Das Buch Nehemia


In diesem Buch wird die Historie, welche Esra angefangen hatte, weiter ausgeführt und erstreckt. Denn gleichwie im vorigen Buch die Wiederkunft der Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft, samt der Erbauung des Tempels, und Aufrichtung des Regiments beschrieben wird. Also findet man in diesem Buch, wie die Mauern und Tor der Stadt Jerusalem wiederum erbaut wurden, und was sonst von Nehemia, zu des Regiments Aufnehmung und Verbesserung wohl und nützlich verrichtet wurde. Und ist dieser Nehemia seines Herkommens halben zwar ein Jude gewesen, aber von dem Könige Arthahsastha in Persien ganz lieb und wert gehalten worden, also, dass er ihm auch den Wein auftrug. Weil nun derselbe Nehemia ein sehr frommer und Gottesfürchtiger Mann war, und hörte, wie die Juden zu Jerusalem in großer Gefahr stünden, von wegen der benachbarten Heiden, weil die Stadt noch mit keinen Mauern umringt und beschlossen war, bekam er Erlaubnis von dem Könige Arthahsastha, dass er möchte gen Jerusalem ziehen, und der Stadt Mauern wieder aufbauen, wie in diesem Buch ausführlich beschrieben wird.


Das 1. Kapitel


I. Da Nehemia ein Jude, des Königs in Persien Schenk, hörte von dem kümmerlichen Zustand des Volkes Gottes zu Jerusalem, wird er Unmuts und leidig darüber, und fastete, v. 1. II. Bekennt auch die Sünden des Volkes Gottes vor Gott, erinnert sich seiner göttlichen Verheißungen, und bittet, dass er der Israeliten Elend mit Gnaden ansehen wolle, v. 5.

1. Dies sind die Geschichten Nehemias, des Sohnes Hachaljas. Es geschah im Monden Chisleu des zwanzigsten Jahres, dass ich war zu Susan auf dem Schloss,

Geschichten] Welche Nehemia seinem Volk, den Juden zum besten nützlich verrichtet hat. [Denn es erweckt Gott immer fromme und vortreffliche Männer in der Kirche, die derselben aufnehmen und Wohlstand mit Ernst suchen und befördern).

Chisleu: Der bei den Juden der neunte Monat war, und zum Teil mit unserem Wintermonat, zum Teil mit dem Christmonat eintrifft.

Jahres: Nämlich, der Regierung des König Arthahsastha, wie aus dem folgenden Kapitel zu sehen. Derselbe König wird von den heidnischen Skribenten, Darius, Artaxerxes Longimanus, oder mit der langen Hand, genannt.

Schloss: Da der König mehrerer Teils sein Hoflager hatte.

2. da kam Hanani, einer meiner Brüder, mit etlichen Männern aus Juda. Und ich fragte sie, wie es den Juden ginge, die errettet und übrig waren von dem Gefängnis, und wie es zu Jerusalem ginge?

Brüder: Ein Jude, und meines Geschlechts.

Errettet: Von Gott, dass sie im Elend zu Babel nicht umgekommen waren.

Ging: Was es für ein Zustand oder Gelegenheit mit den Juden und der Stadt Jerusalem hätte, und wie es damit beschaffen wäre. [Denn obwohl Nehemia eines großmächtigen Königs Schenk und Amtmann war, und darum für ganz glückselig hätte mögen geschätzt werden. So lehrt er uns doch mit seinem Beispiel, dass wir unsere armen Verwandten, oder auch Landsleute nicht aus der acht lassen sollen, wen gleich wir ganz wohl und hoch dran sind).

3. Und sie sprachen zu mir: Die übrigen von dem Gefängnis sind dort im Lande in großem Unglück und Schmach; die Mauern Jerusalems sind zerbrochen und ihre Tore mit Feuer verbrannt.

Schmach: Als wollten sie sprechen: Ach mein lieber Nehemia, es geht übel zu im Volk Gottes, und leben die Juden nicht viel besser, als wenn sie noch im Elend wären, weil sie von den benachbarten Heiden angefeindet werden, von denen sie sich viel leiden müssen, und sind in großer Gefahr und Verachtung. Denn obwohl auf des Königs Befehl, den Esra mit sich gen Jerusalem gebracht hat, die Amtleute des Königs und andere benachbarte Heiden sich stellten, als gönnten sie den Juden alles Gutes. So war es ihnen doch nicht ums Herz, darum sie auch ihr boshaftes und feindliches Gemüt gegen ihnen nicht lange verbergen können. [Denn die Feinde der wahren Kirche stellen sich eine Zeit lang, als wären sie die besten Freunde, wenn sie aber ihre Gelegenheit ersehen, so geben sie ihr giftiges Gemüt wiederum an Tag).

Verbrannt: Weil seither der Zerstörung, so unter dem Könige Nebukad Nezar vorgegangen, noch nichts daran gebaut worden, sondern alles noch über den Haufen liegt, und die Stadt ein jämmerliches Ansehen hat, daher die Juden in großer Gefahr stehen, und nicht sicher sind. [Denn die Kirche Gottes ist bisweilen alles menschlichen Schutzes und Hilfe, dem Ansehen nach, beraubt, wird aber unterdes von den Engeln umringt und geschützt, dass sie nicht kann ausgerottet werden).

4. Da ich aber solche Worte hörte, saß ich und weinte und trug Leid zwei Tage; und fastete und betete vor dem Gott vom Himmel

Wort: Eine solche traurige Nachricht.

Zwei Tage: In denen er ohne Zweifel nicht gen Hofe gegangen, und sich vielleicht damit entschuldigt, dass er sich nicht wohl auf befinde.

Fastet: Weil ich für Unmut und Herzeleid ohne das weder Speise noch Trank zu mir nehmen konnte, und denn, damit ich zu Gott dem Herrn desto emsiger mein Gebet verrichten möchte. [Obwohl nun die Christen weder an dem jüdischen noch päpstlichen Fasten heutigen Tages gebunden sind. So soll doch ein jeder frommer Mensch der Nüchternheit sich bemühen, weil ein voller Bauch und große Andacht selten beisammen sind).

Vor dem Gott: Dass ich mein Angesicht gegen die Stadt Jerusalem und gegen dem Tempel wandte {1Sam 8} und mein Herz gegen Gott ausschüttete, der unanzweifelbaren Hoffnung, er sehe und höre mich, als wenn ich ihn sehe mit meinen Augen vor mir stehen.

5. und sprach: Ach, Herr, Gott vom Himmel, großer und schrecklicher Gott, der da hält den Bund und Barmherzigkeit denen, die ihn lieben und seine Gebote halten {Dan 9v4},

Schrecklicher: Der du richtig zu fürchten bist, von den Frommen und Gläubigen zwar mit kindlicher Furcht, den Feinden aber bist du schrecklich, in welcher Untergang du deine Macht, mit jedermanns großer Verwunderung, erklärst.

Bund: Den du mit deinem Volk gemacht hast.

Halten: Aus wahrem Glauben an den Messias. [Denn obwohl in diesem Leben dem Gesetz Gottes niemand vollkommen genug tut. So ist doch Gott ein gottseliger Gehorsam gegen seinen Geboten angenehm, und vergilt ihn mit vielen und großen Guttaten, so wohl in diesem, als in jenem Leben).

6. lass doch deine Ohren aufmerken und deine Augen offen sein, dass du hörst das Gebet deines Knechts, das ich nun vor dir bete Tag und Nacht für die Kinder Israel, deine Knechte, und bekenne die Sünden der Kinder Israel, die wir an dir getan haben; und ich und meines Vaters Haus haben auch gesündigt.

Offen sein: Dass du auf mein Gebet acht hast, wie du verheißen hast {1Sam 9}, du wollest mit offenen Ohren und Augen unser Elend ansehen und unser Gebet hören.

Knechts: Der ich mich in deinem Gehorsam ergeben habe.

Und Nacht: Denn ich nicht jetzt allererst angefangen, dich für dieses Volkes Wohlfahrt zu bitten, sondern habe es jetzt eine lange Zeit ohne unterlass getrieben. [Und soll das Gebet stetig und emsig sein {Lk 18}.

Vaters Haus: Unser ganzes Geschlecht, und meine Voreltern haben vorzeiten einer falschen Religion sich anhängig gemacht, die von Menschen erdacht wurde. [Dieser fromme und gottselige Mensch entschuldigt seine und seiner Voreltern Sünden, sie sind gleich in Religionssachen, oder im Wandel, viel weniger begehrt er sie zu verteidigen, wie die Katholiken tun, besonders etliche, die sich auch rühmen dürfen, sie wollen viel lieber mit ihren Voreltern verdammt, als mit den Lutheranern selig werden).

7. Wir sind verrückt und verführt worden, dass wir nicht gehalten haben die Gebote, Befehle und Rechte, die du geboten hast deinem Knechte Mose

8. Gedenke aber doch des Wortes, das du deinem Knechte Mose gebotest und sprachst: Wenn ihr euch vergreift, so will ich euch unter die Völker streuen.

Vergreift: Dass ihr meine Gebote übertretet, und dagegen handelt, und euch also an mir versündigt. Es erzählt aber Nehemia die Meinung und den Verstand etlicher Sprüche, so im Gesetz Mose hin und wieder gelesen werde, besonders aber {3Mos 26 5Mos 30}.

Streuen: Dass ihr aus dem Lande Kanaan verstoßen, unter den Heiden im Elend euer Leben jämmerlich zubringen werdet.

9. Wo ihr euch aber bekehrt zu mir und haltet meine Gebote und tut sie, und ob ihr verstoßen währt bis an der Himmel Ende, so will ich euch doch von dort versammeln und will euch bringen an den Ort, den ich erwählt habe, dass mein Name dort wohne {5Mos 12v11}.

Bekehrt: Dass ihr wahrhaftig Busse tut.

Tut sie: Dass ihr in der Tat mit Besserung eures Lebens erzeigt, wie euch eure Sünden von Herzen bereuen, und euch wahrhaftig zu mir bekehrt habt.

Ende: An sehr weit abgelegene Örter, von denen niemand hätte erhoffen dürfen, dass ihr jemals wieder kommen würdet.

Wohne: Nämlich, zur Stadt Jerusalem, die ich dazu ausersehen habe, dass der Tempel darin sei, in dem mein Wort gepredigt, mir geopfert, ich angerufen, und mein Name gepriesen werde. Weil deswegen du verheißen hast, dass du deinem Volk Gutes tun wollest, wenn sich es zu dir bekehre, so bitte ich dich, dass du deinem Versprechen statt tun, und der Israeliten dich erbarmen wollest.

10. Sie sind doch ja deine Knechte und dein Volk, die du erlöst hast durch deine große Kraft und mächtige Hand.

Mächtige Hand: Denn du hast ihre Voreltern vorzeiten nicht allein aus Ägypten mit schrecklichen Wundern und Zeichen herrlich erlöst, sondern sie selbst auch durch deine unendliche Gewalt aus dem Gefängnis zu Babel errettet. Und ist es in der Wahrheit eine wunderbare und allerdings göttliche Guttat gewesen, dass die Könige in Persien den Juden nicht nur die Freiheit gegeben, dass sie möchten wieder ins Land Kanaan ziehen, sondern haben auch den Bau des Tempels und Gottesdienst mit ihrem eigenen Kosten befördert. Darum möchtest du O Gott dies dein Volk weiter nach deiner Verheißung versorgen, und ihnen helfen. [Also müssen wir die Verheißungen Gottes mit Glauben ergreifen, und in unserem Gebet darauf dringen, so werden wir gewisslich erhört).

11. Ach, Herr, lass deine Ohren aufmerken auf das Gebet deines Knechts und auf das Gebet deiner Knechte, die da begehren, deinen Namen zu fürchten; und. lass deinem Knechte heute gelingen und gib ihm Barmherzigkeit vor diesem Manne! Denn ich war des Königs Schenke.

Deiner Knechte: Der übrigen Juden, die an der wahren Gottseligkeit und Gottesfurcht ein Gefallen tragen, und dir von Herzen zu dienen bereit sind. [Denn ob wir wohl uns unserer Verdienste halben vor dem strengen Gericht Gottes nichts zu rühmen haben. So mögen wir doch vor Gott wohl bezeugen, dass wir mit reinem Herzen, und ungefärbtem Glauben, zur Dankbarkeit ihm zu dienen begehren).

Manne: Dem Könige, den ich anzusprechen und zu bitten willens bin, dass er mir erlaube, die Mauern und Tor in der Stadt Jerusalem wieder aufzurichten, damit das Volk Israel zukünftig vor den benachbarten Heiden sicherer und ruhiger sein kann. Weil es aber eine nicht geringe Sache ist, die ich von dem Könige zu begehren im Sinn habe, und die Gefahr dabei zu besorgen, dass nicht etwa der König oder seine Räte solches Unrecht verstehen, und den Juden für einen Abfall deuten möchten. So bitte ich dich, du wollest des Königs Gemüt gegen mir und dem jüdischen Volk dahin lenken, dass er mir mein Begehren nicht abschlage. [Wenn wir deswegen von den Menschen, und besonders von Vorhaben oder hohen und mächtigen Personen etwas zu erlangen begehren, so sollen wir solches zuvor bei Gott ausbringen, auf dass wir später von den Leuten einen gnädigen Bescheid bekommen. Denn des Königs Herz ist in der Hand oder Gewalt Gottes, und neigt er es, wohin er will {Spr 21}.

Schenke: Der ich ihm, nach Ausweisung meines tragenden Amtes, den Wein zu reichen pflegte, (welches denn an Fürsten und Königen Höfen nicht ein schlechtes tun ist) und war mir der König mit besonderen Gnaden gewogen, darum wollte ich die Gelegenheit meinem Volk zu helfen nicht versäumen. [Weil demnach Gott der Herr, auch in dem Gefängnis etliche Juden zu hohen Ehren und Ämtern erhoben hat, ist dadurch angezeigt worden, dass er auch unter dem Kreuz und Trübsal sein Volk mit Gnaden ansehen, was, nämlich, rechtschaffene Glieder der wahren Kirche sind, dass sie eine Milderung des Unglücks empfinden, und je einer dem anderen mit nutzen dienlich sein kann. Welche auch von Gott bei Fürsten und Herren hoch angebracht werden, die sollen keine Gelegenheit versäumen, der Kirche Gottes, und den elenden Leuten, sofern sie fromm sind, zu helfen).


Das 2. Kapitel


1. Weil der König in Persien den Nehemjam sehr lieb hatte, fragt er ihn, warum er so traurig sei, v. 1. 2. Und da er die Ursache erfährt, schickt er ihn mit einem königlichen Schreiben gen Jerusalem, dass er die Mauern und Tor der Stadt wieder bauen soll, v. 2. 3. Darauf hielt Nehemia bei den Juden an, das sie die Gelegenheit, ihre Stadt mit der Mauer zu umfassen, nicht versäumen soll, v. 16. 4. Die Samariter spotten der Juden mit ihrem bauen, v. 19.

1. Im Monden Nisan, des zwanzigsten Jahres des Königs Arthahsastha, da Wein vor ihm stand, hob ich den Wein auf und gab dem Könige; und ich sah trauriglich vor ihm.

Nissan: Welcher der Juden erster Monat im Jahr gewesen, und trifft zum Teil mit unseren März, zum Teil mit dem April. Denn die Juden fingen das Jahr vom Frühling an. Von denen eben derselbe Monat auch sonst im hebräischen Abib genannt wird.

Und gab: Dass ich ihm nach Gewohnheit den Becher überreichte. Hat deswegen Nehemia seine Bitte etliche Monate aufgeschoben, ob er irgend eine gelegene Zeit antreffen möchte. [Denn es schickt sich nicht, dass man zu jeder Zeit mit Fürsten und Herren handle, besonders in solchen Sachen, die schwer auszubringen sind).

2. Da sprach der König zu mir: Warum siehst du so übel? Du bist ja nicht krank? Das ist es nicht, sondern du bist schwermütig. Ich aber fürchtete mich fast sehr

Schwermütig: Ich merke, dass du ein heimliches Anliegen hast, es sei gleich was es wolle. Dies sind Wort eines gnädigen Herrn, der ein Mitleiden trägt mit seinem Diener, da er sieht das er traurig ist, und spricht ihm gnädig zu. [Also sollen fromme Herren und Obrigkeiten gegen ihren Dienern gesinnt sein).

Fürchte mich: Denn ob ich wohl spürte, dass der König (wie immer) mir mit Gnaden gewogen war, jedoch da ich die Wichtigkeit der Sachen bei mir selber betrachtete, und mir zu Gemüt führte, was mir angelegen war, darum ich bitten wollte, besorgte ich, dass ich nicht etwa zur ungelegenen Zeit von der Sache zu handeln anfangen möchte, durfte aber doch auf des Königs Frage die Ursache meiner Traurigkeit nicht verhehlen, und fürchtete zugleich, dass ich etwa möchte eine abschlägige Antwort empfangen, oder irgend des Königs Ungnade auf mich laden, darum ich bei mir selbst irr und verwirrt war, und klopfte mir das Herz, das ich nicht wusste, was ich tun sollte. [Was dies für ein Ding sei, wissen diejenigen, so mit Fürsten und Herren von großwichtigen Sachen, die dazu nicht fast anmutig sind, handeln müsse).

3. und sprach zum Könige: Der König lebe ewig! sollte ich nicht übel sehen? Die Stadt, da das Haus des Begräbnisses meiner Väter ist, liegt wüste und ihre Tore sind mit Feuer verzehrt.

Sprach: Denn ich mich endlich dahin entschloss, dass ich ihm die Sache meiner Traurigkeit offenbaren wollte.

Lebe ewig: Ich wünsche dir von Gott, dass er dir das Leben auf viele Jahre erstrecken und verlängern wolle. Dies ist der Eingang seiner Bitte gewesen, damit er sich den König begehrt geneigt und willfährig zu machen.

Übel sehen: Wie kann ich anders tun, denn traurig sein? Und wie kann ich mein Herzeleid allerdings verbergen, das mich so hoch ansieht und ängstigt?

Die Stadt: Nämlich, Jerusalem, mein liebes Vaterland, in der meine lieben Voreltern begraben liegen, hat das Ansehen einer Stadt verloren, weil die Mauern umher nieder gerissen sind, und es einem Steinhaufen ähnlicher sieht, als einer Stadt. Und ist dies eine ganz zierliche Rede des Nehemia gewesen, dass er seine Liebe zum Vaterland dem Könige entdeckt. [Denn es ist ein Zeichen eines gottlosen Gemüts, wenn man sein Vaterland nicht achtet. Aber ein rechtes Bubenstück, da man denselben noch dazu begehrt zu schaden).

4. Da sprach der König zu mir: Was forderst du denn? Da bat ich den Gott vom Himmel

Forderst du: Was ist deine Meinung? Oder wie wäre dir zu helfen?

Bat ich: Nämlich, mit inniglichem Seufzen meines Herzens rief ich Gott den Herrn an, dass er des Königs Gemüt zur Gnade und Güte lenken wollte, damit er mir willfahre. [Solche der Frommen Seufzen sind vor Gott ganz kräftige Gebete).

5. und sprach zum Könige: Gefällt es dem Könige und deinen Knechten vor dir, dass du mich sendest nach Juda zu der Stadt des Begräbnisses meiner Väter, dass ich sie baue?

Gefällt: Wenn es dem Könige für gut und ratsam ansieht. Denn ich wollte mit wissen nicht gern etwas bitten, dass dem Könige und Königreich zu Nachteil gedeihen möchte.

Baue: Nämlich, die Stadt Jerusalem, da meiner Väter Leichname ruhen und begraben liegen, die wollte ich gern mit Mauern und Tore umfangen, dass man sie verwahren und beschließen könnte. Denn ich kann es nicht lassen, dass ich nicht für mein liebes Vaterland Sorge tragen sollte. [Aus dieser des Nehemia Rede hat man zu lernen, wie man mit großen Herren umgehen muss, wenn man etwas wichtiges von ihnen zu erlangen begehrt, das zu der Kirche Wohlfahrt dient).

6. Und der König sprach zu mir und die Königin, die neben ihm saß: Wie lange wird deine Reise dauern? und wann wirst du wiederkommen? Und es gefiel dem Könige, dass er mich hinsendete. Und ich setzte ihm eine bestimmte Zeit

Wie lange: Wie viel musst du Zeit dazu haben, bis die Sache verrichtet werde? Denn wir wollten dich nicht gern gar zu lange von uns lassen. Aus dieser Rede kann man abnehmen und spüren, dass Nehemia bei dem Könige und der Königin in großen Gnaden gewesen, ohne Zweifel von wegen seiner musterhaften Frömmigkeit, und seiner besonderen Treue und Fleiß, die er in seinem Beruf erzeigt. [Denn es sollen die Hofleute dahin trachten, dass sie mit Frömmigkeit, Treue, und Fleiß ihrer Herren Gunst und Gnade erlangen).

Gefiel: Er erlaubt mich meiner Bitte, dass ich gen Jerusalem ziehen möchte, und die Tor und Mauern der Stadt wieder bauen. Dabei man sehen kann, wie kräftig des Nehemia Gebet gewesen, da er Gott angerufen, dass er des Königs gnädige Erlaubnis erlangen möchte, wie oben im Kapitel 1. gehört. [Denn der gottseligen Gebete werden erhört).

Zeit: In der ich die Sache vollenden könnte, und alsdann von Jerusalem wieder in Persien ziehen, auch in mein Amt zu Hof mich wieder einstellen wollte. Wie lange aber Nehemia Erlaubnis begehrte, wird nicht gemeldet, hat aber ohne Zweifel sich nach verflossener Zeit wieder dahin gemacht. [Denn man soll der Fürsten und Herren Gnade nicht missbrauchen).

7. und sprach zum Könige: Gefällt es dem Könige, so gebe er mir Briefe an die Landpfleger jenseits des Wassers, dass sie mich hinübergleiten, bis ich komme nach Juda,

Landpfleger: So an des Königs statt dem Regiment dort vorstehen.

Geleiten: Ein jeder in seinem Gebiet. Denn ich bei mir selbst befand, dass ich nicht ohne große Gefahr von dem Fluss Euphrat an bis ins Land Kanaan kommen könnte, wenn ich nicht des Königs sicher Geleit hätte, weil die Völker, dadurch ich ziehen musste, den Juden spinnefeind waren. [Ob nun wohl Nehemia unter dem göttlichen Schutz blieb, wenn er gleich allein gezogen wäre, so hat er uns doch mit seinem Beispiel lehren wollen, wenn wir können mögliche Mittel, zur Vermeidung einer Gefahr, an die Hand haben, dass wir dieselbe nicht versäumen oder verachten sollen).

8. und Briefe an Assaph, den Holzfürsten des Königs, dass er mir Holz gebe zu Balken der Pforten am Palast, die im Hause und an der Stadtmauer sind, und zum Hause, da ich einziehen soll. Und der König gab mir nach der guten Hand meines Gottes über mir.

Holzfürsten: Der des Königs Forstmeister ist über einen Wald, so nicht weit von Jerusalem gelegen.

Palast: Ich halt dafür, dass Nehemia an diesem Ort von einem solchen Palast rede, darin zukünftig der Fürst des Volkes Gottes wohnen sollte, der meines Erachtens nicht weit von dem Hause Gottes oder Tempel aufgebaut wurde.

Stadtmauern: Zu denen man auch Holz und Balken haben musste, damit das Dach unterbaut würde, mit welchem die Mauern wider den Regen und Unwetter sollten bedeckt werden.

Einziehen: Denn ich bin entschlossen, dass ich für mich ein besonderes Haus bauen will, in dem ich einmal wohnen möge, wenn es dem Könige gefällt mir zu erlauben, dass ich wieder in mein Vaterland ziehen möge, und da die übrige Zeit meines Lebens zubringe, wenn ich mein Schenkamt lange genug versehen habe.

Gab mir: Nämlich, Schreiben, an die vorgemeldeten Landpfleger, und an den Forstmeister.

Guten Hand: Als wollte er sprechen: Gott gab Gnade, dass ich vom Könige erlangte, alles was ich begehrte. [Denn wenn uns von der Obrigkeit etwas aus Gnaden bewilligt wird, so soll man es Gott zuschreiben, von dem es ursprünglich herrührt).

9. Und da ich kam zu den Landpflegern jenseits des Wassers, gab ich ihnen des Königs Briefe. Und der König sandte mit mir die Hauptleute und Reiter.

Briefe: Welche vermochten, dass ein jeder durch sein Gebiet, mich sicher naher Jerusalem geleiten sollte.

Reiter: Die er mir von sich selbst, und aus freiem Willen zugab, dass sie mich von des Königs wegen aus dem königlichen Schloss Susan geleiteten bis an den Fluss Euphrat. Welches Nehemia nicht begehren dürfe. [Denn Gott gibt nach seiner großen Güte mehr, als wir hoffen oder begehren dürfen).

10. Da aber das hörte Saneballat, der Horoniter, und Tobia, ein ammonitischer Knecht, verdross es sie sehr, dass ein Mensch gekommen wäre, der Gutes suchte für die Kinder Israel.

Knecht: Der in des Königs Dienst war, und im Lande ein Amt von des Königs wegen zu verwalten hatte, aber seiner Geburt halben ein Ammoniter war.

Verdross: Dass der König für mich an die Landpfleger jenseits des Wassers geschrieben hätte, und dass er mich bis ans Wasser geleiten lasse, besonders aber dass ich bei dem Könige in Gnaden und zu Hofe im Ansehen war. [Denn das ist der neidischen Leute Art, dass sie meinen, es gehe ihnen ab, was einem anderen Gutes zukommt. Aber solche werden das Reich Gottes nicht besitzen {Gal 5}. Und wird hier artig abgemalt, wie etliche der Fürsten und Herrn Diener gesinnt sein, dass sie es verdrießt, wenn ein Herr einem mit Gnaden gewogen ist, und sich freigiebig gegen ihm erzeigten. Also wütet und tobt auch die Welt, wenn sie sieht, wie das Reich Christi zunimmt).

11. Und da ich gen Jerusalem kam und drei Tage dagewesen war,

Drei Tage: In denen ich ausruhte, und von der weiten Reise mich wiederum erholte. Sah ich mich auch zugleich um, wie ich mein Vorhaben möchte ins Werke richten.

12. machte ich mich des Nachts auf und wenig Männer mit mir; denn ich sagte keinem Menschen, was mir mein Gott eingegeben hatte, zu tun an Jerusalem; und war kein Tier mit mir, ohne da ich auf ritt.

Männer: Die ich in der stille zu Gefährten zu mir genommen hatte.

Eingegeben: Dass ich, nämlich, aus göttlichem Antrieb mich unterstand, die Stadtmauren und Tore wieder aufzubauen.

Auf ritt: Denn ich war allein beritten, die andere aber gingen zu Fuß, damit wir kein groß Getümmel um die Mauern machten.

13. Und ich ritt zum Taltor aus bei der Nacht, vor dem Drachenbrunnen und an das Misttor; und tat mir wehe, dass die Mauern Jerusalems zerrissen waren und die Tore mit Feuer verzehrt.

Zum Taltor: Nämlich, an den Ort, da vorzeiten ein Tor also geheißen, gestanden war, aus dem man ins nächste Tal ging.

Nacht: Dass es die Bürger in der Stadt nicht merkten oder wahrnehmen. [Weil deswegen die Kirche schläft, so erweckt Gott fromme Leute, die vor derselben Wohlfahrt wachen und arbeiten).

Drachenbrunn: Woher derselbe solchen Namen bekommen, hat man keine Nachricht.

Misttor: Da man gewöhnlich den Mist hinaus zu führen pflegte.

Verzehrt: Dass nichts mehr da zu sehen war, als verfallene Steinhaufen und leere Plätz, da vorzeiten die Tore gestanden waren.

14. Und ging hinüber zu dem Brunnentor und zu des Königs Teich; und war da nicht Raum meinem Tier, dass es unter mir hätte gehen können.

Brunnentor: Da man vielleicht zum Brunnen Gihon hinaus gegangen.

Nicht Raum: Darum ich ein wenig von der Mauer abwärts weichen musste.

15. Da zog ich bei Nacht den Bach hinten an, und tat mir wehe, die Mauern also zu sehen; und kehrte um und kam zum Taltor wieder heim.

Bach hinten an: Dass ich mir keine Mühe noch Ungelegenheit abschrecken ließ, sondern hatte mit Fleiß acht, wo die wieder Aufbauung der Mauern am meisten vonnöten war.

Taltor: An welchem Ort ich anfangs hinaus geritten war.

16. Und die Obersten wussten nicht, wo ich hinging, oder was ich machte; denn ich hatte bis daher den Juden und den Priestern, den Ratsherren und den Obersten und den anderen, die am Werke arbeiteten, nichts gesagt.

Machte: Was ich mir vorgenommenen, und im Sinn hatte zu tun.

Denn: Was er allererst kürzlich angedeutet, das erklärt er jetzt weitläufiger.

Arbeiten: Das ist: Den Baumeistern, die man sonst mitzunehmen pflegt, wenn man ein Gebäude aufrichten will.

Nichts gesagt: Auf dass ich meinen Anschlag, und was mein Vorhaben wäre, nicht zu früh ausbrächte, und durch des Teufels und böser Leute geschwinde Praktiken aus Neid gehindert würde. [Und ist es nicht eine schlechte, aber notwendige Tugend an den Regenten, dass man die Anschläge kann verhehlen und verbergen, bis zur rechten Zeit).

17. Und sprach zu ihnen: Ihr seht das Unglück, darin wir sind, dass Jerusalem wüste liegt, und ihre Tore sind mit Feuer verbrannt; kommt, lasst uns die Mauern Jerusalems bauen, dass wir nicht mehr eine Schmach sind!

Sprach: Nämlich, nach dem ich alles fleißig besichtigt hatte, und die Sache bei mir selbst erwogen, hab ich den Juden die Ursache meiner Herkunft nicht länger verhehlen wollen.

