Das Buch Josua



Das 1. Kapitel


I. Gott spricht dem Josua zu und macht ihm einen Mut mit angehängtem Befehl, dass er das Land Kanaan einnehmen soll v. 1. II. Darauf befiehlt Josua den Obersten im Volk, dass sie sich gefasst machen und das Volk zum Kriege ausrüsten, auch den Rubenitern und Gadditern, samt dem halben Stamm Manasse, dass sie sich im Vorzug sollen finden lassen v. 10. III. Dem die Obersten, als ihrem Feldherrn gehorsam sein sollten v. 16.

1. Nach dem Tode Moses, des Knechtes des Herrn, sprach der Herr zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener:

Diener: Der dem Mose viele Jahre zur Hand gegangen und ihm in seiner Regierung treulich gedient hatte.

2. Mein Knecht Mose ist gestorben; so mache dich nun auf und zieh über diesen Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Kindern Israel, gegeben habe {5Mos 34v5}.

Zieh: Denn es ist Zeit, dass mein Volk endlich ins verheißene Land einkomme.

Jordan: Welcher der vornehmste Fluss im Lande Kanaan war.

3. Alle Stätte, darauf eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich zu Mose geredet habe {5Mos 11v24}.

Treten: Das ist: Wohin ihr kommen werdet, da sollt ihr die Oberhand behalten und durch meine Hilfe und Beistand dieselben Orte einnehmen, darum ihr nicht kleinmütig oder zaghaft sein dürft.

Geredet: Da ich die Grenzen desselben Landes, so ich euch zu besitzen eingeben will, längst bezeichnet und erneuert.

4. Von der Wüste an und diesem Libanon bis an das große Wasser Phrath, das ganze Land der Hethiter, bis an das große Meer gegen dem Abend, sollen eure Grenzen sein {4Mos 34v3 Jos 14v9}.

Wüste: Die gegen dem Mittag und gegen Ägypten zu liegt, dadurch ihr gereist seid.

Libanon: Welcher Berg dem Lande Kanaan gegen Mitternacht gelegen ist.

Phrath: Oder Euphrats, gegen dem Morgen.

Meer: Nämlich das Mittelländische Meer.

Grenze: Das ist: Alles Land, was innerhalb den jetzt gemeldeten vier Grenzen liegt, soll euch zu eurer Besitzung eingeräumt werden. [Denn Gott hat einem jeden Volk sein besonderes Land eingegeben und bestimmt, darüber es nicht kommen kann.]

5. Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, also will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen {5Mos 31v8 Hebr 13v5}.

Niemand: Nämlich von den Einwohnern desselben Landes.

Gewesen: Nämlich mit meiner göttlichen Hilfe und Beistand bis an sein Ende.

Verlassen: Ich will in keiner Gefahr von dir weichen und dich in keinen Nöten stecken lassen.

6. Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihren Vätern geschworen habe, dass ich es ihnen geben wollte {5Mos 31v7}.

Geschworen: Denn ich gebe es ihnen nicht darum, dass sie es sowohl um mich verdient hätten, weil das Widerspiel genügend am Tag, sondern dass ich es ihren frommen Voreltern, die an mich geglaubt, verheißen habe. [Also wird uns das ewige Leben, welches durch das Land Kanaan vorgebildet wurde, nicht aus unserem Verdienst gegeben, sondern wir müssen es aus lauter Gnaden um Christi willen erlangen.]

7. Sei nur getrost und sehr freudig, dass du hältst und tust aller Dinge nach dem Gesetz, dass dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, auf dass du weislich handeln mögest in allem, dass du tun sollst.

Hältst: Das ist: Dass du dein ganzes Leben und deine Regierung nach dem Gesetze Gottes anstellst, wie dasselbe durch Mose gegeben wurde, und dich in keinem Weg davon abführen lässt.

Weislich: [Deswegen handeln wir als denn am allerweißlichsten, wenn wir uns von dem Worte Gottes regieren und leiten lassen.]

8. Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, auf dass du hältst und tust alle Dinge nach dem, das darin geschrieben steht. Alsdann wird dir es gelingen in allem, dass du tust, und wirst weislich handeln können.

Buch: Nämlich das fünfte Buch Mose, welches den Regenten insbesondere zu lesen befohlen war.

Munde: Das ist: Du sollst fleißig darin studieren. Und wohl zu Gemüte führen, was du in demselben beschrieben und verzeichnet findest.

Gelingen: So wird dir alles glücklich vonstattengehen. [Denn wenn die Regenten nach den Geboten Gottes ihr Leben anstellen, so ist auch Glück und Segen bei ihrer Regierung.]

Weislich: (Nach Luther) Wer nach Gottes Wort sich richtet, der handelt weislich und glücklich, wer nach seinem eigenem Kopf es macht, der handelt unweißlich und vergeblich.

9. Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, dass du tun wirst.

Geboten: Das ist: Lass dich an dem genügen, dass ich dir selber ein Herz einspreche und einen Mut mache.

Herr: Nämlich mein eingeborener ewiger Sohn. [Und hat man hier auch das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit in Acht zu nehmen. Denn Gott der Herr redet von dem Herrn, nämlich der Vater von dem Sohn.]

In allem: Dies sind herrliche Verheißungen Gottes, daran Josua nicht unrichtig in aller Widerwärtigkeit sich hat heben und halten können. [Und soll eine jede fromme gottselige Obrigkeit wissen, dass sie Gott zum Beschützer habe. Denn weil derselbe ihnen das Amt der Regierung auferlegt und befohlen hat, so wird er ihnen auch Kraft und Stärke dazu verleihen und sie dabei handhaben.]

10. Da gebot Josua den Hauptleuten des Volkes und sprach:

Da gebot: Denn es hatte Josua, nachdem ihm die Regierung aufgetragen wurde, dieselbe angenommen, obwohl er bei der vorigen des Mose Herrschaft genügend erkannt, was für Mühe und Gefahr dabei wäre. [Denn man soll die Regierung, wenn sie einem rechtmäßigerweise aufgetragen wird, um der Gefahr und Unlust willen, so dabei sich findet, nicht ausschlagen.]

11. Geht durch das Lager und gebietet dem Volk und sprecht: Schafft euch Vorrat; denn über drei Tage werdet ihr über diesen Jordan gehen, dass ihr hineinkommt und das Land einnehmt, das euch der Herr, euer Gott, geben wird.

Vorrat: Nämlich Proviant und Speise. Denn es soll ein Feldherr im Kriege seine Kriegsleute und ein Regent seine Untertanen versorgen und bei Zeit darauf bedacht sein, dass sie ihre Nahrung und notdürftige Unterhaltung haben mögen. [Unsere Zehrpfennige, aber damit wir uns versehen sollen, wenn wir gen Himmel reisen wollen, ist das Heilige Abendmahl.]

12. Und zu den Rubenitern, Gadditern und dem halben Stamm Manasse sprach Josua:

13. Gedenkt an das Wort, das euch Mose, der Knecht des Herrn, sagte und sprach: Der Herr, euer Gott, hat euch zur Ruhe gebracht und dies Land gegeben {4Mos 32v20}.

Ruhe: Das ist: Ihr besitzt bereits euren Teil Landes in gutem Frieden und habt euch in eure Haushaltung eingerichtet.

Land: Nämlich die beide Königreiche Sihons und Ogs, die wir eingenommen haben und euch zu eurem Erbteil übergeben, darum ist es richtig, dass ihr jetzt den anderen Israeliten, euren Mitbrüdern auch behilflich seid, damit sie zu den Ihrigen, was ihnen zusteht kommen mögen.

14. Eure Weiber und Kinder und Vieh lasst im Lande bleiben, das euch Mose gegeben hat diesseits des Jordans; ihr aber sollst vor euren Brüdern herziehen gerüstet, was streitbare Männer sind, und ihnen helfen,

Gerüstet: Dass also, welche die ersten gewesen, die den Nutzen bekommen haben, auch die Vordersten sein, wo man die Streiche auffangen und eine Gefahr bestehen muss. [Denn es ist richtig, dass, welche den größten Nutzen haben, auch die meiste Last tragen.]

15. bis dass der Herr eure Brüder auch zur Ruhe bringt, wie euch, dass sie auch einnehmen das Land, das ihnen der Herr, euer Gott, geben wird. Alsdann sollst ihr wieder umkehren in euer Land, das euch Mose, der Knecht des Herrn, gegeben hat zu besitzen, diesseits des Jordans, gegen der Sonnen Aufgang.

Aufgang: Denn dem Lande Kanaan nach zu rechnen ist dasselbe Land gegen Morgen oder Aufgang der Sonnen gelegen gewesen. [Und sollen wir zuvorderst für unseren Nächsten, danach aber für uns selber sorgen, weil die Liebe nicht das ihre sucht {1Kor 13}.]

16. Und sie antworteten Josua und sprachen: Alles, was du uns geboten hast, das wollen wir tun, und wo du uns hinsendest, da wollen wir hingehen.

Sie: Nämlich die Obersten im Volk, wie auch die anderen Israeliten.

Tun: Wir wollen uns durch keine Gefahr irren oder hindern und abschrecken lassen. [Und wird hier der freiwillige Gehorsam der Kinder Gottes vorgebildet, gegen ihren Heiland und Erlöser Christo.]

17. Wie wir Mose gehorsam sind gewesen, so wollen wir dir auch gehorsam sein, allein, dass der Herr, dein Gott, nur mit dir sei, wie er mit Mose war.

Mose: Den wir für unsere ordentliche Obrigkeit erkannt und angenommen.

Mit dir: Dass er dir gegenwärtig beistehe mit seiner göttlichen Hilfe und Allmacht, welches wir denn von Herzen wünschen.

18. Wer deinem Munde ungehorsam ist und nicht gehorcht deinen Worten in allem, das du uns gebeust, der soll sterben. Sei nur getrost und unverzagt!

Ungehorsam: Das ist: Wer sich dir mutwilliger und freventlicherweise widersetzen wird und deinen Geboten nicht nachkommen will.

Sterben: [Denn die Aufrührer soll man mit allem Ernst strafen. Und sollen die Untertanen ihrer Obrigkeit freiwillig und aus freudigem Herzen allen Gehorsam und Gebühr anbieten und denselben auch im Werke leisten.]


Das 2. Kapitel


1. Josua schickt Kundschafter in die Stadt Jericho v. 1. 2. Welche, da ihnen der König nachtrachtete und sie in Gefahr stecken, eine Hure mit Namen Rahab, heimlich verborgen hält, und danach ihr und ihrem Geschlechter mit einem Eid Sicherheit versprechen und zusagen lässt v. 2. 3. Darauf kommen die Kundschafter wieder zu dem Kriegsvolk, und machen dem Volk eine Freude und gute Hoffnung, dass sie mit keckem Mut fortziehen v. 23.

1. Josua aber, der Sohn Nuns, hatte zwei Kundschafter heimlich ausgesandt von Sittim und ihnen gesagt: Geht hin, beseht das Land und Jericho. Die gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, die hieß Rahab, und kehrten zu ihr ein {Jak 2v25 Hebr 11v31}.

Kundschafter: Nicht zwar, dass er ein Misstrauen hätte an den göttlichen Verheißungen, sondern damit er das verheißene Land desto besser erobern könnte.

Sittim: Welches ein Ort war, in der Moabiter Landschaft gelegen.

Beseht: Dass ihr uns Nachricht geben könnt, wo wir am besten hineinkommen mögen.

Jericho: Wo sie gelegen und wie sie am leichtesten zu erobern sei. [Denn wo man einen wohl befugten Krieg führt, da mag man auch wohl auf Kundschaft etwas gehen lassen.]

Huren: Vielleicht weil sie sonst keine Herberge bekommen konnten. Denn das ist einmal gewiss, dass sie nicht Unzucht halben zu ihr eingezogen sind.

2. Da wurde dem Könige zu Jericho gesagt: Siehe, es sind in dieser Nacht Männer hereingekommen von den Kindern Israel, das Land zu erkunden.

Da wurde: Denn weil sich die Einwohner zu Jericho vor den Kindern Israel sehr fürchteten, so hat ihnen von Stund an nichts Gutes wollen in den Sinn fallen, da jemand von denselben zu ihnen komme.

Gesagt: Nämlich am anderen oder dritten Tage später, wie die folgenden Umstände bezeugen.

Erkunden: Darum will vonnöten sein, dass du sie zur Hand bringst und gefangen legst und so an sie setzt, dass sie schwätzen müssen, was der Kinder Israel Vorhaben sei, danach sie zur angemessenen Strafe ziehst um ihrer Verräterei willen.

3. Da sandte der König zu Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: Gib die Männer heraus, die zu dir in dein Haus kommen sind; denn sie sind gekommen, das ganze Land zu erkunden.

Heraus: Dass wir sie gefangen nehmen.

Erkunden: Das du vielleicht nicht wusstest, denn es sonst dir nicht hätte gebühren wollen, dass du sie beherbergt hättest.

4. Aber das Weib verbarg die zwei Männer und sprach also: Es sind ja Männer zu mir hereingekommen, aber ich wusste nicht, von wannen sie waren.

Verbarg: Dass sie von des Königs abgesandten Dienern nicht gesehen wurden. Es hatte aber die Rahab, ob sie wohl bis daher einen unehrbaren Wandel geführt, von den Wunderzeichen vernommen, die Gott zur Erlösung seines Volkes Israel geschehen und ergehen lassen, daher sie ihr bereits einen Glauben und Vertrauen zu Gott geschöpft, wie die Epistel zum {Hebr 11}, ihr dessen Zeugnis gibt. So wusste sie auch, dass die Gottlosen und abgöttischen Völker aus dem Lande Kanaan sollten verstoßen werden, damit die Kinder Israel Platz zu wohnen bekämen. Darum will sie dem gottlosen Könige nicht gehorsam sein, da er die unschuldigen Leute zum Tode fordert, sondern ist viel mehr darauf bedacht, wie sie dieselben aus der bevorstehenden Todesgefahr erretten möge. [Denn man soll der Obrigkeit nicht gehorchen, wenn der Befehl wider Gott und sein Wort ist.]

Wusste nicht: Denn wo ich es gewusst hätte, dass es Israeliten gewesen, so wollte ich sie freilich nicht zur Herberge aufgenommen haben.

5. Und da man die Tore wollte zuschließen, da es finster war, gingen sie hinaus, dass ich nicht weiß, wo sie hingegangen sind. Jagt ihnen eilend nach; denn ihr werdet sie ergreifen.

Eilend nach: Denn sie werden nicht weit gekommen sein. [Diese Verhehlung, dadurch die Rahab aus Glauben die unschuldigen Leute beim Leben erhalten hat, ist keine Sünde gewesen, sondern vielmehr eine Klugheit und Gott wohlgefällige Geschwindigkeit.]

6. Sie aber ließ sie auf das Dach steigen und verdeckte sie unter die Flachsstängel, die sie ihr auf dem Dache ausgebreitet hatte.

Dach steigen: Denn im Lande Kanaan waren die Dächer auf den Häusern eben, dass man darauf gehen konnte, wie bei uns die Altanen.

Ausgebreitet: Wie denn die Weiber mit dem Flachs oder Hanf umzugehen pflegen, wenn sie ihn zurichten, dass sie ihn ausbreiten und an der Sonne dörren. Und sind die Weiber besonders listig und eines geschwinden Verstandes, dass sie können in der Eile einen Rat erdenken und einer Sache helfen.

7. Aber die Männer jagten ihnen nach auf dem Wege zum Jordan bis an die Furt. Und man schloss das Tor zu, da die hinaus waren, die ihnen nachjagten.

Jagten: Wie sie meinten, da doch niemand für ihnen war.

Furt: Da man auf Schiffen über den Jordan fahren musste. Denn derselbe Fluss so groß und tief war, dass man zu Fuß nicht hat, konnte durchkommen. Deswegen die Nachjager hofften, dass sie die Kundschafter dort erwischen wollten, eher sie übersetzen könnten.

Tor zu: Weil die Nacht vorhanden war.

8. Und eher denn die Männer sich schlafen legten, stieg sie zu ihnen hinauf auf das Dach

Männer: Nämlich die Kundschafter, welche sich noch unter die Flachsstängel verborgen hielten.

9. und sprach zu ihnen: Ich weiß, dass der Herr euch das Land gegeben hat; denn ein Schrecken ist über uns gefallen vor euch, und alle Einwohner des Landes sind vor eurer Zukunft feige geworden.

Herr: Nämlich der rechte wahre Gott.

Feige: Das ist: Es ist ihnen das Herz und der Mut ganz und gar entfallen und sind so verzagt, nachdem sie von euch gehört, dass ihr kommen werdet, dass sie euch nicht werden widerstehen können.

10. Denn wir haben gehört, wie der Herr hat das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet vor euch her, da ihr aus Ägypten zogt, und was ihr den zwei Königen der Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordans getan habt, wie ihr sie verbannt habt {2Mos 14v21 4Mos 21v24}.

Ausgetrocknet: Nämlich wie ihr dazu gekommen seid. Darum weil die Einwohner dieses Landes so viel vernommen, dass auch Gott durch unwegsame Orte einen Weg für euch machte, so können sie sich keine bessere Hoffnung machen, denn dass sie werden im Streit wider euch müssen den Kürzeren ziehen und unterliegen.

Verbannt: Das ist: Welche ihr samt all ihrem Volk zugrunde vertilgt und ausgerottet habt.

11. Und seit wir solches gehört haben, ist unser Herz verzagt und ist kein Mut mehr in jemand vor eurer Zukunft; denn der Herr, euer Gott, ist ein Gott, beide oben im Himmel und unten auf Erden {5Mos 4v39}.

Ein Gott: Das ist: Bei uns werden die falschen Götter und stummen Götzen angebetet, darum ist es kein Wunder, dass jedermann verzagen will. Ihr aber habt hingegen den ewigen wahren Gott auf eurer Seite, dem ihr dient, der allein der rechte Herr ist im Himmel und auf Erden und alle Kreaturen in seiner Gewalt hat. Denselben will ich künftig auch allein ehren und anrufen. [Also bricht der rechtschaffene Glaube hervor, dass er die Wahrheit frei heraus bekennt, Gott lobt und preist und mit Liebe gegen den Nächsten sich erzeigt.]

12. So schwört mir nun bei dem Herrn, dass, weil ich an euch Barmherzigkeit getan habe, dass ihr auch meines Vaters Hause Barmherzigkeit tut; und gebt mir ein gewisses Zeichen,

Getan: Indem ich euch aus der Todesgefahr errettet und beim Leben erhalten habe.

Tut: Dass, wenn ihr diese Stadt zerstören und umkehren werdet, ihr mich und mein Geschlecht nicht auch mit aufreibt.

Zeichen: Dadurch ich meiner Sicherheit halben vergewissert werde und ihr euch eurer Verheißung erinnern könnt. [Es sind aber ohne Zweifel der Rahab ihre Eltern, Brüder und Schwestern feind gewesen, von wegen ihres unzüchtigen Lebens und ärgerlichen Wandels, so sie bisher geführt: Nichtsdestoweniger lässt sie ihr derselben Wohlfahrt angelegen sein, und weil sie alle ihre Landsleute nicht beim Leben erhalten kann, so untersteht sie sich doch, ihre nächsten Freunde und Blutsverwandten aus dem Verderben zu erretten: Tut also aus einem rechten Glauben denen Gutes, die sie hassen. Und haben wir bei ihrem Beispiel zu lernen, dass die bußfertigen Sünder von Gott nicht verstoßen werden, sondern den Heiligen Geist empfangen, durch dessen Wirkung sie herrliche Früchte des Glaubens hervorbringen: Denn es wird dies sündige Weib auch in das Geschlechter-Register Christi mit eingeführt {Mt 1}. Weil Christus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen {1Tim 1}. Weiter werden wir auch hier erinnert, dass wir zuvorderst unseren Blutsverwandten Gutes tun sollen Denn dieselben sind unter den Nächsten die ersten. Und wer die Seinen nicht versorgt, der ist ärger denn ein Heide {1Tim 5}. Auch können wir hierbei die Nachricht haben, dass wir verachtete und verschmähte Leute nicht ganz aufgeben sollen Denn es wohl geschehen kann, dass man ihrer nützlich zu gebrauchen hat, weil hier die israelitischen Kundschafter von einer Hure beim Leben sein erhalten wurden und eben dieselbe Person ihre ganze Freundschaft durch ihre Fürbitte vor dem Untergang bewahrt hat.]

13. dass ihr leben lasst meinen Vater, meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern und alles, was sie haben, und errettet unsere Seelen von dem Tode.

14. Die Männer sprachen zu ihr: Tun wir nicht Barmherzigkeit und Treue an dir, wenn uns der Herr das Land gibt, so soll unsere Seele für euch des Todes sein, sofern du unser Geschäft nicht verrätst.

Treue: Das ist: Wir wollen dir Gutes tun und treulich mit dir handeln. [Denn weil man auch das Böse mit Gutem vergelten soll, wie viel mehr soll man der Wohltaten im besten bedacht sein.]

Todes sein: Das ist: Gott soll uns mit einem unzeitigen Tode strafen und hinreißen, wo wir nicht in Eroberung der Stadt dich und die Deinen beim Leben erhalten, wie du begehrst.

Geschäft: Was wir jetzt hier in Erkundigung des Orts verrichtet haben.

15. Da ließ sie dieselben am Seil durch das Fenster hernieder; denn ihr Haus war an der Stadtmauer, und sie wohnte auch auf der Mauer.

Fenster: Über die Stadtmauren hinab außer der Stadt, dass sie also entrinnen konnten und wieder zu den ihrigen gelangen.

16. Und sie sprach zu ihnen: Geht auf das Gebirge, dass euch nicht begegnen, die euch nachjagen, und verbergt euch dort drei Tage, bis dass die wiederkommen, die euch nachjagen; danach geht eure Straße.

17. Die Männer aber sprachen zu ihr: Wir wollen aber des Eides los sein, den du von uns genommen hast,

Sprachen: Nämlich ehe sie von ihr hinabgelassen wurden.

Los sein: Nämlich sofern du nicht halten wirst, was wir dir jetzt sagen wollen.

18. wenn wir kommen ins Land, und du nicht dies rote Seil in das Fenster knüpfst, damit du uns herniedergelassen hast und zur dir ins Haus versammelst deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und deines Vaters ganzes Haus.

Kommen: Nämlich mit bewaffneter Hand und Heereskraft.

Knüpfst: Damit unsere Kriegsleute wissen können, welches Hauses sie verschonen sollen.

Haus: Das ist: Alle deine Hausgenossen und dein ganzes Geschlecht, die du begehrst, dass sie mit dir erhalten werden.

19. Und wer zur Tür deines Hauses herausgeht, des Blut sei auf seinem Haupte, und wir unschuldig; aber aller, die in deinem Hause sind, so eine Hand an sie gelegt wird, so soll ihr Blut auf unserem Haupte sein.

Heraus geht: Dass du sie nicht bei dir behältst im Hause oder sie nicht bei dir bleiben lässt, so wird die Schuld nicht unsere sein und wird es uns Gott nicht zur Sünde rechnen, wenn sie umgekommen: Sondern es wird ein jeder an seinem Verderben selber schuldig sein, da er die vorgemeldete Bedingung nicht eingehen will.

Gelegt wird: Das ist: Da einer in deinem Hause würde mit Gewalt einfallen und jemand ein Leid zufügen, so wollen wir davor Rede und Antwort geben und erbieten uns darüber zur Strafe, wie sie uns mag aufgelegt werden. [Denn die Eidbrüchigen hasst Gott und lässt sie nicht ungestraft.]

20. Und so du etwas von diesem unserem Geschäfte wirst nachsagen, so wollen wir des Eides los sein, den du von uns genommen hast.

Nachsagen: Wo wir werden erfahren, dass du dem Könige dieser Stadt unsere Vorhaben entdeckt und ihn gewarnt hast vor unseres Kriegsvolkes Herkunft, damit er sich desto besser zum Widerstand könne rüsten und gefasst machen. So wollen wir dir nichts mehr gebunden und keiner Sicherung geständig sein.

21. Sie sprach: Es sei, wie ihr sagt; und ließ sie gehen. Und sie gingen hin. Und sie knüpfte das rote Seil ins Fenster.

Knüpfte: Nämlich nachdem sie die Kundschafter hatte gehen lassen, zum Zeichen der künftigen Errettung.

22. Sie aber gingen hin und kamen aufs Gebirge und blieben drei Tage dort, bis dass die wiederkamen, die ihnen nachjagten. Denn sie hatten sie gesucht auf allen Straßen und doch nichts gefunden.

Kamen: Nämlich des Königs Diener, so er ausgesandt hatte, dass sie den Kundschaftern nachsetzen und sie fangen sollten.

Straßen: Da sie eine Vermutung gehabt, dass die Kundschafter möchten hingezogen sein.

23. Also kehrten die zwei Männer wieder und gingen vom Gebirge und fuhren über; und kamen zu Josua, dem Sohn Nuns, und erzählten ihm alles, wie sie es gefunden hatten,

Männer: Nämlich die Kundschafter, welche Josua ausgesandt hatte die Stadt Jericho und das Land zu erkunden.

Gebirge: Da sie sich verborgen gehalten hatten.

Fuhren über: Nämlich über den Jordan.

Kamen: Nämlich ins Heerlager der Kinder Israel.

Gefunden: Wie sie nämlich Gott, durch der Hure Rahab Klugheit beim Leben erhalten, der sie wiederum mit einem Eid gegeben, zugesagt und versprochen hätten.

24. und sprachen zu Josua: Der Herr hat uns alles Land in unsere Hände gegeben; auch so sind alle Einwohner des Landes feige vor uns.

Feig: Das ist: Wir werden das gelobte Land gewisslich bekommen. Denn Gott hat unseren Feinden bereits den Mut genommen. Dass sie, wenn sie nur von unsere Zukunft hören, davor von Herzen erschrecken und schier verzagen wollen. [Wir sollen auch mit großer Zuversicht dem Himmelreich zuziehen, welches uns verheißen ist: Der gewissen Vertröstung, dass wir dasselbe, wenn wir Christus zum Obersten und Führer haben, durch den Glauben erlangen werden, ungeachtet aller Hindernisse und wider den Willen aller unsere Feinde, die uns widerstehen wollen.]


Das 3. Kapitel


1. Josua zeigt dem Volk an, wie nahe sie der Lade des Bundes folgen sollen, wenn sie zuvor geheiligt sind und durch den Jordan gehen v. 1. 2. Heißt danach zwölf Steine aus dem Jordan nehmen und dieselben zum Gedächtnis an dem Ort aufrichten, da sie ihr erstes Nachtlager halten werden v. 9. 3. Sobald die Priester (welche die Bundeslade getragen) einen Fuß im Jordan setzen, stellt sich das Wasser auf der einen Seite in die Höhe und bleibt stehen und fließt auf der anderen Seite abwärts immer fort hinweg, dass die Kinder Israel trockenen Fußes hindurch gehen v. 14.

1. Und Josua machte sich frühe auf; und sie zogen aus Sittim und kamen an den Jordan, er und alle Kinder Israel, und blieben dort über Nacht, eher sie hinüberzogen.

Sittim: Welches ein Ort war in der Moabiter Land, da die Kinder Israel eine gute Zeit bisher verblieben waren.

2. Nach drei Tagen aber gingen die Hauptleute durch das Lager

3. und geboten dem Volk und sprachen: Wenn ihr sehen werdet die Lade des, Bundes des Herrn, eures Gottes, und die Priester aus den Leviten sie tragen, so zieht aus von eurem Ort und folgt ihr nach.

4. Doch dass zwischen euch und ihr Raum sei bei zweitausend Ellen. Ihr sollt nicht zu ihr nahen, auf dass ihr wisst, auf welchem Wege ihr gehen sollt; denn ihr seid den Weg vorhin nicht gegangen.

5. Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch; denn morgen wird der Herr ein Wunder unter euch tun.

Heiligt: Das ist: Reinigt euch, wascht eure Kleider und enthaltet euch eine Zeit lang von der Weiber Beiwohnung. [Durch solche äußerliche Reinigkeit ist die wahre geistliche Reinigkeit und Heiligkeit des Herzens bedeutet worden. Denn es ist keiner tauglich oder geschickt, dass er zum himmlischen Vaterland eingehe, es sei denn sein Herz zuvor durch den Glauben gereinigt, und dass er sich befleißige, ein heiliges Leben und unsträflichen Wandel zu führen.

Wunder: Dass er euch trockenen Fußes über den Jordan führen wird und weder Schiffe noch Brücken dazu gebrauchen.

6. Und zu den Priestern sprach er: Tragt die Lade des Bundes und geht vor dem Volk her. Da trugen sie die Lade des Bundes und gingen vor dem Volk her.

7. Und der Herr sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor dem ganzen Israel, das sie wissen, wie ich mit Mose gewesen bin, also auch mit dir sei.

Groß: Das ist: Ich will durch ein herrliches Wunderwerk verschaffen, dass du bei den Israeliten ein Ansehen bekommst.

Gewesen: Dem ich in der sehr beschwerlichen Regierung dieses Volkes mit meiner Gegenwart und Hilfe beigestanden bin.

Mit dir: Von jetzt an und künftig. [Denn es hat Gott der himmlische Vater dem rechten Josua, unserem Heiland Jesu Christ, so bei den Auserwählten ein Ansehen gemacht mit vielen herrlichen Wunderzeichen, besonders aber, dass er ihn von den Toten wieder auferweckt hat {Röm 1}].

8. Und du gebiete den Priestern, die die Lade des Bundes tragen, und sprich: Wenn ihr kommt vorn ins Wasser des Jordans, so steht stille.

Wasser: Dass ihr das Wasser mit euren Fußsohlen anrührt.

9. Und Josua sprach zu den Kindern Israel: Herzu, und hörte die Worte des Herrn, eures Gottes!

10. Und sprach: Dabei sollt ihr merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist, und dass er vor euch austreiben wird die Kanaaniter, Hethiter, Heviter, Pheresiter, Gergositer, Amoriter und Jebusiter.

Unter euch: Das ist: Dass ihr den wahren lebendigen Gott mit und bei euch habt als einem Helfer und Beschützer.

Vor euch] Zu eurer Ankunft.

11. Siehe, die Lade des Bundes des Herrschers über alle Welt wird vor euch hergehen in den Jordan.

Welt: Der über die ganze Welt mit großer Gewalt herrscht und regiert.

Hergehen: Nämlich dass sie die Priester tragen werden.

12. So nehmt nun zwölf Männer aus den Stämmen Israels, aus jeglichem Stamm einen.

Männer: Deren ein jeder einen großen Stein aus dem Grunde des Jordans aufheben und an den Ort mit sich tragen soll, da wir unser erstes Nachtlager aufschlagen werden, wenn wir sind hinübergekommen zum ewigen Gedächtnis, das ihr trockenen Fußes durch den Jordan gegangen seid.

13. Wenn dann die Fußsohlen der Priester, die des Herrn Lade, des Herrschers über alle Welt, tragen, in des Jordans Wasser sich lassen, so wird sich das Wasser, das von oben herabfließt im Jordan, abreißen, dass es über einem Haufen stehen bleibe.

Abreißen: Das ist: Das untere Wasser wird fortfließen und abnehmen, aber das Oberteil wird unbeweglich aufrecht stehen bleiben wie ein Berg, welches Wunderwerk euch ein gewisses und unfehlbares Zeugnis sein soll, dass der Herr euch das verheißene Land zu besitzen eingeben wolle. [Denn alle Wohltaten Gottes, die er uns erzeigt, sollen dazu dienen, dass wir unseren Glauben dadurch stärken.]

14. Da nun das Volk auszog aus seinen Hütten, dass sie über den Jordan gingen, und die Priester die Lade des Bundes vor dem Volk her trugen {Apg 7v45}.

Das Volk: (Nach Luther) Diese Geschichte bedeutet, dass uns Christus durch die Apostel im Evangelium vorgetragen, leitet uns ins Himmelreich durch den trocken Jordan, der doch damals am vollsten war. Das ist: Das Gesetz, das uns mit Werken ängstigt und treibt, hörte auf durch das Evangelium, dass unsere Gewissen frei, fröhlich und sicher vor ihm sind und allein Christo im Glauben folgen.

15. und an den Jordan kamen und ihre Füße vorn ins Wasser tunkten (der Jordan aber war voll an allen seinen Ufern, die ganze Zeit der Ernte) ,

Voll: Das ist: Er war damals ganz tief, dass man ihn mit den Füßen keineswegs gründen könnte.

16. da stand das Wasser; das von oben herniederkam, aufgerichtet über einem Haufen, sehr ferne von den Leuten der Stadt, die zur Seite Zarthan liegt; aber das Wasser, das zum Meer hinunterlief, zum Salzmeer, das nahm ab und verfloss. Also ging das Volk hinüber gegen Jericho {Ps 114v3}.

Zarthan: Ist ein Ort also genannt, das ist der Riss des Wassers, ist geschehen eine aufwärts, ferne von den Priestern, damit sie zu beiden Seiten Platz und Raum genug hätten, hinüberzugehen.

17. Und die Priester, die die Lade des Bundes des Herrn trugen, standen also im Trocknen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging trocken durch, bis das ganze Volk alles über den Jordan kam.

Also: Wie sie dahin geordnet waren. Denn die Priester haben mitten im Jordan mit der Lade Gottes still gehalten, bis alles Volk hindurch gekommen sei, also die ersten im Jordan und die letzten wiederum hinaus gewesen. [Und bedeutet der Jordan allerlei Unglück dieses Lebens, wie auch den Tod selbst, und können wir durch so viel Unglück oder auch durch den Tod keinen Eingang zum Himmelreich haben, sofern uns Christus durch das Amt des Evangeliums nicht vorgetragen wird und bei uns bleibt: Denn wenn wir den durch den Glauben im Kreuz und Tode bei uns haben, so können wir durch alles, was uns sonst hinderlich sein möchte, hindurchdringen zum ewigen Leben, da wir sonst ohne ihn im Elend und Tode sterben und verderben müssten.]


Das 4. Kapitel


1. Was im vorigen Kapitel vom Durchgang der Kinder Israel kürzlich angeregt wurde, dass wird jetzt weitläufiger erklärt v. 1. 2. Und da sie hinüber kommen, ziehen die Rubeniter, Gadditer und der halbe Stamm Manasse gerüstet vor die andere Israeliten her v. 11. 3. Sobald die Priester aus dem Jordan steigen, kommt das Wasser wieder zusammen und fließt wie vorhin v. 18.

1. Und der Herr sprach zu Josua:

2. Nehmt euch zwölf Männer, aus jeglichem Stamm einen.

Zwölf Männer: Von denen im vorigen Kapitel auch gesagt wurde.

3. Und gebietet ihnen und sprecht: Hebt auf aus dem Jordan zwölf Steine von dem Ort, da die Füße der Priester also stehen, und bringt sie mit euch hinüber, dass ihr sie in der Herberge lasst, da ihr diese Nacht herbergen werdet.

Also: Wie sie dahin geordnet waren.

Nach Luther: Das ist: Die Priester so die Lade trugen, standen, wie sie geordnet waren, und taten nichts anderes.

4. Da rief Josua zwölf Männer, die verordnet waren von den Kindern Israel, aus jeglichem Stamm einen,

5. und sprach zu ihnen: Geht hinüber vor die Lade des Herrn, eures Gottes, mitten in den Jordan, und hebe ein jeglicher einen Stein auf seine Achsel, nach der Zahl der Stämme der Kinder Israel,

6. dass sie ein Zeichen sind unter euch. Wenn eure Kinder später ihre Väter fragen werden und sprechen: Was tun diese Steine da?

Zeichen: Das ist: Dass ihr von denselben Steinen ein Malzeichen zum Gedächtnis aufrichtet, dabei ihr und eure Nachkommen euch zu erinnern habt, dass, indem euch die Lade des Herrn vorgetragen wurde im Jordan, ihr durch denselben Fluss trockenes Fußes hindurch gegangen und also ins Land Kanaan kommen seid.

7. dass ihr dann ihnen sagt, wie das Wasser des Jordans abgerissen sei vor der Lade des Bundes des Herrn, da sie durch den Jordan ging, dass diese Steine den Kindern Israel ein ewig Gedächtnis sind.

Gedächtnis: Dass sie dieser Guttat, da sie durch ein Wunderwerk ins verheißene Land sind eingeführt worden, nie vergessen. [Denn obwohl oben 3. Mose 25 verboten wurde, dass man Steine aufrichten soll zum Anbeten. So war ihnen es doch ungewehrt, dass sie Steine zusammentragen und aufrichten möchten zum Gedächtnis der empfangenen Wohltaten. Also ist keinem zugelassen, dass er wollte Bilder haben oder machen, dieselbe anzubeten, aber sonst mag man sie wohl haben, dass man sich geschehener Sachen dabei erinnere.]

8. Da taten die Kinder Israel, wie ihnen Josua geboten hatte, und trugen zwölf Steine mitten aus dem Jordan, wie der Herr zu Josua gesagt hatte, nach der Zahl der Stämme der Kinder Israel, und brachten sie mit sich hinüber in die Herberge und ließen sie dort.

Zahl: Nämlich aus jedem Stamm einer wie zuvor gemeldet. [Diese zwölf Männer sind ein Vorbild der zwölf Apostel, welche die Wohltat Christi, dass er uns durch die Kraft seines Todes zum ewigen Leben einführe, mit der Predigt des Evangeliums in die ganze Welt ausgebreitet haben.]

9. Und Josua richtete zwölf Steine auf mitten im Jordan, da die Füße der Priester gestanden waren, die die Lade des Bundes trugen; und sind noch dort bis auf diesen Tag.

Zwölf Steine: Nämlich über und ohne die vorigen, so man heraus getragen. Und hat Josua solches ohne Zweifel darum getan, dass, wenn das Wasser über dieselben Steine liefe und also über sich stiegen, den Kindern Israel so oft sie an denselben Ort kämen, ein Gedächtnis und Erinnerung wären, an welchem Ort die Priester mit der Bundeslade gestanden, da die Israeliten trockenen Fußes durch den Jordan gegangen. Welches dem Josua zu tun freigestanden und unverboten war, weil er keinen neuen Gottesdienst seines Gefallens dortselbst gestiftet, sondern nur allein ein Gedenkzeichen der göttlichen Wohltat aufgerichtet hat.

Diesen Tag: Da nämlich diese Geschichte beschrieben wurde.

10. Denn die Priester, die die Lade trugen, standen mitten im Jordan, bis dass alles ausgerichtet wurde, das der Herr Josua geboten hatte, dem Volk zu sagen; wie denn Mose Josua geboten hatte. Und das Volk eilte und ging hinüber.

Alles ausgerichtet: Das ist: Bis alles Volk hinübergekommen, die zwölf Steine hinausgetragen waren und Josua andere zwölf mitten im Jordan übereinander auf einen Haufen gesetzt hatte.

Wie denn: Das ist: Wie er auch vor der Zeit von Mose noch bei desselben Lebzeiten davon Befehl empfangen hatte.

11. Da nun das Volk ganz hinübergegangen war, da ging die Lade des Herrn auch hinüber, und die Priester vor dem Volk her.

Da ging: Das ist: Die Priester trugen die Lade Gottes nicht eher aus dem Jordan, bis dass alles Volk war hinübergekommen, danach gingen sie auch heraus vor dem Volk hin, welches ihnen zusah. [Also sollen fromme Kirchendiener einzig und allein darauf bedacht sein, dass (ihre eigene Gefahr hinten gesetzt) die christliche Kirche ganz und ohne Fehler in das himmlische Vaterland und zum ewigen Leben eingeführt werde.]

12. Und die Rubeniter und Gadditer und der halbe Stamm Manasse gingen gerüstet vor den Kindern Israel her, wie Mose zu ihnen geredet hatte {4Mos 32v29}.

13. Bei vierzigtausend, gerüstet zum Heer, gingen vor dem Herrn zum Streit auf das Gefilde Jerichos.

Gerüstet: Das ist: Der Ausbund und Kern der besten Kriegsleute, so in denselben dritthalben Stämmen zu finden waren.

Zum Streit: Nämlich auf erforderten Notfall, wenn man ihrer bedürfen würde.

14. An dem Tage machte der Herr Josua groß vor dem ganzen Israel; und fürchteten ihn, wie sie Mose fürchteten, sein Leben lange.

Groß: Dass er ihm durch dies Wunderzeichen ein großes Ansehen bei dem Volk machte.

Fürchteten ihn: Das ist: Sie erzeigten ihm seine angemessene Ehre, wie dieselbe einer ordentlichen Obrigkeit zusteht, und waren ihm gehorsam, solange er lebte. [Denn Gott kann der Obrigkeit ein Ansehen machen und ihr auch dasselbe wieder nehmen und Verachtung auf sie schütten, um ihres gottlosen Lebens willen {Ps 107}.

15. Und der Herr sprach zu Josua]:

Sprach: Nämlich sobald als das ganze Volk hinüber gekommen war.

16. Gebeut den Priestern, die die Lade des Zeugnisses tragen, daß sie aus dem Jordan heraufsteigen.

Zeugnis: Weil das Gesetz darin aufbewahrt wurde, welches ein Zeugnis des göttlichen Willens war

17. Also gebot Josua den Priestern und sprach: Steigt herauf aus dem Jordan!

18. Und da die Priester, die die Lade des Bundes des Herrn trugen, aus dem Jordan heraufstiegen und mit ihren Fußsohlen aufs Trockene traten, kam das Wasser des Jordans wieder an seine Stätte und floss, wie vorhin, an allen seinen Ufern.

Trockene: Nämlich, da sonst es Jordans Ufer war, dass er nicht weiter auslief.

19. Es war aber der zehnte Tag des ersten Monden, da das Volk aus dem Jordan heraufstieg; und lagerten sich in Gilgal, gegen den Morgen der Stadt Jericho.

Ersten Monden: Welche zum Teil in unseren März, zum Teil in den April fällt, in welchem Monat sie auch vor 40 Jahren aus Ägypten gezogen waren, und durch das Rote Meer gegangen

20. Und die zwölf Steine, die sie aus dem Jordan genommen hatten, richtete Josua auf zu Gilgal.

21. Und sprach zu den Kindern Israel: Wenn eure Kinder hernachmals ihre Väter

fragen werden und sagen: Was sollen diese Steine?

Was sollen: Zu welchem Ende sie dahin gesetzt?

22. so sollt ihr‘s ihnen kundtun und sagen: Israel ging trocken durch den Jordan,

Kundtun: Das ihr ihnen die Ursache zeigt, warum solches geschehen ist.

