Der Prediger Salomo


Dieses Buch gehört zu den anderen Schriften des Salomon. Darin besteht kein Zweifel. Hier leuchtet die Weisheit hervor, welche ihm der Heilige Geist geoffenbart hatte. Und es ist wahrscheinlich, weshalb Salomon diese Lehre seinen Hofdienern in täglichen Gesprächen vorbehalten, da er entweder bei Tisch, oder anderen Gelegenheiten so gepredigt hat. Daher die Königin aus dem Reich Arabia zum Salomon sagte: Selig sind die Leute und deine Knechte, die immer vor dir stehen und deine Weisheit hören {1Kön 10v8}. Denn es ist nicht zu glauben, dass er im Tempel gepredigt hätte, welches der Priester und Leviten Amt war. Darum halte ich es dafür, dass diese Ermahnungspredigten, so vor seinen Hofleuten gespannt, von Gott seligen und Heiligen Leuten treu aufgezeichnet wurden, auf dass sie den Nachkommen behalten würden. Es werden aber in der Summe vornehmlich zweierlei in diesem ganzen Buch behandelt: Erstlich werden wir erinnert, dass wir der gegenwärtigen Gabe Gottes mit Danksagung und Freuden gebrauchen sollen, und nicht immer neuen und abwesenden Gütern dieses Lebens mit großer Begierde nachtrachten, weil die rechte Glückseligkeit nicht in den zeitlichen Sachen unter der Sonne steht, weil wir derselben leicht müde und auch überdrüssig werden, wenn wir sehen, dass es nicht also nach unserem Wunsch geht, wie wir es am allermeisten begehrt haben. Zum anderen lehrt und Salomon in diesem Buch, dass wir uns nicht vergeblich plagen und machen sollen mit Betrachtung des Bösen, so in dieser Welt vorgeht, weil solches nicht zu Recht gebracht werden kann, und was krumm und ungerade ist, nicht mag gerade werden. Darum sollen wir in unserem Beruf so viel tun, wie wir können, und das Übrige müsse man Gott befehlen. Daneben streut er auch viele und mancherlei Weise Sprüche mitunter, wie wir hier sehen werden. Indem er aber von der Eitelkeit vieler Sachen redet, verachtet er doch damit in diesem Buch die guten Kreaturen Gottes nicht, wie er auch nicht einen ehrlichen Beruf verwirft, noch in die Einöde sich verkriechen heißt, sondern dahin sieht er, dass ein Mensch in dieser Welt die Gaben Gottes recht gebrauche, und sich daneben zufrieden gebe, ob es nicht gleich alles nach seinem Wunsch und Willen geht.


Das 1. Kapitel


I. Weil Salomo die Eitelkeit der Dinge, die in dieser Welt sind, beschreiben will, so zeigt er an, wie alles so flüchtig und vergänglich sei. Danach sagt er, dass es nichts Neues geschehe, welches nicht vorher auch geschehen wäre. Und meldet endlich, dass viel Böses in der Welt sei, welches nicht könne zurechtgebracht werden.

1. Dies sind die Reden des Predigers, des Sohns Davids, des Königs zu Jerusalem.

Predigers: Salomons. Wenn nicht er allein seinen Untertanen Recht verschafft, sondern auch seinen Hofleuten die himmlischen Weisheiten in seinen Hauspredigten vorgehalten hat.

2. Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.

Ganz eitel: Als wollte er sprechen: Ich Salomo will auch von der größten Eitelkeit und Torheit sagen, dass die Menschen weder des gegenwärtigen Bundesrechts zu gebrauchen wissen, noch das Böse gebührlich erdulden können, machen sich deswegen selbst viel Mühe und Angst vergebens, der sie könnten entkommen, wenn sie schlau wären. Denn alle Menschen tun, damit sie ohne Anleitung des göttlichen Wortes sich wollen gutes Leben schaffen, und das Böse verhüten, ist ein eitel und närrisches und vergebliches Ding.

3. Was hat der Mensch mehr von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?

Mühe: Was nützt es dem Menschen, wenn er gleich die ganze Zeit über seines Lebens sich in dieser Welt mit Sorgen plagt? Denn wer ist (spricht Christus) unter euch, der da könnte zu seiner Länge eine Elle zu setzen, wenn er gleich darum sorgt {Mt 6v27}? Es wird aber durch das Wörtlein Mühe hier nicht verstanden die Arbeit des Berufes, welche Gott von uns erfordert, und mit Belohnungen dieses und des zukünftigen Lebens zu zieren entschlossen ist, sondern Salomo redet hier von der übrigen Bekümmernis, Angst und Sorge, damit sich die Menschen vergebens martern, wo es entweder nicht wichtig, oder doch nichts nützt. Solche Bekümmernisse sollen wir uns nicht selber machen, denn sie schwächen die Kräfte des Leibes, und verhindern die Werke unseres Berufes.

4. Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt ewig.

Kommt: Das ist: Die Menschen sterben, und werden andere an ihre statt geboren, solch eine Änderung und Umwälzung wird bis an den Jüngsten Tag dauern: Und wenngleich die Menschen von dieser Welt scheiden, so bleibt dennoch die Welt stehen, bis auf den Tag, da Himmel und Erde vergehen werden. Denn durch die Ewigkeit wird an diesem Ort, wie auch sonst oft eine lange Zeit verstanden. Es will aber Salomo lehren, dass nichts Neues in der Welt sei, oder geschehe, wenn die Menschen entweder Böses tun, und sündigen, oder um der Sünden willen sehr geplagt werden. Denn es sind zwar andere Personen, die entweder das Böse begehen oder die Strafen leiden, aber es sind darum nicht andere Sachen, als wie sie häufig immer nach dem Fall des menschlichen Geschlechtes in der Welt sich zugetragen haben. Zum Beispiel: Da ein Bruder den anderen erwürgt, das ist nichts Neues. Denn Kain hat den Abel auch umgebracht. Darum will Salomo, dass wir uns nicht zu sehr darüber entsetzen sollen, wenn wir von einer unrichtigen Tat, oder schrecklichem Unfall hören, sondern sollen bedenken, es geht in der Welt nicht anders zu, und sei nichts Neues.

5. Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie wieder dort aufgehe.

Die: Jetzt beweist Salomo mit etlichen Beispielen der Kreaturen solche ständige Veränderung, die in ihnen täglich geschieht und gespürt wird.

6. Der Wind geht gen Mittag und kommt herum zur Mitternacht und wieder herum an den Ort, da er anfing.

Anfing: Das ist: Wenn der Wind etliche Tage oder Standen von einem auf der Welt geweht hat, so wendet er sich herum, bis er wieder an den Ort kommt, er zuvor angefangen hatte zu wehen.

7. Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, da sie herfließen, fließen sie wieder hin.

Wieder hin: Nämlich zum Meer, als zu ihrem Anfang. Hier hat man den Ursprung aller Wasser, woher sie kommen. Gleichwie nun die Sonne täglich vom Aufgang bis zum Niedergang läuft, und wieder zum Aufgang kommt: Gleichwie auch die Winde zu ihrem Anfang sich wieder herum wenden: Wie auch die Flüsse wieder zu ihrem Ursprung laufen, und also in stetiger Bewegung immer einerlei tun, also trägt es sich auch in der Welt immer einerlei zu, und leidet man einerlei Unglück oder Widerwärtigkeit. Allein ist dies der Unterschied, dass die Sünde und das Böse vom Teufel ist, aber die Ordnung der Kreaturen, und die Strafen der Sünden sind von Gott. Darum wenn wir etwas hören, das schrecklich zu sagen ist, so sollen wir bedenken, es sei nichts Neues, sondern so geht es in der Welt zu.

8. Es ist alles Tun so voll Mühe, dass niemand ausreden kann. Das Auge sieht sich nimmer satt und das Ohr hört sich nimmer satt.

Alles Tun: (Nach Luther) Das ist: Der Jammer und die Eitelkeit auf Erden ist größer, denn man sagen kann, und muss doch davon reden in diesem Buch.

Voll Mühe: Dem Menschen geht so viel Widerwärtigkeit zu Händen in allen Sachen und handeln, dass man es mit Worten nicht genügend aussprechen kann.

Nimmer satt: Es kann kein Auge allen Jammer sehen, noch das Ohr mit dem Gehör alles begreifen, was einem Menschen widerwärtiges begegnet. Wie man im Sprichwort sagt: Wenn einer auf den höchsten Glockenturm stünde, so könnte er sein Unglück nicht übersehen. Wenn uns ein Unglück zu Händen geht, und in unserem Beruf viel mehr Hindernisse eingeworfen werden? Nämlich, also sollen wir bedenken, wie Salomo sagt: Wie es vor vielen Jahren gegangen ist, so geht es noch, und wird auch künftig so geschehen, was mir Ungerades begegnet, das ist anderen vor mir auch widerfahren, und wird noch vielen also gehen. Denn auch wenn sich die Personen ändern, so tragen sich doch einerlei Sachen zu, obwohl zu unterschiedlichen Zeiten, weil wir unter der Sonne in dieser Welt leben, man macht es keinem anders?

9. Was ist es, das geschehen ist? Eben was noch geschehen wird. Was ist es, dass man getan hat? Eben das man später wieder tun wird; und geschieht nichts Neues unter der Sonne.

10. Geschieht auch etwas, davon man sagen möchte: Siehe, das ist neu? Denn es ist zuvor auch geschehen in vorigen Zeiten, die vor uns gewesen sind.

Ist neu: Welches zuvor nie geschehen, weil die Welt gestanden.

Zeiten: Darüber du dich so hoch verwunderst, als sei es etwas Neues, ist vor vielen hundert Jahren auch also geschehen, denn der Satan hat immer einerlei vor, nämlich, dass er alles in der Welt verwirrt, und unruhig macht, obwohl seine Ränke und Taten manchmal etlichen Umständen eine Ungleichheit erzeigen. Denn er hasst immer den Sohn Gottes und seine Kirche, und untersteht sich immer das Wort Gottes zu verhindern.

11. Man gedenkt nicht, wie es zuvor geraten ist; also auch des, dass hernach kommt, wird man nicht gedenken bei denen, die hernach sein werden.

Gedenkt nicht: Denn da du möchtest vorwenden, wer hat jemals solche schrecklichen Dinge gehört, als sich zu unserer Zeit begeben? So sollst du wissen, dass vor Zeiten eben dergleichen auch vorgegangen sind, aber man hat es längst vergessen. Und wird auch eben dasselbe, darüber wir uns jetziger Zeit so entsetzen, bei unseren Nachkommen vergessen werden, und eben sein, als wenn es nie geschehen wäre. Denn das Alter verzehrt alles, ohne was in den historischen Schriften von der Vergessenheit gerettet wird. Welches doch auch den Leser nicht so sehr bewegt, und zu Herzen geht, als was sich gegenwärtig zuträgt.

12. Ich, Prediger, war König über Israel zu Jerusalem

Prediger: Euer König, der ich euch, meine Hofleute jetzt lehre.

13. und begab mein Herz, zu suchen und zu forschen weislich alles, was man unter dem Himmel tut. Solche unselige Mühe hat Gott den Menschenkindern gegeben, dass sie sich drinnen müssen quälen.

Himmel tut: Das ist: Als ich sah, dass ich zum König eingesetzt war, habe ich in allen Sachen fleißig nachforschen wollen, was in meinem ganzen Königreich, und in allen Winkeln geschehe, auf dass ich nichts Böses ungestraft ließe, und alles Unrecht verbessern.

Quälen: Das ist: Ich merkte, dass Gott die Regenten mit solcher Sorge und vergeblichen Mühen lässt geplagt werden, dass sie alles Begehren zu erforschen und zu verbessern, und sich selber so Martern.

14. Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht; und siehe, es war alles eitel und Jammer.

Und Jammer: Denn da ich in allen Dingen fleißig nachforschte, soviel mir möglich war, und sah, was ein jeder nicht klug tat, lieber Gott!

15. Krumm kann nicht schlecht werden, noch der Fehler gezählt werden.

Gezählt werden: Das ist: Ich befand, dass viele Dinge geschehen, die man nicht verhindern, noch es verbessern kann, und werden in allen Ämtern, Handwerken und Haushalten unter den Menschen unzählige Mängel gespürt, dass es an keinem Ort alles richtig zugeht. Dieser Spruch erinnert die Kirchendiener, Obrigkeit und Hausväter, dass sie den mittleren Weg gehen sollten, und nicht in ihrem Amt fahrlässig sind, aber doch auch nicht zu sorgfältig, dass sie alle Fehler und Mängel sich unterstehen wollten zu erkundigen und zu verbessern, sondern was sie mit ihrem großen Fleiß in Erfahrung bringen, sollten Sie sich bemühen zu verbessern, und das Übrige Gott befehlen, sonst würden sie selbst viel eher von Sinnen kommen, und würden auch allen Frommen überlästig sein, ehe sie alles verbessern könnten. Es muss aber einer nicht alles wissen wollen, er wird, ohne dass mehr erfahren, denn ihm lieb ist, so lassen sich auch nicht alle Hölzer, besonders die krummen, zu Bolzen drehen.

16. Ich sprach in meinem Herzen: Siehe, ich bin herrlich geworden und habe mehr Weisheit denn alle, die vor mir gewesen sind zu Jerusalem; und mein Herz hat viel gelernt und erfahren.

Herrlich geworden: An Macht und Weisheit, dass ich daher einen großen Namen erlangt habe.

Erfahren: Darum dachte ich bei mir selbst, weil mir Gott der Herr einen reichen Verstand in göttlichen und weltlichen Sachen gegeben hat, dergleichen kein anderer vor mir gehabt hat, so müsste ich mich darauf legen, dass ich der Menschen Vorhaben, Tun, List und Geschwindigkeit, und was Gutes oder Böses an ihnen zu merken wäre, wahrnehme.

17. Und gab auch mein Herz drauf, dass ich lernte Weisheit und Torheit und Klugheit. Ich ward aber gewahr, dass solches auch Mühe ist.

Und Klugheit: Ich bemühte mich, die weltliche Weisheit und eine vollkommene Erfahrung zu bekommen, auf das ich alle Zufälle in der Welt recht erkenne. Denn er redet hier nicht von der göttlichen Weisheit, welche, wenn man sie erlangt, und darin zunimmt, die größte und rechte geistliche Freude und Wollust bringt.

Auch Mühe: Ich habe es aus der Erfahrung, dass viel wissen, und die Welt wohl kennen nichts denn Bekümmernis und Traurigkeit bringe, darum sollte sich einer lieber wünschen, dass er nicht so viel wüsste.

18. Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämens; und wer viel lehren, muss, der muss viel leiden.

Lehren muss: (Nach Luther) Das ist: Die Welt regieren.

Viel leiden: Denn je mehr du im Regiment siehst und verstehst, was für Versäumnisse, Untreue, Bosheit, Schalkheit und verkehrtes Wesen an den Personen und im Handel geschieht, je mehr du darüber zürnen und unwillig werden wirst, und wirst dich viel eher mit Sorgen abmatten, als dass du durch die Betrachtung solcher Sachen dich erquicken solltest. Darum sollen wir nicht zu sehr sorgfältig sein, der Welt Lauf und Praktiken zu erkundigen, wir werden sonst wider unseren Willen mehr hören als uns lieb ist.


Das 2. Kapitel


Dass man in der Wollust große Freude suchen möchte, ist vergebens. Die Pracht dieser Welt ist ein eitles Ding. Es geht in dieser Welt dem Weisen fast wie dem Narren. Ein Weiser sammelt oft seine Güter für einen Narren. Wenn jemand seine Güter in diesem Leben zur guten Ergötzung zu gebrauchen weiß, das ist eine besondere Gabe Gottes.

1. Ich sprach in meinem Herzen: Wohlan, ich will wohl leben und gute Tage haben. Aber siehe, das war auch eitel.

Wohl leben: Da ich merkte, dass, je mehr ich mich auf die Weisheit der Welt legte, je mehr ich unwillig und traurig wurde, nahm ich mir vor, dass ich mir solche schweren Gedanken aus dem Sinn schlagen wollte, und mich auf ehrliche Freude und Wollust begeben. Diese Reden zeigen an, wie mancherlei Bewegungen ein gottseliger Mensch in seinem Herzen befindet, und dass er bald auf diese, bald auch jene Seite, wie ein Schiff vom Winde getrieben wird, in dem ein Mensch in dieser Welt Ruhe und gutes Leben sucht, dass er doch in irdischen Sachen nicht findet.

Auch eitel: Es war vergebens, dass ich in dieser Welt Freude suchte, denn es ging nicht so aus, wie ich es vorhatte. Also widerfährt es oft einem Fürsten und Herren, wenn sie große Feste anstellen, und eine besondere Freude zurichten wollen, dass bald ein trauriger Zustand kommt, der alles verhindert, und die Freude in Leid verändert, ja, es geht auch bei den einfachen Leuten so zu, dass kaum ein Wohlleben gehalten werden kann, wo nicht etwas trauriges oder verdrießliches dazwischenkommt.

2. Ich sprach zum Lachen: Du bist toll und zur Freude: Was machst du?

Sprach: Da nämlich mein Vorhaben hier nicht wollte vonstattengehen, wandte ich mich von der Freude zum Ernst, dass ich keine Fröhlichkeit mehr begehrte zu suchen, sondern mit wichtigen Geschäften des Regiments umzugehen mir vornahm.

Was machst du: Das ist: Ich wandte der Fröhlichkeit den Rücken, als einer unsinnigen Weise, welchen den Königen und großen Herren übel anstand, und keinen Bestand hätte. Und braucht Salomon eine besondere Art zu reden, als ob die Freude eine Person wäre, die er mit Unwillen von sich wiese.

3. Da dachte ich in meinem Herzen, meinen Leib vom Wein zu ziehen und mein Herz zur Weisheit zu ziehen, dass ich ergriffe, was Torheit ist, bis ich lernte, was den Menschen gut wäre, das sie tun sollten, solange sie unter dem Himmel leben.

Vom Wein: Das ist: Ich nahm mir vor, dass ich den Wein wenig gebrauchen wollte, und mich aber auf die Weisheit begeben, auf dass ich verstehen lernte, was den Menschen in diesem sterblichen Leben nützlich, lieblich, und rühmlich wäre, sowohl in Regimentssachen als in der Haushaltung: Und wenn wiederum auch, dass ich wissen möchte, was närrisch oder schädlich wäre, damit ich mit solchen Sachen umgingen, die mir und anderen Leuten nützlich wären, auch Freude und Ruhm brächten, wie nämlich die verständigen Leute zu tun, gebührt, weil sie in dieser Welt leben.

4. Ich tat große Dinge; ich baute Häuser, pflanzte Weinberge,

Große Dinge: Herrliche und köstliche Werke, die ich machte, dass ich mich bemühte einen großen Namen zu bekommen.

Häuser: Stattliche königliche Schlösser, die ein gutes majestätisches Ansehen hatten.

5. ich machte mir Gärten und Lustgärten und pflanzte allerlei fruchtbare Bäume drein;

Bäume: Auf dass ich mich an mancherlei Früchten belustigen möchte.

6. ich machte mir Teiche, daraus zu wässern den Wald der grünenden Bäume.

Wässern: Damit die zarten Bäume von der Sonnenhitze nicht verdorrten. Denn das Land Kanaan ein sehr warmes Land war.

7. Ich hatte Knechte und Mägde und Personal; ich hatte eine größere Habe an Rindern und Schafen denn alle, die vor mir zu Jerusalem gewesen waren.

Personal: Die ich in allerhand Sachen zur Verrichtung jederzeit meines Gefallens gebrauchen konnte, weil sie alle in meinen Dienst waren. Denn es hat Salomon einen stattlichen Hof gehalten und viel Frauenzimmer gehabt, wie das erste Buch der Könige bezeugt.

Und Schafen: Also, dass sich auch eine große Menge und Vieh für meine Lust und Nutzen habe, richtig möchte angesehen werden.

8. Ich sammelte mir auch Silber und Gold und von den Königen und Ländern einen Schatz. Ich schaffte mir Sänger und Sängerinnen und Wollust der Menschen, allerlei Saitenspiel,

Schatz: Von allerlei köstlichen Sachen, die man mir aus anderen Ländern und weit abgelegenen Orten brachte, an Edelsteinen und anderen waren, und gute Rosse, und Rüstungen, samt anderen dergleichen Sachen mehr.

Wollust: Ich ließ mir die allerköstlichsten Speisen und Kleider zurichten, dadurch die Leute pflegten erlabt zu werden. Nach Luther) Mit singen und springen, tanzen und hüpfen.

9. und nahm zu über alle, die vor mir zu Jerusalem gewesen waren; auch blieb Weisheit bei mir.

Nahm zu: An Majestät, Herrlichkeit, Reichtum, und ehrlichen Wollüsten, damit ich alle meine Vorfahren übertraf.

Bei mir: Das ist: Ob ich mich wohl auf ehrliche Wollüsten begab, so war doch dadurch meiner Weisheit nichts genommen, noch mein Verstand verrückt, wie denen zu geschehen pflegt, welche sich ganz und gar auf des Leibes Wollüsten begeben. Denn es war Salomo, da er dieses gelehrt, von den Weibern noch nicht betört und verführt worden.

