Das Buch Hiob


Von diesem Hiob meinen viele, dass es der König Jobab gewesen sei, ein Nachkomme Esaus, von dem in 1. Mose 36 berichtet wird. Es ist dabei egal, wer er gewesen ist, es ist einmal sicher, dass er von Gott schwer versucht wurde. Denn Gott hat dem Satan zugestanden, dass er ihm alles genommen hat, was er auf dieser Erde Liebes gehabt hatte, was Hiob mit großer Geduld erlitten hat. Als ihn aber der Satan an seinem eigenen Leib angreift und ihn mit bösen Geschwüren übel plagt, da fängt er an, den Tag seiner Geburt zu verfluchen und beklagt sich, dass er Gott zum Widersacher habe und kein Recht von ihm erreichen könnte. Als seine Freunde zu ihm kommen, machen Sie ihm noch mehr Kummer, sie hätten ihn als elenden Menschen trösten sollen, machen dagegen viele Worte, dass er den Zorn Gottes und solch schreckliche Strafen mit seinen schweren Sünden sich selbst über den Hals gezogen habe. Denn Gott pflegt keinen so zu plagen, wenn er es nicht selbst grob verschuldet hätte. Das aber will Hiob in keiner Weise gestehen, dass er solch großes Unglück mit äußeren groben Sünden verdient habe, weil er sich davor von Jugend auf mit allem Fleiß davor gehütet hatte. In diesem Stück hatte Hiob zwar recht, denn obwohl er vor Gott ein Sünder war, so hatte er doch vor der Welt einen unsträflichen Wandel geführt, worüber ihm Gott selbst Zeugnis gibt. Allerdings übertreibt Hiob aus Ungeduld manchmal auch die Sachen ein wenig und stößt etliche Lästerworte gegen Gott aus. Schließlich tadelt Gott die Freunde des Hiobs, dass sie von diesen Sachen nicht richtig geurteilt hätten. Dem Hiob aber, nachdem er ihm zuvor auch seinen Unverstand mit Reden nachgewiesen hat, gibt er alles, was er ihm zuvor genommen hatte, reichlich und im Überfluss wieder. Und wir haben aus diesem Buch zu lernen, dass Gott manchmal auch den heiligsten Menschen auf dieser Erde große und schwere Trübsal zuzuschicken pflegt, damit sie ihre Sünden erkennen, die noch in ihrem Fleisch stecken. Von diesen aber urteilt die Vernunft darüber, dass es gottlose lasterhafte Menschen sein müssen und glaubt aus einem närrischen Wahn heraus, dass dergleichen Unglücksfälle Strafen seien für ihre groben und gräulichen Sünden. Aber wenn Gott die Seinen unter dem Kreuz geprüft hat, so erfrischt und tröstet er sie wiederum, denn er plagt die Frommen nicht darum, dass er sie verderben möchte, sondern er macht, dass die Versuchung ein solches Ende gewinnt, dass sie es ertragen können {1Kor 10}, damit sie schließlich seine väterliche Güte umso besser erkennen und ihn in alle Ewigkeit preisen. Etliche sind der Meinung, Mose habe dieses Buch geschrieben. Das sei nun wie es solle, so ist ohne allen Zweifel diese Geschichte auf Eingebung des Heiligen Geistes in Schriften verfasst worden. Hiob wird auch in anderen prophetischen Schriften genannt, wie beispielsweise Hesekiel 14.Darum sollen wir dieses Buch zurecht im gleichen Ansehen mit anderen biblischen Schriften halten.


Das 1. Kapitel


I. Es wird von Hiobs aus außerordentlicher Frömmigkeit, seinem Reichtum und seinen Kindern erzählt.

II. Die Kinder richten Feierlichkeiten aus, Hiob aber opfert für sie.

III. Der Satan erreicht von Gott, dass er den Hiob all seine Kinder und Güter berauben darf.

IV. Dies alles hat Hiob mit großer Geduld ertragen.

1. Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht und recht, gottesfürchtig und mied das Böse.

Uz: Dieses Land gehörte den Edomitern oder Idumeern, wie aus den Klageliedern Jeremias in Kapitel vier abzunehmen ist.

Nach Luther: Hiob ist Jakob, König in Edom, der in 1. Mose 36,33 erwähnt wird. Er hat in der Nähe des reichen steinigen Arabiens gewohnt, was daher abzuleiten ist, dass die Bewohner aus dem Reich Arabiens ihn überfallen haben.

Und recht: Redlich und aufrichtig, nicht verschlagen oder boshaft. Denn arglistige und tückische Menschen gefallen Gott nicht.

Gottesfürchtig: Sodass er Gott, den Herrn, als einen Vater fürchtete und ihn ungern erzürnte.

Mied: Er hütete sich mit allem Fleiß, dass er sich mit keinem Laster besudelte. Denn fromme Menschen entfliehen der Sünde, auch wenn Ihnen Anlass dazu gegeben wird.

2. Und zeugte sieben Söhne und drei Töchter.

Töchter: Eine Vielzahl an Kindern ist ein besonderes Segen Gottes {Ps 127}, obwohl heutzutage viele aus lauter Misstrauen Gott gegenüber die Menge der Kinder für einen Fluch halten.

3. Und seines Viehes waren siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesindes; und er war herrlicher denn alle, die gegen Morgen wohnten.

Viehes: Denn früher wurde der für reich gehalten, der eine große Viehzucht unterhielt. Und damals hatte der Geiz nicht so viel Platz wie heutzutage, wo man Gold und Silberklumpen aus unersättlicher und toller Begierde zusammen häuft.

Gesindes: Viele Knechte und Mägde. Es ist aber der Reichtum an sich selbst nicht böse, sofern man ihn nur recht gebraucht.

Herrlicher: Nicht, dass er so überaus reich und gewaltig gewesen wäre, sondern wegen seiner Weisheit, seinem Verstand und seiner Gottseligkeit wegen ist er herrlicher und höher geachtet worden als die anderen. Und es ist zu vermuten, dass er eben der Jobab gewesen ist, der in 1. Mose 36 unter die Könige der Edomiter gezählt wird. Denn zur damaligen Zeit wurden die Könige genannt, die ein Land oder eine Stadt in ihrer Gewalt hatten, auch wenn ihre Herrschaft sich nicht weit und breit erstreckte. So findet man in Deutschland heutzutage viele Grafen, Herren und Adelige die solche Herrschaftsgebiete sowie Land in Besitz haben wie die Könige, von denen im Buch Josua etliche genannt werden. Es kann aber ein frommer Mensch auch mit gutem Gewissen in hohen Ehren und dem Stand der Obrigkeit sein.

Nach Luther: Nicht, dass er so reich und gewaltig gewesen sein, sondern um seiner Weisheit, Verstand und Gottseligkeit ist er herrlicher gehalten, als andere.

4. Und seine Söhne gingen hin und machten Festmahle, ein jeglicher in seinem Hause auf seinen Tag; und sandten hin und luden ihre drei Schwestern, mit ihnen zu essen und zu trinken.

Jeglicher: Nämlich nach seiner Ordnung, wenn es an ihn kam. Sie ließen nämlich einen Kranz herumgehen und setzten ihn einander auf. Es war aber dies auch ein Stück der Glückseligkeit Hiobs, dass seine Kinder sich untereinander so lieb hatten und in Einigkeit lebten, wo ansonsten Geschwister nicht ständig einig bleiben.

5. Und wenn ein Tag des Mahles um war, sandte Hiob hin und heiligte sie; und machte sich des Morgens frühe auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl. Denn Hiob gedachte: Meine Söhne möchten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. Also tat Hiob alle Tage.

Um war: Dass alle sieben Brüder nacheinander ein Fest gehalten hatten und der Kranz herumgegangen war.

Heiligte: Dass er für sie opferte, damit sie ihren Sünden ausgesöhnt würden, wenn sie etwa über ihren Feierlichkeiten übertrieben hätten. Denn weil zu dieser Zeit das Priesteramt noch auf keinen besonderen Stamm oder Geschlecht gelegt war, so versahen fromme Hausväter und besonders diejenigen, die im Stand der Obrigkeit waren, selbst das Priesteramt. Als nun die Kinder Hiobs eine Versammlung gehalten hatten, hat er sie zur Busse ermahnt und danach für jeden von Ihnen geopfert. Die Brandopfer aber deuten auf das Leiden und den Tod Christi, durch dessen Verdienst Gottes und rohen Gedanken oder Reden, womit sie Gott erzürnten. Und obwohl ehrliche Mahlzeiten zur rechten Zeit nicht zu verwerfen sind, so verursachen sie ein selbstsicheres und rohes Leben, wenn man es damit übertreibt. Und obwohl ich der Meinung bin, dass die Kinder Hiobs nicht gottlos gewesen sind, so haben sie doch in sehr großer Sicherheit gelebt, weshalb auch er mit seiner Vorsorge die Strafen nicht die Sünden der ganzen Welt wahrhaft versöhnt sind.

Gesündigt: Nämlich bei den Mahlzeiten und den Feierlichkeiten wo sie mit üppigen Speisen und Getränken besonders bei sich oft wiederholenden Festen auf irgendeine Weise übertrieben und den Bogen überspannt haben könnten mit der Verachtung verhüten könnte, die Gott über seine Kinder verhängt hatte. Denn kurz darauf folgt, dass sie durch den Einsturz des Hauses alle miteinander bei einer Feierlichkeit erschlagen worden sind. Und wenn die Kinder nicht selbst in Gottesfurcht wandeln, da hilft Ihnen die Fürsorge der frommen Eltern nicht.

Alle Tage: Nämlich, sooft jeder mit einem Gastmahl an der Reihe gewesen war, opferte er für sie. Heutzutage werden viele Eltern gefunden, die dem Hiob sehr ungleich sind und mehr ihr Vieh als ihre Kinder beachten.

6. Es begab sich aber auf einen Tag, da die Kinder Gottes kamen und vor den Herrn traten, kam der Satan auch unter ihnen.

Traten: Die Schrift spricht hier von der Sache so, dass sie sich nach unserem Verstand richtet, als ob Gott die auserwählten Kinder Gottes im Himmel zu einer allgemeinen Versammlung aufgefordert und zusammengerufen und mit dem Satan ein Gespräch geführt hätte, von den Dingen, die hier auf Erden vorgehen, wo doch im himmlischen Wesen ohne Zweifel sich diese Handlungen so nicht begeben haben, sondern wie gemeldet, so richtet sich die Schrift nach dem, wie wir es fassen können. So wie eine gleichmäßige Erzählung gelesen wird {1Kön 22}, wo ein Lügengeist eingeführt wird, der Gott seinen Dienst anbietet, den Ahab zu betrügen. Es will aber Gott durch solche Bilder anzeigen, dass ihm die Sachen der Menschen aufs höchste angelegen sind und er für sie sorgt.

7. Der Herr aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Satan antwortete dem Herrn und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen.

Durchzogen: Denn der Teufel schleicht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann {1Petr 5}.

8. Der Herr sprach zu Satan: Hast du nicht achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht im Lande, schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse.

9. Satan antwortete dem Herrn und sprach: Meinst du, dass Hiob umsonst Gott fürchtet?

Fürchtet: Sollte es ein Wunder sein, dass er dir dient? Oder aber tut er etwas Besonderes, indem er dich ehrt? Er hat gute Gründe fromm sein.

10. Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, rings umher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Gut hat sich ausgebreitet im Lande.

Beschützt: Mit dem Schutz deiner heiligen Engel, dass ihm nichts umkommt.

Gesegnet: Dass ihm alles glücklich und nach seinem Wunsch und Willen ausgeht.

Ausgebreitet: Dass er immer zunimmt und reicher wird. Darum hat er nie einen Grund gehabt, weder mit Betrug oder Ungerechtigkeit gegenüber dem Nächsten oder mit Ungeduld und Flüchen gegen dich zu sündigen.

11. Aber recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat; was giltst, er wird dir ins Angesicht absagen?

Taste an: Schicke ihm Unglück, damit er, als seiner Güter beraubt wird.

Segnen: Das ist: Er wird dich mit öffentlichen Schmähungen und Lästerungen angreifen. Es misst aber der Satan dem Hiob fälschlicherweise zu, als ob er Gott nicht von reinem Herzen dienen würde, sondern nur wegen des zeitlichen Nutzens, den er davon hat und damit er diesen behalten kann. In der Form beschuldigt und klagt er die Frommen ständig an {Apg 12}. Daher trägt er auch den Namen, dass er ein Teufel ist, das ist, ein Verleumder und Lästerer. Denn in diese Art schlagen alle, die welche, was sie von anderen in guter und bester Meinung gesagt wird, alles zum schlimmsten deuten und auslegen.

Nach Luther: Ja, auch ohne Scheu dir fluchen und dich lästern.

12. Der Herr sprach zu Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; ohne allein an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging Satan aus von dem Herrn.

Hand: Oder Gewalt, dass du ihm mit meinem Einverständnis nehmen kannst und ihn darum bringen.

Ihn selbst: Vergreife dich nicht an seiner Person, ansonsten kannst du mit seinem Gesindel und seinen Gütern umgehen und sie körperlich plagen, wie du magst und kannst. Es kann deswegen der Satan auch unseren Gütern nicht schaden, wenn es ihm Gott nicht besonders verhängt und den Anfechtungen und Trübsal ist ihr Ziel gesteckt, worüber der Satan nicht hinweg schreiten darf. Gott schickt aber den Seinen das Unglück nicht zu in dem Sinn, dass er sie verderben möchte, sondern um ihren Glauben zu bewähren.

Ging: Dass er sich gleichsam brüstete und gefasst machte, den Gütern des Hiob Schaden zuzufügen. Denn weil der Satan weiß, dass er ewige Pein und Qualen leiden muss, so begehrt und trachtet er einzig und allein dahin, dass er den frommen Menschen immer wieder viel Schaden zufügen kann.

13. Des Tages aber, da seine Söhne und Töchter aßen und tranken Wein in ihres Bruders Hause, des Erstgeborenen,

Des Tages: Nun wird berichtet, wie Hiob durch die Anstiftung des Satans mit vielerlei Unglück zugleich überfallen worden ist.

Und tranken: Denn wenn sich die Menschen am sichersten fühlen, so ist ihnen das Unglück am nächsten. So wird auch der jüngste Tag die Sicheren unversehens überfallen.

14. kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen an der Weide;

15. da fielen die aus Reich Arabien herein und nahmen sie und schlugen die Knaben mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, dass ich dir es ansagte.

Entronnen: Dass ich durch Gottes Vorsehung allem entronnen bin und übrig blieb, damit ich dir diese traurige Nachricht verkünden könnte. Es nimmt aber Gott manchmal seine Gaben darum von uns weg und entzieht sie uns, damit wir nicht auf die Gaben, sondern auf Gott, den Geber vielmehr unsere Hoffnung setzen. Aber der Satan untersteht sich, uns die Gaben Gottes in einem anderen Sinn zu rauben, nämlich, dass wir durch den Verlust dieser in Kleinmut geraten und das Vertrauen auf Gott, den Geber, fahren lassen. Aber solchen Anfechtungen soll man tapferen Widerstand leisten.

16. Da der noch redete, kam ein anderer und sprach: Das Feuer Gottes fiel vom Himmel und verbrannte Schafe und Knaben und verzehrte sie; und ich bin allein entronnen, dass ich dir‘s ansagte.

Feuer Gottes: Denn obwohl der Satan sich als ein Diener dazu gebrauchen ließ, dass das Feuer herabgefallen ist, so sagt dennoch der Knecht nichts falsches, das Feuer sei von Gott gekommen. Denn er schickt das Unglück und die Strafen.

Knaben: Deine Hirten und Diener, die die Schafe hüteten.

Ansagt: Denn Gott lässt in den allgemeinen Landstrafen etliche übrig bleiben, um den anderen Leuten zu verkündigen, wie es zugegangen ist.

17. Da der noch redete, kam einer und sprach: Die Chaldäer machten drei Spitzen und überfielen die Kamele und nahmen sie und schlugen die Knaben mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, dass ich dir es ansagte.

Kam einer: Der die dritte böse Zeitung brachte. Denn es ist ein Unglück selten allein.

Spitzen: Oder Haufen, dass sie uns von drei Stellen überfielen und man den Deinen nicht zu Hilfe kommen konnte.

Nahmen sie: Dass sie sie mit sich weggetrieben haben.

18. Da der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen;

19. und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß auf die vier Ecken des Hauses und warf es auf die Knaben, dass sie starben; und ich bin allein entronnen, dass ich dir es ansagte.

Starben: Bis daher hatte Hiob vernommen, wie er um all seine Habe und Güter gekommen wäre, denn früher war das Vieh der Leute größter Reichtum, aber doch hatte er seiner Meinung nach seine lieben Kinder noch am Leben, die ihm ein Trost sein konnten, dass ihm anstatt der verlorenen Güter Gott der Herr andere bescheren würde, so kommen ihm aber jetzt noch viel traurigere Nachrichten, als die vorigen, dass nämlich seine Kinder alle miteinander auf einmal drauf gegangen und jämmerlich ums Leben gekommen wären. Hieraus haben fromme Menschen den Trost zu schöpfen, wenn sie entweder um ihr Hab und Gut kommen oder ihre lieben Kinder durch den zeitlichen Tod verlieren, dass ihnen darum Gott nicht feindlich gesinnt ist, weil er den frommen Hiob so hart angegriffen hat, der ihm jedoch besonders lieb gewesen ist.

20. Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und raufte sein Haupt; und fiel auf die Erde und betete an

Zerriss: Vor großem Unmut und Herzeleid, wie es zu dieser Zeit bei denen gebräuchlich war, die sehr traurig und bekümmert waren wegen einer unangenehmen Nachricht, die sie vernommen haben.

Raufte: Vor großer Angst und Schmerzen.

Betete an: Nämlich den Herrn, mit großer Demut und Ehrerbietung als jemand, der diese Züchtigung und Trübsal von seiner Hand entfliehen und annimmt. Hier ist er viel anders eingestellt gewesen, als etliche, wenn sie in Not stecken, mit Schmähungen und Schimpfwörtern gegenüber dem Nächsten und mit Lästerung gegen Gott toben.

21. und sprach: Ich bin nackend von meiner Mutter Leibe kommen, nackend werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; der Name des Herrn sei gelobt {Pred 5v15}!

Kommen: Ich habe weder Güter noch Kinder mit mir auf diese Welt gebracht.

Fahren: Denn wenn ich auch zum Zeitpunkt meines Todes der heiligste wäre, so weiß ich doch, dass ich von dem allem, was ich hier besitze, nicht das Geringste in jene Welt mit mir nehmen kann, darum nehme ich es mit Geduld auf, dass mir Gott der Herr jetzt solche Sachen genommen und entzogen hat, die ich doch einmal hätte verlassen müssen. Aus Anleitung dieses Spruchs ermahnt uns der Apostel Paulus, dass wir den Geiz entfliehen sollen, weil wir nichts in diese Welt gebracht haben und darum auch nichts wieder mit hinaus bringen {1Tim 6}.

Gegeben: Alles, was ich bisher gehabt und besessen habe.

Genommen: Was er mit gutem Recht tun konnte, weil es nicht meins war, was ich besaß, sondern es gehörte dem Herrn.

Gelobt: Denn ich habe mich in nichts über ihn zu beklagen. So oft deswegen Gott seine Gaben und Guttaten von uns nimmt, sollen wir nicht gegen ihn murren, sondern ihm viel mehr Lob und Dank sagen, dass er uns diese solange gebrauchen lies. Hiob handelt auch richtig, dass er dieses Unglück von der Hand des Herrn annimmt und sagt: Der Herr hat es genommen. Denn wir sollen nicht auf die Mittel und Werkzeuge sehen, wodurch uns Gott das Unglück schickt, sonst werden wir das Kreuz nicht mit Geduld tragen, sondern auf Gott, der Gutes und Böses, also Glück und Unglück kommen lässt.

22. In diesem allem sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott.

Nichts törichtes: Dass er keine Lästerworte aus Ungeduld gegen Gott ausstieß. Denn solange Gott, der Herr, die Empfindlichkeit seiner Gnade nicht von uns nimmt, so halten wir uns demütig unter dem Kreuz. Wenn er aber sein Angesicht verbirgt, so ist das Kreuz nicht zu erleiden, wie wir an einer späteren Stelle hören werden.


Das 2. Kapitel


1. Der Satan plagt mit dem Einverständnis Gottes den Hiob mit bösen Geschwüren.

2. Seine Frau reizt ihn, dass er Gott lästern und aus Verzweiflung Selbstmord begehen solle, was er mit Worten abweist.

3. Seine Freunde besuchen ihn, um ihn zu trösten.

1. Es begab sich aber des Tages, da die Kinder Gottes kamen und traten vor den Herrn, dass Satan auch unter ihnen kam und vor den Herrn trat.

Es begab: Es hätte bei den Leuten den Anschein haben können, als ob der fromme Hiob bereits genug geplagt wäre, aber Gott hat seine Geduld noch mehr prüfen wollen.

2. Da sprach der Herr zu dem Satan: Wo kommst du her? Satan antwortete dem Herrn und sprach: Ich habe das Land umher durchzogen.

3. Der Herr sprach zu dem Satan: Hast du nicht acht auf meinen Knecht Hiob gehabt? Denn es ist seinesgleichen im Lande nicht, schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse und hält noch fest an seiner Frömmigkeit; du aber hast mich bewogen, dass ich ihn ohne Grund verderbe.

Noch fest: Auch unter dem schweren Kreuz, womit ich ihn belegt habe, dass er, obwohl er sehr hart angegriffen worden ist, dennoch keine Lästerung gegen Gott ausgestoßen noch aus Ungeduld dem Nächsten gegenüber etwas Unrechtes zugemutet hat. Es ist aber ein herrliches Lob für einen Christen, wenn er in Widerwärtigkeiten in der Gottseligkeit ausharrt, wo doch ansonsten viele von ihnen sich dadurch zu ungerechten und unrechten Sachen aufbringen lassen.

Ohne Grund: Da er nichts dergleichen verschuldet hat. Denn obwohl es nach der Schärfe des Gesetzes keinen Menschen gibt, der nicht mit seinen Sünden die Hölle verdient hätte, geschweige denn, eine leibliche Trübsal. Jedoch weil durch den Glaube an Christus uns alle Sünden verziehen werden, und wir vor Gott als gerecht geachtet sind. So betrachtet und rechnet Gott das, was den Frommen und denen die in ihrem Beruf ehrlich und gottselig wandeln, widerwärtiges zustößt, dass es Ihnen unverschuldet widerfährt, sodass sie unter dem Kreuz für Märtyrer gehalten werden. Und ist alles in diesem Buch dahin gerichtet, dass auch die Frommen unverschuldeterweise mit Unglück überfallen werden. Darum gibt es am Ende dieses Buches Gott dem Hiob auch das Zeugnis, dass er seine Unschuld recht verteidigt hätte.

4. Satan antwortete dem Herrn und sprach: Haut für Haut; und alles, was ein Mann hat, lässt er für sein Leben.

Haut für Haut: Es lässt einer gern eine fremde Haut im Stich, um seine zu retten. Knechte, Mägde, Freunde, Kinder, Eltern, Frau verlieren ist für den Menschen noch erträglich, wenn er nur an seinem Leib geschont wird.

Nach Luther: Für seine Haut lässt ein Mensch gern fahren Kinder, Vieh, Personal und jede andere Haut.

Hat: An Reichtum und köstlichen Dingen.

Sein Leben: Denn das Leben ist edel. Darum ist es kein Wunder, dass Hiob den Verlust seiner Kinder, Diener und Güter nicht so hoch geachtet hat, wenn er nur mit seiner Haut davongekommen ist.

5. Aber recke deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an; was giltst, er wird dir ins Angesicht absagen?

Gebein: Hänge ihm eine Klage an seinen Leib, die Fleisch und Bein hat, da wird er zweifellos öffentlich Lästerungen gegen dich ausstoßen. Denn das Wort „segnen“ wird hier und an anderen Stellen der Heiligen Schrift als ein Fluch verstanden. Und es verlässt also noch heutzutage der Teufel durch seine Werkzeuge, die Frommen in ihren guten Werken, als ob sie nicht aus rechtschaffener Gottseligkeit richtig handeln würden, sondern dass sie entweder wegen dieses zeitlichen Lebens willen, oder wegen einer leiblichen Belohnung ihren Aufgaben nachkommen würden.

6. Der Herr sprach zu dem Satan: Siehe da, er sei in deiner Hand; doch schone sein Leben!

Deiner Hand: Ich will ihn dir eine Zeit lang in deine Gewalt übergeben, dass du ihn am Leib plagen kannst. Es geschieht also zuweilen, dass Gott dem Teufel zulässt, einen frommen Menschen zu plagen, aber ihm wird doch ein Ziel gesteckt, das er nicht überschreiten darf und auch nicht überschreiten kann. Und es werden die Frommen ständig mit neuen und beschwerlichen Trübsal belegt, nicht um sie zu verderben, sondern um sie zu bewähren und damit sie sich selbst umso besser kennenlernen. Denn in unserem Fleisch stecken noch viele Untugenden verborgen, die schließlich erst dann erkannt werden, wenn die schweren Versuchungen sie heraus pressen.

7. Da fuhr der Satan aus vom Angesicht des Herrn und schlug Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel.

Fuhr: Um sein Werk auszuführen, nachdem er dafür die Gewalt von Gott empfangen hatte.

Scheitel: Sodass sein Leib gleichsam ganz und gar damit überzogen gewesen ist, was ein hässliches Aussehen hatte, und einen überaus großen Schmerz verursachte.

8. Und er nahm einen Scherben und schabte sich und saß in der Asche.

Asche: Auf dem Boden im Staub, die zur damaligen Zeit diejenigen zu tun pflegten, die in großem Kummer steckten und damit gleichsam bekannten, dass sie aus Staub gemacht, und in kurzer Zeit wieder zu Staub zurückkehren würden.

9. Und sein Weib sprach zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Ja, sage Gott ab und stirb!

Sage Gott ab: Als wollte sie sagen: O was bist du doch für ein großer Narr, dass du bisher Gott so fleißig gedient hast, der doch nur seinen Spott mit dir treibt. Aber du beharrst dennoch in deiner närrischen Frömmigkeit. Mein lieber, wenn du noch das Herz eines Mannes hast, so lästere und fluche Gott, der dich, als seinen treuen Diener so heftig plagt, wo du es doch selbst am wenigsten verschuldet hast, und befreie dein Herz, danach aber lege selbst Hand an dich und beende die Qualen. Denn es ist viel besser, dass du dich in ein Schwert stößt oder dich mit einem Strick erhängst, als dass du so lange gequält werden musst und zum Gespött für jedermann. Es haben also auch manchmal fromme gottseligen Männer böse und gottlose Frauen, die, wo sie doch nach der Ordnung Gottes den Männern als Gehilfin und als Trost zur Seite stehen sollen, Ihnen vielmehr ein Hindernis und eine Last sind, so fallen auch sonst einem frommen Menschen in schweren Versuchungen oft ähnliche Gedanken ein, die von unserem verdorbenen Fleisch herrühren, als sei Gott unser Feind geworden oder würde uns nicht beachten. Diese Gedanken kann man mit Hilfe und dem Beistand des Heiligen Geistes und mit dem Wort Gottes beseitigen und unterdrücken. Nach Luther: Ja, du tust etwas für ihn, lobst und dienst Gott und gehst darüber zugrunde.

10. Er aber sprach zu ihr: Du redest, wie die närrischen Weiber reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? In diesem allem versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.

Närrischen: Wie es nämlich die gottlosen Frauen allgemein tun. Denn die Gottlosen werden in der Schrift als Narren bezeichnet.

Reden: Denn du forderst mich zur Ungeduld, Gotteslästerung und Verzweiflung auf, wo du mich doch viel mehr helfen solltest.

Annehmen: Was wäre dies für ein unrechter, ja gottloser Handel, dass wir das Übel nicht mit Geduld tragen würden, dass uns eben dieser Gott zugeschickt hat, wo wir doch so viele Guttaten von Gott empfangen haben? Diesen Spruch sollen wir uns vorhalten, wenn wir im Unglück gegenüber Gott murren. Denn wir empfangen unzählig viele Guttaten von Gott. Darum, wenn er auch manchmal ein Unglück über uns ergehen lässt, so haben wir doch keinen Grund, gegen ihn zu reden.

Lippen: Er hat sich nicht aus Ungeduld hinreißen lassen, dass er etwas gegen Gott geredet und gegen ihn gemurrt hätte. Denn solange uns Gott seine Güte und Gnade nicht entzieht, so lange kann auch ein frommer Mensch unter dem Kreuz geduldig sein. Aber später, als Hiob sich einen ungnädigen Gott einbildet, redet er ganz anders, wie wir an späterer Stelle hören werden.

11. Da aber die drei Freunde Hiobs hörten all das Unglück, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeglicher aus seinem Ort: Eliphas von Theman, Bildad von Suah und Zophar von Naema. Denn sie wurden eins, dass sie kämen, ihn zu klagen und zu trösten.

Theman: Aus einem Land, das so geheißen hat. Es ist aber auch Theman ein Enkel des Esau gewesen {1Mos 26} und vielleicht hat das Land von ihm den Namen bekommen hat.

Suah: Dieses Land ist vielleicht nach dem Sohn des Abraham benannt worden, den er mit seiner anderen Frau, Ketura, gehabt hat und der Suah geheißen hat.

Naema: Von diesem Ort wird in der Schrift nichts weiter erwähnt. Es sind aber ohne Zweifel auch diese Personen Fürsten gewesen, ein jeder in seinem Land. Denn das Hiob ein König gewesen ist, haben wir zuvor gehört und dies wird später deutlicher ausgeführt.

Zu trösten: Denn rechtschaffene Freunde kommen nicht nur, wenn es uns gut geht, es sei denn, sie werden eingeladen, aber wenn es schlecht geht, so kommen sie auch ohne Einladung, um ihrem Freund mit Hilfe zur Seite zu stehen.

12. Und da sie ihre Augen aufhoben von ferne, kannten sie ihn nicht und hoben auf ihre Stimme und weinten; und ein jeglicher zerriss sein Kleid und sprengten Erde auf ihr Haupt gen Himmel.

Aufhoben: Zum Hiob, und ihn in der Asche oder im Staub sitzen sahen.

Ihn nicht: So jämmerlich hatten ihn die Geschwüre zugerichtet und entstellt, dass er nicht mehr zu erkennen war und jede vorige Gestalt und Aussehen des Leibes verloren hatte.

Zum Himmel: Sie warfen den Staub über sich, dass er ihnen wieder auf den Kopf fiel. Denn dies pflegten die zu tun, die sehr verängstigt und bekümmert waren, um damit ihre Schmerzen anzuzeigen und zu verstehen zu geben, wie sie einmal wieder zu Staub und Asche werden würden, woraus sie gemacht waren. Obwohl man nun in der Traurigkeit Maß halten soll, so ist doch auch ein rechtschaffenes, herzliches Mitleid lobenswert, wenn wir sehen, dass unser Nächster und besonders unsere guten Freunde in großen Unglück stecken, nach dem Spruch des Apostel Paulus {Röm 12}: Weint mit den Weinenden.

13. Und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.

Saßen: Sehr traurig und kärglich bekleidet, womit sie zeigten, welch herzliches Mitleid sie mit ihm hatten.

Sehr groß: Von den Geschwüren, wie auch wegen seines großen Unmuts über all das Unglück, das ihm begegnet war. Darum besorgten sie sich, dass sie nicht etwa mit ihren Reden seinen Jammer und sein Leid vermehren, als vermindern könnten. Es haben sich also bisher die Freunde des Hiob recht und gebührend gegen ihn verhalten, was ihnen gut angestanden war. Denn durch unnötiges Geschwätz werden die Traurigen oft noch viel mehr bekümmert gemacht, als getröstet. Wie sie aber danach mit ihm gesprochen haben, was gar nicht zu seinem Trost gedient hat, werden wir auch später noch hören.


Das 3. Kapitel


Hiob verflucht aus Ungeduld und wegen der großen Schmerzen den Tag seiner Geburt und wünscht sich selbst den Tod, weil er dieses Lebens überdrüssig geworden ist.

1. Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.

Verfluchte: Denn weil er so große und andauernde Schmerzen von den Geschwüren hatte, dazu auch über den Verlust aller seiner Güter und seiner liebsten Kinder mehr grübelte als zuvor, auch, weil Gott ihm das Empfinden seiner Gnade entzogen hatte und er in die Gedanken geriet, als ob er einen ungnädigen und zornigen Gott hätte, der alle väterliche Sorge und Zuneigung von ihm abgewandt hatte, so tut sich die Ungeduld hervor, die bis daher in seinem Herzen verborgen gesteckt war, und beginnt unwillig zu werden, nicht nur auf die Kreaturen Gottes, sondern auch auf Gott selbst, wie wir hören werden.

Tag: Nämlich seinen Geburtstag. Und man muss im folgenden beachten, dass es besonders gefasste und geordnete Reden sind, beinahe in Versform, darum wird oft das gleiche mehrmals mit veränderten Worten und verblümten Reden vorgebracht und wiederholt.

2. Und Hiob sprach:

3. Der Tag müsse verloren sein, darinnen ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt {Jer 20v14}.

Verloren: Dass er nicht unter die anderen Tage des Jahres gezählt wird.

Kam zur Welt: Damit will er sagen: Die Nacht müsste verflucht werden, in der die Frauen, die bei meiner Geburt gewesen sind, meinen Eltern verkündigt haben, dass ihnen ein Sohn geboren wäre. Und Hiob bringt die gleiche Sache mit vielen verschiedenen Worten vor, um sie besser heraus zu streichen und zu erklären. Er verfluchte aber den Tag und die Nacht seiner Geburt (weil die Zeit von 24 Standen auch als natürlicher Tag bezeichnet wird) als den Anfang als seines Unglücks. Denn wenn wir geboren werden, so fangen wir an zu sterben. Solch eine Verfluchung des Tages und der Nacht jedoch gereicht Gott, dem Herrn, als der, der den Tag und die Nacht erschaffen hat, zur Schmach. Denn wenn der Mensch in schwerer Trübsal und Anfechtung sich selbst überlassen wird, so murrt er gegen Gott und seine Kreaturen. Darum sollen wir bitten, dass Gott den Trost seines Heiligen Geistes nicht von uns nehmen möge. Und wir sollen sicher glauben, dass diese Ungeduld in den Herzen in uns allen steckt, deshalb müssen wir mit dem Apostel Paulus gemeinsam bekennen: Ich weiß, dass in meinem Fleisch nichts Gutes wohnt {Röm 7}.

4. Derselbe Tag müsse finster sein, und Gott von oben herab müsse nicht nach ihm fragen; kein Glanz müsse über ihn scheinen.

Tag: So oft er sich jedes Jahr wiederholt.

Fragen: Gott gebe, dass er so finster wäre und ein Ansehen hätte, als ob er von Gott gar nicht geachtet würde und er ihm deshalb den Sonnenschein entziehen sollte.

5. Finsternis und Dunkel müssen ihn überwältigen, und dicke Wolken müssen über ihm bleiben, und der Dampf am Tage mache ihn grässlich.

Überwältigen: Dass ihm ein dicker, böser und giftiger Nebel das Licht nehme.

Grässlich: Dass ein stinkender, hässlicher Nebel aufziehen sollte und den Tag verfinstert dann, sodass die Menschen nicht nur nicht sehen könnten, sondern der ihnen auch ein Grausen und Furcht einjagt.

6. Die Nacht müsse ein Dunkel einnehmen, und müsse sich nicht unter den Tagen des Jahres freuen, noch in die Zahl der Monden kommen.

Dunkel: Es solle so finster werden, dass einer dem anderen ins Auge greift und mit dieser ungewöhnlichen Finsternis den Leuten auch ein Schrecken gemacht wird.

Kommen: Als wollte er sagen: Ich möchte mir wünschen, dass der unglückliche Tag und die Nacht, in der ich geboren bin, aus der Jahreszahl ausgemustert wird als einer, der nicht so viel wert ist, dass er unter die anderen Tage gezählt wird.

7. Siehe, die Nacht müsse einsam sein und kein Jauchzen drinnen sein.

Kein Jauchzen: Gott gebe, dass in dieser Nacht niemand fröhlich sei, wie man es sonst bei einer Feierlichkeit zu sein pflegt, die sich weit in die Nacht erstreckt, sondern dass sich jedermann traurig zeigt und einsam herum sitzt, wie man es in den Einöden und in der Wüste zu tun pflegt.

8. Es verfluchen sie die verfluchen die einen Tag verfluchen können, und die da bereit sind, zu erwecken den Leviathan.

Leviathan: Es wollte Gott, dass alle Unholde und Zauberer, die durch ihre Zauberei und ihre Beschwerden teuflische Gespenster hervorbringen, diesen Tag verfluchen und zu einem Unglückstag machen. Denn unter dem Namen des Leviathan wird hier der böse Geist verstanden, ansonsten aber ist es der Name eines Walfisches. Und hier will der Heilige Geist die Zeit der Zauberer und Schwarzkünstler keineswegs gebilligt haben, sondern er zeigt an, wie die Herzen der Menschen unter dem Kreuz wüten und toben, wenn es nicht durch die Gnade des Heiligen Geistes regiert und im Zaum gehalten wird.

9. Ihre Sterne müssen finster sein in ihrer Dämmerung; sie hoffe aufs Licht und komme nicht und müsse nicht sehen die Augenbrauen der Morgenröte,

Dämmerung: Sodass in der großen Finsternis dieser Nacht kein Stern leuchten möge.

Nicht sehen: Das bedeutet: Die Nacht möge sich nach dem Tag sehnen und möchte die Morgenröte sehen, bis es anfängt, hell zu werden, aber sie bleibt lange aus. Es wird hier von diesen Dingen geredet, als ob ein Verstand und eine freundliche Neigung darin wäre und die Nacht auf das Licht des Tages mit Verlangen warten würde.

10. dass sie nicht verschlossen hat die Tür meines Leibes und nicht verborgen das Unglück vor meinen Augen.

Meines Leibes: Nach Luther: Woraus ich geboren wurde, das ist, der Mutterleib.

Augen: Es hätte doch wenigstens der Tag meiner Geburt verhindert werden sollen, so hätte ich viel Unglück nicht erlebt. Dies ist aber eine große Undankbarkeit gegenüber Gott, wenn man das wunderbare Werk und die große Guttat Gottes nicht erkennt, wie wir aus dem Mutterleib in diese Welt gebracht werden.

11. Warum bin ich nicht gestorben von Mutterleib an? Warum bin ich nicht umgekommen, da ich aus dem Leibe kam?

Mutterleib: Dass ich entweder tot zur Welt gekommen oder doch bald nach meiner Geburt wieder drauf gegangen wäre. Denn so wäre ich all diesem Unglück entronnen.

12. Warum hat man mich auf den Schoß gesetzt? Warum bin ich mit Brüsten gesäugt?

Gesetzt: Wie es die Mütter zu tun pflegen. Es ist aber eine große Guttat Gottes, dass er den Müttern eine solche herzliche Zuneigung ihren Kindern gegenüber eingepflanzt hat, dass sie diese innig lieben, heben und tragen, und dass Gott den Kindern ihre Nahrung aus den Brüsten der Mütter verschafft, dass man solche Guttaten nicht mit dankbaren Herzen erkennt, ist ein großer Unsinn. Aber am Hiob hat uns Gott zeigen wollen, wie unser Fleisch unter dem Kreuz, wenn es sich selbst überlassen bleibt, aus Ungeduld sich erhebt und murrt.

13. So läge ich doch nun und wäre stille, schliefe und hätte Ruhe.

Stille: Dass ich im Tod keine Empfindungen hätte und von all dem Unglück und den Schmerzen frei wäre, die mich jetzt getroffen haben.

14. mit den Königen und Ratsherren auf Erden, die das Wüste bauen;

Wüste bauen: Das ist: Die in ihrem Leben sich einen Namen machen wollen durch den Bau von Häusern und Schlössern an wüsten Orten, wo zuvor nichts gestanden war. Nach Luther, die mit Bauen umgehen, wo zuvor nichts steht.

15. oder mit den Fürsten, die Gold haben und ihre Häuser voll Silbers sind;

Silbers sind: Denn diese alle miteinander haben entweder mit köstlichen Gebäuden Ruhm gesucht oder haben sich darum bemüht, dass sie viele Schätze sammeln könnten, und liegen jetzt still, nachdem sie vom Tod hingerissen worden sind. Wenn ich also auch umgekommen wäre, so wären wir dem Leid nach einander gleich und keiner hätte einen Vorteil gegenüber dem anderen.

16. oder wie eine unzeitige Geburt verborgen und nichts wäre, wie die jungen Kinder, die das Licht nie gesehen haben.

Verborgen: Die man alsbald wieder unter die Erde vergräbt, so wäre ich auch nicht mehr unter den Menschen.

Nie gesehen: Dies hat den gleichen Sinn und wird nach dem Brauch der Hebräer mit etwas veränderten Worten wiederholt.

17. dort müssen doch aufhören die Gottlosen mit Toben; dort ruhen doch, die viel Mühe gehabt haben.

Mit Toben: Da hat ihre Tracht und ihr Mutwillen ein Ende, das sie von ihrer Bosheit ablassen müssen und den Frommen nicht mehr lästig sein können.

Viel Mühe: Die in diesem Jammertal viele und große Trübsal erlitten haben, sodass sie darunter wie unter einer schweren Last in ihren Kräften geschwächt wurden, bis sie schließlich drauf gegangen sind. Denn der Tod macht der gottlosen Tyrannei und der Trübsal der Frommen ein Ende.

18. Da haben doch miteinander Frieden die Gefangenen und hören nicht die Stimme des Drängers.

Des Drängers: Denn die gefangen und mit Stricken gefesselt, wie das Vieh mit Schlägen fortgetrieben und weggeführt werden (so wie die Türken mit den Christen umzugehen pflegten,) die werden durch den Tod von diesem Jammer errettet, dass sie die grässlichen Stimmen der Treiber und das Knallen der Peitschen nicht mehr hören müssen. Es werden deswegen die Frommen durch den Tod von allem solchen Unglück, ja von allem Übel erlöst, die Gottlosen aber, obwohl sie auch vor der Welt das Ansehen haben, als ob sie durch den Tod allen Jammer entzogen würden, so gehen Sie doch durch den zeitlichen Tod in die ewige und unaussprechliche höllische Pein ein.

19. Da sind beide klein und groß, Knecht und der von seinem Herrn frei gelassen ist.

Da sind: Nämlich im Grab, in welches alle Menschen, egal welchen Standes sie auch waren gelegt werden und zugescharrt werden müssen. Denn der Tod verschont niemanden. Das aber mir diese Ruhe bisher nicht widerfahren will (will Hiob sagen) tut mir herzlich leid.

20. Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen,

Herzen: Als wollte er sagen: Warum erhält Gott die Leute am Leben und lässt das Licht dieser Welt anschauen, die doch so unglücklich sind und in großen Ängsten stecken? Wäre es nicht besser, wenn sie vom Tod aus diesem Jammer gerissen würden?

21. (die des Todes warten und er kommt nicht, und nach ihm suchen mehr als nach den Schätzen,

Warten: Dass sie nicht vor ihm fliehen, sondern ihn sich wünschen.

Schätzen: Sie möchten den Tod aus der Erde kratzen, wenn sie ihn nur bekommen könnte.

22. die sich fast freuen und sind fröhlich, dass sie das Grab bekommen,)

Bekommen: Wenn sie nämlich spüren, dass die Zeit gekommen ist, in der sie sterben sollen und begraben werden, worauf sie mit großem Verlangen gewartet haben.

23. und dem Manne, des Weg verborgen ist, und Gott vor ihm denselben bedeckt?

Verborgen: Sodass er nicht weiß, wo er hinaus soll und nirgends eine Gelegenheit finden kann, dem Unglück so entkommen, sondern Gott hat ihn mit dem Elend und Jammer so umgeben, dass er keine Möglichkeit sieht, sich daraus zu befreien. Warum ist denn Gott einem solch elenden Menschen, wie ich es bin so übel eingestellt, dass er ihm das Leben lässt? Denn Hiob redet an dieser Stelle nicht nur von seiner Person, sondern auch von anderen, bekümmerten Menschen. Und es geschieht gelegentlich, dass auch die Frommen mit Unglück dermaßen umgeben sind, dass sie Tag und Nacht danach trachten, wie sie erlöst werden können und dennoch keinen Ausweg finden. Aber Gott, der sie so hinter diesen Zaun versperrt hat, weiß den Zaun leicht einzureißen und er pflegt es zu seiner Zeit zu tun. Daneben aber sehen wir auch, welch große Ungeduld in unserem Fleisch steckt, was den Menschen dahin treibt, dass er dieses Leben und dieses Licht als herrliche Gaben Gottes aus großer Undankbarkeit verwirft und verachtet, wenn er sich selbst überlassen bleibt.

Bedeckt: Nach Luther: Warum soll der leben, der vor Angst nicht weiß wo aus, wohin, er wäre besser tot.

24. Denn wenn ich essen soll, muss ich seufzen, und mein Heulen fährt heraus wie Wasser.

Essen soll: Und mich mit der Speise erlaben.

Seufzen: Wie die zu tun pflegen, die sehr traurig sind und ihr Brot mit ihren Tränen benetzen.

Fährt heraus: Dass ich vor Heulen und Klagen nichts tun kann. Man sieht oft an den Leuten, die voller Unmut stecken, dass sie oftmals auch nicht reden können. Wenn also jemandem auch etwas Ähnliches begegnet, der soll sich mit dem Beispiel Hiobs trösten und wissen, dass er darum von Gott nicht verworfen ist.

25. Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und das ich sorgte, hat mich getroffen.

Getroffen: Obwohl nun dies die Strafe der Gottlosen ist, dass ihnen begegnet, was sie fürchten {Spr 10}, so gerät doch auch der fromme Hiob in ein solches Elend, wovor er sich gefürchtet hatte. Denn es geht den Frommen oftmals wie den Gottlosen, weil Gott will, dass man von der Frömmigkeit nicht danach beurteilen soll, ob es einen gut oder schlecht geht, sondern sich nur an das Wort Gottes halten soll. Wenn nun einem Frommen das Gleiche widerfährt, wie dem Gottlosen, so kann er sich mit diesem Beispiel des Hiob trösten.

26. War ich nicht glückselig? War ich nicht fein stille? Hatte ich nicht gute Ruhe? Und kommt solche Unruhe!

Unruhe: Wenn also das Glück, dass gläsern genannt wird, am hellsten scheint, so sollen wir denken, dass es geschehen kann, dass es sehr bald zerbricht. Und es lehrt uns dieses Beispiel auch, dass wir die Guttaten Gottes erst dann erkennen, wenn wir sie verloren haben. Jedoch, der sie uns genommen hat, kann sie uns auch wieder geben und er pflegt das auch zu tun.


Das 4. Kapitel


Eliphas, einer des Hiobs Freunde beschimpft ihn von wegen seiner Ungeduld. Und behauptet, dass Hiob wegen seiner Sünden von Gott gestraft werde. Denn Gott straft nur die Gottlosen und Ungerechten.

1. Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:

Antwortete: Als er, nämlich, vernahm, dass sich Hiob beklagte, wie er unschuldigerweise geplagt würde.

2. Du hast es vielleicht nicht gerne, so man versucht, mit dir zu reden; aber wer kann sich‘s enthalten?

Nicht gern: Weil du große Schmerzen am Leib empfindest und ohne Zweifel dir nicht gerne reinreden lässt.

Enthalten: Zu reden was richtig und recht ist gegen deine Gotteslästerung. Denn die Heuchler geben oft einen großen Eifer vor, als ob sie aus ihrem Gewissen es nicht unterlassen könnten, was sie zu reden oder zu tun vor hätten. Und erhebt sich hier ein sehr weitläufiger und ausführlicher Streit zwischen den Hiob und seinen Freunden. Welcher darauf beruht: Weil manchmal auch den Frommen viel Widerwärtiges zustößt, so beurteilen solche Leute, die fleischlich gesinnt sind, ob sie wohl sonst voller Klugheit stecken, von Ihnen, dass sie um ihrer groben Sünden willen also vor anderen besonders geplagt werden. Darum sie auch oft heilige Leute für gottlos achten, und urteilen von ihnen, was sie vor Augen sehen. Zum Beispiel, wenn unsere Widersacher diejenigen anschauen, welche um des Bekenntnisses des Evangeliums willen Verfolgung leiden, so verurteilen Sie diese als Ketzer und gottlose. So taten es auch Hiobs Freunde. Denn sie schlossen aus dem Unfall falsch, dass er ein gottloser und lasterhafter Mensch gewesen wäre, welches er heimlich und verborgen hielt. Diesem aber widerspricht der fromme Hiob richtigerweise, dass es die Meinung nicht habe. Sondern Gott greift auch häufig die Frommen hart an, und züchtigt sie, wenn sie auch gleich gegen den Gottlosen zu rechnen, dergleichen nichts verschuldet haben. Darum könne und solle man auch nicht, nachdem es einen Menschen wohl oder übel geht, von seiner Frömmigkeit oder Bosheit urteilen. Aber doch handelt Hiob in diesem Streitgespräch, vor großem Unmut und Schmerzen, seine gute Sache nicht sehr bescheiden, also, dass er häufig auch wider Gott Lästerworte ausstößt. Dagegen gehen des Hiobs Freunde mit ihrer bösen Sache sehr vorsichtig und Weise um, und sagen von der Gerechtigkeit Gottes viele richtige Sachen, deuten es aber übel auf den Hiob, als ob er eben der Geselle wäre, welche um seiner Bosheit willen geplagt würde. Darum auch später am Ende von Gottes Urteil auf des Hiobs Seite gefällt wird, und werden seine Freunde ihrer Torheit um Bosheit wegen zur Rede gestellt, wird Ihnen auch befohlen, dass sie Buße tun sollen. So ist der ganze Inhalt dieses Buches, dass Hiobs Freunde sagen: Alle Menschen ohne Glück sind gottlos. Dagegen aber sagt Hiob: Sie sind nicht alle gottlos, davon wollen wir nun hören wie sie miteinander kämpfen.

3. Siehe, du hast viele unterwiesen und matte Hände gestärkt;

Unterwiesen: Welche vor dir im Unglück steckten, wie sie ihr Kreuz geduldig tragen müssen.

Gestärkt: Welche aus Unmut und Trauer ganz kleinmütig, erschrocken und verzagt waren, die hast du mit Trost aufgerichtet, und ihnen wiederum ein Herz gemacht.

4. deine Rede hat die Gefallenen aufgerichtet, und die bebenden Knie hast du bekräftigt.

5. Nun es aber an dich kommt, wirst du weich; und nun es dich trifft, erschrickst du.

Weich: Also, dass du die Trübsal nicht mit standhaften Herzen und Gemüter trägst, wie es dir wohl gebührte.

Trifft: Dass dich Gott angreift mit der Hand seines Zornes, und straft deine Sünden, auf dass du Buße tust.

Erschrickst du: Dass du dich zu sehr fürchtest, und keinen Trost oder Geduld mir bei dir findest.

6. Ist das deine (Gottes-)Furcht, dein Trost, deine Hoffnung und deine Frömmigkeit?

Ist das: (Nach Luther) Das ist: Da sieht man, wie fromm du bist, dass dich Gott so straft.

Furcht: Der du dich bis daher in deinem Leben gerühmt und gelobt hast.

Trost: Oder vertrauen. Dass du zu Gott haben solltest in Wiederwertigkeiten.

Hoffnung: Willst du in deinem Unglück ganz verzagen, der du vor der Zeit anderen in ihrem Unglück tröstlich zugesprochen hast?

Frömmigkeit: Dein unsträfliches Leben im äußerlichen Wandel, da du ein Ansehen gehabt hast, als wärest du frömmer, als alle anderen Leute, und scheust dich jetzt nicht gegen Gott Lästerworte auszustoßen? So bezeugt nun dein jetziger Zustand an dir selbst, dass es mit deiner Frömmigkeit und Andacht nichts als Heuchelei war. Obwohl nun heilige Leute in ihrem Unglück häufig ganz kleinmütig sind. So ist es doch hin und wieder nicht allein eine Unfreundlichkeit, sondern auch große Bosheit, wenn man ihnen solche Schwachheit aufdrückt, und in ihrer Trübsal Ihnen noch dazu spotten will.

7. Lieber gedenke, wo ist ein Unschuldiger umgekommen, oder wo sind die Gerechten je vertilgt?

Umkommen: Es verfehlt aber der Heuchler bald zu Anfang in seiner Rede die Wahrheit, denn der gerechte Abel wurde vom gottlosen Kain erwürgt, und hat man solche Beispiele von Anfang der Welt sehr viele.

Gerechten: Redliche und aufrichtige Leute.

8. Wie ich wohl gesehen habe, die da Frevel pflügten und Unglück säten und ernten sie auch ein,

Säten: Das ist: Die solche Anschläge machten, so nichts als Jammer, Schmerzen und Mühe Ihnen und anderen verursachten.

Ernten: Dass sie für Ihre Bosheit ihre rechte Strafe empfingen.

9. dass sie durch den Odem Gottes sind umgekommen und vom Geist seines Zorns vertilgt.

Odem Gottes: Wenn er vor Zorn schrecklich schnaubte.

10. Das Brüllen der Löwen und die Stimme der großen Löwen und die Zähne der jungen Löwen sind zerbrochen.

Nach Luther: Diese Löwen und Löwinnen sind die Reichen und gewaltigen auf Erden, welche die Armen unterdrücken.

Zerbrochen: Das ist: Gott pflegt der Tyrannen Grausamkeit und drohen, welches ist, wie das Brüllen eines Löwen, zu mäßigen und ihre Macht und Stärke zunichtezumachen.

11. Der Löwe ist umgekommen, dass er nicht mehr raubt, und die Jungen der Löwin sind zerstreut.

Raubt: Das ist: Wenn die Tyrannen keine Kraft mehr haben, so hat ihr Mutwillen ein Ende.

Zerstreut: Also, dass die Tyrannen keine Nachkommen im Reich haben. Denn Gott nimmt den Kindern der Tyrannen ihre Macht, oder vertilgt sie auch häufig. Was aber hier Eliphas von der Gottlosen strafen redet, ist wahr, dass, nämlich, Gott die groben Sünden, besonders aber der Tyrannen Mutwillen, mit denen sie die frommen unterdrücken, auf das härteste oft auch noch in diesem Leben strafe. Aber das darum alle, die von Gott mit schweren Trübsalen angegriffen und gezüchtigt werden, gegen andere böse oder gottlos oder tyrannisch waren, das stimmt nicht. Denn gleichwie Gott der Gottlosen Bosheit eine Zeit lang dulde, ja sie auch oft mit Guttaten überschüttet, auf dass er sie dadurch zu Buße locke, wenn sie aber nicht Buße tun, später desto härter bestraft werden. Also klagt Gott bisweilen die Frommen, dass sie ihren Glauben und Geduld bewähre, und sie sich selbst besser kennen lernen, auch in der wahren Demut bleiben und endlich die ewige Belohnung der Frömmigkeit erlangen. So sagt darum Eliphas von der Gottlosen Strafe recht, aber deutet es übel auf den frommen Hiob.

12. Und zu mir ist gekommen ein heimliches Wort, und mein Ohr hat ein Wörtlein aus demselben empfangen.

Und: Jetzt erdichtet Eliphas, nach Art der falschen Propheten, eine göttliche Offenbarung, damit er begehrt zu beweisen, dass Gott gerechter sei denn die Menschen.

Aus demselben: Nämlich, aus dem heimlichen Wort, ist mir allein, und besonders, eine göttliche Offenbarung von einer geheimen Sache gekommen.

13. Da ich Gesichte betrachtete in der Nacht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt,

Betrachtete: Dass ich an die göttlichen Gesichter und Offenbarungen dachte, welche man des Nachts sieht und bekommt.

14. da kam mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschraken.

Furcht: Welche vor die göttlichen Offenbarungen vorher zu gehen pflegen.

15. Und da der Geist vor mir vorüber ging, standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe.

Geist: Wie sanfte Luft oder Sausen, daraus sich erkennen konnte, dass Gott selbst vorhanden wäre.

16. Da stand ein Bild vor meinen Augen, und ich kannte seine Gestalt nicht; es war stille, und ich hörte eine Stimme:

Bild: Nämlich, wie eines Menschen Gestalt.

Gestalt nicht: Denn ich mich nicht erinnern konnte, dass ich je zuvor jemals einem Menschen gesehen hatte, in einer so herrlichen und ansehnlichen Gestalt, darum ich es dafür halte, es sei ein Engel oder Gott mir erschienen wäre.

17. Wie mag ein Mensch gerechter sein denn Gott, oder ein Mann reiner sein, denn der ihn gemacht hat?

Reiner: Oder Unschuldiger.

18. Siehe, unter seinen Knechten ist keiner ohne Tadel, und in seinen Boten findet er Torheit {Joh 15v15}.

Knechten: Nämlich, unter den göttlichen Engeln sind etliche nicht beständig geblieben, sondern von Gott abgefallen, und haben sich aus einer törichten und unsinnigen Weise gegen Gott aufgelehnt. Darum sie auch von Gott gestürzt wurden und zu Teufel wurden.

19. Wie viel mehr, die in Lehmhäusern wohnen und welche auf Erden gegründet sind, werden von den Würmern gefressen werden.

Lehmhäusern: Hieraus ist zu erkennen, woraus man damals die Gebäude errichtete, nämlich, dass man die Häuser von Lehm baute, wie man noch an etlichen Orten, wie in Ungarn, Thüringen und anderswo findet.

Auf Erden: Und nicht im Himmel. Es will aber Eliphas so viel sagen: Gott plagt keinen unschuldigen frommen Menschen. Denn sonst wäre der Mensch gerecht, und Gott ungerecht, wäre auch also die Kreatur reiner und besser als der Schöpfer. Und weil die Engel konnten in Sünde fallen und von Gott abgefallen, wie viel weniger hat man sich darüber zu verwundern, dass die Menschen schwerfallen, und mit ihren Sünden den gerechten und ernsten Zorn Gottes auf sich laden?

Gefressen: Also, dass sie um der Sünden willen sterben müssen, und der Würmer Speise werden.

20. Es währte von Morgen bis an den Abend, so werden sie ausgehauen; und ehe sie es gewahr werden, sind sie gar dahin;

Abend: Das ist: Ihr Leben dauert eine kurze Zeit.

Ausgehauen: Oder ausgerottet. Denn Gott reißt der gottlosen Leben mit Gewalt und schnell ab, dass sie nicht lange auf dieser Erde bleiben.

21. und ihre Übrigen vergehen und sterben auch unversehens.

Unversehens: In ihrer Bosheit, ohne Gottes Erkenntnis, werden sie unversehens zugrunde gehen, und ewig verderben. So will also Eliphas mit dieser erdichteten Offenbarung den Hiob überzeugen, dass er sich schwer an Gott versündigt habe, weil Gott gerecht sei, der die Frommen nicht plage. Und droht zugleich dem Hiob zeitliches und ewiges Verderben an. Sollte das aber heißen einen Traurigen trösten? Besonders einen solchen Menschen. Und handelt Eliphas in dem so viel schlimmer, dass er in seiner Rede eine göttliche Weissagung erdichtet, die doch zum Beweis der Gerechtigkeit Gottes keine neuen Offenbarungen bedarf, weil solche im Gesetz Mose genügend gerühmt wird. Also haben zu unseren Zeiten etliche sich der göttlichen Offenbarung gerühmt, und vorgegeben, dass ihnen ein Engel erschienen wäre, welche sie geheißen haben die Buße zu predigen, gerade als ob bei uns nicht Kirchendiener sind, die täglich zur Buße ermahnen. Obwohl nun solche Dichter der Erscheinung viele Dinge wahres reden. So führt Sie der Satan doch dahin, damit er das Volk von dem ordentlichen und reinem Predigtamt abhalte, und zu neuen Offenbarungen weise. Wenn aber solche Leute die Menschen betrügen und ihre Herzen betören, so bringen sich später viel irrige, gottlose, ungereimte, und aufrührerische Sachen auf die Bahn, wie solches der Ausgang bezeugt hat in dem Aufruf der Wiedertäufer zu Münster (1534). Darum sollen wir denen nicht glauben, die sich neuen Offenbarungen rühmen, weil man schon häufig die Bosheit erfahren hat, von denen, obwohl sie ernstlich und fest darauf bestehen, dass sie Gesichter der Engel gesehen hätten, letztendlich bekannt wurde, dass sie solches alles nur um des Gewinns willen getan und erdichtet hätten.


Das 5. Kapitel


1. Kaiphas fährt noch weiter fort, zu beweisen, dass Gott die Heiligen und Unschuldigen nicht plagt.

2. Und er rühmt die Gerechtigkeit und Weisheit Gottes aus seinen Werken.

3. Darauf ermahnt er den Hiob, dass er die wohlverdiente Strafe mit Geduld annehmen soll.

1. Nenne mir einen; was giltst, ob du einen findest? Und siehe dich um irgend nach einem Heiligen.

Nenne: Nun bezieht Eliphas den Sinn seiner erdichteten Offenbarung auf sein Vorhaben.

Einen: Der gerecht gewesen ist und dennoch in solch einem Jammer geraten wäre, in dem du jetzt steckst.

Findest: Du wirst niemanden finden können.

Heiligen: Zeige mir einen Heiligen, der unschuldig von Gott geplagt wurde, wie du meinst, dass es dir geschieht, aber du wirst dies nicht tun können, denn Gott pflegt die Heiligen nicht so zu plagen.

2. Einen Tollen aber erwürgt wohl der Zorn, und den Albernen tötet der Eifer.

Tollen: Das ist: den Gottlosen. Denn die Gottlosen werden richtig Tolle und Narren genannt, weil es die größte Dummheit ist, wenn man Gott nicht erkennt oder fürchtet, gleichwie es wiederum die höchste Wahrheit ist, wenn man Gott recht erkennt. Und die Furcht des Herrn ist der Anfang aller Weisheit. (Nach Luther) Die Tollen und Wahnwitzigen nennt er hier lose, freche Leute, die nicht nach Gott fragen. Diese verdirbt der Zorn und Eifer Gottes.

Albern: Nämlich, der keine Erkenntnis Gottes und seines willens hat.

Eifer: Nämlich Gottes, damit Gott gegenüber Bosheit der Menschen entbrannt wird. Weil deswegen nirgends Beispiele zu finden sind, da Heilige und unschuldige Menschen von Gott geplagt worden sind, so ist offenbar, dass du nicht heilig bist oder fromm, sondern mit heimlichen, groben Sünden es verschuldet haben musst. Es haben aber etliche ungelehrte Katholiken aus dem vorigen Spruch, der Anrufung der Heiligen, beweisen wollen, dass doch der ganze Handel in diesem Streit sich nicht zu solchem Streit reimt und die Umstände des Textes einer solch gezwungenen Auslegung völlig zuwider sind. So wie aber Eliphas fälschlich vorgibt, dass nie ein heiliger von Gott schwer angegriffen und geplagt worden ist, so gießt uns der Satan dem Kreuz eben diese Gedanken auch ein, dass wir meinen, wir seien die elendsten unter allen Menschen. Diese falsche Einbildung macht das Kreuz noch viel schwerer und unleidlicher. Darum sollen wir auf die Geschichte unserer Vorfahren sehen, so werden wir finden, dass sie viel schwerere Trübsale und Anfechtungen überstanden haben als wir. Durch diese Betrachtung können wir unser Unglück leichter machen.

3. Ich sah einen Tollen (Gottlosen: Eingewurzelt, und ich fluchte plötzlich seinem Hause.

Ich: Eliphas fährt noch weiter fort, von den Strafen der Gottlosen zu predigen, die durch Gottes gerechtes Urteil gestraft worden sind.

Eingewurzelt: Dass er nicht anders glaubte, als dass er so fest stehen würde, dass man ihn nicht umstoßen könnte.

Fluchte: Ich sagte und drohte es ihm gleich, dass seine Schönheit und sein Ansehen nicht von Bestand wären. Und der Ausgang bezeugt, dass meine Weissagung wahr gewesen sind.

4. Seine Kinder? Bleibt Heil ferne und werden zerschlagen werden im Tor, da kein Erretter sein wird.

Ferne: Er wird seinen Kindern weder Glück noch Heil hinterlassen, sodass also nicht nur allein es mit ihnen keinen Bestand haben wird, sondern es auch ihre Nachkommen müssen ausgetragen werden. Zwar sagt Eliphas hier zu Recht, dass die gottlosen Eltern ihre Kinder unglücklich machen, aber er deutet dies alles in böser Absicht auf die Person des Hiobs.

Im Tor: Wenn sie vor Gericht ihre Sache vortragen müssen, so wird sie ihr Gegenspieler unterdrücken.

5. Seine Ernte wird essen der Hungrige, und die Gewappneten werden ihn holen, und sein Gut werden die Durstigen aussaufen.

Hungrige: Nackte Burschen werden ihm die Frucht wegnehmen. (Nach Luther) Hungrige und Durstige nennt er die Räuber und Tyrannen.

Holen: Dass sie ihn aus seinem Haus, wenn sie dieses zuvor geplündert hatten, gefangen wegführen in ein Lager, bis er sich durch Lösegeld wieder freikaufen könnte.

Durstigen: Nämlich die geizigen Wucherer werden seine Güter plündern, sodass seine Sachen sich ständig verringern und abnehmen werden, bis er in die äußerste Armut gerät. Dies trifft zwar auf die Güter der Gottlosen zu, die sie zu Unrecht erworben haben, dass sie durch Krieg zerstört und durch die Wucherer ausgesaugt werden, die ständig bedürftig sind. Denn es ist mit den geizigen Wucherer eben wie mit den Wassersüchtigen, die, je mehr sie trinken, umso mehr trinken wollen.

6. Denn Frevel aus der Erde nicht geht, und Unglück aus dem Acker nicht wächst,

Nicht geht: Dies gilt so viel sagen: Die Trübsal und Unglücksfälle geschehen nicht von ungefähr, sondern werden von Gott den Menschen zugeschickt wegen ihrer Sünden. Darum bist du, Hiob, nicht von ungefähr in solch ein Unglück geraten, sondern hast es selbst verschuldet. (Nach Luther) Der Mensch verdient dies mit Sünden, sonst käme es ihm von nirgendwo her.

7. sondern der Mensch wird zu Unglück geboren, wie die Vögel schweben, emporzufliegen.

Zu fliehen: Denn weil der Mensch von Natur aus durch die Sünde verdorben ist und daher viel gegen Gott sündigt, so ist ja auch von Natur vielem und großem Unheil, als Strafen der Sünden, unterworfen.

8. Doch ich will jetzt von Gott reden und von ihm handeln,

Handeln: Ich will die wunderbare Weisheit und Gerechtigkeit Gottes gleichsam aus dem Verborgenen herausziehen und mit Erzählungen seiner Werke vorbringen, was nicht zu verachten möglich ist, sodass du aus seinen Werken abnehmen können wirst, dass er der Gerechteste ist.

9. der große Dinge tut, die nicht zu forschen sind, und Wunder, die nicht zu zählen sind;

Zu forschen: Die keine menschliche Vernunft mit ihrer Spitzfindigkeiten ergründen kann, wie sie geschehen, ja oft auch nicht weiß, warum sie geschehen.

Wunder: Darüber müssen sich die Menschen zurecht wundern wegen der großen Majestät und Weisheit, die nicht zu erfassen ist.

10. der den Regen aufs Land gibt und lässt Wasser kommen auf die Straßen;

Regen: Das aber Gott die Erde befeuchtet und sie mit dem Regen zur rechten Zeit fruchtbar macht auch die Hitze dadurch temperiert und abgekühlt zur Erfrischung der Menschen, die in den Städten und Dörfern wohnen, ist eine große Guttat, wofür man ihn danken soll.

11. der die Niedrigen erhöht und den Betrübten empor hilft.

Empor hilft: Dass er sie zu Ehren bringt und ihnen große Gewalt gibt und ihnen auch aus jeder Not und Gefahr, die ihnen begegnen kann, hilft. Deswegen sollen die Verachteten nicht verzagen, denn Gott kann sie leicht hervorziehen und ihnen ein Ansehen geben, wie auch die Traurigen den Mut nicht sinken lassen sollen, denn sie werden Trost empfangen {Mt 5}.

12. Er macht zunichte die Anschläge der Listigen, dass es ihre Hand nicht ausführen kann {1Kor 3v19}.

Nicht ausführen: Dass sie ihre klugen Pläne nicht ausführen können.

13. Er fängt die Weisen in ihrer Listigkeit und stürzte der verkehrten Rat,

Fängt: Dass sie sich in ihren spitzfindigen Anschlägen dermaßen verehren und verwirren, dass sie nicht wiederum herauskommen können, wie wenn einer ein Netz fällt, dass er den anderen aufgestellt hat. Dieses Wort bezieht der Apostel Paulus auf die Stelle {1Kor 3}.

Stürzt: Dass sie ihr erwünschtes Ziel nicht erreichen.

14. dass sie des Tages in Finsternis laufen und tappen im Mittag wie in der Nacht;

Nacht: Gott wird sie vollständig zum Narren machen, dass sie auch in einer schlichten und einfachen Sache sich nicht heraus helfen können, sondern sie werden sein wie die Blinden und nicht wissen, wo der Ausweg ist. Darum sollen wir die Anschläge und Pläne der Gottlosen nicht allzu sehr fürchten.

15. und hilft dem Armen von dem Schwert und von ihrem Munde und von der Hand des Mächtigen;

Mund: Gott wird die Elenden vor ihren Verleumdungen und Lästerungen bewahren, dass sie dadurch nicht unterdrückt werden.

Mächtigen: Dass sie durch das Ansehen eines mächtigen Widersachers nicht zugrunde gerichtet werden.

16. und es ist des Armen Hoffnung, dass die Bosheit wird ihren Mund müssen zuhalten.

Zuhalten: Die Gottlosen und verklärten Menschen werden von Gott zum Schweigen gebracht und im Zaum gehalten, dass sie sich den Frommen und Gerechten nicht mehr widersetzen dürfen. Deswegen sollen die elenden und verlassenen Personen gute Hoffnung auf die Hilfe Gottes haben gegenüber den mächtigen Gottlosen. Und all dies, was Eliphas bisher vorgebracht hat, ist richtig gesagt, jedoch übel auf den frommen Hiob ausgelegt. Und er streitet von Sachen, worüber kein Streit vorhanden war. Denn die Frage war, ob Gott auf den Frommen Unglück und Trübsal zuschickt? Also machen auch unsere Widersacher, die Katholiken, viel Geschrei von der rechten Lehre, wie alt sie doch sei, von der Kirche, von guten Werken, von der Tugend der Heiligen, bringen aber daneben nichts von dem vor, worüber besonders der Streit zwischen uns und Ihnen begründet ist.

17. Siehe, selig ist der Mensch, den Gott straft; darum weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht {Spr 3v11 Hebr 12v5 Jak 1v12}!

Siehe: Nachdem Eliphas, seiner Meinung nach gewaltig dargestellt und erwiesen hatte, dass die Trübsal Strafen der Sünde seien, so ermahnt er den Hiob jetzt, dass er sein wohl verdientes Kreuz geduldig tragen soll und er verheißt denen viel Glück, die die väterliche Züchtigung recht annehmen.

Straft: Nämlich um der Sünden willen damit er durch diese Züchtigung sein gottloses Wesen erkennt, Buße tut und selig wird.

Weigere: Schlage die Züchtigung Gottes nicht aus, womit er dich wieder auf den rechten Weg bringen möchte, sondern dulde die Trübsal, die dir Gott für deinen eigenen, großen Nutzen zuschickt.

18. Denn er verletzt und verbindet; er zerschmeißt, und seine Hand heilt {5Mos 32v39 1Sam 6v2}.

Heilt: Was er auch für Unglück und Trübsal den Menschen schickt, womit er dich gleichsam beschädigt und verwundet, das nimmt er auch wieder weg und erfrischt die Mühseligen wieder mit darauffolgenden Guttaten. Denn die Züchtigungen Gottes sind sehr nützlich und heilsam und Gott straft mich deshalb, nicht das er verderben würde, sondern um zu erhalten.

19. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebten wird dich kein Übel rühren.

Siebten: Es ist eine gewisse Zahl für eine ungewisse gesetzt und will so viel sagen: Er wird dich aus vielen, ja verschiedenen Trübsalen herausreißen und dich in den letzten und schwersten Anfechtungen und Schmerzen, wie sie allgemein in Todesnot gespürt werden, nicht verlassen. Denn Gott ist getreu und uns nicht lässt versuchen über unser Vermögen, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass wir sie ertragen können {1Kor 10}. Das ist: Er führt schließlich einen guten Ausgang herbei, dass wir die Anfechtungen ausstehen und überwinden.

20. In der Teuerung wird er dich vom Tode erlösen und im Kriege von des Schwertes Hand.

Erlösen: Wenn nämlich die wohlverdiente Züchtigung, die Gott über dich verhängt hat (will Eliphas sagen), mit Geduld tragen und dein Leben bessern wirst, so wirst du wiederum viele und große Guttaten von Gott empfangen, dass du nicht mit vielen anderen zusammen an Hunger sterben und umkommen wirst.

Schwertes Hand: Dass du nicht von den Feinden jämmerlich ermordet wirst. Denn Gott kann die Seinen auch in den allgemeinen Landstrafen wunderbar erhalten.

21. Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, dass du dich nicht fürchtest vor dem Verderben, wenn es kommt.

Zungen: Gott wird dich schützen, dass du durch die Lästerung der gottlosen Menschen nicht hintergangen und auf diese Weise ins Verderben gestürzt wirst, denn die giftige Zunge des Verleumders ist wie eine scharfe Geisel.

Kommt: Wenn einmal Soldaten einfallen, dass die Länder verwüstet werden und jedermann zittert und zaghaft sein wird, so wirst du dir ein Herz fassen und mutig sein, weil du dein Vertrauen auf den göttlichen Schutz setzt.

22. Im Verderben und Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden Tieren im Lande nicht fürchten,

Verderben: Wenn man mit Raub, Plünderung und Brandschatzung ein Land verwüsten wird.

Hunger: Womit die, von den Feinden beraubten Menschen, gequält werden, weil sie nichts mehr übrig haben, wovon sie sich ernähren können.

Lachen: Und ruhig sind, dass du nicht verzagen wirst, wie andere, gottlose Menschen, sondern mitten im Unglück wirst du dich unter dem Schutz Gottes freuen, zwar nicht über den Untergang der anderen, sondern über die Güte Gottes dir gegenüber. Denn obwohl die Frommen weinen mit den Weinenden, und am Unglück anderer Menschen keinen Gefallen haben, was der christlichen Liebe zuwider wäre {1Kor 13}. Jedoch, wenn sie das gerechte Urteil Gottes über die Gottlosen ergehen sehen, so können sie dies nicht als Unrecht bezeichnen und freuen sich aus Glauben, dass sie unter dem göttlichen Schirm und Schutz sind. Darauf deutet auch der königliche Prophet hin im Psalm 91.

Tieren: Von denen es im jüdischen Land und in der Umgebung der benachbarten Länder viele gab, die die Leute angriffen, wenn sie diese irgendwo auf dem Feld oder im Wald auf der Reise antrafen. Darum mussten sich die Wanderer wegen ihnen ebenso sorgen, wie man zu unserer Zeit sich der Mörder und Straßenräuber ständig zu erwehren hat.

23. sondern dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und die wilden Tiere auf dem Lande werden Frieden mit dir halten;

Bund: Das ist: Du wirst alle Geschöpfe gleichsam zu Freunden haben, sodass du mit deinem Fuß nie an einem Stein dich anstößt {Ps 91} und dich vor keiner Gefahr wirst fürchten müssen. (Nach Luther) Das ist, die Steine werden dein Getreide schützen, weil davon eine Mauer aufgezogen werden kann.

Halten: Dass sie dich und die Deinen nicht schädigen, sondern dir vielmehr nützlich und zuträglich sein werden.