23. da der Herr, euer Gott, das Wasser des Jordans vertrocknete, vor euch, bis ihr hinübergingt, gleichwie der Herr, euer Gott, tat in dem Schilfmeer, das er vor uns vertrocknete, bis wir hindurchgingen;

Schilfmeer: Da die Kinder Israel aus Ägypten gegangen waren.

24. auf daß alle Völker auf Erden die Hand des Herrn erkennen, wie mächtig sie ist; daß ihr den Herrn, euren Gott, fürchtet immer.

Erkennen: Dass dieser allein der wahre allmächtige Gott sei, und außer demselben kein anderer helfen könne. Darum geschehen die Wunderzeichen, dass man Gott mit seiner Güte und Allmacht daraus spüren und erkennen lernt, und wenn wir ihn erkannt haben, so sollen wir ihn mit wahrem Glauben, und rechtem Gehorsam, nach seinen Worten und Geboten ehren. Welche Erkenntnis Gottes und rechte Religion auch auf die Nachkommen fortgepflanzt wird.


Das 5. Kapitel


1. Die Völker im Lande Kanaan erschrecken heftig über der Israeliten Zukunft v. 1. 2. Und welche auf der Reise nicht beschnitten waren unter dem Volk Gottes, die werden noch beschnitten v. 2. 3. Danach wird das Passah gehalten v. 10. 4. Und hörte das Man auf, weil die Israeliten von den Früchten des Landes Kanaan aßen v. 12. V. Dem Josua erscheint der Sohn Gottes in der Gestalt eines Kriegsfürsten v. 13.

1. Da nun alle Könige der Amoriter, die jenseits des Jordans gegen Abend wohnten, und alle Könige der Kanaaniter am Meer hörten, wie der Herr das Wasser des Jordans hatte ausgetrocknet vor den Kindern Israel, bis dass sie hinübergingen, verzagte ihr Herz, und war kein Mut mehr in ihnen vor den Kindern Israel {Jos 2v11 v24}.

Könige: Denn es hatte in demselben sehr volkreichen Lande etliche Fürsten gehabt, welche nach Art der hebräischen Sprache Könige genannt werden.

Abend: Nämlich vom Jordan an zu rechnen, welche diesen Ländern gegen dem Morgen gelegen war.

Meer: Nämlich an dem Mittelländischen Meer.

Ausgetrocknet: Durch ein besonderes Wunderwerk.

Verzagte: Es hatten aber die Amoriter eine gute lange Zeit her in großer Sicherheit gelebt und ohne alle Sorge und Scheu allerhand Schande und Laster getrieben, jetzt entfällt ihnen der Mut und wissen nicht wo aus noch ein. [Denn wenn die Drohungen Gottes endlich, obwohl spät, aber mit großem Ernst ins Werk gerichtet werden, so wissen die Gottlosen, da sie vorhin sicher gewesen, vor Furcht nicht wohin sie sich kehren oder was sie anfangen sollen. Und richtet es Gott alsdann dahin, dass ein streitbares Volk vor einem Schwachen sich zu fürchten anfängt. Darum sollen wir uns vor Sünden und fleischlicher Sicherheit hüten.]

2. Zu der Zeit sprach der Herr zu Josua: Mache dir steinerne Messer und beschneide wieder die Kinder Israel zum andermal.

Steinerne: Nämlich die an einem Stein scharf gewetzt und geschliffen sind.

Nach Luther: Scharf als an einem Stein gewetzt {Ps 89v4}. Avertisti Petram gladii ejus, Die Schärfe seines Schwertes ist stumpf, dass nicht schneidet.

anderen Mal: Das ist: Richte die Beschneidung wieder an, welche bisher auf der Reise ist unterlassen worden, weil ihr in der Wüste herum gezogen seid. Denn dass dies die Meinung sei, geben die später folgenden Worte.

3. Da machte ihm Josua steinerne Messer und beschnitt die Kinder Israel auf dem Hügel Araloth.

Araloth: Welcher Hügel von dieser Geschichte den Namen bekommen, dass man ihn also geheißen, denn Araloth so viel bedeutet als eine Vorhaut, weil die Israeliten da ihre Vorhaut abgelegt hatten.

4. Und das ist die Sache, darum Josua beschnitt alles Volk, das aus Ägypten gezogen war, Mannsbilder; denn alle Kriegsleute waren gestorben in der Wüste auf dem Wege, da sie aus Ägypten zogen.

Kriegsleute: Die Alters halben zum Kriege tauglich waren.

Gestorben: Von wegen ihrer vielfältigen Widerspenstigkeit und Ungehorsams.

Zogen: Dass sie ins Land Kanaan reisten.

5. Denn alles Volk, das auszog, war beschnitten; aber alles Volk, das in der Wüste geboren war, auf dem Wege, da sie aus Ägypten zogen, das war nicht beschnitten.

Beschnitten: Ehe sie aus Ägypten auszogen.

6. Denn die Kinder Israel wandelten vierzig Jahre in der Wüste; bis dass das ganze Volk der Kriegsmänner, die aus Ägypten gezogen waren, umkamen, darum dass sie der Stimme des Herrn nicht gehorcht hatten; wie denn der Herr ihnen geschworen hatte, dass sie das Land nicht sehen sollten, welches der Herr ihren Vätern geschworen hatte, uns zu geben, ein Land, da Milch und Honig innen fließt {4Mos 14v23}.

7. Derselben Kinder, die an ihrer statt waren aufgekommen, beschnitt Josua; denn sie hatten Vorhaut und waren auf dem Wege nicht beschnitten.

Derselben: Nämlich die um ihres Ungehorsams willen in der Wüste gestorben und umgekommen waren.

Aufgekommen: Welche Gott anstatt ihrer Väter ins gelobte Land bringen und einführen wollte.

Nicht beschnitten: Denn die Beschneidung verursachte einen großen Schmerz und machte den Leib kraftlos, wie aus der Sichimiter Historie {1Mos 34} zu sehen ist. Deswegen, weil das Volk in der Wüste an ungeschlachte und raue Orte sich behelfen musste, dazu immer zur Reise gefasst sein, so hat Gott ihnen damals übersehen, dass man mit der Beschneidung verzöge, bis sie zur Ruhe kämen. [Weil aber die Taufe, welche anstatt der Beschneidung eingesetzt wurde {Kol 2}, den Kindern ohne Gefahr der Gesundheit und des Leibes zu jeder Zeit kann mitgeteilt werden, so sollen sie die Eltern aus Unachtsamkeit nicht aufschieben, damit die Kinder solches heilsamen Sakraments der Wiedergeburt nicht beraubt werde.]

8. Und da das ganze Volk beschnitten war, blieben sie an ihrem Ort im Lager, bis sie heil wurden.

Blieben: Denn weil sie am Leibe verwundet waren, konnten sie nicht so eilend fortziehen ohne Nachteil ihrer Gesundheit und Verwahrlosung ihrer Leibeskräfte.

9. Und der Herr sprach zu Josua: Heute habe ich die Schande Ägyptens von euch gewendet und dieselbe Stätte wurde Gilgal genannt, bis auf diesen Tag.

Schande: Das ist: Jetzt seid ihr nicht allein von der ägyptischen Dienstbarkeit wahrhaftig und vollkommen erlöst, sondern auch von aller Unsauberkeit gereinigt, die ihr von der Einwohnung Ägyptens, als eines unreinen Orts und abgöttischen Landes, noch an euch kleben hattet: Denn ihr seid durch das Sakrament der Beschneidung dem Herrn geheiligt und von ihm vollkommen in den Gnadenbund aufgenommen worden. [Also wenn heutigentags jemand getauft wird, so wird er von allen Sünden und Unsauberkeit gereinigt, dadurch des Menschen Seele verunreinigt ist {Eph 5}. Und kann kein unbeschnittenes Volk, das ist, welches nicht getauft ist, als die Juden und Türken, dass Himmelreich besitzen.]

Gilgal: Hat den Namen vom Wenden: Und haben solchen Ort also genannt, weil dort der Herr durch die Beschneidung die Unreinigkeit von den Israeliten abgewendet und hinweg getan hat. [Darum sollen wir die Sakramente, so von Gott eingesetzt sind, nicht gering achten, sondern wider der Rottengeister Schwärmereien hoch und wert halten.]

10. Und als die Kinder Israel also in Gilgal das Lager hatten, hielten sie Passah am vierzehnten Tage des Monden am Abend auf dem Gefilde Jerichos.

Abend: Denn um dieselbe Zeit des Tages musste man das Osterlamm schlachten, davon oben {2Mos 12}, nach der Länge gehandelt wird.

11. Und aßen vom Getreide des Landes am anderen Tage des Passah, nämlich ungesäuertes Brot und sangen, eben desselben Tages.

Anderen Tages: Das ist: Auf den anderen Feiertag, in den Ostern, haben sie von den Früchten des Landes Kanaan gegessen, da sie zuvor fast ganze vierzig Jahre über mit Man in der Wüste gespeist wurden. [Also wenn wir in das rechte verheißene und himmlische Vaterland eingehen, so werden wir aller himmlischen Güter, die uns Christus erworben hat, vollkommen genießen. Denn damals wird es alles vollkommen, was in diesem Leben nur Stückwerk ist {1Kor 13}.]

12. Und das man hörte auf des anderen Tages, da sie des Landes Getreide aßen, dass die Kinder Israel kein Man mehr hatten, sondern sie aßen des Getreides vom Lande Kanaan von demselben Jahr.

13. Und es begab sich, da Josua bei Jericho war, dass er seine Augen aufhob, und wurde gewahr, dass ein Mann gegen ihm stand, und hatte ein bloßes Schwert in seiner Hand. Und Josua ging zu ihm und sprach zu ihm: Gehörst du uns an, oder unseren Feinden {2Mos 23v23}?

Bei Jericho: Auf der Stadt Jericho Gebiet.

Aufhob: Das ist: Da er aufsah.

Mann: Nämlich mit kriegsmännischen Amtskleidern und einer ansehnlichen Gestalt.

Bloßes Schwert: Also dass er sich allerdings zum Streit gerüstet und fertig gemacht hatte.

Feinde: Den Amoritern. Denn ihn Josua für einen schlechten Menschen ansah, der doch der Sohn Gottes war und in menschlicher Gestalt, die er an sich genommen erschiene.

14. Er sprach: Nein, sondern ich bin ein Fürst über das Heer des Herrn und bin jetzt gekommen. Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde und betete an und sprach zu ihm: Was sagt mein Herr seinem Knechte?

Nein: Ich bin nicht euer Feind.

Gekommen: Das ist: Weil dies Volk nach wieder angestellter Beschneidung gleichsam von neuem Gottes Volk wurde. So sollst du wissen, dass ich jetzt bei euch bin und auch zukünftig bei euch sein will, dass ich das Volk beschütze, regiere und handhabe. [Denn Christus als der rechte Herzog des Lebens ist ein Fürst und Beschützer seiner Kirche, das ist seiner getauften Gemeinde, welche in diesem Jammertal streitet.]

Betet an: Nämlich den Sohn Gottes, denn er erkannte so viel, dass er ein himmlisches und göttliches Gesicht vor sich sehe.

15. Und der Fürst über das Heer des Herrn sprach zu Josua: Zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn die Stätte, darauf du stehst, ist heilig. Und Josua tat also {2Mos 3v5}.

Zieh: Das ist: Ehe denn ich dir etwas weiter davon sage, warum ich da bin, so hab ich dich dessen zuvor wollen erinnern, dass du jetzt auf dasselbe Land stehst, welches den Patriarchen von Gott verheißen wurde: Dasselbe ist dazu geheiligt und bestimmt, dass er mir, dem Sohn Gottes, Platz gebe, dass ich darin Mensch werde und das Evangelium in diesem Lande lehre und mit meinem Leiden genug tue für der ganzen Welt Sünde, dessen zum Zeichen, und dass du solches bedenkt, seist, so heiße ich dir deine Schuhe auszuziehen, und mit bloßen Füssen auf diesem Lande stehen. Danach will ich dir auch sagen, wie du dich in Eroberung der Stadt Jericho verhalten sollst. [Denn welche im Heiligen Lande, das ist im himmlischen Vaterland wohnen wollen, die müssen ihre alten Schuhe, nämlich den alten Menschen, der mit dem Unflat der Sünden befleckt ist, ausziehen.] Was aber der Sohn Gottes dem Josua weiter befohlen, das steht im folgenden Kapitel.


Das 6. Kapitel


1. Der Sohn Gottes verheißt dem Josua den Sieg wider die Stadt Jericho, und gibt ihm Nachricht, wie er die Stadt erobern soll v. 1. 2. Da nun die Priester die Posaunen blasen, und das Volk ein Feldgeschrei macht, fallen die Mauern um, und wird die Stadt von den Israeliten erobert v. 20. 3. Die Hure Rahab wird mit ihrem ganzen Geschlechter erhalten, da die anderen alle umkommen v. 22. 4. Darauf wird die Stadt in Brand gesteckt, und demjenigen der Fluch verkündigt, der sie wieder aufbauen würde v. 24.

1. Jericho aber war verschlossen und verwahrt vor den Kindern Israel, dass niemand aus oder einkommen konnte.

Verschlossen: Weil die Einwohner derselben Stadt sich sehr fürchteten vor den Kindern Israel.

Oder einkommen: Das ist: Man hielt so gute Wacht in der Stadt, dass die Israeliten keinen Einfall tun konnten. Hat sich deswegen gleich zu Anfang die Einnahme des Landes Kanaan sehr seltsam ansehen lassen, dass sie den Kindern Israel nicht so leicht ankommen würde, als sie sich vielleicht wohl möchten eingebildet haben. Denn die Mauern waren zu hoch, dass sie dieselben nicht ersteigen konnten. So hatten sie keine Instrumente oder Rüstungen, eine solche Stadt zu erstürmen, und war auch nicht ratsam, eine solche feste und volkreiche Stadt, voller Feinde, hinter sich zurückzulassen. Weil demnach, deshalb Josua bei sich selbst bekümmert war und in Sorgen stand, so erscheint ihm der Sohn Gottes, in der Gestalt eines Kriegsmannes, wie wir im vorigen Kapitel gehört haben, und spricht ihm tröstlich zu.

2. Aber der Herr sprach zu Josua: Siehe da, ich habe Jericho samt ihrem Könige und Kriegsleuten in deine Hand gegeben.

Herr: Nämlich der Sohn Gottes, der ihn hatte heißen die Schuhe ausziehen, und an diesem Ort mit dem Namen Herr (Jehova) genannt wird, welcher Name einzig und allein dem ewigen wahren Gott zugeeignet wird.

Kriegsleuten: Welche die Stadt zu beschützen sich unterstehen werden.

Hand: Das ist: In deiner Gewalt, dass sie euch nicht werden widerstehen können, denn ihr werdet auf eine neue und ungewöhnliche Weise die Stadt erobern, nicht durch eure Macht und Kräfte, sondern durch ein göttliches Wunderwerk.

3. Lass alle Kriegsmänner rings um die Stadt hergehen einmal; und tue sechs Tage also.

Kriegsmänner: Wie viel euer zum Kriege gerüstet sind, die sollen in der Schlachtordnung um die Stadt gehen, und sollen sieben Priester, mit sieben Halljahres-Posaunen, damit sie sonst das Halljahr anzusagen pflegen, auch die ersten sechs Tage, so oft sie um die Stadt gehen, blasen. Denn dass solches auf des Josua Befehl geschehen sei, wird später eben in diesem Kapitel ausdrücklich gemeldet.

4. Am siebten Tage aber lass die Priester sieben Posaunen des Halljahrs nehmen vor der Lade her; und geht desselben siebten Tages siebenmal um die Stadt und lass die Priester die Posaunen blasen.

Nehmen: Nämlich sieben Priester, wie sie auch die vorigen sechs Tage getan.

Blasen: Nämlich sooft sie herum gehen, doch dass man im Blasen einen Unterschied halte, wie bald folgt.

5. Und wenn man des Halljahrs Horn bläst und tönt, dass ihr die Posaunen hörte, so soll das ganze Volk ein groß Feldgeschrei machen, so werden der Stadt Mauern umfallen; und das Volk soll hineinfallen, ein jeglicher stracks vor sich;

Horn: Ist eben das, was er zuvor Posaunen genannt.

Tönt: Das ist: Wenn die Priester mit dem Blasen länger anhalten werden, als sie sonst zu tun pflegten.

Hörte: Dass ihr ein Unterschied im Blasen merkt.

Vor sich] Denn also werdet ihr alle miteinander zugleich in die Stadt kommen, wenn ein jeder den nächsten Ort, da er ist, vor sich nimmt, und dort über die niedergefallenen Mauern hineinsteigt. Dies ist der Unterricht, welchen der Sohn Gottes dem Josua gegeben, da er ihm in Gestalt eines Kriegsmannes erschienen, wie zu Ende des vorigen Kapitels gemeldet wurde. [Gleichwie aber die Stadt Jericho ein Vorbild dieser Welt gewesen ist: Also hat der Posaunenschall und das Feldgeschrei samt dem Fall der Mauern, so darauf erfolgt, bedeutet, dass die Weisheit und Macht dieser Welt, damit sie sich wider die Christen, welche das himmlische Vaterland einnehmen wollen setzt, nicht mit leiblichen Wehren und Waffen überwunden werde: Sondern, dass der Welt Kräfte durch die Predigt des Evangeliums, welche das Volk annimmt und mit einem starken Bekenntnis als mit einem Feldgeschrei öffentlich bekennt, darnieder gelegt werden. Zu denen noch kommen soll der rechte Brauch der heiligen Sakramente, welches durch die Herumtragung der Bundeslade bedeutet wurde: Alsdann muss des Satans Reich am selben Ort übern Haufen fallen.]

6. Da rief Josua, der Sohn Nuns, den Priestern und sprach zu ihnen: Tragt die Lade des Bundes, und sieben Priester lasst sieben Halljahresposaunen tragen vor der Lade des Herrn.

Da rief: Obwohl diese Weise, die Stadt Jericho zu erobern, sowohl dem Josua als anderen Weltweisen seltsam und schier lächerlich hätte mögen vorkommen: Jedoch so unterwirft Josua seine Vernunft gehorsam dem Befehl und der Verheißung des Sohnes Gottes.

Tragt: Nämlich um die Stadt.

7. Zum Volk aber sprach er: Zieht hin und geht um die Stadt; und wer gerüstet ist, gehe vor der Lade des Herrn her.

Gerüstet ist: Der aus dem ganzen Volk zum Kriege tauglich ist.

Gehe: Nämlich in der Schlachtordnung.

8. Da Josua solches, dem Volk gesagt hatte, trugen die sieben Priester sieben Halljahresposaunen vor der Lade des Herrn her und gingen und bliesen die Posaunen; und die Lade des Bundes des Herrn folgte ihnen nach.

Trugen: Um die Stadt, wie ihnen befohlen war:

9. Und wer gerüstet war, ging vor den Priestern her, die die Posaunen bliesen; und der Haufe folgte der Lade nach und blies Posaunen.

Haufe: Nämlich das übrige Volk, welches den ganzen Haufen beschloss, wie denn solches dem Stamm Dan zu tun auferlegt und befohlen war {4Mos 10}.

Blies Posaunen: Das ist: Das ganze Kriegsheer ging also gerüstet und in solcher Ordnung um die Stadt, da unterdes die Priester die Posaunen bliesen, denn ohne die Priester durfte niemand blasen.

10. Josua aber gebot dem Volk und sprach: Ihr sollt kein Feldgeschrei machen, noch eure Stimme hören lassen, noch ein Wort aus eurem Munde gehen bis auf den Tag, wenn ich zu euch sagen werde: Macht ein Feldgeschrei! So macht dann ein Feldgeschrei.

Kein Feldgeschrei: Nämlich im Herumgehen.

Ein Wort: Nämlich dadurch ein Geschrei sich erregen möchte, sonst ist ihnen das Reden unverboten gewesen.

Tag: [Denn ein jegliches hat seine Zeit (Salomon 3].

11. Also ging die Lade des Herrn rings um die Stadt einmal; und kamen in das Lager und blieben darin.

Blieben: Das ist: Die erste sechs Tage wurde die Lade alle Tage einmal um die Stadt getragen und danach wieder ins Lager gebracht und an ihren Ort gestellt.

12. Denn Josua pflegte sich des Morgens frühe aufzumachen; und die Priester trugen die Lade des Herrn.

Denn Josua: Was jetzt kürzlich angeregt wurde, das wird im Folgenden weitläufiger erklärt.

13. So trugen die sieben Priester die sieben Halljahresposaunen vor der Lade des Herrn her und gingen und bliesen Posaunen; und wer gerüstet war, ging vor ihnen her, und der Haufe folgte der Lade des Herrn und blies Posaunen.

14. Des anderen Tages gingen sie auch einmal um die Stadt und kamen wieder ins Lager. Also taten sie sechs Tage.

15. Am siebten Tage aber, da die Morgenröte aufging, machten sie sich frühe auf und gingen nach derselben Weise siebenmal um die Stadt, dass sie desselben einigen Tages siebenmal um die Stadt kamen.

Siebten: Welcher der letzte Tag war ihres Herumziehens.

Weise: Wie sie die vorigen sechs Tage jeden Tag einmal herumgegangen waren.

16. Und am siebenten Mal, da die Priester die Posaunen bliesen, sprach Josua zum Volk: Macht ein Feldgeschrei, denn der Herr hat euch die Stadt gegeben.

Feldgeschrei: Schreit so laut ihr könnt, mit Jauchzen und Jubilieren.

17. Aber diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Herrn verbannt sein. Allein die Hure Rahab soll leben bleiben und alle, die mit ihr im Hause sind; denn sie hat die Boten verborgen, die wir aussandten.

Verbannt: Das ist: Alles was Leben hat von Menschen und Vieh, sollt ihr erwürgen. Was aber von Gold, Silber, Erz und Eisernen darin gefunden wird, das soll zum Gottesdienst geheiligt und eingebracht werden, danach soll man die Stadt in Brand stecken. Welches alles unter dem Wörtlein der Verbannung begriffen ist, wie der folgende Text ausweist.

18. Allein hütet euch vor dem Verbannten, dass ihr euch nicht verbannt, so ihr des Verbannten etwas nehmt und macht das Lager Israels verbannt und bringt es in Unglück {Jos 2v4 Hebr 11v31 3Mos 27v28}.

Hütet: Das ist: Seht euch mit Fleiß vor, dass ihr euch an dem, was verbannt ist, nicht vergreift und also auf euch selbst den Bann ladet, da ihr entweder nicht alles, was lebendig ist, vertilgt, oder was zum Schatz des Herrn geheiligt ist, in euren eigenen Nutzen wenden wolltet. Denn solchergestalt würdet ihr einen Kirchenraub und gräuliche Sünde begehen, dadurch das ganze Lager und Volk Gottes würde verunreinigt werden und darüber in Unglück kommen.

19. Aber alles Silber und Gold samt dem eisernen und eisernen Geräte soll dem Herrn geheiligt sein, dass es zu des Herrn Schatz komme.

Geheiligt: Das ist: Es soll in der Stiftshütte hinterlegt und aufbewahrt werden, dass man es zu heiligen Sachen anwende und gebrauche.

20. Da machte das Volk ein Feldgeschrei und bliesen Posaunen. Denn als das Volk den Hall der Posaunen hörte, machte es ein großes Feldgeschrei. Und die Mauern fielen um, und das Volk erstieg die Stadt, ein jeglicher stracks vor sich. Also gewannen sie die Stadt {Hebr 11v20}.

Fielen um: Also dass man überall in die Stadt kommen konnte.

Für sich: Das ist: Wo ein jeglicher am nächsten war, da ist er hineingedrungen.

Gewonnen: Nämlich wie der Sohn Gottes dem Josua verheißen hatte. [Denn es muss eher der Natur Lauf und Ordnung geändert werden, als dass Gott seine Verheißungen nicht erfülle.]

21. Und verbannten alles, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwertes, beide Mann und Weib, jung und alt, Ochsen, Schafe und Esel.

Alles: Welches ein großer Ernst, aber doch gerechter Zorn und wohlverdiente Strafe Gottes war, damit er des verstockten Volkes große Sünden, die sie viele Jahre taten, heimgesucht hat. [Denn wenn Gott mit der Strafe lange verzieht, so hält er danach mit derselben desto härter und schärfer an, darum sollen wir in der Zeit Buße tun.]

22. Aber Josua sprach zu den zwei Männern, die das Land erkundschaftet hatten: Geht in das Haus der Hure und führt das Weib von dort heraus mit allem, das sie hat, wie ihr geschworen habt.

Huren: Die euch verborgen gehalten, nämlich die Rahab.

Heraus: Aus der Stadt unverletzt und unbeschädigt.

Geschworen: Dass ihr sie wolltet in dem Untergang und Zerstörung der Stadt beim Leben erhalten. [Denn rechtmäßige getane Eidschwüre soll man fest und unverbrüchlich halten, ob man sich gleich mit unachtsamen Personen gebunden hat.]

23. Da gingen die Jünglinge, die Kundschafter, hinein und führten Rahab heraus samt ihrem Vater und Mutter und Brüdern und alles, was sie hatte, und all ihr Geschlechter; und ließen sie draußen außerdem Lager Israels {Hebr 11v31}.

Führten: Mit einem sicheren Geleit.

Geschlechter: Alle ihre Verwandten, die sie zu sich in ihr Haus versammelt hatten, dass sie darin sicher wären.

Draußen: Nämlich etliche Tage, bis sie mit besonderen Zeremonien von der heidnischen Unreinigkeit gereinigt wurden: Danach ist sie mit allen den ihren in das israelitische Lager aufgenommen worden. Dieselbe hat später Salma, ein Fürst des Stammes Juda, zum Kebsweib zu sich genommen und mit ihr einen Sohn gezeugt, mit Namen Boas, der des Königs Davids Ahnherr gewesen {Rut 4 Mt 1}. Welche Personen alle miteinander in das Geschlechter-Register Christi gezählt werden. [Solche großen Guttaten sind der Rahab, einem unzüchtigen Weibe, die sich vor der Zeit übel gehalten, widerfahren. Nicht zwar, dass Gott einen Gefallen an der Unzucht habe, die ihm in alle Wege zuwider ist, sondern dass wir dabei erinnert würden, wie Gott die bußfertigen Sünder nicht von sich stoße, und sie, sofern es ihnen mit der Buße ein Ernst ist, dass sie im wahren Glauben von Sünden ablassen und zukünftig ihr Leben bessern, zu Gnaden aufnehmen wolle.]

24. Aber die Stadt verbrannten sie mit Feuer und alles; was darin war. Allein das Silber und Gold und eiserne und eiserne Geräte taten sie zum Schatz in das Haus des Herrn.

Schatz: Dass es zum heiligen Nutzen und Gottesdienst angewendet würde.

25. Rahab aber; die Hure, samt dem Hause ihres Vaters und alles, was sie hatte, ließ Josua leben. Und sie wohnte in Israel bis auf diesen Tag, darum dass sie die Boten verborgen hatte, die Josua zu erkundschaften gesandt hatte gen Jericho.

Hause: Das ist: Mit ihrem ganzen Geschlecht und was ihr zugehörte.

Leben: Dass sie samt allen den ihren erhalten wurde.

Wohnt: Das ist: Sie ist unter die Israeliten gerechnet worden.

Diesen Tag: Nämlich da diese Geschichte beschrieben wurde.

Verborgen: [Denn welche dem Volk Gottes Gutes tun, die erlangen wiederum allerlei Guttaten und Segen von Gott.]

Jericho: Wie man dieselbe Stadt samt den umliegenden Orten erobern könnte.

26. Zu der Zeit schwur Josua und sprach: Verflucht sei der Mann vor dem Herrn; der diese Stadt Jericho aufrichtet und baut! Wenn er ihren Grund legt, das koste ihn seinen ersten Sohn; und wenn er ihre Tore setzt, das koste ihn seinen jüngsten Sohn!

Schwur: Das ist: Er hat alle Israeliten und ihre Nachkommen öffentlich beschworen, dass keiner sich unterstehen sollte, die Stadt Jericho wieder aufzubauen, welche von Gott selbst zum Beispiel seines göttlichen Zorns wäre zerstört worden.

Verflucht: Das ist: Gott verstoße ihn mit Ungnade und schicke ihm viel Unglück zu, der sich unterstehen wird, diese Stadt wieder aufzubauen.

Koste ihm: Das ist: Gott gebe, dass sein erstgeborener Sohn eines schnellen Todes sterbe, wenn er den Grund legt an der Wiederauferbauung dieser Stadt, und dass er seinen jüngsten Sohn durch den Tod verliere, wenn er die Tore wieder einhängt, und also greiflich und im Werke befinde, dass sein Vorhaben Gott zuwider sei. Dieser Fluch der aus Eingebung des Heiligen Geistes hergeflossen, ist erfüllt worden, da einer mit Namen Hiel von Bethel gebürtig, dieselbe Stadt wieder zu erbauen angefangen. Denn da er den Grund gelegt, hat er seinen erstgeborenen Sohn Abiram verloren, und da er die Tore gesetzt, ist er seines jüngsten Sohnes Segub beraubt worden {1Sam 16}. [Denn wo Gott ein Beispiel seines göttlichen Zorns hat sehen lassen und mit allem Ernst zu strafen befohlen, da sollen wir nicht mit unserem unzeitigen Mitleiden gezogen kommen: Und haben diejenigen den gleichen Fluch zu erwarten, welche was aus Befehl des göttlichen Wortes in der Kirche abgetan wurde, wird anrichten wollen.]

27. Also war der Herr mit Josua, dass man von ihm sagte in allen Landen.

Mit Josua: Dass er ihm gegenwärtig Hilfe leistete und zu seinem ehrlichen und gottseligen Vorhaben Glück gab.

Allen Landen.: Das ist: Sein Gerücht von seinen großen Taten erscholl weit und breit. [Darum tue recht, so wird dein Name für sich selber berühmt werden. Es war aber des Josua Ruhm, ein Vorbild des Lobes Christi, dass durch das Evangelium weit und breit sollte verkündet werden.]


Das 7. Kapitel


1. Dreitausend Israeliten werden ausgeschickt, dass sie die Stadt Ai einnehmen sollen, welche aber von wegen des Achans begangenen Diebstahls, und Kirchenraubes in die Flucht geschlagen werden v. 1. 2. Darüber Josua heftig erschrickt und kleinmütig wird, und erkundigt die Ursache von Gott solches unglückhaften Zugs v. 7. 3. Da wird durch das Los Achan getroffen, der seine Sünde bekennt und deshalb mit seinem ganzen Personal gesteinigt und später verbrannt wird v. 16.

1. Aber die Kinder Israel vergriffen sich an dem Verbannten; denn Achan, der Sohn Charmis, des Sohnes Sabdis, des Sohnes Serahs, vom Stamm Juda nahm des Verbannten etwas. Da ergrimmte der Zorn des Herrn über die Kinder Israel {Jos 22v20 1Chr 2v7}.

Vergriffen: Das ist: Sie haben eine große Sünde mit einem Kirchenraub begangen, weil sie heimlich aufgehalten und versteckt, dass man in des Herrn Schatz hätte einbringen sollen. Denn obwohl ein einziger Mann solche Sünde getan, so wurde sie doch nicht unrichtig von Gott der ganzen Gemeinde zugerechnet, solange sie ungestraft blieb.

Des Verbannten: Nämlich von dem Raub, der dem Herrn geheiligt war.

Kinder Israel: Weil eine Kirchenräuberei unter ihnen geschehen war. [Denn es bisweilen geschieht, dass um eines einigen Menschen großer Misshandlung und Übertretung willen ein ganzes Volk gestraft wird, an dem doch Gott auch ohne das Ursachen genug zu strafen findet.] Darum hat er auch hier den Israeliten nicht weiter Hilfe leisten wollen, bis sie den Übeltäter zur gerechten Strafe zogen.

2. Da nun Josua Männer aussandte von Jericho gen Ai, die bei Beth-Aven liegt, gegen dem Morgen vor Bethel, und sprach zu ihnen: Geht hinauf und erkundschaftet das Land; und da sie hinaufgegangen waren und Ai erkundschaftet hatten,

Erkundschaftet: Dass ihr uns wieder sagen könnt, wie viel wir Volk haben müssen zur Eroberung derselben Orte und wo wir am besten zu ihnen kommen mögen.

Hatten: Wie stark und fest dieselbe Stadt wäre.

3. kamen sie wieder zu Josua und sprachen zu ihm: Lass nicht das ganze Volk hinaufziehen, sondern bei zwei oder dreitausend Mann, dass sie hinaufziehen und schlagen Ai, dass nicht das ganze Volk sich dort bemühe, denn ihrer ist wenig.

Lass nicht: Als wollten sie sagen: Es ist vonnöten, dass all unser Kriegsvolk dieser Stadt halben gerufen werde, da zum meisten dreitausend Mann sie leicht bezwingen und einnehmen können.

4. Also zogen hinauf des Volkes bei dreitausend Mann, und die flohen vor den Männern zu Ai.

Mann: Nämlich von den Israeliten in willens die Stadt Ai zu überwältigen, denen aber die Bürger derselben Stadt mit bewaffneter Hand entgegen ziehen und die Israeliten männlich zurücktreiben.

5. Und die von Ai schlugen ihrer bei sechsunddreißig Mann und jagten sie vor dem Tor bis gen Sabarim und schlugen sie den Weg herab. Da wurde dem Volk das Herz verzagt und wurde zu Wasser.

Vor dem Tor: Nämlich ihrer Stadt Ai, da der Angriff geschah: Von dort sie die Israeliten abtrieben bis an einen Ort Sabarim geheißen.

Weg herab: Das ist: Sie jagten ihnen nach bis an den Ort, da sie hinaufgezogen waren, nämlich bis an die Steige oder am hohlen Weg, da sie den Flüchtigen nachsetzten und hart auf sie drangen, die von wegen der Enge des Ortes ihre Ordnung nicht halten konnten, noch Widerstand tun durften, weil sie so erschrocken waren.

Wasser: Das ist: Es ist ihnen aller Mut entfallen, dass sie ganz und gar keine Hoffnung mehr hatten, die Einwohner des Landes Kanaan zu überwinden.

6. Josua aber zerriss seine Kleider und fiel auf sein Angesicht zur Erde vor der Lade des Herrn bis auf den Abend, samt den Ältesten Israels, und warfen Staub auf ihre Häupter.

Zerriss: Mit welcher Tat dieselben Leute damals ein großes Herzeleid und Unmut anzeigten. Und ist Josua, der sonst einen besonderen Heldenmut gehabt, durch diesen einigen widerwärtigen Zustand ganz heftig erschrocken und sehr kleinmütig geworden.

Ältesten: Das ist: Den vornehmsten Ratspersonen, die miteinander Gott einen demütigen Fußfall taten, damit sie ihn zur Barmherzigkeit erweichen möchten.

Staub: Mit welcher Zeremonie sie auch einen großen Unmut und übermäßige Traurigkeit zu verstehen gaben.

7. Und Josua sprach: Ach, Herr, Herr, warum hast du dies Volk über den Jordan geführt, dass du uns in die Hände der Amoriter gibst, uns umzubringen? O dass wir wären jenseits des Jordans geblieben, wie wir angefangen hatten!

Gibst: Denn wenn du uns darum hierher gebracht hast, dass du uns den Feinden zu erwürgen übergeben und auf die Schlachtbank hast liefern wollen. So wäre es uns viel besser gewesen, dass wir nie in dies Land kommen noch über den Jordan gegangen wären.

8. Ach, mein Herr, was soll ich sagen, weil Israel seinen Feinden den Rücken kehrt?

Sagen: Was soll ich anfangen? Und was kann ich weiter für Hoffnung haben zum Sieg?

Israel: Dein Volk, welches ich gemeint unüberwindlich sei, weil es durch deine Verheißungen mutig und beherzt gemacht wurde.

9. Wenn das die Kanaaniter und alle Einwohner des Landes hören, so werden sie uns umgeben und auch unseren Namen ausrotten von der Erde. Was willst du denn bei deinem großen Namen tun?

Hören: Dass die Bürger der Stadt Ai, die doch nicht so ganz stark noch mächtig sei, unser Kriegsvolk, dass wir wider sie ausgeschickt, geschlagen haben, so werden sie uns als furchtsame und verzagte Leute verachten, und ein Herz wider uns fassen.

Ausrotten: Denn sie werden uns leicht mit Stumpf und Stiel aufreiben und vertilgen können, wenn sie sich zusammenhalten und mit bewaffneter Hand uns überfallen.

Tun: Denn es ist jetzt nicht allein, um unserer Wohlfahrt zu tun, sondern auch und zuerst um deines Namens Ehre. Denn die gottlosen Heiden werden sagen: Du hast zwar in Ägypten herrliche und schreckliche Würdezeichen getan und dies Volk wunderbarlicher Weise daraus geführt. Aber doch hast du sie wider den kanaanitischen Völker Macht und Gewalt nicht schützen können. Darum, wenn du dich unser sonst ja nicht annehmen willst, so rette doch deines Namens Ehre und lass uns nicht den Feinden ein Raub werden. Und tut zwar Josua recht daran, dass er zugleich mit den Obersten des Volkes im widerwärtigen und unglücklichen Zustande in aller Demut zu Gott seine Zuflucht hat, wie er auch in dem nicht unweislich handelt, dass er Gott den Herrn erinnert, er soll seines Namens Ehre rächen: Aber er ist ganz zu kleinmütig und verzagt, als ob es durch die empfangene, dazu nicht besondere große Niederlage, um das ganze Kriegsheer bereits geschehen und es ganz und gar aus mit ihnen wäre. [Denn es pflegen auch große Leute, wenn sie in Anfechtungen ihnen selbst gelassen werden, bisweilen ihres Fleisches große Schwachheit zu empfinden und an Tag zu geben.]

10. Da sprach der Herr zu Josua: Stehe auf! Warum liegst du also auf deinem Angesicht?

Liegst du: Du bist ganz zu furchtsam und kleinmütig, denn ich bin nicht willens, dies Volk ganz und gar zu verlassen, will auch meine Verheißungen nicht aufheben noch zugeben, dass mein Name unter die Heiden verlästert werde, und sind die Israeliten selbst an diesem Unfall schuldig.

11. Israel hat sich versündigt, und haben meinen Bund übergangen, den ich ihnen geboten habe; dazu haben sie des Verbannten genommen und gestohlen und verleugnet und unter ihre Geräte gelegt.

Übergangen: Sie sind nicht geblieben in dem Gehorsam, den sie mir verheißen haben, und haben mein Gebot übertreten, da ich ihnen befohlen, dass sie von dem Raub der Stadt nichts für sich behalten sollten noch etwas davon in ihren eigenen Nutzen wenden.

Verbannten: Was nämlich dem Herrn geheiligt wurde.

Verleugnet: Sie haben den Diebstahl verhehlt und unter ihrem Hausrat verborgen.

12. Die Kinder Israel mögen nicht stehen vor ihren Feinden, sondern müssen ihren Feinden den Rücken kehren; denn sie sind im Bann, ich werde fort nicht mit euch sein, wo ihr nicht den Bann aus euch vertilgt.

Stehen: Sie haben sich keines Sieges zu getrösten. [Also ist kein Wunder, dass die Christen heutigentags nicht viel Glück im Krieg haben, weil sie in Sünden bis über die Ohren stecken und davon nicht denken abzulassen.]

Nicht mit: Das ist: Ich will euch mit meiner gegenwärtigen Hilfe weiter nicht beistehen.

Vertilger: Denn solange die begangene Misshandlung nicht gestraft wird, solange steckt auch das ganze Volk in der Schuld und kann kein Glück noch Sieg haben wider seine Feinde.

13. Stehe auf und heilige das Volk und sprich: Heiligt euch auf morgen! Denn also sagt der Herr, der Gott Israels: Es ist ein Bann unter dir, Israel; darum kannst du nicht stehen vor deinen Feinden, bis dass ihr den Bann von euch tut.

Stehe auf: Ich will dir zeigen, wie du erkundigen und erfahren sollst, wer solche Übeltat begangen habe.

Heilige: Das ist: Lass ein Edikt ausgehen, dass das Volk so viel möglich sich für aller Unreinigkeit hüten soll, und auf morgenden Tag vor dem Herrn bei der Hütte des Stifts erscheine.

Unter dir: Das ist: Ihr sollt wissen, dass ihr mit einer gräulichen Sünde verunreinigt seid, weil ihr euch mit einem Kirchenraub an mir vergriffen habt.

Nicht stehen: [Darum überwinden bisweilen die Feinde des Volkes Gottes und behalten die Oberhand, nicht zwar, dass sie eine bessere Religion und Glauben hatten, sondern weil das Volk in seiner Religion sich nicht recht verhalten und nicht nach dem Willen Gottes gelebt hat.]

14. Und sollt euch früh herzumachen, ein Stamm nach dem anderen; und welchen Stamm der Herr treffen wird, der soll sich herzumachen, ein Geschlecht nach dem anderen; und welches Geschlecht der Herr treffen wird, das soll sich herzumachen, ein Haus nach dem anderen; und welch Haus der Herr treffen wird, das soll sich herzumachen, ein Hauswirt nach dem anderen.

Nach dem anderen: Das ist: Es soll aus einem jeden Stamm einer hinzutreten, dass man das Los über sie werfe und erkundige, in welchem Stamm die Misshandlung geschehen sei.

Treffen wird: Nämlich durch das Los, das er wird über ihn fallen lassen.

Geschlechter: Das ist: Derselbe Stamm soll aus einem jeden Geschlecht, darin es abgeteilt wurde, einen Mann darstellen, damit man erfahre, bei welchem Geschlechter die Missetat zu finden sei.

Haus: Denn weil ein jedes Geschlecht wiederum in besondere Häuser oder Personal abgeteilt wurde, so soll man über dieselben wiederum losen und erkundigen, in welchem Personal diese Sünde stecke.

Hauswirt: Man soll über alle Mannpersonen, die im selben Hause oder Personal sind das Los werfen, und den Täter also hervor und ans Licht ziehen, damit er seine wohlverdiente Strafe empfange.

15. Und welcher erfunden wird im Bann, den soll man mit Feuer verbrennen mit allem, das er hat, darum dass er den Bund des Herrn überfahren und eine Torheit in Israel begangen hat.

Verbrennen: Ohne Ansehen der Person.

Allem: Darunter nicht allein sein Hausrat und Vieh, sondern auch Weib und Kinder begriffen werden, wie aus dem Folgenden zu sehen ist.

