Der Prophet Micha


Dieser Prophet ist aus der Stadt Maresa, im Stamm Juda gelegen, gebürtig gewesen, wie der Anfang seiner Weissagung bezeugt. Er hat aber unter dreier Könige in Juda Regierung geweissagt, wie gleichfalls aus seinen eigenen Worten zu sehen. Und weil unter dem Könige Ahas, wie auch unter etlichen vorigen Königen in Juda, dasselbe Königreich voller Abgötterei und anderen Lastern steckte, das Königreich Israel aber immerdar Abgötterei trieb, und mit gräulichen Lastern sich besudelte, so verkündigt der Prophet mit großem Eifer, beider Königreich Verwüstung und Zerstörung. In maßen man auch aus dem 26. Kapitel des Propheten Jeremia, da seiner Meldung geschieht, abnehmen kann, wie gewaltig er gelehrt. Er hat aber darum so scharf gepredigt, auf dass die Leute Busse taten, den Zorn Gottes milderten, und dem herzunahenden Unglück entrinnen, oder, da sie in der Strafe nicht allerdings entgehen könnten, dass sie dennoch Busse taten, und ihre Seele zum wenigsten erretteten, damit sie nicht mit Leib und Seele zugleich zugrunde gingen. Und weil der Prophet merkte, dass in solcher allgemeinen Landstrafe viel fromme Leute zugleich mit würden hingerissen werden, so predigte er auch ganz lieblich von dem Heiland Christo und von seinem Reich und nennt ausdrücklich den Ort, da Christus sollte geboren werden, auf dass die Frommen in ihrem Elend einen Trost hätten und auf den künftigen Heiland Christus ihr Vertrauen setzten. Weil demnach Deutschland mit den beiden Königreichen, Juda und Israel kann verglichen werden, da ihrer etliche die päpstliche Abgötterei mit Verfolgungen schützen, andere das Evangelium mit einem schändlichen Leben entehren, so ist kein Zweifel, es werden schwere Strafen darauf erfolgen, wie den Königreichen und Israel auch begegnet. Darum man die Erklärung dieses Propheten zu unserer Zeit nützlich gebrauchen kann.


Das 1. Kapitel


I. der Prophet weissagt wider Samaria und Jerusalem, und predigt weitläufig von den Sünden des Jüdischen und israelitischen Volkes, wie er auch darauf von den Strafen nach längst und ordentlich nacheinander handelt.

1. Dies ist das Wort des Herrn, welches geschah zu Micha von Maresa zur Zeit Jothams, Ahas, Jehiskias, der Könige Judas, das er gesehen hat über Samaria, und Jerusalem.

Wort: Nämlich, die göttliche Weissagung, so von Gott dem Propheten Micha geoffenbart wurden.

Maresa: Eine Stadt im Lande Juda {Jos 15}.

Jotham: der ein frommer König gewesen, und der rechten Religion zugetan, ohne allein dass er die Opfer auf den Höhen nicht abgetan hat {2Sam 16 2Chr 27}.

Ahas: der ein gottloser König gewesen, und der Abgötterei ganz ergeben {2Sam 16 2Chr 28}.

Jehiskia: Welcher die rechte Religion wieder angerichtet, und eine herrliche Reformierung in der Kirche gehalten hat {2Sam 18 2Chr 28 29}. Wenn man nun dieser Könige Regierungen zusammen rechnet, so befindet sich es, dass Micha über die 40 Jahre gepredigt habe, welche Zeit über er ohne alle Zweifel des halsstarrigen jüdischen Volkes große Bosheit genügend erfahre. [Aber die Kirchendiener soll nach dieses Propheten Beispiel in ihrem Beruf fortfahren, und durch der Welt Bosheit, Widerspenstigkeit oder Undankbarkeit sich nicht davon abhalten lassen, denn sie nicht allerdings bei jedermann vergebens arbeiten werden).

Gesehen: Und aus einer göttlichen Offenbarung empfangen hat.

Samaria: Dadurch das Königreich Israel verstanden wurde.

Jerusalem: Das ist: Übers Königreich Juda. Denn wider diese beiden Königreiche sind folgende Weissagungen gerichtet von wegen ihrer Abgötterei und anderen groben äußerlichen Sünden. [Weil aber die Welt immer bleibt, und Gott seinen Sinn auch nicht ändert, so werden der Propheten Weissagungen recht auf unsere Zeiten gezogen, und was wir in den prophetischen Schriften lesen, das sollen wir uns auch lassen gesagt sein. Gleichwie aber der Prophet zugleich wider das Königreich Juda und Israel predigt, da doch zur selben Zeit im Königreich Juda die Religion, meistenteils etwas reiner war. Also kann man auch zugleich die Päpstlichen und Evangelischen aus dem Worte Gottes miteinander recht strafen. Die Evangelischen zwar, weil ihrer viel dem Evangelium unwürdig leben: Die Päpstlichen aber, dass sie öffentliche Abgötterei verteidigen, und daneben ein gottloses Leben führen).

2. Hört, alle Völker, merke auf, Land, und alles, was darin ist! Denn Gott der Herr hat mit euch zu reden, ja, der Herr aus seinem heiligen Tempel!

Darin: Beides an lebhaften und unlebhaften Kreaturen. Denn es sind gar große und hochwichtige Sachen, die ich euch von Gottes wegen vortragen soll, darum ich wollte, dass sie allen Menschen kundgetan würden, und will hiermit vor allen Kreaturen bezeugt haben, dass ich euch von solchen Dingen sagen will, die euch zu eurer Seligkeit ganz hoch vonnöten sind, dass ihr es wisst.

Tempel: Also dass ihr nicht denken sollt, ich hab es aus meinem Kopf erdacht, was ich wider euch reden werde, sondern Gott, der Herr selbst, der im Tempel zu Jerusalem geehrt wird, redet dies wider euch, den führe ich zum Zeugen herzu über eure Bosheit, und zwar wird es leider der Ausgang bezeugen, ob ich wahr oder falsch geredet habe. [Ob nun wohl die Kirchendiener heutigen Tages nicht solche Offenbarungen haben, wie vorzeiten die Propheten, jedoch, weil sie eben dieselbe Lehre vorbringen, so aus den prophetischen und apostolischen Schriften genommen ist, so soll man ihnen mit großem Fleiß zuhören, nicht anders, als wenn Gott selber vom Himmel mit uns redete, denn das Wort Gottes ist und bleibt Gottes Wort, es werde gleich von einem Menschen gepredigt, oder zu einer Zeit gelehrt, wie es wolle). Dies ist also der Eingang gewesen des Propheten zu seiner Weissagung, später folgt der Vortrag.

3. Denn siehe, der Herr wird ausgehen aus seinem Ort und herabfahren und treten auf die Höhen im Lande,

Treten: Das ist: Gott wird sich rüsten zur Rache und wird kommen zu strafen beider Königreiche, Israel und Juda, Bosheit, und was hoch und Stolz in denselben Königreichen ist, das wird er unter seine Füße treten. [Denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade, Er stürzt die Gewaltigen vom Stuhl, und erhöht die Niedrigen).

4. dass die Berge unter ihm schmelzen und die Täler reißen werden, gleichwie Wachs vor dem Feuer verschmilzt, wie die Wasser, so unterwärts fließen.

Reißen: Es werden weder Obrigkeit noch Untertanen so durch die Berge und Täler vorgebildet wurden, vor den Ernst Gottes des Rächers bestehen können, sondern hohe und niedrige sollen miteinander ihre wohlverdiente Strafe empfangen. [Denn bei Gott ist kein Ansehen der Personen).

Verschmilzt: Also wird der Könige menschlicher Gewalt nicht bestehen können vor dem zornigen Gott, dessen Eifer, wie ein Feuer brennt.

Fließen: Und alles mit sich hinwegflößen, was sie antreffen, Bäume, Holz, und Steine. Also wird auch der gerechte Zorn Gottes den gemeinen Haufen durcheinander ohne Unterschied ins Elend und Verderben hinweg reißen. [Denn wo Gott zornig ist, da hilft keine menschliche Gewalt mehr, es muss alles fort, da ist kein bleiben).

5. Das alles um der Übertretung willen Jakobs und um der Sünde willen des Hauses Israel. Welches ist aber die Übertretung Jakobs? Ist es nicht Samaria? Welches sind aber die Höhen Judas? Ist es nicht Jerusalem?

Sünde willen: Dies ist die Ursache, um welcher willen Gott über sein Volk so heftig erzürnt ist, weil des Patriarchen Jakobs Nachkommen in Sünden und Unbußfertigkeit leben. [Denn Gott schüttet seinen Grimm über unschuldige Leute nicht aus).

Nach Luther: Abgötterei, welche ist auch die Hurerei. Der Lohn und Gewinn sind die Zinsen und Güter solcher Stifte, welche sind Hurenlohn, und werden wieder Hurenlohn, denn sie kommen den Gottlosen zuteil v. 7.

Samaria: Als wollte er sprechen, ist es nicht die Bosheit, so in der Stadt Samaria getrieben wird? Von welcher Stadt wir etwas ferneren Bericht tun müssen der König in Israel, Amri genannt, hat den Berg Samaria an sich gebaut, und darauf eine königliche Stadt gebaut, da zuvor die königliche Hofhaltung zu Thirza den mehren Teil war. Weil aber dieser Amri ganz ein gottloser König und abgöttisch gewesen, hat er seine neu erbaute Stadt Samaria ohne Zweifel auch mit viel Abgötterei eingeweiht, und verunreinigt, auf dass er der neuen Stadt mit dem neuen Gottesdienst ein Ansehen machte. Welchem in der Regierung gefolgt sein gottloser Sohn Ahab, der zu Samaria dem Abgott Baal eine Kirche gebaut, und baalitische Gottesdienste angerichtet, seinem Gottlosen Weibe, Isebel, zu gefallen, und hat den wahren Gott Israels mehr beleidigt und erzürnt, als alle Könige in Israel, so vor ihm gewesen {1Sam 16}. Darum der Prophet Micha richtig die Sünde Samarias, dazu mit Namen, anklagt. [Obwohl es nun heutigen Tages nicht vonnöten ist, dass man in der Predigt, der Örter oder Personen Namen ausdrücklich melde, da es denn größerer Vorsichtigkeit und Mäßigung bedarf, damit man nicht mehr zerstöre, als baue: So soll doch ein Kirchendiener solche Freiheit und deutliche Reden, die Laster und Irrtum zu strafen, gebrauchen, dass die Personen, welche der Strafe und Erinnerung zu ihrer Besserung bedürfen, verstehen und merken können, sie sind getroffen, damit sie Busse tun, und selig werden).

Jerusalem: In und um welche Stadt die abgöttische Kapelle, und Altar an hohen Orten aufgerichtet wurden, mit denen man Gott den Herrn bisher heftig erzürnt und beleidigt hat. Denn obwohl im Tempel zu Jerusalem unter den frommen Königen in Juda der wahre Gottesdienst im Schwange ging. So waren dennoch nichtsdestoweniger auch außerdem Tempel an hohen Orten Kirche und Altare gebaut, da man opferte, und des Gottesdienstes pflegte, welche aber Gott nicht gefielen, weil er allein in dem Tempel zu Jerusalem zu opfern befohlen. Darum der Prophet auch recht daran tut, dass er das Königreich Juda, von wegen des unrechten Gottesdienstes, als böses und gottlos beschuldigt. [Denn die Gottesdienste, so ohne Gottes Wort, aus guter Meinung angerichtet werden, sind vor Gott ein Gräuel. Und wird er vergeblich mit Menschenfündlein geehrt, wie die Schrift an vielen Orten bezeugt). So ist unter dem Könige Ahas in Juda, die Stadt Jerusalem mit schrecklicher und vielfältiger Abgötterei verunreinigt worden. Wie 2. Samuel 16. und 2. Chron. 28 zu sehen.

6. Und ich will Samaria zum Steinhaufen im Felde machen, die man um die Weinberge legt; und will ihre Steine ins Tal schleifen und zugrunde einbrechen.

Machen: Also will ich die königliche Stadt Samaria strafen, um ihrer Sünden willen.

Legt: Wenn man einen neuen Weinberg pflanzt, denn da liest man die Steine aus dem Weinberge, und wirft sie außerhalb desselben an einen Ort zusammen.

Tal schleifen: Die jetzt auf dem Berge stehen, und damit ein Übermut und übermäßige Pracht getrieben wird.

Einbrechen: Ich will sie in Grund zerstören. [Denn die Abgötterei richtet endlich auch die allermächtigsten und festesten Städte zugrunde, und macht sie zu Steinhaufen).

7. Alle ihre Götzen sollen zerbrochen und all ihr Hurenlohn soll mit Feuer verbrannt werden, und will alle ihre Bilder verwüsten; denn sie sind von Hurenlohn versammelt und sollen auch wieder Hurenlohn werden.

Hurenlohn: Dadurch versteht er die goldenen, silbernen, mit Edelstein versetzten, seidenen und andere allerhand schöne Sachen und Gaben, die von den abergläubischen und abgöttischen Leuten zur Zierde und Schmuck in den abgöttischen Kirchen, und zur Beförderung des falschen Gottesdienstes reichlich gegeben wurden. [Dass aber die Schrift so oft meldet, wie die abgöttischen Bilder sollen zerbrochen werden, erinnert uns solches, dass man die Bilder, so angebetet werden, ordentlicherweise aus dem Wege räumen soll. Darüber aber wird derjenigen unsinniges Wesen nicht recht geheißen, welche bestreiten, dass man alle Bilder, ohne Unterschied aus den Kirchen hinwegwerfen müsse, viel weniger kann man die Wüterei loben, dass man aus einem tollen Mut, denn sie, die es tun, einen Eifer nennen, alle Bilder mit großem Ungestüm, ja auch die Orgeln, aus den Kirche stürmt. Am allerwenigsten aber ist das ein Antrieb eines guten Geists, da man die Kirche ganz niederreißt, und neue wieder aufbaut, da man doch die alten recht und mit gutem Gewissen ganz wohl benutzen kann. Denn auch Judas Makkabäus den Tempel zu Jerusalem nicht eingerissen, der vom Antiocho mit schändlicher Abgötterei war verunreinigt worden, sondern hat ihn nur wiederum gereinigt. So heißen die Propheten nicht, dass man den Tempel zu Jerusalem zerstören sollte, sondern dass man den falschen Gottesdienst daraus hinweg tat. Es nennt aber der Prophet die Gaben der abgöttischen Kirchen ein Hurenlohn, weil sie zur Beförderung der Abgötterei gegeben waren, von denen, die zur Abgötterei, als zu einer geistlichen Hurerei Lust hatten. Solch Hurenlohn sind auch die Kleinodien in den päpstlichen Kirchen, damit die abergläubischen und abgöttischen Leute, die Messe und den heiligen Dienst geschmückt und geziert haben. Und sind zwar die Leute in Beförderung der Abgötterei nur gar zu freigiebig, aber zur Erhaltung des reinen Predigtamts göttlichen Wortes karg und filzig).

Versammelt: Das ist: Dieselben Güter sind durch die Priester, welche das Volk zur Abgötterei gereizt, Betrug und Falschheit zuwege gebracht, gleichwie ein unzüchtiges Weib ihr Buhlen zum Beischlaf reizt, damit sie Geld von ihm empfange. Darum, gleichwie solche Güter durch unehrbare und gottlose Mittel erworben sind, also werden sie auch schändlich wiederum verloren werden. Denn was vor dem Feuer bewahrt wurde, und übergeblieben, das werden die geizigen Kriegsleute wegnehmen, und mit Spielen, saufen und Huren üpppiglich vertun. [Dessen man ein lebendiges Muster zu Rom sehen kann, da dieselbe Stadt Anno 1527. erobert, und von den Kriegsleuten geplündert wurde. Und erfüllen diese Weissagung auch, aber mit bösem Gewissen, welche die Kirchengüter, wie man es nennt, mit einem üppigen und unzüchtigen Leben verschwenden, als im Papsttum täglich geschieht. Fromme Obrigkeiten aber sind zu loben, welche, was vor Zeiten mehrererteils aus Aberglauben zum Gottesdienst gestiftet wurde zur Erhaltung des Predigtamts, Erlernung guter Künste und Ernährung der Armen anwenden).

8. Darüber muss ich klagen und heulen; ich muss beraubt und bloß dahergehen; ich muss klagen wie die Drachen und trauern wie die Strauße.

Heulen: Weil ich (spricht der Prophet) sehe, was für ein großes Unglück über das Volk Gottes, um ihrer Sünden willen ergehen werde, kann ich es nicht unterlassen, solchen Jammer meines Volkes zu beklagen und zu beweinen.

Bloß: Dass ich meine guten langen Kleider ablege, und ein schlechtes geringes Amtskleid trage, dadurch dem Volk Israel das assyrische Elend und Gefängnis vor Augen zu stellen.

Strauße: Das ist: Gleichwie die Drachen seufzen, und andere Nachtvögel ein jämmerliches Geheule treiben. Also muss ich heulen über dem Unglück, welches das Königreich Israel überfallen wird.

9. Denn ihrer Plage ist kein Rat, die bis nach Juda kommen und bis an meines Volkes Tore gen Jerusalem hinanreichen wird.