Sind: Dass, nämlich, die benachbarten Heiden uns hassen und anfeinden, auch nichts lieberes sehen möchten, denn dass wir alle miteinander zugrunde gingen und vertilgt würden.

Verbrannt: An denen noch bis auf den heutigen Tag nichts wieder erbaut wurde.

Schmach sein: Den benachbarten Heiden, die unser spotten und uns viel überdrang tun.

18. Und sagte ihnen an die Hand meines Gottes, die gut über mir war, dazu die Worte des Königs, die er mir geredet hatte. Und sie sprachen: So lasst uns auf sein! Und wir bauten, und ihre Hände wurden gestärkt zum Guten.

Geredet: Das ist: Ich erzählte ihnen von Stück zu Stück, wie Gott zu meinem Vorhaben, das ich dem Volk Gottes zum besten mir vorgenommenen, Gnade gegeben hätte, und dass mir der König bewilligt, die Mauern und Tore aufzurichten, auch notdürftig Holz aus seinem Wald dazu zu geben.

Gestärkt: Dass sie das gute und nützliche Werk mit Freuden anfingen. [Also ist es vonnöten, dass manchmal die Kirchendiener von einem vortrefflichen Mann angemahnt und aufgebracht werden, dass sie die Kirche Gottes, welche das himmlische Jerusalem ist, zu bauen tapfer und ungescheut fortfahren. Und ist dieser Leute gehorsame Willfährigkeit zu loben, dass sie ihren Oberen gern gefolgt).

19. Da aber das Saneballat, der Horoniter, und Tobia, der ammonitische Knecht, und Gosem, der Araber, hörten, spotteten sie unser und verachteten uns und sprachen: Was ist das, das ihr tut? Wollt ihr wieder von dem Könige abfallen?

hörte: Dass, nämlich, die drei vornehmste Amtleute des Königs in der Landschaft über den Fluss Euphrat, erfuhren, wie wir die Mauern und Tor der Stadt wieder zurichteten, und bauten.

Spotteten: Dass sie mit bösen giftigen Stichreden wider unser Vorhaben sich verlauten ließen.

Abfallen: Wir machen uns schier die Gedanken, ihr baut eure Mauern darum so stattlich, dass ihr bald danach von dem Könige in Persien abfallt. Denn es hat das Ansehen, als wolltet ihr eure Stadt befestigen, damit sie auf den Notfall eine Belagerung ausstehen könne.

20. Da antwortete ich ihnen und sprach: Der Gott vom Himmel wird uns gelingen lassen; denn wir, seine Knechte, haben uns aufgemacht und bauen; ihr aber habt kein Teil noch Recht noch Gedächtnis in Jerusalem.

Vom Himmel] Welcher der wahre, einzige, und allmächtige Gott ist, dessen Majestät in Erschaffung Himmels und der Erde gespürt wird.

Gelingen lassen: Dass wir das angefangen Werke vollenden.

Knechte: Die wir auf ihn trauen, und ihm begehren zu gehorsamen.

Bauen: Weil wir uns auf die göttliche Hilfe verlassen, so haben wir uns dies Werk vorgenommen zu vollbringen.

Kein Teil: Es steht euch Samaritern nicht zu, das ihr euch unserer Stadt viel annehmen wolltet, darin ihr nicht Bürger seid, wie ihr auch kein Recht noch Fug bei uns zu wohnen habt, so dürft ihr keine Nachkommen noch einig Gedächtnis in dieser Stadt hinter euch lassen, darum versorgt eure Sachen, und bekümmert euch nicht darum, was oder wie wir bauen. [Es muss aber die Kirche von den Feinden des Wortes Gottes, viel höhnische und giftige Stichreden hören, dass sie ihr Gespött daraus treiben, wenn sie sehen, wie das Reich Christi zunimmt, und geben fälschlich vor, die frommen Leute gehen mit Aufruhr schwanger, ob sie gleich wissen, dass kein wahres Wort daran ist, ja der Wahrheit im wenigsten nicht ähnlich sieht. Aber wir sollen uns dadurch von der Erbauung der Kirche nicht abschrecken lassen).


Das 3. Kapitel


1. Jetzt wird beschrieben, was ein jeder für ein Teil oder Stück an der Mauer zu Jerusalem gebaut habe.

1. Und Eliasib, der Hohepriester, macht sich auf mit seinen Brüdern, den Priestern, und bauten das Schaftor; sie heiligten es und setzten seine Türen ein; sie heiligten es aber bis an den Turm Mea, nämlich bis an den Turm Hananeel.

Brüdern: Seinen Mitgehilfen und Verwandten.

Schaftor: Dadurch man vielleicht die Schafe zur Weide auszutreiben pflegten.

Heiligten: Sie machten den Anfang zum Bau, und weihten das Werke ein, dabei sie ohne Zweifel gottselige Gebet gebraucht, und Gott den Herrn angerufen haben, dass er zum angefangenen Bau einen glücklichen Fortgang bescheren wollte. [Denn Christus unser Hohepriester hat den Vorzug in Erbauung seiner Kirche. Die Kirchendiener aber sind seine Mitgehilfen, so auch anderen mit der Lehre und Exempeln vorgehen sollen, und gleichsam den Anfang machen, dass die Kirche in der Erkenntnis Gottes und gottseligem Wandel zunehme).

Hananeel: Denn also wurde der erstgemeldete Turm Mea auch mit einem anderen Namen geheißen. Und haben bis an dem Ort die Priester, vom Schaftor an, neben demselben, auch die Mauern gebaut.

2. Neben ihm bauten die Männer von Jericho; auch baute neben ihm Sachur, der Sohn Imris.

Neben ihm: Nämlich, neben dem Hohepriester und seinen Mitgehilfen, an dem Ort, da die Priester aufhörten.

Von Jericho: Das ist: Die Bürger oder Einwohner der Stadt Jericho. Denn so viel aus diesem Kapitel abzunehmen, so haben nicht nur die Bürger zu Jerusalem, und die in derselben Stadt gewohnt, sondern auch der anderen Städte Einwohner mit Arbeit und Kosten zu der Hauptstadt Wiedererbauung geholfen, weil sie in beschwerlichen Kriegsläufen ihre Zuflucht dahin hatten. [Denn es soll ein jeder zu der Kirche Erbauung nach seinem Vermögen helfen, welches ihm zu seiner Zeit nutzen wird, dass er in der Seelen Gefahr seine Zuflucht dazu haben kann).

3. Aber das Fischtor bauten die Kinder Senaa; sie deckten es und setzten seine Türen ein, Schlösser und Riegel.

Fischtor: Dadurch man meines Erachtens die Fische in die Stadt getragen hat, oder aber dass man sie darunter verkauft hatte.

Kinder Senaa: Ein vornehmes Geschlechter unter den Israeliten, also geheißen.

Deckten: Dass sie ein breites und etlichermaßen ebenes Dach darauf gemacht, wie bei den Juden gebräuchlich war.

Riegel: Dass es damit verschlossen, verriegelt und verwahrt würde.

4. Neben ihnen baute Meremoth, der Sohn Urias, des Sohnes Hakoz. Neben ihnen baute Mesullam, der Sohn Berechjas, des Sohnes Mesesabeels. Neben ihnen baute Zadok, der Sohn Baenas.

5. Neben ihnen bauten die von Thekoa, aber ihre Gewaltigen brachten ihren Hals nicht zum Dienst ihrer Herren.

Gewaltigen: (Nach Luther) Die Armen müssen das Kreuz tragen. Die Reichen geben nichts.

Ihrer Herren: Das ist: Sie wollten ihrer Obrigkeit nicht Steuern zu der Mauer Jerusalem wieder Erbauung geben. Welches denselben Leuten hier zur ewigen Schande beschrieben wird. [Aber es ist nichts Neues, dass diejenigen, so mit ihren Gütern der christlichen Kirche Aufbauung und Erweiterung könnten und sollten befördern, in dem Stücke gar zu genau und karg sind, da sie doch unterdes oft ihren Reichtum unnütz und üppig vertun).

6. Das alte Tor baute Jojada, der Sohn Passeahs, und Mesullam, der Sohn Besodjas; sie deckten es und setzten ein seine Türen und Schlösser und Riegel.

7. Neben ihnen bauten Melatja von Gibeon und Jadon von Merono, Männer von Gibeon und von Mizpa, am Stuhl des Landpflegers diesseit des Wassers.

Stuhl: Das ist: Die vorgesetzte Städtlein gehörten zu der Regierung des persischen Landpflegers.

8. Neben ihm baute Usiel, der Sohn Harhajas, der Goldschmied. Neben ihm baute Hananja, der Sohn der Apotheker; und sie bauten aus zu Jerusalem bis an die breite Mauer.

Ihm: Nämlich, neben dem Melathja.

Goldschmied: Der meines Erachtens sehr reich gewesen, und vor anderen ein stattliches Vermögen hatte, weil er allein ein Stück an der Mauern auf seine Kosten gebaut.

Apotheker: Der aus der Apotheker Zunft war, und ohne Zweifel auch mit Gütern von Gott reichlich gesegnet gewesen, darum er sich ein besonderes Stücke an der Mauern zu bauen vorgenommenen hat.

Breite Mauern: Da es eine weite oder breite Gasse neben der Mauer hatte.

9. Neben ihm baute Rephaja, der Sohn Hurs, der Oberste des halben Vierteils zu Jerusalem.

halben Vierteils: Denn obwohl die Stadt Jerusalem einen obersten Fürsten hatte. Jedoch weil sie sehr groß und weit war, so war sie in etliche Teil abgeteilt, da ein jedes Teil seinen besonderen Oberherren hatte, der ein vornehmer Mann, aber doch dem obersten Fürsten des Volkes Gottes unterworfen war. [Denn eine Regierung und Stadt kann einer Obrigkeit eben so wenig entbehren, als des täglichen Brotes).

10. Neben ihm baute Jedaja, der Sohn Harumaphs, gegen seinem Hause über. Neben ihm baute Hattus, der Sohn Hasabenjas.

Hause über: Er baute die Mauer an den Ort, da sie seinem Hause am nächsten war.

11. Aber Malchia, der Sohn Harims, und Hassub, der Sohn Pahath-Moabs, bauten zwei Stücke und den Turm bei dem Ofen.

Ofen: Da vielleicht die Stadt einen allgemeinen Backofen hatte.

12. Neben ihm baute Sallum der Sohn Halohes, der Oberste des halben Vierteils zu Jerusalem, er und seine Töchter.

Halben Vierteils: Dass also dieser Sallum über einen anderen Teil der Stadt gesetzt gewesen, aber doch auch unter dem obersten Fürsten der Stadt.

Töchter: Die vielleicht reiche Witwe gewesen, und zugleich neben dem Vater zum Bau der Mauern geholfen haben.

13. Das Taltor baute Hanun und die Bürger von Sanoah; sie bauten es und setzten ein seine Türen, Schlösser und Riegel und tausend Ellen an der Mauer bis an das Misttor.

14. Das Misttor aber baute Malchia, der Sohn Rechabs, der Oberste des Vierteils der Weingärtner; er baute es und setzte ein seine Türen, Schlösser und Riegel.

Vierteils: Der über das Teil der Stadt zu gebieten hatte, da die Weingärtner wohnten, war aber doch selber auch dem obersten Fürsten unterworfen.

15. Aber das Brunnentor baute Sallum, der Sohn Chal-Hoses, der Oberste des Vierteils zu Mizpa; er baute es und deckte es und setzte ein seine Türen, Schlösser und Riegel, dazu die Mauer am Teich Seloah bei dem Garten des Königs bis an die Stufen, die von der Stadt Davids herabgehen.

Zu Mizpa: Der über den vierten Teil derselben Stadt zu gebieten hatte.

16. Nach ihm baute Nehemia, der Sohn Asbuks, der Oberste des halben Vierteils zu Beth-Zur, bis gegen die Gräber Davids über und bis an den Teich Asuja und bis an das Haus der Helden.

Sohn Asbuk: Darum er nicht der Schreiber dieses Buches ist, welcher zu Anfang dieses Buches, ein Sohn Hachalia genannt wird.

Beth Zur: In welchem Städtlein er über ein halbviertel desselben Orts zu gebieten hatte.

Gräber David: Das ist: Bis an den Ort, der gegen der Könige Gräber zusieht, unter denen Davids Grab das erste gewesen.

17. Nach ihm bauten die Leviten, Rehum, der Sohn Banis. Neben ihm baute Hasabja, der Oberste des halben Vierteils zu Kegila, in seinem Vierteil.

Seinem Viertel: Das ist: Er baute an dem Ort in seinem Teil, der ihm zuerkannt war.

18. Nach ihm bauten ihre Brüder Bavai, der Sohn Henadads, der Oberste des halben Vierteils zu Kegila.

Ihre Brüder: Nämlich, der Leviten Verwandten.

19. Neben ihm baute Eser, der Sohn Jesuas, der Oberste zu Mizpa, zwei Stücke den Winkel hinten an gegen dem Harnischhause.

20. Nach ihm auf dem Berge baute Baruch, der Sohn Sabbais, zwei Stücke vom Winkel bis an die Haustür Eliasibs, des Hohepriesters.

21. Nach ihm baute Meremoth, der Sohn Urias, des Sohnes Hakoz, zwei Stücke von der Haustür Eliasibs bis ans Ende des Hauses Eliasibs.

22. Nach ihm bauten die Priester, die Männer aus den Gegenden.

Gegenden: Die auf dem Lande hin und her wohnten.

23. Nach dem baute Benjamin und Hasub gegen ihrem Hause über. Nach dem baute Asarja, der Sohn Maesejas, des Sohnes Ananjas, neben seinem Hause.

24. Nach ihm baute Benui, der Sohn Henadads, zwei Stücke vom Hause Asarjas bis an den Winkel und bis an die Ecke;

25. Palal, der Sohn Usais, gegen dem Winkel und dem hohen Turm, der vom Königshause heraussieht, bei dem Kerkerhofe. Nach ihm Pedaja, der Sohn Pareos.

26. Die Nethinim aber wohnten an Ophel bis an das Wassertor gegen Morgen, da der Turm heraussieht.

Ophel: Sie hatten denselben Teil der Stadt ganz und gar inne.

27. Nach dem, bauten die von Thekoa zwei Stücke gegen dem großen Turm, der heraussieht, und bis an die Mauer Ophel.

Mauern Ophel: Es lautet hier dahin, als ob dasselbe Teil der Stadt mit einer besonderen Mauer wäre eingefasst und umgeben gewesen.

28. Aber von dem Rosstor an bauten die Priester, ein jeglicher gegen seinem Hause.

29. Nach dem baute Zadok, der Sohn Immers, gegen seinem Hause. Nach ihm baute Semaja, der Sohn Sechanjas, der Torhüter, gegen Morgen.

Gegen Morgen: Der, nämlich, das Tor des Tempels, so gegen dem Morgen war, in Verwahrung hatte: Und wurde nicht ein geringes Amt im Volk Gottes, des Tempels Torhüter sind.

30. Nach ihm baute Hananja, der Sohn Selemjas, und Hanun, der Sohn Zalaphs, der sechste, zwei Stücke. Nach ihm baute Mesullam, der Sohn Berechjas, gegen seinem Kasten.

Sechste: Nämlich, in der Ordnung unter den vornehmsten Priestern.

Kasten: In dem allerhand nötige Sachen aufbehalten wurden, so man zum Gottesdienst zu benutzen pflegte, und diesem Mesullam in seine Verwahrung übergeben war.

31. Nach ihm baute Malchia, der Sohn des Goldschmieds, bis an das Haus der Nethinim und der Krämer, gegen dem Ratstor und bis an den Saal an der Ecke.

Goldschmieds: Der zu der Goldschmiede Zunft gehörte.

Nethtnim: Nämlich, bis an den Ort Ophel genannt, da die Nethim gewohnt, wie oben gemeldet.

Krämer: Bis an der Kaufleute Läden.

Rats-Tor: Da man die Rechtssachen abhandelte. Denn man hielt vorzeiten im Tor Gericht, wie bei uns auf dem Rathause geschieht. [Gleichwie aber mancherlei Leute im israelitischen Volk zur Erbauung der Stadt Jerusalem geholfen. Also sollen in Erbauung des himmlischen Jerusalems, nämlich, der christlichen Kirche, alle Frommen, wes Standes sie auch sind, derselben Zunehmen und Fortpflanzung, ein jeder in seinem Beruf befördern helfen).

32. Und zwischen dem Saal an der Ecke zum Schaftor bauten die Goldschmiede und die Krämer.


Das 4. Kapitel


1. Saneballat und Tobia treiben ihr giftiges Gespött mit der Juden Bau, und denken mit Hilfe der benachbarten Heiden die Juden unversehens unterzudrücken, v. 1. 2. Nehemia bittet Gott, dass er der Feinde Bosheit strafen wolle, und lässt daneben fleißige Wacht halten, v. 9. 3. Die Juden bauen mit den Waffen in der Hand, bestellen Wächter mit Posaunen, die das Volk warnen sollen, wenn sie den Feind sehen, v. 15.

1. Da aber Saneballat hörte, dass wir die Mauern bauten, wurde er zornig und sehr entrüstet; und spottete der Juden

Saneballat: Ein Amtmann des Königs in Persien, ein heidnischer und gottloser Mensch, der der Juden Feind war.

Zornig: Weil es ihn verdross, dass die Juden so einen glücklichen Fortgang hatten in ihrem Tun.

2. und sprach vor seinen Brüdern und den Mächtigen zu Samaria: Was machen die ohnmächtigen Juden? Wird man sie so lassen? Werden sie opfern? Werden sie es einen Tag vollenden? Werden sie die Steine lebendig machen, die Staubhaufen und verbrannt sind?

Ohnmächtigen: Was unterstehen sich die elenden Leute, dass sie auch in ihrem trübseligen Zustande nicht ruhig sein können.

So lassen: Sollte man es ihnen übersehen, dass das feindselige Knechte und Mägde immer nach Neuem trachten?

Opfern: Welches je ein unrechter Handel wäre, dass sie mitten unter uns einen neuen Brauch, und etwas besonders mit den Opfern anfingen.

Vollenden: Sie tun, als ob sie die Mauern in einem Tage wollten fertig machen.

Lebendig machen: Ist es doch eben ein Ding, als wenn sie die Toten wieder zu erwecken sich unterstünden, in dem sie die niedergerissenen und zerfallenen Mauern wieder aufbauen wollen, da doch die Steine längst verbrannt, und den mehrere Teil zu Staub zerfallen und verwebt sind. Obwohl sie nun vergebens arbeiten, so ist doch ihr Vorhaben keineswegs zu leiden, als das ein Zeichen gibt eines aufrührerischen Gemüts.

3. Aber Tobia, der Ammoniter, neben ihm sprach: Lass sie nur bauen! Wenn Füchse hinaufzögen, die zerrissen wohl ihre steinerne Mauer.

Füchse: Der Gestalt spottete der gottlose Mensch des Volk Gottes in ihrer Arbeit. [Denn weil die Christen ihrem Beruf fleißig dienen, müssen sie viel giftiger Schmachreden von ihren Feinden darüber hören).

4. Höre, unser Gott, wie verachtet sind wir! Kehre ihre Schmach auf ihren Kopf, dass du sie gibst in Verachtung im Lande ihres Gefängnisses!

Höre: Sprach: Nämlich, Nehemia in seinem Gebet.

Verachtet: Nämlich, vor unseren Feinden. [Denn dergleichen giftiges Gespött gehen frommen Leuten sehr zu Herzen, und werden danach mit göttlichem Eifer entzündet, dass sie sich über solche Unbilligkeit beklagen, und Gott um Rache über die Feinde des Volkes Gottes anschreien).

Kopf: Gib, dass diese Lästerung und Schmach ihnen auf ihren Kopf vergolten werde, und sie auch einmal gefangen weggeführt, und anderen ein Spott werden.

5. Decke ihre Missetat nicht zu und ihre Sünde vertilge nicht vor dir; denn sie haben die Bauleute gereizt.

Vertilge nicht: Lass sie ihnen nicht zu, dass du dieselbe ihnen verzeihen wolltest.

Gereizt: Dass sie sich unterstehen dies Werke zu verhindern, das zu deiner Ehre und der Kirche Wohlfahrt angefangen ist. [Es wünscht aber Nehemia den Feinden des Volkes Gottes solche schreckliche Strafen, nicht aus fleischlichem Zorn, sondern aus göttlichem Eifer. Denn Saneballat und Tobia waren Samariter, und der rechten Religion nicht allerdings unerfahren, dennoch taten sie den Juden viel Plage und alles Herzeleid an, gleichwie etliche abgefallene und abtrünnige Mamelucken auch tun, so die Wahrheit der christlichen Lehre wissen, und doch dieselbe hassen, verlästern, und die frommen Leute verfolgen. Für solche soll man nicht bitten, dass ihnen ihre Sünde verziehen werden. Aber das mag man wohl bitten, dass Gott ihnen steuern, sie stürzen und verderben wolle).

6. Aber wir bauten die Mauern und fügten sie ganz aneinander bis an die halbe Höhe. Und das Volk gewann ein Herz zu arbeiten.

Bauten: Nämlich, nach dem ich meine Klage vor Gott ausgeschüttet hatte, fuhren wir in der angefangenen Arbeit des Baues fort.

Halbe Höhe: Dass sie halb fertig wurde in die Höhe.

Herz: Denn weil sie sahen, dass ihre Arbeit so wohl vonstattenging, überkamen sie von neuen einen Mut zum Bauen, dass sie mit größerem Ernst damit fortfuhren. [Denn so oft wir betrachten, was uns Gott für einen glücklichen Fortgang in unserer Arbeit verliehen hat, soll uns solches eine Anmahnung sein, dass wir in Verrichtung unseres Berufes desto tapferer anhalten).

7. Da aber Saneballat und Tobia und die Araber und Ammoniter und Asdoditer hörten, dass die Mauern zu Jerusalem zugemacht waren, und dass sie die Lücken angefangen hatten zu büßen, worden sie sehr zornig.

Araber: Welche in der Nachbarschaft wohnten.

Asdoditer: So noch von den Philistern übrig waren.

Büßen: Dass kein Loch mehr in der Mauer übrig, sondern die selbige bis zum halben Teil in die Höhe ausgeführt war.

Zornig: Weil sie den Juden ihren glücklichen Fortgang missgönnten.

8. Und machten allesamt einen Bund zu Haufen, dass sie kämen und stritten wider Jerusalem und machten darin einen Irrtum.

Irrtum: Das ist: Sie schwuren zusammen, dass sie die Juden unversehens überfallen, und erschlagen wollten, und also das angefangene Werk hindern. [Denn die Feinde Gottes hören nicht auf, blutige Anschläge zu machen, wie sie die Frommen erwürgen wollen, welches ihr Vorhaben doch Gott nach seiner Güte zunichtemacht, dass es nicht ins Werk gerichtet wird).

9. Wir aber beteten zu unserem Gott und stellten Hut über sie Tag und Nacht gegen sie.

Beteten: Da wir, nämlich, von solcher zusammen Rottierung Kundschaft genommen hatten, riefen wir Gott an, dass er uns schützen wollte. [Denn wenn Gefahr sich zeigt, so soll man zu Gott fliehen, der die Seinen schützen will. Unterdes aber soll man nichts versäumen von allem, das uns versichern kann, auf dass wir Gott nicht versuchen, wenn wir die ordentlichen Mittel verachten).

10. Und Juda sprach: Die Kraft der Träger ist zu schwach, und des Staubs ist zu viel; wir können an der Mauer nicht bauen.

Juda sprach: Das ist: Eben zur selben Zeit, da von wegen der Feinde Rottierung, die Juden hätten sollen in Ausbauung der Mauern tapfer fortfahren, damit die Feinde desto leichter können abgetrieben werden, haben etliche aus dem Stamm Juda sich beklagt, wie sie ermüdet wären, dass sie die Last nicht mehr vermöchten zu tragen, weil sie an Kräften abgenommen, und geschwächt, dazu den großen Staub nicht mehr leiden könnten: Begehrten also der Kirche ihre Hilfe zu entziehen. [Dergestalt schlagen etliche der Kirche ihre Hilfe ab, da es ganz zur Unzeit ist, und sie in großer Gefahr steht, denen es doch am wenigsten gebührte, sich ihrer zu entschlagen. Jedoch sollen die anderen nichtsdestoweniger in ihrem Amt fortfahren).

11. Unsere Widersacher aber gedachten: Sie sollen es nicht wissen noch sehen, bis wir mitten unter sie kommen und sie erwürgen und das Werk hindern.

Unsere: Was Nehemia von etlicher Juden Kleinmütigkeit und Trägheit allererst gesagt, das hatte er neben zu mit eingeführt. Jetzt kommt er wieder auf seine vorige Rede, und erzählt weitläufiger, was er von der Feinde heimtückischen Anschlag kürzlich angefasst hatte.

Nicht wissen: Wir wollen unsere Sache so still und in geheim halten, dass die Juden von unsere Zukunft das geringste nicht argwöhnen sollen. [Es war aber der König Arthahsastha den Juden wohl gewogen, hingegen begehrten etliche seiner Diener, und Amtleute in Samaria dem Volke Gottes alles Übel zuzufügen. Also geht es noch heutigen Tages ganz oft zu an großer Herren Höfen).

12. Da aber die Juden, die neben ihnen wohnten, kamen und sagten es uns wohl zehnmal, aus allen Orten, da sie um uns wohnten,

Neben ihnen: Die mit ihnen grenzten, und sich um sie her enthielten.

Sagten es: Dass sie uns ganz oft warnten, wir sollten uns wohl vorsehen, weil die Feinde nichts Gutes wider uns im Sinn hätten.

13. da stellte ich unten an die Örter hinter der Mauer in die Graben das Volk nach ihren Geschlechtern mit ihren Schwertern, Spießen und Bogen.

Gräben: Die trocken waren, und kein Wasser hatten.

Geschlechtern: Also, dass an unterschiedlichen Orten ein besonderes Geschlecht die Wacht versehen mussten, besonders, wo die Mauer noch nicht ganz stark und hoch genug aufgeführt war, auf dass sie dort, wenn es vonnöten wäre, den Feinden Widerstand taten.

14. Und besah es und machte mich auf und sprach zu den Ratsherren und Obersten und dem anderen Volk: Fürchtet euch nicht vor ihnen! Gedenkt an den großen, schrecklichen Herrn und streitet für eure Brüder, Söhne, Töchter, Weiber und Häuser.

Besah es: Ich hatte fleißig Acht darauf, ob alle Sachen wohl versehen wären, was zur Beschützung der Stadt gehörte.

Sprach: Dass ich ihnen begehrte ein Herz zu machen.

Herrn: Der den Feinden dieses Volkes sich oft schrecklich erzeigt hat, und daher, dass er sie vertilgt, einen herrlichen Namen bekommen, An den haltet euch, und erinnert euch seiner, dass ihr mit dem Gebet zu ihm flieht, seiner Hilfe begehrt, und ihm von ganzem Herzen vertraut.

Streitet: Da, nämlich, die Fremden sich unterstehen werden, einen Einfall zu tun, so schütze einer den anderen, auf dass ihr nicht sehen müsst, eure liebsten Freunde, Weiber und Kinder in eine Elende und schändliche Dienstbarkeit hingerissen werden, und eure Häuser, die ihr kaum ein wenig wieder erbaut habt, mit Feuer verbrennen. [Denn es bedarf der Kirche immer vornehmen Leute, welche die Schwachen im Glauben, und die Kleinmütigen trösten, und zu der Hilfe Gottes sich eine gewisse Hoffnung machen).

15. Da aber unsere Feinde hörten, dass es uns war kund geworden, machte Gott ihren Rat zunichte. Und wir kehrten alle wieder zur Mauer; ein jeglicher zu seiner Arbeit.

Kund geworden: Was sie wider uns im Sinn hätten.

Zunichte: Also, dass sie von ihrem Vorhaben abstanden, weil sie merkten, dass ihr Anschlag war an den Tag gekommen. [Dergleichen blutige Ratschläge der Feinde, wider die Kirche Gottes, werden aus Gottes Schickung viel zunichtegemacht, dafür wir Gott dem Herrn richtig demütig zu danken haben).

Kehrten: Nämlich, nach dem wir vernommen, dass die Feinde ihren Mut wider uns sinken lassen, und sich nicht trauten, uns zu überwältigen.

16. Und es geschah weiter, dass der Jünglinge die Hälfte taten die Arbeit, die andere Hälfte hielten Spieße, Schilde, Bogen und Panzer; und die Obersten standen hinter dem ganzen Hause Juda,

Hielten Spieße: Auf dass sie den Feind, im Fall der Not, tapfer zurücktrieben. Denn man sah es für ratsam an, dass dennoch nichtsdestoweniger gute Wacht gehalten würde, auf dass die Feinde nicht etwa von neuen sich unterstehen möchten, einen unversehenen Einfall zu tun. [Weil den Feinden nicht zu trauen ist).

Hause Juda: Von denen zuvor gesagt wurde, dass sie zum Bauen schlechten Lust mehr hatten, und vom Werk begehrten abzulassen, die wurden von der Obrigkeit angetrieben, dass sie neben anderen fortbauen mussten.

17. die da bauten an der Mauer und trugen Last von denen, die ihnen aufluden; mit einer Hand taten sie die Arbeit und mit der anderen hielten sie die Waffen.

Aufluden: Als wollte er sagen: Etliche trugen, etliche luden ihnen auf, etliche mauerten.

Waffen: [Eben also pflegt es den Kirchendienern auch zu gehen und vorzukommen, dass sie mit der einen Hand bauen, wenn sie schlecht die christliche Lehre erklären und predigen. Mit der anderen Hand aber müssen sie die Waffen aus der Heiligen Schrift benutzen, und so oft es vonnöten ist, wider die Ketzer damit streiten).

18. Und ein jeglicher, der da baute, hatte sein Schwert an seine Lenden gegürtet und baute also; und der mit der Posaune blies, war neben mir.

