalm betet, in dem Streit des Fleisches und des Geistes, der Hoffnung, dass ihm Gott mit Hilfe erscheinen werde. Wir können diesen Psalm besonders gebrauchen in großer Angst unseres Herzens, wenn dasselbe mit dem Misstrauen gegen die Hilfe Gottes streitet, dass wir daraus den Unglauben, der in unserem Fleische steckt, lernen schweigen und stille sein.

1. Eine Unterweisung der Kinder Korah, vorzusingen {1Chr 7v22}.

Kinder Korah: Denen dieser Psalm zugestellt wurde, dass sie ihn anderen vorsingen sollten. Denn es waren die Kinder Korah Musikanten oder Singer, welche die Psalmen bei dem Tempel des Herrn sangen {1Chr 6 26}. Und sind vortreffliche Leute unter ihnen gewesen, mit herrlichen Gaben des Heiligen Geistes geziert, also dass sie auch selber Psalmen gemacht haben, unter welchen dieser Psalm einer ist.

2. Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

Hirsch: Der von Hunden gejagt wird.

Zu dir: Das ist: Also auch ich, wenn ich in so viel und großem Trübsal gejagt werde, habe ein herzliches Seufzen und Verlangen zu dir, dass ich von dir Trost und Hilfe empfange. (Es lehrt aber uns der Prophet mit seinem Beispiel, dass wir in Kreuz und Trübsal nicht zu einem Heiligen, sondern allein zu Gott unsere Zuflucht haben sollen.)

3. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

Lebendigen Gott: Nicht nach den stummen Götzen, die weder Verstand noch Leben haben, sondern nach dem wahren und ewigen Gott, der da lebt, ja das Leben selber ist, verlangt mich so und so sehnlich, als der einen überaus großen Durst hat und warte, dass er mich mit seinem Wort, Geist und Hilfe erquicke. (Es heißt aber Gott zu sich kommen, die da hungrig und durstig sind, das ist, die da betrübt und angefochten sind, dass sie schier möchten verzweifeln und verspricht, dass er sie wolle erquicken {Jes 55}. Wenn uns nun entweder unsere Sünden in unserem Gewissen oder aber äußerliche Anfechtung einen solchen Durst bringen, sollen wir uns bald mit inbrünstigem Gebet wenden und kehren zu dem wahren lebendigen Gott, welcher ist der Vater, Sohn und Heilige Geist, ein Gott in einem göttlichen Wesen und in drei unterschiedlichen Personen.)

Nach Luther: Gottes Angesicht ist, da Gott wohnt, als im Tempel und wo sein Wort ist.

Schaue: Also gedenke ich vielfältig bei mir selber, wann werde ich einmal so selig, dass ich zu der Hütte oder zum Tempel des Herrn kommen möge, da die Lade des Bundes ist? (Denn wie die Schrift redet, so ist das Angesicht Gottes gewesen an dem Ort, da Gott seine Gegenwart geoffenbart und Antwort gegeben hat, nämlich bei der Lade des Bundes. Heutigentags aber ist Gottes Angesicht da, wo das Evangelium Christi rein und lauter gepredigt und die Sakramente nach der Ordnung und Einsetzung Gottes ausgeteilt werden. Und hat ein gottseliger Mensch nicht weniger Verlangen nach der Predigt des heiligen Evangeliums, als der Prophet hier nach der Stiftshütte oder levitischem Tempel.)

4. Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

Nacht: Ich habe nie keine Ruhe, also dass ich auch nicht Lust zum Essen habe, sondern habe genug an Tränen.

Sagt: Bei den gottlosen Leuten, die mir mein Elend vorwerfen, darin ich, ihres Vermeinens, ganz verlassen bin.

Dein Gott: Nämlich der israelitische Gott, den ihr so hoch rühmt und solche große Dinge von ihm sagt, als ob er niemand, so auf ihn hoffe, verlasse. Wo ist die Hilfe, darauf ihr Israeliten euch verlasst und euch selber beredet, dass er euch aus allen Nöten erretten werde? (Solches Gespött erfahren bisweilen die Frommen, nicht allein von äußerlichen Feinden, sondern auch in dem Kampf, den sie in ihrem eigenen Gewissen ausstehen müssen, wenn ihnen der Teufel vorwirft, was nützet dir dein Erlöser Christus? Er hat mit dir nichts zu tun. Denn du bist ein Sünder und hast seine Gnade vielfältig schändlich missbraucht.)

5. Wenn ich denn des innewerde, so schütte ich mein Herz heraus bei mir selbst; denn ich wollte gerne hingehen mit dem Haufen und mit ihnen wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken unter dem Haufen, die da feiern.

Inne werde: Sooft ich solche Worte höre oder daran gedenke, besonders, dass ich nicht zum Tempel komme und da aus der Predigt Gottes Wortes Trost fassen darf.

Schütte: Ich vergieße aus großem Herzeleid meine Tränen mit Haufen und schütte all meinen Jammer und Angst, was in meinem Herzen ist, zugleich heraus.

Wallen: Mich verlangt sehr danach, dass ich mit der Prozession, unter dem Haufen, dabei man Psalmen und geistliche Lieder singt, möchte zur Hütte oder Tempel des Herrn mich verfügen, da der rechte Gottesdienst im Schwange geht, an welchem ich meine besondere Lust habe, aber dieweil ich jetzt und im Elend umherziehe, wird mir solches ganz und gar abgestrickt. (Eben dessen beklagen sich auch gottselige Leute, die unterm Papsttum sitzen und nach der Predigt des Evangeliums ein herzliches und sehnliches Verlangen haben und wohl sagen möchten: Ach wie gern wollte ich mit denen, die an anderen Orten dem Evangelium zugetan sind, zur Kirche und zum Gottesdienst gehen, dass ich darin mit der christlichen Gemeinde Psalmen singe, in meiner Muttersprache eine rechte evangelische Trostpredigt hören und im Heiligen Abendmahl den Leib und das Blut Christi meines Erlösers nach seiner Einsetzung empfangen könnte.)

6. Was betrübst du dich, meine Seele und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

Was betrübst du: Als wollte der Prophet sagen: Wenn ich nun in meinem Herzen so betrübt bin, dass ich meinen Jammer, Elend und andere Unfälle hinterdenke und also ganz erschlagen bin, da strafe ich denn bei mir selber meine Kleinmütigkeit und spreche meinem Herzen zu: Was bist du so ganz verzagt und machst mich so betrübt und erschlagen?

Danken: Für die gnädige Erledigung, dass er mich mit gnädigen und väterlichen Augen angesehen und mir Hilfe geschafft hat. (Also sollen wir ihm auch tun, sooft wir entweder äußerlich Kreuz und Widerwärtigkeit haben, oder innerlicher Anfechtung halben erschlagen sind, dass wir in Ängsten und Nöten stecken, so sollen wir uns selber zu solchem Vertrauen und Hoffnung zu Gott aufmuntern, in Betrachtung, es werde noch dazu kommen, dass wir unseren Herrn und Gott, der uns aus solcher Angst geholfen hat, mit großen Freuden loben und preisen werden. Denn Gott führt zwar in die Hölle, aber auch wiederum heraus, er tötet und macht auch wiederum lebendig, er macht arm und wiederum auch reich {1Sam 2}.)

Nach Luther: Angesicht, ist seine Erkenntnis und Gegenwärtigkeit, durch das Wort und Glauben.

7. Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir; darum gedenke ich an dich im Lande am Jordan und Hermonim, auf dem kleinen Berg.

Betrübt: Denn wenn ich gleich bisweilen ein Herz fassen will, so kommt doch bald die vorige Angst wieder. (Dies erfahren die Frommen, dass es also umeinander geht und es jetzt scheint, als hätten sie sich wieder ein wenig erholt, bald darauf kommt wiederum eine neue Bekümmernis.)

Lande: (Nach Luther) Das ist im jüdischen Lande. Welches er so nennt, weil der Jordan darin fließt, als das Landwasser und Hermonim, die großen Berge drum herum sind, gegen welche der Berg Zion klein ist.

Berge: Dies ist eigentlich so viel gesagt: Ich, als ein vertriebener Mensch, gedenke dennoch in meinen Ängsten und Nöten oft und viel an das Heilige Land, welches uns, den Israeliten und Nachkommen der Patriarchen, verheißen wurde, dadurch das berühmte Wasser, der Jordan, fließt, mit welchem Lande grenzt der Berg Hermon, so zwischen Aufgang der Sonnen und Mitternacht an das Heilige Land stößt. In welchem Lande auch liegt der Berg Zion, der gegen andere Berge zu rechnen, zwar klein, aber daneben, von wegen des Gottesdienstes, der darin im Schwange geht, sehr hoch und weit berühmt ist. Da wünsche ich nun von Grund meines Herzens, dass ich einmal wieder dahin kommen durften: Ich bin aber, leider, im Elend und sehe noch nicht, wenn es ein Ende haben werde.

8. Deine Fluten rauschen daher, dass hier eine Tiefe und da eine Tiefe brausen; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich.

Fluten: (Nach Luther) Gleichwie im Roten Meer den Ägyptern geschah.

Rauschen daher: Nämlich indem ich solchen Sachen bei mir selber nachdenke, siehe, so kommt ein Unfall über den anderen daher und kann kein Kreuz dem anderen entweichen, dass mich denkt, es wolle kein Ende und kein Boden da sein, als in einem tiefen Abgrund.

Brausen: d. i. Wie es zugeht, wenn du große Platz- und Schlagregen schickst, dass plötzlich ein Gewässer kommt, besonders, wenn es einen Wolkenbruch gibt. Also hat mich das Wasser der Trübsal umgeben, dass ehe ich aus einem Unfall und Kreuz herausschwimme, ich gleich bald wieder in ein anders hineinkomme.

Wellen: Des Jammers und Trübsal. Also dass ich gedachte, ich müsste ganz und gar verderben. (Was dies sei, das wissen diejenigen, welche durch große Trübsal und Elend niedergeschlagen, oder mit innerlicher Angst des Herzens also umfangen sind, dass sie schier keine Hoffnung mehr ihres Lebens oder Heils haben. Diese sollen aus dergleichen Orten der Heiligen Schrift Trost fassen, wenn sie sehen, dass auch die allerheiligsten Leute eben also in die Schule geführt worden sind.)

9. Der Herr hat des Tages verheißen seine Güte und des Nachts singe ich ihm und bete zu Gott meines Lebens.

Verheißen: Der Prophet tröstet und richtet sich jetzt wiederum ein wenig auf, in Betrachtung der göttlichen Verheißung, dass Gott vor der Zeit, da es noch wohl gestanden und Glück vorhanden gewesen, durch sein heiliges Wort verkündigen lassen, wie er den Bußfertigen ihre Sünden um des Messias willen schenken und nachlassen, auch die wohl verdiente Strafe der selbigen entweder hinwegnehmen oder doch mildern wolle.

Nachts singe: In der finsteren Nacht der Trübsal bilde ich mir die Psalmen ein, darin man allerlei kräftigen Trost für die angefochtenen und bekümmerten Gewissen findet.

Lebens: Ich richte mein Gebet zu dem lebendigen Gott.

10. Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Fels: Auf dich habe ich mich bisher mit Glauben verlassen, weil nach deiner Verheißung, wer auf dich traut, nie soll zuschanden werden.

Vergessen: Dieweil du mich keine Zeichen deiner Gnaden gegen mir sehen lässt.

Drängt: Und du steuerst doch seinem Hochmut und unbilligem Wesen nicht, du treibst ihn nicht ab. (In diesem Spruch haben wir mancherlei zu bedenken. Denn in Betrachtung der göttlichen Verheißung richtet sich des Menschen Herz auf und wird erquickt: Daher kommt das Gebet zu Gott, dasselbe hält unserem Herrn und Gott seine Verheißungen vor, dass er sei ein Fels aller derer, die auf ihn hoffen: Nichtsdestoweniger streitet unter des der Glaube mit dem Unglauben und Misstrauen gegen Gott, dieweil es dem äußerlichen Ansehen nach scheint, dass Gott seine Verheißung zuwider uns in Anfechtung verlasse und uns wider unsere Feinde nicht schütze und schirme.)

11. Es ist als ein Mord in meinen Beinen, dass mich meine Feinde schmähen, wenn sie täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?

Mord: Es tut mir das hochmütige Trotzen und Spotten meiner Feinde so wehe, als wenn mir einer ein scharfes Schwert nicht allein durch den Leib, sondern auch durch die Gebeine hindurch steche.

Sagen: Mit den allergiftigsten Stichworten.

Dein Gott: Auf den du all deine Hoffnung gesetzt hast?

12. Was betrübst du dich, meine Seele und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist {Ps 116v7}.

Betrübst du: Was bist du so ganz verzagt, nimmst und verzehrst mir alle meine Kraft? Spricht also der Prophet in seinem Herzeleid seiner betrübten Seele wiederum zu und macht ihr gute Hoffnung.

Harre: Vertraue Gott, warte und hoffe auf ihn.

Danken: Für seine Erlösung.

Angesichts Hilfe: Das ist: Ich weiß, dass er nach der Traurigkeit mein Angesicht mit seiner vielfältigen Hilfe und Güte wird wiederum erfreuen. Denn er ist mein Gott und Vater, der mich, dieweil ich meine Hoffnung auf ihn gestellt habe, niemals verwerfen wird. (Demnach sollen wir zu der Zeit, wenn es am allerbeschwerlichsten mit uns steht, mit den Augen unseres Glaubens auf die künftige Erlösung sehen. Denn kein Jammer ist so groß, den nicht Gott der Herr mit einem großen Glück abwechseln und abtauschen könne. Und ob er gleich solches nicht immer in diesem Leben tut, so ist es doch gewiss, dass nach diesem Elend die ewige Freude folgen werde, da wir Gott, unseren Erlöser, loben und preisen werden in alle Ewigkeit, Amen.) * (Nach Luther) Das ist: Er wird mein Angesicht nicht zuschanden werden lassen {Ps 34v6}, sondern mich fröhlich lassen erhört sein.


Der 43. Psalm


1. Es betet die Kirche Gottes in diesem Psalm, dieweil sie ja auf Erden niemand habe, der ihr wider die Tyrannei zu recht geholfen sei, dass Gott der Herr ihre Sache zurichte und zu entscheiden unternehmen wolle: Verspricht gegen unseren Herrn Gott davor sich dankbar zu erzeigen. Wir sollen uns diesen Psalm zunutze machen, sooft wir unbilligerweise unterdrückt werden und uns allerlei menschliche Hilfe und Mittel aufhören.

1. Richte mich, Gott und führe meine Sache wider das unheilige Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten.

Richte: Sprich du in meiner Sache und vollstrecke das Urteil.

Sache: Das ist: Ich begehre, dass du wollest nicht allein Richter sein, sondern zugleich auch mir meine Sache führen. (Denn das können wir recht und wohl begehren von Gott, bei welchem sich keine menschliche und verkehrte Zuneigung oder Parteilichkeit befindet.)

Unheilige Volk: Denn ich werde von solchen Völkern unterdrückt, die keine wahre Erkenntnis Gottes haben, auch keine Liebe gegen die elenden Leute erzeige, sondern gehen unfreundlich mit mir um.

Bösen Leuten: Die betrüglich mit mir handeln, welche auch weder nach Recht oder Gerechtigkeit fragen. (Denn bei den Feinden der christlichen Kirche gilt weder Recht noch Gerechtigkeit. Wenn uns nun auf Erde das Recht versagt wird, so sollen wir zu Gott appellieren, das ist, ihm unsere Sache befehlen.)

2. Denn du bist der Gott meiner Stärke; warum verstößt du mich? Warum lässt du mich so traurig gehen, wenn mich mein Feind drängt?

Stärke: Du allein hast mir bis daher Kraft und Hilfe verliehen, dass ich wider so viele meiner Feinde bestehen könne, darum hab ich, Herr, zu dir meine Zuflucht.

Verstößt du: Du tust jetzt eben, als wolltest du mich ganz verstoßen und nicht mehr für mich sorgen.

Drängt: Du lässt mich von meinen Feinden unterdrücken, dass ich verhüllt und in Klagekleidern traurig einhergehen muss. (Denn wenn Gott zu der Unbilligkeit, die uns begegnet, stillschweigt und zusieht, meinen wir, er habe uns nicht mehr lieb, aber eben damals gedenkt Gott am allermeisten daran, wie er uns erhalten, die Feinde aber strafen wolle.)

3. Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

Sende: Lieber, lass uns das Licht deiner Gnade, Güte und Treue scheinen und leuchten. Denn das Wörtlein Wahrheit wird in Psalmen oft für Treue gebraucht.

Leiten: Gib uns, dass wir durch deine Gnade und Güte zu dem heiligen Berge Zion kommen mögen, da der rechte Gottesdienst in Übung ist. (Das sollen auch alle frommen Christen zuvorderst begehren, dass sie die rechte und Gott angenehme Kirche und Gottesdienste habe mögen, laut des Spruches: Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das andere alles zugeworfen werden {Mt 6}.)

4. dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist und dir, Gott; auf der Harfe danke, mein Gott!

Wonne ist: Das ist: Ich will mit großen Freuden zu dem Gottesdienst meines Herrn gehen und bin mit seiner Gnade und Güte so wohl zufrieden, dass solche in mir besondere und überaus große Freude erweckt. (Denn das ist die rechte und beständige Freude, wenn man einen gnädigen Gott hat.)

Danke: Ich will (spricht die christliche Kirche) zu deinem Altar gehen und an den Ort, da du deine Gegenwart offenbarst, dort will ich dich mit Opfern und geistliche Liedern preisen, auch mit Saitenspielen loben.

Mein Gott: Welchen ich ehre, von dem ich allerlei väterlicher Guttaten gewärtig bin, obwohl es scheint, dass du mich diesmal ganz verlassest, deswegen ich denn sehr bekümmert bin. (Dass aber die christliche Kirche Gott nennt ihren Gott, dabei haben wir zu lernen, dass auch in den allergrößten und schwersten Anfechtungen noch ein Fünklein des Glaubens in unseren Herzen bleibe, welches später von dem Heiligen Geist aufgeblasen und zu seiner Zeit zum großen Feuer wird.)

5. Was betrübst du dich, meine Seele und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist {Ps 42v6 v12}.

Was: Folgt jetzt, wie die bekümmerte Kirche, so zur selben Zeit gewesen, solche Kleinmütigkeit in ihrem Herzen selbst schilt und straft.

Unruhig: Warum bist du so ganz kleinmütig, nimmst und verzehrst mir alle meine Kraft?

Hilfe: Das ist: Ich weiß, dass er nach der Traurigkeit mein Angesicht wird erfreuen mit seiner mannigfaltigen Güte und Hilfe. Denn er ist mein Gott und mein Vater, der mich niemals verwerfen wird, dieweil ich auf ihn hoffe. (Also will uns auch gebühren, dass wir durch den Geist unserem schwachen Fleisch, so zu Unglauben sehr geneigt ist, widerstehen, damit wir aufgemuntert werden, dass wir auf Gottes Güte all unsere Hoffnung und Vertrauen setzen.)


Der 44. Psalm


1. Das dieser Psalm eine Weissagung sei von den großen Anfechtungen der christlichen und besonders der ersten Kirche, bezeugt der Apostel Paulus genügend damit, dass er aus diesem Psalm den elften Vers auf die Verfolgung der Christen anzieht {Röm 8}. Es mag aber dieser Psalm in drei Stücke geteilt werden. Denn erstlich erzählt die christliche Kirche, wie das Volk im Alten Testament zu mehreren Malen von Gott erlöst wurde, und hält gegen selbiger vielfältigen Erlösung ihr Elend, darin sie, dem Ansehen nach, ganz von Gott versäumt werde. Zum anderen vermeldet sie die Unschuld und Frömmigkeit der Christen, dass sie so beschwerlichen Jammer und Kreuz mit Schande und Lastern nicht verdient haben. Zum Dritten bittet sie, dass Gott solchem Unfall begegnen und seine Kirche nicht ganz untergehen lassen wolle. Mit diesem Psalm sollen wir Gott den Herrn aufmuntern, sooft wir die Kirche sehen in großer Gefahr stecken.

1. Eine Unterweisung der Kinder Korah, vorzusingen,

Kinder Korah: Das ist: Welcher Psalm von den Nachkommen Korah gemacht wurde.

2. Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört, unsere Väter haben uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten vor Alters.

Erzählt: Aus derselben Zeichen und Aussage haben wir vernommen, was für schreckliche Wunder und Taten und herrlich rühmliche Werke du getan, da du dein Volk Israel erhalten und ihre Feinde gedämpft hast. (Denn das ist der Eltern Amt, dass sie die Erkenntnis und Ehre Gottes auf die Nachkommen fortpflanzen.)

3. Du hast mit deiner Hand die Heiden vertrieben, aber sie hast du eingesetzt; du hast die Völker verderbt, aber sie hast du ausgebreitet.

Vertrieben: Mit deiner göttlichen Allmacht hast die gottlosen Heiden aus dem Lande Kanaan ausgerottet.

Sie: Die Israeliten, unsere Väter.

Eingesetzt: Nicht anders, als wenn einer aus einem Garten das Unkraut ausreißt und an desselben statt gute Kräuter pflanzt.

Völker: Die das Land Kanaan innehatten.

Ausgebreitet: Die Israeliten hast in dasselbe Land lassen wachsen und sich mehren. (Denn wenn ein Volk ohne alle Reue und Buße Sünde mit Sünden häuft, so rottet sie der Herr aus und gibt dasselbe Land anderen zu besitzen ein.)

4. Denn sie haben das Land nicht eingenommen durch ihr Schwert und ihr Arm half ihnen nicht, sondern deine Rechte, dein Arm und das Licht deines Angesichts; denn du hattest Wohlgefallen an ihnen.

Ihnen nicht: Denn ob sie wohl die Einwohner des Landes Kanaan mit bewaffneter Hand angegriffen, so haben sie doch solches Land nicht durch ihre Stärke und Macht, noch mit ihren Wehren und Waffen unter sich gebracht, sondern dir allmächtigem Gott haben die Israeliten richtig um das Land Kanaan zu danken. (Denn ohne Gottes Hilfe vermögen menschliche Kräfte nichts, obwohl man daneben die ordentlichen Mittel nicht verachten soll.)

Arm: Deine unaussprechliche Macht und Gewalt.

Angesichtes: Das ist: Dass du die Israeliten gnädiglich und gleichsam mit holdseligen freundlichen Worten ansahst. Solche deine Güte und Macht hat sie in das herrliche gute Land eingesetzt. (Wie nun die Israeliten das Land Kanaan ohne allen ihren Verdienst, allein aus Gnaden Gottes bekommen haben {5Mos 19}, also bekommen wir auch die Erbschaft des ewigen Himmelreichs nicht aus unseren Kräften, Werken oder Verdienst, sondern allein aus lauter Barmherzigkeit und Liebe Gottes {Eph 2 Tit 3 Joh 3}.)

5. Gott, du bist derselbe mein König, der du Jakob Hilfe verheißt.

Jakob: Das ist: Deinem Volk Israel, das von Jakob hergekommen ist. (Die rechten Israeliten aber und Nachkommen Jacobs sind heutigentags nicht die Juden, welche nach dem Fleisch vom Patriarchen Jakob ihre Herkunft haben, sondern alle, die an Christus glauben {Gal 6}. Denen gehören jetzt und die Verheißungen zu, welche dem Volk Gottes sind zugesagt worden. Dieweil du denn eben der Gott und König bist, der du deinem Volk viel Gutes verheißen hast, so getrösten wir uns auch alles Gutes zu dir.)

6. Durch dich wollen wir unsere Feinde zerstoßen; in deinem Namen wollen wir untertreten, die sich wider uns setzen.

Durch dich: Mit deiner Hilfe und nicht mit unserer Macht.

Zerstoßen: Und sie zu Platz legen, als wenn ein zorniger Ochse mit seinen Hörnern zu Boden stößt, alles was ihm begegnet.

Namen: Durch deine Hilfe, Güte und Macht, darauf wir uns verlassen, wollen wir unseren Feinden überlegen sein. (Denn verflucht ist, der seine Hoffnung auf Menschen setzt und hält Fleisch für seinen Arm, das ist, der sich verlässt auf fleischliche oder einiges Menschen Macht {Jer 17}.)

7. Denn ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen und mein Schwert kann mir nicht helfen,

Nicht helfen: (Kriegsrüstung ist nicht die rechte und Hauptursache, dass man den Sieg erhält: Wie auch das Evangelium nicht mit äußerlichem Schwert ausgebreitet und fortgepflanzt wird.)

8. sondern du hilfst uns von unseren Feinden und machst zuschanden, die uns hassen.

Zuschanden: Dass sie all ihre Hoffnung, wie sie uns aufreiben wollen, mit Schanden müssen fallen lassen.

9. Wir wollen täglich rühmen von Gott und deinem Namen danken ewig. Sela.

Täglich rühmen: Und alle Tage erzählen, wieviel Gutes du an dein Volk gewendet hast und bezeugen, dass die Kirche, nämlich wir, unserem Herrn und Gott angelegen sind. (Denn wir sollen immer rühmen und preisen die Guttaten, welche Gott seiner Kirche erwiesen hat.)

10. Warum verstößt du uns denn nun und lässt uns zuschanden werden und ziehst nicht aus unter unserem Heer?

Verstößt du: Als wollte er sprechen: Weil du nun deinem Volk so manche große Guttaten erzeigt hast, daher wir auch all unsere Hoffnung auf dich gesetzt und haben noch das Vertrauen, dass du dich unser nicht weniger als der Patriarchen annehmen wirst. Und denn, dieweil wir auch täglich deine Wundertaten loben und preisen. Wie kommt es denn jetzt dazu, dass die Sachen nicht unserem Erhoffen gemäß einen Ausschlag gewinnen? Und tust eben, als hättest du keine Lust zu uns und lässt eben alle Unbilligkeit, die uns widerfährt, also hingehen, als wenn wir dich nichts angingen?

Zuschanden werden: Vor unseren Feinden, die sehen, dass wir von dir hilflos gelassen werden, da wir uns doch deiner Hilfe gerühmt haben.

Nicht aus: (damals aber wird von Gott gesagt, dass er nicht ausziehe mit und unter der Frommen Heer, wenn er sie in einer guten Sache lässt unterliegen, als wenn der Christen Kriegsvolk von dem Türken oder anderen Gottlosen Feinden und Tyrannen geschlagen wird.)

11. Du lässt uns fliehen vor unserem Feinde, dass uns berauben, die uns hassen.

Fliehen: Du hast gemacht, dass wir den Feinden die Fersen weisen müssen.

Berauben: Und eine stattliche Beute von uns bekommen.

12. Du lässt uns auffressen wie Schafe und zerstreust uns unter die Heiden.

Auffressen: Du hast gemacht, dass die Feinde mit uns nicht anders umgegangen sind als die Metzger mit den Schlachtschafen, die sie nacheinander hernehmen und stechen sie ab. Also führen uns die Verfolger deines Wortes hinweg, zu würgen und zu töten. (Denn die Schäflein Christi sind mancher Gefahr in diesem Leben unterworfen.)

Heiden: (Die Christen werden oft ins Elend verjagt, dass sie unter mancherlei Völkern, und zwar kümmerlich wohnen müssen, dabei doch der Nutzen ist, dass durch sie das Evangelium ausgebreitet wird.)

13. Du verkaufst dein Volk umsonst und nimmst nichts drum.

Umsonst: Du hast uns in solche Schande gesetzt, dass es scheint, als verkaufst du uns für Leibeigene und achtest uns noch dazu so gering, dass du kein Geld für uns begehrst, von denen die uns kaufen, als ob wir keines Geldes wert wären. (Denn die Christen sind zur Zeit der Verfolgung die allerverachtesten Leute und werden geringer geachtet als ein leibeigner Knecht, ja sie werden für einen Fluch und Fegeopfer aller Welt gehalten.)

14. Du machst uns zur Schmach unseren Nachbarn, zum Spott und Hohn denen, die um uns her sind.

Nachbarn: Den gottlosen Heiden, dass sie höhnisch unser spotten und auf das

Allergiftigste auf uns stechen. (Es tut aber einem frommen Herzen sehr wehe, wenn es solche giftigen Stichreden hören muss, die man nicht allein gegen die Person, sondern auch gegen der Lehre des Evangeliums selber ausstößt.)

15. Du machst uns zum Beispiel unter den Heiden und dass die Völker das Haupt über uns schütteln.

Beispiel: Dass auch die Heiden allerlei Sprichwörter von uns und unserem Jammer und Elend machen.

Schütteln: Und das Maul über uns krümmen oder auch uns anspeien.

16. Täglich ist meine Schmach vor mir und mein Antlitz ist voller Schande,

Für mir: Ich sehe und erfahre alle Tage nur Schande und Schmach.

Voller Schande: Dass ich damit überfallen und gleichsam ganz und gar bedeckt werde.

17. dass ich die Schänder und Lästerer höre und die Feinde und Rachgierigen sehen muss.

Höre: Wie sie mir mein Elend aufrücken. (Denn die Gottlosen stoßen allerlei Schmach und Lästerwort mit Haufen wider die Frommen aus.)

Sehen muss: (Denn wenn die Feinde der Kirche Gottes ihres Irrtums und Büberei überzeugt sind, so sind sie so rachgierig, dass sie keine Ruhe haben können, bis sie entweder andere Leute verderben oder sie selbst darüber zugrunde gehen.)

18. Dies alles ist über uns gekommen und haben doch dein nicht vergessen, noch untreulich in deinem Bunde gehandelt;

Dies: Jetzt bringt die christliche Kirche ihre Unschuld vor, dass sie solche Übel alles ohne ihr Verschulden leiden.

Nicht vergessen: Wir haben dies Kreuz nicht verdient, dass wir irgend wären von der rechten Lehre abtrünnig worden, denn wir haben die Furcht Gottes nicht aus der acht gelassen.

Gehandelt: Wir haben den Bund, den wir mit dir in der Heiligen Taufe gemacht, nicht also gebrochen, dass wir uns von der rechten reinen Religion ab und zur Abgötterei gewendet hätten. (Denn obwohl die christliche Kirche zu jederzeit ihre Schwachheit und Sünde erkennt, so kann sie sich doch zuzeiten mit Wahrheit rühmen, dass sie von Gott nicht abtrünnig worden ist.)

19. unser Herz ist nicht abgefallen, noch unser Gang gewichen von deinem Wege,

Abgefallen: Von der rechten reinen Lehre.

Gewichen: Sondern wir haben in rechter wahrer Gottesfurcht und Gehorsam beharrt.

20. dass du uns so zerschlägst unter den Drachen und bedeckst uns mit Finsternis.

Zerschlägst: Es wundert uns, warum du nichtsdestoweniger ungeachtet dies alles so hart und unfreundlich mit uns umgehst.

Drachen: Du hast uns den Tyrannen als grausamen und giftigen Tieren übergeben, die uns zutreten und schier ganz vertilgt haben. (Freilich wohnt die Kirche Gottes unter Drachen, Schlangen und Löwen.) * (Nach Luther) Das ist: Den giftigen Tyrannen und Finsternis heißt Unglück.

Finsternis: Dass es das Ansehen hat, als ob es ganz aus mit uns sei. (Und kann menschliche Vernunft nicht anders urteilen, denn dass wir durch solchen Jammer und Elend dieses Lebens stracks Wegs der Hölle zugeschickt werden.)

21. Wenn wir des Namens unseres Gottes vergessen hätten und unsere Hände aufgehoben zum fremden Gott,

Vergessen: So hätten wir uns weniger dessen zu verwundern, dass es uns so übel ging.

Fremden Gott: Wenn wir, wie vor der Zeit die Israeliten getan, die rechte Religion und Lehre verlassen, die falsche dagegen angenommen und der Abgötterei nachgehängt hätten.

22. das möchte Gott wohl finden; nun kennt er ja unseres Herzens Grund.

Finden: Und richtig strafen.

Herzen Grund: (Darum, wenn gleich einer heimlich von Gott abfiele und sich mit Abgötterei befleckte, so würde er doch richtig dem gerechten Urteil Gottes nicht entrinnen.)

23. Denn wir werden ja um deinetwillen täglich erwürgt und sind geachtet wie Schlachtschafe.

Deinetwillen: Unseres Gottes Jesu Christi und nicht um gottloser Lehre noch um böser Stücke willen. Denn wir haben kein Bubenstück begangen. * (Nach Luther) Nicht um unseretwillen, sondern dein Wort verfolgen sie in uns.

Täglich: Bald da, bald anderswo.

Geachtet: So wohl von deinen, als auch unseren Feinden.

Schlachtschafe: Sie reißen uns hin zu der Fleischbank, nicht anders als die Schafe, die zur Schlachtbank sind behalten. (Diesen Vers bezeugt der Apostel Paulus an auf der Christen Verfolgung {Röm 8}. Und zwar, so gibt uns die Erfahrung selbst diese Worte zu verstehen. Denn so wütend sind die Feinde Gottes, dass, wo ihnen solches bisweilen von Gott verhängt wird, sie nicht anders mit dem Volk Gottes umgehen als der Metzger mit den Schafen. Dies sollen wir darum mit Fleiß betrachten, damit wir unserem Herrn und Gott für die gute Ruhe, welche er seiner Kirche verleiht, von Herzen danksagen und daneben uns zur künftigen Anfechtung rüsten und bereit machen. Es hat aber Gott viele hochwichtige Ursachen, darum er seine Kirche, auch wenn sie sich alles Guten von Herzen befleißigt, nichtsdestoweniger in manch großes Elend und Jammer steckt, welches doch alles mit ewiger und unaussprechlicher Freude vergolten wird.)

24. Erwecke dich, Herr, warum schläfst du? Wache auf und verstoße uns nicht so ganz!

Erwecke: Folgt jetzt der dritte Teil dieses Psalms, darin die Kirche Gottes betet um göttliche Hilfe.

Schläfst: Erwache doch endlich als von einem tiefen Schlaf, o lieber Gott, obwohl du niemals schläfst, ohne allein, wenn du, unseres Vermeinens, den Gottlosen, zu ihrer Bosheit ganz zu viel übersiehst und still dazu schweigst. Denn wie sollen wir nicht sagen, du schläfst dazu, wenn du dich also stellst, als ob du dich unser gar nichts annehmen wollest?

So ganz: Verwirf uns nicht, als ob du ganz ein Abscheu an uns hättest. (Solche Gedanken gibt uns unser Fleisch in Anfechtung ein, dass wir meinen sollen, Gott habe gar kein Herz zu uns, dieweil er die Hilfe so lange verzieht.)

25. Warum verbirgst du dein Antlitz, vergisst unseres Elends und Dranges?

Verbirgst du: (damals verbirgt aber, wie die Schrift davon redet, Gott sein Angesicht, wenn er uns keine Zeichen seiner Gnade und guten Willens sehen lässt. Solche Klagen frommer heiliger Leute dienen gottseligen Herzen zu besonderem Trost, die auch mit dergleichen Anfechtungen streiten.)

26. Denn unsere Seele ist gebeugt zur Erde; unser Bauch klebt am Erdboden.

Zur Erde: Wir liegen im Staub, ach Herr hilf uns.

Erdboden: Wir sind niedergeschlagen zu Boden und wo du uns nicht aufrichtest und erquickst, so ist es ganz aus mit uns.

27. Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen!

Hilf uns: Mache ein Ende an die Trübsal und lass uns nicht ganz unterdrückt werden.

Güte willen: Denn wir wissen, dass du ein barmherziger Gott bist und kannst nicht ohne Mitleiden zusehen, dass deine Kirche geplagt wird. Darum erbarme dich unser. (Obwohl es nun scheint, als betete die christliche Kirche eine Zeit lang vergebens um Hilfe und Erlösung, so erhält sie doch solches später reichlich. Es hat ja die erste Kirche manchen großen Kampf ausgestanden und hatte unter den grausamen Tyrannen das Ansehen, als würde sie ganz und gar untergehen. Aber endlich, nachdem die Feinde vertilgt wurden, hat dennoch unser Herr Jesus Christus seiner Kirche Ruhe und Friede herangeschafft. Dergleichen Beispiele haben wir auch zu unseren Zeiten. Deswegen sollen wir in allen Anfechtungen inbrünstig beten und mit Geduld der göttlichen Hilfe erwarten, die wird er seiner Kirche verschaffen zu rechter Zeit.)


Der 45. Psalm


1. Dieser Psalm ist ein Brautlied oder Hochzeitsgesang unserem Herrn Jesu Christus zu Ehren gemacht, welcher sich selbst die christliche Kirche durch den Glauben vermählt hat. Denn dass dieser Psalm von Christus redet, findet sich {Hebr 1}. Und wird erstlich beschrieben die Majestät und Tugenden des Bräutigams Christi. Danach der Schmuck der Braut. Und wird sie erinnert, dass sie Christus ihren Herrn Gott und Ehemann in allen gebührenden Ehren habe und ihm gehorsam sei. Dieser Psalm dient einem gottseligen Menschen zu einem herrlichen Trost, wenn er bedenkt, die Herrlichkeit seines Bräutigams Christi, danach auch seine Liebe gegen seine Kirche und allen der selbigen Glieder.

1. Ein Brautlied und Unterweisung der Kinder Korah von den Rosen, vorzusingen.

Rosen: Das ist: Auf einem Instrument, welches von den Rosen den Namen hatte. Was dies für ein Instrument gewesen, kann man nicht eigentlich wissen. Es wird darum ein Brautlied genannt, dieweil darin beschrieben wird die Liebe Christi gegen seine Kirche.

2. Mein Herz dichtet ein feines Lied, ich will singen von einem Könige; meine Zunge ist ein Griffel eines guten Schreibers.

Könige: Dem Herrn Christus will ich einen Psalm singen, den ich ihm zu Ehren gemacht habe.

Schreibers: Denn ich habe eine sehr fertige Zunge, welche vom Heiligem Geist regiert wird, dass sie ein herrliches Lied angeben kann. Gleichwie ein geübter Schreiber schnell und hurtig dasjenige aufs Papier bringen kann, darüber sich andere lange bedenken müssen.

3. Du bist der Schönste unter den Menschenkindern; holdselig sind deine Lippen; darum segnet dich Gott ewig.

Schönste: (Es handelt aber der Prophet hier nicht von der Leibesgestalt, welche auch ohne Zweifel bei Christus gut gewesen, sondern von seiner geistlichen Gestalt: Diese ist so beschaffen in Christus, auch nach der menschlichen Natur, dass er nicht allein die wenigsten Fehler oder Makel der Sünden nicht an sich hat, sondern auch, dass er in allen Tugenden des Gemüts vor allen anderen Kreaturen hervorleuchtet. Dass aber im Jesaja von ihm gesagt wird, dass er ganz ungestaltet geschienen, soll man von seinem Leiden verstehen, in welche er unter der Knechtsgestalt gar nicht schön vor der Menschen Augen war, welche Knechtsgestalt er nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt abgelegt hat. Obwohl aber, so viel andere Menschen betrifft, auch die schöne Leibgestalt eine Gabe Gottes ist, so man keineswegs verachten soll, jedoch soll man vielmehr halten auf die schöne Gestalt des Herzens, das mit Gottesfurcht und allerlei Tugenden geziert ist.)

Holdselig: Ist ein anderer Lob des Bräutigams, dass seine Reden lieblich und zu hören anmutig sind. (Denn Christus hat nicht allein mit großer Lust und Verwunderung seiner Zuhörer, die gottesfürchtig gewesen, gelehrt, sondern auch ganz holdselige Worte gebraucht, dadurch er die angefochtene Gewissen erquickt hat. Dergleichen ist dies: Also hat Gott die Welt geliebt {Joh 3}. Und anderes dergleichen, das alles voller Trostes steckt. Daher im Propheten Jesaja, 50. Christus sagt: Der Herr hat mir eine gelehrte Zunge gegeben. Und obwohl nicht ein jeder Mensch die Gabe hat, dass er wohl beredet ist, jedoch, so ist der beredet genug, welcher mit Gott seinem Vater so holdselig reden kann, dass er um des Sohnes Gottes willen erhört wird. Und der solche Ding redet, dies zum Frieden, guter Ruhe und zur Erbauung des Nächsten dient.)

Segnet: Dieweil du dich nicht geweigert, auf Erde, durch das Predigtamt des Evangeliums die zerschlagenen Herzen zu heilen und zu erquicken und ihnen ewiges Heil, auch mit deinem selbst eigenen und ganz schmählichen Tod zu erwerben. So hat auch Gott über dich reichlich ausgegossen himmlischen und ewigen Segen, dass du nämlich auch nach deiner menschlichen Natur über alle Kreaturen erhöht, gegenwärtig und mächtig regierst im Himmel und auf Erden mit großer Majestät und Herrlichkeit. (Denn die Majestät und Herrlichkeit des Menschen Christi dauerte in alle Ewigkeit. Es gibt aber Gott auch anderen frommen Menschen mancherlei Glück und Segen, die sich von Herzen bemühen, dass sie reden, was gut und heilsam ist.)

4. Gürte dein Schwert an deine Seite, du Held und schmücke dich schön!

Gürte: Jetzt wird auch der Prophet mit verblümten Worten die Macht und Stärke des Bräutigams rühmen und loben.

Held: Der du keine Gefahr fürchtest und nicht leiden kannst, dass elende Leute unterdrückt werden.

Schmücke: Zieh deine Rüstung an. (Das ist aber die größte Ehre und der schönste Schmuck Christ, dass er sich wider die Feinde des menschlichen Geschlechts, Teufel, Welt und Hölle gerüstet und bewehrt gemacht hat. So ist auch dieses an einem Fürsten hoch zu loben, wenn er mit solchem beherzten Heldenmut begabt ist, dass er zur Unbilligkeit, die seinen Untertanen zugefügt wird, nicht zusieht und es also hingehen lässt, sondern mit bewaffneter Hand die Seinigen vor unrechter Gewalt beschützt und selbigen abtreibt. Daher kommen die Ritterspiele und Turniere bei Fürsten-Hochzeiten, dass sie nämlich bei solchen, als Kriegszeichen, sind erinnert worden. Sie sollen sich nicht an Müßiggang und Wollust gewöhnen, sondern, da es die Notdurft fordert, zu Schutz und Schirm des Vaterlandes frisch zur Wehr greifen und selbige mit beherztem Mut führen und benutzen.)

5. Es müsse dir gelingen, in deinem Schmuck. Zieh einher der Wahrheit zu gut und die Elenden bei Recht zu behalten, so wird deine rechte Hand Wunder beweisen.

Gelingen: Mit dieser Rüstung.

Einher: (Da ist aber Christus riesig und gerüstet einher gezogen, als er zu Jerusalem auf einen Esel einritt, dass er da durch sein Leiden und Sterben, den elenden Menschen, welche durch der Sünden und des Teufels Tyrannei unterdrückt waren, zu Hilfe käme und solche Dinge ausrichtete, über welcher Erzählung auch der Hölle Pforten erzittern. Das alles hat er ausgerichtet durch seine rechte Hand, das ist, mit seiner göttlichen Allmacht. Es sollen aber auch Fürsten und Herren ein gutes Herz haben, wenn sie zur Notwehr greifen müssen und aus rechtschaffenem Herzen sich der Gerechtigkeit annehmen. Denn die rechte Hand Gottes wird sie beschützen und solche Ding ausrichten, darüber man sich entsetzen und verwundern muss.)

6. Scharf sind deine Pfeile, dass die Völker vor dir niederfallen mitten unter den Feinden des Königs.

Scharf: Folgt abermals ein anderes Lob des Bräutigams Christi.

Niederfallen: Die du getroffen hast. (Christus aber durchdringt der Menschen Herzen mit der Predigt des Evangeliums, als mit scharfen Pfeilen, dass sie sich ihm ganz und gar ergeben und ihm zu Fuße fallen. Und geschieht solches auch unter den Feinden Christi, dass, obwohl ihrer viele im Unglauben beharren, dennoch Christus ihm eine Kirche versammelt mitten unter seinen Feinden.)

7. dein Stuhl bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reiches ist ein gerades Zepter {Hebr 1v8}.

Gott: Jetzt streicht er die Gottheit des Bräutigams Christi heraus. Und folgende beide Verse zieht der Apostel zu Hebräer, Kapitel 1. an, die Gottheit Christi damit zu beweisen.

Und ewig: Du Herr Jesu Christus wahrer und ewiger Gott, bist König in Ewigkeit und der Stuhl deiner Herrlichkeit bleibt ewig. (Denn das Reich Christi hat kein Ende. Es will aber der Herr auch andere fromme Könige und Fürsten bei langwieriger Regierung viele Jahre erhalten.)

Gerades Zepter: Du regierst deine Untertanen mit dem Zepter der Gerechtigkeit und mit Gerechtigkeit. (Das Zepter aber des Reiches Christi ist das Evangelium, welches von Jerusalem ist ausgebreitet worden in die ganze Welt {Ps 110}. Und wird in dem Reich Christi die Gerechtigkeit also gehandhabt und befördert, dass nach der Richtschnur des Evangeliums, alle die, so Buße tun und an Christus glaube, gewisslich zum ewigen Leben erhalten. Dagegen aber alle, die dem Evangelium nicht glauben, verloren und verdammt werden. Dies ist ein richtiger Bescheid, danach sich jedermann richten kann. Es sollen auch die Fürsten und Herren zusehen, dass sie rechtmäßige und billige Gesetz und Ordnungen geben, damit das Regiment nicht letztlich seltsam bestellt und versehen sei. Denn man soll die Gesetze nicht krümmen oder beugen, den Personen zuliebe oder zuleide.)

8. Du liebst Gerechtigkeit und hasst gottloses Wesen; darum hat dich, Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl, mehr denn deine Gesellen.

Du: Folgt ein anderes Lob des Bräutigams Christi.

Hasst: (Also sollen die Fürsten und Herren auch die Gerechtigkeit von Herzen lieben und der Ungerechtigkeit feind sein. Obwohl nun Christus die Ungerechtigkeit und Sünden hasst, so hasst er doch die Sünder nicht, sondern ist darum in diese Welt gekommen, dass er uns von Sünden reinige und uns durch seinen Verdienst aus Glauben gerecht mache. Daneben aber sollen wir zu schuldiger Dankbarkeit von Herzen uns der Gerechtigkeit bemühen und aller Ungerechtigkeit feind sein.)

Dich Gott: Jesu Christus.

Dein Gott: Der himmlische Vater.

Gesalbt: Zu einem ewigen König.

Freudenöl: Nicht mit irdischem Öl oder Balsam, sondern mit himmlischem Öl, nämlich mit unaussprechlichen Gaben des Heiligen Geistes, welcher in der Menschen Herzen eine rechte und beständige Freud erweckt.

Gesellen: Mehr denn alle anderen Menschen. Denn obwohl auch etliche Gaben des Heiligen Geistes den Gläubigen mitgeteilt werden, so werden doch keinem Menschen also alle Gaben gegeben, wie alle Gaben des Heiligen Geistes reichlich und häufig über die Menschheit Christi sind ausgegossen worden. Daher sagt Johannes von Christus, dass ihm der Heilige Geist sei gegeben worden nicht nach dem Maß {Joh 3}. Und solches ist kein Wunder, weil in Christus wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig {Kol 1}. Und in ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis Gottes. Diese Krönung oder Salbung aber, die durch das Freudenöl geschehen ist, soll verstanden werden von denen Gaben, die sich an Christus haben sehen lassen und offenbar worden sind, in seiner Knechtsgestalt, welche auch, je mehr Christus in seinem Amt auf das Treulichste fortgeschritten, je mehr und besser sich erzeigt habe, bis dass nach seiner Auferstehung, als er die Knechtsgestalt von sich gelegt, sich es ganz hell und klar erwiesen, wie Christus von dem Vater zu einem himmlischen und ewigen Könige gemacht wurde. (Es ist aber in diesem Vers auch das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit zu merken. Gott der Vater salbt den Sohn, der Sohn wird gesalbt vom Vater, er wird aber gesalbt mit dem Freudenöle, welches ist Gott der Heilige Geist, der seine Gabe reichlich und ohne alle Maß, dem Sohn des Menschen mitgeteilt hat, der nach seiner anderen Natur der ewige Gott ist. So sollen wir auch hier Bedenken das Zeugnis der Hoheit und unendlichen Herrlichkeit Christi, welche er nach seiner menschlichen Natur empfangen hat, also dass er nicht vielmächtig, sondern allmächtig ist und alles im Himmel und auf Erden gegenwärtig regiert. Daneben steht es anderen Fürsten und Herren auch wohl an, dass sie an Weisheit, auch anderen Tugenden und Gaben ihre Untertanen übertreffen.)

9. Deine Kleider sind eitel Myrrhe, Aloe und Kezia, wenn du aus den elfenbeinernen Palästen daher trittst in deiner schönen Pracht.

Deine: Folgt aber ein anderes Lob des Bräutigams Christi.

Kezia: Das möchte vielleicht Zimmet sein. Denn Kezia hat den Namen von der Rinden, wie dem Zimmerer eine Rinde ist, das ist: Deine Kleider riechen so lieblich und wohl, dass sie von wegen des herrlichen Geruchs scheinen eitel köstliche Gewürz zu sein, die ganz lieblichen Geruch geben. (Dieser herrliche und liebliche Geruch aber der Kleider Christi, des Bräutigams, ist das Geschrei und der Schall, so von ihm durch das Evangelium in die ganze weite Welt ausgegangen, welches durch seine Lieblichkeit zu sich bringt und erquickt die armen Sünder, die durch den Zorn Gottes, so ihnen vor Augen schwebt, darnieder geschlagen und gleichsam halb tot sind. Denn das Evangelium ist ein guter Geruch denen, die selig werden {2Kor 2}. Und dieser gute Geruch, als der uns dazu treibt, dass wir Gottes Namen vielfältig loben und preisen, belustigt auch unserem Herrn Christus selber sehr hoch. Es sollen aber auch Fürsten und Herren sich bemühen, dass sie mit dem Geschrei ihres guten Namens weit und breit viele fromme Herzen erquicken und ehrliche Leute machen, welches ihnen nicht allein rühmlich und ehrlich, sondern auch in vielen Wegen nützlich sein wird.) * (Nach Luther) Was Kezia sei, weiß ich nicht, etliche nennen es Kasia, es muss eine Wurzel sein, die wohl riecht und Kleider wohl hält.

Elfenbeinen Palästen: Die ganz schön und herrlich geziert sind.

10. In deinem Schmuck gehen der Könige Töchter; die Braut steht zu deiner Rechten in eitel köstlichem Gold.

In: Bis daher hat der Prophet uns beschrieben den Bräutigam Christus. Nun wird er auch seine Gattin und ihr Frauenzimmer herausstreichen.

Töchter: Du hast ein überaus stattliches Frauenzimmer. Es sieht aber der Prophet auf die königlichen und Fürstenhöfe, an welche neben der Königin oder Fürstin auferzogen werden königliche und fürstliche Fräulein, oder auch andere adelige Jungfrauen. (Diese adeligen Frauenzimmer aber bedeutet die Christen, welche mit Freuden der Vermählung Christi und seiner Kirche zusehen.)

Braut: Nämlich die Kirche, so dir durch den Glauben vermählt wird.

Rechten: Und ist bei dir in großen Ehren.

Gold: (Das Gold bedeutet den Glauben der Gottseligen, welcher im Feuer der Trübsal und Anfechtung besteht, wie das feine Gold im Feuer. Dass aber auch gesagt wird, wie die Kirche Christus zu seiner Rechten stehe, wird damit angezeigt, in was großen Gnaden und Ansehen die Kirche bei Christus sei, ob sie wohl, ihres Herkommens halben, auch in vielen anderen Wegen, weit geringer ist, denn er, nichtsdestoweniger hält er sie ganz ehrlich. Also sollen auch fromme Herren ihr Gemahl in gebührenden Ehren haben.)

11. Höre, Tochter, schaue darauf und neige deine Ohren; vergiss deines Volkes und deines Vaters Haus,

Höre: Jetzt erinnert der Heilige Geist die Braut Christi, seine liebe Kirche, dass auch sie wiederum ihrem Bräutigam Christus schuldige und gebührende Ehre erzeige.

Tochter: Die du aus dem Heiligen Geiste wiedergeboren bist.

Schaue darauf: Das ist: Dieweil dich Christus sich selbst zu einer Gattin hat auserwählt und angenommen, so soll man allen guten Fleiß ankehren, dass du zu schuldiger Dankbarkeit deine Ohren zu ihm neigst, wohl aufmerkst und glaubst deinem Bräutigam in allem, was er dich lehren wird. Du sollst auch folgen seinem Willen in allen Dingen, so viel zwar in dieser menschlichen Schwachheit möglich ist.

Vaters Haus: Siehe zu, dass du dich nicht nach den jüdischen Zeremonien oder Menschensatzungen oder auch nach heidnischen Aberglauben verlangen und gelüsten lässt, sondern dass du dem alten Adam und allem anderem, das dich vom Gehorsam gegen deinen Bräutigam abführen möchte, absagst. (Wie nun die christliche Kirche ihres vorigen Wandels vergessen und einen neuen Wandel führen soll, also gebührt auch einer gottseligen Matrone oder Gattin, dass sie sich nach ihres Ehemanns oder Bräutigams Weise und ehelichem Willen allerdings richte.)

12. so wird der König Lust an deiner Schöne haben; denn er ist dein Herr und sollst ihn anbeten.

Lust: Er wird eine herzliche Liebe zu dir bekommen und wirst ganz schön vor seinen Augen sein. (Denn obwohl Christus aus lauter Gnaden seine Kirche liebt, darum, dass sie von wegen der Gerechtigkeit, so ihr von ihm zugerechnet wird, in seinen Augen schön ist, jedoch liebt er sie noch herzlicher, wenn er sieht, dass die selbige sich mit Fleiß nach seinem Willen richtet. Also auch die frommen Weibspersonen scheinen in den Augen ihrer Ehemänner alsdann viel hübscher zu sein, wenn sie ihnen mit Willen gehorsam sind. Dagegen haben oft die Ehemänner auch zu den allerschönsten Weibern keine Lust um ihrer Störrigkeit und Widerspenstigkeit willen.)

Dein Herr: Und Gott, darum bist du immer schuldig, deinem Bräutigam in aller Demut gutwillig gehorsam zu sein.

Anbeten: Soll demnach die Kirche Christus nicht allein mit äußerlicher Ehrerbietung anbeten, sondern mit rechtem wahrem Gebet, so von Herzen geht, ihn suchen. Denn er ist ihr Schöpfer und Erlöser. Es sollen aber auch die Weiber ihren Männern alle Ehre erzeigen. Denn der Mann ist dem Weibe von Gott zum Herrn gesetzt und geordnet, alsdann werden solche Eheweiber einen friedlichen und glücklichen Ehestand haben und bei ihren Männern viel mehr erhalten, denn sie sonst immer mit aller ihrer Widerspenstigkeit aus ihnen bringen möchten.)

13. Die Tochter Zor wird mit Geschenk da sein, die Reichen im Volk werden vor dir flehen {Ps 72v10}.

Nach Luther: Zor heißt die Stadt Tyrus. Er nennt aber die Stadt Tyrus, die zu der Zeit die reichste und berühmteste Stadt war. Als wollte er sagen: Auch die Reichsten in der Welt werden Christus ehren.

Da sein: Und dich verehren. Das ist: (Die Heiden (denn die Tyrier waren Heiden) werden durch den Glauben an Christus zu dir kommen und begehren, dass sie mögen durch die heilige Taufe Glieder der Kirche Gottes werden. Es werden auch etliche aus den Reichen und Mächtigen dieser Welt sich demütig zu der Kirche Christi tun. Denn obwohl nicht viele Edle, Mächtige oder Weise dieser Welt zu Christus bekehrt werden, so hat doch Christus auch unter diesen Ständen seine Auserwählten.)

14. Des Königs Tochter ist ganz herrlich inwendig; sie ist mit goldenen Stücken gekleidet.

Inwendig: (Nach Luther) Gleichwie im Frauenzimmer alles Gold und Silber ist.

Gekleidet: Das ist: (Obwohl der rechte Schmuck der Kirche (welche, dieweil sie an Kindes statt angenommen, eine Tochter Gottes des himmlischen Königs ist) innerlich oder inwendig ist, nämlich im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe und in rechter wahrer Gottesfurcht, jedoch, so leuchtet und glänzt die Kirche auch auswendig von vielen und herrlichen Tugenden wie Edelsteinen, die um einander versetzt sind. Denn wir sollen unser Licht leuchten lassen vor den Menschen, dass sie unsere guten Werke sehen und preisen den Vater, der im Himmel ist {Mt 5}. Daneben aber, obwohl unser Herr und Gott an der Fürsten und Potentaten Gemahlen und Töchtern einen ziemlichen Schmuck leiden mag, sollen doch solche Weiber oder Jungfrauen vor allen Dingen sich bemühen, dass sie inwendig im Herzen recht geziert sein, mit wahren Glauben, rechter Gottesfurcht, Hoffnung, Demut, Geduld, Keuschheit und anderen Tugenden, die Christen wohl anstehen.)

15. man führt sie in gestickten Kleidern zum König; und ihre Gespielen, die Jungfrauen, die ihr nachgehen, führt man zu dir.

Zu dir: Das ist: (Dem Herrn Christus wird seine Gattin zugeführt, die ist mit vielen Tugenden und guten Werken geziert und bringt zu ihrem Könige immer aus Liebe andere und neue Jungfrauen mit sich, welche sie als ihre Gespielen liebt, dass sie auch ihren Hochzeiter Christus recht erkennen und selig werden. Wir sollen es aber nicht davor halten, dass die allein Christus angehören, welche die leibliche Jungfrauenschaft bis an ihr Ende behalten haben (obwohl auch die Jungfrauenschaft, so sie aus Glauben bewahrt worden, ihre Ehre hat), sondern vor Gott sind alle die Jungfrauen, welche wahrhaftige Buße tun und an Christus glauben {2Kor 12}.)

Nach Luther: Als zum Tanze oder Freuden.

16. man führt sie mit Freuden und Wonne und gehen in des Königs Palast.

Führt sie: Nämlich die Jungfrauen führt man zur Kirche Gottes, dass sie darin aus dem Wasser der heiligen Taufe wiedergeboren und einmal eins auch eingehen mögen in den ewigen herrlichen Palast und in das Reich Christi. (Denn es freuen sich auch die Engel und gottseligen Leute von Herzen, wenn jemand durch die Predigt des Evangeliums Christus zugeführt wird.)

17. Anstatt deiner Väter wirst du Kinder kriegen; die wirst du zu Fürsten setzen in aller Welt.

Kinder kriegen: Das ist: Anstatt der Patriarchen des Alten Testaments, welcher Ansehen du dich viel getröstet und gerühmt hast, wird dir der Herr liebe Söhne geben, nämlich die Apostel, die dich wiederum herzlich lieb haben, die werden geistliche Fürsten sein in der ganzen weiten Welt und werden mit geistlichen Wehren und Waffen, Königreich und Fürstentümer zum Gehorsam des Glaubens und christlicher Lehre bringen und Christus untertänig machen. Denn es werden die Apostel Fürsten genannt {Ps 68}. (Es gibt und schenkt aber unser Herr Gott auch frommen Matronen, anstatt ihren Ehemännern, die sie verlieren oder doch verlassen müssen, liebe Kinder, wenn sie dieselben in Gottesfurcht auferziehen, so kann es wohl geschehen, dass sie zu stattlichen Ämtern oder auch Königreichen und Kaisertümer erhaben werden. Und obgleich das nicht immer geschieht, so bekommen sie doch das himmlische Königreich.)

18. Ich will deines Namens denken von Kind zu Kindeskind; darum werden dir danken die Völker immer und ewig.

Denken: Nachdem der Prophet das Lob des Bräutigams Christi und der Kirche, seiner Braut beendet, beschließt er jetzt sein Brautlied oder Hochzeitsgesang mit einer Danksagung und zeigt an, wie er den Namen Christi in alle Ewigkeit loben und preisen wolle, von wegen seiner unaussprechlichen Güte und Barmherzigkeit, die er der Kirche seiner allerliebsten Braut erwiesen hat.

Völker: Die durch den Glauben zu dir bekehrt werden. (Denn wir können unseren Herrn Gott und Bräutigam Jesum Christus niemals genügend loben, dass er sich unser erbarmt und uns, die wir mit unbezahlbaren Sünden befleckt sind, durch sein Blut gereinigt und durch den Glauben ihm selbst vermählt hat, dass wir wegen seiner unaussprechlichen Liebe gegen uns, mit ihm sollen regieren immer und ewig, Amen.)


Der 46. Psalm


1. In diesem Psalm steckt ein herrlicher Trost für die Kirche Gottes, wenn dieselbe unter den Tyrannen und Verfolgern in großer Gefahr steht, dass man besorgt, sie möchte einmal ganz zugrunde gehen. Da lehrt uns dieser Psalm, dass die Stadt Gottes, das ist die Kirche des Sohnes Gottes, nicht werde untergehen und wenn sich gleich alle Kreaturen wider sie legten. Diesen Psalm sollen wir uns zunutze mache, wenn uns Gefahr vor Augen schwebt, dass wir daraus unseren Glauben und Hoffnung stärken.

1. Ein Lied der Kinder Korah von der Jugend, vorzusingen.

Jugend: Um welcher willen er gemacht wurde, dass er derselben mit Fleiß und oft soll vorgesungen werden.

2. Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben {Ps 18v2 v3 Spr 18v10}.

Zuversicht: Wenn wir zu demselben mit Glauben fliehen, so sind wir sicher.

Stärke: Der uns Kraft und Stärke verleiht, dass wir alles Kreuz und Widerwärtigkeit überwinden mögen.

Nöten: Und Anfechtungen. (Daraus zu lesen ist, dass die Kirche zwar beschützt und beschirmt werde, doch nicht dergestalt, dass sie gar nicht in keine Gefahr komme, sondern also dass sie darin nicht verderbe. Alsdann wird sie aber erhalten, wenn sie ihre Hoffnung nicht auf Menschen, sondern auf den allmächtigen Gott setzt.)

3. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,

Darum: Dieweil wir nämlich einen solchen getreuen und starken Gehilfen haben.

Sänken: Wenn es gleich das Ansehen hat, als wollte Himmel und Erde in einen Haufen fallen und alles unter und über sich gehen. (Obwohl nun die Gottseligen nicht immer zur Zeit der Gefahr mit solchem starken Glauben begabt sind, dass sie der bevorstehenden Gefahr so gar nicht achten, so überwinden sie doch mit Glauben des Fleisches Zagheit und fassen wiederum ein Herz.)

4. wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Sela.

Einfielen: Wenngleich die Wellen des Meeres grausam und schrecklich sich erzeigen und das Meer ganz ungestüm wird, auch die Berge durch Erdbeben zerschellt werden und zerfallen, so wollen wir dennoch nicht verzagen.

5. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

Brünnlein: Das ist: Gleichwie die Wasserbächlein oder Brünnlein einen Garten befeuchten, dass er nicht von der Sonnenhitze ausdorre und die Kräuter verderben, also erquickt und erhält Gott mit seinem Geist (welcher das lebendige und rechte Kraftwasser ist) seine Kirche, dass sie vor Hitze der Anfechtung nicht verschmachte.

Wohnungen: (Es wohnt aber Gott in seiner Kirche, ja in einem jeden frommen Menschen und erzeigt ihnen durch seine Gegenwart viele und große Guttaten. Die Schrift redet aber also von ihm, dass er zu Jerusalem wohne, darum, dass er darin seine Gegenwart im Tempel geoffenbart und ihm gedient wurde. Heutigentags aber, obwohl dergleichen Tempel nicht mehr vorhanden, jedoch, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen {Mt 18}.)

6. Gott ist bei ihr darin, darum wird sie wohl bleiben; Gott hilft ihr frühe.

Darin: Nämlich mitten in seiner Kirche. (Darum, gleichwie man eine Stadt, darin ein mächtiger Herr oder Monarch mit einer starken Besatzung liegt, nicht erobern oder zerstören kann. Also wird man auch die Kirche nicht vertilgen können, denn sie Gott den Herrn selbst bei sich hat und werden die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen {Mt 16}.)

Frühe: Zur rechten und gelegensten Zeit. (Obwohl nun uns oft bedünkt, dass Gott mit seiner Hilfe ganz zu spät komme. Jedoch, dieweil er ist der Helfer in der Not {Ps 9} und zu gelegener Zeit hilft, so sollen wir es gewisslich davor halten, dass er die allergelegenste Zeit nicht versäumen werde, da es gereicht zu seines Namens Ehre und der Kirche Heil und Wohlfahrt.)

7. Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen; das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.

Hören lässt: Wenn Gott die Predigt des Evangeliums erschallen lässt, so werden die Heiden bestürzt, dass sie vielmehr danach denken, wie sie ausreißen und fliehen, denn wie sie die Kirche Gottes stürmen wollen. Und die Herrschaften oder Königreiche, so nach der Kirche Gottes Verderben trachten, die zerfallen und gehen zugrunde, dass sie wider die Predigt des Evangeliums, von den Aposteln geschehen, nicht lange Bestand haben. Denn die reine Lehre des Evangeliums ist in diesem Fall gleichwie ein Strahl oder Donnerklopfen, weil es allen menschlichen Verdienst und alle Lehre, so von Menschen erdacht wurde, zu Boden schlägt, daher Christus auch beide Apostel, Johannes und Jakobus, Donnerskinder nennt {Mk 3}.) * (Nach Luther) Das ist: Wenn er donnert.

8. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela.