24. und wirst erfahren, dass deine Hütte Frieden hat; und wirst deine Behausung versorgen und nicht sündigen;

Frieden hat: Alles in deinem Haus wird glücklich zu gehen. Denn Friede bedeutet in der Heiligen Schrift oft Glück.

Versorgen: Du wirst den Zustand deines Haushalts fleißig beobachten und verhüten, dass nichts Böses oder unehrliches darin vorkommt. Dies ist dann auch eine große Guttat Gottes, wenn er das Personal erhält, dass es dem Hausvater nicht mit einem bösen Wandel einen Schandfleck anhängt.

25. und wirst erfahren, dass deines Samens wird viel werden und deine Nachkommen wie das Gras auf Erden;

Viel werden: Du wirst sehen, wie dich Gott mit vielen, schönen und glücklichen Kindern segnen wird. Denn viele und fromme Kinder sind ein besonderer Segen Gottes, wofür man ihm danken soll.

26. und wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingeführt werden zu seiner Zeit.

Seiner Zeit: Sodass du zu den anderen Seligen versammelt wirst, die durch den Tod dir in die andere Welt vorausgegangen sind. Und auch dies ist eine große Guttat Gottes, die man dankbar erkennen soll, wenn man ein hohes Alter erreicht hat und darin gesund und ruhig ist, ohne beschwerliche Krankheiten.

27. Siehe, das haben wir erforscht, und ist also; dem gehorche und merke du dir es!

Erforscht: Sowohl aus den göttlichen Geheimnissen, wie auch aus der Erfahrung und fleißiger Beachtung.

Ist also: Denn du wirst nicht finden, dass ich dir die Unwahrheit vorgetragen hätte.

Merke: Dies lass dir gesagt sein und sieh zu, dass du nach meiner Erinnerung deine Bosheit erkennst und bekennst und die Trübsal, die du verdient hast, geduldig trägst. Denn es gibt kein anderes Mittel, dem großen Unglück zu entkommen. In der Form fällt der Heuchler das Urteil gegenüber dem Frommen mit großem Übermut und sie sagen, es seien lauter göttliche Geheimnisse, die sie vorbringen, wo sie doch entweder nur ihre Träume oder das Wort Gottes mit einer falschen Auslegung in verkehrter Weise nutzen.


Das 6. Kapitel


1. Hiob klagt, dass er so große äußere Schmerzen des Leibes, und die innere Angst der Seele nicht länger mit Geduld tragen kann.

2. Und er sagt, er habe solch großes Übel mit äußeren groben Lastern nicht verschuldet.

3. Er beklagt sich auch über seine Freunde, dass sie, wo sie doch gekommen seien, ihm zu trösten, sie jetzt das Gegenteil tun.

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Wenn man meinen Jammer wöge und mein Leiden zusammen in eine Waage legte,

Wenn: Hiob beklagt sich in seiner Antwort, dass er überaus große Schmerzen habe, die kaum auszuhalten wären, die ihm seine Freunde nicht lindern, wie sie es tun sollten, sondern sie machen sie vielmehr größer, weil sie vorgeben, er würde wegen seiner begangenen Sünden so geplagt.

3. so würde es schwerer sein denn Sand am Meer; darum ist es umsonst, was ich rede.

Schwerer: Das will so viel sagen: Ich leide unglaublich große Schmerzen. Denn es erscheint uns manchmal, dass unser Unglück so heftig auf uns liegt, dass wir es nicht ertragen können.

Umsonst: Der Schmerz nimmt mir die Rede, dass ich mein Unglück nicht ausreichend darstellen kann, so sehr hat die Empfindung des göttlichen Gerichts mir alle Kräfte des Leibes und des Gemütes ausgesaugt.

4. Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist muss ihr Gift trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet.

Pfeile: Der Zorn Gottes, dem ich nicht widerstehen kann, drückt mich so hart und ich komme mir vor wie ein Hirsch, der mit einem Pfeil beschossen ist, zwar fliehen kann, den Pfeil aber dennoch nicht aus dem Leib ziehen kann. So bin ich auch mit den Pfeilen, das ist, den Plagen Gottes, beschossen und getroffen.

Säuft: Diese schwere Plage verzehrt alle Kräfte meines Leibes und meines Gemüts.

Gerichtet: Ich werde ständig mit großen inneren Schrecken überfallen, die wie Pfeile auf mich gerichtet und geschossen werden. Aus diesen und ähnlichen Sprüchen haben die Frommen den Trost zu nehmen, welch innerlich schwere Anfechtungen, besonders aber den Zorn Gottes empfinden, wenn sie mit inneren Schrecken und Herzessängsten unversehens überfallen werden, wodurch sie alle ihre Kräfte verlieren. Denn sie sind deshalb von Gott nicht verstoßen, wie der Hiob hier auch nicht.

5. Das Wild schreit nicht, wenn es Gras hat; der Ochse blökt nicht, wenn er sein Futter hat.

Das Wild: Nach Luther: Ihr habt gut trösten, euch mangelt es an nichts.

Gras hat: Dass es keinen Hunger leidet. Darum will er sagen, sollt ihr, meine Freunde, nicht glauben, dass ich ohne Grund eine so schwere Klage anführe und mich schlecht benehme. Denn nach Verlust aller meiner Habe und Güter und meiner lieben Kinder, bin ich auch um meine Gesundheit gekommen, was unter all dem, was zeitlich ist, mir in diesem Leben allein übrig geblieben war.

6. Kann man auch essen, das ungesalzen ist? Oder wer mag kosten das Weiße um den Dotter?

Dotter: Das will so viel sagen: Jede Speise schmeckt mir nicht und es ist in meinem Mund so, als wenn ich etwas ungesalzen oder das Eiweiß roh essen würde.

7. Was meiner Seele widerte anzurühren, das ist meine Speise vor Schmerzen.

Vor Schmerzen: Als wollte er sagen: Was ich essen soll, ist mir so sehr zuwider, als wenn es ein unflätiges Ding wäre, was ich sonst nicht anrühren würde und ich müsste es dennoch zu mir nehmen. Wie aber denen, die in großer Angst sind und schwer versucht werden, das Essen und Trinken nicht schmeckt und abscheulich ist, das wissen die, die sich eine Zeit lang in dieser Schule des Heiligen Geistes geübt wurden. Solche sollen hier den Trost nehmen, dass sie eben das leiden, was auch der fromme Hiob gelitten habe.

8. O, das meine Bitte geschähe, und Gott gäbe mir, was ich hoffe!

Oh dass: Jetzt zeigt sich Hiob Gott gegenüber ungeduldig, dass er ihn nicht aus diesem elenden Leben bald heraus hilft.

Geschähe: Dass mir doch Gott meine Bitte gewähren möge und tun, was ich am meisten begehre und worauf ich mit Verlangen warte.

9. Dass Gott anfinge und zerschlüge mich und ließe seine Hand gehen und zerschmetterte mich!

Zerschlüge: Dass er mich durch einen schnellen Tod wegnimmt und geschwind umbrächte.

10. So hätte ich noch Trost und wollte bitten in meiner Krankheit, dass er nur nicht schonte. Habe ich doch nicht verleugnet die Rede des Heiligen.

Nicht verleugnet: Als wollte er sagen: Warum plagt mich Gott solange, wo ich doch sein Wort nicht verleugnet habe und kein Mamelucke bin? Darum wäre in so großen Unglück dies mein höchster Trost, wenn er mir durch den zeitlichen Tod den Jammer abnehmen würde. Hier hat man zu sehen, wie der Mensch ist, wenn er sich selbst überlassen bleibt und wie die Ungeduld unseres Fleisches ist. (Nach Luther) Ich habe das doch nicht verdient, dass ich so geplagt werde, wollte Gott, ich wäre doch tot.

11. Was ist meine Kraft, dass ich möge beharren? Und welches ist mein Ende, das meine Seele geduldig sollte sein?

Beharren: Dass ich diesen großen Jammer länger ertragen könnte.

Ende: Ich kann kein gutes Ende meines Unglücks erhoffen, und mein Elend so geduldiger ausstehen könnte. Denn in großen Ängsten schwebt uns nichts als das Verderben vor den Augen, und wir können keinen glücklichen Ausgang sehen, aber Gott sieht ihn.

12. Ist doch meine Kraft nicht steinern, so ist mein Fleisch nicht ehern.

Nicht steinern: Dass ich so harte Schläge und Anstöße des Übels länger aushalten könnte.

13. Habe ich doch nirgend keine Hilfe, und mein Vermögen ist weg.

Keine Hilfe: Ich kann mir selbst weder raten noch helfen, so finde ich auch bei anderen keine Hilfe.

Vermögen: Was ich an zeitlichen Gütern gehabt hatte, womit ich meinen jetzigen, jämmerlichen Zustand etwas erleichtern könnte, dies ist mir alles vorher mit Gewalt genommen worden. Obwohl Gott treu ist, der uns nicht über unser Vermögen versuchen lässt {1Kor 10}, so meinen wir doch im Unglück, dass uns von Gott viel schwerere Bürden auferlegt werden, als wir es ertragen können und wenn wir uns umsehen, so können wir nirgends Hilfe erwarten. Aber man soll ausharren, denn es folgt schließlich auf das Unglück ein gutes Ende.

14. Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten weigert, der verlässt des Allmächtigen Furcht.

Wer: Nach dem Hiob seinen großen und schweren Jammer preisgegeben hat, beklagt er sich jetzt auch über die Unfreundlichkeit und Unbarmherzigkeit seiner Freunde.

Weigert: Wer mit seinem Nächsten in seinem widerwärtigen Zustand kein Mitleid hat und nicht darauf bedacht ist, wie er seinem Unglück wenigstens mit Trost, wenn er ansonsten keine Möglichkeiten hat, lindert, der weicht von der Frömmigkeit ab und wendet ihr den Rücken. Die deswegen so unbarmherzig sind, dass sie sich der Elenden in ihrer Not nicht annehmen, die geben damit zu verstehen, dass sie alle Gottesfurcht hinter sich gelassen haben. Dies will Hiob sagen, bezeugen meine Freunde jetzt mit der Tat.

15. Meine Brüder gehen verächtlich vor mir vorüber, wie ein Bach, wie die Wasserströme vorüber fließen.

Über: Sie überfallen mich, will er sagen, mit Lästerung und Schmähungen wie ein rauschender Bach und bringen mir keine Erleichterung in meinem Unglück, sondern sie verachten mich, sowie ein Bach schnell dahin fällt und vorüber rauscht.

16. Doch, welche sich vor dem Reif scheuen, über die wird der Schnee fallen.

Schnee fallen: Die sich so verhalten, dass sie die Elenden verlassen und meinen, sie wollen einen kleinen Schaden oder eine kleine Gefahr verhüten, die fallen aus dem gerechten Urteil Gottes in ein viel größeres. Denn die zur Schonung ihrer Habe und ihrer Güter oder zum Verhüten, dass sie einen Mächtigen nicht erzürnen, die Wohlfahrt ihres unglücklichen Nächsten versäumen, denen nimmt Gott einmal ihre Güter und bringt die Feindschaft vieler Menschen zu ihrem Verderben über sie.

17. Zur Zeit, wenn sie die Hitze drücken wird, werden sie verschmachten, und wenn es heiß wird, werden sie vergehen von ihrer Stätte.

Hitze: Nämlich der Anfechtung und Trübsal, so werden sie sich nicht enthalten können, sondern müssen verzagen und in der Verzweiflung verderben, sofern sie nicht Buße tun. Darum, damit wir in Trübsal nicht unterdrückt werden und zugrunde gehen, sollen wir uns die Not unserer Nächsten zu jeder Zeit angelegen sein lassen.

18. Ihr Weg geht beiseite aus; sie treten auf das Unbefestigte und werden umkommen.

Ihr: Nun führt Hiob Gründe an, warum Gott seine unbarmherzigen Freunde strafen werde, sofern sie nicht Buße tun.

Unbefestigte: Sie weichen von dem guten Weg der Gottseligkeit ab und wandern nicht auf den Weg der Liebe, den Gott befohlen hat, sondern gehen an unwegsame Orte. Wie in einem Wald oder in der Wüste in die Irre. Denn die den Geboten Gottes den Rücken zukehren, die gehen auf ungeebneten Straßen, dass sie schließlich nicht wissen, wo sie sich hinwenden sollen.

Umkommen: Denn weil sie nur auf ihren Nutzen sehen und die Gottesfurcht samt der Nächstenliebe außer acht lassen, so werden sie in ihrer Not wiederum von Gott verlassen, dass sie sich nicht daraus auswickeln können, sondern darin stecken bleiben, sterben und verderben müssen.

19. Sie sehen auf die Wege Themas; auf die Pfade Reich Arabias warten sie.

Wege Thema: Thema ist einer von den zwölf Fürsten Ismaels gewesen, von denen man in 1. Mose 25 liest. Und von ihm hat das Land Thema seinen Namen bekommen. So hatten die aus dem Reich Arabien die Tiere des Hiob weggetrieben und seine Knechte erschlagen, wie wir bereits in Kapitel eins gehört haben. Es ist deswegen dies der Sinn, meine Freunde halten es mit denen aus Thema und dem Reich Arabien, meinen Feinden, mit denen sie sich gut stellen wollen und ihre Gunst behalten möchten, darum lassen Sie mich ohne Trost und Hilfe in meinem größten Elend stecken. Denn die aus zeitlichen Gründen unsere Freunde sind, die verlassen uns, wenn Sie den Zorn anderer Menschen fürchten. (Nach Luther) Das ist: Sie halten es mit denen, die mich beraubt haben, wie oben in Kapitel eins steht, geben diesen recht und mir unrecht.

20. Aber sie werden zuschanden werden, wenn es am sichersten ist, und sich schämen müssen, wenn sie dahin kommen.

Zuschanden werden: An denen zu Thema und im Reich Arabien.

Dahin kommen: Wenn sie (meine Freunde) sich zu ihnen gegeben in der Meinung, dass sie von ihnen Hilfe oder eine Guttat empfangen möchten, so werden sie vergebens kommen. So geht es denen, die frommen Menschen in Not stecken lassen und die Gunst mächtiger Leute suchen.

21. Denn ihr seid nun zu mir gekommen; und weil ihr Jammer seht, fürchtet ihr euch.

Fürchtet: Dass ihr mich nicht aus brüderlichen Mitleid besucht, sondern ihr seht mich mit Schrecken an, weil ihr euch sorgt, wenn ihr mir helfen möchtet, dass ihr andere Gewaltige erzürnen könntet, dass dadurch euren Gütern etwas verloren ginge, wenn ihr mir etwas geben würdet. Denn die Heuchler sind gegenüber den Reichen freigiebig und geben den Armen nur karg und geizig.

22. Habe ich auch gesagt: Bringt her und von eurem Vermögen schenkte mir

Bringt her: Als wollte er sagen: Ich habe nie begehrt, dass ihr mir von euren Gütern etwas schenken solltet und meinen Mangel erstatten. Darum ist es nicht nötig, dass ihr euch deshalb einer vergeblichen Furcht unterwerft.

23. und errettet mich aus der Hand des Feindes und erlöse mich von der Hand der Tyrannen?

Tyrannen: Ich weiß keinen Dank für euch, wenn ihr mich rächen wolltet, Feindschaft auf euch laden würdet, denn ihr tätet mir keinen Gefallen damit. So sehr ungeduldig ist unser Fleisch unter dem Kreuz, dass es über die Freunde unwillig ist, wenn sie nicht schnell willig und bereit sind, Hilfe zu leisten, und verwirft gleichzeitig ihren Dienst, dass es dies nicht mit Dank annehmen will.

24. Lehrt mich, ich will schweigen; und was ich nicht weiß, das unterweise mich.

Lehrt mich: Weil ihr euch für so klug haltet, so will ich euch als Schüler zuhören und von euch lernen. Hier redet aber der Hiob in spöttischer Weise, als wollte er sagen: Weil ich mit euch angefangen habe, zu diskutieren, wozu ihr mich gezwungen habt, indem ihr bestreitet, dass Gott jemanden auch ein Unglück zuschlägt wie den Boshaften und den Übeltätern, und ich das Gegenteil sage, dass Gott auch die Frommen manchmal ernsthaft züchtig. Wohl an, wenn ihr könnt, so beweist mir meinen Irrtum.

25. Warum tadelt ihr die rechte Rede? Wer ist unter euch, der sie strafen könnte?

Tadelt: Dass ihr das, was ich recht und gut geredet habt, mir nicht zugestehen wollt.

Strafen könnte: Wer kann mir bis hierher eine einzige Bosheit nachweisen, und dennoch, obwohl ihr mich Betrübten hättet trösten sollen, so möchtet ihr mich erst zum gottlosen Menschen machen, der wegen seiner Bosheit zurecht Strafe leiden muss.

26. Ihr erdenkt Worte, dass ihr nur straft, und dass ihr nur Worte redet, die mich verzagt machen sollen.

Verzagt machen: Ihr seid nur deshalb gekommen, um mich mit giftigen Worten zu beschimpfen, und bringt solche Sachen vor, die mich Elenden viel eher in Verzweiflung bringen, als dass ich auch nur ein wenig Trost daraus schöpfen könnte. Dies ist kein Freundschaftsbeweis von euch.

27. Ihr fallt über einen armen Waisen und grabt eurem Nächsten Gruben.

Waisen: Denn ich bin jetzt viel elender, armer und verlassener als irgend ein Waise.

Gruben: Denn wenn ich euch folgen sollte, so würde ihr mich wohl in Verzweiflung stürzen. Es ist aber eine gräuliche Sünde, wenn man die bekümmerten Menschen noch mehr betrübt und ihnen Anlass zur Verzweiflung gibt.

28. Doch weil ihr angefangen habt, seht auf mich, ob ich vor euch mit Lügen bestehen werde.

Angefangen: Mit mir zu diskutieren.

Auf mich: Hört meiner Rede zu.

Bestehen: Ich weiß, dass ihr mich keines Irrtums überführen könnt.

29. Antwortet, was recht ist; meine Antwort wird noch recht bleiben.

Recht ist: Sagt, was recht unwahr ist und treibt keinen Spott mit dieser Sache.

Recht bleiben: Ich weiß, die Sache wird es mit sich bringen und an sich selbst bezeugen, dass ich bisher recht und wahr geredet habe, in dem ich behaupte, dass Gott auch die Frommen plagt.

30. Was gilts, ob meine Zunge unrecht habe und mein Mund Böses vorgebe?

Unrecht habe: Ihr werdet an meinen Worten keinen Irrtum spüren können.

Vorgebe: Als wollte er sagen: Habt ihr mich für ein Kind angesehen, dass ich nicht weiß, was gut oder böse ist? Hiob tut aber recht daran, dass er fest auf seiner Meinung beharrt und diese verteidigt. Denn die göttliche Wahrheit soll den falschen Auslegungen der Schwärmer keinen Platz geben.


Das 7. Kapitel


1. Hiob zeigt mit wenigen Worten an, was es für ein jämmerliches Ding um einen Menschen in diesem Leben ist.

2. Er erklärt sein großes Elend.

3. Und er lässt aus Ungeduld etliche ungebührliche Reden gegen Gott mit einfließen.

1. Muss nicht der Mensch immer im Streit sein auf Erden, und seine Tage sind wie eines Tagelöhners?

Muss: Hiob beklagt sich heftig über sein großes Elend, sodass er auch mit Gott darüber einen Streit beginnt und etliche Reden von sich gibt, als ob er in Verzweiflung versinken wollte.

Streit sein: Sodass er wie ein Soldat, der den Feind in der Nähe hat, mit vielen Beschwerden beladen wird, und mancherlei Gefahr ausstehen muss. Denn der Krieg bringt allerlei Ungemach und Ungelegenheiten mit sich, wie Unwetter, Hunger, Durst, Frost, Hitze, lange und gefährliche Reisen, ein hartes und ernstes Regiment, viele Wachen, Pestilenz, Aufruhr im Lager, den Angriff der Feinde, Erstürmung der Städte und Schlösser mit großer Gefahr, große und gefährliche Schlachten, sodass einem Soldaten wirklich der Tod vor Augen schwebt. So ist es auch mit dem Menschen beschaffen, dass er viel Unglück vor Augen hat, und lässt ihm der Feind (Teufel) des menschlichen Geschlechts keine Ruhe.

Tagelöhners: Dass er viele große und verdrießliche Arbeiten in diesem Leben und in seiner Aufgabe verrichten muss und viel Unglück, Krankheiten und ähnliches mehr ausstehen und davor keine Ruhe haben darf. Darum sind die nicht recht dran, die nach einem beständigen Wohlergehen in diesem Leben trachten.

2. Wie ein Knecht sich sehnte nach dem Schatten und ein Tagelöhner, dass seine Arbeit aus sei,

Knecht: Der in der Sonnenhitze lang und viel gearbeitet hat.

3. also habe ich wohl ganze Monden vergeblich gearbeitet, und elende Nächte sind mir viel geworden.

Vergeblich: Ich habe etliche Monate auf Erfrischung und Erquickung in meinem großen Unglück gewartet, es ist aber alles umsonst gewesen.

Nach Luther: Das ist: Ich habe Ruhe und ein Ende der Arbeit gesucht, aber das ist umsonst, es bleibt noch immer Ruhe.

Viel geworden: Indem ich vergeblich auf Milderung gehofft, und das Ende meines Unglücks zu sehen mir gewünscht hatte. Ja manche Nacht ist mir so lang geworden wie sonst drei.

4. Wenn ich mich legte, sprach ich: Wann werde ich aufstehen? Und danach rechnete ich, wenn es Abend wollte werden; denn ich war ein Scheusal für jedermann, bis es finster ward.

Aufstehen: Ach, wenn doch die Nacht schon vorüber wäre, von der ich weiß, dass sie mir nicht ruhig, sondern verdrießlich und sehr lästig sein wird.

Wenn es Abend: Ich zählte bereits im Morgengrauen die Stunden, die es noch bis zum Abend sind, so lange schienen mir die Tage zu sein.

Scheusal: Dass sich die Leute vor mir scheuten. Auf diesen Mitgesellen ihres Elends sollen diejenigen ihre Augen wenden, die weder am Tag noch in der Nachtruhe von ihren Schmerzen oder ihrer Schwermut haben und von ihren eigenen Freunden oder Mitbewohnern gemieden werden, damit sie an dieser Stelle einen Trost fassen. Denn sie sind von Gott nicht verstoßen.

5. Mein Fleisch ist um und um wurmig und kotig: Meine Haut ist verschrumpelt und zunichtegeworden.

Kotig: Denn ich sitze im Staub und in der Asche auf der Erde und bin mit Asche bestreut, wie es die gewohnt sind, die ein Leid in sich tragen.

Verschrumpelt: Es ist nichts Schönes an meiner Haut und alles ist voller Unlust.

6. Meine Tage sind leichter dahingeflogen denn eine Weberspule und sind vergangen, dass kein Aufhalten dagewesen ist.

Tage: Die ich vor diesem Elend glücklichen Zustand gehabt habe. Denn die gute Zeit geht schnell dahin und vorüber.

7. Gedenke, dass mein Leben ein Wind ist, und meine Augen nicht wiederkommen, zu sehen das Gute.

Wind: Der schnell vorüber zieht und verschwindet. Warum plagst du mich denn so sehr, wo ich doch ohnehin bald werde sterben müssen?

Das Gute: Denn ich werde vor dem Jüngsten Tag nicht wieder vom Tod auferstehen, dass ich mein voriges Glück wiederbekommen werde und es genießen könnte.

8. Und kein lebendig Auge wird mich mehr sehen. Deine Augen sehen mich an; darüber vergehe ich.

Mehr sehen: Denn ich werde nicht mehr unter dem Lebenden sein.

Mich an: Nämlich ungnädig.

Vergehe ich: Weil ich diesen, deinen Zorn nicht ertragen kann, sondern er wird mich vernichten. Denn die schwer versucht werden, bilden sich ein, dass Gott über sie erzürnt wäre und er werde nicht ablassen, bis er sie ganz und gar vernichtet hätte.

9. Eine Wolke vergeht und fährt dahin; also, wer in die Hölle hinunterfährt, kommt nicht wieder herauf

Fährt dahin: Sodass kein einziges Zeichen mehr von ihr übrig bleibt.

Hölle: Das ist: ins Grab.

Herauf: In dieses zeitliche Leben auf Erden.

10. und kommt nicht wieder in sein Haus, und sein Ort kennt ihn nicht mehr.

Nicht mehr: Es ist aber hier nicht Hiobs Meinung, als ob er nach diesem Leben keine Auferstehung mehr zu erwarten hätte, denn das Gegenteil wird später im Kapitel zehn zu finden sein, sondern er zeigt an, wie betrübte und angefochtene Menschen eingestellt sind, dass ihnen es nicht anders erscheint, als ob sie den Tod und den Untergang ständig vor ihren Augen schweben sehen und als ob sie mit den Augen ihres Herzens keine Wiederkehr aus dem Tod sehen könnten.

11. Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren; ich will reden von der Angst meines Herzens und will heraussagen von der Betrübnis meiner Seele.

Darum: Weil ich keine Erleichterung und keinen Trost mehr sehe. Und mit den folgenden Worten schwere Klagen gegenüber Gott vor und führt solche Reden, wie es die zu tun pflegen, die nahe bei der Verzweiflung stehen.

Reden: Wie es mir einfällt und wie ich mich wenigstens mit Klagen rächen kann, weil ich in einem solch großen Jammer sonst keine Möglichkeit mehr habe. Hier sollen die Kirchendiener lernen, dass sie die Christen, die in schweren Kreuz und großen Anfechtungen ungeduldige Worte ausstoßen nicht vorschnell für Gottlose beurteilen. Denn sie tun dies nicht, sondern die Sünde, die in ihnen wohnt {Röm 7}. Darum sollen sie diese mit sanftem Geist vielmehr aufrichten und trösten als hart anfahren.

12. Bin ich denn ein Meer oder ein Walfisch, dass du mich so verwahrst?

Verwahrst: Durch die Trübsal stecke ich wie in einem Gefängnis, aus dem ich nirgendwo hinaus kann. So wie du dem Meer seine Grenzen gesetzt hast, die es nicht überschreiten kann, damit es die Erde nicht überschwemmt und so wie die Walfische gleichsam von dir mit Fesseln aufgehalten werden, damit sie mit ihrer Gewalt die Schiffsleute nicht ins Verderben stürzen, so hast du mich mit Jammer überschüttet, dass ich ihm nicht entkommen kann, gerade so, als ob ich, armer, elender Mensch den Erdboden bewegen könnte. Sollte dies zum Ruhm deiner Majestät sein? Denn ich empfinde weder am Tag noch in der Nacht eine Linderung meiner Schmerzen.

13. Wenn ich gedachte, mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll mir es erleichtern;

Trösten: Ich will mich ins Bett legen und schlafen, damit ich mich von meinem Elend ein wenig ausruhen kann.

Erleichtern: Wenn ich nicht schlafen kann, dann könnte ich doch im Bett wenigstens etwas träumen und zugleich damit Linderung empfinden. Aber auch das war vergebens.

14. wenn ich mit mir selbst rede, so erschreckst du mich mit Träumen und machst mir Grauen,

Grauen: Und wenn ich von den Sorgen ermüdet einschlafe, so kommen mir doch solch schreckliche Träume vor, dass mir alle Lieblichkeit des Schlafes dadurch vertrieben wird und ich nach dem Schlaf schwächer bin als zuvor. So erscheinen mir auch, sobald ich die Augen schließe so schreckliche Gestalten, dass mir jede Ruhe und Erfrischung verschwindet. Dies ist die rechte Abbildung eines sehr angefochtenen, bekümmerten Menschen.

15. dass meine Seele wünschte erhängt zu sein, und meine Gebeine den Tod.

Erhängt: Ich habe oftmals daran gedacht, ob ich mich nicht selbst aufhängen und mir so dieses elende Leben ersparen könnte. Man soll deswegen nicht an denen verzagen, die in schweren Anfechtungen mit solchen Gedanken umgehen, dass sie sich selbst töten möchten, wenn sie nur in diesem schrecklichen Vorsatz nicht beharren und umgekommen.

16. Ich begehre nicht mehr zu leben. Höre auf von mir, denn meine Tage sind vergeblich gewesen.

Vergeblich: Hör auf, mich weiterhin zu plagen, denn es wird ohnehin bald um mein Leben geschehen sein, dass ich nicht mehr lange auf dieser Erde herumirren werde.

17. Was ist ein Mensch, dass du ihn groß achtest und bekümmerst dich mit ihm?

Groß achtest: Ist das Tun und schaffen eines Menschen auch viel wert, dass du ihm zu hohen Ehren und großem Glück erhebst und danach, wenn es dir gefällt, hinwiederum herunter stößt? Und du bemühst dich nicht anders mit ihm, als ob er hier ewig leben würde, wo doch kaum etwas so gebrechlich und vergänglich ist und vielen Zufällen unterworfen, wie der Mensch.

18. Du suchst ihn täglich heim und versuchst ihn alle Stunde.

Suchst: Du übst ihn täglich mit dem Kreuz und versuchst ihn jeden Augenblick, wie er sich in Trübsal verhalten soll. Sollte dies deiner Majestät gut anstehen, dass du mit einem so geringem und verächtlichen Ding dich ständig bemühst? Obwohl es nun vor der menschlichen Vernunft so scheinen kann, als sollte der allmächtige und unendliche Gott sich nicht um die Geschäfte der Menschen annehmen, aber es gefällt Gott doch ein solches Spiel mit den Auserwählten gut und es ist ihm angenehm und er sieht auch den großen Nutzen, der uns in den Anfechtungen noch verborgen ist.

19. Warum tust du dich nicht von mir und lässt nicht ab, bis ich meinen Speichel schlinge?

Schlinge: Als wollte er sagen: Warum plagst du mich solange ohne Unterlass, dass ich keine einzige Erquickung empfinde, ich auch keine Speise mehr zu mir nehmen kann, sondern nur meinen Speichel herunterschlucke und so mein Leben elend zubringe.

20. Habe ich gesündigt, was soll ich dir tun, o du Menschenhüter? Warum machst du mich, dass ich auf dich stoße und bin mir selbst eine Last?

Dir tun: Auch wenn ich gesündigt habe, was willst du denn noch, was ich erleiden soll? Hättest du mich ebenso hart gestraft, wenn ich meine Eltern umgebracht hätte? Du achtest so sehr auf die Menschen, dass du sie strafst, wo sie deiner Hand doch ohnehin nicht entgehen können.

Stoße: Weil ich dir wie ein Stein im Weg liege und dich hindere, so zielst du mit allen Pfeilen deines Zorns nur auf mich und wenn ein Kreuz vom Himmel herabfallen würde, so müsste es auf mich fallen.

Last: Dass ich den Gestank und Dreck, oder den Eiter von meinen Geschwüren an meinem Leib selbst nicht länger ertragen kann, geschweige denn, dass andere Menschen dies tun könnten, die mich pflegen und sich um mich kümmern sollen. Zusammengefasst, ich bin mir selbst feind und habe Abscheu und Ekel vor mir selbst. Was willst du noch mehr? Wie könnte mir noch ein größeres Unglück zustoßen?

21. Und warum vergibst du mir meine Missetat nicht und nimmst nicht weg meine Sünde? Denn nun werde ich mich in die Erde legen; und wenn man mich morgen sucht, werde ich nicht da sein.

Sünde: Wo du doch ansonsten als barmherzig und gnädig angesehen sein willst, wie kommt es denn, dass du mir gegenüber keine Barmherzigkeit zeigen willst, die du anderen jedoch gerne widerfahren lässt, die vielmehr gesündigt haben als ich? Denn wenn du mir meine Sünden verziehen hättest, würdest du mich deswegen nicht so plagen. Wenn wir aber von Gott gezüchtigt werden, so meinen wir fälschlicherweise, dass uns die Sünden noch nicht verziehen wären.

Nicht da sein: Ich werde nicht mehr unter den Lebendigen gefunden werden, denn ich empfinde, dass ich bald draufgehen werde, weil es mit mir geschehen ist, und du mir meine Sünden nicht verzeihen willst. Denn ich werde entweder in Kürze vor großen Schmerzen sterben, oder werde aus Angst selbst Hand an mich leben. Dies ist zwar schrecklich zu hören von einem solch heiligen Mann, aber Gott kann nach seiner unendlichen Güte bei solchen Reden, die durch schwere Anfechtungen verursacht worden sind, bei seinen Auserwählten durch die Finger sehen, wenn sie nur auf die göttliche Erlösung warten, obwohl dies bisweilen nicht ohne große Ungeduld passiert.


Das 8. Kapitel


1.Bildad, der andere Freund Hiobs ermahnt ihm, dass er seine Sünden erkennen und Buße tun soll, verbunden mit dem Versprechen, dass ihm dann sein voriges Glück wiederkommen würde.

2. Und er sagt, wie unbeständig das Glück der Heuchler sei, womit er zu verstehen gibt, dass der fromme Hiob bisher auch ein Heuchler gewesen sei.

1. Da antwortete Bildad von Suah und sprach:

Da: Jetzt macht sich der andere von den Freunden Hiobs an ihn, und beginnt eine Diskussion mit ihm, und versucht ihn zu überreden, dass er seine Missetaten erkennen soll, und verspricht ihm, wenn er dies tun würde und von seiner Heuchelei Abstand nehmen würde, so würde ihm schließlich alles glücklich ausgehen. Und auch wenn alles stimmt, was dieser vorbringt, so wird dies jedoch auf die Person Hiobs zu Unrecht bezogen.

2. Wie lange willst du solches reden und die Rede deines Mundes so einen stolzen Mut haben?

Solches: So ungereimte, ja gottlose und lästerliche Worte.

Stolzem Mut: Warum darfst du so übermütige Reden führen, womit du deine Unschuld rühmst und dabei Gott im Himmel lästerst?

3. Meinst du, dass Gott unrecht richte, oder der Allmächtige das Recht verkehre?

Unrecht richte: Dass er kein rechtes Urteil gegenüber die Sünder erkennen würde, noch diese gerecht vollstrecken, gerade so, als ob er nicht die Gerechtigkeit selbst wäre. Wie könnte er denn dann von der Gerechtigkeit abweichen?

4. Haben deine Söhne vor ihm gesündigt, so hat er sie verstoßen um ihrer Missetat willen.

Verstoßen: Sodass sie plötzlich drauf gegangen sind, ohne vorhergehende Buße und Bekehrung, als sie alle miteinander vom Haus erschlagen worden, und Gott ein Beispiel seiner Gerechtigkeit an ihnen sehen lassen wollte.

5. So du aber dich beizeiten zu Gott tust und dem Allmächtigen flehst,

Tust: Dass du dich ernsthaft und bald zu ihm bekehrst, so brauchst du nicht verzagen.

Flehst: Dass er dir deine Sünden verzeihen möge.

6. und du so rein und fromm bist, so wird er aufwachen zu dir und wird wieder aufrichten die Wohnung um deiner Gerechtigkeit willen;

Fromm bist: Dass du deine rechtschaffene Buße mit guten Früchten eines heiligen und unsträflichen Wandels beweist.

Aufwachen: Von dem du meinst, dass er schlafen würde in deinem jetzigen großen Unglück. Er wird sich deiner mit Gnaden wieder annehmen.

Willen: Wenn du gerecht und fromm sein wirst, so wird Gott deinem Haus wieder Glück geben, und weil es sozusagen als zerfallen angesehen werden kann, so wird er es wieder aufrichten.

7. und was du zuerst wenig gehabt hast, wird hernach fast zunehmen.

Zunehmen: Sodass du mehr besitzen wirst, als du jemals gehabt hast, dies alles ist wahr. Denn es soll niemand daran zweifeln, dass Gott denen die Sünden verzeiht, die wahrhaft Buße tun, und ihnen ihr Unglück lindert oder es ganz wegnimmt. Ja er gibt Ihnen oft mehr und segnet sie reichlicher als zuvor.

8. Denn frage die vorigen Geschlechter und nimm dir vor, zu forschen ihre Väter.

Frage: Wenn du uns vielleicht nicht glauben möchtest.

Väter: Hole dir Rat bei anderen, die älter sind als wir, von deinem Zustand und frage bei Ihnen nach, was sie von ihren Vätern und Vorfahren gehört haben. Sie werden dir den Ursprung allen Unglücks anzeigen, nämlich, die Sünde.

9. (Denn wir sind von gestern her und wissen nichts; unser Leben ist ein Schatten auf Erden {Hi 14v2 Ps 144v4}.)

Gestern her: Du siehst uns so an, als ob wir keine Ahnung davon hätten, und gibst deshalb auch nichts auf unsere Reden.

Schatten: Wir sind nicht alt, und werden wohl auch wegen der Gebrechen in diesem Leben kein hohes Alter erreichen, darum wollen wir dich an die verweisen, deren Ansehen du nicht verwerfen kannst, weil sie es über viele Jahre mit langer Erfahrung in diesen Sachen zuwege gebracht haben.

10. Sie werden dich‘s lehren und dir sagen und ihre Rede aus ihrem Herzen hervorbringen.

Lehren: Wo er alles Übel und Unglück kommt.

Sagen: Was recht und heilsam ist.

Rede: Die du nicht verwerfen oder in den Wind schlagen kannst, und sie werden dir mit vielen alten Beispielen beweisen und vor Augen stellen, dass Gott keinen Unschuldigen jemals geplagt hat. Man soll zwar die Alten hören, doch so, dass man ihr Vorbringen mit dem Wort Gottes vergleicht, und wenn es damit nicht übereinstimmt, es verwirft.

11. Kann auch das Schilf aufwachsen, wo es nicht feucht steht, oder Gras wachsen ohne Wasser?

Kann auch: Als wollte er sagen: Lieber Hiob, lass uns ein Gleichnis heranziehen von Dingen, die jedermann bekannt sind, in dem die Unbeständigkeit des Glücks bei den Gottlosen und Heuchler dargestellt wird, damit du dich über die große Veränderung deines Zustands weniger wunderst.

12. Sonst wenn‘s noch in der Blüte ist, ehe es abgehauen wird, verdorrt es, ehe denn man Heu macht.

Verdorrt: Bevor die Menschen anfangen, das Gras zu mähen, und Heu daraus zu machen, verdorrt und verrottet es, wenn es nicht von der Feuchtigkeit aus der Erde erhalten wird, dass es grün bleibt.

13. So geht es allen denen, die Gottes vergessen, und die Hoffnung der Heuchler wird verloren sein.

Verloren: So wie das Gras oder Schilf schnell wächst, wo es Wasser und ein feuchtes Erdreich hat, wenn sich jedoch das Wasser verliert, und die Erde ausdorrt, so verwelkt und vertrocknet es von selbst, wenn es niemand mäht. So ist es auch mit der Glückseligkeit der gottlosen Menschen bestellt, die Gott nicht von Herzen fürchten (auch wenn sie aus Heuchelei nach außen vor der Welt ein ansehnliches Leben führen), dass es umfällt und verwelkt, so, dass die Heuchler meinen und hoffen, ihr Glück müsste gewaltig zunehmen, eben zur gleichen Zeit aller ihrer Hoffnungen beraubt werden. Dies alles ist wahr, dass das Glück der Heuchler unbeständig ist, darum sollen wir uns um die wahre Gottseligkeit bemühen. Jedoch auf den Hiob wird es zu Unrecht gedeutet.

14. Denn seine Zuversicht vergeht, und seine Hoffnung ist eine Spinnwebe.

Denn: Bildad fährt noch weiter fort, die Unbeständigkeit der Heuchler zu beschreiben und behandelt diese Sache ausführlicher.

Zuversicht: Sein Hab und Gut, worauf er sein Vertrauen setzt, werden ihm genommen werden.

Spinnwebe: Alles, worauf er sich verlässt, wird nicht beständig sein, sondern, liederlich und zerbrechlich, wie eine Spinnwebe.

15. Er verlässt sich auf sein Haus und wird doch nicht bestehen; er wird sich dran halten, aber doch nicht stehen bleiben.

Haus: Auf sein großes Personal, ansehnliche Freundschaft, stattliches Herkommen und auf die Menge der Güter, wovon er meint, in widerwärtigen Umständen Hilfe zu bekommen. Dennoch wird er nicht bestehen können, sondern zu Boden gestürzt werden. Denn verflucht ist, wer sich auf Menschen verlässt, weil alle Menschen Lügner sind {Ps 116 118 146 Jer 17}.

16. Es hat wohl Früchte, ehe denn die Sonne kommt; und Reiser wachsen hervor in seinem Garten.

Kommt: Bevor sie hoch in den Himmel steigt.

17. Seine Saat steht dicke bei den Quellen und sein Haus auf Steinen.

Steinen: Der Heuchler grünt zwar am Anfang und nimmt zu, wie Gras oder Pflanzen, bevor er die Hitze der Trübsal empfindet, und sieht aus wie ein Baum, der tiefe Wurzeln hat und neben einer Wasserquelle steht, dass man den Eindruck hat, es wäre keine Gefahr für ihn vorhanden. Ja er wird sich einbilden, er würde in einem steinernen Haus wohnen, das gegen alle Unwetter gesichert ist, jedoch wird ein unglückliches Ende darauf folgen. Denn die Heuchler werden vor Ihrem Fall für unüberwindlich gehalten {Ps 37 73}.

18. Wenn er ihn aber verschlingt von seinem Ort, wird er sich gegen ihn stellen, als kennte er ihn nicht.

Ihm nicht: Sein Ort wird sich so fremd ihm gegenüber verhalten, als wenn er ihn nie gesehen hätte. Und es wird hier durch eine verblüffende Rede der Sache ein Sinn zugemessen, dass es den gottlosen Heuchler spottet. Es gehen aber die Gottlosen plötzlich zugrunde, und werden von dem zornigen Gott verschlungen, dass kein Zeichen mehr von Ihnen zu spüren sein wird.

19. Siehe, das ist die Freude seines Wesens; und werden andere aus dem Staube wachsen.

Freude: Dies ist Gottes Brauch, und er hat seine Freude daran, wenn er die Gottlosen Mächtigen stürzt, und an ihrer Stelle die armen Frommen hervorzieht und aufkommen lässt. Denn er stößt die Gewaltigen vom Stuhl, und erhöht die Niedrigen {Lk 1 Ps 113}.

20. Darum siehe, dass Gott nicht verwirft die Frommen und erhält nicht die Hand der Boshaftigen,

Darum: Um es kurz zu machen und zusammenzufassen, was der Sinn ist, will Bildad sagen.

Frommen: Die keine Heuchler sind. Darum, weil dich Gott so schwer heimgesucht hat, besteht kein Zweifel an dem offensichtlichen Zeichen, dass es mit deiner Frömmigkeit bisher nur eine Vorspiegelung falscher Dinge gewesen bist, darum erkenne deine Sünden und bekehre dich zu Gott, so wirst du ihn zum gnädigen Vater haben. Und es wird der, der dir dieses Unglück geschickt hat, dieses auch wiederum wegnehmen und dich mit neuen Guttaten überschütten.

21. bis dass dein Mund voll Lachens werde und deine Lippen voll Jauchzens.

Jauchzens: Gott wird dir Gnade schenken und nachdem alle Traurigkeit verschwunden ist, wirst du dich von Herzen freuen und frohlocken und Gott dem Herrn dank sagen.

22. Die dich aber hassen; werden zuschanden werden, und der Gottlosen Hütte wird nicht bestehen.

Nicht bestehen: Gott wird deine Feinde vernichten. Und es ist wahr, dass Gott die Heuchler straft. Wenn sie jedoch Buße tun, nimmt er sie in Gnaden auf und mildert das Unglück. Aber auf den Hiob trifft dies alles nicht zu, denn er war kein Heuchler. Deswegen soll ein Kirchendiener beachten, dass er die Frommen nicht erschreckt, wenn sie unter dem Kreuz mit der Verzweiflung kämpfen, sondern er soll sie viel mehr mit Trost aufrichten.


Das 9. Kapitel


1. Hiob antwortet, dass zwar vor Gott niemand unschuldig sei. Gott sei der Weiseste und Mächtigste.

2. Aber dennoch habe er eine solch große Trübsal mit groben, äußeren Sündern, nicht verdient.

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Ja, ich weiß fast wohl, dass also ist, dass ein Mensch nicht recht fertig bestehen mag gegen Gott.

Also ist: Wie du gesagt hast, dass Gott die Bösen nach seiner Gerechtigkeit straft und den Frommen Gutes tut nach seiner Barmherzigkeit.

Gegen Gott: Ich kann und will nicht in Abrede stellen, dass vor dem strengen Gericht Gottes niemand rein und unschuldig ist, aber daraus folgt dennoch nicht, dass jedes Unglück eine besondere Strafe großer Sünden wäre, sondern ich sage, dass auch diejenigen, die Gott liebt und mit ihm versöhnt sind, sodass ihnen die Sünden nicht zugerechnet werden, dennoch manchmal schwer geplagt und angefochten werden. Und es kann zwischen uns keinen Streit darüber geben, ob jemand auf dieser Erde lebt, an dem Gott nichts zu tadeln hätte, wenn er vielmehr begehrt ein strenger Richter, als ein gnädiger Vater zu sein.

3. Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.

Hadern: Dass irgend ein Mensch mit Gott vor Gericht streiten und seine Unschuld beweisen oder verteidigen müsste.

Nicht eines: Aus tausend Sünden kann der Mensch nicht eine einzige entschuldigen. Diesen Spruch sollten sich die Heuchler genauer betrachten, die meinen, dass sie mit den Verdiensten ihrer Werke vor Gottes Gericht bestehen können. Dies wird sich als ein verrückter Wahn herausstellen. Denn man muss von dem gerechten Urteil Gottes an seine überschwängliche Barmherzigkeit appellieren.

4. Er ist weise und mächtig wem ist‘s je gelungen, der sich wider ihn gelegt hat?

Weise: Seine Weisheit ist so groß, dass vor ihm niemand etwas verbergen kann, noch mit irgendwelchen Entschuldigungen die Schwere der Sünde vor ihm bemänteln oder in Abrede stellen kann.

Mächtig: Der die Widerspenstigen und jene, die ihre Unschuld zu Unrecht und dennoch halsstarrig verteidigen wollen, leicht zum Schweigen bringen kann, ja wenn er will, sie auch völlig vernichten kann.

Gelungen: Dass es ihm gut ausgegangen wäre, wenn er sich Gott, dem Herrn, als den gerechten Richter widersetzen wollte, und sich nicht vor ihm demütigen, oder als einen Sünder bekennen wollte.

5. Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden, die er in seinem Zorn umkehrt.

Er versetzt: Nun streicht Hiob die Majestät, Weisheit und Allmacht Gottes mit vielen Beispielen heraus, und zeigt an, dass er nicht aus Unwissenheit solcher Tugenden in Gott, sondern aus einem anderen Fundament handhabe, dass er mit keinen groben und äußeren Sünden solch eine Trübsal verdient habe. Als ob er sagen wollte: Es ist unnötig, dass ihr mir ausführlich predigt von der Gerechtigkeit, Weisheit und Majestät Gottes, dessen Kraft und Gewalt mir besser bekannt ist als euch.

Umkehrt: Das ist: Wenn Gott will, so kann er in einem Augenblick die Berge umstürzen, auch wenn es den Anschein hat, sie seien unbeweglich. Wenn er mit ungewöhnlich großen Unwettern die Felsen zerreißt, und durch Blitzschlag oder Sturm zerschmettert, womit er seinen schrecklichen Zorn gegenüber den Sündern zu verstehen gibt.

6. Er bewegt ein Land aus seinem Ort, dass seine Pfeiler zittern.

Zittern: Er macht, dass die Erde bebt. Denn obwohl schreckliche Unwetter und Erdbeben ihre natürliche Ursache haben, so rühren doch diese Ursachen von dem ersten und vornehmsten Grund ab, nämlich von Gott her, der sie regiert, wie er will und seinen Ernst mit solch ungewöhnlichen Handlungen den Leuten vor Augen stellt.

7. Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.

Versiegelt: Gott überzieht den Himmel mit so dicken Wolken, dass es den Anschein wegen des dichten und finsteren Nebels haben könnte, die Sonne wäre an diesem Tag nicht aufgegangen, und er macht, dass in der Nacht kein Stern gesehen werden kann, so ist also jedes Wetter und Unwetter nicht in der Hand des Teufels oder böse Menschen, sondern in Gottes Hand, der dies in seinem freien Willen regiert.

8. Er breitet den Himmel aus allein und geht auf den Wogen des Meeres.

Des Meeres: Denn wenn bei einem Unwetter die Wellen des Meeres hoch aufsteigen, dass man glaubt, sie würden bis an die Wolken reichen, so bezeugt Gott damit seine Majestät und Gegenwart, als ob er über die Wellen des Meeres schrecklich daher käme. Was aber ein Unwetter, besonders zu Wasser den Menschen für einen Schrecken einjagt, wissen diejenigen, die in einer ähnlichen Gefahr gesteckt haben. Deshalb sagt man im Sprichwort: Wer nicht beten kann, der begebe sich aufs Wasser.

9. Er macht den Wagen am Himmel und Orion und die Glucke und die Sterne gegen Mittag.

Wagen: Wegen seiner Figur ist ein Gestirn am Himmel so genannt.

Orion: Dies ist auch ein besonderes Gestirn, mit vielen hellen Sternen umgeben, nicht weit vom Hundsstern, und er hat in der Mitte drei Sterne in gerader Linie, die von den Menschen Jakobsstab genannt werden.

Glucken: Dies wird sonst auch als Siebengestirn bezeichnet, weil sieben kleine Sterne wie auf einem Haufen nahe beieinander gesehen werden, und sie stehen im Sternzeichen, das man Stier nennt. Weil Hiob an dieser Stelle zur Betrachtung der Sterne führt, so gibt Gott damit zu verstehen, dass er möchte, dass wir den Himmel anschauen sollen, und aus so wunderbaren Schöpfungen wie aus dem ordentlichen Lauf dieser Sterne die Weisheit des Schöpfers, seine Majestät und Gewalt erkennen und achten. Darum ist die Sternenkunde löblich und zu rühmen.

10. Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist.

Zu forschen: Kein Mensch kann mit seinem subtilen Verstand ergründen, wie diese Dinge geschehen, und er weiß oft auch nicht, warum sie geschehen.

Wunder: Worüber sich ein Mensch zu Recht wundern muss.

Zahl ist: Denn es soll nicht nur das für ein Wunderwerk gehalten werden, was gegen den allgemeinen Lauf der Natur geschieht. Sondern es muss auch das betrachtet werden, was täglich, und unserer Vorstellung nach auf natürliche Weise unter den Menschen geschieht, wie die Geburt des Menschen, seine Formung, die Aufteilung und den Gebrauch der Glieder, wie auch die Erhaltung und das ständige fließen des Wassers und viele andere unzählige Dinge mehr, die wegen der Alltäglichkeit von den Menschen nicht beachtet werden. Dennoch sind alle miteinander doch Zeugnisse der Weisheit, Güte und Allmacht Gottes. Darum will Hiob sagen, weiß ich sehr gut, dass ich nicht mit ihm streiten soll, weder von der Gerechtigkeit noch von seiner Weisheit oder Macht.

11. Siehe, er geht vor mir über, ehe ich‘s gewahr werde, und verwandelt sich, ehe ich‘s merke.

Merke: Will sagen: Gott ist so schnell in seinen Gerichten und Vorhaben und so wunderlich, ja er ändert auch sein Tun so schnell, dass niemand wissen oder ergründen kann, wie er damit umgeht. Denn in Trübsal kommt es uns so vor, dass Gott sein Gemüt schnell gegen uns verändert hätte, obwohl er ständig mit großer Beständigkeit väterlich gegenüber uns eingestellt ist.

12. Siehe, wenn er geschwind hinfährt, wer will ihn wiederholen? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?

Holen: Wenn er einen Menschen schnell aus diesem Leben hinweg nimmt, wer will ihn zwingen, dass er diesen Menschen, den er hinweg gerissen hat, bald wieder preisgibt und noch länger auf Erden bleiben lässt? Wer will ihm den Raub abjagen?

Was machst du: Denn Gott ist es uns nicht schuldig, dass er uns wegen seiner Handlungen Rechenschaft gibt.

13. Er ist Gott, seinen Zorn kann niemand stillen; unter ihm müssen sich beugen die stolzen Herren.

Gott: Und kein Mensch, sondern der Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde.

Stillen: Denn wenn er sich nicht durch Bekehrung der Menschen bewegen lässt, dass er aus freiem Willen seinen Zorn fallen lässt, um des Verdienstes des Messias willen, so wird ihn niemand versöhnen können.

Stolzen Herren: Die mächtigsten Herrscher in der ganzen Welt müssen sich vor ihm bücken. Die ansonsten meinen, dass sie allein dem menschlichen Geschlecht raten und helfen können. So mussten auch der abtrünnigen Mamelucke, Kaiser Julianus, Christus endlich die Ehre und den Sieg geben, als er sprach: Du Galiläer hast gewonnen. Nach Luther): Die stolzen Junker, die sich auf ihre Macht verlassen und jedermann helfen können.

14. Wie sollt ich denn ihm antworten und Worte finden gegen ihn?

Gegen ihn: Ich weiß sehr gut, dass ich viel zu schwach für ihn bin, und weder an Weisheit noch stärker etwas ausrichten kann, dass ich mich ihm widersetzen könnte und ich bin viel zu gering dazu, dass ich um mein Recht mit Gott streiten sollte, daran braucht ihr mich nicht erst erinnern.

15. Wenn ich auch gleich recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten, sondern ich müsste um mein Recht flehen.

Nicht antworten: Ich wüsste und könnte meine gerechte Sache nicht gegen ihn ausführen.

Flehen: Wenn ich erreichen will, dass Gott in meiner Sache das Urteil zu meinen Gunsten fällt, so kann ich dies nicht durch meine Geschwindigkeit und auch nicht mit Gewalt von ihm erzwingen, sondern ich muss es mit bitten erreichen. Denn wenn wir in Not stecken, so ist es bei uns ebenso wie bei denen, die mit ihrer Obrigkeit einen Rechtsstreit haben, und dennoch gerecht vielmehr mit Bitten, als mit einem ordentlichen Prozess erlangen.

16. Wenn ich ihn schon anrufe, und er mich hörte, so glaube ich doch nicht, dass er meine Stimme höre.

Doch nicht: Weil er nicht dergleichen tut, als ob er mich erhören würde. Denn er mag mir nicht zu viel Liebe erweisen, dass er es sich merken ließe, dass er mich erhört hätte und mir helfen wollte. Und dies ist für einen frommen Menschen ein besonders schweres Kreuz, wenn er sich einbildet, als ob sein Gebet bei Gott nichts ausgerichtet hätte. Aber es ist nicht vergebens gewesen, und es wird sich die Zeit finden, dass es erhört wird.

17. Denn er fährt über mich mit Ungestüm und macht mir der Wunden viel ohne Ursache.

Ungestüm: Er überfällt mich mit Unglück wie mit einem plötzlichen Unwetter oder Sturm.

Ohne Ursache: Er macht die Schmerzen des Leibes, und die Angst des Herzens immer größer, und dies alles ohne mein Verschulden, sodass ich mich nicht mit seinem gnädigen Willen mir gegenüber trösten kann. Denn es erscheint uns oft, nachdem wir eifrig und inbrünstig gebetet haben, dass das Unglück nicht nachlässt, sondern vielmehr größer wird.

18. Er lässt meinen Geist sich nicht erquicken, sondern macht mich voll Betrübnis.

Betrübnis: Er schickt mir Elend und, über den Hals und ich sehe dennoch nicht, wie ich seinen Zorn und der Trübsal entgehen, oder mich davor schützen kann.

19. Will man Macht; so ist er zu mächtig; will man Recht, wer will mein Zeuge sein?

Zeuge sein: Der Sinn ist folgender: Wenn ich mich ihm mit Gewalt widersetzen wollte, so bin ich viel zu schwach. Sollte ich aber mein Recht von ihm fordern, so würde gegen einen solch mächtigen Gegenspieler niemand auf meiner Seite bei mir stehen und gegen ihn zeugen wollen.

20. Sage ich, dass ich gerecht bin; so verdammte er mich doch; bin ich fromm, so macht er mich doch zu Unrecht.

Mich doch: Denn das göttliche Gericht ist so streng, dass es ständig etwas am Menschen findet, was zu verdammen ist, wenn Gott genau auf unser Tun, Reden und unsere Gedanken achten würde.

Fromm: Ohne Falsch und Heuchelei.

21. Bin ich denn fromm, so darf sich‘s meine Seele nicht annehmen. Ich begehre keines Lebens mehr.

Annehmen: Ich darf es nicht sagen, dass ich völlig ohne Sünde und unschuldig bin, obwohl ich solch schwere Strafe nicht verdient habe. Denn er würde mich mit so großem Schrecken im Gewissen überfallen und mich so ängstigen, dass ich auch nicht daran denken könnte, was ich für meine gerechte Sache vorbringen könnte. So wie es in weltlichen Sachen zugeht, wenn der Handel eines Menschen Leben, Ehre oder Gut betrifft, dass der Beklagte vor großer Angst oft so bestürzt ist, dass ihm nicht einfallen will, was ihm am allermeisten zum Vorteil gereichen könnte. Obwohl nun Hiob hier etwas übertreibt, dass er Gott beinahe einen Tyrannen nennt, so ist doch der Grundgedanke seiner Rede richtig, weil er beweisen will, dass Gott auch die Frommen mit dem Kreuz beschwert, aber seine Wortwahl ist unpassend. Denn heilige Menschen handeln oft von einer guten Sache aus einem zu hitzigen Antrieb des Gemütes heraus nicht gut.

Lebens mehr: Ich wollte, dass ich tot wäre, denn ich kann solche schweren Strafen Gottes nicht länger ertragen, und keine weitere Geduld haben.

22. Das ist das Eine, das ich gesagt habe: Er bringt um beide den Frommen und Gottlosen.

Und Gottlosen: Wenn Gott eine Plage unter die Menschen schickt, so achtet er nicht auf die Frömmigkeit des einzelnen, sondern behandelt einen wie den anderen. Dies ist zwar wahr, wenn man vom zeitlichen Unglück redet, denn es kann geschehen dass die Frommen im Unglück stecken, die Gottlosen aber Glück haben {Jer 12}. Daher kann man auch von der Frömmigkeit oder Bosheit eines Menschen nicht danach beurteilen, wie es ihm hier auf Erden geht. Aber nach diesem Leben wird ein großer Unterschied zwischen den Frommen und Gottlosen gespürt werden. Denn die Frommen werden leuchten wie die Sonne im Reich ihres Vaters, die Gottlosen aber werden in die ewige Finsternis und Qual verstoßen werden.

23. Wenn er anhebt zu geißeln, so dringt er fort bald zum Tode und spottet der Anfechtung der Unschuldigen.

Zum Tod: Er macht schnell ein Ende mit einem, und es ist leicht um den Menschen geschehen.

Spottet: Denn wenn Gott straft, so erscheint es uns, er würde er kein Maß halten und wir meinen, er hätte Lust am Unglück der Menschen, ja er würde den elenden Menschen verspotten.

24. Das Land aber wird gegeben unter die Hand des Gottlosen, dass er ihre Richter unterdrücke. Ist‘s nicht also? Wie sollte es anders sein?

Gottlosen: Das bedeutet: Gott handhabt die Gerechtigkeit auf Erden nicht, sondern er lässt viele fromme Menschen in die Gewalt der Gottlosen geraten.

Richter: Die frommen und gerechten Obrigkeiten setzt er ab, und lässt sie mit Schmach und Traurigkeit überfallen werden. Dies bezieht aber Hiob auf sich, denn er war eine Obrigkeit gewesen. Ebenso ging David, als er ins Elend vertrieben worden war, traurig einher, und musste von Simei viele Schmach und Lästerworte hören.

Anders sein: Möge mir einer das Gegenteil sagen, wenn er kann. Denn obwohl ich das Amt der Obrigkeit verwaltet und eine Zeit lang ein großes Ansehen gehabt habe, so stecke ich doch jetzt in großer Schmach und äußerster Verachtung.

25. Meine Tage sind schneller gewesen denn ein Läufer; sie sind geflohen und haben nichts Gutes erlebt.

Tage: Nämlich die früheren Tage, als es noch gut um mich stand.

Schneller: Diese Zeit ist schnell vorübergegangen, und mein Glück hat bald ein Ende gehabt.

Erlebt: Denn was mir früher für Glück begegnet, ist mir schnell wieder genommen worden, bevor ich es recht empfunden habe.

26. Sie sind vergangen wie die starken Schiffe, wie ein Adler fliegt zur Speise.

Vergangen: Die guten Tage sind in Windeseile dahin geflogen. Denn das ist unsere verdorbene Natur, wenn wir auch die göttlichen Wohltaten lange genießen, und sie uns danach wiederum entzogen werden, dass wir Gott gegenüber murren, als wenn er uns kaum einen Augenblick etwas Gutes erwiesen hätte, ja wenn uns Gott auf den Händen bis nach Rom trägt und uns nur etwas unsanft niedersetzt, so ist jede vorangegangene Wohltat vergessen. Diese Undankbarkeit soll man erkennen, und sie soll einem leidtun.

27. Wenn ich gedenke, ich will meiner Klage vergessen und meine Gebärde lassen fahren und mich erquicken,

Vergessen: Ich wollte mir solch traurige Gedanken aus dem Sinn schlagen, und nicht mehr so ungeduldig sein.

Fahren: Ich wollte Mut fassen und mich fröhlich stellen, aber ich kann es nicht.

28. so fürchte ich alle meine Schmerzen, weil ich weiß, dass du mich nicht unschuldig sein lässt.

Schmerzen: Die ich bereits erlitten habe und die immer wieder kamen und ich sorgte mich, dass zum vorangegangenen Unglück nicht noch ein anderes und größeres dazukommen würde. Denn ein gebranntes Kind fürchtet das Feuer.

Sein lässt: Ich weiß, dass ich vor dir Unrecht haben muss.

29. Bin ich denn gottlos, warum leide ich denn solche vergebliche Plage?

Plage: Warum habe ich mich umsonst solange mit Frömmigkeit und Gottseligkeit gequält, wenn du mich nun zu den ersten unter den Gottlosen rechnen willst? Ist dies die Belohnung meiner Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit? Eine ähnliche Klage findet man im Psalm 73. Denn wir meinen, dass Gott uns unter dem schweren Kreuz vergessen hat, und er würde sich unserer Frömmigkeit und unseres unsträflichen Wandels, entgegen seiner Verheißung, nicht annehmen.

30. Wenn ich mich gleich mit Schneewasser waschen würde und reinigte meine Hände mit dem Brunnen,

Waschen würde: Wenn ich also vollkommen rein und sauber wäre, sodass in meinem Tun nichts Unrechtes gefunden werden könnte.

31. so wirst du mich doch in den Kot legen, und werden mir meine Kleider scheußlich anstehen.

Kleider: Nach Luther: Das ist: Meine Tugend.

Anstehen: Du wirst also eher so, als ob ich mit vielen Sünden besudelt wäre, auch wenn ich ein ehrbares Leben geführt habe, und wirst mich von jedermann zum Scheusal machen, dass man glauben wird, ich werde nicht umsonst so geklagt, wenn ich es nicht mit meinen Sünden übertrieben hätte. Zusammengefasst will Hiob sagen, Gott sieht mein vorher unsträflich geführtes Leben nicht an, und will mich unter die Unschuldigen und Heiligen nicht zählen, sondern unter die Lasterhaften, jedoch tut er mir großes Unrecht. Solch ungeduldige Reden stößt unser Fleisch aus, wenn wir hart mit dem Kreuz gedrückt werden.

32. Denn er ist nicht meinesgleichen, dem ich antworten möchte, dass wir vor Gericht miteinander kämen.

Gleiche: Er ist viel zu weise und mächtig dazu, als dass ich meine gerechte Sache vor ihm vertreten könnte, oder ihn zum Recht fordern und vor Gericht anzuklagen, zu hören, ob ich ein solch großes Unglück verdient habe, oder ob er mich ohne Grund gegen alles Recht so plagt?

33. Es ist unter uns kein Schiedsmann, noch der seine Hand zwischen uns beide lege.

Lege: Der mich oder ihn zur Strafe fordern könnte, nachdem er den einen oder anderen verurteilte eine Ungerechtigkeit anzuzeigen.

34. Er nehme von mir seine Rute und lasse sein Schrecken von mir,

Ruten: Seine Züchtigung und Strafe, womit er mich angegriffen hat.

35. dass ich möge reden und mich nicht vor ihm fürchten dürfe; sonst kann ich nichts tun, das für mich sei.

Reden: So will ich meine Gerechtigkeit gehandhabt haben. Weil aber Gott den Hiob wegen dieser ungeduldigen Klagen, die nicht ohne Lästerung sind, nicht verstoßen hat, so sollen diejenigen hier einen Trost fassen, deren Fleisch in Trübsal sehr unwillig ist und die aus Ungeduld gegen Gott murren. Denn Gott will solch hitzige Bewegungen des Gemüts den Frommen nicht zurechnen, wenn sie nur wieder umkehren und um Verzeihung bitten.


Das 10. Kapitel


1. Hiob hadert mit Gott, dass er so hart bestraft wird, wo er doch nicht gottlos ist.

2. Und er wünscht, dass er in Mutterleib bereits gestorben wäre.

1. Meine Seele verdrießt mein Leben; ich will meine Klage bei mir gehen lassen und reden von Betrübnis meiner Seele

Verdrießt: Wollte Gott, dass ich nur das Glück hätte sterben zu können.

Gehen lassen: Ich will frei heraus sagen, was ich auf dem Herzen habe.

Betrübnis: Ich will mit bekümmertem und traurigem Herzen vorbringen, was mich so sehr verängstigt.

2. und zu Gott sagen: Verdamme mich nicht; lass mich wissen, warum du mit mir haderst!

Verdamme: Verurteile mich nicht als einen Gottlosen, denn ich bin nicht zu den Gottlosen zu rechnen.

Haderst: Was habe ich denn getan, dass du mich als einen Angeklagten mit deinem strengen Urteil so hart bedrängst und mich so schwer strafst? Wie kann es aber zu einer so großen Veränderung bei einem Menschen kommen? Denn Hiob, der früher der glücklichste unter alle den Bewohnern des Morgenlandes gewesen war, wünscht sich jetzt selbst den Tod und sucht seinem Trost nur darin, dass er seine Klagen ständig wiederholt. Deswegen sollen wir nicht in Überheblichkeit verfallen, wenn es gut geht und in Widerwärtigkeiten das Herz nicht sinken lassen.

3. Gefällt dir es, dass du Gewalt tust und mich verwirfst, den deine Hände gemacht haben, und machst der Gottlosen Vornehmen zu Ehren?

Gemacht: Zumal du mich dem Mutterleib geformt hast. Sollte es dir wohl anstehen, dass du gegen den mit Gewalt vorgehst und ihm das Recht versagst, auch ohne Ursache quälst, den du gemacht hast?

Zu Ehren: Denn indem du die Unschuldigen strafst und die Gottlosen frei ausgehen und Glück haben lässt, nimmt es das Ansehen, als ob du ihr Tun und Wesen dir gefallen lassen würdest.

4. Hast du denn auch fleischliche Augen, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?

Mensch sieht: Bist du wie ein Mensch geworden, dass du nicht mehr sehen kannst, wer gottlos oder fromm ist, und achtest nur auf den äußeren Wandel des Menschen, aber die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit des Gemüts siehst du nicht? Oder siehst du bei den Gaunereien der Bösen durch die Finger und achtest auf die geringen Fehler der Frommen so genau?

5. Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit, oder deine Jahre wie eines Mannes Jahre,

6. dass du nach meiner Missetat fragst und suchst meine Sünde?

Fragst: Warum suchst du so emsig nach meinen Sünden wie es die zu tun pflegen, die sich mit allem Nachdruck darum bemühen, die Mängel anderer Menschen zu finden und bereits wegen eines kleinen Fehlers störrisch und unversöhnlich sind. Du aber bist Gott, der ewig lebt, darum gebührt es dir, dass du geduldig bist und dich nicht darauf verlegst, wie du der Fehler der Menschen auf das Genaueste hervorsuchst. Jedoch, wenn du all mein Tun und Lassen auch noch so fleißig betrachtest, so wirst du keine Bosheit an mir finden. Das weißt du selber wohl, dennoch hast du mich mit so vielen Unglücksfällen überschüttet und gleichsam eingemauert, dass ich nirgends einen Ausgang finden kann, um diesem Übel zu entgehen. Gerade so, als ob ich deiner Hand entkommen könnte, auch wenn ich tausendmal den Tod verdient hätte, oder jemand gegen deinen Willen mich aus deinen Händen erretten, und deinem Gericht entziehen könnte.

7. So du doch weißt, wie ich nicht gottlos sei; so doch niemand ist, der aus deiner Hand erretten möge.

8. Deine Hände haben mich gearbeitet und gemacht alles, was ich um und um bin; und versenkst mich sogar!

Um bin: Es wird an dieser Stelle nicht von der Sünde, sondern vom Wesen Gottes geredet. Denn Gott hat die Sünde nicht erschaffen. So ist auch die Sünde nicht das Wesen des Menschen, sonst wäre Gott, der hier der Schöpfer des Menschen genannt wird, was er auch ist, ein Grund und Schöpfer der Sünde.

Nach Luther: Nichts ist an mir, was du nicht gemacht hast oder was nicht Dein ist. Dennoch verwirfst du mich, als hätte mich ein anderer geschaffen, der dein Feind wäre, denn du nimmst dich deines Eigentums nicht an.

So gar: Dass du mich, dein edles Geschöpf so sehr verwirfst und zunichtemachst und mich kein bisschen schonst.

9. Gedenke doch, dass du mich aus Erde gemacht hast, und wirst mich wieder zu Erde machen.

Erde machen: Warum wartest du die Zeit nicht ab, bis ich selbst, wenn meine Kräfte im Alter abgenommen haben, sterbe und zur Erde werde? Aber du verdirbst dein Werk vor der Zeit. Wir sollen uns auf unsere geringe Herkunft besinnen, dass wir aus Lehm gemacht sind, und wieder zu Erde werden müssen, damit wir vor Gott und den Menschen unseren Hochmut sinken lassen.

10. Hast du mich nicht wie Milch gemolken und wie Käse lassen gerinnen?

Hast du: Es folgt jetzt eine ausführliche und bildliche Beschreibung, wie der Menschen im Mutterleib geformt wird.

Gemolken: Als der Samen meines Vaters in den Leib meiner Mutter geschüttet wurde.

Gerinnen: Dass du mich im Mutterleib zu einem Klumpen geformt hast.

11. Du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusammen gefügt.

Gefügt: Du hast meine Glieder aneinandergesetzt.

12. Leben und Wohltat hast du an mir getan, und dein Aufsehen bewahrte meinen Odem.

Wohltat: Als wollte er sagen: Du hast mir das Leben gegeben, als ich Mutterleib geformt wurde, und darüber hinaus hast du mich auch mit unzähligen Guttaten bei meiner Erziehung beschenkt, dass ich in der Kindheit nicht umgekommen bin.

Odem: Du hast fleißig und väterlich über mich gewacht, um mein Leben zu erhalten. Denn wenn die Kinder nicht unter dem Schirm Gottes behalten würden, so würde keines von ihnen das siebte, geschweige denn das siebzigste Jahr erreichen.

13. Und obwohl du solches in deinem Herzen verbirgst, so weiß ich doch, dass du des gedenkst.

Gedenkst: Obwohl du dich hier mir gegenüber fremd stellst, als ob du nichts an mir erschaffen hättest, noch jemals etwas mit mir zu tun gehabt hättest, so weiß ich doch aus Glauben, dass du dennoch heimlich daran denkst, dass ich dein Geschöpf bin, die du angefangen hast zu lieben, zu versorgen und zu erhalten. Darum glaube ich, dass du ein väterliches Herz gegen mich noch nicht ganz hast fahren lassen. So schaut manchmal der Glaube mitten in den Anfechtungen hervor wie die Sonne aus den Wolken. Denn obwohl der Glaube wegen der schweren Versuchungen oft ganz und gar verloren zu sein scheint, so wird er doch durch den Geist Gottes wunderbar erhalten, wie ein Funken in einer Asche. Denn Christus will den glimmenden Docht nicht auslöschen {Jes 42}.

14. Wenn ich sündige, so merkst du es bald und lässest meine Missetat nicht ungestraft.

Ungestraft: Du achtest allzu genau auf meine Sünden und motzt sie danach noch auf, nimmst auch keine Entschuldigung an und verzeihst sie mir nicht, sondern strafst sie viel zu ernst. Denn wir meinen in Trübsal, dass Gott zu sehr auf unsere Sünden sehen würde, und sich um die Übertretungen andere Menschen nicht kümmern würde.

15. Bin ich gottlos, so ist mir aber wehe; bin ich gerecht, so darf ich doch mein Haupt nicht aufheben, als der ich voll Schmach bin und sehe mein Elend.

Wehe: Weil ich keine Gnade von dir zu erwarten habe.

Nicht aufheben: Meine Gerechtigkeit wird mir dennoch vor deinem Gericht nichts helfen, weil du mir feindlich eingestellt bist und mich nicht aufkommen lässt, obwohl ich unschuldig bin. Denn die schwer versucht werden, die bilden sich Gott als ihren Feind ein, der mehr mit einer feindlichen Einstellung, als wie es sich gebühren würde, mit ihnen umgeht.

16. Und wie ein aufgeschreckter Löwe jagst du mich und handelst wiederum gräulich mit mir.

Jagst du: Dieser feindlichen Jagd kann ich nicht entkommen.

Mit mir: Du hast also deine Freude und Lust daran, dass du ständig neue und wunderbare Plagen gegen mich ausdenkst.

17. Du erneuerst deine Zeugen wider mich und machst deines Zorns viel auf mich; es zerplagt mich eins über das andere mit Haufen.

Erneuerst: Denn so wie man von einem ernsten und strengen Richter nicht freigesprochen werden kann, weil ständig neue Zeugen aufkommen, so sehe ich kein Mittel, womit ich deinem Gericht und deiner Strafe entgehen könnte.

Zorns viel: Sodass du, je länger umso schwerer gegen mich zürnst, wo doch ansonsten bei den Menschen mit der Zeit der Zorn vergeht, auch wenn sie noch so heftig über einen verbittert gewesen sind.

Mit Haufen: Du überfällst mich ständig mit neuen Plagen wie mit einem Meer, dass ich es nicht nur mit einem Unglück zu tun habe, sondern ständig eines auf das andere folgt, mit denen ich es zu tun bekomme.

18. Warum hast du mich aus Mutterleibe kommen lassen? Ach, dass ich wäre umgekommen, und mich nie kein Auge gesehen hätte!

Umgekommen: Wie viel besser wäre es gewesen, wenn ich zugleich mit der Mutter vor oder während der Geburt gestorben wäre, als dass ich zu einem solchem Unglück lebendig geboren worden bin. Es ist aber eine große Undankbarkeit, wenn man Gott für den Gebrauch dieses Lichts, was er uns in diesem Leben verliehen hat, nicht dankt. Und es ist eine heidnische Rede, wenn man sagt: Es wäre am besten nicht geboren worden oder doch bald nach der Geburt gestorben.

19. So wäre ich, als die nie gewesen sind, von Mutterleibe zum Grabe gebracht.

Nie gewesen: Was das zeitliche Leben betrifft.

20. Will denn nicht ein Ende haben mein kurzes Leben, und von mir lassen, dass ich ein wenig erquickt würde,

Ende haben: Weil ich nun einmal in diese Welt geboren bin, so gibt es nichts sicheres, als dass ich wieder sterben werde, und zwar schon bald. Und ich kann es kaum erwarten, bis es endlich soweit ist.

Erquickt: Wenn doch Gott nur eine kurze Zeit mit seinen Plagen bei mir aussetzen würde, damit ich mich wenigstens ein bisschen erholen könnte.

21. ehe denn ich hingehe und komme nicht wieder, nämlich ins Land der Finsternis und des Dunkeln,

Hingehe: In den Tod und ins Grab.

Nicht wieder: Vor dem Jüngsten Tag.

22. ins Land, da es stockduster finster ist, und da keine Ordnung ist, da es scheine wie das Dunkel?