Kein Rat: Es wird diesem Königreich nicht mehr zu helfen sein, das es möchte wieder angerichtet werden, und werden die vertriebenen Israeliten nicht wieder aus Assyrien in ihr Vaterland kommen. Denn weil sich eine beharrliche und stetige Bosheit im Königreich Israel befunden, also dass kein einiger frommer König darin regiert hat, so werden auch die künftigen Strafen desselben Königreichs immer dauern. [Denn Gott schickt oft, nach dem es mit den Sünden beschaffen, zu einer Wiedervergeltung, leibliche Strafen, dass die desto länger geplagt werden, welche lange gesündigt haben).

Juda kommen: Denn es wird der König in Assyrien über wenig Jahr später, nach dem das Königreich Israel zerstört wurde, auch das Königreich Juda anfallen.

Reichen wird: Wie denn der König in Assyrien, Sanherib, da er das jüdische Land mit einem mächtigen Kriegsheer verheert, endlich auch seine Gesandten, mit vielem Volk bis vor die Tore der Stadt Jerusalem geschickt, dass sie die Stadt aufforderten {2Sam 18}.

10. Verkündigt es ja nicht zu Gath, lasst euch nicht hören weinen, sondern geht in die Trauerkammer und sitzt in die Asche!

Zu Gath: In der Stadt der Philister, damit sie nicht erfahren, wie übel es im Lande Israel zugehe, sondern verhehlt viel mehr euer Unglück vor ihnen, auf dass die Feinde des Volkes Gottes sich nicht darüber freuen, und euer noch dazu spotten, wie sie zu tun pflegen. Eben also redet auch David von der Sache in seinem Klagelied, über des Sauls Tode gemacht {2Sam 1}. Da er spricht, sagt es nicht an zu Gath, verkündigt es nicht auf den Gassen zu Asklon, dass sie sich nicht freuen die Töchter der Philister, das nicht frohlocken die Töchter der Unbeschnittenen. [Denn das macht den Jammer des Volkes Gottes viel größer und schwerer, wenn die Feinde der Kirche, da sie unseren Unfall sehen, sich freuen, unser Spotten und Sagen: Wo ist nun euer Gott und euer Evangelium?)

Asche: Von wegen der großen Niederlage, die ihr von den Assyrern empfangen werdet.

11. Du schöne Stadt musst dahin mit allen Schanden. Die Einwohnerin Zaenans wird nicht ausziehen um des Leides willen des nächsten Hauses. Er wird es von euch nehmen, wenn er da sich lagern wird.

Du: Jetzt erzählt der Prophet insbesondere etliche Städte des Königreichs Juda, mit denen es im assyrischen Einfall trüb aufhören werde, und mengt von der Zerstörung Samaria auch etwas mit unter. Denn er wider beide Königreiche geweissagt hat.

Schöne Stadt: Mit diesen Worten deutet er auf die Stadt Samaria, welche ganz wohl und stattlich erbaut gewesen, deren Einwohner mit großem Schimpf und Spott in Assyrien sollten gefangen weggeführt werden.

Zaenan: Derselben Stadt, so vom Ausziehen den Namen hat, als die wider den Feind tapfer herausfallen dürfen, wird sich nicht sehen lassen, sondern mit großer Furcht innerhalb der Mauern halten, weil sie der große Unfall schrecken und verzagt machen wird, der anderen mehr Städten in der Nachbarschaft begegnet ist. Ja auch wenn das assyrische Kriegsvolk von der Stadt abziehen wird, so werden die in der Stadt dennoch nicht keck heraus gehen dürfen, weil sie sich besorgen werden, dass nicht etwa der Feind in einem Hinterhalt verborgen liege, ihnen den Weg verlaufe, und die Stadt ein bekomme. [Denn wenn Gott ein Land um der Sünden willen Strafen will, so nimmt er denselben Leuten den Mut, dass sie sich vor dem Feinde fürchten, wenn sie ihn nur nennen hören, da sie doch zuvor ganz mutig und trotzig gewesen sind).

12. Die betrübte Stadt vermag sich nicht zu trösten; denn es wird das Unglück vom Herrn kommen, auch bis an das Tor Jerusalems.

Zu trösten: Das ist: Weil die vorgemeldete Stadt hören wird, dass der König in Assyrien auch die Stadt Jerusalem auffordere, so wird sie in großen Ängsten sein. [Denn in leiblichen Trübsalen, geraten auch die Frommen bisweilen in große Bekümmernis und Furcht).

13. Du Stadt Lachis, spanne Läufer an und fahre davon; denn du bist der Tochter Zion der Anfang zur Sünde, und in dir sind gefunden die Übertretungen Israels.

Spanne: Rüstet euch zur Flucht, ihr Einwohner zu Lachis, spannt an, und reißt aus, so lieb euch euer Leib und Leben ist.

Anfang: Es wird diese Stadt besonders von Gott durch der Feinde Einfall gestraft werden, weil sie die erste gewesen, so die Abgötterei, dem Königreich Israel zur Folge, angenommen, und die zu Jerusalem von derselben Stadt ein Beispiel gesehen, dass sie sich mit gleicher Abgötterei besudelt. [Welche deswegen mit bösen Exempeln andere ärgern, die werden auch in diesem Leben von Gott schwer gestraft).

14. Du wirst müssen Gefangene geben sowohl als Gath. Der Stadt Achsib wird es mit den Königen Israels fehlen.

Gefangene geben: Nämlich, dem König in Assyrien zur Geisel, gleichwie die zu Gath auch haben tun müssen, damit sie in ihrem Lande blieben.

Fehlen: Also, dass die israelitischen Könige auf dieselbe Stadt, als eine vornehme Festung, vergebens sich verlassen werden, denn sie die Gewalt und Anlauf des assyrischen Königs nicht wird aufhalten können. [Hier haben Fürsten und Herren sich zu erinnern, dass sie ihr Vertrauen nicht auf feste Städte und Schlösser setzen sollen, weil es ihnen mit den selbigen auch fehlen kann).

15. ich will dir Maresa, den rechten Erben bringen; und die Herrlichkeit Israels soll kommen bis gen Adullam.

Erben bringen: Gott wird euch Bürger zu Maresa den König in Assyrien zum Erben schicken, der euch alle das eure nehmen wird, als wenn es ihm erblich zugehörte, wird also, wie man sagt, euch eben, ehe ihr sterbt. [Wir sollen Gott bitten, dass er uns nicht solche Erben zuschicke, die uns das unsere wider unseren Willen nehmen, und lassen uns zusehen).

Adullam: Welches eine Höhe gewesen, davon sonst in der Heiligen Schrift auch Meldung getan wird. Und will der Prophet damit so viel zu verstehen geben. Es werde das Königreich Israel, welches jetzt ganz hochtrabend ist, in kurzer Zeit zur Hölle gemacht werden, weil man die Städte und Schlösser verwüsten wird. [Denn Gott ist aller Üppigkeit und Übermut feind, und liebt die Mäßigkeit und Demut).

16. Lass die Haare abscheren und gehe kahl über deine zarten Kinder! Mache dich ganz kahl wie ein Adler; denn sie sind von dir gefangen weggeführt.

Adler: Der zur gewissen Zeit im Jahr die Federn fallen lässt, und sich mausert. Es rauften aber oder schnitten die Alten vorzeiten in ihrem großen Herzeleid das Haar ab.

Weggeführt: Das ist, deine Bürger und Einwohner, sogar zart und in Wollüsten erzogen sind, werden in die assyrische Gefangenschaft hinweg geführt werden. [Denn welche sich zu des Leibes Wollüsten gewöhnen, die werden endlich in eine traurige und jämmerliche Dienstbarkeit hingerissen: Welchen als denn ihr Elend viel schwerer und herber ankommt, als denen, die hart und kärglich mit schwerer Arbeit auferzogen sind).


Das 2. Kapitel


1. Im vorigen Kapitel hat der Prophet beiden Königreichen, Juda und Israel, die Verwüstung zuvor verkündigt, von wegen der verfälschten Religion, und um der Sünden willen, die sie wider die erste Tafel begangen: Jetzt erzählt er auch etliche Laster wider die andere Tafel, damit sie sich gleichfalls versündigt, und droht ihnen schwere Strafen.

1. Wehe denen, die Schaden zu tun trachten und gehen mit bösen Tücken um auf ihrem Lager, dass sie es früh, wenn es licht wird, vollbringen, weil sie die Macht haben!

Lager: Die auch des Nachts keine Ruhe haben können, sondern nur darauf bedacht sind, und mit denen Gedanken umgehen, wie sie ihren Nächsten betrügen, übervorteilen, oder mit Gewalt wider ihn fahren wollen, damit sie es, sobald es Tag geworden, ins Werke richten: Verlassen sich also auf ihre Gewalt, und nicht auf Recht und Gerechtigkeit. [Da sie doch vielmehr des Tages und mit wachenden Augen dahin trachten sollen, wie sie Gott rechtschaffen dienen, und dem Nächsten Gutes tun können).

2. Sie reißen zu sich Äcker und nehmen Häuser, welche sie gelüstet. Also treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause und mit eines jeden Erbe.

Erbe: Das ist, sie führen unschuldige Leute mit Hinterlist und Betrug um, damit sie dieselben um ihr Habe und Güter bringen, und solche später zu sich reißen. So ist das Beispiel der Isebel bekannt, welche damit sie ihrem Mann, dem Ahab, des Naboths Weinberg zuwege brächte, mit Hinterlist und bösen Tücken verschafft, dass Naboth der Gotteslästerung, und als ob er die hohe Obrigkeit verletzt hätte, fälschlich bezichtigt, angeklagt, und gesteinigt wurde {1Sam 21}. [Also werden heutigen Tages fromme Leute an etlichen Orten der Ketzerei beschuldigt, und unter solchem Schein ihrer Güter beraubt. Aber Gott wird solche Tyrannen und Lästerer übel umbringen. Es sind aber auch die nicht um ein Haar besser, welche mit einem anderen Schein und bösen Praktiken ihres Nächsten Güter zu sich reißen).

3. Darum spricht der Herr also: Siehe, ich gedenke über dies Geschlecht Böses, aus dem ihr euren Hals nicht ziehen und nicht so stolz dahergehen sollt; denn es soll eine böse Zeit sein.

Böses: Dieweil sie nur böses wider ihren Nächsten vorhaben, so will ich das böse und widerspenstig Personal, die Juden, auch strafen und ihnen ein großes Unglück über den Hals führen, dass sie den Hals nicht so bald aus der Schlinge ziehen sollen.

Böse Zeit: Darin euch der Mut wird gelegt werden. [Welche deswegen nur damit umgehen, wie sie anderen Leuten schaden mögen, wider die selbigen ratschlagt Gott auch, wie er sie strafen wolle. So vermag wider Gottes Rache keine menschliche List und Bosheit etwas. Und werden hier die Scharrhansen eigentlich abgemalt, welche armen Leuten das ihre nehmen, von denen der Prophet sagt, dass sie Stolz hereingehen, und daher treten, als müsste der Boden unter ihnen weichen: Aber Gott kann einen solchen Übermut schnell stürzen und zunichtemachen).

4. Zur selbigen Zeit wird man einen Spruch von euch machen und klagen: Es ist aus, wird man sagen; wir sind verstört. Meines Volkes Land kriegt einen fremden Herrn. Wann wird er uns die Äcker wieder zuteilen, die er uns genommen hat?

Machen: Die Speivögel werden ihr Gespött aus euch treiben, und aus eurem Elend ein Sprichwort machen.

Verstört: Wir sind ganz schändlich um unser Leib und Leben gekommen.

Zuteilen: Wird uns auch der tyrannische König in Assyrien einmal unsere Äcker und Güter wieder einräumen? Freilich nicht, es ist aus mit uns, Denn es gibt kein Pfaffe kein Opfer wieder. Darum wartet ihr Israeliten vergebens darauf, dass ihr hofft, ihr wollt euch wieder versammeln, und über das Land Kanaan das Los werfen, damit es unter die israelitischen Stämme ausgeteilt werde, wie zum Zeiten Josua geschehen, da er, und der Hohepriester Eleasar, dem israelitischen Volk das Land durch das Los ausgeteilt {Jos 14}. [Sind deswegen die Juden jetziger Zeit nicht wohl bei Sinnen, dass sie von der wieder Eroberung des Landes Kanaan sich noch viel köstliche Dinge träumen lassen. Und soll zwar ein so langwieriges Elend, darin sie stecken, jetzt über die anderthalb tausend Jahr, sie genügend überweisen und überzeugen, dass sie von Gott verworfen sind, und ewig umkommen werden, wo sie nicht Busse tun, und an Christus glauben, der längst erschienen ist).

5. Jawohl, ihr werdet kein Teil behalten in der Gemeinde des Herrn.

6. Sie sagen, man soll nicht träufeln; denn solche Träufe trifft uns nicht; wir werden nicht so zuschanden werden.

Sie: Folgt, mit was großer Widerspenstigkeit und Sicherheit die Israeliten zu des Propheten Micha Zeiten die Predigten göttlichen Wortes, und der Propheten Warnungen verachtet haben.

Nicht träufeln: Die Propheten sollen in ihren Predigten nicht schelten, noch die Strafen verkündigen, dass sie mit ihren Drohungen keinen Schrecken im Volk Gottes machen.

Uns nicht: Die Gefahr ist nicht so groß, als sie die Propheten machen. [Ein solcher Streit findet sich immer, und bleibt immer in der Welt, dass die sicheren Leute über die Kirchendiener zürnen, wenn sie die Laster ungescheut anziehen, und die Strafen drohen. Aber fromme Kirchendiener fahren in ihrem Amt immer fort, wenn sie gleich merken, dass viel Leute ihnen abhold werden.

7. Das Haus Jakob tröstet sich also: Meinst du, des Herrn Geist sei verkürzt? Sollte er solches tun wollen? Es ist wahr, meine Reden sind freundlich den Frommen.

Haus Jakob: Das Volk im israelitischen Königreiche, macht sich selber fälschlich gute Hoffnung.

Verkürzt: Als wollten sie sprechen, lass gleich sein, dass wir dem Herrn gesündigt haben, Denn wir wollen alle unser Tun und Reden nicht entschuldigen oder rechtfertigen, sollte aber darum Gott, der doch sonst seiner Natur halben gnädig und langmütig ist, so kurz angebunden sein, und den Zorn sich sogar meistern lassen, dass er um etlicher geringer Sünden willen ins Elend verstoßen müsste?

Tun wollen: Dass er im Sinn hätte uns zu verderben, die er doch so inniglichen liebt, und gleichsam in seinen Schoss hält? [Also geschieht es, dass, je näher die Strafen sind, je sicherer die Gottlosen werden, und da sie Gottes Zorn, den sie mit ihren Sünden verursacht, fürchten sollten, so bilden sie sich den selbigen ganz gnädig und gütig ein, gleichwie wiederum, die sich der Gnaden Gottes trösten sollten, ihnen Gott als einen strengen Richter vormalen).

Es: Jetzt antwortet Gott durch den Propheten dem sicheren Volk.

Frommen: Ich verheiße zwar Gutes zu tun, aber denen, die in der Furcht Gottes fromm leben. [Denn die Gottseligkeit hat Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens {1Tim 4}. Die Gottlosen aber bilden sich vergebens viel Gutes ein, das ihnen begegnen werde, da sie nur böses tun, und an keine Buße denken).

8. Aber mein Volk hat sich aufgemacht wie ein Feind; denn sie rauben beide, Rock und Mantel, denen, so sicher dahergehen, gleichwie die, so aus dem Kriege kommen.

Daher gehen: Und sich keiner Gefahr besorgen, die berauben sie, als wenn sie nicht in einem friedlichen Regiment lebten, sondern in Kriegsläufen sich enthielten, da es alles durch einander geht, und der Stärkere den Schwächeren in den Sack schiebt. [Heutigen Tages sind ihrer viel so geizig, dass, wenn sie mit ihrem Nächsten etwas zu handeln haben, nicht anders mit ihm umgehen, als wenn sie einen Feind vor sich sehen, dem sie seine Güter zu nehmen Macht hätten, und plündern also ihren Nächsten, als wenn sie ihn in einen wilden Wald beraubten, solche pflegt man Dachräuber zu nennen).

9. Ihr treibt die Weiber meines Volkes aus ihren lieben Häusern und nehmt stets von ihren jungen Kindern meinen Schmuck.

Treibt: Das ist, Ihr missbraucht des Scheidebriefes, und stoßt die Weiber mit den Kindern aus den Häusern, beraubt auch die Kinder ihres Erbguts, dass ich ihnen verordnet habe, dass sie gleichsam als im Elend, ohne Behausung und Unterhaltung müssen herumziehen. Obwohl nun die Ehescheidung zugelassen war, so verwarf doch Gott ihre Leichtfertigkeit, dass sie die Weiber ohne deutliche rechte Ursache von sich stießen, da denn dergestalt die armen elenden Weiber mit ihren kleinen Kindern, so zugleich mit den Müttern aus den Häusern, darin sie geboren und erzogen waren, hinaus gestoßen wurden, in große Trübsal und Jammer gerieten. [heutigen Tages ist zwar die Ehescheidung unter den Christen nicht mehr zugelassen, aber doch sündigen die fast ebenso grob, welche mit ihren Weibern gräulich umgehen, jagen dieselben mit Schlägen zum Haus hinaus, verschwenden und vertun schändlich die Güter, so ihrer Kinder Erbgut sein sollten. Solche Tyrannen und Säue soll die Obrigkeit richtig halten, und zur Gebühr weisen).