Zebaoth: Das ist: Der Heerscharen, unter dem alle Kreaturen gleichsam zu Felde ziehen und der unzählbar viele Engel mit sich hat.

Mit uns: Dass er uns beschütze und beschirme. (Ist nun Gott mit uns, wer wollte wider uns sein {Röm 8}? Wer wollte uns Schaden tun?)

Gott Jakob: Der sich dem Patriarchen Jakob, mit dem Zunamen Israel, gnädig geoffenbart und seine Nachkommen sich selbst zu Kindern angenommen hat.

Schutz: Und unüberwindliche Festung. (Die rechten Israeliten sind heutigentags nicht die Juden, sondern die Christen {Gal 6}.)

9. Kommt her und schaut die Werke des Herrn, der auf Erde solche Zerstörung anrichtet,

Kommt: Jetzt macht der Prophet der Kirche Gottes ein gutes Herz und erinnert sie, dass sie in Erwägung der herrlichen Taten Gottes, gute Hoffnung habe, dass ihr Gott auch helfen werde.

Schaut: Bedenkt und betrachtet mit Fleiß, wie viele und mächtige Königreiche Gott zerstört habe, darum dass sie seine Kirche angefochten und geplagt haben.

10. der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrannt.

Verbrannt: Es will der Prophet so viel sagen: Haben wir nicht einen mächtigen Gott, der in einem Hui des Krieges ein Ende machen kann, hin und wieder in der Welt, indem er die Völker, so Lust zum Krieg haben, zu Boden schlägt und die Wehr nimmt oder zerbricht. (Nun sind der Beispiele wohl vorhanden, da Gott mächtige Könige und Regenten gestürzt hat, mit denen sich es ansehen lies, als würden sie mit immerwährenden Kriegen nicht allein die Kirche, sondern auch den ganzen Erdboden, ja auch den Himmel stürmen und erobern.)

11. Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin! Ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erde.

Seid stille: Fürchtet euch nicht, ihr meine Auserwählten, geht nicht mit fleischlichen und menschlichen Ratschlägen um, gedenkt, dass ich ein allmächtiger Gott bin, seht mir zu und lasst mich machen.

Einlegen: Ich will meine Kirche so beschützen und solche Werke tun, dass mein Name unter den Heiden und auf dem ganzen Erdboden soll gepriesen werden. (Denn wenn Gott seine Kirche errettet, dient solches endlich zum Lobe und Ehre seines Namens, dass ihrer viele zu Gott bekehrt werden.)

12. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela.

Der: Zu Ende wiederholt die Kirche Gottes den tröstlichen Spruch, der auch oben im Psalm steht, dass sie ihren Glauben mit dem Beschluss dieses Psalmes stärke.

Mit uns: Dass er uns schütze und beschirme. (Wir sollen es aber gewiss davor halten, dass Gott nicht allein in äußerlicher Gefahr uns beistehe, sondern dass eben derselbe auch in allen Anfechtungen gegenwärtig bei uns sei und selbige zu seines Namens Ehre richte, der gibt endlich ein solches seliges Auskommen, dass uns keine Kreatur scheiden kann von der Liebe Gottes, die da ist in Christus Jesu unserem Herrn {Röm 8}.)


Der 47. Psalm


1. In diesem Psalm muntert der Heilige Geist die Kirche Gottes auf, dass sie mit Fleiß betrachten soll, die Majestät und Herrlichkeit Christi Gottes und Menschen, welcher gen Himmel gefahren, zur Rechten Gottes des Vaters sitzt und regiert im Himmel und auf Erde. Diese Erwägung aber der Herrlichkeit Christi soll uns dazu dienen, dass wir uns ihm demütig und gehorsam untergeben und in allem Anliegen bei unserem Bruder Jesu Christus Hilfe suchen.

1. Ein Psalm, vorzusingen, der Kinder Korah.

2. Frohlockt mit Händen, alle Völker und jauchzt Gott mit fröhlichem Schall!

Frohlockt: Mit großen Freuden und wünscht eurem Könige Christus Glück.

Schall: Preist seine überschwängliche Majestät und Herrlichkeit mit fröhlicher Stimme. (Denn es soll nicht lau und schlecht aufhören, wenn wir unseren Gott loben wollen.)

3. Denn der Herr, der Allerhöchste, ist erschrecklich, ein großer König auf dem ganzen Erdboden.

Allerhöchste: An Herrlichkeit, Macht und Ehren, Jesus Christus.

Erschrecklich: Den Feinden und Gottlosen.

König: Der mit großer Macht herrscht und regiert. (Denn ob wir wohl Christus nicht sichtbarlich auf Erde anschauen, so ist er doch unsichtbarerweise bei uns immer, bis an der Welt Ende {Mt 28}. Und richtet alles zu seines Namens Ehre, auch unserem Heil und Wohlfahrt und fällt kein Haar von unserem Haupt ohne seinen Willen.)

4. Er wird die Völker unter uns zwingen und die Leute unter unsere Füße.

Füße: Das ist: (Durch das Wort des Evangeliums hat er die Leute bekehrt, dass sie uns nicht mehr zuwider sind, sondern sich in der christlichen Kirche Gewalt ergeben. Von diesem geistlichen Krieg, darin die Kirchendiener die Leute Christus und der Kirche unterwürfig mache, redet Paulus {2Kor 10}.)

5. Er erwählt uns zum Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt. Sela.

Erbteil: Dass wir sein Volk sind, und hat die herrliche Kirche Israel lieb. (Die rechten Israeliten aber sind die Christen, die hat er geliebt und auserwählt. Das ist aber die Herrlichkeit und Zierde der Kirche, dass sie durch das Blut Christi gereinigt und mit vortrefflichen Gaben des Heiligen Geistes geziert ist.)

6. Gott fährt auf mit Jauchzen und der Herr mit heller Posaune.

Gott: Unser Herr Jesus Christus.

Fährt auf: Gen Himmel.

Mit Jauchzen: Mit großen Freuden.

Der Herr: Der ewige Gott, unser Messias fährt auf.

Posaunen: Das ist: Mit großer Herrlichkeit. Es sieht aber der Prophet auf die fürstliche Herrlichkeit. Denn wenn fürstliche Personen mit besonderem Gepränge in eine Stadt einziehen wollen, haben sie vor ihnen her die Trompeter. Christus aber ist herrlich in sein himmlisches Reich eingegangen, da er im Angesicht vieler Jünger von der Erde gen Himmel aufgehoben wurde {Apg 1}. (Es ist aber Christus nicht darum den Himmel gefahren, dass er von seiner Kirche bis zum Jüngsten Tage abwesend sei, sondern ist aufgefahren über alle Himmel, auf dass er alles erfülle, das ist, dass er gegenwärtig, nach beide Naturen, alles im Himmel und auf Erde regiere. Er ist auch sichtbar gen Himmel aufgefahren, auf dass wir wissen, er habe uns das Himmelreich geöffnet, welches durch seinen Verdienst allen denen, die an ihn glauben, offen steht. Wir sollen aber dieses Zeugnis der Gottheit Christi wohl in Acht nehmen. Denn hier wird er genannt, der Gott und Herr, Jehova, welcher Name sonst keiner Kreatur gegeben wird.)

7. Lobsingt, lobsingt Gott; lobsingt, lobsingt unserem Könige!

Gott: Unserem Herrn Jesu Christus, zu seiner Ehre, singt von seinen Guttaten, die er an das menschliche Geschlecht gewendet hat. Singt von seiner großen Herrlichkeit, zu welcher er, nachdem er den Tod überwunden, jetzt und vollkommen erhaben wurde.

Könige: Dem Messias, welcher herrscht im Himmel und auf Erde. (Denn er hat ja so viel Gutes um uns verdient, dass wir ihn niemals genug loben können. Seine Macht und Herrlichkeit ist so groß, dass wir es nicht genügend mit Worten aussprechen können.)

8. Denn Gott ist König auf dem ganzen Erdboden; lobsingt ihm klüglich!

Gott: Unser Herr Jesus Christus.

Erdboden: (Darum, wo wir auf Erde wohnen, da sind wir unter seiner Gewalt, Schutz und Schirm.)

Ihm: Diesem mächtigen Gott.

Klüglich: Mit Fleiß und Verstand. (Dieweil aber dieser Psalm für die ganze christliche Kirche aufgeschrieben ist, so wird die selbige hier erinnert, dass sie Gott mit Liedern, auch in der Muttersprache, loben und preisen soll, dass Herz und Mund zusammen stimmen.) * (Nach Luther) Dass man im Predigen das Wort mit Fleiß handele und darauf bleibe, nicht hineinschreie und plaudere wie die wilden, wüsten Schreier und Speier und frechen Prediger, die da reden, was sie denken.

9. Gott ist König über die Heiden; Gott sitzt auf seinem Heiligen Stuhl.

Heiden: Unser Herr Christus hat ein Reich bekommen, nicht allein über die, welche aus den Juden, sondern auch, die aus den Heiden sein Evangelium annehmen.

Stuhl: Seines Königreichs und regiert als ein mächtiger König. (Er nennt aber das Reich Christi einen Heiligen Stuhl, darum dass es ein geistliches Reich ist. Und dieweil er durch den Heiligen Geist in den Herzen der Gläubigen also herrscht und regiert, dass sie sich der Heiligkeit, Unschuld und Frömmigkeit bemühen.)

10. Die Fürsten unter den Völkern sind versammelt zu einem Volk dem Gott Abrahams; denn Gott ist sehr erhöht bei den Schilden auf Erde.

Einem Volk: Das ist: Auch aus den Fürsten und großen Herren verfügen und halten sich etliche zu der rechten Kirche, welche den Gott ehrt, der sich dem Patriarchen Abraham geoffenbart hat.

Schilden: Das ist: Bei den Obrigkeiten, die ihrer Untertanen Schild und Schutz sind, ist der Name Gottes unseres Herrn Jesu Christi sehr berühmt. Und werden durch die Herrlichkeit Christi, welche im Evangelium ausgebreitet wird, dazu gebracht, dass sie sich dem Herrn Christus unterwerfen. (Dieser Spruch soll Fürsten und Herren erinnern, dass sie das Evangelium Christi annehmen und diese Weissagung erfüllen helfen, lehrt sie auch daneben, dass sie sollen ihrer Untertanen Schild und Schirm sein.) * (Nach Luther) Es müssen Fürsten auch Christen sein, so hier genannt werden Schilde auf Erden.


Der 48. Psalm


1. Dieser Psalm ist eine Danksagung, dass Gott die Stadt Jerusalem in mancher großen Gefahr erhalten hat: Dieweil aber jetzt und durch die Stadt Jerusalem verstanden wird das Reich Christi, das in der ganze weiten Welt ausgebreitet ist, sollen wir diesen Psalm brauchen, sooft wir unserem Herrn und Gott davor danksagen wollen, dass er seine Kirche so gnädiglich beschützt und beschirmt hat.

1. Ein Psalmlied der Kinder Korah.

2. Groß ist der Herr und hoch berühmt in der Stadt unseres Gottes, auf seinem heiligen Berge.

Der Herr: Unser Gott, nicht zwar an leiblicher Größe, sondern an Herrlichkeit, Weisheit, Güte und Macht.

Unseres Gottes: Nämlich in der Stadt Jerusalem, welche Gottes Stadt ist, weil er sie erwählt hat, das er darin wohnen wolle, darum soll man ihn da richtig loben und preisen.

Berge: Nämlich im Tempel, welcher auf dem Berge Zion gebaut ist. (Denn obwohl Gott an allen Orten recht gelobt wird, so gebührt sich es doch besonders, dass es bei der allgemeinen Versammlung der Kirche Gottes geschehe.)

3. Der Berg Zion ist wie ein schönes Zweiglein, des sich das ganze Land tröstet; an der Seite gegen Mitternacht liegt die Stadt des großen Königs.

Tröstet: Das ist: Das ganze Königreich Israel freut sich des Berges Zion, darauf der allerheiligste Tempel Gottes steht, da Gott recht geehrt und angerufen wird und er auch da erhört. (Also sollen wir uns auch freuen, wenn in einer Stadt oder Herrschaft der rechte ordentliche Gottesdienst im Schwange geht, denn solcher bringt uns himmlische und unvergängliche Guttaten mit sich.)

Großen Königs: Das ist: Zur Seite des Berges Zion liegt die Stadt des mächtigen Königs in Israel und ist eine große, wohlgebaute und volkreiche Stadt. (Es ist aber auch die Anstellung und Verordnung der Polizei und des weltlichen Regiments eine große Guttat Gottes, darum man richtig Ursache hat, Gott zu loben, dass er die selbige erhält.)

4. Gott ist in ihren Palästen bekannt, dass er der Schutz sei.

Schutz sei: Das ist: Die Obrigkeit in derselben Stadt erkennt, dass Gott der oberste Schirmherr dieser Polizei und Regierung sei. (Und ist dies auch eine große Guttat Gottes, wenn die Obrigkeit mit rechter Erkenntnis Gottes erleuchtet ist, daher kommt unzählig viel Gutes.)

5. Denn siehe, Könige sind versammelt und miteinander vorübergezogen.

Könige: Nämlich die ausländischen Könige und Fürsten der Heiden. * (Nach Luther) Das ist: Könige haben vor dieser Stadt müssen erschrecken und oft mit Schanden davonziehen.

Versammelt: Wider diese Stadt.

Vorübergezogen: Sie sind mit ihrem Kriegsheer hingezogen und haben entweder die Stadt nicht angreifen dürfen oder sind doch unverrichteter Sachen wiederum abgezogen. Und gewisslich so haben die Gesandten des Königs Sanherib mit großem Hochmut die Stadt aufgefordert, dass sie sich an ihren König ergebe sollte, aber es ist ihm sehr übel ausgeschlagen, wie 2. Samuel 18. und 19. zu sehen ist. So ist kein Zweifel, dass mehr Könige diese Stadt sehr gehasst haben, aber sie haben es nicht dürfen angreifen.

6. Sie haben sich verwundert, da sie solches sahen; sie haben sich entsetzt und sind gestürzt.

Sahen: Wie groß und wie fest diese Stadt und wie herrlich der Tempel wäre.

7. Zittern ist sie dort angekommen, Angst wie eine Gebärerin.

Angst: Es ist ihnen so angst und bange in ihrem Herzen worden wie einem Weibe in Kindesnöten. (Denn wenn Gott seine Kirche handhaben will, so nimmt er den Feinden das Herz, dass sie sich fürchten, auch da keine Gefahr vorhanden ist.)

8. Du zerbrichst Schiffe im Meer durch den Ostwind.

Zerbrichst: Also dass, wenngleich etliche Feinde zu Wasser und auf dem Meer sich herzumachen, den König in Juda unterzudrücken und die Heilige Stadt zu zerstören, so wirst du doch zuvor die Schiffe im Meer durch eine Ungestüme oder Winds-Braut zerbrechen, ehe sie anfahren und zu Lande kommen. (Denn Gott wendet viele große Gefahr von seiner Kirche ab, ehe sie vor Augen gesehen werden.)

9. Wie wir gehört haben, so sehen wir es an der Stadt des Herrn Zebaoth, an der Stadt unseres Gottes; Gott erhält die selbige ewig. Sela.

Gehört haben: Nämlich vor der Zeit, von unseren Vätern, dass du dein Volk nicht verlässt.

Sehen wir es: Dass es wahr sei.

Stadt: Welche er bis daher gnädiglich erhalten hat.

Erhält: Es hat Gott seine Kirche so gegründet, dass sie keine menschliche Macht oder Gewalt nimmermehr wird stürzen oder zerstören können. Dem ist gewisslich also.

10. Gott, wir warten deiner Güte in deinem Tempel.

Warten: In Geduld und Hoffnung.

Tempel: Indem wir dich mit Glauben anrufen und hoffen, du wirst uns auch künftig und uns gnädiglich erhalten. (Also hat vor der Zeit die Kirche bald das Gebet an die Hand genommen, wenn sie in Gefahr steckte, jetzt und greift man oft zur Wehr und bläst Lärm und das ohne alles Gebet.)

11. Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm, bis an der Welt Ende; deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.

Welt Ende: Das ist: Wie dein Name bis daher gepriesen wurde, dass du ein gnädiger, getreuer, starker, allmächtiger Gott seist. Also haben wir solches auch in der Tat erfahren und reicht dein Lob bis an der Welt Ende. (Obwohl nun der Glaube auf Gottes Wort und nicht auf die Erfahrung sich gründet, jedoch wird der Glaube durch die Erfahrung gestärkt, wenn sich die Verheißungen Gottes also im Werk befinden.)

Voll Gerechtigkeit: Das ist: (Was Gott durch seine Allmacht (denn das heißt, seine Rechte) tut und ausrichtet, das ist alles ganz gerecht und richtig, ob es gleich zu Zeiten für unsere Vernunft ein anderes Ansehen hat.)

12. Es freue sich der Berg Zion und die Töchter Judas sind fröhlich um deiner Rechte willen.

Berg Zion: Die Kirche Gottes.

Töchter Juda: Das ist: Das Landvolk im Königreich Juda soll sich freuen. Denn es scheint, dass dieser Psalm gemacht wurde zu der Zeit, da schon das Königreich in zwei Reiche, Juda und Israel, zertrennt war.

Rechte willen: (Denn in dem Gott seine Kirche handhabt und errettet, erzeigt er daran seine gerechten Gerichte so, dass seines Namens Ehre dadurch befördert wird.)

13. Macht euch um Zion und umfangt sie; zählt ihre Türme!

Zählt: Das ist: Ihr von der Obrigkeit, geht herum um die Stadt und beseht ihre Festungen mit Fleiß und seht zu, dass nichts mangele, das zur Erhaltung und Beschirmung dieser Stadt notwendig wird. (Denn ob man wohl allein zu Gott alle Hoffnung setzen soll, so muss man doch die ordentlichen Mittel nicht verachten. damals aber gehen sie recht um die Stadt herum, wenn sie zusehen, dass nicht entweder Ketzerei oder ein rohloses Leben in die Kirche Gottes einschleiche.)

14. Legt Fleiß an ihre Mauern und erhöht ihre Paläste, auf dass man davon verkündige bei den Nachkommen,

Legt Fleiß: Das ist: Ihr sollt mit besonderem Fleiß gute acht darauf haben, dass die Mauern der Stadt ganz sind und dass nicht die herrlichen Gebäude einfallen, damit in und aus dieser Stadt die rechte Religion und Lehre verkündigt und ausgebreitet werde.

Verkündige: (Nach Luther) Das ist: Predigen möge Gottes Wort.

15. dass dieser Gott sei unser Gott immer und ewig. Er führt uns wie die Jugend.

Führt uns: Er wird uns mit seinem Heiligen Geist regieren und bis an des letzten Seufzens bewahren, bis dass er uns aus diesem Jammertal zur ewigen himmlischen Freude bringt. (Hieraus haben wir Zeugnis, dass wir in keinen Weg daran zweifeln sollen, ob wir bis an unser Ende in der Gnade beharren und bleiben werden.)

Jugend: (Nach Luther) Das ist: Gnädiglich und sanft, durch das Wort der Gnaden, wie Vater und Mutter ein Kind aufziehe, nicht wie Henker oder Stockmeister durch das Gesetz und Zwang treiben und würgen.


Der 49. Psalm


1. Dieser Psalm erinnert uns, dass wir uns nicht ärgern sollen, wenn wir gleich sehen, dass es den Gottlosen glücklich und wohl, den Frommen aber vielfältig trübselig ergeht. Denn die Gottlosen werden einmal eins zugrunde gehen und in ewige höllische Pein verstoßen werden, die Frommen aber sollen ihre Unschuld genießen. Wir können diesen Psalm benutzen, wenn uns gottloser Leute glücklicher Fortgang dahin reizen und antreiben will, dass wir auch ihrem gottlosen Wesen nachfolgen. Als denn sollen wir diesen Psalm mit Fleiß erwägen, damit wir dadurch in einer Furcht gehalten werden.

1. Ein Psalm der Kinder Korah, vorzusingen.

2. hörte zu, alle Völker; merkt auf, alle, die in dieser Zeit leben,

Hörte: In den ersten vier Versen zu Anfang dieses Psalms werden die Zuhörer zum Aufmerken angemahnt und aufgemuntert, weil man verspricht, dass man herrliche Weise und nützliche Sprüche auf die Bahn bringen wolle.

Zu: Den göttlichen Weissagungen, die ich vorbringen werde.

Alle Völker: Denn dies soll nicht einem Volk allein, sondern allen Menschen gesagt sein.

Merkt auf: Auf meine Lehre, die aus Gottes Wort genommen ist.

Leben: (Denn alle Menschen sind schuldig, dem Worte Gottes aufzumerken und dem selbigen zu folgen, und welche das verachten, die werden darüber ihres Seelenheils und Seligkeit verlustig.)

3. beide gemein Mann und Herren, beide reich und arm miteinander.

Und Herren: Beide Edel und Unedel soll mir zuhören.

Miteinander: Welches Standes auch einer sein mag.

4. Mein Mund soll von Weisheit reden und mein Herz von Verstand sagen.

Weisheit: Die da göttlich und himmlisch ist, welche man aus dem Worte Gottes vernehmen kann.

Verstand: In schweren und wichtigen Sachen.

5. Wir wollen einen guten Spruch hören und ein feines Gedicht auf der Harfe spielen {Ps 78v2 Mt 13v35}.

Spruch hören: Denn ich will auf meine Rede selber auch Achtung geben, damit alles recht und ordentlich von mir vorgebracht werde.

Harfe spielen: Das ist: Ich will zur Harfe schöne und gewaltige Sprüche singen, darauf werdet ihr mit Fleiß Achtung zu geben wissen.

6. Warum sollte ich mich fürchten in bösen Tagen, wenn mich die Missetat meiner Übertreter umgibt?

Warum: Folgt jetzt der Vertrag dieses Psalms und ist frageweise gestellt, damit es dem Menschen desto besser ins Herz dringe.

Bösen Tagen: Warum soll ich kleinmütig werden, wenn gleich meine Sachen nicht immer glücklich vonstattengehen?

Umgibt: Das ist: Wenn ich schon von bösen verkehrten Leuten umringt, geplagt und zutreten werde. Er will aber so viel sagen: Ihr sollt euch das nicht bekümmern lassen, wenn es gottlosen bösen Leuten glücklich und nach ihres Herzen Wunsch geht, sie aber andere fromme Leute plagen, denn ihr Glück wird nicht lange dauern.

7. Die sich verlassen auf ihr Gut und trotzen auf ihren großen Reichtum.

Verlassen: (Denn die Reichen, welche daneben gottlos sind, setzen all ihre Hoffnung und Vertrauen auf zeitliches Gut und nicht auf Gottes Hilfe und Beistand, daher Matth. 6. steht, dass sie dem Mammon dienen.)

8. Kann doch ein Bruder niemand erlösen noch Gott jemand versöhnen;

Erlösen: Denn wenngleich ein Bruder den anderen mit seinem Reichtum vom Tod erlösen oder Gott, wenn man ihn erzürnt, mit seinem Gut versöhnen wollte, so wäre doch beides vergebens. Denn man weder das Sterbestündlein mit Reichtum abwenden noch den zornigen Gott mit Gold und Gut versöhnen kann. (Darum ist es eine recht unsinnige Weise und tun diejenigen sehr töricht, die allein danach trachten, wie sie großes Gut von allen Orten her zusammenscharren und kratzen und halten es so, dass ihnen recht wohl dabei sein werde.)

9. denn es kostet zu viel, ihre Seele zu erlösen, dass er es muss lassen anstehen ewig,

Zu viel: Er kann kein Geld dazu geben, dass er seine Seele von der Verdammnis errette. (Was hülfe es denn einen Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, und litte Schaden an seiner Seele {Mk 8}.)

10. ob er auch gleich lange lebt und die Grube nicht sieht.

Lange lebt: (Nach Luther) Hat guten Mut, denkt nie an den Tod.

Grube: Oder das Grab.

Nicht sieht: So muss er dennoch endlich sterben und zugrunde gehen.

11. Denn man wird sehen, dass solche Weisen doch sterben, sowohl als die Toren und Narren umkommen und müssen ihr Gut anderen lassen.

Sehen: Man wird in der Tat erfahren, dass solche weltweisen Leute, welche mit großem Vorteil wissen mit dem Zeitlichen umzugehen, vor dem Tod ebenso wenig gesichert und befreit sind als die Toren und Heillosen, die ihre Sache nicht an zuschicken wissen. (Denn der Tod schont niemand.)

Anderen lassen: Und geschieht oft, dass das Gut nicht denjenigen zuteilwird, denen es solche weltweisen Leute verordnen, sondern es mögen es wohl lachende Erben überkommen. (Denn es steht nicht in unseren Händen, dass wir unser Gut verlassen, wem wir wollen, man kann es auch mit keinem Testament genügend vorkommen oder verhüten.)

12. Das ist ihr Herz, dass ihre Häuser dauern immer, ihre Wohnungen bleiben für und für und haben große Ehre auf Erde.

Ihr Herz: Damit gehen sie in ihrem Herzen um.

Ihre Häuser: (Nach Luther) Das ist: Ihr Geschlecht, Kinder, Personal.

Dauern immer: Ihr Geschlecht werde ewig bleiben, wie sie meinen.

Für und für: Dass ihnen nie an ordentlichen Erben und Nachkommen mangeln werde.

Große Ehre: Dass sie einen stattlichen Namen hinter sich lassen.

13. Dennoch können sie nicht bleiben in solcher Würde, sondern müssen davon wie ein Vieh.

Nicht bleiben: Die Gottlosen werden ihre Herrlichkeit nicht immer erhalten können, sondern werden hinwegsterben wie das unvernünftige Vieh. (Ja nach dem Tode geht es einem solchen gottlosen Menschen noch ärger als dem Vieh, darum dass ein Vieh ganz zugrunde geht, ein Gottloser aber zur ewigen Pein und Marter behalten wird.)

Würde: (Nach Luther) Das ist: Gut und Ehre.

14. Dies ihr Tun ist eitel Torheit; noch loben es ihre Nachkommen mit ihrem Munde. Sela.

Lobens: Man findet nichtsdestoweniger Leute, die solche Reichen für glückselig schätzen und preisen, darum, dass sie großes Gut besitzen, da sie doch später ewig verderben müssen.

15. Sie liegen in der Hölle wie Schafe, der Tod nagt sie; aber die Frommen werden ganz bald über sie herrschen und ihr Trotz muss vergehen, in der Hölle müssen sie bleiben.

Wie Schafe: Gott wirft sie in die Hölle hinein über den Haufen als wie in einem Schafstall.

Nagt: Und peinigt sie dort ewig.

Herrschen: Nämlich auch noch in diesem Leben werden die Frommen über sie gesetzt werden: Wenn sie denn sterben, so werden sie ganz zur Hölle verstoßen werden.

16. Aber Gott wird meine Seele erlösen aus der Hölle Gewalt; denn er hat mich angenommen. Sela.

Aber: Jetzt zeigt der Prophet an, im Gegenteil, wieviel besser es die Frommen haben werden als die Gottlosen.

Angenommen: Weil Gott der Herr so väterlich für mich sorgt, wird er mich aus allem Unfall erretten und mich nicht mit den Gottlosen zugrunde gehen lassen.

17. Lass dich es nicht irren, ob einer reich wird, ob die Herrlichkeit seines Hauses groß wird.

Nicht irren: Und werde nicht kleinmütig darüber, wenn du siehst, dass der Gottlose hervor und zu großen Ehren kommt mit seinem Personal, dass du vielleicht daraus dir die Gedanken schöpfen wolltest, du würdest daneben von Gott versäumt und achtete er sich deiner nicht. (Denn wo man reich ist, da wird man oft auch auf der Welt in Ehren gehalten, wenn gleich die Leute dessen nicht wert sind.)

18. Denn er wird nichts in seinem Sterben mitnehmen und seine Herrlichkeit wird ihm nicht nachfahren.

Nichts: Von aller seiner Habe und großem Gut.

Nicht nachfahren: Ins Grab und in die Hölle, da er mit Unehren in großer Schande und Schmach liegen wird.

19. sondern er tröstet sich dieses guten Lebens und preist es, wenn einer nach guten Tagen trachtet.

Tröstet: Der Gottlose hat in dieser Welt gut Leben, aber nicht in der zukünftigen.

Lebens: (Nach Luther) Das ist: Er hält viel davon, dass man hier genug habe und prange.

Preist: Ein solcher gottloser Narr rühme es, wenn einer nur sieht, wie er ihm sein Leben lasse zu lieb werden und in allem Überfluss lebe. (Denn die Gottlosen halten dieser Welt Glück, Freude und Wollust für das allerhöchste Gut.)

20. So fahren sie ihren Vätern nach und sehen das Licht niemals.

Vätern nach: Sie ziehen dem alten Haufen zu und kommen zu ihren Gottlosen Voreltern, die in ewiger Verdammnis sitzen.

Niemals: Sie werden der ewigen Seligkeit beraubt. Denn durch das Licht wird hier die Seligkeit verstanden.

21. Kurz, wenn ein Mensch in der Würde ist und hat keinen Verstand, so fährt er davon wie ein Vieh.

Keinen Verstand: Das ist: Wenn Gott einen Menschen zu Ehren bringt, er aber Gottes Güte und Gnade nicht erkennt, sondern ist gottlos und undankbar, so stirbt er dahin, wie ein unvernünftiges Vieh, welches die Guttaten Gottes nicht versteht. Denn ein Reicher, der gottlos ist, braucht die Guttaten Gottes nicht anders als eine Sau. (Darum wenn uns Gott Reichtum und Ehre beschert, so sollen wir ihm von rechtschaffenem Herzen danken und die selbige in der Furcht Gottes gebrauchen zu seines Namens Ehre und des Nächsten Nutzen und Wohlfahrt.)


Der 50. Psalm


1. In diesem Psalm weissagt Assaph davon, dass Jesus Christus sein Evangelium mit großer Herrlichkeit in der Welt werde verkündigen lassen. Und straft mit Ernst der Hohepriester Aberglauben und Heuchelei, welche allein dem äußerlichen levitischen Gottesdienst ergeben waren und daneben des rechten geistlichen Gottesdienstes, der Buße und Anrufung des Namens Gottes ganz nichts achteten. Endlich werden diejenigen auch mit Ernst gescholten, die sich der Erkenntnis Gottes rühmen und sein Wort stetig im Munde haben, daneben aber allerlei Schande und Laster treiben. Und reimt sich dieser Psalm ganz artig mit dem Gleichnis Christi, darin die Gäste zu des Königs Hochzeit, das ist, zum Evangelium Christi berufen werden, die Heuchler aber, nämlich die Juden, wollten nicht kommen, so werden nun andere, welche von den heuchlerischen Juden verachtet worden, als die Bettler und Lahmen berufen, unter denen findet sich ein Mensch, der kein hochzeitlich Kleid anhat, der wird nun in die äußerste Finsternis geworfen. Demnach so dient uns dieser Psalm, unseren Glauben an das Evangelium Christi zu stärken, straft die abergläubischen Gottesdienste und erinnert uns, dass wir für gottloses Leben, dadurch auch das Bekenntnis der heilsamen reinen Lehre geschändet wird, uns hüten sollen.

1. Ein Psalm Assaphs. Gott der Herr, der Mächtige, redet und ruft der Welt von Aufgang der Sonne bis zum Niedergang.

Mächtige: Nämlich der Sohn Gottes. Denn der wird in {Jes 9} Kraft und Held genannt.

Und ruft: Das ist: Der Herr Jesus Christus redet durch die Predigt des Evangeliums mit dem menschlichen Geschlecht und beruft zum Evangelium nicht ein Volk allein, sondern alle Kreaturen. (Denn welcher einen rechten reinen Prediger oder Lehrer des Evangeliums hört, der hört Christus selber {Lk 10}. Und gehen die Verheißungen des Evangeliums über alle Kreaturen {Mk 16} Das ist: Sie gehören allen Menschen zu.)

2. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes.

Bricht an: Das ist: Er schickt aus der Stadt Jerusalem den lieblichen Glanz und Schein seines Evangeliums aus. (Denn aus Jerusalem ist die Predigt des Evangeliums ausgegangen, welche erleuchtet, das ist, erfreut die Gewissen, die zuvor im Schatten des Todes und der Verzweiflung gesessen waren.)

3. Unser Gott kommt und schweigt nicht. Fressend Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein großes Wetter.

Kommt: Nämlich durch die Predigt des Evangeliums. Es pflegen aber die Propheten oft von dem, das geschehen soll, als wenn es bereits geschehe oder auch geschehen wäre, ohne Unterschied zu reden.

Schweigt nicht: Zu der Trübsal des menschlichen Geschlechts, sondern durch seine evangelische Trostpredigt reißt er seine Auserwählten aus der Hölle Angst heraus.

Großes Wetter: d. i. Gleichwie, da das Gesetz gegeben wurde, vorhergegangen sind schreckliche Donner und Blitze. Also da der Heilige Geist gesendet wurde am Pfingsttage, ist ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes vorher gegangen {Apg 2}. (Obwohl nun bei der Sendung des Heiligen Geistes nicht ein solches großes ungestümes und schreckliches Wetter gewesen als wie bei der Auskündigung des Gesetzes. Jedoch, so hat das Brausen eines gewaltigen Windes und die feurigen Zungen der Apostel wie auch ihre Predigt in mancherlei Sprachen das Volk zu Jerusalem und andere sehr bewegt und bestürzt gemacht, dass sie sich entsetzt und dem Evangelium Christi freiwillig ergeben haben. Und zeigen diese verblümten Worte, die der Prophet hier gebraucht, an, wie kräftig das Evangelium in der Menschen Herzen sei, dass es nämlich die selbigen durchdringe wie ein Strahl.)

4. Er ruft Himmel und Erde, dass er sein Volk richte.

Richte: Das ist: Er wird Himmel und Erde zu Zeugen nehmen, dass er wohl Ursache habe das jüdische Volk zu strafen und werden dieselben als Zeugen zusehen. (Ist aber gleichnisweise geredet, da einem unlebhaften Ding der Sinn und Verstand zugemessen wird, den Ernst dieser Sache desto besser zu erklären.) * (Nach Luther) Dass er es regiere, helfe, rette von dem Teufel, Menschen, Tod, Sünden.

5. Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mehr achten denn Opfer.

Heiligen: Nämlich meine Apostel und andere reine Kirchendiener sollen da sein, welche das Evangelium von Christus (das ein Neuer Bund ist und die Vergebung der Sünden mit sich bringt) höher achten denn die levitischen Zeremonien, die sollen meine Prediger sein und den gottlosen Juden ihre Heuchelei an den Tag geben.

6. Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkündigen; denn Gott ist Richter. Sela.

Die Himmel: Das ist: Die Apostel (welche auch im 19. Psalm die Himmel genannt werden) sollen die Gerechtigkeit predigen, so vor Gott gilt, nämlich die Gerechtigkeit Christi. Und werden lehren, dass unsere Gerechtigkeit und Seligkeit nicht stehe in den Opfern oder levitischen Zeremonien, welche allein ein Vorbild Christi gewesen, sondern auf dem Herrn Christus selber, der ein Opfer geworden ist für unsere Sünde. Deswegen diejenigen sehr weit fehlen, die anderswo ihre Gerechtigkeit suchen. Diesen Willen Gottes nun soll man verkündigen.

Richter: Der sich freilich keinen Irrtum und Heuchelei kann gefallen lassen.

7. Höre, mein Volk, lass mich reden, Israel; lass mich unter dir zeugen: Ich, Gott, bin dein Gott.

Zeugen: Ich will dich durch meine Diener mit großem Eifer erinnern von wichtigen und solchen Sachen, die dein Heil und Seligkeit antreffen. So höre mir nun mit Fleiß zu.

Dein Gott: Der sich dir geoffenbart hat, darum du ihm zum Gehorsam schuldig bist.

8. Deines Opfers halben strafe ich dich nicht; sind doch deine Brandopfer sonst immer vor mir.

Vor mir: Ich strafe nicht das an dir, als ob du mir nicht Opfer genug brächtest oder die Weise zu opfern, nicht genügend in acht hättest: Denn ich sehe dich alle Tage etliche Male deine Opfer bringen: Aber das ist mir zuwider, dass du in dem falschen und Gottlosen Wahn ein Opfer über das andere bringst, ohne alle wahre herzliche Buße und dich selber beredest, als ob du mich eben mit diesem Werke des Opfers könntest versöhnen, da du doch daneben weder mit Glauben auf mich, Christus, der durch die Opfer abgebildet wird, siehst, noch rechte Reue und Leid über deine Sünde hast und bringst mir deine Opfer, eben als wenn ich eine besondere Lust zum Fleisch hätte und deiner Opfer hoch notdürftig wären, dass ich Hungers sterben müsste, wenn du mich nicht mit wohlriechenden Opfern erquickst.

9. Ich will nicht von deinem Hause Farren nehmen noch Böcke aus deinen Ställen;

Nehmen: Wenn ich Farren oder Bockfleisch bedürfen würde.

10. denn alle Tiere im Walde sind mein und Vieh auf den Bergen, da sie bei tausend gehen.

Tausend gehen: Ich wollte wohl Ochsen und anderes Vieh von den Bergen bei tausend zur Hand haben, wenn ich Lust dazu hätte.

11. Ich kenne alle Vögel auf den Bergen und allerlei Tier auf dem Felde ist vor mir.

Bergen: Da es nistet und könnte davon, wieviel und welche ich wollte, zu meinem Brauch hernehmen, denn ich sehe und habe es alles vor Augen.

Vor mir: Vor meinem Angesicht. Denn weil ich sie alle erschaffen habe, würde mir es niemand wehren können, dass ich die selbigen nicht nach meinem freien Willen und Wohlgefallen gebrauchen sollte.

12. Wo mich hungerte, wollte ich dir nicht davon sagen; denn der Erdboden ist mein und alles, was darin ist.

Sagen: Ich wollte dich nicht aller erst um Speise ansprechen, bedürfte auch deiner Freigiebigkeit nicht, wenn ich gleich hungrig wäre, welches doch dem göttlichen Wesen nicht kann zugemessen werden.

13. meinst du, dass ich Ochsenfleisch essen wolle oder Bocksblut trinken?

Trinken: Als wenn ich, der allmächtige Gott, Speise und Trank haben müsste, oder mich dasselbe etwas hülfe? (Es möchte sich aber jemand verwundern, warum Gott die levitischen Opfer in den Schrift Mose fordert und die Weise und Form, auch die Zahl der selbigen, wie man sie auf die Fest und Feiertage aufopfern soll, so fleißig beschrieben habe, die er doch in den Schriften der Propheten so vielfältig ausschlägt und verwirft. Da sollen wir nun wissen, dass Gott der Juden Opfer darum verwerfe, dieweil sie solche nicht aus Glauben an Christus mit bußfertigem Herzen gebracht haben. Auch nicht daran gedacht, dass durch diese Opfer der Verdienst Christi abgebildet würde, sondern haben gemeint, das diese Opfer allein um des Werkes willen und für sich selber Gott dem Herrn wohl gefielen. Demnach so haben die Opfer, welche durch falschen Wahn und gottloses Wesen entheiligt wurden, unserem Herrn und Gott, ob sie gleich von ihm selber eingesetzt waren, nicht gefallen. Wenn denn diejenigen Gottesdienste, so von ihm selber geordnet und eingesetzt, aber mit irrigem falschen Wahn besudelt wurden, ihm nicht gefallen. Wie vielmehr hat er Missfallen an Menschensatzungen, die außerhalb dem Wort Gottes sind erdichtet worden? Welche auch mit dem falschen Gottlosen Wahn befleckt sind, als ob solche Werke für sich selber Gott den Herrn versöhnen könnten. Deren Gottesdienst findet man im Papsttum. Als die Messe, da sie vorgeben, dass darin der Leib und das Blut Christi, als ein Versöhnungsopfer für die lebendigen und Toten aufgeopfert werden: Also die Anrufung der verstorbenen Menschen, dass man Bilder und Götzen geehrt hat, Wallfahrten und anderer dergleichen Fabelwerke.)

14. Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde!

Gelübde: Das ist: Lobe und preise deinen Herrn und Gott, Jesum Christus, als deinen Mittler und Erlöser und dieweil du ihm gehorsam zu sein gelobt oder versprochen hast, so halt es gutwillig von ganzem Herzen. (Denn obwohl im Alten Testament besondere Lobopfer waren, welche 3. Mose 7. beschrieben werden. So lehrt doch der Apostel zu Hebräer, Kapitel 13. dass die Bekenntnisse und Lob des Namens Christi, die rechten Lobopfer sind.) * (Nach Luther) Das du ihm gelobt hast, er soll dein Gott sein, im ersten Gebot.

15. Und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen.

Not: Wenn dich ein Unfall drückt.

Erretten: Denn es ist keine Not so groß, daraus ich dir nicht helfen könnte.

Preisen: Und mir für solche Erlösung danken. (Es wird aber kein Gebet erhört, es gehe denn aus Glauben und bußfertigem Herzen. Wenn uns aber Gott hilft, so sollen wir der Danksagung nicht vergessen. Wir sollen aber fest glauben, dass unser Gebet, so aus Glauben geht, gewisslich erhört werde.)

16. Aber zum Gottlosen spricht Gott: Was verkündigst du meine Rechte und nimmst meinen Bund in deinen Mund,

Aber: Jetzt straft der Prophet weiter die grobe Art der Heuchler, welche Gottes Wort zwar in Munde haben und doch daneben allen fleischlichen Lüsten nachhängen.

Spricht Gott: Das will Gott denjenigen, welche seinen Namen zum Deckel alles fleischlichen Mutwillens vorwenden, verkündigen lassen.

Rechte: Was schwätzt du von meinen Worten?

Mund: Du redest von dem Bund Gottes, welchen er mit dem menschlichen Geschlecht aufgerichtet hat, und rühmst dich, dass du durch das Blut Christi erlöst und dass du getauft seist.

17. so du doch Zucht hasst und wirfst meine Worte hinter dich?

Hasst: Und kannst nicht leiden, dass du durch Gottes Wort in der Zucht gehalten wirst, bist auch gottseligem unsträflichen Leben feind, als wenn es ein Gefängnis wäre.

Hinter dich: Du willst nicht leiden, dass dich mein Wort führe, leite und strafe. (Derer Leute findet man leider viel, die herrlich vom Evangelium zu reden und päpstliche Abgötterei zu strafen wissen, führen aber daneben gar kein christliches Leben. Und wenn etwa ihre Laster aus Gottes Wort gestraft werden, da wüten und toben sie darüber.)

18. Wenn du einen Dieb siehst, so läufst du mit ihm und hast Gemeinschaft mit den Ehebrechern.

Mit ihm: Und hilfst ihm zu seinem Diebstahl.

Ehebrechern: Du hast auch gefallen am Ehebruch, gesellst dich zu Ehebrechern und tust eben wie sie.

19. Dein Maul lässt du Böses reden und deine Zunge treibt Falschheit.

Falschheit: Das ist: Du hältst deine Zunge nicht im Zaum, dass sie nicht böses rede, so zu des Nächsten Verderben gereicht. Und ist keine Redlichkeit bei dir, sondern ein anderes ist in deinem Munde, ein anderes in deinem Herzen und du treibst arge List gegen deinen Nächsten.

20. Du sitzt und redest wider deinen Bruder, deiner Mutter Sohn verleumdest du.

Bruder: Freund und Verwandten.

Mutter Sohn: Du schonst auch deine nächsten Verwandten nicht, verleumdest und verschreist sie. (Hier werden diejenigen artig abgemalt, welche mit Worten das Evangelium Christi vorgeben. Aber mit ihren Sünden und Lastern die evangelische Lehre schänden und solche Leute mögen oft nicht leiden, dass man sie strafe, sind daneben geizig, unkeusch, Lästerer, Verleumder und schonen mit ihren giftigen Zungen auch der Freunde und Verwandten nicht. Welche nun Christen sind und davor wollen gehalten werden, die sollen sich vor dergleichen Lastern hüten.)

21. Das tust du und ich schweige. Da meinst du, ich werde sein gleichwie du. Aber ich will dich strafen und will dir es unter Augen stellen.

Ich schweige: Spricht Gott der Herr, ich hab eine Zeit lang zugesehen. (Denn Gott ist langmütig.)

Wie du: Du meinst, dieweil ich deine Bosheit ein Zeit lang leide und auf deine Buße warte, ich sei eben wie du und habe gefallen an solchem gottlosen Tun, aber du irrst dich ganz weit.

Augen stellen: Deine Büberei. (damals aber straft der Herr die Gottlosen und stellt den Menschen ihr Tun unter die Augen, wenn er die Strafen der Sünden schickt, und weckt ihr Gewissen auf, dass sie verstehen, wie übel und unrecht sie gehandelt haben und wenn sie denn nicht von dem Heiligen Geist durch das göttliche Wort Trost empfangen, so ist es mit ihnen aus, denn sie können das schwere Urteil Gottes nicht ertragen und müssen verzweifeln.)

22. Merkt doch das, die ihr Gottes vergesst, dass ich nicht einmal hinreiße, und sei kein Retter mehr da.

Merkt: Und erwägt es einmal.

Vergesst: Alle Gottesfurcht wegwerft. Und so viel an euch ist, gern dazu helft, dass Gottes ganz vergessen werde. (Denn etliche, die nur dem Namen nach Christen sind, vergessen Gottes mit Fleiß und lassen sein Wort aus dem Herzen, damit ihnen ihre Sünde und Laster nicht Unruhe in ihrem Gewissen schaffen und wollten in dem Fall lieber vergessen sein, denn ein gutes Gedächtnis haben, aber solche angenommene und angemaßte Vergessenheit wird Gott gräulich strafen.)

Hinreiße: Zu leiblicher und ewiger Strafe, davor hütet euch, spricht der Herr. (Denn wer will unserem Herrn Gott einen aus den Händen reißen, wenn er straft?)

23. Wer Dank opfert, der preist mich; und da ist der Weg, dass ich ihm erzeige das Heil Gottes.

Preist mich: Wer mich als den Sohn Gottes mit wahrem Glauben bekennt und meine Guttaten lobt und preist, der tut mir einen angenehmen Dienst.

Heil Gottes: Das ist der rechte Weg und die rechte Weise, dadurch Gott angenehmer Dienst geleistet werde, dadurch auch Gott bewegt wird, dass er seine Hilfe und Heil uns erzeige, sooft wir dessen bedürfen. (Demnach lasst uns unserem Heiland Jesu Christus danken für die Erlösung des menschlichen Geschlechts, damit werden wir ihn bewegen, dass er uns je länger je mehr Guttaten erzeigt, bis wir der ewigen Seligkeit, welche er uns erworben hat, teilhaftig werden, Amen.)


Der 51. Psalm


1. In diesem Psalm bittet David inbrünstig und herzlich um Vergebung seiner Sünden. Danach bittet er auch, dass ihm Gott der Herr Ruhe in seinem Gewissen schaffe und ihn mit dem Heiligen Geist regieren wolle, dass er nicht in noch mehr Sünde und Laster falle und von Gott ganz verworfen werde, verheißt davor unserem Herrn Gott rechtschaffen dankbar zu sein. Endlich bittet er, dass Gott seine Kirche und auch das weltliche Regiment erhalten wolle. Und ist dieser Psalm eine rechte Form der wahren Buße. Wir sollen ihn auch vielfältig benutzen, sooft uns entweder in Betrachtung der angeborenen Erbsünde, oder wirklicher begangener Sünde das Gewissen drückt, damit wir durch solches Gebet unseren Glauben von Vergebung der Sünden stärken.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen,

2. da der Prophet Nathan zu ihm kam, als er war zu Bathseba eingegangen {2Sam 12v17}.

Kam: Und ihn von wegen seines begangenen Ehebruchs und Totschlags gestraft hatte. damals hat er diesen Psalm gemacht.

Eingegangen: Und einen Ehebruch mit ihr begangen hatte. Diese Geschichte wird beschrieben, 2. Sam. 11. und 12. Es hatte aber David damals viele Monate in fleischlicher Sicherheit dahingelebt, auch nach diesem zweifachen großen begangenen Laster, bis dass er durch den Propheten Nathan seiner grausamen Sünde halben angesprochen und erinnert wurde: Da hat er Buße getan und diesen Psalm gemacht.

3. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit!

Gnädig: Dass du mir meine Sünde verzeihst und mich nicht verdammst ewig.

Güte: Nicht um meines Verdienstes oder vorigen ehrlichen und gottseligen Verhaltens willen.

Sünde: Damit mir die selbigen vor deinem Gericht nicht zugerechnet werde und ich darüber verderbe.

Barmherzigkeit: Denn die selbige ist überschwänglich und unermesslich. (Wo aber Gottes Gnade und Barmherzigkeit angerufen wird, da haben unsere Verdienste nicht statt, sondern es gilt allein der Verdienst Jesu Christi, davon an seinem Ort bald später gesagt wird.)

4. Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde!

Reinige: Alsdann sind wir aber rein und von Sünden abgewaschen, wenn die selbigen uns verziehen und nicht zugerechnet werden {Ps 32}.)

5. Denn ich erkenne meine Missetat und meine Sünde ist immer vor mir.

Denn: Er setzt die Ursache hinzu, darum ihm Gott seine Sünde vergeben soll.

Erkenne: Ich gestehe und bekenne es rund, dass ich schwer gesündigt habe.

Vor mir: Meine begangene Übeltat liegt mir immer im Sinn und plagt mich stetig, dass ich bei mir selber auch, wenn ich daran denke, mich dessen schäme. (Hierbei hat man das erste Stück einer rechtschaffenen Buße, nämlich die Erkenntnis der Sünden, dabei auch herzliche Reue und Leid ist. Denn wo man die Sünde nicht erkennt, noch das Herz darüber betrübt wird, da ist keine rechte Buße.)

6. An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein bleibst, wenn du gerichtet wirst {Röm 3v4 Hi 14v4}.

An: Jetzt und fährt der Prophet weiter fort und kommt von seinem Ehebruch in Allgemeinem auf sein ganzes Leben und klagt dasselbe an.

Getan: Ich bin vor dir nichts anderes als ein Sünder und Übeltäter. (Denn ob wir wohl auch gute Werke tun, so sind sie doch mit der Sünde befleckt von wegen der Erbsünde, welche uns sehr hart anklebt und allen unseren guten Werken einen Schandflecken anhängt.)

Recht behaltest: Und offenbar werde, dass du wahrhaftig seist, in dem, was du gesagt hast, dass alles Dichten und Trachten des menschlichen Herzens nur böse sei immer {1Mos 6}.

Gerichtet wirst: Von den Menschen. Das ist: Auf dass ich erfinde, du seist ein Gott, dem keine Ungerechtigkeit anhängt, wenn die Menschen, besonders die Heuchler, in deinen Gerichten grübeln und dich gern der Ungerechtigkeit beschuldigen wollten, dass du etliche nach deiner Barmherzigkeit selig machst, etliche aber, nach deinem gerechten Gericht verdammst, ja auch, wenn du fromme gottselige Menschen in dieser Welt beschwerlich angreifst und plagst. Denn eben dies scheint vor der Vernunft ein unrechtes und ungerechtes Ding zu sein. (Welcher nun mit David erkennt, dass er auch in allen seinen guten Werken sündige, das ist, dass er nichts tue, das allerdings vollkommen sei bei Gott, der wird ihm, unserem Herrn Gott, das Lob geben, dass er rein und gerecht sei, wie er es auch mit uns macht, und wird der Daniel, Kapitel 9. sagen: Herr, du bist gerecht, wir aber sind arme Sünder.)

7. Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeugt und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen {Joh 3v6}.

Siehe: Jetzt und zeigt David den Ursprung an, daher so viel Schande und Laster bei den Menschen und auch die Unvollkommenheit der guten Werke entspringen.

Empfangen: (Denn obwohl der Ehestand für sich ein heiliger Stand und von Gott selbst geordnet ist, jedoch dieweil die Eheleute von Adams Fall her Sünder sind, so läuft auch in ehelicher Beiwohnung Sünde mitunter und ist beider Eheleute Samen durch die Erbsünde vergiftet mit Sünden, daher wir alle als Sünder geboren werden. Wir lernen auch die Sünde nicht erst aus anderer Leute bösen Exempeln, sondern wir bringen die selbige mit uns aus Mutterleibe und haben eben dieselbe aus der verdorbenen Natur angenommen als geschöpft und dies nennen wir die Erbsünde. Aus solcher abscheulicher und verdammlicher Verderbnis entstehen später die wirklichen Sünden, welche aus unreinem Herzen herausgehen {Mt 15}.)

8. Siehe, du hast Lust zur Wahrheit, die im Verborgenen liegt; du lässt mich wissen die heimliche Weisheit.

Siehe: Bis daher nun haben wir den ersten Teil der Buße oder rechte Bekehrung zu Gott angehört, jetzt lasst uns auch das andere Stück vernehmen, welches ist der Glaube an Christus.

Wahrheit: Das Wörtlein Wahrheit aber wird in den Psalmen vielfältig für Liebe und Treue gebraucht.

Heimliche Weisheit: Dies ist so viel gesagt: Obwohl ich ein armer elender Sünder bin, will ich doch nicht verzagen. Denn ich weiß, dass du gegen den bußfertigen Sünder die Güte der Strenge deines gerechten Gerichts vorzuziehen pflegst und dass du mehr Lust zur Barmherzigkeit gegen den angefochtenen als zu ihrem Verderben hast. Darum hoffe ich, du wirst mir alle meine Sünde von wegen des Messias verzeihen. Denn mir hat das Evangelium von dem Messias geoffenbart, welches sonst noch vielen verborgen und ein rechtes Geheimnis ist. Daher aber erscheint deine wunderliche Weisheit, dass du durch deinen Sohn das menschliche Geschlecht erlöst, über welcher deiner Weisheit sich auch die Engel verwundern werden. Eben dies versteht auch Paulus, da er sagt {Eph 3} mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade, unter die Heiden zu verkündigen den Unausforschlichen Reichtum Christi und zu erleuchten jedermann, welche da sei die Gemeinschaft des Geheimnisses, das von der Welt her in Gott verborgen gewesen ist, der alle Dinge geschaffen hat durch Jesum Christ, auf dass jetzt bekannt würde den Fürstentümern und Herrschaften am Himmel, das ist, den Heiligen Engeln die mannigfaltige Weisheit Gottes, welche er bewiesen hat in Christus Jesu unserem Herrn, durch welchen wir haben Freudigkeit und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn. (Dieser Glaube, welchen David (wie er hier sich vernehmen lässt) hat, ist das andere Stück einer rechtschaffenen Buße, und zwar das aller notwendigste. Denn sonst würde uns die Erkenntnis unserer Sünden zur Verzweiflung treiben. Obwohl nun auch die Auserwählten im Alten Testament von dem Evangelium Christi so viel Licht und Erkenntnis gehabt haben, so viel ihnen zu ihrer Seligkeit vonnöten gewesen, jedoch hat auch einer dem anderen in der Erkenntnis Christi übertroffen. Es ist aber das große Licht selbiger Zeit sehr gering gewesen, wenn man solches halten will gegen die vollkommene Offenbarung des Evangeliums Christi, wie es den Aposteln und uns durch Gottes Gnade heutigentags geoffenbart ist. Demnach sollen wir mit David, neben der Erkenntnis der Sünden, auch einen evangelischen Trost anhängen, damit wir nicht in Sünden verzweifeln.)

9. Entsündige mich mit Ysopen, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich schneeweiß werde {3Mos 14v6 4Mos 19v6}.

Entsündige: Hiermit sieht David auf die Zeremonien des Alten Testaments, dass diejenigen, so etwas Unreines angerührt (dadurch sie auch unrein worden), sind mit einem besonders hierzu gemachten Stängel von Ysop, den man hat in das Wasser getunkt, besprengt und also wiederum gereinigt worden. In dasselbe Wasser war die Asche von der roten verbrannten Kuh gestreut, wie 4. Mose 16. befohlen war. Dadurch wurde bedeutet das Predigtamt des Evangeliums, durch welches uns der Verdienst Christi, der für uns gelitten hat, angeboten wird, dass wir in Kraft seines Verdienstes durch den Glauben von Sünden gereinigt werden. So will nun David so viel sagen, Herr Jesu Christus, du Sohn Gottes, besprenge mich durch das Predigtamt des Heiligen Evangelium mit der Kraft deines Blutes, welches du für die Sünden des ganzen menschlichen Geschlechtes vergießen wirst, und gib mir, dass ich in wahrem Glauben selbiger Besprengung teilhaftig werde, also werde ich rein sein und so sauber abgewaschen, dass ich vor deinem Angesicht als der weiße Schnee scheine, nicht dass mir keine Sünde mehr anhange, sondern dass mir die selbigen nicht zugerechnet werden. Also spricht auch Jes. K. 1. Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden. (Demnach sollen auch wir unsere Herzen, gebrauchen durch das heilige Predigtamts, durch den Glauben mit dem Blut Christi besprengen, dass wir nämlich dem Evangelium glauben und das heilige Abendmahl empfangen, so werden wir von allen Sünden rein werden. Denn das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von aller Sünde {1Joh 1}.) * (Nach Luther) Das ist: Absolviere mich und sprich mich los. Wie vorzeiten im Gesetz durch das Besprengen mit Ysop bedeutet wurde.

10. Lass mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.

Hören Freude: Das ist: Schaffe mir Ruhe und Friede in meinem Gewissen, dass mein Herz, welches deinen Zorn empfindet und so niedergeschlagen ist, dass auch alle meine Gebeine sind, als wenn sie zerschlagen wären, wiederum durch deinen Trost erquickt und erfreut werden, wie denn der Heilige Geist in den Gerechtfertigten eine solche Freude erweckt. (Diese innerliche Freude, wenn wir glauben und etlichermaßen empfinden, dass Gott mit uns versöhnt sei, entsteht in der Gläubigen Herzen, in einem zwar eher und stärker, in dem anderen langsamer und schwächer, nach dem der Glaube groß oder schwach ist.)

11. Verbirg dein Antlitz von meinen Sünden und tilge alle meine Missetat.

Verbirg: Ich bitte, du wollest meiner Sünde nicht mit Ungnaden gedenken, sondern räume sie also hinweg von deinem Angesicht, dass ich nicht um der selbigen willen verdammt oder in deinem Zorn und Grimm deswegen gestraft werde. Denn obwohl David von dem Propheten Nathan die Absolution angehört hatte, so wurde doch sein Gewissen immer wieder durch Schrecken und Furcht vor dem Zorn Gottes erschlagen. (Ein solche giftig Ding ist die Sünde, die lässt immer etliche Stachel zurück, dadurch das Gewissen gestochen und geplagt wird.)

12. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist.

Schaffe: Nun bittet David, dass er durch den Heiligen Geist erneuert und regiert werde, dass er nicht künftig in dergleichen Sünde und Laster falle.

Reines Herz: Erneure mein Gemüt und Herz, dass es nicht mehr unrein und so geneigt zur Sünde und Laster sei.

Gewissen Geist: Gib mir die Gabe des Heiligen Geistes, dass ich wider die Versuchung des Teufels, der Welt reizende Lust und meines eigenen Fleisches bösen Begierden bestehen möge und mich nicht mehr vom Satan in solche große Sünden stürzen lasse. (Obwohl aber die Erneuerung oder Wiedergeburt des Menschen in diesem Leben nie also vollkommen geschieht, dass der Mensch von allen bösen Gelüsten frei und ledig werde, auch nichts Böses mehr tue, so sollen wir doch Gott bitten, dass er uns einen so starken Geist gebe, dass wir nicht in Sünde und Laster fallen. Es wird aber des Menschen Herz nicht dergestalt erneuert, dass eine neue Substanz oder Wesen geschaffen würde. Denn die Erbsünde, welche unserem Herzen und Gemüt anklebt, ist nicht die Substanz oder das Wesen selber, sondern ist etwas in des Menschen Herzen und Gemüt, nämlich in des Menschen Verstand und Willen. Das ist aber die Erbsünde: In unserem Verstand Blindheit und in unserem Willen die Abwendung von alledem, das Gott gefällig ist. Diese des Menschen Verderbnis ist ärger, denn man mit Worten aussprechen kann. Denn die verdammten Menschen, wo sich nicht die selbigen verziehen und er aus Wasser und Geist wiedergeboren wird. Wenn aber der Heiligen Geist einem Menschen gegeben wird, so tötet er diese Sünde täglich und fegt immer etwas aus, bis es durch den Tod ganz abgetan und ausgetilgt wird.) * (Nach Luther) Das ist: Ein Geist, der im Glauben ohne Zweifel und der Sachen gewiss ist und sich nicht irren noch bewegen lässt, von mancherlei Wahn, Gedanken, Lehre. Als die Dünkler und Zweifler sind.

13. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.

Verwirf: David ist noch immer ängstlich und fürchtet sich, dass nicht etwa Gott, den er mit seinen Sünden so hoch erzürnt, all seine Huld und Gnade von ihm abwende.

Von mir: Du wollest mich nicht so ganz (dieweil ich dich mit vielen und groben Sünden erzürnt habe) verstoßen und verlassen, dass du mich den Heiligen Geist nicht mehr wolltest regieren lassen und mich in einen verkehrten Sinn geben, dass ich von einem Laster nicht in das anderer falle, bis ich an Leib und Seele verderbe, wie mein Vorfahre der Saul. (Hier lehrt David nicht, dass er in seinem begangenen Ehebruch den Heiligen Geist habe behalten, sondern da er jetzt wiederum bekehrt war, bittet er also. Denn man kann den Heiligen Geist nicht behalten in verdammlichen und Todsünden, wenn wir aber bekehrt sind, sollen wir bitten, dass Gott seine Güte und Gnade von uns nicht nehmen wolle.)

14. Tröste mich wieder mit deiner Hilfe und der freudige Geist enthalte mich.

Enthalte mich: Ich bitte dich, erfreue mich also, dass ich spüren möge, ich sei von der schweren Last der Sünden erledigt und gib mir ein wackeres Herz, dass ich mit freudigem und unerschrockenem Herzen meinem Beruf ausübe. (Denn die Marter und Pein des Gewissens saugt einem Menschen alle Leibes- und Verstandeskräfte aus, dass wir zu allem Tun schwächer werden, darum sollen wir Gott um ein frisches freudiges Herz bitten.)

15. Denn ich will die Übertreter deine Wege lehren, dass sich die Sünder zu dir bekehren.

Lehren: Ich will mich, spricht David, dankbar erzeigen gegen dich für solche Gnade und will die christliche Kirche nicht allein mit Psalmen unterweisen, dadurch die Sünder erinnert und ermahnt werden, dass sie Buße tun, sondern will auch für mich selbst für die, die Unrecht handeln, zur Buße anhalten, dass sie dir nach deinen Geboten dienen. (Denn obwohl es nicht jedermanns Amt ist, öffentlich in der Kirche lehren, so steht doch allen Frommen wohl an, dass sie, so viel ihr Amt zugibt, die, welche da Unrechtes tun, auf den rechten Weg bringen und die Sünder zur Buße ermahnen: Besonders aber die, so auch gefallen und wiederum aufgerichtet wurden, können und sollen diejenigen, welche sie sehen, dass sie durch arge List des Teufels in Sünde gestürzt sind, wiederum aufrichten und trösten, damit sie nicht unter dem Zorn Gottes vergehen.)

16. Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, dass meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme.

Errette: Als wollte er sprechen, ich weiß zwar wohl, dass zeitliche schwere Strafen über mich gehen sollen von wegen des unschuldigen Blutes Urias, welches ich durch meine Verräterei vergossen habe, denn das hat mir der Prophet Nathan ausdrücklich verkündigt. Darum so darf ich nicht begehren, dass du mich nicht zu sehr strafst, sondern das bitte ich allein, du wollest mich in solchen Strafen nicht lassen verderben und mich wiederum gnädiglich daraus erledigen.

Blutschulden: (Nach Luther) Das ist, von der Schuld, damit ich den Tod verdient habe, wie wir alle vor Gott sind.

Rühme: Und ich für solche Gnade deinen Namen dankbar preise und lobe. (Wie viel wir nun bereit sein sollen, leibliche Strafen, die uns auf begangene Sünden zugeschickt werden, zu erdulden, damit andere durch unser Beispiel von Sünden abgeschreckt werden, so ist uns dennoch erlaubt zu beten, dass Gott solche Strafen mildern und endlich auch von uns wegnehmen wolle.)

17. Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige!

Verkündige: Denn ich habe verheißen, ich wolle dich mit Psalmen loben und solche Ding reden, welche zu Bekehrung der Sünder dienen: Damit ich nun solches mit Ernst, Ansehen, Nutzen und Frucht tun möge, so bitte ich, du wollest mir die Gnade des Heiligen Geistes verleihen, dass ich dein Lob recht und zu deines Namens Ehre auch anderer Leute Nutzen und Erbauung erzählen möge. (Denn wir in geistlichen Sachen nichts Rechtes zu tun vermögen aus uns selbst, wo uns nicht der Heilige Geist hilft und antreibt.)

18. Denn du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollte dir es sonst wohl geben; und Brandopfer gefallen dir nicht.

Nicht Lust: Ich weiß wohl, dass ihrer viele, wenn sie böse Stücke begangen haben, den Opfern zulaufen, als ob du an dergleichen Werke ein solche Gefallen hättest, dass du alsbald alle Ungnade, die du gegen einem gottlosen Menschen gefasst, fallen lässt, da sie doch noch keine Schmerzen in ihrem Gewissen begangener Untaten halben befinden. Ich weiß aber, dass du nicht Lust hast zu vielen Opfern, auch deren nicht bedarfst, sonst wollte ich keinen Unkosten sparen: Darum so verspreche ich mich, gegen dich dankbar zu erzeigen, mit Loben und Preisen deines Namens und nicht mit vielen stattlichen Opfern.

19. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängstigter Geist; ein geängstigt und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten.

Gefallen: Und vor ihm die lieblichste und angenehmste sein.

Geängstigter Geist: Ein solches Herz, welches den Zorn Gottes fühlt und deshalb ganz erschlagen ist.

Herz: Das heftig betrübt ist, dieweil es seinen Gott erzürnt hat.

Nicht verachten: Sondern dir anstatt eines völligen stattlichen Opfers gefallen lassen und mit Gnaden ansehen. (Wie wohl man nun um begangener Sünden willen niemand zur Verzweiflung antreiben soll, so gefällt doch Gott ein solches Herz sehr wohl, das über seine Sünden wahre ernstliche Reue und Leid hat und deswegen in großen Ängsten steckt. Und soll man diesen Vers des Psalms den betrübten Gewissen wohl einbilden, die von wegen begangener Sünden mit der Verzweiflung streiten, damit sie lernen, dass sie in solchen Ängsten und Schrecken nicht allein von Gott nicht verworfen sind, sondern dass sie eben damals Gott dem Herrn das angenehmste Opfer bringen und werden wiederum dazu kommen, dass sie Gottes des himmlischen Vaters Huld und Gnade spüren.)

20. Tue wohl an Zion nach deiner Gnade; baue die Mauern zu Jerusalem!

Tue: Dieweil es zuzeiten geschieht, wenn die Obrigkeit, so sich vergriffen, gestraft wird, dass solche ihre Strafe auch der Kirche Gottes und gemeinem Nutzen große Plagen auf den Hals zieht, so bittet jetzt David deswegen, für die Kirche und den gemeinen Mann, dass sie nicht Zerstreute werden.

Zion: Deinem heiligen Berge. Will so viel sagen: Ich befehle dir deine Kirche, dass du derselben nach deinem gnädigen Willen Gutes tust, den rechten Gottesdienst auf dem Berge Zion und zu Jerusalem erhaltest und die Kirche um meiner Sünde willen nicht lässt zerstreut werden.

Baue: Gib auch zu dem weltlichen Regiment dein Gedeihen, damit dasselbe nicht um meiner Sünden willen in Unfall gerate, sondern erhalte und bewahre du solches gnädiglich. (Denn es sollen ja die gottseligen Obrigkeiten für die Kirche und gemeinen Nutzen Sorge tragen und bitten, dass nicht ihre eigenen Sünden mit Untergang der Kirche und Verderben ihrer Untertanen gestraft werden.)

21. Dann werden dir gefallen die Opfer der Gerechtigkeit, die Brandopfer und ganzen Opfer; dann wird man Farren auf deinem Altar opfern.

Denn: Wenn du nämlich die Kirche und den gemeinen Nutzen erhalten wirst, so wird aus Glauben und wahrer deiner Erkenntnis ein recht gottseliges Wesen angerichtet werden, darunter das vornehmste ist, dass dein Name gepriesen und die Liebe gegen dem Nächsten erhalten werde. (Denn diese sind Gott die allerangenehmsten Opfer, damit wir uns gegen ihm für die Vergebung der Sünden dankbar erzeigen sollen {Hebr 12}.)


Der 52. Psalm


1. In diesem Psalm schilt David mit großem Ernst den giftigen Verleumder Doeg, welcher sich mit gottseliger Leute Blut besudelt hatte. Und lehrt zugleich allgemeines, wie ein teuflisches Ding es sei um die Lästerung oder Verleumdung, auch wie Gott die Verleumder und Schmeichler bei Hofe, welche ihre Sache mit frommer Leute Verderben gut machen wollen, schrecklich strafen werde. Endlich tröstet er sich selbst und andere, dass Gott die Frommen wider solcher gottlosen Bösewichter Vornehmen gnädiglich handhabe. Diesen Psalm sollen wir fleißig betrachten, zum Teil darum, dass wir uns selbst des Verleumdens enthalten, zum Teil dass wir hieraus wider die Verleumder Trost zu schöpfen.

1. Eine Unterweisung Davids, vorzusingen,

2. da Doeg, der Edomiter, kam und sagte Saul an und sprach: David ist in Ahimelechs Haus gekommen {1Sam 22v9}.

Doeg: Welcher über die Hirten Sauls gesetzt und ein ganz böser Mensch war, der hat mit seiner giftigen Lästerung und Verleumdung zu diesem Psalm Ursache und Anleitung gegeben.

Sagt: Wo der flüchtige David wäre gesehen worden.

Haus kommen: Denn David in seinem Elend, als er vor dem Grimm und Wüten des Sauls floh, war zu Ahimelech dem Priester gekommen in die Stadt Nobe und hatte von ihm das Schwert Goliaths, auch etliche Brote begehrt und sich gestellt, als müsste er in des Königs Sauls Geschäften eilend verreisen. Denn es war noch nicht vielen Leuten bekannt, dass Saul dem David so feind wäre. Deswegen gibt Ahimelech dem David das Schwert und etliche Brote und wusste um die Feindschaft Sauls nicht. Als nun Doeg der Edomiter solches gesehen, hat er Ahimelech bei dem König Saul angegeben, als ob er mit David wider Saul sich gebunden hätte. Darauf wird Ahimelech neben seinen Priestern vor Saul gefordert, deren aller an der Zahl fünfundachtzig waren, und befiehlt Saul seinen Trabanten, dass sie die Priester des Herrn erwürgen sollen. Da sie sich solches zu tun weigern, hat sie Doeg der Edomiter mit seiner Hand alle umgebracht: Ja es werden auch später die Bürger der Stadt Nobe mit Weib und Kindern auf Sauls Befehl erwürgt. Wie in der Geschichte 1. Sam. 22. zu lesen ist.

3. Was trotzest du denn, du Tyrann, dass du kannst Schaden tun, so doch Gottes Güte noch täglich währt?

Was trotzest du: Es ist kein Zweifel, dass der Erzbösewicht Doeg, nach dem er die fünfundachtzig Priester des Herrn erwürgte, sich solcher Tat gerühmt habe, als ob er eine gewaltige Heldentat begangen, darum fängt David diesen Psalm mit Scheltworten an und spricht: Was rühmst du dich, dass du einen solchen Jammer und so großes Übel angerichtet hast? Und will der Prophet hiermit so viel sagen: Ja freilich (hinterlistig) hast eine herrliche und Heldentat getan, dass du diese frommen Priester des Herrn, welche richtig ihres Amtes und Berufes halben in hohem Ansehen, auch in ihrem Leben unsträflich und dazu wehrlose Leute gewesen, so jämmerlich und schändlich ermordet hast. (damals aber ist es mit den gottlosen Sündern aufs höchste gekommen, wenn sie auch ihre Laster, besonders, da sie großen Schaden getan, noch dazu rühmen, gleich als ob sie etwas Herrliches ausgerichtet hätten.)

Währt: Das ist: Ob du gleich die Priester des Herren tyrannischerweise aus dem Weg geräumt, auch mir bis daher nach meinem Leben gestanden bist, der Hoffnung, wenn man dergleichen Beispiele sehen werde, es werde mich kein Mensch niemals hausen oder beherbergen, so hast doch den Priestern an ihrer Seligkeit nichts geschadet, wirst es auch nicht wehren können, dass mich der himmlisches Vater forthin erhalte und bewahre. (Wenn man nun uns mit Lästerung oder in anderer Wege zusetzt und nachstellt, sollen wir uns mit diesem Sprüchlein trösten, dass Gottes Güte gegen uns noch nicht aufgehoben sei und denken, lebt doch Gott noch.)

4. Deine Zunge trachtet nach Schaden und schneidet mit Lügen wie ein scharfes Schermesser.

Schaden: Du trachtest mit deiner giftigen Zunge nur Unglück anzurichten, dahin sind alle deine Worte gerichtet.

Luther: Dass du anderen Unglück zurichtest und Schaden tust.

Schermesser: Du bringst mit deinen betrüglichen und erdichten Worten unschuldige Leute um ihr Leben, als wenn du sie mit einem scharfen Schermesser erwürgtest. (Und ist kein Schwert nie so scharf, als die Verleumdung und Lästerung, damit man einem Menschen nach seinem Leben trachtet und sticht. Darum sollen wir uns davor hüten, beides dass wir nicht Gelegenheit zu Lästerung geben und dass wir selbst auch niemand verleumden. Denn vor Gott ist zwischen einem Totschläger und Verleumder kein Unterschied {Jer 18}.)

5. Du redest lieber Böses denn Gutes und falsch denn recht. Sela.

Böses: Und solche Dinge, dadurch den Leuten ihre Ehre vielmehr abgeschnitten, als erhalten und bewahrt wird.

Und falsch: Du freust dich vielmehr, wenn du zu unbilligen Sachen raten und solche auf die Bahn bringen kannst, denn dass du etwas Gutes, Rechtes vorbrächtest.

6. Du redest gern alles, was zum Verderben dient, mit falscher Zunge.

Zunge: Damit geht deine falsche Zunge um, dass du solche Ding redest, dadurch unschuldige Leute ins Verderben gebracht und von den gräulichen Tyrannen aufgerieben werden. (Das ist aber eine teuflische Bosheit, wenn man Lust hat zu solchen Reden, die zu frommer Leute Verderben reichen. Darum sollen wir mit Beistand des Heiligen Geistes unsere Zungen also regieren und dahin richten, dass sie vielmehr was heilsam und gut denn was schädlich und verderblich ist, rede.)

7. Darum wird dich Gott auch ganz und gar zerstören und zerschlagen und aus der Hütte reißen und aus dem Lande der Lebendigen ausrotten. Sela.

Darum: Jetzt lasst uns hören die göttlichen Drohungen, welche die Verleumder in der Tat erfahren sollen.

Ganz: (Nach Luther) Vier Plagen erzählt er, dass er sollt kein Haus, kein Gut, behalten, dazu in keiner Stadt, in keinem Lande bleiben.

Zuschlagen: Als wenn einer ein irdisches Gefäß zerschmettert.

Reißen: Mit der Wurzel, dass du schändlich umkommst.

Ausrotten: Und auf dieser Erde nicht leben lassen. (Es bricht aber Gott solchen Lästermäulern nicht allem das Leben ab, sondern sie sollen auch kein Teil am Himmelreich haben {1Kor 6}. Denn sie gehören unter die, so in verkehrten Sinn gegeben sind {Röm 1}.)

8. Und die Gerechten werden es sehen und sich fürchten und werden sein lachen:

Gerechten: Welche an den Messias glauben.

Sehen: Wie die Verleumder und Lästermäuler gestraft werden.

Fürchten: Vor Gott, mehr als zuvor, weil er solche ernstliche Beispiele seiner Gerechtigkeit sehen lässt.

Lachen: Wenn sie Gottes gerechtes Gericht betrachten, werden sie sich im Geiste freuen. (Welches doch nicht eine fleischliche, sondern geistliche Freude ist über die Gottlosen, da sie in die Strafe ihrer Sünden fallen. Denn sie freuen sich nicht über eines Menschen Verderben, sondern über dem gerechten Gericht Gottes.)

9. Siehe, das ist der Mann, der Gott nicht für seinen Trost hielt, sondern verließ sich auf seinen großen Reichtum und war mächtig, Schaden zu tun.

Siehe: Also werden die Frommen der Verleumder, wenn sie zugrunde gehen, spotten und sagen: Seht zu, das ist der ruhmredige Geselle, der sich sein Lebtag nie beflissen, dass er gottesfürchtig wäre und auf Gottes Güte vertraute, sondern er hat sich mit seinem Verleumden und Lästern nach Herren Gunst gestellt. Und dieweil er großes Gut zusammen gescharrt, hat er gemeint, er sei allem Unfall entronnen, hat sich seiner Gewalt und Ansehens missbraucht, arme und unschuldige Leute unterzudrücken, denen er sollte behilflich gewesen sein. Nun straft ihn Gott und wird ewig büßen müssen. (Solche Verderben haben zu erwarten nicht allein die Lästermäuler, sondern auch alle die, welche sich nicht auf den Herrn, sondern auf ihren Reichtum verlassen und sich ihrer Gewalt und Ansehens missbrauchen, fromme Leute zu plagen.)

10. Ich aber werde bleiben wie ein grüner Ölbaum im Hause Gottes, verlasse mich auf Gottes Güte immer und ewig.

Ich aber: Nun zeigt David weiter das Gegenteil an, in seiner Person, wie viel seliger Leute die Frommen sind denn jene gottlosen Verleumder.

Hause Gottes: In seiner Kirche werde ich sein und bleiben, als ein rechtschaffenes und lebendiges Glied derselben, geziert mit solchen Gaben des Heiligen Geistes, welche zur Erbauung und Aufnehmen der Kirche Gottes, auch aller Heil und Wohlfahrt dienen mögen. (Denn gleichwie ein Ölbaum immer grün ist, also werden die Frommen von Gott auch immer erhalten, damit sie durch die Anfechtung nicht überwunden werden, von Gott abfallen und ewig verderben und bringen auch gute Früchte, zur Ehre Gottes und des Nächsten Nutzen und Wohlfahrt.)

Immer und: Ich will mich auch immer zukünftig der Gnade und Güte Gottes getrösten, dass er mich in keiner Gefahr werde verlassen oder stecken lassen, ob er gleich bisweilen eine Zeit lang die Hilfe aufzieht. (Denn die auf Gott hoffen, werden nicht zuschanden.)

11. Ich danke dir ewig, denn du kannst es wohl machen; und will harren auf deinen Namen, denn deine Heiligen haben Freude daran.

Wohl machen: Du weißt es alles wohl und recht, auch also zu machen, dass es zu deines Namens Ehre und unserem Heil diene. Darum will ich dich loben und dir vertrauen, dieweil du einen guten und herrlichen Namen bei deinen Heiligen hast, die dich mit Glauben recht erkannt haben, dass du nämlich seist ein getreuer Gott, der du uns nicht lässt versucht werden über unser Vermögen, sondern schaffst, dass es also ein Ende gewinne, dass wir es mögen ertragen {1Kor 10}. (Also sollen auch wir hierinnen David nachfolgen, welcher, ob er wohl höchlich ist betrübt worden, über den Totschlag so viel unschuldiger frommer Priester und Leute, so befiehlt er dennoch alle Sache unserem Herren Gott und murrt nicht wider ihn. Wir sollen auch gleicher Gestalt, wenn es unserem Bedenken nach, ganz unrecht zugeht, zu unserem Herrn und Gott sagen: Du weißt es am besten, was recht und nützlich ist: Und sollen von dem Vertrauen auf Gottes Güte niemals ablassen.)


Der 53. Psalm


1. Dieser Psalm stimmt mit dem vorigen Vierzehnten überein, ohne dass hier etliche wenige Worte geändert und etliche wenige hinzugesetzt sind. Es will aber der Prophet hiermit lehren, dass alle Menschen von Art und Natur verderben und Sünder sind. Unter welchen doch etliche so in ihrem gottlosen Wesen beharren und fortfahren, dass sie auch diejenigen, so sich bekehren und Buße tun, auf das äußerste verfolgen. Danach zeigt er an, woher dem menschlichen Geschlecht, das mit Sünden ganz verdorben ist, Heil widerfahre, nämlich durch Christus, der uns von des Teufels und ewigen Todes Gefängnis und Tyrannei entledige. Dieser Psalm wird uns dienlich sein, sooft wir die Summe und den Inhalt des Gesetzes (welches uns der Sünden halben straft) und auch des Evangeliums(welches uns hinwiederum tröstet) entweder uns selber kurz einbilden und wieder ins Gedächtnis bringen, oder aber dasselbe anderen vorhalten wollen.

1. Eine Unterweisung Davids, im Chor einander vorzusingen.

2. Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Sie taugen nichts und sind ein Gräuel worden in ihrem bösen Wesen. Da ist keiner, der Gutes tut {Ps 14v1}.

Die: Anfangs sollen wir wissen, dass dieser Psalm nicht nur von etlichen, sondern von allen Menschen redet, wie es ihrer Natur halben mit ihnen beschaffen ist. Denn solches bezeugt Paulus, welcher einen Spruch aus diesem Psalm auf die verdorbene Natur des ganzen menschlichen Geschlechts anzieht {Röm 3}.

Toren: Das ist: Die gottlosen Menschen, die noch nicht durch den Heiligen Geist wiedergeboren sind.

Herzen: Ob sie wohl dessen mit Worten sich nicht verlauten lassen.

Kein Gott: (Denn obwohl auch die Kreaturen, wenn wir sie betrachten, und recht ansehen, bezeugen, dass ein Gott sei, wo sogar das Werk nicht da sein kann, es sei denn zuvor der Schöpfer desgleichen vorhanden, jedoch, was gottlose Leute also von Gott wissen, das schwitzt ihnen in Anfechtungen aus, dass sie auch zu Zeiten sich nicht scheuen herauszusagen, es sei kein Gott, oder wenn ja einer sei, so nehme er sich doch dessen nicht an, was die Menschen tun, welches ebenso viel ist: Ja, wenn gottlose Leute ihren fleischlichen Lüsten und Begierden nachhängen wollen, unterstehen sie sich auch mit ganzem Fleiß das wenige, so sie von Gott wissen, bei sich selbst zu verlöschen und auszutilgen und leben also dahin, dass offenbar ist, sie glauben nicht, dass ein Gott sei. Denn welcher ernstlich glaubt, dass ein Gott sei, der muss auch glauben, dass derselbe die Frömmigkeit belohne, Sünde und Büberei aber strafe. Wer solches von Herzen glaubt, der wird sich in kein Laster stürzen, sondern wird zuvor einen Kampf und Streit mit seinem Gewissen ausstehen. Es begibt sich aber bisweilen, dass das Fleisch dem Geist soweit auch bei einem wiedergeborenen Menschen überlegen ist, dass ein Mensch, der in fleischliche Sicherheit gleichsam versunken, solche Sachen begeht, welche zu erkennen geben, dass er zur selbigen Zeit in seinem Herzen gesagt, es ist kein Gott. Ein solches Stück war das, da David einen Ehebruch beging und später der Ehebrecherin Mann den Feinden ans Messer gab. Diesen Spiegel soll man mit Fleiß anschauen, so wird man sehen, was der Mensch nach dem Fall Adams in geistlichen Sachen vermöge, nämlich nichts und wird man verstehen, dass der Name des freien Willens ein bloßer Name sei und nichts dahinter.)

Taugen nichts: Sie haben kein reines rechtschaffenes Herz mehr, sondern sind zu allen Lastern geneigt.

Gräuel: Vor Gott ihrem Schöpfer.

Bösen Wesen: Oder um ihres bösen Wesens willen: Und nicht allein deswegen, das sie mit der Tat begehen, sondern auch von deswegen, das in ihnen steckt, welches wir die Erbsünde nennen.

Keiner: Unter allen Menschen.

1 Gutes tut) Aus ihm selber. (Denn obwohl auch die, so nicht wiedergeboren sind, zu Zeiten dem Ansehen nach, gute und ehrliche Werke tun. Jedoch, dieweil sie nicht aus Glauben geschehen, so sind sie vor Gott Sünde. Neben dem, dass solche Werke auch mit dem Ehrgeiz besudelt und behaftet sind, dieweil sie oft daher kommen, dass man eigene Ehre und Ruhm dadurch zu erlangen begehrt, wie der Heiden herrliche und Heldentaten meisten gewesen sind.)

3. Gott schaut vom Himmel auf der Menschen Kinder, dass er sehe, ob jemand klug sei, der nach Gott frage.

Gott: Der Prophet streicht die vorgemeldete verdorbene Art und Natur aller Menschen in den folgenden Worten mit verblümten Reden ganz artig heraus.

Schaut: Er besieht und betrachtet das menschliche Geschlecht, ob unter dem selbigen jemand sei, der seiner Art und Natur nach Gott und seinen Willen wahrhaftig erkenne, Gott fürchte, und ihn recht und mit ernst zu dienen sich befleißige.

4. Aber sie sind alle abgefallen und allesamt untüchtig. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer {Röm 3v10}.

Abgefallen: Von Gott ihrem Schöpfer und von dem rechten Weg der Frömmigkeit und Seligkeit.

Untüchtig: Faul und stinkend, gleichwie die verdorbenen faulen Glieder an einem Leib, die man nicht mehr gebrauchen kann.

Nicht einer: Darum denn auch niemand durch sein Verdienst und gute Werke selig werden mag, ohne allein durch das Verdienst Christi.)

5. Wollen denn die Übeltäter sich nicht sagen lassen, die mein Volk fressen, dass sie sich nähren? Gott rufen sie nicht an.

Sagen lassen: Werden denn die gottlosen Leute einmal nicht erkennen, mit was bösen Stücken sie umgehen, auch wie schreckliche Strafen sie hierüber zu erwarten haben. Denn weil sich unter den Sündern etliche zu Gott bekehren, etliche aber in ihrem gottlosen Wesen verharren, so geschieht es oft, dass die Unbußfertigen die anderen, so sich bekehren, plagen und verfolgen. Solche Feinde der Kirche Gottes redet hier der Prophet ernstlich an und schilt sie.

Fressen: Dass sie wider mein Volk, welches ich aus Gnaden mir erwählt und angenommen habe, wüten, auch dasselbe auf mancherlei Wege ganz hinrichten, gleich als wenn sie Brot auffressen.

Nicht an: Und fürchten ihn nicht, die Verfolger der Kirche. (Denn obwohl die Feinde Gottes einen großen Eifer in der Religion vorgeben, ja auch etliche dafür halten, wenn sie die Frommen erwürgen, sie tun Gott einen Dienst daran {Joh 16}. Jedoch, so dienen sie in der Wahrheit Gott nicht, denn sie sind ihm zuwider und gehen in ihrem Herzen nur mit Menschentand und Satzungen um, mit welchen Gott vergeblich gedient wird {Mt 15}.)

6. Da fürchten sie sich aber, da nichts zu fürchten ist; denn Gott zerstreut die Gebeine der Treiber. Du machst sie zuschanden; denn Gott verschmäht sie.

Fürchten: Das ist: (Die Heuchler machen sich ein Gewissen über solche Sachen, die nichts wert sind und da keine Sünde ist, da man auch Gottes Zorn nicht fürchten darf. Als zum Beispiel, wenn ein Heuchler am Freitag wissentlich Fleisch hätte gegessen, da fürchtet er seiner Seelen so übel, nicht anders, als wenn er einen gräulichen Mord begangen hätte. Daneben aber macht er sich kein Gewissen darüber, wenn er gleich viele tausend frommer Menschen mit seinen Praktiken und Anschlägen ums Leben bringt. Das ist eben dies, welches Christus den Pharisäern sagt: Ihr siebt die Mücken und verschluckt die Kamele {Mt 23}.)

Treiber: (Nach Luther) Das sind die, so mit Gesetzen und Gewalt die Leute wollen fromm machen, in eigenen Werken, wie die Hauptleute das Kriegsvolk treiben.

Verschmäht sie: Das ist: Gott wird die Macht und Stärke der Heuchler zerstören, welche seine Kirche plagen und wird sie zuschanden machen, denn solche Leute sind ihm ein Gräuel. (Unterdes aber gehört Geduld dazu bei den Frommen, bis dass die Heuchler ihre gebührende Strafe empfangen.)

7. Ach, dass die Hilfe aus Zion über Israel käme und Gott sein gefangen Volk erlöste! So würde sich Jakob freuen und Israel fröhlich sein.

Ach dass: Dieweil alle Menschen von Natur Sünder sind, wie oben der Prophet solches weitläufig hat angezeigt, auch diejenigen, so da bekehrt werden, mit ihrer eigenen Gerechtigkeit vor dem Richterstuhl Gottes nicht bestehen können, so lehrt jetzt der Prophet mit einem Wunsch, wie dem menschlichen Geschlecht geholfen werde.

Käme: O dass einmal aus der Stadt Jerusalem das wahre Heil des Volkes Gottes käme. (Denn unser Herr und Heiland Christus hat zu Jerusalem gelitten, dass er das menschliche Geschlecht erlöste: Da ist aufgeopfert worden das Opfer vor der ganzen Welt Sünde: Zu Jerusalem ist der Heilige Geist den Aposteln gesandt worden: Von Jerusalem sind die Apostel ausgegangen und haben die selig machende Lehre des Evangeliums in die ganze Welt ausgebreitet, wer dem selbigen Evangelium glaubt, der wird selig. Darum der Prophet richtig wünscht, dass das Heil aus Zion komme.)

Fröhlich sein: Das ist: (Unser Herr Jesus Christus wird seine Kirche durch sein bitter Leiden und Sterben aus dem Gefängnis des Satans und des Todes erledigen. Wenn nun solche Guttat in der ganzen Welt ausgebreitet wird, so werden sich alle die hoch erfreuen, welche ihren Heiland Christus mit wahrem Glauben angenommen und ergriffen haben. Denn im Neuen Testament sind alle Israeliten, welche dem Evangelium glauben, ob sie gleich sonst von den Heiden herkommen. Die freuen sich von Herzen über der fröhlichen Botschaft des Evangeliums, denn das allein macht unser Gewissen still und ruhig.)


Der 54. Psalm


1. Als David merkt, dass er dem Saul wäre verraten worden, ist er in höchsten Ängsten gesteckt, also dass der Berg, darauf er sich enthielte, mit Feinden allbereit umgeben war. Deswegen er sich mit inbrünstigem Gebet zu Gott kehrt und bittet, dass er ihn gnädiglich erhalten wolle. Er tröstet sich auch mitten in solcher Angst mit der Hoffnung, dass ihm von Gott geholfen werde, und verspricht dagegen, wenn ihn Gott herausreißen werde, sich dankbar zu erzeigen. Diesen Psalm sollen wir uns zunutze machen, wenn wir Verfolgung leiden und in großer Leib- und Lebensgefahr stehen.

1. Eine Unterweisung Davids, vorzusingen auf Saitenspielen,

2. da die von Siph kamen und sprachen zu Saul: David hat sich bei uns verborgen.

Kamen: Das ist: Zu diesem Psalm hat dem David Anleitung gegeben die große Angst, darin ihn die Einwohner der Stadt Siph gesteckt hatten.

Verborgen: Nahe bei uns in der Wüste, so komm nun, dass du deinen Feind fängst, ehe denn er entrinne. Diese Historie von der Siphiter Verräterei wird beschrieben, 1. Sam. 23. wie auch 26. Denn sich die Siphiter zum andermal unterstanden, David dem Saul in seine Hände zu überantworten.

3. Hilf mir, Gott, durch deinen Namen und schaffe mir Recht durch deine Gewalt.

Hilf: Errette und erhalte mich in dieser gegenwärtigen und äußersten Gefahr durch solche deine Güte, welche von dir gerühmt wird, dass du nämlich den armen elenden Menschen mit Hilfe erscheinst, daher du den Namen hast, dass du seist ein Helfer zu rechter Zeit und in der Not. Darum erhalte mich bei Recht in dieser Sache, so zwischen mir und meinen Feinden vorläuft, durch deine Kraft und Macht, damit ich von dir ledig erkannt und von meinen Feinden nicht unterdrückt werde. (Also sollen auch wir in Gefahr und Nöten nicht zur Anrufung der Heiligen uns kehren, sondern stracks zu Gott dem Herrn Zuflucht suchen. Und obwohl wir vor dem Gericht Gottes allesamt Sünder sind, so kann doch wohl geschehen, dass wir, so viel unsere Feinde betrifft, uns recht auf Gottes Gericht ziehen und für ihn appellieren, auch bitten dürfen, dass er uns in gerechten Sachen nicht wolle lassen unterdrücken.)

4. Gott, erhöre mein Gebet; vernimm die Rede meines Mundes!

Erhöre: (Es redet aber die Schrift also von Gott, dass er höre, sehe, greife. Nicht dass etwas Leibliches sei in dem göttlichen Wesen, sondern will allein damit anzeigen, dass Gott wahrhaftig seiner Gläubigen Gebet höre, ihr Elend und Jammer sehe und mit seiner Hilfe zu ihnen komme.)

5. Denn Stolze setzen sich wieder mich und Trotzige stehen mir nach meiner Seele und haben Gott nicht vor Augen. Sela.

Denn: Folgt die Ursache, warum er so herzlich um Hilfe bete.

Stolze: Nämlich solche Leute, die sich durch ihr gottloses Wesen von Gott abgewandt haben und nicht mehr seine Kinder sind.

Wider mich: Mit bewaffneter Hand und mit Heereskraft, dass sie mich, wo möglich, unterdrücken.

Trotzige: Räuber und Mörder.

Seele: Dass sie mir das Leben nehmen.

Vor Augen: Sie fürchten Gott nicht und verfolgen mich Unschuldigen ohne alle Rechte und Gerechtigkeit. (Welche deswegen unschuldige Leute verfolgen, die sind von Gott abtrünnig worden und gehören nicht unter die Kinder Gottes. So sieht man auch hierbei, dass sie mit Morden, Rauben und Tyrannei umgehen, wenn sie gleich in äußerlichen Zeremonien bei der Kirche große Heiligkeit vorgeben.)

6. Siehe, Gott steht mir bei; der Herr erhält meine Seele.

Siehe: Nun tröstet sich David, in Hoffnung, dass ihm Gott helfen werde.

Seele: Oder mein Leben. Denn mein Gott und Herr hat mir bis daher vielfältig geholfen und mich erhalten, solcher Gnaden bin ich auch noch in gegenwärtiger Gefahr gewärtig. (Denn wir sollen aus den vorhergegangenen Guttaten Gottes unseren Glauben und Hoffnung stärken, dass wir auch in bevorstehender Gefahr ein gutes Vertrauen zu ihm haben.)

7. Er wird die Bosheit meinen Feinden bezahlen. Zerstöre sie durch deine Treue!

Bezahlen: Dass sie in das Unglück geraten, welches sie mir zugerichtet haben.

Treue: Denn weil du ein getreuer Gott bist und die Unbilligkeit, so den Deinen wird zugefügt, nicht also hingehen lässt, so bitte ich, du wollest auch deine Treue gegen mir in dem erweisen, dass du meine Feinde vertilgst und ausrottest. (Wie wir aber aus fleischlicher Rachgier niemand Übles wünschen sollen, also wird bisweilen hingegen von dem Heiligen Geist in den Herzen der Gottseligen durch das Gebet Gottes gerechte Rache begehrt und fordert.)

8. So will ich dir ein Freudenopfer tun und deinem Namen, Herr, danken, dass er so tröstlich ist.

Tun: David verspricht, dass er sich wolle dankbar erzeigen, wenn ihm geholfen werde. Er sieht aber hiermit auf die Opfer, welche man Gott zu Dank geopfert hat. Solche Opfer war man nicht schuldig, als wie die, welche Gott auf alle Fest und Feiertage erforderte oder welche man für begangene Sünden notwendig musste bringen. Obwohl aber David auch solche freiwilligen Opfer getan hat, nachdem er im Königreich bestätigt worden, jedoch, was das für ein Opfer sei, welches er tun wolle, das erklärt er mit nachfolgenden Worten, da er spricht: Dass er den Namen des Herrn loben und preisen wolle, als der sehr gut und herrlich sei, nämlich dass er genannt werde, wie er auch in der Tat und Wahrheit ist, ein getreuer Helfer und Heiland in allen Nöten, darum ja sein Name lobens- und preisenswert sei. (Denn das sind Gott die angenehmsten Opfer, wenn man seinen Namen lobt und preist {Hebr 13}.)

9. Denn du errettest mich aus aller meiner Not, dass mein Auge an meinen Feinden Lust sieht.

Lust sieht: Wie sie Gottes Rache trifft, darum soll ich dich richtig loben und preisen. (Denn obwohl wir uns, als die wir Menschen und auch arme Sünder sind, über dem Verderben unserer Feinde nicht freuen sollen, jedoch so bewegt zuzeiten der Heilige Geist die Herzen der Gottseligen, dass, wenn sie Gottes gerechtes Gericht und Strafe über die Gottlosen sehen, sie sich freuen, nicht darum, dass die Feinde verderben, welche sie lieber bekehrt und selig sehen, sondern darum, dass Gott mit der Tat beweist, er sei ein gerechter Herr und Richter der ganzen Welt. Gleich als wie einer gottseligen Obrigkeit zwar leid ist, wenn sie einem bösen Buben muss seine Strafe lassen antun und tut doch daneben hierin ihr Amt freudig und getrost.)


Der 55. Psalm


1. Es klagt Christus dem himmlischen Vater seine Angst, darin er gesteckt ist, zum Teil um der anderen giftigen Juden, zum Teil auch seines Jüngers des Judas meineidiger und treuloser Verräterei willen. Endlich wünscht er ihnen schreckliche Übel und dass sie mit Leib und Seele zugrunde gehen. Fasst auch wieder ein Herz und tröstet sich selbst, dass es dazu kommen soll, das sie, die Feinde, ewig verderben, er aber samt seiner Kirche ewig erhalten werde. Diesen Psalm sollen wir uns zunutze machen, wenn wir in großen Schrecken sind und sowohl von öffentlichen Feinden als auch den falschen Brüdern angefochten und geplagt werden.

1. Eine Unterweisung Davids, vorzusingen auf Saitenspielen.

2. Gott, höre mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen.

Verbirg: (Denn wenn Gott dem, der da betet, so ganz lange nicht Hilfe schafft, scheint es, als ob er sich verborgen hätte, gleich als wenn der Vater oder die Mutter das Kind zwar hören schreien, aber verbergen sich und stellen sich nicht, dass sie es hören, bis sie das Kind weinend machen. Wenn nun Gott also mit uns spielt, macht uns solches zwar nicht lustig, ist aber heilsam und gut. Und eben solches hat Christus auch an seiner Person erfahren, auf das er könnte mit uns Mitleiden haben, so uns dergleichen begegnet {Hebr 2 5}.)

3. Merke auf mich und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und heule,

Merke: Dass Christus mit dem Gebet also anhält und es wiederholt, zeigt er damit an, wie groß die Angst sei.

4. dass der Feind so schreit und der Gottlose drängt; denn sie wollen mir eine Tücke beweisen und sind mir heftig gram.

Dass: Jetzt und zeigt er die Ursachen an seiner Angst und seines kläglichen Heulens und Schreiens.

Schreit: Denn die Feinde stoßen solche Drohworte gegen mich aus und sagen, man soll mich, als einen Ketzer, Gotteslästerer, Verführer und Aufrührer nicht leben lassen.

Drängt: Es plagen mich die gottlosen Leute, die richtig selbst solche Plagen, so sie mir antun, sollten ausstehen.

Beweisen: Er setzt noch mehr Ursachen seines Heulens hinzu, als wollte er sprechen: Sie beschuldigen mich fälschlich aller Bosheit, als hätte ich den Sabbat nicht gehalten, als treibe ich die unreinen Geister mit zauberischen Künsten durch Beelzebub, den Obersten der Teufel, aus, als ob ich ein Gotteslästerer wäre, dieweil ich mich für Gottes Sohn ausgebe, als ob ich verböte, dem Kaiser den Zins zu geben, dessen bezichtigen sie mich, nicht dass das wenigste daran wahr sei, sondern, dieweil sie mir giftig und spinnefeind sind. (Sooft sie nun uns, als Gliedern Christi, auch dergleichen begegnet, dass man nämlich uns mit Lästerworten zusetzt, sollen wir unser Elend unserem Herrn Jesu Christus klagen, der eben dies auch gelitten hat.)

5. Mein Herz ängstigt sich in meinem Leibe und des Todes Furcht ist auf mich gefallen.

Ängstigt sich: Wie eine, die gebären soll.

Gefallen: So stark, dass sie mir auch den blutigen Schweiß austreibt. (Mit dieser Herzensangst und Todesfurcht, welche eine Strafe der Sünden ist, hat Christus unsere Sünde gebüßt. Wenn nun auch uns solche großen Schrecken in unserem Gewissen überfallen, sollen wir getrost sein. Denn Christus, darin er gelitten hat und versucht ist, kann helfen denen, die versucht werden {Hebr 2} und wird uns nicht verderben lassen.)

6. Furcht und Zittern ist mich ankommen und Grauen hat mich überfallen.

Ankommen: (Denn es sind bei Christus solche Schrecken des Todes gewesen, dass er gesagt: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Und in solchem Kampf hat er auch bedurft, dass ein Engel ihn trösten müsse. Denn bei seinen Jüngern, die geschlafen haben, ob er wohl zu etliche Malen im Garten zu ihnen gekommen, hat er keinen Trost gefunden. Das hat aber Christus nach seiner Menschheit gelitten, im Stande der Erniedrigung, da er seine Knechtsgestalt an sich trug. Denn damals hat die Gottheit ihre Kraft nicht sehen lassen, sonst hätte er damit leicht alle Schrecken des Todes weit von sich treiben können. Er hat aber dem Vater wollen Gehorsam leisten, damit das menschliche Geschlecht erlöst würde.)

7. Ich sprach: O, hätte ich Flügel wie Tauben, dass ich flöge und etwa bliebe!

Sprach: In solcher Angst meines Herzens.

Flöge: Dass ich mich schnell hinweg mache und an einen sicheren Ort begeben könnte.

8. Siehe, so wollte ich mich ferne wegmachen und in der Wüste bleiben. Sela.

9. Ich wollte eilen, dass ich entrönne vor dem Sturmwind und Wetter.

Wetter: Es vergleicht aber Christus ganz eigentlich sein Leiden einem schrecklichen Wetter. (Und sind diese Wort des Herrn Christi nichts anders, denn dass er gesagt hat, Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir. Dass aber Christus den Tod geflohen hat, ist ohne Sünde geschehen, bei uns läuft die Sünde mitunter, dass, wenn wir nur den Tod ansehen, wir uns davor entsetzen. Wir sollen auch bedenken, dass die Anfechtungen sind gleichwie die Wetter, welche, ob sie wohl schrecklich sind, vergehen sie doch und lässt die Sonne sich wieder sehen. Darum sollen wir mit Geduld warten, bis das Wetter vorübergeht.)

10. Mache ihre Zunge uneins, Herr und lass sie untergehen; denn ich sehe Frevel und Hader in der Stadt.

Mache: Jetzt fängt Christus an, aus göttlichem Eifer dem unbußfertigen jüdischen Volk und seinem Verräter Juda das Verderben auf den Kopf zu wünschen.

Uneins: Schicke Uneinigkeit, Zwietracht und Meuterei unter sie.

Lass sie: Die gottlosen unbußfertigen Juden.

Untergehen: Verschlinge sie in deinem Zorn. Was solcher Fluch aber für einen Nachdruck gehabt, das haben die Juden wohl empfunden. Denn vor der Zerstörung Jerusalem sind solche Meutereien und Aufruhr in derselben Stadt gewesen, dass die Aufrührerischen offenkundig grausam mit ihren Mitbürgern umgingen, als später die Feinde selbst, die Römer, wie Josephus bezeugt, der solchen jüdischen Krieg beschrieben hat.

Frevel: Er setzt Ursache hinzu, warum man der Stadt Jerusalem länger nicht schonen soll, weil nämlich keine Gerechtigkeit mehr in der Stadt ist und kein Friede noch Liebe unter den Bürgern, sondern da noch etliche fromme Leute darin sind, denen ist man ohne ihre schuld Feind, und werden mit Gewalt unterdrückt: Dessen man an mir, spricht Christus, ein genügend und augenscheinliches Beispiel sieht.

11. Solches geht Tag und Nacht um und um in ihren Mauern; es ist Mühe und Arbeit darin.

Mauern: Damit geht man Tag und Nacht ohne Unterlass überall in der Stadt um, die Stadt ist umgeben und erfüllt mit Ungerechtigkeit, unrechter Gewalt, Bitterkeit und Büberei.

Mühe: Die sie einander selbst machen, da geht die Bosheit im Schwange, Frömmigkeit aber und Gottseligkeit sind verjagt und ausgetrieben. (Obwohl nun kein Regiment so wohl bestellt und in so gutem Stand ist, dass nichts Unrechtes oder Ungerades darin vorgehe, so kann doch Gott etwa zusehen, wo die recht reine Lehre im Schwange geht, man sich auch noch der Gottseligkeit befleißigt und noch recht und ehrlich lebt. Wo aber Gerechtigkeit, Frömmigkeit und Gottseligkeit keinen Platz mehr hat, da ist das endliche Verderben eines solchen Regiments oder Polizei am allernächsten vor der Tür.) * (Nach Luther) Das ist: Eitel Bosheit, damit sie sich und andere Beschweren.

12. Schaden tun regiert darin, Lügen und Trügen lässt nicht von ihrer Gasse.

Gassen: Die Stadt hat solche boshaften Bürger, die allein darauf abgerichtet sind, wie einer dem anderen Unglück zurichte, sie lassen nicht von ihren Listen und Betrug, keine Redlichkeit ist bei ihnen, denn sie geben ein anders mit Worten vor und ein anderes halten sie in ihrem Herzen, dass keiner wissen mag, wer sein Freund oder sein Feind sei. Solcher schändlichen Büberei sieht man ein recht Exempel an meinem Verräter, dem Juda Ischarioth, welcher zwar gute Freundschaft, Liebe und Gehorsam vorgibt gegen mich, so er doch daneben mit meinen allergiftigsten Feinden unter der Decke liegt und mich ihnen verrät, soll mir das nicht herzlich weh tun?

13. Wenn mich doch mein Feind schändete, wollte ich es leiden und wenn mir mein Hasser pochte, wollte ich mich vor ihm verbergen;

Leiden: Wenn mir das ein öffentlicher Feind tat, dass er mich zu Spott und Schanden machte, so wollte ich es doch weniger in Ungutem aufnehmen.

Pochte: Dass er mir öffentlich widerstünde und mir ein Unglück zurichtete.

Verbergen: Denn ich hätte mich besser vor ihm vorsehen können. Es redet aber Christus menschlicherweise davon, da er doch seinen Verräter wohl wusste, dennoch so viel an ihm, dem Juda war, hoffte er, er wäre Christus mit seiner Verräterei also zuvorgekommen, dass er verraten wäre, ehe und denn er dessen gewahr worden.

14. du aber bist mein Geselle, mein Pfleger und mein Verwandter,

Geselle: Der du mit mir das Evangelium gepredigt hast.

Pfleger: Den ich zum Apostel und Verwalter der geistlichen Sachen gemacht hatte.

Verwandter: Mein vertrauter Freund, als Bruder, zu dem ich mich alles Gutes versah, der ist derselbe Bösewicht, der mich verrät.

15. die wir freundlich miteinander waren unter uns; wir wandelten im Hause Gottes zu Haufen.

Unter uns: Und gute vertrauliche Gespräch miteinander hielten.

Zu Haufen: Wir gingen miteinander zum Tempel, lehrten miteinander und taten miteinander Wunderzeichen, alles zur Erbauung der Kirche Gottes, da bist du aus einem Freund mein Feind worden und übergibst mich meineidiger treuloserweise in der Feinde Hände. (Nun ist aber die Verräterei, besonders von denen, welchen wir besseres zutrauen sollten, eine gräuliche Strafe der Sünden, welche Christus gelitten hat, unsere Sünde damit zu büßen. Daneben erfährt auch die Kirche Christi, als die sein Leib ist, gleiche Treulosigkeit an den falschen Brüdern. Wenn uns deswegen eben dergleichen begegnet, dass wir verraten werden von denen, welchen es am allerwenigsten gebührt hätte, sollen wir unser Kreuz mit Geduld auf uns nehmen und dem Herzog des Lebens, Christus nachfolgen.)

16. Der Tod übereile sie und müssen lebendig in die Hölle fahren; denn es ist eitel Bosheit unter ihrem Haufen.

Der: Jetzt schüttet Christus einen gräulichen Fluch aus, sowohl über die anderen unbußfertigen Juden als auch über Judas seinen Verräter.

Fahren: Es sieht aber der Prophet auf die Geschichte von Korah, Dathan und Abiram, von denen man liest {4Mos 16}, dass sie lebendig hinunter zur Hölle gefahren sind und will so viel sagen: Der jähe Tod stoße sie an, dass sie bald der Hölle zufahren. (Dieser Fluch kommt nicht aus fleischlichem Zorn her, sondern aus einem göttlichen Eifer. Inmassen auch der Prophet Elisa den Knaben, so ihn verspottet, den Tod geflucht hat {2Sam 2}. Sonst aber der gemeinen Regel nach, sollen wir bitten für die, so uns beleidigen und auch den Feinden nichts übles wünschen {Mt 5}.)

Eitel Bosheit: Dies ist die Ursache, darum ihnen Christus solches flucht und wünscht, dieweil sie nicht allein zuzeiten aus Schwachheit des Fleisches nur fallen und irren, sondern damit umgehen, dass sie die reine Lehre unterdrücken und dem Nächsten Schaden tun.

17. Ich aber will zu Gott rufen und der Herr wird mir helfen.

Ich: Nun tröstet er sich wieder der Güte Gottes, dass er der Angefochtenen Gebet erhöre.

Rufen: Weil ich mit so vielen bösen Leuten umgeben bin.

Helfen: (Denn obgleich wohl die, so Gott anrufen, nicht immer auf leibliche Weise erlöst werden, so werden sie doch also erhalten, dass ihnen die Anfechtungen an ihrer Seligkeit nichts schaden.)

18. Des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und heulen, so wird er meine Stimme hören.

Hören: Das ist: (Ich will beharrlich und ohne Unterlass bei Gott um Hilfe anschreien. Denn die mit dem Gebet anhalten, werden gewisslich erhört {Lk 18}.)

19. Er erlöst meine Seele von denen, die an mich wollen und schafft ihr Ruhe; denn ihrer sind viele wider mich.

Erlöst: Und gibt mir ein glückliches Auskommen.

Wollen: Dass sie mich ganz zugrunde richten.

Ihr: Nämlich meiner Feinde, als wollte er sagen: Es wird Gott ansehen, dass ich der Feinde so viele habe und auch der Ursache halben mich nicht verlassen.

20. Gott wird hören und sie demütigen, der immer bleibt. Sela. Denn sie werden nicht anders und fürchten Gott nicht.

Demütigen: Dass sie von ihrem Hochmut müssen ablassen.

Immer bleibt: Der Gott, der von Anfang der Welt her auf dem Richterstuhl sitzt, dass er denen, die Gewalt leiden, Recht verschaffe.

Nicht anders: Das ist die Ursache, darum Gott die Feinde Christi plagen und strafen wird, weil sie nicht wollen Buße tun, ihre Irrtümer und gottloses Wesen nicht erkennen oder ihr Leben bessern.

Gott nicht: Sie sind rohlose gottesvergessene Leute in ihrem Herzen und ist keine Gottesfurcht bei ihnen. (Wo aber keine Buße ist, da ist auch keine Vergebung der Sünden.)

21. Denn sie legen ihre Hände an seine Friedsamen und entheiligen seinen Bund.

Friedsamen: Der Gottlose verfolgt die Kinder Gottes, die gern und so viel an ihnen ist, mit allen Menschen Frieden hielten.

Entheiligen: Die, welche die Frommen verfolgen, übertreten Gottes Gebote auf mancherlei Weise, nicht allein mit anderen Sünden und Lastern, sondern auch, dass sie wider die armen unschuldigen Leute gräulich wüten und toben. (Denn oft die, welche die Frommen verfolgen, stecken in gräulichen Sünden und Lastern.)

22. Ihr Mund ist glatter denn Butter und haben doch Krieg im Sinn; ihre Worte sind gelinder denn Öl und sind doch bloße Schwerter.

Glatter: Sie geben ganz glatte geschmierte Worte und reden freundlich mit den Frommen.

Im Sinn: Sie gehen damit um, wie sie auch dem, welchem sie schmeicheln, Gewalt anlegen können.

Schwerter: Mit ihren guten Worten stehen sie den Frommen nach ihrem Verderben, nicht anders, als wenn sie die selbigen mit bloßen Schwertern erstechen. (Das hat Christus oft erfahren, besonders da die Pharisäer zu ihm sagten: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und siehst niemands Person an, ist es recht, dass man dem Kaiser den Zins gebe oder nicht? Also da ihn Judas küsst und zu ihm sprach, sei gegrüßt Meister. Wir werden aber durch diese Sprüche des Psalms erinnert, dass wir den glatten Wörtlein nicht zu wohl trauen, welche die Feinde des Evangeliums vorgeben. Denn ein böser Mensch, wenn er sich fromm stellt, so ist er am allerärgsten.)

23. Wirf dein Anliegen auf den Herrn! Der wird dich versorgen und wird den Gerechten nicht ewig in Unruhe lassen {Lk 12v22}.

Wirf: Als Christus in seiner Knechtsgestalt der Arglistigkeit und Untreue seiner und der christlichen Kirche Feinde sich erinnert und darüber nicht wenig betrübt wurde, tröstet ihn der Heiligen Geist in seinem Herzen mit den folgenden Worten.

Versorgen: Und sich deiner annehmen.

Unruhe lassen: Er wird ihn nicht immer hin und wieder umtreiben lassen, dass er nirgends keine Ruhe habe, sondern wird ihm auch einmal Ruhe schaffen. (Diesen Spruch zieht der Apostel Petrus aus diesen Psalmen am 1. Petr. 5. Dadurch wir erinnert werden, dass wir zwar unser Amt tun, aber daneben unserem Herrn Gott der Sachen Austrag befehlen sollen und ihn sorgen lassen, der wird alles zu seines Namens Ehre und unserem Heil zu richten wissen. Uns gebührt, dass wir schaffen und beten, die Sorge aber für uns steht unserem Herrn und Gott zu {Mt 6}.)

24. Aber, Gott, du wirst sie hinunterstoßen in die tiefe Grube. Die Blutgierigen und Falschen werden ihr Leben nicht zur Hälfte bringen. Ich aber hoffe auf dich.

Sie: Meine Feinde (spricht Christus) wirst du, o himmlischer Vater, strafen und sie in solchen Unfall stürzen, dass sie daraus niemals kommen mögen und sie endlich in die Hölle und ewiges Verderben verstoßen. (Denn auf die leibliche und zeitliche Strafe der Gottlosen kommt später auch die ewige höllische Pein.)

Bringen: Gott wird den tyrannischen, blutgierigen und falschen Leuten das Leben abkürzen, dass sie mitten in ihren bösen Anschlägen, ehe sie das Werk richten, darniederliegen. (Und dieses bezeugen zwar viele Beispiele, da die Tyrannen mitten in ihrem Vorhaben und wenn die Verfolgung angegangen, plötzlich sind durch den Tod hinweggerafft und aufgeräumt worden.)

Hoffe: Und bin gewiss, dass du solches alles tun und verschaffen wirst, dass ich in meiner Hoffnung nicht zuschanden werden. (Denn unsere Hoffnung soll nicht ablassen oder aufhören, so wird gewisslich der Sachen ein Ende gemacht werden, wie wir begehrt haben.)


Der 56. Psalm


1. David ruft den Herrn an um Hilfe und Schutz wider den Saul an, der ihn immer von einer Leibes- und Lebensgefahr in die andere steckte, und klagt sehr hoch über dem gottlosen Wesen seiner Feinde. Seinen Glauben aber erhält er mit Gottes Wort und macht sich keinen Zweifel, denn dass ihn Gott aus so viel und großem Unglück erlösen werde, und verspricht sich hingegen dankbar zu erzeigen. Diesen Psalm sollen wir gebrauchen, wenn uns die Feinde von allen Orten her drängen und zusetzen.

1. Ein goldenes Kleinod Davids von der stummen Taube unter den Fremden, da ihn die Philister griffen zu Gath.

Tauben: Herr Luther. David musste wie eine Taube stumm sein, das ist, still schweigen und den König Saul nicht verklagen unter den Philistern.

Fremden: Im Elend. Und hat zu diesem ganz herrlichen Psalm dem David Anleitung und Gelegenheit gegeben, die große Angst, darin er gekommen, als er aus dem Königreich Israel in das Land der Philister floh. Der Meinung, dass er dort für des Sauls Tyrannei und Gewalt möchte etwas sicherer sein. Da ist er nun von den Philistern gefangen und zum König Achis gen Gath geführt wurde, als der vor der Zeit den Philister Goliath erwürgt hätte. David aber dürfte seinen Namen nicht bekennen vor dem König, sondern stellt sich, als ob er unsinnig wäre, darum ihn der König von sich gelassen als einen unsinnigen Menschen. Dieser Ursache wegen, dass er nicht bekennen durfte, wer er war und doch aus einfältigem und redlichem Herzen sich als unsinnig gestellt, nennt er sich eine stumme Taube. Es ist aber auch ein anderer Psalm von dieser Sache vorhanden, welcher in der Ordnung der Vierunddreißigste ist, darin er Gott für diese Erlösung Dank sagt. Diese Geschichte aber wird beschrieben {1Sam 21}.

2. Gott, sei mir gnädig, denn Menschen wollen mich versenken; täglich streiten sie und ängsten mich.

Gnädig: Dass du mir in meiner Gefahr zu Hilfe kommst.

Versenken: Der Wüterich Saul stellt mir nach meinem Leben, als wenn er mich fressen und verschlingen wollte.

Ängsten mich: Er lässt nicht ab, mich zu verfolgen, also dass, wenn ich seine Wut und Tyrannei fliehen will, ich in andere ebenso beschwerliche Gefahr gerate.

3. Meine Feinde versenken mich täglich; denn viele streiten stolz wider mich.

Feinde: Die es mit dem Saul halten. * nach Luther.) Sauls Hofgesinde verjagt mich ins Elend und muss immer in der Flucht leben.

Täglich: Es ist doch des Neids, Hass und Nachstellens kein Ende, damit sie mich unverschuldeter Sachen verfolgen.

Stolz: Mit großem Trotz und Hochmut setzen sie sich wider mich, der ich zuvor arbeitsselig und im Elend bin und wollen mich ganz aus dem Wege räumen. (Denn keiner ist jemals so ein großer und unrechter Tyrann gewesen, der nicht Leute gefunden, die ihm zu solcher seiner Tyrannei geholfen habe.)

4. Wenn ich mich fürchte, hoffe ich auf dich.

Auf dich: (Wenn wir uns in Gefahr anfangen zu fürchten, ist nichts Besseres, denn dass wir als bald unsere Hoffnung auf Gott setzen, damit wir nicht in der Anfechtung unterliegen. Wir sehen auch, wie David in seinen Psalmen Klage und Trost untereinander mengt. Denn also geht es in der Menschen Herzen um, dass er jetzt sich auf das höchste beklagt, bald wiederum aber Trost empfindet. Und denn bald wieder der vorigen Schmerzen neu wird. Das wissen die, welche unter dem Kreuz sind geübt worden.)

5. Ich will Gottes Wort rühmen; auf Gott will ich hoffen und mich nicht fürchten; was sollte mir Fleisch tun?

Rühmen: Das ist, in solcher meiner Angst habe ich meine Zuflucht zu Gottes Wort, dass mir Gott durch den Propheten Samuel das Königreich Israel versprochen hat. Darum wird er mich nicht weder den Saul noch seinen Anhang erwürgen lassen. Hierauf traue ich Gott und will die Furcht, so in mir steckt, aus dem Sinn schlagen. Denn ist Gott mit mir, wer will wider mich sein? Wenn mich der allmächtige Gott will handhaben und beschlossen hat, einen König aus mir zu machen, was sollen mir Menschen schaden können, die nur allein Fleisch und nicht Gott sind? (Wir haben auch Vertröstung von Gott um Christi willen, nicht zwar auf ein jüdisches, sondern auf ein himmlisches Reich und wissen aus den Worten Christi, dass alle unsere Häarlein auf dem Haupt gezählt sind. Darum wir getrost sagen sollen: Niemand wird uns scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in Christus Jesu und wenn gleich alle Teufel wider uns wären {Röm 8}.)

6. Täglich fechten sie meine Worte an; all ihre Gedanken sind, dass sie mir übel tun.

Täglich: Nun kommt David wieder auf seine Klage.

Sie: Meine Feinde lästern alle meine Worte und Werke und deuten sie aufs Ärgste und zeihen mich, dass ich nach dem Königreich trachte.

Übel tun: Sie richten alle ihre Sachen dahin, dass sie mich in Unglück und ganz ins Verderben bringen mögen. (Denn welche bei Königen oder Fürsten (auch ohne ihr Verschulden) in Ungnaden kommen, die müssen leiden, dass die Schmeichler sie aufs ärgste verleumden und lästern und wenn der Wagen fällt, so muss er fünf Räder gehabt haben.)

7. Sie halten zuhauf und lauern und haben Acht auf meine Fersen, wie sie meine Seele erhaschen.

Lauern: Wo sie mir Leid tun können.

Haben Acht: Sie forschen fleißig nach, wo ich gewesen und wo ich hinauswolle, dass sie mich ausspüren und verderben.

Erhaschen: Sie sehen zu, wie sie mir auf den Dienst warten, dass sie mich erwürgen mögen. (Dieses ist eine artige Beschreibung, wie den Frommen, die mit Kreuz beladen sind, nachgestellt werde.)

8. Was sie Böses tun, das ist schon vergeben. Gott, stoße solche Leute ohne alle Gnade hinunter!

Nach Luther: Was sie tun, das ist Ablass.

Vergeben: Man straft sie nicht, wenn sie gleich über alle Maßen unrecht handeln mit ihrem Nächsten und scheint, als sind sie aller Strafe entgangen.

Stoße: Lieber, siehe nicht länger ihrem gottlosen Wesen zu, sondern stürze sie herab in deinem Zorn, demütige und stürze sie zu Boden, dass ihnen ihr Hochhuth vergehe. (Hierbei sieht man den brennenden Eifer der Frommen, der angeht, wenn die Gottlosen nicht gestraft werden.)

9. Zähle meine Flucht, fasse meine Tränen in deinen Sack! Ohne Zweifel, du zählst sie.

Zählst sie: Du zählst fleißig, wie oft ich in meinem Elend um Sauls willen die Herberge räumen und mich an andere Orte begeben hab müssen, ja du sammelst gleichsam meine Tränen, die ich in meinem Elend vergieße, zusammen und zählst beides, meine Flucht und meine Tränen. Deswegen ich nicht zweifle, du wirst dich über mein Elend erbarmen und mich mit Gnaden ansehen. (Es ist aber uns ein herrlicher Trost, dass Gott unsere Tränen und Weinen nicht verachtet, sondern die selbigen zählt und unseren Jammer besser weiß als wir selber, darum er auch zu rechter Zeit mit Hilfe erscheinen wird.) * (Nach Luther) Du weißt, wie viel der ist, und vergisst sie nicht.

10. Dann werden sich meine Feinde müssen zurückkehren, wenn ich rufe; so werde ich inne, dass du mein Gott bist.

Denn: Wenn du nämlich dafürhalten wirst, dass es Zeit sei, dass du mir meines Jammers und Elends abhilfst.

Kehren: Von ihrer Verfolgung, dass sie mit Schanden ablassen und abgetrieben werden.

Gott bist: Wenn ich dich als einen Nothelfer anrufe, so weiß ich gewiss, dass du mein gnädiger Gott und Vater bist. (Denn obwohl unser schwaches Fleisch solches widerspricht und sich selbst einbildet, dass ihm Gott ungnädig sei, so überwindet doch der Glaube, welcher aus Gottes Wort gewiss ist, dass Gott unser Vater sei, sowohl, wenn es übel, als wenn es glücklich und wohl geht. Die Katholiken aber hingegen zweifeln, ob sie in Gnaden sind, das ist, ob Gott auch ihr Gott sei.)

11. Ich will rühmen Gottes Wort, ich will rühmen des Herrn Wort.

Wort: Darauf ich mich in meiner Trübsal und Gebet verlasse, nicht allein dass er in allgemeinen dem Volk Israel seine väterlichen Hilfe, Schutz und Schirm zugesagt, sondern auch dass er mich insbesondere durch den Propheten Samuel zu einem König verordnet und gesalbt hat. (Solchergestalt sollen auch wir Gottes Verheißungen, deren wir nicht weniger als die Patriarchen im Alten Testament haben, vielfältig zu Herzen nehmen und wohl betrachten.)

12. Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir die Menschen tun {Ps 118v6}?

Tun: Denn dieweil Gott seine Hilfe zugesagt hat, allen denen, die auf ihn trauen, welcher Mensch sollte denn ihnen Schaden tun können, wenn er gleich der allermächtigst wäre? Es sei denn dass Gott solches verhängt und zulässt.

13. Ich habe dir, Gott, gelobt, dass ich dir danken will.

Gelobt: Ich habe versprochen, dass ich dir zu Dank freiwillige Opfer und Lobopfer bringen wolle. Von solchen Opfern findet man {3Mos 17}. (Obwohl nun kein Zweifel ist, dass David, nachdem sein Elend zu Ende gelaufen, unserem Herren und Gott Opfer getan habe, seine Dankbarkeit damit zu erweisen, so versteht er doch hier besonders die geistlichen Opfer, welche da sind, Lob und Preis des göttlichen Namens {Hebr 13}. Wenn aber auch wir unserem Herrn und Gott versprochen haben dankbar zu sein und halten solches, so erlangen wir dadurch so viel desto leichter Hilfe bei ihm und bewegen ihn dazu, dass er uns von neuen und noch mehr Gutes tue.)

14. Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten, dass ich wandeln mag vor Gott im Licht der Lebendigen.

Errettet: Du erhältst und regierst mich also, dass mich weder böse Leute noch auch des Teufels listige Anschläge verderben können: Darum ist es richtig, dass ich gegen dich dankbar sei.

Lebendigen: Das ist, ich weiß, dass du mir wirst noch hier und dort wohl tun und mich teilhaftig machen der Seligkeit, welche du den Frommen in dieser und der zukünftigen Welt zu geben versprochen hast. (Hierbei erinnert uns David abermals mit seinem Beispiel, dass wir aus den vorhergehenden Guttaten Gottes unser Hoffnung von künftiger Hilfe und Erlösung stärken.)


Der 57. Psalm


1. Es bittet David ängstlich, dass ihn Gott unter so mancher Gefahr erhalten wolle und klagt ganz sehr über die Verleumder, welche den Saul, der vorhin mehr denn zu viel unsinnig war, mit ihren falschen und giftigen Auflagen, noch weiter anhetzen. Er mischt aber immer auch Trost mitunter, damit er sich aufhält, und verspricht unserem Herrn und Gott, da er ihn erlösen werde, so wolle er sich davor dankbar erzeigen. Dieser Psalm wird uns fast dienlich sein, wenn wir mit Tyrannen und Verleumdern umringt und überfallen werden.

1. Ein goldenes Kleinod Davids, vorzusingen, dass er nicht umkäme, da er vor Saul floh in die Höhle.

Kleinod: Das ist: Ein trefflich schöner Psalm.

Höhle: Man liest aber von David, dass er zum anderen Mal in einer Höhle sich verborgen hat. Einmal in der Höhle Adullam {1Sam 22}. Das andere Mal in der Höhle in der Wüste Engeddi, in welcher er auch dem Saul einen Zipfel vom Rock abschnitt {1Sam 24}. Und scheint, dass der Psalm von dieser letzten Geschichte rede. Denn damals hatte Saul dreitausend auserlesener junger Mannschaft mit sich ausgeführt, David zu suchen und zu verderben, also dass, wenn David jemals in äußerster Gefahr gestanden, so ist es damals gewesen.

2. Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis dass das Unglück vorübergehe.

Gnädig: Dass du mir beizeiten zu Hilfe kommst, der ich abermals in Gefahr des Leibes und Lebens geraten bin.

Traut: Auf dich allein steht all mein Vertrauen. (Nun kann und will aber Gott die nicht verlassen, welche ihm von Herzen vertrauen.)

Unglück: Schaden, Leid, das sie mir tun.

Vorüber: Bis die Gefahr hinweg ist, hierzwischen hoffe ich, dass du mich beschirmen wirst, wie die Vögel ihre Jungen unter die Flügel unterschlüpfen.

3. Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meines Jammers ein Ende macht.

Rufe: In dieser meiner Trübsal.

Allerhöchsten: Der allmächtig ist und kann alle, die zu ihm fliehen, wunderlich erretten.

Ende macht: Und mir täglich viele und große Guttaten erzeigt. (Denn die vorher erzeigte Gnade und Guttaten sollen uns aufmahnen, dass wir um mehrere bitten und uns der selbigen gewisslich getrösten.)

4. Er sendet vom Himmel und hilft mir von der Schmach meines Versenkers. Sela. Gott sendet seine Güte und Treue.

Er: Nun mischt der Prophet einen Trost mitunter, welchen ihm der Heiligen Geist in sein Herz einspricht.

Himmel: Es wird mich Gott der Herr gewisslich wunderbarerweise erlösen und die, so mich fressen und verschlingen wollen, augenscheinlich zuschanden machen, dass jedermann wird müssen bekennen, mir sei vom Himmel herab Hilfe herangeschafft worden.

Treue: Damit wird er mir zu Hilfe kommen. (Denn so väterlich ist Gott gegen uns gesinnt, dass, wo die menschliche Hilfe aufhört, da fängt Gottes Hilfe an.)

5. Ich liege mit meiner Seele unter den Löwen. Die Menschenkinder sind Flammen; ihre Zähne sind Spieße und Pfeile und ihre Zungen scharfe Schwerter.

Löwen: Das ist: Saul und seine vornehmsten Diener, die mir alle nach dem Leben stellen, sind nicht anders als die brüllenden wütenden Löwen, die mich zerrissen, wenn du es zugeben würdest.

