Der Prophet Jeremia


Der Prophet Jeremia hat aus dem priesterlichen Stamm seine Herkunft gehabt und ist im Städtlein Anathoth geboren, welches man den Priestern zu bewohnen gegeben {Jos 21}. Es war aber zu seinen Zeiten sowohl in der Kirche als im weltlichen Regiment des Volkes Gottes eine gräuliche und vielfältige Abgötterei eingerissen, wurde dazu ein unordentliches Leben geführt, welches ohne das auf die Abgötterei zu folgen pflegt, gleichwie ein Schatten dem Leibe nachgeht. Denn obwohl Gott etliche fromme Könige erweckt, welche die Religion reformiert und im Regiment viele Dinge verbesserten. In Maßen der fromme König Josia derselben einer gewesen, zu welchen Zeiten Jeremia zu predigen angefangen. So behielt doch das Volk seine vorige gottlose Meinung im Herzen. Und sobald nachdem Absterben eines frommen Königs ein anderer aufkam, so fiel das Volk wieder auf seine vorige Meinung und verunreinigte sich mit allerhand Abgötterei und anderen groben Lastern. Darum ist der Prophet Jeremia von Gott besonders dazu berufen worden, dass er dem jüdischen Volk die Buße predigen sollte, welches er auch treulich getan und den Juden die Babylonische Gefangenschaft gedroht hat. Daneben aber mengt er hin und wieder liebliche Predigten und Weissagungen mit unter von Christo und von der Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft, damit die Bußfertigen in solchem künftigen großen Jammer nicht verzagten. Es hat aber dieser Prophet einen großen Jammer mit Augen sehen und ausstehen müssen. Denn da er den Juden aus Offenbarung des Heiligen Geistes den Rat gibt, dass sie sich dem Könige zu Babel ergeben soll, denn es werde die Stadt Jerusalem doch erobert werden, sofern sie dieselbe nicht gutwillig aufgeben, wird er darüber ins Gefängnis geworfen, hat auch von den falschen Propheten, Priestern, Hofleuten und gemeinem Volk viel Ungemach leiden müssen, welche ihn verlästert und als einen Feind und Verräter des Vaterlandes ausgeschrien. Endlich auch, da die Stadt erobert und zerstört war, zogen die Juden, so von den Chaldäern im Lande gelassen wurden, wider den Befehl Gottes in Ägypten und führten den Propheten Jeremia mit sich mit Gewalt, da er ihnen doch zuvor angezeigt hatte, sie würden auf derselben Reise kein Glück haben. Danach hat auch der Prophet Jeremia von etlichen anderen Königreichen Strafen und Untergang geweissagt. Endlich aber ist er von den Juden von wegen seiner stetigen und scharfen Strafpredigten in Ägypten (wie man es dafür hält) gesteinigt worden.


Das 1. Kapitel


I. Erstlich wird gesagt von des Propheten Herkunft und Berufung zum Prophetenamt, v. 1. II. Danach folgten etliche Gesichte von der Stadt Jerusalem Zerstörung und des jüdischen Volkes Wegführung gen Babel, v. 11. III. Darauf steht ein Trost, damit der Prophet wider seiner Zuhörer Ungestüm gestärkt wird, v. 17.

1. Dies sind die Geschichten Jeremias, des Sohnes Hilkias, aus den Priestern zu Anathoth, im Lande Benjamin,

Geschichten Jeremia: Was er geredet und getan hat.

Anathoth: Welche Stadt den Priestern zur Wohnung eingeräumt wurde {Jos 21}. Denn es verrichteten die Priester ihr Amt bei und in dem Tempel umeinander, zu unterschiedlichen Zeiten, nachdem einen jeden die Ordnung traf, danach verfügten sie sich wiederum heim zu ihren Weibern und Kindern und versahen ihre Haushaltung. [Denn der Ehestand macht einen Menschen zum Predigtamt nicht ungeschickt oder unwürdig].

2. zu welchem geschah das Wort des Herrn zur Zeit Josias, des Sohnes Amons, des Königs Judas, im dreizehnten Jahr seines Königreichs,

3. und später zur Zeit des Königs Judas Jojakim, des Sohnes Josias, bis ans Ende des elften Jahres Zedekias, des Sohnes Josias, des Königs Judas, bis aufs Gefängnis Jerusalems im fünften Monden.

Ans Ende: Das ist, es sind in diesem Buch die göttlichen Weissagungen begriffen, welche dem Propheten Jeremia geoffenbart wurden, dass er sie dem Volk vorhalten soll, vom dreizehnten Jahr an des Königs Josia und später auch bei der Regierung Jojakim und seines Nachkommens Jojachin, bis zu der Zerstörung des Königreichs Juda und der Stadt Jerusalem, welche geschehen ist im elften Jahr des Königs Zedekia, im fünften Monden, da die Bürger zu Jerusalem in die Babylonische Gefangenschaft hinweggeführt werden. [Darum wenn wir diesen Propheten lesen oder hören, so sollen wir wissen, dass nicht nur ein Mensch, sondern Gott mit uns rede].

4. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

5. Ich kannte dich, ehe denn ich dich im Mutterleibe bereitete und sonderte dich aus, ehe denn du von der Mutter geboren wurdest und stellte dich zum Propheten unter die Völker {Ps 139v16 Gal 1v15}.

Kannte dich: Das ist, ich wusste, dass du mir ein tauglicher Diener und Prophet sein würdest, ehe denn du empfangen wurdest.

Völker: Denn ich habe dich zum Propheten und Predigtamt bestimmt, und zwar dass du nicht allein dem jüdischen Volk, sondern auch etlichen anderen Heiden ihren Untergang als eine Strafe ihrer Bosheit verkündigst. Darum will ich, dass du zukünftig predigst, was ich dir offenbaren werde. [Ist deswegen der Prophet Jeremia von Gott zum Predigtamt berufen worden, dass er sich nicht selber eingedrungen, wie die Schwärmergeister und Schwindelhirne tun. Und ist gewiss, dass, da die Kinder noch im Mutterleibe sind, Gott bereits seine Kirche mit tauglichen Predigen versorge, die er einmal derselben vorsetzen wolle. Und werden an den Knaben bisweilen sonderbare Anweisungen gesehen, dabei man abnehmen kann, dass sie einmal zu vortrefflichen und nützlichen Dienern der Kirche geraten werden, welchem guten Anfang die Eltern forthelfen sollen mit Unterweisung, gottseliger Auferziehung und einem inbrünstigen Gebet, dass auch dabei sein muss].

6. Ich aber sprach: Ach, Herr, ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung!

Tauge nicht: Ich gebe keinen guten Prediger und Propheten, weil ich nicht wohl beredet noch im Lehramt genügend unterrichtet bin, dazu mangelt mir es am Alter und an der Erfahrenheit. So bin ich der Sachen nicht geübt, werde auch bei den Zuhörern kein Ansehen habe, weil ich noch ein ganz junger Mensch bin. [Kommen deswegen ihrer etliche sehr ungern dahinter, das sie zum Predigtamt in der Kirche sich gebrauchen lassen, weil sie wohl wissen und ihnen zu Gemüt führen können, was ein solches Amt auf sich habe. Wiederum sind auch etliche, die aus einem gottseligen Eifer der Kirche zu helfen sich aufmuntern und derselben ihren Dienst freiwillig selbst anbieten, wie Jesaja getan, Kapitel 6. Die sind beide zu loben, sofern sie nach empfangenem Beruf, demselben gehorsamen und ihrem Amt treulich nachkommen].

7. Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: Ich bin zu jung; sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen, was ich dich heiße.

Sage nicht: Wende solche Entschuldigung nicht vor. [Denn wen Gott ordentlicherweise zu einem zum Kirchenamt beruft, so soll das Alter es nicht verhindern. Daher auch der Apostel Paulus zum Timotheus schreibt, niemand verachte deine Jugend {1Tim 4}].

Sende: [Denn man soll einen ordentlichen Beruf nicht ausschlagen, wo es Gottes Ehre und der Kirche Wohlfahrt fordert, wenn uns gleich der Ort nicht ganz wohl zusagt. Und soll man die Wahrheit des Wortes Gottes nicht verhehlen oder mit Stillschweigen übergehen, ob wir gleich merken, dass wir vieler Leute Feindschaft dadurch auf uns laden werden].

8. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.

Vor ihnen: Welche du meinst, dass sie durch deine Predigten möchten wider dich aufgebracht werden und darüber zürnen.

Bei dir: Ich will dir beistehen und soll dir ohne meinen Willen keiner ein Haar krümmen. [Sollen wir deswegen die Menschen nicht fürchten, welche uns ohne den Willen Gottes keinen Schaden tun können. Denn Gott hält mit seiner Hand ob den Kirchendienern und schützt sie und da sie in dieser Welt etwas Widerwärtiges nach seinen Willen ausstehen müssen, so wird ihnen solches im anderen Leben reichlich belohnt werden {Mt 5}].

9. Und der Herr reckte seine Hand aus und rührte meinen Mund und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund {Esra 6v7}.

Ich lege: Das ist, es hat mir Gott in einem Gesicht, mit einer besonderen Zeremonie angezeigt und zu verstehen gegeben, dass er meinen Mund mit notwendigen Gaben zu lehren und zu predigen ausgerüstet und mir die Erkenntnis seines Wortes mitgeteilt habe, dass ich zukünftig dem Prophetenamt gebührlich dienen könne. [Obwohl nun heutigentags den Leuten nicht auf eine solche wunderbare Weise, wie hier dem Propheten Jeremia geschehen, die notwendigen Gaben zum Predigtamt und die Erkenntnis seines Wortes gegeben werden. So teilt doch Gott denen, die er zum Kirchenamt haben will, durch ordentliche Mittel allerlei gute Gaben mit, so viel sie deren bedürfen, und lässt sie täglich in ihnen wachsen und zunehmen, besonders wenn er aus Glauben darum fleißig angerufen wird].

10. Siehe, ich setze dich heute dieses Tages über Völker und Königreiche, dass du ausreißen, zerbrechen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Über Völker: Das ist, ich habe dich zu einem vortrefflichen Propheten bestellt und angenommen, dass du den Völkern und Königreichen, so mit vielem gottlosen Wesen sich verunreinigt, in meinem Namen ihre Zerstörung und endlichen Untergang verkündigen sollst, sofern sie von ihrem Gottlosen und bösen Wesen nicht abstehen. Und sollen solche deine Strafpredigten nicht nur vergebliche Drohworte sein, sondern es soll also ergehen, wie du ihnen zuvor verkündigt hast, dass der Ausgang deine Worte wahr machen und bestätigen soll. Darum du auch um solcher Gewissheit willen deiner Weissagungen gleichsam für einen Überwinder und Zerstörer der Königreiche wirst angesehen werden. [Denn es folgt auf die Bedrohungen, so uns im göttlichen Wort vorgehalten werden, der Herrschaften Verwüstung und Zerstörung, wo man nicht Buße tut. Und können die Prediger ein Königreich, Fürstentümer, Stadt oder Land über einen Haufen predigen: Doch sollen die Kirchendiener darum nicht lärmen, blasen und zum Kriege anhetzen, welches aufrührerisch gehandelt wäre, dessen man auch kein Beispiel in Heiliger Schrift hat].

Zerstören: nach Luther]. Nicht durch Krieg, sondern mit Predigen und Weissagen.

Bauen: Das ist, wenn ein Volk oder Königreich deiner Stimme gehorchen, deine Predigten annehmen und Buße tun wird, so wird es nicht zerstört werden, sondern vielmehr wachsen und zunehmen. [Denn welche dem Worte Gottes Gehorsam leisten und Buße tun, die erlangen für sich und die ihrigen den Segen Gottes und alle zeitliche Wohlfahrt {Jer 18}. Damit nun das Predigtamt des göttlichen Wortes uns nicht zum Verderben gereiche, sondern zur Seligkeit förderlich sei, so sollen wir uns dasselbe durch wahren Glauben und Gehorsam zu Nutzen machen].

11. Und es geschah des Herrn Wort zu mir und sprach: Jeremia, was siehst du? Ich sprach: Ich sehe einen wackeren Stab.

Und: Folgen jetzt zwei Gesichte, damit Gott dem Propheten das herzunahende Unglück der Juden zu verstehen gebe.

Zu mir: Das ist, der Herr redete mit mir.

Wackeren Stab: Der zum Schlagen allerdings zugerichtet und fertig ist.

12. Und der Herr sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn ich will wacker sein über mein Wort, dass ich es tue.

Wacker sein: Ich will mich rüsten und gefasst machen, dass ich mein hartes Urteil, welches ich durch deine Vorfahren, die Propheten, verkündigen lassen, wider die Unbußfertigen gewisslich ins Werk richte. [Denn wir sollen nicht meinen, dass Gott schlafe oder schlummere, wenn wir ihn mit Unbußfertigkeit zum Zorn gereizt haben].

13. Und es geschah des Herrn Wort zum andermal zu mir und sprach: Was siehst du? Ich sprach: Ich sehe einen heißen siedenden Topf von Mitternacht her.

Und: Gott erklärt und bestätigt die vorige Weissagung mit noch einem anderen Gesicht und Gleichnis.

Topf: Dadurch wurde bedeutet die große Angst und Trübsal, damit Gott sein Volk durch die Feinde von Babel aussieden wollte. [Gleichwie aber, je mehr man Holz anlegt und das Feuer größer macht, je heftiger ein Haufen oder Topf siedet. Also je mehr und größere Sünden wir begehen, je mehr und beschwerlicher Unglück wir uns über den Hals laden, und legen somit mehr Holz an].

14. Und der Herr sprach zu mir: Von Mitternacht wird das Unglück ausbrechen über alle, die im Lande wohnen {Jer 4v6}.

Ausbrechen: Das ist von den Chaldäern, welche von dem Lande Kanaan zu rechnen, gegen Mitternacht wohnten, wird das Unglück sich hervortun und ausgeschüttet werden über das Volk des Königreichs Juda. [Und sieht es ihm nicht ungleich, als ob dem deutschen Lande von wegen der Verachtung des geoffenbarten Evangeliums ein großes Unglück von den mitternächtigen Ländern, die etwas gegen dem Aufgang liegen, gedroht werde, besonders, wie zu jetziger Zeit die Sachen stehen. Von welchem Handel vielleicht auch der Prophet Hesekiel geweissagt hat (Kapitel 38). Da er den Zug des Gog, eines mittnächtigen Feindes, beschreibt].

15. Denn siehe, ich will rufen alle Fürsten in den Königreichen gegen Mitternacht, spricht der Herr, dass sie kommen sollen und ihre Stühle setzen vor die Tore zu Jerusalem und rings um die Mauern her und vor alle Städte Judas.

Fürsten: Dass sie sämtlich mit dem Könige zu Babel wider das Königreich Juda anziehen und sich zu Felde legen. [Denn wenn Gott die Sünden und Bosheit seines Volkes strafen will, so schafft er, dass viel Fürsten und Völker wider die Kirche sich zusammen verbinden].

Sie: Nämlich die Fürsten und Herren mit dem mächtigen Monarchen von Babel.

Zu Jerusalem: Das ist, sie werden die Stadt Jerusalem wie auch alle anderen Städte dieses Königreichs einnehmen und darin ihres Gefallens herrschen. Denn für oder in den Toren der Stadt seinen Stuhl setzen, heißt in der Schrift eben so viel, als in derselben herrschen, weil man vorzeiten unter den Toren Gericht gehalten, wie bei uns auf Rathaus geschieht. [Wenn aber Gott die Stadt Jerusalem nicht verschont hat, die er doch vor der Zeit ganz lieb hatte, so wird er unser, derer Voreltern vorzeiten Heiden gewesen sind, eben so wenig schonen, da wir ohne Buße in unserem bösen Wesen und Leben fortfahren {Röm 11}].

16. Und ich will das Recht lassen über sie gehen um aller ihrer Bosheit willen, dass sie mich verlassen und räuchern anderen Göttern und beten an ihrer Hände Werke.

Gehen: Das ist, ich will die Juden vor Gericht fordern, sie um ihre Bosheit anklagen und derselben überweisen, auch darauf ein zwar hartes, aber gerechtes Urteil über sie fällen und solches durch die Fürsten von Mitternacht vollstrecken lassen.

Hände Werke: Nämlich ihre Götzen, die sie selber gemacht haben. [Es begreift aber der Prophet mit diesen Worten allerlei Gattung der Abgötterei, wie sie auch mag Namen haben. Denn es sind nicht allein die ein Gräuel vor Gott, welche der Heiden Abgötter und Götzen anbeten, sondern auch, welche das Wort Gottes beiseitestellen und in Religionssachen es nach ihrem Vernunftsdenken machen, erdenken neue und falsche Gottesdienste, die mit dem Worte Gottes nicht übereinstimmen und loben sie mit höchster Verwunderung, verteidigen sie auch mit großer Halsstarrigkeit, da doch Gott mit solchen Sachen vergeblich gedient wird {Mt 15 Kol 2}].

17. So begürte nun deine Lenden und mache dich auf und predige ihnen alles, was ich dich heiße! Fürchte dich nicht vor ihnen, als sollte ich dich abschrecken {Lk 12v35 1Petr 1v13}!

Begürte: Das ist, rüste dich und mache dich gefasst, auf dass du dein Prophetenamt freudig anfängst.

Vor ihnen: Welche in der Bosheit und in ihrem gottlosen Wesen verharren und deine Strafpredigten nicht für gut aufnehmen wollen. [Denn wenn wir gleich wissen, dass nicht jedermann der Wahrheit Beifall geben wird, so sollen wir dennoch das unsere tun und unserem Amte nachkommen, auf dass wir ein gutes Gewissen behalten. Und sollen uns damit begnügen lassen, wenn wir zum wenigsten etliche der Hölle aus dem Rachen gerissen haben].

Abschrecken: Denn wenn sie gleich sagen werden, du predigst dem Worte Gottes zuwider und die falschen Propheten unter dem Schein meines Namens sich unterstehen, dich von deinem Vorhaben abzuschrecken, so lass dich es nicht irren. [Soll demnach ein Kirchendiener in der Erkenntnis der Wahrheit so gewiss sein, dass, wenn die Widersacher gleich mit Sprüchen der Heiligen Schrift, die sie Unrecht anziehen, ihm widersprechen, er sich dennoch von der Wahrheit nicht lasse abwendig machen].

Nach Luther:]. Unter Gottes Namen schreckt man die rechten Prediger, ei du bist ein Ketzer, du predigst wider Gott und seine Kirche. Da bedarf es wohl dieses Trostes, dass man wisse, Gott tue es nicht.

18. Denn ich will dich heute zur festen Stadt, zur eisernen Säule, zur eisernen Mauer machen im ganzen Lande wider die Könige Judas, wider ihre Fürsten, wider ihre Priester, wider das Volk im Lande {Jer 6v25 15v20},

Ganzen Lande: Bei allen Völkern, unter welche du geraten wirst, da will ich machen, dass du sollst unüberwindlich sein. Also dass weder der Könige und Fürsten großes Ansehen und Drohungen, noch der Priester und falschen Propheten List und Geschwindigkeit oder Verlästerung, Schreien und Diskutieren, noch das allgemeine Personal unsinnige Wüterei dich von dem Bekenntnis der Wahrheit und von deinem Amt mögen abtreiben, sondern du sollst deinen Beruf wider alle Pforten der Hölle hinausführen und wohl zum Ende bringen.

19. Dass, wenn sie gleich wider dich streiten, dennoch nicht sollen wider dich siegen; denn ich bin bei dir, spricht der Herr, dass ich dich errette.

Errette: Von ihren Händen, bis du deinen Lauf vollendet hast. [Sollen deswegen alle frommen und reinen Kirchendiener des Evangeliums wissen, dass sie Christus, Gott und Menschen gegenwärtig bei sich haben. Nach dem Spruch, siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende {Mt 28}. Der regiert und schützt sie, dass sie einen guten Kampf kämpfen und endlich die Krone der Ehren davon bringen {2Tim 4}. Darum sollen wir dem Teufel und seinem Toben nicht weichen, sondern ihm tapferen Widerstand tun].


Das 2. Kapitel


1. Der Prophet schilt auf der Juden vielfältige Sünden, Undankbarkeit und Abgötterei. v. 4. 2. Und droht ihnen großes Unglück und alles Übel, so sie mit der gedingten assyrischen und ägyptischen Hilfe ihnen über den Hals gezogen. v. 9. 3. Beruft darauf die Kirche und ermahnte sie, dass sie sollen von der Abgötterei abstehen und Buße tun, so werden sie Verzeihung erlangen. v. 23.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Jetzt beweist Gott den Juden die Guttaten, so er getan, sie sich dagegen so undankbar verhalten.

2. Gehe hin und predige öffentlich zu Jerusalem und sprich: So spricht der Herr: Ich gedenke, da du eine freundliche junge Dirne und eine liebe Braut warst, da du mir folgtest in der Wüste, im Lande, da man nichts sät,

Öffentlich: Mit heller Stimme, dass es jedermann hören kann.

Gedenke: Ich führe mir selber wiederum zu Gemüte, wie du mir so sehr lieb gewesen bist, da ich dich vor Zeiten durch das Rote Meer aus Ägypten geführt und vor großer Liebe mir selbst dir vertraut, dich auf als mein auserwähltes Volk, als eine liebe Braut von jedermann gehalten habe.

Sät: An einem dürren und unfruchtbaren Ort, wo ich dich hinführte, da ich dir am Tage in der Wolkensäule und des Nachts in der Feuersäule den Weg zeigte, dich auch sonst schützte und ernährte: Oh wie warst du damals s ein glückseliges Volk.

3. Da Israel des Herrn eigenen war und seine erste Frucht. Wer sie fressen wollte, musste Schuld haben und Unglück über ihn kommen, spricht der Herr.

Eigen war: Von allen anderen Völkern abgesondert und durch das Wort Gottes geheiligt, zur Übung des wahren Gottesdienstes und das ewige Leben zu erlangen.

Erste Frucht: Gott freute sich über dich, als wenn sich einer über die ersten Früchte der Ernte Einkommens freut.

Schuld haben: Das ist: Du warst damals so ein angenehmes Volk, dass ich wider diejenigen aufs ernstlichste Strafe übte, die dich beleidigten. Denn wenn zu Anfang der Eifer des Volkes Gottes in der wahren Religion groß ist, so auch die Liebe Gottes zu seiner Kirche groß. Aber es häufig nur am Anfang groß, in der Mitte hat es schon nachgelassen, am Ende ist es kaum noch jemand nützlich.

4. Hört des Herrn Wort, ihr vom Hause Jakob und alle Geschlechter vom Hause Israel!

Hört: Jetzt beklagt sich Gott über der großen Unbeständigkeit des Volkes, dass sie nicht fest an ihn gehalten, sondern treulos und meineidig an ihm geworden sind.

Geschlechter: So viel euer von dem Patriarchen Jakob, der auch Israel geheißen, hergekommen seid.

5. So spricht der Herr: Was haben doch eurer Väter Fehls an mir hatte, dass sie von mir wichen und hingen an den unnützen Götzen, da sie doch nichts erlangten {Jes 5v4 Mi 6v3},

Fehls: Was hat sie doch dazu verursacht, dass sie mich verlassen und fremden Göttern nachgefolgt sind, von denen sie keinen Schutz hatten? Ich (spricht der Herr) habe ihnen freilich meinesteils keine Ursache dazu gegeben, dass sie meinen reinen Gottesdienst nach hinten gesetzt und mit allerhand Abgötterei und groben Lastern sich verunreinigt, welche Bosheit ihr ihnen abgelernt und nachgetan habt. [Und kann man Gott in der Wahrheit keine Schuld geben des Abfalls und der Bosheit. Denn er denen, die ihn immer lieben, mit väterlicher Zuneigung beständig gewogen bleibt].

6. und dachten nie keinmal: Wo ist der Herr, der uns aus Ägyptenland führte und leitete uns in der Wüste, im wilden, ungebahnten Lande, im dürren und finsteren Lande, im Lande, da niemand wandelte, noch kein Mensch wohnte {5Mos 8v15}?

Dachten: Das ist, eure undankbaren Voreltern, gleichwie auch ihr, seid nicht so verständig, fromm und dankbar gewesen, dass ihr dauernd in euch selber gegangen und hättet gesagt: Warum dienen wir nicht unserem Herrn Gott allein und das nach seinem uns vorgeschriebenen Wort, weil er uns so unzählig viele Guttaten erzeigt hat. Und hat uns vorzeiten aus der unleidentlichen ägyptischen Dienstbarkeit erlöst, dazu durch die grausamen, dürren, unfruchtbaren, unwegsame und schreckliche Wüste, da niemand wohnt, durch allerhand Gefahr, die wir von den wilden und vergifteten Tieren oder auch sonst zu besorgen hatten, so gnädiglich und väterlich in ein sehr lustiges Land und Königreich ausgeführt hat: Und das noch mehr ist, so hat er sich uns so oft und häufig offenbart und durch sein Wort selbst zugesprochen, dass wir ihm für solche große Guttaten in alle Ewigkeit niemals genügend Lob und Dank sagen können. [Denn wenn wir die Guttaten Gottes, beide, Geistliche und Leibliche, die er uns erzeigt hat, recht bedenken, so müssen wir bekennen, dass unsere Dankbarkeit mit seiner Güte keines Weges mag verglichen werden].

7. Und ich brachte euch in ein gutes Land, dass ihr äßet seine Früchte und Güter. Und da ihr hineinkamt, verunreinigtet ihr mein Land und machtet mir mein Erbe zum Gräuel.

Gutes Land: Welches ich euch zur Besitzung eingegeben. [Denn obwohl die zeitlichen Güter nicht die ornehmsten sind, wenn sie gegen die geistlichen gehalten werden, so soll man sie dennoch auch mit dankbarem Herzen erkennen].

Verunreinigt: Nämlich mit eurer vielfältigen Abgötterei und anderen groben Sünden, damit ihr dasselbe Land, welches ich für mein liebstes Erbteil hielt, zum Scheusal gemacht. [Also ist die verdorbene menschliche Natur geartet, dass sie, wenn sie sich selbst gelassen wird, Gott dem Herrn das Gute mit Bösem vergilt].

8. Die Priester gedachten nicht: Wo ist der Herr? Und die Gelehrten achteten mein nicht und die Hirten führten die Leute von mir und die Propheten weissagten vom Baal und hingen an den unnützen Götzen.

Priester: Welche andere hätten sollen zum Guten anweisen, haben nicht nach Gott gefragt, dass sie hätten begehrt ihm allein zu dienen, von dem sie doch so viel leibliche und geistliche Guttaten empfangen hatten.

Gelehrten: Welche mit dem Gesetz Tag und Nacht umgingen, die hatten meine rechte Erkenntnis nicht.

Hirten: Nämlich die geistlichen Hirten und Lehrer meines Volkes.

Führten: Sie sind die Rädelsführer und Vorgänger gewesen, so das Volk zur Abgötterei gewiesen haben.

Propheten: Welche sich rühmten, dass sie besondere Gaben zu lehren und zu weissagen von Gott empfangen hätten, die haben nicht auf den rechten Gottesdienst gedrungen, wie er von mir befohlen wurde, sondern die abgöttischen baalitischen Gottesdienste dem Volk eingeschwätzt und solche Religionsübungen gerühmt, die den Leuten nichts nützen, sondern vielmehr schädlich sind und damit Gott vergeblich gedient wird. [Es geht aber alsdann ganz elend und jämmerlich in der Kirche zu, wenn auch die Lehrer und Prediger in der Religion irren. Und möchte man auf diese Weise zu den Katholiken recht sagen: Eure Priester haben Christus, den einzigen Mittler, nicht allein gesucht und welche Tag und Nacht Psalmen oder andere biblische Texte gemurmelt, die haben keine wahre Erkenntnis Christi. Eure Lehrer haben die Gottesdienste, so von Menschen erdacht wurden, viel höher geachtet, als die Haltung der Gebote Gottes, haben auch in ihren Predigten solche Sachen vorgebracht und abgehandelt, die einem Christen Menschen zu wissen weder notwendig noch nützlich waren].

9. Ich muss mich immer mit euch und mit euren Kindeskindern schelten, spricht der Herr.

Schelten: Nämlich darüber, dass ihr die rechtmäßigen Gottesdienste, welche ich euch durch Mose lassen, vorschreiben, so oft geändert und verfälscht habt, in welchem Tun ihr viel ärger seid, als die Heiden.

10. Geht hin in die Inseln Chittim und schaut und sendet in Kedar und merkt mit Fleiß und schaut, ob es dort so zugeht,

Inseln Chithim: Nämlich in der Mazedonier oder Griechen Land, welches übers Meer gelegen ist. Denn die Israeliten nennen ein jedes Land jenseits des Meers eine Insel, ob es gleich nicht mit Wasser überall umflossen ist.

Schaut: Ob die selbigen Völker ihre Religion geändert und nachdem sie die vorige verworfen, eine allerdings neue erdacht haben.

Kedar: Welches Land des Ismaels Nachkommen besessen haben {1Mos 25}.

So zugeht: Denn wenn ihr auf der Heiden Weise und Brauch gut achthaben werdet, so werdet ihr befinden, dass sie über ihre Religion fest und steif halten und ihre Götter nicht verlassen, da sie doch den wahren Gott nicht haben noch ehren, sondern in der Wahl sich irren, nichtsdestoweniger muss man schier ihren Eifer und Standhaftigkeit etlichermaßen loben: Aber ihr, welcher Voreltern der wahre Gott ist geoffenbart worden, der ihr Herrlichkeit und Zierde gewesen, durch dessen Guttaten sie auch einen herrlichen Namen erlangt haben, denselben wahren, frommen, gerechten und allmächtigen Gott verlasst ihr und ehrt die Götzen, verrichtet Gottesdienste, so von Menschen erdacht sind und verändert also die wahre Religion in eine falsche und verkehrt die wahren und rechten Gottesdienste in gottlose und abgöttische Gebräuche, darum ihr viel ärger seid, als die Heiden. [Gleichen Gesang können wir auch den Katholiken und Zwinglianern vorsingen. Denn sie zu beiden Teilen von der ersten Einsetzung des heiligen Abendmahls abgewichen und dieselbe jämmerlich verkehrt haben: Die Katholiken zwar haben das Abendmahl verändert in ein Versöhnungsopfer für die Lebendigen und Toten. Die Zwinglianer aber haben eben dasselbe Sakrament des Leibes und Blutes Christi zum Gemeinde Wohlleben oder einer schlechten Mahlzeit gemacht, da ihrer Meinung nach nichts Weiteres gegeben werde als Brot und Wein].

11. ob die Heiden ihre Götter ändern, wiewohl sie doch nicht Götter sind? Und mein Volk hat doch seine Herrlichkeit verändert um einen unnützen Götzen {Ps 106v20}.

Herrlichkeit: nach Luther]. Das ist, seinen Gott.

12. Sollte sich doch der Himmel davor entsetzen, erschrecken und sehr erbeben, spricht der Herr.

Sollte: Der Prophet streicht mit einer verblümten Rede eine solche gräuliche Tat der verfälschten Religion noch weiter aus. Als wollte er sprechen: Es wäre kein Wunder, dass der Himmel sich vor solcher Bosheit entsetzte und zitterte oder auch ganz zu Haufen fiele. [Denn der Abfall von der wahren Religion übertrifft alle anderen Laster].

13. Denn mein Volk tut eine zweifache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich hier und da ausgehauene Brunnen, die doch löcherig sind und kein Wasser geben.

Lebendige Quelle: Denn als sie mich aus meinem Wort erkannten und sich zur rechten Religion bekannten und mir dienten, da hatten sie mich gleichsam als eine herrliche, unerschöpfliche und ewige Brunnquelle aller zeitlichen und ewigen Güter und gefunden, in meinem Wort wahren und beständigen Trost und Erquickung ihrer Seelen: Aber sie sind von meinem Wort abgewichen, haben mich samt dem rechten Gottesdienst fahren lassen und ihnen neue Offenbarungen, neues Heiligtum und neue Gottesdienste erdacht, welche doch den Brunnen oder Zisternen sich wohl vergleichen möchten, die voller Löcher oder Ritzen sind, dass sie kein Wasser behalten, wenn man es gleich hineinschüttet. Darum auch, wer zu ihnen der Meinung sich verfügt, dass er sich da erlaben und erfrischen wolle, der bringt keinen Nutzen oder einzige Erquickung davon, sondern muss vor Durst der Verzweiflung verschmachten. [Diese beiden großen Sünden sind auch im Papsttum vorgegangen und von denen begangen worden, die den einigen Mittler Christus mit seinem aller vollkommensten Verdienst nicht genügend geachtet, sondern ihn verachtet und zu der heiligen Fürbitte und Verdienste sich verfügt, auch auf ihre eigene Verdienste sich verlassen und daher Trost begehrt für die angefochtenen geängstigten Gewissen, so den Zorn Gottes empfangen. Denn sie die lebendige Quelle, Jesum Christus, in der Wahrheit fahren lassen und verachtet, welcher doch die Versöhnung ist, nicht allein für unsere Sünde, sondern auch für die ganze Welt {1Joh 2}. Und die Seligkeit in den menschlichen Verdiensten gesucht, die doch den Heiligen selbst zu ihrer eigenen Seligkeit nicht genügend gewesen, will schweigen, dass sie anderen hätten können damit zu Hilfe kommen. Welche deswegen auf das Vertrauen ihrer oder anderer Werke und nicht auf das einzige Verdienst Christi, aus dieser Welt abgeschieden sind, die werden mit dem ewigen Seelendurst gequält werden. Doch haben ihrer viele in ihren letzten Nöten sich bekehrt und weil sie in den menschlichen Verdiensten keinen Trost gefunden, sind sie dem Verdienst Christi zu geflohen und durch den Glauben an ihn allein erhalten worden].

14. Ist denn Israel ein Knecht oder leibeigen, dass er jedermanns Raub sein muss?

Ist: Jetzt ermahnt der Prophet die Juden, dass sie bedenken sollen, wie übel es ihnen ausgeschlagen, dass sie die rechte Religion mit einer falschen umgewechselt, weil auf einen solchen Abfall schwere Strafen bereits erfolgt sind. Es bringt aber der Prophet solches mit einer verblümten Rede vor und verwundert sich zugleich darüber.

Leibeigen: Dass er nicht besser sein soll als ein verkaufter leibeigener Knecht. Da doch dies Volk von den heiligen Patriarchen seine Herkunft hat, so nicht allein freie Leute gewesen, sondern auch mit einer besonderen Heiligkeit und vielen anderen Tugenden hervorgeleuchtet haben.

Raub: Besonders der Heiden, welche dies Volk plagen und berauben, warum nimmt sich Gott nicht ihrer an?

15. Denn die Löwen brüllen über ihn und schreien und verwüsten sein Land und verbrennen seine Städte, dass niemand darin wohnt.

Löwen: Nämlich die Assyrer haben als grausame brüllende Löwen das Königreich Israel überfallen und dasselbe jämmerlich zerrissen, dazu meistenteils Bürger, so zum Königreich Israel gehörig, in Assyrien ins Elend hinweggeführt. Welche Historie von der Zerstörung des israelitischen Königreichs durch die Assyrer beschrieben wird {2Sam 17}.

16. Dazu so zerschlagen die von Noph und Thachpanhes dir den Kopf.

Dazu: Als wollte er sagen, das Königreich Juda hat es auch nicht viel besser gemacht. Denn die Ägypter, deren vornehmste Städte Noph und Thaphanhes sind, sind in Juda gefallen und haben dasselbe Land sehr bedrängt. Denn Pharao Necho der König in Ägypten heraufgezogen und den König Ahas gefangen hinweg geführt, da er zuvor dem Land eine große Summe Gelds zur Schatzung zu geben auferlegte {2Sam 23}. [Denn es braucht Gott oft gottlose Leute dazu, wenn er sein Volk züchtigen will.

17. Solches machst du dir selbst, dass du den Herrn, deinen Gott, verlässt, so oft er dich den rechten Weg leiten will {Jer 4v18}.

Dir selbst: Darum darfst du dich nicht so hoch darüber verwundern, woher dir solcher Unfall begegnet und widerfahren sei, da du dich schier bedenken lässt, du leidest ohne deine Schuld. Denn du hast solche Strafen ganz wohl verdient, weil du von der rechten Religion abgewichen bist und aus dem Gehorsam der Gebote deines Gottes dich entzogen, eben zu der Zeit, da dich Gott durch die Propheten unterweisen lassen, dich auf den guten Weg zu behalten und da du geirrt, wieder richtig zu bringen begehrt. [Denn das macht die Sünden desto beschwerlicher, wenn das reine Wort Gottes in den Ohren der Zuhörer klingt und sie dennoch von der Lehre der Wahrheit abweichen oder mit Sünden wider das Gewissen sich besudeln].

18. Was hilft‘s dir, dass du nach Ägypten ziehst und willst des Wassers Sihor trinken? Und was hilft‘s dir, dass du gen Assyrien ziehst und willst des Wassers Phrath trinken?

Hilft´s dir: Will so viel sagen: Zu deinen vorigen Sünden tust du auch noch das hinzu, dass du in deinem Unfall nicht begehrst, Buße zu tun, und kehrst dich nicht wieder zu dem Herrn, deinem Gott, dass du von ihm Hilfe und Beistand begehrtest, sondern suchst bei dem Menschen Schutz und rufst die ausländischen gottlosen Völker um Hilfe und Rettung an. Welches je ein verkehrter Handel ist und ein Zeichen eines schlechten Witzes, dass du zu den Ägyptern Zuflucht hast, da doch dieselben einen in Nöten stecken lassen, gleich als wenn einer einen Durstigen mit dem Wasser Sihor (dadurch der Fluss Nil verstanden wird) tränken wollte, welches sehr trüb und leimich ist, der würde solchen Menschen vielmehr an seiner Gesundheit schaden, als ihm aufhelfen oder erquicken: Also geht es auch denen, die bei Ägypten Hilfe suchen, dass sie dessen vielmehr Schaden und Nachteil haben als Nutzen. Eben also hat es auch eine Gestalt mit der Assyrer Hilfe, die wie ein tiefer, breiter und schneller Fluss sind, dabei man, wenn man ihm zu nahe kommt, mehr Gefahr als Rettung sich zu versehen hat. [Denn welche auf menschliche Hilfe sich verlassen, die empfinden mehr Schaden als Nutzen davon].

Nach Luther:]. Das ist, Hilfe suchen außer Gott, bei König Pharao und Assur.

19. Es ist deiner Bosheit Schuld, dass du so gestäupt wirst und deines Ungehorsams, dass du so gestraft wirst: Also musst du innewerden und erfahren, was für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, verlassen und ihn nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth.

Bosheit: Dadurch du dich von dem Herrn, deinem Gott, abgewandt hast und ihm zuwidergehandelt.

Gestraft: Welche Strafen du dir selbst über den Hals gezogen mit diesen schweren und großen Sünden und beharrlicher Unbußfertigkeit.

Inne werden: Mit deinem großen Schaden und Nachteil, wie ein schädlich elendes Ding es sei, dass du die wahre Furcht Gottes nach hinten gesetzt und solche Dinge vorgenommenen hast, die dich recht und nützlich sein dachten. [Denn die menschlichen Ratschläge und Begierden schlagen uns zuerst wohl zu, dass wir nicht anders meinen, es werde uns ein großes Glück daraus entstehen. Aber es folgen unzählig viele Unfälle später und große Angst des Gewissens].

20. Denn du hast immer dein Joch zerbrochen und deine Bande zerrissen und gesagt: Ich will nicht so unterworfen sein, sondern auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen liefest du der Hurerei nach.

Immer: Von langen Zeiten her, dass du nicht jetzt allererst angefangen hast, den Herren deinen Gott zu beleidigen, sondern hast dich je und immer widerspenstig erzeigt.

Joch: Das ich dir aufgelegt hatte, unter welchem linden und sanften Joch meiner Gebote du nicht auf dem rechten Wege wolltest einhergehen.

Bande: Damit ich dich umgeben hatte, dass ich dich im Gehorsam behielte und meine Gebote zu halten gebunden, dass ich dich desto besser regieren und leiten könnte.

Unterworfen: Ich will nicht an die Satzungen Gottes also gebunden und angefesselt bleiben, dass ich nur nach denselben leben müsste, sondern will frei sein und mein selbst mächtig, das ich tun mag, was mich gelüstet. Aber was hast du damit ausgerichtet, nachdem du das Joch des Gehorsams von dir geworfen hast? Nämlich dass du zu einer unverschämten Hure geworden bist.

Liefest du: Wo du einen lustigen Hügel oder hübschen Baum gewahr wurdest, da liefst du hin, dass du deine Abgötterei darin treiben möchtest. [Denn die Abgötterei ist eine geistliche Hurerei, welche Gott nicht leiden kann, mit dem die Kirche in einem himmlischen Ehestand sich gebunden und Treue und Glauben zugesagt hat].

21. Ich aber hatte dich gepflanzt zu einem süßen Weinstock, einen ganz rechtschaffenen Samen. Wie bist du mir denn geraten zu einem bitteren, wilden Weinstock {Jes 5v1 Mt 21v33 Mk 12v1 Lk 20v9}?

Gepflanzt: [Denn Gott pflanzt seine Kirche durch das Wort und die Sakramente als einen guten und fruchtbaren Weinstock. Aber die selbige weicht mit der Zeit vom Wort Gottes ab und schlägt so aus der Art, dass sie vor Gott vielmehr ein Gräuel als Lust ist: Wie vorzeiten geschehen, da das päpstliche gottlose Wesen in der Kirche eingeschlichen und noch heutigentags an denen Orten geschieht, da die zwinglische Lehre die Reinigkeit der Kirche verdirbt].

22. Und wenn du dich gleich mit Lauge wüschest und nähmst viel Seife dazu, so gleißt doch deine Untugend desto mehr vor mir, spricht der Herr.

Wüschest: Der Meinung, dass du deine Bosheit verbergen und die Flecken der Abgötterei auswaschen wolltest, damit man nicht merken soll, wie du dich mit Abgötterei verunreinigt hast: So nehme ich doch solche deine Entschuldigung oder Scheinursachen nicht an.

23. Wie darfst du denn sagen: Ich bin nicht unrein, ich hänge nicht an Baalim? Siehe an, wie du es treibst im Tal und bedenke, wie du es ausgerichtet hast!

Nicht unrein: Was darfst du dich denn viel rühmen, dass du unschuldig bist und mit keiner Abgötterei dich vereinigt hast?

Tal: Welches man Hinnom heißt, da du schreckliche Abgötterei getrieben hast, in dem du deine eigenen Kinder den Abgöttern geopfert und verbrannt und wolltest jetzt noch dazu gern für fromm und züchtig angesehen werden. [Denn die Abgöttischen können schnell etwas zum Vorwort erdenken, damit sie ihre Abgötterei entschuldigen und derselben ein Färblein anstreichen, also dass sie auch bisweilen ganz unverschämt leugnen dürfen, was sie öffentlich tun. Gleichwie auch die Katholiken heutigentags gern leugnen wollten, dass sie die Bilder nicht anbeten, da sie doch für denselben niederfallen, ihnen Wachslichter anzünden, sie stattlich mit Kleidern herausputzen und ihr Gebet vor ihnen tun].

Läufst: Das ist, du strebst mit einer unsinnigen und tollen Wut nach der Abgötterei, gleichwie ein wildes Tier, wenn es in der Brunst ist, sich nicht abhalten lässt. Also dass man deine vielfältige Abgötterei nicht alle zählen kann. Wer aber Lust hat, etwas davon zu sehen, der darf nur am Feiertage auf die Hügel und Berge oder unter die grünen Bäume gehen, da sieht man des Dinges vollauf, wie du dich mit Abgötterei und falschen Gottesdienst verunreinigst. [Denn das Volk fällt der Abgötterei mit Haufen und großem Eifer zu. Wie man auch zu unseren Zeiten gesehen, dass die Leute zu etlichen besonderen Bildern, dahin sie Wallfahrten gegangen, mit großer Eile gelaufen, als ob sie toll und unsinnig gewesen wären].

24. Du läufst umher wie eine Kamelin in der Brunst und wie ein Wild in der Wüste pflegt, wenn es vor großer Brunst lechzt und läuft, dass niemand aufhalten kann. Wer es wissen will, darf nicht weit laufen; am Feiertage sieht man es wohl.

25. Lieber, halte doch und lauf dich nicht so bloß! Aber du sprichst: Das lasse ich; ich muss mit den Fremden buhlen und ihnen nachlaufen.

Halte doch: Lieber schone doch deiner Füße und lauf nicht so sehr, dass dir die Schuhe entfallen oder dass dir der Hals vor großem Durst dürre werde.

Nach Luther:]. Das ist, schone doch deiner Füße, dass sie nicht bloß und deines Halses, dass er nicht durstig werde.

Lass ich: Du unterstehst dich vergeblich mich zu bereden, denn ich will dir nicht gehorchen.

Fremden: Die fremden Götter gefallen mir so gewaltig wohl, dass ich eine besondere Lust überkomme, ihnen neue Gottesdienste zu erzeigen, darum will ich meine Lust büßen und tun, wie es mir am besten zuschlägt. [Und sind derer wenig, die von der Abgötterei und Ketzerei sich lassen wieder auf den rechten Weg bringen, bis die größte Hitze der Andacht vorüber und in ihnen wiederum erloschen ist].

26. Wie ein Dieb zuschanden wird, wenn er ergriffen wird, also wird das Haus Israel zuschanden werden samt ihren Königen, Fürsten, Priestern und Propheten,

zuschanden werden: Nämlich über ihre Bosheit und falschen unrechten Gottesdienste, weil sie zur Zeit der Not von solchen ihren Götzen und Gottesdiensten keine Hilfe werden haben können.

27. Die zum Holz sagen: Du bist mein Vater; und zum Stein: Du hast mich gezeugt. Denn sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not hergeht, sprechen sie: Auf und hilf uns!

Holz: Zu dem Götzen, den sie aus Holz oder Stein gemacht haben.

Mein Vater: Ich ehre dich als meinen Vater, Gott und Schöpfer. [Es sind aber freilich die Könige, Fürsten, Priester und falsche Propheten in Israel nicht so unverständig gewesen, dass sie gemeint, ein hölzernes oder steinernes Bild wäre der ewige Gott, Schöpfer Himmels und der Erde. Nichtsdestoweniger weil sie, wenn sie beten wollten, vor den Bilder niederfielen und davor opferten, so urteilt Gott recht von ihnen, dass sie die Ehre des Schöpfers böslich dem Geschöpf und den Kreaturen zugewandt. Also sagen die Katholiken auch, sie wissen wohl, dass die Bilder von Holz, Stein, Silber oder Gold sind, aber sie dienen dem, der durch ein solche Bilde bedeutet wird: Darum tragen sie mit diesen Israeliten an einer Stange].

Rücken zu: Es wenden sich aber die Leute von Gott dem gütigen Vater alsdann hinweg, wenn sie sein Wort nicht mehr hören, noch demselben glauben oder gehorchen wollen.

Hilf uns: Wenn sie in die Gefahr kommen, so laufen sie mir, dem wahren Gott zu, als ob ich schuldig wäre, dass ich ihnen gleich aufwischen und helfen müsste, da sie mir doch nicht Glauben gehalten.

28. Wo sind aber denn deine Götter, die du dir gemacht hast? Heiß sie aufstehen; lass sehen, ob sie dir helfen können in der Not! Denn so manche Stadt, so manchen Gott hast du, Juda {5Mos 32v37 Jer 11v13}.

Manche Stadt: Also dass keine Stadt im ganzen Königreich Juda ist, darin nicht eine besondere Kirche oder Kapelle zur Abgötterei wäre. [Ebenermaßen ist auch vorzeiten im Papsttum nicht bald ein Städtlein so klein und gering gewesen, da man nicht ein Kloster oder zwei darin gefunden, samt etlichen Kapellen, in denen man nur Messe gehalten. Wir aber sollen lernen, Gott immer recht und gehorsam dienen, damit er in unseren Trübsalen nicht auch zu uns spreche: Geht hin und begehrt von euer selberwählten Religion Hilfe oder von euren Wollüsten und Burschengesellen, damit ihr umgegangen und euch derselben mehr geachtet, als meiner Gunst und Gnade].

29. Was wollt ihr noch recht haben wider mich? Ihr seid alle von mir abgefallen, spricht der Herr.

Recht haben: Dass ihr meintet, eure Unschuld wider meine rechte Klage handzuhaben, da doch gar keine Unschuld an euch ist.

Alle: Eure Könige, Fürsten, Priester, falsche Propheten und das ganze Volk sind alle miteinander gottlos und mit Abgötterei befleckt. [Denn es reißt bisweilen die Verfälschung der Religion durch alle Stände ein, dass beide, Groß und Klein, kein nütze sind].

30. Alle Schläge sind verloren an euren Kindern, sie lassen sich doch nicht ziehen. Denn euer Schwert frisst gleichwohl eure Propheten wie ein wütiger Löwe {Esra 1v5 Jer 5v3}.

Verloren: Denn wenn ich gleich begehre, euch von eurem bösen Wesen abzuhalten, und eure Mängel verbessern will, so wollt ihr doch keine Arznei annehmen und kann nichts mit euch ausrichten. [Es ist aber alsdann nicht weit vom Untergang eines Volkes, wenn dasselbe nicht allein das Wort Gottes verachtet, sondern auch alle Züchtigungen und göttliche Strafen in den Wind schlägt, dass es nicht allein daraus nicht gebessert, sondern nur je länger je ärger wird].

Frisst: Ihr erwürgt auch noch dazu die Propheten, welche Gott zu euch sendet, dass sie euch vor eurem Verderben warnen sollen und treibt grausame Wüterei wider sie, wie die grimmigen Löwen. [Denn die Abgöttischen und Ketzer sind auch grausam und blutgierig, weil der Teufel, ihr Meister, ein Lügner und Mörder ist {Joh 8}].

31. Du böse Art; merke auf des Herrn Wort! Bin ich denn Israel eine Wüste oder ödes Land? Warum spricht denn mein Volk: Wir sind die Herren und müssen dir nicht nachlaufen?

Bin ich: Als wollte er sprechen, ihr Israeliten haltet euch gegen mir, eurem Gott, nicht anders, als ob ich ein wüstes, dürres und unfruchtbares Land wäre, davon man keine Frucht oder Nutzen zu erhoffen. Darum lasst ihr euch bedenken, dass ihr meiner Hilfe nicht bedürft, als die ihr selbst, eurer Meinung nach, Herren der Welt seid, und verachtet mich und meine Gottesdienste, da ich doch eine Brunnquelle alles Guten bin. [Denn es sind die Heuchler sehr übermütig und stolz und verachten das Wort Gottes und die rechten Gottesdienste].

32. Vergisst doch eine Jungfrau ihres Schmucks nicht noch eine Braut ihres Schleiers; aber mein Volk vergisst mein ewig.

Vergisst: Will so viel sagen, lieber seht, wie ihr nicht allein gottlos, sondern auch wahnwitzig seid und schier gar keinen Verstand habt. Denn es pflegen doch die Jungfrauen auf ihren Schmuck fleißig Acht zu haben und denselben wohl bewahren, weil sie meinen, dass sie dadurch hübscher und schöner werden, und ihr seid nicht so verständig, dass ihr mein und meines Gottesdienstes wahrnehmt, der euch doch am allerbesten ansteht.

ewig: Dass es in langer Zeit meiner sich nicht geachtet noch mich gebührlich geehrt hat. [Sieht man deswegen, dass die Kirche nicht allein bisweilen irre, sondern, dass ein Irrtum auch wohl viele Jahre lang in der Kirche bleibe könne].

33. Was schmückst du viel dein Tun, dass ich dir gnädig sein soll, unter solchem Schein treibst du je mehr und mehr Bosheit.

Schmückst du: Warum, begehrst du dein Tun zu entschuldigen und zu verteidigen, und willst dich mit solcher Beschönigung bei mir einkaufen, gleichwie eine Ehebrecherin gegen ihren Mann sich entschuldigt und begehrt, dass er sie lieben soll.

Treibst du: Du fährst unterdes in deinen verkehrten Gottesdiensten immer fort und willst deine Sünde nicht erkennen noch bekennen, sondern erdenkst nur scheinbare Ursachen, damit du dein gottloses Wesen begehrst zu verbergen. [Also streichen auch die Katholiken jetziger Zeit mit ihren Schriften ihrer Abgötterei, Aberglaube und Bosheit eine Farbe an].

34. Über das findet man Blut der armen und unschuldigen Seelen bei dir an allen Orten und ist nicht heimlich, sondern offenbar an denselben Orten.

Findet man: Das ist, ihr tötet die unschuldigen Propheten, als arme und vor der Welt verachtete Leute und geht auch sonst mit armen verlassenen Leuten jämmerlich um, die ihr zu erwürgen für nichts achtet. [In diesem Spiegel mögen die Katholiken sich besehen, welche das Evangelium Christi mit großer Grausamkeit verfolgen und es für ein Vergnügen achten, wenn sie einen unschuldigen Menschen umbringen].

Offenbar: Ihr tut es nicht im Verborgen, schämt euch auch eure Bosheit ganz und gar nicht, sondern treibt öffentlich, als wenn ihr die Sache wohl ausgerichtet hättet. [Welches die allergrößte Sünde ist, wenn man sich noch derselben rühmen darf und deshalb will gelobt sein].

35. Noch sprichst du: Ich bin unschuldig; er wende seinen Zorn von mir! Siehe, ich will mit dir rechten, dass du sprichst: Ich habe nicht gesündigt.

Unschuldig: Ich habe keine Strafe verdient, darum werde ich ohne Ursache geplagt. [Es ist aber eine große Blindheit, wenn die Sünder ihre Sünden nicht erkennen wollen, damit sie die Strafen sich über den Hals ziehen].

Rechten: Ich will dich vor Gericht fordern und dich überzeugen deiner Bosheit. [Wenn aber das Gewissen in uns von Gott aufgeweckt wird, so bringt es eine unzählige Menge Zeugnis wider uns hervor].

36. Wie weichst du doch so gerne und fällst jetzt dahin, jetzt hierher! Aber du wirst an Ägypten zuschanden werden, wie du an Assyrien zuschanden geworden bist.

Weichst du: Lieber siehe, wie unbeständig und wankelmütig du bist. Du bleibst nicht bei einem Tun und willst deinen Sachen bald so, bald anders Rat schaffen und erwählst viel eher alles andere, als was dir heilsam und nützlich ist. Darum es auch nach deinen Anschlägen nicht hinausgeht.

Geworden bist: Denn du hast zuerst von den Assyrern Hilfe begehrt wider deine Feinde, welches Ahas getan {2Sam 16}. Darüber du übel angelaufen bist. Jetzt suchst du Hilfe bei den Ägyptern, mit denen es dir auch so gehen wird, dass sie dir mehr schädlich als behilflich sein werden.

37. Denn du musst von dort auch wegziehen und deine Hände über dem Haupt zusammenschlagen; denn der Herr wird deine Hoffnung fehlen lassen und wird dir bei ihnen nichts gelingen.

Wegziehen: Du wirst mit Spott und Schanden wieder heimziehen und nicht erlangen, darum du angehalten hast.

Fehlen lassen: Er wird alles zurücktreiben und zunichtemachen, darauf du deine Hoffnung setzt.

Bei ihnen: Nämlich bei den Ägyptern, die dir nicht helfen werden. [Denn man soll allein auf Gott und nicht auf Menschen sich verlassen].


Das 3. Kapitel


1. Der Prophet rückt den Israeliten und dem Stamm Juda ihre heuchlerische Buße und den großen Eifer zur Abgötterei auf. v. 6. 2. Danach weissagt er vom Reich Christi. v. 17. 3. Und bittet die Kirche Gott um Verzeihung. v. 22.

1. Und spricht: Wenn sich ein Mann von seinem Weibe scheiden lässt und sie zieht von ihm und nimmt einen anderen Mann, darf er sie auch wieder annehmen? Ist es nicht also, dass das Land verunreinigt würde? Du aber hast mit vielen Buhlern gehurt; doch komm wieder zu mir, spricht der Herr.

Und: Jetzt streut der Prophet nach der vorigen scharfen Strafpredigt eine liebliche Verheißung mit unter, von der Vergebung der Sünden, sofern sie nur zum Herrn sich bekehren wollen.

Scheiden lässt: Nämlich der vorige erste Mann, der sie von sich gestoßen und verlassen hat. Dass er ihr einen Scheidebrief gibt und nachdem Gesetz solches zugelassen hat.

Darf er: Nämlich der vorige erste Mann, der sie von sich verstoßen und ausgelassen hat.

Annehmen: Dass er sich zu erhalten und bei ihr wohne.

Verunreinigt: Durch solche Tat. Denn es hatte Gott ausdrücklich verboten, dass keiner diejenige wieder zu sich nehmen durfte, die er vor der Zeit von sich ausgestoßen, wenn sie unterdes einen anderen geheiratet {5Mos 24}. Und sagt Mose, es ist ein solcher wiederholter Ehestand vor Gott ein Gräuel, also dass auch die Erde dadurch verunreinigt werde.

Gehurt: Du hast dich zu den Götzen von mir abgewendet und mit vielerlei falscher Religion dich verunreinigt, darum habe ich dich von mir ausgestoßen, da deutlich in der Zwischenzeit zu anderen Männern, nämlich zu den Götzen gehalten hast. Darum ich dich von Rechts wegen nicht sollte wieder zu gnaden und in die Gemeinschaft des geistlichen Ehestandes aufnehmen.

Komm wieder: Tu Buße und bekehre dich zu mir, denn ich bin barmherzig und will ich nicht ausstoßen, wenn du wieder zu mir kommst. So bin ich an das Gesetz Mose nicht gebunden und steht dir frei, dass ich meine Kirche, die ich von wegen des Ehebruchs vor Zeiten von der ausgestoßen habe, da sie Buße tut, wohlgemerkt wiederum zu Gnaden aufnehmen und mich mit ihr verehelichen. Was aber hier der ganzen Kirche allgemein verheißen wird, dass es doch einen jeden Christen besonders versprochen. Nämlich dass Gott die fertigen Sünder zu Gnaden aufnehmen will, es ist gleichwie immer ihre Sünden Sein wollen. Denn es ist größere Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 gerechte, die der Buße nicht bedürfen {Lk 15}.

2. Hebe deine Augen auf zu den Höhen und siehe, wie du überall Hurerei treibst. An den Straßen sitzt du und wartest auf sie, wie ein Araber in der Wüste und verunreinigst das Land mit deiner Hurerei und Bosheit.

Hebe: Jetzt hält Gott der Kirche ihre Sünden vor, samt den Strafen, so darauf erfolgt, auf dass sie ernstliche Buße tue.

Höhen: An welchen Orten die Juden ihre abgöttischen Kirchen und Altare gebaut hatten.

Allenthalben: Denn so viele der Orte sind, da man Abgötterei treibt, so viel sind auch geistliche Hurenhäuser und so oft ein falscher Gottesdienst verrichtet wird, sooft wird ein geistlicher Ehebruch begangen.

Sitzt du: Wie allgemein Weiber zu tun pflegen, die sich jedem anbieten und jede Gelegenheit wahrnehmen, dass sie die Männer zusieht lassen. Solchen unzüchtigen Weibern bist du Volk und Kirche in Israel ganz gleich.

Araber: Welche Leute meistenteils Räuber waren und in den wüsten Orten auf die reisenden Personen lauerten. So stellst du dich auf der geistlichen Hurerei nämlich der Abgötterei nach und wartest nicht, bis man dich sucht oder bittet, sondern sollst den Buhlen selber nach und reizt sie, das ist, du bist bereit, alle Abgötterei und Irrtümer in der Religion anzunehmen. Also findet man etliche, die alle Religionen zu lernen und anzunehmen willig sind, ohne die einige wahre Religion.

Hurerei und Bosheit: Durch eine vielfältige Abgötterei und Sünden. Denn es werden die Länder mit der Abgötterei und anderen Hauptlastern vor den Augen Gottes dermaßen verunreinigt, dass er sie ernstlich strafen und endlich gar zugrunde verderben muss.

3. Darum muss auch der Frühregen ausbleiben und kein Spätregen kommen. Du hast eine Hurenstirn, du willst dich nicht mehr schämen.

Kommen: Nämlich zu rechter Zeit auf euer Land, da man seiner am besten bedarf, wo Herr Missgewächse und Hungersnot entstanden. Und sollen wir uns in Deutschland nicht so sehr darüber verwundern, dass zu etlichen Malen eine lange und teure Zeit eingefallen ist. Weil ein Teil darin an der päpstlichen Abgötterei hängen geblieben und dieselbe verteidigt, ein Teil die rechte Lehre des Evangeliums mit gottlosen Leben und groben Lastern besudelt.

Hurenstirn: Das ist, da du solltest dir die Strafen als eine Erinnerung sein lassen deiner Sünden, der durch dieselben verursacht wurden, dass du in deinem Gewissen schamrot würdest, um Verzeihung gebeten und von den Sünden ablässt. Und es ist wohl zum Erbarmen, dass heutzutage unter den Christen Leute gefunden werden, die ihre Sünden sich nicht leicht sein lassen, dass sie dieselben noch verteidigen und rühmen.

4. Und schreist gleichwohl zu mir: Lieber Vater, du Meister meiner Jugend!

Jugend: Ich erkenne dich für meinen rechten Ehemann, mit dem ich die Zeit meiner jubelnden Liebe und Freuden zugebracht habe. Darum so erbarme dich deinem Ehegemahl und hilft mir aus meinen Nöten.

5. Willst du denn ewig zürnen und nicht vom Grimm lassen? Siehe, du lehrst und tust Böses und lässt dir nicht steuern.

Zürnen] Über meine Sünden. Wenn du willst einmal die Sünden aufheben und das Übel lindern? Denn wenn die Menschen noch keine rechtschaffene Buße tun, so meinen sie dennoch, ihre Sünden haben nicht so große Strafen verdient, als Gott über sie ergehen lässt und wollen, dass Gott ihr Gebet schnell erhören soll, da doch sie zuvor Gott nie hören wollten, wenn er sie lange zur Buße gerufen hat.

Böses: Das ist, die Lehre, welche du in der Kirche führst, ist nicht rein, sondern böse und verdorben und wir die Lehre ist, so sind auch die Verrichtungen des Gottesdienstes und alle anderen Werke, nämlich böse und verkehrt.

Nicht steuern: Du bist in deinem gottlosen Wesen dermaßen verhärtet, dass du dich von deiner Meinung und von deinem Tun nicht willst lassen abwehren oder ändern. Es kann aber Gott so lange sich nicht über uns erbarmen, solange wir in unserer Bosheit fortfahren und die selbige noch verteidigen wollen, es sei gleich in der Lehre oder im Leben.

6. Und der Herr sprach zu mir, zur Zeit des Königs Josia: Hast du auch gesehen, was Israel, die Abtrünnige, tat? Sie ging hin auf alle hohen Berge und unter alle grünen Bäume und trieb dort Hurerei {Jer 2v20}.

Josia: Welcher ein frommer gottseliger König gewesen und die Religion in seinem Königreich recht wieder angerichtet hatte. Aber das Volk enthielt sich vielmehr dergleichen, als dass es die rechte Religion mit Ernst angenommen hätte, wie wir bald hören werden.

Israel: Nämlich die israelitische Kirche, welche sich von meinem Gottesdienst zur Abgötterei abwandte.

Hurerei: Dass sie sich mit einem geistlichen Ehebruch, nämlich mit der Abgötterei verunreinigte. Denn wo sie einen hohen Berg oder hübschen grünen Baum gewahr wurden, da richteten sie einen Gottesdienst an, den ich nie befohlen, sondern vielmehr je und allewege verworfen hatte.

7. Und ich sprach, da sie solches alles getan hatte: Bekehre dich zu mir! Aber sie bekehrten sich nicht. Und obwohl ihre Schwester Juda, die Verstockte, gesehen hat {Hes 16v46 23v2 v4},

Sprach: Ich ließ ihr durch meine Propheten anzeigen.

Zu mir: Tue Buße und lass die Abgötterei fahren, diene aber mir allein auf die Weise, wie ich dir in meinem Gesetz vorgeschrieben habe. [Denn Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe].

Sich nicht: Sondern fuhr in ihrer Abgötterei und Bosheit halsstarrig fort, bis ich sie ins Elend in Assyrien verstieß, wie du weißt.

Gesehen: Welches ihr richtig hätte sollen lassen eine Warnung und Beispiel sein und der Abgötterei müßiggehen, weil sie genügend erkannt, in was Ängsten und Nöten ich die Israeliten kommen lasse.

8. wie ich der abtrünnigen Israel Ehebruch gestraft und sie verlassen und ihr einen Scheidebrief gegeben habe, noch fürchtet sich ihre Schwester, die verstockte Juda, nicht, sondern geht hin und treibt auch Hurerei.

Scheidebrief: Dass ich sie nicht mehr für meine Kirche als meinen geistlichen Ehegemahl erkennen wollte noch mich ihrer mehr annehmen.

Nicht: Dass sie sich von der Abgötterei enthalten und mir allein angehangen hätten.

Treibt auch: Sie hat sich auch mit falschen Gottesdiensten besudelt. [Denn der Teufel blendet bisweilen der Leute Herzen so, dass ob sie wohl die schrecklichen Beispiele des Zorns Gottes vor Augen sehen, dennoch dadurch sich nicht bewegen lassen, sondern in alle Sünde, Schande und Laster sich stürzen].

9. Und von dem Geschrei ihrer Hurerei ist das Land verunreinigt; denn sie treibt Ehebruch mit Steinen und Holz.

Geschrei: Dass ihre geistliche Hurerei überall ist bekannt und lautbar geworden.

Und Holz: Nämlich mit den Bildern, die sie verehren. [Also tun es die Katholiken auch].

10. Und in diesem allem bekehrt sich die verstockte Juda, ihre Schwester, nicht zu mir von ganzem Herzen, sondern heuchelt, also spricht der Herr.

Allen: Nämlich in allem ihren Gottlosen Tun, welches ich durch die Propheten ihnen ernstlich habe beweisen lassen.

Herzen: Dass sie den Gräuel ihrer Laster einmal erkennen, die Abgötter verließen und mir allein dienten.

Heuchelt: Denn obwohl bei der Regierung des frommen Königs Josia mit den Untertanen des Königreichs Juda es das Ansehen hat, als ob sie die Abgötterei verlassen hätten, weil Josia die rechte Religion wieder angerichtet. So ist es ihnen doch nicht halb Ernst mit ihrer Bekehrung, sondern stellen sich nur also dem Könige Josia zugefallen oder tun zum Teil aus Zwang dergleichen, als wenn sie die rechte Religion annähmen, da sie doch die Abgötterei unterdes heimlich im Herzen behalten und wenn sie ein wenig Luft kriegen, werden sie bald wiederumschlagen. [Also machen es viel Zwinglianer auch, welche, wenn sie sehen, dass eine gottselige Obrigkeit an ihrer Lehre ein Abscheu hat, so lassen sie sich vernehmen, als ob sie denselben Irrtum hätten fahren lassen und unterschreiben sich einem christlichen Bekenntnis mit der Feder, aber nicht mit dem Herzen: Wenn sie aber später Gelegenheit bekommen, so breiten sie die zwinglische Lehre wieder aus und verteidigen sie].

11. Und der Herr sprach zu mir: Die abtrünnige Israel ist fromm gegen die verstockte Juda {Hes 16v51 23v11}.

Ist fromm: Das ist, die israelitische Kirche hat es nicht so böse gemacht, als die im Königreich Juda, welche der Abgötterei viel heftiger nachläuft, als jene. Darum will ich Juda auch verwerfen. [Also, welche die reine Lehre der Kirche gehört haben und später einmal vom Satan geblendet wurden, die fallen mit viel einem größeren Eifer auf die Irrtümer, als andere. Denn weil sie der gesunden Lehre überdrüssig geworden, so nehmen sie die neue und falsche mit Willen an].

12. Gehe hin und predige gegen der Mitternacht also und sprich: Kehre wieder, du abtrünnige Israel, spricht der Herr, so will ich mein Antlitz nicht gegen euch verstellen; denn ich bin barmherzig, spricht der Herr und will nicht ewig zürnen {Ps 103v9}.

Predige: Weissage auf meinem Befehl gegen Assyrien zu, welches Land gegen Mitternacht liegt, da die Kinder Israel gefangen enthalten werden, weil sie mich mit ihrer Abgötterei zum Zorn gereizt haben.

Verstellen: Wie die zornigen Leute zu tun pflegen. [Denn Gott verzeiht den bußfertigen Sündern {Lk 15}].

13. Allein erkenne deine Missetat, dass du wider den Herrn, deinen Gott, gesündigt hast und hin und wieder gelaufen zu den fremden Göttern, unter allen grünen Bäumen und habt meiner Stimme nicht gehorcht, spricht der Herr.

Erkenne: Und bekenne sie mit demütigem Herzen. [Denn Gott will den Sündern verzeihen, die ihre Sünden erkennen, aber nicht denen, die sie verteidigen {Ps 32 1Joh 1}].

Göttern: An welche du dich gehängt und ihnen Gottesdienst erzeigt hast.

Nicht gehorcht: Da ich euch von eurer Bosheit abmahnte.

14. Bekehrt euch, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der Herr; denn ich will euch mir vertrauen und will euch holen, dass einer eine ganze Stadt und zwei ein ganz Land führen sollen; und will euch bringen gen Zion.

Bekehrt: Steht ab von euren Sünden. Lockt sie also Gott ganz freundlich zur Buße.

Vertrauen: Ich will mich von neuen wiederum mit euch einlassen, in einen geistlichen Ehestand.

Führen soll: Oder mit ihm bringen gen Jerusalem, da der Berg Zion ist. [Es weissagt aber hier der Herr von der Predigt des Evangeliums und will zu verstehen geben, dass dennoch etliche Israeliten zu Christo sich bekehren werden].

15. Und will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen mit Lehre und Weisheit.

Hirten: Apostel und Lehrer der Kirche, die treu sind und euch recht lehren werden. [Denn die reinen Kirchenlehrer sind eine herrliche Gabe Gottes, durch deren Amt die Kirche geweidet wird. Sie sollen aber wissen, dass sie von Gott dazu berufen sind, dass sie die Kirche weiden und lehren, aber nicht darüber herrschen sollen {1Petr 5}].

16. Und soll geschehen, wenn ihr gewachsen und euer viel geworden ist im Lande, so soll man, spricht der Herr, zur selbigen Zeit nicht mehr sagen von der Bundeslade des Herrn, auch der selbigen nicht mehr denken, noch davon predigen, noch sie besuchen, noch dort mehr opfern,

Viel geworden: Dass die Kirche Christi sich gemehrt und weit ausgebreitet hat.

Sagen: Nämlich die bekehrten Israeliten werden sich nicht mehr rühmen über der Gegenwart der Bundeslade und sich derselben überheben, dass sie die bei sich haben, wie sie vorzeiten getan. Ja sie werden an dieselbe äußerliche Lade nicht mehr denken. [Denn die Predigt des Evangeliums tut die levitischen Zeremonien ab. Aber die Katholiken haben ihrer viele in der Kirche wieder angerichtet. Welches eben so viel ist, als wenn jemand bei hellem Tage ein Licht anzünden wollte, dass er davon sehe].

17. sondern zur selbigen Zeit wird man Jerusalem heißen: Des Herrn Thron; und werden sich dahin sammeln alle Heiden um des Herrn Namens willen zu Jerusalem und werden nicht mehr wandeln nach den Gedanken ihres bösen Herzens {Esra 2v13 Mi 4v1 v2}.

Jerusalem: Dadurch hier die christliche Kirche verstanden wird.

Thron: Das ist, sie wird heißen das Königreich Christi, darin Gottes und Marien Sohn regiert. [Denn Christus regiert seine Kirche durch das Wort und Sakrament].

Heiden: Die werden sich zu der christlichen Kirche verfügen, auf dass sie das Evangelium mögen hören predigen, von dem Herrn Jesu Christo, als dem rechten Mittler und Erlöser des menschlichen Geschlechts. [Denn das Evangelium ist ein lieblicher Geruch des Lebens zum Leben, denen die es mit Glauben annehmen {2Kor 2}. Und hat man hier ein unfehlbares Zeugnis von der Heiden Berufung zum Evangelium von Christo].

Bösen Herzens: Das ist, die rechten Christen werden nicht ihres Gefallens oder aus ihrem Kopf neue unrechte Gottesdienste erdenken, wie die Israeliten vor der Zeit getan, da sie ihrer blinden menschlichen Vernunft gefolgt. [Man muss aber dies von den auserwählten Gliedern der Kirche verstehen. Denn die anderen sind im Papsttum eben so wohl von der rechten Religion abgewichen, als vorzeiten die Israeliten. Von welchem Abfall der Apostel Paulus ausdrücklich geweissagt {1Tim 4}].

18. Zu der Zeit wird das Haus Juda gehen zum Haus Israel und werden miteinander kommen von Mitternacht ins Land, das ich euren Vätern zum Erbe gegeben habe.

Gehen: Das ist, die Israeliten werden sich wiederum zusammen halten, welche eine Zeit lang in zwei Königreich voneinander geteilt waren, also dass sie auch einander neideten und anfeindeten. [Es wird aber mit diesen Worten zu verstehen gegeben, dass durch die Predigt des Evangeliums derer Völker Herzen vereinigt werden, die zuvor einander spinnefeind gewesen].

19. Und ich sage dir zu: Wie will ich dir so viele Kinder geben und das liebe Land, das schöne Erbe, nämlich das Heer der Heiden! Und ich sage dir zu: Du wirst alsdann mich nennen: Lieber Vater! Und nicht von mir weichen.

Viele Kinder: Das ist, ich verheiße dir meine Kirche, dass ich dich sehr mehren und weit ausbreiten will, unter alle Völker. [Denn obwohl der Auserwählten Zahl, gegen den Verdammten zu rechnen, nicht sehr groß ist, weil der Gottlosen Verstoßenen eine viel größere Menge sein wird. So wird ihrer doch für sich selbst auch ein großer Haufe sein. Denn wie viel tausend sind nur aus den Heiden zu Christo bekehrt worden? Daher der Prophet solche Menge ein Heer der Heiden nennt. Es wird aber unter den Wörtlein (Liebes Land und schönes Erbe) das ewige Leben und himmlische Erbe mit der unaussprechlichen Freude und Überfluss aller Güter verheißen].

Nennen: Und durch das Evangelium mich dafür erkennen.

Weichen: Du wirst dich nicht von mir abwenden zur Abgötterei, sondern im Glauben bis ans Ende beständig verharren und selig werden. [Denn es wird uns keine Kreatur scheiden können von der Liebe Gottes, welche in Christo Jesu ist, unseren Herrn {Röm 8}].

20. Aber das Haus Israel achtet mein nichts, gleichwie ein Weib ihren Buhlen nicht mehr achtet, spricht der Herr.

Mein nichts: Es hätten zwar die vorhergehenden herrlichsten und holdseligsten Verheißungen alle Israeliten richtig bewegen sollen, dass sie sich zu Gott bekehrt hätten, weil sie von der immerwährenden väterlichen Güte Gottes gehört: Aber es ist der größere Teil unter den Juden gottlos und widerspenstig geblieben, darüber sich Gott in folgenden Worten beklagt.

Achtet: Und einen neuen Buhlen mit einem alten umgewechselt hat. Also schlägt den Israelitern die Abgötterei auch besser zu als die rechte Religion. [Denn des Menschen Herz ist sehr geneigt zum falschen Wahn und unrechter Religion, danach den Leuten die Ohren jucken, wie Paulus spricht {2Tim 4}].

21. Darum wird man ein klägliches Heulen und Weinen der Kinder Israel hören auf den Höhen, davor dass sie übel getan und des Herrn, ihres Gottes, vergessen haben.

Hören: Wenn sie den Feinden einen Fußfall tun und mit jämmerlichen Gebärden um Gnade bitten werden.

Übel getan: Und sich in ihrem ganzen Wandel, Glauben und löblichen Gebräuchen allerdings verkehrt haben.

Vergessen: Dass sie weder seinem Wort noch Befehl geachtet. [Denn Gott straft die Verfälschung der Religion, mit Krieg und Blutvergießen].

22. So kehrt nun wieder, ihr abtrünnigen Kinder, so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam. Siehe, wir kommen zu dir; denn du bist der Herr, unser Gott.

Heilen: Ich will euch eure Sünden vergeben und dieselben vertilgen, dass sie euch nicht mehr schaden sollen. [Denn so gerecht und ernsthaft Gott ist, die Sünder zu strafen, so gnädig und barmherzig ist er auch, den Bußfertigen zu verzeihen].

Siehe: Jetzt antworten die bußfertigen Sünder und ergeben sich in seinem Willen.

Zu dir: Unserem himmlischen Vater und rufen dich um Hilfe und Beistand an.

Unser Gott: Von dem wir alles Gute gewärtig sind, den wir allein für den wahren Gott erkennen und dessen Geboten wir hätten sollen gehorsam leisten.

23. Wahrlich, es ist eitel Betrug mit Hügeln und mit allen Bergen. Wahrlich, es hat Israel keine Hilfe denn am Herrn, unserem Gott.

Keine Hilfe: Das ist: [Bei den abergläubischen Gottesdiensten, so ohne Gottes Wort angerichtet werden, ist in der Wahrheit keine Seligkeit zu hoffen: Wie denn dergleichen außerhalb dem Tempel zu Jerusalem hin und wieder auf den Bergen und Hügeln angerichtet worden: Aber er wird betrogen und fehlt ihm seine Hoffnung ganz weit, welcher meint, er wolle Gott mit solchen Gottesdiensten versöhnen. Wenn aber Gott nach seinem Wort, wie er es vorschreiben lassen, geehrt wird, so erhört er die Elenden und hilft ihnen zu rechter Zeit].

24. Und unserer Väter Arbeit, die wir von Jugend auf gehalten haben, müsse mit Schanden untergehen samt ihren Schafen, Rindern, Kindern und Töchtern.

Arbeit: nach Luther]. Das ist: Ihre Stifte und Gottesdienst oder Abgötterei, daran sie viel gearbeitet und getan haben.

Untergehen: Will so viel sagen: Es ist uns von vielen Jahren her alles verkehrt gegangen und was unsere Voreltern ihnen und uns an Gütern und Kindern erworben, das fällt alles mit Schimpf und Spott wiederum dahin, verläuft sich und geht zu Boden.

25. Denn darauf wir uns verließen, das ist uns jetzt eitel Schande und des wir uns trösteten, des müssen wir uns jetzt schämen. Denn wir sündigen damit wider den Herrn, unseren Gott, beide, wir und unsere Väter, von unserer Jugend auf, auch bis auf diesen heutigen Tag und gehorchten nicht der Stimme des Herrn, unseres Gottes.

Eitel Schande: Wir liegen in großer Schmach und sind vor allen Heiden öffentlich zuschanden geworden mit unseren vielfältigen falschen Gottesdiensten. [Denn welche Gott nicht ehren wollen, dass sie ihm nach seinen Geboten gehorsam leisten, die geraten in große Verachtung, dass jedermann ihrer spottet].

Damit: Nämlich mit der Abgötterei und anderen vielfältigen Sünden.

Jugend auf: Das ist: Von langen Zeiten und vielen Jahren her.

Unseres Gottes: Da er uns durch seine Propheten von unserem bösen Wesen ließ abmahnen, sondern fuhren in unseren Sünden immer fort, darum hat uns jetzt so großes Unglück überfallen. [Dieses freiwillige Bekenntnis der Sünden ist zu loben. Denn wenn wir um unserer Sünden willen von Gott gestraft werden, so sollen wir solches erkennen und vor Gott bekennen, dass wir richtig gestraft wurden, und sollen unsere Bosheit nicht verteidigen, mit unserer Voreltern Ansehen und Beispiel, wie die Katholiken tun: Sondern wenn wir aus dem Worte Gottes unseres Irrtums und Sünden überzeugt und davon abzustehen ermahnt werden, so sollen wir Buße tun und die Ohren nicht verstopfen. Denn die Halsstarrigkeit pflegt großes Unglück zu verursachen].


Das 4. Kapitel


1. Dem Volk Gottes wird schrecklich Unglück gedroht und eine Ermahnung hinzugetan, dass sie sollen Buße tun.

1. Willst du dich, Israel, bekehren, spricht der Herr, so bekehre dich zu mir. Und so du deine Gräuel wegtust von meinem Angesicht, so sollst du nicht vertrieben werden.

Willst du: Der Prophet ermahnte das israelitische Volk zur wahren Buße, weil von wegen ihrer Sünden schwere Strafen herzu nahen.

Zu mir: Tue rechtschaffene wahre Buße und lass dir es ein Ernst sein, dass du dein Leben nach meinem Wort anrichtest. [Denn die fehlen ganz weit, welche von öffentlichen Sünden abstehen und zur Heuchelei treten, wie diejenigen tun, welche im Papsttum nach vielen groben begangene Lastern in ein Kloster laufen, oder aus rohlosen unartigen Leuten zu Wiedertäufer oder Schwenkfelder werden, dass ist: Dass sie aus Zöllnern Pharisäer werden und also vor Gott ärger sind, als zuvor].

Wegtust: Es werden aber die Gräuel alsdann weggetan, wenn die falsche Religion hinweggeräumt wird und man von Sünden absteht].

Nicht vertrieben: Du sollst nicht ins Elend hinweg geführt werden. [Denn obwohl Gott über die Sünden heftig zürnt, so vergibt er uns doch dieselben, wenn wir Buße tun und wendet entweder die Strafen ganz ab, oder mildert sie aufs wenigste].

2. Alsdann wirst du ohne Heuchelei recht und heilig schwören: So wahr der Herr lebt! Und die Heiden werden in ihm gesegnet werden und sich sein rühmen.

Schwören: Das ist: Alsdann wirst du Gott recht ehren und seinen Namen heilig und gottseliglich gebrauchen, zur Bestätigung der Wahrheit. [Denn welche den Namen Gottes oft im Munde haben, daneben aber mit einer falschen Religion oder lasterhaftem Leben Gott beleidigen, die missbrauchen den Namen Gottes und sündigen eben so schwer vor Gott, als die bei seinem Namen fälschlich schwören. Danach hat man hier auch in Acht zu nehmen, dass in diesem Spruch des Propheten der Eidschwur nicht allein recht geheißen, sondern auch für einen Gottesdienst gehalten wird].

Gesegnet: Das ist: Wenn du Gott recht dienen und mit deinem gottseligen Beispiel anderen vorleuchten wirst, so werden auch die Heiden bewegt werden, dass sie die wahre Religion annehmen und durch den Glauben an den Messias die wahre und himmlische Seligkeit erlangen und werden sich rühmen, nicht von wegen ihrer Tugenden oder Verdienste, sondern über des Messias Verdienst und unaussprechliche Gnade des himmlischen Vaters. [Denn man soll aus Glauben ein gottseliges Leben führen, auf dass die Leute, wenn sie unseren guten Wandel sehen, dadurch verursacht werden, dass sie sich zu Gott bekehren und unseren Vater im Himmel preisen {Mt 5}].

3. Denn so spricht der Herr zu denen in Juda und zu Jerusalem: Pflügt ein Neues und sät nicht unter die Hecken {Hos 10v12}.

Neues: Lasst es euch mit der Erneuerung eures Lebens ein Ernst sein und mengt unter eure Bekehrung keine Heuchelei oder Sünden mit unter. [Denn die säen unter die Dornen oder Hecken und pflügen den Acker ihres Herzen nicht recht, welche ein Teil der falschen Religion fahren lassen und das andere Teil behalten. Und von etlichen Sünden abstehen, in anderen aber fortfahren].

4. Beschneidet euch dem Herrn und tut weg die Vorhaut eures Herzens, ihr Männer in Juda und ihr Leute zu Jerusalem, auf dass nicht mein Grimm ausfahre wie Feuer und brenne, dass niemand löschen möge, um eurer Bosheit willen {5Mos 10v16 30v6}.

Beschneidet: Legt die Bosheit und das verkehrte Wesen eures Herzen ab und lasst den Unglauben, Mutwillen, Geiz, Unzucht, Stolz, Neid, Hass und dergleichen Laster fahren, auf dass bekannt werde, wie ihr neugeborene Menschen seid. [Solche innerliche Beschneidung rühmt auch der Apostel Paulus {Röm 2}. Ohne welche die äußerliche Beschneidung den Juden nichts genützt, gleichwie es auch einem Menschen nichts hilft, dass er getauft wurde, wenn er nicht später ein neues und Gott wohlgefälliges Leben führt].

Bosheit willen: Weil ihr euch aller Bosheit befleißigt, Abgötterei treibt und euch mit vielfältigen Sünden verunreinigt. [Denn die Unbußfertigen werden von den göttlichen Strafen, welche über sie kommen, als von einem Feuer verzehrt und nach diesem Leben endlich auch der ewigen Pein übergeben, da ihr Feuer nicht verlöscht und ihr Wurm nicht stirbt {Mk 9}].

5. Ja, dann verkündigt in Juda und schreit laut zu Jerusalem und sprecht: Blast die Trompeten im Lande! Ruft mit voller Stimme und sprecht: Sammelt euch und lasst uns in die festen Städte ziehen!

Ja: Weil der Prophet sah, dass er bei dem größeren Teil des Volkes nichts ausrichtete mit seinen Predigten, so verkündigt und droht er den Juden die Zukunft des Königs zu Babel, dass er kommen und das Land verwüsten, sie aber ins Gefängnis hinwegführen würde, ob sie gleich durch solche Bedrohungen könnten zur Buße bewegt werden.

Nach Luther: Wenn das Feuer angehen wird und ihr euch nicht gebessert habt, so wird es nicht helfen, dass ihr euch rüstet.

Verkündigt: Ihr Boten und Posten, zeigt an, dass der Feind von Babel vorhanden sei, welcher ganz mächtig und grausam ist.

Voller Stimme: Macht Lärm und greift zur Wehr. Es will aber der Prophet mit diesen Worten die Juden nicht aufmahnen, dass sie dem Könige zu Babel sich widersetzen sollten, weil er sonst immer dahin geraten, dass sie sich demselben sollten ergeben, sondern er braucht dergleichen Reden, wie sie zur selben Zeit unter den Leuten würden im Schwange gehen, wenn der König zu Babel wider sie anziehen würde.

Ziehen: Das ist: Ermahnt euch untereinander, dass die besten Leute und die auserlesenen Kriegsmänner sich in die festen Städte begeben, genügend Proviant mit sich nehmen und da des Feindes erwarten, dass sie ihn tapfer aufhalten und zurücktreiben.

6. Werft zu Zion ein Panier auf; häuft euch und säumt nicht! Denn ich bringe ein Unglück herzu von Mitternacht und einen großen Jammer.

Werft: Rüstet alles zu, was die Belagerung auszuhalten dienlich sein mag.

Säumt nicht: Habt eurer Sachen fleißig Acht und seht euch überall nach Hilfe um, dass ihr euch stärken mögt, und seid nicht fahrlässig in solchem tun, sondern eilt. [Mit diesen Worten wird das menschliche Herz und Gemüt gar eigentlich abgemalt. Denn wenn Krieg vorhanden ist, da schreit man, lärmt und führt den Vorrat von Früchten in die festen Städte, man nimmt Kriegsleute an und bringt sie zusammen, das Geschütz stellt man auch an seinen Ort. Welches zwar an sich selbst nicht Unrecht ist. Aber das ist unrecht und gottlos, dass die Leute zu allererst sich nicht bemühen, wie sie durch wahre Buße den Zorn Gottes abwenden mögen, rufen auch nicht vor allen Dingen Gott um seine Hilfe an, sondern setzen ihr Vertrauen auf die vorgemeldeten äußerlichen Sachen, gerade als ob sie auch ohne Gott überwinden könnten].

Mitternacht: Denn das Land Babel war von dem Lande Kanaan zu rechnen, gegen Mitternacht gelegen. Und erweckt Gott der Kirche ihre Widersacher, dass er seines Volkes Sünden strafe.

7. Es fährt daher der Löwe aus seiner Hecke und der Verstörer der Heiden zieht einher aus seinem Ort, dass er dein Land verwüste und deine Städte ausbrenne, dass niemand darin wohne.

Löwe: Der großmütige und mächtige Monarch, der König zu Babel.

Hecke: Das ist: Von Babel, da er seinen königlichen Sitz hat.

Verstörer: Der bis daher viele und große Völker unterdrückt und zerstört hat.

Einher: Dass er das Königreich Juda auch zugrunde richte. Und redet der Prophet von zukünftigen Sachen, als ob sie bereits gegenwärtig wären, von wegen der Sachen Gewissheit.

8. Darum zieht Säcke an, klagt und heult; denn der grimmige Zorn des Herrn will nicht aufhören von uns {Jer 6v26}.

Darum: Von wegen solchem herzunahenden Unglücks und Untergangs des jüdischen Königreichs.

Säcke: Tut schlechte und geringe Klagekleider an und beweint eure Sünden mit Tränen und Heulen und ruft Gott demütig an, dass er die wohlverdiente Strafe abwende, welche er sonst in seinem großen Zorn über uns ausschütten wird. [Denn durch wahre Buße und demütiges Abbitten kann man ein herzunahendes Unglück abwenden oder doch lindern].

9. Zu der Zeit, spricht der Herr, wird dem Könige und den Fürsten das Herz entfallen; die Priester werden verstürzt und die Propheten erschrocken sein.

Entfallen: Es wird jedermann kleinmütig und verzagt sein, sowohl im weltlichen als geistlichen Stande, dass nirgends kein Rat noch Trost zu finden sein wird. [Denn wenn Gott strafen will, so entzieht er den Leuten den Verstand, dass sie keinen Mut mehr haben und an keinen heilsamen Rat denken].

Propheten: Es redet aber der Prophet hier von denen Priestern und Propheten, die das Volk bis daher verführt hatten.

10. Ich aber sprach: Ach, Herr, du hast es diesem Volk und Jerusalem weit fehlen lassen, da sie sagten: Es wird Friede bei euch sein, so doch das Schwert bis an die Seele reicht.

Sie sagten: Nämlich die Priester und falsche Propheten, welchen du zugelassen, dass sie gepredigt, wie es alles würde still und guter Friede sein und alles wohl hinausgehen.

Seele reicht: Das ist: Des Feindes Schwert ist uns an die Brust gesetzt und wird es um unser Leben geschehen sein. [Denn wenn das Volk Gottes mit Sünden sich verunreinigt, so lässt es Gott aus seinem gerechten Gericht geschehen, dass die falschen Lehrer die Leute in ihrer Bosheit stärken und ihnen dennoch nichtsdestoweniger alle glückliche Wohlfahrt verheißen, bis zugleich die falschen Lehrer und Zuhörer miteinander in ein schreckliches Unglück geraten und jämmerlich zugrunde gehen].

11. Zur selbigen Zeit wird man diesem Volk und Jerusalem sagen: Es kommt ein dürrer Wind über dem Gebirge her, als aus der Wüste, des Weges zu der Tochter meines Volkes zu, nicht zu worfeln noch zu schwingen.

Wind: nach Luther]. Der König zu Babel.

Gebirge: Von Mitternacht her nämlich von Babel, welcher wider das Land meines Volkes wehen und alles dürre machen und verbrennen wird.

Nicht zu worfeln: Er wird nicht sanft wehen, wie ihn die Ackerleute gerne sehen, wenn sie das Korn worfeln und von den Spreuern absondern wollen, sondern wie ein scharfer Wind von Mitternacht, der die zarte Feser im Weinberge verletzt. Also wird der König zu Babel von Mitternacht aus, das Königreich Juda überfallen und es jämmerlich verwüsten.

12. Ja, ein Wind kommt, der ihnen zu stark sein wird; da will ich denn auch mit ihnen rechten.

Wind: Nämlich ein großer Sturmwind, den ich gebrauchen will, mein Volk damit zu züchtigen.

Rechten: Alsdann wird es Zeit sein, dass ich die Juden vor Gericht stelle und mit ihnen rechte, danach das Urteil über ihre Bosheit spreche und dasselbe vollstrecken lasse. [Wir sollen Gott bitten, dass er nicht mit uns ins Gericht gehe, noch mit uns handle nach unseren Sünden und uns nicht vergelte nach unserer Missetat {Ps 103 143}].

13. Siehe, er fährt daher wie Wolken und seine Wagen sind wie ein Sturmwind, seine Rosse sind schneller denn Adler. Weh uns, wir müssen verstört werden!

Er fährt: Nämlich der König von Babel kommt mit einem großen Kriegsheer.

Sturmwind: Also wird er mit großen Schrecken in der Eile daher kommen, als ob er flöge.

Verstört werden: Da wird es um uns geschehen sein. [Weil demnach der Türke von wegen seiner großen Gewalt und Kriegsmacht dem Könige zu Babel nicht fast ungleich ist und die Sünden der Christenheit der Juden Übertretungen fast gleich sind, so ist zu besorgen, dass nicht etwa einmal ein solches türkisches Unwetter plötzlich auch über Deutschland komme, wo wir es nicht durch wahre Buße abwenden].

14. So wasche nun, Jerusalem, dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben die leidigen Lehren?

Wasche: Auf dass du von deinem gottlosen Wesen gereinigt wirst. [Wir werden alsdann von der Bosheit gewaschen und gereinigt, wenn wir von Sünden abstehen und an den Sohn Gottes glauben].

Geholfen: Damit du nicht zeitlich und ewig verdirbst.

Leidigen Lehren: Wie lange plagst und marterst du dich mit unrechten Gottesdiensten, in dem du eine falsche Religion annimmst. [Er nennt aber die falschen Gottesdienste, leidigen Lehren, weil die Heuchler mit ihren erdichteten Werken sich selbst jämmerlich plagen und martern].

15. Denn es kommt ein Geschrei von Dan her und eine böse Botschaft vom Gebirge Ephraim her,

Von Dan: Das ist, es kommt eine traurige Nachricht von den äußersten Grenzen des Landes Kanaan, nämlich dass die Chaldäer daher ziehen. Denn das Städtlein Dan lag an der Grenze des Königreichs Israel gegen Mitternacht zu.

Rühmen: Welche in der Nachbarschaft umher wohnen und sich über der Juden Unglück freuen.

16. wie die Heiden rühmen. Und es ist bis gen Jerusalem erschollen, dass Hüter kommen aus fernen Landen und werden schreien wider die Städte Judas.

Hüter: Nämlich die Feinde, welche die Städte belagern und also umringen, sie auch in guter Hut haben werden, aber nicht guter Meinung, sondern, dass sie dieselben verwüsten und zerstören mögen.

Nach Luther:]. Es können auch durch die Hüter widersinnig die Verstörer verstanden werden.

Schreien: Dass sie sich untereinander ermahnen werden, die Städte im Königreich Juda zu zerstören.

17. Sie werden sie rings umher belagern wie die Hüter auf dem Felde; denn sie haben mich erzürnt, spricht der Herr.

Felde: Denn gleichwie sonst die Hüter um die Äcker und Weinberge pflegen herzugehen, also werden die Chaldäer im ganzen Königreich Juda überall herumschweifen und streifen und die Städte belagern und zerstören. [Sooft wir deswegen sehen die Hüter um unsere Weinberge oder Äcker herumziehen, sollen wir Gott bitten, dass er uns samt den unseren vor dergleichen Hütern, wie sie hier beschrieben werden, gnädiglich bewahren wolle].

18. Das hast du zu Lohn für dein Wesen und dein Tun. Dann wird dein Herz fühlen, wie deine Bosheit so groß ist.

Tun: Deine Abgötterei und Bosheit haben dir solchen Jammer verursacht. [Sollen wir deswegen das Unglück unseren Sünden zuschreiben und Buße tun, denn wir können Gott keiner Ungerechtigkeit beschuldigen].

19. Wie ist mir so herzlich weh! Mein Herz pocht mir im Leibe und habe keine Ruhe; denn meine Seele hört der Posaunen Hall und eine Feldschlacht

Wehe: Ich empfinde viele Schmerzen und bin in großen Ängsten.

Hört: Nämlich im Geiste höre ich bereits der Feinde gräuliches Geschrei, die sich zum Streit rüsten und einander zusprechen, ihre Feinde zu erwürgen. Mit diesen schrecklichen Worten will der Prophet seine Zuhörer gleichsam auf den Schauplatz führen und ihnen die Sache etlichermaßen vor die Augen malen, ob sie vielleicht möchten dadurch bewegt werden und Buße tun. [Denn es soll ein Prediger nichts unterlassen, was er meinte, dienlich zu sein, dass die Leute von ihrem gottlosen Leben abgehalten werden].

20. und ein Mordgeschrei über das andere; denn das ganze Land wird verheert, plötzlich werden meine Hütte und meine Gezelte verstört.

Über den anderen: Das ist, es folgt immer ein Unglück nach dem anderen, dass keins dem anderen weichen kann, und wird man allewege neue Nachrichten und dieselben je länger je böser hören, da man sagen wird, wie jetzt hier, dann dort eine Stadt eingenommen, verwüstet und verbrannt wurde.

Plötzlich: Es wird solche Zerstörung unversehens herzu rücken und viel eher kommen, als man sich es versehen hätte, oder gemeint, dass es geschehen können. [Denn es kommt kein Unglück allein].

21. Wie lange soll ich doch das Panier sehen und der Posaunen Hall hören?

Wie lange: Ach wann wird einmal der schreckliche und blutige Krieg ein Ende haben? [Denn gleichwie Gott nach seiner großen Langmütigkeit der Leute Bosheit lange zusieht, also wenn er durch die beharrliche Unbußfertigkeit erzürnt wird, so häuft er eine Strafe über die andere und hält eine gute lange Zeit mit der Strafe an].

22. Aber mein Volk ist toll und glaubt mir nicht; töricht sind sie und achten es nicht. Weise sind sie genug, Übles zu tun; aber wohltun wollen sie nicht lernen {Röm 16v19}.

Toll: Darum geschieht den Juden nicht Unrecht, dass sie solches Unglück überfällt.

Nicht lernen: Will so viel sagen, mein Volk will aus meinem Wort meinen Willen nicht lernen, darum ist es in geistlichen Sachen toll und töricht, dass sie nicht wissen, was zu meiner Ehre und ihrer Seligkeit dienlich ist. Unterdes aber sind sie ganz spitzfindig und sinnreich, neue und falsche Gottesdienste zu erdenken und allerhand Laster zu begehen, dass sie ihren Nächsten betrügen und übervorteilen. [Solche Narren findet man auch noch heutigentags, welche in geistlichen Sachen so unverständig sind als ein unvernünftiges Vieh, aber daneben auf alle Bosheit abgerichtet, dafür sie einmal von Gott zeitlich und ewig werden gestraft werden].

23. Ich schaute das Land an, siehe, das war wüste und öde und den Himmel und er war finster.

Und öde: Es lag alles durcheinander verwirrt, unerbaut und verwüstet. Und braucht der Prophet hier eben dieselben Wörter, mit welchen Mose den ersten Anfang der Erschaffung der Welt beschrieben, da die Welt noch nicht ordentlich unterschieden und mit Kreaturen geziert war.

Finster: Es war kein Sonnenschein und leuchtete auch kein Stern, das ist, es war nirgends kein Trost vorhanden. Denn es wird durch die Finsternis Traurigkeit, durch das Licht aber Freude verstanden. Und muss man hier in Achthaben, das, was der Prophet als von bereits vergangenen Sachen redet, alles von Zukünftigen zu verstehen sei, denn er weissagt von dem Unglück, welches über die Juden kommen soll.

24. Ich sah die Berge an und siehe, die bebten und alle Hügel zitterten.

Bebten: Nämlich nach meinem Bedenken, in meinen großen Ängsten, dass ich fürchte, sie möchten über den Haufen fallen.

25. Ich sah und siehe, da war kein Mensch und alles Gevögel unter dem Himmel war weggeflogen.

Weggeflogen: Aus unserem Lande, da war nichts mehr, als eine grausame wilde Wüste und Einöde, in der kein Mensch wohnte, ja auch kein Vogel mehr gespürt wurde.

26. Ich sah und siehe, das Baufeld war eine Wüste und alle Städte darin waren zerbrochen vor dem Herrn und vor seinem grimmigen Zorn.

Sah: Ob im Königreich Juda noch etwas auf dem Lande und im Felde erbaut stünde, das lustig anzusehen wäre.

Zerbrochen: Sie lagen allerdings verwüstet und zerstört, welches Gott also ergehen und geschehen lassen um der Menschen Sünde willen, wider welche sein gerechter Zorn entbrannt war. [Wenn wir deswegen die fruchtbaren Äcker und Weinberge und die Städte und Dörfer bei gutem glücklichen Zustande sehen und behalten wollen, so sollen wir uns hüten, dass wir den Herrn unseren Gott mit unseren schweren Sünden nicht erzürnen und zur Strafe verursachen].

27. Denn so spricht der Herr: Das ganze Land soll wüste werden und will es doch nicht ganz ausmachen {Jer 46v28}.

Nicht ganz: Ich will es nicht allerdings verderben, dass es zukünftig nicht mehr könnte bewohnt werden. Denn nach siebzig Jahren will ich mein Volk wieder allhier in dies Land bringen, dass es darin wohne, es wieder zurichte, baue und seiner Früchte genieße. [Denn Gott ist im Zorn seiner Barmherzigkeit bedenkt].

Nach Luther:]. Das ist, ich will etwas übrig lassen. Das haben sie zu der Zeit als eine gewöhnliche Rede wohl verstanden, dass es sollte ganz aus sein, bis auf etliche, die nicht sollen das vorige Reich haben.

28. Darum wird das Land betrübt und der Himmel oben traurig sein; denn ich hab es geredet, ich habe es beschlossen und soll mich nicht reuen, will auch nicht davon ablassen.

Betrübt: Das ist unterdes, ehe denn die Wiederkunft des jüdischen Volkes geschieht, wird es überall in Lande Kanaan jämmerlich zugehen und ein trauriges Ansehen haben, dass wo man hinsehen wird, man keine Freude wird spüren können.

Geredet: Dass ich dies Land ernstlich strafen will, wie ich denn solche schweren Strafen durch meine Propheten dem Volk gedroht habe, davon mich keiner abwendig machen soll. [Denn solange die Leute fortfahren, den Zorn Gottes mit ihren Sünden zu reizen, so bleibt auch Gottes Vorsatz unwiderruflich: Wenn aber ein Volk von seinem gottlosen Wesen ablässt und Buße tut, so lässt sich Gott auch bereuen des Übels, das er über sie zu schicken willens gewesen {Jer 18}].

29. Alle Städte werden vor dem Geschrei der Reiter und Schützen fliehen und in die dicken Wälder laufen und in die Felsen kriechen; alle Städte werden verlassen stehen, dass niemand darin wohnt.

Städte: Das ist, die Bürger in den Städten des Königreichs Juda werden vor den Kriegsleuten von Babel sich fürchten und ihnen nicht widerstehen dürfen, sondern nur dahin trachten, wie sie sich vor ihnen verbergen können.

Dicken Wälder: Da sie sich werden begehren zu verstecken.

Felsen: Da sie auch einesteils werden Löcher suchen, dass sie darin vor dem Feinde mögen gesichert sein.

Verlassen: Weil die Bürger daraus gewichen und sie den Feinden leer hinterlassen haben. [Denn wo ein böses Gewissen ist, da flieht man vor einem rauschenden Blatt].

30. Was willst du alsdann tun, du Verstörte? Wenn du dich schon mit Purpur kleiden und mit goldenen Kleinoden schmücken und dein Angesicht schminken würdest, so schmückst du dich doch vergeblich; denn die dir jetzt hofieren, werden dich verachten, sie werden dir nachdem Leben trachten.

Tun: Woher willst du Hilfe oder Trost begehren? Denn es wird sich niemand deiner achten und kein Mensch wird dich begehren zu schützen oder dich an deinen Feinden zu rächen.

Verachten: Das ist, die Gottlosen heidnischen Könige, zu denen du dich gehalten und dich mit ihnen in ein Bündnis eingelassen hast, auch all deine Hoffnung auf ihre Hilfe und Beistand hattest, die werden dich als eine hässliche alte lose Vettel verachten und mit keiner Schmeichelei oder lieblichem Zutun sich von dir überreden noch versöhnen lassen, sondern werden vielmehr dein Verderben suchen. [Denn die Freundschaften, so man wider den Herrn mit den Gottlosen macht, bringen nicht allein keinen Nutzen, sondern sind auch schädlich und nachteilig].

31. Denn ich höre ein Geschrei als einer Gebärerin, eine Angst als einer, die in den ersten Kindesnöten ist, ein Geschrei der Tochter Zion, die da klagt und die Hände auswirft: Ach, wehe mir, ich muss schier vergehen vor dem Würgen!

Ersten Kindesnöten: Da es ihr sehr schwer ankommt, weil sie großen Schmerzen empfindet, der sie zuvor nie gewohnt.

Auswirft: Gleichwie die Weiber zu tun pflegen, wenn sie in großen Nöten stecken, dass sie die Hände über den Kopf zusammen schlagen.

Vergehen: Ich falle darüber in eine Ohnmacht, wenn ich sehe, wie so viele meiner Bürger jämmerlich erwürgt werden. Es will aber der Prophet damit anzeigen, dass er aus der Offenbarung des Heiligen Geistes bereits zuvor sehe, in was großen Jammer und Trübsal das Volk Gottes geraten werde. [Denn Gott ermahnt die Kirche bei rechter Zeit und warnt sie zuvor, vor dem künftigen Unglück, auf dass sie Buße tue. Aber der größere Teil darin lässt es vor Ohren gehen und kehrt sich nichts daran].


Das 5. Kapitel


1. Der Prophet erzählt die Sünden der Obrigkeit und des Volkes nämlich die Treulosigkeit und des Herzens Herrlichkeit, samt der geistlichen und leiblichen Hurerei, v. 1. 2. Danach verkündigt er ihnen die schrecklichen Strafen und des Landes Verwüstung und setzt einen Trost hinzu, dass Gott in seinem Zorn auf die seinen achthaben werde, v. 10.

1. Geht durch die Gassen zu Jerusalem und schaut und erfahrt und sucht auf ihrer Straße, ob ihr jemand findet, der recht tue und nachdem Glauben frage, so will ich ihr gnädig sein.

Geht: Jetzt erzählt der Prophet die Ursachen solches großen Jammers, damit das Volk Gottes würde überfallen werden.

Gnädig sein: Als wollte er sprechen, wohlan, wenn man in der ganzen Stadt Jerusalem etliche fromme und gottselige Leute kann zuwege bringen und mir darstellen, die der Gerechtigkeit und Gerechtigkeit nachstreben und mit Fleiß dahin trachten, dass sie Gott und den Menschen begehren Glauben zu halten, so will ich um derselben Frommen willen, wenn ihrer gleich wenig sind, dieser ganzen Stadt verschonen. [Denn Gott verschont oftmals viele Gottlose ganz lange, um etlicher wenig frommer Leute willen].

2. Und wenn sie schon sprechen: Bei dem lebendigen Gott! So schwören sie doch falsch.

Doch falsch: Denn es ist weder Treue noch Glauben mehr bei den Bürgern zu Jerusalem. Und wenn sie gleich ein Ding noch so hoch beteuern bei dem ewigen wahren Gott, den sie über sich selbst zum Zeugen anrufen, so ist es ihnen doch kaum halb Ernst, sondern gehen mit Betrug und falschen Praktiken um, dass, wenn sie gleich bei Zentnern schweren, man ihnen kaum ein Quintlein glauben darf.

3. Herr, deine Augen sehen nachdem Glauben. Du schlägst sie, aber sie fühlen es nicht; du plagst sie, aber sie bessern sich nicht. Sie haben ein härter Angesicht denn ein Fels und wollen sich nicht bekehren {Esra 1v5 Jer 2v30}.

Sehen: Du hast nur Acht auf die, so da recht tun und liebst die Wahrheit und Aufrichtigkeit, aber aller Leichtfertigkeit und Treulosigkeit bist du feind.

Fühlen es nicht: Das ist, wenn du sie gleich mit harten Strafen ernstlich züchtigst, so richtest du doch nichts aus, denn sie empfinden die Strafe nicht also, dass sie Buße täten.

Fels: Also dass sie sich deinem Wort mit großer Halsstarrigkeit ganz unverschämt widersetzen dürfen.

Nicht bekehren: Zu Gott dem Herrn, dass sie ihrer Übeltat gereute. [Denn die Gottlosen werden durch die Strafen nur ärger und fahren in ihrer Bosheit mit einem vorsätzlichen Mutwillen immer fort].

4. Ich dachte aber: Wohlan, der arme Haufe ist unverständig, weiß nichts um des Herrn Weg und um ihres Gottes Recht.

Dachte: Ich machte mir die Rechnung, es würde irgend nur der allgemeine Haufen so böse und gottlos sind, welches denn nicht so gar großes Wunder gewesen wäre, weil es auf meine Predigten nicht besonders Acht hat und zuvorderst nur auf seine Sachen sieht. Aber was der Wille Gottes sei, wie er denselben in seinem Wort geoffenbart hat, da fragen sie wenig nach und wissen nicht, was im Gesetz Gottes ihnen vorgeschrieben wurde. [Dies ist zwar bei dem allgemeinen Haufen ein allgemeiner Mangel, aber darum nichts desto besser und gar nicht zu loben].

5. Ich will zu den Gewaltigen gehen und mit ihnen reden, die selbigen werden um des Herrn Weg und ihres Gottes Recht wissen; aber die selbigen allesamt hatten das Joch zerbrochen und die Seile zerrissen {Ps 2v3}.

Gewaltigen: Zu den Vornehmsten und Ansehnlichsten im Volk.

Wissen: Denn weil ihnen die Schriften Mose und die göttliche Rechte und Satzungen aus dem Gesetz bekannt sind, so werden sie erkennen, dass es wahr und Gottes Wort sei, was ich rede, darum sie zu verbessern sich unterstehen werden, was entweder in Religionssachen oder im bürgerlichen Wandel ungerades vorgelaufen.

Seile: Der heiligen Gesetze. [Denn welche anderen mit Frömmigkeit, Weisheit und gutem Beispiel vorleuchten sollten, die widersetzen sich der Wahrheit mutwillig und sündigen vorsätzlich. Darum man bei ihnen weniger Gottesfurcht findet als bei dem unachtsamen Pöbel].

6. Darum wird sie auch der Löwe, der aus dem Walde kommt, zerreißen und der Wolf aus der Wüste wird sie verderben und der Pardel wird auf ihre Städte lauern; alle, die dort herausgehen, wird er fressen. Denn ihrer Sünden sind zu viel und bleiben verstockt in ihrem Ungehorsam {Hos 13v7}.

Darum: Folgen jetzt die ernstlichen Bedrohungen der Strafen, so darauf kommen werden.

Der Löwe: nach Luther]. Der König zu Babel.

Städte lauern: Dass er die Einwohner derselben umbringe: Deutet aber mit diesen Worten auf den König zu Babel Nebukad Nezar, welcher von wegen seiner Großmütigkeit und Stärke einem Löwen, von wegen seiner Grausamkeit einem Wolfe, von wegen seiner Schnelligkeit einem Pardel nicht unrecht zu vergleichen, derselbe, will er sagen, wird mit diesem Volk gräulich und jämmerlich umgehen. [Denn es bringt Gott grausame und mächtige Völker hervor, durch derer Zutun er seines Volkes Bosheit straft].

Verstockt: Dass sie nicht allein vielfältig, sondern auch beharrlich sündigen. [Welche verstockte Bosheit zu sündigen schreckliche Strafen verursacht.]

7. Wie soll ich dir denn gnädig sein, weil mich deine Kinder verlassen und schwören bei dem, der nicht Gott ist? Und nun ich sie gefüllt habe, treiben sie Ehebruch und laufen ins Hurenhaus.

Gnädig sein: Dass ich deiner schonen soll. [Denn solange man nicht Buße tut, solange kann man auch bei Gott keine Gnade erlangen, denn er erbarmt sich der Unbußfertigen nicht].

Verlassen: Sie dienen mir nicht mit Ernst, noch nach meinem ihnen vorgeschriebenen Wort, sondern haben den rechten Gottesdienst aus der acht gelassen und denselben mit neuen selberwählten Gottesdiensten verwechselt.

Nicht Gott: Sie rufen fremde Götter zum Zeugnis an, wenn sie mit einem Eide etwas bestätigen wollen. [Denn der Eid ist ein Stück des Gottesdienstes. Welche deswegen in ihren Eidschwüren sich auf die Heiligen berufen, die sündigen schwer: Denn die Heiligen sind keine Herzenskundiger].

Gefüllt: Mit allerlei zeitlichen Gütern, dass ich ihnen Nahrung, Korn, Wein, Öl, Kleider, Häuser, Frieden und alles was sie bedurft, reichlich gegeben habe: Welches ich der Meinung getan, dass sie meine Güte daraus erkennen, mich ehren und mit einem gottseligen Leben sich dankbar gegen mir erzeigen sollten. So verhalten sie sich aber für alle solche große Guttaten gegen mich ganz undankbar, also dass sie auch mit äußerlichen groben Lastern sich verunreinigen.

Ehebruch: Sie haben anderen Männern ihre Eheweiber geschändet und ihre eheliche Treue, die sie ihren Weibern zugesagt, nicht gehalten.

Hurenhaus: Da sie mit den gemeinen Metzen Hurerei und Unzucht treiben.

8. Ein jeglicher wiehert nach seines Nächsten Weibe, wie die vollen, müßigen Hengste {2Mos 22v11}

Hengste: Also gar sticht sie das Futter, dass sie in Unzucht gegen fremde Weiber allerdings entbrannt sind. [Hier sieht man, was für große Ärgernisse manchmal bei dem Volk Gottes gespürt werden].

9. Und ich sollte sie um solches nicht heimsuchen? Spricht der Herr; und meine Seele sollte sich nicht rächen an solchem Volk, wie dies ist {Jer 9v9}?

Nicht rächen: Wie könnte ich zu solchen großen Bubenstücken stille schweigen und ihnen übersehen? [Denn Gott kann sich in die Länge nicht halten, sondern muss endlich sein Volk ernstlich strafen, wenn sie es mit den Sünden gar zu sehr übermachen, damit es nicht das Ansehen gewinne, als ließe er sich das Unrecht gefallen und hätte Lust zur Sünde].

10. Stürmt ihre Mauern und werft sie um und macht es nicht gar aus! Führt ihre Reben weg; denn sie sind nicht des Herrn {Jer 4v27},

Stürmt: Jetzt ermahnt Gott die Feinde, dass sie die Stadt Jerusalem mit Gewalt anlaufen sollen. [Denn um der Abgötterei und schändlicher Unzucht willen, werden die Städte zerstört und die Regierungen geändert].

Nicht gar aus: Das ihr mein Volk nicht ganz und gar vertilgt. Denn ich lasse euch, den Feinden meines Volkes, so viel zu, dass ihr die Stadt erobern und die Bürger gefangen gen Babel hinwegführen mögt: Aber sie nicht alle tötet. [Denn Gott ist im Zorn seiner Barmherzigkeit bedenkt].

Reben: Nämlich die gottlosen Juden mögt ihr einesteils erwürgen und zum Teil ins Elend hinwegführen.

Nach Luther:]. Das Volk im Lande.

Sind nicht: Denn ob sie sich gleich rühmen, dass sie Gottes Volk sind, so sind sie es doch in der Wahrheit nicht, ohne allein mit dem Namen, weil sie den wahren Gott verlassen haben. [Hier mögen diejenigen aufmerken und achthaben, was sie zu erwarten, welche Christen heißen wollen, wenn sie gleich nichts Christliches handeln].

11. sondern sie verachten mich, beide, das Haus Israel und das Haus Juda, spricht der Herr.

Verachten mich: Das ist, es haben beide Königreiche, Israel und Juda, mich mit ihren Sünden heftig erzürnt. Darum ich auch bereits das Königreich Israel den Assyrern übergeben, dass sie es verwüstet und will das Königreich Juda ebenermaßen von den Chaldäern auch zerstören lassen.

12. Sie verleugnen den Herrn und sprechen: Das ist er nicht und so übel wird es uns nicht gehen, Schwert und Hunger werden wir nicht sehen;

Verleugnen den Herrn: Dass sie seinem Wort nicht mehr glauben, noch ihn dafür halten, wie er sich in seinem Worte geoffenbart hat.

Nach Luther:]. Es muss nicht Gottes Wort sein, was Jeremias redet.

Er nicht: Er hält nicht so streng über sein Gesetz, dass er sich keinen anderen Gottesdienst auch sollte gefallen lassen, als wie er nach dem Buchstaben im Gesetz Mose vorgeschrieben ist und hat nicht so scharf Acht auf unseren Wandel, dass er um unserer geringen Sünden willen das ganze Königreich Juda sollte lassen zugrunde gehen.

Nicht gehen: Wie uns die Propheten drohen und mit ihren Warnungen immer in den Ohren liegen.

Nicht sehen: Es wird solch ein großes Unglück nicht über uns kommen.

13. ja, die Propheten sind Wäscher und haben auch Gottes Wort nicht; es gehe über sie selbst also!

Wort nicht: Sie haben deshalb keinen göttlichen Bericht oder Befehl, dass sie in ihren Predigten uns so hart angreifen und alles Übel drohen sollen, sondern schwätzen heraus, was ihnen einfällt und meinen uns mit ihren bösen Worten zu schrecken.

Selbst also: Es widerfahre ihnen, was sie uns drohen. Der Teufel (sprechen sie) hole die Wahrsager. [Wie denn dergleichen Reden bisweilen auch von denen gehört werden, die sich Christen nennen, da sie es doch nicht sind und spotten der Prediger treuen Warnungen mit großer Sicherheit, dass sie sagen, der Teufel ist nicht so schwarz, als man ihn malt und die Hölle nicht so heiß, als man sie macht. Und wenn der Hirte nicht vom Wolf und der Pfaffe nicht vom Teufel sagen könnte, wovon wollten sie beide reden?]

14. Darum spricht der Herr, der Gott Zebaoth: Weil ihr solche Rede treibt, siehe, so will ich meine Worte in deinem Munde zu Feuer machen und dies Volk zu Holz und soll sie verzehren.

Darum: Jetzt lasst uns hören, was Gott solchen Verächtern seines göttlichen Wortes droht.

Zebaoth: Das ist, der Heerscharen, weil alle Kreaturen und besonders die Engel ihm auf den Dienst warten und gleichsam unter ihm zu Felde liegen.

Treiber: Das ihr meiner Propheten und ihrer Predigten spottet.

Verzehren: Das ist, ich will verschaffen, dass deine Weissagung mit ihrer Erfüllung dies Volk verzehren soll, wie das Holz vom Feuer verzehrt wird. [Denn das Wort Gottes gereicht den Gottlosen zu ihrem Verderben, weil sie von wegen der Verachtung des göttlichen Wortes mit viel größeren Strafen überfallen werden, als wenn sie es nie gehört hätten].

15. Siehe, ich will über euch vom Hause Israel, spricht der Herr, ein Volk von ferne bringen, ein mächtiges Volk, die das erste Volk gewesen sind, ein Volk, des Sprache du nicht verstehst und nicht vernehmen kannst, was sie reden {5Mos 28v49 Jer 1v15 6v22}.

Siehe: Was der Prophet allererst mit dem Gleichnis des Feuers zu verstehen gebe, das redet er jetzt deutlicher heraus, wie er es meine.

Fernen: Vor denen ihr euch jetzt nicht fürchtet, weil sie so weit von euch sind.

Mächtig: Das sowohl an der Zahl als an Stärke des Leibes und Gemüts alle anderen Völker übertrifft.

Erste Volk: So zum allerersten und vor anderen Völkern von vielen Jahren her, das Regiment in Händen hatte. Denn Nimrod der erste gewesen nach der Sündflut, der zu Babel seine Regierung angefangen {1Mos 10}.

Nicht vernehmen: [Es ist aber ein schreckliches Ding, wenn man von einem solchen Volk bekriegt und überwältigt wird, mit denen man nicht reden kann. Denn da hat das Abbitten und Flehen, um sie zum Mitleiden zu bewegen, nicht statt und geschieht viel Dinges von dem Überwinder, das sonst unterwegen bliebe, da sie miteinander reden könnten].

16. Seine Köcher sind offene Gräber, es sind eitel Riesen.

Köcher: Es hat gute Schützen im selben Volk, die auch ein Haar treffen können, derer Pfeile tödlich vergiftet sind, dass dir so viel Gräber gleichsam zugerichtet sind, als viel du Pfeil ansichtig wirst.

Riesen: Es ist ein gutes auserlesenes Kriegsvolk und nicht hin und wieder aus allerlei losem Gesindlein zusammen geraspelt.

17. Sie werden deine Ernte und dein Brot verzehren, sie werden deine Söhne und Töchter fressen, sie werden deine Schafe und Rinder verschlingen, sie werden deine Weinstöcke und Feigenbäume verzehren; deine festen Städte, darauf du dich verlässt, werden sie mit dem Schwert verderben {3Mos 26v16 5Mos 28v31 v33}.

Verzehren: Es wird die Früchte auf dem Felde abschneiden und was du zu deiner Nahrung lange hinterlegt hast, das wird dasselbe Volk alles zu sich nehmen und dich hungern lassen.

Fressen: Sie werden Jung und Alt erwürgen und keines Alters schonen.

Weinstöcke: Damit du dich verhofftest zu erlaben.

Verderben: Sie werden deine Festungen mit Gewalt einnehmen, dieselben plündern und verwüsten. [Solche Strafen folgen auf die Bosheit, wenn die Menschen der Kreaturen Gottes zur Üppigkeit und zur schändlichen Unzucht missbrauchen. Und lässt Gott den Trotz auf feste Städte oder Schlösser auch nicht ungestraft hingehen, den man soll auf Gott und nicht auf die Festungen sein Vertrauen setzen].

18. Und ich will es, spricht der Herr, zur selbigen Zeit nicht gar ausmachen {Jer 4v27}.

Nicht gar: Ich will euch nicht allerdings vertilgen, sondern nur züchtigen, danach will ich euch zu seiner Zeit wiederum in euer Vaterland bringen. [Denn Gott hält Maß in seinem Zorn].

19. Und ob sie würden sagen: Warum tut uns der Herr, unser Gott, solches alles? Sollst du ihnen antworten: Wie ihr mich, verlassen und fremden Göttern dient in eurem eigenen Lande, also sollt ihr auch Fremden dienen in einem Lande, das nicht eurer ist {Jer 16v10}.

Solches alles: Dass er so gräulich mit uns umgeht: Was haben wir getan? Oder womit haben wir es verschuldet?

Eigenen Lande: Das ihr mit vielfältiger Abgötterei verunreinigt habt.

Nicht euer: Als wollte er sprechen, weil ihr so große Lust zur Abgötterei habt in eurem Vaterland, so will ich es zulassen, dass ihr derselben genug überkommen sollt, aber in großem Jammer und Elend. [Denn Gott erfüllt den Gottlosen ihren Willen, aber also das ihnen kein Lieb dazu geschieht.]

20. Solches sollt ihr verkündigen im Hause Jakob und predigen in Juda und sprechen:

Ihr verkündigen: Nämlich ihr, meine Propheten, sollt den Juden ihre Bosheit vorhalten.

21. Hört zu, ihr tolles Volk, das keinen Verstand hat, die da Augen haben und sehen nicht, Ohren haben und hören nicht.

Keinen Verstand hat: Und dergleichen tut, als ob es gar keine treuherzigen Warnungen merke oder verstünde.

Hören nicht: Denn sie stellen sich gegen die Worte Gottes nicht anders, als wenn sie weder Augen noch Ohren hätten, so ganz blind und taub sind sie zu allen Werken und Geboten Gottes. [Denn die Gottlosen sehen die Strafen der Sünden mit offenen Augen nicht, welche entweder gegenwärtig oder zukünftig sind, das ist, sie denken nicht daran, dass sie sich bessern wollten und wenn sie die göttlichen Drohungen hören, sind sie taub, dass sie es nicht zu Herzen nehmen, was ihnen gesagt wird].

22. Wollt ihr mich nicht fürchten, spricht der Herr und vor mir nicht erschrecken? Der ich dem Meer den Sand zum Ufer setze, darin es immer bleiben muss, darüber es nicht gehen muss; und ob es schon wallt, so vermag es doch nichts und ob seine Wellen schon toben, so müssen sie doch nicht darüberfahren {Hi 26v10 38v8 v9 Ps 104v9}.

Erschrecken: Denn dieweil ihr durch meine Propheten so oft ermahnt werdet, dass ihr die Gottesdienste und euer ganzes Leben nach meinem euch vorgeschriebenem Worte anrichten und anstellen sollt. So solltet ihr die Größe und Menge eurer Sünden richtig erkennen und darüber von Herzen erschrecken, auch Reue und Leid darüber tragen und Buße tun. [Denn es ist eine gräuliche Bosheit, wenn man Gott nicht fürchten will, in dessen Gewalt unser zeitliches und ewiges Heil steht].

Setze: Als wollte er sprechen, Lieber seht, wie ihr so widerspenstig und unbändig seid, dass ihr mir nicht gehorchen noch folgen wollt, da mir doch die unvernünftigen oder auch leidlosen Kreaturen gehorsam sind, als ihrem Gott und Schöpfer.

Wallt: Das es von den Sturmwinden getrieben und bewegt wird.

Nichts: Es kann sich nicht über die Erde ergießen ohne meinen Befehl. [Da es aber bisweilen geschieht, dass das Meer ein Land überschwemmt, ist solches Gottes Wille, der alsdann dem Meer die Riegel auftut, der Menschen Sünden zu strafen und dass andere dadurch zur Buße angemahnt werden].

23. Aber dies Volk hat ein abtrünniges, ungehorsames Herz, bleiben abtrünnig und gehen immerfort weg

Herz: Das von seinem Gott zur Abgötterei und anderen Lastern abweicht, lässt sich auch mit keinen Warnungen wieder richtig bringen.

Immerfort weg: Zu den falschen Gottesdiensten und allerhand gräuliche Laster zu treiben. [Ist deswegen ein gottloser Mensch viel ärger, als die unvernünftigen oder auch leblosen Kreaturen, darum kein Wunder, dass Gott solche Bosheit mit der ewigen Verdammnis straft].

24. und sprechen nicht einmal in ihrem Herzen: Lasst uns doch den Herrn, unseren Gott, fürchten, der uns Frühregen und Spätregen zu rechter Zeit gibt und uns die Ernte treulich und jährlich behütet {5Mos 11v14 Apg 14v17}.

Fürchten: Dass wir unsere Religion und Wandel nach seinem Willen anstellen, wie er uns denselben in seinem Wort geoffenbart hat.

Zeit gibt: Im Frühling und im Herbst: Mit welchem Regen die Erde befeuchtet wird, dass sie zu rechter Zeit ihre reichen Früchte bringe.

Behütet: Das ist, der die Früchte auf dem Felde durch seine Güte erhält, die ganze Zeit über, weil sie wachsen müssen, bis sie zeitig werden, dass sie nicht vom Hagel oder durch andere Unfälle verdorben werden. [Denn dass fruchtbarer Regen komme und die Saat auf dem Felde unbeschädigt bleibt, bis sie reif wird, haben wir allein Gott zu danken. Aber der mehrere Teil Leute sind in ihrer fleischlichen Sicherheit so ganz ersoffen, dass sie Gott weder für solche Guttat danksagen, noch nach seinem Willen zu leben begehren].

25. Aber eure Missetaten hindern solches und eure Sünden wenden solches Gut von euch.

Hindern solches: Dass ihr dergleichen Guttaten nicht empfangt, die den frommen Dienern Gottes im Gesetz verheißen wurden {5Mos 28} und an anderen Orten mehr: Denn weil ihr sie nicht mit dankbarem Herzen angenommen, sind sie euch eine Zeit lang entzogen worden, ob ihr vielleicht dadurch möchtet zur Buße bewegt werden. [Wenn es uns deswegen nicht allewege nach unserem Sinn und Wunsch hinausgeht, so sollen wir nicht denken, Gott sei so neidisch und gönne uns unser gutes Glück nicht, sondern wir sollen vielmehr uns selbst und unsere Sünden anklagen, die uns im Wege liegen].

26. Denn man findet unter meinem Volk Gottlose, die den Leuten nachstellen und Fallen zurichten, sie zu fangen, wie die Vogler tun mit Kloben.

Stellen: Das ist, die Obersten und Vornehmsten im Volk erdenken neue Praktiken, damit sie die Untertanen und Armen ums Geld bringen, stellen Gesetze und heben sie danach wieder auf, wenn es ihnen gefällt, auf dass die Einfältigen dadurch ins Garn gebracht und am Gelde gestraft werden, oder da sie das nicht tun wollen, mit dem Leben zu büßen müssen, so sie doch unschuldig sind. [Hier mögen diejenigen sich bespiegeln, welche immer etwas Neues erdenken und auf die Bahn bringen können, dass die Leute geschätzt und ausgesogen werden und es ihnen gleich gilt, woher sie es bekommen, wenn sie nur ihren Gewinn haben können].

27. Und ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist. Daher werden sie gewaltig und reich, fett und glatt {5Mos 32v15}.

Lockvögel: Also schweben ihre listigen Künste und geschwinde Praktiken, wie man Geld auf und zusammenbringen möge, in ihren Rechenstüblein herum, als wenn einer sehe in einem Vogelbauer einen Haufen Vögel hin und wieder herumfliegen. [Denn der Geist ist ganz spitzfindig und sinnreich].

Und glatt: Sie nehmen zu an Gütern und Ehren und blühen sich auf wie eine Wasserblase. [Es sieht auch Gott solchen Leuten eine Zeit lang zu, dass es scheint, als haben sie ganz wohl gefischt und gehe ihnen alles glücklich vonstatten. Aber man muss aufs Ende achthaben, weil es zuletzt einen bösen Ausschlag gewinnt].

28. Sie gehen mit bösen Stücken um; sie halten kein Recht, dem Weisen fördern sie seine Sache nicht und gelingt ihnen und helfen den Armen nicht zum Recht.

Kein Recht: Sie strafen die Übeltaten nicht, wie sie Amtes halben zu tun gebunden sind, sondern lassen sich mit Geschenken bestechen und schweigen zu aller Bosheit und Ungerechtigkeit still. [Denn die geizigen Regenten und Räte gehen nur darauf um, wie sie großes Geld und Gut zusammen bringen, aber der Frömmigkeit und dass es unter den Leuten wohl und erbaulich zugehe, achten sie sich wenig].

Sache nicht: Dass er könnte ein Endurteil herausbringen oder die Vollstreckung des Urteils erhalten.

Armen: Sie lassen die armen Leute Jahr und Tag nachlaufen und können doch weder Recht noch Gerechtigkeit erlangen. [Denn die geizigen Regenten und Räte haben nur Augen und Ohren, wenn sie der Reichen Sachen befördern sollen, aber in der Armen tun sind sie blind, taub und lahm].