Meinen Schmuck: (Nach Luther) Was ich ihnen gegeben, das nehmt ihr von ihnen.

10. Darum macht euch auf; ihr müsst davon; ihr sollt hier nicht bleiben! Um ihrer Unreinigkeit willen müssen sie unsanft zerstört werden.

Davon: Ins Elend, denn Gott wird euch Israeliten nicht mehr lassen daheim bleiben, weil ihr andere aus ihren Häusern vertrieben habt, und werdet die Güter nicht behalten, welche ihr den Fremden mit Gewalt abgedrungen. [Denn wie wir mit unserem Nächsten umgehen, so macht es Gott wieder mit uns, und wird es uns mit dem Maß gemessen, damit wir gemessen haben {Lk 6}.

Unreinigkeit: Dass sie mit großen und vielen Sünden sich verunreinigt haben. Als, Abgötterei, Geiz, Ungerechtigkeit, Unzucht, und dergleichen, darum werden sie auch schwere Strafen leiden müssen. [Denn wie die Sünden sind, also erfolgen auch die Strafen).

11. Wenn ich ein Irrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollten, das wäre ein Prediger für dies Volk.

Irrgeist: Dass ich aus meinem Kopf erdichtet, was euch geliebte, und eine falsche ungewisse Lehre vorbrächte. Daneben aber von vielen herrlichen und engelischen Offenbarungen rühmte, oder hieße euch tapfer zechen, und bankettieren, so wäre ich ein guter und lieber Prediger für euch: Kurze Predigten und lange Bratwürste hättet ihr gern. Aber weil ich euch die Meinung sage, und eure Sünden euch vor Augen stelle, so hasst ihr mich, und wollt mein nicht. [Denn die Welt hört die falschen Lehrer und verführerischen Prediger viel lieber, als die reinen und treuen Kirchendiener, und hat eine besondere Anmutung zu solchen Predigen, die ihren Zuhörern die freie Wahl zu sündigen geben. Aber man soll vielmehr predigen, was wahr und heilsam ist, als was dem verdorbenen Fleisch wohltut).

12. ich will aber dich, Jakob, versammeln ganz und die übrigen in Israel zuhauf bringen; ich will sie wie eine Herde miteinander in einen festen Stall tun und wie eine Herde in seine Hürden, dass es von Menschen tönen soll.

Ich: Nach der scharfen Strafpredigt über das gottlose Wesen, bringt der Prophet einen herrlichen Trost mit ein für die Frommen, vom Reich Christi, desselben Guttaten, die den Gliedern Christi widerfahren.

Ganz: Ich will sie alle in die christliche Kirche zu versammeln mich bemühen. [Denn die Verheißung des Evangeliums geht über alle, und ruft Christus alle zu sich, da er spricht: Kommt herzu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid {Mt 11}. Ob sie wohl nicht alle dem Evangelium glauben und selig werden).

Haufen bringen: Dass keine Uneinigkeit und Spaltung mehr zwischen den Königreichen Juda und Israel sei, wie bisher gewesen.

Festen Stall: [Denn welche in die Kirche Christi versammelt sind, die werden von Gott erhalten, dass der Satan nicht nach seinem Wohlgefallen unter ihnen wüten möge).

Nach Luther: Hier redet er vom Reich Christi, der ist unser Held, der für uns hindurch gebrochen hat, und die Bahn macht, durch Tod, Sünde, Teufel und alles Übel, dem frisch nach.

Tönen soll: Das ist, der Christen wird eine solche große Menge werden, dass ihre Versammlung gleichsam ein Geräusch oder Getöne machen wird, und wird es von Leuten wimmeln. [Es ist aber in der Wahrheit ein großes Wunderwerk, dass durch das Wort des Evangeliums, ohne alle Wehr und Waffen, ein solche Menge Volkes in der ganzen Welt zum Glauben und zum Gehorsam Christi gebracht worden).

13. Es wird ein Durchbrecher vor ihnen herauffahren; sie werden durchbrechen und zum Tor aus- und einziehen; und ihr König wird vor ihnen hergehen, und der Herr vornean.

Durchbrecher: Nämlich, Christus, wird durch sein Leiden und durch den Tod des Kreuzes, auch durch die Hölle, als ein siegreicher Überwinder hindurch reißen, gen Himmel fahren, und zur Rechten des Vaters sich setzen. [Denn (also spricht Christus von sich selbst) musste Christus leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen {Lk 24}.

Einziehen: Das ist, es wird ihnen der Himmel offen stehen.

Vorne an: Das ist, der König Christus, welcher hier und an anderen Orten mehr der Herr oder Jehova heißt, wird in allem den Vorzug haben, und allen die an ihn glauben, den Zugang öffnen zur himmlischen und ewigen Herrlichkeit. Ja er wird auch in diesem Leben sie schützen, als ihr Heerführer und Hauptmann, dass sie nicht umkommen. Darum sie ebenmäßig durch viel Trübsal, Anfechtungen, und Tod zur ewigen Seligkeit durchbrechen werden). Man hat aber hier auch wahrzunehmen das Zeugnis der Gottheit Christi, weil er Jehova genannt wird, welches Wort, wie die Juden selbst bekennen, Gott allein gehört).


Das 3. Kapitel


1. Dies ist die Predigt, so unter der Regierung des Königs Hiskia geschehen, durch welche Erinnerung die Ältesten im Volk Juda dem Propheten Jeremia erhalten haben, da er peinlich angeklagt, und beschuldigt wurde, als ob er aufrührerische Predigten getan {Jer 26}. Es schilt aber der Prophet Micha heftig auf den Geiz und Tyrannei der jüdischen Obrigkeit, und auf die Bosheit und Schalkheit der Priester, und verkündigt ihnen schwere Strafen.

1. Und ich sprach: Hört doch, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Fürsten im Hause Israel! Ihr solltet es billig sein, die das Recht wüssten.

Häupter: Die ihr im Königreich Juda im Amt der Obrigkeit sitzt, als Richter und Amtleute, euch rede ich jetzt an.

Wüssten: Ihr sollt es richtig wissen, was recht wäre, und zwar nicht allein wissen, sondern auch die Gerechtigkeit handhaben, und der Gerechtigkeit euch bemühen, aber ihr seid leider viel anders gesinnt.

2. Aber ihr hasst das Gute und liebt das Arge; ihr schindet ihnen die Haut ab und das Fleisch von ihren Beinen

Arge: Ihr hasst die Gerechtigkeit und Ehrbarkeit, aber was Unrecht, und schandlos ist, das gefällt euch. [Also soll man auch der Obrigkeit Laster, besonders, die ganz zu grob sind, strafen, und kann man doch deshalb die Kirchendiener keiner Aufruhr beschuldigen).

Schindet: Ihr zieht meinem armen Völklein mit eurer Tyrannei und Schatzungen, die Haut über die Ohren, schindet sie bis auf den Grad, und saugt ihnen das Mark aus den Beinen. [Was wäre es aber für ein unmenschliches Bubenstück, wenn jemand einen Menschen lebendig schinden wollte, und das Fleisch von den Beinen fressen, ja die Beine auch zermalmen? Solche Gesellen sind aber, spricht der Prophet, die Tyrannen, welche ihre Untertanen um ihres Geizes willen unterdrücken und erschöpfen. Und wird derselbe Geiz oft daher verursacht, dass man zu Hofe gar zu große Pracht treibt, dadurch das Einkommen so geschmälert wird, dass die Könige, Fürsten, und Herren zu neuen Schatzungen, als wie die, so übel zu Fuß sind, zu den Pferden ihre Zuflucht haben).

3. und fresst das Fleisch meines Volkes; und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Beine und zerlegt es wie in einen Topf und wie Fleisch in einen Kessel.

4. Darum wenn ihr nun zum Herrn schreien werdet, wird er euch nicht erhören, sondern wird sein Angesicht vor euch verbergen zur selbigen Zeit, wie ihr mit eurem bösen Wesen verdient habt.

Ihr: Nämlich, Ihr Tyrannen und Schinder des Volkes dass ihr werdet Hilfe und Milderung der Strafen von Gott begehren.

Verbergen: Und euch nicht zu Hilfe kommen. [Mit welchen Worten doch denen, die wahrhaftig Busse tun, die Verzeihung nicht abgeschlagen wird, sondern es wird dadurch zu verstehen geben, dass diejenigen, so in Sünden fortfahren, bis sie die Strafe Gottes ergreift, als denn nicht erhört werden, wenn sie gleich mit Tränen um Abwendung der Strafen bitten, daneben aber die begangenen Sünden nicht bereuen, oder ihnen lassen Leid sein. Da tue Gott eben, als wenn er taub wäre. Denn es ist richtig, dass die von Gott nicht erhört werden, welche ihrer Untertanen demütig bitten und flehen nicht hören wollen. Wie geschrieben steht {Spr 21}. Wer seine Ohren verstopft vor dem Schreien des Armen, der wird auch rufen, und nicht erhört werden).

5. So spricht der Herr wieder die Propheten, so mein Volk verführen: Sie predigen, es soll wohlgehen, wo man ihnen zu fressen gebe; wo man ihnen aber nichts ins Maul gibt, da predigen sie, es müsse ein Krieg kommen.

So: Jetzt schilt der Prophet auch auf die Priester und falschen Lehrer, welche nur Bauchdiener waren, und um das Volk sich auch übel verdient hatten.

Verführen: Mit ihrem losen predigen, dass sie die Abgötterei recht heißen, und des Volkes Sünden verhehlen, daneben aber lauter Glück versprechen.

Wohl gehen: Bei großer Verfälschung der Religion, und verderbtem Wandel, dürfen sie dennoch dem Volk von lauter Glück predigen, sofern es ihnen nur in ihren Küchen dient, und wohl einträgt, stürzen also die Obrigkeit samt den Untertanen in zeitliches und ewiges Verderben. [Darum es viel besser ist, dass man solche Prediger höre, welche die Laster und Irrtümer frei und ungescheut strafen, als die stummen Hunde, so die einreißenden Irrtümer, und begangenen Laster mit stillschweigen lassen hingehen, und wollen dadurch der Bescheidenheit und Mäßigkeit Lob verdienen).

Krieg kommen: Das ist, wenn man nicht darauf bedacht ist, dass man ihren Geizwanst fülle, und ihnen wie einem hungrigen Hunde ein Stück Brot ins Maul werfe, so wenden sie bald einen Schein vor, als sei große Gefahr vorhanden, und werde Gott eine Strafe schicken. [Also, wenn man im Papsttum den Ablass, gute Werke, Vigilien, und Seelenmessen nicht kaufen will, da ist bald der geschorene Haufen vorhanden, und bellen die Leute an, wie die Hunde, drohen alles zeitlich Unglück, und das ewige Verderben).

6. Darum soll euer Gesicht zur Nacht und euer Wahrsagen zur Finsternis werden. Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden.

Gesicht: (Nach Luther). Eure Predigt und Lehre.

Finsternis: Das ist, anstatt der göttlichen Offenbarungen und Gesicht werdet ihr stockdicke Finsternis haben. [Denn Gott blendet die falschen Lehrer, besonders die geizigen und grausamen, je länger je mehr, nach seinem gerechten Gericht).

Finster werden: Das ist, es wird sie viel und großes Unglück überfallen. [Denn wenn die Zeit der göttlichen Rache kommt, so empfangen die falschen Lehrer von Gott rechte Belohnungen für ihre Übeltaten, es geschehe gleich in diesem oder anderem Leben. Denn Christus droht den Gottlosen die äußerste Finsternis, das ist, schreckliche Angst und Not).

7. Und die Schauer sollen zuschanden und die Wahrsager zu Spott werden, und müssen ihr Maul alle verhüllen, weil da kein Gotteswort sein wird.

Schauer: Das ist, die Propheten, so falsch gelehrt haben. Denn vorzeiten wurden die Propheten, sie waren gleich gut oder böses, Seher oder Schauer genannt.

Wahrsager: Die sich bemühen, von künftigen Sachen zu weissagen.

Kein Gottes Wort: Das ist, es werden solche Lehrer mit Schanden bestehen und ihr Maul zuhalten müssen, mit dem sie so viel gelogen haben, weil sie Gottes Wort nicht gepredigt, sondern nur ihre Träume für göttliche Weissagungen dem Volk vorgetragen. [Damit nun die Kirchendiener nicht vor Gott und den Menschen zuschanden werden, so sollen sie das reine Wort Gottes und nicht Menschensatzungen predigen).

8. Ich aber bin voll Kraft und Geistes des Herrn, voll Rechts und Stärke, dass ich Jakob sein Übertreten und Israel seine Sünde anzeigen darf.

Ich aber: Jetzt antwortet der Prophet auf die Einrede der Israeliten, da sie vielleicht hätten sagen mögen, warum darfst du Micha also auf uns schelten? Meinst du, es werde dir deine Freiheit im Reden also immer ungestraft hingehen? Da du auch der königlichen Räte und Obersten nicht schonst?

Stärke: Als wollte er sprechen, Gott hat mich mit seinem Heiligen Geist gewappnet, und mir eine große Freudigkeit und eifrigen Mut gegeben, zu schelten und zu strafen. [Denn es muss ein Kirchendiener mit der Kraft des Heiligen Geistes begabt sein, wenn er die Irrtümer und Laster frei und ungescheut strafen will, und aus Furcht des Schadens oder Gefahr sich von seinem Amt nicht abschrecken lassen).

9. So hört doch dies, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Fürsten im Hause Israel, die ihr das Recht verschmäht und alles, was aufrichtig ist, verkehrt,

Häupter: Ihr vornehmsten Landherren und Räte im Königreich Juda, die ihr eurem Amt nicht nachkommt.

Verkehrt: Ihr macht die richtige klare Sache irrig und verwirrt, was aber böse Sachen sind, die rechtfertigt ihr, und macht sie richtig, dadurch ihr denn einen solchen Prozess im Recht anstellt, dass verständige Leute sich scheuen vor Gericht zu handeln, weil keine Gerechtigkeit da gehandhabt wird. [Also tun ihm auch heutzutage etliche Rechtsgelehrten, welche nicht allein richtige und rechte Sachen mit Fleiß verdrehen und verdammen, sondern stellen auch so langwierige gerichtliche Prozess an, dass die streitigen Parteien das Endurteil, oder doch derselben Vollstreckung nicht erlangen oder erwarten können. Darum fromme Leute solche Rechtsgelehrten mit ihrem gerichtlichen Prozess richtig verwerfen, und einen Abscheu davor haben. Damit doch die frommen Rechtsgelehrten nicht gemeint sind).

10. die ihr Zion mit Blut baut und Jerusalem mit Unrecht {Jer 22v13}.

Mit Blut: Aus der armen Leute Schweiß und Blut, das ist, von ihren Gütern, die sie mit großer Mühe und Arbeit zuwege gebracht, baut ihr stattlich Häuser und Schlösser mit großem Übermut. Ja es müssen auch die Armen daran arbeiten, und gebt ihnen weder Lohn noch eine Wiedervergeltung dafür, da sie doch unterdes ihre nötigen Geschäfte versäumen, und eure unnötigen Sachen müssen befördern und verfertigen helfen. [Hier sollen Fürsten und Regenten, wie nicht wenige andere Herren und vom Adel aufmerken, die mit der armen Leute unerträglichen fronen und Schatzungen stattlich und überaus köstliche Gebäude aufrichten, und dadurch ihre Untertanen bis aufs Bein schinden und plagen, deshalb sie Gott einmal schwere Rechenschaft werden geben müssen. Ich rede aber von denen Schatzungen und Fronen, die wider und über die Gebühr erzwungen werden).

11. Ihre Häupter richten um Geschenke, ihre Priester lehren um Lohn, und ihre Propheten lehren um Geld, verlassen sich auf den Herrn und sprechen: Ist nicht der Herr unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen {Hes 22v27 Zef 3v3}.

Um Geschenke: Sie sprechen das Urteil, nach dem ihnen einer viel schenkt. Wer am meisten gibt, der hat Recht, die andere Partei, so nichts oder wenig gibt, muss den Kürzeren ziehen, wer wohl schmiert, der fährt wohl. [Zu wünschen wäre es, dass auch noch heutigen Tages ihrer viel, so im Regiment sitzen, sich nicht mit Geschenken bestechen und blenden ließen. Denn da der fromme König Hiskia, unter welchem der Prophet Micha geweissagt hat, solche Unbilligkeit und Ungerechtigkeit im Gericht nicht allerdings verhüten, und abschaffen konnte, viel weniger werden es heutigen Tages fromme Regenten tun mögen. Und wenn sie gleich an ihrem besten und möglichsten Fleiß nichts verwinden lassen, und gerne sehen, dass es überall recht zuginge, so wird es doch Mühe und Arbeit sein, und dennoch nicht alles richtig können gemacht werden, weil die Welt so ganz böses und verkehrt ist).

Unter uns: Haben wir nicht einen gnädigen Gott, der uns schützt und schirmt?