Schwerter: Das ist: Die Verleumder, welche mich beim Saul noch verhasster machen, begehren mich mit ihren falschen Zulagen als mit Spießen, Pfeilen und Schwertern zu erstechen. (Hierbei haben wir zu merken, was die Heuchler für gräuliche und schädliche unruhige Köpfe haben und auch wie übel es einem frommen Menschen anstehe, dass er ein Verleumder sei.)

6. Erhebe dich, Gott, über den Himmel und deine Ehre über alle Welt!

Erhebe: Verschaffe, dass deines Namens Lob und Ehre, Himmel und Erde erfülle, indem du nämlich mich elenden Menschen unter so vielfältigem Jammer und Gefahr erhältst. (Denn das dient allermeist zu Gottes Lob und Ehre, wenn er den Armen und Bedrängten, die auf ihn hoffen, zu Hilfe kommt.)

7. Sie stellen meinem Gange Netze und drücken meine Seele nieder; sie graben vor mir eine Grube und fallen selbst hinein. Sela {Ps 7v16}.

Netze: Sie machen allerlei geschwinde und listige Anschläge, dass sie mich fangen und verderben.

Nieder: Sie wollen mich nirgends lassen aufkommen.

Selbst darin: Dies hat sich in der Wahrheit also begeben, da Saul den David lange verfolgt hatte. Denn als er in die Gruben oder Höhlen, darin David verborgen war, hineingegangen, kommt er dem David in seine Hände. Und wenn David gewollt, hätte er ihn können erwürgen und aufreiben. Dahin sieht David hier. Denn die Psalmen sind nicht eben mitten unter der Gefahr oder im Strudel der Anfechtung gleich aufgeschrieben worden, sondern später hat David erst seine Gedanken, die er damals gehabt, aufs Papier gebracht.

8. Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, dass ich singe und lobe.

Bereit: Dir zu danken für deine wunderliche Erlösung. Denn nach dem David der Gefahr entronnen, ermuntert er sich selbst mit diesen Worten zur Danksagung.

9. Wach auf, meine Ehre, wach auf, Psalter und harfe! Frühe will ich aufwachen.

Wache: Nun zeigt er weiter mit verblümten Worten an, wie bereit und willig er sei, den Herrn von Herzen zu loben und zu preisen.

Ehre: Mein Saitenspiel, damit ich Gott zu ehren und zu danken pflege, mache dich herzu. * (Nach Luther) Das ist: Mein Psalter und Lied, da ich Gott mit ehre.

Aufwachen: Und mich rüsten, dein Lob zu verkündigen. (Denn es gebührt sich ja, dass wir mit wackerem und willigem Herzen unseren Herrn und Gott für die empfangene Guttaten loben und preisen.)

10. Herr, ich will dir danken unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Leuten.

Leuten: Öffentlich in der Gemeinde will ich dich preisen und nicht nur bei mir selbst allein.

11. Denn deine Güte ist, soweit der Himmel ist und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen {Ps 36v6 108v5}.

Gehen: Darum bist du ja lobenswert, weil deine Güte und Treue unendlich ist, damit du allen denen hilfst, die sich dir mit wahrem Glauben befehlen. (Denn Gottes Güte, damit er den armen betrübten Menschen hilfst, ist viel größer, als dass wir solche mit unserer Vernunft begreifen, will schweigen, dass wir es mit Worten aussprechen können.)

12. Erhebe dich, Gott, über den Himmel und deine Ehre über alle Welt!

Erhebe: Weil David noch nicht aller Gefahr entgangen, wiederholt er sein Gebet. (Dabei wir uns zu erinnern, wenn wir aus einem Unfall sind erlöst worden, dass wir uns bald gerüstet und bereit machen, ein anderes auszustehen.)


Der 58. Psalm


1. E beklagt sich David in diesem Psalm, dass schier niemand bei Saul zu Hofe sei, der ihn der Gebühr erinnere und Davids gerechte Sache handhabe, oder verteidigen dürfe, ja vielmehr helfe der mehreren teils dem Könige zu seinen unbilligen Sachen. Und nimmt daher Gelegenheit, zu lehren, wie böslich die gottlosen Leute handeln. Weissagt daneben von der Unbußfertigen plötzlichem und zumal schrecklichem Untergang, wie auch von der Belohnung, welche die Gerechten zu seiner Zeit empfangen sollen. Mit diesem Psalm sollen wir uns trösten, wenn sich auch solche Leute unser nichts annehmen, welchen insbesondere gebührte, der Gerechtigkeit beizustehen und auch, wenn wir sehen, wie die Gottlosen wüten und toben, gleich als ob sie die Frommen allesamt wollten ausreißen und vertilgen.

1. Ein goldenes Kleinod Davids, vorzusingen, dass er nicht umkäme.

Kleinod: Ein ganz herrlicher und tröstlicher Psalm.

Umkäme: Das ist: Es hat David diesen Psalm darum gemacht, dass er darin klagte über das gottlose Wesen seiner Feinde, damit Gott sich seiner annehme und ihn beschützte, dass er von den Feinden nicht unterdrückt würde.

2. Seid ihr denn stumm, dass ihr nicht reden wollt, was Recht ist; und richten, was gleich ist, ihr Menschenkinder?

Seid: David wendet sich zu des Sauls Hofdiener und redet sie auf folgende Meinung an: Seid ihr denn so ganz verstummt, dass ihr nicht dürft vor eurem Herrn, dem Könige, reden, was ehrbar, recht und richtig ist? (Denn bei der Tyrannen Höfe redet der meiste Teil nicht, was recht und was wahr ist, sondern was man gern hörte und dabei man sich nicht fürchten darf.)

3. Ja, mutwillig tut ihr Unrecht im Lande und geht stracks durch mit euren Händen zu freveln.

Mutwillig: Als wollte er sprechen: Was fordere ich von euch, dass ihr sollt ungerechte Sachen handhaben? So ihr doch selber böse unnütze Leute seid, und geht in eurem Herzen mit ungerechten Dingen um.

Zu freveln: Ihr geht mit Fleiß darauf um, dass ihr unschuldige Leute mit Gewalt dämpft und seid selber Tyrannen oder Bluthunde. (Denn oft richten sich die Hofdiener nach den Herren.)

4. Die Gottlosen sind verkehrt von Mutterleibe an; die Lügner irren von Mutterleib an.

Die: Jetzt kommt David auf alle Menschen und zeigt an, dass ihnen solche Bosheit angeboren sei.

Verkehrt: Und ohne Erkenntnis Gottes, auch ohne alle Gottseligkeit.

Mutterleibe an: Sie haben die Bosheit nicht erst gelernt, sondern mit aus Muttereibe auf die Welt gebracht, sind auch nicht wiedergeboren aus dem Heiligen Geist. Darum denn so wundert es nicht, dass sie Lust haben zur Verleumdung, Lügen, Büberei, Betrug, List und unrechter Gewalt. (Also sind auch heutigentags alle Menschen ihrer Natur halben, wenn sie nicht aus Wasser und Geist wiedergeboren werden durch die Heilige Taufe.) * (Nach Luther) Das ist: Art ist nicht gut und lässt von Art nicht.

5. Ihr Wüten ist gleichwie das Wüten einer Schlange, wie eine taube Otter, die ihr Ohr zustopft,

Ihr: Der Prophet streicht noch weiter heraus, wie ganz verkehrte Leute die sind, welche nicht wiedergeboren wurden.

Schlangen: Die ganz giftig ist.

6. dass sie nicht höre die Stimme des Zauberers, des Beschwörers, der wohl beschwören kann.

Nicht höre: Man schreibt von den Schlangen, wenn sie merken, dass ein Zauberer zugegen sei, der sie beschwören wolle, dass sie stille stehen oder aber von ihm gezwungen werden, damit sie ihr Gift ohne Schaden bei sich tragen müssen, so drücken sie alsdann das eine Ohr hart auf den Boden, das andere Ohr aber verstopfen sie mit dem Schwanz, dass sie die Beschwörung des Zauberers nicht hören dürfen und demselben gehorsam sein müssen. (Es ist aber kein Zweifel, dass die Zauberer (wenn ihnen solches Gott verhängt und der Teufel sein Gaukelspiel treiben will) dergleichen etwas zuwege bringen können. Daher auch ein heidnischer Poet Virgilius, von den Schlangen geschrieben, dass sie, wenn sie auf dem Felde bezaubert werden, zerspringen und zerknallen. Aber solche zauberischen Künste sind im Gesetze Gottes bei Leibesstrafe verboten. Und sind die Zauberer nicht Erben des Himmels {Gal 5}. Darum, so billigt dieses Gleichnis hier die Zauberei nicht, gleichwie auch die Gleichnis Christi {Lk 16}. vom ungerechten Haushalter, die Betrügerei in Finanzen nicht billigt, oder gut heißt, sondern es hat David der gottlosen Leute Art hiermit zu verstehen geben und so viel sagen wollen: Wie die Schlangen so giftig sind, dass, ehe sie wollen ablassen Schaden zu tun, sie eher die Ohren zustopfen: Also sind die Gottlosen voll Wütens und Tobens und so halsstarrig in ihren Sünden, dass sie das Wort, welches von Sünden und Lastern abmahnt, nicht hören wollen. Denn sie fürchten, dass sie entweder davon ablassen müssen oder werden desto ein schwerer Urteil empfangen, wenn sie wissentlich sündigen. Das ist aber eine mutwillig angemaßte Unwissenheit, die keine Entschuldigung hat vor dem Gericht Gottes.)

7. Gott, zerbrich ihre Zähne in ihrem Maul; zerstoße, Herr, die Backenzähne der jungen Löwen!

Zerbrich: Hier bittet David, dass Gott der Herr die Gewalt und die Macht der Gottlosen brechen wolle und ihnen die Zähne ausschlagen, damit nicht er und andere fromme Leute solchen gräulichen Tieren zum Raub aufgenommen werden. (Denn unglaublich ist es, wie die Gottlosen über die Frommen toben, wenn sie Gott etwa wüten lässt. Dass einer wohl sagen möchte, es wäre nichts Menschliches an ihnen, als nur das äußerliche Ansehen, so grausam sind sie und viel ärger als die Löwen und Tiger.

8. Sie werden zergehen wie Wasser, das dahinfließt. Sie zielen mit ihren Pfeilen, aber dieselben zerbrechen.

Sie: Weil David in seinem Herzen durch Eingeben des Heiligen Geistes gewiss ist, dass er von Gott erhört wurde, so weissagt er jetzt und von der Gottlosen Verderben und Untergang und tröstet sich damit.

Zergehen: Sie werden verschwinden wie ein Bach, der endlich ganz versiegt.

Zerbrechen: Gleichwie sich es bisweilen zuträgt, dass der Bogen springt, ehe der Pfeil zum Ziel oder Zweck kommt. Also wird ihr Vorhaben und Anschlag, wenn sie mitten drin sind, zunichte und zerstört werden.

9. Sie vergehen, wie eine Schnecke verschmachtet; wie eine unzeitige Geburt eines Weibes sehen sie die Sonne nicht.

Schnecke: Denn die Schnecken vergehen und verzehren sich endlich, dass die Häuslein leer da stehen, wenn sie gleich zuvor die Hörner herausgereckt und so feucht scheinen, als ob sie nie mehr würden ausdorren können.

Sonne nicht: Will so viel sagen: Gleichwie sich es bisweilen zuträgt, dass eine unzeitige Geburt das Licht dieser Welt nicht anschaut, wenn gleich eine Zeit lang der Mutterleib davon aufgeblasen und groß wird, ehe es aber an die Welt kommt, findet sich es, dass solches gestorben und abgestanden sei. Also werden auch die Gottlosen zugrunde gehen, eher denn sie ihr Vorhaben und Anschläge zu ihrem erwünschten Ende bringen.

10. ehe eure Dornen reif werden am Dornstrauche, wird sie ein Zorn so frisch wegreißen.

Ehe eure: (Nach Luther) Das ist: Ehe denn sie es halb dahin bringen, dahin sie es haben wollen; wird sie Gottes Zorn zerstören und wird er dagegen den Gerechten helfen.

Reif werden: Ehe sie erstarken, dass sie übel stechen können.

So frisch: Weil sie noch grün sind. Als wollte er sprechen: Gleichwie ein Acker- oder Bauersmann, der erzürnt ist, die Dorne, wenn sie noch frisch und grün sind, mit Gewalt aushaut, also wird Gott in seinem gerechten Zorn und Eifer die Tyrannen, welche als stechende Dornen sind, ausreißen, ehe sie den halben Teil des Übles und Unglücks, damit sie umgegangen, ins Werke richten. (Diese und dergleichen Sprüche aus den Psalmen sollen wir fleißig bedenken und uns damit in Gefahr trösten, auch keinen Zweifel darin setzen, dass Gott die Feinde seiner christlichen Kirche mitten in ihren blutdürstigen Anschlägen werde zu Boden stoßen und dämpfen. Dessen wir auch heutzutage Beispiele haben.)

11. Der Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht und wird seine Füße baden in des Gottlosen Blut {Ps 68v24}.

Gerechte: Der durch den Glauben gerechtfertigt ist und sich aus Glauben aller Gottseligkeit befleißigt.

Rache: Die Gott an den Gottlosen übt.

Baden: Das ist: Die Rache Gottes wird so stark sein, dass die Frommen gleichsam mit Füßen im Blut der Gottlosen gehen werden. (Mit diesen Worten wird so viel zu verstehen gegeben, dass Gott an den Feinden seiner Kirche größere Strafe und Rache üben werde, als wir denken oder erhoffen können. Obwohl sich aber die Liebe nicht freut über dem Verderben der Menschen, jedoch so lässt sich der Heilige Geist in den Herzen der Gottseligen, die gerechte Rache Gottes über die unbußfertigen Sünder ohne Verletzung der christlichen Liebe wohl gefallen.)

Blut: (Nach Luther) Das ist: Die Rache wird größer werden, denn jemand begehrt, dass, wo er einen Tropfen Blutes und Rache begehrt, wird desselben so viel sein, dass er möchte darin baden.

12. dass die Leute werden sagen: Der Gerechte wird sein ja genießen; es ist ja noch Gott Richter auf Erde.

Sagen: Wenn sie der Gottlosen Verderben und wie dagegen die Frommen erhalten werden, sehen.

Genießen: Nämlich seiner Frömmigkeit, ob sich gleich anfangs das Widerspiel sehen lässt.

Richter: Gott lebt ja noch und ist ein gerechter Richter, der die Frommen erhält, die Gottlosen aber verderbe. (Also gereicht die göttliche Rache, welche an den Gottlosen geübt wird, zur Ehre Gottes, dass er für einen gerechten Richter dadurch erkannt wird und macht, dass die Leute sich solche Beispiel lassen warnen, das sie Gott fürchten und ihrer viele bekehrt werden.)


Der 59. Psalm


1. Wiewohl der Titel und die Überschrift so viel zu erkennen gibt, dass Sauls Wut und Tyrannei dem David zu diesem Psalmen Ursache gab, so hat doch der Heilige Geist durch den David weiter gesehen. Denn dieweil er ein Vorbild Christi des Sohnes Gottes war, bittet er nicht allein um Hilfe wider des Sauls unbillige Gewalt, sondern Christus bittet seinen himmlischen Vater, dass er ihn wider seine Todfeinde, die Juden, also schützen und beschirmen wolle, dass er nicht ganz zugrunde gehe. Er klagt aber über ihr gottloses Wesen und wünscht ihnen alles Elend und Unglück über den Hals, darin die Juden noch auf diesen Tag stecken, wie der Augenschein mit sich bringt. Dieser Psalm wird uns dienen unseren Glauben damit zu stärken, dass nämlich Jesus Christus sei der wahre Messias, welchen die Juden zu ihrem selbst eigenen Verderben verworfen haben. Das Beispiel aber der verstoßenen Juden erinnert uns, dass wir uns gegen den Herrn Christus dankbar und gehorsam erzeigen, damit nicht uns auch dergleichen widerfahre.

1. Ein goldenes Kleinod Davids, dass er nicht umkäme, da Saul hin sandte und ließ sein Haus bewahren, dass er ihn tötete.

Kleinod: Ein herrlicher schöner Psalm.

Bewahren: Durch seine Trabanten. Dass also die höchste Gefahr, darin er gesteckt, ihn zu diesem Psalm Ursache und Anleitung gegeben hat.

Tötet: Welches doch durch der Michal, die Sauls Tochter und Davids Weib war, Geschwindigkeit verhindert wurde. Denn sie ihn durch das Fenster hernieder gelassen, dass er fliehen konnte, wie 1. Sam. 19. zu lesen.

2. Errette mich, mein Gott, von meinen Feinden und schütze mich vor denen, so sich wider mich setzen!

Gott: Auf den ich traue.

Setzen: Mit bewaffneter Hand und Gewalt.

3. Errette mich von den Übeltätern und hilf mir von den Blutgierigen!

Blutgierigen: Bis daher lautet der Vertrag und summarischer Inhalt des ganzen Psalms, da Christus bittet, dass ihn Gott vor dem jüdischen Volk bewahren wolle. Nun ist aber das nicht seine Meinung, als ob er nichts leiden wolle, denn wie wäre sonst das menschliche Geschlecht erlöst worden, sondern darum bittet er, dass er nicht mit seinem Reich zugrunde gehe. Es hat aber Christus solches gebeten im Stande seiner Erniedrigung und als er in Knechtsgestalt war: Jetzt sitzt er zur Rechten Gottes und herrscht auch mitten unter seinen Feinden. (Wir sollen nach dem Beispiel Christi und Davids, wenn wir in Ängsten sind, bald mit gläubigem Gebet uns zu Gott als in ein festes Schloss begeben und zu ihm Zuflucht haben.)

4. Denn siehe, Herr, sie lauern auf meine Seele; die Starken sammeln sich wider mich ohne meine Schuld und Missetat.

Denn: Folgen die Ursachen seines Vertrags.

Seele: Oder Leben, mir dasselbe zu nehmen.

Wider mich: Denn wider David haben sich versammelt Saul mit seinen vornehmsten Dienern: Wider Christus aber, die Hohepriester, Schriftgelehrten und Obersten im Volk.

Schuld: unverschuldeterweise. Denn sie haben ihre Räteversammlung über mich ganz unschuldigen Menschen gehalten. (Obwohl nun auch David gegen den Saul, in seiner Sache unschuldig war, jedoch gehen diese Worte besonders auf Christi, welcher nie keine Sünde getan hat und in dessen Munde kein Betrug erfunden wurde. Dieweil er nun nicht für seine Sünden gelitten hat, so ist offenbar, dass er durch sein Leiden fremde, nämlich unsere Sünden gebüßt habe.)

5. Sie laufen ohne meine Schuld und bereiten sich. Erwache und begegne mir und siehe hinein!

Laufen: Wider mich zusammen.

Bereiten sich: Sie machen sich gefasst dazu, dass sie mich in Grund vertilgen möchten.

Siehe hinein: Du Herr, der du bis daher zu meiner Feinde Anschläge immer still geschwiegen hast, komme mir jetzt in meiner Gefahr beizeiten zu Hilfe, lass mich nicht verderben, siehe auf ihre Bosheit, dass du sie dämpfst und unterdrückst.

6. Du, Herr, Gott Zebaoth, Gott Israels, wache auf und suche heim alle Heiden; sei der keinem gnädig, die so verwegene Übeltäter sind! Sela.

Zebaoth: Das ist: Der Heerscharen, dem alle Engel, ja alle Kreaturen dienen und gleichsam unter ihm zu Felde liege.

Gott Israel: Der du dich deinem Volk Israel, das ist, deiner heiligen Kirche geoffenbart hast.

Keinem gnädig: Das ist: Du lieber allmächtiger Gott, du gütiger und gnädiger Vater, erzeige den Gottlosen, die mich und meine Kirche verfolgen, dass du noch nicht gestorben seist, auch nicht schläfst. Und möchtest solcher Leute, die mich und meine Kirche so ganz unrechterweise plagen, nicht verschonen, sie sind gleich jetzt Juden oder Heiden. Es versteht aber Christus hier unter dem Wörtlein Heiden besonders die Juden. Denn ob sie wohl an ihrem Fleisch beschnitten waren, so waren sie doch an ihren Herzen unbeschnitten, wie Stephanus Apostelgeschichte 7. bezeugt. So lehrt auch der Apostel Paulus, dass diejenigen Juden, welche das Gesetz mutwillig übertreten, nicht für Beschnittene, sondern für Unbeschnittene, das ist, für Heiden zu halten sind {Röm 2}. (Es wird aber mit diesen Worten die Gnade und Vergebung der Sünden nicht abgesprochen den Bußfertigen, sondern den halsstarrigen und unbußfertigen Feinden Gottes, die werden ohne alle Barmherzigkeit ewig müssen verdammt und verloren bleiben.) * (Nach Luther) Das ist: Lass dir ihr böses Vorhaben nicht gefallen und hilf nicht, dass ihre Bosheit fortgehe.

7. Des Abends lass sie wiederum auch heulen wie die Hunde und in der Stadt umherlaufen.

Des: Lasst uns nun weiter Christus hören, wie gräuliche und schreckliche Strafen er den Juden wünscht und hiermit weissagt, wie sie von Gott verworfen und verstoßen werden sollen.

Hunde: Welche hungrig und erfroren sind.

Laufen: Dass sie ihre Nahrung kümmerlich suchen. (Ist aber dies nicht eine artige und eigentliche Beschreibung der Juden? Denn wie die hungrigen Hunde, wenn es will Abend werden, in der Stadt umherlaufen und nicht wissen, wo sie etwas zu essen finden und heulen, haben keinen gewissen Herrn oder Herberge: Also auch die Juden in dem letzten Teil der Welt (nämlich nach der Zukunft Christi) laufen hin und wieder an allen Orten herum, sind bei allen verhasst und leben in Schande und Spott. Und wenn sie gleich an einem Ort mit wucherischer Hantierung etwas zusammengekratzt, so nimmt ihn doch oft die Obrigkeit später wieder, was sie gesammelt und drückt sie aus wie ein Schwamm, stößt sie danach ins Elend hinaus. Unter allem diesem Unglück aber ist das allerärgste, dass sie keinen rechten und gründlichen Trost aus Gottes Wort annehmen, sondern in ihren Sünden sterben und ewig verderben. Und zwar, so geben sie ihre keinem nütze Hundsart, auch mit ihrem Heulen in ihren Synagogen oder Schulen genügend zu erkennen. Denn sie plappern oder heulen ihr Gebet also heraus, dass einer einen Eid schwüre, er hörte einen ganzen Stall voller hungriger Hunde heulen. Sooft wir nun eines Juden ansichtig werden, sollen wir an diesen Vers denken und unseren Glauben daher stärken, dass sie verworfen und verstoßen sind.)

8. Siehe, sie plaudern miteinander; Schwerter sind in ihren Lippen: Wer sollte es hören?

Siehe: Nun fährt Christus weiter fort in seiner Klage über die Bosheit der Juden, die sie gegen ihn üben.

Sollst es hören: Wenn sie gleich vor Furcht der christlichen Obrigkeit nicht öffentlich mich schänden und lästern dürfen, so plaudern sie doch heimlich untereinander von meinem Namen ganz gotteslästerlich und treiben solche giftige Worte, dass, wenn sie mit ihrer Zungen, mich und alle die mich angehören, erstechen könnten, sie solches mit Lust und Begierde tun würden. Und dieweil sonst niemand weder sie selbst unter einander solche Gotteslästerung hörten, halten sie davor, sie wollen ungestraft davonkommen. (Obwohl man aber die Juden darum nicht erwürgen, sondern vielmehr dem Gerichte Gottes übergeben soll, dass sie gestraft werden. So tun doch etliche Obrigkeiten große Sünde und Unrecht daran, dass sie nicht allein die Juden unter sich wohnen lassen, sondern auch gestatten, dass sie die Untertanen durch ihren Wucher aussaugen. Darum soll man sie vielmehr hinaus ins Elend verstoßen. Oder da sie ja jemand leiden und dulden wollte, sollte man sie mit Gewalt zu allerlei harter und unlustiger Arbeit, die sonst den Christen beschwerlich, anhalten, damit sie begreifen müssten, dass sie Gefangene und des Römischen Reiches leibeigene Leute wären. Das würde vielleicht solchen über alle Maßen halsstarrigen Leuten Ursache geben, dass sie sich zu Christus bekehrten. Diejenigen aber tun sehr töricht daran, welche ihr Leibes Gesundheit den Juden, so da mit Arznei umgehen, vertrauen. Dieweil offenbar, dass sie allesamt nach der Christen Blut durstig und den selbigen spinnefeind sind.) * (Nach Luther) Das ist: Sie tun, als wäre kein Gott, der es hörte und sagen noch denken nicht, dass einmal muss laut werden.

9. Aber du, Herr, wirst ihrer lachen und aller Heiden spotten {Ps 2v4}.

Spotten: Als wollte Christus sagen: Sie plaudern zwar wider mich ihre Gotteslästerung heraus und hoffen, ja wünschen auch, dass die Zeit komme, da sie einmal, wenn sie einen anderen Messias bekommen haben, meinen Namen und meine Kirche ganz austilgen mögen. Aber Gott wird nicht allein der Juden, sondern auch aller Heiden und Völker Anschläge zunichtemachen, damit sie meine Kirche begehren auszurotten. Dies soll unserem Herzen ein Trost sein, wider das schreckliche Trotzen und teuflische Gespött derer, so die christliche Kirche verfolgen.

10. Vor ihrer Macht halte ich mich zu dir; denn Gott ist mein Schutz.

Macht: (Nach Luther) Das ist: Wenn sie mir zu mächtig sind, so sehe ich auf dich.

Halt ich: Es redet aber Christus jetzt in der Person seiner lieben Kirche, welche sein Leib ist.

Schutz: Und festes Schloss, welcher zu ihm flieht, der wird gewisslich erhalten. (Denn die Kirche Christi wäre längst schon ausgetilgt worden, wo nicht Gott die selbige als in einem festen Schloss hätte aufbewahrt.)

11. Gott erzeigt mir reichlich seine Güte; Gott lässt mich meine Lust sehen an meinen Feinden.

Güte: Das ist: Gott der Herr wird mir und meiner Kirche nach seiner großen Güte zeitlich zu Hilfe kommen und mir viel stattlicher helfen, denn meine Kirche hätte hoffen oder begehren dürfen, wie der Apostel Paulus davon bezeugt {Eph 3}. * (Nach Luther) Gott tut mir mehr Gutes, denn sie mir Böses tun können.

Lust sehen: Dass ich mit meinem großen Wohlgefallen schaue, wie übel es meinen Feinden geht, unter denen die Juden doch die Vornehmsten sind. Denn es ist kein Volk unter dem Himmel, das mir so giftig und spinnefeind wäre, als sie. (Wir sind aber jetzt zum wiederholten Mal erinnert worden, es könne wohl sein, dass ein frommer Mensch und so viel desto mehr der ewige Sohn Gottes, sich über dem Verderben seines Feindes freue, nicht zwar aus einer fleischlichen Rachgierigkeit, sondern aus göttlichem Eifer, dass er ihm das gerechte Gericht Gottes wohl gefallen lässt.)

12. Erwürge sie nicht, dass es mein Volk nicht vergesse; zerstreue sie aber mit deiner Macht, Herr, unser Schild und stoße sie hinunter!

Sie nicht: Vertilge das jüdische Geschlecht nicht allerdings vor dem Jüngsten Tag.

Vergesse: Es ist viel besser, dass noch etwas von Juden überbleibe. Denn also wird mein Christen-Volk, wenn es die Juden vor seinen Augen sieht umgehen, meines Leidens erinnert werden, welches ich für die Sünden des menschlichen Geschlechts ausgestanden, dadurch wird mein Leiden immer im Gedächtnis bleiben, dazu die Juden ihresteils geholfen haben. (Wenn wir nun einen Juden ansehen, sollen wir uns einbilden, wir sehen die Juden, wie sie unterm Kreuz Christi stehen und den verspotten, der um unseres Heils und Seligkeit willen, den schmählichen Tod gelitten hat.)

Macht: Es scheint, als ob er mit dem Wörtlein Macht (welches im Hebräischen auch so viel als ein Heer heißt) auf der Römer Kriegsheer gesehen, durch welches Gott die Juden hat hingerichtet und später in die ganze weite Welt elendiglich zerstreut, dass sie nirgends keine bleibende statthaben. (Und empfinden die Juden noch heutigentags, was dieser Fluch wirke: Denn sie in der ganzen Welt nirgends keine Herrschaft oder Regiment haben nach der Weissagung des Patriarchen Jacobs. Es wird das Zepter von Juda nicht entwendet werden, bis der Siloh, das ist, Christus, komme {1Mos 49}. Nun aber nach der Zukunft Christi ist die Herrschaft allerdings von ihnen gekommen.)

13. Ihre Lehre ist eitel Sünde und verharren in ihrer Hoffart und predigen eitel Fluchen und Widersprechen.

Eitel Sünde: Alle ihre Rede ist nichts als gräuliche Sünde, in dem sie hochmütig und halsstarrig in ihrer Gotteslästerung wider Christus verharren, um welches streitigen Übermuts willen sie denn ewig gestraft werden. Den sie können doch schier nichts anderes reden oder erzählen als gräuliche Lästerungen wider Christus, die sie untereinander heimlich murmeln und erdichten in Glaubenssachen die allerschändlichsten Lügen, damit sie ihre Zuhörer, das elende jüdische Völklein in ihres Herzen Blindheit wider Christus behalten. (Obwohl aber, wie jener sagt, kein Buch nie so bös ist, da nicht auch etwas Gutes innen sei. Deswegen denn auch bisweilen in den Büchern der Rabbiner sich etwas findet, das zu wissen nicht unnütz ist. Jedoch so ist in solchen der jüdischen Lehrmeister Büchern von rechten heilsamen Sachen so wenig, auch so heillos und närrisch Ding darin, dass meines Erachtens diejenigen, so aus ihren Büchern den rechten Verstand der Schrift suchen, nichts anders tun, als wenn einer, der ein gutes Gesicht hätte, einen Blinden anspreche, dass er ihm den Weg weisen soll.)

Hoffart: (Nach Luther) Das ist: Sie bleiben auf ihrem Trotz und Stolz.

14. Vertilge sie ohne alle Gnade! Vertilge sie, dass sie nichts sind und innewerden, dass Gott Herrscher sei in Jakob, in aller Welt. Sela.

Vertilge sie: In deinem Zorn.

Nichts sein: Nämlich kein besonderes Volk mehr. Du wollest also mit ihnen umgehen und sie so ganz zunichtemachen, dass sie kein eigenes Volk mehr sind, wie andere Völker, dass sie keine Obrigkeit haben, kein besonderes Regiment oder Polizei, sondern zerstreut und verworfen werden und in höchster Verachtung leben, als wenn sie nichts wären.

Innewerden: Verschaffe, dass sie, wenn sie gleich nicht wollen, dennoch in der Tat erfahren müssen, dass Gott sei der Schirmherr seiner christlichen Kirche, welche nicht wird allein in einem Hügel des jüdischen Landes versperrt bleiben, sondern ausgebreitet werden in die ganze Welt.

15. Des Abends lass sie wiederum auch heulen wie die Hunde und in der Stadt umherlaufen.

Des: Jetzt wiederholt Christus den Fluch, welchen er oben auch gesetzt, auf dass wir verstehen, wie heftig er über die verstockten Juden erzürnt und erbittert sei.

16. Lass sie hin und herlaufen um Speise und murren, wenn sie nicht satt werden {Am 8v11 v12}.

Speise: Die selbige zu suchen.

Murren: Aus Ungeduld und Verzweiflung, in ihrem Elend, wenn ihnen beides leibliche Nahrung und der Seelen Speise, nämlich Trost aus Gottes Wort, zerrinnen wird. (Eben solches hat von der Juden Verzweiflung Jesajas auch geweissagt, Kapitel 8. da er sagt: Sie, die Juden, werden im Lande umhergehen, hart geschlagen, hungrig oder matt und kraftlos. Wenn sie aber Hunger leiden, werden sie zürnen und fluchen ihrem Könige (Christus) und ihrem Gott und werden über sich gaffen (und Gott in dem Stuhl seiner Herrlichkeit verfluchen), obwohl man aber hin und wieder dergleichen von den Juden nicht hörte. Jedoch sieht der Heilige Geist und hörte solche Gedanken und Reden, die sie in ihrem Herzen haben. Wir sollen dagegen Gott dem Herrn danken für seine Gnade und Trost und bitten, dass er uns mit seinem Geist regiere, damit wir nicht in gleiche Torheit und Wahnsinnigkeit geraten.)

17. Ich aber will von deiner Macht singen und des Morgens rühmen deine Güte; denn du bist mein Schutz und Zuflucht in meiner Not.

Ich: Jetzt verspricht Christus gegen seinen himmlischen Vater sich dankbar zu erzeigen, wenn er ihn erlösen werde.

Morgens: Das ist: Fleißig und zeitlich: Wenn ich von meinen Feinden erledigt und von den Toten auferstehen werde. Will so viel sagen: Ich will dich loben und preisen, das du mich durch deine Allmacht mitten im Tode darin hast erhalten zur seligen und freudenreichen Auferstehung, dass mich meine Feinde nicht aufreiben noch meinen Namen austilgen mögen.

18. Ich will dir, mein Hort, lobsingen; denn du, Gott, bist mein Schutz und mein gnädiger Gott.

Hort: Meine Stärke, der du mir Stärke und Kraft verliehen hast, dass ich den Tod, Teufel und Hölle überwinden könne.

Gnädiger Gott: Der du mir unzählig viel Gutes erzeigt hast. (Es ist aber recht und richtig, dass Christus, welcher dieses im Stande seiner Erniedrigung und in der Knechtsgestalt, gebeten, für alle seine Stärke und Heil dem himmlischen Vater dankt und es ihm zuschreibt. Denn zur selbigen Zeit, da Christus gelitten, hat die Gottheit ihre Macht nicht gebraucht, sondern geruht, auf dass die Person, so Gott und Mensch ist, leiden und sterben könnte für das menschliche Geschlecht. Es lobt aber auch Christus noch heutigentags seinen himmlischen Vater, wenn durch die Predigt des Evangeliums die Guttaten, welche der himmlische Vater durch das Leiden und sieghafte Auferstehung Christi dem menschlichen Geschlecht erzeigt hat, gepredigt und gepriesen werde in der ganzen Welt. Daneben sollen auch wir und ein jeder insbesondere erinnert sein, dass wir Gott Lob und Dank sagen, wenn uns Gott aus einer Not geholfen hat.)


Der 60. Psalm


1. Als das israelitische Volk nach erlittenen vielen beschwerlichen Anstößen und überwundenen mächtigen Feinden unter dem König David sich wiederum erholt und Ruhe hatte, lobt David den Herrn, dass er ihm etliche herrliche Siege hätte gegönnt und gegeben und schreibt die selbige unserem Herrn und Gott mit dankbarem Herzen heim. Bittet zugleich auch, dass Gott künftig gleicher Gestalt der Israeliten Regiment und Polizei bestätigen, ihnen helfen und sie handhaben wolle. Dieser Psalm wird uns dienlich sein, wenn wir erkennen, dass Gott ein Regiment oder Polizei, so in Gefahr gestanden und schon gewankt, wiederum aufgerichtet und bestätigt habe, dass wir ihm aus diesen Psalmen danken und bitten, dass er uns auch voraus gnädig schützen und beschirmen wolle.

1. Ein goldenes Kleinod Davids, vorzusingen, von einem goldenen Rosenspan zu lehren,

Goldenes Kleinod: Ein trefflicher schöner Psalm.

Rosenspan: Das ist: Von dem schönen Königreich, welches Gott dem David gegeben hatte, so mit dem Worte Gottes und vielen anderen Guttaten geziert und begabt war, gleichwie ein köstliches goldenes Gehänge oder Kleinod, das wie eine Rose gestaltet ist, einen Menschen ziert. * (Nach Luther) Das ist: Ein Gehänge oder köstliches Kleinod, in einer Rosen Gestalt. Also nennt er hier sein Königreich, welches ein göttlich Kleinod oder Span ist.

Zu lehren: Dadurch der Sangmeister die christliche Kirche lehrte, wie sie unserem Herrn und Gott dankbar sein soll.

2. da er gestritten hatte mit den Syrern zu Mesopotamien und mit den Syrern von Zoba; da Joab umkehrte und schlug der Edomiter im Salztal zwölftausend {2Sam 8v1 v13 10v13 v18 1Chr 19v3}.

Gestritten hatte: Welches dem David zu diesem Psalm Anlass und Ursache gab, nachdem er einen herrlichen Sieg wider seine Feinde erhalten.

Mesopotamien: Da sie sich aufgehalten.

Von Zoba: Welche dem König Hadad Eser gedient hatte und von David geschlagen wurde, wie {1Chr 18} zu sehen ist.

Umkehrte: Mit Davids Kriegsvolk von der Schlacht der Syrer in der Edomiter Land, da die Edomiter durch Davids Heer sind erlegt worden: Welches ihn auch zu diesem Psalm verursacht hat.

Zwölftausend: Obwohl nun dieser Sieg dem Abisai, des Joabs Bruder, zugemessen wird und eine größere Anzahl der Erschlagenen dort benannt wird, so kann man es doch leicht miteinander vergleichen. Denn beide, Joab und Abisai, sind Davids Hauptleute gewesen und haben in einem Zug beide unter einem Heer gedient. Und ohne Zweifel hat der eine in der Schlacht den einen Haufen auf der einen Seite, der andere den anderen Haufen auf einer anderen Seite geführt. Darum wenig daran gelegen ist, welchem man den Sieg zuschreibe, der doch besonders und dem David gehörte. So viel denn die Zahl der erschlagenen Feinde belangt, halte ich dafür, dass, der die Historie beschrieben, habe die ganze Anzahl aller Feinde benannt, welche zum Teil erschlagen, zum Teil gefangen, zum Teil in die Flucht geschlagen worden sind. In der Überschrift aber dieses Psalms achte ich, dass allein die erzählt werden, welche in der Schlacht auf dem Platz oder auf der Wahlstatt geblieben sind. Beide Historien, wie auch der Sieg wider die Moabiter, dessen der Psalm hier Meldung tut, sind beschrieben {1Chr 18}.

3. Gott, der du uns verstoßen und zerstreut hast und zornig warst, tröste uns wieder!

Gott: David fängt diesen Psalm damit an, dass er erzählt, in was Unfall die Israeliten eine Zeit lang unter dem König Saul besonders gesteckt sind, damit so viel desto mehr bekannt werde, wie gnädig sie Gott erlöst habe.

Zerstreut: Er redet von der letzten unglücklichen Schlacht, in welcher Saul mit drei Söhnen umgekommen, die Israeliten geschlagen und zerstreut wurden. Denn es war ein solcher Schrecken unter den Israeliten damals, dass ihrer viel, auch die der Schlacht nicht beigewohnt hatten, ihre Städte verließen und flohen, wie 1. Sam. 31. zu sehen ist.

4. Der du die Erde bewegt und zerrissen hast, heile ihre Brüche, die so zerschellt ist.

Brüche: Die erlittene Niederlage ist gleich als ein großes schreckliches Erdbeben gewesen, welches die Gebäude einwirft, und die Erde zerreißt an einem Ort, lieber, so hilf und heile du solchen Unfall, welcher uns so höchlich angefochten, erschreckt und betrübt hat. (Denn obwohl sich eine ziemliche lange Zeit verlaufen zwischen dem erlittenen Schaden und denen Siegen Davids, deren der Psalm hier Meldung tut. So ist doch kein Zweifel, dass ein ganzes Land solchen Schaden lange empfangen hatte. Denn es Änderungen im Regiment gibt oder Krieg, besonders wenn unglückliche Kriege kommen, so ist es in der Wahrheit nicht anders, als wenn ein Erdbeben, das alles jämmerlich zerreißt und verdirbt, bis dass wieder Ruhe und Friede geschafft wird.)

5. Denn du hast deinem Volk ein Hartes erzeigt; du hast uns einen Trunk Weins gegeben, dass wir taumelten {Ps 75v9}.

Erzeigt: Du bist hart mit uns umgegangen.

Taumelten: Also dass wir davon nicht fröhlich wurden, sondern vielmehr in solche Angst gekommen, dass wir nirgends aufrecht stehen konnten, als wenn wir voll Weins wären und nicht wüssten, was wir tun sollten. (Es braucht aber die Schrift gern dies Gleichnis. Denn die heftig betrübt sind, die sind voll, nicht zwar vom Wein, sondern von Traurigkeit. Dieweil aber Gott damals sein Volk so hart gehalten hat, sollen wir nicht meinen, wenn er sich auch gegen uns etwas hart erzeigt, dass er uns darum ganz verworfen habe. Denn unsere Sünden beschulden solches, um welcher willen er uns züchtigt, dass wir nicht mit der Welt verdammt werden {1Kor 11}.)

6. Du hast aber doch ein Zeichen gegeben denen, die dich fürchten, welches sie aufwarf und sie sicher machte. Sela.

Nach Luther: Die Historie bezeugt, dass Gott von einer Zeit zur anderen hat Herzöge erweckt, durch welche das Volk Israel zu Ruhe gebracht und von den Feinden erlöst wurden.

Sicher macht: Das ist: Dieweil du uns wiederum den Sieg gibst, hast gewisslich gleichsam ein Fähnlein aufgerichtet und aufgesteckt, zu dem sich das zerstreute Volk wiederum sammeln, dadurch auch das zerrüttete Regiment wiederum ein Leib werden und Bestand haben konnte. Und das hast du getan, nicht dass wir dich mit unserem Verdienst dazu verursacht hätten, sondern deine Wahrheit damit zu erkennen zu geben, denn du hast deinem Volk Hilfe und Beistand versprochen. (Dass aber auch unser Herr Gott uns in unserem Elend zu Hilfe kommt, die zerstreute Kirche und Polizei wiederum sammelt und aufrichtet, geschieht nicht um unser Verdienst, sondern um seines Namens Ehre willen.)

7. Auf dass deine Lieben erledigt werden, so hilf nun mit deiner Rechten und erhöre uns!

Lieben: Das ist: Dein Volk, welches du lieb hast.

Erledigt werden: Aus vielem Jammer. (Daraus zu sehen, dass auch die, so Gott die Allerliebsten sind, in so großes Elend und Trübsal geraten, dass ihnen Gottes wunderliche Hilfe zum höchsten vonnöten ist.)

Erhöre uns: Die wir zu dir schreien und deiner Hilfe und Schirms begehren. (Aus diesem und dergleichen Sprüchen der Heiligen Schrift findet sich offenbar, dass die rechte Hand Gottes nicht etwas leibliches oder räumliches heiße bei Gott, sondern seine göttliche Allmacht, dadurch er die Feinde seiner Kirche dämpft und andere große Wunder tut.)

8. Gott redet in seinem Heiligtum, des bin ich froh und will teilen Sichem und abmessen das Tal Suchoth.

Redet: Wir haben wiederum durch Gottes Gnade die Predigt seines heiligen Wortes rein und lauter und Gottes Weissagung. Auch ist bei uns der rechte Gottesdienst in Übung, das ist meine höchste Freude und Lust. (Denn wir sollen besonders und vor allen Dingen unserem Herrn Gott für die reine Predigt seines Wortes von Herzen danken.)

Will teilen: (Nach Luther) Das ist: Ich rechne, was ich für Volk habe.

Suchoth.: Ist der Ort, da vorzeiten der Patriarch Jakob sich enthalten hat {1Mos 33}. Wie auch in Sichem. Und will der Prophet viel sagen, ich will mit Friede und Ruhe besitzen und nach meinem Gefallen regieren die Gegend um Sichem, im Stamm Ephraim gelegen und die Gegend um Suchoth im Stamm Gad, jenseits des Jordans. Mein Königreich soll nicht nur in dem engen Lande Juda eingeschlossen sein. Denn ich setze in keinen Zweifel, dass wir weiter bei unserem Regiment von Tag zu Tag je länger je mehr Glück und Fortgangs haben werden.

9. Gilead ist mein, mein ist Manasse, Ephraim ist die Macht meines Haupts, Juda ist mein Fürst,

Gilead: dieselbe ganze Landschaft, im Stamm Manasse, so über den Jordan gelegen ist.

Haupts: Das ist: Meines Königreichs, denn dieser Stamm ist allewege der volkreichste gewesen.

Fürst: In dem Stamm Juda wird weiter die königliche Residenz und das Hoflager sein. Denn David war aus dem Stamm Juda gebürtig. * (Nach Luther) Der nunmehr in friedlicher Zeit mit Gesetz und Recht, nicht mit Waffen regieren wird.

10. Moab ist mein Waschbecken, meinen Schuh strecke ich über Edom, Philistäa jauchzt zu mir.

Waschbecken: Ich habe die Moabiter also unter mich gebracht und will auch künftig mir sie so unterwürfig machen, dass sie mir alle Bosselarbeit tun müssen und müssen sein, als wenn sie mein Waschkübel wären. * (Nach Luther) Das ist: Meine Untertanen.

Edom: Auch die Edomiter will ich mit Maß unter meine Gewalt bringen und einen Fuß in ihr Land stellen. Denn obwohl Gott {5Mos 2} den Juden gesagt hatte, er wolle der Edomiter Land ihnen nicht einräumen, also nämlich, dass sie es allerdings innehaben, und erblich besitzen sollten wie das Land Kanaan, so sind sie doch unterdes Davids Regierung den Israeliten zinsbar gemacht worden, wie 1. Chronik. 20. sich findet und lange zuvor geweissagt wurde, dass der Größere den Kleineren, Esau dem Jakob, das ist, die Edomiter den Israeliten dienen sollten {1Mos 25}.

Zu mir: Es wird auch ein gutes Teil von der Philister Land mich ihren König heißen, und dafür er kennen müssen. (Mit diesen Worten rühmt sich David nicht menschlicher Gewalt, Kräften oder Sieges, sondern erkennt solches dankbar als Guttaten Gottes und preist sie, stärkt auch hieraus seinen Glauben auf künftige Fälle. Das alles sollen wir ihm nachtun.)

11. Wer will mich führen in eine feste Stadt? Wer geleitet mich bis nach Edom?

Führen: Wer verleiht mir solche Kraft, dass ich feste Städte und auch Idumäa unter mich bringen kann? Denn meine Weisheit, Geschicklichkeit oder menschlicher Gewalt tut es nicht. Mit welchen Worten David klar genug zu verstehen gibt, dass er alle Ehre nicht sich selbst, sondern Gott dem Herrn gibt und zuschreibt.

Feste Stadt: (Nach Luther) Heißt alles, was sicher ist und macht.

12. Wirst du es nicht tun, Gott, der du uns verstößt, und ziehst nicht aus, Gott, auf unser Heer?

Verstößt: Und bis daher von dir gestoßen hattest.

Unser Heer: Als wollte er sagen: Ist ihm nicht also, dass du eben der Gott bist, der du, wie es das Ansehen hatte, uns vor wenig Jahren verworfen hattest und mit deiner Hilfe nicht bei uns warst im Heerlager, da Saul mit seinem Heer umkam: Aber jetzt hast dich wiederum unser erbarmt und uns so herrliche Siege verliehen? (Denn der Gott, der verwundet, heilt auch wieder. Wenn aber wir etwas Gutes oder Lobwürdiges haben ausgerichtet, sollen wir solches nicht uns, sondern Gott zumessen.) * (Nach Luther) Das ist: Nicht auf unsere Macht, sondern auf deine Macht tust du, was du uns tust.

13. Schaff uns Beistand in der Not; denn Menschenhilfe ist kein nütze.

Schaffe: Nach der Danksagung kommt der Prophet wiederum zum Gebet.

Not: Hilf uns, wenn wir in Nöten sind.

Kein nütze: Und kann uns nicht verständig sein, auch wer sich darauf verlässt, der wird zuschanden. (Wenn uns aber Gott aus einer Gefahr geholfen hat, sollen wir uns auf eine andere rüsten und Gott bitten, dass er uns darin erhalten wolle, uns aber in keinen Weg auf der Menschen Versprechen oder Hilfe und Macht verlassen.)

14. Mit Gott wollen wir Taten tun. Er wird unsere Feinde untertreten.

Mit Gott: Mit der Hilfe und Beistand Gottes wollen wir etwas Stattliches und Herrliches ausrichten, auf Gottes Güte, Gnade und Macht steht all unser Vertrauen und nicht, dass wir uns auf unsere Stärke oder Geschicklichkeit verlassen.

Untertreten: (Denn endlich werden die Feinde der Kirche Gottes von ihm gedämpft und unterdrückt.)


Der 61. Psalm


1. Der König David, welcher vielfältig umgetrieben, allerlei Ungemach und andere Versuchungen ausgestanden, ruft in diesem Psalm Gott um Hilfe an und bittet, dass ihn Gott in solche seiner Trübsal erhalten, im Reich bestätigen und sein Leben verlängern wolle. Verspricht dagegen von Herzen dankbar zu sein. Diesen Psalm sollten besonders die Obrigkeiten beten, wenn sie entweder Leben oder ihre Herrschaften oder auch beider halben in Gefahr stehen. Auch können ihnen die Untertanen die Worte dieses Psalms nützlich machen, wenn sie wollen bitten um Erhaltung des weltlichen Regiments oder der Regenten langwieriges Leben, welches zu stiller Ruhe und gutem Frieden der Gemeinde Nutzen hoch notwendig ist.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen auf einem Saitenspiel.

2. Höre, Gott, mein Geschrei und merke auf mein Gebet!

3. Hienieden auf Erden rufe ich zu dir, wenn mein Herz in Angst ist, du wollest mich führen auf einen hohen Felsen.

Auf Erden: Am Ende und an den Grenzen des Landes Kanaan, daraus mich mein aufrührerischer und gottloser Sohn Absalom verjagt hat.

Angst ist: (Denn in Ängsten unseres Herzens sollen wir nicht dem Strick oder Schwert zueilen oder uns selbst den Hals abstürzen, sondern mit dem Gebet zu Gott dem Herrn unsere Zuflucht suchen.)

Felsen: Führe mich an einen sicheren Ort, da ich als auf einem hohen Felsen vor meinen Feinden sicher sein und Ruhe haben möge. (Denn Gott kann an allen Orten uns sicher erhalten: Wenn aber er nicht will, so werden wir auch in festen und höchstem Schloss nicht sicher sein.)

4. Denn du bist meine Zuversicht, ein starker Turm vor meinen Feinden.

Denn: Folgt jetzt die Ursache seiner Bitte.

Turm: Darin ich kann erhalten werden. (Denn welche auf Gott vertrauen, die werden nicht zuschanden und sind im Schutz und Schirm Gottes gleich als in einer gewaltigen und unüberwindlichen Festung. Solchen Trost sollen wir fassen, nicht allein wider unsere leiblichen, sondern auch wider unserer Seele Feinde.)

5. Ich will wohnen in deiner Hütte ewig und trauen unter deinen Fittichen. Sela.

Fittichen: Das ist: Ich habe mein gewisses Vertrauen, ob ich wohl jetzt und ins Elend verjagt bin, dass ich dennoch werde wiederum zu deiner heiligen Hütte kommen, darin die rechten Gottesdienste benutze, dein Wort hören und dich mit Psalmen loben, auch in meinem Vaterland, darin die rechte reine Lehre im Schwange geht, mein Alter zubringen. Und wenn du gleich vielleicht ein anders vorhast, so weiß ich doch gewiss, dass ich bin, und bleibe ein Glied deiner Kirche und dass ich bei dir in der himmlischen Hütte ewig leben werde. Ja ich hab auch das Vertrauen zu dir in gegenwärtiger Gefahr, dass du mich unter deinen Flügeln, wie ein Adler seine Jungen, gnädiglich bewahren wirst, dass ich nicht in meiner Feinde Hand und um das Leben komme. (Diese Worte sollen uns erinnern, dass wir in all unserer Gefahr, besonders für den rechten Gottesdienst und um das ewig Leben Sorge tragen: Aber ihrer viele, die im Elend sein müssen, denken viel anders als dies.)

6. Denn du, Gott, hörst meine Gelübde; du belohnst die wohl, die deinen Namen fürchten.

Gelübde: Oder Gebet, als wollte er sprechen: Ich hab bis daher aus deinem Wort und aus der Erfahrung gelernt, dass du mein Gebet nicht verachtest, besonders, wenn ich dir ein Gelübde tue, dass ich mich mit Psalmen oder mit Opfern dankbar gegen dir erzeigen wolle, darum will ich auch jetzt alles, was ich von dir bitte, von dir, du mein allmächtiger gnädiger Gott, erwarten. * (Nach Luther) Das ist: Dass ich dich lobe und anrufe als einen Gott, welches wir im ersten Gebot Gott geloben.

Fürchten: Denen, die Buße tun und an dich glauben, erzeigst du auch viel Gutes, besonders aber hast ihnen verordnet und zubereitet das himmlische Erbteil, welches unvergänglich, unverwelklich und unbefleckt ist {1Petr 1}. Nämlich die ewige Seligkeit, derer kein Mensch in Ewigkeit wird überdrüssig werden, die auch keine Traurigkeit niemals betrüben mag. (Hier haben wir Zeugnis von dem ewigen Leben, welches den Gottseligen zubereitet ist.)

7. Du gibst einem Könige langes Leben, dass seine Jahre dauern immer für und für.

Langes Leben: Du verlängerst dem Könige seine Jahre, dass er ein höheres Alter erreicht, denn viele andere gemeine Menschen. Denn David redet hier in einer anderen Person von sich selbst. Und zwar so hat ihn Gott solche seine Bitte gewährt, denn er ist über die siebzig Jahre gekommen, wie 1. Samuel 1. zu sehen ist.

8. dass er immer sitzen bleibt vor Gott. Erzeige ihm Güte und Treue, die ihn behüten.

Sitzen bleibt: Dass er das Volk lange Zeit in deiner Furcht und unter deinem Schutz und Schirm richte und regiere. Denn dass hier steht immer, wird in der Heiligen Schrift etliche Male für eine lange Zeit gebraucht.

Behüten: Nimm deine Güte und dein getreues väterliches Herz nicht von ihm, auf dass er von dir beschützt und beschirmt werde, damit er Land und Leute lange recht und wohl regieren könne. (Denn Königen und Fürsten ihr Leben verlängern und sie bei ihrer Herrschaft erhalten ist Gottes Werk, aber das erkennt und bittet nicht jedermann ernstlich von ihm.)

9. So will ich deinem Namen lobsingen ewig, dass ich meine Gelübde bezahle täglich.

So: Nun verheißt David sich dankbar zu erzeigen.

Bezahle: Denn ich habe dir meine Danksagung gelobt und versprochen und weiß, dass dir solches lieber ist als Opfer, darum will ich meinem Versprechen nachkommen und deinen Namen preisen, als wenn ich ein Opfer getan hätte, das ich zuvor gelobt. (Die angenehmsten Opfer und Gelübde aber sind vor Gott diejenigen, wenn wir seine sowohl geistlichen als zeitlichen und leiblichen Guttaten mit dankbarem Herzen erkennen und ihn dafür loben und preisen.)


Der 62. Psalm


1. In diesem Psalm, wie auch in anderen vielen, klagt David sein Elend, Jammer und Gefahr, die er unter so grimmigen und giftigen Feinden, ja auch treulosen Freunden, ausgestanden und bittet Gott um Hilfe und Beistand. Er hängt aber daneben die heilsame Lehre daran, wie gut es sei, sich auf Gott verlassen, wie schädlich auch hingegen, auf Menschen vertrauen. Darum sollen wir diesen Psalm benutzen, wen wir in Gefahr und Nöten stecken und besonders, wenn uns diejenigen verlassen, zu denen wir uns alles Gutes versehen hätten. Und sollen daraus lernen, dass wir alle unsere Hoffnung nicht auf Menschen, sondern auf Gott setzen.

1. Ein Psalm Davids für Jeduthun, vorzusingen.

Jeduthun: Dem dieser Psalm zugestellt wurde, dass er, als ein Sangmeister, denselben öffentlich vor der Gemeinde singen soll. Denn es ist Jeduthun ein vortrefflicher Sänger gewesen bei den Israeliten, wie in der 1. Chron. 26. zu sehen.

2. Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.

Ist stille: Ich warte in Geduld und Hoffnung der Hilfe Gottes und habe mein Vertrauen nirgend anders hin, als auf ihn, der ist allein der Urheber und einzige Ursache alles meines Glücks und Heils. (Hier aus sollen auch wir lernen in Geduld und Hoffnung der göttlichen Hilfe erwarten.) * (Nach Luther) Ist zufrieden, lässt Gott walten, murrt, tobt nicht, leidet sich und harrt.

3. Denn er ist mein Hort, meine Hilfe, mein Schutz, dass mich kein Fall stürzen wird, wie groß er ist.

Hort: Oder Fels, darauf ich mich halte.

Schutz: Zu dem ich als zu einem festen Schloss meine Zuflucht habe.

Kein Fall: Und wenn mich gleich Trübsal und Anfechtung angreifen werden, so sollen sie mich doch nicht ganz über den Haufen stoßen. (Denn die Frommen haben viele Anstöße, aber sie gehen nicht zugrunde.)

4. Wie lange stellt ihr alle einem nach, dass ihr ihn erwürgt, als eine hängende Wand und zerrissene Mauer?

Wie: Jetzt richtet er seine Klage auf die Unbilligkeit seiner Feinde.

Erwürgt: Und zugrunde richtet, der zuvor genügend geplagt ist.

Hängende Wand: Die bald einfallen will.

Mauer: Welche man vollends einwerfen und umzustoßen begehrt. (Denn der Teufel und seine Glieder bemühen sich besonders, dass sie diejenigen, welche zuvor schwach und arbeitsselig sind, ganz zu Boden stoßen, aber Gott erhält sie wunderlich.)

5. Sie denken nur, wie sie ihn dämpfen, fleißigen sich der Lüge, geben gute Worte, aber im Herzen fluchen sie. Sela.

Ihn: Einen unschuldigen Menschen.

Lügen: Es ist keine Redlichkeit oder Lust und Liebe zur Wahrheit und Aufrichtigkeit bei ihnen.

Fluchen sie: Das ist: In der Wahrheit sind meine Feinde solche verkehrten und kein nütze Leute, dass sie Lust haben zu Falschheit und Betrug, stellen sich mit Worten freundlich, in ihrem Herzen aber wünschen sie mir alles Verderben und gehen auch damit um.

6. Aber meine Seele harrt nur auf Gott; denn er ist meine Hoffnung.

Harrt: Ich warte mit Geduld auf Gottes Hilfe und murre nicht wider den Herrn, lästere ihn auch nicht, dass er meinen Feinden solche Bosheit und Mutwillen bisher ungestraft hingehen lasse.

Hoffnung: Auf ihn hoffe und traue ich, dass er mit seiner gnädigen Hilfe bei mir sein werde. (Also sollen auch wir, wenn unser Herz unter dem Kreuz unwillig wird und tobt, dasselbe bei uns selber stillen und schweigen.)

7. Er ist mein Hort, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde.

Schutz: (Diese Titel und Namen aber, davon oben bald im Anfang auch gesagt worden, so Gott gegeben werden, gehen nicht allein den David, sondern auch alle Gläubigen an, derer aller Hort, Hilfe und Schutz Gott ist, dass sie nicht verderben und umkommen.)

8. Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke; meine Zuversicht ist auf Gott.

Heil: Dass er mir Hilfe verleiht.

Ehre: Der meine Schmach rächt.

Stärke: Er macht mich unüberwindlich, als wenn er mich auf einen Felsen, dahin niemand kommen mag, gesetzt hätte.

Auf Gott: Der wird mich nicht verlassen und nicht zugeben, dass mich meine Feinde umbringen, wenn sie gleich alle ihre giftigsten und listigsten Anschläge auf einen Haufen zusammentragen. (Also richtet sich mitten in der Anfechtung bisweilen der Glaube wiederum auf und bietet auch dem Teufel, der Hölle und der Welt Trotz.)

9. Hofft auf ihn immer, lieben Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuversicht. Sela.

Hofft: Jetzt erinnert der Heilige Geist durch den Propheten auch andere, dass sie in aller Wiederwertigkeit ihr Vertrauen auf den Herrn setzen sollen.

immer: Es gehe euch, wie es immer wolle, wohl oder übel, so vertraut ihm allein.

Aus: Mit inbrünstigem Gebet, sagt es ihm als einem getreuen Vater frei heraus, was euch in eurem Herzen ängstigt.

Zuversicht: Dem wir vertrauen, der wird uns nicht zuschanden werden lassen. (Mit dergleichen Sprüchen sollen wir unserem schwachen Glauben aufhelfen, in beschwerlichen Anfechtungen und unser verzagtes Herz stärken.)

10. Aber Menschen sind doch ja nichts, große Leute fehlen auch; sie wägen weniger denn nichts, soviel ihrer ist.

Aber: Demnach David uns mit seinem Beispiel hat erinnert, dass wir unser Vertrauen auf Gott setzen sollen, als der aller deren, die auf ihn hoffen, Fels, Hort, Schutz, Zuflucht und Heil ist, so zeigt er jetzt und im Gegenteil an, wie große Torheit es sei, auf Menschen vertrauen.

Fehlen: (Nach Luther) Wer sich auf Menschen verlässt, der fehlt, wie groß sie auch sind, so ist es doch nichts mit ihnen und muss fehlen.

Denn nichts: Es ist keine Hilfe bei den Menschen, nicht allein bei dem gemeinen Mann, sondern auch bei stattlichen Leuten. Denn entweder handeln sie nicht aufrichtig und wollen nicht helfen, oder wenn sie gleich solches begehren, so können sie es nicht. Und sind menschliche Kräfte ohne Gottes Segen nichts nütze. Darum wenn man sie gleich mit aller ihrer Macht wägen sollte, so würde sich es befinden, dass sie würden drei Lot weniger denn gar nichts wiegen. (Wer wollte sich denn gern auf Menschen verlassen?)

11. Verlasst euch nicht auf Unrecht und Frevel; haltet euch nicht zu solchem, das nichts ist. Fällt euch Reichtum zu, so hängt das Herz nicht daran {Mt 19v22 Lk 12v19 v20 1Tim 6v9}.

Nichts ist: Macht euch keine Hoffnung, dass ihr mit Gewalt zuwege bringen wollte, was ihr begehret, dass ihr nicht zuschanden werdet. (In diesem Fall versündigen sich diejenigen, welche sonst im Ansehen und Gunsten bei der Obrigkeit sind und darüber die Frommen und Gerechten unterdrücken, denen sie das ihrige mit bösen Praktiken abnehmen oder abdingen.)

Nicht daran: Wenn uns gleich Gott durch ordentliche Mittel also segnet, dass wir zu gutem Vermögen kommen, sollen wir uns doch mit besonderem Fleiß hüten, dass wir uns nicht darauf verlassen und das Gut nicht zu lieb gewinnen und also des Mammons Diener werden, denn solche sind abgöttisch {Eph 5}. Wie zwar auch alle die sind, welche entweder auf Menschen oder auf ihre eigene Intelligenz, Verschlagenheit, oder Hoheit und Herrlichkeit sich verlassen.)

12. Gott hat ein Wort geredet, das habe ich etliche Mal gehört, dass Gott allein mächtig ist.

Gehört: Welches ich auch bei mir wohl erwogen habe.

Mächtig ist: Ja auch allmächtig. Die Menschen aber vermögen nichts, es verleihe ihnen denn Gott Kraft und Macht dazu. (Was muss denn das für eine unsinnige Weise sein, dass jemand sich mehr auf einen ohnmächtigen Menschen als auf den allmächtigen Gott verlassen wollte.)

13. Und du, Herr, bist gnädig und bezahlst einem jeglichen, wie er es verdient {Mt 16v27 Röm 2v6 1Kor 3v8 2Kor 5v10}.

Bist gnädig: Bei dir ist große und unendliche Barmherzigkeit gegen dem menschlichen Geschlecht, dass du nicht allein kannst Gutes tun, sondern auch, das herzlich zu tun begehrst. (Denn wenn wir der Güte und Gnade Gottes nicht gewiss wären, so hätten wir uns auch der Allmacht Gottes nicht zu trösten.)

Verdienst: Also dass du den Frommen ihre Frömmigkeit belohnst und die Gottlosen um ihrer Bosheit willen strafst. Dieser Anhang ist darum hinzugesetzt, auf dass nicht jemand Gottes Gnade und Güte ohne Unterschied auf jedermann ziehe, sowohl auf die Unbußfertigen als Bußfertigen. Darum man dies recht verstehen muss. (Denn wir haben zwar alle gesündigt {Röm 3} daher auch nach der gemeinen Regel allen der Sold der Sünden zugehörte, nämlich der ewige Tod. Dieweil aber die Bußfertigen, so an Christus glauben, Vergebung ihrer Sünden empfangen {Apg 10} und ihre Sünden zugedeckt sind {Ps 32 Röm 4}. Auch sie für gerecht von Gott gehalten werden {Röm 3 4}, also dass weil sie Gott gerecht macht, niemand sie anklagen darf {Röm 8}. Denn Christus ist durch seinen Verdienst ihre Gerechtigkeit, so werden ihnen die Sünden nicht zugerechnet, welche vor langem verziehen und vergeben sind. Welche aber durch den Glauben vor Gott gerechtfertigt sind, die befleißigen sich eines gottseligen Lebens und Wandels. Denen wird Gott die ewige Seligkeit mitteilen, nicht um ihrer guten Werke willen, die alle Zeit unvollkommen sind, sondern um Christi willen, wenn sie ihn mit Glauben ergreifen. Es wird auch Christus nach den Werken richten {Mt 25}. Darum derselbe ein Zeugnis eines gerecht machenden Glaubens ist.)