29. Sollt ich denn solches nicht heimsuchen, spricht der Herr und meine Seele sollte sich nicht rächen an solchem Volk, wie dies ist?

Heimsuchen: Sollte ich solche unrechten und ungerechten Richter um ihrer Bosheit willen nicht strafen? Ich kann es ihnen freilich nicht schenken oder übersehen. [Es wird aber darum das Amt der Obrigkeit nicht verworfen, sondern es werden die Laster an etlichen Personen, so im Stande der Obrigkeit sind, gescholten].

Rächen: Wie kann ich (spricht Gott) immer zu solcher großen Bosheit meines Volkes schweigen, dass ich es nicht mit Ernst strafen sollte [Denn die göttliche Rache kommt ganz langsam, aber sie bringt es später mit der Schwere der Strafen wieder ein].

30. Es steht gräulich und scheußlich im Lande.

Scheußlich: Das einem die Haare darüber gen Berge gehen.

31. Die Propheten lehren falsch und die Priester herrschen in ihrem Amt und mein Volk, hat es gern also. Wie will es euch zuletzt darauf gehen {Jer 23v25 v26 Hes 13v6}.

Lehren falsch: Nämlich die falschen Propheten, welche von sich selbst zu lehren sich unterstehen, da sie doch deshalb keinen Befehl von Gott haben, die lehren das Wort Gottes nicht recht, sondern bringen ihre eigenen Träume auf die Bahn.

Herrschen: Da sie doch sollten Diener der Kirche und keine Herren sein.

Also: Dass die Leute solchen unseligen Zustand in der Kirche sich aus einem tollen Unverstand ganz wohl gefallen lassen.

Gehen: Ihr werdet endlich alle miteinander darüber zugrunde gehen müssen. [Denn wenn die göttliche Lehre gefälscht wird und die Kirchendiener ihrem Amt nicht treulich dienen, sondern unterdes die Herrschaft übers gemeine Volk an sich ziehen, die Leute aber ihren eigenen Unfall nicht merken und einen solchen bösen Zustand der Kirche sich belieben lassen, darum auch nicht um Besserung zu Gott seufzen, da muss endlich ein unordentliches Wesen folgen, in dem es alles durcheinandergeht, bis sie miteinander ins Verderben fallen].


Das 6. Kapitel


1. Der Feinde Zukunft wird zuvor verkündigt, v. 1. 2. Und erklärt der Prophet, was die Ursache solches Unglück sei nämlich, die Sünden des Volkes, v. 13. 3. Und wird der Feinde Grausamkeit herausgestrichen, v. 22. 4. Auch der Israeliten übermachte Bosheit einem Metall, das vom Goldschmied geschieden wird, verglichen, v. 27.

1. Sammelt euch, ihr Kinder Benjamin, aus Jerusalem und blast die Trompeten auf der Warte Thekoa und werft auf ein Panier auf der Warte Beth-Cherem; denn es geht daher ein Unglück von Mitternacht und ein großer Jammer {Jer 1v14}.

Sammelt: Weil der Prophet sah, dass die Bürger zu Jerusalem sich zur Gegenwehr rüsteten wider den König von Babel, aber daneben nicht Buße taten, darum sie auch kein Glück haben würden. So verkündigt er ihnen, was für ein großes Unglück über sie kommen werde um ihrer beharrlichen Bosheit willen. Er redet sie aber ganz spöttisch an, als wollte er sprechen, Lieber, bringt ein mächtiges Kriegsheer in der Stadt Jerusalem (welche im Stamm Benjamin gelegen war) zusammen und führt sie hinaus, dem Feinde entgegen.

Blast: Auf dass ein großer Haufe sich zu euch versammle und mit euch wider den König zu Babel streite.

Beth Cherem: So nicht weit von Jerusalem liegt und von vielen Weinbergen, die dort herum liegen, den Namen hat. Da lasst das Fähnlein fliegen und haltet euren Musterplatz.

Von Mitternacht: Aus dem Königreich Babel, das eurem Lande gegen Mitternacht gelegen ist. Will so viel sagen, ihr werdet euch zwar mit großer Mühe zum Kriege rüsten, aber es wird damit einen bösen Ausgang auf eurer Seite gewinnen. [Denn welche nicht Buße tun, denen geht nichts Glückliches vonstatten].

2. Die Tochter Zion ist wie eine schöne und lustige Aue.

Zion: Nämlich Jerusalem die Stadt und das ganze Königreich Juda ist wie eine schöne lustige Aue, aber es werden grausame Hirten kommen, nämlich die Fürsten von Babel, welche mit ihrem Kriegsvolk, das sie mit sich führen, alles was das Beste und köstlichste in der Stadt und auf Lande ist, mit sich hinwegnehmen werden. Denn sie werden ihre Zelte um die Stadt aufschlagen und alles verwüsten und wird ein jeder an seiner Stelle aufs höchste sich bemühen, dass er die Stadt zerstören helfe. [Darum sollen wir uns eines fruchtbaren und lustigen Landes halben nicht überheben, auf dass Gott nicht solche Hirten kommen lasse, die es alles verwüsten].

3. Aber es werden Hirten über sie kommen mit ihren Herden, die werden Gezelte rings um sie her aufschlagen und weiden, ein jeglicher an seinem Ort (und sprechen):

Sprechen: Nämlich die Feinde von Babel werden also einander aufmuntern.

4. Rüstet euch zum Kriege wider sie! Wohlauf, lasst uns hinaufziehen, weil es noch hoch Tag ist! Ei, es will Abend werden und die Schatten werden groß.

Hoch Tag: Lasst uns nicht lange warten und die Sache aufschieben, sondern bei guter Tageszeit fortziehen.

Abend werden: Und ist der Tag vorüber gegangen, ehe wir es gemeint hätten. Es führt aber der Prophet die Chaldäer ein, dass sie sich beklagen, wie sie nicht zeitig genug zur Stadt Jerusalem kommen können, als sie wohl gerne gesehen hätten: Damit er will zu verstehen geben, mit was großem Ernst die Chaldäer zu der Stadt Belagerung und Eroberung sich rüsten werden.

5. Wohlan, so lasst uns auf sein und sollten wir bei Nacht hinaufziehen und ihre Paläste verderben!

Bei Nacht: Dass wir uns auch den Schlaf nicht lassen zu lieb werden, nur damit wir unser Vorhaben mögen ins Werk richten. [Denn wenn Gott ein Volk strafen will, so macht er die Feinde munter und unverdrossen, dass sie mit großer Freudigkeit alles verwüsten und verderben].

6. Denn also spricht der Herr Zebaoth: Fällt Bäume und macht Schütte wider Jerusalem; denn sie ist eine Stadt, die heimgesucht werden soll. Ist doch eitel Unrecht darin.

Spricht: Zu den Chaldäern, denen es Gott der Herr durch einen heimlichen Befehl eingibt, dass sie die Stadt Jerusalem stürmen und erobern sollen.

Bäume: So um die Stadt her stehen, dass ihr allerlei Rüstungen daraus macht wider die Stadt, sie zu stürmen und zu erobern.

Heimgesucht: Das ist, Gott will an dieser Stadt ein schreckliches Beispiel seines gerechten Zorns sehen lassen.

Eitel Unrecht: Es wird eitel Ungerechtigkeit, Bosheit und Betrug in der Stadt getrieben. [Denn wenn man aus den Sünden ein Handwerk macht und sie ganz zu allgemeines werden, so kann Gott mit der Strafe nicht länger innehalten].

7. Denn gleichwie ein Born sein Wasser quillt, also quillt auch ihre Bosheit. Ihr Frevel und Gewalt schreit über sie; und ihr Morden und Schlagen treiben sie täglich vor mir.

Quillt: Das ist, gleichwie in einem Brunnen immer das Wasser wiederum von neuen hervorquillt. Also hat auch die Bosheit und alles gottlose Wesen in der Stadt Jerusalem kein Ende, sondern wird immer ein Laster nachdem anderen begangen, da man Ungerechtigkeit, Räuberei, Tyrannei und unrechte Gewalt vielfältig sieht im Schwange gehen. [Und sieht man hier, wie weit ein Volk von der wahren Gottseligkeit abweichen kann, wenn es sich selbst überlassen ist].

8. Bessere dich, Jerusalem, ehe sich mein Herz von dir wende und ich dich zum wüsten Lande mache, darin niemand wohne!

Bessere dich: Lass dich lehren und ziehen und zur Gottseligkeit weisen.

Wende: Und dich für ein Scheusal halte und verstoße, damit du den Feinden übergeben wirst, die dich verwüsten, dass du später öde stehen bleibst und niemals bewohnt wirst. [Denn eine rechtschaffene Buße verhindert oder lindert doch das herzu nahende Unglück, wie oft gesagt wurde].

9. So spricht der Herr Zebaoth: Was übrig geblieben ist von Israel, das muss auch nachher abgelesen werden wie am Weinstock. Der Weinleser wird eins nach dem anderen in die Butten werfen.

Spricht: Weil alle Vermahnungen und Warnungen der Propheten vergebens sind und sie nicht hören oder folgen wollen.

Übrig: Denn nachdem das Königreich Israel längst durch die Assyrer verwüstet wurde, ist das Königreich Juda noch übergeblieben, obwohl es zwar auch ganz schwach geworden, gleich als wenn man in einem Weinberge hin und wieder noch etliche Trauben und Beeren findet, die man auch vollends abliest und in die Butten wirft.

Weinleser: Nämlich der König zu Babel. [Denn wenn Gott nach seiner großen Langmütigkeit seinem Volk in ihrer Bosheit eine gute Zeit übersehen, so straft er endlich die Gottlosen durch eine allgemeine Landstrafe und stürzt sie ins zeitliche und ewige Verderben].

10. Ach, mit wem soll ich doch reden und zeugen? Dass doch jemand hören wollte! Aber ihre Ohren sind unbeschnitten, sie mögen es nicht hören. Siehe, sie halten des Herrn Wort für einen Spott und wollen sein nicht.

Hören wollte: Denn wenn man mir noch mit Ernst zuhören wollte und meinen Vermahnungen folgen, dass sie rechtschaffene Buße täten, so könnten sie dem künftigen Übel entrinnen.

Spott: Sie verachten und verlachen das Wort Gottes und haben ein Ekel daran. [Aber Gott lässt die Verachtung seines Wortes nicht ungerächt und straft sie aufs ernstlichste].

11. Darum bin ich des Herrn Dräuen so voll, dass ich es nicht lassen kann. Schütte aus, beide, über Kinder auf den Gassen und über die Mannschaft im Rat miteinander; denn es sollen beide, Mann und Weib, beide, Alte und der Wohlbetagte, gefangen werden.

Drohen: nach Luther]. Das ist: Ich muss Gottes drohen und seines Zornes Wort, gleichsam ausschütten und also dem Fass den Boden ausstoßen.

So voll: Ich bin voll göttlichen Eifers, dass ich nicht anders kann, denn schreckliche Drohungen von dem ernsten Zorn Gottes diesem Volk vorhalten und wenn ich gleich still schweigen will, so kann ich doch nicht, weil mich der Eifer so matt macht, wo ich nicht über dies widerspenstige Volk denselben ausschütte.

Schütte: Meine schrecklichen Drohungen, spricht der Herr.

Kinder: Welcher meinen Zorn auch nicht schonen wird. Denn es wird solches Unglück über alle Menschen in Juda gehen, dass keinen sein Stand, Geschlecht, oder Alter schützen wird.

12. Ihre Häuser sollen den Fremden zuteilwerden samt den Äckern und Weibern; denn ich will meine Hand ausstrecken, spricht der Herr, über des Landes Einwohner.

Häuser: Die sie gebaut oder erkauft und besessen haben.

Weibern: Welche die Feinde schänden und entehren werden. Denn solche Strafen hatte Gott den Übertretern des Gesetzes zuvor gedroht. [Soll deswegen keiner auf seine Häuser und Güter sich verlassen noch damit prangen, sondern wir sollen Gott den Herrn fürchten, weil es leicht geschehen kann, dass alles unsrige in der Feinde Hände gerate und wir es von außen ansehen müssen].

Ausstrecken: Ich will selbst mit meiner Allmacht die Einwohner des Königreichs Juda strafen. [Denn wenn Gott selber seinem Volk zuwider ist, so sind die Feinde unüberwindlich und werden alle Anschläge zum Widerstand vergebens gemacht].

13. Denn sie geizen allesamt, klein und groß und beide Propheten und Priester lehren allesamt falschen Gottesdienst.

Denn: Folgt die Ursache solchen großen Übels.

Geizen: Und sind mit dem Geiz so ganz besessen, dass sie niemand erfüllen kann. [Es ist aber der Geiz eine Wurzel alles Übels {1Tim 6}, darum eine unzählige Menge aller Sünde, Schande und Laster daraus entstehen].

14. und trösten mein Volk in seinem Unglück, dass Sie es gering achten sollen und sagen: Friede, Friede! Und ist doch nicht Friede {Jer 8v11 Hes 13v20}.

Gering achten: Das ist: Die Lehrer in der Kirche tun ihr Amt nicht. Denn da sie sollten die Leute zur Buße ermahnen und von dem Übel, damit das Volk bedrückt wird, Gelegenheit nehmen, bei ihnen ernstlich anzuhalten, dass sie sich bekehren. Siehe so bemühen sie sich, mit einem falschen Vorgeben, dass sie solches Unglück ganz leicht machen und gering schätzen und überreden mein Volk, dass es solchen geringen Unfall auf die leichte Achsel nehmen soll und sich nicht so hoch anfechten lassen, weil bald später eine bessere und fröhlichere Zeit darauf erfolgen werde. [Sind deswegen die Prediger eines schlechten Lobes wert, welche dem Volk, das in Sünden und Bosheit immer fortfährt, dennoch von lauter Glück predigen].

Friede: nach Luther]. Das ist: Es geht und steht wohl, es ist alles sicher und hat keine Not {1Thes 5v3} Pax & fecuritas.

15. Darum werden sie mit Schanden bestehen, dass sie solche Gräuel treiben, wiewohl sie wollen ungeschändet sein und wollen sich nicht schämen. Darum müssen sie fallen über einen Haufen; und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie fallen, spricht der Herr {Jer 8v12}.

Bestehen: Gott wird sie zuschanden machen.

Gräuel: [Denn eine solche Schmeichelei, dadurch die Leute in ihrer Bosheit gestärkt werden, ist Gott dem Herrn ein Gräuel].

Ungeschändet: nach Luther]. Sie wollen nicht hören, dass sie böse sollten sein und zuschanden werden.

Nicht schämen: Sie sind so frech und unverschämt, dass wenn sie gleich in einer öffentlichen Lüge begriffen werden. Als, da es nicht also hinausgeht, wie sie vertröstet haben, so schämen sie sich dennoch nicht: Sie werden von einer Lüge nicht rot.

Heimsuchen: Wenn ich sie von wegen ihrer Bosheit strafen werde. [Denn wenn das Volk Übles tut und der Prediger in der Kirche falsch lehrt, so werden sie beide miteinander von Gott gestraft].

16. So spricht der Herr: Tretet auf die Wege und schaut und fragt nach den vorigen Wegen, welches der gute Weg sei und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Aber sie sprechen: Wir wollen es nicht tun {Mt 11v29}.

Fragt: Betrachtet die Sache wohl und fleißig, die Religion betreffend und forscht genau, welches die allerälteste Weise sei, Gott zu ehren, denn die selbige ist außer allem Zweifel die beste (Sintemal das Älteste immer das wahrhaftige ist) und nehmt die selbige älteste Religion an, so werdet ihr ein ruhiges und stilles Gewissen haben und wird es im Regiment auch besser zugehen. Denn Gott wird die gegenwärtigen und zukünftigen Strafen abwenden. [Nichts mehr begehren wir heutigentags auch von den Katholiken, denn das sie ihre Religion nachdem allerältesten und besten Wegen anstellen, welchen die Propheten, Christus und die Apostel vorgeschrieben haben. Aber sie ziehen die neuen selbsterwählten und von Menschen erdachten Gottesdienste der allerältesten Religion weit vor und rühmen sich dennoch nichtsdestoweniger fälschlich, dass sie die alte Religion haben. Darum, da man sie auf die Rechte und älteste Religion weist, so widersprechen sie es eben so halsstarrig als vorzeiten die Juden].

Nicht tun: Wir wollen nicht auf denselben alten Weg wandeln, zu dem du uns weisest. [Denn der menschlichen Natur schlagen die selbst erwählten Gottesdienste viel besser zu, als welche von Gott eingesetzt sind].

17. Ich habe Wächter über euch gesetzt. Merkt auf die Stimme der Trompeten! Aber sie sprechen: Wir wollen es nicht tun.

Wächter: Nämlich meine Propheten, dass sie euch das herzunahende Unglück verkündigten und davor warnten.

Stimme: Habt Acht auf die Predigten meiner Propheten, dadurch sie euch der zukünftigen Gefahr erinnern, gleichwie ein Wächter auf dem Turm mit der Trompete ein Zeichen gibt, wenn der Feind vorhanden ist) auf dass ihr derselben durch wahre Buße entgehen mögt.

Nicht tun: Der größte Teil lässt sich vernehmen, dass er der Propheten Predigten nicht begehre zu hören und frage ihnen wenig nach. [Es ist aber alsdann der Untergang eines Regiments am allernächsten vor der Tür, wenn die Leute die Erinnerungen und Warnungen mit großer Sicherheit halsstarrig verachten].

18. Darum so hört, ihr Heiden und merkt samt euren Leuten!

Darum: Weil mein Volk mich nicht hören will.

Euren Leuten: Die ihr in der Nachbarschaft um das jüdische Volk her wohnt, habt Acht und lernt, wie es meinem widerspenstigen Volk ergehen wird. [Es will aber der Prophet hier etlichermaßen andeuten und zu verstehen geben, dass die Heiden einmal, nach der Juden Verstoßung, Gottes Volk und die Kirche Gottes sein werden].

19. Du Erde, höre zu! Siehe, ich will ein Unglück über dies Volk bringen, nämlich ihren verdienten Lohn, dass sie auf meine Worte nicht achten und mein Gesetz verwerfen.

Erde höre: Weil mein Volk die Ohren vor meinem Wort zustopft. Diese ernste Ermahnung hätte den Juden richtig sollen die Schlafsucht vertreiben, wo sie nur ein wenig Verstand hätten.

Verwerfen: [Denn sonst, wenn die Menschen aus Schwachheit sündigen und das Wort Gottes dennoch lieb haben, dasselbe auch für recht und gut erkennen, ihr eigenes Unrecht aber bekennen und die wohlverdiente Strafe ernstlich abbitten, so gebraucht Gott eine väterliche Rute: Wenn man aber das Wort Gottes allerdings aus der acht lässt und solches nicht hören will, da schlägt endlich alles Übel mit Haufen zu].

20. Was frage ich nachdem Weihrauch, der aus Reicharabien und nach den guten Zimtrinden, die aus fernen Landen kommen? Eure Brandopfer sind mir nicht angenehm und eure Opfer gefallen mir nicht.

Was frage: Denn bei solcher großen Widerspenstigkeit der Menschen hat Gott an ihren äußerlichen Gottesdiensten kein Gefallen mehr, dieweil sie von unbußfertigen Leuten verrichtet werden.

Weihrauch: Daraus ihr mir, wie auch aus anderen wohlriechenden Spezereien, ein Rauchwerk macht und es auf meinem Altar anzündet. Denn es ist all eure Mühe und Arbeit vergebens und tut ihr mir gar keinen Gefallen daran. [Weil wenn die äußerlichen Gottesdienste ohne Glauben an Christus und ohne wahre Buße geschehen, so achtet sie Gott ihrer nicht, wenn man gleich in den äußerlichen Zeremonien von dem vorgeschriebenem Worte Gottes nicht abweicht].

Nach Luther:]. Oder Kalmes.

21. Darum spricht der Herr also: Siehe, ich will diesem Volk ein Ärgernis stellen, daran sich beide, Väter und Kinder miteinander stoßen und ein Nachbar mit dem anderen umkommen sollen.

Stoßen: Das ist: Es soll Jung und Alt in ihren Anschlägen kein Glück haben, sondern ihnen alles widersinnig begegnen zu ihrem Verderben, dass sie demselben nicht entgehen können. [Denn wenn Gott ein Land oder Volk strafen will, so schickt er es also, dass die Obrigkeiten in ihren Ratschlägen irren, dadurch sie sich und ihre Untertanen ins Verderben stürzen].

22. So spricht der Herr: Siehe, es wird ein Volk kommen von Mitternacht und ein groß Volk wird sich erregen hart an unserem Lande {Jer 1v14 5v15},

Mitternacht: Nämlich von Babel, welches von dem Lande Kanaan aus gegen Mitternacht liegt.

Erregen: Das es mein Volk um ihre Bosheit strafe.

23. Die Bogen und Schild führen. Es ist grausam und ohne Barmherzigkeit sie brausen daher wie ein ungestümes Meer und reiten auf Rossen, gerüstet wie Kriegsleute, wider dich, du Tochter Zion.

Führen: Und zum Kriege wohl gerüstet sind, auch desselben wohl erfahren.

Grausam: [Denn Gott erweckt oft ausländische wilde und grausame Völker, damit er sein Volk züchtigt, als heutigentags die Türken, Tartern, Moskowitern und dergleichen sind].

Brausen: Und machen in ihrer Herkunft ein großes Getümmel, damit sie den Leuten einen Schrecken einjagen.

Kriegsleute: Die da stark, beherzt und wohl geübt sind und kein liederlich verzagt Gesindlein.

Zion: Das ist: Wider die Stadt Jerusalem. [Denn Gott rüstet die Feinde wider ein unbußfertiges Volk].

24. Wenn wir von ihnen hören werden, so werden uns die Fäuste entsinken; es wird uns Angst und weh werden wie einer Gebärerin.

Wenn: Jetzt stellt der Prophet das jüdische Volk dar und zeigt an, wie es vor der Feinde Zukunft zittern und erschrecken werde.

Entsinken: Also dass wir vor Furcht nichts anfangen können.

Angst: Dass wir vor großen Ängsten weder Rat noch Trost haben können und nicht werden wissen, wie wir der Gefahr entgehen sollen. [Denn ein böses Gewissen macht das Herz verzagt, wenngleich keine Gefahr vorhanden ist].

25. Es gehe ja niemand hinaus auf den Acker, niemand gehe über Feld; denn es ist überall unsicher vor dem Schwert des Feindes.

Es gehe: Also und mit dergleichen Reden werden die Bürger zu Jerusalem einander zusprechen. [Wenn wir aber zu Friedenszeiten uns vor der fleischlichen Sicherheit hüteten, so wäre zu den beschwerlichen Zeiten eine so viel desto größere geistliche Sicherheit des Gewissens zu finden].

26. O Tochter meines Volkes, zieh Säcke an und lege dich in die Asche; trage Leid wie um einen einigen Sohn und klage wie die, so hoch betrübt sind; denn der Verderber kommt über uns plötzlich {Jer 4v8}.

Tochter: Du liebe Stadt Jerusalem, betrachte, was für ein großes Unglück über dich kommen wird und tue ernstliche Buße, damit du dasselbe abwenden oder doch zum wenigsten lindern könntest.

Säcke: Schlechte grobe und geringe Kleider, zur Klage.

Asche: Wie die zu tun pflegten, welche sehr betrübt waren.

Sohn: Weine und heule über deine Sünden, damit du den Zorn Gottes auf dich geladen, gleich als wie eine Mutter sich jämmerlich weint, wenn sie ihren eingeborenen liebsten Sohn verloren hat.

Verderber: Nämlich der König zu Babel.

Kommt: Wo wir nicht durch wahre Buße das herzu nahende Unglück abwenden. [Obwohl nun Gott vielmehr auf die innerliche Demut und Reue des Herzens Acht hat, als dass er auf die äußerliche Kleidung oder Gebärden sehen sollte. So ist doch die Sicherheit und Üppigkeit auch kein Zeichen eines demütigen und zerschlagenen Herzens].

27. Ich habe dich zum Schmelzer gesetzt unter mein Volk, das so hart ist, dass du ihr Wesen erfahren und prüfen sollst.

Schmelzer: Denn gleichwie ein erfahrener Goldschmied berufen wird, dass er das Silber, darunter andere Metalle vermischt wurden, durch das Feuer scheiden soll, auf dass, was von anderen unreinen Sachen darunter ist, hinweg und davon komme und also lauter fein Silber werde: Also (will Gott sagen) hab ich dich, meinen Propheten Jeremia, dazu berufen und geordnet, dass du durch die Predigt meines Wortes dies Volk reinigst, damit es von der Abgötterei und anderen gräulichen Sünden ablasse. Wenn aber ein Goldschmidt das Silber reinigen will, so tut er Blei dazu und setzt es in ein Geschirr voller Asche, künstlich zubereitet, zum Feuer, welches er mit einem Blasebalg aufbläst. Denn dergestalt zieht das Blei und die Asche an sich, was nicht lauter fein Silber ist und wird auch etwas von dem unreinen Metall, so darunter ist, vom Feuer verzehrt, bis zuletzt das Silber allein bleibt. Aber dir, meinem Propheten, spricht Gott der Herr, geht es viel anders, denn du wendest in der Reinigung meines Volkes alle Mühe und Arbeit vergebens an, als wenn das Silber so böse wäre, dass viel eher der Blasebalg vom Feuer anginge und verbrannt würde und das Blei verschwände, denn das Silber rein würde. Denn gleichwie solches böses Silber, das sich nicht reinigen lässt, böses bleibt, obwohl der Goldschmidt nichts unterlässt, was sein Amt fordert. Also bleiben die meisten Juden in ihrer vorigen Bosheit stecken und lassen sich nicht zur Buße lenken. Darum sie auch von Gott ins zeitliche und ewige Verderben gestoßen werden. [Wir sollen bei der Juden Beispiel klug werden und mit uns handeln lassen, wenn wir durch die Diener des Evangeliums zur Buße berufen werden und sollen von unserem bösen Wesen und Leben abstehen, damit uns Gott auch nicht zeitlich und ewig verwerfe].

H.L. Durch das Wort soll sie schmelzen und strafen. Aber es ist böses Eisenwerk, es ist alles Schmelzen verloren. Der Blasebalg sind die Priester, durch welche er soll die Lehre treiben. Dergleichen Rede führt der Prophet Hesekiel vom Topf, Kapitel 24. 3.

28. Sie sind allzumal Abtrünnige und wandeln verräterisch; sie sind eitel verdorben Erz und Eisen.

29. Der Blasebalg ist verbrannt, das Blei verschwindet; das Schmelzen ist umsonst, denn das Böse ist nicht davon geschieden.

30. Darum heißen sie auch ein verworfenes Silber; denn der Herr hat sie verworfen.


Das 7. Kapitel


1. Des Volkes Sünden werden angeklagt und werden die Leute ermahnt, dass sie ihr Leben bessern sollen, dazu wird ihnen auch ihr vergeblicher Ruhm und Trotz ihres Tempels und äußerlichen Gottesdienstes halben benommen. v. 1. 2. Gott heißt den Propheten jämmerlich wehklagen über das herzunahende Unglück seines Volkes. v. 28.

1. Dies ist das Wort, welches geschah zu Jeremia vom Herrn und sprach:

2. Tritt ins Tor im Hause des Herrn und predige, dort dies Wort und sprich: Hört des Herrn Wort, ihr alle von Juda, die ihr zu diesen Toren eingeht, den Herrn anzubeten.

Tor: Da oft das Volk häufig sich versammelt, wenn es in den Tempel gehen will. [Denn es hat der Prophet nicht im Winkel gepredigt, wie die Irrgeister und Schwindelhirne zu tun pflegen, die das Licht scheuen].

Von Juda: So viel euer zum Königreich Juda gehören, ihr seid gleich wes Standes ihr wollt, hoch oder nieder.

Anzubeten: Und dafür angesehen sein wollt, als ob ihr ihm mit Ernst dienet, darum so hört sein Wort von der Buße.

Des Himmels: Dass sie unbegraben unter dem freien Himmel liegen werden.

Geliebt: Mehr als ihren Schöpfer und Herrn.

Nachgefolgt: Indem sie ihnen falsche Gottesdienste erzeigt, darum sie vor ihnen unbegraben liegen sollen. [Darum ist denen wenig geholfen, die sich köstliche Gräber lassen zurüsten, sofern sie nicht auch Gott fürchten und gottselig leben].

3. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Bessert eurer Leben und Wesen, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort.

Bessert: Tut Buße und lasst die Abgötterei und falschen Gottesdienste, dient aber dem wahren Gott aus rechtem Glauben und führt ein gottseliges Leben.

Wohnen: Ich will nicht allein gegenwärtig bei euch sein, sondern auch euer Gebet gnädiglich erhören und euch mit zeitlichen und himmlischen Guttaten überschütten, dazu aus aller Gefahr erretten. [Denn eine rechtschaffene wahre Buße kommt nie zu spät und kann viel Unglück abwenden].

4. Verlasst euch nicht auf die Lügen, wenn sie sagen: Hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel!

Lügen: Auf den falschen Trost, dadurch ihr euch selber nicht allein Sicherheit und Befreiung der Strafen, sondern auch alles Glück einbildet, weil ihr den Tempel des Herrn habt, der auf den Befehl Gottes erbaut wurde und meint, es könne nicht sein, dass Gott solchen Tempel sollte zerstören lassen, in dem er verheißen, dass er euer Gebet erhören wolle, aber ihr irrt euch ganz weit. Denn Gott wird die Unbußfertigen in diesem Tempel nicht erhören, noch diese Stadt und Königreich erhalten, um des Tempels willen, wo ihr nicht ernstliche Buße tut. [Gleichwie aber die Juden vorzeiten sich des Tempels des Herrn rühmten, also trotzen die Katholiken heutigentags auf die Kirche und bestreiten, dass die selbige nicht irren könne, da doch offenbar und grobe Aberglauben in ihren Kirchen häufig eingerissen sind, welche sie sich nicht nehmen lassen. Man soll aber zuvor verbessern, was Unrecht gehandelt wurde, alsdann haben wir uns der göttlichen Hilfe zu getrösten].

5. sondern bessert euer Leben und Wesen, dass ihr recht tut einer gegen den anderen

Bessert: Dass ihr euch wahrhaftig zu Gott bekehrt und eure Buße mit guten Werken erzeigt.

Recht tut: Und euren Untertanen gebührlich recht sprecht, damit Gerechtigkeit gehandhabt werde.

6. und den Fremdlingen, Waisen und Witwen keine Gewalt tut und nicht unschuldig Blut vergießt an diesem Ort; und folgt nicht nach anderen Göttern zu eurem eigenen Schaden;

Blut: Der Propheten und anderer frommer Leute.

Schaden: Wie denn geschieht, dass euer Verderben daher verursacht wird, wenn ihr euch zur Abgötterei und falschen Gottesdiensten haltet.

7. so will ich immer und ewig bei euch wohnen an diesem Ort, im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe.

Wohnen: Ich will immer bei euch sein, eure Gebete erhören und allerhand zeitliche und geistliche Güter mitteilen, euch auch väterlich schützen. [Aus dieser Predigt des Propheten kann man leicht abnehmen, was für ein elender Zustand in der Kirche und im weltlichen Regiment damals gewesen. Also dass neben der Abgötterei auch allerhand Ungerechtigkeit und Bosheit im Schwange gegangen. Darum es uns nicht so hoch wundern soll, wenn auch noch heutigentags in der Kirche große Ärgernisse gespürt werden].

8. Aber nun verlasst ihr euch auf Lügen, die kein nütze sind.

Verlasst: Als wollte Gott sagen: Ich will euch fein zeigen, was ihr für Leute seid und was ihr für feine Übungen in der Gottseligkeit habt: Ihr gebt den verführerischen Weissagungen der falschen Propheten Beifall, welche euch von lauter Glück predigen, von wegen eurer abergläubischen Gottesdienste, da ihr doch in eurer Hoffnung euch von ihnen werdet weit betrogen befinden.

9. Daneben seid ihr Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und räuchert dem Baal und folgt fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt.

Diebe: Die mit Betrug und Vorteil umgehen.

Mörder: Die ihr unschuldige Leute entweder mit öffentlichem Gewalt oder unter dem Schein des Rechten ums Leben bringt.

Ehebrecher: Die ihr fremde Eheweiber schändet und entehrt.

Meineidige: Dass ihr mit einem Eid solche Sachen beteuert, von denen ihr entweder wisst, dass sie falsch sind, oder aber habt es euch nie im Sinn genommen, dass ihr leisten wollt, was ihr versprecht.

Nicht kennt: Als ob es an den vorigen Übertretungen noch nicht genug wäre, so geht ihr allererst hin und verehrt fremde Götter, die euch doch nie eine Guttat erzeigt haben. [Durch diese Freiheit zu reden werden die Kirchendiener bei dem Beispiel des Propheten erinnert, dass sie des Volkes Sünden ungescheut strafen sollen].

10. Danach kommt ihr denn und tretet vor mich in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist und sprecht: Es hat keine Not mit uns, weil wir solche Gräuel tun.

Genannt: Dass es ein Haus oder Tempel des Herrn heißt.

Keine Not: [Denn die Heuchler meinen, wenn sie nur die äußerliche Zeremonien des Gottesdienstes halten, so sei es alles richtig, wenn sie gleich in Sünden halsstarrig fortfahren. Also stecken etliche Katholiken in dem Wahn, wenn sie des Tages einmal Messe gehört haben, so sind alle ihre Bubenstücke verziehen und versöhnt].

11. Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Mördergrube? Siehe, ich sehe es wohl, spricht der Herr.

Mördergrube: Gerade als ob ich den Tempel zu Jerusalem, der mein Haus genannt wird, darum hätte lassen bauen, dass die Mörder, Ehebrecher, Räuber, Diebe, Heuchler und Götzendiener darin sollten zusammenkommen. [Diesen Spruch des Propheten zieht Christus an {Mt 21 Mk 11 Lk 19} und lehrt, dass man die Kirche mit Sünden, Bosheit und Heuchelei nicht verunreinigen soll, sonst sind es keine Kirchen mehr, sondern Mördergruben. Am allermeisten aber sollen wir uns hüten, dass wir den Tempel unseres Herzens nicht mit Unglauben oder anderen groben Lastern beflecken].

Sehe es: Was ihr für Bosheit treibt, die ich zu seiner Zeit strafen will. [Denn es sind Gott der Menschen Sünden unverborgen, ob er ihnen gleich eine Zeit lang zusieht].

12. Geht hin an meinen Ort zu Silo, da vorhin mein Name gewohnt hat und schaut, was ich dort getan habe um der Bosheit willen meines Volkes Israel {Jos 18v1 1Sam 4v3}.

Geht: Nehmt ein Beispiel von meinen vorigen Taten, daher ihr von den zukünftigen Sachen, wie es damit einen Ausschlag gewinnen wird, urteilen könnt.

Getan: Führt euch wieder zu Gemüt, wie ich den Ort Silo habe lassen verwüstet werden, da vorzeiten die Hütte das Zeugnis gewesen und mein Wort darin gepredigt wurde, da man auch meinen Namen anrief und ich die Gebete erhörte, dazu mit der Tat erklärte, dass ich mit meiner Gnade beistand, allen, die mich mit Ernst suchten.

13. Weil ihr denn alle solche Stücke treibt, spricht der Herr und ich stets euch predigen lasse und ihr wollt nicht hören, ich rufe euch und ihr wollte nicht antworten {Spr 1v24 Jer 26v6}:

Stücke: Solche große Übeltaten und Sünden, wie sie kurz zuvor erzählt wurden.

Stets: Ich hab euch durch meine Propheten zeitlich genug warnen und erinnern lassen, dass ihr solltet Buße tun.

Nicht antworten: Sondern habt euch gestellt wie die verwöhnten und mutwilligen Kinder, welche, wenn sie von den Eltern gerufen werden, dergleichen tun, als ob sie es nicht gehört hätten.

14. so will ich dem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, darauf ihr euch verlasst und dem Ort, den ich euren Vätern gegeben habe, eben tun, wie ich Silo getan habe.

Genannt: Dass es ein Tempel des Herrn heißt.

Verlasst: Als ob ihr alle Freiheit zu sündigen hättet, so lange dieser äußerliche Tempel stehen bleibt.

Gegeben: Dass ihr mich darin ehren sollt und durch euer Gebet allerlei zeitliche und himmlische Guttaten von mir erlangen.

Silo: Da vorzeiten die Bundeslade gewesen {Jos 18}. Denselben Ort hab ich den Feinden übergeben, dass sie ihn verwüstet: Also soll es dem Tempel und der Stadt Jerusalem auch ergehen.

15. Und will euch von meinem Angesicht wegwerfen, wie ich weggeworfen habe alle eure Brüder, den ganzen Samen Ephraims.

Samen Ephraim: Das ist: Gleichwie ich das Königreich Israel aus der acht gelassen habe, welches in dem volkreichen Stamm Ephraim war, also dass eure Brüder von den Feinden in Assyrien gefangen weggeführt wurden: Also will ich mich euer auch nicht mehr annehmen und euch dem Könige zu Babel in seine Gewalt überliefern. [Sooft deswegen Gott entweder an einem ganzen Volk oder an einer besonderen Person ein Laster straft, so sollen wir uns dabei erinnern, dass Gott ein Beispiel sehen lasse, uns zur Nachricht, dass wir von Sünden abstehen und wenn wir darin geraten sind, wiederumkehren und Buße tun].

16. Und du sollst für dies Volk nicht bitten und sollst für sie keine Klage noch Gebet vorbringen, auch nicht sie vertreten vor mir; denn ich will dich nicht hören {Jer 11v14 14v11}.

Volk: Welches in seiner Unbußfertigkeit fortfährt und ich vergeblich um Besserung ihres Lebens bei ihnen anhalte.

Nicht hören: [Denn solange ein Volk sich noch raten und helfen lässt, so kann man Gott durch das Gebet frommer Leute aufhalten, dass er die Bösen nicht nach ihrem Verdienst straft: Wenn aber ein Volk allerdings verstockt ist und ohne Buße halsstarrig in Sünden fortfährt, da hört Gott den Gläubigen nicht, wenn sie auch für die Gottlosen bitten. Denn wo keine Buße ist, da hat die Gnade Gottes auch nicht statt].

17. Denn siehst du nicht, was sie tun in den Städten Judas und auf den Gassen zu Jerusalem?

18. Die Kinder lesen Holz, so zünden die Väter das Feuer an und die Weiber kneten den Teig, dass sie der Melecheth des Himmels Kuchen backen und Trankopfer den fremden Göttern geben, dass sie mir verdrieß tun.

Kinder: Das ist: Sie helfen alle miteinander zur Abgötterei, klein und groß, hoch und nieder, Jung und Alt, Mann und Weib, damit sie mich erzürnen. [Wenn aber die Laster so allgemein werden, dass die Leute sich derselben noch wohl rühmen dürfen, da ist das Verderben nicht weit].

Melecheth: Das ist: Dem Gestirn am Himmel, Sonne und Mond, welche durch ihre Wirkungen diese unterste Welt etlichermaßen regieren. Denn dass die Juden dergleichen Kreaturen Gottes mit Opfern geehrt, ist {5Mos 17 2Sam 17} gut zu sehen. [Es sind aber auch diejenigen nicht viel besser als die Juden, welche der Wahrsagung aus der Sternen Lauf abergläubischerweise missbrauchen und sich selbst überreden, es stecke alles Glück und Unglück der Leute in den Sternen und werde durch ihren Lauf und Wirkungen verursacht].

Nach Luther: Melechesedich heißt auch die Wirkung oder Kräfte, Wetter oder Gewitter des Himmels {Jer 44v17}.

19. Aber sie sollen nicht mir damit, spricht der Herr, sondern sich selbst Verdrieß tun und müssen zuschanden werden.

Nicht mir: Sie plagen oder betrüben nicht mich damit, wenn sie solche bösen Stücke begehen.

Schanden werden: Dass sie mit ihrer Abgötterei zugrunde gehen. [Denn welche sich mutwillig und beharrlich wider Gott auflehnen, die tun sich selbst den größten Schaden und eilen zu ihrem Verderben].

20. Darum spricht der Herr: Siehe, mein Zorn und mein Grimm ist ausgeschüttet über diesen Ort, beide, über Menschen und über Vieh über Bäume auf dem Felde und über Früchte des Landes; und der soll brennen, dass niemand löschen möge.

Ausgeschüttet: Wie ein großes Wasser ausgeschüttet wird. Also dass schreckliche Strafen dies Land wie eine Sündflut überfallen werden und will ich weder der Menschen, noch des Viehs, noch der Lustgärten noch der Weinberge, Äcker, Wiesen und Häuser verschonen, sondern es sollen beide, Menschen und Vieh, entweder erschlagen oder weggeführt und das andere alles jämmerlich verwüstet werden.

Löschen: Bis er dies unbußfertige Volk verzehrt hat. [Denn wenn die Sünden (ohne Buße) gehäuft werden, so häufen sich auch die Strafen. Und weil die Gottlosen nicht aufhören zu sündigen, so lässt Gott mit der Strafe auch nicht nach].

21. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Tut eure Brandopfer und andere Opfer zuhauf und fresst Fleisch.

Gott Israel: Der sich dem Patriarchen Jakob, welcher auch Israel hieß, geoffenbart hat.

Zu Haufen: Häuft eure Opfer übereinander in so großer Menge, als ihr immer wollt, so gefallen mir doch eure Gottesdienste gar nicht, damit ihr euch viel Mühe macht, weil ihr in Sünden halsstarrig fortfahrt.

Fresst Fleisch: Nämlich von den übergebliebenen Opfern, wenn ihr nach Gewohnheit, da die Opfer vollendet, ein Wohlleben anrichtet, so hab ich doch keine Lust zu solchem eurem Tun, es sei gleich so köstlich und stattlich, als es wolle.

22. Denn ich habe euren Vätern des Tages, da ich sie aus Ägyptenland führte, weder gesagt noch geboten von Brandopfern und anderen Opfern,

Geboten: Ich hab ihnen nichts davon befohlen, dass sie mich auf solche Weise ehren sollten, wie ihr tut, da ihr nur allein den äußerlichen Gottesdienst obliegt, und vergesst unterdes des Glaubens an den Messias, der rechtschaffenen Früchte der Buße und der brüderlichen Liebe gegen den Nächsten, welches meine Meinung nie gewesen. [Denn Gott achtet sich der äußerlichen Zeremonien nicht, wo der Glaube an Christus und die wahre Gottseligkeit nicht dabei ist. Dergestalt könnte auch Christus zu den unbußfertigen Heuchlern, so dennoch oftmals zum Abendmahl des Herrn gehen, sagen: Ich hab es euch nicht geheißen, dass ihr mein Abendmahl empfangen solltet].

23. sondern dies gebot ich ihnen und sprach: Gehorcht meinem Wort, so will ich euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein und wandelt auf allen Wegen; die ich euch gebiete, auf dass es euch wohl gehe.

Wort: Das ich euch in den zehn Geboten vorgehalten lasse.

Gott sein: Der euch mit Gnaden gewogen ist.

Mein Volk: Das ich lieb habe und mir angenehm ist und dem ich zeitliche und ewige Güter bescheren will.

Wandelt: Tut die Werke, die ich euch befohlen habe und keine anderen: Ihr müsst sie aber alle und nicht nur etliche tun.

Wohl gehe: So werdet ihr Glück haben in dieser und jener Welt. [Denn Gott belohnt die wahre Gottseligkeit mit zeitlichen und ewigen Gütern].

24. Aber sie wollten nicht hören noch ihre Ohren zuneigen, sondern wandelten nach ihrem eigenen Rat und nach ihres bösen Herzens Gedünken und gingen hinter sich und nicht vor sich.

Nicht hören: Dass sie auf mein Wort Acht hatten und meinen heilsamen Vermahnungen gefolgt hätten, da ich sie durch meine Propheten väterlicher Meinung begehrte wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Nicht für sich: Sie wollten in der wahren Gottseligkeit und auf den Weg der Geboten Gottes keinen Schritt fortgehen, sondern wandten sich von dem Herrn und von seinen Geboten hinten ab.

25. Ja, von dem Tage an, da ich eure Väter aus Ägyptenland geführt habe, bis auf diesen Tag habe ich stets zu euch gesandt alle meine Knechte, die Propheten {2Chr 36v15}.

Tage an: Als wollte er sagen: Es ist nichts Neues an diesem Volk, dass sie von mir abfallen, denn sie haben es lange getrieben und sind immer widerspenstig und ungehorsam gewesen.

Propheten: Das sie euch wieder auf den rechten Weg brächten. [Denn Gott Wille nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe].

26. Aber sie wollen mich nicht hören noch ihre Ohren neigen, sondern sind halsstarrig und machen es ärger denn ihre Väter {Jer 16v12}.

Halsstarrig: Dass sie meinem Wort mutwillig sich widersetzen und meinen Geboten widerstreben. [Ist es deswegen nicht des Predigtamtes Schuld, dass die Gottlosen sich nicht bekehren, sondern ihrer eigenen Bosheit zuzumessen].

Machen es ärger: Sie treiben eine Abgötterei über die andere und häufen Sünden mit Sünden. [Denn wenn der Mensch sich selbst gelassen ist, so bekehrt er sich nicht zu Gott. Also ganz ist unsere Natur verdorben].

27. Und wenn du ihnen dies alles schon sagst, so werden sie dich doch nicht hören; rufst du ihnen, so werden sie dir nicht antworten.

Nicht hören: Sondern dergleichen tun, als ob sie nicht wüssten, was du zu ihnen in meinem Namen redest. [Darum, wenn ein frommer Kirchendiener sein Amt fleißig verrichtet und dennoch die Gottlosen nicht bekehrt, so soll er sich nicht darüber gar zu sehr bekümmern].

28. Darum sprich zu ihnen: Dies ist das Volk, das den Herrn, ihren Gott, nicht hören noch sich bessern will. Der Glaube ist untergegangen und ausgerottet von ihrem Munde.

Nicht hören: Sondern ist widerspenstig und unbeugsam und lässt sich nicht weisen.

Untergegangen: Dass man nicht bald einen finden wird unter ihnen, der einen rechten Glauben an Gott habe. Darum gleichwie sie nicht recht glauben, also bekennen sie auch die wahre Religion nicht mit dem Munde. [Denn obwohl Gott mitten unter dem Gottlosen Haufen allewege seine Auserwählten hat, so ist doch derselben Anzahl bisweilen ganz gering. Darum auch Christus spricht: Meinst du, wenn des Menschen Sohn kommen wird, dass er auch Glauben finden werde auf Erde?

Nach Luther:]. Das ist, die rechte Lehre ist ganz weg und sie predigen nichts davon.

29. Schneide deine Haare ab und wirf sie von dir und heule kläglich auf den Höhen; denn der Herr hat dies Geschlecht, über das er zornig ist, verworfen und verstoßen.

Haar ab: Vor Leid, weil dem jüdischen Volk sein Untergang von wegen ihrer beharrlichen Bosheit herzunaht und zum Zeichen, dass Gott alle Zierde und Majestät seines Volkes hinwegnehmen und das Volk selber auch verstoßen werde.

Höhen: An hohen Orten, von dort man dich sehen und hören könne.

Verstoßen: Dass er das gottlose jüdische Geschlecht nicht mehr schützen, sondern seinen gerechten und schrecklichen Zorn über sie ausschütten will.

30. Denn die Kinder Juda tun übel vor meinen Augen, spricht der Herr. Sie setzen ihre Gräuel in das Haus, das nach meinem Namen genannt ist, dass sie es verunreinigen,

Augen: [Denn obgleich die Sünden entweder heimlich gehalten oder doch vermäntelt und beschönt werden, so sind sie doch vor den Augen Gottes unverborgen].

Gräuel: Nämlich ihre abgöttischen Bilder stellen sie in meinen Tempel.

Verunreinigen: Mit ihrer vielfältigen Abgötterei.

31. und bauen die Altäre Thopheth im Tal Ben-Hinnom, dass sie ihre Söhne und Töchter verbrennen, welches ich nie geboten noch in Sinn genommen habe.

Ben Hinnom: Dies ist ein sehr lustiges Tal gewesen, hart an Jerusalem, da sie ihre Söhne und Töchter dem Abgott Moloch geopfert und verbrannt. Und wurde derselbe Ort auch Thophet genannt, von den Pauken oder Trommeln, wie etliche meinen, weil man die Trommeln schlug, wenn die Kinder geschlachtet oder verbrannt wurden, auf dass die Eltern ihrer Kinder Heulen und Wehklagen nicht hören könnten. Danach aber, da die Israeliten endlich erkannt, was für eine gräuliche und schrecklich Sünde man am selben Ort begangen, mit Aufopferung der Söhne und Töchter, haben sie die Hölle mit dem Namen zu nennen pflegen, dass sie aus Ben Hinnom oder gegessen Hinnom, Gehenna gemacht, welches das höllische Feuer bedeutet, wie denn Christus selbst {Mt 5} und an anderen Orten mehr, es also nennt. [Obwohl nun die Juden bei solchem ihrem Tun auf des Abrahams Beispiel sich berufen, so haben sie doch eine schreckliche und abscheuliche Abgötterei begangen. Denn Abraham wollte auf den Befehl Gottes seinen Sohn opfern und da sein Gehorsam genügend bewehrt wurde, hat ihm der Engel Gottes abgewehrt, dass er denselben nicht geopfert. Sie aber hatten deshalb ganz und gar keinen Befehl Gottes, dass sie ihre Kinder opfern sollten. Aber also schwärmen die Leute, wenn sie aus einer närrischen Nachfolge und guter Meinung (wie sie es nennen) Gottesdienste anrichten, fragen aber nicht danach, ob Gott solche Gottesdienste befohlen habe und sich gefallen lasse, oder nicht? Wie denn dergleichen selbsterwählten Gottesdienste im Papsttum unzählig sind].

Nach Luther:]. Benhinnom ist ein sehr lustiges Tal gewesen, hart an Jerusalem {Jos 15v8}. Das haben sie später Thophet genannt und ihrer falschen Meinung nach den herrlichsten Gottesdienst darin hatten. Die Propheten machen einen bösen Namen daraus, wie auch CHRISTUS {Mt 5v30} aus Ben Hinnom macht Gehenna, das höllische Feuer. Ich lasse es dabei bleiben, dass es herkomme von Thoph, das heißt eine Pauke oder Drummel. Denn Lyra meldet {3Mos 23}, dass die Kinder Israel dem Abgott Moloch (welches war ein ehern Bild, inwendig voller Glut) ihre Kinder in die Arme legten und verbrannten. Und die Priester mit Pauken und Schellen klangen, dass die Eltern der Kinder Geschrei nicht hören sollten. Also mag Thophet ein Drummelhaus oder Drummelkirche heißen. Und {Jes 30v33} dem Könige Assur eine solche Grube bereitet, das ist, er soll verbrannt werden in der Hölle. Also, {Hi 17v6}. Ich muss ein Wunder (das ist, Thophet) vor ihnen sein, ein Drummelspiel, die meiner zum Schaden noch spotten, wie man denn malt, dass die Pfeiffer sein spotten.

32. Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass man es nicht mehr heißen soll Thopheth und das Tal Ben-Hinnom, sondern Würgetal; und man wird in Thopheth müssen begraben, weil sonst kein Raum mehr sein wird.

Darum: Folgt jetzt die Strafe solcher Abgötterei.

Würgetal: Von wegen der großen Menge der Israeliten, so darin sollen erwürgt werden.

Begraben: Dass eben also derselbe Ort, den sie zu ihren falschen Gottesdiensten geweiht oder vielmehr gräulich entweiht und verunreinigt haben, mit ihren Leichnamen soll gefüllt werden.

33. Und die Leichname dieses Volkes sollen den Vögeln des Himmels und den Tieren auf Erde zur Speise werden, davon sie niemand scheuchen wird {Jer 34v20}.

Speise werden: Dass sie dieselben fressen, weil man die Erschlagenen vor großer Menge nicht alle wird vergraben können. [Es ist aber ein Stück des göttlichen Fluchs, da einer kein Grab haben kann. Doch gereicht solcher Fluch den Frommen zum Segen, dass sie durch dieselbe Schmach und Schande zur ewigen himmlischen Herrlichkeit eingehen].

34. Und will in den Städten Judas und auf den Gassen zu Jerusalem wegnehmen das Geschrei der Freude und Wonne und die Stimme des Bräutigams und der Braut; denn das Land soll wüste sein.

Wonne: Es soll in den Städten des Königreichs Juda auf ihren Gassen nichts mehr gespürt oder gehört werden von Lobgesängen, Pfeifen oder Trompeten, wie man sonst beim Wohlleben und bei den Hochzeiten zu benutzen pflegt.

Bräutigams: nach Luther]. Das ist, Pfeifer und alle Freudengeschrei, so zur Hochzeit dem Bräutigam zu Ehren klingt.

Wüste sein: Dass das ganze Königreich zerstört liegen wird. [Das ist die Belohnung der Abgötterei, von welcher doch die Heuchler meinen, dass sie die einzige Ursache alles Glücks und Wohlfahrt sei].


Das 8. Kapitel


1. Des Volkes Unbußfertigkeit, Abgötterei, Geiz und Sicherheit wird abermals verworfen. v. 1. 2. Und werden ihnen ihre Strafen angezeigt, dazu des Volkes Untergang beklagt. v. 10.

1. Zu der selbigen Zeit, spricht der Herr, wird man die Gebeine der Könige Judas, die Gebeine ihrer Fürsten, die Gebeine der Priester, die Gebeine der Propheten, die Gebeine der Bürger zu Jerusalem aus ihren Gräbern werfen.

Zu: Der Prophet fährt noch weiter fort in der Erzählung der Strafen, so auf die Abgötterei und andere Sünden folgen werden.

Propheten: Nämlich der falschen Propheten, derer sich gen im Volk Gottes zur selben Zeit viele gefunden haben.

Werfen: Denn welche die Erde mit vielfältiger Abgötterei verunreinigt haben, die sind nicht wert, dass ihre Gebeine von der Erde bedeckt werden.

2. Und werden sie zerstreuen unter der Sonne, Mond und allem Heer des Himmels, welche sie geliebt und ihnen gedient und ihnen nachgefolgt und sie gesucht und angebetet haben. Sie sollen nicht wieder aufgelesen und begraben werden, sondern Kot auf der Erde sein.

Des Himmels: Das sie unbegraben unter dem freien Himmel liegen werden.

Geliebt: Mehr als ihren Schöpfer und Herrn.

Nachgefolgt: In denen sie sich falsche Gottesdienste erdacht, darum sie vor ihnen und begraben liegen sollen. Darum ist denen wenig geholfen, die sich christliche Gräber zurüsten lassen, sofern sie nicht auch Gott fürchten und gottselig leben.

3. Und alle übrigen von diesem bösen Volk, an welchem Ort sie sein werden, dahin ich sie verstoßen habe, werden lieber tot denn lebendig sein wollen, spricht der Herr Zebaoth.

Lieber tot: Dass sie zur selben trübsinnigen Zeit des Lebens überdrüssig geworden und sich selbst den Tod gewünscht, als einen Ausgang und Ende alles Übels. Denn obwohl dies zeitliche Leben denjenigen lieb ist, die in einem leider ähnlichen Zustand leben, so geschieht es doch manchmal, dass die Menschen in großen Ängsten sich selbst den Tod wünschen und begehren zwar die Frommen abzuscheiden und bei Christo zu sein, auf dass sie von so vielem Unfall errechnet und aus mancherlei Versuchungen erlöst werden. Die Gottlosen aber meinen fälschlich, dass sie im Tode ihres Unglücks ein Ende empfinden werden, da sie doch dort erst ein größeres und ewiges Verderben geraten.

4. Darum sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wo ist jemand, so er fällt, der nicht gerne wieder aufstünde? Wo ist jemand, so er irregeht, der nicht gerne wieder zurechtkäme?

Aufstünde: Als wollte er sprechen: Ist es doch allen Menschen angeboren, wenn sie gefallen sind, dass sie begehren, wieder aufzustehen, und nicht im Kot liegen bleiben wollen: Wenn auch die Wandersleute merken, dass sie vom rechten Wege irregegangen sind, so begehren sie nichts lieber, denn dass sie mögen wiederum richtig kommen. [Darum ist es je ein ungereimtes Ding, wenn jemand in Irrtum geraten oder in Sünde gefallen ist, dass er dennoch nicht will Buße tun, da doch die beharrliche Bosheit in Sünden und Irrtum den ewigen Tod verursacht].

5. Noch will ja dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für. Sie halten so hart an dem falschen Gottesdienst, dass sie sich nicht wollen abwenden lassen.

Abwenden: Wenn sie gleich von den Propheten gelockt und zur rechten Religion angemahnt werden.

6. Ich sehe und höre, dass sie nichts Rechtes lehren. Keiner ist, dem seine Bosheit leid wäre und spräche: Was mache ich doch? Sie laufen alle ihren Lauf wie ein grimmiger Hengst im Streit.

Lehren: Die falschen Propheten führen unrechte Lehre und das Volk zieht dieselbe Lehre der himmlischen Wahrheit vor.

Leid wäre: Dass er so schwer wider Gott gesündigt hat.

Hengst: Also fallen sie mit einer unsinnigen Wut auf die falschen Gottesdienste und geraten in Sünden, darum sie auch nichts als ihr endliches Verderben unzweifelhaft zu erwarten haben. [Denn die Abgöttischen werden von einer teuflischen Wut getrieben, dass sie dem falschen Gottesdienst steif nachsetzen, auch sich auf keinerlei Weise lassen davon abbringen, bis Gott durch sein Wort ihre Herzen ändert].

7. Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, eine Turteltaube, Kranich und Schwalbe merken ihre Zeit, wann sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.

Zeit: Wenn er in ein Land gekommen oder daraus wieder hinweg ziehen soll.

Nicht wissen: Sind deswegen die Israeliten viel unverständiger als die unvernünftigen Tiere, welche ihre Ordnung halten, so ihnen von Natur eingepflanzt ist: Sie aber verwerfen das Gesetz Gottes, welches etlichermaßen in ihre Herzen geschrieben ist und begehren den Willen Gottes nicht zu wissen, dass sie Buße täten und ihrem Amt nachkämen. [Denn wenn ein Mensch sich selbst gelassen und vom Teufel geblendet ist, so wird er ärger als ein unvernünftiges Tier].

8. Wie mögt ihr doch sagen: Wir wissen, was recht ist, und haben die Heilige Schrift vor uns? Ist es doch eitel Lügen, was die Schriftgelehrten setzen.

Wissen: Weil wir im Gesetz Gottes genügend unterwiesen sind.

Vor uns: Wider der Propheten Meinungen, die sie uns vorhalten: Welches ihr euch vergeblich rühmt, weil ihr ganz tief in Irrtum steckt.

Setzen: Denn welche sich unterstehen, das Gesetz Gottes zu erklären, die lehren falsch, ordnen und beschließen auch in Religionssachen, was irrig und gottlos ist. [Auf gleichen Schlag haben auch die päpstlichen Lehrer im Konsilium zu Trient gottlose Satzungen beschrieben und rühmen sich dennoch nichtsdestoweniger, sie sind alle der Heiligen Schrift gemäß, obwohl das Widerspiel zu mehrmalen genügend dargetan wurde. Ebenmäßig rühmen sich auch andere Ketzer der Heiligen Schrift, die doch ihren Irrtümern stracks zuwider ist und dieselben verwirft].

9. Darum müssen solche Lehrer zuschanden, erschreckt und gefangen werden; denn was können sie Gutes lehren, weil sie des Herrn Wort verwerfen?

Erschreckt: Dass sie vor Furcht und Zittern, wenn das Unglück mit Haufen hereinfällt, nicht wissen werden, wo sie sich hinwenden und was sie anfangen sollen und werden sich in ihren Anschlägen so verwickeln und verirren, dass sie aus ihrem Unglück sich nicht werden können heraushelfen. [Denn wenn es übel zugeht, so wissen die Heuchler weder sich selbst noch andere zu trösten].

Verwerfen: Dass sie der Propheten Predigten nicht hören wollen, darum verstehen sie auch das Gesetz Gottes nicht recht und werden mit ihren erdichten falschen Gottesdiensten zuschanden.

10. Darum so will ich ihre Weiber den Fremden geben und ihre Äcker denen, so sie verjagen werden. Denn sie geizen allesamt, beide, klein und groß und beide, Priester und Propheten, lehren falschen Gottesdienst {Jes 56v11 Jer 6v13}.

Geben: Dass sie die Feinde schänden und hinwegführen werden.

Verjagen: Nämlich den Chaldäern, welche die Juden aus ihren Behausungen und Lande treiben werden. [Denn die Flüche des Gesetzes bleiben über die Verächter des göttlichen Wortes nicht außen, unter welche Flüche auch die Schändung der Weiber und der Verlust der Habe und Güter richtig gezählt werden].

Denn: Jetzt fängt der Prophet an, etliche Sünden des Volkes zu erzählen, damit sie solche Strafen verdient hatten.

Und groß: Der Geringste und Unterste sowohl als der Höchste stecken voller unersättlicher Begierde, Reichtum zu sammeln, es geschehe gleich mit Recht oder mit Unrecht, darum benutzen sie allerlei Betrug und ungebührliche Vorteile. [Wo deswegen jedermann sich auf den Geiz legt, so muss man sich besorgen, dass nicht etwa bald später die Feinde kommen und die unrecht erworbenen Güter hinweg nehmen].

Propheten: Nämlich die falschen Propheten und Lehrer richten falsche Gottesdienste an und die Priester billigen sie und üben sich darin. [Es ist aber die Verfälschung der Religion eine Ursache großen Unglücks, sowohl in der Kirche als im weltlichen Regiment].

11. und trösten mein Volk in ihrem Unglück, dass sie es gering achten sollen und sagen: Friede, Friede! Und ist doch nicht Friede {Jer 6v14}.

Gering achten: Da sie doch vielmehr Amtes halben die Sünden ihres Volkes hätten in ihren Predigten scharf strafen sollen und aus dem herzu nahenden Unglück die Israeliten zur Buße ermahnen, weil sie sonst jämmerlich würden zugrunde gehen. Siehe, so sprechen sie dem Volk ganz freundlich zu und predigen, wie sie sollen die vor Augen schwebende Gefahr nichts achten, verheißen auch immer eine bessere und fröhlichere Zeit, da man doch nichts Besseres zu erhoffen, sondern vielmehr alles Unglück zu erwarten hat, solange das Volk sich nicht gebessert und ernstlich Buße tut. [Sind deswegen das nicht fromme und getreue Prediger, welche die Unbußfertigen trösten und sich gute Hoffnung machen].

12. Darum werden sie mit Schanden bestehen, dass sie solche Gräuel treiben, wiewohl sie wollen ungeschändet sein und wollen sich nicht schämen. Darum müssen sie fallen über einen Haufen und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie fallen, spricht der Herr {Jer 6v15}.

Bestehen: Weil es nicht hinausgehen wird, wie sie vorgeben und das Volk vertröstet haben.

Treiben: Mit der Abgötterei, welche sie anrichten und das Volk in ihrer Unbußfertigkeit stärken. [Denn die Schmeichelei steht keinem Menschen wohl an, ist aber an dem Kirchendiener insbesondere abscheulich und vor Gott ein Gräuel].

Nicht schämen: [So unverschämt sind die falschen Lehrer, dass, wenn sie gleich in einer öffentlichen Lüge erwischt werden, dennoch nicht schamrot dafür werden, sondern bemühen sich ihre Irrtümer mit neuen Farben immer wieder anzustreichen und zu beschönigen].

Darum: Folgen jetzt die Strafen, welche zu erwarten haben, beide, die so falsch lehren und die der falschen Lehre beipflichten und die selbige verteidigen.

Heimsuchen: Dass ich sie um ihre Bosheit strafen werde. [Denn obwohl Gott nach seiner Langmütigkeit zu einer Bosheit lange zusieht, so bringt er es an der Schwere wieder ein, dass er mit der Strafe desto härter anhält].

13. Ich will sie alle ablesen, spricht der Herr, dass keine Trauben am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum bleiben, ja, auch die Blätter wegfallen sollen; und was ich ihnen gegeben habe, das soll ihnen genommen werden.

Ablesen: Das ist, ich will sie mit ihren Gütern zu Haufen sammeln zu ihrem Verderben. Gleichwie man Trauben oder Feigen abliest, dass im Weinberge nichts überbleibt, dazu auch die Blätter von den Reben und Bäumen abfallen, also will ich sie aus dem gelobten Lande hinweg reißen und die Güter, so ich ihnen gegeben habe, sollen die Feinde hinwegnehmen.

14. Wo werden wir dann wohnen? Ja, sammelt euch dann und lasst uns in die festen Städte ziehen und dort auf Hilfe harren. Denn der Herr, unser Gott, wird uns helfen mit einem bitteren Trunk, dass wir so sündigen wider den Herrn.

Denn wohnen: Als wollte er sprechen: Wenn sie sehen werden, wie das Unglück mit Haufen hereinschlägt, so werden sie dennoch keine ernstliche Buße tun, sondern nach menschlicher Hilfe sich umsehen.

Ziehen: Wohlan, werden sie sprechen, was von den besten Kriegsleuten im Volk noch vorhanden ist, die verfügen sich in die festen Städte, besonders aber gen Jerusalem, dass sie darin des Feindes Gewalt aufhalten und dem Könige zu Babel Widerstand tun können.

Harren: Weil uns Gott auf seine Hilfe warten heißt. [Aber man wartet vergebens auf Gottes Hilfe, wo man nicht Buße tut].

Bitteren Trunk: Mit diesen Worten stößt der Prophet Jeremia ihnen ihre vergebliche Hoffnung um: Als wollte er sagen, ich meine ja, er werde uns helfen, weil wir nichts den schweren Strafen verdient haben, die wir noch bisher nicht begehrt mit einem bußfertigen Leben abzuwenden. [Es beschreibt aber die Schrift oft die Trübsal, also dass sie einem bitteren Trunk verglichen werden. Gleichwie aber ein solcher bitterer Trunk der Trübsal den Unbußfertigen nicht allein den zeitlichen, sondern auch den ewigen Tod verursacht, also ist er den Bußfertigen wiederum eine heilsame Arznei, dem Alten Adam zu töten ganz gut].

Nach Luther:]. Der Herr wird uns zum Unglück und Jammer helfen und nicht, wie ihr meint, zum Glück.

15. Ja, verlasst euch darauf, es soll keine Not haben, so doch nichts Gutes vorhanden ist und dass ihr sollt heil werden, so doch eitel Schaden vorhanden ist {Jer 14v19}.

Verlasst: Will so viel sagen, ihr macht euch eine vergebliche Hoffnung, dass die Sache einen guten Ausgang mit euch nehmen werde, denn das Unglück ist viel größer vorhanden, als ihr meint, und habt ihr von den Chaldäern nichts anderes als euer Verderben und Untergang zu erwarten.

16. Man hörte, dass ihre Rosse bereits schnauben zu Dan und ihre Gäule schreien, dass das ganze Land davon erbebt. Und sie fahren daher und werden das Land auffressen mit allem, was darin ist, die Stadt samt allen, die darin wohnen.

Dan: Welche Stadt auf den äußersten Grenzen des Landes Kanaan gegen Babel zu gelegen ist.

Schreien: Daraus gut zu lesen ist, dass die Feinde in der Nähe sind.

Auffressen: Sie werden alles verwüsten und verzehren, was in unserem Lande Lustiges und Liebliches zu spüren ist und wird man weder der Stadt Jerusalem noch anderer Städte verschonen. [Dies hat Jeremia zuvor verkündigt, ehe es geschehen und seine Zuhörer mit seinen Predigten also auf den Augenschein geführt, dass sie die Verwüstung des Landes und die Eroberung der Städte gleichsam vor sich sehen. Denn es soll ein Kirchendiener nichts unterlassen, was zur Aufmunterung der Zuhörer dienlich sein mag, damit ihnen die Schlafsucht vertrieben werde, ob sie irgend wollten Buße tun und dem künftigen Übel entrinnen möchten].

17. Denn siehe, ich will Schlangen und Basilisken unter euch senden, die nicht beschworen sind; die sollen euch stechen, spricht der Herr.

Basilisken: Von denen man ausgibt, dass sie die Leute nur mit ihrem Gesicht und anschauen töten können.

Nicht beschworen: Die durch keine Bezauberung mögen gehindert werden, dass sie mit ihrem Gift euch nicht umbringen. Er meint aber damit die grausamen Feinde, vor welcher Gewalt und Grausamkeit sie nicht werden bestehen, noch dieselben aufhalten können. [Es will aber auch Gott hiermit die abergläubischen Bezauberungen keines Weges recht oder gut geheißen haben, sondern lehrt mit diesem Gleichnis, dass die Strafen, welche Gott den Unbußfertigen droht, nicht können abgewandt werden, man tue dann rechtschaffene wahre Buße].

18. Da will ich mich meiner Mühe und meines Herzeleides ergötzen.

Ergötzen: Will so viel sagen, ihr habt mich bisher vielfältig beleidigt und zum Zorn gereizt und seid mit euer Bosheit mir sehr überlästig gewesen. Nun aber, will ich solches euer gottloses Wesen heimsuchen und strafen und also mein Mütlein an euch kühlen. [Denn gleichwie Gott über die Bußfertigen sich erbarmt. Also belustigt er sich nach seinem gerechten Gericht über der Unbußfertigen Untergang].

19. Siehe, die Tochter meines Volkes wird schreien aus fernem Lande her: Will denn der Herr nicht mehr Gott sein zu Zion, oder soll sie keinen König mehr haben? Ja, warum haben sie mich so erzürnt durch ihre Bilder und fremde, unnütze Gottesdienste?

Fernem Lande: Nämlich von Babel, wenn mein Volk da in dem Gefängnis sein wird, so werden sie vor Ängsten dergleichen Reden treiben: Wird denn Gott der Herr seinen Gottesdienst in der Stadt Jerusalem gar nicht mehr wieder anrichten, auf dem heiligen Berge, da sein herrlicher Tempel gestanden? Und wird Gott nicht einmal seinem Volk wiederum eine Obrigkeit geben, die sie im Lande Kanaan regiere und schütze? Oder aber werden wir und unsere Nachkommen immer also in diesem elenden Zustande bleiben müssen? [Also klagen ihrer viele über die Strafen der Sünden, die sie doch sich selbst verursacht und über den Hals gezogen haben].

Mich: Ihren wahren und ewigen Gott: Denn sie mich dazu mit ihren Sünden gereizt, dass ich sie strafen müsse, darum haben sie es niemand zu danken als sich selbst, dass es ihnen so übel geht, und haben über meinen großen Ernst sich nichts zu beklagen. [Sollen wir deswegen nicht wider Gott murren, sondern wider unsere Sünden].

20. Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin und uns ist keine Hilfe gekommen.

Keine Hilfe: Wie uns unsere falschen Propheten und Priester vertröstet und uns gute Hoffnung gemacht, dass die Belagerung noch vor dem Winter aufhören würde. Aber wir spüren noch keine Rettung. [Denn der Gottlosen Hoffnung ist verloren].

21. Mich jammert herzlich, dass mein Volk so verdorben ist; ich gräme mich und gehabe mich übel.

Mich jammert: Jetzt gibt der Prophet Jeremia mit wenigen Worten zu verstehen, wie er so ein herzliches Erbarmen und Mitleiden mit seinem Volk und Landsleuten trage.

Gräme mich: Über das herzu nahende Unglück des israelitischen Volkes, welches mich ganz zerschlagen, matt und kraftlos macht, dass ich schier möchte in eine Ohnmacht darüber fallen.

22. Ist denn keine Salbe in Gilead? Oder ist kein Arzt nicht da? Warum ist denn die Tochter meines Volkes nicht geheilt?

Salbe: Welches die Wunden zu reinigen und zu heilen dienlich wäre.

Gilead: Welches Land sonst köstliche Salben zu haben pflegt.

Kein Arzt: Derer sich da sonst auch viel, die dazu ganz berühmt gewesen, gefunden.

Nicht geheilt: Als wollte er sagen: Ist es nicht ein elender Handel, dass man so gar keinen Rat noch Hilfe mehr finden kann, dadurch das israelitische Volk möchte erhalten werden? Da doch vor der Zeit im selben Volk so viel herrliche und vortreffliche Männer gelebt, die durch ihren guten Rat und besondere Kraft dem verlorenen Haufen oft wieder aufgeholfenen. [Denn es tut der Gottlosen Verderben den Frommen sehr wehe, weil sie dieselben viel lieber erhalten als verloren sehen. Und können dennoch dem gerechten Urteil Gottes nicht widersprechen].


Das 9. Kapitel


1. Der Prophet fährt noch weiter fort, des Volkes Unfall zu beklagen, so sie durch Ehebruch, Lügen, Räuberei und Betrug über sich gezogen. v. 1. 2. Und verwirft das Vertrauen auf Menschen Hilfe und auf die zeremoalischen Gottesdienste. v. 23.

1. Ach, dass ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, dass ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen in meinem Volk!

Ach: Der Prophet beweint das große Unglück, welches er merkt, dass es über die Juden ergehen würde, ob er sie dergestalt möchte zur Buße bringen. Er erzählt aber viele und große Laster, damit das Volk den Zorn Gottes verdient hatte.

Tränenquelle: Ich möchte wünschen, dass in meinem Haupt eine springende Brunnquelle wäre, auf dass ich nach der Sache Beschaffenheit und Größe, den elenden Zustand und das jämmerliche Morden der Bürger zu Jerusalem genügend beweinen könnte, welche so elendiglich und erbärmlich werden hingerichtet werden, wenn man die Stadt erobern wird. [Denn ein frommer Kirchendiener soll sich seiner Schäflein Gefahr lassen mit Ernst angelegen sein und zu Herzen gehen].

2. Ach, dass ich eine Herberge hätte in der Wüste, so wollte ich mein Volk verlassen und von ihnen ziehen. Denn es sind eitel Ehebrecher und ein frecher Haufe.

Herberge: Ein schlechtes liederliches Hüttlein, da ich bleiben könnte, nur damit ich den großen Jammer, so über das Volk Israel ergehen wird, nicht sehen dürfte. Denn es wird das Unglück, so einmal über sie beschlossen ist, nicht außen bleiben von wegen ihrer übermachten Bosheit und Sünden. [Und bekümmern sich fromme Leute gar sehr darüber, wenn sie sehen, dass allerlei Schande und Laster ungescheut getrieben werden].

Ehebrecher: Dass ihrer ganz wenige zu finden, die ihre eheliche Treue bedenken, sondern halten mit fremden Weibern zu. [Es werden aber die Ehebrecher das Reich Gottes nicht besitzen {1Kor 6}.

Frecher Haufe: Der sich nie nichts Gutes beflissen hat und nur nach Bosheit trachtet.

3. Sie schießen mit ihren Zungen eitel Lügen und keine Wahrheit und treiben es mit Gewalt im Lande und gehen von einer Bosheit zur anderen und achten mich nicht, spricht der Herr.

Schießen: Das ist, gleichwie einer einen Bogen spannt und auf den anderen zielt. Also spannen sie die Zunge, dass sie mit Lügen und Lästern den Nächsten betrügen oder allerdings ins Verderben bringen und hört man selten von einem die Wahrheit reden, also dass ihrer drei einen heben müssen, wenn er eine Wahrheit vorbringen soll. [Aber Gott hasst die Lügner und bringt sie um {Ps 5}].

Mit Gewalt: Sie lassen sich nicht wehren: Denn es sind eben die, welche Zucht und Ehrbarkeit sollten erhalten helfen, die treiben es am allermeisten, mit Schande und Laster.

Zur anderen: Gleichwie die vollen Zapfen von einer Zeche zur anderen gehen, also geraten diese von einem Laster ins andere.

Mich nicht: Sie begehren mein Wort weder zu hören, noch zu lernen, dass sie mich recht erkannten. [Denn gleichwie die wahre Erkenntnis Gottes (welche im rechten Glauben besteht) ein gottseliges Leben verursacht. Also, wo man von Gott nichts weiß und sein Wort verachtet, da überkommt man Anleitung und Gelegenheit zu allerhand Sünde, Schande und Lastern].

4. Ein jeglicher hüte sich vor seinem Freunde und traue auch seinem Bruder nicht; denn ein Bruder unterdrückt den anderen und ein Freund verrät den anderen.

Hüte sich: Ein jeder hüte sich vor seinem Nächsten, besten Freunde, Bekannten, Verwandten und Schwägern und traue ihrer keinem. [Es ist aber das Verderben und der Untergang eines Regiments alsdann am allernächsten, wenn weder Treue noch Glauben mehr im Lande ist].

5. Ein Freund täuscht den anderen und reden keine wahren Worte; sie fleißigen sich darauf, wie einer den anderen betrüge und ist ihnen leid, dass sie es nicht ärger machen können.

6. Es ist überall eitel Trügerei unter ihnen und vor Trügerei wollen sie mich nicht kennen, spricht der Herr.

Nicht kennen: Sie sind auf allerlei Finanz und Betrug so ganz verpicht, dass sie unterdes an mein Wort nicht denken, darum so erkennen sie mich nicht und fürchten mich auch nicht recht. [Es ist aber eine gräuliche Bosheit, wenn man seinen bösen Begierden also nachhängt, dass man unterdes nach Gott und nach der ewigen Seligkeit nichts fragt].

7. Darum spricht der Herr Zebaoth also: Siehe, ich will sie schmelzen und prüfen. Denn was soll ich sonst tun, weil sich mein Volk so ziert?

Schmelzen: Das ist, ich will sie in die äußerste Angst und Not geraten lassen und welche durchaus böse und verstockt sind, die werden allerdings zunichtewerden und verderben, welche aber sich noch weisen lassen, die werden Buße tun und selig werden, ob sie gleich dem zeitlichen Unfall nicht entgehen. [Denn gleichwie ein Goldschmied das ungeläuterte Silber ins Feuer wirft und als denn, was unrein daran ist, hinweg tut. Also unterscheidet Gott durch das Feuer der Trübsal die Frommen von den Bösen und tötet den Alten Adam in den Auserwählten].

Sonst tun: Wie sollte ich anders mit meinem Volk umgehen, welches so ungehorsam und widerspenstig ist.

8. Ihre falschen Zungen sind mörderische Pfeile; mit ihrem Munde reden sie freundlich gegen den Nächsten, aber im Herzen lauern sie auf denselben {Ps 12v3 28v3}.

Pfeile: Denn durch ihr fälschlich Lügen und Verlästern bringen sie die frommen Leute ums Leben. [Dass also sie nicht allein Totschläger vor Gott sind, welche mit der Faust die Leute erwürgen, sondern es sind auch die an einem Totschlag schuldig, welche dergleichen Sachen mit dem Munde vorbringen, dadurch unschuldige Leute zum Tode gebracht und verursacht werden].

Lauren: Und trachten danach, wie sie ihn in Unglück bringen und ins Verderben stürzen mögen.

9. sollte ich nun solches nicht heimsuchen an ihnen, spricht der Herr und meine Seele sollte sich nicht rächen an solchem Volk, als dies ist {Jer 5v9 v29}?

Rächen: Mit harter Strafe. [Denn Gott lässt die Untreue und Falschheit nicht ungestraft, sondern rächt sich mit großem Ernst an solchen Leuten].

10. Ich muss auf den Bergen weinen und heulen und bei den Hürden in der Wüste klagen; denn sie sind so ganz verheert, dass niemand da wandelt und man auch nicht ein Vieh schreien hört. Es ist beides, Vögel des Himmels und das Vieh, alles weg {Jer 4v25 7v20 12v4}.

Bergen: Denn es pflegten die Juden, wenn sie über etwas sich beklagen und bejammern wollten, hin und her auf den Bergen herumzuschweifen, wie aus des Jephthah Historie etlichermaßen zu lesen ist. Also, will der Prophet sagen, muss ich meines Volkes Unglücks an dergleichen Orten auch beweinen.

Wandelt: Es ist alles so ganz verwüstet, dass man auch keinen Menschen mehr darin gewahr wird.

Hört: Weil keine Herde mehr da geweidet wird.

Alles weg: Es werden weder Tiere noch Vögel mehr an selben Ort gesehen. Will aber mit diesen Worten allen die gräuliche und schreckliche Verwüstung des ganzen jüdischen Landes zu verstehen geben.

11. Und ich will Jerusalem zum Steinhaufen und zur Drachenwohnung machen und will die Städte Judas Wüste machen, dass niemand darin wohnen soll {Ps 79v1 Mi 3v12}.

Machen: Dass also die herrliche schöne Stadt Jerusalem allerdings zerstört da liegen wird, wie ein altes zerfallenes Gebäude, daran nichts mehr als die Steine übergeblieben sind, so auf einen Haufen übereinander liegen, dass keine Menschen mehr darin wohnen können, sondern die Schlangen und andere vergiftete ungeheure Tiere ihre Schlupflöcher und Aufenthalt darin suchen werden. [Damit aber das liebe Deutschland, unser Vaterland nicht einmal auch also verwüstet Liege, so soll man sich der wahren Gottseligkeit bemühen. Denn ein gottloses Wesen verwüstet auch oftmals die aller herrlichste Königreiche und Landschaften ganz und gar].

12. Wer nun weise wäre und ließe sich zu Herzen gehen und verkündigte, was des Herrn Mund zu ihm sagt, warum das Land verderbe und verheert wird, wie eine Wüste, da niemand wandelt {Ps 107v43}!

Weise wäre: Als wollte er sagen, zu wünschen wäre es, dass die Leute noch klug würden und verstehen lernten, auch aus Gottes Wort die Ursachen verkündigten, warum über dies Land eine solche gräuliche Verwüstung ergehen würde, dadurch nicht allein die Gebäude niedergerissen und geschleift, sondern auch die Einwohner allerdings müssen vertilgt werden und ermahnten sich untereinander treulich, dass sie durch wahre Buße solchem Unfall vorkämen und das Unglück abwendeten. [Aber wenn ein Königreich zugrunde gehen soll, so sind die Menschen so unachtsam und unbedachtsam, dass wenn sie gleich durch das Wort Gottes zum Öfteren erinnert werden, dennoch ihr künftiges Unglück nicht zu Herzen nehmen, noch an eine Buße denken. So findet man zur selben Zeit wenige treue Kirchendiener, die mit gebührlichem Eifer zur Buße vermahnen].

13. Und der Herr sprach: Darum dass sie mein Gesetz verlassen, das ich ihnen vorgegeben habe und gehorchen meiner Rede nicht, leben auch nicht danach,

Verlassen: Und ihr Leben nicht nach demselben anrichten wollen, welches ich je und allewege von ihnen begehrt und ihnen vorlängst geboten habe, dass sie all ihr Tun danach anstellen sollten.

14. sondern folgen ihres Herzens Gedünken und Baalim, wie sie ihre Väter gelehrt haben,

Gedünken: Dass sie neue Gottesdienste anrichten, wie es ihnen gefällt und wohl zuschlägt, ich aber nichts davon befohlen habe.

Baalim: Das ist die baalitische Abgötterei und Gottesdienste.

Gelehrt: In welcher Bosheit und gottlosen Wesen sie von ihren Vätern unterrichtet wurden. [Hier hat man zu merken, dass die Gottesdienste, so von Menschen guter Meinung erdacht wurden, vor Gott so abscheulich und gräulich sind, dass er um derselben willen die Königreiche verwüsten lässt, die Völker ins Elend verstößt und sie darin vertilgt: Und dass nicht alles bald Gott gefalle, was wir von unseren Eltern oder Voreltern gelernt haben. Denn man muss nicht darauf achthaben, was unsere Voreltern getan, sondern was Gott zu tun befohlen habe].

15. Darum spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, also: Siehe, ich will dies Volk mit Wermut speisen und mit Galle tränken {Jer 25v15}.

Tränken: Das ist, ich will trübselige Zeiten über sie kommen lassen.

16. Ich will sie unter die Heiden zerstreuen, welche weder sie noch ihre Väter kennen und will das Schwert hinter sie schicken, bis dass es aus mit ihnen sei {5Mos 28v64}.

Zerstreuen: Und ins Elend vertreiben, dass sie unter unbekannten und grausamen Völkern ein jämmerliches Leben führen sollen.

Schicken: Dass sie nirgends sicher sein sollen, sondern auch zum Teil im Elend jämmerlich umkommen und erwürgt werden.

17. So spricht der Herr Zebaoth: Schafft und bestellt Klageweiber, dass sie kommen und schickt nach denen, die es wohl können {2Chr 35v25 Am 5v16},

Klageweiber: Die man zu Begräbnis und Leichenbegängnis zu dingen pflegt, dass sie klagen und das Leid größer machen. Denn es bringt der Prophet allerlei verblümte Reden und Gleichnisse vor, damit er des Volkes Unglück, so ihnen am allernächsten auf dem Halse war, den Leuten wohl einbilden möchte, ob sie noch zur Buße könnten bewegt werden.

Können: Die mit ihren kläglichen Gebärden einen zum Mitleiden bewegen können, dass er schier mit ihnen weinen muss.

18. und eilend uns klagen, dass unsere Augen mit Tränen rinnen und unsere Augenlider mit Wasser fließen,

Klagen: Dass sie unser großes Elend beweinen.

Rinnen: Dass wir über unseren Jammer ein großes Wehklagen führen und denselben nicht mit falschen Tränen, wie die Weiber tun, so bei den Leichen zur Klage gedingt werden, da sie das Wasser mit Gewalt herausdrücken, sondern wahrhaftig und herzlich beweinen, weil es mit der Sache ein Ernst ist. [Es will aber hiermit Gott die falschen Tränen und selbstangemachte Wehklage, so bei den Verstorbenen an etlichen Orten vorzeiten geschehen und noch geschieht, nicht recht geheißen haben, sondern der Prophet nimmt daher Anlass und Gelegenheit, sein Volk aufzumuntern, damit es das herzu nahende Unglück nicht in Wind schlage, sondern bei Zeit Buße tue].

19. Dass man ein klägliches Geschrei höre zu Zion, nämlich also: Ach, wie sind wir so ganz verstört und zuschanden geworden! Wir müssen das Land räumen, denn sie haben unsere Wohnungen geschleift.

Zu Zion: In der Stadt Jerusalem, von den Bürgern und Einwohnern dort, die ihr Elend und Jammer beklagen.

Zuschanden geworden: Weil man uns alles genommen, darauf wir uns verlassen und dessen wir bisher eine Ehre hatten, wir hofften den Sieg wider unsere Feinde, siehe, so werden wir in eine elende Dienstbarkeit hinweg geführt, weil man unsere Häuser niedergerissen und unsere Städte zerstört hat, darüber wir in die Hände der Feinde geraten sind. [Es heißt aber der Prophet, die Leute ihr künftiges Unglück zu beweinen. Denn es ist wider alle Vernunft da, man wollte frohlocken, wenn gefährliche Zeiten vorhanden sind].

20. So hört nun, ihr Weiber, des Herrn Wort und nehmt zu Ohren seines Mundes Rede; lehrt eure Töchter weinen und eine lehre die andere klagen, nämlich also:

Ohren: Merkt mit Fleiß auf die Gebote Gottes und nehmt sie wohl in Acht.

Lehre die andere: Übt euch untereinander mit Weinen und Klagen über dem zukünftigen Unglück.

21. Der Tod ist zu unseren Fenstern hereingefallen und in unsere Paläste gekommen, die Kinder zu würgen auf der Gasse und die Jünglinge auf der Straße.

Gefallen: Das ist, der Tod dringt mit Gewalt zu uns herein, und da wir gleich Tür und Tor vor ihm zu machen wollten, so stiege er doch zum wenigsten durch das Fenster zu uns herein, also dass wir ihm nicht entgehen können. [Denn wenn Gott ein Volk strafen will, so hilft nichts vor den Tod, das denselben abwenden möchte].

Straßen: Da sie der Feinde Gewalt aufhalten und zurücktreiben sollten.

22. So spricht der Herr: Sage: Der Menschen Leichname sollen liegen wie der Mist auf dem Felde und wie Garben hinter dem Schnitter, die niemand sammelt.

Felde: Dass also ihr nicht allein jämmerlich erwürgt werdet, sondern auch eure Leiber nicht ins Grab kommen können und unter dem freien Himmel verfaulen müssen. [Es ist aber ein Stück vom Fluch, wenn man kein Grab nach seinem Tode erlangen kann. Doch da dergleichen auch einem frommen Menschen widerfährt, so gereicht ihm solche Schmach zu desto größer himmlischer Ehre und Herrlichkeit. Wie hingegen, welche prächtig begraben werden und aber in Unbußfertigkeit gestorben sind, die werden vor solchem ehrlichen Grab im anderen Leben mit ewiger Schmach und Schande überschüttet werden].

Sammelt: Dieweil sie der Schnitter auf dem Felde vergessen und aus Unfleiß liegen lassen.

23. So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums,

So: Folgt jetzt eine Predigt, welche meines Erachtens zur anderen besonderen Zeit geschehen, weil sie allerdings eines anderen Inhalts ist als die vorige. Und lehrt der Prophet, worin sich ein frommer Mensch rühmen soll.

Reichtums: Damit er von Gott begabt wurde. [Denn obwohl die Weisheit, Stärke und Reichtümer herrliche Gaben Gottes sind, davor wir ihn richtig danken sollen. Jedoch, weil es vergängliche Gaben sind und zur wahren ewigen Seligkeit uns nicht helfen können, so soll man sich derselben nicht rühmen noch sich darauf verlassen, oder damit prangen].

24. sondern wer sich rühmen will, der rühme sich des, dass er mich wisse und kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr {2Kor 10v17}.

Kenne: Dessen hat sich ein frommer Mensch mit gutem Fug zu rühmen, dass er mich aus Glauben erkenne als seinen Gott und gnädigen barmherzigen Vater, um des Mittlers Christi willen, der ich mich aus Gnaden erbarme aller derer, die mir vertrauen. Und dass er mich auch für einen gerechten Gott halte, der ich wider die gottlosen Feinde und Verfolger der Kirche mein gerechtes Gericht und Urteil ergehen lasse, sie zu strafen. Auf solche Meinung wird dieser Spruch von dem Apostel Paulus eingeführt {1Kor 1}.

Gefällt mir: Wenn nämlich die Frommen meine Gnade und väterliche Güte gegen sich rühmen, damit ich sie aufnehme und beschütze. [Sollen wir deswegen uns der Gnaden Gottes gegen uns rühmen, wider der Katholiken Lehre, die uns heißen zweifeln, ob wir in Gnaden sind und ob uns Gott in seiner Gnade bis zum Ende unseres Lebens erhalten werde. Denn die Katholiken lehren diesem Spruch zuwider, dass Gott an dem Ruhm von seiner gewissen und unanzweifelbaren Gnade gegen uns kein Gefallen trage].

25. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich heimsuchen werde alle, die Beschnittenen mit den Unbeschnittenen,

Siehe: Diese folgende Predigt ist abermals eines anderen Inhalts als die vorige, so allererst kürzlich erklärt wurden, und schilt der Prophet die Juden, so beschnitten waren und doch ein gottloses Leben führten.

Alle: nach Luther]. Alle über einen Haufen, Juden und Heiden, einer ist so fromm als der andere. Die Juden sind wohl so böse als die Heiden, nach dem Herzen, ob sie gleich leiblich beschnitten sind.

26. nämlich Ägypten, Juda, Edom, die Kinder Ammon, Moab und alle, die in den Orten der Wüste wohnen. Denn alle Heiden haben unbeschnittene Vorhaut, aber das ganze Haus Israel hat unbeschnittenes Herz.

Wohnen: Die müssen alle über einen Haufen gestraft werden, Juden und Heiden, weil einer nicht um ein Haar besser ist, als der andere. Denn die Juden sind wohl so böse als die Heiden, nach dem Herzen, ob sie gleich leiblich beschnitten sind. Und sticht der Prophet besonders auf die Juden, welche mit der äußerlichen Beschneidung prangten und doch daneben den Alten Adam nicht töten, sondern nach ihren fleischlichen Gedanken und Gelüsten lebten. Darum rechnet er sie den Heiden gleich, die zum Volk Gottes nicht gehörten. [Wir sollen zusehen, dass wir geistlich beschnitten sind, das ist, dass wir die Begierden des Fleischs töten und unterdrücken, sonst werden wir dem Zorn Gottes nicht entgehen können {Röm 8}].

Herz: Das ist, die Israeliten sind ebenso kein nütze als die Heiden. Denn ob sie gleich am Fleisch beschnitten sind, so sind sie doch am Herzen unbeschnitten, weil sie ihren fleischlichen Gedanken und Gelüsten nachhängen. Darum verdienen sie ebensolche Strafen wie die Heiden. [Also kann man von denen, die heutigentags zwar getauft sind, aber ein gottloses Leben führen, recht sagen, dass sie unbeschnittene Herzen haben und verdammte Leute sind. Denn welche nicht wahrhaftig an Christus glauben, die werden verdammt, ob sie gleich getauft sind {Mk 16}].


Das 10. Kapitel


1. Die Juden werden ermahnt, dass sie, nachdem sie die heidnische Abgötterei und den Aberglauben der Wahrsagung aus der Sternkunst erkannt, sich auf Gottes Allmacht und Vorsehung verlassen sollen. v. 1. 2. Danach beweint der Prophet seines Volkes elenden Zustand und die jämmerliche Verwüstung des jüdischen Landes, bittet auch Gott um Linderung solches großen Übels. v. 23.

1. Hört, was der Herr zu euch vom Hause Israel redet {3Mos 18v3}.

Hört: Weil das jüdische Volk ins Gefängnis gen Babel sollen weggeführt werde und da mancherlei abergläubische Stücke und Künste der Heiden sehen würden, so hat der Prophet sie ermahnen wollen, dass sie sich auf solche gottlosen Künste nicht begeben sollten. Und verwahrt zugleich der Auserwählten Herzen wider die Abgötterei, welche sie zu Babel in der Gefangenschaft sehen würden. [Was aber den Israeliten gesagt ist, das geht uns Christen auch an. Denn die Christen sind die rechten Israeliten {Gal 6}].

2. So spricht der Herr: Ihr sollt nicht der Heiden Weise lernen und sollt euch nicht fürchten vor den Zeichen des Himmels, wie die Heiden sich fürchten:

Lernen: Dass ihr es ihnen in ihrem gottlosen Wesen nachtun wolltet, welche nicht allein auf die ungewöhnlichen Wunderzeichen in der Luft und auf der Sternen Lauf achthaben, dass sie von zukünftigen Sachen daraus urteilen können, sondern fürchten sich auch vor des Gestirns Wirkungen so sehr, dass sie meinen, es müsse also ergehen, wie sie es sich einbilden. Welcher heidnische Aberglaube dem Volk Gottes übel ansteht. Denn es fehlen ihnen ihre Rechnungen oft ganz, weil die sie aus den Anweisungen des Gestirns, welche sie für unfehlbare Regeln und Satzungen halten, nehmen. [Doch wird hiermit die Sternenkunst nicht verworfen, welche der Sternen und des Himmels Lauf zeigt. Denn Gott will, dass wir seine wunderbare Weisheit und Majestät in denselben seinen herrlichen Kreaturen anschauen und betrachten sollen. So wird auch die Kunst der zuvor Verkündigungen aus der Sterne Lauf nicht allerdings verworfen, sofern sie schlecht für sich allein bleibt und betrachtet wird und mit der Schwarzen Kunst nichts Gemeines hat und wenn man es bei den Mutmaßungen bewenden lässt. Welche aber es für eine gewisse Kunst oder auch göttliche Weissagung halten und sich dafür entweder fürchten oder ihre Hoffnung darauf setzen, die sind doppelte Narren. Und findet man auch unter den Christen solche Leute, die in diesem Stücke nicht viel besser sind, als die Heiden].

3. Denn der Heiden Götter sind lauter nichts. Sie hauen im Lande einen Baum und der Werkmeister macht sie mit dem Beil.

Lauter nichts: Darum sind die ganz toll und töricht, welche die Abgötter ehren und aus ihrem Gottesdienst sich alle glückliche Wohlfahrt verheißen, wie hinwiederum, wenn sie denselben falschen Gottesdienst versäumen, sich selber einbilden, als würde ihnen nichts rechtes vonstattengehen.

Baum: Dass sie einen Abgott daraus machen, da es doch nur ein Holz ist, dass kein Leben, Sinn, Verstand oder Vernunft hat. Und ob es wohl durch zutun eines kunstreichen Werkmeisters endlich eine äußerliche Gestalt eines Menschen bekommt, so ist und bleibt es doch ein Holz, dass man mit dem Beil und anderen Werkzeugen der Zimmerleute zugerichtet hat. Weil aber der Meister immer besser ist als das Werk, welches er gemacht. So wird freilich auch der Zimmermann besser sein, als ein solcher hölzerner Gott und wenn man einen anbeten sollte, so wäre richtig, den Meister anzubeten, vielmehr als sein hölzernes Werk, das er gemacht hat.

4. und schmückt sie mit Silber und Gold und heftet sie mit Nägeln und Hämmern, dass sie nicht umfallen.

Heftet: Nämlich an der Wand oder am Boden. Denn der hölzerne Gott ist so ohnmächtig und kraftlos, dass er leicht zu Boden fällt, wenn er nicht mit Nägeln angeheftet würde.

5. Es sind ja nichts denn Säulen überzogen. Sie können nicht reden, so muss man sie auch tragen, denn sie können nicht gehen. Darum sollt ihr euch nicht vor ihnen fürchten, denn sie können weder helfen noch Schaden tun {Ps 115v5 v6 v7 Hab 2v18 Sach 10v2}.

Nicht reden: Denn obwohl von etlichen Götzen ausgegeben wird, dass sie geredet haben, so ist es doch gewiss, dass es lauter Betrug gewesen, der entweder von Menschen oder vom Teufel verrichtet wurde.

Tragen: Wenn man haben will, dass sie von einem Ort zum anderen kommen.

Noch Schaden: [Darum, wer die Abgötterei abschafft und die abgöttischen Bilder ordentlicherweise aus dem Wege räumt, der darf sich nichts Böses darüber besorgen, sondern soll vielmehr wissen, dass er Gott ein angenehmes und ihm wohlgefälliges Werk verrichte].

6. Aber dir, Herr, ist niemand gleich; du bist groß und dein Name ist groß und kannst es mit der Tat beweisen {Apg 15v4}.

Aber: Jetzt hält der Prophet den wahren Gott gegen den Götzen, die kein Leben haben und gegen die nichtigen Götter der Heiden.

Niemand gleich: In der ganzen Welt und kann kein Gott, der von Heiden gerühmt wird, dir im wenigsten nicht gleichen.

Groß: Ja unendlich, doch nicht an leiblicher Größe, sondern an Macht, Majestät, Weisheit, Gerechtigkeit, Gütigkeit und göttlichem Wesen.

Beweisen: Du bist richtig der allerberühmteste und das von wegen deiner Allmacht und Stärke, die du in Erhaltung deiner Kirche und deiner Feinde Ausrottung mit der Tat erzeigst.

7. Wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden? Dir soll man ja gehorchen; denn es ist unter allen Weisen der Heiden und in allen Königreichen deinesgleichen nicht.

Heiden: Denn du herrschst nicht nur über die Israeliten, sondern bist ein Herr über alle Völker und über die ganze Welt. Und obwohl die Heiden dich noch nicht recht erkennen, so sind sie doch unter deiner Gewalt oder Gebiet.

Gleichen nicht: Es kann niemand weder an Weisheit noch Gewalt mit dir verglichen werden in der ganzen Welt. [Darum sollen wir diesen wahren Gott allein fürchten als den allermächtigsten und gerechtesten. Und sollen ihm allein trauen als dem Allerbesten und Weisesten, ihm auch in allem allein gehorchen als unserem Schöpfer und Erlöser Jesu Christo, dem wir allen Gehorsam zu leisten schuldig sind].

8. Sie sind allzumal Narren und Toren; denn ein Holz muss ja ein nichtiger Gottesdienst sein.

Sie: Nämlich die abgöttischen Leute haben keinen Verstand und sind nicht wohl bei Sinnen, ob sie sich gleich bedenken lassen, sie seien ganz klug, auch von anderen ihres gleichen dafür angesehen werden.

9. Silbernes Blech bringt man auf dem Meer her, Gold aus Uphas, durch den Meister und Goldschmied zugerichtet; gelbe Seide und Purpur zieht man ihm an und ist alles der Weisen Werke.

Blech: Damit man die abgöttischen Bilder überzieht und ziert.

Uphas: Meines Erachtens ist dies eben dieselbe Insel, so sonst in der Schrift Ophir genannt wird, darin man viel Gold findet. [Denn die Abgöttischen lassen sich keine Kosten bedauern in Beförderung der Abgötterei, aber sonst sind sie in guten und nötigen Sachen ganz karg und filzig].

Meister: Der ein sterblicher Mensch ist und silbernes und goldene Blech, dem ausgehauenem Bilde ganz artig und künstlich ankleben kann.

Ihm an: Dass es ein hübsches Ansehen überkomme, durch welche Schöne des gemeinen unverständigen Pöbels Augen geblendet werden.

Weisen Werke: Nämlich weiser Leute, die dergleichen machen, und also herausputzen. Was ist es denn für eine große Torheit, dass man solche Dinge als einen Gott ehre, die einer entweder selbst gemacht oder doch weiß, dass sie von anderen sterblichen Menschen gemacht wurden? [Ob nun wohl die papistischen Skribenten unverschämt leugnen dürfen, dass man im Papsttum die Bilder anbete und sagen, es wisse jedermann wohl, dass die Bilder Holz oder Stein sein, darum werde solche Ehre und Gottesdienst den Bildern nicht erwiesen, sondern Gott und den Heiligen, so können sie doch mit solchen lahmen Entschuldigungen der Abgötterei sich nicht entledigen. Denn es wussten die Juden und Heiden auch, dass die Götzen aus Holz und Steinen gemacht waren, und wollten keineswegs dafür angesehen sein, dass sie solchen Gottesdienst dem Holz oder Stein erzeigten, sondern einem Gott im Himmel: Dennoch, weil sie vor den Bildern niederfielen und dieselben ehrten, wird recht von ihnen gesagt, dass sie Steine und Holz, der Menschen Hände Werke anbeten. Weil demnach die Katholiken auch vor den Bildern niederfallen und für dieselben beten, sie auch mit Gaben verehren, so wird ihnen recht zugemessen, dass sie Steine und Holz anbeten. Und sind solche Verehrer der Bilder gleich so unverständig als ein Holz und Stein und nicht um ein Haar in diesem Stücke besser als die abgöttischen Juden und Heiden].

10. Aber der Herr ist ein rechter Gott, ein lebendiger Gott, ein ewiger König. Vor seinem Zorn bebt die Erde und die Heiden können sein Dräuen nicht ertragen {Nah 1v5}.

Aber: Der Prophet hält abermals den wahren Gott gegen die Abgötter, auf dass er anzeige, was für eine große Bosheit es sei, die Abgötter ehren. Und waren solche Warnungen bei dem jüdischen Volk besonders nötig, welche bald danach zu Babel mancherlei Abgötterei sehen würden. [Denn der Menschen Herzen werden bald irre und wendig gemacht, wenn sie unter den Gottlosen im Elend leben, besonders, da sie noch dazu mit großer Tyrannei sehr bedrückt und beschwert werden].

Rechter Gott: Von dem alles Gute kommt, darum man ihn allein ehren soll.

König: [Ein allmächtiger Herr und Herrscher über der ganzen Welt, der allein seine Majestät beweisen kann, und alle, die auf ihn hoffen, erhalten will und solches nicht nur etliche wenige oder auch viele Jahre lang, sondern immer und ewig. Aber der Heiden Götter leben nicht, wie wollten sie denn einen anderen beim Leben erhalten können oder anderen Leuten das ewige Leben geben? Aber unser Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, ein einiger wahrer Gott in drei Personen, der kann aus allen Nöten helfen und vom Tode erretten, darum soll man ihn allein fürchten und ehren].

Bebt: Das ist: Wenn er zürnt, so macht er ein Erdbeben, dass die Leute erschrecken und vor Furcht schier verzagen.

Ertragen: Das ist: Wenn er mit einem großen Unwetter und Sturmwind das Verderben droht, so zittern auch die allergrausamsten Heiden und wilden Völker, dass sie nicht wissen, wo sie hinaus sollen. [Darum, sooft ein großes Unwetter entsteht, sollen wir wissen, dass Gott den Unbußfertigen ihr Verderben und Verdammnis drohe. So geschehen auch die Erdbeben oft alsdann, wenn ein Regiment durch Aufruhr oder äußerlichen Krieg heftig angefochten wird. Deswegen sollen wir Gott fürchten, auf dass wir solchem Übel entgehen mögen und wenn wir ihn beleidigt haben, so sollen wir uns durch den wahren Glauben an Christus mit ihm wiederum versöhnen].

11. So sprecht nun zu ihnen also: Die Götter, so den Himmel und Erde nicht gemacht haben, müssen vertilgt werden von der Erde und unter dem Himmel {Jer 51v15 v16}.

Sprecht: Nämlich ihr Israeliten sollt den Chaldäern oder Babyloniern, wenn sie werden bei euch anhalten, dass ihr mit ihnen ihre Abgötter verehren sollt, nicht gehorchen, sondern vielmehr ein freies und gottseliges Bekenntnis tun wider ihre falsche Religion mit dergleichen Worten: Wir Israeliten erkennen eure nichtigen Götzen für keine Götter, weil sie weder Himmel noch Erde erschaffen haben. Darum bitten wir unseren wahren Gott, dass solche Abgötter und nichtige Götzen unter dem Himmel überall vertilgt werden und ihre Namen allerdings in Vergessenheit kommen. [Wenn deswegen die Widersacher von uns die Bekenntnisse unseres Glaubens begehren, sollen wir unsere Religion keineswegs verhehlen. Denn wer mich bekennen wird vor den Menschen, spricht Christus, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater {Mt 10}].

12. Er aber hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Weltkreis bereitet durch seine Weisheit und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand {1Mos 1v6 v9 Jer 51v17 Ps 136v6}.

Er aber: Der Prophet fährt noch weiter fort, die Majestät des wahren Gottes zu beweisen, zur Verachtung der heidnischen Götter.

Kraft: Dass er seine Allmacht durch die Erschaffung der Welt erklärt hat. [Denn die Erschaffung der Welt hält uns die Allmacht und Weisheit Gottes vor Augen: Weil das Werke den Meister lobt {Röm 1}].

13. Wenn er donnert, so ist des Wassers die Menge unter dem Himmel und zieht die Nebel auf vom Ende der Erde; er macht die Blitze im Regen und lässt den Wind kommen aus heimlichen Orten {Ps 115v5 v6 v7 Hab 2v18 Sach 10v2}.

Donnert: Denn es erzeigt Gott seine Majestät täglich, sowohl in anderen Dingen als im Wetter, davor auch die unvernünftigen Tiere zittern.

Im Regen: Also dass er den Blitzen mit dem Regen vermischt und zwei widerwärtige Elemente, als Wasser und Feuer durcheinander fahren und gleichsam miteinander streiten, aber dennoch eins das anderer nicht hindert. [Soll man es deswegen gar nicht dafür halten, dass der Teufel oder die Zauberer solche Waffen der göttlichen Majestät, als Donner und Blitzen, in ihre Gewalt habe: Sondern es sollen die Unwetter uns der göttlichen Majestät erinnern, dass wir Gott den Herrn fürchten und demütig ehren].

14. Alle Menschen sind Narren mit ihrer Kunst und alle Goldschmiede stehen mit Schanden mit ihren Bildern; denn ihre Götzen sind Trügerei und haben kein Leben.

Menschen: Nämlich alle Abgöttischen, wenn sie ihre höchste Weisheit zu Rat nehmen, bestehen endlich als unsinnige närrische Leute, denen auch die anderen gleich sind, so die Abgötter machen, mit welchen sie zu gleich zuschanden werden.

Kein Leben: Darum können sie auch keine Götter sein. [Dennoch werden unter den Christen etliche gefunden, die solche hölzernen und steinernen Götzen ehren].

15. Es ist eitel nichts und ein verführerisches Werke sie müssen umkommen, wenn sie heimgesucht werden.

Eitel nichts: Mit aller solcher Übung der abgöttischen Religion.

Verführerisch Werke: Welches die Menschen von dem Weg der Seligkeit und von dem wahren Gott abführt.

Heimgesucht: Das ist: Wenn Gott ihre Abgötterei strafen wird, so werden sie zugrunde gehen und von ihrer falschen Religion keine Hilfe zu erwarten haben. [Sollen wir deswegen die reine Religion mit allem Fleiß und gottseligem Eifer behalten, auf dass wir nicht mit der falschen Religion zuschanden werden und zugrunde gehen].

16. Aber also ist der nicht, der Jakobs Schatz ist; sondern er ist es, der alles geschaffen hat und Israel ist sein Erbteil. Er heißt Herr Zebaoth.

Der nicht: Nämlich der wahre Gott ist den Götzen nicht gleich.

Er ist es: Der Herr unser Gott, dessen Vorsorge wir uns ergeben.

Erbteil: Welches er besitzt. [Denn obwohl Gott ein Herr ist über alle Völker, so sorgt er doch besonders für seine Kirche, die er liebt und schützt.

Zebaoth: Das ist: Der Heerscharen. Als dem alle Kreaturen dienen und gleichsam unter ihm zu Felde liegen.

17. Tue dein Gewerbe weg aus dem Lande, die du wohnst in der festen (Stadt)!

Tue: Nämlich du jüdisches Volk. Denn der Herr droht abermals durch den Propheten den unbußfertigen Israeliten. Und halte ich es dafür, dass diese Predigt nicht zu einer Zeit mit der vorigen geschehen sei.

Stadt: Nämlich zu Jerusalem. Denn es wird aus sein mit deiner Kaufmannschaft.

18. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich will die Einwohner des Landes auf diesmal verschleudern und will sie Ängsten, dass sie es fühlen sollen.

Verschleudern: Ich will sie durch den herzunahenden chaldäischen Krieg in ferne Länder zerstreuen und ihrer nicht schonen. [Denn wenn in der Kaufmannschaft mancherlei Übervorteilung und Betrug vorkommt, ist solches nicht der geringsten Ursachen eine, um derer willen feste Städte erobert und zerstört werden. Dieweil Gott aller Ungerechtigkeit und Übervorteilung im Handel und Wandel feind ist und solche nicht ungerächt lässt {1Thes 4}].

19. Ach, meines Jammers und Herzeleids! Ich denke aber: Es ist meine Plage, ich muss sie leiden.

Jammers: Den ich richtig beweinen soll und muss. Und redet der Prophet dieses Wort in der Person des ganzen israelitischen Volkes.

Plage: Damit mich der Herr geschlagen hat. Und weil er mir solches Kreuz auflegt, will ich es geduldig tragen. [Denn wenn man dem Unglück nicht mehr entgehen kann, so soll man es mit christlicher Geduld ihm selber desto leichter machen, weil durch Ungeduld das Kreuz nur größer und schwerer wird].

20. Meine Hütte ist zerstört und alle meine Seile sind zerrissen. Meine Kinder sind weg und nicht mehr vorhanden. Niemand richtet meine Hütte wieder auf und mein Zelt schlägt niemand wieder auf.

Seile: Damit man die Hütte ausspannt: Das ist, die Häuser und Wohnungen im Königreich Juda sind hin und wieder niedergerissen und zerstört.

Weg: Die Bürger und Einwohner des Landes sind zum Teil erschlagen, zum Teil gefangen weggeführt worden.

Wieder auf: Ich habe keinen Herrn oder König mehr, noch sonst einen vortrefflichen Helden, der das zerfallene Regiment begehrte wieder anzurichten. Mit diesem Gleichnis und traurigen Klage malt der Prophet den herzunahenden Untergang des Regiments ab, ob er dadurch das Volk zur Buße bewegen könnte.

21. Denn die Hirten sind zu Narren geworden und fragen nachdem Herrn nicht; darum können sie auch nichts Rechtes lehren, sondern alle Herden sind zerstreut.

Denn: Jetzt zeigt der Prophet die rechte und vornehmste Ursache solches Jammers an.

Hirten: Ihre Lehrer, welche das Volk in der rechten Religion unterrichten und mit dem Worte Gottes regieren sollten, die haben den rechten Gottesdienst selber nicht gewusst und das Volk von der wahren Erkenntnis Gottes zur Abgötterei und falschen Gottesdiensten abgeführt.

Nichts rechts: Sie haben ihr Amt nicht recht verrichten können.

Herde: Das ist: Ihre Zuhörer sind getrennt und auf mancherlei Wahn geraten, dass so viele Religionen im Volk gewesen, als Leute sich befunden. [Es ist aber die falsche Religion eine Ursache, um welcher willen große Änderungen sich begeben und ganze Königreich zugrunde gehen].

22. Siehe, es kommt ein Geschrei daher und ein groß Beben aus dem Lande von Mitternacht, dass die Städte Judas verwüstet und zur Drachenwohnung werden sollen.

Geschrei: Man hört ganz böse und traurige Nachrichten.

Beben: Das ist: Es entsteht unter dem jüdischen Volk ein großer Schrecken über der Zukunft des Königs zu Babel, der die Städte des Königreichs Juda zerstören wird und machen, dass die herrlichsten Paläste und stattlichsten Häuser niedergerissen und den wilden abscheulichen Tieren zur Behausung gedeihen werden. [Denn wenn die Einwohner die Städte und Häuser mit Sünden und Lastern verunreinigen, so lässt Gott dieselben verwüsten und übergibt die Einwohner den Feinden, dass sie die entweder umbringen oder in eine elende Dienstbarkeit hinwegführen].

23. Ich weiß, Herr, dass des Menschen Tun steht nicht in seiner Gewalt und steht in niemands Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte.

Ich: Jetzt bittet der Prophet, dass Gott das herzunahende Unglück doch lindern wolle, wenn es je nicht allerdings könne abgewandt werden.

Steht nicht: Das ist: Wir Menschen sind leider durch die Erbsünde so ganz verdorben, dass wir in geistlichen Sachen, so zur wahren Gottseligkeit gehören, aus unseren Kräften nichts Gutes tun können, noch vermögen auf dem Wege der Gebote Gottes zu wandeln. Und ob wir wohl zum Teil wiedergeboren sind, so tun wir doch so viel Gutes, als viel du in uns wirkst. [Denn Gott ist es, der in uns wirkt, beide, das Wollen und das Tun, nach seinem Wohlgefallen {Phil 2}. Darum sooft du Herr deine gnädige Hand im Geringsten von uns abziehst, so fallen wir alsbald in Sünden und verdienen Strafen und ziehen uns vielfältiges Unglück über den Hals.

24. Züchtige mich, Herr, doch mit Maße und nicht in deinem Grimm, auf dass du mich nicht aufreibst {Ps 6v2 38v2}!

Züchtige: Denn ich bekenne, dass ich ein Sünder bin und Strafe verdient habe. Aber lass es eine väterliche Züchtigung sein und strafe mich nicht in deinem Zorn noch aus feindlichem Gemüt, auf dass ich unter der Strafe nicht aller Dinges vergehe.

25. Schütte aber deinen Zorn über die Heiden, so dich nicht kennen und über die Geschlechter, so deinen Namen nicht anrufen. Denn sie haben Jakob aufgefressen und verschlungen; sie haben ihn aufgeräumt und seine Wohnung verwüstet.

Heiden: Welche gottlos sind und deinen gerechten und gerechten Zorn ganz wohl verdient haben {Ps 79v6}.

Nicht Kennen: Als den wahren und ewigen Gott, sondern ehren ihre nichtigen Götzen.

Nicht anrufen: Zerstöre die Völker, die dich nicht ehren, sondern nur schmähen und lästern.

Verschlungen: Dass sie also meines Erachtens zwar feindlich genug mit deinem Volk umgegangen. Und wird dies vom Propheten geredet, als wenn es bereits geschehen und also ergangen wäre, weil er die Verwüstung des Königreichs Juda und der Stadt Jerusalem im Geist zuvor gesehen. [Hier hat man zweierlei zu merken: Erstlich sollen wir bitten, dass Gott die wohl verdienten Strafen mäßigen und mildern wolle. Zum anderen, dass Gott, wenn er seine Kinder gezüchtigt, endlich seinen Zorn über die Feinde der Kirche ausschütten wolle. Und ist dies Gebet des Propheten nicht vergeblich abgegangen].


Das 11. Kapitel


1. Gott erinnert sein Volk des Bundes, den er mit ihren Vätern gemacht. v. 1. 2. Und klagt über der Juden Ungehorsam, darauf er ihnen auch ihre Strafen verkündigt. v. 6. 3. Der Prophet beklagt sich, in was Gefahr er bei seinen Landsleuten, denen zu Anathoth geraten. v. 18.

1. Dies ist das Wort, das zu Jeremia geschah vom Herrn und sprach:

Geschah: Diese Worte hat Gott der Herr zu dem Propheten Jeremia geredet.

2. Hört die Worte dieses Bundes, dass ihr sie denen in Juda und den Bürgern zu Jerusalem sagt.

Hört: Nämlich du Jeremia und deine andere Jünger, merkt auf, wie ich meinen Bund, den ich vorzeiten mit den Israeliten gemacht, kürzlich wiederholen will.

3. Und sprich zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Verflucht sei, wer nicht gehorcht den Worten dieses Bundes {5Mos 27v26 Gal 3v10},

Gott Israel: Der sich dem israelitischen Volk insbesondere geoffenbart hat.

4. Den ich euren Vätern Gebote des Tages, da ich sie aus Ägyptenland führte, aus dem eisernen Ofen und sprach: Gehorcht meiner Stimme und tut, wie ich euch geboten habe, so sollt ihr mein Volk sein und ich will euer Gott sein {5Mos 4v20},

Eisernen Ofen: Das ist aus der elenden Dienstbarkeit, damit sie jämmerlich geplagt wurden und sie niemand als ich daraus erretten könnte. Nachdem ich aber eure Väter und Vorfahren aus solcher ägyptischen Tyrannei errettet, hab ich ihnen mein Gesetz gegeben und ihnen zeitliche und ewige Wohlfahrt verheißen, wenn sie dasselbe halten würden: Da sie es aber übertreten, so hab ich ihnen zeitliche und ewige Strafen gedroht. Der Meinung bin ich noch auf den heutigen Tag, darum will ich es euch Israeliten hiermit vorhin angezeigt und gesagt haben, dass in dieser und jener Welt kein Glück haben werden und verflucht sein müssen, alle die mein Gesetz übertreten. So tut nun entweder ernstliche Buße oder seid der schrecklichen zeitlichen und ewigen Strafe gewärtig, danach wisst euch zu richten. [Denn man soll immer anhalten mit Lehren, Ermahnen und Schelten, ob wir nur eine einzige Seele aus der Hölle Rachen herausreißen könnten].

Geboten: Dass ihr meinem Wort Gehorsam leistet, an den Messias {5Mos 18} glaubt und aus solchem Glauben ein gottseliges Leben führt, wie euch in meinem Gesetz ist vorgeschrieben worden.

Gott sein: Wenn ihr mir gehorchen werdet, so will ich euch für mein liebes Volk erkennen, will väterlich für euch sorgen, euch schützen und allerlei zeitliche und himmlische Güter mitteilen, wie ihr dieselben von einem gnädigen Gott gern gewärtig hofft.

5. auf dass ich den Eid halten möge, den ich euren Vätern geschworen habe, ihnen zu geben ein Land, darin Milch und Honig fließt, wie es denn heutigentags steht. Ich antwortete und sprach: Herr, ja, es sei also {1Mos 15v7 26v3 28v4}!

Steht: Denn ich begehre euch eben dieselben Guttaten zu erzeigen, welche ich vorzeiten euren Vätern verheißen habe, dass ihr nämlich ein fruchtbares und lustiges Land besitzen sollt (welches eine Figur und Vorbild ist, der ewigen Glückseligkeit so zu seiner Zeit erfolgen wird). In Maßen ihr jetzt und dasselbe gute Land innen habt. Ich wollte aber auch, dass ihr also lebtet, damit ihr es lange mit Freuden genießen könntet. [Denn Gott hat vielmehr Lust an unserem Nutzen und Frommen, als an unser in Schaden oder Verderben].

Sei also: Ich wünsche es von Herzen, dass dies Volk dir als ihrem Gott folge und tue, was du ihm gebietest und du als denn auch diesem Volk wohltust. [Denn es kann einem Kirchendiener keine größere Freude widerfahren, als wenn er sieht, dass seine Zuhörer sich bekehren].

6. Und der Herr sprach zu mir: Predige alle diese Worte in den Städten Judas und auf den Gassen zu Jerusalem und sprich: Hört die Worte dieses Bundes und tut danach!

Bundes: Hört und haltet das Gesetz Gottes, darüber er einen Bund mit euch gemacht hat.

7. Denn ich habe eure Väter bezeugt von dem Tage an, da ich sie aus Ägyptenland führte, bis auf den heutigen Tag und zeugte früh und sprach: Gehorcht meiner Stimme {2Chr 36v15}!

Bezeugt: Dass ich ihnen mein Gesetz, samt desselben Verheißungen und Drohungen mit großem Ernst vorgehalten.

Frühe: Bei guter Zeit und mit Fleiß hab ich sie ermahnt, dass sie meine Gebote halten sollten und habe immer durch die Propheten bei ihnen anhalten lassen, wie sie müssten ein gottseliges Leben führen. [Denn man muss das Wort Gottes predigen, es bessern sich gleich die Leute daraus oder nicht].

8. Aber sie gehorchten nicht, neigten auch ihre Ohren nicht, sondern ein jeglicher ging nach seines bösen Herzens Gedünken. Darum will ich auch über sie gehen lassen alle Worte dieses Bundes, den ich geboten habe zu tun und sie doch nicht danach getan haben.

Sie: Eure Väter wollten meine Gebote nicht halten.

Gedünken: Sie folgten der Religion nach, die ihnen wohl gefiel, und lebten nach ihren bösen Gelüsten. [Es sind aber die Gottesdienste, so von Menschen erdacht und auf die Bahn gebracht wurden, vor Gott ein Gräuel und geschehen vergebens {Mt 15 Kol 2}].

Darum: Weil eure Voreltern meinen Geboten nicht Gehorsam leisten wollten.

Gehen lassen: Dass ich ihnen die Strafen zuschicken will, die ich den Übertretern meines Gesetzes gedroht habe.

9. Und der Herr sprach zu mir: Ich weiß wohl, wie sie in Juda und Jerusalem sich rotten.

Rotten: Ich sehe, dass die Einwohner des Königreichs Juda gleichsam zusammen geschworen haben, dass sie ihrer Väter Bosheit und Halsstarrigkeit nachfolgen wollen.

10. Sie kehren sich eben zu den Sünden ihrer vorigen Väter, welche auch nicht gehorchen wollten meinen Worten und folgten auch anderen Göttern nach und dienten ihnen. Also hat das Haus Israel und das Haus Juda (immer) meinen Bund gebrochen, den ich mit ihren Vätern gemacht habe.

Väter: Sie hängen sich an ihrer Voreltern Abgötterei und tun ihnen in ihren Sünden nach, da sie doch derselben Beispiele und wie dieselben gestraft wurden, sich hätten sollen eine Warnung sein lassen. [Denn Gott lässt darum an etlichen ein Beispiel seines göttlichen Zorns sehen, dass andere sich daran stoßen sollen {Lk 13}].

Gebrochen: Dass sie mir nicht angemessenen Gehorsam geleistet, wie sie zu tun schuldig gewesen. Denn ich hab ihnen ein sehr gutes und fruchtbares Land gegeben, aber sie haben bisher für solche große Guttat mir mit Undankbarkeit vergolten, wie ihre Väter auch getan. [Ist deswegen zur Gottseligkeit nicht genug, dass man seiner Voreltern Religion rühme, sondern man soll zuvor aus dem Worte Gottes recht davon urteilen, ob auch der Voreltern Religion recht gewesen oder nicht?)

11. Darum siehe, spricht der Herr, ich will ein Unglück über sie gehen lassen, dem sie nicht sollen entgehen mögen; und wenn sie zu mir schreien, will ich sie nicht hören {Ps 18v42 Spr 1v28 Jer 14v12 Hes 8v18 Mi 3v4}.

Über sie: Die ihrer Voreltern Sünden sich teilhaftig machen, will ich auch mit gleichen und größeren Strafen heimsuchen. [Denn wenn Gott lange zugesehen und Geduld hatte und aber keine Besserung folgen will, so entbrennt sein Zorn danach nur desto heftiger].

Nicht hören: Weil sie aus keinem bußfertigen Herzen zu mir schreien werden, sondern nur vor großen Schmerzen und Ängsten, die sie überfallen. [Denn die Gottlosen rufen bisweilen Gott um Hilfe an, erlangen aber nichts, weil es ihnen nicht leid ist, dass sie wider Gott gesündigt haben, sondern nur darüber sich beklagen, dass sie in Unglück stecken und demselben nicht entgehen können].

12. So lass denn die Städte Judas und die Bürger zu Jerusalem hingehen und zu den Göttern schreien, denen sie geräuchert haben; aber sie werden sich nicht helfen in ihrer Not {5Mos 32v37 Jer 2v28}.

Schreien: In ihren Nöten, dass sie daraus mögen errettet werden.

Nicht helfen: Denn man hat bei der falschen Religion keiner Hilfe sich zu getrösten. Also nützt auch die Anrufung der Heiligen niemand. Denn Gott allein, wenn er aus wahrem Glauben angerufen wird, erhört und hilft allen denen, die ihm vertrauen].

13. Denn manche Stadt, so manche Götter hast du, Juda; und so manche Gassen zu Jerusalem sind, so manchen Schandaltar habt ihr aufgerichtet, dem Baal zu räuchern.

Manche Götter: Haben also die Juden viele Götter, aber wenig Nothelfer.

Schanden Altar: Die vor Gott ein Gräuel sind, dir aber nur Schande und Schaden verursachen. [Also findet man im Papsttum hin und wieder viele Kapellen, in denen unterschiedliche Heiligen geehrt werden und wird einem jeden sein Amt und Wirkung zugemessen, damit er den Leuten vermeintlich hilft und ihnen wohltun soll].

14. So bitte du nun nicht für dies Volk und du kein Flehen noch Gebet für sie; denn ich will sie nicht hören, wenn sie zu mir schreien in ihrer Not {Jer 7v16 14v11}.

Volk: Welches so halsstarrig und gottlos ist. Denn sie werden doch nicht mit Ernst um Verzeihung ihrer Sünden bitten, sondern nur äußerliche Rettung aus ihren Nöten suchen. [Es sind aber der Frommen Fürbitten für die Gottlosen nicht kräftig, so lange sie nicht Buße tun].

15. Was haben meine Freunde in meinem Hause zu schaffen? Sie treiben alle Schalkheit und meinen, das heilige Fleisch soll es von ihnen nehmen; und wenn sie übel tun, sind sie guter Dinge darüber.

Freunde: Meine zarten lieben Söhnlein, die bösen Buben und Heuchler, was machen sie nun in meinem Tempel, da ich ihnen doch von wegen ihrer Bosheit feind bin? Denn der Prophet redet hier, als wie eine Mutter im Zorn ihr Söhnlein Junker heißt. Also heißt er die Juden hier seine Freunde, das waren die frommen Kinder, die alle Büberei und Abgötterei trieben, und sollte doch wohl getan heißen.

Nach Luther:]. Gleichwie die Mutter im Zorn ihr Söhnlein Junker heißt, so heißt er sie auch seine Freunde die frommen Kindlein, die alle Büberei und Abgötterei treiben und soll doch wohl getan sein.

Nehmen: Wenn sie alle Bosheit gestiftet haben, so bilden sie sich selbst dennoch alle Wohlfahrt ein und lassen sich von lauter Glück träumen, von wegen ihres äußerlichen Gottesdienstes.

Guter Dinge: Als ob sie die Sache wohl ausgerichtet hätten. [Denn die Heuchler überreden sich selbst, dass sie mit den äußerlichen Zeremonien Gott versöhnen können, wenn sie gleich ihr Leben nicht bessern. Also tun ihm die Mönche und Messpfaffen im Papsttum, wenn sie ihr Standen-Gebet murmeln und Messe halten, so meinen sie, sie haben einen gnädigen Gott, da sie doch daneben ein viehisches Leben führen].

16. Der Herr nannte dich einen grünen, schönen, fruchtbaren Ölbaum; aber nun hat er mit einem großen Mordgeschrei ein Feuer um den selbigen angezündet, dass seine Äste verderben müssen.

Fruchtbaren: Da du gute Früchte des Glaubens brachtest, da stand es wohl, beide, in der Kirche und im weltlichen Regiment. [Denn Gott tut einem Lande Gutes um der Kirche willen, wenn in derselben das Predigtamt rein ist und die Zuhörer dem Predigtamt in der wahren Gottseligkeit gehorchen].

Feuer: Nämlich den König zu Babel, der mit einem großen Kriegsvolk gekommen, und das Königreich Juda, welches vorzeiten ganz herrlich und wohl gestanden, zerstören wird.

17. Denn der Herr Zebaoth, der dich gepflanzt hat, hat dir ein Unglück gedroht, um der Bosheit willen des Hauses Israel und des Hauses Juda, welche sie treiben, dass sie mich erzürnen mit ihrem Räuchern, das sie dem Baal tun.

Gepflanzt hat: Und deiner aufs freundlichste gepflegt und gewartet.

Sie treiben: Denn es sind beide Königreiche mit der Abgötterei und vielen groben Lastern ganz überhäuft gewesen. [Und wenn Gott lange auf die Buße gewartet hat, wird er der Bosheit und Halsstarrigkeit endlich überdrüssig und schickt anstatt der vorigen Guttaten schreckliche Strafen].

18. Der Herr hat mir es offenbart, dass ich es weiß, und zeigte mir ihr Vorhaben,

Der: Jetzt erzählt der Prophet, in was große Gefahr er darüber geraten, dass er des jüdischen Volkes Bosheit in seinen Predigten als Unrecht angezogen und gescholten.

Vorhaben: Wie sie nämlich mir nach den Leben trachten. [Denn wenn einer die Wahrheit sagt, so ladet er Feindschaft auf sich: Daher kommen die Kirchendiener oft in Gefahr. Aber Gott schützt sie wunderlich, bis sie den Lauf ihres Berufes vollenden].

19. nämlich dass sie mich wie ein armes Schaf zur Schlachtbank führen wollen. Denn ich wusste nicht, dass sie wider mich beratschlagt hatten und gesagt: Lasst uns den Baum mit seinen Früchten verderben und ihn aus dem Lande der Lebendigen ausrotten, dass seines Namens niemals gedacht werde!

