Der Prophet Hesekiel


Diesen Propheten hat Gott der Herr den Juden, die zeitlich und zuerst gen Babel ins Elend gezogen waren, um nicht geringer Ursache willen erweckt und zugeschickt. Denn es waren viel, und unter denen etliche der vornehmsten Juden mit dem Könige Jojachin, oder Jechanja (wie er sonst auch genannt wird) gen Babel gekommen. Denn da derselbe im Lande Juda König war, und vom Könige zu Babel mit Heereskraft überzogen wurde, ergab er sich (aus Rat des Propheten Jeremia, der ihm aus einer göttlichen Offenbarung anzeigte) samt der Stadt Jerusalem, und dem jüdischen Volk, in des Königs zu Babel Gewalt, von dem er auch mit einer großen Anzahl des jüdischen Volkes gefangen angenommen, und gen Babel weggeführt wurde. Weil aber der König zu Babel, an des Jojachins statt einen anderen, nämlich, den Zedekia, zu Jerusalem zum Könige eingesetzt hatte, und derselbe später vom Könige zu Babel abfiel, auch dem Ansehen nach, der Gewalt des Königs zu Babel aufzuhalten, und die Stadt samt dem Königreich, besonders aber ihre Freiheit wieder ihn würde schützen können: Da fing es die Juden, so bereits zu Babel waren, an, heftig zu bereuen, dass sie dem Propheten Jeremia gefolgt, und sich an den König zu Babel ergeben hatten. Zu dem verursachten und reizten sie noch mehr zur Ungeduld die falschen Propheten, so wohl zu Jerusalem als zu Babel, welche vorgaben, dass die Juden, so zu Jerusalem geblieben waren, wider die Chaldäer unüberwindlich sein würden, und würde das Königreich Babel innerhalb weniger Jahre allerdings zugrunde gehen. Daher die Juden, so mit Jojachin sich in die Dienstbarkeit begeben hatten, von den anderen Juden, als furchtsame und verzagte Leute geachtet wurden, die viel lieber das Joch der Dienstbarkeit auf sich nehmen wollten, als ihre Freiheit ritterlich schützen, ja man schrie sie für Abtrünnige und Mamelucken aus, die dem Gott Israels nicht trauen wollten, und von dem heiligen Tempel zu Jerusalem, ja auch von dem wahren Gottesdienst, aus einem närrischen und Gottlosen Wahn, sich absondern, und hinweg führen lassen. Darüber ohne Zweifel die damals gefangenen Juden wider den Propheten Jeremia heftig erbittert wurden, dass er ihnen solches geraten, auch sich selbst verflucht, das sie ihm so leicht gefolgt. So hat zwar Jeremia zu den Gefangenen in Babel einen Brief geschrieben, in dem er sie tröstet, mit hinzugesetzter Erinnerung, dass den Juden, so noch im jüdischen Land verblieben, ihre kurze Freiheit übel erschießen werde, wie denn solches Schreiben (Jeremia 29) noch vorhanden ist. Aber es ist wohl zu vermuten, dass der wenigste Teil seines Schreibens sich geachtet.

Darum hat Gott der Herr unter den Gefangenen den Propheten Hesekiel erweckt, der aus dem Geist Gottes, von der Stadt Jerusalem Zerstörung, und des Königs Zedekia samt seines Volkes Gefängnis, wie auch von dem großen Jammer, so vor dem Gefängnis hergehen würde, ernstlich geweissagt, auf dass diejenigen, so bereits zu Babel wären, daraus abnehmen, dass sie sich recht und wohl vorgesehen hätten, in dem sie des Propheten Jeremia Vermahnungen gefolgt. Und verheißt ihnen Hesekiel, dass die Juden einmal aus der elenden Dienstbarkeit und gefänglichen Enthaltung zu Babel erlöst, wieder ins Land Kanaan kommen, und die Stadt samt dem Tempel wieder erbauen würden.

Danach weissagt der Prophet Hesekiel auch von etlichen anderen Königreichen, die durch den König zu Babel sollten zerstört werden, auf dass die Juden daraus erkannten, wie der König zu Babel Gottes Geißel wäre, der sich niemand widersetzen sollte, noch viel weniger, dass sie jemand aufhalten oder ihr entrinnen könnte.

Demnach aber die rechte Glückseligkeit und Wohlfahrt des jüdischen Volkes nicht auf die äußerliche Wiederkunft von Babel beruhte, und ihrer viel unterdes, ehe solches geschah, sterben würden, sondern vielmehr auf die Wiederkunft, da sie durch Christus ins Reich Gottes, und himmlische Vaterland sollten versetzt werden: So weissagt er auch aufs allerlieblichste von Christo, dem Sohn Gottes, wahrem Gott und Menschen, dem Seligmacher und getreuen Hirten seiner Kirche, und von seinem Reich. Weil aber das Evangelium nicht mit Frucht und Nutzen kann gepredigt werden, sofern das Volk nicht auch durch die Predigten des Gesetzes zur Busse gerufen wird. So findet man auch unter dieses Propheten Weissagungen ernstliche Bußpredigten, mit angehängten Verheißungen, dass Gott den bußfertigen Sündern verzeihen wolle.

Über das handelt er weitläufig von der letzten Verfolgung der Kirche, so durch den Gog und Magog geschehen werde, welche Weissagung vielleicht der Ausgang in Kürze selbst erklären wird, wenn die Mitnächtigen und Orientalische ungläubigen Völker, die Kirche Christi zu vertilgen sich unterstehen werden.

Endlich beschreibt der Prophet einen neuen Bau der Stadt Jerusalem und des Tempels. Er meint aber nicht eine solche Stadt und Tempel, die von Holz und Steinen müssten gebaut werden, sondern will zu verstehen geben, dass die Stadt Gottes, das himmlische Jerusalem, und der geistliche Tempel, darin Gott wohne, soll durch die Predigt des Evangeliums aufgerichtet werden, auf dass in derselben Stadt und Kirche Gott ewig wohne. Inmassen von solcher himmlischen und geistlichen Stadt auch Johannes am Ende seiner Offenbarung redet. Es wird aber solcher Bau in diesem Leben angefangen, durch das Wort des Evangeliums, und Abhandlung der Sakramente, durch welche Gott dem Herrn eine Wohnung und Tempel zu bereitet wird. Und wird derselbe geistliche Bau im anderen Leben allererst vollendet werden, da alle Sünde und Unvollkommenheit aufgehoben, und Gott alles in allen sein wird, und wird die Kirche der Auserwählten, mit den heiligen Engeln Gott in alle Ewigkeit preisen, Amen.


Das 1. Kapitel


I. Der Prophet wird entzückt, und kommt ihm ein Gesicht vor, von des Evangeliums, nach abgetanen levitischen Zeremonien, Bekanntmachung, Würdigkeit, und sehr schneller Ausbreitung, durch die ganze Welt, so durch die Apostel geschehen sollte. v. 1. II. Sieht auch Christus auf dem Stuhl der göttlichen Majestät sitzen, der dem Evangelium glücklichen Fortgang gibt. v. 27.

1. Im dreißigsten Jahr, am fünften Tage des vierten Monden, da ich war unter den Gefangenen am Wasser Chebar, tat sich der Himmel auf, und Gott zeigte mir Gesichte.

Dreissigsten Jahr: Nämlich, von der Zeit an zu rechnen, da das Buch des Gesetzes im Hause des Herrn gefunden wurde {2Sam 22 2Chr 32}. Durch welches Mittel Gott die Juden zur Busse gerufen hatte.

Vierten Monden: Der zum Teil in unseren Brachmonat, zum Teil im Heumonat gefällt.

Gefangenen: Mit denen ich war von Jerusalem gefangen gen Babel weggeführt worden.

Gesichte: Dadurch zukünftige, dazu hochwichtige Sachen angedeutet wurden, die ich jetzt ordentlich nach einander erzählen will. [Dass aber Gott seinem gefangenen Volk einen Propheten erweckt, in ihrem Elend zu Babel, bezeugt er damit, dass er für seine Auserwählten immerdar Sorge trage, wenn sie gleich, dem Ansehen nach, von jedermann verlassen und unterdrückt werden. Weil aber das wahre Heil und die Seligkeit des Volkes Gottes nicht besteht auf die Erfüllung des Gesetzes Mose, als welches niemand jemals (allein den Mittler Christus ausgenommen) vollkommen gehalten hat. Viel weniger auf ein äußerlich weltlich Königreich, Gewalt oder Herrschaft, weil alle Reiche endlich zugrunde gehen, sondern auf die Aufrichtung und Fortpflanzung des geistlichen Reiches Christi, das durch das Predigtamt des Evangeliums hier auf Erde soll angerichtet werden: So zeigt Gott der Herr dem Propheten Hesekiel, im Gesicht etliche Figuren, damit er ihm zu verstehen gibt, wie der Sohn Gottes (welcher einmal sollte Mensch werden) nach vollendetem Mittlers Amt, zur Rechten des Vaters in der himmlischen Majestät sitzend, sein Evangelium durch die Apostel, und derselben gottseligen rechtmäßigen Nachkommen, in der ganzen Welt ausbreiten, und also ein geistliches Reich anfangen würde. Danach erinnert auch zugleich dies Gesicht, dass die mosaischen Zeremonien sollten abgetan werden, und nach dem Christus sein Mittleramt vollendet hätte, ein Ende nehmen, Wie auch, dass die jüdische Polizei fallen würde, weil die Juden ihren König Christus nicht würden annehmen).

2. Derselbe fünfte Tag des Monden war eben im fünften Jahr, nachdem Jojachin, der König Judas, war gefangen weggeführt

Weggeführt: Gen Babel. Welches das dreißigste Jahr ist, von der Zeit an zu rechnen, da das Gesetz des Herrn im Tempel gefunden wurde, wie zu Anfang des Kapitels gemeldet.

3. Da geschah des Herrn Wort zu Hesekiel, dem Sohne Busis, des Priesters, im Lande der Chaldäer, am Wasser Chebar; dort kam die Hand des Herrn über ihn.

Priesters: Denn es waren auch der Priester eine gute Anzahl mit Jojachin gen Babel gefangen weggeführt worden.

Über ihn: Das ist, am selben Ort hat Gott angefangen, dem Priester Hesekiel sich zu offenbaren und ihm zu erscheinen. Hat ihm auch einen prophetischen Geist gegeben, und ihn entzückt, dass er himmlische Geheimnis gesehen und gehört. [Denn welchen Gott zu dem Predigtamt seines Wortes beruft, die rüstet er mit notwendigen Gaben aus, nach dem es ihr Beruf fordert).

4. Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Mitternacht her mit einer großen Wolke voll Feuers, das überall umher glänzte; und mitten in demselben Feuer war es wie lichthell.

Sah: Nämlich, eine wunderbare Geschichte, das ich also bar erzählen will.

Wind: Der heftig brauste, wie ein Sturmwind in einem großen und schrecklichem Wetter.

Feuers: Also, dass dies Gesichte sehr schrecklich anzusehen war. [Denn gleichwie vor Bekanntmachung des Gesetzes eine dicke feurige Wolke vorher ging {2Mos 19}. Mit welcher Majestät Gott seinem Gesetz ein Ansehen machen wollte. Also hat er viel mehr dem Evangelium Christi begehrt ein majestätisches Ansehen zu machen, das doch nicht irdisch, sondern himmlisch wäre: Also, dass das Evangelium plötzlich in die Welt käme, wie ein unversehenes aber doch heilsames Wetter, und mit großer Verwunderung und Entsetzung hervorgebracht und ausgebreitet würde. Daher auch am Pfingsttage, da Gott den Aposteln den heiligen Geist senden wollte, damit sie das Evangelium von Christo predigen und ausbreiten könnten, ein schnelles Brausen vom Himmel geschah, als eines gewaltigen Windes {Apg 2}. Denn so das Amt des Todes, nämlich, das Gesetz, das da tötet, Klarheit hatte, wie sollte nicht viel mehr das Amt des Geistes, nämlich, das Evangelium, dadurch der Heilige Geist gegeben wird, Klarheit haben {2Kor 3}? Sollen wir deswegen das Evangelium Christi auch jetzt mit größter Ehrerbietung annehmen, als das Gesetz. Denn das Gesetz zeigt die Sünde und Verdammnis, nimmt aber dieselben nicht hinweg. Aber das Evangelium bietet allen Bußfertigen und Gläubigen an Christus Vergebung der Sünden und das ewige Leben an).

Lichthell: Ein heller leuchtender Glanz. [Denn das Evangelium ist ein helles Licht, das die Auserwählten erleuchtet und lebendig macht, die Verstockten und Verkehrten aber blendet und tötet es {2Kor 4}. Und ist solches nicht des Evangeliums, sondern der Zuhörer Schuld).

Nach Luther: Im Hebräischen steht, wie die Gestalt Hasmal, das will niemand wissen, was es sei. Wir lassen es sein das allerhellste im Feuer oder Blitzen, dass etliche dem weißen Agtstein gleich halten, und sei die Meinung, in der Wolke war rotes Feuer, im roten Feuer helles weißes Licht.

5. Und darin war es gestaltet wie vier Tiere, und unter ihnen eins gestaltet wie ein Mensch.

Darin: Nämlich, in dem hellen glänzenden Licht.

Mensch: Also, dass ein jedes Tier, neben den anderen Angesichtern, so sie hatten, und den Tieren gleich sahen, auch eines Menschen Angesicht an sich hatte. [Diese vier Tiere bedeuten die Apostel Christi, und derselben ordentlichen rechten Nachkommen, die reine Lehrer des Evangeliums, von denen Christus, da er über den Teufel, Tod, Welt, Sünde und Hölle einen Triumph hielt, auf seinem Triumphwagen, als von Pferden gezogen und geführt wird durch die ganze Welt, und an alle vier Örter der Erde. Denn von den Aposteln wird gesagt: Ihre Schwiegermuttertochter geht aus in alle Land, und ihre Rede an der Welt Ende {Ps 19}.

6. Und ein jegliches hatte vier Angesichte und vier Flügel.

Vier Angesichte: Nämlich, eines Menschen, Löwen, Ochsen, und Adlers. Davon, wie auch von den Flügeln, bald später folgt.

7. Und ihre Beine standen gerade, aber ihre Füße waren gleichwie runde Füße und glänzten wie ein helles, glattes Erz.

Gerade: Dass sie weder krumm noch lahm waren, sondern aufrecht, und zum Gehen fertig. [Denn gleichwie des Evangeliums eine solche Lehre ist, die nichts zweifelhaftes oder ungewisses in sich begreift, als vorzeiten der heidnischen Götter Weissagungen gewesen, und der Schwärmergeister fantasiereichen Gedanken noch sind, sondern lauter und klar ist: Also sollen die Kirchendiener gerade einher gehen, dass sie die reine Wahrheit des Evangeliums vorbringen und erhalten, und nichts den Menschen oder ihren Begierden zu Gefallen tun, noch etwas davon entziehen, oder beugen lassen {Gal 2}.

Runde Füße: Dass sie, nämlich, wie Kugeln, gegen alle Örter der Welt leicht zu bewegen waren. [Denn es ist kein Ort in der Welt, dahin das Evangelium nicht gelangen oder durchdringen könnte, wenn es Gott haben will).

Nach Luther: Damit sie konnten auf alle Örter gehen, und doch die Tiere sich nicht lenken noch wenden durften.

Glatt Erz: [Denn die Predigt des Evangeliums ist den geängstigten Gewissen sehr lieblich und scheinbar, nach dem Spruch: Wie lieblich sind der Boten Füße, die den Frieden predigen, und Gutes verkündigen {Röm 10 Jes 52 Nah 1}?

8. Und hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Orten; denn sie hatten alle vier ihre Angesichter und ihre Flügel.

Vier Orten: Also, dass gegen jeden Ort der Welt Hände gesehen wurden. Denn gleichwie die Kirchendiener für sich selbst treue Arbeiter sein sollen, also sollen sie einen solchen Glauben an Christus lehren, der durch die Werke der Liebe tätig ist {Gal 5}. [Denn der Glaube so keine Hand hat, die gutes wirkt, ist kein wahrer Glaube).

9. Und derselben Flügel war je einer an dem anderen. Und wenn sie gingen, durften sie sich nicht herumlenken, sondern wo sie hingingen, gingen sie stracks vor sich.

An dem anderen: [Denn die christliche Lehre ist nicht getrennt, wie der Ketzer falsche Lehren sich ganz nicht zusammen schicken, oder reimen, sondern sie ist ihr überall gleich, und stimmt in allen Stücken überein, dass man keinen Artikel fälschen kann, es werden die andere auch zugleich verrückt).

Vor sich: [Denn wo Gott den Lauf seines Evangeliums hinwendet, dahin geht es fertig und gerade zu. Aber die falschen Lehrer schleichen herum, wie die Schlangen, und verwickeln die einfältigen und unvorsichtigen Leute in Irrtümer, dass sie nicht bald wiederum können daraus kommen).

10. Ihre Angesichter zur rechten Seite der viere waren gleich einem Menschen und Löwen; aber zur linken Seite der viere waren ihre Angesichter gleich einem Ochsen und Adler.

Der viere: Das ist ein jedes Tier hatte das Ansehen als wäre es von vier Tieren zusammen gemacht, weil es vier Angesichter hatte. Und war eins von den zwei Angesichtern, so zur Rechten standen, ein menschliches Angesicht: Das andere, eines Löwen: Die aber zur Linken waren, hatte eines das Angesicht eines Ochsen, das anderer eines Adlers. [Durch diese vier Angesichter wurde bedeutet, wie es mit den Aposteln, und derselben ordentlichen Nachkommen in ihrem Predigtamt gegen die Kirche Gottes beschaffen sei. Denn das menschliche Angesicht bedeutet die Menschheit, damit die Schwachen im Glauben aufs freundlichste sollen aufgenommen werden {Röm 14}. Das Löwen Angesicht bezeichnet ein unerschrockenes Gemüt wider allerlei Gefahr, also dass man auch um des Evangeliums Christi willen sich nicht widere das Leben zu lassen {Mt 10}. Durch dies Ochsen Angesicht wird verstanden, die Arbeitsamkeit, welche das Predigtamt erfordert. Daher Paulus von den Kirchendienern sagt, du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden {1Tim 6}. Des Adlers Angesicht erinnert uns, dass man keine Menschensatzungen oder irdische weltliche Spitzfindigkeiten, sondern die himmlische Lehre, welche alle menschliche Vernunft weit übertrifft, vorbringen soll {Kol 2 2Kor 10}.

11. Und ihre Angesichter und Flügel waren oben her zerteilt, dass je zwei Flügel zusammenschlugen und mit zwei Flügeln ihren Leib bedeckten.

Zerteilt: Dass die Angesichter und Flügel nicht durcheinander waren, sondern ordentlich voneinander unterscheiden. [Denn der Heilige Geist ist nicht ein Geist der Unordnung oder Verwirrung, sondern der Ordnung, und lehrt die Kirchendiener, was sie zu jeder Zeit mit einem jeden vornehmen sollen).

Schlugen: Nämlich die obersten zwei Flügel. [Dadurch der gottselige Eifer in Fortpflanzung des Evangeliums bedeutet wurde. In welchem Tun rechtschaffene und reine Kirchendiener übereinstimmen, und einander die Hand bieten).

Bedeckten: [Denn fromme evangelischen Kirchendiener lieben die Glieder der Kirche ganz hoch und unterweisen sie, wie eine Henne ihre Hühnlein unterweist).

12. Wo sie hingingen, da gingen sie stracks vor sich; sie gingen aber, wohin der Wind stand; und durften sich nicht herumlenken, wenn sie gingen.

Wind stand: [Denn wie die Apostel aus Anweisung des Heiligen Geistes wussten, wo sie lehren, oder wo sie schweigen sollten. Also wissen die Kirchendiener in ihrem ordentlichen Beruf, nach desselben Geistes Anleitung, wo sie die Lehre des Evangeliums predigen sollen).

13. Und die Tiere waren anzusehen wie feurige Kohlen, die da brennen, und wie Fackeln, die zwischen den Tieren gingen. Das Feuer aber gab einen Glanz von sich, und aus dem Feuer ging ein Blitz.

Blitz: Die Meinung ist diese, die Tiere waren feurig und glühend anzusehen, und zwischen ihnen sah man helle leuchtende Flammen. Also dass das Feuer einen hellen Schein gab, und aus den Flammen es wie ein Blitz hervorleuchtete. Denn die Apostel und derselben rechtmäßigen Nachkommen sind mit dem Feuer des Heiligen Geistes erleuchtet, und sind mit den Augen der christlichen Kirche scheinbare Personen, die mit den Gaben des Heiligen Geistes hervorleuchten. So steht ihnen auch der Heilige Geist mit seiner Kraft und Wirkung bei, der Zuhörer Herzen zu erleuchten und zu erweichen. Darum auch am Pfingsttage der Apostel Zungen feurig und wie Flammen erschienen sind {Apg 2}.

14. Die Tiere aber liefen hin und her wie ein Blitz.

Liefen: [Solcher hin und wiederlaufender Blitz hat bedeutet, dass das Evangelium Christi mit einer wunderbaren Schnelligkeit und Geschwindigkeit durch die ganze Welt gehen, und dieselbe erleuchten würde. Und wo es die Heilige Schrift, besonders in den Geschichten der Apostel nicht bezeugte und bestätigte, so wäre es schier nicht wohl glaubhaft, dass die Apostel das Evangelium Christi so schnell durch die ganze Welt sollten fortgepflanzt und ausgebreitet haben, wie geschehen. Denn der Lauf des Evangeliums mag von keiner menschlichen Gewalt aufgehalten oder gehindert werden).

15. Als ich die Tiere so sah, siehe, da stand ein Rad auf der Erde bei den vier Tieren und war anzusehen wie vier Räder.

Als: Bis daher ist im Allgemeinen gesagt worden, von den Aposteln, und derselben ordentlichen Nachkommen, wie auch von dem Evangelium Christi: Jetzt wird dem Propheten insbesondere ein Gesicht gezeigt, welches zu verstehen gibt, wie die Apostel und Kirchendiener den Triumphwagen Christi (das ist, das Amt des Wortes, und der Sakramente) in der Welt herum führen.

Vier Räder: Da ja eins im anderen gesteckt war. [Durch solche Räder ist das Amt des göttlichen Wortes und der Sakramente bedeutet worden. Denn welche weder das Wort des Evangeliums in der Kirche lehren, noch die Sakramente abhandeln, die rühmen sich des apostolischen Namens vergebens).

16. Und dieselben Räder waren wie ein Türkis und waren alle vier eins wie das andere; und sie waren anzusehen, als wäre ein Rad im anderen.

Türkis: Welcher Edelstein des Himmels Farbe hat, wenn es hell ist. [Damit anzuzeigen, dass im Wort des Evangeliums, wiewohl es auf Erde gepredigt wird, und in den Sakramenten, ob sie wohl auf Erde ausgeteilt werden, dennoch himmlische Schätze und Geheimnis uns angeboten und vorgetragen werden).

Wie das andere: [Denn es wird ein Wort des Evangeliums gepredigt in allen christlichen Kirchen, und werden einerlei Sakramente ausgespendet, ob gleich bisweilen die äußerlichen Zeremonien nicht immer eintreffen).

17. Wenn sie gehen sollten, konnten sie in alle ihre vier Orte gehen und durften sich nicht herumlenken, wenn sie gingen.

Vier Örter: Nämlich in alle vier Örter der Welt, gerade für sich, dass sie sich weder wenden noch lenken dürften.

18. Ihre Felgen und Höhe waren schrecklich; und ihre Felgen waren voller Augen um und um an allen vier Rädern.

Schrecklich: Weil sie so ganz groß und hoch waren. [Denn des göttlichen Wortes und der Sakramente Majestät und Würde ist größer, als die menschliche Vernunft verstehen oder begreifen kann).

Voller Augen: [Denn das Predigtamt des göttlichen Wortes und der Sakramente bringt den Gläubigen eine überflüssige und heilsame Erkenntnis Gottes, dazu eine reiche Erkenntnis der himmlischen Geheimnisse).

19. Und wenn die Tiere gingen, so gingen die Räder auch neben ihnen; und wenn die Tiere sich von der Erde emporhoben, so hoben sich die Räder auch empor.

Neben ihnen: Als wie Pferd und Wagen miteinander fortgehen. [Denn das apostolische Amt, oder Predigtamt leidet es nicht, dass einer nur wollte in zeitlichen Wollüsten sitzen, und in Müßiggang tun, was ihn gelüstet, wie die römischen Päpste den mehreren Teil sich verhalten, sondern es erfordert, dass, welche sich des Predigtamts rühmen wollen, auch mit dem Worte Gottes und mit den Sakramenten recht umgehen, und sich damit bemühen. Denn ein Kirchendiener ohne das Predigtamt ist ein vergeblicher Name ohne Tat).

Empor: Denn das Predigtamt und die Kirchendiener sind bisweilen auch unter den weltlichen Königreichen und Herrschaften in großem Ansehen. Und wer auf die Kirchendiener etwas hält, der hält auch viel aufs Predigtamt. Gleichwie im Gegenteil, wer die frommen und reinen Kirchendiener verachtet, der verachtet auch das Predigtamt in seinem Herzen, ob er gleich mit dem Munde ein anders vorgibt).

20. Wo der Wind hinging, da gingen sie auch hin; und die Räder hoben sich neben ihnen empor; denn es war ein lebendiger Wind in den Rädern.

Sie auch: Nämlich, die Tiere. [Denn das Predigtamt wird von dem Geist Gottes regiert und getrieben).

Lebendiger Wind: [Denn der Heilige Geist ist bei dem Predigtamt gegenwärtig, damit das Evangelium bei dem Auserwählten mit Nutzen gelehrt, und die Sakramente zu ihrer Wohlfahrt und Seligkeit ausgespendet werden).

21. Wenn sie gingen, so gingen diese auch; wenn sie standen, so standen diese auch; und wenn sie sich emporhoben von der Erde, so hoben sich auch die Räder neben ihnen empor; denn es war ein lebendiger Wind in den Rädern.

Diese auch: Also dass sie alle einerlei Bewegungen oder Stillstand hatten. [Dass aber die Tiere und Räder bisweilen still gestanden, ist dadurch angedeutet worden, dass der Lauf des Predigtamts aus Gottes Verhängnis bisweilen eine Zeit lang gehindert werde).

22. Oben aber über den Tieren war es gleich gestaltet wie der Himmel, als ein Kristall, schrecklich, gerade oben über ihnen ausgebreitet,

Schrecklich: Es hatte ein herrliches und majestätisches Ansehen. [Solcher Himmel bedeutet den göttlichen Schutz, damit die Kirchendiener und das Predigtamt wider alle Anläufe des Teufels und der Welt erhalten werden, also, dass auch die allergiftigsten Feinde der getreuen Kirchendiener schonen müssen).

23. dass unter dem Himmel ihre Flügel einer stracks gegen den anderen stand, und eines jeglichen Leib bedeckten zwei Flügel.

Stand: Das ist, ein jedes Tiere streckte zwei Flügel gerade über sich, dass sie oben an der Spitzen zusammen kamen, und einander anrührten: Mit den anderen beiden Flügeln aber bedeckten sie ihre Leiber. [Und bedeuten die über sich ausgestreckten Flügel, den einträchtigen Eifer der Kirchendiener in Fortpflanzung und Ausbreitung des Evangeliums, die untern Flügeln aber bezeichnen die Liebe der Kirchendiener zur Kirche, wie oben auch angefasst wurde).

24. Und ich hörte die Flügel rauschen wie große Wasser und wie ein Getön des Allmächtigen, wenn sie gingen, und wie ein Getümmel in einem Heer. Wenn sie aber stille standen, so ließen sie die Flügel nieder.

Rauschen: Das ist, wenn die Tiere und Räder sich bewegten, und die Tiere mit den über sich gestreckten Flügeln zusammen schlugen, so hörte man ein großes gewaltiges Brausen, als wenn ein starker Wind ging, oder ein großes Wasser daher brauste, oder wie man einen Donner gehört hätte, oder als ob eine große Menge Kriegsleute bei einander wären. [Denn da die Apostel und ihre rechtmäßigen Nachkommen das Evangelium mit großem Eifer gepredigt und fortgepflanzt haben, hat man wahrhaftig hören die Stimme Gottes reden, und ist eine Donnerstimme gehört worden, daher auch die Apostel Donnerskinder genannt wurden: Und haben viele Völker, so durch die großen Wasser angedeutet wurden, das Evangelium angenommen, und dasselbe vor der Welt überall bekannt, mit Entsetzung und Schrecken der Gottlosen, als ob man hörte, wie eine große Menge Volkes einmütiglich Christi ihres Erlösers Lob, mit großer Majestät preiste. Denn das Bekenntnis der Wahrheit wird so wohl von den Zuhörern als Predigen fordert {1Petr 3}.

Nieder: Die sie sonst über sich hielten. [Denn wenn durch Verhängnis Gottes das Predigtamt des göttlichen Wortes eine Zeit lang entweder durch der Tyrannen Grausamkeit, oder durch die Undankbarkeit der Zuhörer und Bosheit gehindert wird, so lassen die Kirchendiener gleichsam ihre Flügel sinken, sind traurig und leidig, und haben nicht mehr so einen großen Eifer, wie zuvor, tun auch ihr Amt mit Seufzen {Hebr 13}.

25. Und wenn sie stille standen und die Flügel niederließen, so donnerte es im Himmel oben über ihnen.

Donnerte: [Denn Gott zürnt darüber, wenn das Predigtamt gehindert wird. Und ist solche Hinderung des Predigtamts ein Zeichen und Zeugnis des schrecklichen Zorns Gottes).

26. Und über dem Himmel, so oben über ihnen war, war es gestaltet wie ein Saphir, gleichwie ein Stuhl; und auf demselbigen Stuhl saß einer, gleichwie ein Mensch gestaltet {Esra 6v1 Hes 10v1 Apg 4v2}.

Und: Jetzt wird der Sohn Gottes beschrieben, wie er auf dem Stuhl seiner göttlichen Majestät sitze, und den evangelischen Wagen regiere.

Stuhl: Es hatte ein Ansehen, als wäre ein königlicher Stuhl oder Thron über dem Himmel gestellt, wie ein Saphir scheinend. [Denn Christus ist in seiner Majestät und mit seiner Gewalt höher denn die Himmel {Hebr 7}, nicht nach einem leiblichen oder räumlichen Ort zu rechnen, sondern an Größe der Herrlichkeit).

Mensch gestaltet: [Denn der Sohn des Menschen, Christus, soll zur Rechten Gottes gesetzt werden, dass er durch das Predigtamt des Wortes eine Kirche auf Erde sammle und regiere. Und hat eben derselbe, so auf diesem Stuhl über dem Himmel sitzend gesehen wurde, zu seinen Jüngern gesprochen, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende {Mt 28}.

27. Und ich sah, und es war wie lichthell, und inwendig war es gestaltet wie ein Feuer um und um. Von seinen Lenden über sich und unter sich, sah ich es wie Feuer glänzen um und um.

Feuer: Das ist, der Mensch Jesus Christus, hatte umher ein Ansehen, wie ein ganz helles Feuer, das einen wunderbaren Schein von sich gab. [Denn Christus wohnt in einem unaussprechlichen Licht, und unendlicher Majestät, dessen Herrlichkeit, ein jeder nach seinem Maß, auch alle, die wahrhaftig an ihn glauben, werden dermaleinst teilhaftig werden. Denn die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im Reiche Gottes {Mt 13}.

28. Gleichwie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, also glänzte es um und um. Dies war das Ansehen der Herrlichkeit des Herrn. Und da ich es gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden {Apg 4v3}.

Regenbogen: Das ist, um das Licht, welches den Menschen, der auf dem Stuhl saß, umringte, sah es einem schönen Regenbogen gleich, der um das Licht herging. [Es ist aber der Regenbogen ein Gnadenzeichen. Darum wir bei diesem Gesicht uns zu erinnern haben, dass die Majestät Christi dem menschlichen Geschlecht heilsam sei, der Gestalt, dass alle, die an ihn glauben, mit dem himmlischen Vater wiederum versöhnt, und zu Gnaden aufgenommen werden).

Ansehen: Das ist, auf diese Weise, wie ich bisher nach einander ordentlich erzählt habe, ist mir im Gesichte die Majestät des Herrn Jesu Christi gezeigt worden. [Weil demnach dieser Mensch, der auf dem Stuhl sitzt, hier der Herr, oder Jehova genannt wird. So ist es gewiss, dass Jesus Christus der wahre ewige Gott sei, und mit dem Vater eines Wesens. Denn der Name Jehova wird (wie unleugbar ist) dem ewigen wahren Gott allein zugeeignet. Es spricht aber der Prophet, er habe das Ansehen, oder Bilde und Konterfei der Herrlichkeit des Herrn gesehen, weil die vollkommene himmlische Majestät Christi in diesem Leben niemand sehen oder erdulden kann).

Gesehen: Nämlich, das Gesicht von der Herrlichkeit Christi.

Fiel ich: Weil ich vor dem Anschauen der großen Majestät erschrak, und schier in eine Ohnmacht sank.

Reden: Und sprach, was ich jetzt erzählen will. [Uns soll dies Gesicht ein Trost sein, dass wir fest glauben, Gott der Herr und unser Seligmacher Jesus Christus, sitzend zur Rechten des Vaters, werde das Predigtamt des Evangeliums unter allerlei Gefahr und Hindernisse erhalten bis zu der Welt Ende, der Auserwählten ewige Seligkeit zu befördern).


Das 2. Kapitel


1. Des Propheten Beruf, und was er in seinem Amt für Glück haben werde, wird beschrieben. v. 1. 2. Und wird in seinem Propheten Amt mit einem besonderen Zeichen bestätigt. v. 9. 3. Darauf ihm dasselbe Amt dem Volk Israel zu predigen abermals auferlegt wird. v. 1. 4. Und wird sein Gemüt wider das halsstarrige Volk gestärkt. v. 8.

1. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, tritt auf deine Füße, so will ich mit dir reden.

Tritt: Denn der Prophet war vor der großen göttlichen Majestät zu Boden gefallen. Und will Gott der Herr den Propheten erinnern, und anmahnen, dass er sich des Predigtamts keck annehmen, und durch seiner Zuhörer halsstarrige Bosheit, nicht soll abschrecken lassen. [Es nennt aber Gott den Propheten einen Menschen oder Menschenkind, dass er ihn seiner menschlichen Schwachheit erinnere. Denn die Kirchendiener werden zwar von wegen ihres Amtes bisweilen Engel in der Schrift genannt. Aber doch sollen sie wissen, dass sie Menschen sind, damit sie der Zuhörer Schwachheit zu dulden und zu bessern sich nicht beschweren).

2. Und da er so mit mir redete, wurde ich wieder erquickt und trat auf meine Füße und hörte dem zu, der mit mir redete.

Erquickt: Dass ich wieder zu Kräften kam. [Denn eben derselbe Herr, welcher erschreckt und tötet, tröstet auch wieder, und macht wieder lebendig).

3. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, ich sende dich zu den Kindern Israel, zu dem abtrünnigen Volk, so von mir abtrünnig geworden sind. Sie samt ihren Vätern haben bis auf diesen heutigen Tag wieder mich getan.

Kindern Israel: Die jetzt zu Babel gefangen sind, dass du ihnen meinen Willen verkündigst.

Abtrünnig: Und nicht besser sind, als andere unbeschnittene Völker, weil sie sich von mir abgewandt haben, und meinen Geboten widerstreben.

Getan: Denn sie haben die rechtmäßigen Gottesdienste, so ich unter ihnen angerichtet, aus der acht gelassen, und mich mit Abgötterei und anderen groben Sünden erzürnt. [Sieht man deswegen hier, dass die Kirche auch irren kann, nicht allein in dem äußerlichen Wandel, sondern auch in der Religion. Jedoch erhält Gott seine Auserwählten, dass sie nicht in verdammliche Irrtümer geraten, oder doch nicht darin verharren und verderben).

4. Aber die Kinder, zu welchen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen. Zu denen sollst du sagen: So spricht der Herr Herr!

Harte Köpfe: Dass sie sich von ihren Irrtümern und Lastern nicht wollen weisen, oder abwendig machen lassen. [Denn dass einer irrt, ist menschlich, aber in Irrtum und Bosheit beharren, das ist des Teufels Arbeit).

Sagen: Dass du ihnen mein Wort verkündigst, und mit großem Ernst anzeigst, wie du nicht eines Menschen, sondern des allmächtigen Gottes Wort vorbringst, auf dass sie wissen, wenn sie nicht hören oder gehorchen wollen, dass sie nicht einen Menschen, sondern Gott verachtet haben.

5. Sie gehorchen oder lassen es. Es ist wohl ein ungehorsames Haus; dennoch sollen sie wissen, dass ein Prophet unter ihnen ist.

Ihnen ist: Will so viel sagen, höre du nicht auf, ihnen mein Wort zu verkündigen, und lass dich dieses Volkes Halsstarrigkeit von deinem Amt nicht abschrecken, weil es so ein widerspenstig Volk ist. Wenn du deswegen deinen Beruf wolltest bald aufgeben, da sie nicht gleich folgten, so würdest du deinem Amt nicht nachkommen. So will ich auch, dass sie wissen und bekennen müssen, ich habe ihnen einen Propheten gesandt, der ihnen den rechten Weg zur Seligkeit gezeigt. [Soll darum ein Kirchendiener bei seinem Amt standhaft bleiben, mit Lehren, ermahnen, Strafen, Schelten, ob ihn gleich bedünkt, er richte wenig oder nichts aus. Denn welche auserwählt sind, die werden endlich Christo gewonnen. Den Verkehrten aber wird dadurch alle Entschuldigung der Unwissenheit benommen, dass sie an jenem großen Tage des Herrn nicht vorwenden können, sie haben die Wahrheit des göttlichen Wortes nicht gehört).

6. Und du, Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten, noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen bei dir, und du wohnst unter den Skorpionen; aber du sollst dich nicht fürchten vor ihren Worten noch vor ihrem Angesicht dich entsetzen, ob sie wohl ein ungehorsam Haus sind {Jer 1v8 v17 Ps 58v10 Mi 7v4},

Nicht fürchten: Mache dich mit der Standhaftigkeit und Geduld gefasst, auf dass du nicht kleinmütig wirst, von wegen der Lästerungen, Drohungen, und Schmachwort, damit sie dir heftig zusetzen werden.

Skorpionen: Das ist, du wirst widerspenstige, boshafte, und untreue falsche Zuhörer haben, die dir nicht allein kein Gehör geben werden, sondern auch anstatt deiner heilsamen und getreuen Vermahnungen dich anfeinden, verlästern, und dir mit giftigen Schmach und Stichreden heftig zusetzen. [Wehe aber solchen Zuhörern, die mit ihren treuen Kirchenlehrern also umgehen. Denn der Apostel zu Hebräer spricht: Gehorcht euren Lehrern, und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen, als die Rechenschaft davor geben sollen, auf dass sie das mit Freude tun, und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut {Hebr 13}.

Entsetzen: Sondern du sollst dein Amt getrost verrichten. [Denn es soll ein Kirchendiener sich die Rechnung machen, dass er der Leute Feindschaft und Schmachworte von wegen der Bekenntnisse der reinen Lehre wolle mit Geduld aufnehmen, dazu auch sein Herz mit dem Worte Gottes stärken, wenn er gleich in große Gefahr Leibes und Lebens darüber kommen sollte. Denn wer bei dem Predigtamt der Leute Gunst, Ehre und zeitliches Glück sucht, und er aber das Widerspiel befindet, der wird gar zu sehr bestürzt und geschreckt, und verrichtet sein Amt nicht mit gebührendem Ernst und Eifer).

7. sondern du sollst ihnen mein Wort sagen, sie gehorchen oder lassen es; denn es ist ein ungehorsames Volk.

8. Aber du, Menschenkind, höre du, was ich dir sage, und sei nicht ungehorsam, wie das ungehorsame Haus ist. Tu deinen Mund auf und iss, was ich dir geben werde.

Höre: Wenn gleich deine Zuhörer meinem Wort, das du ihnen vorpredigst, nicht folgen wollen, so gehorche dennoch du meinem Wort, das ich dir kundtun werde, und tue das Amt eines gottseligen Menschen und getreuen Propheten [Denn es sollen die Kirchendiener ihren verkehrten Zuhörern im Wandel nicht nachtun, sondern vielmehr den frommen Zuhörern mit ihrem Beispiel zur Frömmigkeit und Gottesfurcht Anlass geben. Dass also die Zuhörer den Kirchendiener nicht ärger machen, sondern der Kirchendiener die Zuhörer bessern).

Tue: Jetzt bestätigt Gott dem Propheten im Gesicht mit einem äußerlichen Zeichen in seinem Amt, das er führen soll, auf dass er wüsste, wie er von Gott zum Propheten verordnet wäre, der den Juden ihr zukünftiges Unglück, als die wohl verdiente Strafe ihrer Sünden, verkündigen soll.

9. Und ich sah, und siehe, da war eine Hand gegen mich ausgestreckt, die hatte einen zusammengelegten Brief.

10. Den breitete sie aus vor mir, und er war beschrieben auswendig und inwendig; und stand darin geschrieben: Klage, Ach und Wehe.

Und inwendig: Er war auf beiden Seiten beschrieben.

Ach und Wehe: Das ist, der Inhalt des ganzen Briefes, war von schrecklichen Unfällen und großem Jammer, damit die unbußfertigen Israeliten würden überfallen werden. [Denn der Menschen übermachte große und schwere Sünden verursachen solche traurige Strafpredigten, gleichwie ein Arzt mit dem Kranken, so sich nicht wohl hält, herb umgehen muss).


Das 3. Kapitel


1. Der Prophet wird von einem Winde zu den Israeliten, die in der Chaldäer Land am Wasser Chebar wohnten, geführt, und hörte von Gott, was er den Bußfertigen und Unbußfertigen verkündigen soll, und was sie von Gott zu erwarten haben. v. 10. 2. Danach wird er aufs Feld berufen, da er die Majestät Christi abermal sieht, und hörte, wie er eine Zeit lang verstummen werde. v. 22.

1. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, iss, was vor dir ist, nämlich diesen Brief, und gehe hin und predige dem Hause Israel {Apg 10v9}!

Vor dir: Das ich dir jetzt vorgelegt habe.

2. Da tat ich meinen Mund auf, und er gab mir den Brief zu essen

3. und sprach zu mir: Du Menschenkind, du musst diesen Brief, den ich dir gebe, in deinen Leib essen und deinen Bauch damit füllen. Da aß ich ihn, und er war in meinem Mund so süß als Honig.

Leib essen: [Denn es sollen die Kirchendiener und Prediger das Wort Gottes nicht nur mit den Lippen kosten, und obenhin versuchen, sondern auch dasselbe ins Herz fassen, auf dass sie es selber recht verstehen, und wissen, dass es Gottes Wort sei, was sie andere lehren wollen).

Da aß: Es ist aber dies alles im Gesichte geschehen.

Honig: [Denn das Wort Gottes ist den Frommen lieblich und angenehm, die Gottlosen aber haben einen Ekel darüber).

4. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, gehe hin zum Hause Israel und predige ihnen mein Wort!

Predige: [Denn es steht den Kirchendienern zu, dass sie das Volk Gottes Wort lehren, und nicht mit Faulheit und Müßiggang die Zeit zubringen, oder, dass sie ihre eigenen Träume, und Menschensatzungen den Leuten aufzudrängen begehrten).

5. Denn ich sende dich ja nicht zum Volk, das eine fremde Rede und unbekannte Sprache habe, sondern zum Hause Israel;

Fremde Rede: Die man nicht verstehen könnte, und deshalb dich entschuldigen möchtest, mit Vorwendung, deine Zuhörer würden nicht wissen, was du ihnen vorpredigst und würde also dein Predigen vergebens und umsonst sein.

Hause: Zu deinen Landsleuten, die eben die selbige Sprache haben, welche du auch gebrauchst. [Denn man soll das Wort Gottes dem Volk nicht in einer unbekannten Sprache vorpredigen, die sie nicht verstehen, sofern es nicht einer später auslegt {1Kor 14}.

6. ja freilich nicht zu großen Völkern, die fremde Rede und unbekannte Sprachen haben, welcher Worte du nicht vernehmen könntest. Und wenn ich dich gleich zu Denselben sendete, würden sie dich doch gerne hören.

Großen Völkern: Zu vielen und mancherlei Heiden.

Sendete: Dass du durch einen Dolmetscher zu ihnen redetest.

Hören: Und deinen Predigten folgen, dass sie mein Wort nicht verachten würden.

7. Aber das Haus Israel will dich nicht hören, denn sie wollen mich selbst nicht hören, denn das ganze Haus Israel hat harte Stirnen und verstockte Herzen.

Nicht hören: Sie wollen deinen Predigten nicht glauben, noch gehorchen. [Denn welche das Wort Gottes zuvor niemals gehört haben, nehmen dasselbe oft mit Willen an, die anderen aber, so es haben, werden desselben überdrüssig, und verachten es).

Mich selbst: Ihren Gott, Schöpfer und Erlöser. [Welche deswegen die frommen und getreuen Kirchendiener nicht hören wollen, von denen kann man unzweifelhaft und gewiss schließen, dass sie auch Gott nicht fürchten, noch ihm glauben, oder zu gehorchen begehren. Was aber das für eine Bosheit und Unweise sei, kann ein jeder Verständiger leicht ermessen.

Harte Stirne: Also, dass sie dem Worte Gottes nicht weichen wollen, noch von ihrer Bosheit sich beugen oder lenken lassen. [Dass man aber irrt und sündigt, ist zwar an sich selber böse, und nicht recht. Jedoch ist es menschlich, aber in Irrtum und Sünde mutwilligerweise beharren, ist eine teuflische Bosheit).

8. Aber doch habe ich dein Angesicht hart gemacht gegen ihr Angesicht und deine Stirn gegen ihre Stirn.

Hart gemacht: Will so viel sagen, ich will dich so stark und mutig machen, dass du durch keine Lästerung, Drohungen, Schmachwort, oder Gefahr, so dir von diesem halsstarrigen und boshaften Volk zustehen möchte, von deinem Beruf dich lässt abschrecken, sondern immer fortfährst die Bosheit zu strafen, und die Wahrheit zu lehren. Denn damit der Prophet nicht kleinmütig würde, weil er von des israelitischen Volkes halsstarriger Bosheit hörte. So war es eine Notdurft, dass er von Gott Trost und Zusage empfinge, dass er ihm wollte beistehen, und Kraft verleihen, damit er der Israeliten beharrlichen Mutwillen, tapferen Widerstand tun könnte. [Und muss ein Kirchendiener in seinem Beruf standhaft sein, dass er der Leute Undankbarkeit, Halsstarrigkeit und Bosheit sich nicht irren oder bewegen lasse, und darum von seinem Beruf aussetze, sondern desto tapferer fortfahren. Denn auf einen bösen Kopf gehört eine scharfe Lauge. Und werden durch das stetige Antreiben und Anmahnen mit der Lehre des göttlichen Wortes, der Auserwählten steinernen Herzen endlich erweicht, dass sie Busse tun, und selig werden).

9. Ja, ich habe deine Stirn so hart als einen Demant, der härter ist denn ein Fels, gemacht. Darum fürchte dich nicht, entsetze dich auch nicht vor ihnen, dass sie so ein ungehorsames Haus sind.

10. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit Herzen und nimm sie zu Ohren.

Zu Ohren: Was ich dir zu lehren und zu predigen befehle. [Denn man soll zu dem Worte Gottes nichts hinzusetzen, und nichts davon tun).

11. Und gehe hin zu den Gefangenen deines Volkes und predige ihnen und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr; sie hören es oder lassen es.

Gefangenen: Juden, die zu Babel im Elend sind.

Der Herr: Denn ich bringe euch nicht meine eigenen Gedanken vor, sondern das Wort Gottes, welches ihr nicht verachten sollt, wo ihr anders nicht wollt ewig verloren seid.

Oder lassen es: [Denn die Kirchendiener sollen in ihrem Amt zu lehren und zu predigen fortfahren, es werden gleich die Zuhörer daraus gebessert oder nicht, bis sie durch ordentliche Mittel davon abgehalten werden).

12. Und ein Wind hob mich auf, und ich hörte hinter mir ein Getöse wie eines großen Erdbebens: Gelobt sei die Herrlichkeit des Herrn an ihrem Ort!

Hob: Mich deuchte, als würde ich von einem starken Winde anders wohin geführt.

Getöse: Eine starke Stimme, als wenn viele Leute zugleich miteinander redeten.

Gelobt: Also hat das Getöse gelautet, welches der Prophet hinter sich gehört.

Ihrem Ort: Das ist, der Herr sei gelobt und gebenedeit, der da wohnt in einer unaussprechlichen Majestät und Herrlichkeit. [Denn die Engel und Auserwählten loben Gott den Herrn im Himmel, dass er getreue Lehrer und Prediger ausgesendet, welche die Irrenden wieder auf den Weg bringen).

13. Und war ein Rauschen von den Flügeln der Tiere, die sich aneinander küssten, und auch das Rasseln der Räder, so hart bei ihnen waren, und das Getöse eines großen Erdbebens.

Tiere: Davon im ersten Kapitel gesagt wurde.

Küssten: Das ist: Die Flügel schwangen sich gegen einander und trafen oben zusammen, wie die zu tun pflegen, die sich küssen, und machte solches Zusammentreffen ein Geräusch. [Dies Zusammenschlagen der Flügel hat bedeutet den Prophetischen und Apostolischen Eifer.

Nach Luther: Das ist, sich oben anrührten, oder sich gegen einander zwangen.

Rasseln: Also, dass ein großes Getümmel hinter mir gehört wurde, als wenn ein Wagen schnell fortgeführt würde. [Dadurch der Lauf des göttlichen Wortes bedeutet wurde, so durch das Predigtamt sollte angerichtet werden. [Denn obwohl Hesekiel ein Prophet und kein Apostel war, so wurde er doch mit gleichem Geist regiert, und zu lehren angetrieben, wie die Apostel. In Maßen er auch eben denselben Christus predige, wie wir später an seinem Ort hören werden. Darum das Gesicht, davon wir oben im ersten Kapitel gehört, auch recht zu seinem Predigtamt gezogen wurde. [Denn Gott lässt sich zu dem Predigtamt seines Wortes finden, damit es nicht ohne Nutzen abgehe).

14. Da hob mich der Wind auf und führte mich weg. Und ich fuhr dahin und erschrak sehr; aber des Herrn Hand hielt mich fest.

Weg: Im Gesicht von der Erde, dass er mich anders wohin brächte.

Erschrak sehr: Weil ich wieder mein Erhoffen an einen anderen Ort hinweg geführt wurde, und in Ängsten stand, was es für einen Ausgang mit mir nehmen würde. [Denn das Predigtamt bringt große Anfechtungen mit sich, welche der frommen Knechte Gottes Herzen vielfältig ängsten).

Hielt mich: Gott stand bei mir, und erquickt mich. [Denn Gott hielt mit seiner Gnade über die frommen Kirchendiener, dass sie die Versuchungen und Anfechtungen des Gemüts ausstehen und überwinden können).

15. Und ich kam zu den Gefangenen, die am Wasser Chebar wohnten, da die Mandeln standen, im Monden Abib, und setzte mich zu ihnen, die da saßen, und blieb dort unter ihnen sieben Tage ganz traurig.

Gefangenen: Die aus Judäa gen Babel gefangen waren weggeführt worden.

Abib: Der zum Teil in unseren März, zum Teil im April fällt, und bei den Juden der erste Monat des Jahres war, da alles auf der Erde wieder hervor kommt, und grünt.

Traurig: Da die Juden sich bei einander versammelt hatten, und von wegen ihres Elends und Gefängnis sehr leidig und bekümmert waren, da trauerte ich mit ihnen. [Denn mit den Traurigen soll man traurig sein, und haben die Kirchendiener ein Mitleiden mit des Menschen Trübsal, wenn sie gleich solche mit ihren Sünden verschuldet haben). Es war aber der Prophet Hesekiel vorhin zu Babel, und am Wasser Chebar, da er dies Gesicht erstlich sah, wie es im ersten Kapitel beschrieben wird, aber in der Entzückung dachte ihn, er wäre zu Jerusalem im Tempel, von dort er nicht anders meinte, denn er wäre wieder im Gesichte gen Babel gekommen, da er doch vorhin war, darum da er von der Entzückung wieder zu sich selbst kommt, sieht und befindet er, wie er unter den Gefangenen zu Babel sitzt.

16. Und da die sieben Tage um waren, geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

17. Du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter gesetzt über das Haus Israel; du sollst aus meinem Munde das Wort hören und sie von meinetwegen warnen {Hes 33v7}.

Wächter gesetzt: Dass du den Israeliten ihr zukünftiges Unglück, wie ein Wächter auf einem hohen Turm, verkündigst.

Warnen: Dass du ihnen anzeigst, was ich dir befehlen werde, ihnen vorzuhalten. [Denn die Kirchendiener sind Gottes Gesandten, oder Botschaften an Gottes statt).

18. Wenn ich dem Gottlosen sage: Du musst des Todes sterben, und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, damit sich der Gottlose vor seinem gottlosen Wesen hüte, auf dass er lebendig bleibe, so wird der Gottlose um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern.

Sage: Oder durch dich sagen lasse, und dir befehle, dass du dem Gottlosen aus meinem Wort seinen Tod und Untergang drohst.

Ihn nicht: Dass du ihm solche meinem Worte nicht anzeigst, wie er von seiner Bosheit ablassen soll, damit er der zeitlichen und ewigen Strafe entrinnen möge.

Sterben: Und in seiner Bosheit, aus meinem gerechten Urteil verloren und verdammt werden. Aber damit wirst du nicht entschuldigt sein, weil du dein Amt nicht versehen hast, darum ich dich über solchen Menschen auch will zur Rede stellen und zur Strafe fordern, der durch deine Schuld ist verwahrlost worden. [Sollen deswegen die Kirchendiener, welche ihrer Seelen begehren, Rat zu schaffen, die Sünder fleißig zur Busse ermahnen, auf dass nicht, wenn sie stumme Hunde sind, zugleich mit ihren Zuhörern verloren und verdammt werden. Die Zuhörer aber sollen der Kirchendiener scharfe Strafpredigten nicht übel aufnehmen. Weil die Kirchendiener solches Amtes halben zu tun schuldig sind).

19. Wo du aber den Gottlosen warnst, und er sich nicht bekehrt von seinem gottlosen Wesen und Wege, so wird er um seiner Sünde willen sterben, aber du hast deine Seele errettet.

Warnst: Aus meinem Wort, und ihn ernstlich ermahnen wirst, dass er Busse tun soll.

Sterben: Dass er ins zeitliche und ewige Verderben fallen wird.

Errettet: Es wird dir vor dem Gerichte Gottes nicht zugerechnet werden, dass der Gottlose verloren wird, und wirst du ein unverletztes Gewissen behalten. [Wenn deswegen die Prediger ihrem Amt treulich nachkommen, und die Unbußfertigen nichtsdestoweniger zugrunde gehen, so sollen sie sich nicht darüber ganz zu sehr bekümmern, denn sie werden dafür Gott keine Rechenschaft geben dürfen).

20. Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit wendet, und tut Böses, so werde ich ihn lassen anlaufen, dass er muss sterben. Denn weil du ihn nicht gewarnt hast, wird er um seiner Sünde willen sterben müssen, und seine Gerechtigkeit, die er getan hat, wird nicht angesehen werden; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern.

Gerechter: Der zuvor recht und gottselig gelebt hat.

Wendet: Dass er ein gottloses Leben zu führen anfängt.

Anlaufen: Ich werde verschaffen, dass er in Unglück gerate, und für seine Bosheit gebührliche Strafe empfange.

Nicht angesehen: Es wird vor dem Gerichte Gottes seiner vorigen Frömmigkeit weder geachtet noch gedacht werden, sondern wird müssen verloren und verdammt sein, als wenn er immer gottlos gewesen wäre. [Denn wer beharrt bis ans Ende, der wird selig werden, und nicht, wer wohl anfängt, aber übel auf hörte).

21. Wo du aber den Gerechten warnst, dass er nicht sündigen soll, und er sündigt auch nicht, so soll er leben, denn er hat sich warnen lassen; und du hast deine Seele errettet.

Nicht sündigen: Wenn du ihn aus meinem Wort erinnerst und anzeigst, dass er sich mit der Abgötterei und anderen Lastern nicht versündigen, und vergreifen soll, sondern in der wahren Gottseligkeit beharren.

Auch nicht: Es redet aber der Heilige Geist hier von solchen Sünden, die wider das Gewissen sind, als öffentliche Laster, dadurch der Heilige Geist vertrieben wird.

Leben: Dass es ihm wohl gehe, und er ein gutes Gewissen behalten, auch in der Gnade Gottes bleiben, und nach diesem Leben der ewigen Seligkeit genießen wird, weil du ihn mit meinem Wort ermahnt hast, was ihm zu tun, gebühre, und hast ihn durch dein Predigtamt vom ewigen Tode erhalten. [Denn das Predigtamt des göttlichen Wortes ist ein Mittel und Werkzeug, dadurch die Leute nicht allein von ihrem gottlosen Wandel bekehrt, sondern auch in der wahren Gottseligkeit erhalten werden).

Errettet: Du bist der Verdammnis entgangen, weil du deinem Amt nachgekommen, und eines Menschen Seele vom ewigen Tode erlöst hast. [Es ist aber einem frommen Kirchendiener eine große Freude, wenn er merkte, dass er einen Menschen von seinem ewigen Verderben befreit hat).

22. Und dort kam des Herrn Hand über mich und sprach zu mir: Mache dich auf und gehe hinaus ins Feld; da will ich mit dir reden.

23. Und ich machte mich auf und ging hinaus ins Feld; und siehe, da stand die Herrlichkeit des Herrn dort, gleichwie ich sie am Wasser Chebar gesehen hatte. Und ich fiel nieder auf mein Angesicht.

Da stand: Das ist, es erscheint mir der Sohn Gottes, der da sollte Mensch werden, in einer menschlichen Gestalt, mit eben derselben Majestät, wie er mir zuvor erschienen war, da ich vier Tiere, und vier Räder in einem Gesicht sah. In Maßen oben im ersten Kapitel längst beschrieben wurde. Und gab Gott der Herr mit dieser Wiederholung des Gesichtes zu verstehen, dass er durch des Propheten Hesekiels Predigtamt, die Untertanen seines himmlischen Reiches ausbreiten wollte. Weil es geschehen würde, dass nach angehörten Predigten des Propheten etliche sich bekehren, und an den Messias glauben würden. Denn Hesekiel hat von dem Heiland Christo sehr herrlich geweissagt, wie später in Kapitel 34 wird zu sehen sein. [Denn Gott steht dem Predigtamt seines Wortes bei, und wirkt durch seinen Heiligen Geist, dass die Zuhörer glauben und selig werden)

Angesicht: Dass ich in eine Ohnmacht zur Erde sank, da ich solche Majestät gesehen hatte. [Denn die menschliche Natur an sich selbst, ist in diesem Leben viel zu schwach dazu, als dass sie die himmlische Majestät und Herrlichkeit erdulden könnte).

24. Und ich wurde erquickt und trat auf meine Füße. Und er redete mit mir und sprach zu mir: Gehe hin und verschließ dich in deinem Hause.

Füße: Weil mir Gott der Herr neue Stärke und Kräfte gab, dass ich wieder aufrecht bleiben, und stehen konnte.

Verschließ: Tue dich in deinen Gewahrsam, und halte dich eine Zeit lang daheim innen, auf dass du diesem Gesichte desto besser nachdenkst, was es bedeute, und wie ich will, dass du die Israeliten weiter lehren sollst.

25. Und du, Menschenkind, siehe, man wird dir Stricke anlegen und dich damit binden, dass du ihnen nicht entgehen sollst.

Anlegen: Nämlich, wenn du anfangen wirst, den Leuten deine Gesichte erzählen, und ihnen meinen Befehl vorhalten, so werden sie meinen, du seist von Sinnen gekommen, darum sie dich in Ketten legen werden, auf dass du nicht unter die Leute ausgehst. [Denn die Gottlosen und Weisen dieser Welt meinen, dass die getreuen Diener Gottes im Verstand verrückt sind, wenn sie solche Dinge lehren, die ihren Begierden nicht wohl zuschlagen, und der menschlichen Vernunft zuwider sind).

26. Und ich will dir die Zunge an deinem Gaumen kleben lassen, dass du verstummen sollst und nicht mehr sie strafen mögest; denn es ist ein ungehorsames Haus.

Strafen mögest: Das ist, du wirst eine Zeit lang also gefangen bleiben, dass du ihrer Bosheit nicht wirst können widersprechen, darüber sie sehr frohlocken werden, dass sie einem, ihres Vermeinens, unsinnigen Menschen, und unnützem Schwätzer das Maul gestopft haben.

Ungehorsam: Es ist ein widerspenstiges Volk, das keine Warnung und Ermahnung leiden will.

27. Wenn ich aber mit dir reden werde, will ich dir den Mund auftun, dass du zu ihnen sagen sollst: So spricht der Herr Herr! Wer es hörte, der höre es; wer es lässt, der lasse es; denn es ist ein ungehorsames Haus.

Reden werde: Dass ich dir offenbaren werde, was du den Israeliten von meinetwegen anzeigen sollst.

Auftun: Dass du wiederum wirst vorbringen können, was du im Sinne hast, und solche dein Stillschweigen nicht immer währen wird. [Denn es hat das Reden und Schweigen, ein jedes seine Zeit. Wir sollen aber Gott bitten, dass er uns mit seinem Heiligen Geist regieren wolle, auf dass wir zur rechten Zeit schweigen, und zur rechten Zeit reden mögen).

Lasse es: Das ist, ich will euch auf den Befehl des Herrn die Wahrheit anzeigen, ihr nehmt gleich dieselbe an oder nicht, denn es trifft euch an, und ist euch euer Seelen Heil und Seligkeit daran gelegen, dass ihr mir gehorcht. Werdet ihr es aber verachten, so werdet ihr euch selber am übelsten vorsehen. Solches will Gott sagen, soll ihnen mit großem Ernst vorhalten, weil sie so widerspenstig sind. [Sollen deswegen die Prediger in ihrem Amt tapfer und ungescheut fortfahren, und durch der Menschen widersinnige Bosheit sich nicht wendig machen lassen).


Das 4. Kapitel


1. Dem Propheten wird befohlen, dass er die Stadt Jerusalem auf einen Ziegelstein entwerfen soll. v. 1. 2. Und des Volkes Sünde tragen, dass er auf der linken Seite 390. und auf der rechten Seite 40. Tage aneinander liege. v. 4. 3. Unterdes soll er sein Brot mit Kuhmist gebacken, nach dem Gewicht essen, zum Zeichen der großen Hungersnot, so über die Einwohner zu Jerusalem kommen würde. v. 9.

1. Und du, Menschenkind, nimm einen Ziegel, den lege vor dich und entwirf darauf die Stadt Jerusalem.

Ziegel: Einen Stein, der fein glatt und eben ist, dazu lange und breit genug.

Stadt Jerusalem: Dass die, so vorüber gehen, sie etlichermaßen kennen können.

2. Und mache eine Belagerung darum und baue ein Bollwerk darum und grabe einen Schutt darum und mache ein Heer darum und stelle Böcke rings um sie her.

Belagerung: Denn weil die Juden zu Babel, so mit Jojachin, oder Jechanja dahin geführt waren, hofften, sie würden in kurzer Zeit wieder gen Jerusalem kommen, daran doch nichts war, so hat Gott nicht allein mit den Predigten des Propheten Hesekiel, sondern auch mit äußerlichen Zeichen, die Belagerung der Stadt Jerusalem, und was für ein großer Jammer über sie ergehen werde, den gefangenen Juden wollen vorbilden, und zu verstehen geben, auf dass sie dadurch bewegt würden, ihr Gefängnis desto geduldiger zu tragen, und nicht mit einer vergeblichen Hoffnung sich selber betrögen, als ob sie bald wieder in ihr Vaterland kommen würden. [Denn man soll nichts unterlassen, was zu der Menschen Besserung und Bekehrung dienlich sein mag).

Böcke: Welches besondere Kriegsinstrument gewesen, die man vorzeiten in den Belagerungen gebraucht hat, dass man die Mauern damit umgestoßen, und die Tore aufgebrochen. Will so viel sagen, du sollst alles zu rüsten, wie man in Belagerung einer Stadt zu tun pflegt, mit Graben aufwerfen, verschanzen, Bollwerk machen, Mauerbrecher stellen, und dergleichen.

Nach Luther: Das waren vorzeiten Arietes, damit man die Mauern umstieß.

3. Für dich aber nimm eine eiserne Pfanne, die lass eine eiserne Mauer sein zwischen dir und der Stadt; und richte dein Angesicht gegen sie und belagere sie. Das sei ein Zeichen dem Hause Israel.

Mauer sein: Damit anzuzeigen, dass die Chaldäer unüberwindlich sein werden, und ihnen von denen in Jerusalem kein Schaden zustehen könne. Sollst also mit einem äußerlichen Zeichen, den Juden, die bei dir sind, zu verstehen geben, wie alle der belagerten Juden zu Jerusalem Tun und Anfang wider die Feinde keinen Fortgang gewinnen werde, auf dass sie nicht sich eine vergebliche Hoffnung machen, als ob die Feinde würden von der Stadt Jerusalem abgetrieben werden.

Belagere sie: Das ist, du sollst dich also stellen, wie einer, der ganz fleißig Acht hat, an welchem Ort die Stadt am leichtesten zu gewinnen sei, und sollst von deinem Fleiß nichts nachlassen.

Hause Israel: Nämlich, so wohl denen Israeliten, die noch zu Jerusalem sind, als den anderen, die zu Babel sich verhalten, auf dass, wen es jene hören, und diese sehen, sie beiderseits dabei zu merken haben, dass die Stadt Jerusalem von den Chaldäern werde hart belagert, und endlich erobert werden. [Denn Gott lässt ein künftiges Unglück vorher anzeigen, auf dass die Leute dadurch von ihrem gottlosen Wesen abzustehen bewegt, und zur Busse ermahnt werden. Und ist diese Entwerfung der belagerten Stadt den frommen Juden zu Babel zum Besten gemeint gewesen und ihnen zu gute kommen, auf dass sie nicht kleinmütig darüber würden, weil sie auf des Propheten Jeremia Befehl sich willig an den König zu Babel ergeben hatten. Denn Gott tröstet auch mitten im Elend).

4. Du sollst dich auch auf deine linke Seite legen und die Missetat des Hauses Israel auf die selbige legen; so viel Tage du darauf liegst, so lange sollst du auch ihre Missetat tragen.

Legen: Nämlich vor der Stadt, die du auf dem Ziegelstein entworfen hast.

Tragen: Das ist, du sollst eine gewisse Anzahl Tage nur auf einer Seiten liegen, als ob die Missetat des israelitischen Volkes, wie eine schwere Last, auf dir lege: Und sollst mit solchen Gebärden den Juden, die zu Babel wohnen, anzeigen, dass Gott die Bosheit des israelitischen Volkes mit einer sehr beschwerlichen und langwierigen Belagerung strafen werde, weil sie ihn ganze dreihundert und neunzig Jahr lange mit ihren Sünden heftig erzürnt haben. Denn das Volk Israel hat von der Zeit an, da unter Rehabeam das Königreich geteilt wurde, sich mit schrecklicher Abgötterei, und anderen Lastern verunreinigt, und hörte noch auf den heutigen Tag nicht auf zu sündigen im Land ihres Gefängnisses, nämlich in Assyrien, darum will ich an der Stadt Jerusalem, die erstlich der Israeliten Hauptstadt gewesen, ein Beispiel meines gerechten Gerichts sehen lassen, und will sie so viele Tage ernstlich belagern, als viele Jahre die Israeliten mich mit ihrem gottlosen Wesen nacheinander erzürnt haben. Denn von der Zeit an, da Jerobeam der erste König in Israel nach des Königreichs Zerteilung, die Abgötterei eingeführt, bis zu der Stadt Jerusalem Zerstörung, sind dreihundert und neunzig Jahre. Es hat aber die Belagerung mehrere Tage gewährt, von wegen der Bosheit des Volkes Juda, welche die Israeliten besonders unter dem Könige Manasse getrieben. Denn derselbe in die vierzig Jahr ganz ein gottloses Regiment geführt, ehe er gen Babel gefangen gekommen, und sich da zu Gott bekehrt hat.

5. ich will dir aber die Jahre ihrer Missetat zur Anzahl der Tage machen, nämlich dreihundertundneunzig Tage; so lange sollst du die Missetat des Hauses Israel tragen.

6. Und wenn du solches ausgerichtet hast, sollst du danach dich auf deine rechte Seite legen und sollst tragen die Missetat des Hauses Juda vierzig Tage lange, denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr.

Ausgerichtet: Dass du die entworfene Stadt also dreihundert und neunzig Tage auf der einen Seiten liegend belagert hast.

Tage lange: Mit welchem Tun du sollst zu verstehen geben, dass Gott die Juden in der Stadt Jerusalem von wegen ihrer Bosheit, noch andere vierzig Tage werde lassen plagen, über die vorige dreihundert und neunzig Tage, davon allererst gesagt wurde.

Jahr gebe: Also, dass ich dir noch andere vierzig Tage über die vorigen bestimme, die du für das von dir entworfene Jerusalem liegen sollst, an statt der vierzig Jahr, in denen die Israeliten unter dem Könige Manasse in Juda gräulich gesündigt haben. Es ist aber die Stadt Jerusalem belagert worden, im neunten Jahr des Königs Zedekia, am zehnten Tage, des Zehnten Monden, und hat die Belagerung gewährt, bis ins elfte Jahr, im vierten Monat, am neunten Tage, wie 2. Samuel 25. und Jer. 52 zu sehen. Sind deswegen noch etliche wenige Monate und Tage übrig. Über die dreihundert und neunzig, und die andere vierzig Tage, davon bisher gesagt wurde. So waren die Chaldäer etliche wenige Monate und Tage von der Belagerung abgezogen, von wegen der Zukunft des ägyptischen Königs, der dem Ansehen nach, den Juden zu Hilfe zuzog, in Maßen Jeremia erzählt (Kapitel 37). Wenn deswegen die Zeit, da die Chaldäer von der Belagerung hinweggezogen, auch von der vorgesetzten Jahreszahl abgezogen wird, so kommt die Geschichte von der Stadt Jerusalem Belagerung und Eroberung mit der Weissagung Hesekiel ganz nahe überein. [Dass aber ein Tag für ein Jahr gerechnet wird, ist ein Zeichen, dass Gott uns nicht strafe, nach dem wir mit unseren Sünden verdient haben {Ps 103}, sofern wir anders nicht halsstarrig in Sünden immer dar fortfahren. Denn dergestalt haben wir nicht allein die zeitliche, sondern auch ewige Strafe, zu erwarten).

7. Und richte dein Angesicht und deinen bloßen Arm wider das belagerte Jerusalem und weissage wider sie.

Bloßen Arm: Das ist, du sollst den Juden mit dem ganzen Leibe und allen Gebärden anzeigen, wie der König zu Babel allen Fleiß dahin wenden, und mit großer Heereskraft sich rüsten werde, die Stadt Jerusalem zu belagern, und werde nicht ablassen, bis er sie gewonnen, und zerstört habe. Denn ob er wohl von der Belagerung eine kurze Zeit abgezogen, auf dass er den Ägypter zurücktriebe, so hat er doch den Vorsatz niemals fallen lassen, die Stadt Jerusalem zu erobern, sondern hat alle seine Anschläge dahin gerichtet, dass er sie wolle in seine Gewalt bringen.

Weissage: Denn du sollst neben deinen Gebärden auch das Maul benutzen mit Predigen, und die Juden unterrichten, was die Belagerung der entworfenen Stadt bedeute. [Denn die Strafen Gottes können mit keiner menschlichen Hilfe oder Klugheit abgewendet werden, es sei denn, dass man ernstliche Busse tue).

8. Und siehe, ich will dir Stricke anlegen, dass du dich nicht wenden mögest von einer Seite zur anderen, bis du die Tage deiner Belagerung vollendet hast.

Stricke: Ich will dich mit meinen verborgenen Banden gleichsam fesseln.

Vollendet hast: So viele Tage, nämlich, ich dir bestimmt habe, und befohlen, dass du erstlich auf deiner linken, und später auf deiner rechten Seiten liegen sollst, der Stadt Jerusalem Belagerung dadurch vorzubilden. Und ist ohne allen Zweifel eine solche lange Zeit dem Propheten in vielen Wegen ganz beschwerlich gewesen, und ihn sauer angekommen. Dennoch hat er Gott Gehorsam geleistet, und hat ihm Gott Kraft verliehen, dass er solche Beschwerlichkeiten aushalten und überwinden, und der Stadt langwierige Belagerung vorbilden könne. [Gleicher Gestalt wirft Gott oftmals einen ins Bett, dass er etliche Monat lang, oder auch wohl etliche Jahr schwer krank ist, und sich ohne Hilfe anderer Leute nicht von einem Ort zum anderen bewegen kann. Auf dass Gott mit solchen Banden zu verstehen gebe, was die wohl verdienen, welche in großer Sicherheit herumgehen, und sich mit allerlei Schande und Laster besudeln. Welche deswegen also von Gott gebunden werden, die sollen sich geduldig unter seinem Gehorsam ergeben, und von Gott Stärke und Kraft gewärtig sein, dass sie ihr Kreuz bis zur Erlösung ertragen können).

9. So nimm nun zu dir Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und Spelt und tu es alles in ein Fass und mache dir so viel Brote daraus, so viele Tage du auf deiner Seite liegst, dass du dreihundertundneunzig Tage daran zu essen hast,

Brote daraus: Nämlich, aus dem vorgemeldeten Korn und Hülsenfrucht durcheinander gemischt.

Essen hast: Nämlich, von der vorgemeldeten Speise, so lange du auf deiner linken Seiten liegst, und später auch, wenn du auf der rechten Seiten liegst, sollst vierzig Tage über eben solches Brot essen. Also, dass du auf jeglichen Tag ein Brot essest, nach seinem Gewicht, wie später steht.

10. also dass deine Speise, die du täglich essen musst, sei zwanzig Sekel schwer. Solches sollst du von einer Zeit zur anderen essen.

Sekel schwer: Mit welcher Speise du auf einem jeden Tag sollst vergnügt sein. Es hielt aber ein Sekel des Heiligtums nicht mehr, als ein Lot. Darum zwanzig Sekel noch kein Pfund machen. Sollte es aber vom allgemeinen Sekel verstanden werden, der nur halb so viel antrifft, als ein Sekel des Heiligtums, so wären nur zehn Lot. Es werde aber gleich verstanden wie es wolle, so ist es doch gewisslich eine geringe tägliche Speise zur Nahrung für einen Menschen, der erwachsen ist, dass sich keiner bald damit würde könne ersättigen. Hat deswegen Gott mit solcher geringen und genau abgeteilten Speise wollen zu verstehen geben, wie die Juden in der Stadt Jerusalem in große Not kommen würden, dass sie nicht allein an ihrer Nahrung würden einen Abgang und Mangel spüren, sondern auch das Brot zu kleinen Bissen mit einander teilen, damit sie sich doch des Hungers nicht würden erwehren können. Zudem werde das Brot nicht aus einerlei gutem Korn sein, sondern aus viel und mancherlei Hülsenfrüchten gemengt, weil die äußerste Not sie dahin treiben werde. Denn der Prophet war auch ein Vorbild der belagerten Juden, so wohl als der Chaldäer vor der Stadt. [Der Gestalt straft Gott unter anderen Sünden auch den Überfluss in Essen und Trinken).

11. Das Wasser sollst du auch nach dem Maß trinken, nämlich das sechste Teil vom Hin; und sollst solches auch von einer Zeit zur anderen trinken.

Maß trinken: Die ich dir bestimmen will, dass du nicht trinkst, so viel du willst, oder wenn dich dürstet, sondern wie man dir es geben wird.

Einer Zeit: Nämlich, auf einen jeden Tag sollst so viel und nicht mehr trinken. Es hält aber ein Hin ungefähr zwei Württembergische Maß, oder vier Kanten. Wäre deswegen das sechste Teil vom Hin ein drittes Teil einer Maß, oder etwas weniger als anderthalb Nössel. Welches auch ein schlechtes Getränk gewesen für einen erwachsenen Menschen für den ganzen Tag. Es wollte aber Gott damit anzeigen, dass die Juden in der Belagerung auch nicht Wasser genug würden zu trinken haben, den Durst damit zu löschen. [Also straft Gott die Trunkenheit neben anderen Lastern).

12. Gerstenkuchen sollst du essen, die du vor ihren Augen mit Menschenmist backen sollst.

Backen sollst: Das ist, aus dem vorgeernteten mancherlei Korn, darunter doch die Gersten vorgeschlagen wird, sollst du dir Brot backen, aber nicht mit Holz oder Kohlen, sondern du sollst das Feuer mit dürrem Menschen Mist anmachen, und also backen, dass die Speise, so etlichermaßen nach dem Feuer riecht, einen hässlichen Geschmack haben wird.

Nach Luther: Er hat müssen kochen bei solchem Mist, wie man mit Rasen und Kuhmist kocht. Es riecht aber die Speise nach dem Feuer. Also sollten sie auch in solche Not und Hunger kommen, dass sie kein rechtes Feuer noch Brot haben sollten.

13. Und der Herr sprach: Also müssen die Kinder Israel ihr unreines Brot essen unter den Heiden, dahin ich sie verstoßen habe.

Verstoßen: Denn weil sie bis daher meinen Geboten nicht gehorchen wollten, noch für mancherlei Unreinigkeiten, die ich ihnen verboten, sich hüten, sondern sich an Leib und Seele verunreinigt haben, dazu dem Ansehen nach, an solcher Unreinigkeit ihre Lust und Freude hatte, so will ich verschaffen, dass sie nicht allein in währender Belagerung, sondern auch später in ihrem Elend kein reines Brot finden sollen, und aus Not solche Speise essen müssen, davor sie einen Abscheu haben. [Also rächt Gott den zu großen Überfluss und Köstlichkeit in essen und trinken).

14. Ich aber sprach: Ach, Herr Herr, siehe, meine Seele ist noch nie unrein geworden; denn ich habe von meiner Jugend auf bis auf diese Zeit kein Aas noch Zerrissenes gegessen, und ist nie kein unrein Fleisch in meinen Mund kommen.

Unrein geworden: Ich habe mich bis daher von aller unreinen Speise enthalten, die du in deinem Gesetz verboten hast, darum bitte ich dich, du wollest mich nicht dahin dringen, das ich jetzt allererst mit abscheulicher Speise, so mit Menschenmist gekocht wäre, mich verunreinigen müsse. [Denn es ist einem frommen Menschen zugelassen, dass er Gott wohl bitten mag um Linderung seines Kreuzes).

15. Er aber sprach zu mir: Siehe, ich will dir Kuhmist für Menschenmist zulassen, damit du dein Brot machen sollst.

Kuhmist: Dass du damit das Feuer anmachst, und Brot dabei backst, welcher nicht so einen abscheulichen Gestank hat, wie Menschenmist. [Denn Gott lindert der Frommen Elend).