Überfahren: Indem, dass er wider den ausdrücklichen Befehl Gottes vom Diebstahl sich nicht enthalten hat.

Torheit: [Denn gleich, wie es die höchste Weisheit ist, wenn man nach dem vorgeschriebenem Worte Gottes glaubt und lebt: Also kann wiederum keine größere Torheit und Unsinnigkeit sein, denn wenn man im Glauben und Leben von dem Worte Gottes abweicht.]

16. Da machte sich Josua des Morgens frühe auf und brachte Israel herzu, einen Stamm nach dem anderen; und wurde getroffen der Stamm Juda.

17. Und da er die Geschlechter in Juda her zubrachte, wurde getroffen das Geschlecht der Serahiter. Und da er das Geschlecht der Serahiter her zubrachte, einen Hauswirt nach dem anderen, wurde Sabdi getroffen.

18. Und da er sein Haus her zubrachte, einen Wirt nach dem anderen, wurde getroffen Achan, der Sohn Charmis, des Sohnes Sabdis, des Sohnes Serahs, aus dem Stamm Juda.

Achan: Der im vierten Grad in absteigender Linie vom Patriarchen Juda hergekommen war, denn Serah Juda Sohn gewesen aus der Thamar, mit Perez gezeugt {1Mos 38}.

19. Und Josua sprach zu Achan: Mein Sohn, gib dem Herrn, dem Gott Israels, die Ehre und gib ihm das Lob; und sage mir an, was hast du getan? Und leugne mir nichts!

Ehre: [Es wird aber Gott alsdann seine gebührliche Ehre gegeben, wenn wir bekennen, dass er gerecht, wir aber arme und elende Sünder sind.]

Leugne: Dass du nur ein Stück bekennen und das übrige verhehlen wolltest.

20. Da antwortete Achan Josua und sprach: Wahrlich, ich habe mich versündigt an dem Herrn, dem Gott Israels; also und also habe ich getan.

Und also: Das ist: Er hat stückweise nacheinander her erzählt, wie er den Diebstahl begangen hat.

21. Ich sah unter dem Raub einen köstlichen babylonischen Mantel und zweihundert Sekel Silbers, und eine goldene Zunge, fünfzig Sekel wert am Gewichte; des gelüstete mich und nahm es. Und siehe, es ist verscharrt in die Erde, in meiner Hütte, und das Silber darunter.

Babylonischen: Wie man sie zu Babylon macht.

Zweihundert: Welches nach dem Wert des gemeinen Sekels in die fünfzig Taler oder hundert Lot machen.

Zunge: Das ist: Eine große breite dicke Spange oder Halfter, wie die Reiter heutigentags an den Mänteln tragen.

Nach Luther: Spange, wie eine Zunge gestaltet.

Fünfzig: Welches in die fünfundzwanzig Lot macht. Wird von etlichen auf hundert Dukaten geschätzt.

Gelüster: [Denn die böse Lust ist die Wurzel, daraus Diebstahl und viele andere schwere Sünden und Laster erwachsen.]

Drunter: Das ist: Ich habe die goldene Zunge oder Spange und die silbern Sekel mit dem Mantel bedeckt oder hineingewickelt und miteinander in meiner Hütte vergraben. Schau, wie er sich beflissen, den Diebstahl zu verbergen, der dennoch nicht konnte verschwiegen bleiben. [Darum soll keiner der Meinung sündigen oder Unrecht tun, dass es werde verborgen bleiben.]

22. Da sandte Josua Boten hin, die liefen zur Hütte; und siehe, es war verscharrt in seiner Hütte, und das Silber darunter.

Darunter: Nämlich unter dem Mantel, wie er bekannte und ausgesagt hatte. [Und wird der Diebstahl, wie andere Misshandlungen, alsdann mit einem guten Fug und ohne Gefahr gestraft, wenn man nicht allein des Beklagten eigene Aussage und Bekenntnis hat, sondern wenn es auch in der Tat also befunden wird, wie der Täter bekannt hat. Denn es ist des Beklagten Bekenntnis nicht immer genügend, besonders welche durch die Tortur herausgebracht ist.]

23. Und sie nahmen‘s aus der Hütte, und brachten es zu Josua, und zu allen Kindern Israel, und schütteten‘s vor den Herrn.

Vor den: Das ist: Vor der Hütte des Stifts.

24. Da nahm Josua und das ganze Israel mit ihm Achan, den Sohn Serahs, samt dem Silber, Mantel und goldenen Zunge, seine Söhne und Töchter, seine Ochsen und Esel und Schafe, seine Hütte und alles, was er hatte, und führten sie hinauf ins Tal Achor.

Ganze Israel: Denn es hat das ganze Volk darin gewilligt, dass die Übeltäter sollten gestraft werden.

Sohn Serah: Das ist: Des Serah Nachkommen, von Charmi, des Serah Kindes Kind gezeugt.

Hatte: All sein Hausrat, welches man alles miteinander zusammen gesammelt.

Achor.: Welcher Ort später von dieser Geschichte den Namen empfangen, dass er also genannt wurde, und heißt so viel als ein Tal des Trübsals.

25. Und Josua sprach: Weil du uns betrübt hast, so betrübe dich der Herr an diesem Tage! Und das ganze Israel steinigten ihn und verbrannten sie mit Feuer. Und da sie sie gesteinigt hatten,

Sprach: In Beisein und Gegenwart des ganzen israelitischen Volkes.

Betrübt hast: Das ist: Dieweil du mit deinem Diebstahl Ursache gegeben hast, dass eine Niederlage im Volk geschehen, daher jedermann sehr bekümmert wurde. So sollst du auch jetzt deine rechte Strafe darum leiden, wie du verdient hast, und durch dein samt der Deinen Untergang, den du jetzt vor Augen siehst, wiederum betrübt werden. [Denn wenngleich dem bußfertigen Sünder seine Sünden von Gott verziehen sind, so muss er dennoch oftmals seine zeitliche Strafe leiden und ausstehen, auf dass andere durch solche Beispiele von Sünden abgeschreckt werden.]

Verbrannten: Das ist: Sie haben sie erstlich mit Steinen tot geworfen und später mit Feuer verbrannt, dass also etlichermaßen ihnen die Strafe gemildert wurde, weil man sie nicht lebendig verbrannt hat. [Gleichwie nun die Linderung der Strafe die Obrigkeit erinnert dass sie Gnade erzeigen soll: Also haben wir wiederum bei diesem Ernst, da aus gerechtem Urteil Gottes, die Kinder mit dem Vater sind gesteinigt und verbrannt worden (es komme gleich der menschlichen Vernunft so seltsam, vor wie es wolle) zu lernen, wie eine große und schreckliche Sünde es sei, wenn man die Sachen, so zum Gottesdienst gestiftet und geheiligt sind, hinwegnimmt und in andere Nutzen wendet, dass daher der göttliche Fluch auch an der Kirchenräuber Nachkommen kleben bleibt. Darum, wer begehrt, dass es seinen Kindern nach ihm wohl gehen soll, der enthalte sich vom Kirchenraub und anderen groben Lastern.]

26. machten sie über sie einen großen Steinhaufen, der bleibt bis auf diesen Tag. Also kehrte sich der Herr von dem Grimm seines Zorns. Daher heißt derselbe Ort das Tal Achor bis auf diesen Tag.

Über sie: Nämlich über ihn und sein ganzes Personal samt Habe und Gütern, nachdem sie gesteinigt und verbrannt waren.

Steinhaufen: Zum ewigen Gedächtnis solcher Geschichte. [Denn es ist gut, dass man Denkmale und Zeichen aufrichtet, da Gott die Übeltaten gestraft hat, damit es in frischem Gedächtnis behalten werde.]

Kehrte sich: [Werden deswegen allgemeine Landschaden abgewandt und verhütet, wenn die Obrigkeit an den Übeltätern rechte Strafe übt.]


Das 8. Kapitel


1. Die Stadt Ai wird von den Israeliten mit List eingenommen, da die Einwohner erwürgt, die Stadt geplündert und zerstört, und der König an einen Baum gehängt wird v. 1. 2. Danach baut Josua einen Altar und opferte dem Herrn v. 30. 3. Das Gesetz Gottes wird in Steinen gehauen, und werden der Segen und der Fluch vor der ganze Menge des israelitischen Volkes, so in zwei Teil abgeteilt wurden, ausgesprochen v. 33.

1. Und der Herr sprach zu Josua: Fürchte dich nicht und zage nicht! Nimm mit dir alles Kriegsvolk und mache dich auf und zieh hinauf gen Ai! Siehe da, ich habe den König Ais, samt seinem Volk in seiner Stadt und Land in deine Hände gegeben {5Mos 7v18 20v3}.

Sprach: Nämlich nachdem der Kirchenräuber seinen angemessenen Lohn empfangen hatte.

Zage nicht: Als ob deine Feinde des Landes Kanaan Einwohner unüberwindlich wären, obgleich der vorige Angriff nicht ganz wohl geraten.

Alles Kriegsvolk: Nicht nur eine geringe Anzahl vom Volk, sondern ein großes Heer, nämlich in die dreißigtausend. Denn dass dies der Verstand dieses Orts sei, wird später aus dem Folgenden und allen Umständen genügend erscheinen.

Land: Das zur selben Stadt gehört.

2. Und sollst mit Ai und ihrem Könige tun, wie du mit Jericho und ihrem Könige getan hast, ohne dass ihr ihren Raub ihr Vieh unter euch teilen sollst. Aber bestelle einen Hinterhalt hinter der Stadt {Jos 6v20 v21}.

Getan hast: Also dass du die Stadt einnähmest, und zerstörst und den König darin erwürgst.

Teilen: Denn ich begehre nicht, dass mir diesmal aller Raub geheiligt werde, wie ich in Eroberung der Stadt Jericho befohlen hatte. [Und sieht man hier, wie Gott, nach Gelegenheit unterschiedlicher Zeit, mit seinem Volk bald ernstlich und denn wiederum gnädig umgeht, auf dass wir Gott sollen lernen fürchten und lieben. Welchem Beispiel fromme Regenten auch sollen nachfolgen.]

Hinterhalt: Also dass ihrer etliche aus dem Hinterhalt zur angemessenen Zeit sich hervormachen und die Stadt einnehmen, ehe die Bürger dessen sich versehen.

3. Da machte sich Josua auf und alles Kriegsvolk, hinaufzuziehen gen Ai. Und Josua erwählte dreißigtausend streitbare Männer und sandte sie aus bei der Nacht.

Alles Kriegsvolk: Nämlich dreißigtausend wehrhafte Männer aus dem ganzen Heer.

Dreißigtausend: Nämlich zur Verrichtung des ganzen Krieges, von denen fünftausend zum Hinterhalt genommen wurden, wie später ausdrücklich gemeldet wird, ob es wohl an diesem Ort bei jemand das Ansehen haben möchte, als ob die dreißigtausend nur zum Hinterhalt wären erwählt worden.

4. Und gebot ihnen und sprach: Seht zu, ihr sollt der Hinterhalt sein hinter der Stadt; macht euch aber nicht allzu ferne von der Stadt und seid allesamt bereit!

Ferne: Das ist: Verfügt euch an einen Ort, der nahe bei der Stadt ist, doch also beschaffen, dass ihr dort könnt verborgen sein.

Bereit: Nämlich in die Stadt zu fallen, so bald ihr die Gelegenheit ersehen werdet.

5. Ich aber und alles Volk, das mit mir ist, wollen uns zu der Stadt machen. Und wenn sie uns entgegen herausfahren wie vorhin, so wollen wir vor ihnen fliehen,

Zu der Stadt: Nämlich von vorne her und wollen ihnen eine öffentliche freie Feldschlacht anbieten.

6. dass sie uns nachfolgen heraus, bis dass wir sie heraus von der Stadt reißen. Denn sie werden denken, wir fliehen vor ihnen wie vorhin. Und weil wir vor ihnen fliehen,

7. solls ihr euch aufmachen aus dem Hinterhalt und die Stadt einnehmen; denn der Herr, euer Gott, wird sie in eure Hände geben.

8. Wenn ihr aber die Stadt eingenommen habt, so steckt sie an mit Feuer und tut nach dem Wort des Herrn. Siehe, ich hab es euch geboten.

Wort: Das ist: Ihr sollt nichts aus eigener Willkür oder nach eurem Vernunftsdenken anfangen, sondern euch nach dem Worte Gottes richten, welches ich euch vorhalte. Denn es wird keiner eine einzige Unwissenheit vorzuwenden haben, weil ich euch den Willen Gottes verkündige und anzeige.

9. Also sandte sie Josua hin; und sie gingen hin auf den Hinterhalt und hielten zwischen Bethel und Ai gegen abendwärts an Ai. Josua aber blieb die Nacht unter dem Volk.

Sie: Nämlich die fünftausend Mann, welche hinter der Stadt sich versteckt halten sollten.

Hielten: An einen gelegenen Ort. [Denn man soll die angemessenen und zugelassenen Mittel zur Beförderung und Erhaltung des Sieges nicht verachten oder versäumen.]

10. Und machte sich des Morgens frühe auf und ordnete das Volk und zog hinauf mit den Ältesten Israels vor dem Volk her gen Ai.

Volk: Nämlich die fünfundzwanzigtausend Mann, welche er zu demselben Kriege ausgelesen und gemustert hatte.

Ältesten: Das ist: Mit den Obersten und Hauptleuten des Volkes.

Vor dem: Denn also war es von Gott befohlen im 5. Buch Mose, dass die Obersten und Hauptleute sollten in der Ordnung vorne an und auf der Spitze gestellt werden. [Denn solche Obersten und Feldherren, die ihre Kriegsleute an die gefährlichsten Orte stellen und selber hinter dem Hang halten, da sie sicher sein können, die kommen ihrem Amt nicht treulich nach.]

11. Und alles Kriegsvolk, das bei ihm war, zog hinauf; und traten herzu und kamen gegen die Stadt und lagerten sich gegen Mitternacht vor Ai, dass nur ein Tal war zwischen ihm und Ai.

Zwischen ihm: Dem israelitischen Kriegsvolk und der Stadt.

12. Er hätte aber bei fünftausend Mann genommen und auf den Hinterhalt gestellt, zwischen Bethel und Ai, gegen abendwärts der Stadt.

Fünftausend: Von denen auch oben Anregung geschehen, die er von den dreißigtausend, so er bei sich gehabt, ausgelesen und abgesondert hatte, das übrige Volk war alles im Lager geblieben.

13. Und sie stellten das Volk des ganzen Lagers, das gegen Mitternacht der Stadt war, dass sein Letztes reichte gegen den Abend der Stadt. Also ging Josua hin in derselben Nacht mitten in das Tal.

Letztes: Das ist: Das Kriegsvolk war also in der Ordnung gestellt, dass sie auf der einen Seite gegen Mitternacht der Stadt hielten, und die andere Seite gegen dem Abend hinten anreichte, da der Hinterhalt sich versteckt hatte, auf dass sie also in der Nähe wären und im Fall der Not einander Hilfe leisten könnten.

Ging: Das ist: Er machte sich mit seinem Kriegsvolk näher hinzu zu der Stadt, nämlich ins Tal, so allernächst vor der Stadt war, dass er die Bürger zu Aizum Streit heraus lockte.

14. Als aber der König zu Ai das sah, eilten sie und machten sich frühe auf, und die Männer der Stadt heraus, Israel zu begegnen zum Streit, mit all seinem Volk an einen bestimmten Ort vor dem Gefilde. Denn er wusste nicht, dass ein Hinterhalt auf ihn war hinter der Stadt.

Eilten: Als ob sie den Sieg bereits in den Händen hätten. [Da doch keiner soll Juhu zu schreien, er sei denn übern Berg.]

Bestimmten Ort: Welchen der König zu seinem Vorteil ausersehen und den Seinen befohlen hatte, dass sie denselben einnehmen sollten.

15. Josua aber und ganz Israel stellten sich, als würden sie geschlagen vor ihnen, und flohen auf dem Wege zur Wüste.

Flohen: Dass sie den Männern von Ai von stund an den Rücken wandten, ehe sie recht zu ihnen kamen.

16. Da schrie das ganze Volk in der Stadt, dass man ihnen sollte nachjagen.

Stadt: Nämlich die darin blieben und nicht zum Streit mit ausgezogen waren.

Jagten auch: Damit sie keine Gelegenheit versäumten, die Kinder Israel zu vertilgen.

17. Und sie jagten auch Josua nach und rissen sich von der Stadt heraus, dass nicht ein Mann überblieb in Ai und Bethel, der nicht ausgezogen wäre, Israel nachzujagen; und ließen die Stadt offen stehen, dass sie Israel nachjagten.

Bethel: Welche Stadt in diesem Krieg sich auch zu denen von Ai geschlagen und ihnen Beistand geleistet, wider die Kinder Israel.

Offen stehen: Denn sie sich keiner Gefahr mehr von dem Feinde besorgten, weil sie sahen, dass er Fersengeld gab und den Rücken wendete: Wussten aber nicht, dass noch andere im Hinterhalt hinter ihnen verborgen waren. [Da sieht man, wie ein gefährliches Ding es sei um die Sicherheit in allen Ständen.]

18. Da sprach der Herr zu Josua: Recke aus die Lanze in deiner Hand gegen Ai, denn ich will sie in deine Hand geben. Und da Josua die Lanze in seiner Hand gegen die Stadt ausreckte,

Recke: Denn gleichwie Gott der Herr, da er das Schilfmeer wollte teilen, auf dass die Israeliten einen sicheren Durchgang hätten, dem Mose befahl, dass er seinen Stab über das Meer recken sollte, darauf sich die Wasser voneinander geteilt: Also heißt er hier den Josua die Lanze ausstrecken wider die Stadt Ai, dadurch die anderen, so im Hinterhalt waren, erinnert wurden, dass sie die Stadt einnehmen sollten. Denn obwohl weder in des Mose Stab noch in des Josua Lanze eine verborgene Kraft nicht gewesen, das Meer zu teilen oder die Feinde flüchtig zu machen: So hat es aber dennoch Gott gefallen, durch solche Mittel zu wirken, was zu seines Volkes Heil und Nutzen förderlich war. Darum folgt auch später noch in diesem Kapitel, dass Josua immerfort die Lanze ausgereckt habe, bis die Feinde darnieder gelegt und vertilgt wurden, damit nicht, wenn er die Hand wieder an sich zöge, der Sieg des Volkes Gottes gehindert oder verwahrlost würde. [Sollen wir deswegen die Mittel, so uns im Worte Gottes gezeigt und an die Hand gegeben werden, dass wir dadurch leibliche oder geistliche Guttaten von Gott empfangen und gewärtig sein sollen, keineswegs verachten und in Wind schlagen, sie scheinen gleich vor der Vernunft so seltsam und unansehnlich wie sie wollen. Dergleichen geistliche Mittel sind das Wort Gottes und die Sakramente.]

19. da brach der Hinterhalt auf eilend aus seinem Ort, und liefen, nachdem er seine Hand ausstreckte, und kamen in die Stadt und gewannen sie; und eilten und steckten sie mit Feuer an.

Steckten: Dass sie nämlich ihren Spießgesellen, den anderen Israeliten, durch den Rauch und Feuer also ein Zeichen gaben, dass die Stadt eingenommen wäre.

20. Und die Männer von Ai wandten sich und sahen hinter sich und sahen den Rauch der Stadt aufgehen gen Himmel, und hatten nicht Raum zu fliehen, weder hin noch her. Und das Volk, das zur Wüste floh, kehrte sich um, ihnen nachzujagen.

Männer: Nämlich welche nach den ersten sich auch aus der Stadt gemacht hatten, der Meinung, dass sie die Israeliten ganz aufreiben wollten.

Rauch: Darüber sie heftig sich entsetzt, weil sie ihren und der ihrigen Untergang vor Augen gesehen.

Raum: Denn sie wohl merken, dass sie hinten und vorne mit Feinden umgeben wären.

21. Denn da Josua und das ganze Israel sah, dass der Hinterhalt die Stadt gewonnen hatte, weil der Stadt Rauch aufging, kehrten sie wieder um und schlugen die Männer von Ai.

Kehrten: Das ist: Sie stellten sich zur Wehr, boten ihnen das Gesicht und fielen sie mit Gewalt an.

22. Und die in der Stadt kamen auch heraus ihnen entgegen, dass sie mitten unter Israel kamen von dorther und von hierher; und schlugen sie, bis dass niemand unter ihnen überblieb noch entrinnen konnte.

Stadt: Welche die Stadt eingenommen und angezündet hatten.

Niemand: [Denn es müssen endlich dem Herrn Christo alle seine Feinde unter seine Füße gelegt werden {Ps 110 1Kor 10}.

23. Und griffen den König zu Ai lebendig und brachten ihn zu Josua.

24. Und da Israel alle Einwohner zu Ai hatte erwürgt auf dem Felde und in der Wüste, die ihnen nachgejagt hatten, und fielen alle durch die Schärfe des Schwertes, bis dass sie alle umkamen, da kehrte sich ganz Israel zu Ai und schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes.

Wüste: Am selben Ort, da sie meinten, die Kinder Israel zu erschlagen.

Schlugen sie: Denn die aus dem Hinterhalt in die Stadt gekommen waren, hatten sie allein eingenommen und Feuer eingeworfen, dadurch sie ihren Mitgesellen ein Zeichen gaben, dass die Stadt erobert wäre, aber sonst niemand erwürgt. Nachdem sie aber jetzt den Sieg vollkommen erhalten, vertilgen sie alle Menschen in der Stadt, beiderlei Geschlechts, Mann und Weib, Jung und Alt, dass durchaus keines verschont wurde. [Und soll uns das nicht wundernehmen, wenn Gott nach seiner Gerechtigkeit die gottlosen Eltern mit ihren gottlosen Kindern zugleich vertilgt.]

25. Und alle, die des Tages fielen, beide Mann und Weiber, der waren zwölftausend, alles Leute von Ai.

Zwölftausend: Ohne die anderen, welche aus der Stadt Bethel, wie vorgemeldet, sich auch zu diesem Kriege hatten lassen gebrauchen, deren Anzahl hier nicht mit eingerechnet ist. Und ist diese Tat keine übermachte Grausamkeit gewesen, weil es alles aus Gottes Befehl geschehen. Gleichwie auch eine Obrigkeit nicht sündigt, wenn sie den Übeltätern ihre wohlverdiente Strafe auflegt, sondern vielmehr Gott einen angenehmen Dienst leistet.]

26. Josua aber zog nicht wieder ab seine Hand, damit er die Lanze ausreckte, bis dass verbannt wurden alle Einwohner Ais.

Zog nicht: Denn es hat Gott (wie zuvor auch gemeldet) durch dies Mittel seinem Volk den Sieg verleihen wollen, wenn Josua die Lanze wider die Stadt Ai ausreckte, auf dass durch dies Wunderwerk die Israeliten erinnert würden, dass sie nicht aus ihren Kräften sondern, aus Gottes Güte den Sieg erhalten hätten.

27. Ohne das Vieh und den Raub der Stadt teilte Israel aus unter sich nach dem Wort des Herrn, das er Josua geboten hatte.

Wort: Denn es hatte Gott allen Raub der Stadt den Kindern Israel aus Gnaden geschenkt.

28. Und Josua brannte Ai aus und machte einen Haufen daraus ewig, der noch heute da liegt.

Da liegt: Das ist: Er hat die Stadt ganz und gar zerstören und schleifen lassen, dass man bei den Nachkommen nichts mehr als einen Steinhaufen und die niedergefallenen Mauern davon gesehen hat.

29. Und ließ den König zu Ai an einen Baum hängen bis an den Abend. Da aber die Sonne war untergegangen, gebot er, dass man seinen Leichnam vom Baum tat; und warfen ihn unter der Stadt Tor und machten einen großen Steinhaufen auf ihn, der bis auf diesen Tag da ist {5Mos 21v23}.

Hängen: [Welches Ende des gottlosen Königs uns lehrt, dass Gott ohne Ansehen der Person die unbußfertigen Sünder ernstlich strafe.]

Vom Baum: Wie im Gesetze Mose ihnen geboten war.

Diesen Tag: Das ist: Bis auf die Zeit, da diese Geschichte beschrieben wurde.

30. Da baute Josua dem Herrn, dem Gott Israels, einen Altar auf dem Berge Ebal {2Mos 20v24}.

31. (wie Mose, der Knecht des Herrn, geboten hatte den Kindern Israel, als geschrieben steht im Gesetzbuch Moses, einen Altar von ganzen Steinen, die mit keinem eisernen behauen waren) und opferte dem Herrn darauf Brandopfer und Dankopfer.

Geschrieben: Nämlich im 5. Buch Mose, Kapitel 27. Da man von diesen Sachen weitläufigere Erklärung haben kann.

Ganzen: Das ist: Von großen Stücken.

Behauen: [Denn es hat Gott nicht gewollt, dass man ihm von gehauenen Steinen einen Altar bauen sollte, damit anzuzeigen, dass ihm kein Gottesdienst gefalle, der aus menschlicher Andacht oder Spitzfindigkeit angerichtet werde.]

Brandopfer: Nämlich für sich und das Volk, auf dass sie um Christi willen, der das rechte Opfer am Kreuz werden sollte, Vergebung der Sünden erlangten.

Dankopfer: Die Gott zur Dankbarkeit aufgeopfert wurden für die empfangenen Guttaten, dass sie bereits ein Stück von dem gelobten Lande bekommen hätten. [Also auch wir, wenn wir die himmlischen Güter geschmeckt und des Heiligen Geistes Erstlinge mit einem Geschmack des ewigen Lebens empfangen und empfunden haben, sollen wir Gott zur Dankbarkeit aus Glauben unser Lobopfer des Mundes tun.]

32. Und schrieb dort auf die Steine das andere Gesetz, das Mose den Kindern Israel vorgeschrieben hatte.

Andere Gesetz: Das ist: Die Zehn Gebote, wie sie im 5. Buch Mose beschrieben und zum anderen Mal wiederholt wurden.

Vorgeschrieben: Das ist: Welches er ihnen zu Nutzen und Gutem, mit ihrem Wissen und Willen, als einen kurzen Begriff und summarischen Inhalt des ganzen Gesetzes aufgezeichnet hatte.

33. Und das ganze Israel mit seinen Ältesten und Amtleuten und Richtern standen zu beiden Seiten der Lade gegen den Priestern aus Levi, die die Lade des Bundes des Herrn trugen, die Fremdlinge sowohl als die Einheimischen, eine Hälfte neben dem Berge Grisim und die andere Hälfte neben dem Berge Ebal, wie Mose, der Knecht des Herrn, vorhin geboten hatte, zu segnen das Volk Israel {5Mos 27v12 v13}.

Ältesten: Das waren die vornehmsten Ratsherren im Volk.

Standen: Aus Befehl des Josua als ihres obersten Feldherrn.

Laden: Nämlich der Bundeslade.

Trugen: Nicht zwar eben damals, sondern dass sie dieselbe sonst zu tragen pflegten.

Fremdlingen: Das ist: Es wurden nicht allein die geborenen Israeliten zugelassen zur Anhörung des Gesetzes samt dem Segen und Fluch, so über die Täter oder Übertreter des Gesetzes ausgesprochen wurde: Sondern es musste jedermann dabei, wer sich auch aus anderen Heiden und Völkern zu den Israeliten geschlagen hatte, auf dass sie Gott fürchten lernten. [Denn das gehört allen Menschen zu {Pred 12}].

Hälfte: Nämlich von der ganzen Gemeinde.

Geboten: Das ist: Er hat die Weise und Zeremonie gehalten, welche Moses vor der Zeit ihnen vorgeschrieben hatte, dass man nämlich das ganze Volk in zwei Teil abteilen sollte und der eine Teil mit Zuschreiung des Wörtleins Amen den Segen bestätigte. Der andere Teil auf die Flüche mit gleicher Stimme Antwort gebe.

34. Danach ließ er ausrufen alle Worte des Gesetzes vom Segen und Fluch, wie es geschrieben steht im Gesetzbuch.

Ausrufen: Nämlich durch die Leviten, denn also hatte es Mose befohlen.

Gesetzbuch: Davon man lesen mag {5Mos 27}.

35. Es war kein Wort, das Mose geboten hatte, das Josua nicht hätte lassen ausrufen vor der ganzen Gemeinde Israel und vor den Weibern und Kindern und Fremdlingen, die unter ihnen wandelten.

Wandelten: [Alsdann aber wandeln wir am sichersten, wenn wir nicht nach unserem Vernunftsdenken handeln, sondern nach dem vorgeschriebenem Worte Gottes in allem unserem Tun uns richten. Und sollen fromme Hausväter insbesondere dahin sehen, dass sowohl die Weiber und Kinder als alle anderen Hausgenossen das Gesetz und Evangelium anhören, auf dass sie Buße tun und durch den Glauben an Christus selig werden.]


Das 9. Kapitel


1. Die Gibeoniter werden durch die Zeitung von der Israeliten Herkunft sehr geschreckt, und erlangen mit List und Betrug so viel, dass sie von den Israeliten im Bund aufgenommen werden. Denn Josua hatte diese Sache halben Gott nicht um Rat gefragt v. 1. 2. Als aber bald darauf der Betrug an den Tag kommt, wird zwar der Bund von den Israeliten gehalten, weil sie ihn mit dem Eid bestätigt hatten, dass die Gibeoniter nicht getötet wurden, werden aber dennoch zu allerlei Dienstarbeit angehalten, was zum Gottesdienst vonnöten und sonst in der Gemeinde zu verrichten war v. 16.

1. Da nun das hörten alle Könige, die jenseits des Jordans waren auf den Gebirgen und in den Gründen und an allen Anfurten des großen Meers, auch die neben dem Berge Libanon waren, nämlich die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter,

Hörten: Wie nämlich Josua auch die Stadt Ai erobert und zerstört und alle ihre Einwohner erwürgt hätte, da dachten sie, dass sie nicht länger still sitzen sollten.

Könige: Oder Fürsten und Oberherren ein jeglicher in seiner Stadt.

Waren: Das ist: Die darin herrschten und das Regiment führten, ein jeglicher an seinem Ort.

Großen Meers: Nämlich des Mittelländischen.

2. sammelten sie sich einträchtiglich zuhauf, dass sie wider Josua und wider Israel stritten.

Einträchtiglich: Sie verbanden sich alle miteinander wider das Volk Gottes, in willens dasselbe zu vertreiben und auszurotten. [Gleichwie aber diese Könige haben wollen verhindern, dass Josua das Volk Gottes nicht sollte ins verheißene Land führen: Also unterstehen sich etliche Könige und Fürsten mit einhelligem Gemüt, zu verbieten und abzuwehren, damit nicht Christus als der rechte Josua seine Auserwählten durch die reine Predigt des Evangeliums zum ewigen Leben einführe. [Wie übel aber diesen Königen ihr Vorhaben ausgegangen, das werden wir später an seinem Ort hören. Aber die Gibeoniter, welche zu den Hevitern gehörten, haben sich besser vorgesehen, wie jetzt folgen wird.]

3. Aber die Bürger zu Gibeon, da sie hörten, was Josua mit Jericho und Ai getan hatte, erdachten sie eine List;

Und Ai: Denn beide Festen und wohl verwahrte Städte.

4. gingen hin und schickten eine Botschaft und nahmen alte Säcke auf ihre Esel

Botschaft: Nämlich zu den Israeliten: Welche, damit sie den Betrug nicht merken sollten, dass diese Leute in der Nähe bei ihnen wohnten, mit einem besonderen geschwinden und listigen Anschlag die Sache angriffen.

Säcke: Darin sie Speise und anderes, so man auf einer fernen Reise gebraucht, mit sich führten.

5. und alte zerrissene, geflickte Weinschläuche und alte geflickte Schuhe an ihre Füße und zogen alte Kleider an, und altes Brot, das sie mit sich nahmen, war hart und schimmlig.

Weinschläuche: Darin sie ihre Getränke hatten, wie damals gebräuchlich gewesen.

Schuhe: Die zwei- oder dreimal geflickt waren.

6. Und gingen zu Josua ins Lager gen Gilgal, und sprachen zu ihm und zum ganzen Israel: Wir kommen aus fernen Landen, so macht nun einen Bund mit uns.

Gingen: Also herausgeputzt.

Ganzen Israel: So viele ihrer damals beihanden und zugegen waren, als diese Gesandten gehört wurden:

Wir kommen: Dies ist der Inhalt ihrer Werbung gewesen: Ob wir wohl ferne von euch unseren Sitz und Wohnungen haben. Also dass wir eurer Zukunft halben uns nicht leicht etwas zu bewahren. So haben wir uns doch durch euren berühmten und großen Namen dahin bewegen lassen, dass wir zu euch hergereist und begehren einen Bund mit euch aufzurichten.

7. Da sprach das ganze Israel zu dem Heviter: Vielleicht möchtest du unter uns wohnend werden; wie könnte ich dann einen Bund mit dir machen?

Heviter: Das ist: Zu den Gesandten von Gibeon, welche unter den Hevitern gezählt wurden.

Wie könnte: Denn wir dürfen mit den Einwohnern des Landes Kanaan kein Bündnis machen, dass sie fast gleiche Rechte unter uns zu wohnen haben sollten.

8. Sie aber sprachen zu Josua: Wir sind deine Knechte. Josua sprach zu ihnen: Wer seid ihr und von wannen kommt ihr.

Knechte: Als wollten sie sagen: Wir wollen euch nichts vorschreiben, in welchergestalt ihr einen Bund mit uns machen sollt, sondern was ihr für einen Vorschlag tut, den wollen wir gerne und mit Willen annehmen und nichts ausschlagen, was ihr für richtig und recht ansehen und erkennen werdet, nur allein, dass wir von dem Bündnis nicht ausgeschlossen werden.

Wer seid ihr: Was seid ihr für ein Volk oder aus was Landes Art kommt ihr her?

9. Sie sprachen: Deine Knechte sind aus sehr fernen Landen gekommen um des Namens willen, des Herrn, deines Gottes; denn wir haben sein Gerücht gehört und alles, was er in Ägypten getan hat,

Namens: Als wollten sie sprechen: Der weltberühmte Name des Gottes Israel hat uns zu dieser Reise verursacht und aufgebracht.

Gerücht: Von seiner großen Kraft und Gewalt.

Getan hat: Nämlich die großen und schrecklichen Wunderzeichen, von welchen uns zu Ohren gekommen.

10. und alles, was er den zwei Königen der Amoriter jenseits des Jordans getan hat, Sihon, dem Könige zu Hesbon, und Og, dem Könige zu Basan, der zu Astharoth wohnte {4Mos 21v24 5Mos 2v33}.

Zwei Königen: Welche ihr durch göttliche Hilfe und Beistand mit allem ihrem Volk erschlagen und ihr Land eingenommen habt. Darum haben wir eine besondere Lust zu solchem Volk, das so einen mächtigen und starken Gott hat. Welches zwar die Gibeoniter mit Wahrheit vorbrachten, dass sie durch die göttlichen Wunderwerke dazu bewegt wurden, der Kinder Israel Freundschaft zu suchen, weil sie ihnen die Rechnung leicht machen konnten, dass sie ihnen würden zu schwach sein, wenn sie sich gleich wollten zur Wehr stellen. Aber daran redeten sie die Unwahrheit, dass sie vorgaben, sie wohnten ferne von ihnen.

11. Darum sprachen unsere Ältesten und alle Einwohner unseres Landes: Nehmt Speise mit euch auf die Reise und geht hin ihnen entgegen und sprecht zu ihnen: Wir sind eure Knechte. So macht nun einen Bund mit uns.

Ältesten: Das ist: Unsere Ober-Herren.

Alle Einwohner: Denn wir eine allgemeine Botschaft und Werbung tun für unser ganzes Land.

Knechte: Das ist: Wir ergeben uns euch ganz und gar zu eigen, dass ihr einen Bund mit uns macht und Bedingungen vorschlagen mögt, wie es euch beliebt und am besten gefällt.

12. Dies unser Brot, das wir aus unseren Häusern zu unserer Speise nahmen, war noch frisch, da wir auszogen zu euch; nun aber, siehe, es ist hart und schimmlig;

Dies unser: Als wollten sie sagen: Ihr dürft euch die Gedanken nicht machen, als ob wir von den benachbarten Völkern wären, die ihr im Bund nicht aufnehmen dürft. Denn dass wir aus fernen Landen gekommen sind, erscheint an allem dem genügend, was wir mit uns führen.

Frisch: Neu gebacken und warm, allererst aus dem Ofen gezogen. [So schnell und listig sind die Kinder dieser Welt, dass sie sich in alle Sachen artig schicken können.]

13. und diese Weinschläuche füllten wir neu, und siehe, sie sind zerrissen; und diese unsere Kleider und Schuhe sind alt geworden über der sehr langen Reise.

14. Da nahmen die Hauptleute ihre Speise an, und fragten den Mund des Herrn nicht.

Speise: Das ist: Sie aßen mit ihnen von ihrer Speise, welche die Gibeoniter von Hause mit sich gebracht hatten, zum Zeichen und Zeugnis des Bundes, den sie mit ihnen eingingen.

Fragten: Denn da sie bei dem Hohepriester sich hätten können eines göttlichen Berichts erkundigen, ob es wahr wäre, dass die Gesandten aus fernen Landen gekommen wären und was man ihnen zur Antwort geben sollte, haben sie aus Unbedachtsamkeit und in ganz zu großer Eile, dass sie mit der Sache zu schnell gefahren, solches übersehen. [Soll darum eine Obrigkeit besonders in großwichtigen Sachen sich nicht übereilen. Denn auf allzu geschwinden Rat folgt die Reue bald später.]

15. Und Josua machte Frieden mit ihnen und richtete einen Bund mit ihnen auf, dass sie leben bleiben sollten. Und die Obersten der Gemeinde schworen ihnen {2Sam 21v1}.

Schworen: Zu mehr Versicherung und Bestätigung des Bundes.

16. Aber über drei Tage, nachdem sie mit ihnen einen Bund gemacht hatten, kam es vor sie, dass jene nahe bei ihnen wären und würden unter ihnen wohnen.

Wohnen: Als die mitten im Lande Kanaan ihren Sitz hatten.

17. Denn da die Kinder Israel fortzogen, kamen sie des dritten Tages zu ihren Städten, die hießen Gibeon, Kaphira, Beeroth und Kiriath-Jearim.

Gibeon: Welches die Hauptstadt war, davon auch die umliegende Landschaft den Namen hatte.

18. Und schlugen sie nicht, darum dass ihnen die Obersten der Gemeinde geschworen hatten bei dem Herrn, dem Gott Israels. Da aber die ganze Gemeinde wider die Obersten murrte,

Schlugen: Sie beleidigten sie in keinem Wege und ließen ihre Städte unangefochten.

Murrte: Dass sie durch ihre Unvorsichtigkeit der Beute müssten in Mangel stehen, die sie sonst bekommen hätten. [Denn es kann keine Obrigkeit so behutsam sein in der Regierung und sich sowohl vorsehen, dass sie nicht bisweilen irre und in Verwaltung des Regiments daneben steche. Und obwohl solches dem gemeinen Mann missfällt, so muss man doch darum keinen Aufruhr erregen.]

19. sprachen alle Obersten der ganzen Gemeinde: Wir haben ihnen geschworen bei dem Herrn, dem Gott Israels; darum können wir sie nicht antasten.

Geschworen: Darum dieweil wir den Bund, so wir mit ihnen eingegangen, mit dem Eid bestätigt haben, dürfen wir nichts Feindliches wider sie vorhaben. [Denn es hatten die anderen Israeliten noch eine gute Lust der Gibeoniter Güter anzufallen.]

20. Aber das wollen wir tun: Lasst sie leben, dass nicht ein Zorn über uns komme um des Eides willen, den wir ihnen getan haben.

Wir tun: Nämlich damit sie nicht allerdings frei ausgeben und ungestraft bleiben, von wegen ihrer Falschheit, die sie gebraucht und dennoch der Eid nicht übergegangen werde. [Und haben wir hierbei zu lernen, dass man den Eid, welchen man geleistet und mit gutem Gewissen halten kann, nicht brechen soll, auf dass wir nicht wider Gott sündigen, ob wir gleich spüren, dass man uns betrogen hat. Denn als später Saul wider diesen Eid gehandelt, ist das ganze Land mit einer dreijährigen Teuerung deshalb gestraft worden {2Sam 21}. Daneben aber kann man andere Weise und Wege erdenken, dass die Betrüger ohne Nachteil des Eides gestraft werden.]

21. Und die Obersten sprachen zu ihnen: Lasst sie leben, dass sie Holzhauer und Wasserträger sind der ganzen Gemeinde, wie ihnen die Obersten gesagt haben.

22. Da rief ihnen Josua und redete mit ihnen und sprach: Warum habt ihr uns betrogen und gesagt, ihr seid sehr ferne von uns, so ihr doch unter uns wohnt?

Da rief: Nämlich als der vorige Beschluss gemacht war.

Unter uns: Mitten im Lande Kanaan.

23. Darum sollt ihr verflucht sein, dass unter euch nicht aufhören Knechte, die Holz hauen und Wasser tragen zum Hause meines Gottes.

Aufhören: Das ist: Für eure Sünde und Betrug, den ihr gegen uns gebraucht, sollt ihr diese Strafe tragen, dass ihr den Israeliten immer dienen müsst, mit Holzhauen und Wassertragen, sowohl zu der heiligen Stiftshütte als vor der ganzen Gemeinde der Kinder Israel.

24. Sie antworteten Josua und sprachen: Es ist deinen Knechten angesagt, dass der Herr, dein Gott, Mose, seinem Knechte, geboten habe, dass er euch das ganze Land geben und vor euch her alle Einwohner des Landes vertilgen wolle. Da fürchteten wir unseres Lebens vor euch sehr und haben solches getan.

Antworteten: Mit Vorwendung ihrer erheblichen Ursachen, die sie gehabt, damit sie ihren Betrug entschuldigten, so gut sie konnten.

25. Nun aber, siehe, wir sind in deinen Händen; was dich gut und recht erscheint, uns zu tun, das tue.

Händen: Wir ergeben uns auf Gnade und Ungnade und haben gute Hoffnung, du wirst Gnade vor Recht gehen lassen und uns beim Leben erhalten.

26. Und er tat ihnen also und errettete sie von der Kinder Israel Hand, dass sie sie nicht erwürgten.

Errettete: Mit dem vorgemeldeten Bedingungen.