Wusste nicht: Wo mir es Gott nicht geoffenbart hätte.

Beratschlagt: Mich zu erwürgen, damit ich ihnen mit meinen Predigten nicht mehr überlästig wäre. [Denn die Heuchler haben ein blutgieriges Gemüt und findet sich die Tyrannei allewege bei der falschen Religion, welche sich zu seiner Zeit hervortut und sehen lässt. Denn der Teufel ist nicht allein ein Lügengeist, sondern auch ein Mörder {Joh 8}].

20. Aber du, Herr Zebaoth, du gerechter Richter, der du Nieren und Herzen prüfst, lass mich deine Rache über sie sehen; denn ich habe dir meine Sache befohlen {1Sam 16v7 Ps 7v10 Jer 17v10 20v12 Apg 2v23}.

Herr Zebaoth: Der du ein Herr bist über alle Kreaturen.

Gerechter Richter: Der du keine Unbilligkeit und Grausamkeit ungestraft lässt.

Prüfst: Denn es sind dir nicht allein der Menschen Taten, sondern auch ihre Begierden und Gedanken bekannt, darum dir auch meiner Feinde Anschläge nicht verborgen sind, da sie meinem Leben mit Hinterlist nachstellen.

Sehen: Wie du nämlich Strafe an ihnen übst und nach ihrem Verdienst mit ihnen handelst. [Denn obwohl nach dem allgemeinen Gesetz wir für unsere Verfolger bitten sollen {Mt 5}]. So begehrt und bittet doch der Heilige Geist in den Auserwählten bisweilen um göttliche Rache. Nicht zwar, dass sie so gern ihre Lust büßen, sondern, dass sie wünschen, dass der göttlichen Gerechtigkeit Beispiel und Zeugnis in den Strafen der Gottlosen öffentlich vorhanden sind, damit andere von dergleichen Bosheit abgeschreckt werden].

21. Darum spricht der Herr also wider die Männer zu Anathoth, die dir nach deinem Leben stehen und sprechen: Weissage uns nicht im Namen des Herrn, willst du anders nicht von unseren Händen sterben!

Darum: Mit diesen Worten bezeugt der Prophet Jeremia, dass sein Gebet sei erhört worden, welches er wider seine Feinde getan.

Anathoth: Deine Landsleute, die dir so ganz ungewogen sind.

Uns nicht: Predige uns nicht mehr davon, dass Gott dem Herrn unsere Religion und Wandel missfalle, wir wollen dich sonst erwürgen.

22. Darum spricht der Herr Zebaoth also: Siehe, ich will sie heimsuchen; ihre junge Mannschaft sollen mit dem Schwert getötet werden und ihre Söhne und Töchter Hungers sterben, dass nichts von ihnen überbleibe;

Darum: Weil sie Gottes Wort nicht mehr hören wollen.

Zebaoth: Das ist der Heerscharen, weil alle Kreaturen gleichsam unter ihm zu Felde liegen und streiten.

Sterben: Das ist, was die besten Kriegsleute unter ihnen sind, die sollen von den Feinden erschlagen werden, das andere allgemeines und wehrlose Personal soll Hungers sterben.

Überbleibe] Sondern sie sollen allerdings zugrunde gehen und vertilgt werden.

23. Denn ich will über die Männer zu Anathoth Unglück gehen lassen des Jahres, wenn sie heimgesucht werden sollen.

Gehen lassen: Das ist, ich will schwere Strafen über sie schicken, damit ich ihre Bosheit, die sie eine lange Zeit getrieben, rächen will zu der Zeit, welche ich zu meiner Rache bestimmt habe. [Denn Gott lässt die Unbilligkeit und Schmach, welche seinen Dienern zugefügt wird, nicht ungestraft hingehen].


Das 12. Kapitel


1. Der Prophet hält ein Gespräch mit Gott über der Gottlosen Glück und des Volkes Gottes Unglück, dem es aus gerechtem Urteil Gottes unterworfen sei. v. 1. 2. Danach folgt von des jüdischen Volkes und der benachbarten Heiden Wegführung ins Elend, Wiederbringung und Bekehrung zu dem Bekenntnis des Evangeliums. v. 14.

1. Herr, wenn ich gleich mit dir rechten wollte, so behältst du doch recht; dennoch muss ich vom Recht mit dir reden. Warum geht es doch den Gottlosen so wohl und die Verächter haben alles die Fülle {Hi 21v2 Ps 73v3 Hab 1v13}?

Herr: Weil der Prophet seine Gefahr betrachtete, darinnen er steckt, wie zu Ende des vorigen Kapitels gemeldet und daneben sah, dass seine Widersacher noch immer in glücklichem Zustand lebten, so verwundert er sich zum höchsten darüber, warum doch Gott, als ein gerechter Richter, die Gottlosen lasse so glückselig sein und dagegen den Frommen lasse übel gehen.

Doch recht: Als wollte er sprechen, ich weiß wohl, wenn ich mich mit dir wollte ins Recht legen, so würde ich das Recht verlieren und den Kürzeren ziehen müssen: Aber doch muss ich etwas sagen, welches mich nicht unrecht oder Unrecht gedünkt, das man es fragen möchte.

Wohl: Es geht ihnen alles wohl vonstatten und nach ihres Herzen Wunsch hinaus, was sie zu tun vorhaben, da du doch in deinem Gesetz den Gottlosen alles Unglück gedroht hast, den Frommen aber Belohnungen verheißen. Jetzt aber geschieht das Widerspiel, denn die Frommen werden geplagt und die Gottlosen haben gut Leben.

2. Du pflanzt sie, dass sie wurzeln und wachsen und bringen Frucht; du lässt sie viel von dir rühmen und züchtigst sie nicht.

Frucht: Das ist, du duldest sie nicht allein, sondern wie es das Ansehen hat, so pflanzt du und erhältst sie, wie einer Bäume in einem Garten aufzieht, dass sie tief einwurzeln, wachsen und Frucht bringen, welche zwar nicht gut sind, tun aber doch alles, was sie gelüstet.

Rühmen: Sie können von dir und deinem Gesetz viele Worte machen und wollen für ganz andächtig gehalten sein, unterdes aber achten sie sich deiner wenig, wenn sie ihren bösen Gelüsten nachhängen, dennoch strafst du sie nicht.

3. Mich aber, Herr, kennst du und siehst mich und prüfst mein Herz vor dir. Aber du lässt sie frei gehen wie Schafe, dass sie geschlachtet werden und sparst sie, dass sie gewürgt werden.

Kennst du: Du weißt, dass ich dich mit reinem Herzen ehre und dir diene, dennoch werde ich mit vielem Jammer und Unfall geplagt. [Denn es ärgern sich bisweilen auch die Frommen, wenn sie der Gottlosen Glück und ihr Elend bei sich selbst erwägen].

Geschlachtet: Du lässt es zwar eine Zeit lang geschehen, dass die Gottlosen frei und ungehindert tun, was sie wollen, aber solche Freiheit schlägt ihnen endlich übel aus. Denn gleichwie die Schafe, so zur Fleischbank aufbehalten werden, genug zu essen haben, auf dass sie feist werden, bald später aber schlachtet man sie. Also haben die Gottlosen eine Zeit lang Glück in dieser Welt, sind reich und schweben in großen Ehren. Aber unterdes wird ihnen ihr Untergang und Verderben zubereitet. [Darum sollen wir den Gottlosen ihr zeitliches Glück nicht missgönnen, weil sie es endlich mit zeitlicher und ewiger Strafe bezahlen müssen].

Sparst: nach Luther]. Heiligst oder bereitest sie.

4. Wie lange soll doch das Land so jämmerlich stehen und das Gras auf dem Felde überall verdorren um der Einwohner Bosheit willen, dass beide, Vieh und Vögel, nie da sind? Denn sie sprechen: Ja, er weiß viel, wie es uns gehen wird {Jer 4v25 7v20 9v10}!

Wie: Jetzt wendet sich der Prophet wiederum zu der Weissagung von der Zerstörung und Verwüstung des Königreichs Juda.

Stehen: Was wird es doch für ein elender Zustand sein mit dem jüdischen Land, wenn es durch die Chaldäer wird verwüstet werden? Denn das Feld wird unerbaut liegen und unfruchtbar sein und wird man kein Vieh mehr sehen darauf weiden, noch den Gesang der Vögel hören, sondern dasselbe Königreich, so vorzeiten ganz herrlich und ansehnlich gewesen, wird zur selben Zeit eine hässliche Wüste sein und solches wird geschehen um der Einwohner Bosheit willen.

Er weiß viel: Nämlich der Prophet Jeremia weiß nichts darum, was es endlich zukünftig für einen Ausgang mit uns nehmen wird, denn wer wollte es ihm geoffenbart haben? Der halbgescheite Narr bildet sich selber, weiß nicht was für einen Untergang unseres Königreichs ein, das doch niemals geschehen wird. [Wie auch heutigentags man wohl Leute finden soll, die dergleichen Wort dürfen fahren lassen: Wer wollte es den Pfaffen sagen, wie es uns gehen werde? Aber auf die Verachtung des göttlichen Wortes folgt eine gewisse Zerstörung der Länder und Königreiche].

5. Wenn dich die müde machen, die zu Fuße gehen, wie will dir es gehen, wenn du mit den Reitern laufen sollst? Und so du im Lande, da es Friede ist, Sicherheit suchst, was will mit dir werden bei dem hoffärtigen Jordan {Jer 49v19 50v44}?

Müde: nach Luther]. Lieber Jeremia, fürchtest du dich zu Anathoth, was will zu Jerusalem werden, da die hoffärtigen Tyrannen wider dich sein werden? Fürchte dich nicht so.

Füße gehen: Als wollte er sprechen: Hörst du es, Königreich Juda, ob du wohl jetzt aus großer Sicherheit die herzunahenden Strafen verachtest, so wirst du es doch bald später erfahren und innewerden, dass es alles viel schrecklicher zugehen wird, als man es jetzt mit Worten aussprechen kann. Alsdann wird deine Sicherheit und große Verwegenheit bald verschwinden. Denn weil du der benachbarten Feinde Anlauf mit großer Mühe hast können aufhalten, welche den Chaldäern im wenigsten sich nicht gleichen mögen, wie wirst du denn der Chaldäer mächtigen Reiterei widerstehen können?

Jordan: Das ist, wie willst du die große Last deines Unfalls, der wie die über sich steigende Wellen des Wassers im Jordan dich überfallen wird, ausstehen und überwinden können, da du doch nun viele Jahre her auch zu Friedenszeiten ein schwaches Königreich gewesen? [Denn wenn das Fleisch außer der Gefahr ist, so überhebt sich es, wenn aber ein Unfall hereinschlägt, so will es verzagen. Aber ein frommer Mensch soll für beiderlei sich hüten].

6. Denn es verachten dich auch deine Brüder und deines Vaters Haus und schreien Zeter über dich. Darum vertraue du ihnen nicht, wenn sie gleich freundlich mit dir reden {Jer 9v4}

Brüder: Nämlich die Edomiter, welche sich zu den Chaldäern schlagen und zu deinem Verderben treulich helfen werden. Denn sie werden die Chaldäer ermahnen und antreiben, dass sie aufs gräulichste mit dir umgehen sollen und werden deiner dazu mit großem Übermut giftig spotten, wenn du ins Elend wirst gefangen hinweggeführt werden, da wirst du alsdann ganz kleinlaut sein und jämmerlich aussehen. Dass solches alles also ergangen und erfüllt wurde, bezeugt der 137. Psalm.

Ihnen nicht: Denn du wirst sie in der Tat als Feinde befinden. [Solche falschen Brüder sind heutigentags in der Kirche die, welche sich stellen, als wären sie rein in der Lehre und einig mit uns, aber daneben reden sie den frommen und reinen Lehrern übel nach].

7. Darum habe ich mein Haus verlassen müssen und mein Erbe meiden und meine liebe Seele in der Feinde Hand geben.

Haus: Nämlich den Tempel zu Jerusalem, dass ich ihn nicht mehr schützen, noch mich seiner achten will.

Erbe: Das jüdische Volk, welches ich bis daher wie mein Erbteil besessen, versorgt und beschirmt habe.

Liebe Seele: Das ist mein liebes Volk, welches mir sehr angenehm gewesen.

Geben: Also dass die Chaldäer mit ihnen gräulich umgehen werden.

8. Mein Erbe ist mir geworden wie ein Löwe im Walde und brüllt wider mich; darum bin ich ihm gram geworden.

Mein: Folgt die Ursache solchen Jammers.

Löwe: Das ist mein Volk, welches wie ein Schaf sein soll, das seines Hirten Stimme hörte, ist mir verwandelt in einen grausamen Löwen und brüllt wider mich. Denn es verfolgt meine Propheten und tötet sie und stößt gräuliche Lästerungen und Drohworte wider mich aus. Darum hab ich mein Gemüt allerdings von ihnen gewandt. [Denn welche die frommen Bekenner des Evangeliums verfolgen, die sind wider Gott selbst grausam und schmähen ihn {Apg 9}].

9. Mein Erbe ist wie der sprenklige Vogel, um welchen sich die Vögel sammeln. Wohlauf und sammelt euch, alle Feldtiere; kommt und fresst!

Vogel: Nämlich wie eine Eule oder Kauz, auf den alle Vögel stechen. Denn ich will verschaffen, dass viele Völker zugleich die Juden verfolgen sollen, gleichwie die Eule von anderen Vögeln verfolgt wird.

Fresst: Ihr Heiden verfügt euch herzu, dass ihr mein unbußfertiges Volk verderbt. [Denn wenn Gott selbst die Völker wider seine ungehorsamen Kinder aufmahnt, so ist keine menschliche Stärke zum Widerstand genügend].

10. Es haben Hirten und deren viel, meinen Weinberg verdorben und meinen Acker zertreten; sie haben meinen schönen Acker zur Wüste gemacht, sie haben es öde gemacht.

Hirten: Das ist, die Feinde, welche um die Stadt Jerusalem her ihr Lager schlagen werden, gleichwie die Hirten ihre Hirtenhäuslein hin und wieder aufrichten (wie denn der Prophet solche Gleichnisse zuvor auch gebraucht), die werden das Land Kanaan jämmerlich verwüsten, welches ich vorzeiten geliebt, geschützt und erhalten habe. [Denn wen Gott gleich gerne schonen wollte und nicht genug straft, so muss er doch nach seiner Gerechtigkeit Rache üben, wenn der Menschen Bosheit ihn zu gerechtem Zorn reizt].

11. Ich sehe bereits, wie es so jämmerlich verwüstet ist, ja, das ganze Land ist Wüste. Aber es will niemand zu Herzen nehmen.

Herzen nehmen: Ob ich gleich (spricht der Herr) durch meine Propheten treulich und väterlich ermahnen lasse, dass sie sollen Buße tun, damit sie dem herzunahenden Unglück entrinnen möchten. So wollen sie sich doch meiner Ermahnungen nicht achten, sondern schlagen sie sich selbst mit großer Sicherheit aus dem Sinn. [Wenn man aber die Warnungen, so uns aus dem Worte Gottes vorgehalten werden, nicht annehmen will, so ist die göttliche Rache nicht weit].

12. Denn die Verstörer fahren daher über alle Hügel der Wüste und das fressende Schwert des Herrn von einem Ende des Landes bis zum anderen; und kein Fleisch wird Frieden haben.

Fahren: Das ist, die Feinde von Babel werden über das Gebirge des Landes Juda überall einfallen.

Des Herrn: Welches vom Herrn ausgeschickt wurde.

Zum anderen: Also dass die Einwohner im Königreich Juda hin und wieder werden erwürgt werden.

Kein Fleisch: Es wird in solcher allgemeinen Zerstörung niemand sicher bleiben können. [Es zieht aber Gott alsdann sein Schwert aus, wenn er die Feinde aufbringt, seines Volkes Sünden durch sie zu strafen].

13. Sie säen Weizen, aber Disteln werden sie ernten; sie lassen es sich sauer werden; aber sie werden es nicht genießen; sie werden ihres Einkommens nicht froh werden vor dem grimmigen Zorn des Herrn {3Mos 26v16 5Mos 28v38}.

Ernten: Denn gleichwie die Ackerleute, wenn sie Weizen säen, aber danach Disteln und Unkraut ernten, in ihrer Hoffnung sich allerdings betrogen finden: Und wenn sie gleich viele liegende Erbgüter haben, so bekommen sie doch keinen Nutzen davon, weil die Früchte nicht wohl geraten sind: Also werden die Juden immer auf fröhlichere und bessere Zeit hoffen, als auf eine gute Ernte, aber sie werden vergebens darauf warten, weil ihnen alles Widerwärtige begegnen wird.

Nicht froh: Es wird ihnen nicht so hinausgehen, wie sie es beratschlagt und vorgenommenen haben und werden ihre jährliche Einkommen ihnen nichts nutzen. Denn die Feinde werden es verzehren und sie in ein trauriges Elend hinweggeführt werden. [Hier mögen diejenigen achthaben, welche sich große Einkommen und stattliche Güter, es sei gleich mit Recht oder mit Unrecht, zuwege bringen. Denn solche Reichtümer nutzen nicht allein nichts, sondern gereichen auch denen, so sie besitzen, oftmals zu ihrem Verderben, dass sie nach vieler ausgestandener Pein und Marter ihr Leben zugleich mit den Gütern, die sie mit Unrecht erworben, verlieren].

14. So spricht der Herr wider alle meine bösen Nachbarn, so das Erbteil antasten, dass ich meinem Volk Israel ausgeteilt habe: Siehe, ich will sie aus ihrem Lande ausreißen und das Haus Juda aus ihrem Mittel reißen.

So: Folgt jetzt ein Trost für die, welche in dem Gefängnis würden Buße tun.

Nachbarn: Als da waren die Ammoniter, Moabiter, Philister, Edomiter und andere, welche sich der Israeliten Unglücks freuten.

Ausreißen: Dass sie selbst in ein jämmerliches Elend sollen vertrieben werden. [Denn wenn Gott seine Kinder gezüchtigt hat, so schüttet er später seinen Grimm aus über die Feinde der Kirche. Und wenn sich einer des anderen Unglücks freut, so ist ihm sein eigenes am allernächsten vor der Tür].

15. Und wenn ich sie nun ausgerissen habe, will ich mich wiederum über sie erbarmen und will einen jeglichen zu seinem Erbteil und in sein Land wiederbringen.

Erbarmen: Nach etlichen Jahren, wenn sie sich zu mir bekehren. Denn ich will sie nicht allerdings verstoßen, es sind gleich Juden oder Heiden.

Wiederbringen: [Weil demnach nicht alle Israeliten aus dem Elend wieder ins Land Kanaan gekommen sind, wie auch nicht die benachbarten Völker ihren Sitz wieder erlangten. So ist es gewiss, dass der Prophet hier deute auf die Predigt des Evangeliums, dadurch nicht allein die Juden, sondern auch die Heiden zu der Apostel Zeit zum himmlischen Vaterland berufen werden].

16. Und soll geschehen, wo sie von meinem Volk lernen werden, dass sie schwären bei meinem Namen: So wahr der Herr lebt, wie sie (zuvor) mein Volk gelehrt haben schwören bei Baal, so sollen sie unter meinem Volk erbaut werden.

Lernen werden: Wie sie mich, den rechten Gott, erkennen und ein gottseliges ehrbares Leben führen sollen.

Schwören: In Maßen die frommen Israeliten bei dem wahren Gott ihren Eid zu tun und die Wahrheit zu bestätigen pflegen.

Baal: Dass sie die Israeliten haben unterrichtet, wie sie falsch bei den Abgöttern schwören sollen.

Erbaut werden: Das ist, sie soll unter das Volk Gottes gezählt und gerechnet werden, als Mitglieder der Kirche und sollen der zeitlichen und himmlischen Güter teilhaftig werden. [Hier hat man das besonders wohl in Acht zu nehmen, wie ein rechtmäßiger Eidschwur ein Stück des Gottesdienstes sei, wider der Wiedertäufer Schwärmereien, welche alle Eidschwüre durchaus verdammen. Und versteht der Prophet durch solche einigen Stücke hier den ganzen Gottesdienst, denn er so viel sagen will, wenn die Heiden Christus als den wahren ewigen Gott erkennen und ehren werden, so werden sie sein und bleiben Bürger und Erben des Himmelreichs].

17. Wo sie aber nicht hören wollen, so will ich solches Volk ausreißen und umbringen, spricht der Herr.

Nicht hören: Und das Evangelium Christi nicht annehmen, sondern in ihrer Abgötterei fortfahren werden.

Ausreißen: [Es sind aber viel abgöttische Heiden ausgerissen und vertilgt worden und sind ihre Herrschaften zugrunde gegangen, da unterdes das Reich Christi geblieben: Und werden gänzlich ausgerissen werden, wenn sie am Jüngsten Tage in die Hölle werden hinunter müssen. Darum wenn die Kirche Christi in dieser Welt Verfolgung leidet, so soll sie der Erlösung von allem Übel in Hoffnung erwarten].


Das 13. Kapitel


1. Durch das Zeichen des neuen Gürtels, der später verfault, wird der Israeliten Aufnehmung zum Volk Gottes und derselben Verstoßung abgemalt. v. 1. 2. Danach ermahnt der Prophet zur Buße mit einem starken Verweis von wegen der Hofleute Übermut, des Vertrauen auf menschliche Hilfe und ihrer verstockten Herzen. v. 15. 3. Endlich erzählt er der abgöttischen Leute Strafen und Schanden. v. 18.

1. So spricht der Herr zu mir: Gehe hin und kaufe dir einen leinenen Gürtel und gürte damit deine Lenden und mache ihn nicht nass.

So: Gott hält es seinem Volk durch Zeichen und Gleichnisse vor, was sie für Strafen zu erwarten haben, von wegen der großen Undankbarkeit, die sie Gott für seine herrlichen Wohltaten erwiesen.

Gürtel: Wie denn dergleichen Gürtel zu tragen bei den orientalischen Völkern damals gebräuchlich war und noch im Brauch sein soll.

Nicht nass: Siehe dich vor, dass du ihn nicht netzest, damit es nicht das Ansehen gewinne, als ob er daher desto eher verfault wäre. [Es hat aber Gott sein Volk, die Juden auf mancherlei Weise lehren und zur Buße berufen wollen, damit anzuzeigen, dass er nicht Gefallen habe an der Gottlosen Untergang, sondern begehre, dass sie Buße tun und erhalten werden].

2. Und ich kaufte einen Gürtel nachdem Befehl des Herrn und gürtete ihn um meine Lenden.

Gürtete: Und trug ihn eine Zeit lang, nach gemeinem Brauch. Was aber solches bedeutet, wird der Prophet bald später selbst erklären.

3. Da geschah des Herrn Wort zum anderen Mal zu mir und sprach:

anderen Mal: Nämlich nach etlichen Tagen redet Gott der Herr abermals mit mir, des Gürtels halben.

4. Nimm den Gürtel, den du gekauft und um deine Lenden gegürtet hast und mache dich auf und gehe hin an den Phrath und verstecke ihn dort in einen Steinritz.

Phrath: An den großen Fluss, der ganz schnell läuft und einer von den vier Grenzen des israelitischen Landes ist, in Maßen er von Gott selber bezeichnet wurde {5Mos 11}. Und besser hinab mitten durch die Stadt Babel fließt: Wird sonst Euphrat genannt.

5. Ich ging hin und versteckte ihn am Phrath, wie mir der Herr geboten hatte.

6. Nach langer Zeit aber sprach der Herr zu mir: Mache dich auf und gehe hin an den Phrath und hole den Gürtel wieder, den ich dich hieß dort verstecken.

7. Ich ging hin an den Phrath und grub auf und nahm den Gürtel von dem Ort, dahin ich ihn versteckt hatte; und siehe, der Gürtel war verdorben, dass er nichts mehr taugte.

8. Da geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Da: Folgt jetzt die Erklärung, was Gott durch solche äußerlichen Zeichen, den Juden einbilden wollte.

9. So spricht der Herr: Eben also will ich auch verderben die große Hoffart Judas und Jerusalems.

Juda: Nämlich die stolzen und widerspenstigen Einwohner des jüdischen Landes und der Stadt Jerusalem, welche alle treue und heilsame Warnungen meiner Propheten verachten.

10. Das böse Volk, das meine Worte nicht hören will, sondern gehen hin nach Gedünken ihres Herzens und folgen anderen Göttern, dass sie den selbigen dienen und anbeten, sie sollen werden wie der Gürtel, der nichts mehr taugt.

Gedenken: Sie achten nichts, so wohl im Gottesdienst, als im Wandel, was ich geboten oder verboten habe, sondern tun, was ihnen gefällt und was sie gelüstet.

Anderen Göttern: Den Abgöttern, welchen sie falsche und gerechte Gottesdienste erzeigen.

Dienen: Welche Sünde ein geistlicher Ehebruch ist, den ich nicht leiden kann, darum will ich sie aufs Ernstlichste strafen.

Wie der Gürtel: Denn sie sollen verfaulen, das ist zu Babel, durch welche Stadt das Wasser Phrath oder Euphrates läuft, verderben und sterben.

11. Denn gleichwie ein Mann den Gürtel um seine Lenden bindet, also habe ich, spricht der Herr, das ganze Haus Israel, und das ganze Haus Juda um mich gegürtet, dass sie mein Volk sein sollten, zu einem Namen, Lob und Ehren; aber sie wollen nicht hören.

Denn: Jetzt zeigt Gott der Herr mit eben demselben Zeichen die Ursache an, warum er sein Volk meistenteils in dem babylonischen Gefängnis wolle sterben und verderben lassen, nämlich weil es für die großen Wohltaten Gottes ganz undankbar gewesen.

Gegürtet: Das ist, ich habe durch das Predigtamt und die Sakramente mich freundlich zu ihnen gehalten.

Mein Volk: Ich habe dies Volk aus besonderen Gnaden erwählt und an Kindes statt angenommen, dass ich ihnen allerlei leibliche und himmlische Gaben mitteile, und habe mich diesem Volk geoffenbart, dass mein Name in und durch ihn weit und breit erkannt und bekannt würde und dass dies Volk meinen Namen rühmte, und preiste und demselben meinem heiligen Namen eine Zierde und Ehre wäre, beides von wegen der herrlichen Wunderzeichen, die ich zur Erhaltung dieses Volkes vorgehen lasse und von wegen der rechten und ordentlichen Gottesdienste, die ich diesem Volk zu verrichten befohlen habe.

Nicht hören: Sie wollen meinem Wort nicht gehorchen noch sich dankbar gegen mir verhalten, sondern beharren in ihrer Bosheit und Undankbarkeit, darum will ich sie lassen gen Babel wegführen und da in einer elenden und jämmerlichen Dienstbarkeit sterben lassen. [Dies sollen wir heutigentags wohl betrachten und zu Herzen führen, denn hat Gott nicht auch in Deutschland durch das Wort des Evangeliums aus Gnaden sich eine Kirche gesammelt, die er liebt, erhält, versorgt und schützt; Da wir deswegen der gesunden Lehre überdrüssig werden und entweder zu der papistischen Abgötterei wiederum treten, oder aber mit einer Ketzerei uns besudeln und daneben des Fleisches bösen Gelüsten folgen. So ist kein Zweifel, es werde uns Gott dem Türken oder einem anderen Tyrannen übergeben, der das liebe Deutschland, unser Vaterland, verwüste, damit wir, die wir in demselben das Wort Gottes nicht hören, noch die böse Lüste im Zaum halten wollen, später in der Türkei oder an anderen Orten unser Leben jämmerlich zubringen und in einer traurigen Dienstbarkeit endlich sterben und verderben müssen. Denn solche Beispiele des Zorns Gottes sollen uns eine Erinnerung sein, dass wir vielmehr bei fremdem Schaden als bei unserem eigenen Unglück klug werden].

12. So sage ihnen nun dies Wort: So spricht der Herr, der Gott Israels: Es sollen alle Krüge mit Wein gefüllt werden. So werden sie zu dir sagen: Wer weiß das nicht, dass man alle Krüge mit Wein füllen soll.

So: Der Prophet legt dem Volk noch ein anderes Gleichnis vor, damit er dem jüdischen Volk ihr künftiges Unglück vor die Augen malt, ob sie dadurch möchten zur Buße bewegt werden.

Gefüllt: Es wird die Zeit kommen, dass man einmal die Flaschen füllen wird, das ist, Gott wird den Juden eine Wahnsinnigkeit des Herzens zuschicken, dass sie taumeln werden und nicht recht bei sich selbst sind, als ob sie voller Wein wären.

Sagen: Weil diese Rede, dem äußerlichen Ansehen nach, nicht viel auf sich haben wird, noch anfangs scheinen, als ob etwas daran gelegen sein sollte.

Das nicht: Meinst du, du hast uns etwas Seltsames gesagt, als ob das so ein wunderliches Ding wäre, wenn man die Flaschen oder Krüge mit Wein füllt? [Denn die Vernunft verlacht und verachtet das Wort Gottes, weil sie es nicht versteht].

13. So sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Siehe, ich will alle, die in diesem Lande wohnen, die Könige, so auf dem Stuhl Davids sitzen, die Priester und Propheten und alle Einwohner zu Jerusalem füllen, dass sie trunken werden sollen.

So sprich: Denn weil sie es nicht verstehen wollen, so musst du ihnen solche Gleichnisse deutlicher erklären, dass sie es merken, was du damit meinst und wie du sie willst verstanden haben.

Trunken werden: Mit einer geistlichen Trunkenheit, dass sie in ihren Ratschlägen über dem künftigen Unglück fehlen und die Gefahr nicht abwenden können, sondern sich viel eher selber darin stürzen und verwickeln werden, gleichwie die Betrunkenen sich nichts recht besinnen können. [Denn wenn Gott ein Volk strafen will, so benimmt er ihnen alle guten Gedanken, dass sie in ihren Anschlägen jämmerlich anlaufen und fallen].

14. Und will einen mit dem anderen, die Väter samt den Kindern, verstreuen, spricht der Herr und will weder schonen noch übersehen, noch barmherzig sein über ihrem Verderben.

Mit dem anderen: Ich will sie ohne Unterschied ins Elend ausstoßen, dass man keines Alters, Standes, Kunst oder Geschicklichkeit achten oder schonen wird. [Denn wo keine Buße ist, da hat die Barmherzigkeit Gottes auch nicht statt].

15. So hört nun und merkt auf und trotzt nicht; denn der Herr hat es geredet.

Hört: Die väterlichen und treuen Warnungen Gottes.

Trotzt nicht: Erhebt euch nicht wider den Herrn und setzt euch seinem Worte nicht halsstarrig zuwider, als ob es euch immer alles miteinander, was ihr wider Gott sündigt, ungestraft hingehen würde.

Geredet: Was ihr bisher von mir gehört habt und habe ich es nicht von mir selber erdacht. Denn wo ihr nicht werdet Buße tun, so werdet ihr es mit der Tat und mit eurem Schaden erfahren, dass die göttlichen Drohungen nicht vergebens gewesen. [Denn welche der frommen Kirchendiener Warnungen, die sie aus dem Worte Gottes vorbringen, verachten, die verachten Gott selbst].

16. Gebt dem Herrn, eurem Gott, die Ehre, ehe denn es finster werde und ehe eure Füße sich an den dunklen Bergen stoßen, dass ihr des Lichts wartet, so er es doch ganz finster und dunkel machen wird.

Ehre: Und bekennt demütig, dass ihr bisher euch gröblich an ihm versündigt habt und glaubt an den Messias, euren Erlöser, wendet auch durch rechte und gute Früchte der Buße das künftige Unglück ab.

Finster werde: Das ist, ehe denn euch das Unglück überfalle.

Dunklen Bergen: nach Luther]. Das ist, ihr verlasst euch auf Ägypten und hofft des Lichts und Glücks an solchen Bergen. Aber sie werden euch im Dunkel und Unglück lassen und euer Trost wird euch fehlen.

Stoßen: Ehe denn ihr in eurer Hoffnung betrogen werdet, dadurch, dass ihr auf eine vergebliche Hilfe aus Ägypten euch verlasst, denn die Ägypter verheißen viel und halten wenig.

Wartet: Wenn ihr euch auf Ägypten vertröstet.

Dunkel machen: Denn weil ihr euer Glück auf die ägyptische Hilfe setzt, so werden euch unterdes schreckliche Finsternisse, das ist großes und tödliches Unglück überfallen. [Weil, wer sich auf Menschen verlässt, der wird zuschanden: Wer aber auf Gott seine Hoffnung setzt, der erlangt die wahre und ewige Seligkeit].

17. Wollt ihr aber solches nicht hören, so muss meine Seele doch heimlich weinen über solche Hoffart; meine Augen müssen mit Tränen fließen, dass des Herrn Herde gefangen wird.

Nicht hören: Sondern verachtet meine gutherzigen und treuen Warnungen, mit eurem selbst eigenen großen und unwiederbringlichem Schaden und Nachteil.

Heimlich weinen: Ich muss dennoch in meinem Herzen seufzen und über eurem Stolz und gottlose Halsstarrigkeit weinen, damit ihr euch Gott mutwillig widersetzt, zu eurem selbst eigenen Untergang und Verderben.

Gefangen wird: Weil solche stolze Widerspenstigkeit dem Volk Gottes die traurige Babylonische Gefangenschaft über den Hals ziehen wird. [Denn die frommen Kirchendiener seufzen über der Leute Bosheit und verursachen solches Seufzen den undankbaren Zuhörern schwere Strafen, dass sie desto eher über sie kommen {Hebr 13}].

18. Sage dem Könige und der Königin: Setzt euch herunter, denn die Krone der Herrlichkeit ist euch von eurem Haupt gefallen.

Sage: Spricht Gott der Herr zum Propheten.

Gefallen: Verkündige dem Könige Zidekia und seiner Gemahlin, der Königin, wie es zukünftig sei, dass sie von der Regierung werden verstoßen werden. [Denn wenn Gott die Bosheit der Leute strafen will, so sieht er die Person nicht an. Sollen deswegen Könige und Fürsten Gott fürchten, weil er ihr Leben, macht und Seelen in seiner Hand hat].

19. Die Städte gegen Mittag sind verschlossen und ist niemand, der sie auftue; das ganze Juda ist rein weggeführt.

Verschlossen: Das ist, ihr rühmt zwar, dass die Städte des Königreichs Juda, welche von Babel aus zu rechnen, gegen dem Mittag liegen, so fest sind, dass sie von keiner feindlichen Gewalt können geöffnet werden. Aber glaubt mir es, ihr werdet in euren festen Städten nicht sicher sein, sondern allerdings gen Babel gefangen weggeführt werden, also dass Butzen und Stiel miteinandergehen wird. [Denn vor dem zornigen Gott ist keine Festung zu stark].

20. Hebt eure Augen auf und seht, wie sie von Mitternacht daherkommen. Wo ist nun die Herde, so dir befohlen war, deine herrliche Herde?

Hebt: Es will der Prophet die Juden gleichsam auf den Augenschein führen und redet auf die Weise mit ihnen, als wenn er die Feinde bereits sehe zu der Stadt Jerusalem sich nahen.

Kommen: Nämlich eure Feinde, die Chaldäer, welche die Stadt belagern und sie endlich erobern werden und werden die Bürger einesteils erwürgen, einesteils in eine elende Dienstbarkeit hinwegführen.

Wo ist: Das ist: Alsdann wird man von dir, König Zidekia, recht sagen können, wo sind nun deine Untertanen, die du regieren und schützen solltest? Wo sind deine Landherren und Hauptleute, damit du viel Prangen triebst? Sind sie nicht entweder erschlagen oder gefangen?

21. Was willst du sagen, wenn er dich so heimsuchen wird? Denn du hast sie so gewöhnt wider dich, dass sie Fürsten und Häupter sein wollen. Was gilt es? Es wird dich Angst ankommen wie ein Weib in Kindesnöten.

Heimsuchen: Dass dich der Herr mit solcher Niederlage strafen wird, wenn deiner Hofleute verstockte Bosheit und Widerspenstigkeit, indem sie dem Könige von Babel nicht weichen wollen, sich selbst und dir das Verderben verursachen wird.

Gewöhnt: Darum darfst du, oh König Zidekia, die Schuld solches großen Unglücks niemand als dir selbst zumessen, weil du sie also gezogen hast, dass du tun musst, was sie wollen und sie vielmehr über dich herrschen, als dir gehorchen. [Obwohl nun Fürsten und Herren ihrer Räte und vornehmsten Hofdiener oder Amtleute ehrliche und nützliche Ratschläge nicht verachten sollen. So sollen sie doch auch es nicht dahin kommen lassen, dass dergleichen Diener ihre Herren werden].

Ankommen: Dass du vor großen Ängsten nicht wissen wirst, wo du hinaus sollst, und wirst dem Unglück nicht entrinnen können.

22. Und wenn du in deinem Herzen sagen willst: Warum begegnet doch mir solches? Um der Menge willen deiner Missetat sind dir deine Säume aufgedeckt und deine Schenkel (mit Gewalt) geblößt {Jer 5v19 16v10 v11}.

Sagen willst: Du, König Zidekia, mit deinen Untertanen.

Um der: Dies ist die Ursache, dass du also für jedermann wirst müssen zuschanden werden, als wenn einer Weibsperson die Kleider aufgehoben würden, dass man ihre bloßen Schenkel und was die Natur fordert, dass es gedeckt sein soll, sehen könne. [Denn obgleich die Gottlosen ihren Schein suchen, damit sie sich meinen zu beschönigen und nicht bekennen wollen, dass sie Strafe verdient haben, so schickt ihnen doch Gott ihre angemessenen und wohl verdienten Strafen zu].

23. Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Parder seine Flecken? So könnt ihr auch Gutes tun, weil ihr des Bösen gewohnt seid.

Kann auch: Als wollte der Prophet sagen: Was mache ich elender Mensch, dass ich euch zur Besserung vermahne, da doch alles an euch vergebens und verloren ist.

Flecken: Die er in seiner Haut von Natur hat.

Gewohnt: Das ist, ich vermahne euch zwar fleißig, dass ihr sollt Buße tun, aber das ist eben so viel, als wenn ich einen Mohren wollte weiß baden. Denn es ist alle Arbeit umsonst, die ich zu eurer Bekehrung anwende, weil ihr so ganz verdorben seid und aus der Bosheit ein Handwerk gemacht habt, dass euch nicht mehr zu helfen ist. [Obwohl nun Gott keine Ursache der Sünden ist, noch der Menschen Bosheit billigt. So kann doch auch ein sündiger Mensch aus seinen eigenen Kräften sich zu Gott nicht bekehren. Aber Gott bekehrt die Sünder durch das Predigtamt des göttlichen Wortes. Und da ihrer etliche verstockt bleiben, so soll man ihnen dennoch das Wort Gottes predigen, auf dass der Kirchendiener ein gutes Gewissen behalte, weil er seinem Amt treulich nachkommt. Wollen ihn denn die Leute zu ihrer Seligkeit nicht hören, so mögen sie ihn hören zum Gericht, auf dass sie an dem Tage des Herrn keine Entschuldigung haben].

24. Darum will ich sie zerstreuen wie Stoppeln, die vor dem Winde aus der Wüste verweht werden.

Darum: Folgt jetzt die Strafe über solche halsstarrige Bosheit und boshafte Halsstarrigkeit.

Wie Stoppeln: Denn gleichwie ein großer Sturmwind alles, was er antrifft, mit sich hinweg reißt und nimmt, also will ich auch die Juden unter die Heiden zerstreuen.

25. Das soll dein Lohn sein und dein Teil, den ich dir zugemessen habe, spricht der Herr. Darum dass du mein vergessen hast und verlässt dich auf Lügen,

Teil: Solches Glück wirst du haben und einen solchen Ausgang wird es nehmen mit deiner Bosheit, wie ich über dich beschlossen habe.

Lügen: Indem du einen falschen Gottesdienst annimmst und verlässt dich auf menschliche Hilfe, unterdes aber verachtest du mich und mein Wort.

26. so will auch ich deine Säume hoch aufdecken gegen dich, dass man deine Scham wohl sehen muss.

Aufdecken: Das ist, ich will dich mit deiner Abgötterei und Bosheit zuschanden machen, dass du musst der gottlosen Heiden zum Spott werden.

27. Denn ich habe gesehen deine Ehebrecherei, deine Geilheit, deine freche Hurerei, ja deine Gräuel, beide, auf Hügeln und auf Äckern. Wehe dir, Jerusalem! Wann willst du doch immer mehr gereinigt werden {Jer 5v8}?

Ehebrecherei: Nämlich den geistlichen Ehebruch, welcher ist die Abgötterei und falschen Gottesdienste.

Geilheit: Deine unsinnige tolle Weise, da du auf die Abgötterei hinfällst und derselben nachhängst wie ein unzüchtiger Mensch der Hurerei.

Gräuel: Da du überall abgöttische Kapellen und Altare aufbaust, welche ich verwerfe und nicht länger leiden kann. [Hier mögen die papistischen Mönche und Messpfaffen ihre Ohren wohl auftun und hören, was die falschen Gottesdienste für ehrbare Namen und Titel haben, derer im Papsttum unzählbar sind].

Wenn willst du: Willst du nicht schier einmal durch wahre Buße dich von deinen Sünden reinigen? Wie lange willst du in solcher deiner verstockten Bosheit verharren? [Denn die Beharrlichkeit in Sünden und Bosheit bringt das Verderben mit sich, da sonst andere Fälle, wenn die wahre Buße darauf erfolgt, von Gott gnädiglich verziehen werden].


Das 14. Kapitel


1. Da von wegen großer Dürre eine Teuerung entsteht und der Prophet für das Volk bittet, zeigt er an, warum sein Gebet zur selben Zeit nichts vermöge. v. 1. 2. Gott droht, dass er die falschen Propheten, welche alles Glück fälschlich verhießen und das Volk mit gerechten Strafen heimsuchen wolle. v. 15.

1. Dies ist das Wort, das der Herr zu Jeremia sagte von der teuren Zeit:

Dies: Gott droht den Juden eine beschwerliche teure Zeit, die im Königreich Juda entstehen werde. Und ist allen Umständen nach die selbige vor dem Einfall des Königs zu Babel und vor der Belagerung Jerusalem hergegangen. [Denn es pflegt Gott vor dem Untergang eines Königreichs gelindere Strafen lassen vorher gehen, dadurch er die Menschen zur Buße beruft. Wenn er denn damit nichts ausrichtet, so schickt er nach und nach größere Strafen, bis endlich der allgemeine Untergang eines Königreichs später folgt].

Wort: Nämlich die Weissagung von der teuren Zeit, welche dem Propheten Jeremia von Gott geoffenbart worden, dass sie über das jüdische Land kommen werde.

2. Juda liegt jämmerlich, ihre Tore stehen elend, es steht kläglich auf dem Lande und ist zu Jerusalem eine große Dürre.

Liegt jämmerlich: Es wird ein großer Jammer und elender Zustand sein im Königreich Juda. Denn es redet zwar der Prophet von der Sache, als ob sie bereits gegenwärtig da wäre, so doch noch zukünftig war, weil es eine Weissagung ist und keine Erzählung einer Geschichte, so bereits verlaufen.

Elend: Dass man nicht viele Leute darunter sieht, sondern sie halten sich daheim in großer Traurigkeit verborgen in ihren Häusern und spürt man nirgends keine Freude mehr, weil überall Mangel erscheint und große Hungersnot vorhanden ist.

3. Die Großen schicken die Kleinen nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer wieder. Sie gehen traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter,

Leer wieder: Weil von wegen großer Dürre die Brunnen und Bäche vertrocknet sind, darum sie schier vor Durst verschmachten müssen.

Betrübt: Als elende Leute, die kein Wasser finden können, dass sie den Durst damit löschten.

4. Darum dass die Erde lechzt, weil es nicht regnet auf die Erde. Die Ackerleute gehen traurig und verhüllen ihre Häupter.

Lechzt: Dass sie geborsten und aufgespalten ist, von großer Dürre und eines Regens ganz wohl benötigt wäre.

Gehen traurig: Weil es ihnen sehr Leid ist, dass sie ihre Arbeit vergebens angewandt haben, da die Erde die Mühe und die Kosten nicht wieder austrägt und einbringt, der ihnen darauf gegangen. [Denn es pflegen die Leute bei einem fruchtbaren Jahr, wenn das Feld wohl getragen, übermütig zu werden und der Wollust sich ergeben, Gott aber und sein Wort verachten, darum von wegen solcher Sünde entzieht er ihnen seinen Segen, dass sie aus Not und Mangel gedrungen, endlich in sich selber gehen und Buße tun müssen].

5. Denn auch die Hirschkuh, so auf dem Felde werfen, verlassen die Jungen, weil kein Gras wächst.

Hirschkuh: Als wollte er sprechen, es empfinden auch die wilden Tiere etlichermaßen den Zorn Gottes um der Menschen Sünde willen, weil sie von des Menschen wegen erschaffen sind.

Jungen: Die sie neulich an die Welt gebracht, dass sie ihnen keine Milch geben zu ihrer Unterhaltung.

Wächst: Daher sie ihre Nahrung haben und ihre Jungen später säugen können. Und beschreibt der Prophet solche große Dürre und teure Zeit ganz kläglich, weil deshalb auch die unvernünftigen wilden Tiere ihre noch kleinen zarten Jungen nicht erhalten können.

6. Das Wild steht auf den Hügeln und schnappt nach der Luft, wie die Drachen und verschmachtet, weil kein Kraut wächst.

Drachen: Welche die Luft an sich ziehen, wenn sie mit ganz zu großer Hitze inwendig geängstigt werden: Also, begehren auch die wilden Tiere mit einem kühlen Lüftlein sich zu erfrischen, weil sie weder Wasser noch Kraut mehr finden. [Denn es empfinden auch die Tiere ein Stück vom Fluch um der Menschen Sünde willen und seufzen auf ihre Weise mit den Auserwählten und warten auf die Erlösung von der Eitelkeit und Unordnung der Dinge, die in dieser Welt sind {Röm 8}.

7. Ach, Herr, unsere Missetaten haben es ja verdient; aber hilf doch um deines Namens willen; denn unser Ungehorsam ist groß, damit wir wider dich gesündigt haben.

Ach: Jetzt lehrt der Prophet, wie man beten soll zurzeit der Dürre und Hungersnot, dass Gott solchen Jammer mildern wolle.

Namens willen: Denn obgleich unsere Sünden uns vor dir anklagen und rechte Strafe begehren. So bitten wir dich doch oh gnädiger Gott, dass du deines allerheiligsten Namens bedenkt sein wollest, damit die Heiden nicht sagen, du hast uns nicht können helfen. Wir verlassen uns nicht auf unsere Unschuld, denn unsere Sünden sind zu viel und groß und bekennen wir demütig, dass wir schwer wider dich gesündigt haben, darum so möchtest du uns verzeihen und uns zu Hilfe kommen.

8. Du bist der Trost Israels und ihr Nothelfer; warum stellst du dich, als wärest du ein Gast im Lande und als ein Fremder, der nur über Nacht darin bleibt?

Nothelfer: Darum fliehen wir zu dir und bitten demütig um deine Hilfe. [Denn obwohl Gott über die Sünder zürnt und ihnen Strafen zuschickt, so verzeiht er doch wiederum den Bußfertigen und welche demütig um Verzeihung bitten um Christi willen und nimmt die zeitlichen Strafen entweder ganz hinweg oder lindert sie doch].

Fremder: Du erzeigst dich in solcher großen Teuerung eben, als wenn du nicht ein Herr und Gott dieses Landes und Volkes wärest, sondern irgendein Fremder, der sich anderer Leute Sachen nichts achtet und mit einer nächtlichen Herberge für gut nimmt, danach des Morges wieder davon zieht.

Nach Luther:]. Du stellst dich als ein Gast, Fremder, Verzagter. Denn du nimmst dich unser nicht an und beweist deine Macht nicht uns zu helfen.

9. Warum stellst du dich als ein Held, der verzagt ist und als ein Riese, der nicht helfen kann? Du bist doch ja unter uns, Herr und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Nicht helfen: Warum lässt du deine Macht nicht sehen in solchem unseren Jammer, sondern tust als ein berühmter starker Held, auf den sich jedermann vertröstet, er aber einstmals wieder alles Erhoffen so erschrickt und sich entsetzt, dass er den Geängstigten nicht mehr zu Hilfe kommen kann? [Denn wenn wir lange dergleichen getan, als ob wir Gottes Wort nicht gehört hätten, dadurch wir zur Buße berufen werden. So stellt sich Gott wiederum eine Zeit lang also, als ob er unsere Not und Elend nicht sehe. Und kommt bisweilen so langsam zu Hilfe, als ob er nicht helfen könnte].

Unter uns: Du wohnst unter uns, ob du wohl, dem Ansehen nach, dich von uns gewendet hast. [Denn die Kirche soll mit dem Gebet immer anhalten und aus wahrem Glauben Gott um Hilfe anrufen].

Namen: Dass wir das Volk Gottes genannt werden.

Uns nicht: Sieh dein Volk mit Gnaden an und erbarme dich unser. [Denn ob wir wohl von wegen unserer Sünde verdient hätten, dass wir aller Dinges zugrunde gingen. Jedoch wenn Gott von den Bußfertigen aus wahrem Glauben angerufen wird, so hat er seines Namens Acht und lindert die Strafen, unterdes aber weiß er der Unbußfertigen Halsstarrigkeit zu seiner Zeit wohl zu finden und zu rächen].

10. So spricht der Herr von diesem Volk: Sie laufen gerne hin und wieder und bleiben nicht gerne daheim; darum will ihrer der Herr nicht, sondern er denkt nun an ihre Missetat und will ihre Sünden heimsuchen.

So: Jetzt schilt der Prophet abermals auf die Unbußfertigen und verkündigt ihnen den großen Zorn Gottes.

Daheim: Das ist, dies Volk ist mit seinen einheimischen rechten Gottesdiensten nicht vergnügt, welche Gott nach seinem Gesetz zu Jerusalem und nirgendwo anders zu verrichten befahl. Aber sie schwärmen hin und wieder herum im ganzen Königreich und richten an vielen Orten neue Gottesdienste an, die vor Gott ein Gräuel sind.

Heimsuchen: Mit schweren Strafen, weil sie so ein ungehorsames Volk sind. [Diesen Juden sind die Katholiken allerdings gleich, welche sich an die Gebote Gottes nicht begnügen lassen, gerade als ob sie die ganz wohl gehalten hätten, und laufen hin und wieder den Heiligen nach, dass sie dieselben verehren. Welche Bosheit Gott mit der türkischen Tyrannei bisher gestraft hat und noch härter strafen wird, wo sie nicht Buße tun].

11. Und der Herr sprach zu mir: Du sollst nicht für dies Volk um Gnade bitten {Jer 7v16 11v11 v14}?

Bitten: Weil sie nicht Buße tun, so sollst du keine Fürbitte für sie bei mir tun, dass ich die Strafen abwende und es ihnen wohl gehe. [Denn für die Unbußfertigen bittet man vergebens, doch soll man Gott anrufen, dass er die Sünder zur Buße leiten wolle].

12. Denn ob sie gleich fasten, so will ich doch ihr Flehen nicht hören; und ob sie Brandopfer und Speiseopfer bringen, so gefallen sie mir doch nicht, sondern ich will sie mit dem Schwert, Hunger und Pestilenz aufreiben.

Fasten: Aus Gewohnheit und mit den äußerlichen Zeremonien mir einen Fußfall tun.

Nicht hören: Weil sie sich nur so demütig stellen, aber im Herzen nichts leisten.

Doch nicht: Weil die Heuchelei auch solche Werke, die an sich selber gut sind, verderbe und verfälscht. Also dass Gott der Heuchler Personen und Werke verwirft.

Aufreiben: Von wegen ihrer Bosheit und Sünden, darin sie noch heutigentags fortfahren. [Darum, welche vor den hier benannten drei Strafen sich entsetzen, die sollen auch vor der Sünde und halsstarriger Bosheit erschrecken].

13. Da sprach ich: Ach, Herr, siehe, die Propheten sagen ihnen: Ihr werdet kein Schwert sehen und keine Teuerung bei euch haben, sondern ich will euch guten Frieden geben an diesem Ort.

Sagen: Und verführen sie, darum schone dieses Volkes, welches aus Unwissenheit sündigt und von anderen ist verführt worden.

Kein Schwert: Es wird kein Krieg über euch kommen.

Guten Friede: Beständige Ruhe, Glückseligkeit und gutes Leben.

Ort: Zu Jerusalem, da mein allerheiligster Tempel ist und da mir angenehme Gottesdienste erzeigt werden. Denn also redeten die falschen Propheten mit Vorwendung des göttlichen Namens, gerade als ob solche falschen Vertröstungen eitel göttliche Offenbarungen wären. [Es ist aber gar ein schädliches Ding für die Zuhörer, wenn die Prediger ihnen heucheln und ihre Laster nicht mit gebührenden Ernst strafen, unterdes aber mit einer vergeblichen Hoffnung aufgehalten werden, als würde ihnen solch ihr Tun alles miteinander ungestraft hingehen].

14. Und der Herr sprach zu mir: Die Propheten weissagen falsch in meinem Namen; ich habe sie nicht gesandt und ihnen nichts befohlen und nichts mit ihnen geredet; sie predigen euch falsche Gesichte, Deutung, Abgötterei und ihres Herzens Trügerei {Jer 23v21 27v15 29v8 v9}.

Falsch: Sie lügen daran, dass ich ihnen solches zu lehren befohlen habe.

Nicht gesandt: Ich habe ihnen das Amt zu lehren nicht übergeben, noch ihnen eine einzige Weissagung geoffenbart, dass sie dem Volk in meinem Namen vortragen sollten.

Deutung: Gottlose und zäuberischen Weissagungen. Darum soll ihnen das Volk nicht zuhören noch viel weniger Glauben geben. [Und ist dies Volk damit vor Gott nicht entschuldigt gewesen. Denn wenn die Israeliten ihre baalitischen Gottesdienste und ihr gottloses Leben gegen das ihnen vorgeschriebene Gesetz Mose gehalten hätten, so hätten sie leicht merken können, wie gräulich sie wider Gott sündigen. Daher sie auch das andere leicht mutmaßen können, dass nämlich auf solche Bosheit schreckliche Strafen erfolgen würden und dass die falschen Propheten, welche von lauter Glückspredigten nichts rechtes lehrten. Also sind jetziger Zeit ihrer viele, die im Papsttum und anderswo sich verführen lassen, vor Gott gar nicht entschuldigt. Denn wenn sie die papistischen Gottesdienste nur ein wenig gegen Gottes Wort hielten, so würden sie der Mönche und Messpfaffen Betrügereien, die sie mit ihrem Gottesdienst treiben, leicht merken].

15. Darum so spricht der Herr von den Propheten, die in meinem Namen weissagen, so ich sie doch nicht gesandt habe und sie dennoch predigen, es werde kein Schwert noch Teuerung in dies Land kommen: Solche Propheten sollen sterben durch Schwert und Hunger.

Darum: Jetzt lasst uns auch die Strafen hören, welche Gott den falschen Lehrern und Verführern droht.

Durch Schwert: Sie sollen eben in das Unglück geraten, vor welchem sie andere fälschlich versichern wollen, dass es nicht zu fürchten sei. [Denn Gott rächt der Verführer Betrügereien endlich aufs Ernstlichste, geschieht es nicht in dieser Welt, so wird es doch in der zukünftigen gewisslich nicht außen bleiben. Man muss aber hier wohl in Achthaben, dass Gott den falschen Propheten so oft vorwirft, wie sie nicht gesandt noch berufen wurden und dennoch zu lehren, sich unterfangen haben. Solche falschen Propheten sind heutigentags die Wiedertäufer und Schwenkfelder, welche sich selber eindringen und lehren wollen, da sie doch keinen ordentlichen Beruf haben, darum soll man sie nicht hören].

16. Und das Volk, dem sie weissagen, sollen vom Schwert und Hunger auf den Gassen zu Jerusalem hin und her liegen, dass sie niemand begraben wird; also auch ihre Weiber, Söhne und Töchter; und will ihre Bosheit über sie schütten.

Und: Jetzt wird auch angezeigt, wie es denen ergehen werde, die sich von den falschen Propheten werden verführen lassen.

Begraben wird: [Es ist aber ein Stück des Fluches, wenn man kein Grab haben kann].

Und Töchter: [Denn wenn der gerechte Zorn Gottes anbrennt, so schont er weder des Geschlechts noch Alters].

Schütten: Ich will schreckliche Strafen über sie kommen lassen, wie ihre Bosheit und Widerspenstigkeit verdient haben. [Denn wenn ein Blinder den anderen führt, so fallen sie beide in die Grube {Mt 15}. Sollen deswegen die Zuhörer Gott fleißig anrufen, dass er getreue und taugliche Arbeiter in seine Ernte senden wolle {Mt 9}].

17. Und du sollst zu ihnen sagen dies Wort: Meine Augen fließen mit Tränen Tag und Nacht und hören nicht auf; denn die Jungfrau, die Tochter meines Volkes, ist gräulich zerplagt und jämmerlich geschlagen {Jer 9v1}.

Sagen: Dass du ihnen ihr herzunahendes Unglück anzeigst und also zu ihnen redest, als ob du sie auf den Augenschein führen wolltest.

Fließen: Das ist, ich beweine Tag und Nacht das herzunahende Unglück, so über das Königreich Juda ergehen wird und kann vom Weinen nicht ablassen, weil ich bereits im Geist die große Trübsal und Verwüstung des jüdischen Landes sehe.

18. Gehe ich hinaus aufs Feld, siehe, so liegen da Erschlagene mit dem Schwert; komme ich in die Stadt, so liegen da vor Hunger Verschmachtete. Denn es müssen auch die Propheten, dazu auch die Priester, in ein Land ziehen, das sie nicht kennen.

Verschmachtete: Dass überall nichts denn Jammer und Leid und eine große Trübsal ist.

Nicht kennen: Weil sie gefangen gen Babel werden hinweggeführt werden, welches Land sie zuvor nie gesehen haben. [Hat nun Gott seines israelitischen Volkes nicht verschont, sondern sie mit schrecklichen Strafen heimgesucht. So sollen wir uns vorsehen, dass wir mit unserer Bosheit und Sünden uns nicht noch größere Strafen über den Hals ziehen].

19. Hast du denn Juda verworfen, oder hat deine Seele einen Ekel an Zion? Warum hast du uns denn so geschlagen, dass uns niemand heilen kann? Wir hofften, es soll Friede werden, so kommt nichts Gutes; wir hofften, wir sollten heil werden, aber siehe, so ist mehr Schadens da {Jer 8v15}.

Hast: Jetzt wendet sich der Prophet abermals zum Gebet, dass er zum wenigsten eine Milderung des Unglücks erlangen möge.

Verworfen: Da mir doch nicht zweifelt, du hast noch viele Auserwählte in diesem Volk, die du freilich nicht hassen kannst.

Zion: Auf welchem Berge dein herrlicher Tempel steht.

Niemand heilen: Dass wir diesem Unglück, damit wir überfallen werden, keinen Rat zu finden wissen. [Denn Gott stellt sich bisweilen um der Sünde willen gegen seiner Kirche so rau, als ob er nicht allein sie allerdings aus der acht gelassen, sondern auch feindlich gegen sie gesinnt sei. Jedoch schützt er seine Auserwählten mitten im Unglück, also dass er sie im Tode zum ewigen Leben erhält].

Friede werden: Es soll im Regiment Ruhe sein und nach und nach besser damit stehen, so wird es aber je länger je ärger.

Heil: Je mehr wir meinten, dass die Regierung von den zuvor erlittenen Schaden sich wiederum erholen soll, je traurigere Nachrichten wir täglich erfahren, damit wir je länger je mehr geschreckt werden. [Denn es ist vergebens, dass man sie von vielem gutem Glück träumen lässt, wo nicht eine rechtschaffene wahre Buße vorher geht].

20. Herr, wir erkennen unser gottloses Wesen und unserer Väter Missetat; denn wir haben wider dich gesündigt.

Herr: Der Prophet fährt noch weiter fort, in der Person des Volkes Israel den Zorn Gottes abzubitten.

Missetat: Damit sie und wir dich erzürnt haben. [Denn man soll die Irrtümer in der Religion oder auch andere grobe Sünden mit dem Ansehen unserer Voreltern nicht beschönigen].

21. Aber um deines Namens willen lass uns nicht geschändet werden; lass den Thron deiner Herrlichkeit nicht verspottet werden; gedenke doch und lass deinen Bund mit uns nicht aufhören!

Geschändet: Dass die Heiden unser höhnisch spotten, welche Schmach dich selber auch betrifft, dieweil sie sagen werden, du könntest dein Volk nicht schützen.

Thron: Nämlich den Tempel und die Stadt Jerusalem, da du gleichsam deinen Sitz und Wohnung hast.

Verspottet werden: Wenn ihn die Heiden niederreißen und zerstören.

Gedenke doch: Des Bundes, den du mit uns gemacht hast.

Nicht aufhören: Denn obwohl, leider, wir den Bund überschritten und dir nicht angemessenen Gehorsam geleistet haben. So sei du dennoch zu deinem Teil, deiner Verheißungen bedenkt, dass du uns zu deinem Volk dir auserwählt und angenommen hast und verstoß uns nicht so ganz, sondern siehe uns an mit den Augen deiner Barmherzigkeit. Es hat aber der Prophet durch sein Gebet nicht mögen zuwege bringen, dass der Tempel und die Stadt Jerusalem erhalten würden: Jedoch hat er so viel erlangt, dass die Auserwählten auch im größten Unglück zum ewigen Leben erhalten wurden. [Denn obwohl Gott in zeitlichen Sachen nicht allewege solches bewilligt, was wir insbesondere begehren. So willfahrt er uns doch in dem, so viel zu unserer wahren Seligkeit und zu seines Namens Ehre nützlich ist].

22. Es ist doch ja unter der Heiden Götzen keiner, der Regen könnte geben; so kann der Himmel auch nicht regnen. Du bist doch ja der Herr, unser Gott, auf den wir hoffen; denn du kannst solches alles tun.

Es ist: Der Prophet kommt jetzt wieder auf seine erste Klage von der Teuerung und bittet Gott um einen fruchtbaren Regen, auf dass mit der Zeit die Teuerung nachlassen und aufhören möchte.

Geben: Und also das Land fruchtbar machen.

Nicht regnen: Von sich selbst, wenn du es nicht haben willst.

Alles tun: Du hast uns Dürre, Unfruchtbarkeit und teure Zeit zugeschickt, um unserer Sünde willen: Du kannst auch wiederum fruchtbaren Regen geben und die Teuerung von uns abwenden, darum fliehen wir mit einem demütigen Gebet zu dir. [Denn man soll es nicht dafür halten, dass ein gutes Wetter oder Unwetter zu machen, in des Teufels oder der Menschen Gewalt sei, sondern Gott ordnet solches alles, dass er entweder Unwetter schickt zur wohl verdienten Strafe, oder gutes Wetter, seine väterliche Güte damit zu bezeugen, darum soll man ihn allein um gutes Wetter anrufen. Indem aber der Prophet den Götzen alle Ehre entzieht und dieselbige Gott allein zueignet, lehrt er uns damit, dass wir am allerersten erhört werden, wenn wir Gott seine Ehre zu retten ermahnen, auf dass er allein gepriesen werde].


Das 15. Kapitel


1. Gott zeigt dem Propheten Ursachen an, warum er von dem Volk ihre wohl verdienten Strafen nicht abwenden wolle. v. 1. 2. Und tröstet den Propheten, dass er ihn unter den Gottlosen schützen und seine Arbeit reichlich segnen wolle. v. 11.

1. Und der Herr sprach zu mir: Und wenngleich Mose und Samuel vor mir stünden, so haben ich doch kein Herz zu diesem Volk. Treibe sie weg von mir und lass sie hinfahren {Hes 14v14 v16}

Und: Folgt eine scharfe Drohung Gottes, damit den Unbußfertigen ihr Untergang gedroht wird. Denn es hat Gott nichts unterlassen, damit er das Volk durch seine gebräuchlichen und ordentlichen Mittel zur Buße beriefe.

Stünden: Und für dies Volk eine Fürbitte taten, dass ich sie erhalten soll.

Kein Herz: Ich kann ihnen nicht gewogen sein noch sie mit Gnaden ansehen. [Es will aber dieser Text nicht, dass die Heiligen im Himmel für die Menschen auf Erde insbesondere bitten, sondern das ist die Meinung Gottes, wenn gleich die beiden vortrefflichsten Männer noch im Leben wären, die bei ihren Lebzeiten für das Volk Israel inniglich und kräftig gebetet haben, Mose in (2. Mose 32) und Samuel (1. Sam. 7). So könnte ich mich doch nicht dahin bereden lassen, dass ich dieses gottlose und halsstarrige Volk verschonte. Denn für die Verstockten betet man umsonst].

Treibe: Tue mir die Unfläter hinaus, ich kann sie nicht länger vor mir sehen und will ich, dass du dies mein gerechtes Urteil ihnen anzeigst. [Es ist aber ein schreckliches Ding, wenn man um der Sünden und Widerspenstigkeit willen von dem Angesicht Gottes verstoßen und verworfen wird].

2. Und wenn sie zu dir sagen: Wo sollen wir hin? So sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wen der Tod trifft, den treffe er; wen das Schwert trifft, den treffe es; wen der Hunger trifft, den treffe er; wen das Gefängnis trifft, den treffe Esra {Sach 11v9}.

Wir hin: Wenn wir von dem Angesicht Gottes verstoßen werden, wie wird es uns alsdann ergehen?

Tod: Dass ihn die Pestilenz angreifen wird.

Treffe er: Den lass hinfahren, dahin er gehört, denn ich will sein nicht schonen.

Schwert: Dass er im Kriege erschlagen wird.

Hunger: Dass er aus Mangel des Brotes Hungers sterben muss.

Gefängnis: Dass er ins Elend gefangen hinweggeführt wird.

Treffe es: Denn ich will mich ihrer keines nicht mehr annehmen, noch achten, es gehe ihnen, wie es wolle.

3. Denn ich will sie heimsuchen mit viererlei Plagen, spricht der Herr: mit dem Schwert, dass sie erwürgt werden; mit Hunden, die sie schleifen sollen; mit den Vögeln des Himmels und mit Tieren auf Erde, dass sie gefressen und verwest werden sollen.

Heimsuchen: Und mit allem Ernst strafen, dass ich ihnen eins übers anderer zuschicke. Denn erstlich sollen sie im Kriege erwürgt werden: Wenn sie denn also auf dem Felde erschlagen liegen, so sollen sie die Hunde zerreißen und ihre Glieder hin und wieder schleifen, danach sollen auch die Raubvögel, als Raben, Geier, Adler und dergleichen, ihr Fleisch fressen, was aber überbleibt an Sehnadern und Beinen, das sollen die wilden Tiere zermalmen und verzehren, dass sie also jämmerlich von der Erde aufgeräumt und vertilgt werden.

Nach Luther:]. Im Hebräischen nennt er diese Plagen vier Familien oder Geschlechter. Vielleicht anzuzeigen, dass ein Teufel viel Teufel unter sich hat und eine Plage mancherlei Art und Weise hat zu verderben, wie die Ärzte täglich wohl erfahren.

4. Und ich will sie in allen Königreichen auf Erde hin und her treiben lassen um Manasses willen, des Sohnes Jehiskias, des Königs Judas, deshalb, das er zu Jerusalem begangen hat {2Sam 21v2 23v26 24v3 2Chr 33v9}.

Hin und her: Dass sie nicht allein unter mancherlei Heiden Zerstreute werden, sondern will verschaffen, das sie auch in der Fremde nirgends lange und sicher bleiben können. [Also werden noch heutigentags die jetzigen Juden in Deutschland und sonst hin und wieder umgetrieben und zeigt uns ein Beispiel des göttlichen Zorns, wider ihre halsstarrige Bosheit. Darum, welche allem oben erzählten Übel begehren zu entrinnen, die müssen der wahren Gottseligkeit sich bemühen].

Begangen: Als wollte er sprechen, ich will dies Volk besonders darum strafen, weil es sich mit der Abgötterei verunreinigt, die Manasse vorzeiten angerichtet hat, dazu später noch andere mehr gräuliche Laster kommen als unrechte Totschläger, allerhand abscheuliche Unzucht und dergleichen. Denn obwohl er selbst, Manasse, Buße getan und die Abgötterei wiederum abgeschafft hat {2Chr 33}. So sind dennoch nach seinem Tode die Israeliten wieder abgewichen und haben die Abgötterei von neuen wieder angerichtet. [Sollen deswegen die Fürsten und Regenten, sich mit allem Fleiß wohl vorsehen, wie sie ihre Religion anstellen. Denn ihre Satzungen können auch bei den Nachkommen ganz viel entweder nutzen oder schaden].

5. Wer will denn sich deiner erbarmen, Jerusalem? Wer wird denn Mitleid mit dir haben? Wer wird denn hingehen und dir Frieden erwerben?

Erbarmen: Weil du mit deiner Halsstarrigkeit solche Strafen dir freiwillig über den Hals gezogen, darum dir richtig begegnet, was ich dir gedroht habe.

Mitleid: Dass er begehre, deinen Unfall zu erleichtern.

Erwerben: Es wird keiner die Mühe auf sich nehmen wollen, dass er dir Frieden und Ruhe erlangen möchte.

6. Du hast mich verlassen, spricht der Herr und bist mir abgefallen; darum habe ich meine Hand ausgestreckt wider dich, dass ich dich verderben will; ich bin des Erbarmens müde.

Verlassen: Indem du meinen rechten Gottesdienst verworfen hast.

Abgefallen: Dass du dein Vertrauen nicht auf mich allein gesetzt noch meinen Geboten Gehorsam leisten wollen. [Wenn wir aber mit unseren Sünden Gottes Gemüt von uns abwendig machen, so werden auch, durch Gottes Schickung, der Leute Herzen von uns abgewandt, dass sie kein Mitleiden mit uns haben, noch Hilfe tun und da irgend etliche gleich helfen wollten, so können sie doch nicht].

Verderben will: Das ist, ich will mich dir entgegen setzen, und dich von der Erde vertilgen.

Müde: Ich kann deiner nicht mehr schonen, wie ich bisher zu öfter getan habe, da ich auf deine Buße vergebens lange gewartet. [Denn wo keine rechtschaffene Buße folgen will, da wendet Gott endlich alle Barmherzigkeit und väterliche Zuneigung von uns ab].

7. Ich will sie mit der Worfschaufel zum Lande hinaus worfeln und will mein Volk, so von seinem Wesen sich nicht bekehren will, zu eitel Weisen machen und umbringen.

Worfschaufel: In ein Elend und jämmerliche Dienstbarkeit, nicht anders, als wenn einer Korn mit einer Worfschaufel von einem Ort zum anderen wirft. [Welche deswegen nicht wollen in die Fremde gefangen weggeführt werden, die sollen Gott fürchten].

Weisen machen: Also, dass ich die alten, gestandenen und erwachsenen Personen im Kriege will lassen umgekommen, die viele Waisen und minderjährige Kinder hinter sich verlassen werden, derer sich niemand achten oder annehmen wird, weil die Juden nicht Buße tun.

8. Es sollen mir mehr Witwen unter ihnen werden, denn des Sandes am Meer ist. Ich will über die Mutter der jungen Mannschaft kommen lassen einen offenbaren Verderber und die Stadt damit plötzlich und unversehens überfallen lassen,

Mehr Witwen: Also ganz werden ihre Ehemänner im Kriege mit Haufen durch das Schwert fallen und umkommen. [Was es aber für ein großer Jammer sei, wenn man Waisen hinterlässt und was großem Unheil die Witwen unterworfen sind, kann man mit Worten nicht genügend aussprechen. Deswegen, damit nicht unsere Kinder in ihrem Elend an Leib und Seele verderben und unsere Eheweiber im Witwenstand jedermanns Fußtuch sein müssen, so sollen wir den Zorn Gottes durch eine ernste Buße von uns abwenden].

Verderber: Nämlich die Pestilenz will ich unter dies Volk schicken, dass sie die Weibspersonen sollen aufräumen und hinwegreißen, welche zum Kinder gebären und auferziehen noch recht tauglich gewesen wären.

Unversehens: Also dass die Pestilenz einstmals wird anfangen zu wüten und einen großen Schrecken unter die Leute, besonders aber unter die Weibspersonen bringen. [Denn es sind ihrer viele ganz kleinmütig, wenn sie von der Pestilenz hören, welche doch, da sie gleich an ihr lasterhaftes Leben denken, damit sie solche Strafe verdient haben, dennoch vor dasselbe nicht erschrecken].

9. Dass die, so sieben, Kinder hat, soll elend sein und von Herzen seufzen. Denn ihre Sonne soll bei hohem Tage untergehen, dass beide, ihr Ruhm und Freude, ein Ende haben soll. Und die übrigen will ich ins Schwert geben vor ihren Feinden, spricht der Herr {Am 8v9}.

Seufzen: Über ihre Kinder, die sie verloren hat. [Denn es ist viele der Kinder eine besondere Gabe Gottes, obwohl ihrer viele aus lauterem Unglauben solche Gabe Gottes verachten oder auch derselben lieber ohne sein wollten.)

Untergehen: Dass es ihr eben sein wird, als wenn es finster Nacht wäre, von wegen des übermäßigen Leides, so sie überfallen wird.

Übrigen: So nicht von der Pestilenz aufgerieben wurden, dieselben will ich den Feinden überliefern, dass sie von ihnen umgebracht werden. [Denn wenn Gottes Langmütigkeit auf die Buße und Besserung des Lebens lange vergebens gewartet. So schüttet endlich Gott seinen gerechten Zorn über die Unbußfertigen mit großem Haufen allerlei Unglücks und Widerwärtigkeit aus].

10. Ach, meine Mutter, dass du mich geboren hast, wider den jedermann hadert und zankt im ganzen Lande! Habe ich doch weder auf Wucher geliehen noch genommen, noch flucht mir jedermann.

Ach: Jetzt streut der Prophet mit wenig Worten eine kurze Klage mit unter, dass er mit den verstockten Leuten täglich sich vergebens zanken müsse: Als wollte er sprechen, ich wollte, dass ich nie geboren wäre, weil ich immerdar mit halsstarrigen und unbußfertigen Leuten muss zu tun haben, welche, da ich sie über ihre falsche Gottesdienste und lasterhaftes Leben zur Rede stelle, noch dazu unschuldig sein wollen. Und wenn ich ihnen drohe, dass der König zu Babel über sie kommen werde, so heißen sie mich einen Verräter des Vaterlandes und reden mir alles Übles nach. Und gleichwie die Schuldiger der Wucherer Grausamkeit und unersättlichen Geiz verfluchen und die Wucherer über der Schuldiger Treulosigkeit klagen, wenn sie die Schuld entweder nicht können oder nicht wollen ablegen. Also verflucht man mich und ist mir jedermann feind, da ich doch dergleichen nichts um sie verdient habe. [Hier hat man zweierlei zu merken, erstlich, dass die frommen Kirchendiener mit denen immer müssen im Streit liegen, welche entweder falsch lehren oder ärgerlich leben: Zum anderen, dass die Wucherer den allgemeinen Fluch haben, dessen Kraft und Wirkung sie endlich mit ihrem großen Schaden und Nachteil empfinden werden].

11. Der Herr sprach: Wohlan, ich will eurer etliche übrig behalten, denen es soll wieder wohlgehen und will euch zu Hilfe kommen in der Not und Angst unter den Feinden.

Der: Folgt jetzt ein Stücklein vom Trost für die Auserwählten, da doch eine Weissagung mit unterläuft von der Babylonischen Gefangenschaft.

Behalten: Die nach geendeter gefänglicher Enthaltung, wenn die Zeit herum sein wird, die übrigen Tage ihres Lebens in gutem Frieden und Ruhe hinbringen sollen. Ja ich will auch unter den Feinden in eurem Gefängnis euer Elend lindern, dass ihr meine gnädige Hilfe empfinden sollt und einmal wieder viel eure Feinde Willen eure Freiheit wiederum erlangen und in euer Vaterland kommen. [Denn wenn Gott seine Kinder gezüchtigt hat und sie Buße tun, so sieht sie Gott wiederum gnädiglich an und mildert ihre Trübsal oder nimmt sie auch ganz hinweg].

12. meinst du nicht, dass etwa ein Eisen sei, welches könnte das Eisen und Erz von Mitternacht zerschlagen?

Eisen sei: Das ist, obwohl der König zu Babel, welcher von Mitternacht gegen euch heraufziehen wird, von wegen seiner großen Macht scheint so stark sein als Erz und Eisen und deshalb allerdings unüberwindlich. So soll doch wissen und gänzlich glauben, dass ich einen anderen gewaltigen Monarchen, nämlich den König Cyrum oder Kores, aus Persien erwecken will, der mit seiner Macht und unüberwindlichen Stärke das Königreich Babel zerstören und zunichtemachen wird. [Denn es ist kein Monarch so mächtig in der ganzen Welt je gewesen, dem Gott nicht noch einen mächtigeren hätte können entgegenstellen, seinen Hochmut zu stürzen und seine Tyrannei zu verhindern].

Nach Luther:]. Gott kann einen Bösen über den anderen, die Perser über die Chaldäer schicken.

13. Ich will aber zuvor euer Gut und Schätze zum Raube geben, dass ihr nichts davon kriegen sollt und das um aller eurer Sünden willen, die ihr in allen euren Grenzen begangen habt.

Nichts davon: Denn es werden eure Feinde das eurige hinweg nehmen, nicht der Meinung, dass sie mit euch begehrten zu handeln und Kaufmannschaft zu treiben, sondern was euch ganz viel gekostet, das werden sie mit Gewalt zu sich reißen und euch nichts darum geben. [Denn wenn etliche große Reichtümer durch Geiz und Wucher zu Haufen bringen, andere derselben zur Üppigkeit und Wollust missbrauchen und daneben der brüderlichen Liebe ganz und gar vergessen, dass sie ihrem Nächsten nicht wollen zu Hilfe kommen, so schickt Gott endlich Räuber über sie, die alles zugleich hinwegnehmen und unterdes der vorigen Besitzer noch dazu spotten].

14. Und will euch zu euren Feinden bringen in ein Land, das ihr nicht kennt; denn es ist das Feuer in meinem Zorn über euch angegangen {5Mos 32v22}.

Nicht kennt: Nämlich gen Babel, von welchem Lande ihr vor der Zeit nichts gehört habt.

Angegangen: Weil ihr mit der Buße so lange verzogen, bis mein Zorn sich entzündet hat, welche Brunst ihr nicht mehr werdet löschen können, so müsst ihr zuvor alles Unglück empfinden, das ich euch gedroht habe. [Darum sollen wir bei Zeit Buße tun, denn obwohl Gott den bußfertigen Sündern ihre Sünden immer vergibt, so werden doch die zeitlichen Strafen nicht immer abgewandt, besonders, wenn Gottes Langmütigkeit mit unserer Halsstarrigkeit lange gekämpft hat].

15. Ach, Herr, du weißt es; gedenke an uns und nimm dich unser an und räche uns an unseren Verfolgern! Nimm uns auf und verzieh nicht deinen Zorn über sie; denn du weißt, dass wir um deinetwillen geschmäht werden.

Ach: Dieweil der Prophet, von wegen seiner ernsten Warnungen und scharfen Strafpredigten, nicht in geringer Gefahr des Lebens unter der Bürgerschaft zu Jerusalem stand, so bittet er Gott um Schutz und rechte göttliche Rache, deshalb er auch später einen Trost von Gott empfängt.

Weist es: Nämlich in was großer Gefahr ich stehe unter dem jüdischen Volk.

Gedenke: Dass du mich und meinesgleichen, deine anderen rechten Propheten, errettest.

Unser an: Siehe auf unsere Mühe und Jammer mit gnädigen Augen und mildere solches.

Verfolgern: Ziehe sie zur angemessenen Strafe, die wider ihr eigenes Gewissen uns mit Hinterlist nachstellen, nicht dass wir sie jemals insbesondere und für uns selbst beleidigt haben, sondern nur der Ursache halben, dass ich auf deinem Befehl ihr gottloses Leben Unrecht heiße und verwerfe. [Denn ob wir wohl nach der allgemeinen Richtschnur der Liebe für die, so uns verfolgen, bitten sollen {Mt 5}. So bittet doch der Heilige Geist bisweilen in den Auserwählten um göttliche Rache wider die verstockten Gottlosen, an denen keine Hoffnung mehr ist der Bekehrung halben. Wie denn dergleichen böse Wünsche, so aus einem göttlichen Eifer herrühren, hin und wieder in den Psalmen viel gelesen werden].

Verzieh nicht: Halt nicht lange inne mit deinem Zorn, sondern schütte ihn aus über unsere Widersacher, damit wir nicht unterdes geängstigt und geplagt werden, brauche aber deine Langmütigkeit auf ein anderes Mal und in einer anderen Sache.

Deinen Willen: Weil wir dein Wort lehren und predigen. [Und ist das einem Kirchendiener ein herrlicher Trost, wenn er um keiner Übeltat willen, sondern um des Bekenntnisses willen der reinen Lehre mit Schmach- und Lästerworten angegriffen wird].

16. Indes enthalte uns dein Wort, wenn wir es kriegen; und dasselbe, dein Wort ist unseres Herzens Freude und Trost; denn wir sind ja nach deinem Namen genannt, Herr, Gott Zebaoth {Jer 14v9}!

Dein Wort: Deine lieblichen Verheißungen, derer viele in Mose und in den Psalmen gelesen werden, die lass unser Trost und Aufenthalt sein, dass wir in so großen Versuchungen nicht untergehen oder versinken.

Genannt: Dass wir Bürger des Volkes Gottes sind und heißen. Will so viel sagen, da ich deine herrlichen und lieblichen Verheißungen mir zu Gemüt führte und dieselben mit allem Fleiß betrachtete, wie sie zu unseren Voreltern geschehen waren, da habe ich und meine Gesellen einen besonderen Trost und Erquickung daraus empfangen. Denn weil wir Glieder des Volkes Gottes sind, so habe ich recht davor geachtet, dass solche Verheißungen auch unserer Person angehören. [Wenn wir deswegen mit Traurigkeit überfallen werden und uns mancherlei Anfechtungen plagen, so sollen wir zu der Heiligen Schrift laufen und mit dem Worte Gottes uns wiederum erquicken, auch gänzlich dafür halten (ich rede aber von den bußfertigen und bekehrten Sündern), dass die tröstlichen Zusagungen in der Heiligen Schrift uns auch angehören, weil wir getauft sind und von Christo den Namen führen, dass wir Christen sind und heißen].

17. Wir gesellen uns nicht zu den Spöttern noch freuen uns mit ihnen, sondern bleiben alleine vor deiner Hand; denn du zürnst sehr mit uns {Ps 1v1}.

Spöttern: Wir sind nicht unter der Zahl, die dein Wort verspotten und über ihre Bosheit sich freuen, als ob sie den Handel wohl ausgerichtet hätten, darum möchtest du uns, oh Gott, nicht verlassen.

Deiner Hand: Das ist, wir haben dich stets vor Augen und bleiben in deiner Furcht, dieweil du uns mit mancherlei Unfall so heimgesucht hast, dass wir der fleischlichen Sicherheit leicht vergessen und der Eitelkeit uns entschlagen können. [Denn wenn uns unser Gewissen Zeugnis gibt, dass wir mit einem gottlosen Leben nichts zu tun hatten, so können wir eifrig und ernstlich beten und sind die Trübsale eine heilsame Arznei wider des Fleisches Sicherheit].

18. Warum währt doch unser Schmerz so lange und unsere Wunden sind so ganz böse, dass sie niemand heilen kann? Du bist uns geworden wie ein Born, der nicht mehr quellen will {Jer 30v15}.

So lange: Wann wird es einmal ein Ende haben mit unseren Plagen? [Denn das Fleisch ist von Natur ungeduldig und können die Frommen oft keine Arznei finden noch ein Ende an ihrem Unglück sehen. Aber Gott hat es beides längst zuvor gesehen, ehe er das Unglück geschickt].

Nicht mehr: Du stellst dich eben wie ein Brunnen, der kein Wasser hat. [Denn es geschieht bisweilen, dass Gott seine Hilfe eine Zeit lang also entzieht, als ob wir ganz und gar nichts mehr bei ihm zu hoffen hätten. Aber man muss warten, bis seine Güte (nachdem er zuvor unseren Glauben bewährt) wiederum öffentlich hervorquillt und sich reichlich über uns ergießt].

19. Darum spricht der Herr also: Wo du dich zu mir hältst, so will ich mich zu dir halten und sollst mein Prediger bleiben; und wo du die Frommen lehrst sich sondern von den bösen Leuten, so sollst du mein Lehrer sein; und ehe du solltest zu ihnen fallen, so müssen sie eher zu dir fallen.

Darum: Jetzt lasst uns hören, wie Gott den kleinmütigen Propheten gnädiglich tröstet und ihm freundlich zuspricht.

Nach Luther:]. Aus dem Hebräischen kannst du das Köstliche vom Schnöden scheiden, soll wie mein Mund sein.

Hältst: Dass du, wie bisher, auf mich allein siehst und dich zu mir wendest, auch von deinem Beruf dich nicht abschrecken lässt, sondern mein Gebot höher und mehr achtest, als meiner Widersacher drohen. So will ich dir beistehen, dich retten und schützen. [Und soll ein Kirchendiener durch die Undankbarkeit der Welt von seinem Beruf sich nicht abschrecken lassen].

Sich sondern: [Denn es sollen die Kirchendiener die Menschensatzungen und Dünkel von dem reinen und lauteren Worte Gottes abzusondern wissen und also auch die Frommen von den Bösen zu unterscheiden und welche die Kirche also lehren, die soll man nicht anders hören, als wenn Gott selbst redet nachdem Spruch {Lk 10}: Wer euch hörte, der hörte mich].

Fallen: Das ist, sie sollen mit ihrer Halsstarrigkeit dich so gar nicht auf ihre Meinung bringen, dass du sie vielmehr (da noch etliche unter ihnen sind, denen zu helfen ist) zu dir ziehen sollte, dass sie deiner Rede und Predigt Beifall geben müssen.

20. Denn ich habe dich wider dies Volk zur festen eisernen Mauer gemacht; ob sie wider dich streiten, sollen sie dir doch nichts anhaben; denn ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, spricht der Herr {Jer 1v18 v19}.

Gemacht: Das ist, ich will dich so stark und unüberwindlich machen, als ob du eine eiserne Mauer wärest, wider die keine Gewalt etwas vermöchte auszurichten, dass ob sie gleich mit ihren Lästerungen, Lügen, Drohworten und Verfolgungen dich begehren zu überstreiten, der Hoffnung, dass du endlich einmal aufhören wirst die Wahrheit zu predigen, ja auch dir nach deinem Leben stehen werden, sie dennoch nichts wider dich werden können ausrichten oder vermögen.

21. Und will dich auch erretten aus der Hand der Bösen und erlösen aus der Hand der Tyrannen.

Erretten: Ich will dir eine unüberwindliche Beständigkeit verleihen und dein Leben erhalten, bis du den Lauf deines Berufes vollendet hast. [Es ist aber eine große Guttat Gottes, wenn er uns ein beständiges Herz gibt, dass wir von wegen der vielfältigen Hindernisse und Widerwärtigkeit nicht verdrossen werden und unseren Beruf verlassen. Und obwohl Gott nicht alle frommen Kirchendiener der Gottlosen tyrannischen Gewalt entzieht, sondern etliche mit der Marter lässt gekrönt werden. So ist es doch gewiss, dass Gott noch heutzutage die frommen Kirchendiener wunderlich schützt, welche sonst durch der Welt Praktiken zur Unzeit hingerafft würden].


Das 16. Kapitel


1. Gott verbietet dem Propheten, dass er im selben Lande kein Weib nehmen soll, noch mit dem halsstarrigen Volk sich gar zu allgemeines machen. v. 1. 2. Und erklärt die Ursachen des Unglücks, darin die Israeliten geraten werden. v. 10. 3. Verkündigt auch des Volkes Israel wieder Heimkunft und der Heiden Berufung. v. 14.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Zu mir: Nämlich zum Propheten Jeremia.

2. Du sollst kein Weib nehmen und weder Söhne noch Töchter zeugen an diesem Ort.

Kein Weib: Es verbietet aber Gott dem Propheten nicht, dass er sich nicht in den Ehestand begeben soll, sondern von wegen der damals bevorstehenden gefährlichen Zeit. [Dergestalt zieht auch der Apostel Paulus das ehelose Leben dem Ehestand vor, von wegen der Verfolgungen, so damals sich erzeugten, welche er die gegenwärtige Not nennt {1Kor 7}. Daneben aber lehrt er eben am selben Ort, dass, wer sich nicht enthalte, freien soll und sei besser freien, als Brunst leiden].

3. Denn so spricht der Herr von den Söhnen und Töchtern, so an diesem Ort geboren werden, dazu von ihren Müttern, die sie gebären und von ihren Vätern, die sie zeugen in diesem Lande:

Denn: Jetzt setzt Gott selber die Ursache ausdrücklich hinzu, warum er wolle, dass der Prophet zur selben Zeit und am selben Ort vom Ehestand sich äußern und enthalten soll.

4. Sie sollen an Krankheiten sterben und weder beklagt noch begraben werden, sondern sollen Mist werden auf dem Lande, dazu durch Schwert und Hunger umkommen und ihre Leichname sollen der Vögel des Himmels und der Tiere auf Erde Speise sein {Jer 25v33 Jer 7v33 34v20}.

Sie: Nämlich die Kinder samt den Eltern werden eines unzeitigen Todes sterben und durch schreckliche Krankheiten oder andere jämmerliche Unfälle aus diesem Leben hinweg gerissen werden, dass es zu der Zeit viel besser sein wird, keine Kinder haben, als mit Kindern begabt sein.

Beklagt: Man wird sie nicht begleiten oder mit ihnen zur Leiche gehen, weil sie nicht nach Gewohnheit, wie sonst gebräuchlich, werden zur Erde bestattet werden.

Umkommen: Dass sie einesteils von den Feinden erschlagen, einesteils Hungers gestorben, hin und wieder unbegraben liegen werden. [Ist es deswegen umsonst, dass sich einer ansehnliche Gräber lässt bauen und zurüsten, sofern man sich nicht auch der wahren Gottseligkeit befleißigt. Denn es wohl geschehen kann, dass eines Leichnam, in dasselbe Grab nicht kommt, welches er mit großer Mühe und vielem Kosten für sich zurichten lassen].

5. Denn so spricht der Herr: Du sollst nicht zum Trauerhaus gehen und sollst auch nirgendhin zu klagen gehen noch Mitleid über sie haben; denn ich habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, spricht der Herr, samt meiner Gnade und Barmherzigkeit,

Denn: Gott fährt noch weiter fort, die Größe des künftigen Unglücks herauszustreichen, ob vielleicht das Volk durch solche Erzählung könnte zur Buße bewegt werden.

Trauerhaus: Dass du sie begehrst zu trösten, deren lieben Kinder, oder Eltern verschieden sind.

Haben: Du sollst dich ihrer durchaus nicht annehmen.

Weggenommen: Dass ich nicht mehr mit ihnen eins bin, will mich ihrer auch nicht erbarmen, darum soll kein Mitleiden mit ihnen haben, auf dass sie verstehen, ich sei ihnen allerdings zuwider. [Denn obwohl das allgemeine Gebot der Liebe lehrt, dass man weinen soll mit den Weinenden {Röm 12}. So können doch solche Umstände mit zuschlagen, dass die Gottlosen in ihrem Leid richtig ohne Trost gelassen werden].

6. Dass beide, Groß und Klein, sollen in diesem Lande sterben und nicht begraben noch geklagt werden und niemand wird sich über sie zerritzen noch kahl machen.

Sterben: Denn der grausame Tod wird keines Alters noch Standes schonen. [Weil demnach der gerechte Zorn Gottes auch über die kleinen Kinder geht, was haben denn wohl die für Strafen zu erwarten, welche viele Jahre lang die Sünden mit Sünden gehäuft].

Nicht begraben: Welches dennoch den lebendigen ein wenig Trost gebe.

Kahl machen: Es wird über ihren Untergang niemand Leid tragen. Denn die abergläubischen Heiden ritzten sich bei ihrer Verwandten und Freunde Leichen mit Nägeln und Messern in die Haut, bis das Blut später ging und rauften oder schnitten sich die Haare ab. Welchen Brauch doch darum der Prophet nicht recht heißt, denn er von Mose verboten wurde {5Mos 14}. Sondern er sticht mit diesen Worten heimlich auf die Juden, dass sie der gottlosen Heiden Gebräuche nachtaten.

7. Und man wird auch nicht unter sie Brot austeilen über der Klage, sie zu trösten über der Leiche und ihnen auch nicht aus dem Trostbecher zu trinken geben über Vater und Mutter {5Mos 16v14}.

Austeilen: Brot und Speise oder dergleichen. Will so viel sagen, man wird bei deren Leichen, die entweder durch Hunger, Pestilenz, oder Schwert umgekommen sind, die gewöhnlichen Zeremonien nicht halten, sondern sie allerdings aus der acht lassen. Es gibt aber der Prophet mit diesen Worten etlichermaßen zu verstehen, dass man vorzeiten bei den Leichen Brot und Wein unter die klagenden Personen ausgeteilt habe, so darauf angesehen gewesen, dass man dieselben damit wiederum erlaben und ihre Traurigkeit lindern wolle. Welche Gewohnheit auch noch jetziger Zeit an etlichen Orten gegen Mitternacht wehrt, dass bald, nachdem man von der Leiche wieder heimkommt, ehe man voneinandergeht, einem jeden ein Trunk gibt. [So viel aber die Zeremonien bei der Leiche anlangt, hat ein jedes Land seine Gewohnheit, die man bleiben lässt, wenn keine päpstliche oder heidnische Abgötterei und Missbrauch dabei ist].

8. Darum sollt du in kein Trinkhaus gehen, bei ihnen zu sitzen, weder zu essen noch zu trinken.

Gehen: Denn wie ich nicht will, dass du mit den traurigen Juden, so da Leid tragen, ein Mitleiden hast. Also will ich auch nicht, dass du mit ihnen fröhlich seist, weil ihre Freude nicht lange Bestand haben wird. Auf dass du nicht dafür gehalten wirst, als wolltest du sie in ihrer fleischlichen Sicherheit stärken. [Denn es soll ein Kirchendiener mit seinen Zuhörern also umgehen, dass er daneben ihre bösen Gewohnheiten nicht recht heiße noch mit seinem Beispiel bestätige].

9. Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will an diesem Ort aufheben vor euren Augen und bei eurem Leben die Stimme der Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut {Jer 7v34}.

Augen: Dass ihr selber mit großem Schmerzen werdet zusehen müssen.

Stimme: Ich will alle Fröhlichkeit, Freudengesänge, Saitenspiel, Pfeifen und Trommeln und in Summe alle Anweisungen des Frohlockens, wie man bei den Hochzeiten zu sehen und zu hören pflegt, lassen aufhören, dass es damit ein Ende haben soll und hingegen alles voll Traurigkeit, Seufzen, Wehklagen, Heulen, Jammer und Not sein. [Wenn deswegen hin und wieder viel Jubilierens und Frohlockens ist, so sollen wir der Furcht Gottes daneben nicht vergessen, auf dass nicht die große Freude in ein größeres Leid verändert werde].

10. Und wenn du solches alles diesem Volk gesagt hast und sie zu dir sprechen werden: Warum redet der Herr über uns all dies große Unglück? Welches ist die Missetat und Sünde, damit wir wider den Herrn, unseren Gott, gesündigt haben {Jer 5v19 13v22}?

Alles: Was ich dir von ihrem zukünftigen Unglück jetzt erzählt habe.

Unglück: Warum droht uns Gott so schreckliche Strafen?

Missetat: Damit wir solche Strafen verschuldet haben und dadurch Gott so sehr über uns sollte erzürnt sein, dass er uns wollte lassen ganz zugrunde gehen. [Denn die Gottlosen wollen unschuldig sein und wenn sie gleich in ihrer Unbußfertigkeit immer fortfahren, so dürfen sie dennoch sich wohl rühmen, es geschehe ihnen Unrecht].

11. sollst du ihnen sagen: Darum dass eure Väter mich verlassen, spricht der Herr und anderen Göttern gefolgt, den selbigen gedient und sie angebetet, mich aber verlassen und mein Gesetz nicht gehalten haben,

Verlassen: Denn eure Voreltern haben mein Gesetz nicht gehalten, sondern meines Gottesdienstes, den ich unter ihnen angerichtet, ungeachtet, haben sie andere mehr und neue Gottesdienste dazu erdacht, die ich nicht befohlen habe, damit sie nicht mir, sondern den Götzen und dem Teufel gedient. Das ist die Ursache, um welcher willen euch alles Unglück überfallen hat.

12. und ihr noch ärger tut denn eure Väter. Denn siehe, ein jeglicher lebt nach seines bösen Herzens Gedünken, dass er mir nicht gehorche {Jer 7v26}.

Ärger: Also dass ihr mit Bosheit es nicht allein ihnen nachtut, sondern übertrefft sie auch.

Gedünken: Dieweil er den falschen Gottesdiensten und den bösen Gelüsten seines Fleisches nachhängt.

Mir nicht gehorche: Der ich den rechten Gottesdienst und die wahre Gottseligkeit fordere und euch von der Abgötterei und Bosheit abfordere. [Hier hat man viel in Acht zu nehmen, erstlich, dass dies die allergrößte Sünde sei, wenn man falsche Gottesdienste verrichtet: Danach, dass es eine große Bosheit und vor Gott ein Gräuel sei, wenn man in Religionssachen seines Herzen Gedünken folgt, das ist, dass einer neue Gottesdienste anrichtet, die Gott nicht befohlen hat, ob er es gleich guter Meinung tut: Und denn, dass der Eltern Sünden an den Kindern gestraft werden, wenn nämlich die Kinder eben die selbigen Sünden begehen, welche ihre Väter getan haben. Weil demnach die Katholiken von etlichen hundert Jahren her mit vielfältiger Abgötterei sich befleckt, so dürfen sie die Schuld, dass es so übel in der Welt zugeht, nicht auf die evangelische Lehre legen, welche sie, die lutherischen Ketzerei nennen, sondern haben es ihrer Abgötterei zu danken, der es allein richtig soll zugemessen werden. Denn das orientalische Kaisertum ist verloren worden, ehe Doktor Luther (heiliger Gedächtnis) geboren wurde. Und ist das Königreich Jerusalem den Christen aus den Händen gerissen, da man von Doktor Luther auf Erden nichts gewusst].

13. Darum will ich euch aus diesem Lande stoßen in ein Land, davon weder ihr noch eure Väter wissen; dort sollt ihr anderen Göttern dienen Tag und Nacht; dort will ich euch keine Gnade erzeigen.

Land: Nämlich gen Babel, dass zuvor euch und euren Voreltern unbekannt gewesen.

Anderen Göttern: Da werdet ihr, in aller Teufel Namen, mit dem Götzendienst ohne Unterlass geplagt sein, dazu ihr jetzt so große Lust habt.

Keine Gnade: Ich will euch in solcher Abgötterei verschmachten und verderben lassen. [Ob nun wohl das Elend an sich selber ein großer Jammer ist. So ist doch das noch viel ein größerer Jammer, wenn man von Gott also verstoßen wird, dass er den Menschen in der Abgötterei und Blindheit des Herzens stecken lässt und er nicht allein an Leib und Gut, sondern auch an der Seelen Verlust und Schaden leidet. Damit wir aber solchem schrecklichen Zorn Gottes entfliehen mögen, sollen wir uns mit großem Eifer zu der rechten Religion halten und demselben Bekenntnis mit einem gottseligen Wandel zieren].

14. Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: So wahr der Herr lebt, der die Kinder Israel aus Ägyptenland geführt hat {Jer 23v8 v9},

Darum: Die oben erzählten Drohungen seien über die Unbußfertigen gegangen, jetzt wird ein Trost hinzugesetzt für die Frommen und Auserwählten, von der Ausbreitung des Evangeliums und vom Reich Christi, darunter doch eine Bedrohung mit eingemengt wird wider die verstockten Juden. [Denn ein Kirchendiener soll seine Predigten also anstellen, dass die Unbußfertigen geschreckt, die Frommen aber getröstet werden].

Sagen wird: Man wird nicht mehr einen solchen Eidschwur benutzen.

15. sondern: So wahr der Herr lebt, der die Kinder Israel geführt hat aus dem Lande der Mitternacht und aus allen Ländern, dahin er sie verstoßen hatte. Denn ich will sie wiederbringen in das Land, das ich ihren Vätern gegeben habe.

Mitternacht: Von Babel. Das ist, man wird den Herrn mit einem zuvor ungewöhnlichen Eidschwur zum Zeugen und zur Bestätigung der Wahrheit anrufen und preisen, nicht allein mit dem Namen, dass er vorzeiten die Israeliten aus der ägyptischen Dienstbarkeit erlöst hat, sondern vielmehr, dass er sie aus der Babylonischen Gefangenschaft wieder ins Land Kanaan gebracht. [Obwohl nun die Wiederheimführung aus Babel nicht eine geringe Guttat gewesen. So war es doch nur ein Schatten und Vorbild des geistlichen Reiches Christi, in dem wir durch Christus aus dem Elend dieser Welt in das ewige und himmlische Vaterland geführt werden. Darum muss unter dieser Wiederkunft hier zugleich das Neue Testament mit begriffen werden, in dem durch die Predigt des Evangeliums dem Herrn Christo eine Kirche aus der ganzen Welt gesammelt und zusammen gebracht wird].

16. Siehe, ich will viel Fischer aussenden, spricht der Herr, die sollen sie fischen; und danach will ich viel Jäger aussenden, die sollen sie fangen auf allen Bergen und auf allen Hügeln und in allen Steinritzen.

Fischer: Nämlich die Apostel und ihre ordentliche Nachkommen, welche mit dem Netz des Evangeliums die Leute aus dem ungestümen Meer dieser Welt in die Kirche ziehen werden. Denn sie sollen aus gemeinen Fischern zu Menschenfischern gemacht werden {Mt 4}. [Weil das Himmelreich einem Netz gleich ist, das ins Meer geworfen wird und allerlei Fische damit gefangen werden: Wenn denn dasselbe voll ist, so ziehen es die Fischer heraus, sitzen am Ufer, lesen die guten aus in ein Gefäß, die bösen aber schütten sie weg, wie Christus lehrt {Mt 13}].

Danach: Wenn ich die Auserwählten zuvor durch das Evangelium aus dem jüdischen Volk in das Gnadenreich gesammelt habe.

Jäger: Nämlich die römischen Feldherren und Kriegsleute will ich über die anderen Juden kommen lassen, welche das Evangelium nicht annehmen wollen, sondern dasselbe verfolgen. Denn weil viele Juden dem Evangelium Christi nicht glauben würden, so verkündigt ihnen der Prophet ihren Untergang.

Steinritzen: Also dass sie denselben Jägern nirgends werden entrinnen können, sie fliehen gleich auf die Berge oder an andere feste Orte, dass sie sich darin verstecken wollen, sondern man wird sie hin und wieder erwischen und erwürgen. Dass dies den Juden also begegnet, bezeugt des jüdischen Geschichtsschreibers Josephi Historie ausführlich in den Büchern, die er vom jüdischen Kriege beschrieben. [Denn welche das Evangelium Christi von sich stoßen, die werden danach aus gerechtem Urteil Gottes mit Aufruhr und blutigen Kriegen umgetrieben. Sooft wir aber sehen, mit was großen Fleiß und Geschwindigkeit die Jäger den wilden Tieren stellen und nachjagen, so sollen wir Gott bitten, dass er uns nicht solche Jäger zuschicke, wie die Römer den Juden waren. Und sollen Fürsten, Herren und vom Adel mit dem Jagen sich ergötzen und ihre Vergnügen treiben, dass sie nicht, wenn sie den Untertanen damit ganz zu überlästig sind, andere grausame Jäger und Feinde sich selbst und den ihrigen über den Hals ziehen].

17. Denn meine Augen sehen auf alle ihre Wege, dass sie vor mir sich nicht verhehlen können; und ihre Missetat ist vor meinen Augen unverborgen.

Denn: Folgt jetzt die Ursache, warum Gott den Juden solche Jäger hat wollen zuschicken.

Nicht verhehlen: Ich sehe ihren ganzen Wandel und ist mir ihre Bosheit unverborgen. [Denn obgleich die Menschen eine Zeit lang ihre bösen Taten vor anderen Leuten verbergen können, so sind sie doch darum vor Gott nicht verborgen, weil er auch die innersten Gedanken des Herzens erforscht. Doch werden den Bußfertigen und denen, die an Christus glauben, die Sünden also zugedeckt, dass sie ihnen nicht mehr zu gerechnet werden].

18. Aber zuvor will ich ihre Missetat und Sünde zweifach bezahlen, darum dass sie mein Land mit den Leichen ihrer Abgötterei verunreinigt und mein Erbe mit ihren Gräueln vollgemacht haben.

Zweifach bezahlen: Und sie mit schweren Strafen heimsuchen, dass jedermann bekennen muss, ich habe an meinem gerechten Zorn nichts zurückgelassen. [Denn wo die Menschen die Sünden häufen, da häuft auch Gott die Strafen].

Mein Land: Nämlich das Land Kanaan, welches ich insbesondere als mein vornehmstes Erbteil in Acht nehme, das haben sie mit gräulichen Mordtaten verunreinigt, indem sie ihre Söhne und Töchter dem Abgott Moloch aufgeopfert, welche Sache vor meinen Augen der allergrößte Gräuel ist. [Obwohl man nun in den Historien nicht liest, dass die Juden nach der Geburt Christi dem Abgott Moloch ihre Kinder aufgeopfert haben. Jedoch weil sie die Religion mit vielfältigem Aberglauben und Heuchelei verfälscht und das Evangelium Christi gelästert, auch Christus selbst ans Kreuz gehängt, so braucht der Prophet solche Wörter und Art zu reden, wie sie zu seiner Zeit gebräuchlich waren. Denn diese ihre Bosheit ist größer gewesen als die vorige. Und welche heutzutage ihre Kinder in die Klöster stoßen, die tun ärger, als jene, die ihre Kinder dem Abgott Moloch verbrannten].

Leichen: nach Luther]. Dass sie viele Kinder opferten und dem Moloch verbrannten.

19. Herr, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not. Die Heiden werden zu dir kommen von der Welt Ende und sagen: Unsere Väter haben falsche und nichtige Götter gehabt, die nichts nützen können.

Herr: Jetzt lässt der Prophet die verstockten Juden in ihrer Bosheit fahren und dankt Gott für seinen väterlichen Schutz und Verheißungen von dem Reiche Christi.

Kraft: Der du mich bisher wunderlich gestärkt und erhalten hast, dass ich meiner Feinde Anlauf und die Anstöße der vielfältigen Anfechtungen, mit standhaftem Gemüt habe können ausstehen. [Denn unsere Kräfte wären sonst zu schwach dazu und vermöchten nicht genügenden Widerstand zu tun in den Versuchungen].

Not: Wenn ich überall geängstigt werde, so fliehe ich mit meinem Gebet zu dir und werde erhalten. [Denn Gott ist ein gewisses Fluchthaus aller gottseligen und Frommen].

Kommen: Das ist, wenn die Heiden das Evangelium von Christo gehört haben, so werden sie dasselbe Annehmen und ihr und ihrer Voreltern falschen heidnischen Religion verdammen, auch erkennen und bekennen, dass bei den Götzen keine Hilfe noch Trost zu erwarten sei. [Aber die Katholiken wollen in solchem hellen Licht des Evangeliums viel lieber die erkannte Wahrheit verdammen und verfolgen, als ihrer Voreltern Irrtümer bekennen und verwerfen].

20. Wie kann ein Mensch Götter machen, die nicht Götter sind?

Wie kann: Also werden die bekehrten Heiden sagen, sind wir nicht toll und töricht gewesen, da wir vorzeiten uns unterstanden haben Götter zu machen, welches eben so viel gewesen, als wenn das Werk seinen Meister, ein Topf den Töpfer machen wollte? Und wie sollte doch das können ein unsterblicher Gott sein, der von einem sterblichen Menschen gemacht wurde? [In diesem Stück sind die Katholiken nicht um ein Haar besser als die Heiden, da sie noch in ihrer Blindheit gewesen, denn sie lassen sich Götzen machen, ehren sie und beten sie an. Und ob sie es wohl heftig leugnen, als ob sie dieselben nicht anbeteten, so ist doch solches eine unverschämte Frechheit, weil die Tat an sich selbst dagegen bezeugt].

21. Darum siehe, nun will ich sie lehren und meine Hand und Gewalt ihnen kundtun, dass sie erfahren sollen, ich heiße der Herr.

Sie lehren: Nämlich die Heiden will ich mit meinem Evangelium durch Mitwirkung des Heiligen Geistes nach und nach je länger je mehr erleuchten, dass sie meine Allmacht und Stärke erkennen, damit ich den Tod, Teufel und Hölle überwunden und mit meinen Sieg das menschliche Geschlecht erlöst habe. Und will ihnen zeigen, dass ich unüberwindlich sei, wider alle meine Feinde, die das Evangelium begehren zu vertilgen. Darum werden die bekehrten Heiden an mich glauben und mich nicht nur für einen Menschen, sondern auch für den wahren ewigen Gott und Herrn Himmels und der Erde erkennen. [Denn es hätte Christus den Tod, Teufel und Hölle nicht überwinden können noch seine Gewalt unterwürfig machen, wenn er nicht ewiger wahrer Gott wäre und eines Wesens mit dem Vater].


Das 17. Kapitel


1. Der Prophet erzählt der Juden Abgötterei und ihre Strafe nach längst. v. 1. 2. Und lehrt, dass diejenigen verflucht sind, welche auf der Menschen Kraft und Reichtum sich verlassen, hingegen aber sind die selig, welche auf Gott hoffen. v. 5. 3. Endlich vermahnt er, dass man den Sabbat recht feiern soll. v. 19.

1. Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernen Griffeln und mit spitzigen Demanten geschrieben und auf die Tafel ihres Herzens gegraben und auf die Hörner an ihren Altären,

Die: Der Prophet klagt abermals über der Juden Halsstarrigkeit, in Handhabung der Abgötterei, darauf die Babylonische Gefangenschaft erfolgen würde.

Gegraben: Denn gleichwie solche Sachen, die mit eisernen Griffeln oder Instrumenten in Kupfer gestochen werden (in Maßen man vorzeiten die Gesetze auf solche Tafeln zu stechen pflegten) oder mit einem spitzigen Demant in andere Edelsteine geschnitten werden, nicht können abgewischt oder ausgelöscht werden, also kann man die Abgötterei diesem halsstarrigen Volk nicht aus dem Herzen bringen, weil sie in ihrem Herzen gleichsam gestochen oder gegraben ist und in ihrem Mark und Beinen klebt. Ja die Abgötterei steckt ihnen so ganz in den Augen und im Herzen, dass sie in allen ihren Opfern nur darauf sehen, wie die Abgötterei möge in vollem Schwange gehen, gerade als ob sie die falschen Gottesdienste an ihren vier kleinen Säulen oder Hörnern, die auf den vier Ecken des Altars zur Zierde stehen, geschrieben hätten, dass man derselben nie mehr vergessen könnte. [Denn die falsche Religion wurzelt so tief ein in der Menschen Herzen, dass sie mit keiner menschlichen Gewalt kann daraus gerissen werden, wo nicht Gott durch die sonderbare Kraft des Heiligen Geistes des Menschen Herz erleuchtet und erneuert. Solcher Halsstarrigkeit Beispiel sieht man an den Katholiken, die das Opfer der Messe ohne aufhören verteidigen. An den Zwinglianern, die nach so vielen Ermahnungen ihren Irrtum behalten, an den Wiedertäufern, die von ihrer einmal gefassten Schwärmerei nicht wollen abstehen. Darum sollen wir wissen, dass ihre Halsstarrigkeit eine gräuliche Blindheit sei und keines Weges eine heilsame Standhaftigkeit].

2. Dass ihre Kinder denken sollen derselben Altäre und Haine bei den grünen Bäumen, auf den hohen Bergen.

Ihre: Nämlich derer, die in der Abgötterei abgestorben sind.

Altar: Auf denen die Abgötterei gleichsam eingegraben ist und die Eltern also ihre falschen Gottesdienste auf ihre Nachkommen gelangen lassen, welche mit einer besonderen Freude daran denken.

Hainen: Oder Lustwäldern, die ihre Voreltern gepflanzt haben.

Bäumen: Darunter sie ihre abgöttischen Altare gebaut.

Bergen: So hin und wieder auf dem Felde sind. Denn die Juden hatten eine besondere Lust zu den Bergen und Hügeln, die allein standen und rings herum ein ebenes Feld hatten, daher man die Gottesdienste desto besser und weiter sehen konnte. [Also haben auch die Katholiken auf den runden und lustigen Hügeln hin und wieder ihre abgöttischen Kapellen gebaut].

3. Aber ich will deine Höhen beide, auf Bergen und Feldern, samt deiner Habe und allen deinen Schätzen in die Rapuse geben um der Sünde willen, in allen deinen Grenzen begangen.

Sünde: nach Luther]. Das ist, ihre Abgötterei treiben sie hart und stiften sie fest, dass sie sollen bleiben bei den Nachkommen, gleichwie bei uns die Messe.

Begangen: Das ist, weil ihr Juden dergestalt, wie vor gemeldet, an euer Voreltern Abgötterei so ein großes Gefallen tragt, dass ihr die selbige als eine erbliche Besitzung handhabt. So sollt ihr um solcher eurer Sünde willen, die ihr mit den Opfern an ungebührlichen Orten außerhalb der Stadt Jerusalem, in allen euren Grenzen, wider den ausdrücklichen Befehl Gottes begangen, aus dem guten Lande Kanaan verstoßen werden. [Denn je mehr die falsche Religion und Abgötterei fortgepflanzt und getrieben wird, je heftiger Gott erzürnt wird].

4. Und du sollst aus deinem Erbe verstoßen werden, das ich dir gegeben habe und will dich zu Knechten deiner Feinde machen in einem Lande, das du nicht kennst; denn ihr habt ein Feuer meines Zorns angezündet, das ewig brennen wird {Jer 15v14}.

Nicht kennst: Gen Babel, welches Land du bis daher noch nie gesehen hast, aber einmal mit deinem großen Schaden und Herzeleid wirst sehen müssen, da du hättest können in deinem Lande herrschen, wenn du nur mir hättest wollen folgen und von der Abgötterei und anderen Lastern dich enthalten. [Denn die falschen Gottesdienste bringen einen um Leib und Gut. Und ist die päpstliche Abgötterei die eigentliche und vornehmste Ursache, dass der Türke so viele Länder, die den Christen vorzeiten zustehen gewesen, in eine jämmerliche Dienstbarkeit bezwungen hat].

ewig: Also dass ich nicht ablassen werde, euch zu verfolgen, bis dass ich euch von der Erde vertilgt habe und wo ihr vor dem Ende eures Lebens nicht werdet Buße tun, so werdet ihr auch im ewigen höllischen Feuer ohne aufhören brennen müssen. [Deswegen sollen wir uns hüten, dass wir den Zorn Gottes mit unseren Sünden und unbußfertigem Leben wider uns nicht anzünden].

5. So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und mit seinem Herzen vom Herrn weicht!

So: Es ist zu etlichen Malen angezeigt worden, dass der Propheten Predigten nicht einerlei Gattung gewesen, sondern nachdem ihnen Anlass und Gelegenheit gegeben ist worden, haben sie auch die Predigten geändert und danach gerichtet. Derselben mancherlei Inhalte, so aus unterschiedlichen Predigten zusammengefasst wurden, werden in ihren Schriften untereinander erzählt. Also handelt auch allhier der Prophet Jeremia von einer besonderen Sache, so zu der vorigen nicht gehört, dass nämlich etliche Leute auf Menschen Hilfe sich verließen und nicht auf Gott ihre Hoffnung setzten.

Menschen: [Denn es sind alle Menschen Lügner {Ps 116}].

Arm: Dass er sich auf eines Menschen Macht oder Stärke verlässt, die er mehrerenteils in den Armen hat.

Weicht: Dass er Gott nicht allein traut. [Denn gleichwie niemand zwei Herren dienen kann. Also kann auch niemand zugleich Gott und den Menschen vertrauen].

6. Der wird sein wie die Heide in der Wüste und wird nicht sehen den zukünftigen Trost, sondern wird bleiben in der Dürre, in der Wüste, in einem unfruchtbaren Lande, da niemand wohnt {Jer 48v6}.

Nicht sehen: Er wird der Guttaten nicht teilhaftig werden, die Gott seinem Volk erzeigen wird. [Denn welche auf Menschen sich verlassen, die haben kein Glück und wird ihnen weder von Gott noch von Menschen geholfen, wo sie anders nicht ernstliche Buße tun, sondern sitzen zwischen zwei Stühlen nieder].

Dürre: nach Luther]. Das ist, er wird unselig bleiben.

Niemand wohnt: Das ist, er wird des Segens und der göttlichen Guttaten nicht genießen, eben als wenn jemand in der dürren Wüste ein elendes Leben führt, da er nichts als unfruchtbare Bäume, Dornenhecken, Steine und Felsen vor sich sehe. [Denn welche auf Menschen ihr Vertrauen haben, die fallen endlich in Verzweiflung, wo Gott ihnen nicht mit seiner Barmherzigkeit zu Hilfe kommt].

7. Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und der Herr seine Zuversicht ist {Ps 2v12 34v9 Spr 16v20}!

Gesegnet: Jetzt lehrt der Prophet im Gegenteil, wie es so sicher und heilsam sei, wenn man auf Gott den Herrn hofft.

Verlässt: Der all seine Hoffnung zu Gott seinem Herrn hat. [Die aber können auf Gott nicht hoffen noch seiner Hilfe sich getrösten, welche beharrlich in Sünde wider das Gewissen fortfahren, sondern nur die, so Buße tun].

8. Der ist wie ein Baum am Wasser gepflanzt und am Bach gewurzelt. Denn obgleich eine Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün und sorgt nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern er bringt ohne Aufhören Früchte {Ps 1v3}.

Gewurzelt: Daher er ganz fruchtbar ist, weil er mit seinen Wurzeln die Feuchtigkeit aus den nebenhin fließenden Bächen an sich ziehen kann, also dass ihm auch von der aller größten und langwierigsten Hitze keine Gefahr noch Schaden entstehen mag. Ebenmäßig redet auch der erste Psalm von einem frommen Menschen.

Kommt: Dass es nicht regnet und daher eine große Dürre entsteht, so darf man sich doch nicht besorgen, dass solcher Baum etwa verdorren möchte.

Früchte: Es kann ihn keine dürre Zeit unfruchtbar machen. [Denn obwohl die Frommen, so auf den Herrn trauen, viel große Anfechtungen und Trübsal in dieser Welt ausstehen, so werden sie doch in solcher Hitze der Anfechtungen von Gott wunderlich erhalten, da unterdes viele andere verzagen und verloren werden. Welche aber auf den Herrn trauen, ob ihnen gleich in dieser Welt viel Widerwärtiges zu Händen geht und bisweilen auch, dem Ansehen nach, mit einem unzeitigen Tode hingerafft werden, so sind sie doch deshalb nicht ganz verloren, sondern werden ins himmlische Paradies versetzt. Unterdes aber, weil sie in diesem Jammertal leben, hören sie nie auf, fruchtbar zu sein, mit guten Werken, die Gott zu Ehren und dem Nächsten zu Nutzen gereichen].

9. Es ist das Herz ein trotziges und verzagt Ding; wer kann es ergründen?

Es: Jetzt predigt der Prophet von der verdorbenen Natur des menschlichen Herzens und zeigt an, wie es damit nach dem Fall beschaffen sei. Als wollte er sprechen, es ist unglaublich, was für ein verkehrtes Ding es um des Menschen Herz sei. Denn wenn es wohl zugeht, so trachtet es seinem Nächsten mit Hinterlist nach oder überhebt sich auch öffentlich über ihn und scheut sich nicht vor Gott, wenn es nur seine Begierde erfüllen mag, wenn aber ein Unglück hereinfällt, so zittert, zagt, flieht und verzweifelt es.

Herz: nach Luther]. Wenn es übel geht, so ist eitel Verzagen, wenn es wohl geht, so kann es niemand zwingen noch halten in seinem Mutwillen, hilft kein Strafen, weiß sich auszudrehen und zu schmücken, auch wider Gottes Wort. Aber doch hilft es nicht. Auf Deutsch sagen wir, es ist ein verzweifelt böses Ding um ein Herz, es kann weder Gutes noch Böses ertragen.

Ergründen: Wer kann es erforschen oder erkundigen, was in eines Menschen Herzen verborgen steckt? [Denn es sind in eines Menschen Herzen viel verborgene und heimliche Dinge, die keine menschliche Weisheit begreifen kann].

10. Ich, der Herr, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen; und gebe einem jeglichen nach seinem Tun, nach den Früchten seiner Werke {1Sam 16v7 Ps 7v10 Jer 20v12 Spr 1v31}.

Prüfen: Mir sind aller Menschen heimlichste Gedanken und Bewegungen oder Zuneigungen ihrer Herzen bekannt.

Seinem Tun: Ich handle mit einem jeden, nach dem er ist, und gehe mit ihm um, nachdem er sein Leben anstellt. [Kann deswegen niemand Gottes Gerichte einiger Unbilligkeit beschuldigen, weil ihm allein aller Menschen Herzen offen stehen und er allein am besten weiß, wie ein jeder gelebt hat, darum wird ihn kein Heuchler betrügen können. Obwohl nun alle Sünder von wegen ihrer bösen Gedanken, Begierde und Werken der zeitlichen und ewigen Strafen wert wären, so werden doch denen, die Buße tun und an Christus glauben, die Sünden nicht zugerechnet. Denn er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat, wie der 103. Psalm lehrt].

11. Denn gleichwie ein Vogel, der sich über Eier setzt und brütet sie nicht aus, also ist der, so Unrecht Gut sammelt; denn er muss davon, wenn er es am wenigsten achtet und muss doch zuletzt Spott dazu haben.

Denn gleich: Weil unter anderen der Reichtum, so mit Unrecht zuwege gebracht wird, oft den Leuten Anlass gibt, dass sie stolz werden und auf ihre Güter sich verlassen, so zeigt der Prophet mit wenigen Worten an, wie so ganz nichtig ihr Vertrauen sei.

Nicht aus: Wie die Rebhühner, so ihre Eier auf dem Felde und in das Gras legen, davon sie oft vertrieben werden, dass sie solche nicht ausbrüten können.

Unrecht Gut: Das er entweder mit Betrug zuwege gebracht oder mit Gewalt genommen hat.

Zuletzt: Nämlich im Tode werden andere erkennen, wie unweislich und närrisch er gehandelt, dass er den ewigen Gütern die irdischen vorgezogen, welche er doch nicht lange besitzen noch derselben recht genießen könne. [Denn auf solche Reichen gehört der Spruch Christi {Lk 12}. Du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern und wes wird es sein, dass du bereitet hast? Also geht es, wer sich Schätze sammelt und ist nicht reich in Gott, das ist, an himmlischen Schätzen].

12. Aber die Stätte unseres Heiligtums, nämlich der Thron göttlicher Ehre, ist immer fest geblieben.

Fest geblieben: Das ist, obwohl die Kinder dieser Welt auf ihren Reichtum sich verlassen und sich derselben rühmen. So rühmen und freuen wir uns doch des, nicht dass wir viel Güter besitzen, sondern dass du, Herr, bereits vorlängst dich uns geoffenbart hast und mit großer Majestät in deinem heiligen Tempel unter uns wohnst, auch durch das Wort und die Sakramente im heiligen Predigtamt so von dir eingesetzt ist, uns heiligst, dass wir unter deine Kinder gezählt werden.

13. Denn, Herr, du bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden und die Abtrünnigen müssen in die Erde geschrieben werden; denn sie verlassen den Herrn, die Quelle des lebendigen Wassers {Jer 2v13}.

Hoffnung Israel: Also dass, obgleich ihrer viele unter diesem Volk dich nicht achten, so sehen doch die Auserwählten nach dir. [Denn wo das Predigtamt des göttlichen Wortes ist, da ist auch eine Kirche, obgleich der größere Teil gottlos ist].

Verlassen: Und entweder auf ihre falschen Gottesdienste oder auf Menschen oder auch auf die zeitlichen Güter ihr Vertrauen setzen.

Zuschanden werden: Dass sie in ihrem Elend keine Hilfe finden werden.

Geschrieben: Das ist, ihr Gedächtnis wird ausgetilgt werden und wird man sie nicht unter die Seligen finden noch ihre Namen im Buch des Lebens geschrieben.

Quelle: Sie haben sich von dem ewig fließenden und unerschöpflichen Brunnen aller zeitlichen und himmlischen Güter abgewandt. [Denn welche Gott nicht recht und gottselig ehren, die haben kein rechtes Glück, noch Heil zu erwarten].

14. Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.

Heile: Weil die Frommen in diesem Leben dennoch mit vielen Anfechtungen zu tun haben, so setzt der Prophet ein Gebet hinzu zur Stärkung seines Glaubens und will so viel sagen, ich empfinde unter so viel Trübsal und Anfechtungen die Schwachheit des Glaubens und viel menschliche Gebrechen, schwebe dazu in viel und großer Gefahr Leibes und der Seelen. Darum sei du mein Arzt, stärke meinen Glauben und Hoffnung und komm mit deinem Heiligen Geiste der Schwachheit meines Fleisches zu Hilfe, treibe die Gefahr ab und errette mich, so wird mir in der Wahrheit und Recht geholfen werden. Solches bin ich von dir gewärtig und rühme mich immer deiner Güte und Allmacht, dass du mich bisher niemals verlassen hast. [Darum sollen auch wir mit dem Propheten und Aposteln bitten, Herr mehre uns den Glauben {Lk 17}].

15. Siehe, sie sprechen zu mir: Wo ist denn des Herrn Wort, Lieber, lass hergehen {2Petr 3v4}!

Sie: Die Spötter und Verächter deines Wortes.

Hergehen: Du hast uns aus dem Worte Gottes weiß nicht was für schreckliche Strafen gedroht, aber wo bleiben sie, warum lässt du nicht kommen, was du zuvor verkündigt hast? Lebe ich also in großer Verachtung von wegen meines Predigtamts. [Denn der gottlose Haufe glaubt den göttlichen Drohungen nicht, bis das Unglück mit Haufen hereinfällt].

16. Aber ich bin drum nicht von dir geflohen, mein Hirte, so habe ich Menschentage nicht begehrt, das weißt du; was ich gepredigt habe, das ist recht vor dir {1Kor 4v3}.

Geflohen: Ich habe nichts Weiteres getan, denn was mein Amt ausweist, darum werde ich ohne mein Verschulden angefeindet und geplagt, denn ich aus meinem ordentlichen Beruf nicht schreiten soll, welches du mir aufgelegt hast.

Tage: nach Luther]. Das ist, nicht Ruhm bei den Menschen gesucht, die doch elend und nichts sind in ihrem Ruhm, Leben und Tagen.

Weißt du: Es ist dir als einem Herzenskundigen unverborgen, dass ich mich zu dem Predigtamt nicht selber eingedrungen habe und dass ich keinen Ruhm bei den Menschen gesucht, sondern ich bin meinem Beruf nachgekommen.

Ist recht: Ich weiß, dass ich nichts anders gelehrt, denn was dir gefällt. [Es ist aber einem Kirchendiener ein großer Trost, wenn er wahrhaftig rühmen kann, dass er ordentlicherweise berufen wurde, nichts aus Ehrgeiz getan und nichts anderes als das Wort Gottes gelehrt habe].

17. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Not!

Nicht schrecklich: Als wollte er sprechen: Ich habe genug derer, die mich mit Lästerungen, Drohungen und Schmachworten irremachen, wenn nur allein du mein Gott und Herr mich nicht auch in meinem Gewissen schreckst und dich stellst, als ob du mir zuwider wärest, sondern sei du mein Trost in solchem meinem Elend. [Denn das ist die allergrößte Anfechtung, wenn wir uns einbilden, Gott der Herr stehe unserem Widerpart bei].

18. Lass sie zuschanden werden, die mich verfolgen und mich nicht; lass sie erschrecken und mich nicht; lass den Tag des Unglücks über sie gehen und zerschlage sie zweifach {Jer 16v18}!

Schanden werden: Dass ihr Vornehmen keinen Fortgang gewinne, weil sie viel mehr wert sind, dass sie mit Schanden bestehen, als ich.

Erschrecken: Wenn sie deine Rache in der Tat empfinden werden.

Mich nicht: Der ich meinem Predigtamt bisher mit gutem Gewissen obgelegen bin und sein mit Fleiß abgewartet habe. [Denn ein gutes Gewissen macht die Leute beherzt und mutig, auch mitten in der Gefahr].

Zweifach: Handle mit ihnen, nach ihrem Verdienst, auf dass jedermann erkenne und bekenne, wie du die lange Aufschiebung der Strafe mit der Schwere wieder hereingebracht hast. Denn sie begehren so gar nicht Buße zu tun, dass sie auch dein Wort, welches sie von Sünden abmahnt, noch dazu mit giftigem Gespött auslachen. [Denn ob wir wohl für diejenigen bitten sollen, bei denen noch Hoffnung zur Bekehrung vorhanden ist. So können wir doch auch aus göttlichem Eifer wider die recht beten, bei welchen man keine Hoffnung der Buße spürt].

19. So spricht der Herr zu mir: Gehe hin und tritt unter das Tor des Volkes, dadurch die Könige Judas aus und eingehen und unter alle Tore zu Jerusalem

So: Folgt jetzt eine andere Predigt, darin der Prophet des Sabbats Heiligung fordert.

Tor: Predige unter dem Tor, da das Volk und die Obrigkeit sich oft pflegen zu versammeln und in einer allgemeinen Versammlung Gericht halten, damit sie allerhand streitige Sachen unter den Leuten entscheiden.

Alle Tore: Da jedermann aus und eingeht, er sei Bürger oder Bauer.

20. und sprich zu ihnen: Hört des Herrn Wort, ihr Könige Judas und ganz Juda und alle Einwohner zu Jerusalem, so zu diesem Tor eingehen!

Könige: Oder Regenten und Obersten im Volk.

21. So spricht der Herr: Hütet euch und tragt keine Last am Sabbattage durch die Tore hinein zu Jerusalem

Hütet euch: Habt wohl und mit Fleiß Acht darauf, dass ihr das Gebot des Herrn von der Heiligung des Sabbats nicht übergeht.