10. Und alles, was meine Augen wünschten, das ließ ich ihnen, und wehrte meinem Herzen keine Freude, dass es fröhlich war von aller meiner Arbeit; und das hielt ich für mein Teil von aller meiner Arbeit.

Keine Freude: Die mit Ehren haben konnte.

Teil: Das hatte ich davon, von aller meiner angewandten großen Mühe, dadurch ich alle vorgemeldeten Sachen mir hatte zuwege gebracht, dass ich begehrte fröhlich davon zu sein: Welche Freude auch nicht lange währte, wie folgt.

11. Da ich aber ansah alle meine Werke, die meine Hand getan hatte, und Mühe, die ich gehabt hatte, siehe, da war es alles eitel und Jammer und nichts mehr unter der Sonne.

Ansah: Das ist: Da ich den Sachen etwas fleißiger nachdachte, und alles das betrachtete, was ich mit großer Mühe zuwege gebracht hatte, führte mir auch zu Gemüte, wie viel Arbeit, Sorge und Mühe ich damit hatte, und dass ich nichts davon zukünftig beständig bleibe, und immer währen würde, da bin ich solcher Dinge auch müde und überdrüssig geworden. Weil demnach so viel feine und köstlichen Sachen, wie köstliche Paläste, Lustgärten, Weinberge, Teiche, viel Diener, Vieh, Gold, Silber, Edelsteine, Rosse, Waffen, gute Musik, königliches Wohlleben, und dergleichen schier unzählige Dinge mehr, dem Salomon nichts mehr als einen Unwillen und Verdruss zuletzt verursachten, so tun auch Könige und Fürsten unweise, wenn sie auf solche Sachen zu viel Kosten und Mühe wenden. Und handeln dazu übel, wenn sie solche Dinge zu bekommen die Untertanen mit unerträglichen Beschwerden um ihre Nahrung bringen.

12. Da wandte ich mich, zu sehen die Weisheit und Klugheit und Torheit. Denn wer weiß, was der für ein Mensch werden wird nach dem Könige, den sie schon bereit gemacht haben?

Wandte: Das ist: Ich fing an, bei mir selber zu bedenken, ob ich weißlich oder närrisch gehandelt hätte, dass ich mit so großer Mühe so viele und große Dinge zuwege gebracht hatte. Denn wozu (gedachte ich bei mir selbst) habe ich mit so höchstem Fleiß und großer Mühe solche Dinge weißlich zubereitet, die ich einem anderen meinem Nachkommen hinterlassen muss, und weiß doch nicht, wer der selbige sein wird, oder wie er solche Sachen gebrauchen werde, ob er auch derselben wert sei, oder nicht? Warum habe ich denn so viel Mühe gehabt, mich bemüht, meine Weisheit und Geschicklichkeit an den Tag zu geben? Nach Luther) Und kann doch nicht wissen, wie es ausgehen werde.

13. Da sah ich, dass die Weisheit die Torheit übertraf, wie das Licht die Finsternis,

Übertraf: Das ist: Es ging gleich, wie es wollte, so merkte ich doch, dass es besser sei, mit der Weisheit als mit der Torheit umzugehen.

14. dass dem Weisen seine Augen im Haupt stehen; aber die Narren in Finsternis gehen, und merkte doch, dass es einem geht wie dem andern.

Haupt stehen: Das ist: Die Weisen sind recht sehend, und handeln vorsichtig mit vieler Leute Bewunderung, aber die Toren und Unverständigen tappen hinein, als ob sie blind wären, und tun nichts Rechtes.

Dem anderen: Denn es geht den Weisen eben sowohl häufig übel als den Narren. Ja welche eine Sache oft ganz närrisch angreifen, denen geht es glücklich vonstatten, nicht anders, als wenn sie ganz weißlich damit umgegangen wären, wie man dergleichen Beispiele in den Geschichten viel findet.

15. Da dachte ich in meinem Herzen: Weil es denn dem Narren geht wie mir, warum habe ich denn nach Weisheit gestanden? Da dachte ich in meinem Herzen, das solches auch eitel sei.

Auch eitel: Das ist: Da ich merkte, dass die, die so auch aus Unbedachtsamkeit etwas vornehmen, oftmals einen glücklichen Fortgang hätten, als welche ihr Tun mit großer Vorsichtigkeit anstellen, fing an, bei mir selbst zu denken, wie solches auch ein eitles Ding sei, dass man alles mit seiner Weisheit wolle regieren, und hinaus führen. Obwohl nun die weltliche Weisheit auch eine Gabe Gottes ist, und die Regenten oder Räte nichts unbedachtsamerweise handeln sollen, so ist es doch die größte Eitelkeit, wenn jemand sich auf seine Weisheit verlässt, und meint, er wolle die Sache durch seine Klugheit zum guten Ende richten, und bedenkt daneben nicht, dass man den Ausgang allein von Gott bitten und erwarten müsse.

16. Denn man gedenkt des Weisen nicht immerdar, ebenso wenig als des Narren; und die künftigen Tage vergessen alles; und wie der Weise stirbt, also auch der Narr.

Nicht immerdar: Es werden die Weisen vortreffliche Taten eben sowohl in Vergessenheit stellen, als was die Unverständigen närrisches und Ungereimtes verrichtet haben. Denn in den Geschichten findet man in den wenigsten Teilen davon beschrieben, was sich Gutes oder Böses in der Welt zugetragen hat. Was hilft es denn, dass man sich damit martert, wie man ein Ansehen und Namen der Weisheit mit großer Arbeit und mit viel Mühe bekomme, da es wohl geschehen kann, dass über wenig Jahre niemand mehr, weder deiner Person noch deiner Taten gedenkt? Dies ist nützlich, dass man es betrachtet, damit man sich nicht zu viel bemühe, einen eitlen Ruhm zu erjagen.

Weise stirbt: Denn der Tod schont der Weisen so wenig als der Narren. Darum hilft es einem nichts, wenn er gleich für Weise gehalten wird, und die Weisheit mit großer Mühe zuwege gebracht hat.

17. Darum verdross mich zu leben; denn es gefiel mir übel, was unter der Sonne geschieht, dass es sogar eitel und Mühe ist.

Übel: Ich bekam gleichsam einen Widerwillen über alle meine und anderer Leute Arbeit.

Mühe ist: Und ich merkte, dass auch solches, was mit großer Arbeit und höchstem Fleiß zuwege gebracht wird, endlich mehr Verdruss als Freude macht.

18. Und mich verdross alle meine Arbeit, die ich unter der Sonne hatte, dass ich dieselbe einem Menschen lassen müsste, der nach mir sein sollte.

Verdross: Es gereute mich heftig aller meiner angewandten Mühe und Arbeit, und der Weisheit, die ich auf meine vorgesagten Werke gelegt hatte. Denn ich dachte, siehe, dies alles muss ich meinen Nachkommen hinterlassen, von denen ich doch nichts wissen kann, wer er sein werde, ob er ein weiser Regent oder ein Zerstörer des Regiments, und also solche Güter würdig oder unwürdig sein werden? Danach, er werde gleich sein, wer er wolle, so wird er meiner großen Arbeit genießen, und alles begonnen, was ich mit großer Mühe, höchstem Fleiß, und vieler Weisheit zubereitet habe. In dem ich nun solches bei mir dachte, erkannte ich, dass auch in diesem Stück eine große Eitelkeit verborgen steckte, weil wir oft Fremden, und denen, so es nicht wert sind, vorarbeiten.

19. Denn wer weiß, ob er weise oder toll sein wird? Und soll doch herrschen in aller meiner Arbeit, die ich weislich getan habe unter der Sonne. Das ist auch eitel.

20. Darum wandte ich mich, dass mein Herz abließe von aller Arbeit; die ich tat unter der Sonne.

Abließe: Das ist: Da ich hin und her dachte, und nicht wusste, wem ich all das Meinige hinterlassen würde, habe ich nicht mehr solche Mühe zu arbeiten auf mich nehmen wollen. Denn also pflegt es zu geschehen, dass einer mit großem Fleiß viel Sachen zubereitet, und genießt derselben doch nicht recht, sondern es bekommt den Nutzen und Lust davon ein anderer Mensch, der keine Arbeit dazu getan hat, also, dass einer die Mühe, der andere den Nutzen hat, ist das nicht ein ungerechter Handel? Wir werden aber darum hier nicht angewiesen, dass wir nicht arbeiten sollten, sonderlich in den Sachen, davon man nicht eigentlich wissen kann, ob man auch in diesem Leben werde einen Nutzen davon haben können: Denn man muss Bäume pflanzen, die den Nachkommen über viele Jahre zu gut gedeihen. Sondern wir werden erinnert, dass wir uns nicht mit so viel Sorgen und unzähliger Arbeit überladen und martern sollen, weil es wohl geschehen kann, dass, was wir mit unserem sauren Schweiß erworben, Leuten, die es nicht wert sind, hinterlassen müssen.

21. Denn es muss ein Mensch, der seine Arbeit mit Weisheit, Vernunft und Geschicklichkeit getan hat, einem andern zum Erbteil lassen, der nicht dran gearbeitet hat. Das ist auch eitel und ein großes Unglück.

22. Denn was kriegt der Mensch von aller seiner Arbeit und Mühe seines Herzens, die er hat unter der Sonne,

Kriegt: Was hat der Mensch Nutzen davon, dass er sich so viel bemüht und bekümmert, und sich selber viel Plagen anhängt, hat weder Rast noch Ruhe, bis er einen großen Vorrat zusammenbringt, den er doch einem anderen hinterlassen muss.

23. denn alle seine Lebtage Schmerzen, mit Grämen und Leid, das auch sein Herz des Nachts nicht ruht? Das ist auch eitel.

Lebtage: Er bringt sein ganzes Leben mit Sorgen und Bekümmernis zu, legt sich auch manche Nacht ohne Schlaf ins Bett, bis er durch künstliche Mittel zuwege bringt, was er später einem anderen lässt, ist das nicht ein eitel, vergebliches und unnützliches Ding?

24. Ist‘s nun nicht besser dem Menschen, essen und trinken und seine Seele guter Dinge sein in seiner Arbeit? Aber solches sah‘ ich auch, dass es von Gottes Hand kommt.

Besser: Denn da jemand fragen möchte: Wie muss man es denn tun, damit man sich nicht so sehr mit vergeblichen Sorgen plage? So sagt er jetzt, dass man sich selber seiner Arbeit soll zugutekommen lassen, und seinem Leibe wohltun. Denn es gefalle Gott, dass wir in seiner Furcht unsere Arbeit genießen, und so viel unser Beruf leiden mag, an der Mühe auch mal ein Ende machen.

Kommt: Das ist: Ich merkte, dass solches auch nicht jedermanns tun sein, sondern nur denen widerfährt, welchen es Gott gönnt, dass sie sich können lassen wohl sein.

25. Denn wer hat fröhlicher gegessen und sich ergötzt denn ich?

Denn ich: Ihr habt an man mir ein Beispiel. Denn nachdem ich viele große und herrliche Werke verrichtet habe, so gebe ich mich nun zur Ruhe, wie ihr sei, ich esse und trinke, und guter Dinge, genieße also meine Arbeit mit Danksagung, und rate, dass es andere auch so tun.

26. Denn dem Menschen, der ihm gefällt, gibt er Weisheit, Vernunft und Freude; aber dem Sünder gibt er Unglück, dass er sammle und häufe und doch dem gegeben werde, der Gott gefällt. Darum ist das auch eitel Jammer.

Gefällt: Welchen Gott liebt, den gibt er, dass er weislich tut, was sich gebührt, und dass er seine Arbeit mit Freuden genießen kann.

Unglück: Die Gottlosen plagt Gott also, dass sie ihr ganzes Leben zubringen mit zusammenkratzen, und sparen, und sind ängstlich, wie sie immer zu ihrem Reichtum etwas mögen hinzutun, haben also keine Ruhe, genießen auch ihre Arbeit nicht, sondern verlassen ihre Güter einem frommen Menschen, der nie daran gedacht hat.

Eitel Jammer: Dass sich nämlich solche Leute umsonst und vergeblich plagen, welche mit ihren Sorgen niemals aufhören, und was sie mit dauernder Arbeit zusammengebracht, anderen hinterlassen müssen, denen sie es nicht gönnen noch wünschen.


Das 3. Kapitel


Ein jedes soll zu seiner Zeit geschehen. Und weil Gott also solches geordnet hat, so sollen wir uns in seiner Weise schicken lernen. In den äußerlichen Zufällen befinden sich große Eitelkeit menschlicher Sachen. Also, dass sich es oft ansehen lässt, als hätten die Menschen nicht besser als die unvernünftigen Tiere gehandelt.

1. Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.

Ein: Salomo lehrt jetzt, dass obwohl die Menschen in diesem Leben sich oft viele Dinge vornehmen, so geschehen doch derselben keines, bis die Stunde gekommen ist, welche Gott dazu verordnet und bestimmt hat.

Seine Stunde: Denn wenn du gleich nach einem Ding ein großes Verlangen hast, und es wünscht, tust du auch alles, was du meinst, dazu dienlich zu sein, selbiges zu erhalten, jedoch, wenn die Zeit nicht da ist, welche Gott bestimmt hat, so wirst du dich vergebens bemühen. Darum, wenn wir unser Amt getan haben, und doch der Ausgang nicht darauf erfolgt, wie wir gemeint, so sollen wir bedenken, dass die Zeit von Gott geordnet und noch nicht gekommen ist.

2. Geboren werden, Sterben, Pflanzen, Ausrotten, das gepflanzt ist,

Geboren: Denn es wird keinem kein Kind geboren vor der von Gott bestimmten Zeit: Gleichwie auch niemand stirbt vor das Ziel, das ihm Gott gesteckt hat. Nichtsdestoweniger sollen wir tun, was zur Erziehung der Kinder gehört, und meiden, was wir meinen, dass den Tod verursachen möchte. Dennoch soll man wissen, dass der Mensch nicht eher geboren werde, noch sterbe, es komme denn die Zeit, welche Gott über ihn beschlossen hat.

3. Würgen hat seine Zeit. Heilen hat seine Zeit. Brechen hat seine Zeit. Bauen hat seine Zeit.

Seine Zeit: Wenn die von Gott bestimmte Zeit hinzurückt, dass Äcker und Gärten verwüstet, Häuser und Städte zerstört, und die Menschen erwürgt werden sollen, wie in Kriegen zu geschehen pflegt, so kann niemand mit seiner Weisheit oder Sorgfältigkeit solches verhindern. Wiederum, wenn Gott Zeit gibt, die Äcker zu bauen und die Gärten zu pflanzen, Häuser aufzurichten und die Gesundheit zu pflegen, so kann solches niemand wehren. Darum sollen wir unser Amt versehen, und alles Übrige Gott heimstellen, und mit Geduld ihm in die Hände sehen.

4. Weinen hat seine Zeit. Lachen hat seine Zeit. Klagen hat seine Zeit. Tanzen hat seine Zeit.

Weinen: Wenn Gott eine schlechte Zeit schickt, so sollen wir es mit Geduld annehmen, und mit den traurigen traurig sein, in Betrachtung, dass solches jetzt der Wille Gottes sei. Wenn er uns denn fröhliche Zeiten beschert, so sollen wir in der Furcht des Herrn fröhlich sein. Denn es steht nicht in unserer Gewalt, die Zeit oder Zufälle zu ändern.

5. Steine zerstreuen hat seine Zeit. Steine sammeln hat seine Zeit. Herzen hat seine Zeit. Fernen vom Herzen hat seine Zeit.

Zerstreuen: Das ist: Wenn Gott Krieg schickt, dass Häuser, Schlösser und Städte eingerissen werden, so sollen wir sagen: Also hat es Gott dem Herrn gefallen: Wenn er Gelegenheit gibt, wieder aufzurichten und zu bauen, so sollen wir Gott dafür danken. Denn es haben diese Worte eben den Verstand, was zuvor vom Bauen und Brechen auch gesagt wurde.

Herzen: Das ist: Gott gibt den Eheleuten Zeit und Weise, dass sie der lieblichen ehelichen Beiwohnung genießen: Wiederum geschieht es auch, nach dem Willen Gottes, das durch eines Ehegatten tödlichen Abgang, oder Krankheit, oder anderen traurigen Zustand die Eheleute solcher Ergötzung abstehen müssen: Welches Letzte sie mit Geduld tragen sollen, und das erste mit Dank annehmen.

6. Suchen hat seine Zeit. Verlieren hat seine Zeit. Behalten hat seine Zeit. Wegwerfen hat seine Zeit.

7. Zerreißen hat seine Zeit. Zunähen hat seine Zeit. Schweigen hat seine Zeit. Reden hat seine Zeit.

Seine Zeit: Wenn solche Zeiten kommen, dass unsere Habe und Güter durch irgend ein Unglück in Abgang kommen, oder dass man sie mit anderer sich zutragenden Gelegenheiten reichlich abgeben muss (denn d. h. Salomo wegwerfen) und die Haushaltung auch einen Riss bekommt, so sollen wir solches geduldig leiden. Denn es ist nicht immer Zeit zu sammeln. Wiederum, wenn Gott Gelegenheit gibt, die Güter mit gutem Gewissen zu mehren, und den Schaden in der Haushaltung zu erstatten, so sollen wir Gott danken, und solche Gelegenheit nicht versäumen.

Schweigen: Von wegen der Tyrannen, damit man gedrückt wird, dass man nicht frei in Sachen, der Regierung betreffend, heraus sagen darf, was seine Meinung sei, ohne Leibes- und Lebensgefahr, und wir merken, dass wir mit reden nichts ausrichten können, sondern eher es übel und Ärger machen, so sollen wir geduldig sein, und schweigen. Wenn denn fröhliche Zeiten kommen, dass man zum Besten raten darf, so sollen wir es auch treu tun.

8. Lieben hat seine Zeit. Hassen hat seine Zeit. Streit hat seine Zeit. Friede hat seine Zeit.

Lieben: Wenn uns die Leute lieben, und in Ehren halten, so sollen wir Gott danken, und uns dessen nicht überheben: Geschieht es aber, dass wir ohne unser Verschulden von anderen gehasst werden, so sollen wir die Sache in Geduld Gott befehlen, und uns nicht mit Bekümmernis überladen.

9. Man arbeite, wie man will, so kann man nicht mehr ausrichten.

Ausrichten: Auf dieser Erde, denn dass man das Unglück mit Geduld leide und das Übel durch vergebliche Sorge nicht ärger mache, danach, dass wir des göttlichen Zustandes, den uns Gott gibt, mit fröhlichem Herzen recht Gebrauchen. Darum sollen wir uns nach dem Willen Gottes richten, und nach den Zuständen, die uns Gott gibt, so werden wir auf dieser Erde desto ruhiger leben, und wird uns das Kreuz viel leichter und werden. Nach Luther) Wenn das Stündlein nicht da ist, richtet man nichts aus, man tue wie man will, wenn es nicht sein soll, so wird nichts daraus.

10. Daher sah ich die Mühe, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie drinnen geplagt werden.

Geplagt: Es hat Gott also gefallen, dass das menschliche Geschlecht mit vielerlei Sorge, Angst und Mühe sich selber martern und üben sollte. Wohl dem, der sich recht darin schickt.

11. Er aber tut alles fein zu seiner Zeit und lässt ihr Herz sich ängsten, wie es gehen soll in der Welt; denn der Mensch kann doch nicht treffen das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Alles fein: Gott teilt die traurigen und fröhlichen Zeiten ganz meisterlich aus, und weiß er am besten, welche Zeit zur Freude oder zur Traurigkeit richtig sei.

Gehen soll: Das ist: Gott lässt es geschehen, dass die Menschen in ihren Herzen mit mancherlei Gedanken sich selber umtreiben, wie es in künftigen Zeiten ergehen möchte, und was für Zustände folgen werden. Und wenn sie sich selber gleich lange gemartert und geplagt haben, so können Sie es dennoch nicht begreifen, wie es Gott machen werde. Können auch an Gottes Rat und Tun weder Anfang noch Ende finden. Denn Gott will sich unseren Verstand nicht unterwerfen, sondern erfordert, dass wir uns seiner Weisheit und seinem Willen Gehorsam untergeben.

12. Darum merkte ich, dass nichts Besseres drinnen ist, denn fröhlich sein und ihm gütlich tun in seinem Leben.

Merkte ich: Da ich nämlich sah, dass der Ausgang nicht in des Menschen Gewalt stünde.

Nichts Besseres: In so großer Ungleichheit der Zustände.

Leben: Es ist das Allerbeste, wenn man recht tut, das ist: Gottseliglich lebt, und sich freut, so oft Gott einen fröhlichen Zustand gibt.

13. Denn eine jeglicher Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut in all seiner Arbeit, das ist eine Gabe Gottes.

Gabe Gottes: Damit Gott einen Menschen besonders begabt, dass er unter so vielerlei Mühe, Angst und Trübsal dieses Lebens kann fröhlich und guter Dinge sein, und der gegenwärtigen Guttaten Gottes mit Danksagung recht gebrauchen.

14. Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht immer; man kann nichts dazutun noch abtun; und solches tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.