Kommen: Das ist, die Priester und Propheten haben falsch gelehrt um Geldes willen, dass sie von den wohlhabenden und reichen Leuten genommen, und haben geredet, was die Oberen und Gewaltigen gern gehört, auf dass sie reiche Pfründe und stattliche Verehrungen davon brächten: Haben auch verheißen, dass es werde wohl zugehen, beide im weltlichen und Kirchenregiment, da sie doch viel mehr ihrer Zuhörer Bosheit und Laster mit Ernst ihnen vorhalten, und sie mit Bedrohung der Strafen davon hätten abschrecken sollen. [Es wird aber an diesem Ort darum den Kirchendienern nicht verboten, dass sie keine Besoldungen einnehmen dürfen. Denn Gott hat es also geordnet, spricht der Apostel Paulus, dass die, so das Evangelium verkündigen, vom Evangelium leben sollen {1Kor 9}. Jedoch sollen sie nicht Mietlinge sein, die nur um des Gewinnes willen, und nicht um der Ehre Gottes und der Menschen Seligkeit willen predigen. Denn solche richten ihre Predigten oft nach der Zuhörer Anmutung, damit sie nur Geld und Gut zusammen bringen, und bekümmern sich wenig um der Menschen ewige Wohlfahrt).

12. Darum wird Zion um euretwillen wie ein Feld zerpflügt und Jerusalem zum Steinhaufen und der Berg des Tempels zu einer wilden Höhe werden {Jer 26v18}.

Darum: Folgen jetzt die Strafen, so auf den Geiz und Tyrannei der Obrigkeit, der Richter verkehrte Urteile, und der Priester samt der falschen Propheten Fuchsschwänzerei und Geldhunger ergehen sollen.

Euretwillen: Dieweil ihr so ganz gottlos seid, und nur auf Bosheit euch befleißigt.

Zerpflügt: Das ist, das königliche Schloss samt der Stadt und dem Tempel sollen verwüstet werden, also dass an denen Orten, da jetzt der königliche Palast ist, einmal Äcker sein werden. Und da jetzt der Tempel steht, da werden hohe Bäume stehen, wie in einem dicken Walde, wo jetzt Jerusalem ist, da wird man zerfallene Mauern und Steinhaufen sehen. [Damit nun wohl erbaute Länder und Städte nicht gleicher Gestalt verwüstet werden, und die Einwohner zugleich mit zugrunde gehen, so soll eine Obrigkeit recht regieren, und Gerechtigkeit handhaben, die Untertanen sollen in der Furcht Gottes gehorsam sein, und sollen die Kirchendiener ihr Predigtamt recht versehen). Es ist aber ein Wunder gewesen, dass die Juden den Propheten Micha um dieser Weissagung willen nicht bald erwürgt, oder doch zum wenigsten aus dem Lande verjagt und verstoßen, oder aber in andere Weise mit Gefängnis beschwert haben. Denn sie sonst nichts weniger leiden konnten, als wenn jemand sagen wollte, dass der Tempel zu Jerusalem würde zerstört werden, weil sie meinten, es würde ihre ganze Religion mit dergleichen Reden geschmäht und verlästert, wie die Geschichte Stephani bezeugt {Apg 6 7}. Darum da der Prophet Jeremia zu seiner Zeit eben dergleichen Reden führte, von der Stadt und dem Tempel, wollten ihn etliche Priester, falsche Propheten und Obersten erwürgen, und da er sich mit einer gottseligen und wahrhaften Verantwortung entschuldigte, standen etliche Ältesten im Lande auf, und sprachen zu allem Volk also: Zur Zeit Hiskia des Königs Juda, war ein Prophet, Micha, von Maresa, und sprach zum ganzen Volk Juda: So spricht der Herr Zebaoth, Zion soll wie ein Acker gepflügt werden, und Jerusalem ein Steinhaufen werden, und der Berg des Hauses (des Herrn) zum wilden Walde. Noch ließ ihn Hiskia der König Juda und das ganze Juda darum nicht töten. Ja sie fürchteten viel mehr den Herrn, und beten vor dem Herrn. Da reut auch den Herrn das Übel, das er wider sie geredet hatte. Darum tun wir sehr übel wider unsere Seelen (Nämlich, dass wir dem Propheten den Tod drohen, der uns unsere Sünden vorhält, und die Strafen verkündigt) {Jer 26}. [Sollen deswegen bei diesem Beispiel, so wohl hohes als niedriges Standes Zuhörer, erinnert sein, dass sie der Kirchendiener freie Strafpredigten geduldig aufnehmen, und Busse tun, aber nicht die Kirchendiener darüber verfolgen, damit sie nicht Sünde mit Sünden häufen, und sich also in Leibes und der Seelen unwiederbringliches Verderben stürzen).


Das 4. Kapitel


1. Jetzt schreitet der Prophet von den Drohungen und Strafpredigten weiter, und fängt an die Auserwählten zu trösten, dass sie in Hoffnung von des Messias Zukunft, und seinem ewigen Reich, allen Unfall dieses Lebens geduldig tragen. Und bedürften zwar solches Trostes nicht nur diejenigen, welche ins Gefängnis gen Babel sollten gefangen weggeführt werden, sondern es ist auch um unseretwillen geschrieben, auf dass, wenn wir der Propheten Weissagungen, so vom Reich Gottes geschehen sind, gegen dem Neuen Testament halten, unseren christlichen Glauben daraus bestätigen, und die Guttaten Christi lernen erkennen.

1. In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des Herrn Haus steht, gewiss sein, höher denn alle Berge, und über die Hügel erhoben sein {Esra 2v2}.

Letzten Tagen: Oder Zeiten. Solche letzte Zeit aber ist die Zeit der Zukunft des Sohnes Gottes ins Fleisch. Denn die erste zweitausend Jahr sind ohne das geschriebene Gesetz Mose gewesen: Die andere zwei tausend Jahr unter dem Gesetz: Die letzten zwei tausend Jahr aber sind zu der Predigt des Evangeliums bestimmt. Daher gesagt wird, dass Christus in den letzten Tagen Mensch geworden sei.

Gewiss sein: Denn die Kirche ist auf den Felsen Christus erbaut, und werden die Pforten der Hölle dagegen nichts vermögen {Mt 16}.

Erhoben sein: Er wird besser, herrlicher, und berühmter sein, denn alle andere Berge, weil im Tempel zu Jerusalem, dadurch auch die Kirche Christi vorgebildet wurde, Christus selbst gelehrt hat, als der Sohn Gottes und ewig wahre Gott, so haben auch seine Apostel da gepredigt {Apg 5}. Das ist die rechte hohe Schule gewesen, darauf der Herr Christus selbst gelesen, und seine Apostel dort profitiert haben. So hat auch der Prophet mit diesen Worten anzeigen wollen, wie das Evangelium würde in der ganzen Welt bekannt und berühmt werden. Denn zu Jerusalem im Tempel hat man das Evangelium angefangen zu predigen, und ist von dort in der ganzen Welt hin und wieder ausgebreitet worden. Hat deswegen der Berg Zion nicht von wegen der Höhe des Ortes, sondern um seines berühmten Namens willen alle andere Berge übertroffen, weil das Evangelium von dort in die ganze Welt erschollen ist. [Unter dem Namen aber des Tempels zu Jerusalem, oder des Berges, darauf er gestanden, sollen wir zugleich die allgemeine christliche Kirche verstehen, welche nicht allein zu Jerusalem und im jüdischen Land, sondern an allen Orten gewesen, und ist der Berg oder Tempel des Herrn überall, da das Evangelium Christi zu jederzeit recht gelehrt wurde, und noch rein gelehrt wird).

2. Und die Völker werden herzulaufen, und viel Heiden werden gehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege, und wir auf seiner Straße wandeln! Denn aus Zion wird das Gesetz ausgehen und des Herrn Wort aus Jerusalem.

Herzulaufen] Nicht gezwungen, sondern mit großer Freudigkeit, werden sie das Wort des Evangeliums hören. [Denn das Evangelium ist nicht eigentlich eine Lehre, so da schreckt, wie das Gesetz, sondern ist voll herrlichen Trostes, darum es auch ein freiwillig und geneigtes Volk zum Gottesdienst macht).

Zum Berge: Das ist, zu der christlichen Kirche, da lasst uns Gottes Wort hören, nämlich, das Evangelium von unserem Herrn Jesu Christo, auf dass wir den gnädigen Willen unseres himmlischen Vaters gegen uns daraus erkennen, und aus Glauben unser Leben nach seinem Wohlgefallen anrichten. [An diesem Ort wird nicht allein von dem Beruf der Heiden zum Reich Christi gelehrt, sondern es werden auch die Christen erinnert, dass sie dem Evangelium glauben, (Denn das heißt, des Herrn Wege lernen) und ein christliches Leben führen).

Ausgeben: Das ist, das Evangelium, welches Gottes Wort ist, wird von Jerusalem in die ganze Welt ausgebreitet werden, und mit seinem allerlieblichsten Geruch viel Heiden zu der Erkenntnis Christi locken. [Denn das Wörtlein Gesetz wird oft im allgemeinen für eine jede Lehre genommen. Also muss man an diesem Ort das Evangelium dadurch verstehen, welches eine Kraft Gottes ist, selig zu machen, alle die daran glauben {Röm 1}.

3. Er wird unter großen Völkern richten und viel Heiden strafen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und werden nicht mehr kriegen lernen.

Er] Nämlich, der Geist Christi wird durch das Predigtamt des Evangeliums die Welt strafen um die Sünde, um die Gerechtigkeit, und um das Gericht. [Denn es lernen auch die weit abgelegensten Heiden aus der Predigt des Evangeliums, dass die Sünde des Unglaubens einen Menschen verdamme, und dass wir allein durch den Glauben an Christus gerechtfertigt werden, der für uns gelitten, gestorben, und wieder auferstanden ist. Auch dass der Satan so gerichtet und verurteilt sei, dass er all sein Recht und Ansprache verloren, so er zum menschlichen Geschlecht hatte, damit er die, so an Christus glauben, nicht ins Verderben stürzen könne).

Richten: (Nach Luther) Gottes Wort wird in alle Welt kommen.

Kein Volk: Das ist, unter Juden und Heiden, die beide miteinander sich zu Christo bekennen, wird kein Zwiespalt mehr sein, wie zuvor, sie werden nicht mit Feindschaft, sondern Freundschaft unter einander streiten. [Denn was rechtschaffene Christen sind, die folgen der Ermahnung des Apostels Paulus, da er sagt: Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Friede {Röm 12}. Daneben aber weil ein Christenmensch auch ein Mitglied ist im weltlichen Regiment und Leben, so mag er wohl Wehr und Waffen benutzen, wenn es die Notdurft, und sein Beruf also fordert. Denn gleichwie Gott der Obrigkeit das Schwert gegeben {Röm 13}. Also gibt er derselben auch ihre Untertanen als Glieder zu, und überreicht ihnen das Schwert, dass sie sich sollen zusammen halten wider die, so der Gerechtigkeit den Rücken kehren, und den Frieden zerstören, und sie angemessen strafen. Darum wird dieser Spruch des Propheten, wie auch andere mehr, von den Wiedertäufern ganz ungereimt angezogen, wider den rechtmäßigen gebrauch der Waffen und die notwendige gebührliche Gegenwehr).

4. Ein jeglicher wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen ohne Scheu; denn der Mund des Herrn Zebaoth hat es geredet.

Ohne Scheu: Das ist, sie werden in großem Frieden und Ruhe, des Gewissens und in einer geistlichen Sicherheit leben, und dessen gänzlich vergewissert sein, dass sie um Christi willen einen gnädigen Gott haben. [Denn wenn Gott für uns ist, wer will wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben, wie sollte er uns denn nicht mit ihm alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht, wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja viel mehr der auch wieder auferstanden ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Wer will uns denn scheiden von der Liebe Christi {Röm 8}? Dies ist der gottseligen Sicherheit in dieser Welt, welche ob sie wohl bisweilen durch Anfechtungen irregemacht und zerrüttet wird, so wird sie doch wiederum richtig gebracht, und erstattet).

Geredet: Darum wird solches alles gewisslich geschehen. [Denn wir sollen Gott glauben, der nicht lügen kann, ob es gleich sich ansehen lässt, als würden seine Verheißungen lange verschoben).

5. Denn ein jegliches Volk wird wandeln im Namen seines Gottes; aber wir werden wandeln im Namen des Herrn, unseres Gottes, immer und ewig.

Seines Gottes: Denn es ist nicht dahin zu verstehen, als ob eine solche Ruhe und Einigkeit, im Reich Christi auf dieser Erde sein würde, dass allerdings kein Zwiespalt in der Religion zu spüren, sondern es werden etliche den falschen Religionen nachhängen, und ihre Irrtümer halsstarrig verteidigen: Die Frommen aber werden ihren Glauben und Leben nach dem Wort und Willen Gottes anrichten, und in solchem heiligen Vorsatz und Anfang durch Gottes Gnade bis ans Ende beharren. [Werden darum Spaltungen bleiben bis an den Jüngsten Tag. Die Auserwählten aber folgen dem Worte Gottes wie einem Licht, und bekennen die Wahrheit, die Irrtümer aber verwerfen sie, lassen sich auch nicht von einem jeden Winde der Lehre umtreiben {Eph 4}.

6. Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will ich die Lahmen versammeln und die Verstoßenen zuhauf bringen, und die ich geplagt habe.

Zur: Der Trost bezieht sich besonders auf die israelitische Kirche, welcher verheißen wird, dass sie Christus erkennen, und die Seligkeit erlangen werde.

Lahme: Nämlich, das israelitische Volk, welches vor Schwachheit und Unvermöglichkeit hin und wieder schwankt, dass man meinen möchte, es würde alles zu Haufen fallen. [Denn die Kirche Gottes hat oft das Ansehen, dass sie nicht allein schwanke, sondern scheint auch vor unseren Augen bisweilen, als lege sie ganz darnieder. Aber Gott richtet sie wiederum auf, und erhält sie).

Verstoßene: Die ich um ihrer Bosheit willen von mir verstoßen hatte.

Bringen: In mein geistliches Reich. [Denn welche Gott um ihrer Sünden willen verstößt, die nimmt er wieder zu Gnaden auf, wenn sie Busse tun).

7. Und will die Lahmen machen, dass sie Erben haben soll, und die Verstoßenen zum großen Volk machen; und der Herr wird König über sie sein auf dem Berge Zion von nun an bis in Ewigkeit {Dan 7v14 Lk 1v33}.

Erben haben: Das ist, ich will im selben Volk mir etliche übrig behalten, die durch den Glauben an Christus sollen selig werden.

Großen Volk: Denn es sind viel Israeliten von Christo und den Aposteln bekehrt worden: Und ob sie gleich das irdische Reich nicht wieder bekommen, so haben sie doch das Himmelreich erlangt. [Denn man soll an keinem (auch dem aller gottlosesten) Volk verzagen, dass es zu Christo nicht könnte bekehrt werden, wenn er nur sein Evangelium hört).

Berge Zion: Das ist, in der christlichen Kirche wird unser Herr und Gott, Jehova, Jesus Christus immerdar regieren. [Ist deswegen unser König Jesus Christus, der ewig wahre Gott, welcher in diesem Leben seine Kirche regiert, mit seinem Wort und Geist, und nach diesem Leben wird er seine Auserwählten in seinem Reich mit ewiger Herrlichkeit begaben).

8. Und du Turm Eder, eine Feste der Tochter Zion, es wird deine goldene Rose kommen, die vorige Herrschaft, das Königreich der Tochter Jerusalem.

Und: Weil auch das Königreich Juda sollte verwüstet, und das Volk daraus gefangen gen Babel weggeführt werden, so verkündigt der Prophet solches nicht allein zuvor, sondern setzt auch einen Trost hinzu, von ihrer Wiederkunft und vom Reich Christi.

Turm Eder: Obwohl {1Mos 35} auch eines Orts Meldung geschieht, so der Turm Eder genannt wird, so versteht doch der Prophet hier die Stadt Jerusalem, welche er einen Turm Eder, das ist, der Herde nennt, weil in derselben festen Stadt das Volk Gottes, als eine Herde Gottes, sicher zu sein meinte. Es will aber der Prophet so viel sagen: Es wird zwar das Königreich Juda, welches jetzt zu Jerusalem ist, zugrunde gehen. Aber es wird einmal dagegen ein anderes und neues Reich hervorkommen, und wie eine schöne Rose herrlich aufgehen, nämlich, das geistliche Reich Christi, welches nie verwelken wird. [Denn ein jegliches weltliche Reich hat seine bestimmte Zeit, welche, wenn sie herum kommt, so gehen sie zugrunde, aber allein das Reich Christi bleibt ewig. Darum sollen wir Fleiß ankehren, dass wir im selben ewigen Reich Bürger sein und bleiben).

Goldene Rose: (Nach Luther) Dein Königreich, ob es wohl schwächlich zugeht, soll und muss doch kommen, darum halt feste und leide dich, es muss das Kreuz die Kirche Christi gebären.

9. Warum hängst du dich denn jetzt an andere Freunde? Ist der König nicht bei dir, und sind deine Ratgeber alle hinweg, dass dich also das Weh angekommen ist wie eine in Kindesnöten?

Warum: Jetzt führt der Prophet das Volk Gottes ein, als welches sehr irre und ängstlich sei, vor Furcht, der herzunahenden Babylonischen Gefangenschaft, und sich hin und wieder nach Hilfe umsehe.

Nach Luther: Andere gebens: Warum betrübst du dich?