Sabbattage: Welchen Tag Gott zur Ruhe und Übung des Gottesdienstes besonders geheiligt und eingesetzt hat, auf dass ihr demselben dienen, mein Wort hören und den Opfern beiwohnen könnt, die von dem zukünftigen Opfern des Messias euch erinnern, darum so enthaltet euch von allen täglichen weltlichen und häuslichen Geschäften und geht nur mit den Religionsverrichtungen um.

22. und führt keine Last am Sabbattage aus euren Häusern und tut keine Arbeit, sondern heiligt den Sabbattag, wie ich euren Vätern geboten habe {2Mos 20v8 23v12 31v13}.)

Geboten: Auf dem Berge Sinai, da ich ihnen das Gesetz gab. [Obwohl nun wir heutigentags in der Christenheit den Sabbat zu halten nicht gebunden sind wie die Juden und die Feiertage um des Menschen willen, der Mensch aber nicht um der Feiertage willen ist. So sollen wir doch, sofern uns nicht die hohe Not dazu dringt, die Zeiten nicht ohne Ordnung durcheinander werfen, dass wir an den Werktagen meistenteils müßiggehen und an den Sonn- oder Feiertagen dergleichen Sachen verrichten wollten, was wir die vorigen Tage versäumt haben. Sondern an den Werktagen sollen wir arbeiten und an den Feiertagen uns und anderen Leuten Ruhe lassen, doch nicht zu des Fleisches Mutwillen, sondern zur angemessenen Erquickung und Erlustigung, besonders aber zu der Heiligung des Sabbats, dass wir nämlich Gottes Wort hören, betrachten und unseren Glauben durch den Brauch des heiligen Abendmahls stärken].

23. Aber sie hören nicht und neigen ihre Ohren nicht, sondern bleiben halsstarrig, dass sie mich ja nicht hören noch sich ziehen lassen.

Hören nicht: Denn ob du ihnen gleich viel wirst vorpredigst (sagt Gott zum Propheten), so weiß ich doch vorhin wohl, dass du wenig Nutzen bei ihnen schaffen wirst und werden ihrer der mehrere Teil nicht gehorchen noch deiner Ermahnung folgen. [Obwohl man nun bei dem größeren Teil der Leute nichts ausrichtet, so muss man dennoch aufhalten mit Lehren, Ermahnen und Schelten, ob man zum wenigsten etliche wieder auf den rechten Weg bringen und dem Verderben aus dem Rachen reißen könnte].

24. So ihr mich hören werdet, spricht der Herr, dass ihr keine Last tragt des Sabbattages durch dieser Stadt Tore ein, sondern den selbigen heiligt, dass ihr keine Arbeit an dem selbigen Tage tut,

Hören werdet: Dass ihr den Sabbat recht und gebührlich heiligt. Alsdann soll es im Regiment wohl stehen und überall recht zugehen, Gott wird die ordentliche rechtmäßige Obrigkeit geben und erhalten, die mit gebührender Majestät das Volk regieren wird, und werden die Untertanen im glücklichen Zustande ihr Leben verbringen.

25. so sollen auch durch dieser Stadt Tore aus und eingehen Könige und Fürsten, die auf dem Stuhl Davids sitzen und reiten und fahren, beide, auf Wagen und Rossen, sie und ihre Fürsten, samt allen, die in Juda und zu Jerusalem wohnen; und soll diese Stadt ewig bewohnt werden {Jer 22v4}.

Bewohnt: Dass sie nicht zerstört, noch von den Feinden soll erobert werden.

26. Und sollen kommen aus den Städten Judas und die um Jerusalem her liegen und aus dem Lande Benjamin, aus den Gründen und von den Gebirgen und vom Mittage, die da bringen Brandopfer, Opfer, Speiseopfer und Weihrauch zum Hause des Herrn.

Kommen: Nämlich die übrigen Israeliten.

Benjamin: Welcher Stamm sein Erbteil um Jerusalem her hatte.

Mittage: Nämlich aus Ägypten, welche Landschaft den Israeliten etlichermaßen gegen Mittag gelegen war.

Speiseopfer: Die meistenteils vom Mehl oder gebackenem Brot zugerichtet wurde {3Mos 2}.

Weihrauch: Den man vielfältig bei den Opfern brauchte. Denn obwohl die levitischen Zeremonien, durch die Zukunft des Mittlers Christi einmal sollten aufgehoben werden und ein Ende nehmen, so wäre dennoch die Stadt Jerusalem nicht zerstört worden, wenn die Juden den Propheten gefolgt hätten, die sie zur Buße ermahnte. Und wären die levitischen Opfer geblieben bis zur bestimmten Zeit, danach wäre die Predigt des Evangeliums von dem Sohn Gottes samt der Taufe und dem Abendmahl darauf erfolgt.

27. Werdet ihr mich aber nicht hören, dass ihr den Sabbattag heiligt und keine Last tragt durch die Tore zu Jerusalem ein am Sabbattage, so will ich ein Feuer unter ihren Toren anstecken, dass die Häuser zu Jerusalem verzehren und nicht gelöscht werden soll.

Nicht gelöscht: Bis die Stadt allerdings verbrannt und in die Asche gelegt werde. [Dass aber der Prophet die Erhaltung der Stadt verheißt, wenn der Sabbat geheiligt werde, hingegen aber ihren Untergang droht, da man demselben nicht gebührlich heiligen wolle, hat nicht die Meinung, dass es alles an der äußerlichen Haltung des Sabbats gelegen wäre, sondern das will der Heilige Geist lehren, wenn der Sabbat recht geheiligt werde, mit Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes und man den Glauben mit den heiligen Sakramenten stärke, so lerne das Volk als denn Gott recht erkennen, recht ehren und ein gottseliges Leben führen, welche Gottseligkeit mit zeitlichen und himmlischen Guttaten von Gott belohnt werden. Wenn aber das Volk Gottes Wort und das Predigtamt verachtet, keine Predigten hört, noch viel weniger der Sakramente sich achtet, so gerät es nach und nach in Verachtung Gottes, fällt in ein sicher rohloses Leben und treibt allerhand gräuliche Sünden, Schanden und Laster, darauf die Zerstörung der allerherrlichsten Länder und Königreiche unzweifelhaft erfolgt. Darum sollen wir den Sabbat nach christlichem Brauch recht heiligen].


Das 18. Kapitel


1. Erstlich wird angezeigt, wie es Gott dem Herrn freistehe, die Unbußfertigen nach ihrem Verdienst zu strafen. v. 1. 2. Des Propheten Vermahnungen will niemand hören und wendet sich das Volk viel eher vom rechten Wege, als der Schnee von der Hitze verschmilzt. v. 12. 3. Der Prophet wird von denen, welchen er Gutes gönnt, übel gehalten, befiehlt aber seine Sache Gott und zeigt an, was die Feinde der Knechte Gottes zu erwarten haben. v. 18.

1. Dies ist das Wort, das geschah vom Herrn zu Jeremia und sprach:

Dies: Gott zeigt dem Propheten in eines Töpfers Haus mit einem Gleichnis, wie der Menschen Wohlfahrt und Verderben in seiner Gewalt stehen, dass er nämlich die Bußfertigen erhalte, die Unbußfertigen aber ins Verderben stürze und will, dass er dem Volk solches mit allem Fleiß vorhalten soll.

2. Mache dich auf und gehe hinab in des Töpfers Haus; dort will ich dich meine Worte hören lassen.

Hören lassen: Und will dir meinen Willen da offenbaren, auch ferner Bericht mitteilen, wie du dich zu verhalten hast.

3. Und ich ging hinab in des Töpfers Haus; und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe.

Scheiben: Die er mit den Füßen herumdrehte, auf dass er einen Topf aus dem Lehm machte, so er darauf gelegt hatte.

4. Und der Topf, so er aus dem Ton machte, missriet ihm unter den Händen. Da machte er wiederum einen anderen Topf, wie es ihm gefiel.

Missriet: Dass es ihm damit nicht ging nach seines Herzen Wunsch und wie er es vorhatte.

Anderen Topf: Also dass er den Lehm oder Ton, so er zum vorigen Topf gebraucht und aber derselbe nicht geraten wollte, wieder zu einem Klumpen gemacht und einen anderen Topf daraus formiert, nachdem es ihm beliebt.

5. Da geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Geschah: Das ist, der Heilige Geist offenbarte mir es und gab mir einen göttlichen Bericht, welchen ich den Israeliten vorhalten soll.

6. Kann ich nicht auch also mit euch umgehen, ihr vom Hause Israel, wie dieser Töpfer? Spricht der Herr. Siehe, wie der Ton ist in des Töpfers Hand, also seid auch ihr vom Hause Israel in meiner Hand {Röm 9v20 v21}.

Töpfers Hand: Dass er ein Geschirr daraus macht und wenn ihm dasselbe nicht gefällt, dass er es wiederum zerbricht und von neuen anders formiert.

Meiner Hand: Dass ich euch entweder zunichtemache und verderbe, wenn ihr böse und widerspenstig seid, oder erhalte und in euren vorigen Wohlstand wieder bringe, wenn ihr Buße tut.

7. Plötzlich rede ich wider ein Volk und Königreich, dass ich es ausrotten, zerbrechen und verderben wolle {Jer 1v10}

Verderben wolle: Von wegen der Bosheit, damit es sich verunreinigt und versündigt hat, wie ein irdisches Geschirr, das seinem Meister nicht geraten will, sondern untauglich und zu nichts nütze ist, darum er es richtig wieder zu Haufen schlägt. Und wenn ich ein solches Volk vertilgen will, wer wird mir es wehren?

8. Wo sich es aber bekehrt von seiner Bosheit, dagegen ich rede, so soll mich auch reuen das Unglück, das ich ihm gedachte zu tun {Hes 18v21 33v11}.

Rede: Dass ich ihm den Untergang drohe.

Gedacht: Wenn es nicht Buße getan hätte. Darum steht es in meiner Gewalt, ein Volk zu erhalten oder zu verderben, nachdem es Buße tut oder in seiner Bosheit beharrt. [Werden deswegen den Bußfertigen nicht allein die Sünden von Gott verziehen, dass sie ihnen zur ewigen Verdammnis nicht zugerechnet werden, sondern es werden auch die zeitlichen Strafen entweder allerdings aufgehoben oder doch gelindert].

9. Und plötzlich rede ich von einem Volk und Königreich, dass ich es bauen und pflanzen wolle.

Rede ich: Durch meine Propheten, dass ich wolle verschaffen, damit solches Königreich sehr zunehme und herrlich hervorkomme.

10. So es aber Böses tut vor meinen Augen, dass es meiner Stimme nicht gehorcht, so soll mich auch reuen das Gute, das ich ihm verheißen hatte zu tun.

Böses tut: Dass es sich zur Bosheit und zu Sünden abwendet.

Stimme: Meinen Vermahnungen und Warnungen, wie es sich bekehren und bessern soll.

Reuen: Ich will meine Guttaten wieder einziehen, die ich einem solchen Volk zu leisten verheißen hatte. [Denn Gott ist nicht daran gebunden, dass er denen Gutes tun müsste, die seine Gebote verachten, welche deswegen von der Gottseligkeit abweichen, die machen sich selber vergebliche Gedanken, dass es ihnen wohl dabei gehen werde].

Verheißen: Ja auch, welche ich bereits angefangen haben zu erheben, und ein gutes Gefäß aus ihnen zu machen begehrt, da sie nicht geraten wollen, die kann ich in einem Augenblick wiederum zerstoßen. [Sollen wir deswegen Gott fürchten, nach dessen Willen all unser Tun besteht].

11. So sprich nun zu denen in Juda und zu den Bürgern zu Jerusalem: So spricht der Herr: Siehe, ich bereite euch ein Unglück zu und habe Gedanken wider euch; darum kehre sich ein jeglicher von seinem bösen Wesen und bessert eurer Wesen und Tun {Jer 3v14 35v15 Jon 3v8}.

So sprich: Weil nämlich das israelitische Volk der Bosheit nachhängt und die Strafen verdient hat.

Wider euch: Ich habe im Sinn, euch Schaden zuzufügen um eurer Bosheit willen.

Kehre sich: Tut Buße und bessert euer Leben, dass ich euer nach meiner vorigen Verheißung schonen könne und das Übel abwende, so ich euch gedroht habe. [Denn Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe. Darum begehrt er uns durch seine Drohungen zeitlich genug zur Buße zu berufen].

12. Aber sie sprechen: Da wird nichts aus! Wir wollen nach unseren Gedanken wandeln und ein jeglicher tun nach Gedünken seines bösen Herzens {Jer 44v16}.

Nichts aus: Man hofft vergebens auf unsere Bekehrung.

Nach Luther:]. Das lassen wir.

Wandeln: Wir achten uns der Propheten Predigten nicht, sondern wollen tun, was uns recht und gut erscheint und dürfen die Propheten nicht hoffen, dass sie etwas bei uns ausrichten werden. [Obwohl nun deren Leute nicht viel mögen gefunden werden, die öffentlich solcher Reden sich vernehmen lassen von den heiligen Predigten, so reden doch in ihren Herzen, dass es Gott hörte, alle diejenigen also, welche die heilsame und nützliche Ermahnung aus dem Worte Gottes verachten: Was aber das für ein gräuliches gottloses Tun sei, soll ein jeder wohl betrachten].

13. Darum spricht der Herr: Fragt doch unter den Heiden, wer hat je desgleichen gehört, dass die Jungfrau Israel so gar gräuliche Dinge tut?

Heiden: Ob solche Bosheit und Halsstarrigkeit auch bei ihnen gefunden werde, dass sie ihrer Wahrsager Weissagungen so freventlich verwerfen, gleichwie dies Volk die göttlichen Weissagungen verachtet und von sich stößt.

Dinge tut: Denn da dies Volk richtig sollte von allen Lastern befreit sein, so ist es mit aller Bosheit und Sünden aufs allerärgste verunreinigt und befleckt. Was wollen hier die sagen, welche bestreiten, dass die Kirche nicht irren könne, da doch die israelitische Kirche oftmals nicht allein mit schändlichem Leben, sondern auch mit gottloser Abgötterei gräulich sich besudelt hat?)

14. Bleibt doch der Schnee länger auf den Steinen im Felde, wenn es vom Libanon herab schneit und das Regenwasser verschießt nicht so bald, als mein Volk mein vergisst.

Länger: Dass er nicht so bald verschmelzt oder vergeht oder von der Sonne verzehrt wird, als die Israeliten ihres Gottes und Gottesdienstes vergessen. [Diesem Volk sind ganz gleich, welche zwar die Besserung ihres Lebens versprechen, aber bald wiederumschlagen und kaum zwei oder drei Tage von ihren Sünden sich enthalten].

15. Sie räuchern den Göttern und richten Ärgernisse an auf ihren Wegen für und für und gehen auf ungebahnten Straßen,

Göttern: Und nicht dem wahren Gott, welchem sie doch richtig ihr Räucherwerk anzünden sollten.

Ärgernis: Da je einer den anderen mit seinem Beispiel ärgert und verführt.

Ungebahnten: Das ist: Sie verlassen den rechten und richtigen Weg der Gebote Gottes und folgen ihrem eigenen Vernunftsdenken, davon sie doch keine Gewissheit noch Trost haben können. [Also ist es auch mit den Menschensagungen im Papsttum beschaffen, mit welchen die elenden Leute sich viel martern, damit sie die selbige halten mögen und finden dennoch keine Ruhe dabei in ihrem Gewissen. Widerfährt ihnen deswegen, was den Wandersleuten in einem dicken Walde geschieht, da sie den rechten und gebahnten Weg verlieren, dass sie an ungeheuren Orten und dornichte Gebüsche kommen, bis sie endlich nicht wissen, wo sie hinaus sollen].

Nach Luther:]. Das ist: Sie dienen fremden Göttern, welche ihren Vätern unbekannt und ein ungewohntes Ding gewesen ist, wie ein ungebahnter Weg.

16. auf dass ihr Land zur Wüste werde, ihnen zur ewigen Schande, dass, wer vorübergeht, sich verwundere und den Kopf schüttele {Jer 19v8}.

Schüttele: Das ist: Die Heiden werden das jüdische Volk verlachen und verspotten, dass sie eine solche gewaltige Stadt nicht beschützen können. Denn weil die benachbarten Heiden den Juden sehr feind waren, so sah der Prophet wohl, wie es gehen würde, dass nämlich die Heiden aus der zerstörten Stadt ihr Gespött treiben und die Juden, so ins Elend vertrieben, höhnisch auslachen würden. [Denn etliche Gott nicht folgen wollen, die werden für jedermann zu Spott und Schanden].

17. Denn ich will sie durch einen Ostwind zerstreuen vor ihren Feinden; ich will ihnen den Rücken und nicht das Antlitz zeigen, wenn sie verderben.

Ostwind: Denn gleichwie der Ostwind die zarten Pflanzen verderbe, dass sie verdorren, niederfallen und danach zerstreut werden, also will ich den Juden ihre Feinde über den Hals schicken, denen sie nicht werden widerstehen können.

Rücken: Das ist: Wenn sie mit Unglück überfallen werden, so will ich sie nicht mit Gnaden ansehen, dass ich ihnen zu Hilfe käme, sondern gleichwie die zornigen Leute zu tun pflegen, dass sie das Angesicht von ihrem Widerpart abwenden, also will ich meine Gnade und Hilfe ihnen auch entziehen. [Denn wenn die Menschen sich mutwillig von den Geboten Gottes abwenden, so wendet sich Gott auf vorgemeldete Weise wieder von ihnen hinweg, dass sie in der Gefahr keine Hilfe finden].

18. Aber sie sprechen: Kommt und lasst uns wider Jeremia ratschlagen; denn die Priester können nicht irren im Gesetz und die Weisen können nicht fehlen mit Raten und die Propheten können nicht Unrecht lehren. Kommt her, lasst uns ihn mit der Zunge totschlagen und nichts geben auf alle seine Rede!

Sie: Die Juden, anstatt dass sie aus des Propheten Predigten sich hätten bessern sollen, machen sie wider den Propheten einen Anschlag miteinander.

Ratschlagen: Dass wir ihn in Gefahr stürzen und ums Leben bringen, damit er mit seinen harten Strafpredigten uns nicht mehr überlästig sei. [Denn die Kirchendiener sollen sich zu den Verfolgungen bereit und gefasst machen, nach dem Spruch Christi, haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen {Joh 15}].

Denn: Jetzt setzen sie die Ursache hinzu, warum man den Propheten nicht länger dulden soll, der die damals gebräuchlichen Gottesdienste nicht wolle passieren lassen und all ihr Tun Unrecht schelte.

Nicht irren: Wir bedürfen des ketzerischen Predigers gar nicht, der unseren Gottesdienst verwirft, gerade, als ob unsere Priester das Gesetz Mose verloren hätten und nicht mehr wüssten, mit was Zeremonien und Gebräuchen man Gott dienen müsste, so will er sich auch unsere Anschläge nicht gefallen lassen, dass wir uns um Hilfe in Ägypten bewerben, als ob unsere Ratsherren und Räte keinen Verstand mehr hätten, dass sie wüssten, mit was Ratschlägen ein baufälliges Regiment zu unterstützen wäre und predigt uns danach viel von, weiß nicht was für bösen Gebräuchen, als ob wir nicht Lehrer genug hätten, die uns wüssten vorzuhalten, was nützlich und heilsam wäre. Darum hinweg mit dem Ketzer Jeremia, der weder von göttlichen noch menschlichen Sachen etwas weiß. [Mit gleichem Geschrei liegen uns die Katholiken auch immer in den Ohren, wenn wir ihre Irrtümer, Abgötterei und gottloses Wesen verwerfen und aus dem Worte Gottes widerlegen. Denn sie sprechen, dass der Papst zu Rom, als der alle Gesetze in seinem Herzen geschrieben habe, samt so vielen Vätern, die in einem allgemeinen Konsilium beieinander versammelt sind, nicht irren könne, darum schließen sie, dass wir Ketzer sind und nach dem Feuer stinken].

Nicht fehlen: nach Luther]. Das heißt: Sie sind von Gott im Amt, wie die unseren sagen, die Kirche kann nicht irren.

Zungen totschlagen: Wir wollen seine Lehre, Reden und Tun verlästern, dass er darüber in Gefahr des Lebens komme.

Nichts geben: Denn was gehen uns seine Predigten an, wir wollen sie weder hören noch achten. [Dergestalt verlästern auch die päpstlichen Schmeichler unsere gottselige Lehre, auf dass sie uns bei den einfältigen und der Sachen unerfahrenen Leuten verhasst machen. Als da wir lehren, dass man allein durch den Glauben an Christus gerecht werde, schreien sie, man verbiete bei uns die guten Werke: Wenn wir lehren, dass man die Heiligen nicht anrufen soll, sprechen sie, wir schmähen und lästern die Heiligen und besonders die hochgelobte Jungfrau Maria, Gottes Mutter].

19. Herr, habe Acht auf mich und höre die Stimme meiner Widersacher!

Herr: Weil der Prophet über solcher unrechten Sache sehr bestürzt wurde, wendet er sich zum Gebet und bittet Gott, dass er ihn erhalten und die halsstarrigen Leute strafen wolle.

Hab acht: Siehe mich mit Gnaden an, dass ich nicht unterdrückt werde und umkomme.

Widersacher: Die mir mit Hinterlist nachstehen und mache ihre Anschläge zunichte.

20. Ist es recht, dass man Gutes mit Bösem vergilt? Denn sie haben meiner Seele eine Grube gegraben. Gedenke doch, wie ich vor dir gestanden bin, dass ich ihr Bestes redete und deinen Grimm von ihnen wendete!

Vergilt: Denn ich bin für ihre ewige und zeitliche Wohlfahrt ganz sorgfältig gewesen, sie aber suchen dagegen meinen Untergang und Verderben. [Aber eine solche Belohnung pflegt die Welt endlich den frommen Kirchendienern für ihre Mühe und Arbeit zu geben].

Redet: Denn ich hab mit meinem inbrünstigen Gebet eine Fürbitte für sie getan, dass du ihrer schonen wolltest. Aber sie begehren dafür, mit ihren arglistigen Praktiken mich ab dem Brot zu richten, ich hab ihr Leben und Wohlfahrt gesucht, so suchen sie meinen Tod und Untergang.

21. So strafe nun ihre Kinder mit Hunger und lass sie ins Schwert fallen, dass ihre Weiber ohne Kinder und Witwen sind und ihre Männer zu Tode geschlagen und ihre junge Mannschaft im Streit durch das Schwert erwürgt werden,

So strafe: Räche diese ihre teuflische Bosheit an ihnen, dadurch sie nicht mich, sondern dich verfolgen, denn sie mir nicht von meiner Person wegen nachstellen, sondern von wegen meines Amtes, darin ich dir diene.

Hunger: Dass sie in der Belagerung Hungers sterben.

Schwert fallen: Dass sie im Krieg erwürgt werden.

Erwürgt: Auf dass sie keinen menschlichen Schutz oder Trost mehr übrig behalten.

22. Dass ein Geschrei aus ihren Häusern gehört werde, wie du plötzlich hast Kriegsvolk über sie kommen lassen. Denn sie haben eine Grube gegraben, mich zu fangen und meinen Füßen Stricke angelegt.

Häusern: Wenn die Kriegsleute nach Eroberung der Stadt hineinfallen und den Hausvater samt seinem Personal erwürgen.

Kommen lassen: Dass sie mit bewaffneter Hand, nachdem sie die Mauern niedergeschossen und die Tore aufgebrochen, in die Stadt gefallen sind.

Fangen: Sie sind mir nach dem Leben gestanden und haben mancherlei Praktiken gemacht, dass sie mich fangen und umbringen möchten. [Und könnte ein Kirchendiener der Feinde List nicht entgehen, wenn er nicht von Gott gerettet und erhalten würde].

23. Und weil du, Herr, weißt alle ihre Anschläge wider mich, dass sie mich töten wollen, so vergib ihnen ihre Missetat nicht und lass ihre Sünde vor dir nicht ausgetilgt werden. Lass sie vor dir gestürzt werden und handle mit ihnen nach deinem Zorn!

Weißt: Es sind dir alle ihre listigen Praktiken bekannt, dadurch sie mich begehren ums Leben zu bringen.

Vergib nicht: nach Luther]. Lass dir nicht gefallen ihr Tun und hilf ihnen nicht.

Nicht: Lass diese ihre Undankbarkeit und Bosheit nicht ungestraft hingehen.

Nicht ausgetilgt: Bis du sie nach ihrem Verdienst gestraft hast.

Gestürzt: Dass sie zu Boden fallen und erschlagen werden.

Zorn: Gehe nicht freundlich oder gnädig mit ihnen um, sondern strafe ihre Laster nach deinem gerechten und strengen Gericht. [Denn ob man wohl nach Anweisung der Liebe für die Feinde bitten soll, so kann doch auch der Feinde Gottes Bosheit und Halsstarrigkeit so groß sein, dass ein frommer Mensch aus göttlichem Eifer ihnen mit gutem Fug ihren Untergang wünschen mag. Aber wir sollen uns fleißig hüten, dass die fleischliche Rache unter dem Schein eines göttlichen Eifers uns nicht betrüge. Und haben wir auch bei diesen schrecklichen Wünschen zu lernen, was für ein großes Laster es sei um die Undankbarkeit, welche Gutes mit Bösem vergilt: Und sollen erkennen, wie die in Gottes Ungnaden sind, welche den frommen Kirchendienern arglistiger Weise nachstellen. Denn diese Wünsche sind an den Juden alle ins Werk gerichtet und erfüllt worden, wie die Geschichte zu Ende des anderen Buches der Könige bezeugt, da von der Stadt Jerusalem Zerstörung gehandelt wird].


Das 19. Kapitel


1. Der Stadt Jerusalem Untergang wird zuvor verkündigt und mit dem zerbrochen irdenen Krug vorgebildet, der nicht wieder können ganz gemacht werden.

1. So spricht der Herr: Gehe hin und kaufe dir einen irdenen Krug vom Töpfer samt etlichen von den Ältesten des Volkes und von den Ältesten der Priester

So: Gott lässt den Juden abermals durch den Propheten ihren Untergang verkündigen und tut der Prophet ein äußerliches Zeichen hinzu, auf dass seine Predigt ihnen desto mehr zu Herzen gehe, ob sie dadurch möchten zur Buße bewegt werden.

Priester: Das ist: Nimm etliche von der Obrigkeit und etliche von den vornehmsten Priestern mit dir. [Denn man soll die Obrigkeit und Prediger ihres Amtes eben so wohl erinnern als andere gemeine Leute].

2. und gehe hinaus ins Tal Ben-Hinnom, das vor dem Ziegeltor liegt, und predige dort die Worte, die ich dir sage,

Ben Hinnom: In welchem Tal die Juden ihre Kinder den Abgöttern verbrannten und meinten, sie verrichteten damit einen herrlichen Gottesdienst, der Gott ganz angenehm wäre. Weil aber solches der aller abscheulichste Gräuel vor Gott gewesen, hat man später die Hölle mit einem solchen Namen genannt.

Predige: Vor den Obersten oder Ältesten und Priestern und auch anderen Zuhörern, die da zugegen sein werden.

3. und sprich: Hört des Herrn Wort, ihr Könige Judas und Bürger zu Jerusalem! So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will ein solches Unglück über diese Stätte gehen lassen, dass, wer es hören wird, ihm die Ohren klingen sollen {1Sam 3v11},

Könige: Ihr Regenten und Fürsten im Volk Gottes.

Gott Israel: Der sich dem Volk Israel geoffenbart hat.

Klingen: Denn es wird der Jammer so groß sein, dass die Leute dafür sich werden entsetzen und zittern, wenn sie nur davon hören. [Denn wenn man Gottes Güte und Langmütigkeit eine geraume Zeit verachtet, so bringt er den Verzug der Strafe mit der Schwere und Größe wieder herein].

4. Darum dass sie mich verlassen und diese Stätte einem fremden Gott gegeben haben und anderen Göttern darin geräuchert haben, die weder sie noch ihre Väter noch die Könige Judas gekannt haben und haben diese Stätte voll unschuldigen Blutes gemacht.

Darum: Weil die Juden hätten mögen fragen, was die Ursache wäre, dass ihnen Gott so ein schrecklich Unglück drohen ließe, so zeigt der Prophet ihnen die selbige in den folgenden Worten an.

Diese Stätte: Die vorzeiten mir allein zugeeignet und geheiligt war, die haben sie den Abgöttern geweiht.

Gekannt: Sie sind von der rechten Religion abgetreten und haben eine neue Religion angenommen und neue Gottesdienste angerichtet, die vorzeiten den Patriarchen und frommen Königen nicht bekannt und bei ihnen nicht üblich gewesen, auch von Gott nirgends geboten wurden. [Also hat man im Papsttum die Lehre der Propheten, Christi und der Apostel fahren lassen und neue Religionsartikel gestellt von des Papstes Vorzug, vom Fegefeuer, von Anrufung der Heiligen, von Wallfahrten zu den Heiligtümern, vom Ablass, vom Messopfer, vom Mönchsstand, von den Genugtuungen für die Sünden und viele andere Dinge mehr].

Blutes: Nämlich von Menschen, in dem sie ihre Söhne und Töchter geschlachtet und den Abgöttern geopfert haben. [Und werden dieselben Kinder hier unschuldig geheißen, nicht dass sie keine Erbsünde an sich hatten, darin sie empfangen wurden, sondern dass sie durch die Beschneidung geheiligt und zu Kindern Gottes angenommen gewesen und steckt in den Heuchlern eine solche gräuliche Wut, dass sie die allerabscheulichsten Sünden vor den herrlichsten Gottesdienst ansehen und annehmen].

5. Denn sie haben dem Baal Höhen gebaut, ihre Kinder zu verbrennen dem Baal zu Brandopfern, welches ich ihnen weder geboten noch davon geredet habe, dazu in mein Herz nie gekommen ist {Jer 7v31},

Baal: Ihrem Abgott, den sie also genannt. Und sieht es ihm gleich, als hätten die Juden mancherlei Abgötter und Götzendienste mit dem Namen Baal genannt.

Höhen: Das ist Kapelle und Altar an hohen Orten.

Nie gekommen: Es haben solche unheiligen und abscheulichen Gottesdienste mir das Herz nie berührt und haben nie nichts davon befohlen. [Gefallen deswegen solche Religionsübungen Gott gar nicht, die von den Menschen guter Meinung erdacht wurden {Mt 15}. Gleichwie aber die Juden in ihrem gottlosen Aberglauben des Abrahams Beispiel missbrauchten, der den Isaak auf Gottes Befehl opfern wollte {1Mos 22}. Da sie doch keinen solchen Befehl empfangen hatten. Also haben die Katholiken viele Gottesdienste angerichtet, aus einer närrischen Nachfolge derjenigen Gottesdienste, die sie zum Teil aus dem Alten Testament, so längst abgetan, zum Teil aus der Heiden Gebräuche haben].

6. Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man diese Stätte nicht mehr Thopheth noch das Tal Ben-Hinnom, sondern Würgetal heißen wird {Jer 7v32}.

Darum: Folgt jetzt die Strafe solcher Religion.

Thophet: Etliche meinen, dies Tal sei also genannt worden vom hebräischen Wörtlein Toph, welches eine Pauke oder Trommel heißt, weil man die Pauken mit aller Macht geschlagen im selben Tal, wenn man die Kinder gewürgt und geschlachtet, die man später geopfert, auf dass die Eltern von dem Getöse der Pauken die Stimme und Heulen der Kinder könnten, und aus Barmherzigkeit und herzlicher Zuneigung vor solcher gräulichen Tat ein Abscheu hätten.

Würgetal: Weil ein großer Teil der Bürger zu Jerusalem im selben Tal sollten erwürgt werden. [Und sieht man hier, was für ein gräuliches Laster die Abgötterei sei, weil sie Gott mit so schweren Strafen auch noch in diesem Leben heimzusuchen pflegt].

7. Denn ich will den Gottesdienst Judas und Jerusalems dieses Orts zerstören und will sie durch das Schwert fallen lassen vor ihren Feinden unter der Hand derer, so nach ihrem Leben stehen und will ihre Leichname den Vögeln des Himmels und den Tieren auf Erde zu fressen geben;

Gottesdienst: Nämlich die Abgötterei, welche sie, ihrem Bedenken nach, mit großem Fleiß und weisem Rat erdacht und bester Meinung angerichtet haben.

Nach Luther:]. Im Hebräischen heißt es, den Rat Juda. Die Propheten heißen oft Abgötterei und falschen Gottesdienst vergeblich oder eitel Ding, wie auch Christus {Mt 15v9} also der Gottlosen Rat oder Lehre {Ps 1v1}. Desgleichen Lügen, Falsch, Trug.

Zerstören: Dass sie wider ihren Willen von solcher grausamen Abgötterei werden müssen abstehen.

Fallen lassen: Dass ihrer viele eben am selben Ort sollen erwürgt werden, da sie zuvor ihre Söhne und Töchter den Götzen geopfert haben. Denn sie werden ihrer Feinde, der Chaldäer, Macht nicht widerstehen noch ihren grausamen Händen entrinnen können.

Fressen: [Es ist aber an sich selbst ein Stück der göttlichen Strafe, wenn man kein Grab erlangen kann. Jedoch, da auch frommen Leuten dergleichen widerfährt, so gereicht es ihnen zu desto größer Ehre im Himmel, besonders, wenn sie um der Bekenntnis willen des Evangeliums solches leiden].

8. und will diese Stadt wüst machen und zum Spott, dass alle, die vorübergehen, werden sich verwundern über alle ihre Plage und ihrer spotten {Jer 18v16 49v13 50v3}.

Spotten: Ich will verschaffen, dass die benachbarten Heiden, wenn sie diese Stadt zerstört werden liegen sehen, das Maul darüber aufwerfen und ihr Gespött damit treiben werden und sich doch zugleich auch vor solcher schrecklichen Verwüstung entsetzen. [Denn welche Gottes Wort verachten, die werden endlich wiederum verachtet und verlacht].

9. Ich will sie lassen ihrer Söhne und Töchter Fleisch fressen und einer soll des anderen Fleisch fressen in der Not und Angst, damit sie ihre Feinde und die, so nach ihrem Leben stehen, bedrängen werden {3Mos 26v29 5Mos 28v53 Lk 19v43}.

Fressen: Vor großer Hungersnot, in währender Belagerung der Stadt, werden sie gedrungen werden, nicht allein Menschen Fleisch zu fressen, sondern sie werden auch ihre eigene Kinder erwürgen und zur Speise benutzen. [Darum sollen wir uns hüten, dass wir nicht durch vielfältigen Missbrauch der Gaben Gottes, also mit Üppigkeit, Fressen und Saufen und dergleichen Sünden einen solchen Hunger und Jammer über unsere Städte und Festungen in Deutschland ziehen].

10. Und du sollst den Krug zerbrechen vor den Männern, die mit dir gegangen sind.

Du sollst: Nämlich du, Jeremia, wenn du die Predigt vorgehörter maßen beendet hast.

Krug: Davon oben gemeldet, dass du ihn kaufen und mit dir nehmen solltest.

Männern: Vor den Obersten oder Ältesten und vornehmsten Priestern, auf dass sie durch solche dein ungewöhnliches Tun aufgemuntert werden, deiner Predigt weiter nachzudenken und die selbige zu Herzen nehmen.

11. Und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Zebaoth: Eben wie man eines Töpfers Gefäß zerbricht, das nicht mag wieder ganz werden, so will ich dies Volk und diese Stadt auch zerbrechen und sollen dazu im Thopheth begraben werden, weil sonst kein Raum sein wird zu begraben {Jer 7v32}.

Zerbrechen: Denn die Stadt soll nicht allein belagert, erobert und geplündert werden, sondern man wird sie auch allerdings verbrennen, verwüsten und ganz und gar zunichtemachen, das Volk aber wird zum Teil erwürgt und zum Teil ins Elend und in eine jämmerliche Dienstbarkeit gefangen weggeführt werden.

Thophet: Welcher Ort, so mit vielen unschuldigen Blut verunreinigt wurden, ihr Kirchhof sein soll. Denn da wird man große Gruben machen und die stinkenden Körper, welche meistenteils von den Vögeln des Himmels und von den wilden Tieren auf Erde sein zerrissen wurden, hineinwerfen. Denn welche das Land mit ihren Sünden und Lastern verunreinigt haben, die sind keines bessern oder ehrlicheren Grabes wert].

12. So will ich mit dieser Stätte, spricht der Herr und ihren Einwohnern umgehen, dass diese Stadt werden soll gleichwie Thopheth.

Dieser Stätte: Nämlich mit der Stadt Jerusalem, die mir vor der Zeit lieb und angenehm gewesen. [Denn Gott schont keines Volkes noch Landes, so sich mit Sünden zu verunreinigen immer fortfährt und nicht davon ablassen will].

13. Dazu sollen die Häuser zu Jerusalem und die Häuser der Könige Judas ebenso unrein werden als die Stätte Thopheth, ja, alle Häuser, da sie auf den Dächern geräuchert haben allem Heer des Himmels und anderen Göttern Trankopfer geopfert haben.

Häuser: Die herrlichen wohl erbauten königlichen Schlösser.

Unrein: Dass sie mit dem Blut der erschlagenen Bürger sollen verunreinigt werden.

Dächern: Es waren aber im jüdischen Land die Dächer eben, dass man darauf gehen konnte, darum bauten die abergläubischen und gottlosen Leute auf den Dächern Altare und verrichteten darauf ihre falschen Gottesdienste. [Obwohl nun die Heuchler in ihrer Abgötterei sich selbst sehr wohl gefallen, so ist doch kein Laster so groß und das Gott dem Herrn mehr zuwider wäre, als die Abgötterei].

Heer: Das ist dem Gestirn am Himmel, Sonne und Mond.

14. Und da Jeremia wieder von Thopheth kam, dahin ihn der Herr gesandt hatte zu weissagen, trat er in den Vorhof am Hause des Herrn und sprach zu allem Volk:

Von Thophet: Aus demselben Tal, so nahe bei der Stadt Jerusalem war.

Vorhof: Da das Volk pflegte zusammenzukommen, Gottes Wort zu hören, zu beten und zu opfern.

15. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will über diese Stadt und über alle ihre Städte all das Unglück kommen lassen, das ich wider sie geredet habe, darum dass sie halsstarrig sind und meine Worte nicht hören wollen.

Zebaoth: Das ist der Heerscharen, als unter dem alle Kreaturen gleichsam zu Felde liegen, darum sie ihn alle richtig fürchten und ehren sollen.

Gott Israel: Der sich dem Volk Israel geoffenbart hat.

Städte: Die zum Königreich Juda gehören.

Geredet: Durch meine Diener, die Propheten.

Halsstarrig: Dass sie aus großem Mutwillen meinen Worten kein Gehör geben wollen. [Obwohl nun Gott über alle Laster zürnt, so bringt doch dies besonders das Verderben mit sich, wenn die Sünder das Wort Gottes, dadurch sie zur Buße ermahne werden, aus unbußfertigem und verstockten Herzen von sich stoßen].


Das 20. Kapitel


1. Erstlich wird gesagt, wie der Prophet Jeremia in Kerker geworfen wurde und aber er später die Babylonische Gefangenschaft nichtsdestoweniger frei heraus verkündigt. v. 1. 2. Darauf beklagt sich der Prophet über seinen elenden Zustand, dass er sich zum Predigtamt lassen überreden, daher er jedermanns Spott geworden. v. 7. 3. Richtet sich doch mit dem Trost der göttlichen Hilfe wieder auf und begehrt rechte Rache. v. 11. 4. Wird danach wieder ungeduldig und verflucht den Tag seiner Geburt. v. 14.

1. Da aber Pashur, ein Sohn Immers, des Priesters, so zum Obersten im Hause des Herrn gesetzt war, Jeremia hörte solche Worte weissagen {Jer 29v26},

Da: Bisher haben wir des Propheten Predigt gehört. Jetzt lasst uns auch sehen, wie er darüber empfangen wurde.

Obersten: Er war der vornehmsten Priester einer, der sein Aufsehen auf den Tempel hatte.

Solche Worte: Von der Zerstörung der Stadt und des Tempels und von des Königreichs Juda Untergang.

2. schlug er den Propheten Jeremia und warf ihn ins Gewölbe unter dem Obertor Benjamin, welches am Hause des Herrn ist.

Gewölbe: Dass er gefangen darin enthalten würde. [Denn welche des Predigtamts sich unterfangen, die müssen bereit sein, nicht allein Schmach und Lästerworte, sondern auch Schläge und Bande, ja den Tod zu leiden].

Am Hause: Welches Tor und Gewölbe nicht weit vom Tempel war.

3. Und da es Morgen wurde, zog Pashur Jeremia aus dem Gewölbe. Da sprach Jeremia zu ihm: Der Herr heißt dich nicht Pashur, sondern Magur um und um.

Zog: Weil er meinte, der Prophet würde durch solche gefängliche Enthaltung sein geschreckt worden, dass er es zukünftig etwas näher geben und nicht mehr wider die Stadt und wider den Tempel weissagen würde. [Denn die Heuchler hoffen, sie wollen die Bekenntnisse der Wahrheit mit Gewalt dämpfen und unterdrücken].

Nach Luther:]. Pashur kommt her von Pas, das ist, Breit und Hur, weiß.

Nach Luther:]. Magur, heißer Furcht. So bekehrt nun Jeremias dem seinen Namen. Als soll er sagen: Du sollst nicht so groß, breit und weiß hergehen, wie dein Name laut, sondern Furcht und Schrecken soll um und um dich her sein, dass es enge und schwarz genug um dich sei.

Um und um: Als wollte er sprechen, hörst du es du blutgieriger und stolzer Heuchler, Gott hat deinen Namen verändert, dass du nicht mehr Pashur, sondern Magur heißen sollst. Denn gleichwie Pashur einen bedeutet, der in großen Ehren sitzt, also ist Magur eben so viel, als einer der in großer Furcht und Schrecken steckt. Ist deswegen dies die Meinung: Es wird dir Angst und Bange genug werden, dass du vor großem Schrecken nirgends sicher wirst bleiben können.

4. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich will dich samt allen deinen Freunden in die Furcht geben und sollen fallen durch das Schwert ihrer Feinde; das sollst du mit deinen Augen sehen. Und will das ganze Juda in die Hand des Königs zu Babel übergeben; der soll sie wegführen gen Babel und mit dem Schwert töten.

Furcht geben: Ich will große Schrecken über dich kommen lassen.

Sehen: Und solchen Jammer selbst erfahren. [Denn die Verfolger der Wahrheit ziehen sich selbst eilende Strafen über den Hals].

Töten: Also dass sie auch im Elend ihres Lebens nicht sicher sein werden. Denn der König zu Babel wird viele aus den Gefangenen, besonders aber die vornehmsten und ansehnlichsten Personen umbringen lassen.

5. Auch will ich alle Güter dieser Stadt samt allem, dass sie gearbeitet und alle Kleinode und alle Schätze der Könige Judas in ihrer Feinde Hand geben, dass sie die selbigen rauben, nehmen und gen Babel bringen.

Gearbeitet: Da sie großen Fleiß aufgelegt, dass sie viel Geld und Gut möchten zusammenbringen, es geschehe gleich mit Recht oder mit Unrecht. [Denn wenn man entweder mit Betrug oder Gewalt Reichtum zuwege bringt oder seine Hoffnung und Vertrauen darauf setzt oder dass die Leute dessen zur schändlichen Wollust und zur Üppigkeit missbrauchen, so schickt Gott die Feinde, dass sie solches alles wegnehmen].

6. Und du, Pashur, sollst mit allen deinen Hausgenossen gefangen gehen und gen Babel kommen; dort sollst du sterben und begraben werden samt allen deinen Freunden, welchen du Lügen predigst.

Hausgenossen: Deinem Weib, Kindern und Personal.

Sterben: Und also nicht wiederum mit den anderen ins Land Kanaan kommen.

Predigst: Und sagst, es werde niemals geschehen, dass diese Stadt in des Königs zu Babel Gewalt komme. [Denn welche Kirchendiener den Menschen zu Gefallen falsch lehren, wie es die Leute gern hören, die werden von Gott schwere Strafen zu erwarten haben].

7. Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen; du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen. Aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich und jedermann verlacht mich {Jer 1v6}.

Überredet: Dass ich das Predigtamt in der Kirche zu lehren auf mich genommen habe.

Nach Luther:]. Dass ich das Prophetenamt habe angenommen und ich nicht gewusst, dass die Leute so böse wären und das Predigen so viel und große Gefahr hätte.

Lassen: Ich habe hineingewilligt und den Beruf angenommen, weil du mit deinen Verheißungen mich dazu gebracht, da du mir versprochen, dass du mir beistehen wolltest.

Gewonnen: Dass ich dir nicht können noch sollen widerstehen und habe gemeint, es würde alles viel besser und ruhiger hinausgehen als ich jetzt erfahre. Denn weil der Prophet Jeremia von wegen seiner Weissagung, der Stadt Jerusalem Zerstörung halben, von dem Hohepriester übel war empfangen worden, hat er empfangen, wie sein Fleisch sehr ungeduldig darüber sich erzeigt. Darum stellt er eine Klage an, in der er schier mit Gott darüber hadert, dass er ihn zu solchem Stand und Prophetenamt berufen. [Denn es tragen auch die Heiligen in diesem Leben den Alten Adam noch mit sich herum. Und erwägen wenige Kirchendiener zu Anfang, wenn sie ins Amt kommen, die Größe der Last, so sie auf sich laden. Wenn auch die Frommen die Verheißungen von der Hilfe Gottes hören, so deuten und dehnen sich dieselben ganz zu weit und breit aus, als ob ihnen gar nichts Widerwärtiges zu Händen gehen würde, da doch Gott den seinen keine fleischliche Wollust oder Sicherheit verheißt, sondern die göttliche Hilfe in der Gefahr, wenn sie darin geraten].

Spott geworden: Da ich meinte, dass ich fleißige und gehorsame Zuhörer haben würde, die mir gern und mit großer Andacht aufmerken würden, wenn ich ihnen dein Wort predigte.

8. Denn seit ich geredet, gerufen und gepredigt habe von der Plage und Verstörung, ist mir des Herrn Wort zum Hohn und Spott worden täglich.

Gepredigt: Das Wort Gottes, was nämlich für ein großes Unglück vor der Tür sei und über die Stadt Jerusalem wie auch über das ganze Königreich Juda ergehen werde.

Spott geworden: Dass man mich schmäht und lästert und zum Gespött herumzieht. [Aber solche Verächter und Spötter des göttlichen Wortes werden in ihrer Trübsal von Gott wiederum verlacht werden].

9. Da dachte ich: Wohlan, ich will sein nicht mehr denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es wurde in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich es nicht leiden konnte, und wäre schier vergangen.

Sein: Nämlich des göttlichen Wortes: Ich will aufhören zu predigen und den Juden ihr Unglück zu drohen im Namen des Herrn, der mich zu ihnen gesandt hat. Denn was soll ich daraus machen? Weil ich bei den Gottlosen verstockten Leuten nichts ausrichte. [Also geschieht es, dass der Welt Widerspenstigkeit bisweilen auch die frommen Kirchendiener in ihrem Amt verdrossen macht, dass sie danach trachten, wie sie von ihrem Amt aussetzen wollen. Aber Gott treibt sie mit seinem Geist, dass sie in ihrem Beruf fortfahren, wie vom Jeremia hier folgt].

Feuer: Also dass mich dünkte, es brannte mir das Mark in meinen Beinen, welche Brunst ich nicht erdulden könnte, wo ich nicht lehrte und predigte. [Es haben aber hier die fantastischen Schwärmer nichts vorzuwenden von ihren Verzückungen, da sie rühmen, sie werden von Gott dazu gedrungen und genötigt, dass sie predigen müssen, da es doch gewiss ist, dass sie keinen ordentlichen Beruf haben, darum sie nicht von Gott, sondern vom Teufel ausgeschickt werden].

10. Denn ich höre, wie mich viele schelten und überall schrecken: Hui, verklagt ihn! Wir wollen ihn verklagen, sprechen alle meine Freunde und Gesellen, ob wir ihn übervorteilen und ihm beikommen mögen und uns an ihm rächen.

Schrecken: Dass sie mir alles Übel anzutun drohen, weil ich ihre Laster unrecht heiße und die herzunahenden Strafen verkündige, darum ist es kein Wunder gewesen, dass ich mein Predigtamt zu verlassen gedachte.

Verklagt ihn: Nämlich vor der weltlichen Obrigkeit und vor den Hohepriestern, was er für aufrührerische und ketzerische Predigten tue, weil er unseren allerheiligsten Gottesdienst darf gottlos schelten und heißt uns die Stadt den Chaldäern aufgeben, mit Vorwendung, dass wir solchem mächtigen Feind nicht werden widerstehen können.

Verklagen: Und allesamt einmütig vor der Obrigkeit angeben, auf dass unsere Sache einen desto größeren Schein habe und unsere Anklage bei der Obrigkeit stattfinde, dass man unserem Vorbringen Glauben gebe.

Freunde: Zu denen ich mich viel ein anderes und besseres versehen hätte.

Rächen: Weil er unseren Gottesdienst und Wandel so feindselig angreift und herdurch zieht. [Denn die frommen Kirchendiener haben vor den falschen Brüdern sich vielmehr zu besorgen als vor den öffentlichen Feinden].

11. Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht obliegen, sondern sollen sehr zuschanden werden, darum dass sie so töricht handeln; ewig wird die Schande sein, der man nicht vergessen wird {Jer 17v18}.

Bei mir: Der hat mich bis daher aus ihrer Hand errettet und wird mich zukünftig auch noch erretten.

Fallen: Ins Verderben, das sie zugrunde gehen und umkommen.

Obliegen: Sie werden es nicht zuwege bringen, noch also hinaus führen, wie sie es im Sinn haben.

Schanden werden: Vor den Engeln Gottes und den Menschen.

Töricht: Das ist gottlos. [Denn ein gottloses Wesen ist die größte Torheit, da man nämlich seine eigenen Ratschläge und Begierden der Weisheit Gottes und seinem Willen vorzieht und die irdischen Güter höher achtet als die himmlischen und die zeitlichen vergänglichen Dinge lieber hat als die ewigen].

Nicht vergessen: [Denn die Verfolger der Wahrheit haben nichts anders als die ewige Verdammnis mit Spott und Schanden zu erwarten, sofern sie nicht Buße tun].

12. Und nun, Herr Zebaoth, der du die Gerechten prüfst, Nieren und Herz siehst, lass mich deine Rache an ihnen sehen; denn ich habe dir meine Sache befohlen {1Sam 16v7 Ps 7v10 Jer 11v20 17v10 Apg 2v23}.

Prüfst: Der du der allermächtigste, weiseste und gerechteste Gott bist, dem alle diejenigen kund und bekannt sind, die durch den Glauben an den Messias gerecht sind und aus solchem Glauben ein gerechtes Leben zu führen begehren, ich berufe mich auf dich. Dir sind aller Menschen Herzen Zuneigungen und Begierden bekannt. Du weißt, dass ich meinem Beruf aus reinem Herzen begehre genug zu tun, und dass ich meinen Verfolgern nichts Böses getan, sondern vielmehr mich wohl um sie verdient habe, dafür sie mir alles Übel beweisen.

Befohlen: Ich will dir den ganzen Handel heimstellen, dass du an solchen gottlosen Buben rechte Rache üben mögest. [Diese Wünschung der Rache ist aus keiner fleischlichen Rachgierigkeit hergekommen, sondern aus einem göttlichen Eifer, der die Ehre Gottes sucht. Wir aber, wenn wir von unseren Mitbrüdern beleidigt wurden, sollen nicht bald uns an ihnen zu rächen begehren, sondern vielmehr für sie bitten {Mt 5}.

13. Singt dem Herrn, rühmt den Herrn, der des Armen Leben aus der Boshaften Händen errettet!

Armen Leben: Nämlich mein als eines elenden verlassenen Menschen.

Boshaften: Die mir nach meinem Leben stand, darum preist mit mir den Herrn für solche große Güte, dass er mich erhalten hat. [Denn es ist richtig, dass wir Gott danken, wenn wir aus einer Gefahr entgangen sind].

14. Verflucht sei der Tag, darin ich geboren bin; der Tag müsse ungesegnet sein, darin mich meine Mutter geboren hat {Hi 3v1}!

Verflucht: Es müsse ein unglückhafter und verworfener Tag sein. Hier sieht man, was für geschwinde Veränderungen im menschlichen Leben vorlaufen. Allererst freute sich der Prophet, dass ihn Gott geschützt und errettet hatte. Bald darauf, da er sein Elend und Gefahr ihm wieder zu Gemüt führt und beherzigt, darin er steckte, ob er wohl bereits vielem Unglück entgangen war, so fällt er von neuen in eine große Schwermütigkeit, dass er aus Ungeduld sich selber den Tod wünscht, in Maßen Hiob auch getan. [Es sind aber solche Reden nicht allerdings ohne Sünde von dem Propheten ausgestoßen worden und ist dies nicht zur Nachfolge aufgezeichnet, sondern dass wir lernen, wie der alte Adam noch in den Herzen auch der allerfrömmsten Menschen steckt].

15. Verflucht sei der, so meinem Vater gute Botschaft brachte und sprach: Du hast einen jungen Sohn, dass er ihn fröhlich machen wollte.

Verflucht: Es gehe ihn kein Glück an, danke es ihm der Teufel und kein anderer Heiliger.

Gebracht: Dass er ihm meine Geburt verkündigt und das Botenbrot gewinnen wolle.

Machen wollte: Dass er gemeint, meinen Vater zu erfreuen über der guten Nachricht, weil ihm ein Sohn geboren wäre.

16. Derselbe Mann müsse sein wie die Städte, so der Herr umgekehrt und ihn nicht gereut hat, und müsse des Morgens hören ein Geschrei und des Mittags ein Heulen!

Städte: Nämlich Sodom, Gomorra, Adama und Zeboim, die Gott mit Feuer und Schwefel vom Himmel gestraft hat, also sei der Mensch auch verworfen und komme jämmerlich um.

Nicht bereuten: Also dass auch zum ewigen Gedächtnis seines gerechten Zorns am selben Ort, da die vorgemeldete Städte gestanden, nichts anderes als ein stinkender See, voller Schwefel und Pech gesehen wird.

Heulen: Das ist, er müsse in Traurigkeit, Herzeleid und Schrecken sein Leben zubringen, der meinem Vater zu meiner Geburt Glück gewünscht hat.

17. Dass du mich doch nicht getötet hast im Mutterleibe! Dass meine Mutter mein Grab gewesen und ihr Leib ewig schwanger geblieben wäre!

Grab: Dass sie mich nicht geboren hätte, sondern mit schwangerem Leibe gestorben und also wir beide mit und beieinandergeblieben und draufgegangen wären.

18. Warum bin ich doch aus Mutterleibe hervorkommen, dass ich solchen Jammer und Herzeleid sehen muss und meine Tage mit Schanden zubringen?

Kommen: Und an diese Welt lebendig geboren wurde.

Jammer: Dem ich immer muss unterworfen sein.

Zubringen: Denn was bin ich anders in meinem ganzen Leben und Beruf als der gottlosen Leute Gespött? Wie viel besser wäre es darum gewesen, wenn ich in der Geburt zugleich mit meiner Mutter draufgegangen und gestorben wäre, als dass ich mit so vielem Jammer überfallen und unterdrückt werde? [Diese des Propheten Ungeduld, so an ihr selbst Sünde ist, lehrt uns, dass weder die heiligen Leute durch ihren Verdienst noch wir durch ihre guten Werke Vergebung der Sünden und das ewige Leben erlangen können, sondern alle die da selig werden wollen, müssen allein durch den Glauben an den Mittler Christus, den Erlöser des menschlichen Geschlechts, gerechtfertigt und selig werden. Es sollen aber auch aus dieser des Propheten Schwachheit diejenigen einen Trost nehmen, welche bisweilen unter dem Kreuz wider Gott murren. Denn sofern sie mit bußfertigem Herzen an den Sohn Gottes glauben, so wird ihnen solche Sünde nicht zugerechnet, sondern sie erlangen mit dem Propheten das ewige Leben].


Das 21. Kapitel


1. Der König Zedekia lässt den Propheten fragen, was es für einen Ausgang nehmen werde mit dem chaldäischen Kriege. v. 1. 2. Welcher berichtet, wie Gott selbst werde wider sein Volk streiten und die Pestilenz unter sie schicken, die übrigen aber ins Gefängnis gen Babel zu führen übergeben. v. 3. 3. Gibt darauf den Rat, dass sie sich alle miteinander dem Feinde übergeben sollen, denn dergestalt werden sie ihr Leben retten. v. 8. 4. Heißt sie daneben der Gerechtigkeit nachstreben, auf dass der Zorn Gottes etlichermaßen dadurch gelindert werde. v. 11.

1. Dies ist das Wort, so vom Herrn geschah zu Jeremia, da der König Zedekia zu ihm sandte Pashur, den Sohn Malchias und Zephanja, den Sohn Maesejas, des Priesters und ließ ihm sagen:

Dies ist: Da der Prophet von dem Könige Zedekia gefragt wird, was es mit dem gegenwärtigen Kriege, den der König zu Babel wider ihn führte, für ein Ende gewinnen würde, weissagt er abermals von der Stadt Jerusalem Zerstörung und des Königreichs Juda Untergang.

Pashur: Nicht den vorigen stolzen Heuchler und Priester, dessen zu Anfang des vorigen Kapitels gedacht wurde, welcher Jeremia ins Gefängnis geworfen, sondern einen anderen, dieweil er einen anderen Vater hatte.

2. Frage doch den Herrn für uns! Denn Nebukadnezar, der König zu Babel, streitet wider uns, dass der Herr doch mit uns tun wolle nach allen seinen Wundern, damit er von uns abzöge.

Frage: Lieber erkundige dich doch des göttlichen Willens von dem Ausgang dieses Krieges und bitte zugleich Gott für uns, dass er uns wolle zu Hilfe kommen, die wir in so großer Gefahr stecken.

Luther: Dieser König wird hier und oft später Nebukad Rezar (der doch sonst Nebukad Nezar heißt) genannt.

Wundern: Die er in den vorigen Zeiten getan hat. Als wollte er sprechen: Lieber, kehre deinen möglichen Fleiß an, dass du von Gott so viel erlangest, damit wie er vorzeiten unsere Väter oft durch ein Wunderwerk von ihren Feinden erlöst hat, also auch uns jetzt und aus des Königs von Babel Gewalt erretten wolle. [Es war aber der König Zedekia ein Abgöttischer, dazu an den König zu Babel meineidig und aufrührerisches wider ihn geworden: Und da er von ihm abfallen wollte, hat er den Propheten Jeremia nicht um Rat gefragt. Jetzt aber, da es übel zugeht und sonst nirgends hin weiß, sucht er bei ihm Zuflucht, welches doch auch nicht aus reinem Herzen geschah, weil er Gott nicht von ganzem Herzen diente. Also tun ihm auch noch heutzutage etliche Weltkinder, welche aus großem Mutwillen ungebührliche Sachen sich unterfangen, die von Gott verboten sind, danach aber, wenn sie sehen, dass sie durch ihre bösen Anschläge sich selbst verwickelt und in Unglück gestürzt haben, so begehren sie alsdann, allererst der Kirchendiener Vernunftsdenken darüber anzuhören, wenn die Sache schier verloren und das Unterste zuoberst gekehrt ist und ist dennoch keine wahre Gottesfurcht bei ihnen. Sie nehmen ein Interim an und fragen danach allererst die Prediger, ob es wohl getroffen und was weiter werde zu tun sein].

3. Jeremia sprach zu ihnen: So sagt Zedekia:

4. Das spricht der Herr, der Gott Israels: Siehe, ich will die Waffen zurückwenden, die ihr in euren Händen habt, damit ihr streitet wider den König zu Babel und wider die Chaldäer, welche euch draußen an der Mauer belagert haben und will sie zuhauf sammeln mitten in der Stadt.

Händen habt: Dass ihr mit denselben wider die Feinde nichts werdet ausrichten können und kein Glück wider sie haben.

Sammeln: Das ist: Ich will verschaffen, dass ihr eure Waffen wider eure Feinde, die vor dem Tor sind und um die Stadt her liegen, nicht werdet gebrauchen können, sondern es sollen solche Waffen, die ihr wider den Feind zu benutzen begehrt, mitten in der Stadt zusammen auf einen Haufen gebracht werden, gleich als da eine Stadt mit Hinterlist eingenommen wird und man den Bürgern bei Leibesstrafe droht, dass sie alle ihre Waffen auf den Markt, oder aufs Rathaus sollen zusammen tragen, auf dass sie dem Feinde nicht widerstehen können. [Darum soll man sich nicht auf die Menge der Waffen, oder Größe der Geschütze verlassen, weil solches alles leicht kann gehindert werden, dass es zu nichts nütze].

5. Und ich will wider euch streiten mit ausgereckter Hand, mit starkem Arm, mit großem Zorn, Grimm und Unbarmherzigkeit.

Hand: Ich will mit meiner göttlichen Allmacht euch widerstehen.

Unbarmherzigkeit: Und will kein Mitleiden mit euch haben. [Denn obwohl Gott die Feinde als ein Mittel dazu gebraucht, wenn er sein Volk strafen will, so ist es doch er besonders, der die Städte erobert und ein Kriegsvolk darnieder legt. Darum sollen wir also leben, auf dass wir einen solchen mächtigen Kriegsfürsten vielmehr für uns als wider uns streitend empfinden mögen].

6. Und will die Bürger dieser Stadt schlagen, beide, Menschen und Vieh, dass sie sterben sollen durch eine große Pestilenz.

Pestilenz: Denn dieselbige ist eine von den größten zeitlichen Strafen Gottes, besonders in Kriegsläufen, da man vieler starker und gesunder Leute bedarf. Denn wie sollen die dem Feinde Widerstand tun, welche matt und kraftlos da liegen und nach dem Atem schnappen, der ihnen ausgeben will?

7. Und danach, spricht der Herr, will ich Zedekia, den König Judas, samt seinen Knechten und dem Volk, das in dieser Stadt vor der Pestilenz, Schwert und Hunger übergeblieben wird, geben in die Hände Nebukadnezars, des Königs zu Babel und in die Hände ihrer Feinde und in die Hände derer, so ihnen nachdem Leben stehen, dass er sie mit der Schärfe des Schwertes also schlage, dass kein Schonen noch Gnade noch Barmherzigkeit da sei.

Danach: Wenn der meiste Teil Bürger durch Hunger und Pestilenz aufgerieben wurde.

Knechten: Seinen Hofdienern, Hauptleuten und anderen Offizieren.

Schlage: Nämlich in Eroberung der Stadt, da großes Morden und Blutvergießen geschehen wird, dazu werden auch aus den Gefangenen ihrer viele jämmerlich hingerichtet werden.

Kein schonen: Der König zu Babel wird zu keinem Mitleiden sich bewegen lassen, gegen denen, die in seine Hand kommen werden. Wie denn der traurige Ausgang solches genügend bezeugt und nur allzu wahr gemacht hat. [Es hat aber Gott das Herz des Überwinders in seiner Gewalt, dass er es entweder zur Güte neige, oder aber zur Grausamkeit antreiben kann].

8. Und sage diesem Volk: So spricht der Herr: Siehe, ich lege euch vor den Weg zum Leben und den Weg zum Tode.

Lege: Weil die Juden auf solche Weissagung des Propheten hätten mögen fragen, wie sie es denn machen sollten? Ob sie nicht wider die Assyrer dürften streiten, weil ihre Sache, gehörter maßen, so einen unglücklichen Ausgang gewinnen würde? Und ob sie sich denn freiwillig gefangen zur Dienstbarkeit ergeben sollten? Derer Anfang zwar leicht scheint, aber das Ende oft unleidentlich zu sein pflegt, wie hier auch zu besorgen. Darum zeigt ihnen Gott hier an, wessen sie sich zu verhalten, und gibt ihnen die Wahl, dass es zu ihrer freien Willkür stehe, ob sie leben oder aber jämmerlich umkommen wollen. [Man muss aber dies nicht von dem freien Willen des Menschen in geistlichen Sachen verstehen, da der unwiedergeborene Mensch einen knechtischen und nicht freien Willen hat]. Wohin es aber an diesem Ort gemeint sei, dass ist aus den folgenden Worten genügend zu lesen.

9. Wer in dieser Stadt bleibt, der wird sterben müssen durch das Schwert, Hunger und Pestilenz; wer aber hinaus sich gibt zu den Chaldäern, die euch belagern, der soll lebendig bleiben und soll sein Leben als eine Ausbeute behalten {Jer 38v2 Jer 39v18 45v5}.

Bleibt: Und meint die Belagerung auszuharren.

Und Pestilenz: Denn diese Strafen der Sünden werden diejenigen hinwegraffen, so die Belagerung wollen ausstehen.

Ausbeute: Als wenn einer einen Raub erwischt und davon bringt und also ein unverhofftes Gut in Besitzung bekommt, ebenmäßig wird auch der, so den Chaldäern sich ergibt, sein Leben unverhofft erhalten und davon bringen. [Denn wer durch ungebührliche Mittel dem Unglück widerstehen will, das ihm von Gott zugeschickt wird, der stürzt sich in noch viel größeren Jammer. Wer sich aber der Ruten Gottes geduldig untergibt, dem wird das Übel gemildert, dass es desto leidentlicher ist].

10. Denn ich habe mein Angesicht über diese Stadt gerichtet zum Unglück und zu keinem Guten, spricht der Herr. Sie soll dem König zu Babel übergeben werden, dass er sie mit Feuer verbrenne.

Gerichtet: Ich hab allerdings mir vorgesetzt und im Sinn genommen, diese Stadt zu verderben und nicht zu erhalten.

Übergeben werden: Also dass er sie mit Gewalt erobere, ob ihr die Belagerung gleich eine Zeit lang aufhaltet. Es haben aber ohne Zweifel die meisten Juden aus dieser Weissagung geurteilt, dass Jeremia ein aufrührerischer Prediger und Verräter des Vaterlands wäre, als der da heiße die Stadt den Feinden aufgeben und die Bürger zum Abfall reize, dass sie zu den Chaldäern fliehen. Aber Jeremia handelte nicht unrecht, weil es ihm Gott also befohlen hatte. So handhabte der König Zedekia eine böse Sache wider den König zu Babel, dessen Lehensmann er war. Darum, wenn der König Zedekia und seine Untertanen dem Jeremia gefolgt hätten, so wären sie beim Leben geblieben und hätten auch vielleicht ein gut Teil ihrer Güter behalten. [Darum soll man von den Predigen nicht bald freventlich urteilen, wir haben denn zuvor alle Umstände wohl erwogen und fleißig betrachtet].

11. Und hörte des Herrn Wort, ihr vom Hause des Königs Judas!

12. Du Haus David, so spricht der Herr: Haltet des Morgens Gericht und errettet den Beraubten aus des Frevlers Hand, auf dass mein Grimm nicht ausfahre wie ein Feuer und brenne also, dass niemand löschen möge, um eures bösen Wesens willen {Jer 22v3}.

Haus David: Die ihr von des Davids königlichem Geschlecht herkommt. Und ist dies eine besondere prophetische Predigt, die meines Erachtens nicht zu einer Zeit mit der vorigen gehalten wurde. Er lehrt aber vom Amt der weltlichen Obrigkeit, wie man dasselbe recht verwalten soll.

Haltet: Helft den Untertanen zeitlich zu ihrem Rechten. [Hier werden etlicher Rechtsgelehrten lange und verwirrte Gerichtshändel verworfen, da man mit Fleiß eine Sache aufschiebt und auf die lange Bank spielt, bis die anderer Partei, so eine rechte und gute Sache hat, entweder stirbt oder durch das langwierige Rechten abgemattet und ermüdet, auch durch großen Unkosten ganz erschöpft wird, dass sie ihre gute Sache stecken lässt. Unterdes aber bringen solche Rechtsgelehrten die streitigen Parteien ums Geld: Welche Bosheit Gott zu seiner Zeit ernstlich strafen wird].

Frevlers: Der dem anderen unrechte Gewalt tut. [Denn das weltliche Gericht ist besonders darum geordnet, dass man die Unterdrückten zu ihrem Recht verhelfen soll. Aber etliche wägen die streitigen Sachen ab nach dem Säckel].

Löschen: [Weil, wenn der Zorn Gottes anbrennt, so kann man die Strafen schwer mehr abwenden].

Bösen Wesens: Denn ihr sündigt nicht allein in Übertretungen des Rechten, sondern es sind auch sonst eure Missetaten viel und mancherlei. [Wenn aber eine Obrigkeit ihr Amt nicht verrichtet, die Frommen zu schützen und die Bösen zu raffen, so wird Gott verursacht, dass er auch andere Sünden der Obrigkeit und des Volkes mit allem Ernst straft].

13. Siehe, spricht der Herr, ich sage dir, die du wohnst im Grunde, in dem Felsen und auf der Ebene und sprichst: Wer will uns überfallen oder in unsere Feste kommen?

Felsen: Das ist: In den starken Festungen, welche ihr sehr wohl verwahrt und in eurer Gewalt habt.

Wer will: Das ist: Ihr rühmt euch, wie ihr so gewaltige feste Städte und Schlösser habt, dass ihr niemand fürchtet, weil keiner wider euren Willen euch werde überwältigen können.

14. Ich will euch heimsuchen, spricht der Herr, nach der Frucht eures Tuns; ich will ein Feuer anzünden in ihrem Walde, das soll alles umher verzehren.

Heimsuchen: Und eure Sünden ernstlich strafen, damit ihr täglich umgeht und zu schaffen habt.

Walde: Nämlich in der Stadt Jerusalem, die eines großen Teils aus dem Walde Libanon erbaut wurde, dass sie von den Chaldäern soll verwüstet und verbrannt werden, auf welche Verstörung der Stadt die Verwüstung des ganzen Königreichs folgen wird. [Hier sieht man, wessen man sich solcher Orte zu getrösten, die entweder von Natur oder auch durch Kunst sehr stark und fest gemacht wurden].


Das 22. Kapitel


1. Der Prophet ermahnt den König in Juda zur Gerechtigkeit und Gericht. v. 1. 2. Und zeigt Ursache an, warum Jerusalem verwüstet werden soll. v. 4. 3. Verkündigt auch dem Sohn Josia, Sallum genannt, seinen Tod. v. 10. 4. Weissagt danach wider Jojakim. v. 13. Und predigt von des Chama Gefängnis. v. 24.

1. So spricht der Herr: Gehe hinab in das Haus des Königs Judas und rede dort dies Wort

So: Der Prophet predigt abermals der weltlichen Obrigkeit, dass sie ihrem Amt in Verwaltung des Regiments treulich nachkommen soll.

Spricht: Nämlich zu mir, dem Propheten Jeremia.

Wort: Dass ich dir jetzt gebiete und in deinen Mund lege.

2. und sprich: Höre des Herrn Wort, du König Judas, der du auf dem Stuhl Davids sitzt, beide, du und deine Knechte und dein Volk, die zu diesen Toren eingehen.

Sitzt: Und im Königreich des Davids Nachkommen bist, dessen Frömmigkeit und Gerechtigkeit du auch nachfolgen solltest.

Knechte: Deine Räte, Hofdiener und Offiziere.

Eingehen: Und euch oft an diesem öffentlichen Ort miteinander versammelt und beratschlagt.

3. So spricht der Herr: Haltet Recht und Gerechtigkeit und errettet den Beraubten von des Frevlers Hand und schindet nicht die Fremdlinge, Weisen und Witwen und tut niemand Gewalt und vergießt nicht unschuldiges Blut an dieser Stätte {Jer 21v12}.

Haltet: Lebt alle miteinander nach den Geboten Gottes recht und untadelig.

Errettet: Die ihr im Regiment sitzt und das Amt einer ordentlichen Obrigkeit verwaltet und in Händen habt.

Frevlers: Der ihm mutwillig Gewalt und Unrecht tut.

Blut: Das ihr nicht, unter dem Schein eines göttlichen Eifers, eurem eigenen Mutwillen nachhängt, eure Lust zu büßen, und unschuldige Leute ums Leben bringt. [Es erscheint aber aus dieser des Propheten Predigt, was damals für ein Zustand im jüdischen Volk gewesen, in Maßen es an etlichen Orten heutigentags noch also geht, dass nämlich die Gewaltigen die Fremdlinge, Witwen und Waisen unterdrücken und sie schinden, indem sie ihre Güter mit bösen Praktiken an sich ziehen und weder Recht noch Gerechtigkeit betrachten. Aber eine Obrigkeit soll solche Raubvögel abwehren. Und hat man hier auch das zu merken, dass Gott nur allein die Vergießung des unschuldigen Blutes verbietet, daraus zu lesen ist, dass es Gott gefalle, wenn man die Übeltäter, so den Tod verschuldet haben, zur angemessenen Strafe zieht, wider der Wiedertäufer Schwarm, die der Obrigkeit das Schwert aus der Hand reißen wollen].

4. Werdet ihr solches tun, so sollen durch die Tore dieses Hauses einziehen Könige, die auf Davids Stuhl sitzen, beide, zu Wagen und zu Ross, samt ihren Knechten und Volk {Jer 17v25}.

Tun: Dass ihr ein ehrbares und gottseliges Leben führt und ein jeder in seinem Beruf sein Amt verrichtet.

Einziehen: Das ist: Gott wird aus des Davids Geschlecht eine ordentliche Obrigkeit geben und erhalten, die mit einem königlichen Ansehen dem Regiment vorstehe, und wird es überall wohl zugehen. [Denn die Frömmigkeit und Gerechtigkeit machen, dass ein Land in einem glücklichen Zustand lange erhalten wird].

5. Werdet ihr aber solchem nicht gehorchen, so habe ich bei mir selbst geschworen, spricht der Herr, dies Haus soll zerstört werden.

Nicht gehorchen: Das ihr euren Wandel nicht bessert noch recht und gottseliglich lebt.

Selbst: Bei meinem allerheiligsten Namen.

Haus: Nämlich das königliche Schloss samt dem Tempel, so mit großem Kosten und aufs stattlichste erbaut wurde. [Wenn deswegen Könige und Fürsten ihre Palast und Herrschaften begehren ganz und unbeschädigt zu erhalten und nicht sehen wollen, dass es alles in der Asche liege, so müssen sie der Frömmigkeit und Gerechtigkeit sich bemühen].

6. Denn so spricht der Herr von dem Hause des Königs Judas: Gilead, du bist mir das Haupt im Libanon; was gilt es, ich will dich zur Wüste und die Städte ohne Einwohner machen?

Hause: Wider die königliche Wohnung. Denn weil ihr nicht hören wollt, so wird euch alles Unglück überfallen.

Haupt: Das ist: Du bist der große Haufen Steine, so man zusammengetragen (Denn das bringt der Name Gilead mit sich), der du das vornehmste Gebäude bist unter den Wohnungen zu Jerusalem, die aus dem Wald und Zedernbäumen des Libanon erbaut wurden: Versteht aber dadurch das königliche Schloss und den Tempel.

Machen: Das ist: Ich will gewisslich verschaffen, dass du sollst zerrissen und zerstört werden, und zwar also dass nicht allein die Stadt Jerusalem, das königliche Schloss und der Tempel in der Asche liegen sollen, sondern dass den übrigen Städten im Königreich Juda es eben also auch ergehen soll und in langer Zeit nicht sollen bewohnt werden. [Und ist es zwar an sich selbst nicht Sünde, wenn man nach seinem Stande und Vermögen herrlich und köstlich baut. Denn des Salomons Gebäude, so ganz stattlich gewesen, werden in der Schrift nicht verworfen, sondern vielmehr gerühmt: Aber das ist Unrecht, wenn man der köstlichen Gebäude zur Hoffart und Üppigkeit missbraucht].

7. Denn ich habe Verderber über dich bestellt, einen jeglichen mit seinen Waffen; die sollen deine auserwählten Zedern umhauen und ins Feuer werfen.

Bestellt: Ich habe die Feinde bereits in meiner Bestallung angenommen und einem jeden sein Wehr aufgelegt, dass sie die Bürger der Stadt Jerusalem umbringen sollen.

Nach Luther:]. Geheiligt, das ist ausgesondert.

Werfen: Das ist: Sie werden die Stadt, so aus dem besten Zedernholz gebaut wurde, zerstören und mit Feuer verbrennen. [Denn die Zerstörungen der Städte geschehen nicht ungefähr, sondern aus Gottes Schickung und Anordnung, der die Bosheit der Einwohner straft].

8. So werden viel Heiden vor dieser Stadt vorübergehen und untereinander sagen: Warum hat der Herr mit dieser großen Stadt also gehandelt {5Mos 29v24 v25 1Sam 9v8 v9}?

Stadt: Wenn sie verwüstet und zerstört ist.

Großen Stadt: Die so mächtig und weit berühmt gewesen.

9. Und man wird antworten: Darum dass sie den Bund des Herrn, ihres Gottes, verlassen und andere Götter angebetet und den selbigen gedient haben.

Antworten: Nämlich wer der Sachen Wissenschaft haben wird.

Gedient haben: Um solcher Ursache willen ist die Stadt zerstört worden und sind die Bürger entweder erwürgt oder ins Elend gefangen weggeführt worden, weil sie mit der Abgötterei sich verunreinigt haben. [Solche Strafen haben auch die zu erwarten, welche den Bund, so sie mit Gott in der Taufe eingegangen, da sie ihm Gehorsam angelobt, übertreten und den zeitlichen ungebührlichen Wollüsten sich ergeben. Denn solche werden von Gott auch für Abgöttische geachtet. Als welcher Gott der Mammon ist {Mt 6}. Oder der Bauch. Die zwar mit Worten sagen, dass sie Gott kennen, aber mit der Tat es verleugnen {Tit 1}].

10. Weint nicht über die Toten und grämt euch nicht darum; weint aber über den, der dahinzieht; denn er wird nie wiederkommen, dass er sein Vaterland sehen möchte.

Toten: Die in Gott selig entschlafen sind und aus allem Unfall dieses zeitlichen Lebens errettet wurden. [Denn der Tod macht ein Ende an allem Unglück, so die Frommen leiden müssen, darum man sich nicht ganz zu sehr über sie bekümmern soll {1Thes 4}.

Dahin zieht: Nämlich über Sallum, den Sohn Josia, von welchem der Prophet Jeremia hier insbesondere weissagt, der zwar ein König in Juda gewesen, aber später von dem ägyptischen König Pharao Necho gefangen in Ägypten weggeführt wurde, und sagt von ihm, dass er nicht wieder in sein Vaterland kommen werde. Sein wird auch gedacht {1Chr 3}. Sonst hat er mit einem anderen Namen Joahas geheißen, wie {2Sam 23 2Chr 36} zu sehen. Es streicht aber der Prophet sein Elend durch ein Gleichnis heraus, von anderen Toten, die in ihrem Vaterland sterben und deshalb ihnen viel besser gehe. [Weil es an sich selber ein Stück des göttlichen Fluchs ist, da einer in der Fremde und im Elend sterben muss. Wenn aber solches den Frommen um Christi willen auch widerfährt, so gereicht es ihnen nur zu desto größerer Ehre und Herrlichkeit im Himmelreich. Denn sie kommen aus dem Elend heim ins himmlische Vaterland].

11. Denn so spricht der Herr von Sallum, dem Sohne Josias, des Königs Judas, welcher König ist anstatt seines Vaters Josia, der von dieser Stätte hinausgezogen ist: Er wird nicht wieder herkommen,

Gezogen ist: Ins Gefängnis. [Es spottet aber darum der Prophet des armen gefangenen Königs gar nicht, sondern deutet auf die rechte Strafe für seine Bosheit, auf dass andere durch solche Beispiel von Sünden abgeschreckt werden. Denn man soll die gerechten Gerichte Gottes nicht verbergen, weil aus fleißiger Betrachtung derselben, ihrer viele sich daraus bessern können].

12. sondern muss sterben an dem Ort, dahin er gefangen geführt ist und wird dies Land nicht mehr sehen.

13. Wehe dem, der sein Haus mit Sünden baut und seine Gemächer mit Unrecht, der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und gibt ihm seinen Lohn nicht {Hab 2v9 3Mos 19v13 5Mos 24v14 v15}.

Wehe dem: Nämlich dem Könige Jojakim. Denn weil auf den König Sallum (der auch Joahas geheißen) im Regiment sein Bruder Jojakim gefolgt und derselbe ebenso gottlos gewesen als der vorige, darum er auch später gefangen gen Babel geführt wurde, da er elendiglich gestorben, wie 2. Chron. 36 und später an seinem Ort gemeldet wird, so weissagt auch der Prophet Jeremia hier von seiner Strafe.

Lohn nicht: [Hier werden diejenigen Könige, Fürsten, Herren und Edelleute gescholten, welche, wenn sie bauen, ihre Untertanen mit harter Arbeit beschweren, da sie unterdes das ihre versäumen müssen und wollen ihnen dennoch keinen Lohn geben. Das sind die Herren und Jungherren, die all ihr Geschäft wollen mit unziemlicher und übermäßiger Fron verrichten und wollen kein Geld ausgeben, die verflucht Gott und verschafft, dass solche Gebäude entweder zu Haufen fallen, oder aber dass die Einwohner gefangen weggeführt werden, damit sie eines solche Gebäudes sich nicht lange zu freuen habe].

14. und denkt: Wohlan, ich will mir ein großes Haus bauen und weite Paläste; und lässt sich Fenster hinein bauen und mit Zedern täfeln und rot malen.

Weite Paläste: Denn die vorigen Gemache sind zu eng, als dass sie meiner Majestät und Hoheit gemäß sein sollten.

Hauen: Die er auch lässt größer und derselben mehr machen, damit das Haus desto mehr Helligkeit habe.

Rot malen: Er lässt es schon herausstreichen und aufs köstlichste machen, wie er es nur erdenken kann. [Es werden aber hierdurch die herrlichen Gebäude für sich selbst nicht verworfen, wenn der Mensch, so sie baut, nicht gottlos, geizig, stolz, oder tyrannisch ist].

15. meinst du, du wollest König sein, weil du mit Zedern prangst? Hat dein Vater nicht auch gegessen und getrunken und hielt dennoch über dem Recht und Gerechtigkeit und es ging ihm wohl?

Prangst: Und alle Gemache mit Zedern vertäfeln und aufs herrlichste herausstreichen lässt.

Vater: Der fromme König Josia, welcher sich an den vorigen Gebäuden begnügen ließ und schmeckte ihm das Essen und Trinken dennoch auch wohl, ob er gleich seine Untertanen nicht so hart beschwerte, als du tust.

Hielt: Er regierte recht und wohl und stand dem Regiment löblich vor.

Ihm wohl: [Denn wer sich an dem seinen begnügen lässt und ein gutes Gewissen in seinem Beruf behält, der ist wahrhaftig glückselig und geht ihm wohl auf Erden].

16. Er half dem Elenden und Armen zum Recht und ging ihm wohl. Ist es nicht also dass solches heißt mich recht erkennen? Spricht der Herr.

Half: Von denen, die ihm Überdrang und Gewalt tun wollten.

Ihm wohl: Da stand es wohl im Lande, wie er das Regiment in Händen hatte.

Recht erkennen: [Denn die wahre Erkenntnis Gottes, so aus dem geoffenbarten Worte Gottes herkommt, ist ein Ursprung und Brunnquell aller Tugenden, gleichwie, da man von Gott nichts weiß, allerlei gräuliche Schande und Laster im Schwange gehen].

17. Aber deine Augen und dein Herz stehen nicht also, sondern auf deinem Geiz, auf unschuldiges Blut zu vergießen, zu freveln und unterzustoßen.

Nicht also: Deine Gedanken, oh König Jojakim, sind nicht dahin gerichtet, wie du wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit handhaben mögest, sondern du gehst nur darauf um, dass du deine Untertanen beraubst und mit unrechten Schatzungen aussaugst, welche aber deinen Mutwillen widersprechen, die räumst du dir aus dem Wege und unterdrückst die Armen. Ja du tust alles, was dich nur gelüstet. [Hier hat man ein Konterfei eines Tyrannen und wäre zu wünschen, dass nicht auch heutzutage solches von etlichen Königen, Fürsten und Regenten mit Wahrheit könnte gesagt werden].

18. Darum spricht der Herr von Jojakim, dem Sohn Josias, dem Könige Judas: Man wird ihn nicht klagen: Ach Bruder, ach Schwester! Man wird ihn nicht klagen: Ach Herr, ach Edler!

Nicht klagen: Die bei seiner Leiche sein werden, die werden seinen Tod nicht beklagen, wie sonst bei den Verstorbenen gebräuchlich ist, besonders wenn man gute Freunde, als Brüder und Schwester oder andere Verwandte verloren hat.

Edler: Du frommer König und unser oberstes Haupt, dessen wir jetzt müssen beraubt sein. Dergleichen wird hier nichts geschehen, wie man sonst bei einem ehrlichen Begräbnis zu tun pflegt. Denn er soll gefangen nach Babel weggeführt werden und da unter den Feinden sterben, in großer Verachtung und Schmach.

19. Er soll wie ein Esel begraben werden, zerschleift und hinausgeworfen vor die Tore Jerusalems.

Esel: Dass man seinen Körper an einen unsauberen Ort wird hinwegschleifen, da sonst der unvernünftigen Tiere Aas zu liegen pflegt, gleichwie man einen toten Esel auf die Schindgruben schleppt und liegen lässt.

Tore: Außerhalb der Stadt Jerusalem und weit von seinem Vaterland. [Denn obwohl so ganz viel nicht daran gelegen ist, wie ehrlich wir begraben werden, sondern vielmehr, dass wir wohl absterben und selig von hinnen scheiden, so ist es doch auch etlichermaßen ein Stück vom Fluch, wenn einer unbegraben hingeworfen wird: Doch schadet solches den Frommen nichts, aber den Gottlosen ist es ein Anfang zur ewigen Schmach und Schande].

20. Ja, dann gehe hinauf auf den Libanon und schreie und lass dich hören zu Basan und schreie von Abarim; denn alle deine Liebhaber sind jämmerlich umgebracht.

Gehe hinauf: Nämlich du jüdisches Volk. [Denn der Prophet redet mit diesen Worten alle Juden an und lehrt, wie sie werden mit Schanden bestehen, weil sie auf menschliche Hilfe sich zu verlassen pflegten, besonders aber auf der Ägypter Beistand, die ihnen doch nichts nutzten].

Basan: Welcher Ort die andere Grenze des Königreichs Juda ist.

Liebhaber: Nämlich deine Freunde, zu denen du dich pflegtest zuhalten, die Ägypter, auf welche du oftmals alle deine Hoffnung gesetzt hast. Denn der König zu Babel Nebukad-Nezar hatte alles eingenommen, was des Königs in Ägypten gewesen war, von dem Bach Ägyptens an bis an den Phrat oder Euphratem, darum konnten die Ägypter den Juden nicht zu Hilfe kommen. [Also ist es mit der Menschen Hilfe beschaffen, wenn man all sein Vertrauen darauf setzt, dass sie entweder nicht wollen oder können helfen, da man ihrer am meisten bedarf].

21. Ich habe dir es vorhergesagt, da es noch wohl um dich stand; aber du sprachst: Ich will nicht hören. Also hast du dein Lebtag getan, dass du meiner Stimme nicht gehorchtest.

Vorgesagt: Und hab dich gewarnt, dass du dich nicht auf die Ägypter, sondern auf mich, deinen Gott, verlassen solltest.

Nicht hören: Noch folgen, denn ich weiß selbst ganz wohl, wie ich meinen Sachen helfen soll.

Nach Luther:]. Von deiner Jugend auf.

Getan: Dass es nichts Neues an dir ist, sondern von der Zeit an, da ich dich aus Ägypten geführt und mir zum Volk angenommen habe, bist du immer ungehorsam gewesen und hast mich pflegen zu beleidigen, wie du noch heutigentags auch tust. [Welche aber dem Worte Gottes nicht gehorchen wollen, die dürfen sich von keinem glücklichen Fortgang in ihrem Tun träumen lassen].

22. Der Wind weidet alle deine Hirten und deine Liebhaber ziehen gefangen dahin; da musst du doch zu Spott und zuschanden werden um aller deiner Bosheit willen.

Weidet: nach Luther]. Treibt wie ein Vieh.

Hirten: Das ist: Deine Regenten und die falschen Propheten (so deine Liebhaber sind) werden auf die vergeblichen Verheißungen der Ägypter sich verlassen (welches heißt, vom Winde geweidet werden) darum werden ihnen ihre Anschläge fehlen. Denn die Leute, welchen du am meisten traust und vermeinst, sie sind dir ganz wohl gewogen, dass sie deine Wohlfahrt suchen, die werden dir nicht helfen.

Willen: Dass du deine Hoffnung mehr auf die unbehilflichen Menschen als auf den wahren Gott gesetzt hast.

23. Die du jetzt im Libanon wohnst und in Zedern nistest, wie schön wirst du sehen, wenn dir Schmerzen und Wehe kommen werden wie einer in Kindesnöten!

Nistest: Das ist, du jüdisches Volk bist bisher sehr stolz und übermütig gewesen, weil du in stattlichen Häusern wohnst, die mit Zedern, aus dem Walde Libanon gehauen, vertäfelt sind.

Sehen: Wie wirst du deinen Liebhabern so angenehm sein, wenn du in den größten Nöten und Ängsten steckst, dass deine Liebhaber sich deiner weder zu freuen noch zu trösten und du von ihnen keine Hilfe noch Schutz wirst zu erwarten haben. [Es sticht aber der Prophet mit diesen Worten auf den Übermut dieses Volkes und ihrer allzu großen Pracht und will damit uns lehren, dass der Übermut vor dem Fall hergehe {Spr 16}].

24. So wahr ich lebe, spricht der Herr, wenn Chanja, der Sohn Jojakims, der König Judas, ein Siegelring wäre an meiner rechten Hand, so wollte ich dich doch abreißen {Pred 8v6 Hag 2v24}.

So wahr: Der Prophet weissagt auch von Jojachin oder Jechanja, dem Könige Juda, der seinem Vater Jojakim im Königreich gefolgt, welcher hier mit etwas veränderten Buchstaben Chania genannt wird. Es hat aber derselbe König Jojachin oder Jechanja nur drei Monate regiert {2Sam 24}. Danach ist er gefangen gen Babel geführt worden. Und weil derselbe Jojachin gottlos gewesen, so verkündigt ihm Gott auch die Strafen.

Siegelring: Das ist, wenn er gleich in noch einem höheren Stand und Ansehen wäre, so will ich dennoch seiner nicht schonen, sondern ihn von seiner königlichen Majestät herunterstürzen, um seines gottlosen Wesens willen. [Denn Gott sieht die Person nicht an, darum hat keiner eine Freiheit vor dem anderen, dass er seines Gefallens sündigen möchte].

25. und in die Hände geben derer, die nach deinem Leben stehen und vor welchen du dich fürchtest, nämlich in die Hände Nebukadnezars, des Königs zu Babel und der Chaldäer.

Fürchtest: [Denn es begegnet den Gottlosen, was sie fürchten {Spr 16}].

26. Und will dich und deine Mutter, die dich geboren hat, in ein anderes Land treiben, das nicht euer Vaterland ist; und sollst dort sterben.

Anderer Land: Der Chaldäer zu Babel, welches euch unbekannt ist.

27. Und in das Land, da sie von Herzen gerne wieder hin wären, sollen sie nicht wiederkommen.

Sie: Nämlich Jojachin oder Jechania samt seiner Mutter und welche zugleich mit ihm gen Babel geführt wurde.

Hin wären: Nämlich ins Land Kanaan, welches ihr Vaterland ist.

Nicht wiederkommen: Denn obwohl Jechania vor seinem Tode aus der Gefangenschaft erledigt wurde und an des Königs zu Babel Tisch oder Tafel gesetzt, auch sonst ehrlich gehalten worden. So wurde er doch nicht wieder in sein Vaterland gelassen. [Wenn wir aber des irdischen Vaterlandes mangeln müssen, so sollen wir mit allem Fleiß dahin trachten, dass wir nicht aus dem himmlischen Vaterland ausgeschlossen werden].

28. Wie ein elender, verachteter, verstoßener Mann ist doch Chanja! ein unwertes Gefäß! Ach, wie ist er doch samt seinem Samen so vertrieben und in ein unbekanntes Land geworfen {Hos 8v8}!

Gefäß: Das ist, der König Jechanja wird zu Babel eine gute lange Zeit in großer Verachtung leben, wie ein unreines und zerbrochen Gefäß, das zu nichts mehr nütze ist.

Vertrieben: Welches ihm von wegen seiner Sünden und Bosheit widerfahren. [Denn Gott schüttet Verachtung über die gottlosen Fürsten {Ps 107}].

29. O Land, Land, Land; höre des Herrn Wort!

Land, höre: Weil die Leute ihre Ohren zustopfen und nicht mehr hören wollen. [Mit welcher verblümten Rede er will zu verstehen geben, wie verstockt die Leute sind, so in einem verkehrten Sinn gegeben wurden, dass sie Gottes Wort nicht hören wollen].

30. So spricht der Herr: Schreibt an diesen Mann für einen Verdorbenen, einen Mann, dem es sein Lebtage nicht gelingt. Denn er wird das Glück nicht haben, dass jemand seines Samens auf dem Stuhl Davids sitze und weiter in Juda herrsche.

Herrsche: Das ist, es wird Chanja oder Jechanja keinen Leibes Erben zum Nachkommen im Königreich Juda hinterlassen. Welche Weissagung auch erfüllt wurde. Denn Jechanja ist gen Babel gefangen weggeführt worden, da er nur achtzehn Jahre alt gewesen. Und hat man an seine statt zum Könige erwählt seinen Vettern Zedekia, welcher der letzte König in Juda gewesen. [Welche deswegen ihre Güter auf ihre Nachkommen begehren, zu hinterlassen, die sollen Gott fürchten, damit es ihnen nicht gehe, wie dem Könige Jechanja].


Das 23. Kapitel


1. Gott droht den lasterhaften Hirten, welche des Herrn Herde zerstreuten, dass er sie ernstlich strafen wolle. Und verheißt, dass er anstatt der Mietlinge treue Hirten geben, insbesondere aber Christus, unsere Gerechtigkeit, senden wolle. v. 1. 2. Danach wird die Wirkung und Kraft des Wortes Gottes gerühmt. v. 29.

1. Wehe euch Hirten, die ihr die Herde meiner Weide umbringt und zerstreut! Spricht der Herr {2Mos 34v2}!

Wehe: Gott schilt die bösen Hirten der Kirche, die ihr Amt nicht gebührlich versahen und sagt, dass er sie in dieser und jener Welt ernstlich strafen wolle.

Zerstreute: Da ihr ihnen mit der reinen Lehre den einigen und rechten Weg zum ewigen Leben zeigen solltet, so verführt ihr eure Zuhörer durch die falsche Lehre zum Tode und trennt sie in mancherlei Sekten, nachdem ihr viele und mancherlei neue Religion erdenkt. [Also führen auch die Katholiken ihre Zuhörer von dem einigen Glauben an Christus ab, zu Menschen Werke und Verdienst, von dem klaren und gewissen Wort Gottes, zu Menschensatzungen, ja vom Leben zum Tode. Und sind in der Wahrheit unter den Katholiken so viele Sekten als Klosterorden. Denn es ist keiner unter denselben Heuchlern, der nicht die anderen Orden vor dem seinen verachtet, obgleich die Katholiken solches nicht gestehen wollen. Danach sündigen auch die sehr schwer, welche Trennungen in der Kirche anrichten].

2. Darum spricht der Herr, der Gott Israels, von den Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Herde zerstreut und verstoßen und nicht besucht. Siehe, ich will euch heimsuchen um eures bösen Wesens willen, spricht der Herr.

Nicht besucht: Ihr habt euch nicht darauf beflissen, dass ihr die Herde mit reiner Lehre zusammen hieltet, sondern habt meine Schafe aus der acht gelassen, sie mit großem Übermut von euch getrieben und euch nicht nach ihrem Verstand, wie sie es fassen konnten, gerichtet, auf dass ihr sie mir gegönnt und habt nur auf euren Nutzen und Vorteil gesehen, aber nicht fleißig darauf geschaut, welche Schafe einer Erinnerung und Warnung oder welche eines Trostes benötiget sein möchten. [Auf gleiche Weise sündigen auch die, welche zwar nicht falsch lehren, aber mit ihrer Reue und unzeitiger Störrigkeit den mehreren Teil der Zuhörer von der Lehre des Evangeliums abschrecken und andere, welche nur ihre Güter zu vermehren denken und lehren, achten sich ihrer anbefohlenen Schäflein nicht viel und fragen nicht besonders danach, es werden ihre Zuhörer besser oder ärger. Solche Mietlinge wird der Sohn Gottes an jenem Tage zugleich mit den reißenden Wölfen ernstlich strafen].

Heimsuchen: Ich will euch von wegen eurer Bosheit und Fahrlässigkeit strafen, sowohl in diesem Leben mit zeitlichen Plagen, als in jenem, wo ihr nicht Buße tut, mit der ewigen Verdammnis.

3. Und ich will die übrigen meiner Herde sammeln aus allen Ländern, dahin ich sie verstoßen habe und will sie wiederbringen zu ihren Hürden, dass sie sollen wachsen und viel werden.

Sammeln: Denn weil ich sehe, dass ihr bisher euer Amt nicht recht versehen habt, so muss ich selber ein Hirte meines Volkes sein und will durch das Predigtamt des Evangeliums zusammen bringen, welche noch von denen übergebliebenen sind, die durch eure Bosheit entweder ganz umkommen oder ins Elend jämmerlich sind verstoßen worden. [Denn die Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft ist ein Schatten und gleichsam Vorbild gewesen des Reiches Christi, darin die Menschen durch die Predigt des Evangeliums aus dem Elend und Gefängnis dieser Welt zum himmlischen Vaterland gebracht werden, zu welchem Adam und Eva die Gerechtigkeit und Ansprache uns verloren hatten. Es weissagt aber auch der Prophet mit den vorigen Worten von der Vermehrung und Zunahme der Christen. Denn das Reich Christi ist gleich einem Sauerteig, welchen ein Weib nahm, und vermengt ihn unter drei Scheffel Mehls, bis dass er ganz durchsäuert wurde {Mt 13}.

4. Und ich will Hirten über sie setzen, die sie weiden sollen, dass sie sich nicht mehr sollen fürchten noch erschrecken noch heimgesucht werden, spricht der Herr {Jer 3v15 Hes 34v11}.

Setzen: Ich will ihnen (spricht Gott) getreue Lehrer geben. Als die Apostel und ihre Nachkommen, die rechten und reinen Kirchendiener Christi, die sie mit dem Wort des Evangeliums treulich und fleißig weiden und mit dem Leib und Blut Christi speisen sollen, so werden sie auch sonst für ihre Seligkeit wachen {Hebr 13}. [Es ist aber die größte Wohltat Gottes auf dieser Erde, wenn man getreue Kirchendiener hat].

Fürchten: Das ist: Meine Herde, die Christen, so aus wahrem Glauben das Evangelium Christi annehmen werden, die werden in ihrem Gewissen versichert sein, dass sie Gottes Kinder sind und Erben des ewigen Lebens {Röm 8}. Darum sie dem Teufel, Tod und der Welt Trotz bieten werden.

Heimgesucht: Das ist: Es soll kein Auserwählter umkommen oder verloren werden und wird ihrer keiner mangeln. Denn Christus spricht, ich gebe ihnen, nämlich meinem Schäflein, das ewige Leben und sie sollen in Ewigkeit nicht verderben und soll sie niemand aus meiner Hand reißen {Joh 10}. [Wir sollen aber diese Lehre nicht missbrauchen zu des Fleisches Bosheit, sondern zur Stärkung unseres Glaubens.

5. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David ein gerecht Gewächs erwecken will; und soll ein König sein, der wohl regieren wird und Recht und Gerechtigkeit auf Erde anrichten {Esra 4v2 Jer 33v14 v15}.

Siehe: Was bisher der Prophet von dem Reich Christi etwas dunkel vorgebracht, das erklärt er jetzt deutlicher von Christo selbst, als unserem Könige und Heiland.

Zeit: Nämlich die glückselige und von den heiligen Patriarchen mit großem Verlangen erwünschte Zeit.

Gewächs: Das ist: Ich will dem Könige David aus seinem Geschlecht und Nachkommen einen gerechten Sohn lassen geboren werden, an dem man keinen Fehler oder Mangel spüren wird, noch irgend ihn tadeln können, weil er von aller Erbsünde wird befreit sein. [Dass aber Christus ein Gewächs Davids genannt wird, ist solches ein Zeugnis, dass er ein wahrhaftiger Mensch sei, als der seinen Leib nicht aus dem Himmel mit sich gebracht, sondern aus dem Wesen der Jungfrauen Maria angenommen hat, welche Jungfrau von des Davids Stamm war. Und wird er ein gerecht Gewächs genannt, weil er nicht in Sünden empfangen wurde, sondern von dem Heiligen Geist, auf dass seine reine Empfängnis und Geburt unsere Unsauberkeit der Sünden reinigte. Dass er aber auch vielmehr ein Gewächs, denn ein Baum oder Frucht genannt wird, bedeutet solches, dass die Entdeckung der Gaben des Heiligen Geistes in Christo, je mehr und mehr zugenommen (wie Lukas 2) gesagt wird, dass er habe zugenommen an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Weiter wird er ein König genannt, doch nicht, dass er auf dieser Welt ein zeitlich oder irdisch Königreich besitzen müsste, sondern er regiert seine Kirche durch das Predigtamt des göttlichen Wortes und der heiligen Sakramente, bei welchem Predigtamt der Heilige Geist kräftig ist und mitwirkt, zu der Auserwählten Heil und Seligkeit. Derselbe König Christus sitzt jetzt und zu der Rechten des allmächtigen Vaters, also dass er alle Gewalt hat im Himmel und auf Erde {Mt 28}. Darum regiert er alles also im Himmel und auf Erde, dass Gottes Ehre befördert und die Auserwählten zum himmlischen und ewigen Leben erhalten werden. Unterdes stürzt er auch die Gottlosen oft von ihrem Thron {Ps 2}. Denn er handelt weislich in der Verwaltung seines Königreichs und wird seine Untertanen von aller Tyrannei und Unbilligkeit retten und rächen. So hat auch Christus sein Amt weislich verrichtet, da er in seiner Niedrigung durch die Erfüllung des Gesetzes und mit seinem Leiden des Vaters Zorn gestillt und uns von der Gewalt und Tyrannei des Teufels, Todes und der Hölle erlöst hat {Hebr 2}.

6. Zu der selbigen Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, dass man ihn nennen wird: Herr, der unsere Gerechtigkeit ist {5Mos 33v28}.

Israel: Es sind aber heutigentags die Israeliten und Bürger des Königreichs Juda alle, die an Christus glauben {Gal 6}. Denen wird durch Christus also geholfen, dass sie keine Gefahr der Verdammnis zu erwarten haben, welche in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch, sondern nachdem Geiste wandeln {Röm 8}. Und diese wohnen unter dem Schutz Christi sicher. Denn sie sind gewiss, dass sie keine Kreatur scheiden kann von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserem Herrn {Röm 8}.

Nennen: Denn die Christen erkennen und glauben recht, dass Jesus Christus der wahre Gott sei, hochgelobt in Ewigkeit {Joh 1 Röm 9 1Joh 5}. Glauben auch und bekennen recht, dass er ihre Gerechtigkeit sei, mit seinem allerheiligsten Verdienst, der den Gläubigen zur Gerechtigkeit zu gerechnet wird {Röm 3 4}. Denn Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung {1Kor 1}.

7. Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: So wahr der Herr lebt, der die Kinder Israel aus Ägyptenland geführt hat {Jer 16v14 v15},

Darum: Jetzt weissagt der Prophet auch etwas von der Aufhebung oder Abschaffung des Alten Testaments und Aufrichtung des Neuen.

Sagen wird: Nämlich im gewöhnlichen Eidschwur.

8. sondern: So wahr der Herr lebt, der den Samen des Hauses Israel hat herausgeführt und gebracht aus dem Lande der Mitternacht und aus allen Landen, dahin ich sie verstoßen hatte, dass sie in ihrem Lande wohnen sollen.

Samen: Das ist: Der Israeliten Nachkommen.

Mitternacht: Aus der Babylonischen Gefangenschaft und aus der Chaldäer Lande, welches dem Lande Kanaan gegen Mitternacht gelegen war.

Allen Landen: Denn es waren auch viele Israeliten in Assyrien weggeführt worden.

Wohnen: Mit großer Freude und Wonne. [Indem aber der Prophet hier der Widerheimkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft gedenkt, versteht er eigentlich dadurch die geistliche Erlösung, so durch Christus uns widerfahren ist. Und will so viel sagen: Das Alte Testament, welches Gott nach der Ausführung der Kinder Israel aus Ägypten mit demselben Volk gemacht hat, wird aufhören, denn dasselbe gründete sich auf die Bedingung des erfüllten Gesetzes, welche Bedingung kein Mensch leisten könne. Es wird aber das Neue Testament darauf erfolgen, welches ein Bund der Gnaden und göttlichen Güte ist, darunter die Christen sich miteinander freuen werden, dass ihnen durch Christus der Zugang zum himmlischen Vaterland geöffnet wurde, daraus sie durch den Ungehorsam der ersten Eltern verstoßen waren]. Es hielten aber die Propheten dergleichen Trostpredigten dem Volk vor, auf dass die Israeliten dadurch einen wahren Glauben an den Messias schöpften und der ewigen Verdammnis entrinnen, weil sie je der Babylonischen Gefangenschaft nicht entgehen konnten. [Denn darauf muss ein Kirchendiener sehen, wenn ein äußerliches Unglück nicht mehr kann verhütet werden, dass er zum wenigsten der auserwählten Seelen vor dem ewigen Verderben bewahre und errette].

Propheten: Nämlich falsche Propheten, welche des Lehramts in der Kirche sich unterfingen, da sie doch von Gott nicht dazu berufen waren, auch nicht recht lehrten, sondern die Lehre verfälschten und ihr Amt in der Kirche nicht verrichteten, wider solche weissagt der Prophet hier und halt ich es dafür, dass diese Predigt nicht zu einer Zeit mit der vorigen gehalten wurde.

9. wider die Propheten. Mein Herz will mir in meinem Leibe brechen, alle meine Gebeine zittern; mir ist wie einem trunkenen Manne und wie einem, der vom Wein taumelt, vor dem Herrn und vor seinen heiligen Worten,

Worten: Denn weil ich aus den ernsten Bedrohungen Gottes vermerke, wie heftig Gott über dies Volk zürne und was für schreckliche Strafen er den Juden zuschicken werde. Sehe aber daneben nicht, dass die, so den Namen eines Propheten sich selbst fälschlich zumessen, etwas dergleichen tun, nachdem ihr Amt mitbrächte, was zu Abwendung des göttlichen Zorns dienlich, und zu des Volkes Wohlfahrt förderlich sein möchte, so tut mir solches so herzlich weh, dass mir das Herz im Leibe zerspringen möchte, zittere und schwanke vor großer Schwachheit, wenn ich den ernsten Zorn Gottes betrachte und aber sehe, dass unterdes die falschen Propheten dieses Volk bei so großer Gefahr in ihrer Bosheit stärken, ihre Laster lind angreifen und mit keinem rechten Ernst strafen. [Denn fromme Kirchendiener können nicht ohne große Schmerzen zusehen, wenn andere Lehrer der Kirche und ihre Zuhörer ihrem Beruf nicht nachkommen].

10. Dass das Land so voll Ehebrecher ist, dass das Land so jämmerlich steht, dass es so verflucht ist und die Auen in der Wüste verdorren; und ihr Leben ist böse und ihr Regiment taugt nicht {Jer 12v4}.

Ehebrecher: Darum man einen solchen verdorbenen Zustand der Kirche richtig beweinen und beklagen soll. [Sieht man also, dass auch im Volk Gottes große Ärgernisse vorgegangen. Wenn aber alle Büberei und Unzucht im Schwange gehen, dass man ein Handwerk daraus macht, so ist der Untergang eines Regiments am allernächsten].

Verdorren: Da man sonst gute herrliche Wiesen und die beste Viehweide zu finden pflegte. Darum sollten die Israeliten den Zorn Gottes gleichsam mit Händen greifen können, wenn sie anders noch ein wenig Klugheit oder Verstand hätten. Denn wer sieht nicht, wie jämmerlich es im ganzen Königreich stehe und zugehe? In dem Gott allen Segen entzieht, dass man derer Dinge in Mangel stehen muss, die man zur notwendigen Unterhaltung dieses zeitlichen Lebens bedarf. Dennoch wollen die falschen Propheten das Volk nicht mit Ernst zur Buße ermahnen noch die Zuhörer ihrer Wohlfahrt in Acht nehmen. [Es ist aber eine schreckliche Verstockung, wenn man den Fluch Gottes empfindet und gleichsam mit Händen greift, dass die Leute dennoch nicht danach trachten, wie sie den Zorn Gottes abwenden oder doch mildern möchten. Wie man denn dergleichen Beispiele zu unseren Zeiten geschehen].

Taugt nicht: Sie rennen spornstreichs der Hölle zu und regieren die Kirche nicht recht, sondern herrschen böslich und verkehrterweise. [Es tun aber der Kirchendiener böse Beispiele großen Schaden in der Kirche und vergessen die ihres Amtes, welche unter dem Schein des Predigtamts die Herrschaft suchen. Denn Christus hat zu den Aposteln gesagt: Die weltlichen Könige herrschen und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren, ihr aber nicht, sondern der Größten unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener {Lk 22}].

11. Denn beide, Propheten und Priester, sind Schälke und finde auch in meinem Hause ihre Bosheit, spricht der Herr.

Schälke: Die sich stellen, als wäre es ihnen ein rechter Ernst mit der Religion, da sie doch im Herzen nichts glauben, und in meinem Tempel die Religion verfälschen, indem sie neue und falsche Gottesdienste anrichten und unter mein Wort Menschensatzungen mit untermengen. [Und werden hier der Katholiken Menschensatzungen eigentlich beschrieben, samt der Mönche und Messpfaffen Geplärr in den Kirchen, wenn sie ihre sieben Zeiten singen, da sie unterdes im Herzen viel anders denken].

12. Darum ist ihr Weg wie ein glatter Weg im finsteren, darauf sie gleiten und fallen. Denn ich will Unglück über sie kommen lassen, das Jahr ihrer Heimsuchung, spricht der Herr.

Finsteren: Denn gleichwie diejenigen, so im Finsteren auf einem glatten und schlüpfrigen Wege gehen, leicht fallen, besonders wenn man ihnen noch einen Stoß dazu gibt, also werden auch diese Verführer der Kirche aus gerechtem Urteil Gottes gestürzt werden, dass sie ins Verderben fallen.

Unglück: Es wird die Zeit kommen, dass ich ihre Bosheit rächen und sie mit großem Unheil werde lassen überfallen werden. [Mögen deswegen die Heuchler sich wohl vorsehen, denn sie werden dem gerechten Urteil Gottes nicht entrinnen].

13. Zwar bei den Propheten zu Samaria sah ich Torheit, dass sie weissagten durch Baal und verführten mein Volk Israel.

Propheten: Bei den falschen Lehrern in der Hauptstadt des Königreichs Israel, da dasselbe noch aufrecht und wohl stand vor etlichen Jahren.

Torheit: Dass sie mit der Religion unweislich umgingen. [Und hat man hier zu merken, dass der falsche Gottesdienst, obwohl die Heuchler sich selbst überreden, es sei die größte Weisheit, dennoch vor Gott die größte Torheit sei. Mit welchem Namen man die papistischen Gottesdienste auch recht titulieren kann, als die mehrerenteils viele närrische und gauklerische Gebärden haben, damit sie sich doch selbst sehr wohl gefallen].

Weissagten: Indem sie dem Volk Israel eitel Glück und Wohlfahrt verhießen, wenn sie dem baalitischen Gottesdienst anhängen würden.

Verführten: Von dem rechten Wege der Seligkeit. Darum sie auch um ihre Bosheit rechte Strafe empfangen, dass sie zum Teil erwürgt, zum Teil in Assyrien gefangen weggeführt worden.

14. Aber bei den Propheten zu Jerusalem sehe ich Gräuel, wie sie ehebrechen und gehen mit Lügen um und stärken die Boshaften, auf dass sich ja niemand bekehre von seiner Bosheit. Sie sind alle vor mir gleichwie Sodom und ihre Bürger wie Gomorrha {1Mos 13v13 5Mos 32v32 Esra 1v10}.

Gräuel: Dass sie es nicht besser machen als vorzeiten die zu Samaria, sondern auch ärger sind.

Um: Dass sie anderen Männern ihre Weiber schänden und anstatt der rechten Lehre ihres Herzens Gutdünken predigen. [Diesen Propheten sind etliche päpstliche Pfaffen allerdings gleich, die auch mit der Bürger Weibern Schandbüberei treiben und in ihren Predigten Mährlein erzählen].

Stärken: Sie versprechen denen zeitlich Glück und ewige Wohlfahrt, die von Sünden und Lastern nicht abstehen. [Eben also haben die Katholiken vorzeiten auch getan, denen alles ums Geld gewesen, Vergebung der Sünden, Ablass-Briefe, Sakrament, der Himmel und Gott selbst. Und haben unterdes das Volk überredet, wenn jemand besonderes Gebet erzähle oder täglich eine Messe höre, der könne nicht verloren werden. Und ob sie wohl solches heutigentags unverschämt leugnen dürfen, so kann man sie doch mit den papistischen Büchern, die vor Alters geschrieben wurden, überweisen. Und eben das, was sie leugnen, das treiben sie noch auf den heutigen Tag heimlich bei den ihren].

Vor mir: Ich hab ebenso wenig Lust zu den falschen Propheten als bösen Buben und zu dem Volk, das ich mir ihre Bosheit gefallen lässt, als ich vorzeiten zu Sodom und Gomorra hatte, die ich mit Feuer und Schwefel vom Himmel herab vertilgt habe {1Mos 19}. [In diesem Spiegel mögen sich ersehen diejenigen, welche heutigentags die falsche päpstliche Religion handhaben und daneben ein schändliches Leben führen, mit allerhand Unzucht befleckt, auf dass sie einmal eins mit Ernst betrachten, was sie für Belohnungen haben werden].

15. Darum spricht der Herr Zebaoth von den Propheten also: Siehe, ich will sie mit Wermut speisen und mit Galle tränken; denn von den Propheten zu Jerusalem kommt Heuchelei aus ins ganze Land {Jer 8v14 9v15}.

Wermut: Ich will böse Zeiten über sie kommen lassen, dass sie vor großer Schwermütigkeit und Herzeleid verzweifeln werden. [Denn es werden die falschen Lehrer nicht allein alles Unglück und des Todes Bitterkeit erfahren, sondern auch die allergrößte Pein des Gewissens im ewigen höllischen Feuer ausstehen müssen].

Jerusalem: Da man die rechte Religion und Frömmigkeit am meisten suchen sollte, als an ihrem rechten Ort oder Sitz.

Heuchelei: Eine falsche und heuchlerische Religion.

Nach Luther:]. Falsch geistliches Leben und Missglauben.

Land: Des Königreichs Juda. [Also sind aus Rom, welche Stadt für das Haupt aller Kirche will gehalten sein, durch die ganze Christenheit unzählige Verfälschungen der Religion auskommen, samt einem großen Haufen der Aberglauben und anderer Laster].

16. So spricht der Herr Zebaoth: Gehorcht nicht den Worten der Propheten, so euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie predigen ihres Herzens Gesicht und nicht aus des Herrn Munde {Jer 14v14}.

So spricht: Weil der Prophet sah, dass er bei den falschen Propheten wenig ausrichtete, so wendet er sich mit seiner Predigt zu den Zuhörern und ermahnt sie, dass sie solchen Verführern nicht folgen sollen.

Gesicht: Sie lehren, was sie selbst erdichtet und gedacht haben und nicht was Gott geredet hat. [Denen sind gleich die päpstlichen Prediger, die anstatt des reinen Wort Gottes Menschensatzungen predigen: Und die Zwinglianer, die anstatt der evangelischen Wahrheit des Aristotelis Gründe handhaben].

17. Sie sagen denen, die mich lästern: Der Herr hat es gesagt, es wird euch wohlgehen. Und allen, die nach ihres Herzens Dünkel wandeln, sagen sie: Es wird kein Unglück über euch kommen {Jer 8v11 Hes 13v10}.

Lästern: Und die Abgötterei verteidigen, hingegen aber den rechten Gottesdienst, den ich eingesetzt habe, mit Spott- und Schmachworten angreifen: Den selbigen sprechen sie dergestalt tröstlich zu, dass sie ihnen lauter Glück versprechen, und werde ihnen nichts Böses begegnen.

Wandeln: Indem sie nach ihren menschlichen Gedanken und guter Meinung neue Religionsübungen erdenken.

Kommen: Denn wie wollte es Gott können übers Herz bringen, dass er so gottesfürchtige und willige Diener durch den gottlosen König zu Babel vertilgen ließe?

18. Denn wer ist im Rat des Herrn gestanden, der sein Wort gesehen und gehört habe? Wer hat sein Wort vernommen und gehört {Röm 11v34 1Kor 2v16}?

Gehört: Alles, was er von politischen Sachen beschlossen hat. Freilich wird Jeremia (sprechen die falschen Propheten) unserem Herrn Gott in seine geheime Ratskammer gestiegen sind, dass er da die Beratschlagung angehört, wie der König zu Babel in die Stadt Jerusalem soll eingelassen werden. Denn er redet so eigentlich von der Sache, als wenn er erst neulich vom Himmel geflogen käme. [Dergestalt spotten die Gottlosen der göttlichen Drohungen, bis sie den Ausgang derselben mit ihrem äußersten Schaden und Verderben erfahren].

19. Siehe, es wird ein Wetter des Herrn mit Grimm kommen und ein schrecklich Unwetter den Gottlosen auf den Kopf allen {Jer 30v23}.

Siehe: Jetzt droht Gott solchen Spöttern, besonders den falschen Lehrern, schreckliche Strafen.

Fallen: Sie werden mit dem göttlichen Zorn als mit einem unversehenen schrecklichen Sturmwind überfallen werden, dass sie ihm nicht werden entgehen können.

20. Und des Herrn Zorn wird nicht nachlassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat. Später werdet ihr es wohl erfahren.

Erfahren: Das ist: Endlich, wenn die Drohungen in der Tat erfüllt werden, so werdet ihr es zu spät mit eurem Schaden und Verderben glauben müssen, dass ich euch die Wahrheit gesagt habe. [Denn auf eine beharrliche Sicherheit des Fleisches folgt ein unversehenes und großes Unglück].

21. Ich sandte die Propheten nicht, noch liefen sie; ich redete nicht zu ihnen, noch weissagten sie {Jer 14v14 27v15 29v9}.

Liefen: Dass sie sich ins Predigtamt eingedrungen, da ich sie doch mit ordentlicherweise zu solchem Amt berufen hätte.

Redet nicht: Und offenbarte ihnen nichts von meinem Willen.

Weissagten: In meinem Namen, ohne meinen Befehl, dass sie dem Volk predigten und fälschlich vorgaben, ich hätte solche Sachen zu ihnen geredet und ihnen geoffenbart, daran ich nie gedacht hatte. [Denen vergleichen sich im Papsttum, die ihre Ämter in der Kirche mit Geld oder durch andere ungebührliche Mittel zuwege bringen: Und die Wiedertäufer, welche sich zu lehren unterstehen, da sie doch keinen ordentlichen Beruf haben: Denen etliche Zwinglianer in diesem Stücke auch nicht ganz ungleich sind, die ihre zwinglische Lehre heimlich und in den Winkeln ausstreuen, da ihnen das Predigtamt nicht befohlen ist. Solche alle miteinander soll man meiden, weil sie nicht Christi, sondern des Teufels Apostel sind. Welche aber aus christlichem Eifer Gott zu dienen, der Kirche sich anbieten und derselben Erkenntnis und Urteil erwarten, welche die Kirchendiener anzunehmen und einzusetzen Macht haben, die tun recht und erlangen einen ordentlichen Beruf].

22. Denn wo sie bei meinem Rat blieben, und hätten meine Worte meinem Volk gepredigt, so hätten sie dasselbe von ihrem bösen Wesen und von ihrem bösen Leben bekehrt.

Blieben: Dass die falschen Propheten von meinem Wort, welches den Menschen weislich und heilsam rät, nicht abgewichen, sondern in der Wahrheit beständig beharrt wären.

Dasselbe: nach Luther]. Gottes Wort bekehrt. Alle andere Lehre verführt.

Wesen: Nämlich von ihren falschen Gottesdiensten und anderen Lastern. [Denn allein das Wort Gottes führt die Menschen von der Bosheit ab und bringt sie auf den Weg der Seligkeit. Aber das selber erdichtete Vernunftsdenken, wenn sie auch gleich zu dem Ende erdacht wurden, dass man die Leute von Lastern begehrt abzuhalten, bessern die Leute nicht, sondern machen aus gottlosen Sündern Scheinheilige und Heuchler]. Aber die falschen Propheten (will Gott sagen), die in meinem Namen weissagen und ich sie doch nicht gesandt habe, lehren falsch und ihres Herzen Gutdünken. So wissen sie auch wohl, dass sie liegen, dennoch fürchten sie sich vor meiner Strafe nicht und meinen vielleicht, ich höre, oder sehe es nicht.

23. Bin ich nicht ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr und nicht ein Gott, der ferne sei?

Nahe ist: nach Luther]. Sie sind so sicher und frech, als sehe ich ihr falsches Lehren und böses Leben nicht.

Ferne sei: Als wollte Gott sprechen, hörst du es, du falscher Prophet, der du mich aus deinen Augen weit hinten setzt. Gerade als ob ich nicht ein allmächtiger Gott wäre, der alles in der Nähe und in der Ferne sehen und rächen könnte? Meinst du, du Heuchler, dass ich weit von dir sei, wenn ich eine Zeit lang zu deiner gottlosen Bosheit still schweige und gleichsam durch die Finger sehe.

24. Meinst du, dass sich jemand heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe? Spricht der Herr. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde füllt? Spricht der Herr {Ps 139v8 Am 9v2 v3}.

Nicht sehe: Als wollte er sprechen, es wird niemand sich oder seine Werke oder auch Gedanken also verbergen und heimlich halten können, dass ich es nicht wüsste, was und aus was Anschlägen oder Gedanken er dies oder jenes tue oder vorhabe. [Sollen deswegen wir Gott immer vor Augen haben und denken, dass er alles sehe und höre und das Gute zwar belohne, das Böse aber räche. Dergestalt werden wir uns auch vor heimlichen Sünden hüten. Denn sonst sündigen ihrer viel der Hoffnung, dass sie es verbergen wollen].

Füllt: Das ist, der ich überall im Himmel und auf Erde bei allen Dingen gegenwärtig bin. [Welches darum man nicht also verstehen muss, dass Gott räumlich an allen Orten eingeschlossen oder umfangen sei, aber doch ist er wahrhaftig überall zugleich und auf einmal gegenwärtig. Darum sollen wir zu demselben unserem Gott, der überall gegenwärtig und mächtig ist, in allen Nöten und Ängsten Zuflucht haben. Weil aber dies von der ganzen Heiligen Dreifaltigkeit und also auch von dem ewigen Sohn Gottes recht gesagt wird und aber der Sohn Gottes menschliche Natur in einer Person unzertrennlich angenommen hat, auch die selbige zu solcher hohen Majestät erhoben, dass sie zu der Rechten des Vaters sitzt, welche Rechte alles überall gegenwärtig verwaltet und regiert. So folgt gewisslich daraus, dass Christus jetzt in der Herrlichkeit auch nach seiner Menschheit bei allen Kreaturen gegenwärtig alles regiere, seine Kirche im Heiligen Abendmahl laut der Worte seiner Einsetzung mit seinem Leib und Blut speise und zu der ewigen Unsterblichkeit führe. Diese des Herrn Christi, Gottes und Menschen, Majestät und Allgegenwart, nennen die Zwinglianer mit einem feindseligen Namen, so sie boshaft von sich selber erdacht, die Ubiquität oder Überallheit, und treiben ihr gottloses Gespött damit. Aber sie werden es dermalen eins innen werden, was des Menschen Sohn könne, der da sitzt zur Rechten Gottes und mit seiner gegenwärtigen Allmacht alles regiert].

25. Ich höre es wohl, dass die Propheten predigen und falsch weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt!

Ich höre: Nämlich ich, der Herr, der ich überall gegenwärtig bin: Obgleich die falschen Propheten mit ihren leiblichen Augen mich nicht sehen und darum meinen, ich sei nirgends vorhanden.

Propheten: Wie sie sich mit dem Namen nennen, aber in der Wahrheit Leutebetrüger sind.

Falsch: Dass sie dem Volk eine falsche und irrige verführerische Lehre vorhalten.

Geträumt: Das ist, sie rühmen, wie ihnen im Traum eine göttliche Weissagung sei geoffenbart worden, da sie doch keine göttlichen Offenbarungen haben. [Dergleichen Träume haben die schwärmerischen Fantasten und aufrührerischen Leute, als Thomas Müntzer, Pfeiffer und ihres gleichen, welche die Bauern aufgebracht, dass sie wider ihre Obrigkeit zur Wehr griffen, wie aus ihrer Historie bekannt. Ein solcher Traum ist auch gewesen des Ulrich Zwingels, aus dem er gelernt, dass in den Worten des heiligen Abendmahls, das Wörtlein, ist, so viel als bedeutet, heißen müsse, wie er in einem Sendbrief bekennt, der in offenem Druck ausgegangen und spricht: Er wisse nicht, ob der, so ihm solche Auslegung eingeblasen, weiß oder schwarz gewesen sei. Wer deshalb seine Seele in Gefahr setzen will, der mag solchen träumerischen Propheten und Lehrern zuhören und ihnen folgen].

26. Wann wollen doch die Propheten aufhören, die falsch weissagen und ihres Herzens Trügerei weissagen

Aufhören: Dass ihre verführerischen Betrügereien einmal ein Ende haben werden. [Denn die falschen Lehrer predigen und verteidigen ihre gefassten Irrtümer mit großer Frechheit und Verwegenheit].

27. und wollen, dass mein Volk meines Namens vergesse über ihren Träumen, die einer dem anderen predigt, gleichwie ihre Väter meines Namens vergaßen über dem Baal?

Dem anderen: Das ist, die falsche Propheten gefallen sich selbst so wohl mit ihren Träumen, dass sie dieselben hin und wieder unter ihres gleichen und bei dem Gemeinde-Volk ausbreiten und immer davon sagen, gehen auch darauf um, dass sie die reine Lehre geschweige, (Daraus ich sonst recht erkannt werde und meines Namens Anrufung und Preis darauf erfolgt) und wollen, dass ihre erdichteten Träume, falsche Lehre und närrische Meinungen anstatt der reinen Lehre Platz haben, daher es endlich geschieht, dass meine rechte Erkenntnis und reine Religion in vergessen wird, gleichwie vorzeiten ihre Voreltern an dem baalitischen Gottesdienst, so groß gefallen hatten, dass sie weder mein noch meines Wortes sich mehr geachtet. [Denn welche mit einer irrigen Religion umgehen, die bemühen sich oft mit höchstem Fleiß dahin, dass sie die selbige vielen beibringen und achten sich der anderen Punkte christlicher Lehre nicht besonders viel].

28. Ein Prophet, der Träume hat, der predige Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? Spricht der Herr.

Träume: Als wollte Gott sagen, ich will euch klar und deutlich anzeigen, was meine Meinung von den Propheten sei. Hatte jemand einen Traum, wie die falschen Propheten zu haben pflegen, der erzähle solches als einen Traum, gebe es aber nicht für eine göttliche Weissagung aus: Hat aber jemand eine rechte göttliche Antwort oder Bericht empfangen, der entdecke solches seinen Zuhörern mit gebührender Ehrerbietung und Ansehen. Und verkehre oder verändere nichts daran, sondern erzähle alles lauter und unverfälscht. [Hier sind zwei Dinge zu merken: Erstlich, dass man keinen menschlichen Wahn, der mit den Träumen ganz wohl mag verglichen werden, anstatt des göttlichen Wortes vorbringen: Danach, dass man Gottes Wort nicht mit Lügen verfälschen soll].

Nach Luther:]. Er lasse meinen Namen mit Frieden und sage nicht, dass es mein Wort sei, was ihm träumt, sondern es sei sein Wort und habe seinen Namen.

Stroh: Denn gleichwie man das Stroh von dem Weizen absondern soll, also muss man auch der Menschen Dünkel von den göttlichen Weissagungen weit unterscheiden.

29. Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

Feuer: Also dass, wenn ich will, es zuinnerst in des Menschen Herz durchdringen muss und dasselbe verändern, gleichwie Feuer alles durchdringt.

Zerschmeißt: Also zerrreibt und zermalmt auch mein Wort die allerhärtesten Herzen, dass sie gedemütigt werden und Buße tun. Deswegen, auf dass die Menschen gebessert und selig werden, so muss man mein Wort rein und lauter lehren. Denn durch solche Werkzeuge wird der Heilige Geist kräftig sein, zu des Menschen Bekehrung und Besserung zu wirken. [Tun deswegen die Prediger nicht recht, welche den größeren Teil ihrer Predigten mit heidnischen Sprüchen und Historien pflegen hinzubringen. Denn solche Samen alle miteinander sind nicht das Feuer und der Hammer, so alles durchdringt und die Felsen zerschmeißt. Und irrt Schwenkfeld ganz grob, der da leugnet, dass das gepredigte Wort zum Herzen durchdringe. Denn dass der Prophet an diesem Ort von dem Predigtamt des göttlichen Wortes rede, ist heller am Tage, als dass es ein verständiger Mensch verneinen könne].

30. Darum siehe, ich will an die Propheten, spricht der Herr, die mein Wort stehlen einer dem anderen.

An die: Ich will mit der Strafe hinter ihnen her sein, die nicht mein Wort, sondern ihre Träume predigen, dadurch die Leute nicht bekehrt werden.

Stehlen: Dass sie ihren Zuhörern mein Wort entziehen und es begehren vor ihnen zu verbergen, obwohl es ihnen nicht unbekannt ist. [Ein solches Bubenstück begehen diejenigen, welche die Wahrheit in Religionssachen wissen und verstehen und dennoch die selbigen ihren Zuhörern nicht vortragen, entweder dass sie ihrer Haut fürchten oder aber der Leute Gunst nicht verscherzen wollen. Denen auch nicht ungleich sein, welche, da sie die Laster strafen und die Drohungen des göttlichen Wortes den Unbußfertigen vorhalten sollten, schweigen sie ganz still davon. Am allerärgsten aber tun diejenigen, welche die reine Lehre aus den Kirche und Schulen immer ausmustern und heimliche Ketzereien einführen, ehe man es gewahr wird. Das heißt, recht Gottes Wort stehlen. In welchem Tun die Zwinglianer vortreffliche, aber ganz schändliche Meister sind].