Der 63. Psalm


1. David beklagt sich, dass er vor seiner Feinde, nämlich Sauls und seines Anhangs Tyrannei und unrechtmäßigem Gewalt bei dem rechten reinen Gottesdienst sich nicht finden und bei der heiligen Hütte des Herrn nicht erscheinen durfte. Tröstet sich doch endlich in Betrachtung der gnädigen Hilfe Gottes und hat gute Hoffnung, dass seine Feinde einmal gedämpft und er zu dem ihm von Gott verheißenen Königreich kommen werde. Dieser Psalm wird möglich, zu gebrauchen, sein denjenigen, die an solchen Orten wohnen, da sie die reine Predigt des Evangeliums nicht haben können. Es soll auch dieser Psalm die schläfrigen Leute aufmuntern, welche das Wort Gottes vor der Tür haben und doch fahrlässig zum öffentlichen Gottesdienst kommen.

1. Ein Psalm Davids, da er war in der Wüste.

Wüste Juda: Das ist: Diesen Psalm hat David gemacht in währendem seinem Elend, als er sich in einer Wüste, im Stamm Juda gelegen, nämlich im Walde Hareth aufhielt {1Sam 22}.

2. Gott, du bist mein Gott; frühe wache ich zu dir. Es dürstet meine Seele nach dir, mein Fleisch verlangt nach dir, in einem trockenen und dürren Lande, da kein Wasser ist.

Zu dir: Des Morgens sehr frühe, ja auch zu Mitternacht, in meinen großen Anfechtungen, warte ich mit Verlangen deiner Hilfe und Trostes.

Nach dir: Dass ich nämlich vor dir erscheinen durfte in deiner heiligen Wohnung, da dein Wort gepredigt wird und die Opfer nach Ausweisung des Gesetzes gebraucht werden, so darf ich armseliger Mensch um Sauls Tyrannei willen mich der Enden nicht finden lassen, sondern muss im Elend umherziehen.

Kein Wasser: Dass mir auch nicht ein kalter Wassertrunk gedeihen mag. (Diese Worte geben denen ihren Undank zu verstehen, welche allein um das zeitliche Gut sich annehmen, der Predigt Gottes Wortes aber wenig oder ganz nichts nachfragen.)

3. dort sehe ich nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne schauen deine Macht und Ehre.

Schauen: Ich möchte mir nichts lieber wünschen, denn dass ich deine zierlichen und herrlichen Gottesdienste sehen möchte. (Es lässt uns aber Gott, als denn seine himmlische Majestät und Herrlichkeit auf Erden sehen, wenn er durch sein Wort mit uns redet und in Austeilung seiner heiligen Sakramenten, seine Güte und Gnade dem menschlichen Geschlecht erzeigt.)

Macht: (Nach Luther) Ich wollte gern bei deinem Gottesdienst sein, da du mächtig bist und geehrt wirst. Aber nun muss ich hier sein in der Wüste.

4. Denn deine Güte ist besser denn Leben. Meine Lippen preisen dich.

Denn Leben: Wenn man den Glauben stärken kann mit dem Brauch der heiligen Sakramente (welche zur selbigen Zeit die Opfer waren) und kann öffentlich die Predigten hören von deiner Barmherzigkeit, das ist über alle Wollust dieses Lebens.

Preisen dich: In der christlichen Versammlung, wenn ich nur dabei sein kann. (O wie wenig sind derer heutigentags, die Gottes Barmherzigkeit zeitlichem Genuss ernstlich vorziehen.)

5. dort wollte ich dich gerne loben mein Leben lange und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Aufheben: Das wäre meine größte Lust, wenn ich dürfte mein Leben lang bei der öffentlichen heiligen Versammlung, das ist, der Kirche, dich mit Psalmen preisen und meine Hände mit Gebet und Danksagung zu dir aufheben. (Nun hat David nicht vergebens ein solches Verlangen nach der öffentlichen Versammlung in der Kirche Gottes. Denn obwohl Gott das Gebet und Danksagung, so aus Glauben geschehen, überall erhört, so gibt es doch in der gemeinen Versammlung der Kirche einen größeren Eifer und Andacht zur Religion.)

6. Das wäre meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte.

Loben sollte: Und Psalmen in der Kirche Gottes dir zum Preis singen. (Wo ist aber heutzutage ein solcher Eifer bei denen, welche kaum leiden mögen, dass andere in unser bekannten oder Muttersprache Psalmen bei der Kirche Gottes singen?)

7. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir.

Von dir: Obwohl ich, leider, bei deinem Heiligtum und Hütte nicht erscheinen kann, jedoch so denke ich in meinem Bette und wo ich bin, an dich, und zwar in einer Nacht erwache ich manchmal etliche Male und gedenke an deine Güte und habe dich vor Augen.

8. Denn du bist mein Helfer und unter dem Schatten deiner Flügel rühme ich.

Rühme ich: Ich denke stetig an dich, denn außerhalb dir hab ich keine Hilfe, bin aber bisher unter deinem Schutz und Schirm sicher, als wie die jungen Vögel unter den Flügeln der Alten, mache mir auch keinen Zweifel, dass ich dir einmal eins mit heller Stimme danken werde. (Also will auch uns gebühren, dass wir in Not und Gefahr die Güte Gottes betrachten, damit er die Seinen wunderbarerweise beschirmt und sollen gute Hoffnung haben, dass, wenn wir einmal daraus erlöst werden, wir unseren Herrn und Gott mit großen Freuden loben und preisen werden.)

9. Meine Seele hing dir an; deine rechte Hand erhält mich.

Dir an: Wie ein eheliches Weib ihrem Mann anhängt. (Denn es ist eine geistliche Ehe zwischen Gott und denen, so an ihn glauben. Die lieben auch Gott, hängen ihm an und haben von ihm allerlei Gutes zu erwarten.)

Rechte Hand: Das ist: Deine Allmacht. (Denn obgleich wohl die Frommen auch in Jammer und Not kommen, so werden sie doch von Gott erhalten.)

10. Sie aber stehen nach meiner Seele, mich zu überfallen; sie werden unter die Erde hinunterfahren.

Überfallen: Meine Feinde stellen mir nach Leib und Leben, dass sie mich vertilgen, so ich doch kein Bubenstück begangen habe, sondern mich einzig und allein dessen befleißige, wie ich meinem Gott recht und gottselig dienen möge. (Die aber gottselig leben wollen, müssen Verfolgung leiden.)

Fahren: Gott wird sie stürzen, dass sie zugrunde gehen.

11. Sie werden ins Schwert fallen und den Füchsen zuteilwerden.

Fallen: Und keines natürlichen Todes sterben.

Zuteilwerden: Sie werden eine Zeit lang unbegraben liegen, dass die Füchse von ihren toten Körpern fressen werden. Und hat es David mit dieser Weissagung erraten. Denn Saul und die es mit ihm halten, sind keines natürlichen Todes gestorben, dazu eine Zeit lang auf dem Felde unbegraben gelegen. (Denn Gott lässt die Verfolgungen, so über die Frommen angestellt werden, endlich nicht ungerächt.)

12. Aber der König freut sich in Gott. Wer bei ihm schwört, wird gerühmt werden; denn die Lügenmäuler sollen verstopft werden.

König: Nämlich David. Denn er redet in einer anderen Person von sich selbst.

Freut sich: Und frohlockt deshalb, dass er einen gnädigen Gott und Vater im Himmel hat, der ihn aus aller Gefahr herausreißen kann.

Schwört: Das ist: Wer Gott fürchtet und die Wahrheit liebt, auch wenn er derselben Kundschaft geben soll, nicht bei den eitlen heillosen Götzen, sondern bei dem Namen des lebendigen Gottes schwört. (Hieraus ist zu sehen, dass rechtmäßiges Schwören ein Gottesdienst sei.)

Verstopft: Es werden fromme und redliche Leute sich einmal zu freuen haben, wenn die Zeit kommt, da Gott den Lügenmäulern, die mich anklagen, dass ich nach dem Königreich stelle, das Maul verstopfen wird. (Mit diesen Worten sollen wir uns wider die beschwerlichen falschen Zulagen, welche wir nicht verbieten oder wehren können, trösten, dass es gewisslich einmal dazu kommen werde, da man solchen giftige Lügenmäulern das Maul stopfen wird und soll es ihnen mit Erde zugestopft werden.)


Der 64. Psalm


1. Es bittet David, dass ihn Gott wider unrechter Gewalt seiner Feinde handhaben wolle. Und klagt über der Verleumder falsche Zulagen, welche ihn hin und wieder ausschreien. Er weissagt auch aus dem Geist Gottes von der Lästermäuler Verderben und der Frommen Erlösung. Diesen Psalm mögen wir gebrauchen, wenn uns mit allerlei falschen Zulagen so zugesetzt wird, dass wir Trostes und Hilfe bedürfen.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen.

2. Höre, Gott, meine Stimme in meiner Klage; behüte mein Leben vor dem grausamen Feinde!

Behüte: Und verschaffe, dass ich einmal aus der Angst komme, da ich immer fürchte, dass mich meine Feinde einst erwürgen. Es ist aber David nicht in geringerer Gefahr gewesen, da Absalom wider ihn aufrührerisch worden, als da ihn Saul verfolgt. (Ein elend jämmerliches Ding aber ist es, wenn einer stetig in Todesgefahr stehen muss.)

3. Verbirg mich vor der Sammlung der Bösen, vor dem Haufen der Übeltäter,

Bösen: Dass sie mich nicht unterdrücken.

Haufen: Denn es ist nicht nur einer, der mich feindlicherweise verfolgt, sondern ihrer viel tragen ihre Anschläge und alle ihre Macht zusammen und stellen mir also nach Leib und Leben. (Eben also haben wir auch unserem Herrn Gott zu bitten, dass er uns vor den päpstlichen Konzilen bewahren wolle.)

4. welche ihre Zunge schärfen wie ein Schwert, die mit ihren giftigen Worten zielen wie mit Pfeilen,

Schärfen: Und sehen, wie sie mit ihren falschen Auflagen die Leute gegen mich verhetzen können.

Zielen: Und mich auf das allergiftigste herdurch ziehen und, so viel an ihnen ist, gleich als mit Pfeilen durchschießen.

5. dass sie heimlich schießen den Frommen; plötzlich schießen sie auf ihn ohne alle Scheu {Ps 11v2}.

Frommen: Einen redlichen Mann. (Hiermit wird aber der Lügenmäuler und falschen Zungen Weise und Art ganz eigentlich beschrieben. Denn sie oft die allergiftigsten Reden heimlich unter die Leute bringen, dass man es nicht merken und ein solcher, der eingetragen worden, sich nicht verantworten kann.)

Scheu: (Solche Verleumder geben unversehens etwas auf einen fälschlich aus und scheuen sich weder vor Gott noch vor der Welt, sondern frohlocken bei sich selbst darüber, wenn sie einem Biedermann ohne Grund und etwas zugelegt haben, als wenn sie die Sache wohl ausgerichtet hätten. Es ist auch wohl zu merken, dass die Verleumdungen und Lästerungen scharfen Schwertern und Pfeilen verglichen werden, darum auch solche Leute für Gott rechte Totschläger sind.)

6. Sie sind kühn mit ihren bösen Anschlägen und sagen, wie sie Stricke legen wollen und sprechen: Wer kann sie sehen?

Anschlägen: Die sie zusammentragen, auf dass sie ehrlichen Leuten Unglück über den Hals ziehen.

Legen wollen: Sie erzählen einander ihre Tücke, wie sie einfältige und unschuldige Leute gleichsam als mit einem Strick fangen wollen. Und gefallen sich selbst wohl, mit ihrer Schalkheit, dass sie wohl sagen dürfen, es werde keiner niemals so vorsichtig sein, der solche List merken oder demselben entgehen könne. * Sehen) (Nach Luther) Gott sieht sie selbst nicht.

7. Sie erdichten Schalkheit und halten es heimlich, sind verschlagen und haben geschwinde Ränke.

Heimlich: Und wissen es artig zu verbergen. (Denn des Teufels Werkzeuge, nämlich die Gottlosen, welche den Frommen nach ihrem Verderben trachten, wissen ihre Anschläge so meisterlich und wunderlich zu verstecken, dass man es kaum merken kann, ehe denn sie es anfangen ins Werk zu richten. Dergleichen Praktiken ist man auch zu unseren Zeiten innegeworden. Darum wir unseren Herrn Gott fleißig bitten sollen, dass er dergleichen heimliche, listige und blutdürstige Anschläge zunichtemache.)

8. Aber Gott wird sie plötzlich schießen, dass ihnen wehe tun wird.

Schießen: Das ist: (Indem sie den Frommen nachstellen, wird Gott plötzlich ein großes Unglück, als einen tödlichen Schuss, über sie aufhören lassen, dass die Rache Gottes offenbar werde, welche sie nicht werden verbergen können.)

Wehe tun: (Nach Luther) Dass sie es fühlen werden.

9. Ihre eigene Zunge wird sie fällen, dass ihrer spotten wird, wer sie sieht.

Fällen: Sie werden sich mit ihrer eigenen giftigen Zungen zu Fall bringen, alsdann werden die, so ihren Zustand sehen, ihrer spotten und die Köpfe darüber schütteln. (Denn endlich, wenn die Lügen und Lästerungen an den Tag kommen, gereicht es zu solcher Lästermäuler eigenem Verderben. Und obgleich wohl etliche große Herren es gerne haben, wenn ihnen etwas angetragen oder verraten wird, so sind sie doch den Verrätern selbst heimlich feind, darum sie auch oft, wenn sie solche Leute ausgebraucht haben, die selbigen mit Schanden von sich verstoßen. Und wenn sie gleich in diesem Leben von den Menschen nicht verstoßen werden, so wird sie doch Gott gewisslich von seinem Angesicht verwerfen in die ewige höllische Pein, sofern sie nicht Buße tun, wie 1. Kor. 6. Paulus bezeugt.)

10. Und alle Menschen, die es sehen, werden sagen: Das hat Gott getan und merken, dass es sein Werk sei.

Werk sei: Solcher Lästermäuler Verderben wird in den Herzen der Menschen Gottesfurcht erwecken, wenn sie sehen, wie Gott gerecht und ein Rächer des gottlosen Wesens sei. Und wird einer dem anderen solche Gerichte Gottes erzählen und bekennen, dass es ein besonderes Werke Gottes sei und werden Gottes Gericht mit Fleiß betrachten und daher in der Frömmigkeit zunehmen. (Denn unter anderen Ursachen stellt Gott Beispiele seines ernsten Gerichts dar an den Gottlosen, dass andere Leute ihn fürchten, seinen Namen preisen und vor Sünde und Laster sich hüten, wenn sie sehen, wie ernstlich solche an den Gottlosen gestraft werden. Darum sollen wir uns unter der Zahl der Lästermäuler nicht finden lassen, denn solches gereicht ihnen zu einem traurigen Ende und Verderben.)

11. Die Gerechten werden sich des Herrn freuen und auf ihn trauen und alle frommen Herzen werden sich des rühmen.

Gerechten: Welche nämlich an den Messias glauben und also durch den Glauben gerecht worden sind, die werden sich freuen, dass sie einen so gütigen Gott und Vater haben, der die Seinen nicht verlasse.

Rühmen: Das ist: Die Wiedergeborenen, welche sich aller Aufrichtigkeit, Redlichkeit und Gottseligkeit bemühen, die werden sich ihres Gottes rühmen, dass er ein solcher gerechter und mächtiger Richter ist, der die Seinen herauszureißen und die Gottlosen der Gebühr nach zu strafen wisse. (Denn obwohl die Frommen der brüderlichen Liebe nach über dem Verderben der Gottlosen sich nicht freuen, sondern wollten sie lieber bekehrt und selig sehen, jedoch, so freuen sie sich über dem gerechten Gericht Gottes, welches der Heilige Geist in ihren Herzen ihm gefallen lässt und rühmt solches.)


Der 65. Psalm


1. In diesem Psalm sagt David dem Sohn Gottes Dank, teils für die geistlichen Gaben und Guttaten, welche er insbesondere an seine Kirche wendet, teils auch für die leibliche Guttaten, welche er reichlich über das menschliche Geschlecht ausschüttet. Diesen Psalm sollen wir benutzen, wenn wir unserem Herrn und Gott für seine Guttaten danken wollen, welche uns zwar oft und viel zu tun gebührt.

1. Ein Psalm Davids, zum Lied vorzusingen.

2. Gott, man lobt dich in der Stille zu Zion und dir bezahlt man Gelübde.

Stille: (Nach Luther) In der Geduld, dass man sich leidet und stille ist.

Zion: In der heiligen Hütte, welche aufgerichtet ist für die Lade des Bundes auf dem Berge Zion, darin geht der rechte Gottesdienst im Schwange, in stiller Ruhe und gutem Friede, beides bei der Kirche und dem weltlichen Regiment.

Gelübde: Die Opfer, welche wir gelobt haben, bringen wir dir zu Ehren. Es versteht aber hierdurch David besonders die Danksagung, welche Gott die angenehmsten Opfer sind. Und will so viel sagen, dir, o du Sohn Gottes, ist man von Herzen zu danken schuldig. (Es ist aber eine große Guttat Gottes, wenn man den rechten reinen Gottesdienst in Frieden und Ruhe haben mag. Wir sollen auch hieraus das merken, dass der Sohn Gottes wird Gott genannt, welchem man alle schuldige Dankbarkeit erzeigen soll. Denn dass dieser Psalm von dem Sohn Gottes rede, wird sich später im dritten Vers finden.)

3. Du erhörst Gebete, darum kommt alles Fleisch zu dir.

Du: Jetzt lasst uns hören, was für Guttaten die heilige Kirche von dem Sohn Gottes empfange.

Erhörst: Das ist: Du, als der Sohn Gottes, erhörst das Beten der Gottseligen. Ja du verschaffst auch mit deiner Fürbitte so viel, dass, was einer den Vater in deinem Namen bittet, er solches gewisslich erlangt {Joh 16}.

Zu dir: Allerlei Leute werden Hilfe und Heil bei dir suchen, als die deine Gnade und Güte dazu antreibt. (Warum soll man denn nicht auch heutigentags mit Haufen zu ihm kommen, so er doch selber gesagt hat: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken {Mt 11}.)

4. Unsere Missetat drückt uns hart; du wollest unsere Sünde vergeben.

Hart: Unsere Sünden sind groß, dass, wo sie uns nicht verziehen werden, wir gewisslich darunter verderben. Aber alle unsere Hoffnung steht zu dir, du wirst sie von uns nehmen. (Hierbei haben wir auf zwei Dinge Achtung zu geben. Das eine ist, dass unsere Sünden so groß sind, dass wir sie nicht abbüßen können. Denn David tut hier das Bekenntnis für die ganze Kirche Gottes. Das andere ist, dass der Sohn Gottes der sei, welcher unsere Sünden von uns nimmt und dieselben vergibt, als für die er gebüßt und bezahlt hat.)

5. Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässt, dass er wohne in deinen Höfen! Der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel.

Wohl dem: Der ist ein seliger Mensch.

Erwählst: Von der Welt, dass er bei dir im Himmelreich ewig lebe.

Lässt: Den du durch das Evangelium berufst und durch deinen Geist ziehst, dass er zu dir kommt.

Höfen: Welche vor der Hütte des Stifts sind.

Tempel: Die Meinung ist diese. (Welchen du Herr Christi hast berufen und erwählt zum ewigen Leben, den soll man richtig für den Allerseligsten halten. Denn er ist und bleibt ein rechtschaffenes Glied deiner Kirche und wird vieler geistlichen Güter teilhaftig, welche in deiner Kirche durch das Predigtamt des Evangeliums allen Gläubigen, mit- und ausgeteilt werden, als da sind Vergebung der Sünden, die Gnade und Regierung des Heiligen Geistes, beständiger Trost in allen Anfechtungen und endlich das ewige Leben.)

6. Erhöre uns nach der wunderlichen Gerechtigkeit, Gott, unser Heil, der du bist Zuversicht aller auf Erden und ferne am Meer;

Wunderlichen: Als wollte er sagen: Es ist ja hoch zu verwundern, dass du Gott, unser Herr Jesus Christus, an dem all unser Heil und Seligkeit steht, erhörst diejenigen, so durch den Glauben gerechtfertigt sind und du bist zwar nicht allein unser Trost, Hoffnung und Zuversicht, sondern auch aller Völker, die an den äußersten Orten der Welt und in den Inseln im Meer wohnen. (Denn es ist ja die Berufung der Heiden zu der Erkenntnis Christi, davon diese Worte lauten, bei den Juden ein solches wunderliches Ding gewesen, dass es ihnen kaum glaubhaft war, also dass auch Petrus durch ein besonderes Gesicht dessen erinnert und in solchem Werke Gottes gestärkt musste werden {Apg 10}.)

7. der die Berge fest setzt in seiner Kraft und gerüstet ist mit Macht;

Der: Jetzt kommt er von den geistlichen Guttaten, welche besonders der Kirche Gottes erzeigt werden, auf die Werke der Erschaffung und rühmt daher des Sohnes Gottes Güte und Allmacht, welche durch die herrlichen Guttaten zu erkennen geben werden, die der Sohn Gottes dem menschlichen Geschlecht, und zwar beides guten und bösen, erwiesen hat.

Setzt: Dies ist nicht ein geringes Zeichen der Majestät, Herrlichkeit und Allmacht des Sohnes Gottes, dass er solche großen und gewaltigen Berge in der Welt hin und wieder, und zwar also fest gesetzt hat, dass sie niemand hinweg verrücken kann. (Weil denn der Sohn Gottes der Schöpfer ist, so ist er auch Gott, denn durch ihn sind alle Dinge gemacht und ohne ihn ist nichts gemacht, was gemacht ist {Joh 1}.)

Gerüstet: (Nach Luther) Immerfort und mehr Gutes zu tun.

8. der du stillst das Brausen des Meers, das Brausen seiner Wellen und das Toben der Völker,

Der: Folgt ein anderes Werk des Sohnes Gottes.

Toben: Das ist: Krieg und Aufruhr stillst du auch. (So ist nun das auch ein Amt des Sohnes Gottes, dass er denen, so auf dem Wasser fahren, zu Hilfe komme, damit sie von den Wellen nicht überschlagen und ersäuft werden. Wie man auch im Evangelium {Mt 8} von ihm liest, dass er solches getan, da die Jünger im Schiff in großer Gefahr gestanden. Auch wehrt er den Wellen des Meers, dass sie nicht das Erdreich überfallen und überschwemmen. Desgleichen soll man ihm auch zuschreiben, wenn dem Krieg und Aufruhr gesteuert wird.)

9. dass sich entsetzen, die an denselben Enden wohnen, vor deinen Zeichen. Du machst fröhlich, was da webt, beide, des Morgens und Abends.

Wohnen: Da entweder das Meer wütet oder die Völker toben.

Zeichen: Wenn sie nämlich sehen und bedenken, wie bald es ein anderes geworden und wie aus einem Ungestüm und Unwetter eine große Stille, aus Krieg Friede geworden. (Solche Wundertaten des Sohnes Gottes sollen wir betrachten, damit wir ihn ehren, loben und preisen.) * (Nach Luther) Es sind eitel große Wunder, wenn Gott Friede hält und steuert den Unfriedsamen, so geht denn und webt beide, Menschen und Vieh, welches im Kriege nicht sein kann.

Fröhlich: Dies ist wiederum eine andere Guttat: Du machst, dass die Leute am Morgen mit fröhlichem Gesang hinausgehen an ihre Arbeit und zu Abend mit Freuden wiederum zu Hause ankommen. Du machst auch, dass das Vieh groß und klein mit Geschrei und Blöken fröhlich hinaus auf die Weide geht und zu Abend frisch und wohl wiederum heimkommt. (Wenn wir nun solches, wie beide, Menschen und Vieh, fröhlich und frisch sind, bedenken oder sehen, sollen wir unserem Herrn Christus davor Lob und Dank sagen, welcher unser Herz mit Freude und Mut erfüllt, dass wir in ihm leben und weben {Apg 17}.)

10. Du suchst das Land heim und wässerst es und machst es sehr reich. Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. Du lässt ihr Getreide wohl geraten, denn also baust du das Land.

Sehr reich: Ist noch eine andere Guttat: Du Sohn Gottes suchst das Erdreich mit Gnaden und Güte heim und wenn es dürr und der Feuchtigkeit bedürftig ist, begießt du dasselbe reichlich mit fruchtbaren Regen und machst, dass es später Frucht mit Haufen bringt.

Gottes Brünnlein: Die Gott beschert. * (Nach Luther) Ist sein Land und Volk {Ps 46v5}.

Fülle: Dass man daher die Wiesen reichlich und wohl wässern kann.

Also baust du: Also gefällt es dir, dass du die Früchte der Erde auf solchen Weg hervorbringst, obwohl du auch, wenn es dir gefällig wäre, durch deine Allmacht in einem Augenblick oder nur mit Winken könntest solches alles erschaffen. (Darum haben wir dem Sohn Gottes für diese Guttaten zu danken, wenn er fruchtbaren Regen gibt, die Brünnlein und Bächlein mit Wasser füllt und die Früchte aus der Erde hervorbringt, ob er gleich zu solchem Werke auch seine Mittel gebraucht.)

11. Du tränkst seine Furchen und feuchtest sein Gepflügtes; mit Regen machst du es weich und segnest sein Gewächs.

Segnest: Du machst, dass das Korn, welches auf den Acker geworfen wird, glücklich hervorwächst und Frucht bringt. (Um solche Guttaten, sooft wir derselben notdürftig sind, sollen wir Christus, der jetzt zur Rechten des Vaters sitzt, anrufen und bitten.)

12. Du krönst das Jahr mit deinem Gut und deine Spuren triefen von Fett.

Krönst: Das ist: Du zierst gleichsam das Jahr mit deiner vielfältigen Güte und Mildigkeit. (Dies ist ein sehr schönes Gleichnis, da der Prophet redet von der Jahreszeit als von einem Menschen, gleich als wenn einer sehe das Jahr, wie eine Mannsperson daher ziehen, geschmückt und geziert mit Blumen, mit Ähre, Gras, Trauben, Birnen, Äpfeln und allerlei Gewächs und Früchten. Der aber solches sieht, sollte der nicht richtig sich darüber verwundern und eine Liebe zu solchem so gütigen und gnädigen Schöpfer gewinnen, der das alles dem Menschen zum Nutzen und Guten erschaffen hat.)

Fußstapfen: (Nach Luther) Wo er geht, da wächst es wohl.

Triefen: Du nimmst dich selbst des Ackerbaus an, darum richtig alles reichlich hervorkommt. (Denn wie man sonst im Sprichwort sagt, dass die beste Düngung sei, welche der Hausvater an seinen Schuhen auf den Acker trage. Also wird auch dem Sohn Gottes recht und eigentlich zugemessen, dass seine als eines fleißigen Hausvaters göttliche Vorsehung und Fürsorge die rechte Ursache sei, dass fruchtbare Zeiten sind und die Äcker wohl tragen.)

13. Die Wohnungen in der Wüste sind auch fett, dass sie triefen und die Hügel sind umher lustig.

Wüste: Da das Vieh geweidet wird.

Triefen: Und geben gute Weide.

Lustig: Wenn sie überall mit Gras und Blumen lustig stehen, so lacht einen alles an.

14. Die Anger sind voll Schafe und die Auen stehen dick mit Korn, dass man jauchzt und singt.

Anger: Das ist, die Felder und Hügel.

Dicke: Es ist alles so voller Korn, dass man in den Feldern, da die Halme dick ineinander stehen, nicht auf den Boden sehen kann.

Singt: Nämlich die Hausväter und Schnitter sind fröhlich und frohlocken über solcher reichen Ernte. (Wir sollen die leiblichen und zeitlichen Guttaten mit fröhlichem und dankbarem Herzen erkennen, unseren Herrn Jesum Christus preisen und solche seine Gaben zu seines Namens Ehre und des Nächsten Wohlfahrt recht und gottseliglich gebrauchen.)


Der 66. Psalm


1. As der Prophet die Güte und Gnade Gottes mit Fleiß betrachtet hatte, dass er der Gläubigen Gebet erhöre, die Gottseligen beschütze und sie aus allen Nöten erlöse, der Gottlosen Anschläge aber zunichtemache, bricht er heraus, lobt und preist Gott und mahnt er auch andere auf, dass sie den Herrn deswegen preisen sollen. Diesen Psalm sollen wir gebrauchen, dass wir uns selbst aufmuntern zur Dankbarkeit gegen Gott, dass er seine Kirche erhält und aus allem Übel erlöst.

1. Ein Psalmlied, vorzusingen. Jauchzt Gott, alle Lande!

Alle Land: Alle Menschen in der ganzen Welt sollen Gott mit Freuden und mit Jauchzen preisen. (Denn es gefällt Gott wohl, wenn man ihn mit gottseligen frischen und fröhlichen Herzen lobt.)

2. Lobsingt zu Ehren seinem Namen; rühmt ihn herrlich!

Namen: Lobt ihn, dass er so ein herrlicher Gott ist.

Herrlich: Mit geistlichen Liedern, denn man ihn niemals genügend loben kann. (Wir sehen hieraus abermals, wie es unseres Herrn und Gottes Wille sei, dass wir uns von Herzen erfreuen und ihn mit Freuden preisen.)

3. Sprecht zu Gott: Wie wunderlich sind deine Werke! Es wird deinen Feinden fehlen vor deiner großen Macht.

Fehlen: Dass sie nicht werden können ins Werk richten, was sie vorhaben, denn du bist ihnen zu mächtig. (Diesen herrlichen Trost sollen wir zu Herzen fassen, wenn wir sehen, wie die Feinde der Kirche Gottes toben.) * (Nach Luther) Das ist: In dem, das sie wider dich vorhaben.

4. Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen. Sela.

Alles Land: Juden und Heiden bekehren sich zu dir und das aus beiden zusammengesammelte Volk soll dich, als seinen Gott, demütig anrufen.

Namen: Denn du bist freilich wohl wert, dass du von aller Welt gepriesen wirst. (Es sieht aber der Prophet mit diesen Worten auf die Berufung der Heiden und zeigt an, es soll noch dazu kommen, dass Gott nicht allein im jüdischen Lande, sondern auch in der ganzen weiten Welt durch das Evangelium bekannt und gepriesen werde.)

5. Kommt her und seht an die Werke Gottes, der so wunderlich ist mit seinem Tun unter den Menschenkindern.

Seht an: Lieber, macht euch herzu und bedenkt doch die Wunderwerke Gottes und wie ein schrecklicher Gott er sei, der richtig zu fürchten ist, weil er solche wunderlichen Dinge tut, indem er die Frommen schützt und beschirmt, die Gottlosen aber zu Platz legt.

6. Er verwandelt das Meer ins Trockne, dass man zu Fuß über das Wasser geht; des freuen wir uns in ihm.

Trocken: Als wollte er sprechen, dass ich seine Wunder als ein altes, aber treffliches Beispiel vorbringe, ist das nicht ein wunderlicher Gott, der das Rote Meer also trocknete, dass die Israeliten im Grunde des Meers sicher durchhinzogen {2Mos 14}. Ja er hat auch solche großen Wunder getan im Jordan, als sie ins Land Kanaan eingezogen sind {Jos 3}.

Freuen: Auch heutigentags, sooft wir oben gesetzter Wunderwerke bedenken, freuen wir uns selber darüber, dass wir einen solchen gütigen Gott haben, der sein Volk ganz väterlich versorgt. (Denn es sollen uns richtig nicht allein solche Guttaten freuen, die uns widerfahren sind, sondern auch diejenigen, welche lange zuvor der Kirche Gottes sind erwiesen worden: Daraus denn unser Glaube nicht wenig gestärkt wird.)

7. Er herrscht mit seiner Gewalt ewig; seine Augen schauen auf die Völker. Die Abtrünnigen werden sich nicht erhöhen können. Sela.

Er: Nun fährt der Prophet fort in Erzählung des Lobes und Ruhms Gottes.

Schauen: Er gibt gute Achtung auf alle Praktiken und Anschläge der Völker, er sieht ihnen ins Spiel, dass er ihr böses Vornehmen hindere, sie zuschanden mache und alles zu seines Namens Ehre richte.

Nicht erhöhen: Die von Gott abfallen, werden gewisslich nicht mehr auf- und hervorkommen mögen. Er weissagt aber hiermit von der Juden Abfall, Verstoßung und endlichem Untergang. (Das gehört aber auch zu Gottes Lob und Ehre, dass er weder den gottlosen Heiden noch verstockten Juden zugibt, dass sie das Reich Christi aufhalten, verhindern oder zugrunde richten) * (Nach Luther) Sie sollen nicht siegen noch obliegen, wie hoch sie auch emporfahren.

8. Lobt, ihr Völker, unseren Gott; lasst seinen Ruhm weit erschallen,

Völker: Alle miteinander und alle Menschen. (Denn es soll sich niemand schämen, Gott zu loben.)

9. der unsere Seelen im Leben behält und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Der: Folgt die Ursache solches Lobens.

Nicht gleiten: Er erhält uns beim Leben unter so mancher großer Gefahr und lässt uns die Feinde nicht unterdrücken. (Solche Guttat Gottes soll die christliche Kirche vielfältig betrachten und preisen.)

10. Denn, Gott, du hast uns versucht und geläutert, wie das Silber geläutert wird.

Versucht: Wir sind in schwere Anfechtungen und Versuchung geraten.

Geläutert: (Denn durch die Anfechtung wird der Kirche Glaube, Beständigkeit und Geduld bewährt.)

11. Du hast uns lassen in den Turm werfen; du hast auf unsere Lenden eine Last gelegt;

Werfen: Wir sind mit Unfall so umgeben gewesen, dass wir nicht wissen können, wo aus oder wo an.

Last: Eine sehr schwere Anfechtung.

12. du hast Menschen lassen über unser Haupt fahren; wir sind in Feuer und Wasser gekommen; aber du hast uns ausgeführt und erquickt.

Fahren: Du hast es dahin kommen lassen, dass die Leute gleich als in einem Wagen über uns arme, elende und erschlagene Leute mit großem Ungestüm gefahren sind. Denn wir haben das Wüten und Toben der Tyrannen, müssen leiden und haben uns wieder sie nicht wehren können.

Und Wasser: Das ist: In allerlei beschwerliche und gefährliche Anfechtungen.

Erquickt: Nach erlittenem Kreuz und Anfechtung. (Diese drei Verse erinnern uns, dass Gott seine Kirche in ganz beschwerliche Not und Anfechtung kommen lasse, dadurch er sie versucht und bewährt, aber er errettet sie auch wiederum aus solchem Unfall, da ihm alsdann die Kirche für solche ausgestandene Versuchung und dass die selbige gnädig gemildert wurden, von Herzen danke. Die Katholiken aber sind närrische Leute, dass sie aus diesem Vers, da Feuers und Wassers Meldung geschieht, ihr Fegefeuer aufzublasen sich unterstehen und nicht Achtung darauf geben, dass solches durch das Wasser, so daneben steht, bald wieder ausgelöscht wird. So doch hier nichts davon gehandelt wird, wie es in der anderen Welt soll zugehen, sondern allein von dem Anliegen und großer Trübsal, damit Gott seine Kirche hier auf der Erde angreift.)

13. Darum will ich mit Brandopfern gehen in dein Haus und dir meine Gelübde bezahlen,

Darum: Dieweil du nicht allein die christliche Kirche in allgemeines aus mannigfaltigem Kreuz errettest, sondern mich auch insbesondere oft wunderbarerweise mitten im Tode erhalten hast, so will ich zum Zeichen meines dankbaren Gemüts bei deiner heiligen Hütte mich finden lassen.

Gelübde: Denn in meiner Trübsal hab ich dir gelobt, so du mich herausreißen wirst, dass ich dir zu Lob freiwillige Opfer tun wolle. (Unsere Gelübde und Opfer aber sind, dass wir den Namen Gottes preisen {Hebr 13}.)

14. wie ich meine Lippen habe aufgetan und mein Mund geredet hat in meiner Not.

Aufgetan: Das ist: Was ich dir in meinem Elend habe verheißen, das will ich treu halten. (Denn mögliche und rechtmäßige Gelübde soll man halten.)

15. Ich will dir feiste Brandopfer tun von gebrannten Widdern; ich will opfern Rinder mit Böcken. Sela.

Feiste: Ich will mein Gelübde rechtschaffen halten und dir mit Andacht reichlich opfern. (Wir sollen auch die Dankbarkeit nie vergessen.)

16. Kommt her, hörte zu, alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an meiner Seele getan hat.

Kommt: Dieweil der Prophet weiß, dass Gottes Namen loben und preisen, ihm, dem Herrn, angenehmer sei, als kein Opfer, so richtet er seine Rede jetzt und dahin, dass er Gott lobt.

Erzählen: Gott dem Herrn zu Lob und Ehren, was großer und herrlicher Guttaten der Herr an mich gewendet habe. (Wir sollen auch Gottes Guttaten erzählen, nicht allein darum, dass er gelobt und gepriesen werde, sondern auch dass andere zu solchem gnädigen Gott ihre Zuflucht suchen und also erhalten werden.)

17. Zu ihm rief ich mit meinem Munde und pries ihn mit meiner Zunge.

Rief ich: In der Not, da ich in Ängsten war.

Pries: Da er mich erhört und errettet hatte {Ps 50}.

18. Wo ich Unrechts vorhätte in meinem Herzen, so würde der Herr nicht hören.

Unrechts: Wenn ich mit Betrug und Schalkheit umginge, hätte Gott mich meiner Bitte nicht gewehrt. (Denn Gott erhört derjenigen Gebet nicht, die sich vorgenommenen haben, dass sie wollen Unrecht und Übles tun.)

19. Darum erhört mich Gott und merkt auf mein Flehen.

Darum: Dieweil ich nicht begehre Unrecht, sondern schlecht und recht zu handeln.

Erhört: In meinem Gebet. (Denn ob wir wohl allein um des Verdienstes Christi willen erhört werden, so belohnt doch Gott denen, die durch den Glauben gerechtfertigt sind, ihre Frömmigkeit und hilft ihnen in der Not.)

20. Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

Nicht verwirft: (Es ist aber ja richtig, Gott den Herrn hoch zu loben, der unser Gebet jederzeit erhört, sooft wir recht und mit Andacht beten und wird nicht müde sich unser zu erbarmen und uns nach seiner großen und väterlichen Barmherzigkeit zu helfen.)


Der 67. Psalm


1. Es bittet David um die Zukunft des Messias, der den rechten und himmlischen Segen bringen soll, welcher dem Abraham {1Mos 12} verheißen wurde. Und weissagt daneben, dass zu seiner Zeit auch die Heiden Christus erkennen und ihn als ihren Gott loben und preisen werden. Dieser Psalm wird uns dazu dienstlich sein, dass wir unsere Herzen zur Betrachtung der Guttaten, so uns Christus erzeigt hat, aufzumuntern.

1. Ein Psalmlied, vorzusingen auf Saitenspielen.

2. Gott sei uns gnädig und segne uns; er lasse uns sein Antlitz leuchten, Sela,

Gott: Nämlich der Sohn Gottes, der samt dem Vater von Ewigkeit her gewesen ist.

Gnädig: Dass er hernieder auf die Erde komme und Mensch werde zur Erlösung des menschlichen Geschlechts.

Segne uns: Er bringe uns den himmlischen Segen und die Seligkeit, dem Abraham {1Mos 22} verheißen, auf dass wir vom Fluch des Gesetzes erlöst {Gal 3} durch Christus die ewige Seligkeit erlangen. (Denn es ist sonst kein rechter Segen noch in irgendeinem anderen kein Heil als in Christus, der vom Vater hernieder gesandt ist, uns zu segnen {Apg 3}.)

Antlitz leuchten: Es wolle uns ja der Sohn Gottes mit gnädigen Augen ansehen, dass er uns armen Sündern zu Hilfe komme und uns selig mache. (Mit was Gnaden aber uns der Sohn Gottes gemeint habe, zeigt er selber an, da er sagt: Größere Liebe kann niemand haben, denn dass er das Leben lasse für seine Freunde {Joh 15}.) * (Nach Luther) Ist fröhlich und gnädig ansehen und sich freundlich erzeigen.

3. dass wir auf Erde erkennen seinen Weg, unter allen Heiden sein Heiligen

Erkennen: Als wollte er sprechen, wir wünschen, dass die Zukunft Christi befördert werde, damit wir hier auf der Erde aus seinem Evangelium lernen, den gnädigen Willen unseres Vaters im Himmel erkennen, dass er nämlich ihn darum in diese Welt gesandt habe, auf dass er uns ewiges Heil und die Seligkeit bringe. Denn das sind sein Weg und sein Vorhaben. Wir wünschen auch, dass solche Erkenntnis seines gnädigen Willens nicht allein den Juden, sondern auch allen Heiden zum Guten gedeihen möge. (Denn die christliche Liebe wünscht, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Es lauten auch diese Worte ausdrücklich von der Heiden Berufung zum Reich Christi.)

4. Es danken dir; Gott, die Völker; es danken dir alle Völker.

Es: Jetzt verändert er sein Gebet in eine Weissagung und verkündigt, dass solches gewisslich geschehen werde, wie er gebeten.

Dir Gott: Nämlich dir Herr Jesu Christus.

Alle Völker: Denn es wird nicht nur das jüdische Volk dich erkennen und für seinen Erlöser preisen, sondern du wirst aus allen Völkern durch das Wort des Evangeliums eine Kirche sammeln, die dich als ihren Gott und Erlöser in alle Ewigkeit loben und preisen wird.

5. Die Völker freuen sich und jauchzen, dass du die Leute recht richtest und regierst die Leute auf der Erde. Sela.

Freuen sich: Nämlich die das Evangelium annehmen, werden frohlocken und sich freuen, dieweil sie unter dir, als ihrem König Christus, mit Gnaden durch deinen Geist und Wort regiert werden und nicht mit Gewalt, wie bei den Tyrannen im Brauch ist. Denn du wirst sie führen wie ein Hirte seine Schafe {Joh 10}. (Daraus zu sehen ist, dass die Predigt des Evangeliums Freude und Mut im Gewissen bringt {Röm 14}. Und das ist die allergelindeste Regierung oder Herrschaft, wie Christus seine Kirche regiert.)

Richtest: (Nach Luther) Verteidigst und regierst.

6. Es danken dir, Gott, die Völker; es danken dir alle Völker.

Es: Der Prophet wiederholt aus herzlicher großer Freude den oben gesetzten dritten Vers, dieweil er aus Erleuchtung des Heiligen Geists verstanden, dass die Heiden in großer Anzahl ihren Erlöser Christus annehmen würden.

7. Das Land gibt sein Gewächs. Es segne uns Gott, unser Gott!

Gewächs: Das ist: (Der Herr Christus wird den Christen auch zeitliche Nahrung des Leibes verschaffen {Mt 6}.)

Es: Nun kommt er wieder auf das Gebet.

Unser Gott: Und Herr, Jesus Christus: O dass derselbe uns förderlich den rechte himmlischen Segen und ewiges Heil brächte.

8. Es segne uns Gott und alle Welt fürchte ihn!

Uns Gott: Nämlich der Sohn Gottes, wie auch kurz zuvor gemeldet. (Hier sieht man, mit was herzlichem Verlangen die Patriarchen und Propheten begehrt, dass der Sohn Gottes Mensch werden soll. Heutigentags aber fragen ihrer viele nichts nach ihm, der schon bereits Mensch worden ist. Solchen Undank wird Gott mit ewiger Verdammnis strafen.)

Fürchte ihn: Das ist: Ich bitte, dass der Sohn Gottes uns den himmlischen Segen durch sein Evangelium mitteile, auf dass er sich aus allen Völkern unter dem Himmel eine Kirche sammle, welche ihm, als ihrem Gott und Erlöser, gottseliglich und mit Andacht diene. (Denn Christus bringt uns nicht darum den ewigen Segen, dass wir nach des Fleisches Gelüsten und Begierden leben, sondern dass wir ihm zu Dank in rechter wahrer Gottesfurcht wandeln und dienen sollen, wie Lukas. 1. und 2. Kor. 5. wir erinnert werden.)


Der 68. Psalm


1. David singt ein Siegeslied oder Triumphpsalm von dem herrlichen Sieg Christi, welche er wider seine und auch unsere Feinde erhalten hat, dass er nicht allein von der Welt, beides, Juden und Heiden, nicht unterdrückt wurde, sondern vielmehr nach dem er seine Feinde, Tod, Teufel und Hölle überwunden, gen Himmel aufgefahren und als ein herrlicher Siegesfürst den Menschen Gaben ausgeteilt habe. Er weissagt auch weitläufig von der Ausbreitung und Fortpflanzung des Reiches Christi durch die Apostel und ihrer Nachkommen Predigt. Und lässt auch die Prophezeiung mit unterlaufen von der Verstoßung und Untergang des jüdischen Volkes. Dieser Psalm wird uns nützlich sein zu gebrauchen, dass daraus unser Glaube von der ganzen christlichen Religion und Lehre gestärkt werde. Denn dass dieser Psalm von Christus rede, bezeugt Paulus ausdrücklich {Eph 4}.

1. Ein Psalmlied Davids, vorzusingen.

2. Es stehe Gott auf, dass seine Feinde zerstreut werden und die ihn hassen, vor ihm fliehen.

Es: Der Prophet fängt die Sache mit dem Gebet an, damit er Christus anmahnt, dass er seine Ehre und Herrlichkeit retten und zu erkennen geben wolle, wie er ein solcher unüberwindlicher Triumphierer und Siegesfürst sei, vor welchem seine Feinde keiner bestehen möge.

Gott: Unser Herr Jesus Christus, welcher bisweilen, wie uns bedünkt, schläft, wenn er also zu dem Wüten und Toben der Feinde seiner Kirche zusieht: So erzeigt er nun mit der Tat, dass er lebe und herrsche über die ganze Welt.

Fliehen: Denn mich zweifelt nicht, wenn der Sohn Gottes seine Macht erzeigen will, dass seine Feinde alsbald sich in die Flucht begeben werden. Wir lesen aber, dass Mose fast eben solche Wort gebraucht hat, wenn die Lade des Bundes aufgehoben wurde und das Volk Israel an ein anderer Ort gezogen ist, wie 4. Mose 10. zu sehen: Nicht dass die selbige Lade Gott gewesen, sondern dass dadurch unser Herr und Heiland Christus abgebildet wurde, von welches Macht, Herrlichkeit und Sieg dieser Psalm weissagt.

3. Vertreibe sie, wie der Rauch vertrieben wird; wie das Wachs zerschmilzt vom Feuer, so müssen umkommen die Gottlosen vor Gott.

Vertrieben wird: Vom Winde, dass man nichts mehr davon sieht.

Vor Gott: Unserem Herrn Jesu Christus, dass sie nirgends bleiben können. (Denn obwohl der Teufel und die Welt, wenn ihnen Christus solches verhängt und zulässt, noch heutigentags wüten und toben, jedoch, sobald er seine Macht gegen sie erzeigen will, da fallen alle ihre Anschläge in den Brunnen und müssen sie sich in die Hölle hinein verkriechen.)

4. Die Gerechten aber müssen sich freuen und fröhlich sein vor Gott und von Herzen sich freuen.

Sich freuen: (Dieser Wunsch ist so viel als eine Weissagung und wird damit angezeigt, dass die, welche an Christus glauben, herzlich erfreut werden, wenn sie sehen, wie Christus die Feinde seiner Kirche zurückgetrieben, unter welchen die vornehmsten sind, der Teufel, die Sünde und der Tod und die Hölle.)

5. Singt Gott, lobsingt seinem Namen! Macht Bahn dem, der da sanft herfährt! Er heißt Herr; und freut euch vor ihm,

Gott: Preist unseren Herrn und Heiland Christus als einen siegreichen Überwinder mit geistlichen Liedern. Denn es mahnt jetzt David die Kirche Gottes auf, den Herrn Christus zu loben und zu preisen.

Bahn: Wie gebräuchlich ist, dass man einen Siegesfürsten zu machen pflegt.

Herfährt: Der auf seinem Triumphwagen sitzt, nicht ernsthaft oder grimmig und nicht schrecklich daherkommt, sondern mit großer Sanftmut durch die Predigt des heiligen Evangeliums, als auf seinen Triumphwagen herumfährt durch die ganze Welt. (Denn was kann doch liebreicher gedacht werden, als dass uns in dem Namen Christi verkündigt wird die Vergebung der Sünden?)

Heißt Herr: Auf dass ihr wisst (will David sagen), wer dieser Siegesfürst sei und ihn recht erkennen lernt, so hört, wie sein Name ist, er heißt und ist der allmächtige Herr und ewige Gott. (Das Wörtlein Herr aber, welches der Prophet in seiner Sprache gebraucht, gehört Christus zu und mag keiner Kreatur niemals zugeschrieben werden. Daraus wir denn ein offenbares Zeugnis haben von der ewigen und wesentlichen Gottheit Christi, wider beide, die alten und neuen Arianer.)

Für ihm: Diesem eurem Siegesfürsten und Erlöser. (Denn Christus will haben, dass wir aus seinem Evangelium eine rechte herzliche Freude schöpfen. Daher uns Paulus so vielfältig in seinen Episteln erinnert, dass wir uns in dem Herrn freuen, und zwar immer freuen sollen {Phil 4}.)

6. der ein Vater ist der Waisen und ein Richter der Witwen. Er ist Gott in seiner heiligen Wohnung,

Wohnung: Das ist: Der Sohn Gottes (welcher im Alten Testament auch in der Hütte des Stifts durch die Opfer, so sein Leiden bedeutet haben, ist geehrt worden) ist ganz väterlich gegen allen armseligen und angefochtenen Menschen gesinnt, dass er sich ihrer mit aller getreuer Fürsorge und Hilfe annimmt, nicht anders, als wie ein frommer Mensch der armen Waisen sich annimmt und ein redlicher Richter die Witwen schützt und schirmt. (Obwohl aber hier besonders angezeigt wird, dass Christus alle Mühseligen und Beladenen erquicken wolle {Mt 11}. Jedoch sollen auch die Witwen und Waisen wissen, dass, so sie an Christus glauben, er sie sich mit aller Treue werde lassen wohl befohlen sein.)

7. ein Gott, der den Einsamen das Haus voll Kinder gibt, der die Gefangenen ausführt zu rechter Zeit und lässt die Abtrünnigen bleiben in der Dürre {Ps 113v9}.

Ein: Folgt ein anderes Lob Christi.

Kinder gibt: Er beschert denen, die unfruchtbar gewesen, Leibesfrucht mit Haufen, dass ihre Häuser voller Kinder werden. (Mit diesen Worten wird angezeigt, dass die Kirche Christi in ein großes Aufnehmen kommen werde.)

Ausführt: Ist wiederum ein Lob Christi. (Dass er uns erledigt von den Banden des Teufels und des Todes, deren Gefangene wir waren {Hebr 2}.)

Dürre: Das ist: (Die Teufel, welche abgefallen sind und die gottlosen Menschen, so sich von Christus abwenden, haben sich der Erlösung Christi und ewiger Seligkeit nicht zu freuen, sondern werden, als die an trockenen und dürren Orten wohnen, mit ewigem Durst gequält werden, das ist: sie werden alles Trostes beraubt sein müssen.)

8. Gott, da du vor deinem Volk herzogst, da du einhergingst in der Wüste, Sela {2Mos 13v20 v21},

Herzogst: Nämlich vorzeiten in der Wüste, des Tages in der Wolkensäule, des Nachts in der Feuersäule. Wie war es alles da so ernstlich? Denn du nicht allein beiden Feinden deines Volkes, sondern auch den Israeliten selbst schrecklich warst, da du Exempel deines gerechten Zorns gegen den Widerspenstigen und Ungläubigen sehen ließest. Und hält der Prophet hier gegeneinander, die Zeit, da der Sohn Gottes in der Wüste, mit großer schrecklicher Herrlichkeit die Zehn Gebote gegeben hat und die Zeit im Neuen Testament, da Christus durch die Predigt des Evangeliums als mit einem heilsamen fruchtbaren Regen seine Kirche befeuchtet und begießt.

9. da bebte die Erde und die Himmel troffen vor diesem Gott in Sinai, vor dem Gott, der Israels Gott ist {2Mos 19v16}.

Bebt: Von den großen Donnerstreichen, wie du nämlich das Gesetz auf dem Berge Sinai gabst, und war alles voller Schrecken.

Troffen: Denn es war ein großes Wetter und alles voller Regen, Donner, Strahl und Schrecken auf dem Berge. Und hast dich in solcher schrecklichen Majestät damals sehen lassen, dass es schien, als ob auch die Elemente deine Gegenwart nicht leiden könnten. (Dass aber der Sohn Gottes bei der Eröffnung und Bekanntmachung des Gesetzes so ernstlich sich erzeigt hat, dadurch ist bedeutet worden, dass Gesetz sei dazu gegeben, dass es die Sünder schrecke und demütig mache.)

10. Nun aber gibst du, Gott, einen gnädigen Regen und dein Erbe, das dürre ist, erquickst du,

Nun aber: Im Neuen Testament lässt du dich viel anders, nämlich ganz gnädig und freundlich sehen bei der Verkündigung des Evangeliums.

Erquickst du: Das ist: Die Predigt deines Evangeliums, Herr Jesu Christus, darin allen Gläubigen Vergebung ihrer Sünden angeboten wird, ist gleichsam als ein lieblicher Regen, damit du dein Volk, welches dein Erbteil ist, erquickst, auf dass alle, die an dich glauben, erfrischt werden, nicht anders, als wie die Kräutlein, welche verwelkt sind, durch einen guten Regen wiederum richtig kommen. Also erquickt auch die liebliche Predigt des Evangeliums die verschmachteten und die verzagten Gewissen wiederum.

11. dass deine Tiere darin wohnen können. Gott, du labst die Elenden mit deinen Gütern.

Gütern: Das ist: Du erquickst die Erde durch den heilsamen und frischen Regen des Evangeliums, dass deine Schäflein nicht im Durst der Verzweiflung verschmachten, sondern erhalten werden. Du labst durch deine Barmherzigkeit, welche im Evangelium verkündigt wird, die armen und angefochtenen Gewissen. (Für diesen heilsamen Regen des Evangeliums sollen wir unserem Herrn Jesu Christus von Herzen Dank sagen und gute Früchte bringen, damit nicht die ganz unfruchtbare Erde verflucht und endlich mit dem höllischen Feuer ausgebrannt werde {Hebr 6}.)

12. Der Herr gibt das Wort mit großen Scharen Evangelisten.

Der: Jetzt redet der Prophet etwas klarer und heller von der Ausbreitung des heiligen Evangeliums.

Scharen: Das ist: Es wird Christus eine große Anzahl derjenigen geben, die sein Evangelium verkündigen und dasselbe hin und wieder in der ganzen weiten Welt ausbreiten. (Denn obwohl die Apostel ausgesandt wurden, als die vornehmsten Zeugen alles dessen, was Christus getan und gelitten hat. Jedoch sind den selbigen viele Jünger Christi zugegeben worden, welche auch zugleich das Evangelium Christi gepredigt haben. So sind auch unter denen, welche die Apostel gehört haben, ihrer viele mit vortrefflichen Gaben des Heiligen Geistes geziert worden und haben mit großem Nutzen das Evangelium von Christus weit und breit ausgesprengt, in Maßen der Apostelgeschichte und andere glaubwürdige Kirchenhistorien bezeugen. Also hat auch Gott zu diesen letzten Zeiten aus besonderen Gnaden hin und wieder Leute gegeben, welche das Evangelium von Christus gelehrt habe, unter denen der vornehmste gewesen D. M. Luther. S. Gedächtnis.)

13. Die Könige der Heerscharen sind untereinander Freunde und die Hausehre teilt den Raub aus.

Könige: (Nach Luther) Sind die Apostel, die einträchtig lehren.

Haus-Ehre: (Nach Luther) Das ist die Hausfrau, nämlich die Braut Christi.

Raub aus: Das ist: Die Apostel, welche in der Kirche hier auf der Erde gleich als Könige und Fürsten sind, führen alle unter einem, dem allerhöchsten König Christus, einhellig und einmütig einen geistlichen Krieg, durch die Predigt des Evangeliums, wider die blinde und ungläubige Welt. So genießt auch die Kirche Gottes der Güter und teilt die selbigen aus, welche die Apostel durch die Predigt des Evangeliums mitbringen, nämlich Vergebung der Sünden und Erbschaft des ewigen Lebens. (Es werden aber die Apostel Könige genannt, nicht dass das Predigtamt ein äußerliche Gewalt oder Herrschaft sei, denn diesem falschen Wahn hat Christus widersprochen, da er gesagt: Die Könige dieser Welt herrschen, ihr aber nicht also: sondern um des vortrefflichen geistlichen Amtes willen, welches sie führen. Und dieweil die Apostel allesamt hier Könige genannt werden, so ist es offenbar, dass Petrus nicht ein König aller Könige oder der Fürst und Oberst unter allen Aposteln, sondern mit und neben den anderen in gleichem und nicht höherem Stande, Gewalt und Ansehen gewesen. Es werden auch hierbei alle Prediger des Evangeliums erinnert, dass sie mit einhelligem Herzen das Evangelium Christi ausbreiten und das Reich Christi in gottseliger rechter Einigkeit zu erweitern sich bemühen sollen.)

14. Wenn ihr zu Felde liegt, so glänzt es als der Tauben Flügel, die wie Silber und Gold schimmern.

Felde liegt: Das ist: Wenn ihr Könige die Apostel in einem lustigen und fröhlichen Lande das Lager schlagt.

Silber und Gold: (Nach Luther) Rot und weiß, wie ein Heer von Harnisch und Panieren scheint.

Schimmern: Ein solches Ansehen hat eurer Heerlager. Es sieht aber der Prophet auf die Gleichnisse von einem äußerlichen Heerzug oder Kriegsvolk, da die Wehr und Waffen, besonders wenn die Sonne hineinscheint, glitzern, als wenn im Lager alles lauter Silber und Gold wäre. Gleichwie auch der Tauben Federn, nachdem sie gegen die Sonne gewendet werden, sehr schöne Farben haben, als wenn sie mit Silber und Gold überzogen wären. (Durch die schöne Gestalt des evangelischen Heerlagers versteht der Prophet die Gaben des Heiligen Geistes, davon die Apostel und ihre Nachkommen glänzen, indem sie durch das Predigtamt des Evangeliums einen geistlichen Krieg führen, damit sie viel Leute Christus gewinnen und unter seine Gewalt bringen.)

15. Wenn der Allmächtige hin und wieder unter ihnen Könige setzt, so wird es Hölle, wo es dunkel ist.

Dunkel ist: Das ist: Wenn unser lieber Gott hin und wieder in der Welt die Apostel und andere Prediger des Evangeliums austeilt, alsdann wird alles das, so zuvor dunkel und mit Finsternis der Lehre bedeckt gewesen, durch ihr Predigtamt erleuchtet. (Denn der Menschen Herzen werden durch die Predigt des göttlichen Wortes erleuchtet, dass sie Gott recht erkennen und gottselig leben.)

16. Der Berg Gottes ist ein fruchtbarer Berg, ein groß und fruchtbar Gebirge.

Fruchtbarer Berg: (Denn es hat die christliche Kirche nicht nur das Licht des Evangeliums, sondern ist auch fruchtbar an guten Werken. Deswegen, welcher nicht gute Früchte bringt, der gehört nicht zu der Kirche Gottes.) * (Nach Luther) Auf Hebräisch, fett, das ist gut Land, nicht kahle Berge.

17. Was hüpft ihr großen Gebirge? Gott hat Lust, auf diesem Berge zu wohnen und der Herr bleibt auch immer dort {Ps 114v4}.

Was: Jetzt wendet sich der Prophet zu dem anderen Haufen und redet die abgöttischen Völker an als Ketzer, Juden und Heiden, welche sich gleicher Gestalt den Namen der christlichen Kirche zueignen und streiten, dass sie auch Gottes Volk sind.

Hüpft: Und warum neidet ihr den Berg Gottes? (Denn die Gottlosen lehnen sich auf wider den Berg Gottes, das ist, wider die rechte Kirche und fangen mancherlei dagegen an, ist aber alles vergebens. Und ob sie sich wohl des Namens der christlichen Kirche rühmen, so ist doch Gott mit seiner Gnade und Barmherzigkeit nicht bei ihnen. Er ist aber gegenwärtig bei seiner Kirche, welche sein Wort rein und lauter annimmt und sich der Sakramente nach seiner Einsetzung gebraucht. Solche Kirche wird er nimmermehr verlassen.) * (Nach Luther) Was rühmt, trotzt, pocht ihr auf eure Herrlichkeit.

18. Der Wagen Gottes ist viele tausendmal tausend; der Herr ist unter ihnen im heiligen Sinai.

Der: Nun fährt er weiter fort in Beschreibung des Triumphs Christi, des Siegesfürsten, besonders, wie derselbe gen Himmel aufgefahren.

Tausend: Das ist: Unser Herr Jesus Christus hat mit sich viele tausendmal tausend Engel, die um ihn her gewesen, als er gen Himmel gefahren ist: Wie die Könige, wenn sie in ihrer Majestät in eine Stadt einziehen wollen, eine große Reiterei mit sich haben. Und nichtsdestoweniger wohnt Christus in seiner Kirche, welche gleichsam sein Heiligtum und viel heiliger ist, denn der Berg Sinai war.

19. Du bist in die Höhe gefahren und hast das Gefängnis gefangen; du hast Gaben empfangen für die Menschen, auch die Abtrünnigen, dass Gott der Herr dennoch dort bleiben wird.

Höhe: Nämlich gen Himmel bist du sichtbar aufgefahren, als einer der den Sieg erhalten hat, auf dass du zu erkennen gibst, wie dir alle Gewalt gegeben sei im Himmel und auf Erden und deine Kirche nie verlässt.

Gefangen: Das ist: Du hast als in einem Triumph gefangen hergeführt deine und deiner Kirche Feinde, welche um der Sünden willen deine Auserwählten gefangen hielten {Hebr 2}.

Menschen: Welchen du sie später ausgeteilt hast. Diese Worte legt Paulus von Christus aus {Eph 4} und lehrt damit, dass Christus sei gen Himmel gefahren und habe die Gaben des Heiligen Geistes den Menschen gegeben, damit die christliche Kirche durch der Apostel, Evangelisten, Propheten, Hirten und Lehrer Dienst in wahrer Erkenntnis Gottes und Gottseligem Leben erbaut werden möge. (Weiter aber irren sich diese über die Maßen weit, welche die Himmelfahrt Christi dahin deuten, dass er darum nach seiner Menschheit vor dem Jüngsten Tag hier auf Erde nicht zugegen sei, darum auch sein Leib und Blut uns nicht im Heiligen Abendmahl ausgeteilt werde. Denn eben an dem gemeldeten Ort redet Paulus von der Himmelfahrt Christi also, er ist aufgefahren über alle Himmel, auf dass er alles erfüllt, das ist, auf dass der ganze Christus, nach beiden Naturen, allen Kreaturen gegenwärtig sei und das zwar auf himmlische, uns gleichwohl unerforschliche Weise, aber dennoch gewisslich und wahrhaftig.)

Abtrünnigen: Verstehe, hat er gedämpft.)

Nach Luther: Christus müssen leiden auch seine Feinde.

Bleiben wird: Das ist: Er hat auch seine Gaben über die ausgegossen, welche zuvor das Evangelium widerfochten und seine Kirche verfolgt hatten. (Unter denen auch der Apostel Paulus war.) In welchem er später, als in seinen Tempeln gewohnt hat. (Denn es kann der Herr Christus leicht aus einem Wolf ein Schäflein, ja auch einen getreuen Hirten machen.)

20. Gelobt sei der Herr täglich! Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Sela {Mt 11v29}.

Täglich: Gott den Herrn soll man immer und in allen Dingen loben, er schicke uns Glück oder Unglück zu. Denn damit nicht jemand gedächte, es würde der Kirche Gottes, welche von dem sieghaften Herrn Christus mit so vielen herrlichen Gaben geziert worden, darum nichts Widerwärtiges mehr in dieser Welt begegnen, so wird hier eine Erinnerung vom Kreuz hinzugesetzt.

Hilft uns auch: (Denn ob er wohl seine Kirche mit dem Kreuz beschwert, so mildert er es doch gewisslich auch und hilft der selbigen also, dass sie solche Last ertragen und alle Widerwärtigkeit überwinden mag.)

21. Wir haben einen Gott, der da hilft und den Herrn, der vom Tode errettet.

Hilft: Allen denen, die auf ihn hoffen.

Errettet: Der wahre ewige Gott, unser Herr Jesus Christus, führt die Seinen aus dem Tode in das ewige Leben {Joh 5 10}. (Dies soll auch unseres Herzen Trost sein in sonst beschwerlichem Kreuz.)

22. Aber Gott wird den Kopf seiner Feinde zerschmeißen samt ihrem Haarschädel, die da fortfahren in ihrer Sünde.

Zerschmeißen: Das ist: Gott wird seine Feinde jämmerlich umbringen, welche nicht Buße tun, sondern in ihren Sünden und in Verfolgung der christlichen Kirche immer fortfahren. (Denn obwohl der Sohn Gottes seine Kirche hier auf Erden eine Zeit lang geplagt werde, so werden doch seine Feinde deshalb nicht immer ungestraft bleiben.)

Haarschädel: (Nach Luther) Das Königreich und Priestertum der Juden, darum, dass sie bleiben im Unglauben.