Dunkel: Dies ist eine Beschreibung des Todes, wie er denen vorkommt, die entweder in Verzweiflung geraten, oder deren Glaube wegen der schweren Anfechtungen wie ein Funke in der Asche verborgen liegt. Denn diese sehen den Tod als eine schreckliche, tödliche und fürchterliche Finsternis an und erschrecken davor, meinen auch, sie gehen durch den Tod in die Finsternis an einen Ort, an dem alles in großer Unordnung durcheinandergeht, und man weder auf die frommen noch auf die bösen Menschen achtet, die der grausame Tod alle zusammen gefressen hat. Wenn wir aber Christus, das wahre Licht, mit dem Glauben mit in den Tod bringen, und dieser Glaube durch den Geist des Mundes Christi wieder aufgeblasen wird, dass er anfängt zu scheinen, wie dies schließlich bei den Frommen geschehen wird, so wird die schreckliche Finsternis des Todes vertrieben, dass der Mensch die Schrecken des Todes überwindet und mit ruhigem Herzen aus diesem Leben zur ewigen Seligkeit scheidet.


Das 11. Kapitel


1.Zophar, der dritte Freund Hiobs tadelt ihn wegen seiner großen Worte und sagt, er wäre noch nicht genug nach seinem Verdienst gestraft.

2. Danach zeigt er ihm einen Weg, wie er vom Unglück frei werden könnte, nämlich, wenn er sich zu Gott bekehre, die Schuld demütig abbitten und sein Leben bessern würde.

1. Da antwortete Zophar von Naema und sprach:

Da: Jetzt tut sich der dritte Freund des Hiobs auch hervor, der jedoch nur dem Namen nach sein Freund, tatsächlich aber sein Widersacher gewesen ist, und der nur seine Reden getadelt, und sein Elend vermehrt hat.

2. Wenn einer lange geredet, muss er nicht auch hören? Muss denn ein Wäscher immer recht haben?

Recht haben: Meinst du, dass du deine Sache damit durchsetzen könntest, weil du so viel schwätzen kannst, gerade so als ob deine gute Sache mit vielen Worten bewiesen werden könnte?

3. Müssen die Leute zu deinem großen Schwätzen schweigen, dass du spottest, und niemand dich beschäme?

Leute: Die viel weiser und verständiger sind als du.

Spottest: Dass du gegen unseren Herrn, Gott, viele Schmähungen und böse Worte ausstößt.

4. Du sprichst: Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen.

Rein: Es ist richtig und wahr, was ich bis hierhin gesagt habe, dass ich ohne eigenes Verschulden geplagt werde dies sind deine eigenen Worte, aber da irrst du dich weit.

5. Ach, dass Gott mit dir redete, und täte seine Lippen auf

6. und zeigte die heimliche Weisheit! Denn er hätte wohl noch mehr an dir zu tun, auf dass du wissest, dass er deiner Sünden nicht aller gedenkt.

Heimliche Weisheit: Dass er aus dem Schatz seiner vielfältigen, verborgenen Weisheit Beweise hervorbringen kann, womit er die Beteuerungen deiner Grundschuld widerlegt.

Wohl mehr: Denn Gott rechnet dir all deine Sünden nicht zu, sonst würde es dir noch viel schlechter gehen. Und man kann nicht leugnen, wenn Gott ohne jede Barmherzigkeit nach seinem strengen Gericht mit uns verfahren würde, so würden wir niemals genug wegen unserer vielen schweren Sünden bestraft werden. Aber an denen, die durch den Glauben mit ihm versöhnt sind, belässt es Gott bei einer geringen väterlichen Züchtigung. Daher wird nach der Lehre des menschlichen Geschlechts von den Frommen gesagt, dass sie unschuldig geplagt werden, weil ihre Sünden und mit dem Blut Christi durchgestrichen und getilgt worden sind.

7. Meinst du, dass du so viel wissest, als Gott weiß, und wolltest alles so vollkommen treffen als der Allmächtige?

Gott weiß: Dass du die unerforschliche Weisheit Gottes begreifen könntest, warum er diejenigen plagt, bei denen die Menschen keinen Grund sehen können, weswegen sie geplagt werden?

8. Er ist höher denn der Himmel; was willst du tun? Tiefer denn die Hölle; was kannst du wissen?

Kannst du wissen: Wie willst du sein Tun hinterfragen? Weil seine Weisheit kein Ende hat, so sollst du dich nicht als unschuldig bezeichnen, denn er weiß ausreichend Gründe, warum er dich plagt, auch wenn du sie nicht weißt oder merken kannst. Denn wer Gottes Geheimnis erkunden möchte, und versucht alle Ursachen seiner Urteile zu erforschen, der beginnt eine unmögliche Sache. Dies alles ist an sich selbst wahr, trifft aber auf Hiob nicht zu.

9. Länger denn die Erde und breiter denn das Meer.

10. So er sie umkehrte, oder verbürge oder in einen Haufen würfe, wer will‘s ihm wehren?

Verbürge: Dass sie von niemandem mehr gesehen werden.

Wehren: Denn er hat die Macht, mit seinen Geschöpfen umzugehen und zu handeln wie er will. Und könnte der Topf, der aus Leim oder Ton gemacht ist, mit dem Töpfer nicht darum streiten, wenn dieser ihn wiederum zerstößt und zum Erdklumpen macht, was er zuvor gewesen ist. So kannst du auch Gott keiner Ungerechtigkeit beschuldigen, wenn du auch darüber mit ihm streiten möchtest, ob er dir vielleicht Unrecht tut.

11. Denn er kennt die losen Leute, er sieht die Untugend, und sollte es nicht merken?

Nicht merken: Sollte er ihn nicht einen Schelm nennen, und ihn wegen seiner Bosheit strafen.

12. Ein unnützer Mann bläht sich; und ein geborener Mensch will sein wie ein junges Wild.

Bläht sich: Gegen seinen Schöpfer und rühmt seine Frömmigkeit.

Junges Wild: Ungezogen und grausam. Mit diesen Worten zielt Zophar auf den Hiob, als ob er sagen würde: Obwohl du deine Bosheit bisher den Menschen verbergen konntest, so hat sie doch Gott gesehen und straft sie. Aber du demütigst dich nicht, wie du es tun solltest, sondern benimmst dich in deiner wohl verschuldeten Strafe, wie ein unbändiger wilder Esel. Dies ist nicht der Weg, auf dem du aus deinem Unglück erlöst werden kannst.

13. Wenn du dein Herz hättest gerichtet und deine Hände zu ihm ausgebreitet;

Gerichtet: Dass du dich wahrhaftig zu Gott bekehrt hättest.

Ausgebreitet: Dass du deine Schuld vor Gott demütig eingestanden hättest mit aufgehobenen Händen, wie es die zu tun pflegen, die emsig beten.

14. wenn du die Untugend, die in deiner Hand ist, hättest ferne von dir getan, dass in deiner Hütte kein Unrecht bliebe,

Hand ist: In deinem Leben und Wandel.

Getan: Dass sie dir von Herzen leidgetan hätten, und du dich darum bemüht hättest, dich in Zukunft davor zu hüten.

Bliebe: Dass du darauf geachtet hättest, dass sowohl in deinem, als auch in den Wandel deiner Angehörigen keine Ungerechtigkeit gefunden werden kann.

15. so möchtest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten.

Ohne Tadel: Dass du aus den Strafen der Sünden, wie aus einem tiefen Dreckloch wieder herauskommen würdest.

Fest sein: Und von keinem Unglück bewegt werden.

Nicht fürchten: Dass du nicht noch mit einem größeren Unglück überfallen wirst.

16. Dann würdest du der Mühe vergessen und so wenig gedenken als des Wassers, das vorübergeht.

Vergessen: Dass du an den erlittenen Unglück nicht mehr mit Herzeleid denken würdest. Denn an überstandenen Unglücksfälle denkt man ansonsten mit Lust.

17. Und die Zeit deines Lebens würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstere würde ein lichter Morgen werden.

Aufgehen: Das Glück würde dir hell vor Augen scheinen, wie der Glanz der Sonne, wenn sie aufgeht, und du würdest eine neue, goldene Zeit erleben.

18. Und dürftest dich des trösten, dass Hoffnung da sei; du würdest mit Ruhe ins Grab kommen.

Da sei: Auch wenn dir etwas Widerwärtiges zustoßen sollte, so würdest du doch aus Glauben diese Anfechtung leicht überwinden und fest hoffen, dass Gott alles Übel abwenden wird. Denn es ist ein großer Trost unter dem Kreuz, wenn man weiß, dass man einen gnädigen Gott hat.

19. Und würdest dich legen, und niemand würde dich aufschrecken; und viele würden um Gunst von dir bitten.

Aufschrecken: Du würdest in deiner Regierung Friede und Ruhe haben und könntest in der Nacht sicher schlafen. Diese göttliche Guttat, die denen, die das Gesetz halten, in 3. Mose 26 und 5. Mose versprochen ist, wird von dem kleineren Teil nur mit dankbaren Herzen erkannt.

Bitten: Würdest ein großes Ansehen haben und von jedermann im Ehren gehalten werden. Dies alles (will Zophar sagen) würde dir geschehen, wenn du deine vorangegangenen Sünden erkennst und ernstlich Buße tun würdest.

20. Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und werden nicht entrinnen mögen; denn ihre Hoffnung wird ihrer Seele fehlen.

Gottlosen: Wie du jetzt einer bist.

Verschmachten: Die Gottlosen werden vor Unmut und Herzeleid umkommen, bevor sie Hilfe haben können. Deshalb, oh Hiob, wenn du in deiner Bosheit verharren willst, so wirst du in großem Elend sterben. Obwohl nun allgemein dies von den Gottlosen richtig ist, so war es erneut nicht zu Recht auf die Person Hiobs bezogen. Sondern Zophar hätte ihn vielmehr trösten sollen. Mein lieber Bruder, Gott schickt auch seinen liebsten und frommen Kindern Unglück und Trübsal zu, damit er ihren Glauben, ihre Hoffnungen und ihre Geduld übt. Der plagt sie aber nicht in dem Sinn, dass er sie verderben möchte, sondern damit er sie danach umso herrlicher erlöst, und er versucht sie nicht über ihre Möglichkeiten. Deswegen harre stark im Glauben der göttlichen Liebe dir gegenüber aus, und auch in der Hoffnung der künftigen Erlösung, sowie in der Geduld, so wirst du erfahren, dass seine Angelegenheiten einen glücklichen Ausgang nehmen werden, und du wirst einmal Gott dem Herrn danken für dieses Unglück, dass du im Augenblick erleidest. Denn es sollen diejenigen und insbesondere die Kirchendiener, die die Bekümmerten trösten, möchten sehr genau auf die Beschaffenheit der Personen achten, damit sie ihre Rede danach ausrichten und mäßigen können. Denn es trägt sich oft zu, dass es Menschen gibt, die wegen ihrer Bosheit mehr getadelt als getröstet werden sollen. Danach sind etliche Fromme bereits ausreichend gedemütigt, die man dann mit Milde und Sanftmut trösten muss. Aber jedermann die Art der himmlischen Arznei, ohne Unterschied einzugeben, ist ein Unverstand und nutzt nichts.


Das 12. Kapitel


1. Hiob beklagt sich über den Stolz seiner Freunde, die ihn in seinem Elend verspotten. Und er droht ihnen mit den göttlichen Strafen.

2. Danach beweist er aus den Schöpfungen und Werken Gottes, dass Gott der Weiseste und Mächtigste ist, dessen Beschlüssen niemand widerstehen kann, der auch die Weisen in ihrer Weisheit verwirrt.

1. Da antwortete Hiob und sprach:

2. Ja, ihr seid die Leute; mit euch wird die Weisheit sterben!

Sterben: Ihr redet euch selbst ein, dass niemand klüger ist als ihr, und ihr glaubt, die Weisheit wird gemeinsam mit euch zugrunde gehen. Denn manchmal verlacht der Heilige Geist durch fromme Menschen, der Gottlosen nichtigen Übermut und Frevel.

3. Ich habe so wohl ein Herz als ihr und bin nicht geringer denn ihr; und wer ist, der solches nicht wisse?

Als ihr: Ich weiß, dass ich ebenso beherzt und mutig bin, auch so verständig und weise mehr als ihr. Denn ich habe eine rechtschaffene Erkenntnis Gottes, darum bemüht ihr euch umsonst, von diesen Dingen zu viel zu schwätzen, worüber kein Streit besteht, dass nämlich Gott gerecht, Weise ist und den Frommen Gutes tut, die Bösen aber straft.

Nicht wisse: Was ihr aus Gottes Wort vorbringt, tut hier nichts zur Sache und es versteht jeder, der nur einen Anfang in der Heiligen Schrift gemacht hat. Dieser Ruhm des frommen Hiob ist aus dem Heiligen Geist gekommen. Und es ist ein gottseliger Ruhm und nicht strafwürdig, wie auch beim Paulus war, nicht strafwürdig.

4. Wer von seinem Nächsten verlacht wird, der wird Gott anrufen, der wird ihn erhören. Der Gerechte und Fromme muss verlacht sein

Erhören: Und das Unrecht rächen, das er von einem anderen erleiden muss. Darum wird euch eure Bosheit und euer unnützes Geschwätz nicht ungestraft bleiben. Denn obwohl die Frommen nach dem Befehl und dem Beispiel Christi für ihre Verfolger bitten sollen, und Gott in dieser Weise einen angenehmen Gehorsam leisten, so entstehen doch in den Herzen der Gottseligen viele Seufzer des Heiligen Geistes, die sich über die Bosheit der Menschen gegenüber Gott beklagen. Dieses Seufzen erhört Gott und straft die Bösen. Und Hiob bezeichnet dies an dieser Stelle als ein Gebet zu Gott.

5. und ist ein verachtet Lichtlein vor den Gedanken der Stolzen, steht aber, dass sie sich dran ärgern.

Verachtet: Darum ist es nichts Neues, das ihr auch über mich spottet, aber Gott wird es rächen.

Stolzen: Die in großen Glück und ohne Sorge ruhig leben, die verachten die Frommen in ihrem Elend aus großem Übermut, als wären dieselben nur ein glimmender Docht.

Ärgern: Wenn die Gottlosen sehen, wie es den Frommen so schlecht geht, so stoßen sie sich daran und meinen, diese seien völlig von Gott verlassen, werden auch darüber in ihrem gottlosen Tun verhärtet, dass sie ohne Scheu darin fortfahren.

6. Der Verstörer Hütten haben die Fülle und toben wider Gott dürstiglich, wiewohl es ihnen Gott in ihre Hände gegeben hat.

Gegeben: Die Tyrannen und Ungerechten haben eine Zeit lang in dieser Welt ein glückliches Leben, es bleibt ihnen alles ohne Schaden. Aber sie danken Gott nicht dafür, sondern je Größe ihr Glück ist, je mehr sie Gott mit ihren Sünden und besonders mit der Unterdrückung der Frommen erzürnen, sich also auf diese Weise unterstehen, gegen Gott selbst zu streiten, und sie bedenken nicht, dass all ihr Glück und ihre Macht, die sie haben, von Gott ist, dem sie dafür danken sollten und sich daran erinnern, dass er dies alles wiederum wegnehmen könnte. Diese Lehre von der zeitlichen Wohlfahrt der Gottlosen sollen wir dem allgemeinen Ärgernis entgegensetzen, wenn wir sehen, dass die Gottlosen oben schweben, die Frommen aber unterdrückt werden.

7. Frage doch das Vieh, das wird dich‘s lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die werden dir‘s sagen.

Frage: Nachdem Hiob bisher vom Unglück der Frommen und vom stolzen Übermut seiner gottlosen Freunde, den sie aus ihrem gegenwärtigen Glück geschöpft haben, nichts Falsches vorgebracht hat, fährt er jetzt weiter fort, zu beweisen, wie töricht seine Freunde in der gegenwärtigen Sache von der Gerechtigkeit, Weisheit und Gewalt Gottes reden, welche doch niemand leugnet, dass diese Tugenden in Gott sind, weil sie auch allen Geschöpfen eingepflanzt sind.

8. Oder rede mit der Erde, die wird dich‘s lehren, und die Fische im Meer werden dir‘s erzählen.

Erzählen: Nämlich die wunderbare Majestät und Güte Gottes. Denn davon sprechen die Geschöpfe und preisen die Weisheit, Güte und Allmacht Gottes {Röm 1}. So lobt das Werk den Meister und wer die Geschöpfe anschaut und sich darüber nicht verwundert und den Schöpfer rühmt, der hat weniger Verstand als ein Tier.

9. Wer weiß solches alles nicht, dass des Herrn Hand das gemacht hat,

Hand: Seine unendliche Gewalt.

10. dass in seiner Hand ist die Seele alles des, das da lebt, und der Geist alles Fleisches eines jeglichen?

Jeglichen: Das Leben aller Menschen ist in Gottes Gewalt. Darum ist es seine Entscheidung, ob die Geschöpfe sterben oder leben, denn er erhält sie, solange es ihm gefällt.

11. Prüft nicht das Ohr die Rede; und der Mund schmeckt die Speise?

Speise: Ihr bringt viele Dinge ohne Verstand vor und beachtet nicht, wie dies zu eurem Vorhaben passt. Ich aber sage, dass man die Reden unterscheiden und betrachten soll, ob sie sich auf die gegenwärtige Sache beziehen oder nicht, so wie der Mund des Menschen die Speise unterscheidet, ob sie schmeckt oder nicht. Und die Schrift nutzt solche Gleichnisse sehr häufig. So wie wir die Speise zuvor kosten und danach essen sollen, so sollen wir die Lehre zunächst beurteilen, ob sie richtig ist, ehe wir sie annehmen und ins Herz fassen, damit wir nicht für die Speise der Seele ein tödliches Gift einnehmen.

12. Ja, bei den Großvätern ist die Weisheit, und der Verstand bei den Alten.

Weisheit: Ihr haltet mir die Weisheit der alten, gelehrten Leute vor (wie oben im Kapitel 8 zu sehen ist), die vor unserer Zeit gelebt haben und sagt: Sie seien sehr weise gewesen, darum darf man ihren Reden nicht anders ansehen, als das Wort Gottes, und wie ihr sagt, ausgegeben, dass niemals ein Gerechter von Gott mit einer schweren Plage angegriffen worden sei. (Nach Luther) Ihr sagt, Weisheit sei bei den Großeltern. Ich aber sage, sie ist bei Gott, der allein die Gewalt, die Kunst und die Heiligkeit aller Könige, Priester und Richter zunichtemacht.

13. Bei ihm ist Weisheit und Gewalt, Rat und Verstand.

Bei ihm: Nämlich, bei Gott, dem Herrn (sage ich), findet man alles im Übermaß, dass er alle Dinge Weise anordnet und gewaltig ausführt, die jede menschliche Lehre weit übertreffen. Darum, obwohl ich die Alten gebührend in Ehren halte, so sage ich doch, dass man auf Gottes Wort viel mehr achten soll, und diesem glauben, als der menschlichen Lehre, auch wenn sie noch so alt ist, wenn sie mit dem Wort Gottes nicht übereinstimmt. So sollen wir zwar die Dekrete der Konzilien und Schriften der Väter in gebührender Ehre halten, aber doch so, dass man sie nicht dem Wort Gottes gleichsetzt, noch viel weniger sie dem Wort Gottes vorzieht, sondern wo sie entgegen lauten, soll man davor zurückweichen, und das Wort Gottes allein gelten lassen.

14. Siehe, wenn er zerbricht, so hilft kein bauen; wenn er jemand verschließt, kann niemand aufmachen.

Kein bauen: Wenn Gott ein Land oder ein Königreich ausrotten und vertilgen möchte, so ist niemand so klug, dass er dieses Unglück abwenden könnte, oder das, was zerstört worden ist, wieder aufrichten könnte, wenn auch alle Weisen in der ganzen Welt ihre Pläne zusammenbringen würden. Denn er hat eine unendliche Majestät, wie ihr doch selbst sagt, und dessen Pläne kann niemand verhindern. Aber das habt ihr bis hierhin noch außen vor gelassen, was doch nicht weniger verwunderlich ist, dass er eine Lust daran hat, diejenigen in ihrer Weisheit zu verwirren, die sich am klügsten halten, wie ihr und eure Vorfahren, von denen ihr viel Rühmens betreibt, euch etwas darauf etwas einbildet, und er lässt die in ihren Beschlüssen und in der Lehre irren, die glauben, es sei unmöglich, dass sie irren könnten.

Jemand verschließt: Dass er ihn mit einem Unglücksfall umschließt, wie mit einem Kerker.

Aufmachen: Daraus kann ihn niemand erretten, wenn er auch alle seine Klugheit auf einen Haufen zusammentragen würde.

15. Siehe, wenn er das Wasser verschließt, so wird es alles dürre; und wenn er es auslässt, so kehrt es das Land um.

Wasser verschließt: Dass es wegen der Sünden der Menschen nicht regnet.

Dürre: Er verdorrt und verdirbt alles, was auf Erden wächst und diesem Übel kann kein Mensch mit seiner Klugheit vorbeugen.

Auslässt: Nämlich das Wasser, dass es einem Damm durchbricht und das Land in der Umgebung überschwemmt.

Land um: Wie es oftmals bei Überschwemmungen geschehen ist, dass ein ganzes Land überflutet und verwüstet worden ist.

16. Er ist stark und führt es aus. Sein ist, der da irrt, und der da verführt.

Führt es aus: Sodass kein Mensch mit seiner Weisheit oder Gewalt dies verhindern kann, wenn er beschlossen hat, ein Unglück zu senden.

Verführt: Sie sind beide in seiner Gewalt und er könnte es verhindern, wenn er wollte. Aber er lässt sie irren und schließlich ihren Irrtum offenkundig werden, dass zu Recht ihm allein die Ehre bleibt, dass er der Weiseste ist, die Menschen aber, wenn sie sich selbst überlassen sind, sind in ihrem Übermut die größten Narren.

17. Er führt die Klugen wie einen Raub und macht die Richter toll.

Raub: Er triumphiert über die Herrscher, die sich für die Klügsten halten, indem sie närrische Beschlüsse fassen, worüber sie zu Spott und Schanden werden.

Toll: Indem er die Gabe seines Geistes aus ihrem Verstand nimmt, dass sie in ihren Beschlüssen, von denen sie schwärmen, betroffen werden. Es soll deswegen kein Mensch, auch wenn er noch so weise ist, mit seiner Weisheit prahlen, denn Gott kann ihn leicht zum Narren machen.

18. Er löst auf der Könige Zwang und gürtet mit einem Gürtel ihre Lenden.

Zwang: Ihre Tyrannei.

Gürtet: Er legt Ihnen einen Zaum an, dass sie nicht mehr nach ihrem Gefallen gegenüber andere wüten können. Deshalb sollen die Regenten in der Gottesfurcht wandeln.

19. Er führt die Priester wie einen Raub und lässt es fehlen den Festen.

Priester: Denn Gott geht nicht nur mit den vornehmen weltlichen Personen so um, wie berichtet wurde, sondern es kann auch dem Geistlichen dasselbe passieren, wenn sie wegen ihrer Gaben überheblich werden.

Festen: Das ist: Den vornehmsten Lehrern, die als Säulen der Kirchen angesehen werden und die rechte Religion besonders handhaben sollten, lässt er in den Glaubensartikeln hässlich auflaufen und irren, dass ihre Dummheit jedermann bekannt wird, wenn, Gott schlechte unansehnliche Menschen aufstellt, die die Wahrheit gegenüber solch staatlichen Personen handhaben und er lässt unterdessen die gelehrtesten Menschen auf eine verkehrte Meinung geraten.

20. Er wendet weg die Lippen der Wahrhaftigen und nimmt weg die Sitten der Alten.

Der Alten: Er lässt zu, dass diejenigen, bei denen früher die Wahrheit des göttlichen Wortes gefunden wurde, in grässlichen Irrtum fallen, und nimmt denen, die die Kirche regieren sollten (denn diese werden sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament mehrmals die Ältesten genannt) ihren scharfen Verstand, dass sie närrische, ungereimte und der Kirche schädliche Sachen vorbringen, und von der Lehre nicht mehr richtig urteilen können. Deswegen soll sich niemand auf das Ansehen eines Lehrers verlassen, sondern auf Gottes Wort achten. Und die Kirchendiener sollen fleißig beten, dass sie nicht selbst in einen Irrtum der Religion geraten, und andere mit sich verführen. Sie sollen aber auch Gott um die Regierung seines Heiligen Geistes bitten, dass sie andere mit der Lehre und guten Beispielen richtig vorstehen können. Dass aber Gott manchmal den Menschen Irrtümer zuschickt, geschieht deshalb, damit diejenigen gestraft werden, die keine Wahrheit zur Liebe haben {2Thes 2}, daneben erhält jedoch Gott seine Auserwählten, dass sie entweder in keinen Irrtum geraten, oder wenigstens nicht bis ans Ende ihres Lebens darin verharren.

21. Er schüttet Verachtung auf die Fürsten und macht den Bund der Gewaltigen los.

Er schüttet: Jetzt wendet sich Hiob wieder den weltlichen Personen zu und will sagen: Er bringt die, die im Stand der Obrigkeit sind in Verachtung, dass sowohl andere Herrscher keine Bedenken haben, einen Krieg mit ihnen zu beginnen, und dass sie auch ihre Untertanen nicht mehr in der Furcht und im Gehorsam halten können.

Los: Die Regenten also, die sowohl von ihrem eigenen, als auch von fremden Völkern hochgeachtet werden wollen, die sollen Gott fürchten, damit er ihnen ihr Ansehen erhält, und sie nach dem Bruch eines Bündnisses, das sie mit anderen geschlossen hatten, anderen nicht zum Raub dienen, und von den Untertanen verspottet werden, die sollen Gott fürchten, auf das er ihnen ihr Ansehen erhalte.

22. Er öffnet die finsteren Gründe und bringt heraus das Dunkel an das Licht.

Licht: Er macht zu gegebener Zeit auch die heiligsten Anschläge der großen Herren offenbar, die gemeint haben, dass diese verborgen bleiben werden, und niemals ans Licht kommen würden. Darum sollen sie gottselige und ehrliche Dinge beratschlagen, beschließen und in die Hand nehmen. Denn es gibt nichts, das so heimlich ist, dass es nicht offenkundig wird. Dies beweisen auch viele Geschichten in Chroniken und Geschichtsbüchern, in denen die Pläne und Handlungen der Könige auch dem einfachen Mann bekannt gemacht wurden, dazu noch oftmals zu ihrer Schande.

23. Er macht etliche zum großen Volk und bringt sie wieder um. Er breitet ein Volk aus und treibt es wieder weg.

Wieder weg: Er macht, dass ein Volk nach seinem Wunsch sich vermehrt und mächtig wird, und wenn es ihm gefällt, nimmt er diese Macht wieder von ihm weg, und er vertilgt es sogar von der Erde. Dies bezeugen die großen Veränderungen der Königreiche. Es soll sich deswegen kein Volk auf die Menge oder Gewalt oder das Ansehen seiner Herrschaft verlassen, es könnte von Gott gedemütigt oder vollständig vertilgt werden.

24. Er nimmt weg den Mut der Obersten des Volks im Lande und macht sie irre auf einem Umwege, da kein Weg ist,

Mut: Den Verstand und die Weisheit.

Umwege: Er lässt unsinnige Beschlüsse unter ihnen vorgehen, dass sie wie in einem unbekannten Land auf einem unbekannten Weg umher ziehen, und nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen.

25. dass sie in der Finsternis tappen ohne Licht; und macht sie irre wie die Betrunkenen.

Ohne Licht: Es wird Ihnen das Licht der heilsamen Ratschläge in dieser Dunkelheit der Sachen nicht scheinen oder leuchten.

Betrunkenen: So wie ein betrunkener Mensch nicht weiß, was er tun, reden oder wohin er gehen soll, so können solche Regenten weder sich selbst noch andere Menschen raten oder helfen. Hierbei sollten Könige und Regenten sich erinnern, dass sie Gott fleißig anrufen, besonders auf Reichstagen, damit Gott sie nicht in ihren Beschlüssen irren lässt, weil es ansonsten manchmal geschieht, dass sie sich und ihre Untertanen in großes Unglück stürzen.


Das 13. Kapitel


1. Hiob beweist seinen Freunden deren Unwissen und Dummheit in göttlichen Dingen.

2. Danach streitet in ihm das Fleisch und der Geist gegeneinander. Denn einmal hadert er mit Gott, dass er ihn als eine unschuldige und arme Kreatur so plagt, bald darauf demütig er sich wiederum vor Gott und erhofft Rettung, danach jedoch regiert wieder die Ungeduld in ihm.

1. Siehe, das hat alles mein Auge gesehen und mein Ohr gehört, und habe es verstanden.

Alles: Was hier am Anfang von der Weisheit, Gerechtigkeit und Allmacht Gottes vorgebracht habt, habe ich nun besser erklärt als ihr.

Verstanden: Dies habe ich teilweise aus eigenen Erfahrungen, zum Teil aus den Erzählungen anderer Menschen, und zum Teil auch aus dem Wort Gottes gelernt. Obwohl man nun lieber mäßig über sich selbst urteilen soll, hat dennoch ein gottseliger Ruhm seinen Platz, falls die Wahrheit in Gefahr kommt wegen der Verachtung der Person. Denn er sagt die Wahrheit gegenüber seinen Freunden.

2. Was ihr wisst, das weiß ich auch, und bin nicht geringer denn ihr.

3. Doch wollte ich gerne wider den Allmächtigen reden und wollte gerne mit Gott rechten.

Reden: Von meinem jetzigen Unglück.

Rechten: Ob es recht und billig ist, dass er mir in unverschuldeterweise ein solch großes Unglück schickt. Solche Gedanken fallen denen ein, die schwer versucht werden, dass sie meinen, wenn es zu einem Rechtsstreit kommen sollte, würden sie gegenüber unserem Herrn, Gott, Recht bekommen.

4. Denn ihr deutet es fälschlich und seid alle unnütze Ärzte.

Fälschlich: Ihr schließt aus den Worten, die ihr von der Gerechtigkeit und Allmacht Gottes richtig vorbringt, falsch und Unrecht, dass Gott jetzt meine Sünden strafen würde, und wo ihr eigentlich die Arznei des Trostes für mich verwenden solltet, so handelt ihr hier wie unerfahrene und ungeschickte Ärzte, die die Krankheit weder lindern noch heilen, sondern sie nur noch schlimmer machen. Es soll sich aber ein Kirchendiener hüten, dass er die Arznei des göttlichen Wortes nicht unrecht gebraucht. Denn die den Zorn Gottes empfinden und darüber erschrocken sind, denen muss man mit freundlichem Trost das Wort Gottes vorhalten. Den Selbstsicheren aber, die in öffentlichen Lastern leben, und sich dennoch vor Gott nicht demütigen wollen, muss man das Herz zerschlagen, und mit dem harten Hammer des Gesetzes erweichen.

5. Wollte Gott, ihr schwiegt; so würdet ihr weise.

Schwiegt: Denn weil die Worte ein Zeichen des Gemütes sind, so scheint die Dummheit gleich hervor, sobald ein Narr anfängt zu reden, der für klug gehalten worden wäre, wenn er geschwiegen hätte.

6. Hört doch meine Strafe und merkt auf die Sache, davon ich rede.

Strafe: Womit ich euch von eurer Dummheit überzeugen will.

7. Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und für ihn List brauchen?

Unrecht: Wollt ihr Gottes Gerechtigkeit so handhaben, indem ihr unrechte Sachen gegen mich vorbringt?

List brauchen: Dass ihr mit Falschheit und Betrug umgeht. Denn die handeln närrisch, die, um die Ehre Gottes auszubreiten und den Leuten einen Schrecken einzujagen, etwas ausdenken oder zusammen dichten, dass sie die Einfältigen furchtsam machen, so wie man dergleichen Dinge früher im Papsttum, besonders vom Fegefeuer und von den Erscheinungen der verstorbenen Seelen in Umlauf gebracht hat. Aber man soll sich nicht unterstehen, die Leute mit Lügen fromm zu machen.

8. Wollt ihr seine Person ansehen? Wollt ihr Gott vertreten?

Vertreten: Möchtet ihr Gottes Fürsprecher sein? Denn ihr handelt wie ein ungerechter Richter, der die Person ansieht und gegen einen Unschuldigen ein Urteil fällt, das für den von Nutzen ist, der mächtiger ist und ein größeres Ansehen hat. So verurteilt und verdammt ihr mich Unschuldigen auch, gerade so, als ob Gott euch als Richter oder Fürsprecher brauchen würde.

9. Wird es euch auch wohl gehen, wenn er euch richten wird? Meint ihr, dass ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?

Richten wird: Dass er eure Heuchelei an den Tag bringen und strafen wird.

Täuscht: Wollt ihr damit die Augen Gottes verkleben, wenn ihr von seiner Gerechtigkeit und Majestät so viele schöne Dinge von euch gebt? Aber Gott beachtet das Lob der Heuchler wenig {Ps 50}.

10. Er wird euch strafen, wo ihr heimlich die Person anseht.

Strafen: Gott wird eure Heuchelei ans Licht bringen und strafen, weil ihr mich, weil ich im Unglück stecke, eines gottlosen Lebens beschuldigen wollt, und dennoch nicht dafür angesehen werden möchtet, dass ihr ungerechte Richter seid. Aber ich bin mir vollkommen bewusst, wenn ich noch in meinem vorigen, glücklichen Zustand leben würde, würdet ihr mir nichts Böses vorwerfen.

11. Wird er euch nicht erschrecken, wenn er sich wird hervortun, und seine Furcht wird über euch fallen?

Hervortun: Wenn Gott aufwachen wird, und sich sehen lässt, der sich im Augenblick so stellt, als würde er schlafen, weil er mich in meinem Unglück stecken lässt, so wird er euch in eine große Angst kommen lassen, woraus ihr dann erkennen könnt, dass ihr deshalb gestraft werdet, weil ihr mich in meiner Trübsal noch mehr betrübt habt, so wie ihr jetzt in eurer großen Selbstsicherheit mich elenden Menschen verachtet und verlacht. Denn Gott kann auch über selbstsichere Menschen leicht ein großes Unglück ergehen lassen, und sie in ihrem Gewissen verzagt machen.

12. Euer Gedächtnis wird verglichen werden mit der Asche, und euer Rücken wird wie ein Lehmhaufen sein.

Lehmhaufen: Die Ehre eures Namens wird in die Asche fallen und zunichtewerden, und euer Stolz wird zerfließen wie ein Lehmhaufen auf der Straße.

13. Schweigt mir, dass ich rede; es soll mir nichts fehlen.

Nichts fehlen: Ihr werdet spüren und hören, dass in dieser Sache, wovon ich jetzt spreche, mir nicht unbewusst ist, was recht und wahrhaftig ist.

14. Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen beißen und meine Seele in meine Hände legen?

Beißen: Mit welchen Sünden habe ich es doch verschuldet, dass ich vor Angst verzehre, weil ich mich mit ständigen Sorgen und Kummer quälen muss.

Nach Luther: Was soll ich mich selbst viel kasteien und mir wehtun, wo ich doch sterben muss, und es hilft ja doch nicht. Also kann ich nur meine Seele in die Hände legen. Das ist: Viel wagen und in Gefahr begeben.

Legen: Warum stecke ich in einer solch großen Gefahr, dass ich mir unter diesen vielen Unglücksfällen nichts anderes mehr erwarten kann, als den Tod. Auch wenn ich mich davor fürchte, so wünsche ich ihn mir dennoch oft, wenn ich mein Elend betrachte, und dennoch wird meine Bitte nicht erhört.

15. Siehe, er wird mich doch erwürgen, und ich kann es nicht erwarten; doch will ich meine Wege vor ihm verantworten.

Erwarten: Ich weiß, dass mich Gott in diesem Unglück endlich aufreiben und umbringen wird, aber das Elend, dass mir auf dem Hals liegt, ist zu groß, dass ich es nicht erwarten kann, sondern mir wünsche, dass ich schon tot wäre, und vielleicht werde ich noch selbst Hand an mich legen müssen. In dieser Form rumort der alte Adam manchmal in den Auserwählten, wenn er durch schwere Anfechtungen unruhig gemacht wird, aber Gott rechnet den Gläubigen wegen Christus dies nicht zu, denn sie tun es nicht, sondern die Sünde, die in ihnen wohnt {Röm 7}.

Doch: Jetzt schaut im Gemüt des Hiob die Sonne aus der Finsternis der Anfechtungen hervor und es leuchtet ein Funken des Glaubens und der Gottseligkeit aus seinem Herzen, was zuvor mit der Asche der Ungeduld bedeckt gewesen ist.

16. Er wird ja mein Heil sein; denn es kommt kein Heuchler vor ihn.

Heil sein: Ich habe zwar gesagt und ich sage es auch immer noch, dass ich eine solch große Trübsal vor anderen Menschen nicht verdient habe, jedoch will ich nicht in Abrede stellen und gern vor Gott demütig bekennen, dass ich vor seinem Gericht ein armer Sünder bin. So weiß ich auch, dass er mich nicht verstoßen, sondern selig machen wird, obwohl er sich nach außen so zeigt, als ob er mir viel mehr feindlich als väterlich gesinnt wäre. So werden in den Anfechtungen etliche Veränderungen zu unterschiedlichen Zeiten gespürt, in denen Gott sich die Seinen wieder ein wenig erholen lässt. Da wird es dann offenbar, dass der Glaube in einen Christen noch nicht ganz erloschen ist. So wie ein Kranker, der in einer schweren Ohnmacht liegt, manchmal heftig einatmet, woraus zu ersehen ist, dass er noch nicht gestorben ist.

17. Hört meine Rede und meine Auslegung vor euren Ohren!

Hört: Ihr, meine Freunde, wie könnte ich euch auch anders nennen, achtet darauf, dass ich mich nicht zu Unrecht über mein großes Unglück beklage, wenn ich sage, dass ich ohne mein Verschulden geplagt werde.

18. Siehe, ich habe das Urteil schon gefällt; ich weiß, dass ich werde gerecht sein.

Gefällt: Nun regt sich wieder die Ungeduld im Hiob, als wollte er sagen: Ich habe in dieser Sache das endgültige Urteil, welches recht und wahr ist, bereits ausgesprochen.

Gerecht sein: Wenn mein voriges Leben erkundet wird.

19. Wer ist, der mit mir rechten will? Aber nun muss ich schweigen und verderben.

Verderben: Als wollte er sagen: Wenn ich meine Sache vor einen gerechten Richter austragen müsste, könnte keiner meiner Widersacher mir eine üble Tat nachweisen. Jetzt allerdings muss ich schweigen und darüber zugrunde gehen, es hilft mir in meiner Unschuld nichts. So streitet in den Anfechtungen, das Fleisch und der Geist gegeneinander, dass manchmal das eine, manchmal das andere die Oberhand hat.

20. Zweierlei tu mir nur nicht, so will ich mich vor dir nicht verbergen:

Zweierlei: Erneut erholt sich Hiob ein wenig und spricht aus Demut und Glauben gottselig mit Gott.

Verbergen: Ich scheue mich nicht vor dir, und will dich nicht für einen ungnädigen Richter ansehen, sondern dich als einen Vater ehren, wenn du mich in zwei Dingen schonen würdest.

21. Lass deine Hand ferne von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich nicht.

Mir sein: Nimm dieses äußere Unglück von mir weg, womit du mich bisher, wie mit einer Geißel, hart gezüchtigt hast.

Mich nicht: Mache mir keinen inneren Schrecken im Herzen, weil ich dich sonst für einen ernsten und zornigen Richter halten und ansehen muss.

22. Rufe mir, ich will dir antworten; oder ich will reden, antworte du mir.

Du mir: So wollen wir uns freundlich miteinander aussprechen, du wirst mir in deinem Wort lieblich und tröstend zusprechen, und ich kann dich mit meinem Gebet, und meinen Danksagungen wieder ansprechen. Denn wenn innere Schrecken das Herz eines Menschen umtreiben und unruhig machen, dann hilft es wenig, wenn es aus Gottes Wort getröstet wird, wiederum aber, wo die Schrecken ein wenig nachlassen, da empfindet der Mensch einen angenehmen Trost aus Gottes Wort. Und solche Anfechtungen haben ihre unterschiedlichen Zeiten, in denen sie sich mehr oder weniger zeigen, bis endlich die Anfechtungen vollkommen aufhören, und der Mensch in seinem Gewissen wiederum beständigen Trost empfindet, und auch alle Gnade von seinem himmlischen Vater erwartet.

23. Wie viel ist meiner Missetat und Sünden? Lass mich wissen meine Übertretung und Sünde!

Wie viel: Jetzt fängt die Ungeduld und Ängstlichkeit Hiobs wieder an.

Wissen: Sag mir doch einmal, was ich ausgefressen habe, was die großen Missetaten sind, womit ich diese schwere Strafe verdient habe?

24. Warum verbirgst du dein Antlitz und hältst mich für deinen Feind?

Verbirgst du: Was habe ich getan, dass du so gar kein Anzeichen deiner Gnade von dir gibst, sondern du behandelst mich wie deinen Feind, wo du dich doch wie ein Vater mir gegenüber erzeigen solltest?

25. Willst du wider ein fliegend Blatt so ernst sein und einen dürren Halm verfolgen?

Fliegendes Blatt: Das vom Wind hin und her getrieben wird. Sicherlich wirst du ein großes Lob und besonders großen Ruhm davontragen, wenn du einen so elenden und gebrechlichen Menschen zugrunde richtest. Sollte das deiner hohen und unendliche Majestät gut anstehen? Es ist doch eine ungleiche Sache, wie wenn ein Riese gegen einen Zwerg kämpfen würde.

26. Denn du schreibst mir an Betrübnis und willst mich umbringen um der Sünden willen meiner Jugend.

Schreibst: Du fällst ein ungnädiges und unbarmherziges Urteil gegen mich, das nichts als große Trübsal beinhaltet.

Jugend: Als wollte er sagen: Ich denke, du führst hier die Sünden wiederum zu Gemüte, die ich in meiner unverständlichen Jugend begangen habe, nur damit du einen Grund hast, mich zu verderben. Denn vor Gottes Gericht werden auch die Sünden der Jugend verurteilt. Darum sollen die jungen Burschen heilig und gottselig leben, damit sie nicht in ihrem hohen Alter eine Wunde im Gewissen empfinden.

27. Du hast meinen Fuß in den Stock gelegt und hast acht auf alle meine Pfade und siehst auf die Fußstapfen meiner Füße,

Gelegt: Du hältst mich gefangen, dass ich aus diesem großen Unglück nicht entkommen kann, so wie einer, der in Stock und Eisen liegt.

Fußstapfen: Dem Anschein nach lebe ich zwar auf freiem Fuß, jedoch, so wie die Jäger auf die Spur der Tiere achten, und diese mit Stricken Netzen und Hunden so umringen, dass sie nicht entkommen können, so hast du mich ebenfalls umgeben und umringt, dass ich keinen Ausgang sehe. Denn wegen der schweren Anfechtungen geschieht es, dass wir glauben, der Weg zur Seligkeit sei uns versperrt und verschlossen.

28. der ich doch wie ein faules Aas vergehe und wie ein Kleid, das die Motten fressen.

Fressen: Darum wäre es unnötig, dass du einen Menschen mit solchen Fesseln der Trübsal verstrickst, der ohnehin in die Strafe geraten würde. Denn ich kann dir ja nicht entlaufen, sondern nur endlich den Würmern zum Futter dienen. Dies sollten die stolzen und aufgeblasenen Menschen genau betrachten, und daran denken, wie sie in kurzer Zeit bereits als Futter für die Würmer dienen, darum sollen sie ihren Hochmut sinken lassen und die rechte, gottseligen Demut gegenüber Gott und den Nächsten lernen.


Das 14. Kapitel


1. Hiob beschreibt die Gebrechlichkeit und das Leben des menschlichen Lebens sehr eindrücklich und ist danach unwillig auf Gott, dass er einer solch arbeitswilligen Kreatur, nämlich einen Menschen, so vielem Jammer unterwirft.

2. Doch mengt er auch immer etwas von seinem Glauben an Gott und von der Hoffnung der Erlösung und Auferstehung mit unter.

1. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe,

Geboren: Der die Erbsünde durch seine Eltern mit auf diese Welt bringt, die durch die erste Frau, Eva, durch eine List des Teufels, dem menschlichen Geschlecht angehängt worden ist.

Kurze Zeit: Denn was sind siebzig oder achtzig Jahre im Vergleich zur Ewigkeit?

Unruhe: Weil er bald von dieser, bald von einer anderen Widerwärtigkeit geplagt wird. Warum streben denn so viele Menschen nach den Gütern dieser Welt, als ob sie ewig leben würden? Und warum lieben Sie dieses Leben, das doch so manchem Unheil unterworfen ist so sehr, dass sie wünschen, wenn es nach ihrem Willen ginge, würden sie bis zum Jüngsten Tag leben.

2. geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht {Ps 90v6 144v4 Hes 40v6 v7}.

Bleibt nicht: Auch wenn ein Mensch mit herrlichen Gaben geschmückt ist, so ist er wie eine Blume, die in kurzer Zeit ausgerissen oder abgeschnitten wird. Und auch wenn dies nicht geschieht, so verwelkt sie doch von selbst und fällt ab. Und der Mensch steht wie ein Schatten jede Stunde und jeden Augenblick dem Tod entgegen. Darum sollen wir mit unseren Gaben nicht übermütig werden, und uns zur rechten Zeit zum Tod rüsten.

3. Und du tust deine Augen über solchem auf, dass du mich vor dir in das Gericht ziehst.

Auf: Obwohl der Mensch eine solch gebrechliche Kreatur ist, die du schonen solltest.

Ziehst: Wo ich doch auch so bald sterben werde, stellst du mich dennoch als einen Übeltäter vor dein strenges Gericht und suchst Gründe an mir, dass du mich verderben und umbringen kannst.

4. Wer will einen Reinen finden bei denen, da keiner rein ist {Ps 51v7}?

Rein ist: Auch wenn du sagen wolltest, die Menschen sind mit Sünden befleckt, darum fordere ich Sie zu Recht vors Gericht, so müsstest du alle Menschen verurteilen und plagen, weil du keinen einzigen finden wirst, der völlig ohne Sünde ist. Mit diesen Worten entschuldigt Hiob die Menschen heimlich und beschuldigt Gott, dass er bei denen eine Reinheit sucht, die ohne ihre Schuld von unreinen Eltern geboren wurden. So rumort unser Fleisch manchmal, wenn es unserem Herrn, Gott, vorwirft, warum er die Sünder verdammt, wo sie doch wegen ihrer angeborenen, verdorbenen Natur aus eigenen Kräften nicht anders können, als zu sündigen. Aber man sollte solche Gedanken zurückhalten und daran denken, dass Gott so weise und gerecht ist, dass er weiß, was recht, gut und billig ist, auch wenn es uns anders erscheint. Denn unsere Vernunft ist in göttlichen Sachen blind.

5. Er hat seine bestimmte Zeit, die Zahl seiner Monden steht bei dir; du hast ein Ziel gesetzt, das wird er nicht übergehen.

Bestimmte Zeit: Wie lange er leben soll.

Bei dir: In deinem verborgenen Beschluss. Dies ist vom Heiligen Geist durch den Mund Hiobs darum geoffenbart worden, damit wir wissen, die Zeit unseres Lebens, die uns von Gott bestimmt ist, kann weder verkürzt noch verlängert werden. Darum sollen wir unsere Aufgaben mit großer Freude vernichten und uns von keiner Gefahr davor abschrecken lassen. Denn wir werden vor der Zeit, die uns von Gott bestimmt ist, nicht sterben. Ferner, weil das Ziel unseres Lebens allein Gott und nicht uns bekannt ist, werden wir daran erinnert, dass wir Gott fürchten sollen und uns vorsehen, damit wir nicht plötzlich und unversehens vom Tod hingerissen werden, bevor wir die Geschäfte unserer Aufgaben verrichtet haben, wir sollen uns aber nicht mutwillig in unnötige Gefahren begeben.

6. Tue dich von ihm, dass er Ruhe habe, bis dass seine Zeit komme, deren er wie ein Tagelöhner wartet.

Von ihm: Hör auf, ihn zu plagen, bis die Zeit, die er noch zu leben hat, vorübergeht und er durch den Tod schließlich von allem Unglück erlöst wird. Darauf wartet ein frommer Mensch wie ein Tagelöhner, der von der Arbeit müde geworden ist und sich voll Verlangen nach dem Abend sehnt. Und Hiob bezieht dies alles auf seine Person. Denn weil der Mensch, wie er später sagt, aus diesem Leben wegzieht, und vor dem Jüngsten Tag nicht wiederkommen kann, so ist seine Meinung, dass Gott den Menschen in diesem Leben schonen sollte.

7. Ein Baum hat Hoffnung, wenn er schon abgehauen ist, dass er sich wieder verändere, und seine Schösslinge hören nicht auf.

Ein: Jetzt streicht Hiob die kurze Zeit und die Flüchtigkeit des menschlichen Lebens noch besser heraus, mit dem Gleichnis von einem Baum.

Abgehauen: Bis auf die Wurzeln. So kann es geschehen, dass neue Sprösslinge aus der Wurzel hervorsprießen und in kurzer Zeit zu einem neuen Baum aufwachsen.

8. Ob seine Wurzel in der Erde veraltet und sein Stamm in dem Staube erstirbt,

Veraltet: Dass er keine junge, sondern eine alte Wurzel ist.

Stamm: Der unterste Teil des Baumes, der noch übrig bleibt, wenn der Baum abgehauen wurde, obwohl dieser völlig verdorrt und abgestorben scheint.

9. grünte er doch wieder vom Geruch des Wassers und wächst daher, als wäre er gepflanzt.

Geruch: Wenn er oft vom Regen befeuchtet wird.

Gepflanzt: Aus einem solchen Stamm und der Wurzel ist ein Schössling hervor gekommen, der zu einem großen Baum heranwächst, als ob er mit besonderen Fleiß geimpft worden wäre.

10. Wo ist aber ein Mensch, wenn er tot und umgekommen und dahin ist?

Dahin ist: Dass er zu Staub und Asche geworden ist.

11. Wie ein Wasser ausläuft aus dem See und wie ein Strom versiegt und vertrocknet,

Versiegt: Dass das Wasser einen anderen Lauf nimmt und sich an den vorigen Ort verliert, sodass man dort trockenen Fußes gehen kann.

12. so ist ein Mensch, wenn er sich legt, und wird nicht aufstehen und wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden.

Nicht aufstehen: Mit diesen Worten verleugnet jedoch Hiob nicht die allgemeine Auferstehung der Toten, obwohl er durch die starke Vorstellung vom Tod und vom Grab sehr bestürzt war. Sondern er will vielmehr damit zu verstehen geben, dass die Menschen wieder auferstehen werden, doch so, dass Himmel und Erde zuvor vergangen sind und erneuert wurden, was am Jüngsten Tag geschehen wird. Denn da werden die toten Körper wieder aufwachen und lebendig werden. Zu dieser Auferstehung sollen wir die Augen des Glaubens wenden, wenn wir uns durch den schrecklichen Anblick des Todes und des Grabes eine Furcht einjagen ließen.

13. Ach, dass du mich in der Hölle verdecktest und verbirgst, bis dein Zorn sich lege, und setztest mir ein Ziel, dass du an mich denkst!

Ach: Hiob beklagt sich noch einmal über die inneren Schrecken des Gewissens, und über die beschwerlichen Empfindungen des göttlichen Gerichts im Gewissen.

Denkst: Ich bin bereits jetzt wegen der inneren und übernatürlichen Angst und Qualen des Herzens gewissermaßen in der Hölle. Ich wünsche aber, dass du mich in dieser Not erhältst, bis die Empfindlichkeit deines strengen Gerichts an mir aufhört, welches dich mir als einen zornigen Richter vor die Augen stellt. Ach, dass du mir eine Zeit bestimmen würdest, wo du mich wieder mit den Augen deiner Barmherzigkeit ansehen würdest, damit ich doch einen Trost hätte und dein väterliches Gemüt spüren könnte. Denn es geraten die Frommen manchmal auch in so eine große Angst der Seele, weil sie sich einbilden, dass Gott über sie erzürnt ist, dass sie gewissermaßen die Qualen der Hölle in ihrem Gewissen empfinden. Daher sagt Hanna in einem Lobgesang von Gott aus einem prophetischen Geisterhaus den 1.Samariter 2: Er führt in die Hölle und wieder heraus. Und in einem solch heftigen Kampf des Gewissens, den niemand kennt, wenn er es nicht selbst erfahren hat, erhält Gott den Glauben und die Hoffnung wunderbar in einem Menschen, obwohl der Mensch selbst in diesem Strudel meint, es wären alle Funken der Gottseligkeit in seinem Herzen erloschen.

14. Meinst du, ein toter Mensch werde wieder leben? Ich harre täglich; dieweil ich streite, bis dass meine Veränderung komme,

Leben: Als wollte er sagen: Ich weiß wohl, dass ich vor dem Jüngsten Tag nicht wieder lebendig werde.

Streiten: Dass ich mit meinen Anfechtungen kämpfe.

Kommen: Denn obwohl ich jetzt einen harten Kampf ausschließe, so erwarte ich doch die Erlösung in der Hoffnung und ich glaube, dass ich von den Toten wiederum zur ewigen Unsterblichkeit auferweckt werde, wo mein Leib in einen herrlichen und verklärten Leib verändert werden wird. Einen solchen tröstlichen Spruch findet man auch später im Kapitel 19. Denn die so versucht werden, haben ihre unterschiedlichen Zeiten, in denen der Glaube und die Hoffnung manchmal wieder hervorleuchten, so zuvor, dem Anschein nach, erloschen waren.

15. dass du wolltest mir rufen, und ich dir antworten, und wolltest das Werk deiner Hände nicht ausschlagen.

Rufen: Ich warte auf die Zeit, dass du dich noch in diesem Leben mir wieder freundlich und mit Gnaden zuwenden wirst, da du mich jetzt von dir verstoßen und verworfen hast, wie es den Anschein hat.

Nicht ausschlagen: Ich weiß, dass du mich liebst, weil du mich erschaffen hast und du wirst dies tatsächlich einmal beweisen. Diese Gedanken werden mitten in den Anfechtungen zum Trost vom Heiligen Geist den Menschen eingegeben, aber bald darauf folgen wieder traurige Seufzer.

16. Denn du hast schon meine Gänge gezählt; aber du wolltest ja nicht achthaben auf meine Sünde.

Gezählt: Du hast fleißig darauf geachtet, wo ich in meinem Leben vom Weg der Gerechtigkeit abgewichen bin.

Sünde: Du mögest mir meine Sünden nicht so genau aufrechnen. Denn obwohl Hiob keineswegs eingestand, dass er dieses Unglück, indem er steckte, mit seinen groben, äußerlichen Fehlern verdient hätte, so wusste er doch und bekannte es auch, dass er vor Gott ein Sünder wäre.

17. Du hast meine Übertretung in einem Bündlein versiegelt und meine Missetat zusammengefasst.

Versiegelt: Dass du keinen Schuldschein, auf dem etwas von meinen Sünden aufgezählt oder aufgezeichnet ist, verlierst und vergisst.

Gefasst: Dass sie, auf einen Haufen geworfen umso größer erscheinen, als sie an sich selbst sind. So meinen viele, die den Zorn Gottes spüren, dass ihre Sünden nicht so groß sind, wie man sie macht. Aber in diesem Leben kann niemand die Größe und die Schwere seiner Sünden ausreichend erkennen.

18. Zerfällt doch ein Berg und vergeht, und ein Fels wird von seinem Ort versetzt.

Vergeht: Dass er allmählich verzehrt wird, weil ein Stück nach dem anderen davon abfällt.

Versetzt: Dass er im Lauf der Jahre von einem Ort verschwindet, und an einem anderen Ort wieder entsteht.

19. Wasser wäscht Steine weg, und die Tropfen wischen die Erde weg; aber des Menschen Hoffnung ist verloren.

Weg: Wenn es oft und viel darüber läuft.

Hoffnung: Nach Luther: Das ist: Vor dem Tod hat er keine Hoffnung in diesem Leben.

Verloren: Dass es ihm auch geht, wie anderen Sachen in der Welt. Denn wenn er eine Zeit lang gelebt hat, so muss er wieder davon und kann dem Verderben nicht ausweichen.

20. Denn du stößt ihn gar um, dass er dahinfährt, veränderst sein Wesen und lässt ihn fahren.

Fahren: Denn auch wenn du einen Menschen zu hohen Ehren erhebst, so dauert dies doch nicht lange an, sondern er muss aus diesem Leben weg, weil du ihn mit dem Tode angreifst, und aus einem Fürsten ein Aas machst, und ihn so aus dieser Welt abfertigst. So wirst du auch mit mir umgehen, der ich zuvor, als ich glücklich regierte, wie ein unbeweglicher Berg angesehen wurde. Hierauf sollen Fürsten und Herrn besonders achten und daran denken, dass ihre Gewalt und ihr Leben vergänglich sind.

21. Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht; oder ob sie geringe sind, des wird er nicht gewahr.

Nicht gewahr: Er weis in jener Welt nicht, ob seine hinterlassenen Kinder an der Herrschaft und in Würde bleiben oder aber ob sie sie verlieren und zum allgemeinen Volk gerechnet werden. Die deswegen aus diesem Leben abgeschieden sind, die wissen nicht, was hier auf Erden geschieht, darum können die nicht recht dran sein, welche der verstorbenen Fürbitte bei Gott begehren.

22. Weil er das Fleisch an sich trägt, muss er Schmerzen haben, und weil seine Seele noch bei ihm ist, muss er Leid tragen.

Leid tragen: Du wartest nicht, bis er stirbt, sondern überfällst ihm noch in diesem Leben mit viel und mancherlei Unglück. Hier handelst du meines Erachtens nach etwas zu viel. Denn die Ungeduld ist in unserem Fleisch so groß, dass wir uns nicht scheuen, Gott selbst der Ungerechtigkeit zu beschuldigen, wenn er uns etwas unsanft angreift. Und Hiob sagt jetzt nicht mehr: Wenn wir das Gute vom Herrn empfangen haben, warum sollten wir denn das Böse nicht auch dulden?


Das 15. Kapitel


1. Eliphas bemüht sich, Hiob mit seinen Worten von der Ungerechtigkeit zu überzeugen.

2. Und er wirft ihm vor, dass er klüger sein möchte, als alle anderen Menschen.

3. Er sagt ihm auch, dass niemand vor Gott unschuldig sei. Und er beschreibt die Strafen der Tyrannen und gottlosen Menschen, aber all dies reimt sich nicht auf Hiob.

1. Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:

2. Soll ein weiser Mann so aufgeblasene Worte reden und seinen Bauch so blähen mit losen Reden?

Reden: Sollte das einem weisen Mann, wie du einer sein möchtest, gut anstehen, dass er gegen Gott so stolze Worte von sich gibt? Du beschuldigst ihn ständig der Ungerechtigkeit, indem du deine Unschuld so hoch rühmst.

3. Du strafst mit Worten, die nicht taugen, und dein Reden ist niemanden nütze.

Strafst: Indem du Gott der Ungerechtigkeit und uns der Unwissenheit beschuldigst. Mit solchen Reden machst du deine Sache vor Gott nur umso schlimmer. Denn es kann geschehen, dass einer seine gute Sache vor Gericht verliert, wenn er nicht richtig damit umgeht.

4. Du hast die Furcht fahren lassen und redest zu verächtlich vor Gott.

Fahren lassen: Du hast keine Gottesfurcht mehr in deinem Herzen, du betest nicht mehr, sondern lästerst nur, und um es mit einem Wort zu sagen: Du bist gottlos.

5. Denn deine Missetat lehrt deinen Mund also, und hast, erwählt eine schalkhafte Zunge.

Missetat: Die Bosheit deines Herzens, die du bisher heimlich und verborgen gehalten hast.

Also: Du stößt Lästerungen aus und redest eher wie die Gottlosen als die Frommen, weil du falsch und gottlos bist, obwohl man dich früher für fromm gehalten hat. Es stimmt zwar, dass der Mund dessen übergeht, dessen das Herz voll ist, und dass die Rede Auskunft darüber gibt, wie jemand eingestellt ist, woraus man ableiten kann, was einer im Schilde führt. Jedoch wird manchmal durch dem alten Adam, wenn das Herzeleid und der Kummer groß ist, solche Rede herausgepresst, die sonst nur bei einem gottlosen Menschen gespürt werden, obwohl noch die Gottseligkeit und der wahre Glauben in Herzen haftet. Darum soll keiner frevelhaft von seinem Nächsten urteilen {Lk 6}.

6. Dein Mund wird dich verdammen, und nicht ich; deine Lippen sollen dir antworten.

Dein Mund: Als wollte er sagen: Es braucht nicht viel dazu, dir deine Bosheit zu beweisen, deine Reden geben ausreichend Zeugnis davon und zeigen, dass du ein gottloser, verzweifelter Mensch bist und, und die ewige Verdammnis verdient hast.

7. Bist du der erste Mensch der geboren ist? Bist du vor allen Hügeln empfangen?

Bist du: Zuvor hatte Eliphas den Hiob als einen gottlosen Menschen verdammt, jetzt bezeichnet er ihn auch noch als einen Unverständigen.

Geboren: Du solltest eigentlich als der Älteste alle anderen mit Weisheit übertreffen.

Hügeln: Als ob du älter wirst als das ganze menschliche Geschlecht und irgendeine Weisheit der Engel oder Gottes hättest.

8. Hast du Gottes heimlichen Rat gehört? Und ist selbst die Weisheit geringer denn du {Röm 11v33}?

Gehört: Vielleicht hatte dich Gott zum Geheimrat gemacht, und in seine Ratskammer aufgenommen.

9. Was weißt du, dass wir nicht wissen? Was verstehst du, dass nicht bei uns sei?

Wissen: Von göttlichen oder menschlichen Sachen. Hier sieht man, wie stolz die Heuchler sind, die sich anfangs doch sehr demütig zu stellen pflegen.

10. Es sind Graue und Alte unter uns, die länger gelebt haben denn deine Väter.

Unter uns: Wir haben auf unserer Seite auch alte und verständige Menschen, die nicht deiner Meinung sind, und weil wir durch deren Lehren und Ermahnungen unterrichtet sind, so verwerfen wir deine gottlosen Reden. Es unterstehen sich auch heutzutage die Katholiken, mit dem Ansehen der Väter, und mit Konzilen die Evangelischen zu bekämpfen. Und die Zwinglianer wollen gegen die reinen Lehrer ihre Sache mit den alten, gelehrten Kirchenlehrern, beweisen. Aber wir sollen Ihnen die ältesten prophetischen und apostolischen Schriften als göttliche Wahrheit standhaft entgegensetzen.

11. Sollten Gottes Tröstungen so geringe vor dir gelten? Aber du hast irgend noch ein heimliches Stück bei dir.

Gelten: Haben dich meine Kameraden dich bisher nicht mit den göttlichen Trostsprüchen ausreichend aufrichten können, die dir Gottes Gunst und Gnade samt der vorigen Glückseligkeit versprochen haben, sofern du Buße tun würdest. Oder hast du etwa noch ein heimliches Anliegen in deinem Herzen verborgen, von dem du dich nicht lösen kannst? Es hat den Anschein, als ob man dir nicht ausreichend Bericht gegeben hätte und wenn du dich nicht unterweisen lassen möchtest, was soll man dir noch mehr sagen?

12. Was nimmt dein Herz vor? Was siehst du so stolz?

Herz vor: Welches dich auf andere Gedanken bringt, sodass du uns nicht folgen möchtest, wenn wir dich zum Guten ermahnen.

So stolz: Du lässt deine Augen trotzig hin und her schweifen, womit du zu verstehen gibst, dass du etwas Besonderes, vielleicht etwas Großes im Sinn hast.

13. Was setzt sich dein Mut wider Gott, dass du solche Rede aus deinem Munde lässest?

14. Was ist ein Mensch, dass er sollte rein sein, und dass der sollte gerecht sein, der vom Weibe geboren ist?

Geboren: Haben wir nicht alle miteinander von unserer ersten Mutter, der Eva, die Sünde geerbt, und sozusagen mit der ersten Milch aufgesogen? Wie sollte sich denn jemand vor Gott als unschuldig rühmen können?

15. Siehe, unter seinen Heiligen ist keiner ohne Tadel, und die Himmel sind nicht rein vor ihm.

Heiligen: Die für andere als Heilige und frommen Menschen ausgegeben werden.

Ohne Tadel: Dass man keine Fehler an ihnen finden kann.

Nicht rein: Dass Gott nichts an ihnen finden kann, was strafwürdig wäre. Denn obwohl bei der ersten Erschaffung alles vollkommen gut gewesen ist, jedoch, weil die Kreaturen vergänglich sind, besonders wegen der Sünden der Menschen, so scheint es uns, dass der Himmel selbst an seinen Kräften allmählich abnimmt, und nicht im ersten Zustand der Vollkommenheit bleibt.

16. Wie viel mehr ein Mensch, der ein Gräuel und schnöde ist, der Unrecht säuft wie Wasser.

Schnöde: Wer ein lebendiges Aas ist, wie du, der wird vor dem Angesicht Gottes noch viel unreiner sein, weil er mit so vielen Gebrechen an Leib und Seele behaftet ist.

Säuft: Der voll Bosheit ist und ständig Sünde auf Sünde häuft. Mit diesen giftigen Worten bedrängt Eliphas den frommen und geplagten Hiob heftig gegen all sein Verschulden. Denn die Heuchler lassen sich zu einem Mitleid gegenüber dem frommen, angefochtenen Menschen bewegen, sondern verspotten sie noch höhnisch, wie es auch Christus selbst ergangen ist, als er am Kreuz hing.

17. Ich will es dir zeigen, höre mir zu; und will dir erzählen, was ich gesehen habe,

Zeigen: Ich will dich davon überzeugen, dass dir nicht Unrecht geschieht, indem du so geplagt wirst.

Gesehen: Was ich aus meinen Erfahrungen gelernt habe.

18. was die Weisen gesagt haben, und ihren Vätern nicht verhohlen gewesen ist,

Gesagt: Die eben dasselbe auch bekennen, dass es wahr ist, was ich jetzt sagen möchte.

19. welchen allein das Land gegeben ist, dass kein Fremder durch sie gehen muss.

Gegeben: Auf die Gott, als die vornehmsten Glieder seiner Kirche besonders achtet, und denen er auch das Land Kanaan versprochen hat.

Kein Fremder: Die anderen Menschen werden nicht unter diese Heiligen Väter gerechnet, von deren Weisheit und Meinung ich jetzt erzählen möchte.

20. Der Gottlose bebt sein Leben lang; und dem Tyrannen ist die Zahl seiner Jahre verborgen.

Bebt: Er lebt in großer Angst und Schrecken. Denn wenn das Gewissen ständig mit schweren Sünden verletzt wird, so lässt es dem Menschen keine Ruhe.

Verborgen: Er weiß nicht, wann sein Lebensende kommt, darum fürchtet er sich jeden Augenblick davor. Denn die Schrecken des Todes plagen die Gottlosen heftig {5Mos 28}. Eliphas fängt aber hier an, von den Strafen der Gottlosen zu reden, und möchte daraus beweisen, dass Hiob auch gottlos gewesen sei, was sich jedoch weder nach der Dialektik noch nach der Theologie reimt, wenn einer diese Schlussfolgerungen ziehen möchte: Weil die Tyrannen geplagt werden und du auch geplagt wirst, so musst du ein Tyrann sein.

21. Was er hört, das schreckt ihn; und wenn es gleich Friede ist, fürchtet er sich, der Verderber komme;

Schreckt: Er fürchtet sich vor einem fallenden Blatt.

Verderber: Der ihn als seiner Güter beraubt, oder ihn sogar ums Leben bringt. Denn der Gottlose flieht, auch wenn ihn niemand jagt, der Gerechte aber erwartet das Ende mutig wie ein Löwe, weil er ein gutes Gewissen hat und auf Gott hofft.

22. glaubt nicht, dass er möge dem Unglück entrinnen, und versieht sich immer des Schwerts.

Entrinnen: Wenn er in ein Unglück gerät, so hat er keine Hoffnung, dass er wieder daraus hervorkommen könnte.

Schwerts: Das über ihm schwebt. So hat ein Tyrann in Sizilien selbst bekannt, dass es mit seinem Glück nicht anders beschaffen ist, als wenn ein scharfes Schwert an einem Rosshaar über seinem Kopf hängen würde. Deswegen ist ein Tyrann die elendste Kreatur auf Erden.

23. Er zieht hin und her nach Brot und erscheint ihn immer, die Zeit seines Unglücks sei vorhanden.

Vorhanden: Er muss mit Sorge seine Nahrung suchen, und zugleich ständig erwarten, dass er für seine Taten die rechte Belohnung empfängt. Und die tyrannischen Menschen (worunter nicht zu Unrecht die Straßenräuber, auch wenn sie vom Adel sind, gezählt werden), die anderen Menschen, dass Ihre nehmen, sind dennoch ständig unzufrieden und müssen sich von neuem umschauen und suchen, woher sie ihre Nahrung bekommen können. Daneben aber wissen Sie sehr gut, wenn sie ertappt werden, dass sie mit der Haut bezahlen müssen.

24. Angst und Not schrecken ihn und schlagen ihn nieder als ein König mit einem Heer.

Heer: Womit er seine Feinde überfällt. So wird ihn die Angst auch überfallen und unterdrücken.

25. Denn er hat seine Hand wider Gott gestreckt und wider den Allmächtigen sich gesträubt.

Gesträubt: Er hat sich Gott halsstarrig widersetzt. Die Tyrannen, die unschuldige Menschen und besonders die Frommen plagen, verfolgen Gott selbst, wie zum Paulus gesagt wird: Saulus, Saulus, was verfolgst du mich {Apg 9}.

26. Er läuft mit dem Kopf an ihn und ficht halsstarrig wider ihn.

An ihn: Wie ein wilder Ochse, der mit seinem starken Kopf alles umstößt, was ihm begegnet, so tobt auch der Gottlose gegen Gott. Denn die Tyrannen sind sehr grausam und trotzig bevor sie bemerken, dass ein Unglück geschehen ist, danach aber, wenn die Gefahr ihnen selbst begegnet, sind sie kleinmütig und verzagt.

27. Er brüstet sich wie ein fetter Wanst und macht sich fett und dick.

Brüstet sich: Nach Luther: Nämlich gegen Gott, wie ein dicker, starker und wilder Ochse.

Und dick: Denn die Gottlosen und Tyrannen haben eine Zeit lang Glück und alles im Überfluss, daher können Sie mit dem dicken und feisten Menschen gut verglichen werden. Aber dieses Glück hat keinen Bestand und dauert nicht lange an.

28. Er wird aber wohnen in verstörten Städten, da keine Häupter sind, sondern auf einem Haufen liegen.

Er: Nämlich ein solch gottloser Tyrann.

Liegen: Es wird die Zeit kommen, da er sehen wird, wie man seine Städte, Schlösser und Häuser niederreißt und zerstört, und er wird in einem eingefallenen Gebäude ein jämmerliches Leben führen. Hierauf sollen diejenigen achten, die über andere tyrannisch und unbarmherzig herrschen, was ihre Regierung für ein Ende nehmen wird.

29. Er wird nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und sein Glück wird sich nicht ausbreiten im Lande.

Reich bleiben: Er wird seine Güter nicht behalten.

Nicht ausbreiten: Sie werden nicht lange währen.

30. Unfall wird nicht von ihm lassen. Die Flamme wird seine Zweige verdorren und durch den Odem ihres Mundes ihn wegfressen.

Lassen: Wenn das Unglück einmal über ihn kommen wird, so wird es kein Ende nehmen, und er wird nicht entfliehen können.

Wegfressen: Das Feuer wird mit seiner Hitze seine Zweige verbrennen. Der gottlose Mensch wird also seiner Zierde, seiner Freunde, seiner Ehre und seiner Güter beraubt werden. Wenn es also mit den Gottlosen so beschaffen ist, wer wollte dann nicht lieber mit den Frommen eine Zeit lang in dieser Welt das Kreuz Christi tragen, als mit den Gottlosen in zeitlicher, unbeständiger Freude schweben. Auch wenn diese (was jedoch selten geschieht) bis zum Tod andauert, so folgt doch schließlich ewige und unaussprechliche Pein darauf.

31. Er wird nicht bestehen, denn er ist in seinem eitlen Dünkel betrogen, und eitel wird sein Lohn werden.

Betrogen: Dass er in seiner eigenen Fantasiewelt lebt und den Weg der ewigen Wohlfahrt und Seligkeit verfehlt.

Lohn werden: Er wird keine zukünftige und ewige Belohnung erwarten dürfen, wie er auch in dieser Welt vergeblich auf eine beständige Wohlfahrt hoffen darf.

32. Er wird ein Ende nehmen, wenn es ihm uneben ist, und sein Zweig wird nicht grünen.

Uneben: Wenn es ihm am wenigsten gelegen sein wird, so wird er vor der Zeit davon müssen und nicht wieder zu Kräften kommen.

33. Er wird abgerissen werden wie eine unzeitige Traube vom Weinstock, und wie ein Ölbaum seine Blüte abwirft.

Abwirft: Dass er keine Frucht bringt. So wird der Gottlose zu keinem rechten Alter kommen, dass er dieses Lebens überdrüssig wurde und selig im Herrn entschlafen würde. Sondern er wird wie eine frühe Frucht abfallen und weggeworfen werden. Denn obwohl manchmal die Gottlosen lange leben, so sterben sie für sich selbst doch immer noch zu zeitig, weil sie sich nicht auf den Tod vorbereitet haben. Die Frommen aber, ihren Herrn und Gott mit wahrem Glauben erkannt haben, sterben niemals einen zu frühen Tod, weil sie sich vorbereitet haben und in ihrer Aufgabe leben und Gott dienen, solange es ihm gefällt.

34. Denn der Heuchler Versammlung wird einsam bleiben, und das Feuer wird die Hütten fressen, die Geschenke nehmen.

Einsam: Obwohl am Anfang die Menge der Gottlosen groß ist, so werden sie doch schließlich verlieren und zunichtewerden.

Fressen: Die Rache des göttlichen Zorns wird die zugrunde richten, die im Stand der Obrigkeit sind und sich mit Geschenken bestechen lassen. Denn die Gottlosen verbinden sich zu Rotten, haben ein hohes Ansehen, werden aber zersprengt und sie verlieren all ihr Hab und Gut, die sie durch unrechte Gaben und Geschenke zusammengebracht haben. Hier mögen die darauf achten, die nicht genug an Geschenken bekommen können.

35. Er geht schwanger mit Unglück und gebiert Mühe, und ihr Bauch bringt Fehl {Ps 7v15}.

Bringt Fehl: Darum ist es kein Wunder, dass die Gottlosen kein beständiges Glück haben. Denn alles, was sie sich ausdenken und erdichten, wie auch das, was sie tun, ist dahin gerichtet, dass sie anderen Mühe machen, unrechte Sachen treiben und fromme Menschen mit List hintergehen. Sowie eine Frau, die schwanger ist, keine beständige Ruhe empfindet, bis sie ihr Kind zur Welt gebracht hat. Obwohl nun dies alles auf den Hiob in einem bösen Sinn gedeutet und bezogen wird, jedoch, weil es an sich selbst wahr ist, sollen wir uns hüten, dass wir unseren Nächsten nicht vorsätzlich hinters Licht führen oder in tyrannischen Weise unterdrücken, damit uns die hier aufgezählten Strafen nicht überfallen.


Das 16. Kapitel


1. Hiob beklagt sich über die Unbescheidenheit seiner Freunde, womit sie seine Schmerzen nicht lindern, sondern vielmehr vergrößern.

2. Und er wiederholt seine Klage von dem schweren Urteil Gottes über ihn und von seinem Elend.

3. Er besteht auch auf seine Unschuld, dass er ohne sein Verschulden geplagt würde.

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Ich habe solches oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster.