Nach Luther:]. Fälschlich deuten und damit den Leuten das rechte Wort stehlen.

31. Siehe, ich will an die Propheten, spricht der Herr, die ihr eigenen Wort führen und sprechen: Er hat es gesagt.

An die Propheten: Ich will mich dazu gefasst machen, dass ich sie strafe.

Gesagt: Wenn sie etwas aus ihrem Kopf erdacht haben, dass sie noch vorgeben dürfen, es habe es der Herr gesagt.

32. Siehe, ich will an die, so falsche Träume weissagen, spricht der Herr und predigen dieselben und verführen mein Volk mit ihren Lügen und losen Teidingen, so ich sie doch nicht gesandt und ihnen nichts befohlen habe und sie auch diesem Volk nichts nütze sind, spricht der Herr.

Teidingen: Wie man im Papsttum getan, das man Träume und Erscheinungen der Seelen zur Bestätigung des Fegefeuers dem Volk in den Predigten vorgehalten, so nichts denn lauter Lügenwerke und Narrenteidige gewesen, den Eulenspiegels Possen nicht ganz ungleich.

Nichts nütze: Sondern vielmehr ganz schädlich. [Sollen deswegen wir die falschen Lehrer meiden, als freche verwegene Leute, die sich keiner Lügen schämen und der Kirche Gift sind].

33. Wenn dich dies Volk oder ein Prophet oder ein Priester fragen wird und sagen: Welches ist die Last des Herrn? Sollst du zu ihnen sagen, was die Last sei: Ich will euch hinwerfen, spricht der Herr {Jes 13v1}.

Prophet: Von welchen Propheten und Lehrern allererst gesagt wurde.

Fragen wird: Nämlich um einen göttlichen Bericht, aber nicht der Meinung, dass sie etwas begehrten zu lernen, sondern ihr Gespött damit zu treiben.

Last: Erzähle uns eine Weissagung von unserem Untergang. Denn also spotteten sie des göttlichen Wortes, dass sie es verächtlich eine Last nannten, weil die Propheten zu etliche Malen ihre Predigten, damit sie dem Volk ein herzu nahendes Unglück verkündigten, eine Last zu nennen pflegten.

Nach Luther:]. Sie haben spöttisch des Propheten Wort eine Last genannt und Jeremia damit für einen Narren gehalten.

Last sei: Danach sie spöttisch fragen und das Wort Gottes verlachen.

Hinwerfen: Von meinem Angesicht und will euch nicht mehr achten, darum sollt ihr ins Verderben fallen.

34. Und wo ein Prophet oder Priester oder Volk wird sagen: Das ist die Last des Herrn, den selbigen will ich heimsuchen und sein Haus dazu.

Sagen: Aus Verachtung und mit Verspottung der wahren Religion.

Heimsuchen: Dass ich ihm schwere Strafen will lassen über den Hals kommen.

Haus: Oder Geschlecht. [Denn Gott lässt sich nicht vergebens spotten, wenn die Kirchendiener, so ihrem Amt recht nachkommen, verlacht werden].

35. Also soll aber einer mit dem anderen reden und untereinander sagen: Was antwortet der Herr und was sagt der Herr?

Reden: Wenn jemand von einer Weissagung des göttlichen Wortes fragen will, so soll er solche Art zu reden benutzen.

Antwortet: Was ist für eine göttliche Offenbarung vorhanden?

36. Und nennt es nicht mehr Last des Herrn; denn einem jeglichen wird sein eigenes Wort eine Last sein, weil ihr also die Worte des lebendigen Gottes, des Herrn Zebaoth, unseres Gottes, verkehrt.

Nicht mehr: Fragt nicht mehr aus Verachtung, was die Last des Herrn sei?

Last sein: Wo ihr nicht werdet ernstliche Buße tun.

Nach Luther:]. In der heiligen Sprache steht, der lebendigen Götter, als vieler und ist doch ein Herr Zebaoth, anzuzeigen die drei Personen in der einigen Gottheit.

Zebaoth: Dem alle Kreaturen dienen müssen und auf seinen Befehl warten, den auch jedermann ehren und anbeten soll, denselben verspottet ihr, in dem ihr auch der Last des Herrn fragt, darum ladet ihr eine schwere Last der Sünden und der Strafen über euch selbst.

Verkehrt: Und ein Gespött daraus macht.

37. Darum sollt ihr zum Propheten also sagen: Was antwortet dir der Herr und was sagt der Herr?

38. Weil ihr aber sprecht: Last des Herrn, darum spricht der Herr also: Nun ihr dies Wort eine Last des Herrn nennt und ich zu euch gesandt habe und sagen lassen, ihr sollt es nicht nennen Last des Herrn,

Nennt: Und meines heiligen Wortes also spottet.

39. siehe, so will ich euch hinwegnehmen und euch samt der Stadt, die ich euch und euren Vätern gegeben habe, von meinem Angesicht wegwerfen;

Siehe: Weil ihr mit eurem Gespött mich allererst noch trotzt.

Wegwerfen: Als eine unnütze Last, dass ich euch ins. Elend verstoße, die ihr bisher in einem köstlichen Lande in guter Ruhe gesessen seid.

40. und will euch ewige Schande und ewige Schmach zufügen, deren nie vergessen soll werden {Jer 20v11}.

Zufügen: Das ist, ich will verschaffen, dass ihr, die ihr meines Wortes und meiner Propheten lange gespottet, wiederum auch von den Heiden sollt verspottet und in der Hölle mit ewiger Schmach überfallen werden. [Denn obwohl Gott sich es nicht besonders achtet, was für Wörter oder Reden wir benutzen, damit wir unsere Meinung zu verstehen geben, wenn nur das Herz rechtschaffen fromm und gottselig ist. So ist er doch den unnützen Reden und Speiworten, die aus einem falschen Herzen hergekommen, feind. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über, wie Christus selber bezeugt {Mt 12}. Und böse Geschwätze verderben gute Sitten {1Kor 15}. Darum sollen wir, besonders von Religionssachen, in der Gottseligkeit mit gebührender Bescheidenheit reden, auf dass wir nicht Gott und den Nächsten beleidigen].


Das 24. Kapitel


1. Der Prophet sieht zwei Körbe, einen voller guter, den anderen voller böser Feigen. v. 1. 2. Und erklärt das Gesicht. Nämlich dass es denen, so mit Jechania sich gefangen an den König zu Babel ergeben, wohl ergehen werde. Aber Zedekia, als ein Meineidiger, werde zugrunde gehen. v. 4.

1. Siehe, der Herr zeigte mir zwei Feigenkörbe, gestellt vor den Tempel des Herrn, nachdem der König zu Babel, Nebukadnezar, hatte weggeführt Jechanja, den Sohn Jojakims, den König Judas, samt den Fürsten Judas, Zimmerleute und Schmiede von Jerusalem und gen Babel gebracht {2Sam 24v15 2Chr 36v9 v10}.

Feigenkörbe: Die mir in einem Gesichte erschienen. Was aber dadurch bedeutet wurde, wird später in diesem Kapitel auch erklärt.

Schmiede: Erfahrene kunstreiche Meister. Und ist vermutlich, dass solche Künstler von zweierlei Ursache willen weggeführt worden. Erstlich, dass sie keine Waffen und Rüstungen oder andere Sachen zum Kriege machten, darauf die Juden sich verließen und von dem Könige Babel wieder abtrünnig würden. Danach, dass vielleicht zu Babel nicht so erfahrene Künstler zu finden gewesen, als im jüdischen Land. In Maßen wir auch heutigentags sehen, dass der Türke zwar ein mächtiger Monarch ist, aber doch vieler kunstreicher Werkmeister in Mangel steht.

2. In dem einen Korb waren sehr gute Feigen, wie die ersten reifen Feigen sind; im anderen Korb waren sehr böse Feigen, dass man sie nicht essen konnte, so böse waren sie.

Ersten: Welche zeitlich im Frühling sich hervortun und bald reif werden. Es ist aber oben angezeigt worden, dass Jechanja, oder, wie er sonst genannt wird, Jojachin, der König in Juda, mit einer großen Anzahl der besten Bürger aus Jerusalem gen Babel gefangen weggeführt worden und an seine statt Zedekia im Königreich aufgekommen, der letzte König in Juda. Obwohl nun Jechanja anfangs gottlos gewesen, so hat er doch in seiner gefänglichen Enthaltung seine Sünden erkannt, sich zu Gott bekehrt und dem Willen Gottes geduldig sich ergeben. Darum ihn auch Gott endlich wiederum mit Gnaden angesehen, dass er aus dem Gefängnis frei geworden und mit dem Könige zu Babel an seiner Tafel täglich gegessen, gleichwie auch seine Mitgefangenen der mehrere Teil Buße getan und ihr Gefängnis dadurch um ein Gutes gemildert wurde. Aber Zedekia ist ein gottloser meineidiger Mann gewesen, der den Eid, welchen er dem Könige zu Babel geleistet, übergangen und zu seinem großen Unglück von ihm abgefallen. Daher er endlich auch gefangen wurde und nachdem er zu sehen müssen, dass man seine Kinder vor seinen Augen erwürgt, hat man ihm später die Augen ausgestochen und gefangen gen Babel geführt. Darum zeigt Gott dem Propheten Jeremia in einem Gesicht, was für ein großer Unterschied sei zwischen Jechanja, einem frommen und gottseligen Mann, samt dem Volk, dass mit ihm gen Babel gekommen war und zwischen Zedekia, samt dem Volk, so übergeblieben war. Und gibt zu verstehen, dass Jechanja und seine Mitgefangenen sollen erquickt werden. Aber Zedekja werde dagegen mit seinem ihm untergebenen Volk kein Glück haben.

3. Und der Herr sprach zu mir: Jeremia, was siehst du? Ich sprach: Feigen; die guten Feigen sind sehr gut und die bösen sind sehr böse, dass man sie nicht essen kann, so böse sind sie.

4. Da geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

5. So spricht der Herr, der Gott Israels: Gleichwie diese Feigen gut sind, also will ich mich gnädiglich annehmen der Gefangenen aus Juda, welche ich habe aus dieser Stätte lassen ziehen in der Chaldäer Land,

Gut sind: Dass man sie in großem Wert hält.

Gefangenen: Nämlich des Jechanja und anderer, die bereits gen Babel gefangen weggeführt wurden. Denn dieselben haben sich dem Kreuz geduldig untergeben, das ich ihnen aufgelegt habe, darum will ich sie mit Gnaden ansehen, ihr Gefängnis mildern und sie einmal wieder in ihr Vaterland bringen.

6. und will sie gnädiglich ansehen und will sie wieder in dies Land bringen und will sie bauen und nicht abbrechen, ich will sie pflanzen und nicht ausraufen.

Pflanzen: Ich will verschaffen, dass sie und ihre Güter zunehmen und ein gutes Gedeihen haben sollen. [Obwohl nun viele Israeliten wahrhaftig wieder ins Land Kanaan gebracht wurden, so sieht doch Gott an diesem Ort besonders auf das Reich Christi, darin Juden und Heiden durch das Evangelium gepflanzt wurden in das himmlische Paradies und sind zu Tempeln Gottes erbaut {1Kor 13}]. Welche auch wahrhaftig durch den Glauben Christo eingepfropft sind, die werden zum ewigen Leben erhalten, dass sie nicht ausgerissen werden oder verderben. Denn wenn sie fallen, so stehen sie durch wahre Buße wieder auf].

7. Und will ihnen ein Herz geben, dass sie mich kennen sollen, dass ich der Herr sei. Und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein; denn sie werden sich von ganzem Herzen zu mir bekehren {5Mos 30v6 Jer 32v39 Hes 11v19 36v26 v27 Jer 30v22 31v33 32v38}.

Herz geben: Ich will ihr Herz mit dem Heiligen Geiste durch das Predigtamt des Evangeliums erleuchten, dass sie mich wahren und ewigen Gott recht erkennen. [Ist deswegen die wahre Erkenntnis Gottes, welches ist der Glaube, eine Gabe und Geschenk Gottes. Und besteht dieselbe in zwei Stücken, dass wir nämlich Gottes Wesen und Willen erkennen, wie sie beide in seinem Wort geoffenbart sind].

Gott sein: Sie werden sich mir gehorsam unterwerfen, mich anrufen, preisen und in der Gottseligkeit ehren, ich aber will mich ihnen erzeigen als ein gnädiger Gott und Vater und sie mit zeitlichen und himmlischen Guttaten begaben.

Ganzem Herzen: Dass sie mit der Buße keine Heuchelei treiben, sondern es mit Ernst meinen, darum will ich Vorsehung tun, dass sie ihrer Bekehrung nie bereuen soll. [Denn Gott hasst die Heuchler und liebt die Aufrichtigen und Einfältigen]. Und hat zwar der Prophet dies bisher von den frommen Gefangenen zu Babel aus dem ihm gezeigten Gesichte geweissagt.

8. Aber wie die bösen Feigen so böse sind, dass man sie nicht essen kann, spricht der Herr, also will ich dahingeben Zedekia, den König Judas, samt seinen Fürsten und was übrig ist zu Jerusalem und übrig in diesem Lande und die in Ägyptenland wohnen {Jer 29v17 Jer 43v5}.

Aber: Jetzt erklärt Gott auch, was er durch den anderen Korb mit den bösen Feigen wolle verstanden haben.

Nicht essen: Und darum weggeworfen werden, weil sie zu nichts mehr nütze sind.

Ägyptenland: Dahin sie aus Furcht vor dem Könige zu Babel geflohen sind und meinen darin Sicherheit zu finden, da sie doch vielmehr zu Gott ihre Zuflucht sollten haben.

9. Ich will ihnen Unglück zufügen und sie in keinem Königreich auf Erde bleiben lassen, dass sie sollen zuschanden werden, zum Sprichwort, zur Fabel und zum Fluch an allen Orten, dahin ich sie verstoßen werde {5Mos 28v25 v37 1Sam 9v7 2Chr 7v20 Jer 29v18}.

Bleiben lassen: Dass sie hin und wieder verstoßen werden und nirgends einen leidentlichen Ort zu bleiben finden können.

Sprichwort: Sie sollen jedermanns Gespött sein und wenn man von einer allerdings verlorenen Sache reden will, wird man sagen, es ist verloren wie eines Juden Seele. So ganz wird man sie überall anfeinden und anspeien.

10. Und will Schwert, Hunger und Pestilenz unter sie schicken, bis sie umkommen von dem Lande, das ich ihnen und ihren Vätern gegeben habe.

Schicken: Auch wenn sie im Elend sind {5Mos 28}. [Obwohl nun diese Juden mit vielen und großen Sünden sich besudelt hatten, so ist doch das eins von den vornehmsten Lastern gewesen, dass der König samt seinen Fürsten und Untertanen dem Könige zu Babel nicht Glauben gehalten. Darum wir uns mit Fleiß hüten sollen, dass wir den Eid nicht brechen, sofern er anders also beschaffen ist, dass er ohne Verletzung der Ehre Gottes und unseres Gewissens kann gehalten werden].


Das 25. Kapitel


1. Die Ursachen und Wehrung der Babylonischen Gefangenschaft, samt der Erlösung des jüdischen Volkes, werden zuvor verkündigt. v. 1. 2. Und wird angezeigt, dass auch die anderen Heiden um ihres gottlosen Wesens willen, damit sie Gott beleidigt und von wegen ihrer geübten Grausamkeit an dem Volk Gottes, aufs ernstlichste sollen gestraft werden. v. 7.

1. Dies ist das Wort, welches zu Jeremia geschah über das ganze Volk Juda im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Judas (welches ist das erste Jahr Nebukadnezars, des Königs zu Babel),

Geschah: Und ihm von Gott befohlen wurde, dass er es öffentlich predigen soll. Es beklagt sich aber der Prophet über der Juden verstockte Bosheit, dass sie seine Predigten viele Jahre her gehört und doch sich nicht bekehren wollen, darum sagt er, dass sie zukünftig werden gen Babel gefangen weggeführt werden und da siebzig Jahre bleiben.

Erste Jahr: Diese Nachricht der Zeit wird bald später seinen Nutzen haben, wie wir hören werden.

2. welches auch der Prophet Jeremia redete zu dem ganzen Volk Juda und zu allen Bürgern zu Jerusalem und sprach:

Ganzen Volk: Ohne Zweifel auf einem Feste, da eine große Menge Volkes zusammengekommen war.

3. Es ist von dem dreizehnten Jahr an Josias, des Sohnes Amons, des Königs Judas, des Herrn Wort zu mir geschehen bis auf diesen Tag und habe euch nun dreiundzwanzig Jahre mit Fleiß gepredigt; aber ihr habt nie hören wollen.

Geschehen: Dass ich euch seinen Willen verkündigen soll.

Nie hören: Ich habe mein Amt zu predigen mit aller Treue und gebührlichem Eifer verrichtet, mit Lehren, Ermahnen, Warnen und Schelten, aber nichts ausgerichtet, denn ihr meinen heilsamen Erinnerungen nie folgen wolltet. [Und tut es einem Kirchendiener sehr wehe, wenn er sieht, dass er bei dem größeren Teil viele Jahre lange vergebens sich bemüht].

4. So hat der Herr auch zu euch gesandt alle seine Knechte, die Propheten, fleißig; aber ihr habt nie hören wollen noch eure Ohren neigen, dass ihr gehorcht,

Alle: Nicht nur mich allein, sondern viele, zu unterschiedlichen Zeiten nacheinander, auch etliche zugleich miteinander, also dass Gott nichts unterlassen, was zu eurer Erhaltung dienlich gewesen.

Fleißig: Er hat euch zu rechter Zeit fleißige und treue Lehrer gegeben, die euch zur Buße ermahnt haben. [Denn wenn Gott ein großes Unglück über ein Land von wegen der Einwohner Bosheit will ergehen lassen, so erweckt er zuvor viel herrliche Lehrer und Prediger, auf dass die Leute entweder Buße tun oder doch sich nicht entschuldigen können].

Gehorcht: Ihr habt nicht wollen dahin denken oder trachten, wie ihr möchtet Gott schuldigen Gehorsam leisten.

5. Da er sprach: Bekehrt euch, ein jeglicher von seinem bösen Wege und von eurem bösen Wesen, so sollt ihr in dem Lande, das der Herr euch und euren Vätern gegeben hat, immer und ewig bleiben {2Sam 17v13 Jer 18v11 35v15 Jon 3v8}.

Wesen: Lasst die Abgötterei fahren und steht von eurem sündlichen Wandel ab.

Bleiben: Dass es euch wohl darin gehen soll all euer Leben lang und sollen eure Nachkommen dasselbe auch eine lange Zeit besitzen.

6. Folgt nicht anderen Göttern, dass ihr ihnen dient und sie anbetet, auf dass ihr mich nicht erzürnt durch eurer Hände Werke und ich euch Unglück zufügen müsse.

Göttern: Nehmt keine fremde Religion an, außer der, die ich euch gelehrt habe. Denn alle anderen Gottesdienste sind Abgötterei.

Zufügen: Denn ich begehre euer zu schonen, wenn ihr nur selbst auch euer schonen wolltet. [Welche deswegen der Guttaten Gottes, sie sind gleich leiblich oder geistlich, lange genießen wollen, die sollen sich mit allem Fleiß hüten, dass sie den Zorn Gottes mit ihrem gottlosen Leben nicht auf sich laden].

7. Aber ihr wolltet mir nicht gehorchen, spricht der Herr, auf dass ihr mich ja wohl erzürntet durch eurer Hände Werke zu eurem eigenen Unglück.

Nicht gehorchen: Ihr habt auf solche treue und väterliche Warnungen nichts geben wollen, sondern seid ungehorsam, halsstarrig und widerspenstig gewesen.

Hände Werke: Mit euren Götzen, die ihr verehrt.

Unglück: Denn was für schwere Strafen ihr über euch ziehen werdet, beide, zeitlich und ewig, das werdet ihr mit eurem großen Schaden erfahren, wo ihr nicht Buße tut. [Können deswegen die Leute ihre Strafen keinem anderen als sich selbst zumessen, wenn sie mit dem Worte Gottes oft und treulich sind ermahnt worden und dennoch in ihrer Bosheit fortfahren und dürfen Gott keiner Grausamkeit beschuldigen].

8. Darum so spricht der Herr Zebaoth: Weil ihr denn meine Worte nicht hören wollte,

Nicht hören: Sondern in eurer Widerspenstigkeit verharrt.

9. siehe, so will ich ausschicken und kommen lassen alle Völker gegen Mitternacht, spricht der Herr, auch meinen Knecht Nebukadnezar, den König zu Babel und will sie bringen über dies Land und über die, so darin wohnen und über all dieses Volk, so umherliegen und will sie verbannen und zerstören und zum Spott und ewiger Wüste machen {Jer 1v15 27v6}.

Knecht: Dessen Dienst ich zu gebrauchen pflege, wenn ich die Völker strafen will.

Sie bringen: Nämlich die Chaldäer mit dem vorgemeldeten ihrem mächtigen Könige.

Umherliegen: Denn er wird eure Nachbarn, die Philister, Edomiter, Ammoniter, Tyrer und andere auch nicht unangefochten lassen.

Verbannen: Dass sie von den Chaldäern sollen erwürgt werden.

Wüste machen: Ich will also mit ihnen umgehen, dass sie durch Schwert, Hunger und Pestilenz umkommen sollen, die Städte aber sollen erobert, geplündert, zerstört und verbrannt werden, das es alles eine lange Zeit soll wüste liegen bleiben. Also dass die, so vorübergehen, mit großer Verwunderung sich darüber entsetzen werden und die Länder und Völker, so darin gewohnt, anpfeifen. [Denn es ist die Verachtung des Wortes Gottes eine viel größere Sünde, als dass sie nur eine geringe und schlechte Strafe verdienen soll].

10. Und will herausnehmen allen fröhlichen Gesang, die Stimme des Bräutigams und der Braut, die Stimme der Mühlen und Licht der Laterne {Jer 7v34 Apg 18v22},

Stimme: Man soll in diesem Volk und an denen Orten, da es gewohnt, keine Freudenzeichen mehr hören, als da sind Pfeifen, Pauken, Saitenspiel, Lobgesänge, Freudengeschrei und dergleichen, wie man bei den Hochzeiten zu hören pflegt, sondern es wird alles still sein und darnieder liegen. [Darum sollen wir in unsere höchsten Freuden der Furcht Gottes bedenkt sein, damit die Fröhlichkeit nicht in Traurigkeit verkehrt werde und das Freudengeschrei in ein Wehklagen sich verändere].

Laterne: Es soll keine Mühle mehr gehört noch einzig Licht mehr gesehen werden, sondern es wird überall still und finster sein. Denn die Einwohner werden entweder erwürgt da liegen und faulen oder im Elend weit vom Vaterland in eine elende Dienstbarkeit ihr Leben zubringen.

11. Dass dies ganze Land wüst und zerstört liegen soll. Und sollen diese Völker dem Könige zu Babel dienen siebzig Jahre {2Chr 36v21 v22 Neh 1v1 Jer 29v30 Dan 9v2}.

Siebzig Jahr: Denn so lange wird die chaldäische Monarchie noch währen, bis zu des Königs Kores oder Cyri in Persien Regierung. [Weil demnach die Juden jetzt von der letzten Zerstörung Jerusalems nicht nur siebzig, sondern fast in die sechzehnhundert Jahre im Elend herumschweifen und keinen Propheten oder König mehr haben. So kann man sie mit diesem einzigen genügend überweisen, dass sie allerdings von Gott verworfen sind und vergebens auf ihren künftigen Messias warten].

12. Wenn aber die siebzig Jahre um sind, will ich den König zu Babel heimsuchen und all dies Volk, spricht der Herr, um ihre Missetat, dazu das Land der Chaldäer und will es zur ewigen Wüste machen.

Dies Volk: Nämlich die Chaldäer, welche ich um ihrer Bosheit, Büberei und Tyrannei willen aufs ernstlichste strafen will. Und gleichwie sie andere Königreiche verwüstet haben, also soll ihr Königreich wiederum verwüstet werden. Und obwohl die Chaldäer oder Babylonier mit vielfältiger Abgötterei und abscheulichen Lastern sich versündigt hatten. So ist doch der vornehmsten Ursachen ihres Untergangs dies eine gewesen, dass sie das Volk Gottes in der Gefangenschaft ganz zu hart gehalten und tyrannisch mit ihnen umgegangen {Jes 47}. [Denn obwohl Gott, wenn er über seines Volkes Sünden erzürnt, dasselbe den Feinden zu strafen, übergibt, so lässt er doch der Feinde an ihnen geübte Grausamkeit auch nicht ungestraft].

13. Also will ich über dies Land bringen alle meine Worte, die ich geredet habe wider sie, nämlich alles, was in diesem Buch geschrieben steht, das Jeremia geweissagt hat über alle Völker.

Dies Land: Nämlich der Chaldäer und über das Königreich Babel.

Geredet habe: Durch meine Propheten Jesaja, Jeremia und andere.

Diesem Buch: In dem des Propheten Jeremia Weissagungen beschrieben wurden.

Geweissagt: Dass alles, was ich denselben Völkern zuvor verkündigen lasse, wird ihnen gewisslich begegnen.

14. Und sie sollen auch dienen, ob sie gleich große Völker und große Könige sind. Also will ich ihnen vergelten nach ihrem Verdienst und nach den Werken ihrer Hände.

Auch dienen: Wie die Chaldäer über andere Völker übermütig geherrscht haben. Also sollen auch andere wieder über sie herrschen, dass die Chaldäer ihnen dienen müssen, nämlich den Persern.

Hände: Wie sie wider andere Völker Grausamkeit geübt, die sie mit Gewalt unterdrückt haben. Denn es haben die Chaldäer andere Völker unter ihre Gewalt gebracht, nicht aus Glauben, dass sie Gott einen Dienst taten, des Volkes Sünde zu strafen, sondern aus unglaublicher Begierde zu herrschen und Menschenblut zu vergießen. Darum, was sie anderen getan, das haben sie von anderen auch wiederum erlitten. [Denn Gott straft eine Grausamkeit mit der anderen].

15. Denn also spricht zu mir der Herr, der Gott Israels: Nimm diesen Becher Weins voll Zorns von meiner Hand und schenke daraus allen Völkern, zu denen ich dich sende,

Nimm: Als wollte er sprechen, Gott zeigte mir in einem Gesichte einen Becher voll Weins, welcher bedeutet die schrecklichen Strafen, so aus Gottes gerechtem Zorn herkommen und hieß mich aus demselben Becher alle Völker tränken, von derer Untergang ich bisher, nach der mir geschehenen göttlichen Offenbarung, geweissagt hatte, anzuzeigen, dass keins unter denen Völkern sein werde, so der über ihn bestimmten Strafe entgehen könnte: Ja es werde auch geschehen, dass sie durch solche Strafen so irre gemacht werden als wie die Trunkenen vom starken Wein in ihren Sinnen verrückt werden, dass sie weder stehen noch gehen, viel weniger etwas rechtes ausrichten können. Denn es hat Gott nicht allein die Chaldäer, sondern auch alle andere Völker gestraft, die zum Teil dem Volk Israel viel Plagen angetan, zum Teil sich von Herzen darüber gefreut, wenn es dem Volk Gottes übel gegangen.

16. Dass sie trinken, taumeln und toll werden vor dem Schwert, das ich unter sie schicken will.

17. Und ich nahm den Becher von der Hand des Herrn und schenkte allen Völkern, zu denen mich der Herr sandte,

18. nämlich Jerusalem, den Städten Judas, ihren Königen und Fürsten, dass sie wüst und zerstört liegen und ein Spott und Fluch sein sollen, wie es denn heutigentags steht;

Und Fürsten: Denen ich zuerst zu trinken gab. [Es macht aber der Prophet an den Israeliten einen Anfang, auf dass wir lernen, wie das Gericht, das ist die Züchtigung vom Hause Gottes anfange {1Petr 4}.

Und Fluch: Dass die, so durch das israelitische Land reisen, es verspotten und verfluchen werden.

Steht: Und die Verwüstung etlichermaßen bereits vor Augen ist. Denn das Königreich Juda hat jetzt viel ein anderes Ansehen als zu den Zeiten der frommen Könige Hiskia und Josia.

19. auch Pharao, dem Könige in Ägypten, samt seinen Knechten, seinen Fürsten und seinem ganzen Volk {Jer 46v2};

Auch: Jetzt zeigt der Prophet an, wie er im Gesichte nicht nur den Israeliten, sondern auch vielen anderen Völkern und Heiden habe müssen zu trinken geben.

Knechten: Seinen vornehmsten Hofdienern und Offizieren.

20. allen Ländern gegen Abend, allen Königen im Lande Uz, allen Königen in der Palästiner Lande, samt Askalon, Gasa, Akaron und den übrigen zu Asdod {Jer 47v1};

Uz: In welchem Lande der fromme Hiob vorzeiten gewohnt hatte. Es nennt aber die Schrift alle Fürsten und Herren, Könige, die an irgendeinem Ort die hohe Obrigkeit und alle Gewalt hatten und anderen Obrigkeiten nicht unterworfen sind gewesen, wenn auch gleich einer nur ein einziges Städtlein besessen hätte. Dergleichen man heutigentags in Deutschland viele Reiche und Mächtige vom Adel findet, die außerhalb dem römischen Kaiser keinen Oberen erkennen.

Asdod: Sollen also auch die Philister nicht frei ausgehen, sondern des Unglücks ein gut Teil versuchen, wie es ihnen von Gott bestimmt werde.

21. Denen von Edom, denen von Moab, den Kindern Ammon {Jer 49v7};

22. allen Königen zu Tyrus, allen Königen zu Zidon, den Königen in den Inseln jenseits des Meers;

23. Denen von Dedan, denen von Thema, denen von Bus und allen Fürsten in den Orten;

Thema: Es sind aber Dedan und Thema, daher diese Landschaften hier den Namen bekommen, des Abrahams Nachkommen gewesen und hat Thema von der Hagar, Dedan aber von der Ketura, des Abrahams Weibern, seine Herkunft hatte.

Bus: Der aus des Nahors, welcher Abrahams Bruder war, Nachkommen gewesen.

Orten: Das sind die Trogloditen oder ägyptischen Araber im Winkel, zwischen dem Roten Meer und Ägypten.

Nach Luther:]. Das sind die Trogloditen, die man nennt Arabes, Egyptios, im Winkel zwischen dem Roten Meer und Ägypten.

24. allen Königen in Arabien, allen Königen gegen Abend, die in der Wüste wohnen {Jer 49v28};

Abend: Das ist, die das Teil in Arabia innehaben, so gegen Abend der Wüste zu liegt.

25. allen Königen in Simri, allen Königen in Elam, allen Königen in Medien;

Simri: Was dies für eine Landschaft gewesen, ist ungewiss.

26. allen Königen gegen Mitternacht, beide, in der Nähe und Ferne, einem mit dem anderen und allen Königen auf Erde, die auf dem Erdboden sind. Und König Sesach soll nach diesen trinken.

Auf Erde: So viel ihrer auf der Erde sind, denen habe ich den Becher des Zorns Gottes überreicht, dass ein jedes Königreich sein Teil austrinke und das Unglück ausstehe, welches Gott über sie bestimmt hat, von wegen der Leute Bosheit, damit sie Gott sehr zum Zorn gereizt haben. [Denn obwohl Gott die abgöttischen gottlosen Völker, so in ihrer Abgötterei beharren, nicht für sein Volk erkennt, sich ihrer auch nicht achtet oder annimmt, dass er ihnen das ewige Leben gebe, so straft er doch nach seiner Gerechtigkeit ihre Sünden zu seiner Zeit, auf dass er als ein allmächtiger Gott, und oberster Regent der Welt erkannt werde, der ein König aller Könige und Herr aller Herren sei].

Sesach: Das ist der König zu Babel, der soll zuletzt, wenn die vorbenannten Könige und Völker alle miteinander von dem Kelch des gerechten Zorns Gottes getrunken haben, als denn sein Teil auch bekommen, denn es wird sein Königreich von Cyro oder Kores, dem Perserkönig, zerstört werden. [Weil wenn Gott die Rute, damit er die Völker gestraft, ausgebraucht hat, so wirft er sie ins Feuer. Eben also wird es den Türken endlich auch ergehen, wenn sie andere Völker genug geplagt haben].

Nach Luther:]. Das soll der König zu Babel sein.

27. Und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Trinkt, dass ihr trunken werdet, speiet und niederfallt und nicht aufstehen mögt vor dem Schwert, das ich unter euch schicken will {Jer 51v7}.

Ihnen: Nämlich zu denen Völkern, welche du im Gesicht den Becher dargereicht hast.

Niederfallt: Sauft, dass es euch das Herz abstoße. Will so viel sagen: Es wird ein solcher Schrecken, Jammer und Unglück über euch kommen von wegen der blutigen Kriege, damit ich euch strafen will, dass ihr nicht wissen werdet, wo aus oder an und werdet nicht wieder zu Kräften kommen können, dass ihr Widerstand tun möchtet. [Denn gleichwie die Menschen eine lange Zeit Sünden mit Sünden häufen. Also häuft Gott endlich auch die Strafen].

28. Und wo sie den Becher nicht wollen von deiner Hand nehmen und trinken, so sprich zu ihnen: Also spricht der Herr Zebaoth: Nun sollt ihr trinken!

Nehmen: Sondern meinen sich aus der Strafe zu entziehen und wollten gern davon befreit sein.

Sollt ihr: Es ist ein Umtrunk und macht man es keinem anders, darum sollt ihr in keinem Wege verschont werden, oder frei ausgehen, nehmt es euch nur nicht in den Sinn.

29. Denn siehe, in der Stadt, die nach meinem Namen genannt ist, fange ich an zu plagen und ihr solltet ungestraft bleiben? Ihr sollt nicht ungestraft bleiben; denn ich rufe das Schwert über alle, die auf Erden wohnen, spricht der Herr Zebaoth {Hes 9v6 1Petr 4v17}.

Namen: Dass sie Gottes, und zwar des Gottes Israels Stadt genannt wird. [So denn Gott seine Kinder ernstlich straft und züchtigt, auf dass sie nicht samt der Welt verdammt werden {1Kor 11}. Wie übel wird es wohl denen gehen, die Gott nicht kennen und dem Evangelium nicht glauben {1Petr 4}.

Wohnen: Dass sie mit blutigen Kriegen sollen geplagt werden.

Zebaoth: Das ist der Heerscharen, weil alle Kreaturen gleichsam unter ihm zu Felde liegen, die er wider die gottlosen Leute wappnen und anführen kann.

30. Und du sollst alle diese Worte ihnen weissagen und sprich zu ihnen: Der Herr wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung; er wird brüllen über seine Hürden; er wird singen ein Lied, wie die Weintreter, über alle Einwohner des Landes, des Hall erschallen wird bis an der Welt Ende {Joel 3v16 Am 1v2}.

Brüllen: Das ist, der Herr Himmels und der Erde wird seinen Zorn gehen und sehen lassen wider sein Volk, Stadt und Tempel wie ein brüllender und reißender Löwe, dem alles zum Raub muss zuteilwerden, was ihm begegnet: Und wird durch die Chaldäer, als Feinde, den Tempel und die Stadt zerstören und das Volk umbringen lassen.

Nach Luther:]. Singen ein Lied, das ist, die Feinde werden jauchzen, dass sie so siegen.

Weintreter: Das ist, Gott wird verschaffen, dass die Feinde mit Jauchzen und Zuschreien einander anmahnen werden, das Land zu verwüsten und die Einwohner zu zerstören, gleichwie die, so in der Weinlese die Trauben treten, mit Singen und Zuschreien einander zum Treten aufmuntern. [Denn wenn Gott sein Volk strafen will, so macht er den Feinden einen Mut].

Welt Ende: Denn es wird solches nicht allein im jüdischen Land geschehen, sondern Nebukad Nezar wird mit seinem siegreichen Kriegsvolk auch viel andere weit abgelegene Völker überziehen, dass dieselben ebenmäßig verwüstet werden. [Denn das Gericht Gottes fängt an seinen Kindern und Gläubigen an und geht über die Gottlosen aus].

31. Der Herr hat zu rechten mit den Heiden und will mit allem Fleisch Gericht halten; die Gottlosen wird er dem Schwert übergeben, spricht der Herr.

Heiden: Die er ihrer Bosheit und abscheulichen Laster überzeugen will, um welcher willen sie große Strafen verdient haben.

Übergeben] Denn er sie zum Tode verurteilt hat, dass sie von den Chaldäern sollen hingerichtet werden. [Und geschieht keinem Volk von Gott Unrecht, wenn er dasselbe entweder plagt oder allerdings vertilgt, obwohl ein Volk gottloser ist als das andere].

32. So spricht der Herr Zeboath: Siehe, es wird eine Plage kommen von einem Volk zum anderen und ein großes Wetter wird erweckt werden von der Seite des Landes.

Zum anderen: Also dass Gott mit der Chaldäer Grausamkeit nicht nur ein, sondern viele Völker heimsuchen wird und die Strafe ergehen lassen, nachdem einem jeden die Ordnung treffen wird.

Seiten: Das ist, von Mitternacht wird der mächtige König zu Babel schnell daher kommen wie ein schreckliches Unwetter. [Denn welche in fleischlicher Sicherheit leben, die werden mit plötzlichen Niederlagen unversehens überfallen].

33. Da werden die Erschlagenen vom Herrn zur selbigen Zeit liegen von einem Ende der Erde bis ans andere Ende; die werden nicht geklagt noch aufgehoben noch begraben werden, sondern müssen auf dem Felde liegen und zu Mist werden {Jer 16v4}.

Vom Herrn: Die nämlich Gott durch die Chaldäer umbringen lasse.

Andere Ende: Das ist, es wird alles voller Tote liegen.

Nicht geklagt: Wie sonst zu geschehen pflegt, da man eine Leiche ehrlich zur Erde bestattet.

Aufgehoben: Dass man sie zum Grabe trüge. [Es ist aber ein Stück vom Fluch, ohne Grab bleiben, welcher Fluch doch den Frommen, die um des Bekenntnisses der evangelischen Wahrheit willen Verfolgung leiden, zur ewigen himmlischen Herrlichkeit förderlich ist].

34. Heult nun, ihr Hirten und schreit; wälzt euch in der Asche, ihr Gewaltigen, über die Herde! Denn die Zeit ist hier, dass ihr geschlachtet und zerstreut werdet und zerfallen müsst, wie ein köstliches Gefäß.

Hirten: Ihr Könige und Fürsten, denen die Untertanen als Schafe zu weiden und zu regieren befohlen wurde.

Schreit: Vor Herzeleid über euren Jammer und Trübsal.

Asche: Wie die zu tun pflegen, die sehr bekümmert sind.

Gewaltigen: Die ihr vor anderen an Macht, Reichtum und Ehren im Ansehen seid.

Zeit: So über euch von Gott bestimmt ist, die rückt herzu.

Gefäß: So zwar mit vieler Mühe und Arbeit und aus großer Kunst gemacht wurde. Aber doch, wenn man es hinwegwirft oder sonst an etwas stößt, ganz leicht bricht, dass man es nicht mehr benutzen kann.

35. Und die Hirten werden nicht fliehen können und die Gewaltigen über die Herde werden nicht entrinnen können.

Hirten: Das ist, die Fürsten und Obersten im Volk können aus der Gefahr nicht errettet werden. [Es werden aber die, so im Stande der Obrigkeit sind, an diesem Ort Hirten genannt, sie ihres Amtes dabei zu erinnern, dass sie nämlich ihre ihnen anbefohlene Herde sollen weiden und schützen und nicht tyrannischerweise zerreißen oder aus Geiz aussaugen und schinden. Denn wenn sie nur mit dem Namen und nicht mit der Tat Hirten sein wollen, so kommt endlich eine Zeit, in der sie jämmerlich zugrunde gehen, weil bei Gott kein Ansehen der Person ist].

Nach Luther:]. Die Fürsten und Herren, derer Weide sind ihre Herrschaften, welche der Tyrann zu Babel verwüsten wird.

36. Da werden die Hirten schreien und die Gewaltigen über die Herde werden heulen, dass der Herr ihre Weide so verwüstet hat,

Schreien: Nicht zwar über den Wolf, dass sie ihn begehrten zu verjagen, sondern dass sie ihr Jammer und Not beweinen.

Weide: Das ist, ihr Land, davon sie und ihre Untertanen einen großen Nutzen hatten.

37. und ihre Auen, die sowohl standen, verdorben sind vor dem grimmigen Zorn des Herrn.

Verdorben: Das man keine Schafe mehr darauf weiden kann, welche ohne das auch dahin und von dem Wolfe sind gefressen worden, das ist, dass der Feind die Untertanen umgebracht hat.

Zorn: Der ganz schwer über sie gekommen ist, dass beide, ihr und ihrer Untertanen Laster dadurch gestraft und heimgesucht wurden. [Denn wenn eine Obrigkeit mit Geiz, Tyrannei und Übermut wider Gott und die Untertanen sündigt und die Untertanen einer guten fruchtbaren Landschaft zum Überfluss und anderen Sünden missbrauchen, so straft Gott endlich die Obrigkeit samt den Untertanen, dass sie miteinander zugrunde gehen, und lässt das gute Land zur Wüste werden].

38. Er hat seine Hütte verlassen, wie ein junger Löwe; und ist also ihr Land zerstört vor dem Zorn des Tyrannen und vor seinem grimmigen Zorn.

Löwe: Der freiwillig aus seiner Höhle gegangen ist, dass später sich niemand scheut, solche Höhle zu zerreißen und zu zerwerfen. [Denn wenn Gott aufhört, mit seiner Gnade ein Land zu regieren und zu schützen, so fürchtet sich niemand mehr davor, dass er nicht dürfte darin einen Einfall tun].

Tyrannen: Nämlich durch den zornigen König zu Babel wird das Königreich Juda zerstört und verwüstet werden. [Denn wo man sich mit allerhand Bosheit wider Gott schwer versündigt hat, da muss es alles endlich durch die grausamen Feinde verderben und verwüstet werden, wie zu besorgen, dass der übermachte Geiz und Wucher samt anderen Sünden in Deutschland nicht einmal durch den Türken auch gestraft werde].


Das 26. Kapitel


1. Der Prophet weissagt, dass der Tempel des Herrn nicht anders als Silo soll verwüstet werden, sofern man nicht Buße tue. v. 1. 2. Von welcher Ursache willen die falschen Propheten und Priester den Jeremia dem Volk gefangen darstellen und ihn des Todes schuldig erkennen. v. 7. 3. Doch wird er endlich mit Hilfe des Ahikam von den Obersten im Volk aus der Ankläger grausamen Händen errettet. v. 16.

1. Im Anfang des Königreiches Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Judas, geschah dies Wort vom Herrn und sprach:

Im: In diesem Kapitel wird erzählt, in was großer Gefahr der Prophet Jeremia geraten, von wegen seiner Predigt, darin er, durch die Drohungen der göttlichen Strafen, das Volk zur Buße ermahne und wie er wieder aus der Gefahr entgangen.

2. So spricht der Herr: Tritt in den Vorhof am Hause des Herrn und predige allen Städten Judas, die da hereingehen anzubeten im Hause des Herrn, alle Worte, die ich dir befohlen habe, ihnen zu sagen, und tue nichts davon,

Vorhof: Da das Volk in großer Anzahl pflegt zusammenzukommen.

Städten: Das ist, den Bürgern aus den Städten um Jerusalem her.

Nichts davon: Dass du nicht aus Furcht der Gefahr, ihnen etwas zu verhehlen dich unterstehst. [Denn man soll dem Volk das Wort Gottes treulich vortragen und nichts verbergen von allem, das Gott will gepredigt haben].

3. ob sie vielleicht hören wollen und sich bekehren, ein jeglicher von seinem bösen Wesen, damit mich auch reuen möchte das Übel, das ich gedenke, ihnen zu tun, um ihres bösen Wandels willen.

Zu tun: Wo sie nicht Buße tun. [Denn Gott hat nicht Lust an der sündigen Menschen Verderben, sondern will, dass sie bekehrt werden und leben. Und wenn wir über unsere Sünden von Herzen Reue und Leid tragen, so wendet auch Gott das Unglück ab, dass er über uns zu schicken willens gewesen, wie im vorigen 18. Kapitel gemeldet wurde].

4. Und sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Werdet ihr mir nicht gehorchen, dass ihr in meinem Gesetz wandelt, das ich euch vorgelegt habe,

5. Dass ihr hört die Worte meiner Knechte, der Propheten, welche ich stets zu euch gesandt habe und ihr doch nicht hören wolltet,

Stets: Zeitlich genug, dass sie euch zur Buße berufen soll.

Nicht hören: Dass ihr ihnen gefolgt hättet, sondern seid bisher bei eurer Halsstarrigkeit geblieben.

6. so will ich es mit diesem Hause machen wie mit Silo und diese Stadt zum Fluch allen Heiden auf Erde machen {1Sam 4v3 Jer 7v14}.

Hause: Nämlich mit dem Tempel zu Jerusalem.

Mit Silo: Das ist, gleichwie ich der Bürger und Priester zu Silo nicht verschont habe, sondern sie den Philistern, ihren Feinden, zu erwürgen übergeben, also dass auch die Lade des Herrn in der Feinde Hand gekommen ist {1Sam 4 Ps 77}. Da doch am selben Ort die Hütte des Stifts war aufgerichtet worden {Jos 18}. Also will ich dieses heiligen Ortes ebenso wenig schonen, sondern diesen Tempel durch die Feinde von Babel zerstören lassen.

Fluch: Ich will verschaffen, dass diese Stadt soll von den Feinden eingenommen, zerstört und verbrannt werden und allen Völkern, die es sehen oder davon hören werden, ein Spott und Fluch sein, auf dass auch die Heiden verstehen, wie ich diese Stadt verflucht und allerdings ein Gräuel davor habe. [Denn Gott ist an keinem Ort so gebunden, dass er ihn müsste schützen und erhalten, wenn die Einwohner böse und gottlos sind].

7. Da nun die Priester, Propheten und alles Volk hörten Jeremia, dass er solche Worte redete im Hause des Herrn,

Da: Folgt jetzt, wie der Prophet mit dieser seiner Predigt empfangen wurde.

Propheten: Nämlich die falschen Propheten, so das Volk verführten und in ihrem gottlosen Wesen stärkten, weil sie ihnen von lauter Glück predigten.

8. und Jeremia nun ausgeredet hatte alles, was ihm der Herr befohlen hatte, allem Volk zu sagen, griffen ihn die Priester, Propheten und das ganze Volk und sprachen: Du musst sterben!

Griffen: Dass sie mit Gewalt Hand an ihn legten.

9. Warum darfst du weissagen im Namen des Herrn und sagen: Es wird diesem Hause gehen wie Silo und diese Stadt soll so Wüste werden, dass niemand mehr darin wohne? Und das ganze Volk sammelte sich im Hause des Herrn wider Jeremia.

Im Namen: Als ob dir es von Gott befohlen wäre, dass doch nichts ist.

Stadt: Welche doch eine heilige und weitberühmte Stadt ist. Gerade, als ob Gott diesen allerheiligsten Ort würde lassen verwüsten und zerstören, in dem er mit so großem Kosten, Fleiß und Arbeit geehrt wird. Denn du Jeremia tadelst und verwirfst nicht allein mit dieser deiner Weissagung (die du fälschlich vorgibst, dass sie dir von Gott geoffenbart sei) unseren Wandel, dass wir etlichermaßen verschmerzen möchten, sondern wie wir verstehen, so beschuldigst du auch unsere Religion und Gottesdienst, als ob er gottlos und Unrecht wäre. Denn der Tempel kann nicht zerstört werden, er sei dann zuvor mit einem gottlosen Tun und mit Lastern verunreinigt und befleckt worden.

Wider Jeremia: Das sie ihn begehrten umzubringen. [Sollen deswegen die Kirchendiener zur Verfolgung sich gefasst machen. Denn die Welt kann es nicht leiden, wenn man sie um ihrer Bosheit und Sünden willen straft. Und gleichwie es den Juden übel verdross, wenn wider die Stadt Jerusalem und den Tempel etwas frei heraus geredet wurde {Apg 6 12}. Also wollen es die Katholiken heutigentags auch nicht zugeben, dass wir uns über der römischen Kirche Verfälschungen, Aberglauben und Abgötterei beklagen. Und gleichwie die Juden leugneten, dass Jeremia Gottes Wort predigte. Also beschuldigen die Katholiken die öffentliche Wahrheit, welche wir ihnen aus dem Worte Gottes in unserem gottseligen Bekenntnis vorhalten, einer Ketzerei. Und gleichwie die Juden den Propheten töten wollten. Also dürstet auch den papistischen Schmeichlern nach unserem Blut].

10. Da solches hörten die Fürsten Judas, gingen sie aus des Königs Hause hinauf ins Haus des Herrn und setzten sich vor das neue Tor des Herrn.

Hörten: Wie nämlich ein Tumult von den Priestern, Propheten und anderem Volk im Tempel wider Jeremia erregt wurde und dass sie ihn umbringen wollten.

Hause: Da sie ohne Zweifel in den Rat versammelt gewesen und des Reiches Geschäfte abgehandelt haben.

Ins Haus: In den Tempel, die Unruhe so sich zwischen den Priestern und dem Volk erhoben, zu stillen.

Tor: Denn es hatte der Tempel etliche Hallen oder Schwibbogen, darunter man nach Gelegenheit spazieren oder sich niedersetzen konnte.

11. Und die Priester und Propheten sprachen vor den Fürsten und allem Volk: Dieser ist des Todes schuldig; denn er hat geweissagt wider diese Stadt, wie ihr mit euren Ohren gehört habt.

Sprachen: Dass sie eine Anklage wider Jeremia anstellten.

Diese Stadt: Als ob sie gottlos wäre und mit der Abgötterei und anderen Lastern sich verunreinigt und an Gott vergriffen hätte, um des willen sie von den Chaldäern müsste zerstört werden.

Gehört: Darum kann Jeremia solche Gotteslästerung desto weniger leugnen. [Denn die blutdürstigen Heuchler meinen, es sei genug, einem den Tod anzutun, wenn man wisse, was er gelehrt habe, da man gleich nicht weiter frage, ob es Recht oder Unrecht sei?)

12. Aber Jeremia sprach zu allen Fürsten und zu allem Volk: Der Herr hat mich gesandt, dass ich solches alles, das ihr gehört habt, soll weissagen wider dies Haus und wider diese Stadt.

Aber: Auf getaner Anklage verantwortet sich der Prophet Jeremia.

Weissagen: Wie nämlich die Stadt Jerusalem samt diesem herrlichen Tempel um eurer Sünde willen müsse zerstört werden. Welches ich auch noch aus dem Befehl Gottes euch verkündige und habe bisher nichts von mir selbst geredet, darum habt ihr nicht Ursache wider mich zu toben.

13. So bessert nun eurer Wesen und Wandel und gehorcht der Stimme des Herrn, eures Gottes, so wird den Herrn auch bereuen das Übel, das er wider euch geredet hat {Jer 7v3}.

bereuen: Und wird die Strafen abwenden, welche er euch jetzt gedroht hat. [Denn durch eine ernste und zu rechter Zeit vorgenommene Buße kann man ein herzu nahendes Unglück abwenden].

14. Siehe, ich bin in euren Händen; ihr mögt es machen mit mir, wie es euch recht und gut denkt.

Händen: Ihr habt mich in eurer Gewalt, dass ihr mich mögt erwürgen oder leben lassen und muss ich es lassen geschehen, dass ihr mit mir umgeht, wie ihr wollt.

15. Doch sollt ihr wissen, wo ihr mich tötet, so werdet ihr unschuldiges Blut auf euch laden, auf diese Stadt und ihre Einwohner. Denn wahrlich, der Herr hat mich zu euch gesandt, dass ich solches alles vor euren Ohren reden soll.

Wissen: Welches ihr wohl betrachten und in Acht nehmen sollt und seht zu, was ihr tut.

Laden: Denn ihr euch ganz schwer damit versündigen werdet und werdet euch und die Stadt mit Vergießung des unschuldigen Blutes beflecken, welche Übeltat Gott an euch und an dieser Stadt schrecklich strafen wird. [Es wird aber unschuldiges Blut vergossen, wenn jemand, der eine gerechte Sache hat, ums Leben gebracht wird, ob wir wohl sonst vor Gott alle Sünder sind. Und welche unschuldige Leute plagen, die tun sich selbst den allergrößten Schaden].

Gesandt: Darum werdet ihr euch wider Gott auflehnen, da ihr mir ein Leid zufügt. [Mit dieser bescheidentlichen Verantwortung hat der Prophet des unsinnigen Pöbels Zorn um ein gutes gestillt. Denn eine linde Antwort stillt den Zorn {Spr 15}].

16. Da sprachen die Fürsten und das ganze Volk zu den Priestern und Propheten: Dieser ist des Todes nicht schuldig; denn er hat zu uns geredet im Namen des Herrn, unseres Gottes.

Volk: Welches jetzt eines Besseren sich bedacht hatten.

Geredet: Er hat uns den göttlichen Willen geoffenbart, darum soll man ihm nicht widersprechen, viel weniger ihn umbringen. [Und tut hier das Volk recht, dass es von seiner vorigen unrechten Meinung absteht. Denn dass man irrt, ist menschlich, aber im Irrtum wider das Gewissen beharren, ist teuflisch].

17. Und es standen auf etliche der Ältesten im Lande und sprachen zum ganzen Haufen des Volkes:

Ältesten: Die Vornehmsten im Volk, so vor anderen im Ansehen waren. Denn nachdem das Volk gestillt war, treten noch etliche andere fromme Leute auf, die der Priester und Propheten erbitterte Herzen auch zu begütigen sich unterstehen und das Volk in der guten Meinung zu stärken.

18. Zur Zeit Hiskias, des Königs Judas, war ein Prophet, Micha von Maresa und sprach zum ganzen Volk Juda: So spricht der Herr Zebaoth: Zion soll wie ein Acker gepflügt werden und Jerusalem ein Steinhaufen werden und der Berg des Hauses (des Herrn) zum wilden Walde {Mi 1v1 3v12}.

Micha: Einer von den zwölf kleinen Propheten, dessen Predigten und Weissagungen man einesteils später auch beschrieben findet in einem besonderen Buch. Die folgenden steht (Kapitel 3).

Gepflügt: Das ist, der Tempel des Herrn und die Stadt Jerusalem werden um eurer Bosheit und Sünden willen zerstört werden, also dass die Ackerleute nach etlichen Jahren an dem Ort pflügen werden, da man jetzt opfert und auf dem Berge werden hohe Bäume stehen und ein dicker Wald dort sein, da jetzt der Tempel ist. Solches alles hat der Prophet Micha (wollen die Ältesten sagen) frei und ohne Scheu herausgeredet.

19. Noch ließ ihn Hiskia, der König Judas und das ganze Juda darum nicht töten; ja, sie fürchteten vielmehr den Herrn und beteten vor dem Herrn. Da reute auch den Herrn das Übel, das er wider sie geredet hatte. Darum tun wir sehr übel wider unsere Seelen:

Nicht töten: Von solcher seiner scharfen Strafpredigt willen.

Fürchteten: Das sie durch solche Weissagung geschreckt worden.

Beteten: Das er ihrer und des Tempels samt der Stadt verschonen wollte: Besonders aber hat der König Hiskia allen Aberglauben und Abgötterei aufs fleißigste aus dem Königreich ausgemustert und des Volkes verdorbene Sitten verbessert, wie die Bücher der Könige bezeugen.

Reute: Das er solches Unglück nicht über sie ergehen lasse, welches er ihnen gedroht hatte.

Sehr übel: Wenn wir dem Worte Gottes widerstreben und den Propheten Jeremia töten, darum, dass er uns unsere Sünden vorhält und von dem herzunahenden gerechten Zorn Gottes uns erinnert. Denn Gott wird solche Laster mit zeitlichen und ewigen Plagen strafen. Und handeln hier die Ältesten vorsichtig, dass sie der Priester, Propheten und des Volkes Sünden zugleich mit auf sich ziehen und sich derselben mit teilhaftig machen, auf dass sie dergestalt die anderen desto leichter zur Güte bewegen. [Denn es werden die aufrührerischen Aufwicklungen viel eher und besser mit einer linden und sittsamen Rede gestillt als mit Gewalt unterdrückt].

20. So war auch einer, der im Namen des Herrn weissagte, Uria, der Sohn Semajas, von Kiriath-Jearim. Derselbe weissagte wider diese Stadt und wider dies Land gleichwie Jeremia.

So: Jetzt treten etliche andere hervor, die ein widerwärtiges Beispiel auf die Bahn bringen, wie in Ratschlägen zu geschehen pflegt, da mancherlei Meinungen abgehört werden, ehe man etwas gewisses beschließt. Und sind diese dem Propheten Jeremia zuwider gewesen.

War: Nämlich zur Zeit Jojakim, des Königs Juda.

Im Namen: Das ist aus Gottes Geheiß und Befehl.

Gleichwie: Er führte eben die selbige Lehre, die jetzt Jeremia auch vorbringt.

21. Da aber der König Jojakim und alle seine Gewaltigen und die Fürsten seine Worte hörten, wollte ihn der König töten lassen. Und Uria erfuhr das, fürchtete sich und floh und zog nach Ägypten.

Fürchtete sich: Vor des Königs Zorn und Grausamkeit.

Ägypten: Da er hoffte sicher zu sein und verborgen zu bleiben.

22. Aber der König Jojakim schickte Leute nach Ägypten, Elnathan, den Sohn Achbors und andere mit ihm.

Leute: Ansehnliche und stattliche Gesandte, die im Namen ihres Königs an den König in Ägypten begehrten, dass er ihm den Propheten wollte folgen lassen.

23. Die führten ihn aus Ägypten und brachten ihn zum Könige Jojakim; der ließ ihn mit dem Schwert töten und ließ seinen Leichnam unter dem gemeinen Pöbel begraben.

Brachten: Denn die großen Herren haben lange Finger und greifen weit um sich.

Begraben: Das er ihn auch keines ehrlichen Grabes würdig geachtet. Darum so bedenkt euch jetzt darauf, ob ihr lieber des vorlängst verstorbenen Königs Hiskia oder des jetzt regierenden Königs Jojakim Beispiel folgen wollt. [Denn der böse Feind erregt bisweilen unter den Räten gottlose Leute, die alles was recht, und wohl geschlossen ist, zu verkehren sich unterstehen].

24. Also war die Hand Ahikams, des Sohnes Saphans, mit Jeremia, dass er nicht dem Volk in die Hände kam, dass sie ihn töteten {2Sam 22v12 v14 Jer 39v14}.

Mit Jeremia: Das ist, Ahikam war der vornehmste unter denen, die mit einer gottseligen Erinnerung das Volk abmahnten und stillten und Jeremia begehrten beim Leben zu behalten, welches ihnen denn endlich auch gelungen, dass sie ihn aus der Gefahr errettet, da ohne Zweifel unter dem gemeinen Haufen noch ihrer viele gewesen, die nichts lieberes begehrt, denn dass sie mit Steinen hätten dürfen auf ihn zu werfen. [Aber Gott erweckt immer fromme Leute, die seine Diener schützen, welche mit solcher Tat ihnen einen ewigen rechtschaffenen Ruhm und Namen machen].


Das 27. Kapitel


1. Der Prophet ermahnt mit dem Zeichen des Jochs und angehängter Erinnerung, der Juden benachbarte Könige, wie auch Zedekia, die Priester und das ganze jüdische Volk, dass sie an den König zu Babel sich ergeben sollen. v. 1. 2. Denn der König zu Babel werde gewisslich wiederkommen und die Gefäße des Tempels alle mit sich gen Babel hinweg führen. v. 19.

1. Im Anfang des Königreichs Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Judas, geschah dies Wort vom Herrn zu Jeremia und sprach:

Zu Jeremia: Dass ihm die folgende Weissagung vom Herrn geoffenbart wurde.

2. So spricht der Herr zu mir: Mache dir ein Joch und hänge es an deinen Hals.

Joch: Damit anzuzeigen, wie das jüdische Volk von den Chaldäern müsse unters Joch gebracht werden und ihre Herrschaft als ein schweres Joch auf sich nehmen. Darum, wenn du mit einem solchen Amtskleid herumgehst, so kannst du ihnen eben das mit den äußerlichen Gebärden zeigen, was sie sonst nicht von dir hören wollen. [Lässt also Gott nichts unterwegen, dadurch die Leute zur Buße möchten zu berufen sein].

3. Und schicke es zum Könige in Edom, zum Könige in Moab, zum Könige der Kinder Ammon, zum Könige zu Tyrus und zum Könige zu Zidon durch die Boten, so zu Zedekia, dem Könige Judas, gen Jerusalem kommen sind.

Schicke es: Damit du auch den benachbarten Königen gleiche Gefangenschaft verkündigst.

Boten: Durch welche du es möglich verrichten kannst, weil dieselben von den vorgemeldeten ihren Königen und Herren allhier zum Könige Zedekia dieser Tage geschickt wurden, dass sie mit ihm einen Bund machen wider den König zu Babel, weil sie meinen, wenn sie zusammenhielten, so könnten sie des Königs zu Babel Gewalt aufhalten und ihm widerstehen. [Denn wenn gefährliche und schwere Zeiten vorfallen, so trachten etliche weltweise Leute vielmehr dahin, wie sie mögen einen großen Anhang bekommen, als dass sie sich viel darum bekümmern sollten, wie sie den Zorn Gottes wiederum versöhnen möchten].

4. Und befiehl ihnen, dass sie ihren Herren sagen: So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: So sollt ihr euren Herren sagen:

Sagen: Wenn sie wieder heimkommen, was du von meinetwegen mit ihnen geredet hast.

5. Ich habe die Erde gemacht und Menschen und Vieh, so auf Erde sind, durch meine große Kraft und ausgereckten Arm und gebe sie, wem ich will {Dan 4v32}

Kraft: Also dass ich durch die Erschaffung der Welt samt allen Kreaturen, so darin sind, als wunderbaren Werke meine ewige Gottheit und Allmacht habe erscheinen und sehen lassen {Röm 1}.

Ich will: Denn ich bin es, der die Königreiche und Herrschaften austeilt, und unterwerfe Menschen und Vieh, wie mir es gefällt, dem sie auch unterworfen und gehorsam sein müssen, es sei ihnen lieb oder leid. [Soll deswegen die Obrigkeit für die von Gott ihr zugestellten Herrschaften ihm dankbar sein und sollen die Untertanen ihrer ordentlichen Obrigkeit willig Gehorsam leisten, die ihnen von Gott vorgesetzt ist].

6. Nun aber habe ich alle diese Lande gegeben in die Hand meines Knechts Nebukadnezar, des Königs zu Babel und habe ihm auch die wilden Tiere auf dem Felde gegeben, dass sie ihm dienen sollen {Jer 25v9 Dan 2v38}.

Knechts: Denn ob er wohl jetziger Zeit noch abgöttisch und gottlos ist, so soll er mir doch zu einer Geißel dienen, damit ich mein Volk züchtigen und die vorgemeldeten Königreiche zerstören will. [Denn Gott weiß nach seiner unermesslichen Weisheit auch die bösen Leute zu etwas Gutem zu gebrauchen].

7. Und sollen alle Völker dienen ihm und seinem Sohn und seines Sohnes Sohn, bis dass die Zeit seines Landes auch komme; denn es sollen ihm viel Völker und große Könige dienen.

Sohnes Sohn: Denn die chaldäische oder Babylonische Monarchie soll währen bis auf den Belsazer.

Komme: Und sein Stündlein auch ausgelaufen ist. [Wenn aber das Ende und Ziel eines Königreichs, so ihm von Gott bestimmt ist, herzunaht, so kann es durch keine menschliche Weisheit oder Macht länger erhalten werden, darum sollen die Monarchen sich und die ihrigen dem göttlichen Willen ergeben.

Könige dienen: Welche alle seinem Gebiet auch wider ihren Willen unterworfen werden sein müssen, bis dass das bestimmte Ziel kommt.

8. Welch Volk aber und Königreich dem Könige zu Babel, Nebukadnezar, nicht dienen will und wer seinen Hals nicht wird unter das Joch des Königs zu Babel geben, solches Volk will ich heimsuchen mit Schwert, Hunger und Pestilenz, spricht der Herr, bis dass ich sie durch seine Hand umbringe.

Nicht dienen: Sondern begehrt sich ihm zu widersetzen.

Heimsuchen: Mit den drei später benannten schrecklichen Plagen.

Seine Hand: Nämlich des Königs zu Babel, dass er solche widerspenstigen Völker unter seine Gewalt bringe und vertilge. [Soll man deswegen der Obrigkeit gehorsam sein, die Gewalt über uns hat {Röm 13}. Wenn sie auch gleich bös und gottlos ist. Jedoch, da sie etwas gottloses gebietet, so soll man Gott mehr gehorchen, denn den Menschen {Apg 5}. Aber in anderen Sachen sollen wir Gehorsam leisten].

9. Darum so gehorcht nicht euren Propheten, Weissagern, Traumdeutern, Tagewählern und Zauberern, die euch sagen: Ihr werdet nicht dienen müssen dem Könige zu Babel {Jer 14v13 29v8}.

Darum: Jetzt ermahnt der Prophet das Volk ernstlich, dass sie den falschen Propheten nicht aufmerken sollen, die ihnen das Widerspiel prophezeiten.

Traumdeutern: Die ihre falsche Träume für göttliche Weissagungen vorbringen.

Zauberern: Es gibt aber der Prophet Jeremia den falschen Propheten solche Namen, damit anzuzeigen, wie sie nicht besser sind denn die Wahrsager und Zauberer, weil sie das Volk mit ihren Lügen verführen.

10. Denn sie weissagen euch falsch, auf dass sie euch ferne aus eurem Lande bringen und ich euch ausstoße und ihr umkommt.

Falsch: Darum traut ihren bloßen Verheißungen nicht, damit sie euch zur Widerspenstigkeit und zum Abfall wider den König zu Babel verhetzen, denn sie es mit ihren falschen Weissagungen dahin bringen werden, dass ihr aus eurem Vaterland vertrieben, in ein fernes und weit abgelegenes Land im Elend jämmerlich sterben und verderben müsst. [Denn die Fuchsschwänzer predigen, was zuerst lieblich und anmutig ist, aber das Ende folgt zuletzt ganz herb später].

11. Denn welches Volk seinen Hals ergibt unter das Joch des Königs zu Babel und dient ihm, das will ich in seinem Lande lassen, dass es dasselbe baue und bewohne, spricht der Herr.

Ergibt: Das es sich gehorsam seiner Herrschaft unterwirft.

Lassen: Das es darin bleibe. Denn der König zu Babel wird damit vergnügt sein, wenn es ihn für seinen Herren erkennt, ihm Treue und Glauben zusagt und die gebührliche Schatzung reicht, solches Volk wird er nicht ins Elend hinwegführen. Wenn wir uns deswegen der Ruten Gottes geduldig untergeben, so werden wir nicht so hart geschlagen].

12. Und ich redete solches alles zu Zedekia, dem Könige Judas und sprach: Ergebt euren Hals unter das Joch des Königs zu Babel und dient ihm und seinem Volk, so sollt ihr lebendig bleiben.

Zedekia: Dem ich solche Meinung aus dem Befehl des Herrn ebenmäßig, wie den anderen, zu verstehen gab. [Denn man muss die hohe Obrigkeit ihres Amtes und Berufes auch erinnern].

13. Warum wollt ihr sterben, du und dein Volk, durch Schwert, Hunger und Pestilenz? Wie denn der Herr geredet hat über das Volk, so dem Könige zu Babel nicht dienen will.

14. Darum gehorcht nicht den Worten der Propheten, die euch sagen: Ihr werdet nicht dienen müssen dem Könige zu Babel. Denn sie weissagen euch falsch {Jer 14v14 23v16 29v9},

Gehorcht nicht: [Denn man soll denen nicht zuhören oder folgen, die keinen ordentlichen Beruf haben, weil sie Verführer sind. Wenn aber ein Blinder den anderen leitet, so fallen sie beide in die Grube {Mt 15}.

15. und ich habe sie nicht gesandt, spricht der Herr; sondern sie weissagen falsch in meinem Namen, auf dass ich euch ausstoße und ihr umkommt, samt den Propheten, die euch weissagen.

Ausstoße: Wenn ihr euch wider den König zu Babel auflehnen werdet.

16. Und zu den Priestern und zu all diesem Volk redete ich und sprach: So spricht der Herr: Gehorcht nicht den Worten eurer Propheten, die euch weissagen und sprechen: Siehe, die Gefäße aus dem Hause des Herrn werden nun bald von Babel wieder herkommen. Denn sie weissagen euch falsch {2Chr 36v7 v10}.

Gefäße: So vor etlichen Jahren vom Könige zu Babel aus dem Tempel zu Jerusalem hinweggenommen wurden, da er den König Jechania gefangen weggeführt {2Sam 24}.

Herkommen: Sie werden in kurzer Zeit wieder erstattet werden, weil die chaldäische Monarchie bald zugrunde gehen wird, nach der falschen Propheten Vorgeben, da alsdann die Juden, so mit Jechania weggeführt wurden, wieder gen Jerusalem kommen und die oben gemeldeten heiligen Gefäße mitbringen werden.

17. Gehorcht ihnen nicht, sondern dient dem Könige zu Babel, so werdet ihr lebendig bleiben. Warum soll doch diese Stadt zur Wüste werden?

Wüste werden: Warum wollt ihr den König zu Babel wider euch aufbringen, dass er diese schöne und volkreiche Stadt verwüste und zerstöre? [Denn obwohl die Dienstbarkeit viele Beschwerlichkeiten und große Ungelegenheiten mit sich bringt, so muss man sie doch dem endlichen Verderben vorziehen und aus zwei Bösen das Geringste erwählen].

18. Sind sie aber Propheten und haben sie des Herrn Wort, so lasst sie den Herrn Zebaoth bitten, dass die übrigen Gefäße im Hause des Herrn und im Hause des Königs Judas und zu Jerusalem nicht auch gen Babel geführt werden.

Propheten: Wie sie sich dafür ausgeben und mit großer Frechheit rühmen dürfen.

Bitten: Und also mit der Tat beweisen, dass sie durch ihr Gebet von ihm ausbringen, nicht zwar dass die Wiedererstattung der Gefäße geschehe, so bereits zu Babel sind, dessen sie sich doch fälschlich rühmen, sondern damit die übrigen, so noch vorhanden, nicht auch dahin kommen, wie denn in kurzen geschehen wird, da sie der Ausgang einer öffentlichen Lüge überzeugen wird. [Man hat aber hier über der Chaldäer Mäßigung und Enthaltung sich nicht unrecht zu verwundern, dass sie noch viele köstliche Gefäße in des Herrn Hause, des Königs Hause und bei den Bürgern zu Jerusalem bleiben lassen, wie sie den König Jechanja in ihre Gewalt bekommen und ihn gen Babel gefangen hinweg geführt. Heutigentags sind der mehrere Teil Kriegsleute viel anders gesinnt, die auch den Freunden nicht bald etwas übrig lassen, ohne was sie nicht mit sich nehmen können.

Nach Luther:]. Merk das, wer Gottes Wort hat, der kann auch beten, wer es nicht hat, der kann auch nicht beten, sondern wie seine Predigt falsch ist, so ist auch sein Gebet nichts.

19. Denn also spricht, der Herr Zebaoth von den Säulen und vom Meer und von dem Gestühle und von den Gefäßen, die noch übrig sind in dieser Stadt,

20. welche Nebukadnezar, der König zu Babel, nicht wegnahm, da er Jechanja, den Sohn Jojakims, den König Judas, von Jerusalem wegführte gen Babel samt allen Fürsten in Juda und Jerusalem {2Sam 24v14 v15};

21. Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, von den Gefäßen, die noch übrig sind im Hause des Herrn und im Hause des Königs Judas und zu Jerusalem:

22. Sie sollen gen Babel geführt werden und dort bleiben bis auf den Tag, da ich sie heimsuche, spricht der Herr und ich sie wiederum herauf an diesen Ort bringen lasse.

Heimsuche: Nämlich nach siebzig Jahren, da ich mein gefangenes Volk wiederum mit Gnaden angesehen und es zugleich mit den Gefäßen an diesem Ort wieder bringen werde. Denn damals wird der König Cyrus oder Kores mein Volk loslassen, dass es den Tempel und diese Stadt wieder aufbaue, dazu wird er ihnen auch alle goldenen und silbernen Gefäße wiedergeben, die Nebukad Nezar von hinnen weggenommen hat und noch weiter wegnehmen wird. Dass dies alles also erfüllt wurde, ist aus dem ersten Kapitel des Buches Esra zu sehen. [Und dürfen die Sünder keine bessere Zeit hoffen, bis sie durch die Trübsal gedemütigt, rechtschaffene Buße tun, denn damals wird Gott sein gnädiges Angesicht wieder zu ihnen wenden und die Strafen hinwegnehmen].


Das 28. Kapitel


1. Hananja, ein falscher Prophet, gibt fälschlich vor, wie das Volk mit den Gefäßen, so aus Jerusalem gen Babel weggeführt worden, nach zwei Jahren wieder heimkommen soll. v. 1. 2. Zerbricht auch des Jeremia hölzernes Joch, das derselbe am Halse trug. v. 10. 3 Hört aber von Jeremia, dass Gott, anstatt des hölzernen Jochs, denen ein eisernes Joch auflegen werde, die er, Hananja, mit seinen Lügen verführe. v. 12. 4. Welches des Hananja unzeitiger Tod, als der im selben Jahr sterben müsse, bezeugen werde. v. 15.

1. Und im selbigen Jahr, im Anfang des Königreichs Zedekias, des Königs Judas, im fünften Monden des vierten Jahres, sprach Hananja, der Sohn Azurs, ein Prophet von Gibeon, zu mir im Hause des Herrn in Gegenwart der Priester und alles Volkes und sagte:

Und: Jetzt erzählt der Prophet Jeremia, was er für einen Kampf mit den falschen Propheten ausgestanden.

Vierten Jahres: Von der Zeit an, da Jechania gen Babel gefangen weggeführt wurde.

2. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Ich habe das Joch des Königs zu Babel zerbrochen;

Zerbrochen: Als wollte er sprechen, Gott hat es also beschlossen, dass er der Chaldäer Macht stürzen wolle, damit sie weder seinem Volk noch anderen Völkern mehr Überdrang tun werden. Und hat der falsche Prophet Hananja dies mit großer Verwegenheit und beherztem Mut ungescheut öffentlich herausgesagt und vorgegeben, es sei ihm solches von Gott geoffenbart. [Denn die falschen Lehrer sind ganz unverschämt und finden sich immer gottlose Leute, die den gottseligen und reinen Kirchendienern widersprechen].

3. und ehe zwei Jahre um sind, will ich alle Gefäße des Hauses des Herrn, welche Nebukadnezar, der König zu Babel, hat von diesem Ort weggenommen und gen Babel geführt, wiederum an diesen Ort bringen.

4. Dazu Jechanja, den Sohn Jojakims, den König Judas, samt allen Gefangenen aus Juda, die gen Babel geführt sind, will ich auch wieder an diesen Ort bringen, spricht der Herr; denn ich will das Joch des Königs zu Babel zerbrechen.

5. Da sprach der Prophet Jeremia zu dem Propheten Hananja in Gegenwart der Priester und des ganzen Volkes, die im Hause des Herrn standen,

Da: Folgt was der Prophet Jeremia dazu gesagt.

Gegenwärtigkeit: Das es jedermann sehen und hören konnte.

6. und sagte: Amen, der Herr tue also! Der Herr bestätige dein Wort, das du geweissagt hast, dass er die Gefäße aus dem Hause des Herrn von Babel wiederbringe an diesen Ort samt allen Gefangenen.

Tue also: Dass er es mit der Tat und im Werk erfülle, wie ich denn für meine Person nichts lieber wünschen möchte, denn dass deine Weissagung einen Nachdruck hätte: Könnte auch uns alle, die wir hier sind, ohne Zweifel nichts Angenehmeres sein, denn wenn wir sehen möchten, dass unsere Brüder ihre Freiheit wiederum erlangt hätten. [Denn es haben fromme Kirchendiener keinen Gefallen an der Leute Unglück, dass sie ihnen Amtshalben von wegen ihrer Unbußfertigkeit anzeigen müssen].

7. Aber doch höre auch dies Wort, das ich vor deinen Ohren rede und vor den Ohren des ganzen Volkes:

Höre: Du Hananja, der du deine Zuhörer mit einer vergeblichen Hoffnung aufhältst und verführst.

8. Die Propheten, die vor mir und vor dir gewesen sind von alters her, die haben wider viel Länder und große Königreiche geweissagt, von Krieg, von Unglück und von Pestilenz;

Königreiche: Die meinten ganz mächtig und unüberwindlich zu sein.

Unglück: Sie haben es nie im Brauch gehabt, dass sie einem unbußfertigen Volk von vielem Glück geweissagt hätten, sondern haben ihnen vielmehr ihre zukünftigen Strafen gedroht und ist es also ergangen, wie sie zuvor geweissagt hatten. Denn sie predigten das Wort Gottes und trachteten nicht dahin, wie sie reden möchten, was den Leuten gefällig, sondern was wahr wäre. Aber du und deinesgleichen habt viel einen anderen Brauch zu weissagen, als die alten Propheten Gottes hatten. Denn ihr versprecht einem gottlosen Volk lauter glückliche Zeiten und dass sie ihrer Laster halben werden ungestraft bleiben, da es doch der Ausgang viel anders bezeugen wird.

9. wenn aber ein Prophet von Friede weissagt, den wird man kennen, ob ihn der Herr wahrhaftig gesandt hat, wenn sein Wort erfüllt wird.

Von Friede: (Nach Luther) Es sind gewiss falsche Propheten, welche lieblich trösten, so doch die Leute böse sind.

Weissagt: Und von lauterem Glück predigt, dass es alles wohl stehen und recht zugehen werde.

Erfüllt wird: Da wird sich es finden und wird es die Erfahrung geben, ob er wahr oder falsch geweissagt habe und ob er wahrhaftig von Gott gesandt sei. Also wird man auch innerhalb zwei Jahren deine Lügen erfahren. Denn gleichwie du nicht nach Art und Brauch der alten Propheten weissagst, also wird auch deinen Worten nicht nachgesetzt werden. [Können also die falschen Lehrer oft am Ausgang und Vollziehung ihrer Weissagungen erkannt werden. Aber die allergewisseste Kunst eines Lehrers zu urteilen, ist, wenn man eine Zeit gegen der anderen hält und der Lehrer Sprüche nach der Heiligen Schrift erkundigte, so wird man das Recht vom Falschen leicht unterscheiden können].

10. Da Name der Prophet Hananja das Joch vom Halse des Propheten Jeremia und zerbrach es.

Da: Weil der falsche Prophet Hananja ein überaus frecher und verwegener Geselle war, so gedenkt er dem Jeremia keineswegs zu weichen, sondern damit er recht behalte, so fährt er noch weiter fort, das Volk mit Lügen umzuführen und zu blenden.

11. Und Hananja sprach in Gegenwart des ganzen Volkes: So spricht der Herr: Ebenso will ich zerbrechen das Joch Nebukadnezars, des Königs zu Babel, ehe zwei Jahre umkommen, vom Halse aller Völker. Und der Prophet Jeremia ging seines Weges.

Joch: Die schwere Dienstbarkeit der gefangenen Israeliten, also dass die chaldäische Monarchie soll zugrunde gehen und alle Völker, so bisher von den Chaldäern unterdrückt worden, ihre Freiheit wiederum erlangen werden. Es war aber diese des Hananja Weissagung allerdings falsch und erlogen.

Weges: Ist ohne Zweifel dazu verlacht und verspottet worden von denen, die viel auf den Hananja und auf seine Weissagung gehalten. [Denn es können bisweilen auch die reinen Lehrer des Evangeliums eine Zeit lang vor den Verächtern des göttlichen Wortes nicht genügend bestehen und hat es das Ansehen, als ob sie überwunden müssten davon ziehen].

12. Aber der Herrn Wort geschah zu Jeremia, nachdem der Prophet Hananja das Joch zerbrochen hatte vom Halse des Propheten Jeremia und sprach:

13. Gehe hin und sage Hananja: So spricht der Herr: Du hast das hölzerne Joch zerbrochen; so mache nun ein eisernes Joch an jenes statt {5Mos 28v48}.

Zerbrochen: Aber es ist darum des Königs zu Babel Joch keines Weges zerbrochen oder abgeworfen worden.

Jenes: Anstatt des Hölzernen. Als wollte er sprechen, du Verführer willst nicht leiden, dass die Dienstbarkeit, so über euch kommen wird, mit einem hölzernen Joch vorgebildet werde, darum wird euch Gott jetzt noch viel ein schwereres Joch der Dienstbarkeit auflegen, welches ihr nicht werdet können zerbrechen noch von euch werfen. Denn ich will, spricht Gott, von wegen eurer halsstarrigen Bosheit es dahin richten, dass ihr von dem König zu Babel desto härter sollt gehalten werden. [Welche deswegen die göttlichen Züchtigungen von sich stoßen und nicht leiden wollen, dass man sie erinnere und ihnen einrede, die machen ihr Unglück damit nicht kleiner, sondern vielmehr größer].

14. Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Ein eisernes Joch habe ich allen diesen Völkern an den Hals gehängt, damit sie dienen sollen Nebukadnezar, dem Könige zu Babel und müssen ihm dienen; denn ich habe ihm auch die wilden Tiere gegeben {Jer 27v6}.

Eisernes Joch: Das ist: Ich will den Juden und ihren Nachbarn eine harte Dienstbarkeit auflegen.

Ihm dienen: Also dass sie solcher Dienstbarkeit keineswegs sich werden können entledigen noch sich wieder frei machen, ob sie gleich alle ihre Macht zusammen taten.

Tiere: Dass sie ihm gleichsam unterworfen und gehorsam sein sollen. Denn ich will ihn zu einem mächtigen und unüberwindlichen Monarchen machen, der über alle Menschen und Tiere herrschen soll. [Können also die göttlichen Strafen durch kein anderes Mittel als durch wahre Buße abgewandt werden].

15. Und der Prophet Jeremia sprach zum Propheten Hananja: Höre doch, Hananja! Der Herr hat dich nicht gesandt und du hast gemacht, dass dies Volk auf Lügen sich verlässt.

Nicht gesandt: Noch dir die falsche Weissagung, welche du zuvor vorgebracht hast, geoffenbart.

Verlässt: Weil du mit deinen nichtigen Verheißungen ihnen eine Hoffnung machst, als ob Gott diejenigen erhalten wolle, so vom Könige zu Babel abfallen und sich wider ihn auflehnen.

16. Darum spricht der Herr also: Siehe, ich will dich vom Erdboden nehmen; dies Jahr sollst du sterben; denn du hast sie mit deiner Rede vom Herrn abgewendet.

Abgewendet: Du bist schuldig daran, dass dies Volk dem Worte Gottes, welches ich ihnen auf seinen Befehl verkündige, nicht folgen will.

17. Also starb der Prophet Hananja desgleichen Jahres im siebten Monden.

Starb: [Denn Gottes Drohungen gehen nicht leer ab und lässt Gott die Verführer nicht ungestraft. So hat das jüdische Volk aus dieser Weissagung des Propheten Jeremia, die durch den Ausgang bestätigt worden, leicht urteilen können, wer unter diesen beiden Propheten recht hatte, wenn es nur gewollt hätte. Aber die Blindheit und verkehrte Art des menschlichen Herzens ist unglaublich groß, wenn der Mensch sich selbst überlassen ist].

Monden: Der bei uns zum Teil im September, zum Teil in den Oktober gefällt.


Das 29. Kapitel


1. Jeremia schickt den Gefangenen zu Babel ein Schreiben zu, des Inhalts, dass sie ihre Haushaltung da also anstellen sollen, als ob sie viele Jahre da bleiben müssten, wie auch geschehen würde. v. 1. 2. Und ermahnt sie, dass sie den falschen Propheten nicht trauen sollen, die ihnen das Widerspiel weissagten. v. 8. 3. Denn die, so zu Jerusalem blieben und vom König zu Babel abgefallen wären, würden mit Schanden bestehen. v. 16. 4. Darüber er ihnen ein Zeichen gibt, dass nämlich die falschen Propheten jämmerlich würden umkommen. v. 24.

1. Dies sind die Worte im Briefe, den der Prophet Jeremia sandte von Jerusalem zu den übrigen Ältesten die weggeführt waren und zu den Priestern und Propheten und zum ganzen Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem hatte weggeführt gen Babel

Dies sind: Zu des Propheten Jeremia Zeiten fanden sich auch falsche Propheten unter denen Juden, die zu Babel waren und mit Jechania, dem Könige Juda, sich an den König zu Babel ergeben hatten. Dieselben falschen Propheten verhießen (gleichwie die im jüdischen Land auch) dem gefangenen Volk, dass sie würden wieder frei werden und in kurzem wieder gen Jerusalem kommen, weil das Königreich zu Babel würde bald zugrunde gehen. Da hat es die gefangenen Juden angefangen zu bereuen, dass sie des Propheten Jeremia Rat gefolgt und sich an den König zu Babel ergeben hätten: Haben auch ohne Zweifel wider Gott und seinen Propheten gemurrt, der es ihnen im Sinn gegeben und sie dahin beredet, dass sie das chaldäische Joch auf sich laden sollten. So ist es vermutlich, dass ihrer viele von den gefangenen Juden danach getrachtet, wie sie das chaldäische Joch könnten wieder von sich werfen und haben nach Gelegenheit sich umgesehen, wie sie einen Aufruhr erregen möchten, besonders weil sie sahen, dass die Stadt Jerusalem und der Tempel noch aufrecht standen und hörten, dass die benachbarten Völker mit dem Könige Zedekia einen Bund gemacht hatten, welche sämtlich sie dem Könige zu Babel stark genug und gewachsen sein meinten. Damit nun solch gefangenes Volk der Juden in der Chaldäer Lande von den falschen Propheten sich nicht verführen ließe und ein Aufruhr wider ihre Obrigkeit erregte, dadurch sie sich in Leibes und der Seelen Gefahr setzen möchten, so hat Jeremia ihnen deshalb zugeschrieben und sie ermahnt, dass sie ihr Joch der Dienstbarkeit geduldig tragen sollten und ihrer Obrigkeit gehorsam sind, denn die Zeit ihrer Freiheit sei noch nicht vorhanden, so würden die übrigen, welche noch zu Jerusalem wohnten, bald in eine viel härtere Dienstbarkeit hinweg geführt werden.

2. (nachdem der König Jechanja und die Königin mit den Kämmerern und Fürsten in Juda und Jerusalem samt den Zimmerleuten und Schmieden zu Jerusalem weg waren),

Und Schmieden: Denn die vorbenannten alle hatten sich an den König zu Babel ergeben und waren mit ihm in der Chaldäer Land hinweggezogen, zu denen sämtlich hat der Prophet Jeremia folgenden Brief geschrieben.

3. Durch Eleasa, den Sohn Saphans und Gemarja, den Sohn Hilkias, welche Zedekia, der König Judas, sandte gen Babel zu Nebukadnezar, dem Könige zu Babel und sprach:

Sandte: Ohne Zweifel nicht des Jeremia halben, sondern um einer anderen Ursache willen. Es sind aber dieselben Boten oder Gesandten ohne Zweifel fromme gottselige Männer gewesen, das Jeremia sie heimlich dazu gebraucht, seinen Brief den Gefangenen zu Babel zu bringen. [Denn wenn wir der Kirche und Gemeinde, so uns anbefohlen ist, mündlich nicht zusprechen können, so sollen wir sie durch Schriften ermahnen, bessern und trösten, nachdem es die Notdurft erheischen wird].

4. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Gefangenen, die ich habe von Jerusalem lassen wegführen gen Babel:

Lassen wegführen: Nämlich ich, der Herr. [Denn obwohl dem äußerlichen Ansehen nach der König zu Babel sie hatte lassen wegführen, so war doch Gott der vornehmste Ursacher solcher ihrer Gefangenschaft. Wenn wir aber nicht auf die Menschen, sondern auf Gott sehen, der uns straft, so tragen wir das Kreuz viel geduldiger und werden dadurch gebessert].

5. Baut Häuser, darin ihr wohnen mögt; pflanzt Gärten, daraus ihr die Früchte essen mögt;

Baut: Also lässt euch Gott, euer himmlischer Vater, sagen, der euch gezüchtigt hat.

Häuser: Zu Babel. Denn ihr werdet noch viele Jahre da verharren müssen.

Pflanzt: Wir sollen aber nicht nur für uns bauen und pflanzen, sondern auch für unsere Nachkommen. Denn welche Hausväter nur auf ihre Personen sehen und um die Nachkommen sich nichts bekümmern, die halten selten recht Haus.

6. nehmt Weiber und zeugt Söhne und Töchter; nehmt euren Söhnen Weiber und gebt euren Töchtern Männer, dass sie Söhne und Töchter zeugen; mehrt euch dort, dass euer nicht wenig sei.

Zeugen: Enthaltet euch nicht vom Ehestande und Kinder zeugen, dass ihr denken wolltet, als ob die chaldäische Monarchie in kurzem zugrunde gehe und ihr bald wieder ins Land Kanaan kommen würdet, denn dergestalt werdet ihr euren Sachen nie Rat schaffen. [Also die Hausväter, welche im Zweifel stehen, wo sie eine gewisse Behausung haben wollen und unterdes in der Haushaltung nichts anordnen, die werden nicht viel für sich bringen, sondern auch das vertun, was sie unterhanden haben].

7. Sucht der Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen und betet für sie zum Herrn; denn wenn es ihr wohl geht, so geht es euch auch wohl.

Bestes: Befleißigt, euch zu tun, was der Stadt Babel zu Nutzen und Gutem kommt.

Betet: Dass sie in einem friedlichen Zustand bleiben möge.

Auch wohl: Das ist: Wenn das Regiment zu Babel guten Frieden und Ruhe hat, so werdet ihr auch desto besser und ruhiger leben, weil ihr euren Aufenthalt darin habt. Denn die Zeit eurer Erlösung ist noch nicht da. [Soll man deswegen auch für eine gottlose Obrigkeit bitten, dass wir unter ihrem Schutz ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit {1Tim 2}.

8. Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Lasst euch die Propheten, die bei euch sind und die Wahrsager nicht betrügen und gehorcht euren Träumen nicht, die euch träumen {Jer 14v14 27v14};

Wahrsager: Die aus lauter Verwegenheit von zukünftigen Sachen zu weissagen pflegen, wie man es zwar gerne hört, aber daran nichts wahr ist. [Er nennt aber die falschen Propheten Wahrsager, weil solche Verführer nichts besser sind als die Versager oder Schwarzkünstler].

Träumen: Denn es sind keine prophetischen Träume, die etwas sonders bedeuteten, sondern sie sind nichtig und eitel, weil was ihr des Tages wünscht, das kommt euch des Nachts im Traum von wegen eurer starken Einbildung wieder vor. Und wenn die Propheten bei euch entweder Gesichte oder Träume vorbringen, daraus sie sich die Rechnung machen, dass ihr bald wieder werdet gen Jerusalem kommen, so gebt ihnen keinen Glauben.

9. Denn sie weissagen euch falsch in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, spricht der Herr.

Namen: Wenn sie vorgeben, dass ich es ihnen befohlen habe.

Nicht gesandt: Sie haben keinen ordentlichen Beruf zu lehren, viel weniger einzige göttliche Offenbarung, sondern bringen ohne meinen Befehl aus ihrem eigenen Kopf hervor, was sie meinen, dass ihr gerne hört. [Soll man deswegen solche Prediger meiden, die viel lieber begehren zu sagen, was man gerne hörte, als was wahr ist].

10. Denn so spricht der Herr: Wenn zu Babel siebzig Jahre aus sind, so will ich euch besuchen und will mein gnädiges Wort über euch erwecken, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe {Jer 25v11 2Chr 36v21 Esra 1v1 Dan 9v2}.

Jahr: Von der Zeit an, da ihr ins Elend hinweg gezogen seid.

Nach Luther:]. Das ist der Hauptspruch, der zu der Zeit das Volk erhalten hat: Und {Dan 9v2} gepriesen wird.

Gnädiges Wort: Dass ich euch mit Gnaden ansehen will und meine Verheißungen erfüllen, die ich von eurer Freiheit geredet habe. Und ist dies der Hauptspruch, der zu der Zeit das Volk erhalten hat und {Dan 9} gepriesen wird.

Ort: Gen Jerusalem in euer Vaterland, eher will ich es nicht. [Steht es deswegen nicht in unserer Willkür, dass wir mögen Gott die Zeit der Erlösung vorschreiben. Doch mögen wir unterdes bitten, dass er mit der Hilfe eilen wolle, mit dem Anhang, Herr, dein Wille geschehe].

11. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, nämlich Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.

Gedanken: Die voller Gnaden sind: Denn ich gehe bereits darüber mit mir selbst zu Rat, nicht, dass ich euch noch mehr Plagen zuschicken will, sondern vielmehr, wie ich euch einmal eins wiederum herrlich will in euer Vaterland bringen. Darum soll ihr nicht meinen, dass nie keine Erlösung erfolgen werde, ob ich wohl die selbige eine lange Zeit aufschiebe.

Wartet: Das ihr einmal nach den zuvor erlittenen Trübsalen eine fröhliche Zeit wiederum erlebt, darauf ihr hofft. [Denn bei den Frommen gehen die Trübsal und Züchtigungen vorher, später aber folgt der Trost zu seiner Zeit darauf. Welche aber die väterlichen Züchtigungen von Gott nicht annehmen und dulden wollen und nur trachten, wie sie in diesem Leben mögen gute Tage haben, die fallen nach einer kurzen und liederlichen Wollust ins ewige Verderben].

12. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören.

Bitten: Um eure Erlösung, dass ihr mögt wieder in euer Vaterland kommen. [Denn wenn die Zeit der Erlösung vorhanden ist, so erweckt Gott in uns den Geist des Gebets, dass wir inbrünstiger als sonst beten und was wir beten, auch erlangen].

13. Ihr werdet mich suchen und finden. Denn so ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,

Suchen: Das ihr aus rechtschaffenem, demütigem und bußfertigem Herzen mich um Hilfe ersuchen und anrufen werdet.

14. so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr und will eurer Gefängnis wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, dahin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr; und will euch wiederum an diesen Ort bringen, von dort ich euch habe lassen wegführen {3Mos 26v40 v42 5Mos 30v1 v2 v3}.

Finden lassen: Und mich gegen euch verhalten wie ein gnädiger und gütiger Gott.

Wenden: Dass ich euch anstatt euer Gefängnis die Freiheit und an statt der Fremde das Vaterland wieder geben will. [Obwohl nun nicht alle Frommen aus ihren leiblichen Trübsalen immer errettet werden, so ist es doch gewiss, dass die, so viel ihrer mit reinem Herzen auf die Gnade und Güte Gottes hoffen, von Gott mit Gnaden angesehen werden, dass sie Vergebung ihrer Sünden und das ewige Leben erlangen, um Christi willen, der die Versöhnung ist, nicht nur für unsere Sünden, sondern auch vor der ganzen Welt {1Joh 2}.

Bringen: Dass ihr aus Babel wieder in das jüdische Land, und in eure Heimat kommen sollt. [Obwohl es nun eine große Guttat Gottes gewesen, dass die Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft wieder heimkommen, so ist doch das viel ein größeres, dass Gott durch das Predigtamt in der Kirche uns gleichsam aus der Welt ruft zum rechten himmlischen und ewigen Vaterland, für welche Guttat wir ihm ewig Lob und Dank sagen sollen].

15. Denn ihr meint, der Herr habe euch zu Babel Propheten auferweckt.

Zu Babel: nach Luther]. Das ist: Ihr sollt euren Propheten zu Babel nicht glauben, ich habe sie nicht erweckt, wie ihr meint.

Auferweckt: Ihr lasst euch dessen bereden, dass die Propheten, welche euch nach zwei Jahren eure Wiederkunft ins Vaterland verheißen, von Gott gesandt sind, damit sie euch eine Hoffnung der Freiheit machen. Aber ihr sollt wissen, dass sie keine Propheten, sondern Verführer sind. Denn es so ganz weit fehlt, dass ihr solltet wieder zu euren Landsleuten ins jüdische Land kommen, dass sie vielmehr in kurzer Zeit zu euch gen Babel sollen geführt werden, und zwar in viel einer jämmerlichen Gestalt als ihr. [Solche Erinnerung ist ganz hoch vonnöten gewesen, denn die fleischliche Zuneigung macht, dass einer bald solche Sachen glaubt, die er gerne hört, ob sie wohl falsch sind].

16. Denn also spricht der Herr vom Könige, der auf Davids Stuhl sitzt und von allem Volk, das in dieser Stadt wohnt, nämlich von euren Brüdern, die nicht mit euch hinaus gefangen gezogen sind;

Sitzt: Zu Jerusalem. Nämlich vom Könige Zedekia, der jetzt im jüdischen Land das Regiment in seiner Hand hat.

17. ja, also spricht der Herr Zebaoth: Siehe, ich will Schwert, Hunger und Pestilenz unter sie schicken und will mit ihnen umgehen wie mit den bösen Feigen, da einem vor ekelt zu essen;

Schicken: Das ist: Sie sollen mit dem verderblichen chaldäischen Kriege überfallen werden und sich so darin verwickeln, dass sie in ihren Städten und besonders zu Jerusalem belagert, zum Teil Hungers sterben, zum Teil von der Pestilenz erwürgt werden, zum Teil durch das Schwert umgekommen.

Ekelt: Denn gleichwie man die bösen Feigen, so allerdings verdorben sind, scheut und hinweg wirft. Also soll auch Zedekia, der König Juda, samt seinen Untertanen weggeworfen und verstoßen werden. Und deutet Gott mit dieser Rede auf das vorige Gesicht (Kapitel 24). Da er Jechanja und seine Mitgefangenen den guten Feigen verglichen, aber den Gottlosen Zedekia und seine verstockten Untertanen den bösen Feigen gleich geachtet hat. [Denn obwohl es sich mit der Gottlosen Strafen eine Zeit lang verzieht, wie es mit der Gefangenschaft Zedekia und seinem Volk sich eine gute lange Zeit verweilt hat, so wird sie doch darum nicht aufgehoben, sondern kommt endlich nur desto schwerer].

18. und will hinter ihnen her sein mit Schwert, Hunger und Pestilenz; und will sie in keinem Königreich auf Erde bleiben lassen, dass sie sollen zum Fluch, zum Wunder, zum Hohn und zum Spott unter allen Völkern werden, dahin ich sie verstoßen werde,

Herr sein: Mit den drei nachgesetzten grausamen Plagen will ich sie zugrunde richten und aufreiben.

Bleiben lassen: Sondern will verschaffen, dass sie vor Furcht und Tyrannei der Völker nirgends eine ruhige und bleibende stattfinden sollen und durch mancherlei unglückliche Zufälle hin und wieder umgetrieben werden.

Allen Völkern: Oder Heiden, unter denen die Juden im Elend sein werden, die werden sie verfluchen und anspeien und über ihr Unglück sich entsetzen, sie darüber anpfeifen und ihnen alle Schmach anlegen. [Denn Gott bringt zu Ehren, welche er will und macht verächtlich, welche er will].

19. Darum dass sie meinen Worten nicht gehorchen, spricht der Herr, der ich meine Knechte, die Propheten, zu euch stets gesandt habe; aber ihr wolltet nicht hören, spricht der Herr.

Stets gesandt: Ich habe euch meine Propheten zeitlich genug gesandt, die euch mein Wort recht und rein verkündigt haben und euch gewarnt, dass ihr von der Abgötterei und abergläubischen Gottesdiensten wie auch von eurem gottlosen Leben und Wandel abstehen solltet, ist aber alles vergebens und umsonst gewesen und habt noch bisher nicht gehorchen wollen, darum will ich meinen Zorn über euch ausschütten, dass ihr mit schrecklichen Strafen überfallen werdet. [Denn das verursacht endlich den Untergang, wenn man nicht allein vielfältig sündigt, sondern auch alle guten und heilsamen Warnungen, die man uns aus dem Worte Gottes vorhält, in den Wind schlägt und verachtet].

20. Ihr aber alle, die ihr gefangen seid weggeführt, die ich von Jerusalem habe gen Babel ziehen lassen, hört des Herrn Wort!

Hört: Denn weil ich euch Gefangenen zu Babel angezeigt habe, was es mit dem Könige Zedekia und seinem Volk für einen Ausgang gewinnen werde, so will ich euch jetzt auch verständigen, wie es euren falschen Propheten ergehen wird, die euch nach zwei Jahren eine Erlösung fälschlich vertrösten, als solltet ihr bald wieder ins Land Kanaan kommen.

21. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, wider Ahab, den Sohn Kolajas und wider Zedekia, den Sohn Masejas, die euch falsch weissagen in meinem Namen: Siehe, ich will sie geben in die Hände Nebukadnezars, des Königs zu Babel, der soll sie schlagen lassen vor euren Augen,

Namen: Als ob ich es ihnen befohlen hätte. Denn sie wenden meinen Namen vor, wenn sie von der Wiederkunft ins Land Kanaan nach zwei Jahren reden, aber sie lügen meisterlich daran. [Denn die falschen Lehrer sind ganz kühn, verwegen und unverschämt].

Siehe: Habt Acht und merkt darauf, was ich über sie verhängt und beschlossen habe.

Hände: Sie sollen ihm ins Garn fallen: Denn man wird diese aufrührerischen Prediger vor dem Könige verklagen, wie sie euch zum Abfall verhetzen, dass ihr euch etwas Neues wider den König anzufangen unterstehen sollt.

Augen: Er wird sie öffentlich am Leben strafen und hinrichten lassen, dass ihr gegenwärtig dabei seid und zusehen werdet. [Denn Gott zieht endlich die verführerischen und aufrührerischen Prediger zur angemessenen Strafe].

22. Das man wird aus den selbigen einen Fluch machen unter allen Gefangenen aus Juda, die zu Babel sind und sagen: Der Herr tue dir wie Zedekia und Ahab, welche der König zu Babel auf Feuer braten ließ,

Tue dir: Das ist: Sie sollen so eines schrecklichen Todes sterben und euch so abscheulich werden, dass wenn jemand einem anderen alles üble anwünschen will, derselbe sagen wird, Gott gebe, dass du so jämmerlich umkommst, wie die beiden falschen Propheten Zedekia und Ahab, welche aus Gottes gerechtem Zorn und billiger Rache über ihre verführerische Bosheit jämmerlich umgekommen sind. [Dergestalt sind die falschen Lehrer, so eine Zeit lang in großem Ansehen gewesen und endlich recht erkannt wurden, allen Frommen ein Scheusal].

23. Darum dass sie eine Torheit in Israel begingen und trieben Ehebruch mit den anderen Weibern und predigten falsch in meinem Namen, das ich ihnen nicht befohlen hatte. Solches weiß ich und zeuge es, spricht der Herr.

Torheit: Ein abscheuliches Ding, welches dem Volk Gottes zur Verachtung und zur Schmach gereicht.

Ehebruch: Auch in ihrer Gefangenschaft. [Und sieht man, dass oft bei der falschen Lehre auch die Unkeuschheit sich findet, welche unter vielen geistlichen Personen im Papsttum so allgemeines ist, dass sie sich ihrer Unzucht noch schier dazu rühmen dürfen]. Und bis daher laut des Propheten Jeremia Brief zum Volk, das zu Babel gefangen war.

24. Und wider Semaja von Nehalam sollst du sagen:

Semaja: Der neben den vorgemeldeten beiden falschen Propheten auch noch unter den Gefangenen zu Babel sich befunden. Da derselbe von des Jeremia Schreiben, so er gen Babel geschickt, Bericht empfangen, hat er dem Hohepriester gen Jerusalem wieder zugeschrieben und den Propheten Jeremia vor ihm verklagt und wider ihn verhetzt, darum heißt Gott den Jeremia, dass er wider denselben falschen Propheten auch weissagen soll.

25. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Darum dass du unter deinem Namen hast Briefe gesandt zu allem Volk, das zu Jerusalem ist und zum Priester Zephanja, dem Sohn Masejas und zu allen Priestern und gesagt:

Deinem Namen: Aus eigenem Vernunftsdenken, ohne meinen Befehl, nach deiner gewöhnlichen Frechheit und Verwegenheit.

Volk: Darunter du es lassen ausschreien, dasselbe wider den Propheten Jeremia aufzubringen.

26. Der Herr hat dich zum Priester gesetzt anstatt des Priesters Jehojada, dass ihr sollt Aufseher sein im Hause des Herrn über alle Wahnsinnigen und Weissager, dass du sie in Kerker und Stock legst.

Ihr: Nämlich du und die anderen Priester, deine Mitgehilfen.

Legst: Das ist: Es fordert dein wie auch deiner Mitgehilfen heiliges Amt, dass du Acht auf diejenigen haben sollst, welche sich für Propheten ausgeben, damit, wenn sie falsch oder unrecht lehren, du sie ins Gefängnis werfest, auf dass sie das Volk nicht verführen. Er nennt aber die Propheten Wahnwitzige, weil sie aus Gottes Befehl bisweilen solche Sachen taten und sagten, die vor der menschlichen Vernunft das Ansehen hatten, als ob sie von einem unsinnigen Menschen geschehen. Danach taten die falschen Propheten ihnen solches nach, damit sie auch für rechte Propheten angesehen würden, und unterstanden sich mit solchem Schein das Volk zu betrügen. [Es war aber der Priester Amt in der jüdischen Kirche, dass sie achthätten, damit nicht jemand eine irrige Lehre vorbrächte. Welches heutigentags einer frommen Obrigkeit und den Vornehmsten im Predigtamt zusteht. Aber dem Papst zu Rom kann man solches heutzutage nicht heimstellen. Denn gleichwie die Hohepriester im Alten Testament, so die Propheten des Herrn umbringen hießen, keine rechtmäßigen Richter in Religionssachen waren. Also ist es auch jetzt der Papst mit seinen Kardinälen nicht, weil sie mit Schwert und Feuer verfolgen solche Leute, so nicht anders lehren, denn was in den prophetischen und apostolischen Schriften Grund hat. Die falschen Lehrer aber, wenn sie überwiesen wurden, mag man heutigentags mit Austreibung ins Elend strafen, es sind denn solche besondere Umstände dabei vorhanden, dass es ratsamer ist, man halte sie gefangen].

27. Nun, warum strafst du denn nicht Jeremia von Anathoth, der euch weissagt,

Anathoth: Aus welchem Städtlein er seine Herkunft hat.

Weissagt: Zu Jerusalem, da er solche Dinge redet und ausschreibt, die nicht zu leiden sind.

28. Darum dass er zu uns gen Babel geschickt hat und lassen sagen: Es wird noch lange dauern; baut Häuser, darin ihr wohnt und pflanzt Gärten, dass ihr die Früchte davon esst.

Geschickt hat: Über das, dass er euch zu Jerusalem überlästig ist.

Lange dauern: Mit der Babylonischen Gefangenschaft. Weil deswegen Jeremia mit solchen seinen Schriften und Weissagungen nicht allein uns Gefangene kleinmütig und verzagt macht, sondern auch unseren Feinden zu Babel das Herz darüber wächst, dass sie desto mutiger werden, weil er sagt: Dass ihre Monarchie noch lange bestehen und überwindlich sein werde. Denn dergestalt wappnet und rüstet er sie gleichsam wider die Stadt Jerusalem und den Tempel und macht ihnen ein Herz, dass sie euch mit frischem Mut überziehen sollen, warum verschweigt ihr denn den Propheten Jeremia nicht und setzt ihn an einen Ort, da ihn weder Sonne noch Mond bescheint? [Denn die falschen Lehrer unterstehen sich, die geistlichen und weltlichen Personen wider fromme und reine Kirchendiener zu verhetzen und, wo möglich, in Leibes und Lebens Gefahr zu bringen, in dem sie alle Schuld der Unruhe und das es übel zugeht, ihm zumessen].

29. Denn Zephanja, der Priester, hatte denselben Brief gelesen und den Propheten Jeremia lassen zuhören.

Zuhören: Darum ihm nichts verborgen gewesen von allem, was Semaja geschrieben hatte.

30. Darum geschah des Herrn Wort zu Jeremia und sprach:

Geschah: Das ist, der Prophet Jeremia hat vom Herrn Befehl empfangen, dass er wider Semaja folgende Weissagung aussprechen soll.

31. Sende hin zu allen Gefangenen und lass ihnen sagen: So spricht der Herr wider Semaja von Nehalam: Darum dass euch Semaja weissagt und ich habe ihn doch nicht gesandt und macht, dass ihr auf Lügen vertraut,

Sagen: Entweder durch Schriften oder durch eine wohl vertraute und glaubwürdige Person.

Weissagt: Was der Wahrheit zuwider ist. Und darüber noch die zu Jerusalem in ihrer halsstarrigen Bosheit begehrt zu stärken, da sie doch vorhin böse genug sind und an keine wahre Buße denken.

Lügen vertraut: Indem er auch eine Hoffnung macht einer schnellen Wiederkunft und reizt euch wider die Chaldäer an, denen ihr doch nach dem Befehl und Willen Gottes noch länger dienen und unterworfen sein sollt.

32. Darum spricht der Herr also: Siehe, ich will Semaja von Nehalam heimsuchen samt seinem Samen, dass der Seinen keiner soll unter diesem Volk bleiben und soll das Gute nicht sehen, das ich meinem Volk tun will, spricht der Herr; denn er hat sie mit seiner Rede vom Herrn abgewendet.

Samen: Oder Nachkommen, die ich samt ihm ernstlich strafen will. [Denn Gott straft der gottlosen Eltern Bosheit auch an den bösen Kindern und Nachkommen].

Bleiben: Sein Geschlecht soll allerdings vergehen und vertilgt werden. [Denn dass ein Geschlecht verdirbt und abstirbt, ist auch ein Stück vom Fluch, welches doch den Gottseligen nichts schadet, sondern vielmehr zum Besten dienen muss, dass sie vor dem künftigen Unglück hinweggeräumt werden].

Nicht sehen: Er soll die Zeit nicht erreichen, da ich mein Volk wieder ins Land Kanaan bringen will, sondern ich will ihm sein Leben verkürzen.

Abgewendet: Er hat mit seinen Weissagungen sich unterstanden, mein Volk zu verführen, dass es meinen Worten nicht glauben sollte, noch das Kreuz, so ich ihnen aufgelegt, mit Geduld trüge, sondern hat vielmehr einen Ungehorsam und Aufruhr unter meinem Volk anzetteln wollen. [Werden deswegen die falschen Lehrer auch oft noch in diesem Leben und später im künftigen schrecklich gestraft. Darum sollen wir andere nicht verführen, noch den Verführern Gehör geben. Denn wenn ein Blinder den anderen führt, so fallen sie beide in die Grube {Mt 15}.


Das 30. Kapitel


1. Der Prophet tröstet das Volk, dass Gott sie einmal aus dem Gefängnis erlösen und wieder in ihr Vaterland bringen werde. v. 1. 2. Und werde er ihre Wunden heilen. v. 4. 3. Den Tempel und Gottesdienst wieder anrichten und sich weiter gnädig gegen sie erzeigen. v. 10. 4. Aber seinen Zorn werde er über die Heiden häufig ausschütten. v. 16.

1. Dies ist das Wort, das vom Herrn geschah zu Jeremia:

Dies: In den vorigen Kapiteln hat der Prophet Jeremia bisher viel geweissagt von dem Unglück, welches über das Volk Gottes künftig und in kurzer Zeit ergehen soll. Weil es demnach auch zukünftig vonnöten sein würde, dass die Gefangenen zu Babel einen Trost hätten, damit sie nicht unter dem Kreuz von Gott abfielen und ewig verloren würden. So folgen jetzt etliche Trostpredigten. Und verheißt der Prophet nicht allein, dass sie nach verflossener Zeit, die von Gott bestimmt wurde, wieder ins Vaterland kommen sollen, sondern verkündigt ihnen auch die Zukunft des Königs Christi und predigt von seinen Guttaten. Denn die Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft war ein Schatten und Vorbild der Erlösung, die uns durch Christus widerfahren ist.

2. So spricht der Herr, der Gott Israels: Schreibe dir alle Worte in ein Buch, die ich zu dir rede.

Buch: Auf dass deine Weissagungen bei den Nachkommen bleiben. Und ist solches besonders um dieser Ursachen willen geschehen, damit die Juden, wenn sie einmal in währender ihrer Gefangenschaft die Schriften des Propheten lesen würden, erkannten, wie ihnen solches Unglück nicht ungefähr zugestanden, sondern ihnen alles von Gott zuvor verkündigt wurde, dass, wenn sie gewollt, demselben hätten entgehen können. Welche Betrachtung zu der wahren Buße ihnen dienen würde. Danach, wenn sie den lieblichen Trost und besonders die Verheißungen von Christo lesen, dass sie wieder ein Herz fassten und, als die durch den Glauben an Christus gerechtfertigt werden, das Kreuz geduldig trügen und die ewige Seligkeit erlangten. [Es sind aber die prophetischen Schriften auch zu unserem Nutzen verzeichnet und bis daher aufbehalten worden, auf dass wir aus den göttlichen Drohungen und darauf erfolgten Strafen den Zorn Gottes wider die Sünde erkennen und aus den tröstlichen Verheißungen von Christo einen Glauben fassen und denselben stärken, auf dass wir in allen Anfechtungen endlich den Sieg erhalten und selig werden. Denn was geschrieben ist (spricht Paulus), das ist uns zur Lehre vorgeschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben {Röm 15}.

3. Denn siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich das Gefängnis meines Volkes, beide, Israels und Judas, wenden will, spricht der Herr und will sie wiederbringen in das Land, das ich ihren Vätern gegeben habe, dass sie es besitzen sollen.

Und Juda: Die vorzeiten aus den Königreichen Israel und Juda gefangen weggeführt wurden und noch sollen weggeführt werden.

Wenden: Denn wenn Gott seine Kirche unter dem Kreuz genug gezüchtigt hat, so sieht er sie wiederum mit den Augen seiner Barmherzigkeit an. Obwohl nun der Prophet zum Teil auf die Erlösung aus der Babylonischen Gefangenschaft deutet, so handelt er doch besonders vom Reich Christi, darin durch die Predigt des Evangeliums die Auserwählten in die Kirche Christi versammelt werden, auf dass sie endlich zum Himmlischen Vaterland eingehen. Denn sonst hätte es den Juden wenig genutzt, dass sie wieder gen Jerusalem angekommen wären, wo nicht Christus der Heiland wäre in diese Welt gekommen, besonders weil ohne das der Juden nicht so eine große Anzahl von Babel und anderen Orten wieder ins gelobte Land gezogen].

4. Dies sind aber die Worte, welche der Herr redet von Israel und Juda.

Dies sind: Weil vor der Zukunft Christi das Volk Gottes noch allerlei schwere Verfolgungen ausstehen musste, besonders unter dem Antiocho und zu der Makkabäer Zeit, so hat der Prophet die selbigen nicht verhehlen sollen, darum er mit folgenden Worten darauf deutet.

Und Juda: Nämlich von denen, die aus den Königreichen Israel und Juda weggeführt wurden und einmal wieder ins Land Kanaan kommen werden.

5. Denn so spricht der Herr: Wir hören ein Geschrei des Schreckens; es ist eitel Furcht da und kein Friede.

Wir hören: Das ist, es wird die Zeit kommen, dass einer gegen dem anderen auf solche Weise sich beklagen wird: Es kommt eine ganz traurige Botschaft zu uns, die einen großen Schrecken unter uns macht, dass wir nirgends sicher sind und stecken in großer Gefahr.

6. Aber forscht doch und seht, ob ein Mannsbild gebären möge? Wie geht es denn zu, dass ich alle Männer sehe ihre Hände auf ihren Hüften haben, wie Weiber in Kindesnöten und alle Angesicht so bleich sind?

Gebären: Es können freilich (will er sagen) die Mannsbilder weder schwanger werden noch der Geburt halben Schmerzen leiden. Dennoch sieht man, dass sie sehr schwermütig und zerschlagen einhergehen, wie die schwangeren Weiber, welche bereits die Schmerzen empfinden, so bald vor der Geburt hergehen. Sehen dazu ganz bleich aus, welches alles ein Zeichen großer Angst und Trübsal ist. [Denn die Kirche wird bisweilen mit schweren Verfolgungen überfallen].

7. Es ist ja ein großer Tag und seinesgleichen ist nicht gewesen und ist eine Zeit der Angst in Jakob; noch soll ihm daraus geholfen werden {Joel 2v11 Am 5v18}.

Großer Tag: Es werden ganz jämmerliche und beschwerliche Zeiten sein, dergleichen man vor der Zeit nie gesehen oder erfahren hat. Denn es hat Antiochus viel gräulichere Wüterei wider die Juden getrieben als irgend Salmanassar, der König in Assyrien, oder auch Nebukad Nezar, der König zu Babel, in Maßen der Makkabäer Bücher bezeugen. Denn man liest nichts davon, dass ihrer einer die Israeliten oder Juden hätte begehrt zu zwingen, von ihrer Religion abzufallen, wie Antiochus getan. [Gleichwie aber Gott der Kirche Trübsal zuvor sieht, also sieht er ihre Erlösung auch, darum sollen wir in Nöten gute Hoffnung haben].

8. Es soll aber geschehen zu der selbigen Zeit, spricht der Herr Zebaoth, dass ich sein Joch von deinem Halse zerbrechen will und deine Bande zerreißen, dass er darin nicht mehr den Fremden dienen muss,

Sein Joch: Nämlich des Antiochi oder eines anderen Feindes, der dich unterdrücken wird.

Bande: Damit er dich gefangen und in die Dienstbarkeit getan.

Dienen muss: Es sollen die Israeliten nicht mehr mit dem harten Joch der Dienstbarkeit beschwert werden. [Gleichwie aber unter der Erlösung aus der leiblichen Dienstbarkeit die Propheten das Reich Christi begreifen. Also wird an diesem Ort durch das zerbrochene Joch die Erlösung vom Gesetz angedeutet. Denn von demselben spricht der Apostel Petrus also: Apostelgeschichte 15. Was versucht ihr Gott mit Auflegung des Jochs auf der Jünger Hälse, welches weder wir noch unsere Väter haben können tragen. Wir sind aber nicht nur von den Zeremonien und weltlichen Satzungen der Juden befreit, sondern auch vom ganzen Gesetz, nämlich so viel den Fluch betrifft, dass die Gläubigen darum nicht verdammt werden, weil sie das Gesetz nicht vollkommen gehalten haben, denn wir werden durch den Gehorsam Christi gerechtfertigt, der uns durch den Glauben zugerechnet wird {Röm 5}. Unterdes aber sind wir Schuldner, dass wir nicht nachdem Fleisch wandeln, sondern dass wir durch den Geist des Fleisches Geschäfte töten {Röm 8}].

9. sondern dem Herrn, ihrem Gott und ihrem Könige David, welchen ich ihnen erwecken will {Hes 34v23 37v24}.

David: Nämlich dem eingeborenen Sohn Gottes Jesu Christo, der an diesem Ort David genannt wird, weil er seine menschliche Natur aus der Jungfrau Maria an sich genommen, die aus des Königs Davids Geschlechter ihre Ankunft hatte {Mt 1 Lk 3}. [Es dienen aber die Christen damals Gott und ihrem Könige David, Christo, wenn sie in ihrem Beruf ihrem Amt in der Gottseligkeit fleißig dienen und ihr Leben nach der Richtschnur des göttlichen Willens anstellen, ob sie gleich daneben auch der weltlichen Obrigkeit gehorsam sind {Röm 13}].

10. Darum fürchte du dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Herr und entsetze dich nicht, Israel! Denn siehe, ich will dir helfen aus fernen Landen und deinem Samen aus dem Lande ihres Gefängnisses, das Jakob soll wiederkommen, in Frieden leben und Genüge haben; und niemand soll ihn schrecken.

Knecht Jakob: Meine liebe Kirche sei guten Mutes.

Friede leben: In guter Ruhe und Glückseligkeit. [Denn welche dem Evangelium Christi glauben, die werden aus dem Glauben gerechtfertigt und haben Frieden mit Gott {Röm 5}]. Darum trotzen sie mit großem Vertrauen der Welt, dem Tod, Teufel und der Hölle, dieweil sie gewiss sind, dass keine Kreatur sie scheiden könne von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu unserem Herrn {Röm 8}. Und ob sie wohl in dieser Welt Trübsal, bisweilen auch Mangel leiden, so sind sie doch in der Hoffnung die allerreichsten, denn sie erdulden dieses Lebens Ungemach willig und sind mit dem vergnügt, was ihnen Gott beschert, weil sie wissen, dass sie die himmlische Erbschaft zu empfangen noch bevor haben, welche unvergänglich, unbefleckt und unverwelklich ist {1Petr 1}.

11. Denn ich bin bei dir, spricht der Herr, dass ich dir helfe. Denn ich will es mit allen Heiden ein Ende machen, dahin ich dich zerstreut habe; aber mit dir will ich es nicht ein Ende machen; züchtigen aber will ich dich mit Maßen, dass du dich nicht unschuldig hältst.

Helfe: Und zum ewigen Leben erhalte. [Denn Christus ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende {Mt 28}].

Ende machen: Ich will die gottlosen Heiden vertilgen, von denen du viel Trübsal erlitten hast, dich aber will ich erretten bis zu der Welt Ende, ja in alle Ewigkeit. [Denn die Tyrannen und Verfolger der Kirche gehen zugrunde, da unterdes die Kirche auf dieser Erde überbleibt].

Hältst: Sondern deine Sünden und vielfältige Gebrechen erkennst und dich vor mir rechtschaffen demütigst. [Denn weil die Christen noch den Alten Adam mit sich herumtragen und bisweilen es grob übersehen, so werden sie von dem Herrn gezüchtigt, dass sie nicht mit der Welt verdammt werden {1Kor 11}].

12. Denn also spricht der Herr: Dein Schaden ist verzweifelt böse und deine Wunden sind unheilbar.

Böse: Darum ist es Zeit, dass ich mich deiner annehme, weil du so ganz übel zugerichtet und zerschlagen bist, dass dir niemand helfen kann ohne allein ich.

13. Deine Sache handelt niemand, dass er sie verbände; es kann dich niemand heilen {Jer 15v18}.

Handelt niemand: Es nimmt sich niemand deiner an, dein Unrecht zu rächen und dich zu retten.

14. Alle deine Liebhaber vergessen dein, fragen nichts danach. Ich habe dich geschlagen, wie ich einen Feind schlüge, mit unbarmherziger Staupe um deiner großen Missetat und um deiner starken Sünden willen.

Liebhaber: Auf die du dein Vertrauen gesetzt hast und gemeint, sie würden dich in keiner Not stecken lassen, die achten sich deiner nicht und leisten dir keine Hilfe.

Feind schlüge: Wie man mit einem Feinde umzugehen pflegt, also bin ich mit dir umgegangen und hab dich ganz hart gezüchtigt, dass ihrer viel nicht anders gemeint, ich wäre dein Feind geworden, darum haben deine Freunde deiner sich geäußert. [Denn es wird die Kirche bisweilen sehr angefochten und geplagt, also dass sie vor der Leute Augen geachtet wird, als ob sie von Gott nicht nur verlassen, sondern auch verstoßen wäre. Und findet zwar die Kirche zur selben Zeit nicht viel getreue Freunde. Ader doch, wenn die Sachen mit ihr am ärgsten steht, so ist die Hilfe des Herrn am allernächsten].

Starken Sünde: Das ist die Ursache, um welcher willen Gott mit der Kirche bisweilen so rau umgeht. [Denn weil oft große Ärgernisse und grobe Sünden darin vorlaufen, so hält auch Gott mit der Strafe desto härter an].

15. Was schreist du über deinen Schaden und über deinen verzweifelten bösen Schmerzen? Habe ich dir doch solches getan um deiner großen Missetat und um deiner starken Sünden willen.

Schreist du: Als ob dir zu kurz geschehen wäre und du es nicht vielfältig verdient hättest. [Denn obgleich die Kirche von ihren Verfolgern unschuldig leidet und geplagt wird, so ist sie doch vor Gott nie einer ohne große und vielfältige Sünden. Darum züchtigt sie Gott durch der Verfolger Hand, auf dass sie ihre Sünden erkennen, durch den Glauben an Christus mit Gott wiederum versöhnt werde und das ewig Leben erlange].

16. Darum alle, die dich gefressen haben, sollen gefressen werden und alle, die dich geängstigt haben, sollen alle gefangen werden und die dich beraubt haben, sollen beraubt werden und alle, die dich geplündert haben, sollen geplündert werden.

Darum: Weil nämlich meine Züchtigung an dir wohl angelegt sein wird, also dass du Buße tust, so will ich später wieder gnädig und freundlich mit dir umgehen und will meinen Zorn über deine Feinde ausschütten.

Gefressen haben: Dass sie dich an Leib und Gut angegriffen, die sollen vertilgt werden. [Denn es pflegt Gott die Unbilligkeit, so der Kirche von den Tyrannen zugefügt wurde, an ihnen also zu rächen, dass sie eben solches wiederum leiden müssen, was sie der Kirche getan haben].

17. Aber dich will ich wieder gesund machen und deine Wunden heilen, spricht der Herr, darum dass man dich nennt die Verstoßene und Zion sei, nach der niemand frage.

Heilen: Es heilt aber Gott alsdann die Wunden der Kirche, wenn er den Verfolgungen steuert oder dass schädliche Spaltungen in der Kirche aufhören.

Verstoßene: Das ist: Deine Feinde haben sich bisher gerühmt, als ob ich dich verstoßen hätte, gleichwie einer sein Weib von sich stößt und aus dem Hause lässt und haben deiner mit vielen giftigen Schmachworten noch dazu gespottet, weil niemand sei, der sich deiner annehme oder achte, darum will ich deine Feinde wiederum lassen zuschanden werden. [Denn Gott kann nicht lange zusehen, wenn man seine Kirche verachtet].

18. So spricht der Herr: Siehe, ich will das Gefängnis der Hütte Jakobs wenden und mich über seine Wohnung erbarmen; und die Stadt soll wieder auf ihre Hügel gebaut werden und der Tempel soll stehen nach seiner Weise.

Wenden: Das ist: Ich will aus väterlichem Mitleiden meine Kirche wiederum auf freien Fuß stellen.

Weise: Das ist: Die Stadt Jerusalem soll wieder an ihren Ort erbaut werden, da sie zuvor gestanden und soll der Tempel mit seiner Gebühr auch wieder an seinen Ort aufgerichtet werden. [Obwohl nun dies also, da es der König Kores in Persien geheißen und zugelassen, erfüllt wurde, in Maßen Esra und Nehemia bezeugen, so deutet doch der Prophet mit diesen Worten vielmehr auf die Kirche, welche Gottes Stadt ist, darin viel lebendige Tempel Gottes sind {1Kor 3}. Dass sie durch das Predigtamt des Evangeliums soll versammelt und geistlich erbaut, auch in alle Ewigkeit erhalten werden].

19. Und soll von dort herausgehen Lob- und Freudengesang; denn ich will sie mehren und nicht mindern; ich will sie herrlich machen und nicht verkleinern.

Lob: Für die empfangenen Guttaten Gottes. [Denn die Kirche preist Gott mit Lobgesängen und wird durch den Heiligen Geist mit Freuden erfüllt über die himmlischen Guttaten, so sie durch den Glauben an Christus erlangt hat {Röm 14}].

Mindern: Der Gläubigen Zahl soll nicht weniger werden oder abnehmen, sondern vielmehr zunehmen. [Denn es geschieht täglich ein Zusatz zu der Kirche Gottes, weil der Heilige Geist durch das Predigtamt des Evangeliums in den Auserwählten kräftig ist].

20. Ihre Söhne sollen sein gleichwie vorhin und ihre Gemeinde vor mir gedeihen; denn ich will heimsuchen alle, die sie plagen.

Vorhin: Gleichwie der Israeliten Voreltern und Väter vor der Gefangenschaft frei und glückselig gewesen sind. Also sollen es ihre Kinder und Nachkommen auch sein. [Denn es werden die Gläubigen im Reich Christi wiederum in ihre Freiheit und Unschuld eingesetzt, darin unsere ersten Eltern gewesen vor dem Fall und werden noch dazu mit himmlischer Herrlichkeit begabt. Es wird auch der Auserwählten Versammlung vor Gott bleiben in ewiger Glückseligkeit. Aber alle gottlosen Feinde der Kirche werden ewige Pein leiden müssen].

21. Und ihr Fürst soll aus ihnen herkommen und ihr Herrscher von ihnen ausgehen und er soll zu mir nahen; denn wer ist der, so mit willigem Herzen zu mir naht? Spricht der Herr.

Fürst: Nämlich der rechte Friedefürst, unser Herr und Herrscher Jesus Christus. Denn derselbe hat nach seiner menschlichen Natur seine Herkunft aus dem jüdischen Volk, aus welchem später die Kirche gesammelt wurde.

Nahen: Als der rechte Hohepriester und soll ein Mittler sein des menschlichen Geschlechts, also dass er mit dem einzigen Opfer seines Leibes am Kreuz alle, die an ihn glauben, mit mir wiederum versöhnt hat. [Denn Christus ist einmal in das Allerheiligste eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben {Hebr 9}].

Naht: Als wollte er sprechen: Ist nicht mein eingeborener Sohn allein derselbe, der mir den höchsten Gehorsam leistet? Nämlich bis zum Tode, ja zum Tode des Kreuzes {Phil 2}. Auf dass er ein Mittler zwischen Gott und den Menschen würde, auch mit seinem allerheiligsten Leiden und Sterben zu mir nahe und Vergebung der Sünden allen bußfertigen Sündern erlange.

22. Und ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

Volk sein: Dafür ich euch um meines geliebten Sohnes willen halten und erkennen will und euch (meiner Kirche) Gutes tun, ihr aber sollt hinwiederum mit dankbarem Herzen mir Gehorsam zu leisten euch bemühen.

23. Siehe, es wird ein Wetter des Herrn mit Grimm kommen, ein schreckliches Unwetter wird den Gottlosen auf den Kopf fallen {Jer 13v19}.

Siehe: Folgt jetzt von der Gottlosen Strafen.

Fallen: Das ist: Die rechte göttliche Rache wird die Gottlosen wie ein schrecklich Unwetter überfallen.