23. Doch spricht der Herr: Ich will unter den Fetten etliche holen; aus der Tiefe des Meers will ich etliche holen.

Fetten: Das ist: Es hat Christus einmal beschlossen, dass er auch etliche aus den Mächtigen und Hochangesehenen in dieser Welt zu der rechten Religion bekehren wolle, ob es gleich mit ihnen das Ansehen hat, dass sie in Aberglauben und Heuchelei als in der Tiefe des Meeres ersoffen sind. (Dies ist erfüllt worden, da auch etliche aus den Priestern gläubig und zu Christus bekehrt wurden {Apg 6}. Und da später Fürsten und Könige, ja auch etliche Kaiser und andere vortreffliche Leute den Glauben an Christus angenommen haben. Es wird auch heutigentags erfüllt, wenn große Herren sich zu der reinen Lehre des Evangeliums begeben und eine christliche Reformation in ihren Herrschaften anstellen.) * (Nach Luther) Aus dem Volk Israel, des Reich herrlich war von Gottes wegen.

24. Darum wird dein Fuß in der Feinde Blut gefärbt werden und deine Hunde werden es lecken.

Darum: Nun kommt der Prophet wieder auf die, welche Feinde Christi bleiben werden.

Lecken: Das Blut deiner Feinde. (Durch diese Gleichnisse wird der geistliche Sieg des Herrn Christi bedeutet, da er nämlich mit dem Schwert des Wortes Gottes die Feinde zu Boden schlägt, dass diejenigen, so sich ihm zuvor widersetzt haben, jetzt nicht mehr widerspenstig sind. Also haben die Apostel gekriegt und wider die halsstarrige Welt mit dem Wort des Evangeliums gestritten, haben aber ihre Zuhörer nicht dahin gewiesen, dass sie wider ihre Obrigkeit zur Waffe greifen sollten, wie die Schwärmer und Rottengeister tun.)

25. Man sieht, Gott, wie du einher ziehst, wie du, mein Gott und König, einher ziehst im Heiligtum.

A Einher ziehst) Das ist: Du unser König und Gott, Jesu Christus, wirst immer in deiner Kirche triumphieren und werden die Christen dich sehen mit Freuden daherkommen, von dem erhaltenen geistlichen Sieg und eingehen mit großer Herrlichkeit in das Heiligtum, wie die Bürgermeister zu Rom, wenn sie einen Sieg erhalten, mit herrlichem Triumph in das Kapitol eingezogen sind. (Denn ob sich wohl solche äußerliche Spektakel in der Kirche nicht begeben, so schauen doch die Gottseligen mit den Augen des Glaubens die Majestät und Herrlichkeit Christi, wie der an seinen Feinden gesiegt und sie unter seine Gewalt gebracht hat und verwundern sich darüber, dass die, so kurz zuvor sich Christus widersetzt, jetzt durch das Wort des Evangeliums überwunden, sich ihm untergeben.)

26. Die Sänger gehen vorher, danach die Spielleute unter den Mägden, die da pauken.

Sänger: Das sind die Apostel und andere, welche bei dem Feldherren Christus in solchem Kriege treulich und redlich gehalten haben, die ziehen in solchem Triumph und Gepränge oder Herrlichkeit daher.

Pauken: Denn mit solchem Gepränge ist es bei den Israeliten zugegangen, wenn sie Gott den Herrn für einen verliehenen Sieg gelobt und gepriesen haben. (Also pflegt auch die Kirche Gottes ihren Herrn zu loben, dass er nicht allein viel unter sein Reich bringt, sondern auch der Tyrannen unrechtmäßigen Gewalt zerstört und sie verderbe.)

27. Lobt Gott den Herrn in den Versammlungen für den Brunn Israels.

Lobt: Jetzt erinnert der Heilige Geist die Kirche, dass sie Christus den Herrn mit Freuden loben und preisen sollen.

Brunn Israel: Das ist: Ihr sollt ihn loben nach Anweisung des Wortes Gottes und es nicht aus eurem eigenen Hirn spinnen. (Denn welche etwas anderes von Christus vorbringen, das in der Heiligen Schrift nicht gegründet ist, die loben Christus nicht, sondern lästern ihn.) * (Nach Luther) Das ist: Für das Reich Christi, das angefangen hat, quillt und wächst.

28. Da herrscht unter ihnen der kleine Benjamin, die Fürsten Judas mit ihren Haufen, die Fürsten Sebulons, die Fürsten Naphthalis.

Da: Nämlich in dem Gepränge. Denn es fährt der Prophet weiter fort in Beschreibung des herrlichen Einzugs nach erlangtem Sieg. Es war aber ein Brauch, dass sich um den Feldherren, welcher seinen Triumph hielt, finden ließen die Obersten und Hauptleute, welche bei ihm treu gehalten hatten. Deswegen wirst du nun sehen die Apostel, wie sie ihren König Christus in den Triumph begleiten.

Kleine Ben Jamin: Das ist: Unter den tapferen Hauptleuten und Helden hat der Apostel Paulus den Vorzug, welcher aus dem Stamm Ben Jamin geboren ist, wie Phil. 3. zu sehen. Der wird der Kleine, das ist, ein Jüngling genannt, zum Teil, weil er noch ein Jüngling war, als er mit Lust zusah, da man Stephanus steinigte {Apg 7} und bald später zu Christus bekehrt wurde {Apg 9} zum Teil, dass er von Leib auch klein und schwach war, wie 2. Kor. 10. zu sehen. Es wird aber der Apostel Paulus nicht unrecht vorne angesetzt. Denn er hat in Ausbreitung des Evangeliums mehr gearbeitet als die anderen {Apg 1Kor 15}. Hat auch mehr Anfechtungen um Christi willen erduldet {2Kor 11}. Er hat auch mit seinen Schriften sich um die Kirche Gottes mehr denn andere Apostel wohl verdient. (Daraus wir sehen, in was Ansehen der Apostel Paulus bei uns sein soll, welchen der Heilige Geist in diesem Psalm den anderen Aposteln vorzieht.)

Fürsten Juda: Nun folgen die anderen Apostel später und ziehen auch daher in diesem Gepränge. Als da sind Jakobus und Johannes, des Herrn Christi Blutsverwandte. Denn Christus ist nach seiner Menschheit aus dem Stamm Juda geboren.

Haufen: Das ist: Mit denen, welche sie Christus gewonnen haben.

Naphthalis: Das sind die anderen Apostel, welche, wie man es davor hält, aus diesen Stämmen hergekommen sind und auch in diesem Gepränge gesehen werden.

29. Dein Gott hat dein Reich aufgerichtet. Dasselbe wollest du, Gott, uns stärken; denn es ist dein Werk.

Aufgerichtet: Das ist: Gott der Vater hat versprochen, dass er dein Reich zu großem Ansehen befördern wolle.

Stärken: Du Herr Jesu Christus wollest Stärke, Kraft und Fortgang geben, damit das Evangelium, welches wir auf deinen Befehl durch Antreibung deines Heiligen Geistes predigen und verkündigen, glücklich und wohl vonstattengehe. (Denn es ist nicht genug, dass die Predigt des Evangeliums tapfer angefangen werde, wo man es nicht auch beständig forttreibt und wo Gott nicht das Gedeihen zu der Apostel und anderer Kirchendiener Arbeit geben würde, darum bitten die Apostel ihren König Christus, dass er das wohl angefangene Werk auch bestätigen und vollstrecken wolle.)

30. Um deines Tempels willen zu Jerusalem werden dir die Könige Geschenke zuführen.

Zu Jerusalem: Da das Evangelium ausgegangen ist.

Zuführen: Nämlich dir Christus, so du deinen Segen zu dem Predigtamt des Evangeliums verleihen wirst. (Denn im Tempel zu Jerusalem haben Christus und die Apostel das Evangelium gepredigt, wie die Historien der Evangelisten und Apostelgeschichte bezeugen. Aber den hellschleichenden Geistern, welche das Licht scheuen und in Winkeln predigen, auch ihres Glaubens Bekenntnis nicht öffentlich an den Tag geben wollen, soll man nicht Gehör geben. Danach so bringen die Könige dem Herrn Christus alsdann Geschenke, wenn sie keine Kosten sparen, damit das Evangelium Christi befördert und hin und wieder weit ausgebreitet werde, auch anderes tun, was zur Erhaltung der Kirche und des Predigtamts notwendig ist.)

31. Schilt das Tier im Rohr, die Rotte der Ochsen unter ihren Kälbern, die da zertreten um Geldes willen. Er zerstreut die Völker, die da gerne kriegen.

Tiere: (Nach Luther) Falsche Lehrer mit ihren Haufen.

Ihren Kälbern: (Nach Luther) Das ist: Unter ihrem Volk.

Zertreten) (Nach Luther) Wie die Hengste das Wasser zertreten und trübe machen, dass es nicht zu trinken ist, also zertreten und machen trübe die Schrift alle Rottengeister.

Geldes willen: Das ist: O Herr Jesu Christus, du Sohn Gottes, widersetze dich und widerstehe den bösen wilden Tieren, den Heuchlern und den Ketzern, welche die rechte reine Lehre verfälschen und mit ihrem Zertreten und Trampeln gleichsam das Wasser trübe machen. Dass sich der Menschen Herzen aus deinem Wort nicht recht und wahrhaftig können erquicken und erlaben. Solche Verfälscher der rechten reinen Lehre liegen oft verborgen, wie ein Tier in Rohren, bemänteln ihren Irrtum und sagen nicht frei heraus, wie sie es im Herzen haben und zertreten doch daneben mit ihren Lästerungen den rechten Verstand des Wortes Gottes. Das alles tun sie um des Geizes und eigenen Nutzes willen. (Hier hat fein abgemalt die Ketzer, Sektierer und die heuchlerischen Katholiken. Ich rede aber hier von denen, die anderen Vorstehen und lehren. Denn diese machen die heilsame Lehre des Evangeliums mit schändlicher Schmach und Lästerworten trüb und erhoffen, sie wollen dadurch diejenigen vom selbigen abtreiben, welche nach der reinen göttlichen Lehre durstig sind. Das tun sie aber darum, damit sie ihr jährliches Einkommen und feisten Pfründe behalten mögen. Und solche Ketzer sind schwerlich und mit großer Mühe aus den Rohren, darin sie sich versteckt, hervor und ans Licht zu bringen, dass sie endlich frei heraus sagen, was sie meinen. Solche Gesellen sind die Zwinglianer und ihresgleichen schädliche Sekten in der Kirche Gottes. Wider alle diese, welche den heilsamen Frieden in der Kirche Gottes zertrennen, beten die Apostel.)

Gerne kriegen: Der Sohn Gottes macht die zuschanden, welche seiner Kirchen irremachen. (Solche Leute, welche die Kirche verwirren, werden zu seiner Zeit finden, dass dies Gebet nicht leer abgegangen ist.)

32. Die Fürsten aus Ägypten werden kommen, Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott.

Die: Jetzt fährt der Prophet weiter fort und weissagt von dem glücklichen Fortgang des Evangeliums.

Fürsten: Das ist: Reiche gewaltige Leute.

Ausstrecken: Das ist: Die Ägypter und Mohren werden zu Christus bekehrt werden. (Dies ist damals erfüllt worden, als in Ägypten, besonders zu Alexandria, weitberühmte Kirche angerichtet wurde, wie Eusebius im 2. Buch, Kapitel 16. und anderen Orten bezeugt, also da der Kämmerer der Königin Candaces in Morgenland vom Apostel Philippus das Evangelium Christi gelernt hat, auch dasselbe mit sich in Morgenland gebracht {Apg 8}.)

33. Ihr Königreiche auf der Erde, singt Gott, lobsingt dem Herrn, Sela,

Ihr: Damit nicht jemand gedächte, es würde das Evangelium Christi allein in Ägypten und Mohrenland kommen, so setzt er hinzu, wie es gewisslich geschehen werde, dass auch andere Königreiche und Länder auf dem weiten Erdboden unseren Herren und Gott Jesum Christus erkennen und ihn mit Psalmen und Lobgesängen preisen werden.

34. dem, der da fährt im Himmel überall von Anbeginn. Siehe, er wird seinem Donner Kraft geben.

Donner: (Nach Luther) Seiner Predigt.

Kraft geben: Das ist: Lobt Christus, welcher gleichsam in den Wolken daher fährt und nach seinem alten Brauch donnert: Er donnert aber jetzt und mit einem himmlischen Strahl und Donnerstreich, nämlich durch die Predigt seines Evangeliums, welches da ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle die, so daran glauben. (Denn die Macht und Herrlichkeit des heiligen Evangelium, welches alle Abgötterei der Heiden und alles heuchlerische Vertrauen auf eigene Werke und Verdienst zu Boden schlägt, wird nicht übel einem Donnerstreich verglichen: Daher auch Christus seine beiden Apostel, Johannes und Jacobus, Donnerskinder genannt hat {Mk 3}.)

35. Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist in Israel und seine Macht in den Wolken.

Gott: Dem Herrn Jesu Christus.

In Israel: In seiner Kirche erzeigt und beweist er seine große Majestät und Herrlichkeit.

Macht: (Nach Luther) Das ist: Das Reich lässt ihn Herr sein {Mt 6v13}.

Wolken: Das ist: Er hat große Gewalt und göttliche Macht, ja Allmacht im Himmel und auf der Erde {Mt 28}. (Deswegen sollen wir die Macht unseres Königs Christi erkennen, welche er daran erzeigt, dass er seine Kirche wunderlich erhält und sollen daraus lernen ihm vertrauen.)

36. Gott ist wundersam in seinem Heiligtum. Er ist Gott Israels; er wird dem Volk Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott!

Wundersam: Das ist: Er schafft wunderbare und schreckliche Ding in seiner Kirche, also dass die, welche der selbigen zuwider sind, sich stoßen und schrecklich fallen.

Gott Israel: Das ist: Jesus Christus ist der rechte Bräutigam seiner Kirche. (Denn heutigentags sind die Christen die rechten Israeliten.)

Volk: Nämlich seinen Christen.

Kraft geben: Dass sie alle Widerwärtigkeit überwinden mögen. (Denn durch die göttliche Kraft, welche wir von Christus haben, über windet die Kirche Gottes, dass sie keine Kreatur mag scheiden von der Liebe Gottes, welche ist in Christus Jesu unserem Herrn {Röm 8}.)

Sei Gott: Unser Herr Jesus Christus. (Denn ihm als unserem einigen Erlöser sollen wir von Herzen danksagen in alle Ewigkeit.)


Der 69. Psalm


1. Es klagt der Herr Christus in diesem Psalm über sein großes und bitteres Leiden, auch über die bösen und giftigen Juden und bittet, dass ihm Gott helfen und ihn herausreißen wolle. Danach spricht er über die verstockten Juden allerlei schreckliche Flüche aus. Und endlich verheißt er, dass er sich gegen den Himmlischen Vater dankbar zu erzeigen und seinen Namen zu preisen bedacht sei. Und fängt also bald an, Gott den Vater zu loben, als der weder ihn noch seine Kirche niemals verlasse. Diesen Psalm können auch wir nützlich gebrauchen, nicht allein zu Stärkung unserer christlichen Religion und Lehre, sondern auch unseren Glauben, Vergebung der Sünden, welche uns Christus durch sein Leiden erworben hat, damit zu bewahren. Denn dass dieser Psalm von Christus lautet, bezeugen viele Verse, welche im Neuen Testament auf Christus angezogen werden, wie wir an seinem Ort hören wollen.

1. Ein Psalm Davids von den Rosen, vorzusingen.

Rosen: Das ist: Auf einem Instrument zu spielen und hinein zu singen, welches von den Rosen den Namen hat. Was es aber für eine Gestalt damit gehabt, ist jetziger Zeit unbekannt.

2. Gott, hilf mir; denn das Wasser geht mir bis an die Seele.

Hilf mir: O du himmlischer Vater, erhalte und errette mich.

Seele: Die Anfechtungen (welche durch das Wasser verstanden werden) sind auf das allerhöchste gekommen, also dass ich in Gefahr meines Leibes und Lebens stehe.

3. Ich versinke in tiefem Schlamm, da kein Grund ist; ich bin im tiefen Wasser und die Flut will mich ersäufen {Ps 40v3}.

Grund ist: Ich kann nirgends stehenbleiben, sondern falle immer tiefer hinein und kann keinen Grund finden.

Ersäufen: Es hat mich großer Unfall umgeben, meine Sache wird je länger je ärger, eben als wenn einer je mehr und mehr in einen tiefen Schlamm sinkt. Ja ich bin in solcher Gefahr Sterbens und Verderbens halben, nicht anders, als wenn ich in ein tiefes Wasser oder Fluss gefallen wäre, da ich das Gestade nicht erreichen könnte. (In solcher Angst haben Christus unsere Sünden gebracht, welche wir oftmals gering achten und nur für einen Schimpf oder Scherz anziehen.)

4. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heisch; das Gesicht vergeht mir, dass ich so lange muss harren auf meinen Gott.

Heisch: Von solchem stetigen Schreien.

Vergeht: So ganz verschmachtet sind alle meine Kräfte an Leib und Seele.

Meinen Gott: Den ich so herzlich anrufe und spüre doch so gar keine Hilfe. (Das hat Christus erfahren wollen, als er in Knechtsgestalt und im Stand seiner Erniedrigung war {Phil 2}. Auf dass er könnte Mitleiden haben mit denen, die versucht werden {Hebr 2}. Hieraus sollen diejenigen Trost schöpfen, welche in ihren Ängsten zu Gott schreien und doch nicht bald Trost und Hilfe finden. Denn sie werden von Gott nicht verlassen werden, wie auch Christus nicht ist verlassen worden.)

5. Die mich ohne Ursache hassen, der ist mehr, denn ich Haare auf dem Haupt habe. Die mir unbillig feind sind und mich verderben, sind mächtig. Ich muss bezahlen, dass ich nicht geraubt habe.

Ohne Ursache: Denn ich meinen Feinden nicht allein kein Leid getan, sondern ihnen auch viele Guttaten erzeigt und mich wohl um sie verdient habe. (Diesen Spruch zieht Christus auf sich selber an {Joh 15}. Da er spricht, dass erfüllt werde der Spruch in ihrem Gesetz geschrieben. Sie hassen mich ohne Ursache. So aber Christus, welcher Gutes um das menschliche Geschlecht verdient hat, ohne Ursache gehasst wird, sollen wir denken, dass der Jünger nicht über seinen Meister sei. Und da uns eben solches auch begegnet, sollen wir nicht ungeduldig darüber sein. Denn es ist viel besser, dass wir um Wohltaten, als um Übeltaten willen leiden {1Petr 4}.)

Nicht geraubt: Ich habe für meine Person nichts gesündigt, sondern ich büße fremde Sünden und bezahle fremde Schulden. (Denn es hat Christus der ganzen Welt Sünden gebüßt {Joh 1v2}. Auf dass alle, die an ihn glauben, Vergebung aller ihrer Sünden empfangen {Apg 10} und nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben {Joh 3}.)

6. Gott, du weißt meine Torheit und meine Schulden sind dir nicht verborgen.

Torheit: Das ist: Meine Sünde und Laster. Denn in der Heiligen Schrift werden Sünde und Laster Torheit genannt, wie 2. Sam. 13. und 1. Mose 34. zu sehen. Daher auch gottlose Leute hin und wieder in der Schrift Narren genannt werden, besonders in den Sprichwörtern Salomons.

Nicht verborgen: Das ist: Himmlischer Vater, ich erkenne vor dir, dass ich viele und große Sünde und Laster auf mir habe. (Es hat aber Christus für sich selbst zwar nie keine Sünde getan und ist kein Betrug in seinem Munde erfunden worden {1Petr 2}. Dieweil aber der Herr all unsere Sünde auf ihn geworfen hat {Jes 53} und er das Lämmlein Gottes ist, welches der ganzen Welt Sünde trägt {Joh 1} so sind ihm unsere Sünden zugerechnet worden, als ob er selber sie begangen hätte. Darum ist er auch um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen und durch seine Wunde sind wir heil geworden, wie Jesajas am gemeldeten Ort sagt. Wie aber ihm unsere Sünden sind zugerechnet worden. Also wird hinwiederum uns, so wir an ihn glauben, sein Verdienst zugerechnet zur Gerechtigkeit {Röm 5 1Kor 1}.)

7. Lass nicht zuschanden werden an mir, die dein harren, Herr, Herr Zebaoth! Lass nicht schamrot werden an mir, die dich suchen, Gott Israels!

Lass: Nun bittet Christus für die, welche an ihn glauben, dass sie selig werden.

Zebaoth: Das ist: Der Heerscharen, welchem alle Kreaturen dienen und gleichsam unter ihm zu Felde liegen.

Dich suchen: Das ist: Lieber himmlischer Vater, gib und verschaff du, dass alle, die da Buße tun, auf deine Barmherzigkeit hoffen und an mich ihren Mittler und Seligmacher glauben, nicht zuschanden noch zu Spott werden, sondern dass sie in Kraft meines Verdienstes, durch den Glauben an mich, das ewige Leben erlangen, damit nicht ihre Hoffnung, welche sie auf mich, ihren Messias, gesetzt, vergebens sei. (Es ist aber gar kein Zweifel, solche Gebete Christi, welche er für uns getan, seien erhört worden. Eben desgleichen, doch mit anderen Worten, hat er auch kurz vor seinem Leiden gebetet {Joh 17}, da er sagt: Vater ich will, dass wo ich bin, auch die bei mir sind, die du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast.)

8. Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande.

Voller Schande: Solches Elend und Schmach leide ich, nicht dass ich etwas dergleichen verdient hätte, sondern dieweil ich deines Namens Ehre rette und die göttliche Lehre, welche die Pharisäer gefälscht haben, wieder reinige und säubere, auch den rechten Gottesdienst anrichte und zurechtbringe. Der Ursache wegen sind die Juden über mich erzürnt und verfolgen mich.

9. Ich bin fremd geworden meinen Brüdern und unbekannt meiner Mutter Kindern.

Mutter Kinder: Das ist: Die Juden, welcher Verwandter ich bin nach dem Fleisch, sind mir ganz feind geworden und halten mich für keinen Bruder mehr, sondern für einen Fremdling, ja für einen Feind.

10. Denn ich eifere mich schier zu Tod um dein Haus; und die Schmach derer, die dich schmähen, fallen auf mich {Joh 2v17 Röm 15v3}.

Dein Haus: Das ist: Dieweil ich mich um des rechten Gottesdienstes willen, welcher in deinem Tempel im Schwange gehen soll, so sehr kränke, dieweil ich auch sehe, wie der selbigen mit so mancherlei Heuchelei, Aberglauben und Geiz vielfältig befleckt ist, das nagt mir mein Herz ab. Denn als Christus sah, dass solche Dinge im Tempel zu Jerusalem vorgefallen, hat er sich aus gerechtem Eifer sich nicht enthalten können, dass er die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel hinaustrieb und der Wechsler Tische umstieß. Und das hat er zum anderen Mal getan {Joh 2 Lk 19}. Es haben auch die Jünger selber verstanden, dass zur selbigen Zeit diese Worte der Psalmen sind erfüllt worden, wie Johannis Kapitel 2. meldet. Denn aller Gottesdienst war damals von den Priestern und Pharisäern auf Heuchelei und Geiz gerichtet war. (Es gebührt aber nicht einem jeden solche gewaltige Reformation, diesem besonderen Beispiel Christi nach, in der Kirche vorzunehmen, sondern ein jeder bedenke seinen Beruf, dass er nicht das Ziel überschreite.)

Auf mich: Das ist: Eben der Ursache wegen, dass mir deines Namens Ehre angelegen gewesen und ich die Verfälschung der Religion nicht gerecht oder gut heißen können, darum lästern die Juden nicht allein dich, sondern auch mich und nennen mich einen falschen Propheten, einen Verführer, einen Aufrührer, der mit dem Teufel besessen sei. (Denn die Heuchler oft diejenigen, welche die Religion wieder aufrichten und zurechtbringen, mit giftigen falschen Auflagen, oftmals aber auch mit bewaffneter Hand, angreifen.)

11. Und ich weine und faste bitterlich; und man spottet mein dazu.

Bitterlich: Ich hab getrauert (Deswegen ich auch geweint und gefastet) und Leid getragen über der Blindheit und bevorstehendem Verderben der Juden, denn zur selbigen Zeit, wenn sie getrauert oder Leid getragen, haben sie auch gefastet.

Spottet: So haben sie sich dadurch nicht gebessert oder Buße getan, dass sie mich auch verlacht haben und doch mit beschwerlicheren und größeren Lästerungen zugeworfen.

12. Ich hab einen Sack angezogen; aber sie treiben das Gespött daraus.

Angezogen: Ich bin jämmerlich einhergegangen, darum dass ich über ihrem Verderben, welches ich zuvor gesehen, ein Mitleiden gehabt. Dies ist besonders erfüllt worden, da Christus über die Stadt Jerusalem geweint hat {Lk 19}. (Denn Gott hat nicht Lust an den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe {Hes 18}.)

Gespött: Da ich mir ihr Heil und Wohlfahrt mit Seufzen und so herzlich hab lassen angelegen sein, machen sie Sprichwörter von mir und stechen auf mich mit ganz giftigen Schmachreden.

13. Die im Tor sitzen, waschen von mir und in den Zechen singt man von mir {Hi 30v9}

Tor sitzen: Es reden mir auch die schändlich und schimpflich nach, welche an freien und öffentlichen Orten als auf dem Rat- oder Richthaus allgemeiner Geschäfte halben zusammengekommen sind. Denn im jüdischen Lande hat man die Sachen unter dem Tor verhandelt, als wie bei uns auf dem Rathaus geschieht. dort spricht Christus, haben sie mich schändlich in ihren Gesprächen her durchgehen lassen.

Zechen: Die tollen Brüder haben in ihren Zechen spöttische und schändliche Liedlein von mir gesungen. So viel hat sie meine Weissagung von ihrem Verderben oder Untergang und meine mehr denn väterliche Fürsorge angefochten. (Obwohl man aber dem Buchstaben nach von diesem letzten Stücklein nichts liest in der evangelischen Historie, so ist doch daneben dies wahr, dass der mehrere Teil unter den Juden die Weissagung Christi von der Juden Untergang ganz höhnisch verlacht haben. Denn dies ist der Welt allgemeiner Brauch, dass sie treuherziger Kirchendiener Warnungen vor bevorstehendem Unfall verhöhnt und verspotteten. Solche Spötter hat auch der Prophet Jesaja K. 28. gehabt.)

14. Ich aber bete, Herr, zu dir zur angenehmen Zeit. Gott, durch deine große Güte, erhöre mich mit deiner treuen Hilfe!

Bete: Denn ich schände und schmähe sie nicht wiederum, sondern bete dagegen und klage dir solche erlittene Schmach und Unbilligkeit, bitte auch, du wollest mich von solchen gottlosen Leuten erlösen und meine Ehre retten.

Angenehmen: Wenn ich weiß, dass die gelegenste Zeit sei, dich anzurufen. (Obwohl aber zu einem gottseligen gläubigen Gebet alle und jede Zeit gelegen und bequem ist, jedoch, so ist das die gelegenste Zeit zu beten und alsdann ist das Gebet am angenehmsten, wenn wir in großen Ängsten stecken, wie im 51. Psalm steht. Die Opfer, so Gott gefallen, sind ein geängstigter Geist.)

Treuen Hilfe: Denn ich weiß, dass du ein barmherziger milder Vater bist, darum so stehe mir bei nach deiner Liebe, die du gegen den Elenden trägst. (Da aber hier der Herr Christus allein der Barmherzigkeit Gottes Meldung tut und keines Verdienstes, welcher sich doch seines gerechten Verdienstes wohl hätte zu rühmen gehabt. Wie vielmehr gebührt uns, dass unser Gebet allein auf Gottes Barmherzigkeit und nicht auf eigenen Verdienst gegründet sei.)

15. Errette mich aus dem Kot, dass ich nicht versinke, dass ich errettet werde von meinen Hassern und aus dem tiefen Wasser,

Kot: Aus dem Schlamm der schweren Anfechtungen, dass ich darin nicht versinke oder verderbe.

Wasser: Errette mich von der äußersten Gefahr.

16. dass mich die Wasserflut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge und das Loch der Grube nicht über mir zusammengehe.

Tiefe: Es heißt aber hier Wasser und Tiefe, die große Anfechtung und Not, besonders da uns bedünkt, wir werden niemals daraus entgehen oder entrinnen mögen.

Zusammengehe: Als wollte er sprechen: Ich will zwar um der Erlösung des menschlichen Geschlechts willen in die Gruben des Todes und der Hölle hinabsteigen. Aber ich bitte, dass ich im Tode und in der Hölle nicht behalten werde, sondern dass ich wiederum aus dem Tode ins Leben und aus der Hölle in den Himmel eingehen möge. (Also gebührt auch allen Frommen zu bitten, nicht dass sie in keine Gefahr kommen, sondern dass sie nicht darin verderben.)

17. Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich; Wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

Erhöre mich: Wenn ich also bete, dass ich im Tode und in der Hölle nicht verderbe.

Tröstlich: Ich weiß, dass du ein solcher gnädiger Gott bist, der sich angefochtener Leute Elend muss zu Herzen gehen lassen.

Zu mir: Komm mir gnädig und väterlich zu Hilfe. (Denn wenn Gott, der die Barmherzigkeit selber ist, seine Gnade und Barmherzigkeit gemahnt wird, kann er es nicht lassen, dass er nicht zu gelegener Zeit denen, die ihn aus Glauben anrufen, zu Hilfe komme.)

18. und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte; denn mir ist angst; erhöre mich eilend!

Nicht: Tue nicht immer dergleichen, als ob du mein Anliegen nicht siehst, sondern hilf mir.

Eilend: (Obwohl uns aber nicht gebühren will, dass wir unserem Herrn und Gott eine gewisse Zeit zu helfen vorschreiben sollen. So dürfen wir dennoch wohl bitten, dass er seine Hilfe befördern wolle.)

19. Mache dich zu meiner Seele und erlöse sie; erlöse mich um meiner Feinde willen!

Seele: Habe mein Leben in Acht und erlöse mich, dass ich nicht im Tode verderbe.

Feinde willen: Dass sie nicht dich und mich trotzen, wenn sie sehen sollten (Welches doch nicht geschehen wird) dass ich im Grabe gelassen würde. (Gleicher Gestalt fürchten bisweilen die Frommen auch, dass die Feinde, wenn sie ganz sollten Oberhand gewinnen, die Kirche Gottes trotzen möchten. Darum bitten sie nicht unrecht, dass Gott seinen Feinden keine solche Freude machen wolle.)

20. Du weißt meine Schmach, Schande und Scham; meine Widersacher sind alle vor dir.

Schmach: Wie giftig sie mir vorwerfen, dass ich mich fälschlich für den Sohn Gottes ausgeben habe.

Schande: Wie sie mich an das Kreuz geheftet und den allerschändlichsten Tod antun.

Scham: Welche dir auch unverborgen ist, da sie mich beschämen, in dem sie mich verlästern und sprechen: Ist er Gottes Sohn, so steige er vom Kreuz. Also er hat anderen geholfen und kann sich selbst nicht helfen.

Vor dir: Du siehst, wie viele, wie mächtige und wie grimmige Feinde ich habe, darum erhöre mich und hilf mir.

21. Die Schmach bricht mir mein Herz und kränkt mich. Ich warte, ob es jemand jammerte, aber da ist niemand; und auf Tröster, aber ich finde keine.

Bricht: Es möcht mir das Herz im Leib über meine Schmach zerbrechen. (Denn Christus ist nicht ein Stock oder Block gewesen, der solche Schmachreden ohne großes Herzeleid hätte hören können. Er hat aber auch erfahren wollen, wie wehe solches Gespött tue, auf dass er könnte Mitleiden haben mit denen, so dergleichen giftige Stichreden leiden müssen.)

Niemand: Der Mitleid mit mir hätte in solchem Elend.

Tröster: Die mich, als ich am Kreuz gehangen, trösteten.

Keine: (Denn obwohl Maria und Johannes unterm Kreuz, auch andere seiner Freunde und Bekannten so von ferne gestanden, ein herzlich Mitleiden mit Christus, da er am Kreuz gehangen, gehabt, so haben sie ihn doch nicht trösten dürfen. Unter den anderen Juden (von welchen Christus hier besonders redet) ist niemand gewesen, den es gejammert. Ist deswegen Christus von allen Menschen verlassen worden, auf dass er allein und einzig für den Erlöser des menschlichen Geschlechts erkannt würde. Es hat aber auch mit den Christen, die um des Namens Christi willen verfolgt und gemartert werden, schier niemand kein Mitleid.)

22. Und sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken in meinem großen Durst.

Durst: Als wollte er sprechen, also ganz hat niemand kein Mitleiden mit mir, dass sie mir auch in meinem bitteren Leiden, meinen Jammer und Schmerzen noch größer gemacht haben. Denn da sie mich sollten mit einem guten Trunk, in meinem Herzeleid und größten Leibes Schmerzen erquickt und erlabt haben, wie man sonst pflegt gegen denen zu tun, welche vom Leben zum Tod gerichtet sollen werden, da haben sie Galle und Essig vermischt und mir zu trinken dargereicht. Wie solches an Christus, da er am Kreuz gehangen, erfüllt worden, bezeugt Matthäus Kapitel 27. (Hiermit aber hat Christus büßen und genug tun wollen für diejenigen, so sich mit Wein überfüllen. Es wollte auch die Welt fromme Kirchendiener lieber mit Essig und Galle als mit gutem kräftigen Wein tränken.

23. Ihr Tisch müsse vor ihnen zum Strick werden, zur Vergeltung und zu einer Falle {Röm 11v9}!

Ihr: Jetzt spricht der Herr Christus weiter schreckliche Flüche aus über die Juden, von welchen er wusste, dass sie sich niemals bekehren würden. Es haben sich auch später solche Flüche in der Tat erzeigt, wie sich noch heutigentags ebenmäßig befindet. (Einem Christen aber gebührt der allgemeinen Regel nach nicht, dass er seinen Feinden Übles wünsche: Denn uns hat Christus gesagt, bittet für die, welche euch verfluchen {Mt 5}. Diese Regel sollen wir in Acht nehmen, wo wir nicht aus sonderlichem Antrieb des Heiligen Geistes und nicht aus fleischlicher Zuneigung anderen Übles wünschen und zu fluchen bewegt werden. Alsdann sind solche Flüche nicht ein fleischlicher Mutwille, sondern Weissagungen von der Feinde künftigem Verderben.) * (Nach Luther) Das ist: Ihre Predigt und Lehre, damit sie sich meinen zu speisen.

Falle: Das ist: Verschaffe du o himmlischer Vater, dass die Juden, wenn sie gleich über die Schriften der Propheten, als über einen Tisch (der mit köstlichen und heilsamen Trachten oder Gerichten, die Seele damit zu speisen, zugerichtet wären) kommen, sie doch bei diesem Tisch nicht erquickt oder erlabt, sondern vielmehr als in einem Garn verwickelt und wie ein Wild zu ihrem Verderben gefangen werden, dass sie nicht wissen mögen, was sie glauben und womit sie umgehen in ihren Herzen oder welchen Weg zur Seligkeit sie an die Hand nehmen sollen. Gib auch, dass das Wort Gottes, sie lesen es gleich oder hören es, ihnen zur Wiedervergeltung, das ist zu desto größerer Strafe und zum Gericht diene. Also dass, wenn sie Gottes Wort gehört, sie sich keiner Unwissenheit zu entschuldigen haben und desto schwerere Verdammnis verdienen. Verleihe, dass sie sich an der Heiligen Schrift, als an einem Stein stoßen und daraus nicht zu ihrem Heil erbaut werden, sondern zu Boden fallen ins ewige Verderben. (Denn der Tisch der Heiligen Schrift, welcher den Auserwählten ganz heilsam ist, der dient den Verstockten und verkehrten zu ihrem Verderben.)

24. Ihre Augen müssen finster werden, dass sie nicht sehen; und ihre Lenden lass immer wanken!

Finster werden: Dass sie verblendete Augen ihres Herzen haben, damit sie das selig machende Licht des Evangeliums nicht annehmen.

Wanken: Dass sie in ihrem Tun nicht mehr aufrichtig und recht einhergehen, sondern hinken, wanken und schwanken wie kraftlose Leute und dass sie nirgends einen glücklichen Fortgang haben oder an einem gewissen Ort beständig bleiben, sondern alle ihre Ratschläge ihnen fehlen und all ihr Tun den Krebsgang gewinne.

25. gieß deine Ungnade auf sie und dein grimmiger Zorn ergreife sie!

Gieß: Mit großem Gewalt wie ein starker Platzregen und lass nicht nur auf sie tröpfeln.

Ergreife sie: Dass sie deiner schrecklichen Strafe nicht entrinnen mögen. Und zwar so hätte sie freilich der Zorn Gottes ergriffen, da sie in der Stadt Jerusalem von dem römischen Kriegsvolk belagert und die Stadt erobert worden.

26. Ihre Wohnung müsse wüste werden und sei niemand, der in ihrer Hütte wohne!

Wohne: Dieser Fluch ging zwar allgemein über die Juden, da die Hauptstadt Jerusalem samt den benachbarten Städten mit Gewalt erobert, geschleift und das ganze Land jämmerlich verwüstet und verheert wurde: Es hat aber Judas der Verräter den Anfang gemacht, diesen Fluch zu erfüllen, welcher sich selbst erhängt und also nicht allein von seiner Wohnung, sondern auch von dem Apostelamt, welches er neben anderen getragen, verstoßen wurde, wie Petrus der Apostel diesen Spruch anzieht {Apg 1}.

27. Denn sie verfolgen, den du geschlagen hast und rühmen, dass du die Deinen übel schlägst.

Denn: Nun lasst uns auch die Ursachen solches gräulichen Fluchs anhören.

Geschlagen: Du himmlischer Vater hast mich um der Sünden willen des menschlichen Geschlechts in viel und großes Elend und Jammer gesteckt und mich in den Tod des Kreuzes gegeben: Sie aber haben mir solchen Jammer allen noch mehr gehäuft und mir mein Leiden mit ihrem Gespött und giftigen Stichworten viel beschwerlicher gemacht. (Wie aber Christus sein Leiden nicht hat, also zu reden, aus der Juden und Kriegsknechte, sondern aus seines himmlischen Vaters Hand empfangen. Und sagt, dass er von Gott geschlagen sei. (Denn um der Missetat willen meines Volkes, sagt der himmlische Vater von Christus, ist er geplagt worden.) Also sollen auch wir es dafür halten, dass uns die Anfechtungen und Kreuz von Gott zugeschickt werden, obwohl er die Menschen oder auch die Teufel als Werkzeuge dazu gebraucht und sollen es demnach desto geduldig tragen. Sollen uns auch mit allem Fleiß davor hüten, dass wir denjenigen, welche zuvor von Gott geplagt sein, nicht mehr Leides (außerhalb unseres Berufs) antun. Denn das ist eine große Sünde.)

28. Lass sie in eine Sünde über die andere fallen, dass sie nicht kommen zu deiner Gerechtigkeit.

Nach Luther: d. i. Lass ihnen nichts Gutes noch recht sein.

Fallen: Verstoße sie von deinem Angesicht, dass sie von einem Laster in das anderer geraten und nimmermehr zu der wahren Gerechtigkeit des Glaubens, dadurch sie selig werden könnten, kommen. (Das ist aber eine schreckliche Strafe Gottes, wenn er so seine Hand abzieht, dass Sünde mit Sünden gestraft und die Menschen in einen verkehrten Sinn gegeben werden, dass sie ein Laster mitandern noch größeren Lastern häufen und niemals Buße tun {Röm 1}.)

29. Tilge sie aus dem Buch der Lebendigen, dass sie mit den Gerechten nicht angeschrieben werden.

Tilge: Sie sollen nicht mehr für Glieder der Kirche erkannt, auch nicht unter die gezählt werden, welche durch den Glauben gerechtfertigt und selig werden, darum sie auch ewig verloren und verdammt sind.

30. Ich aber bin elend und mir ist wehe. Gott, deine Hilfe schütze mich!

Ich: Jetzt kehrt sich Christus nach solchem gräulichen Fluch wiederum zum Gebet und bittet, dass er erlöst werde, mit Verheißung, dass er sich dankbar erzeigen wolle.

Wehe: An Leib und Seele.

Schütze mich: Stehe mir bei mit deiner Hilfe, dass ich solche Anfechtung erdulden und überwinden möge, damit ich nicht darin verderbe. (Denn mit der Hilfe Gottes können wir alles Unglück endlich überwinden.)

31. Ich will den Namen Gottes loben mit einem Liede und will ihn hoch ehren mit Dank.

Ich: Weil Christus gesehen, dass seine Erlösung nicht ferne mehr sein würde, so fängt er an zu frohlocken und Gott zu danken.

32. Das wird dem Herrn besser gefallen denn ein Farre, der Hörner und Klauen hat.

Besser gefallen: Dass ich nämlich meinen himmlischen Vater lobe, wird ihm angenehmer sein, denn wenn ich ihm ein Brandopfer tat von einem starken großen Farren. (Obwohl aber kein Zweifel ist, denn dass Christus, als er von den Toten auferstanden, nach seiner Menschheit habe den himmlischen Vater gelobt, als durch welchen er von den Toten erweckt wurde. Jedoch so redet er hier besonders von dem Predigtamt des heiligen Evangeliums, welches Christus durch die Apostel hat eingesetzt. Denn dadurch wird Gott täglich gelobt und gepriesen, wenn nämlich nicht allein seine überschwängliche Barmherzigkeit und Gnade gegen das menschliche Geschlecht gepredigt und verkündigt wird (daher Paulus sagt Römer 1,. dass er opfere das Evangelium Gottes), sondern auch, wenn die Christen ermahnt werden, dass sie mit Psalmen den einigen Gott, in drei Personen, loben und preisen. Welche geistlichen Dankopfer Gott viel angenehmer sind, denn die levitischen Opfer.)

33. Die Elenden sehen und freuen sich; und die Gott suchen, denen wird das Herz leben {Ps 22v27}.

Herz leben: Das ist: Aus der Predigt des Evangeliums werden die angefochtenen Gewissen, welche Gottes Barmherzigkeit suchen und ihm zu dienen begehren, erkennen, dass ich den Tod, Teufel und Hölle überwunden habe und werden sich herzlich erfreuen und in ihrem Gewissen wiederum lebendig werden, welche zuvor durch die Schrecken des ewigen Todes ganz erschlagen waren.

34. Denn der Herr hört die Armen und verachtet seine Gefangenen nicht {Ps 72v12}.

Armen: Nämlich die geistlich arm sind und nicht allein mich elenden Menschen, sondern auch alle die, welchen es leid ist, dass sie an geistlichen und himmlischen Gütern arm sind und ein herzliches Verlangen nach den selbigen haben. (Aber selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr {Mt 5}.)

Nicht: Das ist: Der himmlische Vater verachtet diejenigen nicht, welchen leid ist, dass sie in Sünden verstrickt und damit behaftet sind und von Sünden begehren, ledig zu werden. (Denn Christus verheißt in seinem Evangelium den Gebundenen eine Erledigung {Jes 61}. Er löst auch kräftig von Sünden auf durch die Diener des Evangeliums alle die, so wahrhaftig und von Herzen Vergebung der selbigen begehren. Denn Christus spricht: Alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das soll im Himmel los sein {Mt 18}.)

35. Es lobe ihn Himmel, Erde und Meer und alles, was sich darin regt.

Ihn: Den gnädigen gütigen Gott und Vater.

Regt: Das ist: Alle Kreaturen sollen Gott für seine große Güte und Barmherzigkeit gegen das menschliche Geschlecht loben und preisen. (Obwohl nun die Menschen und die Engel besonders und wahrhaftig Gott den Herrn loben, so freuen sich doch auch mit seinem Maß die anderen Kreaturen, wenn es der Kirche Gottes glücklich und wohl geht und wünschen gleichsam der selbigen solche Glück und Heil, wie sie auch hingegen seufzen, auf ihre Weise, über das Unglück und den Jammer, welcher der Kirche Gottes zu Händen stößt {Röm 8}.)

36. Denn Gott wird Zion helfen und die Städte Judas bauen, dass man dort wohne und sie besitze.

Helfen: Das ist: Er wird seiner Kirche, welche durch den Berg Zion ist abgebildet worden, himmlisches und ewiges Heil verschaffen.

Bauen: Das ist: Er wird hin und wieder durch die Predigt des Evangeliums Kirchen erbauen, welche in seiner wahren Erkenntnis wachsen und zunehmen werden.

Besitze: (Dadurch versteht er, dass die, so an Christus glauben, werden Bürger der rechten christlichen Kirche sein.)

37. Und der Same seiner Knechte wird sie ererben und die seinen Namen lieben, werden darin bleiben {Ps 102v29}.

Lieben: Die Gott aus Glauben fürchten und lieb haben.

Bleiben: Das ist: (Gott wird seine Kirche auch auf alle Nachkommen fortpflanzen und der Christen Kinder werden der Kirche Gottes einverleibt und wenn sie aus Wasser und Geist in der Heiligen Taufe wiedergeboren sind, Erben der himmlischen Güter werden, auch nicht allein in diesem Leben der rechten Kirche Mitbürger und Glieder sein, sondern auch das ewige Leben erlangen, dass sie bei Gott in Ewigkeit wohnen.)


Der 70. Psalm


1. Wie der Herr Christus im vierzigsten Psalm dem himmlischen Vater sein Jammer und Elend, so er in seinem Leiden ausgestanden, klagt und bittet, dass er ihn daraus erlösen wolle: Also erzählt auch seine Kirche in diesem Psalm, welcher schier von Wort zu Wort aus dem Ende des vierzigsten Psalms genommen ist, als in einer Summe, Gott all ihre Not und Anliegen und bittet herzlich, dass Gott ihr förderlich Hilfe verschaffen wolle. Diesen Psalm können wir benutzen, sooft wir entweder von geistlichen oder leiblichen Feinden beschwerlich angegriffen werden, da die Notdurft erheischt, dass wir um förderliche Hilfe ansuchen.

1. Ein Psalm Davids, vorzusingen zum Gedächtnis.

Zum Gedächtnis: Das ist: Dass in diesem Psalm die christliche Kirche Gott ihre Not und Elend klage und ihn aufmahne, dass er ihrer mit Gnaden bedenkt, sei und Hilfe schaffen wolle.

2. Eile, Gott, mich zu erretten, Herr, mir zu helfen!

Eile: (Denn wir dürfen wohl bitten, dass Gott seine Hilfe befördern wolle.)

3. Es müssen sich schämen und zuschanden werden, die nach meiner Seele stehen; sie müssen zurückkehren und gehöhnt werden, die mir Übles wünschen {Ps 35v4 40v15},

Stehen: Und mich ganz und gar zu vertilgen begehren: Denen wollest du nicht zugeben, dass sie sich rühmen, wie sie mich unterdrückt haben. Sondern dass sie vielmehr mit Schanden bestehen.

Übles wünschen: Und Lust haben mir Leid zu tun.

4. dass sie müssen wiederum zuschanden werden, die da über mich schreien: Da, da!

Da: Die meiner noch in meinem Elend spotten, sich meines Unglücks freuen und sprechen: O das ist recht, dass wir unseren Feind also in Nöten stecken sehen. (Also wird nun unser Herr Gott die zuschanden machen, welche sich freuen über dem Jammer und Elend, so der Kirche Gottes zu Händen geht.)

5. Freuen und fröhlich müssen sein an dir, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, immer sagen: Hochgelobt sei Gott!

An dir: Das ist: Über deiner Güte, dass du dich der Deinen mehr denn väterlich annimmst.

Fragen: Die dich aus Glauben anrufen.

Lieben: Die bei dir Trost und Hilfe suchen und sich deiner Hilfe herzlich erfreuen, die müssen dich ewig preisen. (Denn wir ja unseren Herrn und Gott immer loben sollen für die unzählige Guttaten, welche er seiner Kirche beweist. Und wenn wir unserem Gott seines Namens Lob und Ehre vorhalten, so mahnen wir ihn damit auf, dass er uns Hilfe und alles Gutes erzeigt.)

6. Ich aber bin elend und arm. Gott, eile zu mir, denn du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verziehe nicht!

Und arm: Und weiß keine leibliche Hilfe in dieser Not, finde auch weder bei mir selbst oder auch bei anderen kein Rat noch Hilfe. Darum bitte ich, du wollest mir elenden Menschen helfen. (Denn zu vielen Malen geschieht es, dass die Kirche Gottes aller menschlichen Hilfe in Mangel steht.)

Eile: Denn die Not erfordert es.

Helfer: Darum so traue ich auf dich.

Verziehe nicht: Mit deiner Hilfe und Beistand, in solcher großen Not und Gefahr. (Denn es bedünkt uns unter dem Kreuz der Verzug ganz lange zu sein, der Herr aber weiß die gelegene Zeit uns aus aller Anfechtung zu erretten.)


Der 71. Psalm


1. In diesem Psalm bittet die christliche Kirche, dass sie Gott in allen Anfechtungen, besonders aber wider die Feinde erhalten wolle und solches nicht allein in den ersten Zeiten, da noch großer Eifer bei der selbigen war, sondern auch in den letzten Zeiten der Welt, da die Kirche, also zu reden, ins Alter kommt und nicht mehr die vorige Gestalt und Kräfte behält. Dieser Psalm wird uns besonders dazu dienlich sein, dass, wenn wir den selbigen sprechen, wir darin unserem Herrn und Gott seine Kirche befehlen, er wolle sich ihrer in ihrem Alter oder Abnehmen gnädig annehmen. Es ist auch dieser Psalm in vielen Stücken dem einunddreißigsten fast ähnlich. Wie aber im selbigen Christus betet, also betet hier die Kirche Gottes, welche sein geistlicher Leib ist.

1. Herr, ich traue auf dich; lass mich niemals zuschanden werden {Ps 31v2 v3 v4}!

Schanden werden: Mit meiner Hoffnung. (Denn Gott hat verheißen, dass gewisslich niemand, der auf ihn vertraut, zuschanden werden soll.)

2. Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir aus; neige deine Ohren zu mir und hilf mir!

Gerechtigkeit: Welches ist die Gerechtigkeit des Glaubens, dass ich nicht in den ewigen Tod gerate.

Aus: Aus solcher großer Gefahr.

Zu mir: Erhöre mich gnädiglich und erhalte mich.

3. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg.

Hort: Oder Fels, darauf ich mich sicher halten kann. (Denn Gott ist allen denen, die mit Glauben zu ihm fliehen, gleichwie ein festes Schloss, das auf einem Felsen steht, darin erhalten werden alle die, so beides von leiblichen und geistlichen Feinden angefochten werden. Daneben sollen wir auch aus diesen Worten lernen, Gott seiner Zusagen erinnern, so wird er gewisslich helfen.)

Burg: Dahin ich bis daher meine Zuflucht gehabt und hat mir meine Hoffnung nie gefehlt. (Wir sollen aber auch aus vorgehender Erlösung gute Hoffnung von der künftigen Hilfe schöpfen. Und sollen daneben wissen, dass nicht dieses die rechte Festung sei, ein Schloss, das auf einem Berge steht, sondern unser Herr und Gott.)

4. Mein Gott, hilf mir aus der Hand des Gottlosen, aus der Hand des Ungerechten und Tyrannen.

Mein Gott: An den ich glaube und dem ich diene.

Hand: Das ist: Von der Gewalt derer, die weder nach Recht, Frömmigkeit oder Gerechtigkeit fragen, sondern tyrannischerweise ihren Nächsten unterdrücken.

5. Denn du bist meine Zuversicht, Herr, meine Hoffnung von meiner Jugend an.

Jugend an: Ich habe von Jugend auf all mein Vertrauen auf dich gesetzt.

6. Auf dich habe ich mich verlassen von Mutterleibe an; du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen. Mein Ruhm ist immer von dir {Ps 22v10 v11}.

Verlassen: Ich habe auf dich all meine Hoffnung und Vertrauen gesetzt. (Denn ob wir wohl von Natur Kinder des Zorns geboren werden. Jedoch werden wir bald aus Wasser und Geist in der heiligen Taufe (an welcher statt vorzeiten die Beschneidung gewesen) wiedergeboren, dass wir Kinder Gottes werden und von kindlichen Tagen an, als die mit dem Heiligen Geist begabt, unsere Hoffnung zu Gott haben. Welches niemand wundernehmen soll, weil Johannes der Täufer auch in Mutterleibe mit dem Heiligen Geist erfüllt gewesen und aufgehüpft hat, da Christus zu ihm gekommen, der doch gleichfalls noch in dem Leib der Jungfrau Maria lag.)

Gezogen: (Es gebührt auch uns, dass wir die göttliche Gnade oft bedenken, wie wir in solcher großer Gefahr, die wir in der Geburt ausstehen, von Gott lebendig in die Welt gebracht wurden. Sollen demnach unserem Herrn und Gott vertrauen, er werde uns, die er uns an das Licht gebracht hat, auch erhalten. Die Deutschen sagen, wenn sie mit einem seltsamen und unruhigen Menschen zu tun haben, im Sprichwort zu sagen pflegen: Hat mir Gott von meiner Mutter geholfen, so wird er mir von diesem Menschen auch helfen.)

Von dir: Denn weil du mir von Jugend auf (das ist, von Anfang der Welt her) so viele und große Guttaten erzeigt hast, so lobe ich dich deshalb immer. Und redet der Prophet dies in der Person der ganzen christlichen Kirche.

7. Ich bin vor vielen wie ein Wunder; aber du bist meine starke Zuversicht.

Wunder: Es steht sehr übel um mich, denn welche mich anschauen, die scheuen sich für mir und halten mich für einen Gräuel. (Also geht es in der Welt, dass die Kirche Gottes von den Gottlosen für einen Haufen unsinniger verlorener Leute geachtet wird und für ein Fluch und Fege Opfer: Meinen auch, wenn nur solche Leute bald aus dem Wege geräumt wären, so würden alle Sachen besser stehen, Glück und Heil in aller Welt sein.)

Zuversicht: Also spricht die Kirche Gottes: Ob mich gleich die Welt verflucht, so verachtest du doch mich nicht, darum verlasse ich mich auf dich. (Denn wenn uns die Welt und des Teufels Kirche verfluchen, so sollen wir auf Gott getrost hoffen.)

8. Lass meinen Mund deines Ruhmes und deines Preises voll sein täglich.

Voll sein: Gib, dass ich um deiner Guttat und Hilfe willen dich mit Freuden loben und preisen möge, wie ein herrlicher Gott du seist, der allen denen, so auf ihn trauen, zu Hilfe kommt und sie wunderlich errettet. (Denn wenn man die große Herrlichkeit Gottes lobt und rühmt, so wird er dadurch vielfältig zu helfen bewegt.)

9. Verwirf mich nicht in meinem Alter; verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.

Mich nicht: Von deinem Angesicht und wende dich nicht von mir, vergiss meiner nicht.

Schwach werde: Und alle meine Kräfte abnehmen. (Obwohl aber ein jeglicher Mensch beten soll, dass ihn Gott mit seinem Geist regieren, erhalten und väterlich versorgen wolle in seinem Alter, da wir wieder zu Kindern werden und die Last, welcher unseres Berufes halben uns obliegt, nicht mehr ertragen können, ja auch etwa in den Aberwitz geraten, jedoch so betet hier die christliche Kirche, dass sie Gott nicht wolle verwerfen, wenn sie schwach und gleichsam mit dem Alter überfallen werde in dem letzten Teil der Welt, darin wir ohne allen Zweifel zu dieser Zeit leben. Denn gleichwie bei einem alten betagten Mann alle Kräfte schwach werden und nach und nach abnehmen, also in dem letzten Alter der Welt, wird (bei den Frommen auch) der Glaube, die Hoffnung, das Gebet und die Liebe schwach. Darum wir unseren Herrn Gott richtig zu bitten haben, dass er uns um solcher Schwachheit willen nicht verwerfen wolle. Es soll uns aber die ganze gnädige Verheißung des Sohnes Gottes trösten, welcher durch den Propheten Jesaja, Kapitel 46. gesagt hat: Ich will euch tragen bis ins Alter und bis ihr grau werdet, ich will es tun, ich will heben, tragen und erretten.)

10. Denn meine Feinde reden wider mich und die auf meine Seele halten, beraten sich miteinander

Wider mich: Dass sie mich verderben und hören nicht auf mir nachzustellen. Darum verlass mich nicht in meinem Alter, dieweil ich alsdann am allermeisten bedarf, dass du mich regierst, leitest und schützt.

Halten: Die mir nach meinem Leben stehen.

11. und sprechen: Gott hat ihn verlassen; jagt nach und ergreift ihn, denn da ist kein Erretter!

Verlassen: Er achtet seiner nicht. (Denn es halten die Feinde der christlichen Kirche davor, sie tun Gott einen angenehmen Dienst daran, wenn sie die Glieder seiner Kirche ausrotten, wie Joh. 16. Christus bezeugt. Darum sie auch nicht glauben, dass Gott ihrer achte. Sie irren sich aber sehr weit. Denn endlich bezeugt Gott mit der Tat selber, dass er die Unbilligkeit, welche seiner Kirche zugefügt wird, nicht ungerächt lasse.)

12. Gott, sei nicht ferne von mir; mein Gott, eile mir zu helfen!

Nicht ferne: Wenn die Feinde so grausam toben, sondern stehe nahe bei mir, mit deiner Hilfe.

Gott: Auf den ich traue und dem ich diene.

Zu helfen: Dass ich nicht unterdrückt werde, ehe denn du mit deiner Hilfe kommst.

13. Schämen müssen sich und umkommen, die meiner Seele wider sind; mit Schande und Hohn müssen sie überschüttet werden, die mein Unglück suchen {Ps 70v3}.

Wider sind: Dass sie mich vertilgen.

Überschüttet: Dass sie damit bedeckt und allerdings zuschanden werden.

Suchen: Und alle ihre Anschläge zu meinem Verderben richten. (Obwohl wir aber die fleischliche Rachgierigkeit uns nicht also sollen lassen überwinden, dass wir unseren Feinden Übles wünschen. Jedoch geschieht es etwa, dass ein gottseliger Mensch aus dem Geiste Gottes den verstockten Feinden Übles wünscht oder flucht, welche Flüche, wie sie nicht aus fleischlichem Zorn herkommen, also gehen sie auch nicht leer ab.)

14. Ich aber will immer harren und will immer deines Ruhmes mehr machen.

Harren: Auf dich und nicht zweifeln, du wirst mir Hilfe schaffen, sie machen gleich Anschläge wider mich, wie sie wollen.

Mehr machen: Und nicht aufhören, dich zu loben, sondern dich mehr als zuvor jemals preisen, wenn du mir, wie ich denn nicht zweifele, mit Hilfe erscheinen wirst. Dies ist eine Verheißung schuldiger Dankbarkeit, wie denn David solches vielfältig im Brauch hat. (Denn durch unsere Danksagung wird Gott verursacht, dass er uns immer neue Guttaten erzeigt.)

15. Mein Mund soll verkündigen deine Gerechtigkeit, täglich dein Heil, die ich nicht alle zählen kann.

Deine Gerechtigkeit: Dass du mich nämlich aus Gnaden um des Messias willen aufnimmst, meine Sünden vergibst und mir das ewige Leben schenkst.

Dein Heil: Dass du mir zeitlich und ewig Heil verleihst, solches will ich stetig rühmen und verkündigen.

Zählen kann: So viel sind deiner Guttaten und Erlösungen. (Und sind wahrhaftig die Guttaten Gottes, die er einem jeglichen Menschen erzeigt, unzählbar, deren zu schweigen, die er an seine ganze christliche Kirche gewendet hat.)

16. Ich gehe einher in der Kraft des Herrn; ich preise deine Gerechtigkeit allein.

Gehe einher: Ich fahre in meinem Beruf fort und bestehe darin wider beides, meine leiblichen und geistlichen Feinde, nicht zwar aus eigener Kraft, die nirgends ist, sondern mit göttlicher Kraft, welche mir mein ewiger gnädiger Gott und Herr verleiht. (Denn mit unserer Macht können wir dem Satan nicht Widerstand tun, wie Eph. 6. zu sehen.)

Allein: Und rühme nicht meine unvollkommene, sondern allein deine Gerechtigkeit, dass du uns armen Sündern ohne Verdienst aus Gnaden das ewige Leben schenkst.

17. Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt; darum verkündige ich deine Wunder.

Gelehrt: Und mich mit deinem Wort und Geist unterrichtet und regiert, dass ich wusste, wie ich im rechten Glauben und Gottseligkeit wandeln soll, damit ich durch deine Gnade alle Widerwärtigkeit überwinden möchte.

Wunder: Dass du mich nämlich oftmals wunderlich erhalten und aus höchster Leibes und der Seelen Gefahr errettet hast.

18. Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich deinen Arm verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.

Im Alter: Wie du mich von Jugend auf regiert und erhalten hast, also möchtest du auch in meinem Alter mir beistehen, mit deinem Geist mich leiten, erhalten und in so mancher Gefahr schützen.

Arm: Das ist: Deine unendliche Macht, dadurch du deine Auserwählten bewahrst zum ewigen Leben.

Kommen sollen: (Hierbei werden wir erinnert, dass wir der Ursache wegen Verlängerung dieses zeitlichen Lebens wünschen und begehren sollen, damit wir die wahre Erkenntnis Gottes auf die Nachkommen fortpflanzen mögen. Es soll auch die Kirche Gottes mit besonderem Fleiß sich dahin bearbeiten, dass die rechte reine Lehre auf die Nachkommen unverfälscht gebracht werde.)

19. Gott, deine Gerechtigkeit ist hoch, der du große Dinge tust. Gott, wer ist dir gleich?

Ist hoch: Dass man sie niemals genügend erheben kann. Solche deine Gerechtigkeit begehre ich auch auf die Nachkommen zu bringen und fortzupflanzen, wie du nämlich uns aus Gnaden gerecht machst und den Verdienst unseres Heilands und Messias zueignest.

Ding tust: Und wunderlich mit deinen Auserwählten handelst, dass du sie selig machst.

Gleich: Es sei an Güte oder Gerechtigkeit, oder Macht und Stärke? Freilich, niemand in der ganzen Welt, kein Mensch noch Engel.

20. Denn du lässt mich erfahren viele und große Angst und machst mich wieder lebendig und holst mich wieder aus der Tiefe der Erde herauf.

Lebendig: Das ist: Du hast mich in Anfechtungen etwa wiederum erquickt, nicht anders, als wenn du mich aus dem Tode ins Leben und aus dem Grab, ja aus der Hölle selbst wiederum herausgebracht hättest. (Wenn uns nun bedünkt, wir stecken im Tode, ja in der Hölle, so sollen wir unsere Hoffnung auf Gott setzen, welcher wiederum lebendig macht und aus der Hölle herausführt {1Sam 2}.)

21. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder.

Sehr groß: Und hast deine große Herrlichkeit sehen lassen, dass du mich so gnädiglich errettet und bisher erhalten hast.

Tröstest: Mit deinem Geist, Wort und Hilfe, da du dich gleich zuvor ansehen ließest, als wolltest du mich ganz verderben. Deswegen ich denn auch jetzt in gegenwärtiger Not und Gefahr mich deiner Hilfe getröste. (Denn damit sollen wir unseren Glauben stärken, dass uns Gott zuvor vielfältig hat errettet und erlöst.)

22. So danke ich auch dir mit Psalterspiel für deine Treue, mein Gott; ich lobsinge dir auf der Harfe, du Heiliger in Israel.

So: Jetzt verspricht wiederum die christliche Kirche sich dankbar zu erzeigen.

Treue: Welche du denen erzeigst, so an dich glauben, dass du ihnen so treu hilfst.

Heiliger: Bei dem keine Ungerechtigkeit oder falsch ist, sondern du bist der gütige, getreue und gerechte Gott und ein gnädiger milder Vater gegen alle, die auf dich trauen. (Dass er hier verspricht, mit Gesängen oder Saitenspielen Gott zu danken, sieht er besonders auf die Predigt des Evangeliums von Christus, welches die allerholdseligste und lieblichste Melodie ist. Obwohl aber Gott mit der Musik und Gesängen nicht lustig gemacht wird, welchem die heilige Engel viel lieblicher singen. Jedoch so gebührt sich, dass man auch die Gabe der Musik, wo es die Gelegenheit also gibt, zu Lob und Ehre dessen gebrauche, der solche Gabe verliehen hat. Und ist das unserem Herrn und Gott ein angenehmer Gesang, wenn ein gläubiger Mensch ihm für die empfangenen Guttaten von Herzen Dank sagt.)

23. Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast, sind fröhlich und lobsingen dir.

Lobsingen dir: Ich will dir von ganzem Herzen nicht nur schlecht und obenhin, sondern mit inbrünstigem Eifer und Begierde danksagen, dass du mich durch den Messias, deinen eingeborenen Sohn von dem ewigen Tode wirst erlösen lassen.

24. Auch dichtet meine Zunge täglich von deiner Gerechtigkeit. Denn schämen müssen sich und zuschanden werden, die mein Unglück suchen.

Dichtet: Ich will stetig damit umgehen, dass ich solche deine Gnade und Güte lobe und preise, da du die bußfertigen Sünder zu Gnaden auf und dich ihrer so väterlich annimmst.

Suchen: Es müssen doch endlich alle meine Feinde mit Schanden bestehen. (Denn keine Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in Christus Jesu unserem Herrn {Röm 8}.)