Bei dir: Meinst du, dein König Christus werde darum nicht kommen, welcher da ist und wird dein Ratgeber sein, und dir den Weg zum Himmel zeigen. Denn es kann die Verheißung von der Zukunft des Messias keineswegs fehlen, so wird er dich auch in der Babylonischen Gefangenschaft nicht verlassen, ob er gleich noch nicht ist Mensch geworden, sondern wird dir mit seinem Geist beistehen, und dich trösten. [Es pflegt aber also zu gehen, dass wir in großer Angst des Herzens der göttlichen Verheißungen vergessen, oder doch anfangen etlichermaßen an ihrer Erfüllung zu zweifeln, Aber man muss sie als denn am allermeisten wohl zu Herzen fassen, und fleißig betrachten, auch mit wahrem Vertrauen fest und steif sich daran heben).

10. Lieber, leide doch solche Weh und krächze, du Tochter Zion, wie eine in Kindesnöten! Denn du musst zwar zur Stadt hinaus und auf dem Felde wohnen und gen Babel kommen; aber doch wirst du von dort wieder errettet werden. dort wird dich der Herr erlösen von deinen Feinden.

Leide doch: Nimm das Kreuz geduldig auf dich, und ergib dich willig hinein, es wird doch nichts anderes daraus.

Stadt hinaus: Nämlich, aus der Stadt Jerusalem, ins Elend hinweg.

Felde wohnen: Ihr Bürger zu Jerusalem, die ihr bisher in stattlichen Häusern gewohnt habt, werdet im Elend zu Babel, den mehreren Teil, in schlechten Hüttlein, und dort herum in Bauernhäusern wohnen, da ihr allerhand Knechte und Dienstbarkeit werdet verrichten müssen, auch oft unter dem freien Himmel schlafen. [Wir tragen aber das Kreuz als denn viel leichter, wenn wir auf den Willen Gottes sehen, und uns unter dem Joch der Trübsal geduldig ergeben. Denn welche mit Ungeduld sich dagegen wehren, die machen ihnen ihr Unglück nur desto größer).

Errettet werden: Der Prophet setzt bald einen Trost hinzu, als wollte er sprechen: Du wirst einmal aus der Babylonischen Gefangenschaft wieder heim kommen. Denn Gott wird dich unter deinen Feinden nicht verderben lassen, sondern wiederum in dein Vaterland bringen, dass du nicht vertilgt wirst.

11. Denn es werden schier sich viel Heiden wider dich rotten und sprechen: Sie ist verbannt; wir wollen unsere Lust an Zion sehen.

Verbannt: Darum lasst uns diese Stadt schleifen und zerstören, welche sonst sich selber im Argwohn hat, als sei sie allein heilig in der ganzen Welt.

Sehen: Lasst uns dessen Untergang mit großer Lust anschauen. [Denn die Feinde hassen die Kirche um keiner anderen Ursache willen, als dass sie die wahre Religion allein bekennt, und alle anderen verwirft, welches jene nicht leiden können).

12. Aber sie wissen des Herrn Gedanken nicht und merken seinen Ratschlag nicht, dass er sie zuhauf gebracht hat wie Garben auf der Tenne.

Ratschlag nicht: Wie, nämlich, er nicht darauf umgehe, dass er sein Volk verderben wolle, sondern dass er sie züchtige, und endlich seinen grimmigen Zorn über die Feinde seines Volkes ausschütte.

Sie: Nämlich, deine Feinde, dass du sie zutretest und aufreibst.

13. Darum mache dich auf und dresche, du Tochter Zion! Denn ich will dir eisernen Hörner und Ähren Klauen machen, und sollst viel Völker zerschmeißen; so will ich ihr Gut dem Herrn verbannen und ihre Habe dem Herrscher der ganzen Welt.

Dresche: (Nach Luther) Du wirst Babylon und alles dreschen in aller Welt, ob du schon jetzt musst leiden, dass beide Babel und Rom, deine Richter und dein Reich zerstören.

Zerschmeißen: Da wird sich denn das Blättlein umwenden, dass du die Heiden, welche dich jetzt vertilgen wollen, dir wirst unterwürflich machen, und sie mit Füssen treten, wie die Ochsen das Korn, welches sie ausdreschen: Und wird dir niemand widerstehen können. Denn ich will dich wappnen, als wenn ein Ochse mit eisernen Hörnern, alles was er antreffe, darnieder stieße, und was er unter seiner Ähren Klauen fasst, zertrete. Da wirst du als denn zur Dankbarkeit einen stattlichen Raub, den du von deinen Feinden bekommen hast, dem Herrn deinem Gott verbannen und heiligen, gleichwie die Israeliten getan, da sie die Stadt Jericho eroberten. [Obwohl nun die Juden, nach ihrer Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft, den Heiden einen Schrecken eingejagt, und die persischen Könige Kores, oder Cyrus, und Darius, mit ihren Gütern den Bau des Tempels zu Jerusalem und den Gottesdienst befördert, wie Esra bezeugt (Kapitel 1. und 6). So tut doch solches diesen herrlichen Verheißungen zur Erfüllung nicht genug. Darum der Prophet hier weiter, und ins Reich Christi sieht, da der Apostel geistlicher Krieg angegangen, welche freilich Juden gewesen. Denn dieselben haben die Heiden unters Joch gebracht, mit der Predigt des Evangeliums, welcher keine Weisheit oder menschlicher Gewalt widerstehen kann. Und von der Zeit an haben der Heiden Güter, oder Raub angefangen, dem Predigtamt der christlichen Kirche zu nutzen. Von diesem Kriege redet auch der Apostel Paulus, da er spricht, die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu zerstören die Befestigungen, damit wir zerstören die Anschläge, und alle Höhe, die sich erhebt wider das Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alle Vernunft unter dem Gehorsam Christi, und sind bereit zu rächen allen Ungehorsam, wenn euer Gehorsam erfüllt ist {2Kor 10}. So wird auch noch heutigen Tages durch Gottes Gnade das Predigtamt des göttlichen Wortes wider alle Anläufe des Satans erhalten, und überwindet. Und denen es mit der Gottseligkeit ein Ernst ist, die bemühen sich mit ihren Gütern das Predigtamt, die Schulen, und Armen nach ihrem Vermögen zu erhalten).

14. Aber nun, du Kriegerin, rüste dich! Denn man wird uns belagern und den Richter Israels mit der Rute auf den Backen schlagen.

Kriegerin: Nämlich, Jerusalem, die du keine Ruhe hast, und des Krieges begehrst, weil du deswegen eine kriegerische Stadt sein willst, so wirst du Krieg und Unruhe genug bekommen. Denn die Chaldäer werden diese Stadt belagern, und sie erobern, und deine hohe Obrigkeit, den König, in einen Triumph führen. [Und ist Zidekia ein gottloser König gewesen, und ein Verächter des göttlichen Wortes, das ihm durch den Propheten Jeremia verkündigt wurde. Welche deswegen Gott und sein Wort verachten, die werden von Gott wiederum verachtet, und den Menschen zum Spott übergeben).


Das 5. Kapitel


1. der Prophet nimmt die Predigt vom Reich Christi wieder vor die Hand, und nennt den Ort, da Christus soll geboren werden, namhaft, nämlich, das Städtlein Bethlehem. v. 2. 2. Verheißt auch den Juden, dass sie werden einmal von der Assyrer und Chaldäer Tyrannei Friede und Ruhe bekommen, welches zu verstehen ist von der Zeit, da sie aus dem Elend wiedergekommen. v. 3. 3. Endlich weissagt er von der letzten Zerstörung Jerusalem und Untergang derselben Polizei. v. 11.

1. Und du, Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

Und: Jetzt weissagt der Prophet vom Reich Christi, und nennt den Ort, da Christus soll geboren werden. Dass aber dieser Text des Propheten von Christo zu verstehen sei, haben auch die Hohepriester und Schriftgelehrten zu Herodes Zeiten gewusst. Denn da sie Herodes fragten von dem Ort, da der Messias sollte geboren werden, haben sie diese Weissagung des Propheten Micha vorgebracht, und recht gesagt, dass Christus zu Bethlehem würde geboren werden.

Ephrata: Im Stamm Juda. Denn sonst auch eine andere Stadt ungefähr Namens gewesen im Stamm Sebulon gelegen.

Klein bist: Und für dich selbst ein schlechtes Ansehen hast, ich will dich aber (spricht Gott der Herr) groß und sehr berühmt machen, von wegen der Geburt meines eingeborenen Sohnes, dass du nicht mehr unter den anderen Städten des Stammes Juda, so sonst ganz volkreich ist, sollte unachtsam und gering bleiben. Denn du sollst nicht mehr für eine Gemeinde, geringe, und schlechte Stadt gezählt werden, sondern ich will dich ganz herrlich machen, dass man weit und breit in der ganzen Welt soll von dir zu singen und zu sagen wisse. Denn wenn vortrefflicher und hoher Leute Geburtsstadt und Ort, ihrem Vaterland einen berühmten Namen und groß Ansehen macht, wie viel herrlicher und berühmter wird denn die Stadt Bethlehem werden, welche durch die Geburt des Sohnes Gottes wird bekannt werden? Auf solchen Verstand wird dieser Spruch von dem Evangelisten Matthäus recht angezogen und gedeutet in Kapitel 2, da er spricht: Und du Bethlehem im jüdischen Land bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda. [Das Wörtlein Bethlehem aber heißt auf Deutsch eben so viel als ein Brothaus, welches sich denn ganz wohl dazu reimt, dass Christus in dieser Stadt geboren werde, als der das rechte Brot ist, so vom Himmel gekommen, und der Welt das Leben gibt {Joh 6}.

Herr sei: [Denn Christus hat seine Kirche, so durch das Wörtlein Israel verstanden wird, mit seinem Blut erworben {Apg 20}, die er auch regiert und beschützt).

Ewigkeit her: Nämlich, nach seiner anderen göttlichen Natur und Geburt. [Nach welcher er von Ewigkeit her vom Vater geboren wurde, und vor allen Zeiten, hat auch weder Anfang noch Ende. Denn im Anfang war (bereits) das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort {Joh 1}.

2. Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, so gebären soll, geboren habe. Da werden dann die übrigen seiner Brüder wiederkommen zu den Kindern Israel {Mt 2v6 Joh 7v42}.

In des: (Nach Luther) Lass plagen, wer da plagt, bis dass der komme mit dem Evangelium, der soll den Sieg haben, und kein anderes.

Plagen: Dass die Israeliten unterdes, und ehe denn solches geschieht, müssen gefangen weggeführt werden, auch sonst vielem Jammer und Unheil unterworfen sein.

Geboren habe: Nämlich, Christus, Gott und Menschen, der Welt Heiland: Denn bis auf dieselbe Zeit werden die Juden nach ihrer Wiederkunft ins Land Kanaan, etliche Jahre lange ziemlich Frieden und Ruhe gehabt. [Und hat Gott das jüdische Regiment wiederum wollen anrichten und erhalten, auf dass im selben Volk Christus der Welt Heiland könnte geboren werden, nach der Verheißung, den Vätern geschehen. Wie denn um der Ursache willen noch heutigen Tages Gott die christliche Polizei erhält, damit das Evangelium Christi fortgepflanzt, und Christo eine Kirche könne gesammelt werden).

Wiederkommen: Das ist, wenn Christus erwachsen, und zu seinem männlichen Alter kommen wird, so wird er das Evangelium predigen, die verlorenen Schäflein des Hauses Israel suchen, sie wieder auf den rechten Weg führen, und als ein Bruder sich ganz freundlich gegen ihnen erzeigen. [Also soll man auch noch heut zu Tage die verlorenen und verirrten Schäflein suchen, und zu dem Schafstall Christi durch das Predigtamt des göttlichen Wortes sammeln, dass sie nicht ganz umkommen. In welchem Tun die Kirchendiener dem Beispiel der Freundlichkeit und Sanftmut ihres obersten Hirten Christi nachfolgen sollen, und sich nach demselben richten).

3. Er aber wird auftreten und weiden in Kraft des Herrn und im Siege des Namens seines Gottes. Und sie werden wohnen; denn er wird zur selbigen Zeit herrlich werden; soweit die Welt ist.

Seines Gottes: Das ist, Christus wird seine Kirche aufs allerfleißigste regieren und erhalten, und seine Herde schützen, und wird aus göttlicher Gewalt solche Wunderwerk tun, dass man dabei seine göttliche Majestät erkenne, die er doch im Stande seiner Erniedrigung seinem himmlischen Vater wird zuschreiben. [Denn Christus ist wahrhaftig der gute Hirte, der sein Leben lässt für seine Schafe {Joh 10}, derselbe wacht auch noch heut zu Tage für unsere Seligkeit, sitzt zur Rechten des Vaters und vertritt uns {Röm 8}.

Wohnen: Das ist, es werden durch seine und seiner Apostel Predigten ihrer viel bekehrt werden, und in die christliche Kirche sich versammeln.

Welt ist: Das ist, die Ehre und Herrlichkeit Christi wird sich durch die ganze Welt ausbreiten. [Denn das Evangelium, darin die Majestät und Güte unseres Heilands Jesu Christi hervorleuchtet, kann mit keiner menschlichen Gewalt aufgehalten oder gewehrt werden).

4. Dazu werden wir auch Frieden haben vor dem Assur, der jetzt in unser Land gefallen ist und unsere Häuser zertreten hat. Denn es werden sieben Hirten und acht Fürsten über ihn erweckt werden,

Dazu: Jetzt zeigt der Prophet mit wenig Worten an, wie der Assyrer und Chaldäer Reich vor der Menschwerdung Christi zugrunde gehen werde, dass die Juden daher nichts Böses werden mehr zu erfahren haben, sondern es werde viel mehr Gott die Unbilligkeit, welche den Israeliten von den Assyrern und Chaldäern zugefügt worden, durch die mächtige Völker und Fürsten der Meder und Perser rächen.

Assur: Unserem Feinde, welchen Gott stürzen wird, und uns Frieden vor ihm schaffen. Denn die Assyrer haben das Königreich Israel zerstört {2Sam 17}. Und unter der Regierung des Königs Hiskia, das Königreich Juda jämmerlich verwüstet, ob sie wohl der Stadt Jerusalem damals nicht mächtig geworden {2Sam 18}.

Sieben Hirten: (Nach Luther) Die Perser und Meden sollen indes die Assyrier und Babylonier dämpfen, bis dass Christus komme, der uns ganz und gar errette.

Über ihn: Nämlich, über das assyrische und Babylonische Königreich, welche beide Reiche denn endlich in ein Reich zusammen gewachsen: Demselben wollen wir (sprechen die Israeliten) andere Leute über den Hals schicken, als da sind der Meder und Perser tapfere Kriegsobersten und Helden, in großer Anzahl, die sollen ihm den verdienten Lohn geben. Denn die siebte Zahl bedeutet eine Vollkommenheit, die achte Zahl aber einen Überfluss.

5. die das Land Assur verderben mit dem Schwert und das Land Nimrods mit ihren bloßen Waffen. Also werden wir von Assur gerettet werden, der in unser Land gefallen ist und unsere Grenze zertreten hat {2Sam 18v13 v25}.

Waffen: Das ist, die Meder und Perser werden das Land der Assyrer und Chaldäer mit ihren Waffen und mit Gewalt zum Gehorsam zwingen, in welchem Lande Nimrod, der gewaltige Jäger, vorzeiten die erste Monarchie angerichtet hat {1Mos 10}.

Errettet werden: Dass wir von der Zeit an, uns vor den Assyrern und Chaldäern nicht mehr werden fürchten dürfen, weil Gott an denselben Rache geübt hat. [Denn Gott rächt die Unbilligkeit, welche seiner Kirche zu gefügt wird, zu seiner Zeit aufs ernstlichste, weil er seine Kirche so inbrünstig liebt und wenn sie geplagt wird, ein Mitleiden mit ihr hat).

6. Es werden auch die Übrigen aus Jakob unter vielen Völkern sein wie ein Tau vom Herrn und wie die Tröpflein aufs Gras, das auf niemand harrt, noch auf Menschen wartet.

Es: Der Prophet hängt die Erlösung des Volkes Gottes aus der Babylonischen Gefangenschaft, und das geistliche Reich Christi aneinander, wie die anderen Propheten auch zu tun pflegen.

Tau: Der auf das Gras fällt. Und will so viel sagen. Gleichwie die Tropfen vom Tau zu seiner Zeit aufs Gras fallen. Wenn aber die Sonne aufgeht, so werden sie verzehrt, und verschwinden, dass es kein Mensch wehren kann. Also werden die Israeliten, wenn siebzig Jahr ihrer Gefangenschaft herum sind, aus Babel entgehen und hinweg fliehen, und wird sie niemand daran hindern können. [Denn wenn die Zeit der Trübsal, so die Frommen ausstehen sollen, vorüber ist, so kann ihre Errettung niemand mehr aufhalten. Es vergleicht aber der Prophet aus besonderem Bedenken die Israeliten, welche gen Babel gefangen weggeführt waren, einem Tau, der vom Herrn gefallen sei. Denn gleich, wie der Tau das Gras erfrischt. Also haben die Israeliten, die Zeit über, da sie zu Babel gewesen, viel Chaldäer mit der prophetischen Lehre erquickt, und zur Erkenntnis der Wahrheit gebracht, dass sie die ewige Seligkeit erlangt. Denn Gott zerstreut bisweilen seine Kirche, auf dass die Frommen auch anderswo, da sie im Elend sind, den Samen der himmlischen Lehre ausstreuen, und andere vom Evangelium Christi mit großem Nutzen unterrichten).