Oft gehört: Sowohl von anderen, als auch von euch, dass Gott die Tyrannen und die Gottlosen straft, aber wie reimt sich dies zu meiner Sache? Ich habe gehofft, ihr würdet kommen, um mich zu trösten, stattdessen erfahre ich das Gegenteil.

Leidige Tröster: Denn obwohl ihr mit einer gottseligen Rede meine Schmerzen und mein Leid lindern und mildern solltet, so macht ihr meinen Jammer mit eurem diskutieren doppelt schwer. Daran sollen wir uns erinnern, wenn wir von denen hart angefahren und getadelt werden, die uns tröstlich zusprechen sollten.

3. Wollen die losen Worte kein Ende haben? Oder was macht dich so frech, also zu reden?

Losen Worte: Eure stolzen Reden, die ihr ohne jedes Mitleid, als wären es lauter göttliche Weissagungen, mit großen Übermut gegen mich ausstoßt.

Zu reden: Dass du mich mit so harten und rauen Worten anfährst.

4. Ich könnte auch wohl reden wie ihr. Wollte Gott, eure Seele wäre an meiner Seele statt! Ich wollte auch mit Worten an euch setzen und mein Haupt also über euch schütteln.

Wie ihr: Und ich euch so trösten würde, wenn ich an eurer, und ihr an meiner Stelle wärt, aber damit wäre der Sache nicht geholfen und weder mir noch euch gedient.

Seelen statt: Ich wollte, dass ihr von meinem Elend nur ein wenig empfinden würdet, damit ihr wüsstet, wie es ist, wenn man in seinem Gewissen das Urteil des zornigen Gottes spürt.

5. Ich wollte euch stärken mit dem Munde und mit meinen Lippen trösten.

Trösten: Auf die gleiche Weise wie ihr mich tröstet. Hier ist aber Hiobs Meinung nicht, dass er im gleichen Fall mit seinen Freunden auch so umgehen würde, wenn einmal ein solches Unglück über sie hereinbrechen sollte. Denn das würde heißen: Böses mit Bösem vergelten, was Paulus in Römer 12 verbietet. Aber das sagt er, wenn ihr im gleichen Unglück stecken würdet, wie ich, so könnte ich euch natürlich ebenso verspotten, wie ihr es jetzt mit mir macht. Und wenn ich jetzt auf all eure spöttischen Reden und Sticheleien keine gebührende Antwort geben kann, so werde ich durch meine großen Schmerzen daran gehindert.

6. Aber wenn ich schon rede, so hört mein der Schmerz nicht auf; lasse ich es anstehen, so geht er nicht von mir.

Schon rede: Dass ich mich lange vergebens mit euch streite.

Nicht von mir: Egal, ob ich rede oder schweige, ich empfinde unglaubliche Schmerzen und Leiden.

7. Nun aber macht er mich müde und verstört alles, was ich bin.

Nun aber: Ich kann es dennoch nicht lassen, von meinem großen Schmerzen und von dem strengen Gericht Gottes zu sprechen, welches unverschuldet über mich ergeht.

Verstört: Ich bin in allen Gliedern erschlagen.

8. Er hat mich runzlich gemacht und zeugt wider mich; und mein Wiedersprecher lehnt sich wider mich auf und antwortet wider mich.

Zeugt: Meine Falten geben ein Zeichen seines strengen Gerichts, das er über mich ergehen lässt.

Gegen mich: Ich muss wohl von Freunden und Feinden verspottet werden. Es macht aber dem, der schwermütig und bekümmert ist sein Leid noch größer, wenn er dazu noch die Lästerung und Schmähungen der gottlosen Menschen anhören muss. Und zweifellos hat Hiob viele Feinde in der Nachbarschaft gehabt, die ihm sein Elend mit allerlei giftigen Schmähungen vorgehalten und ihn verflucht haben, so wie Simei den David verfluchte, als er ins Elend zog.

9. Sein Grimm reißt, und der mir gram ist, beißt die Zähne über mich zusammen; mein Widersacher funkelt mit seinen Augen auf mich.

Sein: Nämlich, meines Widersachers.

Reißt: So wie ein grausames, wildes Tier seine Beute zerreißt.

Beißt: Aus großem Zorn und Wut gegen mich.

Funkelt: Er bietet mir ein gräuliches und schlangenähnliches Gesicht.

10. Sie haben ihren Mund aufgesperrt wider mich und haben mich schmählich auf meine Backen geschlagen; sie haben ihren Mut miteinander an mir gekühlt.

Aufgesperrt: Um mich zu verspotten.

Geschlagen: Mit diesen Worten beschreibt er den Mutwillen der Feinde gegen sich.

Gekühlt: Es tut aber sehr weh, wenn wir sehen, dass sich unsere Widersacher an unserem Elend erfreuen und damit gesättigt werden.

11. Gott hat mich übergeben dem Ungerechten, und hat mich in der Gottlosen Hände lassen kommen.

Kommen: Dass ich ihre bösen Reden und Schmähungen erleiden muss. Es ist aber viel leichter zu erdulden, wenn man schlicht mit der Hand Gottes oder mit seiner väterlichen Rute, ohne das Zutun der gottlosen Menschen gezüchtigt wird, als dass man die Bosheit und Grausamkeit der Menschen erfahren muss, was dennoch bisweilen auch denen widerfährt, die von Gott sehr geliebt werden.

12. Ich war reich, aber er hat mich zunichtegemacht; er hat mich beim Hals genommen und zerstoßen und hat mich ihm zum Ziel aufgerichtet.

Zunichte: Als wenn jemand eine schöne Porzellanvase zerschlagen würde.

Zustoßen: Gott hat meine Kräfte geschwächt, sodass ich an Seele, Leib und Gütern der elendste Mensch bin.

Ziel: Worauf man mit tödlichen Pfeilen schießt. So stellen sich diejenigen Gott vor, die schwer versucht werden, dass sie meinen, Gott habe eine besondere Lust, die Menschen zu plagen und zu verderben, wo doch solche bekümmerten Menschen auf das höchste geliebt werden.

13. Er hat mich umgeben mit seinen Schützen; er hat meine Nieren gespalten und nicht verschont; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet;

Schützen: Die alle auf mich zielen, weil mich viel verschiedenes Unglück zugleich überfällt.

Gespalten: Er hat auch meine inneren Glieder nicht geschont, und mich mit seinen Schrecken verwundet.

Geschüttet: Es ist für den Menschen tödlich, wenn die Gallenblase platzt. Hier will er zu verstehen geben, dass es um sein Leben geschehen sei, und er nichts als den Tod vor Augen hat.

14. er hat mir eine Wunde über die andere gemacht; er ist an mich gelaufen wie ein Gewaltiger.

Gewaltiger: Sodass ich seinen feindlichen Angriff nicht widerstehen kann. Dies soll denen zum Trost dienen, die mit viel Unglück zugleich überfallen werden, dem sie nicht widerstehen können.

15. Ich habe einen Sack um meine Haut genäht und habe mein Horn in den Staub gelegt.

Sack: Ich habe schlichte und einfache Kleidung angezogen.

Horn: Die Majestät meines Regierungsamtes habe ich abgelegt, und lebe nur für mich allein in großer Traurigkeit und im Elend, weil ich all mein Hab und Gut verloren habe. Wegen der großen und beschwerlichen Krankheit zur Regierung nicht mehr tauglich blieb. Die nun ebenso von ihrer Herrlichkeit verstoßen werden, und ein elendes Leben führen, die sollen hieraus den Trost nehmen, dass Gott sie, wie den Hiob auch, wieder auf den Stuhl heben kann.

Nach Luther: Meine Gewalt, Macht und Herrschaft und worauf ich mich verließ.

16. Mein Antlitz ist geschwollen von Weinen, und meine Augenlider sind verdunkelt,

17. wiewohl kein Frevel in meiner Hand ist, und mein Gebet ist rein.

Kein Frevel: Obwohl ich niemanden Unrecht getan, noch mit Gewalt unterdrückt habe.

Ist rein: Ich habe aus Glauben und wahrer Gottseligkeit, nicht aus Heuchelei, auch nicht mit sündigen, sondern mit fertigem Herzen täglich mein Gebet zu Gott gesprochen. Was hilft mir aber meine Frömmigkeit und Unschuld, wenn ich dennoch ohne mein Verschulden geplagt werden? Denn die Frommen meinen manchmal, dass alle ihre Gebete und ihre Frömmigkeit umsonst sind und von Gott nicht geachtet werden. Darum ist dann das Fleisch sehr unwillig auf Gott, weil es uns scheint, dass wir ihm vergebens gedient haben.

18. Ach, Erde, verdecke mein Blut nicht! Und mein Geschrei kann nicht Raum zur Ruhe finden!

Blut nicht: So wie die Erde des Unschuldigen Abel sein Blut nicht verborgen hat, sondern auf seine Weise zu Gott nach Rache geschrien hat, so soll es auch bei mir sein. Wenn ich gestorben bin, soll die Erde meine Unschuld nicht verbergen, sondern sogar mein toter Körper soll noch aus der Erde über das große Unglück schreien, was ich unschuldig erlitten habe.

19. Auch siehe da, mein Zeuge ist im Himmel; und der mich kennt, ist in der Höhe.

Zeuge: Der allmächtige Gott, der weiß, dass ich Unrecht leide.

Himmel: Gott wird wegen seiner unendlichen Majestät seine Wohnung im Himmel zugeschrieben, auch wenn er nicht nur im Himmel ist, sondern ständig (auch mit seinem Wesen) Himmel und Erde erfüllt {Jer 23 Apg 17}.

20. Meine Freunde sind meine Spötter; aber mein Auge tränt zu Gott.

Spötter: Was mein Unglück nicht lindert, sondern größer macht.

Zu Gott: Und ich bitte ihn, dass er solch einen Mutwillen meiner Feinde steuert und wenn sie nicht aufhören und Buße tun, möge er sie strafen. Denn obwohl wir auch für unsere Verfolger bitten sollen, so seufzt doch manchmal der Heilige Geist in unseren Herzen und bittet Gott, dass er die Bosheit der Feinde strafen möge.

21. Wenn ein Mann könnte mit Gott rechten wie ein Menschenkind mit seinem Freunde!

Wenn: Jetzt beginnt Hiob auch mit Gott zu streiten.

Rechten: Wenn ich von Gott, dem Herrn, Recht fordern und einen Prozess mit ihm anfangen würde, so wie ein Mensch mit dem anderen vor Gericht streitet, so weiß ich wohl, dass ich ihm das Recht abgewinnen würde, weil ich nämlich unschuldig leide. Aber jetzt kann ich zu keinem Recht kommen.

22. Aber die bestimmten Jahre sind gekommen, und ich gehe hin des Weges, den ich nicht wiederkommen werde.

Gekommen: Es ist um mein Leben geschehen, was soll ich daraus machen? Das Ziel ist bereits gesteckt, das mir Gott auf eine gewisse Zeit bestimmt hat.

Nicht wieder: Und ich bitte ihn, dass er solch einen Mutwillen meiner Feinde steuert und wenn sie nicht aufhören und Buße tun, möge er sie strafen.


Das 17. Kapitel


1. Hiob fährt noch weiter fort, sein Elend zu beweinen, indem Gott ihn nicht beachtet.

2. Und er ist seinen Freunden gegenüber sehr unwillig, weil sie unverständige Menschen sind.

1. Mein Odem ist schwach, und meine Tage sind abgekürzt, das Grab ist da.

Schwach: Ich bin in all meinen Kräften so erschöpft, dass ich kaum Atem holen kann.

Abgekürzt: Vor der Zeit, sodass ich nicht zum rechten Alter kommen kann.

Ist da: Ich habe nichts mehr zu erwarten als den Tod.

2. Niemand ist von mir getäuscht, noch muss mein Auge darum bleiben in Betrübnis.

Getäuscht: Ich habe meinen Nächsten nicht betrogen oder übervorteilt.

Betrübnis: Ich leide dennoch ständig großes Elend.

3. Ob du gleich einen Bürgen für mich wolltest, wer will für mich geloben?

Geloben: Auch wenn du mir eine Bürgschaft vorschlagen wolltest, die mir helfen könnte, so würdest du doch niemanden finden, der es mit mir aufnehmen könnte und es mir aus der Hand schlagen dürfte. Dies verstehen meine Freunde nicht, die ständig darauf beharren, dass ich wegen meiner schweren Sünden durch dein gerechtes Urteil so bestraft werde.

4. Du hast ihrem Herzen den Verstand verborgen, darum wirst du sie nicht erhöhen.

Verborgen: Du lässt meine Freunde in ihren Herzen blind bleiben, dass sie glauben, niemand würde so schlimm geplagt, wenn er nicht mit vielen Lastern behaftet wäre.

Nicht erhöhen: Weil sie nicht wahrhaft unter dem Kreuz gedemütigt sind.

5. Er rühmt wohl seinen Freunden die Ausbeute; aber seiner Kinder Augen werden verschmachten.

Verschmachten: Meine Freunde sind überheblich mir gegenüber, so wie es die tun, die dem Feind einen Raub wieder entrissen haben. Aber du, Gott wirst eine solche Unfreundlichkeit oder vielmehr Grausamkeit an ihren Kindern strafen, die kein Glück und keinen Bestand haben werden. Denn Gott straft die Sünden der Väter an den Kindern, wenn die Kinder es ihren Eltern in der Bosheit nach tun.

6. Er hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gesetzt, und muss ein Wunder unter ihnen sein.

Er: Hiob ändert den Sinn seiner Rede oftmals und auf verschiedene Weise, wie es die zu tun pflegen, die sehr ängstlich und bekümmert sind. Darum beklagt er sich abermals über Gott.

Leuten: Dass sie Geschichten über mich erzählen und sich die Zeit damit vertreiben, mit Verwunderung über mich nachzudenken. Dies bedeutet aber auch ein Stück von einem Fluch, wenn jemand den Menschen für ihre Geschichten herhalten muss {5Mos 28}. Diese Strafe der Sünden empfinden auch die lieben Kinder Gottes oftmals.

7. Meine Gestalt ist dunkel geworden vor Trauern, und alle meine Glieder sind wie ein Schatten.

Dunkel: Sie ist sehr verfallen und hässlich anzuschauen, all meine Schönheit ist dahin.

Schatten: Dass sie sich vor Kummer ausgedorrt und mich verzehrt haben und ich wie ein Schatten an der Wand bin.

8. Darüber werden die Gerechten übel sehen, und die Unschuldigen werden sich setzen wider die Heuchler.

Übel sehen: Die Frommen werden sich darüber mit Verwunderung entsetzen und nicht wissen, wie sie es verstehen sollen, dass Gott einen unschuldigen Menschen so hart plagt.

Setzen: Das ist: Welche unsträflich gelebt haben, werden gegen die gottlosen Heuchler sich aus Eifer aufbringen lassen und sehr unwillig über sie sind wegen deren Glück, was sie genießen, wohingegen die Frommen unterdessen über geplagt werden und viel leiden müssen.

9. Der Gerechte wird seinen Weg behalten, und der von reinen Händen wird stark bleiben.

Behalten: Dass er weiter unschuldig bleibt und in seinem unsträflichen Leben beständig fortfährt, weil er sich mit den Worten Gottes gegen das Ärgernis des Kreuzes aufrichtet. Denn obwohl die Frommen manchmal wankelmütig werden, wenn sie sehen, dass die Gerechten geplagt werden und die Gottlosen Glück haben, sodass nicht oft viel daran fehlt, dass sie auch in ein gottloses Leben geraten, jedoch, wenn sie durch den Heiligen Geist aus Gottes Wort gestärkt werden, so verfluchen sie die Bosheit und bleiben auf dem Pfad der Gerechtigkeit. Dieser Kampf des Fleisches und des Geistes ist in den Psalmen 37 und 73 sehr ausführlich beschrieben.

10. Wohl an, so kehrt euch alle her und kommt; ich werde doch keinen Weisen unter euch finden.

Wohl an: Hiob wechselt abermals das Thema, wie es verängstigte Menschen zu tun pflegen und richtet sich wieder gegen seine Freunde.

Alle her: Und diskutiert mit mir, so viel euer auch sein mögen, mit all eurem Anhang.

Keine Weisen: Kommt doch alle haufenweise her, dennoch seid ihr alle miteinander Narren, was die Tat bezeugen wird, wenn ihr euch mit mir einlassen wolltet. Es sind aber die Frommen oft zu heftig mit ihren Worten, auch wenn sie die Wahrheit sprechen. Dies soll jedoch ihren großen Schmerzen zugemessen und zugutegehalten werden.

11. Meine Tage sind vergangen, meine Anschläge sind zertrennt, die mein Herz besessen haben,

Vergangen: Das Ende meines Lebens rückt näher und dennoch steht meine Sache nicht besser, auch wenn ich mich lange eurer Worte erwehre, aber es hilft mir alles nichts.

Zertrennt: Ich weiß mir keinen Rat mehr und finde keinen Weg, auch wenn ich lange darüber nachdenke, wie ich aus diesem Unglück entkommen könnte.

12. und haben aus der Nacht Tag gemacht und aus dem Tage Nacht.

Tage Nacht: Die Trübsal machen, dass bei einer solch großen Ungerechtigkeit und vielerlei widerwärtigen Gedanken mir die Nacht zum Tag wird, weil ich keinen Schlaf finden kann, und das Tageslicht ist mir so unangenehm wegen meiner Traurigkeit und wegen meines Elends, als wenn es gerade finstere Nacht wäre.

13. Wenn ich gleich lange harre, so ist doch die Hölle mein Haus, und in Finsternis ist mein Bett gemacht.

Harre: Auch wenn ich auf die Erlösung lange hoffen und warten würde, so würde es doch vergebens sein. Denn ich werde schließlich durch den Tod geradewegs in die Hölle fahren und meinem Körper wird sein Bett im Grab bereitet werden, wo ich in der Finsternis bleiben muss.

14. Die Verwesung heiße ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter und meine Schwester.

Schwester: Meine nächsten Verwandten sind die Verwesung in der Erde und die Würmer, die meinen Leib verzehren werden, denn ich weiß, dass ich nichts anderes zu erwarten habe, als dass ich von den Würmern in der Erde gefressen werde. Dies sollten diejenigen beherzigen, die wegen ihrer vornehmen Herkunft oder wegen ihrer schönen Gestalt übermütig sind, dann werden sie den Hochmut sinken lassen.

15. Was soll ich harren? Und wer achtet mein Hoffen?

Harren: Weil ich vergeblich auf Rettung gewartet habe.

Achtet: Gott beachtet mich nicht, dass ich bisher auf ihn gehofft und auf Erlösung gewartet habe.

16. Hinunter in die Hölle wird es fahren und wird mit mir im Staube liegen.

Liegen: Meine Hoffnung ist umsonst und ich werde mit ihr zusammen zur Hölle fahren. Mein Fleisch aber wird zu Staub werden. Dies ist eine sehr schwere Versuchung, wenn es uns scheint, dass Gott als unsere Hoffnungen zunichtemacht. So führt Gott die Seinen manchmal in die Hölle, aber er führt sie auch wieder heraus {1Sam 2}.


Das 18. Kapitel


1. Bildad zeigt an, wie Gott die Gottlosen mit mancherlei Plagen straft.

2. Daraus schließt er fälschlicherweise, dass Hiob gottlos gewesen sein müsse.

1. Da antwortete Bildad von Suah und sprach:

2. Wann wollt ihr der Rede ein Ende machen? Merkt doch, danach wollen wir reden.

Ende machen: Als wollte er sagen: Möchtest du jetzt nicht aufhören, solche ungereimten Sachen vorzubringen? Denn obwohl er sehr allgemein spricht, so meint er doch Hiob.

Merkt: Denke erst über die Sache nach und danach rede. Denn es soll nichts unbedacht vorgebracht werden. Diese Ermahnung war bei Hiob allerdings nicht nötig.

3. Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so unrein vor euren Augen?

Vieh: Wie ich höre, hältst du uns für unverständige Esel, die nichts verstehen.

Augen: Vor dir und deinesgleichen stinken unsere Personen und unsere tröstlichen Erinnerungen. Denn die Heuchler haben es nicht gern, dass man ihnen ihr Unrecht frei heraus sagt. Darum ist Bildad aus Zorn bewegt worden, den heiligen Hiob etwas rauer anzufahren, als vorher.

4. Willst du vor Bosheit bersten? Meinst du, dass um deinetwillen die Erde verlassen werde, und der Fels von seinem Ort versetzt werde?

Bersten: Was willst du? Willst du aus der Haut fahren? Bist du verrückt geworden vor großem Zorn und Ungeduld?

Versetzt: Ich glaube, du meinst, dass er um deinetwillen die Heimat verlassen wird und die Welt stehen bleibt oder untergeht, wenn du stirbst. Nach Luther: Das ist: Gott wird es mit dir nicht anders machen als mit allen anderen und seine Art wegen dir nicht ändern.

5. Auch wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten.

6. Das Licht wird finster werden in seiner Hütte und seine Leuchte über ihm verlöschen.

Verlöschen: Mein Lieber, höre mir ein wenig zu und ich will dir die Wahrheit von den Strafen der Gottlosen sagen, die dir Gott nach seinem gerechten Urteil geschickt hat, damit du Buße tust und nicht aus Ungeduld gegen ihn murrst. Bildad sagt zwar die Wahrheit, wenn er von den Strafen der Gottlosen spricht, dies dient der Sache jedoch nicht, um die der Streit war. Denn die Gottlosen lässt Gott schließlich mit großen Strafen und vielen Plagen überfallen und schlägt sie mit Blindheit und Wahnsinn des Herzens, lässt sie auch in ihren Plänen und Vorhaben irren, dass sie nicht wissen, wohin sie gehen oder was sie anfangen sollen. Dies alles wird durch die Vermischung des Lichts und den Überfall der Finsternis von Bildad angedeutet. Aber Hiob war kein Gottloser. Darum betraf ihn diese Rede auch nicht.

7. Die Zugänge seiner Habe werden schmal werden, und sein Anschlag wird ihn fällen.

Habe: Seine Güter werden keinen Bestand haben, sondern abnehmen und sein Vermögen und Einkommen werden im Lauf der Zeit schrumpfen.

Fällen: Er wird sich selbst ins Unglück bringen und mit seinen Plänen ins Verderben stürzen. Dies ist noch eine der geringsten Plagen der Gottlosen, dass sie durch ihre eigenen Vorhaben zugrunde gehen.

8. Denn er ist mit seinen Füßen in Strick gebracht und wandelt im Netze.

Strick gebracht: Die Gottlosen werden gefangen, wie die wilden Tiere mit Stricken gefangen werden, dass sie sich nicht wieder daraus befreien können.

9. Der Strick wird seine Fersen halten, und die Durstigen werden ihn erhaschen.

Durstigen: Es wird ein hungriger Bursche hinter ihm lauern, der ihm Hab und Gut raubt.

10. Sein Strick ist gelegt in die Erde und seine Falle auf seinen Gang.

Erde: Er wird die Gefahr nicht sehen und unversehens hineinstürzen.

Seinen Gang: Darauf er zu gehen pflegt. Es geraten aber häufig die Gottlosen ins Unglück, das sie einem anderen bereitet haben.

11. Um und um wird ihn schrecken plötzliche Furcht, dass er nicht weiß, wo er hinaus soll.

Hinaus soll: Die Not wird ihn ebenso unversehens überfallen, dass er nicht entrinnen kann.

12. Hunger wird seine Habe sein, und Unglück wird ihm bereitet sein und anhängen.

Habe sein: Anstatt Reichtum zu erlangen, wird er Hunger und Mangel leiden müssen.

Anhängen: Das Unglück wird haufenweise über ihn hereinbrechen.

13. Die Stärke seiner Haut wird verzehrt werden, und seine Stärke wird verzehren der Fürst des Todes.

Verzehrt: Dass er weder Saft noch Kraft haben wird und die Haut an ihm faltig werden wird.

Fürst des: Die Macht und Gewalt des Todes, die ihn überfallen und auslöschen wird.

14. Seine Hoffnung wird aus seiner Hütte gerottet werden, und sie werden ihn treiben zum Könige des Schreckens.

Ausgerottet: Er wird all seiner Habe und seiner Güter beraubt werden, worauf er sich verließ. Denn die Gottlosen verlassen sich auf Geld, Gut, Gewalt, Freunde und dergleichen.

Schreckens: Er wird in die Hölle und zum Teufel gejagt werden.

Nach Luther: Die Gewalt des Schreckens, der er unterliegen wird und nicht entkommen kann.

15. In seiner Hütte wird nichts bleiben; über seine Hütte wird Schwefel gestreut werden.

Nichts bleiben: Er wird um alles kommen, was er hatte und es wird nichts übrig bleiben.

Schwefel: Gott wird sein Haus mit Schwefel und Feuer vom Himmel verbrennen wie die Stadt Sodom. Das bedeutet: Der Gottlose wird zugrunde gehen mit seiner ganzen Habe.

16. Von unten werden verdorren seine Wurzeln und von oben abgeschnitten seine Ernte.

Verdorren: Wie ein Baum, der an seiner Wurzel verdorrt ist, völlig verdirbt und keine Hoffnung mehr besteht, dass er wieder grünen könnte, so wird der Mensch mit allem, was er auf Erden hat, zugrunde gehen und völlig umkommen.

Wurzel: Nach Luther: Wurzel nennt er alles, was in der Erde gepflanzt ist. Ernte alles was oben wächst wie Korn, Öl, Wein.

17. Sein Gedächtnis wird vergehen im Lande, und wird einen Namen haben auf der Gasse.

Gasse: Auf der die Menschen sonst zusammenkommen und von vornehmen Menschen reden. Da wird man entweder an ihn gar nicht oder doch nur Arges denken, wie an den Judas in der Passion oder dem Pilatus im Credo.

18. Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben werden und vom Erdboden verstoßen werden.

Vertrieben: Er wird aus dem Licht dieser Welt in die Finsternis des Unglücks und des ewigen Todes kommen in die erfahren wird, wenn er zuvor auf dieser Welt viel Unglück gehabt hat.

19. Er wird keine Kinder haben und keine Neffen unter seinem Volk; es wird ihm keiner überbleiben in seinen Gütern.

Keine Kinder: Gott wird sein Geschlecht ausrotten und er wird keine Erben hinterlassen. Es ist ein Teil des Fluches, wenn Gott die Nachkommen in kurzer Zeit völlig ausrottet.

20. Die nach ihm kommen, werden sich über seinen Tag entsetzen; und die vor ihm sind, wird eine Furcht ankommen.

Entsetzen: Wenn sie von der göttlichen Rache, die über einen zu gottlosen Menschen ergangen ist hören werden oder mit ihren eigenen Augen sehen. Denn wir sollen die Strafen der Gottlosen nicht mit tauben Ohren oder geschlossenen Augen vorüber rauschen lassen, sondern Gott die Ehre der Gerechtigkeit geben und uns durch solch schreckliche Beispiele erinnern, dass wir uns vor Sünden hüten.

21. Das ist die Wohnung des Ungerechten, und dies ist die Stätte des, der Gott nicht achtet.

Nicht achtet: So, wie ich es bisher erzählt habe, geht Gott in Wahrheit mit den Gottlosen um, und ihr Geschlecht kommt an den Ort des Verderbens und der Hölle, wenn sie keine wahre Erkenntnis Gottes haben und nicht wahrhaftig an Gott glauben, noch ihn fürchten, sondern aus Unverstand und Verachtung Gottes ihren bösen Gelüsten nachhängen. Auch wenn dies nun alles Übel und falsch vom frommen Hiob gesagt wird, so ist es doch an sich selbst wahr. Und es ist deshalb aufgeschrieben worden, dass wir das jämmerliche Ende der Gottlosen anschauen und uns nicht über ihr zeitliches Glück ärgern sollen.


Das 19. Kapitel


1. Hiob klagt, dass Gott unrecht mit ihm handelt und ihm gar keine Hoffnung übrig lässt, dass er aus diesem Unglück wieder hervorkommen könnte.

2. Und er ist unwillig, dass er auch von seiner Frau, seinen Neffen oder Enkeln geplagt und von seinen Verwandten und Hausgenossen verachtet und verlassen wird.

3. Kurz darauf nimmt er aus seinem Glauben heraus Zuflucht zu dem Sohn Gottes und empfängt Trost aus der Auferstehung der Toten.

4. Seinen Freunden aber droht er mit dem Zorn Gottes, weil sie sich gegen ihn stellen.

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Was plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten?

3. Ihr habt mich nun zehnmal gehöhnt und schämt euch nicht, dass ihr mich also umtreibt.

Zehn mal: Ihr verschmäht mich ohne Unterlass.

Umtreibt: Dass ihr mich so plagt, wo ich doch bereits genug geplagt bin. Denn ein bekümmerter Mensch soll nicht noch mehr betrübt werden.

4. Irre ich, so irre ich mir.

Irre ich: Indem ich sage, dass ich gerecht wäre.

Ich mich: Ich würde deshalb gestraft werden aber nicht ihr. Darum geht euch das nichts an. Diese Worte zeigen die große Ungeduld der Auserwählten unter dem Kreuz.

5. Aber ihr erhebt euch wahrlich wider mich und scheltet mich zu meiner Schmach.

Erhebt: Ihr möchtet gerne zu Herren über mich werden und mich unterdrücken und mit Füßen treten, nur damit ihr für weise und fromme Menschen angesehen werdet.

Schmach: Ihr drängt mir mein Elend geradezu auf und sorgt dafür, dass ich von jedermann nur noch mehr verachtet werde.

6. Merkt doch eins, dass mir Gott unrecht tut, und hat mich mit seinem Jagdnetz umgeben.

Umgeben: Er hat mich umstellt wie einen Hirsch, der nirgends entkommen kann.

7. Siehe, ob ich schon schreie über Frevel, so werde ich doch nicht erhört; ich rufe, und ist kein Recht da.

Nicht erhört: Gott achtet mich keiner Antwort würdig, auch wenn ich schreie, dass er mir Unrecht tut. Er verachtet mich, wie ein Tyrann seine Untertanen, die sich über seine unrechte Gewalt beklagen.

Kein Recht: Ich kann es von Gott nicht erlangen, auch wenn ich zu ihm schreie, dass er mich zu meinem Recht kommen lässt. Er will mir keine Gerechtigkeit widerfahren lassen. Denn in schweren Anfechtungen scheint uns Gott grausam zu sein und Unrecht mit uns zu handeln, wenn aber die Anfechtung aufhört, so zeigt er sein väterliches Gemüt wiederum.

8. Er hat meinen Weg verzäunt, dass ich nicht kann hinübergehen, und hat Finsternis auf meinen Steig gestellt.

Verzäunt: Er hat jeden Ausgang verschlossen, dass ich aus diesem großen Unglück nicht entrinnen kann.

Finsternis: Denn wenn ich auch meinte, einen Fluchtweg gefunden zu haben, so wurde mir dieser doch auch wieder genommen und mit dichter Finsternis überschüttet, sodass ich mich nirgends mehr hinwenden kann.

9. Er hat mir meine Ehre ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen.

Ausgezogen: Wie man ein kostbares Kleid auszieht.

Genommen: Er hat mich all meiner Herrlichkeit und Herrschaft beraubt und mich in die äußerste Verachtung gebracht.

10. Er hat mich zerbrochen um und um und lässt mich gehen, und hat ausgerissen meine Hoffnung wie einen Baum.

Baum: Er hat mich an allen Stellen angegriffen und alles an mir zerschlagen und zerbrochen, dass nichts Aufrechtes mehr an mir ist, sondern ich bin wie ein Baum, der mit der Wurzel ausgerissen ist. Darum ist es aus mit mir und ich habe es so wenig Hoffnung, aus diesem großen Unglück wieder vorzukommen, wie ein Baum wieder grünen könnte, der mit der Wurzel ausgerissen und weggeworfen worden ist. Denn wenn unser Fleisch sich selbst überlassen bleibt, so kann es nicht anders, als dass es an jeder göttlichen Hilfe verzagt.

11. Sein Zorn ist über mich ergrimmt, und er achtet mich für seinen Feind.

Ergrimmt: Gott zürnt nicht nur ein wenig mit mir, sondern er ist mit großer Wut gegen mich entbrannt.

Feind: Den er mit Leib und Seele zugrunde richten will und er wird davon nicht ablassen, bis er es vollendet hat. Denn erzählt mich nicht mehr unter seine Kinder.

12. Seine Kriegsleute sind miteinander gekommen und haben ihren Weg über mich gepflastert und haben sich um meine Hütte her gelagert.

Gelagert: Das ist: Das Unglück, das Gott mir zugeschickt hat, hat mich haufenweise überfallen und mich zertreten wie ein großes Kriegsvolk, von dem ich völlig umringt und umgeben bin, dass ich keine Erlösung und keine Flucht finden kann. Denn in Widerwärtigkeiten scheinen uns alle Geschöpfe feindlich eingestellt zu sein, dass sie gegen uns streiten, als ob sie von Gott selbst dazu bewaffnet und ausgerüstet wären.

13. Er hat meine Brüder ferne von mir getan, und meine Verwandten sind mir fremd worden.

Getan: Er macht, dass ich von all meinen Freunden und Verwandten verlassen werde und weder Trost noch Hilfe von ihnen erwarten kann. Denn wer in großem Glück schwebt, der hat viele Freunde. Wo aber das Glück einem den Rücken wendet, so ist es mit der Freundschaft auch vorbei.

14. Meine Nächsten haben sich entzogen, und meine Freunde haben mein vergessen.

Vergessen: Sie beachten mich nicht mehr. Dies hat den gleichen Sinn wie im vorigen Text und wird vom Heiligen Geist darum wiederholt, damit wir uns dabei daran erinnern, dass wir nicht auf Menschen, sondern auf Gott unsere Hoffnung setzen sollen.

15. Meine Hausgenossen und meine Mägde achten mich für fremd, ich bin unbekannt geworden vor ihren Augen.

Hausgenossen: Die sich aus der Fremde in mein Haus aufgenommen und ihnen Unterschlupf gewährt habe, die betrachten mich, als wenn ich ein Fremder und sie in meinem Haus daheim wären, und sie tun mir keine Ehre an, sondern sie verachten mich viel mehr. Dies ist eine deutliche Vermehrung der Trübsal, wenn jemand von denen verachtet wird, die ihn eigentlich ehren sollten.

16. Ich rief meinem Knecht, und er antwortete mir nicht; ich musste ihm flehen mit eigenem Munde.

Knecht: Um ihm etwas zu befehlen, was er für mich erledigen sollte.

Mir nicht: Er tat so, als würde er mich nicht hören und erachtete mich nicht für gut genug, dass er mir überhaupt zuhören würde.

Flehen: Ich musste mit vielen Bitten es von ihm erlangen, was ich begehrte. Denn ich spürte eine große Undankbarkeit unter dem Personal.

17. Mein Weib stellt sich fremd, wenn ich ihr rufe; ich muss flehen den Kindern meines Leibes.

Fremd: Sie ist mir nicht mehr gewogen und lässt ausreichend merken, dass sie ihr Gemüt von mir abgewandt hat. Dies ist die größte Plage, wenn jemand von seinem eigenen Weib geschmäht und verachtet wird.

Meines Leibes: Meine Enkel, die doch mein Fleisch und Blut sind, weil sie von meinen Kindern geboren wurden.

18. Auch die jungen Kinder geben nichts auf mich; wenn ich mich wider sie setze, so geben sie mir böse Worte.

Setze: Wenn ich mich gegen ihre Bosheit und ihren Mutwillen wehren will.

Böse Worte: Dass sie alle meine Ermahnungen verachten und verlachen und keinerlei Respekt vor mir haben.

19. Alle meine Getreuen haben Gräuel an mir; und die ich lieb hatte, haben sich wider mich gekehrt.

Getreuen: Meine geheimen Räte, die ich in wichtigen Sachen zu gebrauchen pflegte, haben jetzt Abscheu vor mir.

Gekehrt: Dass sie mir jeden Verdruss antun. Denn wohin sich das Glück wendet, da folgen ihm die Leute und die, die in glücklichen Zeiten als geheime Räte dem Fürsten zur Seite standen, die finden sich als Feinde, wenn es schlecht geht.

20. Mein Gebein hängt an meiner Haut und Fleisch, und kann meine Zähne mit der Haut nicht bedecken.

Hängt: Ich bin nur noch Haut und Knochen und ein solches Bild bieten nur die Menschen, die entweder durch langwierige Krankheiten des Leibes oder vor Herzeleid alle Kraft des Leibes verloren haben.

21. Erbarmt euch mein, erbarmt euch mein, ihr, meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich gerührt.

Gerührt: Ihr seht, meine lieben Freunde, dass Gott, der Herr, mich mit seiner gewaltigen Hand angegriffen hat und mich plagt. Darum habt doch endlich Mitleid mit mir und erbarmt euch meiner, wenn ihr noch etwas Menschliches an euch habt und nicht härter seid als ein Stein. Diese Worte sind im Papsttum auf die Seelen bezogen worden, von denen sie erdichtet haben, dass sie im Fegefeuer geplagt werden und die Lebendigen so um Hilfe anschreien, damit sie umso eher aus dem Fegefeuer durch Fürbitten und Seelenmessen und andere errichteten Gottesdienste erlöst werden. Denn Hiob sagt dies hier noch in seinem Leben zu seinen lebendigen Freunden und er ist noch nicht gestorben. Dadurch deutet er auf ihre halsstarrige Bosheit und dass sie ihm weder Hilfe noch Trost zukommen ließen, wie aus dem Folgenden abzuleiten ist.

22. Warum verfolgt ihr mich gleich so wohl als Gott und könnt meines Fleisches nicht satt werden?

Als Gott: Ist es nicht genug, dass ich Gott zum Widersacher habe?

Satt werden: Indem ihr mich Unschuldigen und elenden Menschen mit eurem Schimpfen und Lästern so plagt und quält. Hier sieht man, was für eine grässliche Sache es ist, wenn man einen betrübten Menschen mit giftigen Schmähungen anfährt. (Nach Luther) Ihr könnt nicht aufhören, mich zu beißen und zu strafen.

23. Ach, dass meine Reden geschrieben würden! Ach, dass sie in ein Buch gestellt würden,

24. mit einem eisernen Griffel auf Blei und zu ewigem Gedächtnis in einen Fels gehauen würden!

Gehauen: Dass man sie niemals vergessen würde und sie auf alle Nachkommen gehört würden, so wie früher die Gesetze und andere Dinge, die man lange aufbewahren wollte in solches Material gefräst und gehauen worden ist. Hier hat Gott dem Wunsch des Hiob entsprochen, indem seine Reden in diesem Buch verzeichnet worden sind, woraus alle Nachkommen bis ans Ende der Welt lesen können, in welch großes Unglück Gott manchmal auch seinen lieben Kinder geraten lässt, auch wenn sie unsträflich gelebt haben und dass er sie unter ihrem schweren Kreuz wunderbar erhält und viele von ihnen auch wieder davon erlöst.

25. Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt; und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken;

Erlöser: Nach Luther: Mein Retter und Rächer, denn Christus rächt uns gegen den Mörder unserer Seelen, nämlich den Teufel.

Lebt: Mitten in diesen Gedanken von seiner Verzweiflung wird Hiob mit einem herrlichen göttlichen Trost wieder aufgemuntert, womit der Heilige Geist sein Herz wie mit einem himmlischen Glanz erleuchtet hat. Und damit will er folgendes sagen: Obwohl ich sehe und spüre, mit welch großem Elend und Trübsal ich überfallen und gedrückt werde, so weiß ich doch, dass ich einen Erlöser im Himmel habe, nämlich den Sohn Gottes, der lebt und der ewig leben wird und der mich vom ewigen Tod erretten wird, wie auch von allen anderen Unglücksfällen dieses zeitlichen Lebens. Und mit ihm zusammen werde ich in alle Ewigkeit leben. In dieser Form kämpfen der Glaube und die Verzweiflung in einem frommen Menschen, wenn er angefochten wird miteinander, bis der Glaube endlich hervorkommt und die Oberhand gewinnt. Und es ist Art des Glaubens, dass er im Tod das Leben sieht, in der Hölle den Himmel und in Gott, der sich wie ein Verdammter stellt, einen gnädigen Erlöser.

Aufwecken: Auch wenn ich sterbe und wie alle anderen Menschen unter der Erde verfaulen muss.

26. und werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.

Haut: Aber nicht mit einer solch schäbigen, elenden Haut, wie ich sie jetzt habe, sondern mit einer herrlichen und verklärten.

Sehen: In höchster und unaussprechlicher Freude. Hier haben wir den Artikel unseres Glaubens von der Auferstehung des Fleisches.

27. Denselben werde ich selbst sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Meine Nieren sind verzehrt in meinem Schoß.

Mir sehen: Nicht mehr als einen Feind, wie er sich jetzt mir gegenüberstellt, sondern wie einen gnädigen Vater, bei dessen Anblick ich Ruhe finden will. Und ich habe auch jetzt meine Hoffnung auf ihn gestellt.

Schauen: Mit großer Lust und Freude. Denn wir werden ihn sehen, wie er ist, an den wir jetzt glauben {1Joh 3}.

Fremder: Denn welche fremd sind vom Reich Gottes, wie es alle Ungläubigen sind, die werden des fröhlichen göttlichen Anblicks beraubt werden. Und wenn sie einmal Gott sehen werden, so werden sie von dem Angesicht des Herrn mit ewiger Pein gestraft werden, sodass sie ihn lieber nicht sehen wollten, weil sie ihn als einen ernsten und strengen Richter werden anschauen müssen {2Thes 1}.

Meine: Nach diesem lieblichen Trost verfällt Hiob wieder in seine Klagen. Denn der Schmerz des Leibes ließ nicht nach und seine Freunde blieben bei ihrer vorigen Meinung, dass sich Hiob mit äußeren und groben Sünden schwer an Gott vergangen hätte.

Verzehrt: Wenn ich auch auf eine Erlösung von allem Übel hoffte, so empfinde ich doch unterdessen, dass alle Kräfte meines Leibes abgenommen haben vor Traurigkeit. Zudem lindert ihr, meine Freunde, meine Schmerzen nicht, sondern ihr macht sie nur größer.

28. Denn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache zu ihm finden?

Verfolgen: Wir wollen ihn ordentlich zurechtstutzen.

29. Fürchtet euch vor dem Schwert; denn das Schwert ist der Zorn über die Missetat, auf dass ihr wisst, dass ein Gericht sei.

Zorn: Womit das Unrecht gestraft wird.

Gericht sei: Fürchtet euch vor Gott, der ein Richter und Rächer sein wird am Jüngsten Tag. Denn ihr werdet dann seinen ganzen Zorn, der mit einem zweischneidigen Schwert verglichen werden kann, für eure Bosheit empfinden, sofern ihr nicht Buße tut. Dann werdet ihr, natürlich zu spät, erkennen, dass es noch ein gerechtes Gericht gibt, von dem die Bosheit der Menschen gestraft wird.


Das 20. Kapitel


Zophar redet viel von der Unbeständigkeit des Glücks bei den Gottlosen und zieht daraus fälschlicherweise dem Schluss, dass Hiob gottlos gewesen sein müsse, weil er zuerst Glück gehabt hätte, jetzt aber in solch großes Unglück geraten sei.

1. Da antwortete Zophar von Naema und sprach:

2. Darauf muss ich antworten und kann nicht harren.

Darauf: Weil du dich nämlich deine Unschuld so hoch rühmst.

Nicht harren: Ich kann mich nicht länger zurückhalten. Und hier wird das Gemüt derjenigen abgebildet, die vor großer Weisheit, die sie sich selbst einbilden wie mit einem verrückten Stolz so aufgeblasen sind, dass sie nicht erwarten können, bis der andere mit seiner Rede geendet hat, sondern sie fallen ihm ständig ins Wort.

3. Und will gerne hören, wer mir das soll strafen und tadeln; denn der Geist meines Verstandes soll für mich antworten.

Tadeln: Ich möchte gern den sehen, der mir in dieser Sache Unrecht geben wird.

Antworten: Meine bescheidenen Worte werden meine Weisheit ausreichend zu erkennen geben und meine Sache vertreten. Denn nur Narren meinen, sie wüssten alles am besten.

4. Weißt du nicht, dass es immer so gegangen ist, seit das Menschen auf Erden gewesen sind;

5. dass der Ruhm der Gottlosen nicht lange steht, und die Freude des Heuchlers währt nur einen Augenblick?

Nicht lange: All sein Tun hat keinen Bestand und sein Glück hat bald ein Ende. Darum ist es kein Wunder, dass dein glücklicher Zustand auch nicht länger gedauert hat, weil du bisher ein gottloser Heuchler gewesen bist. Was Zophar allgemein von den Gottlosen hier spricht, ist zwar wahr, wird aber zu Unrecht auf den Hiob bezogen. Es ist deswegen eine schlechte Weisheit, wenn zwar richtige Reden vorgebracht werden, diese aber nicht auf die richtigen Personen bezogen sind.

6. Wenn gleich seine Höhe in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt,

Rührt: Auch wenn er an Reichtum und Macht oder auch an Ehre über alle Maße zugenommen hätte.

7. so wird er doch zuletzt umkommen wie ein Dreck, dass die, vor denen er ist angesehen, werden sagen: Wo ist er?

Dreck: Er wird in höchste Verachtung geraten und ins ewige Verderben geworfen werden.

Ist er: Der mächtigste und ansehnlichste Mensch.

8. Wie ein Traum vergeht, so wird er auch nicht gefunden werden, und wie ein Gesicht in der Nacht verschwindet.

Verschwindet: So wie Träume nichts Reales sind und verblassen, so ist es auch mit den Heuchlern beschaffen, dass es keinen Bestand mit ihnen hat. Wir sollen uns deswegen deren Glück nicht wünschen, sondern uns vielmehr nach der himmlischen und ewigen Seligkeit sehnen und den Untergang der Gottlosen stattdessen mit Geduld abwarten.

9. Welch Auge ihn gesehen hat, wird ihn nicht mehr sehen, und seine Stätte wird ihn nicht mehr schauen.

Schauen: Er wird nicht mehr an seinem Ort gefunden werden.

10. Seine Kinder werden betteln gehen, und seine Hand wird ihm Mühe zu Lohn geben.

Lohn geben: Er wird seinen gebührenden Lohn für seine bösen Werke bekommen. Denn die Schrift bezeichnet Mühe und Arbeit als solche Werke, wodurch Gott entweder nicht richtig oder doch vergeblich geehrt wird oder womit wir dem Nächsten Mühe machen. Die deswegen ihre Kinder glücklich zurücklassen wollen und auch selbst den Strafen der Sünden entkommen möchten, die sollen beständig in der Gottseligkeit ausharren.

11. Seine Beine werden seine heimliche Sünde wohl bezahlen und werden sich mit ihm in die Erde legen.

Bezahlen: Gott wird ihn für seine heimlichen Sünden ausreichend strafen und ihn vor der Zeit zu Staub und Asche machen. Damit uns aber weder heimliche noch offenkundige Sünden zugerechnet werden und wir deswegen nicht bestraft werden, sollen wir ernsthaft Buße tun.

12. Wenn ihm die Bosheit gleich in seinem Munde wohl schmeckt, wird sie doch ihm in seiner Zunge fehlen.

Schmeckt: Dass sie ihm gut gefällt und so wie eine wohlschmeckende Speise ihm die Güter lieb sind, die er mit Betrug und bösen Praktiken zusammengetragen hat. Zusammengefasst: Sie kommt ihm wie Zucker vor.

Fehlen: Es wird mit seiner Bosheit nicht lange dauern und keinen Bestand haben, sondern es wird ihm bald bitter schmecken.

Nach Luther: Wenn er Bosheit sät, hat er Wollust und Ruhe. Aber es wird nicht andauern und ihm bald bitter schmecken.

13. Sie wird aufgehalten und ihm nicht gestattet, und wird ihm gewehrt werden in seinem Halse.

Hals: Es wird ihm nicht so viel Zeit bleiben, dass er sie schlucken kann, das ist, er wird sich an seine zu Unrecht erworbenen Gütern nicht lange freuen oder diese mit Lust genießen können.

14. Seine Speise inwendig im Leibe wird sich verwandeln in Otterngalle.

Otterngalle: Wenn es ihm dann doch so gut geht, dass er es hinunter schluckt, was er mit Unrecht erworben hat, so soll ein solcher Geizhals dennoch wissen, dass er tödliches Gift eingenommen hat, dass ihm das Herz abstößt und in das ewige Verderben des Leibes und der Seele bringen wird, sofern er nicht Buße tut. Denn über das, das die Geizigen sich in großer zeitlicher Mühe und Jammer stürzen {1Tim 6}, werden sie auch keinen Anteil am Reich Gottes haben {1Kor 6}.

15. Die Güter, die er verschlungen hat, muss er wieder ausspeien; und Gott wird sie aus seinem Bauch stoßen.

Stoßen: Er wird die Güter, die er mit Unrecht erworben hat, nicht lange behalten. Denn was die Gottlosen mit bösen Praktiken erreichen, das wird ihnen wieder genommen, entweder durch Krieg oder durch andere Unglücksfälle. Oder es wird doch von den Kindern mit einer üppigen Lebensweise vertan, die darüber im allgemeinen zeitlich und ewig verderben.

16. Er wird der Ottern Galle saugen, und die Zunge der Schlange wird ihn töten.

Saugen: Er wird tödliches Leid und Elend leiden und alles Gute wird ihm geraubt werden.

Töten: Wenn der Gottlose glaubt, er hätte gut gefischt und würde nun etwas Süßes naschen, wie die Muttermilch, so saugt er doch ein tödliches Gift in sich auf. Denn wenn die Geizigen die Güter anderer Menschen durch Wucher an sich bringen und sie sich mit diesem Verhalten selbst gefallen, so steht Ihnen gewiss ihr Verderben bereit.

17. Er wird nicht sehen die Ströme noch die Wasserbäche, die mit Honig und Butter fließen.

Fließen: Er wird des göttlichen Segens nicht teilhaftig werden, auch kein ausreichendes Einkommen von seinen Äckern haben. Vielleicht bezieht er dies auch auf das Land Kanaan, das Gleichnis aber meint hier das ewige Leben. Denn obwohl die Geizigen viele Güter haben, so können Sie diese doch nicht richtig nutzen und haben mehr Mühe als Vergnügen daran.

18. Er wird arbeiten und des nicht genießen; und seine Güter werden andern, dass er deren nicht froh wird.

Froh wird: Als seine Güter werden ihn nicht erfreuen, die er mit so großer Höhe zusammengespart und gekratzt hat. Manchmal erfährt man auch, dass die Geizigen, wenn sie auch noch so große Güter zusammengetragen haben, zum Strick greifen und sich selbst das Leben nehmen.

19. Denn er hat unterdrückt und verlassen den Armen; er hat Häuser zu sich gerissen, die er nicht erbaut hat.

Armen: Er hat sie übervorteilt und mit Wucherzinsen überzogen und den Bedürftigen keine Hilfe erwiesen. Beides ist eine große Sünde, dass man Geld und Gut in unrechterweise an sich bringt und den Armen mit keinem Almosen behilflich ist.

Nicht erbaut: Er hat anderen Menschen Mühe und Arbeit haben lassen und danach diese Güter an sich gezogen. Es wäre zu wünschen, dass es heutzutage solche Beispiele nicht mehr unter den Christen gäbe.

20. Denn sein Wanst konnte nicht voll genug werden, und wird mit seinem köstlichen Gut nicht entrinnen.

Voll werden: Mit Gütern. Denn ein geiziger Mensch hat Mangel an dem, was er hat, als auch an dem, was er nicht hat. Er kann niemals gesättigt werden.

Nicht entrinnen: Sein Reichtum, worauf er all seine Hoffnungen gesetzt hat und den er für sein höchstes Gut geachtet hat, wird ihn nicht aus der Gefahr retten, noch vom Tod befreien, noch viel weniger vor der ewigen Verdammnis bewahren. Denn wenn Gott den Geizigen mit seinem gerechten Urteil strafen will, so nützen ihm alle seine Güter nichts.

21. Es wird seiner Speise nicht überbleiben; darum wird sein gutes Leben keinen Bestand haben.

Übrig bleiben: Denn weil er davon den Armen nichts abgegeben hat, so wird ihm Gott sein Hab und Gut verfluchen, dass es ihm verschwindet und er selbst auch nichts davon genießen kann.

22. Wenn er gleich die Fülle und genug hat, wird ihm doch angst werden; allerhand Mühe wird über ihn kommen.

Kommen: Wenn ihm auch viele Güter und großer Reichtum zufällt, woran er seine Lust hat, so wird er dabei doch keine Ruhe haben können, sondern mit vielen Unglücksfällen überfallen werden.

23. Es wird ihm der Wanst einmal voll werden, und er wird den Grimm seines Zornes über ihn senden; er wird über ihn regnen lassen Unglücke.

Voll werden: Dass er aufhören muss, die Güter anderer Menschen zu rauben.

Senden: Gott wird ihm schwere Strafen auf den Hals schicken, wobei er spüren wird, wie heftig Gott über ihn erzürnt ist.

Regnen: Es werden ihm viele Unglücksfälle zugleich überfallen, sodass man meinen könnte, es hätten sich alle Kreaturen auf Gottes Befehl hin gegen ihn verschworen.

24. Er wird fliehen vor dem eisernen Harnisch, und der eherne Bogen wird ihn verjagen.

Fliehen: Er wird vor Furcht und Schrecken jeden Augenblick über die Flucht nachdenken. Denn es wird kaum ein Geiziger gefunden, der beherzt ist, sondern sobald er hört, dass ein Kriegsgeschrei ausbricht, so rafft er sein Geld geschwind zusammen und bringt es an einen Ort, wo er meint, dass es sicher sei.

25. Ein bloß Schwert wird durch ihn ausgehen, und des Schwerts Blitz, der ihm bitter sein wird, wird mit Schrecken über ihn fahren.

26. Es ist keine Finsternis da, die ihn verdecken möchte. Es wird ihn ein Feuer verzehren, das nicht aufgeblasen ist; und wer übrig ist in seiner Hütte, dem wird es übel gehen.

Verdecken: Dass Gott sein gerechtes Urteil nicht an ihm vollstrecken könnte.

Nicht aufgeblasen: So wie Gott die Edomiter durch Feuer vom Himmel verdorben hat, das von keinem Menschen gelöscht werden konnte und den sie nicht entrinnen konnten, so wird Gott auch einem solch Gottlosen, grausamen und geizigen Menschen strafen, dass jedermann spüren kann, Gott habe eine besondere Strafe an ihm sehen lassen.

Nach Luther: Ein Feuer von Gott entzündet, nicht durch Menschen aufgeblasen.

Übel gehen: Wenn jemand von seinen Kindern und Nachkommen übrig geblieben ist und nicht in der besonderen göttlichen Strafe umgekommen ist, der wird dennoch die übrige Zeit seines Lebens auch kein Glück haben.

27. Der Himmel wird seine Missetat eröffnen, und die Erde wird sich wider ihn setzen.

Setzen: Nämlich am Jüngsten Tag werden seine Falschheit, seine Gaunereien und Betrügereien an den Tag kommen, dass alle Geschöpfe gegen ihn aussagen werden und anzeigen, was er für ein lasterhafter, böser Mensch gewesen ist, den auch der Himmel und die Sonne nicht gern angesehen, und die Erde auch gegen ihren Willen getragen hat.

28. Das Getreide in seinem Hause wird weggeführt werden, zerstreut am Tage seines Zorns.

Weggeführt: Von den Feinden, die ihm helfen werden, dass Korn zu dreschen und so mit ihm teilen, dass er nichts übrig behalten wird.

Seines Zorns: Wenn der Zorn Gottes an ihm die Strafe ausüben wird.

29. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe seiner Rede bei Gott.

Bei Gott: Den er von Gott, als einem gerechten Richter und Rächer über alles gottlose Wesen zu erwarten hat. Obwohl dies alles von Zophar zu Unrecht auf den frommen Hiob bezogen wird, als ob dieser ein gottloser Heuchler gewesen wäre und seinen Reichtum mit Unrecht zusammengebracht hätte, ist es kein Wunder, dass er diesen Reichtum schnellen wiederum verloren hat und in ein solches Unglück geraten ist. Dies ist zwar an sich selbst alles richtig, und geizigen Menschen und Heuchler können die oben aufgezählten Strafen sicher erwarten. Deshalb sollen wir uns vor Heuchelei und Geiz mit größtem Fleiß hüten und uns nicht darum bemühen, wie wir mit bösen Praktiken, die Gott zuwider sind, reich werden können, damit wir uns nicht ins zeitliche Unglück und ins ewige Verderben stürzen.


Das 21. Kapitel


Hiob beharrt auf seine Meinung, dass man aus dem äußerlichen Glück oder Unglück eines Menschen, von seiner Frömmigkeit oder Bosheit nicht urteilen kann. Denn die Gottlosen sind oft glückselig. Es leben dagegen die Frommen in großem Jammer und Elend bis zum Tod (Vers 7). Aber die Gottlosen werden vor dem ewigen Gericht Gottes seinen großen Zorn empfinden (Vers 30).

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Hört doch zu meiner Rede und lasst euch raten!

Raten: Weil ihr in einem groben Irrtum steckt, da von ihr abstehen müsst. Denn ihr meint es falsch, dass das äußerliche Unglück ein unfehlbares Zeichen sei, eines zuvor geführten heuchlerischen und lasterhaften Lebens.

3. Vertragt mich, dass ich auch rede, und spottet danach mein.

Danach: Höhere mich doch zuvor, und wenn ihr meint, dass ich ungereimte Sachen vorbringe, so möchtet ihr das Gespött mir treiben, wie er es ohnehin tut. Es ist aber dies unter anderen auch ein allgemeiner Mangel an den Leuten, dass sie wesentlich von einem Ding urteilen, so sie entweder nicht richtig gehört, oder doch nicht genügend verstanden haben.

4. Handle ich denn mit einem Menschen wegen meiner Klage, dass mein Mut hierin nicht sollte unwillig sein?

Unwillig: Sollte es ein Wunder sein, da ich häufig etliche ungeduldige Worte fahren lasse, weil ich mit Gott handeln muss, gegen welchen, wenn ich meine Unschuld lange verteidige, ich doch nichts ausrichten kann? Lieber, was würdet ihr wohl tun, wenn ihr an meiner statt währt? Dennoch nehmt ihr meines Herzens Unwürdigkeit zum Schlimmsten auf, und redet mir übel nach.

5. Kehrt euch her zu mir; ihr werdet sauer sehen und die Hand aufs Maul legen müssen.

Zu mir: Seht mich doch an, einen Menschen, der mit großem unzähligen Unglück überfallen ist, und unterdrückt wird.

Maul legen: Denn ich habe keinen Zweifel, wenn ihr möchtet der Sachen besser nachdenken, meine großen Schmerzen recht überlegen, so werdet ihr euch über mich entsetzen, künftig mich nicht schelten und schmähen ohne aufhören.

6. Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt mein Fleisch an.

Denke: An das Unglück, so mir bisher begegnet ist, so entsetze ich mich von Herzen darüber. Ihr aber, weil ihr frisch und gesund seid, überredet euch selbst, als ob ihr könntet guten Rat geben, aber wenn ihr an meiner statt währte, würdet ihr viel anders urteilen.

7. Warum leben denn die Gottlosen, werden alt und nehmen zu mit Gütern {Ps 73v3 Jer 12v1 Hab 1v3}?

Leben: In glücklichen Zustand, da es doch besser wäre, dass sie aus dieser Welt weggeräumt würden. Als wollte er sprechen: Weil ihr immer aus einem Unfall und Elend beweisen wollt, dass ich mit Heuchelei, Tyrannei und Geiz, oder auch anderen Lastern die göttlichen Strafen auf mich gezogen habe. Ihr wollt mich überzeugen, als ob es nie einen Frommen gegeben hätte mit Unglück, und als ob die Gottlosen häufig nicht so selig wären, dass man meint, es könne ihnen keine große Gefahr zustoßen. Siehe, so will ich euch überzeugen, dass ihr ganz weit daneben urteilt. Denn man findet Gottlose, die in einem so großen Glück schweben, dass einer einen Eid schwören würde, sie wären die liebsten Kinder Gottes vor allen anderen Menschen. Darum muss man von der Leute Frömmigkeit oder Bosheit nicht nach dem Ausgang urteilen.

8. Ihr Same ist sicher um sie her, und ihre Nachkömmlinge sind bei ihnen.

Sicher: Sie haben starke und große Kinder, welches auch nicht ein geringes Stück des zeitlichen Segens ist.

Nachkömmlinge: Ihre männlichen Erben sehen Sie täglich vor sich, von denen sie nicht zweifeln, dass sie ihre Nachkommen sein werden. Welches auch ein besonderes Glück ist, wenn man männliche Erben hat.

9. Ihr Haus hat Frieden vor der Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen.

Friede: Ihr Ansehen im weltlichen Stand oder auch im Hausregiment ist still und friedlich, dass sie sich vor keinem Unglück fürchten.

Rute: Gott züchtigt sie nicht mit mancherlei Unfällen, wie die Frommen. Es ist darum kein gutes Zeichen an einem Menschen, wenn einer lange glückselig ist, ohne Gottes väterliche Züchtigung.

10. Seine Ochsen lässt man zu, und missrät ihm nicht; seine Kuh kalbt und ist nicht unfruchtbar.

Kalbt: Das ist: In der Haushaltung geht ihm alles glücklich vonstatten, also das des Gottlosen Hab und Güter sich immer mehren und weiter ausbreiten. Wir Deutschen sagen: Wer das Glück hat, dem kalbt ein Ochse.

11. Ihre jungen Kinder gehen aus wie eine Herde, und ihre Kinder lecken.

Lecken: Sie springen wie die kleinen Böcke. Welches für die Eltern eine große Freude ist, wenn sie sehen, dass Ihre jungen Kinder mit ehrlichen spielen sich ergötzen, und mit freudigem Herzen hüpfen.

12. Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Pfeifen.

Pfeifen: Das ist: Die Gottlosen missbrauchen auch der herrlichen Gaben Gottes, der Musik, dass sie sich noch mehr zur Üppigkeit und Wollust dadurch aufmuntern, da sie doch zuvor schon in so großer Sicherheit leben.

13. Sie werden alt bei guten Tagen und erschrecken kaum einen Augenblick vor der Hölle,

Augenblick: (Nach Luther) Das ist: Sie leben bis an den Tod gut, und da ist es um einen bösen Augenblick mit ihnen zu tun, so sind sie hindurch. Ich aber muss so lange Zeit Schrecken und Unglück leiden.

Hölle: Das ist: Sie leben bis an den Tod gut, und da ist es um einen bösen Augenblick oder eine Stunde zu tun, dass sie des Todes und der Hölle schrecken empfinden, so sind sie hindurch. Welches zwar auch eine besondere Glückseligkeit wäre, dass man nicht lange mit des Leibes Schmerzen gequält, oder auch mit Schrecken des Gewissens geängstigt würde, wenn die Gottlosen, wenn sie aus diesem Leben abscheiden, nicht in der Hölle ewige Pein und Qual erhielten. Wiederum empfinden die Frommen die Schrecken des Todes und der Hölle in diesem Leben, später aber gehen sie durch den Tod in die ewige himmlische Freude.

14. die doch sagen zu Gott: Hebe dich von uns, wir wollen von deinen Wegen nichts wissen.

Von uns: Das ist: Sie verwerfen die Furcht Gottes, und wollen sich nicht von ihm regieren lassen, sondern verachten das Wort Gottes, welches den rechten Weg zur Seligkeit und wie man einen gottseligen Wandel führen soll, lehrt.

15. Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten, oder was sind wir gebessert, so wir ihn anrufen {Mal 3v14}?

Wer ist: Nach dem Hiob angezeigt hat, dass die Gottlosen eine Zeit lang Glück haben, und zwar so, dass man von ihrer Frömmigkeit und Wandel keineswegs recht urteilen könne, wenn man ihren Zustand und glücklichen Fortgang ansehen will. So gibt er jetzt wiederum auch zu verstehen, dass ihr Glück nicht beständig ist, sondern sie werden bisweilen plötzlich gestürzt und fallen in großes Unglück.

16. Aber siehe, ihr Gut steht nicht in ihren Händen; darum soll der Gottlosen Sinn ferne von mir sein.

Aber: Nach dem Hiob angezeigt hat, dass die Gottlosen ein Zeit lang Glück haben, und zwar so, dass man von ihrer Frömmigkeit und Wandel auf keinen Fall recht urteilen kann, wenn man ihren Zustand und glücklichen Fortgang ansehen will. So gibt er jetzt wiederum auch zu verstehen, dass ihr Glück gar nicht beständig ist, sondern sie werden häufig plötzlich gestürzt und fallen in ein großes Unglück.

Händen: Sie haben das Glück nicht in ihrer Gewalt, so dass sie es behalten könnten, solange sie wollten, sondern es wird Ihnen oft gegen allen ihr hoffen aus den Händen entrissen.

Von mir: Ich begehre nicht ihrer Meinung zu sein, noch es mit ihnen zu halten, dass ich nicht das zeitliche Glück dieser Welt, sondern die ewige Wohlfahrt suche. Denn wenn wir durch der Gottlosen Glück gereizt und gelockt werden, dass wir es ihrem gottlosen Wandel nachtun sollen, so sollen uns bald einfallen, dass ihr Glück keinen Bestand haben werde, darum es sich keiner wünschen sollte, weil bald die ewige Verdammnis darauf erfolgen wird.

17. Wie wird die Leuchte der Gottlosen verlöschen und ihr Unglück über sie kommen! Er wird Herzeleid austeilen in seinem Zorn.

Verlöschen: Das ist: Ihr Glück wird keinen Bestand haben. Denn die Schrift nennt häufig das Glück Licht, und das Unglück Finsternis.

Zorn: Das ist: Wenn Gott anfängt, schwer wider sie zu zürnen, so wird er ihnen alle Plage und Marter anlegen.

18. Sie werden sein wie Stoppeln vor dem Winde und wie Spreu, die der Sturmwind wegführt {Ps 1v4}.

Wegführt: Denn obwohl die Gottlosen das Ansehen haben, als wenn sie ganz fest und unbeweglich stehen, so können Sie doch nicht bestehen, sobald Gott anfängt sie zu verfolgen.

19. Gott behält desselben Unglück auf seine Kinder. Wenn er es ihm vergelten wird, so wird man es innewerden.

Kinder: Gott wartet häufig mit der Gottlosen Strafe und schüttet sie über die gottlosen Nachkommen aus.

Inne werden: Das Gericht Gottes wird dann umso scheinbarer werden, wenn Gott der Eltern Bosheit an ihre gottlosen Nachkommen heimsuchen wird. Denn ehe Gott anfängt zu strafen, so meinen wir, er sei mit seinem Gericht gestorben.

20. Seine Augen werden sein Verderben sehen, und vom Grimm des Allmächtigen wird er trinken.

Verderben: Es wird Ihnen ein Unfall über den anderen begegnen, dass er sich aus keinen wieder heraus wickeln kann.

Trinken: Er wird großen Jammer und Herzeleid wie einen bitteren Trunk einnehmen müssen, den ihm Gott in seinem Grimm einschenken wird. Denn obwohl die Frommen aus dem Kelch der Trübsal trinken müssen, wie auch Christus selbst im Garten einen Kelch für seinen Leib begehrte. So mildert doch Gott den Gläubigen die Trübsal so, dass sie es mit dem Glauben überwinden können {1Kor 10}. Aber die Gottlosen müssen die Hefe aussaufen, wie der 75. Psalm meldet.

21. Denn wer wird Gefallen haben an seinem Hause nach ihm? Und die Zahl seiner Monden wird kaum halb bleiben.

Nach ihm: Es wird sich niemand seines hinterlassenen Personal annehmen, noch ihnen gewogen sein. Denn es geschieht, dass der gottlosen Nachkommen in großer Verachtung sein werden und von jedermann angefeindet, wie die Beispiele bezeugen.

Halb bleiben: Das ist: Gott wird den Gottlosen ihr Leben abkürzen. Denn ob sie gleich lange leben, so sterben sie sich selbst doch nur gar zu bald, weil sie das vornehmste Werk eines Menschen auf Erden noch nicht verrichtet, welches ist, Gott recht erkennen: So sterben sie auch oft mitten in ihrem Vorhaben, welches sie noch nicht zu Ende gebracht haben.

22. Wer will Gott lehren, der auch die Hohen richtet?

Richtet: Jetzt wendet sich Hiob wiederum zudem, dass er anfangs gesagt, wie, nämlich, die Gottlosen eine Zeit lang großes Glück haben, und warnt uns, dass wir uns nicht daran stoßen oder ärgern sollen, weil es Gott dem gerechten Richter also für gut ansieht, der keines Lehrmeisters bedarf, und wohl wisse, wie er mit den Gottlosen umgehe und wann er sie strafen soll. Darum sollen wir uns über die Gerichte Gottes verwundern, aber dieselben nicht tadeln.

23. Dieser stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge;

Gesund: Dass er nicht durch schmerzhafte Krankheiten lange geplagt wird. Das ist aber ein Stück des zeitlichen Segens, wenn einer nicht viel und lange krank ist.

24. sein Melkfass ist voll Milch, und seine Gebeine werden gemästet mit Mark;

Milch: Er hat alles voll auf, wo er nur hin greift, und spürt nirgends keinen Mangel.

Gemästet: Er hat einen gesunden Leib und einen feisten Wanst, weil er immer voll auf gehabt hat, und in Freuden gelebt. Denn Hunger und Traurigkeit dörren die Gebeine aus, und verzehren das Mark,

25. jener aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie mit Freuden gegessen;

Betrübter Seele: Der sein Leben in Jammer und Trübsal zu gebracht hat.

Gegessen: Er hat nie einen guten oder fröhlichen Tag gehabt, denn wenn bekümmerte Leute gleich Speise zu sich nehmen, so erlaben Sie sich doch nicht damit.

26. und liegen gleich miteinander in der Erde, und Würmer decken sie zu.

Sie zu: Das ist: Es werden sowohl der glückliche als der unglückliche, wenn sie sterben, in die Erde gelegt und von den Würmern verzehrt, da sieht man später keinen Unterschied, wem es zu Lebzeiten wohl oder übel gegangen sei. Weil darum etliche Gottlose an den Tod in ihrem glücklichen Zustand bleiben. Dagegen aber etliche Fromme die ganze Zeit ihres Lebens mit und Sorgen zu bringen, doch endlich beide zu Staub und Asche werden. So sehen wir (will Hiob sagen) genügend, dass man von eines Menschen Frömmigkeit oder Bosheit nicht urteilen soll, nachdem es ihm geht, wie ihr meine hübschen Freunde gegen mich zu urteilen nicht ablassen wollt.

27. Siehe, ich kenne eure Gedanken wohl und euren Frevel wider mich.

Kenne: Ich weiß wohl sehr gut, wie unrecht ihr von mir urteilt und haltet. Das ist aber eine große und schwere Sünde, ohne erhebliche Ursache auf jemand einen bösen Argwohn zu schöpfen, welches der christlichen Liebe widerstrebt {1Kor 13}.

28. Denn ihr sprecht: Wo ist das Haus des Fürsten, und wo ist die Hütte, da die Gottlosen wohnten?

Fürsten: Ihr schließt aus alle dem also (will er sagen:). Wenn Hiob ein frommer Fürst und Regent, und nicht gottlos gewesen wäre, so würde Gott nicht so unbarmherzig mit ihm und seinem ganzen Personal umgegangen sein, weil er aber alle seine lieben Kinder samt seinem ganzen Gut verloren hat, dazu selber übel geplagt wird, so muss er solche Strafen wohl verdient haben.

29. Redet ihr doch davon wie der gemeine Pöbel und merkt nicht, was jener Wesen bedeutet.

Jener: nämlich, der Gottlosen. Als wollte er sprechen: Ihr redet eben von der Sache, wie der Blinde von der Farbe, und urteilt, wie das allgemeine unverständige Personal forscht sucht aber nicht aus der Schrift und aus dem Worte Gottes, was der Gottlosen Glück bedeutet und auf sich habe, nämlich, dass es kein Zeichen der göttlichen Gnade ist, sondern vielmehr ein vorher gehendes Zeichen der ewigen Strafe, die in der zukünftigen Welt erfolgen wird.

30. Denn der Böse wird behalten auf den Tag des Verderbens, und auf den Tag des Grimms bleibt er.

Behalten: Gott hält ihn, wie eine gemästete Sau, auf dass er zu seiner Zeit desto jämmerlicher umkomme. Und werden die Gottlosen oft sehr erhöht, auf dass sie später desto tiefer fallen.

Bleibt er: Gott wird ihn vor sein Gericht fordern, wo er seinen schrecklichen Zorn wider die Gottlosen und Unbußfertigen sehen lassen wird. Diesen Tag des Gerichtes der Apostel Paulus eben wegen solcher Ursachen den Tag des Zorns nennt {Röm 2}.

31. Wer will sagen, was er verdient, wenn man es äußerlich ansieht? Wer will ihm vergelten, was er tut?

Sagen: Das ist: Aber bis Gott den Gottlosen vor Gericht stellt, kann niemand aus dem äußerlichen Ansehen urteilen, wer fromm oder böse sei, und wer Strafe verdiene oder nicht. Aber er wird darum Gottes Urteil nicht entrinnen, wenn seine Bosheit gleich vor den Leuten verborgen bleibt.

Vergelten: (Nach Luther) Das ist: Wer kann es beurteilen, was ihm zu vergelten sei, ohne Gott allein.

32. Aber er wird zum Grabe gerissen und muss bleiben bei dem Haufen.

Haufen: Der Gottlose muss doch zuletzt auch an die die Reihe und ebenso wohl dem Grabe zuteilwerden, als andere Leute, wenn er gleich noch so lange großes Glück auf dieser Welt gehabt hat. Es gibt aber dies dem betrübten Frommen auch einen Trost, wenn sie sehen, dass die, die zuvor ganz stolz gewesen, endlich in die Erde verscharrt werden. (Nach Luther) Das ist: Es ist ihm auch ein Grab bereitet unter den anderen Gräbern.

33. Es gefiel ihm wohl der Schlamm des Bachs, und alle Menschen werden ihm nachgezogen; und derer, die vor ihm gewesen sind, ist keine Zahl.

Das Bachs: Das ist: Die zeitlichen Güter und Reichtümer, so gegen die Geistlichen und ewigen Güter, wie ein Schlamm zu rechnen sind, der vom Bach überbleibt, wenn er ausgetrocknet ist, sind ihm gar zu lieb und angenehm, gewesen, also, dass er die himmlischen Güter unterdes versäumt hat. Nach seinem Tod aber kann er derselbe nichts mehr genießen. (Nach Luther) Das ist: Die Wollust im Fleisch und guten Leben.

Zahl: Das ist: Es müssen alle Menschen sterben, sowohl die Frommen, als die Gottlosen, derer viel vor dem Gottlosen gestorben sind, und noch viel später sterben werden. Denn so viel den zeitlichen Tod betrifft, sind alle Menschen gleich.

34. Wie tröstet ihr mich so vergeblich, und eure Antwort findet sich unrecht.

Vergeblich: Ihr verliert eure Worte umsonst, und sind eure Tröstungen nichts wert. Denn weil ihr immer bestreitet, es werde niemand von Gott gestraft, er sei denn gottlos, so geschieht es, dass er mir meine Schmerzen nicht lindert, und dazu euch an Gott versündigt, weil ihr die Wahrheit nicht kennt. So sehen wir aus diesem Kapitel, dass die Gottlosen eine Zeit lang großes Glück haben, aber solches kehrt sich schließlich um in ewige Pein. Darum sollen wir uns solch ein zeitliches gutes Leben nicht wünschen, sondern vielmehr das Kreuz Christi mit Geduld tragen, auf dass, wenn wir hier mit ihm leiden, einmal eins auch mit ihm herrschen mögen {2Tim 2}.


Das 22. Kapitel


Eliphas deutet es noch einmal falsch aus der Geschichte des Hiobs Unfall, dass er schreckliche Sünden begangen haben muss, von welchem er sich viele erdichtet. Weiter ermahnte er ihn, dass er Buße tun soll, so werde ihn Gott wieder gnädig werden.

1. Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:

2. Was bedarf Gott eines Starken, und was nützt ihm ein Kluger?

Was bedarf: Meinst du, Gott könne deiner nicht entbehren, gerade, als ob er die Welt nicht mehr regieren könnte, wenn er dich gleich um deine Sünde willen aus der Welt wegschafft? Du überredest dich selbst, dass Gott deiner Weisheit bedarf, damit du dich selber kitzelt, als ob du der göttlichen Gerichte Beschaffenheit viel besser verstündest, als wir?

3. Meinst du, dass dem Allmächtigen gefalle, dass du dich so fromm machst? Oder was hilft‘s ihm, ob du deine Wege gleich ohne Wandel achtest?

Fromm machst: Dass man dich für gerecht und unsträflich halten soll.

Achtest: Dass du immer und beharrlich bestreitest, du hast unsträflich und ohne Tadel gelebt.

4. Meinst du, er wird sich vor dir fürchten, dich zu strafen, und mit dir vor Gericht treten?

Fürchten: Als ob er eine böse Sache hätte, und deshalb dich nicht strafen dürfe, oder aber, wenn er dich bestraft hat, dass du ihn deswegen vor Gericht forderst und Grund von ihm begehren könntest, ob er Recht oder Unrecht davon gehandelt hat?

5. Ja, deine Bosheit ist zu groß, und deiner Missetat ist kein Ende.

Kein Ende: Wie kommt es und ist ein solches großes Wunder, dass du in ein solches Unglück geraten bist? Aber Eliphas schließt fälschlich aus des Hiobs Unfall, dass große Misshandlungen werden zuvor begangen sein, und verleumdet den frommen Hiob mit schweren Anklagen. Den Hiob dergleichen nie nichts gedacht oder getan hat, was ihm Eliphas vorwirft. Er bringt alles nur als Mutmaßungen hervor. Als ob er sagen wollte: Aus deinen Strafen ist gut zu erkennen, dass du ein großer Schalk und ein böser Bube gewesen sein musst.

6. Du hast etwa deinem Bruder ein Pfand genommen ohne Ursache, du hast den Nackenden die Kleider ausgezogen;

Du hast: Jetzt erzählt Eliphas etliche grobe Sünden, und vermutet der Hiob habe sie getan.

Ohne Ursache: Dass dich keine Not oder genügende Gründe dazu bewegen mussten, da hast du für dein Geld oder anderes, was du bei deinem Nächsten geliehen, ein Pfand aus seinem Hause genommen, nämlich sein Kleid, damit er sich des Nachts bedecken sollte, und hast solches bei dir behalten, dass du ihm es vor dem Sonnenuntergang nicht wiedergegeben hast. Es wird aber solche Unfreundlichkeit oder vielmehr Grausamkeit im Gesetz auf das ernsteste verboten {1Mos 22}. Und werden ohne Zweifel solche Leute, die so unbarmherzig mit den Schuldigen umgehen, vom Gott hart gestraft werden, und einmal eins um ihre Güter kommen. Doch sollen die Schuldiger sich auch gebührlich und als Biderleute verhalten.

7. du hast die Müden nicht getränkt mit Wasser und hast dem Hungrigen dein Brot versagt;

Versagt: Das ist: Die Müden und Hungrigen hast du nicht mit Speise und Trank erquickt. Was man aber bei den Jüngern und Nachfolgern Christi nicht leistet, das entzieht man Christus selber {Mt 25}. Wiederum will er einen Schluck des kalten Wassers, den man einem Menschen um seinetwillen reicht, nicht unbelohnt lassen {Mt 10}.

8. du hast Gewalt im Lande geübt und prächtig darin gesessen;

Geübt: Du hast deine Güter vermehrt mit unrechten und gewalttätigen Handlungen. Gleichwie auch noch heutigen Tages etliche die Güter ihrer Nachbarn an sich ziehen.

9. die Witwen hast du leer lassen gehen und die Arme der Waisen zerbrochen.

Gehen: Dass du ihn entweder mit Rat und Tat geholfen hast, wenn sie dich um Hilfe angeschrien haben.

Zerbrochen: Dass du sie hättest wegen deines Amtes schützen sollen, so hast du sie selbst unterdrückt. Es ist aber eine große Sünde, wenn man Witwen und Waisen nicht hilft, sondern sie auch zu Unrecht beleidigt. Denn Gott hat besonders auf die Witwen und Waisen acht, wie die Schrift hin und wieder bezeugt.

10. Darum bist du mit Stricken umgeben, und Furcht hat dich plötzlich erschreckt.

Stricken: Die Trübsal hat dich dermaßen überfallen, dass du nicht wieder herauskommen kannst.

Furcht: Welche aus einem bösen Gewissen kommt.

11. Solltest du denn nicht die Finsternis sehen, und die Wasserflut dich nicht bedecken?

Nach Luther: Finsternis heißt Trübsal und Unglück, wiederum, Licht heißt Glück und Heil.

Nicht bedecken: Meinst du, Gott werde dir ein besonderes machen, und dass dir solche große Bosheit ungestraft bleiben soll?

12. Siehe, Gott ist hoch droben im Himmel und sieht die Sterne droben in der Höhe.

Höhe: Das ist: Gott sieht auch wohl von einem hohen Ort auf alle seine Kreaturen, also, dass auch die obersten Sterne von oben beschaut. Welches jedoch nicht in der Meinung gesagt wird, als ob Gott an einem besonderen Ort im Himmel wohnt, und nicht auf der Erde wäre. Denn er erfüllt Himmel und Erde {Jer 23}. Und ist nicht weit von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir {Apg 17}. Sondern es wird mit einer solchen verblümten Rede zu verstehen gegeben, dass Gott nichts verborgen sei von allem, was die Menschen auf Erden tun oder auch denken.

13. Und du sprichst: Was weiß Gott? Sollt er, dass im Dunkeln ist, richten können?

Sprichst: Du denkst ohne allen Zweifel in deinem Herzen so.

Richten können?: Du meinst, Gott wisse nicht, was auf Erden geschehe, noch dass er die Sünden strafen werde, so noch vor den Menschen verborgen sind.

14. Die Wolken sind seine Vordecke, und sieht nicht, und wandelt im Umgang des Himmels.

Vordecke: Hinter denen er sich vor uns verbirgt, die ihm auch vor dem Gesicht stehen, dass er uns nicht sehen kann, wie du meinst.

Wandelt: Er spaziert nicht im Himmel herum, und fragt nicht danach, was die Menschen auf Erden tun. Solche Reden hört man zwar nicht oft, aber vieler Leute große Sicherheit, um gottloses Leben bezeugen es, dass sie in ihrem Herzen nichts anderes glauben, denn dass Gott der menschlichen Werke nichts angehe, welcher Glaube aber viel mehr Unglaube vor dem Jüngsten Tag besonders überhandnehmen wird.

15. Willst du der Welt Lauf achten, darinnen die Ungerechten gegangen sind,

Lauf achten: Willst du auf dem Weg wandeln, darauf die Kinder dieser Welt in ihrer Bosheit gehen, der zum Verderben führt.

Ungerechten: Welche in Sünden und Lastern ihr Leben zugebracht haben.

16. die vergangen sind, ehe denn es Zeit war, und das Wasser hat ihren Grund weggewaschen,

Zeit war: Sie sind von wegen ihrer vielfältigen Sünde ausgerottet und vertilgt worden, da sie gemeint haben, noch lange zu leben.

Weggewaschen: Das ist: Es hat sie ein großes Unglück plötzlich überfallen, und in den Grund vertilgt, nicht anders, als wenn man ein Gebäude bis auf den Grund niedergerissen und zerstört hätte. Und ermahnt zwar Eliphas recht (unrecht aber, dass er es auf den frommen Hiob falsch deutet) dass man sich nicht dieser Welt gleichstellen soll. Wie auch Paulus uns erinnert, in Römer 12. Und es ist wahr, dass die Gottlosen, wenn sie in großer Sicherheit leben, unversehens ausgerottet werden.

17. die zu Gott sprachen: Heb dich von uns, was sollte der Allmächtige ihnen tun können,

Sprachen: Dass es ihnen wohl ging, aus großer Verachtung Gottes und seines Wortes, das sie keine göttliche Verwarnung und Warnung annehmen wollten: Sondern wohl sagen durften, lass uns mit unserem Herrn Gott unbekümmert, Gott mag seinen Himmel behalten, und lasse uns unseren Mut auf Erden haben. Hielten sich deshalb also, als wenn sie Gott nicht strafen könnte, und sie nie keine gute Tat von ihm empfangen hätten. Denn die Gottlosen glauben nicht, dass sie ihre Güter von Gott empfangen, viel weniger begehren, sie ihm dafür zu danken.

18. so er doch ihr Haus mit Gütern füllte? Aber der Gottlosen Rat sei ferne von mir!

Füllte: Denn Gott lockt die boshaften mit Überschüttung der zeitlichen Güter zur Buße. Wenn er aber damit nichts ausrichtet, so kommt Ihnen desto schwerer die Verdammnis.

Sei ferne: Ich will es ihnen nicht nach tun, weil ich weiß, dass Ihnen Ihr ewiges Verderben darauf steht. Hier sieht man, wie ordentlich und künstlich die Heuchler wieder die frommen Leute reden können, die sie für gottlos ausschreien, und sich selber für fromm und unschuldig halten.

19. Die Gerechten werden sehen und sich freuen, und der Unschuldige wird sie verspotten {Ps 107v42}.

Sehen: Solche Strafen der Gottlosen.

Freuen: Weil Gott einmal aufgewacht ist, und zu erkennen gegeben hat, dass ihm solche Bosheit missfalle.

Sie verspotten: Nämlich, der Gottlosen, wenn sie im Unglück stecken, welche zuvor anderen lästig waren, da sie in der Welt oben geschwebt haben. Denn obwohl nach der Liebe allgemeiner Art, man sich über das Unglück anderer Leute, wenn sie gleich Feinde gewesen sind, nicht freuen soll. So erregt doch der Heilige Geist häufig in der kurzsichtigen Herzen ein frohlocken über der Gottlosen Untergang, welche alle nützlichen Ermahnungen in den Wind geschlagen haben, und sich allerdings nur darin befleißigen, dass sie die Frommen unterdrücken mögen. Solche Bewegungen, so nicht des Fleisches, sondern des Geistes sind, werden etliche Male in den Psalmen und Propheten wiederholt.

20. Was gilt es, ihr Wesen wird verschwinden und ihr Übriges das Feuer verzehren!

Verzehren: Das ist: Gott stürzt und macht sie zunichte, wenn sie meinen, dass sie am besten stehen. Es sticht aber Eliphas mit diesen Worten auf den Hiob, dass er um alle seiner Habe und Güter kam, (wie wir im ersten Kapitel dieses Buches vernommen haben, so im widerfahren ist) und will so viel damit zu verstehen geben, als ob ihm um seiner Bosheit willen so gestraft wurde. Wir sollen dabei Geduld lernen, wenn es sich zu trägt, dass diejenigen, welche uns trösten sollten, unserem Unfall spotten.

21. So vertrage dich nun mit ihm und habe Frieden; daraus wird dir viel Gutes kommen.

So: Jetzt ermahnt der Eliphas den Hiob, dass er Buße tun soll, so werde es geschehen, dass er später einen gnädigen Gott an ihm finden werde.

Vertrage: Versöhne dich wieder mit Gott und unterstehen dich nicht mit Lästerworten in einen Streit zu kommen, in dem du weder mit Gewalt noch mit Gerechtigkeit siegen kannst.

Viel Gutes: Du wirst einen großen Nutzen davon haben. Und es ist auch wahr, dass dem Menschen zu seiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt nichts besseres geschehen kann, als dass er Buße tut. Aber Hiob war bereits vorher bei Gott in Gnaden.

22. Höre das Gesetz von seinem Munde und fasse seine Rede in dein Herz.

Munde: Welches ich dir jetzt vorhalte, und du nichts anderes annehmen solltest, als wenn du das Gesetz Gottes aus seinem Munde selber hörtest.

Seine Rede: Die ich dir sage, dass du sie nicht in den Wind schlägst, sondern denke fleißig nach, und richte dein Leben danach an.

23. Wirst du dich bekehren zu dem Allmächtigen, so wirst du gebaut werden und Unrecht ferne von deiner Hütte tun,

Gebaut: Wenn du Buße tun wirst und von den Sünden ablassen, so werden sich deine Güter wieder vermehren.

Tun: Das ist: Wenn du wirst von deiner Ungerechtigkeit und Bosheit ablassen, und in deiner Haushaltung einen gottseligen Wandel führen wirst, so wird Gott dir, als einem Bußfertigen, häufig wiedergeben, dessen er dich als einen Unbußfertigen, richtigerweise beraubt hat.

24. so wirst du für Erde Gold geben und für die Felsen goldene Bäche;

Goldene Bäche: Das ist: Wo jetzt alles unfruchtbar und unbearbeitet ist, da wird Gott reiche Einkommen bescheren.

25. und der Allmächtige wird dein Gold sein, und Silber wird dir zugehäuft werden.

Gold sein: Das ist: Du wirst an allen Dingen einen Überfluss haben, wie du es nur begehren möchtest.

26. Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen und dein Antlitz zu Gott aufheben.

Lust haben: Du wirst dich dessen freuen, dass du einen gnädigen Gott hast.

Aufheben: Du wirst ein ruhiges Gewissen haben und wird dir durch den Glauben der Zugang zu Gott dem Vater offenstehen, dass du ihn wirst dürfen mit kindlichem Vertrauen anrufen.

27. So wirst du ihn bitten, und er wird dich hören; und wirst deine Gelübde bezahlen.

Hören: Er wird dir geben, was du begehrst.

Bezahlen: Du wirst ihm mit großer Freundlichkeit und Dankbarkeit wiederum leisten, was du ihm gelobt und versprochen hast, wenn er dir helfen würde. Es sind jetzt gleich Opfer oder auch andere Sachen.

28. Was du wirst vornehmen, wird er dir lassen gelingen; und das Licht wird auf deinem Wege scheinen.

Gelingen: Es wird einen Nachdruck haben, du wirst es können hinausführen, was du angefangen hast.

Scheinen: Du wirst einen glücklichen Fortgang spüren in allen deinem Tun. Denn das Licht heißt hier, wie auch sonst in der Heiligen Schrift, Freude und Wonne. Die Finsternis aber bedeutet Traurigkeit und Unglück.

29. Denn die sich demütigen, die erhöht er; und wer seine Augen niederschlägt, der wird genesen {Spr 29v23}.

Erhöht: Also wirst du auch erfahren und innewerden, dass dich Gott wieder hervorziehen wird und zu Ehren bringen, wenn du dich wirst vor ihm von Herzen demütigen. Denn Gott erhöht die Niedrigen. Darum auch der demütige Zöllner im Tempel dem stolzen Pharisäer vorgezogen wird, und bekommt Vergebung der Sünden und Gottes Gnade und Huld {Lk 18v13 v14}.

30. Und der Unschuldige wird errettet werden; er wird aber errettet um seiner Hände Reinigkeit willen.

Reinlichkeit: Das ist: Welcher Mensch wahrhaftig Buße tut, der wird aus allem Übel von Gott errettet und erlöst werden, und wird ihn darum erretten, weil er von Sünden abgestanden ist und nun weiter einen unsträflichen Wandel zu führen angefangen hat. Solche Verheißungen findet man im Propheten Hesekiel, Kapitel 18. Und auch an anderen Orten mehr in der Heiligen Schrift, da denen, die Buße tun, versprochen wird, dass ihnen Gott Gutes erzeigen will. Jedoch sind solche guten Werke in unserer Bekehrung nicht der Lohn oder Verdienst, um dessen Willen uns die Sünden vergeben, und wir zu Gnaden aufgenommen werden, um die Erbschaft des ewigen Lebens zu erlangen. Denn solche Ehre gebührt einig und allein dem Verdienst Christi, welchen wir uns durch kein anderes Mittel, als durch den Glauben zueignen können {Apg 4 Röm 3v4}. Was aber Eliphas hier von den Guttaten, so den Bußfertigen widerfahre, nach der Länge predigt, das ist ohne Zweifel alles wahr, und wird den Bußfertigen auch die zeitlichen Strafen entweder abgewendet, oder doch gemildert. Daneben aber behält Gott auch bisweilen die Rechtgläubigen und bußfertigen Sünder, welche wiederum zu Gnaden aufgenommen hat, noch eine Zeit lang unter dem Kreuz, auf dass der alte Adam in ihnen desto besser getötet werde, und andere solche Beispiele von Sünden abgeschreckt werden. Denselben verdeckt der unter dem äußerlichen Fluch, wie es sich ansehen lässt, den himmlischen und geistlichen Segen, welchen er ihnen doch in der Wahrheit mitteilt.


Das 23. Kapitel


Hiob ist aus Ungeduld des Fleisches auf Gott unwillig, dass er ihn, als einen Unschuldigen, wieder Recht und Billigkeit plage und unterdrücke.

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Meine Rede bleibt noch betrübt; meine Macht ist schwach über meinem Seufzen.

Noch betrübt: Die großen Schmerzen an Seele und Leib wollen noch nicht nachlassen, sondern auf eure Tröstungen, davon mein Unglück nicht gemildert, sondern nur größer gemacht wird, und kann nichts denn nur an traurige Sachen denken, und davon reden.

Schwach: Denn weil ich mich mit täglichen Seufzen mich schwäche, so behalte ich keine Kraft mehr und kann nichts ausrichten, dass mich auch das Reden verdrießt.

3. Ach, dass ich wüsste, wie ich ihn (Gott: finden und zu seinem Stuhl kommen möchte

Ach: Jetzt lehnt sich Hiob aus großer Ungeduld des Fleisches gegen Gott auf, als der wider Recht und Billigkeit nur durch seine Gewalt, ohne Ansehen der Gerechtigkeit, die elenden Unschuldigen unterdrücke.

Stuhl: Dass ich ihn könnte darüber zur Rede stellen, warum er mir unverschuldeter Sachen solch ein großes Unglück über den Hals geschickt hat.

4. und das Recht vor ihm sollte vorlegen und den Mund voll Strafe fassen

Vorlegen: Dass ich meine rechte Sache, und was derselben angeht, zum Beweis meiner Unschuld vor ihn bringen könnte.

Strafe fassen: Dass ich mich frei heraus beklagen dürfte über die Ungerechtigkeit, so er mir beweist. Ich wollte es ihm rechtschaffen zu Hause sagen, und mein Herz soll nicht schreckhaft sein.

5. und erfahren die Rede, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde!

Sagen würde: Ich wollte es dennoch gerne sehen, wie er sich verantworten würde, und was er zu seiner Entschuldigung vorbringen könnte.

6. Will er mit großer Macht mit mir rechten? Er stelle sich nicht so gegen mich,

Macht: Will er wider mich mit Gewalt anfahren?

7. sondern lege mir es gleich vor, so will ich mein Recht wohl gewinnen.

Gewinnen: Als wollte er sprechen: Ich weiß, wenn Gott nicht gewalttätigerweise handelte, sondern in einem ordentlichen Prozess sich mit mir einließe, dass ich meine Sache wollte wider ihn erhalten. Also tobt unser Fleisch unter dem Kreuz, wenn wir nur einen Augenblick uns selbst überlassen sind. Denn der alte Adam kann nichts anderes, als wider Gott murren.

8. Aber gehe ich nun stracks vor mich, so ist er nicht da; gehe ich zurück, so spüre ich ihn nicht.

Nicht da: Was soll ich denn daraus machen, weil ich Ihnen nirgends finden kann, und er sich nicht stellen noch erscheinen will, wenn ich mein Recht fordere?

9. Ist er zur Linken, so ergreife ich ihn nicht; verbirgt er sich zur Rechten, so sehe ich ihn nicht.

Ihn nicht: Er lässt sich nirgends finden, dass ich ihm die Gerechtigkeit meiner Sache vorhalten könnte. Obwohl wir nun Gott mit leiblichen Augen nicht sehen, noch aus Vernunft erkennen, oder mit Händen ergreifen können. So kann er doch in dem Mittler Christus, wenn wir mit Glauben zu ihm treten, gefunden werden, nicht zwar mit uns zu rechten oder zu hadern, denn dergestalt würde unser Übel nur größer werden {Ps 130 143}. Sondern dass er unsere Sünden verzeihe, zu Gnaden aufnehme, und das ewige Leben schenke. Aber Hiob bildet sich einen zornigen Gott ein, darum klagt er, wie er unrechter weise von ihm unterdrückt werde, und fährt immer weiter fort, sein zuvor geführtes unschuldiges Leben zu verteidigen.

10. Er aber kennt meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich erfunden werden wie das Gold.

Weg: Er weiß um meinen Wandel, den ich bisher geführt habe, und sieht mein Tun und Lassen.

Gold: Als wollte er sprechen: Gleichwie man das Gold im Feuer probiert, und wenn kein anderes Metall darunter gemischt ist, ganz rot und hübsch ohne schwarze Flecken aus dem Feuer genommen wird. Also wenngleich Gott mein ganzes Leben durchsucht, und fleißige erkundigt, so wird er doch keine Misshandlung und Laster an mir finden.

11. Denn ich setze meinen Fuß auf seine Bahn und halte seinen Weg und weiche nicht ab

Nicht ab: Ich führe ein gottseliges Leben nach dem vorgeschriebenen Worte Gottes, und beharre standhaft im heiligen Wandel.

12. und trete nicht von dem Gebot seiner Lippen; und bewahre die Rede seines Mundes mehr, denn ich schuldig bin.

Mehr: Es redet aber Hiob aus großer Ungeduld, und meint, Gott achte seiner Frömmigkeit nicht. Darum es etlichermaßen nach des Fleisches Antrieb ihn anfängt zu bereuen, dass er so an sich gehalten hat und seinen bösen Gelüsten nicht in der Welt nachgegangen ist, wie denn andere tun, weil Gott mit den Frommen umgeht, wie mit den Gottlosen. Als wollte er sprechen: Ich bin nur zu fromm gewesen, warum habe ich nicht auch getan, wie andere Leute, es geht doch einem wie dem anderen.

13. Er ist einig, wer will ihm antworten? Und er macht es, wie er will.

Einig: Das ist: Er ist alleine, und hat seinesgleichen nicht, darum ist nicht mit ihm zu handeln. (Nach Luther) Also auch {Gal 3v20}. Gott ist einig. Dessen einigen aber ist ein Mittler.

Er will: Er handelt nach seinem Wohlgefallen, und achtet nicht, ob jemand Recht oder Unrecht geschehe.

14. Und wenn er mir gleich vergilt, was ich verdient habe, so ist sein noch mehr dahinten.

Noch mehr: Das ist: Wenn ich gleich Recht von ihm erhielte, dass er meiner Frömmigkeit etlicherweise geachtet hätte, so würde er doch wiederum eine neue Sache zu mir finden, dass er mich plagte. Denn wenn er einem Menschen Unglück zuschicken will, so mangelte es ihm nicht an Ursache und Gelegenheit, nach dem Sprichwort: Wenn man einen Hund schlagen will, so kann man schnell einen Stock finden. Diese Worte sind nicht vom Heiligen Geist, sondern aus des Hiobs verdorbenen Fleisch, und von der Erbsünde gekommen. Und hier sieht man, dass auch wiederum neugeborene Menschen nicht immer geistlich, sondern auch zum Teil fleischlich sind {Röm 8}. Darum denken, reden, und tun die Wiedergeborenen bisweilen, dessen sie sich später schämen müssen und sie bereuen. Daher auch hier diese seine gar zu frechen Reden er sich später bei Gott entschuldigt hat.

15. Darum erschrecke ich vor ihm; und wenn ich es merke, so fürchte ich mich vor ihm.

Erschrecke: Weil ich sehe, dass er mit Fleiß darauf umgeht, nicht zwar, wie er meine Frömmigkeit belohne, sondern dass er mich ohne mein Verschulden umbringen möge, welches mich sehr irre macht, so oft ich daran denke.

Merke: Wie er pflegt mit den Unschuldigen umzugehen.

Fürchte: Weil ich mich besorgen muss, dass er nicht früher ablassen werde, bis er mich ganz zunichtegemacht hat.

16. Gott hat mein Herz blöde gemacht, und der Allmächtige hat mich erschreckt.

Blöde gemacht: Dass ich in meinem Unglück ganz verzagt bin, und keine Kraft noch Mut mehr habe.

Erschreckt: Also, dass ich sein Schrecken in meinem Gewissen nicht mehr ertragen kann, weil gegen den Allmächtigen niemand bestehen mag.

17. Denn die Finsternis macht kein Ende mit mir, und das Dunkel will vor mir nicht verdeckt werden.

Nicht verdeckt: Ich kann das Unglück nicht loswerden, oder davonkommen, welches mir, als einem unschuldigen Menschen, nicht sollte begegnet sein. Denn durch die Finsternis und Dunkelheit in der Schrift alles Unglück verstanden wird, wird oft gesagt. Es wird aber unser verdorbenes Fleisch sehr unmutig und ungeduldig, wenn es nicht bald die Belohnungen empfängt für seinen ehrbaren und unsträflichen Wandel.


Das 24. Kapitel


Hiob zeigt ferner an, wie Gott weise, die Welt zu regieren, verborgen ist, als dass der den gottlosen Tyrannen, Mördern, Ehebrecher und dergleichen Ihre Bosheit oft lange übersehe, die er doch endlich zur Hölle verstoße.

1. Warum sollten die Zeiten dem Allmächtigen nicht verborgen sein? Und die ihn kennen, sehen seine Tage nicht.

Verborgen: Denn weil es Gott den Bösen zulässt zu machen wie sie wollen, so scheint es, als wisse er nichts davon. Und weil ihr sagt, er straft die Bösen und nicht die Frommen, so müssen wir zugeben, dass ihr es nicht wisst, wer fromm oder böse sei?

Tage nicht: Das ist: Gott pflegt seine Verrichtungen in dieser Welt so wunderlich anzustellen, dass auch diejenigen, welche ihn aus seinem Wort haben kennengelernt, sich nicht immer in so seltsame Sachen richten können. Denn weil Gott die Frommen oft hart plagt, und dagegen zu den Sünden der Gottlosen durch die Finger sieht, so möchte mancher meinen, er wisse nicht mehr, wie er die Welt regieren soll. Denn es ärgern sich oft auch die Frommen eine Zeit lang, wenn sie sehen, dass es den Bösen so gut geht {Ps 73}.

2. Sie treiben die Grenzen zurück; sie rauben die Herden und weiden sie.

Sie: Jetzt erzählt Hiob den Gebrauch der gottlosen Leute, denen es Gott dennoch übersieht, und gleich tut, als sehe er es nicht.

Zurück: Nämlich, die Tyrannen und andere gottlose Leute, die eine Gewalt haben, verrücken die Grenzen, oder graben die Grenzsteine aus. Welches ganz offensichtlich große Bubenstücke sind.

Weiden sie: Zu ihrem Nutzen, als ob es ihre eigenen wären. Suchen also ihren Nutzen mit anderer Leute Schaden.

3. Sie treiben der Waisen Esel weg und nehmen der Witwen Ochsen zu Pfand.

Esel: Mit denen die Waisen ihre Feldarbeit und Hausgeschäfte versehen sollten, zu ihrer Nahrung.

Zu Pfand: Mit einem Schein des Rechts, als ob sie dazu befugt wären. Also, dass die armen Witwen, die ohnehin schon genug geplagt waren, auch um ihr Vieh beraubt wurden, welches jedoch sie zur täglichen Notdurft ihrer Haushaltung brauchten. Genauso tun auch die, welche und vermögende Leute mit einem Schein des Rechtes um ihre Güter bringen, dass sie nichts mehr übrig behalten, woher sie ihre Nahrung haben könnten.

4. Die Armen müssen ihnen weichen, und die Dürftigen im Lande müssen sich verkriechen.

Weichen: Mit diesen Worten wird der Tyrannen und stolzen Leute Übermut abgebildet, denen jedermann aus dem Wege weichen muss, als ob andere Leute nicht Menschen, sondern nur Vieh wären.

Verkriechen: Das ist: Vor der gleichen Tyrannen dürfen die frommen, sanftmütigen und gottseligen Leute sich nicht sehen lassen, sondern müssen sich ganz heimlich und verborgen halten, sofern sie nicht in ihre Gewalt, dazu in Leibes und Lebensgefahr kommen.

5. Siehe, das Wild in der Wüste geht heraus, wie sie pflegen, frühe zum Raub, dass sie Speise bereiten für die Jungen.

Das Wild: (Nach Luther) Die freien frechen Leute und Tyrannen.

Heraus: Aus seiner Höhle.

Raub: Der armen Felder abzufressen, die sie mit großer Mühe und viel Arbeit bebaut haben. Dieses will so viel sagen: Gleichwie die wilden Tiere des Morgens herausgehen, und ihre Jungen ausführen, dass sie den Bauersleuten ihre Felder abfressen. Also sind die Tyrannen und geizigen Leute nur darauf ausgerichtet, dass sie entweder mit Gewalt nehmen, oder mit einem Schein des Rechtes an sich ziehen, was arme Leute mit großer Mühe und Arbeit erworben haben. Es ist aber nicht allein solche Grausamkeit zu verwerfen, sondern der Heilige Geist ermahnt auch die Fürsten und Herren an diesem Ort, dass sie es nicht zulassen sollen, dass der wilden Tiere zu viele im Lande werden, die der Untertanen Früchte auf dem Felde wegfressen und verderben. Denn alles was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, spricht unser Herr und Heiland Christus, das tut ihr ihnen auch. Es würde aber kein Fürst leiden wollen, oder zulassen, dass fremdes Vieh, seine Weinberge, Äcker, Wiesen und Gärten verderbe. Darum sollen sie nicht um ihrer Lust willen jagen, sondern auch dahin sehen, dass die Menge der wilden Tiere nicht viel werde, und die Untertanen ihre Arbeit genießen, auch der Obrigkeit ihre Gebühr davon reichen können. Wenn die wilden Tiere den Untertanen schaden getan haben, sollen die Fürsten es wiederum erstatten, weil sie die wilden Tiere begehren zu unterhalten. Dagegen sollen die Untertanen auch bedenken, weil sie vorzeiten einmal darin eingewilligt haben, dass die wilden Tiere der Obrigkeit sollen gelassen werden, dass sie sich davon enthalten, und sich nicht ohne der Obrigkeit Wissen und Willen wegfangen. Denn es ist vor Gott ein Diebstahl, wenn ein Untertan, wieder seiner Obrigkeit Gebot, einen Hirsch erschießt und so seinen eigenen Nutzen anwendet, als wenn er seines nächsten Ochsen entführte und schlachtete, und mit seinem Personal verzehrte und verkaufte.

6. Sie ernten auf dem Acker alles, was er trägt, und lesen den Weinberg, den sie mit Unrecht haben.

Acker: Nämlich eines Fremden.

Unrecht haben: Denn etliche freuen sich, wenn sie von solchen Gütern ihren Unterhalt haben können, die sie mit Unrecht erworben haben. Aber sie werden eben solche Nutzen davon haben, wie vorzeiten Ahab aus des Nabots Weinberg, den er mit unschuldigen Blutvergießen an sich gebracht hatte {1Kön 21}.

7. Die Nackenden lassen sie liegen und lassen ihnen keine Decke im Frost, denen sie die Kleider genommen haben,

Keine Decke: Sie nehmen den Armen ihre Kleider und Hausrat, und Fragen wenig danach ob arme Leute frieren.

8. dass sie sich müssen zu den Felsen halten, wenn ein Platzregen von den Bergen auf sie gießt, weil sie sonst keinen Trost haben.

Halten: Denn weil sie keine Häuser haben, darinnen sie sich vor dem Unwetter aufhalten könnten, so fliehen sie in die Höhlen der Felsen, dass sie darin vor dem Regen sicher bleiben mögen. Das sind überaus grausame Leute, welche über der gleichen elenden Menschen, die doch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, jämmerlicher Zustand zu keinem Mitleiden bewegt werden, sondern ihnen noch dazu mit Gewalt drohen und alles Leid antun, die sind härter, als die Felsen und verderben einmal in der ewigen Pein um dafür zu büßen.

9. Sie reißen das Kind von den Brüsten und machen‘s zum Waisen und machen die Leute arm mit Pfänden.

Mit Pfänden: Sie sind so unbarmherzig, dass, wenn die armen Witwen ihnen schuldig sind, und nichts mehr haben, als ein kleines Kind, welches noch an der Mutterbrust hängt, so nehmen Sie viel eher dieses zum Pfand weg, und ziehen es auf zu ihrer leibeigenen Magd oder Knecht, da sie jedoch vielmehr die Schuld nachlassen sollten, oder aber, noch eine Zeit lang der Bezahlung Geduld haben. Also klagt eine Witwe dem Propheten Elisa, dass ein Gläubiger, dem sie nicht bezahlen konnte, ihre beiden Söhne zu Knechten nehmen {2Kön 4}. Es werden aber hier die Gläubiger gemeint, welche die Schulden gar zu streng behandeln. Solche hält Gott nicht anders, als für grausame Tyrannen und wird sie ernstlich strafen.

10. Den Nackenden lassen sie ohne Kleider gehen und den Hungrigen nehmen sie die Garben.

Ohne Kleider: Die sowieso nicht Kleider haben, ziehen sie vollends nackend aus.

Gaben: Die armen Bauern welche sowieso nicht viel haben, können auch die Gaben auf dem Felde nicht für sich behalten.

11. Sie zwingen sie, Öl zu machen auf ihrer eigenen Mühle und ihre eigene Kelter zu treten, und lassen sie doch Durst leiden.

Durst leiden: Die armen Leute müssen vergebens arbeiten, also das ihnen auch nicht Essen noch Trinken gegeben wird, will schweigen, dass sie diese belohnen sollten. In gleicher Gestalt gehen etliche vom Adel mit ihren Bauern um, dass sie mit pflügen, ernten, dreschen, Holz hauen, Stein führen, Wein lesen, alle ihre Arbeit verrichten müssen, und geben Ihnen nicht ein Stück Brot dazu. Da doch die Schrift sagt: Man soll dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden, und will, dass die, so da arbeiten, auch für die Arbeit Belohnung empfangen sollen.

12. Sie machen die Leute in der Stadt seufzend und die Seelen der Erschlagenen schreiend; und Gott stürzt sie nicht.

Seufzend: Weil sie mit ihrer Tyrannei die Bürger unterdrücken, und heftig plagen, besonders, was ihre Untertanen sind, und gegen Fremde treiben sie Straßenräuberei.

Schreiend: Über unrechte Gewalt, die sie von der Tyrannei erlitten, von denen sie sind ermordet worden.

Sie nicht: Diesen Leuten spricht Gott kein Recht zu, sie müssen darum vor Gericht gestellt werden und bekommen so ihre gerechte Strafe. Ob nun wohl solche Tyrannen, die anderen entweder aus lauter Mutwillen, oder auch in betrunkener Weise ermorden, sich vom Geld von der peinlichen Anklage loskaufen, so werden sie doch dem gerechten Urteil Gottes nicht entrinnen, da alle unbußfertigen Totschläger der ewigen Marter zur Peinigung übergeben werden {1Kor 6 Gal 5}.

13. Darum sind sie abtrünnig geworden vom Licht und kennen seinen Weg nicht und kehren nicht wieder zu seiner Straße.

Licht: Nämlich, des göttlichen Wortes, dem sie nicht gehorchen oder folgen, noch davon sich strafen lassen wollen. So begehren sie auch nicht zu lernen, was die rechte Religion sei, oder wie man recht und gottselig leben soll.

Straße: Wenn sie auch gleich viel Bubenstücke begangen haben, so tun sie doch nicht Buße, sondern fahren in ihren Sünden fort und beharren darin bis ans Ende. Solche Spitzbuben findet man auch noch heutigen Tages, welche, ob sie wohl ein gottloses Leben führen, dennoch nicht leiden wollen, dass sie von den Kirchendienern darüber in den Predigten gestraft werden, sondern jagen sie alsbald von sich. Verstehen daneben nichts Rechtes, weder von dem wahren Wort noch von der Gottseligkeit, begehren es auch nicht zu lernen. Viel mehr aber gewöhnen sie sich von Jugend an, zu saufen, unverschämte Hurerei zu treiben, den Namen Gottes gräulich zu lästern, den Geringeren und Schwächeren dass ihre mit Gewalt zu nehmen und ihnen alle Schmach anzulegen. Solche sind des Teufels Höllenhunde, wenn sie gleich in dieser Welt mit Gold und Edelsteinen umhängt sind.

14. Wenn der Tag anbricht, steht auf der Mörder und erwürgt den Armen und Dürftigen; und des Nachts ist er wie ein Dieb.

Wenn: Jetzt redet Hiob auch über die Straßenräuber und Mörder, samt den Ehebrechern, denen Gott auch oft eine gute lange Zeit zusieht.

Mörder: Der die Leute auf dem Wege überfällt und erwürgt.

Dürftigen: Er bringt oft einen armen Mann ums Leben, der nur wenig Geld bei sich hat.

Dieb: Der es heimlich macht. Dennoch übersieht Gott einen solchen häufig sehr lange, warum man nicht, nachdem es eines Menschen auf dieser Welt wohl oder übel geht, von seiner Frömmigkeit oder Bosheit urteilen kann, wie es oft, oder mehrmals geschieht, dass oft einige mehr Glück haben als die Frommen.

15. Das Auge des Ehebrechers hat acht auf das Dunkel und spricht: Mich sieht kein Auge; und verdeckt sein Antlitz

Dunkel: Wenn der Tag aufhört, und die Nacht hereinbricht. Da, nämlich die Leute auf den Gassen einander nicht mehr kennen. Solche Zeit nutzt dem Ehebrecher am besten, dass er sich an Orte begebe, da er seine Frauen findet, weil er hofft, dass er auf dem Wege von niemand, der ihn kennt, gesehen oder erkannt werde.

Kein Auge: Es wird mich niemand kennen und schlägt den Mantel um sein Gesicht, dass ihn keiner sehen kann. Das ihn aber Gott sieht und kennt, das achtet er nicht, weil er entweder nicht glaubt, dass ein Gott sei, oder aber einen solchen Gott sich einbildet, der sich der menschlichen Sachen nicht annehme, noch sich viel damit bekümmere.

16. Im Finstern bricht er zu den Häusern ein. Des Tages verbergen sie sich miteinander und scheuen das Licht.

Häusern: Nämlich, in fremde Häuser, dass er darin einen Ehebruch begehe.

Sie: Nämlich: der Ehebrecher und die Ehebrecherin.

17. Denn wo ihnen der Morgen kommt, ist es ihnen wie eine Finsternis; denn er fühlt das Schrecken der Finsternis.

Schrecken: Das ist: Gleichwie sonst andere Leute im dunkeln erschrecken und ihnen grausam vorkommen, also erschrecken solche Leute vor dem Tage und sehen ihn nicht gerne.

18. Er fährt leichtfertig wie auf einem Wasser dahin; seine Habe wird geringer im Lande, und baut seinen Weinberg nicht.

Leichtfertig: Er hält seine Begierde nicht im Zaum, sondern hängt seinen bösen Gelüsten nach und denkt weder an Gottes Zorn noch Strafe, die er über sich lädt, geht wie ein Blinder, und wie ein Schiff, das keinen Steuermann hat, vom Winde auf dem Wasser hin und wieder getrieben wird, bis es an eine Steinklippe stößt, oder in einen Wirbel gerät und zugrunde geht.

Wird gering: Weil der Segen Gottes nicht dabei ist.

Weinberg nicht: Das ist: Er ist der Unzucht so hingegeben, dass er seine Haushaltung unterdessen an den Nagel hängt, und seine Güter zur Neige gehen, weil er nicht baut. Denn die Hurer und Ehebrecher sind zu allen Sachen, so die Nahrung betrifft, faul und träge, und geraten in Armut. Wie es auch Salomo bezeugt in seinen Sprüchen Kapitel 29). (Nach Luther) Das ist: Die der Hurerei nachgehen, bringen ihr Gut um und lassen es unbebaut.

19. Die Hölle nimmt weg, die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das Schneewasser verzehrt.

Verzehrt: Das ist: Gleichwie die Hitze den Schnee schmilzt und zu Wasser macht, die Erde aber mit ihrer Dürre solches Wasser in sich schluckt, dass man es nicht mehr sieht. Also wird die Hölle solche bösen Leute, als da sind, die Tyrannen, Mörder, Ehebrecher und dergleichen Buben, verschlingen. In der Zeit aber, da solches geschieht, werden viele durch ihren glücklichen Zustand auf Erden sehr geärgert.

20. Es werden sein vergessen die Barmherzigen; seine Lust wird wurmig werden; sein wird nicht mehr gedacht; er wird zerbrochen werden wie ein fauler Baum.

Vergessen: Das ist: Es wird kein Frommer über ihren Untergang ein Mitleiden haben. Denn obwohl fromme Leute wünschen, dass die Bösen mögen bekehrt und selig werden, und aus christlicher Liebe ihnen leid ist, dass die Gottlosen müssen zugrunde gehen, und verdammt werden, so verwundern sie sich dennoch auch, aus Anregung des Heiligen Geistes, über Gottes rechte Gerichte, und loben sie: Wie denn in den Psalmen hin und wieder die Frommen über der Gottlosen Verderben sich freuen.

Wurmig: Das ist: Anstatt der Wollüste seines Leibes, die in dieser Welt vielfältig gehabt und Fleiß danach getrachtet hat, wird er nach seinem Tode der Würmer Speise werden. Darin sollen die denken, welche nur danach trachten, was dem Leibe wohltut.

Gedacht: Es wird sein Name entweder vertilgt oder doch mit schlechten Ehren bedacht werden. Wie mein heutigen Tages man des Pharao, Pilatus und anderer gedenkt.

Fauler Baum: Denn weil die Gottlosen nichts nutze sind, so werden sie, wie die dürren Reben, welche keine Frucht bringen, zerbrochen und ins Feuer geworfen {Joh 15}.

21. Er hat beleidigt die Einsame, die nicht gebiert, und hat der Witwe kein Gutes getan

Beleidigt: Darum ist es kein Wunder, dass der gottlose Mensch so gräulich ohne alle Barmherzigkeit gestraft wird, weil er mit niemanden ein Mitleiden gehabt hat. Denn es war die Unfruchtbarkeit vorzeiten eine Schmach, und waren unfruchtbare Frauen in großer Verachtung, wie aus der Geschichte Hanna zu sehen ist {1Sam 1}. Es ist aber eine große Sünde, wenn man bekümmerte Personen beleidigt und noch mehr betrübt.

Kein Gutes: Da doch ein jeder, nachdem sein Beruf es erfordert, Witwen und Waisen zu Hilfe kommen soll. Sieht man darum, dass es nicht allein Sünde sei, wenn man die Witwen beleidigt, sondern auch das für Sünde einem angerechnet wird, wenn er ihnen kein Gutes erzeigt.

22. und die Mächtigen unter sich gezogen mit seiner Kraft. Wenn er steht, wird er seines Lebens nicht gewiss sein.

Gezogen: Das ist: Er hat seine Gewalt missbraucht, dass er auch andere gewaltige angefallen und nicht eher Ruhe gehabt hat, bis er sie zu Boden stürzte. Solche sind unter den großen Potentaten viel gewesen, die fast keine andere Ursache gehabt haben, andere Könige und Fürsten zu unterdrücken, als dass sie keinen neben sich leiden konnten, der ihnen gleich wäre, und gesagt, die Welt könne nicht zwei Sonnen ertragen.

Nicht gewiss: Das ist: Ob er wohl, dem Ansehen nach, durch der anderen Unterdrückung mächtiger wurde. So muss er doch seines Lebens sich nur desto mehr dabei fürchten. Denn die Tyrannen stehen immer in großer Gefahr, nicht anders, als wenn ein scharf schneidendes Schwert nur mit einem Haar über ihren Kopf hinge. Gleichwie der Tyrann Herodes, je mehr er aus dem Weg räumte, und unterdrückte, die er einem Argwohn hatte, dass sie ihm nach dem Königreich und Leben trachteten, je mehr er sich vor anderen wiederum fürchtete.

23. Er macht ihm wohl selbst eine Sicherheit, darauf er sich verlasse; doch sehen seine Augen auf ihr Tun.

Ihr Tun: Das ist: Wenn ein Tyrann andere unterdrückt hat, so sieht er sich um nach menschlichem Schutz, dadurch möchte gesichert sein, baut große Schlösser, versieht sich mit einer starken Leibgarde, und verlässt sich auf solche Sachen. Jedoch hat er daneben immer ein Auge auf diejenigen, oder auf ihre Nachkommen, denen er Gewalt getan, und hat Acht darauf, was sie im Sinn haben. Denn er besorgt sich immer, dass sie nicht etwa wiederum hervorkommen und die empfangene Unrichtigkeit rächen. Es ist aber ein närrisches Ding, dass man sich mehr auf Menschen, als auf Gott sich verlässt. (Nach Luther) Das ist: Dass sie nämlich diejenigen, so der Gottlose überfällt, nicht ein Aufruhr wieder ihn machen, dämpft er sie immer, und muss also Sicherheit mit List suchen. Aber das gelingt nicht.

24. Sie sind eine kleine Zeit erhaben und werden zunichte und unterdrückt und ganz und gar ausgetilgt werden, und wie die erste Blüte an den Ähren werden sie abgeschlagen werden.

Zunichte: Denn obwohl die Tyrannen eine Zeit lang oben schweben, und hoch erhoben werden, geschieht doch solches nur darum, dass sie später desto härter fallen, und also ganz zugrunde gehen, dass man nicht mehr weiß, wo sie gewesen sind {Ps 37 73}.

Abgeschlagen: Sie werden es nicht immer so treiben, dass sie anderen überlästig sind, sondern wenn sie es am wenigsten glauben, und es ihnen ganz ungelegen und zu Unzeiten sein wird, so werden die, wie unzeitigen Früchte abgerissen, und wie dürres Holz im ewigen Feuer gefangen und gebraten werden. Welches aber alles wahr ist, spricht Hiob, was ich bisher von der gottlosen Bosheit unter Langmütigkeit Gottes gesagt habe, dass er Ihrer Bosheit oft lange zusehe, aber sie doch endlich schrecklich strafe.

25. Ist es nicht also? Wohl an, wer will mich Lügen strafen und bewähren, dass meine Rede nichts sei?

Wer will: Als wollte er sprechen: Ich mag wohl leiden, dass andere über diesen unseren streitigen Handel urteilen, doch bleibe ich beständig bei meiner Meinung, dass Gott die Bösen nicht immer in diesem Leben strafe, noch die Frommen mit Guttaten belohne.


Das 25. Kapitel


Bildad bestreitet, dass niemand vor Gott gerecht sei. Schließt falsch daraus, dass hier, so schwere Strafen mit seiner großen Bosheit verdient habe.

1. Da antwortete Bildad von Suah und sprach:

Bildad: (Nach Luther) Wer sollte dir tun? Gott ist allmächtig und kann wohl die Großen steuern, wenn du nur fromm wärest. Und du meinst, er wisse es nicht, wie du es neulich gesagt hast.

2. Ist nicht die Herrschaft und Furcht bei ihm, der den Frieden macht unter seinen Höchsten?

Bei ihm: Als wollte er sagen: Gott hat das Regiment der ganzen Welt in seinen Händen, und erzeigt sich nach seinem gerechten Gericht den Sündern schrecklich.

Höchsten: Das ist: Er führt sein Regiment friedlich im Himmel unter so viel mächtigen Engeln, welche er so regiert, dass sie in höchster Einigkeit beieinanderbleiben.

3. Wer will seine Kriegsleute zählen? Und über welchen geht nicht auf sein Licht?

Zählen: Da er doch unzählige Scharen der Engel, wie auch Daniel in Kapitel sieben gelesen wird, welche bereit sind, den Menschen zu helfen oder auch sie zu strafen.

Sein Licht: Lieber, wer ist, der nicht viel Guttaten von Gott empfangen? Denn das Licht Glück in der Schrift hin und wieder bedeutet, ist oft gesagt. Und lässt Gott seine Sonne scheinen über die Bösen und Frommen, und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte {Mt 5}. Welches er aber darum tut, dass er die Bösen durch Guttaten zu Buße locke. Wie sollte denn (will Bildad sagen) ein so mächtiger, gerechter, weiser und gütiger Gott, der auch den bösen Gutes tut, einen Gerechten plagen? Darum ist es nicht zu glauben, dass du, oh Hiob, gerecht seist.

4. Und wie mag ein Mensch gerecht vor Gott sein? Und wie mag rein sein eines Weibes Kind?

Vor Gott: Denn obwohl ein Mensch gegen dem anderen zu rechnen, mag für gerecht angesehen werden, jedoch, wenn du gleich den aller gerechtesten Menschen vor Gottes Gericht brächtest, so würde er gegen die vollkommenste Gerechtigkeit Gottes zu rechnen, ungerecht sein: Als wenn man etwas, das ziemlich weißes, gegen ein anderes hält, dass schneeweiß und glitzrig ist, so wird das vorige weiße dagegen schwarz erscheinen.

Rein sein: Nämlich, von allen Sünden.

Weibes Kind?: Ein Mensch, der vom Weibe geboren ist. Denn wir erben alle von den Eltern, aus der Eva Übertretung, die Erbsünde, dass keiner unter allen vor Gott rein ist.

5. Siehe, der Mond scheint noch nicht, und die Sterne sind noch nicht rein vor seinen Augen;

Seinen Augen: Das ist: Der göttlichen Majestät Gerechtigkeit und Reinlichkeit ist so groß, dass auch die hell leuchtenden himmlischen Körper, welche doch ganz rein von Gott erschaffen sind, dennoch vor ihm können dunkel geschätzt werden, gleichwie sonst ein kleines Licht dunkel anzusehen ist, gegen einem großen.

6. wieviel weniger ein Mensch, die Made, und ein Menschenkind, der Wurm?

Viel weniger: Kann, nämlich, vor Gott gerecht geachtet werden, ein Mensch, der nichts anderes ist, als wie ein lebendiges Aas, so voller Würmer steckt, und über eine kurze Zeit zu Würmern wird. Dies sollen wir wohl bedenken und uns oft zu Gemüte führen, auf das wir unseren stolzen Hochmut sinken lassen, und in der Furcht Gottes wandeln. Und obwohl dies alles wahr ist, was Bildad von der Majestät und Reinlichkeit Gottes, und von des Menschen Unreinlichkeit gesagt hat. So deutet er es doch Unrecht auf den frommen Hiob, und bleibt nicht bei der Sache, davon der Streit war. Denn es hatte Hiob nie geleugnet, dass er vor Gottes strenges Gericht ohne Sünde wäre. Sondern das war er nicht geständig, dass er mit groben äußerlichen Sündern solch ein Unglück über seinen Hals gezogen hätte. Also tun unsere Widersacher in den Sachen der Religion auch, wenn sie mit uns diskutieren, so beweisen sie solche Sachen ausführlich und weitläufig, deshalb der vornehmste Streit nicht ist, darum es hauptsächlich zu tun ist, dass diskutieren sie nicht, oder gehen doch nur kurz darauf ein. Darum soll ein frommer Christ nicht nur darauf achthaben, ob es wahr sei, was man sagte, sondern auch, ob es sich zur streitigen Sache reime.


Das 26. Kapitel


Hiob erweist die Majestät, Allmacht und Weisheit Gottes aus seinen Werken.

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Wem stehst du bei? Dem, der keine Kraft hat? Hilfst du dem, der keine Stärke in Armen hat?

Wem stehst du: Als wollte er sprechen: Bist du nicht ein Narr, dass du Gottes Fürsprache sein willst und ihn mit deiner Rede verteidigen, als wenn er, der doch der Allermächtigste ist, so schwach wäre, dass er dich zum Fürsprecher brauchen müsste?

3. Wem gibst du Rat? Dem, der keine Weisheit hat? Und zeigst einem Mächtigen, wie er es ausführen soll?

Keine Weisheit: Du tust eben, als ob Gott seiner Sachen kein Rat wüsste, und erst von dir lernen müsste, wie er seine Gerechtigkeit wider der Menschen Urteil verteidigen sollte.

Ausführen: Wie er sich vor Gericht ausreden und entschuldigen kann.

4. Für wen redest du, und für wen geht der Odem von dir?

Von dir?: Du hättest dir diesen Atem wohl sparen können und einen heißen Brei damit geschafft. Denn wer weiß nicht, will Hiob sagen, dass Gott allmächtig ist? Dessen ich dir etliche Beispiele erzählen will, auf dass du nicht meinst, ich wisse gar nichts von der Sache, und müsse von dir erst lernen.

5. Die Riesen ängsten sich unter den Wassern und die bei ihnen wohnen.

Riesen: Das ist: Die großen Walfische im Meer fürchten sich auch vor der unendlichen Gewalt Gottes. (Nach Luther) Die großen Waldfische, welche bedeuten die großen Tyrannen auf Erden.

Bei ihnen: Nämlich, die anderen großen Fische, und allerlei wunderbare Kreaturen in der Tiefe des Meeres, empfinden die gewaltige und schreckliche Majestät des zornigen Gottes. Durch solche großen Walfische und andere Meerwunder aber, welche sogar groß und stark sind, dass sie auch ganze große Schiffe auf dem Meer umstürzen können, wie man davon schreibt, wird der Satan mit seinen bösen Geistern abgebildet, welche die Welt unruhig machen, und darinnen rumoren, jedoch müssen Sie sich vor Gott scheuen, und können nicht weiter, denn soviel ihnen von Gott zugelassen wird.

6. Die Hölle ist aufgedeckt vor ihm, und das Verderben hat keine Decke.

Aufgedeckt: Also, dass die ewige Verdammnis ihm nicht verborgen ist. Denn Gott herrscht auch in der Hölle, da er alles sieht und alles richtet zu seiner Gerechtigkeit und Majestät Ehre. Denn es genügt Gott ebenso wohl zu großen Ehren, wenn er die verdammten Gottlosen in die ewige Pein stürzt. Dagegen macht er die selig, die zu seiner Barmherzigkeit Zuflucht haben.

7. Er breitet aus die Mitternacht nirgend an und hängt die Erde an nichts.

Mitternacht: Das ist: Die Erde hängt in der Mitte zwischen dem Himmel, und ist dennoch nicht angeheftet, dass sie daran hängt, ohne an Gottes Allmacht. Wenn wir aber den Himmel anschauen, wie er so wunderbar ausgebreitet ist, und sehen, wie die Erde in der Luft hängt, so sollen wir einen so mächtigen und gültigen Gott trauen, ihn fürchten und lieben, als der solches alles, nicht allein zum Zeichen seiner Majestät, sondern auch zu des menschlichen Geschlechtes Nutzen erschaffen hat.

8. Er fasst das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken zerreißen darunter nicht.

Nicht: Welches auch ein hohes besonderes Wunderwerk Gottes ist, dass er eine solche Menge Wasser in den Wolken, als in einen Sack aufhebt. Also das, wenngleich dicke, finstere und schwarze Wolken über unseren Häuptern schweben, da eine ganze Stadt davon überschwemmt und ersäuft werden könnte. Sie dennoch, nach dem Willen Gottes in der Luft hängen bleiben, bis das Wasser in Tropfen hin und wieder herabfällt. Welche sich darum mit zu großen Sorgen plagen und ängstigen, die sollen die Wolken anschauen, und alle ihre Sorge auf den werfen, der die Wolken in der Luft aufhängt, und dort behält, dass sie nicht runterfallen.

9. Er hält seinen Stuhl und breitet seine Wolken davor.

Stuhl: Nämlich, den Himmel, der von wegen seiner Größe und weite Gottes Stuhl genannt wird. Nicht dass Gott nur im Himmel und auf Erden nirgends sei, denn er erfüllt Himmel und Erde {Jer 23}. Sondern dass seine Majestät im Himmel besonders erscheint. Den selbigen bestätigt und erhält er, dass er durch den schnellen Lauf nicht zu Trümmern geht.

Dafür: Dass man den Himmel nicht sehen kann, gleich als ob jemand vor einem königlichen Thron eine Tapete hängt, damit ihn niemand sehen könnte.

10. Er hat um das Wasser ein Ziel gesetzt, bis das Licht samt der Finsternis vergehe.

Ziel gesetzt: Also, dass er es mit seinem Befehl bewirkt hat, damit es nicht mehr die ganze Erde überschwemmen könnte, wie in der Sintflut geschah.

Vergehe: Nämlich, bis an den Jüngsten Tag, solange der Unterschied des Tages und der Nacht wäre, wird auch das Wasser in seinem Bezirk bleiben. Danach aber wird die Welt nicht in Wasser, sondern im Feuer vergehen {2Petr 3}.

11. Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten.

Schelten: Das ist: Wenn Gott donnert (denn das meint Hiob mit dem schelten) so meinen wir nichts anderes, als wenn der ganze Himmel zusammen krache, und wolle Himmel und Erde in einen Haufen fallen. Gleichwie ein Gebäude erzittert, wenn man die Grundpfeiler, darauf ein solches Gebäude steht, erregt. Und erschrecken alle Kreaturen zu Recht, wenn ein großes Wetter kommt.

12. Vor seiner Kraft wird das Meer plötzlich ungestüm, und vor seinem Verstand erhebt sich die Höhe des Meers.

Ungestüm: Er bringt mit seiner Allmacht zuwege, dass ein großes Unwetter auf dem Meer sich erhebt, und ein so großer Wind entsteht, dass die Welle bis an die Wolken reicht. Welche deswegen auf dem Meer vom Winde und Wasser hin und her geworfen werden, die dürfen nicht einen Heiligen anrufen, sondern sie sollen zu Gott dem Herrn schreien, der das Meer erschaffen und in seiner Gewalt hat, denn der kann es wieder still machen, wenn er es erregt und ungestüm gemacht hat.

13. Am Himmel wird es schön durch seinen Wind, und seine Hand bereitet die gerade Schlangen.

Wind: Besonders durch den Ostwind, der vom Bogen her weht.

Schlangen: Das ist: Er macht durch seine Allmacht, nach dem Unwetter, den Himmel des Nachts so hell, dass man den weißen Strich wieder sehen kann, der mitten durch den Himmel geht, und von etlichen die Jakobs Straße genannt wird, welche man sonst nicht sieht, es sei denn der Himmel ganz hell von Sternen, ohne den Schein des Mondes. Denn dieser Strich ist einer Schlange fast gleich, die sich ziemlich in die Länge erstreckt und nicht krumm ist. Also sollen wir auch wissen, dass Gott eine große Unruhe in dieser Welt leicht stillen und wie ein Unwetter vertreiben kann, dass es wieder hell und alles gerade wird, was krumm gewesen ist. Darum sollen wir unser Vertrauen auf ihn setzen, und unser Anliegen auf ihn werfen {Ps 55}.

14. Siehe, also geht sein Tun, aber davon haben wir ein geringes Wörtlein vernommen. Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?

Gering: Als wollte er sprechen: Ich habe nur ganz wenig und kurze Anregungen getan, von den Werken der göttlichen Majestät.

Verstehen: Wer kann seine schreckliche Majestät und Allmacht ausdenken und ergründen, oder mit seiner Vernunft begreifen. Aber die Zwinglianer sind so unverschämt, dass sie sagen dürfen, was Gott möglich oder unmöglich sei, als ob sie die Majestät und Allmacht Gottes in einer Waage abgewogen und gemessen hätten. Es will aber Hiob mit solcher seiner Rede seinen Freunden zu verstehen geben, dass ihm Gottes Allmacht, Majestät, Gerechtigkeit und Güte nicht unbekannt sei, und bedürfe Gott keines Menschen Vertretung, der seine Tugenden vor den Leuten handhabe, da er seine Majestät, mit seinen herrlichen und wunderbaren Werken genügend beweisen könne: Gibt aber auch daneben zu erkennen, dass seine Meinung noch nicht widerlegt sei, da er gesagt, er habe solche schrecklichen Strafen mit seinen groben äußerlichen Sünden nicht verdient.


Das 27. Kapitel


Hiob sagt, er sei sich keines Bubenstückes bewusst. Die Gottlosen aber werden Gottes gerechtes Urteil empfinden.

1. Und Hiob fuhr fort und mit seinen Sprüchen und sprach:

Fuhr fort: Seine Unschuld mit folgenden Worten handzuhaben und zu retten.

Sprüchen: Seine verblümte, und mit besonderen Worten gefasste Rede.

2. So wahr Gott lebt, der mir mein Recht nicht gehen lässest, und der Allmächtige, der meine Seele betrübt,

Nicht gehen: Der mir wohlverdienten nicht vergilt nach meiner Frömmigkeit, wie es wohl von Rechts- und Billigkeit wegen sich gebührte.

Betrübt: Der mir mein Leben sauer macht und mit seinen Plagen mir zusetzt.

3. solange mein Odem in mir ist, und das Schnauben von Gott in meiner Nase ist:

Nase ist: Solange ich dieses Leben habe, dass mir Gott gegeben hat.

4. meine Lippen sollen nichts Unrechts reden, und meine Zunge soll keinen Betrug sagen.

Sagen: Ich will es niemals dahin kommen lassen, dass ich wider alle Rechte und Billigkeit euch sagen und bekennen wollte, mein Unglück wäre eine Strafe meiner Bosheit, ich lass mich von euch nicht überreden, dass ihr solltet Recht haben, mit dem ihr mir immer in den Ohren liegt. Ich solle mein Unrecht erkennen und um Vergebung bitten, da ich doch nie ein Laster begangen habe. Denn wir sollen uns weder mit guten Worten, noch mit Ungestüm, oder Drohworten bewegen lassen, dass wir der Unwahrheit wollten beipflichten.

5. Das sei ferne von mir, dass ich euch recht gebe; bis dass mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit.

Recht gebe: Dass ich bekennen sollte, ihr hättet recht wieder mich gestritten.

Frömmigkeit: dieselbe handzuhaben und zu verteidigen.

6. Von meiner Gerechtigkeit, die ich habe, will ich nicht lassen; mein Gewissen beißt mich nicht meines ganzen Lebens halber.

Nicht lassen: Ich will euch in diesem Gespräch nicht ein Stück weichen, sondern standhaft und mit Wahrheit dabei beharren, dass ich gerecht, und einen ehrbaren unsträflichen Wandel geführt habe in meinem ganzen Leben. Und hat hier einer solchen unrechten und falschen Lehre auch nicht recht geben, dass Gott niemand Unglück und Trübsal zuschickt, er sei denn gottlos. Denn dergestalt würden die Kinder Gottes, welche oft schwere Anfechtungen erdulden und von den Gottlosen in dieser Welt viel leiden müssen, in Verzweiflung fallen und versinken, wenn sie daraus schließen sollten, dass sie von Gott angefeindet würden.

Mich nicht: Ich bin mir keiner Übeltat bewusst, von meiner Kindheit an, bis auf den heutigen Tag. Obwohl nun dies an dem Hiob ein wahrhafter und großer besonderer Ruhm ist, der nicht bei vielen zu finden sei. Jedoch, wenn ein Mensch gleich schwer gefallen ist, und aber von Herzen sich zu Christus wiederum bekehrt, der kann durch den Glauben an ihn ein gutes Gewissen erlangen. Denn er weiß, dass seine Sünden mit dem Blut Christi durchgestrichen sind. Daher auch der Apostel Paulus, obwohl er ein Verfolger gewesen war, dennoch mit Wahrheit rühmen darf, es ist ihm nichts Böses bewusst {1Kor 4}. Daneben aber sollen wir mit allem Fleiß uns dahin bemühen, dass wir einen unsträflichen im Wandel führen, damit die Feinde des Evangeliums uns nicht auch unsere verziehenen Sünden vorwerfen, oder aufdrücken können.

7. Aber mein Feind wird erfunden werden wie ein Gottloser, und der sich gegen mich auflehnt, wie dem Ungerechten.

Gottloser: Das ist: Die mir jetzt zuwider sind, (deutet aber auf seine Freunde, die vielmehr seine Feinde waren) werden als Gottlose, Ungerechte und Sünder erfunden werden: Diese Meinung Hiobs bestätigt Gott später, darum er seinen Freunden sagt sie sollen Buße tun.

8. Denn was ist die Hoffnung des Heuchlers, dass er so geizig ist, und Gott doch seine Seele hinreißt?

Heuchlers: Es darf sich der Heuchler keiner väterlichen Fürsorge und Schutz zu Gott versehen, viel weniger hat er sich des ewigen Lebens zu trösten, wenn er nicht Buße tut. Darum ich mich (will Hiob sagen) von Jugend der wahren Gottseligkeit nachgekommen bin, damit ich nicht, wie die Heuchler, zeitlich und ewig gestraft werde. (Nach Luther) Heuchler heißen in diesem Buch überall falsche Menschen, wie sie alle sind, vor Gott, ohne Glauben.

Hinreißt: Denn weil er seines Nächsten Güter (zwar oft unter einem ehrlichen Schein) zu sich reißt. So wird Gott sein Leben auch plötzlich hinweg reißen. Hier mögen die Geizigen achthaben, in was für eine große Gefahr des Leibes und der Seele sie sich stürzen, wenn sie ihrem unersättlichen Geiz vergeblich nachhängen.

9. Meinst du, dass Gott sein Schreien hören wird, wenn die Angst über ihn kommt?

Hören: Als wollte er sagen: Er wird es sicherlich nicht tun. Denn Gott erhört zwar derjenigen Gebet, die sich wahrhaftig zu ihm bekehren, welche aber, wenn es ihnen wohl geht, an Gott nicht denken, und nur im Unglück zu ihm schreien, dazu ohne wahre Buße, die erhört Gott nicht.

10. Wie kann er an dem Allmächtigen Lust haben und Gott etwa anrufen?

Lust haben: Denn an Gott oder zu Gott Lust haben, heißt, wenn man aus Glauben seinen gnädigen und väterlichen Willen gegen uns erkennt, und ihm mit Lust Gehorsam leistet.

Anrufen?: Als wollte er sprechen: Wird auch ein Heuchler recht beten können, dass sein Gebet angenehm sei? Denn obwohl die Heuchler, besonders in der Kirche und an den Ecken auf den Gassen viel beten, auf dass sie von den Menschen gesehen werden {Mt 6}. So sind doch solche Gebete Gott gar nicht angenehm, und ist ebenso viel, als ob sie gar nicht beteten, ja wohl viel ärger: Denn es wird ihnen als Sünde zugerechnet. Besonders was nicht aus Glauben geschieht, das ist Sünde {Röm 14}.

11. Ich will euch lehren von der Hand Gottes; und was bei dem Allmächtigen gilt, will ich nicht verhehlen.

Lehren: Denn ob ihr wohl meint, ihr seid ganz klug, so spüre ich doch, dass ihr in göttlichen Sachen ganz unverständig seid und weit daneben fehlt.

Hand Gottes: Wie Gott mit den Gottlosen pflegt umzugehen.

Gilt: Was ihm angenehm, oder zuwider ist.

12. Siehe, ihr haltet euch alle für klug. Warum gebt ihr denn solch unnütze Dinge vor?

Unnütze Dinge: Wenn ihr so gelehrt und verständigt seid, wie kommt es denn, dass ihr überhaupt nichts vorbringt, was sich zu den Sachen reimt? Darum will ich euch über das Gericht Gottes und über die Gottlosen erklären, dass, nämlich Gott, ihre Bosheit eine Zeit lang dulde, aber strafe sie später auf das härteste, darum kann man nicht aus einem glücklichen Anfang von seiner Frömmigkeit oder Bosheit urteilen.

13. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe der Tyrannen, das sie von dem Allmächtigen nehmen werden.

Bei Gott: Den er von Gott zu erwarten hat.

Tyrannen: Welche anderen mit Gewalt, dass ihre nehmen und die Unschuldigen unterdrücken.

Nehmen werden: Wenn ihre Stunde kommen wird. Denn Gott vergisst die Bosheit nicht, welche die Gottlosen treiben, sondern straft sie zu seiner Zeit auf das ernstlichste, häufig auch noch in diesem Leben.

14. Wird er viel Kinder haben, so werden sie des Schwerts sein; und seine Nachkömmlinge werden des Brots nicht satt haben.

Schwerts sein: Dass sie damit erwürgt werden. Es ist aber ein jämmerliches Tun, wenn einer seine liebsten Kinder sehen muss, wie sie vor seinen Augen erwürgt werden, wie dem gottlosen König Zedekia begegnet ist {2Kön 25}.

Nicht satt: Welche vor dem Schwert erhalten wurden, die werden doch nicht genug zu essen haben, sondern elend und dürftig in der Fremde herum ziehen, bis sie endlich vor Hunger und Kummer sterben. Wie man das an vielen Beispielen hin und wieder sieht, da die gottlosen Leute, die mit bösen Praktiken große Reichtümer zuwege gebracht haben, und über andere stolz sich erhoben haben, Kinder und Nachkommen keine bleibende Stätte finden, sondern in der Irre herumschweifen, und betteln sich durchs Leben. Wenn uns solche vorkommen, so sollen wir Gott fürchten lernen.

15. Seine Übrigen werden im Tode begraben werden, und seine Witwen werden nicht weinen.

Begraben: Dass sie zwar nicht unbedingt unbegraben hingeworfen werden, aber doch auch mit schlechten Ehren begraben und verscharrt werden.

Nicht weinen: Sondern aus Furcht ihre Schmerzen und Herzeleid verbergen und unterdrücken müssen, um der Mächtigen willen, welche das Geschlecht anfeinden und verfolgen werden. Denn obwohl die Christen ihre Toten beklagen sollen, so ist es doch auch ein Stück vom Fluch, wenn man ohne Tränen, besonders der nächsten Verwandten begraben wird. (Nach Luther) Sie werden froh werden, dass er tot ist.

16. Wenn er Geld zusammenbringt wie Erde und sammelt Kleider wie Lehm,

wie Erde: Große Klumpen und eine unzählige Summe.

Leimen: Dass er sich einen Haufen Kleider und Hausrat machen lässt, so viel als Dreck auf der Gasse ist. So wird er es doch nicht lange genießen.

17. so wird er es wohl bereiten; aber der Gerechte wird es anziehen, und der Unschuldige wird das Geld austeilen.

Bereiten: Nämlich, einen solchen Vorrat an Geld und Kleidern, für sich und die Seinen.

Austeilen: Nach seinem Willen und Wohlgefallen, unter seinen Freunden und Hausgenossen, was der Gottlose gesammelt hat. Dergestalt haben die Israeliten der Kanaaniter Hab und Güter bekommen. Denn es pflegt Gott bisweilen der gottlosen Leute Güter den Frommen zukommen zu lassen.

Er baut sein Haus wie eine Spinne, und wie ein Hüter einen Schauer macht.

Schauer macht: Welches nicht lange währt, sondern nach der Ernte oder Weinlese wiederum zerrissen und zunichtegemacht wird, wie auch der Spinnengewebe keinen Bestand haben: Also bestehen der Gottlosen Geschäfte nicht, da sie meinen, dass sie sich in dieser Welt eine beständige Wohnung bereiten wollen. Denn es werden solche Behausungen entweder in kurzer Zeit verwüstet und zerstört, oder haben doch ihre Feinde darin. Dies sollten diejenigen wohl betrachten, welche ohne Gottesfurcht im Bau stattlicher Schlösser und Festungen sich bemühen.

18. Der Reiche, wenn er sich legt, wird er es nicht mit raffen; er wird seine Augen auftun, und da wird nichts sein.

Reiche: Welcher gottlos ist.

Lebt: Dass er stirbt.

Raffen: Er wird nichts mit sich nehmen in die andere Welt.

Auftun: Wenn er am jüngsten Tage wieder auferstehen wird.

Nicht sein: Er wird von seinen Gütern dort nichts finden, die er in dieser Welt verlassen hat, wenn er sich gleich lange danach umsieht. Sondern er wird nackt und bloß vor dem unausweichlichem und strengen Gericht Gottes gestellt werden, da werden ihm seine Güter nichts nutzen, die er in dieser Welt besessen hat. Was ist es denn für eine tolle Unsinnigkeit, dass man um der zeitlichen Güter willen, die man doch bald wieder verlassen muss, die ewige himmlischen Reichtümer in den Wind schlägt und verscherzt?

19. Es wird ihn Schrecken überfallen wie Wasser; des Nachts wird ihn das Unwetter wegnehmen.

Wie Wasser: Das ist: Vor seinem Absterben wird er von den Schrecken des Todes unversehens und plötzlich überfallen werden, gleichwie ein Bach, der von einem großen Platzregen schnell anläuft, und oft manchen überrascht, ehe er es gewahr wird, dass er nicht entrinnen kann.

Nachts: Das ist: Wenn er sich zum Tode ganz und gar nicht gefasst gemacht hat, so wird das Ende seines Lebens vorhanden sein. Denn der Tod kommt den Gottlosen und geizigen Leuten unversehens über den Hals, da sie am wenigsten daran denken. Wie Christus vom reichen Mann bezeugt {Lk 12}.

20. Der Ostwind wird ihn wegführen, dass er dahinfährt, und Ungestüm wird ihn von seinem Ort treiben.

Treiben: Gleichwie die zarten Blumen von einem scharfen Wind verdorben werden. Darum sollen wir der Gottlosen Untergang mit Geduld erwarten.

21. Er wird solches über ihn führen und wird sein nicht schonen; es wird ihm alles aus seinen Händen entfliehen.

Er wird: Nämlich, Gott werde alle diese zuvor angezeigten Unglücke über ihn kommen lassen. Denn obwohl die Gottlosen meinen, es ist für sie kein großes Unglück vorhanden. So ist doch das einmal gewiss, dass es Strafen ihrer Sünden sind, die ihnen Gott zugeschickt.

Entfliehen: Er wird seine Güter nicht behalten können, sondern es wird ihm alles unter den Händen verschwinden.

22. Man wird über ihn mit den Händen klappen und über ihn zischen, da er gewesen ist.

Zischen: Das ist: Die Gerechten und Frommen werden pfeifen, wenn er von seinem Ort verstoßen, und jämmerlich hingeworfen ist. Denn obwohl sonst die Frommen aus christlicher Liebe mit ihren Feinden ein Mitleiden haben, jedoch wenn keine Hoffnung der Busse an ihnen gespürt werden kann, so freuen sie sich über der Gottlosen Untergang, nicht zwar, dass sie an dem Verderben Lust hätten, sondern dass sie über Gottes gerechte Gerichte sich verwundern, und dieselben billigen.


Das 28. Kapitel


Hiob zeigt an, dass kaum etwas verborgen bleibt, auch wenn die Menschen allen Fleiß darauf legen, dass es nicht ans Licht und an den Tag kommt. Aber die göttliche Weisheit sei unerforschlich, ob sie wohl ein sehr köstliches Ding ist.

1. Es hat das Silber seine Gänge und das Gold seinen Ort, da man es schmelzt.

Es: Weil Hiob wusste, dass die Lehre vom Kreuz, wie, nämlich Gott die Frommen auch häufig hart angreift, und sie dennoch väterlich liebt. Was der menschlichen Vernunft ganz unbegreiflich vorkommt. So lehrt er mit einer zierlichen verblümten Rede, dass kaum etwas so heimlich und verborgen sei, welches die Menschen, wenn sie mit Fleiß danach trachten, nicht vor und an das Licht bringen können. Aber Gottes Weisheit und Ratschläge, wie er, nämlich, seine Kirche, und zwar die vornehmsten Glieder derselben wunderbar regiere, und unter dem Kreuz zu probieren pflegt, das sei der menschlichen Vernunft, wenn sie auch gleich noch so sinnreich ist, unmöglich zu erforschen. Und bringt solches desto weitläufiger und ausführlicher vor, weil er kurz zuvor gesagt hatte, dass seine Freunde närrische Dinge vorgebracht hätten, und um die rechte göttliche Weisheit nichts wüssten.

Gänge: Denn man findet Steine in den Bergen, darin das Silber in seine Gänge sich ausgeteilt hat, als wie die Adern im menschlichen Leibe.

Schmelzt: Denn man findet auch Goldgruben, in denen die Materie derselben köstlicher Metalle, mit großer Mühe herausgearbeitet, und danach in einem Goldklumpen zusammen weggeschmelzt wird. In welchen Tun man auch die wunderbare Weisheit Gottes spüren muss, dass die Metalle nach seinem Willen in der Erde also wachsen, und meistenteils in Steinen sich enthalten, in denen sie gleichsam sich verbergen, bis sie durch das Feuer etlichermaßen mit Gewalt herausgepresst werden.