Der 72. Psalm


1. In diesem Psalm weissagt Salomo von dem Sohn Gottes, dem ewigen Könige, dass derselbe Mensch werde und das Regiment oder Herrschaft über den ganzen Erdboden bekommen soll. Zeigt auch an, was für Gnade und Guttaten dieser König seinen Untertanen werde erzeigen, nämlich geistliche und ewige. Meldet dabei, dass die Heiden und Könige sich unter seine Gewalt demütig und gehorsam ergeben werden. Dieser Psalm wird uns dazu dienen, dass wir dadurch in unserem christlichen Glauben und Religion gestärkt werden und die Beschaffenheit des Reiches Christi erkennen mögen.

1. Des Salomo. Gott, gib dein Gericht dem Könige und deine Gerechtigkeit des Königs Sohne,

Des Salomo: Ich halt es dafür, dass Salomo, als er noch voll des Heiligen Geistes gewesen, diesen Psalm gemacht habe.

Gott: Es fängt der Prophet diesen Psalm an mit einem Wunsch, damit er anzeigt, wie die Kirche Christi mit herzlichem Verlangen auf die Zukunft ihres Königs Jesu Christi gewartet habe. Als wollte er sprechen: O himmlischer Vater, befehle dein Gericht und Gerechtigkeit zu verwalten deinem Könige, Messias, der dem, als des ewigen Königs, Sohn ist: Ach dass die Zeit vorhanden wäre, dass Christus sein himmlisches Reich anfinge. (Denn es haben die Väter im Alten Testament mit großem Verlangen auf Christus gewartet, der da sollte geoffenbart werden. Heutigentags aber achten ihrer viele des geoffenbarten Christi nichts, welche Undankbarkeit Gott mit dem höllischen Feuer strafen wird.)

2. dass er dein Volk bringe zur Gerechtigkeit und deine Elenden rette.

Rette: Dass er, als eine gerechte Obrigkeit, seinen armen unterdrückten Untertanen zu Hilfe komme. (Es braucht zwar der Prophet solche Worte, die vor Gericht und in weltlichen Händeln allgemein sind. Er versteht aber darunter eine geistliche Erlösung, dass Christus uns armen und durch die Sünde und des Teufels Gewalt unterdrückte, beschwerte Personen durch sein Leiden und Sterben erledigen und auf freien Fuß stellen soll. Dieses ist das Gericht und die Gerechtigkeit, dazu uns Christus gnädiglich und stattlich geholfen hat.)

3. Lass die Berge den Frieden bringen unter das Volk und die Hügel die Gerechtigkeit.

Lass: Diese Worte bezeugen, dass er von geistlichen Gaben rede: Als ob er sagen wollte: Verschaffe, dass die Apostel Jesu Christi von Jerusalem aus durch das Gebirge gehen, hin und wieder dem Volk den Frieden und Gerechtigkeit verkündigen, dass wir nämlich durch den Tod deines eingeborenen Sohnes mit dir versöhnt und du uns aus Gnaden durch seinen Verdienst für fromm und gerecht hältst. Denn also weissagt der Prophet Nahum von den Aposteln Kapitel 1. wie sie auf den Bergen daher ziehen und die fröhliche Botschaft des Evangeliums bringen. (Denn so wir gerechtfertigt sind durch den Glauben an das Evangelium Christi, so haben wir Frieden mit Gott {Röm 5}.)

4. Er wird das elende Volk bei Recht erhalten und den Armen helfen und die Lästerer zerschmeißen {Ps 2v9}.

Erhalten: Also sprechen die Gläubigen: Wir wünschen, dass der Messias herzukomme, welcher die Unbilligkeit, so den elenden armen Menschen zugefügt wird, rächen und den, der die Elenden mit Gewalt und Lästerungen zu unterdrücken begehrt, nämlich den Teufel, wiederum dämpfen und unterdrücken wird. (Das ist es, das von Christus gesagt ist {1Mos 3}. Er wird der Schlange den Kopf zertreten. So sagt auch der Apostel zu Hebräer, Kapitel 2. Christus habe darum sein Leiden auf sich genommen, auf dass er durch den Tod die Macht nehme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist, dem Teufel und erlöste die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mussten. Und vom Satan steht {Apg 12}, dass derjenige sei verworfen worden, welcher unsere Brüder vor dem Angesicht Gottes verklagte Tag und Nacht.)

5. man wird dich fürchten, solange die Sonne und der Mond währt, von Kind zu Kindeskindern.

Währt: Das ist: Es werden die Christen dir als ihrem Gott dienen und dich ehren (denn fürchten heißt so viel, als Gott ehren und ihm dienen), solange Sonne und Mond sind, bis an das Ende der Welt. (Denn das Reich Christi währt ewig und hat kein Ende, wie andere Königreiche dieser Welt, welche, wenn sie ihren Lauf haben vollbracht, zugrunde gehen und verwüstet werden. Deswegen wie auch die Tyrannen und Ketzer wüten und toben, so werden sie doch das Reich Christi aus dieser Welt nicht ausstoßen oder vertilgen.)

6. Er wird herabfahren, wie der Regen auf das Fell, wie die Tropfen, die das Land feuchten.

Er: Nämlich der Sohn Gottes wird von Himmel herabkommen und durch die Kraft des Heiligen Geistes menschliche Natur an sich nehmen von der hochgelobten Jungfrau Maria, also dass die selbige soll fruchtbar werden, ob sie wohl keinen Mann erkannt, denn sie wird schwanger werden auf himmlische Weise.

Fell: Wie nämlich der Tau aufs Fell Gideons.

7. Zu seinen Zeiten wird blühen der Gerechte und großer Friede, bis dass der Mond nie sei.

Blühen: Oder ausschlagen aus dem Stamm Isai und wird aufwachsen der Zweig, darauf man lange gewartet hat, nämlich Christus, welcher vom Geschlecht Davids sollte herkommen, davon Jesaja Kapitel 11. weissagt und spricht: Es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Isai und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen, auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes.

Friede: Wird sein im Reich Christi. (Eben solche Wort braucht auch der Prophet Jesaja vom Reich Christi, Kapitel 9. da er spricht: Des Friedens werde kein Ende sein. Dadurch denn angezeigt wird, dass die vornehmste Guttat des Reiches Christi hier auf Erde sein werde, dass er allen angefochtenen Gewissen, die den Zorn Gottes empfinden und erschlagen sind, den Frieden reichlich bringen werde. Da denn gewisslich in dieser Welt einem Menschen keine größere Guttat als diese widerfahren mag.)

Nie sei: Das ist: (Diese Gnade und Guttaten werden beständig bei den Christen bleiben und die Predigt des Evangeliums wird dauern bis an den Jüngsten Tag, darin Gott dem menschlichen Geschlecht den Frieden anbieten wird. Nach diesem Leben aber wird allererst dieser Friede ganz vollkommen sein und ewig dauern, wenn wir Gott sehen werden, wie er ist und er alles in allem sein wird.)

8. Er wird herrschen von einem Meer bis ans andere und von dem Wasser an bis zur der Welt Enden {Sach 9v10}.

Er: Bisher haben wir gehört, wie lange das Reich Christi dauern werde, lasst uns auch weiter hören, wie weit dasselbe reiche.

Wasser: Nämlich von dem Fluss Euphrat an, welcher auf einer Seiten die Grenze ist des gelobten Landes. * nach Luther.) Das ist: Vom Jordan.

Ende: Das ist: (Das Reich breitet sich durch die Predigt des Evangeliums aus in die ganze weite Welt. Denn also hat Christus zu den Aposteln gesagt: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur, wer glaubt und getauft wird, der wird selig, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden {Mk 16}.)

9. Vor ihm werden sich neigen die in der Wüste; und seine Feinde werden Staub lecken.

Lecken: Das ist: Auch die ganz unbändige und wilde Völker werden ihm einen demütigen Fußfall tun, das ist, ihm dienen und ihn ehren mit höchster herzlicher Demut.

10. Die Könige am Meer und in den Inseln werden Geschenke bringen; die Könige aus Reicharabien und Seba werden Gaben zuführen.

Bringen: Nämlich dem Könige Christus werden die Könige und Völker hin und wieder in der ganzen Welt Ehre antun, sein Evangelium annehmen und ihn für ihren König erkennen, auch die, denen man ein solches nicht zutrauen dürfen, die werden der Kirche mit ihrer Freigiebigkeit behilflich sein. Denn die arabischen Völker und die zu Seba, welches die im Morgenlande sind, kommen von dem verfluchten Ham her {1Mos 10}. Und zwar zur Erfüllung dieser Verheißung ist der Anfang gemacht worden am Pfingsttage, da Leute aus allen Völkern, die unter dem Himmel sind, die Apostel haben hören von Christus predigen, wie auch der selbigen viele, die bekehrt sind worden, die christliche Lehre und Religion mit sich zu Haus getragen haben. In Maßen der Kämmerer der Königin Candaces aus Mohrenlande den Glauben an Christus mit sich bis dahin geführt hat {Apg 8}. (Dabei wir denn zu lernen haben, dass wir an keinem Volk und auch an keinem Menschen verzagen sollen, als ob es niemals geschehen könnte, dass er zur seligmachenden Erkenntnis Christi käme.)

11. Alle Könige werden ihn anbeten, alle Heiden werden ihm dienen.

Dienen: Das ist: (Aus allen Heiden werden etliche Könige und Völker, und zwar in großer Anzahl ihren Gott und Herrn Jesum Christus anbeten und ihm mit wahrem Glauben in rechter Gottseligkeit dienen und ehren.)

12. Denn er wird den Armen erretten, der da schreit und den Elenden, der keinen Helfer hat.

Schreit: Um Hilfe. Das ist: (Darum werden sie dem Herrn Christus dienen, dieweil sie ihn aus seinem Evangelium für den Heiland des ganzen menschlichen Geschlechtes erkennen werden, welcher die, so an ihn glauben, aus der Tyrannei des Teufels errette.)

13. Er wird gnädig sein den Geringen und Armen und den Seelen der Armen wird er helfen.

Gnädig sein: Das ist: Christus, denn die Völker und Könige mit Glauben erkennen, wird mit denen, so im Glauben schwach sind (das sind die geistlich Armen) gnädig und freundlich umgehen und das zerstoßene Rohr nicht ganz zerbrechen, noch das glimmende Döchtlein auslöschen {Jes 42}. Denn sie werden wissen, dass er nicht gekommen sei, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten {Lk 9}.

14. Er wird ihre Seele aus dem Trug und Frevel erlösen und ihr Blut wird teuer geachtet werden vor ihm.

Erlösen: Nämlich die Seinen wird er endlich von der Leute List und Tyrannei erretten, die das Evangelium verfolgen.

Teuer geachtet: Das ist: (Es wird Christus das unschuldig vergossene Blut teuer und hoch achten und dasselbe zu seiner Zeit an den verstockten Feinden des Evangeliums schrecklich rächen und heimsuchen {Mt 23}.)

15. Er wird leben und man wird ihm vom Gold aus Reicharabien geben. Und man wird immer vor ihm beten, täglich wird man ihn loben.

Leben: Der Herr Christus wird hier zwischen mit großer Herrlichkeit, zu der Rechten des Vaters sitzend, herrschen und regieren und sein Reich nichtsdestoweniger mitten in den Verfolgungen befördern und erweitern.

Geben: (Alsdann aber bringen die Christen ihrem Könige Arabisch, das ist, das allerbeste und köstlichste Gold, wenn sie im Glauben an ihm beständig bleiben (welcher köstlicher ist, denn das Gold, der durch das Feuer bewehrt ist {1Petr 1} und sich keine Verfolgung, wie beschwerlich sie auch immer sein mag, lassen von Christus abwendig machen.)

Loben: Das ist: (Die christliche Kirche wird ihren Herrn Christus täglich anrufen, loben und preisen, nicht allein durch die Predigt des Evangeliums, sondern auch mit Psalmen und andächtigem Gebet.)

16. Auf Erden, oben auf den Bergen, wird das Getreide dick stehen; seine Frucht wird beben wie Libanon und wird grünen in den Städten wie Gras auf Erde.

Beben: Oder zittern. Das ist: Es wird dazu kommen, dass eine Hand voll Korn, in die Erde geworfen, auch oben auf den hohen und dürren Bergen so reichlich hervor wachse, dass die Früchte so dick und mit Haufen ineinander stehen, vom Wind hin und wieder getrieben werden, also dass die vollen und schweren Ähren, welche aneinanderschlagen, rauschen gleich als wenn der Wind auf dem Berge Libanon in den Gipfeln der hohen Bäume ein Getöse und Geräusch macht. Ja es werden auch die Städte grünen wie ein hübsch gewachsenes Gras. (Hiermit will der Prophet so viel anzeigen, wenn das Evangelium gepredigt wird, als denn wird es auch an denen Orten, da man sich keines oder doch geringes Nutzen, den es schaffen sollte, so reichlich Frucht bringen, dass die Leute in großer Anzahl und mit unglaublichem Eifer dasselbe werden annehmen und werden die Kirche Christi grünen wie ein lustiger Garten. Also vergleicht auch Christus selber die große Menge derer, die selig sollen werden, einer reichen Ernte {Joh 4} und anderswo sagt er, die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenig. * (Nach Luther) Das ist: Der Berg Libanon steht dick von Bäumen und bebt, wenn der Wind weht. So dick wird auch das Evangelium stehen und beben in den Städten, das ist: Es wird das Evangelium und die Christen reichlich wachsen und zunehmen.

17. sein Name wird ewig bleiben; solange die Sonne währt, wird sein Name auf die Nachkommen reichen und werden durch denselben gesegnet sein; alle Heiden werden ihn preisen.

Bleiben: Es wird der Name Christi niemals vertilgt werden und wenn die Feinde des Evangeliums darüber zerspringen sollten. (Da auch gleich diejenigen, so sich zum Evangelium Christi bekennen, entweder natürliches Todes sterben oder von den Tyrannen erwürgt werden, so werden sie dennoch die christliche Religion und Lehre also auf die Nachkommen bringen und fortpflanzen, dass sie niemals ausgerottet werde.)

Reichen: (Nach Luther) Das ist: Man wird seinen Namen immer predigen für und für, obgleich die Alten sterben, so tun es doch die Nachkommen.

Gesegnet sein: Nämlich durch den Verdienst Christi, werden den rechten himmlischen Segen und die Seligkeit erlangen alle, die an ihn glauben. Wie denn von Christus geschrieben steht, in deinem Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden {1Mos 22}.

Alle Heiden: Die sich zu ihm bekehren.

Preisen: Sie werden seine Majestät und Herrlichkeit rühmen als dessen, der zur Rechten des Vaters sitzt. (Hiermit wird abermals die Berufung der Heiden zum Evangelium Christi bestätigt.)

18. Gelobt sei Gott der Herr, der Gott Israels, der alleine Wunder tut;

Gott Israel: Seines Volkes. (So sollen nun auch wir unseren Herrn und Gott Jesum Christus, den Erlöser seiner Kirche loben und preisen. Denn die an Christus glauben, sind heutigentags die rechten Israeliten {Gal 6}.)

Wunder tut: Das ist: Der durch seinen Tod wunderbare Sachen allein verrichtet, damit das menschliche Geschlecht erlöst würde. (Denn es ist niemals kein größeres Wunderwerk in dieser Welt geschehen, als das Christus mit seinem Leiden und Tod den Teufel und so wohl den zeitlichen als auch ewigen Tod überwunden hat.)

19. und gelobt sei sein herrlicher Name ewig; und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden! Amen, Amen.

Voll werden: Das ist: Des Herrn Christi herrlichen Namen soll man in alle Ewigkeit loben und preisen, der sich um das menschliche Geschlecht so wohl verdient gemacht hat. Solche seines Namens Ehre und Herrlichkeit soll man auch bei aller Welt ausbreiten, auf dass seine wunderliche Güte und Werke weit und breit mit gläubigem und dankbarem Herzen angenommen und bekannt werde.

Amen: Das ist: Es werde wahr und geschehe also. (Denn uns will immer gebühren, dass wir von Herzen wünschen und bitten, dass der Name Christi und sein Reich weit ausgebreitet werden und einen glücklichen Fortgang gewinnen. Denn solches dient zu vieler Menschen Heil und ewiger Wohlfahrt.)

20. Ein Ende haben die Gebete Davids, des Sohnes Isais.

Ende: Es hat das Ansehen, dass diese Worte von dem sind hinzugesetzt worden, der den ersten Teil des Psalters zusammen getragen und damals die anderen Psalmen Davids, so später folgen, noch nicht bei Händen gehabt hat. Und scheint es, als habe zu diesem Anhang Gelegenheit geben, dieweil später etliche Psalmen Assaph folgen. Nun ist aber gewiss, dass etliche folgende Psalmen, welche Überschrift auf David lautet, auch wahrhaftig von ihm gemacht wurden. Denn Christus selber den 110. Psalm dem David zumisst, deswegen diese Wort, so etwas zu frühe hinzugesetzt wurde, niemand irremachen sollen.


Der 73. Psalm


1. In diesem Psalm tröstet Assaph gottselige Leute, die mit mancherlei Beschwerden und Anfechtungen geplagt werden und wenn sie daneben sehen, wie es den Gottlosen gut geht, sich daran ärgern. Er erzählt auch, was beschwerliche Anfechtungen bei den frommen Herzen darüber entstehen, wenn sie sehen, wie die Gottlosen grünen und der Frommen dazu trotzig spotten. Der Prophet zeigt aber an, dass der Gottlosen Glück nur eine Zeit lang währe und ganz vergänglich sei. Deswegen man auf ihr Ende Achtung geben soll, damit wir in gottseligem Wandel und Geduld verharren. Wir sollen aber daneben auch Gottes gnädigen und väterlichen Willen aller dieser Welt Reichtum und Wollust vorziehen. Dieser Psalm wird uns nützlich sein, sooft uns gottloser Leute Glück und Fortgang, dagegen aber frommer Leute Unfall ärgert.

1. Ein Psalm Assaphs. Israel hat dennoch Gott zum Trost, wer nur reinen Herzens ist.

Reines Herzen: Dies ist der Vertrag und Eingang dieses Psalms. Und will der Prophet damit so viel sagen: Ob sich es gleich eine Zeit lang ansehen lässt, als ob Gott der Frommen (denn alle Frommen sind vor Gott rechte Israeliten, wie Paulus bezeugt {Gal 4}.) in dieser Welt gar nicht achte, weil es mit den Gottlosen so wohl geht, so haben doch in der Wahrheit die Frommen einen gnädigen Gott, der seine Güte zu seiner Zeit mit der Tat an ihnen erweisen wird, sofern sie nur rechtschaffen fromm und nicht Heuchler sind, die sich allein fromm stellen. (Denn das soll in unseren Herzen gewiss sein, dass Gott unser gnädiger Vater sei, wenn sich es gleich äußerlich alles viel anders ansehen lässt. Wir sollen aber auf sein Wort und nicht auf unser oder auch anderer Leute äußerliches Glück sehen.) * (Nach Luther) d. i. das sich hält an Gottes Wort rein und lauter.

2. Ich aber hätte schier gestrauchelt mit meinen Füßen, mein Tritt hätte beinahe geglitten.

Geglitten: Es sieht dennoch nichtsdestoweniger unser Fleisch und Blut vielfältig an, wenn es der Gottlosen Glück und Wohlfahrt sieht, welche Anfechtung der Prophet selbst für seine Person bekennt und spricht, dass solche Glückseligkeit der Gottlosen und Trübsal der Frommen seinem Glauben so einen harten Stoß gegeben haben, dass wenig gefehlt, er hätte beschwerlich gestrauchelt, sowohl im Glauben als auch in seinem Leben und Wandel. Also dass ihm auch solche Gedanken eingefallen, ob noch ein Gott im Himmel sei? Und da ein Gott sei, wie er solche unrechten Dinge leiden könne? Hab bei ihm selbst gedacht, ob er nicht auch nach dieser Welt Art leben sollten, weil es doch das Ansehen hat, dass, je ärger einer ist, je glückseliger er sei und je frömmer, je geplagter er auf Erde sein müsse. (Ein solcher Streit zwischen Fleisch und Geist entsteht vielmals, auch bei den ganz frommen Herzen: Wenn sie denn ein solches frei bekennen, so werden die schwachen Christen wunderlich dadurch gestärkt, die sich sonst einbilden, sie stecken allein in solchen Anfechtungen und fürchten sich darum, dass sie nicht etwa von Gott verstoßen und des Heiligen Geistes beraubt sind.)

3. Denn es verdross mich auf die Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Gottlosen so wohl ging.

Denn: Jetzt zeigt der Prophet an, was eine solche Unruhe in seinem Herzen erweckt habe.

Verdross: Es tat mir im Herzen wehe, dass ich sehen musste, wie die Gottlosen so großes Glück hatten und sich dessen auch unverhohlen rühmen durften.

4. Denn sie sind in keiner Gefahr des Todes, sondern stehen fest wie ein Palast.

Todes: Sie sind nicht gebunden mit des Todes Stricken und Banden, das ist, sie liegen nicht lange vor ihrem Tode auf dem Siechbett krank. Denn sonst die Krankheiten gleich als Strick und Bande sind, damit die Sterbenden, also zu reden, gebunden werden. Und gleichwie ein Übeltäter zuvor an Ketten und ins Gefängnis gelegt wird, ehe man ihn vom Leben zum Tode richtet. Also werden oft die Leute, ehe denn sie sterben, zuvor durch Krankheit geplagt und ins Bett geworfen. Da sagt nun der Prophet, dass die Gottlosen solche Plage und Marter nicht haben, oder es währt doch nicht lange um sie. (Es wäre aber wohl ein Stück unserer Glückseligkeit, wenn wir unversehens dahinsterben, wenn sich ein Mensch auch zuvor gottselig zum Tode bereitet und geschickt hätte, welches denn die Gottlosen nicht tun.)

Palast: Dies ist ein anderes Stück der gottlosen Glückseligkeit, dass, solange sie leben, es scheint, als ob sie aller Gefahr und alles Unfalls geschützt sind, dass ihnen keine Widerwärtigkeit ihnen schaden könnte.

5. Sie sind nicht in Unglück wie andere Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt.

Geplagt: Sie haben so viel Glück, als wenn sie aller menschlichen Beschwerden überhoben wären und die Plagen, damit Gott anderer Menschen heimsucht, kommen nicht über sie. (Dies ist aber ein böses Anzeigen, wenn Gott einem Menschen kein Unglück oder Widerwärtigkeit ins Haus schickt. Denn die nicht von Gott gezüchtigt werden, sind nicht Kinder Gottes, sondern Bastard {Hebr 12}.)

6. Darum muss ihr Trotzen ein köstliches Ding sein und ihr Frevel muss wohlgetan heißen.

Heißen: Sie meinen, wenn sie nur stolz sind und den Leuten Gewalt tun, das stehe ihnen herrlich wohl an und wollen dessen einen Ruhm haben. (Hiermit aber wird der gottlosen Art und Weise ganz eigentlich abgemalt.)

7. Ihre Person brüstet sich wie ein fetter Wanst; sie tun, was sie nur denken.

Brüstet: Sie blähen sich mit ihrem Gut und Hochmut auf. * (Nach Luther) Das ist: Sie sind fett, das ist reich, mächtig in Ehren, darum brüsten sie sich und wollen vorn und obenan sein und vor allen gesehen sein. Was sie tun, das muss recht und fein sein, was sie reden, das ist köstlich, dass ihre Pracht und Hoffart gleich eine Ehre und Zierde gehalten wird. Was aber andere reden und tun, das muss stinken und nichts sein. Ihre Zunge regiert im Himmel und Erde.

Denken: Was sie nur gelüstet, das durften sie tun.

8. Sie vernichten alles und reden übel davon und reden und lästern hoch her.

Vernichten alles: Was andere reden oder tun, das lassen sie nicht passieren, wenn es gleich recht und gut ist.

Hoch her: Was sie vorbringen, wenn es gleich unrechte Sachen sind, damit prangen sie hoch daher, als ob es lauter Offenbarungen vom Himmel wären, da doch Recht und Gerechtigkeit dadurch übern Haufen gestoßen wird. (Denn es wollen die Gottlosen haben, dass man ihre Meinung hochhalte und sich darüber verwundern, wenn es gleich das unrechteste Ding ist, das immer sein mag.)

9. Was sie reden, das muss vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das muss gelten auf Erden.

Geredet sein: Das ist: Sie durften auch das ausdrückliche Wort Gottes beschimpfen und dem selbigen widersprechen, ihre Meinung aber dagegen auf das härtest bestreiten. (Das tun diejenigen, welche, wenn sie von den Kirchendienern aus Gottes Wort gebührlich und rechtmäßigerweise gestraft werden, sich darauf nicht bessern, sondern zornig werden und wollen mit Gewalt, man soll solche Prediger von ihrem Amt absetzen. Hierher gehören auch die Sakramentierer und andere ihresgleichen, welche vorbringen, gleich als lauter Heiligtum, was Gott möglich oder unmöglich sei. Desgleichen die Katholiken, welche wider das ausgedrückte Wort Gottes ihre abgöttischen Gottesdienste verteidigen.)

Gelten: Sie wollen über ihre Meinung steif und fest gehalten haben, wenn gleich nichts Ehrbares oder Rechtes daran ist. (Hierdurch werden die bösen Obrigkeiten beschrieben, welche es alles nach ihrem Gefallen machen.)

10. Darum fällt ihnen ihr Pöbel zu und laufen ihnen zu mit Haufen wie Wasser

Mit Haufen: Als ob sie durch ihren Trotz und Hochmut bezaubert wären und suchen bei solchen stattlichen Leuten Gunst, schmeicheln ihnen, tun ihnen Beifall und halten sie hoch, fromme Leute aber verachten sie und unschuldige Leute verhöhnen sie. (Denn dem Pöbel gefällt derer Leute Glaube und alles Tun wohl, bei denen sie in dieser Welt Glück und Fortgang sehen.)

11. und sprechen: Was sollte Gott nach jenen fragen? Was sollte der Höchste ihrer achten?

Achten: Das ist: Solche stattlichen Leute und die auch, so ihnen anhangen und schmeicheln, die sprechen und halten in ihrem Herzen, unser Herr Gott wisse nicht, wie es auf der Erde zugehe, achten auch dessen nicht, darum so soll man mit solchen Sachen hier auf der Erde umgehen, dadurch man zu großem Reichtum, Wollust und hohen Ehren gelangen und kommen möge. (Denn die Gottlosen sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott {Ps 14}.)

12. Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glückselig in der Welt und werden reich.

Werden reich: Denn obwohl die Gottlosen so gar kein nütze sind, dass sie in ihrem Herzen alle Religion und Glauben verspotten und verlachen, so haben sie doch, das ja Wunder ist, so gut Glück, als wenn sich Gott allein ihrer annehme. Die Frommen aber sind oft unglückselig und arm und haben bisweilen kaum trockenen Brotes genug zu essen.

13. soll es denn umsonst sein, dass mein Herz unsträflich lebt und ich meine Hände in Unschuld wasche

Umsonst: Soll solche Unbilligkeit auch einen kaltsinnigen Menschen nicht unlustig machen? Darum ich auch etwa ganz unwirsch werde, dass ich gesagt: Habe ich mich denn vergebens bisher beflissen, dass ich mein Herz durch den Glauben an den Messias reinigte? Und dass ich Gott mit Ernst, ohne alle Heuchelei, gottseliglich diente? Oder habe ich mich vergeblich (wie ich zwar sehe) bemüht, dass ich unschuldig und unsträflich lebte? Denn was hilft mich meine Unschuld und Frömmigkeit, wenn es den Gottlosen wohl, den Frommen aber übel und trübselig geht?

14. und bin geplagt täglich und meine Strafe ist alle Morgen da?

Täglich: Es hat mich ein Unfall über den anderen getroffen.

Morgen: Es ist mir oft ein Kreuz über den Hals gekommen, ehe es recht Tag wurde: Sobald immer die Sonne aufgeht, so ist eine Trübsal vorhanden, dass mir Gott, dem ich doch mit so geängstigtem Herzen diene, ins Haus schickt. Ist aber das richtig? Und steht das unserem Herrn und Gott wohl an? (Also murrt bisweilen der alte Adam wider Gottes Werke und Vorhaben, aber wir müssen ihn stillen mit fleißiger Betrachtung Gottes Wortes.)

15. Ich hätte auch schier so gesagt wie sie; aber siehe, damit hätte ich verdammt alle deine Kinder, die je gewesen sind.

Gewesen sind: Das ist: Wenn ich mit den Gottlosen gesagt hätte, dass Gott sich deren nur annehme, die in dieser Welt gutes Glück haben, die Armen selig und betrübte aber sind von Gott verworfen, so machte ich hiermit alle deine Kinder, die gottseligen Menschen, zu Sündern und gottlosen Leuten. (Denn obwohl Gott auch den heiligen Patriarchen zeitliche und nicht geringe Guttaten erzeigt hat, so ist doch keiner unter allen seinen Kindern, den er nicht auch mit dem Kreuz beladen hätte.)

16. Ich gedacht ihm nach, dass ich es begreifen möchte; aber es war mir zu schwer

Begreifen möchte: Wie es doch zuginge, dass die Gottlosen so glückselig und die Frommen so unglückselig sind. Und was endlich daraus werden möchte, wenn du also fortfahren würdest, in solcher großen Ungleichheit und wie es meinem Fleisch bedünkte, Unbilligkeit?

Zu schwer: Solche Dinge mit meiner Vernunft zu erforschen und zu ergründen, ja ganz unmöglich war mir zu denken, was du doch für Ursache hättest, darum du also handelst und die Sachen also austeilst.

17. bis dass ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende.

Heiligtum: (Nach Luther) Da man Gottes Wort hörte und solche Sache recht lernt verstehen.

Ende: Ich habe nicht können erdenken, was du doch damit meinst, dass du die Gottlosen erhöhst und die Frommen unterdrückst, bis dass ich in das Heiligtum ging und lernte aus deinem Wort, was die Gottlosen für ein Ende nehme würden, nämlich ganz ein böses, da habe ich nachgelassen mich über ihre Glückseligkeit zu verwundern. (Also auch, wenn uns unsere Gedanken von Schwören und solchen Sachen, welche die ewige Seligkeit betreffen, plagen und irre machen, sollen wir unseren Fantasien nicht nachhängen, sondern bald ablassen und der Kirche zu gehen, darin Predigt hören aus dem heiligen Worte Gottes. So wird Gott durch solche Mittel unserer Schwachheit aufhelfen und geben, dass wir uns auswickeln können.)

18. Aber du setzt sie aufs Schlüpfrige und stürzt sie zu Boden.

Zu Boden: Das ist: (Uns bedünkt zwar, die Gottlosen stehen so fest wie ein Palast, aber in der Wahrheit stehen sie an einem schlüpfrigen Ort. Und wenn sie am wenigsten daran denken, so stößt sie Gott, dass sie fallen und gänzlich zugrunde gehen.)

19. Wie werden sie so plötzlich zunichte! Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.

Zunichte: Die Gottlosen werden jämmerlich vertilgt und pflegt sie Gott schnell aufzuräumen.

Schrecken: Denn der Herr überfällt sie unversehens mit Schrecken und macht ihnen den Garaus. (Also geht es, dass die Tyrannen, vor welchen sich andere eine lange Zeit gefürchtet und entsetzt haben, auch selbst wiederum unversehens geschreckt werden und sich fürchten, dass sie ausreißen und in die Flucht sich davon machen: Oder dass auch im Frieden sie durch die Schrecken des Gewissens und des Todes überfallen werden, dass sie darin verderben oder aber sich selbst das Leben abbrechen.)

20. Wie ein Traum, wenn einer erwacht, so machst du, Herr, ihr Bild in der Stadt verschmäht.

Bilde: (Nach Luther) Das ist: Ihr zeitliches Wesen, welches nur ein Schein und Bild ist.

Verschmäht: Das ist: Du lieber Gott machst, dass die Gottlosen, sobald sie hinunter sind, mit allem ihrem Tun so verschmäht werden, als wenn sie nur ein Traum gewesen wären. Da, wenn einer erwacht, nichts mehr vorhanden ist, sondern alles nur ein eitel Bild und Fantasie gewesen. (Also ist auch der Gottlosen Name nach ihrem Tode bei denen Leuten in höchster Verachtung, welche sie zuvor hochgehalten und ihr Tun stattlich herausgestrichen haben.)

21. Aber es tut mir wehe im Herzen und sticht mich in meinen Nieren,

Wehe: Hierdurch nämlich bis dein gerechtes Gericht an den Gottlosen ausbricht und offenbar wird, bekümmert mich dennoch nichtsdestoweniger der Gottlosen Glück und Fortgang.

Sticht: Es kehrt sich alles in mir um, was in mir ist. (Denn es werden die Anfechtungen bisweilen wieder neu, wenn wir es auch gleich Trost aus Gottes Wort gehört haben. Denn es wird dem Fleisch schwer, so lange zu warten, bis die Verheißungen Gottes erfüllt werden.)

22. dass ich muss ein Narr sein und nichts wissen und muss wie ein Tier sein vor dir.

Vor dir: Das tut mir wehe, dass solche Leute mich für einen Toren halten, der von allen göttlichen Sachen nichts wisse, ja gar für ein unvernünftiges Tier, als ob ich von Dir nichts wüsste. (Denn die Frommen werden von den Gottlosen für Ketzer, für Esel, für unvernünftige Tiere und für unsinnig gehalten.)

23. Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

An dir: Ich hänge nichtsdestoweniger immer dir mit Glauben an und hoffe, es werde die Zeit kommen, dass den Frommen einmal ihre Frömmigkeit von dir belohnt werde.

Hand: Es ist deine Gabe und nicht aus meinen Kräften, dass ich bisher an dir beständig blieb, denn du hast mich gefasst und bis daher geführt, als wenn ein Vater sein Kind, das noch für sich selbst allein nicht laufen kann, an der Hand führt. (Hieraus haben wir zu sehen, was die Menschen, so auch wiedergeboren sind, für Kräfte haben, dass sie nämlich so lange wider die Anfechtungen bestehen, so lange sie von Gott geleitet und geführt werden, sobald sie aber Gott gehen lässt, fallen sie in einem Augenblick zu Boden.)

24. du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an.

Rat: Das ist: Durch dein Wort, welches unsere Seelen allerlei heilsamen Rat mitteilt, hast du mich also regiert und geführt, dass ich wider oben gedachter Anfechtungen in deinem Gehorsam beständig geblieben bin.

Ehren an: Nach dem du mich genügend bewährt hast, hast dich endlich meiner herzlich und väterlich angenommen. (Deswegen sollen die Sprüche der heiligen göttlichen Schrift unsere Ratgeber sein, denen wir uns zu regieren befehlen und Vertrauen sollen.)

25. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Wenn: Jetzt erfreut sich und frohlockt der Prophet, als der vom Heiligen Geist erquickt werde: Will so viel sagen: Es gehe gleich in dieser Welt wohl oder übel zu, wenn nur du mein gnädiger Gott bist, so frage ich nichts nach allen Kreaturen im Himmel und auf Erden. Deine Gnade und Güte ist mir so genug, als aller Reichtum, Ehre und Wollust.

26. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, immer meines Herzens Trost und mein Teil.

Verschmachtet: Dass vor großer Trübsal alle meine Kräfte an Leib und Seele abnehmen bei mir.

Trost: Mein Herz verlässt sich auf dich und wird auch niemals zuschanden werden.

Teil: Du mein Gott in Ewigkeit bist meine Freude, mein Erbteil, mein Reichtum und alles, was ich in Ewigkeit begehren mag, wenn du mir gnädig und mit mir zufrieden bist, frage ich nach allem anderen nichts. (Solchen Sinn und Mut erweckt der Heilige Geist in einem frommen Menschen, dass er Gottes Gnade aller dieser Welt Reichtum und Wollust vorzieht.)

27. Denn, siehe, die von dir weichen, werden umkommen; du bringst um alle, die wider dich huren.

Umkommen: Welche sich entweder die schweren Anfechtungen überwinden lassen, dass sie dir nicht mehr vertrauen. Oder sind durch die Wollust dieser Welt verlockt, dass sie von ihrer Frömmigkeit ablassen und dieser Welt sich gleich stellen, damit sie auf Erden desto mehr Glück mögen haben, diese alle stürzen sich selbst in das ewige Verderben.

Huren: Das ist: Du vertilgst diejenigen, welche, da sie dir allein mit wahrem Vertrauen (wie ein eheliches Weib ihrem Mann) anhangen sollte, dich verlassen und ihr Vertrauen auf Kreaturen setzen, nämlich entweder auf Götzen oder auf menschliche Gewalt, Gunst oder aber Reichtum. (Denn das ist eine geistliche Hurerei und viel abscheulicher als ein Ehebruch, wenn jemand sein Vertrauen auf etwas anderes als allein auf Gott den Vater, Sohn und Heiligen Geist setzt.)

28. Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.

Halte: Gott gebe, was andere Leute tun, so will ich doch mich steif an Gott halten und weiß, dass all mein Heil und Seligkeit daran steht.

Setze: Dies ist eine Erklärung des vorigen, was da sei, sich zu Gott halten, nämlich sein Vertrauen auf Gott setzen, denn wer solches tut, der wird nimmermehr zuschanden. (Darum weiß ich, dass du mir, so ich auf dich traue, doch endlich Gutes erzeigen wirst. Also sollen wir uns keine Widerwärtigkeit von unserem Vertrauen zu Gott abhalten oder abführen lassen.)

Verkündige: Und mit dankbarem Herzen deine Guttaten und wunderlichen Werke loben und preisen, dass du allen denen, die auf dich trauen, Hilfe schaffst. (Wenn wir nun eine Anfechtung überstanden haben, sollen wir das erste sein lassen, dass wir Gott den Herrn loben und preisen.)


Der 74. Psalm


1. Nachdem Assaph aus Erleuchtung des Heiligen Geistes zuvor gesehen, dass in künftigen Zeiten die Israeliten Gott mit ihrem Sünden erzürnen würden, deswegen sie auch in das Elend verstoßen und der Tempel des Herrn, welchen Salomo bauen würde, durch die gottlosen Heiden verwüstet werden soll, so schreibt er den Israeliten, das ist, der Kirche Gottes, diesen Psalm vor, damit die, so zur selbigen Zeit lebten, wenn sie dieser bevorstehenden Gefahr erinnert würden, sich der Gottseligkeit mit Ernst annehmen, auf dass sie lange Zeit, vor solchem Unglück gesichert blieben. Die aber, welche solcher Unfall treffen würde, eine Form und Weise hätten, wie sie zu Gott schreien sollten, dass er sich über sie in solcher Not und Gefahr, erbarmen wollte. Denn dieser ganze Psalm ist eine Klage über großen Jammer und ein Gebet zu Gott um Hilfe. Es haben sich auch die gefangenen Juden in dem babylonischen Gefängnis aus diesem Psalm trösten können, weil sie gesehen, dass dieser Unfall zur Strafe über sie nicht ungefähr, sondern aus Gottes weisen Rat und Vorsehung kam und sie getroffen und dieweil ihnen Gott schon bereits durch den Heiligen Geist eine Form zu beten vorgeschrieben, so werde Gott solche ihr Gebet gewisslich erhören und die Strafe mildern. Dieser Psalm wird gut zu gebrauchen sein, wenn der Türke oder der Papst oder andere Tyrannen die Kirche Christi verfolgen und verwüsten.

1. Eine Unterweisung Assaphs. Gott, warum verstößt du uns so ganz und bist so grimmig zornig über die Schafe deiner Weide?

Weide: Ach du Sohn Gottes (will er sagen), der du der gute Hirte bist {Joh 10} wie kommt es, dass du dein Hirtenherz (uns bedünkt) gegen uns so ganz hast abgelegt, die wir doch deine Schäflein sind? Und bist so grimmig zornig über uns, dass es ein Ansehen hat, als wollest du uns ewig verstoßen und dich unser niemals erbarmen. (Hierbei haben wir allerlei Nützliches zu bedenken: Christus (denn dieser ist der Hirte seiner Kirche) der wird Gott genannt, wie er auch ist, derselbe erzeigt sich oft so hart, um der Bosheit willen seines Volkes, dass es scheint, er hab mehr ein feindliches Herz denn ein Hirtenherz. Daneben aber (dieweil dennoch Gute und Böse untereinander sind und sich auch aus den Gottlosen etliche zu ihm bekehren) ist und bleibt er in der Wahrheit ein getreuer Hirte bei seiner Kirche, obwohl er sein Hirtenherz eine Zeit lang verbirgt, bis sich seine Schäflein rechtschaffen demütigen.)

2. gedenke an deine Gemeinde, die du vor Alters erworben und dir zum Erbteil erlöst hast, an den Berg Zion, da du auf wohnst.

Erworben: Das ist: Du hast dir von Anbeginn der Welt her aus dem menschlichen Geschlecht eine Kirche gesammelt und hast unter allen Völkern das Volk Israel erwählt, dass du dich ihnen offenbartest und sie selig machtest, so bitten wir dich nun, du wollest die selbige jetzt und nicht ganz verstoßen.

Erlöst: Das ist: Du Sohn Gottes hast ein Erbteil bekommen, welches dein Volk ist, das hast du aus dem Diensthause Ägypten erlöst durch große Wunder und Zeichen und wirst solches dein Erbteil auch noch künftig zu seiner Zeit durch dein Blut aus des Teufels Gewalt erlösen. Darum weil dich deine Kirche so viel gekostet hat und noch kosten wird, so wollest du sie nicht verwerfen oder in solchem Jammer verderben lassen. Und dieweil du die Stadt Jerusalem erwählt hast, dass darin der rechte Gottesdienst auf dem Berge Zion für und für in Schwange gehen soll: Hast auch bis daher dort allerlei Zeichen deiner Gnaden gegeben, also dass man von dir sagt, du wohnst darin, dieweil man dir da gedient hat: Darum wollest du mit Gnaden unser bedenkt sein, damit wir doch einst wiederum dorthin kommen, da wir dir mit Loben und Opfern dienen mögen, bis dass du selbst einmal eins ins Fleisch zu uns kommst, auf dem Berge Zion und im Tempel zu Jerusalem dein Volk lehrst und mit dem Wort des Evangeliums weidest. (Also sollen auch wir in unserer Not unseren Herrn Christus erinnern, dass er seine Kirche, welche er durch sein Blut erworben hat, nicht wolle aus der acht lassen.)

3. Tritt auf sie mit Füßen und stoße sie ganz zu Boden. Der Feind hat alles verdorben im Heiligtum.

Zu Boden: Und komm uns förderlich zu Hilfe.

Verdorben: Dessen wollest du dich erbarmen und seinem Grimm abwehren oder doch mit Ernst an ihm rächen und strafen, dass er deinen allerheiligsten Tempel also verwüstet.

4. Deine Widerwärtigen brüllen in deinen Häusern und setzen ihre Götzen hinein.

Widerwärtigen: Die dich sowohl als uns verfolgen. Und wird in diesem und etliche nachfolgenden Versen mit schönen Gleichnissen beschrieben die Verwüstung des Tempels und der Feinde Grimm und Wut, dass er solches dem Zuhörer gleich als mit Fingern zeigt und einer gleichsam meint, er sehe es mit seinen Augen, wie das Heiligtum verwüstet werde.

Brüllen: Wie die Löwen und mahnt einer den anderen auf, alles niederzuhauen.

Häusern: (Nach Luther) Schulen und Synagogen, da Gottes Wort gelehrt wird.

Hinein: Sie haben in der heiligen Stadt und auch im Heiligtum, darin ihre Siegeszeichen aufgerichtet, also trotzen sie dich noch mit großem Hochmut, dass sie deinen allerheiligsten Tempel erobert haben. (Solches nun bewegt Gott den Herrn nicht wenig, wenn wir ihn erinnern, dass in den Verfolgungen der christlichen Kirche nicht allein wir, sondern er selber gemeint werde.)

5. man sieht die Äxte oben her blicken, wie man in einen Wald haut,

Äxte: Damit sie den Tempel verderben.

Walde haut: Als wenn man einen ganzen Wald fällen und niederhauen will.

6. und zerhauen alle seine Tafelwerke mit Beil und Barten.

Und Barten: Sie haben das schöne geschnitzte Tafelwerk mit Äxten und Hämmern zerhauen und zerschlagen. (Denn also pflegen die unsinnigen Kriegsleute mit schönen und zierlichen Gebäuden umzugehen, dass sie bisweilen in einer Stunde verwüsten, daran man etliche Jahre gebaut hat. Darum sollen wir auch nicht so große Kosten an die Häuser wenden.)

7. Sie verbrennen dein Heiligtum, sie entweihen die Wohnung deines Namens zu Boden.

Verbrennen: Damit, was sie in ihrer Wut haben übergelassen, später vom Feuer verzehrt würde.

Wohnung: Dein Haus reißen sie nieder, darin du deine Gegenwart sehen lassen, dein Wort gelehrt und in dem dein Name angerufen und gepriesen wurde. (So aber Gott um der Sünden willen seines Volkes seines eigenen heiligen Tempels nicht verschont hat, wird er gewisslich auch der Palast solcher Könige und Fürsten nicht schonen, welche ihn mit gottlosen unbußfertigem Leben und Wesen erzürnen und zur Strafe oder Rache anreizen und Ursache geben.)

8. Sie sprechen in ihrem Herzen: Lasst uns sie plündern! Sie verbrennen alle Häuser Gottes im Lande.

Plündern: Lasst uns die Ketzer berauben und allzumal zu Tode schlagen. (Denn es haben die Feinde Gottes oftmals bei sich selbst beschlossen, sie wollen die ganze christliche Kirche miteinander auf einmal vertilgen, dass sie aber, Gott sei Dank, noch nie ins Werk richten mögen.)

Häuser: Nämlich die Synagogen oder Schulen, darin Gottes Wort gelehrt und das Gebet verrichtet wurde. Der vornehmste Tempel aber oder die Pfarrkirche (wie man es nennen möchte), darin man opferte, war einzig und allein zu Jerusalem. * (Nach Luther) Das ist: Die Orte, da Gott sein Wort hat, als da sind in den Schulen.

9. Unsere Zeichen sehen wir nicht und kein Prophet predigt mehr und kein Lehrer lehrt uns mehr.

Uns mehr: Als wollte er sprechen: Zu solchem großen Unfall kommt noch ein anderes, viel beschwerlicher, dass wir nämlich keine Propheten mehr haben, die in Gesichten, aus besonderen Zeichen Gottes Willen erlernen und uns dessen berichten könnten. Solcher sind wir jetzt beraubt und ist keiner mehr vorhanden, der uns aus Gottes Wort tröstete und wenn dies unser Elend ein Ende nehmen werde, anzeigte. Denn obwohl Jeremia in der Belagerung der Stadt Jerusalem geweissagt hatte, dass die Israeliten siebzig Jahre in dem babylonischen Gefängnis bleiben würden. So ist doch, nach dem die Stadt eingenommen worden, Jeremia nicht mit den Juden gen Babel, sondern später mit den übergebliebenen in Ägypten gezogen {Jer 43}. Deswegen denn der größere Teil, wie oft geschieht, in solchem Jammer der Weissagung des Propheten vergessen oder doch wenig Hoffnung gehabt und wohl bedurft, dass sie von neuem getröstet und gestärkt würden. Und obwohl Hesekiel zehn Jahre vor der Stadt Jerusalem Zerstörung mit dem Könige Jechanja gen Babel ins Elend gezogen, so sieht es ihm doch aus diesem Text gleich, dass er nicht ganz lange zu Babel gelebt habe. Nachdem nun derselbe auch den Tod erfahren, haben die Juden im Gefängnis keinen Propheten mehr gehabt. (Das ist unter allem Jammer der größte, wenn man gottseliger und reiner Kirchendiener in Mangel steht, die unsere Gewissen mit beständigem Trost aus Gottes Wort stärken könnte.)

10. Ach, Gott, wie lange soll der Widerwärtige schmähen und der Feind deinen Namen so ganz verlästern?

Ach: Jetzt bittet der Prophet Gott den Herrn, dass er der Feinde Übermut steuere.

Widerwärtige: Der dich und deine Lehre samt uns verspottet.

Verlästern: Willst du denn immer zusehen, dass dein allerheiligster Name gelästert werde, da sie ihre Abgötter und falsche Lehre dir und deinem heiligen Gottesdienst vorziehen? (Denn es tut frommen Herzen wehe, wenn der Name Gottes und die reine Lehre gelästert wird.)

11. Warum wendest du deine Hand ab und deine Rechte von deinem Schoß so ganz?

Schoß: (Nach Luther) Dies ist der Tempel, darin Gott sein Volk versammelt und lehrt, wie eine Mutter ihr Kind trägt und säugt.

So ganz: Das ist: Warum entziehst du deiner Kirche deinen Schutz, Schirm und allmächtige Hilfe so ganz, die wir doch dir zuvor gleichsam im Schoss gesessen sind?

12. Aber Gott ist mein König von alters her, der alle Hilfe tut, so auf Erden geschieht.

Aber: Jetzt fängt der Prophet an, sich wiederum zu erholen und aufzurichten in seinem Glauben und sucht Stärkung desselben, aus der Verheißung Gottes und seinen herrlichen Taten, damit er später desto inbrünstiger zu Gott um Hilfe schreien möge.

alters her: Das ist: Der Sohn Gottes, unser Herr und Gott, hat sich schon vor der Zeit öffentlich verlauten lassen, er sei unser König, daher er auch über unsere Voreltern erzürnt wurde, da sie ihn, als den rechten wahren König gleichsam verworfen und einen anderen begehrten: Deswegen hoffe ich, er werde sein Reich, zu dem wir ja gehören, nicht ganz verlassen.

Geschieht: Denn dieser unser König hat uns, seinen Untertanen, den Israeliten, bisher in solchem seinem Reich oftmals Hilfe geschafft, darum wird er uns künftig auch nicht ganz wegwerfen. (Uns gebührt desgleichen, dass wir in Erwägung vorgehender göttlicher Hilfe gute Hoffnung und Vertrauen schöpfen, dass uns Gott auch künftig nicht lassen werde.)

13. Du zertrennst das Meer durch deine Kraft und zerbrichst die Köpfe der Drachen im Wasser.

Zertrennst: Da du nämlich dein Volk aus der ägyptischen Dienstbarkeit geführt hast.

Drachen im Wasser: d. i. Den Tyrannen Pharao und seine Fürsten hast du zugrunde gerichtet. (Denn ein Tyrann ist in der Welt wie ein Walfisch oder großer Meerfisch, der mit den anderen kleineren Fischen nach seinem Lust und Wohlgefallen gräulich umgeht.) * (Nach Luther) Drachen und Walfische sind Tyrannen, als Pharao und seine Fürsten.

14. Du zerschlägst die Köpfe der Walfische und gibst sie zur Speise dem Volk in der Einöde.

Walfische: Das ist: Auch die Art der allergrößten Fische, welche man Walfische nennt, gibst du in der Menschen Gewalt, dass solche Walfische, ob sie wohl unglaublich groß, dennoch umgebracht und der Menschen Speise werden: Denn es bezeugen die, welche mancherlei Länder und Völker Art und Eigenschaften beschreiben, dass Völker sind, die allein ihre Nahrung von Fischen haben, daher man sie Fischfresser nennt. Der große Walfisch aber, wie aus dem 3. und 40. Kapitel des Buches Hiob und anderen Orte der Schrift zu sehen, bedeutet den Teufel, den mächtigen und grausamen Tyrannen mit allen seinen bösen Geistern. Es werden aber auch, wie kurz zuvor gemeldet, die Tyrannen also genannt, dieweil sie aus Anreizung und Antrieb des leidigen Teufels Unruhe in der Welt anrichten und nach allem Lust und Wohlgefallen des Teufels die frommen gottseligen Leute mit Plündern und Würgen plagen und martern. (Nun ist kein Tyrann so stark, dem Gott nicht könnte seinen Kopfzertreten, dass er auch armer verachteter Leute Raub und Spott werde müsse.)

15. Du lässt quellen Brunnen und Bäche; du lässt versiegen starke Ströme.

Quellen: Du zerspaltest gleichsam das Erdreich, wenn dir es gefällt, dass Brunnen und Bäche herausfließen (wie du vorzeiten einen Backenzahn in des Esels Kinnbacken gespaltet hast, dass Wasser herausging, davon sich Simson, der müde und matt war, erquickt wurde), dadurch ein Land gewässert wird, dass man es bebaut und bewohnt. * (Nach Luther) Gott baut Land und Städte, er verstört sie auch wieder.

Versiegen: Du machst, dass die Brunnen und Bäche vertrocknen, wenn es dich also gut erscheint und richtest die Ströme oder Wasserflüsse anderswohin, dass jenes Land unfruchtbar und zur Wüste wird. (Denn dies ist offenbar, dass die Brunnen entspringen oder vertrocknen nach Gottes freiem Willen, dass auch bisweilen die Wasserströme einen anderen Lauf und Ausgang suchen. Dadurch denn angezeigt wird, dass Gott seinen Segen gebe und nehme, wem und wenn er will. Das werden oftmals die vortrefflichen stattlichen Gewerbestädte inne, welche am See, oder am Meer liegen und die gelegenen einträglichen Anfahrten verlieren.)

16. Tag und Nacht ist dein; du machst, dass beide, Sonne und Gestirne, ihren gewissen Lauf haben.

Lauf haben: Das ist: Du hast Tag und Nacht samt beiden großen Lichtern, Sonne und Mond, in deiner Gewalt. Also dass die ganze Welt weder den Tag vor der Zeit hervorbringen, noch die Nacht verwehren oder hindern, noch auch keines Gestirns Lauf wenden, stellen oder fördern kann. (Also hast du auch in deiner Hand Glück und Heil, welches durch den Tag bedeutet wird und die Widerwärtigkeit, welche durch die Nacht abgebildet wird.)

17. Du setzt einem jeglichen Lande seine Grenze; Sommer und Winter machst du.

Grenze: Und hast vor langer Zeit einem jeglichem Volk bestimmt, wie weit und wie breit sich seine Herrschaft erstrecken soll, welches Ziel niemand übergehen kann.

Machst du: Du unterscheidest die Jahreszeiten und ist weder die Änderung der Luft noch die Jahreszeit in keines auch des allermächtigsten Monarchen Gewalt. Darum so steht all unsere Hoffnung zu dir unserem Gott, dem Schöpfer Himmels und der Erde, der du alles in deiner Hand hast und kannst uns wiederum den lieblichen Sommer aller Freuden hervorbringen, dass wir uns zu dir versehen, du wirst deine Macht, Güte und Gnade wiederum gegen uns erzeigen. (Wohlan, also sollen wir die Geschöpfe Gottes und sein täglich Werk, wie er die Kreaturen erhalte, ansehen und betrachten, dass daher unser Glaube Trost fasse, wenn wir Gottes Macht und Güte bei den selbigen nicht allein sehen, sondern gleich als mit Händen greifen.)

18. So gedenke doch des, dass der Feind den Herrn schmäht und ein töricht Volk lästert deinen Namen.

So: Damit Gott seine Macht und Hilfe an seinem Volk sehen lasse, kommt der Prophet wiederum auf der Feinde Gotteslästerung und erzählt die selbige.

Den Herrn: Dich unseren Gott und nicht uns allein, es ist deine Sache. Willst du denn solches gräuliches Laster den Feinden ungestraft hingehen lassen? O Herr verderbe und vertilge sie und komme uns zu Hilfe.

Töricht Volk: Das nichts von der rechten Religion weiß, darin allein die rechte und höchste Weisheit steckt.

19. Du wollest nicht dem Tier geben die Seele deiner Turteltaube und deiner elenden Tiere nicht so ganz vergessen.

Tiere: Den grausamen Chaldäern, die viel grimmiger sind als Löwen und Wölfe.

Turteltauben: Das ist: Lass die grausamen Feinde nicht also in deine Kirche einfallen, dass sie uns um das Leben bringen.

Vergessen: Dass du die armen elenden Menschen den grausamen Tyrannen übergibst, sie zu erwürgen. (Dieses ist aber ein solches Gleichnis, das einem recht zu Herzen geht, gleich als wenn einer vor sich sehe, wie man ein Turteltäublein, das holdselige Vögelein, einem wilden Tier zu zerreißen gebe. Nun wird die christliche Kirche einer Turteltaube oder einer anderen Tauben auch im Hohelied Salomons verglichen, um der einfältigen Tauben Art willen, davon Matth. 10. geredet wird. Auch um der Liebe willen, die sie gegen ihren Bräutigam Christus trägt und denn um der Fruchtbarkeit willen, da sie durch die Predigt des Wortes Gottes dem Herrn Christus stetig viele Kinder geistlicherweise bezeugt.)

20. gedenke an den Bund; denn das Land ist überall jämmerlich verheert und die Häuser sind zerrissen.

Bund: Den du mit uns aufgerichtet hast, dass du wollest unser Gott und Heiland sein. Und ob wir gleich diesen Bund durch Ungehorsam übergangen haben. Jedoch dieweil wir nun mit bußfertige Herzen wiederum uns zu dir bekehren, so wirst du den Bund in seinen Kräften bleiben lassen. (Also sollen auch wir unseren Gott des Bundes erinnern, welchen er mit uns in der Taufe gemacht hat. Denn obwohl auch wir durch Sünden vielfältig von dem Bund sind abgewichen, so bleibt doch Gott treu, der die, so von Herzen Buße wirken, zu Gnaden und Schutz wieder annimmt, in Ansehung oben gedachten Bündnisses.)

Zerrissen: Das Land ist voll Feinde, die alles verwüsten und einen unsäglichen Mutwillen treiben.

21. Lass den Geringen nicht mit Schanden davongehen, denn die Armen und Elenden rühmen deinen Namen.

Geringen: Nämlich dein Volk, das sich für dir gedemütigt, lasse nicht von deinem Angesicht ohne erlangte Hilfe hinweggehen, als die vergeblich auf dich gehofft hätten. Denn das ist ganz wider deine Art und Natur, der du sooft versprochen hast, dass niemand, der auf dich traut, soll zuschanden werden.

Rühmen: Und werden sich dankbar erzeigen, wenn du sie errettet hast.

22. Mache dich auf, Gott und führe aus deine Sache; gedenke an die Schmach, die dir täglich von den Toren widerfährt.

Deine Sache: Denn es nicht nur um unser Verderben, sondern vielmehr um deines Namens Ehre zu tun ist, welche von den Feinden mutwilliger und schändlicherweise angetastet wird.

Schmach: Welche dir von den Feinden angelegt wird. Denn es ist des Schmähens und Lästerns kein Ende.

Toren: Den gottlosen Chaldäern und Heiden.

23. Vergiss nicht des Geschreies deiner Feinde; das Toben deiner Widerwärtigen wird je länger je größer.

Feinde: Dass du dich an ihnen rächst.

Größer: Und nimmt nicht ab. (Denn wo die Feinde Gottes Glück und Fortgang haben, da werden sie je länger je übermütiger und fehlt nicht viel, dass sie auch Gott im Himmel öffentlich absagen und zu schlagen anbieten. Als denn so ist Zeit, dass wir Gott durch unser Gebet aufmuntern und ihn erinnern, da er ja unser sich nicht annehmen wollte, dass er doch der Feinde Mutwillen, welcher auch wieder ihn selbst angesehen ist, mit seiner Allmacht dauern und steuern wolle. Solches Gebet wird auch nicht leer aufhören, sondern zu seiner Zeit den Feinden jämmerlich den Hals brechen.)


Der 75. Psalm


1. In diesem Psalm sagt der Sohn Gottes neben seiner Kirche dem himmlischen Vater Dank, dass er seine Kirche erhalte, und tröstet zugleich dieselbe ganz herrlich, dass er ihre Feinde stillen, zurücktreiben und strafen, sie aber hierzwischen beschützen und beschirmen wolle, dass der himmlische Vater darüber ewig soll gelobt und gepriesen werden. Aus diesem Psalm sollen wir uns trösten, wenn entweder falsche Lehrer oder die Tyrannen oder beide zugleich einen Einfall in die Kirche Gottes tun, als ob sie dieselbe ganz ausrotten wollten. Denn der Sohn Gottes wird die Feinde seiner Kirchen unterdrücken.

1. Ein Psalm und Lied Assaphs, dass er nicht umkäme, vorzusingen.

Nicht umkäme: Das ist: Darin Gott angerufen wird, dass seine heilige Kirche nicht untergehe. Denn obwohl dieser Psalm mehr ein Dank- und Trost- als ein Betpsalm ist. So reimt sich doch diese Überschrift nicht übel hierher. Denn wenn wir Gott für die empfangenen Guttaten Dank sagen, so vermögen wir ihn dahin, dass er wiederum neue Guttaten erzeigt und ihm seine Kirche so viel desto höher und mehr angelegen sein lässt.

2. Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist.

Wir: Ich und meine Kirche, spricht Christus, die an mich glaubt.

Nahe ist: Dieweil du mit deiner Hilfe so nahe bei deiner Kirche bist (Denn ob sich es wohl ansehen lässt, Gott sei ferne von seiner Kirche, wenn sie mit Jammer und Elend überfallen wird, so ist er doch alsdann am allernächsten bei den Frommen, wenn sie in der höchsten Not und Gefahr sind, laut des Spruchs im 91. Psalm: Ich bin bei ihm in der Not. Danach sehen wir hierbei, dass sich Christus auch mit seiner Kirche freut und der selbigen Glück wünscht, wenn sie errettet und erlöst wird.)

Nach Luther: Der uns bald und getrost hilft und erhält.

3. Denn zu seiner Zeit so werde ich recht richten.

Seiner Zeit: Wenn es mir gelegen sein wird.

Recht richten: Und werden die Feinde meiner Kirche rechtschaffen hernehmen und strafen, nicht allein am Jüngsten Gericht, sondern auch noch in diesem Leben. Welches denn der Herr Christus hinzusetzt, damit wir seine, als Gottes und Menschen, des Richters der lebendigen und Toten, Majestät und Herrlichkeit erkennen. Und nicht dafür halten, dass er nach seiner Gottheit geringer sei denn der Vater. Auch dass wir verstehen, durch wen Gott der Vater seiner Kirche Hilfe schaffe. (Denn vor dem Jüngsten Tag stößt Christus viele Tyrannen vom Stuhl, wie wir später hören werden.)

4. Das Land zittert und alle, die darin wohnen; aber ich halte seine Säulen fest. Sela.

Zittert: Ich will sie mit solchem Ernst strafen, dass Land und Leute vor Angst zerschmelzen und verschmachten sollen und werden die Feinde Gottes vor meinem gerechten Grimm bestehen wie Butter in der Sonne. (Denn es entfällt den Feinden Gottes das Herz ganz, wenn sie von Gott mit ernster und wohlverschuldeter Strafe heimgesucht werden.)

Säulen: (Nach Luther) Die Frommen erschrecken vor Gott, aber er stärkt sie doch, die Gottlosen bleiben stolz und gehen also unter.

Feste: Mit diesen Worten tröstet Christus die Frommen, so mitten unter den Tyrannen wohnen und in Gefahr und Sorgen stehen, wenn Gott in der Zerstörung der Königreiche die Tyrannen zu Platz legt. Als wollte er sprechen: Ich will gewisslich meine Auserwählten, welche gleich als Säulen sind, in solchem Strudel erhalten. (Denn gleichwie ein gewölbter Bau auf Säulen gesetzt und damit aufgehalten wird, dass er nicht zu Haufen falle. Also wird die Welt aufgehalten um der Auserwählten willen. Denn wenn die Auserwählten allzumal aus der Welt hinweg genommen würden, so würde Gott die Welt bald in einen Haufen stoßen. Diese Säulen aber erhält Christus auch in gemeinen Landstrafen. Als wie den Jeremia in Eroberung der Stadt Jerusalem und andere Fromme mehr. Oder er führt sie heraus vor dem Verderben, wie den Patriarchen Lot aus Sodom. Oder aber erhält sie auch mitten im Tode zu dem ewigen Leben, wie den frommen Jonathan, der in der Schlacht umgekommen ist.)

5. Ich sprach zu den Ruhmredigen: Rühmt nicht so! Und zu den Gottlosen: Pocht nicht auf Gewalt!

Sprach: Ich habe vor langer Zeit schon durch mein Wort die Gottlosen, übermütigen und ruhmredigen Feinde und Verfolger der Gottseligen erinnert, sie sollen davon abstehen und sich nicht so rühmen wider die Kirche Gottes und nicht auf ihre Macht pochen, als ob sie die Kirche Gottes ganz ausrotten wollten und solches auch könnten.

6. Pocht nicht so hoch auf eure Gewalt, redet nicht halsstarrig,

Gewalt: Ihr dürft nicht eure Macht so hoch rühmen und erheben, bis in den Himmel hinauf. * (Nach Luther) Hebräisch, auf die Hörner, welche bedeuten Gewalt.

Halsstarrig: Lästert nicht mich und meine Kirche so mutwillig, rühmt auch nicht, dass ihr mein Evangelium und alle, die an mich glauben, austilgen wolltet. (Es werden aber die Tyrannen als denn durch Christus erinnert, wenn sie durch fromme Kirchendiener Predigten oder Schriften ermahnt werden, dass sie von ihrer Verfolgung ablassen. Aber sie verachten oft solche Erinnerung halsstarrig, wie Pharao des Mose und Aarons Bitte und Predigt verachtete, bis er im Roten Meer ersäuft wurde.)

7. es habe keine Not, weder von Aufgang noch von Niedergang, noch von dem Gebirge in der Wüste.

Keine Not: Also weiß ich (will Christus sagen), dass ihr trotzig zu Ratschlagen steht, wie ihr meine Kirche vertilgen wolltet und haltet, davor, es stehe euch keine Gefahr darauf.