Besteht: Ich habe es aus der Erfahrung gelernt, dass es vonstattengehen, und einen Fortgang haben muss, was Gott zu tun vorhat, dadurch der Mensch entweder traurig oder fröhlich wird, und kann es kein Mensch ändern oder wehren. Und handelt Gott also unwandelbar, auf dass wir seine Majestät und Allmacht daraus erkennen, ihn fürchten, und in der Gottseligkeit mit höchster Ehrerbietung ihm dienen.

15. Was Gott tut, das steht da; und was er tun will, das muss werden; denn er trachtet und jagt ihm nach.

Nach Luther: Was er tut, das steht, was er will, das geht. Das ist, er wankt nicht, wird auch nicht verdrossen, wie ein Mensch, er dringt durch.

Muss werden: Was er tut, das steht, was er will, das geht, und wankt nicht in seinem Tun, wird auch nicht müde oder verdrossen, wie ein Mensch, sondern dringt durch. Darum, wie es Gott mit uns macht, so sollen wir es annehmen und für gut ansehen.

16. Weiter sah ich unter der Sonne Stätte des Gerichts, da war ein gottloses Wesen, und Stätte der Gerechtigkeit, da waren gottlos.

Sah ich: Etwas, das mir sehr zuwider war.

Gerichts: Da man Gericht hielt, und Gerechtigkeit handhaben sollte.

Gerechtigkeit: Da dieselbe vornehmlich sollte im Schwange gehen.

17. Da dachte ich in meinem Herzen: Gott muss richten den Gerechten und Gottlosen; denn es hat alles Vornehmen seine Zeit und alle Werke.

Muss richten: Will sagen: Da ich auf die Verwaltung des Regimentes in meinem Königreich etwas fleißiger Acht hatte, befand ich, dass unter meinen Richtern und Räten etliche waren, die sich mit Geschenken bestechen ließen, und ohne Gottesfurcht das Recht verkehrten, auch Gerechtigkeit nicht gebührend ausrichteten, welches ich doch nicht ändern konnte, ob ich es wohl gerne getan hätte. Darum stellte ich die Sache Gott heim, und tröstete mich dessen, dass Gott ein gerechter Richter ist, der da kann und will die Unschuldigen, oder unterdrückt werden, erretten, und die Bösen strafen, ob es gleich nicht immer durch die weltlichen Obrigkeiten geschieht. Denn ich sah, dass ich es nicht verbessern könnte, weil die Zeit der Verbesserung noch nicht vorhanden war. Wenn denn Salomo, als der allerweiseste Mensch, und allerwichtigste König, das Regiment nicht also anstellen konnte, damit niemand vor Gericht Gewalt geschehe, so wird freilich auch kein First verhüten können, dass nicht etliche seiner Untertanen mit Gewalt unterdrückt werden. Welches doch nicht darum gesagt wird, dass ein Fürst oder Regent die Verwaltung seines Regimentes sollte auf einen Ort setzen, und alles durcheinandergehen lassen, er aber unterdes des Leibes Wollüsten pflegen, sondern dass er ruhig sei, und sich zufrieden gegeben, wenn er zwar von Herzen begehrte den Untertanen wohl vorzustehen, und doch nicht aller Ungerechtigkeit wehren kann. Die Untertanen aber sollen darum nicht so schnell der Obrigkeit übel nachreden, wenngleich nicht immer jedermann Recht verschafft wird. Denn die Richter und Beisitzer im Gericht kommen ihrem Amt nicht alle nach, und wenngleich einer oder zwei böse abgeschafft werden, so dürfen wohl zwei ärgere an die statt kommen, welche, indem sie auch ihren Säckel füllen wollen, die Leute noch mehr planen, als die vorigen, so bereits gesättigt wurden. Denn die hungrigen Mücken stechen übler als die vollen. Jedoch muss man häufig ein Exempel sehen lassen, und diejenigen zur ungebührlichen Strafe ziehen, welche dem gemeinen Nutzen untreu vorgestanden sind.

18. Ich sprach in meinem Herzen von dem Wesen der Menschen, darin Gott anzeigt und lässt es ansehen, als wären sie unter sich selbst wie das Vieh.

Wie das Vieh: Denn obwohl Gott den Menschen mit einer vernünftigen Seele erschaffen hat, jedoch, wenn jemand mit fleischlichen Augen sieht, wie es ihm geht, und was ihm begegnen könnte, auch oft widerfährt, so möchte er leicht in die Gedanken geraten, der Mensch wäre nicht besser denn ein unvernünftiges Tier.

19. Denn es geht dem Menschen wie dem Vieh: Wie dies stirbt, so stirbt er auch, und haben alle einerlei Odem; und der Mensch hat nichts mehr denn das Vieh; denn es ist alles eitel.

Dem Vieh: Als zum Beispiel: Der Mensch fällt, leidet Schmerzen, ist krank, es freut ihn, dürstet und hungert ihn, solches widerfährt auch einem unvernünftigen Vieh.

Einerlei Odem: Denn der Mensch schnaubt und lebt dadurch, dass er den Boden immer wieder fasst, also tun die unvernünftigen Tiere auch, und wenn kein Odem mehr da ist, so ist der Mensch tot, also auch ein unvernünftiges Tier.

Nichts mehr: So viel das äußerliche Ansehen betrifft.

Alles eitel: Der Mensch ist eben sowohl allen Jammer und Unheil unterworfen als das Vieh.

20. Es fährt alles an einen Ort; es ist alles von Staub gemacht und wird wieder zu Staub.

Einen Ort: Nämlich so viel den Leib betrifft. Denn es werden die Körper, beide der Mensch und das unvernünftige Tier, endlich zu Staub und Asche.

Zu Staub: Denn es ist dem Adam gesagt worden: Du bist Erde, und sollst zur Erde werden. Darum, wenn die Menschen ihren fleischlichen Gedanken nachhängen, so geraten sie häufig in einen Zweifel, ob auch von den Menschen noch etwas nach diesem Leben überbleibe?

21. Wer weiß, ob der Odem der Menschen aufwärts fahre und der Odem des Viehes unterwärts unter die Erde fahre?

Erde fahre: Also sprechen die Leute, so fleischlich gesinnt sind: Wer kann an wissen, ob des Menschen Seele unsterblich sei, und nach diesem Leben in den Himmel fahre, der unvernünftigen Tiere aber zunichtewerde, weil die Zustände so gleich sind, die den Menschen und Tieren begegnen? Denn die Geschichten bezeugen von vieler Leute schrecklicher Ermordung, dass sie nicht anders erwürgt wurden, als wenn Schafe oder Ochsen von dem Schlachter geschlachtet werden. Aber fromme Leute wissen, dass der gottseligen Menschen Seelen, wenn sie von dem Leibe abschneiden, in Gottes Hand und bei Christo sind {Phil 1v23} und der gottlosen Seelen zur Hölle verstoßen werden {Lk 16v23}. Das auch beider Leiber am Jüngsten Tage wieder auferweckt werden, auf dass sie samt ihren Seelen, zu denen sie wieder kommen werden, entweder die Belohnung ihrer Gottseligkeit, oder die Strafe vor ihrer Bosheit empfangen {Mt 25}.

22. Darum sah ich, dass nichts Besseres ist, denn dass ein Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit; denn das ist sein Teil. Denn wer will ihn dahin bringen, dass er sehe was nach ihm geschehen wird?

Nach Luther: Das ist: Sorge nicht für morgen, denn du weißt nicht, was werden wird. Lass dir begnügen heute, morgen kommt auch Tat und Rat.

Nichts Besseres: Denn weil der Menschen Leben so vielen Jammer und allerhand Mühseligkeit, unterworfen ist, so tun wir recht, wenn wir nicht mit übrigen Sorgen unser Unglück häufen, und ist es das allerbeste, dass ein Mensch die Traurigkeit und Sorgen aus dem Sinn schlage, und nach ehrlicher Ergötzlichkeit trachte. Denn er doch in diesem Leben von so großer Mühe und seiner sauren Arbeit keinen anderen Nutzen haben wird.

Geschehen wird: Der Mensch kann nicht wissen, wie es nach seinem Tode gehen wird, darum soll er sich nicht darum bekümmern, und die gegenwärtigen Gaben Gottes recht und wohl mit Freuden gebrauchen.


Das 4. Kapitel


In dieser Welt werden viele unschuldige unterdrückt. Viel machen sich selbst mit vergeblichen Sorgen unnötige Mühe. Die außer der Ehe und einsam leben, genießen ihre Arbeit nicht. Es ist nicht alle Obrigkeit glückselig.

1. Ich wandte mich und sah alle, die Unrecht leiden unter der Sonne; und siehe, da waren Tränen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tröster; und die ihnen Unrecht taten, waren zu mächtig, dass sie keinen Tröster haben konnten.

Wandte mich: Andere mehr Dinge zu betrachten.

Keinen Tröster: Der ihre Sache wider die Ungerechten gehandhabt hätte.

Haben könnten: Waren also von jedermann verlassen, welches mich dahin versuchte, dass ich dachte, wie ein eitles und nichtiges Ding um dieses zeitliche Leben ist.

2. Da lobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebendigen, die noch das Leben hatten.

Lobte: Das ist: Da ich sah, wie in der Welt so ein verkehrtes Wesen vorging, fielen mir aus großem Unmut solche Gedanken ein, dass es besser sei, nie geboren, als so viel unrechte Sachen in dieser Welt ansehen, will schweigen und leiden. Denn es tut einem frommen Menschen, besonders einer gottseligen Obrigkeit sehr weh, wenn eine große Ungerechtigkeit und Bosheit vorgeht, und man dieselbe doch nicht verhindern, noch verhüten kann. Und trägt es sich manchmal zu, dass die Gottseligen mit solchen Gedanken sich selber zu viel plagen, also, dass sie auch zuletzt darüber ungeduldig werden.

3. Und der noch nicht ist, ist besser denn alle beide, und des Bösen nicht innewird, dass unter der Sonne geschieht.

Nicht ist: (Nach Luther) Der noch nicht in solchem Unglück lebt.

4. Ich sah an Arbeit und Geschicklichkeit in allen Sachen; da neidet einer den andern. Das ist je auch eitel und Mühe.

Da neidet: Wie ich nämlich betrachtete, mit was großer und schwerer Arbeit die Menschen sich bemühten, merkte ich, dass sie geschäftiger, und geschickter einer war, je mehr er von anderen geneidet wurde, darum ich leicht spürte, dass auch in solchem Tun die rechte Glückseligkeit nicht stünde, sondern dass fleißiger und aufrichtiger Leute von ihrer Arbeit oft nur Mühe und Widerdruss davon brächten. Welches besonders unter den Handwerksleuten und Künstlern gespürt wird, dass einer den anderen anfeindet, und begehrte ihm zu schaden: Dennoch soll man für die Gabe der Geschicklichkeit Gott danken, und nicht damit prangen, auch den darauf folgenden Neid mit Geduld ausstehen und überwinden.

5. Denn ein Narr schlägt die Finger ineinander und frisst sein Fleisch.

Nach Luther: Kann jemand etwas, so ist man ihnen feind, und der Feind ist doch selbst ein Narr, der nichts kann, dass er vor Hass sich selbst martert. Darum ist ja ein elendes Wesen auf Erden.

Fleisch: Ein unverständiger und langsamer Mensch, der dem anderen seine Kunst und Geschicklichkeit nicht gönnt, dreht und martert sich ängstlich mit Sorgen, dass er nicht einen solchen Fortgang hat als ein kunstreicher Meister. Es sollen aber einfältige Leute, wenn sie gleich nicht so geschickt sind, als viele andere, mit ihrer geringen Gabe zufrieden sein, und Gott auch für solches geringes Tun dank sagen. Denn Gott ist der allerweiteste und beste Ausspender aller Gaben und Güter.

6. Es ist besser eine Hand voll mit Ruhe denn beide Fäuste voll mit Mühe und Jammer.

Hand voll: Es ist viel besser, eine geringe Nahrung in guter Ruhe haben, als viel Güter mit großer Mühe und Arbeit zuwege bringen, dafür der Mensch dieses Lebens Lieblichkeit kaum empfinden kann. Ist einer in seiner Kunst oder Handwerk nicht besonders berühmt, so hat er nur desto weniger Sorge und Mühe.

7. Ich wandte mich und sah die Eitelkeit unter der Sonne.

8. Es ist ein einzelner und steht allein und hat weder Kind noch Brüder; noch ist seines Arbeitens kein Ende und seine Augen werden Reichtums nicht satt. Wem arbeite ich doch und breche meiner Seele ab? Das ist je auch eitel und eine böse Mühe.

Kein Ende: Das ist: Man findet Leute, die in ihrer Arbeit gar kein Maß halten, nicht der Meinung, dass sie begehrten in ihrem Beruf so fleißig nachzukommen, sondern dass sie mit zusammenscharren der Güter nicht mögen gesättigt werden, damit sie weder Weibern, noch Kindern, noch Brüdern nützen, weil sie deren keines haben. Und welches das aller ungereimteste ist, so tun Sie sich selber auch nicht so gut von ihren Gütern, die sie mit großer Mühe erworben haben. Ist das nicht eine große Torheit? Und sind diese nicht die allerelendesten Leute? Denn was sollte das für eine Glückseligkeit sein, wenn einer allein ein großes Gut hat, und ist doch niemand, der mit ihnen solche Güter teilhaftig wäre, und ihn wiederum Gutes erzeigte? Wie viel besser ist es, ein Eheweib, Kinder, und Freunde haben, die unsere Güter genießen können? Wozu ist es nütze, dass ein einziger Mensch sich auf Reichtum legt, wie der Hund auf das Heu, weil er sie selber nicht nutzt und braucht, noch duldet, dass sie andere bei seinen Lebzeiten brauchen?

9. So ist‘s je besser zwei denn eins; denn sie genießen doch ihrer Arbeit wohl.

Genießen: Als zum Beispiel: Hast du ein Eheweib, so genieße sie mit dir der gemeinen Arbeit, da durch ihr die Güter miteinander zuwege gebracht, und erworben habt, und kann sie dir wiederum Gutes erzeigen? Oder hast du zum wenigsten einen getreuen Freund, der in einer Arbeit oder Hantierung dein Mitgeselle ist, und deines Reichtums also mit dir teilhaftig wird, wenn er sich nicht wohl um dich verdienen? Wie denn solches, das dem also sei, wie zuvor gesagt, Salomo mit etlichen Gleichnissen erklärt.

10. Fällt ihrer einer, so hilft ihm sein Geselle auf. Wehe dem, der allein ist! Wenn er fällt, so ist kein anderer da, der ihm aufhelfe.

Geselle auf: Denn ein Eheweib, oder auch euer treuer Freund wird ihm zu Hilfe kommen, wenn ihm etwas Widerwärtiges begegnet, und ihm das Übel, so viel möglich, mildern. Darum der Mensch besonders nach dem Fall der ersten Eltern, eines Eheweibes oder Gehilfen und so viel desto mehr bedürftig ist, nicht allein dass sie ihnen helfe die Haushaltung zu regieren, sondern auch, dass die ihm ein Trost sei in Widerwärtigkeit. Das ist einmal gewiss, dass für des Mannes Gesundheit keiner so gute Vorsorge tragen wird, als ein Eheweib. Und vertritt ein guter Freund eines Bruders statt, wenn gefährliche Zeiten einfallen.

11. Auch wenn zwei beieinanderliegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden?

Wärmen: Gleichwie nun ihrer zwei in einem Bette der Kälte desto leichter widerstehen, und einander wärmen, also können zwei Eheleute, oder zwei Freunde ein vor Augen schwebendes, oder bereits sehendes Unglück leicht abtreiben, als einer allein, und ist der Nutzen, indem sie einander dienen, raten und helfen, auch desto größer.

12. Einer mag, überwältigt werden, aber zwei mögen widerstehen; denn eine dreifältige Schnur reißt nicht leicht entzwei.

Widerstehen: Der allein leicht überwunden wird, ist im selben Tun unüberwindlich, wenn ihm sein Freund hilft.

Nicht leicht: Also auch, wenn jemand nicht allein ist, sondern entweder ein Weib ehelicht, oder mit seinen Gütern sich treue Freunde macht, der wird nicht leicht von einem Unfall überwältigt. Welche darum Güter bekommen haben, sollen denselben nicht sogar ergeben sein, dass sie niemand wollten lassen mit anstehen, denn sie sonst selber auch keinen Nutzen davon haben werden.

13. Ein armes Kind, das weise ist, ist besser denn ein alter König, der ein Narr ist und weiß sich nicht zu hüten.

Zu hüten: Was ihm künftig nützlich oder schädlich sein möchte. Denn ein gottseliger und verständiger Jüngling, wenn er gleich arm ist, kann doch mit der Zeit zu großen Ehren kommen, wie des Josefs Beispiel in Ägypten bezeugt: Aber wenn ein närrischer, unvorsichtiger und unverständiger König gleich viel Güter und viele Jahre hat, so kann er doch durch seine Unvorsichtigkeit noch vor seinem Tod von dem Königreich verstoßen werden.

14. Es kommt einer aus dem Gefängnis zum Königreich; und einer, der in seinem Königreich geboren ist, verarmt.

Verarmt: Also, dass der, so war zuvor gefangen gewesen, ein König wird, der aber zuvor ein König gewesen, im Elend und in großer Armut stirbt. Soll deswegen in Widerwärtigkeit niemand verzagen, und auch seine Güter oder Hoheit sich niemand verlassen, noch deren sich übergeben, sondern es soll sich ein jeder der rechten Weisheit, nämlich der Gottseligkeit befleißigen.

15. Und ich sah, dass alle Lebendigen unter der Sonne wandeln bei einem andern Kinde, das an jenes statt soll aufkommen.

Ich sah: Als wollte er sprechen: Ich weiß mich zu erinnern, dass es bei meinen Lebzeiten geschehen ist, dass alles Volk sich zu des Königs Sohn hielt, als denn sie den Anderen und Nächsten nach dem Könige achteten, und hofften, er würde an seines Vaters statt regieren: Meinten auch nicht anders, sie hätten den königlichen Sohn dabei zum Regenten gemacht, und beschützten ihn mit ihren Waffen, in großer Anzahl, dass er für unüberwindlich gehalten ward: Machten sich daneben die blinde Rechnung, dass sie unter demselben König ganz glücklich sein wollten, aber es fehlte ihnen gar weit. Denn er hat das Königreich nicht behalten, und ist mit ihm eine große Anzahl zugrunde gegangen, dass sie von demselben König nichts als Schimpf und Schaden davon gebracht haben. Es deutet aber hier Salomon auf die Aufruhren, welche Absalom wider seinen Vater David erregt hatte {2Sam 15}. Nach Luther) Lebendige heißt Salomo die herrlich Leben auf Erden, als zu Hof und sonst mit großen prangen, als wäre das Leben und die Welt ihr eigen.

16. Und des Volks, das vor ihm ging, war kein Ende, und des, das ihm nachging; und wurden sein doch nicht froh. Das ist je auch eitel und ein Jammer.

Auch eitel: Denn welche nach einem Königreich stehen, und des göttlichen ordentlichen Berufes nicht erwarten, welche auch mit Verachtung ihrer ordentlichen Obrigkeit auf einen anderen die Augen werfen, von dem sie Hoffnung haben, dass er im Regiment folgen werde, die tun beide närrisch, und ziehen sich viel unnötige Mühe und Trübsal über den Hals. Darum sollen wir die gegenwärtige Obrigkeit mit gebührender Untertänigkeit in Ehren halten, und nicht zum Nachkommen uns eine vergebliche Hoffnung machen.


Das 5. Kapitel


Man soll Gott mit Ernst Ehren und keine Heuchelei treiben. Gott und seinem Wort nicht zuwider reden. Rechtmäßige Gelübde soll man halten. Und vor der Heuchelei sich hüten, dadurch die Sünde gering geschätzt wird, auch auf Träume sich nicht verlassen. Widerfährt jemand unrechte Gewalt, so soll er es der ordentlichen Obrigkeit vorbringen. Den Geiz soll man meiden. Und seine Arbeit mit fröhlichem und ruhigem Herzen genießen.

1. Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst, und komm, dass du hörst! Das ist besser denn der Narren Opfer; denn sie wissen nicht, was sie Böses tun.

Gehst: Das ist: Wenn du willst in die Kirche gehen, so siehe zu, dass du mit gottseligen Herzen hineingehst, und nicht wie die Heuchler dich vor anderen äußerlich nur fromm stellst, viel weniger das du wolltest tadeln, verlästern, oder verlachen, was aus dem Worte Gottes dort gelehrt und gepredigt wird: Sondern bringe mit ein demütiges Herz, das Wort Gottes zu hören, zu lernen, und demselben zu folgen begierig ist.

Narren Opfer: Ein gottseliges Herz ist Gott dem Herrn viel angenehmer, und ihr nützlicher, als der Gottlosen Opfer sind, welche ihre Sünden daneben nicht erkennen, noch ihr Leben bessern wollen, und den Willen Gottes aus seinem Wort zu lernen sich nicht befleißigen, sondern meinen, Gott lasse sich mit dem Werk oder Opfer versöhnen, wenn gleich die, so solche Opfer tun, böse und Heuchler bleiben. Darum tun sie doppelte Sünde, mit ihrer Unbußfertigkeit und Heuchelei, dadurch sie wollen für andächtige Diener Gottes angesehen sein. Sollen wir darum zur Predigt kommen, mit begierigem Herzen Gottes Wort zu hören, und uns vor der Heuchelei hüten, damit wir nicht Sünde mit Sünden häufen, und schreckliche Strafen über uns ziehen.

2. Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein.

Vor Gott: Tadele nicht, was du aus dem Worte Gottes hörst reden oder beweisen, darum, dass es deiner Vernunft ungereimt vorkommt, oder dass es deinem Tun und Wandel zuwider ist, wie die zu tun pflegen, welche den Predigen, so recht lehren, und die Irrtümer oder Laster strafen, übel nachreden: Du sollst auch aus Ungeduld wieder Gott nicht murren in deinem Gebet, sondern ein demütiges und gelehrtes Herz mit dir bringen.

Im Himmel: Er ist einer unendlichen Majestät, Macht, Weisheit und Güte, dessen Herrlichkeit die Himmel selbst auch nicht fassen können, du aber bist ein Wurm, und kriechst auf der Erde herum wie ein elendes Tier, darum hüte dich, dass du mit deinem Geschwätz und Frevel, Gott dem Herrn übles nachzureden, wenn er dich in seinem Wort lehren will, die göttliche Majestät nicht beleidigst.

3. Denn wo viel Sorgen ist, da kommen Träume; und wo viele Worte sind, da hört man den Narren.

Viel Worte: Das ist: Unnützes Klapperwerk, und kluges diskutieren von göttlichen Sachen zeigen an, dass ein unverständliches Gemüt und gottloses Herz vorhanden sei: Das dasselbe Menschenherz mit vielen Sorgen umgetrieben und unruhig gemacht werde.

4. Wenn du Gott ein Gelübde tust, so verzieh es nicht zu halten; denn er hat kein Gefallen an den Narren. Was du gelobst, das halte!

Narren: Welche viel geloben, und wenig halten.

5. Es ist besser, du gelobst nichts, denn dass du nicht hältst, was du gelobst.

Besser: Denn da es einen Menschen übel ansteht, dass er einen anderen Menschen etwas verheißt, und es später nicht hält, wie viel hässlicher, ja abscheulicher ist es, dass man Gott etwas verspricht, und solches nicht leistet. Es redet aber Salomo von rechtmäßigen Gelübden, die zu halten möglich sind, solche soll man ohne Widerrede halten: Aber auf ungebührlichen Gelübde, die dem Worte Gottes zuwider sind und dazu zu halten unmöglich, als da sind: Die Gelübde der Mönche und ewige Keuschheit außer der Ehe, und dergleichen mehr, soll man nicht dringen. Denn Gott will nicht mit Sünden geehrt werden.

6. Verhänge deinem Mund nicht, dass er dein Fleisch verführe, und sprich vor dem Engel nicht: Ich bin unschuldig. Gott möchte erzürnen über deine Stimme und verdammen alle Werke deiner Hände.

Verführe: Das ist: Hüte dich, dass du nicht freventlich wider Gott redest, und dich also grob an ihm versündigst.

Engel: Das ist: Vor dem Kirchendiener. Denn dieselben werden Engel genannt {Mal 2v7}. Nach Luther) Heißt hier die Priester und Lehrer.

Unschuldig: Es will der Heilige Geist nicht, dass wir unsere Sünden entschuldigen, oder gering schätzen sollen, wie doch die Heuchler tun, welche, ob sie wohl die Sünde nicht leugnen können, so entschuldigen sie doch dieselben mit erdichteten und falschen Umständen. Darum, ob es wohl vonnöten ist, dass man vor einem Kirchendiener alle Sünden erzähle, so sollen wir doch von Herzen frei heraus und demütig bekennen, dass wir oft schwer gesündigt haben, und zwar also, dass wir der ewigen Verdammnis wert wären, wo uns Gott nicht um Christi willen verzeihe.

7. Wo viel Träume sind, da ist Eitelkeit und viel Worte; aber fürchte du Gott!

Eitelkeit: Darum hüte dich vor solchen Propheten und Predigen, welche viel Träume rühmen, als ob Gott ihnen seinen Willen dadurch geoffenbart hätte. Denn sie lehren eitel und verkehrte Dinge und betrügen andere mit ihrem Geschwätz. Bleibe du bei der reinen Lehre des göttlichen Wortes, und erhalte solche standhaft in deinem Herzen. Diese Erinnerung Salomos war damals, und ist noch heutigen Tages vonnöten. Denn weil Gott etlichen Propheten durch Träume künftige Sachen offenbarte, welches doch selten geschah, so rühmten die falschen Propheten, als der rechten Propheten Affen, viel Träume, die entweder erdichtet, oder aber des Teufels Betrügerei waren: Von denen der Prophet Jeremias redet (Kapitel 23). Solche Träumer befanden sich unter dem Münzer und seinem Anhang, der einen schwärmerischen Geist hatte, und später bei den Bauern Aufruhr erregte. Und Zwingli rühmt auch in seinen Schriften, dass er im Traum gelernt habe, wie in den Worten des Abendmahls das Wörtlein „Ist“, viel bedeutet, so müsste man es verstehen, weil eine gleiche Art zu reden in der Schrift stehe vom Osterlamm: Und sagt von dem, der solches im Traum eingegeben habe, dass er nicht wisse, ob er weiß oder schwarz gewesen sei. Denn das sind seine Worte. Wir aber sollen solchen Träumern und fliehen, Gott fürchten, und von seinem hellen klaren Wort nicht abweichen.

8. Siehst du dem Armen Unrecht tun und Recht und Gerechtigkeit im Lande wegreißen, wundere dich des Vornehmens nicht; denn es ist noch ein hoher Hüter über den Hohen, und sind noch Höhere über die beiden.

Wegreißen: Das du meinst, es sei weder Recht noch Gerechtigkeit mehr im Lande.

Nicht: Du darfst dich nicht darüber entsetzen, noch dich solches lassen irremachen, oder darüber dich bekümmern. Denn es geht in dieser Welt nicht anders zu, sondern es trägt sich vor Gericht viel ungerades zu, entweder aus Irrtum, oder Geiz, oder Gunst, oder Neid der Personen. Aber befiehl die Sache Gott, und einer ordentlichen Obrigkeit.

9. Über das ist der König im ganzen Land, das Feld zu bauen.

Ganzen Land: Dem jedermann gehorchen muss. Will aber so viel sagen: Wenn ein unterer Amtmann nicht recht urteilt, so hat die unterdrückte Partei einen Oberamtmann, oder einen ansehnlichen, vortrefflichen und weisen Fürsten, deren jeden eine besondere Landschaft des Königreiches zu verwalten befohlen wurde, zu welchem einer, der bedrängt ist, seine Zuflucht haben kann. Wann da auch nicht mit dem Recht geholfen, so ist noch das oberste Gericht zu Jerusalem vorhanden, der Hohepriester, und ein Fürst aus den israelitischen Stämmen recht spricht, wie denn solches Gericht beschrieben wird in {2Chr 19}. Kann denn einer auch da seine gerechte Sache nicht erhalten, so ist noch übrig der König im Lande, als der oberste Richter im ganzen Königreich, der das Land erhält, damit es nicht verwüstet oder zerstört werde. Bei solchen Richtern muss man das Recht suchen. Also auch heutigen Tages, wenn wir sehen, dass einem im unteren Gericht Unrecht geschieht, so sollen wir die Sache Gott und der hohen Obrigkeit befehlen, und nichts entweder mit Worten oder Taten aufrührerischer Weise uns unterstehen.

Feld zu bauen: (Nach Luther) Das ist: Er herrscht über alles, und handhabt das Land, das es nicht zerfalle, und verwüste, dass denn eines Königs Amt und Name ist.

10. Wer Geld liebt, wird Gelds nimmer satt; wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Das ist auch eitel.

Nimmer satt: Sondern begehrt immer mehr zu haben, und mangelt ihm eben sowohl, was er hat, als was er nicht hat, weil er seine Güter nicht gebrauchen darf, darum er mehr Sorge als Lust und Freude davon bekommt. Ist aber das nicht ein unsinniger Jammer, dass man niemals genug hat, und doch der Güter, die man hat, auch nicht genießt?

11. Denn wo viel Guts ist, da sind viele, die es essen; und wer genießt sein, der es hat, ohne dass er‘s mit Augen ansieht?

Essen: Denn die Reichen müssen ein großes Personal halten, und haben auch sonst viel Ausgaben, also, dass da der Arme einen Pfennig braucht, der Reiche ein großes Geldstück haben muss.

Ansieht: Denn er ja nicht mehr essen oder trinken kann als ein Armer, er wollte denn seine Gesundheit verwahrlosen, darum er nicht sich, sondern anderen Leuten etwas sammelt.

12. Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen; aber die Fülle des Reichen lässt ihn nicht schlafen.

Süß: Denn weil er sich müde gearbeitet hat, der arm ist, und mit seiner Handarbeit sich nähren muss, so schläft er sanft, wenn er gleich nicht köstliche Kleider hat.

Nicht schlafen: Denn weil er mit vielen niedlichen speisenden Magen überfüllt und ausdehnt, so kann er in der Nacht keine Ruhe haben. Darum sollen wir uns vor dem Geiz hüten, und nicht nach großem Richtung trachten, sondern mit dem für gut nehmen, was uns Gott beschert, wenn es gleich nicht sehr viel ist.

13. Es ist eine böse Plage, die ich sah unter der Sonne, Reichtum behalten zum Schaden dem, der ihn hat.

14. Denn der Reiche kommt um mit großem Jammer; und so er einen Sohn gezeugt hat, dem bleibt nichts in der Hand.

15. Wie er nackend ist von seiner Mutter Leibe kommen, so fährt er wieder hin, wie er kommen ist, und nimmt nichts mit sich von seiner Arbeit in seiner Hand, wenn er hinfährt.

Wieder hin: Nämlich, nackt und bloß, dass er seine Güter in dieser Welt hinterlässt, und nichts davon mit sich nehmen kann in jene Welt.

16. Das ist eine böse Plage, da er hinfährt, wie er gekommen ist. Was hilft‘s ihm denn, dass er in den Wind gearbeitet hat?

Böse Plage: Denn der Tod, besonders wenn einer schändlich und erbärmlich stirbt, ist eine Strafe der Sünde.

Wind gearbeitet: Das ist: Vergebens und umsonst Mühe gehabt hat, weil ihm das Gut samt dem Leben genommen wurde.

17. Sein Leben, lang hat er im Finstern gegessen und in großem Grämen und Krankheit und Traurigkeit.

Fein sei: Und in diesem Leben das allerbeste.

18. So sehe ich nun das für gut an, dass es fein sei, wenn man isst und trinkt und gutes Muts ist in aller Arbeit, die einer tut unter der Sonne sein Leben lang, das ihm Gott gibt; denn das ist sein Teil.

Mut ist: In der Furcht Gottes.

Teil: Das ist: Der Mensch soll sich lassen wohl sein, und seine Arbeit genießen, solange er in dieser Welt lebt, denn das gibt ihm Gott zur Belohnung seiner Arbeit in diesem Leben, dass er sich desselben freue.

19. Denn welchem Menschen Gott Reichtum und Güter und Gewalt gibt, dass er davon isst und trinkt für sein Teil und fröhlich ist in seiner Arbeit, das ist eine Gottes Gabe.

Gabe: Wenn nämlich Gott jemand Güter beschwert, und ihm einen solchen Sinn daneben gibt, dass er derselben frei gebrauchen darf, für so viel Mühe, die er in diesem Leben hat.

20. Denn er denkt nicht viel an das elende Leben, weil Gott sein Herz erfreut.

Gedenkt nicht: Einem frommen Menschen, der ein ruhiges und fröhliches Gemüt hat, geht die Zeit seines Lebens hin, dass er es nicht empfindet, also, dass wenn er sechzig Jahre alt ist, er nicht anders meint, denn er habe kaum dreißig Jahre gelebt. Gleichwie aber solches eine große Glückseligkeit in dieser Welt ist, also ist es schwer, es dahin zu bringen, dass man sogleich an der Frömmigkeit halte, und dennoch unter so vielen Trübsalen dieses Lebens ein ruhiges und fröhliches Herz haben kann. Jedoch sollen wir uns dahin schicken, dass wir diesen Erinnerungen Salomons folgen, so können wir unserem Beruf und die Geschäfte desto länger verrichten, weil wir des Leibes und Gemütes Kräfte desto länger behalten, und weder uns selbst noch anderen beschwerlich sein werden.


Das 6. Kapitel


Der ist elend, welcher Güter sammelt, und dieser nicht genießen darf. Der ist aber glücklich, welcher in seinem Stand und gegenwärtige Gütern sich vergnügen lässt, und sich nicht mit so viel Arbeit und Sorgen abmattet.

1. Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne, und ist gemein bei den Menschen:

2. Einer, dem Gott Reichtum, Güter und Ehre gegeben hat, und mangelt ihm keines, das sein Herz begehrt, und Gott doch ihm nicht Macht gibt, desselben zu genießen, sondern ein anderer verzehrt es; das ist eitel und eine böse Plage.

Genießen: Was für eine große Torheit und jämmerlicher Handel ist es, wenn jemand von Gott mit Reichtum und Ehren begabt ist, und darf solche Güter dennoch nicht gebrauchen, sondern lebt sehr kärglich und genau, und verlässt endlich alle seiner Habe und Gut solchen Erben, die weit mit ihm verwandt sind, und oft bei seiner Leiche das Lachen kaum verbergen können. Also geht es, wenn einer lange gespart, und verlässt danach sein Gut eitel lachenden Erben.

3. Wenn er gleich hundert Kinder zeugte, und hätte so langes Leben, dass er viel Jahre überlebte, und seine Seele sättigte sich des Guts nicht und bliebe ohne Grab, von dem spreche ich, dass eine unzeitige Geburt besser sei denn er.

Er: Nämlich, ein solcher reicher und karger Filz.

Zeugte: Die er hinter sich verlässt, oder aber, dass er nicht stürbe, und lebte bis an den Jüngsten Tag, und aber seine Güter nicht mit Freuden genösse. Nach Luther) Erzeigte sich also, dass man seiner gerne los wäre, und später sein Begräbnis nicht ehrt.

Geburt: Denn obwohl dieselbe dieses Lebens Lieblichkeit und Wollust nicht empfunden, so ist sie doch der Mühseligkeit dieses Lebens überhoben gewesen. Aber der Reiche und karge Filz hat viele Jahre nichts denn große Angst und Sorge gehabt, und der Gaben Gottes nie recht mit Freuden gebrauchen dürfen.

4. Denn in Eitelkeit kommt er und in Finsternis fährt er dahin, und sein Name bleibt in Finsternis bedeckt,

in Eitelkeit: Das ist: Er kommt im Elend auf diese Welt, und scheidet im Elend wieder davon, und lässt keinen guten oder berühmten Namen hinter sich, weil er nichts denkwürdiges oder löbliches auf Erden verrichtet hat.

5. wird der Sonne nicht froh und weiß keine Ruhe weder hier noch da.

Nicht froh: Es freut ihn das Licht dieser Welt nicht, und er genießt dieses Lebens nicht. Denn wo er sich hinwendet, da lässt er sich selber keine Ruhe.

6. Ob er auch zweitausend Jahre lebte, so hat er nimmer keinen guten Mut. Kommt‘s nicht alles an einen Ort?

Guten Mut: Er empfindet keine Ergötzlichkeit von allen seinen Reichtümern, was nutzt ihm denn sein Leben?

Einen Ort: Müssen sie nicht alle endlich sterben, die Reichen wie die Armen? Darum sollen wir in der Furcht Gottes die Güter dieses Lebens uns lassen uns lieb werden, welche uns der allergütigste himmlische Vater gibt.

7. Einem jeglichen Menschen ist Arbeit aufgelegt nach seinem Maße; aber das Herz kann nicht dran bleiben.

Aufgelegt: Gott hat einen jeden Menschen seine Arbeit und seinen Beruf verordnet, darin er sich üben, und Gott und dem Menschen dienen soll, aber die Eitelkeit und Torheit des menschlichen Verstandes ist so groß, dass der Mensch an seinem Beruf sich nicht begnügen lässt, sondern immer mehr begehrt, und sich in fremde Geschäfte einmengt, damit er sich, weiß nicht was für einen berühmten Namen mache, und für Weise angesehen werde.

8. Denn was richtet ein Weiser mehr aus denn ein Narr? Was untersteht sich der Arme, dass er unter den Lebendigen will sein?

Nach Luther: Sie sind beide Narren, der Weise und der Arme. Der Weise will es mit seiner Sorge ausrichten, so meint der Arme: O wäre ich in dem oder dem Stande, wie fein sollte es zu gehen, ja hinter sich.

Weiser mehr: Genießt nicht der, den man für einen Einfältigen und Toren hält, ebenso wohl der Lieblichkeit dieses Lebens, als dem von wegen seiner Weisheit und hohem Verstandes viel und wichtige Geschäfte zu verrichten aufgelegt werden? Ja man wird wohl Leute finden, welche geurteilt, dass die Narren glücklicher sind als die Weisen, weil sie nicht so viel Sorge und Mühe haben dürfen. Darum man gesagt: Nichts Wissen oder verstehen ist das allerbeste Leben.

Lebendigen: Nach Luther: Die wohl leben, und zehren.

Will sein: Warum wünscht sich ein Armer unter denen zu sein und zu wandeln, welche köstlich Leben und daher angesehen sind, als lebten sie nur allein in der Welt? Sicher, wenn er wüsste, wie ein solches Leben nur einen Schein oder Schatten eines guten Lebens ist, in der Wahrheit aber nichts denn Jammer und Elend sei, so werde er sich an seinem Stand wohl begnügen lassen, und viel lieber für sich selber begehren zu leben, als mit großen wichtigen Geschäften und Sachen umgehen.

9. Es ist besser, das gegenwärtige Gut gebrauchen, denn nach anderem gedenken. Das ist auch Eitelkeit und Jammer.

Gebrauchen: Und in der Gottesfurcht desselben genießen, dass man hat, wenn es gleich wenig ist, als dass man dasselbe verwerfe, und nach etwas anderem trachte. Denn sonst kann es wohl geschehen, dass man das Gegenwärtige verliert, und das, welches man sich wünscht, auch nicht erlangt. Darum ist es ein närrisches und mühseliges Ding, dass man das verachtet, was man hat, und etwas anderes begehrt. Denn es ist ja besser, einen Sperling in der Hand, als einen Storch auf dem Dach.

10. Was ist‘s, wenn einer gleich hoch berühmt ist, so weiß man doch, dass er ein Mensch ist, und kann nicht hadern mit dem, dass ihm zu mächtig ist.

Mensch ist: Es sei einer gleich so weit und hoch berühmt, als er immer wolle, so ist er doch ein Mensch, und nicht Gott, darum wird es Gott mit ihm machen, wie er will, und kann er dem Willen Gottes nicht widerstehen, noch das Recht fordern, wenn er gleich die ganze Welt bekriegt, und mit bewehrter Hand überwältigt hätte.

11. Denn es ist des ein eitles Dinge zu viel; was hat ein Mensch mehr davon?

Zu viel: Der Mensch nimmt sich zu viel des eitlen und nichtigen Dinges vor, damit er dieses Lebens Mühseligkeit nur desto größer macht, und hat auch keinen Nutzen davon. Darum tun die am allerbesten, welche ihren Beruf fleißig ausüben, und an ihrem Stand vergnügt sind, matten sich auch nicht ab mit unnötiger Sorge und Arbeit, noch dass sie närrischen Begierden nachhängen.

12. Denn wer weiß, was dem Menschen nütze ist im Leben, solange er lebt in seiner Eitelkeit, welches dahinfährt wie ein Schatten? Oder wer will dem Menschen sagen, was nach ihm kommen wird unter der Sonne?

Nütze ist: Der Mensch weiß nicht, was ihm in diesem Leben am nützlichsten ist, weil er nicht wissen kann, was zukünftig ist. Darum, in dem er sich bemüht, durch ungebührliche Mittel Reichtum, Ehre und Glück zu bekommen, so gerät er oft in Armut, Verachtung und Unglück. Und zwar, weil er in seinem Beruf keine Gefahr auf sich nehmen will, so stürzt es sich selber aus seinem Beruf in viel mehr größere Gefahr, und beraubt sich selber des Glücks, welches er bekäme, wenn er seinem Beruf tapfer nachgehe.


Das 7. Kapitel


Man soll nicht nach großen Dingen in dieser Welt trachten. Sondern sich eines guten Namens befleißigen. An den Tod oft denken ist nützlich. Der Weisen Strafen sind heilsam. Vor Frevel und jähem Zorn soll man sich hüten. Die Weisheit ist besser den Reichtum. Die Strenge des Rechtes muss man oft mäßigen. Es geht nicht ohne Mängel im Gericht zu. Der Menschen verkehrtes Wesen ist nicht auszugründen.

