Der Prophet Hosea


Zu welcher Zeit der Prophet Hosea gelebt und geweissagt hat, ist aus dem Anfang seines ersten Kapitels genügend kund und offenbar: Nämlich dass er unter der Regierung des Königs Usia zu predigen angefangen und die Zeit des Königs Hiskia erreicht hat, da auch im Königreich Israel Jerobeam, der Sohn Joas, regiert. Welcher zwar ein glückhafter König in der weltlichen Regierung, aber doch abgöttisch war. Zu dieses Propheten Zeiten haben auch gelebt und gelehrt Jesaja, Amos und Micha. Und ging damals im Königreich Israel vielfältige Abgötterei im Schwange, also dass solches Gift auch bis ins Königreich Juda durchdrang. Daher Hosea auf die Abgötterei, besonders im Königreich Israel und auf desselben Priester und falsche Lehrer heftig schilt, dazu er denn mancherlei Form und eine verblümte Art zu reden gebraucht. Danach straft er auch andere Sünden des Volkes Gottes und droht den Unbußfertigen schwerer Strafen. Nämlich den Untergang des israelitischen Königreichs. Dieweil aber dennoch etliche im Königreich waren, die ihre Knie vor dem baalitischen Gottesdienst nicht gebeugt, so weissagt er auch denselben zu Trost aufs Allerlieblichste und Herrlichste von Christo und seinen Guttaten, dazu geistlichem und ewigem Königreich. Es werden auch dieses Propheten Schriften und Sprüche an vielen Orten im Neuen Testament von Christo und den Aposteln angezogen, wie wir an seinem Ort hören werden. Darum sollen wir ihn als einen Zeugen der Wahrheit, der von Sachen handelt, so zu der Menschen ewiger Seligkeit förderlich sind, annehmen und ihm fleißig aufmerken.


Das 1. Kapitel


I. Dem Propheten wird befohlen, dass er gleichsam mit einem berüchtigten Ehestand des israelitischen Volkes Abgötterei Vorbild und die Strafen und Verstoßung desselben Volkes verkündige. So werden auch seiner Kinder Namen erzählt, als dadurch etwas besonders bedeutet wurde.

1. Dies ist das Wort des Herrn, das geschehen ist zu Hosea, dem Sohn Beheris, zur Zeit Usias, Jothams, Ahas und Hiskias, der Könige Judas und zu der Zeit Jerobeams, des Sohnes Joas, des Königs Israels.

Wort: Das ist: Diese Weissagungen hat Gott dem Hosea eingegeben und geoffenbart, dass er sie dem Volk Gottes vorhalten soll. [Denn es ist der Kirchendiener Amt, dass sie nicht ihren Wahn, sondern Gottes Wort in den Predigten vorhalten sollen, welches das Instrument und Werkzeug ist, dadurch Gott der Menschen Herzen erleuchten, bekehren und im wahren Glauben bis ans Ende erhalten will. So sollen auch die Zuhörer wissen, dass sie in den Predigten nicht ein vergebliches Geschwätz, sondern Gottes Wort und Gott selbst zu ihnen reden hören].

Beheris: Das Geschlecht oder der Stamm, daraus der Prophet gebürtig gewesen, wird nicht namhaft gemacht, sondern nur sein Vater, als ein (ohne Zweifel) damals berühmter und wohl bekannter Mann.

Königs Israel: Es ist aber das israelitische Regiment unter diesem Jerobeam ziemlich wohl gestanden. Darum da dieser Prophet von dem Untergang desselben Königreichs geweissagt, ist er ohne Zweifel von dem größten Teil verachtet und verlacht worden. [Aber Gott schickt treue Lehrer vorher, welche, wenn es noch wohl geht, das sichere und gottlose Volk des zukünftigen Unglücks erinnern, auf dass man Buße tue und die Gefahr bekannt werde]. Wenn man nun auf die Jahr-Rechnungen achthat, so befindet sich es, dass von Anfang der Regierung Usia, bis zu des Königs Hiskia Tod in die hundertzehn Jahre verflossen, daher zu lesen ist, dass Hosea in die achtzig oder neunzig Jahre im Predigtamt gewesen. [Denn Gott lässt bisweilen fromme Kirchendiener lange leben, dass sie der Kirche viele Jahre nützlich vorstehen können. Bisweilen aber nimmt er vortreffliche Lehrer bald hinweg, ehe man sich es versieht, weil die Welt derselben nicht wert ist. Doch soll niemand sich es verdrießen lassen, in seinem Beruf Gott dem Herrn lang zu dienen: Denn es wird uns unsere Arbeit in jenem Leben reichlich belohnt werden].

2. Und da der Herr anfing zu reden durch Hosea, sprach er zu ihm: Gehe hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das Land läuft vom Herrn der Hurerei nach.

Zu reden: Dass ihn Gott hieß, die göttlichen Weissagungen seinem Volk vortragen.

Hurenweib und: Das ist: Ich will, dass du ein Weib nimmst, und sie eine Hure nennst, auch die Kinder, welche du mit ihr zeugen wirst, Hurenkinder heißt. Denn man soll es nicht dafür halten, dass Gott den Propheten habe heißen Hurerei treiben: So wird auch von des Propheten Weibe nicht gesagt, dass sie vor der Zeit eine Hure gewesen. Denn die Kirchendiener sollen ehrliche Personen zu Weibern nehmen. Darum man gänzlich glauben soll, dass es eine ehrliche Matrone gewesen und die Kinder so aus ihr geboren worden, eheliche Kinder. Gleichwie auch dem Hesekiel befohlen wurde, dass er die Stadt Jerusalem in einem Ziegelstein entwerfen sollte und danach tun, wie einer der sie belagerte und wie die so darin belagert würden, da er doch die rechte Stadt Jerusalem weder belagerte noch darin belagert wurde, sondern allein seinem jüdischen Volk, das bei ihm gefangen war, mit solcher Vorbildung die herzurückende Belagerung und Bedrängnis der Stadt zu verstehen gab: Also hat auch hier des Propheten Weib den Namen einer Hure getragen und seine Kinder von ihm Hurenkinder müssen genannt werden, das israelitische Volk dadurch ihrer Sünden und geistlichen Hurerei zu erinnern. Wie dann die folgenden Worte im Text es genügend erklären, da die Ursache solcher Name angezeigt wird.

Vom Herrn: Von seinem geistlichen rechten Ehemann und verunreinigt sich gräulich mit den Abgöttern und nichtigen Götzen, wie auch mit den abergläubischen Gottesdiensten, als mit einem vielfältigen Ehebruch. Darum (will Gott sagen) wenn sie, die Israeliten, deines Weibes schändlichen Namen werden hören nennen, so werden sie sich erinnern, dass sie von wegen der Abgötterei vor Gott abscheulicher sein, als irgend ein böses unzüchtig und ehebrecherisch Weib. Und sollst du meinem Volk die Ursache öffentlich anzeigen, warum du dein Weib mit solchem Namen nennst. [Kann deswegen die Kirche irren und in Abgötterei fallen. Und sind die Gottesdienste, welche Gott nicht befohlen, sondern verworfen hat, für Gottes Augen nichts anderes, als eine schändliche Hurerei, das ist ein gräuliches und abscheuliches Ding. So sind aber die Katholiken längst einer vielfältigen Abgötterei überwiesen worden, darum mögen sie in diesem Spiegel sich beschauen und ihre geistliche Keuschheit gegen den Bräutigam Christo, samt anderen ihren hübschen Tugenden daraus ersehen, ob sie vielleicht einmal wollten sich bekehren und Buße tun, dass sie selig würden].

3. Und er ging hin und nahm Gomer, die Tochter Diblaims, welche wurde schwanger und gebar ihm einen Sohn.

Er ging: Nämlich der Prophet tat, wie ihm befohlen war.

4. Und der Herr sprach zu ihm: Heiße ihn Jesreel; denn es ist noch um eine kleine Zeit, so will ich die Blutschulden in Jesreel heimsuchen über das Haus Jehu und will es mit dem Königreich des Hauses Israel ein Ende machen.

Jesreel: Gib deinem Sohn den Namen der vornehmsten Stadt im Königreich Israel, welche Jesreel heißt, da der König Jehu vorzeiten den mehreren Teil seinen königlichen Hof hatte. Denn es rühmen sich zwar die Israeliten, dass sie Abrahams Samen sind und also gleichsam von Gott gesät wurden, welches der Name Jesreel bedeutet. Aber ich will, dass du ihnen anzeigst, wie es in kurzer Zeit dahin kommen werde, dass sie Gott ins Elend unter die Heiden werde zerstreuen, denn ich will, dass dein Volk bei solchem Namen deines Sohnes sich erinnere, wie ich bedacht bin, nicht allein die Grausamkeit und andere Laster der Könige Israel, die von Jehu hergekommen sind, zu rächen, sondern auch, dass ich mir vorgenommenen habe, das ganz israelitische Königreich in kurzer Zeit allerdings zugrunde zu richten und zu zerstören.

5. Zur selbigen Zeit will ich den Bogen Israels zerbrechen im Tal Jesreel.

Zerbrechen: Das ist, ich will alle Kriegsmacht der Israeliten schwächen, dass sie dem Feinde nicht widerstehen können. Denn bei des Jerobeams Nachkommen hat das israelitische Königreich je länger je mehr abgenommen, bis die Israeliten endlich von den Assyrern allerdings überwältigt und gefangen in Assyrien weggeführt wurden. [Es rückt aber Gott den Abgöttischen Israeliten unter anderen Sünden ihre Grausamkeit auf, weil die abgöttischen und Schwärmergeister auch grausam und blutgierig sind, obwohl sonst in der Heiligen Schrift andere Hauptlaster auch Blutschulden genannt werden. Und straft Gott die Abgötterei und unrechte Grausamkeit, wie auch andere gräuliche und abscheuliche Laster, als da sind schändliche Unzucht und dergleichen, mit Zerstörung der Königreiche und mit Verheerung Land und Leute].

6. Und sie wurde abermals schwanger und gebar eine Tochter. Und er sprach zu ihm: Heiße sie Lo-Ryhamo; denn ich will mich nicht mehr über das Haus Israel erbarmen, sondern ich will sie wegwerfen.

Lo Ryhamo: (Nach Luther) Ohne Gnade, denn er wollte sie nicht erretten vorm König Assur.

Nicht mehr: Ich will die Israeliten nicht mehr aus der Feinde Hand erretten, wie ich bisher oft getan habe, sondern will sie durch die Assyrer hinwegführen lassen. [Es wird aber an diesem Ort den bußfertigen Sündern die Verzeihung nicht abgeschlagen, sondern wird gelehrt, dass Gott, wenn man seine Langmütigkeit vielfältig missbraucht und derselben nur gespottet, die Strafen endlich nicht länger aufschieben kann. Darum sollen wir mit ernstlicher Buße seinem Zorn vorbeugen und denselben mildern].

7. Doch will ich mich erbarmen über das Haus Juda und will ihnen helfen durch den Herrn, ihren Gott; ich will ihnen aber nicht helfen durch Bogen, Schwert, Streit, Ross oder Reiter.

Haus Juda: Nämlich über das Volk des Königreichs Juda, das will ich in der allergrößten Gefahr wider die Assyrer erhalten, aber nicht mit einem äußerlichen Krieg oder mit leiblichen Kräften und Waffen, sondern schlechtes durch ein göttliches Wunderwerk. Solches ist erfüllt worden, da der König in Assyrien Sanherib, unter der Regierung des frommen Königs Hiskia, im Königreich Juda großen Mutwillen geübt und die Stadt Jerusalem auffordern lassen. Denn damals schlug der Engel des Herrn im assyrischen Heerlager in einer Nacht hundertfünfundachtzigtausend Mann zu Tode. Also dass der König von Assyrien nach solcher großen erlittenen Niederlage mit einer schändlichen Flucht aus dem Königreich Juda sich hinwegtrollen musste {Jes 37 2Sam 19}. [Denn der Sohn Gottes sorgt für seine Kirche und erlöst sie. Und gleichwie das Königreich Juda von wegen des vorigen Königs Ahab Bosheit und Abgötterei Schaden genommen, weil der König in Assyrien das Land sehr verwüstet. Also hat Gott des frommen Königs Hiskia Gottseligkeit wiederum belohnt, dass er die Stadt Jerusalem geschützt und das Königreich Juda wieder frei gemacht hat. Denn Gott straft und tröstet].

8. Und da sie hatte Lo-Ryhamo entwöhnt, wurde sie wieder schwanger und gebar einen Sohn.

Entwöhnt: Durch solche Entwöhnung wurde angedeutet, dass dies Volk aus Assyrien nicht mehr würde in sein Vaterland wieder kommen. [Denn wenn Gott gar zu sehr erzürnt wird, so lässt er die Gottlosen und unbußfertigen Leute in ihrem Elend verzagen und verschmachten].

9. Und er sprach: Heiße ihn Lo-Ammi; denn ihr seid nicht mein Volk, so will ich auch nicht der Eure sein.

Lo Ammi: (Nach Luther) Nicht mein Volk, denn er wollte das jüdische Volk endlich verlassen und ihr Königreich und Priestertum aufheben. Als denn durch das Evangelium geschehen ist, wie bald später folgt.

Nicht mein: Ihr seid durch eure vielfältigen gräulichen Abgötterei und abscheulichen Sünden von mir abgewichen wie eine Ehebrecherin, welche von ihrem Manne läuft und der Hurerei nachhängt: So werdet ihr auch meinen Sohn, den ich zu einem Erlöser senden will, nicht annehmen. Darum will ich auch weiter nicht für euch sorgen, sondern alle eheliche und herzliche Zuneigung gegen euch fahren lassen. [Und wird mit diesen Worten auf die allgemeine Verstoßung des jüdischen Volkes gedeutet. Denn er hier nicht mehr von der assyrischen Gefangenschaft redet, sondern weiter hinaus sieht, nämlich auf die Blendung des jüdischen Volkes, da die Juden das Evangelium Christi von sich gestoßen und sie darüber verworfen und in einen verkehrten Sinn gegeben wurden, dass sie jetzt Christus schmähen und lästern und deshalb ewig verloren und verdammt werden].

10. Es wird aber die Zahl der Kinder Israel sein wie der Sand am Meer, den man weder messen noch zählen kann. Und soll geschehen an dem Ort, da man zu ihnen gesagt hat: Ihr seid nicht mein Volk, wird man zu ihnen sagen: O ihr Kinder des lebendigen Gottes!

a Kinder Israel] Hier redet Gott der Herr von andern und neuen Israeliten, die er zu erhalten und nicht zu verstoßen im Sinn hatte.

Zählen kann] Das ist: [Durchs Evangelium Christi wird der Christen eine unzählige Menge zum Teil aus den zerstreuten Israeliten zum Teil aus den Heiden gesammelt werden, welche allererst die rechten Israeliter sein werden, so dem Glauben Abrahams folgen {Röm 3 Gal 6}.] * H. Luth.] Das ist von Christo und dem Evangelium, unter den Heiden und Juden zu predigen, gesagt. Da ist ein anderer Haupt und Königreich worden.

Gesagt hat] Nämlich, dass Gott durch die Propheten also geredet hat.

Gottes] [Denn Jesus Christus hat Macht gegeben Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben {Joh 1}. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Christi {Röm 8}. Dass aber dieser Spruch des Propheten vornehmlich von dem Beruf der Heiden zu Christo zu verstehen sei, lehrt Paulus klar, {Röm 9} da er mit diesem Zeugnis des Propheten der Heiden Berufung beweist und bestätigt.]

11. Denn es werden die Kinder Juda und die Kinder Israel zuhauf kommen und werden sich miteinander an ein Haupt halten und aus dem Lande heraufziehen; denn der Tag Jesreels wird ein großer Tag sein.

Zuhauf: Sie werden wiederum in ein Königreich zusammen kommen, da sie zuvor in zwei Königreich zerteilt und in mancherlei Religion zertrennt waren.

Ein Haupt: Nämlich, an einen Herrn Jesum Christus, den sie für ihren Hohepriester und König erkennen, und dessen geistliche Glieder sie sein werden, von dem sie auch werden das Leben haben, erhalten und regiert werden. * H. Luth.] Dies Haupt ist Jesus Christus.

Großer Tag: Er wird gar herrlich und berühmt sein, wenn, nämlich, ich die Israeliter, welche Gottes Samen und Kinder sind, (denn das heißt, das Wörtlein Jesreel) zu Gnaden wieder aufnehmen werde. [Man muss aber dies nicht von denen Israeliten verstehen, die in die assyrische Gefangenschaft hinweggeführt wurden, als ob dieselben dermalen eins würden, wieder in ihr Königreich kommen. Denn man liest nirgends davon, dass sie jemals ins Land Kanaan, als in ihr Vaterland wieder gekommen wären, sondern es redet Gott allhier von den Christen, so aus Juden und Heiden in eine Kirche versammelt wurden. Diese sind durch das Evangelium Christi vereinigt, dass nur ein Hirte und ein Schafstall ist {Joh 10}. Und sind aus der elenden Dienstbarkeit der Sünden des Teufels und des Todes erlöst,/ von dort sie endlich ins rechte Vaterland, in den Himmel hinaufziehen. Die erkennen auch nur ein geistliches Haupt der Kirche, nämlich, Christus, den Sohn Gottes, und dürfen des römischen Papstes gar nicht, der sich für einen Statthalter Christi fälschlich ausgibt. Der große Tag aber Jesreel ist gewesen, da am Pfingsttage der Heilige Geist gegeben, und das Evangelium jedermann gepredigt wurde, da auch Gott der Herr allen die an Christus glauben würden, seine Gnade und Huld angeboten hat. So wird der aller größte Tag Jesreel, das ist, der Auserwählten Gottes sein, wenn sie am Jüngsten Tage die ewige Seligkeit besitzen werden.]

Sagt: Jetzt verkehrt der Prophet die Drohungen des vorigen Kapitels, so wider die halsstarrigen Juden ausgesprochen wurden, in gar einen lieblichen Trost, für die, so beide aus Juden und Heiden, sich zu Christo bekehren würden.

Brüdern: Den Juden, so zu Christo sich bekehrt haben, welche auch hernach mit dem Namen der Schwester genannt werden.

Gnaden: Durch den Glauben an Christus, da sie zuvor hart gezüchtigt wurden. Und wird der vorige Trost wiederholt auf das wir wissen, wie der Zorn Gottes von den Rechtgläubigen aufgehoben und hinweg genommen sei. Denn es ist nichts verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, welche nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geiste wandeln {Röm 8}. Solche evangelischen Tröstungen muss man oft und vielmals denen vorhalten, und wohl einbilden, die sich zu Gott bekehrt haben, auf dass ihr Glaube und Hoffnung gestärkt werde.]


Das 2. Kapitel


1. Ist erstlich eine Weissagung vom Reich Christi und vom Beruf der Heiden, v. 10. 2. Danach folgt eine Gesetzespredigt, dadurch die Abgötterei und das Vertrauen auf menschliche Hilfe verworfen wird, v. 1. 3. Und wird wiederum eine evangelische Verheißung hinten angehängt von der Bekehrung Israels, von der Vertrauung Christi und der Kirche und von den geistlichen Gütern, welche die Kirche von Christo, ihrem Bräutigam, zu erwarten hat, v. 14.

1. Sagt euren Brüdern, sie sind mein Volk; und zu eurer Schwester, sie sei in Gnaden.

Sagt: Jetzt verkehrt der Prophet die Drohungen des vorigen Kapitels, so wider die halsstarrigen Juden ausgesprochen wurden, in einen lieblichen Trost, für die, so beide aus Juden und Heiden, sich zu Christo bekehren würden.

Brüdern: Den Juden, so zu Christo sich bekehrt haben, welche auch später mit dem Namen der Schwester genannt werden.

Gnaden: Durch den Glauben an Christus, da sie zuvor hart gezüchtigt wurden. Und wird der vorige Trost wiederholt, auf dass wir wissen, wie der Zorn Gottes von den Rechtgläubigen aufgehoben und hinweggenommen sei. Denn es ist nichts Verdammliches an denen, die in Jesu Christo sind, welche nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geiste wandeln {Röm 8}. Solche evangelischen Tröstungen muss man oft und vielmals denen vorhalten und wohl einbilden, die sich zu Gott bekehrt haben, auf dass ihr Glaube und Hoffnung gestärkt werde.

2. Sprecht das Urteil über eure Mutter, sie sei nicht mein Weib und ich will sie nicht haben. Heißt sie ihre Hurerei von ihrem Angesicht wegtun und ihre Ehebrecherei von ihren Brüsten,

Sprecht: Es ermahnt Gott durch den Propheten die bekehrten Juden, dass sie die jüdische Synagoge, welche Christus verstößt und verlästert, fahren lassen und sich weit davon hinwegmachen sollen, damit sie nicht wiederum in die vorige Blindheit und gottlosen Wesen geraten.

Mutter: Nämlich über das jüdische Volk, welches Vergebung der Sünden und das ewige Leben im Gesetz Mose sucht und Jesum Christus, den Heiland der Welt, nicht erkennen will.

Nicht haben: Denn weil sie durch Unglauben von mir abtrünnig geworden ist, so hab ich sie um solcher ihrer Treulosigkeit willen auch verworfen. [Obwohl man nun den Eltern und Vorfahren und also auch der Kirche Ehre zu erzeigen schuldig ist, so muss man doch Gottes Ehre höher achten, als der Menschen. Darum gleichwie den bekehrten Juden befohlen wurde, dass sie ihre Mutter, die Synagoge verurteilen und verdammen sollten. Also sollen auch wir die Kirche im Papsttum, welche sich eine Mutter nennt, verdammen, weil sie lehrt, dass wir Vergebung der Sünden und das ewig Leben mit unseren Werken verdienen sollen: Also dass die Messe ein Versöhnungsopfer sei für die Lebendigen und Toten: Dass man die Heiligen anrufen und die Bilder anbeten soll: Desgleichen dass die selbsterwählten Gottesdienste, so von Menschen erdacht wurden, Gott ganz angenehm sind und viel unzähliges Dinges mehr. Obwohl uns doch daneben unverborgen ist, dass zu jeder Zeit etliche tausend auch im Papsttum gewesen sind, die auf das Vertrauen des einzigen Verdienstes Christi aus diesem Leben selig ins himmlische Vaterland abgeschieden sind, von denen man jetzt nicht redet. Also sollen wir auch allerlei irrige Meinungen verwerfen, samt derselben halsstarrigen und lästerlichen Handhabern, sie heißen gleich Vater oder Mutter oder Bruder oder Verwandte oder Freunde oder wie sie Namen haben mögen. Denn man soll vielmehr darauf sehen, was der Vater im Himmel, als was die Mutter auf Erden sage. Und ist viel besser, dass wir die Irrtümer samt den Personen, so dieselben beharrlich bestreiten, verdammen, damit sie ihre Gefahr erkennen und Buße tun, als dass wir ihren Irrtum wollten recht heißen, damit die elenden Leute darin verderben].

Sie: Nämlich die jüdische halsstarrige Synagoge ermahnt zur Buße, dass sie Gott nicht allerdings verwerfe und verstoße. [Denn durch die Hurerei wird hier verstanden, das Vertrauen auf eigene Würdigkeit und Verdienst. Begehen deswegen alle Heuchler eine geistliche Hurerei und geistlichen Ehebruch, das ist, sie sind Abgöttische und Götzendiener. Denn, auf welche Kreatur der Mensch sein Vertrauen setzt, aus derselben macht er sich in seinem Sinn einen Gott oder Götzen und treibt mit derselben Kreatur geistliche Hurerei. Daher werden auch die Geizigen von dem Apostel Paulus Götzendiener gescholten {Eph 5}, weil sie ihr Vertrauen auf den Reichtum setzen {1Tim 6}. Darum kann niemand zugleich Gott und dem Mammon dienen {Mt 6}. Auf gleiche Weise war auch der Pharisäer, welcher im Tempel vor Gott seine Gerechtigkeit rühmte {Lk 18}, ein Abgöttischer, obwohl er vor den äußerlichen hölzernen oder steinernen Götzen sich scheute. Also sind die Katholiken Götzendiener und geistliche Hurer, welche die Hoffnung ihrer Seligkeit auf ihre guten Werke setzen und nicht auf das Verdienst Christi allein].

3. auf dass ich sie nicht nackend ausziehe und darstelle, wie sie war, da sie geboren wurden und ich sie nicht mache wie eine Wüste und wie ein dürres Land, dass ich sie nicht Durstes sterben lasse {Hes 16v4},

Auf: Folgt jetzt eine ernstliche Bedrohung, dadurch Gott der Herr sich untersteht, die jüdische Synagoge wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Ausziehe: Und sie alles ihres Schmucks und Kleidung beraube.

Geboren wurde: Dass sie in ihrer Unreinigkeit elendiglich da liegen, wie ein neu geborenes Kindlein, das weder gewaschen noch gereinigt ist und geraten wieder in ihr voriges Elend, darin sie vorzeiten gewesen, ehe ich sie mit dem Gesetz, Priestertum und Königreich, samt anderen herrlichen Zierden begabte. Es sieht ihm aber gleich, als ob der Prophet Hesekiel aus diesem Spruch seine Predigt genommen hätte (Kapitel 16). Da er von der Aufnehmung des jüdischen Volkes und von den göttlichen Guttaten, die ihnen widerfahren, desgleichen von ihrer Undankbarkeit und Strafen weitläufig predigt. [Denn Gott nimmt von wegen der Undankbarkeit seine Gaben hinweg, darum sollen wir Gott in wahrer rechtschaffener Gottseligkeit von Herzen dankbar sein].

Nicht mache: Das ist, damit ich dies Volk nicht allerdings zugrunde richte, dass sie nicht mehr aufkommen können. [Diese Drohung ist an den verstockten Juden mit der Tat erfüllt worden, welche Christus den Messias verworfen. Denn obwohl sie mit Bewilligung des Kaisers Juliani den Tempel wieder aufbauen wollen, so ist es ihnen doch durch schreckliche Unwetter und große Wunderzeichen, darüber man sich entsetzen müsse, verwehrt worden. Wie Sokrates in seiner Kirchen-Historie, im dritten Buch, Kapitel 20. bezeugt. Und haben sie zwar oft ein Regiment anzurichten begehrt, ist ihnen aber niemals vonstattengegangen. Darum wenn wir sehen, wie sie in großem Elend und höchster Verachtung, als die hungrigen Hunde herumziehen, so sollen wir den ernsten Zorn Gottes betrachten und uns hüten, dass wir nicht gleiche Strafen auf uns laden].

Sterben lasse: Und in ihren Sünden ohne einzigen Trost des Evangeliums verzweifeln. [Diese ernste Bedrohung ist an den Juden auch wahr geworden. Denn sie sind in solche Blindheit und Wahnsinnigkeit geraten, dass sie die Weissagungen von Christo mit ungereimten und wunderbaren seltsamen Auslegungen verkehren und mit Fleiß verdrehen, darum sterben sie auch ohne wahren Trost dahin und werden mit dem geistlichen Seelendurst getötet. Solcher Durst hat den Verräter Judas an den Strick gebracht. Daher die ganz unweislich handeln, welche die Erklärung der Heiligen Schrift bei den verblendeten Juden suchen].

4. und mich ihrer Kinder nicht erbarme; denn sie sind Hurenkinder,

5. und ihre Mutter ist eine Hure und die sie getragen hat, hält sich schändlich und spricht: Ich will meinen Buhlen nachlaufen, die mir geben Brot, Wasser, Wolle, Flachs, Öl und Trinken.

Hure: (Nach Luther) Das ist, sie dient den Abgöttern.

Schändlich: Es sind Mutter und Kinder eins so gottlos als das andere, darum will ich sie miteinander strafen. [Denn der gottlosen Eltern Strafen gehen auch über die gottlosen Kinder. Und sind die Juden heutigentags auch geistliche Hurenkinder, weil sie von Gott nicht wieder geboren sind und daher der Heiligen Patriarchen Glauben und Gottseligkeit nicht nachfolgen].

Nachlaufen: Und in meinen abergläubischen Gottesdiensten, die mir gefallen, immer fortfahren.

Und trinken: Denn ich empfinde viel größeren Nutzen bei meinen Buhlen, als bei meinem vorigen alten Ehemann und weil ich dem Gottesdienst nachhänge, welcher mir gefällt, so spüre ich viel reicheren Segen an zeitlichen Gütern, als da ich mich nach dem vorgeschriebenen Worte Gottes durch der Propheten Predigten umtreiben ließ. [Dergestalt messen die Gottlosen ihre zeitliche Wohlfahrt dem falschen Gottesdienst, die teure Zeit aber und anderer Unglück der gottseligen Reformierung der Religion zu {Jer 44}. Also rühmen die Katholiken, es sei vorzeiten unterm Papsttum lauter Glück gewesen, jetzt aber, nachdem die lutherische Lehre aufgekommen, werde es je länger je ärger, halten darum vielmehr auf feiste Pfründen und reiche Tumbereien, als auf das arme lutherische Evangelium].

6. Darum siehe, ich will deinen Weg mit Dornen vermachen und eine Wand davor ziehen, dass sie ihren Steig nicht finden soll,

Darum: Weil das jüdische Volk von seinen heuchlerischen Gottesdiensten nicht ablassen will und den Mittler Christus zu schmähen immer fortfährt, so wird auch die Strafe nicht ausbleiben.

Steig: Da sie zu ihren Buhlen zu gehen pflegte, denselben Weg will ich verzäunen und verbauen und ihr also abwehren, dass wenn sie gleich gerne wollte, dennoch ihre vorige Unkeuschheit nicht treiben könne. Solches ist geschehen, da des Titi Vespasiani Kriegsleute die Stadt Jerusalem erobert und den Tempel in Brand gesteckt und zerstört haben. Denn da haben die Juden aus Zwang die Opfer müssen unterwegs lassen, zu denen sie all ihre Hoffnung hatten und Christus verachteten. [Denn weil die Juden den Sohn Gottes lästern, so lästern sie auch den Vater, nach dem Spruch Christi: Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt auch den Vater nicht {Joh 5}. Darum ist ihr ganzer Gottesdienst, weil sie Christus den Heiland verachtet, nichts anderes gewesen, und noch als eine schreckliche Abgötterei und geistliche Hurerei].

7. und wenn sie ihren Buhlen nachläuft, dass sie die nicht ergreifen und wenn sie die sucht, nicht finden könne und sagen müsse: Ich will wiederum zu meinem vorigen Manne gehen, da mir besser war, denn mir jetzt ist.

Nach Luther: Die Abgöttischen, weil sie Glück haben, meinen, sie haben es mit ihrem Gottesdienst erworben, bis dass Trübsal kommt, so müssen sie doch den rechten Gott um lauter Gnade anrufen.

Vorigen Mann: Denn es sah Gott wohl, dass dennoch etliche aus den Juden durch die schweren göttlichen Strafen, damit das jüdische Volk soll belegt werden, sich würden lassen zur Buße bewegen und zu Christo sich bekehren.