Neben mir: Ich hatte eine Trompete bei mir, auf dass ich das Volk, wenn es die Notdurft erforderte, könnte zusammenbringen.

19. Und ich sprach zu den Ratsherren und Obersten und zum anderen Volk. Das Werk ist groß und weit, und wir sind zerstreut auf der Mauer, ferne voneinander.

Werke: Nämlich, der Bau der Mauer, um die Stadt her.

Ferne: Weil wir an vielen und weit abgelegenen Örtern zugleich bauen.

20. An welchem Ort ihr nun die Posaune lauten hört, dahin versammelt euch zu uns. Unser Gott wird für uns streiten;

Versammelt euch: Mit euren Waffen.

Streiten: Gott wird uns Kraft und Stärke verleihen, dass wir die Feinde darnieder legen, und wir alsdann bekennen müssen, Gott habe selbst unsere Feinde geschlagen, und nicht wir.

21. so wollen wir am Werke arbeiten. Und ihre Hälfte hielt die Spieße von dem Aufgang der Morgenröte, bis die Sterne hervorkamen.

Arbeiten: Dass wir mit dem Bauen tapfer fortfahren, weil die Feinde nicht da sind.

Hälfte: Von denen zuvor auch Anregung geschehen. Denn es waren ihrer etliche insbesondere dazu geordnet, dass sie die Wacht halten, und gewappnet sein mussten, die anderen gingen besonders mit der Arbeit um, und hatten nichtsdestoweniger auch ihre Waffen bei sich, dass sie auf einen jeden Notfall, den Feind abzutreiben, gerüstet wären.

22. Auch sprach ich zu der Zeit zum Volk: Ein jeglicher bleibe mit seinem Knaben über Nacht zu Jerusalem, dass wir des Nachts der Hut und des Tages der Arbeit warten.

Jeglicher: Von denen, die unter euch sonst in den benachbarten Dörfern und Städten außer Jerusalem ihre Wohnung haben, jetzt aber am Bau der Mauern arbeiten helfen.

Warten: Also, dass einer um den anderen des Nachts wache, und des Tages arbeite, nach dem einem jeden die Ordnung treffen wird, und man also mit Verfertigung der Mauern desto schleuniger fortfahren könne. [Denn sonst, wo gar keine Ruhe ist, da kann es nicht lange Bestand haben).

23. Aber ich und meine Brüder und meine Knaben und die Männer an der Hut hinter mir, wir zogen unsere Kleider nicht aus; ein jeglicher ließ das Baden anstehen.

Knaben: Meine Diener, die auf meinen Leib warteten.

Anstehen: Wir hielten auch die gewöhnlichen levitischen Zeremonien nicht mit den Reinigungen und waschen, weil uns die Kleider in etlichen Wochen nicht vom Leibe kamen, und wir uns immer besorgen mussten, dass die Feinde nicht etwa unversehens uns überfallen möchten. [Denn mit den zeremonialischen Satzungen mag man wohl im Fall der Not still halten. Und sollen die Kirchendiener und Obrigkeiten mit ihrem Beispiel in emsiger Arbeit ihres Berufes anderen vorgehen. Also werden sie die Zuhörer und Untertanen auch ganz willig und in gehorsamer Folge behalten).


Das 5. Kapitel


1. Da teure Zeit einfällt, beklagen sich die Armen über der Reichen Unbarmherzigkeit, v. 1. 2. Darum wird Nehemia über die Reichen erzürnt, und droht ihnen die göttliche Rache, braucht auch daneben eine äußerliche Zeremonie, v. 6. 3. Da er zum Landpfleger übers jüdische Land gesetzt wird, beschwert er die Leute nicht mit Schatzungen, sondern hilft vielmehr den Armen reichlich, v. 14.

1. Und es erhob sich ein großes Geschrei des Volkes und ihrer Weiber wider ihre Brüder, die Juden.

Geschrei: Dass, nämlich, nach dem eine Teuerung eingefallen war, die Armen sich höchlich, und richtig beklagten über der Reichen unbarmherziges Gemüt, weil sie in ihren größten Nöten von denselben keiner Hilfe sich getrösten konnten, sondern mit Wucher noch dazu von ihnen beschwert und ausgesogen wurden.

2. Und waren etliche, die da sprachen: Unserer Söhne und Töchter sind viel; lasst uns Getreide nehmen und essen, dass wir leben.

Nehmen: Nämlich, um sie, dass wir sie den Reichen zur Dienstbarkeit verkaufen, und für das Geld, so wir aus ihnen lösen, Getreide kaufen können.

Leben: Dass wir in der teuren Zeit nicht Hungers sterben müssen. Daraus abzunehmen, was für eine große Hungersnot, unter den Juden damals gewesen, dass sie auch ihre Kinder zu leibeigenen Knechten und Mägden, begehrten zu verkaufen, wie man aber mit solchem erkauften Personal umgehen soll, findet man {2Mos 21}.

3. Aber etliche sprachen: Lasst uns unsere Äcker, Weinberge und Häuser versetzen und Getreide nehmen in der Teuerung.

Sprachen: Dass sie einander Mittel vorschlugen, wie den Sachen zu helfen sein möchte.

Versetzen: Nämlich, den Gläubigern, und also Geld von ihnen aufbringen, dass wir Korn dafür kaufen können und uns in dieser teuren Zeit erhalten. [Wird deswegen auch das Volk Gottes, bei dem die rechte Religion im Schwange geht, mit Teuerung überfallen und bedrückt, welches doch nicht der göttlichen Lehre, sondern unseren Sünden soll zugemessen werden, wenn Mangel an Getreide und Brot gespürt wird.

4. Etliche aber sprachen: Lasst uns Geld leihen auf Zinsen dem Könige auf unsere Äcker und Weinberge.

Auf Zinsen: Damit wir samt unseren Mitbrüdern nicht Hungers sterben, so wollen wir dem Könige in Persien unsere Äcker und Weinberge verpfänden, mit dem Bedingung, dass wir dem Könige einen neuen ewigen Zins darauf schlagen wollen, der ihm davon soll jährlich gereicht werden. Er aber uns so viel Geld vorstrecke, als wir bedürfen, das Korn zu kaufen, bis es wieder wohlfeiler wird, und die Teuerung nachlässt.

5. Denn unserer Brüder Leib ist wie unser Leib und ihre Kinder wie unsere Kinder; sonst würden wir unsere Söhne und Töchter unterwerfen dem Dienst, und sind schon unserer Töchter etliche unterworfen, und ist kein Vermögen in unseren Händen; auch würden unsere Äcker und Weinberge der anderen.

Unser Leib: Ihre Meinung ist diese, wir wollen unsere Mitbrüder, die reichen Juden dahin zwingen, dass sie ihre Güter mit den unseren dem Könige in Persien, verpfänden müssen, und einen neuen jährliche Zins ihm neben uns versprechen, es sei ihnen lieb oder leid. Denn sie sind mit ihren Kindern nicht besser als wir und unseren Kindern, ob sie gleich reicher sind. Und muss man ihnen kein besonders machen. Sie müssen mit uns heben und legen, oder ein anders tun. Denn wir haben ihnen das unsere verpfänden müssen, so haben sie auch unsere Kinder leibeigen gemacht, darum wollen wir sie wieder in des Königs Dienstbarkeit bringen, [Hier sieht man, was für herbe Anschläge fallen, wo das Herz in Ängsten ist).

6. Da ich aber ihr Schreien und solche Worte hörte, wurde ich sehr zornig.

Zornig: Nämlich, über die reiche Juden, dass sie ihre Mitbrüder mit Wucher übersetzten, und ihnen in solcher beschwerlichen Zeit Hilfe versagt hatten. Denn ich dachte, dass die Armen über der Reichen Unbarmherzigkeit und Geiz sich nicht unbillig beklagten.

7. Und mein Herz wurde Rats mit mir, dass ich schalt die Ratsherren und die Obersten, und sprach zu ihnen: Wollt ihr einer auf den anderen Wucher treiben? Und ich brachte eine große Gemeinde wieder sie

Wurde Rats: Ich gedachte der Sachen hin und wieder nach, wie man diesem Übel zuvorkommen möchte, und nahm mir endlich vor, dass ich die Reichen wollte darüber zur Rede stellen und sie aufs ernstlichste ermahnen, dass sie von solche unrechten Übersatz und Wucher sich enthalten sollten, und mit ihren Brüdern also handeln, dass es der Gerechtigkeit gemäß wäre.

Obersten: Welche, da sie es anderen hätten wehren soll, sind sie selbst die Rädelsführer gewesen, die solche Unbilligkeit gegen ihren armen Mitbrüder getrieben. [Ist es deswegen nichts neues, aber doch ein schädliches und abscheuliches Ding, dass die Obersten und Vorstehern mit bösen Exempeln, als mit Geiz und anderen Sünden, Ärgernis geben).

Wucher treiben: Das doch im Gesetz Mose ausdrücklich verboten ist {5Mos 23}. Da gesagt wird: Es soll kein Jude am anderen wuchern. Warum lasst ihr denn das Wort Gottes so ganz aus der acht?

Wider sie: Dass ich sie im Beisein einer großen Menge Volkes, die ich hatte lassen zusammen fordern, ihres Amtes erinnerte, und das darum, damit sie zum Teil aus Scham, zum Teil aus Furcht gedrungen taten, was sich gebührte. Denn es ist Nehemia nicht eine schlechte Person gewesen, sondern, wie später steht, als ein Fürst und Landvogt des Königs in Persien gen Jerusalem abgefertigt worden. Darum dies sein Tun recht gewesen, welches sonst an einem anderen eine Aufruhr gleich gesehen hätte.

8. und sprach zu ihnen: Wir haben unsere Brüder, die Juden, erkauft, die den Heiden verkauft waren, nach unserem Vermögen; und ihr wollte auch eure Brüder verkaufen, die wir zu uns gekauft haben? Da schwiegen sie und fanden nichts zu antworten.

Erkauft: Dass wir Geld für sie ausgeben haben, damit unser Brüder etliche wieder möchten frei werden, welche den Heiden für leibeigen verkauft waren.

Gekauft haben: Als wollte er sprechen: Haben wir darum Geld für sie gegeben, und sie wieder frei gemacht, auf dass ihr Leute findet, die ihr von neuem in eure Dienste für leibeigen gebrauchtet? [Denn man soll auch die vornehmen, ansehnlichen und reichen Leute ihres Amtes und der Gebühr erinnern, auch nach dem die Sache ist, und es die Notdurft fordert, ernstlich darüber zur Rede stellen).

9. Und ich sprach: Es ist nicht gut, das ihr tut. Solltet ihr nicht in der Furcht Gottes wandeln um der Schmach willen der Heiden, unserer Feinde?

Tut: In dem ihr eure Brüder mit Wucher übersetzt, und ihrer etliche euch auch zu leibeigen macht.

Wandeln: Dass ihr seine Gebote von der Liebe des Nächsten mit Fleiß hieltet.

Unser Feinde: Die uns deshalb übel nachreden würden, dass wir so unfreundlich oder vielmehr unbarmherzig mit unseren eigenen Stammes und Geschlechts - Verwandten umgingen. Solltet ihr doch zum wenigsten des Namens unseres Gottes daran schonen weil unsere Religion und Gottesdienst dadurch bei den Heiden verachtet und verlästert wird, wenn sie von eurem Geiz und Unbarmherzigkeit gegen eure Mitbrüder hören werden.

10. Ich und meine Brüder und meine Knaben haben ihnen auch Geld getan und Getreide; den Wucher aber haben wir nachgelassen.

Nachgelassen: Dass wir nichts über die Gebühr von ihnen gefordert haben, auch noch nicht fordern wollen, auf dass ihr nicht meinen möchtet, ich begehrte von euch, das ich selber nicht tat.

11. So gebt ihnen nun heutigen Tages wieder ihre Äcker, Weinberge, Ölgärten und Häuser und den Hundertsten am Gelde, am Getreide, am Most und am Öle, das ihr an ihnen gewuchert habt.

Äcker: Ihre unbeweglichen Güter, die ihr an euch gezogen, und zu besitzen angefangen habt, weil sie euch den Wucher nicht zahlen können.

Hundersten: Dies war ein solcher Wucher, da von der Hauptsumme alle Monat der hunderste Teil zum Zins genommen wurde. Als zum Beispiel, wenn jemand hundert goldene vom anderen leiht, der musste ihm alle Monat einen goldenen davon zum Zinse geben, und also auch von anderen Sachen, die einer vom anderen entlehnte. [Es ist aber der Wucher in göttlichen und weltlichen ehrlichen Satzungen verboten. Aber der Kontrakt mit dem Kaufen und Verkaufen, da einer um hundert goldene zum jährlichem Einkommen fünf goldene erkauft, dazu mit der Bedingung, dass der Gläubiger nicht Macht habe die hundert goldene wieder zu fordern, wenn es ihm gefällt, sondern wen es dem Schuldiger gelegen ist, der ist von den kaiserlichen Rechten für richtig geschätzt und angenommen, und gar nicht für einen wucherischen Kontrakt gehalten worden. Wider die Wucher aber und wucherischen Kontrakte sollen die Kirchendiener mit Ernst ihre Predigten richten und schärfen. Denn die armen Leute werden mit dergleichen vielen geschwinden Praktiken und listigen Fündlein von den Reichen übersetzt und beschwert, bis ihre Güter von den Reichen ganz und gar verschlungen werden).

12. Da sprachen sie: Wir wollen es wiedergeben und wollen nichts von ihnen fordern und wollen tun, wie du gesagt hast. Und ich rief den Priestern und nahm einen Eid von ihnen, dass sie also tun sollten.

Sie: Die bisher gewuchert hatten.

Wiedergeben: Nämlich, die Äcker, Weinberge, Ölgarten, und Häuser.

Fordern: Wir wollen keinen Wucher mehr von ihnen nehmen.

Gesagt: Denn wie du uns erinnert hast, so vermerken wir, dass du eine rechte Sache zuerst, die dem Gesetze Gottes gemäß ist. [Gehen deswegen gottselige Erinnerungen nie ohne Frucht ab, darum soll man sie nicht unterlassen, und soll man dieser Leute Gehorsam lernen nachfolgen, die einer gerechten Erinnerung gefolgt sind).

Priestern: Dass sie Zeugen wären in dieser Sache.

Von ihnen: Nämlich, von denen, die mit dem Wucher sich versündigt hatten, dass ich sie in der Priester Gegenwart schwören ließ, sie wollten tun, was sie versprochen hätten. [Denn in einer wichtigen und gerechten Sache mag man wohl schwören).

13. Auch schüttelte ich meinen Busen aus und sprach: Also schüttle Gott aus jedermann von seinem Hause und von seiner Arbeit, der dies Wort nicht handhabt, dass er sei ausgeschüttelt und leer. Und die ganze Gemeinde sprach: Amen! und lobten den Herrn. Und das Volk tat also.

Handhabt: Das ist: Gott wolle den, der dem vorigen seinem Versprechen nicht nachkommt, von seinen Gütern und aus seinem Hause ins Elend verstoßen, gleichwie der Staub von jemandem Kleide geschüttelt wird. Denn es hat Nehemia solche äußerlichen Zeichen wollen dazu benutzen, auf dass sein Wunsch den Leuten desto mehr ein und zu Herzen ging.

Amen: Gott gebe, dass es geschehe.

Lobten: Für solche Freiwilligkeit der Leute, dass die Reichen sich erboten, die Güter, so sie den Armen von wegen der unbezahlten Zinsen entzogen, ihnen wieder auszuhändigen.

Tat also: Dass sie ihren Worten nachsetzten. [Denn damals tun die Geizigen rechtschaffene Buße, wenn sie wieder geben, was sie anderen Leuten mit Unrecht abgenommen).

14. Auch von der Zeit an, da mir befohlen wurde, ein Landpfleger zu sein im Lande Juda, nämlich vom zwanzigsten Jahr an bis in das zweiunddreißigste Jahr des Königs Arthahsastha, dass sind zwölf Jahre, nährte ich mich und meine Brüder nicht von der Landpfleger Kost.

Zeit an: So lange ich vom Könige Erlaubnis hatte, dass ich zu Jerusalem bleiben, und als ein Landvogt den Juden vorstehen soll.

Brüder: Die ich zu Gefährten auf der Reise hatte, und danach auch meine Mitgehilfen waren in Verrichtung der Geschäfte.

Kost: Nämlich, von den Einkommen, damit sonst die Landpfleger des Volkes Gottes sich zu unterhalten pflegten, begehrte ich nichts, sondern unterhielt mich und die Meinen auf meine eigenen Kosten.

15. Denn die vorigen Landpfleger, die vor mir gewesen waren, hatten das Volk beschwert und hatten von ihnen genommen Brot und Wein, dazu auch vierzig Sekel Silbers; auch hatten ihre Knaben mit Gewalt gefahren über das Volk. Ich tat aber nicht also um der Furcht Gottes willen.

Und Wein: So viel sie desselben nur gewollt und begehrt hatten.

Silbers: Welche ungefähr in die zehn Taler machen.

Gefahren: Nämlich, ihre Diener, die großen Mutwillen getrieben, und den Leuten viel Überdrang getan hatten.

Furcht Gottes: Denn weil ich Gott vor Augen hatte, so ging ich freundlich und sanft mit meinen Landsleuten um.

16. Auch arbeitete ich an der Mauer Arbeit und kaufte keinen Acker; und alle meine Knaben mussten dort an die Arbeit zuhauf kommen.

Arbeitet: Dass ich nach meinem Vermögen zu dem Bau half, und gute Achtung darauf hatte, dass er möchte gefertigt werden.

Keinen Acker: Ich trachtete nicht dahin, wie ich nur meine eigenen Güter vermehren könnte.

Kommen: Dass sie sich beflissen, den Bau der Mauern zu vollführen helfen. [Dies Beispiel sollten die Fürsten und Herren lernen nachtun, dass sie, nämlich, ihre Untertanen nicht mit ganz zu großen Schatzungen beschweren, die sie nicht ertragen können).

17. Dazu waren der Juden und Obersten hundertundfünfzig an meinem Tische, die zu mir gekommen waren aus den Heiden, die um uns her sind.

Her sind: Und hier bei der Obrigkeit der Juden etwas zu verrichten hatten, dieselben nahm ich auf, und unterhielt sie bei mir, will schweigen, dass ich anderen hätte beschwerlich sein sollen.

18. Und man machte mir des Tages einen Ochsen und sechs erwählte Schafe und Vögel und je inwendig zehn Tagen allerlei Wein die Menge. Noch forderte ich nicht der Landpfleger Kost, denn der Dienst war schwer auf dem Volk.

Menge: [Es ist aber an Fürsten und Herren Höfe eine ziemliche Köstlichkeit mit Speise und Getränke unverboten, sofern doch die Untertanen dadurch mit neuen und unerträglichen Schatzungen nicht beschwert werden).

War schwer] Das Volk war vorhin genug beschwert.

19. Gedenke mir, mein Gott, zum besten alles, das ich diesem Volk getan habe!

Zum besten: Lass mich es genießen, dass ich es so treulich mit deinem Volk gemeint habe. [Wir bitten aber recht, dass Gott unsere Frömmigkeit belohnen wolle, obwohl er uns von Rechts wegen nichts schuldig ist, denn er hat es verheißen, dass er es aus Gnaden tun wolle).


Das 6. Kapitel


1. Der Juden benachbarte Feinde, fordern Nehemia, dass er aus Jerusalem zu ihnen an einen bestimmten Ort kommen soll, unter dem Schein, als wollten sie einen Bund mit ihm machen, begehren ihn aber mit Hinterlist zu erwürgen. Jedoch ist ihnen Nehemia zu klug, v. 1. 2. Da fangen sie ihm an zu drohen, sofern er zu bauen fortfahre, so werde er dadurch in einen bösen Verdacht kommen, als wolle er eine Aufruhr anrichten: Aber er lässt sich weder mit Drohworten, noch durch der falschen Propheten, die mit Geldes dazu erkauft waren, Warnungen, vom Bau abschrecken, v. 10.

1. Und da Saneballat, Tobia und Gosem, der Araber, und andere unserer Feinde erfuhren, dass ich die Mauer gebaut hatte, und keine Lücke mehr daran wäre, wiewohl ich die Türen zu der Zeit noch nicht gehängt hatte in den Toren,

Keine Lücke: Weil die Mauer überall umher eine ziemliche Höhe aufgeführt, und die Stadt gleichsam damit eingefasst war.

Den Toren: Nämlich, an allen Toren. Denn dass etliche Tore mit Türen, Schlössern und Riegeln verwahrt gewesen, haben wir oben in Kapitel 3 vernommen.

2. sandte Saneballat und Gosem zu mir und ließen mir sagen: Komm und lass uns zusammenkommen in den Dörfern, in der Fläche Ono. Sie gedachten mir aber Böses zu tun.

Kommen: Dass wir von wichtigen Sachen, zu deinem und des jüdischen Volkes Nutzen miteinander handeln.

Böses: Dass sie meine Freundschaft gar nicht suchten, sondern meinten, sie wollten mich mit Hinterlist hintergehen, und hinrichten, wenn ich mich bei ihnen einstellte, damit wenn ich tot wäre, das Werke von neuen gehindert würde.

3. Ich aber sandte Boten zu ihnen und ließ ihn sagen: Ich habe ein großes Geschäft auszurichten, ich kann nicht kommen; es möchte das Werk zurückbleiben, wo ich die Hand abtäte und zu euch hinabzöge.

Sagen: Dass ich mit einer vorgewandten Ursache mich begehrte zu entschuldigen, und also ihren boshaften Anschlag wider mich zunichtemachte.

Groß Geschäft: Dass ich die Stadt wieder mit einer Ringmauer umfasse.

Abtäte: Dass ich nicht bei den Bauleuten immer dar gegenwärtig mich finden ließe, und sie zur Arbeit antriebe. [Und handelt Nehemia sehr weislich, dass er den gottlosen Leuten nicht traut, und also der Gefahr entgeht. Verhehlt aber dennoch die rechte Ursache, und wendet eine zierliche Entschuldigung vor. Denn man soll den Feinden nicht zu wohl trauen, und dennoch auch, so viel möglich, sich vorsehen, dass man sein Misstrauen nicht bald an Tag gebe, damit die Bösen nicht noch ärger gemacht werden).

4. Sie sandten aber wohl viermal zu mir auf die Weise, und ich antwortete ihnen auf diese Weise.

Die Weise: Dass sie ihr erstes Vorgeben immer wiederholten.

Diese Weise: Dass ich mich von meiner ersten Meinung nicht abtreiben lies. [Denn man soll auf einen nützlichen vorgenommenen Ratschlag beständig bleiben, und was einmal recht und wohl beschlossen ist, nicht wieder ändern).

5. Da sandte Saneballat zum fünftenmal zu mir seinen Knaben mit einem offenen Briefe in seiner Hand.

Zu mir: Dass er sich noch stellte, als meinte er es ganz gut mit mir.

Offenen: Dass er nicht nur vom Nehemia, sondern auch von anderen könnte gelesen werden. Welches er vielleicht der Meinung getan, dass, da Nehemia aber mal abschlagen würde zum Saneballat zu kommen, jedermann es davor hielte, er tat es aus einem Stolz und Übermut, und suchte nicht was zum Friede und Ruhe des jüdischen Volkes diente.

6. darin war geschrieben: Es ist vor die Heiden gekommen, und Gosem hat es gesagt, dass du und die Juden gedenkt abzufallen, darum du die Mauer baust, und du wollest ihr König sein in diesen Sachen;

Kommen: Dass unter den benachbarten Völkern eine gemeine Rede geht.

7. und du hast dir Propheten bestellt, die von dir ausschreien sollen zu Jerusalem und sagen: Er ist der König Judas. Nun, solches wird vor den König kommen. So komm nun und lass uns miteinander ratschlagen.

Ausschreien: Als ob es ein göttlicher Befehl wäre.

König Juda: Gott hat uns das Königreich Juda gegeben, und zu der Regierung desselben den Nehemia berufen.

König kommen: Der ohne Zweifel wider dich und das jüdische Volk heftig wird erzürnt werden.

Komm nun: An einen gelegenen Ort zu mir.

Ratschlagen: Wie dies von dir ergangene Geschrei könne vertuscht werden, oder aber, da es vor den König kommen sollte, du zu entschuldigen seist, damit nicht, wenn du bei dem Könige in einen bösen Verdacht kämst, er wider dich und die Deinen etwas Vorhaben möchte, das nicht gut wäre. [Wenn sich aber die Feinde am allerfreundlichsten stellen, so soll man sich am meisten vor ihnen hüten).

8. Ich aber sandte zu ihm und ließ ihm sagen: Solches ist nicht geschehen, das du sagst; du hast es aus deinem Herzen erdacht.

Nicht geschehen: Es ist kein wahres Wort daran, an allem, was in deinem Schreiben begriffen ist, denn wir denken nicht abzufallen, so habe ich an kein Königreich nie gedacht, viel weniger, dass ich Propheten deshalb sollte bestellt haben. Dazu hat niemand anderes solches Geschrei von mir ausgebracht, denn eben du. Denn es musste Nehemia dem Saneballat endlich zu verstehen geben, wie die Sache an sich selbst stünde, auf dass er sehe, wie er vergebens sich bemühen würde.

9. Denn sie alle wollten uns furchtsam machen und gedachten: Sie sollen die Hand abtun vom Geschäfte, dass sie nicht arbeiten. Aber ich stärkte desto mehr meine Hand.

Nicht arbeiten: An der Mauer weiter fortzubauen, damit man uns keines Abfalls beschuldigen könnte.

Stärkte: Ich kehrte desto mehr und größeren Fleiß an, dass das Werke möchten zu Ende gebracht werden, je mehr ich merkte, dass sie es begehrten zu hindern. [Also sollen wir auch nichts unterlassen, um der Widersacher Lästerungen willen, was zur Erbauung des himmlischen Jerusalem, nämlich, der christlichen Kirche, dienlich und förderlich ist. Denn gleichwie man nicht soll Böses tun, dass Gutes daraus erfolge: Also soll man auch, was gut und nötig ist, nicht unter lassen, der Meinung, dass man etwas Böses dadurch verhüten wolle).

10. Und ich kam ins Haus Semajas, des Sohnes Delajas, des Sohnes Mehetabeels; und er hatte sich verschlossen und sprach: Lass uns zusammenkommen im Hause Gottes mitten im Tempel und die Türen des Tempels zuschließen; denn sie werden kommen, dich zu erwürgen, und werden bei der Nacht kommen, dass sie dich erwürgen.

Semaja: Dass ich mit ihm von etlichen Sache Unterhandlung pflegen wollte.

Verschlossen: In ein Gemach, weil er sich stellte, als stünde er in großer Gefahr.

Sprach: Nach dem er mich hatte vor sich gelassen.

Zuschließen: Auf dass wir also an einen sicheren Ort desto Scheu und ohne Sorgen von Sachen, den gemeinen Wohlstand belangend, handeln mögen.

Dich erwürgen: Darum magst du dich wohl vorsehen, dass du nicht öffentlich unter die Leute ausgehst, weil du deines Lebens halben in großer Gefahr stehst. Es war aber dies alles vom Semaja erdichtet, dass er dem Nehemia begehrte eine Furcht einzustecken, und der Bau mit Befestigung der Stadt, so in kurzer Zeit könnte vollführt werden, verhindert würde. Denn wenn Nehemia sich verborgen hätte, und sonderlich, dass er wäre im innersten Teil des Tempels gegangen, darin nur die Priester gehen durften, hätte er sich an Gott schwer versündigt. Zu dem hätte er mit seiner Furcht und Zagheit die Juden auch kleinmütig gemacht, die Feinde aber gestärkt, und wäre das Werk unvollkommen geblieben, so hätte er auch dadurch verursacht, dass die vorgemeldeten Lästerung der Wahrheit nicht ganz ungleich gesehen, dass, nämlich, Nehemia nach dem Königreich in Juda trachtete, und deshalb, als der ein böses Gewissen hätte, Schlupfwinkel suchte. Solches und anders mehr hat Nehemia bei sich selbst erwogen, und darum sich nicht verbergen wollen.

11. Ich aber sprach: Sollte ein solcher Mann fliehen? Sollte ein solcher Mann, wie ich bin, in den Tempel gehen, dass er lebendig bliebe? Ich will nicht hineingehen.

Fliehen: Der ich als ein Oberster im Volk anderen ein Herz machen soll. Wer sich fürchtet, der tue einen Panzer an.

Bleibe: Meinst du nicht, ich sei so klug, das ich eine Todsünde beginge, wenn ich in den inneren Tempel mich verfügte, darin mir nicht gebührt zu gehen?

12. Denn ich merkte, dass ihn Gott nicht gesandt hatte. Denn er sagte wohl Weissagung auf mich, aber Tobia und Saneballat hatten ihm Geld gegeben.

Auf mich: Das ist: Ob ich wohl verstand, dass er es darauf redete, als hätte er einen prophetischen Geist, und warnte mich deshalb.

Vor meiner Gefahr. So merke ich wohl, dass er meinethalben keine göttliche Offenbarung hatte, und mit Falschheit umginge.

13. Darum nahm er Geld, auf dass ich mich fürchten sollte und also tun und sündigen, dass sie ein böses Geschrei hätten, damit sie mich lästern möchten.

Fürchten sollte: Damit er mir eine vergebliche Furcht einsteckte, dass ich seinem Rat folgte.

Lästern möchten: Denn sie aus meiner Versteckung alsdann Anlass nehmen würden, mich zu verlästern, als ob ich mir nichts Gutes bewusst wäre, und darum das Licht scheute.

14. Gedenke, mein Gott, des Tobia und Saneballat nach diesen seinen Werken; auch der Prophetin Noadja und der anderen Propheten, die mich wollten abschrecken.