1. Ein gut Gerücht ist besser denn gute Salbe und der Tag des Todes weder der Tag der Geburt.

Salbe: Denn ein wohlriechendes und liebliches Öl. Es brauchten aber die orientalischen Völker allerlei wohlriechende köstliche Spezereien in ihrem Wohlleben. Aber das ist der beste und kräftigste Geruch, der unsere und unseres nächsten Herz erquickt, wenn ein guter Name von uns ausgebreitet wird. Solchen guten Namen erlangen wir nicht durch viel rühmen, noch dass wir uns äußerlich fromm und tugendhaft stellen, sondern durch wahre Gottseligkeit und fleißige Arbeit in unserem Beruf.

Des Todes: Denn der Tod erlöst einen gottseligen Menschen von aller Trübsal dieses Lebens, und macht ihm den Eingang zur ewigen Freude.

2. Es ist besser, in das Klagehaus gehen denn in das Trinkhaus; in jenem ist das Ende aller Menschen, und der Lebendige nimmt‘s zu Herzen.

Zu Herzen: Es ist einem Menschen viel ratsamer, dass er in ein Haus geht, da eine Leiche ist als in einem Haus, da man Feste hält. Denn im Klagehause betrachtet einer, was alle Menschen für ein Ende nehmen und dass wir alle einmal sterben müssen. Darum rüstet sich ein gottseliger Mensch zum Tode, auf dass er einmal aus diesem Leben glücklich abschneiden könne. Dieser Spruch, gleichwie auch die folgenden darum der vorigen Lehre nicht zuwider sind, da dem Menschen befohlen wird, dass er ruhig und fröhlich sein soll, sondern er will, wie später in diesem Kapitel angezeigt wird, dass wir Gutes und Böses aufnehmen und uns darin richten lernen, wie uns Gott solches zuschickt, wie die Schrift uns auch am anderen Ort gelehrt und sagt: Seid fröhlich mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden {Röm 12v15}.

3. Es ist Trauern besser denn Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert.

Gebessert: Die Traurigkeit, welche dadurch verursacht wird, dass wir entweder unser Unrecht oder dieses Lebens Mühseligkeit betrachten, ist uns dazu gut, dass wir unser Leben bessern und das Fleisch desto leichter im Zaum halten, damit es nicht durch einen glücklichen Zustand verdorben wird, und wir desto größeres Verlangen nach den rechten, himmlischen und ewigen Gütern bekommen.

4. Das Herz der Weisen ist im Klagehause und das Herz der Narren im Hause der Freuden.

Klagehause: Wenn irgend eine Klage kommt, so gehen weise, fromm und verständigen Leute hin zu den Traurigen, und habe ein Mitleiden mit ihnen, gehen gerne mit ihnen um und trösten sie, was aber närrische und unverständige Leute sind, die meiden traurige Sachen und finden sich nicht bald, wo man leidig ist, sondern ihr Sinn steht nur auf das Wohlleben, wo man lustig und guter Dinge ist, singt und springt zu der Zeit, wenn es sich am wenigsten gebührt. Ja, man findet auch Leute, die nicht gerne vom Tode reden hören.

5. Es ist besser hören das Schelten des Weisen, denn hören den Gesang der Narren.

Schelten: Wenn wir von einem weisen Mann gescholten werden, so sollen wir uns solches besser gefallen lassen, als wenn ein böser Mensch uns ein großes Lob nachsagt.

6. Denn das Lachen des Narren ist wie das Krachen der Dornen unter den Töpfen; und das ist auch eitel.

Dornen: Wenn sie brennen, welches wie eine schlechte Musik ist: Ebenso wenig sollen wir auch zu eines unverständigen gottlosen Menschen Reden und Possen Lust haben, noch seine Schmeichelworten uns gefallen lassen. Denn durch lose Narrendinge und Schmeichelreden wird niemand gebessert, aber etliche beleidigt, und ärger gemacht. Darum ist es eine Torheit und Eitelkeit, wenn man mit der Narren Possen und Heuchelei sich belustigen will, und nicht viel mehr der weisen und frommen Leute ernsthafte Reden zu Herzen fassen.

7. Ein Widerspenstiger macht einen Weisen unwillig und verderbt ein mildes Herz.

Unwillig: Ein boshafter Mensch, der sich leiht, und die Schuld nicht zahlt, macht, dass der, welcher sonst den Armen gerne zu helfen pflegt, noch mehr verdrossen wird, Gutes zu tun. Denn es werden auch fromme unverständige Leute über der Menschen Undankbarkeit und Bosheit unwillig. Welche aber solches verkehrtes Wesen dieser Welt erfahren, die sollen Gott um Hilfe anrufen, und der Welt Bosheit mit ihrer Gültigkeit zu überwinden fortfahren, auch nicht müde werden, Gutes zu tun, wie der Apostel Paulus ermahnt {Gal 6v9}.

8. Das Ende eines Dinges ist besser denn sein Anfang. Ein geduldiger Geist ist besser denn ein hoher Geist.

Nach Luther: Wenn das Ende gut ist, so ist eines gut. Anfangen ist leicht.

Anfang: Denn was wir anfangen zu tun, das wird auch einmal ein Ende haben. Und solch ein Ende ist besser als der Anfang. Wie zum Beispiel: Ein Kirchendiener fängt an das Evangelium zu predigen, der tut zwar wohl, weil er in seiner Arbeit fortfährt, aber wenn er nachfolgend im Lauf seines Berufes aus diesem Leben abscheidet, das ist viel besser, weil er sein Werk vollendet hat, welches ihm von Gott auferlegt und anbefohlen wurde. Also auch in anderen Stellen, wenn Gott an einem Ding, welches wir unter den Händen gehabt, ein Ende machen, und will, dass wir aufhören, so sollen wir gehorchen, und Gott danken, dass er uns Ruhe schafft.

Hoher Geist: Es ist viel besser, dass man langmütig, sanftmütig, friedliebend, und ruhig sei, als dass man einen stolzen Mut führt, und nicht ruhig sein will. Was das sei, erfahren auch hohe Personen, wenn sie in Friedensverhandlungen wichtige Vorschläge nicht eingehen wollen, weil sie viel große Dinge hoffen, und sich träumen lassen: Später aber, wenn sich das Glück wendet, so müssen Sie die unrichtigen Dinge annehmen, und im Elend sterben.

9. Sei nicht schnelles Gemüts zu zürnen; denn Zorn ruht im Herzen eines Narren.

Schnelles: Lass dich nicht bald aufbringen. Denn das steht keinem Weisen zu, sondern ist der Narren Eigenschaft, daran man sie erkennt: Denen liegt es nahe beim Herzen.

10. Sprich nicht: Was ist es, dass die vorigen Tage besser waren denn diese? Denn du fragst solches nicht weislich.

Was ist es: Lass dir aus Undankbarkeit die gegenwärtige Zeit nicht missfallen, als ob die vorigen besser gewesen wären. Denn ob man wohl nicht in Abrede sein kann, dass die Welt je ärger werde, je mehr sie zum Ende naht, so ist das auch wahr, dass zu allen Zeiten Sünde und Laster begangen wurden, und zu jeder Zeit sowohl allgemeine Landstrafen, als besonderer Leute schrecklicher Fälle darauf erfolgt: Und gibt uns Gott heutigen Tages größere Guttaten, als wir mit unserer Undankbarkeit verdienen. Darum sollen wir die gegenwärtige Zeit erkennen, und damit gerne für gut annehmen. Es werden aber mit diesem Spruch nicht nur die wenigen gescholten, welchen der gegenwärtige Zustand im weltlichen Regiment und allgemeinem Leben, darinnen Sie sind, nicht will zuschlagen, und man es ihnen niemals recht machen kann, da sie doch keine genügende oder erhebliche Ursache haben, sich zu beklagen, sondern es geht dieser Verweis auch die päpstlichen Skribenten an. Denn diese heben die vergangenen Zeiten ganz hoch, und treiben, rühmen von ihrer Voreltern Frömmigkeit und Heiligkeit, sagen auch, wie es vor der Zeit so fruchtbare Jahre gegeben, und sei alles wohl und glücklich zugegangen, verdammen dagegen die jetzige Zeit, motzen der Leute Sünde und Ungerechtigkeit sehr hoch auf, lügen auch oft dazu, machen also das Unglück, so heutigen Tages überall mit Haufen hereinschlage, überaus gräulich, an welchem Jammer allen miteinander das Evangelium schuldig sei. Fragen später, warum nicht heutigen Tages auch solche Vertraulichkeit unter den Leuten sei, und so gute Zeit, als in den vorigen Jahren? Aber der allerweiseste König Salomon, ja der Heilige Geist will Salomo, gibt hier die Antwort, und sagt: Es sei solches nicht weislich gefragt.

11. Weisheit ist gut mit einem Erbgut und hilft, dass sich einer der Sonne freuen kann.

Erbgut: Das ist: Es ist eine große Guttat Gottes, wenn Gott einen Menschen die rechte Weisheit beschert, und ziemliche Güter dazu, welches dazu gut ist, dass wir in dieser Welt desto besser unser Leben zu bringen können. Denn die Weisheit verhütet viel Gefahr, und ziemlicher Reichtum macht den Menschen ein großes Ansehen, dass er etliche Unfälle desto leichter verhüten kann. Sind also deswegen beide, die Weisheit und der Reichtum Gottes Gaben. Jedoch, wenn man eines gegen den anderen halten soll, so ist die Weisheit viel köstlicher. Denn diese bringt uns zum rechten himmlischen Leben, welches die Güter nicht tun können. Wenn also Gott beides zugleich gibt, so sollen wir solche große Guttat Gottes mit dankbaren Herzen erkennen: Müssen wir aber eines entbehren, so sollen wir viel lieber den Reichtum in Mangel setzen, als der Weisheit.

12. Denn die Weisheit beschirmt, so beschirmt Geld auch; aber die Weisheit gibt das Leben dem, der sie hat.

13. Siehe an die Werke Gottes, denn wer kann das schlecht machen, dass er krümmt?

Krümmt: Wenn du die Werke Gottes mit Fleiß betrachtest, und Acht hast, wie er alles regiert, so wirst du spüren, dass man alles Böse verbessern, oder zurechtbringen könne, darum muss man es dulden. Jedoch ist Gott nicht der Sünden Ursache, sondern was er für ein Unglück einen zuschickt, dass er tragen müsse, solches wird niemand abwenden können, darum ist nichts besser, als gute Geduld, und dass man sich in die Sache schicken lerne, weil nicht alles kann geändert werden.

14. Am guten Tage sei guter Dinge und den bösen Tag nimm auch für gut; denn diesen schafft Gott neben jenem, dass der Mensch nicht wissen soll, was künftig ist.

Für gut: Weil Gottes Dekrete unwandelbar sind, und seine Ordnungen sich nicht ändern lassen, so schicke dich also in die Sache, auf dass du des guten Glücks recht und wohl in gottseliger Fröhlichkeit gebrauchst, wenn dir aber etwas Widerwärtiges begegnet, das du solches geduldig trägst. Weil Gott bald fröhliche, bald traurige Zeiten schickt, und alles so untereinander mengt, dass keiner etwas Gewisses von künftigen Sachen wissen kann. Denn er will es nicht haben, dass wir mit unserer Weisheit die Welt regieren sollen, sondern dass wir seinem Wort glauben, in unserem Beruf gottselig leben, und wie es künftig gehen werde, ihm befehlen.

15. Allerlei habe ich gesehen die Zeit über meiner Eitelkeit. Da ist ein Gerechter und geht unter in seiner Gerechtigkeit, und ist ein Gottloser, der lange lebt in seiner Bosheit.

Eitelkeit: Das ist: Weil ich in diesem elenden Leben gewesen, ist unter anderem auch das folgende eins, so mir begegnet, welches mich heftig angefochten und bekümmert hat.

Geht: Denn Gott lässt etliche in ihrer gerechten Sache zugrunde gehen, und umkommen, aber er vergilt ihnen solchen Unfall mit ewiger Wohlfahrt. Dagegen lässt er etliche Gottlose auf Erden lange leben, und dazu Glück haben, aber es wird Ihnen solches Glück mit ewiger höllischer Pein versalzen. Unterdessen wird dennoch unsere Vernunft unrichtig darüber, wenn sie es sieht, dass es den Frommen übel, und den Gottlosen wohl geht.

16. Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, dass du dich nicht verdirbst!

Verdirbst: Das du in weltlichen Sachen wolltest so ängstlich, und abergläubischerweise sorgfältig sein, und so ein enges Gewissen haben, dass du von einem jeden, auf den allergeringsten Punkt im Recht auf das genaueste und gemeinste diskutieren wolltest. Denn welche so genau alles nach der Richtschnur abmessen, und des diskutieren kein Ende machen, die schaden nur damit sich selbst, und anderen auch, und verhindern den Lauf des Rechten mehr, als dass sie denselben befördern sollten. Du sollst dabei in deinem Tun auch nicht zu viele Freiheiten gebrauchen, dass du in grobe Laster dich führen ließest, oder jemand mutwillig Unrecht tust, stellst du dich also wie ein unverständiger und gottloser Narr. Und habe auch nicht ein zu weites Gewissen, dass man junge Hunde dadurch beuteln möchte, damit nicht Gott über deine Bosheit erzürnt werde, dass er dich strafe, und dir das Leben abbreche, wenn du noch in deinem besten Alter und Tun bist. Dies soll man besonders den Räten und großen Herren, auch den Ratsherren und Richtern gesagt sein, dass sie lernen des Gesetzes Schärfe der Gebühr und Gerechtigkeit nach zu mäßigen, und die streitigen Sachen zeitlich entscheiden, doch also, dass sie ein gutes Gewissen dabei behalten.

17. Sei nicht allzu gottlos und narre nicht, dass du nicht sterbest zur Unzeit!

18. Es ist gut, dass du dies fasst und jenes auch nicht aus deiner Hand lässt; denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allem.

19. Die Weisheit stärkt den Weisen mehr denn zehn Gewaltige, die in der Stadt sind.

Stadt sind: Darum siehe zu, dass du dich in der Gottseligkeit weislich verhältst, nach dem Worte Gottes, also wirst du viel weniger zu überwinden sein, denn wenn die Vornehmsten der Stadt in großer Anzahl dir beistünden. Aber heutigen Tages hoffen viele, dass sie auch die aller unrechtesten Sachen erhalten können, wenn sie in die Vornehmsten im Rat mit Geschenken bestechen, und dieselben sich ihnen gewogen machen.

20. Denn es ist kein Mensch auf Erden, der Gutes tue und nicht sündige.

Nicht sündige: Darum sollen wir uns mit dem Nächsten, der uns beleidigt hat, versöhnen lassen, so viel unser Beruf leiden mag, und denken, dass wir auch in unserem Tun nicht immer Seide spinnen.

21. Nimm auch nicht zu Herzen alles, was man sagt, dass du nicht hören müssest deinen Knecht dir fluchen.

Sagt: Forsche nicht so fleißig nach, und achte es nicht so, was ein jeder von dir sagt oder hält. Denn du wirst sonst viel hören, was dir nicht gefällt. Vielleicht möchtest du hören, dass deine Diener und Hausgenossen der üblen Nachrede, und aus Zorn der auch Böses wünschen, aber was willst du daraus machen? Willst du solches bald rächen dich zu unterstehen? Keineswegs, sondern erinnere dich vielmehr, dass du von anderen auch Böses geredet, und ihnen alles Übel gewünscht hast. Gleichwie nun du willst, dass man dir verzeihe, also verzeihe du auch anderen. Nach Luther) Ein Sprichwort ist: Wer gerne viel hört, der hört viel, dass er nicht gerne hört.

22. Denn dein Herz weiß, dass du andern auch oftmals geflucht hast.

23. Solches alles habe ich versucht weislich. Ich gedachte, ich will weise sein; sie kam aber ferner von mir.

Weise sein: Und eine solche Klugheit zu bekommen mich befleißigen, dass es mir in der Verwaltung des Regimentes nirgendwo an Rat mangeln oder abgehen soll, sondern dass ich wisse, was in allen Sachen zu tun sei, und wie man mit einer jeden Person umgehen müsse. Es muss mir in keiner Sache Weisheit zerrinnen.

Von mir: Je mehr und fleißiger ich ihr nachtrachtete.

24. Es ist ferne; was wird es sein? Und ist sehr tief; wer will es finden?

Finden: Will so viel sagen: Je mehr ich mich bemühte, alle Dinge weißlich anzugreifen, damit in keinem geirrt würde, und nichts getadelt werden könnte, je weniger es mir vonstattenging. Darum ich endlich dachte, es ist mehr solches gewiss zu hoch, und kann es nicht erlangen. Wie muss ich ihm denn tun? Ich will es Gott befehlen, wenn ich sehe, dass es tiefer sei, in der Verwaltung des Königreiches nirgends fehlen, als dass ich es ergründen könnte. Also widerfährt es mancher frommen Obrigkeit, dass je länger sie regiert, und fleißig sich bemüht, dem Regiment recht abzuwarten, je weniger sie Weise und Wege finden kann, damit sie sich selbst in dieser Sache, will schweigen in anderen, und jedermann genug täte. Darum sollen wir treu verrichten, was sie können und verstehen, und für das Übrige Gott sorgen lassen, sich auch mit keiner vergeblichen Sorge plagen.

25. Ich kehrte mein Herz, zu erfahren und zu erforschen und zu suchen Weisheit und Kunst, zu erfahren der Gottlosen Torheit und Irrtum der Tollen,

Kehrte: Das ist: Ich hatte fleißig Acht darauf, wie ich viele große Irrtümer weißlich und glücklich verhüten möchte, und betrachtete auch, woran närrische und unverständiger Leute sich oft zu stoßen pflegen.

26. und fand, dass ein solches Weib, welches Herz Netz und Strick ist und ihre Hände Bande sind, bitterer sei denn der Tod. Wer Gott gefällt, der wird ihr entrinnen; aber der Sünder wird durch sie gefangen.

Weib: Nämlich, ein unzüchtiges Weib, welches mit ihrer List den Liebhabern nachjagt, und dieselben fängt, danach in der schändlichen Liebe dermaßen verwickelt, dass sie sich nicht wiederum daraus reißen können, ist ärger denn der Tod, ob sie wohl zu Anfang ein ganz holdseliges Ansehen hat. Denn eine Hure befleckt den Leib, bringt einen in eine böse Gefahr, und verwundert das Gewissen bis auf den Tod: Ja auch, wenn sie einen Liebhaber seines Bedenkens am meisten belustigt, macht sie ihm das größte Ungemach. Nach Luther) denn Ehebruch verwirkt den Tod.

Gefangen: Denn dies ist etlichermaßen eine Strafe der Sünden, dass die Verächter des göttlichen Wortes in einen verkehrten Sinn gegeben werden, und sich in schändlicher Liebe verwickeln, darin sie sich um ihres Leibes Gesundheit und der Seelen Wohlfahrt bringen.

27. Schaue, das habe ich gefunden, spricht der Prediger, eins nach dem andern, dass ich Kunst erfände.

Dem anderen: Ich habe viel und mancherlei gelernt, durch lange Erfahrung, in dem ich betrachte, wie die unverständigen und Gottlosen Narren in großes Unglück gestürzt werden.

28. Und meine Seele sucht noch und hat es nicht gefunden. Unter tausend habe ich einen Menschen gefunden, aber kein Weib habe ich unter den allen gefunden.

Nicht gefunden: Ich habe noch auf den heutigen Tag alle Stricke und Tücke des Satans nicht erkennen können, darin er den Menschen verwickelt, und sie ins Verderben stürzt. Denn des Teufels listige Praktiken sind nicht zu zählen, damit er die elenden Menschen fängt und umbringt. Darum sollen wir bitten, dass wir nicht in Versuchung geführt werden.

Kein Weib: Unter tausend Männern möchte man vielleicht einen finden, an dem man nicht spüren könnte, dass zu tadeln wäre, soviel den äußerlichen Wandel betrifft, aber unter dem weiblichen Geschlecht findet sich eine große Schwachheit, und wird unter allen Weibern keine anzutreffen sein, die nicht mit einer großen Schwachheit des Gemüts behaftet sei. Darum auch der Apostel Petrus das Weib ein schwaches Werkzeug nennt, dem er doch seine Ehre antun heißt {1Petr 3v7}. Dieses wird dem weiblichen Geschlecht zu keiner Verachtung oder Verkleinerung nachgeredet, denn es auch eine gute Kreatur Gottes ist, sondern dass die Ehemänner sich erinnern, wie sie der Weiber Schwachheiten tragen, und, so viel möglich, verbessern sollen. Nach Luther) Es gehört hierzu kein wehmütiger Mensch, sondern eines Mannes Mut, der solches alles wagen, leiden und tragen kann, wie es gerät. Aber die selbigen sind seltsam, denn wenn sie hören, dass es nicht in ihrer Macht steht, werden sie unwillig und wollen nichts tun. Tun sie es aber, und gerät nicht, werden sie noch unwilliger. Es sind Weiber und nicht Männer.