16. Und sprach zu mir: Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrat des Brotes zu Jerusalem wegnehmen, dass sie das Brot essen müssen nach dem Gewicht und mit Kummer und das Wasser nach dem Maß mit Kummer trinken {Hes 5v16 v17 14v13},

Wegnehmen: Das ist, ich will einen Hunger über die Stadt Jerusalem, wenn sie belagert ist, kommen lassen, der Gestalt, dass das Korn, so noch vorhanden sein wird, der Menschen Kräfte nicht unterhalten soll, wie sonst zu geschehen pflegt, sondern wenn sie gleich essen, sollen sie doch nicht satt werden. Darum in kurzer Zeit aufgegessen und verzehrt sein wird, was auf viele Jahre hinterlegt wurde. [Denn wenn Gott dem Brot die Kraft entzieht, dass es nicht speist oder sättigt, so entsteht auch bei einem großen Vorrat der Früchte eine teure Zeit, weil die Leute nicht können genug essen, dass sie satt werden).

Gewicht: Denn man wird denen, die in der Stadt Jerusalem sind, das Brot kärglich austeilen, dass sie in der Belagerung mit großer Angst und Sorge essen werden.

Trinken: Man wird ihnen auch nicht genug Wasser geben, dass sie den Durst damit löschen könnten, sondern werden in großem Herzeleid verschmachten.

17. darum dass es an Brot und Wasser mangeln wird, und einer mit dem anderen trauern und in ihrer Missetat verschmachten sollen.

Trauern: Sie werden in solchem Jammer einander mit Schrecken und Entsetzen ansehen, und von wegen ihrer vielfältigen Sünden vor Herzeleid im Elend sterben, dazu wo sie nicht Busse tun, an der Seelen schaden leiden. [Denn Gott bringt den langen Verzug der Strafe, mit derselben Größe und Schwere wiederum herein. Darum sollen wir seine Langmütigkeit nicht missbrauchen).


Das 5. Kapitel


1. Dem Propheten wird befohlen, dass er sein Haar abscheren, und in drei Teil abteilen soll, und damit der Juden, die noch zu Jerusalem waren, Untergang, durch Pestilenz, Schwert, und andere Unfälle im Elend vorbilden.

1. Und du, Menschenkind, nimm ein Schwert, scharf wie ein Schermesser, und fahre damit über dein Haupt und Bart und nimm eine Waage und teile sie damit.

Fahre: Schneide dir das Haar auf dem Haupt und an Bart ab. Und wurde durch solche Haar die Juden zu Jerusalem angedeutet, welche von ihrem Ort hinweg, und aus dem Vaterland vertrieben werden sollten. Es ist aber dies Vorbild von der Juden zu Jerusalem Unfall, den anderen, so zu Babel bereits gefangen gewesen, aus Gottes Befehl vom Propheten vorgehalten worden.

Teile] Wäge die abgeschorenen Haare damit ab in drei gleiche Teile.

2. Das eine dritte Teil sollst du mit Feuer verbrennen mitten in der Stadt, wenn die Tage der Belagerung um sind; das andere dritte Teil nimm und schlage es mit dem Schwert ringsumher; das letzte dritte Teil streue in den Wind, dass ich das Schwert hinter ihnen her ausziehe.

Stadt: Die du, nämlich, auf dem Ziegelstein entworfen hast.

Um sind: Nämlich, wenn die Zeit herum sein wird, die ich dir bestimmt habe, dass du deine entworfene Stadt belagern sollst. Und wurde damit angezeigt, wie das dritte Teil des jüdischen Volkes zu Jerusalem, am Ende der Belagerung, in der Stadt durch Pestilenz und Hunger umkommen würde, weil der Hunger gleichsam verzehrt, die Pestilenz aber mit einem hitzigen Gift, der Menschen Leiber anzündet und verbrennt. Denn also erklärt später in diesem Kapitel Gott selbst dies Vorbild. [Man kann aber wider den Hunger und die Pestilenz keine Festung stark genug bauen, darin man vor ihnen gesichert wäre, sondern wenn Gott der Leute Bosheit strafen will, so überfallen sie auch die aller festesten Städte und Schlösser).

Umher: Damit anzuzeigen, wie ein großer Teil der Bürger zu Jerusalem, um die Stadt hin und her würde von den Feinden erwürgt werden. Denn da der König Zedekia mit den vornehmsten Kriegsleuten aus der Stadt floh, wurde er von den Chaldäern auf der Ebene bei Jericho ergriffen, das ohne Zweifel nicht abgegangen ohne großes Blutvergießen der Seinen. [Denn welche die gerechte göttliche Rache verfolgt, die können der Menschen Händen nicht entrinnen).

Wind: Welches bedeutet, dass der dritte Teil der Juden zu Jerusalem im Elend herumschweifen. Und also auch nach Eroberung der Stadt nirgends sicher würde bleiben können, sondern durch schlechte Gelegenheit hin und wieder erwürgt werden. Denn was denen Juden, so nach der Stadt Eroberung übergeblieben (deren etliche noch eine Zeit lang im jüdischen Land gehaust, später aber in Ägypten gezogen) vom Ismael dem Sohn Nethanja, und weiter in Ägypten begegnet ist, findet man im Jeremia Kapitel 41. und 43. [Kann es deswegen wohl geschehen, dass die, so in Eroberung einer Stadt errettet werden, später in größeres Unglück geraten, als andere, so in der Belagerung umgekommen sind).

3. Nimm aber ein klein wenig davon und binde es in deinen Mantelzipfel.

Davon: Nämlich, von dem dritten und letzten Teil der Haare, dadurch die übrigen, so nach der Stadt Zerstörung übergeblieben, angedeutet werden.

Binde: Dass du es auf behaltest. Und wurden diejenigen dadurch angedeutet, welche Gott in dem Gefängnis zu Babel erhalten wollte. [Denn im Zorn gedenkt Gott der Barmherzigkeit {Hab 3}.

4. Und nimm wiederum etliches davon und wirf es in ein Feuer und verbrenne es mit Feuer; von dem soll ein Feuer auskommen über das ganze Haus Israel.

In ein Feuer: Denn es sollten etliche auch im Gefängnis zu Babel durch Hunger und Pestilenz aufgerieben werden. Und bezeugen es des Propheten Jeremia Klagelieder genügend, wie unbarmherzig die Chaldäer mit den Juden eins teils umgegangen sind.

Auskommen: Das ist: Weil die gefangenen Juden zu Babel, von den Chaldäern angefeindet werden, so werden auch die Israeliten, welche vom Salmanassar in Assyrien weggeführt wurden, und unter die Heiden hin und wieder zerstreut, deshalb ein böses Geschrei überkommen, und von neuen desto härter gehalten, auch ihr Elend also wieder erneuert werden. So bezeugt die Historie Esther genügend, wie heftig die Juden angefeindet wurden. [Denn weil man nicht Busse tut, so kann man keine Linderung der Strafen hoffen).

5. So spricht der Herr Herr: Das ist Jerusalem, die ich unter die Heiden gesetzt habe, und rings um sie her Länder.

So spricht: Jetzt erzählt Gott die Ursache, warum solche Unglücke über die Juden zu Jerusalem kommen werden.

Gesetzt habe: Nämlich, die undankbare Stadt, die ich wie eine Insel im Meer mitten unter mancherlei Länder und Herrschaften mir erwählt, und unter denselben mit meiner väterlichen Güte bisher wunderlich erhalten habe. [Also wohnt auch noch heutzutage die Kirche mitten unter den Wölfen, und wird unter ihnen erhalten).

6. Sie aber hat mein Gesetz verwandelt in gottloser Lehre mehr denn die Heiden, und meine Rechte mehr denn die Länder, so rings um sie her liegen. Denn sie verwerfen mein Gesetz und wollen nicht nach meinen Rechten leben.

Heiden: Denn die abgöttischen Heiden haben sich oft an ihrer alten Religion vergnügen lassen, die sie von ihren Voreltern empfangen, und nicht bald ihre Götter geändert: Aber die Juden haben schier unzählige Aberglauben und falsche Gottesdienste erdacht. Und haben die Heiden, weil sie nach dem Gesetz der Natur guter maßen sich gerichtet, Zucht und Ehrbarkeit gehandhabt. Da hingegen die Juden mit so gräulicher Schande und Laster sich besudelt, davor auch die Heiden ein Abscheu hatten. [Denn es werden bisweilen in der Kirche Gottes größere Ärgernisse gesehen, als außerhalb derselben, darum straft Gott auch solche vorsätzliche und mutwillige Bosheit aufs Ernstlichste).

Gesetz: Das ich ihnen gegeben habe, welches sie mit großem Mutwillen verachten. [Denn wer des Herrn Willen weiß, und tut ihn nicht, der sündigt mehr, als der unwissentlich sündigt, darum er auch mit mehr Schlägen wird gestraft {Lk 12}.

7. Darum spricht der Herr Herr also: Weil ihr es mehr macht denn die Heiden, so um euch her sind, und nach meinen Geboten nicht lebt und nach meinen Rechten nicht tut, sondern nach der Heiden Weise tut, die um euch her sind,

Mehr macht: Dass ihr mit der Größe und Schwere der Sünden die Heiden übertrefft.

Heiden Weise: Welche eine falsche und verführerische Religion haben, ob sie wohl standhafter dabei beharren, als ihr in der euren, und in dem Fall euch weit vorzuziehen sind.

8. so spricht der Herr Herr also: Siehe, ich will auch an dich und will Recht über dich gehen lassen, dass die Heiden zusehen sollen.

An dich: Du Stadt Jerusalem, ich will mich wider dich rüsten, dich zu plagen.

Zusehen: Das ist, ich will ein Beispiel meines gerechten Gerichts, und schweren Zorns wider deine Sünden und Bosheit, an dir sehen lassen, dass die benachbarten Heiden sich darüber entsetzen werden.

9. Und will also mit dir umgehen, als ich nie getan und künftig nicht tun werde, um aller deiner Gräuel willen,

Tun werde: So lange die Welt stehen wird: Auf dass alle, die es hören, sich davor entsetzen werden.

Gräuel willen: Dieweil du mit Abgötterei und anderen Lastern gräulich verunreinigt bist. [Denn Gott schont die Kirche nicht, wenn sie schwer sündigt, sondern das Gericht fängt am Hause Gottes an {1Petr 4}. Weil aber Gott seine Kirche so heftig plagt, was wird es denn wohl mit denen werden, die Gott nicht erkannt haben, sondern die rechte Religion noch dazu verfolgen?)

10. dass in dir die Väter ihre Kinder und die Kinder ihre Väter fressen sollen; und will solches Recht über dich gehen lassen, dass alle deine Übrigen sollen in alle Winde zerstreut werden {3Mos 26v29 5Mos 28v53}.

Fressen sollen: Vor großer Angst und Hungersnot. Und zeigt Gott mit diesen Worten an, wie der Hunger in der Stadt Jerusalem fast nicht zum Aushalten sein würde.

Gehen lassen: Dass ich das Urteil meines gerechten Zorns an dir vollstrecke.

Zerstreut: Was noch von dem Kriege übrig sein wird, das wird hin und wieder in alle Welt zerstreut werden. [Es ist aber ein jämmerliches Tun, wenn ein Volk von einander also zerstreut wird, dass auch die allerbesten Freunde, ja Mann und Weib, und die Kinder von den Eltern weggeführt und gerissen werden. Dass uns nun dergleichen nicht begegne, so sollen wir Gott fürchten und vor Augen haben, damit wir ihn mit unseren Sünden nicht erzürnen).

11. Darum, so wahr als ich lebe, spricht der Herr Herr, weil du mein Heiligtum mit deinen allerlei Gräueln und Götzen verunreinigt hast, will ich dich auch zerschlagen, und mein Auge soll dein nicht schonen und will nicht gnädig sein.

Darum: Gott fährt noch immer weiter fort, den Juden zu Jerusalem alles Unglück zu drohen.

Lebe: So wahr ist auch, was ich jetzt sagen will.

Verunreinigt: In dem du in meinem Tempel deine unreinen und falschen Gottesdienste verrichtet, so will ich auch weder deines Tempels noch deiner Stadt schonen, sondern sie zerstören lassen, euch aber will ich mit dem Schwert, Hunger und Pestilenz, und mit Vertreibung ins Elend strafen. [Denn unter alle Sünde und Laster hasst Gott die Abgötterei und Verfälschung der rechten Lehre am allermeisten).

12. Es soll das dritte Teil von dir an der Pestilenz sterben und durch Hunger alle werden, und das andere dritte Teil durch das Schwert fallen rings um dich her, und das letzte dritte Teil will ich in alle Winde zerstreuen und das Schwert hinter ihnen herausziehen.

Alle werden: Welches in währender Belagerung geschehen wird.

Schwert fallen: Wenn, nämlich, die Stadt wird erobert werden, und der König Zedekia mit den vornehmsten Kriegsleuten wird begehren auszureißen, und der Chaldäer Händen zu entfliehen.

Ausziehen: Also, dass sie auch in ihrem Elend nirgends sicher werden bleiben können, sondern durch allerlei Unfälle jämmerlich umkommen. Dies alles miteinander soll der Prophet mit dem vorgemeldeten Vorbild seiner Haare den Juden andeuten und zu verstehen geben, dass die anderen, so zu Babel bereits im Gefängnis waren, in ihrem Elend desto geduldiger wären, und auf keine Wiederkunft zu den anderen Juden gen Jerusalem hofften. Weil dieselben noch so viel und mancherlei schreckliches Unglück bevor und zu erwarten hatten. [So oft wir deswegen zur Ungeduld gereizt werden, sollen wir uns nach anderen Leuten umsehen, denen es noch übler geht oder gegangen ist. Also wird uns unser Unfall desto leichter werden, dass wir unser zaghaftes Gemüt besser stillen können).

13. Also soll mein Zorn vollendet, und mein Grimm über ihnen ausgerichtet werden, dass ich meinen Mut kühle; und sie sollen erfahren, dass ich, der Herr, in meinem Eifer geredet habe, wenn ich meinen Grimm an ihnen ausgerichtet habe.

Ausgerichtet werden: Dass ich demselben meinem Zorn und Grimm genug tue, mich rechtschaffen an ihnen räche, und meine Lust büße. [Es redet aber Gott hier auf menschliche Weise, anzuzeigen, wie er nicht nur ein gnädiger, sondern auch ein ernsthafter Gott sei, und den Unbußfertigen ein gestrenger Richter).

Geredet habe: Wie ich wollte ein Beispiel meines gerechten Zorns an den Juden sehen lassen, dass sie es sollen innewerden. [Denn obwohl die unbußfertigen Gottes Drohungen verachten, weil derselben Erfüllung eine Zeit lang aufgeschoben wird, so vergisst doch Gott nicht, was er, nach Ausweisung seiner Gerechtigkeit, den unbußfertigen Sündern gedroht hat).

14. ich will dich zur Wüste und zur Schmach setzen vor den Heiden, so um dich her sind, vor den Augen aller, die vorübergehen.

Schmach setzen: Will so viel sagen, ich, der allmächtige Gott, will die Stadt Jerusalem samt ihren Einwohnern so ganz zerstören, und zunichtemachen, dass die benachbarten Völker, und andere, so dort vorüber reisen, sie anpfeifen werden. [Denn Gott schont derjenigen Ehren und berühmten Namens nicht, die seinen herrlichen Namen mit einem gottlosen Wandel entheiligen).

15. Und sollst eine Schmach, Hohn, Beispiel und Wunder sein allen Heiden, die um dich her sind, wenn ich über dich das Recht gehen lasse mit Zorn, Grimm und zornigem Schelten (das sage ich, der Herr),

Gehen lasse: Das ist, wenn ich meine Drohungen in der Tat erfüllen werde, und mein gerechtes ernstes Urteil wider deine begangene Sünden zu vollstrecken vor mich nehme, so werden die benachbarten Heiden deiner noch dazu spotten, und an deiner Strafe ein augenscheinliches Beispiel spüren, mit was Ernst und Eifer ich die Bosheit zu strafen pflege, und werden vor der Größe deines Unglücks sich entsetzen. [Denn Gott lässt an der ernsten Strafe, damit er seine Kinder heimsucht, ein Beispiel seines Zorns sehen, auf dass die Ungläubigen und Unbußfertigen am Jüngsten Tage keine Entschuldigung haben oder vorwenden können).

16. und wenn ich böse Pfeile des Hungers unter sie schießen werde, die da schädlich sein sollen, und ich sie ausschießen werde, euch zu verderben, und den Hunger über euch immer größer werden lasse und den Vorrat des Brot wegnehme {Hes 4v16 14v13}.

Schießen werde: Dass ich sie werde lassen Hungers sterben, als wie ein Jäger mit einem Pfeil ein Wild fällt.

Schädlich sein: Dass der Hunger von Tag zu Tage zunehme, und je länger je unleidlicher sein wird.

Wegnehme: Dass ich der Speise die Kraft zu nähren und zu stärken entziehe, also dass ihr in kurzer Zeit viel verzehren, aber doch euch nicht sättigen werdet. [Denn gleichwie durch Gottes Segen wenig Speise viel sättigen kann, also mag durch desselben Fluch, viel Speise wenig Leuten nicht genug sein).

17. Ja, Hunger und böse wilde Tiere will ich unter euch schicken, die sollen euch ohne Kinder machen; und soll Pestilenz und Flut unter dir umgehen, und will das Schwert über dich bringen. Ich, der Herr, habe es gesagt {3Mos 26v22}.

Machen: Welches alles euch begegnen wird, wenn ihr bereits im Elend lebt, dass ihr nirgends werdet sicher bleiben können, und so wohl vor den wilden Tieren, als anderen Feinden euch werdet zu bewahren haben.

Gesagt: Und will es auch in der Tat erfüllen. [Auf dass nun Gott vielmehr seine Verheißungen, als Drohungen, an uns erfülle, so lasst uns bei Zeit ernstliche Busse tun und die wohlverdienten Strafen demütig abbitten).


Das 6. Kapitel


1. Erstlich wird geweissagt, dass die abgöttischen Juden sollen mit dem Schwert gestraft werden. v. 1. 2. Danach werden die übrigen sich zu Gott bekehren. v. 8. 3. Am Ende schreitet der Prophet wieder zur Erzählung der Strafen, so die unbußfertige Juden werden zu erwarten haben. v. 11.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, kehre dein Angesicht wider die Berge Israels und weissage wieder sie {Hes 36v1}.

Berge Israel: Rüste dich zu weissagen wider das jüdische Land. Denn es fährt der Prophet noch immer fort von der Zerstörung der Stadt Jerusalem und des Königreichs Juda Verwüstung zu weissagen. Er nennt aber das Königreich Juda mit dem Namen Israel, weil zu Anfang die Königreiche Juda und Israel ein Reich gewesen, und nach dem das Königreich Israel längst zugrunde gegangen, bedurfte es des Unterschieds ohne das nicht mehr. Darum da in diesen zwei Kapiteln der Prophet von Israel redet, versteht er das Königreich Juda dadurch, so auch Israeliten waren, als die von dem Patriarchen Jakob, der mit dem Zunamen Israel hieß, ebenso wohl, als die andere ihre Herkunft hatten.

3. und sprich: Ihr Berge Israels, hört das Wort des Herrn Herrn! So spricht der Herr Herr beide, zu den Bergen und Hügeln, beide, zu den Bächen und Tälern: Siehe, ich will das Schwert über euch bringen und eure Höhen umbringen,

Ihr Berge: Denn ich euch anreden will, weil die, so um euch her wohnen, ihrem Gott nicht mehr gehorchen oder folgen wollen. [Und will der Prophet mit dieser verblümten Rede anzeigen, wie ganz verhärtet und verstockt der Gottlosen Herzen sind, gegen dem Worte Gottes. Erinnert auch zugleich die Kirchendiener, dass sie nichts unterlassen sollen, die Leute zur Anhörung des göttlichen Wortes aufzumuntern. Gleichwie die erfahrenen Ärzte ihre Arzneien, so unlieblich einzunehmen sind, auf mancherlei Weise zu richten und verändern, bis der Patient sie einnehmen kann). Es sind aber ohne Zweifel diese Predigten des Propheten aufgezeichnet, und ins Königreich Juda geschickt, oder doch von denen die aus Babel dahin gezogen, ihnen zu wissen gemacht worden.

Und Tälern: So alle mit einander mit vielfältiger Abgötterei besudelt und verunreinigt sind. Denn es hatten die Israeliten an solchen Orten, wo sie ein lustiges Ansehen hatte, ihre abgöttischen Kapellen und Altar aufgerichtet, und darin eine lange Zeit Abgötterei getrieben.

Bringen: Nämlich, der Chaldäer, welche die, so um euch her im Lande wohnen, erwürgen sollen.

4. dass eure Altäre verwüstet und eure Götzen zerbrochen sollen werden; und will eure Leichname vor den Bildern totschlagen lassen.

Götzen: Damit ihr mich zu Zorn gereizt, in dem ihr ihnen göttliche Ehre erzeigt habt. [Denn obwohl die Abgötterei der menschlichen Vernunft wohl zuschlägt: So ist sie doch vor Gott das aller abscheulichste Übel).

Totschlagen: Dass die abgöttischen Einwohner eben am selben Ort sollen erschlagen werden, an denen sie ihre Abgötterei getrieben: Und welche lebendig vor den Götzen niederfallen, und sie angebetet haben, wider mein ausdrückliches Wort und Gebot, die sollen von den Feinden erwürgt, vor den Götzen, von denen sie keine Guttat empfangen haben, tot liegen.

5. Ja, ich will die Leichname der Kinder Israel vor euren Bildern fällen und will eure Gebeine um eure Altäre her zerstreuen.

Zerstreuen: Und also dieselben Örter mit euren Gebeinen verunreinigen und entweihen, welche ihr ohne und wider mein Wort zur Abgötterei geweiht habt. Denn man hielt es dafür, dass die heiligen Örter durch Anregung der toten Gebeine verunreinigt und entheiligt würden. Darum auch der fromme König Josia, da er die abgöttischen Altare verunreinigen wollen, der falschen Propheten Gebeine auf ihren Altären verbrannt hat {2Sam 23}.

6. Wo ihr wohnt, da sollen die Städte wüst und die Höhen zur Einöde werden. Denn man wird eure Altäre wüst und zur Einöde machen und eure Götzen zerbrechen und zunichtemachen und eure Bilder zerschlagen und eure Stifte vertilgen,

Höhe: Eure Kapellen und Altäre, die ihr an hohen Orten aufgebaut habt.

Stifte: Darauf ihr viele Mühen und Kosten gewendet habt.

7. und sollen Erschlagene unter euch daliegen, dass ihr erfahrt, ich sei der Herr.

Liegen: Das ist, die Juden sollen auf den Bergen und Hügeln, wie auch an den Bächen, und in den lustigen Tälern, da sie bei ihren Lebzeiten Abgötterei getrieben, von den Feinden darnieder gelegt werden, und umkommen.

Herr: Der ich die Abgötterei und andere Sünden nicht ungestraft lasse. [Denn wenn die Länder, Städte, und Häuser mit Abgötterei und Sünden verunreinigt werden, so lässt Gott dieselben Örter verwüstet, und die Einwohner vertilgt werden).

8. ich will aber etliche von euch überbleiben lassen, die dem Schwert entgehen unter den Heiden, wenn ich euch in die Länder zerstreut habe.

Ich will: Jetzt setzt der Prophet einen Trost hinzu, wie Gott in seinem Zorn an seine Barmherzigkeit gedenkt, und lehrt, dass Gott unter so viel und mancherlei Unfälle etliche übrige seines Volkes erhalten werden.

Zerstreut: Dass ihr im Elend unter den Heiden herum ziehen werdet, da will ich euer etliche beschützen, damit ihr nicht ganz umkommt. [Denn Gott lässt seine Kirche auch in den allergrößten Verfolgungen nicht ganz ausrotten).

9. Dieselben eure Übrigen werden dann an mich denken unter den Heiden, da sie gefangen sein müssen, wenn ich ihr hurerisches Herz, so von mir gewichen, und ihre hurerischen Augen, so nach ihren Götzen gesehen, zerschlagen habe; und wird sie bereuen die Bosheit, die sie durch allerlei ihre Gräuel begangen haben.

Denken: Dass sie ihnen der Propheten Reden, die sie vor der Zeit verachtet, werde wiederum zu Gemüt führen, und nach dem sie von mir gezüchtigt wurden, Busse tun, und sich zu mir, ihrem Gott und Herrn, bekehren, in ihrem Elend, da sie sonst zuvor, wie es ihnen wohl ging, mich nicht hören wollten. [Denn wenn Gott die Auserwählten züchtigt, so gehen sie in sich selbst, und tun Busse, da sie zuvor alle heilsame Warnungen und Erinnerungen ausgeschlagen haben).

bereuen: Sie werden es sich von Herzen lassen Leid sein, dass sie sich von mir, ihrem Gott, abgewandt, und mit einem geistlichen Ehebruch, nämlich, mit der Abgötterei, verunreinigt haben. Darum werden sie nicht mehr mit ihren unzüchtigen Herzen, die zur Abgötterei geneigt sind, zu den Götzen sich wenden, sondern auf mich ihren einzigen Erlöser sehen, und werden bei sich selbst schamrot werden, dass sie mir die eheliche Treue, im geistlichen Ehestand nicht gehalten haben. [Wir bekehren uns aber als dann zum Herrn, wenn er unser hartes Herz zerschlägt, erweicht, ändert, und unsere Augen auf seine Gebote richtet, aus uns aber, das ist, aus unseren Kräften, vermögen wir dergleichen nichts. Welche aber aus Gottes Gnade ernstliche Busse tun, die sind sich selbst von Herzen feind darum, wenn sie ihre Sünden und gottloses Wesen betrachten).

10. Und sollen erfahren, dass ich der Herr sei und nicht umsonst geredet habe, solches Unglück ihnen zu tun.

Erfahren: Das ist, Sie werden erkennen, dass ich ein gerechter Gott bin, und nicht ohne erhebliche Ursache, ein so großes Unglück ihnen gedroht, und auch über sie ergehen lassen. [Denn endlich erkennen und bekennen die Auserwählten, dass sie richtig von Gott gestraft wurden).

11. So spricht der Herr Herr: Schlage deine Hände zusammen und strampel mit deinen Füßen und sprich: Wehe über alle Gräuel der Bosheit im Hause Israels, darum sie durch Schwert, Hunger und Pestilenz fallen müssen!

So] Jetzt wendet sich der Prophet wieder zu den unbußfertigen Israeliten, dass er ihnen ihre Strafe verkündige.

Füssen: Treibe solche jämmerlichen Gebärden, wie die zu tun pflegen, welche von Herzen betrübt, und vor großer Angst und Bekümmernis kaum bei Sinnen sind.

Fallen müssen: Nämlich, die Juden zu Jerusalem, und welche im Königreich Juda noch vorhanden sind. [Obwohl nun heutigen Tages nicht nötig ist, dass die Prediger dergleichen Gebärden treiben, wie damals unter den hartnäckigen Juden, sie zu bewegen, vonnöten war, so sollen dennoch ihre Ermahnungen und Warnungen, die sie aus Gottes Wort vorbringen, nicht kalt und schläfrig sind, dass es ein Ansehen habe, als wäre es dem Prediger selbst kein rechter Ernst mit der Sache, welche er vorbringt, und ließe sie ihm nicht besonders angelegen sein).

12. Wer ferne ist, wird an der Pestilenz sterben, und wer nahe ist, wird durch das Schwert fallen; wer aber überbleibt und davor behütet ist, wird Hungers sterben. Also will ich meinen Grimm unter ihnen vollenden,

Sterben: Dass sie also der Strafe darum nicht entgehen werden, wenn sie gleich in der Belagerung nicht umgekommen sind. [Denn es kann kein Ort, wie weit und ferne er auch abgelegen sein mag, jemand vor der Pestilenz sicher sein, wenn ihn Gott zur Strafe ziehen will. Und obwohl ein Christ die ordentlichen Mittel nicht verachten soll, und wohl fliehen mag, wenn ihn sein Beruf nicht daran hindert, so soll er doch nicht all seine Hoffnung nur auf die Flucht stellen).

Schwert fallen: Denn es ist kein Zweifel, dass viele Juden durch der Chaldäer Streifen-, hin und wieder darauf gegangen, ehe die Stadt belagert wurde.

Hungers sterben: Der zur Stadt geflohen ist, und gemeint, dass er in derselben sicher sein wolle. [Denn es hilft kein Reichtum vor des Hungers Not, wenn Gott der Leute Bosheit Strafen will).

Vollenden: Dass ich mein Mütlein an ihrer Strafe kühle.

13. dass ihr erfahren sollt, ich sei der Herr, wenn ihre Erschlagenen unter ihren Götzen liegen werden um ihre Altäre her, oben auf allen Hügeln und oben auf allen Bergen und unter allen grünen Bäumen und unter allen dicken Eichen, an welchen Orten sie allerlei Götzen süßes Rauchopfer taten.

Herr: Der ich meines Namens Ehre rette, wenn ich die Gottlosen ins Verderben bringe.

Götzen: Denen sie vergebens göttliche Ehre angetan haben.

Altar: Darauf sie ihren selberwählten Göttern geopfert.

Örtern: Zu denen allen sie eine besondere Lust hatten, und ihre Götzen darin verehrten.

Süsses Rauchopfer: Damit sie gemeint, ihre Abgötter zu versöhnen. [Denn es geschieht oft, dass die Gottlosen eben an denen Örtern zur Strafe hingerissen werden, da entweder sie oder ihre Voreltern Gott mit ihren Sünden erzürnt haben.

14. ich will meine Hand wider sie ausstrecken und das Land wüst und öde machen, von der Wüste an bis gen Diblath, wo sie wohnen, und sollen erfahren, dass ich der Herr sei.

Ausstrecken: Ich will meine Macht an ihnen sehen und spüren lassen, dass ich sie ins Verderben stürze.

Diblath: Dass die selbige ganze Gegend wüst liegen soll, weil alle Städte und Dörfer verwüstet, zerstört, und verbrannt sind.

Herr sei: Von dem sie böslich abgefallen. [Wir sollen vor erlittenem Schaden uns zu Gott bekehren, auf dass er uns nicht ein solches hartes Gebiss einlegen müsse).


Das 7. Kapitel


1. Ist eine Weissagung von des Königreichs Juda Untergang, und von dem gerechten Zorn Gottes über die widerspenstigen und abgöttischen Juden, dass sie weder ihre Kriegsrüstung noch der Priester, Propheten und Ältesten Ratschläge vor ihrem Unfall befreien werden.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: In diesem Kapitel wird noch geweissagt von der Stadt Jerusalem Zerstörung, und des Königreichs Juda Untergang. Und redet der Prophet abermals von den Israeliten allgemein, versteht aber dadurch das Königreich Juda und die Stadt Jerusalem, wie zu Anfang des vorigen Kapitels auch gemeldet.

2. Du Menschenkind, so spricht der Herr Herr vom Lande Israel: Das Ende kommt, das Ende über alle vier Örter des Landes.

Menschenkind: Höre mir zu, und merke darauf, was ich dir sagen will, und was du von mir hörst, das bringe den Gefangenen zu Babel treulich wieder vor.

Lande Israel: Nämlich, vom Königreich Juda, das noch den israelitischen Namen hat und führt, weil von den anderen Stämmen fast niemand mehr vorhanden ist.

Vier Örter: Also, dass das ganze Land Juda gegen alle vier Örter der Welt, und nicht nur ein Stück davon, wird verwüstet werden.

3. Nun kommt das Ende über dich; denn ich will meinen Grimm über dich senden und will dich richten, wie du verdient hast, und will dir geben, was allen deinen Gräueln gebührt.

Senden: Und meinen gerechten Zorn über dich ausschütten.

Gebührt: Du sollst deine gebührliche Strafe empfangen, die du mit deiner vielfältigen schrecklichen Abgötterei, und anderen abscheulichen Sünden verschuldet hast.

4. Mein Auge soll dein nicht schonen, noch übersehen, sondern ich will dir geben, wie du verdient hast und deine Gräuel sollen unter dich kommen, dass ihr erfahren sollt, ich sei der Herr.

Schonen: Bis ich ein Beispiel meines gerechten Zorns über dich hab ergehen lassen.

Gräuel: Das ist: Die Strafen deiner bösen und Gottlosen Taten.

Kommen: Dass du sie nicht wirst abwenden können.

Erfahren sollst: Und mit eurem Verderben innewerden.

Herr: Der alle Bosheit rächt, und seine Majestät handhabt. [Denn wo die Unbußfertigen der Gnaden Gottes gleichsam den Weg verlegen, da müssen sie den Ernst Gottes spüren. Und wenn man der Langmütigkeit Gottes lange missbraucht hat, so wird dieselbe in einen schrecklichen Zorn und Ungnade verändert).

5. So spricht der Herr Herr: Siehe, es kommt ein Unglück über das andere!

Das andere: Du wirst mit vielerlei Unglück zugleich überfallen werden, dass keins dem anderen wird entweichen mögen.

6. Das Ende kommt, es kommt das Ende, es ist erwacht über dich; siehe, es kommt!

Es kommt: Welches ich darum so oft wiederhole, auf dass ihr versteht, wie der Untergang des Königreichs Juda ganz nahe vorhanden sei, und gewisslich nicht außen bleiben werde, ob es gleich eine Zeit lang ein Ansehen damit hatte, als schliefe Gott mit seinem gerechten Urteil, dass er es nicht vollstreckte. Darum sollt ihr Juden, die ihr bereits zu Babel gefangen seid, euer Elend geduldig tragen, weil es viel besser mit euch steht, als mit euren Brüdern, die noch im jüdischen Land sind. [Denn es geschieht dem viel ärger, der am letzten weint, als dem, der am ersten weint).

7. Es geht schon auf und bricht daher über dich, du Einwohner des Landes; die Zeit kommt, der Tag des Jammers ist nahe, da kein Singen auf den Bergen sein wird.

Schon auf: Es eilt herzu, und wird nicht lange außen bleiben.

Einwohner: Die ihr noch im Lande Juda wohnt, und der Gefangenen zu Babel spottet, dass sie sich an den König zu Babel ergeben haben.

Sein wird: Das ist: Die Zeit ist vorhanden, dass man im Lande Juda auf den Bergen, kein Freudengeschrei oder fröhliche Gesänge mehr hören wird, wie man in der Ernte und Weinlese zu hören pflegt, sondern es wird ein schreckliches Schreien von den Feinden, und ein jämmerliches Geheule der Einwohner des Königreichs Juda, die dort hin und wieder erwürgt werden, sich hören lassen. [Denn wo man die Guttaten Gottes, zur Zeit des Friedens nicht erkennen will, da folgen später an statt der Freuden allerlei Jammer und Trübsal).

8. Nun will ich bald meinen Grimm über dich schütten und meinen Zorn an dir vollenden; und will dich richten, wie du verdient hast, und dir geben, was deinen Gräueln allen gebührt.

Vollenden: Ich will meinen Zorn mit der Tat an dir beweisen, den du mit deinen Sünden verursacht hast.

Gebührt: Dass du nach deiner Bosheit gestraft wirst, dadurch du mich zur Rache bewegt hast.

9. Mein Auge soll dein nicht schonen und will nicht gnädig sein, sondern ich will dir geben, wie du verdient hast, und deine Gräuel sollen unter dich kommen, dass ihr erfahren sollt, ich sei der Herr, der euch schlägt.

Euch schlägt: Und euch solches Unglück um eurer Bosheit willen zuschickt. [Denn Gott ist eine Ursache der Strafe, aber nicht der Sünde).

10. Siehe, der Tag, siehe, er kommt daher, er bricht an! Die Rute blüht, und der Stolze grünt.

Tag: Deines Verderbens und Untergangs, o Jerusalem, naht herzu.

Rute blüht: Nämlich, der König Nebukad Nezar zu Babel, welcher wie eine blühende und grünende Rute ist, damit Gott die Juden Strafen will. Und wird weder die Menge des Volkes noch Kriegs Erfahrenheit etwas dagegen helfen. [Denn die Tyrannen sind Gottes Geißel und Ruten, damit er seines Volkes Bosheit straft, und kann man solchen nicht widerstehen, bis man Busse tut).

Blüht: (Nach Luther) Er ist gerüstet, und wird ihm gelingen, und ist vom Königreich zu Babel gesagt.

11. Der Tyrann hat sich aufgemacht zur Rute über die Gottlosen, dass nichts von ihnen, noch von ihrem Volk, noch von ihrem Haufen Trost haben wird.

12. Darum kommt die Zeit, der Tag naht herzu. Der Käufer freue sich nicht, und der Verkäufer traure nicht; denn es kommt der Zorn über all ihren Haufen.

Naht herzu: Dass Jerusalem soll zerstört werden. [Es ist aber das Unglück alsdann am allernächsten, wenn die Menschen am aller sichersten sind).

Käufer: Welcher ein Haus, Gut, Acker, oder dergleichen etwas im jüdischen Land kauft.

Sich nicht: Weil er desselben nicht genießen wird, was er kauft.

Traure nicht: Denn er wird nicht sehen, dass ein anderer wieder seinen Willen seine Güter besitzen wird, weil beide der Käufer und Verkäufer, entweder durch Pestilenz, Hunger und Schwert umkommen, oder in eine elende Dienstbarkeit müssen hinweg geführt werden.

13. Darum soll der Verkäufer zu seinem verkauften Gut nicht wieder trachten; denn wer da lebt, der wird es haben. Denn die Weissagung über all ihren Haufen wird nicht zurückkehren; keiner wird sein Leben erhalten um seiner Missetat willen.

Trachten: Wie er es im Halljahr einmal wieder bekommen wolle.

Wird es haben: Nämlich, nach geendeter babylonischer Gefangenschaft. Da wird es eine neue Austeilung der Güter geben unter die, so zur selben Zeit im Leben sein werden. [Dies sollten diejenigen wohl betrachten und zu Gemüte führen, welche mit Gütern kaufen, oder vielmehr betrüglicher an sich ziehen derselben, sich nicht ersättigen können. Von denen auch der Prophet (Jesaja Kapitel 5. predigt).

Zurückkehren: Es wird nicht leer oder vergebens sein, was von dem Untergang des Königreichs Juda geweissagt wurde. [Denn die göttlichen Drohungen haben einen gewissen Nachdruck).

14. Lasst sie die Posaune nur blasen und alles zurüsten! Es wird doch niemand in den Krieg ziehen; denn mein Grimm geht über all ihren Haufen.

Ziehen: Wider den König zu Babel. Denn wenn ihr euch gleich werdet mutig, und wie Eisenbeißer stellen, ehe der Feind zu euch kommt, und euch viele großen Dinge austun, wie ihr den Feind zurücktreiben wollt, ehe er zur Belagerung der Stadt kommt, so werdet ihr euch doch nicht dürfen wieder ihn heraus aufs Feld lassen, noch einigen Ausfall aus der Stadt Jerusalem ins Feindes Lager zu tun euch unterstehen.

Haufen: Denen ich allen Mut zu widerstehen benehmen will. [Denn wenn Gott über der Menschen Bosheit zürnt, so nimmt er ihnen das Herz, und macht sie furchtsam, die zuvor ganz keck und verwegen waren).

15. Auf den Gassen geht das Schwert, in den Häusern geht Pestilenz und Hunger. Wer auf dem Felde ist, der wird vom Schwert sterben; wer aber in der Stadt ist, den wird die Pestilenz und Hunger fressen.

Fressen: Also, dass keiner vor dem Unglück wird gesichert sein, er sei gleich in oder außerhalb der Stadt, auf der Gasse, oder im Hause. [Denn es kann dem Zorn Gottes niemand entlaufen, sofern er nicht Busse tut).

16. Und welche unter ihnen entrinnen, die müssen auf den Gebirgen sein und wie die Tauben in Gründen, die alle untereinander girren, ein jeglicher um seiner Missetat willen.

Entrinnen: Derer doch ganz wenig sein werden, dass sie in Eroberung der Stadt sich werden davon machen, und auf dem Gebirge Sicherheit suchen.

Kirren: Dass sie keine Ruhe weder vor dem Feind, noch in ihrem Gewissen befinden werden. [Denn welche zu Friedenszeiten der Sicherheit missbrauchen, die können endlich nicht finden, da sie ein Augenblick ohne Furcht und mit Ruhe bleiben möchten).

17. Aller Hände werden dahinsinken und aller Knie werden so ungewiss stehen wie Wasser.

Wie Wasser: Das ist, es wird keine Kraft noch Stärke mehr in ihnen sein, dass sie dem Feinde nicht werden widerstehen, noch vor ihm bestehen können. [Dahin kommt es endlich mit den Prachthansen, die sich nur auf ihre Gewalt und nicht auf Gott verlassen).

18. Und werden Säcke um sich gürten und mit Furcht überschüttet sein, und aller Angesicht jämmerlich sehen, und aller Häupter werden kahl sein.

Gürten: Die stolzen Jungherren werden sich in Bauern Juppen verkleiden, und sich verstellen, dass sie von den Feinden nicht erkannt, und zur angemessenen Strafe gezogen werden.

Kahl sein: Dass sie sich selber das Haar ausraufen werden, wie die zu tun pflegen, so ganz leidig sind. [Einen solchen Ausgang pflegt es zu gewinnen mit denen, die im glücklichen Zustande, mit Übermut und Hoffart Gott schwer erzürnen).

19. Sie werden ihr Silber hinauf auf die Gassen werfen und ihr Gold als einen Unflat achten; denn ihr Silber und Gold wird sie nicht erretten am Tage des Zorns des Herrn. Und werden doch ihre Seele davon nicht sättigen noch ihren Bauch davon füllen; denn es ist ihnen gewesen ein Ärgernis zu ihrer Missetat {Spr 11v4 v18}.

Werfen: Nämlich, zur Zeit der Belagerung, da werden sie gern um eine schlechte Speise alle ihre Güter geben, und dieselben für nichts achten, nur dass sie den Hunger büßen mögen. Ja sie werden vor ihrem Gelde einen Abscheu haben, weil sie keine Hilfe davon, wider den Hunger oder wider die Pestilenz haben mögen.

Des Zorns: Zu der trübseligen Zeit, da Gott ihre Sünden aus gerechtem Zorn heimsuchen wird.

Füllen: Denn ob sie gleich weder des Goldes noch des Silbers mehr werden begehren zu schonen, wenn sie nur Speise dafür bekommen könnten, so werden sie es doch um großes Geld nicht finden, dass sie nur ihren unleidentlichen Hunger damit büßen möchten. [Hier mögen die wohl achthaben, welche des Goldes und Silbers nicht können satt werden, und alle ihre Wohlfahrt auf die Gold und Silberklumpen setzen).

Ärgernis: Das ist die Ursache, warum die Reichtümer den Juden nichts helfen mögen. Nämlich, weil sie daher Anlass genommen und bekommen, wider Gott zu sündigen, in dem sie derselben nicht allein zur Üppigkeit, Überfluss und Mutwillen missbraucht, sondern besonders, ihre falschen Gottesdienste damit geziert und befördert, welches Gott am allerwenigsten leiden kann.

20. Sie haben aus ihren edlen Kleinoden, damit sie Hoffart trieben, Bilder ihrer Gräuel und Scheuel gemacht; darum will ich es ihnen zum Unflat machen

Bilder: Die sie zur schändlichen Abgötterei später missbraucht, und an Gottes statt verehrt haben.

Unflat machen: Dass sie es als ein unreines und abscheuliches Ding selber achten, und hinwegwerfen werden.

21. und will es Fremden in die Hände geben, dass sie es rauben, und den Gottlosen auf Erden zur Ausbeute, dass sie es entheiligen sollen.

Geben: Was noch von köstlichem Schmuck und Geschmeide in der Stadt übrig sein wird.

Entheiligen: Denn sie nicht nur des Königs und seiner Untertanen Kleinode zu sich reißen werden, sondern sie werden auch die heiligen Schätze rauben und entehren, weil das jüdische Volk derselben vorhin zur Abgötterei missbraucht hat. [Solchen Lohn haben diejenigen zu erwarten, welche mit Kleinoden, die von Gold und Silber, und mit Edelstein versetzt sind, prangen, wie auch die, so solche Sachen zur Beförderung der falschen und abergläubischen Gottesdienste anwenden).

22. ich will mein Angesicht davon kehren, dass sie meinen Schatz ja wohl entheiligen; ja, Räuber sollen darüber kommen und es entheiligen.

Davon kehren: Nämlich, von den Chaldäern, und will dergleichen tun, als sehe ich es nicht, wie die Chaldäer mit den heiligen Schätzen des Tempels zu Jerusalem hausen, denn ich will mich der Sachen nichts annehmen, sondern dazu durch die Finger sehen.

Schatz: Nämlich, das Allerheiligste, so im Tempel zu Jerusalem ist, darin sonst niemand gehen durfte, denn nur der Hohepriester, dazu des Jahres einmal: Wie in der Epistel an die Israeliten in Kapitel 9 zu sehen ist.

Entheiligen: Dass es für keinen heiligen Ort mehr gehalten werde. [Denn Gott ist an keinem Ort gebunden, sondern wenn er mit gottlosen Wesen und falschen Gottesdienst verunreinigt wird, so lässt er ihn fahren und zerstört werden, und zieht er mit seinem Wort an einen anderen Ort).

23. Mache Ketten; denn das Land ist voll Blutschulden und die Stadt voll Frevels.

Ketten: Damit du dich binden lässt, und also den gefangenen Juden zu Babel anzeigst, wie die Einwohner zu Jerusalem in kurzer Zeit müssen gefangen weggeführt werden.

Blutschulden: Dass viel unschuldiges Blut im Königreich Juda vergossen wurde, darum kann die göttliche Rache nicht lange außen bleiben. [Denn die Abgöttischen sind auch blutgierig, welche Grausamkeit Gott zu seiner Zeit ernstlich straft).

Frevels: Dass die Ungerechtigkeit überhandgenommen hat, und die Armen von den Reichen und Mächtigeren unterdrückt werden. [Wo aber die Gerechtigkeit nicht mehr gehandhabt wird, da kann ein Regiment nicht lange bestehen).

24. So will ich die Ärgsten unter den Heiden kommen lassen, dass sie sollen ihre Häuser einnehmen, und will der Gewaltigen Hoffart ein Ende machen und ihre Kirche entheiligen.

Ende machen: Nämlich, durch die Chaldäer, welches grausame Völker sind, dergleichen man unter den Heiden nicht bald finden möchte, dieselben werden das jüdische Land überziehen, und alles verwüsten, was die Juden mit großen Kosten erbaut, und aufs köstlichste heraus geputzt haben, an Gebäuden und anderen, damit sie eine übermachte Pracht und Hoffart getrieben, daneben auch unrechte Gewalt geübt, und die Armen unterdrückt. [Denn Gott kann den Übermut und Hoffart nicht ungestraft hingehen lassen. Und wenn er die Gottlosen strafen will, braucht er oft ärgere, denn sie sind. So führt er auch die Feinde selber herzu, wenn er es ihnen in den Sinn gibt, dass sie sich wider die Kirche, welche Gott ungehorsam ist, auflehnen).

25. Der Ausrotter kommt; da werden sie Frieden suchen, und wird nicht da sein.

Nicht da sein: Denn der König zu Babel wird den Juden, wenn sie gleich um Frieden bitten werden, denselben nicht mehr bewilligen, weil sie wider ihre zugesagte Treue und Glauben von ihm abtrünnig wurden. [Und welche aus Lust zu Neuem den Frieden zerstören, die suchen denselben später vergebens, wenn sie der Unruhe und des Unglücks müde geworden sind).

26. Ein Unfall wird über den anderen kommen, ein Gerücht über das andere. So werden sie dann ein Gesicht bei den Propheten suchen; aber es wird weder Gesetz bei den Priestern noch Rat bei den Alten mehr sein.

Kommen: Nach dem Sprichwort, es kommt ein Unglück selten allein.

Gerücht: Es wird eine böse Nachricht über die andere verkündigt werden, darüber die Juden von Herzen werden erschrecken.

Mehr sein: Also, dass, wenn die Juden von ihren Propheten und Priestern werden begehren eine Weissagung oder den göttlichen Bescheid zu hören, von dem Ausgang des Kriegs mit den Chaldäern, auch bei den alten und erfahrenen Leuten Hilfe und Rat suchen in solchem trübseligen Zustand, da werden weder die Propheten noch die Priester nichts rechts vorzubringen wissen, noch die Alten irgend einen nützlichen Rat mitteilen können. [Es stehen aber die Sachen ganz übel, wen man das Wort Gottes nicht haben kann, und die Weisen in ihren Ratschlägen irren).

27. Der König wird betrübt sein, und die Fürsten werden traurig gekleidet sein, und die Hände des Volkes im Lande werden verzagt sein. Ich will mit ihnen umgehen, wie sie gelebt haben, und will sie richten, wie sie es verdient haben, dass sie erfahren sollen, ich sei der Herr.

Betrübt sein: Nämlich, der König Zedekia wird in solchem zerrütteten und trübseligen Zustand weder sich selbst noch den Seinen Hilfe oder Rat schaffen können. [Also geht es den Königen und Regenten, die unnötige Kriege erregen, den sie sich dadurch in großes Unglück bringen, daraus sie ihnen danach nicht wieder helfen können).

Fürsten: Die Landherren und Stände des Königreichs, samt des Königs Räten, werden vor großer Traurigkeit nicht wissen, was sie anfangen sollen.

Verzagt: Die Untertanen werden vor Furcht zittern, und zum Widerstand nichts taugen. [Denn es ist richtig, wenn die großen Herren und Räte ihren Königen und Regenten zu Gottlosen und ungerechten Sachen raten, oder doch, was dieselben Unrecht und übel anfangen, darin bewilligen, dazu der allgemeine Haufen auch ein Gefallen daran hat, dass sie später alle miteinander in Not und Gefahr kommen).

Der Herr: Ein gerechter Gott, und Rächer der Bosheit. [Wir sollen aber Fleiß ankehren, dass wir durch rechtschaffene Buße, unseren Gott und Herrn viel mehr einen gütigen Vater, als einen gerechten Richter, empfinden).


Das 8. Kapitel


1. Gott zeigt dem Propheten Hesekiel im Gesicht die schrecklichen Gräuel, so die Juden zu Jerusalem trieben, auf dass die Gefangenen zu Babel merkten, wie ihre Strafe nicht weit sein würde, und dass sie zu Babel sich vor solchem gottlosen Wesen hüteten, und durch der Chaldäer Beispiel sich nicht zur Abgötterei abführen ließen.

1. Und es begab sich im sechsten Jahr, am fünften Tage des sechsten Monden, dass ich saß in meinem Hause, und die Alten aus Juda saßen vor mir; dort fiel die Hand des Herrn Herrn auf mich.

Sechsten Jahr: Nämlich, nach dem Jojachin, der König in Juda, freiwillig sich ergeben, und gen Babel ins Elend gezogen war.

Sechsten Monden: Der zum Teil mit unserem Augustmonat zum Teil mit dem Herbstmonat eintrifft.

Alten: So auch gefangen gen Babel mit ihrem Könige waren geführt.

Saßen: Dass sie mit mir sich besprachen, von dem Zustand des Volkes Gottes, und begehrten von mir Gottes Wort zu hören, was es für einen Ausgang nehmen würde, mit denen so zu Jerusalem geblieben waren.

Auf mich: Also, dass ich aus einer göttlichen Gewalt plötzlich entzückt, und mir ein prophetisches Gesicht geoffenbart wurde.

2. Und siehe, ich sah, dass von seinen Lenden herunterwärts war gleichwie Feuer; aber oben über seinen Lenden war es lichthelle.

Helle: Das war der Sohn Gottes in menschlicher Gestalt, um dessen Lenden es unterwärts wie Feuer, über sich aber wie ein heller Glanz geleuchtet, und geschienen. [Denn Christus wohnt in einem unaussprechlichen Licht, und werden seiner Herrlichkeit, ein jeder nach seinem Maß einmal teilhaftig werden, alle die wahrhaftig an ihn glauben).

3. Und reckte aus gleichwie eine Hand und ergriff mich bei dem Haar meines Haupts. Da führte mich ein Wind zwischen Himmel und Erde und brachte mich gen Jerusalem in einem göttlichen Gesichte zu dem inneren Tor, das gegen Mitternacht steht, da denn saß ein Bild zu Verdrieß dem Hausherrn.

Gesichte: Darum dies alles nicht an ihm selbst leibhaftig also ergangen, dass er wäre von einem Ort zum anderen mit seinem Leibe kommen, sondern es hat ihn in seiner Entzückung also gedacht.

Hausherrn: Das ist: Im selben Teil des Tempels war ein abgöttisches Bild aufgestellt, dadurch Gott heftig zu Zorn und Eifer gereizt wurde, gleich als wenn ein Eheweib vor ihres Ehemanns Augen einen Ehebrecher über Tisch oder im Bette zu sich nehme: Wer wollte aber solches leiden? [Denn Gott kann die Abgötterei viel weniger dulden, als ein ehrlicher Mann seines Weibes Ehebruch).

Nach Luther: Gott war Hausherr zu Jerusalem, und sie führten ihm einen anderen Abgott hinein, das verdross ihn richtig.

4. Und siehe, da war die Herrlichkeit des Gottes Israels, wie ich sie zuvor gesehen hatte im Felde.

Herrlichkeit: Nämlich, dass der Sohn Gottes in seiner Herrlichkeit und Majestät mir erschien.

Im Felde: Und am Wasser Chebar. Solches zuvor in Kapitel 1 beschrieben wurde. [Es ist aber der Sohn Gottes dem Propheten auch zu Jerusalem, doch im Gesicht, wie es ihn gedacht, erschienen, damit anzuzeigen, wie er immer der oberste Aufseher seiner Kirche sei und bleibe, und mit Ernst Acht darauf habe, was sich in der Kirche zutrage, auf dass er die Frommen handhabe, und die bösen züchtige, auch da sie sich nicht bessern wollten, ins Verderben stürze).

5. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, hebe deine Augen auf gegen Mitternacht! Und da ich meine Augen aufhob gegen Mitternacht, siehe, da saß gegen Mitternacht das verdrießliche Bild am Tor des Altars, eben da man hineingeht.

Er sprach: Nämlich, der Sohn Gottes, in menschlicher Gestalt.

Altars: Welches Tor nicht weit vom Altar war, darauf man die Brandopfer zu opfern pflegte.

Hinein geht: Auf dass die, so durch dasselbe Tor hinein gingen, als bald Anlass bekämen zu sündigen, und mit dem abgöttischen Bilde geistliche Hurerei zu treiben, eben als wenn jemand eine gemeine Metze und unzüchtig Weib vor der Kirchentür stellte, die sich jedermann darböte, der in die Kirche gehen wollte. [Denn die Abgöttischen suchen allerlei Ränke und Gelegenheiten, auf dass sie ihrer viele zur Abgötterei, als zum geistlichen Ehebruch, reizen mögen).

6. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, siehst du auch, was diese tun, nämlich große Gräuel, die das Haus Israel hier tut, dass sie mich ja ferne von meinem Heiligtum treiben? Aber du wirst noch mehr größere Gräuel sehen.

Hier tut] Dass sie ihre Götzen in meinen heiligen Tempel aufstellen dürfen.

Treiben: Damit ich mich sein, und meines Volkes nicht mehr annehmen soll. [Denn durch Abgötterei und Sünden wird Gott also abwendig gemacht, dass er die Gottlosen verlässt, und ihnen nicht mehr helfen will).

Größer: Obwohl, was du jetzt gesehen hast, schrecklich genug ist. [Denn welche der rechten Religion einmal den Rücken gewandt haben, die geraten je länger je mehr in gräuliche Abgötterei und Sünden).

7. Und er führte mich zur Tür des Vorhofes; da sah ich, und siehe, da war ein Loch in der Wand.

Wand: An welcher Wand auf der anderen Seiten etliche Gebäude standen.

8. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, grabe durch die Wand! Und da ich durch die Wand grub, siehe, da war eine Tür.

Grabe: Und mache dir so viel Platz, dass du mit dem Leibe hindurch kommen kannst.

9. Und er sprach zu mir: Gehe hinein und schaue die bösen Gräuel, die sie hier tun.

Hier tun: Nämlich, an dem Ort, der meinem Namen geheiligt ist, da treiben sie ihre gräuliche Abgötterei.

10. Und da ich hineinkam und sah, siehe, da waren allerlei Bildnisse der Würmer und Tiere, eitel Scheuel und allerlei Götzen des Hauses Israel, überall umher an der Wand gemacht {Röm 1v23},

Sah: Dass ich mich in dem Gemach hin und wieder umsah.

Wand gemacht: Dass man sie verehren und anbeten sollte. In welchem Teil die Juden es den gottlosen Heiden nach getan, die auch allerlei böse und giftige Tiere für Götter geehrt haben, wie man in allen Historien findet. [Man sieht aber hierbei, in was großer Finsternis der Religion das Volk Gottes geraten kann. Darum sind die nicht recht daran, welche meinen, die Kirche könne nicht irren).

11. vor welchen standen siebzig Männer aus den Ältesten des Hauses Israel; und Jasanja, der Sohn Saphans, stand auch unter ihnen; und ein jeglicher hatte sein Räucherwerk in der Hand. Und ging ein dicker Nebel auf vom Räucherwerk.

Siebzig: Denn der große und oberste Rat im Volk Gottes wurde von zweiundsiebzig Männern besetzt.

Unter ihnen: Vor den Bildern, als ein Rädelsführer.

Hand: Dass sie denselben Bildern, als ihren Göttern räucherten, und Gottesdienst erzeigten. [Durch die siebzig Ältesten in Israel, so den Abgöttern geräuchert, wird zu verstehen geben, dass oft eben diejenigen, welche anderen mit Frömmigkeit und Weisheit vorgehen sollten, am allerleichtlichsten in die Abgötterei und falsche Lehre bewilligen. Der falsche Prophet Jasanja, so zur Abgötterei hilft, und gleichsam dieselbe mit seiner Lehre befördert, ist ein Vorbild aller falschen Lehrer in der Kirche. Wenn aber ein Blinder den anderen führt, so fallen sie beide in die Grube {Mt 15}. Es lassen aber die Ältesten das Wort Gottes aus der acht, welches befahl, dass allein die Priester, und zwar nur dem einzigen Gott opfern sollten, so waren die meisten Opfer, welche Gott eingesetzt hatte, vom Fleisch und Fetten, und wurde solches alles verbrannt. Aber diese Ältesten wollen selber das Priesteramt verrichten, weil sie meinten, sie bekämen dadurch ein größeres Ansehen, und wären desto heiliger, hielten es auch dafür, es würde den Göttern viel angenehmer sein, wenn sie ihnen Räucherwerk anzündeten, als wenn sie Fleisch und Fettes verbrannten, daher vielmehr ein böser Gestank, als ein guter Geruch entstünde. Aber damit haben sie sich gröblich versündigt. Darum sollen wir in Religionssachen nicht das annehmen, was der menschlichen Vernunft gemäß ist, und ihr wohl zuschlägt, sondern was uns von Gott geoffenbart, und zu tun befohlen ist).

12. Und er sprach zu mir: Menschenkind, siehst du, was die Ältesten des Hauses Israel tun in der Finsternis, ein jeglicher in seiner schönsten Kammer? Denn sie sagen: Der Herr sieht uns nicht, sondern der Herr hat das Land verlassen {Ps 94v7}

Ältesten: Die anderen mit guten Exempeln der Frömmigkeit und Gottesfurcht vorgehen sollten.

Schönsten Kammer: Die er mit hübschen Figuren und Gemälden hat lassen heraus streichen. Denn es hatten die Obersten und Vornehmsten der Israeliten neben den Tempel ihre besondere Gebäude, in denen sie ihrer Religion abwarteten, gleichwie auch vorzeiten im Papsttum die Reichen sich besondere Örter in der Kirche ausgelesen, in denen sie, als von anderen Leuten etlichermaßen abgesondert, andächtig Messe hören könnten.

Verlassen: Der alte Gott, den unsere Voreltern vorzeiten geehrt haben, hat nicht Acht darauf, was wir hier machen, weil er längst keine Zeichen gegeben, als ob er sich dieses Landes annehme, oder dasselbe regiere, darum haben wir uns auch seinethalben nichts zu bewahren, dass er über diese unsere neuen Gottesdienste etwa zürnen möchte, und uns strafen. [Obwohl nun die Gottlosen nicht bald dergleichen lästerliche Wort sich dürfen hören lassen, so denken doch im Herzen diejenigen nichts anders, welche entweder in Religionssachen, oder auch in anderem Tun, meinen, es stehe ihnen alles frei, dass sie es damit machen mögen, wie sie wollen, ungeachtet, was Gott in seinem Wort dazu sage).

13. Und er sprach zu mir: Du sollst noch mehr größere Gräuel sehen, die sie tun.

14. Und er führte mich hinein zum Tor an des Herrn Hause, das gegen Mitternacht steht; und siehe, dort saßen Weiber, die weinten über den Thamus.

Thamus: Das soll, nach etlicher Meinung, ein Abgott der Unzucht gewesen sein, von den Heiden Adonis genannt, welcher, wie die Heiden davon ausgeben, ein schöner Hirte gewesen, in den die Venus sich verliebte. Demselben hat man jährliche Feste, darauf man ihn geklagt, zu Ehren eingesetzt. Und ist ihm ein schöner Tempel zu Byblo, einer Stadt in Phoenicia aufgerichtet wurde. Solche gottlose heidnische Abgötterei haben die jüdischen Weiber nachzutun begehrt, und dergleichen schändliche Fest und Gottesdienste neben dem Tempel Gottes gehalten. [So ist das weibliche Geschlecht zur Abgötterei und mancherlei Aberglauben sehr geneigt).

Nach Luther: Thamus soll sein der Abgott Adonis, davon die Poeten und Heiden viel haben geschrieben. Und ist Frau Venus Buhle gewesen, darum ihn die Weiber klagen. Mich denkt, es sei Bacchus, der Wein Abgott, wie bei uns S. Urban.

15. Und er sprach zu mir: Menschenkind, siehst du das? Aber du sollst noch größere Gräuel sehen, denn diese sind.

Siehst du: Was diese Weiber tun, und was sie für schändliche Abgötterei treiben?

16. Und er führte mich in den inneren Hof am Hause des Herrn; und siehe, vor der Tür am Tempel des Herrn, zwischen der Halle und dem Altar, da waren bei fünfundzwanzig Männer, die ihren Rücken gegen den Tempel des Herrn und ihr Angesicht gegen den Morgen gekehrt hatten, und beteten gegen der Sonnen Aufgang.

Rücken: Da sie nach dem Gesetz Gottes, wenn sie beten wollten, ihr Angesicht sollten gegen den Tempel wenden, der gegen Abend stand. Denn das allerheiligste Teil des Tempels, in dem Gott seine Gegenwart verheißen hatte, war gegen Abend gerichtet. Aber diese Juden haben sich im Beten gegen Aufgang gewandt, welches aufs Ernstlichste ihnen im Gesetz verboten war {5Mos 4}. [So ganz verkehrt ist des Menschen Natur, dass er den göttlichen Willen allerdings widerstrebt).

17. Und er sprach zu mir: Menschenkind, siehst du das? Ist es dem Hause Juda zu wenig, dass sie alle solche Gräuel hier tun? So sie doch sonst im ganzen Lande eitel Gewalt und Unrecht treiben und fahren zu und reizen mich auch; und siehe, sie halten die Weinreben an die Nasen.

Siehst du das: Was für gräuliche Abgötterei die Juden treiben?

Mich auch: Als wollte er sprechen: Lieber schau doch, wie dies Volk so gottlos ist: Denn sie auch in der Polizei und im weltlichen Regiment alles durcheinander werfen, dass die Gerechtigkeit und Frömmigkeit von unrechter Gewalt unterdrückt wird, gerade als ob sie mich mit ihren heidnischen und unreinen Gottesdiensten nicht genügend zum Zorn reizen könnten. [Wo aber die Religion gefälscht ist, da trägt sich auch im bürgerlichen Wandel, und allgemeinen Leben viel Ungerades zu).

Weinreben: (Nach Luther) Das ist eine Weise gewesen im Gottesdienst, wie bei uns das geweihte Salz, Wasser, Würze und dergleichen dem Abgott zu Ehre.

Nasen: Es sieht ihm gleich, als sei es eine besondere Art des falschen Gottesdienstes gewesen, da man einen grünen Zweig oder Reben erstlich dem Abgott vorzeigt, und denselben danach vor die Nase gehalten, als zur Belustigung eines heiligen und guten Geruchs, gleichwie man im Papsttum das Heiligtum küsst. [Denn wenn das Volk Gottes in Irrtum gerät, so übertrifft es mit Aberglauben und Bosheit auch die ärgsten Heiden).

18. Darum will ich auch wider sie mit Grimm handeln, und mein Auge soll ihrer nicht verschonen, und will nicht gnädig sein. Und wenn sie gleich mit lauter Stimme vor meinen Ohren schreien, will ich sie doch nicht hören.

Handeln: Dass ich sie in meinem Zorn aufs Ernstlichste strafen will.

Gnädig sein: Bis ich ein Beispiel meines gerechten Zorns an ihnen sehen lasse, und mein Mütlein an ihnen erkühlt habe.

Schreien: In ihren großen Ängsten und Nöten, dass sie meiner Hilfe begehren.

Nicht hören: Dass ich sie aus ihrer zeitlichen Trübsal erlöste, sondern sie müssen herhalten und gestraft werden, weil sie mich nicht allein verlassen, sondern auch mit ihrer vielfältigen Abgötterei zum Zorn gereizt haben. [Mit diesen Worten wird den Sündern, so rechtschaffene Busse tun, die Verzeihung nicht abgeschlagen, sondern es wird gelehrt, dass die Gottlosen nicht erhört werden, welche in ihrer Gefahr zu Gott schreien, da es ihnen doch nicht leid ist, das sie gesündigt haben, sondern begehren nur dem gegenwärtigen Unglück zu entrinnen. So werden auch die bußfertigen Sünder nicht immer vor der zeitlichen Strafe befreit, aber doch werden ihnen die Strafen gemildert, dass sie dieselben ertragen können, und endlich dahin gerichtet, dass sie ihnen zur Seligkeit dienen müssen).


Das 9. Kapitel


1. Gott zeigt dem Propheten im vorgemeldeten Gesicht, wie er die gottlosen und abgöttische Bürger zu Jerusalem Strafen wolle, doch dass die Gottseligen darunter sollen erhalten werden.

1. Und er rief mit lauter Stimme vor meinen Ohren und sprach: Lasst herzukommen die Heimsuchung der Stadt, und ein jeglicher habe eine mördliche Waffe in seiner Hand.

Er] Nämlich, der Sohn Gottes, welcher mir in menschlicher Gestalt erschienen, wie vorgemeldet.

Kommen: Denn es ist Zeit, dass die Stadt Jerusalem um ihrer vielfältigen Bosheit und Abgötterei willen einmal gestraft werde.

Jeglicher: Von denen, so zu diesem Werke bestimmt sind.

2. Und siehe, es kamen sechs Männer auf dem Wege vom Obertor her, das gegen Mitternacht steht, und ein jeglicher hatte eine schädliche Waffe in seiner Hand. Aber es war einer unter ihnen, der hatte Leinwand an und ein Schreibzeug an seiner Seite. Und sie gingen hinein und traten neben den eisernen Altar.

Männer: Nämlich, Engel, in menschlicher Gestalt gewappnet, die das göttliche Urteil vollstrecken sollten. [Denn wenn Gott der Menschen Bosheit mit großer Langmütigkeit viel Zeit geduldet hat, so wappnet er endlich die engelischen Geister, dass sie müssen Rache üben).

Mitternacht: Denn die Chaldäer sollten von Mitternacht her kommen, das Volk Gottes zu strafen, welche hier durch die Engel angedeutet wurden, weil sie von denselben würden angetrieben werden, das göttliche Urteil an dem Volk Gottes zu vollstrecken.

Leinwand: Also, dass er nicht wie ein Kriegsmann anzusehen war, sondern wie die Priester sich zu bekleiden pflegen, in welchem Amtskleider die guten Engel auch erscheinen, wenn sie den Frommen zum Besten ausgesandt werden, dass sie dieselben trösten und erhalten sollen. [Denn Gott lässt sich der Frommen Wohlfahrt angelegen sein, und sorgt für sie).

Seiten: Nämlich, an seinem Gürtel, damit er umgürtet war.

Hinein: Vor dem Angesicht Gottes, dass sie erwarteten, was ihnen Gott befehlen würde. [Denn die engelischen Geister sind bereit, und von Gott dazu erschaffen, dass sie seinen Willen tun und ausrichten sollen).

3. Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich von dem Cherub, über dem sie war, zu der Schwelle am Hause und rief dem, der die Leinwand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite.

Cherub: Nämlich, von den vier geflügelten Tieren, die oben Kapitel 1 beschrieben wurden, denn dieselben auch im folgenden zehnten Kapitel also genannt werden.

Schwelle: Das ist: Der Sohn Gottes, welcher in menschlicher Gestalt auf dem Thron seiner Majestät saß, dachte mich, als ob er sich erhöbe, und von dem Tempel zur Schwelle oder Tür des Tempels sich nahte, auf dass er den Engeln, die draußen im Vorhof bei dem Brandopfer Altar warteten, Befehl gebe, was sie tun sollten.

4. Und der Herr sprach zu ihm: Gehe durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an die Stirn die Leute, so da seufzen und jammern über alle Gräuel, so darin geschehen {2Mos 12v23 Apg 7v3}.

Zeichne: Auf dass die anderen, so zur Rache gewappnet und bereit sind, derselben schonen, die das Zeichen an ihrer Stirn haben. [Mit diesem Gesicht hat Gott wollen zu verstehen geben, dass er diejenigen ganz wohl wisse und kenne, welche der Abgötterei und aller Bosheit feind sind, und erhalte sie mitten im Unglück in den gemeinen Landstrafen wunderlich. Obwohl nun nichtsdestoweniger bisweilen etliche Frommen zugleich mit den Gottlosen hingerafft werden, und umkommen, so erhält sie doch Gott auch mitten im Tode zum ewigen Leben. Es sorgt aber Gott für die, welche mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnet sind, das ist: Welche den gekreuzigten Christus sich mit Glauben zueignen. Doch werden hiermit der Katholiken abergläubische Fantasien nicht recht geheißen, welche vorgeben, als ob mit dem Zeichen des Kreuzes die Teufel vertrieben würden, und könnte man, weiß nicht was, damit ausrichten: Denn das ist zäuberisch und nicht christlich).

5. Zu jenen aber sprach er, dass ich es hörte: Geht diesem nach durch die Stadt und schlagt hinein; eure Augen sollen nicht schonen noch übersehen.

Jenen: Die gewappnet waren, und mit bewaffneter Hand da standen.

Diesen nach: Der mit dem Leinwand bekleidet ist, und diejenigen an der Stirn zeichnet, derer ihr schonen sollt.

Schlagt hinein: Erwürgt alle anderen, die nicht an der Stirn gezeichnet sind.

6. Erwürgt beide, Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Weiber, alles tot; aber die das Zeichen an sich haben, derer sollt ihr keinen anrühren. Fangt aber an meinem Heiligtum! Und sie fingen an den alten Leuten, so vor dem Hause waren {1Petr 4v17}.

Alles tot: Verschont niemand. [Denn Gott vertilgt oft aus seinem gerechten Urteil die bösen Kinder mit den gottlosen Eltern. Und obwohl man unseres Bedenkens mit dem weiblichen Geschlecht ein Mitleiden haben soll. Jedoch weil die Weiber oft auch viel Böses verursachen, so macht Gott der Kriegsleute Herz grausam und unbarmherzig, dass sie die Weiber eben so gräulich erwürgen und hinrichten, als die Männer).

Anrühren: [Alsdann aber sind wir in der allergrößten Gefahr sicher, wenn uns Gott der Herr mit seiner Hut gleichsam verwahrt).

Heiligtum: Macht an demselben einen Anfang der Rache. Also dass ihr die Priester, falschen Propheten, und Obersten im Volk, so mein Heiligtum mit Abgötterei befleckt haben, am allerersten erwürgt. [Denn Gott schont keines Standes noch Hoheit, sondern gleichwie die, so mit dem Ansehen andere übertreffen, mit ihren bösen Exempeln größer Ärgernis geben, also werden sie auch desto heftiger von Gott gestraft).

Fingen an: Nämlich, die vorgemeldeten Männer, als Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit, machten den Anfang mit Würgen.

Alten Leuten: Nämlich, an den Ältesten und Ratsherrn, derer im vorigen Kapitel gedacht wurde, dass sie vor dem Tempel in einem besonderen Gemach Abgötterei getrieben, und mit Räucherwerk die Bildnisse der Tiere verehrt, so an der Wand gemalt waren. [Denn die Abgötterei ist viel ein schändliches Ding, als alle anderen Laster).

7. Und er sprach zu ihnen: Verunreinigt das Haus und macht die Vorhöfe voll toter Leichname; geht heraus! Und sie gingen heraus und schlugen in der Stadt.

Zu ihnen: Zu den sechs Männern, denen er befohlen, dass sie an den Gottlosen Strafe üben sollten.

Haus: Nämlich, den Tempel, denn ihr dürft sein nicht schonen, als ob er durch den Totschlag möchte verunreinigt werden, weil er vorhin mit Abgötterei verunreinigt wurde. Denn sonst wurden die Örter für unrein geachtet, welche mit Menschen Blut bespritzt waren. [Und ist es richtig, dass die Örter mit derjenigen Blut besudelt werden, welche die Erde und die Luft mit ihren Sünden verunreinigt haben, und nicht Busse tun wollen).

Heraus: Nämlich, aus dem Tempel in die Stadt, dass ihr an den anderen Gottlosen ebenmäßige Strafe übt, wie ihr die abgöttischem Priester, falsche Propheten, und Ältesten im Tempel, und in meinen Vorhöfen erwürgt habt.

Schlugen: Dass sie jedermann erwürgten, wer ihnen vorkam, und nicht an der Stirn gezeichnet war.

8. Und da sie ausgeschlagen hatten, war ich noch übrig. Und ich fiel auf mein Angesicht, schrie und sprach: Ach, Herr Herr, willst du denn alle Übrigen in Israel verderben, dass du deinen Zorn so ausschüttest über Jerusalem?

Verderben: Dieweil du alles ohne alle Barmherzigkeit erwürgen lässt. [Denn obwohl die Frommen das gerechte Urteil Gottes nicht sollen noch können Unrecht heißen, und tadeln, so haben sie doch ein Mitleiden mit denen, die also umkommen, und möchten sich wünschen, dass sie könnten erhalten werden).

9. Und er sprach zu mir: Es ist die Missetat des Hauses Israel und Juda allzu sehr groß; es ist eitel Gewalt im Lande und Unrecht in der Stadt. Denn sie sprechen: Der Herr hat das Land verlassen und der Herr sieht uns nicht.

Sehr groß: Sie haben es gar zu grob gemacht.

Gewalt: Welcher ohne Scheu und ungestraft geübt wird. [Wo aber die Sünden und Laster von der Obrigkeit nicht mit gebührendem Ernst gestraft werden, da straft Gott, dass er ganze Länder und Königreiche lässt zugrunde gehen).

Unrecht: Dass sie meinen rechten Gottesdienst verlassen, und in der heiligen Stadt unrechte und falsche Gottesdienste gehäuft haben.

Uns nicht: Dass sind ihres Herzen innerste Gedanken, wenn sie es gleich nicht öffentlich dürfen sich vernehmen lassen, wie der Gott Israels sich der menschlichen Sachen nicht annehme, noch viel anfechten lasse, was man für Gottesdienste zu Jerusalem anrichte, oder was man im Königreich Juda handle. [Ob nun wohl nicht bald Leute möchten gefunden werden, die solche gottlosen Reden trieben, so sind doch diejenigen gleich also gesinnt, welche Gottes Wort verachten, und die Religion verändern, wie es ihnen beliebt, lassen sich auch in ihrem bösen Wesen weder steuern noch wehren).

10. Darum soll mein Auge auch nicht schonen, will auch nicht gnädig sein, sondern ich will ihr Tun auf ihren Kopf werfen {Hes 11v21}.

Kopf werfen: Dass ich ihnen vergelte, wie sie verdient haben, weil sie so ganz gottlos sind. [Denn es fordert die Notdurft, dass Gott nicht allein Beispiel seiner Gnaden und Barmherzigkeit vorstelle gegen den Bußfertigen, sondern dass er auch seine Gerechtigkeit an der Gottlosen Strafe spüren lasse).

11. Und siehe, der Mann, der die Leinwand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite, antwortete und sprach: Ich habe getan, wie du mir geboten hast.

Getan: Ich habe deinen Befehl ausgerichtet, und an der Stirn gezeichnet, welche über die Abgötterei und andere Sünden seufzen, auf dass sie nicht mit den anderen erwürgt werden. [Denn die guten Engel sind ganz willig und bereit, die Frommen zu erhalten).


Das 10. Kapitel


1. Ist eine Weissagung von der wunderbaren Ausbreitung des Evangeliums durch die ganze Welt. Auch von der Heiden Berufung und der Juden Verstoßung.

1. Und ich sah, und siehe, am Himmel über dem Haupt der Cherubim war es gestaltet wie ein Saphir, und über Denselben war es gleich anzusehen wie ein Thron.

Und: In dem vorigen Kapitel hatte der Prophet kürzlich Meldung getan, von der Majestät des Sohnes Gottes, der auf einen Thron sitzend über die vier Tiere und Räder ihm erschienen war, solches führt er jetzt in diesem Kapitel weitläufiger aus.

Cherubim: Nämlich, der vier Tiere, die wie die Engel Flügel hatten, daher sie Cherubim genannt werden.

Thron: Darauf der Sohn Gottes saß. Welcher sich abermals in seiner Majestät wollte sehen lassen, und solche Gesichte dem Propheten wiederholen, auf dass die Juden, so zu Babel im Elend waren, lernten vielmehr auf das künftige geistliche Reich Christi, als auf das Land Kanaan sehen. Zeigt deswegen der Sohn Gottes dem Propheten Hesekiel abermals den evangelischen Wagen, darauf er selbst als ein Heiland der Welt, einmal mit der Predigt der Apostel und ihren rechtmäßigen Nachkommen, soll durch die ganze Welt geführt werden. Und wird zugleich auch zu verstehen gegeben, dass auf die Predigt des Evangeliums der Untergang der jüdischen Polizei erfolgen soll, um der Juden Blindheit willen, welche das Evangelium Christi verwerfen und verfolgen würden. Denn nach dem Gott der Herr von der ersten Zerstörung der Stadt Jerusalem geredet, nimmt er dadurch Anlass und Gelegenheit von der anderen und letzten Zerstörung zu weissagen, welches bei den Propheten gar sehr gebräuchlich ist. In Maßen auch Christus tut {Mt 24}. Da er von der Zerstörung Jerusalem redet, mengt er zugleich ganz viel mit unter, das vom Jüngsten Tage und Ende der Welt muss verstanden werden. [Es hat aber der Prophet den Thron gesehen über den Himmel gestellt. Weil Christi Majestät und Gewalt höher ist, denn die Himmel {Hebr 7}, nicht zwar mit einem räumlichen Sitz, sondern mit der Größe seiner Herrlichkeit).