24. Denn des Herrn grimmiger Zorn wird nicht nachlassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat. Zur letzten Zeit werdet ihr solches erfahren.

Sinn hat: Bis er seinen gerechten Zorn über die Gottlosen ausschütte und die bestimmten Strafen über sie ergehen lassen.

Erfahren: Dass dies alles, was ich jetzt rede, wahr gewesen sei. [Obwohl nun diese Drohungen zum Teil erfüllt wurden, da die verstockten Juden, welche dem Evangelium Christi halsstarrig sich widersetzt hatten, durch die Römer aufgerieben wurden und die Zerstörung der Stadt, des Tempels und des Volkes wie ein schreckliches Unwetter und Sturmwind gewesen, so alles verwüstet: So sieht doch der Prophet noch viel weiter nämlich auf die ewige Verdammnis aller Gottlosen, welche sie als ein Unwetter plötzlich überfüllen wird. Da wird alsdann kundwerden, dass Gott seine Kirche liebe und alle Ungläubigen verwerfe und zur ewigen höllischen Pein verdamme].


Das 31. Kapitel


1. Der Prophet fährt noch weiter fort, das Volk zu trösten, und lehrt, dass Gott die Juden, die er immer geliebt, wieder ins Vaterland bringen und mit allerlei Glückseligkeit darin überschütten wolle v. 1. 2. Nach vorher getaner Bußpredigt, weissagt er auch vom Messias, den eine Jungfrau gebären werde. v. 16. 3. Und verkündigt, dass Gott mit seinem Volk einen neuen und ewigen Bund machen wolle. v. 22.

1. Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will ich aller Geschlechter Israels Gott sein und sie sollen mein Volk sein.

Zu: Der Prophet weissagt noch weiter, unter den Worten von der Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft, vom Reich der Gnaden im Neuen Testament und tut solches ganz weitläufig.

Gott sein: Das ich sie mit Gnaden annehmen und mich über sie erbarmen will und soll kein Unterschied mehr sein unter den Königreichen Israel und Juda, wie bei den vorigen Königen gewesen, da oft die Israeliten, so unter dem Königreich Israel gehörten, mit Gottlosen und abergläubischen Gottesdiensten und Abgötterei befleckt waren, also dass ich einen Abscheu vor ihnen hatte. Aber jetzt will ich das ganze Volk Israel mit väterlicher Freundlichkeit aufnehmen, sie für meine Kinder und Erben der himmlischen Güter erkennen und werden sie mir wiederum gehorsam sein. Das ist: Wer Buße tut und dem Evangelium glauben wird, der wird selig werden, aus was Geschlecht, Stamm oder Völker er auch hergekommen. Denn die Israeliten im Neuen Testament sind alle, die an Christus glauben {Gal 6}.

2. So spricht der Herr: Das Volk, so übergeblieben ist vom Schwert, hat Gnade gefunden in der Wüste; Israel zieht hin zu seiner Ruhe.

Wüste: Das ist: Gleichwie ich vorzeiten mich über mein Volk oft erbarmt habe, da es in der grausamen Wüste herumzog. Also will ich mich auch über die Israeliten erbarmen, welche nach der Zerstörung Jerusalems übergeblieben werden und im Elend hin und wieder zerstreut sind. [Es finden aber Gnade, das ist: Sie sind Gott angenehm, welche im Schrecken ihres Gewissens, die liebliche Stimme des Evangeliums von Christo hören und dem Evangelium Christi glauben. Denn demselben geben alle Propheten Zeugnis, dass Vergebung der Sünden in seinem Namen empfangen, alle die an ihn glauben {Apg 10}].

Ruhe: In sein Vaterland, darin das Volk Israel mit Lust ruhig leben wird. [Weil aber die Israeliten, so aus Babel wiederkommen, nicht viel Ruhe in ihrem Vaterland hatten, sondern vielmehr von den benachbarten Heiden sind verlacht worden, wie die Bücher Esra und Nehemia bezeugen, so ist gewiss, dass der Prophet an diesem Ort von der geistlichen Ruhe redet, davon Christus auch redet, da er spricht: Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken, nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen {Mt 11}. Und, welche durch den Glauben die Ruhe des Gewissens erlangt haben, die gehen endlich nach diesem Leben in die wahre ewige Ruhe, davon der Apostel redet {Hebr 4}].

3. Der Herr ist mir erschienen von ferne: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.

Mir: Nämlich seiner Kirche, die er endlich mit Gnaden angesehen hat. [Denn der Messias ist endlich gekommen, nachdem man viele hundert Jahre ein sehnliches Verlangen hatte. Denn Gott ist geoffenbart im Fleisch {1Tim 3}. Da der Sohn Gottes menschliche Natur an sich genommen, Wunderzeichen getan und andere Sachen, dem Messias zustehe, verrichtet hat].

Ich habe: Also antwortet Gott seiner Kirche, die sich über seiner Erscheinung freut: Ich habe dich immer lieb, darum bin ich aus Barmherzigkeit bewegt worden, dass ich dich wieder ins Vaterland bringen will. [Und weil der himmlische Vater uns in Christo geliebt hat, auch ehe der Welt Grund gelegt wurde, so hat er uns später durch das Evangelium berufen und mit dem Heiligen Geiste zu sich gezogen, dass wir mit Glauben zu Christo, dem Gnadenthron, treten].

4. Wohlan, ich will dich wiederum bauen, dass du sollst gebaut heißen. Du Jungfrau Israel, du sollst noch fröhlich pauken und herausgehen an den Tanz.

Bauen: Dass die Stadt und der Tempel sollen wieder aufgerichtet werden.

Jungfrau Israel: Denn die Kirche ist vor meinen Augen als eine schöne Jungfrau und wird geistlicherweise erbaut durch die Predigt des Evangeliums, welche macht, dass die Gläubigen Tempel und Wohnungen Gottes werden.

Tanz: Das ist: Deine Jungfrauen werden einmal zu Jerusalem wiederum in hochzeitlichen Geprängen zierlich hereingehen, mit Pauken und Pfeifen zum Tanz. [Obwohl nun Gott eine äußerliche Freude an seinem Volk wohl leiden mag und ehrliche Tänze, besonders bei den Hochzeiten, an sich selbst nicht Unrecht sind, so versteht doch der Prophet an diesem Ort die innerliche Freude der Gläubigen, so durch das Evangelium Christi in ihren Herzen erweckt wird. Denn der Frommen Herzen hüpfen vor Freuden, wenn sie die große Guttaten Christi betrachten und gehen mit Pauken und Pfeifen hinaus, wenn sie mit Psalmen und Lobgesängen die Barmherzigkeit Gottes rühmen, so ihnen durch Christus widerfahren ist].

5. Du sollst wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samaria; pflanzen wird man und dazu pfeifen.

Pfeifen: Weil sie ihre Arbeit genießen werden. Also dass sie mit Freuden, mit Singen und Pfeifen werden hinaus in den Herbst gehen, wenn es Zeit ist, die Trauben zu lesen, wie gebräuchlich ist. [Es ist aber die Meinung, dass dem Herrn Christo viel Kirche, als Weinberge, werden gepflanzt werden unter den Heiden, welche den Baukosten überflüssig werden wiederum hereinbringen, dass die Kirchendiener die Früchte ihrer Arbeit mit großen Freuden sehen und einmal in der Tat empfinden werden].

6. Denn es wird die Zeit noch kommen, dass die Hüter an dem Gebirge Ephraim werden rufen: Wohlauf und lasst uns hinaufgehen gen Zion zu dem Herrn, unserem Gott {Esra 2v3 Mi 4v2}!

Hüter: Nämlich die Apostel und ihre Nachkommen werden die Israeliten ermahnen, dass sie sich zu der Kirche Christi verfügen sollen und Jesum Christus für ihren Gott erkennen und ehren. [Es werden aber die Apostel und andere reine Kirchendiener Hüter oder Wächter geheißen, weil sie für ihrer Zuhörer Seelen wachen, als die darum Rechenschaft geben müssen {Hebr 13}].

7. Denn also spricht der Herr: Ruft über Jakob mit Freuden und jauchzt über das Haupt unter den Heiden; ruft laut, rühmt und sprecht: Herr, hilf deinem Volk, den Übrigen in Israel!

Freuden: Denn es wird alsdann ganz eine fröhliche Zeit sein, wenn man die himmlischen Guttaten betrachtet, so in Christo uns erzeigt sind.

Jauchzt: Wie die tun, welche sich gar sehr freuen.

Haupt: Nämlich über unseren Heiland Christus, der nicht allein der Juden Messias, sondern auch der Heiden Haupt und Fürst ist, so viele ihrer an ihn glauben werden.

Übrigen: Die nach so vielen Niederlagen übergeblieben sind. [Das ist: Man wird dem Herren Christo zuschreien, wenn er auf der Eselin zu Jerusalem einreitet: Hosianna dem Sohn David, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe {Mt 21}. Denn in Christo allein, welcher der Herr, Jehova und ewiger Gott ist, erlangen wir das ewige Leben. Durch denselben werden die übrigen im Volk Gottes erhalten. Denn derer Zahl, die dem Evangelium nicht glauben, ist viel größer, als derer, die da glauben und selig werden].

8. Siehe, ich will sie aus dem Lande der Mitternacht bringen und will sie sammeln aus den Enden der Erde, beide, Blinde, Lahme, Schwangere und Kindbetterinnen, dass sie mit großem Haufen wieder hierher kommen sollen.

Mitternacht: Von Babel, welche Landschaft, vom Lande Kanaan zu rechnen, gegen Mitternacht lag.

Blinde: Das ist: Ich will mir eine Kirche sammeln (spricht Christus) durch das Evangelium aus dem jüdischen Volk, darunter zwar Zöllner, Sünder und die mit vielen Gebrechen behaftet sind, sich finden werden. Denn solche versteht Christus, wenn er in dem evangelischen Gleichnis heißt zum Abendmahl hineinführen die Lahmen, Blinden und Krüppel von den Gassen {Lk 14}. [Es ist aber das besonders ein großer Trost, dass unser Herr und Heiland die bußfertigen Sünder nicht von sich stoßen, noch aus seinem Reich ausschließen will, ob sie gleich vor der Zeit mit schweren Sünden sich besudelt und noch große Schwachheiten in ihrem Fleisch herumtragen].

Hierher: Von Babel gen Jerusalem. [Denn obwohl der Gottlosen Haufen immer größer ist als der Frommen, so sind doch der Frommen für sich selbst auch unzählig viele, nämlich alle, die so von Anfang der Welt her sich zu Gott bekehrt haben und noch vor dem Jüngsten Tage zu der Kirche Gottes kommen werden].

9. Sie werden weinend kommen und betend, so will ich sie leiten; ich will sie leiten an den Wasserbächen auf schlechtem Wege, dass sie sich nicht stoßen; denn ich bin Israels Vater, so ist Ephraim mein erstgeborener Sohn.

Weinend kommen: Wenn sie von Babel ausziehen, so werden sie von wegen der Gefahr auf dem Wege mit inbrünstigem Gebet, Seufzen und mit heißen Tränen sich und ihre Wohlfahrt mir, ihrem Herrn, befehlen.

Schlechtem Wege: Und nicht durch unwegsame Wüste oder raue Orte, auf dass nicht sie oder ihr Vieh vor Durst und Müdigkeit verschmachten. Denn ich bin diesem Volk mit väterlicher Liebe wohl gewogen und halte viel auf dasselbe, als auf einen erstgeborenen Sohn. Denn Ephraim ist dem Manasse in der Ersten Geburt vom Patriarchen Jakob vorgezogen worden und hat also das Recht der Ersten Geburt in seinem Geschlecht erlangt {1Mos 48}. Darauf der Prophet hier deutet. [Wir gehen alsdann mit Weinen und Beten hinaus, wenn wir aus diesem Leben ins himmlische Vaterland wandern sollen. Aber der Sohn Gottes und des Menschen, Jesus Christus, steht uns bei und führt uns ins ewige Leben, erhält uns auch in den letzten Zügen so gnädig, dass wir in keine Gefahr der Seelen geraten. Denn ob er wohl nach seiner angenommenen menschlichen Natur unser Bruder ist, so ist er doch auch von wegen seiner väterlichen Zuneigung unser Vater {Hebr 2}. Und geht diese Verheißung nicht allein auf die Juden, sondern auch auf die Heiden. Denn es gehören auch die Heiden zu der Kirche Christi, wie bald später gesagt wird].

10. Hört, ihr Heiden, des Herrn Wort und verkündigt es ferne in die Inseln und sprecht: Der Israel zerstreut hat, der wird es auch wieder sammeln und wird sie hüten wie ein Hirte seine Herde.

Heiden: Denn es wird euch das Evangelium Christi auch gepredigt werden.

Verkündigt es: Mit Freuden und Frohlocken, wie große Guttaten Christus seiner Kirche erzeigt hat.

Hirte: [Denn Christus ist der gute Hirte, der sein Leben lässt für seine Schafe {Joh 10}. Derselbe weidet und versorgt seine Schäflein, die durch die Predigt des Evangeliums versammelt wurden, aufs allerfleißigste {Hes 34}].

11. Denn der Herr wird Jakob erlösen und von der Hand des Mächtigen erretten.

Mächtigen: [Denn Christus hat den mächtigen und gewappneten Satan überwunden {Lk 11} und durch seinen Tod zerstört den, der des Todes Gewalt hatte nämlich den Teufel {Hebr 2}].

12. Und sie werden kommen und auf der Höhe zu Zion jauchzen und werden sich zu den Gaben des Herrn häufen, nämlich zum Getreide, Most, Öl und jungen Schafen und Ochsen, dass ihre Seele wird sein wie ein wasserreicher Garten und nicht mehr bekümmert sein soll.

Jauchzten: Das ist: Welche das Evangelium von Christo hören werden, die werden mit großen Freuden sich zu der Kirche Christi verfügen, so durch den Berg Zion vorgebildet wurde.

Gaben: Dass sie derselben teilhaftig werden mögen, die ihnen Gott reichlich geben und schenken wird.

Und Ochsen: Welches alles sie überflüssig haben werden.

Garten: Dem keine Hitze schaden kann, sie sei so groß, als sie immer wolle. [Das ist: Die Christen werden mit dem Wort des Evangeliums reichlich und überflüssig gespeist und getränkt werden, dadurch ihre Herzen wahrhaftig erfreut werden. Sie werden auch gespeist und getränkt werden im heiligen Abendmahl des Herrn, mit dem Leib und Blut Jesu Christi, Gottes und des Menschen und wird ihnen nichts mangeln an dem, was zur Seligkeit dient. Ja sie werden auch mit dem Öl, das ist: Mit den Gaben des Heiligen Geistes überschüttet werden und zu allen guten Werken gerüstet sein. Weiter werden sie wie ein wasserreicher Garten viele gute Früchte bringen und da sie etwas Widerwärtiges ausstehen müssen, werden sie es geduldig tragen und den Schmerzen mit der Freude des Heiligen Geistes überwinden, bis sie ins ewige Leben versetzt werden, da die wahre, ewige und beständige Freude und kein Schmerz oder Traurigkeit mehr sein wird].

13. Alsdann werden die Jungfrauen fröhlich am Reigen sein, dazu die junge Mannschaft und die Alten miteinander. Denn ich will ihr Trauern in Freude verkehren und sie trösten und sie erfreuen nach ihrer Betrübnis.

Fröhlich: Obwohl nun die Juden, da sie aus Babel wieder heimkommen, ohne Zweifel auch ihre zeitliche Freude und zugelassene lustige Vergnügen hatten, so verheißt doch der Prophet besonders an diesem Ort der Kirche die geistliche Freude, damit alle Christen so mit mancherlei Anfechtungen umgetrieben wurden, durch die Predigt des Evangeliums überschüttet werden. Und dass er sagt: Dass die Jungfrauen, samt der jungen Mannschaft und den Alten, am Reigen sich freuen werden, gibt er damit zu verstehen, dass die Kirche sich freue über der Gemeinschaft der himmlischen Guttaten und Gaben, damit die Glieder der Kirche einander dienen und daher sich miteinander freuen. [Alsdann aber wird diese Verheißung allerdings erfüllt werden, wenn wir von allem Übel dieses Lebens erlöst, der ewigen Freude genießen werden: damals werden alle Tränen von unseren Augen abgewischt werden {Apg 21}].

14. Und ich will der Priester Herz voll Freude machen und mein Volk soll meiner Gaben die Fülle haben, spricht der Herr.

Priester: [Ob nun wohl alle Christen vor Gott Priester sind {1Petr 2} und darum durch das Wort des Evangeliums alle miteinander erfreut und erquickt werden. So pflegt doch Gott denen, die anderen in der Kirche zu lehren sollen vorgesetzt werden, eine reichere Erkenntnis des Evangeliums zu geben, auf dass sie nicht allein haben, damit ihre Herzen erfreut werden, sondern auch anderen reichen Trost mitteilen können].

15. So spricht der Herr: Man hörte eine klägliche Stimme und bitteres Weinen auf der Höhe; Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder, denn es ist aus mit ihnen.

So spricht: Damit nicht jemand sich die Gedanken machte, als ob das Reich Christi in dieser Welt ohne alle Verfolgung sein würde und sich von lauter zeitlicher immerwährender Freude träumen ließe, so streut der Prophet eine Weissagung mitunter von dem Unfall, welcher den frommen Eltern zu Bethlehem, im Lande Juda und in denselben Grenzen begegnet ist, da ihre Kinder von Herodes erwürgt wurden. Welche Geschichte {Mt 2} beschrieben steht, da auch dieser Text des Propheten angezogen wird. Und redet zwar der Prophet mit solchen verblümten Worten von der Sache, dass es anfangs scheint, als handle er von dem elenden Jammer der Babylonischen Gefangenschaft, aber wir folgen am aller sichersten dem Heiligen Geist, der durch den Evangelisten und Apostel Matthäus uns diesen Spruch also auslegt: Die jüdischen Weiber in der Stadt Bethlehem und in derselben Gegend, da vorzeiten die fromme und gottselige Matrone Rahel, des Patriarchen Jakobs Eheweib, gestorben und begraben wurde {1Mos 35} werden mit lauter Stimme klagen und heulen und ihre Kinder beweinen, welche der Tyrann Herodes durch seine Diener wird umbringen lassen, der Hoffnung, er wolle unter ihnen Christus auch zugleich mit hinrichten und werden keinen Trost annehmen wollen, weil sie mit großem Schmerzen ihre Kinder ermordet und tot vor sich werden liegen sehen. [Denn Gott mengt unter die himmlischen Güter immer zeitliche Trübsale und Verfolgungen mit unter, nachdem Spruch: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach {Mt 16}].

16. Aber der Herr spricht also: Lass dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Arbeit wird wohl belohnt werden, spricht der Herr. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes.

Aber: Folgt jetzt der Trost auf das vorgemeldete Unglück.

Belohnt werden: Gott wird deine erlittene Trübsal mit himmlischer Freude reichlich wiederum erstatten. Darum so gebt euch zufrieden, ihr Eltern, derer Kinder erwürgt sind, weil Gott euch für solche Traurigkeit ewige Freude und Herrlichkeit bescheren wird. Denn eure Kinder sind nicht verloren, sondern ihr habt sie nur vorangeschickt in das himmlische Vaterland und werden am Jüngsten Tage mit ihren Leibern wieder auferstehen. [Denn wenn die Frommen in diesem Leben Trübsal leiden, so sollen sie die Augen ihres Gemüts richten zu der Betrachtung der ewigen Glückseligkeit und es gänzlich dafür halten, es sei denen wohl gegangen, die ihr Leben um Christi willen verloren haben. Denn wer sein Leben um meinetwillen verliert, spricht Christus, der wird es finden].

17. Und deine Nachkommen haben viel Gutes zu erwarten, spricht der Herr; denn deine Kinder sollen wieder in ihre Grenze kommen.

18. Ich habe wohl gehört, wie Ephraim klagt: Du hast mich gezüchtigt und ich bin auch gezüchtigt wie ein geiles Kalb. Bekehre du mich, so werde ich bekehrt; denn du, Herr, bist mein Gott!

Ich: Weil der Prophet unter der Figur der Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft das Reich Christi vorgebildet hat, so zeigt er jetzt mit wenig Worten an, was die Ursache solcher gefänglichen Enthaltung gewesen. Nämlich weil das Volk einer Züchtigung bedurft, damit es Buße tat. [Und lehrt zugleich, dass die Kirche oft Strafen über sich ziehe, die sie mit zeitiger Buße hätte können abwenden].

Ephraim: Die Leute, so im Königreich Israel gewesen, darin der Stamm Ephraim der Vornehmste war.

Klagt: Über seinen Unfall, den er sich doch selbst verursacht hat. [Denn wir klagen viel eher über das Unglück als über unsere Sünden].

Gezüchtigt: Dies ist die Klage, welche das Volk Gottes führt, wenn es unter dem Kreuz gedemütigt wurde und sich bekehrt hat: Nämlich du hast mich mit einer väterlichen Züchtigung heimgesucht, auf dass ich meine Sünde erkenne und ich bekenne, dass ich solche Züchtigung wohl verdient habe.

Kalb: Welches noch nicht unterm Joch arbeiten lernen, sondern nur gegeilt hat. [Denn wenn das Fleisch ohne Kreuz ist, so lässt es sich ungern im Zaum halten].

Bekehre: Das ist: Gib Allmächtiger Gott, damit das gute Werke der Bekehrung, welches du an mir angefangen hast, vollendet werde. Denn so tue ich wahre Buße, wenn du mich mit deinem Heiligen Geist durch das Wort bekehrst.

Mein Gott: Der du mein Herz in deiner Gewalt hast und lässt dir meine Seligkeit angelegen sein, du bist der Anfang, die Mitte und Ende meiner Bekehrung und meines Heils.

19. Da ich bekehrt wurde, tat ich Buße; denn nachdem ich gewitzigt bin, schlage ich mich auf die Hüfte. Denn ich bin zuschanden geworden und stehe schamrot; denn ich muss leiden den Hohn meiner Jugend.

Bekehrt wurde: Dass du mein Gemüt durch das Wort und Mitwirkung des Heiligen Geistes änderst.

Gewitzigt: Dass du mir die Größe meiner Sünden und die Strafen meiner Bosheit hast zu erkennen gegeben.

Hüfte: Wie die zu tun pflegen, so gar sehr bekümmert und leidig sind. Als wollte er sprechen: Ich erkenne meine Sünden und sind mir leid und setze alle meine Hoffnung und Vertrauen auf den Messias, der Welt Heiland, hab auch mein Leben zu bessern angefangen. [Kann deswegen ein Mensch nicht aus seinen eigenen Kräften sich zu Gott bekehren, wo ihn nicht Gott mit seinem Wort und Heiligem Geiste zu sich zieht].

Nach Luther:]. Auf die Hüfte schlagen, ist ein Zeichen der Schmerzen, wie die Weiber tun in Kindesnöten.

Schamrot: Vor meinen Feinden, welchen ich um meiner Sünde willen muss unterworfen sein.

Jugend: Das ist: Meiner Torheit. Denn es pflegen die Jünglinge und junge Mädchen oft törichte Sachen vorzunehmen und sich selbst übel vorzusehen, wo sie nicht in der Zucht gehalten und regiert werden. [Solche törichten Jünglinge sind vor Gott, die sich von seinem Wort nicht regieren lassen, wenn sie gleich sonst sechzigjährig sind]. Ist deswegen solche Züchtigung mir eine Unterweisung gewesen, dass ich dein Wort betrachtet habe und durch Mitwirkung des Heiligen Geistes wieder auf den rechten Weg gekommen bin. [Denn durch das Kreuz werden die Auserwählten gebessert].

20. Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein trautes Kind? Denn ich denke noch wohl daran, was ich ihm geredet habe; darum bricht mir mein Herz gegen ihn, dass ich mich sein erbarmen muss, spricht der Herr.

Ist nicht: Jetzt spricht Gott seinem Volk, welches sich bekehrt hatte, wiederum freundlich zu.

Geredet: Da ich meinem Volk verheißen, dass ich die Bußfertigen zu Gnaden aufnehmen wolle, darum bin ich meines Volkes wiederum mit Gnaden bedenkt worden, dass ich mit väterlicher Vorsorge mich seiner annehmen will.

Bricht: Ich hab ein herzliches Mitleiden mit meinem Volk, dass ich zur Barmherzigkeit gegen ihn bewegt werde. [Denn es ist größere Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen {Lk 15}.

21. Richte dir auf Grabzeichen, setze dir Trauermale und richte dein Herz auf die gebahnte Straße, darauf ich gewandelt habe. Kehre wieder, Jungfrau Israel; kehre dich wieder zu diesen deinen Städten!

Trauermal: Das ist: Trage herzlich Reue und Leid über deine Sünde. Denn weil der Prophet von der Menschwerdung Christi noch weiter weissagen will, so lässt er eine Bußpredigt vorher gehen und ermahnt das Volk, dass sie ernstlich Buße tun sollen, gleichwie auch Johannes der Täufer Christo den Weg bereitet hat, da er die Leute ermahne, dass sie Buße tun sollten.

Straße: Kehre wieder auf den rechten Weg und tue Buße, dass du Gott gehorsam leistest, wie vorzeiten, da Gott unter dir wandelte und wohnte.

Jungfrau: Du meine israelitische Kirche und Gemeinde.

Städten: Daraus du gegangen bist, und hast angefangen außer deinem Beruf herum zu schweifen.

22. Wie lange willst du in der Irre gehen, du abtrünnige Tochter? Denn der Herr wird ein Neues im Lande erschaffen: Das Weib wird den Mann umgeben.

Irre gehen: [Denn welche von dem Worte Gottes abweichen, die schweifen nach den Gedanken und Begierden ihres Herzens als durch unwegsame Orte herum und weichen von dem Reich Gottes immer weiter ab. Wenn sie aber wieder richtig gekommen, dass sie über ihre Irrtümer herzlich Reue und Leid tragen, so werden sie von Gott wiederum zu Gnaden aufgenommen].

Weib: nach Luther]. Ich werfe den Verstand nicht weg, da die Alten sagen, Christus sei der Mann, von Maria umgeben, das ist empfangen und geboren. Liegt nichts daran, was die blinden Juden hier und anderswo mehr gaukeln: Denn weil es soll ein neues sein, muss es ein großes wunderliches Ding sein über alle das Alte. In der Summe, es soll das Neue Testament sein, da ein Weibsbild eine neue seltsame Mutter ist. Denn der ganze Text hier vom Neuen Testament redet und heißt sie trauern und den alten Mose begraben und sich auf des Herrn Weg richten. Es kann auch wohl die Deutung S. Paulus {Röm 7v3 6} haben, da der alte Mann das Gesetz, die Frau durch den Tod ledig lässt, denn das Gesetz ist nun nicht über, sondern unter uns und umgibt uns nicht mehr, etc. Welches auch nichts anders ist, denn das Neue Testament.

Umgeben: Das ist: Die Heilige Jungfrau Maria wird ein Männlein in ihrem Leibe empfangen, unverletzt ihrer Jungfrauenschaft. [Denn Christus ist nicht auf die gemeine Weise empfangen worden wie andere Menschen, sondern durch Wirkung des Heiligen Geistes ist der Sohn Gottes Mensch geworden im Leibe der reinen Jungfrauen, auf dass er unsere unreine und mit Sünden befleckte Empfängnis vor den Augen Gottes zudeckte].

23. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Man wird noch dies Wort wieder reden im Lande Juda und in seinen Städten, wenn ich ihr Gefängnis wenden werde: Der Herr segne dich, du Wohnung der Gerechtigkeit, du heiliger Berg!

So: In den folgenden Worten zeigt der Prophet an, wie wohl es denen gehen soll, die an den Sohn Gottes, der Mensch worden, glauben werden.

Segne dich: So werden die Israeliten, das ist: Die Christen der an- und aufgehenden Kirche Glück wünschen.

Wohnung: Der ein der Tempel des lebendigen Gottes ist: Das ist: Gott gebe dir, oh du Kirche Christi, Glück und Segen, dass du an Menge der Leute und Gaben des Heiligen Geistes wachsest und zunähmest. Denn du bist wie eine heilige Stadt, in welcher Gottseligkeit und Gerechtigkeit im Schwange geht, in dir wohnt Gott der Herr gegenwärtig, besonders aber mit seinen Gütern und Gaben. [Denn obwohl die Kirche auf dieser Erde ihre Fehler und Mängel hat, so ist sie doch vor Gott gerecht durch die Gerechtigkeit Christi, welche ihr zugerechnet wird und wird mit dem Heiligen Geist wiedergeboren und geheiligt].

24. Und Juda samt allen seinen Städten sollen darin wohnen, dazu Ackerleute und die mit Herden umherziehen.

Wohnen: Das ist: Die Kirche Christi wird alle in sich fassen und begreifen können, die sich zu ihr verfügen und wird wie eine große weite Stadt sein, die viele Städte und Dörfer in sich begreifen und umfangen kann. [Dies ist die allgemeine christliche Kirche, darin nicht allein viele Städte, sondern auch viele Fürstentümer, ja Königreiche sind. Und zwar sind auch in der selbigen allgemeinen Kirche viele geistliche Ackerleute und Hirten, die ihnen den Ackerbau Gottes lassen angelegen sein {1Kor 3}. Und denen die Schafe unter dem einigen obersten Hirten Christo zu weiden, zu treuen Händen anbefohlen sind {1Petr 5}.

25. Denn ich will die müden Seelen erquicken und die bekümmerten Seelen sättigen.

Erquicken: Also dass damals die Bürger derselben Kirche ganz glückselig sein werden.

26. Darum bin ich aufgewacht und sah auf und habe so sanft geschlafen.

Geschlafen: Das ist: Ich hab mich zwar eine lange Zeit also gestellt, als ob ich mein Volk wenig achtete, da ich nämlich nach den letzten Propheten, so nach dem babylonischen Gefängnis geweissagt, keinen Propheten mehr zu ihnen gesandt. Daher sind die armen elenden Seelen schier verschmachtet aus Mangel der reinen göttlichen Lehre, weil sie aus der Pharisäer Predigten keinen beständigen rechtschaffenen Trost schöpfen konnten. Darum ich gleichsam als von einem tiefen Schlaf erwacht bin und habe meine Kirche mit Gnaden angesehen, erquicke auch die verwirrten Gewissen mit meinem Evangelium von Vergebung der Sünden ganz reichlich und aufs allerlieblichste. [Denn welche das Evangelium Christi mit Glauben annehmen, die finden rechtschaffene Erquickung ihrer Seelen, nach dem Spruch: Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken {Mt 11}.

27. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich das Haus Israel und das Haus Juda besamen will, beide, mit Menschen und Vieh.

Siehe: Der Prophet fährt noch weiter fort, von der Kirche Zunahme zu weissagen.

Besamen: Das ist: Ich will sie gar sehr mehren und ausbreiten. [Denn es sind die Leute in großer Anzahl zu der christlichen Kirche gelaufen, also dass viele tausend Christen zugleich gleichsam gepflanzt worden und aufwachsen. Und je mehr die Tyrannen wüten, je mehr die Kirche zunimmt].

28. Und gleichwie ich über sie gewacht habe, auszureuten, zu reißen, abzubrechen, zu verderben und zu plagen, also will ich über sie wachen, zu bauen und zu pflanzen, spricht der Herr.

Gewacht: Dass ich mit allem Fleiß damit umgegangen, wie ich die israelitische Kirche mit Unglück überschüttete, weil sie mit vielfältiger Abgötterei und schrecklichen Lastern besudelt war.

Pflanzen: Das ist: Ich will verschaffen, dass meine Kirche soll gewaltig zunehmen, wachsen und stark werden und je länger je mehr mit himmlischen Gaben geziert werden, auch wider alle Anläufe des Satans unüberwindlich bestehen. [Soll deswegen die christliche Kirche, welche das reine Predigtamt des Evangeliums hat und der wahren Gottseligkeit sich befleißigt, wissen, dass der Herr Christus für sie sorge, und soll allerlei Guttaten von ihm gewärtig sein].

29. Zur selbigen Zeit wird man nicht mehr sagen: Die Väter haben Heerlinge gegessen und der Kinder Zähne sind stumpf geworden {Hes 18v2},

Nicht mehr: Wie sie bisher ein Sprichwort geführt.

Stumpf geworden: Das ist: Vorzeiten ist mein Volk in seiner Bosheit so blind und verstockt gewesen, dass es seine Sünde nicht erkennen wollte, sondern wenn ich ihnen die Strafe ihrer Sünden zuschickte, so schreien sie, dass sie die Sünden büßen müssten, welche nicht sie, sondern ihre Väter verschuldet hatten. Denn dass die Juden solches Sprichwort oft und vielmals gebraucht, bezeugt auch Hesekiel in Kapitel 18. Aber im Neuen Testament wird nicht so ein grober Unverstand im Volk sein, sondern wenn sie um der Sünden willen gezüchtigt werden, so werden sie sich vielmehr demütigen und bekennen, dass sie nach ihrem Verdienst nur zu wenig gestraft wurden. [Denn die verständigen Christen sagen mit dem 103. Psalm. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat].

30. sondern ein jeglicher wird um seiner Missetat willen sterben; und welcher Mensch Heerlinge isst, dem sollen seine Zähne stumpf werden.

31. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen {Jer 32v40 Hebr 8v8 10v16}

Siehe: Jetzt weissagt der Prophet von dem Neuen Testament noch viel deutlicher als zuvor, was es nämlich für ein Bund sei, den Gott durch Christus mit uns macht.

32. nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern machte, da ich sie bei der Hand nahm, dass ich sie aus Ägyptenland führte, welchen Bund sie nicht gehalten haben und ich sie zwingen musste, spricht der Herr,

Der Bund: Nämlich des Alten Testaments, welchen Gott mit den Israeliten gemacht hatte, da er sie aus Ägypten führte, derselbe Bund musste abgetan werden, sintemal er bestand auf die Bedingung von der Erfüllung des Gesetzes, weil aber niemand das Gesetz vollkommen erfüllen kann, so hätte keiner die ewige Seligkeit erlangen können. Auch gibt die Lehre des Gesetzes den Heiligen Geist nicht: Darum, welche Werke des Gesetzes von denen geschehen, so noch keine Erkenntnis des Evangeliums haben, die geschehen wider Willen und gezwungen, daher sie auch keiner Belohnung sein. So haben auch die Opfer des Alten Testaments die Sünde nicht wahrhaftig versöhnen und austilgen könne {Hebr 10}. Denn sie nur Schatten des Opfers Christi gewesen, darum bedurfte man eines Neuen Testaments, das uns die Gnade Gottes umsonst vortrüge und den Heiligen Geist gebe, auf dass wir den Geboten Gottes willig gehorsam leisteten.

Zwingen musste: Ich hab müssen mit ihnen umgehen wie mit Knechten und nicht als mit Kindern, von wegen ihrer vielfältigen Übertretung und großen Halsstarrigkeit.

Nach Luther:]. Durch das Gesetz regieren die Unwilligen.

33. sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel machen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben; und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein {Hes 11v19 v20 36v26 v2 Jer 24v7 31v1 2Kor 6v16}.

Herz geben: Das ist: Vorzeiten hab ich das Gesetz der Zehn Gebote in steinerne Tafeln geschrieben, aber darin ist es geblieben und hat nicht durchdrungen bis zu den Herzen, dass die Leute mit willigem Herzen solche Lehre angenommen und ihr Leben danach mit Ernst angerichtet hätten. Denn obwohl ein Partikel des Gesetzes, von der ersten Erschaffung her, noch in den Herzen der Menschen bleibt, so ist doch solches sehr gering und unterstehen sich die Unbußfertigen dasselbe vielmehr auszulöschen als zu erhalten. Aber mit dem Neuen Testament wird es viel anders beschaffen sein, denn ich will durch das Predigtamt des Wortes das Evangelium also in der Christen Herz und Gemüt schreiben, dass sie solches mit Willen und großer Begierde annehmen werden und daraus erkennen, dass ich ihr gnädiger Gott bin. Die selbige Erkenntnis meiner väterlichen Güte, so in den Guttaten Christi erscheint, wird die Christen bewegen, dass sie mit allem Fleiß dahin sehen werden, damit sie nichts begehen, dass dem Volk Gottes übel anstehen möchte. Darum werden sie mir einen solchen Gehorsam leisten, dass sie auch um meinetwillen ihr Leben zu lassen in keinen Zweifel ziehen werden. [Denn nicht die Lehre des Gesetzes, sondern des Evangeliums erneuert der Menschen Herzen, dass sie Gott mit Willen und gern gehorsam sind].

34. Und wird keiner den anderen noch ein Bruder den anderen lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Sondern sie sollen mich alle kennen, beide, klein und groß, spricht der Herr. Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde niemals bedenken {Joh 6v45 1Kor 2v10 1Joh 2v20 v27 Apg 10v43 Röm 11v27}.

Klein und groß: Das ist: Derer die an mich, Christus, glauben werden, wird keine geringe Anzahl sein, sondern alle, so das Evangelium mit Glauben annehmen werden, die sollen meine wahre und heilsame Erkenntnis haben, also dass auch die Kinder an mich glauben werden. [Es hebt aber dieser Spruch das äußerliche Predigtamt des Wortes nicht auf, wie die Enthusiasten meinen, als ob wir die rechte Erkenntnis Gottes außerdem Predigtamt des göttlichen Wortes erlangen könnten. Welcher unrechten und schädlichen Meinung der Apostel Paulus widerspricht {Röm 10}. Da er sagt: Dass der Glaube aus der Predigt oder Gehör sei: Sondern es wird hier die Größe der Erkenntnis Christi im Neuen Testament der vorigen, die im Alten Testament gewesen, entgegen gehalten. Denn es versteht ein Kind heutigentags das Geheimnis unserer Erlösung durch Christus besser, als vor der Zeit im Alten Testament vielleicht einer von den vornehmsten Priestern verstanden hat. Und ist besonders wohl zu merken, dass hier auch den Kleinen, als den jungen Kindern, im Christentum die Erkenntnis Christi zugemessen wird, welche nichts anders ist als der Glaube an Christus. Irren sich deswegen die, welche bestreiten, dass die Kinder allerdings keinen Glauben haben].

Denn: Im Folgenden wird die Summe des Neuen Testaments mit wenigen Worten begriffen.

Denken: Das ist: [So viel ihrer mit bußfertigem Herzen an dem Erlöser Christus glauben werden, die erlangen Vergebung aller ihrer Sünden und werden ihnen ihre Missetaten nicht mehr zugerechnet, sondern sind Erben des ewigen Lebens. Und besteht dieser Bund nicht auf die Erfüllung des Gesetzes, sondern ist eine freiwillige Verheißung der Gnaden, die allen denen, so an Christus glauben, die wahre und ewige Seligkeit gibt, für solche Gnade des Neuen Testaments sollen wir Gott demütig Dank sagen].

35. So spricht der Herr, der die Sonne dem Tage zum Licht gibt und den Mond und die Sterne nach ihrem Lauf der Nacht zum Licht, der das Meer bewegt, dass seine Wellen brausen, Herr Zebaoth ist sein Name {1Mos 1v16}:

So: Jetzt lehrt der Prophet, dass Gott die Kirche nicht allein um Christi willen zu Gnaden aufnehmen wolle, sondern auch beschlossen habe, dass er ihr und allen ihren rechtschaffenen Gliedern mit beständiger Gunst und Liebe wolle gewogen bleiben, damit sie des versprochenen ewigen Lebens nicht wiederum verlustig werden.

Name: Darum er alle Kreaturen in seiner Gewalt hat, dass sie ihm dienen. Denn er hat der Sonne, Mond und Sternen ihre Ordnung und Gesetz vorgeschrieben, so sie halten müssen, also dass die Sonne den Tag erleuchte, und zwar alle Tage aufgehe, der Mond aber bald viel, bald wenig scheine und die Nacht etlichermaßen erleuchte, desgleichen dass die Sterne ihren Lauf halten und die Nacht um etwas heller machen. Der auch das Meer, sooft er will, kann unruhig machen, dass die Schiffsleute in die Höhe geworfen werden, als ob sie in die Wolken sollten fahren, bald wiederum von den Wellen heruntergestoßen werden, dass sie meinen, sie möchten bis zur Hölle hinabkommen.

36. Wenn solche Ordnungen aufhören vor mir, spricht der Herr, so soll auch aufhören der Same Israels, dass er nicht mehr ein Volk vor mir sei ewig {Ps 72v5 v17 Ps 89v37}.

ewig: Das ist: Ich will meine Kirche nie verstoßen, sondern bis an den Jüngsten Tag auf Erden bleiben lassen. [Unterdes aber ist sie an keinen Ort gebunden, sondern wo das Evangelium Christi rein gelehrt und gepredigt wird und die Sakramente nach der Einsetzung Christi gehandelt werden, da ist die Kirche, welche Christus immer liebt und erhält].

37. So spricht der Herr: Wenn man den Himmel oben kann messen und den Grund der Erde erforschen, so will ich auch verwerfen den ganzen Samen Israels um alles, das sie tun, spricht der Herr.

Messen: Wie hoch er von der Erde und wie weit er im Umkreis sei.

Grund: Dass man kann genau anzeigen, wie viele Ellen oder Schuh bis zum Mittelpunkt der Erde sei.

Tun: [Denn obwohl die Kirche viele und große Sünden begeht. Jedoch welche rechte Israeliten, das ist: Wahrhaftige Christen sind, die werden um ihrer begangenen Übertretungen willen von Gott nicht verstoßen, ebenso wenig als man die Höhe des Himmels und die Tiefe der Erde messen kann. Soll deswegen ein bußfertiger Mensch und der an Christus glaubt, nicht zweifeln, ob er bei Gott in Gnaden sei und ob er in derselben Gnade beharren werde? Wider den gottlosen Artikel der Katholiken, da sie lehren, dass man an der Gnade Gottes zweifeln müsse].

38. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass die Stadt des Herrn soll gebaut werden vom Turm Hananeel an bis ans Ecktor.

Siehe: Jetzt fasst der Prophet die Weissagung von Wiedererbauung der Stadt Jerusalem und Aufrichtung des Reiches Christi zusammen. Und redet insbesondere, wie die Stadt Jerusalem und an welchen Orten man sie erstlich zu bauen anfangen werde, mengt aber doch immer etwas mit unter, damit er will zu verstehen geben, dass er besonders von der geistlichen Erbauung der Kirche rede.

Des Herrn: Nämlich darin unser Herr und Heiland Christus wohnt, als in seiner Stadt, welche ist die Kirche, durch das Predigtamt des göttlichen Wortes erbaut.

Hananeel: Dieses Tuns tut auch Nehemia Meldung (Kapitel 3). Da er der Stadt Wiederauferbauung beschreibt. Und hat derselbe Turm den Namen von der Erbarmung Gottes, anzuzeigen, dass die göttliche Barmherzigkeit in der Kirche allen Frommen ein fester Turm sein werde, dahin sie ihre Zuflucht haben sollen.

39. Und die Richtschnur wird neben demselben weiter herausgehen bis an den Hügel Gareb und sich gen Gath wenden.

40. Und das ganze Tal der Leichen und der Asche samt dem ganzen Acker bis an den Bach Kidron, bis zu der Ecke am Rosstor gegen Morgen wird dem Herrn heilig sein, dass es niemals zerbrochen noch abgebrochen werden soll.

Heilig: Nämlich der ganze Bezirk und Umkreis der Mauern. [Bezeugt also der Prophet, dass man solche Stadt dem Herrn heiligen werde. Denn sie ist geheiligt mit dem Blut Christi und mit dem Geist Gottes, dass Gott mit seiner Gnade darin wohnen wolle und ihr allerlei himmlische Gaben mitteilen. So beschreibt auch der Prophet der Stadt Umkreis und Begriff weiter, als sie später hatte, da sie wieder erbaut wurde, anzuzeigen, dass die Kirche weit und breit soll fortgepflanzt werden, nicht nur im jüdischen Land, sondern auch unter den Heiden].

Soll werden: Diese Worte kann man freilich nicht auf die Stadt Jerusalem deuten, so nach der Wiederheimkunft aus Babel erbaut wurde. Denn die selbige von den Römern so zerrissen und zerstört wurde, samt dem Tempel, dass auch kein Stein auf dem anderen blieb {Mt 24}. Sondern man muss dies alles von der Kirche Christi verstehen, die auf den Felsen Christus erbaut wurde, also dass auch der Hölle Pforten nichts dagegen werden vermögen {Mt 16}. [Denn alle diejenigen, so rechte Glieder der Kirche sind, überwinden endlich die Anfechtungen und werden zum ewigen Leben erhalten].


Das 32. Kapitel


1. Jeremia wird von wegen, dass er die Strafen verkündigt, in den Kerker geworfen. v. 1. 2. Kauft von seinem Verwandten einen Acker, zum Zeichen der künftigen Wiederkunft. v. 6. 3. Und da er bald darauf ein wenig zweifelt, wird er vom Herrn gestärkt. v. 16.

1. Dies ist das Wort, das vom Herrn geschah zu Jeremia im zehnten Jahr Zedekias, des Königs Judas, welches ist das achtzehnte Jahr Nebukadnezars.

Dies: In diesem Kapitel steht auch ein Trost von der Wiederheimkunft aus Babel und hat zugleich eine Weissagung vom Reich Christi. Denn die Auserwählten mussten mit Trost versehen und verwahrt werden, damit sie später in der Babylonischen Gefangenschaft nicht verzagten. Zuvor aber erzählt er etliche Umstände, wie es um das Volk und ihn damals gestanden, als ihm eine Weissagung voller Trostes von Gott geoffenbart wurde.

2. damals belagerte das Heer des Königs zu Babel Jerusalem. Aber der Prophet Jeremia lag gefangen im Vorhofe des Gefängnisses am Hause des Königs Judas,

damals: Nämlich da die später folgende Weissagung dem Jeremia geoffenbart wurde.

Belagert: Darum die Juden in großen Ängsten und Nöten steckten.

Gefangen: [Denn die Kirchendiener sind manchem Unfall unterworfen, weil die fleischlichen Leute ihre Vermahnungen nicht leiden wollen].

3. Dahin Zedekia, der König Judas, ihn hatte lassen verschließen und gesagt: Warum weissagst du und sprichst: So spricht der Herr: Siehe, ich gebe diese Stadt in die Hände des Königs zu Babel und er soll sie gewinnen {Jer 27v6 34v2 38v3 39v7},

Gewinnen: Denn mit solchen schrecklichen Drohworten machst du die Kriegsleute abwendig und der Bürger Herz kleinmütig. Was meinst du denn wohl endlich damit, dass du uns immer nur von lauter Unglück predigst und lässt dir nicht wehren? Dazu scheust du dich auch nicht von mir alles Böse zu weissagen.

4. und Zedekia, der König Judas, soll den Chaldäern nicht entrinnen, sondern ich will ihn dem Könige zu Babel in die Hände geben, dass er mündlich mit ihm reden und mit seinen Augen ihn sehen soll;

Reden: Er wird dem Könige zu Babel demütig und flehentlich zusprechen müssen und anhören, wie ihn derselbe aufs hässlichste ausmache, wird auch das grausame und zornige Angesicht des chaldäischen Königs müssen anschauen.

5. und er wird Zedekia gen Babel führen, da soll er auch bleiben, bis dass ich ihn heimsuche, spricht der Herr; denn ob ihr schon wider die Chaldäer streitet, soll euch doch nichts gelingen.

Heimsuche: Er soll zu Babel gefangen bleiben, bis ich mich endlich über ihn erbarme und ihn aus dem Jammertal dieses Lebens abfordern werde. Denn es ist vermutlich, dass Zedekia endlich, da er unter dem Kreuz gedemütigt wurde, Buße getan habe und selig geworden sei. Weil er ihm die Predigten des Propheten Jeremia hat wiederum können zu Gemüte führen, die er, da es ihm wohl ging, verachtet hatte.

Nichts gelingen: Darum hältst du immer bei uns an, dass wir die Stadt den Chaldäern übergeben sollen und sprichst: Es werde besser mit uns stehen, wenn wir uns und die Stadt dem Könige zu Babel in seine Gewalt übergeben. Mit welchen deinen Predigten du dich unterstehst, alle unsere Anschläge zu verwirren, und machst, dass das Volk auf mancherlei Meinungen fällt und darüber verzagt wird, welches alles zur Ausharrung der Belagerung gar nichts nutzt und hat es schier das Ansehen mit dir, als ob du solches tust, weil dich der König zu Babel irgend mit Geschenken bestochen hat, oder aber muss sonst im Kopf verrückt und nicht wohl bei Sinnen sein, dass du dein Vaterland heißt den Feinden zur Dienstbarkeit übergeben, der wir können überhoben sein, wenn wir die Belagerung mit männlichem Herzen eine Zeit lang aushalten. Darum, weil man dich sooft schweigen heißen und du nicht folgen willst, so bleib da im Kerker, dass du mit deinen Drohungen niemand irre machst. [Denn die Gottlosen machen sich einen närrischen Wahn, dass sie dem Unglück entgehen können, welches ihnen von den Kirchendienern gedroht wird, wenn sie dieselben übel behandeln, da sie doch Gott dadurch noch heftiger erzürnen. Und tun eben als die, welche, wenn sie von ihrer Obrigkeit Drohbriefe empfangen, die Boten, so sie gebracht, ins Gefängnis legen oder sie zwingen, dass sie die Briefe fressen müssen. Mit welchem Mutwillen sie die Obrigkeit desto mehr wieder sich erbittern und schwerer Strafen auf sich laden].

6. Und Jeremia sprach: Es ist des Herrn Wort geschehen zu mir und spricht:

Und: In solchem vorgemeldeten traurigen Zustand der belagerten Stadt und des gefangenen Propheten bringt Gott einen Trost hervor für die Auserwählten von der Wiederkunft aus Babel und von dem Reich Christi. Denn es wird dem Propheten befohlen, dass er in währender Belagerung der Stadt einen Acker kaufen soll, damit anzuzeigen, wie die Zeit kommen soll, dass die Juden im selben Lande wieder Äcker kaufen und besitzen würden.

7. Siehe, Hanameel, der Sohn Sallums, deines Vetters, kommt zu dir und wird sagen: Lieber, kaufe du meinen Acker zu Anathoth; denn du hast das nächste Freundesrecht dazu, dass du ihn kaufen sollst.

Freundesrecht: Du hast die Losung zu demselben Gut, weil du mein nächster Verwandter bist. Denn also war es im Gesetz geboten, wenn jemand etwas von seinen unbeweglichen Gütern verkaufen wollte, dass der, welcher dem Verkäufer am nächsten verwandt war, solches an sich losen möchte {3Mos 25}. Es hätte aber der menschlichen Vernunft mögen seltsam und ungewöhnlich vorgekommen, dass, da die Hauptstadt von einem sehr mächtigen Feinde belagert und das ganze jüdische Land in des Feindes Hand war, die Bürger dennoch von Kaufen und Verkaufen der Güter handelten. Denn obwohl von den Römern fast etwas dergleichen auch gelesen wird, da Hannibal nach der Schlacht bei Cannas mit seinem Kriegsvolk vor die Stadt Rom gezogen, so standen doch der Römer Sachen zur selben Zeit viel anders als hier der Juden, die ohne die Stadt nichts mehr übrig hatten. Dennoch gibt es Gott dem Hanameel in den Sinn, dass er dem Jeremia einen Acker außerhalb der Stadt zu kaufen anbietet, den Auserwählten, die in der Stadt, waren zum Trost.

8. Also kam Hanameel, meines Vetters Sohn, wie der Herr gesagt hatte, zu mir vor den Hof des Gefängnisses und sprach zu mir: Lieber, kaufe meinen Acker zu Anathoth, der im Lande Benjamin liegt; denn du hast Erbrecht dazu und du bist der Nächste; Lieber, kaufe ihn! Da merkte ich, dass es des Herrn Wort wäre,

Kauf: Denn die Handlungen mit Kaufen und Verkaufen gefallen Gott wohl, wenn nur kein Betrug dabei ist.

9. und kaufte den Acker von Hanameel, meines Vetters Sohn, zu Anathoth und wog ihm das Geld dar, sieben Sekel und zehn Silberlinge,

Wäre: Das Hanameel aus Gottes Anschickung zu mir gekommen und solches zu mir geredet hätte.

Sekel: Sieben Orts goldene oder Taler.

Silberlinge: Deren einer nicht viel weniger als ein Taler gegolten hat.

10. und schrieb einen Brief und versiegelte ihn und nahm Zeugen dazu und wog das Geld dar auf einer Waage.

Waage: Dass der Käufer zusah und erkannte, wie ich ihm gute gangbare Münzen für seinen Acker gebe. Denn vorzeiten zählte man das Geld nicht allein, sondern man lud einen auch zu. [Diese Vorsichtigkeit wäre noch heutzutage nützlich und vonnöten, weil so viele falsche Münzer sich finden, welche die guten und gewichtigen Sorten entweder beschneiden oder schmelzen und verringern].

11. Und nahm zu mir den versiegelten Kaufbrief nachdem Recht und Gewohnheit und eine offene Abschrift

Versiegelten: Welchen ich und Haname El mit unserem Vertrag versiegelt hatten. [Denn es ist eine Notdurft, dass man in Kaufhändeln Verschreibungen mache und versiegele zu Verhütung künftiger Unrichtigkeit, die mit der Zeit sonst daraus entstehen möchten].

12. und gab den Kaufbrief Baruch, dem Sohn Nerias, des Sohnes Mahasejas, in Gegenwart Hanameels, meines Vetters und der Zeugen, die im Kaufbriefe geschrieben standen und aller Juden, die am Hofe des Gefängnisses wohnten,

13. und befahl Baruch vor ihren Augen und sprach:

14. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Nimm diese Briefe, den versiegelten Kaufbrief samt dieser offenen Abschrift und lege sie in ein irden Gefäß, dass sie lange bleiben mögen.

Bleiben mögen: Denn die irdenen Geschirre können die Sachen, so man darin verwahrt, eine lange Zeit unversehrt und ganz behalten, weil sie ganz trocken sind.

15. Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Noch soll man Häuser, Äcker und Weinberge kaufen in diesem Lande.

Kaufen: Denn obwohl dies ganze Land durch die Chaldäer jämmerlich wird verwüstet werden und das Volk gen Babel gefangen wegziehen muss, so wird es doch geschehen, dass die Juden werden wieder heimkommen und mit Kaufen und Verkaufen ihren Handel und Wandel miteinander treiben, dessen zur Zeichen und Zeugnis dies sein soll, dass ich Jeremia, ein Prophet, jetzt aber auch ein gefangener Mann, aus Befehl des Herrn einen Acker kaufe, damit ich zu erkennen gebe, dass es mit dem jüdischen Volk nicht ganz aus sein werde, ob es gleich in der Chaldäer Land wird gefangen weggeführt werden. [Es versorgt aber Gott seine Auserwählten mit dem Trost seines Wortes, auf dass sie später, wenn sie in Trübsal geraten, nicht verzagen. Und sind dergleichen tröstliche Erinnerungen alsdann ganz lieblich und angenehm, wenn wir in Nöten stecken. Denn wenn es wohl geht, so werden solche göttlichen Verheißungen mit fleischlicher Sicherheit überfallen und unterdrückt, dass man ihrer wenig achtet].

16. Und da ich den Kaufbrief hatte Baruch, dem Sohn Nerias, gegeben, betete ich zum Herrn und sprach:

Und: Jetzt wendet sich der Prophet nach vollzogenem Kauf zum Gebet, auf dass er in seinem Glauben gestärkt werde, über den Guttaten von der verheißenen Erlösung, weil es alles viel ein anders Ansehen hatte.

Kaufbrief: Der über den gemachten Kauf des Ackers aufgerichtet war.

17. Ach, Herr, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm und ist kein Ding vor dir unmöglich {1Mos 18v14 Sach 8v6 Lk 1v37};

Arm: Durch deine Gewalt, die du in Erschaffung der Welt erzeigt hast.

Unmöglich: Was du dir zu tun vornimmst, darum kannst du auch dein Volk nach ihrer Gefangenschaft wieder in dies Land bringen, dass sie Äcker, Häuser und Weinberge kaufen, wie du gesagt hast. [Denn aus den vorigen Werken Gottes sollen wir unseren Glauben stärken].

18. Der du wohltust viel Tausenden und vergiltst die Missetat der Väter in den Busen ihrer Kinder nach ihnen, du großer und starker Gott; Herr Zebaoth ist dein Name {2Mos 34v7 5Mos 5v9 v10 Ps 79v12};

Nach ihnen: Das ist: Du pflegst den Nachkommen der Frommen Gutes zu erzeigen bis ins tausendste Glied {2Mos 20}. Gleichwie du auch jetzt unserer Väter Bosheit strafst an ihren gottlosen Nachkommen. Darum bekenne ich, dass ich im Glauben hin und her wanke und schwebe zwischen Himmel und Erde. Denn wenn ich deine Verheißungen und der heiligen Patriarchen, wie auch der vorigen frommen Könige Gehorsam, den sie dir geleistet, betrachte, so fasse ich ein Herz und hab ein gutes Vertrauen, du wirst dich deines Volkes, auch wenn es in der Gefangenschaft ist, einmal wiederum erbarmen. Aber im Gegenteil, wenn ich bedenke, was du für Drohungen dich hast vernehmen lassen, und wie schwer unsere Voreltern sich an dir versündigt haben, sehe auch, dass die Strafe vor der Tür ist, die du über ihre gottlosen Nachkommen willst ergehen lassen, so besorge ich immer, sie haben sich deiner Barmherzigkeit und Gnaden allerdings unwürdig gemacht, also dass ich ihrer Wiederkunft halben sehr schwachgläubig bin und schier daran zweifle, welches ich nicht in Abrede sein kann. [Leidet deswegen auch der Frommen Glaube bisweilen harte Anstöße, aber man muss sich an Gottes Wort heben und fest daran kleben].

19. groß von Rat und mächtig von Tat; und deine Augen stehen offen über alle Wege der Menschenkinder, dass du einem jeglichen gibst nach seinem Wandel und nach der Frucht seines Wesens {Hi 34v21 Spr 5v21 Jer 16v17}.

Von Tat: Darum weiß ich, dass du alle Kreaturen in deiner Gewalt hast, weil du größer denn alles bist, nicht zwar an leiblicher Größe, sondern an Majestät und Gewalt und an unendlicher Weisheit, damit du alles regierst: Dazu erdenkst du nicht allein alles weislich, sondern richtest es auch herrlich und löblich ins Werk, darum will mir nicht gebühren, dass ich deine Verheißungen wollte in Zweifel ziehen oder was du tust unrecht heißen. [Denn man soll es gänzlich dafür halten, dass Gott alles auf aller weißlichste und beste ordne und regiere, obgleich unsere Vernunft gern in vielen Dingen ihn rechtfertigen wollte].

Wesens: Nachdem er handelt und tut. Denn du weißt, womit ein jeder umgeht und wie du ihn bezahlen sollst. [Darum sollen wir Gott fürchten, weil er alles weiß und das Gute belohnt, das Böse aber straft].

20. Der du in Ägyptenland hast Zeichen und Wunder getan bis auf diesen Tag, beide, an Israel und Menschen und hast dir einen Namen gemacht, wie er heutigentags ist,

Tag: Da noch ihr Gedächtnis wehrt.

Menschen: Nämlich an den gottlosen Ägyptern, die du zum Teil durch den Engel erwürgen lassen, zum Teil im Schilfmeer ersäuft hast.

Tages ist: Dass er sehr gerühmt wird und man jetziger Zeit überall davon zu sagen weiß. Welches mir wiederum gute Hoffnung macht, dass du auf gleiche Weise dich einmal über dein Volk erbarmen und dir einen Namen machen wirst aus deines Volkes Erlösung.

21. und hast dein Volk Israel aus Ägyptenland geführt durch Zeichen und Wunder, durch eine mächtige Hand, durch ausgestreckten Arm und durch groß Schrecken {2Mos 6v6 2Sam 7v23 1Chr 18v21}.

Wunder: Die sehr schrecklich gewesen, deine unendliche Macht und Gewalt damit zu erzeigen, und hast den Ägyptern eine solche Furcht eingejagt, dass sie auch wider ihren Willen dein Volk von sich lassen müssen. Dazu hast auch die Völker im Lande Kanaan mit deinen Wunderzeichen geschreckt, die du zum Teil in der Wüste, zum Teil im Eingang des Landes Kanaan unter deinem Volk getan, als da du den Jordan ausgetrocknet, also dass die kanaanitischen Völker darüber so kleinmütig und verzagt wurden, dass sie keine Kraft noch Mut mehr zum Widerstand hatten.

22. und hast ihnen dies Land gegeben, welches du ihren Vätern geschworen hattest, dass du es ihnen geben wolltest, ein Land, da Milch und Honig innen fließt,

Fließt: Das ist: Welches ganz gut, lustig und fruchtbar ist. Dies alles gibt nicht allein zu verstehen, wie groß deine Macht, sondern auch, wie groß deine Güte sei gegen deinem Volk, dadurch ich in meiner Hoffnung sehr gestärkt werde.

23. und da sie hineinkamen und es besaßen, gehorchten sie deiner Stimme nicht, wandelten auch nicht nach deinem Gesetze und alles, was du ihnen gebotest, dass sie tun sollten, das ließen sie, darum du auch ihnen all dies Unglück ließest widerfahren:

Kamen: Dass du sie durch deine große Güte hineinbrachtest ins Land Kanaan.

Gesetze: Sondern übertraten es vielfältig mit ihren Sünden, darum solche große Bosheit und Undankbarkeit dieses Volkes auf der anderen Seite einen großen Schrecken bei mir verursacht.

Unglück: Welches wir jetzt und täglich mit großem Herzeleid vor Augen sehen, solches gibt meinem Glauben einen harten Stoß und macht mich sehr kleinmütig.

24. Siehe, diese Stadt ist belagert, dass sie gewonnen und vor Schwert, Hunger und Pestilenz in der Chaldäer Hände, welche wider sie streiten, gegeben werden muss; und wie du geredet hast, so geht es, das siehst du;

Und Pestilenz: Also dass sie mit drei großen Strafen zugleich und auf einmal überfallen wird, deren jede für sich selbst genug wäre, eine Stadt zugrunde und ins Verderben zu richten.

Geht es: Dass es ein gutes Ansehen dazu hat, als ob der allgemeine Untergang dieses Volkes vorhanden wäre.

25. und du, Herr, sprichst zu mir: Kaufe du einen Acker um Geld und nimm Zeugen dazu, so doch die Stadt in der Chaldäer Hände gegeben wird?

Zeugen: Die den Kauf bestätigen. Welches jedermann denkt ein ungereimtes Ding zu sein. Denn ob ich wohl weiß, aus was Ursachen du solches befohlen hast. Nämlich dass es ein Zeugnis und Zeichen sei der Wiederkunft deines Volkes aus der Babylonischen Gefangenschaft, dennoch weil sich es jetzt so ganz widerwärtig ansehen lässt, so bitte ich dich, du wollest mir solche Schwachheit meines Glaubens verzeihen und denselben durch dein Wort und Heiligen Geist in mir stärken. [Denn wenn wir in einer sorglichen Versuchung oder Anfechtung schweben und unser Glaube wider den Zweifel streiten muss, so sollen wir unsere Gedanken demütig in den Schoß unseres Gottes ausschütten und um Stärkung unseres Glaubens bitten. Und lehrt dies Beispiel des Propheten Jeremia, dass auch die allerheiligsten Leute nicht immer gleich stark im Glauben sind].

26. Und des Herrn Wort geschah zu Jeremia und sprach:

Und: Jetzt antwortet Gott dem Propheten Jeremia, auf dass er ihn und andere Frommen stärke: Zuvor aber wiederholt er seine Drohungen von der Stadt Untergang und zeigt ausführlich an, was die Ursache solches großen Unglücks sei, nämlich die Abgötterei des Volkes und andere Laster: Endlich aber setzt er einen herrlichen Trost hinzu, nicht allein von der Wiederkunft aus Babel, sondern auch vom Reich Christi.

27. Siehe, ich, der Herr, bin ein Gott alles Fleisches, sollte mir etwas unmöglich sein {4Mos 16v22}?

Alles Fleisches: Und bin ein Schöpfer und Erhalter aller Menschen, der ich ihr Leben, Seele und Leib, ja alles in meiner Gewalt habe.

Unmöglich: Darum es habe jetzt gleich ein Ansehen zu dem endlichen Untergang dieses Volkes, wie es wolle, so will ich es doch nach meiner Verheißung einmal wieder in dies Land bringen und die Stadt wie auch den Tempel samt dem weltlichen Regiment unter ihnen wiederum anrichten. [Denn weil Gott alles kann und vermag, so muss und soll man seinem Worte trauen, ob es gleich alles widersinnig scheint zugehen].

28. Darum so spricht der Herr also: Siehe, ich gebe diese Stadt in der Chaldäer Hände und in die Hand Nebukadnezars, des Königs zu Babel; und er soll sie gewinnen.

Gebe: Als wollte Gott sagen, zuvor und ehe ich mein Volk erlöse, will ich die Stadt lassen zerstören und das Volk gefangen wegführen, auf dass die Israeliten in ihrer Gefangenschaft sich zu mir bekehren und rechtschaffene Buße tun. [Denn ehe die Menschen ihre Sünden erkennen und davon begehren abzustehen, kann die Strafe der Sünden nicht abgewandt werden].

29. Und die Chaldäer so wider diese Stadt streiten, werden hereinkommen und sie mit Feuer anstecken und verbrennen samt den Häusern, da sie auf den Dächern Baal geräuchert und anderen Göttern Trankopfer geopfert haben, auf dass sie mich erzürnten {Jer 19v13}.

Streiten: Und sich bereits dazu gefasst gemacht haben, auch in voller Rüstung stehen, dass sie diese Stadt zum Sturm anlaufen und erobern mögen und also unter ihre Gewalt bringen.

Sie: Nämlich die Juden, welche mit ihren falschen Gottesdiensten, damit sie mich meinten zu versöhnen, mich noch mehr beleidigt und erzürnt haben, weil sie solche Gottesdienste trieben, die ich ihnen nicht befohlen hatte. [Denn Gott wird vergeblich damit gedient {Mt 15}. Und ist die Abgötterei die vornehmste Ursache, um welcher willen Städte und Länder verwüstet werden].

Dächern: Denn im jüdischen Land waren die Dächer eben, dass man darauf gehen konnte, auf denselben bauten sie Altare und opferten darauf, dem ausdrücklichen Befehl Gottes zuwider, darum ein solcher Gottesdienst ein Gräuel vor Gott war.

30. Denn die Kinder Israel und die Kinder Juda haben von ihrer Jugend auf getan, das mir übel gefällt und die Kinder Israel haben mich erzürnt durch ihrer Hände Werke, spricht der Herr.

Jugend auf: Das ist: Von der Zeit an, da ich sie aus Ägypten geführt habe, welche Zeit gleichsam dieses Volkes noch junges und erstes Alter war, sind sie immer zur Abgötterei geneigt gewesen und haben in derselben sich vielmehr und eifriger geübt als in der rechten Religion, die ich ihnen vorgeschrieben hatte, darum kann ich solche ihre Bosheit nicht ungestraft lassen.

31. Denn seit der Zeit diese Stadt gebaut ist, bis auf diesen Tag, hat sie mich zornig und grimmig gemacht, dass ich sie muss von meinem Angesicht wegtun

Gebaut ist: Und die Israeliten, darin gewohnt, haben sie mich mit ihren Sünden oft und vielfältig zum Zorn gereizt.

Wegtun: Denn ich kann ihre Bosheit nicht länger dulden. [Weil wenn man die Sünden mit Unbußfertigkeit immer häuft, so wird Gottes Geduld und große Langmütigkeit in einen so viel desto heftigeren Zorn und Grimm verändert. Sonst ist Gott in seiner Natur die Güte selbst, sofern er nicht durch der Menschen übermachte Bosheit zum Zorn gereizt wird].

32. um all der Bosheit willen der Kinder Israel und der Kinder Juda, die sie getan haben, dass sie mich erzürnten. Sie, ihre Könige, Fürsten, Priester und Propheten und die in Juda und Jerusalem wohnen,

Wohnen: Die Israeliten im Allgemeinen, klein und groß. [Denn wenn die Sünden nicht nur an etlichen wenigen Personen kleben, sondern wie eine Erbsucht durch alle Stände weit und breit herum schleichen, so ist die göttliche Rache nicht weit].

33. haben mir den Rücken und nicht das Angesicht zugekehrt, wiewohl ich sie stets lehren ließ; aber sie wollten nicht hören noch sich bessern {Jer 2v27}.

Zugekehrt: Indem, dass sie mich nicht hören oder mir gehorchen wollen, sondern haben sich mutwillig und boshafterweise von mir hinweg gewandt.

Stets: Bei guter Zeit, dass ich ihnen den Weg zur Seligkeit weisen ließ, so haben sie doch nicht folgen wollen noch von ihrem gottlosen Wesen abstehen. [Denn Gott hat das Predigtamt dazu eingesetzt, dass sich die Sünder daraus bessern sollen. Wer nun solches verachtet, der wird nicht allein um seiner zuvor begangenen Sünden willen, sondern auch von wegen der Verachtung des göttlichen Wortes gestraft].

34. Dazu haben sie ihre Gräuel in das Haus gesetzt, das von mir den Namen hat, dass sie es verunreinigten {Jer 7v30},

Gräuel: Das ist: Ihre Götzen, davor Gott ein Gräuel hat.

Namen hat: Dass es der Tempel des Gottes Israel genannt wird.

Verunreinigten: [Es wird aber der Tempel Gottes bei uns verunreinigt, wenn wir in unseren Herzen, welche Gottes Tempel und Wohnungen sind, den Geiz und andere Laster wohnen lassen].

35. und haben die Höhen des Baal gebaut im Tal Ben-Hinnom, dass sie ihre Söhne und Töchter dem Moloch verbrannten, davon ich ihnen nichts befohlen habe, und ist mir nie in Sinn kommen, dass sie solchen Gräuel tun sollten, damit sie Juda also zu Sünden brächten {3Mos 18v21}.

Höhen: Das ist: Abgöttische Kapellen und Altare an hohen Orten.

Ben-Hinnom: Welcher Ort mit vielfältiger und abscheulicher Abgötterei verunreinigt wurde. Daher man zur Zeit der Menschwerdung Christi die Hölle also genannt.

Davon: Nämlich von solchen teuflischen Opfern. [Und sieht man hier abermals, wie heftig Gott solche Gottesdienste zuwider sind, die er nicht geboten hat, obwohl die närrischen abgöttischen Leute meinen, sie wollten Gott mit solchen selberdachten Gottesdiensten herrlich versöhnen].

Juda: Nämlich das Volk im Lande Juda, welches von ihren Königen, Priestern und falschen Propheten sich verführen lassen.

36. Und nun, um deswillen spricht der Herr, der Gott Israels, also von dieser Stadt, davon ihr sagt, dass sie werde vor Schwert, Hunger und Pestilenz in die Hände des Königs zu Babel gegeben:

Und nun: Nachdem Gott seinem Volk die Strafen verkündigt und die Ursachen derselben angezeigt, setzt er jetzt einen Trost hinzu von der Erlösung seines Volkes und von dem Reich Christi.

Und Pestilenz: Mit welchen drei beschwerlichen Plagen ich sie heimsuchen und strafen wolle, um ihrer vielfältigen vorerzählten Sünden und Übertretungen willen, damit sie mich zum Zorn gereizt haben.

37. Siehe, ich will sie sammeln aus allen Landen, dahin ich sie verstoße durch meinen großen Zorn, Grimm und Unbarmherzigkeit und will sie wiederum an diesen Ort bringen, dass sie sollen sicher wohnen.

Sammeln: [Obwohl nun Gott die, so von seinem Volk übergeblieben, aus Babel und anderen Orten wiederum zusammengebracht und ins jüdische Land kommen lassen, so sind doch auch ihrer viel aus freiem Willen zu Babel und anderswo, da sie sich häuslich niedergelassen, geblieben. Darum hat diese Weissagung damals recht ihre Erfüllung erreicht, da die Juden aus allen Orten durch das Evangelium zu der Kirche Christi berufen wurden. Dessen zum Beispiel die erste Predigt des Apostels Petri dienen kann, die er am Pfingsttag getan, da aus allen Völkern unter dem Himmel, Juden und Judengenossen waren zusammen gekommen, die Petrus haben hören von Christo predigen und darauf sind bekehrt und selig geworden {Apg 2}. Also sammelt sich Gott heutigentags mit dem Wort des Evangeliums eine Kirche aus vielen Heiden].

38. Und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein {Jer 24v7 30v22 31v33}.

Gott sein: Das ich mich gnädig und gütig gegen sie erzeige, dafür sie mir wiederum sollen gehorsam sein, wie einem mir unterworfenen Volk gebührt.

39. und will ihnen einerlei Herz und Wesen geben, dass sie mich fürchten sollen ihr Leben lang, auf dass ihnen und ihren Kindern nach ihnen wohl gehe.

Geben: Das ist: Ich will ihre Herzen mit wahrer Liebe vereinigen und verschaffen, dass sie einmütig und auf einerlei Weise mich ehren. [Denn der Frommen Herzen werden durch den Heiligen Geist einig gemacht, dass sie in der Lehre übereinstimmen und einander in der Liebe dienen. Welche aber Trennungen in der Kirche anrichten und sich nicht weisen lassen, die gehören nicht mehr zu der Kirche].

Leben lang: Sie sollen in meiner Furcht bei den wahren Gottesdienst beharren. [Denn der Glaube an Christus ist ein solches Vertrauen zu der Gnade Gottes samt der kindlichen Furcht, dass man sich fleißig und aus Ehrerbietung gegen Gott vor Sünden hüte, damit man ihn nicht beleidige, wo aber keine Furcht Gottes ist, da ist auch kein wahrer Glaube].

Wohl gehe: [Denn die Gottseligkeit hat Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens {1Tim 4}. Und vergilt Gott der Eltern Frömmigkeit auch den frommen Kindern {2Mos 20}].

40. Und will einen ewigen Bund mit ihnen machen, dass ich nicht will ablassen, ihnen Gutes zu tun und will ihnen meine Furcht ins Herz geben, dass sie nicht von mir weichen {Jer 31v31}.

Ewigen Bund: Der immer bleiben soll. [Derselbe Bund aber ist, dass Gott uns die Sünde um des Messias willen vergeben wolle und uns durch den Heiligen Geist erneuern].

Zu tun: Ich will ihnen zu jeder Zeit wohl gewogen bleiben und solches mit der Tat zu seiner Zeit beweisen.

Weichen: Sondern im Glauben beharren bis ans Ende und selig werden. [Dies streitet mit der gottlosen Lehre der Katholiken, die uns heißen zweifeln, ob wir bei Gott in Gnaden sind und ob wir darin beharren werden].

41. Und soll meine Lust sein, dass ich ihnen Gutes tun soll; und ich will sie in diesem Lande pflanzen, treulich, von ganzem Herzen und von ganzer Seele.

Lust sein: [Denn es tut Gott viel lieber Gutes, als dass er Strafen schickt].

Pflanzen: Ich will verschaffen, dass sie in diesem Lande einen sicheren und stetigen bequemen Ort zu ihrer Wohnung und Besitzung haben sollen. [Wir aber werden alsdann recht ins Land Kanaan eingesetzt und gepflanzt, wenn wir durch das Evangelium der Kirche Christi einverleibt werden, dass wir Pflanzen sind im himmlischen Paradies, daraus uns niemand mehr wird reißen können].

42. Denn so spricht der Herr: Gleichwie ich über dies Volk habe kommen lassen all dies große Unglück, also will ich auch alles Gute über sie kommen lassen, das ich ihnen geredet habe.

Denn: Weil der Prophet nach seiner Art die äußerliche Erlösung und die geistlichen Guttaten des Reiches Christi zusammenfasst, und miteinander abhandelt, so tut er jetzt wiederum der Erlösung aus dem babylonischen Gefängnis Meldung.

Kommen lassen: zu seiner Zeit. [Darum, wenn wir erfahren haben, dass die Drohungen Gottes wahr sind, so sollen wir auch den göttlichen Verheißungen glauben, denn sie werden ebenermaßen gewisslich erfüllt werden].

43. Und sollen noch Äcker gekauft werden in diesem Lande, davon ihr sagt, es werde wüst liegen, dass weder Leute noch Vieh darin bleibe und werde in der Chaldäer Hände gegeben.

44. Dennoch wird man Äcker um Geld kaufen und verbriefen, versiegeln und bezeugen im Lande Benjamin und um Jerusalem her und in den Städten Judas, in Städten auf den Gebirgen, in Städten in Gründen und in Städten gegen Mittag. Denn ich will ihr Gefängnis wenden, spricht der Herr {Jer 17v26}.

Benjamin: Eben an diesem Ort zu Jerusalem, welche Stadt im Stamm Benjamin gelegen war.

Städten Juda: In denen man hin und wieder handeln und wandeln, kaufen und verkaufen soll.

Wenden: Dass sie wieder frei werden und in ihr Vaterland kommen sollen. [Denn wenn Gott sein Volk gezüchtigt hat, so erbarmt er sich sein wieder und tut ihm Gutes].


Das 33. Kapitel


1. Der Prophet weissagt abermals von der Zerstörung Jerusalem und ihrer Erbauung. v. 1. 2. Danach lehrt er von dem Reich des Messias, seiner Wehrschaft, und Erhaltung des evangelischen Predigtamts. v. 14.

1. Und des Herrn Wort geschah zu Jeremia zum andermal, da er noch im Vorhof des Gefängnisses verschlossen war und sprach:

Und: Gott fährt noch weiter fort, sein Volk durch den Propheten zu trösten, und verheißt ihnen die Guttaten des Reiches Christi. Aber doch verkündigt er vorher die herzunahende Trübsal und Strafen, so zuvor übers Volk Gottes kommen werden.

2. So spricht der Herr, der solches macht, tut und ausrichtet; Herr ist sein Name:

Ausrichtet: Der alles tut, was er will, alles weislich anordnet und mächtig vollendet. [Gleichwie deswegen die Werke Gottes nicht können richtig Unrecht gescholten werden, also kann man sie auch nicht verhindern durch einzige menschliche Weisheit oder Gewalt].

3. Rufe mich, so will ich dir antworten und will dir anzeigen große und gewaltige Dinge, die du nicht weißt.

Nicht weißt: Und mit deiner Vernunft nicht begreifen kannst. [Denn obwohl ein Partikel des göttlichen Gesetzes in unseren Herzen geschrieben ist und die menschliche Vernunft von den künftigen Zufällen aus den Umständen etwas durch natürliches spitzfindiges Nachsinnen mutmaßen kann, so sind doch die Verheißungen vom Reich Christi und seinen Guttaten der menschlichen Vernunft allerdings unbekannt, darum werden sie uns von Gott durch das Wort geoffenbart]. Ehe denn aber der Prophet das Evangelium verkündigt, droht er die vorhergehenden Strafen.

4. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels, von den Häusern dieser Stadt und von den Häusern der Könige Judas, welche abgebrochen sind, Bollwerk zu machen zur wäre,

Wäre: Das man den Feind daraus beschädigen und abtreiben könne.

5. und von denen, so hereingekommen sind, dass sie wider die Chaldäer streiten mögen, dass sie die selbigen füllen müssen mit toten Leichnamen, welche ich in meinem Zorn und Grimm erschlagen will; denn ich habe mein Angesicht von dieser Stadt verborgen um aller ihrer Bosheit willen:

Füllen: Das ist: Die sich auf solchen Bollwerken zur Wehr stellen werden wider den Feind, sollen darauf erwürgt werden, dass es alles voller toten Körper liegen wird. [Denn Gott streitet selbst wider sein halsstarriges und widerspenstiges Volk und hilft alsdann nicht, wenn man gleich viele Häuser niederreißt, dass man Bollwerke daraus macht, wie in den belagerten Städten zu geschehen pflegt].

Verborgen: Das ich sie nicht schützen, sondern zerstören will lassen.

Bosheit: [Welches die rechte und eigentliche Ursache ist, um derer willen die allermächtigsten Städte verwüstet werden].

6. Siehe, ich will sie heilen und gesund machen und will sie des Gebets um Frieden und Treue gewähren.

Siehe: Jetzt folgt auf die harte Gesetzespredigt das liebliche Evangelium.

Sie heilen: Nämlich mein Volk, welches jämmerlich zugerichtet und verwundet ist, will ich verbinden wie ein getreuer Wundarzt. [Denn eben derselbe Gott, der uns schlägt um unserer Sünde willen, heilt uns auch, wenn wir Buße tun].

Gewähren: Das ist: Weil sie mich um Friede und Treue bitten, dass ich ihnen nämlich ruhige und glückliche Zeiten geben wolle, so will ich sie erhören und ihnen geben, was sie bitten. [Der wahre Friede aber und die rechte Glückseligkeit in diesem Leben ist, dass, wenn wir durch den Glauben gerecht geworden sind, Frieden mit Gott haben {Röm 5}].

7. Denn ich will das Gefängnis Judas und das Gefängnis Israels wenden und will sie bauen wie von Anfang;

Anfang: Ehe sie in solches Unglück geraten. [Die rechte und beständige Erlösung aber ist dem Volk Gottes widerfahren, da der Sohn Gottes mit seinem Tode uns erlöst hat von der Dienstbarkeit und aus dem Gefängnis des Satans, des Todes und der Hölle {Hebr 2}].

8. und will sie reinigen von aller Missetat, damit sie wider mich gesündigt haben und will ihnen vergeben alle Missetat, damit sie wider mich gesündigt und übertreten haben {Jer 31v34}.

Vergeben: Dass ihre Sünden ihnen zur Verdammnis nicht sollen zugerechnet werden.

Übertreten: Dass sie mir nicht schuldigen Gehorsam geleistet, solches soll ihnen alles verziehen sein. [Denn Christo geben Zeugnis alle Propheten, dass Vergebung der Sünden empfangen in seinem Namen alle, die an ihn glauben {Apg 10}. Und, das Blut Jesu Christi, Gottes Sohnes, reinigt uns von allen unseren Sünden {1Joh 1}].

9. Und das soll mir ein fröhlicher Name, Ruhm und Preis sein unter allen Heiden auf Erde, wenn sie hören werden all das Gute, das ich ihnen tue. Und werden sich verwundern und entsetzen über all dem Guten und über all dem Frieden, den ich ihnen geben will.

Preis sein: Nämlich die Erlösung meines Volkes soll gereichen zu meines Namens Lob und Ehre und wird mir es ganz lieb und angenehm sein, wenn man meine großen Guttaten hin und wieder rühmen und ausbreiten wird, die ich meinem Volk erzeigen werde. So werden auch die Heiden mit Verwunderung anschauen, wie ich diesem Volk so wohl gewogen sei. Dass solches in der Wiederkunft von Babel also ergangen und erfüllt wurde, bezeugen Esra und Nehemia in ihren Büchlein, die sie von der Wiederkunft des Volkes und von wieder Aufbauung der Stadt und des Tempels beschrieben haben. [Besonders aber haben die Heiden sich verwundert über den Guttaten Christi, die im Neuen Testament allen Völkern vor- und ausgelegt wurden, und haben sie mit willigem Glauben angenommen. So gereicht auch die Predigt des Evangeliums zu Lob und Ruhm der Barmherzigkeit Gottes, die uns Christus erzeigt hat].

10. So spricht der Herr: An diesem Ort, davon ihr sagt: Er ist wüst, weil weder Leute noch Vieh in den Städten Judas und auf den Gassen zu Jerusalem bleibt, die so verwüstet sind, dass weder Leute noch Bürger noch Vieh darin ist,

Ort: Nämlich in diesem Lande, von dem ihr zwar recht sagt, dass es allerdings verwüstet liege und weder Leute noch Vieh darin gesehen werden, da soll es überall wiederum voller Freuden und Jauchzens sein, dass man allerlei Saitenspiel, Freudengeschrei, Gesänge und anderer Anweisungen der Fröhlichkeit darin hören soll, wie bei den Hochzeiten zu sein pflegt, da es alles voller Freuden ist. [Obwohl nun auch dies dem Buchstaben nach ist erfüllt worden, da die Juden aus dem Elend wieder heimgekommen. So sieht doch der Prophet mit diesen Worten weiter und auf die geistliche Freude, welche der Heilige Geist durch das Evangelium Christi in der Gläubigen Herzen erregt {Röm 14}].

11. wird man dennoch wiederum hören Geschrei von Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer, so da sagen: Dankt dem Herrn Zebaoth, dass er so gnädig ist, und tut immer Gutes! Und derer, so da Dankopfer bringen zum Hause des Herrn. Denn ich will des Landes Gefängnis wenden wie von Anfang, spricht der Herr {Jer 7v34 25v10 Ps 136v1}.

Zebaoth: Dessen Gebiet alle Kreaturen müssen unterworfen sein, demselben lobsingt und preist ihn.

Gnädig: So barmherzig und guttätig gegen seinem Volk.

Immer: Das er nicht müde wird, Gutes zu tun. [Denn ob er wohl über die Sünden seines Volkes zürnt, so verzeiht er doch den Bußfertigen und hat die seinen immer lieb, darum sollen wir ihn wiederum lieben, ehren und preisen].

Dankopfer: Die Gott zu Lob und Dankbarkeit aufgeopfert werden {3Mos 7}. [Und obwohl der Prophet solche Reden führt, wie sie im Alten Testament und zu seiner Zeit gebräuchlich waren, so versteht er doch dadurch die geistlichen Opfer aller Christen, nämlich die Dankbarkeit des Herzens, welche sie mit Worten und in der Tat bezeugen. Von welchen Opfern der Apostel zu den Hebräern sagt, Kapitel 13. So lasst uns nun opfern, durch ihn, das Lobopfer Gott immer, das ist: Die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen].

Anfang: Dass sie im Lande Kanaan ein ruhiges und glückseliges Leben führen sollen, wie vor der Zeit, ehe sie in dies Unglück geraten. [Diese Weissagung wird ihre vollkommene Erfüllung erreichen, wenn wir ins himmlische Vaterland eingehen werden, da wir auch alle die Güter wieder werden bekommen, die wir durch die Sünden unserer ersten Eltern verloren haben].

12. So spricht der Herr Zebaoth: An diesem Ort, der so wüst ist, dass weder Leute noch Vieh darin sind und in allen seinen Städten werden dennoch wiederum Hirtenhäuser sein, die da Herden weiden,

So: Der Prophet fährt noch weiter fort von der Wiederkunft aus Babel, und vom Reich Christi zu weissagen.

Wüste ist: Oder bald später soll zerstört und verwüstet werden.

Herde weiden: Das ist: Man wird nach der grausamen Verwüstung dieses Landes wiederum viel Hirten sehen, die eine große Herde weiden werden.

13. beide, in Städten auf den Gebirgen und in Städten in Gründen und in Städten gegen Mittag, im Lande Benjamin und um Jerusalem her und in Städten Judas; es sollen dennoch wiederum die Herden gezählt aus- und eingehen, spricht der Herr {Jer 17v26}.

Gezählt: Dass sie die Hirten und Hausherren abzählen werden von wegen der großen Menge, denn wo wenige Schafe sind, da darf sich es nicht lange zählen. Und hatte man vorzeiten den größten Reichtum an Vieh, viel mehr als an Silber oder Gold. [Durch die Herden aber werden die Kirche Christi vor- und abgebildet, welche im jüdischen Land von den Aposteln hin und wieder mit dem Evangelium geweidet wurden, dazu nicht allein im jüdischen Land, sondern auch in der ganzen Welt. Daher der Prophet so vieler Städte Meldung tut, gegen die vier Orte der Welt gelegen, anzuzeigen, dass das Evangelium Christi aus dem jüdischen Land durch die ganze Welt sollte ausgebreitet werden].

14. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich das gnädige Wort erwecken will, welches ich dem Hause Israel und dem Hause Juda geredet habe.

Siehe: Was bisher der Prophet vom Reich Christi gesagt, hat etwas dunkel gelautet, darum erklärt er es im Folgenden deutlicher und weissagt ganz herrlich von Christo.

Geredet: Das ist: Ich will die lieblichen Verheißungen von der Sendung Christi erfüllen, welcher der Welt Heiland sein soll, wie ich ihn den Israeliten längst verheißen habe.

15. In den selbigen Tagen und zur selbigen Zeit will ich dem David ein gerecht Gewächs aufgehen lassen; und soll ein König sein, der wohl regieren wird und soll Recht und Gerechtigkeit anrichten auf Erden {Jer 23v5}.

Gewächs: [Es wird aber Christus ein Gewächs Davids genannt, weil er seine menschliche Natur aus der hochgelobten Jungfrau Maria angenommen hat, welche aus des Davids Stamm hergekommen war {Mt 1}. Und wird ein Gewächs der Gerechtigkeit genannt, weil er mit der Erbsünde nicht befleckt gewesen, auch nie keine Sünde getan hat, noch Betrug in seinem Munde erfunden wurde {1Petr 2}. So heißt er ein Gewächs, weil er nach seiner menschlichen Natur an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen zugenommen hat {Lk 2}].

Anrichten: Er soll die Gerechtigkeit handhaben und die unterdrückt sind, erretten. [Denn dadurch, dass er das Gesetz für uns erfüllt hat {Mt 5 Röm 5} und für uns am Kreuz gestorben ist, hat er uns erlöst von der Tyrannei des Teufels, Todes und Hölle {Hebr 2}. Danach regiert, schützt und handhabt er auch seine Kirche mit seinem Geist, dass ihr niemand schaden kann].

16. Zur selbigen Zeit soll Juda geholfen werden und Jerusalem sicher wohnen; und man wird ihn nennen: Der Herr, der unsere Gerechtigkeit ist {5Mos 33v28}.

Juda: Dem Volk Gottes soll derselbe König helfen. [Denn darum ist er Jesus genannt, ehe er geboren wurde, dass er sein Volk selig mache von ihren Sünden {Mt 1}].

Jerusalem: Das ist: Die christliche Kirche. [Denn es sind heutigentags alle rechte Christen, Israeliten {Gal 6}. Welche in rechter geistlicher Sicherheit leben, weil nichts Verdammliches ist an denen, die da sind in Christo Jesu (das ist: Durch den Glauben Christo einverleibt sind) So da nicht nachdem Fleisch wandeln, das ist: Die sich nicht mutwillig mit Sünden wider das Gewissen beschweren {Röm 8}. Es wird sie auch keine Kreatur scheiden können von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu unserem Herrn {Röm 8}].

Gerechtigkeit: Das ist: Er wird der Herr Jehova sein und heißen und mit dem Zunamen unserer Gerechtigkeit genannt werden. [Denn eben derselbe Christus, welcher nach seiner Menschheit ein Gewächs Davids ist, der ist nach der Gottheit, der Herr, Jehova, das ist: Der wahre und ewige Gott, der Sohn Gottes, der mit dem Vater eines Wesens ist. Derselbe Heiland der Welt aber ist uns von Gott gemacht, zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung {1Kor 1}. Er ist aber unsere Gerechtigkeit dergestalt, weil er das Gesetz für uns erfüllt und den Zorn Gottes mit seinem Leiden gestillt hat und wer an ihn glaubt, dem wird der ganze Gehorsam und das Leiden Christi zur Gerechtigkeit vor Gott zu gerechnet, dass er durch die Guttat des Gehorsams und Leidens Christi erlange Vergebung der Sünden und ewiges Leben. Denn dass dies alles von Christo und seinem Reich zu verstehen sei, ist aus den hellen Zeugnissen des Neuen Testaments genügend zu sehen. So kann man keine besseren Ausleger und Erklärer des Alten Testaments haben, als Christus und seine Apostel].

17. Denn so spricht der Herr: Es soll niemals fehlen, es soll einer von David sitzen auf dem Stuhl des Hauses Israel.

Denn: Der Prophet weissagt noch weiter vom Reich Christi und von dessen ewiger Wehrschaft wie auch von der Erhaltung des evangelischen Predigtamts.

Sitzen: Das ist: Das Volk Gottes wird immer einen König haben aus des Davids Geschlecht. [Nämlich Christus, den Sohn Gottes und Davids, der ewig regieren wird, denn er sitzt zur Rechten des allmächtigen Gottes {Mk 16}. Und ist ihm alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden {Mt 28}. Nach dem auch Christus von den Toten auferstanden, so stirbt er jetzt nicht mehr, der Tod wird nicht mehr über ihn herrschen {Röm 6}. Weil aber dieser unser König lebt und regiert, so wird die Kirche nie untergehen, wird auch kein einiges wahres Glied der Kirche seiner Seligkeit halben Verlust leiden].

18. Desgleichen soll es niemals fehlen, es sollen Priester und Leviten sein vor mir, die da Brandopfer tun und Speiseopfer anzünden und Opfer schlachten ewig.

Priester: Es soll der Kirche an keinen Dienern mangeln, die dem heiligen Predigtamt vorstehen. Und braucht der Prophet Wörter des Alten Testaments, derer die Juden damals gewohnt waren. [Die Priester aber und Leviten im Neuen Testament sind die Kirchendiener, welche ordentlich berufen werden, dass sie das Evangelium lehren und die Sakramente handeln, wie sie von Gott eingesetzt sind. Und obwohl unterm Papsttum die Lehre des Evangeliums sehr verfinstert, auch die Sakramente mit Menschensatzungen überhäuft worden. So ist dennoch etlichermaßen die Predigt von Christo und seinen Guttaten geblieben, wie auch die Taufe an ihrem Wesen unverrückt erhalten wurde, dass also Christo eine Kirche hat können gesammelt werden: So sind und werden in der christlichen Kirche immer sich finden, geistliche Priester, das ist, rechtschaffene Christen, die Gott geistliche Opfer tun. Denn sie opfern sich selbst dem Herrn, wenn sie ihres Fleisches Begierden töten {Röm 12}. Und opfern Gaben, wenn sie ihrem Nächsten durch ihre Freigiebigkeit Hilfe leisten {Phil 4}. Sie bringen auch Räucherwerk, wenn sie die Guttaten des Herrn rühmen {Hebr 13}].

19. Und des Herrn Wort geschah zu Jeremia und sprach:

20. So spricht der Herr: Wenn mein Bund aufhören wird mit dem Tage und Nacht, dass nicht Tag und Nacht sei zu seiner Zeit,

Aufhören: Als wollte er sprechen: So gewiss es ist, dass die Umwechslung des Tages und der Nacht bleiben wird bis an den Jüngsten Tag. So gewiss will ich auch meinen eingeborenen Sohn in die Welt senden, dass er aus des Davids Nachkommen menschliche Natur an sich nehme und ein himmlischer König sei, der alles regiere im Himmel und auf Erden. Und gleichwie das Königreich Christi nicht vergänglich sein wird, also will ich auch das Predigtamt des Evangeliums erhalten bis an den Jüngsten Tag.

21. so wird auch mein Bund aufhören mit meinem Knechte David, dass er nicht einen Sohn habe zum König auf seinem Stuhl und mit den Leviten und Priestern, meinen Dienern.

22. Wie man des Himmels Heer nicht zählen noch den Sand am Meer nicht messen kann, also will ich mehren den Samen Davids, meines Knechts und die Leviten, die mir dienen.

Mir dienen: Nämlich die Christen und die Kirchendiener Christi werden unzählig sein, welche des Davids rechte Kinder und Nachkommen sind. [Denn wir werden nicht allein Brüder, sondern auch Kinder Christi genannt von wegen der väterlichen Liebe, die Christus zu uns trägt, darum er auch von den Christen sagt: Siehe, ich und die Kinder, die du mir gegeben hast {Hebr 2}].

23. Und des Herrn Wort geschah zu Jeremia und sprach:

24. Hast du nicht gesehen, was dies Volk redet und spricht: Hat doch der Herr auch die zwei Geschlechter verworfen, welche er auserwählt hatte; und lästern mein Volk, als sollten sie nicht mehr mein Volk sein.

Verworfen: Das ist: Die gottlosen Juden reden aus Verzweiflung also davon, als ob ich das ganze israelitische Volk verworfen hätte, die im Königreich Juda sowohl als die im Königreich Israel und reden ganz verächtlich von meinem Volk, als ob es allerdings aus mit ihnen wäre. [Denn wenn das Fleisch die Trübsal der Kirche sieht, so meint es, dass sie allerdings zugrunde gehen werde].

Lästern: nach Luther]. Das ist: Sie bewegen das Volk zum Unglauben und verzweifeln.

25. So spricht der Herr: Halte ich meinen Bund nicht mit Tag und Nacht noch die Ordnung des Himmels und der Erde,

Halt: Das ist: So gewiss die Umwechslung des Tages und des Nachts immer vor Augen gesehen wird und bleibt, so gewiss auch des Himmels und der Sternen Lauf ist und so gewiss die Erde aus Kraft und Anordnung der ersten Schöpfung, allerlei Kräuter und Früchte hervorbringt, so beständig ist es auch bei mir beschlossen, dass ich das ganze jüdische Volk nicht verwerfen will, sondern will vielmehr aus demselben Volk meine Apostel nehmen, die mit dem Worte des Evangeliums die Kirche regieren sollen, so ich beide, aus den Israeliten und aus den Heiden sammeln will. [Es wird aber hier von den Aposteln gesagt, dass sie herrschen sollen, in Maßen sie auch (im 45. Psalm) Fürsten genannt werden, nicht dass sie oder ihre Nachkommen mit dem Predigtamt ein weltliches Regiment auf Erde führen sollten, denn Christus sagt zu ihnen: {Lk 22}. Die weltlichen Könige herrschen, ihr aber nicht also. Sondern sie werden darum Fürsten und Herrscher genannt, weil sie mit vortrefflichen Gaben vor anderen in der christlichen Kirche geleuchtet und als stattliche Fürsten mit geistlichen Waffen eine unzählige Menge Leute und viel Königreiche dem Könige Christo unterwerfen {2Kor 10}].

26. so will ich auch verwerfen den Samen Jakobs und Davids, meines Knechts, dass ich nicht aus ihrem Samen nehme, die da herrschen über den Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Denn ich will ihr Gefängnis wenden und mich über sie erbarmen.

Wenden: Ich will sie aus dem Elend wieder heimbringen und ihnen Gutes tun. [Denn nachdem Gott seine Kirche betrübt hat, so sieht er sie wiederum mit Gnaden an und erquickt sie].


Das 34. Kapitel


1. Der Prophet verkündigt dem Könige Zedekia sein Gefängnis und trauriges Ende. v. 1. 2. Und verweiset es den Juden höchlich, dass sie die freigelassenen Knechte und Mägde wieder in ihre vorige Dienstbarkeit gezwungen, v. 8.

1. Dies ist das Wort, das vom Herrn geschah zu Jeremia, da Nebukadnezar, der König zu Babel, samt all seinem Heer und allen Königreichen auf Erden, so unter seiner Gewalt waren und allen Völkern stritten wider Jerusalem und alle ihre Städte und sprach:

Dies: Der Prophet wendet sich wieder zu den Juden, dass er ihnen ihre Strafe verkündige, weil sie sich Gott und dem Könige zu Babel halsstarrig und ohne Aufhören widersetzten.

Gewalt waren: Darüber er herrschte. Denn es hat der König zu Babel ein großes Kriegsheer ins jüdische Land geführt, welches er aus vielen und mancherlei Völkern zusammenbrachte, so alle unter seinem als eines mächtigen Monarchen Gebiet gewesen.

Städte: So zum Königreich Juda gehörten und sich dem Könige zu Babel noch nicht ergeben hatten.

2. So spricht der Herr, der Gott Israels: Gehe hin und sage Zedekia, dem Könige Judas und sprich zu ihm: So spricht der Herr: Siehe, ich will diese Stadt in die Hände des Königs zu Babel geben und er soll sie mit Feuer verbrennen {Jer 38v18}.

Reden wirst: Da er dir wird beweisen, dass du ihm nicht hast Glauben gehalten.

Kommen: Das der König zu Babel dich in einen Triumph mit sich führen wird. Aber die Zerstörung dieser Stadt kannst du verhüten, wenn du dich samt den deinen gutwillig an den König zu Babel ergeben wirst. Darum magst du dich jetzt darauf bedenken, ob du dein Unglück häufen und größer machen oder aber es vielmehr dir selber lindern willst. [Denn Gott hat an der Leute Verderben keinen Gefallen, sondern lehrt durch sein Wort, wie wir demselben entgehen können, wenn wir nur folgen wollen].

3. Und du sollst seiner Hand nicht entrinnen, sondern gegriffen und in seine Hand gegeben werden, dass du ihn mit Augen sehen und mündlich mit ihm reden wirst und gen Babel kommen.

4. So höre doch, Zedekia, du König Judas, des Herrn Wort! So spricht der Herr von dir: Du sollst nicht durch das Schwert sterben

So höre: Jetzt tut der Prophet nach angekündigter Strafe eine Milderung derselben hinzu.

Schwert sterben: Der König zu Babel wird dich nicht umbringen lassen.

5. sondern du sollst im Frieden sterben. Und wie man über deine Väter, die vorigen Könige, so vor dir gewesen sind, gebrannt hat, so wird man auch über dich brennen und dich klagen: Ach, Herr! Denn ich habe es geredet, spricht der Herr {2Chr 16v14 Jer 22v18}.

Frieden sterben: Du sollst eines natürlichen Todes sterben, an einer Krankheit, wie andere Menschen, in währender deiner gefänglichen Enthaltung.

Dich brennen: Dass man deinen Körper nicht wird unbegraben hinwerfen, wie dem Könige Jojakim widerfahren, sondern man wird dich ehrlich begraben und eine königliche Leiche halten. Man pflegte aber vorzeiten die Leichen zu verbrennen, wie vom Saul auch gelesen wird {1Sam 31}. Und man bei den Heiden solcher Beispiele viel findet.

Klagen: Mit dergleichen Worten, die man in der Klage zu benutzen und zu wiederholen pflegt. Als, ach du lieber Herr, dass wir dich verloren haben.

Geredet: Darum wird es gewisslich geschehen. [Obwohl nun an sich selber nicht so ganz hoch daran gelegen ist, wo oder wie der Körper begraben werde, wenn nur die Seele selig von hinnen scheidet. So ist es doch auch etwas vom Trost, wenn man ein ehrliches Begräbnis haben kann. Und wird des Königs Zedekia Unglück etlichermaßen dadurch gemildert, weil, so viel man aus diesem ganzen Buch des Propheten Jeremia hin und wieder abnehmen kann, dieser König nicht an sich selber so böses gewesen, wenn er nicht aus Anstiftung und Verhetzung seiner bösen Diener und Hofräte sich vergriffen hätte. Denn es weiß Gott nach Beschaffenheit der Sünden auch die Strafen zu mehren oder zu mindern].

6. Und der Prophet Jeremia redete alle diese Worte zu Zedekia, dem Könige Judas, zu Jerusalem,

7. Da das Heer des Königs zu Babel schon stritt wider Jerusalem und wider alle übrigen Städte Judas, nämlich wider Lachis und Aseka; denn diese waren, als die festen Städte, noch übergeblieben unter den Städten Judas.

Übrige Städte: Die der König zu Babel noch nicht erobert hatte.

Übergeblieben: Das sie sich an den König zu Babel noch nicht ergeben hatten, die anderen waren bereits dahin und verloren. Darum der König Zedekia aus der vor Augen schwebenden großen Gefahr ihm die Rechnung leicht machen können, was es für einen Ausschlag mit ihm gewinnen würde, sofern er sich nicht eines bessern bedächte und die Stadt aufgebe. [Aber wenn die von Gott bestimmten Strafen über ein Land und Königreich herzurücken, so haben keine nützlichen Vorschläge oder Warnungen Platz mehr].

8. Dies ist das Wort, so vom Herrn geschah zu Jeremia, nachdem der König Zedekia einen Bund gemacht hatte mit dem ganzen Volk zu Jerusalem, ein Freijahr auszurufen,

Freijahr: Denn es hatten die Juden das Gesetz Gottes, wie man im siebten Jahr die leibeigenen erkauften Knechte und Mägde frei lassen soll, in Maßen {2Mos 21} zu lesen, eine lange Zeit nicht geachtet noch gehalten. Da aber der König zu Babel das erste Mal die Stadt Jerusalem durch sein Kriegsvolk belagern ließ, unter der Regierung des Königs Zedekia, wurden die Juden erschreckt, dass sie auf Befehl des Königs und seiner Gewaltigen die leibeigenen Knechte und Mägde aus ihrem Volk freiließen. Ohne Zweifel der Hoffnung, dass sie Gott von der Belagerung auch befreien würde. Mittlerweile trug sich es zu, dass der König in Ägypten mit einem Kriegsvolk heraufzog, den belagerten Juden zu helfen {Jer 37}. Darum wichen die Chaldäer eine Zeit lang von der Stadt wiederum zurück. Als aber die Juden der Furcht losworden, schlugen sie wiederum in ihre vorige Fußstapfen und zwangen ihre freigelassenen hebräischen Knechte und Mägde wieder zu der vorigen Dienstbarkeit, welche Bosheit, Unbilligkeit und Unbarmherzigkeit Gott sehr übel gefallen, darum er ihnen später schwere Strafen droht.

9. Dass ein jeglicher seinen Knecht und ein jeglicher seine Magd, so Hebräer und Hebräerinnen wären, sollte freigeben, dass kein Jude den anderen unter denselben leibeigen hielte {3Mos 25v39 5Mos 15v12}.

So Israeliten: Denn von solchen redet das Gesetz nur {2Mos 21}. Dass man sie alle sieben Jahr loslassen soll. Die anderen Knechte und Mägde aber, so sie von den Heiden erkauften, durften sie behalten, solange sie wollten. [Denn weil die Juden dem Geblüte nacheinander verwandt waren, so hat Gott gewollt, dass sie sich ihrer Brüder annehmen sollten. Und ob wir wohl gegen allen Menschen, so viel dessen sein kann und der Gerechtigkeit gemäß uns freundlich erzeigen sollen, so soll man doch vornehmlich auf die ein Auge haben, welche uns des Geblüts halben nahe zugetan und verwandt sein].

10. Da gehorchten alle Fürsten und alles Volk, die solchen Bund eingegangen waren, dass ein jeglicher sollst seinen Knecht und seine Magd freigeben und sie nicht mehr leibeigen halten und gaben sie los.

Gehorchten: [Denn die Gefahr erzwingt aus den Heuchlern so viel, dass sie sich stellen, als wollten sie wieder auf den rechten Weg der Gebote Gottes schreiten. Als da sind, die in einem schrecklichen Unwetter oder beschwerlichen Krankheiten und anderer Gefahr sich ganz andächtig erzeigen. Wie lange aber solche Frömmigkeit anhält, ist aus dem zu sehen, was hier folgt].

11. Aber danach kehrten sie sich um und forderten die Knechte und Mägde wieder zu sich, die sie freigegeben hatten und zwangen sie, dass sie Knechte und Mägde sein mussten.

Danach: Nämlich da die Chaldäer eine Zeit lang von wegen des Königs in Ägypten Herkunft zurückwichen.

Sein mussten: Welches den armen Knechten und Mägden sehr weh getan. Denn es ihnen viel lieber gewesen, dass man sie nie freigelassen hätte, als dass man ihnen mit einer vergeblichen Freude der Freiheit ein wenig das Maul aufgesperrt, aber bald danach wiederum in die vorige Dienstbarkeit gestürzt hat. Hatte also der Juden Frömmigkeit keinen Bestand. [Denn denen es mit der Gottseligkeit kein rechter Ernst ist, die treten wieder in ihre vorigen Fußstapfen, wenn sie nur ein wenig Luft kriegen und werden oft ärger als sie zuvor jemals gewesen].

12. Da geschah des Herrn Wort zu Jeremia vom Herrn und sprach:

13. So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe einen Bund gemacht mit euren Vätern, da ich sie aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, führte und sprach {2Mos 21v2 3Mos 25v39 5Mos 15v12}:

Diensthause: Da sie mit harter und schwerer Dienstbarkeit von den Ägyptern belegt und geplagt wurden.

Sprach: Dass ich unter anderen Gesetzen, so ich ihnen zu halten vorgab und ihnen gebot, dass sie mir schuldigen Gehorsam leisten sollten, auch diese folgende Satzung ihnen gegeben von ihren leibeigenen Knechten und Mägden.

14. Wenn sieben Jahre um sind, so soll ein jeglicher seinen Bruder, der ein Hebräer ist und sich ihm verkauft und sechs Jahre gedient hat, frei von sich lassen. Aber eure Väter gehorchten mir nicht und neigten ihre Ohren nicht.

Lassen: Dies wird also obwohl nicht mit eben denselben Worten, aber doch im gleichen Verstand und einerlei Meinung beschrieben {2Mos 21 5Mos 15}. Da Gott solches zu tun ausdrücklich befohlen. [Ob nun wohl heutigentags die Knechte und Mägde in viel einem bessern Stande leben, weil sie nicht gekauft, sondern gedingt werden und sie ihre Herren und Frauen verändern mögen, sooft sie wollen. So sollen sich dennoch auch die Herren gegen die Knechte der Gerechtigkeit gemäß verhalten. Welche aber dienen, sollen solche Guttat ihrer Freiheit mit dankbarem Herzen erkennen, die sie heutigentags haben und treulich dienen als Christo {Kol 3 Eph 6}].

Mir nicht: Ob ich sie wohl erinnert, wie sie sollten bedenkt sein, dass sie auch vorzeiten Knechte in Ägypten gewesen wären, darum ihnen gebühren wolle, dass sie mit ihren Knechten und Mägden ein Mitleiden hätten und ihnen zur angemessenen Zeit ihre Freiheit nicht missgönnen oder abschlagen, so haben sie doch zu vielen Malen das Ziel überschritten und ihre Knechte und Mägde über die gebührliche Zeit in Diensten bei sich behalten, mit welchem Tun sie mich sehr erzürnten.

15. So habt ihr euch heute bekehrt und getan, das mir wohlgefiel, dass ihr ein Freijahr ließet ausrufen, ein jeglicher seinem Nächsten und habt des einen Bund gemacht vor mir im Hause, das nach meinem Namen genannt ist.

Heute: Das ist, vor kurzer Zeit habt ihr euch vernehmen lassen, als ob ihr wolltet Buße tun und besser handeln als eure Väter.

Nächsten: Dass er seinen Knechten und Mägden ihre Freiheit verkündigen sollt.

Genannt: Dass es ein Tempel des Gottes Israel heißt. Im selben habt ihr mit einem öffentlichen Eid euch gegeneinander gebunden und versprochen, dass ein jeder alle seine Knechte und Mägde, die Israeliten seien, frei lassen wolltet, welcher euer gottseliger Gehorsam mir Wohlgefallen hat, wen ihr nur dabei beharrt hättet. [Denn die Guttätigkeit und Freundlichkeit gegen den Nächsten, ist Gott angenehm].

16. Aber ihr seid umgeschlagen und entheiligt meinen Namen; und ein jeglicher fordert seinen Knecht und seine Magd wieder, die ihr hattet freigegeben, dass sie ihr selbst eigenen wären und zwingt sie nun, dass sie eure Knechte und Mägde sein müssen.

Umgeschlagen: Dass ihr in eurem gottseligen Vorhaben nicht lange beständig geblieben, sondern bald später, was ihr wohl angefangen, übel ärger gemacht.

Namen: Denn ihr zum Zeugnis neben dem getanen Eid angerufen, dass ihr euren Brüdern die Freiheit wieder geben wolltet. [Denn wenn man seinen Eid nicht hält, so entheiligt man den Namen Gottes, den man zum Zeugen anruft].

Sein müssen: Wie sie zuvor gewesen. Darum begeht ihr doppelte Sünden, weil ihr dem Gesetz Gottes von der Freilassung nicht nachkommt und was ihr den Knechten und Mägden mit hinzugetanem Eide verheißen, nicht leistet. [Denn man soll die Verheißungen halten, welche man recht und ehrlich halten kann, obgleich kein Eid dazwischen gekommen, vielmehr soll man dem nachsetzen, was man mit einem Eid versprochen hat].

17. Darum spricht der Herr also: Ihr gehorcht mir nicht, dass ihr ein Freijahr ausrieft, ein jeglicher seinem Bruder und seinem Nächsten; siehe, so rufe ich, spricht der Herr, euch ein Freijahr aus zum Schwert, zur Pestilenz, zum Hunger und will euch in keinem Königreich auf Erde bleiben lassen {5Mos 28v64}.

Ausrieft: Dass ihr es euch hättet mit der Sache lassen ein Ernst sein und eure Mitbrüder wahrhaftig frei gelassen hättet.

Rufe ich: Ich verkündige euch ein Jahr, in dem ihr sollt vogelfrei werden und euch jedermann zu erwürgen Freiheit und Macht haben soll, weil ihr euren Mitbrüdern ihre rechte und beständige Freiheit nicht gönnen mögt. Das wird ein solches Freijahr sein, darüber ihr werdet die Hände über den Kopf zusammenschlagen.

Zum Hunger: Welche Strafen alle miteinander euch zugleich überfallen und vertilgen werden.

Bleiben lassen: Sondern will euch hin und wieder zerstreuen an allen Orten und von einem Ort zum anderen treiben, dass ihr nirgends eine ruhige und sichere Stadt haben werdet, weil ihr euch über eure Mitbrüder nicht erbarmt habt. [Hier mögen die Obrigkeiten und großen Herren aufmerken, die ihre Untertanen ohne alles Mitleiden mit ganz zu harter und unrechter Dienstbarkeit wider ihre ihnen getane Zusage beschweren. Denn sie werden dem göttlichen Gericht nicht entgehen, weil Gott derer, die unrechterweise unter gedrückt werden, Seufzen hörte und zu seiner Zeit rächt].

18. Und will die Leute, so meinen Bund übertreten und die Worte des Bundes, den sie vor mir gemacht haben, nicht halten, so machen wie das Kalb, das sie in zwei Stücke geteilt haben und zwischen den Teilen hingegangen sind,

Geteilt: Das ist, gleichwie sie das Kalb, so zum Opfer bestimmt war, zerteilte, da sie den Bund von Freilassung der Knechte und Mägde miteinander gemacht und zwischen den Stücken, so auf zwei Teile gegeneinander übergelegt, hingegangen, welche Zeremonie vorzeiten im Brauch gewesen, wenn man Bündnis gemacht {1Mos 15}. Also will ich zerteilen, das ist, die eidbrüchigen Leute hin und wieder zerstreuen, welche sich unterstehen dürfen, vor meinem Angesicht öffentlich einen Bund zu machen, den sie doch nicht gehalten haben. [Hat deswegen auch bei dem Volk Gottes eine abscheuliche Meineidigkeit sich befunden, nicht ohne großes Ärgernis der benachbarte Heiden, welche ohne Zweifel von wegen solcher Bosheit der Israeliten ihre Religion gelästert. Dabei man sieht, dass die Kirche selten ohne Ärgernis gefunden wird, welche doch zu einer Zeit größer sind, als zur anderen].

19. nämlich die Fürsten Judas, die Fürsten Jerusalems, die Kämmerer, die Priester und das ganze Volk im Lande, so zwischen des Kalbes Stücken hingegangen sind.

Kalbes Stücken: nach Luther]. Das ist eine Weise gewesen zum Wahrzeichen, das der Bund sollt feste sein, weil sie das Opfer Gottes damit ehrten, als zum Zeugnis der Wahrheit.

Hingegangen: Zur Bestätigung des Bundes, damit anzuzeigen, dass sie denselben, ihrem Versprechen nach stets und festhalten wollten.

20. Und will sie geben in ihrer Feinde Hand und derer, die ihnen nach dem Leben stehen, dass ihre Leichname sollen den Vögeln unter dem Himmel und den Tieren auf Erde zur Speise werden {Jer 7v33 16v4}.

21. Und Zedekia, den König Judas und seine Fürsten will ich geben in die Hände ihrer Feinde und derer, die ihnen nachdem Leben stehen und dem Heer des Königs zu Babel, die jetzt von euch abgezogen sind.

Zedekia: Der solchen Meineid geschehen lasse und nicht abgewehrt hat.

Fürsten: Die den anderen Untertanen hätten sollen mit guten Exempeln der Gerechtigkeit, Beständigkeit und Gottseligkeit vorgehen.

Abgezogen: Das sie die Belagerung eine Zeit lang verlassen, aber sie werden bald später wiederkommen und der Stadt viel ernstlicher zusetzen als zuvor. [Soll deswegen jedermann, klein und groß, den Eid und Bund, so er getan und eingegangen, halten].

22. Denn siehe, ich will ihnen befehlen, spricht der Herr und will sie wieder vor diese Stadt bringen und sollen wider sie streiten und sie gewinnen und mit Feuer verbrennen; und will die Städte Judas verwüsten, dass niemand mehr da wohnen soll.

Befehlen: Nämlich dass ich es ihnen in den Sinn gebe und eine besondere Begierde in ihnen errege, wieder herzukommen.

Streiten: Dass sie die verlassene Belagerung von neuen wieder anfangen werden und nicht aufhören, bis sie die Stadt Jerusalem mit Gewalt erobert haben.

Wohnen soll: Sondern sie sollen im Staub und in der Asche zerstört liegen. [Denn wenn Gott eine Milderung des Unglücks gibt und wartet auf unsere Besserung, wir aber wieder in die vorige Sünden fallen, so kommen die Strafen viel heftiger und häufiger über uns, als zuvor].


Das 35. Kapitel


1. Mit dem Beispiel des Gehorsams der Rechabiter, wird dem jüdischen Volk ihr Ungehorsam verwiesen. v. 1. 2. Und werden die Rechabiter gesegnet. v. 18.

1. Dies ist das Wort, das vom Herrn geschah zu Jeremia zur Zeit Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Judas und sprach:

Dies: Gott zeigt seinem Volk ihren Ungehorsam und Widerspenstigkeit und zieht der Rechabiter Gehorsam zum Beispiel wider sie an, die ihres Urahnherrn (den sie ihren Vater nennen) Gebote aufs Genaueste und fleißig hielten, da unterdes die Juden ihres Gottes Gebote freventlich mit Füßen traten.

Jojakim: Denn es hat Jeremia in Beschreibung seines Buches die Zeiten nicht so genau nacheinander abgerechnet, wenn er dieses oder jenes gepredigt, sondern wie es ihm zuerst aus Eingebung des Heiligen Geistes zugefallen, verzeichnet.

2. Gehe hin in der Rechabiter Haus und rede mit ihnen und führe sie in des Herrn Haus in der Kapelle eine und schenke ihnen Wein.

Rechabiter: Von diesen Rechabitern hält man, dass sie des Jethro, Mose Schwagers, Nachkommen gewesen. Dem sei nun also oder nicht, so ist doch das gewiss, dass Jonadab, ihr Urahnherr, ein frommer und Gottesfürchtiger Mann gewesen, der seinen Söhnen, so von des Jonadabs Vater, Rechab, Rechabiter genannt worden, etliche Gebote hinterlassen, denen sie aufs genaueste nachgelebt.

Mit ihnen: Das sie mit dir gehen sollen, wo du sie hinführen wirst.

Kapelle: Welches besondere Gemache waren, an den Tempel gebaut, in denen man die Erstlinge und Zehnten als Wein, Öl, Weihrauch, Korn, Mehl, Salz und dergleichen Sachen aufbehielt, so man zum Opfer täglich gebrauchte.

Wein: Dass du versuchst, ob sie auch wider ihres Vorfahren Gebot Wein trinken wollen.

3. Da nahm ich Jasanja, den Sohn Jeremias, des Sohnes Habazinjas, samt seinen Brüdern und allen seinen Söhnen und das ganze Haus der Rechabiter

Ganze Haus: So viel ich ihrer zusammenbringen konnte.

4. und führte sie in des Herrn Haus, in die Kapelle der Kinder Hanans, des Sohnes Jegdaljas, des Mannes Gottes, welche neben der Fürsten Kapelle ist, über der Kapelle Masejas, des Sohnes Sallums, des Torhüters.

Kinder Hanan: Denen die selbige Kapelle in ihrer Verwahrung untergeben und befohlen war.

Mannes Gottes: Der mit Frömmigkeit und anderen vortrefflichen Gaben des Heiligen Geistes vor anderen geleuchtet.

Fürsten Kapelle: Welche den obersten Priestern eingegeben war.

Torhüters: Dem die Wacht bei dem Tor am Hause des Herrn befohlen war. Es sieht ihm aber gleich, als ob etliche der vorgemeldeten Kapellen auch dazu geordnet und bestimmt gewesen, dass die Priester und Leviten in denselben ihr Nachtlager hatten, wenn sie dem Gottesdienst nach ihrer Ordnung im Tempel dienen mussten, nachdem einer jeden Partei seine Woche zu dienen betraf. So brauchten auch etliche vornehme weltliche Personen solcher Kapelle etliche, in denen sie heimlich ihre Abgötterei trieben, wie das Gesicht des Propheten Hesekiel in seinem Buch, Kapitel 8 bezeugt.

5. Und ich setzte den Kindern von der Rechabiter Hause Becher voll Weins und Schalen vor und sprach zu ihnen: Trinkt Wein!

6. Sie aber antworteten: Wir trinken nicht Wein; denn unser Vater Jonadab, der Sohn Rechabs, hat uns geboten und gesagt: Ihr und eure Kinder sollt niemals keinen Wein trinken

Vater: Sie nennen den Jonadab ehrenhalben ihren Vater, der doch ihr Urahnherr war.

7. und kein Haus bauen, keinen Samen säen, keinen Weinberg pflanzen noch haben, sondern sollst in Hütten wohnen eurer Leben lang, auf dass ihr lange lebt im Lande, darin ihr wallt.

Noch haben: Oder besitzen, so von anderen gepflanzt wurden.

Leben lang: Und sollst in allen jetzt gehörten Satzungen mir, als eurem Vater, gehorsam sein.

Wallt: Denn obwohl jetzt eine lange Zeit und von vielen Jahren her unser Geschlecht unter den Israeliten gewesen, so seid ihr dennoch nichtsdestoweniger Fremdlinge in dieser Welt. [Es hat aber dieser Jonadab seinen Kindern und Nachkommen nicht der Meinung diese Gebote gegeben und hinterlassen, dass sie dadurch sollten Vergebung der Sünden und das ewige Leben erlangen: Wie er auch mit diesen Satzungen keinen neuen Gottesdienst anzurichten begehrt, welches beides gottlos gewesen wäre, sondern er hat unter seinem Personal eine solche Hauszucht angerichtet, da das Alte Testament noch gewährt und die Juden noch unter dem Zuchtmeister waren, wie Paulus zu den Galatern lehrt, von wegen etlicher erheblichen Ursachen. Den Wein zwar hat er ihnen verboten, auf dass sie vor der Trunkenheit und anderen Sünden, so auf die Trunkenheit zu folgen pflegen, sich desto leichter hüten könnten. Vom Bau der Äcker, Weinberge und Häuser sollten sie sich enthalten, auf dass sie vom Geiz abgemahnt würden und täglich sich erinnerten, wie sie Fremdlinge in dieser Welt wären, auf dass sie desto fleißiger zu einem glückseligen Ausgang aus dieser Welt sich rüsteten. Ob nun wohl die Christen ungezwungen sind, dass sie den Wein und andere Kreaturen Gottes einander nicht verbieten dürfen, so sollen sie aber doch wissen, dass ihnen die Trunkenheit untersagt sei {1Kor 6} und der Geiz {Gal 5 Eph 5} und sollen immer bedenkt sein, dass sie in dieser Welt keine bleibende Stadt haben. Denn also sind auch die heiligen Patriarchen gesinnt gewesen {Hebr 11 13}. Der Katholiken aber ist zu lachen, die aus diesem der Rechabiter Gehorsam ihre Klostergelübde und Menschensatzungen beweisen und darauf gründen wollen, welches doch alles vergebens ist, weil sich eine große Ungleichheit dabei findet. Denn die Klostergelübde werden darum aufgelegt und gehalten, auf dass die Leute dadurch sich selbst und anderen Vergebung der Sünden und das ewige Leben erlangen, auch dass sie Gott einen besonderen und herrlichen Gottesdienst damit erzeigen, welches beides gottlos ist und dem Verdienst Christi zur Schmach gereicht, deren keins den Rechabitern nie im Sinn gekommen. Von dem Klosterleben rühmen die Katholiken, dass es ein Stand der Vollkommenheit sei, darum sie auch die weltlichen Personen, wie sie es nennen, als die ganz weit von der Vollkommenheit sind, ganz gering gegen sich schätzen und verachten sie hochmütig, welches die Rechabiter nicht getan: Zudem enthielten sich die Rechabiter vom Wein, den die Mönche sich nicht verbieten lassen. Die Rechabiter lebten im Ehestand, damit sie nicht mit einem gezwungen ehelosen Leben Leib und Seele befleckten. Aber die Mönche und Nonnen erschweren den Ehestand, daher es danach geschieht, dass sie in des Teufels Stricke fallen und mit gräulichen Sünden sich besudeln. Darum ist und bleibt zwischen der Rechabiter Gehorsam und den Klostergelübden ein großer und mächtiger Unterschied, weil sie weder in der Sache an sich selbst übereinstimmen, noch zu gleichem Ende gerichtet und angesehen sind, und ist ganz und gar nichts ungefähr daran ist, aus welchem man eine Beweisung für die Menschensatzungen nehmen könnte, wie gehört].

8. Also gehorchen wir der Stimme unseres Vaters Jonadab, des Sohnes Rechabs, in allem, das er uns geboten hat, dass wir keinen Wein trinken unser Leben lange, weder wir noch unsere Weiber noch Söhne noch Töchter,

9. und bauen auch keine Häuser, darin wir wohnten und haben weder Weinberge noch Äcker noch Samen,

10. sondern wohnen in Hütten und gehorchen und tun alles, wie unser Vater Jonadab geboten hat.

Hütten: Dass wir mit der Viehzucht uns erhalten.

Geboten: [Zu wünschen wäre es, dass alle das Testament von den Kindern so treulich gehalten würden, als willig des Jonadabs Nachkommen ihres Vaters Gebote gehalten].

11. Als aber Nebukadnezar der König zu Babel, herauf ins Land zog, sprachen wir: Kommt, lasst uns gen Jerusalem ziehen vor dem Heer der Chaldäer und Syrer; und sind also zu Jerusalem geblieben.

Syrer: Denn es sieht ihm gleich, als ob die Syrer, so der Israeliten beharrliche Feinde in der Nachbarschaft gewesen, sich zu dem Kriegsheer des Königs zu Babel geschlagen hätten, wider die Israeliten.

Blieben: Jetzt eine Zeit lang her, da wir zwar daneben unseres Vaters Gebote nicht vergessen, der gewollt, dass wir in Hütten außerhalb der Städte wohnen sollten, aber die unvermeidliche Not hat uns dazu getrieben, auf dass die Chaldäer uns und unsere Weiber und Kinder nicht aufrieben. [Denn die Not ist solchen Satzungen nicht unterworfen, die von Gott nicht geboten sind].

12. Da geschah des Herrn Wort zu Jeremia und sprach:

Da: Folgt jetzt eine Vergleichung der Rechabiter mit den Israeliten.

13. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Gehe hin und sprich zu denen in Juda und zu den Bürgern zu Jerusalem: Wollt ihr euch denn nicht bessern, dass ihr meinen Worten gehorcht? Spricht der Herr.

14. Die Worte Jonadabs, des Sohnes Rechabs, die er seinen Kindern geboten hat dass sie nicht sollen Wein trinken, werden gehalten; und trinken keinen Wein bis auf diesen Tag, darum dass sie ihres Vaters Gebote gehorchen. Ich aber habe stets euch predigen lassen; doch gehorcht ihr mir nicht.

Ich aber: Der ich nicht nur ein Mensch bin, wie Jonadab, der ein frommer Biedermann gewesen, sondern ewiger und wahrhaftiger Gott.

Stets: Ich hab euch zeitlich genug ermahnen lassen, dass ihr meine Gebote halten solltet.

Mir: Eurem Gott und Schöpfer, dem ihr zu Gehorsam schuldig seid.

15. So habe ich auch stets zu euch gesandt alle meine Knechte, die Propheten und lassen sagen: Bekehrt euch, ein jeglicher von seinem bösen Wesen und bessert euren Wandel und folgt nicht anderen Göttern nach, ihnen zu dienen, so sollt ihr im Lande bleiben, welches ich euch und euren Vätern gegeben habe. Aber ihr wolltet eure Ohren nicht neigen noch mir gehorchen {Jer 18v11 25v5 Jon 3v8},

Wesen: Dass er von Sünden und Lastern abstehe.

Bessert: Dass ihr euch der wahren Gottseligkeit und eines unsträflichen Wandels befleißigt.

Göttern: Enthaltet euch von der Abgötterei.

Nicht neigen: Und mir in der wahren Gottseligkeit nicht aufmerken noch folgen.

16. so doch die Kinder Jonadabs, des Sohnes Rechabs, haben ihres Vaters Gebote, das er ihnen geboten hat, gehalten. Aber dies Volk gehorcht mir nicht.

Gehalten: Welches je ein unrechter Handel ist, dass eines Menschen Ansehen bei seinen Nachkommen mehr gilt als des ewigen und allmächtigen Gottes bei seinem Volk.

17. Darum so spricht der Herr, der Gott Zebaoth und der Gott Israels: Siehe, ich will über Juda und über alle Bürger zu Jerusalem kommen lassen all das Unglück, das ich wider sie geredet habe, darum dass ich zu ihnen geredet habe und sie nicht wollen hören, ich habe gerufen und sie mir nicht wollen antworten.

Antworten: Sondern getan, als ob sie meine Worte nie gehört hätten. [Denn wenn über die begangenen Sünden noch dazu eine besondere und mutwillige Widerspenstigkeit sich hervortut, da ist die göttliche Strafe nicht weit].

18. Und zum Hause der Rechabiter sprach Jeremia: So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Darum dass ihr dem Gebote eures Vaters Jonadab habt gehorcht und alle seine Gebote gehalten und alles getan, was er euch geboten hat,

19. Darum spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, also: Es soll dem Jonadab, dem Sohn Rechabs, nie fehlen, es soll jemand von den Seinen immer vor mir stehen.

Stehen: Das ist, ich will dies fromme Geschlecht immerdar erhalten und immer väterliche Sorge für sie tragen, als ob sie mir immerdar vor den Augen umgingen, und will viel auf sie halten. [Denn Gott hat den Gehorsam der Kinder gegen die Eltern geboten und verheißt ihnen Belohnung {2Mos 20 Eph 6}. Wir aber, wenn wir sehen, wie willig die Kinder oder Knechte einesteils ihren Eltern und Herren gehorsam sind, sollen unsere Undankbarkeit gegen Gott erkennen, uns dieselbe lassen Leid sein, um Verzeihung bitten und zukünftig von Herzen ihm zu gehorsamen uns bemühen].