Jetzt ist: Das ist, ich merke, dass ich mit meinen abergläubischen Gottesdiensten den Zorn Gottes und seine Strafen auf mich geladen habe, darum will ich mich zu Gott meinem Herrn Jesu Christo, als meinem Ehemann bekehren, der mir vor Zeiten in den prophetischen Schriften ist verheißen und versprochen worden. [Denn obwohl deren wenig sind, die sich mit Ernst und wahrhaftig zu Christo bekehren, so findet man doch bisweilen etliche und solche soll man nicht verwerfen, sondern ihnen vielmehr behilflich sein].

8. Denn sie will nicht wissen, dass ich es sei, der ihr gibt Korn, Most, Öl und ihr viel Silber und Gold gegeben habe, das sie haben Baal zu Ehren gebraucht.

Gebraucht: Denn sie haben meiner Gaben missbraucht, den falschen und heuchlerischen Gottesdienst damit zu zieren und zu bestätigen, darum will ich wieder die unbußfertige jüdische Synagoge mit Vollstreckung der Strafen, die ich ihr gedroht, fortfahren. Es versteht aber der Prophet unter des Baals Gottesdienst allerlei Abgötterei und verbotene Religionsübungen. [Also erkennen auch heutigentags ihrer viele nicht, dass sie ihre reichliche Nahrung und Kleidung, wie auch anderes Nutzungen dieses Lebens von Gott haben. Und gleichwie die abergläubischen Leute ihre Güter aus einer gottlosen Andacht zur Handhabung und Erweiterung der abergläubischen Gottesdienste missbrauchen. Also vertun andere die Gaben Gottes mit Üppigkeit und Unzucht oder Geiz, welchen der Bauch ihr Gott ist].

9. Darum will ich mein Korn und Most wieder nehmen zu seiner Zeit und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Scham bedeckt.

Darum: Weil ich sehe, dass man meine Gaben so vielfältig und schändlich missbraucht.

Wieder nehmen: Und wie ich bisher mich guttätig gegen sie erzeigt, also will ich ihnen weiter hart sein und meine Gaben ihnen wiederum entziehen und dieselben zu mir nehmen, dass solche der Eitelkeit nicht mehr müssen unterworfen sein.

Seiner Zeit: [Denn Gott weiß am allerbesten, wenn es Zeit ist zu strafen, ob er wohl den Gottlosen es lange übersieht].

Scham bedeckt: Dazu ihre Pracht und Übermut damit getrieben und durch derselben Größe und Menge ihre falsche Gottesdienste vermäntelt, gerade, als ob solche meine Gaben ein Zeugnis wären ihrer gottseligen und heiligen Religion, welche doch allerdings unrein und stinkend war. [Dabei man hier zu merken hat, dass Gott seine sowohl zeitlichen als geistlichen Gaben wegnehme, wenn die Menschen derselben böslich missbrauchen und dass die Kreaturen den gottlosen Leuten zu ihrer Bosheit gezwungen dienen. Wenn sie deswegen den Gottlosen wiederum genommen werden, so werden sie gleichsam als aus einer harten und schweren Dienstbarkeit erlöst. Solche Erlösung aber wird allererst am Jüngsten Tage recht vollkommen sein, wenn die Gottlosen alle miteinander zur Hölle sind verstoßen worden {Röm 8}].

10. Nun will ich ihre Schande aufdecken vor den Augen ihrer Buhlen und niemand soll sie von meiner Hand erretten.

Aufdecken: Dass die Bosheit des jüdischen Volkes offenbar werde und an den Tag komme. Welches damals geschehen, da die Stadt erobert, der Tempel zerstört und die Juden einesteils gräulich ermordet, einesteils verkauft und in eine jämmerliche Dienstbarkeit von den Römern hinweggeführt wurden, dass sie jetzt aller Welt Spott und Fluch sind und hat sie bis daher über die tausendfünfhundert Jahr niemand können wieder in ihr Vaterland bringen und in ihren vorigen Stand wieder einsetzen. [Denn wenn Gott der Menschen Bosheit rächen will, so kann ihm keine menschliche Weisheit oder Gewalt daran hindern].

11. Und ich will es ein Ende machen mit allen ihren Freuden, Festen, Neumonden, Sabbaten und allen ihren Feiertagen.

Freuden: Die sie hatten, über dem glücklichen Zustand ihres Landes und bei der Übung ihrer Religion. [Daher man noch heutigentags sieht, dass die Juden wie halb tot herumziehen und keine rechte Freude in ihnen ist].

Festen: Als Ostern, Pfingsten, der Laubhütten und das Fest der Versöhnung.

Neumonden: Denn der erste Tag eines jeden Monats war bei den Juden ein Feiertag und hatte seine besonderen Opfer.

Sabbaten: Denn wenn sie dieselben gleich feiern, so werden sie doch die Opfer nicht verrichten können, welche darauf bestimmt sind.

Feiertagen: Die ich alle in Leid verkehren will, also dass, wenn sie sollten feiern und fröhlich sein, mit Traurigkeit im Elend überfallen werden und da anderen Völkern wider ihren Willen dienen müssen. [Dies ist auch zugleich eine Weissagung gewesen, von der Abschaffung des levitischen Gottesdienstes und Priestertums. So oft aber die Schrift von des levitischen Priestertums Endschaft redet, wird zugleich damit angezeigt, dass die Menschen aus dem Gesetz nicht gerecht werden].

12. Ich will ihre Weinstöcke und Feigenbäume wüst machen, weil sie sagt: Das ist mein Lohn, den mir meine Buhlen geben. Ich will einen Wald daraus machen, dass es die wilden Tiere fressen sollen.

Wüst machen: Und also meine Gaben hinwegnehmen, welche die Juden nicht meiner Güte, sondern ihren falschen Gottesdiensten zumessen.

Mein Lohn: Nämlich solche herrlichen Gaben, als die guten Weinstöcke und Feigenbäume sind, hab ich von meinen selberwählten Gottesdienst bekommen.

Fressen sollen: Was weiter an denselben Orten wachsen wird. Und zwar welche zu unseren Zeiten das gelobte Land gesehen haben, die bezeugen, dass der mehrere Teil unfruchtbar und wüste sei. [Dass nun solches nicht einmal auch unserem Deutschland von wegen der Verachtung göttlichen Wortes begegne, sollen wir mit ernster Buße verhüten. Denn ein Teil hängt an der papistischen Abgötterei, ein Teil nimmt andere irrige Lehrpunkte an und entehrt das Evangelium Christi mit einem lasterhaften Leben].

13. Also will ich heimsuchen über sie die Tage Baalim, denen sie Rauchopfer tut und schmückt sich mit Stirnspangen und Halsbändern und läuft ihren Buhlen nach und vergisst mein, spricht der Herr.

Tage Baalim: Das ist, ich will das jüdische Volk strafen von wegen der gottlosen Abgötterei, die sie viele Jahre her getrieben.

Halsbändern: Als mit einem weiblichen oder vielmehr hurerischen Schmuck, dass sie ihren Buhlen, den erdichteten Göttern, gefallen möge.

Mein: Als ihres rechten Ehemanns. [Denn der Prophet beharrt noch in dem vorigen Gleichnis, anzuzeigen, dass aller falsche Gottesdienst und erdichtete selbst erwählte Religion vor Gott eine Hurerei und Ehebruch sei. Darum auch aller Schmuck der Kirche und Priester, so zur Verrichtung der falschen Religion gebraucht wird, nichts anders ist als ein hurerischer Schmuck, damit sich eine unzüchtige Metz herausputzt, auf dass sie den Buhlern gefalle].

14. Darum siehe, ich will sie locken und will sie in eine Wüste führen und freundlich mit ihr reden.

Darum: Weil ich die halsstarrigen Juden verstoßen will.

Locken: Nämlich durch das liebliche Wort des Evangeliums will ich mir eine neue Kirche sammeln. Denn nachdem der Prophet gelehrt, wie die alte jüdische Synagoge, so Christus nicht annehmen würde, soll verstoßen werden, hat es die Notdurft erfordert, dass er anzeigte, wo denn die Kirche Gottes würde bleiben. Darum er jetzt von dem neuen Volk der Christen redet, so an der Juden statt aufkommen soll und sagt, dass Gott im Neuen Testament sich eine neue Kirche sammeln werde, aus Juden und Heiden.

Wüste: Der Prophet deutet auf die Ausführung der Israeliten aus Ägypten und will so viel sagen, gleichwie ich vorzeiten die Kinder Israel durch das Schilfmeer aus Ägypten in die Wüste geführt habe, also will ich die Christen von der Welt ausführen. [Denn obwohl die Christen in der Welt leben, so sind sie doch nicht von der Welt {Joh 15}. Sondern sind wie in einer Wüste, weil die Welt sich ihrer nicht achtet, noch freundlich mit ihnen umgeht, daher auch etliche, so noch etwas schwach sind, sich nach den ägyptischen Töpfen wieder umsehen, das ist, es verlangt sie nach ihrem vorigen glückseligen Zustand, den sie in der Welt hatten].

Freundlich: Ich will ihr tröstlich zusprechen und mit der holdseligen Lehre des Evangeliums sie wiederum erquicken. [Denn das Evangelium ist eigentlich nicht eine Gesetzespredigt, welches die Sünden ans Licht brächte und strafte, sondern ist gar eine liebliche Predigt von Vergebung der Sünden und ewigem Leben, das uns Christus erlangt hat. Also in der Wüste Gott vorzeiten die schreckliche Lehre des Gesetzes verkündigte, aber im Neuen Testament hält er uns vor die liebliche Predigt von den Guttaten Christi. Welche beiderlei unterschiedliche Lehren man keines Wegs untereinander werfen und mengen soll, weil die erste, den Tod droht, die andere das Leben anbietet, die erste öffnet die Hölle, die andere aber schließt den Himmel auf].

Freundlich: nach Luther]. Das ist das liebe Evangelium.

15. Da will ich ihr geben ihre Weinberge aus demselben Ort und das Tal Achor, die Hoffnung aufzutun. Und dort wird sie singen wie zur Zeit ihrer Jugend, da sie aus Ägyptenland zog.

Weinberge: Der Prophet behält noch immer seine vorige Sprache und Art zu reden, als von den Juden: Aber die rechten Juden und Israeliten sind heutigentags, nicht das übergebliebene und in der irre herumschweifende lose Gesindlein des jüdischen Volkes, sondern die Christen, welche Abrahams Glauben an Christus haben, wie der Apostel Paulus lehrt {Röm 4 Gal 6}. Will deswegen so viel sagen, gleichwie die Israeliten sich gefreut haben, da sie im Einzug des Landes Kanaan Weinberge gefunden, die sie nicht gepflanzt hatten. Also will ich auch meine Christen mit wahrer geistlicher Freude, die durch den Wein vorgebildet wird, überschütten. [Denn das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist {Röm 14}].

Tal Achor: Dahin ich sie auch führen will, dass ich ihnen eine Hoffnung erzeige, der folgenden wahren und ewigen Glückseligkeit. Und wird hier auf die Geschichte gedeutet, welche sich unter den Israeliten begeben, da sie im Tal Achor, das von der Trübseligkeit den Namen hat, heftig betrübt wurden, über der Schlacht, die sie wider die Stadt Ai verloren, weil einer mit Namen Achan von den verbannten Gütern etwas gestohlen und entwendete {Jos 7}. Später aber, da sie solche Übeltat an Achan gestraft, haben sie abermals wider die Stadt Ai gestritten und besseres Glück gehabt, daher sie von neuem wieder Hoffnung und ein gutes Vertrauen gefasst, das Land Kanaan zu erobern, wie es auch der Ausgang gegeben. [Es hat aber Gott mit diesen Worten zu verstehen geben, wie er seine Christen unter dem Kreuz und Anfechtungen bewehre, dass sie bisweilen sehr betrübt werden, aber doch endlich alle Anfechtungen glücklich überwinden, auf dass ihr Vertrauen und Hoffnung, das ewige Leben zu erlangen, desto mehr in ihnen gestärkt werde. Wenn wir deswegen mit Anfechtungen geplagt werden, so sollen wir uns erinnern, dass wir zwar alsdann im Tal Achor sind, aber es werde doch einen glücklichen Ausgang gewinnen, der zur Bestätigung unseres Glaubens und Hoffnung diene].

Nach Luther: Das Tal Achor ist die goldene Aue, da das Kreuz der Trübsal ist und doch tröstliche Wort Christi, denn Achor heißt Trübsal oder Kreuz, da man predigt eitel unsichtbare Dinge, das man hoffen muss.

Zog: Das ist, gleichwie mir die israelitische Kirche vor Zeiten ein Lobgesang gemacht, da ich sie im Anfang, als sie noch jung und zart war, aus Ägypten durch das Schilfmeer führte {2Mos 15}. Also werden die Christen mir, ihren Erlöser, geistliche Lobgesänge singen und die Erlösung vom ewigen Tod und Tyrannei des Teufels rühmen. [Denn es steht den Christen zu, dass sie nicht allein Christus bekennen und seine Guttaten rühmen, sondern auch, dass sie seine Güte mit Psalmen und geistlichen Lobgesängen preisen {Eph 5 Kol 3}].

16. Alsdann spricht der Herr, wirst du mich heißen mein Mann und mich nicht mehr mein Baal heißen.

Mein Baal: Das ist, mein Herr. Als wollte er sprechen: [Die Christen werden erkennen, dass sie Christus zu einem freundlichen und treuen Ehemann haben, von dem sie aufs höchste und mit ehelicher Zuneigung geliebt werden. Die Heuchler aber und Abgöttischen haben nicht Gott zum Ehemann, sondern haben ihre Herren, vor denen sie sich fürchten und scheuen müssen und empfangen doch keinen Nutzen von ihnen].

17. Denn ich will die Namen der Baalim von ihrem Munde wegtun, dass man derselben Namen nicht mehr denken soll {2Mos 23v13 Ps 16v4}.

Wegtun: Aus meiner Kirche, wo man mich durch die Predigt des Evangeliums vor dem Heiland erkennen und annehmen wird, da die vorigen Aberglauben und falschen Gottesdienste nicht mehr statthaben werden, sondern man wird solches alles fahren lassen. [Denn wo die wahre und reine christliche Religion angenommen wird, da fällt die Abgötterei zu Boden und bedarf sich keiner unsinnigen Bildstürmung. Weil aber Gott sagt, dass er den Namen der Baalim aus dem Munde der Gläubigen wegtun wolle, so ist es offenbar, dass es einem Christen übel anstehe, wenn er in einem Gesang oder sonst Gedicht der heidnischen Götter Namen anruft, als ob man noch in der Heidenschaft lebte].

18. Und ich will zur selbigen Zeit ihnen einen Bund machen mit den Tieren auf dem Felde, mit den Vögeln unter dem Himmel und mit dem Gewürme auf Erde; und will Bogen, Schwert und Krieg vom Lande zerbrechen und will sie sicher wohnen lassen.

Bund: (Nach Luther) Das ist, der Bund und Frieden des Gewissens durch den Glauben an Christus, welchen niemand kann Schaden tun.

Tieren: Dass ihnen kein Tier schaden könne. [Damit er anzeigen will, dass den Auserwählten alles zum Besten dient und sie keine Kreatur von der Liebe Gottes scheiden könne, so da ist in Christo Jesu unserem Herrn {Röm 8}].

Wohnen lassen: Das ist, [Obwohl die Christen auf dieser Welt Angst haben, so haben sie doch ein ruhiges Gewissen, weil sie wissen, dass sie Friede mit Gott haben, weil sie durch den Glauben an Christus gerechtfertigt sind {Röm 5}].

19. ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit; ich will mich mit dir vertrauen in Gerechtigkeit und Gericht, in Gnade und Barmherzigkeit;

Ich: Der Sohn Gottes erzählt jetzt, was er für große Guttaten seiner Kirche erzeigen wolle.

In Ewigkeit: [Wird deswegen die Kirche der Guttaten und Güter ihres Bräutigams in alle Ewigkeit genießen, weil Christus seiner Kirche als seiner Braut mit inbrünstiger Liebe gewogen ist].

Gerechtigkeit: Ich will dir deine Sünde verzeihen und indem ich dir meinen aller vollkommensten Verdienst zumesse, dich für gerecht schätzen und halten.

Gericht: Also dass ich deine, sowohl leiblichen als geistlichen Feinde will richten und strafen und deine Unbilligkeit rächen {Jes 6}.

Gnade: Ich will dich mit allerlei Gaben reichlich überschütten, besonders aber mit geistlichen und himmlischen Gütern.

Barmherzigkeit: Dass ich mit deinen Unfällen ein Mitleiden trage, dieselben mildere und dich daraus errette {Hebr 2}. [Welcher rechtschaffene Christ aber wollte nicht aus diesen allerlieblichsten Verheißungen einen hohen und herrlichen Trost fassen?]

20. ja, im Glauben will ich mich mit dir verloben; und du wirst den Herrn erkennen.

Glauben: Der soll das Band der geistlichen Ehe sein. [Denn wer an Christus, Gott und Menschen, als seinen Mittler und Erlöser glaubt, der ist geistlich mit ihm verlobt und ist Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinen Beinen und wird mit seinem Ehemann Christo der ewigen Glückseligkeit genießen].

Erkennen: [Denn durch den Glauben an Christus wird der gnädige Wille Gottes des Vaters gegen uns erkannt, dass nämlich Gott die Welt also geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gegeben, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben {Joh 3}].

21. Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will ich erhören; ich will den Himmel erhören; und der Himmel soll die Erde erhören

Zur: Der Prophet bildet uns abermals die geistlichen Güter des Neuen Testaments durch die leiblichen Güter des Alten Testaments vor.

Erhören: Nämlich das Gebet und Seufzen meines Volkes.

Himmel: Dass ich ihm zulasse, fruchtbaren Regen auf die Erde hinab zu schütten.

Erde: Welche nach einem fruchtbaren Regen sich sehnt.

22. und die Erde soll Korn, Most und Öl erhören; und dieselben sollen Jesreel erhören.

Und Öl: Welche alle miteinander ihr Saft und Kraft von der Erde erheischen werden, auf dass sie wachsen und zeitig werden können.

Dieselben: Nämlich Korn, Most und Öl, diese Gaben Gottes werden das Volk erquicken, welches bittet, was es zur Nahrung bedarf.

Jesreel: Das ist, den Samen Gottes, nämlich Gottes Volk, welches nicht unrecht Gottes Same kann genannt werden. [Mit diesem schönen Gleichnis, da den unlebhaften Kreaturen gleichsam eine Fürbitte für das Volk Gottes zugemessen wird, will Gott zu verstehen geben, dass er seine himmlischen geistlichen Gaben über seine Kirche reichlich ausschütten wolle. Ja er will sie auch mit dem täglichen Brot versorgen {Mt 6}. Wenn aber das Wort Gottes rein gepredigt wird, so ist es eine geistliche Speise, dadurch die Seele erlabt, erquickt und gestärkt wird: Und gibt Gott seiner Kirche immerzu mancherlei geistliche Gaben].

Nach Luther: Jesreel heißt Gottes Same. Dahin lautet, dass er allhier spricht, ich will sie zum Samen behalten, das ist, ein recht Jesreel machen, dass sie ewig sollen Nachkommen haben, wie denn die heilige Kirche immer bleiben muss.

23. Und ich will mir sie auf Erde zum Samen behalten und mich erbarmen über die, so in Ungnaden war und sagen zu dem, das nicht mein Volk war: Du bist mein Volk; und es wird sagen: Du bist mein Gott {Röm 9v26 1Petr 2v10}.

Behalten: Das ist, ich will mir immer eine Kirche pflanzen und erhalten, welche mir soll wie ein lustiger Garten oder Paradies sein. [Denn Gott wird sich immer eine Kirche erhalten, auch unter der allergrößten Unruhe dieser Welt].

Ungnaden war: Das ist, ich will die Israeliten, welche unter mancherlei Heiden in Assyrien und anderswo zerstreut sind, wiederum mit Gnaden Aussehen und mich zu ihnen wenden, dass sie mein Evangelium mit Glauben annehmen, Barmherzigkeit erlangen und selig werden.

Nicht mein: Nämlich zu den Heiden, die ich oben im ersten Kapitel Lo Ammi geheißen, wenn dieselben zu mir bekehrt werden, so will ich sie für mein liebes Volk erkennen und annehmen.

Mein Gott: Also wird, nämlich das Volk der Christen sagen, so aus den Heiden gesammelt wurde, wenn sie mich für ihren Gott und Erlöser erkannt haben. [Diese Weissagung bestätigt nicht allein den Beruf der Heiden, in Maßen denn dieser Spruch in dem Verstand von dem Apostel Paulus {Röm 9} angezogen wird, sondern ist auch ein Zeugnis der Gottheit Christi. Denn es ist unleugbar, dass der Sohn Gottes, Jesus Christus, als der Bräutigam seiner Kirche, durch dies ganze Kapitel rede: Derselbe aber wird hier klar der Heiden, die das Evangelium annehmen werden, ihr Gott genannt].


Das 3. Kapitel


1. Dem Propheten wird befohlen, das er die Barmherzigkeit Gottes gegen den zehn israelitischen Stämme, so in Assyrien sollten gefangen weggeführt werden, mit einem anderen Beispiel vorbilden soll. Und dass er das ehebrecherische Weib wiederum zu Gnaden aufnehme und liebe.

1. Und der Herr sprach zu mir: Gehe noch eins hin und buhle um das buhlerische und ehebrecherische Weib, wie denn der Herr um die Kinder Israel buhlt und sie doch sich zu fremden Göttern kehren und buhlen um eine Kanne Weins.

Ehebrecherisches: Welche du zuvor gleichsam als eine Hure geheiratet hast und sie dir nicht Glauben gehalten, sondern mit einem anderen die Ehe gebrochen. Es ist aber dies Weib sein rechtes Eheweib und keine Ehebrecherin gewesen. Jedoch wie sie oben (Kapitel 1) eine Hure und ihre Kinder, die sie in rechter Ehe geboren, Hurenkinder genannt wurden, der Israeliten geistliche Hurerei damit anzudeuten. Also wird auch eben dasselbe des Propheten Eheweib an diesem Ort eine Ehebrecherin geheißen, als ob sie dem Propheten ihre eheliche Pflicht nicht gehalten hätte, und wird dem Propheten befohlen, dass er sich mit ihr wiederum versöhnen soll und von neuen um ein gewisses Geld einen Pakt mit ihr machen, damit sie weiter vom Ehebruch sich enthalte und mit dem Propheten, als ihrem einigen Ehemann, sich begnügen lasse: Dadurch anzudeuten, was unter dem israelitischen Volk sich begeben. Denn gleichwie in einem Spiel oft ein ehrlicher Mensch einer unehrlichen Person Amtskleider trägt und derselben statt verwest, zur Andeutung der Sachen, welche da gehandelt werden, daneben aber solcher Mensch vor ihm selbst ehrlich und redlich bleibt. Also musste des Propheten Eheweib zuerst an statt einer Hure und danach auch Ehebrecherin stehen, um zukünftiger Sachen willen vorzubilden, da sie doch sonst nicht unehrlich gewesen. Darum der Herr hier zum Propheten so viel sagen will: Du Prophet stelle dich und tue dergleichen, als ob du mit deinem Weibe von neuen dich wiederum versöhntest, welches eine Ehebrecherin heißen soll, auf dass du damit zu verstehen gibst, wie Gott des israelitischen Volkes einmal sich wiederum erbarmen wolle, auf dass es zum Evangelium Christi sich bekehre und selig werde, welches doch mit vielfältiger geistlicher Hurerei und Unzucht sich befleckt hat und vielmehr mit einer Kanne oder Flasche Weins, das ist, mit zeitlicher Nahrung und Wollust, als um die Ehre Gottes und seinen rechten Gottesdienst sich bekümmert. [Dies ist ein rechter evangelischer Trost, daran alle bußfertigen Sünder sich steif und fest halten sollen, dass Gott derjenigen, die in gräulichen Lastern und auch in einen geistlichen Ehebruch gefallen sind, sich wieder erbarmen und mit inbrünstiger ehelicher Liebe von Neuem sie umfangen wolle. Wir sollen aber auch, nach dem Beispiel unseres allergütigsten himmlischen Vaters und seines Sohnes Jesu Christi dem Nächsten, wenn er um Verzeihung bittet, vergeben. Danach wird durch die Kanne Weins angedeutet, dass die Abgöttischen oft der Wollust ergeben sind und derselben sich viel mehr als der rechten Religion bemühen].

Nach Luther: Um des Bauchs willen, ja Himmel, Himmel, hätte ich hier Mehl, sagen sie.

2. Und ich wurde mit ihr eins um fünfzehn Silberlinge und anderthalb Homer Gerste.

Eins: Dass ich sie mir von neuen gleichsam wiederum vertraute.

Silberlinge: Deren einer ungefähr einen Taler an Wert hatte.

Gersten: Welches ich ihr jährlich zu ihrer Unterhaltung zu geben versprochen. Diese zwar sehr kärgliche und geringe Unterhaltung gab zu verstehen, dass Gott die Israeliten, so unter die Heiden sollten zerstreut werden, ganz genau und schlecht unterhalten würde, bis sie rechtschaffen gedemütigt werde. [Denn wenn man bei gutem Glück der Bosheit und Laster sich befleißigt, so hält sie Gott später desto härter und genauer, welche sich in den Überfluss nicht zu schicken wissen].

3. Und sprach zu ihr: Halte dich mein eine Zeit lang und hure nicht und lass keinen anderen zu dir; denn ich will mich auch dein halten.

Halte dich: Dass du nicht mehr anderen Buhlen nachläufst, sondern daheim bleibst und mir allein ergeben seist.

Dein halten: Dass ich zu keiner anderen, als zu dir gehe, und soll also eine standhafte Liebe und rechte Ehe zwischen uns sein, du aber hüte dich, dass du nicht deiner Art nach, wieder von mir gehst. Hat deswegen Gott die israelitische Kirche, so unter den Heiden verstreut gewesen, gezwungen, dass sie von dem gewöhnlichen Ehebruch, das ist, von ihrer vorigen Abgötterei ablassen müsse, weil sie unter den Heiden dergleichen nichts treiben könnte, da sie weder Tempel noch Priester mehr hatten. Da sind ohne Zweifel ihrer etliche, auch vor der Zukunft Christi in sich selber gegangen, haben Buße getan und sind also erhalten worden. [Gleicher Gestalt legt Gott den Sündern bisweilen gleichsam Stricke und Bande an, dass sie entweder durch Krankheit oder andere Trübsal von Sünden abzustehen gezwungen werden, welches denn mit ihrem großen Nutzen geschieht, auf dass sie Buße tun und selig werden].

4. Denn die Kinder Israel werden lange Zeit ohne König, ohne Fürsten, ohne Opfer, ohne Altar, ohne Leibrock und ohne Heiligtum bleiben.

Denn: Jetzt erklärt der Prophet deutlicher, was damit gemeint werde, dass sein Weib, so eine Ehebrecherin genannt und dennoch wieder zu Gnaden aufgenommen wurde, mit einer schlechten Unterhaltung sollte für gut nehmen und daheim bleiben.

Nach Luther: Israel ist nach dem Gefängnis nicht wieder zum Könige gekommen, bis der rechte David, Christus kam, aller Welt König.

Bleiben: In der assyrischen Gefangenschaft. Denn Gott wird die zehn Stämme im Elend so demütigen, dass sie kein besonderes und eigenes weltliches Regiment noch Priestertum haben werden: Dergestalt werden sie müssen von der Verehrung ihrer Bilder und Abgötter ablassen, weil sie dem Regiment übel vorgestanden und dazu ein schändliches Leben geführt, wie sie noch in ihrem Vaterland gewesen. Denn ob sie wohl zum Teil den Gottesdienst zu Jerusalem behielten, dass sie heilige Kleider und heilige Geräte machen ließen, so haben sie doch die Religion mit vielfältiger Abgötterei schrecklich verunreinigt und verfälscht, um welcher übermächtigen langwierigen Bosheit willen, sie auch eine lange Zeit werden Strafe leiden müssen. [Denn wenn Gott gleich die Sünden verziehen hat, so lässt er dennoch häufig die zeitlichen Strafen ergehen, auf dass die Sünder wahrhaftig gedemütigt werden und andere in Betrachtung solcher Strafen dafür erschrecken und von Sünden ablassen].

5. Danach werden sich die Kinder Israel bekehren und den Herrn, ihren Gott und ihren König David suchen und werden den Herrn und seine Gnade ehren in der letzten Zeit {Ps 2v6 Hes 34v23}.

Danach: Wenn sie unter dem Kreuz genügend gedemütigt werden, so wird Gott endlich den Schatz seiner Barmherzigkeit auftun und denselben reichlich über sie ausschütten, wenn nämlich das Evangelium Christi in der ganzen Welt wird gepredigt werden.

Suchen: Nämlich ihren geistlichen und himmlischen König Christus, werden sie mit höchstem Fleiß ehren und anbeten, der mit dem Vater und Heiligen Geist ewiger wahrer Gott ist und nach seiner menschlichen Natur, als ein wahrer Mensch aus dem Geschlecht David seine Herkunft hat, daher er auch oft in der Schrift ein Sohn David genannt wird, zeigt solches seine wahre Menschheit an. Da man das erste wider die Arianer, das letzte aber wider die Eutychianer, Marcionisten und Schwenkfelder zu merken hat.

Letzten Zeit: Nämlich der Welt, wenn der Sohn Gottes menschliche Natur an sich nehmen wird, denn die Welt wird in drei Zeiten unterschieden: Als die zwei ersten tausend Jahre, so vor dem Gesetz Mose gewesen: Und die zwei folgenden tausend Jahre, so das Gesetz hatte: Der dritte und letzte Teil aber der übrigen zweitausend Jahre, ist die Zeit des Messias. [Es will aber der Prophet zu verstehen geben, dass die Christen Gott den Herrn mit einer kindlichen Furcht werden begehren zu ehren und ihm zu dienen, auch sich vielmehr scheuen, ihn als einen gnädigen und gütigen Vater zu erzürnen, als allein aus Furcht der Strafe recht tun].


Das 4. Kapitel


1. Erstlich werden des Volkes, der Obrigkeit und der Priester Sünden erzählt, mit angehängter Bedrohung der Strafen. v. 1. 2. Danach wird des israelitischen Volkes verkehrter Fleiß und Eifer zu der Abgötterei herausgestrichen. v. 6. 3. Endlich wird das Königreich Juda gewarnt, dass es der Israeliten Beispiele sich nicht soll verführen lassen. v. 15.

1. Hört, ihr Kinder Israel, des Herrn Wort; denn der Herr hat Ursache, zu schelten, die im Lande wohnen. Denn es ist keine Treue, keine Liebe, kein Wort Gottes im Lande,

Hört: Folgt eine neue und scharfe Bußpredigt, die sich auch auf unsere Zeit ganz artig reimt. Und straft der Prophet nicht nur das gemeine Volk, sondern auch die Obrigkeit und Priester.

Zu schelten: Gott hat etwas wider euch, deshalb er euch, gleichsam öffentlich vor Gericht anklagen, überweisen, und, wo ihr nicht Buße tut und mit ihm wiederum versöhnt werdet, verurteilen und verdammen wird. [Wenn deswegen unsere Sünden durch die Kirchendiener angezogen werden, so sollen wir wissen, dass wir nicht von ihnen, sondern von Gott dem Herrn selbst vor Gericht gefordert und verklagt werden. Welches wir nicht sollen in Wind schlagen, auf dass wir nicht beides in diesem und zukünftigen Leben gestraft werden].