2. Und er sprach zu dem Manne in Leinwand: Gehe hinein zwischen die Räder unter den Cherub und fasse die Hände voll glühender Kohlen, so zwischen den Cherubim sind, und streue sie über die Stadt. Und er ging hinein, dass ich es sah, da derselbe hineinging.

Er sprach: Nämlich, der Sohn Gottes, welcher auf dem Thron saß.

Glühender Kohlen: [Dadurch bedeutet wurde, dass das Evangelium mit großer und feuriger Kraft, durchzudringen und zu erleuchten, von den Aposteln würde zu Jerusalem gepredigt werden, gleichwie auch der Heilige Geist zu Jerusalem ist gesandt wurden, in der Gestalt feuriger Zungen {Apg 2}.

Hinein: Nämlich der Mann in Leinwand verfügte sich zwischen die vorgemeldeten Räder, dass er die Kohlen nehme, wie ihm befohlen war. [Es ist aber das Evangelium ein solches Feuer, das nicht beschädigt, sondern die Herzen erleuchtet, und mit der Liebe erhitzt. Daher der Prophet gesehen, dass der Mann die glühenden Kohlen in der Hand getragen, und doch nicht beschädigt wurde).

3. Die Cherubim aber standen zur Rechten am Hause, und der Vorhof wurde inwendig voll Nebels.

Nebels: Dadurch einem das Gesicht benommen wurde. [Und war solches ein Vorbild, das die Juden würden geblendet werden, wenn man das Evangelium predigen würde, dazu würde solches besonders geschehen, an den Hohepriestern, Schriftgelehrten und Pharisäern, die sich in dem inneren Hof des Tempels oft finden ließen, und da ihren Gottesdienst zu verrichten pflegten. Also geht es auch den römischen Päpsten, samt ihrem Anhang, dass je heller der Glanz des Evangeliums leuchtet, je mehr sie geblendet werden, ob sie sich wohl rühmen, das sie die vornehmsten Glieder der Kirche sind).

4. Und die Herrlichkeit des Herrn erhob sich von dem Cherub zur Schwelle am Hause; und das Haus wurde voll Nebels und der Vorhof voll Glanzes von der Herrlichkeit des Herrn.

Zur Schwelle: Das ist, der Sohn Gottes, welcher in menschlicher Gestalt auf dem Thron der Majestät saß, erhob sich über die vier Tiere, und nahte sich, meinem Bedenken nach, vom Tempel gegen der Tür oder Schwelle des Tempels, den Lauf des Evangeliums zu befördern.

Glanzes: [Denn obwohl die Hohepriester und Schriftgelehrten meistenteils vom Glanz des Evangeliums geblendet wurden, so waren doch unter den Juden noch etliche Auserwählten, die mit eben demselben Evangelium zu ihrer ewigen Seligkeit erleuchtet wurden).

5. Und man hörte die Flügel der Cherubim rauschen bis heraus vor den Vorhof, wie eine Stimme des allmächtigen Gottes, wenn er redet {1Sam 8v10 Esra 6v4}.

Rauschen: Da sich die Tiere rüsteten, dass sie mit dem evangelischen Wagen fortführen.

Stimme: [Dadurch bedeutet wurde, dass der Schall des Evangeliums, welches durch die Apostel sollte gepredigt werden, auch unter die Heiden würde gehört werden, die durch den äußeren Vorhof vorgebildet wurden. Denn bei dem Predigtamt des Evangeliums wird wahrhaftig die Stimme Gottes gehört, der zu dem menschlichen Geschlecht redet, weil von den Aposteln und derselben reinen Nachkommen Christus gesagt hat: Wer euch hörte, der hört mich {Lk 10}.

6. Und da er dem Manne in Leinwand geboten hatte und gesagt: Nimm Feuer zwischen den Rädern unter den Cherubim, ging derselbe hinein und trat neben das Rad.

Und: Jetzt fährt der Prophet weiter fort, in der vorigen Erzählung von den Kohlen, davon er nur kürzlich zuvor angefasst hatte.

Er] Der Sohn Gottes, auf dem Stuhl seiner Majestät sitzend.

7. Und der Cherub streckte seine Hand heraus zwischen den Cherubim zum Feuer, das zwischen den Cherubim war, nahm davon und gab es dem Manne in Leinwand in die Hände; der empfing es und ging hinaus.

Zwischen den: Mitten unter den anderen Tieren.

Hinaus: Dass er es über die Stadt streute, wie ihm befohlen war. [Denn die frommen Kirchendiener bieten einander die Hand, und halten zusammen in Fortpflanzung des Evangeliums).

8. Und erschien an den Cherubim gleichwie eines Menschen Hand unter ihren Flügeln {Hes 1v8}.

Flügeln: Das ist, die Tiere hatten Menschenhände unter ihren Flügeln. [Denn gleichwie die frommen Diener des Evangeliums in ihrem Amt treue Arbeiter sind. Also lehren sie auch ihre Zuhörer einen solchen Glauben an Christus, der durch die Liebe tätig sei {Gal 5}.

9. Und ich sah, und siehe, vier Räder standen bei den Cherubim, bei einem jeglichen Cherub ein Rad; und die Räder waren anzusehen gleichwie ein Türkis.

Cherubim: Bei den geflügelten Gestalten der Tiere.

Nach Luther: Hier sieht man, dass Cherub oder Cherubim nicht sei eine besondere Kreatur, sondern eine geflügelte Gestalt oder Bild eines Vogels, Ochsen, Löwen, Menschen, darin die Engel erscheinen, wie sie wollen. Darum sie auch Cherubim heißen, und durch Cherubim bedeutet werden. Also auch die Engel der Kirche, das ist, die Apostel, Propheten, Bischöfe, oder Prediger.

Ein Rad: Also, dass ein jegliches Tier ein Rad neben sich hatte. [Und wurde durch die Räder das Predigtamt des göttlichen Wortes, und der Sakramente angedeutet. Denn die rühmen sich des apostolischen Namens vergebens, welche weder das Wort des Evangeliums in der Kirche lehren noch die Sakramente reichen).

Türkis: Der des Himmels Farbe hat, wenn es klar ist. [Und wurde dadurch angezeigt, dass im Wort des Evangeliums, und in den Sakramenten, ob sie wohl auf Erde abgehandelt werden, dennoch himmlische Geheimnisse und Schätze vortragen und überreicht werden).

10. Und waren alle vier eins wie das andere, als wäre ein Rad im anderen.

Im anderen: Als wenn man zwei runde Zirkel in und durcheinander gesteckt hätte. Darum die Räder in alle vier Örter der Welt gehen konnten, dass sie sich nicht wenden oder lenken durften. [Die Gleichheit der Räder bedeutet, dass eben dasselbe Wort des Evangeliums in allen christlichen Kirche gepredigt, und einerlei Sakrament ausgeteilt werde, obwohl in den äußerlichen Zeremonien bisweilen eine Ungleichheit gespürt wird).

11. Wenn sie gehen sollten, so konnten sie in alle ihre vier Örter gehen und durften sich nicht herumlenken, wenn sie gingen, sondern wohin das erste ging, da gingen sie hinnach, und durften sich nicht herumlenken,

Sie hinnach: Nämlich, die Tiere bewegten sich zugleich mit den Rädern, und waren also beschaffen, dass sie sich nicht umwenden durften, sondern wo sie hin begehrten, gerade vor sich gingen. [Denn wo Gott den Lauf seines Evangeliums hinwendet, dahin dringt es in der Eile fort. Aber die Rottengeister ziehen in der Krümme herum, wie die Schlangen, und überlisten die unvorsichtigen Leute mit bösen Praktiken, verwickeln sie auch in Irrtum, wie mit krummen Banden und Stricken).

12. samt ihrem ganzen Leibe, Rücken, Händen und Flügeln. Und die Räder waren voll Augen um und um an allen vier Rädern.

Voll Augen: [Denn das Predigtamt des Wortes und der Sakramente gibt den Gläubigen eine reichliche und heilsame Erkenntnis Gottes, und deutliches Wissenschaft der himmlischen Geheimnisse).

13. Und es rief zu den Rädern: Galgal! dass ich es hörte.

Galgal: Das ist, wendet euch geschwind herum, und geht schnell fort. [Denn der Sohn Gottes will, dass man das Predigtamt des göttlichen Wortes treibe und befördere. Welche deswegen in ihrem Amt fahrlässig sind, oder den Lauf des Evangeliums mit Gewalt oder List hindern, die werden dem Sohn Gottes schwere Rechenschaft dafür geben müssen).

Nach Luther: Lautet, als wir auf Deutsch sprechen zum Rade, Wende, Wende, dass sich es immer wenden und gehen soll.

14. Ein jegliches hatte vier Angesichter. Das erste Angesicht war ein Cherub, das andere ein Mensch, das dritte ein Löwe, das vierte ein Adler.

Ein jegliches: Der geflügelten Tiere, so gleichsam an dem Wagen zogen.

Cherub: Oben im ersten Kapitel wird an statt des Cherubs ein Ochse gesetzt, weil desselben Tiers Gestalt einem Ochsen gleich gewesen. [Es wurde aber durch diese vier Gestalten angedeutet, wie die Apostel und derselben rechtmäßigen Nachkommen in ihrem Kirchenamt gegen die Kirche Gottes sich verhalten würden. Das menschliche Angesicht gibt die Freundlichkeit und Leutseligkeit zu verstehen, dass die Schwachen im Glauben mit sanftem Gemüt sollen aufgenommen werden {Röm 14}. Des Löwen Angesicht deutet auf ein standhaftes und unerschrockenes Gemüt wider alle Gefahr, also dass sie auch ihr Leben um des Evangeliums Christi willen in die Schanze zu schlagen, keine Scheu tragen {Mt 10}. Des Ochsen Angesicht gibt Anleitung zur Arbeitsamkeit und Unverdrossenheit, die im Predigtamt geordert wird. Daher Paulus von den Kirchendienern sagt: Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden {1Tim 6}. Des Adlers Angesicht erinnert uns, dass man keine Menschensatzungen vorbringen soll, noch philosophische und weltweise Spitzfindigkeiten, sondern die himmlische Lehre, welche allen menschlichen Verstand und Vernunft weit übertrifft {Kol 2 2Kor 10}.

15. Und die Cherubim schwebten empor. Es ist eben das Tier, das ich sah am Wasser Chebar.

Cherubim: Nämlich, die Tiere, so von wegen ihrer Flügel also genannt wurden.

Empor: [Denn es trägt sich bisweilen zu, dass die Kirchendiener und das Predigtamt, auch auf dieser Welt in großem Ansehen sind. Und wer von den Kirchendienern viel hält, der achtet auch das Predigtamt hoch und wert, gleichwie hinwiederum, welche die frommen und rechte Kirchendiener verachten, die verachten auch das Predigtamt in ihrem Herzen, wenn sie gleich mit dem Munde ein anderes vorgeben).

Das Tier: Es war eben die selbige Gestalt der Tiere, die ich zuvor auch gesehen hatte. Und wird hier als von einem Tiere geredet, weil alle vier Tiere an einander waren, gleichwie auch die Räder, weil sie in einander steckten, bald ein Rad, bald vier Räder genannt werden.

16. Wenn die Cherubim gingen, so gingen die Räder auch neben ihnen; und wenn die Cherubim ihre Flügel schwangen, dass sie sich von der Erde erhoben, so lenkten sich die Räder auch nicht von ihnen.

Neben ihnen: Neben den Tieren. [Denn ein Kirchendiener des göttlichen Wortes, der ohne das Predigtamt im Müßiggang und Wollüsten lebt, der ist kein rechter Kirchendiener).

17. Wenn jene standen, so standen diese auch; erhoben sie sich, so erhoben sich diese auch: denn es war ein lebendiger Wind in ihnen.

In ihnen: Nämlich, in den Rädern so wohl, als in den Tieren. [Denn der Heilige Geist ist bei dem Predigtamt gegenwärtig, damit das Evangelium mit Frucht und Nutzen bei den Auserwählten gelehrt werde, und die Sakramente zu ihrer Besserung und Seligkeit ausgeteilt werden).

18. Und die Herrlichkeit des Herrn ging wieder aus von der Schwelle am Hause und stellte sich über die Cherubim.

Ging wieder: Es dachte mich, als ob sich der Thron des Sohnes Gottes fortbewegte, und käme aus dem inneren Teil des Tempels in den Hof. [Dadurch wurde bedeutet, wie das Evangelium erstlich den Juden sollte gepredigt werden, so durch den inneren Hof des Tempels vorgebildet wurde. Unterdes aber ging der evangelische Wagen nach und nach fort, zu dem äußeren Vorhof, der die Heiden bezeichnete).

19. Da schwangen die Cherubim ihre Flügel und erhoben sich von der Erde vor meinen Augen; und da sie ausgingen, gingen die Räder neben ihnen. Und sie traten in das Tor am Hause des Herrn gegen Morgen, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen.

Sie ausgingen: Nämlich, die Tiere, von der Schwellen des Hauses des Herrn.

Neben ihnen: Neben den Tieren, dass sie nirgends von ihnen wichen.

Tor: Da der evangelische Wagen stille hielte, nämlich, im Tor des Vorhofs, welches Tor gegen Morgen steht. [Und wurde dadurch angezeigt, dass Christus die Juden und ihren Tempel verlassen würde, und zu den Heiden ziehen. Denn Gott nimmt das Licht seines Evangelium von den undankbaren Leuten hinweg).

Über ihnen: Der Sohn Gottes saß in seinem Thron über den Tieren und Rädern. [Denn derselbe Gottes Sohn schützt und regiert die Kirchendiener und das Predigtamt. Und wird recht der Gott Israels genannt, weil derselbe Sohn des Menschen, der auf den Thron sitzend gesehen wurde, ist der wahre Gott, hochgelobt in Ewigkeit {Röm 9}.

20. Das ist das Tier, das ich unter dem Gott Israels sah am Wasser Chebar, und merkte, dass es Cherubim wären {Hes 1v3},

Unter dem Gott: Nämlich, unter dem Thron des Sohnes Gottes, der auch der wahre Gott Israels ist.

Cherubim wären: Das ist: Ich merke, dass die Engel unter der Tiere Gestalt also umgingen, und den Fortgang des Reiches Christi vorbildeten. [Es sind aber auch die Apostel und alle fromme Kirchendiener Engel, von Gott ausgesandt, der Auserwählten Seligkeit zu befördern).

21. da ein jegliches vier Angesichter hatte und vier Flügel und unter den Flügeln gleichwie Menschenhände.

Menschen Hände: Die sie ausstreckten, so oft es vonnöten war.

22. Es waren ihre Angesichter gestaltet, wie ich sie am Wasser Chebar sah, und gingen stracks vor sich.

Sah: Also, dass kein Unterschied darunter zu erkennen war. [Denn alle frommen und reinen Lehrer führen einerlei Lehre, und ist ein Geist in ihnen allen. Es hat aber Gott dem Propheten das vorige Gesicht wieder vorstellen wollen, auf dass er in solchen großwichtigen Sachen desto besser gestärkt würde. Und haben wir uns dabei zu erinnern, wie wir einerlei Lehre des Evangeliums immer wiederholen, und den Leuten einbilden sollen. Denn wo die Leute der alten heilsamen Lehre überdrüssig werden, und eine neue suchen, da geraten sie in schreckliche Finsternis der Religion. Daher Paulus der Apostel spricht: Dass ich euch immerdar einerlei schreibe, verdrießt mich nicht, und macht euch desto gewisser {Phil 3}. Man soll aber auch in Fortpflanzung der gesunden Lehre gerade fortgehen, und die Geradigkeit des Evangeliums nicht mit krummen Verdrehungen wie die Schlangen beugen und verkehren).


Das 11. Kapitel


1. Dem Propheten wird im Gesicht die große Sicherheit des israelitischen Volkes gezeigt. v. 1. 2. Darauf ihnen die Strafen verkündigt werden. v. 4. 3. Und empfangen die Gefangenen eine Verheißung von ihrer Wiederkunft, und von den Guttaten des Evangeliums. v. 14.

1. Und mich hob ein Wind auf und brachte mich zum Tor am Hause des Herrn, das gegen Morgen steht; und siehe, unter dem Tor waren fünfundzwanzig Männer. Und ich sah unter ihnen Jasanja, den Sohn Assurs, und Platja, den Sohn Benajas, die Fürsten im Volk.

Und: Der Prophet Hesekiel verkündigt den Obersten und dem ganzen Volk in der Stadt Jerusalem, was es für einen jämmerlichen Ausgang mit ihrer fleischlichen Sicherheit gewinnen werde, und lehrt, wie das jüdische Volk werde verworfen werden, und an desselben statt die geistlichen Israeliten aufkommen, nämlich, alle die an Christus glauben {Gal 6}.

Wind: Von dem mich dachte, dass ich plötzlich und ganz schnell hinweg gerissen wurde.

Männer: Die sich der Abgötterei beflissen.

Fürsten: Welche, weil sie ein groß Ansehen unter dem Volk hatten, den anderen mit einem gottseligen Wandel hätten sollen vorgehen, so taten sie das Widerspiel. Denn sie nahmen erdichtete und falsche Gottesdienste an, und hofften in ihren Bubenstücken noch dazu sicher zu sein und ungestraft zu bleiben.

2. Und er sprach zu mir: Menschenkind diese Leute haben unselige Gedanken und schädliche Ratschläge in dieser Stadt.

3. Denn sie sprechen: Es ist nicht so nahe, lasst uns nur Häuser bauen; sie ist der Topf, so sind wir das Fleisch.

So nahe: Nämlich, der Untergang der Stadt, davon Jeremia weissagt, und uns droht, dass er uns gemeint, damit zu schrecken.

Bauen: Dass wir darin nach unserer Gelegenheit wohnen mögen. Denn die Chaldäer werden diese Stadt nicht gewinnen, noch wir ins Elend gefangen weggeführt werden. Der Propheten Drohungen sind nur nichtige Schreckworte.

Sie: Nämlich, die Heilige Stadt Jerusalem.

Topf: Darin man das heilige Fleisch, so vom Opfer übergeblieben ist, zu kochen pflegt, dem Allmächtigen Gott zum Lobe.

Fleisch: Das heilige Volk Gottes, welches Gott dem Herrn geheiligt und geweiht ist. Darum wird Gott beide den Topf und das Fleisch, das ist: Die Stadt samt dem Volk schützen und handhaben. [Solche übermachte Bosheit, und großen Mutwillen kann Gott nicht leiden, wenn die unbußfertigen Sünder sich noch in ihren Sünden kitzeln, und ihnen von lauterem Glück bei ihrem gottlosen Wesen träumen lassen).

4. Darum sollst du, Menschenkind, wider sie weissagen.

Weissagen: Was ich dir jetzt offenbaren will, von dem unglückhaften Ausgang solcher gottlosen Sicherheit.

5. Und der Geist des Herrn fiel auf mich und sprach zu mir: Sprich: So sagt der Herr: Ihr habt also geredet, ihr vom Hause Israel; und eures Geistes Gedanken kenne ich wohl.

Auf mich: Das ist: Ich wurde mit dem Heiligen Geist erleuchtet, der mir folgende Weissagung offenbarte.

Geredet: Als ob ihr verkehrtes und gottloses Volk solltet das Fleisch und die Stadt Jerusalem euer Topf sein.

Kenne ich: Dass ihr nicht anders meint, und euch dessen selbst beredet, als könne Gott euer nicht entbehren oder entraten, und sei euch gebunden, dass er euch bei eurer Abgötterei und anderen schändlichen Lastern müsse schützen und handhaben, wenn ihr gleich ohne aufhören darin fortfahrt. Aber es wird viel anders hinausgehen.

6. Ihr habt viele erschlagen in dieser Stadt, und ihre Gassen liegen voller Toten.

Erschlagen: Nämlich, unschuldiger Weise, dass sie den Tod nicht verdient hatten.

Voller Toten: Also, dass ihr der frommen Leute toten Körper auf den Gassen habt liegen lassen. Denn eure Voreltern haben die Propheten des Herrn, und andere fromme Leute erwürgt, denen seid ihr ganz gleich, und tut es ihnen nach, daher diese Stadt mit unschuldigem Blut erfüllt ist.

Nach Luther: So viel Propheten hatten sie erwürgt, und rühmten sich gleichwohl, dass sie würden bleiben vor dem Könige zu Babel. [Denn sie meinten, unser Herr Gott könnte ihr so wenig entbehren, als des Fleisches in Töpfen, das ist: Als des Gottesdienstes und Opfers im Tempel, als der nicht könnte untergehen).

7. Darum spricht der Herr Herr also: Die ihr darin getötet habt, die sind das Fleisch, und sie ist der Topf; aber ihr müsst hinaus.

Das Fleisch: Nämlich, ein heiliges Fleisch, die Gott der Herr in seiner Hand erhalten wird, bis zu ihrer seligen Auferstehung.

Sie: Nämlich, diese Stadt Jerusalem, in der die heiligen Leute, als in einem Topf, jämmerlich geplagt und geängstigt wurden. Darum werden dieselben zwar zur ewigen Freude, als ein heiliges Fleisch erhalten werden, und hier ruhen bis zu ihrer Auferstehung, die Stadt aber, darin sie so große Not gelitten, muss zerstört werden.

Hinaus: ich will euch vertilgen, dass ihr entweder mit dem Schwert sollt erwürgt werden, oder im Elend, weit aus eurem Vaterland, jämmerlich sterben und verderben, darum baut ihr eure Häuser umsonst, denn ihr werdet nicht darin wohnen. [Lässt also Gott der unschuldigen und frommen Leute Totschläger nicht ungerächt).

8. Das Schwert, das ihr fürchtet, das will ich über euch kommen lassen, spricht der Herr Herr.

Fürchtet: Weil ihr dennoch in eurem Gewissen überzeugt seid, dass euch eure Bosheit nicht immer ungestraft hingehen wird. [Was aber die gottlosen Leute fürchten, das begegnet ihnen).

9. ich will euch von dort herausstoßen und den Fremden in die Hand geben und will euch euer Recht tun.

Von dort: Nämlich, aus der Stadt Jerusalem, das ihr sollt euren Feinden in die Hände geraten, welche gräulich mit euch umgehen werden.

Recht tun: Dass ich an euch ein Beispiel meines gerechten Gerichts sehen, und den gerichtlichen Ausspruch durch das chaldäische Volk vollstrecken lasse. [Denn Gott fordert auch in diesem Leben die Gottlosen zur Strafe, damit er nicht dafür geachtet werde, als nehme er sich der Menschen Tun nichts an).

10. Ihr sollt durch das Schwert fallen, in den Grenzen Israels will ich euch richten; und sollt erfahren, dass ich der Herr bin.

Grenzen Israel: Denn ihr sollt die Vollstreckung meines gerechten Urteils empfinden, ehe denn ihr noch aus diesem Lande kommt.

Erfahren: Mit eurem großen Schaden und Verderben.

Herr bin: Der allermächtigste und gerechteste Gott, der ich über alles gottlose Wesen ein schweres Urteil fälle, und es aufs Ernstlichste vollstrecke. [Denn welche sich an Gottes Drohungen nicht kehren wollen, die erfahren endlich mit ihrem großen Unglück, was es sei, wenn man Gott zum Zorn reizt).

11. Die Stadt aber soll nicht euer Topf sein, noch ihr das Fleisch darin, sondern in den Grenzen Israels will ich euch richten.

Topf sein: Wie ihr euch vergeblich rühmt, und eine närrische Hoffnung macht, als würdet ihr in eurem Vaterland bleiben und erhalten werden.

Fleisch darin: Ihr werdet darin nicht erhalten werden, wie das Fleisch im Topf, und wird keineswegs also mit euch hinausgehen, wie ihr meint. [Denn der Gottlosen Hoffnung wird zunichte).

12. Und sollt erfahren, dass ich der Herr bin; denn ihr habt nach meinen Geboten nicht gewandelt und meine Rechte nicht gehalten, sondern getan nach der Heiden Weise, die um euch her sind.

Denn: Folgt die Ursache, warum es ihnen also gehen werde.

Heiden Weise: Ihr habt meine Gebote nicht gehalten, sondern meine Satzungen verachtet, und dem gottlosen Tun der benachbarten Heiden gefolgt, so wohl mit der Abgötterei, als im lasterhaften Leben und Wandel. [Es ist aber eine große Bosheit, die eine schwere Strafe verdient, wenn man von dem Worte Gottes abweicht, und solchem Gottesdienst und Wandel folgt, da das Wort Gottes nicht die Richtschnur ist, danach man sich in seinem Tun richten könnte).

13. Und da ich so weissagte, starb Platja, der Sohn Benajas. Da fiel ich auf mein Angesicht und schrie mit lauter Stimme und sprach: Ach, Herr Herr, du wirst es mit den Übrigen Israels ganz ausmachen!

Weissagte: Dass ich die oben erzählten Drohungen aussprach.

Starb: Zur Bestätigung meiner Weissagung von der Gottlosen Strafe.

Platja: Ein gottloser Mensch unter den Juden, der vor meinen Augen niederfiel. Ich halt es aber dafür, dieser Platja sei einer von den vornehmsten Widersachern des Propheten Jeremia gewesen, der ihm widersprochen, wenn er geraten, dass man die Stadt den Chaldäern aufgeben soll. Darum wird denn Propheten Hesekiel im Gesicht hier dieses Mannes jäher Tod gezeigt, und zweifelt mir nicht, es sei eben zur selben in Judäa in der Wahrheit also ergangen, wie der Prophet Hesekiel zu Babel im Gesicht gesehen, hat auch ohne Zweifel die später folgende Nachricht des Propheten Weissagung bestätigt. [Denn Gott reist die Gottlosen bisweilen durch einen jähen Tod schnell hinweg, und stürzt sie zur Hölle).

Ausmachen: Willst du alles vertilgen, was noch übrig ist in Israel? Denn es besorgte sich der Prophet, dass nicht etwa Gott seinen Zorn einstmals über alle anderen Israeliten auch ausschüttete, darum er ganz demütig dafür bat, dass solches nicht geschehe. [Denn obwohl die Frommen das gerechte Urteil Gottes nicht tadeln, so sehen sie doch der Gottlosen jämmerlichen Untergang mit Seufzen an, und begehren den Zorn Gottes mit ihrem Gebet zu mildern).

14. Da geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

15. Du Menschenkind, deine Brüder und nahen Freunde und das ganze Haus Israel, so noch zu Jerusalem wohnen, sprechen wohl untereinander; jene sind vom Herrn ferne weggeflohen, aber wir haben das Land inne.

Nahe Freunde: Deine Landsleute und Verwandten, und was noch von den Israeliten im jüdischen Land übrig ist.

Jene: Nämlich, unsere Brüder, die Juden, so sich vom Jeremia überreden lassen, dass sie mit ihrem Könige Jojachin ins Gefängnis gen Babel weggezogen, sind furchtsame und verzagte Mamelucken, die nicht allein ihr Vaterland, und die Heilige Stadt Jerusalem, sondern auch den Tempel des Herrn, samt dem Gottesdienst und also auch den Gott Israels selbst verlassen haben. Wir aber sind beständige Handhaber der jüdischen Religion, die wir Leib und Leben gewagt haben, die Heilige Stadt und den Tempel wider die Feinde zu schützen.

Land inne: Wir sind von Gott dazu gewürdigt, dass wir dies Land in Besitzung behalten haben, aber die anderen, so landräumig wurden, werden niemals wieder hierher an diesen Ort kommen. [Mit solchem und dergleichen giftigem Gespött werden die vom Teufel umgetrieben und geplagt, welche dem Willen Gottes gehorsam folgen, und das Kreuz mit Geduld auf sich nehmen: Dass der Teufel ihnen vorhält, siehe, du hast dich selber in den Jammer gestürzt, dessen du wohl hättest können überhoben sein, wenn du dich recht vorgesehen hättest).

16. Darum sprich du: So spricht der Herr Herr: Ja, ich habe sie ferne weg unter die Heiden lassen treiben und in die Länder zerstreut; doch will ich bald ihr Heiland sein in den Ländern, dahin sie gekommen sind.

Heiland sein: Das ist: Weil die Israeliten, welche mit Jojachin freiwillig, aus Rat des Propheten Jeremia, gen Babel gezogen sind, aus ihrem Vaterland, ferne unter die Heiden weggeführt wurden, so will ich mich ihrer wiederum erbarmen, darum dass sie sich demütig und gehorsam unters Kreuz ergeben haben, und will ihren Unfall in kurzer Zeit lindern, den sie in Babel ausstehen, dass ihnen ihr Elend und Gefängnis leidentlich sein soll. Also dass die Heiden selber erkennen werden, wie ich für sie Sorge trage, bis ich sie einmal wieder heimbringe. [Denn welche mit bußfertigem Herzen der göttlichen Strafe sich demütig unterwerfen, denen lindert Gott ihr Elend).

17. Darum sprich: So sagt der Herr Herr: Ich will euch sammeln aus den Völkern und will euch sammeln aus den Ländern, dahin ihr zerstreut seid, und will euch das Land Israel geben {Jer 23v3}.

Sprich: Nämlich, du Prophet Hesekiel, zu deinen Mitgefangenen in Babel.

Völkern: Unter denen ihr jetzt im Elend lebt.

Land Israel: Euer Vaterland, daraus ihr jetzt verstoßen seid, und nach dem ihr ein sehnliches Verlangen habt. [Obwohl nun diese Weissagung zum Teil damals erfüllt wurde, da unter dem Könige Kores die Juden wieder ins gelobte Land gekommen sind, so sieht doch der Prophet hier weiter hinaus, nämlich, auf die Erlösung, welche durch Christus uns widerfahren ist, da alle rechtschaffenen Israeliten, das ist: Alle Gläubigen an Christus ins himmlische Vaterland gebracht werden).

18. Da sollen sie kommen und alle Scheuel und Gräuel daraus wegtun.

Kommen: Nämlich, ins Land Kanaan, die aus dem Elend wieder heimziehen.

Wegtun: Sie werden das Land von der Abgötterei reinigen, damit es zuvor verunreinigt wurde. [Obwohl nun zur Zeit der Zukunft Christi keine Götzen im Tempel zu Jerusalem verehrt wurden, so war doch die Lehre, und der Gottesdienst mit vielfältigen Menschensatzungen und pharisäischem eigenen Dünkel besudelt, welche das Evangelium Christi später weggetan, und ausgemustert hat. So werden auch noch heutigen Tages die Abgötter und Gräuel aus der Kirche Gottes geworfen, wenn man die Menschensatzungen und erdichteten Werke, die dem Worte Gottes widerstreben, aus der Kirche ordentlicherweise hinwegtut).

19. ich will euch ein einträchtig Herz geben und einen neuen Geist in euch geben; und will das steinerne Herz wegnehmen aus eurem Leibe und ein fleischern Herz geben {Jer 32v39 Hes 36v26},

Einträchtig: Dass ihr in einerlei Sinn an den einigen Mittler Jesum Christus glaubt. [Denn es ist nur ein einiger wahrhafter und seligmachender Glaube {Eph 4}. Wer von dem abweicht, der wird das ewige Leben nicht erlangen).

Neuen Geist: Nämlich, den Heiligen Geist, der durch das Wort des Evangeliums und die Sakramente eure Herzen erneuern wird, dass ihr nicht aus Zwang mir nur einen äußerlichen Gehorsam leistet, noch meinem Willen euch mutwillig widersetzt, sondern dass ihr mit euch handeln lasst, und aus freiem Willen mir begehrt zu gehorsamen. [Denn der Heilige Geist wird den Gläubigen gegeben, von dem sie zum Guten angetrieben werden, dass sie solches, nach dem inwendigen Menschen, und sofern sie wiedergeboren sind, freiwillig tun).

20. auf dass sie in meinen Sitten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. Und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein.

Gott sein: Nämlich, ihr gnädiger und gütiger Gott, von dem sie allerlei zeitliche und himmlische Guttaten sollen gewärtig sein. [Denn obwohl in den Gläubigen noch viel Schwachheiten stecken, also, dass sie oft viel tun, was sie nicht wollen {Röm 7}. So lässt sich doch Gott ihren neuen Gehorsam gefallen, und rechnet ihn für vollkommen, um des allervollkommensten Gehorsams Christi willen, den er für uns geleistet hat, und uns Gläubigen zugerechnet wird {Röm 5}. Es vergilt auch unser allergütigster himmlischer Vater solchen unseren unvollkommenen Gehorsam mit vielen und großen Guttaten).

21. Denen aber, so nach ihres Herzens Scheueln und Gräueln wandeln, will ich ihr Tun auf ihren Kopf werfen, spricht der Herr Herr {Hes 9v10}.

Wandeln: Das ist: Welche nach der Predigt des Evangeliums von Christo, nichtsdestoweniger in der falschen Lehre und gottlosen Leben fortfahren, die wird Gott nach ihrem Verdienst mit zeitlichen und ewigen Plagen heimsuchen. [Denn gleichwie die allergrößten Sünder durch wahre Buße der ewigen Verdammnis entrinnen. Also dürfen hinwiederum die Unbußfertigen, so lange sie also bleiben, keine Seligkeit hoffen. Denn Gott ist nicht nur barmherzig und gnädig, sondern auch gerecht).

22. Da schwangen die Cherubim ihre Flügel, und die Räder gingen neben ihnen, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen.

Cherubim: Nämlich, die geflügelten Tiere, so vor dem evangelischen Wagen hergingen, begehrten eilends fort.

Über ihnen: Das ist: Der Sohn Gottes wurde in menschlicher Gestalt auf dem Thron seiner Majestät über die geflügelten Tiere gesehen.

23. Und die Herrlichkeit des Herrn erhob sich aus der Stadt und stellte sich auf den Berg, der gegen Morgen vor der Stadt liegt.

Berg: Das ist: Das Gesicht mit dem evangelischen Wagen und darauf schwebenden Herrlichkeit und Majestät Christi zog aus der Stadt hinweg, und hielt auf einem Berge still, außerhalb der Stadt. [Welche Veränderung des evangelischen Wagens bedeutet, wie das Evangelium Christi den Juden würde genommen, und den Heiden gegeben werden. Und wenn gleich etliche darunter das Evangelium nicht annehmen, noch Busse tun, so geht doch Christus nichtsdestoweniger mit seinem Evangelium immer fort, und ist bei dem Predigtamt gegenwärtig, damit es in den Auserwählten kräftig sei).

24. Und ein Wind hob mich auf und brachte mich im Gesicht und im Geist Gottes nach Chaldäa zu den Gefangenen. Und das Gesicht, so ich gesehen hatte, verschwand vor mir.

Hob mich: Nämlich, nach dem ich alles, was ich bisher erzählt, im Gesicht gesehen und gehört hatte.

Gefangenen: Das ist: Es dachte mich, als ob ich von einem starken Winde aus Jerusalem hinweggerissen, und wieder in der Chaldäer Land geführt würde.

Verschwand: Als wollte er sprechen: Das Gesicht war nichts anderes, als eine prophetische Offenbarung des Heiligen Geistes, welche damals wieder aufhörte.

25. Und ich sagte den Gefangenen alle Worte des Herrn, die er mir gezeigt hatte.

Alle Worte: Und verhehlte ihnen nichts, von allen dem, was mir Gott im Gesicht geoffenbart hatte, auf dass sie dadurch von den Gedanken der Wiederheimkunft halben abgehalten, und die Kleinmütigen getröstet würden, weil sie verstünden, dass sie einen gnädigen Gott hätten, und dass die Juden, so zu Jerusalem blieben, mit noch viel größerem Unglück würden überfallen werden, als die, so zu Babel bereits wären. [Denn man soll das Wort Gottes predigen, auf dass die Irrenden wieder richtig gebracht werden, und die geängstigten und betrübten Herzen Trost empfangen).


Das 12. Kapitel


1. Der Prophet trägt seine Geräte im Bündel aus dem Hause, als ob er wandern wollte, gibt aber damit des Königs in Juda, und des Volkes Israel Wanderschaft ins Elend zu verstehen. v. 1. 2. Isst auch sein Brot mit zittern, zur Zeichen ihrer künftigen Furcht. v. 17. 3. Und sagt, dass solches alles bald geschehen werde. v. 23.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Gott heißt den Propheten der Juden zu Jerusalem Gefängnis mit einem äußerlichen Zeichen vorbilden.

2. Du Menschenkind, du wohnst unter einem ungehorsamen Hause, welches hat wohl Augen, dass sie sehen könnten, und wollen nicht sehen, Ohren, dass sie hören könnten, und wollen nicht hören, sondern es ist ein ungehorsames Haus.

Nicht hören: Denn sie sind von Gott mit Augen, Ohren und Verstand begabt, dass sie in anderen Sachen klug genug sind, aber zu dem Wort und Willen Gottes sind sie taub und blind, dass sie weder die Wahrheit des göttlichen Wortes erkennen, noch seinem Willen gehorsam sein wollen. [Denn wo des Menschen Herz durch den Heiligen Geist nicht erleuchtet, und sein Wille zum Gehorsam Gottes gezogen wird, so sieht und hörte er nicht, sondern eilt in seiner Blindheit und Widerspenstigkeit zu seinem Verderben. Jedoch soll man Gottes Wort nichtsdestoweniger predigen, auf dass die Auserwählten dadurch auf den rechten Weg gebracht werden. Die Verkehrten aber keine Ausrede oder Entschuldigung haben können).

3. Darum, du Menschenkind, nimm dein Wandergerät und zieh am lichten Tage davon vor ihren Augen. Von deinem Ort sollst du ziehen an einen anderen Ort vor ihren Augen, ob sie vielleicht merken wollten, dass sie ein ungehorsames Haus sind.

Nimm: Als wollte er sprechen: Weil die Juden zu Babel auf ihrem Kopf bleiben, und immer nach der Wiederkunft ins jüdische Land trachten, so soll dennoch, als ihr Prophet, nicht allein mit Worten, sondern auch mit der Tat sie erinnern, wie der Stadt Jerusalem Untergang nicht ferne mehr sei, und dass die Juden da werden ins Gefängnis wegziehen müssen, welche jetzt und meinen, sie wollen also zu Jerusalem immer in ihrer Freiheit bleiben.

Wandergerät Dein Bündel, wie die Wandersleute zu tragen pflegen.

Zieh: Wie ein Wandersmann mit dem Bündel auf dem Rücken.

Merken wollten: Was durch solche deine Wanderschaft bedeutet werde, nämlich, dass die Juden zu Jerusalem in kurzen gen Babel werden wandern müssen, darum sollen sie zu Babel vielmehr ruhig sein und bleiben, als nach der Wiederkunft ins jüdische Land trachten. Denn du Prophet musst allerlei Weise und Wege versuchen, dadurch du dies Volk könntest auf dem rechten Wege behalten und sie von ihrer Widerspenstigkeit abweisen. [Also, ob gleich die Kirchendiener widerspenstige Zuhörer haben, sollen sie dennoch mit Lehren, Ermahnen, und Schelten beständig fortfahren, welches zu seiner Zeit nicht ohne Furcht aufhören wird).

4. Und sollst dein Gerät heraustun, wie Wandergerät, bei lichtem Tage vor ihren Augen; und du sollst ausziehen des Abends vor ihren Augen, gleichwie man auszieht, wenn man wandern will.

Lichtem Tage: Da soll anfangen, und etwas von deinem Hausrat vor das Haus heraustragen, als ob du dasselbe mit dir hinweg über Feld nehmen wolltest.

Des Abends: Wenn du dich allerdings gerüstet und zur Reise fertig gemacht hast. Es wird aber dem Propheten befohlen, dass er des Abends ausziehen soll, damit anzuzeigen, dass die Stadt Jerusalem bei nächtlicher Zeit würde erobert werden, und dass der König samt seinen Kriegsleuten, und etlichen vornehmsten Bürgern die Flucht aus der Stadt nehmen würde.

5. Und du sollst durch die Wand brechen vor ihren Augen und dort durch ausziehen.

Brechen: Auf dass die Juden daraus abnehmen, wie der König Zedekia, mit den vornehmsten Kriegsleuten durch einen heimlichen Weg und ungewöhnliche Tür aus der Stadt die Flucht nehmen werde.

6. Und du sollst es auf deine Schulter nehmen vor ihren Augen und wenn es dunkel geworden ist, heraustragen; dein Angesicht sollst du verhüllen, dass du das Land nicht siehst. Denn ich habe dich dem Hause Israel zum Wunderzeichen gesetzt.

Nehmen: Nämlich, was du von deinem Hausrat tragen kannst.

Nicht siehst: Du sollst einhergehen, als ob du blind wärest, und im Finsteren herum griffest, und den Weg suchtest.

Gesetzt: Du sollst meinem Volk mit diesem deinem Tun, wie ein Wunderzeichen sein, dafür sie sich entsetzen werden, und abnehmen, was dem Könige und Bürgern zu Jerusalem begegnen wird. Es erklärt aber Gott der Herr bald später selber durch den Propheten, was dies alles bedeute. [Ob nun wohl nicht vonnöten ist, dass jemand solche Gebärden und Tun des Propheten nachtue, so soll doch ein Kirchendiener sich bemühen, dass er das Wort Gottes seinen Zuhörern wohl einbilde, auf dass sie gleichsam als auf den Augenschein geführt, die angehörte Erinnerungen mit Ernst betrachten, und zu Herzen nehmen).

7. Und ich tat, wie mir befohlen war, und trug mein Gerät heraus, wie Wandergerät, bei lichtem Tage; und am Abend brach ich mit der Hand durch die Wand; und da es dunkel wurde war, nahm ich es auf die Schulter und trug es heraus vor ihren Augen.

Heraus: Nach dem ich es zusammen in ein Bündel gefasst hatte.

Wand: Auf dass ich durch dasselbe Loch, und nicht durch die Tür, heraus gehen könnte.

Ihren Augen: Da ohne Zweifel ihrer viele es dafür gehalten, der Prophet sei nicht wohl bei Sinnen.

8. Und frühmorgens geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

9. Menschenkind, hat das Haus Israel, das ungehorsame Haus, nicht zu dir gesagt: Was machst du?

Was machst tu: Bist du von Sinnen gekommen, dass du deinen Hausrat in ein Bündel zusammen gefasst anders wohin trägst, und durch die Wand ein Loch machst, dadurch du mit dem Bündel hindurch gingst, gerade als ob du keine Tür hättest, aus welcher du gehen könntest?

10. So sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Diese Last betrifft den Fürsten zu Jerusalem und das ganze Haus Israel, das darin ist.

Last: Das ist, die traurige Weissagung (denn solche leidige Weissagungen werden in der Schrift Lasten genannt) welche ich gestern mit den Gebärden zu erkennen gegeben, und jetzt mit Worten deutlicher erklären will, geht den König zu Jerusalem an, und alle Juden, die noch zu Jerusalem und im ganzen jüdischen Land wohnen, und zur selben Stadt vor der Belagerung fliehen werden.

11. Sprich: Ich bin euer Wunderzeichen; wie ich getan habe, also soll euch geschehen, dass ihr wandern müsst und gefangen geführt werden.

Wunderzeichen: Dass ihr über meine gestrige Handlung, als über ein besonderes seltsam Werke euch verwundern werdet, und daraus abnehmen, was die Juden zu Jerusalem zu erwarten haben.

Euch geschehen: Nämlich, den Juden zu Jerusalem, dass sie mit ihren Bündlein traurig aus der Stadt fortziehen werden.

Geführt: Ob sie gleich jetzt meinen, dass sie immer bei ihrer Freiheit bleiben wollten.

12. Ihr Fürst wird auf der Schulter tragen im Dunkel und muss ausziehen durch die Wand, so sie brechen werden, dass sie dadurch ausziehen; sein Angesicht wird verhüllt werden, dass er mit keinem Auge das Land sehe.

Tragen: Er wird nicht hinaus reiten oder fahren, sondern mit Furcht und Zittern, und gehängtem Kopf sich in die Flucht begeben. Denn welche in großer Gefahr und Furcht stecken, die gehen nicht aufrecht, wenn sie fliehen wollen, sondern bücken sich, als wenn sie eine große Last trügen.

Nach Luther: Das ist, er wird nicht aus der Stadt reiten oder fahren, etc.

Dunkel: Bei der Nacht, wenn er merken wird, dass die Stadt von den Feinden erobert wurde.

Sie brechen werden: Nämlich, seine Diener, die werden sich unterstehen, ihren König durch einen ungewöhnlichen Weg aus der Hand der Feinde davon zu bringen und der Gefahr zu entziehen.

Verhüllt: Er wird geblendet werden, ehe er gen Babel kommt, darum er das Land seines Elends nicht sehen wird. [Also demütigt Gott die gottlosen Könige und Regenten, die mit dem Stolz und Übermut kein Maß halten, dass sie vor Furcht Schlupfwinkel suchen, die zuvor nicht gewusst, wie sie stolz und prächtig genug wollen hereintreten).

13. ich will auch mein Netz über ihn werfen, dass er in meiner Jagd gefangen werde, und will ihn gen Babel bringen, in der Chaldäer Land, das er doch nicht sehen wird, und soll dort sterben {Hes 17v20 32v3}.

Gefangen: Wird ihm also sein gesuchtes Mittel zu entfliehen nichts helfen, sondern muss einen Weg wie den anderen in des Feindes Hand kommen. [Also wirft Gott gleichsam noch heutigen Tages sein Netz über die Übeltäter, und besonders die Totschläger, dass sie der Obrigkeit nicht entgehen können, ob sie gleich gute Gelegenheit zu fliehen haben).

Nicht sehen: Denn es sollen ihm die Augen ausgestochen werden, ehe er gen Babel kommt.

Nach Luther: Denn seine Augen wurden ihm zu Riblath ausgestochen {Jer 39v7 52v11}. Also sah er den König zu Babel, wie Jeremias sagt. Und sah doch Babel nicht, wie Hesekiel sagt. Welche zwei Stücke die Juden wieder einander lautend für Lügen hielten.

Sterben: Und nicht wieder in sein Vaterland gekommen. [Denn bei Gott ist kein Ansehen der Person, darum übt er auch an den allermächtigsten Herren, wenn sie gesündigt haben, rechte Strafe).

14. Und alle, die um ihn her sind, seine Gehilfen und all seinen Anhang will ich unter alle Winde zerstreuen und das Schwert hinter ihnen her ausziehen.

Alle Winde: In alle vier Örter der Welt. [Welche deswegen auf menschliche Hilfe und Beistand sich verlassen, die werden darüber zuschanden. Gleichwie die tun, welche ihre Hoffnung auf tapfere Kriegsleute, Hauptleute, und andere Personen setzen).

Ausziehen: Dass sie auch im Elend, wenn sie dahin und wieder herum ziehen, dem Tode dennoch nicht entgehen sollen, sondern auf mancherlei Weise am Leben gestraft und umgebracht werden. [Denn welche zu gottlosen Anschlägen und Verrichtungen helfen, die gehen auch zugleich mit den anderen gottlosen Leuten zugrunde).

15. Also sollen sie erfahren, dass ich der Herr sei, wenn ich sie unter die Heiden verstoße und in die Länder zerstreue.

Erfahren: Da werden sie als denn endlich erkennen und innewerden, dass ich der allmächtige und gerechte Gott bin, der ich die Übertretung meiner Gebote aufs ernstlichste strafe.

Länder: Welche weit von Jerusalem abgelegen sind, da wird ihnen das Elend unter die Augen schlagen. [Denn es wollen sich ihrer etliche nicht eher zu Gott dem Herrn bekehren, bis sie in Unglück und zeitliche Strafen geraten: Da erkennen sie dann allererst ihre Sünde und Unrecht, und den ernsten Zorn Gottes wider sie. Darum bitten sie um Verzeihung, die sie auch erlangen).

16. Aber ich will ihrer etliche wenige überblieben lassen vor dem Schwert, Hunger und Pestilenz; die sollen jener Gräuel erzählen unter den Heiden, dahin sie kommen werden, und sollen erfahren, dass ich der Herr sei.

Überbleiben: Die in solcher allgemeinen Landstrafe von mir besonders sollen erhalten werden.

Schwert: Dass sie von den Feinden nicht erwürgt werden.

Erzählen: Das ist, welche noch von den Juden überbleiben werden, die wird Gott zu dem Ende erhalten, auf dass sie vor aller Welt bekennen, wie Gott über seines Volkes Sünden und Abgötterei richtig gezürnt, und sie nach ihrem Verdienst gestraft habe. [Denn Gott will, dass man ihm das Lob der Gerechtigkeit zuschreibe).

Herr sei: Auf dass beide Juden und Heiden wissen und erkennen, dass ich allein der ewig wahre Gott sei, den sie mit vielfältiger Abgötterei und schweren Sünden erzürnt haben. [Denn es haben die Züchtigungen des Volkes Gottes auch bei den Ungläubigen ihren Nutzen, auf dass sie mit der Zeit den wahren, gerechten, und gütigen Gott erkennen lernen).

17. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Gott fährt noch weiter fort, durch den Propheten zu weissagen, was für ein Jammer zu Jerusalem vorgehen werde, unter den Juden, so darin wohnen, und wird dem Propheten befohlen, dass er abermals besondere äußerliche Gebärden an sich nehmen soll, der Juden Angst damit anzuzeigen, darin sie würden gestürzt werden. Und ist ohne Zweifel dies alles aus Babel gen Jerusalem geschrieben, oder doch verkündigt worden. Aber die Einwohner der Stadt Jerusalem haben alle solche Warnungen mit großer Sicherheit verachtet, gleichwie sie auch des Propheten Jeremia Weissagungen, den sie täglich um und bei sich hatten, verlacht haben. Dennoch hat sie Gott auch durch einen weit abwesenden Propheten lassen zur Busse locken, weil man sich es oft nicht hoch achtet, was in der Nähe ist.

18. Du Menschenkind, du sollst dein Brot essen mit Beben und dein Wasser trinken mit Zittern und Sorgen.

Mit zittern: Dass die Israeliten zusehen, und aus solchen deinen Gebärden Augenscheinliches abnehmen können, mit was Ängsten die Juden zu Jerusalem in der Belagerung essen und trinken werden.

19. Und sprich zum Volk im Lande: So spricht der Herr Herr von den Einwohnern zu Jerusalem im Lande Israel: Sie müssen ihr Brot essen in Sorgen und ihr Wasser trinken im Elend; denn das Land soll wüst werden von allem, das darin ist, um des Frevels willen aller Einwohner.

Im Lande: Das jetzt bei dir in dem Land der Chaldäer das Elend ist.

In Sorgen: Dass sie mit Furcht und Schrecken ihre Speise und Trank einnehmen, dadurch sie nicht gelabt, sondern nur unmutig gemacht werden, weil sie immer größere Trübsal kommen. [Denn welche in glücklichem Zustand der Speise und Trank also missbrauchen, dass sie Gott mit ungebührlichen Freuden, oder viel mehr tollem und unsinnigen Wesen erzürnen, die müssen später mit Zittern und Seufzen ihr Essen und Trinken einnehmen).

Von allem: Also, dass die Einwohner weggeführt, und alles was köstlich im Lande gewesen, auch zugleich mit geraubt werde.

Frevels: Weil sie mit Gewalt handeln, und vorsätzlicher trotzigerweise Unrecht tun, wollen auch noch darüber von niemand gestraft sein. [Denn wenn man aus den Lastern ein Handwerk macht, und dieselben ungescheut und ungestraft getrieben werden, ja man derselben sich noch wohl rühmen darf, da steht es nicht lange an, dass ein Regiment muss zugrunde gehen).

20. Und die Städte, so wohl bewohnt sind, sollen verwüstet und das Land öde werden. Also sollt ihr erfahren, dass ich der Herr sei.

Öde werden: Nämlich das jüdische Land über eine kurze Zeit. [Weil aber Gott der Patriarchen Nachkommen nicht verschont hat, sondern ein Beispiel des Zorns und seiner ernsten Gerechtigkeit an ihnen sehen lassen, so sollen wir uns hüten, dass wir nicht durch Unbußfertigkeit, und gottloses Wesen gleiche Strafen über uns ziehen).

21. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Jetzt offenbart Gott dem Propheten, wie die Juden zu Jerusalem solche prophetischen Drohungen annehmen würden.

22. Du Menschenkind, was habt ihr für ein Sprichwort im Lande Israel und sprecht: Weil sich es so lange verzieht, so wird nun fort nichts aus der Weissagung {Hab 2v3}?

Lande Israel: Nämlich, ihr Juden, die ihr im Lande Juda noch bis daher übergeblieben seid.

Verzieht: Es wird noch in vielen Jahren nicht geschehen, was uns die Propheten drohen, ja es sind ihre Weissagungen falsch, und nichtig, und werden vielleicht auf Nimmerstag erfüllt, hätten wir dieweil Geld genug zu zählen. [Denn ehe die Strafe herzukommt, sind der Menschen Herzen überaus sicher, und verlachen alle göttlichen Drohungen).

23. Darum sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Ich will das Sprichwort aufheben, dass man es nicht mehr führen soll in Israel. Und rede zu ihnen: Die Zeit ist nahe und alles, was geweissagt ist.

Aufheben: Ich will in kurzer Zeit verschaffen, dass man an solches Sprichwort nicht mehr denken wird, denn ich ihnen in der Tat zeigen will, ob das Unglück noch weit hinten oder nahend sei, dass ich ihnen gedroht habe, und ob meine Weissagungen fehlen wird oder nicht? Ich will sie bald schweigen, dass sie das Sprichwort erleiden soll. [Denn es kann uns Gott ganz bald den Schlaf der Sicherheit vertreiben).

Zu ihnen: Nämlich, zu deinen Zuhörern in Chaldäa, die den Einwohnern zu Jerusalem nicht ungleich sind, weil sie ihnen immer von ihrer Wiederkunft ins Land Kanaan träumen lassen.

Ist nahe: Dass alle Weissagungen erfüllt werden, welche von den Juden zu Jerusalem gesagt wurden.

24. Denn ihr sollt nun fort innewerden, dass kein Gesicht fehlen und keine Weissagung lügen wird wider das Haus Israel.

Inne werden: Und in der Tat erfahren, dass keine Weissagung jemals leer abgegangen sei. Denn ihre Erfüllung soll nicht länger aufgeschoben werden.

25. Denn ich bin der Herr; was ich rede, das soll geschehen und nicht länger verzogen werden, sondern bei eurer Zeit, ihr ungehorsames Haus, will ich tun, was ich rede, spricht der Herr Herr.

Der Herr: Der wahrhaftige Gott, der ich tue, was ich rede. [Sollen wir deswegen glauben, wenn Gott droht, auf dass wir Buße tun, und wenn er Vergebung der Sünden um Christi willen verheißt, so sollen wir ihm trauen, auf dass wir durch den Glauben gerechtfertigt, das ewige Leben erlangen).

Eurer Zeit: Weil ihr lebt, und zwar in kurzer Zeit, will ich in der Tat leisten, was ich bisher geredet habe.

26. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Geschah: Nämlich, wiederum, und zum anderen Mal.

27. Du Menschenkind, siehe, das Haus Israel spricht: Das Gesicht, das dieser sieht, da ist noch lange hin, und weissagt auf die Zeit, so noch ferne ist.

Haus Israel: Welches eine Versammlung glaubloser Leute ist.

Lange hin: Es ist noch viel Meilen böses Wegs dahin, davon dieser Prophet weissagt.

Ferne: Er sagt von Sachen, die bei unseren Lebzeiten nicht geschehen werden. [Denn die Gottlosen glauben dem Worte Gottes nicht, bis sie es in der Tat mit ihren Schaden innewerden).

28. Darum sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Was ich rede, soll nicht länger verzogen werden, sondern soll geschehen, spricht der Herr Herr.

Nicht länger: Es soll die Erfüllung der Weissagung nicht weiter aufgeschoben werden. [Denn Gott kann nicht lügen {Tit 1}. Darum sollen wir an der Wahrheit seines Wortes nicht zweifeln, ob gleich eine Zeit lang sich alles widersinnig ansehen lässt).


Das 13. Kapitel


1. Den falschen Propheten wird ihre Bosheit vorgeworfen, und mit dem Gleichnis einer übel getünchten Wand, die vom Regen abgewaschen wurde, ihnen ihr Untergang gedroht. v. 1. 2. Danach werden auch die geschwätzigen falschen Wahrsagerinnnen herdurch gezogen. v. 17.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: In diesem Kapitel schilt der Herr die falschen Propheten, deren etliche zu Jerusalem, etliche in Chaldäa waren, welche den jüdischen Volk predigten, dass der Chaldäer Regierung in kurzer Zeit zugrunde gehen würde. Dadurch würde Jerusalem erhalten werden, und die vertriebene Juden aus der Chaldäer Land wieder heim in ihr Vaterland kommen, welches beides falsch und erlogen war.

2. Du Menschenkind, weissage wider die Propheten Israels und sprich zu denen, so aus ihrem eigenen Herzen weissagen: Hört des Herrn Wort!

Weissagen: Und meinem Volk falsche Sachen vorbringen, dieweil sie keine göttliche Offenbarung haben.

3. So spricht der Herr Herr: Wehe den tollen Propheten, die ihrem eigenen Geist folgen und haben doch nicht Gesichte!

Tollen Propheten: Die so närrisch sind, dass sie vorbringen dürfen, und als eine Weissagung rühmen, was ihnen in den Sinn kommt, da sie doch keine göttliche Offenbarung haben. [Solche tollen Propheten sind im Papsttum gewesen, die ihre Träume, von der Seelen Zustand im Fegefeuer, von der Heiligen Hilfe und Anrufung, und dergleichen Narrenwerk dem Volk in ihrem Predigten vorgebracht haben. Solche sind auch noch heutigen Tages die zwinglischen Lehrer, welche ihren Wahn der menschlichen Vernunft im Handel vom Nachtmahl des Herrn ihren Zuhörern vorpredigen. Weh ihnen allen miteinander, denn sie werden einmal Gott schwere Rechenschaft geben müssen, für die Seelen, so sie ins Verderben gestürzt haben).

4. O Israel, deine Propheten sind wie die Füchse in den Wüste!

Füchse: Denn da sie dir deinen Irrtum in der Religion und deine groben Übertretungen im Wandel samt den darauf herzu nahenden göttlichen Strafen anzeigen sollten, verhehlen sie solches alles, aus einer besonderen Geschwindigkeit, auf dass sie der Leute Hass nicht auf sich laden, und daneben ihren Bauch versorgen. [Solche Füchse sind noch heutigen Tages die Prediger, welche die Wahrheit verschweigen, damit sie nicht von den Leuten angefeindet werden, und ihre stattliche Besoldung nicht verlieren).

5. Sie treten nicht vor die Lücken und machen sich nicht zur Hürde um das Haus Israel und stehen nicht im Streit am Tage des Herrn.

Am Tage: Das ist, wenn Gott über sein Volk zornig ist, und strafen will. (Denn das heißt, ein Tag der Rache des Herrn) so ist es mit dem Volk also beschaffen, als wenn in der Belagerung einer Stadt, der Feind ein Stück von der Mauern umgeworfen hat, und begehrt dadurch hinein in die Stadt zu dringen (Denn also untersteht sich Gott, in seinem Zorn wider sein Volk zu hausen) Da solltet ihr als tapfere Kriegsleute und Feldobersten tun, und mit Darbietung eures Leibes für solche Lücken stehen, dass ihr, wie eine starke Mauer den zornigen Feind nicht einließt. Das ist, ihr solltet mit eurem inbrünstigen und eifrigen Gebet euch vor dem zornigen Gott stellen, und mit Fürbitten abwehren, dass er sein Volk nicht nach ihrem Verdienst strafen könnte: Gleichwie Mose etliche Male eine solche Mauer und Vorwehr gewesen, da Gott in der Wüste das jüdische Volk vertilgen wollte. Aber ihr falschen Propheten tut im wenigsten nicht dergleichen, denn ihr achtet euch der Schafe nicht, sondern seht nur, wie ihr ihre Milch und Wolle davon bringt. [Sollen deswegen die Kirchendiener sich erinnern, wie ihr Amt sei, nicht allein, dass sie in der Kirche lehren, und die Sakramente austeilen, sondern auch, dass sie die herzu nahenden göttlichen Strafen Gott abbitten, damit er seinen gerechten Zorn fallen lasse, und die wohlverdienten Strafen von seiner Kirche abwende).

6. Ihr Gesicht ist nichts, und ihr Weissagen ist eitel Lügen. Sie sprechen: Der Herr hat es gesagt, so sie doch der Herr nicht gesandt hat, und mühen sich, dass sie ihre Dinge erhalten.

Lügen: Die sie anstatt der göttlichen Weissagungen vorbringen, in dem sie dem Volk alle glückliche Wohlfahrt versprechen, da doch ganz klägliche und traurige Zeiten vorhanden sind.

Gesagt: Und mir solche Weissagung geoffenbart, die ich euch vorbringe.

Nicht gesandt: Dass er ihnen nichts geoffenbart hat, noch sie predigen heißen.

Mühen sich: Sie trachten mit allem Fleiß dahin, dass sie die Zuhörer bereden mögen, als ob sie die Wahrheit vorgebracht hätten. [Also tun ihm auch die Schwärmer und Rottengeister, welche sich in das Predigtamt zu lehren eindringen, da sie doch keinen rechtmäßigen ordentlichen Beruf haben. Unterdes aber befleißigen sie sich mit aller Macht, und nach ihrem höchsten Vermögen dahin, dass sie viele Leute mit ihrer falschen Lehre vergiften und verführen mögen, vor solchen soll man sich hüten).

7. Ist es nicht also, dass euer Gesicht ist nichts, und euer Weissagen ist eitel Lügen? Und sprecht doch: Der Herr hat es geredet, so ich es doch nicht geredet habe.

Gesichte: (Nach Luther) Eure Predigt und Lehre.

Lügen: Die ihr anstatt einer göttlichen Offenbarung dem Volk vorhaltet.

Geredet: Gott hat mir solche Weissagung geoffenbart. [Gleiche Bosheit und Verwegenheit steckt auch in denen, die ihre falschen Meinungen mit Sprüchen der Heiligen Schrift, die sie verkehren und unrecht auslegen, färben, und danach ihre Irrtümer unter dem Namen der Heiligen Schrift den Zuhörern einbilden).

8. Darum spricht der Herr Herr also: Weil ihr das predigt, da nichts aus wird, und Lügen weissagt, so will ich an euch, spricht der Herr Herr.

An euch: Ich will mich wider euch aufmachen und rüsten, dass ich euch aufs ernstlichste strafe.

9. Und meine Hand soll kommen über die Propheten, so das predigen, da nichts aus wird, und Lügen weissagen. Sie sollen in der Versammlung meines Volkes nicht sein und in die Zahl des Hauses Israel nicht geschrieben werden noch ins Land Israel kommen; und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr Herr bin,

Hand: Das ist, meine Gewalt und Allmacht will ich an ihnen erzeigen. [Sollen deswegen diejenigen wissen, dass sie Gott selbst zum Widersacher haben, welche falschen Lehren in der Kirche Gottes ausstreuen).

Nicht sein: Sondern von der Gemeinde des Volkes Gottes abgesondert werden. [Es droht aber Gott den falschen Propheten eine schwere Strafe, wenn er sagt, dass sie von der Kirche des Volkes Gottes sollen ausgeschlossen werden. Denn außerhalb der Kirche ist keine Seligkeit zu hoffen).

Kommen: Sondern sollen im Elend sterben und verderben.

Erfahren: Nämlich, ihr anderen Israeliten, wenn ihr der falscher Propheten Beispiel werdet ansehen.

Herr bin: Der ich an den falschen Propheten Rache übe.

10. darum dass sie mein Volk verführen und sagen: Friede! So doch kein Friede ist. Das Volk baut die Wand, so tünchen sie dieselbe mit losem Kalk {Mi 3v5}.

Friede: Sie versprechen meinem Volk lauter Glück, und alles Gute, als ob das Königreich Babel in kurzer Zeit zugrunde gehen würde, und sollten sie als dann wieder in ihr Vaterland kommen, da ihnen doch noch viel Unglück zu leiden bevorsteht. Denn durch das Wörtlein Friede, verstehen die Israeliten nicht allein, ein ruhiges Regiment, sondern fassen auch zugleich mit allerlei zeitliche Wohlfahrt darunter. [Welche aber vom Glück predigen, wenn die Strafen Gottes über die Kirche herzunahen, die tun nicht das Amt frommer Kirchendiener).

Das: Jetzt wird der falschen Propheten und Lehrer Tun mit einem feinen Gleichnis sehr artig abgemalt.

Baut: Aber nicht wie sie sein soll. Das ist, die Israeliten leben in fleischlicher Sicherheit, und taugen nichts, und ist nichts Gutes an ihrem Wandel.

Nach Luther: Wand bauen ist arbeiten und tun, was man lehrt. Tünchen ist verheißen und trösten, dass es soll gut werden, so doch beides verloren ist, und eitel falsche Lügen sind.

11. Sprich zu den Tünchern, die mit losem Kalk tünchen, dass es abfallen wird; denn es wird ein Platzregen kommen, und werden große Hagel fallen, die es fällen, und ein Windwirbel wird es zerreißen.

Abfallen wird: Und keinen Bestand haben, sondern der Regen und Unwetter wird es abwaschen. Das ist, weil die falschen Propheten der Zuhörer bösen Wandel nicht begehren zu verbessern, und von keiner wahren Buße predigen, sondern das Volk vielmehr in ihrer Bosheit mit ihren falschen tröstlichen Verheißungen stärken, verdecken, und gleichsam übertünchen, dass das Volk seine Sünden nicht erkennt, so wird Gott solche Sicherheit und Bosheit strafen, und einen mit den anderen zuschanden machen. [Solche Tüncher sind die, welche die Irrtümer in der Religion nicht offenbaren, noch mit beständigem Grunde widerlegen, sondern entweder verhehlen, oder mit einer falschen Deutung bemänteln. Denen soll man auch diejenigen zurechnen, welche des Volkes Sünden und Laster nicht mit gebührendem Ernst anziehen und strafen, sondern dieselben viel mehr verstreichen helfen. Doch soll man mit dem Schelten auch ein Maß halten, damit es zur Erbauung diene, und soll man nicht unter dem Schein eines Eifers seine eigene Rachgierigkeit suchen).

12. Siehe, so wird die Wand einfallen. Was gilt es, dann wird man zu euch sagen: Wo ist nun, das Getünchte, das ihr getüncht habt?

13. So spricht der Herr Herr: Ich will einen Windwirbel reißen lassen in meinem Grimm und einen Platzregen in meinem Zorn und große Hagelsteine im Grimm, die sollen es alles umstoßen.

Grimm: Ich will in meinem Zorn einen starken und schrecklichen Sturmwind schicken, der soll solche losen Gebäude der falschen Propheten, und des Volkes ganz und gar umreißen.

Umstoßen: Der Hagel soll es alles herabschlagen.

14. Also will ich die Wand umwerfen, die ihr mit losem Kalk getüncht habt, und will sie zu Boden stoßen, dass man ihren Grund sehen soll, dass sie da liege; und ihr sollt darin auch umkommen und erfahren, dass ich der Herr sei.

15. Also will ich meinen Grimm vollenden an der Wand und an denen, die sie mit losem Kalk tünchen und zu euch sagen: Hier ist weder Wand noch Tüncher.

Der Wand: Dass ich sie umstoße, denn ich will meines Volkes Bosheit und Sicherheit aufs härtest strafen.

Sagen: Dass ich euer als dann richtig spotten will. Denn wenn man fragen wird, wo die Tüncher mit ihrer Wand hingekommen sind? Siehe, so wird sie der Teufel mit einander hinweggeführt haben. [Welche deswegen dergleichen losen Tüncher sich zu Predigen erwählen, die werden mit den Tünchern, so die Irrtümer und Laster verhehlen, endlich zugleich zuschanden, und kommen jämmerlich um).

16. Das sind die Propheten Israels, die Jerusalem weissagen und predigen von Friede, so doch kein Friede ist, spricht der Herr Herr.

Friede: Das ist, sie lehren, und verheißen den Leuten viel glückliche Zeiten, wie sie der Chaldäer Joch werden in kurzem von sich werfen, und ihre rechte völlige Freiheit wiederum erlangen, da doch allerdings das Widerspiel geschehen, und den Juden, die noch im jüdischen Land sein, großes Unglück begegnen wird. [Denn die Unbußfertigen dürfen auf keine gute und glückliche Zeit hoffen).

17. Und, du Menschenkind, richte dein Angesicht wider die Töchter in deinem Volk, welche weissagen aus ihrem Herzen, und weissage wider sie

Töchter: Nämlich, wider die falschen Prophetinnen, welche zu Jerusalem das Volk auch verführen. Denn es ist bekannt, so wohl aus dem Alten als Neuen Testament, dass bei den Israeliten auch etliche Weibspersonen die Gabe der Weissagung hatten. Denen folgten die falschen Prophetinnen nach, wie die Affen, welche göttliche Offenbarungen vorgaben, da sie doch keine hatten. [Denn der Teufel ist immer unseres Herrn Gottes Affe).

Herzen: Wie sie es selber erdacht haben, und aus keiner göttlichen Offenbarung.

18. und sprich: So spricht der Herr Herr: Wehe euch, die ihr Kissen macht den Leuten unter die Arme und Pfühle zu den Häupten, beide, Jungen und Alten, die Seelen zu fangen! Wenn ihr nun die Seelen gefangen habt unter meinem Volk, verheißt ihr Denselben das Leben

Die Arme: Dass die Leute weich und sanft sich darauf lehnen können.

Zu fangen: Dass ihr die elenden und unvorsichtigen Leute betrügt und verführt.

Das Leben: Das ist, ihr falschen Prophetinnen haltet mein Volk auf mit Schmeichelworten und falschen Verheißungen, auf dass die Israeliten in ihrer Bosheit und Sünden sicher und ohne Buße fortfahren, und gleichsam darüber, als auf weichen Kissen einschlafen und schnarchen, dass sie ihr Unrecht nicht erkennen, noch das herzunahende Unglück sehen. Mit solchen Schmeichelworten betört ihr das Volk, und bringt es auf eure Seite, dass ihr ihnen alle glückliche zeitliche Wohlfahrt, und die ewige Seligkeit verheißt, da doch solche Unbußfertigen nichts anderes als zeitliches und ewiges Verderben zu erwarten haben. [Sollen wir deswegen viel lieber die Prediger hören, welche uns unsere Sünden mit Ernst vorhalten, und zur Buße ermahnen, als die, welche unsere Bosheit verschweigen, und in fleischlicher Sicherheit uns lassen einschlafen).

19. und entheiligt mich in meinem Volk um einer Hand voll Gerste und Bissen Brot willen, damit dass ihr die Seelen zum Tode verurteilet, die doch nicht sollten sterben, und urteilt die zum Leben; die doch nicht leben sollten, durch eure Lügen unter meinem Volk, welches gerne Lügen hörte.

Entheiligt: Nämlich, ihr falsche Prophetinnen entheiligt meinen Namen, in dem ihr unter dem Namen Gottes, dem Volk Lügen anstatt der göttlichen Wahrheit vorpredigt, und die frommen Leute, welche die Abgötterei und Sünden strafen, und die herzunahenden Strafen mutmaßen und zuvor verkündigen, eines Irrtums und Frevels beschuldigt, auch mit eurem falschen Urteil zum ewigen Tod verdammt, hinwieder aber sprecht ihr die Gottlosen abgöttischen und lasterhaften Leute los, und verheißt ihnen zeitliche und ewige Wohlfahrt, und tut solches um eines geringen Gewinns willen, dass ihr eure Nahrung davon haben mögt. Gleichwie aber ihr voller Lügen steckt, also hörte sie mein Volk gern, und hat eine besonderen Lust dazu, darum kommt ihr eben wohl zusammen. [Hier hat man zu merken, dass diejenigen, welche mit Vorwendung des göttlichen Namens falsche Sachen vorbringen, den Namen Gottes schrecklich entheiligen, das ihnen nicht ungestraft hingehen wird. Danach sieht man hier, wie die falschen Lehrer oft nur dahin trachten, wie sie ihren Bauch füllen mögen, aber der Wahrheit und der Kirche Christi sich wenig achten. Endlich soll man auch hier lernen, wie das Volk, welches zur Wahrheit nicht Lust hat, aus gerechtem Urteil Gottes also gestraft werde, dass es die falschen Propheten und Verführer hören müssen, weil es die frommen und reinen Kirchendiener zu hören überdrüssig wurde {2Thes 2 2Tim 4}.

20. Darum spricht der Herr Herr: Siehe, ich will an eure Kissen, damit ihr die Seelen fangt und vertröstet, und will sie von euren Armen wegreißen und die Seelen, so ihr fangt und vertröstet, losmachen.

Wegreißen: Ich will eure Schmeichelei und Heuchelei zuschanden machen, damit ihr die elenden und unvorsichtigen Leute betrügt, dass sie sich einbilden, sie werden im Königreich Juda sitzen bleiben, und lauter Glück haben, da doch allerdings das Widerspiel geschehen wird.

Losmachen: Dass ihr den Einfältigen nicht mehr sollt einen vergeblichen Trost einbilden.

21. Und will eure Pfühle zerreißen und mein Volk aus eurer Hand erretten, dass ihr sie nicht mehr fangen sollt; und sollt erfahren, dass ich der Herr sei,

Zerreißen: (Nach Luther) Fromme Herzen erschrecken vor Gottes Namen, darum werden sie leicht beschworen und gefangen mit falscher Lehre, unter Gottes Namen vorgebracht.

Erretten: Dass die Israeliten nicht mehr durch euch ins Verderben sollen geführt werden, sondern ihnen die Schlafsucht aus den Augen komme, damit sie endlich ihr Unglück und Unrecht empfinden, Busse tun, und selig werden.

Nicht mehr: Denn ihr habt bisher der Einfalt dieses Völkleins in vielen Wegen missbraucht, und durch ihr Verderben eure Nahrung und Unterhaltung gesucht, gleichwie die wilden Tiere vom Raub, und was sie fangen können, leben. Aber ich will solcher eurer Bosheit ein Ende machen. [Also sind unter dem Papsttum in der Wahrheit die armen Leute der Messpfaffen, Mönche, und Römischen Päpste Raub gewesen. Aber Gott hat den trefflichen Helden, Doktor Luther, heiliger Gedächtnis, erweckt, und durch sein Predigtamt viel tausend Seelen aus dem Rachen des Römischen Antichrist errettet. Welche göttliche Guttat wir mit dankbarem Herzen erkennen sollen).

22. darum dass ihr das Herz der Gerechten fälschlich betrübt, die ich nicht betrübt habe, und habt gestärkt die Hände der Gottlosen, dass sie sich von ihrem bösen Wesen nicht bekehren, damit sie lebendig möchten bleiben.

Betrübt: Welches ihr nicht hättet sollen tun.

Gottlosen: In dem sie sich durch eure Vertröstungen verführen lassen.

23. Darum sollt ihr nicht mehr unnütze Lehre predigen noch weissagen, sondern ich will mein Volk aus euren Händen erretten, und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin.

Nicht mehr: Ich will euch das Handwerk niederlegen, und über euren falschen Weissagungen zuschanden machen, damit ihr mein Volk verführt habt, und will euch böse Bestien ins Verderben stürzen. [Auf gleiche Weise hat man vorzeiten im Papsttum die frommen Leute mit Menschensatzungen und lügenhaften Drohungen des Fegefeuers gemartert, welche mit dem Wort des Evangeliums, und Hoffnung der himmlischen Freuden hätten sollen aufgerichtet und getröstet werden. Die Gottlosen aber und boshaften Leute wurden dagegen in ihrer Bosheit und Abgötterei gestärkt, wenn sie nur von ihren Gütern reichlich gaben zur Erhaltung der Pfaffen und Klöster. Denen verhieß man den Himmel, und wurde ihnen alle Furcht des Fegfeuers halben genommen. Aber Gott sei Lob und Dank in alle Ewigkeit, der uns aus solcher grausamen papistischen Tyrannei errettet hat).


Das 14. Kapitel


1. In diesem Kapitel droht Gott der Herr, wie er der Götzendiener Bosheit strafen wolle, auf dass sie aus seinem gerechten Urteil von den falschen Propheten noch mehr verführt, und ins Verderben gestürzt werden, und solche Propheten oder Lehrer finden, wie sie sind. v. 1. 2. Danach lehrt er auch, dass die Strafen, so von Gott über die Unbußfertigen verordnet sind, keineswegs können abgewandt werden, sofern sie nicht Busse tun, wenn gleich die allerheiligsten Leute für sie bitten wollten. v. 12.

1. Und es kamen etliche von den Ältesten Israels zu mir und setzten sich vor mir.

Ältesten: Nämlich, welche unter den Gefangenen zu Babel von wegen ihres Verstandes, und meinten, wegen ihrer Frömmigkeit im Ansehen waren, und zu denen die anderen Israeliten in gefährlichen Sachen ihre Zuflucht hatten.

Vor mir: Als ob es ihnen ein rechter Ernst wäre, dass sie das Wort Gottes von mir hören wollten. [Denn etliche Welt Weise pflegen die Predigten auf den Schlag anzuhören, damit, wenn sie etwas hören, das ihnen zuschlägt, sie solches zu ihrem Vorhaben gebrauchen, gefällt es ihnen aber nicht, so verachten sie es).

2. Da geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

3. Menschenkind, diese Leute hängen mit ihrem Herzen an ihren Götzen und halten ob dem Ärgernisse ihrer Missetat. Sollte ich denn ihnen antworten, wenn sie mich fragen?

Herzen: Ob sie sich gleich äußerlich stellen, sie ehren den wahren Gott allein, so behalten sie doch die Abgötterei heimlich in ihrem Herzen, und begehren den Abgöttern zu dienen.

Antworten: Durch meine Propheten? Als wollte er sprechen, das will ich keines Wegs tun. Denn sie wollen die Wahrheit nicht hören, noch von ihrer Abgötterei und Sünden abstehen, darum sind sie nicht wert, dass ihnen von meinem Wort gepredigt werde. [Denn den Verächtern der Wahrheit wird das Wort Gottes genommen).

4. Darum rede mit ihnen und sage zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Welcher Mensch vom Hause Israel mit dem Herzen an seinen Götzen hing und hält ob dem Ärgernisse seiner Missetat und kommt zum Propheten, so will ich, der Herr, demselbigen antworten, wie er verdient hat mit seiner großen Abgötterei,

Hing: Dass er ihm die Abgötterei lässt lieb sein, ob er es gleich öffentlich sich nicht merken lässt.

Ärgernis: Dass er ein ärgerliches und gottloses Leben führt.

Zum Propheten: Dass er mich durch ihn begehrt zu fragen.

Verdient hat: Dass ich die Propheten in ihrer Antwort irren lasse, und die Lehrer blende, damit sie die Wahrheit nicht sehen.

5. auf dass das Haus Israel betrogen werde in ihrem Herzen, darum dass sie alle von mir gewichen sind durch Abgötterei.