Gedenke: Dass du sie zur angemessenen Strafe ziehst, weil sie deinem Volk zu schaden begehrten, sofern sie nicht Busse tun. [Denn ob wir wohl unseren besonderen Feinden nichts Böses wünschen sollen, so mag man doch wider die unbußfertigen Feinde der Kirche, und des Volkes Gottes bitten, dass Gott ein Beispiel seiner Gerechtigkeit an ihnen sehen lasse. Danach haben wir auch hier zu lernen, das wir uns in unserem Beruf nicht sollen schrecke lassen. Inmassen der Satan uns oft eine Furcht einjagen will, da doch in der Wahrheit keine Gefahr vorhanden ist).

15. Und die Mauer wurde fertig am fünfundzwanzigsten Tage des Monden Elul, in zweiundfünfzig Tagen.

Fertig: Also, das man auch die Tor alle beschließen konnte.

Elul: Der zum Teil sich mit unserem Augustmonat, zum Teil mit dem Herbstmonat vergleicht.

Tagen: Nämlich, von der Zeit zu rechnen, da Saneballat das vorgemeldete Schreiben mir geschickt hatte.

16. Und da alle unsere Feinde das hörten, fürchteten sich alle Heiden, die um uns her waren, und der Mut entfiel ihnen; denn sie merkten, dass dies Werk von Gott war.

Hörten: Dass die Tore und Mauern der Stadt ausgebaut und fertig wären.

Von Gott: Weil sie bei einer so geschwinden und glücklichen Fortgang des Baus wohl so viel spüren konnten, dass Gott selbst zur wieder Erbauung der Stadt geholfen, und solche gefördert hätte. [Denn wo nicht Gott unsere Feinde schreckte, so könnten wir nicht vor ihnen bleiben, sondern sie hätten uns längst verschlungen).

17. Auch zu derselben Zeit waren viel der Obersten Judas, deren Briefe gingen zu Tobia und von Tobia zu ihnen.

Zu Tobia: Meinem und des Volkes Gottes Feinde, das sie einander zuschrieben. [Hat darum auch damals die Kirche Gottes ihre Verräter, wie sie gleichfalls jetziger Zeit noch hat).

18. Denn ihrer waren viel in Juda, die ihm geschworen waren; denn er war ein Schwager Sachanjas, des Sohnes Arahs, und sein Sohn Johanan hatte die Tochter Mesullams, des Sohnes Berechjas.

Geschworen: Dass sie sich mit einem Eid gegen ihm gebunden hatten.

Sachanja: Eines vornehmen Juden, der bei den anderen ein großes Ansehen hatte.

sein Sohn: Nämlich, des Tobia, hatte auch eines jüdischen Mannes Tochter zur Ehe genommen.

19. Und sagten Gutes von ihm vor mir und brachten meine Rede aus zu ihm. So sandte denn Tobia Briefe, mich abzuschrecken.

Sagten Gutes: Als ob er ein Freund des Volkes Gottes wäre, da mir doch sein falsches und giftiges Gemüt nicht unbekannt war.

Meine Rede: Wenn ich etwas frei heraus redete, was meine Meinung von ihm wäre.

Abzuschrecken: Mit neuen Lästerungen, die er über mich erdacht hatte. Aber ich kam nichtsdestoweniger meinem Amt nach, wie sich es gebührte. [Hier hat man in acht zu nehmen, was für einen Nachteil es bringt, wenn man mit den Feinden des Volkes Gottes sich in Heirat einlässt, denn damals kann nicht leicht eine Heimlichkeit verschwiegen bleiben, dass es die Feinde nicht mit ehester Gelegenheit erfahren sollten).


Das 7. Kapitel


1. Nehemia hält um der benachbarten Feinde Willen fleißige Wacht, v. 1. 2. Und werden diejenigen abgezählt, so mit Esra von Babel gekommen waren, v. 5. Etliche werden vom Priesteramt abgehalten, weil sie keine gewisse Nachricht ihrer Geburt halben haben konnten, v. 64.

1. Da wir nun die Mauer gebaut hatten, hängte ich die Türen; und wurden bestellt die Torhüter, Sänger und Leviten.

Tür: Dass man die Tore damit beschließen könnte.

Torhüter: Beide an den Stadttoren und beim Tempel.

Leviten: Die den Priestern die Hand böten in Verrichtung des Gottesdienstes. [Denn man soll neben den weltlichen Geschäften auch des Gottesdienstes nicht vergessen).

2. Und ich gebot meinem Bruder Hanani und Hananja, dem Palastvogt zu Jerusalem (denn er war ein treuer Mann und gottesfürchtig vor vielen anderen),

Palastvogt: Oder Burgvogt, der über die Burg zu Jerusalem gesetzt war, darin der Fürst des Volkes Gottes seine Wohnung hatte.

3. und sprach zu ihnen: Man soll die Tore zu Jerusalem nicht auftun, bis dass die Sonne heiß wird; und wenn man noch arbeitet, soll man die Türen zuschlagen und verriegeln. Und es wurden Hüter bestellt aus den Bürgern Jerusalems, ein jeglicher auf seine Hut und um sein Haus.

Heiß werde: Dass es heller Tag geworden, und die Sonne ziemlich hoch ausgegangen ist, da man keines unversehenen Überfalls sich mehr zu besorgen hat. Diese Vorsorge war auch vonnöten, weil noch wenig Bürger zu Jerusalem waren, damit die Stadt nicht von den umliegenden Heiden überfallen und eingenommen würde.

Verriegeln: Ehe die Leute von der Arbeit gehen, noch bei hellem Sonnenschein sollen die Tore zugeschlossen und verwahrt werden, im beisein etlicher Bürger mit ihrer Wehr und Harnisch.

Hüter: Die so wohl bei Tag als bei Nacht unter den Toren, nach dem einem jeden die Ordnung traf, wachten, und ihr Amt fleißig versahen. [Die Wächter im himmlischen Jerusalem sind die Engel und Diener der Kirche Gottes {Hebr 13 Mt 18 Ps 34}.

4. Die Stadt aber war weit von Raum und groß, aber wenig Volkes darin, und die Häuser waren nicht gebaut.

Nicht gebaut: Darum es mit der Stadt noch ein schlechtes Ansehen hatte. [Denn die viele der Bürger ist ein Segen Gottes).

5. Und mein Gott gab mir ins Herz, dass ich versammelte die Ratsherren und die Obersten und das Volk, sie zu rechnen. Und ich fand ein Register ihrer Rechnung,

Ins Herz: Dass ich danach trachtete, wie die Anzahl der Bürger zu vermehren wäre.

Zu rechnen: Auf dass ich sehe, ob nicht aus etlichen großen Geschlechtern, die hin und wieder auf den Dörfern wohnen, etliche möchten in die Stadt gebracht werden. Welches denn endlich durch das Los geschehen, wie später Kapitel 11 zu sehen ist.

Register: Ein Verzeichnis derjenigen, die vor der Zeit mit Esra aus dem Gefängnis von Babel wieder gekommen waren. Und wird später solches Verzeichnis nacheinander erzählt. Obwohl nun an diesem Ort die Abzählung mit der, so im Buch {Esra 2}, gesetzt wird, nicht allerdings übereintrifft. So ist vermutlich, es sei dieses Verzeichnis allererst über eine Zeit nach der Vorigen, die im Esra steht, beschrieben worden, da etliche Geschlechter unterdes mehr Kinder überkommen, etliche durch den zeitlichen Tod der ihrigen eins teils beraubt wurden.

6. die vorhin heraufgekommen waren aus dem Gefängnis, die Nebukadnezar, der König zu Babel, hatte weggeführt, und zu Jerusalem wohnten und in Juda, ein jeglicher in seiner Stadt;

7. und waren gekommen mit Serubabel, Jesua, Nehemia, Asarja, Raamja, Nahemani, Mardachai, Bilsan, Mispereth, Bigevai, Nehum und Baena. Dies ist die Zahl der Männer vom Volk Israel.

Und Baena: Dies sind die vornehmsten Mannspersonen gewesen, so mit dem obersten Fürsten des Volkes Gottes Serubabel aus dem Gefängnis wieder heimkommen.

8. Der Kinder Pareos waren zweitausend hundert und zweiundsiebenzig;

9. der Kinder Sephatja dreihundert und zweiundsiebenzig;

10. der Kinder Arah sechshundert und zweiundfünfzig;

11. der Kinder Pahath-Moab, unter den Kindern Jesua und Joab, zweitausend achthundertundachtzehn;

Und Joab: Welche beide Geschlechter, meines Erachtens, von dem einigen Stamm Pahath Moab ihre Herkunft hatten.

12. der Kinder Elam tausend zweihundert und vierundfünfzig;

13. der Kinder Sathu achthundert und fünfundvierzig;

14. der Kinder Sakai siebenhundert und sechzig;

15. der Kinder Benui sechshundert und achtundvierzig;

16. der Kinder Bebai sechshundert und achtundzwanzig;

17. der Kinder Asgad zweitausend dreihundert und zweiundzwanzig;

18. der Kinder Adonikam sechshundert und siebenundsechzig;

19. der Kinder Bigevai zweitausend und siebenundsechzig;

20. der Kinder Adin sechshundert und fünfundfünfzig;

21. der Kinder Ater von Hiskia achtundneunzig;

22. der Kinder Hasum dreihundert und achtundzwanzig;

23. der Kinder Bezai dreihundert und vierundzwanzig;

24. der Kinder Hariph hundert und zwölf;

25. der Kinder Gibeon fünfundneunzig;

Gibeon: Die in der Stadt Gibeon wohnten. Denn es werden die nachfolgenden mehrererteils von den Orten genannt, da sie ihre Wohnung hatten.

26. der Männer von Bethlehem und Netopha hundert und achtundachtzig;

27. der Männer von Anathoth hundert und achtundzwanzig;

28. der Männer von Beth-Asmaveth zweiundvierzig;

29. der Männer von Kiriath-Jearim, Kaphira und Beeroth siebenhundert und dreiundvierzig;

30. der Männer von Rama und Gaba sechshundert und einundzwanzig;

31. der Männer von Michmas hundert und zweiundzwanzig;

32. der Männer von Bethel und Ai hundert und dreiundzwanzig;

33. der Männer vom anderen Nebo zweiundfünfzig;

34. der Kinder des anderen Elam tausend zweihundert und vierundfünfzig;

35. der Kinder Harim, dreihundert und zwanzig;

36. der Kinder Jereho dreihundert und fünfundvierzig;

37. der Kinder Lod, Hadid und Ono siebenhundert und einundzwanzig;

38. der Kinder Senaa dreitausend neunhundert und dreißig.

39. Die Priester: Der Kinder Jedaja, vom Hause Jesua neunhundert und dreiundsiebenzig;

40. der Kinder Immer tausend und zweiundfünfzig;

41. der Kinder Pashur tausend zweihundert und siebenundvierzig;

42. der Kinder Harim tausend und siebenzehn.

43. Die Leviten: Der Kinder Jesua von Kadmiel, unter den Kindern Hodua, vierundsiebenzig.

44. Die Sänger: Der Kinder Assaph hundert und achtundvierzig.

45. Die Torhüter waren: Die Kinder Sallum, die Kinder Ater, die Kinder Thalmon, die Kinder Akub, die Kinder Hatita, die Kinder Sobai, allesamt hundert und achtunddreißig.

46. Die Nethinim: Die Kinder Ziha, die Kinder Hasupha, die Kinder Tabaoth,

Nethinim: Welche, wie man es davor hält, von den Gibeonitern ihre Herkunft hatten, die Josua, nachdem er von ihnen, überlistet wurde, dass er ihnen Sicherung zugesagt, und einen Bund mit ihnen gemacht, zwar leben lassen, aber ihnen auferlegt, dass sie mit Holzhauen und Wasser tragen, erstlich bei der Stiftshütte, und danach bei Tempel dienen müssen, auch sonst den Israeliten unterwürflich sind. Und sind dieselben in ihre gewisse Geschlechter abgeteilt gewesen, wie hier zu sehen.

47. die Kinder Keros, die Kinder Sia, die Kinder Padon,

48. die Kinder Libana, die Kinder Hagaba, die Kinder Salmai,

49. die Kinder Hanan, die Kinder Giddel, die Kinder Gahar,

50. die Kinder Reaja, die Kinder Rezin, die Kinder Nekoda,

51. die Kinder Gasam, die Kinder Usa, die Kinder Passeah,

52. die Kinder Besai, die Kinder Megunim, die Kinder Nephussim,

53. die Kinder Bakbuk, die Kinder Hakupha, die Kinder Harhur,

54. die Kinder Bazlith, die Kinder Mehida, die Kinder Harsa,

55. die Kinder Barkos, die Kinder Sissera, die Kinder Thamah,

56. die Kinder Neziah, die Kinder Hatipha.

57. Die Kinder der Knechte Salomos waren: Die Kinder Sotai, die Kinder Sophereth, die Kinder Prida,

Knechte Salomo: Die auch von den Heiden ihre Herkunft hatten, eben so wohl als die Nethinim.

58. die Kinder Jaela, die Kinder Darkon, die Kinder Giddel,

59. die Kinder Sephatja, die Kinder Hatil, die Kinder Pochereth von Zebaim, die Kinder Amon.

60. Aller Nethinim und Kinder der Knechte Salomos waren dreihundert und zweiundneunzig.

Und zweiundneunzig: Aus diesem Ort der Schrift kann man abnehmen, dass die, so aus den Heiden bekehrt wurden, mit mehr und größerem Eifer in der rechten Religion beharrt sind, als die Juden selbst, derer viel sich nicht geachtet, noch hoch danach getrachtet, dass sie wieder in ihr Vaterland, und zur Übung ihres Gottesdienstes kommen möchten.

61. Und diese zogen auch mit herauf: Mithel, Melah, Thel-Harsa, Cherub-Addon und Immer; aber sie konnten nicht anzeigen ihrer Väter Haus noch ihren Samen, ob sie aus Israel wären.

Herauf: Ins Land Kanaan.

Samen: Sie wussten nichts von ihren Voreltern zu sagen, ob dieselben Israeliten gewesen wären oder nicht.

62. Die Kinder Delaja, die Kinder Tobia und die Kinder Nekoda waren sechshundert und zweiundvierzig.

63. Und von den Priestern waren die Kinder Habaja, die Kinder Hakoz, die Kinder Barsillai, der aus den Töchtern Barsillais, des Gileaditers, ein Weib Name, und wurde nach derselben Nahmen genannt.

Priestern: Die, nämlich, vorgaben, als ob ihre Voreltern von dem priesterlichen Geschlecht hergekommen wären, und doch keinen gewissen Grund hatten.

Genannt: Also, dass er von seines Weibes Geschlecht den Namen behielt, da doch sonst das Weib vom Manne sollte genannt werden. [Aber obwohl Gott im Paradies befohlen, der man sollte übers Weib herrschen. So geschieht es doch oft, weil der Satan Gottes Ordnungen begehrt zu zerrütten, dass die Weiber über die Männer herrschen).

64. Diese suchten ihr Geburtsregister; und da sie es nicht fanden, wurden sie los vom Priestertum.

Suchten: Sie schlugen nach in den Zeit - Büchern und Jahr-Registern, darin der Priester Geschlechter beschrieben waren.

Los: Das ihnen befohlen wurde, sie sollten sich des priesterlichen Amtes enthalten.

65. Und Hathirsatha sprach zu ihnen, sie sollten nicht essen vom Allerheiligsten, bis dass ein Priester aufkäme mit dem Licht und Recht {2Mos 28v30}.

Hathirsatha: Dieser ist eben der Nehemia selber, wie später in Kapitel 8. zu sehen. Darum er hier von sich selbst, als von einem anderen redet. Denn die Juden überkamen neben ihrem hebräischen Namen, die so von ihren Eltern empfangen hatten, auch andere Namen von den Heiden, darunter sie wohnten, besonders aber die, welche an der Chaldäer oder Perser Könige Höfen sich verhielten.

Allerheiligsten: Nämlich, von dem, was von den Opfern überbleibt, welches allein die Priester und ihre Angehörige essen durften.

Und Recht: Das ist: Der mit den hohepriesterlichen Kleidern, samt dem Amtschildlein auf der Brust angetan, könnte einen göttlichen Bericht geben, und anzeigen, wofür man sie halten sollte, und ob man sie unter die Priester durfte passieren lassen, oder nicht.

66. Der ganzen Gemeinde wie ein Mann war zweiundvierzigtausend dreihundert und sechzig;

67. ausgenommen ihre Knechte und Mägde, der waren siebentausend dreihundert und siebenunddreißig; und hatten zweihundert und fünfundvierzig Sänger und Sängerinnen,

Sänger: So auch Israeliten waren, und wussten die Psalmen und Lobgesänge Gottes mit einer lustigen und künstlichen Melodie lieblich zu singen, preisten auch Gott auf ihrer Heimreise und Wiederkunft ins Vaterland mit herrlichen und geistreichen Lobgesängen über ihre wieder erlangte Freiheit.

68. siebenhundert und sechsunddreißig Rosse, zweihundert und fünfundvierzig Mäuler,

69. vierhundert und fünfunddreißig Kamele, sechstausendsiebenhundert und zwanzig Esel.

Esel: Aus dieser Tiere großer Anzahl, die mehrerer Teils Last getragen, kann man abnehmen, dass die Juden mit großem Gut und Reichtum aus dem Gefängnis wieder heimkommen, da sie zuvor allerdings bloß und beraubt in großer Armut gefangen aus ihrem Vaterland hinweg geführt wurden.

70. Und etliche der obersten Väter gaben zum Werke. Hathirsatha gab zum Schatz tausend goldene, fünfzig Becken, fünfhundert und dreißig Priesterröcke.

Und: Bis daher hat Nehemia ein Register erzählt, und derjenigen Anzahl gesetzt, die vorzeiten aus Babel wieder gekommen waren. Jetzt fährt er wieder fort in Erzählung der Geschichte, die sich zu seiner Zeit zugetragen. Und hat ohne Zweifel mit etlichen aus den vorgesetzten Geschlechtern, so auf den Dörfern gewohnt, dahin gehandelt, dass sie sich in die Stadt Jerusalem begeben, und da ihre Haushaltung anrichteten, damit nicht eine solche große Stadt von wegen Mangel der Einwohner in eine neue Gefahr geriete.

Zum Werke: Nämlich, zur Beförderung des Gottesdienstes.

Hathirsatha: Der sonst auch Nehemia hieß (Kapitel 8), der Schreiber dieses Buches.

Becken: Die meines Erachtens silbern und übergoldet gewesen.

Priester Röcke: Die man beim Gottesdienste brauchte. Und redet Nehemia von sich selbst, als von einem anderen gar schlecht, da er seiner Gaben Meldung tun will. [Denn wir sollen uns nicht selber aus Ehrgeiz rühmen, wenn wir etwas löbliches verrichtet haben, sondern es andere überlassen).

71. Und etliche oberste Väter gaben zum Schatz ans Werk zwanzigtausend goldene, zweitausend und zweihundert Pfund Silbers.

Pfund Silbers: Diese Juden sind zu loben, welche, nach dem sie aus dem Gefängnis erledigt wurden, zur Erhaltung des Predigtamts reichlich gesteuert haben. [Die aber tun ihm viel anders, welche, nach dem sie von des Antichristen Tyrannei losgeworden sind, hinweg nehmen, und zu ihrem Nutzen anwenden, was sie noch von der Kirche Schätzen übrig finden, dazu sie doch nichts geben haben).

72. Und das andere Volk gab zwanzigtausend goldene und zweitausend Pfund Silbers und siebenundsechzig Priesterröcke.

73. Und die Priester und die Leviten, die Torhüter, die Sänger und etliche des Volkes und die Nethinim und ganz Israel setzten sich in ihre Städte.

Städte: Doch zogen die Priester und Leviten, wie auch die Torhüter und Sänger, nach dem einem jeden die Ordnung betraf, hinauf gen Jerusalem, und warteten da ihrem Amt ab, mit Verrichtung des Gottesdienstes, bis die Ordnung an andere kam, und sie wieder abzogen. Das Volk aber zog dreimal im Jahr hinauf, auf die hohen Feste, als Ostern, Pfingsten, und der Laubhütten, von welchem Letzten im folgenden Kapitel gesagt wird. [Denn es soll in der Kirche alles ordentlich zu gehen).


Das 8. Kapitel


1. Esra steht auf einem hohen Stuhl, und liest das Gesetz dem Volk vor, v. 1. 2. Da solches das Volk hörte, ist es über die begangene Sünde traurig, welche Esra wiederum tröstet, v. 9. 3. Und hält das Volk das Fest der Laubhütten mit Freuden, v. 13.

1. Da nun herzukam der siebte Mond, und die Kinder Israel in ihren Städten waren, versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann auf die breite Gasse vor dem Wassertor und sprachen zu Esra, dem Schriftgelehrten, dass er das Gesetzbuch Mose holte, das der Herr Israel geboten hatte.

Siebte Mond: Der zum Teil mit unserem Herbstmonat, zum Teil mit unserem Weinmonat eintrifft.

Städten waren: In denen sie hin und wieder zerstreut wohnten, darum vonnöten war, dass man sie zusammen forderte.

Ein Mann: Sie kamen einmütig zu Jerusalem zusammen, auf des Nehemia Befehl, im gemeldeten siebten Monden, in welchem das Fest der Laubhütten fiel. Denn damals hat es Nehemia für gut angesehen, dass er etliche Tage zuvor das Volk zusammen forderte, damit man Zeit und Weile genug hätte, das Gesetz Mose zu lesen und zu erklären, weil er wusste, dass es in demselben noch keinen genügenden Bericht hatte: So war auch ohne das geboten, dass aufs Fest der Laubhütten, alle sieben Jahr einmal das fünfte Buch Mose, als ein summarischer Begriff, dem Volk sollte vorgelesen werden {5Mos 31}.

Wassertor: Das ist: Von welcher Gasse, die in der Stadt war, man zum selben Tor hinausging.

Schriftgelehrten: Der im Gesetz Gottes erfahren, und in der Heiligen Schrift wohl belesen war.

Holte: [Jetziger Zeit dringen die Zuhörer mehrerer teils nicht hart darauf, dass die Kirchendiener predigen sollen, sondern können bisweilen mit Bitten und ermahnen kaum dazu gebracht werden, dass sie sich bei den Predigten des göttlichen Wortes finden lassen).

2. Und Esra, der Priester, brachte das Gesetz vor die Gemeinde, beide Männer und Weiber, und alle, die es vernehmen konnten, am ersten Tage des siebten Monden,

Priester: Nämlich, eben der vorgemeldete Schriftgelehrte, der aus priesterlichem Stamm war.

Vernehmen: Die Alters halben dazu tauglich waren, dass sie die Predigt des göttlichen Wortes verstehen konnten, als Knaben und Mädchen von zehn oder zwölf Jahren, und darüber. [Den man soll die jungen Leute bei Zeit dahin halten und gewöhnen, dass sie Gottes Wort hören, und Gott fürchten lernen, weil sie nicht ein geringer Teil der Kirche sind).

3. und las darin auf der breiten Gasse, die vor dem Wassertor ist, von licht Morgen an bis auf den Mittag, vor Mann und Weib und wer es vernehmen konnte. Und des ganzen Volkes Ohren waren zu dem Gesetzbuch gekehrt.

Ist: Oder, sie zum Wassertor führt.

4. Und Esra, der Schriftgelehrte, stand auf einem hölzernen hohen Stuhl, den sie gemacht hatten zu predigen; und stand neben ihm Mathithja, Sema, Anaja, Uria, Hilkia und Maeseja zu seiner Rechten; aber zu seiner Linken Pedaja, Misael, Malchia, Hasum, Hasbadana, Sacharja und Mesullam.

Und: Was allererst von Ablesung des Gesetzes kürzlich angezeigt wurde, das wird im folgenden weitläufiger erklärt und ausgeführt, wie bei den Hebräern gebräuchlich.

Gemacht: Auf dass, wenn er also von einem höheren Ort redete, desto leichter von jedermann könnte gehört und verstanden werden.

Neben ihm: Damit er ein desto größer Ansehen hätte, und das Volk desto fleißiger aufmerkte. Denn der Stuhl nicht allein hoch gewesen, sondern auch eine ziemliche Weite hatte, dass ihrer viel zugleich darauf stehen können.

5. Und Esra tat das Buch auf vor dem ganzen Volk, denn er ragte über alles Volk; und da er es auftat, stand alles Volk.

Raget: Dass er über das ganze Volk stand auf einem hohen Gerüst, wie zuvor gemeldet.

Stand: [Ist es deswegen eine alte und löbliche Gewohnheit, dass die Zuhörer aufstehen, wenn sie die Ablesung des Texts aus dem göttlichen Wort, und Heiliger Schrift anhören wollen, damit sie ihre Ehrerbietung und Andacht gegen die Worte Gottes zu verstehen geben).

6. Und Esra lobte den Herrn, den großen Gott. Und alles Volk antwortete: Amen, Amen! mit ihren Händen empor; und neigten sich und beteten den Herrn an mit dem Antlitz zur Erde.

Lobt: Nämlich, zuerst, und zum Eingang, ehe er das Gesetz anfing zu verlesen, tat er dem Allmächtigen und ewigen Gott eine Danksagung, dass er das Volk aus dem Gefängnis erlöst, und an den Ort gebracht hätte, da die Israeliten wiederum könnten das Wort Gottes in einer Gemeinde Versammlung öffentlich predigen hören.

Amen: Als wollten sie sprechen: Er ist wahrhaftig zu loben und zu preisen, als unser allergnädigster und barmherzigster Gott. [Hierauf deutet der Apostel Paulus {1Kor 14}, da er sagt, dass die Gebete und Danksagungen in der Kirche in einer bekannten und verständlichen Sprache geschehen sollen, auf dass die Laien können Amen dazu sprechen. Ist es deswegen ein närrisches Ding, dass die Katholiken ihre Kollekten, wie sie es nennen, in der Kirche in lateinischer Sprache öffentlich verlesen, welches der zehnte unter den Zuhörern kaum versteht, darum sie auch keine gottseligen zustimmende Andacht dabei haben können, weil sie nicht wissen, was der Prediger gebetet, oder wie er Dank gesagt habe).

Empor: Die sie gen Himmel aufhoben, wie die zu tun pflegen, so da ernstlich beten wollen.

Zur Erde: Denn sie in ihrer herzlichen Andacht erstlich auf die Knie, und später ganz aufs Antlitz niedergefallen, damit sie ihre rechtschaffene Demut vor Gott haben zu erkennen geben. [Ob nun wohl dergleichen Gebärden nicht von Not wegen immer beim Gebet sein müssen. So geschieht es doch, dass ein recht inbrünstiges und eifriges Herz bisweilen solche Gebärden annimmt, besonders wenn wir allein beten, und unser Herz vor Gott ausschütten. Welche aber ihre Knie des Leibes nicht beugen, die sollen doch die Knie ihres Herzen vor Gott beugen, d. i. dass sie Gott mit wahrer Demut anrufen.

7. Und Jesua, Bani, Serebja, Jamin, Akub, Sabthai, Hodia, Maeseja, Klita, Asarja, Josabad, Hanan, Plaja und die Leviten machten das Volk, dass es aufs Gesetz merkte; und das Volk stand auf seiner Stätte.

Machten: Das ist: Sie erklärten dem Volk das Gesetz. Welches meines Erachtens also zugegangen, dass einer ein Stück, und der andere ein anderes aus der Schrift zu erklären umeinander vorgenommenen. Denn dass solches auch bei der ersten Kirche im Brauch gewesen, bezeugt der Apostel Paulus {1Kor 14}, da er diesen Ort erklärt, und wiederum durch diesen Ort erklärt wird.

8. Und sie lasen im Gesetzbuch Gottes klar und verständlich, dass man es verstand, da man es las.

Verstand: Das ist: Sie haben nicht nur den bloßen Text dem Volk vorgelesen, sondern auch denselben ausgelegt, also dass sie die Wörter erklärt, und wo etwa eine dunkle Meinung vorkam, derselben richtigen Verstand angezeigt. Denn so viel die Sprache an ihr selbst belangt, so war das Gesetz in hebräischer Sprache beschrieben, das Volk aber hatte sich zu Babel in dem Gefängnis an die chaldäische Sprache gewöhnt, welche der hebräischen Sprache fast so ungleich war, als wie die Italienischen der Lateinischen, oder wie die Niederländischen von der hochdeutschen Sprache unterschieden ist. Wann deswegen nur der hebräische Text schlecht wäre abgelesen worden, hätten viel Juden nichts verstehen können, was man gelesen. Denn es ist nicht wohl zu glauben, dass alle Juden beide Sprachen gleich fertig gekonnt haben. Darum man, wie gemeldet, die Sprache und Wörter zuerst erklären müsse. Danach erforderte es die Notdurft, dass etliche dunkle Örter dem Volk verständlich ausgelegt würden, damit sie die Sache an sich selbst verstünden und desto besser ihnen einbildeten. Solches verrichteten damals die Gelehrtesten unter den Priestern und Leviten. [Ist es deswegen eine ganz alte Gewohnheit in der Kirche, die dazu sehr nützlich und heilsam ist, dass nicht allein der Text aus der Bibel dem Volk in den Predigten vorgelesen wird, sondern dass man denselben auch erkläre, und nach Anleitung des göttlichen Wortes auslege, welche Erklärung der Apostel Paulus die Weissagung, das ist, die Lehre zu nennen pflegt {1Kor 14}. dieselbe aber soll also beschaffen sein, dass sie dem Glauben ähnlich sei, und mit der Schrift übereinstimme {Röm 12}.

9. Und Nehemia, der da ist Hathirsatha, und Esra, der Priester, der Schriftgelehrte, und die Leviten, die das Volk aufmerken machten, sprachen zu allem Volk: Dieser Tag ist heilig dem Herrn, eurem Gott; darum seid nicht traurig und weint nicht. Denn alles Volk weinte, da sie die Worte des Gesetzes hörten.

Hathirsatha: Wie er am persischen Hof genannt wurde.