Denn: Folgt jetzt, welcher Sachen halben Gott mit dem israelitischen Volk streitig war, und bringt er eine zwar kurze, aber ganz beschwerliche Anklage wider sie vor.

Treue: [Heutigentags will Treue und Redlichkeit unter den Leuten beides in Worten und Werken sich auch schier verlieren, dahin gegen Falschheit, Betrug und Untreue bei vielen Leuten einziehen].

Liebe: [Da man aus rechtschaffenem Mitleiden gegen dem Nächsten in seinen Trübsalen ihm mit Hilfe bespringen soll, geht es auch sehr langsam vonstatten und ist die christliche Liebe bei dem meisten Teil jetziger Zeit sehr frostig und schier ganz erkaltet].

Kein Wort: [Daher die wahre Erkenntnis Gottes in großer Gefahr steht und bei dem größeren Haufen nicht stattfindet. Denn etliche verachten die reine göttliche Lehre und führen ein viehisches Leben, andere lästern das Wort Gottes und verfolgen es, was es aber mit solchem Tun einmal für ein Ende nehmen werde, ist leicht zu erraten].

Nach Luther: Das ist, man lehrt nichts von Gott.

2. sondern Gottes Lästern, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen hat überhandgenommen und kommt eine Blutschuld nach der anderen.

Gottes Lästern: Dabei sich ein schrecklicher Missbrauch des göttlichen Namens findet.

Überhand: Also dass man aus denselben Lastern ein Handwerk macht und ihrer noch dazu schier gern einen Ruhm haben wollte.

Nach der anderen: Es fallen allerlei Todsünden mit Haufen herein und ist kein Aufhören da. [Es ist aber der Obrigkeit Amt, dass sie solche Laster nicht allein mit ernstlichen Mandaten verbiete, sondern auch da sie begangen werden, mit gebührender Schärfe strafe, auf dass dadurch der Zorn Gottes abgewandt oder doch gemildert werde. Denn wo solches nicht geschieht, so folgen allgemeine Landstrafen darauf: Wie später gesagt wird].

3. Darum wird das Land jämmerlich stehen und allen Einwohnern übel gehen; denn es werden auch die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer weggerafft werden.

Jämmerlich stehen: Es wird ein trauriges Ansehen haben, weil die Früchte der Erde durch Unwetter verdorben werden.

Übel gehen: Dass sie entweder vom Feinde aufgerieben oder in eine elende Dienstbarkeit weggeführt werden.

Weggerafft: Also dass der Tiere, Vögel und Fische sehr wenig werden überblieben und man daran den göttlichen Fluch auch wird spüren müssen. [Denn wenn Gott zornig ist, so entzieht er auch seinen Segen und die Vermehrung von denen Kreaturen, die der Mensch zur Auferhaltung seines zeitlichen Lebens haben muss].

4. Doch man darf nicht schelten noch jemand strafen; denn mein Volk ist wie die, so die Priester schelten.

Nicht schelten: Denn ob man wohl den Zorn Gottes, der über die Sünden der Menschen entbrannt ist, greiflich spürt. So denken sie dennoch an keine Buße. Ja wollen auch nicht leiden, dass man sie ihrer Misshandlungen halben zu rede stelle, ihnen ihr Unrecht zeige und sie vor ihrem Schaden warne.

Priester schelten: Das ist, sie dürfen auch wohl mit den Lehrern der Kirche darüber einen Hader anfangen, wenn sie ihrer begangenen Sünden von ihnen erinnert werden. [Heutigentags haben etliche auch so kitzelige und zarte Ohren, dass, wenn sie etwa in Sonderheit von dem Kirchendiener, ihres Unrechts erinnert werden oder in der Predigt hören, auf ein Laster schelten, dessen sie ihnen bewusst sind, so zürnen sie bald mit dem Kirchendiener. Ja es dürfen wohl etliche von freien Stücken mit ihnen einen Hader anfangen und sie vor der Obrigkeit angeben und verklagen, denken aber daneben nicht einmal daran, dass sie von solchem Laster abstehen wollten. Wenn aber die Laster nicht allein begangen werden, sondern auch man keine gutherzigen Warnungen leiden will, da sind gewisslich große Strafen vor der Tür].

5. Darum sollst du bei Tage fallen und der Prophet des Nachts neben dir fallen; also will ich deine Mutter hinrichten.

Bei Tage: Das ist, bald und in kurzer Zeit.

Prophet: Nämlich deine falschen Propheten und Heuchler, die um des Bauches willen deine gottlose Religion recht geheißen und deine Laster mit Stillschweigen übergangen haben, werden zugleich mit dir zugrunde gehen.

Nachts: Das ist, mit unruhigem und verletztem Gewissen.

Mutter: Nämlich die israelitische abgöttische Kirche, welcher du dich rühmst. [Gleichwie aber vor Zeiten die Israeliten ihrer Voreltern Ansehen und der israelitischen Kirche lange Gewohnheit in Religionssachen vorwandten, also folgen ebenmäßig solcher Bosheit heutigentags die Katholiken nach und setzen den Namen der Mutter der Kirche, dem hellem Wort Gottes entgegen. Aber was es mit solcher halsstarrigen Bosheit für ein Ende nehmen wird, das wird die Erfahrung geben. So hat man auch hier zu merken, wie Gott den falschen Lehrern droht, dass sie mit dem gottlosen Volk zugleich umkommen werden, und zwar gehen sie richtig mit denen, die sie verführt haben, zugrunde].

6. Mein Volk ist dahin, darum dass es nicht lernen will. Denn du verwirfst Gottes Wort, darum will ich dich auch verwerfen, dass du nicht mein Priester sein sollst. Du vergisst das Gesetz deines Gottes, darum will ich auch deiner Kinder vergessen.

Nicht lernen: Noch mit dem Worte Gottes sich will lassen unterrichten. Darum es keine rechte Erkenntnis Gottes hat, noch wissen kann, wie es recht und gottselig leben soll, und wird seine mutwillige Blindheit und Bosheit richtig gestraft. [Damit uns nicht dergleichen auch begegne, sollen wir uns vom Worte Gottes weisen lassen und denselben willigen Gehorsam leisten].

Nach Luther: Predigt hören von Gott.

Du] Nämlich du Priester, der du dich nur aufs Zeitliche legst. Und schilt Gott mit diesen Worten die Priester, welche nicht dahin sahen, wie die Ehre Gottes und der Menschen Seligkeit möchte befördert werden, sondern wie sie ihre Küche spickten.

Verwirfst: Dass du den Predigten meiner Propheten nicht gehorchen willst.

Verwerfen: Ich will euch das Handwerk niederlegen und eure falschen Gottesdienste hinwegtun, dass ihr ohne priesterliche Würde und ohne jährliche Einkommen, im Elend jämmerlich verschmachten müsst.

Vergisst: Und richtest Gottesdienste an, die dem Wort Gottes widerstreben.

Kinder vergessen: Dass sie zugleich mit dir umkommen sollen. [Hier hat man zweierlei zu merken. Erstlich, dass Gott diejenigen vom Amt setze, welche in ihrem Beruf nicht treu sind. Danach, dass der gottlosen Eltern Strafen auch an ihren gottlosen Nachkommen reichen].

7. Je mehr ihrer wird, je mehr sie wider mich sündigen; darum will ich ihre Ehre zuschanden machen.

Ihrer wird: Je mehr sie sich ausbreiten und der Priester viel werden, je größer auch der Haufen wird, derer, die da sündigen, denn es lernt es einer vom anderen.

Schanden machen: Weil sie ihrer priesterlichen Würde zur Sünde missbrauchen, so will ich sie von ihrem Amt ins Elend hinaus verstoßen, da sie unter den Heiden in höchster Verachtung leben sollen und soll aus einem Bischof ein Bader werden.

8. Sie fressen die Sündopfer meines Volkes und sind begierig nach ihren Sünden.

Begierig: Es springt ihnen das Herz vor Freuden auf, wenn sie hören, dass mein Volk viel und große Sünden begeht. Denn es war diesen Priestern nicht darum zu tun, dass sie achthätten gehabt, damit das Volk möchte Buße tun, an den zukünftigen Messias glauben und ein ehrbares gottseliges Leben führen: Welche rechtschaffene Bekehrung viel besser gewesen wäre, als alle Opfer, ob man wohl die angemessenen Opfer mit seiner Maß und zu seiner Zeit auch nicht hat versäumen sollen. Aber die Priester bekümmerten sich wenig um die Bekehrung des Volkes, sondern hatten vielmehr ihre Lust und Freude daran, wenn die Israeliten viel sündigen, weil dadurch ihr Gewinn desto größer war. Denn wenn man Opfer brachte, so gehörte den Priestern ein gutes Partikel davon, je mehr man deswegen sündigte, je mehr Sündopfer man bringen musste und je mehr Genieß hatten die Priester. [Auf gleichen Schlag haben es viel römische Päpste auch gerichtet, die es gerne gesehen, wenn die Christen viel und große Sünden begangen, denn es ihnen sehr wohl zugekommen. Weil zu derselben Versöhnung die Päpste ihnen danach Ablassbriefe ums Geld verkauften: Besonders aber haben sie aus der einfältigen Deutschen Sünden, eine große Summe Geldes, mit geschwinden Praktiken zuwege gebracht. Wie denn etliche geizige weltliche Oberherren auch solcher Art sind, die sich freuen, wenn ihre Untertanen übertreten, auf dass sie Ursache haben, ihnen Geldstrafen aufzulegen, für ihre Sünden, die doch vielmehr mit dem Tode oder zum mit wenigsten harter Gefangenschaft sollten gestraft werden].

9. Darum soll es dem Volk gleichwie dem Priester gehen; denn ich will ihr Tun heimsuchen und ihnen vergelten, wie sie verdienen,

Gehen: Weil sie zu beiden Teilen, das Volk sowohl als die Priester, gottlos sind, so wird auch eins mit dem anderen und durch das andere gestraft werden. [Denn wo gottlose Zuhörer sind, da finden sich auch oft solche Hirten, die sich der Religion wenig achten, weil sie keiner besseren wert sind].

10. dass sie werden essen und nicht satt werden, Hurerei treiben und soll ihnen nicht gelingen, darum dass sie den Herrn verlassen haben und ihn nicht achten.

Essen: (Nach Luther) Sie werden ihren Gottesdienst sehr treiben und doch wenig davon zu essen haben. Gleichwie jetzt die Endchristen gerne wollten ihre Messe hoch treiben, aber es will nicht so gelten, wie zuvor.

Nicht satt: Ich will sie strafen und verschaffen, dass sie eine geringe Nahrung haben sollen und schmale Bisslein essen müssen, dass sie sich des Hungers kaum erwehren können.

Nicht gelingen: Das ist, sie werden zwar in der geistlichen Hurerei, nämlich in der Abgötterei fortfahren und viel Opfer tun, zur Abwendung des Unglücks, aber es wird ihnen nichts helfen und müssen sie mir nicht entgehen.

Nicht achten: Noch nach seinen Geboten fragen, sondern nach ihrem Willen und Begierden leben. [Denn Gott straft zu seiner Zeit die falschen Lehrer zuerst, als die Anderen Ursache geben, zu sündigen und zu irren und helfen ihnen danach ihre falschen Religionsübungen, wenngleich sie noch so mühselig sind, gar nichts zur Abwendung der Trübsale].

11. Hurerei, Wein und Most machen toll.

Hurerei: Jetzt wendet sich der Prophet wieder zum Volk, ihre Sünden zu strafen, und fängt solches an vom gemeinen Sprichwort. Als wollte er sprechen: Gleichwie die Hurerei und der Wein oder Most, da man dessen zu viel einschüttet, einen Menschen unsinnig, toll und töricht machen. Also geht es meinem Volk Israel auch mit seiner geistlichen Hurerei. [Es ist aber unleugbar, dass die, welche in ungeheuerliche Liebe sich verwickeln und dem Wein ergeben sind, ihren Verstand nicht haben, weil sie solche Sachen zu sagen und zu tun pflegen, dafür verständige und ehrliche Leute einen Abscheu haben. Und wird des Menschen Vernunft durch Hurerei und Trunkenheit so verdorben, dass, wenn man gleich davon absteht, dennoch entweder einer selber empfindet oder doch andere an ihm spüren, was für ein böse Letze sie zu beiden Teilen hinterlassen. Darum sollen wir uns vor beiderlei Sünden aufs Fleißigste hüten].

12. Mein Volk fragt sein Holz und sein Stab soll ihm predigen; denn der Hurereigeist verführt sie, dass sie wider ihren Gott Hurerei treiben.

Sein Holz: Also dass ebenso wenig Klugheit bei den Israeliten in ihrer Abgötterei zu finden ist, als bei den Hurern und Trunkenbolden. Denn sie sind so unsinnig, dass sie vor den hölzernen Bildern und Säulen niederfallen und von denselben Rat und Hilfe begehren, wenn Gefahr vorhanden ist. [Was es aber für ein unsinniges Wesen sei, dass man vor einem hölzernen, steinernen, ehernen, silbern oder goldenem Bilde niederfalle und es anbete, welches doch weder sieht noch hört, das beschreibt der Prophet Jesaja ganz eigentlich in Kapitel 40. Darum soll eine Obrigkeit solche abgöttischen Bilder, davor man niederkniet und betet, den Leuten aus den Augen tun].

Stab: Dadurch man auch ihre närrischen Priester verstehen mag, auf welche verführerischen Verheißungen das Volk sich verließ.

Verführt sie: Sie haben das Huren übel bekommen und laufen in der Brunst, dass sie nicht wissen, was sie tun, fallen darüber von Gott ab, von dem sie doch alles Gutes empfangen haben und laufen den Götzen nach, die ihnen doch nichts nutzen, sondern nur Schaden bringen: Gleichwie ein ehebrecherisches Weib ihren ehrliebenden und holdseligen Ehemann fahren lässt und einem Hurer sich untergibt, der mit der abscheulichen Krankheit der Franzosen behaftet ist. [Denn je inbrünstiger und eifriger die Götzendiener in ihrer Abgötterei sind, je toller und unsinniger man sie achten soll].

13. Oben auf den Bergen opfern sie und auf den Hügeln räuchern sie, unter den Eichen, Linden und Buchen; denn die haben feine Schatten. Darum werden eure Töchter auch zu Huren und eure Bräute zu Ehebrecherinnen werden.

Opfern sie: Die Israeliten, wider und ohne Gottes Wort, da sie sollten ihre Opfer gen Jerusalem zum Tempel bringen.

Räuchern: Welches auch nur im Tempel zu Jerusalem auf dem Räucheraltar geschehen sollte.

Feine Schatten: Darum sie sich ganz lustig und gut dazu bedenken, dass sie ihre Opfer darin verrichten. [Weil aber Gott einen gewissen Ort in der Schrift bestimmt hatte, da er gewollt, dass man den Gottesdienst verrichten soll und an keinem anderen Ort, so haben die alle miteinander Abgötterei begangen, welche ohne einen besonderen göttlichen Befehl anderswo als zu Jerusalem, geopfert. Denn wenn der Gottesdienst anders angerichtet wird, als Gott in seinem Wort geboten hat, so wird Gott nicht mehr geehrt, sondern mit einer schrecklichen Abgötterei aufs höchst beleidigt. Weil dieser Prophet hier nur das einzige an den Juden tadelt, dass sie nicht im Tempel, sondern anderswo opferten].

Darum: Dieweil ihr mich mit eurer geistlichen Hurerei beleidigt, so will ich es geschehen lassen, dass ihr auch mit euren Töchtern und Bräuten leiblicher Hurerei sollt geplagt werden und mit großem Schmerzen, Schande und Unehre an ihnen erleben.

Bräute: Die euch bereits zur Ehe versprochen wurden, werden so geil und unzüchtig sein, dass sie noch vor der Hochzeit miteinander zu halten und Unzucht treiben werden, was meint ihr denn wohl, dass sie tun werden, wenn sie euch zur Ehe gegeben werden, da sie den Ehebruch leichter verbergen können. Also dass ihr zukünftig nicht wissen werdet, ob sie von euch oder anderen schwanger wurden? [Und geschieht es zwar oft, dass auf die geistliche Hurerei auch die leibliche Unzucht folgt, welche der Abgötterei, wie ein Schatten dem Leibe nachgeht: Daher auch allerlei Schandbüberei als Hurerei und Ehebruch nirgends allgemeiner ist und ungescheuter getrieben wird als im Papsttum, welches so hell am Tage ist, dass man es nicht leugnen kann. Man sehe nur allein die Stadt Rom an, welche gleichsam ein anderes Sodom ist, da die schlechte Hurerei eine Keuschheit ist, gegen andere abscheulichen Sünden zu rechnen, so darin getrieben werden].

14. Und ich will es auch nicht wehren, wenn eure Töchter und Bräute geschändet und zu Huren werden, weil ihr einen anderen Gottesdienst anrichtet mit den Huren und opfert mit den Bübinnen. Denn das törichte Volk will geschlagen sein.

Nicht wehren: Ich will sie von solchen schändlichen Wesen durch zeitliche Strafen nicht abhalten, sondern sie bei ihrer Unweise bleiben lassen, dass sie euch Bekümmernis machen und euch eine Schande sei. [Es ist aber ein Anzeigen des schrecklichen Zornes Gottes, wenn er den Menschen nicht mehr züchtigt, sondern übergibt ihn einen verkehrten Sinn, dass er sich in Sünden immer je länger je mehr vertieft und eine Sünde über die anderer häuft].

Geschlagen: Das ist, indem die Israeliten Abgötterei treiben, handeln sie ebenso unredlich und unehrlich vor meinen Augen, als wenn sie mit den Huren schändliche Unzucht trieben und wenn sie opfern, erscheint mich, sie liegen bei gemeinen Metzen, darum muss ein solches törichtes Volk zugrunde gehen und vor solche großen Übertretungen schwer gestraft werden. [Hier mögen die wohl aufmerken, welche auf dergleichen Gottesdienste mit Gewalt dringen, auf dass sie einmal sehen und verstehen lernen, was sie für einen Gräuel vor den Augen Gottes begehen].

Nach Luther: Narren muss man mit Kolben lausen.

15. Willst du, Israel, ja huren, dass sich doch nur Juda nicht auch verschulde! Geht nicht hin gen Gilgal und kommt nicht hinauf gen Beth-Aven und schwört nicht: So wahr der Herr lebt!

Willst du: Jetzt ermahnt und warnt der Prophet die Kirche im Königreich Juda, dass sie durch das böse Beispiel der israelitischen falschen Gottesdienste nicht auch in gleiche Abgötterei sich verführen lasse. [Und ist diese Erinnerung hoch vonnöten gewesen, weil die bösen Beispiele in der Kirche großen Schaden tun und ein wenig Sauerteig einen ganzen Teig versäuert {1Kor 5}].

Ja huren: Und dich von deinem gottlosen Vorhaben nicht willst lassen wendig machen.

Geht: Nämlich ihr Israeliten im Königreich Juda, verfügt euch nicht zu den abgöttischen Orten und falschen Gottesdiensten, die im Königreich Israel sind und getrieben werden.

Herr lebt: Nämlich dein Gott, der in Dan geehrt wird. Denn dass dies hier den Verstand habe, ist aus dem achten Kapitel des Propheten Amos genügend zu lesen, da eine allerdings gleiche abgöttische Form und Weise zu Schwören gesetzt und verworfen wird. Es will aber der Prophet so viel sagen: Hütet euch ihr Kinder Juda, dass ihr euch nicht mit der Israeliten Abgötterei verunreinigt. Denn weil in Gilgal die zwölf Steine aufgerichtet waren, so aus dem Jordan genommen worden, zum Gedächtnis, dass der Jordan vor den Kindern Israel sich voneinander geteilt, damit die Israeliten trockenen Fußes durch hingehen können und das Volk, so in der Wüste geboren und unbeschnitten bliebe, dort beschnitten wurden, auch man das Passah am selben Ort gehalten {Jos 4 5}. So haben die Israeliten ein Auge dahin geworfen und solchem Ort eine besondere Heiligkeit zugemessen, darum sie auch da einen Gottesdienst ohne und wider Gottes Wort angerichtet. [Allerdings wie die Katholiken zu der Kirche St. Marien zu Loreto Wallfahrten gehen und bei den Heiligen Gräbern ihre Abgötterei treiben]. Beth El aber, da der Patriarch Jakob vorzeiten geopfert hatte, nennt der Prophet mit Fleiß Beth Aven, als wollte er sagen: Dieser Ort ist nicht Gottes Haus, sondern ein Haus der Ungerechtigkeit und Bosheit, weil Jerobeam da ein goldenes Kalb zu verehren aufgerichtet hat. Und ist kein Zweifel, er habe des Patriarchen Jakobs Tun, seine Sache damit zu beschönigen, vorgewandt, als der vorzeiten zu Beth-El einen Gottesdienst angerichtet hatte. [Aber man muss der heiligen Leute Taten nicht bald begehren nachzutun, ohne Gottes Wort. Gleichwie des Abrahams Beispiel auch nicht nachzufolgen steht, dem befohlen wurde, dass er seinen eingeborenen Sohn opfern sollte {5Mos 22}. Es verbietet auch der Prophet, dass man nicht schwören soll, nämlich ob gehörter maßen, nicht dass das Schwören an sich selber Sünde sei, sondern, dass es Unrecht ist, wenn man bei den Abgöttern und falschen Gottesdiensten schwört. [Denn welche bei falschen Göttern schwören, die machen sich der Abgötterei teilhaftig].

16. Denn Israel läuft wie eine tolle Kuh, so wird sie auch der Herr weiden lassen wie ein Lamm in der Irre.

Läuft: Und lässt sich durch das Wort nicht innehalten oder regieren.

Nach Luther: Sie ist eine unbändige Kuh, will im Stall nicht bleiben. So will ich ihr auch Raum schaffen und sie zerstreuen unter alle Heiden, dass sie zu laufen genug habe.

Irre: Ohne Hirten auf dem weiten Felde und in der wilden Wüste, da sie jedermann zum Raub und gleichsam vogelfrei wird gelassen werden. Dazu wie ein Lamm keine Unbilligkeit von sich abtreiben könne. [Denn welche dem Worte Gottes nicht folgen wollen, sondern es vielmehr mutwillig von sich stoßen, denen wird auch der göttliche Schutz entzogen, dass sie jedermanns Spott werden].

17. Denn Ephraim hat sich zu den Götzen gestellt; so lass ihn hinfahren!

Gesellt: Das ist, das israelitische Volk hat sich in die Abgötterei ganz und gar vertieft.

Lass ihn: Nämlich du Volk Juda sollst seiner Gemeinschaft fliehen, so viel dir immer möglich ist, damit du nicht auch von ihnen verführt und in gleiche Strafe verwickelt wirst. [Denn man soll den gottlosen Wandel und Gesellschaft mit höchstem Fleiß meiden].

18. Sie haben sich in die Schwelgerei und Hurerei gegeben; ihre Herren haben Lust dazu, dass sie Schande anrichten.

Herren: (Nach Luther) Ihre Könige, Fürsten und Priester.

Lust dazu: [Wo aber das Volk ein rohloses wildes Wesen und Leben führt und die Obrigkeit mit ihrem bösen Beispiel den Untertanen Anlass dazu gibt, da bleiben gewisslich Gottes ernste Strafen nicht lange außen].

19. Der Wind mit seinen Flügeln wird sie gebunden treiben und müssen über ihrem Opfer zuschanden werden.

Gebunden: Das ist, die Obrigkeit und das Volk, so beide gottlos sind, werden miteinander vom Zorn Gottes, als einem heftigen Sturmwind erwischt und hingerissen werden, dass sie sich nicht mehr werden können erhalten.

Schanden werden: Sie werden es in der Tat erfahren, dass ihr ganzer Gottesdienst nichts genützt habe oder nützen könne, zur Abwendung des göttlichen Zorns. [Denn je mehr die abgöttischen Leute ihre falschen Gottesdienste häufen, je heftiger sie Gott beleidigen und erzürnen und wird es mit ihrem Tun je länger je ärger].


Das 5. Kapitel


1. Der Prophet straft abermals die falschen Gottesdienste ganz ernstlich: Und schilt deshalb die Priester und den König samt seinem Hof.

1. So hörte nun dies, ihr Priester und merke auf, du Haus Israel und nimm zu Ohren, du Haus des Königs; denn es wird eine Strafe über euch gehen, die ihr ein Strick zu Mizpa und ein ausgespanntes Netz zu Thabor geworden seid.

Priester: Die ihr das Volk Gottes von wegen eures tragenden Amtes in der rechten Religion solltet unterrichten.

Haus Israel: Die ihr zwar des Geschlechts Israel und der Patriarchen Kinder seid, aber gar sehr aus der Art schlagt.

Des Königs: Du König mit deinem ganzen königlichem Hof, Räten und Amtleuten. Denn obwohl der König Jerobeam, Joas Sohn, dem Regiment glücklich vorstand, so hing er doch an der Abgötterei, wie alle seine Vorfahren. [Und soll ein Kirchendiener der Oberen Sünden sowohl strafen, als der Unteren, auf dass er nicht an derjenigen Seelen schuldig werde, die verloren werden {Hes 3 33}. Es werden aber die Sünder von Gott gestraft, welche sich sonst nicht bessern wollen. Denn wenn wir uns selber richteten, so würden wir nicht (vom Herrn) gerichtet. Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir von ihm gezüchtigt, auf dass wir nicht mit der Welt verdammt werden {1Kor 11}].

Denn: Jetzt erzählt der Prophet die Ursache des göttlichen Gerichts und der Strafen.

Mizpa: Welches ein Ort im Lande Gilead.

Nach Luther: Gottesdienst haben sie da aufgerichtet und die Leute damit verführt. Wie unsere Pfaffen mit den Messen und Wallfahrten.

Thabor: Im Lande Galiläa. Will so viel sagen, ihr habt an den jetzt gemeldeten Orten falsche Gottesdienste angerichtet, die gleichsam als Stricke und Netze sind, darin die Einfältigen sich verwickeln und darüber verloren werden. [Solche Stricke und Netze sind die Klöster, besonders aber der Jesuiter Schulen und der Katholiken stattlich erbaute Kirche. In denen die Abgötterei mit einem großen Schein und stattlichem Gepränge getrieben wird, die Einfältigen zu verführen].

2. Mit Schlachten vertiefen sie sich in ihrem Verlaufen, darum muss ich sie allesamt strafen.

Schlachten: Er nennt ihre Opfer verächtlich ein Schlachten oder Metzgern, als wollte er sprechen: Was tut ihr sonderliches mit allen euren Opfern? Schlächter oder Metzger seid ihr und sonst nichts mehr, daneben aber tötet ihr den Alten Adam, das ist, die bösen Lüste in euch nicht, sondern meint, der ganze Gottesdienst bestehe darauf, wenn ihr viel Vieh zum Opfer schlachtet. Und ist solcher falsche Gottesdienst so tief bei euch eingewurzelt, dass ihr euch nicht wollt davon abhalten lassen. Darum kann die Strafe nicht länger außen bleiben. [Ebenermaßen halten und hören die Katholiken ihre Messen in großer Anzahl, wie sie aber ihr Leben bessern und frömmer werden möchten, darum bekümmern sie sich wenig. Und hat solche Abgötterei sich so tief bei ihnen eingewurzelt, dass sie fürchten, es ginge die ganze Religion darüber zugrunde, wenn sie von solchem greiflichen Irrtum abstehen sollten. Darum wird Gott entweder durch den Türken oder durch einen anderen grausamen Feind, die Messe einmal reformieren).

Schlachten: (Nach Luther) Das ist, sie opfern viel und machen ihre Abgötterei, damit sie von Gott sich verlaufen, wie eine Ehebrecherin sich verläuft, so tief, dass da kein Heilen noch Hoffnung mehr ist. Er will es nicht Opfern heißen, sondern ein bloßes Schlachten.

3. Ich kenne Ephraim wohl und Israel ist vor mir nicht verborgen, dass Ephraim nun eine Hure ist und Israel ist unrein.

Nicht verborgen: Ich weiß um der israelitischen Könige gottloses Tun ganz wohl und dürfen die zehn Stämme Israels nicht denken, dass ich ihre Abgötterei nicht sehe. [Denn Gott ist nichts verborgen, auch was inwendig im Herzen und in der aller dicksten Finsternis steckt {Ps 139}].

Ephraim: Das ist, die israelitischen Könige, so den mehrerenteils aus dem Stamm Ephraim hergekommen sind, haben falsche Gottesdienste angerichtet, damit später die zehn Stämme Israel verunreinigt wurden. [Denn die Untertanen sind der Obrigkeit die falsche und irrige Religion anzunehmen nur gar zu gehorsam, da sie sonst in ehrlichen und gerechten Sachen ungern gehorchen].

4. Sie denken nicht danach, dass sie sich kehrten zu ihrem Gott; denn sie haben einen Hurengeist in ihrem Herzen und lehren vom Herrn nicht.

Hurengeist: Das ist, die Abgötterei hat sie, wie ein grausames Gift, eingenommen, dass sie nach Gott nichts fragen noch durch wahre Buße sich zu ihm bekehren. [Denn welche Gottes Willen aus seinem Wort nicht lernen wollen, die erkennen Gott nicht. Und wenn die Götzendiener mit einer gleichsam unsinnigen Wut der Abgötterei genommen würden, so kommen sie von sich selbst niemals wiederum zurecht, wo sie Gott nicht mit seinem Wort und Geist oder auch Strafen von solchem unglückhaften Lauf zurück- und aufhalte. So ist es mit unserem freien Willen und seinen Kräften beschaffen].

5. Darum soll die Hoffart Israels vor ihrem Angesicht gedemütigt werden und sollen beide, Israel und Ephraim, fallen um ihrer Missetat willen; auch soll Juda samt ihnen fallen.

Hoffart: (Nach Luther) Ihre Gottesdienste, darauf sie bauen und pochen.

Angesicht: Das ist, ich will die abgöttischen und falschen Gottesdienste, damit die Israeliten prangen, ihnen unter die Nase stoßen, dass sie es nicht leugnen können, und will sie danach zur Strafe hernehmen. [Denn wenn der Heuchler Bosheit hervorgezogen und ans Licht gebracht wird, so wollen sie es nicht mehr gestehen, dass sie dergleichen etwas getan haben: Gleichwie auch heutigentags die Katholiken viel Dinge leugnen. Aber man muss sie überweisen und überzeugen, mit was für schrecklicher Abgötterei sie sich verunreinigt haben].

Fallen: Und in groß Unglück geraten. [Als denn aber ist das Kreuz viel schwerer, wenn auch das Gewissen uns anklagt und überzeugt, dass wir solche Strafen mit unseren Sünden über uns gezogen haben. Darum sollen wir Fleiß ankehren, dass wir ein gutes Gewissen behalten, wenn wir aber je gefallen sind, dass wir uns aufs förderlichste mit Gott wiederum versöhnen].