7. Ja, die Übrigen aus Jakob werden unter den Heiden bei vielen Völkern sein wie ein Löwe unter den Tieren im Walde, wie ein junger Löwe unter einer Herde Schafe, welchem niemand wehren kann, wenn er dadurch geht, zertritt und zerreißet {Ps 110v3}.

Ja: Jetzt schreitet der Prophet wiederum zum geistlichen Reich Christi.

8. Denn deine Hand wird siegen wieder alle deine Widerwärtigen, dass alle deine Feinde müssen ausgerottet werden.

Siegen: (Nach Luther) Also tut das Evangelium in der Welt, wenn es gleich die Pforten der Hölle verschließt.

Ausgerottet werden: Das ist, du israelitisches Volk wirst endlich allen deinen Feinden obliegen, und werden sie einmal allerdings vertilgt werden. Dies ist alles gleichnisweise geredet und zu verstehen. Gleichwie auch das, so zuvor von den Löwen, wilden Tieren und Schafen: Und wird dadurch angedeutet, dass die Apostel, welche Israeliten gewesen, das Evangelium predigen und ausbreiten werden in der ganzen Welt, unter viel und mancherlei Heiden. Denn die haben so vielmals gesiegelt, und geistliche Überwindungen erhalten, als viel Leute sie durch die Predigt des Evangeliums Christo gewonnen. Und ist zwar ihr Herz in ihnen durch den Heiligen Geist so gestärkt worden, dass sie viel mehr für Löwen als Menschen mögen gehalten werden, weil sie mit keiner menschlichen Gewalt bewehrt oder gewappnet, sondern allein mit der Predigt des Evangeliums die feindselige und gottlose Welt antreten dürfen. [So wird auch noch heutigen Tages keine menschliche Gewalt den Lauf des Evangeliums aufhalten, wenn nur wir zusehen, dass wir nicht mit unserer Undankbarkeit das Wort Gottes von uns treiben. Es sollen aber auch die Kirchendiener durch die Gleichnisse des Löwen aufgemuntert werden, dass sie ihr Amt in der Kirche mit unerschrockenem Herzen verrichten, und dem allmächtigen Gott das auskommen befehlen).

9. Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will ich deine Rosse von dir tun und deine Wagen umbringen;

Zeit: Wenn, nämlich, du jüdische Synagoge, alle göttliche Guttaten, die dir Gott erzeigt und erwiesen hat, wirst verachten, und in den Wind schlagen, und dadurch Gott schwer beleidigen, weil du den Messias nicht annehmen willst, darum du auch den ernsten und schrecklichen Zorn Gottes empfinden wirst.

Umbringen: Das ist: Ich will dir die Waffen aus den Händen schlagen, und alle deine Kriegsrüstung zunichtemachen, dass du deinen Feinden, den Römern, nicht wirst widerstehen können, darum du dich ihnen vergeblich widersetzen wirst. Denn es ist bekannt, dass, nach dem das Evangelium in der Welt ausgebreitet wurde, und die Juden mit dem nicht vergnügt waren, dass sie Christus selbst gekreuzigt hatten, sondern noch ihrer der größer Teil das Evangelium Christi lästerten, und verfolgten, sie deshalb, um solcher ihrer rasenden Bosheit willen wider Christus den Heiland aufs härteste sind gestraft worden. Also, dass Jerusalem von den Römern zerstört, und sie in eine ewige Dienstbarkeit verstoßen wurden.

10. und will die Städte deines Landes ausrotten und alle deine Festen zerbrechen;

Zerbrechen: Denn welcher maßen, und wie jämmerlich das jüdische Land von den Römern verwüstet und verdorben wurde, wie auch die geringeren Städte mit Gewalt erobert, und endlich die mächtige Stadt Jerusalem in der Feinde Hand gekommen, und zerstört wurden, findet man im Josepho nach der Länge beschrieben. [Denn die Verachtung des angebotenen Evangeliums verwüstet Länder, Städte, und Königreiche).

11. und will die Zauberer bei dir ausrotten, dass keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen.

12. ich will deine Bilder und Götzen von dir ausrotten, dass du nicht mehr sollst anbeten deiner Hände Werke,

Und Götzen: Der Prophet vergleicht der Juden Bosheit, und Ungehorsam, wider Christus und sein Evangelium, mit zwei den allergrößten Sünden und Lastern, nämlich der Zauberei und Abgötterei, nicht dass die Juden zur selben Zeit öffentlich mit der Zauberei umgegangen, oder die Götzen geehrt, sondern weil sie das Evangelium Christi verworfen, und demselben nicht gehorchen wollen. [Denn die Verachtung des göttlichen Wortes, besonders des Evangeliums, ist das allerschrecklichste Laster: Daher der Prophet Samuel spricht, meinst du, dass der Herr Lust habe an Opfer und Brandopfer, als am Gehorsam der Stimme des Herrn? Siehe, Gehorsam ist besser, denn opfern, und aufmerken besser, denn das Fett von Widdern. Denn Ungehorsam ist eine Zauberei Sünde, und widerstreben ist Abgötterei und Götzendienst {1Sam 15}.

13. und will deine Haine zerbrechen und deine Städte vertilgen.

14. Und ich will Rache üben mit Grimm und Zorn an allen Heiden, so nicht gehorchen wollen.


Das 6. Kapitel


1. Der Prophet wendet sich wieder, des Volkes Sünden zu strafen, besonders aber schilt er auf den Geiz, und auf die Abgötterei. v. 1. 2. Und zeigt die rechte Weise an, wie man soll Busse tun, droht auch schwere Strafen, wo sie sich nicht bekehren. v. 8.

1. Hört doch, was der Herr sagt: Mache dich auf und schilt die Berge und lass die Hügel deine Stimme hören!

Herr sagt: Euer Gott. [Wer wollte aber so gottlos sein, und Gott nicht hören, wenn er durch einen Kirchendiener mit ihm redet?

Mache: Also hat (will der Prophet sagen) Gott zu mir geredet.

Stimme hören: Das ist: Strafe die Bosheit und Ungerechtigkeit der Untern und Oberen, und schone auch in dieser Sachen der Obrigkeit nicht. [Denn die Prediger sollen der Obrigkeit Sünden so wohl, als der Untertanen Laster Unrecht heißen, weil sie so wohl vor der Oberen, als vor der Unteren Seelen werden Rechenschaft geben müssen, und besonders weil die Obrigkeit mit bösen Exempeln großen Schaden in der Kirche tut, und Ärgernis gibt).

2. Hört, ihr Berge, wie der Herr strafen will, samt den starken Grundfesten der Erde! Denn der Herr will sein Volk schelten und will Israel strafen.

Grundfesten: Ihr Könige, Fürsten und vornehmen Herren, vernehmt das Urteil, welches Gott über euch fällen wird, und hört, was Gott wider euch hat, deshalb er euch strafen muss. Er nennt aber die Oberherren im Volk, Grundfesten, weil sie für des Landes Säulen geachtet werden, daran sich gleichsam das ganze Regiment hebt.

Strafen: Das ist: Gott hat eine Sache wider sein Volk, deshalb er sie beklagt, überwiesen, das Urteil über sie fällen, und solches auch an ihnen vollstrecken will. [Denn ehe Gott die Strafen schickt, so straft er die Sünde zuvor durch das Predigtamt seines göttlichen Wortes. Wenn wir nun also gestraft werden, so sollen wir Busse tun, auf dass wir der anderen Strafe entgehen).

3. Was hab ich dir getan, mein Volk, und womit habe ich dich beleidigt? Das sage mir!

Was: Jetzt führt der Prophet Gott selbst ein, wie er seines Volkes Sünden anklage.

Beleidigt: Wie hab ich es doch nimmermehr um dich verschuldet, dass du mich verlässt, und die Abgötter ehrst, auch meine Gebote so ganz verachtest, als ob ich dir nie keine Guttat erzeigt hätte? [Denn die Welt pflegt unserem Herrn Gott seine größten, ihr erzeigten Guttaten, mit höchster Undankbarkeit zu vergelten).

4. Hab ich dich doch aus Ägyptenland geführt und aus dem Diensthause erlöst und vor dir hergesandt Mose, Aaron und Mirjam.

Erlöst: Denn wenn ich deine Voreltern aus solcher Dienstbarkeit nicht errettet hätte, so stecktest du auch noch heutigen Tages mit deinen Kindern unter derselben ägyptischen Tyrannei. [Wir sollen aber nicht allein der Wohltaten bedenkt sein, die unserer Person widerfahren, sondern auch, die unseren Voreltern begegnet sind, denn dieselben kommen uns auch zu gutem. Als, da Gott unsere Voreltern aus der Heidenschaft zum Christentum gebracht: Und später wiederum unsere Väter aus der Tyrannei des Antichristen herausgerissen hat, welcher Guttat wir noch heutigen Tages genießen).

Mose, Aaron: Als Propheten und Lehrer, die dich unterweisen, regieren, führen, und trösten sollten.

Mirjam: Mose und Aarons Schwester, die auch eine Prophetin gewesen, und mit ihren prophetischen Gaben dem Volk Israel viel genützt hat. [Es ist aber eine große Guttat Gottes, wenn er vortreffliche Leute erweckt, die der Kirche und dem weltlichen Regiment recht und nützlich vorstehen).

5. Mein Volk, denke doch daran, was Balak, der König in Moab, vorhatte, und was ihm Bileam, der Sohn Beors, antwortete, von Sittim an bis gen Gilgal; daran ihr ja merken solltet, wie der Herr euch alles Gute getan hat {4Mos 22v5 23v7 24v5}.

Vorhatte: Du weißt, wie Balak, der Moabiter König, den falschen Propheten Bileam wider dich gedingt, der ein Zauberer war, und von ihm gebeten, dass er dir fluchen sollte, damit dich die Moabiter überwinden und vertilgen könnten: Aber ich widerstand ihm, und ließ nicht zu, dass er euch verfluchte, sondern zwang ihn, dass er euch wider seinen Willen segnen musste. Wie er denn auch selbst vor dem Könige Balak bekannt, dass ich seinen bereits im Sinn gefassten Fluch, ihm im Munde verdrehte, und in einen Segen verändert hätte. Diese ganze Geschichte wird nach längs beschrieben in 4. Mose 22, 23. und 24.

Gilgal: Ins gelobte Land, da zwar eure Voreltern von wegen ihrer Abgötterei und Hurerei, die sie mit der Moabiter Töchtern in Sittim getrieben haben, wohl verdient, dass ich sie allerdings vertilgt hätte {4Mos 25}.

Merken solltet: Und verstehen, dass ich zwar ein gerechter Gott sei, und ein Rächer der Sünden und Laster, aber doch, dass ich auch pflege die Strenge mit der Gnade zu mäßigen. [Wir sollen uns auch der göttlichen Guttaten erinnern, unsere Undankbarkeit erkennen, und die wohl verdiente Strafen abbitten. Denn darum tut uns Gott Gutes, auf dass wir ihn erkennen, und in der Gottseligkeit ehren).

6. Womit soll ich den Herrn versöhnen? Mit Bücken vor dem hohen Gott? Soll ich mit Brandopfern und jährigen Kälbern ihn versöhnen?

Womit: Jetzt redet der Prophet in der Person frommer Leute, welche die Schuld demütig abbitten.

Versöhnen: Dass er mir die Sünden verzeihe, und die Strafen abwende, ehe denn sein gerechter Zorn über uns ausgeschüttet werde. [Denn man soll die Buße nicht aufschieben).

Nach Luther: Gott lässt sich mit Opfern und Werken nicht versöhnen. Wenn einer gleich seinen Sohn opferte, sondern so man ihn fürchtet und vertraut.

Bücken: Dass ich mich vor Gott demütige, ihm einen Fußfall tue, meine Sünden bekenne, und abbitte. [Denn ein zerschlagenes und gedemütigtes Herz wird Gott nicht verachten {Ps 51}.

7. Meinst du, der Herr habe Gefallen an viel tausend Widdern oder am Öl, wenn es gleich unzählige Ströme voll wären? Oder soll ich meinen ersten Sohn für meine Übertretung geben oder meines Leibes Frucht für die Sünde meiner Seele?

Ströme voll: Das ist: Ob gleich das Speiseopfer mit Öl, und dazu in so großer Anzahl geopfert würde, das hin und wieder ganze Bäche mit Öl von denselben Opfern flössen, so geschehe doch damit Gott für die Sünden nicht genug. [Denn obwohl Gott die äußerlichen Zeremonien, als wie vor Zeiten der Opfer Brauch, befohlen hat, so vermögen doch solche Werke für sich selbst nicht, dass Gott damit versöhnt würde, wenn keine rechtschaffene Buße und Glaube an den Messias da ist. Darum auch David spricht, Du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollte dir es sonst wohl geben, und Brandopfer gefallen dir nicht: Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängstigter Geist {Ps 51}. Also gefällt es Gott nicht, wenn man das Heilige Abendmahl gebraucht, und Almosen gibt, ohne wahre Buße).

Leibes Frucht: Denn wenn Gott mit denen Zeremonien nicht versöhnt wird, die er selber eingesetzt hat, da sie ohne Buße und Glauben geschehen, wie viel weniger würde er damit zufrieden sein, wenn ich ihm meine Kinder abergläubischer und gottloserweise aufopfern wollte? Gleichwie die tun, welche dem Abgott Molech ihre Kinder schlachten. [Denn Gott nimmt die selbsterwählten Gottesdienste nicht an, sondern wird viel mehr heftiger damit beleidigt und erzürnt).

8. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Es: Jetzt gibt der Prophet der Kirche einen besseren Bericht, wie sie sollen rechtschaffene Busse tun und Gott zu versöhnen sich bemühen.

Gut ist: Und unserem Herrn Gott gefalle.

Fordert: Auf dass du mit der Tat erklärst, wie du wahrhaftig Busse tust.

Gottes Wort halten: (Nach Luther) Im Hebräischen heißt es: Das Gericht tun oder vollbringen.

Nach Luther: Das ist: glauben, lieben, und leiden.

Demütig sein: Er fordert die Gerechtigkeit, liebe gegen dem Nächsten, und die wahre Furcht Gottes, auf dass wir unsere Sünde demütig erkennen, auf seine Barmherzigkeit aus Glauben vertrauen, ein gottseliges Leben führen, und uns mit allem Fleiß hüten, dass wir ihn mit vorsätzlichen Sünden nicht mutwillig erzürnen. [In dieser kurzen Beschreibung werden begriffen die Werke der ersten und anderen Tafel des Gesetzes, und wird zugleich der wahre Glaube an den Messias auch mit eingeschlossen, um welches willen Gott die Sünden vergibt. Wir werden aber daneben erinnert, dass wir uns immer vor Gott wahrhaftig demütigen sollen, und wissen, dass wir nicht aus unserem Verdienst, sondern allein aus seiner Barmherzigkeit erhalten und selig werden. Denn wir nicht den Himmel, sondern die Hölle verdient hätten, wo Gott nicht seine Barmherzigkeit seinem gestrengen Gericht vorzöge, und auf das Leiden und Verdienst seines eingeborenen Sohnes sehen).

9. Es wird des Herrn Stimme über die Stadt rufen; aber wer deinen Namen fürchtet, dem wird es gelingen. Hört, ihr Stämme, was gepredigt wird!

Gelingen: Will so viel sagen: Ich vermahne euch Bürger zu Jerusalem, aus Befehl des allmächtigen Gottes jetzt und zur Buße, dass ihr euch bekehren sollt. Wer darum der Stimme des Herrn gehorchen wird, und Gott fürchten, der wird der Strafe entgehen, und die ewige Seligkeit erlangen. [Wenn wir deswegen aus dem Worte Gottes zur Busse ermahnt werden, so sollen wir solche Stimme des Herrn nicht verachten, sondern Busse tun, auf dass wir dem Übel entrinnen).

Gepredigt wird: Von mir, der ich euch bezeuge, was euch begegnen wird, wo ihr nicht Busse tut.

10. Noch bleibt Unrecht Gut in des Gottlosen Hause und der feindselige, geringe Epha.

Unrecht Gut: Dass mit Gewalt oder List, Betrug, und Übersatz erworben ist.

Geringe Epha: Dass ihr eure Waren mit ganz zu kleiner und falschem Maß verkauft, welchem eurem Tun ich der Herr feind bin, und gebt das Unrecht erworbene Gut nicht wieder. Welches euch übel erschießen wird. [Denn die Unrecht erworbenen Güter sind nicht Schätze, sondern viel mehr eine Glut, dadurch auch das andere, was man mit recht erworben und zuwege gebracht hat, verzehrt wird).

11. Oder sollte ich die unrechte Waage und falsch Gewicht im Säckel billigen,

Gewichte: Da ihr in einem Sack zweierlei Gewicht habt, ein rechtes und falsches, und zeigt zwar das rechte der Obrigkeit, wenn man eure Gewichte besichtigt, wenn ihr aber dem Nächsten etwas verkaufen sollt, so braucht ihr das falsche Gewicht. Soll ich nun, als der allergerechteste Gott, solchen euren Betrug und Falschheit billigen und nicht viel mehr strafen?