2. Eisen bringt man aus der Erde, und aus den Steinen schmelzt man Erz.

Erde: Denn die Steine, in denen das Eisen verborgen ist, werden auch aus der Erde, an ihren Orten gegraben.

Erz: Das ist: Wenn die Steine, in denen das Metall ist, werden mit dem Feuer gebrannt, so fließt das Erz heraus, welches darin verborgen war.

3. Es wird der Finsternis ein Ende gemacht, und zuletzt findet man den Schiefer tief verborgen.

Finsternis: (Nach Luther) Das ist: Man gräbt zuletzt so tief, dass man findet, was verborgen liegt in der Finsternis der Erde.

Ende: Das ist: Gott hat selber in den Erzgruben ein Ziel und Ort bestimmt, wie weit mein Graben soll, wenn sie den Schiefer suchen, und ausgraben aus den tiefen und finsteren Gruben, die sie in die Erde gemacht, dass sie meinen, es werde des Grabens und Suchens kein Ende oder aufhören sein. Aber Gott steckt Ihnen ein Ziel, dass sie aufhören müssen, wenn, nämlich, die Striche oder Gänge des Erzes aufhören, oder nachlassen, dass man nicht mehr so reichlich findet, denn dann muss man aufhören, damit die Kosten nicht größer werden als der Gewinn. Solches Ziel ist allein Gott bekannt. Tun darum diejenigen närrisch, welche, wenn sie zu Anfang einen reichen Segen im Bergwerk spüren, sich der Üppigkeit und Wollust in allerlei Überfluss ganz und gar ergeben, und ihre Güter unnütz verschwenden, als wenn das Bergwerk kein Ende nehmen könnte, da doch auf dein Bergwerk, welches sich am Anfang reichlich erzeigt hat, sehr schnell wiederum sich nicht lohnt. Es will aber Hiob so viel sagen, dass die Metalle, ob sie wohl tief in der Erde, und zwischen den Steinen verborgen stecken, dennoch durch der Menschen Fleiß und Mühe können hervorgebracht werden. Aber die Weisheit Gottes, damit er seine Auserwählten wunderbar führe, und seltsam mit ihnen umgeht, kann mit keinem scharfen oder sinnreichen menschlichen Verstand ergriffen oder erforscht werden, ohne Gottes Wort, und Erleuchtung des Heiligen Geistes.

4. Es bricht einen Schacht von dem Ort da sie wohnen, darin hängen und schweben sie als die Vergessenen, da kein Fuß hintritt, fern von den von den Leuten.

Es: Jetzt wendet sich Hiob zu etwas anderem, welches ebenso wunderlich und seltsam auf Erden ist, auch nicht ohne große Mühe geschieht, wie es das Ansehen hat.

Fern. Das ist: Es geschieht bisweilen, dass eine reiche Quelle, wie ein großer Bach, an einem Ort hervorquillt. Also dass er den gewöhnlichen Weg überschwemmt, und verliert sich doch zu seiner Zeit auch. Welches ob es wohl ein wunderliches Ding ist, so können dennoch die Menschen etlichermaßen durch ihren scharfsinnigen Verstand eine Ursache solches Tuns erdenken. Aber die Weisheit Gottes kann keine menschliche Vernunft ergründen.

5. Man bringt auch Feuer unten aus der Erde, da doch oben Speise aufwächst.

Aufwächst: Das ist: die Feuersteine, daraus man das Feuer schlägt, werden in der Erde gefunden, auf welche Erde oben Korn wächst, also dass das Feuer gleichsam in der Erde verborgen liegt. Welches auch ein wunderbares Ding ist, aber weil es täglich geschieht, so achtet man es nicht. Ein viel anderes Ding ist es aber mit der Weisheit Gottes, welche man nicht aus der menschlichen Vernunft bringen kann, wie das Feuer aus den Steinen.

6. Man findet Saphir an etlichen Orten und Erdenklöße, da Gold ist.

Gold ist: Solches alles, will Gott sagen, kann die menschliche Vernunft erkundigen und begreifen, aber Gottes Weisheit, damit Gott alles regiert, und seine Kirche unter dem Kreuz erhält, kann der Mensch in seinem Kopf nicht bringen.

7. Den Steig kein Vogel erkannt hat und kein Geiers Auge gesehen.

Steig: Da man zum Edelstein oder Gold kommt.

Gesehen: Denn obwohl die Vögel in die Höhe emporfliegen, und von dort viele Dinge sehen können, besonders aber die Geier, welche ein sehr scharfes Gesicht haben, so können Sie doch solche Örter mit ihrem Gesicht nicht erreichen, daher man das Gold und Edelsteine bringt, welche der Mensch mit seinem Fleiß bekommt. Aber Gottes Weisheit begreift er mit seiner Vernunft nicht.

8. Es haben die stolzen Kinder nicht drauf getreten, und ist kein Löwe drauf gegangen.

Stolzen Kinder: Nämlich, die jungen Löwen sind nicht dahin gekommen, da man die zuvor genannten Schätze sucht. Denn obwohl die Löwen stark und unerschrocken sind, so können Sie doch den verborgenen Reichtum in der Natur nicht finden oder hervorbringen. Ist also eines Menschenverstand ganz scharfsinnig und tiefgründig, aber doch nicht so schlau, dass er Gottes Weisheit in Regierung und Erhaltung seiner Kirche ergründen könnte. Darum sollen wir uns als Jünger und Schüler verhalten, und aus Gottes Wort uns davon unterrichten lassen.

9. Auch legt man die Hand an die Felsen und gräbt die Berge um.

Felsen: Dass man sie zu des Menschen Nutzen künstlich heraus bricht.

Berge oben: Dass die Menschen mit unaufhörlicher und stetiger Arbeit die Berge herunterreißen und mit der Ebene vergleichen.

10. Man reißt Bäche aus den Felsen; und alles, was köstlich ist, sieht das Auge.

Reißt Bäche: Das ist: Die Menschen machen mit eisernen Instrumenten durch die härtesten Felsen einen Weg, dass sie Wasser finden, und die Bäche, welche ihren Quellen in den Felsen verborgen haben, bringen sie durch Wasserröhren hervor, die sie durch die Felsen bisweilen ganz weit legen.

Auge: Das ist: Der Mensch pflegt zu erkundigen, allerlei köstliche Sachen, die unter der Erde und in den Felsen verborgen liegen, als Metall und Edelsteine, wie zuvor gemeldet.

11. Man wehrt dem Strom des Wassers und bringt, das verborgen drinnen ist, ans Licht.

Ans Licht: Das ist: Der Mensch erdenkt sich durch seine Spitzfindigkeiten in den Erzgruben Wege, wie er das Wasser, so in den Gruben tropft, abwende, damit nicht zu viel zusammenkommt, und verhindert dadurch, dass die verborgenen Metalle nicht ans Licht hervorgebracht werden können. Denn man hat wunderbare und mancherlei seltsame Instrumente, damit man solche Wasser entweder ausschöpft, oder anderswo hinleitet, oder verstopft, dass die Erzgruben nicht voller Wasser werden, oder die Gänge der Metalle sich verlieren. Welches alles wahr und wunderbare Werke sind, da durch die Menschen mit großer Geschwindigkeit etliche schätze suchen und hervorbringen.

12. Wo will man aber Weisheit finden, und wo ist die Stätte des Verstandes?

Weisheit: Welche allen Schätzen dieser Welt weit vorzuziehen sind.

Stätte: Wo man die Weisheit suchen und antreffen könnte. Man muss sie aber nicht mit der Scharfsinnigkeit unserer Vernunft suchen, sondern durch das geoffenbarte Wort Gottes Achtung darauf haben. Darin uns die rechte Weisheit vorgelegt wird, welche uns lehrt von dem Willen Gottes gegen des menschlichen Geschlecht, besonders aber gegen seine Kirche, und zeigt uns den Weg die göttliche Gnade zu erlangen, wie auch, welchergestalt ein gottseliges Leben sein soll, und wie wir alle Trübsale und Beschwernisse dieses Lebens ausstehen und glücklich überwinden können.

13. Niemand weiß, wo sie liegt, und wird nicht gefunden im Lande der Lebendigen.

Gefunden: Denn sie ist dem Menschen nicht von Natur angeboren, wie andere weltliche Künste, sondern ist vom Himmel im Wort Gottes uns geoffenbart und kundgetan worden.

14. Der Abgrund spricht: Sie ist in mir nicht; und das Meer spricht: Sie ist nicht bei mir.

Mir nicht: Man wird sie nicht in oder bei mir verborgen finden. Und ist dies eine besondere verblümte Art zu reden, als ob die Kreaturen von der göttlichen Weisheit gefragt würde, wo sie zu finden oder anzutreffen wäre. Denn obwohl die allgemeine Allmacht und Weisheit Gottes, welche er in der Erschaffung der Welt sich sehen lässt, überall in den Kreaturen hervorleuchtet. So ist doch die, welche er in seiner auserwählten Regierung und Seligmachung braucht, so sehr unbegreiflich, wo sie nicht von Gott selbst geoffenbart wird, dass sich auch die Engel darüber verwundern {Eph 3}.

15. Man kann nicht Gold um sie geben, noch Silber abwägen, sie zu bezahlen.

Bezahlen: Denn sie ist ein viel größeres Gut, als dass sie mit irdischen Sachen könnte bezahlt werden. Darum auch Christus selber das Himmelreich, das ist, sein Evangelium, welches die Weisheit Gottes lehrt (die dazu dient, die Menschen selig zu machen) einem verborgenen Schatz vergleicht, der im Acker gefunden wurde, oder einer Perle, durch welche Köstlichkeit jemand bewegt wird, dass er alle seiner Habe und Güter daran setzt, auf dass er einen solchen köstlichen Schatz bekomme {Mt 13}. Aber die Welt und Welt Kinder dürften um solchen Schatz des göttlichen Wortes nicht eine taube Nuss geben.

16. Es gleicht nicht ophirisch Gold oder köstlicher Onyx und Saphir.

Ophirisch: Welches, dass es das köstliche Gold sei, auch aus der Heiligen Schrift hin und wieder genannt ist. Und sieht es ihm nicht ungleich, als ob Ophir, so ein Name einer Insel ist, eben diese Insel wäre, welche man heutigen Tages die Insel Peru nennt, und von wegen des vielen köstlichen Goldes überall gerühmt wird.

17. Gold und Diamant mag ihr nicht gleichen, noch um sie gülden Kleinod wechseln.

Diamant: Ist ein köstlicher Edelstein von einer unglaublichen Härtigkeit.

18. Ramoth und Gabis achtet man nicht. Die Weisheit ist höher zu wägen denn Perlen.

Man nicht: Nämlich, im Vergleich mit der göttlichen Weisheit. Ramoth aber bedeutet, meines Erachtens, dass Horn vom Einhorn, welches gerade und lang ist, und noch heutzutage hoch eingeschätzt wird, auch mit Bewunderung zu Straßburg, Venedig und anderswo, unter die köstlichsten Schätze gezeigt wird, weil man meint, es sei eine köstliche Arznei gegen allerlei tödliche Gifte. Gabis aber soll ein Edelstein sein, welche zu jetziger Zeit unbekannt ist.

19. Topasius aus Mohrenland wird ihr nicht gleich geschätzt, und das reinste Gold gilt ihr nicht gleich.

Nicht gleich: Das will in der Summe so viel sagen: Dass die Weisheit Gottes, welcher allein in seinem Wort geoffenbart wird, viel köstlicher sei, als aller Welt Güter. Wer darum solche Weisheit erlangt, der soll wissen, dass er der aller reichste und glücklichste Menschen dieser Welt sei. Denn diese führt uns in den Himmel, dahin uns keine zeitlichen Güter helfen können.

20. Woher kommt denn die Weisheit, und wo ist die Stätte des Verstandes?

Städte: Dass man durch menschlichen Witz und fleißige Nachforschung dazu kommen könnte.

21. Sie ist verhohlen vor den Augen aller Lebendigen, auch verborgen den Vögeln unter dem Himmel.

Verhohlen: Dass sie kein Mensch mit seinem spitzfindigen Nachdenken ergründen kann.

Vögeln: Das ist: Den Engeln, denen die Schrift gleichnisweise Flügel zueignet, ist auch nicht bekannt, ohne was ihnen Gott davon offenbart.

22. Die Verdammnis und der Tod sprechen: Wir haben mit unsern Ohren ihr Gerücht gehört.

Gehört: Aber wir haben sie nicht gesehen oder gespürt. Denn es können auch die Teufel, ob sie wohl ganz listige Geister sind, und die Ursache der Verdammnis und des Todes, die wunderbare Weisheit Gottes nicht begreifen, die in der Erhaltung und Seligmachung seiner Kirche gebraucht wird.

23. Gott weiß den Weg dazu und kennt ihre Stätte.

Stätte: Ihm ist seine Weisheit allein bekannt.

24. Denn er sieht die Enden der Erde und schaut alles, was unter dem Himmel ist.

Schaut alles: Es ist ihm nichts verborgen, er weiß und versteht alles auf das vollkommenste, wie ein jedes Ding muss angeordnet, regiert und gerichtet werden, zu seines Namens Ehre, und zu der Auserwählten Seligkeit.

25. Da er dem Winde sein Gewicht machte und setzte dem Wasser sein gewisses Maß,

Gewicht: Dass er ihm ein Maß vorschreibt, wie weit er stürmen und rumoren soll. Denn wenn der Wind ganze Bäume mit großer Gewalt aus der Erde reist, und Häuser umwirft, so hat er ein besonderes schweres Gewicht überkommen.

Maß: Dem er auch ein Ziel gesteckt hat, wie weit es sich über das Erdreich ergießen, und das selbige überschwemmen soll.

26. da er dem Regen ein Ziel machte und dem Blitz und Donner den Weg,

Ziel machte: Dass er nicht häufiger und dicker niederfiele, denn sich es gebührte.

Weg: Wohin sie gehen, und was sie niederschlagen sollten. Ob nun wohl der Donner, Regen, Hagel und allerlei Unwetter, wie dieser Text klar ausweist, also in der Hand und Gewalt Gottes sind, dass auch nicht alle Teufel, viel weniger die Zauberer oder Schwarzkünstler, mit allen ihren Gottlosen und teuflischen Künsten, einem frommen Menschen oder auch seinen Gütern, ohne Verhängnis und Zulassung Gottes, einen Schaden zufügen können, so lehrt doch Hiob besonders mit diesen Worten, dass Gott nach seinem Wohlgefallen die Trübsal mildere, auf welche er mit der Beschreibung des Ungewitters deutet, dass sie die Kirche nicht verderbe, sondern ihr vielmehr nützlich sein müssen. Besonders denen, die Gott lieben, alles muss zum Besten dienen {Röm 8}.

27. da sah er sie und erzählte sie, bereitete sie und erfand sie;

Da sah: Nämlich, damals, wie Gott allen Kreaturen ihre Wirkungen bestimmte, die sie verrichten sollten, welches denn geschehen ist von Anfang der Welt her, da hatte ihm auch bereits aufs aller weißlichste vorgenommen, und Anordnung getan, wie er seine Kirche regieren und führen wolle.

28. und sprach zum Menschen: Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Verstand.

Sprach: Nämlich, danach, da er die Weisheit in seinem Wort offenbarte, und dem menschlichen Geschlecht anzeigte, wie sie ihr Leben anstellen sollten, auf dass sie nach der rechten göttlichen Weisheit die ewige Seligkeit erlangten.

Furcht: Es redet aber Hiob hier von der kindlichen Furcht Gottes, da wir Gott, als einen Vater ehren und fürchten, und hüten uns, dass wir nicht mutwillig ihn erzürnen. Solche Furcht ist niemals ohne einen seligmachenden Glauben, ja sie ist die Frucht eines wahren Glaubens.

Meiden: Denn wir erzeigen es mit der Tat, dass wir Gott fürchten, wenn wir das böse meiden, das ist, wenn wir von den Sünden ablassen. Und dies ist die höchste Weisheit, dass man Gott recht erkennen, ihn fürchte, und seinem Willen gehorche. Wer diese aus dem Wort Gottes gelernt hat, an dessen Seligmachung erzeigt Gott seine wunderbare Weisheit, weil er ihn mit dem Kreuz drückt, den er in Willen hat zu erhöhen, und führt auch endlich durch den Tod zum wahren himmlischen und ewigen Leben. Diese himmlische Weisheit erkannten die Freunde des Hiobs nicht richtig, ob sie wohl von der Allmacht, Weisheit und Gerechtigkeit Gottes viele Dinge schwätzen.


Das 29. Kapitel


Hiob erzählt, wie glücklicher er gewesen sei. Auch dass er einen unsträflichen Wandel geführt hat. Habe auch meinen Beruf in meiner Haushaltung treu verrichtet.

1. Und Hiob hob abermals an seine Sprüche und sprach:

Und: Jetzt fängt Hiob an zu erzählen, in was große Glückseligkeit er vor der Zeit gelebt hat, ehe denn er in ein solch großes Unglück geraten ist. Er zeigt an, was er zuvor für einen guten und unsträflichen Wandel führte, auf dass man dabei spüren und erkennen könnte, wie er sich nicht um irgend einer seiner bösen Taten, sondern aus Gottes sonderbaren Art so geplagt würde.

Sprüche: Das ist: Er fuhr in seiner zierlichen und mit besonderen Worten gefassten Rede fort, seines Herzens Gedanken und Bewegungen auszusprechen.

2. O dass ich wäre wie in den vorigen Monden, in den Tagen, da mich Gott behütete,

Behütet: Als wollte er sprechen: O wollte Gott, dass ich wieder in meinen glücklichen Zustand lebte, in dem ich vor vielen Monaten gewesen war, da mich Gott vor allem Übel bewahrte, der sich jetzt stellt, als hätte er mich aus der acht gelassen. Gleichwie aber einer mit Lust daran denkt, wenn er seines überstandenen Glückes, und seiner Mühe, sich wiederum erinnert: Also macht einem das vergangene Glück bedenklich, die gegenwärtige Trübsal nur desto größer, aber dennoch sollen wir Gott danken, dass er uns so lange mit seinen Gütern begabt hat, und nicht wieder ihn murren, wenn er uns die selbigen wiederum entzieht.

3. da seine Leuchte über meinem Haupte schien, und ich bei seinem Licht in der Finsternis ging;

Ging: Da ich in allen meinem Tun glücklich handelte, weil mir Gott mit seinen Worten vorleuchtete, und den dunklen schweren Sachen meine Anschläge dahin richtete, dass sie einen glücklichen Ausgang nahmen. In welchem Zustand ich mir wünschen würde, dass ich noch wäre.

4. wie ich war zur Zeit meiner Jugend, da Gottes Geheimnis über meiner Hütte war;

Jugend: Da ich Gott fürchtete und eines ehrbaren Wandels mich bemühte, auch mit keinen Sorgen oder Bekümmernis überfallen wurde.

Geheimnis: Das ist: Da Gott mit seiner heimlichen Vorsehung, mein ganzes Tun förderte und Glück dazu gab.

5. da der Allmächtige noch mit mir war und meine Kinder um mich her;

Mit mir: Dass er mir Beistand und viel Zeichen seines väterlichen und geneigten Willen gäbe. Obwohl nun Gott auch in der Trübsal mit uns und bei uns ist, dazu mit seiner Gnade {Ps 91}. So denken wir doch oft er habe uns verlassen. Aber wir sollen dann wiederum ein Herz fassen. Denn er ist noch bei allen, die ihn anrufen {Ps 145}.

Kinder: Die willig und bereit waren, zu tun, was ich Ihnen befehlen würde.

6. da ich meine Tritte wusch in Butter, und die Felsen mir Ölbäche gossen;

Butter: Dass ich in allen Gütern einen Überfluss hatte. (Nach Luther) Das ist: Da ich alles genug hatte, alles fett und vollauf.

Gossen: Dass ich auch von den Sachen vielen großen Nutzen hatte, und sonst weiter nichts hofft. Es bedeutet aber Butter und Öl einen Überfluss an allen zeitlichen Gütern.

7. da ich ausging zum Tor in der Stadt und ließ meinen Stuhl auf der Gasse bereiten;

Ausging: Mit einem großen und majestätischen Ansehen, wie es einem Regenten gebührt.

Tor: Da man von Sachen des allgemeinen Wohlstandes betreffen, handelte, wie bei uns heute in den Rathäusern geschieht.

Gassen: Zwischen zwei Toren, an einen öffentlichen Ort, da jedermann durchging. Da wurde mir ein Stuhl gesetzt, darauf ich saß, und zwischen den Parteien recht zu sprechen pflegte. Denn was nicht geheime Sachen waren, wurden vorzeiten unter dem Volk an einem öffentlichen Ort unter diesem Tor abgehandelt, dabei die Obrigkeit erinnert wurde, dass sie dem Regiment sollten vorstehen, damit sie jedermann Rechenschaft geben könnte.

8. da mich die Jungen sahen und sich versteckten, und die Alten vor mir aufstanden;

Versteckten: Wenn sie mich kommen sahen, dass sie über meinen herzlichen und majestätischen Ansehen sich verwunderten, und mir überall mit Zucht und Ehre und Scham aus dem Wege wichen.

Aufstanden: Wenn sie auch zu wichtigen Sachen gezogen würden, und sich gesetzt hatten, dass sie auf meine Ankunft warteten, wenn sie aber meiner von ferne gewahr wurden, mit großer Ehrerbietung vor mir aufstanden, bis ich mich gesetzt hatte, und sie auch ließ sich wieder zu setzen. Aus diesen und anderen Orten mehr ist zu erkennen, dass Hiob im Stand einer Regierung ein König oder Fürst gewesen war, wie es zur selben Zeit gehandhabt wurde. Denn es wurde ein König damals genannt, wenn er nur über eine einzige Stadt die Regierung hatte, der dennoch auch seine Räte oder Ratsherren neben sich brauchte. Und obwohl in der gleichen äußerlichen Gebärden und Höflichkeiten die wahre Gottseligkeit nicht steht, weil auch die gottlosen Leute solches können, so gebührt sich‘s doch, dass fromme Leute, jung und alte, sich ehrerbietig und demütig gegen ihre Regierung erzeigen.

9. da die Obersten aufhörten zu reden, und legten ihre Hand auf ihren Mund;

Obersten: Die mir halfen das Regiment zu verwalten.

Aufhörten: So bald ich zu ihnen kam.

10. da die Stimme der Fürsten sich verkroch, und ihre Zunge an ihrem Gaumen klebte.

Fürsten: Das ist: Meiner Räte und Beisitzer, denn dieselben heißt die Schrift Fürsten {Jes 1}. Und an anderen Orten auch.

Klebte: Sie redeten kein Wort mehr, wenn sie meine Meinung hörten, sondern bestätigen Sie mit Stillschweigen, und bezeugten damit, dass ich von den Sachen gut und klug geredet hätte. Denn es ist ein großer Unverstand, wenn man im allgemeinen Rat, nach eines weisen Mannes gesagter Meinung, ihm aus lauter Mutwillen sich entgegenstellt, nur damit man einen Streit behalte.

11. Denn welches Ohr mich hörte, der preiste mich selig, und welches Auge mich sah, der rühmte mich.

Hörte: Dass meine Aufrichtigkeit und Weisheit in dem Urteil gespürt wurde.

Rühmte: Von wegen meines Verstandes und Ansehens. Denn es ist nicht ein geringes, wenn jemand einem Regiment weißlich und gebührlichen Ansehen vorstehen kann.

12. Denn ich errettete den Armen, der da schrie, und den Waisen, der keinen Helfer hatte.

Denn: Jetzt folgt eine herrliche Beschreibung eines frommen Fürsten.

Schrie: Um Rettung von seinen Widersacher, der ihm zu mächtig war, und ihn zu unterdrücken begehrte.

Keinen Helfer: Der weder von seinen Freunden noch verwandten Schutz hatte, ja vielmehr von Ihnen Not und Gewalt litte, dem half ich zu seinem Recht, und nahm mich seiner treu an. Gleichwie es aber oft geschieht, dass die Reichen und Mächtigen die Armen und Dürftigen unrichtiger weise unterdrücken und überwältigen. Also ist hin und wieder der Regierung Amt, die, so unrechte Gewalt leiden, zu retten, und gegen andere mächtigere, ohne Ansehen der Person zu schützen {Jes 1 5Mos 17}.

13. Der Segen des, der verderben sollte, kam über mich; und ich erfreute das Herz der Witwe.

Über mich: Das ist: Wer sonst unrechter weise wäre unterdrückt worden, den errettete ich, da er mir von Gott alles Glück und reichen Segen wünschte. Die gottseligen Wünsche der Untertanen für ihre Obrigkeit sind sehr kräftig, wie auch die Flüche und Verwünschungen, wenn sie die Obrigkeit mit ihrer Fahrlässigkeit oder Tyrannei beschuldigen, nicht leer abgehen.

Witwen: Welche sehr betrübt und den Ängsten waren, weil man ihnen Gewalt antat, geschützt und erquickte ich. Es hat aber Gott der Obrigkeit besonders befohlen, dass sie für die Witwen und Waisen sorgen sollen, als ein Vater des Vaterlandes.

14. Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog wie einen Rock; und mein Recht war mein fürstlicher Hut.

Kleid: Das ist: Ich legte mich auf die Gerechtigkeit mit allem Fleiß, dass ich den Frommen Gutes täte und gegen die Übeltäter ein ernstes Urteil fällte. Und es ziert kein goldenes Stück, Edelstein oder Kleinod die Fürsten, Herren und andere Obrigkeiten so gut, als wenn sie die Handhabung des Rechtes und die Liebe zur Gerechtigkeit haben.

15. Ich war des Blinden Auge und des Lahmen Füße.

Füße: Das ist: Welche aus Mangel eines sinnreichen Verstandes bei sich selbst nicht Rat finden konnten, denen gab ich einen treuen und weisen Rat. Und welche in ihren eigenen Sachen aus Mangel des Vermögens, oder von wegen geringer Freundschaft nicht fortkommen konnten, denen half ich auf die Füße und förderte ihre Sachen.

16. Ich war ein Vater der Armen; und welche Sache ich nicht wusste, die erforschte ich.

Armen: Gegen welche ich ganz väterlich gesinnt war, dass ich Ihre Anliegen mir nichts weniger ließe Herzen gehen, als wenn es meine eigenen Kinder gewesen wären, und war darauf bedacht, wie ich Ihnen Ihren Jammer lindern möchte, habe auch darauf geachtet, dass ich es im Werk leistete. Dieser frommen Obrigkeit sind sehr ungleich, welche ihre Untertanen, so bereits erschöpft sind, vollends schinden.

Erforscht: Also, dass ich kein Urteil fehlte, ich hätte denn alle Umstände zuvor fleißig und gut erkundigt und erwogen. Denn welche schnell ohne Vorbedacht ein Urteil fällen, da sie kaum eine Partei, oder doch beide nicht recht gehört haben, sind im Regiment nicht tauglich.

17. Ich zerbrach die Backenzähne des Ungerechten und riss den Raub aus seinen Zähnen.

Zerbrach: Das ist: Wenn es nötig war, so verhinderte ich auch der gottlosen Menschen Gewalt und Bosheit, und schützte meine Untertanen, dass sie den Gottlosen und Tyrannen nicht zum Raub würden. Denn es soll eine Obrigkeit nicht nur gute Gesetze und Ordnungen stellen, sondern auch dieselben handhaben.

18. Ich gedachte: Ich will in meinem Nest ersterben und meiner Tage viel machen wie Sand.

Gedachte: Dass ich in so großem Glück schwebte und keines Bösen mich besorgte.

Ersterben: Das ist: Ich will in solchem glücklichen Zustand, bei meiner Haushaltung, und im Regiment, in gutem ruhigen Alter mein Leben hinbringen und beschließen. Denn wenn es wohl geht, so meinen wir, es werde immer so bleiben, aber es ist bei keinem zeitlichen Glück eine Beständigkeit zu hoffen. Darum sollen wir uns gefasst dazu machen, wenn das Glück noch gut ist, und daran denken, dass wir das Unglück auch mit Geduld aufnehmen wollen.

19. Meine Saat ging auf am Wasser; und der Tau blieb über meiner Ernte.

Am Wasser: Das ist: Gleichwie ein Feld hübsch grünt, wenn es vom Wasser Feuchtigkeit haben kann, und gar fein wächst, also nahm mein Glück und Gewalt immer zu, daher ich mich desto weniger vor einer Gefahr besorgte.

Ernte: Dass die Früchte auf dem Felde nicht Dürre wurden, wie sonst im Lande Kanaan oft geschah, sondern mit gutem Wetter von Gott erhalten wurden und reichlich trugen. Welches nicht eine geringe zeitliche Belohnung ist, damit Gott einer frommen Obrigkeit ihre Treue vergilt, wenn, nämlich, die Früchte auf dem Felde gut gedeihen.

20. Meine Herrlichkeit erneuerte sich immer an mir; und mein Bogen besserte sich in meiner Hand.

Bogen: Das ist: Meine Regierung und Ansehen wurde bei den Untertanen durch die Länge und viele der Jahre nicht geschwächt oder geschmälert, wie es wohl sonst zu geschehen pflegt, dass die Untertanen eine Obrigkeit, wenn sie dem Regiment lange vorsteht, überdrüssig werden, und sie anfangen zu verachten. Denn es trachten viele nach Neuerungen und Änderungen im Regiment. Aber Gott erneuert frommen Obrigkeiten immer ihr Ansehen und Gewalt. (Nach Luther) Das ist: Meine Macht nahm immer zu.

21. Man hörte mir zu, und schwiegen und warteten auf meinen Rat.

22. Nach meinen Worten redete niemand mehr; und meine Rede troff auf sie.

Niemand mehr: Es war keiner im Rat oder Gericht, der nach mir geredet hätte, und eine andere Meinung sich vernehmen lassen, als ich vorgebracht hatte. Denn sie wussten, dass sie nichts weiteres oder Besseres vorbringen konnten. Welches auch nicht ein geringes zeitliches Glück ist, dass einer von wegen seiner herzlichen, und hohen Verstandes in großen Ehren gehalten wird. Und haben besonders die Rede hier zu lernen, dass sie nicht aus Ehrgeiz oder Streitigkeit, mit Verlust der Zeit, und Verdruss der Zuhörer, da eine rechte und weise Meinung auf die Bahn gebracht werde, derselben sich widersetzen und mutwillig widerstreben.

Troff: Wie ein fruchtbarer Regen.

23. Sie warteten auf mich wie auf den Regen und sperrten ihren Mund auf als nach dem Abendregen.

Sperrten: So begierig waren sie, meine Meinung anzuhören, gleichwie ein dürres Erdreich von der Hitze aufgerissen, bis es vom Regen wiederum erfrischt wird. Auf das man uns aber mit Lust und Begierde zuhören möge, so sollen wir der rechten Weisheit nach trachten, und uns befleißigen zu reden, was heilsam und erbaulich ist. Denn welche mit vollem Maul unnütze Geschwätze vorbringen, die werden, wo nicht öffentlich, doch heimlich ausgelacht und verspottet.

24. Wenn ich sie anlachte, wurden sie nicht zu kühn darauf, und das Licht meines Angesichts machte mich nicht geringer.

Anlachte: (Nach Luther) Freundlich und fröhlich mit ihnen war, wurden sie darum nicht kühn, mich zu verachten.

Zu kühn: Das ist: Wenn ich mich häufig etwas fröhlich und lustig gegen Ihnen zeigte, so fehlte es doch nichts an meinem Ansehen, und durfte sich keiner darauf verlassen, dass er etwas Unrechtes sich hätte dürfen unterstehen.

Nicht geringer: Das ist: Wenn ich mit Ihnen beim Wohlleben guter Dinge war, so hielten sie darum nicht desto weniger auf mich. Welches auch eine besondere gute Tat Gottes ist, wenn die Leutseligkeit und Freundlichkeit eine Obrigkeit nicht in Verachtung bringt. Und sollen zwar fromme und aufrichtige Räte von eines Fürsten Gutherzigkeit nicht Nachlass nehmen, ihn zu verachten, oder seine Frömmigkeit zu missbrauchen.

25. Wenn ich zu ihrem Geschäfte wollte kommen, so musste ich obenan sitzen und wohnte wie ein König unter Kriegsknechten, da ich tröstete, die Leid trugen.

Geschäfte: Dass sie etwa wichtige Sachen zu verrichten, oder auch zum Wohlleben mich berufen hatten.

Oben an: Sie taten mir große Ehre an.

König: Das ist: Ich war so sicher und ohne alle Furcht bei Ihnen, als wenn ich mit einem gewaltigen Kriegsheer zu meinem Schutz umringt gewesen wäre. Denn es war keiner unter ihnen, der nicht sein Leben für mich in die Schanze gewagt hätte, wo sich eine Gefahr zeigte, so lieb und wert war ich von Ihnen gehalten.

Tröstet: Das ist: Sie wussten, dass ich aller Frommen und Verlassenen Trost und Schutz war. Welche darum imstande einer Obrigkeit sind, die sollen wissen, dass sie alsdann mit der allerbesten Leibgarde verwahrt werden, wenn sie mit einem gläubigen Gebet Gott um Schutz anrufen, und der Untertanen Herzen mit Guttaten an sich ziehen. Denn dergestalt sind die Untertanen im Fall der Not bereit, für ihre Obrigkeit Leib und Leben zu wagen.


Das 30. Kapitel


Hiob erzählt noch einmal, in was für großen Jammer er geraten ist. Und dass er solches ohne sein Verschulden leidet.

1. Nun aber lachen mein, die jünger sind denn ich, welcher Väter ich verachtet hätte, sie zu stellen unter meine Hunde die Schafe zu hüten,

Nun: Nach dem Hiob im vorigen Kapitel zu verstehen gab, wie glückselig er gewesen ist, so erzählt er jetzt auch, in was für einen Jammer und Not er geraten ist. Dieser Vergleich der beiden Zustände machen seinen Unfall nur noch beschwerlicher.

Jünger sind: Da sie doch, wo nicht meiner zuvor gewesenen Würde und Ansehen, dennoch meines Alters hätten schonen sollen und mich nicht so verächtlich halten, weil mir vor der Zeit vortreffliche Leute so große Ehre erzeigt und erwiesen haben.

Zu stellen: Ihre Väter wären mir nicht gut genug dazu gewesen, dass ich sie für Buben hätte gebraucht. Sieht man hieran, dass auch heilige Leute, wie Hiob einer war, häufig in großer Verachtung geraten.

2. welcher Vermögen ich für nichts hielt, die nicht zum Alter kommen konnten,

Nichts hielte: Ich hätte sie meines Wissens nirgends gebrauchen können.

Kommen konnten: Das Alter war an ihnen verloren.

3. die vor Hunger und Kummer einsam flohen in die Einöde und Wüste,

Flohen: Dass sie der Schulden wegen mussten entweichen, und ihr Haus verlassen.

4. die da Nesseln ausrauften um die Büsche, und Wacholderwurzel war ihre Speise;

Speise: Vor großem Hunger, den die elenden Leute litten.

5. und wenn sie die heraus rissen, jauchzten sie drüber wie ein Dieb.

Heraus rissen: Nicht ohne große Mühe.

Dieb: Der sich darüber freut, wenn er aus eines reichen Behausung großes Gut gestohlen und eine reiche Beute bekommen hat.

6. An den grausamen Bächen wohnten sie, in den Löchern der Erde und Steinritzen.

Bächen: Wo die Wasser grausam und schrecklich rauschen.

7. Zwischen den Büschen riefen sie und unter den Disteln sammelten sie,

Riefen sie: Dass sie unter anderen Leuten sich nicht sehen lassen durften vor Furcht, sondern hielten sich in einem großen Wald verborgen, wo sie sich versammelten.

8. die Kinder loser und verachteter Leute, die die Geringsten im Lande waren.

Geringsten: Es waren heillose elende Leute, die treiben jetzt ihren Mutwillen mit mir.

9. Nun bin ich ihr Spottlied geworden und muss ihnen zum Gerede dienen.

Spottlied: Diese Leute singen jetzt ein Lied von mir, und so verkürzen sie meine Zeit.

Gerede: Dass sie meinen Namen beschimpfen und zum Gespött machen, wenn sie von einem elenden Menschen sagen wollen, der aus höchsten Ehren in die äußerste Verachtung geraten ist, und nach großem Glück mit übermäßigem Jammer und Unglück überfallen wurde.

10. Sie haben einen Gräuel an mir und machen sich ferne von mir und schonen nicht, vor meinem Angesicht zu speien.

An mir: Als an einem abscheulichen Menschen.

Von mir: Dass sie mich nicht ansehen mögen.

Zu speien: Die frechen Buben dürfen über mich ausspucken. Es ist aber nicht ein geringes Stück vom Fluch, wenn man von bösen Leuten verachtet werden muss {5Mos 28}. Dennoch hat der fromme Hiob solchen Fluch auch erlitten. Darum muss man aus der Leute Glück oder Unglück von ihrer Frömmigkeit oder Bosheit nicht urteilen, denn es geht den Frommen in diesem Leben oft wie den Gottlosen.

11. Sie haben mein Seil ausgespannt und mich zunichtegemacht und das Meine abgezäunt.

Ausgespannt: Das ist: Die Chaldäer haben mir alle meine Pferde und Wagen genommen, und meine Herrschaft von mir genommen. Denn wenn Gott Verachtung auf die Fürsten schüttet, so findet sich ein loses Gesindel zusammen, die sich wider eine Obrigkeit auflehnen und alles zerrütten, als wenn Wagen und Pferde, nachdem der Zügel gerissen ist, über Stock und Stein ausreißen.

12. Zur Rechten, da ich grünte, haben sie sich wider mich gesetzt und haben meinen Fuß ausgestoßen; und haben über mich einen Weg gemacht, mich zu verderben.

Rechten: Welches Glück bedeutet, gleichwie zur Linken Unglück.

Ausgestoßen: Dass ich gelitten und darüber zu Boden gefallen bin.

Weg gemacht: Gleichwie die tun, welche durch einen fremden Acker einen Weg machen, und denselben, wenn sie oft darauf gehen, verderben. Also treten Sie mich auch mit Füßen, und sind sich einig darin, dass ich mich mit vielem Unglück überhäufen mögen.

13. Sie haben meine Steige zerbrochen; es war ihnen so leicht, mich zu beschädigen, dass sie keiner Hilfe dazu bedurften.

Zerbrochen: Sie haben mir den Weg abgegraben, dass ich nicht entrinnen kann.

14. Sie sind gekommen, wie zur weiten Lücke herein, und sind ohne Ordnung da hergefallen.

Weiten Lücke: Wie es die Kriegsleute machen, wenn sie ein großes Loch in die Mauer schlagen, um in die Stadt hinein zu fallen. Also haben auch die Araber, meine Feinde, ohne allen Widerstand in meine Güter einen Einfall getan.

15. Schrecken hat sich gegen mich gekehrt und hat verfolgt wie der Wind meine Herrlichkeit und wie eine laufende Wolke mein glückseliger Stand.

Gekehrt: Ich habe Herz und Mut verloren und fürchte mich überall, weil man Ansehen weg ist, als wenn der Wind die Spreu zu zerstreuen pflegt. Weil daher des Menschen glücklichen Zustand so wandelbar ist, so soll niemand seines guten Glückes sich überheben, noch in Unglück verzagen. Denn es ändert sich alles.

16. Nun aber gießt sich aus meine Seele über mich, und mich hat ergriffen die elende Zeit.

Gießt: Ich schütte mein Herz aus mit bitterlichen weinen.

Zeit: Ich bin mit Unglück überfallen, dass ich nicht wieder herauskommen kann. Es ist aber viel besser, dass man seines Herzens Angst mit weinen heraus lasse, als dass man sein Herzeleid in sich fresse, dadurch man sich selbst das Leben verkürzt.

17. Des Nachts wird mein Gebein durchbohrt allenthalben, und die mich jagen, legen sich nicht schlafen.

Durchbohrt: Es geht mir durch Mark und Bein, dass ich vor Ängsten nicht schlafen kann.

Nicht schlafen: Sie haben keine Ruhe, sondern nehmen alle Gelegenheit war, wie sie mir schaden können.

18. Durch die Menge der Kraft werde ich anders und anders gekleidet; und man gürtet mich damit wie mit dem Loch meines Rocks.

Gekleidet: Das ist: Ich bin mir selbst nicht mehr gleich, sondern, als ob das Glück sein Gespött mit mir treibe, so hat es mich allerdings gleichsam in einen anderen Menschen verwandelt. (Nach Luther) Das ist: Mancherlei Unglück wird mir gewaltig angetan, dass ich mich nicht wehren kann, umgürtet mich, dass ich nicht herauskommen kann, und muss es anziehen, wie ein Rock am Halse.

Loch: Das ist: Gleichwie einer einen Rock anzieht, da er oben den Kopf ins Loch steckt, und ihn also über sich wirft, dass der Leib damit überall umringt und geschlossen ist. Also umgeben mich meine Feinde auf allen Seiten, dass, wohin ich mich wende, ich nichts anderes als feindliche Gewalt sehe. Denn es pflegen die Hebräer mancherlei Figuren und Gleichnisse zu gebrauchen, besonders wenn sie das Herzens Anliegen und Angst erklären wollen.

19. Man hat mich in den Dreck getreten und gleich geachtet dem Staub und Asche.

Und Asche: Das ist: Ich bin aus großer Verachtung verstoßen, wie ein nichtiges Ding, dessen man nicht achtet, und bin vor großem Jammer hässlich und unflätig gemacht.

20. Schreie ich zu dir, so antwortest du mir nicht; trete ich hervor, so achtest du nicht auf mich.

Zu dir: Meinem Gott und Herren.

21. Du bist mir verwandelt in einen Grausamen und zeigst deinen Gram an mir mit der Stärke deiner Hand.

Grausamen: Dass du aus einem gnädigen Vater ein grausamer Feind geworden bist. Welches die erste schwerste Anfechtung und größte Trübsal ist, wenn wir meinen, dass nicht allein die Menschen, sondern Gott selbst uns zuwider sei.

Deiner Hand: Dass du mich mit schweren und unleidlichen Trübsal belegt hast.

22. Du hebst mich auf und lässt mich auf dem Winde fahren und zerschmelzt mich kräftiglich.

Fahren: Denn gleichwie der Wind den Staub von der Erde auftreibt, und hinweg fährt, dass er hin und wieder zerstäubt wird. Also hast du mich aus einem ruhigen Stand hingerissen, und treibst mich herum, dass ich nicht weiß, wo ich bleiben soll.

Zerschmelzt: Dass du mir meines Leibes und Gemütes Kräfte mit Gewalt schwächst.

23. Denn ich weiß, du wirst mich dem Tode überantworten; da ist das bestimmte Haus aller Lebendigen.

Überantworten: Du wirst nicht eher aufhören, mich zu plagen, bis du mich umbringst und ins Grab gelegt werde. Hier sieht man, wie die Hoffnung der Erlösung in einem Menschen, der schwer versucht wird, oft sehr schwach und schier erloschen sei. Aber sie wird vom Heiligen Geist heimlich und im Verborgenen unterhalten, dass sie nicht total verschwinde.

24. Doch wird er nicht die Hand ausstrecken ins Beinhaus, und werden nicht schreien vor seinem Verderben.

Beinhaus: (Nach Luther) Das ist: Im Beinhaus werde ich meine Ruhe haben.

Nicht schreien: Nämlich, die Toten beklagen sich nicht. Also weiß ich, dass ich noch so viel erlittenen Jammer endlich im Tode dennoch einmal zur Ruhe kommen werde. Denn Gott plagt die Frommen nicht erst nach dem Tode im erdichteten Fegefeuer, oder anderswo. Sondern der Tod macht ein Ende an allen ihrem Unfall und Jammer.

25. Ich weinte ja in der harten Zeit, und meine Seele jammerte der Armen.

Jammer: Ich hatte ein Mitleiden mit den Angefochtenen und Dürftigen, und half ihnen, so viel mir möglich war. Denn das ist die Art einer rechtschaffenen und ungefärbten Liebe, dass sie mit den Traurigen traurig ist, und ihnen Hilfe leistet.

26. Ich wartete auf das Gute, und es kommt das Böse; ich hoffte aufs Licht, und kommt Finsternis.

Das Gute: Dass sich nach den göttlichen Verheißungen für meine Guttaten und Frömmigkeit einer Belohnung gegenwärtig war.

Finsternis: Anstatt der Freude finde ich Traurigkeit. Denn wir glauben, dass Gott häufig seine Verheißungen nicht halte, wenn er mit der Erfüllung verzieht: Aber er leistet dieselbe reichlich, geschieht es nicht immer in diesem Leben, so wird es doch gewisslich geschehen in jenem Leben.

27. Meine Eingeweide sieden und hören nicht auf; mich hat überfallen die elende Zeit.

Sieden: Als wollte er sprechen: Ich muss auch einmal unwillig ungeduldig werden, über so großem Jammer.

Elende Zeit: Die Trübsal hat mich wie ein rauschender Bach übereilt, den man nicht entrinnen kann.

28. Ich gehe schwarz einher, und brennt mich doch keine Sonne nicht; ich stehe auf in der Gemeinde und schreie.

Schwarz: Denn die traurig und bekümmert sind, verlieren ihre schöne Gestalt und Farbe.

Gemeinde: Wo viele Leute beieinander versammelt sind.

Schreie: Ich kann mich des Heulens und Wehklagen nicht enthalten, wenn auch gleich viel Leute um mich sind.

29. Ich bin ein Bruder der Schlangen und ein Geselle der Straußen.

Geselle: Ich bin ein Scheusal geworden, wie die Schlangen, und muss einsam bleiben wie die Strauße.

30. Meine Haut über mir ist schwarz worden, und meine Gebeine sind verdorrt vor Hitze.

Vor Hitze: Nämlich, des göttlichen Zorns, vor dem ich keine Kraft mehr habe, dass meine Haut kaum meine Gebeine bedecken kann.

31. Meine Harfe ist eine Klage geworden und meine Pfeife ein Weinen.

Weinen: Das ist: Alle meine Freude hat sich in Traurigkeit verkehrt. Weil deswegen die Freude dieses Lebens so leicht in Leid sich zu verändern pflegt, so sollen wir nach der ewigen Freude uns sehnen, bei der man sich keiner Änderung besorgen darf.


Das 31. Kapitel


Hiob erzählt, wie er sein Leben redlich und richtig zugebracht habe. Und ist unwillig auf Gott, dass er seine Frömmigkeit nicht belohne, sondern ihn vielmehr Plage.

1. Ich habe einen Bund gemacht mit meinen Augen, dass ich nicht achtete auf eine Jungfrau.

Nicht achtet: Ich habe meine Augen daran gewöhnt, dass wenn mir eine Jungfrau entgegenkam, ich dennoch ihnen nicht zu viel zuließ, dass sie dieselbe lange angeschaut hätten, und das Herz dadurch in Liebe gegen sie entzündet würden, dadurch ich mich hätte bewegen lassen, dass ich danach getrachtet, wie ich sie hätte entehren und verfallen möchte. Also soll ein frommer Mensch seine Augen von fremden Weibern abwenden, damit das Herz nicht entzündet werde. Denn d. h., die Augen, so einen ärgern, ausreißen, wie Christus befiehlt. Und kann man viel leichter die Flammen der Unzucht verhüten, als, wenn sie entzündet sind, wieder löschen.

2. Was gibt mir aber Gott zu Lohn von oben? Und was für ein Erbe der Allmächtige von der Höhe?

Zu Lohn: Wie lässt mich Gott meiner Frömmigkeit genießen? Nämlich, dass er mir Kreuz und Unglück dafür über den Hals schickt.

3. Sollte nicht billiger der Ungerechte solch Unglück haben, und ein Übeltäter so verstoßen werden?

Billiger: Wenn Recht für Recht ginge, so sollte es dem Gottlosen wie mir gehen. Warum begegnet mir denn solches, da ich doch nicht gottlos gewesen bin, sondern einen unsträflichen Wandel geführt habe? Und sollte es zwar wohl also sein, dass es den Frommen wohl, und den Bösen übel ginge. Aber Gott kehrt es bisweilen um, auf dass er der Frommen Glauben und Geduld bewähre, die Bösen aber durch Guttaten zur Buße locke, und wo sie nicht wollen, später desto härter Strafe.

4. Sieht er nicht meine Wege und zählt alle meine Gänge?

Zählt: Er hat genau acht auf meinen Wandel und ganzes Leben. Warum vergilt er mir denn meine Frömmigkeit nicht?

5. Hab ich gewandelt in Eitelkeit? Oder hat mein Fuß geeilt zum Betrug?

Betrug: Habe ich jemals meinen Nächsten mit vergeblichen Worten versucht aufzuhalten, oder mich darauf beflissen, wie ich ihn möchte übers Seil werfen und betrügen?

6. So wäge man mich auf rechter Waage, so wird Gott erfahren meine Frömmigkeit.

Wäge: Er erkundigt sich der Sache aufs genaueste.

Frömmigkeit: Meine Aufrichtigkeit in allem Tun. Solche Leute sollte man heutzutage wohl nicht viel finden.

7. Hat mein Gang gewichen aus dem Wege und mein Herz meinen Augen nachgefolgt, und ist etwas in meinen Händen beklebt,

Nachgefolgt: Dass ich im Gericht die Person angesehen, und einen Reichen oder Mächtigen, oder gottlosen Menschen einem armen Gerechten vorgezogen hätte.

Beklebt: Dass ich mich hätte mit Geschenken bestechen lassen. Vor welchem Tun heutigen Tages wenig Richter und Amtsleute einen Abscheu haben.

8. so müsse ich säen, und ein anderer fresse es, und mein Geschlecht müsse ausgewurzelt werden.

Fresse es: Das ist: Gott gebe, dass ich von meiner Arbeit und von meinem Einkommen keinen Nutzen habe, wo ich mit Geschenken mir habe die Augen blenden lassen.

Ausgewurzelt: Dass ich mit meinen Nachkommen zugrunde gehe. Denn das ist die Strafe, so einem darauf steht, wenn er im Regiment nicht will über Recht und Gerechtigkeit halten, dass seine Güter zerstreut und seine Nachkommen vertilgt werden, wie die täglichen Beispiele bezeugen.

9. Hat sich mein Herz lassen reizen zum Weibe, und habe an meines Nächsten Tür gelauert,

Weibe: Nämlich, so eines fremden Weib, dass ich begehrt hätte ungebührliche Sachen mit ihr zu treiben und einen Ehebruch zu begehen.

Gelauert: Dass ich heimlich möchte in sein Haus schleichen, und ihm sein Weib schänden.

10. so müsse mein Weib von einem anderen geschändet werden, und andere müssen sie beschlafen.

Einem anderen: Denn Gott pflegt die Ehebrecher dergestalt zu strafen, dass ihr Eheweib auch nicht einen züchtigen Wandel führen.

11. Denn das ist ein Laster und eine Missetat für die Richter.

Laster: Nämlich, der Ehebruch ist eine schändliche und abscheuliche Tat vor Gott.

Richter: Welche sie ernstlich strafen sollen. Heutigen Tages werden die Ehebrecher an vielen Orten ganz gelinde gestraft, und wenngleich gar kein ernstes Gesetz davon vorhanden ist, so haben sie doch keinen Nachdruck. Darum Gott auf ganze Länder mit mancherlei plagen strafen muss, weil die Obrigkeit in ihrem Amt, so viel dies Stück anbelangt, fahrlässig ist.

12. Denn das wäre ein Feuer, das bis ins Verderben verzehrte und all mein Einkommen auswurzelte.

Verzehrte: Dadurch ein Mensch sich in das ewige höllische Feuer stürzt {Gal 5 1Kor 6}.

Auswurzelte: Denn Gott zerstreut der Ehebrecher Güter.

13. Habe ich verachtet das Recht meines Knechts oder meiner Magd, wenn sie eine Sache wider mich hatten,

Wider mich: Als wollte er sprechen: Ich habe sogar keine Tyrannei zu üben begehrt, dass ich mich auch nicht verantworten musste gegenüber meinem Knecht oder Magd, wenn sie meinten etwas wider mich zu haben, indem ihnen von mir zu kurz geschehen wäre. Da ich doch, von wegen ihres geringen Standes, mich dem Rechten wohl hätte entziehen können. Also soll eine Obrigkeit gesinnt sein, dass sie in ihrer eigenen Sache gegen ihre Untertanen, nicht ihre eigenen Richter sein.

14. was wollte ich tun, wenn Gott sich aufmachte, und was würde ich antworten, wenn er heimsuchte?

Aufmachte: Zu richten und das Böse zu strafen.

Heimsuchte: Dass er einem jeden gebe nach seinen Werken, da würde ich seinen gerechten Zorn nicht ertragen können.

15. Hat ihn nicht auch der gemacht, der mich in Mutterleibe machte, und hat ihn im Leibe eben sowohl bereitet?

Bereitet: Das will so viel sagen: Ob wir wohl in dieser Welt ungleichen Standes sind, und einer ein Herr, der andere ein Knecht ist. So ist doch darum keinem zugelassen, dass er Tyrannei wider den anderen übe. Denn ein Bauer ist unserem Herrn Gott ebenso lieb, als ein Edelmann, weil er sie beide erschaffen hat und Christus beider Erlöser ist. Welches die wohl bedenken sollten, welche die gemeinen Leute nicht anders als ein Vieh achten.

16. Hab ich den Dürftigen ihre Begierde versagt und die Augen der Witwen lassen verschmachten?

Verschmachten: Dass ich mich der Armen Bitte nicht geachtet hätte, oder die Witwen lassen Hunger sterben.

17. Hab ich meinen Bissen allein gegessen, und nicht der Waise auch davon gegessen?

Gegessen: Dass ich von meiner Speise nicht auch etwas zur Unterhaltung der verlassenen Waisen gegeben.

18. Denn ich habe mich von Jugend auf gehalten wie ein Vater; und von meiner Mutter Leibe an hab ich gerne getröstet.

Gerne getröstet: Ich habe mich von Jugend auf der armen und elenden Leute angenommen, und mich zum Mitleiden gegen Ihnen bewegen lassen. Denn es sollen fromme Leute mitleidig sein, und sich der Armen Notdurft annehmen {Kol 3}.

19. Habe ich jemand gesehen umkommen, dass er kein Kleid hatte, und den Armen ohne Decke gehen lassen?

Kleid hatte: Dass ich ihn hätte frieren und nicht vielmehr bekleidet hätte.

20. Haben mich nicht gesegnet seine Lenden, da er von den Fellen meiner Lämmer erwärmt ward?

Lenden: Die ich nach meiner Mildtätigkeit bekleidete. Das ist: Es haben mich die armen Leute gesegnet, und mir alles Gute gewünscht, wenn ich sie im Frost bekleidete. Denn wir sollen die Hungrigen speisen, und die Nackten kleiden {Mt 25}. Solche Guttaten will Gott nicht nur im anderen Leben belohnen. Sondern es erlangen uns auch solche gottseligen Wünsche der armen Leute von Gott, dass es uns noch in diesem Leben gut geht, ob wir gleich eine Zeit lang auch ein Teil vom Kreuz Christi tragen müssen.

21. Hab ich meine Hand an den Waisen gelegt, weil ich mich sah im Tor Macht zu helfen haben,

Gelegt: Dass ich ihn hin und wieder getrieben oder unterdrückt hätte ob ich wohl mit weltlicher Gewalt und Ansehen solches hätte tun können, weil ich im Stande der Obrigkeit war. Denn es ist der Obrigkeit ihre Gewalt nicht darum gegeben, dass sie die Armen unterdrücken, sondern dass sie ihnen helfen sollen.

22. so falle meine Schulter von der Achsel, und mein Arm breche von der Röhre.

Röhre: Das ist: Gott strafe mich auf das Härteste und nehme alle Gewalt von mir weg.

23. Denn ich fürchte Gott, wie einen Unfall über mich, und könnte seine Last nicht ertragen.

Fürchte: Darum ich seinen schweren Zorn nicht wider mich reizen wollte.

24. Hab ich das Gold zu meiner Zuversicht gestellt und zu dem Goldklumpen gesagt: Mein Trost?

Mein Trost: Dass ich mich auf meine Schätze verlassen hätte, und nicht vielmehr auf Gott allein. Denn obwohl die geizigen Leute es mit dem Munde nicht öffentlich bekennen, so haben sie doch in der Wahrheit ihre Zuflucht zu ihrem Reichtum, und nicht zu Gott, sondern sie ehren dem Mammon an Gottes statt {Mt 6}. Darum sie auch Paulus Abgöttische nennt {Eph 5}.

25. Hab ich mich gefreut, dass ich großes Gut hatte und meine Hand allerlei erworben hatte?

Gut hatte: Als ob die rechte Glückseligkeit daran gelegen wäre, und nicht vielmehr also gesinnt gewesen bin, als ob ich keine Güter besäße. Denn welche etwas kaufen, die sollen sein, als besäßen sie es nicht {1Kor 7}. Und sollen sich nicht auf die zeitlichen Güter verlassen, viel weniger damit prangen {1Tim 6}.

26. Hab ich das Licht angesehen, wenn es helle leuchtete, und den Mond, wenn er voll ging?

Licht: Dass ich meine Freude daran gehabt hätte, wenn wir es glücklich ging und mich dessen überhoben hätte. Denn das Glück beschreibt er durch das Licht, wie Unglück mit der Finsternis. Es ist aber eine große Tugend, wenn man bei gutem Glück nicht übermütig, und in Unglück nicht kleinmütig wird.

27. Hat sich mein Herz heimlich bereden lassen, dass meine Hand meinen Mund küsse?

Nach Luther: Hand küssen, heißt, seine eigenen Werke preisen, welches allein Gott zugehört.

Küsse: Dass ich unbesonnen gewesen wäre, und in meinem Herzen mich selber gekitzelt hätte, da es mir wohl ging, und solch mein Glück dahin gerechnet, als ob ich es mit meiner Herzlichkeit und Vorsichtigkeit zuwege gebracht hätte, wie die Heuchler zu tun pflegen. Denn d. h. seine Hand küssen.

28. Welches ist auch eine Missetat für die Richter; denn damit hätte ich verleugnet Gott von oben.

Richter: Welche dieses aufs härteste strafen sollen, wenn sie es erfahren.

Verleugnet: Eine so große Sünde ist es, wenn jemand sich selber sein gutes Glück zuschreibt, dass auch um dieser Ursache willen der große mächtige König Nebukadnezar etliche Jahre lang von seinem Königreich verstoßen wurde, nachdem er von Sinnen gekommen war, und in der Einöde, wie ein unvernünftiges Tier herumgelaufen ist {Dan 4}.

29. Hab ich mich gefreut, wenn es meinem Feinde übel ging, und habe mich erhoben, dass ihn Unglück betreten hatte?

30. Denn ich ließ meinen Mund nicht sündigen, dass er wünschte einen Fluch seiner Seele.

Fluch: Ich hielt mich in diesem selbst zurück, dass ich in diesem Stück nicht sündigte, und meinen Feinden nicht fluchte oder Böses wünschte. Aber heutigen Tages ist es nicht selbstverständlich, als dass man dem Feinde alles arges wünschte, und zu solchem gottlosen Tun, den allerheiligsten Namen Gottes missbraucht, dass ihn des Herrn Christi Leiden, Wunden, Marter und Sakrament schänden und stürzen sollen, welches alles doch nicht zu der Menschen Verderben, sondern zu derselben Heil und Seligkeit angesehen und geschehen ist.

31. Haben nicht die Männer in meiner Hütte müssen sagen: O wollte Gott, dass wir von seinem Fleisch nicht gesättigt würden!

Hütten: Das ist: Meine Familie und Hausgenossen habe ich so gehalten, dass sie nicht begehrt haben sich an ihren Feinden zu rächen, sondern vielmehr gewünscht, dass dieselben ruhig bleiben, und sich nicht selber ins Verderben stürzen, denn sie freuten sich über den Untergang meiner Feinde nicht. Sollen wir deswegen unsere Familie also gewöhnen, dass sie nicht meinen, sie tun uns einen angenehmen Dienst daran, wenn sie wider andere grausam sich erzeigen. Sondern dass sie auch des Friedens und der Einigkeit sich befleißigen.

32. Draußen musste der Gast nicht bleiben, sondern meine Tür tat ich dem Wanderer auf.

Nicht bleiben: Den ich nicht aus Geiz oder Unbarmherzigkeit die Nacht über auf der Gasse liegen ließ. Es ist aber die Gastfreiheit eine große Tugend, und steht einem frommen Menschen gut an {Hebr 13}. Besonders, wo nicht viele Gasthöfe oder Wirtshäuser sind.

33. Hab ich meine Schalkheit wie ein Mensch gedeckt, dass ich heimlich meine Missetat verberge?

Verbürge: Wo ich aus menschlicher Schwachheit gefallen war, so habe ich solchen meinen Irrtum nicht geleugnet, wie sonst die Leute häufig zu tun pflegen, besonders die Heuchler, welche mancherlei Ursachen zum Schein vorgeben zu wissen, damit sie ihren Fall begehren zu verdecken. Denn es steht einem frommen Menschen zu, dass er sein Unrecht bekenne und abbitte, viel mehr, als dass er es wollte leugnen und verbergen.

34. Hab ich mir grauen lassen vor der großen Menge, und hat die Verachtung der Freundschaften mich abgeschreckt? Ich blieb stille und ging nicht zur Tür aus.

Grauen lassen: Wenn ich der Gerechtigkeit beistehen sollte, und dieselben handhaben wieder einen großen Haufen, derer die vor mir, als ihrem ordentlichen Richter standen, und eine böse Sache hatten.

Abgeschreckt: Dass ich mich besorgt hätte, es würde der unrechten Partei Freundschaft mir Feind und abwegig werden, und mich in Verachtung bringen, wenn ich nicht das Urteil auf ihre Seite fällen würde.

Tür aus: Ich ließ mich daheim finden, und ging der Sache nicht aus dem Wege, der Meinung, dass ich sie wollte von mir schieben, und einem anderen zuweisen, weil man nicht ohne der Leute Verdruss darin handeln könnte. Gleichwie etliche der Fürsten Räte tun, welche in Sachen, da sie meinen einen Grund zu erlangen, sich selber einbringen. Aber wo eine Gefahr oder Freundschaft zu besorgen sei, da ziehen sie den Kopf aus der Schlinge, und wenden etwas vor, dass sie entweder mit Geschäften überladen sind, oder befinden sich nicht wohl, geschieht aber nur darum, dass sie fürchten, sie möchten sich einige hohe Personen Ungunst auf sich laden. Das, sagt Hiob hier, habe er nicht getan.

35. Wer gibt mir einen Verhörer, dass meine Begierde der Allmächtige erhöre, dass jemand ein Buch schriebe von meiner Sache?

Verhörer: Wollte Gott, dass ich einen guten Richter haben könnte, der mir Gehör gebe, dass ich meine Unschuld und gerechte Sache vor ihm brächte.

Erhöre: Dass er sich doch meiner einmal annehme, und aus diesem Unfall rettete, wenn er in meiner Verantwortung stände, dass ich diese Schmerzen ohne all mein Verschulden leide.

36. So wollt ich es auf meine Achseln nehmen und mir wie eine Krone umbinden.

Umbinden: Also bin ich mir nichts Böses bewusst, dass ich ein solches Buch, in dem mein ganzes Leben und Wandel beschrieben wäre, jedermann frei und öffentlich wollte sehen lassen, und als ein Zeugnis meiner Unschuld mit mir herumtragen.

37. Ich wollte die Zahl meiner Gänge ansagen und wie ein Fürst wollte ich sie darbringen.

Ansagen: Ich wollte von allen meinen Tun und Lassen richtige Rede und Antwort geben.

Fürst: Das ist: Frei und unerschrocken wollte ich hervortreten, und meine Unschuld vorbringen. Es geht aber Hiob zu weit, aus Ungeduld, in Handhabung seiner Frömmigkeit, und redet mehr, denn einem frommen Mann wohl gebührt hätte, da er sich doch viel eher hätte demütigen sollen, und bescheidener verhalten. Aber die heiligen Leute tragen auch noch Fleisch und Blut in dieser Welt mit sich herum, darum sie oft solche Sachen reden und tun, die sie selbst später nicht loben können {Röm 7}.

38. Wird mein Land wider mich schreien und miteinander seine Furchen weinen;

Schreien: Dass ich meine Untertanen mit unrechten Sachen beschwert habe, und daher ihr Land und Furchen über mich etlichermaßen schreien, und ihren elenden Zustand beweinen möchten, weil ich mehr gefordert, als sie jährlich ertragen können, und die Ackerleute Armut wegen das Feld nicht gebührlich konnten bearbeiten. Denn wenn eine Obrigkeit ihren Untertan zu große Beschwerden auflegt, so schreit mit seinem Maß die Erde selbst um Rache vor den Augen Gottes, und seufzen die Felder um Rettung von solcher Tyrannei, darum Gott zu Recht zum Zorn bewegt wird, dass er die Tyrannen straft.

39. hab ich seine Früchte unbezahlt gegessen und das Leben der Ackerleute sauer gemacht,

Gemacht: Dass ich ohne Bezahlung von meinen Untertanen Getreide genommen, und habe sie Mangel leiden lassen. Es nehmen aber nicht allein die Untertanen Früchte unbezahlt, welche es Ihnen diese mit Gewalt abbringen, sondern auch welche im Amt der Obrigkeit für ihre Untertanen Wohlfahrt nicht fleißig wachen, und die Gerechtigkeit unter ihnen nicht handhaben. Welche auch mit Auflegung schwere Dienstbarkeiten, ihrer Untertanen Seufzen und Tränen herausbringen, die werden einmal eins vor Gott schwere Rechenschaft darum geben müssen.

40. so wachsen mir Disteln für Weizen und Dornen für Gerste. Die Worte Hiobs haben ein Ende.

Für Gerste: Das ist: Wenn ich jemand ein Unrecht zugefügt habe, so verfluche Gott meine Früchte auf dem Felde, dass mir meine Arbeit und Kosten nicht belohnt werden. Und zwar verflucht Gott der geizigen Herren Hab und Güter, dass je mehr sie die Untertanen mit Steuern beschweren, je weniger sie Güter oder Schätze sammeln, sondern werden, sondern werden nur je länger je ärmer.

Ende: Hier hat Hiob aufgehört, seine Unschuld zu verteidigen. Denn ob er wohl später mehr geredet hat, so hat er doch dazu mal seine Sache nicht mehr begehrt handzuhaben. Und hat zwar Hiob in dem Fall recht geredet, da er es hart geleugnet hat, dass er solchen gegenwärtigen Unfall mit äußerlichen und groben Sünde nicht verdient habe. Aber daneben hat er aus Ungeduld und Schwachheit des Fleisches seine Unschuld mit so ungestüm bestritten, dass er sich auch der Gotteslästerung sich nicht enthalten hat. Gott aber hat die Gewalt, uns mit dem Kreuz zu belegen, auf das wir uns selbst kennen lernen, und die Sünde, so noch in unserem Fleisch steckt und verborgen liegt, erkennen. Daneben aber vergibt er uns, nach seiner großen Güte um des Mittlers Christi willen, durch den Glauben, unsere Ungeduld und murren.


Das 32. Kapitel


Da die drei Freunde Hiobs aufhören ihm ferner Widerworte zu geben, tritt der vierte auf, mit Namen Elihu, und fängt an gegen ihn zu reden: Macht einen weitläufigen, aufgeblasenen, und närrischen Eingang, und zeigt an, was ihn zu reden verursache.

1. Da hörten die drei Männer auf, Hiob zu antworten, weil er sich für gerecht hielt.

Gerecht hielt: Und sich nicht wollte bereden lassen, dass sein gegenwärtiges Unglück mit irgendeiner großen Sünde verdient wäre.

2. Aber Elihu, der Sohn Baracheels, von Bus, des Geschlechts Ram, ward zornig über Hiob, dass er seine Seele gerechter hielt denn Gott.

Denn Gott: Welchen er einer Grausamkeit und Tyrannei beschuldigte, als ob er, da er doch unschuldig wäre, von Gott dennoch unverschuldeterweise geplagt würde. Und es war nicht ganz ohne, dass Hiob in dem Fall der Sache etwas zu viel getan hatte. Aber so viel es den Hauptpunkt des ganzen Streites betrifft, war Hiob recht dran, dass er nämlich, mit groben äußerlichen Sündern solche Strafen nicht verdient hätte. Deswegen wird ihm später von Gott selbst seine Unschuld bestätigt.

3. Auch ward er zornig über seine drei Freunde, dass sie keine Antwort fanden und doch Hiob verdammten.

Keine Antwort: Damit sie ihn seines Irrtums überweisen und ihm genügend widersprochen hätten, wie er, der Elihu, meinte, einen ganzen Sack voll Weisheit zu haben, damit er denn Hiob überreden wolle. Es sei nun dieser Elihu gewesen, wer er wolle, so bringt er doch nichts Besseres vor, als die vorigen, obwohl er sich selber überredet, er sei ganz schlau, und da er den Hiob als einem frommen bekümmerten Menschen hätte trösten sollen, so fährt er ihn viel härter an, als er wohl hätte tun sollen.

4. Denn Elihu hatte geharrt, bis dass sie mit Hiob geredet hatten, weil sie älter waren denn er.

Geharrt: Er hatte ihnen lange zugehört, und nichts dazwischen geredet, weil sie miteinander stritten.

Älter waren: Darum er meinte, es gebühre ihm zu schweigen, als dem Jüngeren, bis die Alten ausgeredet hätten. Obwohl nun Elihu ein aufgeblasener Heuchler war, so ist doch diese Bescheidenheit an ihm zu loben. Diesem Beispiel sollten junge Leute nachfolgen, dass sie den Eltern nicht zur Unzeit oder ohne bedacht in die Rede fallen.

5. Darum, da er sah, dass keine Antwort war im Munde der drei Männer, ward er zornig.

Zornig: Weil er sich einbildete, dass durch ihr stillschweigen Hiob die Oberhand behalten hätte.

6. Und so antwortete Elihu, der Sohn Baracheels, von Bus, und sprach: Ich bin jung, ihr aber seid alt; darum hab ich mich gescheut und gefürchtet, meine Kunst an euch zu beweisen.

So antwortete: Und entschuldigt sich mit einer langen Vorrede zum Eingang, bis zum Ende des Kapitels, warum er sich mit dem Hiob einlasse.

Gescheut: Vor eurem Alter, das ich mich nicht unterfangen dürfe euch zu lehren und zu unterrichten, wie man dem Hiob müsste das Maul stopfen.

7. Ich dachte: Lass die Jahre reden, und die Menge des Alters lass Weisheit beweisen.

Jahre reden: Das ist: Ich dachte, es wäre richtig, dass sich ältere Leute als ich bin, von der Weisheit reden ließe.

8. Aber der Geist ist in den Leuten, und der Odem des Allmächtigen macht sie verständig.

Den Leuten: Als wollte er sprechen: Ich habe wiederum auch daran gedacht, und mich dazu bewegen lassen, dass ich rede, weil ich weiß, dass der Geist Gottes auch den jungen Leuten gegeben wird, daher es wohl geschehen kann, dass sie vom Geist des allmächtigen Gottes erleuchtet und aufgemuntert werden, dass sie recht und heilsame Sachen vorbringen können. Denn die Gaben des Heiligen Geistes sind an kein Alter gebunden, werden auch keinem abgeschlagen. Daher Paulus spricht vom Timotheus: Niemand verachte deine Jugend. Und sagte zwar Elihu viele Sachen, dass recht und wahr ist, aber zum gegenwärtigen Handel und zu den Hauptpunkten sich ebenso wenig reimt, als das Vorige, was des Hiobs drei Freunde vorgebracht hatten.

9. Die Großen sind nicht die Weisesten, und die Alten verstehen nicht das Recht.

Verstehen nicht: Wie sie, von dunklen und göttlichen Sachen urteilen sollen. Denn die Alten gehen oft viel mehr in dem Aberwitz, als dass man große Weisheiten bei ihnen finden sollte. Die man aber doch nichtsdestoweniger soll in Ehren halten, ob wir gleich ihrer Meinung nicht zustimmen können.

10. Darum will ich auch reden; höre mir zu! Ich will meine Kunst auch sehen lassen.

Reden: Was ich meine, dass zum gegenwärtigen Gespräch dienlich sei.

Sehen lassen: Ich will meine Kunst von göttlichen Sachen vorbringen, und solche Dinge sagen, die man keineswegs einen Irrtum oder Unbedachtsamkeit wird beschuldigen könne.

11. Siehe, ich habe geharrt, dass ihr geredet habt; ich habe aufgemerkt auf euren Verstand, bis ihr trefft die rechte Rede,

Geharrt: Aber wie ich sehe, so ist es vergebens und umsonst gewesen.

Trefft: Ich habe gehofft, ihr würdet vorbringen, was sich zur Sache reimte.

12. und habe achtgehabt auf euch; aber siehe, da ist keiner unter euch, der Hiob strafe oder seiner Rede antworte.

Strafe: Dass er ihnen seiner Bosheit überzeuge.

Seine Rede: Damit er bisher seine Unschuld bestritten und verteidigt hat.

13. Ihr werdet vielleicht sagen: Wir haben die Weisheit getroffen, dass Gott ihn verstoßen hat, und sonst niemand.

Getroffen: Wir haben die Hauptursache seines Unfalls gefunden, und sehen, dass solch ein großes Unglück ein Zeichen, dass ihn Gott, als der aller gerechteste und weiseste verworfen habe. Daraus schließen wir, dass er solches zu Recht leide, weil Gott niemand unrecht tut, wie die Menschen pflegen ein anderer Unrecht zuzufügen.

14. Die Rede tut mir nicht genug; ich will ihm nicht so nach eurer Rede antworten.

Nicht genug: Den Hiob zu überzeugen.

Nicht so: Ich will auf eine andere und bessere Weise mit ihm handeln, ihn seines Unrechtes zu überweisen, als ihr getan habt. Denn ihr habt nur sein voriges Leben gescholten, in welchem Stück man ihm nicht leicht beikommen kann, weil er, dem Ansehen nach, vor der Welt unsträflich gelebt hat. Ich aber will ihm seine Ungeduld im gegenwärtigen Kreuz, und seine Leistungen, die er wider Gott ausgestoßen, mit meiner Rede beweisen. Obwohl nun Elihu eine Weile davon handelt, und den Hiob schilt, von wegen seiner Ungeduld, so bleibt er doch nicht dabei, sondern gerät endlich wieder auf der vorigen drei Männer geführten Beweise, und bestreitet, dass Hiob mit seinem vorhin geführten gottlosen Leben vielleicht solche Strafen über sich gezogen habe, wie wir später hören werden.

15. Ach! sie sind verzagt, können nicht mehr antworten, sie können nicht mehr reden.

Sie: Nämlich, die drei Männer, so bisher mit dem Hiob gestritten, fürchten sich vor des Hiobs heftige und scharfen Reden.

Mehr reden: Weil sie sein voriges geführtes Leben keines Unrechten überzeugen können, so müssen sie ihre Sache mit stillschweigen verantworten.

16. Weil ich denn geharrt habe, und sie konnten nicht reden (denn sie stehen still und antworten nicht mehr),

17. will doch ich mein Teil antworten und will meine Kunst beweisen.

Beweisen: Ich will anzeigen, was ich aus dem Worte Gottes weiß und gelernt habe.

18. Denn ich bin der Rede so voll, dass mich der Odem in meinem Bauche ängstigt.

So voll: Dass ich nicht mehr innehalten kann, darum bin ich froh, dass ich mit Hiob mich zu reden einlassen soll, weil er Gott lästert.

19. Siehe, mein Bauch ist wie der Most, der zugestopft ist, der die neuen Fässer zerreißt.

Zerreißt: Es ist mir eben, als wenn ich zerbersten wollte, wenn ich nicht meinem Herzen Luft gebe. Gleichwie der neue Most den Fässern den Boden ausstößt, wenn sie so vollgemacht sind, dass der Most keine Luft haben kann. Obwohl nun die Heuchler anfangs sich gar demütig erzeigen, so brechen sie doch endlich heraus, und können ihren Übermut nicht verbergen.