Soll Juda: Das ist, das Königreich Juda soll auch schwer gestraft werden. Denn dasselbe Königreich ist unter der Regierung des frommen Königs Hiskia, von den Assyrern sehr verwüstet und verdorben worden, um der Abgötterei willen, die sie unter den vorigen Königen, zu des Königreichs Israel Fortsetzung getrieben, dazu ihrer viel noch damals nicht rechtschaffen Buße getan hatten. So ist auch endlich das Königreich Juda, da es zur Abgötterei wieder umgeschlagen, eben sowohl von den Chaldäern, als wie zuvor das Königreich Israel von den Assyrern zerstört worden. [Sollen wir demnach uns nicht zu bösen Leuten gesellen, dass wir es ihnen in ihrer Bosheit nachtun wollten, auf dass wir nicht zugleich mit ihnen gestraft werden].

6. Alsdann werden sie kommen mit ihren Schafen und Rindern, den Herrn zu suchen, aber nicht finden; denn er hat sich von ihnen gewandt.

Als denn: Wenn, nämlich die Israeliten spüren werden, dass die Strafen herzurücken, so werden sie Gott mit ihren abgöttischen Opfern versöhnen wollen, wird aber vergebens sein.

Nicht finden: Das ist, sie werden viel Vieh zum Opfer bringen, Gott damit zu versöhnen und Hilfe bei ihm zu erlangen, aber sie werden nichts erhalten, weil sie Gott von wegen ihrer Abgötterei verlassen hat und sich ihrer nicht mehr achtet. [Denn die Heuchler sind in ihren Gottesdiensten ganz geschäftig, wenn sie in Nöten stecken. Aber eben dadurch erzürnen und beleidigen sie nur Gott desto mehr].

7. Sie verachten den Herrn und zeugen fremde Kinder; darum wird sie auch der Neumond fressen mit ihrem Erbteil.

Verachten: Daher ist es kein Wunder, dass sie Gott verlassen hat, weil sie ihm nicht gehorchen wollen.

Fremde Kinder: Das ist, sie verführen ihre Kinder mit ihrer gottlosen Lehre und machen Abgöttische aus ihnen, wie sie sind. Darum erkenne ich ihre Nachkommen nicht für meine Kinder, sondern halte sie für Hurenkinder, darum will ich mich ihrer nicht annehmen. [Also welche heutigentags im Papsttum die Jugend zur Abgötterei gewöhnt, die zeugen und erziehen Christo nicht Kinder, sondern Hurenkinder, welches ein gräuliches Laster ist, aber in der antichristlichen Kirche täglich getrieben wird].

Erbteil: Das ist, die Israeliten werden von wegen der abgöttischen Opfer, so besonders an den Feiertagen verrichtet werden, erwürgt und ins Elend vertrieben, das Land aber verwüstet werden. Es wird sie (wie man sagt) der Teufel mit ihren Feiertagen erlaufen. [Denn Gott hasst und verwirft alle Gottesdienste, die nicht in seinem Worte Grund haben].

8. Ja, blast Posaunen zu Gibea, ja, trompetet zu Rama, ja ruft zu Beth-Aven: Hinter dir, Benjamin!

Blast: Macht Lärm und ermahnt euch einander zum Streit in den Städten des Königreichs Israel. Mit welchen Worten der Prophet, den Israeliten die Schlafsucht der fleischlichen Sicherheit vertreiben will, auf dass sie sich erinnern, wie die Strafen nicht weit sind.

Beth Aven: Das ist zu Bethel. Welche Stadt um ihrer Abgötterei willen nicht wert ist, dass sie Bethel heißen soll, welches ebenso viel ist, als Gottes Haus, sondern mag richtig Beth Aven genannt werden, das ist ein Haus der Ungerechtigkeit.

Hinter dir Benjamin: Das ist, der Lärm und Kriegsgeschrei wird nicht weit vom Königreich Juda gehört werden und das Unglück von demselben auch nicht weit sein. [Denn die sicheren und unbußfertigen Zuhörer sollen durch die Kirchendiener mit einer ernstlichen und ausführlichen Erinnerung gleichsam auf den Augenschein geführt werden, auf das sie ihre Gefahr merken und dieselbe durch wahre Buße abwenden].

9. Denn Ephraim soll zur Wüste werden zur Zeit, wenn ich sie strafen werde. Davor hab ich die Stämme Israels treulich gewarnt.

Davor: (Nach Luther) Ich hab es lange gesagt, es wird einmal zu scheitern gehen.

Gewarnt: Nämlich vor den zukünftigen Strafen, hab ich sie durch meine Propheten bei guter Zeit dazu oft mit allem Fleiß lassen warnen, dass sie Buße täten, damit sie dem künftigen Übel entrännen, aber es ist alles vergebens und umsonst gewesen. Darum, wenn ich die Sünder des israelitischen Königreichs strafen werde, so wird es nicht nur geschwächt, sondern allerdings zerstört werden und werde ich denn ganz aus mit ihnen machen. [Denn zuvor, ehe Gott die Strafen schickt, so lässt er die Leute zur Buße berufen, wenn man aber seine Langmütigkeit missbraucht und noch dazu das Gespött damit treibt, so erfolgt endlich eines Königreichs und Landes gänzliche Zerstörung].


Das 6. Kapitel


1. Jetzt schilt der Prophet auch auf die Bosheit des Königreichs Juda und mengt doch von den Israeliten etwas mit unter. v. 10. 2. Danach setzt er einen herrlichen Trost für die Auserwählten und weissagt von Christo und seinem Reich, wie, nämlich das Volk Gottes, nachdem es im Elend gedemütigt wurde, endlich seine Sünde erkennen und den Heiland Christus, welcher ihnen im Evangelium vorgetragen wird, annehmen werde. v. 5.

1. Die Fürsten Judas sind gleich denen, so die Grenze verrücken; darum will ich meinen Zorn über sie ausschütten wie Wasser.

Verrücken: Die vornehmsten Herren und Landstände des Königreichs Juda sind nicht um ein Haar besser, als diejenigen, welche auf den Feldern die Marksteine ausgraben und heimlich an einen anderen Ort wieder eingraben. Welches ein großes Bubenstück ist und einem redlichen Mann übel ansteht. [Es verrücken aber die Marksteine in der Kirche diejenigen, welche von dem vorgeschriebenen Worte Gottes abweichen und andere Artikel oder Hauptstücke der christlichen Lehre zu glauben, auch andere Gottesdienste zu halten auf die Bahn bringen, davon Gott in seinem Wort nichts befohlen hat, in Massen die papistischen Lehrer getan. Wir aber, indem wir die Irrtümer, Abgötterei und Menschensatzungen ausmustern, setzen keine neuen Marksteine, sondern suchen und zeigen nur allein die rechten Alten, welche Christus, die Propheten und Apostel gelegt haben und da sie durch die papistischen Heuchler von ihrem Ort verrückt wurden, bringen wir ein jedes wieder an seinen Ort.]

Darum: Folgt jetzt derjenigen Strafe, so die Marksteine und Grenzen in Religionssachen verrücken.

Wie Wasser: Es sollen sie die Strafen gleichwie eine Flut überschwemmen, dass sie nicht entfliehen können. [Denn Gott kann die Verfälschung in der Religion viel weniger dulden, als andere Laster im äußerlichen Wandel.]

2. Ephraim leidet Gewalt und wird geplagt; daran geschieht ihm recht; denn er hat sich gegeben auf (Menschen-)Gebote.

Geplagt: Das ist, das israelitische Volk hat sich bisher viel leiden müssen, wird auch künftig noch mehr leiden, daran ihm doch nicht Unrecht geschieht. Denn da der erste israelitische König, Jerobeam, der Sohn Nebat, die goldenen Kälber aufstellte und seinem Volk gebot, dass sie bei denselben und nicht mehr zu Jerusalem Gott ehren sollten, sind ihm die Israeliten, wie auch seinen Nachkommen, gutwillig gehorsam gewesen, da sie doch vielmehr das Äußerste hätten daran wagen sollen, ehe sie zu falschen Gottesdiensten sich antreiben lassen. [Denn wenn eine Obrigkeit etwas gebietet, das wider Gott ist, so sollen die Untertanen bedenken, dass man Gott mehr gehorchen müsse, als den Menschen {Apg 5}. Daneben aber soll man nichts aufrührerischer weise wider die Obrigkeit sich unterstehen, sondern dulden, was sich zuträgt oder durch die Flucht sich erhalten.]

3. Ich bin dem Ephraim eine Motte und dem Hause Juda eine Made.

Made: Das ist, gleichwie die Motten oder Schaben ein Kleid zernagen und verzehren und die Maden oder Holzwürmer das Holz durchbohren, löchrig machen und verderben. Also will ich, der Herr, nach und nach die beiden Königreiche Juda und Israel an ihrer Macht schwächen und ihre Kräfte verzehren, bis sie endlich von wegen ihrer Abgötterei und anderer Laster, gar zu Haufen fallen. [Dergestalt schwächt Gott, um der Sünde willen, allgemach die Kräfte des Leibes und lässt die Macht und Güter der Königreiche und Herrschaften abnehmen und geschmälert werden, wie auch am römischen Kaisertum zu sehen.]

4. Und da Ephraim seine Krankheit und Juda seine Wunden fühlte, zog Ephraim hin zu Assur und schickte zum König zu Jareb; aber er konnte euch nicht helfen noch eure Wunden heilen.

Ephraim: Dadurch das Königreich Israel verstanden wird.

Jareb: Dadurch Ägypten verstanden wird. Will aber so viel sagen, die Israeliten haben zwar ihren Schaden wohl empfunden, da sie von den Syrern geplagt wurden, so hat auch das Königreich Juda bis daher zu etlichen Malen harte Anstöße gehabt. Aber sie haben sich nicht zu Gott gewandt, dass sie durch vorhergehende wahre Buße von ihm Hilfe begehrt hätten, sondern haben bald die Assyrer, bald die Ägypter um Hilfe ersucht und gewollt, dass dieselben ihre Unbilligkeit rächen sollten. Da doch solcher menschlicher Schutz bis daher ihnen wenig oder nichts geholfen, wird auch künftig ihnen nichts nützen. [Denn verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und mit seinem Herzen vom Herrn weicht {Jer 17}. Und zwar, wenn man der Menschen Hilfe am meisten bedarf, so fehlt sie.]

5. Denn ich bin dem Ephraim wie ein Löwe und dem Hause Juda wie ein junger Löwe. Ich, ich zerreiße sie und gehe davon und führe sie weg und niemand kann sie retten.

Zerreiße sie: Wie ein Löwe seinen Raub, den er überkommen hat. Als wollte er sprechen: Ich verfolge die Israeliten, ob ich wohl der Menschen Zutun dazu gebrauche und ich bin es, der sie plagt und verleihe den Feinden Kraft und Stärke. Haben also mich selbst zum Widersacher. Darum irren sich die im Königreich Juda und Israel, dass sie meinen, sie werden ungefähr von den benachbarten Heiden geplagt und können solchen Unfall durch andere Könige von ihnen abtreiben. Aber bis ich ihnen wiederum versöhnt werde, mögen sie mit der Menschen Hilfe nichts ausrichten.

Retten: Es kann mir niemand widerstehen, ich will sie aus ihren Königreichen ins Elend verstoßen und soll mir es niemand wehren, dass ich solches nicht ins Werk richte. [Bekümmern sich deswegen diejenigen vergebens damit, wie sie den Feinden oder anderem Unglück widerstehen wollen, welche einen zornigen Gott haben und noch nicht bei ihm wieder ausgesöhnt sind. Also plagt auch nicht der Türke, sondern Gott selbst durch den Türken die unbußfertigen Christen.]

6. Ich will wiederum an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen; wenn es ihnen übel geht, so werden sie mich frühe suchen müssen (und sagen):

Nach Luther: Sie weissagt ihm von Christo und dem Evangelium. Die Juden wollten Gott nicht gehorchen, da es ihnen wohlging. So müssen sie im Neuen Testament unter dem Kreuz Gott dienen. Es will doch nicht anders sein, denn den Armen wird das Evangelium gepredigt {Mt 11v5}. Die Elenden hören Gottes Wort, die Reichen achten es nicht.

Ort gehen: Das ist: Wenn ich die Israeliten in Assyrien und die Kinder Juda in das babylonische Gefängnis verstoßen habe, so will ich mich eine Zeit lang gleichsam vor ihnen verbergen, dass es ein Ansehen habe, als hätte ich sie ganz und gar verlassen. [Eben also handelt Gott auch mit uns, wenn er die Empfindlichkeit seiner Gnade uns eine Zeit lang erzeigt.]

Suchen: Dass sie ihre Sünde bekennen und mich demütig um Verzeihung bitten.

Frühe suchen: Das ist: Sie werden mit großem Fleiß danach trachten, wie sie mögen bei mir wieder und zu Gnaden kommen und werden sich mit großem Eifer zu mir bekehren.

7. Kommt, wir wollen wieder zum Herrn! Denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen; er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden.

Zum Herrn: Unserem Gott, dass wir mit ihm wiederum versöhnt werden und Trost von ihm bitten mögen.

Zerrissen: Um unserer Sünde willen hat er uns gestraft.

Verbinden: Nämlich unsere Wunden, die wir aus seiner Strafe empfangen haben. [Denn Gott straft uns nicht der Meinung, dass er uns verderben wolle, sondern, dass wir unsere Sünde bekennen und uns zu ihm bekehren. Derselbe unser gütiger himmlischer Vater, welcher über uns zürnte und uns züchtigte, wird uns auch mit dem Evangelium Jesu Christi wieder trösten, unser Gewissen ruhig machen und unser Elend mildern].

8. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben werden.

Leben werden: Das ist, [Gott wird uns, die wir an Jesum Christus glauben (der für unserer Sünde sterben und am dritten Tage wieder von den Toten Auferstehen wird) geben, dass wir auch von den Toten wieder auferstehen und vor ihm in ewiger Seligkeit immer leben werden. Denn die Kirche hat mit Christo angefangen aufzustehen, da Christus als das Haupt der Kirche am dritten Tage auferstanden ist. Und hierher hat ohne Zweifel der Apostel Paulus gesehen, da er zu den Korinthern schreibt, dass Christus am dritten Tage auferstanden sei, nach der Schrift {1Kor 15}].

9. Dann werden wir acht darauf haben und fleißig sein, dass wir den Herrn erkennen. Denn er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte und wird zu uns kommen wie ein Regen, wie ein Spätregen, der das Land feuchtet.

Erkennen: Das ist, als denn wird die Kirche Christi nicht so unverständig sein in dem Worte Gottes, wie zuvor, sondern wird das Evangelium von Christo mit großem Eifer lernen, auf dass sie daraus Gott ihren Herrn recht erkennen. [Und ist zwar aus den Geschichten der Apostel kund, mit was großer Freudigkeit beides die Juden und Heiden das Evangelium Christi angenommen und in der Erkenntnis Gottes zugenommen haben, welchem Eifer wir nachfolgen sollen. Aber ihrer viel haben einen solchen Verdruss ob dem Worte Gottes, dass sie mit Unwillen zur Predigt gehen und die Bibel nicht gern ansehen mögen].

Brechen: Das ist, der Heiland Christus (spricht die Kirche) wird uns durch die Predigt des Evangeliums aufgehen, wie die Morgenröte, welche sich überall ausbreitet, dass ihr niemand wehren kann. [Und erquickt Christus mit seinem Evangelium unsere durstigen Herzen, so durch die Empfindung der Sünden und des Zorns Gottes matt und erschöpft wurden, als ein fruchtbarer Regen und macht uns fruchtbar zu guten Werken, wie ein Regen das Land. Es wird auch niemand mit irgendeiner List oder Verfolgung den Lauf des Evangeliums aufhalten können].

10. Wie will ich dir so wohltun, Ephraim! Wie will ich dir so wohltun, Juda! Denn die Gnade, so ich euch erzeigen will, wird sein wie eine Tauwolke des Morgens und wie ein Tau, der frühmorgens sich ausbreitet {Mi 5v7}.

Wohl tun: Wie soll ich doch nur freundlich genug mit euch umgehen?

Erzeigen will: Die euch umsonst und ohne euer Zutun von mir widerfahren soll.

Ausbreitet: Über das Gras und Kräuter, dass er sie erfrische. [Denn wenn man die Sünde und den Zorn Gottes empfindet, so ist solches eine gräuliche Hitze, die des Leibes und Gemütes Kräfte verzehrt. Das Evangelium aber ist wie der Tau des Himmels, dadurch die angefochtene Gewissen erfrischt, erquickt und lebendig gemacht werden. Für welche Guttaten Gottes wir Gott dem himmlischen Vater, samt seinem Sohn Jesu Christo und Heiligem Geist, nie genügend danken können].

11. Darum höfele ich sie durch die Propheten und töte sie durch meines Mundes Rede, dass dein Recht ans Licht komme.

Darum: Der Prophet schreitet wiederum von der Zeit des Neuen Testaments auf seine damals gegenwärtige Zeit und erzählt die großen Guttaten Gottes, dass er durch die Kirchendiener die Irrtümer und Sünden strafe und die rechte Weise lehre, wie man Gott ehren soll.

Höfele: Ich gebe ihnen Propheten, die gleichsam als ein Hofel ihre Irrtümer und Laster verbessern und richtig bringe.

Höfele: (Nach Luther) Das ist, ich verdamme ihren Gottesdienst, auf dass sie lernen, mir recht zu dienen.

Rede: Nämlich durch die Predigt des Gesetzes errege ich in der auserwählten Herzen eine wahre Buße. Sofern nun das israelitische Volk mir gehorchen und meinem Wort folgen will, so wird es ihm wohl gehen.

Licht komme: Und deine gerechte Sache wider die gottlosen Heiden offenbar werde und die Oberhand behalte. Denn ich will durch deinen glücklichen Fortgang den Heiden zeigen, dass ich für dich sorge und deine Unbilligkeit in keinen stelle. [Hier hat man drei Dinge zu merken. Erstlich, dass man nicht unwillig darüber werden soll, wenn mit dem Worte Gottes, als mit einem Werkzeug, an uns gebessert und zurechtgebracht wird, was krumm und ungerade ist. Danach wie das Wort Gottes nie ohne Frucht abgehe, wo es gelehrt wird, sondern etlicher Herzen durchdringe, dass sie sich bekehren und Buße tun. Zum dritten, dass Gott als denn seiner Kirche unrichtig räche, wenn sie Buße tut].

12. Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer und an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer {1Sam 15v22 Mt 9v13 12v7}.

Liebe: Gegen dem Nächsten. Als wollte Gott sagen: Ich will dir die rechte Weise zeigen, wie man Gott ehren soll, welche von der Heuchelei weit unterschieden ist. Denn die Heuchler bemühen sich gar viel mit den äußerlichen Zeremonien und fragen unterdes nicht viel nach der wahren Erkenntnis Gottes oder nach der Liebe des Nächsten. Ich aber erfordere diese zwei Stücke besonders, als in denen das ganze Gesetz der ersten und anderen Tafel besteht: Der Opfer halben hat es gute Wege und ein schlechtes Bedenken bei mir, sie geschehen gleich in großer Anzahl und hohem Wert oder werden mit einem geringen verrichtet.

Erkenntnis Gottes: Welches besteht im wahren Glauben an den Messias.

Brandopfer: Welche ich nicht der Meinung eingesetzt habe, als wäre der ganze Gottesdienst damit ausgerichtet oder aber, dass durch solche Opfer die Sünden in der Wahrheit ohne Christus könnten versöhnt werden. Sondern ich habe die Opfer darum eingesetzt, auf dass ihr dabei von dem Messias erinnert würdet, welcher einmal für eure Sünden sterben wird und dass ihr auf ihn all euer Vertrauen setzt. Wer auch aus solchem Vertrauen und Glauben dem Nächsten von Herzen Gutes tut, es sei gleich die Guttat so gering, als sie wolle, der ist mir viel angenehmer, als wenn er alle Tage hundert Opfer schlachtete. [Es werden aber hiermit die äußerlichen Zeremonien in der Kirche nicht verworfen, besonders welche von Gott selber eingesetzt sind, sondern es wird angezeigt, dass Gott an denselben kein Gefallen habe, wenn der Glaube an Christus und die Liebe gegen dem Nächsten nicht dabei ist. Auf gleiche Weise können wir auch heutigentags von etlichen Heuchlern zu unserer Zeit sagen: Was ist es, dass ihr die Predigten oft besucht und das Nachtmahl empfangt, da doch all euer Tun und Lassen anzeigt, dass ihr keinen wahren Glauben an Christus habt und kein Fünklein der Liebe gegen dem Nächsten in Euren Herzen klebt. Damit man doch die göttlichen Ordnungen und Einsetzungen nicht verwirft oder verbietet, sondern den Missbrauch und die Heuchelei]. Es wird auch dieser Spruch des Propheten von der Barmherzigkeit und Erkenntnis Gottes, zweimal von Christo im Neuen Testament angezogen: Als erstlich {Mt 9}, da die Pharisäer sich darauf ärgerten, dass Christus mit den Sündern umginge. Und zeigt Christus dort an, dass der Gott viel einen angenehmeren Dienst tue, welcher aus Erbarmen einen sündigen Menschen wiederum auf den rechten Weg der ewigen Seligkeit bringe, als wenn ein Opfer verrichtet werde. Zum anderen Mal, da die hungrigen Jünger am Sabbat Ähren ausrauften und aßen und die Heuchler solches Unrecht hießen, hält ihnen Christus diesen Spruch des Propheten vor und lehrt, wie es Gott viel lieber habe, dass ein hungriger und matter Mensch mit Speise erlabt werde, als wenn man den Sabbat abergläubischerweise wider die Liebe des Nächsten halte {Mt 12}. [Sollen wir deswegen auf die zwei Stücke uns besonders bemühen, nämlich dass wir in der wahren Erkenntnis Gottes täglich zunehmen und unserem Nächsten aus reinem Herzen Gutes tun, nicht zwar der Meinung, dass wir wollten einen Ruhm damit erjagen oder einen Nutzen davon haben, sondern dass wir aus rechtem Erbarmen gegen ihm bewegt werden].

13. Aber sie übertreten den Bund, wie Adam; darin verachten sie mich {1Mos 3v6}

Adam: Ihr erster Vater. Als wollte er sprechen: Sie sind ebenso fromm geblieben, wie ihr Vater Adam im Paradies. Denn sie sind in dem Gehorsam meiner Gebote nicht beständig geblieben, wie sie mir versprochen hatten. [Weil denn Adam, da er noch in seiner Unschuld gewesen, gefallen ist. Wie sollte denn ein Mensch, der in Sünden empfangen und geboren ist, aus seinen eigenen Kräften Gott einen beständigen und völligen Gehorsam leisten?]

14. Denn Gilead ist eine Stadt voll Abgötterei und Blutschulden,

Denn: Hier fängt Gott an, etliche schreckliche Sünden zu erzählen, damit ihn sein Volk schwer erzürnt habe.

Blutschulden: Es seien rechte Bluthunde, denen nach der Frommen Blut dürstet. [Denn unter anderen Sünden der Götzendiener ist diese der Vornehmsten eine, dass sie denjenigen nach dem Leben stehlen, welche die rechte Religion annehmen und die Irrtümer verwerfen und vergießen dessen Blut, wenn sie Gelegenheit haben können].

15. Und die Priester samt ihrem Haufen sind wie Räuber, so da lauern auf die Leute und würgen auf dem Wege, der gen Sichem geht; denn sie tun, was sie wollen.

Lauern: [Denn die falschen Lehrer verbinden sich miteinander. Und gleichwie die Mörder an unsicheren Orten darauf lauern, dass sie den Menschen das Leben nehmen und also gleichsam die Leute verschlingen. Also erwürgen die falschen Lehrer die Seelen und sind der Seelen Schlund. Denn welche gottlose Lehre vorbringen, die sind viel schädlicher, als die Mörder und dürfen reden und tun, was ihnen in den Sinn kommt, weil sie kein Gewissen haben, ja auch keine Scham in ihnen ist. Zu wünschen wäre es, dass man solcher Verwegenheit nicht Beispiel im Papsttum und anderswo spürte].

16. Ich sehe im Hause Israel, da mir vor graut; denn da hurt Ephraim, so verunreinigt sich Israel.

Hurt: Dass die Israeliten geistliche Hurerei treiben. [Er nennt aber die Abgötterei so oft eine Hurerei, auf dass wir uns mit höchstem Fleiß vor aller Abgötterei hüten. Und sind nicht allein die für Abgöttische und Götzendiener zu halten, welche die Götzen und Bilder anbeten, sondern auch, welche auf Menschen oder Reichtum oder Weisheit oder andere Tugenden sich verlassen und die Kreaturen mehr lieben und fürchten, als Gott den Schöpfer. [Solche Abgöttische sind, die dem Bauch, der Unzucht und dem Mammon dienen].

17. Aber Juda wird noch eine Ernte vor sich haben, wenn ich meines Volkes Gefängnis wenden werde.

Nach Luther: Das Volk Israel soll in der assyrischen Gefangenschaft bleiben, aber das Volk Juda soll aus der Babylonischen Gefangenschaft wiederum zurückkommen.

Wenden werde: Will so viel sagen: Die Untertanen des Königreichs Israel werden nicht mehr wieder in ihr Vaterland kommen, aber die Kinder Juda werden wiederum hineinkommen, wenn ich diejenigen, so gen Babel gefangen weggeführt wurden, einmal eins wieder heimbringen werde, die werden das Land Kanaan wiederum besitzen. [Denn in leiblichen und zeitlichen Strafen hält Gott oft ein gewisses Maß und Gleichheit, dass, welche länger gesündigt haben, auch längere Strafe leiden müssen. Darum sollen wir in Sünden nicht beharren].


Das 7. Kapitel


I. Der Prophet schilt abermals auf die Sünden des israelitischen Volkes und verkündigt ihnen die herzurückenden Strafen.

1. Wenn ich Israel heilen will, so findet sich erst die Sünde Ephraims und die Bosheit Samaria, wie sie Abgötterei treiben. Denn wiewohl sie unter sich selbst mit Dieben und auswendig mit Räubern geplagt sind,

Heilen will: Dass ich ihnen Propheten schicke, die meinem Volk ihren Schaden und Gebrechen der gräulichen Sünden eröffnen und gebührliche Mittel benutzen sollen.

Nach Luther: Je mehr man recht lehrt, je ärger die Welt wird.

Treiben: Dass sie mit falschen Gottesdiensten sich verunreinigen und in andere Sünden und Laster liegen, meinen Propheten, ja mir selbst, zur Verachtung. [Denn je mehr der Heuchler Bosheit aus dem Worte Gottes gestraft wird, je halsstarriger sie dieselbe verteidigen und heftiger darin fortfahren. Gleichwie heutigentags die Katholiken tun, wenn sie ihrer Irrtümer und Abgötterei überwiesen werden. Eben dasselbe pflegen auch zu tun etliche Maulchristen, die desto ungescheuter sündigen, je schärfer auf die Laster in den Predigten gescholten wird. Denn sie meinen, sie wollen es den Kirchendienern zu Leide tun, wenn sie nach gehörter ernster Erinnerung und Warnung desto weidlicher in Sünden fortfahren und wollen dem Pfaffen zu Trotz des Teufels werden].

Geplagt: Das ist: Obwohl die Feinde etliche Male eingefallen, da sie geraubt und gestohlen, was ihnen hat werden mögen, dadurch ich längst angefangen, ihre Sünden und Bosheit zu strafen, so haben sie es doch nicht dahin verstehen wollen, sondern es etwa einem ungefährlichen Zufall zugemessen oder anderen Ursachen die Schuld gegeben. Und besonders die Priester, welche Amtes halben die rechten Ursachen der göttlichen Strafen anzeigen sollten und die Obrigkeit ermahnen, dass sie den falschen Gottesdienst abschaffte und den Sünden des Volkes abwehrt, mit angehängter Bedrohung, dass es noch viel ärger zugehen würde, wo sie nicht würden Buße tun. Siehe, so kommen die heillosen Pfaffen her und sprechen dem Könige und seinen Fürsten erst tröstlich zu, mit Verheißung viel guten Dinges, sagen, es sind solche der Feinde Einfälle kein Zeichen eines zornigen Gottes und werde es bald wieder besser werden, dazu werde das Regiment im Lande Israel und Juda noch viel hunderte Jahre stehen bleiben. Denn also vertrösteten die falschen Propheten den König Zedekia in Juda, wie er vom Könige Nebukad Nezar belagert wurde, dass sie sagten, die Babylonische Monarchie würde innerhalb drei Jahren zugrunde gehen und würden die Juden, so bereits mit dem Könige Jechania gefangen gen Babel weggeführt worden, bald wieder heim in ihr Vaterland kommen, dazu die heiligen Gefäße auch wieder gebracht werden. [Es ist aber eine große Unbesonnenheit und schädliche Sicherheit an einem Volk, wenn es die vor Augen schwebenden Strafen der Sünden nicht erkennen will. Und ist es eine ganz große Bosheit an den Kirchendienern, wenn sie die Obrigkeit und das Volk in ihrer fleischlichen Sicherheit stärken und da alle Büberei und gottloses Wesen im Schwange geht, dennoch von lauter Glück und guter zeitlicher Wohlfahrt predigen].

2. dennoch wollen sie nicht merken, dass ich alle ihre Bosheit merke. Ich sehe aber ihr Wesen wohl, das sie überall treiben.

3. Sie vertrösten den König durch ihre Bosheit und die Fürsten durch ihre Lügen

Nach Luther: Abgötterei.

4. und sind allesamt Ehebrecher, gleichwie ein Backofen, den der Bäcker heizt, wenn er hat ausgeknetet und lässt den Teig durchsäuern und aufgehen.

Und: Jetzt beschreibt der Prophet ganz artig, wie die Priester des israelitischen Königreichs mit einem großen Eifer Abgötterei treiben und daneben ein gottloses sicheres Leben führen.

Ehebrecher: Sie leben in schändlicher Unzucht, in Massen vorzeiten die Söhne Eli mit den Weibern Unzucht trieben, die vor der Hütte des Stifts dienten: Und stellen sich doch, wenn sie den Gottesdienst versehen sollen, als wären sie ganz andächtig und eifrig in der Religion.

Und aufgehen: Will so viel sagen: Gleichwie ein Bäcker, wenn er den Teig geknetet hat, sich niederlegt und die ganze Nacht schläft, bis der Teig durchsäuert ist, des Morgens aber den Ofen heizt. Also bringen sie (die Priester) die Nacht zu in Unzucht und anderen Lastern und verrichten des anderen Tages danach ihre Opfer mit einem inbrünstigen Eifer. Dass solches der Verstand dieses Gleichnisses sei, ist aus den bald später folgenden Worten gut zu lesen.

5. Heute ist unseres Königs Fest (sprechen sie), da fangen die Fürsten, an vom Wein toll zu werden; so zieht er die Spötter zu sich.

Königs Fest: Das ist, sein Geburtstag, hilf lieber Gott, mit was großer Andacht opfert man da des Morgens für des Königs langes Leben und glückliche Regierung, auch allgemeinen Wohlstand.