Betrogen werde: Und sie später immer weiter von der Wahrheit abweichen, bis sie ins Verderben fallen.

Abgötterei: Welche sie angenommen haben, und meinen rechten Gottesdienst fahren lassen. [Denn welche die rechte Religion nicht mit Ernst lieben, die blendet Gott aus seinem gerechten Gericht durch falsche Lehrer, bisweilen auch durch falsche Wunderzeichen, dass sie je länger je mehr in größere Irrtümer geraten, und mit dickeren Finsternissen umgeben werden, in denen sie endlich verderben. Davon der Apostel Paulus {2Thes 2} deutlich und ausführlich lehrt. Sollen wir deswegen die reine Religion mit großem Eifer annehmen, und dieselbe zu behalten bemühen. Denn es wird solches alles darum gesagt, dass die Leute der Gefahr sich erinnern, und Buße tun, ehe sie in des Teufels Stricke je länger je mehr verwickelt werden).

6. Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht der Herr Herr: Kehrt und wendet euch von eurer Abgötterei und wendet euer Angesicht von allen euren Gräueln!

Kehrt: Lasst weiter ab von eurem falschen Gottesdienst, und steht ab von Sünden, damit ihr euch bis daher verunreinigt habt. [Denn Gott hat nicht Lust an der Gottlosen Verderben, sondern will, dass sie sich bekehren, und selig werden. Und welche ernstliche Busse tun, die nimmt er zu Gnaden auf {Lk 15 Hes 18}. Darum so seht zu, und kehrt Fleiß an, auf dass ihr dem künftigen Übel entgehen mögt.

7. Denn welcher Mensch vom Hause Israel oder Fremdling, so in Israel wohnt, von mir weicht und mit seinem Herzen an seinen Götzen hing und ob dem Ärgernisse seiner Abgötterei hält und zum Propheten kommt, dass er durch ihn mich frage, dem will ich, der Herr, selbst antworten.

Wohnt: Dass er die heidnische Religion verlasse, und zu der Israeliten wahren Gottesdienst sich begeben hat.

Weicht: Dass er von der rechten Religion abfällt, und eine falsche annimmt, oder zu seiner vorigen Abgötterei sich wieder umwendet.

Frage: Dass er seines Rats begehrt, und wie es zukünftig ergehen werde, sich eines Berichts bei ihm erhole will.

Antworten: Das ist, ich will zulassen, dass der falsche Prophet aus meinem gerechten Urteil geblendet, in meinem Namen Lügen weissage, dadurch diejenigen verführt werden, welche ohne das die Wahrheit und rechte Religion nicht lieben. [Dass aber den Fremdlingen, so wieder zur Abgötterei umschlagen, eben so wohl als den Israeliten die Strafe gedroht wird, lernen wir dabei, dass bei Gott kein Ansehen der Person ist. Ja er zürnt heftiger über die, welche von ihrer Bosheit sich bekehrt haben, und wieder in Abgötterei abfallen, als über andere, die immer in einerlei Irrtum stecken, oder von der rechten Religion zur falschen einmal abgewichen sind).

8. Und will mein Angesicht wider Denselben setzen, dass sie sollen wüst und zum Zeichen und Sprichwort werden; und will sie aus meinem Volk rotten, dass ihr erfahren sollt, ich sei der Herr.

Setzen: Ich will mich als ein Feind wider ihn rüsten, seine Bosheit zu strafen.

Sprichwort werden: Ich will machen, dass jedermann an ihnen, als an einem seltsamen und ungewöhnlichen Ding, das Zeichen meines schrecklichen Zorns spüren soll, und dass man eine gemeine Sage von ihnen brauche.

Der Herr: Ein gerechter Gott, der aller Heuchelei und Gleisnerei feind ist. [Denn Gott hasst die aufs höchste, welche sich stellen, als hätten sie ein großes Verlangen die Wahrheit zu lernen, verteidigen aber dennoch daneben die falsche Lehre halsstarrig).

9. Wo aber ein betrogener Prophet etwas redet, den will ich, der Herr, wiederum lassen betrogen werden und will meine Hand über ihn ausstrecken und ihn aus meinem Volk Israel rotten.

Wo] Folgt jetzt, wie es den falschen Propheten ergehen werde.

Betrogener: Der aus meinem gerechten Urteil geblendet ist.

Nach Luther: Das heißt, mit guten Worten betrügen, eitel Gutes aus eigenem Dünkel ohne Gottes Wort reden, den sollen seine guten Worte selbst betrügen in seinem Unglück.

Redet: Das falsch und erlogen ist, und tut es doch unter meinem Namen.

Betrogen werden: Das ist, ich will die Sachen dahin richten, dass er über seiner Weissagung soll zuschanden werden. Weil es nicht also ergehen wird, wie er versprochen, sondern da er anderen Leuten von lauter Glück geweissagt, und er dessen für sich selbst auch gewärtig gewesen, sollen ihnen dafür das Widerspiel und alles Unglück begegnen.

Rotten: Als der andere mit sich verführt hat. [Es soll aber an diesen göttlichen Handlungen niemand etwas tadeln. Denn Gott hat immer seine rechten, obwohl bisweilen uns verborgenen Ursachen, warum er die Lehrer seines Volkes zu Zeiten in gräuliche Irrtümer fallen lässt, dass sie verführt werden und verführen. Aber die Kirchendiener sollen Gott mit Ernst und inbrünstigem Gebet anrufen, um die Regierung des Heiligen Geistes, damit sie nicht sich und andere mit sich ins Verderben stürzen, sondern vielmehr sie für sich selbst selig werden, und viel zur Seligkeit und zu Christo bringen mögen).

10. Also sollen sie beide ihre Missetat tragen; wie die Missetat des Fragers, also soll auch sein die Missetat des Propheten,

Tragen: Es soll ein jeder seine Strafe darüber ausstehen. Der sich so stellt, als begehrte er eine göttliche Weissagung zu hören und die Wahrheit zu lernen, da er doch in seinem Herzen die Abgötterei behält, samt den Propheten, der den, so ihn gefragt, mit einer falschen Antwort verführt hat. [Denn wenn ein Blinder den anderen leitet, so fallen sie beide in die Grube {Mt 15}. Sollen deswegen die Zuhörer sich wohl vorsehen, und gut Achtung darauf geben, was sie für Lehrer haben. Denn ein jeder wird vor Gott seine Last tragen {Gal 6}.

11. auf dass sie nicht mehr das Haus Israel verführen von mir und sich nicht mehr verunreinigen in allerlei ihrer Übertretung, sondern sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein, spricht der Herr Herr.

Nicht mehr: Denn aus den Strafen der Götzendiener, und der falschen Propheten werden die anderen Israeliten klug werden, dass sie weiter von der Abgötterei und anderen Sünden sich enthalten, und solchen falschen Propheten nicht zuhören, noch ihnen folgen, welche denen, so von der rechten Religion abweichen, und das Gesetz Gottes übertreten, alles Glück und viel Gutes verheißen.

Volk sein: Nämlich, die übrigen Israeliten, dass sie mir Gehorsam leisten, und sich der rechten Religion bemühen.

Gott sein: Nämlich, ein gnädiger Gott, der ich für sie sorgen, und sie selig machen will. [Denn dahin sind die göttlichen Strafen angesehen, auf dass, wenn wir dieselben an uns oder anderen sehen, dadurch schlau werden, und von Sünden weiter uns enthalten. Wo man aber der öffentlichen Strafen, die uns von Gott um unserer Sünden willen zugeschickt werden, nicht achtet, noch sich daraus bessert, da ist eine große Verstockung vorhanden).

12. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Jetzt tut Gott eine Predigt von seinem ernsten Zorn wider die Unbußfertigen, dass er, nämlich, durch keine Fürbitte, auch nicht der allerheiligsten Leute, sich erbitten lasse, sondern wider die Halsstarrigen und Widerspenstigen seinen Zorn ausschütte.

13. Du Menschenkind, wenn ein Land an mir sündigt und dazu mich verschmäht, so will ich meine Hand über dasselbe ausstrecken und den Vorrat des Brotes wegnehmen und will Teuerung hineinschicken, dass ich beide, Menschen und Vieh, darin ausrotte.

Verschmäht: Dass die Einwohner mein Gesetz übertreten, es sei gleich mit Abgötterei, oder anderen groben Sünden, sich auch nicht wollen warnen oder weisen lassen.

Wegnehmen: Ich will ihnen meinen Segen entziehen, dass die Früchte der Erde nicht mehr, wie gebräuchlich, nähren und sättigen sollen.

Ausrotten: Dass sie Hungers sterben und verderben. [Denn der Hunger ist der vornehmsten göttlichen Plagen eine, damit Gott seines Volkes Sünden und Bosheit straft. Und ob man wohl bisweilen natürliche Ursachen der Unfruchtbarkeit anzeigen kann, so ist doch dies die rechte und eigentliche Ursache der teuren Zeit und Hungers not, wenn Gott den Vorrat des Brot hinwegnimmt, und es alles verschwinden lässt, ob gleich ziemlich viel Frucht gewachsen ist).

14. Und wenn dann gleich die drei Männer, Noah, Daniel und Hiob, darin wären, so würden sie allein ihre eigene Seele erretten durch ihre Gerechtigkeit, spricht der Herr Herr.

Noah: Den ich von wegen seiner ausbündigen Frömmigkeit in der allgemeinen Sündflut erhalten habe.

Daniel: Den ich noch also am königlichen Hofe zu Babel von wegen seiner besonderen Gottseligkeit erhalte, über welches Frömmigkeit und Eifer zu der rechten Religion auch die Hofleute zu Babel sich selbst verwundern.

Hiob: Der fromme Mann, dem ich seiner wahren Gottseligkeit und Aufrichtigkeit halben etliche Male selber Zeugnis gebe.

Gerechtigkeit: Dass sie zur Belohnung ihrer Frömmigkeit und Gerechtigkeit in einer allgemeinen Teuerung und Hungersnot erhalten würde, die Unbußfertigen aber nichtsdestoweniger zugrunde gingen, ob gleich die drei Männer emsig für sie bäten. [Denn obwohl Gott bisweilen durch etlicher Frommen Gebet sich halten lässt, dass er der Gottlosen Strafen eine Zeit lang aufschiebt: Jedoch, wenn die Unbußfertigen immer in Sünden fortfahren, so weiß Gott die Frommen zu erretten und die Gottlosen zu stürzen. Darum dürfen die Boshaftigen, um der Frommen Fürbitte willen, sich keiner Sicherung getrösten. Viel ungereimter machen es die Katholiken, welche daraus, dass die Frommen in diesem Leben für andere bitten, schließen wollen, dass man die Heiligen im Himmel anrufen müsse, auf dass sie für uns bitten, da doch die Schrift bezeugt, dass sie in jener Welt nicht wissen, was wir auf der Erde tun {Jes 64}.

15. Und wenn ich böse Tiere in das Land bringen würde, die die Leute aufräumten und dasselbe verwüsteten, dass niemand darin wandeln könnte vor den Tieren {3Mos 26v22 2Sam 17v25},

Aufräumten: Und also das Land wüst und öde machten, dass keine Einwohner mehr darin zu finden wären, weil die Tiere bereits ihrer viel zerrissen hätten.

16. und diese drei Männer wären auch darin: So wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, sie würden weder Söhne noch Töchter erretten, sondern allein sich selbst, und das Land müsste öde werden.

Sich selbst: [Denn die fleischliche Blutsfreundschaft mit den Frommen kann die Unbußfertigen nicht schützen, dass sie nicht um ihrer Bosheit willen, ihre gebührliche Strafe empfangen sollten. Und haben zwar die Länder in Deutschland nicht so grausame wilde Tiere, so die Menschen zerrissen. Aber doch sind solche Tiere darin, die den Früchten und Erdgewächsen Schaden zufügen, damit Gott der Ackerleute Bosheit straft. Doch sind daneben die nicht entschuldigt, welche dergleichen Tiere in ganz so großer Menge mit Fleiß unterhalten, mit der Untertanen großen Schaden, nur damit sie ihre Lust haben mögen).

17. Oder wo ich das Schwert kommen ließe über das Land und spräche: Schwert, fahre durch das Land und würde also beide, Menschen und Vieh, ausrotten,

Fahre: Und erwürge alle Einwohner, die darin sind. Es spricht aber Gott durch eine besondere Art, zu reden, die ganz fein lautet, das Schwert des Feindes selber an, als einen vernünftigen Menschen, damit es den Leuten desto mehr zu Herzen gehe.

18. und die drei Männer wären darin: So wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, sie würden weder Söhne noch Töchter erretten, sondern sie allein würden errettet sein.

Darin: In demselben Lande, das ich zu strafen willens wäre. [Damit wir aber nicht durch Kriegsläufe in Gefahr des Leibes und Gutes kommen mögen, und um alles was uns lieb ist, so sollen wir Gott fürchten, und ihn nicht mit unseren Sünden erzürnen).

19. Oder so ich Pestilenz in das Land schicken und meinen Grimm über dasselbe ausschütten würde und Blut stürzen, also dass ich beide, Menschen und Vieh, ausrottete,

Blut stürzen: Dass sie mit dem Schwert des Engels verderbt und umgebracht würden, nicht anders, als wenn man sie mit Haufen darnieder schlüge, und wie das Vieh abgestochen wird, also immer eins nach dem anderen darnieder fiele {1Chr 22}.

20. und Noah, Daniel und Hiob wären darin: so wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, würden sie weder Söhne noch Töchter, sondern allein ihre eigene Seele durch ihre Gerechtigkeit erretten.

Erretten: Das ist, sie würden mit ihrer Fürbitte für andere nichts erhalten, sondern zur Belohnung ihrer Frömmigkeit und Gerechtigkeit, wenn die Pestilenz regiert, für ihre Person nur davon befreit sein. Die anderen aber würden in ihrer Unbußfertigkeit umkommen. [Auf dass wir deswegen nicht durch die Pestilenz hingerissen und aufgerieben werden, so lasst uns Gott fürchten, und seinen gerechten Zorn nicht auf uns laden).

21. Denn so spricht der Herr Herr: So ich meine vier bösen Strafen, als Schwert, Hunger, böse Tiere und Pestilenz, über Jerusalem schicken würde, dass ich darin ausrottete beide, Menschen und Vieh {2Sam 24v13},

Denn: Nach dem Gott der Herr angezeigt hat, mit was großem Ernst er der Leute Bosheit zu strafen pflege, so lehrt er jetzt und, wie er solchen seinen Ernst gegen die Bürger zu Jerusalem etlichermaßen mildern wolle, und das darum, auf dass aus ihnen etliche wenig überblieben, welche gen Babel ins Elend hinweg geführt werden, und den anderen Gefangenen, so bereits darin, und zuvor mit Jojachin dahin gezogen waren, erzählen können, was sie für einen großen Jammer zu Jerusalem in der Belagerung ausgestanden. Daraus denn diejenigen, so sich den Chaldäern zuvor gefangen ergeben hatten, etlichermaßen einen Trost empfangen würden, in dem sie würden hören, dass es die viel ärger hatten, welche ihre Freiheit zu erhalten begehrten, und dem Könige zu Babel sich widersetzt. Als sie, die dem Propheten Jeremia gefolgt, und mit ihrem Könige Jojachin ins Elend gezogen waren.

22. siehe, so sollen etliche Übrige darin davonkommen, die Söhne und Töchter herausbringen werden, und zu euch näherkommen, dass ihr sehen werdet, wie es ihnen geht, und euch trösten über dem Unglück, das ich über Jerusalem habe kommen lassen, samt allem anderen, das ich über sie habe kommen lassen.

Herausbringen: Nämlich, aus Jerusalem, das sie gefangen gen Babel geführt werden.

Geht: Das ist, ihr werdet in der Tat erfahren, wie übel sie sich selbst vorgesehen haben, welche mit ihren Rat- und Anschlägen sich unterstanden, wider den Willen Gottes, und der Propheten gottselige und heilsame Warnungen, ihre Freiheit zu behalten, dazu euer gespottet, und euch schimpflich nachreden durften, als ob ihr furchtsame Mamelucken und Verräter der Freiheit währt. [Denn der Ausgang bezeugt es endlich, wie schädlich und nachteilig die Anschläge sind, welche der menschlichen Vernunft wohl zuschlagen. Darum keiner seinem eigenen Kopf folgen soll, sondern sich nach Gottes Wort und Willen richten).

23. Sie werden euer Trost sein, wenn ihr sehen werdet, wie es ihnen geht, und werdet erfahren, dass ich nicht ohne Ursache getan habe, was ich darin getan habe, spricht der Herr Herr.

Trost sein: Denn wenn ihr werdet sehen, was großem Unglück ihr dadurch entronnen seid, in dem ihr euch freiwillig ins Elend ergeben, welches viel leidentlicher ist, als das Unglück, so über die jetzigen Einwohner der Stadt Jerusalem in kurzer Zeit ergehen wird, so werdet ihr euch freuen, dass ihr den Propheten des Herrn gefolgt habt, und wird es euch nicht mehr bereuen, dass ihr viel lieber dem Könige zu Babel weichen wolltet, als unglücklich wider ihn streiten. [Wie wohl man sich zwar eines anderen Unglücks nicht freuen soll. Jedoch sollen wir uns darüber freuen, und unserem Herrn Gott von Herzen dafür danken, auch unseren Unfall desto geduldig er tragen, wenn wir anderer Leute Unglück betrachten, und daraus lernen, wie uns Gott vor noch viel größerem Übel bewahrt, und daraus errettet hat).

Nach Luther: Die Gefangenen zu Babylon wurden froh, dass die zu Jerusalem auch mussten zu ihnen kommen gefangen. Von welchen sie, als die Abtrünnigen schmählich gehöhnt waren.

Getan habe: Nämlich in der Stadt Jerusalem, die selbige zu strafen. [Den endlich erkennen wir, dass Gottes Gerichte gerecht sind, die er in der Gottlosen und widerspenstigen Leute Strafe vollstreckt).


Das 15. Kapitel


1. Gott vergleicht das Volk zu Jerusalem einem unfruchtbaren Weinstock, der zu nichts nütze ist, denn dass er ins Feuer geworfen werde. Anzuzeigen, wie er die Juden mit dem Feuer seines Zorns verzehren werde.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, was ist das Holz vom Weinstock vor anderem Holz oder eine Rebe vor anderem Holz im Walde?

Vor anderem: Als wollte er sprechen, wenn man das Rebholz für sich selbst betrachten will, sofern es ein Holz ist, und nicht nach dem es Frucht trägt, so ist es nicht besser, als irgend ein anderes Holz im Walde, da man es mit ihm vergleicht. Ja es ist viel mehr geringer, als ein anderes Holz, wenn es nicht gute Frucht trägt. Denn ob gleich die anderen Hölzer auch keine Früchte tragen, so kann man doch sonst etwas daraus machen, das zu nutzen kommt im menschlichen Leben.

3. Nimmt man es auch und macht etwas daraus? Oder macht man auch einen Nagel daraus, daran man etwas möge hängen?

Etwas daraus: Als dass man damit baue, ein Werkzeug oder vom Hausrat etwas daraus mache, wie man aus anderen hölzernen machen kann.

Möge hängen: Denn es ist viel zu schwach dazu, dass es könnte etwas heben.

4. Siehe, man wirft es ins Feuer, dass es verzehrt wird, dass seine beiden Orte das Feuer verzehrt und sein Mittelstes verbrannt. Wozu soll es nun taugen? Taugt es denn auch zu etwas?

Wirft es: Wenn es nicht will Trauben tragen.

Verbrannt: Das ist, es wird ganz und gar zunichte. Denn wenn ein gottloser Mensch keine guten Früchte des Glaubens trägt, so ist er wie eine unfruchtbare Rebe, welche der himmlische Vater hinweg reißt, dass sie ins Feuer geworfen werde und verbrenne {Joh 15}.

Zu etwas: Das man daraus machen könnte.

5. Siehe, da es noch ganz war, konnte man nichts daraus machen; wieviel weniger kann nun fort mehr etwas daraus gemacht werden, so es das Feuer verzehrt und verbrannt hat?

Ganz war: Dass es vom Feuer noch nicht verzehrt wurde.

Verbrannt hat: Dass es allerdings zu Asche wurde. Mit diesen Worten hat Gott wollen zu verstehen geben, wie die unbußfertigen Israeliten zu Jerusalem so ganz zugrunde gehen würden, dass es allerdings aus mit ihnen sein würde. Denn obwohl etliche wenige in dem Gefängnis zu Babel Buße getan, und selig geworden sind, so ist doch kein Zweifel, es sind viele Juden in der Stadt Jerusalem Belagerung und Eroberung an Leib und Seele drauf gegangen. [Denn es sind Gottes Gerichte wider die Unbußfertigen so viel desto schrecklicher, je länger er ihrer Bosheit zugesehen, und auf ihre Besserung vergebens gewartet hat).

6. Darum spricht der Herr Herr: Gleichwie ich das Holz vom Weinstock vor anderem Holz im Walde dem Feuer zu verzehren gebe, also will ich mit den Einwohnern zu Jerusalem auch umgehen

Vom Weinstock: Wenn es davon abgeschnitten, und zu nichts mehr nütze ist.

Gebe: Dass es als ein unnütz Ding ganz und gar zunichtewerde.

Einwohnern: Die in ihrer Unbußfertigkeit und gottlosen Wesen beharren.

Umhergehen: In meinem Zorn, dass sie als unfruchtbare Reben, durch viel und große Niederlagen aufgeräumt werden.

7. und will mein Angesicht wider sie setzen, dass sie dem Feuer nicht entgehen sollen, sondern das Feuer soll sie fressen. Und ihr sollt es erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich mein Angesicht wider sie setze

Setzen: Ich will ihnen selbst zuwider sein.

Nicht entgehen: Sie sollen dem Unglück nicht entrinnen, weil sie mich selbst zum Widersacher haben werden. Sollen wir deswegen durch wahre Buße Gott den Herrn dahin bewegen, dass wir ihn, wenn es übel geht, viel mehr einen gnädigen Vater und Beschützer, als Feind und Widersacher empfinden.

Herr bin: Ein gerechter Rächer über alles gottlose Wesen.

8. und das Land wüst mache, darum dass sie mich verschmähen, spricht der Herr Herr.

Verschmähen: Und an die Predigten meiner Propheten sich nicht kehren, dass sie Buße taten. [Weil aber Gott des Volkes, das von den heiligen Patriarchen hergekommen war, nicht verschont hat, so sollen wir uns hüten, damit er nicht auch an uns, so wir in der Unbußfertigkeit beharrlich fortfahren, gleichen oder noch großen Ernst seines gerechten Gerichts sehen lasse).


Das 16. Kapitel


1. Gott erzählt mancherlei Guttaten, die er dem israelitischen Volk erwiesen habe. v. 1. 2. Und streicht dagegen ihre große Undankbarkeit mit dem Gleichnis einer schändlichen Hurerei groß heraus. v. 15. 3. Droht ihnen auch darüber schwere Strafen. v. 35. 4. Endlich aber setzt er einen Trost hinzu von der Bekehrung, Vergebung der Sünden, und Erneuerung des getroffenen Bundes. v. 53.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, offenbare der Stadt Jerusalem ihre Gräuel und sprich:

Du] Der Prophet beschreibt mit einer verblümten Rede, unter dem Gleichnis einer wohl und zärtlich erzogenen Jungfrau, so später schändlich verfällt, und zur Hure wurde, mit was großen, so wohl leiblichen als geistlichen Guttaten Gott sein Volk Israel begabt hat, wiederum aber, wie undankbar es sich dagegen Gott erzeigt, als, dass es sich mit schrecklicher Abgötterei und anderen abscheulichen Sünden verunreinigt, und was großer Strafen es darum zu erwarten habe. Endlich aber tut er einen Trost hinzu, und sagt, wie die Israeliten werden bekehrt werden, und Vergebung ihrer Sünden erlangen: Welches vornehmlich von dem Reich Christi, so durch das Evangelium fortgepflanzt wurde, zu verstehen ist. [Es braucht aber der Prophet in Beschreibung der geistlichen Hurerei, das ist, der Abgötterei, ganz hässliche Wörter. Nicht zwar, dass der Heilige Geist zu einer solchen Rede, Lust habe, sondern dass die Abscheulichkeit derselben Sünde dadurch den Leuten vor die Augen gestellt werde. Denn in dem ein ehrliebendem frommes Herz nur vor der Erzählung einer solchen Abscheulichkeit sich entsetzt, kann es desto leichter daraus abnehmen, wie hoch Gott die Unreinigkeit der abgöttischen Hurerei zuwider sei).

Gräuel: Predige deinem Volk von den abscheulichen Sünden des Volkes Israel, besonders die noch zu Jerusalem und im jüdischen Land sind. [Denn die Erkenntnis der Sünden kommt heraus der Predigt des göttlichen Wortes). Und obwohl du zu Babel bist, so sollen deine Predigten entweder schriftlich gen Jerusalem kommen, oder doch von denen, die dahin reisen, nachgesagt werden. [Denn Gott lehrt, straft, und verbessert eine Kirche bisweilen durch treue Kirchendiener, die weit abwesend sind). So werden auch deine Zuhörer, die gefangenen Juden zu Babel, aus deinen Predigten lernen, mit was gräulichen Sünden sie vorzeiten, da sie noch im jüdischen Land gewesen, Gott den Herrn erzürnt haben, auf dass sie sich vor Gott demütigen, und um Verzeihung, um des zukünftigen Messias willen bitten, die sie auch erlangen werden, dazu nach der Erkenntnis ihrer Sünden, die väterliche Züchtigungen Gottes desto geduldiger tragen mögen.

3. So spricht der Herr Herr zu Jerusalem: Dein Geschlecht und deine Geburt ist aus der Kanaaniter Lande, dein Vater aus den Amoritern und deine Mutter aus den Hethitern.

Zu Jerusalem: Das ist, zu den Israeliten, und besonders zu denen, die damals zu Jerusalem wohnten.

Kanaaniter: Und nicht aus den heiligen Patriarchen, wenn man dein Gemüt, Wandel und Gebärden recht betrachten will. Denn was hast du an dir, dass den heiligen Patriarchen ähnlich sehe? Darum viel mehr zu glauben, du hast deine Herkunft von den Gottlosen, abgöttischen, und boshaften kanaanitischen Völkern, denen du am allermeisten nachschlägst.

Hethitern: Nämlich, von irgendeinem gottlosen abgöttischen und schandlosem Weibe, und nicht von der edlen, gottseligen und tugendhaften Matrone der Sara. Es waren aber die Amoriter und Hethiter unter den gottlosen Völkern im Lande Kanaan nicht die geringsten, sondern die Vornehmsten. [Auf gleiche Weise könnte man auch sagen zu einem Maulchristen, an dem nichts Christliches gespürt wird: Du bist freilich von keinen christlichen Eltern geboren, sondern dein Vater ist ein Türke gewesen, und deine Mutter ein tatarisches Weib. Ja wir können richtig also sagen zu den römischen Päpsten, ihr seid keine Nachkommen der heiligen Apostel, sondern des heidnischen römischen Königs Numæ Pompilij, der die Stadt Rom mit Aberglauben und Abgötterei erfüllt hat: Und des gottlosen Kaisers Neros, der mit seiner Grausamkeit alle andere Tyrannen übertroffen: Ja des schandlosen Kaisers Heliogabali, der die Stadt Rom mit gräulicher Schande und abscheulicher Unzucht befleckt hat).

4. Deine Geburt ist also gewesen: Dein Nabel, da du geboren wurdest, ist nicht verschnitten; so hat man dich auch mit Wasser nicht gebadet, dass du sauber würdest, noch mit Salz gerieben, noch in Windeln gewickelt.

Deine: Jetzt erzählt Gott den Jammer und das Elend, darin die Israeliten gesteckt, auf dass die darauf folgenden Guttaten, welche er diesem Volk erzeigt, desto scheinbarer wären. Und bringt mit einer verblümten Rede und gleichnishafterweise vor, nicht allein die leiblichen, sondern auch die geistlichen Güter, die er diesem Volk aus Gnaden geschenkt und mitgeteilt hatte.

Verschnitten: Wie sonst die Hebammen den Kindlein, wenn sie auf die Welt kommen, den Nabel erstlich mit einem Faden binden, damit das Blut nicht herausfließe, und später denselben abschneiden, dadurch das Kind von der Mutter völlig gelöst wird. Also will Gott sagen, lagst du meine jüdische Kirche, in deinem Elend, dass dir das Blut aus dem Nabel floss, und hättest müssen elendiglich verderben und umkommen, wenn ich dich nicht wunderlicher Weise erhalten hätte.

Gewickelt: Man ist nicht mit dir umgegangen, wie man mit den Kindern umzugehen pflegt, dass man deiner angemessen gewartet hätte. [Ob nun wohl der Heilige Geist mit diesen Worten anzeigen wollte, wie vorzeiten das israelitische Volk gewesen, besonders da sie in Ägypten in der Dienstbarkeit gesteckt, so wird doch auch zugleich mit der Beschreibung dieser Unsauberkeit, die geistliche Unreinigkeit der Erbsünde abgemalt, die wir aus dem Mutterleibe mit uns auf diese Welt bringen, welche mit dem Wasser der Taufe abgewaschen wird, damit sie uns nicht zugerechnet werde. Und pflegt Gott, den Alten Adam auszufegen, das Salz des Kreuzes und der Trübsal zu benutzen. Jedoch bleibt noch immer etwas davon am Menschen kleben, bis alle Unreinigkeit des Menschen im Grab abgetilgt wird).

5. Denn niemand jammerte dein, dass er sich über dich hätte erbarmt und der Stücke eins dir erzeigt, sondern du wurdest aufs Feld geworfen. Also verachtet war deine Seele, da du geboren warst.

Niemand: So abscheulich und hässlich warst du, dass niemand sich deiner achtete, noch dich reinigte oder deiner wartete, wie man den neugeborenen Kindlein zu tun pflegt, sondern du bist ohne alle Barmherzigkeit von jedermann verlassen worden, hättest auch ohne Zweifel Hungers sterben und verderben müssen, oder wärest den wilden Tieren und Vögeln zuteil geworden, wo ich mich deiner nicht angenommen hätte. [Denn es kann unserem Übel niemand helfen, ohne allein der Herr, der kann uns allein reinigen, von der Unreinigkeit unserer Sünden, und zum ewigen Leben erhalten).

6. Ich aber ging vor dir über und sah dich in deinem Blut liegen und sprach zu dir, da du so in deinem Blut lagst: Du sollst leben! Ja, zu dir sprach ich, da du so in deinem Blut lagst: Du sollst leben!

Blut liegen: Wie ein armes elendes Mädchen, dem der Nabel weder zugebunden noch recht abgeschnitten war, dass das Blut von dir floss.

Sollst leben: Denn weil mich deiner sehr erbarmte, entschloss ich bei mir selbst, dass ich dich beim Leben erhalten wollte, damit du nicht entweder unter den grausamen Heiden umkämst, oder auch in des Satans Gewalt bliebest, und habe solches getan aus lauter Barmherzigkeit, dass mich ganz und gar deiner Verdienste keins dazu bewegt hat. [Denn Gott hat durchaus keine Reinigkeit an uns gefunden, um welcher willen er uns hätte mögen begehren selig zu machen. Aber einen abscheulichen und gräulichen Unflat der Sünden, welcher durch das Blut, nach Art der Schrift, bedeutet wird, hat er an uns gesehen. Dass wir deswegen Vergebung der Sünden und das ewige Leben erlangen, und dem ewigen Tode entfliehen, ist nicht unserer Reinigkeit, sondern der göttlichen Barmherzigkeit zuzumessen).

7. Und habe dich erzogen und lassen groß werden wie ein Gewächs auf dem Felde; und warst nun gewachsen und groß und schön geworden. Deine Brüste waren gewachsen und hattest schon lange Haare gekriegt; aber du warst noch bloß und beschämt.

Erzogen: Dass du aufgewachsen, und von Tag zu Tage zugenommen, und immer hübscher und schöner geworden bist. Gleichwie die Jungfrauen, welche erwachsen und mannbar geworden sind, eine anmutige Gestalt haben, als die noch unerwachsenen Mädchen. Denn nach dem das israelitische Volk aus Ägypten geführt wurde, hat es angefangen, ein Ansehen zu bekommen.

Gewachsen: Dass sie hervorgingen, da sie sonst, ehe du mannbar würdest, nicht scheinbar waren.

Lange Haare: Welche dir ganz wohl anstanden, und dich desto schöner machten.

Beschämt: Ob du wohl deiner geraden Länge und schönen Gestalt halben ein feines Ansehen hattest. [Denn wer nicht mit dem Verdienst Christi, als mit dem allerreinsten und köstlichsten Kleide bedeckt wird, der steht schändlich vor den Augen Gottes, ob er gleich sonst mit vielen weltlichen Tugenden begabt und geziert ist).

8. Und ich ging vor dir über und sah dich an; und siehe, es war die Zeit, um dich zu werben. Da breitete ich meinen Mantel über dich und bedeckte deine Scham. Und ich gelobte dir es und begab mich mit dir in einen Bund, spricht der Herr Herr, dass du solltest mein sein.

Werben: Ich sah, dass du wurdest mannbar, und zu deinem rechten Alter gekommen, da die Jungfrauen sich zu verheiraten pflegen. [Es ist aber Gott die gelegene Zeit allein bekannt, in der er uns zur geistlichen Heirat berufen will, die er selbst mit uns trifft und eingeht).

Nach Luther: Das ist, du warst mannbar.

Bereitete: Das ist, ich nahm dich zum ehelichen Gemahl, und zur ehelichen Treue in meinen Schutz an und auf, dass du eine ehrliche Matrone würdest, und von wegen deines Ehemanns Vortrefflichkeit hervorscheintest: Ich bedeckte deine Schande mit dem heiligen Ehestand, dass du nicht mehr verachtet warst, wie zuvor. [Denn wenn Christus durch den Glauben mit uns verlobt wird, so bedeckt sind aller vollkommenster Verdienst, der uns durch den Glauben zugerechnet wird, alle unsere Unreinigkeit und Schande, dass wir von wegen unseres Bräutigams um Christi gerecht vor Gott geschätzt werden).

Gelobt: Ich verband mich mit dir aufs allerstärkste in ehelicher Treue, also dass ich auch einen Eid dazu tat, und von dir wieder nahm: Dergestalt hab ich mit dir ein eheliches Verbündnis gemacht, und bist mein Weib geworden. [damals aber hat Gott mit dem Volk Israel öffentlich eine geistliche Heirat vollzogen, da er in der Wüste einen Bund mit ihnen gemacht {2Mos 24}, und sie zu seinem Volk angenommen. Auch, da er die Verheißung von seiner Menschwerdung diesem Volk wiederholt hat {5Mos 18}.

9. Und ich badete dich mit Wasser und wusch dich von deinem Blut und salbte dich mit Balsam

Deinem Blut: Das ist, ich reinigte dich von aller deiner Unreinigkeit. [Denn welche unter den Israeliten an den Messias geglaubt haben, die sind durch solchen Glauben gereinigt worden von ihren Sünden. Heutigentags im Neuen Testament reinigt Christus seine Kirche durch das Wasserbad im Wort, nämlich, durch die Taufe {Eph 5}. Welche deswegen an Christus glauben und getauft sein, die sind mit dem Blut Jesu Christi Gottes Sohn gereinigt von allen Sünden {1Joh 1}.

Salbte: Das ist, ich habe dir den Heiligen Geist gegeben, welcher der rechte Balsam oder Freudenöl ist {Ps 45}. Danach wird durch die Salbung auch das levitische Priestertum verstanden, welches nicht eine geringe Guttat Gottes im israelitischen Volk gewesen. [Denn der Heilige Geist wird den Gläubigen gegeben, der gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder seien {Röm 8}, und erregt in uns ein inbrünstiges Gebet, das wir schreien, Abba, lieber Vater {Gal 4}, treibt uns auch zu guten Werken {Röm 8}, tröstet uns in Trübsal {Joh 16}, und hilft uns in dem geistlichen Streit wider den Teufel, die Welt, und unser Fleisch {Gal 5}.

10. und kleide dich mit gestickten Kleidern und zog dir sämische Schuhe an; ich gab dir feine leinerne Kleider und seidene Schleier

Semische Schuh: Von zarten und weichem Leder, wie die in Wollüsten erzogenen Jungfrauen tragen.

Leinerne Kleider: Von der allerzartesten Leinwand, das der Seide ganz wohl möchte verglichen werden. [Es wird aber durch diesen und folgenden weiblichen Schmuck, wie er hier erzählt wird, angezeigt, dass zwar auch viel leibliche Guttaten von der Kirche von Gott erzeigt werden, besonders aber werden die vortrefflichen Gaben des Heiligen Geistes dadurch angedeutet, welche denen Gliedern der Kirche gegeben werden, so da vornehme Ämter in derselben zu verwalten haben, wie von solchen Gaben der Apostel Paulus ausdrücklich handelt {1Kor 12 13}. Ob nun Gott wohl eine ehrliche Zierde und Schmuck in der Kleidung leiden mag, so ist ihm doch aller Überfluss zuwider {Jes 3}. Darum man in solchen Sachen Maß halten soll. Welche eines jeden Landes Art, Zeit, Vermögen, und Gelegenheit, nach der Personen Stand und Tun lehren kann).

11. und zierte dich mit Kleinoden und legte Geschmeide an deine Arme und Kettlein an deinen Hals

12. und gab dir Haarband an deine Stirn und Ohrringe an deine Ohren und eine schöne Krone auf dein Haupt.

Krone: Solche bedeutet das Königreich Israel, davon bald später ausführlicher wird gesagt werden.

13. Summe, du warst geziert mit eitel Gold und Silber und gekleidet mit eitel Leinwand, Seide und Gesticktem. Du aßest auch eitel Semmel, Honig und Öl und warst überaus schön und bekamst das Königreich.

Geziert: Also, dass man nichts an dir vergessen, damit eine Weibsperson aufs köstlichste, zierlichste und ehrlichste hätte mögen heraus geputzt werden.

Eitel Leinwand: Ich gab dir die besten und lieblichsten Speise zu essen. [Es ist aber auch eine reichliche Nahrung Gottes große Gabe, dafür man ihm danken soll. Und sollen wir uns mit allem Fleiß hüten, dass wir solcher Freigiebigkeit Gottes zur fleischlichen Sicherheit und Bosheit nicht missbrauchen).

Königreich: Denn es hat die israelitische Kirche an Macht und Herrlichkeit so zugenommen, dass sie auch zum Königreich aufgestiegen. Und obwohl der erste König in Israel, Saul, von Gott verworfen wurde, so hat er doch vor seiner Verstoßung viel herrliche und königliche Taten verrichtet, und sind der nachfolgenden Könige etliche mächtig und berühmt gewesen.

14. Und dein Ruhm erscholl unter die Heiden deiner Schöne halben, welche ganz vollkommen war durch den Schmuck, so ich an dich gehängt hatte, spricht der Herr Herr.

Schmuck: Als da waren der Gottesdienst, der Tempel zu Jerusalem, das majestätische Königreiche, der Obrigkeit Weisheit, der Untertanen Willigkeit und Tapferkeit, des Landes Fruchtbarkeit, und andere herrliche Gaben Gottes. Daher auch die Königin aus Reich Arabia verursacht wurde, dass sie des Salomons Weisheit zu hören, gen Jerusalem gekommen {1Sam 10 Mt 11}. [Es ist aber ein berühmter Name nicht eine geringe Guttat Gottes, dafür man ihm danken, aber nicht damit stolzieren soll).

15. Aber du verließest dich auf deine Schöne; und weil du so gerühmt warst, triebst du Hurerei, also dass du dich einem jeglichen, wer vorüberging, gemein machtest und tatest seinen Willen.

Aber: Bis daher haben wir gehört, mit was großen Guttaten Gott seine israelitische Kirche überschüttet begabt. Jetzt lasst uns auch vernehmen, wie undankbar sie Gott dem Herrn davor gewesen.

Schöne: Dass du dich derselben überhobst, und ihr schändlich missbrauchtest.

Hurerei: Das ist: Da du vernahmst, wie dein Ruhm hin und wieder erschall, bliebst du nicht demütig und gehorsam bei dem rechten Gottesdienst deines Herrn und Gottes, der sich mit dir verlobt, und dir viele große Guttaten erzeigt hatte, sondern du hast dich an der benachbarten Heiden Abgötterei gehängt, als ob du in dem geistlichen Ehestande an dem einigen wahren Gott nicht genug hättest, darum hast einen geistlichen Ehebruch begangen. [Denn unser Fleisch kann die göttlichen Guttaten selten und schwer ertragen, dass es sich nicht wieder den auflehnen, der sie gibt. Wie man im Sprichwort sagt, es müssen starke Beine sein, die gute Tage ertragen mögen).

Seinen Willen: Du bist eine gemeine Metz und jedermann zu willen geworden. [Denn wenn der Mensch in Abgötterei gefallen ist, so lässt er sich nicht an einer Art begnügen, sondern häuft die Götzen und falschen Gottesdienste mit Macht, dessen man ein lebendiges Beispiel im Papsttum sieht, da schier so viele Heilige abgöttischer Weise verehrt werden, als man Kapellen und Altare hat. Ebenmäßig tun ihm auch die Ketzer, welche, wenn sie der reinen Religion einmal den Rücken gewandt, so lassen sie nicht ab, bis sie in mancherlei Irrtum sich verwickeln, und mit unzähligen Gotteslästerungen besudeln).

16. Und nahmst von deinen Kleidern und machtest dir bunte Altäre daraus und triebst deine Hurerei darauf, als nie geschehen ist, noch geschehen wird.

Geschehen wird: Denn du hast alle Heiden mit deiner Abgötterei übertroffen. Und hast zwar zu solcher Schandbüberei meine Gaben, Güter, und reichen Einkommen missbraucht, die du zum selben schandlosen Brauch, oder viel mehr Missbrauch, angewandt, dass du, nämlich, mit großem Kosten hin und wieder abgöttische Kapellen ganz hübsch und zierlich erbaut hast, in denen du, als in wohl gezierten Betten, deine schändliche Unzucht getrieben. [Also haben im Papsttum ihrer viele große Kosten darauf gewendet, dass man abgöttische Kirchen und Klöster gebaut, die mehrerenteils Schlafkammern und Betten gewesen, der geistlichen Hurer, ja auch der leiblichen Hurerei und Ehebruchs. Doch werden die Gebäude allhier nicht verworfen, welche zur Erhaltung der christlichen Religion von gottseligen Leuten aufgerichtet werden).

17. Du nahmst auch dein schönes Gerät, das ich dir von meinem Gold und Silber gegeben hatte, und machtest dir Mannsbilder daraus und triebst deine Hurerei mit denselben.

Geräte: Deinen weiblichen Schmuck, damit ich dich geziert und herausgeputzt hatte.

Mannsbilder: Nämlich, Götzen. [Denn welche die Bilder ehren, die werden vor Gott nicht anders gehalten, als wenn sie mit denselben Hurerei und Unzucht trieben. Hier mögen die Katholiken sich bespiegeln, so vor den Bildern niederknien und fallen, das ist, den Götzen sich untergeben).

18. Und nahmst deine gestickten Kleider und bedecktest sie damit; und mein Öl und Räucherwerk legtest du ihnen vor.

Kleider: Die ich dir zur Zierde gegeben hatte, mit denen ziertest du deine Götzen. [Also sieht man auch im Papsttum die Bilder in ihren Kirche stehen, mit seidenen Mänteln, goldenen und silbern Gürteln, zarten Schleiern, und anderen dergleichen Kleidungen geziert).

Öl: Das ich zu meinen Opfern bestimmt hatte.

Räucherwerk: Damit du mir hättest sollen räuchern.

Ihnen vor: Dass du ihnen damit einen Gottesdienst erzeigst, welches eben so viel gewesen, als wenn eine Hausmutter ihren Schmuck, der ihr von ihrem Hausherrn und Ehemann geschenkt wurde, nehme, und einen Ehebrecher damit herausputzte. Auch das Essen und Trinken, damit sie den Ehemann sollte erquicken und erfreuen, dem Ehebrecher vorstellte, und ließe den Mann zusehen. [Eben also tun ihm auch die, welche die Güter, so zur Erhaltung des reinen Predigtamts von Gott gegeben sind, zur Aufrichtung und Beförderung der Abgötterei anwenden).

19. Meine Speise, die ich dir zu essen gab, Semmel, Öl, Honig, legtest du ihnen vor zum süßen Geruch. Ja, es kam dahin, spricht der Herr Herr,

Geruch: Das ist, zum Opfer, damit du deine falschen Götter, nämlich, die Teufel, belustigst, welche du durch die Abgötter verehrt hast: Ist ihnen also zum Opfer geraten, was ich dir zur Nahrung gegeben. [Denn die Heuchler und Abgöttischen sind so toll und töricht, dass sie auch ihrem eigenen Leibe abbrechen, damit sie die Abgötterei befördern. Daher es im Papsttum geschehen, dass etliche sich und ihre Kinder zur Armut gebracht, in dem sie neue Abgötterei mit großem Kosten angerichtet. Gleichwie aber des Menschen Herz die Abgötterei zu unterhalten und zu befördern nicht allein freigiebig und mild ist, sondern auch verschwenderisch. Also ist es das reine Predigtamt des göttlichen Wortes zu erhalten, karg und filzig).

20. dass du nahmst deine Söhne und Töchter, die du mir gezeugt hattest, und opfertest sie denselben zu fressen. Meinst du denn, dass es ein Geringes sei um deine Hurerei,

Und Töchter: Die zarten kleinen Kinder, Knaben und Mädchen.

Mir gezeugt: Denn sie waren mein, als die durch die Gnade der Beschneidung geistlich wieder geboren wurden.

Denselben: Deinem Buhlen, zu den selberwählten und erdichten Göttern, besonders aber dem Abgott Moloch {Jer 32}.

Zu fressen: Denn du deinen Abgöttern gleichsam ein Wohlleben angerichtet, von dem Fleisch meiner Kinder, die mir geboren waren. Und opferten die Juden ihre Söhne und Töchter den Teufeln {Ps 105}.

Geringes sei: Und nicht vielmehr eine schreckliche Unsinnigkeit. Denn du so heftig gegen deine Buhler entbrannt bist, dass du ihnen zu Gefallen auch dich nicht scheust deine Söhne und Töchter zu erwürgen. [Sieht man deswegen hier, in was schreckliche Unsinnigkeit und Blindheit die Leute geraten, wenn sie von dem ausdrücklichen Worte Gottes in Religionssachen abweichen, dass sie, nämlich, zuletzt solche Sachen tun, dafür auch sonst die Natur selbst einen Abscheu hat, und die allergrausamsten unvernünftigen Tiere ihren Jungen nicht tun. Es sind aber diejenigen eben so wenig bei Sinnen, als diese Juden, welche ihre Kinder wider ihren Willen in die Klöster stoßen, dass sie darin mit Ungeduld in unzüchtiger Liebe täglich brennen, und durch solche heimlichen Feuer, welches Mark und Bein verzehrt, von Tag zu Tag abnehmen, verschmachten und verbrennen, oder aber, das öfter geschieht, Leib und Seele mit schändlicher Unzucht beflecken, und sich mutwillig in die Flammen des ewigen Feuers stürzen. Ja es ging den israelitischen Kindern viel besser als solchen Leuten. Denn dieselben wurden nur am Leibe gemartert, und ums zeitliche Leben gebracht, aber an der Seelen selig gemacht, daher sie auch Gott der Herr hier seine Kinder nennt: Aber die in den Klöstern treiben vielfältige Abgötterei, als eine geistliche Hurerei, und übergeben ihre Leiber den Huren und Hurern, ja dem Teufel ganz, und verderben an Leib und Seele ewig).

21. dass du mir meine Kinder schlachtest und lässt sie denselben verbrennen?

22. Noch hast du in allen deinen Gräueln und Hurerei nie gedacht an die Zeit deiner Jugend, wie bloß und nackend du warst und in deinem Blut lagst.

Lagst: Da du neulich geboren, und auf dem Felde hingeworfen warst. Ich aber mich aus Gnaden deiner erbarmt, dich erhalten, ernährt, und darum auferzogen habe, dass du mich mit dankbarem Herzen ehren solltest, und mich als deinen geistlichen Ehemann allein lieben, dem du solchen Dienst zu leisten, ja alles was du um und an hast, dein Leben und Wohlfahrt schuldig bist. [Denn das Fleisch vergisst beide der geistlichen und leiblichen Wohltaten, die es von Gott empfangen hat, und ist ihm nicht dankbar, wie es wohl sein sollte. Wir haben freilich auch nicht geringe Guttaten von Gott empfangen, aber wer dankt ihm von Herzen dafür?)

23. Über alle diese deine Bosheit (ach, wehe, wehe dir!), spricht der Herr Herr,

Über alle: Gerade als ob du bisher nicht untüchtig und boshaft genug gewesen wärest.

Bosheit: Die ich bis daher kürzlich erzählt habe.

Herr: Der gerechte Rächer aller solcher Bosheit.

24. bautest du dir Bergkirchen und machtest dir Bergaltäre auf allen Gassen.

Bergkirchen: Abgöttische Kapellen, auf hohen Bergen und lustigen Hügeln, in denen du deine geistliche Hurerei triebst.

25. Und vorne an auf allen Straßen bautest du deine Bergaltäre und machtest deine Schöne zu eitel Gräuel. Du spreiztest mit deinen Beinen gegen alle, so vorübergingen, und triebst große Hurerei.

Straßen: Auf allen Wegscheiden und Kreuzwegen. [Eben also ist es im Papsttum auch zugegangen. Da man hin und wieder auf den Bergen und Straßen, wo sich zwei oder drei Wege von einander scheiden, Kapelle gebaut, in denen man Bilder angebetet hat, so sieht man auch noch in allen Gassen, wo das Papsttum recht im Schwange geht, abgöttischen Bilder, dass schier keine Ecke oder Winkel zu finden, der nicht mit päpstlicher Abgötterei beschmutzt wäre).

Gräuel: Dass du nicht mehr ein Ansehen hast, wie eine ehrliche Matrone, mit einer schönen Gestalt geziert, sondern wie eine schandlose und hässliche Hure, vor welcher alle frommen und ehrlichen Leute sich richtig scheuen. Denn welche Weibsperson ihre Zucht und Ehre in die Schanze schlägt, die ist nicht mehr schön, ob sie gleich ganz eine schöne Gestalt hat, dazu mit Silber und Gold geziert ist.

Spreizest: Du stellst dich, als wie eine, die sich zum Beischlaf gefasst macht. Denn es beschreibt der Heilige Geist mit ganz schandbaren Worten die Abscheulichkeit und den Gräuel der geistlichen Hurerei, welche ist die Abgötterei. Nicht zwar, dass der Heilige Geist zu schandbaren Reden Lust habe, sondern damit er anzeige, was für ein schreckliches Ding die Abgötterei vor den Augen Gottes sei, davor ein ehrliebender Mensch richtig erschrecken sollte, wenn er nur davon hörte.

Gegen allen: Denn du dich an einem oder etlichen Buhlen nicht begnügen lassen, sondern hast dich einem jeden angeboten, der dir am ersten vorgekommen, also dass du nicht nur mit allerlei Abgötterei, sondern mit vielerlei falschen Gottesdiensten dich verunreinigt hast. [Denn so oft neue Gottesdienste, die dem Worte Gottes zuwider laufen, angenommen werden, so oft beflecken sich solche Götzendiener mit einem neuen Ehebruch. Und so oft sie einen solchen falschen Gottesdienst verrichten, so oft treiben sie mit den schandlosen Buhlern schändliche Unzucht).

26. Erstlich triebst du Hurerei mit den Kindern Ägyptens, deinen Nachbarn, die großes Fleisch hatten, und triebst große Hurerei, mich zu reizen.

Großes Fleisch: Die wohl bei Leibe waren, und starke Glieder hatten.

Zu reizen: Denn welcher ehrliche Biedermann wollte seines Weibes Ehebruch mit Willen dulden, oder gut heißen? Es war aber mit dieser Israeliten Hurerei also beschaffen, dass sie in der allgemeinen Gefahr nicht zu Gott ihrem Herrn, Schöpfer Himmels und der Erde ihre Zuflucht hatten, sondern bei den Ägyptern Hilfe suchten, und auf die ägyptischen Könige sich verließen {Jes 30 31}. [Welche deswegen entweder auf Menschen, oder auf Güter, oder auf Weisheit, oder Kunst sich verlassen, die sollen wissen, dass sie vor Gott eben so abscheuliche Huren sind, als die Abgöttischen).

27. Ich aber streckte meine Hand aus wider dich und steuerte solcher deiner Weise und übergab dich in den Willen deiner Feinde, den Töchtern der Philister, welche sich schämten vor deinem verruchten Wesen.

Philister: Welche an dich mussten Strafe üben, auf dass du lernst, wie die Hoffnung auf menschliche Hilfe, oft zu fehlen pflege, und du dich weiter desto mehr vor der Abgötterei vorseht, weil auch die Philister selbst über deiner Leichtfertigkeit in so vielfältiger Veränderung der Gottesdienste sich verwundert, und die mancherlei ungewisse Hoffnung auf fremde Hilfe sich nicht gefallen ließen. [Denn welche auf Menschen ihr Vertrauen setzen, die werden zu Spott und Schanden).

28. Danach triebst du Hurerei mit den Kindern Assur und konntest des nicht satt werden; ja, da du mit ihnen Hurerei getrieben hattest, und des nicht satt werden konntest,

Assur: Da du, nämlich, der Assyrer Hilfe wider die Syrer begehrst, und dich auf sie verließest. Wie vom Könige Ahas gelesen wird {2Sam 16}. Darum du, in dem du dein Vertrauen auf die menschliche Hilfe der Assyrer gesetzt hast, abermals deine Ehe gebrochen hast.

Nicht satt: Weil dich solcher deiner Bosheit nicht gereute, hörtest auch nicht auf die Götzen zu ehren, und auf Menschen zu trauen.

29. machtest du der Hurerei noch mehr im Lande Kanaan bis nach Chaldäa; noch konntest du damit auch nicht satt werden.

In Chaldäa: Gerade als ob du in deinem Lande nicht genügend Bosheit getrieben hättest, so hast noch müssen dazu in der Chaldäer Land schicken, und Buhlen von dort holen, denen du dich zu ihrem Willen untergäbest, da du, nämlich, der Assyrer Hilfe wider die Syrer und den König in Israel anriefst, wie kurz zuvor gemeldet.

Auch nicht: Denn die Abgöttischen stehen nicht mit guten Willen von der Abgötterei ab, weil sie der menschlichen Vernunft sehr wohl zuschlägt, gleichwie auch die Ketzer nicht für sich selbst ihre Ketzerei fahren lassen, es sei denn, dass Gott ihnen durch sein Wort die Augen des Herzens auftue, damit sie den Gräuel merken, und dafür ein Abscheu haben).

30. Wie soll ich dir doch dein Herz beschneiden, spricht der Herr Herr, weil du solche Werke tust einer großen Erzhure,

Beschneiden: Und dein Gemüt ändern, (denn das heißt, beschneiden) Weil du so ganz verhurt, und der Hurerei gewohnt bist, also dass es ihm schier gleich sieht, als sei dir nicht mehr zu helfen? [Denn obwohl bei Gott nichts unmöglich ist, und deswegen auch der allerärgsten Buben Herzen umkehren kann, so redet er doch hier also davon, auf dass wir dabei abnehmen, wie schwer diejenigen wiederum richtig gebracht werden, welche der Bosheit gewohnt sind. Darum soll man vor solchen desto ernstlicher, eifriger und inbrünstiger beten, und zu derselben Veränderung und Bekehrung mehr Mühe und Fleiß anwenden).

31. damit dass du deine Bergkirchen baust vorne an auf allen Straßen und deine Altäre machtest auf allen Gassen? Dazu warst du nicht wie eine andere Hure, die man muss mit Geld kaufen,

Allen Gassen: Darum kannst du deine geistliche Hurerei nicht leugnen, weil sie überall bekannt ist, und von jedermann vor Augen gesehen wird. [Also ist heutigen Tages die päpstliche Bosheit und Abgötterei jedermann kund, und liegt am Tage, obwohl die Katholiken ganz unverschämt dieses leugnen).

Eine andere: Du warst viel geiler und unverschämter als irgendeine andere gemeine Metze.

32. noch wie die Ehebrecherin, die anstatt ihres Mannes andere zulässt.

Zulässt: Weil sie sich durch die Geschenke und Gaben der Buhler blenden lässt, dass sie ihre Ehe bricht.

33. Denn allen anderen Huren gibt man Geld; du aber gibst allen deinen Buhlern Geld zu und schenkst ihnen, dass sie zu dir kommen überall und mit dir Hurerei treiben.

Geld zu: Denn du hast keine Belohnung noch Geschenke von den falschen Gottesdiensten bekommen, sondern hast bis daher deine erdichteten Götter mit großem Kosten und nicht geringem Nachteil deiner Güter geehrt, desgleichen haben die Ägypter und Assyrer, die du um Hilfe angerufen, dir nichts genutzt. Ja du hast viel mehr deine heiligen und anderen Schätze erschöpft, dass du ihren Geiz erfüllst, darum ist es eben, als wenn du die Buhler von freien Stücken mit deinem eigenen Geld an dich gebracht hättest, dass sie mit dir Hurerei und Unzucht trieben. [Auf gleiche Weise sagt man, dass der Papst zu Rom auch heutzutage etlichen jährlich viel tausend Dukaten zahle, damit sie bei der papistischen Religion verharren, und dieselbe nicht abtun. Das ist gewiss und einmal wahr, dass an etlichen Örtern, alte Vetteln und Kupplerin mit Gelde dazu gedingt werden, das sie in die Messe gehen, auf dass der Messpfaffe nicht allein in der Kirche mit seinem Messner gelassen werde, und also die Messe möchte unterlassen bleiben).

34. Und findet sich an dir das Widerspiel vor anderen Weibern mit deiner Hurerei, weil man dir nicht nachläuft, sondern du Geld zugibst und man dir nicht Geld zugibt. Also treibst du das Widerspiel.

Widerspiel: Dass du etwas Neues und Besonderes mit deiner Unzucht auf die Bahn bringst.

Zugibst: [Denn die Abgöttischen lassen sich es nicht verdrießen, dass sie Geld mit Haufen ausgeben, die gottlose Religion zu befördern, obwohl sie sonst ehrliche Sachen und gottselige Geschäfte ins Werk zurichten, und denselben fortzuhelfen, sehr karg und filzig sind).

35. Darum, du Hure, höre des Herrn Wort!

Darum: Jetzt lasst uns die Strafen hören, welche Gott der Herr durch den Propheten den abgöttischen geistlichen Hurern droht.

36. So spricht der Herr Herr: Weil du denn so milde Geld zugibst und deine Scham durch deine Hurerei gegen deine Buhlen entblößt und gegen alle Götzen deiner Gräuel und vergießt das Blut deiner Kinder, welche du ihnen opferst,

Geld zugibst: Dass du bisher dein Geld nach der Schwere ausgegeben hast, deine Buhler an dich zu locken.

Deiner Kinder: Die du ohne alle Scham öffentlich deinen Buhlen angeboten hast, nämlich, den gottlosen Königen, denen du mehr als mir vertraut, und den erdichteten Götzen, denen du auch deine Söhne und Töchter geschlachtet, und geopfert hast.

37. darum, siehe, will ich sammeln alle deine Buhlen, mit welchen du Wollust getrieben hast, samt allen, die du für Freunde hieltest, zu deinen Feinden; und will sie beide wider dich sammeln überall und will ihnen deine Scham blößen, dass sie deine Scham ganz sehen sollen {Hes 23v10}.

Wider dich sammeln: Auf dass eben dieselben, derer Hilfe du angerufen hast (als besonders die Chaldäer gewesen) mit deinen Feinden, die du bisher gefürchtet, sich wider dich verbinden, und dich zerstören, denen du zu gefallen Abgötterei gestiftet, und dein Vertrauen auf sie gesetzt hast.

Nach Luther: Scham heißt hier nichts anders, denn dass sie sehr verstört, und ihr Regiment zunichtegeworden ist.

Ganz sehen: Das ist, ich will dir allen deinen Schmuck ausziehen, und dich deinen Liebhabern, die doch viel mehr deine Feinde sind, übergeben, dass du vor ihnen und jedermann sollte zuschanden werden. [Denn Gott straft oft durch eben dieselben, mit denen, und welchen wir zu gefallen gesündigt haben).

38. Und will das Recht der Ehebrecherinnen und Blutvergießerinnen über dich gehen lassen und will dein Blut stürzen mit Grimm und Eifer.

Gehen lassen: Ich will das Urteil an dir vollstrecken, welches nach dem Gesetz Mose wider ein ehebrecherisches Weib, die auch dazu eine Totschlägerin ist, pflegt ausgesprochen werden, weil du mit der Abgötterei ein Hurenleben getrieben, und das unschuldige Blut deiner Söhne, und Töchter vergossen hast, Darum will auch ich dein Blut in meinem Grimm und Eifer vergießen Denn das Gesetz Mose fällt über die Ehebrecher die Strafe des Todes {3Mos 20}, und zwar, dass sie sollen gesteinigt werden. {5Mos 22}. [Und wird endlich derjenigen Blut wiederum vergießen, die unschuldiges Blut vergossen haben).

39. Und will dich in ihre Hände geben, dass sie deine Bergkirchen abbrechen und deine Bergaltäre umreißen und dir deine Kleider ausziehen und dein schönes Gerät dir nehmen und dich nackend und bloß sitzen lassen.

Ihre: Nämlich, derer die dich hassen, und dir nichts Gutes gönnen.

Nehmen: Dass sie dich aller deiner Zierde, damit du geschmückt bist, berauben: Das ist, sie werden dich ums Königreich, um deine Freiheit, und um Hab und Güter bringen, und dich in Verachtung, Schmach, Armut, und Elend stecken lassen. [Denn die Güter, welche zur Abgötterei sind missbraucht worden, werden aus gerechtem Urteil Gottes geraubt und zerstreut).

40. Und sollen Haufen Leute über dich bringen, die dich steinigen und mit ihren Schwertern zerhauen

Haufen: Wie denn eine große Menge Volkes sich zu versammeln pflegt, wenn man einen Übeltäter hinrichten will.

41. und deine Häuser mit Feuer verbrennen und dir dein Recht tun vor den Augen vieler Weiber. Also will ich deiner Hurerei ein Ende machen, dass du nicht mehr sollst Geld noch zugeben,

Recht tun: Sie werden das Urteil an dir vollstrecken.

Vieler Weiber: Will so viel sagen, gleichwie viel Leute zulassen, wenn man einen Übeltäter ausführt, besonders, da man mit der Glocke ein Zeichen gibt, dass sie sehen und (wie bei den Hebräer gebräuchlich war) ihnen helfen den Tod antun. Und gleichwie viel Weiber zusehen, wenn eine Ehebrecherin gesteinigt wird, dass sie ein Beispiel davon nehmen. Also wird Gott wider dich, o Jerusalem, eine große Menge Volkes versammeln, und durch ihr zutun dich strafen, anderen Ländern und Städten zum Beispiel. Und sollen deine Bürger mit dem Schwert erwürgt, die Stadt aber verbrannt, und in die Asche gelegt werden. Deswegen soll uns der anderen Untergang eine Warnung sein, dass wir Gottes Zorn und Rache nicht auf uns laden).

Zugeben: Nämlich, deinen Buhlen. [Denn wenn wir von Sünden nicht ablassen wollen, da wir gleich aus dem Worte Gottes ermahnt wurden, so zwingt uns Gott mit Gewalt, dass wir auch wider unseren Willen aufhören müssen).

42. Und will meinen Mut an dir kühlen und meinen Eifer an dir sättigen, dass ich ruhe und nicht mehr zürnen müsse.

Ruhe: Das ist, wenn ich an dir Strafe üben werde, und meine Lust an dir büße, dass ich dich verwüste, so wirst du mit deiner Hurerei mir nicht mehr überlästig sein, sondern ich will mir weiter Ruhe schaffen, dass ich deiner Hurerei halben weiter unbetrübt und unbekümmert bleibe, und mich nicht mehr, wie bisher geschehen, erbittern, und erzürnen könntest, welches alles aus meinem gerechten Urteil dir begegnen wird.

43. Darum dass du nicht gedacht hast an die Zeit deiner Jugend, sondern mich mit diesem allem gereizt, darum will ich auch dir all dein Tun auf den Kopf legen, spricht der Herr Herr; wiewohl ich damit nicht getan habe nach dem Laster in deinen Gräueln.

Jugend: Da du dich hättest sollen erinnern, wie elend und armselig du vorzeiten gewesen, und was für große Guttaten ich dir erzeigt habe.

Diesem allem: Nämlich, mit deinen vielfältigen Sünden und Gräueln, davon bisher gesagt wurde.

Kopf legen: Das ist, ich will deine Bosheit strafen, und du sollst in der Tat empfinden, was es sei, wenn man mich zum Zorn reizt. Denn Gott wird durch die Undankbarkeit heftig erzürnt).

Nicht getan: [Denn wenn Gott sein Volk sollte strafen, nach dem es mit seinen schweren Sünden verdient, so müsste er es ganz vertilgen. Aber Gott gedenkt in seinem Zorn an seine Barmherzigkeit, und verwirft die Bußfertigen nicht. Daher David spricht: Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Missetat {Ps 103}.

44. Siehe, alle die, so Sprichwort pflegen zu üben, werden von dir dies Sprichwort sagen: Die Tochter ist wie die Mutter.

Siehe: Auf dass die Israeliten ihre Sünden desto mehr erkannten, und zur Busse bewegt würden, beschreibt Gott durch den Propheten die Bosheit und das unverschämte Wesen des israelitischen Volkes noch weitläufiger.

Die Mutter: Das ist, die Speivögel, welche sich auf allerlei Fatzwerk bemühen, werden ein solches Sprichwort von dir machen, Die Mutter eine Hure, die Tochter eine Hure, springt auf ihre Decke. Denn dein Volk, daher du deine Herkunft hast, ist vorzeiten eben also beschaffen gewesen, wie du jetzt bist.

45. Du bist deiner Mutter Tochter, welche ihren Mann und Kinder verstößt, und bist eine Schwester deiner Schwestern, die ihre Männer und Kinder verstoßen. Eure Mutter ist eine von den Hethitern und euer Vater ein Amoriter.

Verstoßen: Du bist von einem ehrbaren Geschlecht. Deine Mutter ist eine große Hure, deine Schwestern sind Huren, und du bist auch eine Hure. Denn es ist dein Volk von dem Herrn seinem Gott oft abgewichen, dem es vorzeiten vertraut gewesen, und hat seine Kinder aus der acht gelassen, die es dem Herrn gezeugt, weil es dieselben nicht in der Ehrbarkeit auferzogen, wie sich es gebührt hätte. Gleichwie die frechen und verwegenen ehebrecherischen Weiber zu tun pflegen, welche ihren Mann und Kinder verlassen, alle natürliche Zuneigung der mütterlichen Liebe ablegen, und an fremde unbekannte Örter ziehen, da sie sich jedermann schändlich untergeben. [Denn die handeln böslich und übel, welche sich nicht dahin bemühen, so viel sie zwar Amtes und Berufes halben tun können, dass sie die reine Religion unverfälscht ihren Nachkommen hinterlassen mögen).

Hethitern: Nämlich, ein unzüchtiges, verschrienes, gottloses, heidnisches Weib.

Amoriter: Ein gottloser und boshafter Götzendiener aus den kanaanitischen Völkern, zu denen die Hethiter auch gehören. Denn wenn man euer Gemüt und Wandel ansehen will (wie es denn richtig sein soll) wer wollte nicht sagen, dass ihr viel mehr von Gottlosen kanaanitischen Eltern, als von den heiligen Patriarchen herkommen dauerte? Denn was habt ihr an euch, dass den Patriarchen gleich sehe? Oder ist auch irgend ein Laster oder Bosheit bei den Kanaanitern vorgegangen, das ihr nicht nachgetan hättet?

46. Samaria ist deine große Schwester mit ihren Töchtern, die dir zur Linken wohnt, und Sodom ist deine kleine Schwester mit ihren Töchtern, die zu deiner Rechten wohnt;

Große Schwester: Wenn man die vielen der Bosheit gegen die Jahre rechnen will, so trägst du und das Königreich Israel gar wohl an einer Stange. Denn im selben Königreich ist der erste König Jerobeam gottlos gewesen, dessen Bosheit und Abfall in der Religion alle seine Nachkommen bis auf den letzten gefolgt haben. Was meint man aber wohl, was für Abgötterei und Sünden vorgegangen im selben Königreich, die zweihundert und zweiundfünfzig Jahre über, weil dasselbe gestanden, innerhalb welcher Zeit es keinen einzigen frommen König hatte?

Töchtern: Denn was ich von Samaria rede (will er sagen) das meine ich nicht nur von derselben Hauptstadt allein, sondern verstehe auch zugleich mit darunter die kleinen Städte und Flecken, dieweil es alles mit falschen Gottesdiensten und vielfältigen Lastern erfüllt gewesen.

Linken: Denn das Königreich Israel war dem Königreich Juda zur linken Hand gelegen. [Gleichwie aber im Königreich Israel zwar die Beschneidung gebraucht wurde, daher sie auch den Namen der Israeliten behielten, und aber doch daneben schreckliche Abgötterei trieben: Also ist zwar im Papsttum die Taufe, und daher der christliche Name geblieben, obwohl unterdes öffentlich in den Kirchen alle Winkeln voller Abgötterei gesteckt. Und gleichwie unter dem Königreich Israel eine Anzahl der Auserwählten sich gefunden, die Gott recht geehrt haben, und nicht mit dem baalitischen Gottesdiensten verunreinigt wurden {1Sam 19}. Also sind im Papsttum viele tausend Menschen erhalten worden, dass sie der abgöttischen Religion nicht nachgehängt, besonders sind viele junge Kinder, Knaben und Mädchen drauf gegangen, ehe sie irgend ein Vertrauen oder Zuflucht zu den Messen und Anrufung der Heiligen haben können: Viel sind zwar auch aus Unvorsichtigkeit und Unbedachtsamkeit zur Messe gegangen, haben aber daneben all ihre Hoffnung auf den einigen Mittler Christus gesetzt. Andere, so eine Zeit lang mit den papistischen Irrtum betört gewesen, haben an ihrem letzten Ende alles vergebliche Vertrauen auf eigenen oder anderer Heiligen Verdienst und Menschensatzungen verworfen, und ihre Seelen ihrem einigen Erlöser Christo gottselig befohlen, haben auch durch den Glauben an ihm das ewig Leben erlangt. Hiermit mögen diejenigen hinziehen, welche nicht gestehen wollen, dass die Kirche irren könne).

Kleine Schwester: Weil sie nicht so lange gesündigt als du, darum man sie nicht unrecht die kleine oder jünger Schwester nennen möchte.

Töchtern: Nämlich, mit den benachbarten Städten, Gomorrha, Adama, Zeboim, und anderen geringeren Flecken und Städtlein, darunter Sodom ein Ausbund gewesen, als die alle andere mit Bosheit übertroffen, darum ich sie vornehmlich und insbesondere namhaft gemacht habe. Welcher gottloses Wesen du so nach zu tun begehrst, als wenn du es mit ihr angenommen hättest, wer es am besten könnte.

47. wiewohl du dennoch nicht gelebt hast nach ihrem Wesen noch getan nach ihren Gräueln. Es fehlt nicht weit, dass du es ärger gemacht hast denn sie in all deinem Wesen.

Nicht gelebt: Denn obwohl die Sünde der sodomitischen Unzucht in dir nicht so allgemeines gewesen, wie bei den Sodomitern, so hat es doch wenig gefehlt, dass du es mit der geistlichen Unzucht nicht ärger gemacht, als sie.

48. So wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, Sodom, deine Schwester, samt ihren Töchtern hat nicht so getan wie du und deine Töchter.

Ihren Töchtern: Oder zu gehörigen Städtlein und Flecken.

Deine Töchter: Deine Städte und Dörfer, so im Lande Juda um dich her liegen.

49. Siehe, das war deiner Schwester Sodom Missetat: Hoffart und alles vollauf und guter Friede, den sie und ihre Töchter hatten; aber dem Armen und Dürftigen halfen sie nicht,

Hoffart: Großer Übermut und Trotz, dass sie Gott und sein Wort aus großer Sicherheit verachteten, und auf ihren Reichtum und Gewalt sich verließen. [Einen solchen Stolz kann Gott nicht leiden).

Nach Luther: Hoffart heißt Gott trotzen, sein Wort verachten, und sich auf eigene Weisheit und Macht verlassen, gleich als wäre kein Gott. Wo solche Verachtung Gottes ist, dazu die Fülle und guter Friede, da folgt aller Mutwille.

Vollauf: Dass sie aller Sachen, was sie Notdurft des Leibes und Unterhaltung bedurft, einen Überfluss hatten, weil um Sodom her eine sehr gute Gelegenheit und fruchtbare Landschaft gewesen {1Mos 13}. [Wenn aber die Leute köstliche Speise und Trank benutzen, so werden sie oft aufgeblasen und verwöhnt).

Guter Friede: Dass sie zur selben Zeit in guter Ruhe und Frieden lebten. [Es finden sich aber wenig, die des guten Lebens und friedlichen Zustands recht gebrauchen. Nach dem Sprichwort: Es müssen starke Beine sein, die gute Tage ertragen können).

Halfen sie nicht: Sie achteten sich keiner armen Leute, sondern versäumten dieselben ganz und gar, und lebten im Sause. [Welche aber also nur ihren Kragen füllen, und armer Leute sich nicht annehmen, die werden mit dem reichen Schlemmer in der Hölle begraben {Lk 16}.

50. sondern waren stolz und taten Gräuel vor mir; darum ich sie auch weggetan habe, da ich begann dareinzusehen.

Stolz: Dass sie sich wider Gott und ihren Nächsten erhoben, mit großem Übermut und unglaublicher Frechheit.

Gräuel: Dass sie sich mit abscheulicher und gräulicher Unzucht befleckten, da Mann mit Mann Schande trieb. [Denn ein Überfluss und Köstlichkeit im Essen und Trinken, besonders, wenn der Müßiggang dazu kommt, macht die Leute geil, und erregt die böse Lust in ihnen. Darum soll man sich der Nüchternheit und Mäßigkeit bemühen, und des Leibes also pflegen, dass er nicht geil werde {Röm 13}.

Weggetan: Dass ich sie mit Schwefel und Feuer vom Himmel herab verderbt habe {1Mos 19}.

Zu sehen: Und sie nach meiner Gerechtigkeit zur Strafe verurteilte. [Denn so lange Gott aus Langmütigkeit auf der Gottlosen Buße und Bekehrung wartet, bedünkt uns, er sehe durch die Finger, oder sehe ihre Sünden gar nicht. Aber er sieht unterdes ganz scharf, und straft die Sünden zu seiner Zeit, besonders aber die schändliche Unzucht, aufs schrecklichste). Haben deswegen zwar die Sodomiter grob und vielfältig gesündigt. Aber der Juden Bosheit war viel größer. Denn jene sündigen mit leiblicher Unzucht, diese aber trieben mit ihrer vielfältigen Abgötterei geistlichen Ehebruch und Hurerei, dass sie von ihrem Gott abwichen, und sich den Abgöttern und Teufeln, durch die abgöttischen Opfer-, untergaben. Und obwohl die Sodomiter im Boden kein nütze waren, so könnten sie doch zum wenigsten aus der Natur verstehen, dass sie Unrecht taten, ob sie wohl deshalb ungestraft sein wollten. Aber die Juden bestritten, dass sie mit ihrer geistlichen Hurerei nicht sündigen, sondern wollten dafür angesehen und gehalten sein, als ob sie mit ihrem Ehebruch einen herrlichen Gottesdienst verrichteten. Darum schließt Gott recht, dass die Israeliten ärger sind, als die Sodomiter. [Und sieht man hier, was die Abgötterei für ein abscheuliches und gräuliches Laster sei).

51. So hat auch Samaria nicht die Hälfte deiner Sünden getan, sondern du hast deiner Gräuel so viel mehr über sie getan, dass du deine Schwester gleich fromm gemacht hast gegen alle deine Gräuel, die du getan hast {2Sam 17v7}.

So hat: Jetzt vergleicht Gott der Herr die Stadt Jerusalem mit ihrer anderen Schwester, Samaria, das ist, mit dem israelitischen Königreich.

Fromm gemacht: Du bist mit so gräulichen und vielfältigen Sünden befleckt, dass, wenn man deine Schwestern, Sodom und Samaria, gegen dir hält, sie etlichermaßen für gerecht und fromm möchten angesehen werden. Denn obwohl die im Königreich Israel mit der baalitischen Abgötterei sich versündigten, so geschah doch solches mehrerenteils aus Unwissenheit, weil unter den israelitischen Königen nicht solche Reformierungen in der Religion vorgingen, als wie im Königreich Juda zu etlichen Malen angerichtet wurden, darum ihrer viel in Juda wissentlich und mit Willen ihren Königen zugefallen, mit Abgötterei sich befleckt. Und war im Königreich Israel nicht so mancherlei Art der Abgötterei gebräuchlich, als unter den gottlosen Königen in Juda. So haben auch die im israelitischen Königreiche nicht ihre eigenen Kinder den Abgöttern geschlachtet, und geopfert, wie im Königreich Juda geschehen. Ja es hat des Königreichs Israel Bosheit nicht so lange gewährt, als des Königreichs Juda. Denn das israelitische Königreich ist hundert und zwei und dreißig Jahr vor der Stadt Jerusalem Zerstörung, von den Assyrern aufgerieben wurden, und zugrunde gegangen. [Denn wenn die Kirche, so mit herrlichen Gaben Gottes geziert gewesen, von der rechten Religion abweichen, so fallen sie in viel gräulichere und schrecklichere Finsternis, als andere. Und straft Gott die Undankbarkeit gegen sein Wort mit Blindheit und Wahnsinnigkeit).

52. So trage auch nun deine Schande, die du deine Schwester fromm machst durch deine Sünden, in welchen du größere Gräuel denn sie getan hast, und machst sie frömmer, denn du bist. So sei nun auch du schamrot und trage deine Schande, dass du deine Schwester fromm gemacht hast.

Deine Schande: Dass du Jerusalem vor den Heiden zuschanden wirst, wenn sie dich erobern, deine Güter plündern, und deine Bürger ins Elend hinweg führen werden, daran dir nicht Unrecht geschehen wird. [Denn welche Gott mit herrlichen und geistreichen Gaben überschüttet hat, die straft er später auch desto gräulicher um der Sünden willen, wenn sie undankbar werden, und der Gaben Gottes missbrauchen. Denn bei Gott ist kein Ansehen der Person).