20. Ich muss reden, dass ich Odem hole; ich muss meine Lippen auftun und antworten.

Odem hole: Ich möchte sonst vor großer Weisheit ersticken.

21. Ich will niemandes Person ansehen und will keinen Menschen rühmen.

Ansehen: Ich will es nicht achten, dass der Hiob bisher imstande der Obrigkeit gewesen ist.

Rühmen: Ich will keinem nach dem Mund oder zu gefallen reden, dass ich seines großen Ansehens wegen etwas wollte sagen, oder auch verhehlen, dass nicht sein sollte.

22. Denn ich weiß nicht, wo ich es täte, ob mich mein Schöpfer über ein kleines hinnehmen würde.

Täte: Dass ich mich nach den Leuten richtete.

Hinnehmen: Ich muss gedenken, dass es wohl geschehen könnte, wenn ich jemand etwas zu gefallen redete, dass mein Gott und Schöpfer mir das Leben abkürzen, und vor sein strenges Gericht stellte, da ich das Laster der Heuchelei nicht würde können entschuldigen. Dies sollen auch alle Ratgeber und besonders die Kirchendiener wohl bedenken, dass sie nichts nach der Gunst und Ansehen der Person etwas reden oder verschweigen. Denn sie um alles einmal müssen vor dem Gerichte Gottes Rechenschaft geben. Doch sollen sie nicht ihre eigenen Rachgierigkeiten den Schein eines göttlichen Eifers oder Gebots vorwenden, wie hier der Heuchler Elihu tut.


Das 33. Kapitel


Elihu rühmt mit ganz prächtigen Worten, wie Gott niemand unrecht tue. Und lehrt dass Gott durch Krankheiten und Schrecken die Leute demütige, damit sie Buße tun, und er sie wieder zu Gnaden aufnehmen könne, welches aber des Hiobs Person nicht betrifft.

1. Höre doch, Hiob, meine Rede und merke auf alle meine Worte!

Höre doch: Denn mit solchen und dergleichen Worten pflegen die Hebräer ihre Zuhörer zum fleißigen Zuhören zu ermahnen und aufzumuntern.

2. Siehe, ich tue meinen Mund auf, und meine Zunge redet in meinem Munde.

Mund auf: Dass ich dich unterrichte.

3. Mein Herz soll recht reden, und meine Lippen sollen den reinen Verstand sagen.

Reinen Verstand: Göttliche Sachen, und Geheimnis, dabei kein menschlicher Wahn oder Irrtum sein soll. Darum du fleißig darauf hören solltest, und davon wegen meiner Jugend, oder von wegen deiner vorigen Hoheit mich nicht verachten.

4. Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen hat mir das Leben gegeben.

Geist Gottes: Der Heilige Geist hat mir im Mutterleibe das Leben, sowohl als dir, gegeben. Weil wir darum alle einen Schöpfer haben, so soll keiner den anderen verachten. Denn was Elihu hier redet, ist alles wahr, aber zum gegenwärtigen Handel nicht dient, darüber zwischen ihm und dem Hiob der Streit war. Und hat man auch an diesem Ort zu beachten, dass dem Geist Gottes, oder Heiligem Geist, des Menschen Erschaffung und das gegebene Leben zugeeignet wird. Welches beides alleine Gottes Werk ist. Darum auch in diesem Spruch die Gottheit des Heiligen Geistes erwiesen werde.

5. Kannst du, so antworte mir; schicke dich gegen mich und stelle dich!

Stelle dich: Mache dich gefasst mit mir zu diskutieren, es soll dir Platz zu deiner Verantwortung gelassen werden. Denn die sind nicht klug, welche einen anderen wollen zur Verantwortung kommen lassen, sondern mit ihrem stetigen Geschrei immer fortfahren.

6. Siehe ich bin Gottes eben sowohl als du, und aus Erde bin ich auch gemacht.

Als du: Wir sind der Erschaffung halben einer wie der andere, und darfst dich deshalb mir nicht vorziehen, oder auch mich fürchten.

7. Doch du darfst vor mir nicht erschrecken, und meine Hand soll dir nicht zu schwer sein.

Zu schwer: Du darfst dich nicht besorgen, dass ich dich vielmehr mit Gewalt, als mit Beweisen mit dir streiten will. Sondern du magst eine Sache frei und ungehindert handhaben, so gut du kannst, als für einen, der dich nicht begehrt zu erschrecken. Denn vor einer harten Obrigkeit kann ein Untertan oft eine gute Sache aus Furcht nicht recht vorbringen.

8. Du hast geredet vor meinen Ohren, die Stimme deiner Rede musste ich hören:

Du hast: Jetzt schreitet Elihu zur Sache, und fängt den Handel mit Hiob an.

9. Ich bin rein, ohne Missetat, unschuldig und habe keine Sünde.

Keine Sünde: Ich bin nicht gottlos, noch mit Sünden befleckt, und bin mir nichts Böses bewusst, darum sollte mir es nicht übel, sondern wohl gehen.

10. Siehe, er hat eine Sache wider mich gefunden, darum achtet er mich für seinen Feind.

Gefunden: Er hat ohne mein Verschulden etwas, dass er zum Schein seines Zornes wieder mich vor zuwenden hätte, erdacht.

Feind: Das ist: Von der Zeit an, da er sein Gemüt von mir abgewandt hat, hält er mich mehr als sein Kind, sondern als einen Feind.

11. Er hat meinen Fuß in einen Stock gelegt und hat alle meine Wege verwahrt.

Gelegt: Dass er mich mit großem Unglück überschüttet, darin ich gefangen stecke und nicht entgehen kann.

Verwahrt: Dass ich niemals seiner Hand entrinnen kann, und handelt ganz unbarmherzig mit mir, ohne all mein Verschulden. Das ist: O Hiob, der Hauptpunkt deiner Verteidigung, und ist der Inhalt alles dessen, was du bisher weitläufig vorgebracht hast.

12. Siehe, eben daraus schließe ich wider dich, dass du nicht recht bist; denn Gott ist mehr als ein Mensch.

Nicht recht: Eben dieses ist ein Zeugnis wider dich, dass du nicht gerecht bist, weil du sagst, du bist rein und beschuldigst Gott der Ungerechtigkeit, als ob er auch die Frommen plagte. Aber Elihu wird sich in dem, dass er meint, es müsse Gott darum ungerecht sein, wenn er die Frommen, nach seinem guten und gnädigen Willen mit Kreuz und Trübsal belegt. Denn Gottes Gerichte sind viel anders als der Menschen, und tut er viele Dinge auf das aller gerechteste und beste, welches der menschlichen Vernunft nicht richtig zu sein scheint.

Ist mehr: Seine Majestät ist zu groß dazu, als dass er dir deine Sünden nacheinander erzählen sollte, und was ein jeder verdient in der Waage abwägen. Dennoch tut er dir nicht Unrecht oder zu kurz.

13. Warum willst du mit ihm zanken, dass er dir nicht Rechenschaft gibt alles seines Tuns?

Seines Tuns: Dass er dir ordentlich nacheinander her erzählen müsste, was deine Übertretungen gewesen, und wie er einer jeden Sünde Strafe geschätzt habe.

14. Denn wenn Gott einmal etwas beschließt, so bedenkt er es nicht erst her nach.

Beschließt: Dass er, nämlich, um der Sünden willen jemand strafen wolle.

Bedenkt: (Nach Luther) Wie etwa ein Mensch erst später, nach dem ein Ding geschehen ist, darüber Rat hält, und manchmal es bereut, was er getan, und gedenkt zu ändern. So auch {1Sam 15v29} spricht Samuel: Der Held in Israel leugnet nicht, und bereut es nicht. Denn er ist nicht ein Mensch, dass er etwas bereuen sollte.

Hernach: Ob er recht geurteilt habe, denn er irrt in seinen Ratschlägen nicht. Und ist dies alles wahr, dass Gott in seinen Satzungen und Ordnungen keinen Irrtum begehe, noch etwas Unrechtes beschließe, aber dass er darum heilige Leute in dieser Welt nicht sollte plagen lassen und angefochten sein, solches folgt nicht daraus.

15. Im Traum des Gesichts in der Nacht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, wenn sie schlafen auf dem Bette,

Gesichts: Dadurch Gott häufig seinen Willen den Leuten zu entdecken pflegt. Es will aber Elihu mit diesen Worten zu verstehen geben, wie Gott mit seinen Schrecken und Geißeln die Leute auf mancherlei Weise pflegt zur Buße zu treiben, und meint also Gott damit zu entschuldigen, auf das man ihn nicht dafür ansehe, als handelte er mit jemand in tyrannischer und gewalttätiger Weise, welches zwar an sich selber wahr ist, aber zur Sache sich nicht reimte.

16. da öffnet er das Ohr der Leute und schreckt sie und züchtigt sie,

Züchtigt: Das ist: Er schreckt sie im Traum, dass sie dadurch gebessert werden. So wird auch vom König Abimelech zu Gerar gemeldet wird, dass ihm Gott Nachts im Traum beschimpft habe, weil er das Abrahams Weib, die Sara, zu sich in den Hof genommen hatte, mit dem Willen sie zu ehelichen, wo es ihm Gott nicht gewehrt hätte {1Mos 20}. Und schimpft Gott heutigen Tages durch die Predigten des Gesetzes, dass wir uns von Sünden abhalten sollen.

17. dass er den Menschen von seinem Vorhaben wende und beschirme ihn vor Hoffart.

Vorhaben: (Nach Luther) Wie dem Abilech {1Mos 20v3}.

Wende: Das ist: Auf dass er den Menschen demütige, damit der selbige nicht übermütig in seinem gottlosen Vorhaben fortfahre. Sondern sich vielmehr demütig dem Wort und Willen Gottes unterordne.

18. Und verschont seiner Seele vor dem Verderben und seines Lebens, dass es nicht ins Schwert falle.

Verderben: Dass er nicht den Sünden sterbe und verdammt werde.

Falle: Auch das unserem Herrn Gott nicht nötig sei, einen solchen Menschen dermaßen zu strafen, dass er keines rechten Todes sterbe. Welche darum der ewigen Verdammnis begehren zu entrinnen, und auch ihres zeitlichen Lebens wollen Rat schaffen, die sollen Gottes Wort nicht verachten. Denn Gott redet heutigen Tages nicht mehr durch Träume und Gesichter mit den Schlafenden, sondern mit den Wachenden in seinem hellen und klaren Wort, wie zuvor auch erinnert wurde.

19. Er straft ihn mit Schmerzen auf seinem Bette und alle seine Gebeine heftig;

Bette: So züchtigt also Gott den Menschen nicht nur mit Worten allein, sondern auch mit der Tat, dass er ihm eine Zeit lang des Bettes hüten lässt. Denn würde Gott mit seinem Wort uns nicht immer im Gehorsam behalten, dass wir täten, was er von uns haben will, so nimmt er häufig das Kreuz, als eine Geisel zur Hand, und treibt die Leute damit zur Buße.

Heftig: Das ist: Gott plagt häufig den ganzen Leib mit mancherlei schweren Schmerzen.

20. und richtet ihm sein Leben so zu, dass ihm vor der Speise ekelt, und seine Seele, dass sie nicht Lust zu essen hat.

Speise: Damit er sonst, wenn er wohl gelebt, erquickt und gelebt, erquickt und gelabt hat, das schmeckt ihm nun nicht mehr und ist ihm zuwider.

21. Sein Fleisch verschwindet, dass er nicht mehr sehen mag, und seine Beine werden zerschlagen, dass man sie nicht gerne ansieht,

Sehen mag: (Nach Luther) Dass ihm das Gesicht vergeht, dass er weder sieht, noch hört.

Zuschlagen: Das ist: Er verdorrt bei lebendigem Leibe, dass man nichts mehr an ihm sieht als nur Haut und Knochen.

22. dass seine Seele naht zum Verderben und sein Leben zu den Toten.

Toten: Es setzte ihm die Krankheit so zu, dass er mehr einen Toten als einem Lebendigen gleicht.

23. So dann ein Engel, einer aus tausend, mit ihm redet, zu verkündigen dem Menschen, wie er solle recht tun,

Redet: Als wollte er sprechen: Wenn der Mensch dann einen guten Engel, von denen Gott viele zu Dienst sind, und derselbe ihm eingibt, dass er sich aus solcher väterlichen Züchtigung sich bessern soll und nun recht leben soll.

24. so wird er ihm gnädig sein und sagen: Er soll erlöst werden, dass er nicht hinunterfahre ins Verderben; denn ich habe eine Versöhnung gefunden.

Gnädig sein: Wenn der Mensch folgt.

Erlöst: Er soll von seiner Krankheit genesen und nicht umkommen.

Gefunden: Das ist: Ich will ihm gnädig sein, und weil er Buße tut, ihm seine Sünde um des Mittlers Christi willen verzeihen, auch die Strafe nachlassen.

25. Sein Fleisch grüne wieder wie in der Jugend, und lass ihn wieder jung werden.

Jung werden: Das ist: Ich will, dass er wiederum zu Kräften komme, und seine völlige Gesundheit erlange, als wenn er sich verjüngt hätte. Denn Gott kann und pflegt auch in den allerschwersten Krankheiten, die Gesundheit in wunderbarerweise wieder zurechtzubringen und den Leib an seinen völligen Kräften wiederum zu erstatten, dass es ein Ansehen gewinnt, als ob der Mensch von neuem wiederum geboren, ja viel gesünder und stärker ist, als er vor der Krankheit war. Obwohl es nun unserem Herrn Gott frei steht, dass er der Engel, als seiner und unser Diener, zu tun und Hilfe sich gebraucht, so oft es ihm beliebt, wenn er uns eine Guttat erzeigen will, so soll man sie doch nicht darum anbeten oder anrufen. Denn der Engel {Apg 22} hat es nicht leiden wollen, dass er vom Johannes angebetet würde. So hat man auch kein Beispiel weder im Alten noch im Neuen Testament, dass je ein frommer Mensch einen Engel angebetet habe.

26. Er wird Gott bitten; der wird ihm Gnade erzeigen und wird sein Antlitz sehen lassen mit Freuden und wird dem Menschen nach seiner Gerechtigkeit vergelten.

Bitten: Nämlich, der Mensch, wenn er seine Sünde erkennen, die ihm der Engel aus dem Worte Gottes gezeigt hat, welches er zwar zuvor auch gehört aber in den Wind schlug, und nicht beachtet hat. So wird er Gott um Verzeihung bitten und um Rettung aus seiner Krankheit.

Gnade erzeigen: Er wird sich mit ihm versöhnen lassen, ihm die Sünde verzeihen, und die Krankheit wegnehmen. Denn obwohl Gott, sobald wir Buße tun, die Sünde vergibt, und die Strafe zu mildern willig ist, so will er doch um beider Guttaten von uns gebeten sein, dass wir vergewissert werden, dass wir solche Guttaten uns gewisslich zu trösten haben, nach seiner Verheißung, da er zusagt, dass er unser Gebet erhören wolle.

Sehen lassen: Das ist: Er wird die Gnade Gottes empfinden, denn d. h. Gottes Angesicht sehen {Ps 80}.

Vergelten: Das ist: Wenn der Mensch sein Leben gebessert hat, und nun weiter einen gottseligen Wandel führt, so wird ihm Gott solche seine Frömmigkeit mit zeitlichem glücklichen Fortgang belohnen {Hes 18}.

27. Er wird vor den Leuten bekennen und sagen: Ich wollte gesündigt und das Recht verkehrt haben, aber es hätte mir nichts genützt.

Sagen: Mit fröhlichem Mut, nach überstandener Trübsal.

Gesündigt: Das ist: Ich bekenne, dass ich mit meinen Sünden und verkehrten Wesen, Gottes Zorn und Strafe auf mich geladen habe, dadurch ich sicher ins Verderben gestürzt worden, wenn ich in meinem gottlosen Wesen fortgefahren wäre. Denn was fromme Leute sind, die scheuen sich nicht, ihre Misshandlungen und göttlichen Strafen, so darauf erfolgt sind, zu bekennen und Gott das Lob der Gerechtigkeit und Güte zu geben, so oft sie meinen, dass es zu der Ehre Gottes und des Nächsten Erbauung dienlich sein mag.

28. Er hat meine Seele erlöst, dass sie nicht führe ins Verderben, sondern mein Leben das Licht sähe.

Erlöser: Als wollte ein solcher bekehrter Mensch sagen: Gott hat nach seiner unermesslichen Güte verhütet, dass ich nicht in meinen Sünden mit Leib und Seele zugrunde gegangen bin.

Licht sehe: Das ist: Er hat mich darum gezüchtet, auf das ich dies Licht in der Welt noch länger anschauen, und nach diesem Leben ins ewige Licht kommen möge.

29. Siehe, das alles tut Gott zwei oder dreimal mit einem jeglichen,

Oder dreimal: Das ist: Es lässt Gott die Menschen nicht nur einmal, sondern etliche Male durch sein Wort zu Buße ermahnen, und züchtigt sie mit seiner Rute. (Nach Luther) Das ist: Oftmals.

30. dass er seine Seele herum hole aus dem Verderben und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen.

Herum hohle: Dass er sie vor dem zeitlichen und ewigen Verderben bewahre.

Der Lebendigen: Dass sie dieses zeitlichen Lichtes lange genießen mögen, und nicht in die ewige Finsternis gestürzt werden. Denn wenn wir von dem Herrn gerichtet oder gestraft werden, so werden wir von ihm väterlich gezüchtet, auf dass wir nicht mit dieser Welt verdammt werden {1Kor 2}. Dies ist alles recht und gut, was Elihu bisher gesagt hat, aber das ging der Sache Hiobs nichts an, als der nicht darum geplagt wurde, dass er von Sünden abstände, weil er unsträflich gelebt hat. Sondern das bekannt würde, was noch für eine große Schwachheit des Fleisches auch in den frommen und heiligen Leuten steckte, welche sich endlich hervortut und sehen lässt, wenn Gott die Hand abzieht, und sie sich einen gnädigen Gott einbilden. Dennoch gefällt Elihu sich mit seiner ungereimten Rede wohl, und erhebt sich über den Hiob, als ob er denselben im Streit überwunden hätte.

31. Merke auf, Hiob, und höre mir zu, und schweige, dass ich rede!

Ich rede: Dass ich die Sache in Weisheit vorbringen, denn mir gebührt zu reden.

32. Hast du aber was zu sagen, so antworte mir; sage her, bist du recht, ich will‘s gerne hören.

Zu sagen: Zu deiner Beschützung.

Gerne hören: Deine Sache kann so gut nicht sein, es ist mir fast lieb, und mag es ganz wohl leiden, wenn du beweisen kannst, dass du gerecht bist.

33. Hast du aber nichts, so höre mir zu und schweige, ich will dich die Weisheit lehren.

Nichts: Dass du zu deiner Gerechtigkeit vorbringen könntest.

Mir zu: Auf das du durch eine ungereimte Verteidigung deiner Ungerechtigkeit nicht nur desto mehr an den Tag gebest.

Lehren: Wie, nämlich, Gott die Sünder strafe, auf dass er sie zu Buße rufe. Es wird aber in dieser Rede der Heuchler Art sehr gut beschrieben, welche sich selbst sehr wohl gefallen, da sie doch am ungeschicktesten sind, und spotten daneben frommer Leute.


Das 34. Kapitel


Elihu. Und beschuldigt den Hiob der Gotteslästerung. Erzählt auch darauf mancherlei Zeichen der göttlichen Gerechtigkeit. Zum Schluss bittet er Gott, dass derselbe den Hiob um seine Gotteslästerung strafen wolle.

1. Und Elihu antwortete und sprach:

Antwortete: Er fuhr in seiner Rede fort, und zeigte das Gott gerecht sei.

2. Hört, ihr Weisen, meine Rede, und ihr Verständigen, merkt auf mich!

Ihr Weisen: Er meint aber besonders, die Freunde Hiobs, welche er doch zuvor verachtet hatte.

Rede: Die ich weiter zur Bestätigung der göttlichen Gerechtigkeit vorbringen will.

Verständigen: In göttlichen Geheimnissen.

Auf mich: Ob ich Recht oder Unrecht rede. Denn der stolze Heuchler meint, er brächte ganz kluge Sachen vor.

3. Denn das Ohr prüft die Rede, und der Mund schmeckt die Speise.

Prüft: Das ist in der Sache zwar wahr, dass man nicht alles zusammen fassen soll, sondern es nach der Richtschnur des göttlichen Wortes erkundigen: Aber er brachte nichts vor, dass zur Sache dienlich war.

4. Last uns ein Urteil erwählen, dass wir erkennen unter uns, was gut sei.

Gut sei: Als wollte er sprechen: Nun urteilt zwischen mir und dem Hiob, denn ich schlage euer Urteil nicht aus. Lieber erkennt in der Sache, ob er oder ich rede, was wahr und gut ist.

5. Denn Hiob hat gesagt: Ich bin gerecht, und Gott weigert mir mein Recht.

Weigert: Gott handelt mit Gewalt mit mir und lässt mir das Recht nicht gehen.

6. Ich muss lügen, ob ich wohl recht habe, und bin gequält von meinen Pfeilen, ob ich wohl nichts verschuldet habe.

Recht habe: Ob ich wohl eine gerechte Sache habe, so werde ich dennoch Lügen gestraft, und bin mit meinem Jammer und Elend als mit Pfeilen durchschossen, dass ich unselige Schmerzen leide, die ich doch mit keiner üblen Tat verdient habe. Solche und dergleichen gottlosen Reden, will Elihu sagen, scheut sich Hiob nicht auszustoßen, und das ist der Streit zwischen mir und ihm.

Meinen Pfeilen: (Nach Luther) Das sind Gottes Pfeile die in mir stecken.

7. Wer ist ein solcher wie Hiob, der da Spötterei trinkt wie Wasser

Wie Wasser: Der Lust dazu hat, dass er Gott verspottete, und lästere in seinen gerechten Gerichten, und spottet auch der Leute, die Gottes Gerechtigkeit begehren Hand zu haben.

8. und auf dem Wege geht mit den Übeltätern und wandelt mit den gottlosen Leuten?

Gottlosen Leuten: Das ist: Hiob stellt sich unter die Versammlung der gottlosen Leute, welche Gott und sein Wort verlachen. Denn aus seinen Reden nehme ich ab, dass er nicht mehr ein Glied der Kirche Gottes ist. So urteilen die Heuchler oft aus frommer Leute reden, die ihnen große Trübsal und Anfechtungen herausbringen, übel und Unrecht, dass sie dieselben verdammen. Aber hierher gehört die Erinnerung Christi. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet (Lukas 6).

9. Denn er hat gesagt: Wenn jemand schon fromm ist, so gilt er doch nichts bei Gott.

Doch nichts: Es hatte aber zwar Hiob fast so etwas gesagt, dass, nämlich Gott mit den Frommen häufig so umgehe, als wie mit den Gottlosen, so viel das äußerliche Ansehen und Tun betrifft, wie es denn auch wahr ist, und der Prediger Salomon auch so bezeugt in Kapitel 9. Aber Elihu verkehrt es, und stellt es so hin, als ob Hiob gesagt hätte: Es dürften die Frommen gar keine Belohnung ihre guten Werke und Gottseligkeit sich trösten.

10. Darum hört mir zu, ihr weisen Leute: Es sei ferne, dass Gott sollte Gottlossein und der Allmächtige ungerecht,

Hört mir zu: Wie ich solches, des Hiobs Gotteslästerung widerlege.

Gottlossein: Man darf sich keiner Ungerechtigkeit zu Gott versehen.

11. sondern er vergilt dem Menschen, danach er verdient hat, und trifft einen jeglichen nach seinem Tun.

Seinem Tun: Er geht mit einem jeden um, wie er sich verhält.

12. Ohne Zweifel, Gott verdammt niemand mit Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht.

Mit Unrecht: Dass er einem Unschuldigen zeitliche Plagen zuschicken sollte, viel weniger verstößt der ihn ganz von seinem Angesicht.

Recht nicht: Sondern belohnt die Frommen nach seinem gerechten Gericht, und straft die Bösen. Welches zwar auch im Allgemeinen wahr ist, aber doch auch in diesem Leben nicht so genau gehalten wird. Denn Gott lockt oft die Gottlosen mit Guttaten zu Buße und prüft der Frommen Glauben durch Trübsal.

13. Wer hat, das auf Erden ist, verordnet, und wer hat den ganzen Erdboden gesetzt?

Gesetzt: Als wollte er sprechen: Gott regiert allein die Erde, weil er sie allein erschaffen und den Grund dazu gelegt hat. Wer wollte denn einen solchen Meister lehren, wie er die Welt regieren sollte?

14. So er nun an sich dächte, so würde er aller Geist und Odem zu sich sammeln.

Sammeln: Das ist: Wenn es Gott also bei sich Beschlüsse, oder dass es ihm gefiele, so könnte er leicht aller Menschen Seelen in einem Augenblick wegnehmen und zu sich sammeln, denn weil er sie ihnen gegeben hat, so hat er auch die Macht wiederum zu nehmen.

15. Alles Fleisch würde miteinander vergehen, und der Mensch würde wieder zu Asche werden.

Asche werden: Darum soll man Gott fürchten, der uns jeden Augenblick das Leben nehmen kann, dazu Leib und Seele in die Hölle verstoße {Mt 10}. Das ist alles wahr, aber reimt sich nicht zu dieser Sache.

16. Hast du nun Verstand, so höre das und merke auf die Stimme meiner Rede.

Verstand: Dass du noch bei Sinnen bist.

Höre das: Was ich dir zu deiner Unterrichtung anzeige.

Meine Rede: Weil ich dich gut und heilsame Sachen lehre.

17. Sollte einer darum das Recht zwingen, dass er es hasst? Und dass du stolz bist, solltest du darum den Gerechten verdammen?

Hasst: Meinst du, weil ein Dieb Stock und Galgen hasst, man werde sie seiner wegen entfernen? Also darfst du auch nicht denken, weil du Gottes Gericht hasst , da er dich nach deinem Verdienst straft, dass du mit deinen Leistungen Gott schrecken wirst, damit er sein gerechtes Gericht wider dich nicht ergehen lasse.

Verdammen: Welches du nicht tun würdest, wenn noch eine Scham in dir wäre.

18. Sollt einer zum Könige sagen: Du loser Mann! Und zu den Fürsten: Ihr Gottlosen!?

Gottlosen: Weil darum du keinen ehrlichen Mann, wenn er imstande der Obrigkeit wäre, dürftest mit Schmachworten anfallen, du wärest denn ganz von Sinnen. So ist es ja ein ungereimter Handel, dass du dich nicht scheust, Gott selbst den König Himmels und der Erde zu lästern.

19. Der doch nicht ansieht die Person der Fürsten und kennt den Herrlichen nicht mehr denn den Armen; denn sie sind alle seiner Hände Werk {5Mos 10v17 Apg 10v34 Röm 2v11 Eph 6v9 Kol 3v25 1Petr 1v17}.

Nicht mehr: Das ist: Gott lässt ohne Ansehen der Personen den Armen sowohl als den Reichen und Mächtigen Gerechtigkeit widerfahren, und gilt vor seinem Richtstuhl ein Armer ebenso viel als ein Reicher, weil er sie alle erschaffen und gleiche Gewalt über alle hat. Solche sollten die Reichen und Mächtigen wohl bedenken, und Gott fürchten, der ihre, wenn sie sündigen, auch nicht schonen wird, als der allergeringsten Leute. Und sollen sie im urteilen und Rechtsprechen dieser göttlichen Regel des Rechtes Gottes folgen.

20. Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken und vergehen; die Mächtigen werden kraftlos weggenommen.

Sterben: Auch die allermächtigsten, wenn es Gott gefällt, dass er sie zur Strafe fordere.

Zu Mitternacht: Das ist: Unversehens und unverhofft straft und vertilgt Gott die Gottlosen , wenn sie es am allerwenigsten denken.

Kraftlos: Das ist: Die Tyrannen und andere dergleichen, so die Leute mit Gewalt unterdrücken, werden auch ohne der Menschen zutun und große Mühe, mit einer göttlichen Strafe weggeräumt werden. Er deutet aber mit diesen Worten auf die Geschichte, so sich mit den Ägyptern zugetragen hat, darum die Mitternacht alle Erstgeburt in Ägypten von einem Engel mit einem schnellen Tod erwürgt wurden, unter denen auch des Königs Pharao Sohn war, der bereits zum Nachkommen im Königreich, nach seines Vaters Tode bestimmt war. Solchen gerechten Gott will Elihu sagen, wird niemand eine Ungerechtigkeit beschuldigen können, weil er zu jeder Zeit Beispiele seines gerechten Gerichtes sehen lässt.

21. Denn seine Augen sehen auf eines jeglichen Wege, und er schaut alle ihre Gänge.

Gänge: Das ist: Gott achtet darauf, was die Menschen machen, und erkundigt sich sehr genau über all ihr Tun und Lassen, also dass ihm nichts verborgen ist. Darum er auch in seinen Anschlägen nicht irren kann.

22. Es ist keine Finsternis noch Dunkel, dass sich da möchten verbergen die Übeltäter.

Dunkel: Es ist keine Finsternis so groß und schrecklich, die ihn daran hindern könnte, dass er sehe, was einer oder der andere täte. Darum soll niemand sich solche Gedanken machen, dass er seine Sünde und Unrecht vor Gott verbergen könne. Denn die Finsternisse sind vor ihm, wie das Licht {Ps 139}.

23. Denn es wird niemand gestattet, dass er mit Gott rechte.

Rechte: Gott lässt es nicht dahin kommen, dass ihn jemand dürfte vor Gericht fordern. Darum sollen wir uns seine Gerichte gefallen lassen und dieselben nicht zu Unrecht schimpfen.

24. Er bringt der Stolzen viel um, die nicht zu zählen sind, und stellt andere an ihre statt,

Viel um: Darum soll sich keiner aus seiner Macht und Stärke verlassen.

25. darum dass er kennt ihre Werke und kehrt sie um des Nachts, dass sie zerschlagen werden.

Werke: Damit sie die Strafe verdient haben, auch wenn sie andere Leute nicht wissen.

Nachts: Das ist: Unvorhergesehen, da sie es am wenigsten meinten, und gar in großer Sicherheit gelebt haben.

26. Er wirft die Gottlosen über einen Haufen, da man es gerne sieht,

Sieht: Er macht sie öffentlich zuschanden, dass ich von jedermann verachtet und verspottet werden, welche gerne gesehen haben, dass sie gestürzt werden.

27. darum dass sie von ihm weggewichen sind und verstanden seiner Wege keinen,

Weggewichen: Sie haben nicht aus wahrem Glauben sich an ihn gehalten, noch seine Gebote beachtet.

Wege keinen: Sie haben seine Rechte, nicht begehrt zu lernen, viel weniger im Leben sich danach begehrt zu verhalten. Sondern haben ihre Zeit in Sünden zu gebracht, weil sie keinen Glauben hatten und keine Liebe dem Nächsten erzeigt.

28. dass das Schreien der Armen musste vor ihn kommen, und er das Schreien der Elenden hörte.

Hörte: Das ist: Sie haben die Armen und Elenden unterdrückt, und diese mit ihrer Tyrannei dermaßen geängstigt, dass sie um Rettung zu Gott schreien müssen. Solch ein Schreien der armen Leute lässt Gott nicht aus der acht, sondern macht sich von der Stunde an zu ihrer Rache.

29. Wenn er Frieden gibt, wer will verdammen? Und wenn er das Antlitz verbirgt, wer will ihn schauen unter den Völkern und Leuten?

Wer will: Das ist: Wenn Gott eine Zeit lang zu der Gottlosen Tyrannei still ist, und durch die Finger sieht und lässt sie in einem ruhigen Zustand bleiben, so darf sie niemand öffentlich einer Bosheit anzeigen.

Und Leuten: Das ist: Wenn Gott sich stellt, als sehe er es nicht, da irgend ein ganzes Volk, oder nur ein einziger Mensch tyrannischen Weise unterdrückt wird. (Denn d. h., dass Angesicht verbergen, wenn er dem Elenden nicht gleich hilft). So muss man solche Tyrannei dulden und kann sie niemand von sich abtreiben, bis Gott einmal eins der elenden Leute mit Gnaden wieder ansieht. Darum tun die närrisch und Unrecht, welche wider eine tyrannische Obrigkeit zur Wehr greifen. Denn die Sache wird dadurch nicht gebessert, sondern viel ärger. Darum soll man das Kreuz geduldig tragen, bis Gott die Tyrannen hinweg räume.

30. Und lässt über sie regieren einen Heuchler, das Volk zu drängen.

Heuchler: Der sich stellt, als lasse er sich die Religion und Gerechtigkeit sehr angelegen sein, da er doch im Herzen ein grausamer Tyrann ist. Wie denn dergleichen Heuchler heutigen Tages noch gefunden werden, die unter dem Schein der Religion gegen die Armen schrecklich wüten.

Zu drängen: (Nach Luther) Das ist: Er lässt einen Tyrannen regieren, der das Volk mit Gesetzen und schinden quält.

31. Ich muss für Gott reden und kann es nicht lassen.

Reden: Dass ich seine Gerechtigkeit verteidige.

Nicht lassen: Was ich wohl angefangen habe, will also auch sofort fahren.

32. Hab ich es nicht getroffen, so lehre du mich‘s besser; hab ich unrecht gehandelt, ich will‘s nicht mehr tun.

Nicht getroffen: Dass ich zu der Sache keinen rechten Grund habe. Es redet aber Elihu solches aus einem Gespött. Denn er, als ein stolzer Heuchler, in seinen Reden sich selbst sehr wohl gefiel und meinte nichts anderes, denn er hätte den ganzen Handel sehr gut getroffen.

33. Man erwartet der Antwort von dir, denn du verwirfst alles; und du hast‘s angefangen und nicht ich. Weißt du nun was, so sage an!

Von dir: Ob du deine Sache wider Gottes Gerechtigkeit hinausführen könntest.

Alles: Du hast deiner Freunde Ermahnungen verachtet und verworfen, da sie dich zur Buße ermahnt haben. Darum so gib Antwort darauf, wenn du kannst, damit du deine Sache verantwortest.

Weißt du: Was zum Beweis deiner Sache dienlich sein mag.

Sage an: Denn es ist an der Zeit, wenn du etwas weiteres vorbringen wolltest, dass du es nicht zurückhältst. Ich will dir zuhören und von dir lernen.

34. Weise Leute lasse ich mir sagen, und ein weiser Mann gehorcht mir.

Mir sagen: Und begehre, etwas Gutes von ihnen zu lernen.

Gehorcht mir: Wenn einer verständig ist, so weiß ich, dass er meine Reden auch nicht verachten wird. So kitzeln sich die Heuchler und törichten Leute selbst über dem Wahn ihrer Weisheit, dass sie sich gar für klug halten.

35. Aber Hiob redete mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug.

Nicht klug: Er bringt ungereimte und ungerechte Sachen vor, darum mein keine Klugheit von ihm lernen kann.

36. Mein Vater! Lass Hiob versucht werden bis ans Ende, darum dass er sich zu unrechten Leuten kehrt.

Mein Vater: Jetzt macht der Heuchler ein Gebet dazu, dass er Gott wider Hiob zur Rache anschreit. Aber Gott erhört solche Gebete nicht, wie man sagt, Katzengebete gehen nicht in den Himmel.

Ans Ende: Hören nicht auf ihn zu plagen, und mit deinen Geißeln zu strafen, solange er lebt.

Kehrt: Er hält es mit den gottlosen Leuten, welche Gott verspotten und lästern.

37. Er hat über seine Sünde dazu noch gelästert; darum lass Ihn zwischen uns geschlagen werden und danach viel wider Gott plaudern.

Geschlagen werden: Fahre nur fort ihn zu plagen, auf das wir dein gerechtes Urteil wieder einen gottlosen Menschen sehen.

Plaudern: Wie er denn hadere oder rechte, mit unserem Herrn Gott, solange er will.


Das 35. Kapitel


Elihu schwätzt ferner, dass der Mensch mit seiner Frömmigkeit Gott nichts nütze, noch mit seiner Bosheit oder Lästerung ihm schade. Und fordert den Hiob vor das strenge Gericht Gottes.

1. Und Elihu antwortete und sprach:

Antwortete: Er fuhr mit seiner Rede fort.

2. Achtest du das für recht, dass du sprichst: Ich bin gerechter denn Gott?

Denn Gott: Weil er mich ohne Ursache plagte, da ich dergleichen Strafen nicht verdient habe und unschuldig leide.

3. Denn du sprichst: Wer gilt bei dir etwas? Was hilft es, ob ich mich ohne Sünde mache?

Wer: Mit dieser Rede hält er dem Hiob seiner eigenen Worte vor, die er gegen Gott gebraucht und aus der Ungeduld ausgestoßen hatte.

4. Ich will dir antworten ein Wort und deinen Freunden mit dir.

Mit dir: Auf das sie auch hören, wie du so gottlos bist gegen Gott deinen Schöpfer, und wie närrische Reden du treibst.

5. Schaue gen Himmel und siehe, und schaue an die Wolken, dass sie dir zu hoch sind.

Himmel: Darum wirst du Gott mit deinen Lästerungen nicht daraus herabstürzen. Es soll sich aber eine Kreatur vor seinem Schöpfer demütigen. Und ist dies wahr, aber zur Unzeit beim Hiob vorgebracht.

6. Sündigst du, was kannst du mit ihm machen? Und ob deiner Missetat viel ist, was kannst du ihm tun?

Ihm tun? Das will so viel sagen: Wenn du gleich in deiner Bosheit fortfährst, und Sünden mit Sünden, als eine Lästerung mit der anderen häufst, so wirst du Gott damit nicht schaden, sondern dir selbst. Denn die ungeduldig sind, lecken vergebens gegen den Stachel.

7. Und ob du gerecht wärest, was kannst du ihm geben, oder was wird er von deinen Händen nehmen?

Nehmen?: Als wollte er sprechen: Meinst du, dass Gott von deine Gerechtigkeit oder Frömmigkeit einen Nutzen habe? Gerade, als ob er durch deine Bosheit unglücklich, oder durch deine Gerechtigkeit mehr Glück haben würde?

8. Einem Menschen, wie du bist, mag wohl etwas tun deine Bosheit und einem Menschenkinde deine Gerechtigkeit.

Deine Bosheit: Das ist: Wenn du wirst fortfahren, in solcher Gesellschaft zu sein, wie du bisher gewesen bist, so wird dein gottloses Wesen niemand mehr Schaden bringen, als dir selbst.

Deine Gerechtigkeit: Das ist: Wenn du wirst gerecht sein, so wird solche deine Gerechtigkeit dir am meisten nutzen, als einem Menschen, denn Gott bedarf ihrer nicht. Was haderst du denn viel mit Gott über deiner Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit. Es strafft aber Gott die Bosheit, und belohnt die Frömmigkeit aus freiem Willen. Er aber bedarf solcher Dinge keines. Dies ist alles wahr, reimt sich aber nicht zur Sache dieses Streites.

9. Dieselbiegen mögen schreien, wenn ihnen viel Gewalt geschieht, und rufen über den Arm der Großen,

Der Großen: Denen sie nicht widerstehen können. Will so viel sagen: Ein solcher Mensch, wie du bist, wird aus dem gerechten Urteil Gottes von den Mächtigeren bedrängt werden. Indem dich Gott durch die Chaldäer richtig gestraft hat, welche deine Knechte erwürgt, und ein Vieh Weg getrieben haben, wie oben in Kapitel 1, gemeldet wurde.

10. die nicht danach fragen, wo ist Gott, mein Schöpfer, der das Gesänge macht in der Nacht,

Fragen: Wenn sie von Gott gezüchtigt sind, so tun solche gottlosen Leute dennoch nicht Buße.

Gesänge: (Nach Luther) Das ist: Der Vögel Gesänge, oder geistlich, dass man ihn loben soll in Leid und Unfall, wie der 42. Psalm, 9 auch sagt: Des Nachts singe ich ihm.

Der Nacht: Sie kehren sich nicht zu ihrem Gott und Schöpfer, dass sie ihr Unrecht abtreten, welcher kann und pflegt die Traurigkeit des Nachts, das ist, des Unglücks, in einen fröhlichen Gesang und in Freude zu verändern. Das trifft aber wiederum auf den Hiob nicht zu.

11. der uns gelehrter macht denn das Vieh auf Erden und weiser denn die Vögel unter dem Himmel?

Himmel: Als wollte er sprechen: Es ist doch ein schlimmer Handel, dass die Menschen so widerspenstig und verstockt sind, dass, wenn man sie gleich unter dem Kreuz gedemütigt werden, dennoch sich nicht zu Gott bekehren wollen, da uns doch Gott nicht zu unvernünftigen Tieren erschaffen hat, sondern Verstand und Vernunft gab, dass wir damit alle anderen Tiere übertreffen. Welches zwar recht auf des widerspenstigen Gemüts des menschlichen Gemüts geredet ist. Aber auf des Hiobs Person nicht recht gedeutet wird.

12. Aber sie werden da auch schreien über den Hochmut der Bösen, und er wird sie nicht erhören.

Schreien: Nämlich, die Gottlosen und Unbußfertigen werden zu Gott um Rettung schreien, wenn sie in ein Unglück stecken, und sich ärgern, dass sie so bedrängt werden.

Nicht erhören: Denn Gott erhört die unbußfertigen Sünder nicht.

13. Denn Gott wird das Eitle nicht erhören, und der Allmächtige wird es nicht ansehen.

Eitle: Einen Gottlosen und verkehrten Menschen, der es nicht wert ist.

Nicht ansehen: Er wird es nicht achten, wenn der Gottlose geplagt wird. Darum darfst du, oh Hiob, dich keiner göttlichen Hilfe trösten, du stehst den von deiner vorigen Meinung nicht ab, da du dich für gerecht hältst und keine Buße tust für deine Sünden. Solche und dergleichen Reden und Gedanken hält der Teufel den rechtschaffenen Heiligen, und frommen Menschen vor, als ob Gott ihrer nicht achtete, noch dass sie von ihm erhört würden, da sie doch Gott den wirklich liebt.

14. Dazu sprichst du, du werdest ihn nicht sehen. Aber es ist ein Gericht vor ihm; harre sein nur,

Sein nur: Denn ob du gleich auf diesmal die Furcht Gottes hast von dir gestoßen, und ihn aus den Augen gestellt, als ob du niemals würdest vor ihm erscheinen, und deiner Gotteslästerung wegen Rechenschaft geben müsstest: So sollst du doch keinen Zweifel haben, es sei noch das letzte Gericht Gottes vorhanden, da wirst du erfahren, was du gemacht hast, warte nur ein wenig, es wird die Zeit kommen.

15. ob sein Zorn bald nicht heimsucht, und sich nicht annimmt, dass so viel Laster da sind.

Viel Laster: Als wollte er sprechen: Weil Gott nicht bald deine Gotteslästerung straft, sondern tut, als sehe er die Menge deine Sünde nicht, so meinst du, es werde immer also ungestraft hingehen, aber du wirst einmal Gottes gerechtes Urteil empfinden.

16. Darum hat Hiob seinen Mund umsonst aufgesperrt und gibt stolzes Reden mit Unverstand vor.

Umsonst aufgesperrt: Seine Gerechtigkeit zu verteidigen.

Unverstand: Weil er von Sachen redet, mit denen es viel anders beschaffen ist, als er vorbringt, dadurch er ja nicht allein seine Bosheit genügend zu verstehen gibt, sondern zeigt auch seinen Unverstand in göttlichen Sachen. Gleichwie aber Elihu hier fast den meisten Teil wahr redet, aber es auf den Hiob deutet, also führt auch der Satan in schweren Anfechtungen die Sprüche Gottes wider uns. Aber man soll wissen, dass solches, was von ihm vorgetragen wird, dadurch er uns unser Vertrauen auf Gott begehrt wegzunehmen, Unrecht von ihm gedeutet werde. Denn ob es wohl an ihm selber wahr sein mag, so wird es doch auf die Gläubigen an Christus nicht recht gezogen, an welchem keine Verdammnis ist {Röm 8}.


Das 36. Kapitel


Elihu rühmt Gottes Gerechtigkeit zum anderen Mal. Und zeigt dem Hiob, als ob er in seinem Stand der Obrigkeit aus Antrieb seiner bösen Begierden unrechte Urteile gesprochen hätte, und damit solche schwere Strafe selbst verschuldet. Erzählt danach etliche wunderbare Werke Gottes, besonders, die man im Unwetter spürt, damit Gott die Menschen schrecke, und dann Ihnen wieder Gutes tut.

1. Elihu redete weiter und sprach:

2. Harre mir noch ein wenig, ich will dir‘s zeigen; denn ich habe noch von Gottes wegen was zu sagen.

Zeigen: Wie es mit der göttlichen Gerechtigkeit beschaffen ist.

Gottes wegen: Den du ohne scheu der Ungerechtigkeit beschuldigt hast.

3. Ich will meinen Verstand weither holen und meinen Schöpfer beweisen, dass er recht sei.

Weit holen: Ich will es etwas ausführlicher wiederholen, was ich von den göttlichen Geheimnissen gelernt habe.

4. Meine Reden sollen ohne Zweifel nicht falsch sein, mein Verstand soll ohne Wandel vor dir sein.

Nicht falsch: Du magst davon urteilen, wie du willst.

Ohne Wandel: Ich will von der himmlischen Weisheit solche Sachen vorbringen, die du niemals umstoßen könntest. Dieser Ruhm des Elihu wäre nicht böse gewesen, wenn es sich zum gegenwärtigen Streit gereimt hätte, was er vorbringt.

5. Siehe, Gott verwirft die Mächtigen nicht; denn er ist auch mächtig von Kraft des Herzens.

Von Kraft: Darum er auch in seinem Tun beständig ist, der sich niemals hindern lässt oder Ehre machen, und verwirft wenig, den er einmal geliebt hat, wenn er gleich mächtig ist.

6. Den Gottlosen erhält er nicht, sondern hilft dem Elenden zum Rechten.

Er nicht: Eben auch darum, dass er mit einem beständigen und immerwährenden Vorsatz die Bosheit und das gottlose Wesen hasst.

7. Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten und die Könige lässt er sitzen auf dem Thron immerdar, dass sie hoch bleiben.

Gerechten: Dass er ihn verstöße und in seinen Nöten stecken ließe.

Hoch bleiben: Das ist: Gott pflegt die frommen Regenten nicht vom Stuhl zu stürzen, sondern bestätigt ihnen vielmehr ihr Regiment und macht sie immer herrlicher. Weil aber du aller seiner Majestät beraubt bist, wer sieht denn nicht, dass du vor Gott in großer Schuld steckst, der ein gerechter Richter aller Übeltat ist? Hier spürt man der Heuchler übermütiges Rühmen und sprechen, da sie sich viele richtige Dinge sagen, und doch in der Tat nichts leisten. Denn Elihu hatte versprochen, dass er den Hiob auf eine andere Weise seiner Bosheit überzeugen wollte, dennoch streitet er eben auf die Sachen wider ihn, wie auch seine drei Freunde, welche eben aus seinem Unfall schließen wollten, dass er ein lasterhaftes Leben geführt hätte.

8. Und wo Gefangene liegen in Stöcken und gebunden mit Stricken elendiglich,

Liegen: Dass sie, die Könige, in die Fremde gefangen weggeführt wurden, weil sie der Gottseligkeit den Rücken gekehrt und sich solche Strafen über den Hals gezogen haben.

9. so verkündigt er ihnen, was sie getan haben, und ihre Untugenden, dass sie ihre Gewalt missbraucht haben.

Gefahren: Das ist: Gott führt Ihnen dann wiederum zu Gemüte, wie gottlos sie waren und wie tyrannisch sie in ihrer Regierung gehandelt haben: Und wird also sie so zur Buße antreiben, durch die Annahme des göttlichen Wortes, dessen sie sich wiederum erinnern, wie es sich gehört, da es ihnen wohl ging, aber damals nicht geachtet hatten.

10. Und öffnet ihnen das Ohr zur Zucht und sagt ihnen, dass sie sich von dem Unrechten bekehren sollen.

Zur Zucht: Das ist: Er wird Ihnen predigen, entweder durch das äußerliche Wort, oder aber, inwendig im Gewissen, das sie sich bessern sollen. Denn Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe {Hes 18}.

11. Gehorchen sie und dienen ihm, so werden sie bei guten Tagen alt werden und mit Lust leben.

Lust leben: Sie werden die übrige Zeit ihres Lebens mit Freuden glücklich zubringen. Denn Gott wird sie wieder zu ihrer Freiheit kommen lassen, wie Manasse, der König von Juda, ein deutliches Beispiel ist. Denn da er von wegen seiner Bosheit mit Ketten gebunden und gefangen nach Babel ins Elend geführt wurde, aber Buße tat, ist er wieder zu seiner Freiheit und zum Königreich gekommen {2Chr 33}. Darum sollen die Fürsten und Herren in ihrer schlimmen Lage nicht verzagen, sondern Buße tun, so wird Gott ihr Unglück mildern.

12. Gehorchen sie nicht, so werden sie ins Schwert fallen und vergehen, ehe sie es gewahr werden.

Sie nicht: Wenn sie aber im Gefängnis ihre Sünden nicht erkennen, noch sich demütigen, oder Buße tun.

Fallen: Sie werden um solcher ihrer Torheit willen, dass sie nicht Buße tun wollen, eines unzeitigen und keines rechten Tode sterben. Darum soll niemand mit seiner Halsstarrigkeit zum zeitlichen Unglück auch das ewige Verderben sich selbst verursachen.

13. Die Heuchler, wenn sie der Zorn trifft, schreien sie nicht, wenn sie gefangen liegen;

Die: Hier zeigt Elihu an, was das für Leute sind, die auch durch Unglück nicht zurechtgebracht werden, dass sie Buße täten.

Sie nicht: Sie rufen Gott aus Glauben nicht an um Rettung, wenn ihnen Gott einen Unfall zu schickt, darum können Sie auch sehr schwer bekehrt werden, dass sie Buße täten.

14. So wird ihre Seele mit Qual sterben und ihr Leben unter den Hurern.

Sterben: Sie werden ein schreckliches Ende nehmen und in Verzweiflung dahin fahren.

Hurern: Das ist: Gott wird ihren ganzen Wandel nicht besser achten, als derjenigen, die eher Leib und Seele mit schändlicher Unzucht befleckt haben. Denn die Heuchler sind vor Gott ein großer Gräuel, daher auch Christus zu den Pharisäern sagt {Mt 21}. Die Zöllner und Hurer werden eher ins Reich Gottes kommen, denn ihr. Es sticht aber Elihu mit diesen Worten in unrechter weise auf den frommen Hiob, als ob der selige ein Heuchler wäre, und nicht Buße tun wollte.

15. Aber den Elenden wird er aus seinem Elend erretten und dem Armen das Ohr öffnen in Trübsal.

Aber: Elihu fährt weiter fort, die Werke Gottes zu rühmen.

Elenden: Der unschuldig und fromm ist.

Öffnen: Dass er ihn tröste.

16. Er wird dich reißen aus dem weiten Rachen der Angst, die keinen Boden hat; und dein Tisch wird Ruhe haben, voll alles Guten.

Reißen: Wenn du wirst Buße tun.

Rachen: Er vergleicht die Trübsal mit einen weiten Schlund oder Abgrund, so uns, unserem Denken nach, verschlingen will. Denn wenn schwere Versuchungen kommen, so meinen wir, es habe die Hölle ihren Rachen aufgesperrt, daraus keine Rettung mehr sei. Und führt zwar Gott die Sünden in die Hölle. Aber er führt sie auch wiederum heraus {1Sam 2}.

Alles Guten: Das ist: Nach überstandener Anfechtung wirst du wieder Ruhe und Erquickung finden an Leib und Seele, und wirst deine Güter mit Freuden genießen, die dir Gott reichlich geben und segnen wird. Und wird dir solches alles widerfahren, wenn du willst von deiner Bosheit abstehen, und mit Ernst Buße tun.

17. Du aber machst die Sache der Gottlosen gut, dass ihre Sache und Recht erhalten wird.

Du: Jetzt beschuldigt der Heuchler zum anderen Mal den frommen Hiob, als ob er gottlos gewesen wäre, und tut ihm aber nicht recht.

Erhalten: Das will so viel sagen. Da du im Amt der Obrigkeit gewesen bist, hast du unrichtige Sachen gehandhabt und den Gottlosen geholfen.

18. Siehe zu, dass dich nicht vielleicht Zorn bewegt habe, jemand zu plagen, oder große Geschenke dich nicht gebeugt haben.

Plagen: Das ist: Als du reich gewesen bist, hast du dich leicht vom Zorn einnehmen und überwinden lassen, dass du vielmehr mit deiner eigenen Rachgier, als wie es recht und richtig gewesen wäre, geurteilt hast. Es sollen aber alle die im Regiment sitzen, sich mit Fleiß der verhüten, dass sie ihren Begierden nicht nachdenken. Denn aus Zorn werden oft die Frommen unterdrückt, wie hin und wieder aus Gunst, so durch Geschenke erkauft wird, die Bösen oft überhand behalten.

19. Meinst du, dass er deine Gewalt achte, oder Gold, oder irgend eine Stärke oder Vermögen?

Achte: Dass Gott dich von wegen deiner Güte und Gewalt, als einen ungerechten Richter schonen sollte. Aber er achtet solches alles nicht. Denn Gott schont die Reichen und gewaltigen, wenn sie gottlos sind, ebenso wenig, als die Armen.

20. Du darfst der Nacht nicht begehren, die Leute an ihrem Ort zu überfallen.

Nicht begehren: Du sollst nicht hoffen, dass es verborgen bleiben werde, wenn du im Gericht gegen Recht und Billigkeit einen anderen vorziehst, und welche von vielen Freunden einen großen Beistand haben, in Ihrer unrechten Sache hilfst.

21. Hüte dich und kehre dich nicht zum Unrecht, wie du denn vor Elend angefangen hast.

Zum Unrecht: Weil du immer genügend auf der Nadel hast.

Angefangen: Darum (will Elihu sagen) bedarfst du dieser Erinnerungen sehr wohl, weil ich sehe, dass du, nachdem dich das Unglück überfallen hat, je länger je widerspenstiger gegen Gott wirst. Man soll es aber nicht dahin kommen lassen, dass wir aus Ungeduld im Kreuz ärger werden, wie ja viele zu tun pflegen, welche, da sie ehrlich gelebt, weil sie so gutes Glück hatten, später, da ihnen eine Widerwärtigkeit zur Hand kam, ihnen kein Bubenstück zu groß ist.

22. Siehe, Gott ist zu hoch in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er ist?

Zu hoch: Darum ist es vergebens, dass du dich wieder ihn auflehnst.

Lehrer: Der so heilige: Gesetz gegeben hätte, als unser Gott, warum darfst du denn ihn einer Ungerechtigkeit beschuldigen, da er doch die Gerechtigkeit selber ist?

23. Wer will über ihn heimsuchen seinen Weg, und wer will zu ihm sagen: Du tust unrecht?

Weg: Wer will ihn seiner Ratschläge wegen zur Rede stellen?

Sagen: Denn wer klug ist, der wird Gottes Gerichte nicht tadeln, ob er wohl dieselbe mit seiner Vernunft nicht begreifen kann.

24. Gedenke, dass du sein Werk nicht kennst, wie die Leute singen.

Nicht wissest: Du solltest richtigerweise bei dir selbst erachten, dass die Ursache der Werke Gottes weder von dir noch von einem anderen, wenn er gleich der aller weiseste wäre, könnten erforscht werden.

Singen: Das ist: Wie verständige Leute von Gott dem Herrn ein Lied gemacht haben, welches also lautet, wie folgt.

25. Denn alle Menschen sehen das, die Leute schauen es von ferne.

Von ferne: Das ist: Gott lässt sich von jedermann sehen, nämlich, in seinen Werken, in denen seine göttliche Majestät hervorleuchtet {Röm 1}. Und dennoch, weil wir wenig Ursachen seiner Werke wissen, nämlich, nur allein die, welche er uns in seinem Wort geoffenbart hat, so sehen wir Gott wie von ferne an, also, dass die Erkenntnis Gottes und seines Werkes in diesem Leben nicht vollkommen ist, sondern Stückwerk {2Kor 13}.

26. Siehe, Gott ist groß und unbekannt; seiner Jahre Zahl kann niemand forschen.

Groß: Zwar nicht in leiblicher Größe, sondern an Majestät, Herrlichkeit, Weisheit, Gewalt und Gerechtigkeit, also, dass niemand seine Größe oder Majestät mit Gedanken begreifen kann.

Jahre Zahl: Denn Gott hat weder Anfang noch Ende, sondern ist von Ewigkeit in Ewigkeit. Weil er darum so ein alter Haushalter ist, sollen wir ihn nicht lehren, wie er die Welt regieren soll, denn er weiß wohl, was er tun soll.

27. Er (Gott: Macht das Wasser zu kleinen Tropfen und treibt seine Wolken zusammen zum Regen,

Er: Jetzt erzählt Elihu etliche Werke Gottes, die in der Wahrheit wunderbar sind, aber weil sie täglich geschehen, so achtet man Ihrer nicht.

Zum Regen: Das ist: Wenn Gott durch die Hitze der Sonne, die Dämpfe von der Erde und Wasser aufzieht, so werden sie mitten in der Luft zu Wolken, und später wiederum in Wasser verändert, welches wenn es niederfällt, so wird Regen daraus. Diesen kunstreichen Meister sollen wir um Regen bitten, so oft es die Not erfordert.

28. dass die Wolken fließen und triefen sehr auf die Menschen.

29. Wenn er vornimmt, die Wolken auszubreiten, wie sein hoch Gezelt,

Auszubreiten: Dass er, nämlich, den ganzen Himmel mit Wolken überzieht.

30. siehe, so breitet er aus seinen Blitz über dieselben und bedeckt alle Enden des Meers.

Alle Enden: Er schafft, dass der Blitz in einem Augenblick nicht allein über die Erde, sondern auch über das Meer sich ausbreitet, und alles plötzlich damit erleuchtet wird.

31. Denn damit erschreckt er die Leute und gibt doch Speise die Fülle.

Erschreckt: Weil er mit Unwetter häufig der Leute Bosheit straft, als wenn der Strahl in eine Stadt oder Haus schlägt, und es anzündet, oder einen Menschen erschlägt, oder auch, da der Hagel die Saat und die Weinberge beschädigt.

Fülle: Denn die Wetter, bei denen kein Hagel ist, reinigen die Luft und machen das Erdreich fruchtbar. So gebraucht also Gott das Wetter nach seinem Willen, beides zum Strafen und zum Guttaten.

32. Er deckt den Blitz wie mit Händen und heißt es doch wiederkommen.

Wiederkommen: Das ist: Gott verbirgt dem Blitz schnell und in einem Augenblick, als ob er ihn in seiner Hand gefasst hätte, und damit bedeckt hätte, bald darauf lässt er ihn wieder hervor, dass er plötzlich überall gesehen wird.

33. Davon zeugt sein Geselle, nämlich des Donners Zorn in Wolken.

Donners Zorn: Das ist: Der Donner muntert die Leute auf, dass sie den Blitz überall sehen leuchten. Und sollen zwar die Donner um Blitze ein Zeichen des Sohnes Gottes wider die Gottlosen, davor sich doch auch die Frommen entsetzen. Denn gleichwie in einer guten Haushaltung, der Hausvater zornig ist, und ein ungehorsames Kind mit Ruten streicht, oder einen mutwilligen Knecht mit dem Stock pflegt, auch die anderen Kinder sich davor fürchten, die doch ohne Schuld sind. Also werden auch die Frommen erschreckt, besonders wenn ein grausames Unwetter vorhanden ist. Die sollen aber daneben sich erinnern, dass sie Gottes Kinder sind, und nicht seine Feinde.


Das 37. Kapitel


Elihu erzählt zum Schluss seiner Rede etliche wunderbare Werke Gottes, die besonders im Unwetter gespürt werden, und gibt uns daraus die Weisheit, Allmacht, und die Güte Gottes zu erkennen, welches aber nichts zur Sache tut, deswegen zwischen ihm und dem Hiob der Streit war.

1. Des entsetzt sich mein Herz und bebt.

Des: Nachdem Elihu bisher erzählt hat, mit was großer Majestät Gott seinen Zorn wider die Gottlosen im Unwetter sehen lässt, so das alle Menschen davor erschrecken. So bekennt er jetzt, dass sie ihm solches auch begegne.

Und bebt: Als wollte er sagen: Ich bekenne, dass ich über diese großen herrlichen Majestäten Gottes, die sich im Blitz und Donner zeigen, auch erzittere.

2. Lieber, hört doch, wie sein Donner zürnt, und was für Gespräch von seinem Munde ausgeht!

Ausgeht: Was Gott doch für eine schreckliche Stimme habe. Mit diesen Worten streicht er dem Majestät Gottes, wenn er donnert, heraus. Denn es sieht so aus, als ob Gott mit einer zornigen und starken Rede das menschliche Geschlecht schüttelt.

3. Er sieht unter allen Himmeln, und sein Blitz scheint auf die Enden der Erde.

Er sieht: Das ist: Wenn Gott seinen Blitz ausgehen lässt, so sieht es aus, als ob er alles mit den Augen seiner Majestät beschaut, was man auf Erden tue. Denn so oft ein Ort vom Blitz erleuchtet wird, ist es ebenso viel, als wenn einer eine brennende Fackel hineinwirft. Was können denn die einmal für ein Herz haben, welche in Sünden wie eine Sau im Dreck sich wälzen?

4. Danach brüllt der Donner, und er donnert mit seinem großen Schall, und wenn sein Donner gehört wird, kann man es nicht aufhalten.

Danach: Nachdem der Blitz geleuchtet hat.

Schall: Denn der Donner ist ein Zeichen und Zeugnis der göttlichen Majestät. Gleichwie heute Fürsten und Herren mit großem Prunk ihre Herrlichkeit in der Öffentlichkeit begehren zu zeigen.

5. Gott donnert mit seinem Donner gräulich und tut große Dinge, und wird doch nicht erkannt.

Nicht erkannt: Das ist: Wir meinen aber, denn dass wir Gott selbst gegenwärtig hören, so kann doch niemand seine Fußstapfen sehen, oder seinen Gang spüren, dennoch muss man sich über die schrecklichen Donnerschläge verwundern und entsetzen. Denn obwohl alle Werke Gottes herrlich und wunderbar sind, so geschehen doch im Unwetter, und besonders mit den Donnerstrahlen, so viele wunderliche Dinge, dass es keine menschliche Vernunft begreifen oder ergründen kann, wie es kommt, da es sich bisweilen zu trägt, dass ein Stück vom Schwert in der Scheide, mit einen Donnerstreich zerschmelzt. Da doch die Scheide normal nicht verbrennt. Solches geschieht im Unwetter oft, weshalb die Menschen sich richtigerweise über der göttlichen Majestät verwundern.

6. Er spricht zum Schnee, so ist er bald auf Erden, und zum Platzregen, so ist der Platzregen da mit Macht.

Spricht: Er gebietet dem Schnee, dass er kommen soll, so ist er auch bald da.

Mit Macht: Es regnet also dann, dass es herunterschüttet.

7. Alle Menschen hat er in der Hand als verschlossen, dass die Leute lernen, was er tun kann.

Verschlossen: Das ist: Er gibt mit der Tat zu verstehen, dass er alle Menschen in seiner Gewalt habe. Denn es müssen auch die aller mächtigsten Monarchen in großem Unwetter bekennen, dass sie unter Gottes Gewalt sind.

Lernen: Das ist: Damit sie aus Gottes Werken erkennen lernen, ihn zu fürchten und zu Ehren. Denn obwohl man die rechtschaffene Kenntnis Gottes aus seinem Wort lernen soll, jedoch, wenn die Betrachtung der göttlichen Wunderwerke dazu kommen, die einer täglich vor Augen sieht, so wird die Erkenntnis Gottes völliger sein, und nicht weniger gestärkt werden.

8. Das wilde Tier geht in die Höhle und bleibt an seinem Ort.

Geht: Wenn ein großes Unwetter vorhanden ist.

Seinem Ort: Bis das Unwetter vorbei ist. Also graust es auf den unvernünftigen Tieren vor dem Donner und Blitzen. Welche darum in großem Wetter allerlei Leichtfertigkeit und Kosten treiben, damit sie gleichsam unseres Herrn Gottes im Himmel spotten, die sind nicht wert, dass man sie unter unvernünftige Tiere, will schweigen, unter die Menschen zählen sollte.

9. Von Mittag her kommt Wetter und von Mitternacht Kälte.

Wetter: Denn im Sommer kommen die Wetter meistenteils von Mittag oder am Abend.

10. Vom Odem Gottes kommt Frost, und große Wasser, wenn er auftauen lässt.

Odem Gottes: Wenn Gott, nämlich, den Nordwind oder auch den Ostwind wehen lässt.

Auftauen: Wenn es ihm gefällt, dass von einem feuchten Wind, oder auch anderen Ursachen, das Wetter ausgeht, da das Eis schmilzt und der Schnee vergeht, also, dass daher oft ein großes Gewässer entsteht.

11. Die dicken Wolken scheiden sich, dass es helle werde, und durch den Nebel bricht sein Licht.

Scheiden: Das ist: Wenn Gott es haben will, dass es helles Wetter werde, so müssen auch die dicksten sollten vergehen. Und sich verzehren, dass die Sonne durch den Nebel dringt, diese nieder treibt, und ein heller schöner Tag wird.

12. Er kehrt die Wolken, wo er hin will, dass sie schaffen alles, was er ihnen gebietet, auf dem Erdboden,

Gebietet: Dass sie es ausrichten sollen, entweder mit Regen, Schnee oder Hagel, wie und wann es ihm gefällt. Darum sind die nicht wohl bei Sinnen, welche meinen, dass die Zauberer können Wetter, als Hagel, Donner und dergleichen machen. Denn dass der böse Feind sein Gespött mit ihnen treibt, ist außer Zweifel. So können auch die Teufel selbst in der Luft nichts ändern oder ausrichten, ohne Gottes Zulassung. Darum sollen wir Gott, und nicht den Teufel, viel weniger die Zauberer fürchten.

13. es sei über ein Geschlecht oder über ein Land, so man ihn barmherzig findet.

Findet: Das ist: Die Wolken richten den Willen Gottes aus, damit sie gut und fruchtbares Wetter bringen, entweder an einen besonderen Ort, oder über ein ganzes Land, nachdem er mit seiner Gnade und Güte demselben wohl will ihm fruchtbare Zeiten zu geben. Darum sollen wir Gott für ein fruchtbares Gewitter auch Lob und Dank sagen, denn es ist eine Gabe und ein Zeichen seiner väterlichen Gutmütigkeit.

14. Da merke auf, Hiob; stehe, und vernimm die Wunder Gottes!

Merke auf: Wie ich Gottes Majestät, und dass er unstrittig sei, bewährt habe.

15. Weißt du, wenn Gott solches über sie bringt und wenn er das Licht seiner Wolken lässt, hervorbrechen?

Bringt: Kannst du auch eine lange Zeit zuvor sehen, wenn Gott ein Unwetter über ein Land bringen will, und über welchen Ort es kommen wird, oder was es für eine Wirkung haben werde? Denn obwohl durch die Wahrsager aus den Sternen etliche sich unterstehen, etwas in dieser Sache zu leisten, jedoch weil dieselben einen ungewissen Grund haben, als, nämlich, die Historie, so fehlen sie oft, wie es die Erfahrung zeigt. Jedoch manchmal es auf ihrer Aussage zutrifft, so können Sie doch nicht wissen, auf welches Land oder das Wetter kommen werde und ob es werde Nutzen oder Schaden bringen.

16. Weißt du, wie sich die Wolken ausstreuen? Welche Wunder die Vollkommenen wissen.

Ausstreuen?: An welchem Ort der Welt sie sich zerteilen werden, welche oft in wunderbarerweise hin und wieder schweben, dass auch der weiseste Mensch kaum etwas gewisses davon sagen kann.

17. Dass deine Kleider warm sind, wenn das Land stille ist vom Mittagswind?

Warm sind: Und deinen Leib auch warm machen, wenn, nachdem das Unwetter vorüber ist, der Sonnenschein und die Hitze wieder hervorkommt. Wie es oft zu geschehen pflegt, wenn es im Sommer aufgehört hat zu regnen, dass die Sonne bald wiederum ganz heiß sticht.

18. Ja, du wirst mit ihm die Wolken ausbreiten, die feststehen wie ein gegossener Spiegel.

19. Zeige uns, was wir ihm sagen sollen; denn wir werden nicht dahin reichen vor Finsternis.

Finsternis: Wenn du in solchen Werken Gottes etwas finden kannst, das strafwürdig ist, so wollen wir es von dir gern hören. Wir, für unsere Person, können zu solchen verborgenen und geheimen Ratschlägen Gottes nicht kommen, die nach unseren Bedenken, gleichsam als in einer dicken Wolke eingewickelt sind.

20. Wer wird ihm erzählen, dass ich rede? So jemand redet, der wird verschlungen.

Verschlungen: Das will so viel sagen: Ich rede dies nicht von Gottes Weisheit und Gerechtigkeit darum, dass ich ihm begehre zu heucheln, gleichwie man wohl etliche findet, die von anderen Leuten gutes reden, weil sie wissen, dass man es Ihnen wieder sagen würde, auf dass sie dadurch deren Gunst erlangen. Das weiß ich aber, wenn jemand gegen Gott Lästerungen redet, wie du tust, der wird aus Gottes gerechtem Gericht umkommen.

21. Jetzt sieht man das Licht nicht, das in den Wolken helle leuchtet; wenn aber der Wind weht, so wird es klar.

Klar: Das ist: Man kann häufig der Sonnen Glanz vor den Wolken nicht sehen, welche dennoch von oben über die Wolken scheint, wenn wir es gleich nicht sehen. Wenn aber Gott der Herr einen Wind schickt, so vertreibt er die Wolken, und der Himmel wird wieder klar.

22. Von Mitternacht kommt Gold zum Lob vor dem schrecklichen Gott.

Gold: Das ist: Gott vertreibt die Regenwolken durch den Nordwind, der von Mitternacht weht, und bringt den Himmel, und die anderen lichten Wolken wieder, die von wegen der Sonnen Glanz, so darin fällt, auch golden scheinen, und ein Zeichen geben, dass es wieder gutes Wetter werden wird. Solchen schrecklichen und mächtigen Gott, der alles Gewitter in seiner Hand hat, soll man loben und preisen. Denn es pflegen die Hebräer in ihren Handlungen immer etwas zum Lobe Gottes mitunter zu streuen. Dass auch Elihu die Wunder Gottes im Gewitter so fleißig betrachtet, daran tut er nicht Unrecht. Denn wir sollen solche nicht verachten, oder wie die unvernünftigen Tiere uns dagegen stellen, so keinen Verstand haben. (Nach Luther) Das ist, helle Wetter wie lauter Gold.

23. Den Allmächtigen aber mögen sie nicht begreifen, der so groß ist von Kraft; denn er wird von seinem Recht und guter Sache nicht Rechenschaft geben.

Begreifen: Die Kreaturen können Gottes Weisheit nicht vollkommen verstehen.

Groß ist: Dass er in seinen Gerichten wundersam und unbegreiflich ist, darum auch nichts daran getadelt werden kann.

Geben: Er wird sich nicht dahin treiben oder zwingen lassen, dass er seine Ratschläge und Verrichtungen wegen den Menschen sollte Rede und Antwort geben.

24. Darum müssen ihn fürchten die Leute; und er fürchtet sich vor keinem, wie weise sie sind.

Sie sind: Das ist: Gottes Weisheit, Majestät, Allmacht und Gerechtigkeit ist so groß, dass es richtig ist, wenn es von allen Leuten gefürchtet wird. Er aber darf sich vor niemand fürchten. Denn es ist keiner so weise, der seine Ratschläge und Tun eines Unverstandes bezichtigen, oder einer Ungerechtigkeit überweisen könnte. Darum wäre es dir, oh Hiob, gut angestanden, dass du dich vielmehr demütig in seinem Willen ergeben, und über seine Gerichte dich verwundet hättest, als dass du dieselbe zu verlästern dich unterstanden hast. Denn du wirst ihn doch mit deiner Weisheit und Kunst nicht überreden, und wenn du gleich der aller weiseste Mensch auf Erden wärest. So ist es auch richtig, dass ein Geschöpf sich wieder seinen Schöpfer nicht auflehnen soll. Obwohl nun Elihu in dem recht dran gewesen ist, dass er Gottes Majestät rühmt und gesagt hat, er sei der gerechteste und weiseste, und den Hiob beschimpft, dass er wieder Gott aus Ungeduld etliche unbedachte Worte und Reden fahren lassen hat. Jedoch weil er den Hiob zugleich auch mit beschuldigt, als ob er gottlos gewesen sei und leide solches um seiner Misshandlung willen, irrt er sich in diesem Stück ebenso wohl, als seine vorigen drei Freunde. Darum sollen wir fest glauben, dass Gott der aller gerechteste sei, und doch daneben auch wissen, dass ein frommer Mensch häufig in große Trübsal gerät, nicht darum, dass er böse sei, als andere Menschen, sondern dass die Sünde, so noch in seinem Fleisch verborgen steckt, offenbar werde und der Mensch sich selber kennen lernen, auf dass er endlich Gott von Herzen die Ehre gebe.


Das 38. Kapitel


Gott stellt den Hiob selber zur Rede, und zeigt aus der Erschaffung und Regierung der Welt an, dass er nicht könne getadelt werden, als ob etwas Unrechtes handelte.

1. Und der Herr antwortete Hiob aus einem Wetter und sprach:

Antwortete: Also, dass er ihm sein Unrecht aufzeigt und zu verstehen gibt, wie seine Weisheit unerforschlich sei, dessen man augenscheinlich solche Zeichen an den Kreaturen sehe, darum Hiob übel tue, dass er ihn begehre zu tadeln, der doch an Weisheit und Güte unendlich sei. Denn gleichwie die Untertanen, so eine fromme und verständige Obrigkeit haben, derselben Tun nicht als Unrecht beschimpft werden soll, obgleich solche sie nicht immer alles recht machen, sondern sollen vielmehr bedenken, dass die selbigen wichtige und genügende Ursachen haben, warum sie also, und nicht anders tun, obwohl wir sie wohl nicht wissen. Also sollen wir auch Gottes Werk und Gerichte nicht tadeln, weil er viel weiser ist als wir und weiß, dass es recht und billig ist, ob es gleich mit unserer menschlichen Vernunft nicht übereinstimmt.

Wetter: Das ist: Da ein großes Wetter vorher gegangen war, damit Gott seine Gegenwart um Majestät zu verstehen gab, ist der ihm später in einer sichtbaren angenommenen Gestalt erschienen, wie solches auch gelesen wird in 2. Könige 19. Da Gott mit dem Propheten Elias sprach.

2. Wer ist der, der so fehlt in der Weisheit und redet so mit Unverstand?

Unverstand: Dieser Hinweis geht nur auf die Leistungen des Hiobs, die er aus Ungeduld in seinen großen Schmerzen gegen Gott ausgestoßen hat. Denn dass er sonst recht geredet, gibt ihm später Gott selber Zeugnis (Kapitel 42). Es will aber Gott hier so viel zum Hiob sagen: Du zeigst mich der Ungerechtigkeit an und meinst, du weißt besser, was recht ist, als ich. Aber ich will dich überzeugen, dass ich viel weiser bin, als du, daraus man abnehmen kann, dass man nicht nach deiner Meinung, sondern nach meinem Willen und von der Sache beurteilen müsse, und lernen, was Recht oder Unrecht sei.

3. Gürte deine Lenden wie ein Mann; ich will dich fragen, lehre mich!

Gürte: Rüste dich wider mich zum Kampf, und siehe, dass du mit mir Schritt hältst. Denn weil die Völker im Orient lange Kleider trugen, so pflegten sie dieselben mit einem Gürtel um die Lenden zusammenzufassen, wenn sie etwas wichtiges verrichten wollten, damit sie besser gerüstet waren.