Heilig: Wir haben heute einen Fest- oder Feiertag, der dazu geordnet ist, dass man an demselben das Gesetz Gottes verlesen soll. Denn der erste Tag in einem jeden Monat war bei den Juden ein Feiertag.

Nicht traurig: Sondern fasst wiederum ein Herz. Denn ihr habt einen gnädigen Gott, welcher will, dass ihr nach der Erkenntnis eurer Sünden, zu seiner Gnade euch alles Gutes versehen sollt. [Denn man soll die Herzen, welche durch das Gesetz geschreckt und erschlagen sind, mit dem evangelischen Trost von der väterlichen Güte Gottes wieder aufrichten).

Weint: Darum sie des Trostes wohl bedurften.

Hörten: Dadurch den Sündern der schreckliche Zorn Gottes gedroht wurde, darum das Volk durch solche Ablesung sehr traurig wurden, weil sie erkannten, dass sie wider solche Gesetze schwer und vielfältig gesündigt hatten, und ihnen wiederum zu Gemüt führten, was sie im Elend für rechte Strafen ihrer Sünden erlitten, daher sie sich besorgten, es möchte der gerechte Zorn Gottes abermals über sie anbrennen, welches ihnen die heißen Tränen heraus gebracht, die sie häufig darüber vergossen, dass sie nichts anders können, denn weinen, und traurig sein. [Weil das Gesetz traurig macht, schreckt, und tötet, aber nicht erfreut oder lebendig macht {2Kor 3}. Weil deswegen das Volk so ganz zerschlagen war, und sich selbst mit den Sprüchen der Propheten von der Güte Gottes nicht aufrichten oder trösten konnte. So hat Nehemia ihnen tröstlich zugesprochen und angezeigt, wie es Gottes Wille wäre, dass sie aufs selbige Fest sollten fröhlich sein. [Jetzt mag der Schwenkfeld wohl hinziehen, und seinem Brauch nach viel schwätzen, dass die äußerliche Predigt der Kirchendiener nichts Nutzen, der Menschen Herzen zu bewegen, da doch an diesem Ort ausdrücklich bezeugt wird, dass die Predigt des göttlichen Wortes ein Werkzeug sei, dadurch der Heilige Geist in der Menschen Herzen wirkt).

10. Darum sprach er zu ihnen: Geht hin und esst das Fette und trinkt das Süße; und sendet denen auch Teile, die nichts für sich bereitet haben; denn dieser Tag ist heilig unserem Herrn; darum bekümmert euch nicht, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.

Das Süße: Richtet ein fröhliches Gastmahl zu, und lebt wohl mit essen und trinken. [Denn eine gottselige und ehrliche Freude gefällt Gott, wenn sie zu rechter Zeit geschieht).

Teil: Etwas von eurem Essen und Trinken, das ihr für euch zum Wohlleben zubereitet habt.

Bereitet haben: Dass sie Armut halben kein Wohlleben anrichten können, auf dass sie auch ergötzt, und mit euch fröhlich sein mögen.

Ist heilig: Dass er zur Freude und gottseliger Ergötzlichkeit von Gott selbst eingesetzt ist.

Stärke: Als wollte er sagen: Gott will, dass wir uns über seine väterliche Güte freuen sollen, und also am Leib und Gemüt gestärkt werden. [Denn gleichwie die Traurigkeit die Beine ausdorrt, also erfrischt eine ehrliche Freude das Gemüt, und bringt des Leibes Kräfte wieder).

11. Und die Leviten stillten alles Volk und sprachen: Seid stille, denn der Tag ist heilig; bekümmert euch nicht!

Stillten: Dass sie durch das Volk hin und wieder gingen, und ihnen tröstlich zusprachen.

Seid stille: Lasst ab vom Weinen, denn an Feiertagen soll man fröhlich sein. [Es wurde aber durch die Feste oder Feiertage das ewige Leben vorgebildet, darin keine Traurigkeit, sondern lauter und immerwährende Freude sein wird {Jes 66}.

12. Und alles Volk ging hin, dass es äße, tränke und Teile sendete und eine große Freude machte; denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen hatte kundgetan.

Teile sendete: Den Armen und Dürftigen, wie ihnen befohlen war. [Denn so oft wir einen fröhlichen Tag haben, und wohl leben, sollen wir aus wahrem Glauben und ungefärbter Liebe der Armen nicht vergessen. So werden sie uns alles Gute nach wünschen, und wird Gott solche Werke der Liebe sich gefallen lassen, dass wir nicht mit dem reichen Prasser verdammt werden {Lk 16}.

Große Freude: Dass sie sich über der Güte Gottes von Herzen freuten. Wie auch nicht weniger darum, dass man sie im Gesetz Gottes wohl unterrichtet hatte.

Kund getan: Wie es Gott haben wollte, dass sie die Traurigkeit sich aus den Sinn schlagen, und Gutes Muts sein sollten. [Und muss man Gott eben so wohl gehorchen, wenn er uns heißt fröhlich sein über seine große Barmherzigkeit und Güte, als da er uns befiehlt, dass wir von wegen unserer begangenen Sünden sollen leidig und traurig sein).

13. Und des anderen Tages versammelten sich die obersten Väter unter dem ganzen Volk und die Priester und Leviten zu Esra, dem Schriftgelehrten, dass er sie die Worte des Gesetzes unterrichtete.

Schriftgelehrten: Der in der Heiligen Schrift, und im Gesetze Gottes vor anderen wohl belesen und erfahren war.

Unterrichtet: Und ausführlicher erklärte, was sie die vorigen Tage noch nicht genügend verstanden hatten, und doch ihnen zu wissen vonnöten war. [Denn man soll die Heilige Schrift mit Fleiß lernen, und was man nicht versteht, von denen sich berichten lassen, die in der Schrift wohl belesen sind, und sich lange und viel darin geübt haben).

14. Und sie fanden geschrieben im Gesetz, dass der Herr durch Mose geboten hatte, dass die Kinder Israel in Laubhütten wohnen sollten auf das Fest im siebten Monden {3Mos 23v42}.

Gefunden: In dem sie mit Ablesung und Anhörung des Gesetzes umgingen.

Fest: Der Laubhütten. Und kann man hierbei abnehmen, dass solche festlichen Jahre lange, auch nach der Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft, nicht gehalten wurden. Denn es befand sich noch eine große Unordnung im Volk Gottes, und konnte nicht alles so bald richtig gebracht werden. So war auch der Eifer nicht so groß bei ihnen, als er wohl hätte sein sollen, dennoch waren sie Gottes Volk. [Also haben die reformierten Kirchen noch ihre Mängel, daran man täglich etwas verbessern soll).

15. Und sie ließen es laut werden und ausrufen in allen ihren Städten und zu Jerusalem und sagen: Geht hinaus auf die Berge und holt Ölzweige, Balsamzweige, Myrtenzweige, Palmenzweige und Zweige von dichten Bäumen, dass man Laubhütten mache, wie es geschrieben steht.

Ausrufen: Auf dass, welche noch nicht vorhanden wären, sich auch gen Jerusalem verfügten.

Zu Jerusalem: Da sie bereits in großer Anzahl beieinander versammelt waren.

Berge: Die in der Nähe herum liegen.

Dichten Bäumen: Die von wegen ihrer dicken Zweige und vielen Blättern, einen großen Schatten machen können.

Steht: Dass, nämlich, die Juden jährlich etliche Tage in Hütte wohnen sollten zum Gedächtnis, dass sie Gott wunderlicherweise aus großer Güte und Gnaden in der Wüste vierzig Jahr lange erhalten hätte. [Es wurde aber auch zugleich damit zu verstehen gegeben, dass wir in dieser Welt keine bleibende statthaben, und alles dahin richten sollen, damit wir einmal eines in der ewigen Hütte wohnen mögen, die nicht mit Händen gemacht sind {Hebr 13}.

16. Und das Volk ging hinaus und holten und machten ihnen Laubhütten, ein jeglicher auf seinem Dach und in ihren Höfen und in den Höfen am Hause Gottes und auf der breiten Gasse am Wassertor und auf der breiten Gasse am Tor Ephraim.

Dach: Denn, wie oft gemeldet, so waren die Dächer im jüdischen Land eben, dass man darauf gehen konnte.

Höfen: Die sie vor ihren Häusern hatten.

Hause Gottes: Vielleicht für die Priester und Leviten.

Breiten Gassen: Welche gut dazu waren, von wegen des weiten Platzes, dass man Laubhütten da aufrichten konnte.

17. Und die ganze Gemeinde derer, die aus dem Gefängnis waren wiedergekommen, machten Laubhütten und wohnten darin. Denn die Kinder Israel hatten seit der Zeit Josuas, des Sohnes Nuns, bis auf diesen Tag nicht also getan; und war eine sehr große Freude.

Wohnten: Hielten also solche Feste nach Ausweisung des Gesetzes Mose mit großen Freuden.

Nicht also: [Denn obwohl unter den frommen Richtern und Königen das Laubhüttenfest auch gehalten wurden, so ist es doch nicht mit solchem Ansehen und Andacht aus willfährigem Herzen geschehen, wie hier.

Große Freude: [Denn die Übung der rechten Religion macht ein ruhiges Herz und friedliches Gewissen. Aber die falschen Gottesdienste benutzen viel verdrießliche Mühe, und martern die Gewissen übel).

18. Und wurde im Gesetzbuch Gottes gelesen alle Tage, vom ersten Tage an bis auf den letzten, und hielten das Fest sieben Tage, und am achten Tage die Versammlung, wie sich es gebührt.

Gelesen: In einer allgemeinen Versammlung des Volkes.

Sich es gebührt: Denn die vornehmsten Feste der Juden währten sieben Tage, am achten Tage aber, ehe das Volk von Jerusalem hinweg zog, wurde eine Versammlung gehalten, in der das Volk ernstlich ermahnt wurde, dass es bei der wahren Gottseligkeit beständig bleiben und beharren soll. Und halte ich es dafür, dass die sieben Tage des Festes, Esra das fünfte Buch Mose dem Volk zum anderen Mal vorgelesen, und wiederholt haben, da er es die vorigen Tage vor Anfang des Festes, zugleich mit der Erklärung durch die Priester und Leviten dem Volk vortragen lassen. [Denn man kann nicht zu viel oder oft mit dem Worte Gottes umgehen, weil es immerdar bei denen neue Früchte bringt, die es mit Ernst hören, und fleißig darauf merken).


Das 9. Kapitel


1. Die Israeliten halten ein gemeines Fasten, v. 1. 2. Darauf wird das Gesetz abgelesen, und rühmt das Volk (da ihnen die Leviten die Worte vorsagen) Gottes Barmherzigkeit und Güte: Bekennen auch ihre und ihrer Väter Missetat. Und bitten Gott, dass er sie in ihre völlige Freiheit wieder einsetzen wolle, richten also einen Bund mit Gott auf, und versprechen sich ihm gehorsam zu sein, v. 3.

1. Am vierundzwanzigsten Tage dieses Monden kamen die Kinder Israel zusammen mit Fasten und Säcken und Erde auf ihnen.

Dieses Monden: Nämlich, des siebten, der zum Teil mit unserem Herbstmonat, zum Teil mit dem Weinmonat übereintrifft.

Zusammen: Dass sie abermals eine Versammlung hielten. Denn da das Fest der Laubhütten seine Endschaft erreicht hatte, hat es dem Esra und Nehemia für gut angesehen, ehe das Volk wieder heimzöge, den Bund zwischen Gott und dem Volk wiederum zu erneuern, und das Volk zum Gehorsam des göttlichen Gesetzes zu verbinden. Damit nun solches mit desto mehr Frucht und Nutzen geschehen könnte, haben sie Anordnung getan, dass das Volk auch ein äußerliches Zeugnis einer wahren Buße von sich gebe, und seine Sünde öffentlich vor Gott bekannte.

Auf ihnen: Das ist: Sie fasteten denselben ganzen Tag alle mit einander, und aßen nichts von Morgens an, bis nachts, da die Sterne hervorkamen, und waren mit einer groben geringen Kleidung angetan, hatten auch ihre Häupter mit Erde oder Asche bestreut. Denn mit solchem Amtskleidern pflegten sich diejenigen sehen zu lassen, so da Leid trugen.

2. Und sonderten den Samen Israels von allen fremden Kindern und traten hin und bekannten ihre Sünden und ihrer Väter Missetat.

Fremden Kindern: Sie hatten die Kinder von sich getan, und fortgeschickt, welche aus heidnischen Weibern geboren waren, mit denen sie sich in eine ungebührliche Heirat eingelassen hatten.

Missetat: Sie bekannten öffentlich, (da ihnen irgend ein Levit die Worte vorgesprochen) dass beide sie, und ihre Väter Gott den Herrn mit ihren vielfältigen Sünden, als nämlich, mit falschen Gottesdiensten und anderen Lastern, schwer beleidigt und erzürnt hätten. Wie denn ihr ganzes Bekenntnis von Wort zu Wort später folgt.

3. Und standen auf an ihrer Stätte; und man las im Gesetzbuch des Herrn, ihres Gottes, viermal des Tages; und sie bekannten und beteten an den Herrn, ihren Gott, viermal des Tages.

Ihre Stätte: Nämlich, die Leviten traten auf eine hohe Stufe oder Trippel, da sie von jedermann konnten gesehen und gehört werden.

Bekannten: Dass sie Gott zwar das Lob der Gerechtigkeit, Wahrheit und Barmherzigkeit gaben, ihnen aber um ihrer Sünde willen, nichts als Schmach und Schande zumaßen, daneben aber um Verzeihung der Sünden, Regierung des Heiligen Geistes, und väterliche Beschützung demütig baten. Ich halte es aber dafür, dass man vorher das Gesetz gelesen, und die Bekenntnisse samt dem Gebet darauf erfolgt sei.

4. Und die Leviten standen auf in die Höhe, nämlich Jesua, Bani, Kadmiel, Sebanja, Buni, Serebja, Bani und Chenani, und schrien laut zu dem Herrn, ihrem Gott.

Höhe: An einen etwas erhöhten und erhabenen Ort, gleichsam als auf einem Predigtstuhl oder Kanzel, zu lesen, beten, und zu bekennen, für sich und für das Volk.

Schreien laut: Da sie für sich und des Volkes Sünden baten.

5. Und die Leviten, Jesua, Kadmiel, Bani, Hasabenja, Serebja, Hodia, Sebanja, Pethahja, sprachen: Steht auf, lobt den Herrn, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit; und man lobe den Namen deiner Herrlichkeit, der erhöht ist, mit allem Segen und Lobe.

Die Leviten: Unter denen etliche zwei Namen werden hatten, weil sie hier etwas anderes wiederholt werde, als sie allererst zuvor erzählt wurden.

Lobt: Rühmt seine Gerechtigkeit und Güte. Sie fangen ihr Gebet an mit einer Ermahnung, dass man Gott loben soll, welcher Eingang in den Psalmen ganz gebräuchlich ist.

Zu Ewigkeit: Das ist: Gleichwie von Anfang der Welt her, Gott immer in seiner Kirche gepriesen wurde. Also soll auch solches sein Lob bei allen Nachkommen immer bleiben.

Namen: Welcher herrliche Name nie genügend kann gerühmt und gepriesen werden.

6. Herr, du bist es allein; du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit all ihrem Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darin ist; du machst alles lebendig, und das himmlische Heer betet dich an.

Allein: Und ist kein anderer Gott außer dir. Denn aller Heiden Götter sind nichts, als nur bloße Namen.

Heer: Nicht allein die Sterne und Lichter am Firmament, sondern auch die himmlischen Geister und Engel.

Darin ist: Es befindet sich aber beide auf der Erde und im Meer schier eine unzählige Menge der Kreaturen.

Dich an: Nämlich, die unzählige Menge der heiligen Engel ehrt dich aufs höchste {Dan 7}. [Es erscheint aber aus der mancherlei Art, großer Nutzen, und herrlichem Ansehen der Kreaturen, die unaussprechliche Güte, Weisheit, ewige Gottheit, und Allmacht Gottes. Denn das Werke lobt den Meister).

7. Du bist der Herr Gott, der du Abram erwählt hast und ihn von Ur in Chaldäa ausgeführt und Abraham genannt {1Mos 11v31 1Mos 17v5}

Erwählt: Aus lauter Gnaden ohne sein Verdienst, auf dass du dich ihm offenbartest, und mit deiner selig machenden Erkenntnis erleuchtest.

Genannt: Dass du ihm seinen Namen um etwas verändert, und da er zuvor ein hoher oder herrlicher Vater geheißen, du ihn zu einem Vater einer großen Menge gemacht hast.

8. und sein Herz treu vor dir gefunden und einen Bund mit ihm gemacht, seinem Samen zu geben das Land der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Jebusiter und Girgositer; und hast dein Wort gehalten, denn du bist gerecht.

Gefunden: Nach dem er, nämlich, von der Abgötterei zu dir bekehrt wurde {Jos 24}. Da hat er dir mit reinem Herzen gedient, und dich nicht heuchlerischerweise, sondern mit Ernst geliebt.

Gemacht: Nach deiner großen Güte, dass du sein und seiner Nachkommen gütiger und gnädiger Gott sein wolltest, um des Messias willen {1Mos 17 22}.

Und Girgositer: Denn diese Völker haben vorzeiten das Land Kanaan bewohnt.

Gerecht: Du bist Treu und wahrhaftig in deinen Verheißungen. Denn es haben beide Isaac und Jakob, wie auch seine Kinder etliche Jahre im selben Lande gewohnt, ehe sie nach Ägypten gezogen. [Wir sollen auch uns mit wahrem Glauben an die Verheißungen Gottes halten, denn sie werden nie fehlen).

9. Und du hast angesehen das Elend unserer Väter in Ägypten und ihr Schreien erhört am Schilfmeer {2Mos 3v7}

Angesehen: Denn nach dem des Abrahams Nachkommen, unsere Voreltern, in Ägypten gezogen waren, und da nach etlichen Jahren ganz hart gehalten wurden, hast du dich über sie erbarmt.

Schilfmeer: Da sie, nämlich, aus Ägypten gegangen waren, und am Schilfmeer ihr Lager aufgeschlagen hatten, da zu beiden Seiten hohe Berge waren, vor ihnen das Meer hatten, und der Feind hinter ihnen herkam, dass ihnen nichts als der bittere Tod vor dem Auge stand. Den damals hat Gott auf die Seinen am allermeisten acht, sieht sie mit Gnaden an, und erhört sie, wenn sie in der größten Not und Gefahr verwickelt stecken).

10. und Zeichen und Wunder getan an Pharao und an allen seinen Knechten und an allem Volk seines Landes; denn du erkanntest, dass sie stolz wider sie waren; und hast dir einen Namen gemacht, wie es heute geht.

Landes: Also, dass du auch vor dem Auszug der Kinder Israel dich erzeigt hast, wie du auf dies Volk ein besonderes Auge hast, in dem du den König in Ägypten samt seinen Hofdienern und ganzem Volk mit schrecklichen Wundern und Zeichen geplagt hast.

Erkanntest: Du sahst, wie sie mit deinem Volk so unrecht umgingen, darum du solche Unbilligkeit zu rächen dir vornahmst.

Namen: Du hast durch deine großen und schrecklichen Wunderzeichen zuwege gebracht, dass dein Volk hin und wieder bekannt wurde, und noch heutigen Tages man überall von ihnen zu sagen weiß.

11. Und hast das Meer vor ihnen zerrissen, dass sie mitten im Meer trocken hindurchgingen, und ihre Verfolger in die Tiefe verworfen, wie Steine in mächtigen Wassern {2Mos 14v21},

Gingen: Dass die Wasser auf beiden Seiten standen, wie Mauern, und das israelitische Volk in der Mitte auf den Grund trockenen Fußes hindurchging.

Wassern: Denn nach dem die Israeliten waren hindurch gekommen, fielen die Wasser wieder zusammen über die Ägypter her und ersäuften sie alle mit einander. [Denn Gott straft die Verfolger seiner Kirche).

12. und sie geführt des Tages in einer Wolkensäule und des Nachts in einer Feuersäule, ihnen zu leuchten auf dem Wege, den sie zogen {2Mos 13v21},

Zu leuchten: Denn Gott bezeugte mit derselben Wolkensäulen, die des Nachts feurig schien und leuchtete, dass er bei diesem Volk gegenwärtig wäre, und wenn man ziehen sollte, so ging die Wolkensäule vor dem Volk her, und zeigte ihnen gleichsam den Weg, welches zwar eine große Wohltat Gottes gewesen. [Unsere Wolkensäule, die uns den Weg zeigt zum ewigen Vaterland, ist das Predigtamt des Evangeliums, bei dem Gott wahrhaftig gegenwärtig und kräftig ist).

13. Und bist herabgestiegen auf den Berg Sinai und hast mit ihnen vom Himmel geredet und gegeben ein wahrhaftig Recht und ein recht Gesetz und gute Gebote und Sitten {2Mos 19v18 2Mos 20v1};

Und: Jetzt wird noch eine andere große Guttat Gottes erzählt, die er seinem Volk erzeigt hat, nämlich, dass er ihnen das Gesetz gegeben.

Gestiegen: Das ist: Du hast deine Gegenwart mit großer Majestät und Herrlichkeit auf dem Berge Sinai erklärt. Denn Gott steigt mit seinem Wesen sonst weder auf noch ab, als der Himmel und Erde immer erfüllt, und immer überall gegenwärtig ist {Jer 23 Apg 17}. Aber solche seine Gegenwart offenbart er nicht überall.

Geredet: Denn da sie den Engel gehört, der in deinem Namen ihnen das Gesetz mit schrecklicher Stimme verkündigte, ist es eben so viel gewesen, als wenn sie dich selber vom Himmel hätten hören reden.

Recht Gesetz: Das da gewiss, beständig, gerecht, und wahrhaftig ist.

Gebote: Allerlei nützliche und zierliche Kirchengebräuche, und Zeremonien, die du ihnen vorgeschrieben hast, wie sie dich recht ehren sollten.

Sitten: Nach welchen, da jemand sein Leben anrichten würde, der würde ein gottseliges und ehrbares Leben führen, zur Ehre Gottes, und seinem und seines Nächsten Nutzen. [Und ist kein Zweifel, wenn jemand das Gesetz vollkommen hielte, der würde das ewige Leben dadurch erlangen. Jetzt aber, ob es gleich niemand vollkommen erfüllt, so ist es dennoch dazu gut, dass es die Sünde offenbare, und lehre, wie wir Gott dienen, und rechte gute Werke tun sollen, dass sie ihm, wenn sie aus rechtschaffenem Glauben herkommen, um Christi willen gefallen mögen).

14. und deinen heiligen Sabbat ihnen kundgetan; und Gebote, Sitten und Gesetze ihnen geboten durch deinen Knecht Mose;

Kund getan: Du hast ihnen angezeigt und zu verstehen geben, wie es dir gefalle, dass der siebte Tag zur Ruhe bestimmt werde, also, dass man am selben Tage mit heiligen Sachen umgehe, dein Wort höre, und die Opfer verrichte, welche auf den Messias deuten, damit durch solche Religionsübungen, die Leute zu deiner rechten Erkenntnis kommen, und dadurch das ewige Leben erlangen. Denn der Sabbath begreift an diesem Ort den ganzen Gottesdienst und das Predigtamt des göttlichen Wortes in sich. Und sind in den Schriften Mose auch etliche Weissagungen von Christo mit untergestreut, als {5Mos 18}. Einen Propheten wie mich, wird dir der Herr dein Gott erwecken aus deinen Brüdern. [Es kann aber dem menschlichen Geschlecht hier auf der Erde keine größere Guttat widerfahren, als dass reine Predigtamt des göttlichen Wortes).

15. und ihnen Brot vom Himmel gegeben, da sie hungerte, und Wasser aus dem Felsen lassen gehen, da sie dürstete; und ihnen geredet, sie sollten hineingehen und das Land einnehmen, darüber du deine Hand hobst, ihnen zu geben {2Mos 16v4 17v6}.

Gegeben: Das ist abermals eine besondere und große Guttat Gottes gewesen, die er diesem Volk erwiesen, dass, nämlich, da sie ihren Proviant, so sie aus Ägypten mit sich genommen, verzehrt hatten, er sie mit Brot vom Himmel, nicht nur einen oder zwei Tage, sondern ganze vierzig Jahr an einander gespeist hat. [Solches Brot aber deutete auf Christus {Joh 6}.

Felsen: [Dieser Fels bedeutete Christus {1Kor 10}, aus dem wir unseren Trank haben, nicht zwar des Wassers, sondern seines Blutes, damit alle Gläubigen getränkt und erquickt werden zum ewigen Leben).

Hand hobst: Das ist: Darüber du geschworen, und einen Eid getan hattest. Denn welche schwören, die pflegten die Hand in die Höhe aufzuheben.

Zu geben: Nämlich, ein ganz lustiges und fruchtbares Land, das Land Kanaan. [Obwohl nun Gott heutigen Tages nicht alle Frommen an fruchtbare und lustige Örter setzt, oder Brot vom Himmel, noch Wasser aus den Felsen gibt: So hat er dennoch ihnen allen ihre Nahrung und Kleider verheißen {Mt 6}. Welches er so steif halten wird, als wenn er für unseren Augen seine Hände aufgehoben, und einen hohen Eid geschworen hätte).

16. Aber unsere Väter wurden stolz und halsstarrig, dass sie deinen Geboten nicht gehorchten,

Aber: Jetzt bekennen die Israeliten ihre und ihrer Väter Undankbarkeit für solche große Guttaten.

Väter: Unsere Voreltern, die vor unserer Zeit gelebt haben.

Nicht gehorchten: Sie haben sich sehr widerspenstig und mutwillig erzeigt gegen dir, und deinen Geboten zuwidergehandelt.

17. und weigerten sich zu hören, und gedachten auch nicht an deine Wunder, die du an ihnen tatest, sondern sie wurden halsstarrig und warfen ein Haupt auf, dass sie sich wendeten zu ihrer Dienstbarkeit in ihrer Ungeduld. Aber du, mein Gott, vergabst und warst gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Barmherzigkeit und verließest sie nicht.

Tatest: Da du sie wunderlicherweise aus der Tyrannei der Feinde errettest, auf dass sie mit gebührendem Gehorsam dir wiederum ihre Dankbarkeit erklären sollten.

Ungeduld: Das ist: Sie forderten aus Ungeduld, dass Mose seines Amtes entsetzt, und ein Hauptmann aufgeworfen würde, der sie wieder nach Ägypten führte, da sie doch zuvor mit harter Dienstbarkeit beschwert wurden {4Mos 14}. Man hat aber in diesem Gebet zu merken, dass die Ordnung der biblischen Historien, wie sie nach einander gehen, nicht genau in acht genommen werden, wie es auch nicht vonnöten gewesen. [Es ist aber der Menschen Bosheit so groß, wenn sie sich selbst überlassen werden, dass sie durch die göttliche Guttaten nicht gebessert, sondern ärger werden, und aus höchster Undankbarkeit gutes mit bösem unserem Herrn Gott vergelten).

Geduldig: Der du der Leute Undankbarkeit pflegst lange zu dulden, auf dass du durch deine Langmütigkeit sie zur Busse lockst {Röm 2}.

Großer Barmherzigkeit: Also dass, wenn du gleich oft schwer erzürnt bist, dennoch dich wiederum versöhnen lässt, so oft die Sünder ernstlich Busse tun.

Sie nicht: Wie sie wohl verdient hätten mit ihren Sünden, dass sie beide an Leib und Seele in der Wüste umgekommen wären. [Es soll uns aber die Güte und Langmütigkeit Gottes zur Busse reizen, und unseren schwachen Glauben stärken).

18. Und ob sie wohl ein gegossenes Kalb machten und sprachen: Das ist dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, und taten große Lästerungen {2Mos 32v4},

Lästerungen: Dass sie eine schreckliche Abgötterei begingen. [Hier hat man zu merken, dass Gott durch die Abgötterei gräulich gelästert werde, obwohl die Abgöttische meinen, sie leisten alsdann Gott einen angenehmen Dienst).

19. noch verließest du sie nicht in der Wüste nach deiner großen Barmherzigkeit, und die Wolkensäule wich nicht von ihnen des Tages, sie zu führen auf dem Wege, noch die Feuersäule des Nachts, ihnen zu leuchten auf dem Wege, den sie zogen.

Wüste: Da sie wären wert gewesen, dass um ihrer Bosheit willen, du ihnen deine Hilfe und Beistand entzogen hättest.

Wege: Den sie ziehen sollten.

Leuchten: Also, dass sie auch bei der Nacht, wenn sie wollten, reisen konnten.

20. Und du gabst ihnen deinen guten Geist, sie zu unterweisen; und dein Man wandtest du nicht von ihrem Munde; und gabst ihnen Wasser, da sie dürstete.

Unterweisen: Auf dass, wenn sie in Sünde fielen, sich wiederum zu dir bekehrten, und Verzeihung erlangten. [Es übertrifft aber die Schenkung des Heiligen Geistes alle zeitlichen Guttaten. Denn er uns regiert, leitet und führt, dass wir in Sünden nicht verderben. Ohne seine Gnade aber vermag der Mensch nichts Gutes verrichten).

Man: Das Himmelsbrot, welches du den undankbaren Leuten täglich widerfahren lassen, dass sie damit gespeist würden.

Wasser: Welches du zu etlichen mal aus einem Felsen hervorgebracht. [Und zwar, so viel ihrer aus solchen Guttaten ihren Glauben, von ihres himmlischen Vaters gnädigem Willen gegen sie gestärkt haben, die haben Christus, das rechte Himmelsbrot geistlich gegessen, und ihn geistlich getrunken, das ist, sie sind seiner himmlischen Guttaten, und seines Geistes jemehr und mehr teilhaftig wurden).

21. Vierzig Jahre versorgtest du sie in der Wüste, dass ihnen nichts mangelte. Ihre Kleider veralteten nicht, und ihre Füße zerschwollen nicht.