53. ich will aber ihr Gefängnis wenden, nämlich das Gefängnis dieser Sodom und ihrer Töchter und das Gefängnis dieser Samaria und ihrer Töchter und die Gefangenen deines jetzigen Gefängnisses samt ihnen,

Wenden: Dass sie ihre Freiheit wieder erlangen. Denn es folgt jetzt nach der Predigt des Gesetzes, dadurch die Sünde geoffenbart wurde, eine Predigt des Evangeliums vom Reich Christi, darin beide Juden und Heiden bei Gott zu Gnaden kommen, und durch den Glauben an Christus die Seligkeit erlangen. [Denn man soll nicht nur das Gesetz, sondern auch das Evangelium den Zuhörern vorhalten, damit sie in ihren Sünden nicht verzagen. [Und ist hier die Meinung gar nicht, als ob Sodom mit den benachbarten Städten, einmal würde wiederum hervorkommen und erbaut werden, so in einen stinkenden See oder Sumpf verwandelt wurde. Wie auch nicht, dass Samaria zu einem Königreich vom Neuen sollte aufgerichtet werden: Sondern dies ist der rechte Verstand: Wenn ich der Herr, euch Juden nach eurem Verdienst gestraft habe, so will ich mich wiederum erbarmen, nicht allein euer, sondern auch der Heiden, die sich mit schändlicher Unzucht, wie die Sodomiter, und mit gräulicher Abgötterei, wie die Samariter, verunreinigt haben, und will die Juden und Heiden durch das Evangelium Christi bekehren und trösten. Solche Predigt voll rechtschaffenen Trostes, soll von den Aposteln erstlich zu Jerusalem hervorgebracht werden, und von dort auch zu den Heiden kommen. [Denn dass Gott nicht nur die Abgöttischen, sondern auch welche mit schändlicher Unzucht sich befleckt, zu Gnaden aufnehme, und von Sünden reinige, wenn sie ernstlich Busse tun, und dem Evangelium Christi glauben, bezeugt klar der Apostel Paulus {1Kor 6}.

Nach Luther: Sodom bedeutet hier Juda, wie Samaria Israel, und redet von dem neuen Bund, da alle Welt zu Christo bekehrt ist.

54. dass du tragen müssest deine Schande und Hohn für alles, das du getan hast, und dennoch ihr getröstet werdet.

55. Und deine Schwester, diese Sodom und ihre Töchter sollen bekehrt werden, wie sie zuvor gewesen sind, und Samaria und ihre Töchter sollen bekehrt werden, wie sie zuvor gewesen sind, dazu du auch und deine Töchter sollst bekehrt werden, wie ihr zuvor gewesen seid.

Bekehrt: Das ist, ihr sollt alle miteinander in die rechte Freiheit wieder eingesetzt werden, welche der Sohn Gottes euch wird zuwege bringen. [Denn die an Christus glauben, werden erlöst von Sünden, Tod, Teufel und Verdammnis {Joh 8 Hebr 2}. Und ist keine Verdammnis an denen, die in Christo Jesu sind, so nicht nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste wandeln {Röm 8}.

56. Und wirst nicht mehr die selbige Sodom, deine Schwester, rühmen wie zur Zeit deines Hochmuts,

Rühmen: Das ist, du wirst der Sodomiter Bosheit nicht heuchlerischerweise aufmotzen, als ob sie allein Sünder gewesen wären, du aber unschuldig wärest, wie du vorzeiten tatest, da du die Heiden aus einem geistlichen Stolz verachtest, als ob sie unrein wären, und triebst großen Pracht mit deiner eigenen Gerechtigkeit, deren du doch keine hattest, wie die Heuchler zu tun pflegen.

57. da deine Bosheit noch nicht entdeckt war, als zur Zeit, da dich die Töchter Syriens und die Töchter der Philister überall schändeten und verachteten dich um und um,

58. da ihr musstet eure Laster und Gräuel tragen, spricht der Herr Herr.

Tragen: Nämlich, dass ihr um euer Laster und Gräuel willen gestraft würdet. Denn es ist vor der Zeit zwischen euch Juden, Syrern, und Philistern nicht allein ein heimlicher Widerwille, sondern auch öffentliche Feindschaft gewesen. Sie die Syrer und Philister verachteten euch, und legten euch alle Schmach an, wenn sie euch um der Sünden willen plagten: So pflegt ihr wiederum die Heiden zu verfluchen, und von ihrem gottlosen Leben schimpflich zu reden, hingegen aber eure Heiligkeit zu rühmen. Aber nach dem geoffenbarten Evangelium Christi werdet ihr viel anders gesinnt sein. Denn welche unter euch an Christus glauben werden, die werden den Heiden nicht mehr übel nachreden, noch sie scheuen, sondern die Bekehrten unter ihnen herzlich lieben, und ihre vorige Sünden nicht aufmotzen, sondern dieselben viel mehr aus christlicher Liebe zudecken. [Denn wir sollen anderer Übeltaten, da sie sich bekehrt haben, nicht ausschreien, sondern viel mehr gottseliglich verbergen, sie für Mitbrüder erkennen, und herzlich lieben).

59. Denn also spricht der Herr Herr: Ich will dir tun, wie du getan hast, dass du den Eid verachtest und brichst den Bund.

Getan hast: Dass ich dich strafen will, nach deinem Verdienst. Denn das babylonische Gefängnis wird vorher gehen, ehe denn Christus öffentlich wird gepredigt werden.

Eid: Damit du mir angelobt hast, dass du mir wolltest gehorsam sein.

Brichst: In dem du meine Gebote, und die von mir eingesetzten Gottesdienste verachtest und verlässt, darum will ich dich mit der Babylonischen Gefangenschaft strafen. [Denn es legt Gott auch denen bisweilen zeitliche Strafen auf, die er wieder zu Gnaden annehmen will, Und straft sie, nicht zwar der Meinung, dass sie dadurch für die begangene Sünden könnten genug tun, sondern auf dass sie zukünftig desto behutsamer sind, und andere durch das Beispiel des göttlichen Ernstes klug, sich vor Sünden hüten).

60. ich will aber denken an meinen Bund, den ich mit dir gemacht habe zur Zeit deiner Jugend, und will mit dir einen ewigen Bund aufrichten.

Jugend: Das ist, später will ich aus Barmherzigkeit mich dahin bewegen lassen, dass ich des Bundes mich wiederum erinnere, den ich vorzeiten mit dir eingegangen bin, da ich dich aus Ägypten führte, und dir das Land Kanaan verhieß, du mir auch wiederum deine Treue und Glauben verpflichtest, dass du mir wolltest gehorsam sein, darum so will ich dich nicht allerdings verstoßen, sondern viel mehr von neuem einen Bund mit dir machen, und ein neues Testament anrichten, dass ich dich um meines Eingeborenen Sohnes willen, wolle zu Gnaden aufnehmen, und zum Erben des ewigen Lebens machen. [Es ist aber das Neue Testament, welches der Sohn Gottes Jesus Christus eingesetzt hat, der rechte Bund, der ewig währt, und darf man auf keinen anderen warten. So wird auch die Kraft dieses Testaments ewig bleiben, und nichts daran geändert werden).

61. Da wirst du an deine Wege denken und dich schämen, wenn du deine großen und kleinen Schwestern zu dir nehmen wirst, die ich dir zu Töchtern geben werde, aber nicht aus deinem Bunde,

Wege: Nämlich, an dein voriges gottloses Leben.

Schämen: Vor dir selbst. [Denn wenn die Frommen ihrer zuvor begangenen Sünde und Übertretungen sich wiederum erinnern, so werden sie bei sich selbst schamrot, und geben Gott die Ehre).

Nehmen wirst: Das ist, wenn du wirst viele Heiden zu dir versammeln, die mit dir das Evangelium Christi annehmen werden. Denn er sagt nicht Schwester, sondern Schwestern, anzuzeigen, dass viel und mancherlei Heiden zum Reich Christi gehören.

Deinem Bund: Das ist, du wirst die bekehrten Heiden herzlich lieben, nicht allein wie Schwestern, sondern auch wie liebe Töchter. Der Bund aber, dessen sie mit dir werden teilhaftig werden, wird nicht das Alte Testament sein, welches vor der Zeit mit dir gemacht wurde, sondern ein neues. [Denn der Alte Bund des israelitischen Volkes verhieß die Seligkeit nur denen, die dem Gesetz Gottes genug taten. Aber das Neue Testament, darin die bekehrten Juden, und Völker, so aus den Heiden versammelt sind, selig werden, verheißt das ewig Leben nicht denen, die mit Werken umgehen, sondern die da glauben an den, der die Gottlosen gerecht macht {Röm 4}. In dem er aber die bekehrten Heiden Töchter nennt, erinnert er die Christen, dass sie einander mit reinem Herzen lieben sollen).

62. sondern will meinen Bund mit dir aufrichten, dass du erfahren sollst, dass ich der Herr sei,

Herr sei: Dein gnädiger Gott und gütiger Vater, der ich mit den Auserwählten nicht handle nach ihrem Verdienst, sondern nach meiner Barmherzigkeit.

63. auf dass du daran denkst, und dich schämst und vor Schanden nicht mehr deinen Mund auftun darfst, wenn ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht der Herr Herr.

Denkst: An dein voriges Leben, das du in Sünden zugebracht hast.

Auftun: Du wirst dich als denn keines deiner Verdienste rühmen dürfen, sondern viel mehr bekennen, du hast die ewige Verdammnis verdient.

Vergeben werde: Nämlich, alle deine Sünden, durch den Glauben an Christus. [Denn die Rechtfertigung aus Gnaden nimmt denen, die ihre Sünden recht erkannt haben, allen Ruhm ihrer Verdienste. Weil wir durch den Glauben gerecht und selig werden, und nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme {Eph 2}.


Das 17. Kapitel


1. Der Prophet bringt ein Rätsel vor, von einem Adler, der den Wipfel von der Zeder aus dem Libanon hinwegführt, und vom Weinstock, der seine Reben ausstreckt zum anderen Adler. v. 1. 2. Darauf die Auslegung des Rätsels folgt, darin des Zedekia Torheit und Meineidigkeit angedeutet wird, dass er treuloserweise vom Könige zu Babel abgefallen war. v. 11. 3. Und wird eine Verheißung hinten angehängt von dem Reich Christi, und desselben Ausbreitung. v. 22.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Gott lässt durch den Propheten mit einem herrlichen Gleichnis anzeigen, wie töricht der König Zedekia getan, dass er des Königs Jojachin Unfall sich nichts bewegen lasse, und dem Könige zu Babel, Nebukad Nezar, nicht Glauben gehalten, sondern sich auf des Königs in Ägypten Hilfe vergebens getröstet, darum werde er zu Babel im Elend sterben müssen. Es braucht aber Gott der Herr ein Gleichnis, auf dass die Lehre seines Wortes den Leuten desto besser eingehe, und desto weniger in Vergessenheit gestellt werde.

2. Du Menschenkind, lege dem Hause Israel ein Rätsel vor und ein Gleichnis

Rätsel: Eine verblümte und dunkle Rede, zur Unterrichtung des israelitischen Volkes.

3. und sprich: So spricht der Herr Herr: Ein großer Adler mit großen Flügeln und langen Fittichen und voll Federn, die bunt waren, kam auf Libanon und nahm den Wipfel von der Zeder

Adler: (Nach Luther) Die Juden zu Jerusalem verspotteten die Propheten, und die Leute, die sich ergeben hatten an den König zu Babel, und hatten sich gen Babel führen lassen. Darum predigt Hesekiel hier, dass gewisslich die übrigen zu Jerusalem auch wegmüssen, die vom Könige zu Babel abgefallen waren, und verließen sich auf der Ägypter Hilfe. Der erste Adler ist der König zu Babel. Der oberste Zweig auf Libanon ist der König Jechanja, der weggeführt wurde. Das Krämerland ist Babel. Der Same, der lose gesetzt ist, ist Zedekia, der Hilfe suchte bei dem König in Ägypten, das ist der andere Adler. Aber es half ihn nichts.

Flügeln: Er hatte gewaltige lange Schwingfedern. Solcher Adler aber war der König zu Babel, dessen Macht und Majestät durch die großen Flügel bedeutet wird.

Zeder: Das ist, der König zu Babel zog gen Jerusalem, welche Stadt vom Holz aus dem Wald Libanon erbaut und geziert war, und führt den König Jojachin daraus gefangen hinweg {2Sam 24}. Als der unter des Königreichs vornehmsten Herren, die der Prophet einem hohen Zedernbaum vergleicht, mit königlicher Majestät hervorging.

4. und brach das oberste Reis ab und führte es ins Krämerland und setzte es in die Kaufmannsstadt.

Kaufmannsstadt: Nämlich, gen Babel, dahin der König Jojachin gebracht wurde, welche Stadt von wegen der Kaufmannschaft sehr berühmt war.

5. Er nahm auch Samen aus demselbigen Lande und säte ihn in dasselbe gute Land, da viel Wassers ist, und setzte es lose hin.

Samen: Nämlich, der König Nebukad Nezar erwählte Zedekia, der vom königlichen Stamm, und des Jojachins Vetter war, und machte ihn zum Könige in Juda.

Gute Land: Welches sehr fruchtbar ist, und wohl Wert, dass man Samen hinein säe.

Lose hin: Nicht fast tief, also dass es, dem Ansehen nach, nicht tief unter sich wurzeln könnte. Denn es könnte Zedekia leicht vom Königreich verstoßen werden, als der des Königs zu Babel Lehenmann und ihm zinsbar war, nach dessen Befehl er das Königreich Juda regieren musste. [Also verringert Gott bisweilen die Macht und Stärke der Leute, auf dass sie in der wahren Gottesfurcht und Demut behalten werden. Aber ihrer viele erkennen ihr Elend nicht, sondern so bald sie ein wenig zu Kräften kommen, überheben sie sich, und haben keine Ruhe, bis sie sich in großes Unglück gestürzt haben, wie des Königs Zedekia Beispiel ausweist).

6. Und es wuchs und wurde ein ausgebreiteter Weinstock und niedriges Stammes; denn seine Reben bogen sich zu ihm, und seine Wurzeln waren unter ihm; und war also ein Weinstock, der Reben kriegte und Zweige.

Unter ihm: Das ist, obwohl der Weinstock ganz zart, dazu nicht tief gepflanzt war, so überkam er dennoch ziemlich tiefe Wurzeln, und ob er wohl niedrig blieb, und nicht fast hoch aufwuchs, so breitet er sich doch weit aus, und bekam große Blätter, die den Weinstock zierten: Das ist, der König Zedekia wurde in kurzer Zeit ziemlich mächtig, und hatte viele Fürsten, die Acht auf ihn gaben, und ihn zu schützen und zu unterstützen begehrten. Jedoch blieb es ein schlechtes niedriges Königreich, weil es dem König zu Babel zinsbar und unterworfen war.

Und Zweige: Hätte also dieser Weinstock ganz wohl geraten können, wenn er es erkennen, und ruhig bleiben wolle. [Denn es hat auch die Dienstbarkeit oft ihren Nutzen. Und ist bisweilen viel besser, in der Dienstbarkeit bleiben, als dass man zur Beschützung und Verteidigung oder Wiedererlangung der Freiheit Leib und Güter miteinander in die Schanze schlage, und in höchste Gefahr setze).

7. Und da war ein anderer großer Adler mit großen Flügeln und vielen Federn; und siehe, der Weinstock hatte Verlangen an seinen Wurzeln zu diesem Adler und streckte seine Reben aus gegen ihn, dass er gewässert würde vom Platz seiner Pflanzen.

Ein anderer: Dieser war der König in Ägypten, der zwar auch mächtig, aber mit dem Könige zu Babel nicht möchte verglichen werden, an den hängte sich der König Zedekia, und rief ihn um Hilfe und Beistand an, wider den König zu Babel, dem er sich begehrte zu widersetzen, und von ihm abzufallen, ungeachtet, dass er sich mit Eidespflichten gegen ihm gebunden hatte, ihm Treue und hold zu sein. Unter dem er auch in guter Ruhe und Frieden hätte können sein Regiment verwalten. [Es werden aber die großen Herren und Potentaten den Adlern verglichen, vieler Ursachen halben. Denn sie nicht allein an Macht und Ansehen über andere sind, gleichwie die Adler unter den Vögeln, sondern sie sollen auch mit einer besonderen Großmütigkeit die Gefahr verachten, und als die ein scharfes Gesicht haben, in Sachen weißliche Vorsehung tun, und was sie recht und wohl beschlossen, schnell ins Werk richten).

Diesem Adler: Dass er mit dem Könige in Ägypten sich begehrte zu verbinden.

Seiner Pflanzen: Das ist, der Weinstock begehrte von dem Wasser aus dem Fluss Nil befeuchtet zu werden, neben welchem die ägyptischen Weinreben standen: Als wollte er sagen, der König Zedekia unterstand sich, mit der Hilfe des Königs in Ägypten wider den König zu Babel zu streiten.

8. Und war doch auf einem guten Boden an viel Wasser gepflanzt, dass er wohl hätte können Zweige bringen, Frucht tragen und ein herrlicher Weinstock werden.

Weinstock werden: Das ist, der König Zedekia hätte der ägyptischen Hilfe wohl nicht bedurft, wenn er in des Königs zu Babel Gehorsam bleiben wollen, und sein Regiment im Frieden zu erhalten begehrt, dabei sein Königreich sehr zugenommen, und mächtig geworden wäre. [Aber etliche lassen sich an den gegenwärtigen Gaben Gottes nicht begnügen, und in dem sie nach mehr und größeren Dingen streben, verlieren sie auch das, was sie vorhin haben).

9. So sprich nun: Also sagt der Herr Herr: Sollte der geraten? Ja, man wird seine Wurzel ausrotten und seine Frucht abreißen, und wird verdorren, dass all seines Gewächses Blätter verdorren werden, und wird nicht geschehen durch großen Arm noch viel Volkes, auf dass man ihn von seinen Wurzeln wegführe.

Sprich: Nämlich, du Prophet zu deinem Volk, das jetzt zu Babel an des Zedekia und der Juden zu Jerusalem kurzer und wegflüchtiger Wohlfahrt stößt und ärgert.

Der geraten: Nämlich, der Weinstock, welcher bei Ägypten wider seine gegebene Treue, und wider das Gebot Gottes, Hilfe und Beistand sucht? Freilich keineswegs.

Großen Arm: Der König zu Babel wird keine große Gewalt dazu bedürfen, dass er des Zedekia Königreich zugrunde richte. [Denn wenn Gott der Menschen Bosheit strafen will, so ist nicht vonnöten, dass man eine große Kriegsmacht sammle. Weil oft auch gewaltige Königreiche ganz liederlich zugrunde gehen).

10. Siehe, er ist zwar gepflanzt, aber sollte er geraten? Ja, sobald ihn der Ostwind rühren wird, wird er verdorren auf dem Platz seines Gewächses.

Gepflanzt: Nämlich, der oben gemeißelte Weinstock, und ist dem Ansehen nach tief eingewurzelt.

Verdorren: Also dass der König zu Babel dem Zedekia gleichsam wie ein rauer Wind sein wird, der die Reben ausdorrt, und wird er sich vor des Königs Gewalt nicht schützen noch aufhalten können. [Denn welche aus Vertrauen auf menschliche Hilfe sich etwas unterstehen, die haben kein Glück).

11. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Jetzt erklärt Gott das vorige Gleichnis selber durch den Propheten.

12. Lieber, sprich zu dem ungehorsamen Hause: Wisst ihr nicht, was das ist? Und sprich: Siehe, es kam der König zu Babel gen Jerusalem und nahm ihren König und ihre Fürsten und führte sie weg zu sich gen Babel

Haus: Zu deinen widerspenstigen Juden, welche es bereuten, dass sie mir gehorsam gewesen, und ins Gefängnis gen Babel gezogen sind.

13. und nahm von dem königlichen Samen und machte einen Bund mit ihm und nahm einen Eid von ihm; aber die Gewaltigen im Lande nahm er weg,

Samen: Nämlich, den Zedekia, der des Jojachins Vetter war.

Eid: Dass er ihm treu und hold sein sollte. Denn der König zu Babel ihm das Königreich Juda zu Lehen geliehen, und hat ihm die Lehenpflicht erstatten lassen.

Weg: Dass er sie gefangen gen Babel führte, weil er hoffte, wenn die vornehmsten Leute nicht mehr im Lande wären, welche mit ihrem Verstand und Erfahrenheit, wie auch Reichtum und Ansehen bei den Juden etwas vermöchten, so wurde sie als denn desto weniger an Abfall denken. [Wenn aber die Untertanen nicht viel mehr mit Gutwilligkeit, als weil sie an Kräften geschwächt sind, unter dem Gehorsam behalten werden, so währt solcher Gehorsam nicht lange).

14. damit das Königreich demütig bliebe und sich nicht erhöbe, auf dass sein Bund gehalten würde und bestünde.

15. Aber derselbe (Same: fiel von ihm ab und sandte seine Botschaft nach Ägypten, dass man ihm Rosse und viel Volkes schicken sollte. Soll es dem geraten? Sollte er davonkommen, der solches tut? Und sollte der, so den Bund bricht, davonkommen?

Von ihm: Nämlich, von dem Könige zu Babel, dass er treulos und meineidig an ihm wurde.

Viel Volkes: Welches er von demselben Könige begehrte, und ums Geld dingte zu Ross und zu Fuß, wider den König zu Babel.

Geraten: Dass dem Zedekia sein Vorhaben glücklich hinaus ging?

Tut: Nämlich, solche großen Übel, dass der wider Gottes Befehl um fremde Hilfe sich bewirbt, und sein Vertrauen darauf setzt?

Bricht: Den er mit dem König zu Babel gemacht hat.

Davon kommen: Freilich, keineswegs. [Denn Gott rächt und straft den Meineid aufs ernstlichste).

16. So wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, an dem Ort des Königs, der ihn zum Könige gesetzt hat, welches Eid er verachtet, und welches Bund er gebrochen hat, da soll er sterben, nämlich zu Babel.

Ort: Da der König zu Babel Hof hält.

Verachtet: Dass er ihm nicht Glauben gehalten hat.

Sterben: Im Gefängnis. [Denn bei Gott ist kein Ansehen der Person, und straft die Könige so wohl, als die Bauern).

17. Auch wird ihm Pharao nicht beistehen im Kriege mit großem Heer und viel Volkes, wenn man die Schütte aufwerfen wird und die Bollwerke bauen, dass viele Leute umgebracht werden.

Nicht beistehen: Wenn nämlich der König zu Babel die Stadt Jerusalem belagern, und einen Schutt und Wall davor aufwerfen wird, damit er die Stadt erobere, und die Einwohner umbringe, so wird der König in Ägypten nicht so viel Kriegsvolk mitbringen, dass er den König zu Babel könnte in die Flucht treiben. Denn obwohl, da die Stadt zum ersten Mal belagert wurde, Pharao mit einem Kriegsheer sich hinzu gemacht, daher es geschehen, dass die Chaldäer eine kurze Zeit wieder zurück gezogen {Jer 37}. Jedoch da sie bald später wieder kamen, und den Handel mit Ernst anfingen, ließ sich Pharao nirgends mehr sehen, sondern setzt von dem Könige Zedekia aus, da er in seinen höchsten Nöten steckte. [Denn welche auf Menschen sich verlassen, die werden zuschanden).

18. Denn weil er den Eid verachtet und den Bund gebrochen hat, darauf er seine Hand gegeben hat, und solches alles tut, wird er nicht davonkommen.

Verachtet: Dadurch er den allerheiligste Namen Gottes entheiligt, und bei den Heiden verlästert gemacht hat.

Hand gegeben: Damit er den Bund und Eid bestätigt, und dem König zu Babel versprochen, dass er ihm wollte treu und hold sein.

Alles tut: Nämlich, alle das Übel, dass er meineidig wurde, Gott verlassen, und seine Hoffnung auf den König Pharao gesetzt hat.

Nicht davon: Sondern muss gestraft werden, wie ein meineidiger und gottloser Mensch verdient hat. [Denn wo Gott zu Strafen gesinnt ist, da hilft keine menschliche Klugheit, Kunst noch Macht, oder irgendetwas anderes dazu).

19. Darum spricht der Herr Herr also: So wahr als ich lebe, so will ich meinen Eid, den er verachtet hat, und meinen Bund, den er gebrochen hat, auf seinen Kopf bringen.

Ich lebe: So wahr ist auch das, was ich jetzt sagen und drohen will.

Eid: Der mit Bezeugung meines Namens bestätigt wurde, er aber denselben mit Wissen und Willen übergangen hat.

Kopf bringen: Dass er seiner Treulosigkeit halben aufs härtest soll gestraft werden. [Ist es deswegen viel besser, dass man der Freiheit in Mangel stehe, oder Unrecht leide, als dass man den allerheiligsten Namen Gottes mit Meinend wollte entheiligen, und lästern).

20. Denn ich will mein Netz über ihn werfen, und muss in meiner Jagd gefangen werden; und will ihn gen Babel bringen und will dort mit ihm rechten über dem, dass er sich also an mir vergriffen hat {Hes 12v13 32v3}

Gefangen werden: Gleichwie man die wilden Tiere ins Netz jagt und fängt. Also will ich ihn zuerst lassen wie ein wildes Tier flüchtig werden und danach den Chaldäern in die Hände geben, dass er ihnen nicht entrinne. [Wenn deswegen Fürsten und vom Adel jagen, und wilde Tiere fangen, sollen sie denken, sofern sie nicht Gott fürchten, werde er sie auch in Gefahr stürzen, dass sie wie die wilden Tiere gefangen, oder auch erwürgt werden).

Rechten: Und mein gerechtes Urteil an ihm vollstrecken, weil er mit seiner Bosheit mich sehr erzürnt hat. [Sollen wir deswegen uns selber nicht kitzeln, wenn wir sündigen, und dennoch anfangs gut Glück haben, wie Zedekia, sondern sollen auf das Ende sehen, welches gewisslich sehr traurig später folgen wird, wo wir nicht ernstliche Busse tun).

21. Und alle seine Flüchtigen, die ihm anhingen, sollen durch das Schwert fallen, und ihre Übrigen sollen in alle Winde zerstreut werden, und sollst es erfahren, dass ich es, der Herr, geredet habe.

Flüchtigen: Die zugleich mit ihm aus der Stadt fliehen werden.

Schwert fallen: Dass sie erwürgt werden, darunter die besonders sein werden, welche ihn zum Abfall bewegt und überredet haben.

Übrigen: Die dem Schwert und Tode dasselbe Mal entgehen werden.

Zerstreut: Dass sie in der Fremde elendiglich hin und wieder werden herumziehen.

Der Herr: Der wahrhaftige Gott, der die Drohungen ebenso wohl ins Werk richtet, als die Verheißungen hält. [Darum sollen wir ihm glauben, wenn er uns droht, auf dass wir es in der Tat mit unserem großen Schaden nicht erfahren müssen).

22. So spricht der Herr Herr: ich will auch von dem Wipfel des hohen Zedernbaums nehmen und oben von seinen Zweigen ein zartes Reis brechen und will es auf einen hohen gehäuften Berg pflanzen,

So] Jetzt wendet sich Gott der Herr von dem irdischen Reich der Juden, welches sollte zerstört werden, hinweg, und fängt an von dem geistlichen Reich Christi zu reden, welches soll angerichtet werden, und ewig währen. Und verheißt den Messias, unter welcher Regierung wir die wahre Glückseligkeit erlangen.

Zartes Reis: Nämlich, meinen eingeborenen Sohn will ich lassen in die Welt kommen, und menschliche Natur an sich nehmen, aus dem königlichen Geschlecht des Stammes Juda, dazu aus des Königs Jojachin, oder Jechanja Nachkommen, von dem wir oben gehört, dass er gen Babel weggeführt wurde. [Und hatte zwar des Herren Christi Person anfangs ein sehr schlechtes, und geringes Ansehen, wie ein schwaches Zweiglein, da er im Stande der Erniedrigung, und in der Knechtsgestalt war. Später aber hat sein geistliches Reich auf dem Berge Zion, das ist, zu Jerusalem, da die Apostel sein Evangelium gepredigt, angefangen zu Wurzeln, und hervorzukommen).

Nach Luther: Den Herren Christus, der ist vom hohen Zedernbaum, das ist, aus Gottes Volk, und vom Stamm David.

23. nämlich auf den hohen Berg Israel will ich es pflanzen, dass es Zweige gewinne und Früchte bringe und ein herrlicher Zedernbaum werde, also dass allerlei Vögel unter ihm wohnen und allerlei Fliegendes unter dem Schatten seiner Zweige bleiben möge.

Früchte bringe: Denn wie weit das Reich Christi ausgebreitet wurde, und wie sehr es zugenommen, da die Apostel durch die Predigt des Evangeliums dasselbe fortgepflanzt haben, bezeugen der Apostel Geschichte, Kirchenhistorien, und die tägliche Erfahrung. [Denn das Evangelium wird nirgends ohne Frucht gepredigt).

Bleiben mögen: Weil sie da einen sicheren Ort zur Nistung und ihre Jungen auszuschleifen haben können. [Denn obwohl die Kirche Christi auf dieser Erde nicht ohne vielfältige Anfechtungen und Trübsal ist, so finden doch die Gläubigen an Christus in seinem Verdienst durch den Glauben Ruhe und Sicherheit, wider die allerschwersten Anfechtungen, wider den Tod und die Hölle, auf dass sie in Trübsal nicht zugrunde gehen. Und wird auch die Kirche in mancherlei Unruhe und Verfolgungen wunderlicher Weise, unter dem Schutz Jesu Christi, der da sitzt zur Rechten des Vaters, erhalten, dass sie dennoch dem Herrn Christo immer junge Vögel ausbrüte, das ist, ihm geistliche Kinder gebären).

24. Und sollen alle Feldbäume erfahren, dass ich, der Herr, den hohen Baum erniedrigt und den niedrigen Baum erhöht habe und den grünen Baum ausgedorrt und den dürren Baum grünend gemacht habe. Ich, der Herr, rede es und tue es auch.

Feldbäume: Das ist, alle fremden Königreiche und Länder.

Herr: Der Gott Himmels und der Erde, in dessen Hand und Gewalt alle Reiche der Erde sind.

Hohen Baum: Nämlich, das irdische Königreich Juda. Will so viel sagen, alle Völker werden sehen, wie ich das in der Höhe schwebende Königreich Juda herunter gestürzt, und Christus, der wie ein dürrer Baum aussah, mit seinem Evangelium in die Höhe wunderlich erhoben habe, auf dass durch die Predigt des Evangeliums sein Reich in der Welt oben schwebe. [Denn es werden alle Königreiche einmal ein Ende nehmen. Aber das Reich Christi wird in alle Ewigkeit dauern. Darum sollen wir Fleiß ankehren, dass wir durch den Glauben dieses glückseligen und ewigen Reiches Bürger sein und bleiben mögen).

Tue es auch: [Denn obwohl die Erfüllung der göttlichen Verheißungen ein Zeit lang aufgeschoben wird, so wird sie doch darum nicht ganz aufgehoben).


Das 18. Kapitel


1. Gott straft den frommen Sohn nicht, um seines Vaters Bosheit willen, sondern welche Seele sündigt, die muss sterben. v. 1. 2. Ja es wird auch der Sünder selbst, wenn er Busse tut, erhalten, gleichwie der Fromme, wenn er in Sünden fällt, darin verdirbt. v. 4. 3. Denn Gott ist gerecht und gnädig, der am Tode des Gottlosen kein Gefallen hat. v. 30.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Weil die Juden zu Jerusalem über die göttlichen Züchtigungen, damit sie zur Buße angetrieben wurden, sehr ungeduldig waren. Und aber ihre Sünden nicht bekennen noch beschuldigen wollten, damit sie solche Strafe verdient hatten, sondern all ihres Unglücks Ursache ihren Voreltern zumaßen, und daraus ein Sprichwort machten, so widerlegt Gott hier solche falsche Meinung, und lehrt sie, wie er mit einem jeden handle, nach seinem eigenen Verdienst. Also dass er zwar die Gottlosen strafe, aber die Bußfertigen zu Gnaden aufnehme.

2. Was treibt ihr unter euch im Lande Israel dies Sprichwort und sprecht: Die Väter haben Heerlinge gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden {Jer 31v29}?

Stumpf geworden: Als wollten sie sprechen, unsere Voreltern haben Gott mit ihren Sünden erzürnt. Wir aber müssen dessen entgelten und dafür büßen. Denn wir werden um der Sünden willen gestraft, die unsere Voreltern begangen haben. Wollten also die Juden ihre eigenen Sünden nicht bekennen, sondern gaben alle Schuld ihren Voreltern, dass es ihnen so übel ging. [Weil der alte Adam also gesinnt und geartet ist, dass er sein Unrecht nicht bekennen will, sondern die Schuld immer auf andere schiebt).

3. So wahr als ich lebe, spricht der Herr Herr, solches Sprichwort soll nicht mehr unter euch gehen in Israel.

Nicht mehr: Denn ich will also mit euch umgehen, dass ihr endlich gezwungen, mir werdet müssen die Ehre geben, und demütig bekennen, wie ich keinen ohne Ursache strafe, der es nicht verschuldet hätte. Und will euch freilich dies Sprichwort erleiden und vertreiben, dass euch keine Liebe dazu geschehen soll.

4. Denn siehe, alle Seelen sind mein; des Vaters Seele ist sowohl mein als des Sohnes Seele. Welche Seele sündigt, die soll sterben.

Sind mein: Alle Menschen sind in meiner Gewalt, so wohl die Väter als die Kinder, darum kann mich keiner mit Gerechtigkeit beschuldigen, dass ich den einen wohl, und den anderen übel halte. Gleichwie der Topf zu seinem Töpfer nicht spricht. Warum machst du mich also? Aber doch brauch ich mich solches meiner Gewalt nicht, dass ich die unschuldigen begehrte zu strafen, sondern ich strafe den, der mich mit seinen Sünden erzürnt hat. [Tut deswegen Gott niemand Unrecht, weil alle Menschen Sünder sind, und ihm auch viel heimliche Sünden der Leute bekannt, davon sie selbst nicht wissen).

5. Wenn nun einer fromm ist, der recht und wohl tut;

Wenn: Als wollte er sprechen, auf dass ihr seht und spürt, wie ich niemand Unrecht tue, so muss ich es euch durch ein Beispiel erklären.

Fromm ist: Dass er durch den Glauben an den Messias gerechtfertigt, und geistlich beschnitten, das ist, durch den Geist Gottes wiedergeboren ist.

Wohl tut: Dass er ein unsträfliches Leben führt.

6. der auf den Bergen nicht isst; der seine Augen nicht aufhebt zu den Götzen des Hauses Israel und seines Nächsten Weib nicht befleckt und liegt nicht bei der Frau in ihrer Krankheit {3Mos 18v19};

Nicht isst: Das ist, wenn er außerhalb dem Tempel zu Jerusalem auf den Bergen, da man abgöttische Kapellen und Altare aufgebaut hat, so von Gott verboten sind, nicht opfert, noch mit den Abgöttischen da wissentlich über der Mahlzeit und beim Wohlleben isst von dem Fleisch, davon ein Teil zum abgöttischen Opfer verbrannt wurde.

Aufhebt: Und sich mit der Abgötterei nicht verunreinigt, die unter den Israeliten im Schwange geht und getrieben wird.

Krankheit: Dass er nicht mit ihr beiliegt, wenn sie ihre monatliche Zeit hat. Denn solches hatte Gott bei Leibesstrafe verboten {3Mos 20}.

7. der niemand beschädigt; der dem Schuldner sein Pfand wiedergibt; der niemand etwas mit Gewalt nimmt; der dem Hungrigen sein Brot mitteilt und den Nackenden kleidet {Ps 15v1};

Wieder gibt: Dass er seines armen Nächsten Pfand ihm nicht vorhält, dessen derselbe zu seiner täglichen Notdurft nicht entbehren kann. Wie davon Gott durch Mose auch geboten hat {5Mos 24}.

Mitteilt: Dass er gegen den Armen und Dürftigen sich wohltätig und willfährig erzeigt.

Kleidet: Denn dergleichen Werke der Liebe fordert Christus von seinen Gläubigen {Mt 25}.

8. der nicht wuchert; der niemand übersetzt; der seine Hand vom Unrechten kehrt; der zwischen den Leuten recht urteilt;

Wuchert: Dass er Geld oder Korn, oder dergleichen etwas auf Wucher ausleiht. [Denn die Wucherer werden das Reich Gottes nicht erlangen {Ps 15}. Ein Wucher aber ist, wenn etwas der Gestalt über die Hauptsumme fordert, dass man die Schuld anmahnt, wenn es dem Gläubiger gefällig ist, es sei gleich dem Schuldiger gelegen oder nicht, sonst ist der Kontrakt nicht unter die Wucher zu zählen, welcher im Römischen Reich von den weltlichen Rechten zugelassen ist, da man, nämlich, von hundert fünfe nimmt und gibt, also dass es bei dem Schuldiger stehe, die Hauptsumme wieder zu zahlen, wenn es ihm möglich ist. Denn solches ist der Gerechtigkeit gemäß, nach welcher Richtschnur alle Gesetze sollen gestellt werden).

Kehrt: Dass er nichts Unrechtes tut, wenn er gleich kann.

Urteilt: Dass er ohne vorher gefasste Meinung und geschöpften Argwohn, und ohne eine besondere Zuneigung zwischen den Parteien urteilt, die ihm ihre Sachen vorbringen.

9. der nach meinen Rechten wandelt und meine Gebote hält, dass er ernstlich danach tue: Das ist ein frommer Mann; der soll das Leben haben, spricht der Herr Herr.

Ernstlich: Und mit der Frömmigkeit keine Heuchelei treibe. [Denn Gott hasst die Heuchler).

Frommer Mann: Nicht zwar um der Werke willen an sich selbst, weil er sie tut, sondern weil er an den Messias glaubt, und seinen Glauben mit guten Werken erzeigt, so wird er für gerecht geschätzt.

Leben haben: Dass er die ewige Seligkeit erlangen soll, und auch in diesem Leben von Gott geschützt und erhalten werden, bis er den Lauf seines Berufes vollbracht hat, und als denn ins himmlische Leben versetzt werde. [Es werden aber die oben erzählten Laster nicht darum namhaft gemacht, als ob das die Sünden alle wären, damit sich ein Mensch an Gott versündigen könnte, sondern weil zur selben Zeit die Juden mit denselben besonders behaftet waren. Gleichwie auch die guten Werke nicht darum gesetzt werden, dass solche nur allein von einem frommen Menschen gefordert würden, sondern weil sie bei den Juden damals am wenigsten gespürt wurden. Demnach aber kein Mensch weder die hier gesetzten noch anderen Werke des Gesetzes vollkommen leisten kann, so wäre Gott von Rechts wegen auch niemand nichts schuldig. Jedoch wenn wir durch den Glauben an den Messias gerechtfertigt wurden, und danach gute Werke tun, so vergilt Gott solche, obwohl unvollkommenen Werke mit zeitlichen und himmlischen Gaben und Guttaten. Denn die Frömmigkeit hat Verheißungen dieses und des zukünftigen Lebens {1Tim 4}. Soll deswegen ein solcher frommer Mensch nicht gestraft werden, wenn er gleich gottlose Eltern hatte. Darum (will Gott sagen) ist es nicht wahr, dass ihr Juden im Sprichwort sagt, als ob eure Väter Heerlinge gegessen hätten, davon euch die Zähne wären stumpf geworden.

10. Wenn er aber einen Sohn bezeugt, und derselbe wird ein Mörder, der Blut vergießt oder dieser Stücke eins tut

Er] Nämlich, ein solcher frommer Vater, wie er in den vorigen Worten beschrieben wurde.

Sohn: Nämlich, einen Bösen und Gottlosen, wie er später beschrieben wird.

Blut vergießt: Dass er unschuldige Leute ums Leben bringt.

Dieser Stücke: Nämlich, der Bösen, wie sie zuvor erzählt wurde.

11. und der anderen Stücke keins nicht tut, sondern isst auf den Bergen und befleckt seines Nächsten Weib,

Anderen Stücke: Nämlich, alle die guten Werke, so zuvor gesetzt wurden, und andere mehr, der wird von Gott ernstlich gestraft werden. Ja, wenn er nur mit einem oder zwei Lastern behaftet ist, so wird er der Strafe nicht entgehen, denn Gott will, dass wir von allen Sünden uns enthalten, und aller guten Werke, die er geboten hat, uns bemühen sollen. Darum dürfen wir unter den guten Werken keine Wahl anstellen, dass wir etliche tun, andere aber aus großer Sicherheit verachten wollten.

12. beschädigt die Armen und Elenden, mit Gewalt etwas nimmt, das Pfand nicht wiedergibt, seine Augen zu den Götzen aufhebt, damit er einen Gräuel begeht,

Begeht: Dass er sich entweder mit schrecklicher Abgötterei, oder auch gräulicher und abscheulicher Unzucht befleckt. Denn solche beiden Stücke nennt die Schrift Gräuel.

13. gibt auf Wucher, übersetzt: Sollte der leben? Er soll nicht leben, sondern weil er solche Gräuel alle getan hat, soll er des Todes sterben; sein Blut soll auf ihm sein {3Mos 20v9}.

Leben?: Meinst du, dass ich einem solchen lasterhaften Menschen sollte Gutes tun, und ihm das ewige Leben geben, ob er gleich einen gottseligen Vater hatte?

Todes sterben: Dass ich ihm großes Unglück zuschicken will, ihn ums Leben bringen, und zur Hölle verstoßen, und er also für seine Bosheit rechte Strafe empfange.

Ihm sein: Denn er niemand anderes die Schuld wird geben können, als sich selbst. [Dürfen deswegen böse Kinder sich keiner Glückseligkeit oder Wohlfahrt getrösten um ihrer frommen Eltern willen, wenn sie derselben Frömmigkeit nicht nachfolgen).

14. Wo er aber einen Sohn bezeugt, der alle solche Sünde sieht, so sein Vater tut, und sich fürchtet und nicht also tut:

Er] Nämlich, ein solcher gottloser Mensch.

Tut: Dass er seinen Vater nicht folgt in seiner Bosheit, sondern viel mehr in der wahren Furcht Gottes sich mit Fleiß davon enthält.

15. isst nicht auf den Bergen, hebt seine Augen nicht auf zu den Götzen des Hauses Israel, befleckt nicht seines Nächsten Weib,

16. beschädigt niemand, behält das Pfand nicht, nicht mit Gewalt etwas nimmt, teilt sein Brot mit dem Hungrigen und kleidet den Nackenden;

17. der seine Hand vom Unrechten kehrt, keinen Wucher noch Übersatz nimmt, sondern meine Gebote hält und nach meinen Rechten lebt: Der soll nicht sterben um seines Vaters Missetat willen, sondern leben.

Sondern leben: Also, dass ein solcher frommer Mensch nicht in Gefahr seines Lebens oder ewigen Seligkeit kommen wird, um seines Vaters Sünden willen, sondern er wird von Gott erhalten werden. [Dürfen deswegen fromme Kinder sich nicht fürchten, dass sie etwa ihrer Eltern Bosheit entgelten, und darum müssten gestraft werden).

18. Aber sein Vater, der Gewalt und Unrecht geübt und unter seinem Volk getan hat, das nicht taugt, siehe, derselbe soll sterben um seiner Missetat willen.

Nicht taugt: Dass er Gott beleidigt, und seinen Nächsten beschädigt und geärgert hat.

19. So sprecht ihr: Warum soll denn ein Sohn nicht tragen seines Vaters Missetat? Darum, dass er recht und wohl getan und alle meine Rechte gehalten und getan hat, soll er leben {5Mos 24v16 2Sam 14v6 2Chr 25v4 Jer 31v30}.

Warum: Als wolltet ihr sprechen, Wie sollte Gott nicht der Väter Missetat an den Kindern strafen. Da er es doch selbst gesagt hat, dass er der Väter Missetat heimsuchen wolle an den Kindern, bis ins dritte und vierte Glied {2Mos 20}? Ist wahr. Es redet aber Gott am selben Ort nicht von den frommen, sondern von den gottlosen Kindern, welche ihrer Eltern Bosheit folgen, darum setzt auch Gott die Worte hinzu, dass er spricht, deren die mich hassen. Wenn deswegen der Sohn fromm ist, dass er Gott nicht hasst, sondern liebt, der wird seines Vaters Missetat nicht tragen.

Getan: So viel in dieser des Fleisches Schwachheit geschehen können.

Leben: Dass ihn Gott erhalten und beschützen wird, so lange er auf Erde leben soll, und später die himmlische und ewige Freude erlangen.

Seele: Welcher Mensch gottlos ist, und übel tun wird, der soll auch seine Strafe darum leiden.

20. Denn welche Seele sündigt, die soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen die Missetat des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Missetat des Sohnes, sondern des Gerechten Gerechtigkeit soll über ihm sein, und des Ungerechten Ungerechtigkeit soll über ihm sein.

Über ihm: Der Fromme wird seiner Frömmigkeit genießen, und der Gottlose wird seiner Bosheit entgelten. [Sollen deswegen die Kinder nicht gestraft werden um der Eltern willen, noch die Eltern um der Kinder willen, sondern es soll ein jeder empfangen, nach dem er recht oder unrecht gehandelt hat).

21. Wo sich aber der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Rechte, und tut recht und wohl, so soll er leben und nicht sterben.

Bekehrt: Dass er von seinem gottlosen Wesen absteht. Denn es hätte jemand fragen mögen, wie es denen denn ergehen werde, die zwar schwer gesündigt, aber dennoch darüber herzlich Reue und Leid trügen, ob die auch Verzeihung und Nachlassung der Strafe empfangen könnten? Denen gibt der Prophet oder viel mehr der Herr durch den Propheten hier Antwort.

Nicht sterben: Sondern zum ewigen und himmlischen Leben erhalten werden. [Es wird aber von uns begehrt, dass wir uns aller Sünde äußeren, und alle Gebote Gottes halten sollen, nicht dass jemand einen vollkommenen Gehorsam des Gesetzes in diesem Leben leisten könne, sondern, dass wir uns dabei zu erinnern haben, wie dass keine rechte wahre Buße sei, da wir nur von etlichen Sünden abstehen, aber nicht alle begehren zu meiden. Als zum Beispiel, wenn jemand der Hurerei nachgehängt, und später zwar davon sich enthält, daneben aber sich auf den Geiz legt, der tut nicht wahre Buße. Wer aber von allen Sünden mit Ernst abzustehen begehrt, und sein Leben nach dem Willen Gottes anzurichten, setzt auch sein Vertrauen auf den Mittler Christus, der tut rechtschaffene Buße, ob er wohl bisweilen aus Schwachheit des Fleisches strauchelt).

22. Es soll aller seiner Übertretung, so er begangen hat, nicht gedacht werden, sondern soll leben um der Gerechtigkeit willen, die er tut.

Nicht gedacht: [Werden deswegen denen, die Busse tun, und an Christus glauben, die Sünden also verziehen, als ob sie nie geschehen wären).

Tut: Das ist, weil er Busse tut, soll er erhalten werden.

23. meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht der Herr Herr, und nicht vielmehr, dass er sich bekehre von seinem Wesen und lebe {Hes 33v11 2Petr 3v9}?

Und lebe: Dass er zum ewigen Leben erhalten werde. [Ist deswegen Gott die Schuld nicht zuzumessen, dass die Gottlosen verdammt werden, weil er an ihrem Verderben kein Gefallen hat).

24. Und wo sich der Gerechte kehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Böses und lebt nach allen Gräueln, die ein Gottloser tut, sollte der leben? Ja, aller seiner Gerechtigkeit, die er getan hat, soll nicht gedacht werden, sondern in seiner Übertretung und Sünden, die er getan hat, soll er sterben {Hes 3v20 33v12 v13}.

Tut Böses: Dass er die Frömmigkeit hinten setzt, und ein gottloses Leben führt.

Leben: Sollte er darum erhalten werden, Glück haben, und selig werden, weil er vorzeiten fromm gewesen? Als wollte er sprechen, freilich keines Weges.

Nicht gedacht: Es wird alle seine vorige Frömmigkeit in Vergess gestellt werden.

Sterben: Um seiner Bosheit und Sünden willen, wird er verdammt werden. [Darum muss man im wahren Glauben, und in der Gottseligkeit bis ans Ende beharren. Denn wer bis ans Ende beharrt, der wird selig werden {Mt 24}.

25. Noch sprecht ihr: Der Herr handelt nicht recht. So hört nun, ihr vom Hause Israel: Ist es nicht also, dass ich recht habe und ihr Unrecht habt {Hes 33v20}?

Nicht recht: Ihr wollt mich tadeln, und beschuldigt mich der Ungerechtigkeit, als ob ich die Unschuldigen strafte. [Denn die menschliche Vernunft pflegt Gottes Gerichte immer zu tadeln, und Unrecht zu schelten).

Recht habe: Ich bin gerecht in allen meinen Werken. Ihr aber seid Ungerechte und Gottlose. Ich regiere alles recht, ihr aber handelt unrecht und böslich. [Sollen wir deswegen lernen Gott das Lob der Gerechtigkeit geben, und viel mehr uns selbst, als unseren frommen, gerechten und gütigen Gott beschuldigen).

26. Denn wenn der Gerechte sich kehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Böses, so muss er sterben; er muss aber um seiner Bosheit willen, die er getan hat, sterben.

Bosheit willen: Darum geschieht ihm nicht Unrecht, warum wollten wir denn Gottes Werke tadeln?

27. Wiederum, wenn sich der Gottlose kehrt von seiner Ungerechtigkeit, die er getan hat, und tut nun recht und wohl, der wird seine Seele lebendig behalten.

Behalten: Dass er nicht umkommen wird. [Denn Gott verzeiht den bußfertigen Sündern, und wendet auch die zeitlichen Strafen ab, oder lindert sie doch).

28. Denn weil er sieht und bekehrt sich von aller seiner Bosheit, die er getan hat, so soll er leben und nicht sterben.

Sieht: Dass er es erkennt, wie er Unrecht und übel getan habe.

29. Noch sprechen die vom Hause Israel: Der Herr handelt nicht recht. Sollte ich Unrecht haben? Ihr vom Hause Israel habt Unrecht.

30. Darum will ich euch richten, ihr vom Hause Israel, einen jeglichen nach seinem Wesen, spricht der Herr Herr. Darum so bekehrt euch von aller eurer Übertretung, auf dass ihr nicht fallen müsst um der Missetat willen.

Wesen: Ich will mit ihm umgehen, wie er verdient hat.

Nicht fallen: Dass ihr von wegen eurer Sünden nicht umkommt, und zugrunde geht. [Denn Gott verzeiht denen, die wahrhaftig Busse tun).

31. Werft von euch alle eure Übertretung, damit ihr übertreten habt, und macht euch ein neues Herz und neuen Geist. Denn warum willst du also sterben, du Haus Israel?

Werft: Enthaltet euch weiter von Sünden, damit ihr euch bisher besudelt habt.

Neues Herz: Schlieft in einer anderen Haut, und werdet neue Leute. [Obwohl nun Gott uns heißt ein neues Herz machen, so folgt doch darum nicht daraus, dass wir solches für uns selbst tun könnten. Daher David bittet, schaffe in mir Gott ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist {Ps 51}. In dem aber uns Gott heißt unser Herz zu erneuern, so gibt er auch zugleich eben dasselbe durch das Predigtamt seines göttlichen Wortes, was er von uns fordert).

Also sterben: Warum wollte ihr verdammt sein, da ihr doch wohl könntet selig werden, wenn ihr nur wolltet Busse tun?

32. Denn ich habe keinen Gefallen am Tode des Sterbenden, spricht der Herr Herr. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben! {Hes 18v23 33v11}

Leben: Und selig werden. [Denn das Gesetz Gottes droht den Sündern den Tod und das Verderben, nicht der Meinung, dass sie sollten darum verzagen, sondern dass sie sollen Busse tun, und selig werden).


Das 19. Kapitel


1. Ist eine verblümte Wehklage, dadurch etlicher Könige in Juda Jammer und Elend beklagt wird, als 1. Des Königs Joahas, den der König in Ägypten gefangen weggeführt. v. 1. 2. Danach des Jojakims, dem der König zu Babel ebenmäßig mitgefahren. v. 5. 3. Darauf wird das Zedekia Gefängnis verkündigt, nach welchem kein anderer König mehr in Juda sein werde. v. 10.

1. Du aber mache eine Wehklage über die Fürsten Israels

Du aber: Gott erzählt mit einer verblümten Rede das Unglück, welches über die Regenten des Königreichs Inda zum Teil bereits ergangen war, zum Teil noch ergehen soll.

Wehklage: Beweine mit einer wohl gestellten Rede der Könige in Juda Unfall.

2. und sprich: Warum liegt deine Mutter, die Löwin, unter den Löwinnen und erzieht ihre Jungen unter den jungen Löwen?

Löwinnen: Als wollte er sprechen: Ach des elenden jüdischen Regiments, welches wie eine Löwin über ihre Jungen liegt, und sie vergebens mit großer Sorgfältigkeit aufzieht, da sie doch nichts taugen.

3. Derselben eins zog sie auf, und wurde ein junger Löwe daraus; der gewöhnte sich, die Leute zu reißen und fressen.

Nach Luther: Der junge Löwe bedeutet, Joahas, den König Juda, den der König von Ägypten hatte weggeführt.

Löwe daraus: Dem sie das Regiment zustellte und übergab.

Reißen: Denn Joahas der König Juda hat tyrannisch und grausam in vielen Sachen gehandelt. [Werden also auch im Volk Gottes viel und größere Ärgernisse gespürt).

4. Da das die Heiden von ihm hörten, fingen sie ihn in ihren Gruben und führten ihn an Ketten nach Ägyptenland.

Hörten: Wie gräulich er wieder seine Untertanen und Nachbarn wütete.

Gruben: Denn man pflegte die grausamen und großen wilden Tiere bisweilen in dazu gemachten Gruben zu fangen.

Ägyptenland: Dahin denn der König Joahas vom Könige in Ägypten gefangen geführt wurde. [Denn Gott straft der Tyrannen Grausamkeit mit Gefängnis, oder aber dass sie keines rechten Todes sterben).

5. Da nun die Mutter sah, dass ihre Hoffnung verloren war, da sie lange gehofft hatte, nahm sie ein anderes aus ihren Jungen und machte einen jungen Löwen daraus.

Mutter: Nämlich, das jüdische Regiment.

Verloren: Weil der ins Elend war gefangen weggeführt worden, von dem sie viele guten Dinge gehofft hatten.

anders: (Nach Luther) Dies bedeutet Jojakim den König Juda, den Nebukad Nezar gefangen hatte.

6. Da der unter den Löwinnen wandelte, wurde er ein junger Löwe; der gewöhnte auch, die Leute zu reißen und fressen.

Unter den Löwinnen: Unter den königlichen Kindern.

wurde er: Das ist, er überkam die höchste Gewalt und die königliche Würde im Volk Gottes. Es wird aber mit diesen Worten auf den König Jojakim gedeutet.

Und fressen: Das ist, er übte auch Tyrannei und trieb großen Mutwillen. [Denn es geschieht selten, dass in den Regimentern auf böse bessere folgen, und benutzen wenige Monarchen ihre Gewalt recht und wohl. Ja, da sie durch anderer Schaden sollten klug werden, so tun sie es ihnen in der Bosheit oft nach, wo sie es anders nicht ärger machen als die vorigen, darum sie auch endlich darüber gleicher Weise zugrunde gehen).

7. Er lernte ihre Witwen kennen und verwüstete ihre Städte, dass das Land, und was darin ist, vor der Stimme seines Brüllens sich entsetzte.

Witwen: (Nach Luther) Die keinen Schutz haben, und darum sich leiden und schinden lassen müssen.

Kennen: Das ist, er unterdrückte die armen und verlassenen Leute im Lande, die niemand schützte.

Seines Brüllens: Das ist, für seine Tyrannei. [Es werden aber die Könige und Fürsten den Löwen verglichen, von wegen ihrer Großmütigkeit, Kühnheit, Majestät, und Gewalt, derer doch ihrer viel missbrauchen).

8. Da legten sich die Heiden aus allen Ländern ringsumher und warfen ein Netz über ihn und fingen ihn in ihren Gruben

Heiden: Die dem Könige zu Babel halfen.

9. und stießen ihn gebunden in ein Gatter und führten ihn zum Könige zu Babel; und man ließ ihn verwahren, dass seine Stimme nicht mehr gehört würde auf den Bergen Israels.

Nicht mehr: Und also seiner Tyrannei ein Ende gemacht würde, die er im Königreich Juda getrieben hatte. [Denn Gott lässt bisweilen in kurzer Zeit viel Beispiele der Strafe an den Gottlosen sehen, auf dass, wenn die übrigen durch das erste Beispiel sich nicht bewegen lassen, dennoch am anderen, oder auch dritten den Zorn Gottes spüren, sich bekehren, und erhalten werden).

10. Deine Mutter war wie ein Weinstock, gleichwie du, am Wasser gepflanzt, und ihre Frucht und Reben wuchsen von dem großen Wasser,

Deine Mutter: Das ist, dein Vaterland, das Königreich Juda, und die Stadt Jerusalem: O König Jojakim.

Am Wasser: An einem wässerigen, feuchten, und fruchtbarem Ort. Will so viel sagen, Gott hat die Stadt Jerusalem dein Vaterland, gesegnet, dass viele Jahre nach einander das königliche Geblüt oder Geschlecht vom Stamm Juda darin regiert hat, daher du, König Jojakim, deine Herkunft hast.

11. dass seine Reben so stark wurden, dass sie zu Herrenzeptern gut waren, und wurde hoch unter den Reben. Und da man sah, dass er so hoch und viele Reben hatte,

Gut waren: Das ist, die Bürger zu Jerusalem sind so hoch erhöht und zu Ehren erhoben worden, dass man daraus auch Könige im Stamm Juda genommen hat.

So hoch: Dass er sich seiner Hoheit überhob, und stolz wurde. [Wenn aber die Könige und Fürsten übermütig werden, so ist ihr Untergang am allernächsten, wie denn gleich später gesagt wird).

12. wurde er im Grimm zu Boden gerissen und verworfen; der Ostwind verdorrte seine Frucht, und seine starken Reben wurden zerbrochen, dass sie verdorrten und verbrannt wurde.

Gerissen: Dass er vom Regiment verstoßen, der königlichen Würde beraubt, und in der Chaldäer Land für ein Fußtuch gehalten wurde.

Ostwind: Nämlich, der König zu Babel Nebukad Nezar, machte des Königs Jojakim Gewalt ganz und gar zunichte.

13. Nun aber ist sie gepflanzt in der Wüste, in einem dürren, durstigen Lande,

Sie gepflanzt: Nämlich, die Rebe, welche war der König Zedekia, der in einem geringen Ansehen war, und ein schlechtes Königreich hatte, auch zuletzt ganz und gar verdorrte, weil er keinen von seinem Geschlecht hinter sich verließ, der in Juda König wurde wäre.

Durstigen Lande: Weil es durch die vorigen Kriege sehr verwüstet und verdorben wurde.

14. und ist ein Feuer ausgegangen von ihren starken Reben, das verzehrt ihre Frucht, dass in ihr keine starke Rebe mehr ist zu eines Herrn Zepter. Das ist ein klägliches und jämmerliches Ding.

Verzehrt: Das ist, von wegen des Königs Zedekia Meineidigkeit wird es geschehen, dass die Stadt Jerusalem und das Königreich Juda, gleichsam als von einer erschrecklichen Brunst, werden darauf gehen, und zunichtegemacht werden. Und obwohl hier der Prophet von der Sache redet, als ob sie bereits geschehen wäre, so geschieht doch solches nach prophetischer Art, wie oft gemeldet, von wegen der Erfüllung Gewissheit, und wird auf die bald damals folgende Zerstörung der Stadt Jerusalem und des Königreichs Juda gedeutet.

Jämmerliches Ding: Es ist ein elender Handel, darüber einer richtig seine heißen Tränen vergießen sollte. [Denn wenn man in einem Regiment die göttliche Guttaten und Gaben nicht mit dankbarem Herzen erkennen will, so stürzt Gott die Regenten samt dem Regiment zugrunde).


Das 20. Kapitel


1. Die vornehmsten und ansehnlichsten Juden in dem Gefängnis zu Babel waren zum Propheten gekommen, und hatten einen göttlichen Bericht von ihm begehrt, was es mit ihrer Gefangenschaft für einen Ausgang und Ende nehmen würde. Denn sie hofften nicht anders, als dass sie bald wollten wieder gen Jerusalem kommen, also die falschen Propheten sie vertrösteten. So begehrten sie aber nicht ihr Leben zu bessern, sondern wollten nur einen Trost hören, von ihrer zeitlichen Wohlfahrt, darum will ihnen der Herr nicht antworten. v. 1. 2. Er schilt sie aber heftig durch den Propheten, und hält ihnen ihrer Väter Sünden und Misshandlungen vor, die sie begehrten nach zu tun, um welcher willen sie schwere Strafen würden müssen gewärtig sein, wo sie nicht wollten Busse tun. v. 32. 3. Endlich setzt er einen Trost hinzu, wie sie einmal würden wieder in ihr Vaterland kommen, welches doch besonders vom Evangelium Christi zu verstehen ist. v. 40.

1. Und es begab sich im siebten Jahr, am zehnten Tage des fünften Monden, kamen etliche aus den Ältesten Israels, den Herrn zu fragen, und setzten sich vor mir nieder.

Siebten Jahr: Nämlich, von der Zeit an, da sie (die Juden) mit ihrem Könige Jojachin gen Babel waren geführt worden.

Monden: Der zum Teil in unseren Heumonat, zum Teil im Augustmonat fällt.

Ältesten: Die vor anderen im Ansehen war.

Nieder: Dass sie wollten hören, was ich ihnen für gute Nachrichten würde verkündigen, von ihrer eilenden Wiederkunft ins Land Juda. [Denn es gehen etliche nur darum zur Predigt, dass sie etwas hören mögen, was ihnen wohl zu schlägt, aber was ihnen zu ihrer Seligkeit nützlich und zuträglich sein mag, danach fragen sie wenig).

2. Da geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

3. Du Menschenkind, sage den Ältesten Israels und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Seid ihr kommen, mich zu fragen? So wahr ich lebe, ich will von euch ungefragt sein, spricht der Herr Herr.

Zu fragen: Dass ihr gern hören wolltet, ob ihr bald aus dem Gefängnis wiederum könntet los werden, da doch der größer Teil unter euch noch nie rechtschaffene Buße getan, noch meinen Worten Glauben gegeben hat, begehrt auch noch nicht denselben zu gehorchen?

Ungefragt: Ich will nicht, dass ihr mich dergestalt fragen sollt, wie ihr tut. Denn ich euch ohne das keine angenehmen Sachen werde verkündigen, weil ihr nicht danach fragt, was wahr und heilsam ist, sondern was euren Einbildungen und Begierden wohl gefällt. [Werden deswegen ihrer viel des göttlichen Wortes beraubt, weil sie es aus keinem rechten und gottseligen Eifer begehren zu hören).

4. Aber willst du sie strafen, du Menschenkind, so magst du sie also strafen. Zeige ihnen an die Gräuel ihrer Väter

Strafen: Denn sie sind keines Trostes auf diesmal wert. Aber strafen magst du sie wohl, damit du sie nicht allerdings ohne Antwort von dir lässt.

Ihrer Väter: Erinnere sie, wie böse und gottlos ihre Voreltern gewesen, welcher Bosheit sie, als ihre Kinder und Nachkommen folgen, darum sie auch die Strafen über sich gezogen, in denen sie stecken. [Denn den Unbußfertigen soll man das Gesetz, und den Bußfertigen die Lehre des Evangeliums vortragen).

5. und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Zu der Zeit, da ich Israel erwählte, erhob ich meine Hand zu dem Samen des Hauses Jakob und gab mich ihnen zu erkennen in Ägyptenland. Ja, ich erhob meine Hand zu ihnen und sprach: Ich bin der Herr, euer Gott {2Mos 6v8}.

Erhob: Das ist, da ich die Israeliten annahm, dass sie mein Volk sein sollten, hielt ich mich treulich zu ihnen, und bezeugte mit den herrlichen Wunderzeichen, wie ich für des Patriarchen Jakobs Nachkommen väterliche Sorge trüge.

Zu erkennen: Durch Mose und Aaron, die ich ihnen zuschickte, dass sie ihnen mein Gemüt, und meinen Willen offenbaren sollten.

Zu ihnen: Dass ich sie aus der Dienstbarkeit errettete.

Sprach: Dass ich ihnen, nämlich, durch Mose und Aaron, folgende Worte tröstlich zusprechen ließ.

Euer Gott: Der euch liebt, für euch sorgt, und euch mit zeitlichen und ewigen Gütern überschütten will. [Denn Gott kommt uns mit seiner Gnade zuvor, und sucht uns arme verlorene Schäflein, durch das Predigtamt seines Wortes, ehe wir ihn suchen).

6. Ich erhob aber zur selbigen Zeit meine Hand, dass ich sie führte aus Ägyptenland in ein Land, das ich ihnen versehen hatte, das mit Milch und Honig fließt, ein edles Land vor allen Ländern,

Erhob: (Nach Luther) Das ist, ich beweise mich redlich bei ihnen.

Ägyptenland: Und aus der traurigen Dienstbarkeit.

Fließt: Das ist, in ein lustiges und fruchtbares Land, welches eine rechte Schmalzgrube gewesen. Und ist kein Zweifel, es habe das Land Kanaan an der Güte viele andere Länder übertroffen. Aber heutigen Tages (wie die davon schreiben, so es gesehen) soll es ganz dürr und unfruchtbar sein, dass es sein voriges lustiges Ansehen verloren hat. [Denn von wegen der Einwohner Bosheit, werden die besten Landschaften wüst und öde).

7. und sprach zu ihnen: Ein jeglicher werfe weg die Gräuel vor seinen Augen und verunreinigt euch nicht an den Götzen Ägyptens; denn ich bin der Herr, euer Gott.

Werfe weg: Also, dass ich für solche große Guttaten der Freiheit und des fruchtbaren Landes, zur Dankbarkeit nichts weiteres, von ihnen begehrte, denn dass sie mir allein dienen, und die ägyptische Abgötterei, daran sie sich bisher gehängt, fahren lassen sollten, und aus ihren Augen hinwegtun, damit sie nicht, wenn sie dieselben anschauten, zur geistlichen Hurerei, nämlich, zur Abgötterei bewegt würden, und also einen geistlichen Ehebruch begingen. [Denn gleichwie vorwitzige Leute, wenn sie auf unzüchtige Personen die Augen werfen, davon entzündet werden, und nicht ruhen, bis sie Leib und Seele mit Unzucht beflecken: Also auch, welche zur Abgötterei geneigt sind, und die abgöttischen Bilder ansehen, die werden dadurch gereizt, dass sie Abgötterei zu treiben begehren, daher sie vor Gott viel abscheulicher werden, als wenn sie sich mit der aller schändlichsten Unzucht befleckten).

Euer: Der ich euch zum Volk mir erwählt und aufgenommen habe, begehre euch auch allerlei zeitliche und geistliche Güter mitzuteilen, darum sich es immer gebühren will, dass ihr mich allein ehrt. [Denn weil Gott ihm seine Kirche vertraut hat, kann er keinen neben sich leiden).

8. Sie aber waren mir ungehorsam und wollten mir nicht gehorchen, und warf ihrer keiner weg die Gräuel vor seinen Augen und verließen die Götzen Ägyptens nicht. Da dachte ich meinen Grimm über sie auszuschütten und allen meinen Zorn über sie gehen zu lassen noch in Ägyptenland {2Mos 5v21 6v9}.

Ungehorsam: Eure Väter erzeigten sich ganz undankbar gegen mich.

Keiner weg: [Denn gleichwie die unzüchtigen Personen, wenn sie einmal angebissen, nicht leicht von ihrem unzüchtigen Wesen abzubringen sind. Also werden die Abgöttischen in einem tollen Sinn, und in großer Blindheit dahin gerissen, dass sie die Abgötterei schwer verlassen können, und wollen sich es nicht überreden lassen, dass sie Abgötterei treiben, sondern meinen, sie tun Gott einen angenehmen Dienst, und gefallen sich selber wohl, in ihren abgöttischen Verrichtungen).

Ägyptenland: Wie sie noch darin waren, wurde ich so über sie erzürnt, weil sie der Abgötterei nicht wollten lassen, dass ich mit den Gedanken umginge, ich wollte mein Mütlein an ihnen erkühlen, und ihnen große Trübsal zuschicken. [Denn Gott hätte immer Ursachen übrig genug, die Gottlosen zu strafen).

9. Aber ich ließ es um meines Namens willen, dass er nicht entheiligt würde vor den Heiden, unter denen sie waren, und vor denen ich mich ihnen hatte zu erkennen gegeben, dass ich sie aus Ägyptenland führen wollte.

Gegeben: Als wollte er sprechen, weil es in Ägypten bereits kund und lautbar gemacht wurde, dass ich die Israeliten zu erlösen versprochen, so musste ich mich besorgen, wenn ich sie hätte mit einer harten Strafe angegriffen und heimgesucht, dass die Ägypter daher Anlass genommen, mich zu verlästern, und vorgeben, ich wäre ein solcher Gott, der seinen Dienern zwar viel zusage, aber solches entweder nicht könne, oder nicht wolle halten. Darum ich mit den Israeliten damals nicht gehandelt, wie sie wohl verdient hätten, sondern wie es meines Namens Ehre und Majestät erforderte. [Weil deswegen Gott seines Namens achthaben will, so sollen wir ihn dessen in unserem Gebet oft erinnern, dass er nicht unsere Sünden ansehen, sondern seines Namens Ehre retten wolle und uns den Feinden nicht zur Schmach übergeben).

10. Und da ich sie aus Ägyptenland geführt hatte und in die Wüste gebracht {2Mos 15v26 20v1},

Gebracht: Dass sie also aus der langen und beschwerlichen Dienstbarkeit errettet waren, und nunmehr den Eingang ins gelobte Land zu erwarten hatten.

11. gab ich ihnen meine Gebote und lehrte sie meine Rechte, durch welche lebt der Mensch, der sie hält {3Mos 18v5 5Mos 5v1 30v6 Röm 10v5 Gal 3v12},

Gab ich: Nämlich, in der Wüste Sinai, auf dem Berge Horeb.

Hält: Nämlich, vollkommen, der würde nicht allein in dieser Welt glückselig sein, sondern auch nach diesem Leben die ewige Seligkeit erlangen. [Und ist es unfehlbar gewiss, wenn jemand dem Gesetz Gottes rechtschaffenen und völligem Gehorsam leisten könnte, so würde er dadurch selig. Aber weil wir alle gesündigt haben und des Ruhms vor Gott mangeln, so ist nichts Besseres, denn dass wir unsere Sünden erkennen, und allein durch den Glauben an Christus selig werden {Röm 3}.

12. Ich gab ihnen auch meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen damit sie lernten, dass ich der Herr sei, der sie heiligt {2Mos 16v25 20v8 31v13 5Mos 5v12}.

Heiligt: Das ist, ich habe ihnen geboten, dass sie die Sabbate und andere von mir eingesetzten Feiertage hielten, an denselben mein Wort hörten, und daraus lernten, wie ich sie liebte. Auf dass sie also durch das Wort und die Sakramente im Glauben gestärkt würden, und es gewiss dafür hielten, dass ich sie nicht allein zu Gnaden aufnehme, sondern auch heilige oder wieder gebäre und erneuere zum ewigen Leben. Denn es wurde auf den Sabbaten nicht nur das Gesetz in den öffentlichen Versammlungen gelehrt, sondern man opferte auch. Und waren die Opfer ein Zeichen und Zeugnis der Gnaden Gottes, dass Gott um des Messias willen die Sünden vergeben, und das ewige Leben schenken wollte. [heutigentags haben wir im Neuen Testament ein helleres Wort, und viel herrlichere Sakrament. Denn das Wort des Evangeliums verspricht uns ausdrücklich die Vergebung der Sünden, und das ewig Leben: In der Taufe werden wir zu Kinder Gottes angenommen, und wieder geboren: Im Brauch des Abendmahls werden wir durch den Empfang des Leibes und Blutes Christi der Gnaden Gottes, und der ewigen Seligkeit vergewissert. Für welche großen Guttaten Gottes wir ihm ewig Lob und Dank sagen sollen).

13. Aber das Haus Israel war mir ungehorsam auch in der Wüste und lebten nicht nach meinen Geboten und verachteten meine Rechte, durch welche der Mensch lebt, der sie hält, und entheiligten meine Sabbate sehr. Da gedachte ich meinen Grimm über sie auszuschütten in der Wüste und sie ganz umzubringen {2Mos 16v28 v29 4Mos 14v2}.

Ungehorsam: Dass sie mir übel dankten, für meine großen Guttaten, die ich ihnen erzeigte.

Sehr: Also, dass sie nicht nur mit unheiligen oder gemeinen Werken, und täglichen Geschäften, am Sabbat umgingen, sondern auch die Gottesdienste, welche ich am Sabbat zu treiben befohlen, änderten, und mit Menschensatzungen oder auch anderen falschen Gottesdiensten entheiligten. [Denn das menschliche Geschlecht ist Gott ganz undankbar für seine großen und überschwänglichen Guttaten).

14. Aber ich ließ es um meines Namens willen, auf dass er nicht entheiligt würde vor den Heiden, vor welchen ich sie hatte ausgeführt {4Mos 14v16 5Mos 9v28}.

Nicht entheiligt: Denn sonst die Ägypter hätten mögen sagen, dass ich zwar mich unterfangen hätte, die Israeliten ins Land Kanaan zu bringen, aber solches nicht leisten könne, darum ich sie in der Wüste vertilgt hätte.

15. Und hob auch meine Hand auf wider sie in der Wüste, dass ich sie nicht wollte bringen in das Land, so ich ihnen gegeben hatte, das mit Milch und Honig fließt, ein edles Land vor allen Ländern,

Hand auf: Dass ich meine Macht an ihnen erzeigte. Denn ob ich wohl die Israeliten in der Wüste nicht alle vertilgen wollte, so musste ich dennoch ein Beispiel meines gerechten Zorns an ihnen sehen lassen, von wegen ihrer übermachten Bosheit, auf dass ihre Nachkommen mich fürchten und ehren lernten.

Wüste: Da ihr viel tausend starben. [Denn obwohl Gott den bußfertigen Sündern ihre Sünden verzeiht, dass sie nicht verdammt werden, so schickt er ihnen dennoch oft zeitliche Strafen über den Hals, damit andere von dergleichen Sünden abgeschreckt werden, besonders aber wenn das Verbrechen offenbar und am Tage ist, und der Kirche Gottes großes Ärgernis gibt).

16. darum dass sie meine Rechte verachtet und nach meinen Geboten nicht gelebt und meine Sabbate entheiligt hatten; denn sie wandelten nach den Götzen ihres Herzens.

Ihres Herzen: Das ist, sie hingen mit ihren Herzen an den Götzen und falschen Gottesdiensten der Ägypter. [Welcher Herzen aber mit einem gottlosen Wahn eingenommen sind, die können Gott nicht recht ehren, bis ihre Herzen durch den Glauben gereinigt werden).

17. Aber mein Auge verschonte ihrer, dass ich sie nicht verderbe noch ganz umbrächte in der Wüste.

Verschonte: Ob sie wohl verdient hatten, dass ich sie in Grund vertilgen mögen, so hab ich es ihnen doch diesmal auch übersehen, und sie nicht ganz und gar zunichtegemacht, ob ich wohl an etliche tausenden die vierzig Jahr über, weil sie in der Wüste wandelten, Strafe übte. [Denn Gott ist viel geneigter zur Barmherzigkeit, als zum Zorn. Und sollen wir in dem Stücke unserem himmlischen Vater nachschlagen).

18. Und ich sprach zu ihren Kindern in der Wüste: Ihr sollt nach eurer Väter Geboten nicht leben und ihre Rechte nicht halten und an ihren Götzen euch nicht verunreinigen.

Ihren Kindern: Welcher Eltern ich um der Sünde willen lassen sterben.

Nicht leben: Dass ihr es ihnen wolltet nachtun, und ihren bösen Gebräuchen folgen.

Nicht halten: Was sie in Religionssachen euch gelehrt und unterrichtet haben: Denn sie sind Abgöttische und Götzendiener gewesen. [Also kann man heutigen Tages zu den Katholiken recht sagen: Lebt nicht nach euer Väter Sitten, und folgt ihnen in ihrer verfälschten Religion nicht nach. Aber etliche wollen bei so hellem Licht des Evangeliums viel lieber in ihrer Voreltern Abgötterei stecken bleiben, als dem Worte Gottes beipflichten, und Gott die Ehre geben. Welche verstockte Bosheit Gott ernstlich strafen wird).

19. Denn ich hin der Herr, euer Gott; nach meinen Geboten sollt ihr leben und meine Rechte sollst ihr halten und danach tun {5Mos 4v1 v2}.

Euer Gott: Denn ihr nach seinem euch vorgeschriebenen Worten, und nicht nach euer Väter Satzungen dienen sollt.

20. und meine Sabbate sollt ihr heiligen, dass sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch, damit ihr wisst, dass ich der Herr, euer Gott, bin.

Heiligen: Mit Anhörung und Betrachtung meines Wortes, und Verrichtung der Opfer, dadurch euren Glauben an den Messias zu stärken.

Zeichen: Das ist, auf dass ihr durch die Worte und Sakrament der Opfer erinnert werdet, wie ihr Sünder seid, und dass ich euch um des Messias willen eure Sünden verzeihe, damit ihr weiter mir gehorcht und dient. So freundlich und ganz väterlich hab ich mich gegen eure Voreltern erzeigt. [Denn Gott unterlässt nichts von allem, was zu unserer Seligkeit vonnöten ist).

21. Aber die Kinder waren mir auch ungehorsam, lebten nach meinen Geboten nicht, hielten auch meine Rechte nicht, dass sie danach taten, durch welche der Mensch lebt, der sie hält, und entheiligten meine Sabbate. Da gedachte ich meinen Grimm über sie auszuschütten und all meinen Zorn über sie gehen zu lassen in der Wüste.

22. Ich wandte aber meine Hand und ließ es um meines Namens willen, auf dass er nicht entheiligt würde vor den Heiden, vor welchen ich sie hatte ausgeführt.

Ich wandte: Dass ich nicht mit ihnen handelte nach ihrem Verdienst, sondern hielt mit der Strafe inne. [Welches doch nicht darum gesagt wird, als ob Gott wankelmütig wäre, sondern, dass dadurch angezeigt werde, wie Gott ernstlich über der Menschen Bosheit zürne, und aber doch nach seiner Langmütigkeit mit der Strafe innehalte).

Nicht entheiligt: Ich wollte nicht zulassen, dass die Gottlosen Ägypter, vor denen ich sie mit großer Herrlichkeit hatte ausgeführt, meinen Namen lästern sollten, und sagen, ich hätte mein Volk nicht können ins verheißene Land bringen.

23. Ich hob auch meine Hand auf wider sie in der Wüste, dass ich sie zerstreute unter die Heiden und zerstäubte in die Länder,

Wider sie: Dass ich ihnen aufs ernstlichste drohte, wenn sie würden also fortfahren, sie würden der Strafe nicht entgehen.

24. darum dass sie meine Gebote nicht gehalten und meine Rechte verachtet und meine Sabbate entheiligt hatten und nach den Götzen ihrer Väter sahen.