27. Also machte sie Josua desselben Tages zu Holzhauern und Wasserträgern der Gemeinde und zum Altar des Herrn bis auf diesen Tag an dem Ort, den er erwählen würde.

Diesen Tag: Da solches beschrieben wurde.

Erwählen: Denn sie am selben Ort besonders dienen müssen, da die Hütte des Stiftes aufgerichtet wurde. [Diese Gibeoniter bedeuten die bußfertigen Sünder, so sich bekehren und um Gnade bitten. Denn ob sie wohl alle den ewigen Tod verdient haben, jedoch wenn sie allen Stolz und Hochmut hinlegen und in wahrer Demut vor den rechten Josua, nämlich Jesum Christus treten und begehren, dass sie zu Gnaden aufgenommen werden, so kommen sie nicht um und werden nicht verdammt: Sondern werden in Kraft des göttlichen Eids (als, so wahr ich lebe, will ich nicht den Tod des Sünders) zum ewigen Leben erhalten. Doch sollen sie auch wiederum unter dem Kreuz und mancherlei Lasten ihr Teil Arbeit verrichten, zur Beförderung der Ehre Gottes und dem Nächsten mit Willen dienen.]


Das 10. Kapitel


1. Der König der Stadt Jerusalem zieht vier andere Könige zu sich, und bekriegt die Gibeoniter v. 1. 2. Welche den Josua als ihren Bundesverwandten um Hilfe anschreien: Der ihnen zu Hilfe kommt und die Feinde in die Flucht treibt, welche der Hagel vom Himmel erschlägt. Dazu stehen Sonne und Mond auf den Befehl Josua still, bis die Feinde vertilgt wurden v. 6. 3. Die fünf flüchtigen Könige werden aus der Höhle, darin sie sich verborgen, hervorgezogen, mit Füßen getreten und an die Bäume gehängt v. 16. 4. Danach werden die Städte Makeda, Libna, Lachis, Eglon und Debir von den Kindern Israel erobert v 28.

1. Da aber Adoni-Zedek, der König zu Jerusalem, hörte, dass Josua Ai gewonnen und sie verbannt hatte und Ai samt ihrem Könige getan hatte, gleichwie er Jericho und ihrem Könige getan hatte, und dass die zu Gibeon Frieden mit Israel gemacht hatten und unter sie gekommen waren,

Adoni Zedek: Welches so viel heißt, als ein Herr der Gerechtigkeit oder der gerecht ist, da er doch im wenigsten sich nicht seinem Namen gemäß verhalten.

2. fürchteten sie sich sehr (denn Gibeon war eine große Stadt, wie eine königliche Stadt, und größer denn Ai, und alle ihr Bürger streitbar).

Fürchteten: Dass nämlich nicht etwa andere mehr Städte auch zu den Israeliten abfielen und des Josua Macht dadurch von Tag zu Tage größer würde, bis man ihn zuletzt ganz nicht überwinden könnte.

Königliche: Welche allein einen König oder Fürsten hätte können unterhalten.

Streitbar: Und hatten dennoch wider die Kinder Israel sich nicht setzen dürfen. Da nun solches der gottlose König zu Gemüt geführt und betrachtet, hat er sich vorgenommenen, die Gibeoniter mit Heereskraft zu überziehen und so gräulich mit ihnen umzugehen, dass die anderen Fürsten und Städte im Lande Kanaan sich daran spiegeln müssten und viel eher bis auf den letzten Mann ausharrten, als dass sie, wie die Gibeoniter, zu den Kindern Israel fielen. [Denn der Satan untersteht sich mit Tyrannei uns abzuschrecken, dass wir uns an Christus nicht ergeben sollen.]

3. Und er sandte zu Hoham, dem Könige zu Hebron, und zu Piream, dem Könige zu Jarmuth, und zu Japhia, dem Könige zu Lachis, und zu Debir, dem Könige zu Eglon, und ließ ihnen sagen:

Könige: Das ist: Fürsten oder Obersten. Denn es hatte eine jede Stadt ihren besonderen Oberherrn, der nach Art der hebräischen Sprache ein König genannt wurde.

4. Kommt herauf zu mir und helft mir, dass wir Gibeon schlagen; denn sie hat mit Josua und den Kindern Israel Frieden gemacht.

Kommt: Mit eurem Kriegsvolk, und steht mir bei, so stark ihr könnt.

5. Da kamen zuhauf und zogen hinauf die fünf Könige der Amoriter: Der König zu Jerusalem, der König zu Hebron, der König zu Jarmuth, der König zu Lachis, der König zu Eglon, mit all ihrem Heerlager und belegten Gibeon und stritten wieder sie.

Stritten: [Gleichwie aber die Gibeoniter belagert und bestritten werden. Darum, dass sie auf der israelitischen Seite begeben hatten: Also, wenn der Sünder durch wahre Buße wieder zu der Kirche Gottes umgekehrt, so wird er von der Welt, vom Teufel und von seinem eigenen verdorbenen Fleische angefochten.]

6. Aber die zu Gibeon sandten zu Josua ins Lager gen Gilgal, und ließen ihm sagen: Zieh deine Hand nicht ab von deinen Knechten! Komm zu uns herauf eilend, rette und hilf uns; denn es haben sich wider uns zusammengeschlagen alle Könige der Amoriter, die auf dem Gebirge wohnen.

Nicht ab: Als wollten sie sagen: Lieber, verlass uns nicht in diesen unseren größten Nöten.

Komm: Nämlich mit deinen unterhabenden Kriegsvolk. [Also sollen die Sünder, wenn sie sich bekehrt, in ihren Anfechtungen und Trübsalen zu Jesu Christo fliehen und Hilfe von ihm begehren.]

7. Josua zog hinauf von Gilgal, und alles Kriegsvolk mit ihm und alle streitbaren Männer.

Josua zog: Wenn Josua hätte tun wollen wie der Welt Kinder, so hätte er mit der Sache können gemach tun und zu der Gibioniter Untergang still sitzen, als von denen er kurz zuvor war hinters Licht geführt und betrogen worden. Aber er erinnert sich vielmehr, was ihm gebühren wolle und was sein Amt sei, als was die Gibeoniter wohl verdient hätten, darum gedenkt er sie keineswegs zu verlassen, die er einmal in seinen Schutz aufgenommen hatte.

Streitbare: Das ist: Er hat das beste Kriegsvolk und den Kern darunter ausgelesen und wider solche mächtige Könige zu ziehen. [Denn man soll Gott nicht versuchen noch die ordentlichen Mittel verachten: Und soll die Obrigkeit ihre Untertanen schützen, dass sie nicht den Feinden ein Raub werden.]

8. Und der Herr sprach zu Josua: Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich habe sie in deine Hände gegeben; niemand unter ihnen wird vor dir stehen können.

Vor ihnen: Nämlich vor den Königen, ob sie gleich mächtig und dazu ihrer viele sind.

Hände: Das ist: In deine Gewalt. Durch welche Verheißung Josua so gestärkt wurde, dass er ohne ferneren Verzug fortrückt und den Handel tapfer angreift.

9. Also kam Josua plötzlich über sie, denn die ganze Nacht zog er herauf von Gilgal.

Plötzlich: Ehe sie sich es versahen. Denn er wusste, dass die Geschwindigkeit im Kriege zu Erhaltung des Sieges sehr förderlich wäre.

10. Aber der Herr schreckte sie vor Israel, das sie eine große Schlacht schlugen zu Gibeon, und jagten ihnen nach den Weg hinan zu Beth-Horon, und schlugen sie bis gen Aseka und Makeda.

Schreckte: Das ist: Er steckte ihnen eine große Furcht ein, dass sie sich einstmals in die Flucht begaben. [Denn Gott streitet selber für sein Volk.]

Den Weg hinten an: Das ist: Die Feinde flohen auf dem Wege den Berg hinauf, auf dessen anderer Seite im Tal die Stadt Beth Horon gelegen war. Also dass da sie zu derselben Stadt gewollt, erstlich den Berg hinten an, und denn wiederum bergab steigen mussten, wie aus dem folgenden Text gut zu lesen ist.

Gen Aseka: Das ist: Bis sie in der Flucht zu denselben Städten gelangten.

11. Und da sie vor Israel flohen den Weg herab zu Beth-Horon, ließ der Herr einen großen Hagel vom Himmel auf sie fallen bis gen Aseka, dass sie starben. Und viel mehr starben ihrer von dem Hagel, denn die Kinder Israel mit dem Schwert erwürgten.

Weg herab: Nämlich der auf der anderer Seiten des Berges zu der Stadt Beth Horon führte, ehe denn sie gen Aseka und Makeda gelangen konnten.

Großen Hagel: Der große Steine gab.

Bis gen Aseka: Das ist: Der Hagel hat gewährt, bis die Feinde in der Flucht gen Aseka gekommen waren.

Mehr starben: [Denn Gott verleiht den Sieg und streitet für seine Kirche, die auf dieser Erden immer wieder ihre Feinde unter dem Kreuz zu Felde liegen muss, sonst wäre sie längst ganz vertilgt.]

12. Da redete Josua mit dem Herrn des Tages, da der Herr die Amoriter übergab vor den Kindern Israel, und sprach vor gegenwärtigem Israel: Sonne, stehe still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon!

Redet: Weil er sich besorgte, dass ihm der Tag würde zu kurz werden und er nicht Zeit genug hätte, den Sieg zu vollführen.

Übergab: Nämlich die fünf Könige, dass sie vor den Israeliten nicht bestehen konnten.

Sprach: Das ist: Er bat den Herrn, dass er den Tag verlängern und aufziehen wollte, damit er den Sieg völlig wider die Feinde erhalten könnte, und zweifelte nicht an der Erhörung.

Zu Gibeon: Das ist: O Sonne, die du jetzt über der Stadt Gibeon gesehen wirst, neige dich nicht zum Untergang, bis die Feinde überwunden sind, sondern halte mit deinem Lauf so lange inne: Und du Mond, der du unserem Bedenken nach über das Tal Ajalon stehst, bleibe darin auch stehen und weiche nicht von dort, bis wir unsere Feinde vertilgt haben. Denn es hat uns der Herr unser Gott einen herrlichen Sieg verheißen wider die Könige der Amoriter, den wir nicht vollführen könnten, wenn wir von wegen Kürze des Tages nachjagen müssten ablassen, und den Flüchtigen nicht könnten nachsetzen, die sich unterdes in ihre Schlupfwinkel verkriechen und an sicheren Gewahrsam verbergen möchten.

13. Da stand die Sonne und der Mond still, bis dass sich das Volk an seinen Feinden rächte. Ist dies nicht geschrieben im Buch des Frommen? Also stand die Sonne mitten am Himmel und verzog unterzugehen einen ganzen Tag {2Sam 20v11}.

Stille: Und liefen nicht weiter fort nach dem Untergang.

Volk: Nämlich die Kinder Israel.

Buch: Was dies für ein Historien-Buch gewesen, dessen hier gedacht wird, und das Buch des Frommen oder Gerechten geheißen hat, kann man nicht wissen, weil es nicht mehr vorhanden ist. Und ob wir wohl desselben in Mangel stehen, so finden wir doch in den prophetischen und apostolischen Schriften alles zur Genüge und völlig verfasst, was uns zur wahren Erkenntnis Gottes und zu unserer Seligkeit vonnöten ist {2Tim 3}.

Ganzen Tag: Ist darum dieses Tages Länge ganz ungewöhnlich und wider den gemeinen Lauf der Natur gewesen, der so lange gewährt, als sonst zwei Tage.

14. Und war kein Tag diesem gleich, weder zuvor noch danach, da der Herr der Stimme eines Mannes gehorchte; denn der Herr stritt für Israel.

Gehorcht: Nämlich des Josua Stimme. [Es gehorcht aber Gott unsere Stimme alsdann, wenn wir ihn aus Glauben anrufen. Denn er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, spricht der 145. Psalm, und sollte auch gleich der Natur Lauf geändert werden.]

15. Josua aber zog wieder ins Lager gen Gilgal und das ganze Israel mit ihm.

Zog wieder: Nämlich nach erlangtem herrlichen Sieg. Denn dies ist geschehen, als Josua nicht allein die fünf Könige gefangen, wie bald später folgt, sondern auch etliche Städte erobert und eingenommen hatte wie zu Ende dieses Kapitel zu sehen. Darum was jetzt später folgen wird, das ist geschehen, ehe die Kinder Israel wieder ins Lager gen Gilgal kommen sind. Denn es pflegt die Schrift erstlich von einer Sache kurze Anregung zu tun und später dieselbe weitläufiger erklären.

16. Aber die fünf Könige waren geflohen und hatten sich versteckt in die Höhle zu Makeda.

Geflohen: Denn sie sich nicht mehr wider die Kinder Israel setzen durften.

Zu Makeda: Welche Höhle nicht weit von der Stadt Makeda war.

17. Da wurde Josua angesagt: Wir haben die fünf Könige gefunden, verborgen in der Höhle zu Makeda.

18. Josua sprach: So wälzet große Steine vor das Loch der Höhle und bestellt Männer davor, die ihrer hüten.

19. Ihr aber steht nicht stille, sondern jagt euren Feinden nach und schlagt ihre Hintersten; und lasst sie nicht in ihre Städte kommen, denn der Herr, euer Gott, hat sie in eure Hände gegeben.

Nicht stille: Säumt euch nicht und lasst euch das nicht aufhalten, dass ihr darum den Feinden, die in der Flucht sind, nicht weiter nachsetzen wolltet.

Städte: Denn also werden wir sie viel eher und leichter aufreiben können, als wenn sie ihre Städte zu ihrer Versicherung wiederum erreichen sollten. [Denn wir sollen die Gelegenheit, so uns in unserem Beruf zu Händen stößt, da wir etwas Fruchtbarliches ausrichten können, nicht versäumen.]

20. Und da Josua und die Kinder Israel vollendet hatten diese sehr große Schlacht an ihnen, und ganz geschlagen: Was überblieb von ihnen, das kam in die festen Städte.

21. Also kam alles Volk wieder ins Lager zu Josua gen Makeda mit Frieden, und durfte niemand vor den Kindern Israel seine Zunge regen.

Volk: Welches den flüchtigen Feinden am längsten und weitesten nachgesetzt hatte.

Makeda: Bei welcher Stadt er mit dem einen Teil seines Kriegsvolks stillgestanden war, in willens dieselben zu bestreiten und zu erobern, wie denn auch noch denselben Tag geschehen ist, als bald später folgen wird.

Friede: Als siegreiche Überwinder und denen es alles wohl gelungen war.

Regen: Das ist: Den Feinden war ein solcher Schrecken angekommen, dass sie sich den Israeliten nicht mehr widersetzen, noch sie bestehen durften.

22. Josua aber sprach: Macht auf das Loch der Höhle und bringt hervor die fünf Könige zu mir!

23. Sie taten also und brachten die fünf Könige zu ihm aus der Höhle: den König zu Jerusalem, den König zu Hebron, den König zu Jarmuth, den König zu Lachis, den König zu Eglon.

24. Da aber die fünf Könige zu ihm herausgebracht waren, rief Josua dem ganzen Israel und sprach zu den Obersten des Kriegsvolks, die mit ihm zogen: Kommt herzu und tretet diesen Königen mit Füßen auf die Hälse! Und sie kamen herzu und traten mit Füßen auf ihre Hälse.

Tretet: Welches Josua darum zu tun befahl, auf dass er die Obersten desto mutiger und beherzter machte, die übrigen Könige und Völker im Lande Kanaan auch zu vertilgen und auszurotten.

25. Und Josua sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, und erschreckt nicht, seid getrost und unverzagt; denn also wird der Herr allen euren Feinden tun, wider die ihr streitet.

Nicht: Nämlich vor den noch übrigen Königen und Völkern des Landes Kanaan.

Getrost: Greift eure Feinde tapfer an.

Tun: Nämlich dass sie von euch überwunden werden und ihr euer Mütlein an ihnen kühlen könnt.

26. Und Josua schlug sie danach, und tötete sie, und hing sie auf fünf Bäume; und sie hingen an den Bäumen bis zum Abend.

Hing sie: Das ist: Er hat sie lassen erwürgen und aufhängen.

27. Da aber die Sonne war untergegangen, gebot er, dass man sie von den Bäumen nähme, und würfe sie in die Höhle, darin sie sich verkrochen hatten; und legten große Steine vor der Höhle Loch. Die sind noch da auf diesen Tag.

Nehme: Denn das Gesetz Mose ließ nicht zu, dass man einen Gehängten länger sollte hängen lassen als bis zu der Sonnen Niedergang.

Würfe: Ein solches schreckliche Ende und schändlichen Ausgang haben diese fünf mächtige Könige genommen. [Dabei wir zu lernen haben, dass Gott auch der Obrigkeit Misshandlungen und Sünden nicht ungestraft hingehen lasse. Denn es ist bei ihm kein Ansehen der Person, und kommen die Tyrannen, welche die Kirche Gottes beleidigen und betrüben oft schändlich um, dass sie eines jämmerlichen Todes sterben müssen.]

Diesen Tag: Da diese Geschichte beschrieben wurde.

28. Desselben Tages gewann Josua auch Makeda, und schlug sie mit der Schärfe des Schwertes, dazu ihren König, und verbannte sie und alle Seelen, die darin waren, und ließ niemand überbleiben; und tat dem Könige zu Makeda, wie er dem Könige zu Jericho getan hatte {Jos 6v21}.

Schärfe: Das er alle Einwohner derselben Stadt erwürgen ließ.

Seelen: Von dem Kleinsten an bis auf den Größten, da ist kein Geschlecht noch Alter verschont worden. Denn also war es ihnen von Gott befohlen, dass sie die Gottlosen Kanaaniter in Grund vertilgen sollten. [Und wenn man Rache übt, die Gott geboten hat, so ist dasselbe keine Tyrannei oder Grausamkeit, sondern ein Werk, das Gott gefällig ist und daran man ihm einen angenehmen Dienst tut.]

Zu Jericho: Den er erwürgt hatte.

29. Da zog Josua und das ganze Israel mit ihm von Makeda gen Libna und stritt wieder sie.

Libna: Welche Stadt auch im Land Kanaan gelegen war.

30. Und der Herr gab die selbige auch in die Hand Israels mit ihrem Könige, und er schlug sie mit der Schärfe des Schwertes und alle Seelen, die darin waren, und ließ niemand darin überbleiben; und tat ihrem Könige, wie er dem Könige zu Jericho getan hatte.

31. Danach zog Josua und das ganze Israel mit ihm von Libna gen Lachis und belegten und bestritten sie.

Lachis: Vor eine andere Stadt, im Lande Kanaan gelegen.

32. Und der Herr gab Lachis auch in die Hände Israels, dass sie sie des anderen Tages gewannen, und schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes und alle Seelen, die darin waren, aller Dinge wie er Libna getan hatte.

Anderen Tages: Nach der Belagerung.

33. Zu derselben Zeit zog Horam, der König zu Geser, hinauf, Lachis zu helfen; aber Josua schlug ihn mit all seinem Volk, bis dass niemand darin überblieb.

Helfen: Dass er die Stadt besetzen und die Kinder Israel davon abtreiben wollte.

Schlug ihn: [Denn obgleich die Gottlosen eine große Macht zusammen bringen und einander Beistand tun, so müssen sie doch den Kürzeren ziehen und unten liegen, wenn sie wider Gott kriegen.]

34. Und Josua zog von Lachis samt dem ganzen Israel gen Eglon und belegte und bestritt sie.

35. Und gewann sie desgleichen Tages und schlug sie mit der Schärfe des Schwertes; und verbannte alle Seelen, die darin waren, desgleichen Tages, aller Dinge wie er Lachis getan hatte.

Desselben Tages: Da er sie belagert hatte oder am ersten Tag der Belagerung.

Getan hatte: Denn er ihren König zuerst erwürgt und danach an einen Baum gehängt und alles Volk mit dem Schwert vertilgt hat.

36. Danach zog Josua hinauf samt dem ganzen Israel von Eglon gen Hebron und bestritt sie.

37. Und gewann sie und schlug sie mit der Schärfe des Schwertes, und ihren König mit allen ihren Städten und alle Seelen, die darin waren; und ließ niemand überbleiben, aller Dinge, wie er Eglon getan hatte, und verbannte sie und alle Seelen, die darin waren.

König: Der auch einer von den Fünfen war, deren zu Anfang dieses Kapitel gedacht wurde, und erstlich erwürgt, danach aufgehängt wurde.

Städten: Nämlich was kleine und geringe Städte waren, so zur Herrschaft Hebron gehörten.

Seelen: Nämlich von Menschen, denn das Vieh haben sie für sich geraubt und miteinander geteilt.

38. Da kehrte Josua wieder um samt dem ganzen Israel gen Debir, und bestritt sie

39. und gewann sie samt ihrem Könige und alle ihre Städte; und schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes und verbannten alle Seelen, die darin waren, und ließ niemand überbleiben. Wie er Hebron getan hatte, so tat er auch Debir und ihrem Könige, und wie er Libna und ihrem Könige getan hatte.

40. Also schlug Josua alles Land auf dem Gebirge, und gegen Mittag, und in den Gründen und an den Bächen mit allen ihren Königen; und ließ niemand übrigbleiben, und verbannte alles, was Odem hatte, wie der Herr, der Gott Israels, geboten hatte.

Odem: Nämlich unter den Menschen.

Geboren: Dass sie nämlich alle kanaanitische Völker in Grund vertilgen und ausrotten sollten, die sich wider sie setzen würden.

41. Und schlug sie von Kades-Barnea an, bis gen Gasa, und das ganze Land Gosen bis gen Gibeon.

Gosen: Welches doch nicht eben dasselbe gewesen, davon im 1. und 2. Buch Mose Meldung geschah, dass es ein Ort Landes in Ägypten gewesen, darin die Kinder Israel gewohnt haben, sondern ein anderes im Lande Kanaan gelegen.

42. Und gewann alle diese Könige mit ihrem Lande auf einmal; denn der Herr, der Gott Israels, stritt für Israel.

Einmal: In einem Zug. Also dass sie in kurzer Zeit viele feste Städte erobert und die mächtigsten Völker überwunden haben, welches ihre Väter in der Wüste nicht glauben wollten. Denn dieselben, die Städte der Kanaaniter, viel zu fest und das Volk desselben Landes für unüberwindlich gehalten {4Mos 13 14}. [Denn was uns Gott verrichten heißt, das denkt uns oft anfangs unmöglich zu sein. Aber wenn wir im wahren Glauben beharren, so gibts der Ausgang, dass wir uns selber eine vergebliche Furcht gemacht. Also hat auch das Reich Christi durch die Predigt der Apostel, in kurzer Zeit einen großen Teil der Welt eingenommen und erfüllt.]

43. Und Josua zog wieder ins Lager gen Gilgal mit dem ganzen Israel.

Gilgal: Da sie ein Teil des Volkes bei den Weibern und Kindern gelassen hatten.


Das 11. Kapitel


1. Der König der Stadt Hazor hängt viele andere Könige an sich, und führt wider Josua einen unglückhaften Krieg: Die Stadt Hazor wird erobert geplündert und in Brand gesteckt v. 1. 2. Danach bekriegt Josua auch viele andere Könige des Landes Kanaan v. 12. 3. Und vertilgt die Enakim, welches Riesen waren. Also dass die übrigen Kanaaniter den Kindern Israel nicht mehr überlästig sein könnten v. 21.

1. Da aber Jabin, der König zu Hazor, solches hörte, sandte er zu Jobab, dem Könige zu Madon, und zum Könige zu Simron, und zum Könige zu Achsaph

Hörte: Wie nämlich Josua die fünf Könige erwürgt und viele Städte erobert hätte.

Sandte er: Denn er es fürs Beste und Ratsamste angesehen, dass er den Kindern Israel mit einer Kriegsmacht begegnete, ehe sie das ganze Land Kanaan einnehmen, verließ sich aber auf menschliche Gewalt und Bündnis.

2. und zu den Königen, die gegen Mitternacht auf dem Gebirge und auf dem Gefilde gegen Mittag Cinnereth und in den Gründen und in Naphoth-Dor am Meer wohnten.

Cinnereth: Welches der See gewesen, so in der evangelischen Historie zum Öfteren der See oder das Meer Genezareth genannt wird.

Meer: Nämlich an dem Mittelländischen Meer.

3. Die Kanaaniter gegen dem Morgen und Abend, die Amoriter, Hethiter, Pheresiter und Jebusiter auf dem Gebirge, dazu die Heviter unten am Berge Hermon, im Lande Mizpa.

Und Abend: [Denn wider Christus und seine Kirche werden auch, die miteinander eins, welche sonst Todfeinde waren {Ps 2}.]

4. Diese zogen aus mit all ihrem Heer, ein großes Volk, so viel als des Sandes am Meer, und sehr viele Rosse und Wagen.

Zogen aus: Nämlich alle zuvor genannten Völker, die im Lande Kanaan noch übrig waren und von dem Könige zu Hazor angereizt und gemahnt wurden.

Sandes: So vor großer Menge unzählig ist. [Denn die tolle Welt hofft, sie wolle mit ihrer großen Gewalt und Menge das Volk Gottes oder die Kirche unterdrücken und vertilgen, richtet aber nichts aus.]

5. Alle diese Könige versammelten sich und kamen und lagerten sich zuhauf an das Wasser Merom, zu streiten mit Israel.

6. Und der Herr sprach zu Josua: Fürchte dich nicht vor ihnen, denn morgen um diese Zeit will ich sie alle erschlagen geben vor den Kindern Israel; ihre Rosse sollst du verlähmen und ihre Wagen mit Feuer verbrennen.

Dich nicht: Denn es hat sich Josua und das Volk Israel dennoch vor einer solchen großen Menge entsetzt, welche unüberwindlich schienen, darum sie des göttlichen Trostes wohl bedurften.

Verlähmen: Das ist: Du sollst in diesem Streit allen ihren Pferden die Sehn- oder Spannadern abhauen, dass sie niemand mehr nützlich sind. In Summe, du wirst alle ihre Reiter und Fußvolk erschlagen und aufreiben. Durch welche Verheißung Josua wiederum aufgerichtet wurde, weil er sehr ängstig und kleinlaut gewesen, obwohl er vorhin die göttlichen Verheißungen von der Besitzung des Landes Kanaan zu mehrmalen gehört hatte. [Denn wenn die Gefahr vorhanden ist, so wird unser Glaube schwach, und hält sich kümmerlich. Darum sollen wir mit oft Wiederholung der göttlichen Verheißungen denselben stärken, und aufmuntern.]

7. Und Josua kam plötzlich über sie, und alles Kriegsvolk mit ihm, am Wasser Merom und überfielen sie.

Plötzlich: Da die Feinde der Israeliten Herkunft sich noch nicht versehen noch besorgt hätten. [Denn es hilft ganz viel zum Sieg und befördert ihn gewaltig, wenn man die Feinde unversehenerweise und in der Eile überfällt. Und pflegen die Verrichtungen des Heiligen Geistes in den vortrefflichen Helden schnell vonstattenzugehen.]

Über sie: Nämlich über die Feinde, welche am Wasser Merom sich gelagert hatten.

8. Und der Herr gab sie in die Hände Israels; und schlugen sie und jagten sie bis gen großen Zidon, und bis an die warmen Wasser, und bis an die Breite zu Mizpe gegen dem Morgen; und schlugen sie, bis dass niemand unter ihnen überblieb.

Zidon: Welches eine gewaltige Kaufstadt gewesen, so am Meer gelegen.

Niemand: [Denn Gott ist wahrhaftig in seinen Verheißungen und leistet sie treulich. Und helfen weder starke Verbündnisse, noch eine große Menge Kriegsleute etwas wider den Herrn. Darum wir uns vor der Feinde Anschläge nicht fürchten sollen.]

9. Da tat ihnen Josua, wie der Herr ihm gesagt hatte, und verlähmte ihre Rosse und verbrannte ihre Wagen.

Verlähmte: [Denn es hat Gott gewollt, dass man diese Pferde und Wagen untauglich machen und vernichten sollte, damit anzuzeigen, wie er alle Macht dieser Welt verachtet und zunichtemache. Und hat Josua recht daran getan, dass er vielmehr dem Gebote Gottes nachgekommen als seinem eigenen Gutdünken gefolgt, und den Gehorsam höher geachtet, als seinen eigenen Nutzen. Heutzutage aber ist etlicher Kriegsobersten Geiz unersättlich.]

10. Und kehrte um zu derselben Zeit, und gewann Hazor, und schlug ihren König mit dem Schwert (denn Hazor war vorhin die Hauptstadt aller dieser Königreiche).

König: Welcher, ob er im Streit umgekommen oder aber in Eroberung der Stadt, in die er vielleicht geflohen, darauf gegangen, ist ungewiss.

Hauptstadt: Darum es Josua fürs Beste angesehen, dass er bald nach geendeter Schlacht diese Stadt vor anderen am ersten angriff, denn er sich die Rechnung wohl machen konnte, wenn dieselbe erobert wäre, so würden die andere keinen sonderlichen Widerstand mehr tun können.

11. Und schlugen alle Seelen; die darin waren, mit der Schärfe des Schwertes und verbannten sie; und ließ nichts überbleiben, das den Odem hatte; und verbrannte Hazor mit Feuer.

Seelen: Das ist: Er hat alle Einwohner der Stadt erwürgt, ohne allen Unterschied, Jung und Alt, Mann und Weib. Denn Gott hatte es längst also geboten, dass man die Kanaaniter, so sich wider die Kinder Israel setzen würden, allerdings vertilgen sollte. Darum auch Josua an dieser Stadt ein Beispiel des Zorns Gottes sehen und ergehen lassen.

12. Dazu alle Städte dieser Könige gewann Josua mit ihren Königen; und schlug sie mit der Schärfe des Schwerts und verbannte sie, wie Mose, der Knecht des Herrn, geboten hatte {4Mos 33v52 5Mos 7v2}.

Dieser Könige: Die er neulich überwunden und in die Flucht geschlagen hatte.

13. Doch verbrannten die Kinder Israel keine Städte, die auf Hügeln standen, sondern Hazor allein verbrannte Josua.

Keine Städte: Die sie dermal eins zu Festungen wider ihre Feinde nützlich gebrauchen konnten, darum sie dieselben behielten. [Denn was uns zukünftig kann zunutze kommen und zuträglich sein, das soll man nicht verwüsten, besonders wenn die hohe Not nicht dazu treibt.]

14. Und allen Raub dieser Städte und das Vieh teilten die Kinder Israel unter sich; aber alle Menschen schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes, bis sie die vertilgten, und ließen nichts überbleiben, das den Odem hatte.

Teilten: Denn es hat ihnen Gott auch eine Ergötzung für ihre gehabte Mühe und Arbeit gnädiglich gegönnt und zugelassen. Aber die Einwohner haben alle müssen draufgehen. Nicht zwar, dass die Kinder Israel so grausam und unbarmherzig wären, sondern weil es Gottes Wille und Meinung war, dass dieselben gottlosen Völker sollten ausgerottet werden.

15. Wie der Herr Mose, seinem Knechte, und Mose Josua geboten hatte, so tat Josua, dass nichts fehlte an allem, das der Herr Mose geboten hatte {2Mos 34v12 5Mos 7v2}.

Nicht fehlte: Das ist: Er ist dem Gebot Gottes von Vertilgung der kanaanitischen Völker treulich und ohne Fehler nachgekommen, so viel in seinem Vermögen gewesen und die Zeit leiden möge. [Denn wenn man einen gerechten und angemessenen Ernst braucht, die Laster und das Unrecht zu strafen, so gefällt solches Gott nicht weniger, als da man Tugend und Redlichkeit mit Guttaten belohnt.]

16. Also nahm Josua all dies Land ein auf dem Gebirge und alles, was gegen Mittag liegt, und alles Land Gosen und die Gründe und Felder und das Gebirge Israel mit seinen Gründen,

Gosen: Nicht in Ägypten, da die Kinder Israel innen gewohnt hatten, sondern ein anderes im Lande Kanaan, welches vielleicht allererst später von den Kindern Israel so genannt wurde, dem ägyptischen nach zum Gedächtnis.

Gebirge Israel: Welches nämlich die Kinder Israel besessen haben.

17. von dem Gebirge an, das das Land hinauf gen Seir scheidet, bis gen Baal-Gad, in der Breite des Berges Libanon, unten am Berge Hermon. Alle ihre Könige gewann er und schlug sie und tötete sie.

Breite: Das ist: Welche Stadt auf der Ebene gelegen ist, die am Berge Libanon stößt. Hat also Josua den größeren Teil des Landes Kanaan erobert und eingenommen.

Gewann: Dass er sie überwunden und in seine Gewalt bekommen. [Denn es ist Gott wahrhaft in seinen Verheißungen, der uns auch helfen und beistehen wird, dass wir das versprochen Himmelreich und ewige Leben, welches durch das Land Kanaan ist vorgebildet worden, einmal erlangen möge.]

18. Er stritt aber eine lange Zeit mit diesen Königen.

Lange Zeit: Bis er sie alle überwunden und umgebracht, denn er es in einem Jahr nicht verrichten konnte.

19. Es war aber keine Stadt, die sich mit Frieden ergäbe den Kindern Israel, ausgenommen die Heviter, die zu Gibeon wohnten, sondern sie gewannen sie alle mit Streit {Jos 9v18}.

Ergäbe: Sondern wo Josua hinkam, so widersetzten sie sich ihm mit großer Halsstarrigkeit zu ihrem selbst eigenem Verderben.

Heviter: Denn dieselben mit einer besonderen List, Frieden von den Kindern Israel ausgebracht, wie oben Kapitel 9. angezeigt wurde.

Streit: Mit Gewalt und bewaffneter Hand, weil sie sich in der Güte nicht ergeben wollten.

20. Und das geschah also von dem Herrn, dass ihr Herz verstockt würde, mit Streit zu begegnen den Kindern Israel, auf dass sie verbannt würden, und ihnen keine Gnade widerführe, sondern vertilgt würden, wie der Herr Mose geboten hatte.

Herrn: Das ist: Gott ließ es zu und gab die gottlosen Leute in einem verkehrten Sinn.

Begegnen: Da sie ihnen doch keinen Widerstand tun konnten.

Geboren: Dass sie nämlich die Kanaaniter ohne alle Barmherzigkeit erwürgen sollten. [Denn welche im gottlosen Leben immer fortfahren und niemals an eine einzige Buße oder Bekehrung mit Ernst denken, die werden vom Herrn endlich so geblendet und in einem verkehrten Sinn gegeben, dass sie als tolle und unsinnige Leute ihrem eigenen Verderben entgegenlaufen und durch die zeitliche Strafe ins ewige höllische Feuer gestürzt werden. Darum sollen wir Gott lernen fürchten.]

21. Zu der Zeit kam Josua und rottete aus die Enakim von dem Gebirge, von Hebron, von Debir, von Anab, von allem Gebirge Juda und von allem Gebirge Israel, und verbannte sie mit ihren Städten {1Sam 17v4 2Sam 21v20}.

Enakim: Welches große Leute und Riesen waren.

Gebirge Israel: Das ist: Welches Land die Riesen bewohnt und die Kinder Israel ihnen abgedrungen haben.

22. Und ließ keine Enakim überbleiben im Lande der Kinder Israel, ohne zu Gasa, zu Gath, zu Asdod, da blieben ihrer übrig.

Keinen: Das ist: Es hat Josua die Riesen im Lande Israel meistenteils vertilgt. Denn später im Buch der Richter Kapitel 1, steht das Kaleb noch drei Söhne des Enak aus Hebron vertrieben habe.

Blieben: Denn dieselben Städte der Philister hat Josua nicht eingenommen.

23. Also nahm Josua alles Land ein, aller Dinge wie der Herr zu Mose geredet hatte, und gab sie Israel zum Erbe, einem jeglichen Stamm sein Teil. Und das Land hörte auf zu kriegen.

Alles Land: Nämlich alle Orte des Landes Kanaan, die bisher gemeldet wurden, und hat also dasselbe Land meistenteils unter seinen Gehorsam gebracht.

Geredet: Da er verheißen, dass die Kinder Israel das Land Kanaan einnehmen und besitzen sollten.

Gab sie: Wie später an seinem Ort folgen wird.

Hörte auf: [Denn Gott gibt bisweilen seiner Kirche, auch auf dieser Welt den zeitlichen Frieden, den sie doch zur fleischlichen Sicherheit nicht missbrauchen soll.]


Das 12. Kapitel


1. In diesem Kapitel werden die Könige nacheinander abgezählt, welche die Kinder Israel auf beiden Seiten des Jordans überwunden und ihre Länder eingenommen haben.

1. Dies sind die Könige des Landes, die die Kinder Israel schlugen, und nahmen ihr Land ein, jenseits des Jordans gegen der Sonnen Aufgang, von dem Wasser bei Arnon an, bis an den Berg Hermon und das ganze Gefilde gegen dem Morgen:

Dies sind: Es wird jetzt summarischerweise wiederholt, was für herrliche Siege Mose und Josua wider die Kanaaniter erhalten, die sie meistenteils vertilgt und ausgerottet haben. [Auf dass wir lernen, den Verheißungen Gottes glauben, obgleich für unsere Vernunft dieselben unglaublich und unmöglich scheinen.]

Die die: (Nach Luther) Andere, die Josua schlug.

Jenseits: Welches noch bei Mose Lebzeiten geschehen, denn damals sie dasselbe Teil des verheißenen Landes eingenommen haben.

Aufgang: Von dem Ort Landes an zurechnen, dass auf der anderen Seiten des Jordans gelegen war, und eigentlich das Land Kanaan genannt wurde.

2. Sihon, der König der Amoriter, der zu Hesbon wohnte und herrschte von Aroer an, die am Ufer liegt des Wassers bei Arnon, und mitten im Wasser, und über das halbe Gilead bis an das Wasser Jabbok, der die Grenze ist der Kinder Ammon {4Mos 21v24 1Mos 32v22},

Sihon: Welcher der erste gewesen, den die Kinder Israel erschlagen und sein Land eingenommen haben.

Hesbon: In seiner königlichen Stadt, da er seinen Sitz hatte, ehe die Kinder Israel zu ihm gekommen.

Aroer: Einer Stadt.

Mitten im: Das ist: Die Stadt war also gelegen, dass das Wasser auf beiden Seiten sie gleichsam umgab und nebenhin liefe.

Gilead: Welches der zuvor genannten König Sihon auch innegehabt, ehe die Kinder Israel ihn überwunden.

3. und über das Gefilde bis an das Meer Cinneroth gegen Morgen, und bis an das Meer im Gefilde, nämlich das Salzmeer gegen Morgen, des Weges gen Beth-Jesimoth, und von Mittag unten an den Bächen des Gebirges Pisga.

Cinneroth: Welches sonst der See Genezareth im Neuen Testament genannt wird.

Salzmeer: Da vorzeiten die schönen Städte Sodom, Gomorra, Adama und Zeboim standen, welche mit Feuer vom Himmel vertilgt wurden, und nun das Salzmeer daraus wurde, so nur Pech auswirft.

Pisga: Alles Land unten am Berge Pisga herum gelegen, da es viele Quellen Bäche und Brunnen hat. Dasselbe alles miteinander hatte dem König Sihon gehört und war von den Kindern Israel noch bei des Mose Lebzeiten eingenommen worden.

4. Dazu die Grenze des Königs Og zu Basan, der noch von den Riesen übrig war und wohnte zu Astharoth und Edrei

Grenze: Das ist: Das ganze Land bis an seine äußersten Grenzen, welches auch noch bei des Mose Lebzeiten von den Israeliten eingenommen wurde, da sie den mächtigen König Og darin überwunden und erschlagen.

5. und herrschte über den Berg Hermon, über Salcha und über ganz Basan bis an die Grenze Gesuri und Maachathi, und des halben Gilead, welches die Grenze war Sihons, des Königs zu Hesbon.

Herrschte: Nämlich zuvor und ehe ihm die Kinder Israel dasselbe Land abgedrungen.

Salcha: Ist ein Ort Landes gewesen, welches also geheißen.

Grenze war: Das ist: Weil der König Sihon, wie vorgemeldet, den halben Teil des Landes Gilead innegehabt, so hat der König Og den anderen halben Teil desselben Landes besessen: Dass also diese beide benachbarte Könige waren.

6. Mose, der Knecht des Herrn, und die Kinder Israel schlugen sie. Und Mose, der Knecht des Herrn, gab sie einzunehmen den Rubenitern, Gaditern und dem halben Stamm Manasse.

Sie: Nämlich die vorgemeldeten beiden mächtigen Könige.

Den Rubenitern: Welche dreieinhalb Stämme darum demütig angehalten hatte, dass man ihnen dieselben Länder zu ihrer Besitzung einräumen sollte, so wollten sie damit vergnügt sein und von dem ganzen Lande Kanaan auf der anderen Seiten des Jordans nichts begehren, sondern dasselbe allerdings ganz den übrigen Stämmen lassen.

7. Dies sind die Könige des Landes, die Josua schlug und die Kinder Israel diesseits des Jordans gegen dem Abend, von Baal-Gad an auf der Breite des Berges Libanon bis an den Berg, der das Land hinauf gen Seir scheidet, und das Josua den Stämmen Israels einzunehmen gab, einem jeglichen sein Teil,

Jordans: Über den sie zuvor ziehen müssen.

Abend: Nämlich vom Jordan an zu rechnen oder von dem Lande, das auf der anderen Seiten gegen dem Morgen lag, und der beiden Könige Sihons und Ogs gewesen war.

Berg: Dahin es sich erstreckt gegen den Mittag und Abend.

Gab: Doch etliche Orte ausgenommen, welche allererst nach dem Tode Josua sind erobert worden, wie das Buch der Richter bezeugt.

8. was auf den Gebirgen, Gründen, Gefilden, an Bächen, in der Wüste und gegen Mittag war: die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter.

9. Der König zu Jericho, der König zu Ai, die zur Seite an Bethel liegt,

10. der König zu Jerusalem, der König zu Hebron,

11. der König zu Jarmuth, der König zu Lachis,

12. der König zu Eglon, der König zu Geser,

13. der König zu Debir, der König zu Geder,

14. der König zu Horma, der König zu Arad,

15. der König zu Libna, der König zu Adullam,

16. der König zu Makeda, der König zu Bethel,

17. der König zu Tapuah, der König zu Hepher,

18. der König zu Aphek, der König zu Lasaron,

19. der König zu Madon, der König zu Hazor,

20. der König zu Simron-Meron, der König zu Achsaph,

21. der König zu Thaenach, der König zu Megiddo,

22. der König zu Kedes, der König zu Jakneam am Karmel,

23. der König zu Naphoth-Dor, der König der Heiden zu Gilgal,

Heiden: Das ist: Der Völker, die um Gilgal her gewohnt.