12. durch welche ihre Reichen viel unrechtes tun? Und ihre Einwohner gehen mit Lügen um und haben falsche Zungen in ihrem Halse.

Unrechtes tun: Dass sie durch ihr Unrecht erworbenes Gut den Nächsten unterdrücken. [Denn welche Unrecht erworbene Güter besitzen, die unterdrücken auch oft die Armen mit großer Gewalt und Übermut, und nehmen ihnen, was sie noch übrig haben, entweder mit Gewalt, oder mit dem Schein eines Rechten. Denn der Geiz ist unersättlich).

Einwohner: Die in der vornehmsten Hauptstadt zu Jerusalem wohnen.

Falsche Zungen: Dass sie den Nächsten mit Lügen betrügen und umführen, und anders mit dem Munde reden, als sie im Herzen haben. [Solcher Zweizüngigkeit ist Gott feind, und liebt die Wahrheit und Aufrichtigkeit).

13. Darum will ich dich auch anfangen zu plagen und dich um deiner Sünde willen wüst machen.

Darum: Folgen die Strafen, welche Gott den Geizigen und abgöttischen Leuten droht.

Wüste machen: Wie denn das Königreich Juda bereits etliche große Niederlagen erlitten hat, dadurch ich euch begehrt wieder auf den rechten Weg zu bringen. Wo ihr aber euch nicht wolltet bekehren, so werden noch viel schrecklichere Strafen folgen. [Denn Gott fängt mit gelinden Strafen an, und lässt dieselben je länger je beschwerlicher werden, wo man sich nicht bessern will).

14. Du sollst nicht genug zu essen haben und sollst verschmachten. Und was du erhaschst, soll doch nicht davonkommen; und was davonkommt, will ich doch dem Schwert überantworten.

Verschmachten: Das ist: Ich will dir einen Feind über den Hals schicken, der dich heftig plagen und demütigen soll, denn er soll alles rauben und verzehren, und dir nichts denn Hunger und Mangel übrig lassen. [Denn es ist richtig, dass welche fremde Güter mit List und Betrug zu sich reißen, und rauben, von den Feinden wiederum beraubt werden: Da müssen die frommen Landsknechte kommen, und die Dachräuber wieder berauben).

Erhaschst: Das du in solcher Gefahr vermeinst davon zu bringen, als dein Weib und Kinder, da du derselben hast, die dir lieb sind.

Überantworten: Dass sie von dem Feinde erwürgt werden. [Denn welche der Armen Schweiß und Blut nach und nach mit Betrug, und aus Geiz, oder aber mit großer Unbarmherzigkeit und Gewalt ausgesogen und erschöpft haben, die müssen auch ihr Blut einmal wiederum vergießen).

15. Du sollst säen und nicht ernten; du sollst Öl keltern und dich mit demselben nicht salben, und Most keltern und nicht Wein trinken {Hag 1v6 Am 5v11 Zef 1v13}.

Nicht salben: Es soll dir nichts davon zu Nutzen kommen. Denn was du mit deiner vielen und harten Arbeit hast zuwege gebracht, das wird der Feind verzehren, und dich aus deinen Gütern treiben, wie denn dergleichen Unglück Gott der Herr den Übertretern seines Gesetzes nach längs gedroht {5Mos 28}. [Darum wenn wir unsere Arbeit genießen wollen, und nicht Fremde, das unsere verzehren, da entweder wir erschlagen oder verjagt sind, so sollen wir Gott fürchten, und der Gottseligkeit, und Gerechtigkeit nachwandeln).

16. Denn man hält die Weise Amris und alle Werke des Hauses Ahab und folgt ihrem Rat. Darum will ich dich zur Wüste machen und ihre Einwohner, dass man sie anpfeifen soll; und sollst meines Volkes Schmach tragen.

Weise: (Nach Luther) Das ist: Gottesdienst.

Ihrem Rat: Es hat dir ihr Tun viel mehr gefallen, als was ich dir befohlen habe. Und hast die Abgötterei und falschen Gottesdienste angenommen, welche vom gottlosen König Amri, und seinem ebenso kein nützen Sohn Ahab angerichtet wurden. Denn Amri, der ein König in Israel gewesen, hat die Stadt Samaria erbaut, und die selbige mit falschen Gottesdiensten verunreinigt, und übles getan vor dem Herrn, über alle die vor ihm gewesen waren. Ahab aber sein Sohn und Nachkommen, hat über die vorige Abgötterei noch dem Abgott Baal eine Kirche und Altar zu Samaria gebaut {1Sam 16}.

Schmach tragen: Das ist: Ihr im Königreich Israel sollt gestraft werden, und von den Heiden Schmach leiden, gleichwie ihr meinen Bürgern im Königreich Juda viel Schmach angelegt habt. Und solches alles wird euch nicht allein darum geschehen, dass ihr geizig gewesen und Unrecht oder Gewalt getan, sondern auch, dass ihr schreckliche Abgötterei treibt, so besonders im Königreich Israel zu Samaria im Schwange gegangen, und habt in dem viel mehr eurer Obrigkeit gehorcht, die euch unrecht geheißen, als mir, der ich euch, was recht und gut ist, zu tun befohlen habe. [Denn das Volk ist ihrer Obrigkeit viel gehorsamer in unrechten Sachen, als in guten und löblichen Ordnungen. Und obwohl Gott anderen Lastern eine Zeit lang übersehen kann. Jedoch wenn die Abgötterei und falschen Gottesdienste dazu kommen, so müssen endlich auch die allermächtigsten Königreiche zugrunde gehen).


Das 7. Kapitel


1. Dies Kapitel ist gleichsam der Beschluss aller Predigten des Propheten Micha. 1. Und beklagt sich zuerst der Prophet, dass so wenig fromme Leute gefunden werden, aber die Bosheit und Ungerechtigkeit überhandgenommen habe, so wohl im Oberen als im niederen Stande, daher auch die Strafen nicht außen bleiben werden. v. 1. 2. Danach setzt er ein Lied hinzu, mit dem er sich und andere tröstet, die solchem verkehrten Wesen mit Seufzen zusehen mussten, und zugleich von den allgemeinen Landstrafen mit den Gottlosen würden überfallen werden, dass, nämlich, Gott die Seinen nicht strafe zum Verderben, sondern dass er sie selig mache. v. 7. 3. Und verheißt, dass Gott sein Volk wieder in ihr Vaterland bringen werde. v. 11. 4. Endlich beschließt er mit einem herrlichen Trost, dass Gott den bußfertigen Sündern alle Sünden verzeihen wolle. v. 18.

1. Ach, es geht mir wie einem, der im Weinberge nachliest, da man keine Trauben findet zu essen, und wollte doch gerne der besten Früchte haben.

Ach: Das müsse doch Gott erbarmen, dass ich in solche unglückhafte Zeit geraten bin, da man so wenig fromme Leute findet, die Gott fürchten.

Nachliest: Da man nicht viel findet, besonders das etwas Gutes wäre, damit einer sich erlaben könnte.

Besten Früchte: Ich wollte gern etwas Gutes haben, finde aber schier gar nichts. Was er aber mit diesem Gleichnis meinte, erklärt er in folgenden Worten selber.

2. Die frommen Leute sind weg in diesem Lande; und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten. Sie lauern alle aufs Blut; ein jeglicher jagt den anderen, dass er ihn verderbe,

Sind weg: Sie sind gestorben, welche Gott gefürchtet, und dem Nächsten Gutes getan haben, und werden unter den Leuten nicht mehr gesehen. Also meinte auch der Prophet Elia, dass kein frommer Mensch im Königreich Israel mehr zu finden wäre. [Aber es ist nicht allerdings gar keine Kirche an denen Orten, da das Wort Gottes gepredigt wird, obwohl bisweilen die frommen Leute so dünne ausgegangen sind, dass man sie schier nicht sehen oder erkennen kann. Und pflegt zwar Gott der Herr viel fromme und gottselige Leute durch den zeitlichen Tod hinweg zu nehmen, ehe denn er allgemeine schwere Landstrafen schickt, damit sie das künftige Übel nicht sehen {Jes 56}.

Sie: Jetzt fängt der Prophet an, insbesondere zu erzählen, was für ein verdorbenes Wesen zu seiner Zeit sich gefunden hat.

Verderbe: Es trachtet einer dem anderen nach Leib und Leben, und da sie einander aus Liebe sollten helfen und retten, so begehrt je einer den anderen ins Verderben zu stürzen. [Es sind aber vor Gott nicht allein die Totschläger, welche mit ihrer Hand unschuldiges Blut vergießen, sondern auch welche mit heimlichen Anschlägen, und bösen Praktiken anderen begehren ums Leben zu bringen, obwohl es ihnen nach ihrem Wunsch nicht hinaus geht. Denn Gott sieht den Willen an).

3. und meinen, sie tun wohl daran, wenn sie Böses tun. Was der Fürst will, das spricht der Richter, dass er ihm wieder einen Dienst tun soll. Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen, Schaden zu tun, und drehen es, wie sie wollen.

Wohl daran: Sie dürfen sich auch noch wohl ihrer Bosheit rühmen, und unterstehen sich ihre Übeltat zu beschönigen. [Welches Gott gar nicht leiden kann, wenn man die Laster noch rechtfertigen und verteidigen will).

Richter: Dass er wieder einen, dem der Fürst feind ist, ein Unrecht Urteil fällt. Es nennt aber die Schrift auch oft die vornehmsten Hofdiener und Räte, Fürsten. [Und hat man ein solches Beispiel am Naboth, den die Richter zu Jesreel, der Königin Isebel zu gefallen, zum Tode verurteilten {1Sam 21}. So spürt man es auch in geringeren Sachen bei denen, die in Ämtern sitzen, dass sie in mancherlei Händeln einander können zu willen werden, und kann je einer dem anderen ein Bein stellen, und ihm hinüber helfen. Aber solches ist keine löbliche Dankbarkeit, sondern viel mehr eine Rottierung wider die Gerechtigkeit und hohe Obrigkeit).

Gewaltigen: Welche im Gericht vor anderen im Ansehen sind, die handhaben wissentlich und mit Willen falsche und ungerechte Sachen, reden mit Gewalt, und verkehren die gerechten Sachen, Recht muss ihnen Unrecht heißen. [Welche aber also ihre Gewalt und Ansehens missbrauchen, die werden endlich ihres Ehrenstands entsetzt und gestürzt).

4. Der Beste unter ihnen ist wie ein Dorn und der Redlichste wie eine Hecke. Aber wenn der Tag deiner Prediger kommen wird, wenn du heimgesucht werden sollt, da werden sie dann nicht wissen, wo aus.

Hecke: Das ist: Welche vor anderen die besten sein wollen, und für die frömmsten angesehen werden, die sind wie Dorn und Disteln. Denn sie beleidigen die Elenden und wenn sie eine gute Sache verteidigen sollen, so tun sie es nicht, bis sie zuvor etwas von ihrer Partei erzwackt, wie die Dornhecken den Leuten die Kleider abziehen. [Dies ist keine Beschreibung einer rechtschaffenen frommen Obrigkeit, wie die Wiedertäufer, und dergleichen aufrührerische Schwärmergeister diesen Spruch verkehren, und wider fromme Obrigkeiten deuten, welche Väter des Vaterlandes und der Elenden Zuflucht sind. Sondern es ist eine Klage über etlicher verkehrtes Tun, welche, da sie im Regiment sitzen, ihres Amtes vergessen, und ihrem Geiz und bösen Begierden nachhängen, die werden Gott, dem obersten Regenten und Richter der Welt am Jüngsten Tage schwere Rechenschaft dafür geben müssen, obwohl sie auch in diesem Leben nicht ungestraft bleiben).

Wo aus: Das ist: Wenn Gott das Königreich Israel strafen wird, in dem die falschen Propheten dem Volk alle Sicherheit und Glück verheißen, so werden solche verkehrten Leute so ganz verwirrt und irre gemacht werden, dass sie nicht werden wissen, was sie anfangen sollen. [Denn welche alle menschliche und göttliche Rechte mit großer Sicherheit übertreten, die sind, wenn eine allgemeine Gefahr und Not unversehens einfällt, so ganz bestürzt und verzagt, dass sie weder sich noch anderen raten können. Welches eine besondere Strafe von Gott ist, dass sie ihn verachtet, und die Gerechtigkeit mit Füssen getreten haben).

5. Niemand glaube seinem Nächsten, niemand verlasse sich auf Fürsten! Bewahre die Tür deines Mundes vor der, die in deinen Armen schläft!

Fürsten: Denn es ist auch denen nicht zu trauen, welchen man am allerersten trauen sollte, beide hohes und niedrigen Standes reden etwas, dass sie bald später leugnen dürfen, und haben viel anders im Herzen, als sie mit dem Munde vorgeben. [Solche Bosheit aber ist Gott dem Herrn sehr zuwider, und liebt die Aufrichtigkeit und Wahrheit).

Schläft: Hüte dich, dass du nicht im Beisein deines Weibes etwas aus unbedachtes redest, daher dir ein Schaden entstehen könnte, damit sie nicht entweder aus Einfalt oder Bosheit solches offenbar mache, und du darüber in Gefahr kommst. [Es heißt aber der Prophet nicht, dass man auf alle Menschen einen bösen Argwohn haben müsse, denn das wäre wider die Liebe {1Kor 13}. Sondern er klagt über das verkehrte Wesen zu seiner Zeit, welches so groß gewesen, dass man kaum einen frommen und redlichen Menschen finden könne. Und erinnert uns, dass wir vorsichtig sein sollen, und den Leuten nicht zu viel trauen. Obwohl nun eine Zeit für die anderer ist, und die Welt einmal böser als das andere, so ist doch die menschliche Natur immer verderbt. Daher auch von Christo gesagt wird, dass er den Leuten nicht traut, weil er sie alle gekannt: Und bald darauf folgt: Er wusste wohl, was im Menschen war {Joh 2}. Auch sollen wir im Reden lernen behutsam handeln, denn es wohl geschehen kann, dass, was wir zu anderen reden, sie aus Unachtsamkeit wieder nachschwätzen).

6. Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter setzt sich wider die Mutter, die Schwiegermuttertochter ist wider die Schwiegermutter; und des Menschen Feinde sind sein eigen Personal {Mt 10v35 v36}.

Denn: Der Prophet fährt noch weiter fort, über der Welt Bosheit und verkehrtes Wesen zu klagen.

Verachtet: Er hält ihn für einen alten Narren.

Setzt sich: Sie will von der Mutter ungestraft sein, und ist ganz eigensinnig.

Schwiegermutter: Die sie doch als eine Mutter in allen Ehren halten soll. [Wo aber unter dem gemeinen Haufen eine solche Unordnung vorgeht, dass die Untern der Oberen Erinnerungen verachten, und noch dazu sich wider dieselben mutwillig erheben, da kann ein Regiment nicht lange bestehen. Aber heutigen Tages wollen es die Schwiegermuttertöchter oder Sohnes Weiber schier für ein Recht haben, dass sie ihre Schwiegermutter hassen und verachten).

Personal: Knechte und Mägde, ja auch die Kinder und das Weib hassen den Hausvater, dass er von ihnen mehr Unruhe und Widerdruß auch Gefahr ausstehen muss, als von Fremden. [Welches dann am allermeisten zu geschehen pflegt, und ins Werk gerichtet wird, wenn Verfolgungen um der Religion willen entstehen. Denn da wird ein Hausvater nicht allein von seinen Dienern, sondern auch von seinen eigenen Kindern und Weibe bisweilen verraten, und in Leibes und Lebens Gefahr gebracht. Und wenn das gleich nicht geschieht, so verursachen doch die unterschiedlichen Religionen mancherlei Verbitterungen der Herzen und Gemüter, dass auch solche Personen einander feind werden, die zuvor in höchster Einigkeit mit einander gelebt haben. Dahin deutet Christus diesen Spruch des Propheten {Mt 10}.

7. Ich aber will auf den Herrn schauen und des Gottes meines Heils erwarten; mein Gott wird mich hören.

Ich aber: Weil der Prophet gespürt, dass ein solches verkehrtes Wesen und Leben nicht allein im israelitischen Königreich, sondern auch im Königreich Juda im Schwange ging. (Denn es können auch die allerfrömmsten Herren und Regenten, wie der König Hiskia einer gewesen, in allen Ständen bei Oberen und untern, die Laster und das Unrecht nicht abschaffen) So hat er daher abnehmen müssen, dass es mit allen beiden Königreichen in die Länge nicht Bestand haben würde: Darum macht er ein Lied oder Gesang, welches die Israeliten im assyrischen Elend, besonders aber die Juden in der Babylonischen Gefangenschaft zu ihrem Trost, singen oder sprechen möchten, und durch die Betrachtung zur Geduld einander anmahnen, auch auf Gottes Güte trauen, und einmal ihre Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft ins Vaterland hoffen.

Schauen: Also spricht die Kirche Gottes in ihrem Elend, darin sie ihrer begangenen Sünden halben geraten.

Erwarten: Auf ihn will ich alle meine Hoffnung setzen, er wird mich nicht verlassen, und mich einmal aus diesem Unfall erretten.