Sahen: Dass sie dieselben ehrten, ob ich wohl durch Mose und seinen Nachkommen sehr dagegen war, und ihnen widersprach. [Welche aber das himmlische Vaterland nicht mit Ernst suchen, die sind auch nichts Besseres wert, denn dass sie auf der Erde in der Irre herumschweifen).

25. Darum übergab ich sie in die Lehre, so nicht gut ist, und in Rechte, darin sie kein Leben konnten haben,

Nicht gut ist: Also, dass auf der Israeliten Widerspenstigkeit eine Blindheit erfolgte, dadurch sie sich je länger je mehr in größere Irrtümer und abscheuliche Abgötterei stürzten. Denn ich ließ ihnen zu, dass sie einer solchen Religion folgten, davon sie weder ein ruhiges Gewissen, noch die ewige Seligkeit erlangen konnten. Denn welche die Liebe zur Wahrheit nicht annehmen, dass sie selig würden, denen sendet Gott kräftige Irrtümer in der Religion, dass sie nach seinem gerechten Urteil verloren werden {2Thes 2}.

Nach Luther:

Die rechte Lehre Gottes ist Friede, Freude und Leben im Heiligen Geist. Menschen Lehre ist eitel Unfriede, Herzeleid, und der Tod, denn sie lässt dem Gewissen keine Ruhe noch Friede, wie wohl sie groß Ding tun, als viel opfern, auch die liebsten Kinder verbrennen, wie er im Text sagt.

26. und verwarf sie mit ihrem Opfer, da sie alle Erstgeburt durch das Feuer verbrannten, damit ich sie verstörte und sie lernen mussten, dass ich der Herr sei.

Verwarf sie: Dass ich sie als einen Gräuel, von meinem Angesicht verstieß, weil sie mit ihren abgöttischen Opfern so gräulich sich verunreinigt hatten.

Verbrannten: Und ihren Götzen opferten, die sie doch hätten sollen dem Herrn darstellen, und danach von den Priestern wiederum mit Geld lösen {2Mos 22 3Mos 27}.

Lernen mussten: Das ist, sie machten durch ihre Bosheit, dass ich ihnen große Unglücke über den Hals schickte, auf dass sie dadurch dermal eins lernten verstehen, wie ich der wahre Gott wäre, den sie allein hätten ehren sollen. [Denn welche mit dem Worte Gottes sich nicht allein weisen, noch auf den rechten Weg bringen lassen, die werden endlich durch Strafen dahin getrieben, dass sie ihre Sünden erkennen müssen).

27. Darum rede, du Menschenkind, mit dem Hause Israel und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Eure Väter haben mich noch weiter gelästert und getrotzt.

Darum rede: Weil das israelitische Volk viele Jahre lang Sünde mit Sünden gehäuft, so zeige du sie meinem Volk an, auf dass die Israeliten sehen, wie sie ihren Voreltern nichts aufzuheben haben.

Noch weiter: Sie haben sich noch weiter an mir versündigt, und mir viel zu Leid und zu Verdruss getan.

28. Denn da ich sie in das Land gebracht hatte, über welches ich meine Hand aufgehoben hatte, dass ich es ihnen gäbe: Wo sie einen hohen Hügel oder dicken Baum ersahen, dort opferten sie ihre Opfer und brachten dahin ihre feindseligen Gaben und räucherten dort ihren süßen Geruch und gegossen dort ihre Trankopfer.

Feindselige Gaben: Die sie ihren Abgöttern opferten, und mich damit zu Zorn reizten.

29. Ich aber sprach zu ihnen: Was soll doch die Höhe, dahin ihr geht? Und also heißt sie bis auf diesen Tag die Höhe.

Was soll: Was meint ihr doch damit, dass ihr wieder mein ausdrückliches Wort an hohen Orten opfert, zu denen ihr lauft, und lasst unterdes meine Hütte aus der acht, dahin ich euch kommen heißen, wenn ihr opfern wollt.

Also heißt: Das ist, durch diese Gelegenheit ist es geschehen, dass man später die abgöttischen Örter Höhen genannt hat, derer in den Büchern der Könige und in den Propheten oft Meldung geschieht. [Gleichwie aber Gott vorzeiten die Opfer auf den Höhen verworfen, die doch mehrerenteils Gott, und nicht den Abgöttern geschahen, weil solche Gottesdienste ohne Gottes Wort verrichtet wurden: Also verwirft Gott heutigen Tages auch solche Gottesdienste, die im Papsttum ohne Gottes Wort eingesetzt und angerichtet werden, deren etliche dazu dem Worte Gottes ganz und gar zuwider laufen. Und sind die päpstliche Kapelle, so man hin und wieder an den Wegscheiden erbaut, den abgöttischen Höhen der Israeliten so gleich, dass sie nicht wohl gleicher sein können).

30. Darum sprich zum Hause Israel: So spricht der Herr Herr: Ihr verunreinigt euch in dem Wesen eurer Väter und treibt Hurerei mit ihren Gräueln

Ihren Gräueln: Steckt also eben so tief in der Schuld und seid so wohl mit der geistlichen Hurerei, welche da ist die Abgötterei befleckt, als eure Voreltern.

31. und verunreinigt euch an euren Götzen, welchen ihr eure Gaben opfert und eure Söhne und Töchter durch das Feuer verbrannt, bis auf den heutigen Tag; und ich sollte mich euch vom Hause Israel fragen lassen? So wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, ich will von euch ungefragt sein!

Verbrannt: Und sie also den Götzen opfert.

Tag: Denn ihr noch bis auf diesen Stand von der Unreinigkeit der geistlichen Hurerei nicht abgewaschen, noch in euren Herzen gereinigt seid.

Fragen lassen: Dass ihr einen göttlichen Bericht haben könntet, wie es euch zukünftig ergehen werde.

Ungefragt: Weil ihr noch an keine Buße gedenkt, so dürft ihr euch keiner Antwort zu mir versehen. Und sieht man hier, dass auch die Juden zu Babel von den abgöttischen Opfern sich nicht allerdings enthalten haben. [Und will Gott nicht, dass wir die mit seinem Worte trösten, welche noch nicht Busse tun).

32. Dazu, dass ihr gedenkt, wir wollen tun wie die Heiden und wie andere Leute in Ländern, Holz und Stein anbeten, das soll euch fehlen!

Gedenkt: Will so viel sagen, ich weiß, dass etliche unter euch sind, die mit den Gedanken umgehen, wie sie allerdings wollen von mir abfallen, und nehmen sich vor, sie wollen an meiner Gebote keines mehr gebunden sein, sondern frei nach ihrem Wohlgefallen die Götter verehren, welche sie gelüstet, wie die Heiden tun, unter denen sie wohnen. Aber ich will euch mit viel und mancherlei Unglück solche Vorhaben aus dem Sinn schlagen, und nicht so viel Platz oder Zeit lassen, dass ihr solches könntet ins Werk richten.

33. So wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, ich will über euch herrschen mit starker Hand und ausgestrecktem Arm und mit ausgeschüttetem Grimm;

Ich lebe: So wahr ist auch, was ich sagen will.

Herrschen: Ich will meine Macht, und meinen gerechten Zorn an euch sehen lassen, in dem ich eure Bosheit steuern, und euch mit Gewalt wehren will, dass ihr nicht eures Gefallens den Abgöttern der Chaldäer werdet dienen können.

34. und will euch aus den Völkern führen und aus den Ländern, dahin ihr verstreut seid, sammeln mit starker Hand, mit ausgestrecktem Arm und mit ausgeschüttetem Grimm;

Führen: Also, dass ich euch in eurem Elend keine Ruhe lassen will, sondern aus meinem gerechten Zorn, und nach meiner unendlichen Gewalt, will ich euch aus denen Örtern wiederum hinwegtreiben, da ihr ein wenig erwärmt seid.

35. und will euch bringen in die Wüste der Völker und dort mit euch rechten von Angesicht zu Angesicht.

Wüste der Völker: Das ist, ich will euch zu grausamen Völkern bringen, und lassen geführt werden, die in der Wildnis, und an wüsten Örtern wohnen, und will verschaffen, dass ihr nicht so viel Platz und Raum haben könnt, euch recht wiederum zu erholen, damit ihr also der Abgötterei vergesst.

Nach Luther: Auch außer dem Gefängnis zu Babylon.

36. Wie ich mit euren Vätern in der Wüste bei Ägypten gerechtet habe, ebenso will ich auch mit euch rechten, spricht der Herr Herr.

Gerechtet: Und sie, eure gottlosen Voreltern, in der Wüste nach ihrem Verdienst gestraft habe. Also will ich auch euch eurer Bosheit mit der Tat überweisen, und gebührliche Strafe an euch üben, dass ihr darüber zu Spott und Schanden werdet. [Denn wenn Gott die Sünden straft, so werden wir gleichsam vor seinem Richtstuhl gestellt, und hören das Urteil, so über uns ausgesprochen wird im Gewissen, die Vollstreckung aber des Urteils erfahren und empfinden wir in der Tat. Aber wir sollen alsdann von seiner Gerechtigkeit appellieren zu seiner Barmherzigkeit, und aus Vertrauen zu dem Mittler Christo bitten, dass er nicht wolle mit uns handeln nach unseren Sünden, noch uns vergelten nach unserer Missetat).

37. ich will euch wohl unter die Rute bringen und euch in die Bande des Bundes zwingen.

Zwingen: Das ist, ich will euch gleichsam Ketten und Bande anlegen, damit ihr meinen Bund haltet, und will nicht zulassen, dass ihr allerdings von mir abweicht. [Denn wenn die Auserwählten das Wort Gottes eine Zeit lang verachten, und sich damit nicht regieren lassen, so schickt ihnen Gott Kreuz und Unglück über den Hals, damit er ihnen aufzeigt, und dringt sie mit Gewalt dahin, dass sie endlich des Wortes Gottes, welches sie vor der Zeit aus der acht gelassen, sich wiederum erinnern, demselben nachzudenken, ihre Sünden erkennen, rechtschaffene Busse tun, und selig werden. Wir sehen aber uns besser vor, wenn wir viel eher mit Worten, als mit Plagen uns lassen wieder auf den rechten Weg führen).

38. Und will die Abtrünnigen, und so wider mich übertreten, unter euch ausfegen; ja, aus dem Lande, da ihr jetzt wohnt, will ich sie führen und ins Land Israel nicht kommen lassen, dass ihr lernen sollt, ich sei der Herr.

Führen: In ein anderes, und noch viel traurigeres Gefängnis, da sie umkommen sollen.

Lernen sollt: Und in der Tat erfahren, dass ich der einzige wahre Gott bin, der keine Bosheit ungestraft lässt. [Denn welche durch die Züchtigungen Gottes sich nicht bessern wollen, die geraten von einem Unglück ins andere, bis sie endlich mit Leib und Seele zugrunde gehen).

39. Darum, ihr vom Hause Israel, so spricht der Herr Herr: Weil ihr denn mir ja nicht wollt gehorchen, so fahrt hin und diene ein jeglicher seinem Götzen; aber meinen heiligen Namen lasst künftig ungeschändet mit euren Opfern und Götzen!

Fahrt hin: Als wollte er sprechen, weil ihr je meinem Wort nicht folgen wollt, wohlan, so dient euren Götzen, denn ich will euch in einen verkehrten Sinn geben, Aber missbraucht nur nicht meine Namen zu eurer Abgötterei, dass ihr wolltet sagen, ihr tätet mir solchen Gottesdienst, denn ich hab mit euch unbußfertigen und verstockten Götzendienern nichts zu tun. [Welche deswegen zu ihren bösen Begierden und falschem Wahn den Namen Gottes führen, die tun zweifache Sünde. Denn das heißt den heiligen Namen Gottes, dem anderen Gebote zuwider, gräulich missbrauchen).

40. Denn so spricht der Herr Herr: Auf meinem heiligen Berge, auf dem hohen Berge Israel, dort wird mir das ganze Haus Israel und alle, die im Lande sind, dienen; dort werden sie mir angenehm sein, und dort will ich eure Hebeopfer und Erstlinge eurer Opfer fordern mit allem, das ihr mir heiligt.

Denn: Folgt jetzt ein Trost vom Reich Christi.

Hohen Berge: Das ist, in der christlichen Kirche, welche durch die Predigt des Evangeliums in der Welt weit und breit bekannt werden.

Ganze Haus: Nämlich, alle Gläubigen. [Denn die rechten Israeliten sind heutigen Tages nicht die Juden, sondern welche wahrhaftig an Christus glauben {Gal 6}.

Heiligt: Und zum heiligen Gottesdienst anwendet.

41. Ihr werdet mir angenehm sein mit dem süßen Geruch, wenn ich euch aus den Völkern bringen und aus den Ländern sammeln werde, dahin ihr verstreut seid, und werde in euch geheiligt werden vor den Heiden.

Sammeln: Wie wohl nun etliche Israeliten aus dem Gefängnis und Elend wieder heim in ihr Vaterland gekommen sind, und nach dem der Tempel wieder erbaut wurde, darin Gott angenehme Opfer getan haben: So sieht doch Gott mit dieser Verheißung weiter, nämlich, auf das geistliche Reich Christi, wie oft erinnert wurde. [Der Christen Opfer aber sind nicht, dass man Vieh schlachte, noch den Leib und das Blut Christi in der Messe aufopfere, davon Gott nichts geboten, sondern vielmehr die Tötung des alten Adams {Röm 12}. Gebet und Danksagungen, Wohltat gegen die Mitbrüder, und besonders gegen die Armen {Hebr 13 Phil 4}. Wenn solche Opfer aus dem Glauben herkommen, so gefallen sie Gott. Es wird aber Gott mit uns wiederum versöhnt, wenn wir das Opfer Christi, so am Kreuz vollbracht wurde, uns durch den Glauben zueignen {Röm 3 4}.

Heiden: Wenn sie, nämlich, sehen werden, wie ich so ein mächtiger und gütiger Gott bin, in dem ich euch über alles Erhoffen wieder frei mache. [Denn Gottes Majestät und Güte erscheint vornehmlich daraus, wenn er seine Kirche wunderlich rettet und erhält aus ihrem Elend).

42. Und ihr werdet erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich euch ins Land Israel gebracht habe, in das Land, darüber ich meine Hand aufhob, dass ich es euren Vätern gäbe.

Herr bin: Ihr werdet erkennen und bekennen müssen, dass ich der allermächtigste und gütigste Gott bin, der für sein Volk väterliche Sorge trägt.

Gebe: Welches ich auch vorzeiten euren Vätern geleistet habe, und euch zu seiner Zeit auch leisten will. [Wir werden als denn ins Land Israel gebracht, wenn wir durch die Taufe der christlichen Kirche einverleibt werden).

43. dort werdet ihr denken an euer Wesen und an all euer Tun, darin ihr verunreinigt seid, und werdet Missfallen haben über alle eure Bosheit, die ihr getan habt,

Missfallen: Ihr werdet euer voriges gottloses Wesen selber verwerfen und verdammen, und in eurem Gewissen vor euch selbst schämen müssen, und wird euch eure Sünden bereuen, die ihr bisher getan habt. [Denn welche ihre Sünden nicht erkennen wollen, oder wenn sie dieselbe erkannt haben, ihnen nicht missfallen lassen, die tun noch keine wahre Buße).

44. und werdet erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich mit euch tue um meines Namens willen und nicht nach eurem bösen Wesen und schädlichem Tun, du Haus Israel, spricht der Herr Herr.

Herr bin: Der sich gnädig und barmherzig erzeigt gegen allen, die wahrhaftig Busse tun.

Namens willen: Dass derselbe unter den Heiden ausgebreitet und gerühmt werde.

Bösen Wesen: [Denn Gott handelt nicht mit uns nach unseren Sünden {Ps 103}. Und sieht nicht auf unser Verdienst, sondern auf seinen Namen, damit derselbe nicht, wenn wir zugrunde gingen, von den Gottlosen gelästert würde. Darum, wenn uns etwas Gutes widerfährt, so sollen wir es nicht unseren Wohltaten, sondern der Güte Gottes zuschreiben).

45. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Folgt jetzt eine neue Weissagung wider die Juden, so noch zu Jerusalem wohnten.

46. Du Menschenkind, richte dein Angesicht gegen den Südwind zu und träufe gegen den Mittag und weissage wider den Wald im Felde gegen Mittag.

Südwind zu: Wende dich gegen die Stadt Jerusalem, welche von Babel aus zu rechnen, gegen dem Mittage gelegen war, daher der Südwind weht.

Träufe: Das ist, predige oder weissage wider die Stadt Jerusalem, so gegen dem Mittag liegt. [Es benutzen aber die Propheten das Wörtlein träufen, wenn sie von ihren Predigten reden, weil das Wort Gottes den Auserwählten ist, wie ein fruchtbarer Regen, den Verstockten aber ist es wie ein stetiger Tropfen verdrießlich).

Wald: Das ist, wider die Stadt Jerusalem, welche mit dem Holz aus dem Wald Libanon erbaut wurde. [Dass hier einerlei Meinung wiederholt wird, zeigt solches an, wie Gott ernstlich wolle, dass die Sünden durch das Predigtamt des göttlichen Wortes gestraft, und den Sündern das künftige Unglück gedroht werde, ob sie vielleicht Busse tun, und erhalten würden).

47. Und sprich zum Walde gegen Mittag: Höre des Herrn Wort! So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will in dir ein Feuer anzünden, das soll beide, grüne und dürre Bäume, verzehren, dass man seine Flamme nicht wird löschen können, sondern es soll verbrannt werden alles, was vom Mittage gegen Mitternacht steht.

Zum Walde: Weissage wider die Stadt Jerusalem.

Nach Luther: Jerusalem liegt etlichermaßen gegen Mittag von Babel aus. Nun ist Hesekiel zu Babel, und redet von Jerusalem, das nennt er den Wald gegen Mittage.

Höre: Du königliche Stadt: Ohne Zweifel aber sind diese Weissagungen aus Babel gen Jerusalem geschrieben oder verkündigt worden.

Grüne: Das ist, ich will so schreckliche Strafen über Jerusalem ergehen lassen, dass nicht allein die bösen Leute, so nichts Gutes gewirkt, sondern auch die Frommen, welche gute Früchte bringen, werden müssen herhalten. Denn dass dies der rechte Verstand dieser Worte sei, ist aus dem, was danach noch in diesem Kapitel folgen wird, zu lesen ist. [Es lässt aber Gott bisweilen in den gemeinen Landstrafen auch etliche Frommen mit hingerissen werden, dass sie, dem Ansehen nach, mit den Gottlosen umkommen, da doch Gott ihre Seelen zur ewigen Wohlfahrt erhält, und also der alte Adam in ihnen desto eher getötet werde. Wenn aber die Gottlosen solches sehen, sollten sie an den Spruch Christi denken {Lk 23} geschieht das am grünen Holz, was will am dürren werden).

Löschen: [Denn die Strafen, welche von Gott über jemand geschickt werden, kann keine menschliche Klugheit noch Stärke abwenden).

Verbrannt werden: In der Stadt, und im Lande umher, also dass es alles soll verwüstet werden in solchem Unfall, was zum Königreich Juda gehört, soweit es gegen Babel zureichet. [Denn in Kriegsläufen wird all es weit und breit verwüstet. Darum soll man Gott fleißig anrufen und bitten, dass er wolle Friede geben zu unseren Zeiten).

48. Und alles Fleisch soll sehen, dass ich, der Herr, es angezündet habe und niemand löschen möge.

Angezündet: Es soll jedermann erkennen, dass ich solchen Unfall aus gerechtem Urteil kommen lasse. [Denn wir sollen erkennen, dass uns die Strafen von Gott zugeschickt werden, auf dass, wenn wir sein Urteil betrachten, dadurch zur Buße uns bewegen lassen, und also zum wenigsten unsere Seelen erretten mögen, wenn es je um Leib und Gut in dieser Welt sollte geschehen sein).

Löschen möge: Bis die Einwohner, und das Land allerdings davon verzehrt wurden.

49. Und ich sprach: Ach, Herr Herr, sie sagen von mir: Dieser redet eitel verdeckte Worte.

Verdeckte Worte: Sie sprechen, ich gebe ihnen immer Rätsel auf, und lege ihnen Gleichnisse vor, die sie nicht verstehen können. Darum weder die Bürger zu Jerusalem, wenn gleich diese Predigten zu ihnen kommen, noch meine Zuhörer hier zu Babel deinem Worte glauben, Jene zwar, dieweil sie nicht Busse tun, diese aber, dass sie ihr Elend nicht mit Geduld aufnehmen. [Denn es tut frommen Kirchendienern wehe, wenn sie sehen, dass die Zuhörer ihre heilsamen und ernstlichen Vermahnungen in den Wind schlagen. Und die Gottlosen, ob sie wohl merken, dass sie in den Predigten getroffen wurden, dennoch dergleichen tun, als ob sie es nicht verstanden hätten, und fahren ohne Sorge in Sünden immer fort).


Das 21. Kapitel


1. In diesem Kapitel weissagt der Prophet von der Zerstörung der Stadt Jerusalem, und des Königreichs Juda, wie auch von der Ammoniter, als Feinden des Volkes Gottes, Untergang.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, richte dein Angesicht wider Jerusalem und träufe wider die Heiligtümer und weissage wider das Land Israel

Heiligtümer: Predige wider meinen Tempel, der jetzt mit vielfältiger Abgötterei befleckt ist, und wider die Kapelle, die hin und wieder im Königreich Juda, auf den Bergen anderswo wider meinen Befehl aufgerichtet wurde. [Und wird dem Propheten insbesondere befohlen, dass er wider die Heiligtümer weissagen soll, weil unter allen Sünden, die Verfälschungen in der Religion Gott dem Herrn am meisten zuwider sind, die er auch mit Verwüstung der Länder und Königreiche straft).

3. und sprich zum Lande Israel: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will an dich; ich will mein Schwert aus der Scheide ziehen und will in dir ausrotten beide, Gerechte und Ungerechte.

Zum Lande: Nämlich, zu denen, die noch übrig sind im Königreich Juda.

An dich: Ich will mich rüsten, dich zu strafen.

Ziehen: Dass ich mich zur Rache gefasst mache.

Ausrotten: Durch Pestilenz, Hunger und Krieg.

Beide Gerechte: Denn ich die zeitliche Strafe ohne Unterschied über Böse und Fromme will ergehen lassen. [So ist zuvor angezeigt worden, dass auch die Frommen bisweilen eines allgemeinen Unfalls entgelten müssen. Die doch mitten im Tode zum ewigen Leben erhalten werden, die Gottlosen aber werden durch solche Zustände nur desto mehr geblendet und verstockt, weil sie sehen, dass auch die Frommen sehr geplagt werden: Sie werden aber aus gerechtem Urteil Gottes geblendet, weil sie dem Worte Gottes nicht glauben wollen, darum sie auch von den künftigen Zufällen nichts Gewisses schließen können).

4. Weil ich denn in dir beide, Gerechte und Ungerechte, ausrotte, so wird mein Schwert aus der Scheide fahren über alles Fleisch vom Mittage her bis gen Mitternacht.

Alles Fleisch: Will so viel sagen, weil ich in der Stadt Jerusalem zugleich den Gerechten und Gottlosen umbringen werde, so werde ich der anderen Örter im Königreich Juda viel weniger verschonen, sondern hin und wieder mit der Verwüstung fortfahren, von der Stadt Jerusalem an, die dem Königreich Babel gegen Mittagwerts liegt, bis an die Grenzen des Königreichs Babel: Auf dass jedermann merke und verstehe, wie ich so ganz über die Sünden meines Volkes erbittert bin, dass ich nicht ablassen will, bis ich meinem gerechten Zorn gestillt habe. [Denn wenn die Langmütigkeit Gottes eine gute Zeit verachtet wird, so fallen endlich die Strafen mit Haufen herein, dass weder Ende noch aufhören mehr da ist).

5. Und soll alles Fleisch erfahren, dass ich, der Herr, mein Schwert hab‘ aus seiner Scheide gezogen; und soll nicht wieder eingesteckt werden.

6. Und du, Menschenkind, sollst seufzen, bis dir die Lenden wehtun; ja, bitterlich sollst du seufzen, dass sie es sehen.

Seufzen: Gehab dich sehr übel, gleichwie die Weiber in Kindesnöten, welche großen Schmerzen in ihren Lenden empfinden, und stelle dich also, wie die zu tun pflegen, welche von Herzen sehr betrübt und bekümmert sind. Auf dass dadurch das herzunahende Unglück, so über die Stadt Jerusalem ergehen wird, deinen Zuhörern desto besser eingebildet werde.

7. Und wenn sie zu dir sagen werden: Warum seufzt du? Sollst du sagen: Um des Geschreies willen, das da kommt, vor welchem alle Herzen verzagen und alle Hände sinken, aller Mut fallen, und alle Knie wie Wasser gehen werden. Siehe, es kommt und wird geschehen, spricht der Herr Herr.

Seufzt du: Warum bist du so ängstlich und betrübt?

Geschreies: Um der bösen Nachricht willen, von des Königs zu Babel großer Kriegsrüstung wider die Stadt Jerusalem.

Gehen werden: Es wird weder Mut noch Stärke bei den Bürgern zu Jerusalem gespürt werden. Darum ob sie wohl ein Zeit lang die Belagerung mit großer Mühe aufhalten werden, so wird doch endlich die Stadt mit den Einwohnern in der Feinde Hand kommen. [Denn welche Gott zu strafen willens ist, denen nimmt er den Mut, dass ihre vorige Grausamkeit in ein Schrecken und Zittern verändert wird).

Geschehen: Es wird das Unglück, welches ich jetzt zuvor verkündige, gewisslich kommen und nicht ausbleiben, weil es Gott droht. [Denn lange geborgt ist nicht geschenkt, und gehen die göttlichen Drohungen nicht vergebens ab).

8. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

9. Du Menschenkind, weissage und sprich: So spricht der Herr: Sprich: Das Schwert, ja, das Schwert ist geschärft und gefegt.

Weissage: Von dem Unglück der Stadt Jerusalem und des jüdischen Landes.

Schwert: Damit Gott der Herr das jüdische Volk aufs härteste strafen wird.

10. Es ist geschärft, dass es schlachten soll; es ist gefegt, dass es blinken soll. O wie froh wollten wir sein, wenn er gleich alle Bäume zu Ruten machte über die bösen Kinder!

Blinken: Und gleichwie ein Blitz schrecken soll, die es sehen werden.

Nach Luther: Er droht je, die Strafe werde nicht eine Kinderstrafe sein, da Besserung nachfolge, sondern es werde eitel Zorn und gar aus sein. Darum wünscht er wohl, dass eine scharfe Rute wäre, ja dass alle Bäume zu Ruten gemacht wären, so doch, dass nicht eitel Zorn wäre. Aber er spricht später, Gott hab es oft versucht mit der Rute, aber es habe nicht geholfen, darum müsse nun das Schwert kommen.

Bösen Kinder: [Denn die Unbußfertigen verachten die väterlichen Züchtigungen Gottes aus großer Sicherheit, später aber, wenn anstatt der Ruten oder Gerten des Feindes Schwert daherkommt, so wollten sie gern wiederum die vorigen Strafen haben. Aber solch ihr Wünschen ist vergebens, und können nichts mehr erhalten, weil ihnen ohne das auch ihre Sünden noch nicht leid sind, sondern nur die Strafen der Sünden hassen, der sie gern wollten überhoben sein).

11. Aber er hat ein Schwert zu fegen gegeben, dass man es fassen soll; es ist geschärft und gefegt, dass man es dem Totschläger in die Hand gebe.

12. Schreie und heule, du Menschenkind; denn es geht über mein Volk und über alle Regenten in Israel, die zum Schwert samt meinem Volk versammelt sind. Darum schlage auf deine Lenden {Jer 31v19}:

Es geht: Nämlich, das Schwert des Feindes, als ein Instrument und Werkzeug des göttlichen Zorns.

Versammelt: Dass sie miteinander gestraft werden. [Denn bei Gott ist kein Ansehen der Person).

Schlage: Wie die zu tun pflegen, welche sehr ängstlich und in großen Nöten sind. [Denn man soll ein Mitleiden mit denen haben, über welche ein großes Unglück ergeht, und Gott bitten, dass er doch wolle zum wenigsten die armen Seelen erhalten, wenn er jener Leiber nicht mehr schonen wolle).

13. Denn er hat sie oft gezüchtigt; was hat es geholfen? Es will der bösen Kinder Rute nicht helfen, spricht der Herr Herr.

Nicht helfen: [Denn Gott versucht es zuerst mit einer gelinden Strafe, wenn er aber damit nichts ausrichtet, so gebraucht er herbere Mittel).

14. Und du, Menschenkind, weissage und schlage deine Hände zusammen. Denn das Schwert wird zweifach, ja dreifach kommen, ein Würgeschwert, ein Schwert großer Schlacht, das sie auch treffen wird in den Kammern, da sie hinfliehen {Hes 6v11}.

Weissage: Von dem Untergang der Stadt Jerusalem.

Fliehen: Das ist, das Schwert wird viel gräulicher wüten, als jemand meinen möchte, dass ihrer viel werden umkommen, und großer Totschlag geschehen, also, dass auch die dem Schwert nicht entgehen werden, welche sich in die allergeheimsten Örter meinen zu verbergen. [Denn welche den Zorn Gottes, ohne wahre Buße begehren zu entrinnen, die können solches mit keiner Geschwindigkeit oder Vorteil zuwege bringen).

15. ich will das Schwert lassen klingen, dass die Herzen verzagen und viele fallen sollen an allen ihren Toren. Ach, wie glänzt es und haut daher zur Schlacht!

Fallen: Dass sie sollen erschlagen werden, und umkommen.

Glänzt: Dass es wohl auspoliert, und scharf gewetzt ist, damit es würgen und umbringen könne.

16. Und sprechen: Haue hinein, beide, zur Rechten und Linken, was vor dir ist!

Sprechen: Nämlich, die Feinde, dass sie einander annahmen, und zusprechen werden, und sich selbst ein Herz machen, das Schwert tapfer zu benutzen.

17. Da will ich dann mit meinen Händen darauf frohlocken und meinen Zorn gehen lassen. Ich, der Herr, hab es gesagt {5Mos 28v63 Hes 5v13 16v42}.

Frohlocken: [Denn obwohl Gott an der Gottlosen Verderben kein Gefallen hat, so gefällt ihm doch die Verstreckung seiner Gerechtigkeit, auf dass sein allerheiligster Name, da die Bosheit ungestraft bliebe, dadurch nicht entheiligt werde).

Gehen lassen: Die unbußfertigen Leute zu strafen. [Denn Gott ist es, der die Strafen über ein Land und Volk schickt, sonst könnte weder das Schwert des Feindes, noch Pestilenz oder Hungersnot, so auch Gottes Waffen sein, etwas ausrichten, wenn es Gott nicht zuließe. Darum, wenn wir wollen, dass die Strafen gelindert, und von uns abgewandt werden, so sollen wir zuvorderst mit Gott dem Herrn uns versöhnen).

18. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Jetzt stellt Gott durch den Propheten den Juden gleichsam vor die Augen, wie Nebukad Nezar der König zu Babel alle Sachen zurüsten werde, die Stadt Jerusalem zu belagern, und das nach dem abergläubischen Brauch der Chaldäer, mit besonderen abergläubischen Zeremonien.

19. Du Menschenkind, mache zwei Wege, durch welche kommen soll das Schwert des Königs zu Babel; sie sollen aber alle beide aus einem Lande gehen.

Zwei Wege: Will so viel sagen, nimm etliche deiner Zuhörer zu dir, und mache eine Wegscheide, die auf zwei Straßen hinaus geht, für dich, und richte dich da nach der Chaldäer abgöttischem und abergläubischem Brauch, den sie halten, wenn sie in einen Krieg ziehen wollen, auf dass du erkundigst, welchen Weg der König zu Babel vor sich nehmen werde. Und stecke ein Ziel, nach dem du von der Wegscheide hinaus schießt, mit einem Pfeil, auf dass du siehst, ob der König zu Babel wider die Stadt Rabbath der Kinder Ammon, oder aber wider Jerusalem sein Kriegsvolk anführen werde. Denn auf welche Seite der Pfeil fallen wird, dahin wird er am ersten ziehen. [Hieraus kann man abnehmen, was für abergläubische Zeremonien die Chaldäer gebrauchten, wenn sie haben wollen einen Krieg führen. Solche Gebärden werden dem Propheten nach zu tun befohlen, nicht der Meinung, als ob Gott ihm solches gottlose Tun wohl gefallen ließe. Denn dergleichen Wahrsagerkünste hat Gott im Gesetz aufs Ernstlichste verboten, sondern auf dass er den Juden die Gewissheit von der Stadt Jerusalem Belagerung vor Augen stelle, und sie gleichsam auf den Augenschein führe).

20. Und stelle ein Zeichen vorne an den Weg zur Stadt, dahin es weisen soll; und mache den Weg, dass das Schwert komme gen Rabbath der Kinder Ammon und nach Juda, zu der festen Stadt Jerusalem.

21. Denn der König zu Babel wird sich an die Wegscheide stellen, vorne an den zwei Wegen, dass er ihm wahrsagen lasse, mit den Pfeilen um das Los schieße, seinen Abgott frage und schaue die Leber an.

Wahrsagen: Wo und wie er den Krieg anfangen soll.

Schieße: Und sehe, auf welche Seite die Pfeile fallen werden.

Nach Luther: Der König von Babel wird seine Wahrsager fragen, welches Volk er angreifen soll, und wo es ihm glücken soll. Und wird Zeichen versuchen, als nämlich, Schießen und achthaben, wo der Pfeil hinfallen will. Denn solche Zeichen haben dieselben Krieger gebraucht. So war das auch ein Zeichen, wenn die Heiden ein Vieh opferten, besahen sie die Leber und Herz.

Frage: Durch seine Priester, von denen er einen Bericht seines Abgotts begehren wird, wie er es mit dem Kriege angreifen soll.

Leber an: Denn wenn die Heiden wichtige Sachen vorhatten, so opferten sie Vieh, und beschauten derselben Eingeweide: Wenn das Herz und die Leber in ihnen ganz und unversehrt waren, so nahmen sie daraus ab, dass ihr Vorhaben glücklich hinausgehen würde. War es denn anders damit beschaffen, denn sie sein sollten, so waren sie das Widerspiel gewärtig. [Wenn ab er die Christen heutigen Tages einen Krieg führen wollen, so sollen sie nicht der Vieh Eingeweide beschauen, welches ein gottloses Tun ist, sondern sie sollen Gott den Herrn anrufen, und anfangs ohne ihren vorhin gefassten Wahn oder Zuneigung achthaben, ob der Krieg vonnöten sei, und nicht könne ausbleiben, und ob sie eine gute Sache haben. Denn man soll alle Mittel zuvor versuchen, ehe man den Krieg anfange, der ein unersättlicher Schlund alles Unfalls ist, und soll man auch betrachten, ob das Vermögen und die Macht den Krieg hinaus zu führen vorhanden sei, auf dass man Gott nicht versuche, desgleichen, wie man ihn führen müsse, auf dass er schnell, und ohne großes Blutvergießen, besonders der Untertanen, könne zu Ende gebracht werden).

22. Und die Wahrsagung wird auf die rechte Seite gen Jerusalem deuten, dass er soll Böcke hinabführen lassen und Löcher machen und mit großem Geschrei sie überfalle und morde, und dass er Böcke führen soll wider die Tore und da Wall schütte und Bollwerk baue.

Deuten: Dass der Pfeil auf die Seite fallen wird, da man auf Jerusalem zuzieht. Denn die Stadt Rabbath der Kinder Ammon war zur Linken gelegen.

Böcke: Das waren besondere Instrumente, die man in Kriegen vor Alters brauchte, dass man die Mauern damit niederwarf, und die Tore aufbrach.

Geschrei: Wenn er, nämlich, mit den Böcken, die er anstatt des Geschützes benutzen wird, Löcher in die Mauern gemacht hat, dass er alsdann mit großem Geschrei den Sturm anlaufe.

Wall schütte: Von dem er mit Pfeilen in die Stadt schießen könne, mit der Einwohner großen Schaden und Nachteil, die sich nicht sicher werden auf der Gassen dürfen finden lassen, noch auf der Mauern genügenden Widerstand dagegen tun.

Bollwerk: Dass er sich um die Stadt her verschanze, damit er denen, die darin sind, das Ausfallen wehre, da sie sonst möchten begehren ins Lager zu fallen. [Denn wenn Gott zornig ist, so sind die Festungen nicht anders als Kerker, in denen sich die Leute selber freiwillig einschließen).

23. Aber es wird sie solche Wahrsagen falsch dünken, er schwöre, wie teuer er will. Er aber wird denken an die Missetat, dass er sie gewinne.

Falsch dünken: Nämlich, die zu Jerusalem werden anfangs sich die Hoffnung machen, dass des Königs zu Babel Wahrsagung von der Eroberung der Stadt nichtig sind, und keinen Nachdruck haben werden, ob gleich der König mit einem hohen Eid euren, und ihnen drohen wird, dass er sich an ihnen rächen wolle.

Gewinne: Er wird ihre Treulosigkeit sich tief einbilden, und nicht ruhen, bis er sie unter sich gebracht habe. [Hier haben wir zu lernen, dass der Mutwille und die Verachtung der Gefahr, besonders in den Belagerungen selten oder wohl nie gut tut. Denn die langwierigen Belagerungen nehmen endlich allen Vorrat an Proviant und Leuten hinweg, und schwächen die Kräfte des Leibes und des Gemüts. Wie man sagt, dass es selten wohl gerate, wenn man am ersten die Schüsse mit Besemen von den Türen oder Mauern hinweg kehrt).

24. Darum spricht der Herr Herr also: Darum dass eurer gedacht wird um eurer Missetat und euer Ungehorsam offenbart ist, dass man eure Sünde sieht in all eurem Tun, ja darum dass eurer gedacht wird, werdet ihr mit Gewalt gefangen werden.

Gedacht wird: [Es wird aber unserer Sünden als denn vor Gott gedacht, dass er sich derselben wiederum erinnert, und werden vor ihm offenbart. Wenn wir das Maß also erfüllt haben, dass er uns nicht länger übersehen kann, sondern um unsere Sünden willen uns strafen muss. So werden alsdann, von wegen der lange zusammen gehäuften Sünden, ganze Länder und Herrschaften verwüstet, und die Regimenter zu Boden gestürzt).

25. Und du, Fürst in Israel, der du verdammt und verurteilt bist, des Tag daherkommen wird, wenn die Missetat zum Ende kommen ist,

Verurteilt: Denn der König Nebukad-Nezar hat dich in seinem Rat bereits des Königreichs unwürdig erkannt, als einen, der seiner Widerspenstigkeit und Treulosigkeit überwiesen wurde.

Kommen ist: Und du das Maß deiner Sünden wirst erfüllt haben, so wird die Zeit deines Unfalls herzurücken.

26. so spricht der Herr Herr: Tu weg den Hut und hebe ab die Krone! Denn es wird weder der Hut noch die Krone bleiben, sondern der sich erhöht hat, soll erniedrigt werden, und der sich niedrigt, soll erhöht werden.

Bleiben: Und wird viel eine andere Meinung mit dir gewinnen, als es bis daher hatte.

27. ich will die Krone zunichte, zunichte, zunichte machen, bis der komme, der sie haben soll; dem will ich sie geben.

Sie haben soll: Nämlich, die königliche Krone, und das Königreich. Denn nach dem das jüdische Königreich zerstört wurde, wird Jesus Christus die Herrschaft einnehmen. [Sollen deswegen Fürsten und Obrigkeiten wissen, dass sie Gott, besonders wenn sie treulos werden, und Tyrannei üben, von dem Stuhl ihrer Majestät wohl kann wiederum herunter stoßen, weil er sie darauf gesetzt hat. Der König aber, der das rechte Königreich haben soll, ist Christus. Der mit dem Evangelium durch die ganze Welt regiert. Denn nach dem Zedekia haben die Juden keinen König mehr aus ihrem Volk gehabt, sondern nur Fürsten).

28. Und du, Menschenkind, weissage und sprich: So spricht der Herr Herr von den Kindern Ammon und von ihrer Schmach und sprich: Das Schwert, das Schwert ist gezückt, dass es schlachten soll; es ist gefegt, dass es würgen soll, und soll blinken {Jer 49v1 Hes 25v2},

Und: Jetzt weissagt Gott durch den Propheten auch von dem Untergang der Kinder Ammon, die des Volkes Gottes böse Nachbarn waren.

Blinken: Also, dass es auch mit seinem Glanz die Ammoniter schrecken und verzagt machen wird. [Es ist aber dem Volk Gottes ein Trost, wenn es sieht, dass Gott die Feinde der Kirche auch ernstlich straft. Denn sonst werden die Frommen oft ungeduldig, und geärgert, wenn sie sehen, dass es den Gottlosen alles glücklich und wohl hinaus geht {Ps 37 73}.

29. darum dass du falsche Gesichte dir sagen lässt und Lügen weissagen, damit du auch übergeben wirst unter den erschlagenen Gottlosen, welchen ihr Tag kam, da die Missetat zum Ende gekommen war.

Falsche Gesichte: Da du den falschen Lehrern zuhörtest, die dir eine gottlose und abgöttische Lehre vorgepredigt haben. [Denn Gott zürnt über die Verfälschungen der Lehre eben so sehr, als über die allergrößten Sünden. Und wenn ein Blinder dem anderen den Weg zeigt, so fallen sie beide in die Grube {Mt 15}.

Übergeben: Das ist, du wirst zugleich unter den anderen Gottlosen erschlagen liegen, welcher Zeit der Rache auch gekommen war, da sie das Maß ihrer Sünden erfüllt hatten. [Denn Gott ist langmütig, aber endlich straft er die zusammen gehäuften Sünden desto schwerer. Und wenn das Maß voll ist, so schüttet er es um).

30. Und ob es schon wieder in die Scheide gesteckt würde, so will ich dich doch richten an dem Ort, da du geschaffen, und im Lande, da du geboren bist.

Gesteckt würde: Dass der erste Krieg würde gestillt, und hingelegt, und du meinen möchtest, du wärest aller Gefahr entronnen, so will ich doch in deinem eigenen Lande dich zur Strafe ziehen. [Denn Gott weiß immer neue Geißel zu finden).

31. Und will meinen Zorn über dich schütten, ich will das Feuer meines Grimms über dich aufblasen und will dich Leuten, die brennen und verderben können, überantworten.

Schütten: Auf dass andere Völker aus deinem großen Unglück, damit ich dich überfallen will, merken und verstehen, wie heftig ich wider dich erzürnt sei.

Überantworten: Ich will dir Leute über den Hals schicken, denen wohl ist, und Meister sind, mit Brennen und Morden.

32. Du musst dem Feuer zur Speise werden, und dein Blut muss im Lande vergossen werden; und man wird dein nicht mehr denken. Denn ich, der Herr, hab es geredet.

Speise werden: Deine Städte und Dörfer werden zu Asche verbrannt werden.

Hab es geredet: Der wahrhaftige und allmächtige Gott. Darum sind dies keine vergeblichen und nichtigen Drohungen, sondern es wird dir solches alles gewisslich begegnen. [Es waren aber die Ammoniter zwar des Volkes Gottes Blutsverwandte, aber daneben denselben ganz feind, wie die Bücher der Könige bezeugen. Darum bedeutet der Ammoniter Untergang, dass die falschen Brüder der Kirche zuletzt schändlich umkommen).


Das 22. Kapitel


1. Die Sünden des israelitischen Volkes, dadurch Gott zum Zorn gereizt wurde, werden erzählt. v. 1. 2. Und wird das ernste Gericht Gottes heraus gestrichen. v. 17. 3. Auch der Obrigkeit und Priester Bosheit angezogen. v. 23. 4. Und sei niemand, der mit seinem Gebet sich zwischen dem zornigen Gott und dem jüdischen Land stelle. v. 30.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Der Prophet wendet sich wieder zu der Weissagung von der Stadt Jerusalem, und des jüdischen Königreichs Zerstörung. Und erzählt die Sünden und grobe Laster, so zu Jerusalem vorgingen, damit die Juden Gott zum Zorn reizten. Es sind aber ohne allen Zweifel diese Predigten des Propheten Hesekiels zu Babel in Schriften verfasst, und gen Jerusalem gebracht worden. Denn Gott hat gewollt, dass der Prophet Jeremia (welcher damals zu Jerusalem predigte), den Hesekiel im Predigtamt gleichsam zum Mitgehilfen hätte, wie wohl er in der Weite und Ferne von ihm war. Da er einerlei Weissagungen mit dem Jeremia vorbrachte, von der Stadt Jerusalem und des jüdischen Regiments Untergang. Auf dass durch solche zwei über einstimmenden Zeugen die Israeliten zur Busse bewegt würden, oder daher keine Entschuldigung der Unwissenheit hätten.

2. Du Menschenkind, willst du nicht strafen die mörderische Stadt und ihr anzeigen alle ihre Gräuel?

Mörderische Stadt: Nämlich, die Stadt Jerusalem, darin viel Propheten und andere unschuldige Leute sind erwürgt worden, und umgekommen.

Gräuel: Damit sie sich viele Jahre her verunreinigt hat.

3. Sprich: So spricht der Herr Herr: O Stadt, die du der Deinen Blut vergießt, auf dass deine Zeit komme, und die du Götzen bei dir machst, damit du dich verunreinigst!

Vergießt: Als wollte er sprechen, du bist gar eine gottlose gräuliche und abscheuliche Stadt, die sich selber mit unschuldiger Leute Blut vielfältig besudelt, und den Zorn Gottes auf sich ladet.

Zeit komme: Nämlich, deines Untergangs, und derselbe desto mehr herzueile.

Verunreinigst: Und durch solche deine Abgötterei dich ins Verderben stürzt. [Denn unter allen Sünden ist die Abgötterei die vornehmste und größte, besonders wenn sie mit blutigen und gräulichen Verfolgungen noch dazu geschützt und gehandhabt wird).

4. Du verschuldest dich an dem Blut, das du vergießt, und verunreinigst dich an den Götzen, die du machst; damit bringst du deine Tage herzu und machst, dass deine Jahre kommen müssen. Darum will ich dich zum Spott unter den Heiden und zum Hohn in allen Ländern machen {5Mos 28v37}.

Blut: Deiner Propheten und frommen Bürger.

Götzen: Mit denen du dich an Gott schwer versündigst, und handelst wie eine Ehebrecherin, welche ihren Ehemann verachtet, und andere zu sich lässt.

Kommen müssen: Du eilst selber zu deinem Verderben, und weil du eine Sünde über die anderer häufst, so treibst du etlichermaßen Gott den Herrn dahin, dass er mit der Rache kommen muss. [Denn wenn die Laster gehäuft werden, so eilen die Strafen auch herzu, dass Gott nicht mehr übersehen kann).

Heiden: Die dich noch dazu höhnisch auslachen, und ihr Gespött aus dir treiben werden.

5. Beide, in der Nähe und in der Ferne, sollen sie dein spotten, dass du ein schändliches Gerücht haben und großen Jammer leiden musst.

Gerücht haben: Denn gleichwie du zuvor von wegen deiner Sünden und Bosheit bist berühmt gewesen, wie eine große Erzhure, also soll auch mit grausamen Unglück geplagt werden. [Denn wenn wir uns des heiligen Namens Gottes nicht achten wollen, auf dass wir Ärgernis verhüten, so will auch Gott uns nicht bei Ehren erhalten, sondern lässt uns zuschanden werden {1Sam 2}.

6. Siehe die Fürsten in Israel! Ein jeglicher ist mächtig bei dir, Blut zu vergießen.

Siehe: Jetzt erzählt der Prophet etliche schreckliche Sünden, damit das Volk zu Jerusalem sich verunreinigt hat, und ihr Untergang dadurch verursacht wurde.

Ist mächtig: Dass er sich selbst die Gewalt nimmt, ohne rechtliche Erkenntnis der Sachen, unschuldiges Blut zu vergießen, in welchem Stücke sie noch dazu das Lob und den Ruhm haben wollen, als ob sie männliche Helden und tapfere Leute wären, wenn sie die umbrächten, auf welche sie einen heimlichen Neid und Feindschaft trügen. [Es kann aber ein Regiment nicht lange bestehen, da man die Totschläger ungestraft hingehen lässt. Denn es einem Fürsten, vom Adel, oder sonst vornehmen Personen eben so wenig gebührt, einen unschuldigen Menschen zu töten, als dem einfachen Mann. Und steht von allen allgemein geschrieben: Wer Menschen Blut vergießt, des Blut soll auch durch Menschen vergossen werden {1Mos 9}.

7. Vater und Mutter verachten sie; den Fremdlingen tun sie Gewalt und Unrecht; die Witwen und Waisen schinden sie {Ps 94v6}.

Verachten: Die Kinder halten ihre Eltern ganz schnöde. [Es ist aber unserem Herren Gott solche Verachtung der Eltern sehr zuwider, und straft sie ernstlich).

Und Unrecht: Sie lassen ihnen nicht widerfahren, was recht und richtig ist, wie den Einheimischen. [Welche aber mit den Fremdlingen unbarmherzig umgehen, die reizen Gott zum Zorn, wie er hinwiederum diejenigen liebt, die ihnen Freundschaft und Gutes erzeigen).

Schinden sie: Dass sie ihre Güter zu sich reißen, weil sie sich nicht schützen können. [Demnach aber Gott sich einen Vater der Weisen, und Richter der Witwen nennt {Ps 68}. So ist kein Zweifel, er werde solchen Leuten es nicht schenken, die Witwen oder Weisen beleidigen).

8. Du verachtest meine Heiligtümer und entheiligst meine Sabbate.

Heiligtümer: Nämlich, meinen heiligen Tempel, der ist euch nicht gut genug mehr, dass ihr in demselben nach meinem Befehl allein geopfert hättet, sondern habt mir zur Schmach auch an vielen anderen Orten Kapellen und Altare gebaut. [Aber Gott will, dass wir in Religionssachen von seinem ausdrücklichen Wort auch nicht einen Fingerbreit abweichen sollen).

Sabbat: [Es werden aber die Sabbate entheiligt, wenn man die Feiertage zu Werktagen macht, und solche Sachen daran verrichtet, die ganz wohl zur anderen Zeit geschehen könnten, dadurch die Religionsübungen gehindert werden. Oder aber, da man nach gehörter Predigt mit Volltrinken, Gotteslästerungen, Unzucht und anderen Lastern die Zeit vertreiben, und seine Vergnügen darin suchen will).

9. Verräter sind in dir, auf dass sie Blut vergießen. Sie essen auf den Bergen und handeln mutwillig in dir {Hes 18v6};

Verräter: Dass sind solche Leute gewesen, die unschuldige Personen, entweder von wegen der Religion, oder anderer Ursache halben bei einer grausamen Obrigkeit vorgebracht, damit sie unschuldiger Weise ermordet, oder doch sonst geplagt würden. [Solche Buben findet man im Papsttum, welche fromme Leute angeben, und sie solcher Laster bezichtigen, die sie nie getan haben, dadurch sie dieselben ums Leben bringen. Wie dergleichen Beispiel zu unseren Zeiten viel gesehen wurde).

Bergen: Außerhalb von meinem Tempel, da sie Kapellen und Altare aufgerichtet, und geopfert, wider mein Wort, und ohne meinen Befehl, haben auch nach geendetem Opfer ihre Mahlzeiten und Wohlleben gehalten, wie sonst gebräuchlich ist. [Denn Gott verwirft die Gottesdienste, welche von Menschen außerhalb dem Worte Gottes erdacht sind).

Mutwillig: Dass sie allerlei gräuliche und abscheuliche Schande und Laster begehen. [Denn es werden auch im Volk Gottes bisweilen große Ärgernisse gesehen, um welcher willen es von Gott zur Strafe gezogen wird).

10. sie blößen die Scham der Väter und nötigen die Weiber in ihrer Krankheit {3Mos 18v19 20v18 Hes 18v6}.

Der Väter: Nämlich, die Töchter treiben mit den Vätern Blutschande. [Welches vor Gott ein Gräuel ist. Ja es mag auch die Erde dergleichen schändliche Sünden nicht ertragen).

Krankheit: Also, dass die Männer mit ihren Eheweibern beiliegen, wenn sie ihre monatliche Zeit haben. [Es hatte aber Gott im Gesetz bei Leibesstrafe verboten, dass niemand bei einem solchen Weibe liegen soll {3Mos 20}. So halten es die Ärzte dafür, dass aus solchem Beischlaf, aussätzige, lahme, blinde oder sonst gebrechliche Leute geboren werden, ja auch Missgeburten daher entstehen).

11. und treiben untereinander, Freund mit Freundes Weibe, Gräuel; sie schänden ihre eigene Schwiegermuttertochter mit allem Mutwillen; sie notzüchtigen ihre eigenen Schwestern, ihres Vaters Töchter {Jer 5v8};

Freundes Weibe: Sie brechen die Ehe durch einander ohne Unterschied, und schändet je einer des anderen Weib. [Es ist aber die Unzucht allein eine deutliche Ursache daran, das herrliche Königreiche und Regimenter zugrunde gehen).

12. sie nehmen Geschenke, auf dass sie Blut vergießen; sie wuchern und übersetzen einander und treiben ihren Geiz wider ihren Nächsten und tun einander Gewalt und vergessen mein also, spricht der Herr Herr.

Geschenke: Nämlich, die Richter und Räte lassen sich mit Geschenken bestechen, auf dass sie wider unschuldige Leute ein Urteil fällen, sie ums Leben zu bringen, und tun solches denen zu Gefallen, die ihren Neid und Hass dadurch begehren zu ersättigen. Als wie dem frommen Naboth geschehen, den die Richter, dem König Ahab und seiner gottlosen Gemahlin der Isebel zu gefallen, unschuldig zum Tode verdammt haben {1Sam 21}.

Nächsten: Dem sie aus Geiz seine Güter abdingen, und an sich bringen. [Ein Wucher aber ist, wenn man mehr von der Hauptsumme nimmt, denn die Gesetze zulassen: Oder, wenn der Gläubiger seine Schuld wieder fordert, so oft es ihm beliebt, auch mit des Schuldigers großem Schaden und Nachteil. Da es aber zu des Schuldigers Gelegenheit und Gefallen gestellt wird, dass er die Hauptsumme wieder erlegen mag, wenn es ihm beliebt, und er es ohne seinen Schaden wohl tun kann, so ist es kein Wucher, sondern ein rechtmäßiger und richtiger Kontrakt, wie im Kaufen und Verkaufen, der von den Gesetzen zugelassen und bestätigt ist).

Vergessen: Dass sie weder meines Gottesdienstes, den ich ihnen vorgeschrieben, geachtet, noch mich gefürchtet haben, damit sie der bis daher erzählten Laster wären müßig gegangen, sondern sie haben mich allerdings aus den Augen gesetzt, gerade als ob kein Gott wäre, der solches sehe und achte. [Denn auf eine falsche Religion und tägliche Übung der Laster folgt endlich ein sicheres rohloses Leben, welches heutigen Tages in vielen Herzen nur zu tief eingewurzelt ist).

13. Siehe, ich schlage meine Hände zusammen über den Geiz, den du treibst, und über das Blut, so in dir vergossen ist.

Zusammen: Wie die zu tun pflegen, welche großes Herzeleid haben, und voll Unmuts sind. [Ob nun wohl in Gott dergleichen menschliche Bewegungen nicht sind, so gibt er doch mit diesen Worten so viel zu verstehen, dass er über der Menschen Bosheit mit großem Unwillen zürne. Darum sind die ganz liederliche Christen, wo sie anders Christen sind, welche zur Erzählung der begangenen Laster lächeln).

Geiz: [Es ist aber der Geiz eine Wurzel alles Übles {1Tim 6} und der ewigen Verdammnis schuldig {1Kor 6}.

14. meinst du aber, dein Herz möge es erleiden oder deine Hände ertragen zu der Zeit, wenn ich es mit dir machen werde? Ich, der Herr, hab es geredet und will es auch tun

Machen werde: Wenn ich werde traurige Zeiten schicken, auf dass ich dich um deiner Bosheit willen strafe, da wird dir die Last deiner Sünden in deinem Gewissen sehr schwer fallen, und wirst das Unglück nicht überwinden können. [Denn obwohl der Menschen Herzen, wenn es wohl geht, ganz sicher und verwegen sind, ja auch sehr stolz und übermütig, so fallen sie doch dahin, und sind ganz verzagt in Widerwärtigkeit, da alle menschliche Hilfe aus ist, und wissen sich selbst auch nicht zu helfen. Darum, wenn die Sünde in ihrem Gewissen lebendig wird, so verzweifeln sie, wo sie nicht durch die Barmherzigkeit Gottes aufgehalten werden).

Auch tun: Was ich dir gedroht habe, nämlich, dass ich deine Sünden mit Ernst strafen und heimsuchen wolle. [Denn Gott ist so wohl wahrhaftig in seinen Drohungen, als in seinen Verheißungen).

15. und will dich zerstreuen unter die Heiden und dich verstoßen in die Länder und will deines Unflats ein Ende machen,

Ende machen: Nämlich, deiner Sünden, damit du dich bisher besudelt und mich erzürnt hast. [Denn wenn das Volk Gottes von Sünden nicht ablassen will, so fallen solche Zeiten ein, die den Leuten ihre Bosheit so erleiden, dass sie auch wider ihren Willen davon abstehen müssen).

16. dass du bei den Heiden musst verflucht geachtet werden und erfahren, dass ich der Herr sei.

Geachtet werden: Also, dass auch die Heiden werden merken und verstehen, wie du um deiner übermachten Bosheit willen dir solchen Jammer über den Hals gezogen hast.

Herr sei: Der gerechte Richter und Rächer aller Bosheit.

17. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

18. Du Menschenkind, das Haus Israel ist mir zu Schaum geworden; all ihr Erz, Zinn, Eisen und Blei ist im Ofen zu Silberschaum geworden.

Schaum geworden: Als wollte er sprechen, wenn ich meines Volkes Handlungen und Tun erkundige, gleichwie die Goldschmiede ihr Metall durch das Feuer zu bewehren pflegen, so befinde ich, dass sie mit einander im Boden kein nütze sind, und dass sie in allen Ständen sich allerdings verkehrt haben. [Wenn aber alles Volk in allen Ständen verderbt ist, so rückt Gott mit der Strafe herzu).

19. Darum spricht der Herr Herr also: Weil ihr denn alle Schaum geworden seid, siehe, so will ich euch alle gen Jerusalem zusammentun.

20. Wie man Silber, Erz, Eisen, Blei und Zinn zusammentut im Ofen, dass man ein Feuer darunter aufblase und zerschmelze es, also will ich euch auch in meinem Zorn und Grimm zusammentun, einlegen und schmelzen.

Schmelzen: Das ist, ich will euch in der Stadt Jerusalem zusammen bringen, und mit großen Trübsalen, wie mit Feuer, peinigen, nämlich, mit Pestilenz, Hunger und Krieg. [Denn gleichwie Silber, Erz, Eisen, Blei, und allerlei Metall in einem Ofen zusammen geschmolzen werden, also verschont Gott in den gemeinen Landstrafen keines Standes, weil bei ihm kein Ansehen ist der Person).

21. Ja, ich will euch sammeln und das Feuer meines Zorns unter euch aufblasen, dass ihr darin zerschmelzen müsst.

22. Wie das Silber zerschmilzt im Ofen, so sollt ihr auch darin zerschmelzen und erfahren, dass ich, der Herr, meinen Grimm über euch ausgeschüttet habe.

Darin: Nämlich, in der Stadt Jerusalem, auf welche, als ein festes Ort, ihr euch jetzt und verlasst.

Erfahren: Da ihr es werdet, aber zu spät, innewerden, dass ich der rechte Gott bin, dessen Gebote ihr bisher trotzig verachtet habt.

23. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

24. Du Menschenkind, sprich zu ihnen: Du bist ein Land, das nicht zu reinigen ist, wie eins, das nicht beregnet wird zur Zeit des Zorns.

Zu ihnen: Nämlich, zu den Einwohnern des Landes Juda.

Des Zorns: Will so viel sagen: Du bist ein Volk, welches nicht kann von seinen Sünden gereinigt, und richtig gebracht werden. Es ist alle Mühe und Arbeit an dir übel angelegt, und vergebens. Denn du bist wie ein dürres und unfruchtbares Land, da Gott ein Gräuel hat, und es mit keinem Regen befeuchtet. Also bist du auch unfruchtbar, dass du keine guten Früchte bringst. [Es wird aber ein unfruchtbar Land von Gott verflucht {Hebr 6}.

25. Die Propheten, so darin sind, haben sich gerottet, die Seelen zu fressen, wie ein brüllender Löwe, wenn er raubt; sie reißen Gut und Geld zu sich und machen der Witwen viel darin {Hes 34v8}.

Die: Jetzt geht er durch alle Stände, und zeigt an, dass sie alle miteinander kein nütze sind.

Propheten: Welche das Volk in der Religion unterrichten sollten, die halten zusammen in Handhabung der falschen Lehre, und Verteidigung der Abgötterei. Und erwürgen die armen Seelen, wie grausame wilde Tiere, stürzen sie dazu in die ewige Verdammnis. [Denn die Übereinstimmung der Lehrer in Beschützung der unrechten Religion, wie unter den Katholiken zu finden, ist keine Einigkeit, sondern ein Zusammenrottierung. Und zerreißen die falschen Lehrer so viele Seelen, als viele Leute sie mit ihrer Gottlosen Lehre vergiften).

Zu sich: Sie richten ihre Lehre und Religion dahin, dass sie ihren Geiz füllen. [Solche Krämerei sieht man täglich im Papsttum, da alle Religionsübungen auf den Gewinn gerichtet sind, von welchen Handelsleuten auch der Apostel Petrus geweissagt hat, mit diesen Worten: Es werden unter euch sein falsche Lehrer, die neben einführen werden verderbliche Sekten, und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat, und werden über sich selbst führen eine schnelle Verdammnis, und viel werden nachfolgen ihrem Verderben. Durch welche wird der Weg der Wahrheit verlästert werden, und durch Geiz mit erdichten Worten werden sie an euch hantieren {2Petr 2}.

Witwen viel: Weil sie ihre unschuldigen Ehemänner lassen erwürgen, die ihre Abgötterei nicht dulden wollen, noch ihren verdorbenen Wandel recht heißen können. [Denn der Lügengeist ist auch ein Mordgeist {Joh 8}. Darum sind die Abgöttischen auch blutdürstig und grausam).

26. Ihre Priester verkehren mein Gesetz freventlich und entheiligen mein Heiligtum; sie halten unter dem Heiligen und Unheiligen keinen Unterschied und lehren nicht, was rein oder unrein sei, und warten meiner Sabbate nicht; und ich werde unter ihnen entheiligt.

Freventlich: Weil sie nicht leiden wollen, dass mein Wort rein gepredigt werde. Also tun ihm auch heutzutage die Katholiken, und andere, welche die rechte Lehre unterdrücken).

Heiligtum: Nämlich, meinen heiligen Tempel verunreinigten sie, mit Abgötterei und Menschensatzungen. [Denn durch Verfälschung der Lehre wird die ganze Religion befleckt).

Kein Unterschied: Denn da sie sollten nach Inhalt des Gesetzes das Volk unterweisen, was heilig oder unheilig, rein und unrein wäre, und von welchen Sachen mein Volk sich enthalte soll, damit es nicht verunreinigt würde, so suche sie nur ihren Nutzen, und achten sich es wenig, was das Volk mache. [Also tun ihm auch die papistischen Lehrer. Denn da sie sollten aus dem Worte Gottes lehren, welche Werke Gott gefällig oder nicht gefällig wären, besonders aber, welche Lehre wahr oder falsch wäre, so treiben sie ihren eigenen Wahn und Menschensatzungen, und dienen ihrem Bauch).

Sabbate nicht: Sie halten meine Feiertage nicht, wie sich es gebührt, und nach Ausweisung meines Wortes, das sie die prophetischen Schriften dem Volk vorhielten, und recht erklärten, auch die Opfer auf solche Weise und zu dem Ende verrichteten, wie ich ihnen befohlen habe.

Entheiligt: Das ist, sie bringen mit der Verfälschung ihrer Religion zuwege, dass mein Volk nicht mehr mit schuldiger Gottesfurcht und Ehrerbietung mir dient, sondern mich vielmehr verachtet, und mein Wort lästert. [Hat deswegen eine so große Verfälschung der Religion unter dem Volk vorgehen können, welches Gott insbesondere aus allen anderen Heiden erwählt hatte: Wie sollte denn solches nicht auch der Kirche widerfahren und begegnen können, die aus den Heiden zur Lehre des Evangeliums berufen wurde? Besonders nach der Apostel Tod, und nach derjenigen Absterben, die der Apostel nächste Nachkommen gewesen, und die christliche Religion von den Aposteln empfangen hatten? Darum bestreiten die Päpstlichen vergebens, dass die Kirche nicht irren könne).

27. Ihre Fürsten sind darin wie die reißenden Wölfe, Blut zu vergießen und Seelen umzubringen, um ihres Geizes willen {Zef 3v3}.

Ihre: Bisher ist gesagt worden, wie sich die Priester im Volk Gottes verhalten haben, Lasst uns jetzt auch hören, wie sich die im Stande der Obrigkeit erzeigt.

Geizes willen: Weil sie geizige und grausame Tyrannen sind, die ihren unschuldigen Untertanen ihre Güter samt dem Leben nehmen. [Den der Geiz ist eine Wurzel alles Übles {1Tim 6}. Aber die Tyrannen und Geizigen werden das Reich Gottes nicht erlangen {1Kor 6}.

28. Und ihre Propheten tünchen sie mit losem Kalk, predigen lose Teidinge und weissagen ihnen Lügen und sagen: So spricht der Herr Herr! So es doch der Herr nicht geredet hat {Hes 13v10}.

Losem Kalk: Sie bessern das Volk nicht, und predigen nicht ernstlich Busse, sondern unterhalten die Leute in ihrer Bosheit, mit ihrem Schmeichelpredigten, und überstreichen es gleichsam, dass sie ihr Unrecht nicht erkennen. Ja sie bemänteln auch, und färben die falsche Lehre, mit mancherlei gesuchtem, aber doch nichtigem Schein. [Solche Tüncher sind heutigen Tages, welche der Zuhörer lasterhaftes Leben sanft angreifen und die unrechte Lehre entschuldigen).

Nicht geredet: Denn die falschen Lehrer ziehen und dehnen das Wort Gottes nach ihrer irrigen Meinung. Aber denen muss man widersprechen, und den Zuhörern anzeigen, dass sie das Wort Gottes mit falscher Auslegung verkehren).

29. Das Volk im Lande übt Gewalt und rauben getrost und schinden die Armen und Elenden und tun den Fremdlingen Gewalt und Unrecht.

Das: Jetzt lasst uns auch hören, wie der gemeine Mann hausgehalten habe.

Übt Gewalt] Alle Ehrbarkeit und Gerechtigkeit nach hinten gesetzt.

Rauben: Dass sie anderer Leute Güter zu sich reißen. [Es reißen aber auch die fremdes Gut zu sich, welche mit Betrug dasselbe an sich bringen. Und sind der Räuber mancherlei, als Dachräuber, Stuhlräuber, Kirchenräuber, Straßenräuber).

Schinden: Welches auch mit einem Schein des Rechten zu geschehen pflegt.

Und Unrecht: Dass sie zu keinem Recht oder Gerechtigkeit kommen können. [Es ist aber ein großer Mutwille, und eine gräuliche Sünde, wenn man den Fremden oder anderen nicht will zu ihrem Recht helfen, welches doch noch heutigen Tages nicht so seltsam ist, als man meint).

30. Ich suchte unter ihnen, ob jemand sich eine Mauer machte, und wider den Riss stünde vor mir für das Land, dass ich es nicht verderbe; aber ich fand keinen.

Suchte: Nämlich, nach dem sie solches alles getan, und mich zur Rache gereizt hatten, da hätte ich der Herr sie dennoch lieber begehrt zu erhalten, als zu verderben, darum ich mich umsah, ob irgendjemand zu finden sein möchte, der mit seinem gottseligen Gebet sich darstellen, und meinen Zorn aufhalten wollte, und also gleichsam für das Volk streiten, welches sich mit Sünden besudelt hat, dass ich es nicht mit Gewalt anfiele, und zu Boden schlüge, gleichwie tapferen Kriegsleute, wenn ein Stück von der Mauer niederfällt, sich vor die Lücken stellen, dass der Feind nicht in die Stadt dringe, und sie erobere.

Fand keinen: Solchen Mann, der mit seinem Flehen und sehnlichem Gebet meinen Zorn gemildert, und die Zerstörung des Königreich Juda gehindert hätte. [Denn wenn fromme Leute, die einen göttlichen Eifer hatten, und sich mit ihrem Gebet vor dem zornigen Gott gestellt, dass er mit der Strafe innegehalten, aus einem Land hinweg sind, so fällt das Unglück über ein solches Land mit Haufen herein, und überschwemmt es)

31. Darum schüttete ich meinen Zorn über sie und mit dem Feuer meines Grimms machte ich ihrer ein Ende und gab ihnen also ihren Verdienst auf ihren Kopf, spricht der Herr Herr.

Kopf: Dass ich mit ihnen umging, wie sie verdient hatten. [Denn wo man die Langmütigkeit Gottes beharrlich verachtet, und nicht Busse tut, da folgt anstatt der göttlichen Gnade die Vollstreckung der Gerechtigkeit Gottes).


Das 23. Kapitel


1. Der Prophet beschreibt mit einer verblümten Rede, wie böslich die Juden, so wohl im Königreich Jada, als zuvor im Königreich Israel, gehandelt, dass sie den wahren Gottesdienst aus der acht gelassen, und die ägyptischen, assyrische, und chaldäische Abgötterei angenommen, auf welcher Völker Hilfe sie sich viel mehr als auf Gott den Herren verlassen. Und werden diese beiden Königreiche mit zwei Huren verglichen. Es erzählt aber der Prophet solche Sünden und Übertretungen darum, damit das jüdische Volk, welches noch vorhanden war, verstünde, wie Gott richtig über die Sünden seines Volkes zürnte, und große Ursache hatte, dass er das Königreich Israel durch die Assyrer zerstören lasse, wie auch ebenmäßig das Königreich Juda durch die Chaldäer würde zerstört werden.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, es waren zwei Weiber, einer Mutter Töchter.

Einer Mutter: Denn unter den Königen Saul, David und Salomon, war es ein Königreich in Israel, wie gleichsam eine Mutter: Später aber unter der Regierung Rehabeam seien zwei Königreiche daraus geworden, nämlich, das Königreich Juda, und das Königreich Israel, in welchen letzten mehrerer teils die Hauptstadt Samaria gewesen.

3. Die trieben Hurerei in Ägypten in ihrer Jugend; dort ließen sie ihre Brüste begreifen und die Zitzen ihrer Jungfrauenschaft betasten.

Betasten: Dass sie ihre Jungfrauenschaft verscherzten, und von ihren Buhlen sich begreifen ließen. Denn da die Israeliten noch in Ägypten waren, welches gleichsam die Zeit ihrer Jugend war, als die damals noch nicht so ganz lange das Volk Gottes gewesen, lernten sie da die ägyptischen Abgötterei. [Es ist aber oft angezeigt worden, dass die Abgötterei vor Gott viel abscheulicher sei, als irgendeine Hurerei oder Ehebruch).

4. Die große heißt Ahala und ihre Schwester Ahaliba. Und ich nahm sie zur Ehe, und sie zeugten mir Söhne und Töchter. Und Ahala heißt Samaria und Ahaliba Jerusalem.

Große: Nicht zwar von wegen des Alters, sondern von wegen der Macht und Menge. Denn das Königreich Israel, welches Ahola genannt wird, ist herrlicher und größer gewesen, als das Königreich Juda. Weil zum Königreich Israel zehn Stämme gehört, da das Königreich Juda nur zwei hatte. Wie man liest {1Sam 11}.

Zur Ehe: Dass ich mir sie geistlicherweise verlobte und vertraute.

Zeugten: Nämlich, geistliche Kinder. Denn obwohl im Königreich Israel die Könige alle gottlos gewesen, und der öffentliche Gottesdienst allgemein gefälscht war, so hatte dennoch Gott auch seine Kirche da, nämlich, etliche fromme und gottselige Leute, die der Abgötterei feind waren, und den rechten Gott gebührlich ehrten, von welchen Gott zum Propheten Elia sagt: Ich will lassen übergeblieben in Israel siebentausend Mann, nämlich alle Knie, die sich nicht gebeugt haben für Baal {1Sam 19}. [Also hat Gott auch noch heutigen Tages im Papsttum seine Kirche, nämlich, etliche gutherzige Personen, die ihr Vertrauen weder auf der Heiligen, noch auf ihr eigenen, sondern allein auf Christi Verdienst setzen, und nach den Geboten Gottes unsträflich zu leben sich bemühen).

Ahala heißt: Als wollte er sprechen, auf dass man es desto besser verstehen könne, wen ich meine, so will ich sie bei ihrem rechten Namen nennen. Es heißt aber Ahala eben so viel als eine Hütte, und bedeutet Ahaliba meine Hütte in ihr. So wird sonst in der Schrift durch die Hütte der Gottesdienst verstanden, wie auch das Königreich {Am 9}. Zur selbigen Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten. Weil unter den Königreichen die Leute erhalten werden, als wie man zur Zeit des Ungewitters unter der Hütte sicher ist. Wird deswegen das Königreich Israel schlecht Ahala genannt, oder eine Hütte, weil darin zwar etlichermaßen ein Gottesdienst im Schwange ging, der aber Gott nicht angenehm war, und eine Regierung sich dabei fand, aber mit vieler Bosheit befleckt, und darum von Gott gehasst wurde. Denn es sind alle Könige im Königreich Israel gottlos gewesen. Aber das Königreich Juda heißt Gott Ahaliba, oder meine Hütte in ihr, weil im selben Königreich der Tempel zu Jerusalem war, der auf Gottes Befehl erbaut wurde, und wurde der rechte Gott wohlgefällige Gottesdienst zu etlichen Malen darin wieder angerichtet. So hatte auch dasselbe Königreich etliche fromme Könige, welche das Volk wiederum auf die rechte Bahn gebracht, und zur rechten Religion angeführt, darum ließ sich Gott das Königreich Juda besonders angelegen sein, und hielt es unter seinem Schutz. Daher auch von Gott gesagt wurde, dass er da wohnte, und in der Stadt Jerusalem seine Behausung hätte. Wie Jesaja spricht (Kapitel 31). Der Herr, der zu Zion Feuer, und zu Jerusalem einen Herd hat. [Denn wo die rechte Religion im Schwange geht, und Gerechtigkeit gehandhabt wird, da wohnt Gott mit seiner Gnade und Güte, und schüttet über solche Länder oder Königreiche viele und große leibliche und geistliche Guttaten aus).

5. Ahala trieb Hurerei, da ich sie genommen hatte, und brannte gegen ihre Buhlen, nämlich gegen die Assyrier, die zu ihr kamen,

Ahala: Jetzt folgt, wie sich beide Königreich Israel und Juda verhalten haben.

Kamen: Will so viel sagen, da die Israeliten auf mich ihren Gott alle ihre Hoffnung hätten sollen setzen, hat Menahem, der König in Israel, des assyrischen Königs Phul Freundschaft, da er zu ihm gekommen, mit großem Geld erkauft {2Sam 15}. [Es ist aber ein Stück der Abgötterei, wenn man nicht auf Gott allein, sondern auch auf Menschen hofft. Nach dem Spruch {Jer 17}. Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt, und hält Fleisch für seinen Arm, und mit seinem Herzen vom Herrn weicht).

6. gegen die Fürsten und Herren, die mit Seide gekleidet waren, und alle junge liebliche Gesellen, nämlich gegen die Reiter und Wagen.

Gesellen: Die alle in ihrem besten und blühenden Alter waren, dazu an Schöne und Gestalt des Leibes anmutig, darüber sich die Ahala ganz zu sehr verwundert hat. [Also tun sich auch die, welche auf ein Volk, von wegen seiner großen Macht und Stärke, höher, und mehr halten, als auf den Herrn ihren Gott. Es sind (sprechen sie) wahrlich feine Leute).

7. Und buhlte mit allen schönen Gesellen in Assyrien und verunreinigte sich mit allen ihren Götzen, wo sie auf einen entbrannte.

Buhlte: Dass sie eine geistliche Hurerei getrieben mit den vornehmsten Assyrern, zu welcher Hilfe und Beistand sie alle ihre Zuflucht hatte.

Verunreinigt: Dass sie auch ihre Abgötterei annahm, welcher Hilfe sie sich getröstete. [Denn die Leute willigen immer in derjenigen Religion, auf welcher Hilfe sie ihre Hoffnung setzen).

8. Dazu verließ sie auch nicht ihre Hurerei mit Ägypten, die bei ihr gelegen waren von ihrer Jugend auf und die Brüste ihrer Jungfrauenschaft betastet und große Hurerei mit ihr getrieben hatten.

Mit Ägypten: Das ist, das Königreich Israel ist von der Abgötterei auch nicht allerdings abgestanden, welche die Israeliten vor viel Jahren in Ägypten gelernt hatten, da sie durch die Beispiele der Ägypter verführt, und gleichsam ihrer Jungfrauenschaft beraubt, mit vielfältiger Abgötterei sich befleckt haben. [Denn die Leute lassen sich von den Sünden, derer sie gewohnt, schwer abziehen).

9. Da übergab ich sie in die Hand ihrer Buhlen, den Kindern Assur, gegen welche sie brannte vor Lust.

Da] Folgt jetzt, welchergestalt Gott der Herr des Königreichs Israel Abgötterei und Bosheit gestraft habe.

10. Die deckten ihre Scham auf und nahmen ihre Söhne und Töchter weg; sie aber töteten sie mit dem Schwert. Und es kam aus, dass diese Weiber gestraft wären {Hes 16v37}.

Scham auf: Dass sie mit dem israelitischen Regiment ganz tyrannisch und schändlich umgingen.

Weg: Nämlich, dass sie dieselben gefangen wegführten.

Töten: Was, nämlich, streitbare Leute in Israel sich gefunden, die erwürgten sie, und verwüsteten das Königreich.

Gestraft wären: Denn es hat auch das Königreich Juda noch zuvor und ehe es gänzlich zerstört wurde, viel Anstöße erlitten. Was aber das Königreich Israel belangt, so hat der König in Assyrien im neunten Jahr des israelitischen Königs Hosea, die königliche Hauptstadt Samaria gewonnen, und das Volk Israel in Assyrien weggeführt {2Sam 17}. [Denn Gott bringt eben diejenigen wider uns auf, denen wir zu Gefallen sündigen, dass sie an uns Strafe üben müssen. Darum sollen wir in der wahren Gottesfurcht beharren, und niemand zu Gefallen, von der rechten Religion abweichen, noch im Wandel den Irrweg gehen).

11. Da es aber ihre Schwester Ahaliba sah, entbrannte sie noch viel ärger denn jene und trieb der Hurerei mehr denn ihre Schwester {Jer 3v11 Hes 16v51}.