Toll zu werden: Da sie solche Dinge reden und tun, die ihnen ganz übel anstehen.

Er: Nämlich der König, nimmt und ladet zu seinem Bankett gottlose Leute, welche der rechten Religion oder auch der falschen eben sowohl spotten, denn es gilt ihnen alles gleich, sie halten auf eine Religion so viel als auf die andere und fragen nach keiner: Mit solchen Leuten ist der König in seinem Bankett lustig und guter Dinge. [Denn man findet unter den Hofleuten, die des Morgens bei dem Gottesdienste sich ganz andächtig stellen, wenn es aber nach Mittag kommt, so leben sie im Sause und halten Haus wie die Säue].

6. Denn ihr Herz ist in heißer Andacht wie ein Backofen, wenn sie opfern und die Leute betrügen; aber ihr Bäcker schläft die ganze Nacht und des Morgens brennt er lichterlohe.

Denn: Jetzt kommt der Prophet wieder auf sein voriges Gleichnis vom Bäcker und Backofen und erklärt sie etwas deutlicher, was er damit meine.

Betrügen: Wenn, nämlich die Priester die einfältigen Leute mit Hinterlist hintergehen und ins Verderben stürzen, die sie mit ihrer angemaßten Heiligkeit und Heuchelei verführt haben.

Ihr Bäcker: (Nach Luther) Das ist, ihre Könige, will also sagen, sie brennen so heiß in Abgötterei, dass sie mit keiner Plage davon zu bringen sind. Ja sie machen Märtyrer aus denen, so Gott straft, als leiden sie es um Gottes willen und kanonisieren ihre eigenen Heiligen.

Lichterlohe: Das ist: Wenn die Priester in großer Sicherheit allerlei Sünde, Schande und Laster begehen, besonders des Nachts, so spürt man dennoch des Morgens einen solchen Eifer an ihnen, als wenn sie von lauter Heiligkeit ganz und gar entbrannt und den Engeln zu vergleichen wären. [Welcher Maler hätte aber können die papistischen Messpfaffen, Mönche und dergleichen Knechte und Mägde besser abmalen, als hier der Prophet getan? Denn wenn sie nicht dürfen beim Gottesdienst sein, so treiben sie Schwelgerei, Unzucht, Ehebruch oder auch noch ärgeres. Wenn sie aber sollen Messe halten oder ein groß Fest begehen, da laufen sie zusammen, als wenn ihnen der Kopf brenne und erzeigen sich so andächtig, als wenn sie allererst aus dem Himmel gestiegen und zu Erhaltung der Menschen angekommen wären. Aber wie der Gottesdienst ist, so sind auch die Priester].

7. Noch sind sie so heißer Andacht wie ein Backofen. Obgleich ihre Richter aufgefressen werden und alle ihre Könige fallen noch ist keiner unter ihnen, der mich anrufe.

Heißer Andacht: Sie führen äußerlich einen großen Schein und sind ganz andächtig in ihren heuchlerischen Gottesdiensten.

Aufgefressen: Dass sie ihre Obrigkeit mit sich ins Verderben stürzen, die sie mit ihrer Schmeichelei und weil sie den falschen Gottesdienst loben, betrügen und bei der Nasen herumführen.

Fallen: Denn es sind bisher viel israelitische Könige ernstlich gestraft worden, dass sie die Abgötterei bestätigt haben, dennoch werden sowohl die Obrigkeit als die Untertanen von solchen bösen Buben, in so großer Blindheit des Herzens geführt und aufgehalten, dass sie die göttlichen Strafen und derselben eigentlichen Ursachen nicht betrachten noch die rechte Arznei suchen.

Keiner: Es will sich unter den gottlosen Leuten niemand finden, der seine Sünde erkennt und um Vergebung derselben oder auch Milderung der Strafen anhielte. [Es ist aber eine schreckliche Bosheit, wenn man auch unter der Strafe nicht will Buße tun].

8. Ephraim mengt sich unter die Völker; Ephraim ist wie ein Kuchen, den niemand umwendet,

Mengt: Das ist: Das israelitische Volk macht mit anderen Heiden Bündnis, der Hoffnung, dass es durch desselben Hilfe und zu tun die Gefahr abtreiben wolle. [Aber es ist ein Stück der Abgötterei, wenn man auf Menschen sich verlässt {Jer 17}.

Umwendet: Ob er gleich lange auf einem heißen Herd gebacken wird, darum er auch je länger je härter, ja ganz verbrannt und verdorben wird. Also geht es den Israeliten auch, dass sie je länger je größeren Schaden von den Völkern empfangen, mit denen sie sich in Bündnisse eingelassen haben, dennoch wollen sie sich nicht zu Gott bekehren, sondern gehen in ihrem Unfall zu Boden.

Nach Luther: Lässt sich immer braten auf einer Seite.

9. sondern Fremde fressen seine Kraft, noch will er es nicht merken. Er hat auch graue Haare gekriegt; noch will er es nicht merken.

Graue Haare: Das ist: Er hat alle seine Kraft verloren.

Merken: Das Königreich Israel empfindet seine Gebrechen nicht, darum es auch nicht danach trachtet, wie ihm möchte geholfen werden.

10. Und die Hoffart Israels wird vor ihren Augen gedemütigt; noch bekehren sie sich nicht zum Herrn, ihrem Gott, fragen auch nicht nach ihm in diesem allem.

Gedemütigt: Das ist: Die Strafe ihrer Hoffart, da sie ihrer falschen Gottesdienste sich gerühmt, hat ihnen genügend ins Angesicht widersprochen und Zeugnis geben können, dass sie Gott heftig erzürnt haben.

Sich nicht: Dass sie von der Abgötterei abstünden, um Verzeihung bäten und ihr Leben mit Ernst besserten. Obwohl sie bis daher mit vielem Unglück überfallen wurden. [Denn die Verstockten werden durch die Strafen nicht besser, sondern nur ärger gemacht].

11. Denn Ephraim ist wie eine verlockte Taube, die nichts merken will. Jetzt rufen sie Ägypten an, dann laufen sie zu Assur.

Verlockte Taube: Denn gleichwie eine einfältige, ja unbesonnene und närrische Taube sich verleiten lässt, dass sie in ein fremdes Taubenhaus flieht und ihr eigenes Nest böslich verlässt. Also hat Israel von den gottlosen Königen und Priestern sich überreden und verführen lassen, dass sie den Tempel des Herrn zu Jerusalem verlassen, da der wahre Gottesdienst im Schwange geht und zu den abgöttischen Kapellen zu Bethel, Dan, Gilgal und anderswo sich verfügen. [Eben dasselbe tun auch die, welche von der reinen Lehre des Evangeliums entweder zu der Katholiken Abgötterei oder zu den Zwinglianern und anderer Sektierer Haufen sich schlagen].

Zu Assur: Dass sie von ihnen Hilfe begehren in ihrem Unfall. Darum sie auch in zeitlicher Gefahr ebenso wenig den rechten Weg treffen. Denn sie suchen nicht Hilfe bei Gott, sondern bei den gottlosen Heiden. [Welche aber ihre Hoffnung auf Menschen setzen, die haben kein Glück].

12. Aber indem sie hin und her laufen, will ich mein Netz über sie werfen und herunterrücken wie die Vögel unter dem Himmel; ich will sie strafen, wie man predigt in ihrer Sammlung.

Wie man predigt: (Nach Luther) Das ist, sie drohen und bannen die rechten Propheten als Ketzer vor Gott, dasselbe soll auf ihren Kopf fallen und sollen die Strafen, die sie predigen, über andere in ihren Schulen, selbst tragen.

Sammlung: Das ist: Ich will solches Unglück über sie kommen lassen, von welchem sie fälschlich predigen in ihren Schulen oder Synagogen, dass es den rechten Dienern Gottes begegnen werde. [Denn Katzen-Gebet geht nicht gen Himmel und was die Heuchler frommen Leuten drohen, das kommt ihnen, den Heuchlern, selbst über den Hals.]

13. Wehe ihnen, dass sie von mir weichen! Sie müssen verstört werden, denn sie sind abtrünnig von mir geworden. Ich wollte sie wohl erlösen, wenn sie nicht wider mich Lügen lehrten.

Weichen: Indem sie die rechte Religion verlassen und das Vertrauen, damit sie mich ehren sollten, hinter sich zurückwerfen.

Abtrünnig: Und haben also mit ihrer Undankbarkeit ihre vorigen Sünden gehäuft.

Erlösen: Wie ich denn neulich erzeigt habe, da ich dem Könige Jerobeam Glück und Sieg verliehen, dass er die Grenzen des Königreichs Israel erweitert und das schier zerfallene Königreich wieder angerichtet hat. So habe ich auch vor der Zeit ihnen oft und vielmals geholfen. [Denn Gott tut auch bisweilen den Gottlosen Gutes und will sie mit seiner Güte zur Buße locken].

Lügen: (Nach Luther) Abgötterei.

Lehrten: Wie sie denn tun, dass sie die reine Religion verlästern und ihr gutes Glück ihren falschen Gottesdiensten zuschreiben. [Denn wenn den Heuchlern von Gott geholfen wird, so geben sie ihm nicht die Ehre, sondern schreiben es ihren eigenen Kräften und Verdiensten zu, da sie etwas Glückliches verrichtet haben].

14. So rufen sie mich auch nicht an von Herzen, sondern heulen auf ihren Lagern. Sie versammeln sich um Korn und Mosts willen und sind mir ungehorsam.

Nicht an: Wenn sie in Nöten sind und von den Feinden geängstigt werden, wie denn bisher oft geschehen, so suchen sie mich, ihren rechten Nothelfer, nicht, ob sie wohl meinen Namen bisweilen in ihrem Gebet benutzen. Aber es ist ihnen nicht ums Herz, dieweil sie von ihrer Bosheit nicht wollen abstehen noch sich zu mir bekehren.

Heulen: Das ist, die Pfaffen plappern und heulen in den abgöttischen Kirchen, darin sie mit der geistlichen Hurerei, als auf einem Lager oder Bette sich verunreinigen, ihre gottlosen Gesänge, damit sie mich noch mehr erzürnen.

Nach Luther: Wie die Pfaffen in ihren Stiften heulen und plärren.

Lagern: (Nach Luther) Das ist, in ihren Kirchen und Schulen, da sie mit den Götzen buhlen.

Nach Luther: Das ist, sie gehen zu Chor um Essen und Trinkens willen.

Mosts willen: Sie murmeln ihr Gebet, nicht der Meinung, dass sie begehrten den Zorn Gottes zu versöhnen, sondern dass sie ihre Einkommen an Korn und Wein behalten mögen.

Ungehorsam: Sie treten meine Gebote mit Füßen und ehren mich nicht auf solche Weise, wie ich ihnen vorgeschrieben habe. [Also sind heutigentags die päpstlichen Kirchen nichts denn abgöttische Lager, oder Kammern, ganz hässlich verunreinigt, in denen die Pfaffen und Mönche heulen und plärren und etliche Gebete heimlich brummeln, nicht dass sie die Religion mit Ernst meinten, sondern dass sie desto reichlicher Einkommen an Wein und Korn haben mögen. Aber mit solchem Gottesdienst und Leben werden sie das Unglück, so über Deutschland schwebt, nicht abtreiben].

15. Ich lehre sie und stärke ihren Arm; aber sie denken Böses von mir.

Lehre sie: Dass ich sie nichtsdestoweniger durch die Propheten von ihrem Irrweg abmahnen und den rechten Weg weisen lasse.

Stärke: Wider ihre Feinde, dass sie unter ihrem Könige Jerobeam glückliche Siege erhalten.

Denken Böses: Für meine Guttaten, so ich ihnen erzeige, beratschlagen sie, wie sie meinen rechten Gottesdienst zu Jerusalem vertilgen wollen. [Also werden auch die Katholiken, wenn sie wider die Türken oder andere Feinde etliche Mal gesiegelt haben, bald von den Jesuiten angehetzt, dass sie die Lutherischen unterdrücken sollen].

16. Sie bekehren sich, aber nicht recht, sondern sind wie ein falscher Bogen; darum werden ihre Fürsten durch das Schwert fallen; ihr Drohen soll in Ägyptenland zum Spott werden.

Falscher Bogen: Das ist: Ob sie wohl im äußerlichen Wandel sich stellen, als ob sie Buße tun wollten, so haben sie doch meinen Geboten nie recht folgen wollen und haben mich in meiner Hoffnung betrogen, gleichwie ein böser Bogen, der kein Nütze ist, den Pfeil anderswo hintreibt, denn der Schütze gewollt hat. [Denn wenn die Gottlosen mit äußerlichem Unglück überfallen und geängstigt werden, so enthalten sie sich eine Zeit lang der ganz groben Laster. Aber dennoch wollen sie sich dem Willen Gottes und seinen Geboten nicht mit Ernst untergeben noch die Irrtümer und anderen Misshandlungen wahrhaftig und beständig verbessern, sondern fallen bald wieder in ihre Unweisheit].

Ägyptenland: Auf welche Hilfe sie sich verlassen und daneben den wahren Gott Israels lästern, auch die reine Religion verlachen und verspotten. [Denn Gott kann die Verachtung und Lästerung der wahren Religion nicht leiden, sondern rächt solches aufs Ernstlichste, sowohl an den großen Herren, als an Gemeinde und geringen Standes Leuten. Denn es gilt bei ihm kein Ansehen der Person].


Das 8. Kapitel


Der Prophet predigt von den Strafen des Königreichs Juda: Danach verkündigt er den Israeliten auch ihre Strafen: Und das zum Teil von wegen der groben Abgötterei, zum Teil um des Vertrauens willen auf menschliche Hilfe: In welchem Tun nicht nur im Königreich Israel, sondern auch im Königreich Juda vielfältig gesündigt wurde.

1. Rufe laut wie eine Posaune (und sprich: Er kommt schon über das Haus des Herrn wie ein Adler, darum dass sie meinen Bund übertreten und von meinem Gesetz abtrünnig werden.

Laut: Sage dem Königreich Juda ausdrücklich und unverhohlen, dass der Feind in kurzer Zeit vorhanden sei und die Juden in große Angst bringen werde.

Er kommt: (Nach Luther) Der Feind, König zu Assyrien.

Haus: Welches zu Jerusalem ist, dahin der König aus Assyrien bald kommen und die Stadt auffordern wird. Und obwohl er die Stadt Jerusalem nicht einbekommen, so hat er dennoch das Königreich Juda gräulich verwüstet. (Wie auch in den türkischen Einfällen zu geschehen pflegt) und hat viel Städte im jüdischen Land erobert. Darum der fromme König Hiskia samt seinen Untertanen in großen Ängsten war.

Abtrünnig: Dieweil die Israeliten unter denen Könige, so vor dem König Hiskia im Regiment gesessen, sich mit Abgötterei und anderen Lastern verunreinigt haben. Aber es sind ohne Zweifel auch zur selben Zeit, nach angestellter Reformierung in der Kirche durch den König Hiskia noch ihrer viel im Königreich Juda gewesen, denen die abgöttische Religion viel besser gefallen, als die rechte und reine Lehre, welche auch Gott nicht von Herzen, sondern mit Heuchelei gedient. So hat man auch nicht verhüten können, dass nicht im Wandel viele und große Mängel mit untergelaufen, als die von den vorigen gottlosen Königen nicht mit gebührendem Ernst gestraft wurden. [Darum, ob Gott wohl den bußfertigen Sündern ihre Sünde vergibt, so schickt er ihnen dennoch zeitliche Strafen zu, auf dass sie desto besser in sich selber gehen und wahrhaftig sich vor Gott, von wegen ihrer vorigen Sünden, demütigen. So will auch Gott dergestalt ihren Glauben bewehren und prüft sie unter solchen Anfechtungen und Trübsalen, ob sie auch beharren wollen. Denn es haben ohne Zweifel viele Juden damals gedacht, der König Hiskia habe übel getan, dass er die Religion geändert].

2. Werden sie dann zu mir schreien: Du bist mein Gott; wir kennen dich, Israel.

Sie dann: Nämlich die Frommen werden zur selben Zeit mich mit Ernst anrufen und Hilfe von mir begehren in ihren Nöten.

Kennen dich: Aus deinem Wort und ehren dich als unseren Vater und wahren Gott deines Volkes Israel, auf dich allein steht all unsere Hoffnung, Lieber, verlass uns nicht. [Wenn wir aber aus wahrem Glauben zum Herrn schreien, so erhört er uns und nimmt entweder die Trübsal ganz hinweg oder mildert sie doch also dass wir es ertragen können {1Kor 10}. Wie denn eben diese Geschichte des Königs Hiskia solches bezeugt. Denn auf sein und des Propheten Jesaja, wie auch des ganzen Volkes Gebet, hat Gott in einer Nacht im assyrischen Lager durch seinen Engel hundertundfünfundachtzigtausend Mann lassen umbringen, dass der Assyrer schändlich die Flucht nehmen und wieder in sein Königreich sich verfügen müssen {2Sam 19}].

3. Israel verwirft das Gute; darum muss sie der Feind verfolgen.

Israel: Jetzt handelt der Prophet vom Königreich Israel.

Gute: Die Israeliten stoßen die Gottseligkeit mit Füßen von sich, lassen mein Wort und den rechten Gottesdienst, welchen ich geboten habe, aus der acht, den sie längst in Abgötterei verändert haben: Über das, setzen sie ihr Vertrauen nicht auf mich, sondern auf die heidnischen Könige und Völker.

Verfolgen: Und das jüdische Regiment endlich ganz in Grund zerstören. [Auf dass deswegen ein Regiment nicht zugrunde gehe, so lasst uns das Böse verwerfen und das Gute erwählen].

4. Sie machen Könige, aber ohne mich; sie setzen Fürsten und ich muss es nicht wissen. Aus ihrem Silber und Gold machen sie Götzen, dass sie ja bald ausgerottet werden.

Ohne mich: Das ist: Sie erwählen sich heidnische Könige zu Schutzherren und fragen mich nicht zuvor um Rat, ob mir es auch gefalle und ob ich solches ihr Tun bestätigen wolle. Denn sie bald die Assyrer, bald die Ägypter um Hilfe ersuchen. [Sollen wir deswegen auch in weltlichen Sachen uns also verhalten, dass Gott unsere Anschläge sich gefallen lasse. Und sollen nicht auf Menschen, welche entweder betrüglich oder schwach sind, sondern auf Gott unser Vertrauen setzen].

Götzen: Sie geben reichlich von ihren Gütern zur Beförderung der Abgötterei, mit welcher Bosheit sie ihren Untergang desto eher verursachen. [Es sind aber die Heuchler in Aufrichtung und Erhaltung des falschen Gottesdienstes ganz freigiebig, ja ganz verschwenderisch: Aber wenn man die reine Religion befördern soll, da brächte man eher Wasser aus dem Felsen, als Geld von ihnen.]

5. Dein Kalb, Samaria, verstößt er; mein Zorn ist über sie ergrimmt; es kann nicht lange stehen, sie müssen gestraft werden.

Kalb: (Nach Luther) Götze oder Abgott.

Verstößt er: Nämlich Gott hat einen Abscheu vor den goldenen Kälbern, die im Königreich Israel aufgerichtet wurden.

Über sie: Nämlich über die Israeliten, dass ich bei mir beschlossen habe, sie zu vertilgen. [Es soll aber der Leser sich hier nicht irremachen lassen von wegen der mancherlei Art im Reden und Veränderung der Personen. Denn eben dadurch die Viele der Personen im göttlichen Wesen wird zu verstehen gegeben, dass bald Gott der Vater und denn wiederum der Sohn vom Vater redet].

6. Denn das Kalb ist aus Israel hergekommen und ein Werkmann hat es gemacht und kann ja kein Gott sein; darum soll das Kalb Samaria zerpulvert werden.

Hergekommen: Nämlich das goldene Kalb zu Bethel und das andere zu Dan, hat der Königin Israel, Jerobeam, erdacht.

Kein Gott: Denn wie sollte ein Mensch können einen Gott machen?

Zu Pulver: Der Prophet deutet mit diesen Worten auf das goldene Kalb, welches in der Wüste gemacht wurde und Mose im Zorn zu Pulver und Staub zerschlagen und zermalmt hatte und aufs Wasser gestreut, damit er denn zu verstehen gibt, dass es den goldenen Kälbern im Königreich Israel eben also ergehen soll und von den Feinden zunichtegemacht werden. [Es sind aber die Götzendiener gräuliche Narren, dass sie ihr Gebet vor den Bildern, als vor den Ohren Gottes verrichteten, da doch die Götzen weder hören noch sehen. Und mag der Katholiken Entschuldigung nicht statthaben, welche nicht gestehen wollen, dass sie die Bilder anbeten, da sie doch vor den Bildern niederfallen und unter denselben einen großen Unterschied machen, indem sie ein besonderes Bild eines Heiligen in großen Ehren halten, daneben aber ein anderes Bild eben desselben Heiligen und in derselben Kirche, ganz aus der acht lassen und nichts danach fragen, wenn gleich die Mäuse oder Ratten und Fledermäuse darauf nisten].

7. Denn sie säen Wind und werden Unwetter einernten; ihre Saat soll nicht aufgekommen und ihr Gewächs kein Mehl geben; und ob es geben würde, sollen es doch Fremde fressen.

Einernten: Denn was einer aussät, das wird er auch einernten. Also weil die Israeliten der Nichtigkeit des menschlichen Wahns und Gutdünken in Religionssachen folgen, so werden sie keinen Nutzen davon haben. Denn ein grausames Unwetter des göttlichen Zorns, wird all ihr Tun zunichtemachen, dass es keinen Fortgang haben wird, mit allem, was sie anfangen und wird ihnen nichts nutzen, eben als wenn ein großer Hagel das Korn danieder schlüge. [Denn ob es wohl das Ansehen hat, als ob die Abgöttischen eine Zeit lang gutes Glück hätten. Jedoch, wenn die Zeit der Rache vorhanden ist, so gehen sie mit ihren Königreichen zugrunde].

8. Israel wird aufgefressen; die Heiden gehen mit ihnen um wie mit einem unwerten Gefäß,

Aufgefressen: Das Königreich Israel nimmt ab, und wird je länger je schwächer, weil die benachbarten Heiden hin und wieder etwas davon zwacken. [Also hat der Türke um der papistischen Abgötterei willen schier das ganze Königreich Ungarn verschlungen].

Gefäß: Die Israeliten werden in kurzer Zeit unter den Heiden im Elend und in großer Verachtung leben. [Denn welche Gottes Wort verachten und von demselben sich nicht regieren lassen, auf die schüttet Gott wiederum Verachtung aus, dass sie auch von den allerliederlichsten Leuten schier mit Füßen getreten werden].

9. darum dass sie hinauf zum Assur laufen wie ein Wild in der Irre. Ephraim schenkt den Buhlern und gibt den Heiden Tribut.

Laufen: Und die Assyrer um Hilfe anrufen: Haben also in ihrer Gefahr ihre Zuflucht nicht zu Gott durch wahre Buße, sondern sehen sich hin und wieder nach menschlichem Schutz, wie ein wildes Tiere, das in den Wäldern herumzieht und nicht weiß, wo es eine bleibende stattfinden möge. [Denn welche auf Gott nicht Vertrauen, die wissen keinen beständigen oder guten Rat zu finden, wenn Gefahr vorhanden ist].

Tribut: Dies ist eine Erklärung des vorigen, als wollte er sprechen: Wenn die Israeliten anderer Heiden Hilfe um Geld erkaufen und Gott hintenansetzen, so tun sie eben, als wenn ein Hurenjäger eine Hure ums Lohn dingte oder eine unzüchtige Metze ihren Buhlen mit einer Verehrung begabte. Solche geistliche Hurerei will ich nicht ungerächt lassen, spricht der Herr. [Denn das Vertrauen auf menschliche Kräfte ist vor Gott eine schändliche Hurerei].

10. Dieselben Heiden will ich nun über sie sammeln; sie sollen der Last des Königs und der Fürsten bald müde werden.

Sammeln: Das ist: Ich will eben dieselben Heiden, bei denen sie jetzt Hilfe suchen, wieder sie aufbringen, dass sie die Israeliten überfallen und unterdrücken sollen. [Denn wenn man ausländische Völker zu sich zieht, das sie wider die benachbarten oder innerlichen Feinde einen schützen sollen, so werden sie oft durch die lustige Gelegenheit und Fruchtbarkeit eines Landes gelockt, dass sie später auch unberufen wieder kommen und solche Landschaften unter ihre Gewalt bringen, wie denn vorzeiten Griechenland die Sarazener zu seinem Unglück an sich gezogen hat.

11. Denn Ephraim hat der Altäre viel gemacht zu sündigen; so sollen auch die Altäre ihm zur Sünde geraten.

Viel gemacht: Dass also viel und mancherlei gräuliche Sünden im Königreich Israel begangen werden.

Zu sündigen: Weil Gott heftig dadurch erzürnt wird.

Geraten: Das ist: Ihre abergläubischen und falschen Gottesdienste werden dem Hause Israel für gräuliche Sünden aufgerechnet werden. [Denn obwohl die Abgöttischen nicht der Meinung nach, einen Gottesdienst über den anderen häufen, dass sie des Sündigens wollten desto mehr machen, so urteilt dennoch der Heilige Geist also von den selbsterwählten Gottesdiensten, dass, je mehr solcher Gottesdienste angerichtet werden, je mehr Sünden man wider Gott tue].

12. Wenn ich ihm gleich viel von meinem Gesetz schreibe, so wird es geachtet wie eine fremde Lehre.

Nach Luther: Das ist, sie schelten es Ketzerei.

Fremde Lehre: Das ist: Ob ich wohl ihnen meine Gesetze, die ich von Mose verzeichnen und ihnen vorschreiben lasse, durch die Propheten fleißig Vorbild, und wiederhole, so verachten sie doch dieselben, als die sie nichts angingen, ja verwerfen sie als Gottlose und ketzerische. [Gleiche Bosheit spürt man auch heutigentags bei den römischen Päpsten, welche die allerklarsten Sprüche der Heiligen Schrift verkehren und derselben rechten und eigentlichen Verstand in ihren Konzilen verwerfen].

13. Dass sie nun viel opfern und Fleisch herbringen und essen es, so hat doch der Herr kein Gefallen daran, sondern er will ihrer Missetat gedenken und ihre Sünden heimsuchen, die sich zu Ägypten kehren.

Essens: (Nach Luther) Wie man die Opfer zu essen pflegt, als heilige Speise Gott zum Dienste.

Kein Gefallen: Das ist: Ob sie wohl die Opfer häufen und nach derselben Verrichtung die gewöhnlichen Mahlzeiten halten, so werden sie doch den Zorn Gottes auf solche Weise keines Weges versöhnen. Denn er wird durch solche unrechtmäßigen und abergläubische Opfer nur von neuem und desto mehr erzürnt.

Kehren: Dass sie sich nicht auf die Hilfe der Ägypter, sondern auf Gott verlassen, darum sie aufs Ernstlichste müssen gestraft werden. [Je mehr deswegen die Abgöttischen Gott zu versöhnen sich befleißigen, je heftiger sie denselben erzürnen].

14. Israel vergisst seines Schöpfers und baut Kirchen, so macht Juda viele feste Städte; aber ich will Feuer in seine Städte schicken, welches soll seine Häuser verzehren.

Kirche: Nämlich zur Abgötterei. Von welcher Sünde bis daher viel und oft gesagt wurde.

Städte: Darauf sie sich verlassen und trauen Gott dem Herrn nicht, darum will ich von wegen solcher Abgötterei das Königreich Juda auch strafen.

Verzehren: Das ist: Ich will ihnen die Feinde über den Hals schicken, welche ihre Städte und Schlösser erobern und zerstören sollen, wie denn durch die Chaldäer geschehen. [Denn ob es wohl an sich selbst nicht Sünde ist, Festungen bauen, so ist es doch eine gräuliche Sünde und ein Stück der Abgötterei, wen man sich darauf verlässt].


Das 9. Kapitel


Den Israeliten wird Hungersnot und Mangel an anderen notwendigen Sachen, dazu ihr Gefängnis und Elend gedroht.

1. Du darfst dich nicht freuen, Israel noch rühmen wie die Völker; denn du hurst wider deinen Gott, damit du suchst Hurenlohn, dass alle Tennen voll Getreide werden.

Nicht freuen: Weil es dir jetzt ein wenig wieder wohl geht. Denn die Bosheit war im Königreich Israel vielfältig und hatte lange gewährt, besonders aber trieben sie ohne Unterlass ihre Abgötterei und falschen Gottesdienste, daher auch der Prophet noch immer damit umgeht, dass er dieselbe verwerfe und ihnen die Strafen deshalb verkündige. [Denn die Kirchendiener sollen von wegen der Leute widerspenstiger und halsstarriger Bosheit in ihrem Eifer nicht nachlassen]. Wenn aber der Prophet von der Zerstörung des israelitischen Königreichs predigte, so spotteten die Israeliten seiner, weil es unter der Regierung des Königs Jerobeam, des Sohnes Joas, ein Ansehen gewann, als ging das Königreich Israel, so in vorigen Zeiten sehr geschwächt war, wiederum von neuem auf und wäre nunmehr so erstarkt, dass es nicht leicht, ihrem meinen nach, in einen Abgang kommen sollte. Darum will der Prophet ihnen hier solche Sicherheit benehmen und den Ruhm abstricken.

Hurst: Du hast dich von der wahren Religion, ungeachtet der Propheten vielfältigen Warnungen, abgewandt zur schrecklichen Abgötterei, welche Gott ebenso wenig an dir leiden kann, als ein ehrlicher Mann seines Weibes Ehebruch. Es hat aber der Prophet ohne allen Zweifel mit solchen seinen Predigten der Obrigkeit und des Volkes große Ungunst auf sich geladen. [Aber ein Kirchendiener muss nicht nur sagen, was man gerne hört, sondern was heilsam und erbaulich ist].

Getreide werden: Will so viel sagen: Ihr Priester seht nicht dahin, wie das Volk in der Religion möge recht unterrichtet werden, sondern trachtet danach, dass ihr eure Scheunen mit Korn füllt und richtet den Gottesdienst nach eurem Gewinn. [Ebenmäßig ist es im Papsttum alles nur aufs Geld angesehen, also dass die Geistlichen im Papsttum den Kaufleuten ähnlicher sind als Priestern].

2. Darum so sollen dich die Tennen und Kelter nicht nähren und der Most soll dir fehlen.

Fehlen: Ihr Israeliten sollt in eurer Hoffnung betrogen werden und so reichliche und überflüssige Nahrung nicht erlangen, als ihr euch wohl eingebildet hattet: Denn ich will durch meinen Fluch einen Mangel unter euch schicken an Korn und Wein. [Soll man deswegen die teure Zeit und dass die Früchte übel geraten, nicht der wahren Religion zumessen, wie die Katholiken zu lästern pflegen, sondern ihre Abgötterei und andere Laster sind schuldig daran].