Erhören: Wenn ich ihn anrufe, und ihm mein Anliegen entdecke. [Wenn wir deswegen in Ängsten sind, so sollen wir nicht kleinmütig werden, oder verzagen, sondern mit unserem Gebet zu Gott fliehen, und ihn für unseren Gott, das ist, Heiland und Erretter halten. Denn obwohl Gott die Sünden hasst, so ist er dennoch den bußfertigen Sündern nicht feind).

8. Freue dich nicht, meine Feindin, dass ich daniederliege! Ich werde wieder aufkommen. Und so ich im Finsteren sitze, so ist doch der Herr mein Licht.

Freue: Jetzt wendet sich die Kirche zu ihren Feinden, und redet sie an, welche sich ihres Elends freuten.

Liege: Und in solches Unglück geraten bin, dass man mein Regiment zerstört hat.

Aufkommen: Gott wird mich einmal wieder aufrichten, und aus der Verachtung hervorziehen. [Es trotzen aber die Gottlosen der rechten Kirche, wenn sie Trübsal fällt: Dennoch soll sie Gutes Muts sein, denn Gott erniedrigt und erhöht, tötet und macht lebendig, führt in die Hölle und wieder heraus {1Sam 2}.

Mein Licht: Wenn ich gleich mit Finsternis der Trübsal überfallen werde, so leuchtet doch der göttliche Trost mir in mein Herz, wie ein helles Licht, das im Dunkel scheint. [Denn der Trost Gottes vertreibt die Angst der Finsternis, darum sollen wir in der traurigen Finsternis auf das fröhliche Licht hoffen).

9. ich will des Herrn Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesündigt, bis er meine Sache ausführe und mir Recht schaffe. Er wird mich ans Licht bringen, dass ich meine Lust an seiner Gnade sehe.

Zorn tragen: Und die Züchtigung Gottes geduldig aufnehmen, weil ich sie mit meinen Sünden wohl verschuldet habe. Darum will ich die zeitlichen Strafen leiden, solange es meinem himmlischen Vater für gut ansieht. [Wir sollen die Strafe Gottes auch geduldig tragen, welche wir verdient haben).

Recht schaffe: Das ist: Bis er einmal meine Unbilligkeit, die ich von den Feinden erlitten habe, räche, und mich aus ihrer Gewalt errette. Denn obwohl die Israeliten vor Gott ihrer Unschuld halben sich nicht rühmen könnten, sondern viel mehr schwere Strafen verdient hatten, so hatten doch die Assyrer, und Chaldäer kein Recht, oder gerechte Ursache, derenthalben sie das Volk Gottes plagten. [Denn es sind die Gottseligen, gegen Gott zu rechnen, immer Sünder, aber ihre Feinde betreffend, werden sie oft von denselben unschuldigerweise verfolgt. Und stürzt Gott endlich die Feinde zu Boden. Also verdienen die Christen mit ihrer vielfältigen Abgötterei und groben Sünden, die großen Niederlagen, so sie von den Türken erleiden, der Türke aber hat keine rechte Ursache, wider sie zu wüten).

Ans Licht: (Nach Luther) Das ist: Er wird mich trösten.

Licht bringen: Aus der Finsternis der Traurigkeit, darin ich bisher gesteckt bin, ins Licht der Freiheit und Fröhlichkeit. Denn er wird mich nach seiner unermesslichen Güte aus dem Unfall erretten. Aber meinen Feinden vergelten, wie sie verdient haben. [Denn gleich, wie nach dem Regen die Sonne scheint, also erzeigt sich Gott nach den väterlichen Züchtigungen wiederum mit seiner Gnade gegen den Bußfertigen, und schüttet endlich seinen Grimm über die Feinde der Kirche aus).

10. Meine Feindin wird es sehen müssen und mit aller Schande bestehen, die jetzt zu mir sagt: Wo ist der Herr, dein Gott? Meine Augen werden es sehen, dass sie dann, wie ein Kot auf der Gasse zertreten wird {Ps 42v4 v11}.

Feindin: Nämlich, das gottlose Volk der Chaldäer, wie auch die Syrer und Assyrer.

Sehen müssen: Wie gnädig Gott sich meiner angenommen, und mich wiederum in mein Vaterland gebracht hat.

Bestehen: Und sehr unwillig darüber werden, dass es mir so wohl geht, welches ihnen nur zu desto größerem Schimpf und Spott gereichen wird.

Sagt: In meinem Unfall, da es mir übel geht.

Dein Gott: Von welche großen Taten und Wundern, auch wie er dir beistehen und helfen werde, du so viel gerühmt hast. Lass ihn jetzt dich erretten, wenn er so gütig und gewaltig ist, wie du von ihm ausgegeben hast. [Gleichwie aber die Feinde der Kirche sich des Unfalls freuen, also verdrießt es sie ganz übel, wenn sie wieder zur Ruhe kommt. Und bleiben ihre Lästerungen, die sie nicht allein wider die Kirche, sondern auch wider Gott selbst ausstoßen, nicht ungestraft).

Zertreten wird: Ich (spricht die Kirche) werde die göttliche Rache an meinen Feinden sehen, wie sie werden umkommen und zugrunde gehen, und sind zwar die Assyrer und Chaldäer von den Meden und Persern gestraft worden, von wegen, dass sie so unrecht und tyrannisch mit dem Volk Gottes umgegangen, und es schier ganz unterdrückt hatten, wie beides aus der Schrift, und anderen weltlichen Historien zu sehen ist. [Wenn aber Gott seiner Kirche Schmach rächt, so möchten zwar die Frommen viel lieber wünschen, dass die Gottlosen Busse täten, und erhalten würden. Wenn sie aber ihre beharrliche Bosheit spüren, so lassen sie sich Gottes Gericht, das er an den Gottlosen mit ihrem Untergang erzeigt, Wohlgefallen: Welches nicht eine fleischliche Rachgierigkeit, sondern ein göttlicher Eifer ist).

11. Zu der Zeit werden deine Mauern gebaut werden und Gottes Wort weit auskommen.

Zu: Jetzt fängt der Prophet an zu weissagen, wie nach der Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft auch die Heiden zum Reich Christi sollen versammelt werden, und dass alle, die an den Messias glauben, der den Erzvätern verheißen worden, das ewige Leben erlangen sollen.

Gebaut: Welches erfüllt wurde, da Nehemia, mit Bewilligung des Königs in Persien, die Mauern und Tor der Stadt Jerusalem wieder auf erbaut hat {Neh 3}.

Auskommen: Wenn, nämlich, nach der Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft der Sohn Gottes, menschliche Natur angenommen, gepredigt, Wunderzeichen getan, gelitten, gestorben, und wieder auferstanden ist, und am Pfingsttage den Heiligen Geist seinen Aposteln gesandt hat, die er später in die ganze Welt abgefertigt, das Evangelium zu predigen, da wird die Lehre des Evangeliums in der Welt hin und wieder ausgebreitet werden.

12. Und zur selbigen Zeit werden sie von Assur und von festen Städten zu dir kommen, von den festen Städten bis an das Wasser, von einem Meer zum anderen, von einem Gebirge zum anderen.

Kommen: Das ist: Auch die allermächtigsten Heiden, welche zuvor unüberwindlich schienen, werden zu Wasser und zu Land, durch Berge und Tal sich herzumachen, auch über die Wasserflüsse setzen, auf dass sie sich zu dir, O du Kirche Gottes, versammeln können. [Welches doch nicht eben nach den Worten von dem Ort Jerusalem muss verstanden werden, als ob alle Heiden dahin sich verfügen würden, das Evangelium Christi zu hören, obwohl schier dergleichen etwas am ersten Pfingsttage sich begeben, da aus allen Völkern, die unter dem Himmel gefunden wurden, etliche vorhanden gewesen, die das Evangelium Christi von den Aposteln gehört {Apg 2}. Sondern das ist die Meinung, dass weder Berge noch Täler, weder Meer noch Wasserflüsse, ja auch keine Festungen es verhindern werden, dass das Evangelium nicht zu ihnen durchdringen sollte, und die Leute da dem Herrn Christo unterwürflich machen, und in seine Kirche versammeln).

13. Denn das Land wird wüst sein seiner Einwohner halben, um der Frucht willen ihrer Werke.

Wüst sein: Das ist: Es werden die selbigen Heiden daheim keinen Platz finden, da sie bleiben und sich erhalten könnten, sondern weil um ihrer Sünden willen alles verwüstet ist, so werden sie zu dir fliehen, auf dass sie erquickt und erhalten werden, damit sie nicht Hungers sterben. [Mit dieser verblümten Rede will der Prophet zu verstehen geben, dass dieselben Länder, welche das Evangelium Christi noch nicht haben, gleichwie eine Wüste sind, da keine Weide des göttlichen Wortes ist, dadurch die Seelen gelabt und erhalten werden, ob sie gleich sonst ganz mächtig, und in großem Ansehen sind).

14. Du aber weide dein Volk mit deinem Stabe, die Herde deines Erbteils, die da wohnen beide, im Walde alleine und auf dem Felde; lass sie zu Basan und Gilead weiden wie vor Alters!

Du: Jetzt wendet der Prophet sich zu dem Sohn Gottes, redet ihn an, und bittet ihn, dass er, als der gute Hirte, seine Schäflein weiden wolle zum ewigen Leben.

Stabe: Nämlich, mit dem Worte des Evangeliums, und mit dem Sakrament deines Leibes und Blutes, regiere sie mit deinem Heiligen Geiste, und schütze sie vor allem Übel.

Erbteils: [Denn die Kirche ist das Erbteil Christi, sein Land und Leute, für welche er, als ein getreuer Hirte sein Leben gelassen, und wird sie durch seinen Fleiß zum ewigen Leben erhalten).

Im Walde: Denn die elenden Leute in dieser Welt sind wie die irrenden Schäflein im Walde, darum, O du Sohn Gottes, suche das verlorene Schäflein, welches in der irre herumläuft, und bringe es wieder zu deiner Herde. [Es sucht aber Christus die verlorenen Schäflein mit dem Predigtamt seines Wortes, und wenn sie sich finden lassen, so legt er sie auf seine Schulter mit Freuden {Lk 15}.

Und Gilead: Welche Länder über dem Jordan gelegen waren, und ganz gute Weide hatten. Daher auch die Rubeniter, Gadditer, und der halbe Stamm Manasse von Mose begehrt, dass er ihnen dasselbe Land zu besitzen eingeben wollten, weil sie viel Vieh hatten {4Mos 32}.

Vor Alters: Wie du auch vor der Zeit hast, pflegen dein Volk reichlich zu weiden. [Es weidet aber Christus seine Kirche auf der allerbesten Weide, weil er die Herzen der Menschen mit dem allerlieblichsten Trost des Evangeliums erquickt, und gleichsam erfüllt, also dass sie nicht allein ein ruhiges Gewissen haben, sondern auch an den zeitlichen Gaben Gottes, sie sind gleich gering oder vortrefflich, sich wohl begnügen lassen. Denn ihr Herz wird mit dem Wort des Evangeliums erquickt und gesättigt, weil sie wissen, dass sie Erben des Himmelreichs sind. Dies ist eben das, was Christus sagt von seinen Schäflein {Joh 10}. Ich bin gekommen, dass sie (meine Schäflein) das Leben und volle Genüge haben).

15. Ich will sie Wunder sehen lassen, gleichwie zu der Zeit, da sie aus Ägyptenland zogen,

Ich: Jetzt führt der Prophet den Sohn Gottes selber ein, das er redet.

Zogen: Und ich des Mose und Aarons Amt oder Beruf mit Wunderzeichen bekräftigte. [Es hat aber Christus darum Wunderwerke getan, auf dass wir glauben, er sei der Welt Heiland, und dass alle, die an seinen Namen glauben, das ewige Leben haben {Joh 20}.

16. dass die Heiden sehen, und alle ihre Gewaltigen sich schämen sollen und die Hand auf ihren Mund legen und ihre Ohren zuhalten.

Heiden: Welche, nämlich, gottlos und halsstarrig sind, ja auch die widerspenstigen Juden, werden der Apostel Wunderwerke, und den wunderbaren Fortgang des Evangeliums anschauen, und davor schamrot werden, wenn sie spüren, dass sie mit allen ihren Kräften den Lauf des Evangeliums nicht hindern können. [Denn es verdrießt die Gottlosen übel, wenn sie merken, wie das Evangelium wider ihren Willen immer weiter ausgebreitet wird).

Mund legen: Es wird ihnen das Maul gestopft werden, dass sie nichts haben damit sie die Wahrheit des Evangeliums widerlegen könnten.

Zuhalten: Sie werden die Lehre des Evangeliums nicht hören wollen, damit nicht, wenn sie in ihrem Gewissen überwiesen worden, Christo sich unterwerfen müssten. [Hier sieht man die halsstarrigen Feinde des Evangeliums mit ihren Farben eigentlich abgemalt und heraus gestrichen, welche, da sie die Lehre des Evangeliums nicht können tadeln, dennoch aus lauter Mutwillen in ihrer Blindheit verharren. Von solchen Leuten redet der 58. Psalm mit diesen Worten: Ihr Wüten ist gleich, wie das Wüten einer Schlange, wie eine taube Otter, die ihr Ohr zustopft, dass sie nicht höre die Stimme des Zauberers, des Beschwörers, der wohl beschwören kann).

17. Sie sollen Staub lecken wie die Schlangen und wie das Gewürm auf der Erde erzittern in ihren Löchern. Sie werden sich fürchten vor dem Herrn, unserem Gott, und vor dir sich entsetzen.

Staub lecken: Es wird die Strafe nicht außen bleiben, sondern auf solche Bosheit und Widerspenstigkeit der göttliche Fluch erfolgen. Denn weil sie lieber der alten Schlangen, dem Teufel, dienen wollen, als Christo dem Sohn Gottes, und gesegnetem Weibes Samen, so sind sie auch der Weide des göttlichen Wortes nicht Wert, sondern müssen eine solche Speise haben, damit ihr Gewissen nie erlabt wird.

Erzittern: Wenn sie einen Menschen sehen, oder fliehen auch vor einem rauschenden Blatt: Also werden auch die Gottlosen durch die Lehre des Evangeliums, und mit seinem Schall erschreckt und furchtsam gemacht.

Entsetzen: Das ist: Die Feinde der Kirche werden in sich ein zaghaftes Gewissen haben, und vor dem künftigen Gericht Gottes sich fürchten, auch die Kirche Gottes scheuen, ob sie es wohl mit Fleiß verbergen. [Denn obwohl die Feinde des Evangeliums in der Wut der Verfolgung mit großer Sicherheit wider die Kirche toben, so empfinden sie doch später Pein und Qual in ihrem Gewissen, und können nirgends eine Ruhe im Herzen haben. Wie denn dessen ein Beispiel an dem Tyrannen und Verfolger der christlichen Kirche, Nerone, zusehen gewesen, der auch die, so er umbringen lassen, noch nach ihrem Tode gefürchtet).

18. Wo ist solch ein Gott, wie du bist? Der die Sünde vergibt und erlässt die Missetat den Übrigen seines Erbteils; der seinen Zorn nicht ewig behält; denn er ist barmherzig {Ps 103v8 v9}.

Wo: Zum Beschluss wendet sich der Prophet von den halsstarrigen Feinden zu den Guttaten Gottes, die selbigen zu rühmen, welche um Christi willen der Kirche mitgeteilt werden.

Du bist: Es ist freilich in der ganzen Welt deines gleichen nicht, und ist kein anderer Gott außer dir, der du der Allmächtige und allergütigste Gott und Vater bist.

Vergibt: Dass sie uns nicht zugerechnet werde, noch sie mit dem ewigen Tode strafst.

Behält: Sondern lässt sich mit den bußfertigen Sündern wiederum versöhnen.

19. Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Missetat dämpfen und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meers werfen.

Erbarmen: Dass er sein Gemüt ändere, aus einem zornigen Gott, ein gnädiger Herr werde, die Sünden verzeihe, und die zeitliche Strafen entweder hinweg nehme, oder doch lindere.

Werfen: Er wird sie bedecken, verbergen, und vertilgen, dass sie niemals vor seinem Angesicht wiederum hervorkommen. [Solches geschieht auch in der Taufe, da wir von Sünden gereinigt werden {Eph 5}. Und wird die Sünde in das heilsame Meer der heiligen Taufe versenkt. Diese lieblichen Sprüche, damit die Vergebung der Sünden so oft vorgehalten wird, sollen die geängstigten Gewissen wohl und fleißig betrachten, dass sie daraus einen Trost schöpfen. Denn Christo geben alle Propheten Zeugnis, das alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden erlangen {Apg 10}.

20. Du wirst dem Jakob die Treue und Abraham die Gnade halten, wie du unseren Vätern längst geschworen hast.

Halten: Dass du uns durch den Heiland Christus die väterliche Treue und Barmherzigkeit leistest, welche du vorzeiten den Erzvätern mit einem Eid verheißen hast, und gesagt: Ich hab bei mir selbst geschworen, dass in deinem Samen sollen alle Völker auf der Erde gesegnet werden {1Mos 22}. [Solche Barmherzigkeit Gottes geht heutigen Tages über alle, die an Christus glauben. Denn wir sind die rechten Israeliten Gottes {Gal 6}. Darum erlangen wir Vergebung der Sünden und das ewige Leben durch den Glauben an Christus, welchem sei Ehre in Ewigkeit, Amen).