24. der König zu Thirza. Das sind einunddreißig Könige.

Einunddreißg: Hat also Josua den meisten und besten Teil des Landes Kanaan bekommen und ihm unterworfen gemacht. [Gleichwie aber die Israeliten viele Könige und Fürsten haben müssen überwinden, die ihnen den Eingang und die Besitzung des Landes Kanaan wehren und verbieten wollen: Also müssen wir in Anfechtungen mit vielen Fürsten und Gewaltigen der Finsternis streiten, nämlich mit den bösen Geistern {Eph 6}. Welche auf vielerlei Weise an uns setzen, bis wir mit dem Glauben zum ewigen und himmlischen Vaterland hindurch dringen. In welchem geistlichen Streit der rechte Josua Jesus Christus uns nie verlassen wird {Joh 10}.]


Das 13. Kapitel


1. Gott befiehlt dem Josua, dass er das Land Kanaan (welches zum Teil erobert, zum Teil noch zu erobern war) vor seinem Tode unter die Israeliten austeile v. 1. 2. Danach wird den Rubenitern, Gadditern, und dem halben Stamm Manasse ihr Teil Landes, dass die Kinder Israel längst eingenommen, von Neuem wieder übergeben und zur Besitzung bestätigt v. 15.

1. Da nun Josua alt war und wohl betagt, sprach der Herr zu ihm: Du bist alt geworden und wohl betagt, und des Landes ist noch fast viel übrig einzunehmen,

Alt: Also dass die Zeit deines Abscheidens von dieser Welt herzunaht.

Viel übrig: Welches den Kindern Israel noch gebührt vom verheißenen Lande.

2. nämlich das ganze Galiläa der Philister und ganz Gessuri,

3. vom Sihor an, der vor Ägypten fließt, bis an die Grenze Ekron gegen Mitternacht, die den Kanaanitern zugerechnet wird, fünf Herren der Philister: nämlich der Gasiter, Asdoditer, der Askloniter, der Gethiter, der Ekroniter und die Aviter.

Fließt: Das ist: Der auf der Seite an Ägypten stößt, das gegen dem Lande Kanaan liegt: Ist vielleicht der Fluss, welcher aus dem See Sirbon, nahe bei der Stadt Asedec, ins Mittelländische Meer fällt.

Zugerechnet: Als wollte er sagen: Dies Stücke Landes gehört auch noch zum Lande Kanaan.

Aviter: Welche Gott an diesem Ort als eine Zugabe den fünf Fürstentümern der Philister zuzählt.

4. Von Mittag an aber ist das ganze Land der Kanaaniter und Meara der Zidonier bis gen Aphek, bis an die Grenze der Amoriter;

Land: Welches ihr noch vor euch habt einzunehmen und euch zu unterwerfen.

5. dazu das Land der Gibliter und der ganze Libanon gegen der Sonnen Aufgang, von Baal-Gad an unter dem Berge Hermon, bis man kommt gen Hamath:

Libanon: Nämlich dasselbe Gebirge mit seinen umliegenden Landschaften, welche auch noch nicht unter eurem Gebiet gekommen sind.

Hamath: Zu der Stadt, also genannt.

6. alle, die auf dem Gebirge wohnen, vom Libanon an bis an die warmen Wasser, und alle Zidonier. Ich will sie vertreiben vor den Kindern Israel. Lose nur drum, sie auszuteilen unter Israel, wie ich dir geboten habe.

Wohnen: Nämlich die sind auch noch übrig, dass sie die Kinder Israel einnehmen sollen.

Zidonier: Das ist: Welche um die Stadt Zidon einer vornehmen Handelsstadt am Meer gelegen herum wohnen, denn dass die Stadt Zidon selbst von den Kindern Israel wäre eingenommen worden, liest man nirgends.

Ich will: [Denn die Menschen sind nur Gottes Instrument und Werkzeug, und was Löbliches oder Vortreffliches ausgerichtet wird, das muss man Gott allein zuschreiben.]

Lose nun: Da ist: Obwohl die vorgemeldeten Länder noch nicht erobert sind, so sollst du sie dennoch, verzeichnet durch das Los, unter die Kinder Israel austeilen, und einem jeden Stamm sein Teil zueignen, dass er einnehmen soll. [Welches zwar vor der menschlichen Vernunft lächerlich scheint, dass einer unter anderer Leuten Länder austeile, da er selber keinen Fußbreit innen hat: Aber man soll den göttlichen Verheißungen fest glauben, und nicht anderes tun, als ob wir die Sachen so uns Gott zugesagt hat, bereits in Händen hätten: Denn Gott betrügt nie.]

7. So teile nun dies Land zum Erbe unter die neun Stämme, und unter den halben Stamm Manasse.

Dies Land: Nämlich das Land Kanaan diesseits des Jordans.

8. Denn die Rubeniter und Gadditer haben mit dem anderen halben Manasse ihr Erbteil empfangen, dass ihnen Mose gab, jenseits des Jordans gegen dem Aufgang, wie ihnen dasselbe Mose, der Knecht des Herrn, gegeben hat {4Mos 32v33 5Mos 3v12 Jos 1v12 20v8 22v4}:

Aufgang: Vom Lande Kanaan zu rechnen.

9. von Aroer an, die am Ufer des Wassers bei Arnon liegt, und von der Stadt mitten im Wasser und alle Gegend Medba bis gen Dibon;

Mitten im: Welche also ohne Zweifel im Wasser gelegen, dass sich der Fluss vor der Stadt geteilt, und auf beiden Seiten der Stadt herumgelaufen, danach aber unter der Stadt wieder zusammen gekommen ist.

10. und alle Städte Sihons, des Königs der Amoriter, der zu Hesbon saß, bis an die Grenze der Kinder Ammon;

11. dazu Gilead und die Grenze an Gessuri und Maachathi und den ganzen Berg Hermon und das ganze Basan bis gen Salcha;

Gilead: Welches die dreieinhalb Stämme zu ihrem Erbteil auch bekommen und eingenommen haben.

Hermon: Nämlich den nächst gelegenen Teil desselben Berges haben sie auch ganz innegehabt. Denn der übrige Teil, so etwas weiter abgelegen war, sollte noch allererst eingenommen werden, wie oben in diesem Kapitel gemeldet wurde.

12. das ganze Reich Ogs zu Basan, der zu Astharoth und Edrei saß, welcher noch ein übriger war von den Riesen. Mose aber schlug sie und vertrieb sie.

Und Edrei: Welche beide vielleicht die vornehmsten Städte und Sitze seines Königreichs waren.

Schlug: Nämlich die beiden Könige Sihon und Og mit allen ihren Untertanen. [Denn wenn Gott das Übel strafen will, so hilft keine Macht noch Stärke des Leibes dagegen. Solche Riesen sind heutigen Tages die Tyrannen.]

13. Die Kinder Israel vertrieben aber die zu Gessur und zu Maachath nicht, sondern es wohnten beide Gessur und Maachath unter den Kindern Israel bis auf diesen Tag.

Gessur und: Das ist: Die Völker in denselben Ländern wohnhaft. Welche unzeitige Lindigkeit der Israeliten Gott nicht gefallen hat, wie das Buch der Richter Kapitel 2, genügend bezeugt, da sie deshalb heftig gescholten werden, dass sie der gottlosen Heiden verschont und dieselben nicht ganz und gar vertilgt hatten. So ist ihnen auch solche Barmherzigkeit übel ausgeschlagen, denn sie sind in folgenden Zeiten von denselben Leuten zur Abgötterei beredet und verführt worden, daher sie in großes Unglück geraten. [Also pflegt es zu gehen, wenn die menschliche Vernunft ihre Anschläge den göttlichen Geboten vorzieht, dass sie hässlich darüber anläuft und zuschanden wird.]

14. Aber dem Stamm der Leviten gab er kein Erbteil; denn das Opfer des Herrn, des Gottes Israels, ist ihr Erbteil, wie er ihnen geredet hat {4Mos 18v20 v21 5Mos 10v9 18v2}.

Erbteil: Nämlich ein gewisser Ort des Landes, wie die anderen Israeliten empfangen hatten.

Opfer: Das ist: Gott hat dem Stamm Levi seine Nahrung und Unterhalt von den Opfern der Israeliten verordnet. [Denn Gott will, dass die Kirchendiener von dem Kirchenamt erhalten werden {1Kor 9}.]

15. Also gab Mose dem Stamm der Kinder Ruben nach ihren Geschlechtern,

Also gab: Kurz zuvor ist gesagt worden, was für Länder Mose den Rubenitern, Gadditern und dem halben Stamm Manasse zugeteilt: Jetzt folgt eine ausführliche Erzählung, was ein jeder Stamm insbesondere besessen und wie weit sich seine Grenzen erstreckt haben.

Geschlechtern: Das ist: Welches Land später die Rubeniter unter ihre Geschlechter ihres Stammes ausgeteilt haben.

16. dass ihre Grenzen waren von Aroer, die am Ufer des Wassers bei Arnon liegt, und die Stadt mitten im Wasser mit allem ebenen Felde bis gen Medba;

Mitten im: Da das Wasser rings herum fließt.

17. Hesbon und alle ihre Städte, die im ebenen Felde liegen; Dibon, Bamoth-Baal und Beth-Baal-Meon,

Städte: Die nämlich zu der Hauptstadt Hesbon gehörten.

18. Jahza, Kedemoth, Mephaath,

19. Kiriathaim, Sibma, Zereth-Sahar auf dem Gebirge im Tal,

Im Tal: Das ist: Bei welchem Gebirge ein sehr lustiges Tal ist.

20. Beth-Peor, die Bäche am Pisga und Beth-Jesimoth

Bäche: Das ist: Das Land, welches unten am Berge Pisga liegt, dadurch viele Bäche fließen, die es wässern.

21. und alle Städte auf der Ebene und das ganze Reich Sihons, des Königs der Amoriter, der zu Hesbon saß, den Mose schlug, samt den Fürsten Midians, Evi, Rekem, Zur, Hur und Reba, die Gewaltigen des Königs Sihon, die im Lande wohnten {4Mos 31v8}.

Ganze Reich: Nämlich in derselben Gegend. Denn der andere Teil ist den Gadditern zugefallen, wie bald später folgen wird.

Gewaltigen: Das ist: Seine vornehmsten Diener.

22. Dazu Bileam, den Sohn Beors, den Weissager, erwürgten die Kinder Israel mit dem Schwert samt den Erschlagenen.

Weissager: Und falschen Propheten, der sich mit vielen stattlichen Verheißungen vom Könige Balak dingen lassen, die Kinder Israel zu verfluchen: Der auch den Moabitern und Midianitern zum Nachteil der Kinder Israel einen bösen Rat gegeben, dass sie die Israeliten durch Hurerei an sich lockten, und gleichsam einen Speck auf die Falle legen sollten, dadurch sie in Abgötterei gerieten, wie auch mit der Israeliten großem Schaden geschehen, davon man lesen mag {4Mos 1v22 v23 v24 v25}.

Erschlagenen: Von den Midianitern, welche die Kinder Israel nach dem Befehl Gottes erschlagen haben. [Denn gleichwie der Geiz eine Wurzel alles Übels ist: Also wird er auch von Gott ernstlich gestraft. Und geht ein böser Ratschlag über des Verräters Kopf aus.]

23. Und die Grenze der Kinder Ruben war der Jordan, das ist das Erbteil der Kinder Ruben unter ihren Geschlechtern, Städten und Dörfern.

Grenze: Nämlich auf der einen Seite.

Städten und: Die nämlich in der vorgemeldeten ganzen Landschaft gelegen waren und alle den Rubenitern durch das Los zugeteilt wurden.

24. Dem Stamm der Kinder Gad unter ihren Geschlechtern gab Mose,

25. dass ihre Grenzen waren Jaeser und alle Städte in Gilead und das halbe Land der Kinder Ammon bis gen Aroer, welche liegt vor Rabba;

Gilead: So in derselben Landschaft waren.

Ammon: Das ist: Welches Land vorzeiten die Kinder Ammon bewohnt, aber längst von anderen Völkern und vielleicht von den Amoritern ihnen war abgedrungen worden, wie das Buch der Richter Kapitel 11, dahin lautet.

26. und von Hesbon bis gen Ramath-Mizpe und Betonim und von Mahanaim bis an die Grenze Debirs;

Und Betonim: Welche alle Städte waren.

27. im Tal aber Beth-Haram, Beth-Nimra, Suchoth und Zaphon, die übrig war von dem Reich Sihons, des Königs zu Hesbon, dass der Jordan die Grenze war, bis ans Ende des Meers Cinnereth, diesseits des Jordans gegen dem Aufgang.

Im Tal: Nämlich hatte Mose den Gadditern auch gegeben.

Übrig war: Denn das anderer Teil hatten die Rubeniter zu ihrem Erbteil empfangen.

28. Das ist das Erbteil der Kinder Gad in ihren Geschlechtern, Städten und Dörfern.

29. Dem halben Stamm der Kinder Manasse nach ihren Geschlechtern gab Mose,

30. dass ihre Grenzen waren von Mahanaim an, das ganze Basan, das ganze Reich Ogs, des Königs zu Basan, und alle Flecken Jairs, die in Basan liegen, nämlich sechzig Städte.

Flecken Jairs: Welche von Jair, dem Sohn Manasse also genannt wurde {4Mos 32 5Mos 3}.

31. Und das halbe Gilead, Astharoth, Edrei, die Städte des Königreichs Ogs zu Basan, gab er den Kindern Machirs, des Sohnes Manasses, das ist, der Hälfte der Kinder Machirs, nach ihren Geschlechtern.

Hälfte: Denn der anderer halbe Stamm hat sein Erbteil auf der anderen Seite des Jordans unter den neun Stämmen empfangen.

32. Das ist es, das Mose ausgeteilt hat in dem Gefilde Moab jenseits des Jordans vor Jericho gegen dem Aufgang.

Jenseits: Dort die Kinder Israel noch damals ihr Heerlager hatten.

33. Aber dem Stamm Levi gab Mose kein Erbteil; denn der Herr, der Gott Israels, ist ihr Erbteil, wie er ihnen geredet hat {4Mos 18v20 v21}.

Ihr Erbteil: Das ist: Es war ihnen von dem Gottesdienst des wahren Gottes Israels ihre Nahrung verordnet. [Mit welchem auch zugleich wird zu verstehen gegeben, dass die rechtschaffenen Leviten, nämlich die Christen erkennen sollen, dass ob sie gleich auf dieser Erde zeitliche Güter besitzen, dennoch nicht Herren dieser Welt, sondern nur Gäste und Fremdlinge sind. Gott aber ist ihr Erbteil und Schatz, und sollen sich an seiner väterlichen Gnade und Güte genügen lassen, bis in dem künftigen Leben, da Gott alles in allem sein wird.]


Das 14. Kapitel


1. Den Leviten hat man keine gewissen Länder verordnet wie den anderen Stämmen, sondern etliche Städte mit ihren Vorstädten, die unter den anderen Stämmen hin und wieder gelegen v. 1. 2. Kaleb, der in seinem hohen Alter noch bei völligen Leibeskräften gewesen, fordert sein versprochenes Erbgut im Lande Kanaan v. 6. 3. Da wird ihm das Gebirge zuerkannt, wie er begehrt, auf welche die Stadt Hebron stand, daraus derselbe Held die noch übergebliebenen Riesen vertreibt und vertilgt v. 13.

1. Dies ist aber, dass die Kinder Israel eingenommen haben im Lande Kanaan, das unter sie ausgeteilt haben der Priester Eleasar und Josua, der Sohn Nuns, und die obersten Väter unter den Stämmen der Kinder Israel.

Dies ist: Als wollte er sagen: Nachdem bisher erzählt wurde, was für Länder Mose den dritthalben Stämmen auf der einen Seite des Jordans gegeben und ausgeteilt hat: So soll jetzt auch gemeldet werden, welchergestalt das Land Kanaan auf der anderen Seite den übrigen zehn halben Stämmen zur Besitzung von Eleasar und Josua sei bezeichnet worden.

Eleasar: Des Aarons Sohn und Nachkommen.

2. Sie teilten es aber durch das Los unter sie, wie der Herr durch Mose geboten hatte, zu geben den zehnthalben Stämmen {4Mos 34v17 33v54 34v13 1Mos 48v5 4Mos 35v3 Jos 21v2}.

3. Denn den zwei und dem halben Stamm hatte Mose Erbteil gegeben jenseits des Jordans. Den Leviten aber hatte er kein Erbteil unter ihnen gegeben.

Zwei: Nämlich dem Stamm Ruben und Gad.

Halben Stamm: Nämlich Manasse, davon im vorigen Kapitel gesagt wurde.

Kein Erbteil: Das ist: In solcher ganzen Teilung wurden die Leviten nicht mit eingerechnet.

4. Denn der Kinder Josephs wurden zwei Stämme, Manasse und Ephraim; darum gaben sie den Leviten kein Teil im Lande, sondern Städte, darin zu wohnen, und Vorstädte für ihr Vieh und Habe.

Zwei Stämme: Also dass nichtsdestoweniger im israelitischen Volk zwölf Stämme gezählt wurden, wenn man gleich die Leviten ausschloss, welche zum Gottesdienst verordnet waren.

Vorstädte: Welche etliche tausend Schritt im Umkreis begriffen {4Mos 35}.

Habe: Damit sie Platz und Gelegenheit hätten, dahin sie ihren Hausrat stellen könnten und aufbewahrten, was ihnen von den Opfern und der Viehzucht an Vorrat überbliebe.

5. Wie der Herr Mose geboten hatte, so taten die Kinder Israel und teilten das Land.

So taten: Wie in den folgenden Kapiteln ausführlicher erklärt wird. [Gleichwie aber Josua und Eleasar, des Mose und Aarons Nachkommen gewesen, und dem Volk das Land ausgeteilt haben: Also ordnet Gott immer taugliche Personen, beides in der Kirche und im weltlichen Regiment an, der vorigen abgestorbenen, statt die der Gemeinde Gottes in Geistlichen und weltlichen Verrichtungen nützlich vorstehen können.]

6. Da traten herzu die Kinder Juda zu Josua zu Gilgal, und Kaleb, der Sohn Jephunnes, der Kenisiter, sprach zu ihm: Du weißt, was der Herr zu Mose, dem Mann Gottes, sagte von meinet und deinetwegen in Kades-Barnea {4Mos 14v24}.

Da traten: Auf dass sie vor dem tapferen Helden Kaleb, der aus ihrem Stamm seine Herkunft hatte, eine Fürbitte taten, damit ihm zum besonderen Vorzug ein gelegenes Stück Landes außer dem Los eingeräumt würde.

Zu Gilgal: Als die Kinder Israel noch dort und Eleasar, der Hohepriester, samt dem Josua, dem Fürsten des Volkes, mit der Austeilung des Landes bemüht war.

Kenisiter: Der vielleicht diesen Zunamen von einem berühmten Mann Kenas bekommen, welcher auch aus dem Stamm Juda gebürtig gewesen {1Chr 4}.

Mann Gottes: Welcher von Gott besonders dazu ausersehen wurde, dass er große Sachen verrichten sollte, und mit herrlichen Gaben des Heiligen Geistes geziert gewesen ist.

Rades: Als die Kinder Israel sich darin gelagert hatten: Dass nämlich in Austeilung des Landes, wir beide, vor anderen einen Vorzug haben sollten, weil wir in Erkundigung des Landes Kanaan unser Amt treulich verrichtet, da hingegen die andere Israeliten einander zur Meuterei anmahnten, und damit umgingen, wie sie wollten, wieder nach Ägypten umkehren.

7. Ich war vierzig Jahre alt, da mich Mose, der Knecht des Herrn, aussandte von Kades-Barnea, das Land zu erkundschaften, und ich ihm wieder sagte nach meinem Gewissen.

Aussandte: Samt dir und noch zehn anderen Männern, die uns zugegeben wurden aus jeglichem Stamm einen {4Mos 13}.

Gewissen: Das ist: Ich verhehle nichts, sondern was in meinem Herzen war und wie ich glaubte, so sagte ich heraus vor Mose und allem Volk, dass nämlich wir das verheißene Land, wenn uns Gott gnädig sei, leicht würden können bekommen, und vermahnte das Volk, sie sollten Gott darum trauen. [Denn das steht denen zu, die da zur Erkundigung einer Sache ausgeschickt werden, dass sie der Sachen Beschaffenheit, und was sie verrichtet, ohne falsch und treulich anzeigen, und nichts entweder verklüglen oder verstreichen, noch die Sache größer machen als sie an ihr selber ist, damit man nach Erwägung derselben beizeiten dazu tun und Rat schaffen könne: Denn Gott ist den zweizüngigen Leuten feind, welche anderes reden, als sie es meinen.]

8. Aber meine Brüder, die mit mir hinaufgegangen waren, machten dem Volk das Herz verzagt; ich aber folgte dem Herrn, meinem Gott, treulich.

Verzagt: Dass sie ganz und gar keine Hoffnung mehr hatten das verheißene Land zu bekommen, darum sie durch einen Aufruhr sich unterstanden, den Mose abzusetzen und unter einen anderen Hauptmann wieder in Ägypten umzukehren.

Treulich: Ich hielt mich von ganzem Herzen und mit wahrem Glauben an die Verheißung Gottes, ungeachtet des ganzen israelitischen Volkes, welches durch Unglauben von Gott abfiel. [Denn wir sollen uns durch die große Menge der Gottlosen von den rechten Weg der Seligkeit nicht abführen lassen.]

9. Da schwur Mose desselben Tages und sprach: Das Land, darauf du mit deinem Fuß getreten hast, soll dein und deiner Kinder Erbteil sein ewig, darum dass du dem Herrn, meinem Gott, treulich gefolgt hast.

Schwur: Dass er mir mit einem Eid verhieß, ich und meine Nachkommen sollten ein besonderes Stück Landes zum Voraus haben und besitzen, von dem guten und köstlichen Lande, daran die anderen Israeliten verzagt hatten.

Getreten: Da du das Land erkundet.

Gefolgt: [Denn ob wir wohl die Seligkeit nicht erlangen durch unser eigenen Werke und Verdienste, und Gott uns von Rechts wegen nichts schuldig ist, sondern wir ihm alles schuldig sind, was wir sind und haben: So pflegt er dennoch nach seiner großen Güte auch dasselbe, was wir aus schuldigem Gehorsam tun, mit zeitlichen und geistlichen Guttaten zu belohnen.]

10. Und nun siehe, der Herr hat mich leben lassen, wie er geredet hat. Es sind nun fünfundvierzig Jahre, dass der Herr solches zu Moses sagte, die Israel in der Wüste gewandelt hat. Und nun siehe, ich bin heute fünfundachtzig Jahre alt

Jahr: Von derselben Zeit an zu rechnen, da solches, was vorgemeldet, geschehen.

Sagte: Dass er mich wollte beim Leben erhalten und in Einnahme des Landes Kanaan beistehen.

11. und bin noch heutigentags so stark, als ich war des Tages, da mich Mose aussandte; wie meine Kraft war damals, also ist sie auch jetzt, zu streiten und aus- und einzugehen.

So stark: Dass ich weder an Leibeskräften noch am Verstand durch Gottes Güte abgenommen oder geschwächt worden bin.

Zu gehen: Das ist: Allerlei Geschäfte zu verrichten, es sei gleich in weltlichen Händeln oder Haussachen. [Denn Gott ist der allerbeste Arzt, der entweder die verfallenen Kräfte wiederbringen, oder die noch ganz und völlig sind, eine lange Zeit erhalten kann, wenn er weiß, dass solches zu seines Namens Ehre dienlich und zu unsere Seligkeit uns förderlich ist.]

12. So gib mir nun dies Gebirge, davon der Herr geredet hat an jenem Tage; denn du hast es gehört am selben Tage. Denn es wohnen die Enakim oben, und sind große und feste Städte: ob der Herr mit mir sein wollte, dass ich sie vertriebe, wie der Herr geredet hat.

So gib: Nämlich ohne und außer dem Los, dass ich nicht allererst lange warten müsse, was mir durch das Los für ein Ort möchte gegeben werden, sondern, dass ich die Wahl habe und in Kraft meines Vorzugs zur Belohnung meiner Standhaftigkeit erwählen möge, was für ein Ort Landes ich wolle.

Gehört: Da er durch Mose sagte: Das Land, darauf dein Fuß getreten hast, sollst du zur Besitzung haben. Und gefällt mir unter allen Orten dadurch ich damals, wie ich das Land erkundschaftet gezogen bin, dies Gebirge, da die Riesen wohnen.

Vertriebe: Als wollte er sagen: Ich weiß ganz wohl, dass ich eine schwere und gefährliche Sache auf mich nehme, und unterstehe, da vielleicht andere ohne das nicht gerne daran wollten. Aber ich habe gute Hoffnung, dass mir Gott in solchem meinem Vorhaben nach seiner Verheißung beistehen werde. [Denn die Hoffnung eines Christenmenschen lässt nicht zuschanden werden.]

13. Da segnete ihn Josua und gab also Hebron Kaleb, dem Sohn Jephunnes, zum Erbteil.

Segnete: Das ist: Er hat dieses Mannes, als eines tapferen Helden Vorhaben, so aus Glauben hergeflossen, gerühmt und ihm Glück dazu gewünscht, dass ihm Gott seinen Segen dazu geben und beistehen wollte.

Gab: Dass er es einnehmen und erobern sollte.

14. Daher wurde Hebron Kalebs, des Sohnes Jephunnes, des Kenisiters, Erbteil bis auf diesen Tag, darum dass er dem Herrn, dem Gott Israels, treulich gefolgt hatte {Jos 21v12}.

Daher wurde: Nämlich zuerkannt und zu eigen übergeben. Hat es aber doch allererst nach des Josua Tode bekommen, wie das erste Kapitel im Buch der Richter klar ausweist.

15. Aber Hebron hieß vorzeiten Kiriath-Arba, der ein großer Mensch war unter den Enakim. Und das Land hatte aufgehört mit Kriegen.

Kiriath Arba: Das ist: Arbs Stadt von Arba einem Riesen, welcher Enaks Vater gewesen, wie im folgenden fünfzehnten Kapitel steht, also genannt, der sie vielleicht erweitert, denn es sonst eine ganz alte Stadt gewesen, wie 4. Mose 13. zu sehen. So wird ihrer auch 1. Mose 13, und 35. gedacht * (Nach Luther)] Von solchem Arba heißt die Stadt Kiriath-Arba, dass ist Arbastadt, wie wir Deutschen sagen: Karlstadt, Arnstadt rc.

Aufgehört: Nämlich eine Zeit lang. Da die Kinder Israel ein gut Teil des Landes Kanaan eingenommen hatten, bis nach des Josua Tode sie den übrigen Teil desselben auch erobert, unter denen auch Kaleb gewesen, der nach des Josua Absterben allererst die Enakim aus Hebron vertrieben hat {Jud 1}.


Das 15. Kapitel


1. Erstlich werden die Städte und Dörfer beschrieben, welche dem Stamm Juda durch das Los in der Austeilung des Landes Kanaan heimgefallen v. 1. 2. Und verheißt Kaleb, dem seine Tochter Achsa zum Weibe, der die Stadt Kiriath Sepher erobern werde, welches dem Athniel geglückt v. 16. 3. Darauf begehrt die Achsa von ihrem Vater Kaleb eine reiche Heimsteuer, und erlangt sie v. 18.

1. Das Los des Stammes der Kinder Juda unter ihren Geschlechtern war die Grenze Edom an der Wüste Zin, die gegen Mittag stößt an der Ecke der Mittagsländer {4Mos 34v3},

Das Los: Als dem Kaleb sein Teil Landes im Stamm Juda ohne das Los nach seinem Wohlgefallen war zugesprochen worden: Wird jetzt darauf das ganze Land beschrieben, welches dem ganzen Stamm Juda durch das Los heimgefallen.

Edom: d. i. Des Stammes Juda Land grenzte mit dem Lande Edom, oder der Edomiter gegen Mittag an dem Ort, da der Edomiter Land der Wüste Zin zuliegt.

2. dass ihre Mittagsgrenzen waren von der Ecke an dem Salzmeer, das ist, von der Zunge, die gegen mittagwärts geht,

Ihr: Nämlich der Israeliten vom Stamm Juda.

Zungen: Das ist: Da das Meer einen Eingang macht ins Land, wie eine Zunge gestaltet, wie dergleichen Ausgänge jetziger Zeit ein Arm des Meers genannt werden.

3. und kommt hinaus von dort hinauf zu Akrabbim und geht durch Zin; und geht aber hinauf von mittagwärts gegen Kades-Barnea; und geht durch Hezron und geht hinauf gen Adar und lenkt sich um Karkaa;

Von dort: Nämlich von Mittage.

Akrabbim: Möchte auf Deutsch heißen, zu der Skorpione Steg. Woher aber der Ort den Namen bekommen, meldet die Schrift nicht.

Zin: Ist nicht der Ort in der Wüste gelegen, sondern ein anderer im Lande Kanaan.

4. und geht durch Azmon und kommt hinaus an den Bach Ägyptens, dass das Ende der Grenze das Meer wird. Das sei eure Grenze gegen Mittag.

Bach Ägyptens: Welcher eben derselbe ist, dadurch der See Sibon ins Mittelländische Meer fließt.

Meer: Nämlich das Mittelländische. [Es werden aber dieses und der anderen Stämme Grenzen mit besonderen Fleiß beschrieben, auf dass wir wissen und dabei lernen sollen, wie die Grenzen und Marksteine Gottes Ordnung sind, deren man zu diesem zeitlichen Leben nicht entbehren kann. Darum wer dieselben verrückt oder hinweg tut, der handelt wider Recht und Gerechtigkeit, und ist aus dem Munde Gottes verflucht {5Mos 27}.]

5. Aber die Morgengrenze ist von dem Salzmeer an bis an des Jordans Ende. Die Grenze gegen Mitternacht ist von der Zunge des Meers, die am Ort des Jordans ist,

Morgengrenze: Das ist: Die Grenze des Stammes Juda, gegen dem Morgen.

Salzmeer: Welches man auch das Tote Meer heißt. Das vorzeiten ein sehr fruchtbares Land gewesen, darauf die Städte Dodoma Gomorra, Adama und Zeboim gestanden, aber später in einen See verwandelt wurde, der nichts denn Pech auswirft. Es haben aber die Israeliten den Brauch, dass sie einen jeden großen See ein Meer nennen.

Meers: Nämlich des Salzmeers. Das ist, es begreift den Strich in sich, der zur Seiten des Salzmeers ist, gegen Mitternacht bis an den Ort, da der Jordan in das Salzmeer fällt.

6. und geht herauf gen Beth-Hagla und zieht sich von mitternachtwärts gen Beth-Araba und kommt herauf zum Stein Bohen, des Sohnes Rubens;

Beth Araba: An welchem Ort nach vielen Jahren Johannes der Täufer die Gesandten der Juden abgefertigt hat, welche gekommen waren, ihn zu fragen, ob er Christus wäre {Joh 1}.

Bohen: Von welchem in der Heiligen Schrift sonst nichts zu finden ist, wie auch nirgends die Ursache steht, warum der Stein von ihm also genannt wurde, darum auch demselben vergeblich nachzuforschen vonnöten ist.

7. und geht herauf gen Debir, vom Tal Achor und von dem Mitternachtsort, der gegen Gilgal sieht, welche liegt gegenüber zu Adumim hinauf, die von mittagwärts am Wasser liegt. Danach geht sie zu dem Wasser En-Semes und kommt hinaus zum Brunnen Rogel.

Achor: Welcher Ort also genannt wurde, weil Achan der Sohn Charmi dort gesteinigt, warum seines Diebstahls willen, dadurch er Israel betrübt hatte, heißt auf Deutsch so viel, als ein Tal der Trübsal. Davon man lesen mag im vorigen siebten Kapitel dieses Buches.

8. Danach geht sie herauf zum Tal des Sohnes Hinnoms an der Seite her des Jebusiters, der von mittagwärts wohnt, das ist Jerusalem; und kommt herauf auf die Spitze des Berges, der vor dem Tal Hinnom liegt von abendwärts, welcher stößt an die Ecke des Tals Raphaim gegen Mitternacht zu.

Jerusalem: Das ist: Die Grenze erstreckte sich zur Stadt Jerusalem, welche damals die Jebusiter innen hatten.

9. Danach kommt sie von desselben Berges Spitze zu dem Wasserbrunnen Nephthoah und kommt heraus zu den Städten des Gebirges Ephron und neigt sich gen Baala, das ist Kiriath-Jearim;

Kiriath Jearim: Als wollte er sprechen: Die Stadt Baala ist auch mit einem anderen Namen also genannt worden.

10. und lenkt sich herum von Baala gegen Abend zum Gebirge Seir und geht an der Seite her des Gebirges Jearim von mitternachtwärts, das ist Chessalon, und kommt herab gen Beth-Semes und geht durch Thimna;

11. und bricht heraus an der Seite Ekron her gegen mitternachtwärts und zieht sich gen Sichron; und geht über den Berg Baala und kommt heraus gen Jabneel, dass ihr Letztes ist das Meer.

12. Die Grenze aber gegen Abend ist das große Meer. Das ist die Grenze der Kinder Juda umher in ihren Geschlechtern.

Große Meer: Nämlich das Mittelländische. Was aber diese Beschreibung der Orte und Grenzen des Landes Kanaan in diesem und folgende Kapiteln betrifft, ist kein Zweifel, sie sei zur selben Zeit denen genügend bekannt gewesen, die das Land Kanaan mit Augen damals sahen. Obwohl nun auch zu unseren Zeiten gelehrte Männer sich gefunden haben, die sich sehr bemüht, gleichwie auch der Alten etliche getan, dass sie eine klare und eigentliche Beschreibung des Landes Kanaan entwürfen und vor Augen stellten: So ist es doch eine vergebliche Mühe dazu vonnöten, dass man sich dahin bearbeite, weil dasselbe Land längst zuerst von den Römern und danach von anderen heidnischen Völkern fast zerstört und so verwüstet wurde, dass es ein anderes Ansehen bekommen, als es zu Zeiten Josua gehabt.

13. Kaleb aber, dem Sohn Jephunnes, wurde sein Teil gegeben unter den Kindern Juda, nachdem der Herr Josua befahl, nämlich die Kiriath-Arba, des Vaters Enaks, das ist Hebron.

Gegeben: Nämlich zum Voraus und ohne Los.

Hebron: Das ist: Welche Stadt auch mit einem anderen Namen Hebron geheißen.

14. Und Kaleb vertrieb von dort die drei Söhne Enaks: Sesai, Ahiman und Thalmai, geboren von Enak {Jud 1v10 v20}.

Vertrieb: Nämlich nach des Josua Tode. Denn alles, was hier gesagt wird von Vertreibung der Riesen und Eroberung der Städte Hebron und Debir, ist allererst später geschehen, da Josua bereits gestorben. Wie aus dem ersten Kapitel des Buches der Richter zu sehen. Es ist aber der Heilige Geist auf die Erzählung dieser Sachen gekommen, mit der Gelegenheit der Person Kalebs, dem um seiner Treue und Beständigkeit willen von Josua ein besonderer Ort Landes außer dem Los ist eingegeben worden, wie zuvor auch gemeldet.

15. Und zog von dort hinauf, zu den Einwohnern Debirs. Debir aber hieß vor Zeiten Kiriath-Sepher.

Kiriath Sepher: Das ist: Eine Stadt der Künste: Vielleicht weil die freien Künste darin sind getrieben worden und im Schwange gingen.

16. Und Kaleb sprach: Wer Kiriath-Sepher schlägt und gewinnt, dem will ich meine Tochter Achsa zum Weibe geben.

Gewinnt: Das ist: Wer vor anderen am meisten dazu helfen wird, dass diese Stadt erobert werde, und ich sie in meine Gewalt bekomme.

Tochter: [Denn fromme und verständige Männer suchten sich vorzeiten nicht solche Töchtermänner, die nur voller Reichtum steckten, sondern die mit Tugend andere übertreffe.]

Geben: Zur Belohnung seiner Tapferkeit.

17. Da gewann sie Athniel, der Sohn Kenas, des Bruders Kalebs; und er gab ihm seine Tochter Achsa zum Weibe.

Bruders: Ist also des Kalebs naher Vetter gewesen, der durch solche aufgesetzten stattlichen Kleinode sich aufbringen lassen, dass er sich der Tat unterstanden und der Stadt ist mächtig geworden. [Denn die Tugend wird in den tapferen Herzen mit Belohnungen hervorgelockt, dass sie sich sehen lässt.]

Gab ihm: [Denn ehrliche Zusagen soll man halten.]

18. Und es begab sich, da sie einzog, wurde ihr geraten, einen Acker zu fordern von ihrem Vater; und sie fiel vom Esel. Da sprach Kaleb zu ihr: Was ist dir?

Einzog: Nämlich die Braut Achsa, dass man sie ihrem Bräutigam zuführte.

Geraten: Nämlich von ihrem Bräutigam, der es selber als ein schamhafter Jüngling nicht tun durfte, darum er die Braut angerichtet. [Welche Zucht und Scham an ihm zu loben war, dass er seinem Schwager auch eine nötige Bitte dennoch nicht gerne zumutete.]

Acker: Nämlich der etwas besser wäre, als welchen ihr der Vater zum Heiratsgut bestimmt hatte.

Fiel: Das ist: Sie ist abgesessen, daher der Vater leicht abnehmen konnte, dass sie etwas von ihm bitten würde.

Ist dir: Was begehrst du von mir?

19. Sie sprach: Gib mir einen Segen; denn du hast mir ein Mittagsland gegeben, gib mir auch Wasserquellen. Da gab er ihr Quellen oben und unten.

Segen: Das ist: Gib mir eine gute Heimsteuer, davon ich einen Nutzen und reichen Segen haben könne.

Mittagsland: Welches dürre und deshalb unfruchtbar ist.

Wasserquelle: Davon das Land kann gewässert und befeuchtet werden, dass es Frucht trage.

Und unten: Das ist: Er hat ihr einen Acker gegeben, der zu beiden Seiten Wasserquellen gehabt, daher er zu rechter Zeit könne befeuchtet werden. [Diese Freundlichkeit und Freigiebigkeit des Kalebs ist auch lobenswert, der seiner Tochter, da sie eine ehrliche und notwendige Bitte an ihm tut, willfährt. Denn es sollen die Eltern in Aussteuer ihrer Kinder, so viel die Notdurft fordert und ihr Vermögen ertragen mag, sich freigiebig erzeigen, besonders wenn sie Töchter ausgeben, damit sie von ihren Ehemännern im Ehestande desto besser gehalten werden.]

20. Dies ist das Erbteil des Stammes der Kinder Juda unter ihren Geschlechtern.

Dies ist: Als wollte er sagen: In diesem Bezirk ist die Landschaft begriffen, welche dem Stamm Juda durch das Los zuerkannt wurden.

21. Und die Städte des Stammes der Kinder Juda von einer Ecke zu der anderen an der Grenze der Edomiter gegen Mittag waren diese: Kabzeel, Eder, Jagur,

Ecken: Das ist: Von einem Ort oder Ende des Stammes Juda da sein Erbteil ausgeht bis an das andere Ende, da es an die Grenze des Landes Edom stößt, sind die nachgesetzten Städte gelegen.

22. Kina, Dimona, Ad-Ada,

23. Kedes, Hazor, Ithnan,

24. Siph, Telem, Bealoth,

25. Hazor-Hadata, Kirioth-Hezron, das ist Hazor,

Hazor: Als wollte er sagen: Diese Stadt hat auch mit einem anderen Namen Hazor geheißen, ist doch nicht eben dieselbe, so kurz zuvor auch gesetzt wird, sondern eine andere.

26. Amam, Sema, Molada,

27. Hazar-Gadda, Hesmon, Beth-Palet,

28. Hazar-Sual, Beer-Seba, Bisjoth-Ja,

29. Baala, Ijim, Azem,

30. EI-Tholad, Chesil, Horma,

31. Ziklag, Madmanna, Sansanna,

32. Lebaoth, Silhim, Ain, Rimon. Das sind neunundzwanzig Städte und ihre Dörfer.

Dörfer: Deren etliche von den Vornehmsten unter die vorgesetzten Städte mit erzählt wurden, weil der Namen mehr sind, als die Anzahl der Städte betrifft.

33. In den Gründen aber war Esthaol, Zarea, Asna,

34. Sanoah, En-Gannim, Thapuah, Enam,

35. Jarmuth, Adullam, Socho, Aseka,

36. Saaraim, Adithaim, Gedera, Gederothaim. Das sind vierzehn Städte und ihre Dörfer.

Dörfer: Deren eines mit gezählt wird.

37. Zenan, Hadasa, Migdal-Gad,

38. Dilean, Mizpe, Jakthiel,

39. Lachis, Bazekath, Eglon,

40. Chabon, Lahmam, Cithlis,

41. Gederoth, Beth-Dagon, Naema, Makeda. Das sind sechzehn Städte und ihre Dörfer.

Städte: Die auch dem Stamm Juda zugehörten.

Dörfer: Deren hier keines mit gezählt wird.

42. Libna, Ether, Asan,

43. Jephthah, Asna, Nezib,

44. Kegila, Achsib, Maresa. Das sind neun Städte und ihre Dörfer.

Städte: Auch zu dem Stamm Juda gehörig.

45. Ekron mit ihren Töchtern und Dörfern.

Töchtern: Das ist: Kleinen Flecken. Die alle dem Stamm Juda zustehen.

46. Von Ekron und ans Meer alles, was an Asdod langt, und ihre Dörfer;

47. Asdod mit ihren Töchtern und Dörfern, Gasa mit ihren Töchtern und Dörfern bis an das Wasser Ägyptens. Und das große Meer ist seine Grenze.

Gasa: Es sind aber Gasa und Asdod der Philister Städte, fast immer von den Philistern bewohnt worden, dass die Israeliten niemals zugleich und auf einmal das ganze Land Kanaan, so ihnen zugeeignet gewesen, in völliger Besitzung bekommen haben, welches doch durch ihre eigene Fahrlässigkeit geschah. [Es ist aber aus göttlichem Verhängnis also ergangen, auf dass sie daraus lernten erkennen, dass sie müssten nach einem anderen Lande Kanaan trachten, welches ist das ewige Leben, dessen Besitzung vollkommen und ewig sein wird.]