Veralteten nicht: Ob sie dieselben wohl ganze vierzig Jahr lange täglich gebraucht, und an ihren Leibern getragen, sind sie doch nicht abgenutzt worden noch zerrissen, welches nicht ein schlechtes Wunderwerk gewesen.

Zerschwollen: Wie sie auch sonst nicht verletzt wurden, ob gleich der größte teil des Volkes mit bloßen Füssen durch unwegsame Örter und grausamen Wüste gezogen, welches nicht eine geringer Guttat gewesen, als wenn sie alle Monat wären beschuht worden. [Und ist solches den Israeliten darum begegnet, auf dass wir wissen, unser himmlischer Vater werde auch uns, seine Kinder, mit Nahrung und Kleidern versehen, ob sich es gleich alles widersinnig ansehen lässt).

22. Und gabst ihnen Königreiche und Völker und teiltest sie hier und daher, dass sie einnahmen das Land Sihons, des Königs zu Hesbon und das Land Ogs, des Königs in Basan.

Königreiche: Die sie einnahmen.

Völker: Die sie vertrieben, oder doch unter sich brachten.

Und daher: Dass du ihnen die Landschaften durch das Los austeiltest, damit die Israelitische Stämme wüssten, welches Ort ein jeder besitzen sollte.

Einnahmen: Nämlich, zuerst, ehe sie über den Jordan gingen. [Es gibt uns aber unser gütiger himmlischer Vater weltliche Königreiche, Herrschaften, und Güter zu besitzen, auf dass wir zu dem ewigen Erbe, welches uns durch Christus verheißen ist, gute Hoffnung haben sollen).

23. Und vermehrtest ihre Kinder wie die Sterne am Himmel und brachtest sie ins Land, das du ihren Vätern geredet hattest, dass sie einziehen und es einnehmen sollten.

Sterne: Welche unzählig sind. [Ist deswegen eine große Menge Volkes ein Segen Gottes).

Land: Nämlich, ins Land Kanaan, welches sehr lustig und fruchtbar war.

Einnehmen sollten: Und hat es zwar an dir nicht gemangelt, dass sie nicht hinein gekommen sind, wie sie gar wohl hätten tun können, wenn sie nur selbst gewollt, aber sie sträubten sich dagegen, und sprachen: Sie könnten es nicht einnehmen, wollten darum wieder nach Ägypten umkehren {4Mos 14}. Darum alle die, so von zwanzig Jahren und darüber aus Ägypten gezogen waren, von wegen ihres Unglaubens in der Wüste gestorben sind, allein Josua und Kaleb ausgenommen.

24. Und die Kinder zogen hinein und nahmen das Land ein. Und du demütigtest vor ihnen die Einwohner des Landes, die Kanaaniter, und gabst sie in ihre Hände, und ihre Könige und Völker im Lande, dass sie mit ihnen täten nach ihrem Willen.

Kinder: Welche an ihrer ungläubigen Väter statt, so in der Wüste gestorben, aufgekommen waren.

Demütigtest: Dass sie den Israeliten nicht widerstehen können.

Völker: Die Obrigkeiten samt den Untertanen.

Ihrem Willen: Sie gingen mit ihnen um, wie es ihnen gefiel. [Denn Gott nimmt und gibt die Königreiche der Erde, wem er will {Dan 4}.

25. Und sie gewannen feste Städte und ein fettes Land und nahmen Häuser ein, voll allerlei Güter, ausgehauene Brunnen, Weinberge, Ölgärten und Bäume, davon man isst, die Menge; und aßen und wurden satt und fett und lebten in Wollust durch deine große Güte.

Fettes Land: Welches sehr fruchtbar war.

Güter: Mit reichen Schätzen erfüllt.

Brunn: Daran die Israeliten nichts arbeiten durften.

Bäume: Die anderen Leute gepflanzt und zugerichtet hatten. [Es ist aber auch eine besondere Guttat Gottes, wenn man solcher Güter geniest, die einem keine Mühe noch Arbeit gekostet.

Assen: Von den Einkommen ihrer Äcker und Güter.

Und fett: Mit diesen Worten deutet Nehemia auf des Mose Lied {5Mos 32}.

Güte: Das ist: Sie hatten gutes Leben, welches du ihnen reichlich aus lauter Güte beschertest, weil du sie mit Gütern überschüttest, dass sie aller Dinge ein Überfluss hatten.

26. Aber sie worden ungehorsam und widerstrebten dir und warfen dein Gesetz hinter sich zurück; und erwürgten deine Propheten, die sie bezeugten, dass sie sollten sich zu dir bekehren; und taten große Lästerungen.

Aber: Folgt jetzt abermals, wie undankbar sich die Israeliten gegen solche große Guttaten verhalten. [Denn gleichwie ein Pferd, das wohl gefüttert ist, hinten ausschlägt, und den, der darauf sitzt, begehrt herab zu werfen: Also, wenn unser verdorbenes Fleisch, von Gott viel Guttaten empfangen hat, so wird es mutwillig und widerspenstig, und will sich nicht mehr von ihm regieren lassen. Daher man abnehmen kann, wie so ganz unsere Natur verderbt sei).

Zurück: Sie verachten deine Gebote hochmütig, als ob sie dir keinen Gehorsam schuldig wären, wie ein ungehorsamer Untertan seines Fürsten Befehl von sich wirft.

Bezeugten: Die sie ernstlich zur Buße vermahnten, dass sie sollten um Verzeihung bitten, und ihr Leben bessern. [Hier sieht man, was die fromme Kirchendiener für Glück haben bei einem unbändigen Volk, das des göttlichen Wortes überdrüssig geworden ist).

Lästerung: In dem sie wider der Propheten Warnungen und heilsame Erinnerungen immerdar neue und falsche Gottesdienste angerichtet, damit Gott nicht geehrt, sondern gelästert wird. [Denn die Götzendiener und Heuchler sind viel beschwerlicher zu bekehren, als die, so in öffentlichen Lastern liegen, und nur wieder die andere Tafel des Gesetzes sündigen {Mt 22}.

27. Darum gabst du sie in die Hand ihrer Feinde, die sie ängstigten. Und zur Zeit ihrer Angst schrien sie zu dir; und du erhörtest sie vom Himmel, und durch deine große Barmherzigkeit gabst du ihnen Heilande, die ihnen halfen aus ihrer Feinde Hand.

Darum: Jetzt werden auch die Strafen erzählt, damit Gott solche große Undankbarkeit seines Volkes heimgesucht hat. [Denn wir werden von Gott gezüchtigt, auf dass wir nicht samt der Welt verdammt werden {1Kor 11}.

Schreien: Dass sie bekannten, wie sie sich schwer an dir versündigt hätten, und baten um Verzeihung und Hilfe. [Denn das Kreuz bringt die Auserwählten wieder auf den Weg, gleichwie des Vaters Rute die Kinder zieht).

Vom Himmel: Also dass, ob du wohl mit deiner unendlichen Majestät über alle Himmel bist, dennoch nach deiner großen Güte das Elend deines Volkes angesehen hast.

Barmherzigkeit: Welche den recht bußfertigen Sündern alle Morgen neu ist, wie in den Klageliedern Jeremia 3 steht.

Heiland: Vortreffliche und tapfere Helden, als die Richter meistenteils gewesen sind, welche von Gott dazu erweckt wurden, dass sie die Israeliten erlösen sollten, wie das Buch der Richter bezeugt. [Denn wenn Gott sein Volk erlösen will, so sieht er nicht an, was wir verdient haben, sondern was seine unermessliche Barmherzigkeit fordert).

28. Wenn sie aber zur Ruhe kamen, verkehrten sie sich, übel zu tun vor dir. So verließest du sie in ihrer Feinde Hand, dass sie über sie herrschten. So bekehrten sie sich dann und schrien zu dir; und du erhörtest sie vom Himmel und errettetest sie nach deiner großen Barmherzigkeit oft

Ruhe kamen: Dass sie sich von ihrem vorigen Unfall ein wenig wiederum erholten.

Verkehrten: Zu ihrer gewöhnlichen Abgötterei.

Vor dir: [Denn obwohl die falsche Religion vor den Leuten einen großen Schein der Heiligkeit und Frömmigkeit hat, so ist sie doch vor dem Angesicht Gottes ein großes Gräuel, und abscheuliches Übel).

Verließest du: Weil du abermals von ihnen zu rechtem Zorn gereizt wurdest.

Herrschten: Denn weil du ihnen deine Hilfe entzogst, konnten sie denselben nicht widerstehen.

Bekehrten: Dass sie erkannten und bekannten, wie sie um ihrer Sünden willen rechte Strafe litten.

Schreien: Um Verzeihung und Errettung.

Oft: Dass du es viel Jahr lange also mit ihnen getrieben, wie aus dem Buch der Richter zu sehen ist. [So oft darum ein Sünder ernstlich Busse tut, wird er von Gott zu Gnaden aufgenommen, und wird sein Unglück entweder ganz hinweggenommen, oder doch gemildert).

29. und ließest sie bezeugen, dass sie sich bekehren sollten zu deinem Gesetz. Aber sie waren stolz und gehorchten deinen Geboten nicht; und sündigen an deinen Rechten (welche so ein Mensch tut, lebt er darin) und wandten ihre Schulter weg und wurden halsstarrig und gehorchten nicht {3Mos 18v5 Hes 20v11 Röm 10v5 Gal 3v12}.

Bezeugen: Nämlich, durch die Propheten, welche sie ernstlich ermahnten, dass sie ihre Religion nach deinem vorgeschriebenen Worte anrichten, und ihren Wandel nach deinen Geboten anstellen sollten. Denn es hat ihre Besserung nicht lange gewährt, sondern sind auch unter der Könige Regierungen Abgötterei und andere schwere Sünden geraten, wie man solches in den Büchern der Könige und Chronik nach längst beschrieben findet.

Stolz: Dass sie deine väterlichen Erinnerungen aus großem Übermut verachteten.

Lebt er: Das ist: Wenn jemand deine Gebote vollkommen hält, der erlangt die zeitliche und ewige Wohlfahrt. [Weil aber niemand dem Gesetze Gottes vollkommen genug tun kann, so muss man mit Glauben zu dem Mittler Christo fliehen. Den Frommen aber, die aus Glauben gute Werke tun, werden die Verheißungen, so denen geschehen, die das Gesetz halten, nichtsdestoweniger, aus Gnaden erfüllt, so viel zwar zur Beförderung ihrer ewigen Seligkeit ihnen nützlich ist).

Weg: Sie entzogen sich aus dem Gehorsam, den sie deinem Gesetz auf deinen Befehl schuldig waren.

Halsstarrig: Sie wollten nicht davon hören, dass sie nach deinen Geboten leben sollten. [Gleiche Undankbarkeit wird auch an etlichen Orten in Deutschland gespürt, da man der gesunden und reinen Lehre ist überdrüssig geworden, und eine neue irrige annimmt, so lassen sich auch die Leute durch keine treuen Warnungen und Ermahnungen abwehren, darum die Strafe gewisslich nicht außen bleiben wird).

30. Und du hieltest viele Jahre über ihnen und ließest sie bezeugen durch deinen Geist in deinen Propheten; aber sie nahmen es nicht zu Ohren. Darum hast du sie gegeben in die Hand der Völker in Ländern.

Hieltest: Das ist: Du schobst die wohlverdienten Strafen viele Jahre lang auf, und unterhieltest und schütztest sie, ob sie noch wollten Busse tun, ließest sie auch durch deine Propheten treulich und ernstlich ermahnen, und versuchten dieselben aus Erleuchtung und Antrieb des Heiligen Geistes alle Mittel und Wege, dadurch sie meinten die Irrenden wieder auf den rechten Weg zu bringen, aber sie wollten sich nicht daran kehren.

In Ländern: Dass sie nicht nur von den benachbarten Heiden geplagt, sondern auch aus fernen Landen von den Chaldäern, und anderen, als mit einer Sündflut überfallen, und in eine erbärmliche Gefangenschaft weggeführt wurden. [Denn gleichwie ein Kranker, der keine Ordnung noch Maß halten will, in Essen und Trinken vom Arzt, desto härter angegriffen wird. Also wo die väterlichen Erinnerungen Gottes nicht statthaben, da übt Gott endlich die rechte Strafe an die Verächter seiner Gebote. Darum sollen wir seine Langmütigkeit nicht missbrauchen).

31. Aber nach deiner großen Barmherzigkeit hast du es nicht gar aus mit ihnen gemacht noch sie verlassen; denn du bist ein gnädiger und barmherziger Gott.

Nicht gar: Dass du dein Volk nicht vertilgt hast, sondern hast sie durch deinen Heiligen Geist in den Propheten trösten lassen, als da gewesen sind, Hesekiel, Daniel, und andere gottesfürchtige Männer, die im Worte Gottes gelehrt und geübt gewesen, dadurch ihr Elend in dem Gefängnis gelindert wurde.

Gnädiger: Der du dich über dein Volk gern und willig erbarmst. [Und sollen wir diese Zunamen Gottes uns wohl einbilden, damit wir in Trübsalen nicht verzagen, besonders, wenn uns unser Gewissen anklagt).

32. Nun, unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du hältst Bund und Barmherzigkeit, achte nicht gering alle die Mühe, die uns getroffen hat und unsere Könige, Fürsten, Priester, Propheten, Väter und dein ganzes Volk von der Zeit an der Könige zu Assur bis auf diesen Tag.

Schrecklich: So wohl deinen Feinden, als auch deinem Volk selbst, wenn es sündigt, dass sie sich vor dir fürchten und erschrecken müssen.

Bund: Den du mit deinem Volk gemacht hast.

Barmherzigkeit: Die du übst gegen denen, so dich fürchten und Busse tun.

Troffen hat: Alle den großen Jammer, der uns überfallen hat.

Zu Assur: Nämlich, von dem an, da Salmanassar der König in Assyrien die Israeliten aus ihrem Lande in Assyrien gefangen weggeführt hat {2Sam 17}.

Diesen Tag: Denn es ist den Juden auch nach dem Gefängnis zu Babel viel widerwärtiges zu Händen gegangen. Solches alles wollest du, O Gott, Bedenken und beherzigen, und des Unglücks ein mal ein Ende machen. Nicht zwar, dass wir dich einiger Ungerechtigkeit beschuldigen, als ob du zu groß gefahren wärest, sondern dass wir die wohlverdienten Strafen abbitten.

33. Du bist gerecht an allem, das du über uns gebracht hast; denn du hast recht getan; wir aber sind gottlos gewesen.

Gebracht hast: Wir bekennen, dass du richtig solche Unglücke über uns hast kommen lassen.

Recht getan: Du hast zu deinem Teil den Bund steif gehalten, und hast es treulich und gut mit uns gemeint, aber wir haben auf unserer Seite dir nicht Glauben gehalten, sondern sind gottlos und undankbar gewesen. [Wenn wir aber Gott dem Herrn das Lob der Gerechtigkeit zuschreiben, und unsere Bosheit mit Ernst beschuldigen, so wird er am allerehesten zur Barmherzigkeit bewegt).

34. Und unsere Könige, Fürsten, Priester und Väter haben nicht nach deinem Gesetz getan und nicht Acht hatte auf deine Gebote und Zeugnisse, die du ihnen hast lassen zeugen.

Zeugen: Dass du sie ihnen hast mit großem Ernst vorgelegt, solche zu halten.

35. Und sie haben dir nicht gedient in ihrem Königreich und in deinen großen Gütern, die du ihnen gabst, und in dem weiten und fetten Lande, das du ihnen dargelegt hast, und haben sich nicht bekehrt von ihrem bösen Wesen.

Sie: Unser Könige, Fürsten, Priester, und andere Israeliten sind dir nicht dankbar gewesen, für deine vielfältigen großen Guttaten, sondern haben sich mit Abgötterei und Sünden verunreinigt.

Fetten Lande: Welches sehr lustig und fruchtbar ist, das du ihnen umsonst und aus lauter Gnaden zu bewohnen übergeben hast.

Nicht bekehrt: Ob sie wohl von deinen Propheten treulich ermahnt und gewarnt wurden. Darum ist es kein Wunder, dass sie sich und ihre Nachkommen in so großen Jammer gestürzt haben. [Dieses Bekenntnis bezeugt, dass die Kirche irren könne. Aber etliche Katholiken wollen viel lieber mit ihren Voreltern (wie sie sagen) ewig verdammt, als mit den Lutheranern selig werden, oder bekennen, dass ihre Voreltern in etlichen Stücken geirrt haben).

36. Siehe, wir sind heutigen Tages Knechte; und im Lande, das du unseren Vätern gegeben hast, zu essen seine Früchte und Güter, siehe, da sind wir Knechte innen.

Wir: Der vorgesetzten Nachkommen.

Knechte: Nämlich, der König in Persien, denen wir müssen unterworfen sein, um unser und unser Voreltern Sünde willen.

Zu essen: Dass sie samt ihren Nachkommen der Güter und Einkommen des Landes genießen sollten.

Knechte innen: Und keine Herren, gleichwie unsere Voreltern vorzeiten gewesen sind, da sie es in völliger Besitzung innehatten, aber jetzt ist es viel anders damit beschaffen. Denn ob wir wohl wieder sind darin gekommen, so ist es doch noch nicht allerdings in unsere Gewalt.

37. Und sein Einkommen mehrte sich den Königen, die du über uns gesetzt hast, um unserer Sünden willen; und sie herrschen über unsere Leiber und Vieh nach ihrem Willen, und wir sind in großer Not.

Gesetzt hast: Nämlich, die Könige in Persien, die nun viele Jahre her über uns herrschen, die ziehen den besten Nutzen davon, und nehmen den größten Teil des Einkommens aus unserem Lande hinweg.

Ihrem Willen: Darum sind wir noch nicht ganz frei, sondern zum Teil noch Knechte.

Großer Not: [Denn die Dienstbarkeit sei wie immer sie wolle, so ist doch große Ungelegenheit dabei). Darum bitten wir dich demütig, du wollest unser Elend betrachten, dich unser erbarmen, das Unglück gnädig lindern, und es dermal eins ganz hinweg nehmen. So versprechen wir dir wiederum, dass wir mit allem Fleiß dahin uns bemühen wollen, damit wir deine Gebote halten, und dich nicht weiter mit unseren Sünden zum rechtem Zorn wieder uns reizen, wie unsere Voreltern getan haben. [Denn wir uns durch ihren Schaden klug werden).

38. Und in diesem allem machen wir einen festen Bund und schreiben und lassen es unsere Fürsten, Leviten und Priester versiegeln.

Festen Bund: Wir verpflichten uns gegen dir von neuem, dass wir deinen Geboten wollen gehorsam leisten. [Obwohl wir nun alle in der Taufe Gottes gehorsam zu sein versprochen haben, welches wir gelobt haben, wir niemals vergessen sollen, so sollen wir uns dennoch auch bisweilen gleichsam von neuem aufmuntern, dass wir in den Geboten Gottes wandeln mögen. Aber die Klostergelübde, damit man sich an die Menschensatzungen, dieselbe zu halten, verbindet, sind so weit von solchem heiligen Vorhaben, als weit die göttlichen Gebote und Menschen-Tand von einander sind).


Das 10. Kapitel


1. Die Versiegler des Bundes werden namhaft gemacht, v. 1. 2. Und werden die Hauptpunkten des Bundes erzählt, den sie mit Gott eingegangen waren, v. 29.

1. Die Versiegeler aber waren: Nehemia-Hathirsatha, der Sohn Hachaljas, und Zidekia,

Versiegler: Die den ober genannten Brief versiegelten.

waren: Nämlich, aus der Priester Geschlechter.

Hathirsatha: Also wurde Nehemia, der Schreiber dieses Buches, am Persischen Hof genannt.

2. Seraja, Asarja, Jeremia,

3. Pashur, Amarja, Malchia,

4. Hattus, Sebanja, Malluch,

5. Harim, Meremoth, Obadja,

6. Daniel, Ginthon, Baruch,

7. Mesullam, Abia, Mejamin,

8. Maasja, Bilgai und Semaja; das waren die Priester.

9. Die Leviten aber waren: Jesua, der Sohn Asanjas, Binui unter den Kindern Henadads, Kadmiel

Leviten: So auch den Brief versiegelten.

10. und ihre Brüder: Sechanja, Hodia, Klita, Plaja, Hanan,

11. Micha, Rehob, Hasabja,

12. Sachur, Serebja, Sebanja,

13. Hodia, Bani und Beninu.

14. Die Häupter im Volk waren: Pareos, Pahath-Moab, Elam, Sathu, Bani,

Häupter: Nämlich, die Obersten und Ansehnlichsten versiegelten ebenmäßig den Brief alle mit einander. [Darum es ein ganz alter und löblicher Brauch ist, dass man die Bündnisse mit Briefen und Siegeln bestätigt, und welche später solches Bündnis wissentlich und mit Willen übergehen, die handeln böslich und wider ihre zugesagte Pflicht und Treue, es wäre denn Sache, dass die Bündnisse gottlos, und wider Gott wären).

15. Buni, Asgad, Bebai,

16. Adonia, Bigvai, Adin,

17. Ater, Hiskia, Asur,

18. Hodia, Hasum, Bezai,

19. Hariph, Anathoth, Neubai,

20. Magpias, Mesullam, Hesir,

21. Mesesabeel, Zadok, Jaddua,

22. Platja, Hanan, Anaja,

23. Hosea, Hananja, Hasub,

24. Halohes, Pilha, Sobek,

25. Rehum, Hasabna, Maeseja,

26. Ahia, Hanan, Anan,

27. Malluch, Harim und Baena.

28. Und das andere Volk, Priester, Leviten, Torhüter, Sänger, Nethinim und alle, die sich von den Völkern in Landen gesondert hatten zum Gesetz Gottes, samt ihren Weibern, Söhnen und Töchtern, alle, die es verstehen konnten,

Anderer Volk: So den Brief nicht versiegelte.

Nethinim: Welche von den Gibeonitern herkamen, und des Diensts warteten, wo man ihrer beim Tempel oder sonst bei der Regierung bedürfte.

Gesondert: Nämlich, die Judengenossen, welche von der heidnischen Abgötterei abgestanden waren, und sich zum Volk Gottes gesellt hatten, auch sich zu dessen Religion bekannten.

Verstehen konnten: Die Alters Halben wissen konnten, was da gehandelt würde.

29. und ihre Mächtigen Namen es an für ihre Brüder. Und sie kamen, dass sie schwuren und sich mit Eide verpflichteten, zu wandeln im Gesetz Gottes, das durch Mose, den Knecht Gottes, gegeben ist, dass sie hielten und tun wollten nach allen Geboten, Rechten und Sitten des Herrn, unseres Herrschers,

Mächtigen: Nämlich, alle, so vorhanden waren, besonders aber die Vornehmsten, bestätigten den Bund, und versprachen sich auch für ihre abwesende Mitbrüder, die entweder wegen Leibesschwachheit oder anderer Ursache halben bei dieser Versammlung nicht sein konnten, demselben nachzukommen, was in dem Bund begriffen war.

Kamen: Nämlich, welche vorhanden waren, die traten hinzu, und leisteten den Eid, mit angehängter Verwünschung dessen, der solchen Bund mutwillig und vorsätzlich übertreten würde. Besonders aber, will Nehemia sagen, schwuren wir, und gelobten, dass wir weiter mehr und größeren Fleiß anwenden wollten, die göttlichen Gebote und Satzungen zu halten, als bisher geschehen.

30. und dass wir den Völkern im Lande unsere Töchter nicht geben, noch ihre Töchter unseren Söhnen nehmen wollten;

Im Lande: Nämlich, den Heiden, die zum Teil um uns, zum Teil unter uns wohnten.

Nehmen wollten: Denn solches hatte Gott im Gesetz öfter verboten, damit nicht durch solche Gelegenheit die Israeliten in die heidnische Abgötterei gerieten. Aber die Juden hatten dasselbe Gebot, nach der Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft nicht fleißig wahrgenommen, wie in {Esra 9} zu sehen.

31. auch wenn die Völker im Lande am Sabbattage bringen Ware und allerlei Fütterung zu verkaufen, dass wir es nicht von ihnen nehmen wollten auf den Sabbat und heiligen Tagen; und dass wir das siebte Jahr allerhand Beschwörung frei lassen wollten.

Auch: Haben wir, nämlich, weiter uns verpflichtet, dass wir den Sabbat gebührlich feiern wollten. [Denn es hatte Gott den Juden mit großem Ernst befohlen, dass sie den Sabbat, und andere Feiertage über von aller Arbeit ruhen sollten, auf dass sie dem Gottesdienst desto besser dienen könnten. Obwohl wir nun an gleiche Feiertage zu halte nicht gebunden sind. So soll man dennoch eine gewisse Ordnung damit halten, auf dass der Gottesdienst, und das Predigtamt des göttlichen Wortes durch die andere Handarbeit und tägliche Geschäfte nicht gehindert werde).

Frei lassen: Das ist: Im siebten Jahr wollen wir unseren Mitbrüdern ihre Schulden nachlassen, und da sich jemand uns zur Dienstbarkeit verkauft hat, die wollen wir wieder frei lassen, auch die liegenden Güter ihnen wieder geben, die sie uns zu kaufen gegeben haben, wie das Gesetz gebietet {3Mos 25}.

32. Und legten ein Gebote auf uns, dass wir jährlich einen dritten Teil eines Sekels gäben zum Dienst im Hause unseres Gottes,

Dritten Teil: Nämlich, zehn Kreuzer, oder einen Schreckenberger. Denn es wird hier vom Sekel des Heiligtums gehandelt.

Zum Dienst: Dass, nämlich, der Gottesdienst damit unterhalten würde.

33. nämlich zu Schaubroten, zu täglichem Speiseopfer, zu täglichem Brandopfer des Sabbats, der Neumonden und Festtage und zu dem Geheiligten und zu Sündopfer, damit Israel versöhnt werde, und zu allem Geschäfte im Hause unseres Gottes.

Schrotbroten: Die man alle Wochen abwechseln, und frisch auflegen musste im Tempel, auf den dazu geordneten Tisch.

Täglichem: Dass man alle Tage, Morgens und Abends tun musste.

Neumonden: Denn der erste Tag des Monats war bei den Juden Feiertag.

Festtagen: Als: Ostern, Pfingsten, Laubhütten.

Geheiligten: Dass auch anderen geheiligten Opfer dem Herrn geopfert werden, nach dem es die Notdurft erfordern wird. Es hat aber solche freiwillige Steuer in diesem Volk, da ihrer in die vierzigtausend Personen gewesen, davon man den Gottesdienst erhalten, und die Opfer kaufen können. [heutigen Tages kann man die Verwalter und Pfleger kaum dahin bringen, dass sie von den Einkommen, so bereits vorhanden sind, was zum Gottesdienst vonnöten ist, auslegen, will schweigen, dass sie von dem ihrigen aus freiem Willen etwas dazu geben sollten).

34. Und wir warfen das Los unter den Priestern, Leviten und dem Volk um das Opfer des Holzes, das man zum Hause unseres Gottes bringen sollte jährlich, nach den Häusern unserer Väter, auf bestimmte Zeit, zu brennen auf dem Altar des Herrn, unseres Gottes, wie es im Gesetz geschrieben steht,

Los: Denn weil man zu den Opfern, so da mussten verbrannt werden, auch Holz haben musste, wurde durch das Los geordnet, und um ein anderer ausgeteilt, was und wie viel Holz, auch zu welcher Zeit, ein jedes Geschlecht aus den Priestern, Leviten, oder Volk, zum Hause Gottes verschaffen sollte, auf dass man das ganze Jahr durch Holz genug hätte.

Brennen: Denn es sollten solche Feuer nicht verlöschen, sondern immer brennen, auch wenn man gleich keine Opfer verbrannte {3Mos 6}.

35. und jährlich zu bringen die Erstlinge unseres Landes und die Erstlinge aller Früchte auf allen Bäumen zum Hause des Herrn

Bringen: Zur Erhaltung des Gottesdienstes, dazu wir uns auch von neuen gebunden.

Landes: Was, nämlich, unser Feind an Korn und Getreide am ersten trägt.

Bäumen: Davon wir den Priestern und Leviten, auch jährlich die Erstlinge zu geben verheißen.

36. und die Erstlinge unserer Söhne und unseres Viehs, wie es im Gesetz geschrieben steht, und die Erstlinge unserer Rinder und unserer Schafe; dass wir das alles zum Hause unseres Gottes bringen sollen den Priestern, die im Hause unseres Gottes dienen {2Mos 13v2}.

Söhne: Nämlich die Erstgeborenen, dass wir sie im Tempel dem Herrn darstellen wollten, und danach mit Gelde lösen, nach Ausweisung des Gesetzes.

Viehs: Davon wir den Priestern und Leviten die Erstgeburten bringen wollten, zur Erhaltung des Gottesdienstes.

Rinder: Was er zuvor vom Vieh im allgemeinen geredet, das führt er jetzt in Sonderheit weitläufiger aus.

Den Priestern: Dass sie davon nehmen und benutzen sollen, was zum Opfer tauglich und vonnöten ist, das übrige aber zu ihrer Nahrung für sich und die Leviten behalten.

37. Auch sollen wir bringen die Erstlinge unseres Teiges und unserer Hebe und die Früchte allerlei Bäume, Most und Öl den Priestern in die Kasten am Hause unseres Gottes und den Zehnten unseres Landes den Leviten, dass die Leviten den Zehnten haben in allen Städten unseres Ackerwerks.

Teiges: Das ist: Wenn wir von den neuen Früchten Brot backen wollen, so sollen wir von dem Teig einen Partikel roh oder gebacken, nach dem es des Orts halben am gelegensten sein wird, den Priestern geben.

Hebe: Nämlich, alles, was von den ersten Früchten, nach Ausweisung des Gesetzes Mose soll zum Tempel gebracht, und da vor Gott von den Priestern in die Höhe gehoben werden, damit anzuzeigen, dass wir alles aus Gottes Güte haben, davon wollen wir ihm treulich wieder Opfer bringen.