Mann: Wie ein tapferer Held, der sich auf die Gegenwehr gefasst macht.

Fragen: Von geheimen Sachen.

Lehre mich: Damit bekannt werde, welche unter uns der Klügste sei. Es will aber Gott uns in unserer Weisheit zuschanden machen, nicht der Meinung, dass uns begehre zu verderben, sondern dass er uns zur Demütigung erhalte. Gleichwie ein Arzt seinem Patienten nicht darum die Krankheit anzeigt, dass sie ihn töten wolle, sondern damit er den Kranken desto eher überrede, die nötige Arznei einzunehmen.

4. Wo warst du, da ich die Erde gründete? Sage mir es, bist du so klug?

So klug: Wie du selber meinst. Hast du mir damals mit deiner Weisheit geholfen, da ich die Welt erschuf? Habe ich aber ohne dich die Welt erschaffen können, meinst denn du, ich könnte die selbigen nicht auch ohne deine Weisheit richtig regieren, dass man mich keine Torheit oder Ungerechtigkeit überweisen könne?

5. Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat, oder wer über sie eine Richtschnur gezogen hat?

Das Maß: Wer hat die Erde abgemessen, wie lang, weit und breit sie werden soll, als eben ich? Oder hast du damals gesehen, wie ich den Umkreis der Erde abgezählt habe? Ganz sicher weißt du Weiteres nichts davon, denn soviel ich dir offenbare. Und redet hier Gott von der Erschaffung der Welt, als wie ein Baumeister von seinem Gebäude.

6. Oder worauf stehen ihre Füße versenkt? Oder wer hat ihr einen Eckstein gelegt,

Versenkt?: Denn weil die Erde mitten in der Luft schwebt, und weder über sich noch unter sich, noch auf irgend einer Seite bewegt wird, lieber worauf steht sie denn so fest?

Eckstein: Darauf ein solches wunderbares Gebäude gegründet ist, habe ich sie nicht allein also gesetzt und bestätigt, dass sie von ihrem Ort nicht bewegt wird, obwohl sie zwischen Himmel und Erde hängt?

7. da mich die Morgensterne miteinander lobten, und jauchzten alle Kinder Gottes?

Morgensterne: Das ist: Die guten Engel, welche von wegen ihrer herrlichen Gaben den hellen leuchtenden Sternen, die niemals fallen oder untergehen, verglichen werden.

Lobten: Damals, nämlich, habe ich die Erde gegründet.

Kinder Gottes: Das ist: Da die heiligen Engel mit großem frohlocken, und aus großer Verwunderung über meine Weisheit und Güte, mich, als ihren Schöpfer, preisten und sprachen: Heilig, Heilig, Heilig ist Gott der Herr Zebaot, wie dieser Freudenschrei der Engel gelesen wird in {Esra 6}. Da die Menge der himmlischen Geister die Majestät Gottes rühmen. Dieser Ort zeigt an, dass die Engel erschaffen sind, ehe denn die Erde vom Wasser abgesondert wurde. Denn da die Erde gegründet, und trocken gemacht wurde, waren noch keine Sterne, wie auch kein Mensch auf Erden erschaffen {1Mos 1}. Darum sind diese Worte von niemand anderem, als von den Engeln verstanden werden können.

8. Wer hat das Meer mit seinen Türen verschlossen, da es herausbrach wie aus dem Mutterleibe,

Wer hat: Das will so viel sagen: Da ich am Anfang die Welt erschuf, kam auf mein Wort eine große Menge Wasser aus nichts hervor, darunter die Erde vermischt war, und war alles mit Finsternis und Dunkelheit, als mit einer dicken Wolke überzogen, und darin eingewickelt, wie man ein neugeborenes Kind in Windeln gewickelt. Danach sonderte ich das Wasser von der Erde ab, und gab dem Meer einen gewissen Ort, darin es sich auch meinem Befehl verhalten muss, dass es nicht weiter auslaufen kann, denn ich ihm zulasse, als wenn es mit Türen und Regeln versperrt wäre. Denn es ist ein großes Wunderwerk Gottes, dass das Meer, ob es wohl höher ist als die Erde, dazu auch von vielem Unwetter ungestüm gemacht und hin und her geworfen wird. Dennoch über die Erde sich nicht ergießen kann. Es sei denn dass Gott durch die Völker, die daran wohnen, Bosheit zu Zorn gereizt wird und dem Meer die Tür und die Regel auftut und hin wegnimmt, und also die Erde überschwemmt, dass viele 1000 Menschen mit aller ihrer Habe und Gütern umkommen.

9. da ich‘s mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte, wie in Windeln,

10. da ich ihm den Lauf brach mit meinem Damm und setzte ihm Riegel und Tür

11. und sprach: Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!?

12. Hast du bei deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt,

Gezeigt?: Wo, nämlich, die Sonne im Sommer oder Winter aufgehen soll.

13. dass die Ecken der Erde gefasst und die Gottlosen herausgeschüttelt würden?

Herausgeschüttelt: Das ist: Kannst du die Welt erhalten und die Gottlosen hinauswerfen, gleichwie jemand, wenn er etwas Unreines an seinem Kleide trifft, das Kleid an den Zipfeln erwischt, und davon abschüttelt, was unsauber ist.

14. Das Siegel wird sich wandeln wie Leim, und sie stehen wie ein Kleid.

Das Siegel: Das will so viel sagen: Obwohl die Gottlosen das Ansehen haben, dass sie feststehen und wie versiegelt sind, damit ihnen niemand schaden möge, als ob sie mit dem Tode einen Bund gemacht hätten, da sie unbeweglich und unüberwindlich wären: So wird es doch alles miteinander, darauf sie sich verlassen voneinander fallen, wie alter Leim, und werden stehen bleiben, wie ein Kleid, das vom Menschen nicht getragen wird, welches bald zusammenfällt. Wir Deutschen sprechen beides in Sprichwörtern so aus: Es wird mit Dreck versiegelt sein. Und: Sie werden bestehen wie ein Pelz auf seinen Ärmeln. Bist du nun der, will Gott zum Hiob sagen, welcher der Gottlosen Vertrauen kann zu Boden stürzen? (Nach Luther) Das ist: Ihr Stand und Wesen, bis sie gewiss sein wollen, ist als versiegelt.

15. Und den Gottlosen wird ihr Licht genommen werden; und der Arm der Hoffärtigen wird zerbrochen werden.

Ihr Licht: Das ist: Ihr Glück und Wohlfahrt.

Zerbrochen: Als wollte Gott sprechen: Kannst du der stolzen Leute Übermut ablegen. Denn dieses ist auch ein Werk der göttlichen Majestät und Weisheit, dass er zwar die Welt erhält, und dennoch unterdes die Gottlosen einen nach dem anderen aus der Welt schüttelt, wie denn solche göttliche Majestät, von dem Fall des menschlichen Geschlechtes her, auch die aller mächtigsten Tyrannen, mit großen Schaden erfahren haben.

16. Bist du in den Grund des Meers gekommen und hast in den Fußstapfen der Tiefen gewandelt?

Kommen: Weißt du, was im Meer unter dem Wasser bis auf den Boden geschieht? Welches mir alles bekannt ist.

17. Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan? Oder hast du gesehen die Tore der Finsternis?

Aufgetan: Weißt du, wie und in welchergestalt die verdammten und Teufel im ewigen Tode und in der Hölle als in der äußerten Finsternis gepeinigt werden? Denn es redet Gott von der Hölle, als von einem verborgenen und tiefen Gefängnis unter der Erde, darin die Obrigkeiten diese Leute stecken und gepeinigt werden, die anderen mit großer Bosheit und viel Übels getan haben. Denn diese sind nicht sehr klug gewesen, welche ohne Gottes Wort von besonderem Marter der Verdammten, und von ihrem Ort nicht anders reden und schwätzen, als wenn sie vor Langeweile in der Hölle spazieren gegangen wären, und alles in Augenschein eingenommen hätten. Wie denn solche Lügen zu erdenken, sich die Mönche vorzeiten besonders bemüht haben. Wir sollen vielmehr durch die Gnade Gottes uns mit allem Fleiß hüten und vorsehen, dass wir durch Unglauben und Sünden nicht in eine solche Pein geraten.

18. Hast du vernommen, wie breit die Erde sei? Sage an, weißt du solches alles?

Wie breit: Welches ich weiß. Denn obwohl der Umkreis der Erde, und wie dick sie sei, nach des Himmelslauf, etlichermaßen ausgerechnet werden kann. Jedoch weil hin und wieder viele hohe Berge und tiefe Stellen sich befinden, so ist wohl zu beachten, dass solche Abmessungen um viele 1000 Schritte fehlen würden.

19. Welches ist der Weg, da das Licht wohnt, und welches sei der Finsternis Stätte,

Stätte: Weißt du, woher ich das Licht und die Finsternis bringe? Denn ob man wohl meint, dass durch den Aufgang der Sonne das Licht, und nach dessen Untergang die Finsternis komme. So weiß man doch aus dem ersten Buch Mose, dass beides das Licht und die Finsternis, wie auch der Tag und die Nacht gewesen sind, ehe die Sonne erschaffen wurden. Darum, wenngleich keine Sonne wäre, so bliebe dennoch das Licht und die Finsternis mit ihrer Umwechselung. Darum Gott den Hiob nicht vergebens fragte, ob er auch wisse, woher das Licht und die Finsternis gebracht werden?

20. dass du mögest abnehmen seine Grenze und merken den Pfad zu seinem Hause?

Seine Grenze: Wo sich das Licht und die Finsternis scheiden, gleichwie eines Fürsten oder Herrenland mit des anderen grenzt und sich voneinander abteilt.

21. Wusstest du, dass du zu der Zeit solltest geboren werden und wieviel deiner Tage sein würden?

Sein werden?: Weil ich also damals in meinem heimlichen Rat alles bereits beschlossen hatte, dass du solltest geboren werden, und eine große Anzahl Jahre zu deinem Leben bestimmt waren, da du noch nicht warst. So ist es wohl ein ungereimter Handel, dass du dich unterstehen willst, mit mir über der Weisheit einen Hader anzufangen, und meinst, du verstehst besser, was Recht oder Unrecht sei, als sich selbst.

22. Bist du da gewesen, da der Schnee herkommt, oder hast du gesehen, wo der Hagel herkommt,

Herkommt?: Dass du gesehen hättest, und sagen könntest, wie sie gemacht würden, denn ich kann solches, so oft ich will, hervorbringen, dazu in einem Augenblick, als ob sie längst bereitet und in einer Vorratskammer auch behalten würden, die Menschen damit zu strafen. Und pflege ich nicht nur die Früchte auf dem Felde damit sie zu Boden schlagen, sondern auch die Leute und das Vieh, so zur selben Zeit auf dem Felde angetroffen werden, wenn ich, nämlich, mit der Menschen Bosheit einen Krieg führe. Denn es wird von dem Schnee und Hagel in Gleichnissen hier fein geredet, als ob sie in großer Menge an einen besonderen Ort aufbehalten würden. Gleichwie die Fürsten an besonderen sicheren Orten und Gewahrsam, einen großen Haufen Pulver und Kugeln aufbewahren, im Notfall eines künftigen Krieges. Obwohl nun Gott häufig, wie Josua in Kapitel zehn, und später etliche Male, mit Hagel gegen die Feinde des Volkes Gottes gestritten hat, dass von denen mehr vom Hagel, als von den Waffen der Israeliten umgekommen waren, so wird doch besonders hier darauf hingewiesen, dass Gott, so oft er einen Hagel schickt, gegen der Menschen Undankbarkeit und Bosheit streite. Darum sollen wir mit Fleiß darauf achten, dass wir mit einer wahren Buße und Bekehrung durch den Glauben und Christen, mit Gott wiederum versöhnt werden, dass er nicht mit Hagel als Kugeln auch uns und die unsrigen schieße.

23. die ich habe verhalten bis auf die Zeit der Trübsal und auf den Tag des Streits und Kriegs?

24. Durch welchen Weg teilt sich das Licht, und auffährt der Ostwind auf Erden?

Das Licht?: Nämlich, des Tages, welches so wunderbar auf die Erde kommt, dass man nicht wissen kann, woher es zu uns gekommen sei.

Ostwind: Der die Morgenröte hervortreibt).

25. Wer hat dem Platzregen seinen Lauf ausgeteilt und den Weg dem Blitze und Donner,

Ausgeteilt?: Dass er ihm vorschriebe, in welchem Land er niederfallen soll.

26. dass es regnet aufs Land, da niemand ist, in der Wüste, da kein Mensch ist,

niemand ist: Dass nicht bewohnt wird.

27. dass er füllt die Einöden und Wildnis und macht, dass Gras wächst?

Wächst: Für die wilden Tiere so sich an der gleichen Örter aufhalten.

28. Wer ist des Regens Vater? Wer hat die Tropfen des Taues gezeugt?

Vater: Als wollte er sprechen: Ich mache und verschaffe alles miteinander, und bringe es durch meine unendliche Weisheit und Majestät zu Wege. Und lässt sich dieses besonders die große Majestät und Weisheit des allmächtigen Gottes sehen und spüren in dem schrecklichen Unwetter, als Blitzen, Donner, Platzregen, Schnee, Hagel, Eis, Erdbeben, welches alles Gott schafft.

29. Aus wes Leibe ist das Eis gegangen? Und wer hat den Reif unter dem Himmel gezeugt,

30. dass das Wasser verborgen wird wie unter Steinen und die Tiefe oben gesteht?

Steinen: Nämlich, unter dem Eis, welches so hart friert, wie ein Stein ist. Besonders an den Mitnächtigen Örter da das Meer viele Meilen und mehr gefriert.

31. Kannst du die Bande der sieben Sterne zusammenbinden, oder das Band des Orion auflösen?

Kannst du: Jetzt führt Gott den Hiob zur Betrachtung der Gestirne am Himmel.

Binden: Hast du das Sieben-Gestirn wie mit einem Band zusammengezogen, weil es so aussieht, als wären sie zusammengebunden.

Auflösen?: Kannst du die Sterne, so zum Gestirn gegen Mittag, Orion genannt, gehören, und immer in gleicher Weite voneinander stehen, und hell scheinen, also voneinander trennen, dass du einen oder mehr davon nimmst und an einen anderen Ort versetzt?

32. Kannst du den Morgenstern hervorbringen zu seiner Zeit, oder den Wagen am Himmel über seine Kinder führen?

Bringen: Dass er vor oder nach dem Sonnenaufgang aufgehe und scheine.

Seine Kinder: Das ist: Über die Menschen auf der Erde, über welche diese Gestirne schweben und immer wenn es hell ist, des Nachts gesehen werden. Es will aber Gott hiermit auch zu verstehen geben, dass wir die Gestirne anschauen sollen, und seine Majestät und Weisheit darauf desto besser erkennen lernen.

33. Weißt du, wie der Himmel zu regieren ist? Oder kannst du ihn meistern auf Erden?

Regieren: Kannst du den Sternen am Himmel ihren Lauf zeigen, danach sie sich richten sollen?

Auf Erden: Solltest du armer Mensch auf Erden den Himmel regieren können?

34. Kannst du deinen Donner in der Wolke hoch herführen? Oder wird dich die Menge des Wassers verdecken?

Verdecken?: Kannst du den Donner und Regen machen, wie du willst, und ich hinter ihnen verborgen halten?

35. Kannst du die Blitze auslassen, dass sie hinfahren und sprechen: Hier sind wir?

Sind wir?: Wird der Blitz deinem Befehl Gehorsam leisten, und bereit sein auszurichten, was du befiehlst? Mit diesen Fragen will Gott zu verstehen geben, dass kein Mensch ein Unwetter, Donner, Blitz, Hagel und dergleichen erregen oder vertreiben könne. Sondern er sei es allein, der solches alles schaffe und regiere.

36. Wer gibt die Weisheit ins Verborgene? Wer gibt verständige Gedanken?

Verborgene: Das ist, ins Herz? Als wollte er sprechen: Kann dem Menschen eine solche Weisheit jemals widerfahren, dass er Himmel und Erde regieren könnte?

37. Wer ist so weise, der die Wolken erzählen könnte? Wer kann die Wasserschläuche am Himmel verstopfen,

Erzählen: Dass er wüsste, wie viel von Anfang der Welt her gewesen, oder künftig noch sein würden.

Verstopfen: Das ist: Wer kann den Wolken, die wie Wasserschläuche sind, verbieten, und ihnen wehren, dass sie nicht regnen auf Erden?

38. wenn der Staub begossen wird, dass er zuhauf läuft und die Klöße aneinander kleben?

Kleben: Das will so viel sagen: Wer kann machen, wenn alles vom vielen Regen kotig ist, dass der Regen wieder aufhöre, als Gott allein? Darum sollen wir Gott den Herrn um gutes Wetter anrufen und beten, als in dessen Hand und Gewalt beides die Dürre und der Regen sind. Dieses hat also Gott bisher aus der Regierung des Himmels seine Majestät und Weisheit erwiesen. Daraus offenbar ist, dass ihm niemand mit seiner Weisheit zeigen kann, als ob er etwas Unrecht verrichtete, weil er in der ganzen Welt Regierung seine vielfältige Weisheit und Güte erklärt: Er weiß wohl, was er tun soll.

39. Kannst du der Löwin ihren Raub zu jagen geben und die jungen Löwen sättigen,

Kannst du: Jetzt wird Gott gleich vom Himmel auf die Erde, und beweist seine unendliche Majestät und Weisheit aus dem Leben von Tieren und der Vögel unter dem Himmel.

Sättigen?: Kannst du diese wilden Tiere ernähren?

40. dass sie sich legen in ihre Stätte und ruhen in der Höhle, da sie lauern?

Lauern: Auch die anderen geringeren Tiere, dieselben zu fressen. Denn da verschaffe ich durch meine Vorsehung, dass andere Tiere, die sie überwältigen können, von ihnen gefangen werden. Es ist aber die Erschaffung und Erhaltung des Löwen, eines starken und mächtigen Tieres, ein Zeichen der göttlichen Weisheit und Majestät. Gleichwie es die Fürsten meinen, es macht ihnen ein so viel größeres Ansehen, wenn sie diese großen Tiere halten.

41. Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und fliegen irre, wenn sie nichts zu essen haben {Ps 145v16 v17}?

Rufen: Wie auch im 147. Psalm gesagt wird. Über welche (will Gott sagen) ich mich erbarme, und ihnen in wunderbarerweise ihre Speise verschaffe, bis sie wachsen und selber zum Aas fliegen können. Denn, wie Aristoteles und Plinius bezeugen, so verlassen die alten Raben ihre Jungen, wenn sie noch nicht Federn haben. Darum, damit sie nicht des Hungers sterben, so verschaffte ihnen Gott ihre Nahrung, dass die Art erhalten werde, weil sie auch seine Kreaturen sind. Wenn denn Gott solchen geringen, nach unserem Denken, anmutigen Vögel, so väterlich versorgt, wie sollte er denn nicht auch uns ernähren, die wir durch die Taufe wiedergeboren, seine Kinder und Christi Miterben sind {Mt 6}?


Das 39. Kapitel


Gott beweist seine Macht und Weisheit aus der Erschaffung und Erhaltung mancherlei Tiere. Darum gebührt es keine Menschen, dass er mit dem Schöpfer aller Dinge hadere. Hiob bekennt frei heraus, dass er aus Ungeduld gegen Gott zu viel geredet habe, und verspricht sich danach zu mäßigen.

1. Weißt du die Zeit, wann die Gemsen auf den Felsen gebären? Oder hast du gemerkt, wann die Hirsche schwanger gehen?

Gebären: Kannst du schaffen, dass die Gämsen auf den Felsen zur rechten Zeit gebären und da in den dürren und unerbauten Örtern erhalten werden mit ihren Jungen?

Schwanger gehen: Wenn sie empfangen, und wie lange sie noch zu gehen haben?

2. Hast du erzählt ihre Monden, wann sie voll werden? Oder weißt du die Zeit, wann sie gebären?

Gebären: Dass du zur rechten Zeit könntest bei ihnen sein, und ihnen in der Geburt helfen, auch die Vorsehung machen, damit sie auch sonst keinen Mangel haben.

3. Sie beugen sich, wenn sie gebären, und reißen sich und lassen aus ihre Jungen.

Reißen sich: Wenn sie große Schmerzen leiden in der Geburt. Da nun Gott den gebärenden Hirschen mit seiner Hilfe beisteht, wie viel wird er frommen Frauen in ihrer Geburt helfen, sofern sie an den Sohn Gottes Glauben, der auch aus einer Frau, aber doch Jungfrau geboren wurde.

4. Ihre Jungen werden feist und mehren sich im Getreide; und gehen aus und kommen nicht wieder zu ihnen.

Im Getreide: Wo sie ihre Nahrung suchen, wenn sie ein bisschen stark geworden sind, dass sie fortkommen können.

Zu ihnen: Zu ihren Müttern. Denn sie können sich jetzt selber ihre Nahrung suchen, und vor der Gefahr sich hüten. Es ist ein großes Zeichen der göttlichen Güte, dass er die unvernünftigen Tiere so regiert und führt, dass sie ihre Nahrung suchen können, und welche sie begehren zu vertilgen, die handeln wider Gott ihrem Schöpfer. Aber doch sollen Fürsten und Herren nicht zu viele Tiere halten, die der Untertanen Äcker verwüsten und verderben, als ob sie die Tiere mehr als die Menschen achteten, welche doch Gott nach seinem Ebenbild erschaffen, und durch das aller kostbarste Blut seines eingeborenen Sohnes erlöst hat.

5. Wer hat das Wild so frei gehen lassen? Wer hat die Bande des Wildes aufgelöst,

So frei: Wer hat die wilden Tiere so erschaffen, dass sie frei und ungehindert in der Erde herum schweifen, und laufen, wohin es ihnen beliebt, dass sie sich mit keinem Zaum binden lassen oder führen?

6. dem ich das Feld zum Hause gegeben habe und die Wüste zur Wohnung?

Zum Hause: Ich habe Ihnen eine solche Natur eingepflanzt, dass es gerne an einsamen Örter ist.

7. Es verlacht das Getümmel der Stadt; das Pochen des Treibers hört es nicht.

Der Stadt: Es lässt sich in keine Stadt bringen, dass es den Leuten mit seiner Arbeit diente und behilflich wäre.

Treibers: Es lässt sich nicht mit Geißeln oder Stacheln und mit vielem Geschrei hin und herumtreiben, wie man die Pferde und Ochsen treibt. Weil also solche Tiere sich in keinen gewissen Ort einsperren lassen, so sollen Fürsten und Herren darauf achten, dass solche von wegen ihrer Sicherung nicht so zahm werden, dass sie aus den Wäldern auf die Äcker, Wiesen und Weinberge laufen und dieselben verderben.

8. Es schaut nach den Bergen, da seine Weide ist, und sucht, wo es grün ist.

9. Meinst du, das Einhorn werde dir dienen und werde bleiben an deiner Krippe?

Meinst du: Jetzt stellt uns Gott ein anderes wildes Tier zu betrachten vor.

Krippe: Wird es sich in deinen Stall führen lassen, wieder ein anderes viel, dass du es zu deiner Hausarbeit gebrauchen könntest? Von diesem Tier und der Natur schreibt Plinius in seinem 8. Buch, Kapitel 21. Das Einhorn ist ein ganz wildes ungeheures Tier, am Leib einem Pferde nicht ungleich, hat einen Kopf wie einen Hirsch, mit Elefantenfüßen, und einen kurzen Schwanz, wie ein wildes Schwein, brüllt es schrecklich, trägt ein schwarzes Horn, welches mitten an der Stirn an zwei Ellen hervorgeht. Man sagt, es lasse sich nicht lebendig fangen.

10. Kannst du ihm dein Joch anknüpfen, die Furchen zu machen, dass es hinter dir brache in Gründen?

Anknüpfen: Dass es sich wie ein anderes Tier führen und forttreiben ließe.

11. Magst du dich auf es verlassen, dass es so stark ist, und wirst es dir lassen arbeiten?

Arbeiten: Meinst du es werde dir in deiner Haushaltung etwas nutzen, weil es so ein starkes Tier ist, wie du dich über starke Pferde oder Ochsen trösten kannst?

12. Magst du ihm trauen, dass es deinen Samen dir wiederbringe und in deine Scheune sammle?

Sammle: Darfst du dir auch die Gedanken machen, dass dieses Tier dein Getreide, welches gewachsen ist, helfen werde, in die Scheunen zu schaffen? Ganz sicher wird es nicht tun. Denn ich habe ihm eine andere Natur eingepflanzt, als dass es sich dir zu deinem Dienst unterwerfen sollte. Es will aber Gott, dass wir der wilden Tiere Art und Natur, so viel geschehen kann, kennen lernen, nicht zwar, dass wir uns einer großen Kunst zu rühmen haben, sondern dass wir uns über die Majestät und Weisheit unseres Schöpfers verwundern.

13. Die Federn des Pfauen sind schöner denn die Flügel und Federn des Storchs,

Die: Jetzt stellt uns Gott einen der vornehmsten Vögel vor, dass wir seine Majestät und Weisheit daraus lernen sollen und erkennen.

Schöner: Denn es teilt auch unter den unvernünftigen Tieren Gott seine Gaben auf mancherlei Weise aus.

14. der seine Eier auf der Erde lässt und lässt sie die heiße Erde ausbrüten.

Lässt: Und achtet nicht darauf, dass er sie an einen sicheren Ort lege, da keine Tiere noch Menschen darüber kommen möchten, wie sonst andere Vögel tun.

Ausbrüten: Denn man stellt fest, dass die Eier des Pfauen im Sande von der Sonnenhitze ausgebrütet werden, wenngleich der Vogel nicht darüber sitzt, wie es sonst bei anderen Vögeln gebräuchlich ist.

15. Er vergisst, dass sie möchten zertreten werden und ein wildes Tier sie zerbreche.

Zerbreche: Er nimmt sich der Eier überhaupt nicht an, dass sie erhalten werden möchten, welche bei anderen Vögeln angeboren ist.

16. Er wird so hart gegen seine Jungen, als wären sie nicht sein, achtet es nicht, dass er umsonst arbeitet.

Nicht sein: Denn er fragt wieder nach den Eiern noch nach den Jungen, nicht wie andere Tiere und Vögel tun, welche ihre Jungen mit großer Sorgfaltspflicht aufziehen.

Umsonst: Denn weil er sich seiner Eier oder auch der Jungen überhaupt nicht besorgt, so ist es eben, als wenn er die Eier vergebens legte. Gleichwie eine Frau eine vergebene Mühe und Schmerzen hätte ihre Kinder zu gebären, wenn sie dieselbe nicht erziehen wollte. Es übertreffen aber dennoch dieses Vogels Torheit viel unartige Eltern mit Bosheit, welche ihre Kinder nicht ernähren, achten auch nicht auf sie, dass sie diese in der Gottseligkeit, und freien Künste oder ehrlichen Handwerk zu lernen, unterweisen ließen. Solche Leute (sprich Paulus) haben den Glauben verleugnet, und sind ärger als die Heiden {1Tim 5}.

17. Denn Gott hat ihm die Weisheit genommen und hat ihm keinen Verstand mitgeteilt.

Genommen: Darum ist es kein Wunder an ihm, dass er seiner Eier und Jungen aus der acht lässt, weil ihm Gott nicht so viel Wissenschaft gibt, als in anderen Tieren, dass er seine Eier oder Jungen versorgen könnte, sondern hat ihn närrischer bleiben lassen als die anderen Tiere.

18. Zu der Zeit, wenn er hoch fährt, erhöht er sich und verlacht beide Ross und Mann.

Und Mann: Dass er, als ein stolzer Vogel, jedermann verachtet. Man soll darum auch an den Vögeln Gottes die wunderbare Weisheit betrachten zu des Schöpfers Lob.

19. Kannst du dem Ross Kräfte geben, oder seinen Hals zieren mit seinem Geschrei?

Kannst du: Gott stellt uns noch eine andere Art, der Tiere zu betrachten, vor.

Kräfte geben: Machst du das Pferd so mutig. Wie denn eine besondere Kühnheit vor vielen anderen Tieren an ihm gespürt wird.

Geschrei: Denn das Wiehern des Pferdes zeigt an, wie es so mutig sei, und ziert ihn, wie einen Menschen ein ehrliches Kleid.

20. Kannst du es schrecken wie die Heuschrecken? Schrecklich ist das schnauben seiner Nase.

Schrecken: Als wollte er sprechen: Du wirst es bestimmt nicht tun, denn es dürfte ein mutiges Pferd viel eher auf dich springen, als vor dir zu fliehen.

Preis: Das ist: Es ist nur desto trotziger und mutiger, und schnaubt, als rühme es sich, wo schreckliche Dinge, all Streit und Krieg vorhanden ist, wie man an Pferden, die guter Art sind, oft spürt.

21. Es stampft auf den Boden und ist freudig mit Kraft und zieht aus den Geharnischten entgegen.

Mit Kraft: Es glänzt gleichsam mit seiner Stärke und überhebt sich.

Zieht aus: Dass es auch vor dem Rauschen der Wasser nicht erschrickt.

22. Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und flieht vor dem Schwert nicht,

Schwert nicht: Wenn es auch sieht, dass man mit den Schwertern zusammen haut, so reißt es doch nicht aus, sondern dringt hinein mitten unter die Feinde.

23. wenngleich wider es klingt der Köcher und glänzt beide Spieß und Lanze.

Klingt: So lässt es sich dadurch nicht erschrecken oder in Furcht jagen, dass es begehrte zu fliehen.

24. Es zittert und tobt und scharrt in die Erde und achtet nicht der Trompeten Hall.

Scharrt: Vor Zorn, und aus großer Begierde zum Streit.

Achtet nicht: (Nach Luther) Das ist: Es tut, als sei nichts um ihn herum, dass doch alles schrecklich ist.

Hall: Welcher, welcher im Krieg ganz schrecklich lautet, so erschrickt doch ein gutes Ross nicht davor, sondern dass es vielmehr mutiger zum Krieg gemacht wird.

25. Wenn die Trompete fast klingt, spricht es: Hui! Und riecht den Streit von ferne, das Schreien der Fürsten und Jauchzen.

Klingt: Dass man zum Angriff bläst.

Hui: Das ist: Es zeigt an allen Gebärden des Leibes eine wundersame Freudigkeit, damit es den Reiter zum Streit beherzt und mutig macht, diesem unerschrocken anzutreten.

Riecht: Es ist so klug, dass es sehr schnell merkt, wenn ein Streit vorhanden ist, obwohl die Feinde noch nicht einander angekommen sind, sondern beide Kriegsheere langsam auf den Ort der Schlacht zusammen rücken.

Jauchzen: Das ist: Es merkt, dass der Fürsten und Hauptleute und anderer tapferer Kriegsleute männliche Stimmen, und beherztes zusprechen, so hin und wieder gehört werden, zu verstehen geben, dass der Streit vorhanden sei, darum ist es begierig, je eher je lieber unter der Feinde Haufen einzufallen. Weil also Gott hier ausdrücklich sich erklärt, wie er dem Pferde den Mut gebe, dass es den Streit begehre. So lehrt er auch zugleich, dass ihm nicht alle Kriege zuwider sind, als der dem Pferde darum der Mut gegeben hat, auf dass es zum Krieg nützlich sei. Darum will Gott zum Hiob sagen: Weil du auch dem Pferde den Mut nicht geben oder nehmen kannst, warum haderst du denn mit Gott?

26. Fliegt der Habicht durch deinen Verstand und breitet seine Flügel gegen Mittag?

Fliegt: Mit großer Schnelligkeit nach seiner Speise.

Mittag: Dass sie die Federn an der Mittagssonne wieder trocknet, nachdem er sich gebadet hat. Man muss aber auch sich nicht darüber verwundern, dass der Habicht mit einer solchen Natur von Gott begabt ist, dass er von den Menschen dazu abgerichtet werden kann und gewöhnt werden, andere Vögel zu fangen und den Menschen zu bringen.

27. Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch, dass er sein Nest in der Höhe macht?

Befehl: Dass du es so anordnest.

28. In Felsen wohnt er und bleibt auf den Klippen an Felsen und in festen Orten.

29. Von dort schaut er nach der Speise, und seine Augen sehen ferne.

30. Seine Jungen saufen Blut; und wo ein Aas ist, da ist er.

Saufen Blut: Nämlich, von dem Raub, den er ihnen bringt. Denn der Adler fängt und frisst die anderen kleinen Vögel.

Aas ist: Denn es hat dieser Vogel ebenso wohl einen starken Geruch, als ein scharfes Gesicht. Daher auch der Herr Christus das Sprichwort gebraucht: Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler {Mt 24}. Und kann man an diesem Vogel die Weisheit Gottes auch betrachten, der dem Adler solchen Verstand mitgeteilt hat, dass er seiner Eier an sichere Orte legt, und dort seine Jungen ernährt, da sie vor anderen wilden Tieren sich nichts besorgen müssen.


Das 40. Kapitel


Gott bewährt seine Weisheit und Allmacht auch aus dem, dass er die Mächtigen und Stolzen stürze. Und zeigt an aus der Größe und Stärke der wilden grausamen Tiere, darunter der Satan abgebildet wird, wie Seine Majestät sei.

1. Und der Herr antwortete Hiob und sprach:

2. Wer mit dem Allmächtigen hadern will, soll es ihm der nicht beibringen? Und wer Gott tadelt, soll es der nicht verantworten?

Beibringen: Denn weil du bisher nicht dürftest unterstehen mit mir zu hadern, und mich einer Ungerechtigkeit zu bezichtigen, so ist es richtig, dass du es offenkundig machst.

Verantworten: Dass er den Grund dafür angibt, warum er ihm das eine oder andere bezichtigt? Dies wird nicht darum gesagt, als ob Gott einer Ungerechtigkeit überzeugt werden könnte, sondern wir werden dabei erinnert, dass wir es mit uns selbst nicht soweit kommen lassen, dass wir Gott wollten tadeln, weil es uns überall an Beweisen mangeln würde.

3. Hiob aber antwortete dem Herrn und sprach:

Antwortete: Mit großer Demut.

4. Siehe, ich bin zu leichtfertig gewesen, was soll ich antworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen.

Leichtfertig: Ich habe mich aus Ungeduld zu weit hinaus gelassen, und der Sache zu viel getan.

Antworten: Ich kann zu meiner Entschuldigung nichts vorbringen, und bekenne, dass ich gesündigt habe.

Mund legen: Ich will meine Sache mit stillschweigen verantworten.

5. Ich habe einmal geredet, darum will ich nicht mehr antworten; hernach will ich‘s nicht mehr tun.

Nicht mehr: Ich habe vorhin mehr geredet, als sich verantworten kann, darum will ich weiter nicht mehr so unbedachte Dinge herausreden. Bei dieser des Hiobs klaren und gottseligen Bekenntnis werden wir erinnert, dass wir uns nicht unterstehen sollen uns zu verteidigen, was wir aus Ungeduld wider Gott oder auch wider den Nächsten zu viel geredet haben, sondern solches entschuldigen, und uns befleißigen und zu bessern.

6. Und der Herr antwortete Hiob aus einem Wetter und sprach:

Wetter: Also dass er ein Wetter kommen lassen wird, dadurch er seine Gegenwart zu erkennen gebe, nach welchem Gott dem Hiob noch einmal erschienen ist. Denn ich glaube dazu, dass dies ein anderes und besonderes Gesicht war.

7. Gürte wie ein Mann deine Lenden; ich will dich fragen, lehre mich!

Mann: Mach dich fertig und fasse das Herz eines Mannes, damit du mit mir diskutieren könntest.

Lehre mich: Gibt mir auf meine Frage Antwort.

8. Solltest du mein Urteil zunichtemachen und mich verdammen, dass du gerecht seist?

Zunichte machen: Darfst du mich bezichtigen, dass ich weder Gericht noch Gerechtigkeit handhabe?

Gerecht seist: Wie ich wohl höre, so sollte ich unrecht haben, und du recht.

9. Hast du einen Arm wie Gott und kannst mit gleicher Stimme donnern, als er tut?

Wie Gott: Bist du ebenso mächtig als Gott? Lieber bedenke, dass du eine Kreatur und ein Geschöpf bist, ich aber der Schöpfer.

Er tut: Als wollte er sprechen: Du wirst sicherlich keinen Donner oder Blitz zuwege bringen, wie Gott. Darum steht es in keiner Gewalt des Menschen, ein Unwetter zu erregen, ganz gleich was die Zauberer anstellen wollen.

10. Schmücke dich mit Pracht und erhebe dich; zieh dich löblich und herrlich an!

Schmücke: Wohl an, lass deine große herrliche Majestät sehen, auf dass du des Lobes und der Ehren würdig erachtet werdest aus deinen herrlichen Werken. Gleichwie ich mich pflege meine Majestät durch meine wunderbaren Wirkungen zu erklären.

11. Streue aus den Zorn deines Grimms; schaue an die Hochmütigen, wo sie sind, und demütige sie.

Grimms: Lass deinen schrecklichen Zorn sehen.

Demütige sie: Zeige dich, wie du die stolzen und hochmütigen siehst und verwirfst, und beweise mit der Tat, dass du sie von den Stühlen ihrer Hoheit herunterstößt, gleichwie ich kann und zu tun pflege.

12. Ja, schaue die Hochmütigen, wo sie sind, und beuge sie und mache die Gottlosen dünne, wo sie sind.

Ja schaue: Mit keinem Gnädigen, sondern ernsten und zornigen Angesicht.

Dünne: Sie sind wo sie wollen, so treibe sie zusammen, mache die Verstockten und Widerspenstigen zunichte, und bringe sie um, wenn du kannst.

13. Verscharre sie miteinander in der Erde und versenke ihre Pracht ins Verborgene,

Erden: Mache, dass sie sterben und unter der Erde begraben werden.

Pracht: Das ist: Schaffe, dass diejenigen, welche kurz zuvor mit großem Stolz und Übermut sich hervorgetan und sehen lassen haben, umkommen, und aus der Welt geräumt werden, dass man sie nirgends finden könne.

14. so will ich dir auch bekennen, dass dir deine rechte Hand helfen kann.

Helfen kann: Wenn du solches alles, was ich bisher gesagt, leisten wirst, so will ich bekennen, dass du dir selber helfen könntest, und verrichten was dir gefällt. Weil du dergleichen aber nichts tun kannst, so erkenne vielmehr deine Schwachheit, und meine Majestät, und ergib dich mir, dass du glaubst, ich sei nicht nur mächtiger, sondern auch Weiser als du, und dass ich besser wisse, was richtig und gerecht ist, denn du. Weil demnach solches auch unter die herrlichen Werke Gottes hier gezählt werden, dass er die Stolzen und Hochmütigen stürze, so sollen wir uns demütigen, auf dass wir von Gott viel mehr erhöht, als erniedrigt werden {1Petr 5}.

15. Siehe, der Behemoth, den ich neben dir gemacht habe, frisst Heu wie ein Ochse.

Siehe: Jetzt wendet sich Gott wieder zu den Tieren, die uns zu betrachten vorgestellt hat, weil die wunderbare Weisheit und Allmacht Gottes dabei gespürt wird.

Behemoth: Nämlich, der Elefant, über dessen Größe und Stärke seines Leibes man sich verwundern muss, kann von mir so zahm gemacht werden, dass er mit sich umgehen lässt, wie ein Vieh, welches täglich um die Leute ist, und lässt sich mit einem geringen Futter sättigen. Und obwohl das Wörtlein Behemoth sonst allein großen und ungeheuren Tieren bedeutet, so ist es doch, dass hier auf den Elefanten besonders gedeutet werde. Daneben aber wird der Satan darunter verstanden, dessen Macht in den folgenden Worten mit verblümten Rede beschrieben wird. (Nach Luther) Behemoth heißen alle großen und ungeheuren Tiere. Wie Levitan alle großen ungeheuren Fische. Aber darunter beschreibt er die Gewalt und Macht des Teufels, und seines Gesindes des gottlosen Haufens in der Welt.

16. Siehe, seine Kraft ist in seinen Lenden und sein Vermögen im Nabel seines Bauchs.

Bauchs: Denn dieses Tier hat seine größte Stärke in den Lenden und dem Bauch. Also dass man vorzeiten in Kriegen hölzerne Türme machte, und sie diesem Tier auf den Rücken setzten, darin etliche gewappnete Kriegsleute gegen die Feinde stritten.

17. Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder, die Adern seiner Scham starren wie ein Ast.

Zeder: Er hat einen solchen langen und geraden Schwanz, den man mit einem hohen Zedernbaum vergleichen möchte.

18. Seine Knochen sind wie fest Erz, seine Gebeine sind wie eiserne Stäbe.

Erz: Als wenn sie von Erz gegossen wären.

Gebeine: Versteht aber dadurch die kleineren Beine, deren Stärke er mit eisernen Stangen vergleicht.

19. Er ist der Anfang der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, der greift ihn an mit seinem Schwert.

Wege Gottes: Das ist: Dieses Tier ist eines von den ersten und vornehmsten die Gott erschaffen hat. Es sieht aber so aus, als ob die Schrift darauf deute, dass der Satan, der zu Anfang ein guter Engel war, bald im Anfang ist erschaffen worden.

Schwert: Das ist: Dieses Tier ist so groß, dass es nur von Gott allein überwältigt werden kann, der es erschaffen hat. Es wird aber mit der Beschreibung dieses Tieres des Satans Gewalt uns vorgestellt, der mit keinen menschlichen Kräften überwunden werden kann: Wird aber von Christus überwunden, wenn sie das Schwert des Geistes, nämlich, das Wort Gottes mit der Hand des Glaubens ergreifen und so wider ihn streiten.

20. Die Berge tragen ihm Kräuter, und alle wilden Tiere spielen dort.

Spielen: Das ist: Wenn er viele wilde Tiere um sich herum sieht, so erschrickt er nicht davor, sondern es ist eben so, als wenn sie vor ihm, als einem großen ungeheuren Tier spielten, sie fangen gleich an, was sie wollen. Also sind die grausamen und gottlosen Leute nichts anderes, als des Teufels Affenspiel, mit denen er seine Langeweile vertreibt, wenn sie allerhand Schanden und Laster begehen, und wider andere schrecklich wüten.

21. Er liegt gern im Schatten, im Rohr und im Schlamm verborgen.

Verborgen: Dort er seine Ruhe sucht. Also hasst auch der Satan das Licht, und hat Lust zur Finsternis und aller Unsauberkeit.

22. Das Gebüsch bedeckt ihn mit seinem Schatten, und die Bachweiden bedecken ihn.

Bedecken: Er liegt unter den Weiden am Bach. Also verhält sich der Satan auch verborgen, dass er in seiner schrecklichen Gestalt nicht so bald gesehen wird, sondern verstellt sich eher in einen Engel des Lichtes.

23. Siehe, er schluckt in sich den Strom und achtet es nicht groß; lässt sich dünken, er wolle den Jordan mit seinem Munde ausschöpfen.

Nicht groß: Er meint, es wäre ein schlechtes und leichtes Ding, wenn er gleich einen ganzen Bach aussaufen sollte. Denn er kann viel Wasser in sich schlucken.

Jordan: Welches ein bekannter und berühmter Fluss im gelobten Lande ist. Damit will Gott zu verstehen geben, dass der Satan manchmal mit solcher Verwegenheit und Übermütigkeit sich an das Volk Gottes mache, als wenn er alles miteinander in einem Schluck verschlingen könnte.

24. Fängt man ihn wohl vor seinen eigenen Augen, und durch Fallstricke durchbohrt man ihm seine Nase.

Nase: Es kann dennoch ein solch großes Tier überlistet und gefangen herumgeführt werden. Und obwohl des Satans Macht unüberwindlich scheint, so hat ihn doch Christus überwunden, und gleich als in einem Triumph gefangen geführt {Kol 2}. Da er nach überwundenem Tod, Teufel, Welt und Hölle, herrlich in den Himmel gefahren ist.


Das 41. Kapitel


Gott beschreibt auch eines großen Fisches, als wie die Wollfische sein sollen, Kraft und Stärke, womit der Satan auch abgezeichnet wird. Und schließt daraus, dass es sich nicht gebühre, dass ein Mensch mit Gott richten wolle, und Ursache begehre, warum Gott eins oder anderes tue.

1. Kannst du den Leviathan ziehen mit dem Haken und seine Zunge mit einem Strick fassen?

Leviathan: Ein großer Meeresfisch oder Meereswunder als wie die Walfische sind. (Nach Luther) Leviathan nennt er die großen Walfische im Meer, doch darunter beschreibt er der Welt Fürsten, den Teufel mit seinem Anhang.

Ziehen: Aus dem tiefen Meer.

Fassen: Kannst du einen Haken machen, der ihn durch das Maul und Zunge gehe, dass er so gefangen und gebunden an das Ufer gezogen werde? Ganz sicher kannst du es nicht machen. Es will aber Gott damit zu verstehen geben, dass wir durch die Betrachtung des Walfisches Größe und Stärke, über dessen Schöpfer uns wundern, und seiner Allmacht, Weisheit und Güte uns demütig unterwerfen sollen.

2. Kannst du ihm eine Angel in die Nase legen und mit einem Stachel ihm die Backen durchbohren?

Durchbohren: Du wirst ihm nirgends beikommen können, dass du ihn überwältigen möchtest. Denn allein Gott kann den Satan fangen und mit Ketten der Finsternis binden {2Petr 2}.

3. Meinst du, er werde dir viel Flehens machen oder dir heucheln?

Flehens: Dass ein solch großer Fisch sich vor dir fürchte.

4. Meinst du, dass er einen Bund mit dir machen werde, dass du ihn immer zum Knecht habest?

Knechte habest: Dass er sich dir in eine ewige Dienstbarkeit ergeben werde? Denn der Saturn lässt sich von den Leuten nicht unterdrücken. Und ob er sich wohl dergleichen anstellt, als ob er den Zauberern und Schwarzkünstlern diente, so herrschte doch gerade über die am allermeisten, wie es der Ausgang oft bezeugt, wenn sie oft mit einem umgedrehten Hals der Hölle zu fahren.

5. Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel, oder ihn deinen Dirnen anbinden?

Vogel: Wie die Knaben mit den kleinen Vögeln spielen.

Binden: Kannst du ihn an eine Schnur binden, gleichwie die Eltern kleine Vögel anbinden, und sie danach ihren Kindern geben, damit sie damit spielen? Denn der Satan ist ein solcher Feind, mit dem niemand spielen darf, eben so wenig, als mit einem schrecklichen Löwen. Darum sollen wir uns vor ihm hüten, weil er wie ein brüllender Löwe umhergeht, und sucht, wen er verschlingen möge {1Petr 5}. Und ist mit dem Teufel nicht zu scherzen, man darf ihn auch nicht an die Wand malen, er kommt wohl von selbst.

6. Meinst du, die Gesellschaften werden ihn zerschneiden, dass er unter die Kaufleute zerteilt wird?

Zerschneiden: Denn ob es wohl häufig geschieht, dass, wenn das Meer abläuft, ein großer Walfisch nicht weit vom Ufer, da das Wasser nicht sehr tief ist, zurückbleibt, weil es Gott so haben will. So können doch die Fischer, wenn sie gleich all ihr Vermögen daransetzen, einen solchen Fisch aus der Tiefe des Meeres nicht fangen, und ziehen, oder auch in Stücke zu holen, wie sie sonst mit anderen Fischen zu tun pflegen.

7. Kannst du das Netz füllen mit seiner Haut und die Fischreusen mit seinem Kopf?

Kopf: Du wirst nicht den Kopf, noch viel weniger den ganzen Leib in deine Küche bringen.

8. Wenn du deine Hand an ihn legst, so gedenke, dass ein Streit sei, den du nicht ausführen wirst.

Legst: Dass du willst mit ihm einen Kampf antreten, so wirst du es bald bereuen, den du aus deinen Kräften den Sieg nicht erhalten wirst.

9. Siehe, seine Hoffnung wird ihm fehlen; und wenn er sein ansichtig wird, schwingt er sich dahin.

Seine Hoffnung). Nämlich, dessen, der sich unterstehen wollte, ihn zu fangen oder zu besiegen.

Dahin: Das ist: Er wird sich bald in die Flucht begeben, wenn er nur solch ein Tier ansichtig geworden ist, will schweigen, dass er den Kampf wider ihn bestehen könnte. Denn es ist nicht zu leugnen, dass der Satan ein solcher Feind ist, der mit keiner menschlichen Stärke überwältigt werden kann. Wenn wir aber an Christus glauben und mit seinem Geist begabt sind, so können wir in solchem Streit die Oberhand behalten. Von solchen geistlichen Streit, den wir mit dem bösen Geistern aufstehen müssen, kann man in Epheser 6 lesen. Da auch die Waffen, so zu diesem Krieg nötig sind, beschrieben werden.

10. Niemand ist so kühn, der ihn reizen darf; wer ist denn, der vor mir stehen könne?

Stehen könne: Als wollte er sprechen: Weil ich solche großen Tiere erschaffen habe, und sie allein bezwingen kann, daher mir auch allein die Ehre gebührt. Wer ist denn so unverschämt, dass er mir darf, ungeachtet meiner Majestät im Angesicht widerstehen, und mich einer Ungerechtigkeit beschuldigen? Gerade als ob ich nicht wüsste, wie ich diese Welt richtig regieren müsse?

11. Wer hat mir was zuvor getan, dass ich‘s ihm vergelte? Es ist mein, was unter allen Himmeln ist.

Vergelte: Wem bin ich etwas schuldig für irgend eine Guttat, die er mir erwiesen hätte, darum ich ihm eine Wiedervergeltung tun müsse, und nicht vielmehr alles aus Gnade täte, was ich den Menschen gutes erzeige? Diesen Spruch zieht der Apostel Paulus an {Röm 2}. Zum Beweis des göttlichen freien Willen in der Erwählung der Menschen zum ewigen Leben, oder aber auch in derselben Verstoßung.

Ist mein: Und mag ich mit allen meinen Kreaturen umgehen, wie es mir gefällt. Darum darfst du mir, oh Hiob, nicht Ziel oder Maß geben und vorschreiben, wie ich nach deiner Meinung gegen die Leute verhalten soll. Diese Erinnerung hat Gott mit einbringen wollen, auf das wir den Zweck des Streites nicht vergessen, da wir gerichtet werden, dass Gott von wegen seiner unendlichen Majestät, kein Mensch widersprechen solle.

12. Dazu muss ich nun sagen, wie groß, wie mächtig und wohl geschaffen er ist.

Dazu: Jetzt wendet sich Gott zur weiteren Beschreibung des großen Walfisches oder Meereswunder, darunter des Satans große Macht abgebildet wird.

Wohl geschaffen: Wie fein die Glieder seines Leibes in einer Ordnung gerichtet sind.

13. Wer kann ihm sein Kleid aufdecken? Und wer darf es wagen, ihm zwischen die Zähne zu greifen?

Aufdecken: Wer darf ihm die Haut abziehen, damit er bekleidet ist?

Greifen: Wer will so mutig sein, und ihm die Hand ins Maul stoßen?

14. Wer kann die Kinnbacken seines Antlitzes auftun? Schrecklich stehen seine Zähne umher.

Auftun: Wer will ihm das Maul aufbrechen?

Umher: Er hat ein schreckliches Maul, von wegen seiner scharfen Zähne. Also bleckt der Teufel auch häufig die Zähne schrecklich gegen uns, und schreckt uns heftig. Wenn er durch der Gottlosen Anschläge und Vornehmen uns das Verderben droht. Aber wir sollen der Güte und Allmacht Gottes uns trösten.

15. Seine stolzen Schuppen sind wie feste Schilde, fest und enge ineinander.

Fest und: Der Leib ist gut geschützt, weil die Schuppen so fest und hart zusammenkleben, dass man sie nicht voneinander reißen kann. Also halten die Schuppen des Teufels, nämlich, die gottlosen Leute auch zusammen, und verbinden sich gegen das Reich Christi, dass sie mit keiner menschlichen Klugheit voneinander getrennt werden, bis Gott ihren Bund aufhebe. Wiederum sieht es fast gleich aus, dass die Kirche ganz schwach, und mit vielen innerlichen Spaltungen getrennt sei, dennoch wird sie von Gott erhalten.

16. Eine rührt an die andere, dass nicht ein Lüftlein dazwischengeht.

17. Es hängt eine an der andern, und halten sich zusammen, dass sie sich nicht voneinander trennen.

18. Sein Niesen glänzt wie ein Licht; seine Augen sind wie die Augenlider der Morgenröte.

Licht: Als ob ihm Feuer aus der Nase heraus schießen würde, so grausam ist dieses Tier.

Augenlider: Das ist: Wie das Ansehen der Morgenröte. Es ist aber ein Zeichen des Zornes und der Grausamkeit an den Tieren, wenn ihnen die Augen brennen und funkeln.

19. Aus seinem Munde fahren Fackeln, und feurige Funken schießen heraus.

20. Aus seiner Nase geht Rauch wie von heißen Töpfen und Kessel.

Kessel: Das ist: Gleichwie aus einem Topf oder Kessel, der voll heiß siedendes Wasser ist, ein dicker Dampf geht. Also bläst der Leviathan einen Rauch von sich.

21. Sein Odem ist wie heißer Dampf, und aus seinem Munde gehen Flammen.

Flammen: Mit diesen verblümten Worten wird des Leviathans Zorn und Grausamkeit beschrieben. Denn welche voll Zorn sind, die stellen sich, als wollten sie Feuer speien. Es wird aber hier das Satans Grimm abgezeichnet, wider die Kirche Gottes. Denn wenn er dem päpstlichen Bannstrahl wider fromme und unschuldige Leute ausgibt, so spuckt er freilich Feuer aus, und bläst einen Dampf durch die Nase.

22. Er hat einen starken Hals; und ist seine Lust, wo er etwas verderbt.

Verderbt: Dieses Tier freut sich, wenn es Schaden tun kann. So ist der Satan ein rechter Freund von Schaden, und es gefällt ihm gut, wenn er den Kreaturen Gottes einen Schaden oder Unglück zufügen kann. Wie auch die seiner Art viel haben, welche es gerne sehen, wenn es dem Nächsten übel geht.

23. Die Gliedmaßen seines Fleisches hängen aneinander und halten hart an ihm, dass er nicht zerfallen kann.

Hart an: Er hat einen starken geschützten Leib, da die Glieder so hart aneinanderhängen, dass sie nicht leicht auseinandergehen. So hält auch das Reich des Satans in dieser Welt hart zusammen, und mag nicht getrennt werden, bis es Gott einmal ganz stürzen wird.

24. Sein Herz ist so hart wie ein Stein und so fest wie ein Stück vom untersten Mühlstein.

Untersten: Der oft härter ist, als der obere Stein. Und wird des Satans Herz und Gemüt mit einem Stein verglichen, weil er in seiner Bosheit verhärtet ist, und keine Barmherzigkeit dem Armen menschlichen Geschlecht erweist, welches er nur begehrt ins Verderben zu bringen.

25. Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken; und wenn er daher bricht, so ist keine Gnade da.

Erhebt: Dass er durch das Meer manchmal hindurch zieht.

Starken: Nämlich, die anderen großen Fische und Meereswunder, welche doch auch eine große Stärke haben, aber dennoch mit dem Leviathan nicht zu vergleichen sind, ja sie müssen sich vor ihm fürchten, weil sie wissen, dass er unbarmherzig mit ihnen umgeht, wenn er sie trifft. (Nach Luther) Das ist: Die großen Fische fliehen vor ihm. Also auch die Mächtigen in dieser Welt fliehen vor der Gewalt dieses Tieres.

Keine Gnade: Sie müssen sich an ihm versündigt und ihm das Wasser trüb gemacht haben, darum sie nicht denken dürfen, dass sie könnten von ihm erlöst werden. (Nach Luther) So haben sie gesündigt, das ist, sie müssen es getan haben und werden darum als arme Sünder behandelt.

26. Wenn man zu ihm will mit dem Schwert, so regt er sich nicht; oder mit Spieß, Geschoss und Panzer.

Panzer: Er fragt nach solchem allen nicht, sondern verachtet es, und es ist ihm, als wäre es nichts, wenn sich gleich einer mit Schwert oder Spieß an ihm machen wollte.

27. Er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz.

Wie Stroh: Womit seine Furcht ausgedrückt werde vor anderen Sachen.

Erz: Daraus man damals vor allem die Waffen machte.

28. Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind wie Stoppeln.

29. Den Hammer achtet er wie Stoppeln; er spottet der bebenden Lanze.

30. Unter ihm liegen scharfe Steine und fährt über die scharfen Felsen wie über Kot.

Scharfen Felsen: Das ist: Er ist mit den allerhärtesten Schuppen so gut geschützt, dass er wieder die Pfeile, so von oben auf ihn geschossen werden nicht achtet, noch von den spitzen harten Felsen, so unter ihm sind, beschädigt werden mag. Also kann man auch den Satan mit keinen leiblichen und äußerlichen Waffen verletzen, noch mit menschlicher Gewalt ihm beikommen.

31. Er macht, dass das tiefe Meer siedet wie ein Topf, und rührt es ineinander, wie man eine Salbe mengt.

Topf: Dass beim Feuer steht. Also wirft auch der Teufel alles ineinander, und begehrt das Unterste zu oberst zu kehren, dass er gerne wollte Himmel und Erde über einen Haufen stoßen. So richtet er auch in der Kirche Uneinigkeit und Trennungen an, erregt im weltlichen Regiment Krieg und Aufruhr, und stiftet in der Haushaltung viel Unglück.

32. Nach ihm leuchtet der Weg, er macht die Tiefe ganz grau.

Leuchtet: Das ist: Man kann es oben auf dem Meer spüren, wo der Leviathan unterm Wasser, und in der Tiefe des Meeres hin und her zieht, so groß und heftig ist er. Also lässt auch der Teufel die Zeichen seiner Bosheit hinter sich, so er hin und wieder erregt ist. Und ob es wohl später durch Gottes Gnade wiederum verbessert wird, so sieht man doch gut, wo er gewesen ist.

Weg: (Nach Luther) Das ist: Er schwimmt und lebt im Meer, weil er will, dass man seinen Weg erkennt.

Grau: Er macht das Wasser trüb, dass es so ein Ansehen bekommt, wie graues Haar, wenn er durch seine ungestümen Bewegungen den Grund des Meeres über sich erregt, und mit dem Wasser vermischt. Gegen solche Wüterei des Teufels soll man Gott anrufen, dass er die trübe Zeit wolle wieder rein und ruhig machen.

33. Auf Erden ist ihm niemand gleich; er ist gemacht ohne Furcht zu sein.

Niemand gleich: Es ist kein Tier auf Erden und dem trockenen so groß, dass mit dem Walfisch könne verglichen werden. Also hat auch der Satan nach Gott und den heiligen Engel im Himmel seines gleichen auf Erden nicht, an Macht und Gewalt.

34. Er verachtet alles, was hoch ist; er ist ein König über alle Stolzen.

Hoch ist: Er achtet keines Menschen Majestät oder ansehen.

Stolzen: Ganz gleichwie mächtig sie sein wollen. Gleichwie aber der Leviathan im Meer herrscht über alle anderen großen Fische, die auch von wegen ihrer Größe und Stärke sehr übermütig sind: Also hat auch der Satan die Herrschaft in der Welt, auch über die aller mächtigsten Könige und Monarchen, wenn sie gottlos sind, und treibt sie, wenn es ihm Gott zulässt, wohin er will. Hat also Gott bisher aus der Kreaturen, und besonders des Behemoth und Leviathan Betrachtung, den Hiob überzeugt, dass er der aller weiseste, gütlichste und mächtigste sei. Darum es keiner Kreatur gebühre, einen solchen weißen gütigen und mächtigen Gott vor Gericht zu fordern oder seines Tuns Rechenschaft zu begehren. Und wenn Gott gleich anders mit uns umgeht, als es uns richtig erscheint. So sollen wir uns doch dem Willen Gottes demütig unterwerfen, und nicht zweifeln, was er tue oder mache, das geschehe alles auf das weislichste, beste und richtig, und sei uns am aller nützlichsten, und sollen uns nicht daran kehren, dass uns eine Zeit lang als das Gegenteil erscheint.


Das 42. Kapitel


Hiob bittet Gott demütig um Verzeihung, dass er ihn einer Ungerechtigkeit bezichtigt habe. Gott schimpft des Hiobs Freunde, dass sie Unrecht geredet haben, darum sie durch des Hiobs Opfer und Fürbitte Gott wiederum versöhnt werden. Hiob empfängt für seinen erlittenen Schaden große Guttaten von Gott. Und komme seine Freunde zu ihm, dass sie ihm Glück wünschen, die ihn zuvor verlassen hatten. Wird auch mit Kindern wiederum gesegnet.

1. Und Hiob antwortete dem Herrn und sprach:

Antwortete: Ganz demütig und flehentlich.

2. ich erkenne, dass du alles vermagst, und kein Gedanke ist dir verborgen.

Vermagst: Du bist der allmächtige Gott, darum ich dich richtigerweise fürchten soll.

Verborgen: Darum ich nicht allein der lästerlichen Rede, sondern auch aller gottlosen Gedanken mich enthalten soll.

3. Es ist ein unbesonnener Mann, der seinen Rat meint zu verbergen. Darum bekenne ich, dass ich habe unweislich geredet, dass mir zu hoch ist und nicht verstehe.

Zu verbergen: Ach wie habe ich so unweislich gehandelt, dass ich in mein Herz so gottlose Gedanken gefasst und Gott der Ungerechtigkeit wegen in Verdacht gehabt habe, auch etliche Reden geführt, damit Gott gelästert wurde.

Nicht verstehe: Davon habe ich Reden getrieben, die mir nicht gebühren. Wir sollen unser Unrecht auch vor Gott bekennen. Denn wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass uns unsere Sünden verzeihe, und reinige uns von aller Untugend {1Joh 1}.

4. So erhöre nun, lass mich reden; ich will dich fragen, lehre mich!

Reden: Nichts war als einen, der sich für ganz klug hält und sich selber überredet, dass er die Welt regieren könnte, sondern wie ein demütiger und gelehriger Schüler. Denn wir sollen unsere Vernunft der göttlichen Weisheit demütig unterwerfen.

5. Ich habe dich mit den Ohren gehört, und mein Auge sieht dich auch nun.

Sieht dich: Das ist: Ich habe dich selbst gehört solche Sachen mit mir reden, die ich nicht widersprechen kann. So bist du mir noch dazu in menschlicher Gestalt erschienen, daraus ich erkenne, dass du mir mit Gnaden gewogen bist, dass du solches zwar ernstes aber doch väterliches Gespräch mit mir angefangen hast, auf dass du mich unterrichtest.

6. Darum beschuldige ich mich und tue Buße in Staub und Asche.

Beschuldige: Dass ich das Maul zu weit aufgetan habe und freventlich gegen dich geredet, darüber beschuldige ich mich jetzt und Klage mich selber an.

Und Asche: Das ist: Ich sitze jetzt traurig und betrübt auf der bloßen Erde im Staub, nicht allein wegen meines Unglücks, so mir begegnet, sondern auch, dass ich mein Herzeleid damit bezeuge, weil ich wider dich mit Lästerworten mich vergriffen habe. Denn vorzeiten hatten die Leute unter dem Volk Gottes im Brauch, dass sie zum Zeichen einer wahren Buße, mit einem einfachen Kleid sich in die Asche setzten. Welches eine äußerliche Züchtigung war. Gleichwie etliche Hausväter oder Hausmütter ihre Kinder zwingen, dass sie nach empfangener Streiche, die Rute küssen, oder in einen Winkel sich setzen müssen, und damit bekennen, dass sie die Strafe wohl verdient haben. Aber die Christen sind an solche jüdischen Zeremonien heutigen Tages nicht gebunden, gleichwie auch erwachsene Personen die zuvor gezeigten kindischen Züchtigungen nicht bedürfen. Dahin sollen wir aber trachten, dass wir mit der Buße keine Heuchelei treiben, den Gott kennt unser Herz.

7. Da nun der Herr diese Worte mit Hiob geredet hatte; sprach er zu Eliphas von Theman: Mein Zorn ist ergrimmt über dich und über deine zwei Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob.

Diese Worte: Die wir in den vorigen beiden Kapiteln gehört haben, und Hiob bereits sein Unrecht Gott abgebeten hatte.

Zwei Freunde: Den des Elihu, als eine stolzen und aufgeblasenen närrischen Jünglings Geschwätz, damit er sich ganz klug dachte, achtete Gott nicht.

Nicht recht: Denn ob er wohl viele Dinge vorgebracht habt, dass wahr ist, und Hiob aus Ungeduld viele Dinge gesagt hat, dass falsch ist. So habt ihr euch doch in den Hauptpunkten geirrt, der Hiob aber recht getroffen hatte. Denn ihr habt umsonst bestritten, als ob niemand von Gott mit Unglück belegt würde, er habe den ein gottloses Leben geführt, und werde von Gott angefeindet. Hiob aber hat recht gesagt, dass auch heilige Leute von Gott oft hart angegriffen werden. Diese Lehre muss man in der Kirche behalten, auf dass nicht die Frommen, wenn sie jämmerlich geplagt und gemartert werden, meinen Gott sei ihnen feind, und rechne sie unter die Gottlosen und verworfenen Leute. Darum wird der Hiob in diesem Gericht freigesprochen, der eine gute Sache verteidigt hatte, und werden seine Freunde verurteilt und verdammt, welche eine böse Sache mit vielen feinen Sprüchen vorbrachten und zu schützen sich unterstanden hatten. Dies sollen alle diejenigen wohl in Acht nehmen, welche in strittigen Sachen, sie seien gleich geistlich oder weltlich, zu urteilen haben, dass sie darum eine gute Sache nicht verdammen sollen, obgleich diejenigen, so die selbige handhaben, aus ganz hitzigen Gemüt, der Sache etwas zu viel tun: Dagegen aber, dass sie andere darum nicht freisprechen, die eine böse Sache sehr fein mit großer Bescheidenheit abhandeln, auf dass sie bei den unverständigen das Lob davon bringen, als seien sie ganz feine und verständige Leute.

8. So nehmt nun sieben Farren und sieben Widder und geht hin zu meinem Knechte Hiob und opfert Brandopfer für euch und lasst meinen Knecht Hiob für euch bitten. Denn ihn will ich ansehen, dass ich euch nicht sehen lasse, wie ihr Torheit begangen habt; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob.

Für euch: Auf das euch die Sünde eurer Torheit, und dass ihr viel unrechte Dinge benutzt habt, auf den frommen Mann in seinem Jammern und Schmerzen noch mehr Plage angetan habt, verziehen werde. Die siebte Zahl, so eine Zahl der Vollkommenheit ist, hat das vollkommene Opfer Christi bedeutet, welches hier abgebildet wurde. Daneben aber werden wir erinnert, wie es eine große Sünde vor Gott sei, da man auch aus Unwissenheit einen Irrtum verteidigt, besonders in geistlichen Sachen. Und begehen auch solche Leute nicht eine geringe Sünde, welche, da sie die, so in Unglück stecken, trösten sollten, dagegen ihr Kreuz mit ihren harten und rauen Worten erst größer machen.

Torheit: Welche ihr erzeigt habt in der Handhabung einer bösen Sache, dass dieselbe nicht an euch gestrafft werde. Denn die Schrift nennt hier und an anderen Orten eine Torheit was gottlos ist, weil ein gottloses Wesen und Leben vor Gott die höchste Torheit ist.

9. Da gingen hin Eliphas von Theman, Bildad von Suah und Zophar von Naema und taten, wie der Herr ihnen gesagt hatte. Und der Herr sah an Hiob.

Gesagt: Denn wir sollen die Mittel unserer Aussöhnung gebrauchen, welche uns Gott vorschreibt, und keine andere.

Sah an: Das ist: Er erhörte des Hiobs Gebet, der den Herrn bat, dass er seine Freunde nicht strafen wollte. Denn es kann einer den anderen, weil wir in diesem Leben sind, Vergebung der Sünden und Milderung der Strafen durch seine gottselige Fürbitte erlangen: Doch so fern diejenigen Buße tun, für die man bittet. Dass man aber die Heiligen, so in dem Leben schon entschlafen sind und ruhen, anrufen soll, damit sie uns einen gnädigen Gott machen, davon ist kein göttlicher Befehl, noch ein Beispiel in den Büchern der Heiligen Schrift vorhanden.

10. Und der Herr wendete das Gefängnis Hiobs, da er bat für seine Freunde. Und der Herr gab Hiob zwiefältig so viel, als er gehabt hatte.

Gefängnis: Das ist: Sein Elend und Jammer veränderte er wiederum in einen glücklichen Zustand.

Da er bat: Denn es hat Gott einen besonderen Gefallen daran gehabt, dass Hiob für die so fleißig gebeten hatte, welche ihn im großen Unfall, so übel gegen ihn waren. Also sollen auch wir für die bitten, so uns beleidigt haben, welche Frömmigkeit Gott belohnen will.

Zwiefältig: Also, dass er nicht mehr so viel Güter wiederbekommen hatte, wie zuvor, da er gemeint, er wäre ganz reich. Sondern hat es ihm alles doppelt gegeben, wie wir später hören werden. Denn wenn wir Gott in Trübsal alles das unsere mit Geduld in seine Allmacht legen, so ist er ein solche gütiger himmlischer Vater, dass er uns alles mit Wucher wiedergibt.

11. Und es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle, die ihn vorhin kannten, und aßen mit ihm in seinem Hause und kehrten sich zu ihm und trösteten ihn über allem Übel, das der Herr über ihn hatte kommen lassen. Und ein jeglicher gab ihm einen schönen Groschen und ein goldenes Stirnband.

Schwestern: Es werden aber die Namen der Brüder und Schwestern in der Schrift weitläufig gebraucht, und oft die nächsten Verwandten auch damit gemeint.

Kehrten: Da sie mit friedlichen und freundlichen Gebärden ihre gute Billigkeit und Zuneigung gegen ihm erklärten.

Trösteten: Dass sie ihn fröhlich und guten Mutes sein ließen, denn Gott werde es ihm reichlich wiederum erstatten, was er zuvor verloren hatte.

Groschen: Ich halte es dafür, dass ein Stück von einer goldenen Münze hierdurch verstanden werde, mit einem großen Wert, wie vielleicht bei uns die Goldtaler sind, von denen einer 20 Gulden Wert hat. Haben ihm also von neuem wiederum zu Hause beschenkt.

Stirnband: Was dies für ein Schmuck, so damals bei den Alten gebräuchlich war, kann man nicht wissen. Es kann aber Gott einen guten Schmuck an einem frommen Menschen wohl leiden, der seinen Beruf und Stand gemäß ist. Ich halte es dafür, dass dies geschehen sei, bald nachdem die zuvor angezeigten Opfer verrichtet waren. Denn da hat Gott bald einen Zustand angefangen in ein besseres Wesen zu verändern und zu richten. Also, dass seine Freunde sich wieder zu ihm hielten, ihn getröstet, und mit ihren Gaben nicht allein ihre Willfährigkeit gegen ihm bezeugt, sondern auch seine Haushaltung helfen wieder anzurichten, und seine Güter vermehren. Denn was zuerst von den doppelten wieder erlangten Gütern und Reichtum kurz gesagt wird, ist meines Erachtens nach diesem, auch auf die Geschenke erfolgt. Wie denn in der Schrift sehr gebräuchlich ist, dass etwas vorher mit kurzen Worten angezeigt, und unterdes etwas dazwischen eingebracht wird, danach aber mit mehr Worten wiederholt, und weitläufiger ausgeführt. Wenn aber Gott unser Unglück wenden will, so verschaffte er, dass uns die Leute wieder geneigt und gewogen werden, welche und zuvor allerdings verlassen hatten, und tragen uns nach der schwere zu, alles was wir bedürfen.

12. Und der Herr segnete hernach Hiob mehr denn vorhin, dass er kriegte vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Esel.

Denn vorhin: Das ist: Der letzte Segen Gottes, dadurch Hiob reich und glückselig geworden, ist größer gewesen, als der erste, den er verloren hatte.

Vierzehntausend: Da er zuvor nur 7000 gehabt hatte, wie Hiob Kapitel einzusehen ist.

Sechstausend: Anstatt der 3000, die er verloren hatte.

Tausend Joch: Da er zuvor nur 500 besessen hatte.

Tausend Esel: Da nur der halbe Teil ihm zuvor genommen und weggetrieben wurde.

13. Und kriegte sieben Söhne und drei Töchter.

Töchter: So viel er zuvor auch hatte. Denn hier bei den Söhnen und Töchtern die Zahl nur gedoppelt wurden, weil die vorigen nicht zunichtewurden, wie das andere Vieh, sondern am jüngsten Tage wieder auferstehen werden.

14. Und hieß die erste Jeremia, die andere Kezia und die dritte Keren-Hapuch.

Jeremia: Welches eben so viel heißt, als, es ist jetzt Tag. Denn die Nacht und Finsternis bedeutet Trübsal, der Tag aber und das Licht Freude: Darum von dem glücklichen Ausgang und die Veränderung des Nachts in den Tag, das ist, die Traurigkeit in Freude, er dem Mädchen den Namen gegeben hat.

Kezia: Dass er ihr den Namen gegeben hat von einer köstlichen Salbe. Denn die christlichen und wohlriechenden Salben bedeuten Freude und Wonne {Jes 61}.

Keren-Hapuch: Das ist: Einhorn der Bekehrung. Das Horn aber bedeutet die Herrschaft. Und hat Hiob mit diesem Namen das Gedächtnis der göttlichen Guttaten behalten wollen, dass, da es ein Ansehen gehabt hat, als wäre seine Herrschaft zu Boden gestürzt und zu Grunde gegangen, dennoch Gott dieselbe wieder angerichtet, und ihm wiedergegeben hätte. Denn es sollen fromme Leute der göttlichen Guttaten niemals vergessen.

15. Und wurden nicht so schöne Weiber gefunden in allen Landen als die Töchter Hiobs. Und ihr Vater gab ihnen ein Erbteil unter ihren Brüdern.

So schöne: Welches auch nicht eine geringe Gabe Gottes war. Denn wo die Schönheit des Leibes und Gottseligkeit des Gemütes beisammen sind, da soll man es für eine besondere Gabe Gottes erkennen.

Erbteil: Also, dass er ihnen Güter, Äcker, Wiesen, Weinberge und dergleichen gegeben hat, und nicht nur mit einer Summe Geld abgewiesen hat. Welches auch ein Zeichen seines Reichtums gewesen ist. Weil es sich gebührt, dass die Töchter nach seines Vermögen richtig ausgesteuert werden.

16. Und Hiob lebte nach diesem hundertundvierzig Jahre, dass er sah Kinder und Kindeskinder bis in das vierte Glied.

Nach diesem: Nämlich, nach seinem erlittenen und überstandenen Unfall.

Vierte Glied: Welches auch eine große Guttat Gottes ist, wenn man sieht, wie sich seine Nachkommen mehren und in der Gottseligkeit beharren.

17. Und Hiob starb alt und lebenssatt.

Lebenssatt: Also, dass er gern und mit Willen aus dieser Welt in das ewige Vaterland abzog. Es lehrt uns aber diese ganze Geschichte, dass auch die allerheiligsten Leute häufig in dieser Welt schwere Trübsal erleiden, auf dass ihr Glaube und Geduld bewährt werde. Da erzeigt sich aber dann ihre vielfältige Schwachheit des Fleisches, so noch an ihnen klebt, um welcher Willen sie doch nicht von Gott verstoßen werden. Und erfreut sie Gott wiederum endlich, dass er die Finsternis der Trübsal vertreibt, mit seiner Gnade und Güte Ihnen unter die Augen leuchtet, und alles reichlich wiederum erstattet, was ihnen in der Trübsal, darin sie eine Zeit lang gesteckt, abgegangen ist. Und obwohl viele in diesem Leben solche Erquickung nicht widerfährt, so nimmt sie doch Gott endlich aus diesem Jammertal hinweg, und begabt sie mit ewigen und himmlischen Freuden. Die er uns auch verleihen wolle, Gott der himmlische Vater durch den Tod seines eingeborenen Sohnes, welchen samt dem Heiligen Geist, sei Lob, Ehre und Preis in alle Ewigkeit, Amen.