Da aber: Folgt jetzt, wie die andere Schwester Ahaliba, nämlich, das Regiment des Königreichs Juda sich verhalten habe.

Sah: Wie unehrbar sich ihre Schwester Ahala verhalten, hat sie dennoch vor dergleichen Übertretungen gar keine Abscheu.

12. und entbrannte gegen die Kinder Assur, nämlich die Fürsten und Herren, die zu ihr kamen wohl gekleidet, Reiter und Wagen, und alle junge liebliche Gesellen.

Kinder Assur: Mit welchen sie einen geistlichen Ehebruch beging. Denn es hat das Königreich Juda dem Herrn auch aus der acht gelassen, und von den Assyrern Hilfe begehrt, da der König Ahas in Juda zum Könige in Assyrien Thiglath Pilnesser seine Gesandten abgefertigt, und ihm sagen lassen: Ich bin dein Knecht und dein Sohn, komm herauf, und hilf mir aus der Hand des Königs zu Syrien, und des Königs Israel, die sich wider mich haben aufgemacht. Und Ahas nahm das Silber und Gold, das in dem Hause des Herrn und in den Schätzen des Königs Hause gefunden wurde, und sandte dem Könige zu Assyrien Geschenke {2Sam 16}.

13. Da sah ich, dass sie alle beide gleicherweise verunreinigt waren.

Verunreinigt: Und sich eine wie die anderer, mit geistlicher Hurerei befleckt hatten. [Sieht man also abermals hier, dass das Vertrauen auf menschliche Hilfe vor Gott als eine Abgötterei und Hurerei geachtet werde. Und sündigen in diesem Stücke heutigen Tages ihrer mehr, als man meint. Wie auch sich gleicher Sünden teilhaftig machen, die sich auf Festungen verlassen).

14. Aber diese trieb ihre Hurerei mehr. Denn da sie sah gemalte Männer an der Wand in roter Farbe, die Bilder der Chaldäer,

Mehr: Also dass sie viel unverschämter war, als ihre Schwester.

15. um ihre Lenden gegürtet und bunte Kogel auf ihren Köpfen, und alle gleich anzusehen wie gewaltige Leute, wie denn die Kinder Babel und die Chaldäer tragen in ihrem Vaterland,

Nach Luther: Kogel heißt Hebräisch Spruch wie Mose 2. Mose 26, 12, das übrige an den Teppichen nennt. Und ist ein Kogel, wie vorzeiten die Magistri und Studenten Kogel trugen, da viel unnützes Tuch um den Kopf her hing. Das waren rechte Babylonische Sruhim, oder chaldäische Kögel. So nennt {Jer 49v8} Sapientiam Nisrah: Lose, flatternd, hampelnd.

Gewaltige Leute: Derer jeder hätte mögen ein Hauptmann, oder doch sonst vornehme Befehlshaber sind.

16. entbrannte sie gegen sie, sobald sie ihrer gewahr wurde, und schickte Botschaft zu ihnen nach Chaldäa.

Gewahr wurde: [Denn durch die Augen pflegt die Liebe in der Menschen Herzen zu dringen).

Schickte: Um besserer und beständigerer Freundschaft willen. Denn da Brodach der Sohn Boladan, König zu Babel, Briefe und Geschenke durch seine Gesandten zum Könige in Juda Hiskia sandte, und ihm Glück wünschen ließe, von wegen, dass er von einer tödlichen Krankheit wiederum gesund geworden war, freute sich Hiskia sehr über ihrer Zukunft, und zeigt ihnen, was er köstliches hatte, darüber der Prophet Jesaja auf den Befehl des Herrn den König Hiskia zu Rede setzte, und ihm solches verwiese {2Sam 20}. Es erscheint aber hieraus, dass bereits damals das Königreich Juda es mit den Chaldäern gehalten, und ist zu vermuten, dass mit dieser Gelegenheit die Juden und Chaldäer später bessere Kundschaft mit einander gemacht und mehr Freundschaft hatten, als sich wohl gebührt hätte. Also, dass die Juden auf die Chaldäer alle ihre Hoffnung gesetzt, weil sie dieselben für herrliche und tapfere Leute gehalten.

17. Als nun die Kinder Babel zu ihr kamen, bei ihr zu schlafen nach der Liebe, verunreinigten sie dieselbe mit ihrer Hurerei, und sie verunreinigte sich mit ihnen, dass sie ihrer müde wurde.

Mit ihnen: Denn die Juden setzten ihr Vertrauen auf die Chaldäer, und lernten ihnen ihre Religion immer ab in etlichen Stücken. [Da es nämlich eine Art der Abgötterei ist, wenn man sich auf Menschen verlässt. Und da man mit den gottlosen Völkern zu viel Gemeinschaft hält, so lernt man immer ihnen ihre Religion ab, oder gerät doch in ein sicher rohloses Leben).

Müde wurde: Und sie die Chaldäer anfing zu hassen. Denn die Juden fielen von den Chaldäern ab unter dem Könige Jojakim {2Sam 24}. [Also pflegt es zu gehen, dass ungebührliche Freundschaften, oder viel mehr Gesellschaften und Rottierungen, endlich in große Feindschaften, als wie eine ungebührliche Liebe in Hass, verändert werden).

18. Und da beide ihre Hurerei und Scham so ganz offenbar war, wurde ich ihrer auch überdrüssig, wie ich ihrer Schwester auch war müde geworden.

Müde geworden: Das ist, ich fing an, das Königreich Juda auch zu hassen und es für einen Gräuel zu halten, wie das Königreich Israel. Darum, dass die Juden auf menschliche Hilfe sich verließen, und mit der heidnischen Abgötterei sich verunreinigten, aber auf mich nicht hoffen wollten. [Denn wenn die Kirche mit geistlicher Unzucht befleckt wird, so will Gott nicht mehr ihr Ehemann sein, wie auch nicht unrecht).

19. Sie aber trieb ihre Hurerei immer mehr und gedachte an die Zeit ihrer Jugend, da sie in Ägyptenland Hurerei getrieben hatte,

Gedachte: Denn gleichwie die unzüchtigen Leute ihrer vorigen Buhlschaft sich wiederum erinnern, und sich noch im Sinn damit kitzeln, wenn sie gleich mit der Tat ihre Lust nicht büßen können: Also hat das jüdische Volk die ägyptischen Abgötterei, damit sie sich besudelt, da sie noch in Ägypten gewesen, nicht vergessen können, und der ägyptischen Hilfe sich getröstet. So hatte Pharao, der König in Ägypten, zu der Juden Beschützung sich aufgemacht, und einen Zug wider den König zu Babel Nebukad Nezar vorgenommen, auch so viel zuwege gebracht, dass die Belagerung der Stadt Jerusalem ein Zeit lang eingestellt wurde {Jer 37}.

20. und entbrannte gegen ihre Buhlen, welcher Brunst war wie der Esel und der Hengste Brunst.

Buhlen: Die in Ägypten waren, dass sie möchte derselben teilhaftig werden.

Hengste Brunst: Will so viel sagen: Die Juden meinten, dass sie von wegen der Ägypter großer Macht, ihre Freiheit behalten, und nach ihrem Mutwillen leben wollten. [Und braucht der Prophet in seiner Sprache ganz unflätige Reden und Wörter, nicht dass der Heilige Geist an solchen hässlichen Reden ein Gefallen haben, sondern dass man erkenne, wie ein schändliches und abscheuliches Ding es sei vor Gott, wenn man sich auf menschliche Hilfe verlässt).

21. Und bestelltest deine Unzucht wie in deiner Jugend, da die in Ägypten deine Brüste begriffen und deine Zitzen betastet wurde.

Deiner Jugend: Das ist, gleichwie du vorzeiten in Ägypten mit der geistlichen Hurerei dich befleckt und verunreinigt hast, dass du deine Jungfrauenschaft verscherzt. Also hast abermals mit den Ägyptern Unzucht getrieben, und dich ihnen untergeben, da du ihre Hilfe wider die Chaldäer begehrt und all deine Hoffnung auf der Ägypter Kriegsvolk gesetzt hast. [Denn welche nicht in der Betrachtung des göttlichen Wortes und emsiger Anrufung beharren, die fallen leicht in die vorigen Sünden).

22. Darum, Ahaliba, so spricht der Herr Herr: Siehe, ich will deine Buhlen, deren du müde bist geworden, wider dich erwecken und will sie ringsumher wider dich bringen,

Darum: Folgen jetzt die Strafen der vorigen Sünden, welche Gott den Juden und anderen abgöttischen Völkern verkündigt.

Müde bist: Dass du ihrer hast angefangen überdrüssig zu werden und sie zu hassen.

Rings umher: Dass sie mit zusammen gesetzter Hilfe und Beistand dich anfallen werden.

23. nämlich die Kinder Babel und alle Chaldäer mit Hauptleuten, Fürsten und Herren, und alle Assyrier mit ihnen, die schöne junge Mannschaft, alle Fürsten und Herren, Ritter und Edle und allerlei Reiter.

Alle Assyrer: Denn das assyrische und chaldäische Reich war damals zusammen gekommen, und ein Königreich wurde. Es werden aber hier die Assyrer darum besonders namhaft gemacht, weil die Juden vorzeiten mit den Assyrern besonders viel sich eingelassen hatten {2Sam 16}, wie oben auch gemeldet wurde.

24. Und werden über dich kommen, gerüstet mit Wagen und Rädern und mit großem Haufen Volkes, und werden dich belagern mit Tartschen, Schilden und Helmen um und um. Denen will ich das Recht befehlen, dass sie dich richten sollen nach ihrem Recht.

Mit Tartschen: Ist also diese Rüstung der Chaldäer damals der ungarischen, polnischen, türkischen, moskowitischen und tatarischen nicht ungleich gewesen. [Und gleichwie die Strafen den Sünden oft gleich sein, Also sollten die Juden durch der Chaldäer Waffen umgekommen, auf welche sie ihr Vertrauen gesetzt hatten).

Ihrem Recht: Sie sollen wider dich ein Urteil fällen, nach ihren Gesetzen und Gewohnheiten, und dasselbe an dir vollstrecken. [Denn Gott braucht bisweilen eben die, dass er seines Volkes Sünden strafe, welchen zu Gefallen das Volk Gottes den Herrn erzürnt, und mit ihnen gottlose Gemeinschaft hatten).

25. ich will meinen Eifer über dich gehen lassen, dass sie unbarmherzig mit dir handeln sollen. Sie sollen dir Nasen und Ohren abschneiden; und was übrig bleibt, soll durch das Schwert fallen. Sie sollen deine Söhne und Töchter wegnehmen und das Übrige mit Feuer verbrennen.

Handeln sollen: Das ist, ich will verschaffen, nach meinem gerechten Eifer, dass sie sollen wider dich erbittert werden, und gräulich mit dir umgehen.

Abschneiden: Werden also mit dir umgehen, wie man zu Babel mit den Ehebrechern umzugehen pflegt, denen man solche Strafe antut, dass man ihnen Nasen und Ohren abschneidet.

Schwert fallen: Dass also die Chaldäer gräuliche Wüterei treiben werden. [Denn die Feinde gehen entweder gnädig oder gräulich mit uns um, nach dem es ihnen Gott in den Sinn gibt, und entweder ihre Herzen zur Barmherzigkeit bewegt, oder zur Grausamkeit antreibt).

Wegnehmen: Und in eine elende Dienstbarkeit hinreißen.

Verbrennen: Nämlich, die Häuser, welche leer stehen, dass keine Einwohner mehr darin blieben, werden sie in Brand stecken.

26. Sie sollen dir deine Kleider ausziehen und deinen Schmuck wegnehmen.

Ausziehen: Zur Schmach, als wenn jemand ein Weibsbild nackend auszöge.

Schmuck: Damit du deine Pracht triebst: Das ist, es wird dem jüdischen Regiment alles Ansehen und Herrlichkeit oder Majestät entzogen werden.

27. Also will ich deiner Unzucht und deiner Hurerei mit Ägyptenland ein Ende machen, dass du deine Augen nicht mehr nach ihnen aufheben und Ägyptens nicht mehr denken sollst.

Aufheben: Du sollst deine Hoffnung nicht mehr auf ihre Hilfe setzen, weder auf ihre Obrigkeit, noch auf ihre Götzen, weil du von beiden schädlich betrogen wurdest. Dergestalt will ich es endlich mit deiner Bosheit und geistlichen Hurerei ein Ende machen, dass du davon ablassen musst, du wollest gleich oder nicht. [Wir sollen nicht warten, bis uns Gott mit Gewalt von Sünden abwehren muss, sondern viel mehr den Strafen mit wahrer Buße zuvorkommen).

28. Denn so spricht der Herr Herr: Siehe, ich will dich überantworten, denen du feind geworden und deren du müde bist.

Müde bist: Dass du bist ihrer überdrüssig geworden, nach dem du deine Lust mit ihnen gebüßt hast.

29. Die sollen als Feinde mit dir umgehen und alles nehmen, was du erworben hast, und dich nackend und bloß lassen, dass deine Scham aufgedeckt werde samt deiner Unzucht und Hurerei.

Als Feinde: Denn sie werden dir ganz aussätzig sein, und ganz unbarmherzig mit dir umgehen, dass der Hass zu beiden Seiten größer sein wird, als zuvor die Liebe gewesen. Denn der Menschen Herzen sind in Gottes Hand, der neigt sie wohin er will, also dass er aus unseren Feinden Freunde, und aus den Freunden Feinde machen kann).

Erworben: Was du mit großer Mühe und Arbeit dir hast zuwege gebracht, das werden sie rauben.

Aufgedeckt: Dass deine Bosheit an den Tag komme, und du vor jedermann öffentlich zuschanden wirst. [Denn die groben äußerlichen Sünden und Laster, das Vertrauen auf Menschen, und die Abgötterei, werden endlich ans Licht gebracht, und welche sich darin vertiefen, die bestehen mit Schanden).

30. Solches wird dir geschehen um deiner Hurerei willen, so du mit den Heiden getrieben, an welchen Götzen du dich verunreinigt hast.

Geschehen: Aus meinem gerechten Urteil, und dass die Feinde durch meinen Zorn dazu angetrieben werden.

Getrieben: Dass du mit ihnen Freund- und Kundschaft gemacht hast, und dich in Bündnis mit ihnen eingelassen, dagegen aber Gottes vergessen, und mehr Hoffnung auf sie, als auf deinen Gott gesetzt. Und also mit den Heiden unter dem Hütlein gespielt, da du dann zugleich ihre Abgötterei angenommen, damit du abermals einen geistlichen Ehebruch begangen. [Denn Gott braucht oft die gottlosen Heiden dazu, dass er seine Kirche strafe, wenn sie von ihm abgewichen ist. Und welche gern mit gottlosen Leuten umgehen, die nehmen auch immer ihre falsche Religion an, wie etliche Mal erinnert wurde).

31. Du bist auf dem Wege deiner Schwester gegangen; darum gebe ich dir auch derselben Kelch in deine Hand {Ps 75v9 Jer 25v15}.

Deine Hand: Das ist, weil du es den Israelitern zu Samaria mit deiner Bosheit nachgetan, darum will ich dir auch eben aus dem Kelch der Trübsal und des Unglücks zu trinken geben, daraus sie getrunken haben. [Denn welche mit anderen gleiche Sünden tun, die müssen auch gleiche Strafen gewärtig sein).

32. So spricht der Herr Herr: Du musst den Kelch deiner Schwester trinken, so tief und weit er ist; du sollst so zu großem Spott und Hohn werden, dass es unerträglich sein wird.

So tief: Das ist, du wirst einen großen Jammer ausstehen müssen, wie auch das Königreich Samaria von wegen seiner Bosheit ausgestanden hat.

Hohn werden: Vor den anderen Völkern, besonders aber vor den Chaldäern.

Unerträglich: Die Schmach, welche du wirst müssen leiden, wird dir ganz schwer und herb ankommen.

33. Du musst dich des starken Tranks und Jammers vollsaufen; denn der Kelch deiner Schwester Samaria ist ein Kelch des Jammers und Trauerns.

Vollsaufen: Dass du von den Trübsalen gleichsam wirst trunken werden, und nicht wissen, was du tun, oder wo du dich hinwenden sollst, sondern gleichsam schwankst.

34. Denselben musst du rein austrinken, danach die Scherben zerwerfen und deine Brüste zerreißen; denn ich hab es geredet, spricht der Herr Herr.

Rein austrinken: Das ist, das Königreich Juda muss ebenso wohl gräulich verwüstet und allerdings zerstört werden, wie das Königreich Israel. [Es braucht aber dieses Gleichnis des Kelches die Schrift ganz oft, wenn sie von den Trübsalen redet, weil Gott einem jeden ein gewisses Maß der Trübsal, als ein Purgiertrank verordnet hat, und ist solcher Kelch den Auserwählten eine heilsame Arznei, den Verkehrten und Verstockten aber gereicht er zum Verderben).

Zuwerfen: Als wollte er sprechen, es wird dir eben gehen, wie den Vollsäuffern, welche, wenn sie gleich voll sind, dennoch immer mehr trinken, und endlich in voller und toller Weise die Gläser oder Krüge zerbrechen und zerwerfen. Also wirst du auch durch die große Trübsal trunken werden, dass du vor Unsinnigkeit deinen eigenen Leib beschädigen wirst. [Ist es deswegen eine alte, aber unsinnige Weise, dass man aus Völlerei Gläser oder Krüge zerbricht, und darf man sich nicht hoch darüber verwundern, wenn solche endlich ganz unsinnig werden).

Geredet: Darum wird es gewisslich geschehen. [Denn Gottes Drohungen gehen nicht leer ab).

35. Darum so spricht der Herr Herr: Darum dass du mein vergessen und mich hinter deinen Rücken geworfen hast, so trage auch nun deine Unzucht und deine Hurerei {1Sam 14v9 Neh 9v26}.

Rücken geworfen: Dass du mich aus deinem Herzen und Augen gesetzt, und mich nicht geehrt noch geliebt, auch dein Vertrauen nicht allein auf mich gesetzt hast.

Unzucht: Das ist, leide auch jetzt die Strafen deiner Sünde. [Denn welche Gottes Gebote verachten, und ihn nicht gefürchtet haben, die können sich über seine ernstliche Strafe nicht beklagen).

36. Und der Herr sprach zu mir: Du Menschenkind, willst du Ahala und Ahaliba strafen, so erzeige ihnen an ihre Gräuel,

Ihre Gräuel: Will so viel sagen, warum strafst du nach Ausweisung deines Berufes der Israeliten Sünden nicht, die jetzt aus Samaria in Assyrien weggeführt sind, wie auch derer, so noch zu Jerusalem wohnen? Auf dass diese zwar verstehen, in was großer Gefahr sie von wegen ihrer Bosheit stecken, ob sie wollten Busse tun. Jene aber lernen, wie sie die Strafen, so über sie bereits ergangen, mit ihren Sünden wohl verschuldet haben, darum sie das Kreuz, welches ihnen Gott aufgelegt, mit Geduld tragen sollen. [Denn die Kirchendiener sollen den Leuten ihre Sünden anzeigen, auf dass die Irrenden wiederum richtig gebracht, und das bevorstehende Unglück abgewandt werde, was aber bereits ihnen auf dem Halse liegt, sie mit Geduld tragen lernen).

37. wie sie Ehebrecherei getrieben und Blut vergossen und die Ehe gebrochen haben mit den Götzen; dazu ihre Kinder, die sie mir gezeugt hatten, verbrannten sie denselben zum Opfer.

Getrieben: Dass sie mich verlassen, beides durch ihr Vertrauen auf menschliche Kräfte, und dass sie mit den Götzen sich verunreinigt, und mir, dem allmächtigen Gott, die eheliche Treue nicht gehalten haben.

Vergossen: Ohne Ursache, und unschuldigerweise. [Denn die Abgöttischen sind auch grausam, und wenn sie können, so wüten sie wider die, welche ihre falschen Gottesdienste verwerfen, und einen Abscheu davor haben).

Götzen: [Eben das tun die Katholiken auch, welche Bilder und Säulen verehren. Denn sie fallen vor den Bildern nieder, und tun ihre Gebete davor. Wenn sie deswegen leugnen, dass sie die Bilder anbeten, so tun sie eben so viel, als wenn eine Ehebrecherin, die in der Tat erwischt wurde, dennoch dafür schwören wollte, sie hätte nichts Ungebührliches gehandelt).

Mir gezeugt: Dass ich sie ihnen gegeben hatte, und durch den Bund der Beschneidung auch meine Kinder geworden waren.

Denselben: Nämlich, den Götzen, besonders aber einem Abgott, Moloch genannt. Welches eben so viel gewesen, als wenn eine Ehebrecherin den ehelichen Sohn ihres Mannes erwürgte, zerhiebe, kochte, und ihrem ehebrecherischen Liebhaber zu fressen vorsetzte. [In solche unsinnige Weise geraten diejenigen, welche in Religionssachen von dem ausdrücklichen Worte Gottes abweichen, und ihrer Vernunft Urteil folgen. Und sind die nicht um ein Haar besser, welche ihre Kinder in die Klöster stoßen, in denen sie eine gottlose Lehre und falschen Gottesdienst lernen, ja oft auch ihre Leiber mit schändlicher Unzucht beflecken, und also ewig verderben, denen viel besser gewesen wäre, wenn sie dieselben in ihrer Kindheit geschlachtet hätten, wie die Juden getan, als dass sie ihre Leiber und Seelen in die ewige höllische Pein stürzen).

38. Über das haben sie mir das getan: Sie haben meine Heiligtümer verunreinigt damals und meine Sabbate entheiligt.

Getan: Welches ich nicht kann ungerächt hingehen lassen.

Verunreinigt: Mit Gottlosen und falschen Gottesdiensten.

damals: Da der König in Juda, Ahas, einen abgöttischen Altar, den er zu Damaskus gesehen, und sich gefallen, lassen nachmachen, und in den Tempel zu Jerusalem stellen, anstatt des Herrn Altars, den er hatte lassen wegtun {2Sam 16}. Wie sie auch zwar mit anderen falschen Gottesdiensten den Tempel des Herrn verunreinigt haben.

Entheiligt: [Denn wo der Gottesdienst mit Menschensatzungen und falschem Wahn verkehrt wird, da kann keine rechte Heiligung des Sabbats sein. Und je fleißiger und andächtiger die Heuchler in ihren erdichteten und selberwählten Gottesdienste sind, je schwerer sie Gott beleidigen und erzürnen).

39. Denn da sie ihre Kinder den Götzen geschlachtet hatten, gingen sie desgleichen Tages in mein Heiligtum, dasselbe zu entheiligen. Siehe, solches haben sie in meinem Hause begangen.

Tages: Da sie noch mit ihrer Kinder Blut bespritzt waren, und viel besser getan hätten, wenn sie sich von meinem Tempel allerdings enthalten, als dass sie mit beflecktem Leibe und unreinem Herzen hinein gegangen.

Begangen: Dass sie es mit ihrer Unreinigkeit besudelt haben, in dem sie ihre falschen Gottesdienste verrichtet, und dennoch dafür wollen gehalten und angesehen sein, als ob sie meines Gottesdienstes, wie er von mir eingesetzt wurde, sich groß achteten. Da sie denn eben so ehrbar daran gehandelt, als wenn ein ehebrecherisches Weib stracks Fußes von des Ehebrechers Beischlaf zu des Ehemanns Bette ging, und ihn mit ihren Armen lieblich umfangen wollte. [So tun ihm auch die, welche eine falsche Religion annehmen, und wollen dennoch nicht dafür angesehen sein, als ob sie von der reinen Lehre des göttlichen Wortes abgefallen wären).

40. Sie haben auch Boten geschickt nach Leuten, die aus fernen Landen kommen sollten; und siehe, da sie kamen, badetest du dich und schminktest dich und schmücktest dich mit Geschmeide, ihnen zu Ehren,

Sie: Nämlich, die beiden Weiber, Ahala und Ahaliba.

Leuten: Nämlich, nach den gottlosen Heiden, als Ägyptern und Assyrern, die sie zu sich fordert, und zum Bündnis, als zum Beischlaf gelockt haben. Gerade als ob sie der Gott Israel nicht mehr schützen könnte. Und haben mit denselben Heiden also Haus gehalten, dass sie auch ihre Gottesdienste und Religion von ihnen gelernt, und derselben zum großen Teil gefolgt. [Denn ihrer viel lassen sich ihre zeitliche Wohlfahrt viel mehr angelegen sein, als den rechten Gottesdienst und das ewige Leben).

Kamen: Deine Liebhaber, die du zu dir geladen hattest.

Badest du: Dass du den Leib reinigtest, und dich fein sauber wuschest zum Beischlaf.

Zu Ehren: Dass du deinen Buhlen gefallen möchtest, mit denen du begehrst beizuliegen, darum so richtest du dich allerdings nach ihrem Willen und Tun. [Es wird aber mit diesen Worten angezeigt, wie willig etliche denen in allem Gehorsam leisten, die der wahren Religion abhold sind, wenn sie ihrer nur um etwas genießen können).

41. und saßest auf einem herrlichen Bette, vor welchem stand ein Tisch zugerichtet; darauf räuchertest du und opfertest mein Öl darauf.

Zugerichtet: Du hast alle Sachen danach angeordnet, was zur Reizung der Unzucht dienlich war, wie die unzüchtigen Weiber zu tun pflegen, welche zum Wohlleben und zum Beischlaf immer bereit sind.

Mein Öl: Das ist, meine Gaben, die ich dir geschenkt hatte, dass du sie zu meinem Gottesdienst gebrauchen solltest, wie er von mir eingesetzt wurde, die hast zu der heidnischen Abgötter Verehrung angewandt, und sie um Hilfe angerufen, mit denen du Unzucht getrieben. [Denn die Heuchler sind ganz milde in Beförderung der falschen Gottesdienste).

42. dort hob sich ein großes Freudengeschrei; und sie gaben den Leuten, so überall aus großem Volk und aus der Wüste gekommen waren, Geschmeide an ihre Arme und schöne Kronen auf ihre Häupter.

Freudengeschrei: Dass sich das Volk sehr freute über den falschen Gottesdienst, als wenn die Sache wohl ausgerichtet wäre. [Denn die selbsterwählten Gottesdienste schlagen dem gemeinen Mann wohl zu).

Sie: Nämlich, die vorgemeldeten beiden Weiber, Ahala und Ahaliba, taten den abgöttischen Heiden große Ehre an, und stärkten sie in ihrer Abgötterei, der sie sich selber auch übergaben. [Ob es nun wohl den Christen gebührt, dass sie auch gegen denen, welcher einer anderen Religion sind, sich freigiebig und guttätig erzeigen, auf dass sie dadurch zur rechten Religion gelockt werden, und dieselbe annehmen, so soll man doch solche Freundlichkeit also mäßigen, dass sie in ihrer Bosheit dadurch nicht gestärkt werden, oder dass es nicht ein Ansehen gewinne, als ob wir unsere Religion verleugnen wollten).

43. Ich aber gedachte: Sie ist der Ehebrecherei gewohnt von alters her, sie kann von der Hurerei nicht lassen.

Nicht lassen: Sie kann der Büberei nicht müßiggehen, weil sie allerdings darin verhärtet ist. [Denn jung gewohnt, alt getan).

44. Denn man geht zu ihr ein, wie man zu einer Hure eingeht; ebenso geht man zu Ahala und Ahaliba, den unzüchtigen Weibern.

Eingeht: Die ohne alle Scheu und Scham jedermann zu ihr lässt.

Weibern: Das ist, die Heiden haben mit den beiden Königreichen Israel und Juda öffentlich zugehalten, und sie mit heidnischen Aberglauben und falschen Gottesdiensten befleckt, und hat man sich dessen nicht geschämt. [Denn die Abgöttischen wollen es mit ihren falschen Gottesdiensten noch einen Ruhm haben, und damit gesehen sein).

45. Darum werden sie die Männer strafen, die das Recht vollbringen, wie man die Ehebrecherinnen und Blutvergießerinnen strafen soll; denn sie sind Ehebrecherinnen, und ihre Hände sind voll Blut.

Vollbringen: Die zu Richter gesetzt sind, dass sie die Gerechtigkeit handhaben, und das Böse strafen sollen. Denn gleichwie eine Obrigkeit die Laster angemessen straft, als da sind, Ehebruch, Totschlag, Diebstahl, und dergleichen, also will ich auch Richter setzen, nämlich, die Assyrer und Chaldäer, welche wider die oben gemeldeten beiden Königreiche, als Huren, ein gerechtes Urteil fällen, und dasselbe auch mit allem Ernst vollstrecken. Da werden aus göttlicher Schickung ihre falschen Gottesdienste und unrechten Totschläger, die sie an unschuldigen Leuten begangen, gestraft werden.

Voll Blut: Das sie unschuldig vergossen haben, darum will ich sie zur Strafe ziehen.

46. Also spricht der Herr Herr: Führe einen großen Haufen über sie herauf und gib sie in die Rapuse und Raub,

Spricht: Nämlich, in seinem heimlichen Rat, da ihm alles gegenwärtig ist, beides was vergangen und zukünftig ist. Denn was von der Ahala, als von des israelitischen Königreichs Untergang gesagt wird, das war bereits erfüllt, da der Prophet Hesekiel dies geweissagt. Was aber von Ahaliba vorgebracht wird, das war noch zukünftig.

Rapuse: Dass sie in Unruhe gesetzt, das Regiment zerrüttet, und der Heiden Raub werden. Solcher Beschluss ist im Rat Gottes von beiden Königreichen auf einmal gemacht worden. Aber die Vollstreckung ist nicht zu einer Zeit geschehen. Denn das israelitische Königreich hat hundert und drei und dreißig Jahr eher aufgehört, ehe Jerusalem zerstört wurde.

47. die sie steinigen und mit ihren Schwertern erstechen und ihre Söhne und Töchter erwürgen und ihre Häuser mit Feuer verbrennen.

Steinigen: Mit diesen Worten deutet er auf die Strafe der Ehebrecher, welche nach dem Gesetz Mose von der ganzen Gemeinde des Volkes Gottes mussten gesteinigt werden.

Erstechen: Dass die Feinde die Einwohner der beiden Königreiche Israel und Juda umbringen.

Erwürgen: [Denn die Strafen reichen auch bis auf die Nachkommen, wenn sie es ihren Voreltern in der Bosheit nachtun).

48. Also will ich der Unzucht im Lande ein Ende machen, dass sich alle Weiber daran stoßen sollen und nicht nach solcher Unzucht tun.

Weiber: Nämlich, andere Länder und Herrschaften.

Tun: Dass sie nicht auch in gleiche Strafen geraten. [Denn wir sollen bei fremden Schaden lernen klug werden, auf dass wir nicht auch Unglück auf uns laden).

49. Und man soll eure Unzucht auf euch legen, und sollt eurer Götzen Sünde tragen, auf dass ihr erfahrt, dass ich der Herr Herr bin.

Legen: Das ist, die Strafen eurer Sünden sollen über euch kommen, welche ihr mit eurer Abgötterei verdient habt.

Herr bin: Der gerechte Richter über alles gottlose Wesen.


Das 24. Kapitel


1. Gott zeigt mit dem Gleichnis vom Topf, darin Fleisch gekocht wird, an, in was großen Ängsten die Bürger zu Jerusalem geraten würden. v. 1. 2. Und lehrt mit dem Zeichen des unversehenen Todes seines (des Propheten) Weibes, die er nicht beklagen darf, wie den Juden zu Jerusalem nicht so viel Platz werde gelassen werden, ihr Unglück zu beweinen, v. 15.

1. Und es geschah das Wort des Herrn zu mir im neunten Jahr, am zehnten Tage des zehnten Monden, und sprach:

Neunten Jahr: Nämlich, von der Zeit an, da der König in Juda Jojachin, mit etlichen vornehmen Bürgern zu Jerusalem, gen Babel war gefangen weggeführt worden.

Zehnten Monden: Der zum Teil in unseren Christmonat, zum Teil in den Januar fällt.

2. Du Menschenkind, schreibe diesen Tag an, ja eben diesen Tag; denn der König zu Babel hat sich eben an diesem Tage wider Jerusalem gerüstet.

Gerüstet: Mit Waffen und anderen Sachen, die man zum Kriege gebraucht. Darum dürfen die Bürger zu Jerusalem sich nicht davon träumen lassen, dass ihnen ihre Treulosigkeit werde ungestraft hingehen. [Denn Gott braucht auch gottlose Leute dazu, dass er sein gerechtes Urteil wider sein sündiges Volk vollstrecke).

3. Und gib dem ungehorsamen Volk ein Gleichnis und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Setze einen Topf zu; setze zu und gieß Wasser hinein {Jer 1v13 Hes 11v3}.

Gleichnis: [Denn die Gleichnisse haften viel fester in der Menschen Herzen, als sonst gemeine Reden, darum auch Christus derselben oft gebraucht hat).

4. Tue die Stücke zusammen darin, die hinein sollen, und die besten Stücke, die Lenden und Schultern, und fülle ihn mit den besten Markstücken.

Stücke: Nämlich, vom Fleisch, die in einen Topf gehören.

Besten Stücke: Durch welche die Vornehmsten, Reichsten, Ansehnlichsten, Weisesten, und Mächtigsten im Königreich Juda verstanden werden, die in der Stadt Jerusalem als in einem Topf zusammen gebracht werden, dass sie da in der Belagerung mit vielem Jammer geängstigt und gequält würden. [Denn wenn Gott strafen will, so sieht er die Person nicht an, und macht den Reichen kein besonderes).

5. Nimm das Beste von der Herde und mache ein Feuer darunter, Markstücke zu kochen, und lass es getrost sieden und die Markstücke darin wohl kochen.

Wohl kochen: Damit das Mark aus den Beinen herausdringe. [Und wird durch dieses heftige Sieden die Größe des Zorns Gottes, der sich wider der Menschen Sünden entzündet hat, angedeutet, den wir durch wahre Buße meiden und mildern sollen).

6. Darum spricht der Herr Herr: O der mörderischen Stadt, die ein solcher Topf ist, da das Angebrannte darin klebt, und nicht aufhören will! Tue ein Stück nach dem anderen heraus, und darfst nicht darum losen, welches erst heraus soll.

Darum: Folgt jetzt die Erklärung dieses Gleichnis.

Stadt: Nämlich, der Stadt Jerusalem, die sich mit schrecklichem Blutvergießen unschuldiger Leute besudelt hat.

Topf ist: Darin die vornehmsten Juden sollen versammelt werden, auf dass sie da für ihre Bosheit rechte Strafen empfangen.

Nicht aufhören: Das ist, die Bosheit klebt so fest an dieser Stadt, dass sie nicht mehr zu reinigen ist.

Heraus soll: Sondern wie dir ein Stück nach dem anderen am ersten vorkommt, so wirf es aus dem Topf. Und sieht es ihm gleich, als ob es vorzeiten bei den Juden gebräuchlich gewesen, dass man zu Vergnügen das Los darüber geworfen, was einem jeden für ein Stück vom Fleisch zukommen würde. Aber an diesem Ort wird angezeigt, wie die Einwohner der Stadt Jerusalem, nach dem sie durch Krieg, Hunger, und Pestilenz, jämmerlich ausgekocht werden, endlich ohne Unterschied, und ungeachtet, wes Standes, Wesens, oder Alters ein jeder sei, ins Elend werden hinaus geworfen, etliche auch zum Tode hingerissen werden. [Denn so lange man nicht Busse tut, so wird das Unglück nicht gemindert, sondern gemehrt).

7. Denn ihr Blut ist darin, dass sie auf einen bloßen Felsen und nicht auf die Erde verschüttet hat, da man es doch hätte mit Erde können zuscharren.

Verschüttet: Das ist, die Bosheit in dieser Stadt ist so groß, dass man sich über der Propheten Ermordung noch darin rühmen darf, als ob die Sache wohl ausgerichtet wäre und tut nicht, wie die, welche, wenn sie ungefähr einen Totschlag begangen, nichts mehr begehren, denn dass er möge verborgen bleiben und ausgesöhnt werden. Darum wird solche Grausamkeit der Stadt Jerusalem nicht anders können ausgesöhnt werden, denn bis dieselbe genügend gestraft wurde. [Es sind aber die Heuchler auch Bluthunde, und wenn sie unschuldige Leute um der rechten Religion willen umbringen, so meinen sie, sie tun Gott einen angenehmen Dienst daran {Joh 16}.

8. Und ich hab auch darum sie lassen dasselbe Blut auf einen bloßen Felsen schütten, dass es nicht zugescharrt würde, auf dass der Grimm über sie käme und gerächt würde.

Gerächt würde: Als wollte er sprechen, ich habe es eben darum geschehen lassen, dass sie sich noch ihrer Bosheit gerühmt, auf dass sie nicht verborgen bliebe, noch ihnen ungestraft hinginge. [Denn Gott kann es nicht leiden, wenn sich jemand seiner Bosheit noch allererst rühmen will. Und werden die unrechten Totschläger nicht so leicht verborgen, als man sie tut).

9. Darum spricht der Herr Herr also: O du mörderische Stadt, welche ich will zu einem großen Feuer machen {Nah 3v1 Hab 3v12}!

Feuer machen: Damit ich sie plagen und peinigen will.

10. Trage nur viel Holz her, zünde das Feuer an, dass das Fleisch ganz werde, und würze es wohl, dass die Markstücke anbrennen!

Anbrennen: Will so viel sagen, Gott wird nichts unterlassen, an allem, was zu der Einwohner Jerusalem Peinigung förderlich sein mag.

11. Lege auch den Topf leer auf die Glut, auf dass er heiß werde und sein Erz entbrenne, ob seine Unreinigkeit zerschmelzen und sein Angebranntes aufhören wollte.

Lege: Nämlich, nach dem das Fleisch genug gekocht wurde, und du es wieder heraus getan hast.

Angebranntes: Dass, nämlich, vom angebrannten Fleisch inwendig am Topf klebt.

12. Aber das Angebrannte, wie fast es brennt, will nicht aufhören, denn es ist zu sehr angebrannt; es muss im Feuer verschmelzen.

Verschmelzen: [Denn etliche werden durch keinen Unfall gebessert, bis sie zugrunde gehen).

13. Deine Unreinigkeit ist so verhärtet, dass, ob ich dich gleich gerne reinigen wollte, dennoch du nicht willst dich reinigen lassen von deiner Unreinigkeit. Darum kannst du fort nicht wieder rein werden, bis mein Grimm sich an dir gekühlt hat {Hes 16v42}.

Lassen: Das ist, wenn ich dich gleich durch Trübsal, als durch das Feuer, gern wollte reinigen und säubern, wirst du doch dadurch weder gereinigt noch gebessert.

Gekühlt: Dass ich meinen gerechten Zorn dich zu strafen genügend über dich habe ergehen lassen. [Denn welche die väterlichen Ruten Gottes verachten, die geraten endlich ins Verderben).

14. Ich, der Herr, hab es geredet; es soll kommen. Ich will es tun und nicht säumen; ich will nicht schonen noch mich es reuen lassen, sondern sie sollen dich richten, wie du gelebt und getan hast, spricht der Herr Herr.

Kommen: Nämlich, das Übel, welches ich ihnen drohe.

Tun: Nämlich, der Stadt Jerusalem, alles was ich zuvor gesagt habe.

Richten: Nämlich, die Chaldäer sollen mein gerechtes Urteil vollstrecken. [Denn Gott wendet die Strafen nicht ab, welche er über die Gottlosen beschlossen hat, so lange sie nicht ernstliche Busse tun).

15. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

16. Du Menschenkind, siehe, ich will dir deiner Augen Lust nehmen durch eine Plage. Aber du sollst nicht klagen noch weinen, noch eine Träne lassen.

Augenlust: (Nach Luther) Dein Eheweib, da du Trost, Lust und Freude von hast.

Nehmen: Das ist, ich will durch eine plötzliche Krankheit dein Weib lassen sterben, die du mit Freuden und Lust pflegtest anzuschauen. [Denn ein Ehemann soll sein eigenes und nicht eines fremden Weib für seine Augenlust halten, und sie nicht mit störrischen oder boshaften, sondern mit freundlichen Augen anschauen. Das Weib aber soll sich mit Zucht, Demut, und Freundlichkeit also verhalten, dass der Mann sie mit Freuden und fröhlichem Herzen ansehen könne).

Nicht klagen: Über dein Weib, das du verloren hast, und solches um besonderer Ursachen willen, die ich dir jetzt sagen will.

17. Heimlich magst du seufzen, aber keine Totenklage führen, sondern du sollst deinen Schmuck anlegen und deine Schuhe anziehen. Du sollst deinen Mund nicht verhüllen und nicht das Trauerbrot essen.

Totenklage: Wie man über die Toten mit traurigen Gebärden und Kleidungen zu führen pflegt.

Anlegen: Und dich kleiden, nicht wie einer der zur Leiche, sondern zum Wohlleben gehen will.

Anziehen: Dass du nicht barfuß gehst, wie die zu tun pflegen, welche Leid tragen.

Trauerbrot: Dass du mit deinen Freunden nach beschickter und zur Erde bestatteter Leiche nicht zu Tische sitzt. [Denn die Alten hatten es im Brauch, dass die Freunde nach der Leiche pflegten miteinander zu essen und zu trinken. Und hat ein jedes Land in diesem Stücke seine besonderen Zeremonien und Gewohnheiten, die frei sein sollen, sofern nichts gottloses dabei ist: Aber wir sollen in allem Maß halten, dass wir nicht ganz zu traurig sind, wie die Heiden {1Thes 4}. Und uns doch auch nicht dergleichen stellen, als ging es uns gar nicht an, oder als ob wir denen nicht hold gewesen wären, welcher Gemeinschaft uns durch den Tod entzogen wurden).

18. Und da ich des Morgens früh zum Volk redete, starb mir zu Abend mein Weib. Und ich tat des anderen Morgens, wie mir befohlen war.

Redete: Dass ich den Juden eine Predigt tat.

Tat: Dass ich nicht weinte, noch meine Kleidung änderte, auch nicht andere Zeremonien hielt, die man bei den Leichen zu halten pflegt, sondern ich verdrückte meinen Schmerzen, und seufzte heimlich. [Denn man muss Gott gehorchen, ob es gleich vor der Welt ein närrisches Ansehen hat, was er uns gebietet).

19. Und das Volk sprach zu mir: Willst du uns denn nicht anzeigen, was uns das bedeute, dass du tust?

Tust: In dem du keine Klage führst, über dein liebes verstorbenes Weib, denn das wird gewisslich etwas Besonderes bedeuten, und nicht vergebens von dir geschehen?

20. Und ich sprach zu ihnen: Der Herr hat mit mir geredet und gesagt:

21. Sage dem Hause Israel, das der Herr Herr spricht also: Siehe, ich will mein Heiligtum, euren höchsten Trost, die Lust eurer Augen und eures Herzens Wunsch, entheiligen; und eure Söhne und Töchter, die ihr verlassen müsst, werden durch das Schwert fallen;

Hause Israel: Nämlich, den Juden, die noch zu Jerusalem sind, dass du ihnen folgende Weissagung anzeigst.

Trost: Darauf ihr euch verlasst, und euch dessen rühmt.

Lust: Dessen ihr euch freut, als über ein herrliches und sehr köstliches heiliges Gebäude, und meint, ihr werdet so lange bleiben, als lange der Tempel steht, weil ihn Gott selber bauen hieß, und sein Muster beschrieben hat.

Entheiligen: Nämlich, durch die Heiden und Chaldäer, welche ihn mit Totschlagen oder anderen Sünden verunreinigen sollen. [Denn wenn entweder die Kirche mit falscher Lehre und Abgötterei besudelt werden, oder aber die Zuhörer das Wort Gottes und die Religion zu ihren Sünden und Abgötterei missbrauchen, daneben aber ein gottloses Leben führen, so wird Gott erzürnt, und lässt es geschehen, dass solche Städte von den Feinden mit Gewalt erobert werden, und die Mannspersonen, so in die Kirche fliehen, da erwürgt, die Jungfrauen aber und Matronen darin vor dem Altar geschändet werden, wie die Historien bezeugen).

Schwert fallen: Und werdet sie also verlieren, von denen ihr hofftet Nachkommen zu erhalten und euer Geschlecht zu mehren. [Denn Gott straft der gottlosen Eltern böse Kinder, und lässt ihr Geschlecht vertilgt werden).

22. und müsst tun, wie ich getan habe: Euren Mund müsst ihr nicht verhüllen und das Trauerbrot nicht essen,

23. sondern müsst euren Schmuck auf euer Haupt setzen und eure Schuhe anziehen. Ihr werdet nicht klagen noch weinen, sondern über euren Sünden verschmachten und untereinander seufzen.

Anziehen: Dass es alles wider den gemeinen Brauch zugehen wird, und ihr euch müsst fröhlich stellen, in eurem größten Herzeleid.

Nicht klagen: Über den Tempel, dass er verbrannt, und über eure Kinder, dass sie erwürgt wurden.

Seufzen: Und euch doch nichts dürfen merken lassen, als ob ihr traurig und schwermütig seid, damit ihr den grausamen Feind nicht noch mehr wider euch erbittert. [Es ist aber dies der größten Jammer eins, wenn wir unseren Unfall von wegen der Tyrannen Grausamkeit auch nicht beklagen oder beweinen dürfen).

24. Und soll also Hesekiel euch ein Wunder sein, dass ihr tun müsst, wie er getan hat, wenn es nun kommen wird, damit ihr erfahrt, dass ich der Herr Herr bin.

Wunder sein: Dass durch seine ungewöhnlichen Gebärden und seltsamen Handlungen euch zu verstehen geben werde, was den Juden zu Jerusalem begegnen wird.

Kommen wird: Nämlich, das große Unglück, davon ich gesagt habe.

Herr bin: Dessen Drohungen nicht leer aufhören. [Denn man soll der Propheten Weissagungen nicht verachten. Sie weissagen uns aber, wenn sie erzählen, mit was Strafen Gott die Sünden und Laster heimsuche. Wenn deswegen gleiche Laster begangen werden, so muss man auch gleiche Strafen gewärtig sein).

25. Und du, Menschenkind, zu der Zeit, wenn ich wegnehmen werde von ihnen ihre Macht und Trost, die Lust ihrer Augen und ihres Herzens Wunsch, ihre Söhne und Töchter,

Lust: Nämlich, den Tempel zu Jerusalem, wenn sie denselben werden sehen brennen, dessen sie sich jetzt überheben.

Und Töchter: Die ich dem Feinde überliefern werde, dass er sie entweder erwürge, oder in eine elende Dienstbarkeit gefangen wegführe.

26. ja, zur selbigen Zeit wird einer, so entronnen ist, zu dir kommen und dir es kundtun.

Zeit: Bald nach geschehener Zerstörung der Stadt Jerusalem, und des jüdischen Königreichs.

Kundtun: Wie es zugegangen sei. Denn du die selbige Zeit erleben wirst, da solches geschehen soll.

27. Zur selbigen Zeit wird dein Mund aufgetan werden samt dem, der entronnen ist, dass du reden sollst und nicht mehr schweigen; denn du musst ihr Wunderzeichen sein, dass sie erfahren, ich sei der Herr.

Samt dem: Also, dass beide du, und der entronnen ist, werdet dürfen frei heraus reden, was für ein Unglück über Jerusalem ergangen ist, und wird es euch niemand wehren können, noch widersprechen, wie bis daher von vielen geschehen. [Denn ob man wohl der Betrübten mit Erzählung ihres Unglücks, nicht spotten soll, so soll man doch auch Gottes gerechte Gericht nicht verbergen, um der Ehre Gottes und anderer Leute Besserung willen).

Wunder sein: Nämlich, unterdes, bis solches geschehen wird, musst du mit deinen oben erzählten Handlungen den Israeliten sein, wie ein Wunder, und mit der Tat zu verstehen geben, was ihnen begegnen wird.

Sie erfahren: Nämlich, die Juden zu Jerusalem, was sie bisher nicht glauben wollen, wie ich ein wahrhaftiger und gerechter Gott bin, und das Böse strafe. [Wir sollen viel mehr den göttlichen Drohungen glauben, und unser Leben bessern, damit wir nicht mit unserer selbst jämmerlichen Erfahrung klug werden).


Das 25. Kapitel


1. Der Prophet lehrt, dass die Ammoniter, Moabiter, Edomiter, und Philister, welche sich über der Israeliten Unglück freuten, gleichen Unfall zu erwarten hätten.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: In diesem und etlichen folgenden Kapiteln verkündigt der Prophet denjenigen schrecklichen Strafen, welche die Kirche Gottes betrübt hatten, noch betrübten, und weiter bis an den Jüngsten Tag betrüben werden. Und sind diese Weissagungen den Auserwählten zum Trost, dass sie nicht verzagen sollen, wenn sie sehen, dass die Feinde Gottes eine Zeit lang Glück haben, sondern sich erinnern, dass dieselben einmal jämmerlich umkommen werden, und um ihrer Grausamkeit willen, die sie wider die Kirche Gottes geübt, harte Strafe leiden müssen. So werden auch den Gottlosen ihre Strafen zuvor verkündigt, auf dass sie keine Unwissenheit vorzuwenden haben. Und sieht es ihm gleich, als ob diese Weissagungen von dem Propheten hervor gebracht wurden, nach der Stadt Jerusalem Zerstörung, welches auch aus den Umständen etlichermaßen zu lesen ist.

2. Du Menschenkind, richte dein Angesicht gegen die Kinder Ammon und weissage wieder sie {Jer 49v1}.

Weissage: Wie sie so jämmerlich werden zugrunde gehen. Es hatten aber die Ammoniter ihre Herkunft von dem Patriarchen Lot, der sie aus der Blutschande, mit seiner Tochter begangen, gezeugt, wie man liest {1Mos 19} [Und geschieht es oft (doch auch nicht immer) dass, welche aus einem ungebührlichen Beischlaf geboren wurden, eines verkehrten Sinnes, und boshaften Gemüts sind).

3. Und sprich zu den Kindern Ammon: Hört des Herrn Herrn Wort! So spricht der Herr Herr: Darum dass ihr über mein Heiligtum sprecht: Heh, es ist entheiligt! Und über das Land Israel: Es ist verwüstet! Und über das Haus Juda: Es ist gefangen weggeführt!

Heiligtum: Nämlich, über den Tempel zu Jerusalem, da ihr gesehen, dass derselbe verbrannt wurde, habt ihr euch viel giftiger Stichreden und Gespött vernehmen lassen. [Denn es freuen sich die Feinde der Kirche, und treiben das Gespött daraus, wenn sie sehen, dass dieselbe von dem Herrn gezüchtigt wird. Aber solche Freude der Gottlosen währt nicht lange).

4. Darum siehe, ich will dich den Kindern gegen Morgen übergeben, dass sie ihre Schlösser darin bauen und ihre Wohnung darin machen sollen; sie sollen deine Früchte essen und deine Milch trinken.

Machen sollen: Das ist, sie werden dein Land einnehmen, und darin bleiben, Städte, Schlösser und Dörfer darin bauen und bewohnen, und nicht nur auf den Streif herumziehen, und plündern, als die es bald wiederum verlassen wollten.

Trinken: Sie sollen der Güter genießen, die in deinem Lande gefunden werden. Denn dass der Ammoniter Land ganz gute Viehweide, und eine herrliche Viehzucht hatte, bezeugen auch andere mehr Örter der Heiligen Schrift.

5. Und will Rabbath zum Kamelstall machen und die Kinder Ammon zur Schafhürde machen; und sollst erfahren, dass ich der Herr bin.

Rabbath: Die königliche Hauptstadt in der Ammoniter Land, derer in der Schrift oft gedacht wird.

Kamelstall: Da zuvor Könige und Fürsten gewohnt haben, wird man Kamele stellen.

Schafhürde: Also, dass an denen Orten, da jetzt die Ammoniter ihre Städte und Dörfer haben, man keine Gebäude mehr sehen wird, sondern wüste Örter, da das Vieh weidet.

Herr bin: Der ich die Schmach und Unbilligkeit meines Namens, und meiner Kirche räche. [Denn obwohl Gott über die Sünden seines Volkes zürnt, und sie hart straft, so kann er doch derjenigen Mutwillen auch nicht lange zusehen, und ungerächt lassen, welche der betrübten Kirche spotten. Die Weissagung aber von der Zerstörung der königlichen Stadt Rabbath, erinnert uns, dass auch die allermächtigsten und reichsten Städte um der Bosheit und gottlosen Wesens willen verwüstet und zerstört werden).

6. Denn so spricht der Herr Herr: Darum dass du mit deinen Händen geklatscht und mit den Füßen gescharrt und über das Land Israel von ganzem Herzen so höhnisch dich gefreut hast,

Geklatscht: Dass du die Hände hast zusammen geschlagen, und deine Freude damit erzeigt, wie die Kinder tun, welche für großen Freuden dergleichen Gebärden treiben.

Land Israel: Welches eines teils von den Assyrern verwüstet, das übrige aber durch die Chaldäer vollends verdorben wurde.

7. darum siehe, ich will meine Hand über dich ausstrecken und dich den Heiden zur Beute geben und dich aus den Völkern ausrotten und aus den Ländern umbringen und dich vertilgen; und sollst erfahren, dass ich der Herr bin.

Ausstrecken: Zu strafen, und will verschaffen, dass dich diese Freude einmal bereuen und leid werden soll.

Erfahren: Nämlich, du gottloses ammonitisches Volk, sollst mit deinem großen Unglück innewerden, dass ich meines Volkes Schmach rächen will. [Denn wer sich über andere, besonders aber über der Frommen Unglück freut, der gerät in gleichen oder wohl größeren Jammer).

8. So spricht der Herr Herr: Darum dass Moab und Seir sprechen: Siehe, das Haus Juda ist eben wie alle anderen Heiden {Jer 48v1},

So] Jetzt weissagt der Prophet von den Moabitern und Edomitern, die auch der Juden böse Nachbarn waren. Und hatten die Moabiter ebenermaßen ihre Herkunft von den Patriarchen Lot, aus der Blutschande, die er mit seiner anderen Tochter begangen, waren aber den Israeliten auch sehr aufsässig: Wie nicht wenige die Edomiter, so vom Esau herkamen.

Heiden: Welche gottlos sind, und zugrunde gehen. Also ist das Königreich Juda nicht besser, ob gleich die Juden mit ihrer besonderen Religion eine Pracht getrieben, und besser sein wollen, als andere Völker. Aber Gott achtet ihr so wenig, als der allergottlosesten Heiden. [Denn die Gottlosen hassen, verachten, und verfluchen die Kirche Gottes von wegen ihrer besonderen Religion, und glauben nicht, dass Gott für sie sorge, weil sie bisweilen von ihm gezüchtigt wird).

9. siehe, so will ich Moab zur Seite öffnen in seinen Städten und in seinen Grenzen des edlen Landes, nämlich Beth-Jesimoth, Baal-Meon und Kiriathaim,

Zur Seite: Da die Feinde einen Weg finden sollen, dass sie von der Seiten her kommen, und die Städte der Moabiter überfallen.

Edlen Landes: Der Moabiter, welches ein fruchtbares Land ist, und viele schöne Städte hat, dieselben sollen alle in der Meder und Perser Gewalt kommen, so gegen dem Morgen wohnen.

10. den Kindern gegen Morgen samt den Kindern Ammon, und will sie ihnen zum Erbe geben, dass man der Kinder Ammon nicht mehr denken soll unter den Heiden.

Kindern Ammon: Welche auch in der vorgemeldeten Völker, so gegen Morgen wohnen, Hände geraten sollen.

Denken soll: Denn es sollen die Ammoniter und Moabiter mit einander vertilgt werden.

11. Und will das Recht gehen lassen über Moab, und sollen erfahren, dass ich der Herr bin.

Gehen lassen: Dass ich ein Beispiel meines gerechten Gerichts wider ihre Bosheit sehen lasse.

Herr bin: Der ich derjenigen Bosheit ernstlich strafe, welche der Elenden spotten. [Denn wenn Gott sein Volk gezüchtigt hat, so schüttet er seinen Zorn aus über die Heiden, welche seine Kirche hassen).

12. So spricht der Herr Herr: Darum dass sich Edom am Hause Juda gerächt hat und damit sich verschuldet mit ihrem Rächen {Jer 49v7},

Gerächt: Denn obwohl die Edomiter auch der Israeliten Verwandte waren, so hassten sie doch dieselben aufs äußerste, und wo sie konnten, begehrten ihnen zu schaden, freuten sich auch, wenn es ihnen übel ging, wie der 137. Psalm bezeugt.

Verschuldet: Dass sie eben dadurch ihr Recht verscherzt haben, dieweil sie sich selber zu rächen begehrten. Denn die Israeliten hatten an ihren bösen Nachbarn und Blutsverwandten, den Edomitern, etliche Mal Strafe geübt, weil es Gott also haben wollte, und ihnen beigestanden war, wie die Bücher der Könige bezeugen. Da nun die Chaldäer das Königreich Juda überzogen, nahmen die Edomiter die Gelegenheit an die Hand, und schlugen sich zu den Chaldäern. Taten auch den Israeliten großen Schaden, auf dass sie sich der Gestalt an den Israeliten rächen möchten, von wegen des Ungemachs, so sie vor der Zeit von denselben erlitten, zu dem waren sie ohne das von alters her der Israeliten abgesagten Feinde. [Denn wenn Schwäger oder Blutsverwandte einander feind werden, so sind sie viel mehr und heftiger über einander erbittert, als Fremde).

13. darum spricht der Herr Herr also: Ich will meine Hand ausstrecken über Edom und will ausrotten von ihm beide, Menschen und Vieh; und will sie wüste machen von Theman bis gen Dedan und durch das Schwert fällen.

14. Und will mich an Edom rächen durch mein Volk Israel, und sollen mit Edom umgehen nach meinem Zorn und Grimm, dass sie meine Rache erfahren sollen, spricht der Herr Herr.

Rächen: Welches geschehen ist, da die Kinder Israel nach der Babylonischen Gefangenschaft wieder heimkommen, wie das erste Buch der Makkabäer bezeugt, Kapitel 5.

Rache erfahren: Wenn, nämlich, die Israeliten mein gerechtes Urteil an ihnen vollstrecken werden. [Denn welche ihr rachgieriges Gemüt wider die Kirche erzeigen, an denen rächt sich Gott der Herr wieder).

15. So spricht der Herr Herr: Darum dass die Philister sich gerächt haben und den alten Hass gebüßt nach all ihrem Willen am Schaden (meines Volkes) {Jer 47v1},

So] Jetzt weissagt der Prophet von den Philistern, die des Volkes Gottes stetige Feinde waren.

Alten Hass: Denn es hatten die Philister einen alten Neid wider die Israeliten, da nun die Juden von den Chaldäern überfallen wurden, nahmen die Philister die Gelegenheit auch war, und fügten den Juden viel Schaden zu, spotten dazu ihrer in ihrem Elend. [Es wurzelt aber kaum sonst etwas so tief in der Menschen Herzen, als der Hass. Jedoch sollen die Christen die alten Feindschaften aus den Herzen reißen, und keinen neuen Platz geben).

16. darum spricht der Herr Herr also: Siehe, ich will meine Hand ausstrecken über die Philister und die Krieger ausrotten und will die Übrigen am Hafen des Meers umbringen

Krieger: Welche eine Lust haben, Menschenblut zu vergießen.

Des Meers: Das ist, die am Meer wohnen. Denn der Philister Land stößt an das Mittelländische Meer.

17. und will große Rache an ihnen üben und mit Grimm sie strafen, dass sie erfahren sollen, ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen geübt habe.

Geübt: Solche Rache haben später die Chaldäer vollstreckt, wie aus dem Propheten (Jer. Kapitel 47. und Amos. 1) zu lesen ist. [Denn Gott ist aller Grausamkeit feind, und straft sie aufs ernstlichste, besonders welche wider seine Kirche vorgenommenen wird).


Das 26. Kapitel


1. Weil die Stadt Tyrus über der Zerstörung Jerusalem sich gefreut, wird ihr auch ihr Untergang gedroht. v. 1. 2. Wie auch von der letzten Verwüstung derselben Stadt, so vom großen Alexander geschehen, etwas geweissagt wird. v. 19.

1. Und es begab sich im elften Jahr, am ersten Tage des ersten Monden, geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Und: Dies Kapitel begreift eine Weissagung in sich von der Stadt Tyri Untergang, welche eine herrliche Kaufstadt in der Nachbarschaft des jüdischen Landes war. Es soll aber dieselbe Stadt vorzeiten siebenhundert Schritte vom Lande abgesondert gewesen sein, dass sie wie eine Insel im Wasser gelegen, gleichwie jetziger Zeit Venedig. Später aber, da der große Alexander wider sie gestritten, habe er lassen so viel Erde zuführen, dass man zu Land trockenes Fußes können dahinkommen. Es waren aber die Tyrer mit den Juden auch nicht immer eins. Darum da die Stadt Jerusalem erobert war, erhoben sie sich auch über die Juden, und freuten sich, weil sie hofften, es würde nach der Stadt Jerusalem Zerstörung ihre Kaufmannschaft und Handel besser vonstattengehen, als zuvor. Aber der Prophet verkündigt ihnen ihren Untergang.

Elften Jahr: Nämlich, nach dem Jojachin der König Juda sich dem Könige zu Babel ergeben hatte und gen Babel ins Elend war hinweg geführt wurde.

Ersten Monden: Der zum Teil mit unserem März, zum Teil in den April.

2. Du Menschenkind, darum dass Tyrus spricht über Jerusalem: Heh, die Pforten der Völker sind zerbrochen, es ist zu mir gewandt; ich werde nun voll werden, weil sie wüste ist {Jer 17v4 Am 1v9};

Zerbrochen: Das ist, die mächtige Stadt Jerusalem ist zerstört, mit der viele Völker Hantierung und Gewerbe getrieben, dass sie ihre Ware hinein gebracht, daher sie sehr reich und mächtig wurde, solche Nutzung wird jetzt nach ihrer Zerstörung allerdings mir zukommen, weil die Handelsleute, so zuvor dorthin gezogen, jetzt werden zu mir einkehren, und mich voller Reichtum machen. [Aber der Geiz nimmt alle freundliche Zuneigungen aus der Menschen Herzen hinweg, dass die Geizigen um eigenes Nutzes willen auch ihrer Freunde und Nachbarn Untergang sich freuen, mit denen sie doch zum wenigsten ein Mitleiden haben sollten, wenn sie ihnen ja nicht könnten zu Hilfe kommen).

3. darum spricht der Herr Herr also: Siehe, ich will an dich, Tyrus, und will viele Heiden über dich heraufbringen, gleichwie sich ein Meer erhebt mit seinen Wellen.

An dich: Und will mich aufmachen, dich zu strafen.

Wellen: Das ist, gleichwie das Meer vom ungestümen Winde bewegt wird, und über sich steigt, dass die Wellen, alles was an sie kommt, überfallen. Also werden dich viele und mächtigere Völker überziehen. Es braucht aber der Prophet das Gleichnis vom ungestümen Meer, weil solche den Tyrern, die am Meer wohnten, nicht unbekannt war.

4. Die sollen die Mauern zu Tyrus verderben und ihre Türme abbrechen; ja, ich will auch den Staub vor ihr wegfegen und will einen bloßen Fels aus ihr machen

Fegen: Dass auch derselbe von Tyro nicht soll überbleiben.

Fels: Dass nur das bloße Fundament der Stadt da bleibe.

5. und zu einem Ort im Meer, darauf man die Fischgarne ausspannt; denn ich hab es geredet, spricht der Herr Herr: Und sie soll den Heiden zum Raub werden.

Aufspannt: Das ist, die herrliche Stadt, in der jetzt der stattliche Palast ist, und ein großer Kaufhandel darin getrieben wird, die wird so ganz zerrissen und zerstört da liegen, dass man keinen anderen Nutzen davon wird haben können, denn dass die Fischer ihre Netze darauf spannen, wenn sie dieselben trocknen wollen. [Soll deswegen keine feste oder reiche und mächtige Stadt sich wider Gott auf lehnen).

Geredet: Der ich nicht vergeblich drohe, sondern meinen Worten Kraft gebe, und sie in der Tat erfülle.

Raub werden: Welche zuvor auch viel beraubt hat. [Denn übel gewonnen, übel zerronnen).

6. Und ihre Töchter, so auf dem Felde liegen, sollen durch das Schwert erwürgt werden; und sollen erfahren, dass ich der Herr bin.

Töchter: Das ist, wenn sie etwa kleine Städte und Dörfer auf dem Lande haben werden, die sollen auch verwüstet, und ihre Einwohner erwürgt werden. [Denn wenn die kleinen Städte auf der mächtigen Städte Schutz trauen und bauen, so werden sie auch mit denselben zerstört. Und welche ihre Hoffnung auf Menschen setzen, die werden zuschanden).

Erfahren: Nämlich, die Tyrer werden mit ihrem großen Schaden und Nachteil innen werden.

Herr bin: Ein Rächer des Geizes, und Feind derjenigen, die meiner betrübten Kirche spotten.

7. Denn so spricht der Herr Herr: Siehe, ich will über Tyrus kommen lassen Nebukadnezar, den König zu Babel, von Mitternacht her, der ein König aller Könige ist, mit Rossen, Wagen, Reitern und mit großem Haufen Volkes.

Mitternacht: Denn vom jüdischen Land zu rechnen, war die Stadt Babel gegen Mitternacht gelegen.

Aller Könige: Welcher der allermächtigste Monarch auf Erden ist, und nicht allein Fürsten, sondern auch Könige unter seinem Gebiet und Gewalt hat.

Haufen Volkes: Die alle werden wohl gerüstet sein. Mit denen er diese Stadt belagern, und nicht eher ablassen wird, er habe sie denn erobert.

8. Der soll deine Töchter, so auf dem Felde liegen, mit dem Schwert erwürgen; aber wider dich wird er Bollwerk aufschlagen und einen Schutt machen und Schilde wider dich rüsten.

Töchter: Nämlich, die kleine Städte und Dörfer, so du auf dem Lande hast, wird er verwüsten, und ihre Einwohner erwürgen.

Rüsten: Er wird sein Kriegsvolk, das er wider dich anführen will, mit Wehr und Waffen nach Notdurft versehen, dass es zum Streit gerüstet sei.

9. Er wird mit Böcken deine Mauern zerstoßen und deine Türme mit seinen Waffen umreißen.

Böcken: Welches besondere Instrumente waren, damit man die Mauern niedergeworfen hat.

10. Der Staub von der Menge seiner Pferde wird dich bedecken, so werden auch deine Mauern erbeben vor dem Getümmel seiner Rosse, Räder und Reiter, wenn er zu deinen Toren einziehen wird, wie man pflegt in eine zerrissene Stadt einzuziehen.

Bedecken: Er wird eine solche gewaltige und mächtige Reiterei herzuführen, dass dich auch der Staub bedecken möchte, den sie erregen werden. Denn obwohl ohne allen Zweifel es viel Mühe und Arbeit, auch große Kosten braucht, eine solche Stadt zu belagern und zu erobern, die siebenhundert Schritt vom Lande abgesondert gewesen, und im Wasser gelegen, dass sie dem Ansehen nach vor aller Reiterei gesichert war, so ist doch kein Zweifel, es habe ein solcher Monarch, wie der König zu Babel war, Weise und Wege gefunden, dass er nicht allein mit dem Fußvolk, sondern auch mit dem riesigen Zeug können dazu kommen, und sie also belagern und erobern. Denn der Menschen Anschläge sind wunderlich, und kann man Schiffsbrücken machen, da man ein Haufen Schiff zusammen stößt, und künstlich aneinander bindet, danach eine Brücke darüber baut. [So gibt Gott selber Rat dazu, dass feste Städte, welche mit Sünden besudelt und überhäuft sein, erobert und eingenommen werden, die doch anzusehen gewesen, als ob sie mit keiner menschlichen Gewalt könnten überwältigt werden).

Zerrissene Stadt: Da alle Vorwehren hinweg, und die Mauern niedergeworfen sind, dass der Feind, als ein Überwinder, zu der Stadt einzieht, mit einem schrecklichen Ansehen. [Denn wenn Gott ein Regiment, oder auch einen besonderen Menschen strafen will, so lassen sich alle Ding schrecklich und grässlich ansehen. Also dass den Leuten das Herz entfällt, und alles an ihnen zittert).

11. Er wird mit den Füßen seiner Rosse alle deine Gassen zertreten. Dein Volk wird er mit dem Schwert erwürgen und deine starken Säulen zu Boden reißen.

Zertreten: Es werden alle Gassen voll chaldäischer Reiter sein, welche gewaltig und schrecklich daher auf dem Pflaster prasseln werden.

Erwürgen: Er wird sie mit Säbeln lassen niederhauen.

Säulen: Das ist, deine stärksten und tapfersten Männer, die für Säulen des Regiments angesehen waren, wird er lassen zu Boden schlagen. [Denn das Gericht des zornigen Gottes schont keines Standes oder Person).

12. Sie werden dein Gut rauben und deinen Handel plündern. Deine Mauern werden sie abbrechen und deine feinen Häuser umreißen und werden deine Steine, Holz und Staub ins Wasser werfen.

Plündern: Dazu sich mit deinen köstlichen Sachen kleiden, dass die Kriegsknechte, welche kurz zuvor mit zerrissenen Lumpen herein gezogen, bald in Seide und Samt, den sie mit langen Spießen ausgemessen, gekleidet gehen werden. [Denn die Güter, welche mit Betrug und bösen Ränken zuwege gebracht wurden, werden endlich wiederum geraubt und unnütz vertan).

Abbrechen: Auf dass du nicht, aus Vertrauen des festen Ortes, von dem Könige zu Babel wiederum abfällst, und denn, damit ein Zeichen des Sieges und des ernsten Urteils bei den Nachkommen bleibe.

Feine Häuser: Die zur Wollust mit großem Überfluss gebaut wurden. [Denn die Kaufleute bauen oft, aus ihren übel erworbenen Gütern, ganz herrlich und stattlich, also dass sie auch damit oft Fürsten und Könige übertreffen. Weil aber Gott allem Betrug und Überfluss feind ist, so lässt er endlich solche Gebäude umreißen, dass die Einwohner auch zugleich mit zugrunde gehen).

Werfen: Nämlich, ins Meer, dass keine Zeichen mehr einer großen Stadt da bleiben wird.

13. Also will ich mit dem Getöne deines Gesangs ein Ende machen, dass man den Klang deiner Harfen nicht mehr hören soll.

Ende machen: Es soll die liebliche Musik bei dir aufhören, welche du zu aller Üppigkeit und Unzucht schändlich missbraucht hast. [Es ist aber Gott der Musik nicht feind, welche eine herrliche Gabe Gottes ist, sondern den Missbrauch hasst er. Denn die Musik soll dem Menschen dienen zu Gottes Lob und ehrlicher Ergötzung, und nicht zur Abgötterei, oder Üppigkeit und schändlichen Liedern, die zur Unzucht reizen).

14. Und ich will einen bloßen Fels aus dir machen und einen Ort, darauf man die Fischgarne aufspannt, dass du nicht mehr gebaut wirst; denn ich bin der Herr, der solches redet, spricht der Herr Herr.

Fels: Der nur im Meer übergeblieben und hervorsehen soll, als auf dem du vorzeiten gestanden.

Aufspannt: An welchem Ort zuvor stattlich und herrliche Paläste gestanden.

Gebaut wirst: In vielen Jahren: Da doch sonst bisweilen die Städte, so erobert und zum Teil zerstört wurde, in kurzer Zeit wieder erbaut werden.

Redet: Dass ich wolle an dir ein Beispiel meines gerechten Zorns sehen lassen, und will es im Werke erfüllen, was ich gedroht habe. [Solches sollten die vornehmen Kaufstädte wohl in Acht nehmen, welche jetzt in Üppigkeit und Überfluss leben, und weder Gott noch die Menschen scheuen).

15. So spricht der Herr Herr wider Tyrus: Was gilt es, die Inseln werden erbeben, wenn du so scheußlich zerfallen wirst und deine Verwundeten seufzen werden, so in dir sollen ermordet werden.

Erbeben: So groß wird dein Unfall sein. [Denn Gott lässt darum an etlichen ein ernstes Beispiel seines gerechten Zorns sehen, auf dass andere sich fürchten, und Busse tun, sofern sie anders nicht auch ungefähres Unglück wollen gewärtig sein. Aber es werden oft solche Beispiele bald später in den Wind geschlagen, und wendet man sich wieder zum vorigen Wandel).

Verwundeten: Welche auf den Tod verwundet liegen, und nach dem Odem schnappen.

16. Alle Fürsten am Meer werden herab von ihren Stühlen sitzen und ihre Röcke von sich tun und ihre gestickten Kleider ausziehen und werden in Trauerkleidern gehen und auf der Erde sitzen und werden erschrecken und sich entsetzen deines plötzlichen Falls.

Am Meer: Die auf dem Meer schiffen, und ihre Hantierung treiben. Er meint aber die reichen Kaufleute, welche in den Städten, am Meer herum gelegen, so auch vornehme Kauf- und Handelsstädte waren, das Regiment führten. Also nennt auch der Prophet Jesaja solche mächtigen Kaufleute Fürsten. Wie man dergleichen noch zu unseren Zeiten in Italien, Niederlande und Deutschland finden möchte.

Sitzen: Von wegen des großen Leides, den sie aus dem traurigen Unfall der Stadt Tyrus, damit sie gehandelt, einnehmen werden.

Ausziehen: Vor großem Jammer und Herzeleid. Und deutet hier der Prophet auf der Reichen Kaufleute ganz zu prächtige und köstliche Kleidung.

Erde sitzen: Wie die Traurigen, welche Leid tragen, zu tun pflegen.

Falls: Als über einer ungewöhnlichen und unverhofften Sache. [Was aber hoch vor der Welt ist, das stößt Gott plötzlich zu Boden).

17. Sie werden dich wehklagen und von dir sagen: Ach, wie bist du so ganz wüste geworden, du berühmte Stadt, die du am Meer lagst und so mächtig warst auf dem Meer samt deinen Einwohnern, dass sich das ganze Land vor dir fürchten musste!

Wehklagen: Dass sie eine öffentliche Klage über deinen Fall führen werden.

Lagst: Daher du nicht nur an einen bequemen Ort zur Kaufmannschaft gelegen warst, sondern warst dem Ansehen nach auch unüberwindlich, und von wegen deines Handels weit und breit berühmt.

Ganze Land: Nämlich, die auf dem Lande um dich her wohnten. Denn von wegen deiner großen Macht fürchtete man sich vor dir auf dem Meer, dass niemand deine Kaufleute auf dem Wasser angreifen durfte. Ja man scheute auch deine Macht auf dem Lande. [Welche deswegen um ihrer Macht willen stolz und übermütig sind, die werden von Gott ins Verderben gestürzt, dass sie anderen Leuten keine Furcht mehr einjagen können).

18. Ach, wie entsetzen sich die Inseln über deinen Fall! Ja, die Inseln im Meer erschrecken über deinen Untergang.

Untergang: dass deine große Macht und Kaufmannschaft ein solches jämmerliches Ende und traurigen Ausgang genommen. [Denn wenn die reichen und mächtigen Kaufleute darnieder liegen, und die Gewerbestädte zerstört werden, so werden auch zugleich viel andere mehr, die ihren Handel mit ihnen getrieben, in äußerste Armut gesetzt. Daran ihnen zwar nicht Unrecht geschieht, weil ihrer viel mit solchen reichen Kaufleuten andere zu betrügen, unter der Decken gelegen. Daher man sagt, wenn die reichen Kaufleute aufsteigen oder zugrunde gehen, so nehmen sie viele Gesellen mit sich).

19. So spricht der Herr Herr: Ich will dich zu einer wüsten Stadt machen, wie andere Städte, da niemand innen wohnt, und eine große Flut über dich kommen lassen, dass dich große Wasser bedecken.

So] In den folgenden Worten weissagt der Prophet von der letzten Eroberung und Zerstörung der Stadt Tyrus, so durch den großen Alexander geschehen. Weil es bei den Propheten nichts Seltsames ist, dass, wenn sie von den vorigen Strafen reden, bald darauf zur Beschreibung des letzten Untergangs der Städte oder Königreiche schreiten. [Denn weil die Leute durch das erste Beispiel sich nicht bessern wollen, so folgt zuletzt ihr endliches Verderben darauf).

Bedecken: Da du gleichsam in die Tiefe des Meers wirst versenkt werden, und abermals ein Exempel bist meines gerechten göttlichen Zorns.

20. Und will dich hinunterstoßen zu denen, die in die Grube fahren, nämlich zu den Toten. Ich will dich unter die Erde hinabstoßen und wie eine ewige Wüste machen mit denen, die in die Grube fahren, auf dass niemand in dir wohne. Ich will dich, du Zarte, im Lande der Lebendigen machen,

Toten: Du wirst denen Gesellschaft leisten, die ins Verderben gestürzt werden, als in eine tiefe Grube, und wirst zu den Toten kommen, die vor vielen Jahren her verstorben sind, und vor dem Jüngsten Tage nicht wieder aufstehen. Da wirst du ganz hinunter zur Hölle müssen, wenn ich, nämlich, mein gerechtes Urteil an dir vollstrecken werde.

Nach Luther: Im Hebräischen steht, zum ewigen Volk, so nennt auch Salomo, das Grab ein ewiges Haus, darum, dass die Toten immer bleiben in einerlei Weise, den Tag, Nacht, Morgen, Abend, ist da ein Ding. Bei ihnen ist kein Unterschied der Zeit, Städte, Werke, oder der Veränderung, wie bei den Lebendigen, doch heißen sie ein Volk, denn sie sollen auferstehen.

Lebendigen: Dass die, so noch im Leben sind, deinen Fall und Untergang mit Verwunderung und Entsetzung anschauen sollen.

21. ja, zum Schrecken will ich dich machen, dass du nichts mehr seist, und wenn man nach dir fragt, dass man dich ewig nie finden könne, spricht der Herr Herr.

Schrecken: Zum schrecklichen Beispiel des göttlichen Zorns.

Finden: Denn ich will dich von der Erde vertilgen. Obwohl nun bisweilen etwas von solchen Städten überbleibt, so sind es doch nicht mehr dieselben Städte, wie sie zuvor gewesen, sondern liegen wie ein Todes Aas, und wie ein Steinhaufen. [Sollen deswegen wir uns demütigen unter die gewaltige Hand Gottes, und ein gottseliges Leben führen, dass uns Gott nicht ins Verderben stürze, sondern wir viel mehr das ewige Leben erlangen).


Das 27. Kapitel


1. Der Tyrer übermütiges und üppiges Wesen, und darauf folgend Untergang wird noch weiter ausgeführt.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, mache eine Wehklage über Tyrus {Am 1v9}

Wehklage: Beschreibe den herzunahenden Untergang der Stadt Tyrus, mit einer erbärmlichen Klageschrift.

3. und sprich zu Tyrus, die da liegt vorne am Meer und mit vielen Inseln der Völker handelt: So spricht der Herr Herr: O Tyrus, du sprichst: Ich bin die allerschönste.