29. Alleine schaue das, ich habe gefunden, dass Gott den Menschen hat aufrichtig gemacht; aber sie suchen viele Künste.

Viele Künste: Das ist: Indem ich an der Menschen verdorbenes Wesen denke, erinnere ich mich, dass Gott zwar den ersten Menschen vollkommen, ohne alle Söhne und Mangel erschaffen hat, aber das menschliche Geschlecht ist durch den Fall unserer ersten Eltern so ganz verdorben worden, dass die Menschen den Willen und Wort Gottes nicht wollen, sondern ihres Herzens Gedanken und Begierden nachgehen, daher sie in schreckliche Finsternis der Religion und in abscheuliche Laster fallen. Nach Luther) Sie wollen es treffen, und meinen, es müsse wohl geraten.


Das 8. Kapitel


Wir sollen unserer Obrigkeit fleißig dienen. Dem Tod entgeht niemand, und können die Gottlosen die Strafen, die von Gott bestimmt, nicht abwenden. Wir sollen nicht nach Ämtern trachten, die wir nichts ersehen können. Wenn der Gottlose in dieser Welt leicht glückselig ist, so ist er doch Gott darum nicht angenehmer. Ein jeder soll des Seinen mit Freuden genießen. Dass man für Gottes wunderbare Regierung ängstlich Sorge trage, ist ein eitel vergebliches Ding.

1. Wer ist so weise? Und wer kann das auslegen? Die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Angesicht; wer aber frech ist, der ist feindselig,

Auslegen: Ich wollte den gerne sehen, der aller Menschen Eitelkeit, verkehrtes Wesen, Irrtum, List, Bosheit und Übertretungen mit Worten genügend erklären könnte. Denn es steckt der Mensch nach dem Fall voll alles Bösen, und ist das Menschenherz ein verkehrtes Ding, das nicht auszugründen ist.

Erleuchtet: Eines weisen Menschen Angesicht ist holdselig und angenehm, darum er der Menschen Herzen leicht sich gewogen macht: Aber wer unverschämt ist, der macht aller frommen Herzen von sich abwendig. Nach Luther) Der Unschuldige geht fröhlich und sicher. Wer aber eine Schalkheit im Sinn hat, oder getan, der sieht niemand fröhlich noch recht an.

2. Ich halte das Wort des Königs und den Eid Gottes.

Ich halte: Salomo redet hier in der Person eines frommen Untertanen, und will so viel sagen: Ich rate dir, dass du deiner Obrigkeit Befehl nachkommst, und das Eides bedenkt seist, den du mit Anrufung des Namen Gottes deinem König geleistet hast. Denn die Meineidigen und Aufrührer straft Gott.

3. Eile nicht, zu gehen von seinem Angesicht, und bleibe nicht in böser Sache; denn er tut, was ihn gelüstet.

Gehen: Tu dein Amt nicht fahrlässig, dass du nicht bald zu deinen eigenen Geschäften begeben wolltest, wenn du deine Amtsverrichtungen noch nicht recht versehen hast.

Böser Sache: Wenn du geirrt hast, so verteidige deine Missetaten nicht, und beharre nicht halsstarrig in einer Sünde, sondern bitte deine Obrigkeit demütig um Verzeihung. Denn durch Widerspenstigkeit wird eine Obrigkeit mehr beleidigt, als durch die vorige Übertretung.

4. In des Königs Wort ist Gewalt, und wer mag zu ihm sagen: Was machst du?

Gewalt: Der König kann dich mit Gewalt dahin zwingen, dass du dein Amt tun musst. Denn der Obrigkeit Worte sind Befehle, und haben einen Nachdruck, dass man mit ihr nicht viel diskutieren kann. Darum sei der Obrigkeit vielmehr mit Willen als mit Unwillen Gehorsam in allem, dass Gott nicht verboten hat.

5. Wer das Gebot hält, der wird nichts Böses erfahren; aber eines Weisen Herz weiß Zeit und Weise.

Hält: Dass er der Obrigkeitsbefehl gehorsam ist.

Nichts Böses: Ein gehorsamer Untertan darf sich keiner Sorge besorgen. Denn die Obrigkeit ist zum Schrecken, nicht denen, die Recht tun, sondern die Böses tun {Röm 13v3}. Es soll aber eine Obrigkeit sich so verhalten, dass sie von den Frommen geliebt, und von den Bösen gefürchtet werde.

Und Weise: Das ist: Wenn ein weiser und verständiger Mensch etwas verrichten will, besonders vor seiner Obrigkeit, so hat er acht, so viel möglich, auf die rechte Zeit und Gelegenheit, und geht mit der Sache gebührender Maßen um, weil dem Menschen viel Widerwärtiges begegnet, und er nicht wissen kann, was die Sache für einen Ausgang haben werde. Denn wer will es einem sagen, wie es geraten möchte. Darum soll man weislich, behutsam, und nach Gelegenheit handeln.

6. Denn ein jegliches Vornehmen hat seine Zeit und Weise; denn des Unglücks des Menschen ist viel bei ihm.

7. Denn er weiß nicht, was gewesen ist; und wer will ihm sagen, was werden soll?

8. Ein Mensch hat nicht Macht über den Geist, dem Geist zu wehren; und hat nicht Macht zur Zeit des Sterbens und wird nicht losgelassen im Streit; und das gottlose Wesen errettet den Gottlosen nicht.

Geist: Das ist: Über seine Seele, dass er ihr verbiete, damit sie nicht vom Leibe abweiche.

Im Streit: Das ist: Es steht nicht in des Menschen Gewalt, dass er im Streit dem Tode entgehe.

Gottlosen nicht: Er wird mit seinen bösen Praktiken dem Tode nicht entlaufen, wenn Gott ihn zur Strafe ziehen will. Darum sollen wir Gott fürchten, und gottselig leben, auf dass wir zu jeder Zeit, weil die Stunde ganz ungewiss ist, zum Tode bereit sind.

9. Das habe ich alles gesehen und gab mein Herz auf alle Werke, die unter der Sonne geschehen. Ein Mensch herrscht zuzeiten über den andern zu seinem Unglück.

Alle Werke: Ich hatte fleißig Acht auf mancherlei Zufälle, die sich unter den Leuten begaben. Denn man soll die menschlichen Zufälle also betrachten, dass wir dadurch schlauer werden.

Unglück: Welches ein Beispiel ist, dass ich unter mancherlei sich zugetragenen Fällen gespürt habe. Denn es sind ihrer viel, die über andere zu beherrschen begehren, und meinen, sie haben als denn alles, was sie wollen, und sind selige Leute, wenn sie viel er über andere regieren, als die sie von anderen regiert werden: Aber es hat manchen ihre Herrschaft das Leben gekostet. Wie man denn solche Beispiele viel liest in den Geschichten der römischen Kaiser, besonders, die vor dem großen Kaiser Konstantin gelebt haben, der meiste Teil davon erwürgt worden, dazu von ihren eigenen Untertanen.

10. Und da sah ich Gottlose, die begraben waren, die gegangen waren und gewandelt in heiliger Stätte, und waren vergessen in der Stadt, dass sie so getan hatten. Das ist auch eitel.

Heiliger Stätte: Das ist, die vornehme und ehrliche Ämter getragen hatten, und davon bei ihren Lebzeiten nie waren verstoßen worden, haben aber dennoch bei ihren Bürgern keinen guten Namen hinter sich gelassen, weil sie ihrem Amt übel vorgestanden sind. Was nützt es denn einem Gottlosen, wenn er gleich in diesem Leben hoch steigt, und zu großen Ehren gekommen, und später einen verächtlichen, ja schändlichen Namen hinter sich lässt?

So getan: Nämlich, dass sie nicht recht gehandelt hatten.

11. Weil nicht bald geschieht ein Urteil über die bösen Werke, dadurch wird das Herz der Menschen voll, Böses zutun.

Nicht bald: Weil Gott eine Zeit lang mit der Strafe der Sünden innehält, so überreden die Menschen sich selber falsch, es werde ihnen ihre Bosheit ungestraft hingehen. Darum sie sich viel und große Übeltaten zu begehen unterstehen dürfen, und folgen ihrem eigenen Mutwillen.

12. Ob ein Sünder hundertmal Böses tut und doch lange lebt, so weiß ich doch, dass es wohlgehen wird denen, die Gott fürchten, die sein Angesicht scheuen.

Lange lebt: Das ihn Gottes Langmütigkeit duldet, unterdes aber der Gerechte leidet.

Weiß ich: Denn ich habe es gelernt, beides aus dem Worte Gottes und aus der Erfahrung.

Scheuen: Dass sie sich mit höchstem Fleiß hüten, damit sie seine Gebote nicht übertreten.

13. Denn es wird dem Gottlosen nicht wohlgehen und wie ein Schatten nicht lange leben, die sich vor Gott nicht fürchten.

Nicht wohlgehen: Ob ihnen gleich viele ihrer Stücke ungestraft hingehen lasse, so wird ihnen doch Gott das Leben abkürzen, dass sie endlich vergehen, wie ein Schatten. Darum sollen wir nicht auf der Gottlosen gegenwärtiges Glück, sondern auf ihr Ende achthaben, und in der Gottseligkeit und unsträflichem Wandel geduldig verharren.

14. Es ist eine Eitelkeit, die auf Erden geschieht. Es sind Gerechte, denen geht es, als hätten sie Werke der Gottlosen, und sind Gottlose, denen geht es, als hätten sie Werke der Gerechten. Ich sprach: Das ist auch eitel.

Als hätten: Man erfährt es, dass fromme Leute bisweilen übel geplagt werden, als hätten sie gräuliche Übeltaten begangen, da hingegen die Gottlosen in großem Glück schweben, als wären sie die allerheiligsten Leute. Welches den Frommen sehr weh tut, dass sie auch unwillig darüber werden, wie der 37. und 73. Psalm bezeugt. Und ist zwar dies ein großer Jammer, aber dennoch steht es uns nicht zu, dass wir Gott vorschreiben wollen, wie er die Welt regieren sollte. Es werden zu seiner Zeit der Frommen Belohnungen und der Gottlosen Strafen erfolgen. Darum sollen wir solche verdrießliche Gedanken und Bewegungen des Gemütes aus dem Sinn schlagen.

15. Darum lobte ich die Freude, dass der Mensch nichts Besseres hat unter der Sonne denn essen und trinken und fröhlich sein; und solches werde ihm von der Arbeit sein Leben lang, das ihm Gott gibt unter der Sonne.

Fröhlich sein: Das ist das allerbeste, welches ein Mensch in dieser Welt haben kann, dass er unter so viel Mühseligkeit und Jammer dieses zeitlichen Lebens sich aufmuntere, sich selber ein Herz fasse, und eine ehrliche Freude und Ergötzlichkeit suche, weil er es haben kann. Denn auch Christus seine Jünger entschuldigt, da sie nicht fasten, und spricht: Die Hochzeitsleute mögen nicht Leid tragen, weil der Bräutigam bei Ihnen ist {Lk 5v34}.

16. Ich gab mein Herz, zu wissen die Weisheit und zu schauen die Mühe, die auf Erden geschieht, dass auch einer weder Tag noch Nacht den Schlaf sieht mit seinen Augen.

Die Mühe: Ich hatte fleißig Acht darauf, wie die Leute auf Erden mit vergeblichen Sorgen und Gedanken sich zu matten pflegen, auf dass ich daher weiser würde, und mich mit unnützen Gedanken plagte.

Schlaf sieht: Sondern mattet sich mit stetigen Sorgen ab, dass er jetzt denkt, wie er wolle verbessern und ändern, dass noch nicht ganz gebessert oder geändert werden, bald bekümmert er sich mit dem, wie es künftig gehen werde, und begehrt zu wissen und zu erforschen, was nach etlichen Jahren sich zutragen möchte.

17. Und ich sah alle Werke Gottes. Denn ein Mensch kann das Werk nicht finden, das unter der Sonne geschieht; und je mehr der Mensch arbeitet zu suchen, je weniger er findet. Wenn er gleich spricht: Ich bin weise und weiß es, so kann er‘s doch nicht finden.

Nicht finden: Er kann es nicht wissen, was Gott für eine Weise hält, damit er die Welt regiert. Denn Gott ist wunderbar in seinen Ratschlägen und Tun. Wenn wir meinen, so werde es gehen, so macht das Gott viel anders, wider vieler Ratschläge. Und geschieht es oft, wenn wir meinen, es sei uns ein Ding schädlich gewesen, so befinden wir es später, dass es uns am meisten genützt hat, gleichwie wiederum, was wir gehofft, dass uns gar viel nutzen sollte, am allerschädlichsten gespürt wird. Darum sollen wir Gott die Welt regieren lassen, und uns dahin gewöhnen, dass wir beten und arbeiten, aber keines Weges uns unterstehen, die geheimen Ratschläge Gottes, und was zukünftig sein wird, zu erforschen.

Nicht finden: Je mehr ein Mensch solchen Sachen nachdenkt, und meint, er wolle Gottes Vorhaben, und wie es gehen werde, erfahren, je weniger er es trifft. Darum ist es besser, dass wir die Zeit und unseren Verstand darauf legen, damit wir unserem Amte gebührlich nachkommen, als dass wir uns mit vergeblichen Sorgen plagen. Nach Luther) Er meint es wohl zutreffen, aber es liegt doch alles am geraten.


Das 9. Kapitel


In dieser Welt geht es auf den Frommen wie den Gottlosen. Weil unser Leben kurz ist, sollen wir der Gabe Gottes mit Freuden genießen. Mit Geschwindigkeit und menschlichen Kräften richtet man ohne Gottes Segen wenig aus. Die menschlichen Zufälle sind mancherlei und ungewiss. Es ist besser, eine Sache mit Weisheit, als mit Gewalt auszuführen, und soll man des Armen Weisheit eines Reichen Gewalt vorziehen.

1. Denn ich habe solches alles zu Herzen genommen, zu forschen das alles, dass Gerechte und Weise sind und ihre Untertanen in Gottes Hand. Doch kennt kein Mensch weder die Liebe noch den Hass irgendeines, den er vor sich hat.

Genommen: Ich habe es fleißig betrachtet, auf dass ich erforschte, und erfuhr, wie es in der Welt zu gehen pflegt, da sind mir viele wunderliche Dinge vorgekommen, an welchem die menschliche Vernunft sich nicht wenig ärgert.

Gottes Hand: Der vergisst zwar solche Sachen nicht, sondern behält sich die Gelegenheit derzeit vor, da er ihnen ihre Frömmigkeit reichlich belohnen wird, unterdessen lässt er eine Zeit lang hingehen, als wenn er ihre guten Werke nicht achtete.

Vor sich hat: Dies ist der Frommen Zustand in dieser Welt, dass diejenigen, unter welchen sie leben, daraus nicht abnehmen können, ob solche frommen und gerechten Leute von Gott geliebt oder gehasst werden, weil auch den Allerfrömmsten Gutes und Böses zu Händen geht, ja auch oft mehr Böses als Gutes widerfährt. Aus diesem Spruch wollen die Katholiken beweisen, dass ein frommer Mensch zweifeln soll, ob er bei Gott eingeladen sei, und ob er bis ans Ende im Glauben bleiben werde, welches dem Salomon nie in den Sinn gekommen ist. Denn er allein lehren wollte, dass aus der Menschen Glück oder Unglück man nicht schließen könne, wen Gott liebe oder hasse, wie denn solches der folgende Text hell und klar anzeigt.

2. Es begegnet einem wie dem andern, dem Gerechten wie dem Gottlosen, dem Guten und Reinen wie dem Unreinen, dem der opfert, wie dem, der nicht opfert. Wie es dem Guten geht, so geht es auch dem Sünder. Wie es dem Meineidigen geht, so geht es auch dem, der den Eid fürchtet.

Fürchtet: Mit allen diesen Worten, die einerlei Verstand haben, wird angezeigt, dass vor der Welt der größte Teil, unter Frommen und Bösen einerlei Zustand sei.

3. Das ist ein böses Ding unter allem, das unter der Sonne geschieht, dass es einem geht wie dem andern; daher auch das Herz der Menschen voll Arges wird, und Torheit ist in ihrem Herzen, dieweil sie leben; danach müssen sie sterben.

Voll Arges: Also, dass die Leute solche Zufälle missbrauchen, und für Sünde und Laster begehen, als ob die Gottlosen keine Strafen zu besorgen hätten, aber sie sterben endlich des ewigen Todes. Obwohl es nun uns viel besser zu sein bedünkt, wenn Gott gleich auf der Stelle die Laster strafte, und die Frömmigkeit also bald belohnte, dass man dabei die rechten Diener Gottes könnte erkennen: So hat auch Gott seine besonderen wichtigen Ursachen, warum er solches nicht tut. Denn er will der Frommen Glauben und Geduld bewähren und will es nicht haben, dass man aus einem Zustand, sondern aus seinem geoffenbarten Wort von eines Frömmigkeit oder Bosheit, Liebe oder Hass urteile.

4. Denn bei allen Lebendigen ist, dass man wünscht, nämlich Hoffnung; denn ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe.

Wünscht: Die Menschen lieben dies zeitliche Leben, denn sie hoffen, weil sie dieses genießen, so wollen sie nicht viel Dinge verrichten, und viele Nützlichkeiten dieses Lebens bekommen.

Toter Löwe: Weil ein lebendiges Tier noch nützlich sein kann, und dieses Leben genießt, ein totes aber niemand mehr nützlich ist. Also hat es vor uns auf eine Gestalt mit den Menschen.

5. Denn die Lebendigen wissen, dass sie sterben werden; die Toten aber wissen nichts, sie verdienen auch nichts mehr, denn ihr Gedächtnis ist vergessen,

Wissen: (Nach Luther) Das ist: Die Lebendigen mögen gebessert werden, und vor dem Tode erschrecken, die Toten aber fühlen nichts.

Sterben werden: Unterdes aber können Sie dem Nächsten dienen, und dieses Lebens Güter genießen.

Wissen nichts: Von den Sachen, die auf Erden geschehen.

Verdienen: Sie genießen der Wollust dieses Lebens nicht.

6. dass man sie nicht mehr liebt, noch hasst, noch neidet, und haben kein Teil mehr auf der Welt in allem, das unter der Sonne geschieht.

Vergessen: Weil sie nicht mehr unter den Leuten umgehen, sondern ihre Leiber in den Gräbern verwesen, so werden auch ihren Namen und Taten in Vergessenheit geraten.

Kein Teil: Man hat sie nicht mehr lieb und wert, gleichwie sie im Leben geliebt und wert gehalten wurden, sondern man lässt sie liegen: Wer reit, der reit: Wer leit, der leit: Man hasst und neidet sie auch nicht mehr, wie Ihnen bei Lebzeiten begegnet war, sondern sie sind aus dieser Welt weg, und empfinden weder Gutes noch Böses von diesem Leben. Obwohl nun kein Zweifel ist, dass die Auserwählten im anderen Leben für die christliche Kirche auf dieser Erde bitten, so wissen Sie doch nicht, wie es diesem oder jenem gehe: Darum tun die Unrecht, welche die verstorbenen Heiligen anrufen, als ob sie um eines jeden Zustand wüssten. Darauf der Prophet Jesaja das Gegenteil lehrt, da er sagt: Abraham weiß von uns nicht, und Israel kennt uns nicht, du aber, Herr! Bist unser Vater, und unser Erlöser, von alters her ist das dein Name. Weil also unser Leben kurz ist, so will Salomo uns lehren, dass wir solches nicht zubringen sollen mit unnötigen Sorgen, noch die Zeit mit Müßiggang verlieren. Denn zwischen diesen beiden Felsen muss man hindurch schiffen in das andere Leben, wie später folgt.

7. So gehe hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Werk gefällt Gott.

Gefällt Gott: Iss und trink mit Freuden, so viel die Zeit zulässt, denn Gott lässt sich deines Berufes Arbeit und ehrlicher Verrichtung gefallen, und gönnt dir deine Freude wohl.

8. Lass deine Kleider immer weiß sein und lass deinem Haupte Salbe nicht mangeln.

Weiß sein: Gebrauche deinem Stande nach eine ehrliche saubere Kleidung. Denn die orientalischen Völker hatten eine besondere Lust zu weißen Kleidern, gleichwie man jetziger Zeit bei uns gerne gefärbte Kleider zur besonderen Zierde trägt.

Nicht mangeln: Wir brauchen solche Sachen, damit du dich erlaben kannst. Also haben die orientalischen Völker zu wohlriechenden Spezereien und köstlichen Sachen eine besondere Lust gehabt, besonders, wenn sie bei dem Wohlleben gewesen. Doch wird hier von keinem Überfluss geredet, sondern eine ehrliche Ergötzlichkeit zugelassen, dadurch Leib und Seele erquickt werden, zu mehren die Förderung eines jeden Arbeit und seinem Beruf.

9. Brauche des Lebens mit deinem Weibe, das du lieb hast, solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat, solange dein eitel Leben währt; denn das ist dein Teil im Leben und in deiner Arbeit, die du tust unter der Sonne.

Weibe: Lebe mit deinem holdseligen Eheweib wohl, solange dir Gott in dieser Welt das Leben lässt, welche sonst viel Eitelkeiten unterworfen ist. Denn Gott schenkt denen solches gleichsam als eine Belohnung deiner Arbeit in diesem Leben. Besonders die Gottseligkeit Verheißung hat dieses und des zukünftigen Lebens {1Tim 4v8}. Es wird hierdurch nicht das Übermaß der fleischlichen Wollust Ehestand gebilligt, sondern dass man der ehelichen Liebe und Freude gebührlich gebrauchen soll, wie gottselige Eheleute zu tun pflegen, die einander herzlich und inbrünstig lieben. Soll man darum alle Traurigkeit meiden, wo man nicht aus höchster Not dazu gedrungen wird.