Kasten: Dass es darin zum künftigen Brauch aufbehalten werde, entweder zu den Opfern, oder zu der Priester Unterhaltung.

Allen Städten: Wo wir jährliche Einkommen und Äcker haben, die wir bauen können.

38. Und der Priester, der Sohn Aarons, soll mit den Leviten auch an dem Zehnten der Leviten haben, dass die Leviten den Zehnten ihrer Zehnten heraufbringen zum Hause unseres Gottes in die Kasten im Schatzhause.

Sohn Aaron: Das ist: Seiner Nachkommen einer.

Haben: Es soll ihm der zehnte Teil von den Zehnten, die man den Leviten gibt, zugeordnet werden {4Mos 18}.

Schatzhause: d. i. An dem Ort, da man aufbehält, was zum Gottesdienst, und zur Unterhaltung der Kirchendiener vonnöten ist. Denn die Leviten mussten den Zehnten von ihren Zehnten und Einkommen zum Tempel bringen, davon der Hohepriester seine Nahrung hatte.

39. Denn die Kinder Israel und die Kinder Levi sollen die Hebe des Getreides, Mosts und Öls herauf in die Kasten bringen. dort sind die Gefäße des Heiligtums und die Priester, die da dienen, und die Torhüter und Sänger, dass wir das Haus unseres Gottes nicht verlassen.

Gefäß: Die man zum Gottesdienst braucht, welche eben am selben Ort aufbehalten werden, da man die Einkommen der Kirche hinterlegen und verwahren soll.

Torhüter: Des Tempels, denen ein Partikel von den vorgemeldeten Erstlingen und Zehnten zur Nahrung gebührt.

Sänger: Die Gott den Herrn mit geistlichen Lobgesängen preisten.

Nicht verlassen: Damit wir es mit der Hilfe Gottes nicht dahin kommen lassen, dass zukünftig etwas von nötigen Sachen beim Tempel des Herrn mangele. [Etliche Regenten taten ihm auch recht, wenn sie sich von einem neuen Eifer aufbringen ließen, und ihr Vorhaben, dass sie es dahin richten wollten, damit das Wort Gottes weiter mit mehr Fleiß angehört würde, auch das Predigtamt und die Schulen besser versorgt, und nichts versäumt würden, was zur Beförderung der Ehre Gottes und der Menschen Seligkeit dienlich sein möchte).


Das 11. Kapitel


1. Die vornehmsten Männer werden erzählt, so damals zu Jerusalem gewohnt.

1. Und die Obersten des Volkes wohnten zu Jerusalem. Das andere Volk aber warfen das Los darum, dass unter zehn ein Teil gen Jerusalem in die Heilige Stadt zögen, zu wohnen, und neun Teile in den Städten.

Und: Oben im siebten Kapitel hatte Nehemia sich beklagt, nach dem die Mauern zu Jerusalem wieder erbaut wurden, dass die Stadt zwar weit wäre, und großen Platz hätte, aber wenig Einwohner. Darum er dahin getrachtet, wie er die Anzahl der Bürgerschaft vermehren möchte, darauf er auch die Obersten und das Volk zusammen berufen. Und nach dem er, was zur Religion und Besserung des Wandels im Gemeinde Leben dienlich, ausgerichtet. Ist er jetzt auch darauf bedacht, dass er von der ganzen israelitischen Gemeinde eine gute Anzahl abziehe, und sie in der Stadt Jerusalem wohnen heiße, damit sie desto volkreicher, und vor den benachbarten Feinden desto mehr gesichert wäre.

Heilige Stadt: Welche darum heilig von Gott genannt wurde, weil der heilige Tempel Gottes darin war.

Zögen: Also, dass aus einem jeden Dorf und Stadt der zehnte Mann und Hausvater, den das Los getroffen, dahin ziehen müsse.

2. Und das Volk segnete alle die Männer, die freiwillig waren, zu Jerusalem zu wohnen.

Freiwillig: Die meines Erachtens für sich selbst, ehe man das Los geworfen, aus freiem Willen sich anerboten haben in Jerusalem zu wohnen, weil ihnen die Kirche und des Regiments Wohlfahrt vor anderen angelegen war, ob sie wohl anderswo auch ihre gute Gelegenheit hatten. [Denn welche der Kirche und den Gemeinde Nutzen dem ihrigen vorziehen, die erlangen Gottes und der Menschen Gunst und Segen).

3. Dies sind die Häupter in der Landschaft, die zu Jerusalem wohnten. In den Städten Judas aber wohnte ein jeglicher in seinem Gut, das in ihren Städten war, nämlich Israel, Priester, Leviten, Nethinim und die Kinder der Knechte Salomos.

Landschaft: Nämlich, in Judäa, welches den Namen eines Königreichs verloren hatte, und eine Landschaft oder Provinz hieß.

Nethinim: Das waren die übrigen von den Gibeonitern, wie oft gemeldet.

Knechte Salomo: Welcher Voreltern vorzeiten auch Heiden gewesen waren, aber später bekehrt wurden, und die rechte Religion der Israeliten angenommen hatten. Es wird aber dies von den Priestern, Leviten, und anderen, so außerhalb der Stadt Jerusalem gewohnt, neben zu mit eingeführt, von denen, meines Erachtens, auch etliche durch das Los erwählt wurden, die zu Jerusalem wohnen sollten.

4. Und zu Jerusalem wohnten etliche der Kinder Juda und Benjamin. Von den Kindern Juda: Athaja, der Sohn Usias, des Sohnes Sacharjas, des Sohnes Amarjas, des Sohnes Sephatjas, des Sohnes Mahelaleels, aus den Kindern Parez;

Und zu: Jetzt wendet sich Nehemia wieder zu denen, die bereits eine Zeit lang zu Jerusalem gewohnt, welche er darum erzählt, auf dass er zu verstehen gebe, wie ganz wenig Bürger zu Jerusalem, in solcher weiten und großen Stadt gewohnt, daher man eines Zusatzes ganz wohl nötig gewesen.

Kindern Juda: Waren, nämlich, die später benannten, die Vornehmsten.

Paretz: Der des Patriarchen Juda Sohn gewesen, den er mit seiner Schwiegermuttertochter der Thamar gezeugt {1Mos 38}.

5. und Maeseja, der Sohn Baruchs, des Sohnes Chal-Hoses, des Sohnes Hasajas, des Sohnes Adajas, des Sohnes Jojaribs, des Sohnes Sacharjas, des Sohnes Silonis.

6. Aller Kinder Parez, die zu Jerusalem wohnten, waren vierhundertundachtundsechzig, redliche Leute.

Wohnten: Nämlich, mit den vorgemeldeten beiden, Athaja und Maeseja, welche die Vornehmsten unter ihnen waren.

7. Dies sind die Kinder Benjamin: Sallu, der Sohn Mesullams, des Sohnes Joeds, des Sohnes Pedajas, des Sohnes Kolajahs, des Sohnes Maesejas, des Sohnes Ithiels, des Sohnes Jesaja;

Kinder Benjamin: Die zu Jerusalem wohnten.

8. und nach ihm Gabai, Sallai, neunhundertundachtundzwanzig.

Und zwanzig: Nämlich, so viel waren ihrer alle mit einander zu Jerusalem wohnhaft samt ihren Obersten.

9. Und Joel, der Sohn Sichris, war ihr Vorsteher, und Juda, der Sohn Hasnuas, über das andere Teil der Stadt.

Andere Teil: Denn es war die Stadt Jerusalem in etliche Teile abgeteilt, deren jegliches Teil seinen Vogt oder Vorsteher hatte. [Denn ohne eine Obrigkeit kann man in dieser Welt nicht sein).

10. Von den Priestern wohnten Jedaja, der Sohn Jojaribs, Jachin,

11. Seraja, der Sohn Hilkias, des Sohnes Mesullams, des Sohnes Zadoks, des Sohnes Merajoth, des Sohnes Ahitobs, war Fürst im Hause Gottes.

12. Und seine Brüder, die im Hause schafften, der waren achthundertundzweiundzwanzig. Und Adaja, der Sohn Jerohams, des Sohnes Plaljas, des Sohnes Amzis, des Sohnes Sacharjas, des Sohnes Pashurs, des Sohnes Malchias,

Schafften: Die dem Gottesdienst im Tempel abwarteten.

Waren: Nämlich, vom priesterlichen Geschlecht, sämtlich, mit denen, so hier namhaft gemacht werden.

Adaja: Der auch vom priesterlichen Geschlecht war, samt seinen Mitgehilfen.

13. und seine Brüder, Obersten unter den Vätern, waren zweihundertundzweiundvierzig. Und Amassai, der Sohn Asareels, des Sohnes Ahusais, des Sohnes Mesillemoths, des Sohnes Immers,

14. und seine Brüder, gewaltige Leute, waren hundertundachtundzwanzig. Und ihr Vorsteher war Sabdiel, der Sohn Gedolims.

15. Von den Leviten: Semaja, der Sohn Hasubs, des Sohnes Asrikams, des Sohnes Hasabjas, des Sohnes Bunnis,

16. und Sabthai und Josabad aus der Leviten Obersten an den äußerlichen Geschäften im Hause Gottes,

Äußerlichen: d. i. Diese waren die Vornehmsten unter den Leviten, und war ihr Amt, dass sie es außerhalb vom Tempel verrichteten, was zur Beförderung des Gottesdienstes, und der rechten Religion vonnöten war.

17. und Mathanja, der Sohn Michas, des Sohnes Sabdis, des Sohnes Assaphs, der das Haupt war, Dank anzuheben zum Gebet, und Bakbukja, der andere unter seinen Brüdern, und Abda, der Sohn Sammuas, des Sohnes Galals, des Sohnes Jedithuns.

Sohnes Assaph: Das ist: Er war von den Nachkommen Assaph, welcher vorzeiten ein vortrefflicher Mann gewesen, die Psalmen zu machen und zu singen, damit man Gott lobte, und betete, und war er der Anfänger oder Anstimmer des Gesangs.

Sohnes Jedithun: Das ist: Seiner Nachkommen einer. Denn es sind um kürze willen in dieser und vorhergehenden Erzählung, etliche Mittelpersonen ausgelassen. Wie aus den Jahrrechnungen gut zu lesen ist. Denn Assaph und Jedithun haben zu des Königs Davids Zeiten gelebt {1Chr 25}. Von welcher Zeit an bis zu diesen Geschichten, so hier erzählt werden, in die sechs hundert Jahr verlaufen.

18. Aller Leviten in der heiligen Stadt waren zweihundertundvierundachtzig.

19. Und die Torhüter, Akub und Talmon und ihre Brüder, die in den Toren hüteten, waren hundertundzweiundsiebenzig.

Torhüter: So zu Jerusalem wohnten, und auch von der Leviten Geschlecht waren.

Hüteten: In ihrer Ordnung, nach dem es an einem jeden kam, dass er hüten soll.

20. Das andere Israel aber, Priester und Leviten, waren in allen Städten Judas, ein jeglicher in seinem Erbteil.

Städten: Kamen aber zu ihrer bestimmten Zeit, wenn die Ordnung an ihnen war, gen Jerusalem, dass sie dem Gottesdienst abwarteten, danach verfügten sie sich wieder heim zu den Ihrigen.

21. Und die Nethinim wohnten an Ophel. Und Ziha und Gispa gehörten zu den Nethinim.

Ophel: Welches ein besonderes Ort war zu Jerusalem.

Und Gispa: Zwei vornehme Geschlechter, die auch am selben Ort gewohnt.

22. Der Vorsteher aber über die Leviten zu Jerusalem war Usi, der Sohn Banis, des Sohnes Hasabjas, des Sohnes Mathanjas, des Sohnes Michas. Aus den Kindern Assaphs waren Sänger um das Geschäft im Hause Gottes.

Geschäft: Dass sie Gott den Herrn mit Psalmen lobte.

23. Denn es war des Königs Gebot über sie, dass die Sänger treulich handelten, einen jeglichen Tag seine Gebühr.

Königs: Nämlich, des Königs Arthahsastha, welcher befohlen, dass man dem Gott Israel mit Lobgesängen rühmen und preisen soll. Solchen Befehl kamen sie treulich nach.

24. Und Pethahja, der Sohn Mesesabeels, aus den Kindern Serahs, des Sohnes Judas, war Befehlshaber des Königs zu allen Geschäften an das Volk.

Befehlshaber: Er war vom Könige dahin geordnet, dass er in des Königs Namen zugleich mit den Fürsten des Volkes Gottes die Rechtssachen unter den Israeliten entschied. Gleichwie in etlichen Reichsstädten anstatt des Kaisers ein Schultheiß, wie man es nennt, sich verhält, der von wegen des Kaisers zu etlichen Ratschlägen und allgemeiner Geschäfte Verrichtung gezogen wird. Und ist dieser hier ohne Zweifel insbesondere von dem Könige beeidigt gewesen. [Es ist aber eine große Guttat Gottes, wenn man solche Obrigkeit haben kann, die der Nation, und Religion nach uns verwandt und zugetan sind).

25. Und der Kinder Juda, die außen auf den Dörfern auf ihrem Lande waren, wohnten etliche zu Kiriath-Arba und in ihren Töchtern und zu Dibon und in ihren Töchtern und zu Kabzeel und in ihren Dörfern

Außen: Nämlich, außerhalb der Stadt Jerusalem, von denen man durch das Los erwählt, die in der Stadt ziehen und wohnen sollten, damit dieselbe besetzt würde, da sonst zuvor kaum bei dreitausend Bürger darin gewesen. Gleichwie aber man die Israeliten aus viel Orten zu Haufen gebracht, dass die Stadt Jerusalem mit Bürgern besetzt würde. Also sammelt sich Gott aus vielen Völkern durch das Wort des Evangeliums eine Kirche, damit das himmlische Jerusalem erfüllt werde).

26. und zu Jesua, Molada, Beth-Palet,

27. Hazar-Sual, Berseba und ihren Töchtern

28. und zu Ziklag und Mochona und ihren Töchtern

29. und zu En-Rimmon, Zarega, Jeremuth,

30. Sanoah, Adullam und ihren Dörfern, zu Lachis und auf ihrem Felde, zu Aseka und in ihren Töchtern. Und lagerten sich von Berseba an bis ans Tal Hinnom.

31. Die Kinder Benjamin aber von Gaba wohnten zu Michmas, Aja, Bethel und ihren Töchtern

32. und zu Anathoth, Nob, Ananja,

33. Hazor, Rama, Githaim,

34. Hadid, Ziboim, Neballat,

35. Lod, Ono und im Zimmertal.

36. Und etliche Leviten, die Teil in Juda hatten, wohnten unter Benjamin.


Das 12. Kapitel


1. Die Priester und Leviten werden gezählt, welche mit Serubabel gen Jerusalem gezogen sein, v. 1. 2. Da die Mauren wieder erbaut, weihen sie die Leviten ein mit geistlichen Gelängen und musikalischen Instrumenten. Und preiste das Volk Gott den Herrn mit großen Freuden, v. 27. 3. Danach werden Kastenpfleger bestellt, die auf die Schatzkasten acht hätten, in denen verwahrlich aufbehalten wurde, was zum Gottesdienst, und zu der Priester und Leviten Nahrung gehört, v. 44.

1. Dies sind die Priester und Leviten, die mit Serubabel, dem Sohn Sealthiels, und Jesua heraufzogen: Seraja, Jeremia, Esra,

Dies sind: Oben im siebten Kapitel hatte Nehemia etlicher Priester und Leviten Namen kürzlich angefasst, die mit Serubabel aus der Babylonischen Gefangenschaft wieder heimgekommen waren, derselben Register setzt er jetzt ausführlicher.

Zogen: Aus der Gefangenschaft von Babel, ins Land Kanaan.

2. Amarja, Malluch, Hattus,

3. Sechanja, Rehum, Meremoth,

4. Iddo, Ginthoi, Abia,

5. Mejamin, Maadja, Bilga,

6. Semaja, Jojarib, Jedaja,

7. Sallu, Amok, Hilkia und Jedaja. Dies waren die Häupter unter den Priestern und ihren Brüdern zu den Zeiten Jesuas.

8. Die Leviten aber waren diese: Jesua, Benui, Kadmiel, Serebja, Juda und Mathanja, über das Dankamt, er und seine Brüder.

Leviten: Nämlich, die Vornehmsten unter ihnen.

Jesua: Nicht der Hohepriester, sondern ein Levit.

Dankamt: Das ist: Die mit der geistlichen Musik umgingen.

9. Bakbukja und Unni, ihre Brüder, waren um sie zur Hut.

Zur Hut: Dass sie ihrem Amt gebührlich abwarteten.

10. Jesua zeugte Jojakim, Jojakim zeugte Eliasib, Eliasib zeugte Jojada.

11. Jojada zeugte Jonathan, Jonathan zeugte Jaddua.

Jaddua: Dieser hat den großen Alexander zu Jerusalem empfangen, daraus zu lesen ist, dass Nehemia lange gelebt, und sehr alt wurde, weil er vier oder fünf Hohepriester überlebt hat. * nach Luther). Dies ist Jaddus, der den großen Alexander zu Jerusalem empfing. Also hat Nehemia vielleicht Esra auch den Alexander erreicht, und ist sehr alt geworden, und vier oder fünf Hohepriester überlebt.

12. Und zu den Zeiten Jojakims waren diese oberste Väter unter den Priestern: nämlich von Seraja war Meraja; von Jeremia war Hananja;

Oberste Väter: Das ist: Da Jojakim Hohepriester war, wurden in den anderen und unteren priesterliche Geschlechter, die später benannten, als die Vornehmste gefunden. [Denn es pflegt Gott unter den Kirchendienern etliche vor anderen zu erhöhen und hervorzuziehen, die doch darum nicht denken sollen, als wäre ihnen die Herrschaft über ihre Mitgehilfen eingeräumt, sondern sollen in wahrer Demut gebührlich gegen ihnen sich verhalten).

13. von Esra war Mesullam; von Amarja war Johanan;

14. von Malluch war Jonathan; von Sebanja war Josef;

15. von Harim war Adna; von Merajoth war Helkai;

16. von Iddo war Sacharja; von Ginthon war Mesullam

17. von Abia war Sichri; von Mejamin-Moadja war Piltai;

18. von Bilga war Sammua; von Semaja war Jonathan;

19. von Jojarib war Mathnai; von Jedaja war Usi;

20. von Sallai war Kallai; von Amok war Eber;

21. von Hilkia war Hasabja; von Jedaja war Nethaneel.

22. Und zu den Zeiten Eliasibs, Jojadas, Johanans und Jadduas geworden die obersten Väter unter den Leviten und die Priester beschrieben unter dem Königreich Darii, des Persers.

Und Jaddua: Welche einer nach dem anderen Hohepriester gewesen.

Beschrieben: Damit die Geschlechter- und Geburtsregister nicht verloren, noch die Stämme durcheinander gemischt würden.

23. Es worden aber die Kinder Levi, die obersten Väter, beschrieben in die Chronik bis zur Zeit Johanans, des Sohnes Eliasibs.

Chronik: Dadurch man doch nicht die Bücher der Chronik verstehen muss, welche in der Bibel, vor dem Buch Esra stehen, denn man darin von den Geschlechter-Registern, darauf hier gedeutet wird, nichts findet. Sondern es sind besondere Bücher gewesen, davon nichts mehr vorhanden ist. [Es ist aber der Juden fleißige Vorsorge lobenswert, dass sie vor der Geburt Christi die Geschlechter-Register zu erhalten großen Fleiß angewandt, damit die Stämme nicht durcheinander gemengt würden, und man wissen könnte, aus welchem Geschlecht man des Messias müsste gewärtig sein. heutigen Tages sollen wir uns das zuerst und am allermeisten angelegen sein lassen, nicht dass wir den Geschlechter-Registern für klüger und unnötigerweise nach suchen, sondern dass wir die Lehre, welche wir von den Propheten, Christo, und Aposteln empfangen haben, unverfälscht behalten.

24. Und dies waren die Obersten unter den Leviten: Hasabja, Serebja und Jesua, der Sohn Kadmiels, und ihre Brüder neben ihnen, zu loben und zu danken, wie es David, der Mann Gottes, geboten hatte, eine Hut um die andere.

Waren: Nämlich, zu des Nehemia Zeiten.

Danken: Dass sie Gott preisten mit Psalmen und Lob-Gesängen.

Die andere: Also, dass je einer nach dem anderen beim Gottesdienst im Tempel seines angemessenen Amtes abwartete. Denn weil die, so im Tempel zu schaffen hatten, nach den levitischen Zeremonien mussten rein sein, hat man müssen die Amts-Verrichtungen also austeilen, damit immer reine Personen vorhanden wären. Denn sonst hätten die Leviten nicht können daheim bei ihren Weibern wohnen, wo sie nicht zu gewisser Zeit ihres Leviten-Amtes dürfen ausführen.

25. Mathanja, Bakbukja, Obadja, Mesulam, Talmon und Akub waren Torhüter an der Hut, an den Schwellen in den Toren.

Schwellen: Dass sie Acht darauf hätten, damit niemand in den Tempel ging, der nicht hinein gehörte, denn er sonst wäre verunreinigt worden.

26. Diese waren zu den Zeiten Jojakims, des Sohnes Jesuas, des Sohnes Jozadaks, und zu den Zeiten Nehemias, des Landpflegers, und des Priesters Esra, des Schriftgelehrten.

Waren: Dass sie ihren vorgemeldeten Ämtern abwarteten. Und hat Nehemia ihre Namen nicht wollen in Vergessenheit kommen lassen, weil es vortreffliche und fromme Leute waren. [Obwohl nun nicht aller derjenigen Namen in Schriften verzeichnet werden, die sich um die Kirche und weltliche Regierung wohl verdienen, so werden sie dennoch einmal eins leuchten im Reich Gottes, wie die Sterne am Firmament {Dan 12}.

Landpflegers: Den der König Arthahsastha gen Jerusalem geschickt hatte, dass er die Mauern wieder bauen, und das Regiment wieder anrichten sollte.

Schriftgelehrten: Der im Gesetz Gottes wohl erfahren war.

27. Und in der Einweihung der Mauern zu Jerusalem suchte man die Leviten aus allen ihren Orten, dass man sie gen Jerusalem brächte, zu halten Einweihung in Freuden mit Danken, mit Singen, Zimbeln, Psaltern und Harfen.

Und: Jetzt wird Nehemia erzählen, mit was Zeremonien er die wieder erbauten Mauern der Stadt eingeweiht und geheiligt habe.

Brächte: Das ist: Man hat alle Leviten zusammen berufen, dass sie die Mauern mit Freuden halfen einweihen, und mit Psalmen und Lobgesängen Gott dankten für die wieder erbauten Mauern. [Denn man soll sich dankbar gegen Gott erzeigen für seine Guttaten, die er einem Regiment mitteilt).

28. Und es versammelten sich die Kinder der Sänger und von der Gegend um Jerusalem her und von den Höfen Netophathis

Sänger: Nämlich, die Leviten, so in der Musik erfahren.

29. und vom Hause Gilgal und von den Äckern zu Gibea und Asmaveth; denn die Sänger hatten ihnen Höfe gebaut um Jerusalem her.

Um Jerusalem: Nahe bei der Stadt, auf dass, wenn die Ordnung an ihnen wäre, sie desto eher und nach ihrer Gelegenheit gen Jerusalem kommen konnten. Dieselben alle miteinander hat man damals aufs Freudenfest gen Jerusalem gefordert.

30. Und die Priester und Leviten reinigten sich und reinigten das Volk, die Tore und die Mauer.

Reinigten: Mit besonderen Zeremonien, wie sie im Gesetz Mose vorgeschrieben werden. Dass sie dem Volk befohlen, ihre Kleider zu waschen, und drei Tage von der ehelichen Beiwohnung sich zu enthalten. Inmassen man liest, dass das Volk gereinigt wurde, da es zu Anhörung des Gesetzes sich sollen gefasst machen {2Mos 16}. Die Tore aber und Mauern sind, meines Erachtens, also gereinigt worden, wie von den aussätzigen Häusern beschrieben wird {3Mos 14}. Denn ob gleich kein Aussatz an den Stadtmauern gespürt wurde, so sind sie doch etlichermaßen von den Heiden verunreinigt und entheiligt worden, da sie die Stadt zerstört, und die Mauern niedergerissen, auch mit allerhand Grausamkeit und Bosheit befleckt hatten. [Obwohl nun in diesem Leben nicht alle Unreinigkeiten könne hinweg getan werden. So sollen doch die Kirchendiener des göttliche Wortes sich dahin bemühen, dass sie die Kirche von den Irrtum und vergeblichen Menschensatzungen, auch von öffentlichen Lastern reinigen).

31. Und ich ließ die Fürsten Judas oben auf die Mauer steigen und bestellte zwei große Dankchöre, die gingen hin zur Rechten oben auf die Mauer zum Misttor hin.

Fürsten: Die Obersten und Vornehmsten im Volk.

Steigen: Dass sie darauf sollten herum gehen, wie später ausführlicher erklärt wird.

Dankchöre: Der Leviten. Dass sie Gott mit Psalmen lobten.

Gingen: Nämlich, die Sänger, so zu einem Chor gehörten.

Misttor: Dadurch man den Mist pflegt hinaus zu führen.

32. Und ihnen ging nach Hosaja und die Hälfte der Fürsten Judas

Hosaja: Ein vornehmer und ansehnlicher Mann unter den Israeliten.

33. und Asarja, Esra, Mesullam,

Asarja: Der mit den folgenden, die Vornehmsten waren unter den Priestern.

34. Juda, Benjamin, Semaja und Jeremia

35. und etliche der Priesterkinder mit Trompeten: nämlich Sacharja, der Sohn Jonathans, des Sohnes Semajas, des Sohnes Mathanjas, des Sohnes Michajas, des Sohnes Sachurs, des Sohnes Assaphs,

36. und seine Brüder, Semaja, Asareel, Milalai, Gilalai, Maai, Nethaneel und Juda, Hanani, mit den Saitenspielen Davids, des Mannes Gottes; Esra aber, der Schriftgelehrte, vor ihnen her,

Seine Brüder: Nämlich, des Priesters Sacharja Mitgehilfen.

Mannes Gottes: Das ist: Sie spielten auf den musikalischen Instrumenten, welche der König David, als ein vortrefflicher Prophet Gottes, machen lassen, und bei seinen Zeiten gebraucht hatte. [Man muss sich aber über etliche Leute nicht unrecht verwundern, die vor lauter angemaßter Heiligkeit den Brauch der Musik beim Gottesdienst nicht leiden können, da doch vorzeiten bei den heiligen Propheten nichts bräuchlicheres gewesen, und man solche Gabe Gottes richtig zu seiner Ehre anwenden soll).

37. zum Brunnentor wärts. Und gingen neben ihnen auf den Stufen zur Stadt Davids, die Mauer hinauf zu dem Hause Davids hinten an, bis an das Wassertor gegen Morgen.

Neben ihnen: Nämlich, die anderen Priester, Leviten und Vornehmsten der Israeliten.

38. Der andere Dankchor ging gegen ihnen über, und ich ihm nach, und die Hälfte des Volkes die Mauer hinten an zum Ofenturm hinauf, bis an die breite Mauer,

39. und zum Tor Ephraim hinten an und zum alten Tor und zum Fischtor und zum Turm Hananeel und zum Turm Mea bis an das Schaftor, und blieben stehen im Kerkertor.

40. Und standen also die zwei Dankchöre im Hause Gottes, und ich und die Hälfte der Obersten mit mir;

41. und die Priester, nämlich Eljakim, Maeseja, Minjamin, Michaja, Elioenai, Sacharja, Hananja mit Trompeten;

42. und Maeseja, Semaja, Eleasar, Usi, Johanan, Malchia, Elam und Asar. Und die Sänger sangen laut, und Jesrahja war der Vorsteher.

Vorsteher: Er war Kapellmeister, der den Chor regierte. [Es sind aber von dieser heiligen Prozession, da man den rechten wahren Gott allein mit Psalmen gelobt, der Katholiken Prozessionen, in denen man die verstorbenen Heiligen anruft, so weit unterscheiden als weit der rechte Gottesdienst und die Abgötterei von einander sind).

43. Und es wurden desselben Tages große Opfer geopfert, und waren fröhlich; denn Gott hatte ihnen eine große Freude gemacht, dass sich beide Weiber und Kinder freuten; und man hörte die Freude Jerusalems ferne.

Geopfert: Zur Dankbarkeit, weil das Regiment am selben Tage, da die Mauern wieder erbaut und eingeweiht wurden, gleichsam von neuen wieder angegangen.

Fröhlich: Dass sie ehrliche und fröhliche Gastmahle hielten, von dem, so vom Opfer übergeblieben war, wie gebräuchlich. [Denn eine ehrliche Freude zu rechter Zeit missfällt Gott nicht).

Freuten: Weil sie jetzt, da die Mauern fertig, und die Bürgerschaft sich gemehrt hatte, viel sicherer in der Stadt waren, als zuvor, da sie von wegen der verfallenen Mauern keinen Augenblick vor dem Einfall der Feinde gesichert sich waren.

Ferne: Weil es alles voller Freudengeschrei, singen, Trompeten, und anderer Seitenspiele Klang war. [So oft darum Gott seiner Kirche Frieden gibt, und gleichsam mit einer Mauer sie umfasst, sollen wir solche Guttat mit dankbarem Herzen annehmen, und Gott von ganzem Herzen rühmen).

44. Zu der Zeit wurden verordnet Männer über die Schatzkasten, da die Heben, Erstlinge und Zehnten innen waren, dass sie sammeln sollten von den Äckern und um die Städte, auszuteilen nach dem Gesetz für die Priester und Leviten; denn Juda hatte eine Freude an den Priestern und Leviten, dass sie standen

Männer: Ehrbare, ansehnlichen und redliche Leute.