48. Auf dem Gebirge aber war Samir, Jattir, Socho,

War: Was nämlich weiter zum Stamm Juda gehörte, an Städten und an Dörfern.

49. Danna, Kiriath-Sanna, das ist Debir,

Das ist Debir: Will so viel sagen: Diese Stadt wurde mit noch einem anderen Namen Debir geheißen.

50. Anah, Esthemo, Anim,

51. Gosen, Holon, Gilo. Das sind elf Städte und ihre Dörfer.

52. Arab, Duma, Esean,

53. Janum, Beth-Thapuah, Apheka,

54. Humta, Kiriath-Arba, das ist Hebron, Zior. Das sind neun Städte und ihre Dörfer.

Hebron: Mit einem anderen Namen also genannt, neben dem vorigen.

55. Maon, Karmel, Siph, Juta,

56. Jesreel, Jakdeam, Sanoah,

57. Kain, Gibea, Thimna. Das sind zehn Städte und ihre Dörfer.

58. Halhul, Beth-Zur, Gedor,

59. Maarath, Beth-Anoth, Elthekon. Das sind sechs Städte und ihre Dörfer.

60. Kiriath-Baal, das ist Kiriath-Jearim, Harabba; zwei Städte und ihre Dörfer.

61. In der Wüste aber war Beth-Araba, Middin, Sechacha,

62. Nibsan und die Salzstadt und Engeddi. Das sind sechs Städte und ihre Dörfer.

Salzstadt: Welche vielleicht also genannt wurde, weil es Salzbrunnen dort hatte.

Städte: Welche alle miteinander in einer Summe zusammengerechnet so viele ihrer zum Stamm Juda gehörig gewesen, machen hundertundfünfzehn Städte. Daraus man abnehmen kann, wie herrlich und wohl das Land Kanaan ist erbaut gewesen, da einem Stamm (der zwar der volkreichste gewesen) so viele Städte haben können zugeteilt werden, ohne die Dörfer, deren ohne Zweifel noch viel mehr gewesen, so um die Städte her gelegen und dazu gehört haben.

63. Die Jebusiter aber wohnten zu Jerusalem, und die Kinder Juda konnten sie nicht vertreiben. Also blieben die Jebusiter mit den Kindern Juda zu Jerusalem bis auf diesen Tag.

Jebusiter: Welche von den Völkern des Landes Kanaan unter anderen auch noch übrig waren.

Vertreiben: Nämlich also gleich und bald, denn die Jebusiter sehr mächtig waren.

Diesen Tag: Nämlich da dies Buch Josua beschrieben wurde. Aber später hat sie mit der Zeit der König David vertrieben {2Sam 5}. Und ist es den Kindern Israel übel ausgeschlagen, dass sie der göttlichen Hilfe nicht getraut und die kanaanitischen Völker mit gebührendem Ernst nicht vertilgt haben, denn sie von ihnen immer zur Abgötterei sind verführt worden, um welcher Sünde willen sie später schwere Strafen leiden müssen. [So einen unglücklichen Ausgang pflegt es zu gewinnen, wenn man die menschlichen Anschläge, den ausdrücklichen Geboten Gottes vorzieht und allzu furchtsam mit der Sache umgeht.]


Das 16. Kapitel


1. Folgt der Ephraimiten Erbteils Beschreibung v. 1. 2. Welche aus einem unzeitigen Mitleiden die Kanaaniter zu Gaser nicht vertreiben, sondern zinsbar machen v. 10.

1. Und das Los fiel den Kindern Josephs vom Jordan gegen Jericho bis zum Wasser bei Jericho, von aufgangwärts, und die Wüste, die heraufgeht von Jericho durch das Gebirge Bethel;

Und das: Anfangs wird allgemein mit wenig Worte beschrieben, was für Land den Kindern Josef, nämlich den beiden Stämmen Ephraim und Manasse, durch das Los zugeteilt wurden: Danach werden insbesondere des Stammes Ephraim Grenzen bezeichnet.

Fiel: Nämlich in Austeilung des Landes Kanaan.

Vom Jordan: Da es seinen Anfang nahm.

Gegen Jericho: d. i. Nahe bei der Stadt Jericho.

Gebirge Beth El: Das ist: Welches Gebirge nahe vor Beth El liegt.

2. und kommt von Bethel heraus gen Lus und geht durch die Grenze Archi-Atharoths;

Lus: Einem Städtlein, also geheißen.

3. und zieht sich hernieder gegen abendwärts zu der Grenze Japhletis bis an die Grenze des niederen Beth-Horon und bis gen Gaser; und das Ende ist am Meer.

Niederen Beth Horon: Denn es sind zwei Städte gewesen, die den Namen Beth Horon gehabt, darum zum Unterschied eines das niedere und das anderer das obere Beth Horon genannt wurden.

Am Meer: Das ist: Der beiden Stämme Ephraim und Manasse Grenze ist auf der einen Seiten das Mittelländische Meer.

4. Das haben zum Erbteil genommen die Kinder Josephs, Manasse und Ephraim.

5. Die Grenze der Kinder Ephraims unter ihren Geschlechtern, ihres Erbteils von aufgangwärts, war Atharoth-Adar bis gen Oberen Beth-Horon;

Die Grenze: Jetzt wird insbesondere erklärt, welche des Stammes Ephraims Grenzen gewesen sind.

6. und geht aus gegen Abend bei Michmethath, die gegen Mitternacht liegt; dort lenkt sie sich herum gegen den Aufgang der Stadt Thaenath-Silo und geht da durch von aufgangwärts gen Janoha;

7. und kommt herab von Janoha gen Atharoth und Naaratha und stößt an Jericho und geht aus am Jordan.

8. Von Thapuah geht sie gegen abendwärts gen Nahal-Kana; und ihr Ende ist am Meer. Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Ephraims unter ihren Geschlechtern.

Meer: Nämlich am Salzmeer. Denn da endet die Grenze des Stammes Ephraim.

9. Und alle Grenzstädte samt ihren Dörfern der Kinder Ephraims waren gemengt unter dem Erbteil der Kinder Manasses.

Gemengt: Das ist: Weil der Stamm Ephraim sehr volkreich war, so sind ihm etliche Städte und Dörfer gegeben worden, die im Stamm Manasse gelegen waren: Weil der eine halbe Teil des Stammes Manasse jenseits des Jordans ein Erbteil besaß, dass deswegen der anderer halbe Teil Platz genug hatte, und den Ephraimiten wohl etliche Städte mitteilen könnte. [Denn es soll eine rechte Gleichheit, so viel dessen immer sein kann in den Teilungen gehalten werden, wie es die Gerechtigkeit mitbringt, und die Gesetze zulassen.]

10. Und sie vertrieben die Kanaaniter nicht, die zu Gaser wohnten. Also blieben die Kanaaniter unter Ephraim bis auf diesen Tag und wurden zinsbar.

Sie: Nämlich die vom Stamm Ephraim.

Zinsbar: Denn es haben die Ephraimiten sich an dem begnügen lassen, dass ihnen die Kanaaniter Tribut gegeben und ihrer Herrschaft unterworfen gewesen sind: Unterdes aber war diese Beiwohnung den Ephraimiten ihrer Religion halben sehr schädlich. Darum auch die Israeliten, deshalb ernstlich von Gott zu Rede gesetzt werden, dass sie die abgöttischen Völker, welche Gott auszurotten befohlen, nicht vertilgt hatten. [Aber wenn man nur von einem Ding einen Gewinn und Nutzen haben kann, so ist es alles gut. Darum man viel mehr darauf Acht zu geben pflegt, was einem in die Küche einträglich ist, als was Gott ausdrücklich zu tun befohlen hat. Es hat aber die christliche Kirche zwar jetziger Zeit keinen Befehl davon, dass man die Abgöttischen vertilgen soll: Aber doch ist es einer christlichen Obrigkeit auferlegt, dass sie die Abgötterei in ihrem Gebiet nicht leiden soll.]


Das 17. Kapitel


1. Des Stammes Manasse Los oder Erbteil wird beschrieben v. 1. 2. Und wird des Zelephehads Töchtern ein Stück Landes zum Erbteil übergeben v. 3. 3. Die Manasiter und Ephraimiter beklagen sich über ihr kleines Erbland: Da wird ihnen befohlen, sie sollen das Gebirge ausrotten und einnehmen, welches sie doch in ein Bedenken ziehe, weil sie sich vor der Kanaaniter Macht fürchten und wollen es nicht tun v. 14.

1. Und das Los fiel dem Stamm Manasse, denn er ist Josephs erster Sohn, und fiel auf Machir, den ersten Sohn Manasses, den Vater Gileads, denn er war ein streitbarer Mann; darum wurde ihm Gilead und Basan {4Mos 26v29 32v39 v40}.

Und das: Zu Anfang des vorigen Kapitels ist ein allgemeines, mit wenig Worten Anregung geschehen, von den Grenzen der Kinder Josef, nämlich der beider Stämme Ephraim und Manasse, und später gleich darauf insbesondere gesetzt, die Grenzen des Stammes Ephraim: Jetzt wird angezeigt, was der Stamm Manasse für Grenzen hatte.

Erster: Dem doch der Patriarch Jakob, seinen jüngeren Bruder, den Ephraim vorgezogen, da er den Segen über sie gesprochen {1Mos 48}.] [Denn es pflegt Gott, was vor der Welt verachtet ist, hervorzuziehen und zu erwählen, damit keiner, wenn er in dieser Welt verachtet wird, darum an seiner Seligkeit verzagen und denn auch, dass im Gegenteil seiner Gaben oder Vorzugs halben keiner stolziere.]

Fiel: Nämlich jenseits dem Jordan.

Vater: Denn Machir hat Gilead gezeugt {1Chr 8}.

Streitbar: Darum ihm als einem tapferen Kriegsmann und Helden sein gebührender Anteil Landes bei guter Zeit eingeräumt wurde, ehe die Israeliten über den Jordan zogen.

Und Basan: Wie bereits öfter mal gemeldet wurde, dass nämlich die eine Hälfte des Stammes Manasse sein Erbteil jenseits des Jordans empfangen.

2. Den anderen Kindern aber Manasses und ihren Geschlechtern fiel es auch, nämlich den Kindern Abiesers, den Kindern Heleks, den Kindern Asriels, den Kindern Sechems, den Kindern Hephers und den Kindern Semidas. Das sind die Kinder Manasses, des Sohnes Josephs, Mannsbilder unter ihren Geschlechtern.

Den anderen: Jetzt wird von dem anderen halben Teil des Stammes Manasse gehandelt, der diesseits des Jordans mit den neun Stämmen geerbt hat.

3. Aber Zelaphehad, der Sohn Hephers, des Sohnes Gileads, des Sohnes Machirs, des Sohnes Manasses, hatte keine Söhne, sondern Töchter; und ihre Namen sind diese: Mahela, Noa, Hagla, Milka, Thirza {4Mos 26v33 27v1 36v2}.

Söhne: Die in Empfang des Erbteils seine Stätte hätten können vertreten.

Thirza: Welchen fünf Schwestern man aus Gottes Befehl Erbe zu geben schuldig war, unter ihren Geschlechtsverwandten, als ob sie Mannspersonen gewesen, weil sie keine Brüder gehabt {4Mos 27}. Darum, da sie gesehen, dass man mit Austeilung des Erbes unter dem Stamm Manasse umgegangen, haben sie ihr Recht mit Stillschweigen nicht verscherzen wollen. [Denn die Rechte kommen denen zu Hilfe, die darauf achthaben.]

4. Und traten vor den Priester Eleasar und vor Josua, den Sohn Nuns, und vor die Obersten und sprachen: Der Herr hat Mose geboten, dass er uns sollte ein Erbteil geben unter unseren Brüdern. Und man gab ihnen ein Erbteil unter den Brüdern ihres Vaters, nach dem Befehl des Herrn.

Obersten: Welchen allen miteinander befohlen war, dass sie das Land Kanaan austeilen sollten.

Brüdern: Das ist: Geschlechts- und Stammesverwandten. Darum begehren wir, dass man unser nicht vergesse, damit wir nicht von unserem verheißenen Erbteil ausgeschlossen werden.

Man gab: [Denn was den Untertanen durch die zuvor verstorbene Obrigkeit verheißen, aber noch nicht geleistet ist, dass sollen ihre Nachkommen treulich ins Werk richten.]

5. Es fielen aber auf Manasse zehn Schnüre außerdem Lande Gilead und Basan, dass jenseits des Jordans liegt.

Schnüre: Das ist: Das Land, welches diesem Stamm zugefallen ist, in zehn Teile abgeteilt wurde, (denn man teilte die Äcker vorzeiten mit Schnüren ab, wie bei uns mit Ruten geschieht) und sind fünf Teile davon den Kindern Abieser, Helek, Afriel, Sechem und Semida zugekommen: Die übrigen fünf Teile aber Zelaphehads Töchtern heimgesprochen worden. Dass also diese armen verlassene Waisen und Jungfrauen ein reiches Heiratsgut von Gott empfangen haben, welchergestalt sie sich aber verheirateten und Männer nehmen sollen, findet man 4. Mose 36. [Denn gegen den Waisen soll man immer, so viel dessen sein kann, willfährig sich erzeigen.]

Jenseits: Welches Land nicht diesem halben Stamm, sondern dem anderen halben Teil gehört.

6. Denn die Töchter Manasses nehmen Erbteil unter seinen Söhnen, und das Land Gilead wurde den anderen Kindern Manasses.

Töchter: Das ist: Die Nachkömmlinge weiblichen Geschlechtes.

Namen: Nämlich in dem Lande, welches die Kinder Israel hatten eingenommen, nachdem sie über den Jordan gegangen waren.

Anderen: Nämlich dem anderen halben Stamm.

7. Und die Grenze Manasses war von Asser an gen Michmethath, die vor Sechem liegt, und langt zur Rechten an die von En-Thapuah.

Manasse: Nämlich des halben Teils der im Lande Kanaan geerbt.

8. Denn das Land Thapuah wurde Manasse; und ist die Grenze Manasses an die Kinder Ephraim.

9. Danach kommt sie herab gen Nahal-Kana gegen mittagwärts zu den Bachstädten, die Ephraims sind, unter den Städten Manasses; aber von Mitternacht ist die Grenze Manasses am Bach und endet sich am Meer,

Bachstädten: Das ist: Die am Bach gelegen sind.

Unter den: Denn zuvor ist gesagt, dass etliche Städte der Ephraimiter unter dem Stamm Manasse sind gelegen gewesen.

10. dem Ephraim gegen Mittag und dem Manasse gegen Mitternacht; und das Meer ist seine Grenze; und soll stoßen an Asser von Mitternacht und an Isaschar von Morgen.

Mitternacht: Das ist: Des Stammes Ephraim Land erstreckt sich längs hin am Meer, gegen dem Mittag zu, und des Stammes Manasse Land gegen Mitternacht.

Meer: Nämlich das Mittelländische.

11. So hatte nun Manasse unter Isaschar und Asser Beth-Sean und ihre Töchter, Jeblaam und ihre Töchter und die zu Dor und ihre Töchter und die zu En-Dor und ihre Töchter und die zu Thaanach und ihre Töchter und die zu Megiddo und ihre Töchter und das dritte Teil Napheths.

Unter: Das ist: Unter dem Erbteil der Kinder Isaschar und Asser sind dem Stamm Manasse, weil er sehr volkreich gewesen, noch die folgenden Städte übergeben worden.

Töchter: Das ist: Zugehörige Flecken und Dörfer.

Napheth: Welches vielleicht ein kleines Ländlein war.

12. Und die Kinder Manasse konnten diese Städte nicht einnehmen, sondern die Kanaaniter fingen an zu wohnen in demselben Lande.

Einnehmen: Nämlich dergestalt, dass sie die Einwohner daraus allerdings vertrieben und vertilgt hätten.

Zu wohnen: Auch wider der Israeliten willen. Denn es hat das Volk Gottes die Kanaaniter nicht aus einem solchen Glauben angefallen, wie sie wohl sollten. Und ließ es Gott geschehen, dass die Kanaaniter eine Zeit lang geduldet wurden, damit nicht das israelitische Volk, weil es in einem so großen und weiten Lande sich noch nicht genügend ausbreiten und einrichten konnte, von den wilden Tieren desselbige Landes Schaden empfinge {5Mos 7}.

13. Da aber die Kinder Israel mächtig geworden, machten sie die Kanaaniter zinsbar und vertrieben sie nicht.

Mächtig geworden: Das sie je länger je mehr zunahmen und sich mehrten.

Zinsbar: Welche unzeitige Gütigkeit, so dem Gebote Gottes ausdrücklich zuwider war, den Israeliten übel ausgeschlagen ist, weil sie sich von den Kanaanitern zur Abgötterei verführen lassen. [Denn es soll die Obrigkeit den Übeltätern nicht mehr Gnade erzeigen, als Gott selbst, der nie ungerecht und grausam, aber ernsthaft ist.]

14. Da redeten die Kinder Josef mit Josua und sprachen: Warum hast du mir nur ein Los und eine Schnur des Erbteils gegeben? Und ich bin doch ein großes Volk, wie mich der Herr so gesegnet hat.

Kinder Josef: Nämlich die Ephraimiter und Manasiter.

Sprachen: Dass sie ihm etlichermaßen vorgeworfen, als ob er das Land nicht recht oder weislich ausgeteilt hätte.

Schnur: Das ist: Ein Stück Landes.

Großes Volk: Dass es mir an der Menge kein Stamm bald vor tun wird, ja viel mehr ich es ihnen meistenteils zuvortue. [Denn man findet deren wenig, die sich an dem, was sie haben, genügen lassen: Und welche dazu geordnet wurden, dass sie Güter und Äcker teilen sollen, ob sie gleich die Sache aufs allertreulichste verrichten, so pflegen sie doch gewöhnlich nicht großen Dank davon zu bringen. Nichtsdestoweniger soll ein jeder das seine Tun, was ihm Amtes wegen obliegt.]

15. Da sprach Josua zu ihnen: Weil du ein großes Volk bist; so gehe hinauf in den Wald und haue um dort im Lande der Pheresiter und Riesen, weil dir das Gebirge Ephraim zu enge ist.

Bist: Deinem Vorbringen nach.

Haue um: Als wollte er sprechen: Weil dir von wegen der großen Menge Volkes das Land zu klein und zu wenig ist, welches ich dir bezeichnet habe, und du auf dem Gebirge Ephraim nicht Platz zu wohnen hast. So kannst du dir Raum genug machen, wenn du in der Pheresiter und Riesen Land willst, die Wälder umhauen und die unbebauten wüsten Orte wirst zum fruchtbaren Land und Acker machen, welche die Pheresiter und Riesen noch in ihrer Gewalt haben, darum du dir ein Ort zur Wohnung darin zurichten kannst, wenn dich es gelüstet.

16. Da sprachen die Kinder Josef: Das Gebirge werden wir nicht erlangen; denn es sind eiserne Wagen bei allen Kanaanitern; die im Tal des Landes wohnen, bei welchen liegt Beth-Sean und ihre Töchter und Jesreel im Tal.

Nicht erlangen: Als wollten sie sagen: Wir dürfen uns solches nicht unterstehen, dass wir die Wälder auf dem Gebirge wollten abhauen, welche den kanaanitischen Völkern zustehen, die wir wieder uns würden aufbringen, da wir ihnen alsdann viel zu schwach sein würden, weil sie mit eisernen Wagen zum Streit gerüstet sind. [Und sieht man hier, was für ein großes Misstrauen an der Hilfe Gottes in unserem Fleisch steckt, wenn wir gleich die allerherrlichsten göttlichen Verheißungen haben.]

Töchter: Das ist: Ihre zugehörigen Flecken und Dörfer.

17. Josua sprach zum Hause Josephs, zu Ephraim und Manasse: Du bist ein großes Volk, und weil du so groß bist, musst du nicht ein Los haben,

Josua: Der solchen Unglauben in den Israeliten nicht wollte stecken lassen.

Hause: Das ist: Zu des Josephs Nachkommen.

Groß Volk: Wie du selber bezeugst und bekennen musst.

18. sondern das Gebirge soll dein sein, da der Wald ist; den haue um, so wird er deines Loses Ende sein, wenn du die Kanaaniter vertreibst, die eiserne Wagen haben und mächtig sind.

Das Gebirge: Davon ich dir gesagt habe.

Haue um: So wirst du Platz genug zum Ackerbau und zur Wohnung haben.

Ende sein: Nämlich da der Wald aufhört. Denn also wird deine Grenze genug erweitert werden, dass du von dem kleinen Platz deines Erbteils keine rechte Ursache mehr haben kannst zu klagen.

Kanaaniter: Welche bisher sich der Besitzung desselben Gebirges angemaßt.

Mächtig: Denn du sollst dich deshalb nicht vor ihnen fürchten, weil du die göttliche Verheißung auf deiner Seite hast, dass er dir in Austreibung der Kanaaniter, wie mächtig sie auch sind, beistehen und behilflich sein wolle: So bist du auch durch Gottes Gnade stark und mächtig genug, sofern du nur nicht durch Unglauben und Misstrauen dir selbst im Wege stehst: Darum kann ich meinen ergangenen Ausspruch und Dekret, da ich dich geheißen das Gebirge einnehmen, nicht ändern. [Denn es soll eine Obrigkeit ihre ehrliche und rechte Dekrete um der Untertanen Leichtfertigkeit willen nicht aufheben: Und sollen die Kirchendiener ihre Zuhörer Misstrauen von der Güte Gottes strafen und verbessern, und sie aufmuntern, dass sie den göttlichen Verheißungen glauben.]


Das 18. Kapitel


1. Die Hütte des Stifts wird zu Silo aufgerichtet v. 1. 2. Und sendet Josua Männer aus die das übrige Land, so noch nicht durch das Los ausgeteilt wurde, beschreiben und verzeichnen sollen v. 3. 3. Wie solches geschehen, wird das Los zu Silo geworfen, und fällt das erste auf die Ben Jamiter, denen sechsundzwanzig Städte zukommen v. 10.

1. Und es versammelte sich die ganze Gemeinde der Kinder Israel gen Silo und richteten dort auf die Hütte des Stifts. Und das Land war ihnen unterworfen.

Hütte: Dazu sich die Israeliten finden und versammeln mussten, wenn sie dem Gottesdienst dienen wollten.

Unterworfen: Das ist: Obwohl noch viele Kanaaniter im gelobten Lande übrig waren, so durften sie sich doch nicht wider die Israeliten auflehnen, sondern waren entweder den Kindern Israel unterworfen, oder saßen zum wenigsten still: Wie nun die Israeliten also zur Ruhe kamen, haben sie diesen ihren ersten Reichstag im Lande Kanaan gehalten, an welchem sie die heilige Hütte aufgerichtet, dass darin der Gottesdienst geübt würde. [Und sollst dies auf den Land- oder Reichstagen das erste und vornehmste sein, darüber man Rat hält, dass die wahre Religion angerichtet, oder wo sie bereits im Schwange ging, erhalten würde.]

2. Und waren noch sieben Stämme der Kinder Israel, denen sie ihr Erbteil nicht ausgeteilt hatten.

Nicht ausgeteilt: Das ist: Sie hatte das Los noch nicht geworfen, damit sie wissen könnten, was für Länder ein jeglicher Stamm mit seinen Nachkommen besitzen sollte, so hatten sie auch ein gut Teil des versprochenen Landes noch nicht eingenommen. [Solche Fahrlässigkeit findet man noch bei vielen Christen, welche das verheißene, und im Evangelium aufgetragene Himmelreich anzunehmen, sich nicht groß achten.]

3. Und Josua sprach zu den Kindern Israel: Wie lange seid ihr so lass, dass ihr nicht hingeht, das Land einzunehmen, das euch der Herr, euer Väter Gott, gegeben hat?

Lass: [Denn es ist Gottes Freigiebigkeit in Austeilung der Güter größer als unser Fleiß, dass wir sie begehrten mit dankbarem Herzen anzunehmen.]

4. Schafft euch aus jeglichem Stamm drei Männer, dass ich sie sende, und sie sich aufmachen und durch das Land gehen und beschreiben es nach ihren Erbteilen und kommen zu mir.

Land: Welches durch das Los noch nicht geteilt ist.

Beschreibens: Das ist: Lasst sie den Augenschein von dem Lande einnehmen, welches noch in die sieben Stämme zu teilen übrig ist. Dass sie es verzeichnen und gleichsam entwerfen, wie man es in sieben Teile am besten abteilen könne.

Zu mir: Dass sie mir es vorzeigen, was sie beschrieben haben.

5. Teilt das Land in sieben Teile. Juda soll bleiben auf seiner Grenze von Mittag her, und das Haus Josef soll bleiben auf seiner Grenze von Mitternacht her.

Das Land: Wenn es beschrieben oder auf einer Tafel entworfen ist.

Sieben Teil: Auf dass danach die sieben Stämme das Los darüber werfen.

Bleiben: Das ist: Der Stamm Juda soll sein Erbteil behalten, dass ihm bereits zugesprochen wurde, und gegen dem Mittag gelegen ist.

Haus Josef: Das ist: Die beide Stämme Ephraim und Manasse sollen auch ihr Erbteil behalten, welches ihnen bereits gegen Mitternacht ist übergeben und eingeräumt wurde.

6. Ihr aber beschreibt das Land der sieben Teile und bringt sie zu mir hierher, so will ich euch das Los werfen vor dem Herrn, unserem Gott.

Das Land: Welches noch zu teilen übrig ist.

Bringt sie: Nämlich die sieben Teile, wenn ihr sie beschrieben habt.

Vor dem Herrn: Das ist: Öffentlich vor der Hütte des Stifts.

7. Denn die Leviten haben kein Teil unter euch, sondern das Priestertum des Herrn ist ihr Erbteil. Gad aber und Ruben und der halbe Stamm Manasse haben ihr Teil genommen jenseits des Jordans gegen dem Morgen, das ihnen Mose, der Knecht des Herrn, gegeben hat {4Mos 18v20 5Mos 10v9 18v2 Jos 13v14}.

Kein Teil: Das ist: Diese Sache geht den Stamm Levi nichts an, weil ihm kein besonderes Land zum Erbteil gebührt.

Priestertum: Das ist: Gleichwie die anderen Stämme von ihren Äckern ihr jährliches Einkommen und Nutzungen haben: Also sollen die Leviten von den Opfern ihren Unterhalt bekommen.

8. Da machten sich die Männer auf, dass sie hingingen. Und Josua gebot ihnen, da sie hin wollten gehen, das Land zu beschreiben, und sprach: Geht hin und durchwandert das Land und beschreibt es und kommt wieder zu mir, dass ich euch hier das Los werfe vor dem Herrn zu Silo.

Männer: Nämlich aus jeglichem Stamm drei.

Gebote: Nämlich abermals und zum Überfluss.

9. Also gingen die Männer hin und durchzogen das Land und beschrieben es auf einen Brief nach den Städten in sieben Teile; und kamen zu Josua ins Lager gen Silo.

Beschrieben es: Das ist: Sie haben ein Verzeichnis gemacht, nach der Beschaffenheit und Anzahl der Städte und haben es so viel immer möglich in sieben gleiche Teile abgeteilt.

10. Da warf Josua das Los über sie zu Silo vor dem Herrn und teilte dort das Land aus unter die Kinder Israel, einem jeglichen sein Teil.

Das Land: Welches noch übrig war.

Sein Teil: Wie es das Los einem jeden gab.

11. Und das Los des Stammes der Kinder Benjamin fiel nach ihren Geschlechtern, und die Grenze ihres Loses ging aus zwischen den Kindern Juda und den Kindern Josef.

12. Und ihre Grenze war an der Ecke gegen Mitternacht vom Jordan an und geht herauf an der Seite Jerichos von mitternachtwärts; und kommt aufs Gebirge gegen abendwärts und geht aus an der Wüste Beth-Aven;

Wüste: Das ist: Die Mitternachts-Grenze endet sich an der Wüste, die bei der Stadt Beth Aven liegt.

13. und geht von dort gen Lus, an der Seite her an Lus gegen mittagwärts, das ist Bethel, und kommt hinab gen Atharoth-Adar an dem Berge, der vom Mittag liegt an dem niederen Beth-Horon.

Das ist Bethel: Denn also wird dieselbe Stadt mit einem anderen Namen genannt.

Niederen: Zum Unterschied einer anderen Stadt, welche das ober Beth Horon genannt wird.

14. Danach neigt sie sich und lenkt sich um zur Ecke des Abends gegen Mittag von dem Berge, der vor Beth-Horon gegen mittagwärts liegt, und endet sich an Kiriath-Baal, das ist Kiriath-Jearim, die Stadt der Kinder Juda; das ist die Ecke gegen Abend.

15. Aber die Ecke gegen Mittag ist von Kiriath-Jearim an und geht aus gegen Abend und kommt hinaus zum Wasserbrunnen Nephthoah;

16. und geht herab an des Berges Ende, der vor dem Tal des Sohnes Hinnoms liegt, welches im Grunde Raphaim gegen Mitternacht liegt; und geht herab durch das Tal Hinnom an der Seite der Jebusiter am Mittag und kommt hinab zum Brunnen Rogel;

17. und zieht sich von mitternachtwärts und kommt hinaus gen En-Semes und kommt hinaus zu den Haufen, die gegen Adumim hinauf liegen, und kommt herab zum Stein Bohen, des Sohnes Rubens;

18. und geht zur Seite hin neben dem Gefilde, das gegen Mitternacht liegt, und kommt hinab aufs Gefilde;

19. und geht an der Seite Beth-Haglas, die gegen Mitternacht liegt, und ist sein Ende an der Zunge des Salzmeers gegen Mitternacht an dem Ort des Jordans gegen Mittag. Das ist die Mittagsgrenze.

Zunge: Das ist: Da ein Arm vom Salzmeer (welches auch das Tote Meer genannt wird) sich ausstreckt.

Jordans: Das ist: Da der Jordan ins Salzmeer fällt, welcher Einfluss gegen Mittag ist.

20. Aber die Ecke gegen Morgen soll der Jordan enden. Das ist das Erbteil der Kinder Benjamin in ihren Grenzen umher unter ihren Geschlechtern.

21. Die Städte aber des Stammes der Kinder Benjamin, unter ihren Geschlechtern sind diese: Jericho, Beth-Hagla, Emek-Reziz,

22. Beth-Araba, Zemaraim, Bethel.

23. Avim, Hapara, Ophra,

24. Kaphar-Amonai, Aphni, Gaba. Das sind zwölf Städte und ihre Dörfer.

25. Gibeon, Rama, Beeroth,

26. Mizpe, Kaphira, Moza,

27. Rekem, Jerpeel, Thareala,

28. Zela, Eleph und die Jebusiter, das ist Jerusalem, Gibeath, Kiriath: vierzehn Städte und ihre Dörfer. Das ist das Erbteil der Kinder Benjamin in ihren Geschlechtern.

Erbteil: Es ist aber dieses genaue und fleißige Verzeichnis der Grenzen und Städte eines jeden Stammes den Kindern Israel sehr nützlich gewesen. Denn wenn irgend der Grenzen halben ein Streit entstanden, so haben die Regenten des Josua Nachkommen aus diesem Buch die Parteien können entscheiden. [Und soll man bei der Kanzlei gute gerechte Lagerbücher haben. Denn es ist besser mit Briefen um die Grenzen kriegen, als mit Waffen.]


Das 19. Kapitel


1. Der Stämme Simeon Sebulon Isaschar Asser Naphthali und Dan Los und Erbteil werden beschrieben v. 1. 2. Wie nun das ganze Land ausgeteilt gewesen, da begehrt Josua allererst einen gelegenen Ort zu seiner Besitzung, nämlich die Stadt Thimnath Serah auf dem Gebirge Ephraim v. 49.

1. Danach fiel das andere Los des Stammes der Kinder Simeon nach ihren Geschlechtern; und ihr Erbteil war unter dem Erbteil der Kinder Juda.

Unter dem: Das ist: Es sind ihnen unter dem Stamm Juda hin und wieder etliche Städte und Flecken zugesprochen worden. Denn es hatte der Patriarch Jakob {1Mos 49} von diesem Stamm zuvor verkündigt: Ich will sie zuteilen in Jakob und zerstreuen in Israel: Derselbe Fluch, welchen der Erzvater dieses Stammes Simeon durch der Sichimiter unrechten Mord verschuldet hatte {1Mos 34}, wird jetzt erfüllt. [Sollen deswegen die Eltern sich der Gottseligkeit bemühen auf, dass sie nicht mit ihren Lastern auch ihren Nachkommen schaden.]

2. Und es wurde ihnen zum Erbteil Beer-Seba, Seba, Molada,

3. Hazar-Sual, Bala, Azem,

4. El-Tholad, Bethul, Horma,

5. Ziklag, Beth-Markaboth, Hazar, Sussa,

6. Beth-Lebaoth, Saruhen. Das sind dreizehn Städte und ihre Dörfer.

Städte: Darunter ohne Zweifel ein vornehmes Dorf mit eingerechnet wird, damit die Zahl zutreffe.

7. Ain, Rimon, Ether, Asan. Das sind vier Städte und ihre Dörfer.

8. Dazu alle Dörfer, die um diese Städte liegen, bis gen Baalath-Beer-Ramath gegen Mittag. Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Simeon in ihren Geschlechtern.

9. Denn der Kinder Simeon Erbteil ist unter der Schnur der Kinder Juda. Weil das Erbteil der Kinder Juda ihnen zu groß war, darum erbeten die Kinder Simeon unter ihrem Erbteil.

Schnur: Das ist: Unter dem Erbteil, welches dem Stamm Juda mit der Schnur zugemessen wurde: Weil man vorzeiten die Güter mit der Schnur abmaß und abteilte, wie bei uns mit Ruten geschieht.

Groß: Denn die Kinder Juda hatten zu ihrem Anteil mehr Landes, als sie bedurften.

Erbeten: Und haben müssen für gut nehmen mit dem, dass die Kinder Juda nicht gemocht. [Wir sollen aber auch das Geringe, so uns Gott beschert, mit Dank annehmen.]

10. Das dritte Los fiel auf die Kinder Sebulon nach ihren Geschlechtern; und die Grenze ihres Erbteils war bis gen Sarid;

Sarid: Das: Sie reichte auf der einen Seiten bis zu der Stadt Sarid.

11. und geht hinauf zu abendwärts gen Mareala und stößt an Dabaseth und stößt an den Bach, der vor Jakneam fließt;

12. und wendet sich von Sarid gegen der Sonnen Aufgang bis an die Grenze Kisloth-Thabor; und kommt hinaus gen Dabrath und langt hinauf gen Japhia.

Wendet sich: Nämlich auf der anderen Seite.

13. Und von dort geht sie gegen den Aufgang durch Gitta-Hepher, Itha, Kazin und kommt hinaus gen Rimon-Mithoar und Nea;

14. und lenkt sich herum von Mitternacht gen Nathon und endet sich im Tal Jephthah-El,

15. Katath, Nahalal, Simron, Jedeala und Bethlehem. Das sind zwölf Städte und ihre Dörfer.

Bethlehem: Welches ein anderes ist, von dem so im Stamm Juda gelegen, darin Christus geboren wurde.

Städte: Welche meines Erachtens gewesen sind Sarid, Dabaseth, Cißloth, Thabor, Dabrath, Rimon, Mithoar, Nea, Katath, Nahalal, Simron, Jedeala und Bethlehem.

16. Das ist das Erbteil der Kinder Sebulon in ihren Geschlechtern; das sind ihre Städte und Dörfer.

17. Das vierte Los fiel auf die Kinder Isaschar nach ihren Geschlechtern.

18. Und ihre Grenze war Jesreel, Chesulloth, Sunem,

19. Hapharaim, Sion, Anaharath,

20. Rabith, Kiseon, Abez,

21. Remeth, En-Gannim, En-Hada, Beth-Pazez;

22. und stößt an Thabor, Sahazima, Beth-Semes; und ihr Ende ist am Jordan. Sechzehn Städte und ihre Dörfer.

Thabor: Eine Stadt, die nicht weit vom Berge Thabor gelegen.

Jordan: Nämlich da er durch den See Genezareth läuft, nahe bei der Stadt Bethabara.

23. Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Isaschar in ihren Geschlechtern, Städten und Dörfern.

24. Das fünfte Los fiel auf den Stamm der Kinder Asser nach ihren Geschlechtern.

25. Und ihre Grenze war Helkath, Hali, Beten, Achsaph.

Grenze war: Das ist: Die später gesetzten Städte wurden in ihren Grenzen begriffen.

26. Alamelech, Amead, Miseal; und stößt an den Karmel am Meer und an Sihor-Libnath;

Carmel: Da der Berg Karmel sich zu dem Mittelländischen Meer naht.

27. und wendet sich gegen der Sonnen Aufgang gen Beth-Dagon und stößt an Sebulon und an das Tal Jephthah-El, an die Mitternacht Beth-Emek, Negiel; und kommt hinaus zu Kabul zur Linken,

28. Ebron, Rehob, Hammon, Kana bis an Groß-Zidon;

Zidon: Welches eine vortreffliche Kaufstadt gewesen, am Mittelländischen Meer gelegen.

29. und wendet sich gen Rama bis zu der festen Stadt Zor; und wendet sich gen Hossa und endet sich am Meer der Schnur nach gen Achsib,

Zor: So auch eine Kaufstadt gewesen, am selben Meer gelegen, heißt sonst Tyrus.

Meer: Nämlich an dem Mittelländischen Meer.

30. Uma, Aphek, Rehob. Zweiundzwanzig Städte und ihre Dörfer.

Zweiundzwanzig: Also dass man die beide Kaufstädte Zidon und Zor (das ist Sidon und Tyrus) davon aussondere, denn die beide von den Israeliten nie eingenommen wurden. Und bleiben danach die zweiundzwanzig Städte übrig, so dem Stamm Asser heimgefallen.

31. Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Asser in ihren Geschlechtern, Städten und Dörfern.

32. Das sechste Los fiel auf die Kinder Naphthali in ihren Geschlechtern.

33. Und ihre Grenzen waren von Heleph, Elon, durch Zaenannim, Adami-Nekeb, Jabneel bis gen Lakum und endet sich am Jordan;

34. und wendet sich zum Abend gen Asnoth-Thabor und kommt von dort hinaus gen Hukok; und stößt an Sebulon gegen Mittag und an Asser gegen Abend und an Juda am Jordan gegen der Sonnen Aufgang;

35. und hat feste Städte: Zidim, Zer, Hamath, Rakath, Cinnereth,

36. Adama, Rama, Hazor,

37. Kedes, Edrei, En-Hazor,

38. Jereon, Migdal-El, Harem, Beth-Anath, Beth-Sames. Neunzehn Städte und ihre Dörfer.

Dörfer: Deren etliche unter die Namen der vorgesetzten Orte, ohne Zweifel mit namhaft gemacht werden, denn sonst die Zahl der Städte nicht zutreffen würde.

39. Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Naphthali in ihren Geschlechtern, Städten und Dörfern.

40. Das siebte Los fiel auf den Stamm der Kinder Dan nach ihren Geschlechtern.

41. Und die Grenze ihres Erbteils waren Zarea, Esthaol, Irsames,

Waren: Das ist: Zu ihrem Erbteil gehörten diese nachfolgenden Städte.

42. Saelabin, Ajalon, Jethla,

43. Elon, Thimnatha, Ekron,

44. Eltheke, Gibethon, Baalath,

45. Jehud, Bne-Barak, Gath-Rimon,

46. Me-Jarkon, Rakon mit den Grenzen gegen Japho.

47. Und an denselben endet sich die Grenze der Kinder Dan. Und die Kinder Dan zogen hinauf und stritten wieder Lesem und gewannen und schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes; und nahmen sie ein und wohnten darin; und nannten sie Dan nach ihres Vaters Namen.

Lesem: Das ist: Welche Stadt nicht unter die vorigen zu rechnen ist.

Schärfe: Das ist: Sie haben alle Einwohner darin totgeschlagen.

Vaters: Nämlich ihres Erzvaters. Und wird vielleicht hier die Geschichte berührt, welche im Buch der Richter Kapitel 18 steht. Dass nämlich der Stamm Dan sein Land, welches ihm durch das Los zugefallen, aus der acht gelassen und die Stadt Lesem oder Lais überfallen und eingenommen habe. Denn im oben angezogenen Kapitel wird ausdrücklich gemeldet, dass dieser Stamm sein Erbteil noch zu den Zeiten der Richter nicht besessen. Haben also die Daniter das Land, welches sie auf dem Befehl Gottes einnehmen sollen, fahren lassen und die Stadt an sich gebracht, darum ihnen Gott nichts geboten hatte. [Also ist es mit der verdorbenen menschlichen Natur beschaffen: Was Gott für Werke tun und verrichten heißt, dieselben verachten die Heuchler und sind ihnen nicht gut genug: Nehmen aber dagegen andere Werke vor, davon ihnen nichts befohlen ist. Welche verkehrte Art Christus schilt und verwirft {Mt 15}. Also tun auch etliche, die dergleichen Nutzungen und Einkommen, so sie mit gutem Fug und Recht haben, könnten fahren lassen und unterdes anderen Gewinnen nachtrachten, die sie doch mit guten Gewissen nicht besitzen mögen.]

48. Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Dan in ihren Geschlechtern, Städten und Dörfern.

Erbteil: Wie es nämlich zuvor beschrieben wurde und die Kinder Dan hätten einnehmen sollen, welches sie doch zu tun nicht wahrgenommen.

49. Und da sie das Land ganz ausgeteilt hatten, mit seinen Grenzen, gaben die Kinder Israel Josua, dem Sohn Nuns, ein Erbteil unter ihnen.

Sie: Nämlich Josua und Eleasar samt dem obersten der Stämme und den Vornehmsten im Volk.

Gaben: Nämlich ohne und außer dem Los. Also, dass Josua nicht allererst dürfe das Los darüber werfen lassen und erwarten, was ihm zufiele, sondern er hat sich selber mögen einen gelegenen Ort aussehen und ernennen, den ihm die Kinder Israel gern gegönnt und eingeräumt.

Unter ihnen: Nämlich mitten im Lande Kanaan. Den er mit seiner Standhaftigkeit solchen Vorzug wohl verdient hatte, da er bei des Mose Lebzeiten mit dem Kaleb das Land Kanaan erkundet.

50. Und gaben ihm nach dem Befehl des Herrn die Stadt, die er forderte, nämlich Thimnath-Serah auf dem Gebirge Ephraim. Da baute er die Stadt und wohnte darin.