10. Alles, was dir vorhanden kommt zu tun, das tue frisch; denn in der Hölle, da du hinfährst, ist weder Werk, Kunst, Vernunft noch Weisheit.

Tue frisch: Nach deinem Vermögen, solange dir Gott das Leben gibt, gebrauche deine Gaben treu, die du empfangen hast, auf dass du deinen Nächsten damit zur Ehre Gottes dienst, und dein Pfund wohl anlegst. Denn wenn du ins Grab gelegt wirst, so kannst du mit deinen Gaben deinem Nächsten nicht mehr nützlich sein. Darum sollen wir die Gelegenheit Gutes zu tun nicht versäumen.

11. Ich wandte mich und sah, wie es unter der Sonne zugeht, dass zu laufen nicht hilft schnell sein, zum Streit hilft nicht stark sein zur Nahrung hilft nicht geschickt sein, zum Reichtum hilft nicht klug sein; dass einer angenehm sei, hilft nicht, dass er ein Ding wohl könne, sondern alles liegt es an der Zeit und Glück.

Zugeht: Da ich den Sachen in dieser Welt fleißig nachtrachtete, merkte ich und befand, dass es in ein eines Menschen Geschicklichkeit, weder des Gemüts, noch des Leibes gelegen sei, damit er sein ihm auferlegtes Amt wohl verrichten können (denn d. h. laufen). Wie auch, dass ein Krieg wohl geführt, und glücklich zum Ende gebracht werde, nicht an der Obersten Stärke und Tapferkeit liegt, auch, dass einer seine genügende Nahrung habe, durch keines Menschen Aufrichtigkeit oder Verstand mag zuwege gebracht werden. Auch keine Kunst oder Erfahrung vieler Sachen, dass man dadurch reich werden könnte, ja, der Menschen Gunst zu erlangen und ein großes Ansehen zu bekommen, tut es nicht, wenn einer sich wohl weiß in die Sache zu schicken: Sondern daran liegt es alles miteinander, dass Gott die Gelegenheit Zeit und seinen Segen gebe, damit unser Vornehmen nicht umsonst sei, und glücklich vonstattengehe, denn es hilft weder Kunst noch Mut, wenn Gott nicht die gelegene Zeit und Glück dazu gibt. Darum soll sich keiner auf seinem Tun, Fleiß oder anderes verlassen, sondern Gott um seine Gnade und Verstand anrufen. Nach Luther) Es heißt, gerate wohl, doch soll man darum nicht ablassen, sondern immer schaffen, und Gott das Gedeihen befehlen.

12. Auch weiß der Mensch seine Zeit nicht, sondern wie die Fische gefangen werden mit einem schädlichen Hamen, und wie die Vögel mit einem Strick gefangen werden, so werden auch die Menschen berückt zur bösen Zeit, wenn sie plötzlich über sie fällt.

Hamen: Zu ihrem Verderben.

Berrückt: Dass sie in ein Unglück unversehens verwickelt werden, wenn gefährliche Zeiten einfallen. Darum sollen wir, wenn es wohl und glücklich geht, die Furcht Gottes nicht fahren lassen, noch der fleischlichen Sicherheit nachhängen, auf das, wenn trübselige Zeiten einfallen, wieder zu Gott dem Herrn Zuflucht haben, und Hilfe von ihm begehren dürfen.

13. Ich habe auch diese Weisheit gesehen unter der Sonne, die mich groß deuchte,

Groß deuchte: Darüber man sich wohl verwundern kann.

14. dass eine, kleine Stadt war und wenig Leute drinnen, und kam ein großer König und belegte sie und baute große Bollwerke drum,

Wenig Leute: Es war nicht viel Volks darinnen, welche die Städte hatten, um vor dem Feinde zu schützen.

Belegte: Daher solche Städte in großer Gefahr standen, dass keine Hoffnung der Rettung vorhanden war.

15. und ward drinnen gefunden ein armer weiser Mann, der dieselbe Stadt durch seine Weisheit konnte erretten; und kein Mensch gedachte desselben armen Mannes.

Konnte erretten: Wenn nur die Einwohner seinem guten Rat hätten folgen wollen.

Gedachte: Dass er seinen nützlichen Rat vorgebracht, und bei anderen gerühmt hätte. Denn es werden viele gute Anschläge verachtet, weil sie von einer unansehnlichen und geringen Person kommen, daher man im Sprichwort sagt: Es verdirbt viel Weisheit in eines armen Mannes Taschen.

16. Da sprach ich: Weisheit ist ja besser denn Stärke. Noch ward des Armen Weisheit verachtet und seinen Worten nicht gehorcht.

Sprach ich: Wie ich solcher Leute Torheit erfuhr.

Denn Stärke: Darum hätte man solchen weißen Rat nicht verachten sollen, weil man mit gutem Rat viele Dinge erhält, dass man mit keiner Stärke zuwege bringen kann.

Nicht gehorcht: Denn es meinen ihrer viel, die Weisheit stecke bei dem Reichtum, und sendet sich die Torheit bei der Armut, da doch oft das Gegenteil gespürt wird.

17. Das macht der Weisen Worte gelten mehr bei den Stillen denn der Herren Schreien bei den Narren.

Stillen: Das ist: Eines weisen Mannes wird nicht gehört, wo viel Narren zusammen und durcheinander Schreien, welche zu einer Sache Lust haben, nachdem sie Ihnen anmutig ist, und in ihren Sinn wohl zuschlägt. Da erwartet man auch großer Herren Ausspruch nicht, dass man derselben beifiele, und Gehorsam leistete: Wo aber sittsame Herzen sind, da überlegt man nützliche Ratschläge, nicht nach der Person hohem oder niedrigem Ansehen, die den Rat gibt, sondern aber gut und ehrbar sei oder nicht.

18. Denn Weisheit ist besser denn Harnisch; aber ein einiger Bube verdirbt viel Gutes.

Viel Gutes: Das ist: Man richtet mit weisem Rat oftmals mehr aus als mit Waffen, aber es ist mit den menschlichen Sachen in dieser Welt also geschaffen, dass häufig ein böser Bube viel nützliche und heilsame Anschläge gehindert, damit sie ihren glücklichen Ausgang nicht erreichen. Darum soll eine Obrigkeit wohl achthaben, was sich für Leute zu wichtigen Ratschlägen gebrauchen. Nach Luther) Ein Bube verdirbt bisweilen ein ganzes Land mit seinem bösen Rat.


Das 10. Kapitel


1. Also verderben die schädlichen Fliegen gute Salben. Darum ist zuweilen besser Torheit denn Weisheit und Ehre.

Gute Salben: Wenn sie hinein fallen, dass man solche nicht mehr zum Nutzen gebrauchen kann. Auch so machen es verkehrte und böse Leute, besonders aber die Verräter, dass gute Ratschläge gehindert werden, oder doch übel ausgeschlagen.

Und Ehre: Die du dadurch zu erlangen begehrst, wenn du auf deiner Meinung steif und halsstarrig bleibst. Darum soll man im Rat seine Meinung sagen, und seine Stimme geben, wird die von anderen verworfen, so soll man sich nicht dagegen setzen, noch viel weniger einen Hader darüber anfangen, damit man einen Ruhm der Weisheit davon bringe, sondern weichen, besonders, wenn man spürt, dass man ohne das nichts ausrichten werde. Doch soll man nicht ungereimte und ungerechte Aussprüche billigen, und darin bewilligen, sondern still schweigen.

2. Denn des Weisen Herz ist zu seiner Rechten; aber des Narren Herz ist zu seiner Linken.

3. Auch ob der Narr selbst närrisch ist in seinem Tun, noch hält er jedermann für Narren.

Närrisch ist: Das er tut, wie die Narren zu tun pflegen.

Für Narren: Die ihm widersprechen, und meint, er soll allein witzig und schlau sein. Durch solche beharrliche Bosheit etlicher unverständiger Leute wird häufig in Ratschlägen viel Zeit vergeblich zugebracht, mit verständigen Beisitzern großem Verdruss und Widerwillen.

4. Darum wenn eines Gewaltigen Trotz wider deinen Willen fortgeht, lass dich nicht entrüsten; denn Nachlassen stillt groß Unglück.

Fortgeht: Wenn dein Herr, als ein Fürst oder Regent, oder auch sonst ein vornehmer Mann, der in großem Ansehen ist, und eine Gewalt hat, im Rat zornig auf dich wird, weil ihm dein Vorbringen sehr übel gefallen, so lass dich durch seine rauen Worte nicht wider zu Zorn bewegen, sondern lass ab, deine Meinung mit Verdruss zu verteidigen, und schweige, gib auch der widerwärtigen irrigen Meinung keinen Beifall, denn man kann viel größere Mängel verhüten, wenn wir unsere Sache zu erhalten nicht zu hart sind. Denn die Gewaltigen tun aus Zorn viel, und dürfen wohl wider die allerbesten Ratgeber, sofern Sie sich etwa widrig stellen, unrechte Sachen vornehmen. Es will aber dieser Spruch darum nicht, dass die, so im Rat sitzen, heucheln sollen, und wider ihr Gewissen in unrechte und schädliche Urteile bewilligen, sondern weist sie zu einer gottseligen und vorsichtigen Bescheidenheit. Denn wenn einer seine Meinung, somit guten und starken Gründen bekräftigt wurde, frei heraus sagt, und andere das selbige nicht annehmen wollen, so hat ein solcher in seinem Gewissen genug getan.

Stillt: (Nach Luther) Verhören und lassen gehen, dass sich selbst stillt, ist große Kunst und Tugend.

5. Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne, nämlich Unverstand, der unter den Gewaltigen gemein ist,

6. dass ein Narr sitzt in großer Würde, und die Reichen hienieden sitzen.

Narr: Ein unverständiger gottloser Mensch, der sich der Regierung nichts annimmt.

Reichen: Das ist: Vornehme Leute, die gar nicht unter dem gemeinen Haufen zu zählen sind.

Hienieden sitzen: Und dem Narren unterworfen sind, auch kein Ansehen oder ihren Stand im Regiment haben, wie sie haben sollten.

7. Ich sah Knechte auf Rossen und Fürsten zu Fuße gehen wie Knechte.

Knechte: Die eines niedrigen Standes und groben Unverstandes waren.

Fuße gehen: Da sie vielmehr hätten sollen in großen Ehren sitzen, und die Knechte Ihnen von Rechts wegen auf den Dienst warten. Will aber so viel sagen: Die Könige, Fürsten und Regenten brauchen bisweilen zu den vornehmsten Ämtern, entweder aus Unwissenheit oder Fahrlässigkeit, unverständiger Leute, und solche Personen, die nicht allein der Ehre nicht wert sind, sondern auch ganz ungeschickt, untauglich befunden werden, dass sie die Untertanen regieren sollten, dagegen fromme und verständige Leute aus der acht gelassen werden, die eines ehrlichen Herkommens sind, und dem Regiment weislich, dazu mit einem besonderen Ansehen vorstehen könnten. Und ist nichts Neues, dass ein liederlicher Mensch, der weder geschickt noch Verstand hat, soll durch Schmeichelei, oder andere ungebührlichen Praktiken, oder durch böser Leute Beförderung bei Landesfürsten oder Herren sich also einkauft, dass ein solcher Knecht nicht nur über die Räte, sondern auch über die Fürsten selber herrscht, und ihn auf eine andere Meinung bringen kann, wie es ihm gefällt. Wird nun durch solche einem Regiment übel vorgestanden, so wird die Schuld vor Gott denen zugemessen werden, die sie gewählt haben. Denn man sollte nicht Narren über Eier setzen.

8. Aber wer eine Grube macht, der wird selbst hinein fallen; und wer den Zaun zerreißet, den wird eine Schlange stechen {Ps 7v16}.

Hinein fallen: Das ist: Wer einem anderen ein Unglück zu richtet, der wird selber hineingeraten, und für seine Bosheit gebührliche Strafen empfangen.

Stechen: In dem er sich damit bemüht, dass er den Zaun einreiße. Das ist: Wer anderer Leute Freiheiten begehrt zu schwächen, und ein Loch hinein macht, dem wird Gott übel lohnen und ein großes Unglück zu schicken.

9. Wer Steine wegwälzt, der wird Mühe damit haben; und wer Holz spaltet, der wird davon verletzt werden.

Wegwälzt: Das ist: Mehr gute Ordnungen und nützliche Satzungen, (dadurch einen jeden, dass seine bleibt) ändert oder aufhebt, damit er seine Herrschaft weiter erstreckt, es geschehe gleich vor sich oder vor anderer Leute, der wird dessen keinen Nutzen, sondern vielmehr Schaden haben. Nach Luther) Neue Regimenter machen es zuletzt übel, denn der Pöbel ist unbändig.

10. Wenn ein Eisen stumpf wird und an der Schneide ungeschliffen bleibt, muss man‘s mit Macht wieder schärfen; also folgt auch Weisheit dem Fleiß.

Wieder schärfen: Das ist: Wenn die Personen, durch welche die hohe Obrigkeit des Regiments Geschäfte verrichten muss, nicht tauglich dazu sind, und man sie dennoch nicht besser haben kann, noch ihres Amtes rechtmäßig entsetzt werden können, so muss die hohe Obrigkeit solchen Mangel mit Weisheit und Vorsichtigkeit zu verbessern sich befleißigen. Denn wo man nicht Habichte hat, da muss man mit Eulen beitzen.

11. Ein Wäscher ist nichts besser denn eine Schlange, die unbeschworen sticht.

Sticht: Denn gleichwie eine Schlange, wenn durch Zauberei das Gift nicht zurückgehalten wird, tödlich verwundet, also auch, wer seinem Nächsten übel nachredet, der tut ihm großen Schaden, stürzt den auch häufig ins Verderben. Mit welchen Worten darum die Zauberei oder Teufels Beschwörung nicht recht geheißen wird, denn die selbige im Gesetz bei Leibes Strafe verboten wurden, sondern es wird gleichnisweise damit angezeigt, wie abscheulich und ein schädliches Ding es sei um einen Verleumder.

12. Die Worte aus dem Munde eines Weisen sind holdselig; aber des Narren Lippen verschlingen denselben.

Verschlingen: Ein gottseliger und verständiger Mensch weder etwas heilsam, und frommen Leuten angenehm ist, aber ein törichter und unverständiger Mensch deutet es alles zum ärgsten, und bringt einen Weisen oft in Gefahr. Dennoch begehrt ein solcher närrischer Mensch, dass man nur allein seine Regeln, die doch nichts taugen, hoch achten, und sich darüber verwundern solle.

13. Der Anfang seiner Worte ist Narrheit, und das Ende ist schädliche Torheit.

Torheit: Es ist nichts Gutes an seiner ganzen Rede.

14. Ein Narr macht viel Worte; denn der Mensch weiß nicht, was gewesen ist; und wer will ihm sagen, was nach ihm werden wird?

Viel Worte: Unverständige Leute sind gar geschwätzig, und bringen doch nichts Rechtes vor, es ist viel Geschrei, und wenig Wolle.

Weiß: (Nach Luther) Er gedenkt nicht, wie es wohin anderen gegangen ist, fährt fort, und weiß doch nicht, wie es gehen wird.

15. Die Arbeit der Narren wird ihnen sauer, weil man nicht weiß, in die Stadt zu gehen.

So gehen: Das ist: Die närrischen Leute sind so vorwitzig und ungeschliffen, dass sie von zukünftigen Dingen, davon sie doch nichts wissen können, mit vielen Worten ängstlich diskutieren, da sie doch, was bereits geschehen ist, noch nicht gefasst haben, aus welcher Erkenntnis Sie sich einen Verstand hätten schöpfen mögen. Und martern sich selbst mit forschen nach zukünftigen Sachen, da sie doch kaum so viel Gehirn haben, dass sie den Weg in die nächste gelegene Stadt finden könnten. Es wird aber hier nicht der frommen Vorsichtigkeit, sondern der Narren Vorwitz verworfen.

16. Wehe dir, Land, des König ein Kind ist und des Fürsten frühe essen!

Kind ist: Das ist: Der einen kindischen Verstand hat, und um nichts weiß, wie er sein Land regieren soll.

Frühe essen: Da ist ein Regiment sehr übel bestellt, und es geht so, wie es mag, wo die hohe Obrigkeit am Verstand und guter Vernunft Mangel hat, und die vornehmsten Räte, denen die Geschäfte der Regierung auszurichten obliegen, der Schwelgerei ergeben sind, dass man selten einen nüchternen Speichel bei Ihnen findet, sondern, nachdem sie des vorigen Abends voll gewesen, des folgenden Morgens in aller Frühe erst wieder anfangen, wo sie es gelassen, und nicht eher die Sache unter die Hände nehmen, bis sie einen guten Rausch haben. Da geschieht es also, dass viel Unrechte und verkehrte Dekrete abgehen.

17. Wohl dir, Land, des König edel ist und des Fürsten zu rechter Zeit essen, zur Stärke und nicht zur Lust.

Edel ist: Das ist: Herrlich und berühmt, von wegen seiner Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Gütigkeit, und Freigiebigkeit.

Fürsten: Die vornehmsten Räte, Landherren und Diener.

Zur Lust: Oder zum Überfluss, da geht es wohl im Regiment zu, wo ein weiser und frommer König regiert, der verständige und seine Räte hat, die zur Völlerei und Trunkenheit nicht Lust haben, sondern mit Speise und Trank sich erlaben, aber nicht überladen, denn so können sie im Rat mit guter Vernunft die Sachen abhandeln.

18. (Denn durch Faulheit sinken die Balken, und durch hinlässige Hände wird das Haus triefend.)

Sinken: Das ist: Gleichwie ein unachtsamer Hausvater, der in der Haushaltung fahrlässig ist, und nicht Acht darauf hat, damit er sein Haus im Bau erhalte, da wird das Haus vom Stetigen durchtropfen des Regens nach und nach baufällig, dass die Balken verfaulen, bis es endlich ganz über den Haufen fällt. Also, wo die, so im Regiment sitzen, fahrlässig sind, und auf die Regierung nicht Achtung haben, sondern nur ihren Leib und Wollüsten nachhängen, und alles auf die Räte verschieben, die auch in ihrem Amt nicht treu sind, so wird das Regiment nach und nach je länger je schwächer, nimmt einen Schaden nach dem anderen, bis es endlich ganz zugrunde geht, da es denn nicht nur um die Untertanen, sondern auch um die Regenten selbst geschehen ist, dass sie miteinander ins Verderben geraten, und umkommen.

19. Das macht, sie machen Brot zum Lachen, und der Wein muss die Lebendigen erfreuen, und das Geld muss ihnen alles zuwege bringen.

Das: Jetzt wendet sich Salomon wieder zur Beschreibung der betrunkenen Räte.

Lebendigen: (Nach Luther) Das sind, die im Sause leben, und mit Freuden zehren.

Zuwege bringen: Das ist: Die versoffenen Räte richten ein köstliches Wohlleben an, und füllen sich voll Wein, dass sie singen und jauchzen, und damit sie haben, dass sich vertun mögen, und ihre stattlichen Feiern unterhalten können, so nehmen sie Geschenke, und ist Ihnen alles um das Geld getan, Recht, Gerechtigkeit und Ämter.

20. Fluche dem Könige nicht in deinem Herzen und fluche dem Reichen nicht in deiner Schlafkammer; denn die Vögel des Himmels führen die Stimme, und die Fittiche haben, sagen es nach.

Fluche: Salomo hat bisher die Obrigkeit ihres Amtes ermahnt, jetzt untersteht er sich auch, die Untertanen allgemeinen Mängel und Gebrechen zu verbessern.

Reichen: Das ist. Einem vornehmen Mann, der zu Regiments Geschäften und Verrichtungen gebraucht wird.

Sagen es nach: Das ist: Obwohl die Obrigkeit ihre Fehler und Mängel hat, so sollst du sie doch darum nicht lästern, oder ihr etwas Böses wünschen, wenn du gleich meinst, es sei nicht möglich, dass es der Obrigkeit wieder vorkomme. Denn es wird nichts verborgen bleiben, es müssten die Vögel deine aufrührerischen und lästerlichen Reden an den Tag bringen, als dass sie der Obrigkeit sollten verhehlt werden. Es wird aber hiermit nicht verboten, dass die Kirchendiener, obwohl sie auch Untertanen sind, dennoch ihres tragenden Amtes halben die Obrigkeit, doch mit gebührender Bescheidenheit und Ehrerbietung nicht ihres Amtes erinnern sollten.


Das 11. Kapitel


Man soll reichlich Almosen geben. Und in seinem Beruf fleißig arbeiten, den Ausgang aber Gott befehlen. Wir sollen auch unser Leben, welches vorher elend genug ist, mit gar zu viel Sorgen und Arbeit nicht noch elender und mühseliger machen.