Wüste: Welche gegen Mittage liegt, zwischen dem Lande Kanaan und Ägypten. (Hiermit deutet der Heilige Geist auf die drei Orte des Landes Kanaan, darin damals die Kirche Gottes war, und zeigt an, dass die Feinde der selbigen, auf die drei Ort des Landes sehen, von derer keinem sie das wenigste nicht bewahren, darum sind sie sicher, denken aber hier nicht daran, dass von dem vierten Ort, nämlich von Mitternacht her, ihr Verderben kommen möge. So tut nun der Heilige Geist hierbei so viel Andeutung, dass die vornehmsten Feinde der Kirche Gottes, das ist, der Antichrist zu Rom, mit seinem Anhang mitten in der Kirche Gottes, oder wie Paulus redet, im Tempel Gottes ihre Wohnung habe und in großer Sicherheit die christliche Kirche plage. Es hat sich aber auch der Antichrist zu Rom keiner Gefahr von Mitternacht her, aus Sachsen, daher Doktor Luther, seliger Gedächtnis, gekommen, besorgt, da doch der Geist Gottes vom selbigen Ort der Welt her, des Antichrist tyrannisches Reich mit Predigten und Schriften angegriffen hat und ihm einen solchen Schaden getan, dergleichen ihm kein Monarch tun könne, wenn er gleich alle seine Kriegsmacht daran gesteckt hätte.)

8. Denn Gott ist Richter, der diesen erniedrigt und jenen erhöht {1Sam 2v7 Dan 5v21}.

Ist Richter: Darum lasst ab (spricht der Sohn Gottes) meine Kirche zu unterdrücken.

Erhöht: Ihr sollt erfahren, dass ich, der ewige Gott, ein gerechter Richter, wider euch streiten werde, der ich kann die Gewaltigen demütigen und vom Stuhl stoßen, die Demütigen aber erhöhen. (Hieraus ist zu sehen, dass Christus der Richter, der Lebendigen und der Toten Gott ist. Derselbe Gott (gelobt in Ewigkeit {Röm 9}), der zur Rechten des Vaters sitzt, demütigt die Hoffärtigen, besonders die Tyrannen und erhöht die, so unterdrückt worden sind.)

9. Denn der Herr hat einen Becher in der Hand und mit starkem Wein voll eingeschenkt und schenkt aus demselben; aber die Gottlosen müssen alle trinken und die Hefen aussaufen {Ps 60v5}.

Eingeschenkt: Darum hütet euch ihr Gottlosen, euer Verderben ist nicht weit.

Schenkt: (Nach Luther) Das ist, er teilt einem jeglichen sein Maß zu, dass er leide, aber die Grundsuppe bleibt den Gottlosen.

Aussaufen: Als wollte Christus sprechen. Ich habe in meiner Hand einen Becher voll großer Trübsal und Jammers und aus dem selbigen werden zwar auch meine Auserwählten trinken, ein jeder sein Teil. Aber die gottlosen Weltkinder will ich mit Gewalt dazu anhalten, sie wollen oder wollen nicht, dass sie nichtsdestoweniger die Hefen aussaufen müssen und will schrecklichen Jammer über sie ausschütten, dass sie in dieser Welt jämmerlich umkommen und dort ewig gepeinigt werden sollen. Sie müssen mir die Hefen aussaufen, die wird ihnen das Herz abstoßen. Wenn denn ein Christenmensch dieses recht betrachtet, so wird er sein Kreuz und Trübsal desto leichter und geduldiger tragen, dass er nur nicht die Hefen austrinken darf.

10. Ich aber will verkündigen ewig und lobsingen dem Gott Jakobs.

Ich: Nämlich ich, Christus, samt meiner Kirche.

ewig: Und will alle Zeit die wunderlichen Werke meines himmlischen Vaters, die er tut in Erlösung und Erhaltung seiner lieben Kirche, loben und preisen.

Lobsingen: Zu dank für die Guttaten, welche er an meinen Auserwählten gewendet hat. (Denn Christus auch im stand seiner Herrlichkeit geringer ist als der Vater, so viel seine Menschheit belangt. Darum er es ihm zu Dank zuschreibt, dass er seine Kirche erlöst, ungesehen, dass er selbst zugleich mit dem Vater solche herrlichen Taten ausrichtet.)

11. Und will alle Gewalt der Gottlosen zerbrechen, dass die Gewalt des Gerechten erhöht werde.

Zerbrechen: Das ist: Ich will zu seiner rechten Zeit der gottlosen Gewalt zunichtemachen und der Frommen Macht herrlich und hoch erheben, dass sie hervorkommen und bei anderen, mit Verwunderung jedermann im Ansehen sein sollen. Dergleichen hat sich etwas zugetragen, da die Feinde Daniels in die Löwengrube geworfen wurden, dagegen aber Daniel zu hohen Ehren und Gewalt kam {Dan 6}. (Und gewisslich hat Gott derer Beispiel viele sehen lassen, dass anstatt der Tyrannen und Feinde der rechten reinen Lehre, die von Gott gedämpft wurden, anderen Regenten gekommen sind, welche die Kirche Gottes lieb und wert gehalten, auch hoch erhoben haben. Darum wir denn mit Geduld der Gerichte Gottes unseres Herrn Jesu Christi wider die Verfolger warten sollen.)


Der 76. Psalm


1. In diesem Psalm wird Gott gelobt und gepriesen, dass er seine Kirche wider das Wüten und Toben der Tyrannen wunderlich beschirme, der Feinde Trotz und Übermut dämpfe und sie ins Verderben stürze. Und ermahne der Prophet die Kirche, dass sie für solche große Guttat dankbar sein soll. Dieser Psalm wird uns nütze sein, dass wir uns damit, wenn wir Verfolgung halben in Not und Gefahr stehen, trösten mögen. Da wir aber daraus errettet sind, sollen wir diesen Psalm anstatt der Danksagung sprechen.

1. Ein Psalmlied Assaphs, auf Saitenspiel vorzusingen.

2. Gott ist in Juda bekannt, in Israel ist sein Name herrlich.

Gott: Nämlich der rechte wahre Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat.

Juda bekannt: Durch Juda aber versteht der Prophet das ganze Land Kanaan und ist zwar bekannt aus seinem geoffenbarten Wort und den wunderlichen Werken, auch sonderlichen Guttaten, die er seinem Volk erzeigt hat.)

Herrlich: Er hat einen herrlichen Namen bekommen bei seinem Volk, dem er ist bekannt geworden.

3. Zu Salem ist sein Zelt und seine Wohnung zu Zion.

Salem: Das ist: Jerusalem, so vorzeiten Salem geheißen, danach ist das Wörtlein Jeru, dazu gesetzt, welches ein Gesicht heißt. Und sieht ihm gleich, dass vorzeiten darin gewohnt habe Sem, der Sohn Noah, von dem etliche halten, dass es eben der gewesen, welcher {1Mos 14} Melchisedek genannt wird, ein König zu Salem. Und dieweil man erachtet, dass er, als ein Prophet Gottes, von künftigen Dingen geweissagt habe, mag es sein, dass daher die Stadt Salem Jerusalem genannt werde, damit man so viel anzeigen wolle, dieses ist das Salem, in dem prophetische Gesichte und Weissagungen sein.

Zu Zion: Auf demselben Berge in der Stadt darin hat unser Herr und Gott seine Wohnung. Denn es hatte David die Hütte des Stifts dort aufgeschlagen und die Lade des Bundes darin stellen lassen. Weil nun Gott versprochen hatte, dass er am selben Ort künftige Ding offenbaren, wie auch das Gebet erhören wollte, sagte man von ihm, dass er da wohnte, welcher doch sonst überall ist und Himmel und Erde erfüllt {Jer 23}. dort aber war damals besonders die Kirche Gottes und das war die oberste Pfarrkirche, denn da predigte man Gottes Wort, brachte die Opfer und da war der rechte Gottesdienst in Übung. (Heutigentags ist bei uns die Kirche Gottes, denn da hörte man die Predigt des Evangeliums von Christus und werden die Sakramente recht ausgespendet.)

4. dort zerbricht er die Pfeile des Bogens, Schild, Schwert und Streit. Sela {Ps 46v10}.

dort: Jetzt erzählt der Prophet, wie Gott seine Kirche beschütze und beschirme.

Und Streit: Das ist: Damit Gott seine Kirche beschütze, so zerbricht er der Feinde Wehr und Waffen und macht des Krieges ein Ende. Denn alle Völker, welche wider David und seine Nachkommen, die frommen Könige, einen Krieg angefangen, haben es allein der Meinung getan, dass sie die königliche Stadt Jerusalem vertilgen wollten. Und ob sie wohl nicht alle mit Heereskraft bis an die Stadt hinten angerückt, so war jedoch das ihr Vorhaben, dass sie die Stadt und das ganze Königreich zerstören und zugrunde richten möchten. Denn der Satan ist dieser Stadt um des rechten Gottesdienstes willen besonders aussätzig gewesen. Aber Gott hat der Gottlosen Feinde Anschläge zunichtegemacht, dass sie zurückgetrieben wurden und mit Schanden abziehen mussten. Also ist Jerobeam mit seinem Heer hinweggeschlagen worden {2Chr 13}. Desgleichen ist es Serah, dem Könige der Mohren widerfahren {2Chr 14}. Also ist es auch gegangen den Ammonitern und Moabitern {2Chr 20}. Wie ebenmäßig Sanherib, der König in Assyrien, mit Schanden abziehen musste {2Sam 19}. (Heutigentags aber zerbricht Gott nicht weniger die Pfeile der Feinde und verwüstet ihre Kriegsrüstung, sooft er die Anschläge der Feinde des Evangeliums zunichtemacht und etwa einen Tyrannen oder zwei, welche der Kirche Gottes nach ihrem Verderben getrachtet, einstmals unversehens aufräumt.)

5. Du bist herrlicher und mächtiger denn die Raubeberge.

Raubeberge: Das ist: Die Herrlichkeit unseres Herrn und Gottes, welcher seine Kirche so wunderlich zu beschirmen weiß, ist viel größer denn der Monarchen und Potentaten in dieser Welt Herrlichkeit und viel stattlicher denn die allermächtigsten Königreiche, welche anderer Leute Güter und Reichtum zu sich reißen und mit Gewalt an sich bringen. (Denn Gott hat auch den Monarchen zu gebieten und kann sie unter das Joch zwingen, sooft es ihm gefällig ist. Wie solches die Beispiele Pharao, Nebukad Nezars und anderer bezeugen.) * (Nach Luther) Das sind die großen Königreiche und Fürstentümer, als Assyrien, Babylon und Ägypten, welche die Länder mit Streit unter sich brachten und also zu sich raubten.

6. Die Stolzen müssen beraubt werden und entschlafen und alle Krieger müssen die Hände lassen sinken.

Lassen sinken: Das ist: Du unser Gott hast es dahin gebracht, dass die, welche mit großen Hochmut daher gekommen sind, uns zu berauben, sind eingeschlafen, haben sich hingelegt und uns zum Raub geworden, haben auch nicht so viel Kraft gehabt, dass sie uns Widerstand tun konnten. (Denn Gott macht die Feinde gleichsam matt und lahm, dass sie ihre Stärke nicht benutzen können.) * (Nach Luther) Sie haben keine Fäuste mehr, können nicht schlagen, sind feige und verzagt.

7. Von deinem Schelten, Gott Jakobs, sinkt in Schlaf beide, Ross und Wagen.

Schelten: Wenn du deinen Zorn gegen deine Feinde sehen lässt, so liegen darnieder auch die mannhaften und stärksten Kriegsleute, die zu Ross oder zu Wagen streiten. Denn vorzeiten hat man besondere Streitwagen in den Kriegen gebraucht.

8. Du bist erschrecklich. Wer kann vor dir stehen, wenn du zürnst?

Zürnst: Wer will vor deiner Gewalt bleiben, wenn du dich zornig erzeigst? (Denn welchen Gott zu stürzen im Sinn hat, dem mag niemand aufhelfen. Weil wir deswegen einen solchen mächtigen Gott haben, der mit uns ist, wer will wider uns sein {Röm 8}? Wer mag uns Schaden tun?)

9. Wenn du das Urteil lässt hören vom Himmel, so erschrickt das Erdreich und wird still,

Stille: Das ist: Wenn Gott sein gerechtes Urteil oder Gericht vom Himmel offenbart, so greift er seine Feinde mit solcher Majestät und Herrlichkeit an, dass alle Kreaturen erzittern und sich nicht regen dürfen. Also hat er sein Urteil vom Himmel geoffenbart, da Gott, als Josua wider die Kanaaniter stritte, einen Hagel über seine Feinde schickte, dass ihrer mehr vom Hagel starben denn die Kinder Israel mit dem Schwert erwürgten {Jos 10} also da die Philister die Israeliten überfielen, Gott aber mit einem großen Donner sie schreckte, dass sie vor Israel flohen und geschlagen wurden {1Sam 7}.

10. wenn Gott sich aufmacht, zu richten, dass er helfe allen Elenden auf Erden. Sela.

Zu richten: Dass er Recht schaffe und errette die betrübten und angefochtenen Menschen, so erzeigt Gott seine herrliche Majestät. (Denn Gott ist ein Rächer der unterdrückten und bedrängten Leute.)

11. Wenn Menschen wider dich wüten, so legst du Ehre ein; und wenn sie noch mehr wüten, bist du auch noch gerüstet.

Noch mehr: Dass sie nicht aufhören oder ablassen wollen, deine Gläubigen zu verfolgen.

Gerüst: Sie zu verderben. (Denn je mehr die Tyrannen toben wider die christliche Kirche, je stattlicheren Sieg Gott davonbringt, wenn er sie zugrunde richtet, seine Kirche aber erhält, obgleich etliche Glieder der christlichen Kirche durch den Tod und Marter zum Himmel eingeführt werden.)

12. Gelobt und haltet dem Herrn eurem Gott, alle, die ihr um ihn her seid; bringt Geschenke dem Schrecklichen,

Gelobt: Jetzt ermahnt der Prophet jedermann zur Dankbarkeit. * (Nach Luther) Dass er soll euer Gott sein, wie das erste Gebote will, und gelobt nicht den Heiligen noch andere Gelübde.

Haltet: Die Gelübde, so ihr getan habt.

Seid: Die ihr um die Hütte des Herrn eure Wohnung habt. Es sieht aber der Prophet auf der Israeliten Lager in der Wüste, welche also geordnet waren, dass die Hütte des Stifts in der Mitte war. Deswegen ermahnt er die Kinder Israel, dass sie nach Gewohnheit und Brauch des Alten Testaments Gott dem Herrn zur Danksagung freiwillige Opfer zu tun geloben und versprechen sollen, auf dass er sie von ihrer Feinde Hand künftig errette. Erinnert sie daneben, dass sie dasjenige, was sie also gelobt und versprochen, in der Tat leisten, dem Gott, der seinen Feinden schrecklich sei. (Hiermit aber will der Prophet die mönchischen und heuchlerischen Gelübde nicht bestätigt haben, welche zum Teil wider Gott, zum Teil aber zu halten unmöglich sind. Solche Gelübde soll man nicht geloben oder versprechen, auch nicht halten. So aber jemand etwas, das gottselig und zu halten möglich ist, geloben würde, denselben erinnern auch wir selbst, solche Gelübde zu halten.)

13. der den Fürsten den Mut nimmt und schrecklich ist unter den Königen auf Erden.

Auf Erde: Der sich bei den großen Potentaten schrecklich sehen lässt, dass die, so nur seine Gegenwart spüren, davor erzittern. (Denn es steht in Gottes Gewalt, den Menschen, wenn sie auch gleich mächtig und gewaltig sind, den Mut zu geben oder zu nehmen. Darum wir richtig diesen mächtigen Gott loben und preisen sollen, welcher unsere Feinde zaghaft macht, damit wir inzwischen in stiller Ruhe und guten Frieden leben mögen.)


Der 77. Psalm


1. In diesem Psalm lehrt Assaph, wohin wir unsere Zuflucht haben sollen, wenn wir in großen Ängsten und Nöten stecken, nämlich zu unserem Herrn und Gott durch das Gebet. Und zeigt dabei ganz artig an, was für traurige Gedanken entstehen in dem Herzen eines Menschen, der beschwerlich angefochten und sehr betrübt ist. Danach erinnert er uns bei seinem Beispiel, dass wenn unsere Herzen sehr betrübt sind, wir die wunderlichen Werke Gottes mit Fleiß betrachten sollen, dass wir daher unseren Glauben und Hoffnung in Widerwärtigkeit stärken, bis unser Herz wiederum ruhig werde. Mit diesem Psalm sollen wir uns erquicken, wenn wir etwa in großem Herzeleid gesteckt sind.

1. Ein Psalm Assaphs für Jeduthun, vorzusingen.

Jeduthun: Dieser ist der Vornehmsten einer gewesen unter den geistlichen Sängern, welche mit Harfe, Psalter und Zimbeln bei der Hütte des Herrn spielten zur Zeit Davids {1Chr 26}. Darum, wenn dieser Psalm gesungen wurde, hat man auch die musikalischen Instrumente und allerlei Saitenspiel darin gerichtet.

2. Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott; zu Gott schreie ich und er erhört mich.

Schreie: Von Hilfe und Trost.

Erhört mich: (Denn gewisslich erhört Gott der gläubigen Gebet, ob er sich gleich eine Zeit lang stellt, als achte er dessen nicht. Und bei ihm ist es ein großes Geschrei, wenn gleich nur das Herz nach göttlicher Hilfe seufzt.)

3. In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn; meine Hand ist des Nachts ausgestreckt und lässt nicht ab; denn meine Seele will sich nicht trösten lassen.

Suche: Mit meinem Gebet: Und wenn mir etwas angelegen ist, so laufe ich unserem Herrn und Gott zu.

Ausgestreckt: Denn also pflegen die zu tun, welche inbrünstig beten.

Nicht ab: Ich höre nicht auf meinem Gott mit aufgehoben Händen, um Hilfe zuzuschreien.

Nicht trösten: (Dies widerfährt auch den frommen Herzen, dass sie etwa in schwerer Anfechtung eine Zeit lang keinen Trost annehmen wollen. Als denn aber sollen sie mit dem Gebet anhalten. Und ist unserem Herrn Gott nichts daran gelegen, es geschehe gleich solches mit lauter Stimme und äußerlichen Gebärden oder aber ohne äußerliche Gebärden allein mit herzlichem Seufzen, welches Gott ganz wohl hörte.)

4. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott; wenn mein Herz in Ängsten ist; so rede ich. Sela.

Rede ich: Von Gottes Wort. Und ist mir dieses gewisslich in mancher beschwerlichen Anfechtung begegnet, dass, wenn ich mir gleich die Verheißungen Gottes wohl eingebildet habe und denselben fleißig nachgedacht, mein Herz nichtsdestoweniger ganz betrübt gewesen ist. (Was dieses sei, das wissen die, so es erfahren haben. Daneben aber erhält der Heilige Geist in ihrem Herzen immer ein verborgenes Fünklein, wenn es gleich scheint, als ob uns aller Trost verschwinden wollte.)

5. Meine Augen hältst du, dass sie wachen; ich bin so ohnmächtig, dass ich nicht reden kann.

Wachen: Du lässt mich nicht schlafen vor großer Angst.

Ohnmächtig: Ich bin so matt und kraftlos, dass ich auch nicht mag das Maul auftun.

6. Ich denke der alten Zeit, der vorigen Jahre.

Jahre: Da ich konnte fröhlich und guten Mutes sein: Und wenn gleich auch bisweilen ein trauriges Stündlein kam, so hab ich mir doch leicht wiederum ein Herz fassen und mich aus Gottes Wort trösten können.

7. Ich denke des Nachts an mein Saitenspiel und rede mit meinem Herzen; mein Geist muss forschen.

Saitenspiel: Darauf ich dir zu Lob etwas gespielt habe.

Rede: Wenn ich daran gedenke, wie mir zuvor so wohl gewesen.

Forschen: Bei mir selber, was doch Gott damit meine, dass er mich jetzt und so ganz keines Trostes würdig achtet. (Was für tiefe Gedanken aber in eines Menschen Herzen, der schwere Anfechtungen hat, entstehen, das wissen die, welche Gott auch eine Zeit lang also in die Schule geführt hat. Es gründet und grübelt ein angefochtener Mensch so tief, dass er sich kaum wieder erholen kann. Und solche Gedanken, die saugen einem Menschen das Geblüt, ja das Mark aus den Beinen und alle Saft und Kraft aus.)

8. Wird denn der Herr ewig verstoßen und keine Gnade mehr erzeigen?

Wird: Jetzt malt der Prophet in folgenden Worten artig ab, was ungefährlich solche Gedanken sein.

9. ist es denn ganz und gar aus mit seiner Güte? Und hat die Verheißung ein Ende?

Güte: Ist keine Gnade mehr bei ihm?

Ende: Gilt die Zusage Gottes nicht mehr, sondern ist alles aus?

10. Hat denn Gott vergessen, gnädig zu sein und seine Barmherzigkeit vor Zorn verschlossen? Sela.

Verschlossen: Dass er gar kein Fünklein seiner Barmherzigkeit erzeigen wird, der doch zuvor immer mitten im Zorn seiner Barmherzigkeit bedenkt gewesen? (Diese Worte sollen diejenigen wohl betrachten, welche sich bedenken lassen, sie sind ganz von Gott verworfen und sollen sich hieraus trösten lernen, dieweil sie sehen, dass auch die, welche Gott am allerliebsten gewesen, in gleichem Spital krank gelegen und doch endlich sich glücklich und wohl herausgerissen haben.)

11. Aber doch sprach ich: Ich muss das leiden; die rechte Hand des Höchsten kann alles ändern.

Leiden: Ich sehe, dass es zu diesem Mal Gott dem Herrn also gefällig ist, dass ich solches Kreuz und schwere Angst leiden und ausstehen soll.

Kann alles: (Nach Luther) Das ist: Ich möchte mich wohl zu Tode darum bekümmern, ich kann es aber dennoch nicht ändern.

Ändern: Der allerhöchste Gott kann durch seine gewaltige und allmächtige Hand unser Elend und Jammer leicht in Freude verkehren. (Denn auch zuzeiten mitten in Finsternis der Trübsal scheint noch ein Lichtlein göttlichen Trostes in eines angefochtenen Menschen Herzen.)

12. Darum gedenke ich an die Taten des Herrn; ja, ich gedenke an deine vorigen Wunder

Darum: Nun zeigt der Prophet weiter an, woher er solchen Trost genommen habe.

Gedenke: Ich führe mir selber zu Gemüt, was großer Guttaten du deiner betrübten Kirche bewiesen hast.

Wunder: Die du von Anfang her getan hast und wie du die angefochtenen und betrübten Leute immer erlöst hast. Daher hab ich die Hoffnung geschöpft, du wirst weder mich noch andere angefochtene Herzen verlassen. (Also sollen auch wir mit Fleiß erwägen und bedenken die Guttaten, welche Gott den Patriarchen und anderen frommen Menschen erzeigt hat. Denn wenn wir schon nicht gleich daraus Trost empfangen, so wird sich doch unser Herz immer anfangen zu erholen. Gleich als wie die, so in einer Ohnmacht liegen, nicht gleich als bald wieder munter werden, wenn man sie gleich mit wohlriechenden Sachen erlabt. Jedoch wenn sie später wiederum zu sich selbst kommen, so empfinden sie, dass solche Arzneien, die man bei ihnen gebraucht, nicht vergeblich gewesen waren.)

13. und rede von allen deinen Werken und sage von deinem Tun.

Tun: Ich gedenke deiner Taten fleißig nach, wie du bisher deine Kirche und die Auserwählten, durch deinen wunderlichen Rat mitten in den größten Anfechtungen und Trübsalen erhalten hast, daher fasse ich endlich Trost und bin wieder guter Hoffnung. (Und zwar, so ist es viel besser, dass die angefochtene Menschen Gottes Worten und Werken nachtrachten, als dass sie sich selbst mit ihren Gedanken außerhalb Gottes Wortes martern und plagen.)

14. Gott dein Weg ist heilig, wo ist so ein mächtiger Gott, als du, Gott, bist?

Weg: All dein Tun ist recht und unsträflich.

Nach Luther: Ist verborgen, als wenn Gott Leben gibt im Tode und nahe ist wenn er ferne ist, welches die Vernunft nicht begreift, es ist zu heilig und verborgen.

Du Gott bist: Denn obwohl auch der Heiden Götzen Götter genannt werden, so sind sie doch nichts als Holz, Stein oder Metall, die weder gehen noch reden können {Ps 115}. Und obgleich wohl auch die Menschen, welche im Amt der Obrigkeit sind, Götter genannt werden, so sind sie doch in der Wahrheit sterbliche Menschen {Ps 82}. (Unser Gott aber, der ist der ewige allmächtige Gott, dessen Tun niemand mit Fug oder Gerechtigkeit schelten kann.)

15. Du bist der Gott, der Wunder tut; du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.

Wunder tut: In Regierung, Beschützung und Errettung deiner lieben Kirche.

Völkern: Nämlich unter den Heiden, da du die Kinder Israel so viele Male aus höchster Gefahr errettet hast.

16. Du hast dein Volk erlöst gewaltig, die Kinder Jakobs und Josephs. Sela {2Mos 14v19}.

Erlöst: Da du es durch unaussprechliche Wunder aus Ägypten geführt hast.

Kinder Jakob: Nämlich derer Nachkommen, die mit dem Erzvater Jakob in Ägypten gezogen sind.

Josef: Als da waren die Nachkommen Ephraim und Manasse, welche Josef in Ägypten gezeugt hatte, ehe sein Vater Jakob dahin kam.

17. Die Wasser sahen dich, Gott; die Wasser sahen dich und ängstigten sich und die Tiefen tobten.

Tobten: Es redet aber der Prophet gleichnisweise von den Kreaturen, die kein Leben haben, als wenn sie auch ihren Sinn und einen Verstand hätten. Als wollte er sagen: Sie erzitterten gleichsam, da sie deine Gegenwart spürten, und mussten deinem Volk durch die Tiefe des Meers eine Furt und trockenen Weg geben.

18. Die dicken Wolken gossen Wasser; die Wolken donnerten und die Strahlen fuhren daher.

Fuhren daher: Ganz schrecklich. Denn obwohl keines Wetters ausdrücklich Meldung geschieht, so sich erzeigt hätte, da die Ägypter den Kindern Israel durch das Rote Meer nachgejagt haben, jedoch, dieweil darin geschrieben steht, das die Ägypter gesagt haben: Lasst uns fliehen, denn Gott streitet für die Israeliten, so wird nicht zu Unrecht so viel daraus abgenommen, dass Gott die Ägypter, da sie mitten im Roten Meer waren, mit einem erschrecklichen Wetter geschreckt und geplagt, auch seine Strahlen auf sie gerichtet habe.

19. Es donnerte im Himmel; deine Blitze leuchteten auf dem Erdboden; das Erdreich regte sich und bebte davon.

Es: Der Prophet fährt noch weiter fort in Beschreibung des schrecklichen Wetters.

Bebte davon: Da es so sehr donnerte. (Sooft wir aber ein Wetter sehen und hören, sollen wir an die große Majestät und Herrlichkeit unseres Herrn und Gottes denken und daher ihn fürchten lernen.)

20. Dein Weg war im Meer und dein Pfad in großen Wassern und man spürte doch deinen Fuß nicht.

Im Meer: Da du die Feinde deines Volkes, nämlich die Ägypter ersäuft hast.

Großen Wassern: Des Roten Meeres.

Fuß nicht: Denn ob du wohl gleichsam als der oberste Feldherr damals im Meer dich hieltest und wider die Feinde strittest, so hat doch niemand deine Fußstapfen spüren können. (Denn Gott ist ein Geist und unsichtbar.)

21. Du führtest dein Volk wie eine Herde Schafe durch Mose und Aaron {2Mos 12v37}.

Führtest: Aus Ägypten, durch das Rote Meer und auch in der Wüste.

Und Aaron: Deine getreuen Diener. Darum sagen wir dir richtig ewig Lob und Dank und setzen auf dich beide in Glück und Unglück all unsere Hoffnung und Vertrauen. (Eben dieser Gott aber, der die Kinder Israel ausgeführt hat, nämlich der Sohn Gottes, ist auch heutigentags unser getreuer Hirte {Joh 10} dem wir uns sicherlich vertrauen dürfen. Uns gebührt aber, dass wir seine Stimme hören, seinem Evangelium glauben und unser Leben nach seinem Gefallen, wie sich es gegen ihn gebührt, anrichten.)


Der 78. Psalm


1. In diesem Psalm hat der Heilige Geist zusammengetragen die vornehmsten Taten und Werke Gottes, wie er nämlich mit seinem Volk gehandelt von dem Auszug aus Ägypten an, bis zur Zeit des Königs David und wie sich das Volk hingegen verhalten. Dass nun der Prophet die Guttaten erzählt, welche Gott an die Israeliten gewendet hat, lehrt er uns dadurch, dass wir auf Gottes Gnade und Güte trauen sollen. Da er aber auch wiederum vermeldet, was Gott für Strafen den Israeliten über den Hals geschickt habe, erinnert er uns damit, dass wir unseren Herrn und Gott fürchten. Demnach ist uns dieser Psalm sehr nützlich, zum Teil, damit wir unseren Glauben stärken, dass Gott seine Kirche erhalten werde, zum Teil, dass wir unser Fleisch im Zaum halten, damit wir uns nicht selbst durch unsere Undankbarkeit gräuliche Strafen auf den Hals ziehen.

1. Eine Unterweisung Assaphs. Höre, mein Volk, mein Gesetz; neigt eure Ohren zu der Rede meines Mundes!

Höre: Der Prophet fängt diesen Psalm also an, dass er zuerst die Zuhörer ermahnt, sie sollen ihm gutwillig mit Ernst und Fleiß aufmerken.

Mein Gesetz: Und Lehre, denn ihr werdet nicht einen Fremdling, sondern einen Israeliten hören, der eures Herkommens ist, welcher euch Gutes gönnt und es treulich mit euch meint.

Neigt: Hört fleißig zu, O ihr Kinder Israel, was ich euch sagen werde.

2. Ich will meinen Mund auftun zu Sprüchen und alte Geschichten aussprechen {Ps 49v5}.

Aussprechen: Ich will von hohen und denkwürdigen Sachen reden. Diesen Spruch zieht der Evangelist Matthäus an, Kapitel 13, auf die Gleichnisse, dadurch Christus die Beschaffenheit seines Reiches auf dieser Erde abgemalt hat und reimt sich nicht übel. Denn wie Christus mit dem meisten Teil selbiger Gleichnissen anzeigen wolle, dass ihrer viele berufen, die das Evangelium hören, bringen aber nicht alle gute Früchte, dem Evangelium gemäß und sind die Frommen unter vielen Bösen in der Kirche Gottes vermischt. Also wird solches eben auch in diesem Psalm gelehrt, dass unter den Israeliten, welche damals Gottes Volk waren, ihrer viele gewesen, die Gott nicht geglaubt, auch ihm nicht gehorcht haben.

3. die wir gehört haben und wissen und unsere Väter uns erzählt haben {Ps 44v2},

Gehört haben: Von unseren Voreltern, so vom Heiligen Geist erleuchtet gewesen und will nichts von mir selber erdichten.

Erzählt: Die wir glaubwürdig von den heiligen lieben Altvätern gehört und verstanden haben. Denn obwohl die Schriften Mose vorhanden waren, darin die Historien des Volkes Gottes begriffen standen, so ist doch daneben auch die israelitische Geschichte, also zu reden, von einer Hand in die andere gekommen. Also dass der Väter Erzählung, was sie ihren Kindern vorgehalten und was Mose aufgeschrieben, ganz wohl miteinander übereinstimmten. Denn es sind immer unter dem Volk Gottes fromme Leute gewesen, die ihre Nachkommen in göttlichen Sachen unterrichtet haben.

4. dass wir es nicht verhalten sollen ihren Kindern, die später kommen und verkündigen den Ruhm des Herrn und seine Macht und Wunder, die er getan hat.

Nicht verhalten: Sondern sollen es auch auf die Nachkommen bringen und ihren Kindeskindern, die später wachsen würden, erzählen lassen und also die Ehre Gottes fortpflanzen.

Macht: Die er hat erzeigt.

Getan: So wohl in Ägypten als in der Wüste und später auch im Lande Kanaan.

5. Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob und gab ein Gesetz in Israel, das er unseren Vätern gebot, zu lehren ihre Kinder,

Zeugnis: Als wollte er sprechen: Damit ihr versteht, wie es Gottes Wille sei, dass wir seine Gebote und Werke auf die Nachkommen fortpflanzen. So will ich euch hiermit erinnert haben, dass ihr bedenkt sein wolltet des göttlichen Befehls, welchen er deshalb seinem Volk gegeben hat.

Gebot: Im fünften Buch Mose, Kapitel 4. und 6.

Kinder: Dass sie den selbigen die Wunderwerk Gottes verkündigten.

6. auf dass die Nachkommen lernten und die Kinder, die noch sollten geboren werden, wenn sie aufkämen, dass sie es auch ihren Kindern verkündigten,

Lernten: Die wunderbaren Taten Gottes.

Geboren werden: Und an ihrer Väter statt aufkommen.

Verkündigten: Und also die Gedächtnisse der Wunder Gottes immer aus einer Hand in die anderer käme. (Nicht weniger sind wir auch schuldig, die wahre Erkenntnis Gottes auf unsere Kinder fortzupflanzen, und dass wir ihnen, wie sie fromm und gottselig leben sollen, wohl einbilden.)

7. dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung und nicht vergäßen der Taten Gottes und seine Gebote hielten,

Dass: Jetzt antwortet der Prophet auf die Frage, da jemand möchte einwenden, wozu es denn gut wäre, dass man den Kindern die Taten unseres Herrn und Gottes erzählen müsste?

Hoffnung: Und aus den Guttaten Gottes, die er seinem Volk bewiesen, ihm vertrauen lernten.

Taten: Die er hat sehen lassen, wenn er die Sünden seines Volkes heimgesucht hat.

Hielten: Dessen sie sich bei solchen Exempeln zu erinnern hätten. (Denn wenn wir die biblischen Historien und die Heilige Schrift lesen, dient uns solches dazu, dass wir daraus ein gutes Vertrauen auf Gott fassen und dasselbe stärken, auch dass wir Gott fürchten lernen.)

8. und nicht würden wie ihre Väter, eine abtrünnige und ungehorsame Art, welchen ihr Herz nicht fest war und ihr Geist nicht treulich hielt an Gott;

Väter: Derer viele in der Wüste von Gott niedergeschlagen wurden, weil sie gottlos und widerspenstig waren, darum sollen die Nachkommen solche Beispiele, beide, der Güte und ernstlichen Strafen Gottes, fleißig vor Augen haben und Bedenken.

Art: Die immer von Gott abfielen und ihren Gott vielfältig erzürnten.

Nicht fest: Eine solche böse Art (will er sagen) ist das jüdische Volk jetzt von vielen Jahren her, dass sie Gott nicht recht und gottselig dienten.

Nicht treulich: Ihr Herz war nicht rechtschaffen gegen Gott. (Darum man nicht alles, was unsere Voreltern, so wohl in der Religion und Glaubens, als anderen Sachen getan, allerdings gutheißen kann, sondern es ist viel bei ihnen vorgegangen, dass man richtig strafen soll, damit andere bei ihrem Irrtum lernen behutsamer zu sein.)

9. wie die Kinder Ephraim, so geharnischt den Bogen führten, abfielen zur Zeit des Streits.

Wie: Als wollte er sprechen: Damit wir zur Sache an ihr selbst schreiten, so lasst uns nachdenken, wie sich unsere Voreltern von etlichen hundert Jahren her verhalten. Es gibt aber der Prophet nicht so genau Acht auf die Ordnung, wie die Historien nacheinander sich begeben, sondern erzählt die vornehmsten, nachdem ihm die selbigen unter Händen kommen.

Luther: Vor den Königen stand das Regiment im Stamm Ephraim. Die führten den Harnisch und Bogen. Aber sie waren stolz und trauten Gott nicht, darum wurde es von ihnen genommen und Silo verstört und wurde in Juda aufgerichtet.

Abfielen: Dass sie zurückwichen und schändlich in die Flucht geschlagen wurden, dadurch sie fast das ganze israelitische Volk, auch ihre Religion und Glauben zugrunde und Boden gerichtet. Denn als vorzeiten die Hütte des Herrn zu Silo war, führten die Priester des Herrn, Hophni und Pinehas, ein ärgerliches gottloses Leben, dadurch die Religion oder Gottesdienst bei den Israeliten in große Verachtung kam und sind ohne allen Zweifel auch große Schande und Laster unter dem Volk Gottes eingerissen. Deswegen, als Gott zur Strafe über solche Sünden der Kinder Israel die Philister erweckt, dass sie ein Krieg wider die Israeliten angefangen, sind die selbigen geschlagen worden. Darüber denn die Ältesten des Volkes, unter welchen ohne Zweifel die Ephraimiter die vornehmsten gewesen, diesen Rat gegeben, man soll die Lade des Bundes von Silo hinaus in das israelitische Lager führen und haben aus großer Torheit es so gehalten, dass sie von wegen der äußerlichen Gegenwart der Lade den Feinden würden eine Furcht einstecken, dass sie die Flucht in die Hand nehmen, gedachten aber daneben an keine wahre Buße. Darum auch solcher törichter und gottloser Rat einen bösen Ausschlag gewonnen. Denn das Volk Israel ist geschlagen, die Priester, so die Lade getragen, erwürgt, die Lade gefangen und durch die Philister hinweggeführt worden: Also dass das israelitische Volk einen solchen Schaden erlitten, dass es sich ansehen ließ, als wäre es bereits ganz um dasselbe geschehen. Nun halte ich davor, dass solcher empfangene Schaden besonders der Ephraimiter Frevel und Mutwillen sei zugemessen worden. Deswegen denn der Prophet solche Historien zum Beispiel vorne angesetzt habe: Daneben aber begreift er unter den Ephraimiten, auch die anderen Israeliten, über welcher gottloses Wesen, er fast in diesem ganzen Psalm und nachfolgenden Worten klagt.

Streits: (Nach Luther) Streit heißt hier Anfechtung, Gefahr und Not.

10. Sie hielten den Bund Gottes nicht und wollten nicht in seinem Gesetz wandeln,

Sie: Es wird hier anfangs die Ursache erzählt, nicht allein oben gedachten empfangenen Schadens, sondern auch alles Jammers, der über die Kinder Israel ergangen ist.

Gottes nicht: Sie haben ihresteils den Bund übergangen, den sie mit Gott gemacht hatten, dass sie nämlich ihm gehorsam sein wollten, solches haben sie nicht geleistet.

Wandeln: Dass sie ihr Leben nach dem Gesetz Gottes angerichtet hätten.

11. und vergaßen seiner Taten und seiner Wunder, die er ihnen erzeigt hatte.

Taten: Darin er seine göttliche Majestät und Herrlichkeit sehen ließ.

Erzeigt: In der Wüste. Daraus sie hätten sollen lernen, zum Teil, dass sie ihr Vertrauen auf Gott stellten, zum Teil auch, dass sie ihn von Herzen fürchteten.

12. Vor ihren Vätern tat er Wunder in Ägyptenland, im Felde Zoan.

Felde Zoan: Denn in derselben Landschaft sind besonders die Wunder geschehen, darin die Stadt Zoan lag: Welcher Meldung geschieht {4Mos 13 Jes 19 30 Hes 30}. Und hält man es davor, dass solche der vornehmsten Städte eine in Ägypten war. An solche Wunder und Guttaten Gottes haben die Kinder Israel nicht gedacht, welche doch sehr groß und über die Maßen seltsam waren, sondern sind in ihrer Undankbarkeit immer fortgefahren.

13. Er zerteilte das Meer und ließ sie durchhin gehen; und stellte das Wasser wie eine Mauer {2Mos 14v21}.

Mauer: Denn es sind die Wasser dem Volk Israel zu beiden Seiten, wie ein großer Berg auf einen Haufen zusammen gesammelt gewesen. (Und kann Gott seine Kirche auch durch unwegsame Orte aus aller Gefahr und aus dem Tode hinaus führen.)

14. Er leitete sie des Tages mit einer Wolke und des Nachts mit einem hellen Feuer {2Mos 13v21 14v19 Ps 105v39}.

Leitet: Denn die Wolke, welche des Tages vor der Kinder Israel Lager herzog, zeigt ihnen den Weg, wo sie hinziehen sollten, des Nachts aber war die selbige Wolke ganz feurig, also dass sie ihnen des Nachts leuchtete. Diese Wolke ist auch bei den Israeliten geblieben von der Zeit an, da sie aus Ägypten gezogen, bis sie ins Land Kanaan gekommen sind, wie 2. Mose 13. zu sehen. (Denn Gott ist bei seiner Kirche immer, führt und regiert die selbige. Und solches tut er heutigentags bei uns durch sein Wort und heiliges Sakrament. Denn dadurch weist er uns den Weg zum ewigen Vaterland und versichert unsere Gewissen, dass er gnädig gegen uns gesinnt sei.)

15. Er riss die Felsen in der Wüste und tränkte sie mit Wasser die Fülle {Ps 105v41};

Tränkte sie: Nämlich die Israeliten, da sie Durst litten. Denn er hat einen solchen Haufen Wassers aus dem Felsen gebracht, dass gleichsam ein tiefer Fluss daraus lief, davon die Israeliten samt allem ihrem Vieh, so lange sie dort verharrten, genug zu trinken hatten. Es sagt aber der Prophet mit Fleiß, dass Wasser aus den Felsen komme und nicht nur aus dem Felsen, weil es zweimal an unterschiedlichen Orten geschehen. Einmal zu Raphidim, welches das zehnte Lager der Kinder Israel war. Diese Historie wird beschrieben {2Mos 17}. Das andere Mal hat sich dies begeben zu Zin, welches das zweiunddreißigste Lager der Kinder Israel gewesen, davon man liest {4Mos 20}. An welchem Ort, nämlich zu Zin, Mose und Aaron sich versündigten durch Unglauben, da sie sollten Wasser aus dem Felsen bringen.

16. und ließ Bäche aus dem Felsen fließen, dass sie hinabflossen wie Wasserströme.

Wasserströme: Mit Haufen. Darum sie denn richtig nochmals Gott vertrauen und nicht wider ihn hätten murren sollen.

17. Noch sündigen sie weiter wider ihn und erzürnten den höchsten in der Wüste;

Sündigen: Dass sie nicht lange an solche Guttat gedacht.

18. und versuchten Gott in ihrem Herzen, dass sie Speise forderten für ihre Seelen {4Mos 11v4};

Forderten: Denn sie in der Wüste Brot vom Herrn haben wollten und begehrten solches nicht aus Glauben, sondern aus großem Misstrauen, zweifelten auch noch dazu, ob sie Gott könnte oder wollte in solcher großen Wüste ernähren. Das hieß Gott versuchen, als ob sie hätten wollen sagen, nun lasst uns versuchen, ob uns der Herr könne oder wolle Speise geben in diesem ungebauten Ort, obwohl wir nicht glauben, dass er ein solches zu tun vermöge, besonders bei einer so großen Menge Volkes.

19. und redeten wider Gott und sprachen: Ja, Gott sollte wohl können einen Tisch bereiten in der Wüste!

Tisch: Mit Speise. Es wird freilich Gott keine solche Anzahl Volkes, wie wir sind, an dem Ort ernähren können, da so gar keine Früchte sind.

20. Siehe, er hat wohl den Felsen geschlagen, dass Wasser flossen und Bäche sich ergossen; aber wie kann er Brot geben und seinem Volk Fleisch verschaffen?

Geschlagen: Nämlich auf Gottes Befehl.

Ergossen: Dass wir Wasser vollauf zu trinken hatten.

Brot geben: Für so viele tausend Personen?

Fleisch verschaffen: Denn es denken die Israeliten viel leichter sein, Wasser aus einem Felsen bringen, als mit Fleisch sechsmal hunderttausend Mann ohne Weib und Kind abspeisen und sättigen. Die Historie wird beschrieben, 4. Mose 11. (Solch großer Unglaube ist unserem Fleisch angeboren, dass es auch über empfangene Guttaten nicht gebessert wird, wo nicht Gott in uns den Glauben erweckt.)

21. Da nun das der Herr hörte, entbrannte er und Feuer ging an in Jakob und Zorn kam über Israel,

Hörte: Nämlich das Murren seines Volkes.

Feuer: Von Gott angezündet.

Zorn: Denn der Zorn Gottes ist ergrimmt über die Israeliten, dass sie nicht am Himmelsbrot vergnügt waren, sondern auch Fleisch haben wollten und das Feuer, so Gott unter sie gesandt hat, ein Teil von dem Lager und mit dem selbigen viele aus den Kindern Israel verdorben {4Mos 11}.

22. dass sie nicht glaubten an Gott und hofften nicht auf seine Hilfe.

Nicht glaubten: Sie vertrauten Gott nicht, dass er ihnen alles das geben würde, was sie zur Erhaltung ihres Lebens bedurften. Haben sich auch an seinem guten und väterlichen Willen nicht lassen begnügen. Denn Gott ist nicht darum über sie erzürnt, dass sie zu essen begehrt haben, sondern darum, dass sie solches aus Misstrauen gegen Gott und mit Murren begehrten, gleich als ob Gott sich ihrer nicht annehme und sie nicht selbst versorgte.

23. Und er gebot den Wolken oben und tat auf die Türen des Himmels;

Wolken: Welche über den Israeliten waren, dass sie Brot, nämlich das Man, den Kindern Israel herabschüttete. Denn es haben die Israeliten nicht allein Fleisch, sondern auch Brot, nicht zwar mit gläubigem Gebet, sondern mit ungläubigem Murren von Gott gefordert {2Mos 16}, da sie zu Mose und Aaron sprachen: Warum habt ihr uns in diese Wüste geführt, dass ihr die ganze Menge Volkes Hungers tötet?

Tür: Denn er das Man mit solchem Haufen gegeben, als wenn er die Fenster am Himmel hätte aufgetan und dasselbe heruntergeworfen auf die Erde.

24. und ließ das Man auf sie regnen, zu essen und gab ihnen Himmelsbrot.

Himmelsbrot: Er nennt aber das Man Himmelsbrot und sagt, dass es vom Himmel auf sie geregnet, dieweil dasselbe des Nachts im Tau von oben herab kam. Die Beschreibung aber des Man oder Himmelsbrot liest man 2. Mose 16. und 4. Mose 11.

25. Sie aßen Engelbrot; er sandte ihnen Speise die Fülle.

Engelbrot: Und schien, als ob die Israeliten in der Wüste mit der Engel Speise ernährt und erhalten worden. Nicht zwar dass die Engel, welche Geister sind und weder Speise noch Trank bedürfen, auch essen und trinken, sondern dass die Kinder Israel solches Brot aßen, das nicht aus der Erde wuchs, sondern gleichsam vom Himmel herabgeschüttet wurde. (Das Brot aber, das vom Himmel kam, bedeutet Christus. Denn der Sohn Gottes, der vom Himmel herabgestiegen und um unseretwillen Mensch wurde, bringt allen denen, die ihn essen, das ist, die an ihn glauben, das ewige Leben {Joh 6}.)

26. Er ließ weben den Ostwind unter dem Himmel und erregte durch seine Stärke den Südwind.

Er: Nun kommt der Prophet auf die andere Historie von dem Fleisch.

Südwind: (Denn die Winde sind in der Hand des Herrn und nach seinem Gefallen wehen sie wie, wo und woher er will.)

27. Und ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub und Vögel wie Sand am Meer;

Wie Sand: Gott hat eine solche Anzahl Wachteln über der Israeliten Lager ausgestreut, dass sie waren als ein starker Regen und unzählbar, wie der Staub auf Erde oder Sand am Meer. Ich halte aber davor, das Gott solche Wachteln durch seine Allmacht aus dem nächstgelegenen Meer in einem Augenblick habe erschaffen, wie in der ersten Erschaffung der Welt auch die Vögel aus dem Wasser geschaffen wurden.

28. und ließ sie fallen unter ihr Lager überall, da sie wohnten.

Wohnten: Sie durften nicht aus dem Lager herausgehen, dass sie die Wachteln auffingen, sondern sie fielen hin und wieder mitten in das Lager und flogen haufenweise um das Lager her, dazu nicht hoch, sondern so nahe auf der Erde, dass sie die Kinder Israel ohne alle Mühe fangen konnten, dazu in solcher Anzahl und mit Haufen, dass sie ein ganzen Monat Wachteln genug zu essen hatten. Denn sie haben die Wachteln gedörrt und aufgehängt {4Mos 11}.

29. Da aßen sie und wurden allzu satt; er ließ sie ihre Lust büßen.

Allzu satt: Dass sie schier einen Ekel darüber hatten.

Büßen: Weil er ihrem Begehren statt getan und ihren Willen erfüllt.

30. Da sie nun ihre Lust gebüßt hatten und sie noch davon aßen,

Gebüßt: Dass er ihnen ihren Mutwillen wohl hatte lassen zu lieb werden.

Aßen: Da sie die Wachteln noch nicht ganz verzehrt hatten, da ist die Strafe Gottes darauf erfolgt.

31. da kam der Zorn Gottes über sie und erwürgte die Vornehmsten unter ihnen und schlug danieder die Besten in Israel {4Mos 11v13}.

Vornehmsten: (Denn Gott hat nicht nur den gemeinen Pöbel gestraft, sondern auch die Vortrefflichsten und Stattlichsten. Weil bei Gott kein Ansehen der Person ist. Darum auch die Gewaltigen und Hohen sollen lernen Gott fürchten. Denn er wird ihrer nicht schonen, wenn sie Unrecht tun.)

32. Aber über das alles sündigen sie noch mehr und glaubten nicht an seine Wunder.

Das alles: Über alle Strafen haben sie sich nicht gebessert.

Glaubten nicht: Sie haben sich auch durch solche Wunderwerke Gottes nicht bewegen lassen, dass sie Gott vertraut und ihn gefürchtet hätten. (Denn so verstockt und blind ist des Menschen Herz, dass alle Warnungen und Strafen vergebens und verloren sind, wo es von Gott nicht erweicht und durch den Glauben erleuchtet und also zum Gehorsam gebracht wird.)

33. Darum ließ er sie dahinsterben, dass sie nichts erlangten und mussten ihr Leben lange geplagt sein.

Dahinsterben: Gott hat ihnen das Leben abgebrochen, dass sie in der Wüste gestorben und ihnen das Land Kanaan nicht zuteilwürde, danach sie verlangen hatten. (Denn Gott verkürzt den gottlosen Leuten das Leben.)

Erlangten: (Nach Luther) Das ist: Dass sie das verheißene Land nicht kriegten und umsonst gezogen waren aus Ägypten.

34. Wenn er sie erwürgte, suchten sie ihn und kehrten sich frühe zu Gott

Erwürgt: Dass er beschwerliche und schreckliche Strafen über sie schickt, da ihrer viele umkamen.

Zu Gott: Sie riefen ihn mit großem Fleiß demütig an und stellten sich, als täten sie ernstliche Buße und wollten ganz fromm werden.

35. und gedachten, dass Gott ihr Hort ist und Gott der Höchste ihr Erlöser ist,

Hort: Und starker Fels. Sie haben ihnen zu Gemüt geführt, dass allein der rechte Gott als ein starker Fels sei, wer sich auf den selbigen verlasse mit wahrem Glauben, der werde nie zuschanden.

Erlöser ist: Sie haben sich erinnert, dass sie ihr Gott oftmals aus großem Unfall errettet hätte. Deswegen sie denn wiederum ihre Zuflucht zu ihm gesucht haben.

36. und heuchelten ihm mit ihrem Munde und logen ihm mit ihrer Zunge.

Zungen: Mit Worten haben sie vorgeben, als ob sie Gott liebten, aber sie haben sich nicht mit rechtschaffener, sondern mit heuchlerischer Buße zu ihm getan, nicht dass sie ernstliche Reue und Leid über ihre Sünde hätten, sondern dass sie von der Strafe der Sünden begehrten ledig zu werden.

37. Aber ihr Herz war nicht fest an ihm und hielten nicht treulich an seinem Bunde.

Nicht fest: Es war nicht rechtschaffen, sondern eine Heuchelei.

Nicht treulich: Es war weder Treue noch Glauben auf ihrer Seite gegen Gott. (Dergleichen Buße findet sich leider bei vielen, welche sich so lange stellen, als wollten sie sich bekehren, bis das Kreuz und die Plage von ihnen genommen wird, danach sind sie wieder wie zuvor oder werden ärger, als sie jemals gewesen sind.)

38. Er aber war barmherzig und vergab die Missetat und vertilgte sie nicht; und wendete oft seinen Zorn ab und ließ nicht seinen ganzen Zorn gehen.

Sie nicht: Denn obwohl unser Herr Gott wusste, dass sie bald würden wieder umwenden zu ihrer Bosheit, so hat er sich doch immer der vor Augen schwebenden Not und Jammers erbarmt und wenn sie ihn demütig angerufen, ihnen verziehen und sie nicht ganz ausgetilgt, wie sie wohl verdient hatten. (Hierbei ist zu sehen, was die Buße, wenn sie auch gleich nicht rechtschaffen ist, ausrichte, nämlich dass dadurch zeitliche Strafen abgewendet werden, wie vielmehr aber wird uns ernstliche und rechtschaffene Buße bei Gott wieder zu Gnaden bringen, dass wir der ewigen Verdammnis entgehen?)

Zorn ab: Von ihnen, sooft sie sich demütigen.

Gehen: Über sie, dass er sie ganz und gar ausgerottet hätte, sondern hielt mit dem größten Teil seines Zorns inne.

39. Denn er gedachte, dass sie Fleisch sind, ein Wind, der dahinfährt und nicht wiederkommt.

Fleisch sind: Er erwog bei sich selbst, dass sie armselige und gebrechliche Kreaturen wären, sobald sie später in der Erde verfaulen würden und dass des Menschen Leben wäre wie der Wind, welcher schnell vorüberrauscht. (Ist es deswegen ein gebrechliches Ding um einen Menschen und bald um ihn getan, dass sein Leben schnell dahinfährt, der auch nicht wiederkommt vor dem Jüngsten Tag. Und bedenken doch wenige Leute solch ihr vergängliches Wesen und Leben.)

40. Sie erzürnten ihn ganz oft in der Wüste und entrüsteten ihn in der Einöde.

Gar oft: (Gott aber ist langmütig, der oft schont und vergibt. Wo aber nicht rechtschaffene Buße darauf folgt, so dringt er später mit desto ernstlicher Strafe herein, was er lange aufgeschoben hat.)

41. Sie versuchten Gott immer wieder und meisterten den Heiligen in Israel.

Immer wieder: Zum wiederholten Mal als unbeständige und wankelmütige Leute und was sie von ihm haben wollten, das baten sie solchergestalt von ihm, dass sie immer zweifelten, ob sie es erlangen würden. Denn sie versuchten vielmehr, wie mächtig Gott wäre und wie er gegen sie gesinnt, als dass sie auf seine Güte und Macht ihr Vertrauen gesetzt hätten.

Meisterten: Sie wollten ihn, den man doch in keinem Wege tadeln kann, meistern und lehren, was er tun, wie er sie ernähren, führen und regieren sollte. (Eben solches tun auch diejenigen, welche aus Ungeduld unter dem Kreuz unseren Herrn und Gott Zeit und Maß vorschreiben, wenn und wie er sie erretten soll.) * (Nach Luther) Sie stellten Gott immer Zeit und Weise, wenn und wie er schnell gegenwärtig und erkennbar helfen soll, und wollten nicht trauen noch hoffen aufs Zukünftige. Jetzt wollten sie Fleisch, jetzt Wasser, jetzt Brot haben. Aber solchergestalt vorschreiben und lehren, wie es Gott machen soll, das heißt Gott versuchen.

42. Sie dachten nicht an seine Hand des Tages, da er sie erlöste von den Feinden,

Hand: Oder Gewalt, die er ihnen sooft hatte sehen lassen, dass er sie vielfältig erhalten hat.

Tages: Oder der Zeit, erinnerten sie sich nicht mehr. Denn wenn sie dies einzig und allein bei sich selbst erwogen hätten, wie herrlich sie Gott aus der Tyrannei Pharao errettet, so sollten sie richtig ihr Leben lang Gott vertraut und sich gegen ihm dankbar erzeigt haben. (Aber man vergisst der Guttaten bald. Da uns aber etwas Widerwärtiges begegnet, das können wir schier niemals vergessen.)

43. wie er denn seine Zeichen in Ägypten getan hatte und seine Wunder im Lande Zoan,

Wie: Damit der Prophet die große Undankbarkeit der Kinder Israel noch weiter an Tag gebe, erzählt er, was für Wunder Gott in Ägypten getan habe, dass er sie erlöste.

Zoan: Das ist in Ägypten.

44. da er ihr Wasser in Blut wandelte, dass sie ihre Bäche nicht trinken konnten {Ps 105v29};

Ihr: Nämlich der Ägypter.

Wandelte: Denn sie waren eitel Blut geworden aus Gottes Wunderwerk {2Mos 7}.

45. da er Ungeziefer unter sie schickte, die sie fraßen und Kröten, die sie verderbten.

Fraßen: Und nicht allein den Menschen sehr beschwerlich waren, sondern verdarben auch das Erdgewächs.

Verderbten: Denn er hat einen solchen Haufen Frösche unter sie geschickt, dass sie alle Speise, Bett und Tisch verunreinigten und die Ägypter gräulich plagten, wie beide diese Wunderwerke {2Mos 8} beschrieben werden.

46. und gab ihr Gewächs den Raupen und ihre Saat den Heuschrecken;

Raupen: Zu verzehren, was sie mit großer Mühe und Arbeit gesät und gepflanzt hatten {2Mos 10}.

47. da er ihre Weinstöcke mit Hagel schlug und ihre Maulbeerbäume mit Schlossen;

48. da er ihr Vieh schlug mit Hagel und ihre Herden mit Strahlen;

Vieh: So damals auf dem Felde gefunden wurde und an der Weide ging. Davon man liest, 2. Mose 9.

49. da er böse Engel unter sie sandte in seinem grimmigen Zorn und ließ sie toben und wüten und Leid tun {2Mos 9v6};

Zorn: Dadurch er seinen großen und gerechten Zorn gegen sie hat sehen und die Ägypter übel plagen lassen. (Es braucht aber Gott zuzeiten auch die Teufel als Werkzeuge, damit er die Menschen plagt. Welche sich denn ganz gutwillig zu solcher Sache finden lassen und gleichsam unseres Herrn und Gottes Nachrichter sein.)

50. da er seinen Zorn ließ fortgehen und ihre Seelen vor dem Tode nicht verschonte und ließ ihr Vieh an der Pestilenz sterben;

Fortgehen: Das ist: Als Gott beschlossen hatte, dass er weiter der Ägypter nicht schonen wollte und sie auch endlich am Leben strafen, hat er sich selber zuvor zu solcher Strafe gleichsam den Weg gemacht, da er ihr Vieh mit der Pestilenz umgebracht, willens, bald später auch die Ägypter selbst mit der Pestilenz anzugreifen, wo sie sich nicht bessern würden {2Mos 9}. (Denn wenn es Gott mit den leidlichen Strafen anfängt, macht er sich den Weg, größere Strafen später zu schicken, wenn man ihn nicht mit rechtschaffener Buße begegnet.)

51. da er alle Erstgeburt in Ägypten schlug, die ersten Erben in den Hütten6 Hams {2Mos 12v29 Ps 105v36}.

Schlug: Durch Zutun der bösen Engel. Denn weil die Ägypter durch die Strafe der Pestilenz am Vieh nicht gebessert wurden, so hat Gott seinen Grimm endlich gegen sie selbst auch gebraucht.

Ham: Denn die Ägypter haben ihren Ursprung von Ham, dem Sohn Noah {1Mos 10}.

52. Und ließ sein Volk ausziehen wie Schafe und führte sie wie eine Herde in der Wüste.

Ausziehen: Aus Ägypten, nach dem er die Ägypter um der Israeliten willen genug geplagt hatte.

Wüste: Denn er sie nicht allein aus der elenden Dienstbarkeit erledigt, sondern auch in der Wüste sich wie ein getreuer Hirte gegen sie gehalten und aller Sachen halben ihnen Vorsehung getan, so sie zu Leibes und der Seelen Wohlfahrt notdürftig waren, sie auch ganz väterlich beschirmt.

53. Und er leitete sie sicher, dass sie sich nicht fürchteten; aber ihre Feinde bedeckte das Meer.

Nicht fürchteten: Nachdem er sie durch das Rote Meer hindurch gebracht, hat er sie sicher und unverzagt gemacht.

Bedeckt: Also dass die Kinder Israel am Ufer sehen konnten, wie die Ägypter ersoffen waren und darin tot lagen.

54. Und brachte sie in seiner heilige Grenze, zu diesem Berge, den seine Rechte erworben hat.

Grenze: Des Landes Kanaan, welches er ihren Vätern mit einem Eid versprochen hatte, dass er auch geheiligt und dazu verordnet, damit er im selbigen Lande von ihnen, den Israeliten, heilig, durch angemessenen Gottesdienst geehrt und ihm gedient würde, das er auch seinem Volk zur Wohnung einzugeben beschlossen hatte, bis dass sein allerheiligster und eingeborener Sohn in diesem Lande Mensch würde, lehrte und predigte und durch seinen Tod der Welt Sünde abbüßte: Zur selbigen des Heiligen Landes Grenzen, hat er die Israeliten gebracht, ja sie ganz hineingeführt in das versprochene Land, zu dem Berge Zion und in die Stadt Jerusalem.

Erworben: Denn er durch seine Gewalt den Jebusitern abgedrungen und David einzunehmen zugestellt hatte, dass er dahin die Hütte des Stifts brächte, bei welcher ihm durch die befohlenen Opfer rechtmäßigerweise gedient würde.

55. Und vor ihnen her die Völker und ließ ihnen das Erbe austeilen und ließ in jener Hütte die Stämme Israels wohnen.

Vertrieb: Da die Kinder Israel ins Land Kanaan einzogen.

Völker: Nämlich die Kanaaniter, dass sie vor solchem gewaltigen Einfall der Israeliten nicht bleiben konnten.

Erbe: Nämlich das verheißene Land Kanaan.

Austeilen: Durch Josua, dass einem jeden sein Teil erblich zu besitzen eingegeben würde.

Jener: Der Kanaaniter.

56. Aber sie versuchten und erzürnten Gott, den Höchsten und hielten seine Zeugnisse nicht;

Erzürnten Gott: Waren ihm also für seine herrlichen und unermesslichen Guttaten, die er ihnen erzeigt hatte, ganz undankbar.

Zeugnis nicht: Sie haben Gottes Gebote und Befehl nicht in Acht gehabt, sondern angefangen fremden Göttern zu dienen, sich auch mit anderen Lastern besudelt und also Gottes Geduld und Langmütigkeit versucht. Gleich als wenn eine Hausmutter mit einem Ehebrecher Sprache hielte und anders dergleichen tat, das ihrem Ehemann nicht gefallen konnte und wollte hiermit seine Geduld versuchen, ob er solches Wesen an ihr leide wollte. Aber durch solche Büberei der Kinder Israel ist Gott zum höchsten erzürnt worden.

57. und fielen zurück und verachteten alles, wie ihre Väter und hielten nicht, gleichwie ein loser Bogen;

Zurück: Die Israeliten fielen ab von dem Gehorsam gegen Gottes Gebote und kehrten ihm den Rücken.

Väter: Welche in der Wüste zum Öfteren auch übel taten vor dem Herrn ihrem Gott.

Hielten nicht: Wie Gott sich zu ihnen versehen hatte.

Loser Bogen: Also hielten sie auch. Und hat Gott mit ihnen nichts Gutes ausrichten können, sondern sie haben sich gehalten wie eine böse Armbrust oder ein böser Bogen, der da nachlässt und den Pfeil nicht zum Ziel treibt, dahin der Schütze gezielt hatte. (Also sind alle Menschen von Art und Natur gesinnt, dass sie zwar gleichwie ein Bogen den Pfeil abschießen, das ist, dass sie etwas tun, aber sie richten ihr Tun nicht nach dem Zweck der Gebote Gottes, sondern nach Schande und Laster, welche Gott hasst. Und sind also die Menschen ihrer Natur nach wie ein falscher Bogen, damit man keinen rechten und geraden Schuss tun kann, bis dass Gott den Menschen durch sein Wort neu gebiert und wird dennoch oftmals des Ziels verfehlt.)

58. und erzürnten ihn mit ihren Höhen und reizten ihn mit ihren Götzen.

Ihren Höhen: Dass sie hin und wieder an hohen Orten einen Altar bauten und dort opferten, da doch Gott zu opfern verboten hatte.

Götzen: Und Bildern, die sie anbeteten und verehrten. Dadurch ist Gott erzürnt und mit ihnen zu eifern bewegt worden. Gleichwie ein ehrlicher Mann, wenn er merkt, dass sein Weib sich im Ehebruch vergriffen, eifert und der Sachen nachdenkt, wie sie möge von ihm geschieden und gestraft werden. (Denn Gott kann die Abgötterei viel weniger leiden, als ein ehrlicher Mann leiden kann, dass sein Weib ehebrüchig an ihm wird.)

59. Und da das Gott hörte, entbrannte er und verwarf Israel sehr,

Hörte: Und merkt, was die Israeliten taten. Denn was sollte dem verborgen sein, der Himmel und Erde erfüllt {Jer 23}.

Ver