Herren: Der befohlen hatte, dass man ihm seine Treue vergelten und belohnen sollte.

Baute: Das ist: Er hat sie wieder ausgebessert und erweitert. [Es ist aber diese, des Josua Bescheidenheit, besonders an ihm zu loben gewesen, dass er allen Stämmen ihre Länder und Erbteil zueignet, ehe denn er die Belohnung seiner Tugend, nämlich eine Stadt außerhalb des Loses begehrt, davon zu bringen. Mit welchem Beispiel er die, so im Stande der Obrigkeit sind, hat lehren wollen, dass sie ihren eigenen Nutzen und Privatsachen den allgemeinen Regimentsgeschäften nicht vorziehen sollen.]

51. Das sind die Erbteile, die Eleasar, der Priester, und Josua, der Sohn Nuns, und die Obersten der Väter unter den Geschlechtern durch das Los den Kindern Israel austeilten zu Silo vor dem Herrn, vor der Tür der Hütte des Stifts; und vollendeten also das Austeilen des Landes.

Der Väter: Das ist: Die Vornehmsten und Ansehnlichsten unter den zwölf Stämmen.

Kindern Israel: Nämlich den zehn halben Stämmen, so diesseits des Jordans geerbt, denn was die andere dritthalben Stämme Ruben, Gad und den halben Stamm Manasse betrifft, hatten dieselben ihr Erbteil von Mose zuvor empfangen.

Der Tür: Das ist: Sie haben das Land bei der Hütte des Stifts durch das Los ausgeteilt, weil Gott seine Gegenwart darin zu offenbaren pflegte. Damit sie wollen zu verstehen geben, dass sie die Sache in der Furcht Gottes und gleichsam vor dem Angesicht Gottes ohne falschen und einigen Betrug abhandeln. [Also soll eine christliche Obrigkeit sich auch keine anderen Gedanken machen. Denn dass sie alle Sachen vor den Augen Gottes, dem nichts verborgen ist, verrichte: Als denn wird es geschehen, dass sie ihrem Amt recht begehrt abzuwarten, und nichts aus Gunst oder Hass tun, noch ihren besonderen Begierden nachhängen und denselben Platz gebe.]

Vollendeten: Das ist: Sie haben aufgehört und ein Ende an der Sachen gemacht.


Das 20. Kapitel


1. Gott befiehlt, dass man acht Städte aussondern soll, dahin einer fliehen möge, der einen Menschen unversehens und nicht vorsätzlicherweise umgebracht hat.

1. Und der Herr redete mit Josua und sprach:

2. Sage den Kindern Israel: Gebet unter euch Freistädte, davon ich durch Mose euch gesagt habe,

3. dahin fliehen möge ein Totschläger, der eine Seele unversehens und unwissend schlägt, dass sie unter euch frei sind vor dem Bluträcher.

Bluträcher: Das ist: Damit nicht ein Verwandter des Erschlagenen den Totschläger ungefähr antreffe und ihn wieder erwürge.

4. Und der da flieht zu der Städte einer, soll stehen außen vor der Stadt Tor und vor den Ältesten der Stadt seine Sache ansagen; so sollen sie ihn zu sich in die Stadt nehmen und ihm Raum geben, dass er bei ihnen wohne.

Ansagen: Dass er ihnen allen Handel erkläre, wie es ihm gegangen, damit sie urteilen können, ob er der Freiheit fähig sei, und da sich es befindet, dass er unversehens dahintergekommen, so sollen sie ihn nicht ausschließen, sondern in die Stadt gehen lassen. [Sind deswegen die Freiheiten etlicher Städte, für die Flüchtigen, so nicht aus vorsätzlichen Mutwillen gesündigt, Gottes Ordnung dem menschlichem Geschlechter zu Nutzen und Gutem.]

5. Und wenn der Bluträcher ihm nachjagt, sollen sie den Totschläger nicht in seine Hände übergeben, weil er unwissend seinen Nächsten geschlagen hat und ist ihm zuvor nicht feind gewesen.

Bluträcher: Des erschlagenen Verwandten.

Nachjagt: Und begehrt, dass man ihn zur angemessenen Strafe herausgeben soll.

Zuvor: Vor dem begangenen Totschlag. Darum es vielmehr ein unvorsehbarer Zufall als vorsätzliche Bosheit gewesen. [Denn obwohl die Taten zum Öfteren gleich sind, so macht doch des Täters Vorsatz einen großen Unterschied dazwischen, also dass von wegen der ungleichen Umstände, unter zwei die eine gleiche Tat begangen, der eine recht losgesprochen, der anderer aber richtig gestraft wird.]

6. So soll er in der Stadt wohnen, bis dass er stehe vor der Gemeinde vor Gericht, bis dass der Hohepriester sterbe, der zur selben Zeit sein wird. Alsdann soll der Totschläger wiederkommen in seine Stadt und in sein Haus, zur Stadt, davon er geflohen ist.

Vor Gericht: Das ist: Bis dass es dem israelitischen Volk gelegen sein wird, dass sie ihm mit einem sicheren Geleit zum Rechten fordern lassen. Aber vom Rechte keine Sicherheit geben. Und soll die Obrigkeit sich der Sachen erkundigen, ob er ungefähr und wider seinen Willen oder aber vorsätzlicherweise und mit Willen den Erschlagenen umgebracht habe. Und da sich es befinden würde, dass er den Totschlag aus einem Frevel und Mutwillen begangen, so sollen sie ihn zur Strafe ziehen und nicht wieder zu der Freistadt kommen lassen. Geben es aber alle Umstände, dass der Totschlag ungefähr geschehen, so sollen sie den Täter mit einem sicheren Geleit wiederum zu der Freistadt schicken. [Und ist aus diesem Ort zu sehen, wie hoch der Totschlag unserem Herrn Gott zuwider sei, weil er auch die versehenen Totschläger mit so langwierigem Elend und Verweisung gestraft hat, nämlich bis der Hohepriester gestorben. Gleichwie aber die Totschläger nicht durften wieder in ihr Vaterland kommen, der Hohepriester wäre denn gestorben: Also hätten wir sündige Menschen keinen freien Zugang zu dem himmlischen Vaterland, wo nicht unsere Hohepriester für uns am Kreuz gestorben wäre.]

7. Da heiligten sie Kedes in Galiläa auf dem Gebirge Naphthali; und Sechem auf dem Gebirge Ephraim; und Kiriath-Arba, das ist Hebron, auf dem Gebirge Juda.

Heiligten: Das ist: Sie haben die nachfolgenden Freistädte für die Totschläger ernannt und ausgesondert.

8. Und jenseits des Jordans, da Jericho liegt, gegen dem Aufgang, gaben sie Bezer in der Wüste auf der Ebene aus dem Stamm Ruben; und Ramoth in Gilead aus dem Stamm Gad; und Golan in Basan aus dem Stamm Manasse {5Mos 4v43}.

9. Das waren die Städte, bestimmt allen Kindern Israel und den Fremdlingen, die unter ihnen wohnten, dass dahin fliehe, wer eine Seele unversehens schlägt, dass er nicht sterbe durch den Bluträcher, bis dass er vor der Gemeinde gestanden sei.

Bluträcher: Der dem Erschlagenen verwandt ist.

Gestanden: Und bis das ganze Volk Israel auf Erkenntnis der Obrigkeit das Urteil ausspreche, ob er den Tod verschuldet oder ob man ihn lossprechen soll.


Das 21. Kapitel


1. Die Israeliten geben den Leviten (so in drei vornehmen Geschlechter abgeteilt wurden) nach dem Befehl Gottes etliche Städte, samt ihren Vorstädten v. 1. 2. Haben also die Israeliten im Lande Kanaan, nachdem es unter die Stämme ausgeteilt wurde, einen gelegenen und sicheren Ort zur Wohnung bekommen, wie ihnen Gott verheißen hatte v. 43.

1. Da traten herzu die obersten Väter unter den Leviten zu dem Priester Eleasar und Josua, dem Sohn Nuns, und zu den obersten Vätern unter den Stämmen der Kinder Israel;

Da traten: Demnach im 4. Buch Mose, Kapitel 3, Gott geboten hatte, dass man den Leviten, weil sie sonst kein Erbteil im Lande Kanaan empfingen, hin und wieder unter den anderen israelitischen Stämmen etliche Städte zur Wohnung eingeben sollte, samt derselben Vorstädte zu ihres Viehs Unterhaltung: So wird jetzt beschrieben, was für Städte einem jeden levitischen Geschlecht sein zugestellt wurde.

2. und redeten mit ihnen zu Silo im Lande Kanaan und sprachen: Der Herr hat geboten durch Mose, dass man uns Städte geben soll, zu wohnen, und derselben Vorstädte zu unserem Vieh {4Mos 35v2}.

Geben soll: Darum, weil einem jeden Stamm sein Erbteil durch das Los nunmehr zugesprochen wurde, so gelangt unsere Bitte an euch, ihr wolltet unser auch nicht vergessen und uns Städte eingeben, darin wir wohnen können. [Es sind aber die Leviten darum nicht für geizig zu schelten, weil sie um das anhalten, was ihnen gebührt: Gleichwie es auch heutzutage den Kirchendienern mit keiner Gerechtigkeit kann für einen Geiz zugemessen werden, wenn sie ihre angemessene Besoldung fordern.]

3. Da gaben die Kinder Israel den Leviten von ihren Erbteilen nach dem Befehl des Herrn diese Städte und ihre Vorstädte.

Diese Städte: Wie sie später namhaft gemacht werden. Denn es konnten nicht alle Leviten immerdar und zugleich bei der Hütte des Stifts dienen, und die zu demselben Dienst gebraucht wurden, mussten dennoch auch ihre Wohnungen haben für sich und ihr Personal. Und ist wohl glaubhaft, dass dieselben Städte nicht allein von den Leviten zur Wohnung sind gebraucht worden, sondern gleichsam auch Schulen gewesen, darin man die jungen Leviten unterrichtet, wie sie das Gesetz recht erklären und den Gottesdienst gebührlich dienen sollen, von dort sie später zur Verwaltung des Gottesdienstes zu seiner Zeit berufen wurden. Darum haben die anderen Israeliten den Leviten gutwillig und gerne etliche Städte in ihren Erbteilen übergeben. [Welchen Israeliten heutigentags sehr ungleich sind, die der Kirche entwenden und davon wegnehmen zu ihrer eigenen Nutzung, was ihre Voreltern zu des Kirchenamtes Unterhaltung vorzeiten gestiftet haben. Dieselben verwüsten die Kirche und heben den Gottesdienst auf, so viel an ihnen ist.]

4. Und das Los fiel auf das Geschlecht der Kahathiter, und wurden den Kindern Aarons, des Priesters, aus den Leviten durch das Los dreizehn Städte: von dem Stamm Juda, von dem Stamm Simeon und von dem Stamm Benjamin.

Geschlechter: Denn der ganze Stamm Levi ist in drei vornehme Geschlechter abgeteilt worden. Als da sind gewesen Kahath, Gerson und Merari. Und ist bei des Kahaths Geschlecht, in des Aarons Linie das Hohepriestertum geblieben, darum sind des Aarons Nachkommen zuvorderst etliche Städte zuerkannt, und danach allererst die anderen Leviten, so auch zu des Kahaths Geschlecht gehörte, bedacht wurden. [Und wie des Aarons Geschlecht das erste gewesen unter den Leviten, so seine Städte empfangen: Also hat unsere Hohepriester Christus überall den Vorzug.]

Durch das Los: Und das darum, damit sich kein Teil der Unrecht oder Ungleichheit zu beklagen hätte, es wären es gleich die Israeliten oder Leviten.

Dreizehn: Deren Namen noch in diesem Kapitel bald später folgen werden.

5. Den anderen Kindern aber Kahaths, desselben Geschlechts, wurden durch das Los zehn Städte: von dem Stamm Ephraim, von dem Stamm Dan und von dem halben Stamm Manasse.

Anderen: Die nicht vom Aaron hergekommen waren.

Zehn: Von denen an seinem Ort folgen wird.

6. Aber den Kindern Gersons, desselben Geschlechts, wurden durch das Los dreizehn Städte: von dem Stamm Isaschar, von dem Stamm Asser und von dem Stamm Naphthali und von dem halben Stamm Manasse zu Basan.

7. Den Kindern Meraris, ihres Geschlechts, wurden zwölf Städte: von dem Stamm Ruben, von dem Stamm Gad und von dem Stamm Sebulon.

8. Also gaben die Kinder Israel den Leviten durch das Los diese Städte und ihre Vorstädte, wie der Herr durch Mose geboten hatte.

Vorstädte: Zu denen auch der nächstherum gelegene Acker gehört hat, für der Leviten Vieh darauf zu weiden {4Mos}.

9. Von dem Stamm der Kinder Juda und von dem Stamm der Kinder Simeon gaben sie diese Städte, die sie mit ihrem Namen nannten,

Von dem: Jetzt werden die Städte mit Namen nacheinander erzählt, welche einem jedem Geschlecht der Leviten durch das Los heimgefallen sind.

Nannten: Damit später keine Ursache zu Zank und Missverstand könnte gesucht werden.

10. den Kindern Aarons, des Geschlechts der Kahathiter, aus den Kindern Levi; denn das erste Los war ihr {1Chr 7v54}.

11. So gaben sie ihnen nun Kiriath-Arba, die des Vaters Enaks war, das ist Hebron, auf dem Gebirge Juda, und ihre Vorstädte um sie her {1Chr 7v55 v56}.

Enak: Eines Riesen, der also geheißen und drei Söhne gehabt, so auch Riesen gewesen, und von Kaleb später sind vertrieben worden. Davon oben in Kapitel 15.

Hebron: Mit einem anderen Namen also genannt.

12. Aber den Acker der Stadt und ihre Dörfer gaben sie Kaleb, dem Sohn Jephunnes, zu seinem Erbe {Jos 14v14}.

Acker: Was nämlich über zweitausend Ellen von den Vorstädten abgelegen war. Denn die Stadt an ihr selbst samt den Vorstädten und nächst umliegendem Acker ist den Leviten durch das Gesetz zugesprochen worden {4Mos 35}.

13. Also gaben sie den Kindern Aarons, des Priesters, die Freistadt der Totschläger, Hebron und ihre Vorstädte, Libna und ihre Vorstädte,

Freistadt: Von welchen Freistädten im nächst vorgehendem Kapitel Meldung geschehen.

14. Jathir und ihre Vorstädte, Esthemoa und ihre Vorstädte,

15. Holon und ihre Vorstädte, Debir und ihre Vorstädte,

16. Ain und ihre Vorstädte, Juta und ihre Vorstädte, Beth-Semes und ihre Vorstädte; neun Städte von diesen zwei Stämmen.

17. Von dem Stamm Benjamin aber gaben sie vier Städte: Gibeon und ihre Vorstädte, Geba und ihre Vorstädte,

Gaben sie: Nämlich die Israeliten des Aarons Kindern und Nachkommen.

18. Anathoth und ihre Vorstädte, Almon und ihre Vorstädte,

19. dass alle Städte der Kinder Aarons, des Priesters, waren dreizehn mit ihren Vorstädten.

20. Den Geschlechtern aber der anderen Kinder Kahaths, den Leviten, wurden durch ihr Los vier Städte von dem Stamm Ephraim.

Anderen: Die nicht priesterliches Stammes und Herkommens waren und deshalb unter die andere Gemeinde Leviten gerechnet wurden.

21. Und gaben ihnen die Freistadt der Totschläger, Sechem und ihre Vorstädte auf dem Gebirge Ephraim, Geser und ihre Vorstädte,

22. Kibzaim und ihre Vorstädte, Beth-Horon und ihre Vorstädte.

23. Von dem Stamm Dan vier Städte: Eltheke und ihre Vorstädte, Gibthon und ihre Vorstädte,

24. Ajalon und ihre Vorstädte, Gath-Rimon und ihre Vorstädte.

25. Von dem halben Stamm Manasse zwei Städte: Thaenach und ihre Vorstädte, Gath-Rimon und ihre Vorstädte,

Gath Kimon: Ist doch nicht eine Stadt, mit der vorigen im Stamm Dan gelegen, sondern eine andere.

26. dass alle Städte der anderen Kinder des Geschlechts Kahath waren zehn mit ihren Vorstädten.

27. Den Kindern aber Gersons aus den Geschlechtern der Leviten wurden gegeben von dem halben Stamm Manasse zwei Städte: die Freistadt für die Totschläger, Golan in Basan und ihre Vorstädte, Beesthra und ihre Vorstädte.

Manasse: Jenseits des Jordans.

28. Von dem Stamm Isaschar vier Städte: Kision und ihre Vorstädte, Dabrath und ihre Vorstädte,

29. Jarmuth und ihre Vorstädte, En-Gannim und ihre Vorstädte.

30. Von dem Stamm Asser vier Städte: Miseal und ihre Vorstädte, Abdon und ihre Vorstädte,

31. Helkath und ihre Vorstädte, Rehob und ihre Vorstädte.

32. Von dem Stamm Naphthali drei Städte: die Freistadt Kedes für die Totschläger in Galiläa und ihre Vorstädte, Hammoth-Dor und ihre Vorstädte, Karthan und ihre Vorstädte,

33. dass alle Städte des Geschlechts der Gersoniter waren dreizehn mit ihren Vorstädten.

34. Den Geschlechtern aber der Kinder Meraris, den anderen Leviten, wurden gegeben von dem Stamm Sebulon vier Städte: Jakneam und ihre Vorstädte, Kartha und ihre Vorstädte,

35. Dimna und ihre Vorstädte, Nahalal und ihre Vorstädte.

36. Von dem Stamm Ruben vier Städte: Bezer und ihre Vorstädte, Jahza und ihre Vorstädte,

37. Kedemoth und ihre Vorstädte, Mephaath und ihre Vorstädte.

38. Von dem Stamm Gad vier Städte: die Freistadt für die Totschläger, Ramoth in Gilead und ihre Vorstädte,

39. Mahanaim und ihre Vorstädte, Hesbon und ihre Vorstädte, Jaeser und ihre Vorstädte,

40. dass aller Städte der Kinder Meraris unter ihren Geschlechtern, der anderen Leviten, nach ihrem Los waren zwölf.

41. Aller Städte der Leviten unter dem Erbe der Kinder Israel waren achtundvierzig mit ihren Vorstädten.

Erbe: Die hin und wieder unter den Erbteilen der israelitischen Stämme gelegen waren.

42. Und eine jegliche dieser Städte hatte ihre Vorstadt um sich her, eine wie die andere.

43. Also gab der Herr dem Israel alles Land, das er geschworen hatte, ihren Vätern zu geben; und sie nahmen es ein und wohnten darin {1Mos 12v7 13v17 15v18 26v3 28v13 5Mos 34v4}.

Gab: Und hat die Verheißung erfüllt, so er ihren Vätern getan. Sie aber, die heiligen Erz-Väter, haben dasselbe Land meistenteils im Glauben besessen, weil sie wussten, dass ihre Nachkommen solches gewisslich bekommen würden.

44. Und der Herr gab ihnen Ruhe von allen umher, wie er ihren Vätern geschworen hatte; und stand ihrer Feinde keiner wider sie, sondern alle ihre Feinde gab er in ihre Hände.

Ruhe: Also dass sie sich vor den benachbarten Völkern keiner Gefahr zu besorgen hatten.

Wider sie: Weil sie dieses Volkes Stärke und Macht mit ihrem großen Schaden erfahren hatten.

Alle: Die sich ihnen widersetzt hatten.

45. Und es fehlte nichts an allem Guten, das der Herr dem Hause Israel geredet hatte. Es kam alles.

Fehlte nichts: Denn obwohl die Israeliten noch bei des Josua Lebzeiten das Land Kanaan nicht ganz erobert hatten, wie das Buch der Richter bezeugt, so war doch das Land durch das Los unter sie ausgeteilt, und stand ihnen Gott mit seiner Hilfe bei, sooft sie wieder die kanaanitischen Völker Kriege führten, dass sie dieselben überwunden, und ein Stück nach dem anderen von dem verheißenen Lande einnahmen, welches sie wollten. Und war der Mangel an Gott nicht, dass sie nicht alle Kanaaniter vertrieben und das ganze Land behaupteten, wenn sie nur gewollt hätten. Denn sie hatten deshalb einen ausdrücklichen Befehl von Gott empfangen, und die Verheißung, wie er ihnen auch genug Macht und Stärke gegeben hatte, dass sie das ganze Land hätten können überwältigen. So hatten sie bereits so viel eingenommen und in richtiger Besitzung gebracht, so viel zu der Zeit genug für sie war, und so viel sie bauen und bewohnen konnten, bis sich das Volk mehren und ausbreiten würde und mehr Landes würde haben müssen. [Denn Gott ist in seinen Verheißungen wahrhaft und hält sie, sofern wir nur durch Unglauben und Fahrlässigkeit uns nicht selber im Wege stehen.]


Das 22. Kapitel


1. Josua erlaubt den Rubenitern und Gadditern, samt dem halben Stamm Manasse, dass sie mögen zu den ihren über den Jordan umkehren, und wünscht ihnen alles Gute v. 1. 2. Da die an den Jordan kamen, bauen sie da einen Altar zum Zeugnis, dass sie auch zum Volk Gottes gehören v. 10. 3. Aber die anderen Israeliten denken nichts anderes, denn diese dreieinhalb Stämme, gehen damit um, dass sie von der rechten Religion wollen abfallen, und rüsten sich wider sie v. 11. 4. Doch da sie zuvor ihre Botschaften zu ihnen abfertigen und verstehen, dass es nicht dahin gemeint sei, so nehmen sie ihre Entschuldigung an und sind zufrieden v. 30.

1. Da rief Josua die Rubeniter und Gadditer und den halben Stamm Manasse

Rief: Nämlich da die Israeliten im Land Kanaan so viel Platz mit guter Ruhe besaßen, als sie zur selben Zeit bedurften.

Die Rubeniter: Welche dreieinhalb Stämme gerüstet vor ihren Brüdern, den anderen Israeliten, hergezogen waren und mit allen Kräften in Eroberung des Landes Kanaan ihnen Beistand getan hatten. Da sie unterdes ihre Weiber und Kinder mit noch etlichen anderen über dem Jordan daheim gelassen, dass sie mittlerweile ihre Äcker bauten, und dasselbe Land vor den benachbarten Völker Überfall beschützten, wenn es irgend würde nötig sein. Nachdem aber das Land Kanaan den anderen Israeliten war unterworfen gemacht wurde, hat sie Josua nicht länger aufhalten wollen, sondern wieder zu den ihren mit allen Gnaden abgefertigt.

2. und sprach zu ihnen: Ihr habt alles gehalten, was euch Mose, der Knecht des Herrn, geboten hat, und gehorcht meiner Stimme in allem, das ich euch geboten habe.

Geboten hat: Das ihr eure Brüder, den anderen Israeliten, im Einzug des Landes Kanaan behilflich sein und beistehen solltet.

Gehorcht: Wenn ich euch wider die Feinde angeführt habe, dass ihr euch durch keine Gefahr abschrecken lasst.

3. Ihr habt eure Brüder nicht verlassen eine lange Zeit her bis auf diesen Tag; und habt gehalten an dem Gebote des Herrn eures Gottes.

Lange Zeit: Die wir mit Eroberung und Austeilung des Landes Kanaan zugebracht haben.

Gehalten: Nämlich in dieser Sache durch euren freiwilligen Gehorsam. [Denn gleichwie eine Obrigkeit recht tut, wenn sie die Bösen straft: Also sollen sie auch die Frommen und Gehorsamen loben und mit Geschenken belohnen, auf dass dadurch andere auch aufgebracht werden, der Tugend sich zu bemühen.]

4. Weil nun der Herr, euer Gott, hat eure Brüder zur Ruhe gebracht; wie er ihnen geredet hat, so wendet euch nun und zieht hin in eure Hütte im Lande eures Erbes, das euch Mose der Knecht des Herrn, gegeben hat jenseits des Jordans {4Mos 32v33 5Mos 3v12 Jos 13v8}.

Ruhe: Dass sie das versprochene Land in Frieden und Ruhe besitzen.

Hütte: Zu euren Weibern und Kindern, die ihr eine Zeit lang hinter euch verlassen habt.

5. Haltet aber nun an mit Fleiß, dass ihr tut nach dem Gebote und Gesetz, das euch Mose, der Knecht des Herrn, geboten hat, dass ihr den Herrn, euren Gott, liebt und wandelt auf allen seinen Wegen und seine Gebote haltet und ihm anhängt und ihm dient von ganzem Herzen und von ganzer Seele.

Haltet: Als wollte er sagen: Dies will ich euch zum Abschied und zum Letzten treulich erinnert und ermahnt haben.

Liebt: Welches das größte und vornehmste Gebot ist.

Wegen: Dass ihr euer Leben nach allen seinen Geboten anrichtet. [Denn daraus ist kund, dass wir Gott lieben, wenn wir nach seinen Geboten leben.]

Anhängt: Nämlich mit wahren Glauben und auf niemand anderes euer Vertrauen setzt, denn nur allein auf den einigen Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist, dem ihr nach Vermögen gehorsam zu sein euch bemühen sollt.

Herzen: Nicht heuchlerischerweise.

Seelen: Also, dass ihr allerdings Gott ergeben seid und in allen euren Werken, Worten, Gedanken und Zuneigungen dem göttlichen Willen Gehorsam leistet. [Welchen vollkommenen Gehorsam in diesem Leben zwar keiner halten kann: Jedoch so hat Gott an der gottseligen Gehorsam, wenn er aus Glauben her fließt, ob er gleich unvollkommen ist, um Christi willen einen gnädigen Gefallen.]

6. Also segnete sie Josua und ließ sie gehen; und sie gingen zu ihren Hütten.

Segnet: Dass er ihnen an Leib und Seele alles Gute wünschte.

Hütte: d. i. Zu ihrem Lande und Erbteil.

7. Dem halben Stamm Manasse hatte Mose gegeben zu Basan; der anderen Hälfte gab Josua unter ihren Brüdern diesseits des Jordans gegen Abend. Und da er sie ließ gehen zu ihren Hütten und sie gesegnet hatte {4Mos 32v33 Jos 18v7},

Gab Josua: Dass also der eine halbe Teil des Stammes Manasse in dem Lande geblieben ist, welches eigentlich das Land Kanaan genannt wurde, der anderer halbe Teil aber musste über den Jordan ziehen, dass er ins Land Basan käme.

Er: Nämlich Josua, dass sie sich auf die Reise begeben sollten zu den ihren.

8. sprach er zu ihnen: Ihr kommt wieder heim mit großem Gut zu euren Hütten mit sehr viel Vieh, Silber, Gold, Erz, eisernen und Kleidern; so teilt nun den Raub eurer Feinde aus unter eure Brüder.

Gut: Denn ihr habt den Feinden einen stattlichen Raub abgenommen und eine gute Beute erlangt. [Weil es geschieht, dass die, so ihrem Beruf fleißig dienen, von Gott mit Reichtum gesegnet werden.]

Brüder: Oder Geschlechtsverwandten, die ihr daheim gelassen habt, dass sie unterdes eure Äcker und Felder bauen und eure Weiber und Kinder schützen müssen. Denn es ist richtig, dass die, so daheim geblieben, auch ein Teil von der Beute bekommen, wie Gott solchen Ausspruch selber gegeben hat {4Mos 31}. [Und sollen wir von dem, was wir durch unsere Arbeit erworben und zuwege gebracht, dem Nächsten auch willig helfen, besonders wo man miteinander in einer Gemeinde lebt. Denn wir bedürfen auch derer, die wir achten, dass sie in guter Ruhe leben.]

9. Also kehrten um die Rubeniter, Gadditer und der halbe Stamm Manasse und gingen von den Kindern Israel aus Silo, die im Lande Kanaan liegt, dass sie ins Land Gilead zögen, zum Lande ihres Erbes, das sie erbeten aus Befehl des Herrn durch Mose.

Kehrten: Dass sie einmal wieder heimkämen, nachdem sie nämlich alles, was ihnen Josua geboten, angehört hatten. [Denn sie nicht des Sinnes gewesen, wie etliche, welche es nicht hoch achten, noch angelegen sein lassen, dass sie wieder um zu Weib und Kindern kommen sollten.]

10. Und da sie kamen an die Haufen am Jordan, die im Lande Kanaan liegen, bauten dieselben Rubeniter, Gadditer und der halbe Stamm Manasse dort am Jordan einen großen, schönen Altar.

Am Jordan: Nicht weit von dem Ufer des Jordans.

Bauten: Nämlich ehe sie über den Jordan gesetzt.

Großen: Der von wegen seiner Größe ein herrliches Gebäude anzusehen war. Sie taten aber solches der Meinung (wie später folgen wird), dass er ein Zeichen und Zeugnis wäre, dass diese dreieinhalb Stämme nicht darum von der israelitischen Polizei und Religion abgesondert und ausgeschätzt wären, weil sie über dem Jordan wohnten. Aber dies, ihr Vorhaben ist den anderen Israeliten nicht durch das Gemeinde Geschrei kundgetan worden, sondern ist ihnen allein von dem Bau des Altars zu Gehör gekommen. [Wie denn das Gemeinde Geschrei immer das Böse eher ausbringt, als das Gute und die nötigsten Umstände einer Tat außen lässt, was aber unnötig ist, wohl hoch aufmotzen und herausstreichen darf.]

11. Da aber die Kinder Israel hörten sagen: Siehe, die Kinder Ruben, die Kinder Gad und der halbe Stamm Manasse haben einen Altar gebaut gegen das Land Kanaan, an den Haufen am Jordan, diesseits der Kinder Israel,

Gegen: Nämlich auf der Grenze desselben Landes.

12. da versammelten sie sich mit der ganzen Gemeinde zu Silo, dass sie wieder sie hinaufzögen mit einem Heer.

Versammelten: Denn sie über diesen Handel sehr bestürzt wurden und gingen deshalb miteinander zu Rat, wie sie ihrer Brüder und Geschlechtsverwandten Abfall aufs ernstlichste strafen wollten, nach dem Befehl des göttlichen Gesetzes {5Mos 13}.

13. Und sandten zu ihnen ins Land Gilead Pinehas, den Sohn Eleasars, des Priesters,

Und sandten: Denn ehe sie mit Gewalt führen, haben sie dennoch für ratsam angesehen, dass sie zuvor eine Botschaft zu ihnen abfertigten, und erinnern ließen, dass sie sollten der Abgötterei müßiggehen, mit einem Vorschlag richtiger und annehmlicher Mittel, samt angehängter Bedrohung, sofern sie nicht folgen und ablassen wollten, dass es ihnen sehr übel erschießen würde. [Dies ihr Tun ist an den Israeliten zu loben, dass sie auch ihrer Mitbrüder und Geschlechtsverwandten nicht zu verschonen meinten, wenn sich es befinden würde, dass sie mit der Abgötterei sich versündigt hätten: Denn sie deswegen einen ausdrücklichen Befehl im Gesetz Gottes hatten, dass sie die Abgöttischen umbringen und vertilgen sollten (welches Gesetz doch die Christen nicht bindet, die allein mit geistlichen Waffen wider solche streiten sollen). Danach ist auch das an ihnen rühmenswert, dass sie die Sache nicht wollen mit Gewalt angreifen, bis sie der Tat und aller Umstände gewissen Bericht hätten. Denn es soll sich auch eine Vorsichtigkeit und Mäßigung bei dem Eifer finden.]

14. und mit ihm zehn oberste Fürsten unter den Häusern ihrer Väter, aus jeglichem Stamm Israels einen.

15. Und da sie zu ihnen kamen ins Land Gilead, redeten sie mit ihnen und sprachen:

16. So lässt euch sagen die ganze Gemeinde des Herrn: Wie versündigt ihr euch also an dem Gott Israels, dass ihr euch heute kehrt von dem Herrn damit, dass ihr euch einen Altar baut, dass ihr abfallt von dem Herrn?

Versündigt: Als wollten sie sprechen: Warum übertretet ihr den ausdrücklichen Befehl Gottes, da er uns geboten, dass man nirgends als an einem Ort, welchen er erwählen würde, opfern solle.

17. ist es uns zu wenig an der Missetat Peors, von welcher wir noch auf diesen Tag nicht gereinigt sind, und kam eine Plage unter die Gemeinde des Herrn,

Zu wenig: Haben wir bisher nicht genug Sünde getan, besonders da wir den moabitischen Abgott Baal Peor anbeteten {4Mos 25v3}. Wollt ihr denn jetzt den Herrn noch mehr erzürnen, da wir doch von dem Fluch der vorigen Übertretung noch nicht allerdings befreit sind?

Diesen Tag: Und werden es auch unsere Nachkommen hören müssen, was sie für böse Voreltern gehabt, die sich zur Abgötterei gewandt und der Unzucht sind ergeben gewesen.

Plage: Dass sie zum Teil vom Herrn, zum Teil von der israelitischen Obrigkeit erwürgt und hingerichtet wurden, weil sie durch fleischliche Hurerei mit den moabitischen Weibern und durch den geistlichen Ehebruch mit dem moabitischen Abgott verunreinigt waren.

18. und ihr wendet euch heute von dem Herrn weg und seid heute abtrünnig geworden von dem Herrn, dass er heute oder morgen über die ganze Gemeinde Israel erzürne?

Weg: Dass ihr seine Gebote nicht haltet.

Gemeinde: Denn ihr dürft euch keine anderen Gedanken machen, als dass Gott bald mit einer schweren Strafe nicht allein hinter euch her sein wird, sondern es würde auch das ganze israelitische Volk euer entgelten müssen, wo sie zu solcher Misshandlung stillschwiegen. [Denn wenn die Übeltaten nicht gestraft werden, so geht danach die göttliche Rache nicht allein über die Übeltäter, sondern auch über diejenigen, so ihrem Amt nicht nachgekommen sind und die Übeltäter nicht zur angemessenen Strafe gezogen haben. Also dass oftmals um wenig böser Buben willen ein ganzes Land in Jammer und Not kommt.]

19. erscheint euch das Land eures Erbes unrein, so kommt herüber ins Land, das der Herr hat, da die Wohnung des Herrn steht, und erbet unter uns; und werdet nicht abtrünnig von dem Herrn und von uns, dass ihr euch einen Altar baut außer dem Altar des Herrn, unseres Gottes.

Unrein: Dass es Gott nicht angenehm sei und er einen Abscheu davor habe, weil die Hütte des Stifts nicht bei euch über den Jordan, sondern bei uns im Lande Kanaan aufgerichtet ist, und meinten deshalb, Gott werde sich euer und eures Landes als eines unreinen Orts nicht achten. Darum ihr euch einen besonderen Gottesdienst anzurichten vorgenommen, damit ihr nicht ohne Religion seid. So kommt viel eher wieder zu uns, als dass ihr in Abgötterei fallt.

Herr hat: Das ist: Welches Land der Herr dazu bestimmt und ausersehen hat, dass der Gottesdienst darin angerichtet und geübt werde.

Unter uns: Denn wir wollen ein jeder ein Stück von seinem Erbteil absondern, damit ihr Platz zu wohnen bekommt. [Dies Beispiel sollten sich diejenigen nachzufolgen vorstellen, welche in denen Ländern Blutsfreunde und Verwandte haben, da man die rechte Religion nicht leiden will, als in den Klöstern, bei den Sektierern und dergleichen, und solches alles nur um des Bauches willen: Dass sie nämlich dieselben an sich lockten und bei ihnen anhielten, solches gottloses Leben zu verlassen und ihre Hilfe und Steuer nach ihrem Vermögen ihnen anböten. Denn es ist besser, dass du an deinen zeitlichen Gütern eine nicht fast große Schmälerung empfängst und leidest, als dass dein Bruder oder Verwandter mit Leib und Seele ewig verloren werde.]

20. Versündigte sich nicht Achan, der Sohn Serahs, am Verbannten, und der Zorn kam über die ganze Gemeinde Israel, und er ging nicht allein unter über seiner Missetat {Jos 7v5 24 1Chr 2v7}.

Verbannten: Nämlich da er von dem Raub der Stadt Jericho, der dem Herrn geheiligt war, etwas diebischer Weise entzogen, und also einen Kirchenraub beging.

Ganze: Denn die Israeliten bald darauf von den Einwohnern der Stadt Ai geschlagen und in die Flucht getrieben wurden, da doch sie, die Israeliten, den Feinden an der Zahl und Menge weit überlegen waren, wie im vorigen siebten Kapitel dieses Buches zu sehen ist.

Nicht allein: Denn er mit seinem ganzen Personal gesteinigt wurde. Darum so erkennt eure große und schwere Sünde, dass ihr einen neuen Gottesdienst wider das Wort Gottes und seinen Befehl habt wollen anrichten: Bittet den Herrn um Verzeihung, dass er euch diese Sünde nicht zurechnen wolle, reißt den Altar wieder um und dient mit uns dem einigen wahren Gott, an dem Ort und auf solche Weise, wie und wo er will, verehrt und angebetet werden.

21. Da antworteten die Kinder Ruben und die Kinder Gad und der halbe Stamm Manasse und sagten zu den Häuptern und Fürsten Israels:

22. Der starke Gott, der Herr, der starke Gott, der Herr, weiß, so weiß Israel auch: Fallen wir ab oder sündigen wider den Herrn, so helfe er uns heute nicht.

Herr weiß: Als wollten sie sagen: Wir bezeugen vor dem Allmächtigen Gott, dem nichts verborgen ist. Welchen Eid-Schwur sie zu mehr ihrer Entschuldigung zum andern Mal wiederholen.

Israel auch: Das ist: Wenn unsere Mit-Brüder und Geschlechtsverwandten, die Israeliten, der Sachen sich besser erkundigen und mit Fleiß nachforschen, so wird sich es finden, dass wir diesen Altar zu keiner Abgötterei gebaut haben.

Ab: Dass wir den rechten Gottesdienst fahren lassen.

Heute nicht: Als wollten sie sagen: Gott wolle uns vor allem Unglück und Übel also behüten, als frei und fern wir sind von der Sünde des Abfalls oder der Abgötterei: Wo wir aber an einigen Abfall gedacht, so wolle Gott unser nicht schonen, sondern stracks auf der Stätte strafen und ein Beispiel an uns sehen lassen. [Sie gebrauchten aber eine besondere Art zu reden, in ihrem Eidschwur, den sie leisten, damit sie ihre Unschuld begehren an den Tag zu bringen. Ist deswegen einem Christen unverboten, in einer wichtigen Sache sich mit einem Eid zu verantworten und seine Unschuld zu retten.]

23. Und so wir darum den Altar gebaut haben, dass wir uns von dem Herrn wenden wollten, Brandopfer oder Speiseopfer darauf opfern, oder Dankopfer darauf tun dem Herrn, so fordere er Esra

Dankopfer: Damit man sich gegen Gott dankbar zu erzeigen pflegte für die empfangene Wohltaten.

Fordere: Das ist: Er räche und strafe uns um solcher unsere Sünde willen.

24. Und so wir es nicht vielmehr aus Sorge des Dinges getan haben und sprachen: Heute oder morgen möchten eure Kinder zu unseren Kindern sagen: Was geht euch der Herr, der Gott Israels, an?

Oder Morgen: Das ist: Nach etlichen Jahren.

Was geht: Ihr gehört nicht zu unserer Religion und Polizei.

25. Der Herr hat den Jordan zur Grenze gesetzt zwischen uns und euch Kindern Ruben und Gad; ihr habt kein Teil am Herrn. Damit würden eure Kinder unsere Kinder von der Furcht des Herrn weisen.

Kein Teil: Darum wollen wir euch zu unserem Gottesdienst nicht zulassen. Solches und dergleichen mehr ist uns zugefallen, dass auf eine Zeit eure Nachkommen den unseren möchten vorwerfen: Welchem Übel wir guter Meinung, so viel an uns, vorkommen wollen.

Furcht: Das ist: Von dem rechten und wahren Gottesdienste.

26. Darum sprachen wir: Lasst uns einen Altar bauen, nicht zum Opfer noch zum Brandopfer,

27. sondern dass er ein Zeuge sei zwischen uns und euch und unseren Nachkommen, dass wir dem Herrn Dienst tun mögen vor ihm mit unseren Brandopfern, Dankopfern und anderen Opfern, und eure Kinder heute oder morgen nicht sagen dürfen zu unseren Kindern: Ihr habt kein Teil an dem Herrn.

Tun mögen: Nämlich in der Hütte des Stifts, als wollten sie sprechen: Wir haben nur allein darum diesen Altar zu bauen uns unterfangen, und zwar im Lande Kanaan an des Jordans Ufer, dass er ein Zeugnis wäre, dass wir mit unseren Nachkommen begehren bei der rechten Religion zu bleiben, wie dieselbe im Lande Kanaan geübt und getrieben wird, an dem Ort, da die Hütte des Stifts steht.

Heute oder: Das ist: Auf eine Zeit, es geschehe gleich über lang oder über kurz.

Kein Teil: Ihr habt mit unsere Religion im wenigsten nichts zu tun, wir wollen euch nicht zulassen und dergleichen.

28. Wenn sie aber also zu uns sagen würden oder zu unseren Nachkommen heute oder morgen, so könnten sie sagen: Seht das Gleichnis des Altars des Herrn, den unsere Väter gemacht haben, nicht zum Opfer noch zum Brandopfer, sondern zum Zeugen zwischen uns und euch.

Altars: Welcher eure Meinung widerlegt und umstößt und unser Recht handhabt.

Opfer: Nichts, dass man darauf opfern soll.

Zeugen: Dass er ein öffentlich Zeugnis sei, dass wir mit keinem Fug noch Recht von dem wahren Gottesdienst können oder sollen ausgeschlossen werden, der im Lande Kanaan gehalten wird.

29. Das sei ferne von uns, dass wir abtrünnig werden von dem Herrn, dass wir uns heute wollten von ihm wenden und einen Altar bauen zum Brandopfer und zum Speiseopfer und anderen Opfern außerdem Altar des Herrn, unseres Gottes, der vor seiner Wohnung steht.

Außer: Das ist: Wir lassen uns an dem einigen Altar, der im Hof der Hütte des Stifts steht, ganz wohl begnügen. Denn wir wissen, dass derselbe allein von Gott dazu ernannt und bestimmt und von Mose und Aaron mit besonderen Zeremonien dazu geweiht wurde, dass man darauf opfern soll. Darum gelangt unser freundliches Gesinnen an euch, dass ihr diese unsere Entschuldigung aufnehmen und damit zufrieden sein wollt. [Also wenn wir einer Tat beschuldigt werden und deshalb in Argwohn kommen, die wir doch nicht begangen haben, so sollen wir nach dem Beispiel dieser Israeliten, wenn wir darum zu Rede gesetzt werden, uns gegen unseren Nebenchristen mit gebührender Sanftmut und Bescheidenheit entschuldigen.]