Das 36. Kapitel


1. Des Propheten Jeremia Predigten werden von Baruch beschrieben und da sie vor dem König Jojakim öffentlich gelesen werden, lässt er sie verbrennen. v. 1. 2. Dem Jeremia und Baruch wird nachdem Leben gestellt, aber sie werden von Gott erhalten. v. 26. 3. Darauf wird ein anderer und noch größer Buch beschrieben und werden dem Jojakim seine verdienten Strafen gedroht. v. 27.

1. Im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Judas, geschah dies Wort zu Jeremia vom Herrn und sprach:

2. Nimm ein Buch und schreibe darin alle Reden, die ich zu dir geredet habe über Israel, über Juda und alle Völker von der Zeit an, da ich zu dir geredet habe, nämlich von der Zeit Josias an bis auf diesen Tag,

Buch: So ziemlich groß ist, dass man viel darin schreiben könne.

Völker: Von welcher Unglück und Untergang ich gesagt habe.

Zeit Josia: Nämlich vom dreizehnten Jahr des Königs Josia an. Denn im selben Jahr hat Jeremia zu predigen angefangen, wie der Eingang seines Buches bezeugt.

3. ob vielleicht das Haus Juda, wo sie hören all das Unglück, das ich ihnen gedenke zu tun, sich bekehren wollten, ein jeglicher von seinem bösen Wesen, damit ich ihnen ihre Missetat und Sünde vergeben könnte.

Wesen: Das er von seinen Sünden und Lastern abstünde. [Denn die Heilige Schrift ist von Gott darum gegeben und bisher erhalten worden, dass durch ihr Lesen, Predigen und Betrachten die Leute zur Buße berufen werden. Darum irrt Schwenkfeld ganz grob, dass er sagt, die Heilige Schrift sei kein Mittel oder Werkzeug, dadurch die Sünder bekehrt werden. Und hat man hier zu merken, dass die Drohungen aus der Heiligen Schrift uns nicht darum vorgehalten werden, dass sie uns zur Verzweiflung treiben sollten, sondern dass wir uns zum Herrn bekehren].

Vergeben könnte: Wenn sie Buße tun. [Denn es ist Freude im Himmel, über einen Sünder der Buße tut {Lk 15}. Dieser evangelische Trost ist fleißig zu merken, auf dass die Herzen, so nach Empfindung des göttlichen Zorns niedergeschlagen sind, wieder aufgerichtet werden].

4. Da rief Jeremia Baruch, den Sohn Nerias. Derselbe Baruch schrieb in ein Buch aus dem Munde Jeremias alle Reden des Herrn, die er zu ihm geredet hatte.

Baruch: Einem frommen Menschen, der im Schreiben geübt war, dass er ihm die Weissagungen in die Feder vorsagte, welche er vom Herrn gehört und dem Volk bisher vorgehalten hatte.

Munde: Wie es ihm der Prophet Jeremia vorsagte, also hat er es alles fleißig aufgeschrieben. [Es ist aber eine große Guttat Gottes, dass er seine Weissagungen hat lassen in Schriften verfassen].

5. Und Jeremia gebot Baruch und sprach: Ich bin gefangen, dass ich nicht kann in des Herrn Haus gehen.

Gehen: Und die göttlichen Weissagungen dem Volk vorhalten, die du geschrieben hast. [Denn welche dem Predigtamt des Wortes Gottes mit gebührendem Fleiß dienen wollen, die müssen vielem Unheil und mancherlei Gefahr auf dieser Erde unterworfen sein].

6. Du aber gehe hinein und lies das Buch, darin du des Herrn Reden aus meinem Munde geschrieben hast, vor dem Volk im Hause des Herrn am Fasttage; und sollst sie auch lesen vor den Ohren des ganzen Juda, die aus ihren Städten hereinkommen,

Fasttage: Da das Volk im Hofe am Hause des Herrn häufig pflegt zusammenzukommen, dass sie Gott um Abwendung des herzunahenden Unglücks bitten. Denn es pflegten die Juden zu trübseligen Zeiten ein Fasten anzustellen, damit das Gebet desto ernstlicher wäre. Aber zu des Propheten Jeremia Zeiten hielten sie ein heuchlerisches Fasten, weil sie daneben nicht Buße taten. [Obwohl nun uns Christen keine gewisse Zeit zum Fasten ist eingesetzt worden, so soll man doch zur selben Zeit sich nüchtern und mäßig halten mit Essen und Trinken, wenn eine Not und Gefahr in der Kirche oder im weltlichen Regiment vorhanden ist, welches ein andächtiges und inbrünstiges Gebet fordert].

Sie auch lesen: Nämlich die göttlichen Weissagungen, welche du aus meinem Munde aufgeschrieben und verzeichnet hast. [Denn wenn wir selbst unser Amt in der Kirche zu lehren und zu ermahnen nicht verrichten können, so sollen wir Fleiß ankehren, dass eine taugliche Person an unser statt geordnet werde, damit man nichts versäume, was zu der Kirche Wohlfahrt dienlich ist].

7. ob sie vielleicht sich mit Beten vor dem Herrn demütigen wollten und sich bekehren, ein jeglicher von seinem bösen Wesen; denn der Zorn und Grimm ist groß, davon der Herr wieder dies Volk geredet hat.

Demütigen: Dass sie nach den angehörten göttlichen Weissagungen, in denen schreckliche Drohungen begriffen sind, irgend möchten bewegt werden, damit sie ernstliche Buße taten, ihre Schuld und Sünden demütig Gott abbäten und Gott alsdann ihr emsiges Flehen erhörte und das herzunahende Unglück abwendete. [Denn durch wahre Buße und mit demütigem, inbrünstigem Gebet kann man ein künftiges Unglück verhüten].

Ist groß: Darum es eine hohe Notdurft ist, dass du das Volk zur Buße vermahnst, denn wo die Juden nicht Buße tun, so steht ihnen ihr Verderben darauf. [Und droht Gott nicht allein das Übel, sondern schickt es auch, wo wir es durch wahre Buße nicht abwenden].

8. Und Baruch, der Sohn Nerias, tat alles, wie ihm der Prophet Jeremia befohlen hatte, dass er die Reden des Herrn aus dem Buch läse im Hause des Herrn.

Tat alles: Ob er wohl wusste, dass solche Erzählung ihrer vielen nicht zuschlagen würde und er nicht eine geringe Gefahr darüber bestehen müsste. [Denn wir sollen aus Furcht der Gefahr von unserem Beruf nicht aussetzen noch unser Amt verlassen].

9. Es begab sich aber im fünften Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Judas, im neunten Monden, dass man ein Fasten verkündigte vor dem Herrn allem Volk zu Jerusalem und allem Volk, das aus den Städten Judas gen Jerusalem kommt.

Monden: Der zum Teil in unseren Wintermonat, zum Teil in den Christmonat fällt.

Verkündigt: Nämlich aus Befehl des Königs und Hohepriesters, dass sie miteinander Gott bäten um Abwendung des bevorstehenden Unglücks. Denn es hatten die Juden den Erzählungen der göttlichen Drohungen eine Zeit lang gehört und sie geduldet. [Aber es hilft kein Fasten oder Gebet, sofern die Leute nicht auch ernstliche Buße tun, sondern daneben in ihrem gottlosen Leben und Wesen immer fortfahren {Jes 58}].

10. Und Baruch las aus dem Buch die Reden Jeremias im Hause des Herrn, in der Kapelle Gemarjas, des Sohnes Saphans, des Kanzlers, im oberen Vorhofe vor dem neuen Tor am Hause des Herrn, vor dem ganzen Volk.

Las: Denn er bei solcher großen Versammlung des Volkes der Gelegenheit wahrgenommen, dass er die Leute zur Buße ermahnte.

Kapelle: Die doch offen gestanden und sieht ihm gleich, als ob derselbe Ort dazu verordnet gewesen, dass man die geistlichen Rechnungen darin abgehört hat.

Vorhofe: Der dem Tempel am nächsten war.

11. Da nun Michaja, der Sohn Gemarjas, des Sohnes Saphans, alle Reden des Herrn gehört hatte aus dem Buch,

12. ging er hinab in des Königs Haus, in die Kanzlei. Und siehe, dort saßen alle Fürsten: Elisama, der Kanzler, Delaja, der Sohn Semajas, Elnathan, der Sohn Achbors, Gemarja, der Sohn Saphans und Zedekia, der Sohn Hananjas, samt allen Fürsten.

Fürsten: Nämlich die vornehmsten Räte des Königs. Unter denen etliche fromme und gottesfürchtige Männer sich gefunden, wie später zu sehen. [Ist es deswegen eine alte, aber ganz nicht löbliche Gewohnheit, dass die Räte und so zur Kanzlei gehören, oft zur selben Zeit die Sachen abhandeln wollen, wenn das Volk zum Predigt hören und beim Gemeindegebet ist].

Elnathan: Welcher eben derselbe gewesen, der den Propheten Uria aus Ägypten geholt, dass er umgebracht würde, davon oben (Kapitel 26) gesagt ist. Hat aber später Buße getan, wie aus dem Folgenden zu lesen ist.

13. Und Michaja zeigte ihnen an alle Reden, die er gehört hatte, da Baruch las aus dem Buch vor den Ohren des Volkes.

Michaja: Der meines Erachtens der Religion nicht übel gewogen gewesen und es dafür gehalten, dass man die göttlichen Weissagungen nicht aus der acht lassen, viel weniger verwerfen soll.

14. Da sandten alle Fürsten Judi, den Sohn Nethanjas, des Sohnes Selemjas, des Sohnes Chusis, nach Baruch und ließen ihm sagen: Nimm das Buch, daraus du vor dem Volk gelesen hast, mit dir und komm! Und Baruch, der Sohn Nerias, nahm das Buch mit sich und kam zu ihnen.

Judi: Der später des Propheten Jeremia Buch vor dem Könige gelesen und vielleicht einer von des Königs Kammer Sekretariaten gewesen.

Buch: Darin die göttlichen Weissagungen und Bedrohungen stehen.

15. Und sie sprachen zu ihm: Setze dich und lies, dass wir es hören! Und Baruch las ihnen vor ihren Ohren.

16. Und da sie alle die Reden hörten, entsetzten sie sich einer gegen den anderen und sprachen zu Baruch: Wir wollen alle diese Reden dem Könige anzeigen.

Dem anderen: Das sie einander mit großer Verwunderung ansahen, da sie solche schrecklichen Drohungen Gottes hörten. [Denn das Wort Gottes ist zu seiner Zeit kräftig in der Menschen Herzen].

Anzeigen: Denn man muss solches dem Könige nicht verschweigen, ob er vielleicht dadurch möchte bewegt werden, dass er Gott den Herrn zu versöhnen gedächte. [Und soll man den Regenten nicht nur sagen, was sie gern hören, sondern auch was nützlich ist, ob es ihnen gleich nicht allewege wohl zuschlägt].

17. Und fragten den Baruch: Sage uns, wie hast du alle diese Reden aus seinem Munde geschrieben?

18. Baruch sprach zu ihnen: Er las mir alle diese Reden aus seinem Munde und ich schrieb sie mit Tinte ins Buch.

Er las: Nämlich der Prophet Jeremia sagte mir sie vor, als wenn er sie mir aus einem Briefe vorgelesen hätte.

19. Da sprachen die Fürsten zu Baruch: Gehe hin und verbirg dich mit Jeremia, dass niemand wisse, wo ihr seid!

Verbirg: Damit ihr nicht in Gefahr eures Lebens kommt, wenn der König über der Verlesung dieses Buches zornig würde. Und lautet es hier dahin, da dies vorgegangen, als ob Jeremia aus der Gefangenschaft wieder los gewesen. [Es handeln aber die wohl und löblich, welche die Kirchendiener aus der Gefahr begehren zu retten, werden auch davor gewisslich Belohnungen von Gott empfangen. Wie man nicht weniger unschuldige Leute zeitlich warnen soll, dass sie der Gefahr entgehen mögen].

20. Sie aber gingen hinein zum Könige in den Vorhof und ließen das Buch behalten in der Kammer Elisamas, des Kanzlers und sagten vor dem Könige an alle diese Reden.

Sie: Die vorgenannten vornehmsten Räte des Königs.

Behalten: Dass man es von dort, wenn es die Gelegenheit vor dem Könige gebe, könnte holen lassen.

Rede: Dass sie ihm den Inhalt der Predigten und Weissagungen des Propheten Jeremia kürzlich anzeigten und entdeckten.

21. Da sandte der König den Judi, das Buch zu holen. Derselbe nahm es aus der Kammer Elisamas, des Kanzlers. Und Judi las vor dem Könige und allen Fürsten, die bei dem König standen.

Judi: Dessen kurz zuvor auch gedacht wurde.

Holen: Aus dem vorgemeldeten des Kanzlers Gemach, da man es aufbehalten hatte.

22. Der König aber saß im Winterhause, im neunten Monden, vor dem Kamin.

Monden: Der zum Teil in unseren Wintermonat, zum Teil in den Christmonat fällt.

23. Als aber Judi drei oder vier Blatt gelesen hatte, zerschnitt er es mit einem Schreibmesser und warf es ins Feuer, das im Kaminherde war, bis das Buch ganz verbrannte im Feuer.

Zerschnitt: Nämlich aus Befehl des Königs. Denn später wird dem König diese Tat zugemessen.

Ins Feuer: [Obwohl man nun schädliche Bücher recht ins Feuer wirft und verbrannt, in Maßen die bekehrten Christen zu Ephesus die abergläubischen Bücher verbrannt haben {Apg 19}]. So tut doch der Satan solches böslich nach und begehrt die nützlichen Bücher auch zu vertilgen].

24. Und niemand entsetzte sich, noch zerrissen seine Kleider, weder der König noch seine Knechte, so doch alle diese Reden gehört hatten.

Entsetzte sich: Über den Drohungen Gottes, die sie hatten hören verlesen und über der Tat, dass man das Buch ins Feuer geworfen.

Zerriss: Vor großem Herzeleid und Bekümmernis, wie sonst in solchen Fällen zu geschehen pflegte bei den Juden und sie richtig hätten tun sollen, dass sie sich aus den Drohungen der Strafen den ernsten Zorn Gottes wohl eingebildet, ihre Sünden bekannt und dieselben herzlich beweint und bereut hätten, weil sie solches Unglück damit verdient und verursacht, welches des Jeremia Weissagungen drohten. Aber der König und seine Hofleute haben solches alles verachtet.

25. Wiewohl Elnathan, Delaja und Gemarja baten den König, er wollte das Buch nicht verbrennen; aber er gehorchte ihnen nicht.

Ihnen nicht: [Denn es wollten wenige Regenten leiden, wenn man ihre Religion wandelt und verkehrte Anschläge verwirft. Aber weil sie sich vom Worte Gottes nicht wollen weisen und lehren lassen, so geraten sie darüber in großes Unglück]. Es sind aber diese hier genannten Räte des Königs zu loben, dass sie haben bei dem Könige dürfen eine Fürbitte tun, damit solches Buch, in dem Wahrheit stünde, nicht verbrannt würde. Denn der Räte Amt bringt es mit sich, die Regenten zu ermahnen, dass sie nichts ungebührliches vorhabe. Judit aber ist ein Hoffuchsschwänzer gewesen, der alles ohne Verzug getan, was der König begehrte und achtet sich unterdes wenig, was der Ehre Gottes, oder auch des Königs und anderer Leute Wohlfahrt, daran gelegen sein möchte].

26. Dazu gebot noch der König Jerahmeel, dem Sohn Hamelechs und Seraja, dem Sohn Asriels und Selemja, dem Sohn Abdeels, sie sollten Baruch, den Schreiber und Jeremia, den Propheten, greifen. Aber der Herr hatte sie verborgen.

Greifen: Den einen zwar, dass er das Buch geschrieben, den anderen aber, dass er es ihm vorgesagt und zu schreiben befohlen hätte. Mit denen er ohne Zweifel würde gräulich umgegangen sein, wenn sie ihm in die Hände geraten wären. [Solchen Dank begehrt die Welt den frommen Kirchendienern für ihre treuen und heilsamen Warnungen zu erzeigen. Aber Gott macht ihr Vorhaben zunichte].

Verborgen: Also dass man sie nicht finden konnte, wie fleißig man sie auch gesucht, bis dem König der Zorn vergangen. [Wenn deswegen die Frommen einer Gefahr entgehen, so sollen sie es der Güte Gottes zuschreiben und ihm dafür danken].

27. Da geschah des Herrn Wort zu Jeremia, nachdem der König das Buch und die Reden, so Baruch hatte geschrieben aus dem Munde Jeremias, verbrannt hatte und sprach:

28. Nimm dir wiederum ein anderes Buch und schreibe alle vorigen Reden darin, die im ersten Buch standen, welches Jojakim, der König Judas, verbrannt hat,

Schreib: [Denn man soll die nützlichen Schriften erhalten und wieder aufbringen, besonders aber soll man Gott danken, dass er uns die Heilige Schrift wider des Teufels vielfältige Anschläge bisher erhalten hat].

29. und sage von Jojakim, dem Könige Judas: So spricht der Herr; Du hast dies Buch verbrannt und gesagt: Warum hast du darin geschrieben, dass der König von Babel werde kommen und dies Land verderben und machen, dass weder Leute noch Vieh darin mehr sein werden?

30. Darum spricht der Herr von Jojakim, dem Könige Judas: Er soll keiner von den Seinen auf dem Stuhl Davids sitzen und sein Leichnam soll hingeworfen des Tages in der Hitze und des Nachts in dem Frost liegen.

Sitzen: Er soll keinen Leibes Erben hinterlassen, der das Königreich Juda lange behalten wird. Denn obwohl sein Sohn Jechanja zum Könige in Juda erwählt worden, so hat es doch nur drei Monate mit ihm gewährt, also dass er kaum auf den königlichen Stuhl erwärmt und danach gefangen gen Babel geführt worden {2Sam 24}. Darum es eben so viel gewesen, als wenn er nie regiert hätte.

Liegen: Bis er von den wilden Tieren und Vögeln verzehrt wurde. Denn auch oben Kapitel 22, der Prophet Jeremia von ihm gesagt, er soll wie ein Esel begraben werden. [Und ist es ein Stück vom Fluch, wenn man des Grabes mangeln muss, welcher Jammer doch den Frommen zu desto größerer Herrlichkeit gereicht, wenn ihnen dergleichen um der Bekenntnisse willen der rechten Religion widerfährt].

31. Und ich will ihn und seinen Samen und seine Knechte heimsuchen um ihrer Missetat willen. Und ich will über sie und über die Bürger zu Jerusalem und über die in Juda kommen lassen all das Unglück, das ich ihnen geredet habe und sie doch nicht gehorchen.

Heimsuchen: Dass ich sie miteinander strafe, von wegen seiner Bosheit, welcher seine Kinder folgen und seine Diener dazu helfen. [Denn Gott straft nicht nur die gottlosen Regenten, sondern auch ihre Diener, durch welche sie ihre bösen Taten verrichten].

Gehorchen: Da ich sie zum Guten ermahnen lasse, dass sie mir gefolgt und also das künftige Übel verhütet hätten. [Denn das herzunahende Unglück wird mit Verfolgung frommer Kirchendiener und Absagung guter Bücher nicht gemildert oder aufgehoben, sondern nur schwerer und größer gemacht].

32. Da nahm Jeremia ein anderes Buch und gab es Baruch, dem Sohn Nerias, dem Schreiber. Der schrieb darin aus dem Munde Jeremias alle die Reden, so in dem Buch standen, das Jojakim, der König Judas, hatte mit Feuer verbrennen lassen; und über die selbigen wurden der Reden noch vielmehr, denn jener waren.

Viel mehr: Es sind noch etliche neue Predigten des Propheten dazu gekommen, die im vorigen Buch nicht beschrieben gewesen. [Je mehr deswegen die Tyrannen das Wort Gottes zu unterdrücken begehren, je heller es hervorleuchtet].


Das 37. Kapitel


1. Zedekia begehrt, dass Jeremia mit seinem Gebet bei Gott für ihn eine Fürbitte tun wolle. v. 1. 2. Gott gibt zur Antwort, dass die Chaldäer wiederkommen werden. v. 6. 3. Als Jeremia hinaus aufs Feld gehen will, wird er als ein Verräter angegriffen und ins Gefängnis gelegt. v. 11. 4. Da die Chaldäer wieder zur Belagerung der Stadt kommen, begehrt der König eine Weissagung vom Propheten und lindert ihm sein Gefängnis. v. 17.

1. Und Zedekia, der Sohn Josias, wurde König anstatt Jechanjas, des Sohnes Jojakims; denn Nebukadnezar, der König zu Babel, machte ihn zum König im Lande Juda.

Zedekia: Von diesem Könige wird gemeldet {2Sam 24 2Chr 36}, dass er im einundzwanzigsten Jahr seines Alters König wurde und elf Jahr regiert habe, aber vor den Augen des Herrn übel getan und vor dem Propheten sich nicht gedemütigt, der aus dem Munde des Herrn zu ihm geredet. Wie wir auch aus diesem Kapitel zu vernehmen, so ist er ein sehr unbeständiger und wankelmütiger Mensch gewesen, der den Propheten Jeremia bisweilen um Rat gefragt, aber doch aus keinem rechten Ernst oder Eifer, darum er zugelassen, dass seine Hofdiener sehr unbarmherzig mit ihm umgegangen, hat also hin und wieder gewankt und nichts richtiges schließen können. [Wo aber eine Obrigkeit gottlos ist, da folgt der ganze Hof, und die Untertanen in der Bosheit auch später. Denn wenn das Haupt schwach ist, so sind die anderen Glieder des Leides auch matt und kraftlos, darum soll man Gott bitten, dass er fromme Obrigkeiten gebe und dieselben lange gesund erhalten wolle].

2. Aber er und seine Knechte und das Volk im Lande gehorchten nicht des Herrn Worten, die er durch den Propheten Jeremia redete.

3. Es sandte gleichwohl der König Zedekia Juchal, den Sohn Selemjas und Zephanja, den Sohn Masejas, den Priester, zum Propheten Jeremia und ließ ihm sagen: Bitte den Herrn, unseren Gott, für uns!

Für uns: Damit es zu unserem Glück und Heil gereichen möge, dass die Ägypter wider die Chaldäer uns zu Hilfe kommen und dass die Chaldäer, so von uns abgezogen sind, nicht wieder umkehren, diese Stadt Jerusalem zu belagern. Denn es ist diese Botschaft zum Jeremia geschickt worden, da die Chaldäer von der Stadt Jerusalem abgezogen waren. Zur selben Zeit und in solchen gefährlichen Läufen hat der König zu des Propheten Jeremia Gebet seine Zuflucht gesucht, da er doch sonst seine Predigten nicht glaubte. Denn es fürchtete sich der König vor den Chaldäern, dass sie bald möchten wiederkommen. [Und pflegen dergleichen Leute, die ihrer Religion keinen Grund haben, auch derjenigen Fürbitte bei Gott zu begehren, mit derer Religion sie es doch nicht halten, sondern nur von wegen ihres unsträflichen Wandels sich über sie verwundern. Es haben aber der frommen Leute Gebet keine Kraft, sofern diejenigen nicht Buße tun, für welche sie Gott bitten sollen. Überdies sind auch die zuvor genannten Abgesandten darum zum Propheten abgefertigt worden, dass sie von dem Ausgang des Krieges mit den Chaldäern sich Berichts erholten, wie es zukünftig damit ergehen möchte].

4. Denn Jeremia ging nun unter dem Volk aus und ein und legte ihn niemand ins Gefängnis.

Und ein: Wohin er wollte, ungehindert, ob er wohl nicht abließ, wider die Stadt Jerusalem zu weissagen. [Denn Gott lässt den seinen von den Verfolgungen bisweilen ein wenig Frist, dass sie sich wieder erholen].

5. So war das Heer Pharaos aus Ägypten gezogen und die Chaldäer, so vor Jerusalem gelegen, da sie solches Gerücht gehört hatten, waren von Jerusalem abgezogen.

Abgezogen: Ob nun wohl verständige Leute leicht gemerkt, dass sie darum noch nicht aller Gefahr entronnen wären. So ist doch kein Zweifel, es haben ihrer viele über dem Jeremia das Maul aufgeworfen, als ob es alles nichts und erdichtet wäre, was er von der Stadt Untergang geweissagt hatte. [Denn Gott lässt den Gottlosen eine Zeit lang einen Blick vom Glück vorleuchten, daher sie doch aus gerechtem Urteil Gottes nur desto mehr geblendet werden].

6. Und des Herrn Wort geschah zum Propheten Jeremia und sprach:

Geschah: Also dass Gott die vorigen Drohungen des Propheten von dem Untergang der Stadt mit einer neuen Weissagung bestätigen ließ.

7. So spricht der Herr, der Gott Israels: So sagt dem Könige Judas, der euch zu mir gesandt hat, mich zu fragen: Siehe, das Heer Pharaos, das euch zu Hilfe ist ausgezogen, wird wiederum heim nach Ägypten ziehen,

Fragen: Von dem Ausgang des Krieges mit den Chaldäern.

Ziehen: Und euch keine Hilfe leisten, sondern wenn ihr ihrer am meisten zu eurem Schutz wider die Chaldäer bedürfen werdet, so werden sie ganz weit von euch sein. [Denn also ist es mit der Menschen Hilfe beschaffen, darauf andere sich verlassen, dass wenn man ihrer am meisten benötigt ist, sie nirgends vorhanden sind, und kommt die göttliche Strafe, da man nicht Buße tut, nur desto herber und schärfer wieder].

8. und die Chaldäer werden wieder kommen und wider diese Stadt streiten und sie gewinnen und mit Feuer verbrennen.

9. Darum spricht der Herr also: Betrüget eure Seelen nicht, dass ihr denkt, die Chaldäer werden von uns abziehen. Sie werden nicht abziehen.

Nicht abziehen: Dergestalt, dass sie nie wieder kommen sollten, diese Stadt weiter zu belagern. Denn sie sind nur eine Zeit lang davon gewichen, bis die Ägypter wieder zurückkehren, alsdann werden sie bald wieder da sein und die Stadt viel härter belagern als zuvor.

10. Und wenn ihr schon schlüget das ganze Heer der Chaldäer, so wider euch streiten und blieben ihrer etliche verwundet über, so würden sie doch ein jeglicher in seinem Zelt sich aufmachen und diese Stadt mit Feuer verbrennen.

Schlüget: Dahin ihr es doch nimmermehr bringen werdet.

Verbrennen: Also hat es Gott beschlossen. [Und können die göttlichen Dekrete mit keiner Gewalt oder menschlicher Weisheit gehindert werden, wo man nicht ernstliche Buße tut].

11. Als nun der Chaldäer Heer von Jerusalem war abgezogen um des Heers willen Pharaos,

Als: Bis daher hatte der Prophet Jeremia von der Verfolgung sich ein wenig wieder erholt, währt aber nicht lange, so stößt ihm ein neues Unglück zu Händen, davon jetzt folgt.

12. ging Jeremia aus Jerusalem und wollte ins Land Benjamin gehen, Äcker zu bestellen unter dem Volk.

Land Benjamin: Denn Jerusalem war im Stamm Benjamin gelegen.

13. Und da er unter das Tor Benjamin kam, da war einer bestellt zum Torhüter mit Namen Jeria, der Sohn Selemjas, des Sohnes Hananjas; derselbe griff den Propheten Jeremia und sprach: Du willst zu den Chaldäern fallen.

Jeria: Der ein vornehmer Mann und nicht eines geringen Ansehens war. Denn es waren unter jedem Tor vornehme Leute geordnet, weil sie den Chaldäern nicht trauten, ob sie gleich abgezogen waren.

Fallen: Und die Stadt verraten. [Denn was Lästermäuler sind, die deuten alles aufs übelste, indem sie ihrem Vater, dem Teufel folgen, der von den Lästerern seinen Namen bekommen hat].

14. Jeremia sprach: Das ist nicht wahr, ich will nicht zu den Chaldäern fallen. Aber Jerja wollte ihn nicht hören, sondern griff Jeremia und brachte ihn zu den Fürsten.

Nicht wahr: Was du mich beschuldigst und ist mir es nie in den Sinn gekommen. Denn obwohl Jeremia dem Könige und dem Volk geraten hatte, dass sie sich den Chaldäern ergeben sollten, so hat er doch allein nicht zu ihnen begehrt zuzufallen, auf dass er nicht für einen Verräter des Vaterlandes angesehen würde. [Und soll ein frommer Mensch auch allen Schein des bösen meiden {1Thes 5}. Es lehrt uns aber auch der Prophet mit seiner Verantwortung, dass wir uns einer Übeltat halben, die uns fälschlich zugemessen wird, wohl entschuldigen mögen, doch dass es mit gebührender Bescheidenheit geschehe].

Nicht hören: Er wollte seine Entschuldigung nicht annehmen.

Fürsten: Oder vornehmsten Räten und Hofdienern des Königs, vor denen er ihn des Abfalls und der Verräterei beschuldigte, als ob er wolle zu den Chaldäern fallen.

15. Und die Fürsten wurden zornig über Jeremia und ließen ihn schlagen und warfen ihn ins Gefängnis im Hause Jonathans, des Schreibers; den selbigen setzten sie zum Kerkermeister.

Kerkermeister: Dass er auf die Gefangenen Acht hätte, damit keiner entränne. [Hier sieht man, wie es so ungleich in dieser Welt unter den Leuten zugeht. Die falschen Propheten, so das Volk verführten und die Stadt samt dem Könige und der ganzen Bürgerschaft in äußerste Gefahr ihres Lebens und Untergangs setzten, gingen frei aus und allerdings ungehindert, wohin sie wollten. Aber der Prophet des Herrn, welcher dem Könige und Volk den Weg zeigte, welchergestalt sie dem Unglück entgehen könnten, wird mit dem Kerker geplagt. Jedoch wird Gott diesem seine Frömmigkeit im anderen Leben reichlich belohnen und die falschen Propheten um ihres Betrugs willen, der ewigen Strafe übergeben].

16. Also ging Jeremia in die Grube und Kerker und lag lange Zeit dort.

17. Und Zedekia, der König, sandte hin und ließ ihn holen und fragte ihn heimlich in seinem Hause und sprach: Ist auch ein Wort vom Herrn vorhanden? Jeremia sprach: Ja, denn du wirst dem Könige zu Babel in die Hände gegeben werden.

Sandte: Nämlich da unterdes die Chaldäer wieder gekommen waren und die Stadt von neuem belagert hatten, wie zu Ende des Kapitels zu sehen.

Wort: Hast nicht irgendeine göttliche Offenbarung von diesem Kriege mit den Chaldäern, was er für einen Ausgang nehmen werde? Hier sieht man, wie dieser König so wankelmütig ist in seinem Tun. Denn bald verachtet er den Propheten, bald begehrt er wieder eine göttliche Weissagung von ihm, dass er allerdings nicht gewusst, was er tun sollte. Denn er verachtete das Wort Gottes. Wenn er aber dem Gesetz Gottes nachgekommen wäre, welches befahl, dass der König das Buch des Gesetzes haben soll und im selben fleißig lesen, die ganze Zeit seines Lebens {5Mos 17}. So hätte er ihm und den seinen recht und nützlich raten können. [Darum sollen die Regenten das Wort Gottes lesen, hören und betrachten, dass sie in schweren Sachen nicht so unbeständig sind und hin und wieder wanken].

Ja: Ich habe einen göttlichen Bericht von dem Ausgange dieses Krieges.

Gegeben: Obwohl nun der Prophet leicht erachten könne, dass er dem Könige mit seiner Weissagung keine angenehme Nachricht verkündigen würde, so hat er doch die Wahrheit nicht verschweigen wollen. [Denn es sollen die Kirchendiener niemand etwas nach Gunst und zu Gefallen reden].

18. Und Jeremia sprach zum Könige Zedekia: Was habe ich wider dich, wider deine Knechte und wider dies Volk gesündigt, dass sie mich in den Kerker geworfen haben?

Geworfen: Als einen Übeltäter. [Denn es mag ein frommer Mensch über der Unbilligkeit, so ihm zugefügt wird, sich wohl beklagen].

19. Wo sind nun eure Propheten, die euch weissagten und sprachen: Der König zu Babel wird nicht über euch noch über dies Land kommen?

Wo sind: Sind sie nicht zuschanden und der Unwahrheit öffentlich überzeugt worden? Denn die Chaldäer sind vorhanden und haben diese Stadt wiederum belagert, ob sie gleich zuvor eine Zeit lang abgezogen, so sind sie doch jetzt wiedergekommen und steht die Sache viel übler als zuvor nie. [Denn, ob man wohl den Trübseligen ihr Unglück nicht aufrücken soll, so muss man doch die unbußfertigen Leute erinnern, dass sie ihr Unglück und Irrtümer einmal erkennen].

20. Und nun, mein Herr König, höre mich und lass meine Bitte vor dir gelten und lass mich nicht wieder in Jonathans, des Schreibers, Haus bringen, dass ich nicht sterbe dort.

Höre mich: Denn da der Prophet Gelegenheit bekommen, will er die selbige nicht versäumen und bittet den König um Milderung seines Gefängnisses.

Sterbe: Dieweil ich den Gestank des Kerkers nicht länger werde erdulden können. [Denn obwohl der Prophet die göttliche Verheißung hatte, dass er ihm beistehen wollte. So hat er doch die Mittel nicht wollen ausschlagen, welche zur Erhaltung seines Lebens dienlich waren. Und soll man die ordentlichen Mittel nicht verachten, auf dass wir Gott nicht versuchen].

21. Da befahl der König Zedekia, dass man Jeremia im Vorhofe des Gefängnisses behalten soll und ließ ihm des Tages ein Laiblein Brot geben aus der Bäckergasse, bis dass alles Brot in der Stadt auf war. Also blieb Jeremia im Vorhofe des Gefängnisses.

Vorhof: Welcher Ort viel leidentlicher war als der vorige. [Denn Gott mildert den seinen ihr Kreuz, dass sie nicht darunter versinken].

Auf war: Dass es alles verzehrt war und der Hunger überhandgenommen, darauf die Eroberung der Stadt erfolgt.


Das 38. Kapitel


1. Jeremia wird aus Anstiftung der Hofdiener in eine Grube geworfen. v. 1. 2. Aber mit Hilfe Ebed Melech eines Mohren wiederum daraus gezogen. v. 7. 3. Darauf er vor dem König von dem unglückhaften Ausgang des Kriegs weissagte. v. 14.

1. Es hörten aber Saphatja, der Sohn Mathans und Gedalja, der Sohn Pashurs und Juchal, der Sohn Selemjas und Pashur, der Sohn Malchias, die Rede, so Jeremia zu allem Volk redete und sprach:

Es: Weil Jeremia in seiner gefänglichen Enthaltung im Vorhofe dennoch nicht unterließ, die Hofleute in seinen Predigten anzugreifen und zu reizen, so bringen sie bei dem Könige zuwege, dass er in ein tiefes und hässliches Loch voller Schlamm geworfen wird, der Hoffnung, dass er darin in Kürze sterben müsste.

Allem Volk: Denn es wird mit dem Vorhof des Gefängnisses eine solche Gestalt gehabt haben, dass Jeremia von denen, die vorüber gegangen, hat mögen gesehen und gehört werden. [Und soll ein Kirchendiener keine Gelegenheit zu lehren und zu ermahnen versäumen, ob er vielleicht die Zuhörer könnte wieder auf den rechten Weg bringen].

2. So spricht der Herr: Wer in dieser Stadt bleibt, der wird durch Schwert, Hunger und Pestilenz sterben müssen; wer aber hinausgeht zu den Chaldäern, der soll lebend bleiben und wird sein Leben wie eine Beute davonbringen.

Beute: Das ist, er wird sein Leben unter so vielen und mancherlei Anstößen wieder alles erhoffen, erretten und davonbringen, wie ein Kriegsmann unversehens eine Beute antrifft und mit sich hinwegnimmt.

3. Denn also spricht der Herr: Diese Stadt soll übergeben werden dem Heer des Königs zu Babel und sollen sie gewinnen.

4. Da sprachen die Fürsten zum Könige: Lass doch diesen Mann töten; denn mit der Weise wendet er die Kriegsleute ab, so noch übrig sind in dieser Stadt, desgleichen das ganze Volk auch, weil er solche Worte zu ihnen sagt. Denn der Mann sucht nicht, was zum Frieden diesem Volk, sondern was zum Unglück dient.

Fürsten: Die vornehmsten Räte und Hofdiener.

Mann: Den Jeremia, der sehr ein schädlicher Mensch ist.

Weise: Wenn er mit seinen Predigten also fortfährt.

Ab: Er macht sie kleinmütig und verzagt, dass sie dem Feinde nicht angemessenen und tapferen Widerstand tun.

Ganze Volk: Welches ebenmäßig allerdings zerschlagen und furchtsam gemacht wird, dass es die Belagerung auszustehen und in die Länge zu erdulden unwillig wird.

Sagt: Wie wir jetzt allererst von ihm gehört haben. Denn wer will den Chaldäern widerstehen, wenn Jeremia den Leuten immer in den Ohren liegt, die Stadt werde erobert werden und müssen die Einwohner derselben jämmerlich umkommen, da sie die Stadt zu schützen sich unterstehen wollen? Und wie werden wir können genügend abwehren und verhüten, dass die Stadt nicht verraten werde, wenn Jeremia also fortfährt, den Leuten zu raten, dass sie zu den Chaldäern fliehen sollen, wo sie wollen beim Leben bleiben? Darum, oh König, wenn du deine Weiber und Kinder und uns alle als deine Untertanen und Bürger, dazu auch die ganze Stadt samt dem Königreich begehrst zu erhalten, so will vonnöten sein, dass du den Jeremia ab dem Brot tust, denn weil er lebt, kann das Regiment keinen Bestand haben.

Dient: Er begehrt nicht unser Heil und Wohlfahrt, sondern unseren Untergang. Darum ist es viel besser, dass ein einziger schädlicher Bürger aus dem Wege geräumt werde, als dass wir alle, samt der Stadt und dem allerheiligsten Tempel umkommen und zugrunde gehen. [Denn die Welt misst die Gefahr und Schaden nicht der Abgötterei und anderen Sünden zu, sondern gibt der reinen Lehre Schuld, dadurch solche Sünden und Abgötterei verworfen und die Strafen verkündigt werden. Und bilden die Gottlosen sich selber eine glückliche Zeit ein, wenn die reinen Kirchendiener hinweg wären].

5. Der König Zedekia sprach: Siehe, er ist in euren Händen; denn der König kann nichts wider euch.

Händen: Ich übergebe ihn, in eure Gewalt.

Wider euch: Ihr habt so ein großes Ansehen, dass ich eurem Bedenken allein nicht soll, noch kann widerstehen. [Es sollte aber der König gedacht haben, dass er von Gott das Amt der Obrigkeit empfangen hätte, die Frommen zu schützen und die Bösen zu strafen. Darum es ein unrechter Handel war, einen unschuldigen Menschen in der grausamen Leute Hand und Gewalt zu übergeben. Aber also halten endlich die Regenten Haus, welche sich allerdings ihren Hofdienern und Räten gleichsam als in ihre Dienstbarkeit ergeben].

6. Da nahmen sie Jeremia und warfen ihn in die Grube Malchias, des Sohnes Hamelechs, die am Vorhofe des Gefängnisses war und ließen ihn an Seilen hinab in die Grube, da nicht Wasser, sondern Schlamm war. Und Jeremia sank in den Schlamm.

Gruben: In einen engen und tiefen Turm.

Malchja: Der Kerkermeister darüber war.

Vorhofe: Allernächst an dem Ort, da Jeremia zuvor in einem etwas besseren Gefängnis gehalten wurde.

Sank: Mit seinem Leibe eines guten Teils. Und meinten seine Widersacher, er würde es nicht lange darin machen, sondern den Geist in kurzer Zeit aufgeben müssen, wollten aber dennoch bei dem Volk das Ansehen nicht haben, als ob sie den Propheten getötet hätten. [Denn die Heuchler meinen, sie haben einen Menschen nicht getötet, wenn sie ihn nur nicht mit der Hand umbringen, ob sie gleich Ursache und Anlass zu seinem Tode geben. Daneben aber muss man hier auch das in Achthaben, wie schwer Gott die seinen bisweilen lässt geplagt werden, welche er doch zu retten und zu erhalten willens ist].

7. Als aber Ebed-Melech, der Mohr, ein Kämmerer in des Königs Hause, hörte, dass man Jeremia hatte in die Grube geworfen und der König eben saß im Tor Benjamin {Jer 39v16},

Als: Folgt jetzt, durch was Mittel Gott dem Propheten sein Kreuz gelindert und ihm wieder aus der schlammigen Grube geholfen hat.

Hörte: Mit großem Unwillen und Verdruss, weil er wusste, dass Jeremia unschuldig war und sich besorgte, er möchte in dem Gestank verderben.

Tor: Denn die Israeliten handelten viele Sachen unterm Tor ab, wie bei uns auf dem Rathaus geschieht.

8. Da ging Ebed-Melech aus des Königs Hause und redete mit dem Könige und sprach:

9. Mein Herr König, die Männer handeln übel mit dem Propheten Jeremia, dass sie ihn haben in die Grube geworfen, da er muss Hungers sterben; denn es ist kein Brot mehr in der Stadt.

Hungers sterben: Wie sie ihn denn ohne Zweifel eben darum haben hineingelassen in die Grube, dass er da, wo nicht vom Gestank, dennoch aus Mangel des Brotes würde Hungers sterben müssen. Denn weil ohne das in der Stadt kein Brot mehr zu bekommen, so wird niemand sich seiner achten oder annehmen und wird also der unschuldige Mann wider alles Recht und Gerechtigkeit jämmerlich umkommen. [Erweckt deswegen Gott immer fromme und verständige Leute, die sich unschuldiger Personen annehmen, da sie es am wenigsten hoffen. Und steht einem frommen Mann am Hof zu, dass er für diejenigen sorgfältig sei und ihnen zu Hilfe komme, welche Unrecht leiden].

10. Da befahl der König Ebed-Melech, dem Mohren und sprach: Nimm dreißig Männer mit dir von diesen und zieh den Propheten Jeremia aus der Grube, ehe denn er sterbe.

Männer: Die vielleicht des Königs Trabanten gewesen.

Zieh: Ob nun wohl der König zuvor übel getan, dass er des Jeremias Widersachern allen Gewalt wider ihn übergeben. So ist doch dies zu loben, dass er sein voriges verkehrtes Urteil geändert. [Und soll ein Regent oder wer im Stande der Obrigkeit ist, sich nicht schämen, ein Unrecht beschlossen Urteil zu ändern. Denn es ist besser nur einmal als zweimal sündigen].

11. Und Ebed-Melech nahm die Männer mit sich und ging in des Königs Haus unter die Schatzkammer und nahm dort zerrissene und vertragene alte Lumpen und ließ sie an einem Seil hinab zu Jeremia in die Grube.

12. Und Ebed-Melech, der Mohr, sprach zu Jeremia: Lege diese zerrissenen und vertragenen alten Lumpen unter deine Achseln um das Seil. Und Jeremia tat also.

Achsel: Auf dass dir die Stricke nicht zu hart in die Haut gehen, damit wir dich herausziehen wollen. Solche Frömmigkeit dieses Kämmerers hat ihm Gott später wiederum vergolten, dass er nämlich, da die Stadt in der Feinde Hand gekommen, beim Leben erhalten wurde nach der Weissagung des Propheten Jeremias (Kapitel 39). [Denn Gott vergilt die Guttaten reichlich, welche frommen Leuten und besonders den Kirchendienern, erwiesen werden].

13. Und sie zogen Jeremia herauf aus der Grube an den Stricken. Und blieb also Jeremia im Vorhofe des Gefängnisses.

Vorhofe: Da er zwar auch gefangen gehalten wurde, aber mit viel besserer Gelegenheit.

14. Und der König Zedekia sandte hin und ließ den Propheten Jeremia zu sich holen unter den dritten Eingang am Hause des Herrn. Und der König sprach zu Jeremia: Ich will dich etwas fragen; Lieber, verhalte mir nichts!

Sandte: Eine wohl vertraute Person, geheim.

Dritten Eingang: Denn der Weg zwischen dem Tempel und des Königs Hause war überall mit Mauern eingefasst und beschlossen, der etliche Gänge hatte. Darum, auf dass die Sache desto weniger offenbar würde, hat der König auf den dritten Gang den Propheten Jeremia zu ihm kommen lassen, da sie beide von niemand konnten gesehen werden. Denn der König seine Hofdiener sehr übel gefürchtet, wie bald später zu sehen.

Nichts: Sagt es frei und ungescheut heraus, wie es gehen wird, es sei gut oder böse. Und fragt der wankelmütige König so oft von einer Sache, weil er dem Worte Gottes nicht glaubte. [Denn welche dem Worte Gottes nicht trauen, die wanken beide in der Religion, wie auch in anderen Sachen hin und wieder und können nichts Gewisses schließen].

15. Jeremia sprach zu Zedekia: Sage ich dir etwas, so tötest du mich doch; gebe ich dir aber einen Rat, so gehorchst du mir nicht.

Etwas: Von dem unglückhaften Ausgang dieses Krieges, dass ich dir die Wahrheit verkündige.

Mich doch: Denn weil ich sehe, dass du meine vorigen Weissagungen so übel aufgenommen, da ich den Untergang dieser Stadt verkündigt habe, der vor der Tür ist, so muss ich mich besorgen, dass du mich ganz umbringen lässt, wenn ich dir etwas sage, das dir nicht gefällt.

Rat: Das du die Stadt aufgeben und dich an den König zu Babel ergeben sollst.

Mir nicht: Was bedarf es denn, dass ich dir viel sage.

16. Da schwur der König Zedekia dem Jeremia heimlich und sprach: So wahr der Herr lebt, der uns diese Seele gemacht hat, so will ich dich nicht töten noch den Männern in die Hände geben, die dir nach deinem Leben stehen.

Gemacht: Der mir das Leben gegeben hat. [Denn es sollen die Monarchen denen Versicherung tun, von welchen sie die Wahrheit hören wollen].

17. Und Jeremia sprach zu Zedekia: So spricht der Herr, der Gott Zebaoth, der Gott Israels: Wirst du hinausgehen zu den Fürsten des Königs zu Babel, so sollst du leben bleiben und diese Stadt soll nicht verbrannt werden, sondern du und dein Haus sollen bei Leben bleiben.

Hinausgehen: Und dich samt den deinen in des Königs zu Babel Gewalt ergeben.

Fürsten: Denn der König zu Babel war damals in der Person nicht bei der Belagerung, sondern in der Stadt Riblath, im Lande Hemath, wie aus dem folgenden 39. Kapitel zu sehen.

Dein Haus: Deine Weiber und Kinder samt deinem ganzen Geschlecht werden dem Tode auch entgehen. [Denn welche das Kreuz, so ihnen von Gott auferlegt wird, demütig auf sich nehmen und geduldig tragen, die werden nicht so hart geplagt als andere, welche es aller Dinge begehren, von sich zu stoßen und sich dagegen sträuben].

18. Wirst du aber nicht hinausgehen zu den Fürsten des Königs zu Babel, so wird diese Stadt den Chaldäern in die Hände gegeben und werden sie mit Feuer verbrennen und du wirst auch nicht ihren Händen entrinnen.

Entrinnen: Sondern sie werden dich gefangen nehmen und jämmerlich mit dir umgehen.

19. Der König Zedekia sprach zu Jeremia: Ich besorge mich aber, dass ich den Juden, so zu den Chaldäern gefallen sind, möchte übergeben werden, dass sie mein spotten.

Besorge: Als wollte er sprechen, ich zweifle nicht, es sind diejenigen, so von mir vor der Zeit abgefallen und zum Könige zu Babel geflohen sind, mir ganz feind geworden, darum wenn die Chaldäer mich ihnen in ihre Gewalt übergeben, so würden sie mir alle Schmach anlegen. Darum ich es viel ratsamer achte, dass ich die Stadt entweder tapfer schütze oder doch ritterlich umkomme, als dass ich von jedermann müsste verspottet werden. Solche vergebliche Furcht haben ohne Zweifel seine Fürsten und Räte dem König eingesteckt, nur damit er die Stadt den Chaldäern nicht übergebe. [Aber welche der Menschen Schmach mehr fürchten als Gottes Zorn, die handeln ganz unweislich].

20. Jeremia sprach: Man wird dich nicht übergeben. Lieber, gehorche doch der Stimme des Herrn, die ich dir sage, so wird dir es wohlgehen und du wirst lebend bleiben.

Nicht übergeben: Die Chaldäer werden dich den abtrünnigen Juden nicht in die Hände übergeben.

Wohl gehen: Dass du eines großen Unglücks, wirst überhoben sein. [Denn der Gehorsam bringt Glück].

21. Wirst du aber nicht hinausgehen, so ist dies das Wort, das mir der Herr gezeigt hat:

22. Siehe, alle Weiber, die noch vorhanden sind in dem Hause des Königs Judas, werden hinaus müssen zu den Fürsten des Königs zu Babel. Dieselben werden dann sagen: Ach, deine Tröster haben dich überredet und verführt und in Schlamm geführt und lassen dich nun stecken!

Fürsten: Und ihnen in ihre Gewalt überliefert werde.

Sagen: Dass sie dir es vorwerfen und aufrücken werde.

Tröster: Auf die du dich am meisten verlassen hast, und für deine besten und treuesten Freunde gehalten, als da sind gewesen deine Fürsten, Räte und falschen Propheten, so dir von eitel Glück geweissagt, die haben mit ihren Anschlägen gleichsam über dich geherrscht und in dies Unglück gebracht. Jetzt aber setzen sie von dir aus und wissen dir weder zu raten noch zu helfen, wie sie auch sich selbst nicht retten können. [Einen solchen Ausgang gewinnt es mit den Regenten, die sich allerdings an ihre Hofräte und Diener ergeben und von denselben sich regieren lassen].

23. Also werden dann alle deine Weiber und Kinder hinaus müssen zu den Chaldäern und du selbst wirst ihren Händen nicht entgehen, sondern du wirst vom König zu Babel gegriffen und diese Stadt wird mit Feuer verbrannt werden.

Gegriffen: Man wird dich dem Könige zu Babel gefangen darstellen. [Denn welche die geringeren Strafen, so ihnen von Gott auferlegt werden, nicht geduldig tragen will, die geraten in ein viel ärgeres und größeres Unglück].

24. Und Zedekia sprach zu Jeremia: Siehe zu, dass niemand diese Rede erfahre, so wirst du nicht sterben.

Nicht sterben: Das ist, wenn du dies, davon wir jetzt miteinander geredet haben, wirst verschweigen, so darfst du dich keiner Gefahr vor meinen Räten besorgen, welche dich sonst würden umbringen lassen, wenn sie wüssten, dass du mir abermals geraten, wie ich die Stadt aufgeben sollte.

25. Und ob es die Fürsten erführen, dass ich mit dir geredet habe, und kämen zu dir und sprächen: Sage an, was hast du mit dem Könige geredet, leugne es uns nicht, so wollen wir dich nicht töten; und was hat der König mit dir geredet?

26. so sprich: Ich habe den König gebeten, dass er mich nicht wiederum ließe in Jonathans Haus führen; ich möchte dort sterben.

Sprich: Und traue ihnen nicht, sondern verhehle es vielmehr, was wir miteinander gehandelt haben. [Hier sieht man, wie dieser König seine vornehmsten Offiziere gefürchtet. Denn etliche Regenten sind vielmehr Knechte und Diener als Herren. Und ob sie wohl sich also verhalten sollen, dass sie vielmehr geliebt als gefürchtet werden. So sollen sie es doch auch nicht dazu kommen lassen, dass sie sich vor ihren Dienern fürchten müssten].

27. Da kamen alle Fürsten zu Jeremia und fragten ihn; und er sagte ihnen, wie ihm der König befohlen hatte. Da ließen sie von ihm, weil sie nichts erfahren konnten.

Fürsten: Des Königs vornehmsten Hofdiener und Räte.

Fragten: Was der König mit ihm gehandelt hätte.

Befohlen: [Denn es ist uns nötig, dass man jedermann alles offenbare, sondern man mag bisweilen, nach Gelegenheit der Umstände, wohl etwas verhehlen].

28. Und Jeremia blieb im Vorhofe des Gefängnisses bis auf den Tag, da Jerusalem gewonnen wurde.

Gewonnen: Welches denn nicht lange später geschehen, wie Jeremia zuvor geweissagt hatte. [Denn die göttlichen Drohungen gehen nicht leer ab].


Das 39. Kapitel


1. Die Stadt Jerusalem wird erobert und der König gefangen. v. 1. 2. Auch nachdem er zuvor seine Kinder sah umbringen und geblendet. v. 6. 3. Die Stadt wird verbrannt. v. 8. 4. Das Volk wird zum Teil weggeführt, zum Teil zinsbar gemacht, Jeremia aber kommt los. v. 9. V. Gott verspricht dem Ebed Melech Versicherung und Fristung seines Lebens. v. 15.

1. Und es geschah, dass Jerusalem gewonnen wurde. Denn im neunten Jahr Zedekias, des Königs Judas, im zehnten Monden kam Nebukadnezar, der König zu Babel und all sein Heer vor Jerusalem und belagerten die selbige {Jer 52v4},

Und: Jetzt erzählt der Prophet kürzlich die Eroberung der Stadt Jerusalem, wie es damit zugegangen und was darauf erfolgt.

Der König: Welcher zu Anfang der Belagerung persönlich da gewesen. [Denn welche Regenten die Gefahr im Kriege zu sehr fürchten und daheim sitzen bleiben, befehlen aber allen Handel des Krieges zu führen ihren Obersten und Hauptleuten, die bringen den Krieg selten glücklich zum Ende].

2. Und im elften Jahr Zedekias, am neunten Tag des vierten Monden, brach man in die Stadt.

Brach: Also dass die Chaldäer mit Gewalt hineinfielen. [Denn obwohl feste Städte und Schlösser eine Belagerung lange aufhalten können. Jedoch, wenn Gott zu strafen willens ist, so mag leicht sich eine Gelegenheit zutragen, dass sie erobert werden. Darum soll man sich nicht auf die Festungen, sondern auf Gott den Herrn verlassen].

3. Und zogen hinein alle Fürsten des Königs zu Babel und hielten unter dem Mitteltor, nämlich Nergal-Sarezer, Sangar-Nebo, Sarsechim, der oberste Kämmerer, Nergal-Sarezer, der Hofmeister und alle anderen Fürsten des Königs zu Babel.

Tor: Welches sie eine Zeit lang inne behalten, damit nicht jemand den Chaldäern den Einfall in der Stadt gewährte.

4. Als sie nun Zedekia, der König Judas, sah samt seinen Kriegsleuten, flohen sie bei Nacht zur Stadt hinaus bei des Königs Garten durch das Tor zwischen zwei Mauern und zogen durch das Feld hindurch.

Sah: Und merken, dass die Stadt nun gewonnen wäre.

Nacht: Weil die Stadt bei nächtlicherweise erobert wurde und meinten, sie wollten in der finsteren Nacht entrinnen. [Aber wider welche Gott selbst streitet, die können der Feinde Hand nicht entgehen].

5. Aber der Chaldäer Heer jagten ihnen nach und ergriffen Zedekia im Felde bei Jericho und fingen ihn und brachten ihn zu Nebukadnezar, dem Könige zu Babel, gen Riblath, die im Lande Hemath liegt; der sprach ein Urteil über ihn {2Sam 23v33}.

Bei Jericho: Zu welcher Stadt er seinen Weg gesucht hatte.

Ihn: Nämlich den König Zedekia, nachdem sie ihn in der Flucht erwischt hatten.

Riblath: Da derselbe König seiner besonderen Verrichtungen halben sich damals enthielte.

Urteil: Das ist, er hat ihn vor den Landherren und Ständen des Königreichs Babel lassen vor Gericht stellen, seiner Treulosigkeit halben verklagen und das Urteil über ihn fällen, welches gleich darauf an ihm vollstreckt wurde.

6. Und der König zu Babel ließ die Kinder Zedekias vor seinen Augen töten zu Riblath und tötete alle Fürsten Judas.

Seinen Augen: Dass er seiner Kinder Ermordung mit großem Schmerzen zusehen müsse. [Denn welche Gott gröblich beleidigen, die bringen sich und ihre Kinder auch oft in großes Unglück].

Fürsten: Die vornehmsten Herren im Königreich Juda, welche den König zum Abfall beredet und ihn dabei gestärkt hatten. [Denn der gerechte Zorn Gottes hält kein Ansehen der Personen, welches zwar auch kein Wunder ist, weil oft, welche vor anderen Standes und Reichtums halben im Ansehen sind, mit Übermut und Tyrannei den Zorn Gottes auf sich laden].

7. Aber Zedekia ließ er die Augen ausstechen und ihn mit Ketten binden, dass er ihn gen Babel führte.

Ausstechen: Weil er ihn nicht wert achtete, dass er des Tages Licht anschauen sollte, der Gott und die Menschen mit seiner treulosen Meineidigkeit beleidigt hatte. [Dabei man sieht, wie ernstlich Gott den Meineid straft].

8. Und die Chaldäer verbrannten beide, des Königs Haus und der Bürger Häuser und zerbrachen die Mauern zu Jerusalem.

Zerbrachen: Auf dass die Juden nicht mehr abtrünnig würden. Und ist kein Zweifel, die Juden haben alle das Unglück auch getroffen, welches über die Städte, so mit Gewalt erobert werden, zu ergehen pflegt: Als der besten und vornehmsten Bürger Ermordung, Schändung der Weiber und Jungfrauen und dergleichen unzählige Dinge mehr.

9. Was aber noch von Volk in der Stadt war und was sonst zu ihnen gefallen war, die führte Nebusar-Adan, der Hofmeister, alle miteinander gen Babel gefangen.

Stadt war: Und in der ersten Furien nicht umgebracht wurden.

Gefallen: Die in währender Belagerung zu den Chaldäern ohne Zweifel aus Jeremia Rat hinausgefallen waren und sich ihnen ergeben hatten.

Gefangen: Wie Jeremia zuvor verkündigt hatte, dass es also ergehen würde. [Denn welche dem Worte Gottes nicht glauben wollen, die lernen endlich mit ihrem großen Schaden und durch unglückhafte Erfahrung klug werden].

10. Aber von dem geringen Volk, das nichts hatte, ließ zur selbigen Zeit Nebusar-Adan, der Hauptmann, etliche im Land Juda und gab ihnen Weinberge und Dörflein ein.

Ein: Dass sie das Land bauten, damit es nicht ganz wüste liegen bliebe und dem Könige zu Babel zinsbar wären. [Hatten es deswegen damals die Armen viel besser als die Reichen. Denn die Armen haben Äcker und Güter bekommen, da hingegen die Reichen ihr Hab und Güter verloren. Darum sollen die Armen ihre Armut mit Geduld tragen, weil solche auch ihren Nutzen und Vorteil hat. Denn es ist kein Schaden so groß, es ist ein kleiner Nutzen dabei, das ist einmal gewiss, dass sie in Kriegsläufen am allersichersten sind].

11. Aber Nebukadnezar, der König zu Babel, hatte Nebusar-Adan, dem Hauptmanne, befohlen von Jeremia und gesagt:

12. Nimm hin und lass dir ihn befohlen sein und tue ihm kein Leid, sondern wie er es von dir begehrt, so mache es mit ihm.

Kein Leid: Es hatte aber der König zu Babel ohne Zweifel von dem Propheten Jeremia längst Bericht eingenommen, dass er geweissagt, wie die Stadt von den Chaldäern würde erobert werden. [Und ist wohl zu verwundern, dass ein abgöttischer heidnischer Krieg, und zwar ein sehr mächtiger Monarch, dazu siegreicher Überwinder, mit dem Propheten des Herrn gnädiger handelt und umgeht, als die Juden mit ihm umgegangen waren, die doch für das Volk Gottes wollten gehalten sein. Aber des Königs Herz ist in Gottes Hand und er lenkt es, wohin er will {Spr 21}. Und erfahren die Kirchendiener oftmals mehr Freundlichkeit an öffentlichen Feinden als an falschen Brüdern].

13. Da sandte hin Nebusar-Adan, der Hauptmann und Nebu-Sasban, der oberste Kämmerer, Nergal-Sarezer, der Hofmeister und alle Fürsten des Königs zu Babel

14. und ließen Jeremia holen aus dem Vorhofe des Gefängnisses und befahlen ihn Gedalja, dem Sohn Ahikams, des Sohnes Saphans, dass er ihn hinaus in sein Haus führte und bei dem Volk bliebe.

Gedalja: Einem frommen Mann, der den anderen Juden, so im Lande Kanaan geblieben, vorgesetzt war. Bei dem ist dem Jeremia zu bleiben zugelassen worden. Jedoch ist Jeremia mit dem Hauptmann der Chaldäer Nebusar Adan gezogen bis gen Rama, wie später gesagt wird. Es hätte aber Jeremia bei den Chaldäern zu hohen Ehren und Reichtum gelangen können, weil sie viel von ihm hielten. Aber er hat lieber wollen bei seinem Volk bleiben, weil er wusste, dass in demselben noch etliche Auserwählte wären, die er mit seinem Predigtamt dem Herrn gewinnen könnte. [Denn die Kirchendiener sollen vielmehr der Kirche Gottes als ihrer Person und eigenen Nutzes wahrnehmen].

15. Es war auch des Herrn Wort geschehen zu Jeremia, weil er noch im Vorhofe des Gefängnisses gefangen lag und gesprochen:

16. Gehe hin und sage Ebed-Melech, dem Mohren: So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will meine Worte kommen lassen über diese Stadt zum Unglück und zu keinem Guten und du sollst es sehen zur selbigen Zeit.

Sehen: Wie ich meine Drohungen ins Werk richten und erfüllen werde, dass es dieser Stadt zu ihrem Verderben und Untergang gereichen soll.

17. Aber dich will ich erretten zur selbigen Zeit, spricht der Herr und sollst den Leuten nicht zuteilwerden, vor welchen du dich fürchtest.

18. Denn ich will dir davon helfen, dass du nicht durch das Schwert fällst, sondern sollst dein Leben wie eine Beute davonbringen, darum dass du mir vertraut hast, spricht der Herr {Jer 21v9},

Beute: Das ist, du sollst dein Leben wider alles Erhoffen erhalten, welches ich dir gleichsam zur Beute schenken will.

Vertraut: Und hast dich nicht gefürchtet vor des Königs Zedekia oder seiner vornehmsten Diener Ungnade und Zorn, da du dich des Propheten Jeremia treulich annahmst, damit er beim Leben bliebe, sondern hast dich auf mich verlassen, dass ich dich wolle, und könne erhalten, obgleich der König und seine Gewaltigen dir feind und zuwider wären. [Sieht man deswegen hier, dass Gott die Guttaten reichlich belohne, welche den frommen und reinen Kirchendienern erzeigt werden. Denn Christus spricht: Wer einen Propheten aufnimmt, in eines Propheten Namen, das ist, dass er weiß, dass er ein Prophet ist, der wird eines Propheten Lohn empfangen {Mt 10}.


Das 40. Kapitel


1. Jeremia erlangt zu Rama seine völlige Freiheit und kommt wieder ins Land Juda. v. 1. 2. Dem Gedalia, welchen der König zu Babel zum Fürsten über das übergebliebene Volk im Lande gesetzt hatte, wird heimlich nachgetrachtet. v. 7.

1. Dies ist das Wort, so vom Herrn geschah zu Jeremia, da ihn Nebusar-Adan, der Hauptmann, losließ zu Rama; denn er war auch mit Ketten gebunden unter allen denen, die zu Jerusalem und in Juda gefangen waren, dass man sie gen Babel wegführen sollst.

Dies: Folgt jetzt gleichsam ein anderes Buch des Propheten Jeremia, in dem er beschreibt, was nach Eroberung der Stadt bei den übergebliebenen Juden sich zugetragen.

Rama: Denn bis zur selben Stadt war Jeremia von den Obersten des Königs zu Babel geführt worden. Und will Jeremia so viel sagen: Dieser letzte Teil des Buches begreift die göttlichen Weissagungen in sich, welche mir geoffenbart sind von der Zeit an, da mich die Chaldäer von den Banden losgemacht. Denn es ist Jeremia nach und nach aus seinem Gefängnis erledigt und der Bande losgeworden, die er im Vorhofe des Gefängnisses getragen hatte. [Also pflegt Gott mit seinen Kindern umzugehen, dass sie nicht zugleich auf einmal, sondern immer aus ihrem Elend wiederum hervorkommen. Denn das Unglück kommt mit Zentnern und geht mit Quentlein wiederum hinweg].

2. Da nun der Hauptmann Jeremia zu sich hatte lassen holen, sprach er zu ihm: Der Herr, dein Gott, hat dies Unglück über diese Stätte geredet

Geredet: Durch seine Propheten, dass er diese Stadt zerstören und an dem Königreich Juda ein Ende machen wollte.

3. und hat es auch kommen lassen und getan, wie er geredet hat; denn ihr habt gesündigt wider den Herrn und seiner Stimme nicht gehorcht; darum ist euch solches widerfahren.

Kommen lassen: [Denn Gottes Drohungen sind nicht vergebens und gehen nicht leer ab]. Solche und dergleichen Worte hat der Hauptmann oder Feldoberster über der Chaldäer Kriegsheer gesagt und das gerechte Gericht Gottes an der Juden Unfall recht erkannt, der doch vor der Zeit ein heidnischer und ungläubiger Mensch gewesen. Ist darum vermutlich, dass dieser Chaldäer die wahre Erkenntnis Gottes und die ewige Seligkeit erlangt habe. [Denn es pflegt zu geschehen, dass unterdes, weil die Kirche Christi leidet und dem Ansehen nach unterdrückt wird, eben zur selben Zeit viele aus den Feinden bekehrt und selig werden].

Nicht gehorcht: Nämlich ihr Juden habt den Propheten des Herrn eures Gottes nicht folgen wollen. Er redet aber solches nicht auf des Jeremia Person, sondern von den anderen Juden.

Widerfahren: Dass die Stadt und das Königreich zugrunde gegangen.

4. Nun siehe, ich habe dich heute losgemacht von den Ketten, damit deine Hände gebunden waren. Gefällt dir es, mit mir gen Babel zu ziehen, so komm, du sollst mir befohlen sein; gefällt dir es aber nicht, mit mir gen Babel zu ziehen, so lass es anstehen. Siehe, da hast du das ganze Land vor dir; wo dich es gut denkt und dir gefällt, da zieh hin.

Befohlen: Ich will fleißig für dich sorgen, auf dass dir nichts mangele noch etwas Widerwärtiges oder Beschwerliches zugefügt werde.

5. Denn weiter hinaus wird kein Wiederkehren sein. Darum magst du kehren zu Gedalja, dem Sohn Ahikams, des Sohnes Saphans, welchen der König zu Babel gesetzt hat über die Städte in Juda und bei dem selbigen unter dem Volk bleiben; oder gehe, wohin dir es wohlgefällt. Und der Hauptmann gab ihm Nahrung und Geschenke und ließ ihn gehen.

Kein wiederkehren: Darum hast jetzt die Wahl, ob du willst mit mir gen Babel ziehen oder aber hier bleiben, denn wo du weiter fortziehst, so musst du zu Babel bleiben. [Dies ist eine große Freundlichkeit an diesem Fürsten gewesen gegen einen armen gefangenen Menschen. Denn man soll sich gegen arme Leute freundlich und willfährig erzeigen].

Volk: Nämlich unter den Juden, die in diesem Lande gelassen werden.

6. Also kam Jeremia zu Gedalja, dem Sohn Ahikams, gen Mizpa und blieb bei ihm unter dem Volk, das im Lande noch übrig war.

Unter dem Volk: Nämlich unter den Juden, welche Nebukad Nezar, der König zu Babel, zum Feldbau hatte lassen im Lande Kanaan bleiben. Und hat Jeremia viel lieber wollen unter seinem Volk, ob es wohl ganz elend und verlassen war, verharren, als zu Babel Ehre und Reichtum erlangen, weil er wusste, dass Gott unter den Juden noch etliche Auserwählte hätte, derer Seligkeit der Prophet nach seinem Vermögen zu befördern begehrte, auf dass sie nicht wären wie Schafe, die keinen Hirten haben. [Denn die Kirchendiener sollen nicht ihren eigenen, sondern der Kirche Nutzen zuerst suchen]. Und ist kein Zweifel, er habe ihnen viel und oft gepredigt und sie ermahnt, dass sie doch endlich, nach so vielen und großen Unfällen, wollten wahre Buße tun. Was er aber bei dem größeren Teil ausgerichtet, werden wir später hören.

7. Da nun die Hauptleute, so auf dem Felde sich enthielten, samt ihren Leuten erfuhren, dass der König zu Babel hatte Gedalja, den Sohn Ahikams, über das Land gesetzt und beide, über Männer und Weiber, Kinder und die Geringen im Lande, welche nicht gen Babel geführt waren,

Enthielten: Denn es waren aus den anderen Städten im Königreich Juda ihrer viele der Chaldäer Händen entronnen, die hielten sich hin und wieder auf dem Felde und in den Wäldern auf, so gut sie konnten, bis die Chaldäer wieder hinwegzögen.

Gedalja: Der seines Herkommens ein Jude, und ein frommer Mann war.

Im Lande: Dass er über sie regierte, für sie Sorge trüge und im Namen des Königs zu Babel schützte. Und hatte der König den Juden den Gedalja vorgesetzt, weil er hoffte, die Juden desto eher und besser im Gehorsam zu behalten, wenn er ihnen einen Regenten aus ihrem Geschlecht gebe, als da er einen chaldäischen Fürsten über sie gesetzt hätte, der vielleicht ganz zu streng mit ihnen umgegangen wäre. [Denn es sollen die großen Potentaten den Sieg also mäßigen, dass den armen, elenden, überwundenen Leuten auch eine Gnade erzeigt werde].

8. kamen sie zu Gedalja gen Mizpa, nämlich Ismael, der Sohn Nethanjas, Johanan und Jonathan, die Söhne Kareahs und Seraja, der Sohn Thanhumeths und die Söhne Ephai von Netophath und Jesanja, der Sohn Maachathis, samt ihren Männern.

Ismael: Der ein arglistiger, verschlagener und böser Mensch gewesen, wie später zu vernehmen.

Männern: Die sie bei und unter sich hatte, mit denen sie sich unter des Gedalja Schutz ergeben. Denn es sind die hier benannten lauter Befehlshaber gewesen, so etliche andere gemeine Soldaten neben sich hatten, die ihnen auf den Dienst gewartet.

9. Und Gedalja, der Sohn Ahikams, des Sohnes Saphans, tat ihnen und ihren Männern einen Eid und sprach: Fürchtet euch nicht, dass ihr den Chaldäern untertan sein sollt; bleibt im Lande und seid dem Könige zu Babel untertan, so wird es euch wohlgehen.

Eid: Das ihnen nichts Böses widerfahren sollst, wenn sie in Judäa bleiben und dem Könige zu Babel dienen wollten.

Sein sollst: Sondern leistet ihnen willigen Gehorsam, weil uns Gott der Herr ihnen unterworfen hat.

Untertan: Dass ihr ihn für euren Herren und ordentlichen Obrigkeit erkennt.

Wohl gehen: Dass ihr eure Nahrung in eurem Vaterland haben werdet und dürft euch weiter keiner Gefahr besorgen.

10. Siehe, ich wohne hier zu Mizpa, dass ich den Chaldäern diene, die zu uns kommen. Darum so sammelt ein den Wein und Feigen und Öl und legt es in eure Gefäße, und wohnt in euren Städten, die ihr bekommen habt.

Kommen: Denen erzeige ich alle Ehre und schuldigen Dienste und halte sie wohl als königliche Gesandten. So beweisen sie mir wieder alle Gnade und Freundschaft. [Denn es ist an sich selbst nicht Unrecht, wenn man einer gottlosen Obrigkeit dient, sondern wenn man übel tut und gottlos lebt].

Wohnt: Genießen der Güter dieses Landes, denn das wird euch von den Chaldäern zugelassen. [Man soll aber die Guttaten mit Dank annehmen].

11. Auch alle Juden, so im Lande Moab und der Kinder Ammon und in Edom und in allen Ländern waren, da sie hörten, dass der König zu Babel hätte lassen etliche in Juda übergeblieben und über sie gesetzt Gedalja, den Sohn Ahikams, des Sohnes Saphans,

Waren: Dahin sie in wehrenden Kriegsläufen zu ihrer Sicherung sich begeben hatten.

Gedalja: Einen frommen Mann, da haben sie wiederum ein Herz gefasst und eine gute Zuversicht gewonnen.

12. kamen sie alle wieder von allen Orten, dahin sie verstoßen waren, ins Land Juda zu Gedalja gen Mizpa und sammelten ein sehr viel Wein und Sommerfrüchte.

Viel Wein: Denn nach ausgestandener Strafe schickt Gott wiederum etwas Milderung und mengt einen Trost mit unter.

13. Aber Johanan, der Sohn Kareahs, samt all den Hauptleuten, so auf dem Felde sich enthalten hatten, kamen zu Gedalja gen Mizpa

Hauptleuten: Die in den vorigen Kriegen vornehmen Befehl hatten und der Chaldäer Händen dennoch entronnen waren.

14. und sprachen zu ihm: Weißt du auch, dass Baalis, der König der Kinder Ammon, gesandt hat Ismael, den Sohn Nethanjas, dass er dich soll erschlagen? Das wollte ihnen aber Gedalja, der Sohn Ahikams, nicht glauben.

Erschlagen?: Das solches wahr gewesen, hat der Ausgang später bezeugt. Denn der Ammoniter König gönnte dem Gedalja die Ehre nicht, dazu der König zu Babel ihn erhoben hatte, wie er auch den Juden ihre Ruhe missgönnte, die dem Ansehen nach unter des Gedalja Regierung sicher leben würden. Und Ismael, ob er wohl seiner Herkunft halben auch ein Jude war, hat sich dennoch zu solchem Bubenstück überreden lassen, weil er in der Linie aus dem königlichen Stamm hergekommen war, dass ihn übermütig machte und zu der Regierung eine Begierde einsteckte, auch zum Morden und Rauben antrieb. Darum er sich nicht allein vorgenommenen, den Gedalja zu erschlagen, sondern auch die anderen Juden, um seines Genießens willen tyrannischerweise zu unterdrücken. [Daraus zu lesen ist, was der Neid, Stolz, Ehrsucht und Geiz für ein schädliches Gift am Menschen sei].

Nicht glauben: Obwohl dies eine treue und gutherzige Warnung war, dass er sich hüten soll, so traute er doch dem Ismael ganz zu viel.

15. Da sprach Johanan, der Sohn Kareahs, zu Gedalja heimlich zu Mizpa: Lieber, ich will hingehen und Ismael, den Sohn Nethanjas, schlagen, dass es niemand erfahren soll. Warum soll er dich erschlagen, dass alle Juden, so zu dir versammelt sind, zerstreut werden und die noch aus Juda übergeblieben sind, umkommen?

Zerstreut: Darum ist es viel besser, dass man einen bösen Buben aus dem Wege räume und also größerer Unfall verhütet, als so viel Elend und unschuldige Leute in große Gefahr und neues Unglück stecken.

16. Aber Gedalja, der Sohn Ahikams, sprach zu Johanan, dem Sohn Kareahs: Du sollst das nicht tun; es ist nicht wahr, das du von Ismael sagst.

Sagst: Das er mir nach dem Leben trachtet. Darum würdest du unschuldiges Blut vergießen, wenn du ihn erwürgtest. [Ob nun wohl Gedalja recht daran getan, dass er den Ismael nicht wolle umbringen lassen, weil das Laster noch nicht auf ihn bewiesen war, denn man soll nicht Böses tun, dass Gutes daraus erfolge: Und wo man dem Argwohn zu viel nachhängt, auch einem jeden Anbringen zu bald glaubt, da werden oft fromme und unschuldige Leute in Jammer und Not gebracht: So hat doch Gedalja in dem sich geirrt, dass er nach gehörter Warnung sich nicht fleißiger vorgesehen und vor dem Ismael gehütet, sondern hat ihn noch darüber an seine Tafel gelassen, wie im folgenden Kapitel steht. Denn treue Warnungen soll man nicht verachten, auf dass wir den Menschen nicht zu viel trauen, Gott versuchen und in Gefahr darüber geraten].


Das 41. Kapitel


1. Jetzt erzählt der Prophet mit was Jammer und Unglück die übrigen im jüdischen Volk überfallen und bedrängt wurden, nachdem Gedalja vom Ismael erschlagen wurde.

1. Aber im siebten Monden kam Ismael, der Sohn Nethanjas, des Sohnes Elisamas, aus königlichem Stamm, samt den Obersten des Königs und zehn Männer mit ihm zu Gedalja, dem Sohn Ahikams, gen Mizpa und aßen dort zu Mizpa miteinander.

Siebten: Da zuvor im vierten Monden die Stadt erobert war, wie im vorigen 39. Kapitel steht.

Stamm: Der den Königen, so vor der Zeit in Juda gewesen, verwandt war.

Des Königs: Nämlich der Ammoniter, dem es ganz bequem gedacht, dass Ismael, der ein Jude wäre, den Totschlag beginge. [Denn der Teufel erweckt in der Kirche selbst ihre Feinde, die sie (die Kirche) verraten und verfolgen].

Aßen: Dass sie des Gedalja Gäste waren und sich ganz freundlich gegen ihn stellten, den sie doch bald später erwürgten. [Also werden oft fromme Leute unter dem Schein der Freundschaft, der man sich gegen sie merken lässt, in die allergrößte Gefahr gestürzt. Und verstellt sich der Teufel oft in einen Engel des Lichts].

2. Und Ismael, der Sohn Nethanjas, machte sich auf samt den zehn Männern, die bei ihm waren und schlugen Gedalja, den Sohn Ahikams, des Sohnes Saphans, mit dem Schwert zu Tode, darum dass ihn der König zu Babel über das Land gesetzt hatte.

Sich auf: Da es Gedalja am wenigsten sich versah.

Gesetzt: Und ihm also war vorgezogen worden, da er doch vom königlichen Stamm und Geblüte war.

3. Dazu alle Juden die bei Gedalja waren zu Mizpa und die Chaldäer, die sie dort fanden und alle Kriegsleute schlug Ismael.

Alle Juden: Damit niemand mehr wäre, der sich seiner Tyrannei widersetzte. Dies ist ein rechter Aufruhr gewesen wider den König zu Babel, der den Gedalja den Juden vorgesetzt hatte.

Chaldäer: Es hat aber der Satan den Ismael ohne Zweifel zu solcher gräulichen Tat und dass er die Chaldäer besonders auch erwürgt, angetrieben, auf dass der König zu Babel wider die gefangenen Juden desto mehr verhetzet und verbittert würde, als dass ein unruhiges Personal wäre und immerdar mit Aufruhr und Neuem schwanger ging. [Denn es pflegt der Teufel dergleichen Unruhe in der Kirche zu erregen, auf dass er die selbige, so doch nicht schuldig daran ist, bei der weltlichen Obrigkeit und bei großen Herren verhasst zu machen].

4. Des anderen Tages, nachdem Gedalja erschlagen war und noch niemand wusste,

Wusste: Weil er ihn in seinem eigenen Hause ermordet hatte.

5. kamen achtzig Männer von Sichem, von Silo und von Samaria und hatten die Bärte abgeschoren und ihre Kleider zerrissen und sich zerritzt und trugen Speiseopfer und Weihrauch mit sich, dass sie es brächten ins Haus des Herrn.

Abgeschoren: Wie die zu tun pflegten, welche Leid trugen und also ihr Herzeleid damit zu erkennen gaben.

Zerritzt: Das sie mit kleinen Messerlein die Haut durchstochen, damit Blut herausging, in Maßen, die auch im Brauch hatten, welche ganz leidig waren, obwohl Gott solchen Brauch in seinem Gesetz verboten hatte {5Mos 14}. Sie trugen aber Leid über der Eroberung der Stadt Jerusalem und dass das Volk war gefangen weggeführt worden. Dieselben reisten gen Mizpa, in willens von dort gen Jerusalem zu ziehen.

Brächten: Zum Opfer. Denn ob sie wohl wussten, dass die Stadt Jerusalem gewonnen war und vielleicht auch gehört hatten, dass der Tempel des Herrn den nächsten Monden nach der Stadt Eroberung wäre in Brand gesteckt worden. Jedoch weil der Altar, darauf die Opfer verbrannt worden, nicht im Tempel, sondern vor demselben im Hofe stand, auch erfahren, dass etliche vom Volk im Lande gelassen wurden, haben sie sich die Hoffnung gemacht, es würden auch von den Priestern etliche noch vorhanden sein, durch die sie ihre Opfer verrichten könnten.

6. Und Ismael, der Sohn Nethanjas, ging heraus von Mizpa, den selbigen entgegen, ging daher und weinte. Als er nun an sie kam, sprach er zu ihnen: Ihr sollt zu Gedalja, dem Sohn Ahikams, kommen.

Entgegen: Denn weil er vernommen, dass sie allerdings unbewehrt kämen, als die nicht zum Kriege, sondern zum Gottesdienst sich gerüstet hatten, hat er sich vorgenommen, dieselben auch umzubringen und ihnen das Geld und was sie bei sich hätten, zu nehmen.

Weinte: Das er dergleichen tat, als ob er ganz leidig wäre und der Stadt Untergang samt des Volkes Gefängnis ihm sehr zu Herzen ging. Darum sie auch gemeint, er wäre ganz freundlich gegen sie gesinnt, und als ein Freund ihnen entgegen gezogen sind. [Man soll sich aber vor dergleichen falschen Krokodilstränen hüten, damit die arglistigen bösen Leute die Einfältigen betrügen].

Gedalja: Welchen der König zu Babel den übrigen Juden in diesem Lande vorgesetzt hat, der wird euch, dieweil ihr euch zu der rechten Religion begehrt zu halten, allen freundlichen Willen erzeigen und hat mich euch entgegen gesandt, dass ich euch seinetwegen zu ihm laden soll.

7. Da sie aber mitten in die Stadt kamen, ermordete sie Ismael, der Sohn Nethanjas und die Männer, so bei ihm waren, bei dem Brunnen.

Kamen: Und keines feindlichen Überfalls sich besorgten.

Männer: Denn wie er ein Hauptmann war, nämlich ein Mörder, also hatte er auch Kriegsleute und Spießgesellen bei sich nämlich ebensolche Schelmen wie er. [Denn gleich und gleich gesellt sich gern].

8. Aber es waren zehn. Männer darunter, die sprachen zu Ismael: Lieber, töte uns nicht; wir haben Schätze im Acker liegen, von Weizen, Gerste, Öl und Honig. Also ließ er ab und tötete sie nicht mit den anderen.

Drunter: Nämlich unter den Fremden, die zum Opfer gekommen waren.

Uns nicht: Denn wir wollen unser Leben mit Geld lösen.

Liegen: Die wir dir anzeigen wollen, wohin wir sie verborgen haben. [Und haben diese weislich gehandelt, dass sie viel lieber ihre Güter als ihr Leben verlieren wollen].

Sie nicht: Sind also dem Tode dieses Mal entgangen.

9. Der Brunnen aber, darin Ismael die toten Leichname warf, welche er hatte erschlagen, samt dem Gedalja, ist der, den der König Assa machen ließ wieder Baesa, den König Israels; den füllte Ismael, der Sohn Nethanjas, mit den Erschlagenen.

Wider Baesa: Denn es haben die beiden Könige immer widereinander Kriege geführt {1Sam 15}. Darum vielleicht der König Assa diesen Brunnen graben lassen, damit die Stadt Mizpa von wegen Mangel des Wassers sich nicht an den Baesa ergebe. Denn es ist des Wassers kein Überfluss gewesen an etlichen Orten im gelobten Lande.

Füllt: Dadurch er den Brunnen noch dazu verderbe, in dem er seine Mordstücke etlichermaßen begehrt zu verhehlen. [Aber es ist umsonst, dass man der unschuldigen Leute erschlagene Körper verbergen will, weil ihr Blut von der Erde zu Gott gen Himmel um Rache schreit].

10. Und was übriges Volkes war zu Mizpa, auch des Königs Töchter, führte Ismael, der Sohn Nethanjas, gefangen weg samt allem übrigen Volk zu Mizpa, über welche Nebusar-Adan, der Hauptmann, hatte gesetzt Gedalja, den Sohn Ahikams; und zog hin und wollte hinüber zu den Kindern Ammon {Jer 43v6}.

War: Nämlich von Juden samt ihren Weibern und Kindern.

Gefangen: Denn er an dem vorigen Mord sich nicht ersättigen lassen und weil die Könige in Juda oft viele Weiber hatten, mit denen sie viele Kinder zeugten, so wurden dieselben, besonders, was Weibspersonen waren, nicht königlich erzogen oder gehalten, darum sie auch, weil man ihrer nicht groß geachtet, nicht gefangen gen Babel geführt noch mit den anderen des Königs Kindern getötet worden.

Hinüber: Ohne Zweifel des Sinnes, dass er solche seine Gefangenen den Ammonitern um eine Summe Geldes zu Knechten und Mägden verkaufen wollte. Welches ein gräuliches Bubenstück gewesen, dass er seiner eigenen Brüder und Schwestern nicht verschont, die mit ihm eines Geschlechts und Herkommens gewesen, derer doch der grausame Feind Nebukad Nezar geschont hatte. [Aber welches Herz der Geiz besessen hat, die lassen um Gewinns willen alle natürlichen Zuneigungen und Gottseligkeit fahren. Daher auch Paulus spricht {1Tim 6}, dass der Geiz eine Wurzel alles Übels sei. Und hatte es das Ansehen damals, als ob Gott in solchen großen Unfällen sein Volk allerdings verstoßen hätte, dafür er doch heimlich Sorge trug. Darum auch die Erledigung der Gefangenen bald darauf erfolgt].

11. Da aber Johanan, der Sohn Kareahs, erfuhr und alle Hauptleute des Heers, die bei ihm waren, all das Übel, das Ismael, der Sohn Nethanjas, begangen hatte,

Hauptleute: Die im Kriege Befehlshaber gewesen waren.

Begangen: Indem er den Gedalja erschlagen und noch dazu viele fromme Leute erwürgt hatte, auch das übrige Volk gefangen mit sich führte.

12. Nahmen sie zu sich alle Männer und zogen hin wider Ismael, den Sohn Nethanjas, zu streiten und trafen ihn an bei dem großen Wasser an Gibeon {2Sam 2v13}.

Alle Männer: Die sie aus den übrigen Juden zusammenklaubten.

Streiten: Auf dass sie seine Bubenstücke rächten und das gefangene Volk erlösten. [Denn man soll den Mördern wehren und die unschuldigen Leute vor der Räuber Gewalt schützen].

Wasser: So vielleicht ein großer Weiher oder See gewesen.

13. Da nun alles Volk, so bei Ismael war, sah den Johanan, den Sohn Kareahs und alle die Hauptleute des Heers, die bei ihm waren, wurden sie froh.

War: Welches er gefangen mit sich führte.

Sah: Und spürte, dass durch ihre Herkunft sie aus des Tyrannen Ismaels Händen würden errettet werden. Wie auch ihnen ihre Hoffnung nicht gefehlt. Denn Ismael, ohne Zweifel weil ihn sein böses Gewissen furchtsam und verzagt gemacht, mit seinen Mördern bald die Flucht genommen. [Und hat Gott um etlicher frommer und gottseliger Leute willen, die unter demselben Haufen gewesen, auch den anderen ihre Freiheit geschenkt. Wie denn er um wenig Frommer willen viele Bösen leibliche Guttaten widerfahren lässt].

14. Und das ganze Volk, das Ismael hatte von Mizpa weggeführt, wandte sich um und kehrte wiederum zu Johanan, dem Sohn Kareahs.

Zu Johanan: Unter dessen Schutz sie sich begaben.

15. Aber Ismael, der Sohn Nethanjas, entrann dem Johanan mit acht Männern und zog zu den Kindern Ammon.

Acht Männern: Da die übrigen vielleicht erschlagen oder doch zerstreut wurden. [Denn die Aufrührer und Totschläger haben selten einen glücklichen Ausgang].

Kindern Ammon: Aus derer Anstiftung er die oben gehörten Übeltaten begangen.

16. Und Johanan, der Sohn Kareahs, samt allen Hauptleuten des Heers, so bei ihm waren, nahmen all das übrige Volk, so sie wiedergebracht hatten von Ismael, dem Sohn Nethanjas, aus Mizpa zu sich (weil Gedalja, der Sohn Ahikams, erschlagen war), nämlich die Kriegsmänner, Weiber und Kinder und Kämmerer, so sie von Gibeon hatten wiedergebracht,

Aus Mizpa: An welchem Ort sie sich nicht mehr trauten sicher zu wohnen.

Kämmerer: Die an der Könige Juda Hofe in Ämtern gewesen waren, besonders aber, dass sie auf des Königs Kammer gewartet.

17. und zogen hin und kehrten ein zum Kimham zur Herberge, der bei Bethlehem wohnte, und wollten nach Ägypten ziehen vor den Chaldäern.

18. Denn sie fürchteten sich vor ihnen, weil Ismael, der Sohn Nethanjas, Gedalja, den Sohn Ahikams, erschlagen hatte, den der König zu Babel über das Land gesetzt hatte.

Fürchteten sich: Dass nicht etwa die Chaldäer sie überfallen möchten, wie Ismael getan, der auch dessen nicht verschont, den der mächtige König zu Babel den Juden zum Regenten vorgesetzt hatte. [Denn die Leute bilden sich selbst oftmals eine vergebliche Furcht ein, da keine ist und in dem sie solchem Unglück, welches sie ihnen selber fälschlich eingebildet, begehren zu entgehen, ob sie wohl aus dem Worte Gottes getröstet und versichert werden, so stürzen sie sich allererst dadurch recht in Gefahr, wie wir an seinem Orte hören werden].


Das 42. Kapitel


1. Die übrigen Juden fragen den Propheten um Rat, ob sie nach Ägypten ziehen sollen. v. 1. 2. Der wider rät es ihnen und verspricht ihnen von Gott alles Gute, so sie im Lande bleiben werden, wo nicht, so zeigt er ihnen an, was großem Unheil sie werden müssen unterworfen sein, v. 7.

1. Da traten herzu alle Hauptleute des Heers, Johanan, der Sohn Kareahs, Jesanja, der Sohn Hosajas, samt dem ganzen Volk, beide, klein und groß,

Hauptleute: Die in Kriegen vornehmen Befehl hatten, unter denen, die hier benannten zwei die Obersten waren.

2. und sprachen zum Propheten Jeremia: Lieber, lass unser Gebet vor dir gelten und bitte für uns den Herrn, deinen Gott, um all diese Übrigen (denn unser ist leider wenig geblieben von vielen, wie du uns selbst siehst mit deinen Augen),

Gott: Dass er sich über uns erbarmen und uns nicht auch vertilgen wolle.

Vielen: Da unser zuvor schier eine unzählige Menge gewesen.

Siehst: Ohne Zweifel mit großem Erbarmen und Mitleiden.

3. Dass uns der Herr, dein Gott, wollte anzeigen, wohin wir ziehen und was wir tun sollen.

Dein Gott: Den du fleißig ehrst und er dich hinwieder gnädig hörte.

Tun sollen: Ob wir in Ägypten ziehen oder aber in diesem Lande bleiben sollen. [Denn es stellen sich die Heuchler, als ob sie große Lust zur Wahrheit hätten und dem Willen Gottes nachzusetzen ganz begierig wären, da sie doch nichtsdestoweniger in ihrem Herzen auf ihrem bösen Vorsatz bleiben und sich nicht davon abwenden lassen].

4. Und der Prophet Jeremia sprach zu ihnen: Wohlan, ich will gehorchen; und siehe, ich will den Herrn, euren Gott, bitten, wie ihr gesagt habt; und alles, was euch der Herr antworten wird, das will ich euch anzeigen und will euch nichts verhalten.

Bitten: Dass er uns seinen Willen offenbaren wolle.

Nichts verhalten: [Denn es soll ein Kirchendiener die Wahrheit nicht verschweigen, es gefalle den Zuhörern solches oder nicht].

5. Und sie sprachen zu Jeremia: Der Herr sei ein gewisser und wahrhaftiger Zeuge zwischen uns, wo wir nicht tun werden alles, das dir der Herr, dein Gott, an uns befehlen wird.

Nicht tun: Und den Worten nicht gehorsam folgen, die Gott uns durch dich wird verkündigen lassen, so sei er ein wahrhafter und gewisser Zeuge, dass er uns ernstlich strafe und also mit der Tat von unserer Bosheit zeuge.

6. Es sei Gutes oder Böses, so wollen wir gehorchen der Stimme des Herrn, unseres Gottes, zu dem wir dich senden, auf dass uns wohl gehe, so wir der Stimme des Herrn, unseres Gottes, gehorchen.

Oder Böses: Das ist, er heiße uns gleich solche Dinge, die uns zuträglich und sicher sein Bedenken, oder aber befehle etwas, dabei wir eine Gefahr zu sein meinen, so wollen wir ihm dennoch Gehorsam leisten.

Wohl gehe: Und unser Tun endlich einen glücklichen Ausgang gewinne. Dies sagen sie recht, wenn sie nur auch ihren Worten getan hätten. [Denn Gehorsam bringt Glück].

7. Und nach zehn Tagen geschah des Herrn Wort zu Jeremia.

Zehn Tagen: Da ist ihm allererst eine göttliche Offenbarung gekommen. [Denn Gott verzieht bisweilen solches uns mitzuteilen, was wir begehren, nicht dass er es uns abschlage wolle, sondern dass er unseren Glauben probiere].

8. Da rief er Johanan, den Sohn Kareahs und alle Hauptleute des Heers, die bei ihm waren und alles Volk, beide, klein und groß,

Und groß: Nämlich allen denen, die um einen göttlichen Bericht bei ihm angehalten hatten, damit er ihnen kundtat, was ihm Gott geoffenbart hätte.

9. und sprach zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels, zu dem ihr mich gesandt habt, dass ich euer Gebet vor ihn sollte bringen:

Bringen: Und das meine auch zugleich mit hinzutat, und begehrte, dass er sich doch endlich über euch erbarmen wollte und anzeigte, wessen ihr euch in diesen gefährlichen Läufen zu verhalten, auf dass ihr zukünftig mit mehr Ruhe friedlich leben könntet. [Und obwohl Gott alles überall gegenwärtig hörte und sieht, so soll dennoch einer vor den anderen bitten, weil wir hier auf der Erde leben].

10. Werdet ihr in diesem Lande bleiben, so will, ich euch bauen und nicht zerbrechen; ich will euch pflanzen und nicht ausreißen; denn es hat mich schon gereut das Übel, das ich euch getan habe.

Bauen: Ich will mit meiner Hand ob euch halten und euch vermehren, dass ihr an der Zahl, Kräften und Gütern zunehmt und aus göttlichem Segen die Vermehrung greiflich empfindet und will euch nicht vertilgen, wie ihr euch besorgt, weil ihr noch von dem vorigen Unfall zerschlagen und zaghaft seid, sondern will euch erhalten und väterlich schützen.

bereuen: Es ist mir etlichermaßen Leid, dass ich so großes Unglück über mein Volk ergehen lassen. [Denn obwohl Gott niemand Unrecht oder zu kurz tut, auch dergleichen Änderungen des Gemüts nicht bei ihm sind, wie bei den Menschen, so redet er doch mit uns auf menschliche Weise und sagt, dass ihn ein Übel bereue, denn er will zu verstehen geben, dass er kein Gefallen habe an dem Tode und Untergang der sündigen Menschen, sondern vielmehr begehre, dass sie Buße tun und erhalten werden. Besonders aber hat er uns lehren wollen, dass er nach der uns angelegten rechten und wohlverdienten Strafe wiederum ein väterliches Mitleiden mit uns habe, das Übel lindere und zu seiner Zeit auch ganz hinweg nehme].

11. Ihr sollt euch nicht fürchten vor dem Könige zu Babel, vor dem ihr euch fürchtet, spricht der Herr; ihr sollt euch vor ihm nicht fürchten; denn ich will bei euch sein, dass ich euch helfe und von seiner Hand errette.

Errette: Ich will mit meiner Gnade ob euch halten, euch schützen und des Königs zu Babel Herz also regieren, dass er euch zukünftig keinen Schaden mehr tun soll: Ja ich will verschaffen, dass der König zu Babel selbst sich über euch erbarmen muss und euch zulassen, dass ihr dies Land wiederum bewohnt, dazu in einem friedlichen Zustand bleiben lassen, dass ihr euch keiner Gefahr zu besorgen habt. [Denn Gott ist immer bei seiner Kirche und schützt sie, welche sonst geschwinde durch des Satans List und Wüten vertilgt würde und hat der Könige und andere Regenten Herzen in seiner Hand, dass er sie nach dem Sieg zur Gnade bewegen kann, gleichwie er sie auch kann entrüsten und erbittern, wenn er strafen will. Darum sollen wir dahin sehen, dass wir einen gnädigen Gott haben, der kann uns alsdann die Leute leicht geneigt machen].

12. Ich will euch Barmherzigkeit erzeigen und mich über euch erbarmen und euch wieder in euer Land bringen.

13. Werdet ihr aber sagen: Wir wollen nicht im Lande bleiben, damit ihr ja nicht gehorcht der Stimme des Herrn, eures Gottes,

Lande: In dem wir so viel Unglück ausgestanden haben und noch immer in Gefahr sein müssen.

14. sondern sagen: Nein, wir wollen nach Ägyptenland ziehen, dass wir keinen Krieg sehen noch der Posaunen Schall hören und nicht Hunger Brot halben leiden müssen; dort wollen wir bleiben:

Ziehen: Da wir eine sichere und ruhige Wohnung finden werden. Solcher Anschlag (will der Prophet sagen) wird euch übel geraten, weil er dem Worte Gottes zuwider ist. [Denn des Fleisches Ratschläge scheinen zwar zuerst die sichersten, sind aber in der Wahrheit die schädlichsten, in Maßen sich es endlich in der Tat befindet].

15. nun, so hört des Herrn Wort, ihr Übrigen aus Juda! So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Werdet ihr euer Angesicht richten, nach Ägyptenland zu ziehen, dass ihr dort bleiben wollt,

16. so soll euch das Schwert, vor dem ihr euch fürchtet, in Ägyptenland treffen; und der Hunger, des ihr euch besorgt, soll stets hinter euch her sein in Ägypten und sollt dort sterben.

Treffen: Ihr werdet am selben Ort den Krieg finden, dem ihr begehrt zu entfliehen.

Herr sein: Dass ihr demselben auch nicht entrinnen werdet. [Denn welche der Gefahr durch ungeheuerliche Mittel, die Gott verboten hat, begehren zu entgehen, die stürzen sich am allermeisten hinein].

17. Denn sie sind, wer sie wollen, die ihr Angesicht richten, dass sie nach Ägypten ziehen, dort zu bleiben, die sollen sterben durch das Schwert, Hunger und Pestilenz; und soll keiner überblieben, noch entrinnen dem Übel, das ich über sie will kommen lassen.

Richten: Die auf ihrem Vorhaben halsstarrig bleiben und gänzlich im Sinne haben, dass sie fortziehen wollen.

18. Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Gleichwie mein Zorn und Grimm über die Einwohner zu Jerusalem gegangen ist, so soll er auch über euch gehen, wo ihr nach Ägypten zieht, dass ihr zum Fluch, zum Wunder, Schwur und Schande werdet und diese Stätte nicht mehr sehen sollst.

Schande werdet: Ihr sollt ein Scheusal sein vor Gott und den Menschen und welche die Größe eures Jammers zu Gemüt führen werden, die werden sich entsetzen, weil euch alles Unglück wird zu Händen gehen und ihr vor allen Völkern öffentlich seid zuschanden geworden.

Diese Stätte: Das Land Kanaan, welches ihr jetzt wider meinen Befehl begehrt zu verlassen; nach dem werdet ihr später vergebens wiederum ein Verlangen haben, weil ihr euch jetzt an Ägypten hängen wollt. [Denn Gott will nicht, dass wir auf die Menschen unser Vertrauen setzen sollen].

19. Das Wort des Herrn gilt euch, ihr Übrigen aus Juda, dass ihr nicht nach Ägypten zieht. Darum so wisst, dass ich euch heute bezeuge.

Gilt euch: Es wird euch verkündigt und im Ausgang an euch wahr werden.

Bezeuge: Und öffentlich anzeige, wie ihr eure Wohlfahrt übel vorsehen werdet, wenn ihr wider Gottes Gebote nach Ägypten zieht, welches ich euch auf euer Begehren und von wegen meines tragenden Amtes nicht habe verhehlen wollen.

20. Ihr werdet sonst eurer Leben verwahrlosen. Denn ihr habt mich gesandt zum Herrn, eurem Gott und gesagt: Bitte den Herrn, unseren Gott, für uns; und alles, was der Herr, unser Gott, sagen wird, das erzeige uns an, so wollen wir danach tun.

Gesandt: Und gebeten, dass ich eine Fürbitte für euch tun soll.

Für uns: Das er sich unser erbarmen wolle und uns verständigen, was wir tun sollen, damit wir dem künftigen Übel entgehen mögen.

21. Das habe ich euch heute zu wissen getan; aber ihr wollt der Stimme des Herrn, eures Gottes, nicht gehorchen noch allem dem, das er mir an euch befohlen hat.

Getan: Und habe euch also willfahrt, dass ich durch mein Gebet einen göttlichen Bericht erlangt, was Gott von eurem vorhabenden Zug in Ägypten halte.

Nicht gehorchen: So viel ich vermerke. Denn ich weiß, wohin ihr geneigt seid und was ihr für einen widersinnigen Kopf habt, dass ihr von eurem Gehorsam ein langes und breites her machen und verheißen dürft, von dem ihr doch danach das Geringste nicht leistet.

22. So sollt ihr nun wissen, dass ihr durch das Schwert, Hunger und Pestilenz sterben müsst an dem Ort, dahin ihr gedenkt zu ziehen, dass ihr dort wohnen wollt.

Wissen: Ich verkündige euch hiermit öffentlich, wenn ihr nach Ägypten hinabzieht, dass ihr da durch die göttliche Rache jämmerlich umkommen werdet. [Denn die Kirchendiener sollen ihren Zuhörern die vorstehende Gefahr anzeigen, sie lassen sich gleich dadurch zur Besserung bewegen oder verachten es, auf dass sie ihrem Amt nachkommen und ein gutes Gewissen behalten].


Das 43. Kapitel


1. Das jüdische Volk zieht wider den Befehl Gottes nach Ägypten. v. 1. 2. Denen der Prophet die künftigen Strafen verkündigt. v. 8.

1. Da Jeremia alle Worte des Herrn, ihres Gottes, hatte ausgeredet zu allem Volk, wie ihm denn der Herr, ihr Gott, alle diese Worte an sie befohlen hatte,

Da: Jetzt lasst uns hören, wie dieses Volkes Heuchelei endlich entdeckt wurde und an Tag kam.

Ausgeredet: Wie sie im vorigen Kapitel stehen, denen sie richtig hätten sollen gehorsam sein und Folge leisten.

2. sprach Asarja, der Sohn Hosajas und Johanan, der Sohn Kareahs und alle frechen Männer zu Jeremia: Du lügst! Der Herr, unser Gott, hat dich nicht zu uns gesandt noch gesagt: Ihr sollt nicht nach Ägypten ziehen, dort zu wohnen,

Asaria: Der meines Erachtens im vorigen Kapitel Jesanja genannt wurde und zwei Namen hatte.

Frechen: Die stolzen und aufgeblasenen Kriegsgurgeln waren.

Gesandt: Dass du uns einen göttlichen Bericht verkündigen und anzeigen solltest: Denn es ist solches unserem Herrn Gott nie in den Sinn gekommen, dass er uns den Zug in Ägypten zu verwehren begehrte.

3. sondern Baruch, der Sohn Nerias, beredet dich des uns zuwider, auf dass wir den Chaldäern übergeben werden, dass sie uns töten und gen Babel wegführen.

Baruch: Dein Schreiber, dem du in allem folgst und ärger ist denn du, der uns auch eben so feind ist als du. Denn er uns immer unter dem Deckmantel des göttlichen Namens alles Böse, und lauter Unglück verkündigt hat. [Dergestalt lassen endlich die Heuchler ihres Herzen gottlose Meinung hervor und geben sie an Tag, wenn man ihnen aus dem Worte Gottes etwas sagt, das ihnen nicht wohl zuschlägt. Und wollen zwar dennoch nicht dafür angesehen sein, als ob sie dem Worte Gottes öffentlich widersprächen. Geben vor, es sei das nicht der Verstand des göttlichen Wortes, sondern habe viel eine andere Meinung damit, denn man es ihnen vorpredige und vorbringe: Sagen auch, dass die Kirchendiener viele Dinge als sträflich schelten aus lauterem Neid und Hass gegen die Personen und aus einer besonderen Rachgier: Deuten die treuen Warnungen für böse Wünsche, als ob die Kirchendiener solche Dinge wünschten und begehrten, dass den Zuhörern zu Händen ging, was sie verkündigen, das ihnen widerfahren werde. Der Pfaffe (sprechen sie) gönnt uns nichts Gutes].

4. Also gehorchte Johanan, der Sohn Kareahs und alle Hauptleute des Heers samt dem ganzen Volk der Stimme des Herrn nicht, dass sie im Lande Juda wären geblieben,

Nicht: Wie ihnen befohlen war, das sie hätten tun sollen. Sowohl das gemeine Gesindlein als ihre Obersten. [Denn was stürmische und unruhige Köpfe sind, die bei dem Volk ein Ansehen haben, können dasselbe leicht auf ihre schädliche Meinung bringen, dass es ihnen zufällt].

5. sondern Johanan, der Sohn Kareahs und alle Hauptleute des Heers Namen zu sich alle Übrigen aus Juda, so von allen Völkern, dahin sie geflohen, wiedergekommen waren, dass sie im Lande Juda wohnten,

Johanan: Der sich sonst zuvor wohl und löblich gehalten hatte, da er das gefangene Volk aus des Mörders Ismaels Hand erlöste. Jetzt aber widersetzt er sich den Propheten oder vielmehr Gott selbst mit großer Halsstarrigkeit. [Darum sollen wir Gott bitten, dass er uns nicht in Versuchung führe: Und wer da steht, mag wohl zusehen, dass er nicht falle].

Geflohen: Im währenden Kriege der Chaldäer wider Jerusalem.

6. nämlich Mann, Weiber und Kinder, dazu des Königs Töchter und alle Seelen, die Nebusar-Adan, der Hauptmann, bei Gedalja, dem Sohn Ahikams, des Sohnes Saphans, hatte gelassen, auch den Propheten Jeremia und Baruch, den Sohn Nerias {Jer 41v10},

Töchter: So im Lande Kanaan gelassen wurden. Denn wie zuvor gemeldet, so zeugten die Könige Juda aus vielen Weibern viele Kinder, welche doch nicht alle königlich gehalten oder erzogen wurden, besonders die Weibspersonen, darum Nebukad Nezar derselben geschont oder doch sich ihrer nicht geachtet, da er die anderen umbringen lassen.

Seelen: Alle Juden, so vorhanden waren, führten sie mit sich hinweg.

Und Baruch: Welche beide auch mit fortmussten, ob sie wohl sehr ungern mitzogen und wohl wussten, was solche Reise für einen unglücklichen Ausgang haben würde: Weil sie aber wider öffentliche Gewalt nichts konnten und noch etliche Auserwählten im Volke Gottes zu sein hofften, die sie in Ägypten unterrichten könnten, so haben sie aus der Not eine Tugend gemacht, doch ohne Verletzung ihres Gewissens, denn sie von Gottes und ihrem Willen genügend bezeugt hatten. [Welche deswegen das Übel, so sie verwerfen, aus Zwang leiden, die sündigen nicht, sondern die Übel tun].

7. und zogen nach Ägyptenland, denn sie wollten der Stimme des Herrn nicht gehorchen und kamen gen Thachpanhes.

Nicht gehorchen: Da sie ermahnt wurden, dass sie im jüdischen Land bleiben sollten. Und hat der König in Ägypten diesen Flüchtigen meines Erachtens desto eher Platz gegeben, weil er und der König zu Babel einander aufsässig und feind waren, vielmehr damit er dem Könige zu Babel einen Trotz und Verdruss erwiese, als dass er den Juden hätte begehrt etwa zu Gefallen zu tun: Aber es ist ihm übel ergangen, wie bald später folgt. [Denn welche böse, unruhige und aufrührerische, feldflüchtige Leute aufnehmen, die sehen sich selbst und ihren Sachen nicht ganz wohl für].

8. Und des Herrn Wort geschah zu Jeremia zu Thachpanhes und sprach:

Wort: Denn obwohl die Juden, dem Befehl Gottes zuwider, bereits in Ägypten angekommen waren. So hat dennoch Gott seinem Volk ihr zukünftiges Unglück, so sie in Ägypten würden müssen ausstehen, zuvor wollen verkündigen lassen, auf dass, welche unter den Juden sich noch wollten helfen lassen, Buße taten und selig würden.

9. Nimm große Steine und verscharre sie im Ziegelofen, der vor der Tür am Hause Pharaos ist zu Thachpanhes, dass die Männer aus Juda zusehen

Aus Juda: Deine Landsleute. Und pflegten die Propheten aus Gottes Befehl etliche äußerliche Werke neben ihren Predigten zu verrichten, auf dass ihre Reden den Leuten desto mehr zu Herzen gingen und ihnen wohl eingebildet würden.

10. und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will hinsenden und meinen Knecht Nebukadnezar, den König zu Babel, holen lassen und will seinen Stuhl oben auf diese Steine setzen, die ich verscharrt habe; und er soll sein Zelt darüber schlagen {Jer 25v9}.

Knecht: Den ich als einen willigen Diener brauche, wenn ich andere Leute strafen will.

Setzen: Denn er soll mit einem Kriegsheer kommen und diese und viele andere Städte in Ägypten erobern. Darum, vor welchem ihr euch im Lande Kanaan gefürchtet habt und gemeint, dass ihr seinen Händen entrinnen wolltet, den werdet ihr hier in Ägypten sehen und seinen Ernst mit eurem großen Schaden empfinden. So wohl habt ihr es getroffen und euren Sachen Rat geschafft, dass ihr nach Ägypten geflohen seid. Dass aber der König zu Babel Ägypten mit Krieg überziehen würde, hat solches auch längst zuvor geweissagt der Prophet Jesaja im Kapitel 19.

11. Und er soll kommen und Ägyptenland schlagen und töten, wen es trifft, gefangen führen, wen es trifft, mit dem Schwert schlagen, wen es trifft {Jer 15v2}.

Schlagen: Er wird die Ägypter bestreiten und den Sieg wider sie erhalten, auch große Strafe an ihnen üben.

Trifft: Welche ich dazu bestimmt habe, dass sie aus Hunger oder an der Pestilenz sterben sollen.

Schwert schlagen: Dass sie von den Chaldäern sollen erwürgt werden. [Denn es gebraucht Gott auch gottlose Könige dazu, dass er andere gottlose Könige und Völker durch sie strafe].

12. Und ich will die Häuser der Götter in Ägypten mit Feuer anstecken, dass er sie verbrenne und wegführe. Und er soll sich Ägyptenland anziehen, wie ein Hirte sein Kleid anzieht und mit Frieden von dort ziehen.

Er: Nämlich der König zu Babel soll der Ägypter goldene und silberne Götzen einesteils verbrennen, einesteils aber mit sich hinwegnehmen. [Denn der Götzendiener Abgötter sind elende Götter, dass sie sich selbst nicht, will schweigen anderen, helfen könnten. Also ist es auch mit der Katholiken Gottesdienst beschaffen, darauf sie sich verlassen].

Anziehen: Er soll gleichsam damit bekleidet werden, das ist, er soll Ägyptenland ganz und gar unter seine Gewalt bringen.

Ziehen: Heimwärts gen Babel, mit großem Ruhm und Ehren, auch Erweiterung seines Reiches, wenn er den Krieg glücklich zu Ende gebracht und die Ägypter sich unterwürfig gemacht hat.

13. Er soll die Bildsäulen zu Beth-Semes in Ägyptenland zerbrechen und die Götzenkirchen in Ägypten mit Feuer verbrennen.

Beth Semes: In demselben herrlichen Tempel oder Götzenhause, so von der Sonne den Namen hatte.

Verbrennen: Denn er keiner abgöttischen Kirche schonen wird, sie sei gleich so köstlich erbaut, als sie immer wolle. Hat also Gott durch eines heidnischen Königs Zutun die heidnischen Abgötter eines anderen Königs zerstören lassen. Denn es ist Ägypten besonders voll Aberglaubens und Abgötterei gesteckt. [Und hasst Gott die falschen abergläubischen Gottesdienste aufs Höchste. Dass auch heutigentags der Türke so viele Länder in Europa und Asien einbekommen und unter sich gebracht, hat man solches der papistischen Abgötterei zu danken, welche man noch halsstarrig verteidigt].


Das 44. Kapitel


1. Der Prophet rückt dem Volk die ägyptische Abgötterei auf, mit hinzugesetzter Verkündigung der Strafen. v. 1. 2. Dem die Juden wieder vorwerfen, dass es ihnen wohl gegangen, da sie Abgötterei getrieben. v. 15. 3. Der Prophet aber widerspricht es und zeigt an, was sie für Strafen zu erwarten haben. v. 20.

1. Dies ist das Wort, das zu Jeremia geschah an alle Juden, so in Ägyptenland wohnten, nämlich zu Migdal, zu Thachpanhes, zu Noph und die im Lande Pathros wohnten und sprach:

Dies: Jetzt predigt der Prophet aus Befehl des Herrn ganz ernstlich wider die Abgötterei der Juden, welche sie in Ägypten trieben, und ermahnt sie zur Buße, obwohl es alles vergebens gewesen.

Noph: Von welcher etliche meinen, dass es die Stadt Alkeir sei, ist aber ungewiss, auch wenig daran gelegen.

2. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Ihr habt gesehen all das Übel, das ich habe kommen lassen über Jerusalem und über alle Städte in Juda; und siehe, heutigentags sind sie wüst und wohnt niemand darin;

Spricht: Dies heißt mich Gott, dass ich euch von seinetwegen verkündigen soll.

3. und das um ihrer Bosheit willen, die sie taten, dass sie mich erzürnten, und hingingen und räucherten und dienten anderen Göttern, welche weder sie noch ihr noch eure Väter kannten.

Bosheit willen: Nämlich der Abgötterei und gottlosen Wesens. Denn das ist die Ursache gewesen, darum ihnen solches alles begegnet ist.

Kannten: Haben also eine neue Religion angenommen und die verlassen, welche eure Voreltern aus der göttlichen Offenbarung gelernt hatten. [Es ist aber eine neue Religion, nicht welche aus den allerältesten Schriften der Propheten und Aposteln hervor gezogen wird, sondern, welche die Menschen aus ihrem Kopf erdichteten].

4. Und ich sandte stets zu euch alle meine Knechte, die Propheten und ließ euch sagen: Tut doch nicht solche Gräuel, die ich hasse!

Sandte stets: Nämlich da ihr noch zu Jerusalem wart und im jüdischen Land wohntet, habe ich euch zeitlich genug zur Buße ermahnen lassen, dass ihr euch bessern und zu mir bekehren solltet und solches nicht nur durch einen, sondern viele Propheten, habe also nichts unterlassen, dass die Juden zu Jerusalem wieder auf den rechten Weg zu bringen dienlich sein möchte.

Hasse: Denn es ist Gott keine Sünde so sehr zuwider als die Abgötterei.

5. Aber sie gehorchten nicht, neigten auch ihre Ohren von ihrer Bosheit nicht, dass sie sich bekehrten und anderen Göttern nicht geräuchert hätten.

Gehorchten nicht: Habe also mit meinen Vermahnungen und Warnungen nichts bei ihnen ausrichten können. [Denn die Abgötterei schlägt der menschlichen Vernunft ganz wohl zu].

6. Darum ging auch mein Zorn und Grimm an und entbrannte über die Städte Judas und über die Gassen zu Jerusalem, dass sie zur Wüste und öde geworden sind, wie es heutigentags steht.

Grimm an: Der auf euer Brüder Halsstarrigkeit und auch eure Widerspenstigkeit erfolgt ist, dass ihr nicht nur mit einem Unglück überfallen, sondern mit einem ganzen Haufen als mit einer Sündflut überschwemmt wurden.

Gassen: Welche hin und wieder voller Tote gelegen, die zum Teil Hungers gestorben, zum Teil vom Schwert und von der Pestilenz erwürgt wurden, wie man es vor Augen gesehen und noch in frischem Gedächtnis ist.

7. Nun, so spricht der Herr, der Gott Zebaoth, der Gott Israels: Warum tut ihr doch so groß Übel wider eurer eigen Leben, damit unter euch ausgerottet werde beide, Mann und Weib, beide, Kind und Säugling aus Juda und nichts von euch überbleibe,

Groß Übel: Warum seht ihr eurer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt so übel vor, dass ihr in der Abgötterei immer fortfahrt, damit ihr mich erzürnt und euch eine Strafe nach der anderen über den Hals ladet, da ihr doch bisher gesehen und erfahren, wie übel es euren Brüdern und euch auch ergangen? Wollt ihr denn nicht einmal aus eurem Schaden klug werden und nach so vielen Unfällen betrachten, dass alles solches großen Unglücks die Abgötterei die vornehmste Ursache gewesen? Davon ihr dennoch auf den heutigen Tag nicht ablassen wollt. [Denn die Beispiele des göttlichen Zorns, so wir entweder an uns selbst erfahren oder an anderen gesehen, sollen uns bewegen, dass wir weiter von Sünden ablassen und unser Leben bessern].

Überbleibe: Denn ihr werdet machen, dass ich euch ohne alle Barmherzigkeit werde vertilgen müssen und keines Geschlechts noch Alters mehr schonen werde. [Weil, wenn der Zorn Gottes anbrennt, so ist kein Schonen mehr da].

8. Dass ihr mich so erzürnt durch eurer Hände Werke und räuchert anderen Göttern in Ägyptenland, dahin ihr gezogen seid, dort zu herbergen, auf dass ihr ausgerottet und zum Fluch und Schmach werdet unter allen Heiden auf Erde?

Hände Werke: Mit eurem gottlosen Tun, das ihr treibt.

Herbergen: Darum euch eurer selbsterwählten Ausflucht ins Elend und in der Fremde hättet sollen erinnern, dass ihr einmal demütig würdet und die falschen Gottesdienste fahren ließet, damit ihr mich erzürnt habt.

Schmach werdet: Welches euch gewisslich widerfahren wird, wenn ihr also fortfahren wollt, dass ihr die allerunglückseligsten Leute auf Erde und jedermanns Spott sein werdet. [Weil deswegen Gott der natürlichen Zweige, als der Juden, nicht verschont hat, so sollen wir uns hüten, die wir von den Heiden herkommen, dass es uns nicht eben so gehe, wenn wir gleiche Sachen treiben {Röm 11}].

9. Habt ihr vergessen des Unglücks eurer Väter, des Unglücks der Könige Judas, des Unglücks ihrer Weiber, dazu eures eigenen Unglücks und eurer Weiber Unglücks, das euch begegnet ist im Lande Juda und auf den Gassen zu Jerusalem?

Vergessen: Ist es euch so bald aus dem Gedächtnis gekommen, dass ihr bereits nicht mehr bedacht seid, was für Strafen über euch ergangen von wegen der Sünden und Abgötterei eurer Voreltern und die ihr selbst im Königreich Juda angerichtet und getrieben habt, dass ihr auch noch hier in Ägypten eben solche Sünden treibt und die Abgötterei häuft, als ob es an dem vorigen, so ihr in eurem Vaterland begangen, nicht genug oder mehr denn zu viel gewesen wäre, mich damit zu erzürnen? [Wir sollen aber denken, dass es genug an dem sei, dass wir die vorige Zeit unseres Lebens in Sünden zugebracht haben und davon abstehen, auf dass wir nicht Sünden mit Sünden häufen {1Petr 4}].

10. Noch sind sie bis auf diesen Tag nicht gedemütigt, fürchten sich auch nicht und wandeln nicht in meinem Gesetz und Rechten, die ich euch und euren Vätern vorgestellt habe.

Nicht gedemütigt: Vor Gott, dass sie Buße taten, ob sie wohl von wegen ihrer zuvor begangenen Misshandlungen hart gestraft wurden.

Auch nicht: Vor der Strafe. [Wir sollen uns vorsehen, dass wir durch die Strafen nicht verhärtet und verstockt werden, damit die Strafen auch nicht größer und schwerer werden].

11. Darum spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, also: Siehe, ich will mein Angesicht wider euch richten zum Unglück und ganz Juda soll ausgerottet werden {3Mos 17v10 Am 9v4}.

Ganz Juda: Alles jüdische Volk, so wider meinen Befehl in Ägypten gezogen ist und darin Abgötterei treibt. [Denn welche dem Worte Gottes halsstarrig widerstreben, die haben Gott selbst zum Widersacher].

12. Und ich will die Übrigen aus Juda nehmen, so ihr Angesicht gerichtet haben, nach Ägyptenland zu ziehen, dass sie dort herbergen; es soll ein Ende mit ihnen allen werden in Ägyptenland. Durch das Schwert sollen sie fallen und durch Hunger sollen sie umkommen, beide, klein und groß; sie sollen durch Schwert und Hunger sterben und sollen ein Schwur, Wunder, Fluch und Schmach werden {Jer 42v18}

Gerichtet: Und es ihnen gänzlich in den Sinn genommen.

Ende: Dazu sollen sie keines natürlichen Todes sterben.

Und groß: Denn ich ihrer keinen schonen will.

Schwur: Das sie jedermann verfluchen und sich vor ihnen scheuen wird, auch werden die Leute sich darüber mit großer Verwunderung entsetzen, wenn sie nur davon hören werden, wie übel es den Juden in Ägypten gegangen, in der Summe, sie werden die allerelendsten und unglückhaftesten sein und in großer Schmach und Verachtung leben. [Denn wo Gottes Langmütigkeit vielfältig missbraucht wird, da fällt endlich das Unglück mit Haufen ein].

13. Ich will auch die Einwohner in Ägyptenland mit dem Schwert, Hunger und Pestilenz heimsuchen, gleichwie ich zu Jerusalem getan habe,

Getan: Wie ich mit den Bürgern zu Jerusalem umgegangen bin, dass ich sie aufs ernstlichste gestraft und mit drei schrecklichen Plagen zugleich angegriffen habe, also will ich es auch mit denen machen, die nach Ägypten gezogen sind. [Denn wir können der göttlichen Strafe nicht entgehen, wenn wir gleich den Ort verändern, sondern wenn wir unser Leben bessern].

14. Das aus den Übrigen Judas keiner soll entrinnen, noch überblieben, die doch darum hierher kommen sind nach Ägyptenland zur Herberge, dass sie wiederum ins Land Juda kommen möchten, dahin sie gerne wollten wiederkommen und wohnen; aber es soll keiner wieder dahin kommen, ohne welche von dort fliehen.

Fliehen: Darum, sofern ihr nicht in meinem großen Zorn jämmerlich und elendiglich sterben und verderben wollt, so steht von der Abgötterei ab und tut rechtschaffene Buße. [Wenn aber Gott die Sünden straft und uns Buße tun heißt, zeigt er eben damit an, dass allen denen, die wahrhaftig Buße tun, die Tür offen stehe, sich mit Gott zu versöhnen].

15. Da antworteten dem Jeremia alle Männer, die da wohl wussten, dass ihre Weiber anderen Göttern räucherten und alle Weiber, so mit großem Haufen dastanden, samt allem Volk, die in Ägyptenland wohnten und in Pathros und sprachen {Jer 7v17 v18}:

Da: Jetzt lasst uns hören, wie die Juden diese zwar ernstliche, aber doch väterliche Ermahnung Gottes und des Propheten aufgenommen haben.

16. Nach dem Wort, das du im Namen des Herrn uns sagst, wollen wir dir nicht gehorchen,

Nicht gehorchen: Wir wollen nach dem Worte nicht tun, das du sagst, es sei dir von Gott geoffenbart.

17. sondern wir wollen tun nach all dem Wort, das aus unserem Munde geht und wollen Melecheth des Himmels räuchern und der selbigen Trankopfer opfern, wie wir und unsere Väter, unsere Könige und Fürsten getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen zu Jerusalem. Da hatten wir auch Brot genug und ging uns wohl und sahen kein Unglück.

Munde geht: Was wir beschlossen und bestimmt haben, das wollen wir tun. [Obwohl nun ihrer wenige sich dem Worte Gottes so öffentlich heutigentags widersetzen. So tun sie doch eben das, wenn sie die Predigten hören, so in Gottes Wort wohl gegründet sind und dennoch dieselben verachten und vorsätzlich dagegen tun].

Melecheth: nach Luther]. Heißt Wirkung. Des Himmels Wirkung ist, dass er Regen, Tau, Schnee, Frost, Eis, Kälte, Hitze, Licht, Schein und Summe allerlei Wetter gibt. Dass Melecheth wohl möchte heißen Wetter oder Gewitter des Himmels. Die Juden haben diesen Gottesdienst gehalten um gutes Wetters willen (wie der Text sagt, dass sie Brot und alle Genüge hatte haben). Auf dass die Früchte vom Donner, Hagel, Blitz, Mehltau und anderen Ungewittern unversehrt, durch gutes Wetter reichlich wüchsen und zu rechter Zeit alles wohl bekäme: Solches Melecheths Stücke ist bei uns S. Urban, der soll gutes Wetter zum Wein geben und S. Alexius wider den Donner und Blitz helfen und dergleichen.

Räuchern: Es sieht ihm gleich, als ob die Juden und ihre Weiber zu solchem Gottesdienst des Räucherns mehr Lust hatten als zum Vieh schlachten, weil dasselbe viel gekostet, die Juden aber ganz karg und geizig waren. Darum erwählten sie sich solche Opfer, die sie mit geringem Gelde konnten zuwege bringen. [Denn ihrer viele suchen auch in Religionssachen vielmehr ihren Nutzen, als dass sie betrachten sollten, was zu der Ehre Gottes und Erbauung der Kirche dienlich sein möchte: Darunter die auch nicht unrecht können gezählt werden, welche ungeschickte Kirchendiener aufstellen zum Predigen, nur damit sie mit einer geringen Besoldung müssen vorlieb nehmen]. Durch das Wörtlein Melecheth aber wird das himmlische Gestirn angedeutet, welches die Juden verehrten {Am 5 Apg 7}. Und taten solches aus diesen Ursachen, dass sie fruchtbares Wetter bekämen. [Gleichwie die Katholiken S. Urban aufgeworfen haben, dass er soll guten Wein wachsen lassen und sonst auch einem jeglichen Heiligen im Himmel ihre Ämter und Verrichtungen auferlegt, darum man sie angerufen und verehrt hat].

Väter: [Eben also reden die Katholiken auch von der Sache, welche die Abgötterei und falsche Gottesdienste mit ihren Voreltern verteidigen und beschönigen wollen. Aber daneben nicht achthaben, dass solche Gottesdienste, so nach dem Alter halben gerühmt werden, dem Worte Gottes, welches das allerälteste ist, widerstreben].

Kein Unglück: Wie wir nämlich solche Gottesdienste trieben, welche du Jeremia verwirfst und verdammst, da hatten wir alles, was zur Leibes Nahrung gehört, genug und vollauf und lebten in großer Sicherheit ohne Sorge. [Denn wenn Gott nach seiner Langmütigkeit nicht bald straft, sondern noch dazu die Leute mit Guttaten überschüttet und dadurch zur Buße lockt, so deuten es die Abgöttischen dahin, als sind solche glückhaften Zeiten eine Belohnung ihrer Abgötterei, die sie für den rechten Gottesdienst halten].

18. Seit der Zeit aber wir haben abgelassen, Melecheth des Himmels zu räuchern und Trankopfer zu opfern, haben wir allen Mangel gelitten und sind durch Schwert und Hunger umkommen.

Umkommen: Dass wir allem Unheil haben müssen unterworfen sein. [Denn wenn fromme Obrigkeit die falschen Gottesdienste abschafft und das Volk dennoch nicht ernstliche Buße tut, sondern mit schweren Sünden und heimlicher Bosheit und Abgötterei die Strafen über sich zieht, so wird solches Unglück der reformierten Religion zugemessen].

19. Auch wenn wir Melecheth des Himmels räuchern und Trankopfer opfern, das tun wir ja nicht ohne unserer Männer Willen, dass wir der selbigen Kuchen backen und Trankopfer opfern, sie zu bekümmern.

Wenn wir: Also sprechen die jüdischen Weiber zum Propheten.

Männer: Die wissen es und bewilligen hinein. [Es ist aber die Übereinstimmung in der gottlosen Religion keine rechte Einigkeit, sondern vielmehr eine Rottierung].

Bekümmern: Nämlich die Melecheth oder Königin des Himmels, welche wir mit diesem Gottesdienst verehren, damit sie sich unser herzlich annehme, und um unserer großen Not willen sich bemühe, dass dieselbe abgewandt werde.

Nach Luther:]. Dass sie sich unser herzlich annehme, als um unserer großen Not willen bekümmert, wie sich Gott bekümmert {1Mos 6v6}. Dass so große Bosheit auf Erde war.

20. Da sprach Jeremia zum ganzen Volk, beide, Männern und Weibern und allem Volk, die ihm so geantwortet hatten:

21. Ich meine ja, der Herr habe gedacht an das Räuchern, so ihr in den Städten Judas und auf den Gassen zu Jerusalem getrieben habt, samt euren Vätern Königen, Fürsten und allem Volk im Lande und hat es zu Herzen genommen,

Herzen genommen: Als wollte er sprechen, freilich hat Gott eure Abgötterei wahrgenommen, die ihr eine lange Zeit im jüdischen Land getrieben und hat mit großem Zorn daran gedacht.

22. Dass er nicht mehr leiden konnte euren bösen Wandel und Gräuel, die ihr tatet; daher auch euer Land zur Wüste, zum Wunder und zum Fluch geworden ist, dass niemand darin wohnt, wie es heutigentags steht.

Gräuel: Denn was ihr für heilige Opfer geachtet, die sind Gott ein Gräuel gewesen.

Land: Nämlich das Land Juda, welches um der Abgötterei willen wüste und öde liegt, also dass die, so vorüber gehen, sich darauf entsetzen und recht urteilen, dasselbe Land müsse vor Gott ein Gräuel und verflucht sein.

23. Darum dass ihr geräuchert habt, und wider den Herrn gesündigt und der Stimme des Herrn nicht gehorcht und in seinem Gesetz, Rechten und Zeugnis nicht gewandelt habt, darum ist auch euch solches Unglück widerfahren, wie es heutigentags steht.