3. Und sollen nicht bleiben im Lande des Herrn, sondern Ephraim muss wieder nach Ägypten und muss in Assyrien, das unrein ist, essen,

Des Herrn: Nämlich im Lande Kanaan, welches Gott vorzeiten ihren Voreltern verheißen und geschenkt hat, sollen die abgöttischen Israeliten nicht lange mehr wohnen.

In Ägypten: Aber zu seinem großen Unglück. Denn gleichwie vorzeiten der Israeliten Voreltern aus Ägypten ins Land Kanaan gezogen, als aus der Dienstbarkeit in die Freiheit. Also werden sie in kurzer Zeit wieder dahin kommen, aus der Freiheit in die Dienstbarkeit, da sie ihre Feinde dahin verkaufen.

Unrein ist: Das ist: Wenn sie in Assyrien gefangen weggeführt wurden, so wird man sie im Elend ganz schnöde halten und werden, damit sie sich der Hungersnot erwehren, solche Speisen essen müssen, die ihnen sonst unrein und im Gesetz zu essen verboten ist. [Welche deswegen nicht gern im Elend leben, die sollen sich auch vor der Abgötterei und anderen Lastern hüten. Und zwar geschieht es heutigentags um der Christen Sünde willen, dass so viel Christen von den Türken in eine schwere und jämmerliche Dienstbarkeit weggeführt werden].

4. dort sie dem Herrn kein Trankopfer vom Wein noch etwas zu Gefallen tun können. Ihr Opfer soll sein wie der Betrübten Brot, an welchem unrein werden alle, die davon essen; denn ihr Brot müssen sie für sich selbst essen und soll nicht in des Herrn Haus gebracht werden.

Betrübten: Das ist: Gleichwie im Gesetz Mose verboten war, dass die Traurigen nicht opfern durften noch nach geendetem Opfer Mahlzeit halten: Denn wer solche Opfer tat und davon aß, der verunreinigte und versündigte sich vielmehr an Gott, als dass er wäre von Sünden rein und losgeworden: Also hat Gott einen Ekel an der Israeliten Gottesdienst und will ihn durch ihre Gefangenschaft allerdings verbieten.

Nach Luther: {5Mos 26v14} ist verboten, betrübte Opfer zu tun.

Sich selbst: Sie werden kaum für sich selbst genug haben, will schweigen, dass sie dem Herrn davon opfern sollten.

Gebracht werden: Nämlich ihr Brot, Korn oder andere Sachen, so sie gern, wenn sie im Elend sind und eines bessern sich bedacht haben, zum Hause des Herrn gen Jerusalem bringen wollten, werden sie nicht mehr können verschaffen und wird es ihnen nicht mehr können so gut werden, weil sie in Assyrien werden im Elend sein.

5. Was wollt ihr alsdann auf den Jahreszeiten und auf den Feiertagen des Herrn tun?

Feiertagen: Welche damals ein Ende haben werden. Denn weil ihr jetzt dem Herrn eure Feste und Feiertage, rechtmäßigerweise, nach seinem euch vorgeschriebenen Worte, nicht halten wollt, und den Gottesdienst nicht begehrt anzurichten nach dem Gesetz Gottes, so wird bald solche Zeit kommen, dass dergleichen keines euch mehr freistehen wird, wenn ihr es gleich gern tun wolltet, weil ihr in Assyrien gefangen sein werdet. [Also könnte man zu den Deutschen recht sagen: Weil ihr einesteils die papistischen Missbräuche und Irrtümer nicht verbessern wollt, einesteils aber die Übungen der rechten Religion als die Predigten und Empfang des heiligen Abendmahls versäumt. So wird die Zeit kommen, da ihr solches alles gern verbessern wolltet, wird aber zu spät sein. Und da ihr gerne wolltet eine evangelische Predigt hören, werdet ihr müssen die türkischen und andere gräuliche Lästerungen hören].

6. Siehe, sie müssen weg vor dem Verstörer! Ägypten wird sie sammeln und Moph wird sie begraben. Nesseln werden wachsen, da jetzt ihr liebes Götzensilber steht und Dornen in ihrer Hütte.

Verstörer: Nämlich vor dem Feinde, der ihr Königreich jämmerlich zerstören und sie ins Elend gefangen wegführen wird.

Begraben: Die Stadt Moph (oder Memphis) in Ägypten wird ihr Kirchhof sein, denn sie werden nicht wieder in ihr Vaterland kommen, sondern unter mancherlei Heiden zerstreut bleiben und darin sterben. [Obwohl nun so ganz hoch nicht daran gelegen, an welchem Ort der Erde ein frommer Mensch begraben werde, dessen Seele in Christo lebt, so ist es doch an sich selbst ein Stück des göttlichen Fluchs, wenn man im Elend stirbt. Gleichwie aber ein solcher Jammer der gottlosen Strafe ist, also gereicht er den frommen und unschuldigen Menschen zur Vermehrung der himmlischen Herrlichkeit].

Hütte: Das ist, an denen Orten des israelitischen Königreichs, da vor der Zeit ihre silbernes Götzen gestanden sind, damit sie ihre Lust hatten, werden Nessel und Dornen wachsen, denn es wird dasselbe herrliche Königreich ganz verwüstet werden.

7. Die Zeit der Heimsuchung ist gekommen, die Zeit der Vergeltung; des wird Israel innewerden. Die Propheten sind Narren und die Rottengeister sind wahnsinnig um deiner großen Missetat und um der großen feindseligen Abgötterei willen.

Ist gekommen: Es ist vorhanden, dass Gott der Israeliten Bosheit strafen und aufs Ernstlichste rächen wird.

Inne werden: Es wird ihnen der Glaube in die Hände gegeben werden.

Rottengeister: Welche sich vor dir rühmen, dass sie Offenbarungen des Heiligen Geistes haben.

Missetat: [Denn wenn Gott durch der Menschen übermachte Sünden erzürnt wird, so lässt er falsche Lehrer aufkommen, welche die Zuhörer mit ihren irrigen Meinungen verführen und betören. Solche Lehrer nennt der Prophet Narren und Wahnsinnige, weil sie in Religionssachen schwärmen].

8. Die Wächter in Ephraim hielten sich etwa an meinen Gott; aber nun sind sie Propheten, die Stricke legen auf allen ihren Wegen durch die feindselige Abgötterei im Hause ihres Gottes.

Hielten sich: Das ist: Es waren vorzeiten vortreffliche und heilige Propheten im Königreich Israel als Elia, Elisa und ihre Jünger, welche der Propheten Kinder genannt wurden, dieselben lehrten das Wort Gottes rein und weil sie Gott recht ehrten, so unterrichteten sie ihre Zuhörer auch in der rechten Religion.

Stricke legen: Das israelitische Volk hat jetzt die allerärgsten Buben zu Propheten und Lehrern, welche das Volk aus ihrem Irrtum nicht richtig weisen, sondern sie vielmehr darin verwickeln und verwirren, als wie mit Stricken und Netzen, damit man die wilden Tiere fängt. Denn sie lauern auf alle Gelegenheit, wie sie das Volk verführen mögen. Und bekommt dies Volk solche Lehrer aus gerechtem Urteil Gottes, von wegen der gräulichen Abgötterei, damit sie Gott den Herrn viel Jahre her heftig erzürnt und beleidigt haben. [Denn Gott straft bisweilen Sünde mit Sünden, dass die verstockten Leute von einem Irrtum in einen anderen geraten und von einer Sünde in die andere fallen. So sieht man auch an diesem Ort ein verjüngtes Muster des papistischen Aberglaubens, da man fast auf allen Straßen Kapellen hatte, in denen die Seelen als mit Netzen der falschen Religion gefangen worden].

9. Sie verderben es zu tief, wie zur Zeit Gibeas; darum wird er ihrer Missetat gedenken und ihre Sünde heimsuchen {Hos 10v9}.

Zu tief: Sie haben sich in ihrer Bosheit ganz zu sehr vertieft und sind viele Jahre her darin verhärtet, dass man sie nicht mehr zurechtbringen kann. [Gleichwie es mit dem papistischen Irrtum auch beschaffen, darin die Katholiken so tief stecken, dass sie sich nicht wollen lassen davon abweisen].

Gibea: Denn gleichwie vorzeiten die Bürger zu Gibea eine schreckliche Übeltat ihrer Mitbürger verteidigten, welche eines Leviten Kebsweib geschändet hatten, dass sie gestorben. Also verteidigen die Israeliten und ihre Priester die geistliche Hurerei, welche sie und ihre Voreltern getrieben, da sie die selbige vielmehr hätten sollen bekennen, verwerfen und sich derselben abtun. [Ebenermaßen kann man auch von den Jesuiten und ihres gleichen Beschirmern den päpstlichen Irrtum recht sagen, dass sie gleich so feine und fromme Leute sind, wie die zu Gibea, so eine abscheuliche Unzucht verteidigten, darüber es aber zuletzt einen bösen Ausgang mit ihnen gewonnen).

Nach Luther: Da die Kinder Benjamin die größte Bosheit verteidigten, die nicht zu heilen war.

Denken: [Es wird aber alsdann von Gott gesagt, dass er der Sünden gedenke, wenn er sich aufmacht dieselben zu strafen].

10. Ich fand Israel in der Wüste wie Trauben und sah eure Väter wie die ersten Feigen am Feigenbaum; aber später gingen sie zu Baal-Peor und gelobten sich dem schändlichen Abgott und wurden ja so gräulich als ihre Buhlen.

Ersten Feigen: Das ist: Da ich eure Voreltern aus Ägypten in die Wüste führte und also gleichsam ein neues Volk mir erfunden hatte, freute ich mich darüber, als wenn einer neue Trauben oder frühzeitige Feigen findet. [Denn weil es mit den ersten Früchten etwas Seltsames ist, so hat man es desto lieber].

Gingen sie: Also dass sie auch bald in der Wüste anfingen, sich mit geistlicher und leiblicher Hurerei zu verunreinigen, da sie, nämlich von der Moabiter Töchter sich verführen ließen und nicht allein ihre Leiber mit Unzucht befleckten, sondern auch den Abgott Baal Peor, den Moabitern zu gefallen, verehrten.

Buhlen: Denn sie von wegen der Unzucht und Abgötterei vor Gott dem Herrn eben sowohl ein Gräuel waren, als die Moabiter selbst, mit denen sie leibliche und geistliche Hurerei trieben. [Bei welchem Beispiel der Israeliten, welche wohl angefangen, aber übel fortgefahren, wir erinnert werden, dass wir in der wahren Gottseligkeit beharren sollen bis ans Ende und den Heiligen Geist nicht betrüben].

11. Darum muss die Herrlichkeit Ephraims wie ein Vogel wegfliegen, dass sie weder gebären noch tragen noch schwanger werden soll.

Wegfliehen: Das ist: Das Königreich Israel wird alle seine Majestät verlieren und kein Wiederkehren da sein noch jemals wieder aufkommen. Welches denn der Prophet auch mit den folgenden Worten zu verstehen gibt.

Gebären: Das ist: Das israelitische Volk, so unter die Heiden zerstreut wurde, wird nicht mehr wieder zu Kräften kommen noch mit Kinder zeugen und erziehen, dem Regiment wieder aufhelfen, wie sonst zu geschehen pflegt, wenn man im Krieg eine große Niederlage erlitten, dass dennoch durch den Segen des Ehestandes alles mit der Zeit wiederum erstattet und das Land mit neuen Einwohnern besetzt wird. Solche Guttat wird den vertriebenen Israeliten in Assyrien nicht widerfahren, ob sie wohl nicht allerdings werden vertilgt und ausgerottet werden. Doch redet der Prophet hier nur von der zeitlichen Strafe des Gefängnisses und Elendes. Denn sonst sind auch viel der Israeliten durch das Evangelium zum geistlichen Reich Christi versammelt worden.

12. Und ob sie ihre Kinder gleich erzögen, will ich sie doch ohne Kinder machen, dass sie nicht Leute sein sollen. Auch wehe ihnen, wenn ich von ihnen bin gewichen!

Erzögen: Dass sie zu ihren männlichen Alter kämen.

Ohne Kinder: Denn wenn sie erwachsen und nun zum Ehestand und Kinder zeugen tauglich sind, so will ich sie dem Tode übergeben, dass der Eltern Hoffnung, da sie am größten ist, ihnen fehlen soll. [Es ist aber ein Stück vom Fluch, wenn Gott ein Geschlecht lässt untergehen. Aber doch werden auch der Frommen Kinder zugleich mit den Eltern aus diesem Leben bald hinweggenommen, um einer anderen Ursache willen, damit sie, nämlich das künftige Unglück, nicht sehen dürfen].

Gewichen: Nämlich von den gottlosen Israeliten, dass ich sie unter der Assyrer Gewalt im Elend werde bleiben lassen, da sie alsdann unzählig viel Unglück überfallen wird. Welches auch von den zeitlichen Strafen zu verstehen ist. [Wir sollen uns mit höchstem Fleiß hüten, dass wir unseres himmlischen Vaters Gemüt durch unsere Sünden nicht dergestalt von uns abwendig machen, dass er uns in unseren Trübsalen verlasse. Denn damals wird nicht nur alles Unglück doppelt und noch so groß, sondern es steht auch um den Glauben samt der Hoffnung ganz gefährlich].

13. Ephraim, als ich es ansehe, ist gepflanzt und hübsch wie Tyrus, muss aber nun ihre Kinder herauslassen dem Totschläger.

Wie Tyrus: Das ist: Das israelitische Regiment steht jetzt wohl und hat ein feines Ansehen damit, gleichwie die berühmten Gewerbe und Handelsstädte am Meer, Tyrus, von wegen ihrer Kaufmannschaft weit und breit bekannt ist. Aber es wird solch ihr Glück keinen Bestand haben und nicht lange wären.

Dem Totschläger: Das ist: Die Israeliten müssen, nachdem ihre Städte erobert wurden, ihre Kinder dem Feinde herausgeben und sich selbst aus Not auch ergeben, dass der Feind, als ein siegreicher Überwinder, seines Gefallens mit ihnen umgehen mag, entweder sie zu töten oder lebendig zu lassen. Und zwar werden ihrer viel zusehen müssen, dass ihre Kinder vor ihren Augen erwürgt werden. [Denn in den gemeinen Landstrafen und besonders in Kriegsläufen, geht es auch über das junge Blut, als Kindlein und Mädchen, ja über die Kinder in der Wiege. Da denn mit solchen schrecklichen und erbärmlichen Spektakeln die Eltern größer Herzeleid empfinden und härter gestraft werden, als die Kinder selbst. Denn dieselben ohne das einmal sterben müssen und wenn sie getauft sind, so leiden sie nichts weiteres, als den zeitlichen Tod, der doch ihnen auch zum Besten dienen muss, weil sie als Märtyrer die Krone der Ehren im ewigen Leben dafür empfangen].

14. Herr, gib ihnen! Was willst du ihnen aber geben? Gib ihnen unfruchtbare Leiber und versiegende Brüste!

Gib ihnen: Was sie mit ihrer Bosheit verdient haben. Denn der Prophet wird von wegen der halsstarrigen Bosheit der Israeliten mit einem heiligen und göttlichen Eifer entzündet, dass er wider sie bittet.

Unfruchtbare: Das ist: Gib ihnen kein Glück mehr und lass ihre Macht nicht größer werden noch dass solches gottloses Regiment, welches die Wahrheit verlästert, weiter zunehme, sondern lass seine Einwohner in das Elend zerstreut werden. [Denn ob man wohl nach Art christlicher Liebe für die Feinde bitten soll, so wünscht doch der heilige Eifer in den Frommen wider die Gottlosen und halsstarrigen Leute von Gott, dass er an solchen Leuten ein Beispiel wolle sehen lassen, damit es nicht das Ansehen gewinne, als verdiene die Bosheit Belohnungen von Gott. Und zwar soll man mehr auf Gottes Ehre, als auf der Menschen zeitlich Glück und Wohlfahrt sehen.]

Brüste: (Nach Luther) Dass sie keine Kinder mehr ziehen können im Lande, sondern alles weggeführt sein soll.

15. Alle ihre Bosheit geschieht zu Gilgal, dort bin ich ihnen feind; und ich will sie auch um ihres bösen Wesens willen aus meinem Hause stoßen und nicht mehr Liebe erzeigen; denn alle ihre Fürsten sind Abtrünnige.

Alle: Jetzt redet Gott der Herr selbst wider des israelitischen Volkes halsstarrige Bosheit.

Gilgal: An welchem Ort sie allerhand Sünden und Laster begehen, darunter doch die Abgötterei das Vornehmste ist, so sie darin angerichtet haben, weil sie sich bereden, solcher Ort soll, weiß nicht was für eine besondere Heiligkeit in sich haben, von wegen der Steine, die da liegen und aus dem ausgetrockneten Jordan genommen wurden. Auch dass man die Israeliten am selben Ort beschnitten, so in der Wüste nicht können beschnitten werden {Jos 4 5}.

Feind: Denn wie könnte ich solchen boshaften Leuten hold sein? [Ebenso viel Dank bringen auch die bei Gott davon, welche in ihrer abergläubischen Andacht, insbesondere ihres Vermeinens, zu heiligen Orten Wallfahrten zu laufen und da die Bilder anbeten und Heilige anrufen].

Bösen Wesens: Dass sie Abgötterei getrieben und mit anderen Lastern sich besudelt haben.

Stoßen: Ich will sie nicht mehr für meine Kinder erkennen und mich ihrer nicht mehr achten oder annehmen, sondern sie ins Elend verstoßen, gleichwie ein Hausvater seinen ungehorsamen Sohn aus dem Hause stößt und enterbte. [Welche deswegen von dem himmlischen Vater nicht wollen enterbt werden, die sollen sich mit höchstem Fleiß hüten, dass sie ihn nicht beleidigen oder erzürnen].

Abtrünnige: Ihre Obersten und Regenten sind gottlose und verkehrte Leute, so richtet sich der gemeine Mann sowohl in Religionssachen, als im äußerlichen Wandel, nach ihrer gottlosen Obrigkeit. Weil darum beide Obrigkeit und Untertanen gottlos sind, so will ich mich ihrer ganz und gar nicht mehr annehmen. [Darum sollen wir Gott bitten, dass er eine fromme Obrigkeit gebe und erhalten wolle, auf dass unter den gottlosen Regenten die Untertanen nicht auch über die Stränge schlagen und also miteinander die allgemeine Landstrafen über sich ziehen].

16. Ephraim ist geschlagen; ihre Wurzel ist verdorrt, dass sie keine Frucht mehr bringen können. Und ob sie gebären würden, will ich doch die liebe Frucht ihres Leibes töten.

Verdorrt: Das ist: Gleichwie ein Baum verdorrt und keine Frucht mehr trägt, sondern immer verfault und verwest, also wird auch das Königreich Israel allerdings zugrunde gehen und sein wie ein unfruchtbares Weib, die nicht schwanger wird.

Nach Luther: Das Königreich ist weg und müssen unter den Heiden zerstreut sein, als in der Irre.

Töten: Ich will ihre n Kinder in den Tod geben, auf dass also dies Volk geschwächt und beinahe ganz und gar vertilgt werde.

17. Mein Gott wird sie verwerfen, darum, dass sie ihn nicht hören wollen und müssen unter den Heiden in der Irre gehen.

Nicht hören: Und dem Wort und Geboten Gottes nicht gehorchen.

Irre gehen: [Um solches ihres Ungehorsams willen werden sie im Elend müssen herumziehen. So lange aber die Menschen mit dem Worte Gottes sich regieren lassen, dass sie ihre Sünden erkennen und ihr Leben begehren zu bessern, kann Gott wohl Geduld haben und übersehen. Wenn aber das Wort Gottes verworfen wird und keine heilsame notwendige Erinnerung mehr stattfindet, so wird Gott zur Rache aufgebracht].


Das 10. Kapitel


I. Der Prophet weissagt, dass der Israeliten abgöttischen Altare sollen zerstört, ihre goldenen Kälber zum Könige in Assyrien gebracht und die Israeliten selbst mit allerhand Unglück überfallen und geplagt werden, v. 1. 2. Danach wird den Israeliten, welche Buße tun und Gerechtigkeit säen, der göttliche Segen verheißen. Welche aber in ihrer Bosheit verharren und auf Menschen ihr Vertrauen setzen, der Untergang verkündigt, v. 9.

1. Israel ist ein verwüsteter Weinstock; seine Frucht ist eben auch also. Soviel Früchte er hatte, soviel Altäre hatte er gemacht. Wo das Land am besten war, da stifteten sie die schönsten Kirchen.

Israel: Der Prophet geht noch immerzu damit um, dass er die Bosheit des israelitischen Volkes strafe und ihr künftiges Unglück ihnen vorhalte, weil auch ihrer Sünden viele waren.

Auch also: Also dass der Weinstock keine Trauben haben wird und die Trauben nirgends mehr im selben geistlichen Weinberg werden gesehen werden. Das ist, die Städte des Königreichs Israel werden um der Einwohner Bosheit willen zerstört werden, dass die ganze Landschaft sein wird wie ein Weinstock oder Rebe, daran keine Trauben sind. In Summe, das Land Israel wird in kurzer Zeit ein Ansehen haben wie ein Weinstock, der allerdings abgelesen ist.

Früchte: Herr Luther. Die Städte sind solches Weinstocks Früchte, aber er ist abgelesen und leer.

Gemacht: Die Israeliten haben so viele Altare zugerichtet, so viel sie Städte hatten und solches wider den ausdrücklichen Befehl Gottes, welcher geboten, dass man auf dem Altar zu Jerusalem und sonst nirgends opfern soll.

Besten war: Wo es am lustigsten und fruchtbarsten war, da haben sie Abgötterei und falsche Gottesdienste angerichtet. [Welches der Priester Geiz zuwege gebracht. Gleichwie auch im Papsttum oft an denen Orten, da guter Wein, gutes Korn, viel Weide und Fischereien gewesen, Klöster gebaut wurden, damit, nämlich die heiligen Brüder die Welt meiden. Daher auch einer nicht so ganz unhöflich von den Klöstern geredet, dass sie aus der Welt sind, wie die Nieren außerhalb des Leibes].

2. Ihr Herz ist zertrennt; nun wird sie ihre Schuld finden. Ihre Altäre sollen zerbrochen und ihre Kirchen sollen zerstört werden.

Zertrennt: Dass sie nicht Gott allein anhangen, sondern auch zugleich die Abgötter verehren. [Aber es will Gott von ganzem Herzen allein geliebt und geehrt werden und ist aller gemengten Religion feind].

Finden: Dass sie für ihre vielfältige Bosheit, rechte Strafe empfangen. [Denn die Gottesdienste, welche Gott nicht eingesetzt hat, sind unter solche Laster zu rechnen, die aufs Ernstlichste müssen gestraft werden].

Zerstört] Nämlich durch die Assyrer, welche Gott dazu gebrauchen wird.

3. Alsdann müssen sie sagen: Wir haben keinen König; denn wir fürchten den Herrn nicht, was kann uns der König nun helfen?

Keinen König: Wir sind unseres Königs beraubt und leben unter der Fremden, nämlich der Assyrer Gewalt oder vielmehr Tyrannei.

Herrn nicht: Sondern haben ihn mit unseren vielfältigen Sünden erzürnt, darum wir jetzt rechte Strafe leiden. Werden also ihre Sünden etlichermaßen erkennen, aber doch bald wieder umschlagen und in ihren Sünden und Unglück verhärtet und verstockt bleiben.

Helfen: Als wollten sie sprechen: Was ist es denn mehr? Wenn wir gleich keinen eignen König haben? Denn was wäre er uns nütze? Wir haben unseren vorigen Königen auch dienen müssen und ihnen Schatzungen reichen: Sind dazu von ihretwegen in viel und große Gefahr gekommen. Darum wollen wir ebenso mehr unter den assyrischen Königen dieselben Beschwerden auch tragen, die wir unter den israelitischen Königen ohne das hätten dulden müssen, ob wir wohl den Namen geführt, dass wir ein freies Volk gewesen. [Also sind die Gottlosen geartet, dass, wenn sie gleich ein wenig sich stellen, als ob sie ihre Sünden, da sie darum gestraft werden, erkannten, so werden sie doch bald wieder anders Sinnes, verachten die Strafen halsstarrig und fahren mit verstocktem Herzen in ihrer Bosheit fort. So findet man auch Untertanen, welche so unbedachtsam und verwegen sind, dass es ihnen gleich gilt, sie haben eine eigene oder fremde Obrigkeit].

4. Sie schworen vergeblich und machten einen Bund; und solcher Rat grünte auf allen Furchen im Felde wie Galle.

Vergeblich: Will so viel sagen: Die Israeliten kommen zwar zusammen und handeln auf ihren Reichstagen von der Erhaltung des israelitischen Regiments, verbinden sich auch untereinander mit einem Eid und ziehen dazu etliche Heiden zu sich, mit denen sie sich vereinigen, welches alles ihnen doch nichts helfen wird, sondern ihre Anschläge werden einen bösen Ausgang gewinnen und wird ihnen das Unglück im Garten wachsen, dadurch sie den Tod und Untergang wie Gift und Galle in ihr Königreich bringen werden. [Denn Gott zertrennt der gottlosen Bündnisse und macht ihre Anschläge zunichte, dass sie zu ihrem Verderben gereichen].

5. Die Einwohner zu Samaria sorgen für die Kälber zu Beth-Aven; denn sein Volk trauert um ihn; über welchem doch seine Kamarim sich pflegten zu freuen seiner Herrlichkeit halben; denn es ist von ihnen weggeführt.

Beth Aven: Das ist, zu Bethel, welches doch nicht Bethel (oder ein Gotteshaus) sondern vielmehr Beth-Aven (das ist, ein Haus der Bosheit) heißen möchte, da werden die Israeliten von wegen ihrer Abgötterei, die sie mit den goldenen Kälbern getrieben, in großen Ängsten sein.

Um ihn: Es wird ihnen noch leid werden, dass sie mit dem Kalbe zu Bethel ihre Abgötterei getrieben.

6. Ja, das Kalb ist nach Assyrien gebracht, zum Geschenk dem König zu Jareb. Also muss Ephraim mit Schanden stehen und Israel schändlich gehen mit seinem Vornehmen {Hos 5v9}.

Geschenk: Das ist: Die Kriegsleute werden das goldene Kalb zu Bethel dem Könige in Assyrien zum Geschenk verehren.

Jareb: Das ist, des Zanks oder Gerichts: Und wird der König in Assyrien also genannt, weil die Israeliten ihn vor der Zeit, als einen Richter und Rächer ihrer Freiheit erwählt hatten. [Denn gleichwie die unrecht erworbenen Güter kein Gedeihen haben. Also auch, was man zum falschen Gottesdienst anwendet, wird endlich den Feinden zuteil].

Vorhaben: [Denn welche ohne den Herrn von hochwichtigen Sachen beratschlagen, die bringen sich in ein großes Unglück].

7. Denn der König zu Samaria ist dahin wie ein Schaum auf dem Wasser.

Schaum: [Dieses Gleichnis soll die Könige und Regenten erinnern, dass sie nicht stolz werden, weil es so bald um sie geschehen ist, als um einen Schaum].

8. Die Höhen zu Aven sind vertilgt, damit sich Israel versündigte; Disteln und Dornen wachsen auf ihren Altären. Und sie werden sagen: Ihr Berge, bedeckt uns und ihr Hügel, fallt über uns.

Höhen zu Aven: Das ist: Die abgöttische Kapelle und Altar zu Bethel sollen niedergerissen und zerstört werden, in welcher Erbauung und dass man sie zur Abgötterei missbraucht, die Israeliten schwer sich an Gott versündigt haben. Es achtet auch der Prophet den Ort Bethel nicht wert, dass er ihn bei seinem rechten Namen nennen soll, weil er mit gräulicher Abgötterei so ganz verunreinigt war.

Wachsen: Weil es alles soll verwüstet und zerstört werden. Und redet der Prophet von zukünftigen Sachen, als wenn sie bereits ins Werk wären gerichtet wurden, welches denn geschieht von wegen der Gewissheit ihrer Erfüllung, also solche Art zu reden bei den Propheten ganz viel im Brauch ist.

Sagen: In ihrem großen Unglück, wenn sie des Jammers kein Ende sehen können.

Über uns: Das ist: Sie werden sich selbst den Tod wünschen, nur damit sie dem Jammer nicht länger zusehen dürfen. Gleiche Art zu reden braucht auch der Herr Christus {Lk 23}, da er von der Zerstörung Jerusalem weissagt, indem man ihn zum Kreuzigen hinausführte. [Also geht es denen, die sich nicht wollen warnen lassen, weil es noch wohl um sie steht, sondern kehren der Furcht Gottes den Rücken].

9. Israel, du hast seit der Zeit Gibeas gesündigt, dabei sind sie auch geblieben; aber es soll sie nicht des Streits zu Gibea gleichen ergreifen, so wider die bösen Leute geschah,

Zeit Gibea: Nämlich von der Zeit an, da zu Gibea die schreckliche Tat mit des Leviten Weibe vorgegangen, welche man zu Tode geschändet, sind die Israeliten sowohl auf die geistliche als leibliche Hurerei sehr begierig gewesen, darin auch der meiste Teil beharrt.

Ergreifen: Es soll nicht ein solcher Krieg sein, als man zur selben Zeit mit den Ben Jamitern zu Gibea geführt. Denn obwohl damals schier der ganze Stamm Benjamin vertilgt wurde, so ist er doch bald später durch Gottes Segen wieder so hervorgekommen, dass über nicht viele Jahre etliche tausend ihres Stammes sich befunden. Aber das assyrische Gefängnis wird die Israeliten so gar zunichtemachen, dass ihr Regiment nie aufgekommen wird. Denn welche in Assyrien weggeführt wurden, die sind nicht wieder ins Land Kanaan gekommen, wie die Juden zu Babel. [Denn wenn man in Sünden steif beharrt, so wird Gott auch verursacht, mit der Strafe desto härter und länger anzuhalten].

10. sondern ich will sie züchtigen nach meinem Wunsch, dass Völker sollen über sie versammelt kommen, wenn ich sie werde strafen um ihre zwei Sünden.

Wunsch: Und mein Mütlein rechtschaffen an ihnen kühlen, ihre Sünden und Übertretung zu strafen.

Zwei Sünde: Das ist: Von wegen der beiden abgöttischen goldenen Kälber, die sie im Königreich Israel aufgerichtet und verehrt haben. [Denn obwohl Gott nicht Lust hat an dem Tode des Gottlosen. So fordert doch seine Gerechtigkeit wider die Verstockten und Unbußfertigen, dass er ihr gottloses Wesen ernstlich räche, damit es nicht ein Ansehen gewinne, als achte sich Gott der menschlichen Händel nicht und frage wenig danach, wie es hier auf der Erde zugehe].

11. Ephraim ist ein Kalb, gewöhnt, dass es gerne drischt. Ich will ihm über seinen schönen Hals fahren; ich will Ephraim reiten, Juda soll pflügen und Jakob eggen.