1. Lass dein Brot über das Wasser fahren, so wirst du es finden auf lange Zeit.

Wasser fahren: Das ist: Komm den Armen und Bedürftigen mit deinen Almosen zu Hilfe, und tue nicht nur deinen Verwandten und Nachbarn Gutes, sondern auch den Fremden und Ausländischen. Zweifle auch nicht, du werdest durch Gottes Segen einmal für solche deine Freigiebigkeit gebührliche Belohnungen empfangen, wenn du gleich meinst, deine Guttaten sind verloren, und wurden vergessen. Nach Luther) Das ist: Frei weg jedermann, was du vermagst, denn es möchte die Zeit kommen, da du es gerne tätest, und wirst es nicht können.

2. Teile aus unter sieben und unter acht; denn du weißt nicht, was für Unglück auf Erden kommen wird.

Unter acht: Das ist: Gib reichlich. Denn die siebte Zahl bedeutet eine große Menge, weil aber acht mehr ist als sieben, wird damit zu verstehen gegeben, dass man so reichlich Gutes tun soll, bis unser Fleisch, welches zum Geiz geneigt, solche Freigiebigkeit gar zu viel sein denken möchte. Er spricht aber auch, dass man reichlich ausgeben soll, weil ein Unglück einfallen möchte, da wir, wenn wir gleich gerne wollten, dennoch nicht mehr könnten anderen Leuten mit unseren Gütern helfen, wie im Krieg und anderen widerwärtigen Zufällen zu geschehen pflegt, da mancher häufig in einer Stunde um alle seine Habe und Güter kommt.

3. Wenn die Wolken voll sind, so geben sie Regen auf die Erde; und wenn der Baum fällt, er falle gegen Mittag oder Mitternacht, auf welchen Ort er fällt, da wird er liegen.

Voll sind: Also, wenn du reichlich ausgeben wirst, so wird Gott wiederum einen fruchtbaren Regen des himmlischen Segens über dich ausschütten, gleichwie ein großer Regen daher verursacht wird, wenn viel und dicke Wolken in der Luft zusammenkommen.

Liegen: Wie dich Gott finden wird in deinem Absterben, so wird er dich richten. Wenn du nun ein guter und fruchtbarer Baum gewesen bist, voller Werke der Liebe, so aus wahrem Glauben hergeflossen (denn das bedeutet, wenn der Baum gegen Mittag zählt), so wirst du in jenem Leben ewige Belohnung empfangen. Wirst du aber ein und fruchtbarer Baum sein, der keine Werke der Liebe getragen hat (welches durch den Fall des Baumes gegen Mitternacht verstanden wird), so wirst du verdammt, und dem ewigen höllischen Feuer zuerkannt werden {Mt 7v19}. Denn ein wahrhafter und gerecht machender Glaube ist durch die Liebe tätig {Gal 5v6}.

4. Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht.

Wind achtet: Das ist: Wer sein Amt nicht tun will, er sei mindestens versichert, dass es alles, was er anfange, glücklich vonstattengehen, und keine Widerwärtigkeit dazwischen komme, der wird die Gelegenheit nützlicher Verrichtungen versäumen, und weder sich noch anderen nützlich sein. Darum, wenn die Zeit da ist, so sollen wir tun, was uns gebührt, mit Anrufung der göttlichen Hilfe, und den Ausgang Gott befehlen. Die achten aber auf den Wind, welche die Reformierung der Religion aufzuschieben, und zu der rechten Religion sich nicht bekennen wollen, bis sie keine Gefahr mehr zu besorgen haben.

5. Gleichwie du nicht weißt den Weg des Windes, und wie die Gebeine im Mutterleibe bereitet werden, also kannst du auch Gottes Werk nicht wissen, dass er tut überall.

Weg: Wo er seinen Ausgang habe.

Nicht wissen: Es ist unmöglich, dass man den Ausgang eines Dinges könne erforschen, der alleine in Gottes Hand und Gewalt steht, welcher alles tut nach seinem Wohlgefallen, durch seine wunderbare Weisheit, die überall in den Kreaturen gespürt wird. Darum soll ein jeder in seinem Beruf sein Amt verrichten, und das übrige Gott lassen walten. Nach Luther) Denn Zukünftiges ist uns alles verborgen, darum muss es alles gewagt sein im leiblichen Leben.

6. Frühe sähe deinen Samen und lass deine Hand des Abends nicht ab; denn du weißt nicht, ob dies oder das geraten wird; und ob es beides geriete, so wäre es desto besser.

Nicht ab: Das ist: Besäe deinen Acker, etliche zeitlich, etliche langsamer, weil du nicht wissen kannst, welcher am besten geraten möchte, geht es denn alles wohl, so hast du deine Arbeit desto besser angelegt. Will damit zu verstehen geben, dass man an seinem möglichen Fleiß nicht soll ermüden, was zur Beförderung einer Sache, die man des Berufes wegen tun muss, dienlich sein möge, und es danach Gott walten lassen.

7. Es ist das Licht süß und den Augen lieblich, die Sonne zu sehen.

Licht: Nämlich dieses Lebens: Das Leben ist edel.

8. Wenn ein Mensch lange Zeit lebt und ist fröhlich in allen Dingen, so gedenkt er doch nur der bösen Tage, dass ihrer so viel ist; denn alles, was ihm begegnet ist, ist eitel.

Bösen Tage: Wenn nämlich das Alter kommt, und ein Mensch in diesem Leben viel Wollust und gute Tage gehabt, so kommen ihm doch die traurigen Sachen am ersten vor, so ihn zum Teil bereits begegnet, zum Teil noch bevorstehen, und urteilt, dass in allen Dingen nichts denn Jammer und Elend sei, darum wird er dieses Lebens überdrüssig, weil er mir daran denkt, was ihm Böses widerfahren, als was wir Gutes möchte erlebt haben.

9. So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deiner Jugend. Tue, was dein Herz lüstet und deinen Augen gefällt; und wisse, dass dich Gott um des alles wird vor Gericht führen.

Jugend: Denn man soll der Jugend auch ihre ehrliche Freude gönnen und lassen.

Gefällt: Tue nach deinem Wohlgefallen, und lebe nach deinem Willen, nämlich, in ehrlichen Sachen, und bediene dich der gegenwärtigen Gaben und Güter, wie auch der verliehenen Gesundheit des Leibes. In der Summe gebrauche diese Welt also, dass du derselben zur Bosheit nicht missbrauchst {1Kor 7v31}.

Dies alles: Was du in dieser Welt verrichtest.

Gericht führen: Du wirst einmal am Jüngsten Tag vor dem gerechten Gericht Gottes gestellt werden, da alle Menschen vor dem Richterstuhl Christi werden erscheinen müssen. Darum stelle dein Leben also an, dass du nicht um deines gottlosen Wesens willen verdammt wirst. Sollen wir darum also den mittleren Weg gehen, auf dass wir uns nicht mit Sorgen und Traurigkeit vor der Zeit abmatten: Und doch auch nicht in fleischliche Sicherheit, gräuliche Laster, und ruchloses, wüstes, und wildes Leben geraten.

10. Lass die Traurigkeit aus deinem Herzen und tue das Übel von deinem Leibe; denn Kindheit und Jugend ist eitel.

Lass: Schone deines Leibes, dass du denselben nicht mit unnötigen Sorgen, noch mit unerträglicher Arbeit und vergeblicher Mühe schwächst und abmattest.

Ist eitel: Es hat auch das junge Alter seine Anstöße, und widerwärtigen Zustände, die man nicht mit übrigen Sorgen und Bekümmernis noch größer und beschwerlicher machen soll, da man derselben mit gutem Gewissen kann, überhoben sein. Denn es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe {Mt 6v34}.


Das 12. Kapitel


Man soll die Zeit der Jugend recht gebrauchen, und die Besserung des Lebens nicht aufschieben bis ins Alter. Darauf allerlei Ungelegenheiten erzielt werden, die sich im Alter zu tragen. Und wird dies Buch beschlossen mit einer kurzen Ermahnung, dass wir Gott fürchten, und seine Gebote halten sollen.

1. Gedenk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: Sie gefallen mir nicht,

Gedenke: Denn damit nicht jemand es Unrecht verstünde, was er von der Fröhlichkeit nachzutrachten bisher gesagt, und solches auf des Fleisches Freiheit deuten wollte, so tut Salomo eine Verwarnung hinzu, dass man sich der Gottseligkeit und Gottesfurcht befleißigen soll, dass er alle Menschen dergestalt zu ehrlichen Freude und fröhlichem Leben Anleitung gebe, dass sie dennoch daneben von Jugend auf der Frömmigkeit nicht vergessen sollen. Denn es kann keine rechte und beständige Freude des Herzens sein ohne Gottseligkeit und gutes Gewissen. Nach Luther) Mit diesen Worten beschreibt er das Alter eines Menschen, wenn die Hände zittern, die Beine sich krümmen, die Augen dunkel werden, die Zähne nicht wollen malen, die Haare grau, und die Schultern sich bücken, die Ohren hängen und taub werden.

Mir nicht: Das ist: Ehe das Alter kommt, welches für sich selbst eine Krankheit ist, und viel Geschwindigkeit auf sich hat. Soll man darum die Besserung des Lebens nicht sparen bis man alt wird, weil ihrer viel das hohe Alter nicht erreichen, andere, die mit Krankheiten und Trübseligkeit überfallen werden, erzeigen sich ganz ungelehrig, wenn sie das Wort Gottes fassen sollen, welches sie in der Jugend verachtet haben.

2. ehe denn die Sonne und das Licht, Mond und Sterne finster werden und Wolken wiederkommen nach dem Regen,

Ehe: Folgt jetzt eine Beschreibung mit verblümten Worten, was das Alter für Ungelegenheiten und Beschwernisse mit sich bringe.

Finster werden: Das ist: Ehe denn die traurige Zeit kommt, da ich denke, die Lichter und Sterne am Himmel scheinen nicht mehr so hell, wie zuvor, und will dir kein Stern mehr leuchten. Denn den alten Leuten geht viel Widerwärtigkeit zu Händen: Des Leibes Kräfte nehmen ab, sie empfinden täglich neue Schmerzen, können ihre Geschäfte nicht mehr verrichten, wie sie gerne wollten, werden nicht mehr so geliebt und geehrt, wie die Jungen, sind bei vielen verachtet, und wenn man sich gleich recht und ehrerbietig gegen sie erzeigt, so nehmen sie doch leicht, von wegen ihrer Schwermütigkeit, eine Rede oder Tun übel aus, und meinen, es geschehe ihnen zur Schmach.

Wiederkommen: Das ist: Bei den Alten befindet sich nicht eine solche Veränderung der Traurigkeit und Freude wie bei den Jungen. Denn dieselben werden wieder fröhlich, wenn das Unglück vorüber ist, und scheint ihnen nach dem Regen die Sonne. Bei den Alten aber geht es also, wenngleich ein trauriger Zustand vorüber ist, so bleibt doch die Schwermütigkeit im Herzen, als wenn zwar der Regen nachließe, aber doch der Himmel mit Wolken überzogen und dunkel bliebe.

3. zur Zeit, wenn die Hüter im Hause zittern, und sich krümmen die Starken, und müßig stehen die Müller, dass ihrer so wenig geworden ist, und finster werden die Gesichter durch die Fenster,

Hüter: Das sind die Hände, welche eines Menschen Leib behüten und beschirmen. Bei vielen ist die Ursache das Zittern ihrer Hände, sie selber machten durch Völlerei und Übermaß, ehe das Alter kommt.

Starken: Nämlich, die Beine und Schenkel des Menschen. Denn der Leib wird im Alter aus Mangel der natürlichen Feuchtigkeit ausgezogen und zusammengezogen, dass es aussieht, als wenn sich die Beine gekrümmt hätten.

Müller: Das ist: Die Alten können ihre Zähne auch nicht mehr gebrauchen, weil sie die nicht mehr haben, darum müssen sie mit Gemüse und mit dem Getränk ihren eingeschrumpften Leib erhalten.

Fenster: Dass die Augen dunkel werden und gleich zurückgezogen, weil sie nicht mehr soweit hervorstehen, darum sie durch die Fenster oder Löcher übel sehen, welche in den Hirnschalen sind.

4. und die Türen auf der Gasse geschlossen werden, dass die Stimme der Müllerin leise wird und erwacht, wenn der Vogel singet, und sich bücken alle Töchter des Gesangs,

Türen: Welches die Lippen sind, solche mögen die alten Leute nicht gerne auftun, und verdrießt sie zu reden. Denn die Lippen sind wie zwei Türen, dadurch das Herz heraus geht, wenn der Mensch redet, und seine Gedanken an den Tag gibt.

Der Müllerin: Das ist: Die Rede, welche durch die Zähne und Zunge also geformt wird, dass sie kann verstanden werden, und nach den Buchstaben ausgesprochen wird, solche ist nicht mehr so hell und deutlich, sondern schwach und leise.

Vogel singt: Dass er von wegen seines ausgedorrten Leibes nicht mehr recht schlafen kann, und von einem jeden Gesang eines kleinen Vogels leicht geweckt wird.

Töchter: Das ist: Die Ohren, welche hängend werden an den Alten, und ihrem Amt auch nicht mehr nachsetzen.

5. dass sich auch die Hohen fürchten und scheuen auf dem Wege; wenn der Mandelbaum blüht, und die Heuschrecke beladen wird, und alle Lust vergeht (denn der Mensch fährt hin, da er ewig bleibt, und die Kläger gehen umher auf der Gasse,

Hohen: Als das Haupt und die Schulter, welche in der Jugend aufgerichtet waren, krümmen und ziehen sich im Alter zusammen, dass die alten Leute hereingehen, als wie die zu tun pflegen, welche sich sehr fürchten, und zaghaft sind. Denn solche ziehen den Kopf und die Achseln zusammen, und sehen aus, als kriechen sie hinein.

Blüht: Das ist: Wenn die grauen Haare auf dem Kopf sich hervortun.

Heuschrecke: Denn die Alten gehen einher mit dürren Schenkeln, und mit gebücktem Leibe, als ob man eine Heuschrecke sehe eine große Last tragen, darunter sie sich krümmt.

Lust: Es schmeckt ihnen kein Essen oder Trinken, es sei gleich sowohl und köstlich zugerichtet, als immer man will, so mag ihn auch sonst nichts erfreuen.

Fährt hin: Ein Mensch muss sterben, und im Grabe bleiben bis an den Jüngsten Tag. Wenn er aber gestorben ist, so führen die Freunde die Leiche mit einer Klage durch die Gassen. Darum macht Gott den Menschen durch die Krankheiten und durch das Alter samt seinen widerwärtigen Zuständen zum Tode bereit.

6. ehe denn der silberne Strick wegkomme, und die güldene Quelle verlaufe, und der Eimer zerbreche am Born und das Rad zerbreche am Born.

Silberne Strick: Als wollte er sprechen: Die Alten werden von der Speise und dem Trank nicht mehr ernährt, wie es sein sollte, dadurch sonst, als durch ein Seil oder Strick, Leib und Seele zusammen geknöpft werden, daher denn die goldene Quelle, nämlich, die natürliche Feuchtigkeit verzehrt wird, welche sonst des Menschen Leben aufhält.

Am Born: Denn in den Alten will endlich weder der Magen noch die Leber ihre natürliche Wirkung verrichten, dass sie die Speise verdauten, und davon anderen Gliedern die Nahrung und Unterhaltung austeilten: Es vergleicht aber Salomo den Magen einem Eimer, und die Leber einem Rad, als durch welche Geschirre über das Wasser aus dem Boden gezogen wird, dass es den Menschen erquicke. Weil also das Alter so viel und mancherlei Anstöße hat, geschieht es oft, dass ihrer viel begehren alt zu werden, wenn aber das Alter kommt, so haben sie es nicht gerne. Aber wir sollen beide das Gute und Bilder von Gott mit Geduld und dankbarem Herzen annehmen.

7. Denn der Staub muss wieder zu der Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

Gegeben ist: Das ist: Es muss endlich einmal gestorben sein, und wird der Leib wieder zur Erde werden, weil er aus der Erde gemacht wurde. Die Seele aber wird vor Gott gestellt, der sie erschaffen, und dem Leibe zugefügt hat. Darum, weil nach dem Tod kein Platz mehr zur Buße ist, die Stunde aber des Todes auch sehr ungewiss, so ermahnt Salomo mit allen vorhergehenden Worten, dass wir von Jugend auf Gott sollen recht erkennen lernen, und in seiner Furcht wandeln, damit wir nicht mit der Stunde des Todes übereilt, oder mit des Alters Beschwerden zur Unzeit überfallen werden, in Sünden und Unbußfertigkeit dahin sterben, und ewig verderben.

8. Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, ganz eitel!

Ganz eitel: Das ist: Ich, euer König und Prediger beschließe dies Buch, wie ich es angefangen habe, und sage, dass alles in dieser Welt voller Jammer, unnützer Mühe und unnötiger Sorge sei. Darum ermahne ich euch, dass ihr dieses Leben in der Gottseligkeit recht und wohl gebraucht, und zwar euer Amt fleißig verrichtet, aber euch nicht mit vergeblichen Sorgen plagt, oder ohne Not euch das Leben sauer macht.

9. Derselbe Prediger war nicht allein weise, sondern lehrte auch das Volk gute Lehre und merkte und forschte und stellte viel Sprüche.

Prediger: Nämlich, der König Salomon. Und redet er von sich selbst hier als man einer anderen Person.

Weise: Für sich selbst und für seine Person.

Lehrte: Das ist: Er wandte seinen möglichen Fleiß an, dass er sein Volk mit kurzen und lehrhaften Sprüchen unterrichtete, von solchen Sachen, die da wahrhaftig, recht gottselig und nützlich wären, und hat sie ihnen also vorgelegt, dass man sie einer besonderen Lust und Anmut vernehme. Denn wir sollen unsere Nächsten mit den Gaben, die uns Gott verliehen hat, dienen. Im Lehren aber soll man nicht liederliche, sondern nützliche, nicht falsche, sondern wahrhafte Sachen vorbringen, und dieselben kurz und deutlich abhandeln, dass wir fleißige Zuhörer behalten.

10. Er suchte, dass er fände angenehme Worte, und schrieb recht die Worte der Wahrheit.

11. Diese Worte der Weisen sind Spieße und Nägel, geschrieben durch die Meister der Versammlungen und von einem Hirten gegeben.

Gegeben: Das ist: Diese weisen und vortrefflichen Sprüche, die bis ins Herz durchdringen, sind zwar von vornehmen Personen, die der israelitischen Kirche vorstehen, zusammengebracht worden, aber doch kommen sie ursprünglich alle miteinander von einem, nämlich, vom König Salomon, der als ein treuer Hirte seines Volkes sie in dies Buch verfassen und beschreiben ließ. Aus diesen Worten ist abzunehmen, dass auch andere, mehr Weise und verständige Leute etliche feine Sprüche, die sie aus Salomon Munde gehört, und aufgezeichnet haben, welche doch Salomon später wiederum übersehen, gebessert und für gut erkannt hat, also, dass dennoch wahrhaftig und recht von ihnen gesagt wird, dass er dies Buch gemacht hat.

12. Hüte dich, mein Sohn, vor andern mehr; denn viel Büchermachens ist kein Ende und viel predigen macht den Leib müde.

Anderen mehr: Nämlich, Büchern. Als wollte er sagen: Ließ nicht ein jedes Buch, das man nicht weiß, ob sie gut sind oder nicht. Denn viele Leute schreiben viel, welches doch entweder gar nichts, oder gar wenig zur Erbauung dient. Und wenngleich nichts Ungereimtes darin entsteht, so wird doch ein Mensch nur damit geplagt, wenn er viel liest, und es ihm nichts nützt. Und es ist viel besser, einerlei, das gut ist, viele Male lesen, als viel Dinge, daran nichts gelegen, einmal. Doch will Salomo nicht, dass man außer seinen Schriften nichts anderes lesen soll, gibt auch den Leuten nicht Gewalt, von den Büchern der Heiligen Schrift also zu urteilen, dass sie ihres Gefallens annehmen und verwerfen dürften was sie wollten, denn das wäre gottlos, sondern er vermahnt, dass wir nicht allerlei Schriften und Bücher ohne Verstand lesen sollen, damit wir nicht die Zeit vergeblich zubringen.

13. Lasst uns die Hauptsumma aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gehört allen Menschen zu.

Hören: Worin nämlich die rechte Glückseligkeit stehe.

Fürchte: Erkenne Gott aus seinem Wort, dass er dein Vater sei, um des Mittlers Christi willen, und er zeige ihm kindliche Ehrerbietung, dass du seinen Geboten gehorsam bist von ganzem Herzen, dich befleißigt.

14. Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, das verborgen ist, es sei gut oder böse.

Gericht bringen: Denn unser Herr und Gott Jesus Christus wird am Jüngsten Tage aller Menschen Werke richten, auch, die allerheimlichsten und verborgenen: Und wird zwar die Gottlosen verdammen, von wegen ihres Unglaubens, und anderer Sünden wegen, so daraus entstanden, den Gottseligen aber, die aus Glauben Gutes getan haben, wird er das ewige Leben geben {Mt 25}. Welches er uns auch geben wolle, der allergütigste himmlische Vater, um des Verdienstes Willen seines eingeborenen Sohnes, welchen samt dem Heiligen Geist sei Lob und Ehre und Preis in alle Ewigkeit, Amen.