30. Da aber Pinehas, der Priester, und die Obersten der Gemeinde, die Fürsten Israels, die mit ihm waren, hörten diese Worte, die die Kinder Ruben, Gad und Manasse sagten, gefielen sie ihnen wohl.

Gefielen: Und nahmen ihre Entschuldigung mit Freuden an.

31. Und Pinehas, der Sohn Eleasars, des Priesters, sprach zu den Kindern Ruben, Gad und Manasse: Heute erkennen wir, dass der Herr unter uns ist, dass ihr euch nicht an dem Herrn versündigt habt in dieser Tat. Nun habt ihr die Kinder Israel errettet aus der Hand des Herrn.

Erkennen: Jetzt wissen wir viel besser als zuvor, dass uns Gott als sein Volk gnädiglich regiert und erhält.

Nicht: Wie wir euch im Argwohn gehabt.

Hand: Das ist: Ihr habt mit eurer Beständigkeit in der rechten Religion, dabei ihr gedenkt zu bleiben verhütet, dass Gott nicht über das ganze israelitische Volk eine Strafe gehen lasse, welches sonst gewisslich geschehen wäre, wenn ihr von dem Herrn abgefallen. [Also sollen wir nach angehörter genugsamer Entschuldigung unserer Mitbrüder und Nebenchristen allen bösen Argwohn, den wir auf sie gefasst, von uns ablegen und ihre Verantwortung annehmen. Und gleichwie der Altar, so nicht dazu aufgerichtet wurde, dass man darauf opfern soll, hat mögen geduldet werden: Also kann man auch unter den Christen die Bilder bleiben lassen, wenn sie nur nicht zur Abgötterei missbraucht werden.]

32. Da zog Pinehas, der Sohn Eleasars, des Priesters, und die Obersten aus dem Lande Gilead von den Kindern Ruben und Gad wieder ins Land Kanaan zu den Kindern Israel und sagten es ihnen an.

Sagten es: Nämlich aus was Rat und Gutdünken derselbe Altar am Ufer des Jordans wäre erbaut worden, und wie ihre Brüder und Geschlechtsverwandten so ganz an keinen Abfall oder Abgötterei gedächten.

33. Das gefiel den Kindern Israel wohl und lobten den Gott der Kinder Israel und sagten nicht mehr, dass sie hinauf wollten ziehen mit einem Heer wider sie, zu verderben das Land, da die Kinder Ruben und Gad innen wohnten.

Lobten: Dass er nämlich die Rubeniter und Gadditer samt dem halben Stamm Manasse bei der reinen Religion beständig bisher erhalten, und dass sie aus einem guten Vorsatz dabeizubleiben verheißen hätten. [Denn so oft als wir von der gottseligen Standhaftigkeit in der wahren Erkenntnis Gottes hören, so sollen wir Gott für solche Guttat Lob und Dank sagen.]

34. Und die Kinder Ruben und Gad hießen den Altar: Dass er Zeuge sei zwischen uns, und dass der Herr Gott sei.

Herr: Der im Lande Kanaan, da die Hütte des Stifts ist, mit Opfern gebührlich verehrt wird.

Gott sei: Nämlich unser Gott, den wir da, wo er seinen rechten Gottesdienst eingesetzt hat, immerdar verehren und anbeten wollen. Mit welchem Namen des Altars sie zukünftig verhüten wollen, so viel an ihnen, dass nicht jemand meinen möchte, derselbe Altar wäre darum aufgerichtet, dass man darauf opfern soll. [Denn wir sollen so viel wie möglich uns hüten, dass niemand Ärgernisse gegeben werde.],


Das 23. Kapitel


1. Da Josua alt wurde und das Ende seines Lebens sich herzu nahte, beruft er die Obersten der Israeliten vor sich, und gebietet ihnen, dass sie die Völker so im Lande Kanaan noch übrig, vertilgen sollen v. 1. 2. Und erinnert sie auch, dass sie bei der reinen Religion beständig bleiben sollen und die Heirat mit den abgöttischen Völkern meiden, wo sie anderes nicht zugrunde gehen wollen v. 6.

1. Und nach langer Zeit, da der Herr hatte Israel zur Ruhe gebracht vor allen ihren Feinden umher, und Josua nun alt und wohl betagt war,

Ruhe bracht: Denn sie hatten das ganze Land Kanaan noch nicht überwältigt, noch die benachbarten Völker bestritten hatten, aber doch Frieden, weil die Kanaaniter so noch im verheißenen Lande wohnten, sich nicht mehr wider sie auflehnen durften und der Israeliten Macht und Stärke nicht mehr zu versuchen begehrten, hatten also mitten unter den Feinden Ruhe und Frieden. [Ebenermaßen gibt auch Gott noch heutigentags seiner Kirche Frieden und Ruhe mitten unter ihren Feinden, für welche Wohltat wir ihm richtig sollen Lob und Dank sagen.]

Betagt: Da hat er es für gut angesehen, dass er bei dem israelitischen Volk noch vor seinem Tode mit einer ernstlichen Ermahnung anhielte, dass sie bei der rechten Religion verharren sollten.

2. berief er das ganze Israel und ihre Ältesten, Häupter, Richter und Amtleute und sprach zu ihnen: Ich bin alt und wohl betagt {Jos 24v1},

Bin alt: Darum weil ich nicht lange mehr zu leben habe, so bin ich sehr sorgfältig für euch, dass ihr nicht etwa nach meinem Tode von der rechten Religion abfallt, gelangt deswegen mein ganz herzliches Gesinnen und Ermahnen an euch, ihr wollt es dahin nicht kommen lassen.

3. und ihr habt gesehen alles, was der Herr, euer Gott, getan hat an allen diesen Völkern vor euch her; denn der Herr, euer Gott, hat selber für euch gestritten.

Völkern: Dass sie nämlich eurer Gewalt und Macht nicht haben widerstehen können.

Gestritten: Indem, dass er euch ein Ansehen gemacht, euren Feinden aber eine Furcht und Schrecken eingejagt, dass sobald sie euer kaum recht ansichtig wurden, sich in die Flucht begeben haben. Ja es hat sie Gott selber mit dem Hagel vom Himmel darnieder geschlagen {Jos 10}. Darum will sich es immer gebühren, dass ihr solcher großen Wohltaten bedenkt seid, und eurem Gott mit stetiger Übung des rechten Gottesdienstes fest und steif anhängt.

4. Seht, ich habe euch die übrigen Völker durch das Los zugeteilt, einem jeglichen Stamm sein Erbteil, vom Jordan an, und alle Völker, die ich ausgerottet habe, und am großen Meer gegen der Sonnen Untergang.

Übrigen Völker: So noch nicht vertrieben sind.

Zugeteilt: Dass ihr sie ausrotten sollt, aufs eheste und sobald es immer geschehen kann, und dass ihr ihr Land einnehmt und besitzt, denn das ganze Land Kanaan ist euch zuerkannt.

Ausgerottet: Deren Völker Land ihr bereits besitzt und an das Mittelländische Meer stößt.

5. Und der Herr, euer Gott, wird sie ausstoßen vor euch und von euch vertreiben, dass ihr ihr Land einnehmt, wie euch der Herr, euer Gott, geredet hat.

Ausstoßen: Das ist: Obwohl etliche Völker im selben Lande noch nicht vertilgt sind, so wird sie doch Gott für euch vertreiben, sofern ihr bei dem rechten Gottesdienst beständig verharrt.

6. So seid nun sehr getrost, dass ihr haltet, und tut alles, was geschrieben steht im Gesetzbuch Moses, dass ihr nicht davon weicht weder zur Rechten noch zur Linken,

Getrost: Und fahrt immer mit unverzagtem Gemüt vor euch fort, dass ihr in den Geboten Gottes wandelt und alles kecklich überwindet, was euch für Hindernis und Ungelegenheiten möchten zu Händen stoßen, dass ihr keine Versuchung, wie schwer sie auch sein mag, euch abschrecken lasst.

Rechten: Dass ihr andere mehr und neue Gottesdienste über die vorigen, so euch von Gott geboten sind, guter und bester Meinung anrichten wolltet.

Linken: Dass ihr das Gesetz Gottes verachtet und nur nach eurem Willen lebt und die Gebote Gottes zu halten, euch nicht bekümmert. [Denn wer nach dem vorgeschriebenen Worte Gottes zu leben begehrt, also dass er nichts dazu, noch davon tut, der ist auf dem rechten Weg und wandelt am sichersten.]

7. auf dass ihr nicht unter diese übrigen Völker kommt, die mit euch sind, und nicht gedenkt noch schwört bei dem Namen ihrer Götter, noch ihnen dient, noch sie anbetet,

Kommt: Das ist: Dass ihr keine Freundschaft mit ihnen macht oder euch mit ihnen verheiratetet.

Gedenkt: d. i. Seht euch vor, dass nicht etwa, wenn ihr unter den übrigen abgöttischen Völkern wohnen wolltet, ihr nach und nach anfangen möchtet, euren Gott mit dem Namen der heidnischen Götter zu nennen, und darauf weiter euch unterstündet bei dem Namen der heidnischen Götter zu schwören (welcher Gottesdienst doch nur einig und allein dem wahren Gott zusteht), bis ihr endlich allerdings in Abgötterei gerietet und von dem wahren Gott abfielet. [Denn die Menschen vertiefen sich immer je länger je mehr in die Sünde der Abgötterei, wenn sie einmal anfangen, derselben nachzuhängen.]

8. sondern dem Herrn, eurem Gott, anhängt, wie ihr bis auf diesen Tag getan habt.

Getan habt: Dabei bleibt und fahrt also fort. [Denn es ist nicht genug an dem, dass einer einen guten Anfang hat, sondern wer beharrt bis ans Ende, der wird selig.]

9. So wird der Herr vor euch her vertreiben große und mächtige Völker; und niemand hat euch widerstanden bis auf diesen Tag {3Mos 26v7 v8 5Mos 28v7},

Völker: Die noch übrig sind im Lande, dass ihr sie überwältigen könnt, denn es ist Gott niemand zu mächtig oder zu stark.

Widerstanden: Also will er sagen, wird auch von den Völkern, so noch zu vertreiben sind, zukünftig keiner wider euch stehen können.

10. euer einer wird tausend jagen; denn der Herr, euer Gott, streitet für euch, wie er euch geredet hat.

Herr: Der wird euch den Sieg verleihen, darauf ihr euch auch verlassen sollt, und nicht auf eurer eigenen Macht oder Stärke.

11. Darum, so behütet aufs fleißigste eure Seelen, dass ihr den Herrn, euren Gott, lieb habt.

Lieb habt: Denn also werdet ihr seine Gebote halten und glückselig sein. [Denn dieselbe Obrigkeit, welche die rechte Religion in ihrer Herrschaft befördern und handhaben, wird von den Feinden gefürchtet und ist unüberwindlich.]

12. Wo ihr euch aber umwendet und diesen übrigen Völkern anhängt und euch mit ihnen verheiratet, dass ihr unter sie und sie unter euch kommen,

Anhängt: Dass ihr Freund- und Kundschaft mit ihnen macht.

Unter sie: Und also durch Heirat aus euch und ihnen ein Volk wird, so wird euch viel Übels daraus entstehen: Dass ihr nämlich nicht mehr daran denken werdet, wie ihr sie ausrotten wolltet, sondern ihr werdet durch solche Schwägerschaft euch aufbringen und bereden lassen, dass ihr mit ihnen Abgötterei treibt: Darum sollt ihr euch allerdings von ihnen absondern.

13. so wisst, dass der Herr, euer Gott, wird nicht mehr alle diese Völker vor euch vertreiben, sondern sie werden euch zum Strick und Netz und zur Geißel in euren Seiten werden und zum Stachel in euren Augen, bis dass er euch umbringe von dem guten Lande, das euch der Herr, euer Gott, gegeben hat {4Mos 33v55}.

Wisst: Und werdet es mit der Tat erfahren.

Strick: Das ist: Sie werden euch durch solche freundliche Gemeinschaft und Heirat fangen, dass ihr euch in ihrer Abgötterei und gottlosen Leben verwickelt. Gleichwie ein Vogel vom Vogler oder Wild vom Jäger ins Garn gejagt und gefangen wird. Zudem werden sie euch nichtsdestoweniger beschwerlich sein und viel Überdrangs antun. Denn sie werden immer wieder zu Kräften kommen und sich wider euch setzen, und euch viel Plage antun und gleichsam Gottes Rute sein, damit er euch züchtigt, und werde euch wie ein Dorn im Auge unleidentlich sein: Dennoch werdet ihr sie nicht mehr überwältigen oder unter euch bringen mögen, weil euch der Herr, euer Gott, den ihr verlassen habt, nicht beistehen wird, sondern vielmehr eure Feinde wird lassen mächtig werden. [Obwohl nun die Christen, dessen keinen Befehl haben, dass sie die gottlosen Völker umbringen sollen, so geschieht es doch nicht ohne große Gefahr, wenn man mit den verstockten und halsstarrigen Feinden der wahren Religion ganz zu viel Gemeinschaft und Freundschaft macht.]

14. Siehe, ich gehe heute dahin wie alle Welt; und ihr sollt wissen von ganzem Herzen und von ganzer Seele, dass nicht ein Wort gefehlt hat an all dem Guten, das der Herr, euer Gott, euch geredet hat; es ist alles gekommen und keins verblieben {1Sam 2v2 Jos 21v45}.

Ich gehe: Das ist: Ich bin dem Tode nahend, welchem niemand entfliehen kann, darum hab ich es für gut angesehen, dass ich euch noch zuvor einmal der göttlichen Guttaten, die ihr empfangen, und hingegen euer schuldigen Dankbarkeit samt Verhütung großes Übels erinnerte. [Denn das soll besonders eine Obrigkeit, wie auch ein Hausvater, vor seinem Ende mit Fleiß in Achthaben, das so viel an ihm ist, er fromme und glückselige Nachkommen hinter sich lasse.]

Heute: Das ist: In kurzem und bald.

Wissen: Ich bitte, dass ihr es mit ganzem Ernst bedenken und wohl zu Herzen führen wolltet, was ich euch jetzt sagen will.

15. Gleichwie nun alles Gute kommen ist, das der Herr, euer Gott, euch geredet hat, also wird der Herr auch über euch kommen lassen alles Böse, bis er euch vertilge von diesem guten Lande, das euch der Herr, euer Gott, gegeben hat,

Geredet: Das er euch und euren Vätern verheißen hat.

Böse: Das er euch gedroht hat.

16. wenn ihr übertretet den Bund des Herrn, eures Gottes, den er euch geboten hat, und hingeht und anderen Göttern dient und sie anbetet, dass der Zorn des Herrn über euch ergrimmte und euch bald umbringt von dem guten Lande, das er euch gegeben hat {3Mos 26v14 5Mos 28v15}.

Bund: Das ist: Weil ihr den Bund nicht gehalten habt, da Gott euch seine Gnade und alles Gutes verheißen hat, und ihr wiederum euch gegen ihm verpflichtet habt, dass ihr seinen Geboten wolltet Gehorsam leisten, die ihr doch übergangen.

Göttern: Das ist: Wenn ihr mit euer Abgötterei Gott zum Zorn bewegen werdet, und er sieht, dass er mit seiner Langmütigkeit nichts ausrichtet, so wird er euch plötzlich aus diesem Lande ausstoßen, also dass ihr eines so herrlichen und fruchtbaren Landes nicht lange werdet genießen können. [Und ist hier das besonders in Acht zu haben, dass Josua sagt, Gott sei ebenso wahrhaftig in Erfüllung seiner Drohungen als seiner Verheißungen. Darum wir dem einen nicht weniger Glauben geben sollen, als dem anderen, so wird es geschehen, dass wir Gott fürchten, aber doch nicht verzagen.]


Das 24. Kapitel


1. Josua hält vor seinem Ende noch einen Reichstag, und ermahnte die Israeliten aufs ernstlichste, dass sie bei der reinen Religion verharren sollen v. 1. 2. Die Israeliten versprechen, dass sie bei dem rechten Gottesdienst beständig bleiben wollen. Darauf wird das fünfte Buch Mose abgelesen, und der Bund wiederum erneuert, den sie in der Wüste vor der Zeit mit Gott gemacht hatten v. 16. 3. Danach stirbt Josua v. 19. 4. Und werden des Patriarchen Josephs Gebeine in Sichem begraben v. 32. V. Nach solchem stirbt auch Eleasar der Hohepriester v. 33.

1. Josua versammelte alle Stämme Israels gen Sichem und berief die Ältesten von Israel, die Häupter, Richter und Amtleute. Und da sie vor Gott getreten waren {Jos 23v2},

Versammelte: Denn da er merkte, dass die Zeit seines Abscheidens sich herzu nahte, hat er abermals wollen noch einen Reichstag vor seinem Ende halten, dass er dem israelitischen Volk vorhielte und eine ernstliche Ermahnung tat, wie sie bei der rechten Religion fest und steif verharren sollten: Und dass er den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel etlichermaßen erneuerte und bestätigte, welcher bei des Mose Lebzeiten aufgerichtet war.

Sichem: Welche Stadt nahe bei Silo gelegen war, da die Kinder Israel die Hütte des Stifts aufgerichtet hatten.

Häupter: Das ist: Die vornehmsten Fürsten im Volk.

2. sprach er zum ganzen Volk: So sagt der Herr, der Gott Israels: Eure Väter wohnten vorzeiten jenseits des Wassers, Tharah, Abrahams und Nahors Vater, und dienten anderen Göttern.

Vor Gott: Sie sind aber ohne Zweifel miteinander aus der Stadt Sichem, zu der Hütte des Stift gegangen, so nicht weit davon war, und haben dort solches alles miteinander verrichtet, was später folgt. Denn es ist unleugbar, dass die Hütte des Stifts zu Silo geblieben ist bis zu des Samuels Zeiten {1Sam 1}.

So sagt: Das ist: Was ihr jetzt hören werdet, dass rede ich aus dem Befehl Gottes, darum sollt ihr es aufnehmen nicht als mein, sondern als Gottes Wort.

Wohnten: Als wollte Gott sagen: Ich hab euren Voreltern wie auch euch viele Guttaten erzeigt: Darum ist es richtig, dass ihr derselben bedenkt, seid und nie von mir abfallt, sondern eure Dankbarkeit damit erzeigt, dass ihr meine Gebote haltet.

Wasser: Nämlich über den Fluss Euphrat.

Anderen Göttern: Denn sie mit der Abgötterei als mit einer sehr schädlichen und schrecklichen Seuche, so durch die ganze Welt ging, auch angesteckt und vergiftet waren. Darum sie ganz wohl verschuldet, wenn ich nach ihrem Verdienst mit ihnen handeln wollte, dass ich sie mit den anderen ins ewige Verderben hätte lassen hinfahren. Aber ich hab mich ihrer erbarmt aus lauter Gnade, mich ihnen geoffenbart und sie aus den verderblichen Irrtum auf den rechten Weg der Seligkeit berufen. [Gleichwie aber Abraham (der ein Vater und Vorbild ist aller derer, die da sollen selig werden {Röm 4}), aus keinem Verdienst so er getan, sondern aus lauter Gnade zum ewigen Leben ist erwählt, berufen und aus Glauben umsonst gerechtfertigt worden: Also sind auch alle anderen, die da sollen selig werden, aus Gnaden erwählt, werden aus Gnaden berufen, und aus Gnaden oder umsonst gerechtfertigt, dass von ihrem Verdienst nichts dazu kommt.]

3. Da nahm ich euren Vater Abraham jenseits des Wassers und ließ ihn wandern im ganzen Lande Kanaan; und mehrte ihm seinen Samen und gab ihm Isaak {1Mos 11v31 12v1 1Mos 21v2}.

Nahm: Das ist: Ich sonderte ihn aus und berief ihn.

Wassers: Nämlich über den Euphrat, da er zur selben Zeit wohnte.

Wandern: Denn es hat Abraham im selben Lande seine Wohnung oft geändert und an vielen unterschiedlichen Orten aus Gottes Befehl seine Hütte aufgeschlagen, auf dass er also etlichermaßen in die Besitzung des gleichen Landes eingewiesen würde, in dem er doch sich für einen Fremdling erkannt, unbekannt, auf dass er desto mehr und immer nach dem rechten ewigen und himmlischen Vaterland ein Verlangen hätte.

Mehrte: Denn ob es wohl zuerst eine gute Zeit das Ansehen gehabt, als würde er eine unfruchtbare Ehe haben, so hab ich ihn doch endlich gesegnet und fruchtbar gemacht.

Isaac: Des Ismaels, der aus der ägyptischen Magd Hagar dem Abraham geboren war, tut Gott hier keine Meldung, wie auch nicht der anderen Kinder, welche Abraham nach der Sara Tod mit Ketura gezeugt, sondern sagt nur allein vom Isaac, weil aus dessen Nachkommen Christus sollte geboren werden und das Volk Gottes seine Herkunft von ihm haben würde, unter welchem Gott sein Wort pflanzen und ausbreiten wollte.

4. Und Isaak gab ich Jakob und Esau; und gab Esau das Gebirge Seir zu besitzen. Jakob aber und seine Kinder zogen hinab nach Ägypten {1Mos 25v24 v25 v26 1Mos 32v3 36v8 46v1 v6}.

Seir: Als eine besondere Landschaft, weil er mit seinen Nachkommen zum israelitischen Volk nicht gehörte.

Ägypten: Da sie etliche Jahre mit harter Dienstbarkeit bedrückt wurden.

5. Da sandte ich Mose und Aaron und plagte Ägypten, wie ich unter ihnen getan habe {2Mos 3v10 7}.

Und Aaron: Dass sie die Kinder Israel aus solcher schweren Dienstbarkeit erlösten.

Getan habe: Nämlich mit vielen Wundern und Zeichen, die ich da geschehen lasse.

6. Danach führte ich euch und eure Väter aus Ägypten. Und da ihr ans Meer kamt, und die Ägypter euren Vätern nachjagten mit Wagen und Reitern ans Schilfmeer {2Mos 12v33 v37 14v9},

Euch: Denn es sind damals, als Josua diese Worte im Namen Gottes mit ihnen geredet, noch ihrer viele im Leben gewesen, die bereits (zwar in ihren jungen unmündigen Jahren) gelebt, da die Kinder Israel aus Ägypten geführt wurden.

Nachjagten: Da wart ihr in großen Nöten und Ängsten, weil ihr die Feinde hinter euch, das Meer vor euch und zu beiden Seiten Berge hattet, dass ihr nirgends hin fliehen konntet.

7. da schrien sie zum Herrn; der setzte eine Finsternis zwischen euch und den Ägyptern; und führte das Meer über sie und bedeckte sie. Und eure Augen haben gesehen, was ich in Ägypten getan habe. Und ihr habt gewohnt in der Wüste eine lange Zeit {2Mos 14v28}.

Sie: Nämlich die Kinder Israel.

Herrn: [Hier hat man das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit in Acht zu nehmen. Denn es redet der Herr von dem Herrn, als eine Person von der anderen.]

Finsternis: Und kam den Israeliten also zu Hilfe. Denn die Wolke, so auf der Seiten gegen die Ägypter zu finster war und auf der anderen Seiten gegen die Kindern Israel hell leuchtete, ließ sich zwischen die beiden Heere herunter, also dass die Ägypter dieselbe Nacht den Israeliten keinen Schaden zufügen konnten.

Über sie: Nämlich über die Ägypter, da sie den Israeliten des folgenden Tages auf den Grund und Boden des ausgetrockneten Schilfmeeres nachsetzten.

Gesehen: Wie denn euer etliche, so damals noch junge Knaben gewesen, Alters halben dessen ganz wohl bedenkt sein können.

Lange Zeit: Fast in die vierzig Jahre.

8. Und ich habe euch gebracht in das Land der Amoriter, die jenseits des Jordans wohnten; und da sie wider euch stritten, gab ich sie in eure Hände, dass ihr ihr Land besaßet, und vertilgte sie vor euch her {4Mos 21v21}.

Gab ich: Dass ihr sie überwunden und vertilgt habt. [Denn man soll Gott den Sieg zuschreiben und nicht unsere Macht und Stärke.]

Besaßet: Denn es haben die Rubeniter, Gadditer und der halbe Stamm Manasse dasselbe Land zu ihrem Erbteil einbekommen.

9. Da machte sich auf Balak, der Sohn Zipors, der Moabiter König, und stritt wider Israel und sandte hin und ließ rufen Bileam, dem Sohn Beors, dass er euch verfluchte {4Mos 22v2 v5}.

Streit: Das ist: Er rüstete sich wider euch, der Meinung und Hoffnung, dass er euch vertilgen wollte.

Sandte: Zuvor und ehe denn er euch eine Schlacht anböte.

Bileam: Dem Wahrsager oder Schwarzkünstler.

Verflucht: Und mit seinen Verzauberungen euch Schaden tat.

10. Aber ich wollte ihn nicht hören. Und er segnete euch; und ich errettete euch aus seinen Händen.

Nicht hören: War also sein Vorhaben vergebens. Denn da er ausgezogen war, der Meinung, dass er euch fluchen wollte, hab ich es ihm gewehrt, dass er euch nichts Böses wünschen konnte.

Segnet: Dass er alles Gutes von euch weissagte und das Beste wünschte.

Händen: Also, dass euch Bileam nicht bezaubern, noch Balak in der Schlacht überwinden konnte, sondern sie alle beide mit den ihren von euch erwürgt wurden.

11. Und da ihr über den Jordan gingt und gen Jericho kamt, stritten wider euch die Bürger von Jericho, die Amoriter, Pheresiter, Kanaaniter, Hethiter, Girgositer, Heviter und Jebusiter; aber ich gab sie in eure Hände {Jos 3v16 6v20 10v8 11v8}.

Gingt: Nämlich durch ein Wunderwerk, wie ihr wisst, denn ich den Fluss lassen trocken werden, bis ihr hier alle hinüber kamt.

Jericho: Einer festen Stadt.

Stritten: Denn sie hielten die Tore vor euch verschlossen und rüsteten sich zum Widerstand: Und weil ihr sie mit eurer Macht und Stärke nicht hättet übermeistern können, so habe ich verschafft, dass die Stadtmauren von selbst umgefallen sind, über welche verfallene Mauern ihr hineingestiegen und die Stadt erobert habt.

Und Jebusiter: Welche zwar alle miteinander viele und mächtige Völker gewesen und mit großer Heereskraft euch entgegengezogen sind, der Meinung, dass sie euch abtreiben wollten, dass ihr das verheißene Land nicht einbekämt.

Gab sie: Dass sie euch nicht widerstehen können.

12. Und sandte Hornissen vor euch her; die trieben sie aus vor euch her, die zwei Könige der Amoriter, nicht durch dein Schwert noch durch deinen Bogen {2Mos 23v28 5Mos 7v20}.

Sandte: Das ist: Ich hab ihnen eine solche Furcht eingesteckt, dass ehe sie mit euch den Streit anfingen, bereits an die Flucht dachten, als ob ein Haufen Hornissen hinter ihnen wäre, dass sie vor eurem Anblick nicht bestehen können.

Könige: Nämlich Og den König zu Basan, und Sihon den König zu Hesbon.

Schwert: Das ist: Du bist für dich selbst nicht so mächtig gewesen, dass du sie hättest vertreiben können, sondern ich habe sie so furchtsam gemacht, dass sie dir den Rücken gewendet, sonst wärest du ihnen viel zu schwach gewesen.

13. Und habe euch ein Land gegeben, daran ihr nicht gearbeitet habt, und Städte, die ihr nicht gebaut habt, dass ihr darin wohnt und esst von Weinbergen und Ölbergen, die ihr nicht gepflanzt habt.

Gearbeitet: Dass ihr weder gepflügt noch besät, sondern wie es von anderen zuvor erbaut wurde, zu eurer Besitzung eingenommen habt. Genießt also der Früchte, darüber ihr keine einzige Mühe gehabt, noch einigen Unkosten nicht darauf gewendet. [Es lässt uns aber Gott noch heutigentags ebenso große Wohltaten zukommen. Denn er hat uns mit dem Worte seines heiligen Evangeliums erleuchtet und guten Frieden und Ruhe im Regiment viele Jahre her gnädiglich widerfahren lassen.]

14. So fürchtet nun den Herrn und dient ihm treulich und rechtschaffen; und lasst fahren die Götter, denen eure Väter gedient haben jenseits des Wassers und in Ägypten, und dient dem Herrn.

Herrn: Nämlich dem einzigen wahren Gott in drei Personen, der euch so viel Gutes erzeigt hat.

Treulich: Lasst euch es mit dem rechten Gottesdienst ein Ernst sein. Also, dass ihr nicht zugleich auch anderen Göttern zu dienen euch unterfangt, sondern diesem einigen wahren Gott allein euch ganz und ganz ergebt.

Götter: Nämlich die falschen und fremden Götter, so noch unter euch sind. Denn die Israeliten sind nicht allerdings und durchaus von der Abgötterei befreit gewesen, der ihrer etliche noch heimlich beipflichten, wie aus dem 20. Kapitel des Propheten Hesekiel bekannt ist. [Ist also die Kirche Gottes nie ohne Heuchler und Abgötter.]

15. Gefällt es euch aber nicht, dass ihr dem Herrn dient, so erwählt euch heute, welchem ihr dienen wollte: dem Gott, dem eure Väter gedient haben jenseits des Wassers, oder den Göttern der Amoriter, in welcher Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.

Erwählt: Welches zwar Josua nicht der Meinung sagt, dass es einem jeden freistehe, er möge einem Gott dienen, der ihm gefällig, und welchem er wolle, sondern dass er damit zu verstehen gebe, wie den Israeliten nicht gebühren wolle, dass sie möchten eine gemengte Religion anrichten, damit sie zum Teil dem wahren Gott und zum Teil den falschen Götzen der Heiden dienten, sondern dass sie nur der einzigen wahren Religion anhängen und der anderen allen miteinander sich entschlagen sollten. [Denn Gott kann keine gemengte Religion leiden, und heißt es: Allein mein, oder lass es ganz sein.]

Wasser: Nämlich Euphrat in Mesopotamien, von welcher falschen und abgöttischen Religion Gott eure Väter abgeführt hat.

Ihr wohnt: Also dass dieselben Götter ihre Anbeter nicht haben beschützen, noch aus eurer Hand erretten mögen.

Dem Herrn: Mit diesen Worten zeigt Josua an, welches die rechte Religion sei, nämlich wenn sie dem Gott und Herrn dienen, der sich dem israelitischen Volk geoffenbart hatte. [Es hätte aber dieselbe israelitische Religion bei etlichen mögen das Ansehen haben, als ob sie neuer wäre, denn die andere, so vorzeiten jenseits dem Fluss Euphrat in Mesopotamien gebraucht wurde, da sie doch viel älter und die rechte Religion war: Also meinen ihrer viele, die evangelische Lehre sei viel neuer als die papistische, da sie doch weit älter und die allererste rechte Lehre ist, der Propheten und Apostel.]

16. Da antwortete das Volk und sprach: Das sei ferne von uns, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen!

17. Denn der Herr, unser Gott, hat uns und unsere Väter aus Ägyptenland geführt, aus dem Diensthause, und hat vor unseren Augen solche große Zeichen getan und uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gezogen sind, und unter allen Völkern, durch welche wir gegangen sind;

Diensthause: Das ist: Er hat uns von der unerträglichen Tyrannei des Pharao errettet.

Zeichen: Und Wunder, daraus wir seine wahre Gottheit und Allmacht erkennen können {Röm 1}.

Gegangen: Sicher und ohne Schaden.

18. und hat ausgestoßen vor uns her alle Völker der Amoriter, die im Lande wohnten. Darum wollen wir auch dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.

Völker: Die uns von dem Eingang des Landes Kanaan abtreiben wollen, dass wir es nicht zu unsere Besitzung einbekämen.

Wir auch: Und nicht du mit deinem Personal allein.

Unser Gott: Ihn allein erkennen wir für den einigen wahren Gott und wollen ihm standhaft dienen. [Es erzeigt aber der gemeine Haufen zu Anfang einen großen Eifer in der Religion, und währte eine Zeit lang, bis sie derselben überdrüssig werden, und immer wieder zur Abgötterei abfallen oder einer neuen Sekte sich anhängig machen.]

19. Josua sprach zum Volk: Ihr könnt dem Herrn nicht dienen; denn er ist ein heiliger Gott, ein eifriger Gott, der eurer Übertretung und Sünde nicht schonen wird.

Eifriger: Der keineswegs leiden kann, dass ihm einer etlichermaßen diene und den fremden Göttern auch zum Teil anhange: Gleichwie ein ehrlicher Ehemann nicht zusehen kann, dass sein Eheweib mit anderen Männern zuhalte.

Und Sünde: Das ist: Wenn ihr etwa in Abgötterei geraten oder auch mit anderen groben Lastern und schweren Sünden euch besudeln und verunreinigen werdet. So wird er solches an euch nicht ungestraft hingehen lassen noch zu euren Misshandlungen durch die Finger sehen, und ist mir verborgen, was ihr zu tun pflegt und wie unbeständig und widersinnig ihr seid.

20. Wenn ihr aber den Herrn verlasst und einem fremden Gott dient, so wird er sich wenden und euch plagen und euch umbringen, nachdem er euch Gutes getan hat.

Verlasst: Wie mir denn nicht zweifelt, dass ihr tun werdet.

wenden: Nämlich wider euch, dass er euch zur Strafe ziehe.

Umbringen: Denn Gott ist den unbußfertigen Sündern ein verzehrendes Feuer, welches alles hinwegräumt und zunichtemacht.

Getan: Und aber sehen wird, dass solches alles nichts bei euch bleiben wird, weil ihr so ganz unbeständig und undankbar euch gegen ihm verhaltet. Es hat aber Josua mit dieser seiner Rede die Israeliten von dem rechten Gottesdienst nicht abschrecken wollen, sondern ihr freiwilliges Bekenntnis, also von ihnen herausbringen, dass sie öffentlich bezeugten, wie sie aus gutem freien Willen und ungezwungen keinem anderen Gott zu dienen begehrten, denn allein dem einzigen und wahren Gott: Damit sie nicht später einmal sagen möchten, man hätte sie mit guten Worten beredet und überlistet oder auch dazu gezwungen, dass sie sich zu dieser Religion bekennen mussten. [Denn ein gezwungener Glaube soll nichts und hat keinen Bestand.]

21. Das Volk aber sprach zu Josua: Nicht also, sondern wir wollen dem Herrn dienen.

Nicht also: Als wollten sie sprechen: Du darfst dich deshalb nichts besorgen, denn wir wollen von diesem wahren Gott nie abfallen zu der Heiden Abgötter, sondern ihm einig und allein anhängen.

22. Da sprach Josua zum Volk: Ihr seid Zeugen über euch, dass ihr den Herrn euch erwählt habt, dass ihr ihm dient. Und sie sprachen: Ja.

Zeugen: Das ist: Dieses euer allgemeines öffentliches Bekenntnis und Aussage, dass ihr versprecht, dem Herrn eurem Gott allein zu dienen, wird einmal eines wider euch selber zeugen, wenn ihr von Gott abfallt.

Erwählt: Nämlich aus freiem Willen, nicht gezwungen noch mit guten Worten dazu überredet.

Dient: Darum seid ihr gebunden nach eurer Aussage, dass ihr keine fremden Götter ehren dürft.

Ja: Wir sind zufrieden und begehren, dass dies unser öffentliches Bekenntnis ein ewiges Zeugnis sei unseres Willens und dass wir uns zu der einigen wahren Religion, dazu wir uns jetzt gebunden haben, bekennen.

23. So tut nun von euch die fremden Götter, die unter euch sind, und neigt euer Herz zu dem Herrn, dem Gott Israels.

Tut: Wenn es euch mit der Sache ein Ernst ist, wie ihr sagt.

Sind: Die ihr noch bei Händen habt, und sagt ab allem fremden Gottesdienst, den der Herr nicht geboten hat.

Gott Israel: Demselben dient allein, den liebt, ehrt, fürchtet und vertraut ihm und hängt ihm an von ganzem Herzen.

24. Und das Volk sprach zu Josua: Wir wollen dem Herrn, unserem Gott, dienen und seiner Stimme gehorchen.

Gehorchen: Welches wir hiermit öffentlich wollen vor Gott bezeugt haben. [Wir verheißen aber viel leichter Gott zu gehorchen, als dass wir es leisten: Denn es hat noch nie keiner den Geboten Gottes vollkommenen Gehorsam geleistet, ohne allein unsere Herr und Heiland Christus, Gottes und der Jungfrauen Marien Sohn.]

25. Also machte Josua desselben Tages einen Bund mit dem Volk und legte ihnen Gesetze und Rechte vor zu Sichem.

Bund: Das ist: Er hat den vorigen Bund wiederum erneuert, welchen Mose zwischen Gott und dem Volk gemacht hatte {2Mos 24}.

Legt: Das ist: Er hat ihnen lassen vorlesen.

Gesetz: Das ist: Die Gebote Gottes, welche durch Mose ihnen sind verkündigt worden, deren aller summarischen Inhalt das fünfte Buch Mose betrifft, welches Josua dem Volk vorlesen und wiederholen lassen.

Sichem: Auf dem allgemeinen Reichstag, so darin gehalten wurde. Und da das Volk von Neuem wiederum in die Gebote Gottes gewilligt und dieselben angenommen hat. So ist auch der Bund zwischen Gott und dem Volk gleichsam von neuem dadurch bekräftigt und bestätigt wurden, dass das Volk dem einigen wahren Gott allein zu dienen sich verpflichtet und gebunden hat.

26. Und Josua schrieb dies alles ins Gesetzbuch Gottes; und nahm einen großen Stein und richtete ihn auf dort unter einer Eiche, die bei dem Heiligtum des Herrn war {1Mos 35v4}.

Dies alles: Dass nämlich das Volk abermals zu dem einzigen wahren Gott versprochen hätte und allen anderen Göttern der Heiden abgesagt.

27. Und sprach zum ganzen Volk: Siehe, dieser Stein soll Zeuge sein zwischen uns, denn er hat gehört alle Rede des Herrn, die er mit uns geredet hat; und soll ein Zeuge über euch sein, dass ihr euren Gott nicht verleugnet.

Zeuge sein: Also dass, wenn ihr einmal von Gott abfallt, dieser Stein wider euch zeugen wird, wie ihr eidbrüchig geworden seid. Denn er wird anzeigen, wie euch Gott durch mich zur Beständigkeit in der Religion vermahne lassen und ihr solches vor dem Angesicht Gottes öffentlich verheißen habt. Und redet Josua vom Stein, als ob er hören könnte, auf dass, sooft ihn die Israeliten ansehen, sich erinnerten und daran gedächten, was sie Gott versprochen hätten.

28. Also ließ Josua das Volk, einen jeglichen in sein Erbteil.

Also: Nämlich nach geendetem Reichstag. [Und soll man dergleichen Reiches- oder Landtage längst im Römischen Reich gehalten haben, darauf man die Abgötterei und Sekten abgeschafft und alle Stände des Reiches in die reine Lehre des Evangeliums gewilligt hätten. Aber das kann man viel eher wünschen als hoffen.]

29. Und es begab sich nach dieser Geschichte, dass Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des Herrn, starb, da er hundertundzehn Jahre alt war.

30. Und man begrub ihn in der Grenze seines Erbteils, zu Thimnath Serah, die auf dem Gebirge Ephraim liegt von mitternachtwärts am Berge Gaas.

31. Und Israel diente dem Herrn, solange Josua lebte und die Ältesten, welche lange Zeit lebten nach Josua, die alle Werke des Herrn wussten, die er an Israel getan hatte.

Ältesten: Welche bei ihren Lebzeiten das Volk im Zaum hielten, dass es nicht in Abgötterei geriete: Aber nach derselben Absterben sind ihre Nachkommen bei der reinen Lehre nicht geblieben, wie aus dem 2 Kapitel des Buches der Richter zu sehen. [Darum soll man bitten, dass er die Alten so in der rechten Religion guten Grund haben, seiner Kirche und der Polizei zum besten lange leben lassen wolle, und dass er nach ihrem Absterben andere erwecken wolle, die auch von der wahren Religion nicht abweichen.]

32. Die Gebeine Josephs, welche die Kinder Israel hatten aus Ägypten gebracht, begruben sie zu Sichem in dem Stücke Feldes, das Jakob kaufte von den Kindern Hemors, des Vaters Sichems, um hundert Groschen, und wurde der Kinder Josephs Erbteil {1Mos 33v19}.

Gebracht: Wie Josef vor seinem Ende gebeten hatte {1Mos 50v25 2Mos 13v19}.

Vaters Sichem: Von dem die Stadt den Namen bekommen.

Groschen: Welchen Wert man nicht eigentlich wissen kann. Dass aber Jakob um solches Geld den Acker gekauft wird {1Mos 33} gemeldet. Und hat Josef im Lande Kanaan wollen begraben sein und ruhen, weil er wusste, dass in demselben der Messias sollte geboren werden, darum er im Testament verlassen, dass man ihn ins Land Kanaan führen und darin vergraben sollte, welchem hier nachgesetzt wurde. [Denn welches Testament recht und ordentlicherweise gemacht sind, die sollen in ihren Kräften bleiben, und soll man deren die Macht zu testieren, den letzten Willen erfüllen.]

Erbteil: Nämlich mit der umliegenden Landschaft, die sie den Amoritern genommen, wie solches Jakob seinem Sohn Josef versprochen hatte {1Mos 48}. [Und findet man hier, wie der Voreltern Verheißungen so steif und unverbrüchlich damals sind gehalten worden, da man heutigentags kaum hält, was mit großen Briefen und Siegeln bestätigt ist.]

33. Eleasar, der Sohn Aarons, starb auch; und sie begruben ihn zu Gibea seines Sohnes Pinehas, die ihm gegeben war auf dem Gebirge Ephraim.

Starb auch: Denn der Tod verschont niemand, weil wir alle gesündigt haben. Wir sollen aber Christo Lob und Dank sagen, der den Tod überwunden hat. Also dass, wer an ihn glaubt, nicht soll verloren werden, sondern das ewige Leben haben, welchem mit dem Vater und Heiligem Geiste sei Lob, Ehre und Preis in alle Ewigkeit, Amen.