Gerne drischt: Das ist: Im Königreich Israel nimmt man eine solche Religion an, die wenig Mühe und Arbeit bedarf, aber viel Einkommen bringt. Denn man drosch vorzeiten das Korn im Lande Kanaan nicht mit Flegeln aus, wie bei uns, sondern man führte die Ochsen darüber herum, welche ein hölzernes Instrument zogen und also das Korn herausdrückten. Und zwar durfte man den Ochsen das Maul nicht verbinden, darum sie solche Arbeit am allerliebsten verrichteten, weil sie nicht besonders müde darüber worden und ihre Speise immer vor ihnen hatten. [Also ziehen auch heutigentags ihrer viel die Religion den anderen vor, davon sie am meisten Nutzen zu erwarten und die doch daneben wenig Mühe auf sich hat].

Fahren: Von wegen solcher großen Bosheit will ich demselben feisten Kalbe die Strafe über den Hals schicken.

Reiten: Wie der Reiter ein Pferd reitet. Also will ich die Israeliten wider ihren Willen gleichsam mit Sporen reiten und in Assyrien gefangen hinwegtreiben. [Denn auf ein sicher ruchloses Leben folgt ein unendlicher Jammer].

Eggen: Das ist: Das Volk im Königreich Juda wird mit dem rechten Gottesdienst umgehen und werden auch etliche von den Israeliten sich zu ihnen halten. Es will aber der Prophet gleichsam verdeckter Weise zu verstehen geben, dass durch das Evangelium Christi eine Kirche aus den Juden, so zu Babel und aus denen, die in Assyrien gewesen, nachdem sie an beiden Orten wohl gedemütigt wurden, soll versammelt werden. [Denn es pflegen die Propheten immer etwas Trost mit unterzumengen, damit die elenden Leute in den Strafen nicht verzweifeln. Denn Gott züchtigt nicht, dass er verderbe, sondern dass er zur Buße rufe und selig mache].

12. Darum sät euch Gerechtigkeit und erntet Liebe und pflügt anders, weil es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis dass er komme und regne über euch Gerechtigkeit.

Sät: Weil der Prophet mit dem Gleichnis vom Ackerbau umging, so fährt er darin fort und beruft das Volk zur wahren Buße und zum Glauben an den Messias, als wollte er sagen: Ergreift durch den Glauben an den Messias die wahre Gerechtigkeit vor Gott, welche ist die Vergebung der Sünden und leistet aus solchem Glauben die Werke der Liebe dem Nächsten, tötet auch gleichsam als mit Pflügen von Tag zu Tag den Alten Adam, damit nicht Disteln und Dornen auf dem Acker eures Herzens wachsen, dadurch der gute Same des göttlichen Wortes erstickt werde.

Nach Luther: Das ist: Predigt recht oder ich will mit euch einmal ackern.

Zeit ist: Dass ihr rechtschaffene Buße tut, damit ihr nicht in euren Sünden verderbt.

Er komme: Nämlich Christus, welcher euch deutlicher und klarer lehren wird, als jetzt, wie ihr die Gerechtigkeit und Seligkeit erlangen sollt. [Wird deswegen dies von uns gefordert, dass wir durch den Glauben gerecht werden, Liebe üben und des Fleisches böse Gelüste töten].

13. Denn ihr pflügt Böses und erntet Übeltat und esst Lügenfrüchte.

Lügenfrüchte: Ist also euer ganzer geistlicher Ackerbau nichts wert. Denn weil ihr nicht auf den Messias, sondern auf eure abgöttische Opfer euch verlasst, so geschieht es, dass auch böse Früchte eures Lebens darauf erfolgen und die Liebe vielfältig überschritten wird, darum auch eure Früchte des Landes nicht geraten sind, und hat euch eure Hoffnung weit gefehlt, weil ihr mehr auf eure Weisheit und Kriegsvolk euch verlassen habt, als auf die göttliche Hilfe. [Denn wo die Religion nicht rein ist, da folgen unzählig andere ungereimte Sachen und schlägt endlich das Unglück mit Haufen herein].

14. So soll sich ein Getümmel erheben in deinem Volk, dass alle deine Festen zerstört werden. Gleichwie Salman zerstörte das Haus Arbeels zur Zeit des Streits, da die Mutter über den Kindern zu Trümmern ging,

Erheben: Es soll das Volk Israel in ein großes Schrecken kommen von wegen des assyrischen Krieges und voller Unruhe werden.

Zerstört: [Denn es helfen keine Festungen wider den Zorn Gottes].

Salman: (Nach Luther) Diese Geschichte steht sonst nirgends in der Schrift. Und ist dergleichen wohl mehr geschehen, die nicht alle beschrieben sind, wie die, so Judas anzeigt in seiner Epistel von Michael und dem Satan.

Trümmern ging: Das ist: Wie der Überwinder, Salman genannt, wider das Geschlechter oder Königreich Arbeel einen Krieg geführt und so grausame Wüterei getrieben, dass er nicht allein die Mannspersonen erwürgt, sondern auch der schwangeren Weiber und Säuglinge nicht verschont hat. Also werdet ihr es nicht besser haben und von den Feinden in Assyrien eben dasselbe gewärtig sein müsst, weil ihr eine Bosheit über die andere und Sünde mit Sünden häuft. Was aber die Historie vom Salman und dem Haus oder Geschlechter Arbeel belangt, findet man sonst in der Heiligen Schrift nirgends. [Aber es ist uns genug vorgeschrieben, so viel zu unserer Seligkeit vonnöten ist].

15. ebenso soll es euch zu Bethel auch gehen um eurer großen Bosheit willen, dass der König Israels frühe morgens untergehe.

Frühe morgens: Das ist: Es wird bald geschehen und nicht lange mehr anstehen, dass der König Israel mit seinem Königreich zugrunde gehen wird. [Denn die Strafen kommen viel eher, als die sicheren ruchlosen Herzen wohl meinten].

Nach Luther: Das ist, bald und plötzlich.


Das 11. Kapitel


I. Der Prophet erzählt die Guttaten Gottes, so dem israelitischen Volk widerfahren und wie sie dagegen so undankbar und gottlos gewesen, v. 1. 2. Danach setzt er die Ursache hinzu, warum er eines so halsstarrigen Volkes schone und warum Gott das israelitische Volk wiederum zurechtbringen wolle, v. 8. 3. Endlich macht er eine Vergleichung der Kinder Juda und Israel, v. 10.

1. Da Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn; meinen Sohn, aus Ägypten.

Da: Folgt jetzt eine Predigt, in der Gott der Herr dem israelitischen Volk ihre Undankbarkeit aufrückt, für die vielfältigen und großen Guttaten, so sie von ihm empfangen.

Aus Ägypten: Das ist: Gleichwie ein junges Kind, welches die Eltern inbrünstig lieben. Also habe ich auch meinen Sohn, nämlich das israelitische Volk, welches ich an Kindes statt aufgenommen, geliebt und ihn aus Ägypten durch Mose und Aaron gerufen und ausgeführt. Gleichwie aber dieser Spruch von dem israelitischen Volk redet, als von einem an Kindes statt angenommenen Sohn. Also wird er von dem Evangelisten Matthäus (Kapitel 2) recht angezogen auf den eingeborenen Sohn Gottes Jesum Christus, da er aus Ägypten wieder berufen wurde, weil das israelitische Volk in dem Stücke ein Vorbild Christi war. [Es liebt aber Christus seine Kirche ganz inniglich, wie er denn solches von Anfang der Welt her vielfältig erzeigt hat].

2. Aber wenn man sie jetzt ruft, so wenden sie sich davon und opfern den Baalim und räuchern den Bildern.

Aber: Jetzt zeigt der Prophet an, wie die Israeliten später gegen Gott sich verhalten haben.

Ruft: Zum rechten Gottesdienst durch die Propheten.

Davon: Sie kehren Gott und seinen Propheten den Rücken, wie die ungehorsamen und ungeratenen Kinder zu tun pflegen, welche auf ihrer Eltern Vermahnungen nichts geben wollen und sich hinwegmachen, dass sie nur keine Warnungen hören durften. [Es ist aber eine gräuliche Sünde, wenn man Gottes Wort nicht hören will].

Bildern: Nämlich ihren Götzen mit Weihrauch und anderen wohlriechenden Sachen. [Also geschieht es, dass man immer Lust hat, was verboten ist. Und haben die Abgöttischen einen Ekel zu dem rechten Gottesdienst, aber die Abgötterei nehmen sie mit Willen an].

3. Ich nahm Ephraim bei seinen Armen und leitete ihn; aber sie merkten es nicht, wie ich ihnen half.

Leitete ihn: Wie eine Mutter ihr Kind gehen lehrt, da sie es mit beiden Händen unter den Armen hebt, dass es nicht falle. Also bin ich, spricht Gott, bis daher mit dem israelitischen Volk, da es noch zart gewesen, aufs Glimpflichste umgegangen und habe sie sanft regiert. Darum ich viel anders um sie verdient hätte, beides in der Wüste und im Lande Kanaan, als dass sie von mir abtrünnig werden sollten.

Nach Luther: Wie die Mutter ein Kind gängelt und lehrt, gehen und führt bei den Armen.

Half: Da sie in der Wüste waren und ihren Schwachheiten zu Hilfe kam, gleichwie eine Mutter ihres Kindes Krankheit ihr mit höchstem Fleiß lässt angelegen sein. Aber sie achten sich solcher Guttaten wenig. [Es enthält aber auch uns noch heutigentags Gott der Herr mit gleicher Gnade und Güte und hebt uns in seinen Schoß. Darum will uns gebühren, dass wir solches mit dankbarem Herzen erkennen und unsere Dankbarkeit mit guten Werken erzeigen].

4. Ich ließ sie ein menschlich Joch ziehen und in Seilen der Liebe gehen und half ihnen das Joch an ihrem Halse tragen und gab ihnen Futter,

5. dass er sich ja nicht wieder soll nach Ägyptenland kehren. So ist nun Assur ihr König geworden; denn sie wollen sich nicht bekehren.

Kehren: Die Meinung ist diese: Ob ich wohl den Israeliten, da sie in der Wüste gewandelt, ein Joch aufgelegt habe, dass sie unter dem Gehorsam meines Gesetzes und unter dem Heiligen Kreuz, als wie die Ochsen am Wagen zogen, so bin ich doch nicht gar zu hart oder unfreundlich mit ihnen umgegangen, sondern habe ihre Trübsal gemildert: Habe ihnen auch Nahrung vom Himmel in der Wüste gegeben vierzig Jahr lange, auf dass sie nicht aus Mangel und Ungeduld angetrieben, wieder in Ägyptenland zu ihrer vorigen Dienstbarkeit umkehrten, sondern vielmehr das erwünschte und verheißene Land Kanaan erreichten. [Derselbe Gott gibt auch heutigentags den Gläubigen an Christus die Gnade seines Heiligen Geistes, dass sie das Joch der Gebote Gottes gehorsam und gerne tragen, so ferne sie wiedergeboren sind. Er legt ihnen aber auch kein schwereres Joch der Trübsal auf, als sie ertragen können. Ja er erleichtert es selbst mit seiner gnädigen Hand {1Kor 10}].

König geworden: Denn weil die Israeliten für solche große Guttaten ganz undankbar gewesen und mir nicht gehorchen noch mein Joch tragen wollen, so habe ich ihnen einen anderen, und zwar einen ungütigen und grausamen Herrn gegeben, den König in Assyrien, der über sie herrschen soll mit der Strenge.

Nicht bekehren: Zu mir, dass sie Buße taten und mir recht dienten oder ich sie wohl durch meine Propheten so oft und treulich warnen lasse. [Welche deswegen Gott nicht gehorchen wollen und sein Joch von sich werfen, die müssen sich unter der grausamen Tyrannen unleidliche Dienstbarkeit begeben, dessen man Beispiel hat an denen, die der türkischen Tyrannei unterworfen sind].

6. Darum soll das Schwert über ihre Städte kommen und soll ihre Riegel aufreiben und fressen um ihres Vornehmens willen.

Vornehmens: Welches gottlos und närrisch ist. Will so viel sagen: Es wird ein verderblicher Krieg wider die Israeliten entstehen, in welchem die vornehmsten Israeliten, so als ein Riegel am Tor die feindliche Gewalt aufhalten und ihre Mitbürger hätten schützen können, im Streit fallen und umkommen werden. Weil die Israeliten längst mit ihren gottlosen Anschlägen nicht zu Gott, sondern zu menschlicher Hilfe ihre Zuflucht hatten und an keine wahre Buße gedacht.

7. Mein Volk ist müde, sich zu mir zu kehren; und wie man ihnen predigt, so richtet sich keiner auf.

Müde: (Nach Luther) Diesen Vers soll niemand verstehen, auch im Hebräischen nicht.

Keiner auf: Das ist: Sie wollen nicht Buße tun und wenn sie gleich durch die Propheten zum Gehorsam meiner Gebote, als wie die Ochsen zum Joch berufen werden, so tun sie, als hörten sie es nicht, gleichwie die Ochsen, wenn sie im Stall liegen und des Ackermanns Stimme hören, dennoch nicht aufstehen wollen. [Solcher Leute finden sich auch zu unserer Zeit nur ganz viele, welche, ob sie wohl in den Predigten ernstlich angezogen werden, so fahren sie doch in ihren Sünden fort und tun, als ob sie solche Erinnerungen nicht verstanden hätten].

8. Was soll ich aus dir machen, Ephraim? Soll ich dich schützen, Israel? Soll ich nicht richtig ein Adama aus dir machen und dich wie Zeboim zurichten? Aber mein Herz ist anderen Sinnes, meine Barmherzigkeit ist zu brünstig {1Mos 19v24 v25 Am 4v11},

Machen: Wie soll ich mit euch Israeliten umgehen?

Schützen: Ist es auch richtig, dass ich dich nach deiner so vielfältigen begangenen geistlichen Hurerei und anderen Lastern handhaben sollte? Freilich nicht.

Nach Luther: Er will sagen: Ich weiß nicht, wie ich dir helfen soll. Es hilft weder Strafe noch Gnade, ich muss Christus senden, der soll es gut machen.

Zurichten: Wie du längst wohl verschuldet, dass ich dich mit Feuer und Schwefel vom Himmel herab vertilgte, also den beiden hier gemeldeten Städten widerfahren, die samt Sodom und Gomorrha zugrunde gegangen. [Sieht man deswegen hier, wie eine schreckliche Sünde es sei um die Abgötterei, weil sie dem gräulichen Laster der Sodomiter verglichen wird].

Anderen Sinnes: Denn obwohl du, israelitisches Volk, solche große Strafe ganz wohl verdient hättest. So ist doch meine Barmherzigkeit zu groß und halte mich selbst inne, dass ich dich nicht allerdings vertilgen will. Gleichwie die Eltern, wenn sie über ihre Kinder heftig erzürnt sind und sie hart strafen wollen, aber doch bald später die väterliche Zuneigung sich überwinden lassen, dass sie die Strafen entweder nachlassen oder doch mildern.

9. dass ich nicht tun will nach meinem grimmigen Zorn noch mich kehren, Ephraim gar zu verderben; denn ich bin Gott und nicht ein Mensch und bin der Heilige unter dir. Ich will aber nicht in die Stadt kommen.

Zu verderben: Ich will nicht alle Israeliten von meinem Angesicht allerdings verstoßen.

Unter dir: Als wollte er sprechen: Die Menschen sind bisweilen unversöhnlich, zornig, grausam und so rachgierig, dass sie keine Ruhe haben, bis sie ihr Mütlein erkühlt: Aber ich bin nicht nur ein gerechter, sondern auch ein barmherziger Gott. Ich bin nicht giftig, sondern heilig und leicht zu versöhnen, der ich unter euch noch etliche Auserwählte habe, die ich nicht verwerfen will.

Kommen: Das ist: Ich will dennoch dein Königreich zu Samaria nicht schützen, sondern es muss fallen. Später aber will ich zu seiner Zeit durch das Evangelium Jesu Christi mir eine Kirche sammeln, auch von denen übergebliebenen Israeliten, die in Assyrien und unter andere Heiden zerstreut sind. Es ist aber dies eine feines Gleichnis, von den Eltern genommen, welche ihrer Kinder unzeitige Heirat sich nicht gefallen lassen und doch den Kindern verzeihen, aber auch eine Zeit lang nicht zu ihnen ins Haus gehen noch dieselben in ihre Häuser zu sich kommen lassen. [Und ist hier der herrliche Trost zu merken, dass Gott den bußfertigen Sündern, von wegen seiner unendlichen Barmherzigkeit, dadurch sein väterlich Herz gegen uns brennt, verzeihen wolle, ob er gleich die äußerlichen und leiblichen Strafen nicht immer hinwegnimmt].

10. Alsdann wird man dem Herrn nachfolgen; und er wird brüllen wie ein Löwe; und wenn er wird brüllen, so werden erschrecken die, so gegen Abend sind.

Als denn: Wenn, nämlich das Evangelium Christi gepredigt wird.

Nachfolgen: Dass man an Christus glauben und seinem Willen zu gehorsamen sich bemühen wird.

11. Und die in Ägypten werden auch erschrecken wie ein Vogel und die im Lande Assur wie Tauben; und ich will sie in ihre Häuser setzen, spricht der Herr.

Häuser setzen: Die Meinung ist diese: Christus wird mit seinem Geist durch das Predigtamt des göttlichen Wortes, welches das Gesetz und Evangelium in sich begreift, die Welt ihrer Sünden und Bosheit überzeugen, dass sie die Seligkeit entweder bei der Abgötterei oder in einem heuchlerischen scheinheiligen Wandel gesucht. So werden alsdann die Zuhörer, so gegen Morgen und Abend und an anderen Enden wohnen, dazu nicht nur die Juden allein, sondern auch die Heiden sich darüber entsetzen, gleichwie die Vögel über einem plötzlichen Geprassel oder Brüllen eines Löwen erschrecken. Aber ich (spricht der Herr) will sie nicht also ungewiss in der Religion und im Zweifel stecken lassen, sondern an denen Orten, wo sie wohnen, will ich eine Kirche sammeln, in denen sie, als ein Vogel in seinem Nest zur ewigen Seligkeit sollen erhalten werden. [Denn wenn das Evangelium rein gepredigt wird, da vertreibt es alle falsche Religion aus der Gläubigen Herzen].


Das 12. Kapitel


I. Der Prophet straft abermals der Israeliten Abgötterei und ihr Vertrauen auf menschliche Kräfte, lehnt auch ab, was sie zum Schein, ihre falschen Gottesdienste zu bemänteln, vorwendeten, v. 1. 2. Aber das Königreich Juda lobt er, dass es Gott noch recht ehrte. Und sieht es ihm gleich, als sei diese Predigt gehalten worden unter der Regierung des Königs Hiskia, v. 9.

1. In Ephraim ist überall Lüge wider mich und im Hause Israel falscher Gottesdienst. Aber Juda hält noch fest an Gott und am rechten heiligen Gottesdienst.

Lügen: Das ist: Das ganze Königreich Israel ist voller grober Irrtümer, Abgötterei und Bosheit.

Noch fest: Im Königreich Juda geht noch die rechte Religion im Schwange und wird vor den benachbarten Heiden von Gott geschützt und erhalten, weil es dem einigen wahren Gott treulich anhängt. [Denn Gott erhält die Regimenter, da sein Gottesdienst recht und rein ist, obgleich bisweilen gefährliche Zeiten einfallen, daraus doch Gott die seinen wunderbar wiederum errettet.]

Nach Luther: Herrscht noch mit Gott.

2. Ephraim aber weidet sich vom Winde und läuft dem Ostwinde nach und macht täglich der Abgötterei und des Schadens mehr; sie machen mit Assur einen Bund und bringen Balsam nach Ägypten.

Vom Winde: Das ist: Indem die Israeliten ihre Hoffnung auf den falschen Gottesdienst setzen, tun sie eben, als wenn ein hungriger Mensch mit dem Winde, besonders dem Ostwinde sich sättigen wollte, da ihn doch danach nur desto mehr hungern würde. [Hier hat man abermals zu merken, was die Abgötterei und das Vertrauen auf menschliche Kräfte nütze].

Nach Luther: Das ist, der Lügen und Verderbens.

Schadens mehr: Denn indem sie sich emsig bemühen, wie sie die falschen Gottesdienste befördern mögen, verursachen sie dadurch die Verwüstung ihres Königreichs, welches deshalb nur desto mehr herzueilen wird.

Mit Assur: (Nach Luther) Sie trauen auf Menschen und nicht auf Gott.

Bund: Auf dass sie von ihm mögen geschützt werden.

Ägypten: Auf dass sie der Ägypter Gemüt und Herzen durch Geschenke sich gewogen machen.

3. Darum wird der Herr die Sache Judas führen und Jakob heimsuchen nach seinem Wesen und ihm vergelten nach seinem Verdienst.

Judas führen: Dass er die im Königreich Juda schütze und handhabe, so lange sie den rechten Gottesdienst behalten.

Jakob heimsuchen: Nämlich das Königreich Israel wird er strafen nach seinem Verdienst, weil sie mit der Abgötterei und Vertrauen auf menschliche Hilfe im selben Königreich schwer wieder Gott gesündigt haben. [Denn wenn man in Sünden beharrlich fortfährt und eine Sünde über die andere häuft, so schickt auch Gott die Strafen, welche er lange aufgeschoben hat, und zwar nur desto beschwerlicher].

4. Ja sagen sie: Er hat im Mutterleibe seinen Bruder untertreten und von allen Kräften mit Gott gekämpft.

Er hat: Jetzt erzählt der Prophet die Reden der Israeliten, damit sie die falschen Gottesdienste, so zu Bethel angerichtet waren, beschönigen wollen, als ob sie ganz recht daran taten, dass sie vielmehr zu Bethel als zu Jerusalem opferten.

Untertreten: Nämlich der Patriarch Jakob hat in der Geburt seinem Bruder Esau die Fersen gehalten, auf dass er ihn zurückzöge und an der ersten Geburt etlichermaßen hinderte {1Mos 25}.

5. Er kämpfte mit dem Engel und siegte, denn er weinte und bat ihn; dort hat er ihn ja zu Bethel gefunden und dort hat er mit uns geredet.

Siegte: Also dass er ihn nicht von sich lassen wollte, er hätte denn den Segen von ihm empfangen.

Bethel: (Nach Luther) Dass Bethel besser sei denn Jerusalem zum Gottesdienst, beweisen sie damit, dass Jakob dort hat Wunder getan.

Gefunden: Nämlich da er (Jakob) noch einsam war und in Mesopotamien zog, ist ihm Gott zu Bethel erschienen, daher er später denselben Ort also genannt, welches ebenso viel heißt, als ein Gottes Haus {1Mos 28}. Desselben Mannes Nachkommen sind wir, der Gott selbst überwunden und den Segen von ihm erlangt hat. Darum werden wir auch unüberwindlich sein und tun recht, dass wir an dem Ort, nämlich zu Bethel opfern, welcher unser allerheiligster Erzvater zum Gottesdienst geweiht hat {1Mos 28} und wollen uns von solcher uralten katholischen Religion nicht abwendig machen noch an dem Gottesdienst zu Jerusalem verbinden lassen. Denn zu Bethel wird Gott mit uns handeln und unser Gebet erhören. [Aber es irrten sich die Israeliten in dem, dass sie den ausdrücklichen Befehl Gottes verachteten und des Patriarchen Jakobs Beispiel ohne einen göttlichen Befehl begehrten, nachzufolgen. Eben also tun ihm heutigentags die Katholiken auch, dass sie ihrer Voreltern Heiligkeit und Frömmigkeit ganz hochheben und ihre Werke ohne Gottes Wort nachtun, lassen sich auch durch kein helles und ausdrückliches Wort Gottes bewegen, dass sie von solchen abergläubischen Gottesdiensten abstünden. Es wird aber in der Beschreibung des Kampfs, welchen Jakob mit dem Sohn Gottes gehalten, derselbe Sohn Gottes ein Engel genannt, nicht der Meinung, dass er engelische Natur an ihm habe, sondern dass er vom Vater in diese Welt, durch die Menschwerdung um unserer Seligkeit willen, soll gesandt werden. Denn das Wörtlein Engel heißt ebenso viel als ein Bot oder Gesandter].

6. Aber der Herr ist der Gott Zebaoth; Herr ist sein Name.

Gott Zebaoth: Unter dem alle Kreaturen streiten. Der ist allein der wahre ewige Gott, dem ihr nach seinem euch vorgeschriebenen Worte zu Jerusalem dienen solltet und nicht dem Baal. Darum irrt ihr euch weit, wenn ihr gleich viel Dinges, eure Abgötterei und falsche Gottesdienste zu beschönigen, vorbringt.

Name: Er heißt der Herr oder Jehova und nicht Baal, Als wenn ein Christ spreche: Mein Gott heißt Jesus Christus und nicht Jupiter.

7. So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!

Deinem Gott: Stehe von der Abgötterei und Sünden ab, leiste dem Nächsten die Werke der Liebe von ganzem Herzen und führe einen gerechten und unsträflichen Wandel. [Denn das ist der rechte Gottesdienst, den Gott in seinem Wort von uns fordert, aber nicht selbst erwählte Religionsübungen, die von abergläubischen Leuten erdacht werden].

8. Aber der Kaufmann hat eine falsche Waage in seiner Hand und betrügt gerne.

Falsche Waage: Das ist: Die Priester ziehen das Beispiel des Patriarchen Jakobs übel und unrecht an, dass sie die Abgötterei zu Bethel verteidigen. Darum betrügen sie die Leute, indem sie die Schrift fälschlich anziehen und tun wie die Kaufleute, welche die Käufer mit einem falschen Gewicht übervorteilen.

Nach Luther: Sie deuten von Bethel die Schrift nicht recht.

9. Denn Ephraim spricht: Ich bin reich, ich habe genug; man wird mir keine Missetat finden in aller meiner Arbeit, das Sünde sei.

Ephraim spricht: Nämlich die Israeliten meinen, indem sie sich von ihren Priestern betrügen und verführen lassen, dass sie in der Erkenntnis der wahren Religion und an guten Werken ganz reich sind und lassen sich nicht überreden, dass man ihren Fleiß, den sie auf die falschen Gottesdienste legen, eines Unrechten überweisen könne. [hier hat man zu merken, dass diejenigen, welche die Schrift fälschlich anziehen, die allergrößten und boshaftesten Leutebetrüger sind. Und denkt mich eben, als hörte ich hier die Katholiken von ihrer allerheiligsten Religion und von ihren guten Werken, die sie zum Überfluss tun, sich rühmen. Aber wo sie nicht Buße tun, so werden sie vor Gottes Gericht endlich empfinden, wie dürftig und arm sie sind].

10. Ich aber, der Herr, bin dein Gott aus Ägyptenland her und der ich dich noch in der Hütte wohnen lasse, wie man zur Jahreszeit pflegt,

Pflegt: Das ist: Ich habe dich aus der ägyptischen Dienstbarkeit erlöst und dich bisher im Lande Kanaan erhalten, auf dass du jährlich das Fest der Laubhütten mit Freuden halten könntest, welches von mir eingesetzt ist, auf dass du dabei der Guttaten dich erinnertest, die das Volk Israel in der Wüste von mir empfangen hat und mir dafür von Herzen danktest, mich auch immer ehrtest, darum hättest du nicht sollen von mir aussetzen und mit falschen Gottesdiensten dich besudeln. [Aber es werden ihrer viel durch die göttlichen Guttaten nur ärger, welche sie zur Besserung anreizen sollten].

11. und rede zu den Propheten; und ich bin‘s, der so viel Weissagung gibt und durch die Propheten mich anzeige.

Anzeige: Das ist: Ich habe mich bisher unterstanden, durch meine Propheten euch wiederum auf den rechten Weg zu bringen und habe mit vielen Offenbarungen mein Gemüt erklärt, auch meinen Willen so entdeckt, dass ihr denselben genügend erkennen können und mich, wie richtig, hättet ehren sollen aber es ist alle Mühe und Arbeit an euch verloren. [Also erklären auch jetziger Zeit und entdecken den Willen Gottes die frommen Kirchendiener in ihren Predigten. Aber die falschen Lehrer bringen lauter lose Teidingen auf die Bahn, dadurch die elenden Leute verführt werden, dass sie Gott nicht recht erkennen und in Irrtum verderben.

Nach Luther: Das ist: Ich war es, der durch die Propheten redet und die Propheten waren meine Larven oder Personen, darunter ich gegenwärtig alles tat und redete: Wer euch hörte, der hörte mich {Lk 10v16}.

12. In Gilead ist es Abgötterei und zu Gilgal opfern sie Ochsen vergeblich; und haben so viele Altäre, als Mandeln auf dem Felde stehen {1Mos 28v5 29v20}.

Als Mandeln: Wille in einer Summe so viel sagen: Das Königreich Israel ist voller Abgötterei und so sehr damit überhäuft, als wie man in der Erde die Garben haufenweise übereinanderlegt, da man immer fünfzehn (welche Zahl an etlichen Orten in Deutschland ein Mandel genannt wird) in einem Haufen findet. [Denn je mehr die Gottlosen von den falschen Gottesdiensten abgemahnt werden, je fleißiger sie sich bemühen die Abgötterei zu erhalten und zu vermehren].

13. Jakob musste fliehen in das Land Syria und Israel musste um ein Weib dienen, um ein Weib musste er hüten {2Mos 12v27}.

Jakob: Jetzt zeigt der Prophet an, wie die Israeliten dem Patriarchen Jakob so ungleich sind, dessen Ansehen sie, ihre Abgötterei zu schützen, fälschlich vorwendeten.

Musste: (Nach Luther) Es will der Prophet sagen, dass Jakob zu Bethel Gott gedient hat, musste zu der Zeit geschehen für seine Person. Aber danach führt Gott das Volk Israel aus Ägypten durch Mose und gab durch denselben Befehl, dass allein an dem Ort, welchen der Herr erwählen würde, ihm soll geopfert und gedient werden, dem sollten sie folgen und nicht dem Beispiel Jakobs.

Fliehen: Vor seinem Bruder Esau, der über ihn erzürnt war und ihm den Tod gedroht hatte {1Mos 27}. Und ob er wohl das Recht der Ersten Geburt erlangt hatte, so hat er doch aus Rat der Eltern seines Vaterlands eine Zeit lang sich geäußert und solch Elend mit Geduld getragen.

Dienen: Nämlich sieben Jahr, um die Rahel des Labans Tochter und da er von seinem Schwager betrogen worden, der ihm die Lea beigelegt, hat er abermals andere sieben Jahr um die zuvor genannten Rahel dienen müssen.

Hüten: Nämlich die Herde des Labans seines Schwagers, wie aus der Historie 1. Mose 29. bekannt. Obwohl aber Jakob von seinem Schwager auch später etliche Mal betrogen worden, so hat er doch immer seine Hoffnung zu Gott, die ihn nicht betrogen. Denn Gott hat ihn nicht allein erhalten und seine Güter und Personal sehr gemehrt, sondern auch seine Nachkommen endlich aus der ägyptischen Dienstbarkeit erlöst. Aber ihr, will der Prophet sagen, wenn es euch nicht allerdings nach eurem Willen geht, so fallt ihr bald von Gott ab und sucht aus einem gottlosen Wahn bei den Menschen Hilfe, ja ihr erdenkt auch immer neue Götter und richtet neue Gottesdienste an, dadurch ihr meintet euren Sachen zu helfen. Dergleichen hat Jakob, der mit dem Zunamen Israel hieß, nichts getan, Darum dürft ihr euch mit seinem Beispiel nicht beschönigen. [Unterstehen sich deswegen die Heuchler nicht die rechte Tugenden heiliger Leute, sondern derselben äußerlichen Werke und Taten, wie die Affen, nachzutun].