Geräuchert: Nämlich den fremden Göttern und mit anderen groben Lastern euch besudelt.

Solches Unglück: Das ihr vor Augen seht. [Denn wenn endlich Gottes Langmütigkeit zu viel missbraucht wird, so wird sie in einen schrecklichen Zorn Gottes verändert].

24. Und Jeremia sprach zu allem Volk und zu allen Weibern: Hört des Herrn Wort, alle ihr aus Juda, so in Ägyptenland sind!

25. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Ihr und eure Weiber habt mit eurem Munde geredet und mit euren Händen vollbracht, dass ihr sagt: Wir wollen unsere Gelübde halten, die wir gelobt haben Melecheth des Himmels, dass wir der selbigen räuchern und Trankopfer opfern. Wohlan, ihr habt eure Gelübde erfüllt und eure Gelübde gehalten.

Erfüllt: So ihr gelobt habt, aber eben damit, dass ihr desto heiliger zu sein meinten, seid ihr nur ärger und gottloser. [Hier haben wir zu lernen, dass man nicht alle Gelübde halten müsse, sondern nur die, welche in der Gottseligkeit können gehalten und geleistet werden].

26. So hört nun des Herrn Wort, ihr alle aus Juda, die ihr in Ägyptenland wohnt! Siehe, ich schwöre bei meinem großen Namen, spricht der Herr, dass mein Name nicht mehr soll durch einiges Menschen Mund aus Juda genannt werden im ganzen Ägyptenland, der da sage: So wahr der Herr lebt!

Genannt: Ich will es nicht mehr leiden, dass die Juden, so in Ägypten sind, meinen Namen missbrauchen, da sie bei meinem heiligen Namen schwören und unterdes nichtsdestoweniger fremde Götter ehren, denen sie Rauchwerk anzünden, sondern ich will sie vertilgen. [Denn es kann Gott nicht leiden, dass man unter dem Schein seines Namens die falsche Religion befördert und verwirft eine gemengte Religion allerdings].

27. Siehe, ich will über sie wachen zum Unglück und zu keinem Guten, dass, wer aus Juda in Ägyptenland ist, soll durch das Schwert und Hunger umkommen, bis es ein Ende mit ihnen habe {Jer 1v12 31v28}.

Keinem Guten: Ich will darauf bedacht sein, dass ich ihnen Strafen zuschicke, aber nicht, dass ich ihnen Gutes erzeigen wolle.

28. Welche aber dem Schwert entrinnen, die werden doch aus Ägyptenland ins Land Juda wiederkommen müssen mit geringem Haufen. Und also werden dann alle die Übrigen aus Juda, so nach Ägyptenland gezogen waren, dass sie dort herbergten, erfahren, wes Wort wahr geworden sei, meines oder ihres.

Wes Wort: Denn weil sie gesagt, dass sie ihr Gelübde, welches sie getan, fremde Götter zu ehren, erfüllen wollen, ich aber ihnen gedroht habe, dass ich sie vertilgen wolle. So lasst sehen, wer seinen Worten beständiger und länger statt tun wird. [Hier ist abermals zu merken, wie hoch es Gott missfalle, dass man gottlose Gelübde tut oder die selbigen hält].

29. Und zum Zeichen, spricht der Herr, dass ich euch an diesem Ort heimsuchen will, damit ihr wisst, dass mein Wort soll wahr werden über euch zum Unglück,

Wisst: Und bei solchem Zeichen spüren könnt.

30. so spricht der Herr also: Siehe, ich will Pharao Haphra, den König in Ägypten, übergeben in die Hände seiner Feinde und derer, die ihm nach seinem Leben stehen, gleichwie ich Zedekia, den König Judas, übergeben habe in die Hand Nebukadnezars, des Königs zu Babel, seines Feindes und der ihm nach seinem Leben stand.

Stehen: Dass sie ihn begehren umzubringen. Welcher Unfall des Königs in Ägypten euch ein genügendes Zeugnis sein soll, dass ich euch gottlose Juden vertilgen und meine Drohungen im Werk erfüllen wolle. [Denn obwohl Gott, auch nachdem er das Übel gedroht hat, der Leute begehrte zu schonen. Jedoch, wenn sie nicht Buße tun, so richtet er seine Drohungen ins Werk, dass er seines Namens Majestät räche].


Das 45. Kapitel


1. Gott tröstet den Baruch, da er erschrocken ist und sich fürchtet und verspricht ihm seine Wohlfahrt.

1. Dies ist das Wort, so der Prophet Jeremia redete zu Baruch, dem Sohne Nerias, da er diese Rede auf ein Buch schrieb aus dem Munde Jeremias im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Judas und sprach {Jer 36v4 v32};

Dies: Was jetzt in diesem Kapitel folgt, hat sich vor der Zerstörung Jerusalems zugetragen. Und weil auch eine nützliche Lehre darin begriffen ist, so hat sie Jeremia nicht wollen untergehen lassen, sondern an diesem Ort mit eingebracht.

Munde: Da ihm nämlich Jeremia die Weissagung von der Stadt Jerusalem Zerstörung vorsagte und er sie also in ein Buch aufschriebe.

2. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, von dir, Baruch:

3. Du sprichst: Wehe mir! Wie hat mir der Herr Jammer über meinen Schmerzen zugefügt; ich seufze mich müde und finde keine Ruhe.

Zugefügt: Gott belegt mich immer von Tag zu Tage mit einem schwereren Kreuz.

Müde: Dass ich keine Kraft mehr habe und nicht ruhig sein kann, weil ich spüre, was großes Unglück über dies Volk ergehen wird. So fürchte ich auch meine Person sehr übel dabei, da ich doch viel fröhlichere und bessere Zeiten gehofft und gewünscht habe. [Denn fromme Leute sind nicht unempfindliche Stöcke oder Klötze, die keine menschlichen Zuneigungen hätten, sondern sie werden über ihre und anderer Leute Gefahr sehr bekümmert]. Weil demnach Baruch ein frommer Mann war und den Weissagungen des Propheten Jeremia glaubte, sah auch, wie es alles im Königreich Juda den Abweg ging und zum Untergange sich nahte, hat er sich solches lassen zu Herzen gehen und ist heftig darüber betrübt worden. Darum ihm der Prophet Jeremia aus Gottes Befehl tröstlich zugesprochen.

4. Sage ihm also: So spricht der Herr: Siehe, was ich gebaut habe, das breche ich ab und was ich gepflanzt habe, das reiße ich aus samt diesem ganzen meinem eigenen Lande.

Breche: Das ist, ich will das Königreich Juda um des gottlosen Wesens willen, so darin getrieben wird, zugrunde richten und das ganze Land verwüsten, das ich vorzeiten gemehrt und ausgebreitet habe und habe es vor der Zeit gepflanzt wie einen Garten.

5. Und du begehrst dir große Dinge. Begehre es nicht! Denn siehe, ich will Unglück kommen lassen über alles Fleisch, spricht der Herr; aber deine Seele will ich dir zur Beute geben, an welchen Ort du ziehst.

Es nicht: Lass dich nicht danach gelüsten, denn es ist vergebens.

Alles Fleisch: Über dies ganze Volk. Darum musst du in solchen allgemeinen Übergang des Unglücks auch ein Partikel Unfalls mit Geduld tragen. [Denn wenn fromme Leute merken, dass Gott sein Volk mit einer allgemeinen Plage heimsuchen will, so sollen sie nicht ungeduldig darüber werden, wenn sie ihren Teil des Unfalls auch zugleich mit einnehmen müssen. Und ob sie wohl vor anderen einen ehrbaren Wandel geführt, so sollen sie doch wissen, dass sie nicht ohne Sünde in dieser Welt gelebt haben].

Ziehst: Dies ist ein besonderes Trost. Als wollte Gott sagen, ich will verschaffen, dass, wie auch die Sachen geraten mögen und wohin du kommen wirst, dennoch du dein Leben wieder erhoffen erhaltest, als wie einem eine herrliche Beute zukommt, der er sich nicht versehen. [Obwohl nun die Frommen einer allgemeinen Gefahr nicht allewege entgehen. So werden sie doch in aller Widerwärtigkeit, auch im Tode, von Gott zum ewigen Leben erhalten. Ja sie werden auch oft in der Wahrheit wunderlich errettet, wenn viele andere neben ihnen umkommen und zugrunde gehen].


Das 46. Kapitel


1. Der Prophet fängt an, auch den Heiden ihre schrecklichen Strafen zu verkündigen und nimmt die Ägypter am ersten vor, denen er anzeigt, was für große Gefahr sie von den Chaldäern zu erwarten haben.

1. Dies ist das Wort des Herrn, das zu dem Propheten Jeremia geschehen ist wider alle Heiden.

Dies: Weil der Prophet Jeremia dem jüdischen Volk von ihrem zukünftigen großen Unglück lange und viel gepredigt hatte. So mengt er jetzt auch etliche Weissagungen mit unter wider die gottlosen Heiden, besonders wider die, welche dem Volk Israel viel Überdrang getan hatten. Und hat Gott solche Weissagungen um zweierlei Ursache willen geoffenbart. Erstlich, auf dass die Heiden ihren Sieg und glücklichen Fortgang nicht ihrer abgöttischen Religion zuschrieben, danach, dass die Auserwählten unter den Israeliten aus den Strafen, welche den Heiden verkündigt würden, lernten verstehen, dass sie nicht allerdings von Gott verworfen wären, weil er ihre ihnen zugefügte Schmach und Unbilligkeit an den Heiden ernstlich rächen wollte.

Heiden: Das ist, dies sind die Weissagungen, so dem Propheten Jeremia geoffenbart wurden, von derjenigen Heiden und Völker Strafen, die den Gott Israels geschmäht und mit dem Volke Gottes gräulich umgegangen. Man muss aber hier auch das merken, dass der Prophet auf die Zeit, wenn eine jede Weissagung geschehen oder erfüllt wurde, nicht so genau Acht hat. Denn die nächstfolgende Weissagung von den Ägyptern ist etliche Jahre vor der Zerstörung Jerusalems hergegangen und erfüllt worden.

2. Wider das Heer Pharao Nechos, des Königs in Ägypten, welches lag am Wasser Phrath, zu Karchemis, das der König zu Babel, Nebukadnezar, schlug im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Judas:

Wider Ägypten: Geht die folgende Weissagung.

Carchemis: Bei welcher Stadt die Ägypter ihr Heerlager geschlagen. Es ist aber dies nicht der Krieg, den Pharao Necho wider die Assyrer geführt, da der fromme König Josia umgekommen, von welchem Zug des ägyptischen Königs wider die Assyrer gemeldet wird {2Sam 23}. Denn damals hat er glücklich gestritten. Aber in diesem anderen Kriege ist er unten gelegen und von dem König zu Babel überwunden worden. Denn als der König in Ägypten des vorigen Sieges sich überhoben und auch das Volk Gottes unter seine Gewalt bringen wollte, da er den Joahas, des Josia Sohn, seines Regiments entsetzt {2Sam 23} und einen anderen an die statt geordnet, dazu das jüdische Land um eine große Summe Geldes geschätzt, ist er endlich von Gott durch den König zu Babel gestraft worden, wie wir jetzt hören werden. [Denn wenn die Tyrannen ihres guten Glücks sich überheben und die Kirche begehren unterzudrücken, so schickt ihnen Gott noch mächtigere Potentaten über den Hals, von denen sie wider gestürzt werden].

3. Rüstet Schilde und Tartschen und zieht in den Streit!

Rüstet: Nämlich ihr ägyptischen Kriegsleute. Und spottet der Prophet anfangs mit diesen Worten der Ägypter, in dem er sie alle zum Kriege tapfer zurüsten heißt. Gibt aber daneben deutlich genug zu verstehen, dass es viel anders hinausgehen werde, als sie gehofft.

Streit: Wider den König Nebukad Nezar zu Babel und lasst euch die Haut klopfen.

4. Spannt Rosse an und lasst Reiter aufsitzen! Setzt die Helme auf und schärfet die Spieße und zieht Panzer an!

Rosse an: Vor den Streitwagen, wie man zur selben Zeit im Kriege brauchte.

Panzer an: Nehmt eure besten Rüstungen zu euch und macht euch so stattlich mit allen Wehren und Waffen zum Kriege gefasst, als ihr immer könnt, dass die Feinde vor eurem Ansehen nur erschrecken möchten. Es will aber der Prophet mit diesen Worten der Ägypter gewaltige Kriegsrüstung zu verstehen geben, welche doch allerdings umsonst sind und leer aufhören werden, weil ihnen Gott nicht beistehe. [Denn wo Gott nicht will Glück geben, da ist aller Menschen Vorhaben in allen Sachen vergebens und umsonst. Wenn wir deswegen etwas anfangen wollen, so sollen wir ihn um glücklichen Fortgang und Gedeihen bitten].

5. Wie kommt es aber, dass ich sehe, dass sie verzagt sind und die Flucht geben und ihre Helden erschlagen sind? Sie fliehen, dass sie sich auch nicht umsehen. Schrecken ist um und um, spricht der Herr.

Nicht umsehen: Sie nehmen sich vor großer Eile nicht so viel der Weile, dass sie einmal hinter sich sehen, zu erkundigen, ob ihnen auch der Feind noch weiter nachsetze.

Der Herr: Der solches zuvor sieht und es mir geoffenbart hat. [Denn Gott nimmt denen den Mut, die er den Feinden zur Schlachtbank übergeben will, alsdann hilft keine Kraft noch Macht mehr, noch einzige Erfahrenheit in Kriegssachen].

6. Der Schnelle kann nicht entfliehen noch der Starke entrinnen. Gegen Mitternacht am Wasser Phrath sind sie gefallen und darnieder gelegt.

Nicht entfliehen: Nämlich der Chaldäer Händen, ob er gleich noch so schnelle Rosse hätte oder wohl zu Fuße wäre.

Gelegt: Der Prophet redet von zukünftigen Dingen, als wenn sie bereits geschehen wären. [Denn was Gott zuvor verkündigen lässt, das ist so gewiss und unfehlbar, als ob es bereits gegenwärtig da stünde oder verrichtet wäre. Und geschieht nichts ungefähr, welches Gott nicht zuvor gesehen und desselben Ausgangs zu seines Namens Ehre und der Kirche Wohlfahrt gerichtet hätte].

7. Wo ist nun der, so heraufzog wie ein Strom und seine Wellen sich erhoben wie des Wassers?

Nun der: Nämlich der stolze König in Ägypten. Und zieht der Prophet in folgenden Worten der Ägypter Pracht und Übermut tapfer lächerlich, welche sehr aufgeblasen sein würden von wegen der großen Menge ihres Kriegsvolkes, das sie aus vielen Völkern würden zusammenbringen.

8. Ägypten zog herauf wie ein Strom und seine Wellen erhoben sich wie des Wassers und sprach: Ich will hinaufziehen, das Land bedecken und die Stadt verderben samt denen, die darin wohnen.

Strom: Wie ein großes Wasser, welches, wenn es anläuft, sehr tief und breit wird und hoch über sich steigt, dass es einen schädlichen Auslauf oder Überschwemmung allen denen droht, dahin es reichen mag. [Und wird in der Schrift ein großes Kriegsheer ganz artig einem großen und rauschenden Wasser verglichen. Denn gleichwie ein solches Wasser mit seiner Überschwemmung alles hinreißt und verwüstet. Also geht es nicht ohne großen Schaden ab, wo ein solches mächtiges Kriegsheer hinkommt, daher man im deutschen Sprichwort sagt, man kann keinen Krieg in einem Sack über Land führen].

Sprach: Nämlich der König in Ägypten gedachte also in seinem Herzen.

Bedecken: Mit meinem gewaltigen Kriegsheer und schier unzähligem Volk.

Stadt: Nämlich Carchemis, die an den Fluss Euphrat liegt, darüber ich mit dem Könige zu Babel streitig bin, die selbige will ich zerstören, dass sie weder ihm noch mir soll mehr zu Nutzen kommen. [Dergestalt lassen sich die ruhmredigen Scharrhansen vor dem Sieg von lauter Glück träumen].

9. Wohlan, sitzt auf die Rosse, rennet mit den Wagen, lasst die Helden ausziehen, die Mohren und aus Put, die den Schild führen und die Schützen aus Lydia!

Rennet: Fahrt auf den Kutschen, als ob ihr unsinnig wärt.

Helden: Welche ihrer Stärke halben sonst von jedermann gefürchtet und gescheut werden.

Schild führen: Dass sie mit langen und breiten Schilden vor anderen den Ruhm haben.

Aus Lydia: Dort es gute Schützen hat. Mit solchem Haufen will er sagen, prangt ihr herrlich daher und gefallt euch selber ganz wohl. [Aber Menschen Schutz ist kein nütze].

10. Denn dies ist der Tag des Herrn Zebaoth, ein Tag der Rache, dass er sich an seinen Feinden räche, da das Schwert fressen und von ihrem Blut voll und trunken werden wird. Denn sie müssen dem Herrn Zebaoth ein Schlachtopfer werden im Lande gegen Mitternacht, am Wasser Phrath {Jer 30v10},

Tag: Da Gott euch Ägypter wider die Chaldäer in einer Schlacht lässt zusammen und aneinander kommen.

Rache: Und ganz nicht eurer Wohlfahrt halben angesehen.

Räche: Dieweil ihr mit euer Abgötterei, teuflischem und Gottlosen Aberglauben, auch mit Tyrannei und anderen groben Sünden Gott heftig erzürnt habt.

Trunken: Nicht anders, als wenn man vor den den Schwertern der Chaldäer ein köstliches Gastmahl zugerichtet hätte. Ist ein feines und artiges Gleichnis.

Schlachtopfer: [Denn wenn die Gottlosen Feinde der Kirche in einen rechtmäßigen Krieg durch das Schwert umkommen, so ist solches vor Gott gleichsam ein angenehmes Opfer. Und verschafft Gott solches also nach seiner Gerechtigkeit, nach welcher er der Leute halsstarrige Bosheit nicht ungerächt lässt].

11. Gehe hinauf gen Gilead und hole Salbe, Jungfrau, Tochter aus Ägypten! Aber es ist umsonst, dass du viel Arznei isst; du wirst doch nicht heil {Jer 8v22 51v8}.

Salbe: Damit man die Wunden reinigt und heilt.

Nicht heil: Du wirst von dem Kriege wider den König zu Babel eine solche Wunde empfangen, die mit keiner Arznei kann geheilt werden. [Denn wenn Gott zu der Leute Sünden lange stillschweigt und durch die Finger sieht, so richtet er endlich ein Regiment ganz zugrunde, dass ihm nicht mehr aufzuhelfen ist].

12. Deine Schande ist unter die Heiden erschollen, deines Heulens ist das Land voll; denn ein Held fällt über den anderen und liegen beide miteinander danieder.

Schande: So du von wegen deiner schändlichen Flucht dir selbst verursachen wirst.

Land voll: Dass man dein Geschrei weit und breit hörte, damit du deine schreckliche empfangene Niederlage beklagst.

Darnieder: Bei derselben großen Niederlage werden in der Flucht die besten ägyptischen Kriegsleute einander selber hindern und das Verderben verursachen, da einer sich an den anderen stoßen und also nicht allein die Ordnungen trennen, sondern auch zu Boden fallen und den anderen mit sich niederziehen wird, dass er auch fallen muss. [Denn also schickt es Gott, dass die große Menge eines Kriegsvolkes bisweilen eine desto größere Niederlage verursacht, weil er alles in seiner Hand hat, dass er es kann entweder zu der Menschen Nutzen oder Schaden benutzen].

13. Dies ist das Wort des Herrn, das er zu dem Propheten Jeremia redete, da Nebukadnezar, der König zu Babel, daher zog, Ägyptenland zu schlagen:

Wort: Oder göttliche Weissagung, von der Ägypter Unfall.

14. Verkündigt in Ägypten und sagt es an zu Migdal; sagt es an zu Noph und Thachpanhes und sprecht: Stelle dich zur Wehr; denn das Schwert wird fressen, was um dich her ist.

Verkündigt: Nämlich eine schreckliche Nachricht von der Zukunft des Königs zu Babel.

Stelle dich: Also werden die Boten, welche die Nachrichten bringen, sagen. Und will der Prophet mit diesen Worten gleichsam vor Augen stellen, wie es pflegt zuzugehen, wenn unversehens ein Feind herzunaht, denn damals ist es alles voll Zitterns und Schreckens und wird hin und wieder mit Lärmen geschrien.

Fressen: Es wird alles herum verwüstet werden mit Rauben, Morden und Brennen. [Denn welche in großer Sicherheit allerhand Schande und Laster treiben, die werden endlich durch einen plötzlichen Einfall des Feindes so geschreckt, dass sie keinen Rat mehr wissen noch genügsamen Widerstand tun können].

15. Wie geht es zu, dass deine Gewaltigen zu Boden fallen und mögen nicht bestehen? Der Herr hat sie so gestürzt.

Fallen: Indem sie vor den Chaldäern fliehen, da doch die ägyptischen Kriegsleute ihrer Tapferkeit und Stärke halben sehr gerühmt wurden.

16. Er macht, dass ihrer viele fallen, dass einer mit dem anderen daniederliegt. Da sprachen sie: Wohlauf, lasst uns wieder zu unserem Volk ziehen in unser Vaterland vor dem Schwert des Tyrannen!

Er macht: Gott der Herr ist Ursache daran, dass die Ägypter mit Haufen darnieder gelegt und übereinander zu Boden geschlagen werden. [Denn wo Gott wider ein Kriegsvolk streitet, da hilft keine Stärke mehr zum Widerstand].

Sie: Nämlich die Kriegsleute, so aus Mohrenland, Libyen und Lydten den Ägyptern zu Hilfe zugezogen, werden einander also wie folgt zusprechen und zum Abzuge ermahnen.

Tyrannen: Des Königs zu Babel, das wir nicht erwürgt oder doch geplündert werden. [Denn menschliche Hilfe setzt von uns aus und lässt uns stecken, wenn wir sie am nötigsten bedürfen].

17. dort schrie man ihnen nach: Pharao, der König in Ägypten, liegt; er hat sein Zelt gelassen.

Ihnen nach: Nämlich die Überwinder werden also den Ägyptern nachschreien, dass ihr König in der Flucht geschlagen wurde und das Feld habe müssen räumen.

18. So wahr als ich lebe, spricht der König, der Herr Zebaoth heißt, er wird daher ziehen so hoch, wie der Berg Tabor unter den Bergen ist und wie der Karmel am Meer ist.

So wahr: Also wahr ist es auch, was ich jetzt sagen will.

Am Meer: Da er von den Schiffsleuten weit gesehen wird. So schrecklich und mit großer Macht (will er sagen) wird auch der König zu Babel wider die Ägypter anziehen, dass sie wider seine große Macht nicht werden bestehen können, viel weniger ihn überstreiten oder überwältigen, sondern sie werden davor erschrecken, wenn sie ihn nur ansichtig werden. [Denn Gott gibt den gewaltigen Monarchen ein majestätisches Ansehen, wenn er sie benutzen will, andere Völker zu strafen, dass die Feinde sich entsetzen, wenn sie nur hören von ihnen sagen].

19. Nimm dein Wandergerät, du Einwohnerin, Tochter Ägypten; denn Noph wird wüst und verbrannt werden, dass niemand darin wohnen wird.

Wandergeräte: Das ist, ihr Ägypter, die ihr euer Gut und herrliches Land in großer Sicherheit lange bewohnt habt, rüstet euch zur Ausflucht, sammelt und schließt euren Hausrat ein, denn der König zu Babel wird euch aus euren Städten gefangen hinwegführen.

Wohnen wird: Weil die Bürger zum Teil erschlagen, zum Teil ins Elend müssen weggeführt werden. [Es hat aber niemand Briefe dafür, dass er nicht einmal auch im Elend müsse herumziehen, darum sollen wir, wenn wir ins Elend vertrieben werden, danach trachten, dass wir das Bürgerrecht zur himmlischen Stadt behalten].

20. Ägypten ist ein sehr schönes Kalb; aber es kommt von Mitternacht der Schlächter.

Kalb: Das ist, die Ägypter sind reich, mächtig, verwöhnt und mutwillig bis daher gewesen, wie ein gemästetes Kalb.

Schlächter: Nämlich der König zu Babel, der die Ägypter zu Boden schlagen wird.

21. Und Tagelöhner, so darin wohnen, sind auch wie gemästete Kälber; aber sie müssen sich dennoch wenden, flüchtig werden miteinander und werden nicht bestehen; denn der Tag ihres Unfalls wird über sie kommen, nämlich die Zeit ihrer Heimsuchung.

Tagelöhner: Das ist, die Fürsten, welche vom König in Ägypten mit großem Gelde gedingt sind.

Nach Luther:]. Fürsten und Herzen, so ihm dienen und großen Sold nehmen.

Wohnen: Nämlich im Königreich Ägypten, da sie sich herrliche Häuser und stattliche Wohnungen zugerichtet haben, die gewaltige Provisionen, die sich eine Zeit lang her ganz wohl in Ägypten begrast. [Es pflegen aber die Leute, welche in einem guten Lande wohnen, oft verwöhnt und übermütig werden. Aber wo sie nicht Buße tun, so ist ihnen ein gewisses und grausames Blutbad zugerüstet].

Heimsuchung: Da Gott ihre Bosheit und Bubenstück strafen wird. [Soll man deswegen auf die männlichen Kriegshelden, die man mit großem Gelde unterhält, sich nicht ganz zu sehr verlassen].

22. Sie fahren daher, dass der Harnisch prasselt und kommen mit Heereskraft und bringen Äxte über sie wie die Holzhauer.

Prasselt: Nämlich die Chaldäer werden mit einem großen Getümmel daherkommen, dass kein Wunder sein wird, warum die ägyptischen Kriegsleute sich in die Flucht begeben werden, wenn sie der Chaldäer Kriegsheer kaum recht ansichtig wurden.

23. Dieselben werden hauen also in ihrem Walde, spricht der Herr, dass nicht zu zählen ist; denn ihrer ist mehr weder Heuschrecken, die niemand zählen kann.

Hauen: Das ist, sie werden Ägyptenland hin und wieder gräulich verwüsten, dass die Städte und Dörfer, derer denn ganz viel sind, werden hin und wieder zerstört und verbrannt liegen. [Welche deswegen in wohl erbauten Ländern wohnen, die sollen Gott fürchten, dass sie nicht anstatt der Städte und Dörfer niedergeworfene und zerrissene Mauern sehen müssen].

Zählen kann: Eine solche große Menge wird der König zu Babel mit sich führen, dass sie wie die Heuschrecken werden ins Land fallen und dasselbe verwüsten. [Denn es kann Gott in kurzer Zeit eine unzählige Menge Kriegsleute wider die gottlosen Völker zusammen bringen].

24. Die Tochter Ägyptens steht mit Schanden, denn sie ist dem Volk von Mitternacht in die Hände gegeben.

Gegeben: Das ist, Ägyptenland wird in die Gewalt der Chaldäer kommen, welche dem Lande Ägypten gegen Mitternacht wohnen. [Denn die Stolzen werden gedemütigt].

25. Der Herr Zebaoth, der Gott Israels, spricht: Siehe, ich will heimsuchen den Regenten zu No und den Pharao und Ägypten samt seinen Göttern und Königen, ja Pharao mit allen, die sich auf ihn verlassen,

Regenten: Nämlich den König in Ägypten, dem will ich seine wohlverdienten Strafen zuschicken.

Nach Luther:]. Hebr. Amon heißt ein Regent, ein Meister, das ist, der es alles angibt und regiert, dadurch die Leute ernährt und beschützt werden {Spr 8v30}. Ich die Weisheit war Amon, d.i., der Meister oder Lehrer, der alles meistert und regiert.

Göttern: Das ist, den Richtern und Obrigkeiten, die der König im Lande hin und her geordnet, dass sie ihm sollten Recht und Gerechtigkeit helfen handhaben.

Verlassen: Die werden zugleich mit ihrem Könige zuschanden werden. [Denn welche auf Menschen ihr Vertrauen setzen, wenn es auch gleich Fürsten und Könige sind, die müssen mit Schanden bestehen, welche aber auf den Herrn trauen, die werden niemals zuschanden].

26. Dass ich sie gebe in die Hände denen, die ihnen nach ihrem Leben stehen und in die Hände Nebukadnezars, des Königs zu Babel und seiner Knechte. Und danach sollst du bewohnt werden wie vor Alters, spricht der Herr.

Stehen: Nämlich in der Chaldäer Gewalt, die nach ihrem Blut dürstet.

Danach: Wenn du all solches Unglück erlitten und überstanden hast. [Denn Gott ist so gütig und gnädig, dass er diejenigen pflegt wieder aufzurichten und zu trösten, welche er gestraft und niedergeschlagen hat. Es sieht aber der Prophet mit diesen Worten auf das Reich Christi, welches auch in Ägypten durch die Predigt des Evangeliums soll angerichtet werden. Und bezeugen der Kirche Historien, dass in Ägypten viele vornehme Kirchen Christi gewesen. Denn Gott erhält die Völker und Königreiche um der Auserwählten willen, von welchen er weiß, dass sie an denselben Orten sollen geboren werden].

27. Aber du, mein Knecht Jakob, fürchte dich nicht und du, Israel, verzage nicht! Denn siehe, ich will dir aus fernen Landen und deinem Samen aus dem Lande seines Gefängnisses helfen, dass Jakob soll wiederkommen und in Frieden sein und die Fülle haben und niemand soll ihn schrecken {Jer 30v10}.

Aber: Jetzt tröstet der Prophet die Kirche des Volkes Gottes und weissagt vom Reich Christi.

Verzage nicht: Habe einen guten Mut, du meine liebe Kirche.

Helfen: Das ist, ich will euch und eure Nachkommen aus dem Gefängnis erledigen, ob ihr gleich ferne verstreut seid.

Schrecken: Sondern er wird in großer Sicherheit und guter Ruhe leben. [Obwohl nun dies nach dem Buchstaben scheint, als sei es von der Wiederkunft aus der Babylonischen Gefangenschaft geredet, so handelt doch der Prophet besonders hier von den Guttaten des Neuen Testaments. Denn da wird die Kirche durch das Predigtamt des Evangeliums aus der ganzen Welt und aus fernen Orten gesammelt und empfindet durch den Glauben an Christus Ruhe im Gewissen {Röm 5}. Ja sie wird auch reichlich gespeist und gesättigt mit dem Worte des Evangeliums und mit dem Sakrament des Leibes und Blutes Christi. Und ist sicher im Glauben, weil sie weiß, dass die Pforten der Hölle nichts wider sie vermögen {Mt 16}].

28. Darum fürchte dich nicht, du Jakob, mein Knecht, spricht der Herr; denn ich bin bei dir. Mit allen Heiden, dahin ich dich verstoßen habe, will ich es ein Ende machen; aber mit dir will ich es nicht ein Ende machen, sondern ich will dich züchtigen mit Maße, auf dass ich dich nicht ungestraft lasse {Jer 30v11}.

Dich nicht: Sei nicht so kleinmütig, du meine Kirche, sondern gib dich zufrieden.

Bei dir: In allen deinen Trübsalen, in denen ich dir beistehen will, dass ich dich errette. [Wenn denn Gott mit und für uns ist, wer will wider uns sein {Röm 8}]?

Machen: Deiner will ich schonen. [Denn die gottlosen Heiden und Tyrannen werden ausgerottet und vertilgt. Aber die Kirche Christi bleibt].

Nicht ungestraft: Denn ich kann dir nicht allerdings übersehen, weil du nicht ganz unschuldig und ohne Sünde bist. [Denn Gott züchtigt seine Kirche, auf dass sie ihre Sünde und Schwachheiten erkenne, damit sie nicht in fleischliche Sicherheit sich vertiefe und samt der Welt verdammt werde {1Kor 11}].


Das 47. Kapitel


1. In diesem Kapitel wird geweissagt, wie es den Philistern, Tyrern und Sidoniern ergehen werde und was sie von den Chaldäern zu erwarten haben.

1. Dies ist das Wort des Herrn, das zum Propheten Jeremia geschah wider die Philister, ehe denn Pharao Gaza schlug {Hes 25v15 Am 1v6 Zef 2v5 Sach 9v5}.

Wort: Oder göttliche Weissagung, die dem Propheten Jeremia, von der Philister Unfall geoffenbart wurde. Denn es verkündigt der Prophet in diesem Kapitel auch den Philistern als stetigen Feinden des Volkes Gottes ihre Strafen. Und sieht es ihm gleich, als ob diese Predigt auch noch vor der Zerstörung der Stadt Jerusalem gehalten wurde, da das ägyptische Reich noch wohl gestanden. Dass aber den Philistern diese hier gedrohte Niederlage von den Chaldäern begegnet, ist aus des Propheten Rede gut zu lesen, und bezeugt es der Prophet Amos (Kapitel 1).

Gaza: Eine mächtige und berühmte Stadt der Philister. Hat deswegen Gott die Philister auf zweierlei Weise warnen lassen, dazu ganz zeitlich. Erstlich durch die Predigt des Propheten. Denn es ist kein Zweifel, das Gerüchte von des Propheten Jeremia Weissagungen seien auch unter den Philistern erschollen, als die der Israeliten nächste Nachbarn waren: Danach, durch die Eroberung der Stadt Gaza, welche der König in Ägypten eingenommen. [Denn Gott ermahnt mit Worten und Strafen zur Buße, wenn aber solches alles nichts nutzen will und man es alles mit großer Sicherheit verachtet, so erfolgt das endliche Verderben darauf].

2. So spricht der Herr: Siehe, es kommen Wasser herauf von Mitternacht, die eine Flut machen werden und beide, Land und was darin ist, beide, Städte und die, so darin wohnen, wegreißen werden, dass die Leute werden schreien und alle Einwohner im Lande heulen

Wasser: Das ist, viele und mächtige Völker, nämlich die Chaldäer.

Mitternacht: Aus der Chaldäer Lande, welches dem Philister Lande gegen Mitternacht gelegen war.

Flut: Welche alles, was sie antrifft, verwüstet und hinwegreißt. [Wenn wir deswegen große Wasserfluten sehen, sollen wir uns erinnern von dem Einfall fremder Völker und Gott bitten, dass er solche Fluten nicht wolle über die Christenheit ergehen lassen].

Land: Nämlich der Philister samt den Einwohnern.

Schreien: Vor großer Furcht und Angst. [Denn welche der Kirche Gottes großen Überdrang angetan haben, die lässt Gott wieder in Angst und Not kommen].

3. vor dem Getümmel ihrer starken Rosse, so daher traben und vor dem Rasseln ihrer Wagen und Poltern ihrer Räder, dass sich die Väter nicht werden umsehen nach den Kindern, so verzagt werden sie sein

Umsehen: Denn die Philister werden so ganz erschrocken sein, dass sie in der Flucht an ihre Kinder nicht denken werden, damit sie dieselben mit ihnen auch aus der Gefahr begehrten zu bringen.

4. vor dem Tage, so da kommt, zu zerstören alle Philister und auszureißen Tyrus und Zidon samt ihren anderen Gehilfen. Denn der Herr wird die Philister, die das Übrige sind aus der Insel Kaphthor, zerstören.

Gehilfen: Denn der König zu Babel wird von Gott besonders dazu erweckt werden, nicht allein der Philister Land zu verwüsten, sondern auch die daran gelegenen berühmten Handelsstädte zu zerstören samt anderen ihren Helfern, darauf die Philister getrotzt und gepocht. [Denn Gott straft der Kaufleute Betrügereien und übermachten Pracht endlich ganz hart. Und welche den Gottlosen und Boshaften beistehen, die gehen auch mit ihnen zugrunde].

Herr: Welcher, ob er wohl Menschen dazu gebraucht, wenn er die Gottlosen vertilgen will, so werden jedoch ihre Strafen Gott dem Herrn recht zugeeignet, dass er sie ins Werk richte.

Caphthor: Denn die Philister und die zu Caphthor sind verwandte Völker gewesen {1Mos 10}.

5. Gaza wird kahl werden und Askalon samt den Übrigen in ihren Gründen verdorben. Wie lange ritzest du dich?

Kahl werden: Das ist, sie wird all ihren Schmuck verlieren und in einen schrecklichen Unfall geraten, dass sie vor Leid verschmachten wird.

Verdorben: Das ist, welche im Tal bei Askalon herum wohnen, die werden leidig sein und jämmerlich verwüstet werden, darüber sie sich mit Messern die Haut aufritzen und sich blutig machen werden, wie zur selben Zeit diejenigen zu tun pflegten, welche mit großer Traurigkeit überfallen waren, obwohl Gott solche heidnischen Gebräuche seinem Volk verboten hatte {5Mos 14}.

Ritzest du: nach Luther]. Vor Leid, als die tun, so über einen Toten sich ritzen, welches Moses verboten {3Mos 19v27 5Mos 14v4}].

6. O du Schwert des Herrn, wann willst du doch aufhören? Fahre doch in deine Scheide und ruhe und sei still!

Aufhören: Wider die Philister zu wüten? Wenn wird es ein Ende nehmen mit dem Blutvergießen?

Still: Höre doch einmal auf mit Würgen.

7. Aber wie kannst du aufhören, weil der Herr dir Befehl getan hat wider Askalon, der dich wider die Anfurt am Meer bestellt?

Getan hat: Das du die göttliche Rache vollstrecken sollst.

Bestellt: Will so viel sagen, Gott hat dem Schwert befohlen, dass es wider die Philister, die am Meer wohnen, wüten soll. [Es hat aber Gott mit dieser verblümten Rede wollen zu verstehen geben, dass ein Unglück nicht eher aufhöre, auch nicht weiter um sich greife, als wie es von ihm beschlossen ist].


Das 48. Kapitel


1. Den Moabitern wird ihre Strafe verkündigt von wegen ihrer Abgötterei, Übermuts und Trotzes, dass sie sich auf ihren Reichtum verließen.

1. Wider Moab. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Wehe der Stadt Nebo, denn sie ist zerstört und liegt elend! Kiriathaim ist gewonnen; die Feste steht elend und ist zerrissen.

Wider Moab: Geht nämlich die später folgende Weissagung. Es hatten aber die Moabiter ihre Herkunft von dem Patriarchen Lot, der mit seiner eigenen Tochter, obwohl, so viel an ihm, unwissend Blutschande getrieben, daher dieser Völker Vater entsprungen {1Mos 19}. Und hat dies Volk wider die Israeliten je und allewege Feindschaft getragen, wie die Heilige Schrift hin und wieder bezeugt. Darum wollte Gott ihre Bosheit auch nicht ungerächt lassen, nachdem er sein Volk, die Israeliten, gestraft hatte. Verkündigt deswegen der Prophet den Moabitern auch ihr Unglück, das über sie ergehen würde. Und hat zwar Jesaja Kapitel 16, fast eben dasselbe doch mit etwas veränderten Worten geweissagt.

Elend: Die zuvor ganz prächtig und hochtrabend war, wird verwüstet und zuschanden werden. Denn es redet der Prophet von zukünftigen Sachen, als wenn sie bereits geschehen wären, von wegen der Sachen Gewissheit.

Kiriathaim: So auch eine Stadt im Moabiter Lande gewesen.

Feste: Darauf sie sich verließen und alle ihre Hoffnung gesetzt hatten.

2. Der Trotz Moabs ist aus, den sie an Hesbon hatten; denn man gedenkt Böses wider sie, nämlich: Kommt, wir wollen sie ausrotten, dass sie kein Volk mehr sind! Und du, Madmen, musst auch verderbt werden; das Schwert wird hinter dich kommen.

Hesbon: Welches eine berühmte Stadt gewesen im Lande der Moabiter.

Böses: Dass man sie, die Moabiter, mit Heereskraft überziehe und vertilge.

Kein Volk: Also ratschlagen die Feinde miteinander, wie sie der Moabiter Land überfallen und die Einwohner vertilgen wollen, dass sie unter andere Völker nicht mehr gezählt werden.

Madmen: Die du auch eine vornehme Stadt bist im Moabiter Lande.

Verderbt werden: Dass man dich mit Krieg verwüsten und zerstören wird.

3. Man hörte ein Geschrei zu Horonaim von Zerstören und großem Jammer.

Jammer: Damit die selbige Stadt der Moabiter überfallen und ins Verderben gerichtet wird. [Sollen deswegen große und feste Städte nicht übermütig werden. Denn wenn sie Gott erzürnen, so macht er, dass sie erobert, geplündert, verbrannt und zerstört werden].

4. Moab ist zerschlagen; man hörte ihre Jungen schreien.

Zerschlagen: Es ist aus mit dem Lande der Moabiter, weil es ganz und gar verdorben ist.

Schreien: Es schreien Junge und Alte zusammen, wie in traurigen und besonders unverhofften Zufällen zu geschehen pflegt.

5. Denn sie gehen mit Weinen den Weg hinauf gen Luhith und die Feinde hören ein Jammergeschrei den Weg von Horonaim herab,

Sie gehen: Nämlich die Moabiter werden in ihrer Flucht durch das Gebirge ihren Jammer mit vielen Tränen beweinen, dass es auch die Feinde hören werden.

6. nämlich: Hebt euch weg und errettet euer Leben! Aber du wirst sein wie die Heide in der Wüste {Jer 17v6}.

Hebt: Also werden sie einander anmahnen und zusprechen.

Heide: Das ist, ihr Moabiter werdet euch vor Furcht in die Wildnisse verkriechen und enthalten. [Denn welche in Wollüsten, Übermut, Überfluss und großer Sicherheit leben, die erschrecken ganz heftig, wenn ein Unglück herzunaht und wissen nirgends keine bleibende Stadt zu finden, da sie genügend sicher, ihrem Meinen nach, sein möchten].

7. Darum dass du dich auf deine Gebäude verlässt und auf deine Schätze, sollst du auch gewonnen werden; und Kamos muss hinaus gefangen wegziehen samt seinen Priestern und Fürsten {1Sam 11v7}

Darum: Folgt jetzt eine von den vornehmsten Ursachen, um welcher willen das Königreich Moab zerstört wurde.

Verlässt: Weil du auf deine festen Städte und Schlösser und auf deinen großen Reichtum trotzt, damit du meinst, ein gewaltiges Kriegsheer eine lange Zeit zu unterhalten, so werden die Feinde solche deine Festungen erobern und deine Schätze rauben. [Denn Gott kann es nicht leiden, dass wir auf die Kreaturen unser Vertrauen setzen, weil, wer sich auf die selbigen verlässt, der macht einen Abgott aus ihnen und ist unter die Abgöttischen zu zählen].

Kamos: Dein selbsterwählter und erdichteter Götze. Denn also nannten die Moabiter ihren Abgott.

Fürsten: Der Moabiter, die ihm gedient haben. Also ganz wird der elende Götze weder sich selbst noch seine Diener schützen können. [Denn die Abgöttischen bestehen endlich mit Schanden samt ihrem Götzendienst].

8. Denn der Verstörer wird über alle Städte kommen, dass nicht eine Stadt entrinnen wird. Es sollen beide, die Gründe verderben und die Ebenen zerstört werden; denn der Herr hat es gesagt.

Verstörer: Nämlich der Feind, der alles zerstören wird.

Nicht eine: Sondern alle Städte und Flecken der Moabiter, sie liegen gleich in Tälern oder auf ebenem Lande, die sollen eingenommen und geplündert werden, dass keine des Feindes Gewalt wird können aufhalten noch demselben widerstehen. [Sieht man deswegen, wie es so eine große Torheit ist, wenn man sich auf feste Städte verlässt].

Gesagt: Darum wird es gewisslich geschehen, weil es nicht ein schlechter Mensch geredet hat, der fehlen kann, sondern Gott, der die Wahrheit selbst ist und dessen Dekret, die er einmal beschlossen, unwandelbar sind, sofern die Leute nicht Buße tun.

9. Gebt Moab Federn! Er wird ausgehen, als flöge er; und ihre Städte werden wüste liegen, dass niemand darin wohnen wird.

Flöge er: So eilends werden die Moabiter müssen ins Elend ausweichen.

Wüste liegen: Weil die Moabiter, so zuvor darin gewohnt, entweder erschlagen wurden oder daraus geflohen sind oder doch gefangen weggeführt wurden.

10. Verflucht sei, der des Herrn Werke lässig tut! Verflucht sei, der sein Schwert aufhält, dass es nicht Blut vergieße!

Lässig tut: Der unter den Feinden das Urteil Gottes wider die Moabiter nicht tapfer vollstreckt und sie zu erwürgen nicht lustig ist. [Ist deswegen Gott einer zur Unzeit erzeigten Gnade feind, besonders wenn die Obrigkeit gräuliche und öffentliche Laster nicht mit gebührendem Ernst straft].

11. Moab ist von seiner Jugend auf sicher gewesen und auf seinen Hefen stille gelegen und ist nie aus einem Fass ins andere gegossen und nie ins Gefängnis gezogen; darum ist sein Geschmack ihm geblieben und sein Geruch nicht verändert worden.

Jugend auf: Von der Zeit an, da er angefangen hat ein Volk zu sein.

Gelegen: Wie ein neuer edler und köstlicher Wein, der noch nicht abgelassen wurde, darum er noch ganz stark und wohl riecht.

Gezogen: Dass er nie aus seinem Lande vertrieben wurde.

Nicht verändert: Er hat seine Kraft und Stärke lange behalten, gleichwie ein Wein, der die Hefen noch bei sich am Boden hat. [Denn die Länder, so einen langwierigen Frieden haben und mit keinem Krieg verwüstet werden, die sind oft ganz mächtig. Weil man den Schaden eines Krieges auch viele Jahre nach erlittenem Unfall empfindet].

12. Darum siehe, spricht der Herr, es kommt die Zeit, dass ich ihnen will Schröter schicken, die sie ausschroten sollen und ihre Fässer ausleeren und ihre Lägel zerschmettern.

Schicken: Das ist, weil das moabitische Volk eines solchen langwierigen Friedens übel missbraucht hat, so will ich ihnen Feinde über den Hals schicken, die dieses Volkes Kräfte schwächen und alles verwüsten sollen. Gleichwie die tun, so den Wein von den Hefen ziehen, die Fässer leer machen, den selbigen die Reife abschlagen und dem Fass den Boden ausstoßen. [Weil demnach auch noch heutigentags in Deutschland eine große Sicherheit und tägliche Völlerei sich befindet. So mögen die Deutschen wohl zusehen, dass Gott nicht auch auf solche Weise ihnen den Wein von den Hefen ziehe, bis sie alle ihre Kräfte verlieren und zum Raub und Spott werden den benachbarten Königreichen].

13. Und Moab soll über dem Kamos zuschanden werden, gleichwie das Haus Israel über Bethel zuschanden geworden ist, darauf sie sich verließen.

Kamos: Ihrem Gott, von dem sie in ihrem größten Unglück weder Trost noch Hilfe haben werden.

Bethel: Über den falschen Gottesdienst, den sie am selben Ort getrieben, da aus Befehl des Königs Jerobeam ein goldenes Kalb geehrt wurde {1Sam 12}. Auf welche selbsterwählten und erdichtete falsche Religion das Volk Israel all sein Vertrauen gesetzt. [Denn die Heuchler trotzen auf ihre selbsterwählten und von Menschen erdachten Gottesdienste und versprechen sich selbst dadurch alle zeitliche und ewige Wohlfahrt].

14. Wie dürft ihr sagen: Wir sind die Helden und die rechten Kriegsleute?

Ihr sagen: Nämlich ihr Moabiter, was rühmt ihr euch viel mit großem Übermut von eurer Kühnheit und gewaltigen Kriegsmacht, ehe es zum Treffen kommt? Da es doch mit euch im Werk viel anders beschaffen ist.

15. so doch Moab muss zerstört und ihre Städte erstiegen werden und ihre beste Mannschaft zur Schlachtbank herabgehen müssen, spricht der König, welcher heißt der Herr Zebaoth.

Zerstört: Darum ist es vergebens, dass ihr euch wollt sehr keck und mutig stellen. [Denn wenn keine Gefahr da ist, so wird unser Fleisch ganz stolz und aufgeblasen. Aber solcher Pracht und übermachtes Großsprechen fällt zuletzt schändlich in den Brunnen].

16. Denn der Unfall Moabs wird schier kommen und ihr Unglück eilt sehr.

Eilt sehr: Denn den sicheren Leuten kommen die Strafen eher über den Hals, als sie sich es versehen hätten.

17. Lieber, habt doch Mitleid mit ihnen, die ihr um sie her wohnt und ihren Namen kennt und sprecht: Wie ist die starke Rute und der herrliche Stab so zerbrochen!

Mitleiden: Mit diesen Worten verlacht der Prophet aus Eingebung des Heiligen Geistes das unglückhafte moabitische Volk.

Kennt: Die ihr nur von den Moabitern einmal gehört habt, lasst euch doch ihr Unglück zu Herzen gehen.

Rute: Welche andere Völker schlug und die Feinde zu etlichen Malen überwunden und herrlichen Sieg wider sie erhalten hat. [Denn der Heilige Geist spottet bisweilen durch fromme Leute der Gottlosen Unglück, nicht dass sie an der Gottlosen Strafe für sich selber ein Gefallen trügen, sondern dass sie die gerechten Gerichte und Urteile Gottes loben].

18. Herab von der Herrlichkeit, du Tochter, die du zu Dibon wohnst und sitze in der Dürre! Denn der Zerstörer Moabs wird zu dir hinaufkommen und deine Festen zerreißen.

Wohnst: Das ist, die Regierung der Moabiter in der Stadt Dibon muss von dem königlichen Stuhl herab und in den Staub sitzen, dergestalt, dass sie all ihr majestätisches Ansehen verlieren und in großer Verachtung leben werden.

19. Tritt auf die Straße und schaue, du Einwohnerin Aroers; frage die, so da fliehen und entrinnen und sprich: Wie geht es?

Straße: Wie die tun, welche einer Nachricht mit Verlangen warten.

Aroers: Die du in derselben Stadt wohnst, habe fleißig Acht, was man vom Kriege verkündigt.

Fliehen: Nämlich aus der unglückhaften Schlacht, nachdem die selbige verloren ist.

Geht es: Wie hat man auf unsere Seiten gestritten? Ist es wohl oder übel zugegangen?

20. Ach, Moab ist verwüstet und verderbt, heult und schreit! Sagt es an zu Arnon, dass Moab zerstört sei.

Verderbt: Nämlich von seinen Feinden, denen er den Rücken kehren müsse. Also werden die, so entronnen sind, auf die vorige Frage antworten.

Schreit: Vor großem Schmerzen und Herzeleid, weil euer Untergang auch herzunaht.

Zerstört: Dass es um das Land Moab geschehen sei von wegen der großen erlittenen Niederlage, darum möge wohl ein jeder bei Zeit sich zur Flucht rüsten oder sich den Feind ergeben.

21. Die Strafe ist über das ebene Land gegangen, nämlich über Holon, Jahza, Mephaath,

22. Dibon, Nebo, Beth-Diblathaim,

23. Kiriathaim, Beth-Gamul, Beth-Meon,

24. Kirioth, Bazra und über alle Städte im Lande Moab, sie liegen ferne oder nahe.

Alle Städte: Das ihrer keiner vor dem Verderben wird befreit bleiben.

25. Das Horn Moabs ist abgehauen und ihr Arm ist zerbrochen, spricht der Herr.

Horn: Das ist, die Herrschaft und Gewalt des Landes Moab wird der Herr aufheben und abtun. Denn durch das Horn wird in der Heiligen Schrift die Herrschaft angedeutet.

Arm: Das ist, alle Kräfte desselben Königreichs werden geschwächt und zunichtegemacht. [Denn Gott richtet die Königreiche auf, welche er will und macht sie auch wiederum zunichte, wenn er will].

26. Macht sie trunken (denn sie hat sich wider den Herrn erhoben), dass sie speien und die Hände ringen müsse, auf dass sie auch zum Gespött werde {Jer 25v27}.

Ringen müsse: Die Meinung ist diese: Die Moabiter werden mit großen Strafen so belegt und überfallen werden, dass sie vor großer Angst und Herzeleid hin und wieder wanken und zu Boden fallen werden und werden überwunden in ihrer Schande jämmerlich darnieder liegen, wie ein Trunkener, wenn er gespien, in seinem Wust und Unflat liegt und die Hände darin besudelt. [Mit diesen Worten will der Prophet die Trunkenheit keineswegs recht heißen, sondern zeigt an, wie die Gottlosen nicht ungestraft bleiben, wenn sie Gott den Herrn erzürnen und sich mutwillig ihm widersetzen].

27. Denn Israel hat dein Gespött sein müssen, als wäre er unter den Dieben gefunden; und weil du solches wider sie redest, sollst du auch wegmüssen.

Gespött: Dass du meinem israelitischen Volk alle Schmach angetan hast und indem du dem Volk Gottes so höhnisch und schimpflich nachgeredet, hast dich wider Gott selbst erhoben.

Gefunden: Als ob meine Israeliten die ärgsten Buben gewesen wären.

Weg müssen: Und ins Elend vertrieben werden. [Denn obwohl Gott über die Sünden seines Volkes zürnt, so lässt er doch auch die Schmach, so seiner betrübten Kirche von den Gottlosen angelegt wird, nicht ungerächt].

28. Oh ihr Einwohner in Moab, verlasst die Städte und wohnt in den Felsen; und tut wie die Tauben, so da nisten in den hohlen Löchern.

Felsen: Dass ihr euch darin verbergt. Es gibt aber der Prophet mit diesen Worten zu verstehen, was die Moabiter tun würden. [Denn eines Menschen Herz ist in Widerwärtigkeit von seiner Art und Natur so verzagt, als trotzig und aufgeblasen es ist, wenn es wohl und glücklich zugeht].

29. Man hat immer gesagt von dem stolzen Moab, dass er sehr stolz sei, hoffärtig, hochmütig, trotzig und übermütig.

30. Aber der Herr spricht: Ich erkenne seinen Zorn wohl, dass er nicht so viel vermag und untersteht sich, mehr zu tun, denn sein Vermögen ist.

Herr: Der den Stolzen widerstrebt, den Demütigen aber Gnade gibt {1Petr 5}.

Vermag: Als er sich austut und trotzig vernehmen lässt. [Es ist aber der Zorn vergebens, wenn er keinen Nachdruck hat].

31. Darum muss ich über Moab heulen und über das ganze Moab schreien und über die Leute zu Kir-Heres klagen.

Heulen: Das ist, um solchen Übermuts willen wird Gott die Moabiter jämmerlich strafen, dass auch ihre Feinde möchten darüber zur Erbarmung bewegt werden. [Denn obwohl die Frommen, wenn sie die göttliche Rache an der gottlosen Untergang sehen, das gerechte Urteil Gottes richtig empfinden und bisweilen auch über der Gottlosen Strafe sich freuen. So haben sie doch etlichermaßen auch ein Mitleiden mit ihnen und möchten wünschen, dass die Feinde durch wahre Buße ihr Unglück verhütet hätten].

Kir Heres: Welches auch eine Stadt gewesen, in der Moabiter Lande gelegen.

32. Ich muss über dich, Jaeser, du Weinstock zu Sibma, weinen, denn deine Reben sind über das Meer gefahren und bis ans Meer Jaeser kommen. Der Zerstörer ist in deine Ernte und Weinlese gefallen.

Weinen: Als wollte er sprechen, es dauern mich die schönen edlen Weinberge, die in der Halden Sibma gelegen sind.

Meer Jaeser: Bis ans große Wasser, das neben der Stadt Jaeser hinfließt. Denn die Israeliten nennen ein jedes großes Wasser oder See ein Meer.

Zerstörer: Nämlich der Feind, so alles verwüstet und zerstört, wird in kurzer Zeit zunichtemachen und verzehren, was du mit großer Mühe und Arbeit hast zuwege gebracht. [Denn wenn man der Gaben Gottes üppig zum Stolz und schändlichen Wollüsten missbraucht, so geschieht es, dass andere Leute zu sich reißen und hinwegnehmen, was wir für uns bereitet hatten].

33. Freude und Wonne ist aus dem Felde weg und aus dem Lande Moab und man wird keinen Wein mehr keltern, der Weintreter wird nicht mehr sein Lied singen

Felde: Aus den fruchtbaren Orten, dass die Moabiter nicht mehr in der Ernte darin werden singen und fröhlich sein.

Keltern: Das ist: Ich will verschaffen, dass das ganze Land der Moabiter soll verwüstet werden und keine Ernte noch Weinlese mehr darin sei.

Lied singen: Wie sonst gebräuchlich ist im Herbst, da die, so in den Weinbergen sind, einander mit Singen zur Arbeit aufmuntern.

34. von des Geschreies wegen zu Hesbon bis gen Eleale, welches bis gen Jahza erschallt, von Zoar an, der dreijährigen Kuh, bis gen Horonaim; denn auch die Wasser Nimrim sollen versiegen.

Geschreies wegen: Über das Unglück, welches denen in der Stadt Hesbon begegnen soll, dass man ihr Geschrei bis zur Stadt Eleale hören wird.

Dreijährigen Kuh: nach Luther]. Das Reich Moab ist, wie dreijährige Kühe, stark, reich, trächtig, voll Güter und Leute.

Kühe: Das ist: Man wird im ganzen Moabiter Lande hin und wieder ein schreckliches Heulen und Schreien hören und besonders in den hier benannten Städten, die sehr reich und mächtig gewesen, wie dreijährige Kühe in ihrem besten Tun ist. [Denn das zeitliche Glück pflegt nicht lange zu bestehen].

Versiegen: Das ist: Die Moabiter werden vor Ängsten verschmachten als wie in großer Hitze und Dürre die Wasser austrocknen und alles an Kräften abnimmt und verwelkt.

35. Und ich will, spricht der Herr, in Moab damit ein Ende machen, dass sie nicht mehr auf den Höhen opfern und ihren Göttern räuchern sollen.

Ende machen: Dass ich die abgöttischen Moabiter vertilgen und die Götzendiener ausrotten. [Denn (wie oft gemeldet) so ist unter allen Sünden die Abgötterei vor Gott die abscheulichste, welche doch der menschlichen Vernunft sehr wohl zuschlägt].

36. Darum brummt mein Herz über Moab wie eine Trompete und über die Leute zu Kir-Heres brummt mein Herz wie eine Trompete; denn sie haben es übermacht, darum müssen sie zu Boden gehen

Brummt: Das ist: Ich bin über die Moabiter und besonders über die Bürger in der Stadt Kirheres ganz heftig erzürnt.

Gehen: Weil sie mit ihrer Abgötterei und anderen Sünden mich ganz zu viel gereizt, so will ich sie vertilgen.

37. Alle Köpfe werden kahl sein und alle Bärte abgeschoren, aller Hände zerritzt und jedermann wird Säcke anziehen {Jer 47v5}.

Anziehen: Das ist: Es wird alles voll Jammers und Wehklagens sein. Denn welche in denselben Ländern sehr leidig waren, die beschoren ihr Haupt und Bart, ritzten sich mit Messern und Nägeln bis aufs Blut und zogen grobe Kleider an wie einen Sack.

38. Auf allen Dächern und Gassen, überall in Moab wird man klagen; denn ich habe Moab zerbrochen wie ein unwertes Gefäß, spricht der Herr.

Dächern: Es waren aber die Dächer im selben Lande eben, dass man darauf gehen konnte. Und wird im Folgenden deutlicher erklärt, was zuvor der Prophet mit etwas dunklen Worten vorgebracht hatte.

Gefäß: Die Moabiter sollen zunichtewerden, als wenn jemand ein irdenes Geschirr auf den Boden würfe, dass es zu Stücken springe. [Denn auf eine Gottlosen Freude erfolgt eine unendliche Traurigkeit].

39. Oh wie ist sie verdorben, wie heulen sie! Wie schändlich hängen sie die Köpfe! Und Moab ist zum Spott und zum Schrecken geworden allen, so um sie her wohnen,

Köpfe: Wie die zu tun pflegen, welche ganz ledig sind.

Spott: [Denn welche andere aus großem Übermut und Frevel verspotten und verlachen, die werden endlich wiederum zu Spott und Schanden].

Schrecken: [Denn Gott will, dass wir über anderer Leute Unfall erschrecken und daraus unser Leben bessern].

40. Denn so spricht der Herr: Siehe, er fliegt daher wie ein Adler und breitet seine Flügel aus über Moab {Jer 49v17}.

Er fliegt: Nämlich der Moabiter Feind wird eher kommen, als man sich es versehen hätte. [Denn Gott schickt den Gottlosen plötzlich ein Unglück über den Hals].

41. Kiriath ist gewonnen und die festen Städte sind eingenommen; und das Herz der Helden in Moab wird zur selbigen Zeit sein wie einer Frauen Herz in Kindesnöten.

Gewonnen: Nämlich von den Heiden, welche dieselbe Stadt mit Gewalt erobert haben. Und redet der Prophet abermals von zukünftigen Sachen, als wenn sie bereits geschehen wären, von wegen der Sachen Gewissheit.

Kindesnöten: Also ganz verzagt und kleinmütig werden sie sein, dass sie sich im Geringsten nicht wider die Feinde werden setzen dürfen. [Denn Gott nimmt den Gottlosen den Mut, wenn er sie stürzen und vertilgen will].

42. Denn Moab muss vertilgt werden, dass sie kein Volk mehr sind, darum dass es sich wider den Herrn erhoben hat.

Vertilgt: Es wird das moabitische Volk so ganz zunichtewerden, dass man durchaus kein Regiment in ihrem Lande mehr spüren wird und man nicht wird sagen können, da wohnen die Moabiter. Denn sie werden in andere Länder verstreut werden.

Erhoben: Indem sie des Gottes Israel und seines Volkes höhnisch und aus großem Übermut gespottet, dazu auf ihre Stärke ganz zu sehr getrotzt. [Denn Gott lässt der Gottlosen Lästerungen, Übermut und Frevel wider seine Kirche nicht ungestraft].

43. Furcht, Grube und Strick kommt über dich, du Einwohner in Moab, spricht der Herr.

44. Wer der Furcht entflieht, der wird in die Grube fallen und wer aus der Grube kommt, der wird im Strick gefangen werden; denn ich will über Moab kommen lassen ein Jahr ihrer Heimsuchung, spricht der Herr {Am 5v19}.

Entflieht: Dass er im Schrecken der Gefahr wird begehren zu entrinnen.

Fallen: Er wird in ein anderes Unglück geraten.

Gefangen: Das ist: Wer meinen wird, dass er aus einem Unglück entronnen sei, der wird in ein anderes Neues verwickelt werden, dass er daraus nicht wird kommen können.

Heimsuchung: Da ich der Moabiter Sünden ernstlich strafen will, und sollen solche Strafen nicht allein lange wären, sondern es soll ihnen auch ihr endliches Verderben darauf stehen. [Denn Gott bestimmt eine gewisse Zeit, wenn er der Gottlosen Bosheit rächen will, unterdes aber, bis solche Zeit kommt, duldet er ihr gottloses Wesen mit großer Langmütigkeit].

45. Die aus der Schlacht entrinnen, werden Zuflucht suchen zu Hesbon; aber es wird ein Feuer aus Hesbon und eine Flamme aus Sihon gehen, welche die Orte in Moab und die kriegerischen Leute verzehren wird.

Suchen: Das ist: Welche nach verlorener Schlacht in der Flucht sich begeben haben, die werden einen sicheren Ort in der Stadt Hesbon suchen. Aber sie fliehen gleich gen Hesbon oder gen Sihon, so werden sie doch nur in ein größeres Unglück geraten und werden die streitbaren Leute erschlagen werden, welche sonst Lust zum Kriege hatten. [Denn es kann der göttlichen Strafe niemand entgehen, sofern man nicht Buße tut].

46. Wehe dir, Moab! Verloren ist das Volk Kamos; denn man hat deine Söhne und Töchter genommen und gefangen weggeführt.

Volk Kamos: Welches den Abgott Kamos verehrt. Es deutet aber der Prophet mit diesen Worten, meines Erachtens, auf das 21. Kapitel des vierten Buches Mose. Und will zu verstehen geben, dass die letzte Niederlage der Moabiter nicht geringer sein werde als die vorige, so sie zu des Mose Lebzeiten erlitten: Ja es werden in dieser letzten Zerstörung erst recht erfüllt werden, was von ihrem Unfall vor langen Zeiten geweissagt wurde. [Weil deswegen die Moabiter als Feinde des Volkes Gottes so schrecklich gestraft wurden, so sollen wir mit Geduld warten, bis Gott der Herr die Unbilligkeit, so seiner Kirche zugefügt wurde, rächen werde].

47. Aber in der zukünftigen Zeit will ich das Gefängnis Moabs wenden, spricht der Herr. Das sei gesagt von der Strafe über Moab.

Wenden: Das ist: Aus der Moabiter Nachkommen will ich etliche zu der Kirche Christi sammeln, dass sie von Sünden erlöst, und der ewigen Seligkeit durch den Glauben an Christus teilhaftig werden. Denn es sah der Prophet aus göttlicher Offenbarung, dass auch aus dem moabitischen Volk etliche zur Erkenntnis Christi kommen würden. [Und sammelt sich Gott aus mancherlei Völkern, auch aus den allerärgsten und die ganz gottlos gewesen, durch die Predigt des Evangeliums eine Kirche].


Das 49. Kapitel


1. Folgt eine Weissagung von der Ammoniter, Edomiter, Syrer, der zu Kedar und der Perser Strafe.

1. Wider die Kinder Ammon spricht der Herr also: Hat denn Israel nicht Kinder, oder hat er keinen Erben? Warum besitzt denn Malchom das Land Gad und sein Volk wohnt in jenen Städten {Hes 21v28 25v2 Am 1v15}?

Kinder Ammon: Welche auch, wie die Moabiter, von dem Patriarchen Lot aus der Blutschande, die er mit seiner anderen Tochter unwissend getrieben, hergekommen waren, wie 1. Mose 19 zu lesen. Es sind aber die selbigen auch des Volkes Gottes stetigen Feinde gewesen und haben ihnen viel böse Tücke bewiesen, wie die Schrift hin und wieder bezeugt. Darum droht ihnen der Prophet auch die Strafen, so ihnen von Gott zuerkannt waren und über sie ergehen sollten.

Erben: Dass er keine Nachkommen hinterlassen, die ihr Land selber bewohnen könnten.

Malchom: Welcher der Ammoniter Abgott gewesen.

Land Gad: Das dem Stamm Gad vorzeiten zugeteilt wurde.

Sein Volk: Nämlich des Abgotts Malchom, die ihm dienen: Das ist: Die Ammoniter haben die Städte zur Besitzung inne, die zum Stamm Gad gehören. [Denn die Kinder dieser Welt sind in zeitlichen Sachen viel klüger als die Kinder des Lichts, darum sie oft mit großer Geschwindigkeit zu sich reißen, was den Kindern Gottes gehört].

2. Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich will ein Kriegsgeschrei erschallen lassen über Rabbath der Kinder Ammon, dass sie soll auf einem Haufen wüst liegen und ihre Töchter mit Feuer angesteckt werden. Aber Israel soll besitzen die, von denen sie besessen waren, spricht der Herr.

Zeit: Da die Ungerechtigkeit wird gestraft werden.

Rabbath: Über die große, feste und weitberühmte Hauptstadt in der Ammoniter Königreich, das sie belagert und erobert werde.

Töchter: Das ist: Die Dörfer und Flecken im Ammoniter Land, werden von den Feinden geplündert und in Brand gesteckt werden. [Denn übel gewonnen, übel zerronnen].

Besessen waren: Das ist: Das israelitische Volk soll die Heiden wieder überwältigen und ihm unterwerfen, von denen es zuvor unterdrückt wurde. [Obwohl nun diese Worte dem Ansehen nach von der äußerlichen und leiblichen Herrschaft lauten. So redet doch der Prophet hier eigentlich von dem Reich Christi, da man mit dem Wort des Evangeliums die Völker überwältigt, dass sie der Kirche Christi sich gleichsam gefangen geben und mit dem göttlichen Wort sich regieren lassen. Von welchem Sieg der Apostel Paulus {2Kor 10} redet.

3. Heule, o Hesbon! Denn Al ist zerstört. Schreit, ihr Töchter Rabba und zieht Säcke an; klagt und lauft auf den Mauern herum! Denn Malchom wird gefangen weggeführt samt seinen Priestern und Fürsten.

Hesbon: Nämlich ihr Einwohner der Stadt Hesbon im Moabiter Lande, lasst euch den Untergang der Stadt Ai, die im Lande der Ammoniter liegt, zu Herzen gehen, weil ihr miteinander jederzeit ganz gute Freunde und Nachbarn gewesen seid.

Töchter: Ihr Weiber und Jungfrauen beweint den Untergang eurer vornehmsten Hauptstädte.

Säcke: Grobe unachtsame und geringe Kleider, wie die zu tun pflegen, welche Leid tragen.

Mauern herum: Vor Furcht und Herzeleid, als ob ihr unsinnig seid, dass ihr euch beklagt über den jämmerlichen Untergang eurer Stadt, so ihr vor Augen sehen werdet.

Malchom: Euer Gott oder vielmehr Abgott, den ihr bisher geehrt habt.

Fürsten: Den vornehmsten Landherrn der Ammoniter, welche zugleich gefangen müssen weggeführt werden. [Denn die Abgöttischen werden mit ihren Götzen zuschanden].

4. Was trotzt du auf deine Auen? Deine Auen sind versäuft, du ungehorsame Tochter, die du dich auf deine Schätze verlässt und sprichst in deinem Herzen: Wer darf sich an mich machen?

Auen: Darauf eine köstliche Viehweide steht.

Versäuft: Sie sind mit Wasser durch einen Auslauf überschwemmt worden und verdorben, dass sie zu nichts mehr nütze sind. Denn es wird dir Gott eben das hinwegnehmen, darauf du dich verlässt und damit du bisher geprangt hast, und ist zu vermuten, dass die Ammoniter aus der Viehzucht großen Reichtum zusammengebracht haben.

Machen: Dass er mir begehrte zu schaden. Denn ich kann mit meinen Schätzen, an denen ich viele Jahre gesammelt, ein großes Kriegsvolk aufbringen und allen feindlichen Gewalt damit zu Boden schlagen. [Es ist aber eine vergebene und gottlose Zuversicht, da man sich auf großes Gut verlässt].

5. Siehe, spricht der Herr Zebaoth, ich will Furcht über dich kommen lassen von allen, die um dich her wohnen, dass ein jeglicher seines Weges vor sich hinaus verstoßen werde und niemand sei, der die Flüchtigen sammle.

Wohnen: Dass alle benachbarten Völker sich wider dich auflehnen werden und auf welche du dich am meisten verlassen hast, die werden dich am heftigsten plagen. [Denn man soll nicht auf die Freunde oder Nachbarn, sondern auf Gott trauen].

Seines Weges: Dahin die Feinde euch werden austreiben und voneinander zerstreuen. [Es ist aber die Austreibung ins Elend eine schwere Strafe, besonders, wenn die Vertriebenen keinen Unterschlupf finden. Wenn aber auch den Frommen solches widerfährt, so sollen sie sich erinnern, dass sie Bürger im Himmel sind].

Sammle: Dass er sie an einen sicheren Ort brächte.

6. Aber danach will ich wieder wenden das Gefängnis der Kinder Ammon, spricht der Herr.

Wenden: Jetzt hängt der Prophet einen Trost zum Beschluss hinten an gleichwie von den Moabitern zuvor auch. Und will so viel sagen, das Evangelium soll auch der Ammoniter Nachkommen gepredigt werden. [Und welche demselben werden mit Glauben anhangen, die sollen frei sein, von des Teufels Banden und zum himmlischen Vaterland eingehen].

7. Wider Edom. So spricht der Herr Zebaoth: Ist denn keine Weisheit mehr zu Theman? Ist denn kein Rat mehr bei den Klugen? Ist ihre Weisheit so lose {2Mos 25v11 v13 Am 1v11}?

Wider Edom: Ist nämlich die folgende Weissagung angesehen. Die Edomiter aber hatten ihre Herkunft von des Isaaks Sohne, dem Esau. Welcher, weil er nicht allein ganz rötlich aus Mutterleibe auf die Welt gekommen und geboren wurde, sondern auch später das Recht seiner Ersten Geburt seinem Bruder Jakob um ein rotes Gemüse verkauft, von solcher Röte Edom mit dem Zunamen genannt wurde {1Mos 25}. Daher man seine Nachkommen in folgenden Zeiten Edomiter geheißen, die den Israeliten auch viele Plagen angetan, ob sie wohl ihre Verwandten waren, wie aus dem 137. Psalm zu sehen. Darum droht ihnen der Prophet in dieser Weissagung ihre Strafen.

Theman: Welches eine Landschaft in Edom gewesen.

So lose: Als wollte er sprechen: Wo ist jetzt eure Klugheit und große Geschwindigkeit in Ratschlägen zu erdenken bei euch Edomitern hingekommen, darauf ihr bisher so ganz sehr getrotzt und gepocht habt? Denn ihr bedürftet derselben jetziger Zeit gar wohl, damit ihr das Unglück verhüten könntet, welches über euch herzunaht. Aber es wird euch solches nichts nutzen. [Denn welche sich auf ihre Weisheit und Listigkeit verlassen, die werden zuschanden darüber].

8. Flieht, wendet euch und verkriecht euch tief, ihr Bürger zu Dedan; denn ich lasse einen Unfall über Esau kommen, die Zeit seiner Heimsuchung.

Flieht: Vor euren Feinden, die euch überziehen werden.

Tief: Dass ihr euch in tiefe Höhlen und Löcher verbergt.

Dedan: Einer Stadt im Edomiter Lande gelegen.

Heimsuchung: Das ist: Es wird die Zeit kommen, dass ich, der Edomiter, welche des Esaus Nachkommen sind, Bosheit und gottloses Wesen mit großem Unglück, so über sie ergehen soll, strafen will. [Denn die Langmütigkeit Gottes hebt die Strafen der Gottlosen nicht auf, sondern sie werden danach nur desto schwerer].

9. Es sollen Weinleser über dich kommen, die dir kein Nachlesen lassen; und Diebe des Nachts sollen über dich kommen, die sollen ihnen genug verderben.

Verderben: Denn ich will euch Edomitern solche Feinde unversehens über den Hals schicken, die alle das eure werden verwüsten und hinweg nehmen und euch nichts übrig lassen. [Hieran sollten die geizigen Leute denken, welche durch verbotene Mittel Güter sammeln, damit die Feinde auf eine Zeit etwas zu rauben finden].

10. Denn ich habe Esau entblößt und seine heimlichen Orte geöffnet, dass er sich nicht verstecken kann; sein Same, seine Brüder und seine Nachbarn sind verstört, dass ihrer keiner mehr da ist.

Entblößt: Das ist: Ich will die Edomiter ans Licht hervorziehen, dass den Feinden alle ihre Heimlichkeit kundwerden soll und mit keiner Geschwindigkeit ihnen entgehen mögen. [Denn welchen Gott zuwider ist, denen kann kein Schlupfwinkel finster genug sein, sich zu verbergen].

Nachbarn: Also dass die Edomiter mit ihren Verwandten und Freunden, darauf sie sich verlassen, sollen vertilgt werden.

11. Doch was übrig bleibt von deinen Weisen, denen will ich das Leben gönnen und deine Witwen werden auf mich hoffen.

Doch: Jetzt wird die vorige Bedrohung mit einem darunter gestreutem Trost gemildert.

Hoffen: Dass sie sich alles Gute zu mir versehen werden. [Obwohl nun Gott wahrhaftig ein Vater ist der Witwen und Waisen, so sieht doch der Prophet hier weiter mit diesen Worten und will anzeigen, dass auch aus den Edomitern, wenn sie zuvor wohl gedemütigt sind, etliche zu Christo sich bekehren werden, dieselben versteht er unter der Witwen und Waisen Namen].

12. Denn so spricht der Herr: Siehe, diejenigen, so es nicht verschuldet hatten, den Kelch zu trinken, müssen trinken und du solltest ungestraft bleiben? Du sollst nicht ungestraft bleiben, sondern du musst auch trinken {Jer 25v29 1Petr 4v17}.

Kelch: Der Trübsal. Als wollte er sprechen: Wenn ich es meinem Volk nicht übersehe, sondern es züchtige (Denn das heißt aus dem Kelch der Trübsal trinken). Da doch mein Volk gegen eurer Bosheit zu rechnen, solche Trübsal nicht verschuldet hat, sollte ich denn euer schonen, ihr Edomiter, die ihr viel größere Strafen verdient habt? [Denn das Gericht oder die Züchtigung fängt am Hause Gottes an {1Petr 5}. Hört aber mit der Vertilgung der Gottlosen auf. Und ist der Kelch der Trübsal den Auserwählten ein heilsamer Arzneitrank, den Unbußfertigen aber ein Gift, der ihnen das Herz abstößt und sie ins Verderben bringt].

13. Denn ich habe bei mir selbst geschworen, spricht der Herr, dass Bazra soll ein Wunder, Schmach, wüste und Fluch werden und alle ihre Städte eine ewige Wüste.

Mir selbst: Weil ich keinen höheren habe, bei dem ich schwören könnte.

Bazra: Die vornehmste Stadt im Edomiter Lande soll samt allen anderen verwüstet werden, dass die benachbarten Völker sie werden verspotten und verfluchen. [Denn die Bosheit kehrt auch die allermächtigsten Städte um, dass sie zugrunde gehen].

14. Ich habe gehört vom Herrn, dass eine Botschaft unter die Heiden gesandt sei: Sammelt euch und kommt her wieder sie; macht euch auf zum Streit.

Gehört: Gott hat mir es geoffenbart, dass er mächtige Völker erwecken wolle, die wider die Edomiter sich versammeln und sie bekriegen sollen.

Botschaft: Es schickt aber Gott eine Botschaft oder seine Gesandten zu den Heiden und lässt sie wider ein unbußfertiges Volk berufen, wenn er die Völker durch eine heimliche Bewegung erregt und antreibt, dass sie zur Wehr greifen und dieselben Länder anfallen, welche ihn mit ihrem gottlosen Wesen heftig erzürnt haben.

15. Denn siehe, ich habe dich gering gemacht unter den Heiden und verachtet unter den Menschen.

Gering gemacht: Das sie dich nicht fürchten noch vor deiner Gewalt erschrecken werden, wenn sie dich überfallen wollen. [Denn welche Gott herunterstürzen will, denen entzieht er alles Ansehen, dass sie verachtet und nicht gefürchtet werden].

16. Dein Trotz und deines Herzens Hochmut haben dich betrogen, weil du in Felsenklüften wohnst und hohe Gebirge innehast. Wenn du denn gleich dein Nest so hoch machtest als der Adler, dennoch will ich dich von dort herunterstürzen, spricht der Herr.

Betrogen: Dass du dich auf deine Weisheit und Macht verlassen und daher stolz und übermütig geworden bist, solches wird dich in großes Unglück bringen.

Innen hast: Das ist: Du trotzt auf deine Festungen, welche auf Felsen und hohen Bergen stehen und meinst, deine Schlösser können von den Feinden nicht überwältigt werden. Aber solches närrische Vertrauen wird dir dein Verderben verursachen.

Stürzen: [Denn es ist keine Festung so gewaltig, stark, hoch und fest, welche man genügend schützen und wider den Feind erhalten könnte, wenn Gott über die Inhaber derselben von wegen ihrer großen und schweren Sünden erzürnt ist. Darum soll man nicht auf feste Orte sich verlassen, sondern auf Gott seine Hoffnung setzen].

17. Also soll Edom wüste werden, dass alle die, so vorübergehen, sich wundern und pfeifen werden über alle ihre Plage,

Und pfeifen: Sie werden sich zuerst darüber entsetzen, danach aber, wenn sie die Ursache solches Unglücks erfahren, das über sie ergangen, werden sie ihrer noch dazu spotten, als die richtig von Gott gestraft wurden.

18. gleichwie Sodom und Gomorrha samt ihren Nachbarn umgekehrt sind, spricht der Herr, dass niemand dort wohnen, noch kein Mensch darin hausen soll {1Mos 19v24 v25 Jer 50v40}

Nachbarn: Den beiden Städten Adama und Zeboim und ohne Zweifel auch den dort herumliegenden Dörfern, weil sie eben so gottlos darin gewesen als in den Städten.

Umgekehrt: Dass dasselbe ganze Land nicht mehr kann bewohnt werden {1Mos 19}. Also soll der Edomiter Land auch werden, dass es nicht mehr von Menschen soll bewohnt oder wieder erbaut werden, sondern der wilden Tiere Behausung sein. [Denn Gott ist allen Stolz und Übermut feind und straft es aufs ernstlichste].

19. Denn siehe, er kommt herauf wie ein Löwe vom stolzen Jordan her wider die feste Hütte; denn ich will ihn dort her eilends laufen lassen. Und wer weiß, wer der Jüngling ist, den ich wider sie rüsten werde? Denn wer ist mir gleich? Wer will mich meistern und wer ist der Hirte, der mir widerstehen kann {Jer 12v4}?

Er kommt: Nämlich der große Alexander, welcher einen rechten Löwenmut führt und mit einer unglaublichen Kühnheit begabt ist, wird der Edomiter Land wie eine große Wasserflut mit einem gewaltigen Kriegsheer überfallen.

Festen Hütte: Nämlich wider der Edomiter Land, welches wohl befestigt ist.

dort her: Durch das jüdische Land wird er schnell dem Edomiter Lande zuziehen.

Jüngling: nach Luther]. Der großer Alexander, der alles Land soll gewinnen.

Rüsten werde: Nämlich den großen Alexander, welcher ein starker junger Held ist, will ich erwecken, dass er der Edomiter Land verwüsten soll.

Meistern: Wer will mir Weise und Maß geben, wie ich es machen soll.

Hirte: Wer ist unter allen Königen, Fürsten und Regenten, der ein Land erhalten könne, welches ich vertilgen will? [Erweckt deswegen Gott vortreffliche Helden, derer zu tun er gebraucht, wenn er die Völker strafen will. Und kann solchen Helden niemand widerstehen, weil Gott ihnen hilft. Es nennt aber der Heilige Geist an diesem Ort und anderswo die Regenten und Könige Hirten, sie ihres Amtes dadurch zu erinnern, dass sie nämlich ihre Untertanen weiden und erhalten und nicht wie Wölfe fressen sollen].

20. So hört nun den Ratschlag des Herrn, den er über Edom hat und seine Gedanken, die er über die Einwohner in Theman hat! Was gilt es, ob nicht die Hirtenknaben sie schleifen werden und ihre Wohnung zerstören,

Ratschlag: Vernehmt den göttlichen Entschluss und Dekret, so mir von Gott geoffenbart wurde.

Theman: Ist ein Ort Landes, welches die Edomiter bewohnt haben.

Hirten Knaben: Das ist: Die Kriegsleute als der Fürsten und Hauptleute Diener. Als wollte er sprechen: Des großen Alexandria Kriegsvolk wird die Schlösser und Städte der Edomiter zerstören und die Einwohner darin vertilgen.

Nach Luther:]. Der Hauptleute und Fürsten Volk. Denn Hirten heißen hier überall Fürsten, die da weiden sollen die Frommen und strafen die Bösen.

21. Dass die Erde beben wird, wenn es ineinander fällt; und ihr Geschrei wird man am Schilfmeer hören.

Fällt: Es wird mit der Verwüstung des Landes Edom zugehen, als wenn ein großes Gebäude mit einem schrecklichen Geprassel darnieder und über einen Haufen fällt, dass die Erde davon sich erschüttert, also wird es auch ein großes Getümmel geben, wenn die Feinde einfallen und alles zugrunde richten werden.

Hören: Von wegen des großen Jammers und Zetergeschreis und dass es überall elendiglich zugehen wird.

22. Siehe, er flieht herauf wie ein Adler und wird seine Flügel ausbreiten über Bazra. Zur selbigen Zeit wird das Herz der Helden in Edom sein wie das Herz einer Frau in Kindesnöten.

Er flieht: Nämlich der große Alexander wird das Land der Edomiter schnell und mit großer Macht überfallen.

Bazra: Welche Stadt er unter seine Gewalt bringen wird.

Kindesnöten: Also dass sie den Mazedoniern vor großen Ängsten keineswegs werden widerstehen dürfen. [Denn welche die Kirche Gottes geängstigt haben, die lässt Gott wieder in Angst und Not kommen].

Wider Damaskus

23. Hemath und Arpad stehen jämmerlich; sie sind verzagt, denn sie hören ein böses Geschrei; die am Meer wohnen, sind so erschrocken, dass sie nicht Ruhe haben können.

Wider Damaskus: Nämlich wider die Syrer ist die folgende Weissagung angesehen. Denn es ist Damaskus die Hauptstadt in Syrien gewesen. So waren die Syrer dem Volk Gottes ganz aufsässig {1Sam 20 2Sam 10}. Darum verkündigt der Prophet dem Königreich Syrien auch ihre Strafen.

Jämmerlich: Weil dieselben beiden Städte der Syrer so ganz übel zugerichtet wurden.

Am Meer: Denn die Landschaft Syrien reicht bis an das Mittelländische Meer.

Nicht Ruhe: Weil sie vor großen Ängsten nicht wissen, was sie tun oder wo sie hinaus wollen.

24. Damaskus ist verzagt und gibt die Flucht; sie zappelt und ist in Ängsten und Schmerzen wie eine Frau in Kindesnöten.

Flucht: Das Volk zu Damaskus wird des Feindes Gewalt nicht aufhalten können. [Denn den stolzen Leuten entfällt das Herz, wenn Gott ihre Sünden strafen will].

25. Wie, ist sie nun nicht verlassen, die berühmte und fröhliche Stadt?

Fröhliche Stadt: Damaskus, darin es vorzeiten alles voller Freuden gewesen, und davon man weit und breit zu sagen wissen von wegen ihrer großen Macht, die liegt jetzt wüste.

26. Darum werden ihre junge Mannschaft auf ihren Gassen daniederliegen und alle ihre Kriegsleute untergehen zur selbigen Zeit, spricht der Herr Zebaoth.

Liegen: Dass sie von den Feinden erschlagen wurden.

Untergehen: Dass sie vom Feinde in der Schlacht auch aufgerieben wurden.

27. Und ich will die Mauern zu Damaskus mit Feuer anstecken, dass es die Paläste Benhadads verzehren soll.

Paläste Benhadads: Welche er mit großem Kosten stattlich erbaut hat. Und wird dieses Königs auch gedacht {1Sam 20}. [Denn die Paläste, so mit der armen Leute Schweiß und Blut köstlich erbaut wurden, werden zuletzt schändlich zerstört].

28. Wider Kedar und die Königreiche Dazor, welche Nebukadnezar, der König zu Babel, schlug.

So spricht der Herr: Wohlauf, zieht herauf nach Kedar und verstört die Kinder gegen Morgen!

Kedar: Das ist, wider die Ismaeliter ist die folgende göttliche Weissagung angesehen. Denn Kedar ist Ismaels Sohn gewesen {1Mos 25}. Und sind die Ismaeliter dem Volk Gottes zu etlichen Malen auch überlästig gewesen, wie aus dem 82. Psalm klar zu sehen.

Hazor: Das ist, es geht auch diese Weissagung auf die Ismaeliter, so in der Herrschaft Hazor wohnen.

Wohlauf: Nämlich ihr Feinde der Ismaeliter, rüstet euch.

Morgen: Die gegen dem Morgen wohnen. Man hält es aber dafür, dass die Türken von den Israelitern herkommen.

29. Man wird ihnen ihre Hütte und Herde nehmen; ihre Gezelte, alle Geräte und Kamele werden sie wegführen; und man wird schrecklich über sie rufen um und um.

Um und um: Also, dass sie ganz verzagt sein werden und den Feinden keinen Widerstand tun können. [Sieht man deswegen abermals, dass die, so der Kirche viel Leid zufügen, wiederum in große Angst und Not kommen].

30. Flieht, hebt euch eilends davon! Verkriecht euch tief, ihr Einwohner in Hazor, spricht der Herr; denn Nebukadnezar, der König zu Babel, hat etwas im Sinn wider euch und meint euch.

Flieht: Nämlich ihr Ismaeliter, macht euch geschwinde in der Flucht davon.

Im Sinn: Er ratschlagt darüber, wie er euch vertilgen wolle, und hat sich allerdings wider euch gerichtet.

31. Wohlauf, zieht herauf wider ein Volk, das genug hat und sicher wohnt, spricht der Herr: Sie haben weder Tür noch Riegel und wohnen alleine.

Zieht herauf: Ihr Chaldäer, mit einem Kriegsheer.

Sicher wohnt: Denn es lebt im Sause, und lässt die Vöglein sorgen, weiß auch von keinem Feind oder Gefahr.

Noch Riegel: Die Ismaeliter haben weder Tor noch Schlösser, weil sie in Gezelten mehrerenteils sich verhalten.

Alleine: Sie haben keine Nachbarn, die ihnen Hilfe leisten könnten. Darum wird der Sieg wider sie leicht zu erhalten sein.

32. Ihre Kamele sollen geraubt und die Menge ihres Viehs genommen werden; und ich will sie zerstreuen in alle Winde, die in den Winkeln wohnen; und von allen Orten her will ich ihr Unglück über sie kommen lassen, spricht der Herr,

Genommen werden: Nämlich von den Chaldäern.

Alle Winde: An alle vier Orte der Welt.

Winkeln wohnen: Und meinen, es könne sie niemand überfallen, oder zu ihnen kommen.

Allen Orten: Denn sichere Leute werden mit mancherlei Unglück zugleich überfallen.

33. Dass Hazor soll eine Drachenwohnung und eine ewige Wüste werden, dass niemand dort wohne und kein Mensch darin hause.

Drachenwohnung: Also dass, da zuvor Menschen gewohnt, später allerlei vergiftete böse Tiere sollen gesehen werden. [Denn die Feinde der Kirche werden vertilgt, aber die Kirche bleibt].

34. Dies ist das Wort des Herrn, welches geschah zu Jeremia, dem Propheten, wider Elam im Anfang des Königreichs Zedekias, des Königs Judas und sprach:

Elam: Das ist, wider die Perser ist dem Propheten Jeremia folgende Weissagung von Gott geoffenbart worden.

35. So spricht der Herr Zebaoth: Siehe, ich will den Bogen Elams zerbrechen, ihre vornehmste Gewalt.

Bogen: Das ist, die Macht der Perser (welche sonst gute Schützen sind) will ich durch den großen Alexander schwächen und ihre große Gewalt zu Boden stürzen. Denn es ist Darius, der Perser König, ein sehr mächtiger Monarch gewesen und dennoch von dem großen Alexander überwunden worden.

36. Und will die vier Winde aus den vier Orten des Himmels über sie kommen lassen und will sie in alle die selbigen Winde zerstreuen, dass kein Volk sein soll, dahin nicht Vertriebene aus Elam kommen werden.

Vier Orten: Das ist, ich will sie mit der Mazedonier Kriegsvolk, welche des großen Alexanders Untertanen waren, überfallen und gleichwie mit einem plötzlichen schrecklichen Sturmwind, und Wetter, da alle Winde durcheinander und widereinander wehen, zu ihnen einstürmen.

Vertriebene: Flüchtige Perser. [Denn also pflegt Gott die stolzen und übermütigen Völker zu strafen und zu demütigen. Was aber die Perser für ein Übermaß und Pracht getrieben, ist aus allen Historien kund].

37. Und ich will Elam verzagt machen vor ihren Feinden und denen, die ihnen nach ihrem Leben stehen und Unglück über sie kommen lassen mit meinem grimmigen Zorn, spricht der Herr; und will das Schwert hinter ihnen herschicken, bis ich sie aufreibe.

Verzagt: Ich will den Persern den Mut nehmen, dass sie den Mazedoniern nicht werden Widerstand tun dürfen.

Unglück: Schreckliche Strafen, so von meinem gerechten und ernsten Zorn herrühren.

Schicken: Dass sie meistenteils keines rechten Todes sterben sollen. [Also straft Gott die Abgötterei, Üppigkeit und Hoffart].

38. Meinen Stuhl will ich in Elam setzen und will beide, den König und die Fürsten, dort umbringen, spricht der Herr.

Stuhl: nach Luther]. Welches durch Alexander den Großen, der Elam gewann, erfüllt wurde.

Setzen: Das ist, ich will einen neuen König über sie setzen, den sie werden leiden und ihm gehorsam sein müssen, es sei ihnen lieb oder leid. Dies ist der große Alexander gewesen, wie jetzt oft gemeldet wurde.

Fürsten: Nämlich den König Darium samt den Fürsten in Persien. [Denn Gott der Allerhöchste herrscht über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will {Dan 4}].

39. Aber in zukünftiger Zeit will ich das Gefängnis Elams wieder wenden, spricht der Herr.

Wenden: Jetzt setzt der Prophet einen evangelischen Trost hinzu, für die Perser, als wollte er sprechen, ich will die Apostel und ihre Nachkommen ausschicken, dass sie auch in Persien das Evangelium ausbreiten und die Perser, so das Evangelium Christi hören und mit Glauben annehmen, in die Kirche versammelt und durch das Predigtamt des Evangeliums zum ewigen und himmlischen Vaterland gebracht werden. [Diese Weissagung lehrt auch von der Heiden Berufung zum Evangelium Christi. Und sind die Waisen, welche Christus mit ihren Gaben verehrt, gleichsam die Erstlinge der Perser gewesen, so zu Christo sollten bekehrt werden. Denn obwohl Cyrus oder Kores, der Perserkönig, durch des Propheten Daniels Predigtamt Gott recht erkennen lernen und die rechte Religion zu befördern sich beflissen. Jedoch weil etliche gottlose Könige auf ihn gefolgt, so hat die Abgötterei und gottloses Wesen in Persien die Oberhand behalten. Indem aber der Prophet den Eingang im Himmel durch die Wiederkunft ins Vaterland vorbildet, so gibt er damit zu verstehen, dass unser rechtes Vaterland nicht auf der Erde, sondern im Himmel sei, dahin wir auch trachten sollen {Kol 3}.


Das 50. Kapitel


1. Dem Königreich Babel werden die Strafen verkündigt, von wegen seiner Bosheit und Grausamkeit.

1. Dies ist das Wort, welches der Herr durch den Propheten Jeremia geredet hat wider Babel und das Land der Chaldäer:

Dies ist: Obwohl Gott beschlossen hatte, sein Volk Israel durch die Chaldäer zu strafen. So ist er doch über ihre ganz zu große Grausamkeit und Tyrannei, die sie wider sein Volk getrieben, heftig erzürnt worden. Denn also redet Gott von dem Königreich Babel {Jes 47}. Da ich über mein Volk zornig war und entweiht mein Erbe, übergab ich sie in deine Hand. Aber du beweist ihnen keine Barmherzigkeit, auch über die Alten machst du dein Joch allzu schwer. Darum weissagt Gott durch den Propheten Jeremia in diesem und folgenden Kapitel von der Chaldäer Untergang ganz weitläufig. Und tut das dem Volke Gottes zu Trost, auf dass die Israeliten verstünden, wie Gott einmal an der Chaldäer Rohheit und Tyrannei Rache üben würde: Welcher Trost ihnen die Beschwerden des Gefängnisses etlichermaßen erleichtert. So erforderte es die Notdurft, dass dieser Handel weitläufig erklärt würde, weil die Chaldäer sehr gewaltig waren, in Maßen auch die heidnischen Skribenten solches von ihnen melden und es allen anderen Völkern an Macht und Ansehen bevor taten, daher ihr Untergang vor der menschlichen Vernunft schier unglaublich schien. [Weil aber der Heilige Geist in der Offenbarung Johannis durch die Stadt Babel auf den römischen Antichristen deutet. So sollen wir nicht zweifeln, es werde die Kirche Christi einmal seinen schrecklichen (auch zeitlichen) Fall sehen, welche seinen geistlichen Fall bereits erlebt, dazu denn Gott den Herr Doktor Luther als ein Werkzeug, gebraucht].

2. Verkündigt unter den Heiden und lasst erschallen; werft ein Panier auf! Lasst erschallen und verbergt es nicht und sprecht: Babel ist gewonnen, Bel steht mit Schanden, Merodach ist zerschmettert, ihre Götzen stehen mit Schanden und ihre Götter sind zerschmettert.

Verkündigt: Der Prophet redet von den Sachen, als wenn er es bereits vor Augen sehe, wie die Stadt Babel erobert würde. Und heißt des Cyri oder Kores erhaltenen Sieg wider Babel unter alle Völker ausbreiten.

Panier: Nämlich des persischen Königs, dasselbe steckt auf die Mauern zu Babel zum Zeugnis, dass die Stadt von den Persern erobert wurde, welche von wegen ihrer Größe und dass sie ganz fest gewesen, mit menschlicher Kraft zu gewinnen unmöglich schien. [Aber es ist keine menschliche Gewalt so groß, die nicht könnte überwältigt werden, wenn es Gott haben will].

Bel: Der Stadt Babel Gott, Patron und Schutzherr, der seine Diener für des Cyri Kriegsvolk nicht schützen können. Es hat aber vorzeiten ein König zu Babel regiert Bel oder Belus geheißen, der später aus gottlosen Aberglauben unter die Götter gezählt wurde.

Merodach: Welches auch ein Name eines babylonischen Götzen gewesen, in Maßen der Text zu verstehen gibt, obwohl auch ein König dort also geheißen. [Denn bei der falschen Religion ist kein Schutz zu hoffen].

3. Denn es zieht von Mitternacht ein Volk herauf wider sie, welches wird ihr Land zur Wüste machen, dass niemand darin wohnen wird, sondern beide, Leute und Vieh, davon fliehen werden.

Volk: Nämlich die Perser, denn dieselben werden Babel zerstören, dass sie ganz öde liegen wird.

Fliehen: Das ist, die Chaldäer werden begehren auszureißen, damit sie der Perser grausamen Händen entrinnen mögen. [Werden deswegen auch die allermächtigsten Königreiche, wenn Gott wider sie zürnt, zur Wüste und Einöde gemacht. Welche schrecklichen Beispiele des Zorns Gottes uns in der Demut und Gottesfurcht behalten sollen].

4. In den selbigen Tagen und zur selbigen Zeit, spricht der Herr, werden kommen die Kinder Israel samt den Kindern Juda und weinend daher ziehen und den Herrn, ihren Gott, suchen.

Tagen: Wenn nämlich Cyrus die Stadt Babel innehaben und ruhig besitzen wird.

Daher ziehen: Das ist, die Israeliten, welche zuvor in zwei Königreiche Juda und Israel sich getrennt und selten miteinander eins gewesen, später aber in den beiden Königreichen der Assyrer und Chaldäer gefangen gehalten wurden, werden alsdann einmütig Gott den Herrn ehren und wieder in ihr Vaterland Judeam umkehren, auch mit Tränen Gott den Herrn bitten, dass er ihnen in ihrem Heimreisen beistehen und auf dem Wege schützen, dazu die wieder angehende und gleichsam hervorwachsende Kirche und israelitische Regierung befördern wolle. Denn dass der Juden Freude im Heimziehen mit vielem Weinen vermischt gewesen, bezeugt (Esra Kapitel 3). [Und mäßigt Gott der seinen zeitliche Freude also, dass er immer etwas Bitterkeit mit unterstreut, damit sie nicht die zeitlichen Güter den Ewigen vorziehen].

5. Sie werden forschen nachdem Wege gen Zion, dort hin sich kehren: Kommt und lasst uns zum Herrn fügen mit einem ewigen Bunde, des niemals vergessen werden soll.

Wege: Sie werden fragen, welches der nächste Weg sei, da man gen Jerusalem ziehen könne?

Nach Luther:]. Das ist die Heimfahrt aus Babel, durch König Kores erlaubt.

Ewigen Bunde: Denn welche durch ihren Ungehorsam vorzeiten von Gott abgefallen waren und darum ins Elend ausweichen müssen, die werden zu Jerusalem den Bund mit Gott wiederum erneuern, dass er bei allen Nachkommen im Gedächtnis bleibe. [Obwohl nun die Israeliten nach ihrer Wiederkunft Gott dem Herrn Gehorsam angelobt und zugesagt, wie im Büchlein (Esra Kapitel 10) zu sehen: So haben sie doch mit der Zeit sowohl mit Verfälschung der Religion als mit einem verkehrten Wandel solchen Bund auch übergangen. Sieht deswegen der Prophet hier weiter nämlich auf den evangelischen Bund, der ewig währt: Wenn wir nämlich von Gott in der Taufe an Kindes statt und zu Erben der ewigen himmlischen Güter angenommen werden. Solcher Bund bleibt ewig, weil er nicht besteht auf die Bedingung, dass man das Gesetz erfülle, sondern auf die Verheißung der Gnaden und göttlichen Güte und bleibt fest, so lange wir im Glauben beharren, ja so oft wir wahrhaftig Buße tun, wird er wiederum bestätigt].

6. Denn mein Volk ist wie eine verlorene Herde; ihre Hirten haben sie verführt und auf den Bergen in der Irre gehen lassen, dass sie von Bergen auf die Hügel gegangen sind und ihrer Hürden vergessen.

Denn: Jetzt führt der Prophet den Juden die Ursachen ihres vorigen Unfalls wiederum zu Gemüt, damit sie zukünftig ihrem Amt in der Demut und Furcht Gottes gebührlich nachkämen.

Verführt: Das ist: Die Priester und falschen Propheten haben des Herrn Volk verführt, dass sie den angemessenen Ort als den Tempel zu Jerusalem und den ordentlichen Gottesdienst dort aus der acht gelassen und dem Gebote Gottes zuwider auf den Hügeln und Bergen geopfert. Welches nicht anderes gewesen, als wenn ein Schaf aus dem Pferch oder Schafstall entlaufen und auf den Bergen in der irre herumzöge, bis es von den wilden Tieren zerrissen würde. [Denn die falschen Gottesdienste sind nichts anderes als ein schrecklicher Irrgang und Umlauf, dadurch solche Götzendiener mit großer Mühe zu ihrem Verderben eilen].

7. Alles, was sie antraf, das fraß sie; und ihre Feinde sprachen: Wir tun nicht Unrecht, darum dass sie sich haben versündigt an dem Herrn in der Wohnung der Gerechtigkeit und an dem Herrn, der ihrer Väter Hoffnung ist.

Fraß sie: Das also mein Volk um der Abgötterei willen jedermanns Raub geworden. [Denn auf die Irrtümer in der Religion folgt allerlei zeitliches Unglück].

Gerechtigkeit: Das ist: In dem Tempel und der heiligen Stadt, welche der Frömmigkeit und Gerechtigkeit geweiht waren.

Hoffnung: Das ist: Weil das israelitische Volk den Gott verlassen hat, auf welchen ihre frommen Voreltern all ihre Hoffnung hatten und den Tempel samt der Stadt Jerusalem mit vielfältiger Abgötterei und Sünden verunreinigt haben. So hat Gott die Heiden wider die selbigen aufgebracht, sie zu strafen, welche solches getan haben ohne alle Barmherzigkeit und es mit der Strafe übermacht, weil sie meinten, sie könnten mit einem solchen Gottlosen und verkehrten Volk nicht gräulich genug umgehen. [Denn die Feinde der Kirche meinen nicht, dass sie Gott erzürnen, wenn sie wider die Kirche Gottes wüten, sondern halten es vielmehr dafür, sie tun Gott einen angenehmen Dienst daran {Joh 16}].

8. Flieht aus Babel und zieht aus der Chaldäer Lande und stellt euch als Böcke vor der Herde her!

Flieht: Nämlich ihr Israeliten, weil Gott seinen Zorn endlich über die Chaldäer, eure Verfolger ausschütten wird und der König Kores euch erlaubt, wieder heimzuziehen in euer Vaterland.

Als Böcke: Denn ihr sollt nicht mit Furcht ausziehen und als die mit einer schändlichen Flucht sich begehrten davon zu machen, sondern ihr sollt eure vornehmsten Häupter zum Führer haben, welche dem Haufen vorgehen sollen. Und werden die Chaldäer euch nicht länger aufhalten können, weil sie sich selbst nicht mehr mächtig sein werden.

9. Denn siehe, ich will große Völker mit Haufen aus dem Lande gegen Mitternacht erwecken und wider Babel heraufbringen, die sich wider sie sollen rüsten, welche sie auch sollen gewinnen; seine Pfeile sind wie eines guten Kriegers, der nicht fehlt.

Gewinnen: Denn es hat Cyrus die Stadt Babel bei der Nacht erobert, da in der Stadt jedermann, beide, klein und groß, im Sause lebten und mit Wohlleben und Bankettieren einen Festtag hielten. Welches auch der Prophet Daniel deutlich genug zu verstehen gibt (Kapitel 5). Und beschreiben die heidnischen Historienschreiber der Stadt Babel Untergang auf gleiche Weise.

Nicht fehlt: Das ist: Der Perser Bogen werden nicht vergebens aufhören, sondern sie werden als starken und erfahrenen Kriegsleuten gebührt, die Chaldäer mit Pfeilen darnieder schießen.

10. Und das Chaldäerland soll ein Raub werden, dass alle, die sie berauben, sollen genug davon haben, spricht der Herr,

Haben: Wer die Stadt plündern wird, der wird eine reiche Beute davonbringen. Und bezeugen es die heidnischen Historienschreiber, dass alle Güter im Morgenlande in derselben Stadt gleichsam als auf einen Haufen zusammengetragen wurden. Darum haben des Cyri Kriegsleute einen stattlichen Raub darin bekommen. [Denn welche dadurch reich werden, dass sie andere berauben, die werden auch endlich anderer Leute Raub].

11. Darum dass ihr euch des freut und rühmt, dass ihr mein Erbteil geplündert habt und lecket wie die geilen Kälber und wiehert wie die starken Gäule.

Geplündert: Ihr treibt eine große Pracht damit und überhebt euch dessen sehr, dass ihr mein Volk beraubt und es gefangen weggeführt habt.

Gäule: Ihr treibt allen Übermut und Bosheit. [Denn obwohl Gott über die Sünden seines Volkes richtig zürnt und es den Feinden übergibt, dass sie dasselbe strafen müssen. Jedoch, wenn er sieht, dass die Feinde stolz werden und über die Kirche mit großem Frevel und Mutwillen sich erheben, so kann er solchen Übermut nicht lange leiden].

12. Eure Mutter steht mit großen Schanden und die euch geboren hat, ist zum Spott geworden; siehe, unter den Heiden ist sie die geringste, wüst, dürr und öde.

Mutter: Nämlich Babel, welche die Hauptstadt ist in eurem Lande, darin ihr geboren und erzogen seid, wird in ihrer Eroberung jämmerlich zugerichtet und jedermanns Spott werden.

Geringste: Sie wird in großer Verachtung sein und allerdings wüste liegen, dass sie mehr einer dürren und unwegsamen Einöde als einer volkreichen Stadt ähnlich sein wird. [Denn auf den Stolz und Übermut folgt Schmach und Verachtung und zuletzt das äußerste Verderben].

13. Denn vor dem Zorn des Herrn muss sie unbewohnt und ganz wüst bleiben, dass alle, so vor Babel übergehen, werden sich verwundern und pfeifen über alle ihre Plage.

Verwundern: Sie werden sich entsetzen über solchen großen Zorn Gottes, dessen Anweisungen an der eroberten und zerstörten Stadt man noch sehen wird.

Pfeifen: Dass man den Stolz und Hochmut solcher großen Stadt auslachen wird, weil sie einmal heruntergestürzt und zugrunde gerichtet wurde, dafür sich sonst jedermann fürchten müsse. [Denn wir sollen das Beispiel des göttlichen Zorns nicht mit Unverstand anschauen, sondern dieselben vielmehr also betrachten, dass wir daraus klüger werden und uns bessern. Und obwohl der Prophet hier besonders redet von der Eroberung der Stadt Babel, so unter dem König der Perser, Cyro, sich begeben. So sieht er doch zugleich weiter mit seiner Weissagung nämlich auf die letzte Verwüstung der Stadt Babel, da sie allerdings zugrunde gerichtet wurde. Welches man in diesen drei letzten Kapiteln wohl merken soll. Denn es wird in denselben von dem Propheten viel Dinge vorgebracht, dass sich besser auf die letzte Zerstörung als auf die Eroberung Cyri reimt. So hätten die Chaldäer bei der ersten Erinnerung der Stadt sich erinnern sollen, dass sie die letzte Verwüstung mögen verhüten].

14. Rüstet euch wider Babel umher, alle Schützen; schießt in sie, spart der Pfeile nicht; denn sie hat wider den Herrn gesündigt.

Rüstet: Nämlich ihr Perser, die ihr gute Schützen seid, schlagt euer Lager fein ordentlich, greift zur Wehr, macht Bollwerke und richtet alles zu, was man zur Eroberung einer Stadt bedarf. Denn der Prophet ermahnt der Chaldäer Feinde abermals, als ob sie bereits vorhanden wären, dass sie die Stadt Babel zu erobern sich tapfer sollen benutzen lassen.

Gesündigt: Den sie mit ihren vielfältigen Sünden und Lastern zwar heftig erzürnt hat, am allermeisten aber damit beleidigt, dass sie sein Volk so unmenschlich gehalten. Darum schlagt die Chaldäer mit Haufen zu Tode und dürft nicht sorgen, dass ihr der Sachen möchtet zu viel tun. [Denn wer die Kirche Gottes verfolgt, der setzt sich wider Gott selbst].

15. Jauchzt über sie um und um, sie muss sich geben; ihre Grundfesten sind gefallen, ihre Mauern sind abgebrochen; denn das ist des Herrn Rache. Rächt euch an ihr; tut ihr, wie sie getan hat!

Jauchzt: Wie die Überwinder zu tun pflegen, damit alle Bürger darin merken, dass die Stadt in der Feinde Hand gekommen sei.

Gefallen: Das sie sich vor des Feindes Gewalt nicht länger aufhalten kann. Gleich als wenn ein Gebäude, das bodenlos ist und keinen rechten Grund hat, über den Haufen fallen muss.

Rache: Der dieser Stadt Bosheit, Sünden und Tyrannei strafen will, darum man nicht fragen darf, wie ein solche feste und mächtige Stadt könne erobert werden, die auf der ganzen Welt ihresgleichen nicht hatte. [Denn wenn Gott zur Rache aufgebracht wird, so hilft keine Festung, Gewalt, Reichtum, noch Rat, ja keine Stärke des Leibes noch hoher Verstand des Gemüts].

Getan hat: Denn weil sie mit vielen anderen Völkern gräulich umgegangen, die sie unterdrückt und vertilgt hat, so geht jetzt also wieder mit ihr um. [Denn die Grausamen werden auch grausam gestraft. Doch will Gott mit diesen Worten die eigene Rache keineswegs gebilligt haben, sondern befiehlt dem König der Perser Cyro als einer Obrigkeit, dass er an dem gottlosen Volk der Chaldäer Rache üben und das göttliche Urteil vollstrecken soll. Gleiche Worte werden auch von dem Antichristen ausgesprochen {Apg 18}. Damit anzuzeigen, dass dermalen eines seine grausame Wüterei wider die Kirche soll gerächt werden, welches meines Erachtens durch ungläubige Völker geschehen wird].

16. Rottet aus von Babel beide, den Sämann und den Schnitter, in der Ernte, dass ein jeglicher vor dem Schwert des Tyrannen sich kehre zu seinem Volk und ein jeglicher fliehe in sein Land.

Schnitter: Vertilgt die Ackerleute, auf dass die Felder um Babel und in der Stadt nicht mehr gebaut werden. [Denn Gott will, dass man Beispiele seines schrecklichen Zorns wider die Sünden sehe].

Sein Land: Das ist: Die Handelsleute, deren denn jederzeit es eine große Menge in derselben Stadt hatte wie auch andere fremde Leute, so darin sich aufhalten, mögen wohl aus der Stadt Babel ein jeder in sein Vaterland hinweg weichen, wenn sie das Geschrei hören werden von der Zukunft des persischen Königs, der alles verwüsten und plündern wird, was er antrifft.

17. Israel hat müssen sein eine zerstreute Herde, die die Löwen verscheucht haben. Am ersten fraß sie der König zu Assyrien; danach überwältigte sie Nebukadnezar, der König zu Babel.

Zerstreute Herde: So von allen Enden angegriffen und geplagt wurden. [Denn die Kirche ist vieler Gefahr unterworfen].

Löwen: Die mächtigen Monarchen, denen sie nicht widerstehen können.

Fraß sie: Dass er wie ein Löwe in meine Herde, das israelitische Volk, so zum Königreich Israel gehörig gewesen, gefallen und ihrer viele getötet, die übrigen aber gen Assyrien gefangen weggeführt hat.

Zu Babel: Der die übrigen meines Volkes, nämlich das Königreich Juda, verschlungen hat, da er die Stadt Jerusalem erobert, viele Juden erwürgt und die übrigen ins Elend hingerissen. [Denn die göttlichen Strafen nehmen zu und ab, nachdem man die Sünden häuft oder davon absteht].

18. Darum spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, also: Siehe, ich will den König zu Babel heimsuchen und sein Land, gleichwie ich den König zu Assyrien heimgesucht habe.

Heimgesucht: Dass das assyrische Königreich verwüstet und dem Königreich Babel einverleibt wurde. Davon man bei den Historienschreibern findet, wie es zugegangen ist.

19. Israel aber will ich wieder heim zu seiner Wohnung bringen, dass sie auf Karmel und Basan weiden und ihre Seele auf dem Gebirge Ephraim und Gilead gesättigt werden soll.

Karmel: Als einem sehr fruchtbaren Berge.

Basan: Einer lustigen Landschaft. Will so viel sagen: Ich will den Israeliten eine reichliche Nahrung bescheren im Lande Kanaan, diesseits und jenseits des Jordans. [Denn es ist eine besondere Guttat Gottes, wenn einer wieder in sein Vaterland gebracht wird].

20. Zur selbigen Zeit und in den selbigen Tagen wird man die Missetat Israels suchen, spricht der Herr, aber es wird keine da sein und die Sünde Judas, aber es wird keine gefunden werden; denn ich will sie vergeben denen, so ich überblieben lasse.

Vergeben: Und mich meines übrigen Volkes erbarmen, dass ich ihnen wieder wohltue. [Ob nun wohl Gott der Juden, die aus dem babylonischen Gefängnis wieder heimgekommen, sich mit väterlicher Gutwilligkeit angenommen. So sieht doch der Prophet hier auf das Reich Christi, da alle, die an Christus glauben, aller ihrer Sünden Verzeihung erlangen {Apg 10}. Also dass ihnen die Sünden nicht mehr zugerechnet werden {Ps 31 Röm 4}.

21. zieh hinauf wider das Land, das alles verbittert hat; zieh hinauf wider die Einwohner der Heimsuchung; verheere und verbanne ihre Nachkommen, spricht der Herr und tue alles, was ich dir befohlen habe!

Zieh: Nämlich du König| der Perser, Kores, mit dem Kriegsvolk, dass du aus Meden und Persien zusammen gebracht hast.

Verbittert: Das ist wider die Chaldäer, welche überall viel Jammers und Herzeleid verursacht und alle Länder verwüstet haben.

H.L]. Welches Gott und Menschen betrübt und erzürnt hat, die da wert sind, dass sie wiederum heimgesucht werden.

Nachkommen: Dass du ihre Kinder auch vertilgst, wie davon im 137. Psalm gesagt wird.

Befohlen: Dass du der gottlosen Chaldäer nicht schonst. [Denn der Übeltäter Strafen, so von der ordentlichen Obrigkeit ihnen angetan werden, sind vor Gott ein angenehmes Opfer].

22. Es ist ein Kriegsgeschrei im Lande und großer Jammer.

23. Wie geht es zu, dass der Hammer der ganzen Welt zerbrochen und zerschlagen ist? Wie geht es zu, dass Babel eine Wüste geworden ist unter allen Heiden?

Hammer: Der so viele Völker auf Erden zerschmissen und zu Boden geschlagen hat. Und spottet mit diesen Worten der Prophet der Chaldäer Monarchie und ihres Untergangs. [Denn es ist kein Regiment so groß und fest, welches Gott zu seiner Zeit nicht zugrunde stürzen könnte].

Wüste geworden: Die doch alle Völker an Gewalt und Reichtum übertraf und kurz zuvor ganz herrlich und wohl erbaut war, ist jetzt nichts anderes als eine grausame Wüste.

24. Ich habe dir gestellt, Babel; darum bist du auch gefangen, ehe du dich es versahst; du bist getroffen und ergriffen, denn du hast dem Herrn getrotzt.

Gestellt: Das ich dir Strick und Netze gelegt habe wie einem wilden Tiere.

Versahst: Ehe du es empfangen, bist du in der Feinde Hand gekommen. Denn Cyrus oder Kores hat die Stadt Babel bei nächtlicher Weile überfallen, da die Chaldäer am Festtag bankettierten und die geringsten Gedanken nicht darauf hatten, dass man die Stadt erobern sollte, bis sie die Feinde darin gesehen.

Getrotzt: Du hast dich wider Gott setzen und ihn schmähen dürfen. Denn in derselben Nacht, da die Stadt Babel erobert wurde, ist der König zu Babel, Belsazer, in einem Bankett gesessen und hat in voller Weise die goldenen Geschirre vor sich bringen heißen, welche Nebukad Nezar vor der Zeit aus dem Tempel zu Jerusalem hinweggenommen hatte. Und haben der König samt seinen Fürsten, Weibern und Kebsweibern daraus gesoffen, danach aber ihre goldenen, silbernen, irdenen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter gelobt {Dan 5}. Darunter sie ohne Zweifel allerlei gräuliche Gotteslästerungen wider den Gott Israels ausgestoßen. Was auch der König in derselben Nacht mit seinen Hofdienern getrieben, ist ohne Zweifel zuvor mehr und oft geschehen, dass sie ihre Götter mit Verachtung des wahren Gottes gerühmt. [Aber Gott lässt die Lästerungen seines Namens nicht ungestraft].

25. Der Herr hat seinen Schatz aufgetan und die Waffen seines Zorns hervorgebracht; denn solches hat der Herr Zebaoth in der Chaldäer Lande ausgerichtet.

Schatz: Das ist: Seine Rüstkammer oder Zeughaus.

Gebracht: Die Chaldäer durch Cyrum damit zu strafen.

Ausgerichtet: [Denn obwohl Gott in Zerstörung der Regiment und Königreiche die Menschen gebraucht, so muss man doch die Ehre in der Wahrheit ihm zumessen, denn er ist es, der die Herrschaften bestätigt und wieder umstürzt].

26. Kommt her wider sie, ihr vom Ende, öffnet ihre Kornhäuser, werft sie in einen Haufen und verbannt sie, dass ihr nichts übrig bleibe!

Vom Ende: Ihr Völker, die ihr an weit abgelegenen Orten, und gleichsam am Ende der Erde wohnt, macht euch herzu, dass ihr die Stadt Babel verwüsten helft.

Kornhäuser: In denen die Chaldäer ihr Getreide auf viele Jahr hinterlegt und aufbehalten haben.

Verbannt: Erschlagt die Chaldäer ohne alle Barmherzigkeit.

27. Erwürgt alle ihre Rinder, führt sie hinab zur Schlachtbank! Wehe ihnen! Denn der Tag ist gekommen, die Zeit ihrer Heimsuchung.

Schlachtbank: Wie ein Vieh. [Denn der Zorn Gottes geht auch über der Gottlosen gottlose Nachkommen].

Kommen: Da Gott der Herr endlich ihre vielfältigen Sünden und Bosheit strafen wird. [Denn die Langmütigkeit Gottes erwartet der gelegenen Zeit zur Rache].

28. Man hörte ein Geschrei der Flüchtigen und derer, so entronnen sind aus dem Lande Babel, auf dass sie verkündigen zu Zion die Rache des Herrn, unseres Gottes und die Rache seines Tempels {Jer 51v11}.

Verkündigen: Das ist: Welche in der Eroberung der Stadt Babel den Feinden aus ihren Händen entgehen und davonkommen werden, die werden den Juden, so hin und wieder in der Chaldäer Lande und in Assyrien Zerstreute sind, die Nachricht bringen, dass die Stadt Babel vom Feinde eingenommen und verwüstet sei und dass Gott die Unbilligkeit, so man seinem Volk angetan und die Zerstörung der Stadt Jerusalem und des Tempels gerächt habe.

29. Ruft vielen wider Babel, belagert sie um und um, alle Bogenschützen und lasst keinen davonkommen. Vergeltet ihr, wie sie verdient hat; wie sie getan, hat, so tut ihr wieder! Denn sie hat stolz gehandelt wider den Herrn, den Heiligen in Israel.

Stolz gehandelt: Indem die Chaldäer seine Religion verspottet und sein Volk übel geplagt haben. [Denn Gott schont keines Königreichs, wie mächtig es auch ist, da man sein Wort verspottet und seiner Kirche Überdrang tut, sondern rächt solches aufs ernstlichste].

30. Darum sollen ihre junge Mannschaft fallen auf ihren Gassen und alle ihre Kriegsleute untergehen zur selbigen Zeit, spricht der Herr.

Untergehen: [Denn wider den Zorn Gottes mögen keine Kräfte, weder des Leibes noch Gemüts, bestehen].

Zeit: Wenn ihre Bosheit wird gestraft werden.

31. Siehe, du Stolzer, ich will an dich, spricht der Herr Zebaoth; denn dein Tag ist gekommen, die Zeit deiner Heimsuchung.

An dich: Und will mich aufmachen, dich zu strafen.

32. Da soll der Stolze stürzen und fallen, dass ihn niemand aufrichte; ich will seine Städte mit Feuer anstecken, das soll alles, was um ihn her ist, verzehren.

Stolze: Nämlich die Chaldäer und die Einwohner zu Babel, die sich wider Gott auflehnen.

Aufrichten: [Denn wen Gott will zugrunde gerichtet haben, dem kann niemand wieder aufhelfen].

Um ihn: Alle Städte und Dörfer im Königreich Babel sollen verwüstet und verbrannt werden. [Denn in den allerfruchtbarsten Ländern befinden sich oft die allerärgsten Leute, welche mit ihren vielfältigen Sünden Gott erzürnen: Weil sie deswegen der Gaben Gottes mit höchster Undankbarkeit missbrauchen, so lässt Gott ihre lustigen Länder zerstört und verwüstet werden].

33. So spricht der Herr Zebaoth: Siehe, die Kinder Israel samt den Kindern Juda müssen Gewalt und Unrecht leiden; alle, die sie gefangen weggeführt haben, halten sie und wollen sie nicht loslassen.

Gewalt: Dass sie von den Chaldäern unrechterweise unterdrückt werden. [Denn obwohl das Volk Gottes die Babylonische Gefangenschaft verdient hatte. Jedoch weil sie in dem Gefängnis ganz zu hart gehalten wurden, so urteilt Gott, dass ihnen Unrecht geschehe. Denn es hat Gott ein Mitleiden mit seiner angefochtenen und bedrängten Kirche].

34. Aber ihr Erlöser ist stark, der heißt Herr Zebaoth; der wird ihre Sache so ausführen, dass er das Land bebend und die Einwohner zu Babel zitternd mache.

Erlöser: Der Sohn Gottes, dem alle Kreaturen unterworfen sind und gleichsam unter ihm zu Felde liegen als unter dem Herrn der Heerscharen, welches durch das Wörtlein Zebaoth bedeutet wird.

Ausführen: Er wird ihre Sache so ernstlich und fleißig vor Gericht handeln und handhaben.

Zitternd: Dass die Chaldäer vor Furcht nicht wissen werden, was sie anfangen oder wo sie hinaus sollen. [Denn der Sohn Gottes ist ein Rächer der Kirche, die seine Braut ist].

35. Schwert soll kommen, spricht der Herr, über die Chaldäer und über die Einwohner zu Babel und über ihre Fürsten und über ihre Weisen.

Fürsten: Die es aufreiben und vertilgen wird. [Denn bei Gott ist kein Ansehen der Personen, sintemal die vornehmsten Landherren und Räte oft vieles großen Unglücks eine Ursache sind, weil sie die falsche Religion befördern und die Gerechtigkeit nicht handhaben].

36. Schwert soll kommen über ihre Weissager, dass sie zu Narren werden. Schwert soll kommen über ihre Starken, dass sie verzagen.

Narren: Weil ihre Torheit dabei erkannt wird, dass sie das künftige Unglück nicht haben können zuvor wissen und verkündigen.

Starken: Über die Marterhansen und Eisenbeißer, so nichts als pochen und schnarchen, fluchen und lästern können, die wird das Schwert auch treffen.

Verzagen: Und den Feinden nicht widerstehen dürfen.

37. Schwert soll kommen über ihre Rosse und Wagen und allen Pöbel, so darin ist, dass sie zu Weibern werden. Schwert soll kommen über ihre Schätze, dass sie geplündert werden.

Und Wagen: Nämlich über die Reiter und über die, so auf den Streitwagen kriegen.

Weiber werden: Und den Feind nicht dürfen zurücktreiben.

Nach Luther:]. Die in Kindesnöten klagen.

Schätze: Darüber die Meder und Perser fallen und die selbigen rauben werden. [Denn übel gewonnen, übel zerronnen].

38. Trockenheit soll kommen über ihre Wasser, dass sie versiegen; denn es ist ein Götzenland und trotzen auf ihre schrecklichen Götzen.

Versiegen: Dass auch der Fluss Euphrat, welcher sonst ganz tief und durch die Stadt Babel hinfließt, seine Wasser verlieren wird, damit des Cyri Kriegsleute dadurch setzen und in die Stadt kommen können. Denn es hatte Cyrus durch eine besondere und wunderbare Kunst auch nach vieler großer Arbeit und Mühe der Kriegsleute zuwege gebracht, dass ein gut Teil Wassers aus dem Strom anderswohin und von der Stadt abwärts geleitet würde, damit er nicht mehr so tief blieben und er also der Stadt mächtig geworden, wie die Historienschreiber bezeugen.

Denn: Folgt die Ursache, warum das mächtige Königreich Babel müsse verstört werden.

Schreckliche: Sie machen sich Götzenbilder, die so gräulich anzusehen sind, dass sie, als abergläubische Leute, sich selber davor fürchten. [Aber Gott ist unter allen Sünden der Abgötterei am meisten feind].

39. Darum sollen ungeheure Tiere und Vögel darin wohnen und die jungen Strauße; und soll niemals bewohnt werden und niemand darin hausen für und für {Apg 18v2},

Darin: In der Stadt Babel, wenn sie zerstört ist.

40. gleichwie Gott Sodom und Gomorrha samt ihren Nachbarn umgekehrt hat, spricht der Herr, dass niemand darin wohne, noch kein Mensch darin hause {Jer 49v18}.

Nachbarn: Adama und Zeboim {1Mos 19}. Und ist am selben Ort auch jetziger Zeit ein großer See, der nach Schwefel und Pech stinkt, wie auch die heidnischen Historienschreiber bezeugen. [Denn um der Einwohner Bosheit willen werden auch die allerfruchtbarsten Länder zur Wüste gemacht].

41. Siehe, es kommt ein Volk von Mitternacht her; viel Heiden und viel Könige werden von der Seite des Landes sich aufmachen {Jer 40v3}.

Volk: Nämlich die Meder und Perser, welche sehr mächtig und streitbar sind.

Könige: Darius und Cyrus, samt anderen mehr.

Seiten: Gegen Mitternacht zu, von dort sie wider Babel ausziehen werden, gleichwie die Chaldäer den Juden auch von Mitternacht herzukommen. [Damit gleiches mit gleichem vergolten werde].

42. Die haben Bogen und Schild, sie sind grausam und unbarmherzig; ihr Geschrei ist wie das Brausen des Meers; sie reiten auf Rossen, gerüstet wie Kriegsmänner wider dich, du Tochter Babel {Jer 6v13}.

Bogen: Es sind gute erfahrene Schützen.

Unbarmherzig: Die keines Menschen zu verschonen pflegen.

Brausen: Ganz schrecklich zu hören, als wenn das Meer ungestüm wird und gewaltig braust.

Wider dich: Dass sie dich, die du eine prächtige und mächtige schöne Stadt bist, verwüsten und zerstören. [Denn Gott wappnet die Feinde, wenn er eines Volkes Sünden und Bosheit strafen will].

43. Wenn der König zu Babel ihr Gerücht hören wird, so werden ihm die Fäuste entsinken; ihm wird so angst und bange werden wie einer Frau in Kindesnöten.

Entsinken: Es wird ihm das Herz entfallen und weder Mut noch Kraft zum Widerstand mehr haben, wenn er die Nachricht wird bekommen, dass die Feinde herzunahen, denn er ganz erschrocken und verzagt sein wird. [Weil, wenn Gott ein Volk strafen will, so nimmt er ihnen den Mut, dass sie aus Furcht nichts rechtes schließen oder anfangen können].

44. Siehe, er kommt herauf wie ein Löwe vom stolzen Jordan wider die feste Hütte; denn ich will ihn dort her eilends laufen lassen. Und wer weiß, wer der Jüngling ist, den ich wider sie rüsten werde? Denn wer ist mir gleich? Wer will mich meistern und wer ist der Hirte, der mir widerstehen kann?

Siehe: Jetzt weissagt der Prophet von der Chaldäer Untergang mit eben den selbigen Worten, die er auch zuvor in Beschreibung der Edomiter Zerstörung gebraucht, welche von dem großen Alexander geschehen, weil es eine gleiche Verwüstung sein würde. Und will so viel sagen, der König in Persien wird die feste Stadt Babel mit einem freudigen Heldenmut berennen und das Land umher überfallen, gleichwie der Jordan, wenn er angelaufen ist, alles überschwemmt.

Laufen lassen: Dass er schnell und wider alles Erhoffen der Chaldäer wird vorhanden sein, gleichwie ein Bach von einem großen Platzregen oder abgehendem Schnee in ganz kurzer Zeit gewaltig wächst, überläuft und alles mit sich hinwegreißt, was er antrifft.

Jüngling: nach Luther]. Alexander Magnus {Jer 49v10}.

Rüsten werde: Dem ich solche Sachen zu verrichten werde befehlen? Es ist aber Cyrus damals in seinen besten, und blühenden Alter gewesen, da er die Stadt Babel erobert.

Meistern: Es darf mir niemand Maß geben, was ich tun soll.

Hirte: Der König oder Fürst zu Babel, der die Strafen abwenden könne, welche ich ihm zuschicke? Als wollte er sprechen: Es wird freilich keiner tun können, wie mächtig er auch ist. [Denn Gott erweckt die Regenten, welche Gottes Urteil wider die gottlosen Völker mit beherztem Mut vollstrecken].

45. So hört nun den Ratschlag des Herrn, den er über Babel hat und seine Gedanken, die er hat über die Einwohner im Lande der Chaldäer! Was gilt es, ob nicht die Hirtenknaben sie schleifen werden u