Heben: Nämlich, die Früchte, welche zum Tempel gebracht, und in die Höhe gehoben wurden, anzuzeigen, dass wir alles Gutes von Gott empfangen.

Sammeln: Nämlich, in denselben Kasten oder Kellern, was das Gesetz Mose zum Tempel zu bringen befohlen, zur Erhaltung des Gottesdienstes.

Und Leviten: Dass sie davon ihre Unterhaltung und Nahrung hätten.

Freude: Dass sie, die Juden, es ihnen wohl gefallen ließen, da sie sahen, wie die Priester und Leviten in ihrem Amt so fleißig waren, mit singen, und Verrichtung der Opfer, dadurch sie auch aufgebracht wurden, dass sie das Predigtamt mit desto mehr Eifer begehrten zu unterhalten, und Vorsehung taten, dass den Dienern Gottes an nötigen Sachen nichts abginge oder mangelte. [Denn wenn die Kirchendiener ihr Amt treulich und fleißig tun, so bewegt Gott der frommen Leute Herzen und Gemüter dahin, dass sie dieselben mit Nahrung und notwendiger Unterhaltung desto reichlicher versehen).

45. und warteten der Hut ihres Gottes und der Hut der Reinigung. Und die Sänger und Torhüter standen nach dem Gebote Davids und seines Sohnes Salomo.

Reinigung: Dass sie ihr Amt nach dem Gesetze Gottes fleißig verrichteten, wie sich es gebührte, und nach den mosaischen Zeremonien recht gereinigt waren.

Standen: Und versah ihr Amt auch, wie sich es gebührte.

46. Denn zu den Zeiten Davids und Assaphs wurden gestiftet die obersten Sänger und Loblieder und Dank zu Gott.

Gestiftet: Das ist: David und Assaph hatten vorzeiten eine Ordnung gemacht, wie man Gott mit Psalmen und Lobgesängen im Tempel preisen, und wie einer dem anderen vorstehen soll, damit keine Unordnung vorliefe. Über solcher Ordnung freuten sich die Israeliten, dass sie von den Priestern und Leviten fleißig gehalten wurden.

47. Aber ganz Israel gab den Sängern und Torhütern Teil zu den Zeiten Serubabels und Nehemias, einen jeglichen Tag sein Teil; und sie gaben Geheiligtes für die Leviten, die Leviten aber gaben Geheiligtes für die Kinder Aaron.

Teil: Das sie ihnen von ihren jährlichen Einkommen mitteilten.

Sein Teil: So viel zu ihren jährlichen Besoldungen vonnöten war.

Geheiligtes: Das ist: Die Kinder Israel heiligten ein Teil von ihren Einkommen zum Gottesdienst, und Erhaltung des Predigtamts, nämlich, die Zehnten der Früchte. Die Leviten aber heiligten wiederum von solchen Zehnten den Zehnten Teil zum Gottesdienst, nämlich, dass es den Priestern zum besten käme, die des Aarons Nachkommen waren. [Bei solcher Ordnung werden wir erinnert, dass es richtig sei, dass nicht allein die Zuhörer zur Erhaltung des Predigtamts geben, sondern auch, dass die Kirchendiener selbst etwas, nach ihrem Vermögen und von ihrem Einkommen, geben, zur Unterhaltung der Armen, Schüler, Verjagten, und anderer dergleichen betrübten Leute. Denn geben ist seliger als Nehmen {Apg 20}.


Das 13. Kapitel


1. Die Ammoniter und Moabiter werden abgesondert vom Volk Gottes, v. 1. 2. Nehemia wirft des Samariters Tobia, als eines Heuchlers, Gaben aus dem Gotteskasten, und tut das heilige Geräte an die statt, v. 4. 3. Schilt die Obersten, dass sie nicht Vorsehung getan, damit den Leviten ihre Zehnten gegeben würden, und verbessert solchen Fehler, v. 10. 4. Steuert der Übertretung des Sabbats mit Zuschliessung der Tor, und droht den fremden Krämern, v. 15. V. Fährt die Juden hart darüber an, welche abermals fremde heidnische Weiber genommen hatten, v. 23.

1. Und es wurde zu der Zeit gelesen das Buch Mose vor den Ohren des Volkes; und wurde gefunden darin geschrieben, dass die Ammoniter und Moabiter sollen niemals in die Gemeinde Gottes kommen {4Mos 21v21},

Zu der Zeit: Aufs Fest der Einweihung der Mauern zu Jerusalem.

Gelesen: Denn gleichwie bei uns man in einer allgemeinen Kirchenversammlung nicht von einander geht, man habe denn zuvor die Predigt des göttlichen Wortes angehört. Also wurde damals bei einer Gemeinde Versammlung ein Stück aus dem Gesetz abgelesen, und eine gottselige Erklärung hinzugetan. [Und soll man das Wort Gottes viel und mit Ernst oft treiben {Kol 3}.

Kommen: Also, dass man sie zu Gemeinde Ämtern unter dem Volk Gottes nicht zulassen soll, wenn sie gleich der Israeliten Religion annehmen. Denn obwohl diese Völker etlichermaßen der Israeliten Verwandte waren, als die vom Lot, des Patriarchen Abrahams Vettern, herkamen {1Mos 19}. So hat dennoch Gott nicht gewollt, dass die Israeliten sie zu Ämtern brauchten, weil sie den Israeliten kein Proviant wollten zukommen lassen, da sie auf der Reise nach dem Lande Kanaan gewesen {5Mos 23}. [Denn Gott ist aller Unbarmherzigkeit, besonders gegen Fremde und Bedrängte, feind).

2. darum dass sie den Kindern Israel nicht zuvorkamen mit Brot und Wasser und dingten wieder sie Bileam, dass er sie verfluchen sollte; aber unser Gott wandte den Fluch in einen Segen.

Segen: Also, dass den Moabitern solcher Ratschlag nicht angegangen, sondern von Gott selbst gehindert wurde. Denn da Bileam durch den König der Moabiter angerichtet wurde, dass er die Israeliten verfluchen sollte, zwang ihn Gott, dass er wieder seinen Willen dieselben segnen, und ihnen alles Gutes wünschen musste, wie die ganze Geschichte ausführlich beschrieben wird in {4Mos 22v23 v24}. [Hasst darum Gott diejenigen, welche aus Neid oder fleischlicher Rachgierigkeit ihrem Nächsten böses wünschen).

3. Da sie nun dies Gesetz hörten, schieden sie alle Fremdlinge von Israel.

Schieden: Dass sie dieselben von ihren Ämtern absetzten, denen es das Gesetz nicht zuließ, als die nicht vom Volk Israel waren. Etlichen Völkern aber, als den Edomitern und Ägyptern, war es zugelassen, dass sie in Ämtern sein dürften, wenn ihre Voreltern im dritten Grad der Israeliten Religion angenommen hätten {5Mos 23}. [Obwohl nun solche Entsetzung ein raues Ansehen hatte, so soll man dennoch tun, was Gott befohlen hat, ob gleich wir dadurch anderer Leute Feindschaft möchten auf uns laden).

4. Und vor dem hatte der Priester Eliasib in den Kasten am Hause unseres Gottes gelegt das Opfer Tobias.

Eliasib: Als der oberste Aufseher über den Gotteskasten, der da hätte sollen achthaben, dass es alles beim Gottesdienst recht und richtig zuginge. Und halt ich es dafür, dass dieser Eliasib neben seinem Vater dem Jojakim das Hohepriesteramt verwaltet habe, weil der Vater alt gewesen.

Tobia: Des Samariters, der zuvor neben anderen benachbarten, des israelitischen Regiments aufnehmen begehrte zu verhindern, so viel an ihm gewesen, tät es aber doch mehrererteils mit heimlichen Praktiken und Anschlägen {Neh 6}. So hatten die Samariter den Brauch, dass sie der Juden Freundschaft begehrten, und sich stellten, als ob sie es mit ihnen hielten, wenn es ihnen wohl ging, ging es aber übel zu, so ließen sie ihres Herzen Bosheit hervor, und waren wider sie.

5. Denn er hatte ihm einen großen Kasten gemacht; und dahin hatten sie zuvor gelegt Speiseopfer, Weihrauch, Geräte und die Zehnten vom Getreide, Most und Öl nach dem Gebot der Leviten, Sänger und Torhüter, dazu die Hebe der Priester.

Kasten gemacht: Nicht weit vom Tempel, dass er seine Früchte darin gelegt, die er zum Gottesdienst zu Jerusalem geheiligt hatte.

Geräte: Allerlei Geschirr und Sachen, die Tobia den Gottesdienst zu üben, und Speiseopfer zu tun, schenkte.

Hebe: Nämlich, die Erstlinge und Zehnten, die den Priestern gebührten. Denn es pflegte Tobia dergleichen Sachen zu geben, dass man sie für ihn opfern sollte, da er doch die jüdische Religion nicht mit Ernst annahm, sondern es mehrerer Teils darum tat, damit er nicht in des Königs Arthahsastha Ungnade käme, der den Juden zur selben Zeit wohl gewogen war. Sonst war er für sich selbst den Juden heimlich feind, konnte auch seinen Hass und Widerwillen nicht immer verbergen. Weil deswegen eines solchen Menschen Opfer Gott gar nicht gefallen können, so hat der Hohepriester Eliasib Unrecht getan, dass er der besonderen Freundschaft viel mehr als des allgemeinen Ärgernisses wahrgenommen. [Aber dergleichen pflegt sich viel zu begeben, da man mit gottlosen Leuten Schwägerschaft macht, dass ein Schwager dem anderen ein Bein bückt).

6. Aber in diesem allem war ich nicht zu Jerusalem. Denn im zweiunddreißigsten Jahr Arthahsasthas, des Königs zu Babel, kam ich zum Könige, und nach etlichen Tagen erwarb ich vom Könige,

Diesem allem: Da sich solches zugetragen hatte.

Ich nicht: Dass also diese Unrichtigkeit in meinem Abwesen vorgefallen, denn sonst wäre ich dagegen gewesen, und hätte es nach meinem Vermögen gehindert.

Zu Babel: Denn die Könige in Persien hatten damals auch das Königreich Babelin ihrer Gewalt.

Könige: Dass er mich zu seinem Schenken annahm.

Erwarb: Dass ich Erlaubnis vom Könige bekam, gen Jerusalem zu ziehen, und die Mauern der Stadt wieder aufzubauen.

7. dass ich gen Jerusalem zog. Und ich merkte, dass nicht gut war, das Eliasib an Tobia getan hatte, dass er ihm einen Kasten machte im Hofe am Hause Gottes.

Getan: Dass er dem gottlosen Mann zu gefallen Unrecht zu tun sich bewegen lassen. [Hat deswegen der Hohepriester auch irren können, ob er wohl in der ordentlichen Folge im Hohepriesteramt gesessen. Vielmehr kann der Papst zu Rom in Religionssachen irren).

8. Und verdross mich sehr und warf alle Geräte vom Hause Tobias hinaus vor den Kasten

Geräte: Alle Sachen, die Tobia mit seinem ganzen Geschlecht dahin verschafft hatte.

9. und hieß, dass sie die Kasten reinigten; und ich brachte wieder dort hin das Gerät des Hauses Gottes, das Speiseopfer und Weihrauch.

Reinigten: Mir besonderen levitischen Zeremonien.

Speiseopfer: Nämlich, solche Sachen, die man zum Speiseopfer zu benutzen pflegte, darunter auch der Weihrauch war {3Mos 1}. [Denn je weniger wir mit bösen und verkehrten Leuten zu tun haben, an denen keine Hoffnung der Busse ist, je angenehmer und besser wir bei Gott dem Herrn dran sind. Und mag ein frommer Mensch um billiger Ursachen willen wohl verwerfen und tadeln, was von den Obersten und Vornehmsten Priestern Unrecht gehandelt worden).

10. Und ich erfuhr, dass der Leviten Teil ihnen nicht gegeben war, darum die Leviten und Sänger geflohen waren, ein jeglicher zu seinem Acker, zu arbeiten.

Erfuhr: Nämlich, da ich gen Jerusalem kam, befand ich unter anderen auch diesen Mangel.

Teil: Nämlich, der zehnte, von den jährlichen Einkommen der Israeliten, den das Gesetz Mose den Leviten zu ihrer Nahrung verordnet hatte.

Geflohen: Da sonst ihr Amt war, dass sie bei dem Tempel des Herrn dem Gottesdienst hätten sollen dienen, und denselben verrichten helfen, hat sie die große Not und Armut dahin getrieben, von wegen dass man ihnen ihre angemessenen Zehnten nicht gereicht, dass sie vom Tempel gewichen, und ein jeder, wo er konnte, im Lande Kanaan seine Nahrung gesucht. [Denn darauf geht der Teufel um, dass er durch den Geiz der Zuhörer den Kirchendienern ihre Nahrung entziehe, auf dass also der Gottesdienst, und der Menschen Seligkeit gehindert werde).

11. Da schalt ich die Obersten und sprach: Warum verlassen wir das Haus Gottes? Aber ich versammelte sie und stellte sie an ihre Stätte.

Schalt: Denn es war Nehemia vom Könige der Ursachen halben abgefertigt, dass er beide den geistlichen und weltlichen Stand sollte verbessern und richtig bringen.

Verlassen: Soll man also den Gottesdienst und das Predigtamt versäumen, und nur auf seinen Nutzen gerichtet sein, dass man viel Güter sammeln möge? [Denn man soll auch die Obrigkeit ihres Amtes ernstlich erinnern).

Versammelt: Das ist: Ich redete solches nicht nur mit einem oder zwei in geheim, sondern berief die Obersten und Vornehmsten an einen öffentlichen Ort, da man sonst große wichtige Sache abzuhandeln pflegte, und schalt in einer großen Versammlung ihre Nachlässigkeit und Geiz, um welches willen der Gottesdienst gehindert wurde. Welche Erinnerung nicht ohne Frucht abgegangen. Denn die Obrigkeit ihre Untertanen angemahnt, dass sie in diesem Stück angemessen sich verhalten sollten, wie folgt.

12. Da brachte ganz Juda die Zehnten vom Getreide, Most und Öl zum Schatz.

Ganz Juda: Das ist: Alles jüdische Volk. [Denn eine fromme und fleißige Obrigkeit kann auch die Untertanen zur Gebühr anhalten).

Zum Schatz: Dass es an Orten, so dazu bestimmt waren, hinterlegt, und zu der Leviten Nahrung aufbehalten wurde.

13. Und ich setzte über die Schätze Selemja, den Priester, und Zadok, den Schriftgelehrten, und aus den Leviten Pedaja, und unter ihre Hand Hanan, den Sohn Sachurs, des Sohnes Mathanjas; denn sie wurden für treu gehalten, und ihnen wurde befohlen, ihren Brüdern auszuteilen.

Die Schätze: Sie zu verwahren, und Acht darauf zu geben, dass man recht damit umginge.

Treue: Man hielt sie für fromme und redliche Leute, die solchem Amt ohne falsch und Betrug vorstehen könnten. [Und taten die, so im Stand der Obrigkeit sein Recht, wenn sie über der Kirche Einkommen, davon die Prediger sollten unterhalten werden, fromme und aufrichtige Personen setzten, die nicht mehr ihren eigenen, als der Kirche Nutzen suchten).

Auszuteilen: Dass sie einem jeden geben sollten, was ihm zu seinem Teil gebührte.

14. Gedenke, mein Gott, mir daran und tilge nicht aus meiner Barmherzigkeit, die ich an meines Gottes Hause und an seiner Hut getan habe!

Tilge nicht: Vergiss meiner Frömmigkeit nicht, da ich den Gottesdienst habe begehrt zu befördern, sondern vergilt mir meinen Fleiß und Treue. [Denn weil Gott verheißen hat, dass er die Frömmigkeit in diesem und jenem Leben belohnen wolle, so darf man solches von Gott wohl demütig bitten, doch also, dass wir wissen, wie Gott aus Gnaden, um Christi willen, uns unsere Guttaten vergelte, ob sie wohl unvollkommen sind).

Seiner Hut: Dass man des Gottesdienstes darinnen gebührlich abwartete.

15. Zur selben Zeit sah ich in Juda Kelter treten auf den Sabbat und Garben hereinbringen und Esel beladen mit Wein, Trauben, Feigen und allerlei Last zu Jerusalem bringen auf den Sabbattag. Und ich bezeugte sie des Tages, da sie die Fütterung verkauften.

In Juda: Hin und wieder unter dem jüdischen Volk.

Sabbat: Da doch Gott im Gesetz aufs ernstlichste verboten hatte, dass dergleichen Arbeit am Sabbat nicht geschehen soll, dessen sie sich wenig geachtet. [Gleichwie aber die Juden, nach dem sie aus der Babylonischen Gefangenschaft erlöst wurden, des Sabbattag ganz zu sehr missbraucht zu weltlichen Geschäften. Also missbrauchen auch die Christen ganz oft der christlichen Freiheit, nach dem sie aus der Tyrannei des Papstes erledigt sind, und machen die Feiertage oft ohne deutliche erhebliche Ursachen, zu Werktagen).

Bezeugt: Dass ich sie ernstlich vermahnte, sie sollten den Sabbat mit dergleichen weltlichen, und zur selben Zeit unnötigen oder auch ungebührlichen Geschäften, nicht entheiligen.

16. Es wohnten auch Tyrer darin; die brachten Fische und allerlei Ware und verkauften es auf den Sabbat den Kindern Judas und Jerusalems.

Darin: Nämlich, im jüdischen Land.

17. Da schalt ich die Obersten in Juda und sprach zu ihnen: Was ist das für ein böses Ding, das ihr tut, und brecht den Sabbattag?

Brecht: Denn der Sabbat ist nicht zu weltlichen und häuslichen Geschäften eingesetzt, sondern zu heiligen Werken, und dass der Mensch daran ruhen soll.

18. Taten nicht unsere Väter also, und unser Gott führte all dieses Unglück über uns und über diese Stadt? Und ihr macht des Zorns über Israel noch mehr, dass ihr den Sabbat brecht.

Dies Unglück: Dass, nämlich, diese Stadt vor der Zeit erobert und zerstört, und das ganze Land verwüstet, wir aber gefangen weggeführt wurden, eben um der Ursache willen, weil wir die Gebote Gottes übergangen hatten.

Noch mehr: Dass ihr den gerechten Zorn Gottes wider das Volk Israel noch mehr von neuen aufbringt und reizt. [Obwohl nun heutigen Tages die Christen an den siebten Tag so eigentlich nicht gebunden sind, so wird doch Gott schwer damit erzürnt, wenn man aus Trägheit oder Geiz an den Festtagen sich von der Anhörung des göttlichen. Wortes abhalten lässt).

19. Und da die Tore zu Jerusalem aufgezogen waren vor dem Sabbat, hieß ich die Türen zuschließen und befahl, man soll sie nicht auftun bis nach dem Sabbat. Und ich bestellte meiner Knaben etliche an die Tore, dass man keine Last hereinbrächte am Sabbattage.

Vor dem Sabbat: Nämlich, am Heiligen Abend, um die Zeit, da man die Tore pflegte zu verschließen, befahl ich, dass man des folgenden Sabbattages die großen Tore nicht öffnen soll, bis der Sabbat vorüber wäre.

Bestellt: Denn weil man ein Türlein an einem jeden Tor musste offen lassen, dass man dadurch könnte ein und ausgehen, wer zu spazieren Lust hätte, welches am Sabbat zugelassen war. So tat ich dennoch Vorsehung, dass durch solche Gelegenheit der Sabbat nicht gebrochen würde. [Zu wünschen wäre es, dass alle Obrigkeiten mit gleichem Fleiß und Eifer acht hätten, damit man die Festtage nicht ohne Anhörung des göttlichen Wortes mit mehr denn unheiligen Geschäften zubrächte).

20. Da blieben die Krämer und Verkäufer mit allerlei Ware über Nacht draußen vor Jerusalem, einmal oder zwei.

Blieben: Nämlich, am Sabbattage, welches Tun mir auch nicht zuschlagen wollte, und mich die Gefahr dabei sein bedünkte, dass nicht etwa unter solchem Schein ihrer viel aus den benachbarten Heiden hätten mögen herzukommen, und suchen, an welchen Ort die Mauern am besten zu übersteigen, und also die Stadt zu erobern wäre.

21. Da bezeugte ich wider sie und sprach zu ihnen: Warum bleibt ihr über Nacht um die Mauer? Werdet ihr es noch einmal tun, so will ich die Hand an euch legen. Von der Zeit an kamen sie des Sabbats nicht.

Bezeugte: Ich ermahnte sie aufs Ernstlichste, dass sie es nicht mehr tun sollten.

Ihr es: Denn das Vorige will ich euch zugutehalten.

Legen: Dass ich euch entweder gefangen einziehe, oder mit Schlägen abweisen will.

22. Und ich sprach zu den Leviten, die rein waren, dass sie kämen und hüteten der Tore, zu heiligen den Sabbattag. Mein Gott, gedenke mir des auch und schone mein nach deiner großen Barmherzigkeit!

Rein waren: Nach den levitischen Zeremonien.

Tor: Nämlich, der Stadt. Also, dass bei einem jeden Tor sich ein Levit oder zwei finden ließen, die Acht darauf hätten, dass von denen, die aus- oder eingingen, nichts geschehe, welches der Heiligung des Sabbats zuwider wäre. [Denn wo die Kirchendiener, nach dem es die Gelegenheit ihres Berufes mit sich bringt, nicht wachen, und achthaben, dass der Sabbat geheiligt werde, so sind die, welche von der weltlichen Obrigkeit dazu bestellt werden, oft fahrlässig).

Des: Solches meines fleißigen Aussehens, damit deine Ehre möchte befördert werden.

Schone mein: Dass du mich nicht strafst, nach dem meine Sünden verdient haben, sondern das vor Augen schwebende Unglück abwendest, nach deiner unermesslichen Güte. [Denn es wendet Gott von denen viel Strafen ab, die sich mit Fleiß dahin bemühen, dass Gottes Ehre befördert werde. Da sie aber einem Unglück entgangen sind, sollen sie es der göttlichen Güte und Gnaden zuschreiben, und nicht ihrem Verdienst).

23. Ich sah auch zu der Zeit Juden, die Weiber nahmen von Asdod, Ammon und Moab.

Asdod: Einer Stadt der Philister, so Heiden waren.

Und Moab: Es waren aber die Moabiter und Ammoniter gottlose Völker, von derer Gemeinschaft die Juden, nach Ausweisung der Gebote Gottes, sich äußern und enthalten sollten, damit sie nicht durch solche Heirat zur heidnischen Bosheit und Abgötterei verführt würden: So hatte Esra bereits vor der Zeit etlichen Juden ihre Weiber genommen, die sie von den Heiden geheiratet hatten, durch welches Antrieb sich auch die Juden mit einem Eid gebunden, dass sie keine heidnischen Weiber mehr nehmen wollten {Esra 10}. Dennoch sind sie nicht lange später wiederum in eben die selbige Sünde geraten, wie an diesem Ort Nehemia bezeugt. [Soll deswegen eine Obrigkeit nicht meinen, es sei der Sachen damit geholfen, wenn sie gute Gesetz stellen lassen, sondern es ist auch hoch vonnöten, dass man fleißige Vorsorge und Beobachtung habe, ob die Untertanen den Gesetzen und nützlichen Ordnungen nachleben).

24. Und ihre Kinder redeten die Hälfte asdodisch und konnten nicht jüdisch reden, sondern nach der sprach eines jeglichen Volkes.

Volkes: Sie mengte vielerlei Völker Sprachen durcheinander, dass es sehr übel lautete, als wenn einer Deutsch und Welsch durch einander würfe.

25. Und ich schalt sie und fluchte ihnen; und schlug etliche Männer und raufte sie; und nahm einen Eid von ihnen bei Gott: Ihr sollt eure Töchter nicht geben ihren Söhnen, noch ihre Töchter nehmen euren Söhnen, oder euch selbst.

Schalt sie: Dass sie wider den ausdrücklichen Befehl Gottes, und wider ihre getanen Eidespflicht ausländische Weiber geheiratet hatten.

Fluchte: Dass ich denen, die wissentlich und mutwillig dem Gebote Gottes und ihrem getanen Eid zuwidergehandelt hatten, aus einem göttlichen Eifer wünschte, Gott sollte sie mit zeitlichen Strafen heimsuchen, dadurch sie zur Buße möchten gebracht werden.

Schlug: Mit gutem Fug, und aus habender Gewalt, der mir vom Könige aus Persien gegeben war.

Kauft: Nämlich, beim Haar, die vor anderen sich mutwillig und widerspenstig erzeigten. [Dies ist ein besonderer Eifer an des Nehemia Person gewesen, der nicht einem jede, so im Stande der Obrigkeit ist, nachzufolgen steht. Doch soll eine Obrigkeit die Verbrecher ihrem Befehlen mit Maß, und der Gebühr nach Strafen, sonst ist es vergebens, dass man viel Gesetze und Ordnungen macht, wenn man nicht mit der Strafe hinter den bösen Buben her ist).

Eid: Ich ließ sie mir von neuen angeloben und schwören.

26. Hat nicht Salomo, der König Israels, daran gesündigt? Und war doch in vielen Heiden kein König ihm gleich, und er war seinem Gott lieb, und Gott setzte ihn zum Könige über ganz Israel; dennoch machten ihn die ausländischen Weiber zu sündigen.

Daran: Dass er fremde Weiber genommen.

Gleich: An Frömmigkeit und Weisheit. Wenn deswegen die ausländischen Weiber den allerweisesten König, der dazu Gott ganz lieb gewesen, ehe er sich verführen lassen, betrogen, und betört habe, so versucht ihr freilich Gott, wenn ihr heidnische Weiber nehmt, von denen ihr viel leichter, als ein solcher weiser König, könnt verführt werden. [Den anderen, und besonders vortrefflicher Männer Irrtümer und Fehler, sollen uns eine Weisheit sein, dass wir desto vorsichtiger wandeln).

27. Habt ihr das nicht gehört, dass ihr solch große Übel tut, euch an unserem Gott zu vergreifen und ausländische Weiber zu nehmen?

Gehört: Was, nämlich, dem Salomo begegnet ist, dass ihr dennoch euren bösen Begierden also nachhängt.

Weiber: Die uns Gott ernstlich verboten hat. Gerade als ob ihr keine israelitischen Weiber zu finden wüstet, die ihr nehmen könntet. [Obwohl nun es den Christen an sich selbst freisteht, dass sie Weiber nehmen mögen, die einer anderen Religion sind, so ist doch solche Heirat gefährlich, und läuft viel ungerades mit unter).

28. Und einer aus den Kindern Jojadas, des Sohnes Eliasibs, des Hohepriesters, hatte sich befreundet mit Saneballat, dem Horoniten; aber ich jagte ihn von mir.

Horoniten: Einem gottlosen persischen Landpfleger, der den Juden sehr feind war, und ihnen ihr gutes Glück missgönnte, wie oben in Kapitel 4. gehört wurde. [Dergleichen Heirat sind heutigen Tages in Deutschland nicht seltsam, da etliche um Reichtums willen, dass sie mögen Geld und Gut überkommen, ihre Kinder an solche Örter verheiraten, da man ihrer Religion und ihren Landsleuten feind ist. Was aber für Glück bei einer solche Heirat ist, erfährt mancher später mit seinem Schaden).

Von mir: Ich entschlug und äußerte mich sein, weil der, so anderen hätten sollen mit gutem Beispiel vorgehen, seinen Mitbrüdern Ärgernis gab. [Denn je höher der geachtet ist, der da sündigt, je größer seine Sünde auch geachtet wird, und je mehr Ärgernis er gibt).

29. Gedenke an sie, mein Gott, dass sie das Priestertums befleckt haben und des Bundes des Priestertums und der Leviten.

An sie: Dass du solche rohlosen und widerspenstigen Leute nach ihrem Verdienst strafst.

Los: Dass sie sich selber unwürdig gemacht haben, dem Priestertum oder Leviten Amt weiter abzuwarten, weil sie alle Gebühr der Geistigkeit überschritten. [Denn welche der Kirche mit großem Ärgernisse schaden, und in der Tat zu verstehen geben, dass sie ein leichtfertiges gottloses Gemüt haben, die soll man beim Predigtamt nicht leiden. Und mag man Gott wohl bitten, dass er sie zeitlich strafen wolle, damit sie ihre Sünde erkennen, und Busse tun).

30. Also reinigte ich sie von allen ausländischen und stellte die Hut der Priester und Leviten, einen jeglichen nach seinem Geschäfte,

Ausländischen: So wohl Männern als Weibern, die aus der Heidenschaft gebürtig waren.

Stellt: Ich ordnete sie, auf dass ein jeder wüsste, was er tun sollte, und zu welcher Zeit er sich beim Tempel zur Verrichtung seines Amtes sollte finden lassen.

31. und zu opfern das Holz zu bestimmten Zeiten und die Erstlinge. Gedenke meiner, mein Gott, im Besten!

Holz: Damit man die Opfer verbrannte, dass sie es zum Tempel heranschaffen würden, davon auch oben in Kapitel 10. Anregung geschehe.

Erstlingen: Die das Volk zum Gottesdienst, und zu der Priester und Leviten Unterhaltung zum Tempel zu bringen, schuldig war. Da hatte ich mit Fleiß Acht darauf, dass die Juden in solcher Sache nicht fahrlässig oder säumig wären. [Denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Und Gott will, dass, welche dem Predigtamt vorstehen, auch davon ihre Nahrung haben {1Kor 9}.

Im Besten: Vergilt mir, aus Gnaden, die Werke, so du durch deinen Geist in mir gewirkt hast. Dergleichen Gebetlein haben wir zuvor etliche Male auch gehört. [Obwohl es nun uns vonnöten ist, dass man stündlich oder täglich solche Wort treibe, so soll doch unser Herz viel und oft zu Gott seufzen, und bitten, dass er mit seiner väterlichen Gnade und Güte stetig uns behüten wolle).

Ende des Buches Nehemia.