14. Aber später führte der Herr Israel aus Ägypten durch einen Propheten und ließ sein hüten durch einen Propheten.

Hüten: Also dass er Israels Nachkommen, die eure Voreltern gewesen, durch den vortrefflichen Propheten Mose aus Ägypten erlöst und in der Wüste erhalten hat ganze vierzig Jahr. Derselbe Prophet, den euch Gott gesandt, der auch viel und große Guttaten dem israelitischen Volk erzeigt, hat euch keineswegs die Abgötterei gelehrt, sondern die rechte Weise vorgeschrieben, wie man Gott ehren soll, welche ihr längst verlassen und entweder etwas Neues erdacht oder der benachbarten Heiden falsche Gottesdienste angenommen habt. Heißt das seinem Gott dankbar sein? Heißt das den Propheten hören? [Denn man soll die, so in der Religion irren, auf die alte Geschichte der Heiligen Schrift weisen, auf dass sie die neuen abergläubischen Meinungen verwerfen und zu der Rechten und ältesten Religion wiederum treten].

15. Nun aber erzürnt ihn Ephraim durch ihre Götzen; darum wird ihr Blut über sie kommen und der Herr wird ihnen vergelten ihre Schmach.

Nach Luther: Im Hebräer heißt es Erbitterung.

Vergelten: Das ist, weil die Israeliten mit ihrer Abgötterei wider mich misshandelt, dass sie die rechte Religion geändert und allerlei Gotteslästerungen wider mich und meinen rechten Gottesdienst ausgestoßen haben, so werden sie deshalb schwer gestraft werden. Und wird ihnen solche Strafen eben derselbe antun, unter welches Schutz sie bisher Sicherheit gesucht. Nämlich der König in Assyrien, den sie zum Herrn überkommen und von dem sie werden hart beschwert werden. [Sehen wir deswegen hierbei, wie es ein rechtes Ding ist, dass man in der rechten und reinen Religion beharre. Darum sollen wir Gott fleißig bitten, dass er uns mit seinem heiligen Geist regiere, damit wir nicht von seinem Wort zu menschlichen Träumen abweichen.]


Das 13. Kapitel


Der Prophet schilt abermals auf die Abgötterei und große Undankbarkeit des Jüdische Volkes, setzt aber auch eine Verheißung hinzu, von der Erlösung Jesu Christi und droht den unbußfertigen Israeliten ihren Untergang.

1. Da Ephraim schrecklich lehrte, wurde er in Israel erhoben. Danach versündigten sie sich durch Baal und wurden darüber getötet.

Schrecklich lehrt: Nämlich dass der König Jerobeam zu seinen Untertanen sagte: Es wäre vonnöten, das sie Gott zu Jerusalem ehrten. Denn man konnte ihn im Königreich Israel eben sowohl ehren. Welches eine gräuliche Gotteslästerung gewesen wider die rechte Religion, so zu Jerusalem durch den ausdrücklichen Befehl Gottes angerichtet war.

Nach Luther: Es zittert ein frommes Herz vor der schrecklichen Abgötterei, so Jerobeam aufrichtete. Noch ging es fort und nahm zu, wie denn alle Abgötterei sehr zunimmt, dass doch guten Herzen schrecklich ist, zu sehen.

Erhoben: Nämlich das goldene Kalb wurde mit Bewilligung des israelitischen Volkes zu Bethel aufgerichtet, vor welchem die Israeliten anfingen zu opfern.

Baal: Denn unter der Regierung des Königs Ahab haben die Israeliten auch den baalitischen Gottesdienst angenommen, nachdem derselbe König die Isabel des Königs zu Zidon Tochter geheiratet, welcher zu Gefallen er dem Abgott Baal einen Tempel und Altar gebaut {1Sam 16}.

Getötet: Denn es hat Gott in seinem Zorn verschafft, dass Ahab und Isabel mit allen ihren Nachkommen vertilgt wurden {1Sam 22 2Sam 9 10}. [Welche deswegen ihnen und ihren Nachkommen wollten Rat schaffen, die sollen sich vor Sünden hüten].

2. Aber nun machen sie der Sünden vielmehr und aus ihrem Silber Bilder, wie sie es erdenken können, nämlich Götzen, welche doch eitel Schmiedewerk sind. Noch predigen sie von denselben: Wer die Kälber küssen will, der soll Menschen opfern.

Vielmehr: Und lassen sich des Ahabs Strafen nicht hindern noch bewegen, dass sie von ihrer Abgötterei und gottlosen Wesen abstünden, sondern häufen die falschen Gottesdienste je länger je mehr. [Denn die Gottlosen wollen die rechten Ursachen alles ihres Unglücks nicht erkennen, sondern je mehr und härter Gott straft, je heftiger sie der Abgötterei nachhängen].

Schmiedewerk: Es ist Menschenhände Werk und von Menschen erdacht und gemacht, was sie ehren, darum kann es freilich kein Gott sein. [Sollen wir deswegen derjenigen Leute unsinnige Weise betrachten und verwerfen, welche die Bilder ehren].

Menschen opfern: Das ist, die Priester und falschen Propheten sagen, wer Gott bei den goldenen Kälbern einen Gottesdienst tun wolle, der müsse Menschen opfern und Söhne oder Töchter schlachten. Denn man weiß aus den Büchern der Könige und aus der Propheten Schriften, dass die Israeliten auch auf die unsinnige Weise geraten, dass sie ihre Kinder geopfert und aus einem närrischen und Gottlosen Wahn gemeint, dass sie des Abrahams Beispiel folgen müssten, welchem befohlen wurde, dass er seinen Sohn opfern sollte, da doch solches nicht geschehen, weil es ihm Gott wiederum verboten. [Daraus man sieht, in was schreckliche Irrtümer diejenigen fallen, welche von dem ausdrücklichen Worte Gottes abweichen und ihrem eigenen Dünkel folgen].

3. Dieselben werden haben die Morgenwolke und den Tau, der frühe fällt, ja, wie die Spreu, die von der Tenne verweht wird und wie der Rau von der Feuermauer {Ps 1v4 Dan 2v35}.

Frühe fällt: Sie versprechen sich selbst große Dinge bei dem falschen Gottesdienst, als werde es ihnen ganz wohl dabei gehen und werden sie gute, fruchtbare, auch sonst glückliche Zeiten haben, wenn sie der Abgötterei fleißig obliegen.

Nach Luther: Der Prophet will so viel sagen: Die Priester des Baals und der goldenen Kälber verheißen große Dinge dem falschen Gottesdienst.

Feuermauer: Der, wenn er daraus hervorgeht, bald in der Luft vergeht und verschwindet. [Diese Gleichnisse lehren, dass um der Abgötterei willen auch die allermächtigsten Königreiche gestürzt und zerstört und die Einwohner jämmerlich zerstreut werden].

4. Ich bin aber der Herr, dein Gott, aus Ägyptenland her; und du solltest ja keinen anderen Gott kennen denn mich und keinen Heiland ohne allein mich {2Mos 20v2 5Mos 5v6 v7}.

Herr: Daraus ich dich geführt und von der Zeit an nicht aufgehört habe, dich mit vielen und großen Guttaten zu begaben.

Kennen: Du solltest richtig von keinem anderen Gott wissen, will schweigen, ihn zu ehren dich zu unterstehen.

Allein mich: Darum die Götter, welche du ehrst oder auch die Gottesdienste, so du treibst und übst, dir weder an Leib noch Seele helfen können. Deswegen solltest du mich allein ehren und auf mich allein dein Vertrauen setzen.

5. Ich nahm mich ja deiner an in der Wüste, im dürren Lande;

Dürren Lande: Da ich dich genährt und geschützt habe, welcher Guttaten du freilich nimmermehr vergessen solltest.

6. Aber weil sie geweidet sind, dass sie satt geworden sind und genug haben, erhebt sich ihr Herz; darum vergessen sie mein {5Mos 8v11 v12 32v15}.

Geweidet: Dass sie von meinen Guttaten etlichermaßen feist und stark wurden.

Erhebt: Sie schlagen über die Stränge, verachten mich und wenden sich zu fremden Göttern. [Mit diesen Worten werden wir erinnert, dass man Widerwärtigkeit viel leichter ausstehen kann, als gute Tage ertragen. Darum sollen wir nicht ungeduldig werden, wenn Gott neben gutem Glück uns auch etwas widerwärtiges lässt zu Händen gehen, welches er der Meinung tut, damit er uns im Zaum halte].

7. So will ich auch werden gegen sie wie ein Löwe und wie ein Parder auf dem Wege will ich auf sie lauern.

So: Folgt jetzt die Strafe der Undankbarkeit.

Parder: Welches ganz ein grausames und schnelles Tiere ist.

8. Ich will ihnen begegnen wie ein Bär, dem seine Jungen genommen sind, und will ihr verstocktes Herz zerreißen und will sie dort wie ein Löwe fressen; die wilden Tiere sollen sie zerreißen.

Begegnen: In meinem gerechten und grimmigen Zorn.

Genommen: Und deshalb gräulich wütet und tobt.

Zerreißen: Das ist, ich will den König in Assyrien wieder sie heraufbringen und sie samt ihrem Königreich durch ihn zerstören und zerstreuen lassen, dass sie niemals kein ordentliches Regiment mehr haben werden noch wieder anrichten können. Und will ihre Herzen, die sie bisher vor meinem Wort verschlossen und verstockt behalten, mit allerhand unglücklichen Zufällen so verzerren, dass sie in ihrem Elend sterben und verderben sollen. [So oft nun Gott einen Feind wider uns erweckt, der herb mit uns umgeht, sollen wir nicht auf den Feind, sondern auf Gott den Herren sehen und dahin trachten, dass wir durch wahre Buße mit ihm wiederum versöhnt werden, damit er seinen gerechten Zorn wider uns fallen lasse].

9. Israel, du bringst dich in Unglück; denn dein Heil steht allein bei mir.

In Unglück: Es ist deine eigene Schuld und du stürzt dich selbst ins Verderben des Leibes und der Seelen, wo du nicht wirst Buße tun, darum darfst du mir die Schuld nicht zumessen. [Denn obwohl die Strafen von Gott kommen und uns zugeschickt werden, so kommt aber doch die Ursache der Strafen, nämlich die Sünde, nicht von Gott, sondern vom Teufel, dem der Mensch folgt und gehorcht].

Nach Luther: Das du bei Menschen Hilfe suchst und nicht bei Gott.

Bei mir: [Denn der Mensch kann sich durch eigene Kräfte, aus solchem Übel nicht herauswickeln, wo ihn nicht Gott aus lauter Barmherzigkeit zu Gnaden aufnimmt und wiedergebiert].

10. Wo ist dein König hin, der dir helfen möge in allen deinen Städten? Und deine Richter, davon du sagtest: Gib mir Könige und Fürsten {1Sam 8v5}?

Wo ist: Als wollte er sprechen, also will ich mit dir in deinem Gewissen reden, wenn der König in Assyrien dich mit Krieg überziehen wird und du ihm nicht wirst widerstehen können.

Helfen möge: Lass ihn dich jetzt schützen wider den König in Assyrien, der in deinem ganzen Lande, mit Rauben, Morden und Brennen übel haust.

Richter: Nämlich deine vornehmsten Landherren und Obersten.

11. Wohlan, ich gab dir einen König in meinem Zorn und will dir ihn in meinem Grimm wegnehmen.

König: (Nach Luther) Saul gab er mit Ungnaden {1Sam 8v20}. Will sagen, wie ich dir den ersten König gab im Zorn, so will ich dir auch den Letzten nehmen im Grimm, dass du keinen mehr haben sollst.

Wegnehmen: Will so viel sagen, eure Voreltern, die Israeliten, meinten, dass sie unter meinem göttlichen Schutz nicht würden sicher sein und leben können vor den benachbarten Heiden. Wo sie nicht auch Könige und Fürsten hätten, wie andere Völker, darum sie mit dem Propheten Samuel nicht vergnügt waren und hielten um einen König an {1Sam 8}. Darum ich über sie erzürnt wurde, von wegen ihres Misstrauens, dass sie mehr Hoffnung zu den Menschen als zu mir hatten, und gab ihnen den König Saul, aber aus keinem geneigten, sondern unwilligen Gemüt, daher sie auch solches ihres ersten Königs mehr Schaden als Nutzen hatten. Wie ich deswegen den ersten König ihnen im Zorn gegeben, also will ich den letzten König mit Zorn und endlichem Untergang des ganzen israelitischen Königreichs wiederum hinwegnehmen, zur Strafe, dass ihr die Menschen mir vorgezogen habt. [Wenn deswegen Gott der Herr unglückhafte und gottlose Könige oder Fürsten gibt, so straft er der Untertanen Sünden, dass sie Gott, den Höchsten Herrn, nicht fürchten. Dass aber die Wiedertäufer diesen Spruch wider die ordentliche Obrigkeit deuten, irren sie sich ganz weit. Denn Gott hat es gar nicht Unrecht geheißen, dass die Israeliten Obrigkeiten hatten, weil sie vor der Könige Regierung auch ihre Richter und Propheten hatten, die dem weltlichen Regiment vorgestanden, sondern dass sie aus Misstrauen gegen ihren Gott und den Heiden zur Nachfolge, einen König begehrt, als ob sie ohne solche Obrigkeit nicht könnten erhalten werden noch vor den Feinden gesichert sein].

12. Die Missetat Ephraims ist zusammengebunden und ihre Sünde ist behalten.

Die: Folgt nun eine liebliche Weissagung von Christo und seinen Guttaten, die seiner Kirche mitgeteilt werden.

Behalten: Das ist, es wird die Zeit kommen, da der Israeliten Sünden, durch den Glauben an den Messias, gleichsam in ein Bündlein werden gesammelt und eingewickelt und etlichermaßen zugesiegelt werden {Dan 9}. Ja sie werden vor dem Angesicht Gottes verborgen bleiben und ihnen nicht mehr zugerechnet werden. [Denn den Gläubigen an Christus werden die Sünden verziehen, zugedeckt und nicht zugerechnet {Röm 4 Ps 32}].

13. Denn es soll ihnen wehe werden wie einer Gebärerin; denn es sind unvorsichtige Kinder. Es wird die Zeit kommen, dass sie nicht bleiben werden vor dem Jammer der Kinder.

Wehe werden: Ehe, nämlich sie den Trost des Evangeliums empfinden, weil sie aus der rechten Erklärung des Gesetzes spüren und merken werden, dass sie solches nicht erfüllt haben, sondern gegen ihren himmlischen Vater ungehorsam und widerspenstig sich erzeigt.

Unvorsichtige: Die bisher ihre Sünde nicht erkannt haben. Denn die Schrift heißt alles Unrecht, Unvorsichtigkeit und Torheit.

Nicht bleiben: Das ist, in den allergrößten Schmerzen des Gewissens werden sie aus sich selbst keinen Rat, Hilfe noch Trost haben können. [Denn wenn das Gewissen die Sünde recht empfindet, so kann es bei sich selbst keinen Trost finden: Aber bei dem Erlöser Christo findet ein zerschlagenes Herz die allerkräftigsten und heilsamste Arznei: Wie aus dem folgenden sehr herrlichen Trost zu sehen].

14. Aber ich will sie erlösen aus der Hölle und vom Tod erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein; Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein! Doch ist der Trost vor meinen Augen verborgen {1Kor 15v54 v55 Hebr 2v14}.

Hölle: (Nach Luther) Das zeitliche Königreich soll untergehen, aber das Geistliche soll kommen. Aber des werden sich wenig Juden trösten. Denn sie werden es nicht annehmen und durch die Römer als einen sauren Wind verstört werden.

Pestilenz sein: [Mit diesen Worten wird angezeigt, dass Christus uns durch seinen Tod vom Tode erlöst habe, damit uns der Tod nicht behalten könnte. Und dass wir durch Christus von der Hölle und ewiger Verdammnis erlöst wurden. Denn indem der Tod Christus verschlungen und die Hölle ihn angenommen, haben sie alle ihre Kraft wider die Gläubigen an Christus verloren. Darum hat Christus durch sein Leiden und Tod und durch seine Niederfahrt zur Hölle, den Tod und die Hölle allen Rechtgläubigen zerstört, dass wir jetzt mit Christo triumphieren wider den Tod, Hölle und Teufel. Hierher hat auch gesehen der Apostel Paulus {1Kor 15}. Da er von der seligen Auferstehung und ewigem Leben handelt. Obwohl er die Worte des Propheten nicht behält, sondern nur die Meinung anzeigt].

Verborgen: Das ist, [Weil wir in diesem Jammertal umherziehen, hat es das Ansehen mit uns, als sind wir aller Gefahr und allem Elend unterworfen. Denn wir sind in Hoffnung selig {Röm 8} und müssen wir der Offenbarung des Heils, so uns durch Christus erworben ist, gewärtig sein. Wir wissen aber, wenn er erscheinen wird, dass wir ihm, unserem Herrn Jesu Christo, gleich sein werden. Darum sollen wir unterdes die Augen unseres Gemüts auf solchen Trost in der Hoffnung wenden, bis wir die Sache an ihr selbst auch mit leiblichen Augen gegenwärtig im Himmlischen und Seligen Leben anschauen werden].

15. Denn er wird zwischen Brüdern Frucht bringen. Es wird ein Ostwind kommen; der Herr wird aus der Wüste herauffahren und ihren Brunn austrocknen und ihre Quelle versiegen und wird rauben den Schatz alles köstlichen Gerätes.

Frucht bringen: Das ist, Christus wird mit der Predigt seines Evangeliums unter seinen Brüdern, den Christen, die Sache dahin richten, dass sie viel gute Früchte des Glaubens bringen. [Sind deswegen unsere guten Werke vielmehr Christi Werke als unsere. Denn ohne mich (spricht Christus) könnt ihr nichts tun {Joh 15}. Darum, welche nicht gute Früchte bringen, sind nicht Brüder Christi, gehen ihn auch nicht an].

Es: Jetzt weissagt der Prophet von der Juden Verstoßung, wie auch von ihrem Untergang und Elend, in dem sie nun über die anderthalbtausend Jahre stecken.

Ostwind: Das ist, Gott wird die Juden durch die Römer, welche von ferne kommen werden, zerstören, gleichwie die Reben von einem scharfen Ostwind verdorben werden. Und wird zwar sie an allen ihren Kräften so erschöpfen, dass sie keinen Trost der göttlichen Hilfe mehr behalten. So wird auch der Tempel, welchen die Juden für einen ganz köstlichen Schatz gehalten, von dem römischen Volk geplündert und zerstört werden und dass ich es alles kurz sage, es wird aus mit ihnen sein. [Weil deswegen dies Unglück, so mit Worten nicht auszusprechen ist, die Juden getroffen, von wegen dass sie das Evangelium nicht annehmen wollen, da sie doch zuvor Gottes Volk gewesen. So sollen wir uns hüten, dass wir nicht durch unsere Undankbarkeit gegen das reine Wort Gottes, gleiche Strafen über Deutschland ziehen].

16. Samaria wird wüst werden, denn sie sind ihrem Gott ungehorsam. Sie sollen durch das Schwert fallen und ihre jungen Kinder zerschmettert und ihre schwangeren Weiber zerrissen werden.

Ungehorsam: [Es sind aber nicht allein die abgöttischen Gott ungehorsam, sondern auch andere, welche, wenn sie durch das Wort Gottes von Sünden abgemahnt werden, demselben dennoch nicht gehorchen wollen].

Zuschmettert: [Denn Gott lässt auch an den Kindern einen solchen Ernst sehen, auf dass die Alten desto mehr geschreckt werden. Und was rechte Eltern sind, denen ist es viel beschwerlicher, wenn sie an ihren Kindern Gottes Zorn und zeitliche Strafen sehen müssen, als wenn sie es selber empfinden: So schlägt Gott auf den Sack, dass es der Esel auch empfindet. Wenn auch die Kinder gottlos und nicht wieder geboren sind, so geschieht ihnen nicht Unrecht, seien sie denn wieder geboren, so haben sie des keinen Schaden, weil sie dennoch und ohne das, sterben müssen. Darum sie durch solche, obwohl herbes und unangenehmes Mittel, nur desto eher ins Himmelreich aus diesem Jammertal versetzt werden].


Das 14. Kapitel


Dies Kapitel ist gleichsam ein Beschluss der ganzen Weissagung des Propheten Hosea, indem er die Israeliten zur Buße vermahnt und lehrt, welches eine rechtschaffene Buße sei, verheißt auch den Bußfertigen die Gnade und Barmherzigkeit Gottes und erinnert sie, dass sie den falschen Gottesdienst sollen fahren lassen und wieder auf den rechten Weg der Gebote Gottes kehren.

1. Bekehre dich, Israel, zu dem Herrn, deinem Gott; denn du bist gefallen um deiner Missetat willen.

Bekehre dich: Auf dass du dem Unglück und auch der ewigen Verdammnis entrinnst. [So oft aber Gott uns zur Buße ruft, so oft bietet er uns Vergebung der Sünden an. Denn sonst würde die Buße umsonst gepredigt, wo die Vergebung nicht gewisslich darauf folgte].

2. Nehmt diese Worte mit euch und bekehrt euch zum Herrn und sprecht zu ihm: Vergib uns alle Sünde und tue uns wohl, so wollen wir opfern die Farren unserer Lippen {Sach 1v4}!

Mit euch: Fasst meine Rede zu Ohren und zu Herzen, damit ich euch so oft zur Buße vermahne.

Vergib: Hier zeigt der Prophet an, welches die wahre Buße sei.

Uns wohl: Gib uns zeitliche und himmlische Güter und handle nicht mit uns nach unserem Verdienst, sondern nach deiner großen Güte.

Opfern: Zur Dankbarkeit wollen wir deinen Namen preisen und deine Barmherzigkeit bei jedermann rühmen. [Denn das Lob Gottes, welches aus einem gottseligen Herzen her fließt, sind die Farren unserer Lippen. Das sind solche Opfer, die Gott angenehm sind: Von welcher Art der Opfer aus diesem Spruch des Propheten Hosea, der Apostel zu Hebräer handelt (Kapitel 13). Und sieht man hier eigentlich, welches die wahre Buße sei, nämlich wenn wir unsere Sünde erkennen und dieselbe unserem Herrn Gott in allgemeines, aber doch ernstliches bekennen, und bitten, dass sie um des Messias willen uns verziehen werden, sind auch also gesinnt, dass wir von Herzen begehren Gott unsere Dankbarkeit mit guten Werken zu bezeugen. Diese Art der Buße ist der papistischen Bekehrung sehr ungleich, welche da fordert die Reue und Bekenntnis aller und jeder Sünde vor den Ohren des Priesters und die Genugtuung unserer Werke, welche eine Vergeltung für die begangene Sünden sein soll].

3. Assur soll uns nicht helfen und wollen nicht mehr auf Rossen reiten, auch nicht mehr sagen zu den Werken unserer Hände: Ihr seid unser Gott; sondern lass die Waisen bei dir Gnade finden,

Nicht helfen: Das ist, ihr werdet freiwillig und öffentlich euer voriges gottloses Wesen und böse Anschläge verwerfen und sagen: Wir wollen weiter nicht mehr unser Vertrauen auf den König in Assyrien setzen noch zu eines oder des anderen mächtigen Monarchen Reiterei Hoffnung mehr haben, sondern zu dir Gott allein unsere Zuflucht nehmen. [Denn die Gedanken, welche aus Misstrauen gegen Gott entstehen, sind vor Gott ein Gräuel].

Unser Gott: Wir wollen die Bilder nicht mehr für Götter ehren, die wir gemacht haben und keine göttliche Hilfe in unseren Gottesdiensten suchen, die wir ohne Gottes Wort erdacht haben, sondern wollen dieselben alle verwerfen und verdammen. [Wer aber die Bilder ehrt oder durch seine Werke, sie sind gleichwie sie wollen, hofft, Vergebung der Sünden und das ewige Leben zu verdienen, der sagt in der Wahrheit zu den Werken seiner Hände, ihr seid unser Gott. Und hat man auch hier in Acht zu nehmen, dass die, so rechtschaffene Buße tun, ihre vorige Bosheit und Sünden verwerfen und verdammen. Denn welche nur mit Worten sich vernehmen lassen, dass sie Buße tun, aber daneben in ihrem bösen Wandel ungescheut fortfahren, von denen kann man nicht recht sagen, dass sie Buße tun].

Gnade finden: [Denn welche der wahren Kirche Glieder sind, die haben zwar vor der Welt das Ansehen, als ob sie elende Waisen und allerdings verlassen wären, dazu jedermanns Fußtuch sein müssten, aber Gott erbarmt sich ihrer und sorgt väterlich für sie {Ps 146}].

4. So will ich ihr Abtreten wieder heilen, gerne will ich sie lieben; dann soll mein Zorn sich von ihnen wenden.

So: Jetzt führt der Prophet Gott den Herrn ein, wie freundlich und gnädig er auf der Bußfertigen Gebet antworte.

Heilen: Das ist, ich will es ihnen verzeihen, dass sie sich von mir zur Bosheit abgewandt haben.

Gerne: Aus lauter Gnaden, nicht dass ich um ihrer Werke willen oder von wegen ihres großen Ansehens wäre dazu verursacht worden.

Wenden: [Diese Worte beschreiben Gott den Herrn, wie er gegen die bußfertigen Sünder gesinnt sei, nämlich dass er ihnen die Sünden verzeihe, sie liebe und seinen Zorn wider sie ablege].

5. Ich will Israel wie ein Tau sein, dass er soll blühen wie eine Rose; und seine Wurzeln sollen ausschlagen wie Libanon,

Ich: Nämlich Gott der Herr. Und werden mit den folgenden Worten die ganz herrlichen Guttaten versprochen, welche Gott seiner bußfertigen Kirche und jeden derselben Gliedern erzeigen wolle, so mehrerenteils geistliche Guttaten sind.

Tau: Ich will ihr geängstigtes und bekümmertes Herz erquicken, gleichwie der Tau die Kräuter erquickt, welche von großer Hitze wollen anfangen welk und dürre werden.

Blühen: Und mit herrlichen Gaben des Heiligen Geistes geziert sind.

Ausschlagen: Das ist, ob es wohl das Ansehen haben wird, als ob die Kirche verdorrt, abgehauen und verworfen wäre, so werden dennoch ihre Wurzeln wiederum hervorschießen und zum dicken Wald aufwachsen.

6. und seine Zweige sich ausbreiten, dass er sei so schön als ein Ölbaum; und soll so guten Ruch geben wie Libanon.

Ölbaum: Das ist, die Kirche wird das Lob der Guttätigkeit und Barmherzigkeit haben, gegen die armen Leuten, weil sie vielen Gutes tun wird. Denn das Öl bedeutet Barmherzigkeit.

Libanon: Auf welchem Berge allerlei wohlriechende Kräuter wachsen, die weit und breit um sich her einen herrlichen Geruch von sich geben. Das ist, die Kirche wird auch bei den ausländischen Völkern einen herrlichen Namen bekommen.

7. Und sollen wieder unter seinem Schatten sitzen. Von Korn sollen sie sich nähren und blühen wie ein Weinstock; sein Gedächtnis soll sein wie der Wein am Libanon.

Sitzen: Das ist, es werden zu der Kirche Gottes ihre Zuflucht haben, welche des evangelischen Trostes und Erquickung bedürfen, da werde sie die Weide des göttliche Wortes finden und werden sie selbst auch einen herrlichen Geruch der Gottseligkeit von sich geben, wie ein wohlriechender Weinstock, dazu werden sie die Kirche Gottes rühmen, als einen köstlichen und herrlichen Wein, der die betrübten und geängstigten Herzen der Menschen erfreue. Denn in der Kirche findet man rechte Freude und Ruhe des Gewissens. [Es sind aber die Juden heutigentags unverständige grobe Esel, dass sie die zuvor genannten Verheißungen von zeitlichen Gütern verstehen. Denn was nutzte ein solcher Messias, der nur zeitliche und vergängliche Güter mitteile? Weil man weiß, dass alle Menschen doch einmal sterben müssen].

8. Ephraim, was sollen mir weiter die Götzen? Ich will ihn erhören und führen; ich will sein wie eine grünende Tanne; an mir soll man deine Frucht finden.

Was sollen: Denn weil ich dir, sofern du anders willst Buße tun, Gnade und Vergebung der Sünden samt vielen anderen herrlichen Guttaten anbiete, so will dir gebühren, dass du von der Abgötterei und anderen Sünden abstehst.

Ihn erhören: Nämlich mein Volk Israel, wenn es Buße tut.

Führen: Aus dem Unglück, darin es jetzt steckt.

Finden: Ich will immer grünen wie eine Tanne und soll mich kein Unfall, der da wie der Winter möchte zu rechnen sein, hässlich machen oder meiner Majestät etwas nehmen. Darum magst du immer sicher zu mir fliehen. Und obwohl eine Tanne sonst keine Frucht trägt, so will aber ich dennoch dich weiden und erquicken und dir an nichts mangeln lassen, was zu deiner Seligkeit vonnöten sein mag. [Sollen wir deswegen uns zu Gott dem Herrn halten, der nicht wie die Menschen, wenn sie gleich noch so mächtig sein, seine Kraft verliert. Der auch, als der Allerreichste, alles was wir bedürfen, geben kann und zu geben versprochen hat].

9. Wer ist weise, der dies verstehe und klug, der dies merke? Denn die Wege des Herrn sind richtig und die Gerechten wandeln darin; aber die Übertreter fallen darin.

Wer: Folgt der Beschluss des ganzen Buchs.

Merke: Als wollte er sprechen, Fromme und verständige Leute werden spüren, dass, was ich bisher gesagt und dem Volk Israel vorgepredigt habe, wahrhaftig und heilsam sei. [Denn die Frommen geben der wahren himmlischen Lehre Beifall.]

Richtig: Gottes Wort ist hell und klar genug.

Wandeln: Die Frommen richten ihren Glauben und Wandel nach dem ihnen von Gott vorgeschriebenen Worte an.

Fallen drinnen: Das ist: [Die Gottlosen und Verstockten ärgern sich an dem Worte Gottes und das aus ihrer eigenen Schuld, werden auch je länger je böser, bis sie endlich allerdings ins Verderben fallen. Ja auch die falschen Lehrer, welche Gottes Wort verkehren, bringen viele Leute ins Verderben, so durch einen Schein des göttlichen Worts betrogen werden. Wenn deswegen auf der einen Seite die Katholiken an der Predigt des Evangeliums sich ärgern und Verfolgungen begehren anzurichten. Auf der anderen Seiten aber etliche den evangelischen Verheißungen missbrauchen und ein sicheres rohloses Leben führen, so sollen wir darum an der Richtigkeit der Wege des Herrn nicht zweifeln. Sondern beständig darin fortschreiten, so werden wir endlich das himmlische Vaterland erreichen, Amen.]