Handelt: Dass sie ihre Kaufmannschaft mit vielen Völkern über Meer treibt, schier durch die ganze Welt. Denn die Schrift nennt bisweilen Inseln, nicht nur was überall mit dem Meer umringt ist, sondern auch die Örter der Erde, so übers Meer gelegen.

Allerschönste: Deine Bürger haben dich bisher gerühmt, wie du die allerschönste Stadt seist, nicht allein von wegen der herrlichen Gebäude, sondern auch des wohl angeordneten Regiments und stattlichen Gewerbes halben. [Es straft aber Gott den Stolz und Hochmut mit der Erniedrigung).

4. Deine Grenzen sind mitten im Meer, und deine Bauleute haben dich aufs allerschönste zugerichtet.

Deine: Jetzt rühmt der Prophet selber die Herrlichkeit und die Gewalt dieser Stadt, auf dass ihr Fall und Untergang desto scheinbarer und wundersamer sei.

Nach Luther: Wie andere Fürsten, Städte und Dörfer, Äcker, rc. auf dem Lande haben: Also war Tyrus gewaltig auf dem Meer.

Im Meer: An einem ganz gelegenen Ort, der zum Kaufhandel am aller bequemsten ist.

Zugerichtet: Sie haben dich aufs herrlichste erbaut, geziert, und heraus gestrichen.

5. Sie haben all dein Tafelwerk aus Zypressenholz vom Senir gemacht und die Zedern von dem Libanon führen lassen und deine Mastbäume daraus gemacht

Zypressenholz] Ist eine Gattung des besten Tannenholzes.

Sanir: Das auf demselben Berge gehauen wurde, welcher sonst der Berg Hermon genannt wird {5Mos 3}. [Wo man aber ganz zu viele Kosten wendet auf stattliche Gebäude, und unterdes die lebendigen Tempel Gottes, nämlich, fromme und arme Leute, aus der acht lässt, so ist kein Zweifel, es werden endlich solche Gebäude zugleich mit den Einwohnern schrecklich zugrunde gehen).

Mastbäume: Daran die Schiffsegel hängen. Dass also die Tyrer in Erbauung der Schiffe auch eine übrige Pracht getrieben, und sich mit gemeinem Holz nicht begnügen lassen, sondern es hat alles aufs aller köstlichste und stattlichste sein müssen.

6. und deine Ruder von Eichen aus Basan und deine Bänke von Elfenbein und die köstlichen Gestühle aus den Inseln Chittim.

Aus Basan: Von dort man sie einen weiten Weg bis gen Tyrus führen müssen, da sie doch wohl auch in der Nähe taugliches Holz zu solchen Sachen finden können.

Chitim: Das ist, aus Mazedonien hat man besonderes Holz bringen müssen, daraus man die Gestühle oder Sitze des Schiffsherrn in den Schiffen gemacht, also war dir nichts gut genug, wo es nicht etwas Fremdes und Besonderes war, das viel kostete. [Denn wo man sich einmal auf den Überfluss gelegt, da weiß man aus Vorwitz und Mutwillen nicht, was man nur anfangen soll).

7. Dein Segel war von gestickter Seide aus Ägypten, dass es dein Panier wäre, und deine Decken von gelber Seide und Purpur aus den Inseln Elisa.

Panir wäre: Deine Kaufleute haben ihre Wappen, Schild und Helm, in die köstlichen zarten Segel lassen mit Seiden stricken, auf dass man gleich als bei einem Panier oder Fähnlein erkennen könnte, wem ein jedes Schiff zugehörte.

Decken: Die Hütte im Schiff vor der Sonnen Hitze hast lassen aufs köstlichste machen, da du wohl hättest können mit einem Geringen näher zu kommen, wo du nicht aus einer unsinnigen Weise dem Überfluss nachgehängt hättest.

Elisa: Ist die Landschaft Aeolia in Griechenland.

8. Die von Zidon und Arvad waren deine Ruderknechte, und hattest geschickte Leute zu Tyrus zu schiffen.

Ruderknecht: Brauchtest also aus großem Stolz und Übermut freie Leute zu Ruderknechten, da es billiger gewesen, du hättest leibeigene Knechte dazu genommen.

Geschickte: Welche von wegen ihrer Weisheit und Erfahrenheit vieler Sachen, hätten mögen in den Rat gewählt werden, die hast du zu Schiffsleuten gemacht, alles zu dem Ende, dass du dadurch ein größeres Ansehen bekämst.

9. Die Ältesten und Klugen von Gebal mussten deine Schiffe zimmern. Alle Schiffe im Meer und Schiffsleute fand man bei dir, die hatten ihren Handel in dir.

Zimmern: Also, dass, wenn an einem Schiff etwas zu machen gewesen, du die aller künstlichsten Werkmeister aus der Stadt Gebal kommen lassen, die solche Schiff wiederum zugerichtet, nur dass du immer etwas Besonders hättest. [Ein solcher Übermut wird noch heutigen Tages bei den reichen Kaufleuten gespürt, wie nicht weniger an etlicher Fürsten und Herrn Höfen, also dass keine gemeinen Sachen, oder Leute, die in der Nähe erzogen sind, ihnen gefallen, sondern man nur nach dem trachtet, was in hohem Wert ist, und mit großem Kosten aus weit abgelegenen Orten gebracht wird, da doch, was man in der Nähe mit geringeren Kosten haben könnte, oft besser ist).

In dir: Das ist, aus der ganzen Welt, und aus allen Landen hat man Schiffe und Schiffsleute gefunden, die ihre Kaufmannschaft in dir getrieben.

10. Die aus Persien, Lydien und Libyen waren dein Kriegsvolk, die ihren Schild und Helm in dir aufhingen, und haben dich so schön gemacht.

Kriegsvolk: Du hast aus allerlei Völkern ein Anzahl Kriegsvolk zur Besatzung zu dir eingenommen, auf dass du sie im Fall der Not benutzen, und unrechte Gewalt damit abtreiben könntest.

Aufhingen: Zum Gedächtnis, und zur Zierde, dass sie dein Ansehen dadurch desto herrlicher machten.

11. Die von Arvad waren unter deinem Heer rings um deine Mauern und Wächter auf deinen Türmen; die haben ihre Schilde überall von deinen Mauern herabgehängt und dich so schön gemacht.

Deinem Heer: Du hattest fremde Soldaten immer neben deiner einheimischen Bürgerschaft, welche auch zu Friedenszeiten täglich mit der Wacht aufzogen, und auf der Mauern herumgingen, auch auf den Türmen und Basteien, die Wacht halten mussten.

Gemacht: Und dir ein solches Ansehen geben, dass du nicht allein zum Ernst in Kriegssachen genügend gerüstet gewesen, sondern auch in den Rüstungen ein Überfluss gespürt wurde, als ob du in allen Sachen hättest müssen etwas Besonderes haben. [Denn etliche treiben auch mit den Waffen und Kriegsrüstungen eine Pracht, die aber selten ein gutes Ende nimmt).

12. Du hast deinen Handel auf dem Meer gehabt und allerlei Ware, Silber, Eisen, Zinn und Blei, auf deine Märkte gebracht.

Hatte: Man hat allerlei Ware und Güter zu dir gebracht und zu Haufen gesammelt, dass du damit auf dem Meer mit vielen Völkern deinen Handel und Kaufmannschaft getrieben hast.

Gebracht: Welche Waren und Metall du später hin und wieder in andere Länder verhandelt und verkauft hast. [Dass man nun Kaufmannschaft treibt, ist an sich selbst nicht Unrecht. Aber seinen Nächsten übervorteilen, und betrügen, steht keinem frei).

13. Javan, Thubal und Mesech haben mit dir gehandelt und haben dir leibeigene Leute und Erz auf deine Märkte gebracht.

Ja an, Thubal: Nämlich, die Italiener und Spanier.

Mesech: Das sind die Armäner. Welche Völker alle mit einander aus ihren Landschaften zu dir gezogen, auf dass sie mit dir handelten, in kaufen und verkaufen.

Leibeigne: Knechte und Mägde, die sie dir ums Geld zu eigenen verkauft haben.

14. Die von Thogarma haben dir Pferde und Wagen und Maulesel auf deine Märkte gebracht.

Thogarma: Dadurch mitnächtige Völker verstanden werden.

15. Die von Dedan sind deine Kaufleute gewesen, und hast überall in den Inseln gehandelt; die haben dir Elfenbein und Ebenholz verkauft.

Dedan: Das sind Völker aus Arabia.

Gehandelt: Es ist vieler Länder und Inseln Gewerbe durch deine Hand gegangen.

16. Die Syrer haben bei dir geholt deine Arbeit, was du gemacht hast; und Rubin, Purpur, Tapet, Seide und Sammet und Kristalle auf deine Märkte gebracht.

Gemacht: Als wollte er sagen, die in deiner Nachbarschaft des Landes Syrien wohnen, kaufen mancherlei Sachen in dir auf, welche künstlich gemacht, bei dir in großer Anzahl gefunden werden.

Gebracht: Dass sie es wiederum verkauft haben.

17. Juda und das Land Israel haben auch mit dir gehandelt und haben dir Weizen von Minnith und Balsam und Honig und Öl und Mastix auf deine Märkte gebracht;

Gehandelt: Also, dass ihre Bürger und Einwohner ihre Waren auf deine Märkte gebracht und verkauft haben, und dagegen andere Waren wieder eingekauft.

Minnith: Welches, meines Erachtens, ein Name eines Orts gewesen, da die besten Früchte gewachsen.

Balsam: Der im jüdischen Land allein am besten zu finden gewesen, wie auch Plinius, ein heidnischer Skribent, bezeugt.

18. Dazu hat auch Damaskus bei dir geholt deine Arbeit und allerlei Ware um starken Wein und köstliche Wolle.

Arbeit: Köstliche Sachen, die man bei dir künstlich zugerichtet, und ausgearbeitet hat.

19. Dan und Javan und Mehusal haben auch auf deine Märkte gebracht Eisenwerk, Kasia und Kalmus, dass du damit handeltest.

Dan: Welches hier, meines Erachtens, nicht von dem israelitischen Stamm, sondern von einem anderen Land oder Stadt zu verstehen ist.

Javan: Das sind die Griechen, so vorzeiten eines teils in Italien gewohnt, derer zuvor auch gedacht wurde.

Mehusal: Ist ein unbekannter Name.

Eisenwerk: Sie sind mit ihrem Eisenkram zu dir gekommen.

20. Dedan hat mit dir gehandelt mit Decken, darauf man sitzt.

Dedan: Dadurch Indien mit seinen Kaufleuten verstanden wird.

Decken: Welche schön und künstlich gewirkt gewesen.

Sitzt: Entweder zu Pferd oder auch sonst.

21. Arabien und alle Fürsten von Kedar haben mit dir gehandelt mit Schafen Widdern und Böcken.

Fürsten: Das ist, die allerreichsten und vornehmsten Kaufleute im Lande Kedar, welches des Ismaels Nachkommen bewohnt haben {1Mos 25}. Und halten es etliche dafür, es sei das steinige Arabia.

Und Böcken: Es sind reiche Viehtreiber gewesen.

22. Die Kaufleute aus Saba und Raema haben mit dir gehandelt und allerlei köstliche Spezerei und Edelstein und Gold auf deine Märkte gebracht.

Saba: Welches sonst auch Reich Arabia genannt wird.

Raema: Ist eine Landschaft in Indien.

23. Haran und Kanne und Eden samt den Kaufleuten aus Seba, Assur und Kilmad sind auch deine Kaufleute gewesen.

Und Eden: Sind alles Namen besonderer Landschaften.

Kilmad: Ist auch eines unbekannten Landes Name.

24. Die haben alle mit dir gehandelt mit köstlichem Gewand, mit seidenen und gestickten Tüchern, welche sie in köstlichen Kasten, von Zedern gemacht und wohlverwahrt, auf deine Märkte geführt haben.

Die: Nämlich, die vorgemeldeten Kaufleute aus unterschiedlichen Orten, wie sie nacheinander bisher erzählt wurden.

Zedern gemacht: Sie haben ihre Ware in Ballen eingebunden, und in Zedernkasten eingemacht.

25. Aber die Meerschiffe sind die Vornehmsten auf deinen Märkten gewesen. Also bist du sehr reich und prächtig geworden mitten im Meer.

Vornehmsten: In der Schifffahrt ist die größte Hantierung bei dir gewesen. [Es ist aber wohl zu verwundern, ja auch zu beklagen, dass die Kaufleute, Armut zu verhüten, so weite und gefährliche, ja auch verdrießliche und mühselige Reisen, zu Land und Wasser auf sich nehmen, auf dass sie etwas von zeitlichen Gütern und Reichtum mögen zusammen bringen. Und aber etliche Christen kaum über eine Gasse zur Kirche gehen mögen, dass sie aus der Predigt des Evangeliums ihnen himmlische und unvergängliche Schätze könnten zuwege bringen.

Im Meer: Weil du so wohl gelegen warst, hast zu Wasser einen großen Namen und herrliches Ansehen bekommen, durch so viel und mancherlei Kaufleute, die schier aus allen Orten der ganzen Welt dir zugezogen. [Es segnet aber Gott etliche Länder und Städte mit reichen Gütern, nicht der Meinung, dass sie dadurch stolz und übermütig werden, und sich der Wollust und Üppigkeit ergeben sollen, sondern dass sie Gott ihren Guttäter erkennen, und in der Gottseligkeit ehren. Wenn sie aber den rechten Gottesdienst aus der acht lassen, und in Sünden ihr Leben zubringen, so folgen später desto größere Strafen, je herrlichere Guttaten ihnen zuvor widerfahren sein, wie aus des Propheten folgenden Worten zu vernehme).

26. Und deine Schiffsleute haben dir auf großen Wassern zugeführt. Aber ein Ostwind wird dich mitten auf dem Meer zerbrechen,

Zerbrechen: Denn ob du wohl im Meer als an einem sicheren und zur Kaufmannschaft sehr wohl gelegenen Ort wohnst, so wird doch der König zu Babel, der von dir aus zu rechnen, gegen dem Morgen wohnt, plötzlich, wie ein Unwetter oder Sturmwind dich überfallen, und zerstören.

27. also dass deine Ware, Kaufleute, Händler, Fergen, Schiffsherren und die, so die Schiffe machen, und deine Hantierer und alle deine Kriegsleute und alles Volk in dir mitten auf dem Meer umkommen werden zur Zeit, wenn du untergehst,

Kriegsleute: Die du zur Besatzung, und zu deiner Beschützung zu dir genommen.

Dem Meer: Eben am selben Ort, da du vermeinst am sichersten zu sein.

Untergehst: Wenn dich Gott der Herr durch die Chaldäer zerstören wird. [Denn gleichwie in den größten Städten, besonders aber in den Handelsstädten, die Sünden und Laster, durch alle Stände im Schwange gehen. Also erfolgen endlich auch allgemeine Strafen, die den ganzen Haufen der gottlosen Leute, wie eine Sündflut überfallen, dass es alles mit einander zugrunde geht).

28. dass auch die Anfurten erbeben werden vor dem Geschrei deiner Schiffsherren.

Anfurt: Die Örter am Gestad, gegen Tyro über, da man ans Land mit den Schiffen gefahren, und auszusetzen pflegten, werden erschrecken, weil man ein jämmerliches Geschrei der Schiffsleute und Schiffsherren darin hören wird, so vom Feinde umgebracht werden.

29. Und alle, die an den Rudern ziehen, samt den Schiffsknechten und Meistern, werden aus den Schiffen ans Land treten

Land treten: Das ist, welche zuvor in dieser Stadt ihren Handel getrieben, werden sich mit schneller Flucht davon machen, und ihre Schiffe an eine andere Anfurt ziehen, da sie mit großer Traurigkeit und Bekümmernis ans Land aussteigen werden, weil sie der Stadt Tyrus Untergang sehen.

30. und laut über dich schreien, bitterlich klagen und werden Staub auf ihre Häupter werfen, und sich in der Asche wälzen.

Wälzen: Wie an denselben Örtern gebräuchlich war, bei denen, die in großer Trübsal steckten.

31. Sie werden sich kahl bescheren über dir und Säcke um sich gürten und von Herzen bitterlich um dich weinen und trauern.

Gürten: Wie die zu tun pflegten, welche sehr leidig waren, über ihrer lieben Freunde und Bekannten Tod.

Weinen: Sie werden um deinetwillen ihre heißen Tränen vergießen. [Solche Tränen aber fließen nicht her, aus Mitleiden und Liebe gegen den Nächsten, sondern aus Geiz, dieweil einem Geizigen die Gelegenheit benommen ist, dadurch er noch mehr Geld und Gut hätte können zusammen bringen).

32. Es werden auch ihre Kinder über dich klagen: Ach, wer ist jemals auf dem Meere so stille geworden wie du, Tyrus?

Klagen: Sie werden ein Klagelied über dich machen, welches also lauten wird, wie folgt.

Stille wurde: Es ist alles still in der berühmten Stadt, welche im Meer ganz wohl gelegen war.

33. Da du deinen Handel auf dem Meer triebst, da machtest du viele Länder reich; ja, mit der Menge deiner Ware und deiner Kaufmannschaft machtest du reich die Könige auf Erden.

Triebst: Und deine Schiffe auf dem Meer ausschicktest.

Die Könige: Also, dass auch die Königreiche dieser Welt nicht einen geringen Nutzen von dir hatten.

34. Nun aber bist du vom Meer in die recht tiefen Wasser gestürzt, dass dein Handel und all dein Volk in dir umgekommen sind.

Gestürzt: Du bist gleichsam von den gewaltigen Wellen und Wasserwogen verschlungen worden, und immer mehr in die Tiefe versunken, dass du daraus nicht wieder herauskommen kannst.

Umkommen: Der Handel ist gefallen, und deine Kaufleute sind drauf gegangen.

35. Alle, die in Inseln wohnen, erschrecken über dir, und ihre Könige entsetzen sich und sehen jämmerlich.

Alle: Bis daher lautet das Klagelied. Im Folgenden redet der Prophet wieder in seiner Person.

Erschrecken: Weil sie den schrecklichen unverhofften Fall einer solchen Stadt sehen.

Entsetzen: Dass ihnen die Haare empor stehen vor Schrecken.

36. Die Kaufleute in Ländern pfeifen dich an, dass du so plötzlich untergegangen bist und nicht mehr aufkommen kannst.

Kaufleute: Die dir dein Glück und Reichtum missgönnten.

Pfeifen: Denn obwohl ihrer viele über deinen Fall heftig sich entsetzen werden, so werden doch etliche deiner spotten, und sich freuen, der Hoffnung, dass nach deiner Zerstörung, sie desto größeren Nutzen haben werden. [Denn eines Verderben, ist des anderen Glück).

Nicht mehr: Du wirst viele Jahre wüste liegen. [Ein solches Ende pflegt es mit den Gütern zu gewinnen, die mit Betrug zuwege gebracht, und zur Üppigkeit und Überfluss missbraucht werden).


Das 28. Kapitel


1. Des Königs zu Tyro Stolz wird beschuldigt, dass er sich für einen Gott ausgeben. v. 1. 2. Danach wird seine Herrlichkeit und darauf folgend Untergang beschrieben, den er beweinen soll. v. 11. 3. Den Zidoniern wird auch die göttliche Rache verkündigt. v. 20. 4. Und den Israeliten ihre Wiederkunft verheißen. v. 25.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, sage dem Fürsten zu Tyrus: So spricht der Herr Herr: Darum dass sich dein Herz erhebt und spricht: Ich bin Gott, ich sitze im Thron Gottes, mitten auf dem Meer, so du doch ein Mensch und nicht Gott bist; noch erhebt sich dein Herz als ein Herz Gottes {Dan 5v20 Apg 12v22};

Fürsten: Erzähle diese Weissagung von dem obersten Haupt der Stadt Tyrus: Welcher meines Erachtens wird gewesen sein, wie jetzt ein Herzog zu Venedig. Was aber der Prophet in diesem Kapitel von dem Fürsten der Tyrer redet, das ist nicht nur auf seiner Person gemeint, sondern man muss es auch von dem ganzen Regiment der Tyrer verstehen. [Und soll ein Kirchendiener die Sünden als Unrecht strafen, ohne Ansehen der Person).

Bin Gott: Und hab eine göttliche und unüberwindliche Gewalt, darum ist es unmöglich, dass diese herrliche Stadt, und ein so wohl geordnetes Regiment, sollte können zugrunde gehen.

Thron Gottes: In göttlicher Majestät und Gewalt.

Meer: An einem ganz sicheren Ort, der dazu wohl gelegen ist, große Reichtümer zu erwerben. Darum wird mir weder an der Majestät, noch an Gütern, oder auch an Macht und Stärke nichts aufhören.

Herz Gottes: Als ob du ein Gott wärest, dem niemand schaden könnte. Obwohl nun dergleichen Reden, von den gottlosen Leuten selten öffentlich gehört werden, so sieht doch der Heilige Geist, dass solche Gedanken in ihren Herzen stecken. Und treiben eben dergleichen Reden in ihren Herzen, auch diejenigen, welche in Sicherheit dahin leben, als könnte ihnen nichts Böses begegnen, weil sie auf ihren Reichtum, Freunde, Gewalt, oder Ansehen, so sie haben, sich verlassen. Die machen aus sich selbst Götter, und sind unter die Abgöttischen zu zählen.

3. siehe, du hältst dich für klüger denn Daniel, dass dir nichts verborgen sei,

Daniel: Dessen Name von wegen der göttlichen Offenbarungen heimlicher Sachen, jetzt zu Babel, und sonst hin und wieder berühmt ist. Denn es ist Daniel mit Jojakim dem Könige Juda gen Babel geführt worden {Dan 1}.

Nichts verborgen: Du hast dich selber in den Verdacht, als wüstest du alle geheimen Sachen und könntest, was zukünftig ist, pünktlich zuvor erforschen, dass dir nichts Unverhofftes könne zu Händen stoßen.

4. und hast durch deine Klugheit und Verstand solche Macht zuwege gebracht und Schätze von Gold und Silber gesammelt

Gesammelt: Welches alles mit einander du deiner Kunst und Geschicklichkeit zumisst, und meinst, du hast durch deine Weisheit, und wohl angestellte Kaufmannschaft, so großes Gut und Reichtum zuwege gebracht. [Welches deswegen ihrer Weisheit, Kunst, und Erfahrenheit ihr gutes Glück zumessen, die sind vor Gott auch Abgöttische, und sagen in ihrem Herzen, ich bin Gott).

5. und hast durch deine große Weisheit und Hantierung so große Macht bekommen, davon bist du so stolz geworden, dass du so mächtig bist:

6. darum spricht der Herr Herr also: Weil sich denn dein Herz erhebt als ein Herz Gottes,

Erhebt: Dass du dir selber einbildest, du seist ein irdischer Gott.

7. darum siehe, ich will Fremde über dich schicken, nämlich die Tyrannen der Heiden; die sollen ihr Schwert zücken über deine schöne Weisheit und deine große Ehre zuschanden machen.

Fremde: Nämlich, die Chaldäer, und später auch die Mazedonier.

8. Sie sollen dich hinunter in die Grube stoßen, dass du mitten auf dem Meer stirbst, wie die Erschlagenen.

Stoßen: Das ist, sie werden dich von dem Stuhl deiner Majestät herunterstürzen, und dieser Stadt allen Schmuck nehmen, auf dass offenbar werde, wie deine Weisheit die größte Torheit gewesen sei. Dadurch du dein bevorstehendes Unglück weder zuvor sehen, noch anwenden können. Denn es wird dir deine allerbeste Klugheit nichts helfen. [Welche deswegen über ihrer Weisheit sich selbst verwundern, die werden zuschanden).

Erschlagenen: Nämlich, du Fürst und oberstes Haupt, sollst zugleich mit den anderen draufgehen, und in der festen Stadt Tyro erschlagen werden.

9. Was gilt es, ob du dann vor deinem Totschläger wirst sagen: Ich bin Gott, so du doch nicht Gott, sondern ein Mensch und in deiner Totschläger Hand bist?

Sagen: Dass du als denn von deiner Majestät Gewalt und Weisheit dich viel wirst dürfen rühmen, Freilich wirst du dich nichts dergleichen dürfen vernehmen lassen. [Denn wenn Gefahr vorhanden ist, da hat aller Pracht und Übermut ein Ende, dass die Leute mit Schanden bestehen).

10. Du sollst sterben wie die Unbeschnittenen, von der Hand der Fremden; denn ich hab es geredet, spricht der Herr Herr.

Unbeschnittenen: Nämlich, wie die gottlosen Heiden zu fallen pflegen, dass sie eines schnöden und schändlichen Todes sterben. [Es sterben aber diejenigen übel und schändlich, welche ohne wahre Erkenntnis Gottes, das ist, ohne Glauben an Christus, aus diesem Leben absterben. Wiederum sterben die wohl und selig, welche in wahrem Glauben von hinnen abscheiden, ob sie gleich vor der Welt des aller schändlichsten Todes sterben müssen).

11. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

12. Du Menschenkind, mache eine Wehklage über den König zu Tyrus und sprich von ihm: So spricht der Herr Herr: Du bist ein reinliches Siegel voller Weisheit und aus der Maßen schön.

Wehklage: Beweine den Untergang des Fürsten zu Tyro, mit besonderen vorbedachten Worten, wie später folgen wird.

Sprich: Weissage von ihm auf folgende Meinung.

Nach Luther: Da alles fein und schön gebildet ist, das ausgemacht und nichts daran fehlt, noch vergessen ist.

Weisheit: Nämlich, in weltlichen Sachen, die zu diesem Leben gehören.

Schöne: Man kann nicht leugnen, dass du mit herrlichen (aber doch zeitlichen) Gaben von Gott bist geziert gewesen. [Denn die zeitlichen Gaben Gottes werden auch den Gottlosen ein Zeit lang mitgeteilt).

13. Du bist im Lustgarten Gottes und mit allerlei Edelsteinen geschmückt, nämlich mit Sarder, Topaser, Demanten, Türkis, Onyxen, Jaspis, Saphir, Amethyst, Smaragden und Gold. Am Tage, da du geschaffen wurdest, mussten da bereit sein bei dir dein Paukenwerk und Pfeifen.

Lustgarten: Du bist in einem Paradies gesessen. [Obwohl nun an diesem Ort der Prophet besonders von dem Fürsten zu Tyro redet, so sieht es ihm doch gleich, als ob er des Satans Glück und Majestät (als des Fürsten dieser Welt) in der er vor dem Fall gewesen, beschrieb. Danach deutet er auf seinen Fall unter der Person des Königs zu Tyro und seinem Untergang. Gleichwie auch Jesaja eben denselben Fall des Satans unter des Königs zu Babel Namen beschreibt (Kapitel 14). Darum ist es gewiss, dass der Satan Anfangs ein guter Engel gewesen, mit herrlichen Gaben geziert, aber später durch seine eigene Schuld zum Bösen sich abgewandt, und ist aus einem Engel ein Teufel geworden).

Geschmückt: Der Schmuck deiner Kleider ist von köstlichen Edelsteinen gewesen. [Also pflegen auch etliche Fürsten heutigen Tages zu tun, dass sie damit nicht vergnügt sind, wenn sie die Edelsteine in Ringen oder anderen Kleinodien tragen, sondern setzen sie auch auf die Kleider, welche sie damit beschweren. Solcher Überfluss ist ein Vorbote des künftigen Untergangs).

Geschaffen wurdest: Das ist, da du in das Amt der Obrigkeit gesetzt wurdest, mit großer Herrlichkeit und Pracht, und mit allerlei Seitenspielen. [Es wird aber nicht die Musik an ihr selbst, sondern der Missbrauch derselben zum Übermut und Üppigkeit gescholten. Und sind die Fürsten und Obrigkeiten viel glückseliger, welche in dem Gepränge ein Maß halten, wenn sie ihr Regiment antreten, als welche verschaffen, dass sie mit vielen und großen aufgewandten Kosten begleitet und angenommen werden).

14. Du bist wie ein Cherub, der sich weit ausbreitet und deckt; und ich habe dich auf den heiligen Berg Gottes gesetzt, dass du unter den feurigen Steinen wandelst,

Deckt: Das ist, gleichwie der Engel Cherub unter seinen Flügeln, alles was unter ihm ist, bedeckt, also beschützt und beschirmst du deine Untertanen. [Denn eine Obrigkeit soll ihre Untertanen schützen und handhaben).

Wandelst: Das ist, ich hab dir auch diese Guttaten getan, dass die Tyrer bisweilen gen Jerusalem kommen, und mit den gottseligen Bürgern zu Jerusalem umgegangen sind, als mit feurigen Steinen. Denn sie sind lebendige Steine am Tempel Gottes, dazu mit dem Feuer des Heiligen Geistes entzündet und erleuchtet: Bei welcher Gelegenheit die Tyrer zu der Erkenntnis Gottes haben können kommen. So ist auch zu des Königs Salomo Zeiten unter den Israeliten und Tyrern eine große Freundschaft gewesen. Also dass Hiram der Tyrer König dem Könige Salomo Werkmeister und Künstler zugeschickt, die den Tempel zu Jerusalem bauen helfen {2Kön 5}. Also war auch der Satan vorzeiten unter den feurigen Steinen, nämlich unter den Engeln, die beständig blieben, und nicht wie der Satan, abgefallen, und von ihrem Ort gewichen sind, welche den Feuerflammen verglichen werden {Ps 104}.

15. und warst ohne Wandel in deinem Tun des Tages, da du geschaffen warst, so lange, bis sich deine Missetat gefunden hat.

Ohne Wandel: Man könnte zu Anfang deine Regierung nichts an dir tadeln. [Denn etliche Obrigkeiten stehen in den ersten Jahren ihrer Regierung dem Regiment löblich vor. Aber mit der Zeit werden entweder Tyrannen oder Bankettierer daraus, was aber fromme Fürsten sind, die beharren in der wahren Gottseligkeit bis ans Ende. So ist auch der Teufel zu Anfang ein guter Engel gewesen, später aber hat er sich selbst verkehrt und verderbt).

16. Denn du bist inwendig voll Frevels geworden vor deiner großen Hantierung und hast dich versündigt. Darum will ich dich entheiligen von dem Berge Gottes und will dich ausgebreiteten Cherub aus den feurigen Steinen verstoßen.

Voll Frevels: Das ist, weil du mit vielem und stattlichem Kaufhandel eine große Gewalt bekommen, hast du angefangen übermütig zu werden, dass die Unbilligkeit viel mehr bei dir Platz hatte, als die Gerechtigkeit, und hast mich mit deinen groben Sünden schwer erzürnt. [Also ist auch des Satans Bosheit, damit er schwanger gegangen, endlich ausgebrochen, da er die Kreatur Gottes, nämlich, das menschliche Geschlecht, in die Sünden gestürzt hat).

Verstoßen: Das ist, von wegen deiner Bosheit hab ich dich, als einen Unreinen, längst aus meinem heiligen Ort ausgemustert, und hab nicht zugegeben, dass du mit meinem Volk mehr umgingst, wie zuvor. [Es ist aber auch der Satan von dem heiligen Berge Gottes, nämlich, aus dem Himmel verstoßen worden {Lk 10}. Und hat keinen Platz mehr unter den heiligen Engeln).

17. Und weil sich dein Herz erhebt, dass du so schön bist, und hast dich deine Klugheit lassen betrügen in deiner Pracht, darum will ich dich zu Boden stürzen und ein Schauspiel aus dir machen vor den Königen.

So schön: Von wegen deiner großen Majestät und Herrlichkeit hast dich wider deinen Schöpfer erhoben und aufgelehnt.

Betrügen: Dass du dein Glück und Wohlfahrt verscherzt hast, weil du deiner Pracht dich ganz zu sehr überhebt und solche Dinge zu tun dich unterstehen dürfen, die dir nicht gebührten. [Denn man hält es dafür, dass der Satan aus Stolz und Hoffart angetrieben und gereizt, sich wider Gott aufgelehnt habe, weil er der vornehmste gewesen unter den anderen Engeln).

Schauspiel: Dass sie ihr Gespött aus dir treiben sollen. [Obwohl nun Gott die Stolzen endlich lässt zu Spott und Schanden werden, so halt ich es doch dafür, dass der Prophet an diesem Ort (zwar etwas dunkel) rede von dem Sieg Christi, da er dem Satan, der des Todes Macht und Gewalt hatte, denselben genommen hat {Hebr 2}. Denn Christus, als ein Überwinder am Kreuz, hat ausgezogen die Fürstentümer und Gewaltigen, und hat sie öffentlich zur Schau getragen, und einen Triumph aus ihnen gemacht, durch sich selbst {Kol 2}.

18. Denn du hast dein Heiligtum verdorben mit deiner großen Missetat und unrechtem Handel. Darum will ich ein Feuer aus dir angehen lassen, das dich soll verzehren, und will dich zu Asche machen auf der Erde, dass alle Welt zusehen soll.

Verdorben: [Denn durch die Sünden der Einwohner, Bosheit, Betrug, und Ungerechtigkeit, werden die Städte, Häuser, und Kirche so verunreinigt und entheiligt, dass sie später miteinander samt den Einwohnern zugrunde gehen. Wenn wir deswegen Städte oder Schlösser sehen, die verfallen und zerstört sind, so sollen wir an die Ursache denken, nämlich, an die Sünde, und uns vor derselben aufs Fleißigste hüten).

Angehen lassen: [Es bringt aber Gott als denn ein Feuer mitten aus einer Stadt oder aus einem Lande hervor, dadurch dasselbe verzehrt wird, wenn er die Obrigkeit lässt in ihren Anschlägen irren, dass die mächtigen Monarchen aufgebracht werden, welche später solche Städte und Länder überfallen, und sie zerstören. Denn das ist eben so viel, als wenn eine Obrigkeit selbst eine solche Stadt oder Land, so unter ihr gelegen ist, angezündet hätte. Es will aber Gott, wenn er solche Beispiele sehen lässt, dass man sich in Acht nehmen soll, und wir viel mehr bei fremden als bei eigenem Schaden klug werden).

19. Alle, die dich kennen unter den Heiden, werden sich über dir entsetzen, dass du so plötzlich bist untergegangen und niemals aufkommen kannst {Hes 26v16}.

Entsetzen: Wenn sie deinen unverhofften Fall und Untergang sehen werden.

Aufgekommen: Es redet aber der Prophet hier von der letzten Zerstörung Tyrus. Inmaßen die Propheten im Brauch haben, dass sie oftmals die vorhergehenden und letzten Zeiten zusammen knüpfen. Gleichwie auch Christus selbst die Zerstörung Jerusalem, und das Ende der Welt an einander hängt {Mt 24}. [Und soll der Untergang der Stadt Tyrus und alle richtig von der Hoffart, Üppigkeit, Betrug, und Gewalttätigkeit abschrecken).

20. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Folgt jetzt eine Weissagung von der Stadt Zidon Untergang, welche auch eine berühmte Handelsstadt gewesen, in derselben Gegend, nicht weit von Tyrus gelegen.

21. Du Menschenkind, richte dein Angesicht wider Zidon und weissage wider sie

Richte: Schicke dich, und mach dich gefasst, dass du wider die Stadt Zidon weissagst, und derselben ihre Strafe auch verkündigst.

22. und sprich: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will an dich, Zidon, und will an dir Ehre einlegen, dass man erfahren soll, dass ich der Herr bin, wenn ich das Recht über sie gehen lasse und an ihr erzeige, dass ich heilig sei.

Einlegen: Ich will von deinem Verderben einen herrlichen Namen davon bringen, nämlich, das Lob, dass ich Gerechtigkeit gehandhabt habe, wider eine boshafte Stadt, und dass ich meine Macht sehen lasse in der Zerstörung einer solchen großen Stadt.

Gehen lasse: Dass ich mein gerechtes Urteil an ihr vollstrecken werde, da wird man sagen, du heiliger gerechter Gott, wie bist du so recht mit den Zidoniern umgegangen. Es ist kein Übel oder Unrecht an dir. [Denn obwohl am Jüngsten Tage der Menschen Bosheit ihre völlige Strafe empfangen wird, da die Gottlosen in das ewige höllische Feuer werden verstoßen werden, so stellt uns doch Gott auch noch in dieser Welt Beispiel seines gerechten Zorns vor Augen, damit es nicht das Aussehen gewinne, als ob er an der Menschen Sünden und Bosheit ein Gefallen hätte, und dass die Frommen, wenn sie der Bösen Laster sehen ungestraft bleiben, ihre Hand nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit {Ps 125}.

23. Und ich will Pestilenz und Blutvergießen unter sie schicken auf ihren Gassen, und sollen tödlich verwundet darin fallen durch das Schwert, welches überall über sie gehen wird; und sollen erfahren, dass ich der Herr bin.

Unter sie: Nämlich, unter die Einwohner der Stadt Zidon, dass sie mit beiden Strafen zugleich sollen geplagt werden.

Erfahren: Mit ihrem großen Schaden und Verderben, [Denn obwohl nur die Auserwählten durch die Strafen, so ihnen Gott zuschickt, gebessert werden, dass sie sich und Gott den Herrn erkennen, und Busse tun, so empfinden und merken doch die Gottlosen auch bisweilen aus ihren Strafen, dass sie von dem ewigen wahren Gott richtig gestraft werden. Daher auch der abtrünnige Mameluck, Kaiser Julianus, wie er mit einem Pfeil durchschossen wurde, dass das Blut von ihm geronnen, gesagt hat: Du Galiläer hast gewonnen. Mit welchen Worten er Christus für seinen Überwinder erkannte).

24. Und soll forthin überall um das Haus Israel, da ihre Feinde sind, kein Dorn, der da sticht, noch Stachel, der da weh tut, bleiben, dass sie erfahren sollen, dass ich der Herr Herr bin.

Kein Dorn: Das ist, die Israeliten sollen keine Widersacher mehr haben, die ihnen hinderlich sein könnten, und ein Dorn (wie man sagt) in den Augen wären. [Denn die Gottlosen und Feinde der Kirche sind wie die stechenden Dornen, und tun der Kirche viel Überdrang an. Wenn aber Gott durch ihre Bosheit aufgebracht wird, so reist er sie aus, dass sie auch wider ihren Willen vom Stechen ablassen müssen. Aber am Jüngsten Tage werden solche Dornen allerdings ausgerottet, und ins höllische Feuer geworfen werden).

25. So spricht der Herr Herr: Wenn ich das Haus Israel wieder versammeln werde von den Völkern, dahin sie zerstreut sind, so will ich vor den Heiden an ihnen erzeigen, dass ich heilig bin. Und sie sollen wohnen in ihrem Lande, das ich meinem Knechte Jakob gegeben habe;

So] Jetzt wird eine Weissagung hinten angehängt, von der Wiederkunft der Israeliten aus der Babylonischen Gefangenschaft ins Land Kanaan.

Wenn: Nämlich, zur Zeit Cyri oder Kores, des Königs in Persien.

Heilig bin: Das ist, ich will mich ihnen aus väterlicher Liebe also annehmen, dass die benachbarten Heiden verstehen und merken sollen, wie ein heiliger, getreuer, gerechter und mächtiger Gott ich sei, der ich für mein Volk so treulich sorge, und dasselbe schütze. [Sollen wir deswegen Gott bitten, dass er uns um seines Namens Ehre willen beschirmen und schützen wolle).

26. und sollen sicher darin wohnen und Häuser bauen und Weinberge pflanzen; ja, sicher sollen sie wohnen, wenn ich das Recht gehen lasse über alle ihre Feinde um und um; und sollen erfahren, dass ich der Herr, ihr Gott, bin.

Lande: Nämlich, im Lande Kanaan, welches ich dem Patriarchen Jakob, und seinen Nachkommen zur erblichen Besitzung eingeräumt und geschenkt habe.

Sicher: Ohne Sorge, Furcht, und Gefahr vor ihren Feinden. [Wir werden als denn der rechten und vollkommenen Sicherheit und Ruhe teilhaftig werden, wenn alle unsere leiblichen und geistlichen Feinde ausgerottet sind, und wir im ewigen Vaterland mit Gott regieren werden).

Gehen: Und mein gerechtes Urteil wider ihre Feinde vollstrecken werde.


Das 29. Kapitel


1. Es wird geweissagt, dass der König in Ägypten müsse gedemütigt werden. v. 1. 2. Und wird nach vierzig Jahren das ägyptische Königreich wieder aufsteigen. v. 13. 3. Danach wird die Ursache angezeigt, warum Gott die Ägypter in des Königs Nebukad Nezar Gewalt kommen lassen. v. 17. 4. Auch dass die Israeliten sollen wieder in ihr Vaterland kommen. v. 20.

1. Im zehnten Jahr, am zehnten Tage des zwölften Monden, geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Im] Der Prophet verkündigt auch dem ägyptischen König seine Strafen, die Gott über ihn verhängen werde. Denn die Ägypter waren bisweilen des Volkes Gottes Feinde, und taten ihnen viel Verdruss, bisweilen stellten sie sich, als wollten sie es mit ihnen halten, und versprachen sich gegen den Israeliten viel köstliches Dinge, wie sie ihnen mit Hilfe bespringen wollten, welches sie doch auf den Notfall nicht leisteten, sondern sperrten ihnen nur das Maul auf, und gaben ihnen nichts hinein.

Zehnten Jahr: Nach dem Jojachin der König Juda ins Gefängnis gen Babel gekommen war.

Zwölften Monden: Der zum Teil in unseren Februar, zum Teil in den März fällt.

2. Du Menschenkind, richte dein Angesicht wider Pharao, den König in Ägypten, und weissage wider ihn und wider ganz Ägyptenland {Jer 44v30 46v13 v14}.

Richte: Rüste dich, und mache dich gefasst zum Weissagen.

Pharao: Denn es wurden alle Könige in Ägypten Pharao genannt: Welches Wort in der hebräischen Sprache einen Rächer bedeutet, und haben vielleicht damit anzeigen wollen, dass sie ihres Volkes und der Freiheit Rächer sein wollten.

3. Predige und sprich: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will an dich, Pharao, du König in Ägypten, du großer Drache, der du in deinem Wasser liegst und sprichst: Der Strom ist mein, und ich habe ihn mir gemacht {Hes 32v2}.

Predige: Nämlich, von dem zukünftigen Unglück, so über Ägypten ergehen wird.

Liegst: Das ist, du hast den Fluss Nil, nämlich, das ganze Königreich Ägypten eingenommen, und herrschst stolz darin, dass du weder Gott noch Menschen achtest. Gerade als ob du durch deine Kraft und Weisheit solche Reiche angerichtet hättest, und keinem dafür Rechenschaft geben dürftest. [Auf gleichen Schlag sündigen auch diejenigen, welche das Gute, so sie von Gott empfangen, sich selbst zuschreiben, und es nach ihrem Wohlgefallen gebrauchen, scheuen sich auch weder vor Gott noch der Welt, und wollen dazu ungestraft sein: Es ist mein, sprechen sie, ich mag damit umgehen, wie ich will, und frage niemand nichts nach).

Nach Luther: Der Strom ist Nilus, und bedeutet das ganze Königreich Ägypten, das ein sehr schönes und mächtiges Königreich war, darum sich auch Pharao auf solche Macht verließ, und fragt nichts nach Gottes drohen. Das meint er, dass er spricht, ich hab ihn mir gemacht, als spräche er: Gott ist nicht Herr darüber, ich bin Herr.

4. Aber ich will dir ein Gebiss ins Maul legen und die Fische in deinen Wassern an deine Schuppen hängen und will dich aus deinem Strom herausziehen samt allen Fischen in deinen Wassern, die an deinen Schuppen hängen.

Aber: Jetzt lasst uns hören, was ein solcher Stolz für ein Ende und Angang nehme.

Gebiss: Damit ich dich also zurück und im Zaum halten will, dass du nicht ausrichten könntest, was du wollest, sondern viel mehr die bevorstehenden Strafen mit deinen Anhängern ausstehen müssest. [Denn es ist kein Potentat so mächtig, den Gott nicht überwältigen könnte).

Hängen: Das ist, die vornehmsten Häupter und Landherren in Ägypten werden dir zwar treulich beistehen, und sich an dir heben wollen. Aber eben dadurch werden sie bald später zugleich mit dir zugrunde gehen.

Ziehen: Dass du deine gebührliche Strafe empfängst.

Hängen: Dass sie zugleich mit dir ins Verderben gestürzt werden. [Denn welche zu der großen Herren bösen Anschlägen helfen, und sich in ihre ungerechte Handlungen mischen, die werden auch richtig mit ihnen gestraft).

5. ich will dich mit den Fischen aus deinen Wassern in die Wüste wegwerfen: du wirst aufs Land fallen und nicht wieder aufgelesen noch gesammelt werden, sondern den Tieren auf dem Lande und den Vögeln des Himmels zum Aas werden.

Wüste: Dass du darin umkommst (Gleichwie die Fische ohne Wasser nicht lange leben können) samt allen deinen Anhängern, die dir in deiner Bosheit und Ungerechtigkeit beigestanden sind.

Fallen: Dass du aller deiner königlichen Majestät und Gewalt wirst beraubt werden.

Gesammelt: Zum Grabe, das dein Leichnam möchte ehrlich zur Erde bestattet werden. [Es ist aber ein Stück des Fluchs, dass einer nicht ins Grab kommen kann, sondern von den Tieren und Vögeln muss gefressen werden, doch gereicht solches den Frommen zu desto größer himmlischer Herrlichkeit, wenn sie um der Gerechtigkeit willen dergleichen etwas leiden: Und wenn sie gleich richtig gestraft werden, so schadet doch den Bußfertigen solcher Unfall nicht, und benimmt auch ihrer Seligkeit nichts).

6. Und alle, die in Ägypten wohnen, sollen erfahren, dass ich der Herr bin, darum dass sie dem Hause Israel ein Rohrstab gewesen sind,

Erfahren: Sie werden bekennen müssen, dass ich der wahre und allmächtig Gott bin, der ich keine Bosheit, Übermut, und Treulosigkeit ungerächt hingehen lasse).

Rohrstab: Denn die Ägypter dem Volk Israel viele stattliche Hilfe verheißen, und ihnen mit einer vergeblichen Hoffnung das Maul aufgesperrt. Also dass die Israeliten ihr Vertrauen auf sie gesetzt, und mir nicht gehorcht, noch meinen Bund gehalten haben, weil sie sich auf ihre Hilfe verließen, welches doch eben so viel war, als wenn sie sich auf einen Rohrstab gelehnt hätten, der nicht allein bricht, sondern auch den verletzt, der sich an ihn heben will.

Nach Luther: Juda suchte oft Hilfe bei Ägypten, damit versündigte sich Juda mit unrechtem Vertrauen, dazu in der Not half doch Ägypten nicht. Darum wird es hier verglichen einem Rohrstab, darauf so sich einer lehnt, dieweil er spitzig ist, sticht er ihn, und bricht dazu.

7. welcher, wenn sie ihn in die Hand fassten, so brach er und stach sie durch die Seiten, wenn sie sich aber darauf lehnten, so zerbrach er und stach sie in die Lenden.

Lenden: Das ist, die Ägypter haben die Israeliten mit ihren vergeblichen Verheißungen in großes Unglück gebracht. Denn sie dieselben dazu verursacht, dass sie auf ihre Vertröstungen sich den aller mächtigsten Königen ohne deutliche erhebliche Ursache haben dürfen widersetzen, daher sie in großes Unglück geraten. [Hier sollen die Könige, Fürsten und Regenten lernen, was es sei, wenn man sich auf Bündnisse verlässt. Denn wenn man ihrer am meisten bedarf, auf die man alle Hoffnung gesetzt, so nutzen sie nicht allein gar nichts, sondern sind auch noch dazu schädlich. Darum sollen sie ihrer Regierung in der Gottseligkeit, und wie es der Gerechtigkeit gemäß ist, dienen, mit den Benachbarten friedlich leben, Gott fürchten, und auf ihn allein trauen. Dergestalt werden sie viel glücklicher regieren, als wenn sie sich auf menschliche Hilfe verlassen. Gott aber hasst und straft diejenigen auch, welche andere mit vergeblichen Vertröstungen anführen und betrügen).

8. Darum spricht der Herr Herr also: Siehe, ich will das Schwert über dich kommen lassen und beide, Leute und Vieh, in dir ausrotten.

9. Und Ägyptenland soll zur Wüste und öde werden, und sollen erfahren, dass ich der Herr sei, darum dass er spricht: Der Wasserstrom ist mein, und ich bin‘s, der es tut.

Öde werden] Es soll jämmerlich verwüstet werden, die Einwohner sollen durch das Schwert fallen, und die Häuser in Brand gesteckt werden.

Erfahren: Sie sollen mit ihrem großen Schaden und Nachteil meine Macht empfinden.

Ist mein: Das Königreich Ägypten ist mein eigen. Ich hab es durch meine Weisheit und Tugend so hoch erhoben, und darf mir niemand vorschreiben, was ich tun oder lassen soll, so begehre ich auch keine Rechenschaft meines Verhaltens zu geben. [Solcher Stolz und Übermut wird auch noch heutzutage bei etlichen vom Adel gespürt, welche da sie kaum ein Dorf oder zwei haben, den Predigen ihrer Kirche trotzig vorschreiben dürfen, was sie predigen, und wovon sie schweigen sollen: Mit weltlichen Händeln gehen sie um, wie es ihnen gefällt: Ihren Untertanen legen sie Beschwerden auf, wie sie wollen, nicht wie es die Gerechtigkeit fordert, Und wollen daneben ganz und gar nicht leiden, dass sie jemand darüber zu Rede stelle, gerade, als wenn sie ihre Gewalt nicht von Gott, sondern von sich selbst hätten. Sind also viel hochmütiger, als Fürsten, Könige, und Kaiser. Aber Gott wird solcher Prachthansen Übermut einmal stürzen, und zu Boden stoßen, mit ihrem, und vielleicht auch anderer Verderben).

10. Darum siehe, ich will an dich und an deine Wasserströme und will Ägyptenland wüst und öde machen von dem Turm zu Syene an bis an die Grenze des Mohrenlandes,

Darum: Weil du so übermütig bist, und erkennst nicht, dass ich dir das Königreich gegeben habe, lehnst dich also wider deinen obersten Lehenherren auf.

Wasserströme: Nämlich, an dein Reich, dasselbe zu verderben.

Öde machen: Ich will verschaffen, dass dies herrliche Königreich soll zerstört werden.

Siehe: Welches eine vornehme Stadt ist, und ein berühmter Turm darin.

11. dass weder Vieh noch Leute darin gehen oder da wohnen sollen vierzig Jahre lang.

Jahre lang: Welche Zeit über das Land allerdings wird verwüstet liegen, dass auch kein Vieh da weiden wird. [Denn gleichwie alle Königreiche ihren gewissen Anfang, und von Gott bestimmte Zeit haben, wie lange sie dauern sollen. Also setzt er ihnen auch ein gewiss Ziel, wie lange sie sollen verwüstet und unbewohnt bleiben).

12. Denn ich will Ägyptenland wüst machen, will ihre Wüste Grenze und ihre Städte wüst liegen lassen, wie andere wüste Städte, vierzig Jahre lange; und will die Ägypter zerstreuen unter die Heiden und in die Länder will ich sie verjagen.

Liegen lassen: Es soll alles umher lauter Wüste sein. Obwohl nun nicht das ganze Ägyptenland durch den König zu Babel verwüstet wurde, so hat es doch einen solchen Schaden erlitten, dass es dessen viele Jahre lange empfangen. [Denn welche in ihrem lieben Vaterland Gott nicht dienen wollen, sondern ihren bösen Gelüsten nachhängen, die werden endlich um ihrer Bosheit willen also gestraft, dass sie im Elend müssen herum ziehen).

13. Doch, so spricht der Herr Herr: Wenn die vierzig Jahre aus sein werden, will ich die Ägypter wieder sammeln aus den Völkern, darunter sie zerstreut sollen werden,

Aus sein: Nach der Verwüstung, welche der König zu Babel Nebukad Nezar verrichten wird, da wird sich Gott der Herr über die Ägypter wieder erbarmen.

Sammeln: Ich will sie aus dem Elend wieder heimbringen.

14. und will das Gefängnis Ägyptens wenden und sie wiederum ins Land Pathros bringen, welches ihr Vaterland ist, und sollen dort ein kleines Königreich sein.

Pathros: Das ist, in die Landschaft Ägyptens, welche von der Stadt Pathros den Namen bekommen. [Sollen deswegen die, so im Elend herum ziehen, an ihrer Wiederkunft in ihr Vaterland nicht verzagen. Und wenn es je nicht sein will, dass wir in unser irdisches Vaterland wieder kommen, so sollen wir doch zum wenigsten dahin trachten, dass wir von dem himmlischen Vaterland nicht ausgeschlossen werden).

Klein Königreich: Es soll das Königreich Ägypten nicht wiederum zu seiner vorigen Gewalt und Ansehen kommen. [Denn welche Regimenter einmal zu Boden gestürzt werden, die gereichen selten wieder zu ihrer vorigen Hoheit).

15. Denn sie sollen klein sein gegen andere Königreiche und nicht mehr herrschen über die Heiden; und ich will sie gering machen, dass sie nicht mehr über die Heiden herrschen sollen,

Herrschen: Dass sie andere Völker sich nicht unterstehen zu zwingen, oder doch sich ihnen zu wiedersetzen, sondern sie werden genug mit sich selbst zu tun haben, dass sie das ihre schützen und behalten. [Denn Gott erniedrigt die Stolzen, und erhöht die Niedrigen).

16. dass sich das Haus Israel nicht mehr auf sie verlasse und sich damit versündige, wenn sie sich an sie hängen; und sollen erfahren, dass ich der Herr Herr hin.

Verlasse: Das ist, die Israeliten werden weiter mit solcher Sünde sich nicht mehr vergreifen, dass sie an die Ägypter sich vergaffen, und ihre Zuflucht bei ihnen suchen. [Den Gott benimmt bisweilen seinen Kindern die Gelegenheit zu sündigen: Als wenn er denen, die der Üppigkeit und Wollust ergeben sind, ihren Reichtum oder des Leibes Gesundheit entzieht).

Erfahren: Dass sie es endlich mit ihrem großen Schaden müssen innewerden und empfinden.

17. Und es begab sich im siebenundzwanzigsten Jahr, am ersten Tage des ersten Monden, geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Jahr: Von der Zeit an, da Jojachin der König Juda ins Gefängnis gen Babel hinweg geführt wurde.

Ersten Tage: Am neuen Jahrestag, nach dem jüdischen Kalender.

Ersten Monden: Der zum Teil mit unserem März, zum Teil mit dem April sich vergleicht.

18. Du Menschenkind, Nebukadnezar, der König zu Babel, hat sein Heer mit großer Mühe vor Tyrus geführt, dass alle Häupter kahl und alle Seiten wund gerieben waren, und ist doch weder ihm noch seinem Heer seine Arbeit vor Tyrus belohnt worden.

Geführt: Er hat mit großen Kosten die Stadt Tyrus belagert, und endlich mit großer Mühe erobert. Daraus man zu lesen ist, dass diese Weissagung geschehen sei, nach der Stadt Tyri Zerstörung.

Gerieben waren: Das ist, Die Chaldäer haben in der Belagerung der Stadt Tyrus so viel Mühe und schwere Arbeit ausgestanden, dass ihnen die Haare davon ausgefallen, und mit Last tragen, sich die Haut in den Seiten durchgerieben wurde.

Belohnt: Denn obwohl in der Stadt Tyro großer Reichtum gefunden wurde, so ist doch der Chaldäer Mühe viel größer gewesen, als dass sie hätte mögen mit der Stadt Tyro Plünderung abgelegt und bezahlt werden. [Sieht man deswegen hier, dass die Könige und Fürsten Gottes Knechte und Diener sind, die Bösen zu strafen und die gottlosen Regimenter zu zerstören, denen er auch zeitliche Belohnungen schenkt für ihre Arbeit, die sie nach dem Willen Gottes verrichtet haben).

19. Darum spricht der Herr Herr also: Siehe, ich will Nebukadnezar, dem Könige zu Babel, Ägyptenland geben, dass er all ihr Gut wegnehmen und sie berauben und plündern soll, dass er seinem Heer den Sold gebe.

20. Aber das Land Ägypten will ich ihm geben für seine Arbeit, die er daran getan hat; denn sie haben mir gedient, spricht der Herr Herr.

Seine Arbeit: [Wenn deswegen Gott den gottlosen Leuten ihre Arbeit belohnt, dafür, dass sie sein gerechtes Urteil in Vertilgung anderer gottloser Leute vollstrecken, wie viel mehr wird er den Frommen ihre Guttaten belohnen, die aus rechter Liebe hergekommen, dass die Menschen dadurch erhalten werden).

21. Zur selbigen Zeit will ich das Horn des Hauses Israel wachsen lassen und will deinen Mund unter ihnen auftun, dass sie erfahren, dass ich der Herr bin.

Horn: Das ist, wenn Ägyptenland durch die Chaldäer wird zerstört werden, so will ich einen Fürsten aus meinem Volk immer hervorziehen, der später zu bestimmter Zeit unter des Kores Regierung mein Volk wieder ins Land Kanaan bringen soll. Versteht aber durch dasselbe Horn, den Fürsten Serubabel.

Auftun: damals wirst du Prophet frei heraus reden, und weissagen von der Wiederkunft ins gelobte Land, die in kurzen geschehen soll. Und werden die Israeliten es merken, dass ich ein getreuer und gnädiger Gott bin, der ich für mein Volk fleißig Sorge trage. [Denn obwohl wir bisweilen uns Bedenken lassen, wir sind von Gott verlassen, so geht doch Gott eben zur selben Zeit mit den Gedanken um, wie er unser Wohlfahrt befördern wolle. Darum sollen wir auch in den allergrößten Trübsalen nicht verzagen).


Das 30. Kapitel


1. Des Ägyptenlandes und seiner Städte Verwüstung, und Untergang, darüber auch die benachbarten Landschaften sich verwundern werden, wird noch weitläufiger ausgeführt.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, weissage und sprich: So spricht der Herr Herr: Heult (und sprecht): O weh des Tages!

Tages: Nämlich, des elenden Tages, und der erbärmlichen Zeit, da Ägypten wird zugrunde gehen.

3. Denn der Tag ist nahe, ja, des Herrn Tag ist nahe, ein finsterer Tag; die Zeit ist da, dass die Heiden kommen sollen {Joel 2v2}.

Herrn Tag: An dem sich der Herr an den Ägypter rächen wird.

Finsterer: Das ist, ein Tag des Unglücks. Denn die Finsternis bedeutet Traurigkeit und das Licht Freude.

Kommen sollen: Die Zeit ist vorhanden, welche Gott den Chaldäern, als Heiden bestimmt hat, dass sie an der Ägypten Strafe üben sollen. [Denn der Menschen Bosheit macht, dass die Strafen der Sünden herzueilen).

4. Und das Schwert soll über Ägypten kommen, und Mohrenland muss erschrecken, wenn die Erschlagenen in Ägypten fallen werden, und ihr Volk weggeführt und ihre Grundfesten umgerissen werden.

Kommen: Das ist, die Chaldäer sollen Ägyptenland verwüsten.

Erschrecken: Die Mohren werden in großen Ängsten stecken, dass sie nicht wissen werden, was sie anfangen sollen, da sie doch den Ägyptern, als Nachbarn sollten zu Hilfe kommen, so werden sie mit sich selbst genug zu tun haben.

Weggeführt: Dass die besten Kriegsleute aus Ägypten gefangen ins Elend weggeführt werden.

Umgerissen: Also dass es ein Ansehen gewinnen wird, als würde das Königreich Ägypten in Grund und Boden zerstört werden. [Denn es ist keine Herrschaft so mächtig, die Gott in seinem Zorn nicht könnte zu Boden stürzen).

5. Mohrenland und Libyen und Lydien mit allerlei Pöbel und Chub und die aus dem Lande des Bundes sind, sollen samt ihnen durch das Schwert fallen.

Chub: Von welchen Völkern man keine gewisse Nachricht haben kann, obwohl etliche mutmaßen, es werde Arabia damit gemeint.

Bundes: Dadurch die Juden verstanden werden, so nach der Stadt Jerusalem Zerstörung, in Ägypten aus dem Lande Kanaan gezogen waren, welches Land Gott ihren Voreltern verheißen hatte, da er einen Bund mit ihnen gemacht. [Den welche sich zu denen gesellen, und ihnen beistehen, oder Schutz bei ihnen suchen, die Gott nach seinem gerechten Gericht zum. Verderben bestimmt hat, die gehen zugleich mit denselben zugrunde). So war dies der Juden wohlverdiente Strafe auch, weil sie dem ausdrücklichen Befehl Gottes zuwider, der ihnen von dem Propheten Jeremia war geoffenbart worden, aus lauter Misstrauen und Unglauben nach Ägypten geflohen waren {Jer 43}.

6. So spricht der Herr: Die Schutzherren Ägyptens müssen fallen, und die Hoffart ihrer Macht muss herunter; von dem Turm zu Syene an sollen sie durch das Schwert fallen, spricht der Herr Herr,

Schutzherren: Welche mit ihrem Rat, Reichtum, und Waffen das Königreich Ägypten begehren zu schützen, und zu unterstützen.

Herunter: Das stolze Königreich Ägypten soll gedemütigt werden, welches jetzt aus Vertrauen auf seine große Macht sehr Stolz und aufgeblasen ist. [Denn Gott widersteht den Hoffärtigen {1Petr 5}.

Syene: Welches eine berühmte Stadt in Ägypten gewesen.

7. und sollen, wie ihre wüste Grenze, wüst werden, und ihre Städte unter anderen wüste Städten wüst liegen,

Wüste Grenze: Wie die anderen benachbarten Länder, so mit Ägypten grenzen, wüste sein. [Gleichwie aber die Ägypter durch die Verwüstung der benachbarten Länder richtig hätten sollen zur Buße bewegt werden. Also sollen wir, wenn wir von den Ländern, so in der Nachbarschaft herum gelegen, Unfall und Verwüstung hören, bei Zeit Busse tun, auf dass es uns auch nicht so gehe).

8. dass sie erfahren, dass ich der Herr sei, wenn ich ein Feuer in Ägypten mache, dass alle, die ihnen helfen, zerstört werden.

Feuer: Das ist, wenn ich das Verderben in dies herrliche Königreich schicken, und alle umbringen werde, die es begehren zu erhalten. [Denn wider den Herrn hilft kein Rat noch Stärke).

9. Zur selben Zeit werden Boten von mir ausziehen in Schiffen, Mohrenland zu schrecken, dass jetzt so sicher ist, und wird ein Schrecken unter ihnen sein, gleichwie es Ägypten ging, da ihre Zeit kam; denn siehe, es kommt gewisslich.

Zu schrecken: Das ist, ich will den Feind auf Schiffen und zu Wasser auch bis ins Mohrenland kommen lassen, also dass die Mohren den Ägyptern nicht werden helfen können.

Ging: Was für eine Angst und Not in Ägypten sein wird, solcher Jammer wird auch die Mohren überfallen, dass sie in gleichen Nöten stecken werden. [Kann es deswegen leicht geschehen, dass, welche wir uns zu helfen meinten, selber Hilfe bedürfen).

10. So spricht der Herr Herr: Ich will die Menge in Ägypten wegräumen durch Nebukadnezar, den König zu Babel.

Menge: Nämlich, des Volkes, welches ich zu strafen im Sinn habe.

Nebukad Rezar: Der die Ägypter zum Teil erwürge, zum Teil zur Dienstbarkeit gefangen hinwegführen wird.

11. Denn er und sein Volk mit ihm, samt den Tyrannen der Heiden, sind herzu gebracht, das Land zu verderben, und werden ihre Schwerter ausziehen wider Ägypten, das das Land überall voll Erschlagener liege {Hes 28v7}.

Der Heiden: Als grausamen und wilden Völkern. [Denn Gott braucht dergleichen Leute, als Henker, zur Vollstreckung seines gerechten Urteils).

12. Und ich will die Wasserströme trocken machen und das Land bösen Leuten verkaufen und will das Land, und was darin ist, durch Fremde verwüsten. Ich, der Herr, hab es geredet.

Trocken machen: Das ist, ich will die Ägypter an ihren Kräften erschöpfen, und ihre Macht lasse zunichtewerden, damit der König und seine Fürsten bisher geprangt haben. Denn es deutet der Prophet auf die vorigen Gleichnisse, da er den König in Ägypten einem Drachen verglichen, der im Fluss Nilo seine Wohnung hätte.

Verkaufen: Ich will es ihnen also in ihre Gewalt übergeben, als ob sie es gekauft hätten, und ich mich dessen ganz und gar nicht mehr annehmen wollte.

Darin ist: An Menschen, Vieh, Reichtum, Gütern, und woran etwas gelegen ist. [Wenn wir deswegen ein lustiges Land in seinem guten Zustand begehren zu erhalten, so sollen wir Gott fürchten, auf dass wir seinen Zorn mit Sünden nicht auf uns laden).

13. So spricht der Herr Herr: Ich will die Götzen zu Noph ausrotten und die Abgötter vertilgen, und Ägypten soll keinen Fürsten mehr haben; und will ein Schrecken in Ägyptenland schicken {Sach 13v2}.

Noph: Von welcher Stadt man meint, dass es heutigen Tages Alkair sei.

Keinen Fürsten: Nämlich, vom ägyptischen Geblüt, der allein Herr darüber, und niemanden gebunden wäre. Denn es wird Ägypten viele Jahre lang wüste liegen.

Schrecken: Dass sie kleinmütig werden, und dem Feinde keinen Widerstand tun dürfen. [Denn wenn Gott der Herr ein Königreich will zugrunde stürzen, so nimmt er den Einwohnern zuvor den Mut, und schiebt ihnen den Hasen in den Busen).

14. Ich will Pathros wüst machen und ein Feuer zu Zoan anzünden und das Recht über No gehen lassen.

No] Welches jetziger Zeit Alexandria sein soll.

15. ich will meinen Grimm ausschütten über Sin, welche ist eine Festung Ägyptens, und will die Menge zu No ausrotten.

Sin: Wird sonst auch Pelusium geheißen.

16. ich will ein Feuer in Ägypten anzünden, und Sin soll angst und bange werden; und No soll zerrissen und Noph täglich geängstigt werden.

Täglich: Also dass ein Unglück übers anderer komme, bis die berühmte Stadt Noph, so von anderen später Memphis genannt wurde, jetzt aber Alkair heißt, ganz und gar zerstört werde.

17. Die junge Mannschaft zu On und Bubasto sollen durch das Schwert fallen, und die Weiber gefangen weggeführt werden.

18. Tachpanhes wird einen finsteren Tag haben, wenn ich das Joch Ägyptens schlagen werde, dass die Hoffart ihrer Macht darin ein Ende habe; sie wird mit Wolken bedeckt werden, und ihre Töchter werden gefangen weggeführt werden.

Finsteren Tag: Das ist, dieselbe Stadt wird mit großen Trübsalen überfallen werden, welches die Finsternis bedeuten, gleichwie durch das Licht Fröhlichkeit verstanden wird.

Joch: Welches bisher den anderen benachbarten Völkern, ja seinen eigenen Untertanen ganz zu schwer gewesen, und sie hart gedrückt hat. Und wird dies Königreich für seine Tyrannei gebührlich gestraft werden.

Wolken: Das ist, mit großem Unglück und Trübsal, wird Ägyptenland überfallen werden.

Weggeführt werden: In die Fremde, da sie viel Jammer und Ungemach werden einnehmen müssen, da sie zuvor in aller Üppigkeit und großem Übermut gelebt.

19. Und ich will das Recht über Ägypten gehen lassen, dass sie erfahren, dass ich der Herr sei.

Gehen lassen: Und will meine gerechte Rache an ihnen vollstrecken. [Denn um der Abgötterei, Tyrannei, Hoffart, und Üppigkeit willen, lässt Gott auch die aller mächtigsten Königreiche zugrunde gehen).

20. Und es begab sich im elften Jahr, am siebten Tage des ersten Monden, geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Elften Jahr: Unseres Gefängnisses, nämlich, von der Zeit an, da Jojachin der König Juda gen Babel ins Elend gefangen war hinweggeführt wurde.

Ersten Monden: Der zum Teil in unserem März, zum Teil in den April fällt.

21. Du Menschenkind, ich will den Arm Pharaos, des Königs in Ägypten, zerbrechen; und siehe, er soll nicht gebunden werden, dass er heilen möge, noch mit Binden zugebunden werden, dass er stark werde und ein Schwert fassen könne {Jer 46v2}.

Heilen möge: Das ist, ich will die Kräfte des Königreichs Ägypten also schwächen, dass es sich nicht mehr wiederum erholen, noch dem Feinde widerstehen kann.

22. Darum spricht der Herr Herr also: Siehe, ich will an Pharao, den König in Ägypten, und will seine Arme zerbrechen, beide, den starken und den schwachen, dass ihm das Schwert aus seiner Hand entfallen muss.

An Pharao: Ich will mich aufmachen, ihn zu strafen.

Zerbrechen: Das ist, ich will die Macht des Königreichs Ägypten angreifen und zunichtemachen, beide an dem Ort, da es noch bisher ganz und unangefochten blieb, und am selben Ort, dass es bereits ziemlicher maßen geschwächt wurde und sich noch nicht allerdings wieder erholt hat: Ich will ihm beide Arme zerbrechen.

23. Und will die Ägypter unter die Heiden zerstreuen und in die Länder verjagen.

Zerstreuen: Dass sie unter mancherlei Völkern im Elend herumschweifen sollen, und ein jämmerliches Leben führen, oder viel mehr täglich sterben. [Wenn deswegen Gott der Obrigkeit die Arme zerbricht, so behält sie keine Kraft mehr zum Widerstand).

24. Aber die Arme des Königs zu Babel will ich stärken und ihm mein Schwert in seine Hand geben; und will die Arme Pharaos zerbrechen, dass er vor ihm winseln soll wie ein tödlich Verwundeter.

Stärken: Ich will seine Macht wider Ägyptenland größer machen, und ihm noch mehr Kraft, denn er zuvor hatte, verleihen.

Geben: Ich will ihn selber wappnen, und ausrüsten mit großer Kraft und Stärke.

Für ihm: Nämlich, vor dem Könige zu Babel. Denn seine Kraft wird so ganz dahin fallen, und jämmerlich zunichtewerden, dass er auch seinen Schmerzen vor seinem Feinde nicht wird verbergen können.

25. Ja, ich will die Arme des Königs zu Babel stärken, dass die Arme Pharaos dahinfallen, auf dass sie erfahren, dass ich der Herr sei, wenn ich mein Schwert dem Könige zu Babel in die Hand gebe, dass er es über Ägyptenland zücke,

Herr sei: In dessen Hand und Macht es steht, zu stärken oder zu schwächen, in die Höhe zu erheben, und herunter zu stürzen.

Zücke: Und die Einwohner darin erwürge, das Land aber verwüste. [Wir sollen Gott bitten, dass er des Deutschlands Sünden zu strafen, sein Schwert nicht dem Türken oder einem anderen Tyrannen übergebe, sondern dass er viel mehr selbst uns mit der väterlichen Rute züchtige, dadurch wir gebessert, und zur Seligkeit erhalten werden).

26. und ich die Ägypter unter die Heiden zerstreue und in die Länder verjage, dass sie erfahren, dass ich der Herr bin.


Das 31. Kapitel


1. Der Prophet weissagt abermals, auf den Befehl des Herrn, von der Ägypter Untergang. Und vergleicht die Macht des Königreichs Assyrien mit der Macht des Königreichs Babel, damit anzuzeigen, weil der Assyrer Macht die Gewalt des Königs zu Babel nicht aufhalten können, so werde viel weniger der König in Ägypten demselben Könige widerstehen. Darum streicht der Prophet der Assyrer Macht mit einer verblümten Rede weitläufig heraus, welche doch dem Könige zu Babel unterworfen waren.

1. Und es begab sich im elften Jahr, am ersten Tage des dritten Monden, geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Elften Jahr: Von der Zeit an, da Jojachin der König Juda ins Elend gen Babel gefangen weggeführt wurde.

Dritten Monden: Der zum Teil mit unserem Mai, zum Teil mit dem April übereinkommt.

2. Du Menschenkind, sage zu Pharao, dem Könige zu Ägypten, und zu all seinem Volk: Wem meinst du denn, dass du gleich seist in deiner Herrlichkeit?

Sage: Weissage von ihm und seinen Untertanen, auf folgende Meinung.

Gleich seist: Wie mächtig meinst du wohl, dass du seist, weil du dich für unüberwindlich hältst? Gerade als ob in der ganzen Welt nie kein Königreich gewesen wäre, welches mit deinem könnte verglichen werden, oder auch wohl dasselbe übertreffen?

3. Siehe, Assur war wie ein Zedernbaum auf dem Libanon, von schönen Ästen und dick von Laub und sehr hoch, dass sein Wipfel hoch stand unter großen, dicken Zweigen {Hes 17v3 v22}.

Zedernbaum: Der ein hoher und herrlicher schöner Baum ist.

Dick: Also, dass er großen Schatten von sich gab. Es wird aber das assyrische Königreich einem Zedernbaum verglichen, von wegen seiner Hoheit und herrlichen Majestät, wie auch von wegen der Stärke. Weil ein Zedernbaum nicht wurmstichig wird, noch fault, und dass viel Völker unter demselben Reich, als unter einem Schatten, Sicherheit gesucht hatten. Denn Gott erhebt die Königreiche zu großer Gewalt und Herrlichkeit, nicht zwar, dass sie ihres Gewalt missbrauchen sollen, zu anderen schwächeren Völkern oder auch der Untertanen Unterdrückung, sondern dass sie der Elenden Zuflucht sein sollen).

4. Die Wasser machten, dass er groß wurde, und die Tiefe, dass er hoch wuchs. Seine Ströme gingen rings um seinen Stamm her und seine Bäche zu allen Bäumen im Felde:

Tiefe: Des Wassers: Das ist, er ist ganz feucht gestanden, darum ist er so hoch und groß gewachsen.

Ströme: Davon dieser Baum gefeuchtet wurde.

Allen Bäumen: So ein mächtiges und gewaltiges Königreich war es, dass alle Obersten und Fürsten ganz gewaltig dadurch wurde.

5. Darum ist er höher geworden denn alle Bäume im Felde und kriegte viel Äste und lange Zweige; denn er hatte Wasser genug, sich auszubreiten.

Höher wurde: Dass er alle anderen Bäume übertroffen, weil er an einen so feuchten und wässerigen Ort stand.

6. Alle Vögel des Himmels nisteten auf seinen Ästen, und alle Tiere im Felde hatten Junge unter seinen Zweigen; und unter seinem Schatten wohnten alle großen Völker.

Völker: Dies ist eine Erklärung des vorigen Gleichnisses. Und will so viel sagen, unter diesem Regiment wurden viele Völker geschützt, und hatten ihre Nahrung in guter Ruhe, zeugten auch viele Kinder. [Wenn demnach auch die Christen unter einer frommen und friedliebenden Obrigkeit in guter Ruhe leben, so sollen sie solche große Guttat Gottes mit dankbarem Herzen erkennen, und rühmen, gottselig leben und die Obrigkeit in Ehren halten).

7. Er hatte schöne große und lange Äste; denn seine Wurzeln hatten viel Wassers;

Lange Äste: Gleiche Beschreibung eines großen Baumes findet man auch im Propheten Daniel (Kapitel 4). Da Gott der Herr dem Könige Nebukad Nezar durch ein Gesicht im Traum gezeigt, zu was großer Herrlichkeit das Königreich Babel erhoben wäre.

Viel Wassers: Also, dass die Dürre diesem Baum nichts schaden können, sondern es ist dieses Königreichs Macht mit jedermanns Verwunderung, je länger je größer geworden. [Es nehmen aber die Königreiche so lange zu, als lange sie Gott segnet. Denn wenn er ihnen seinen zeitlichen Segen entzieht, so wird es je länger je ärger damit, bis sie ganz über den Haufen fallen).

8. und war ihm kein Zedernbaum gleich in Gottes Garten, und die Tannenbäume waren seinen Ästen nicht zu gleichen, und die Kastanienbäume waren nichts gegen seine Zweige. Ja, er war so schön als kein Baum im Garten Gottes.

Nach Luther: Oder Ahornen.

Garten Gottes: Das ist, im Volk Gottes. Denn die Israeliten hatten solche mächtigen Könige nicht. Und obwohl des Salomons Herrlichkeit groß gewesen, so hat er doch nur über das Land Kanaan geherrscht. [Es ist aber die Kirche ein Garten Gottes, weil seine Weisheit, Güte und Allmacht in derselben Regierung und Erhaltung gespürt wird. Wenn auch ein frommer Mensch nicht auf die Unordnung vieler Dinge, sondern auf die wunderbare Weisheit und Güte Gottes sieht, und in solcher Betrachtung alles zu seines Namens Ehre, und zu der Auserwählten Seligkeit richtet, so wandelt er gleichsam im Garten Gottes, und erquickt sich damit, wenn er ihm die großen Wunder und Taten Gottes zu Gemüte führt).

9. Ich hab ihn so schön gemacht, dass er so viele Äste kriegte, dass ihn alle lustigen Bäume im Garten Gottes neideten.

Neideten: [Denn es ist zwischen den Königreichen dieser Welt eine stetige Missgunst, und sieht es nicht jedermann gerne, wenn man spürt, dass eines Regenten oder einer Stadt Gewalt zunimmt).

10. Darum spricht der Herr Herr also: Weil er so hoch geworden ist, dass sein Wipfel stand unter großen, hohen, dicken Zweigen, und sein Herz sich erhob, dass er so hoch war,

Hoch wurde: Dass der König in Assyrien zu solcher Majestät ist erhoben worden.

Stand: Dass er weit über die anderen ausging, und aber seinen Guttäter, Gott den Herren, mit dankbarem Gemüt und demütigem Herzen nicht erkannte, von dem er alle seine Herrlichkeit empfangen hatte.

11. darum gab ich ihn dem Mächtigsten unter den Heiden in die Hände, der mit ihm umginge und ihn vertriebe, wie er verdient hat mit seinem gottlosen Wesen,

Mächtigsten: Nämlich, dem König Nebukad Nezar zu Babel.

Nach Luther: Denn die Könige zu Babel haben das Königreich Assur und Ninive kurz zuvor aufgefressen, ehe Jerusalem zerstört wurde.

Verdient: [Denn wenn ein Mensch der Gaben Gottes zur Hoffart missbraucht, so stürzt ihn Gott von seinem Ort herunter. Weil er den Hoffärtigen widersteht, den Demütigen aber Gnade gibt {1Petr 5}.

12. dass Fremde ihn ausrotten sollten, nämlich die Tyrannen der Heiden, und ihn zerstreuen, und seine Äste auf den Bergen und in allen Tälern liegen mussten, und seine Zweige zerbrachen an allen Bächen im Lande, dass alle Völker auf Erde von seinem Schatten wegziehen mussten und ihn verlassen;

Liegen mussten: Das ist, das Königreich in Assyrien liegt verwüstet, dass man hin und wieder noch Anweisungen seiner Zerstörung sieht, also ganz jämmerlich ist dasselbe Königreich zerrissen worden.

Wegziehen: Es konnte niemand unter seiner Herrschaft oder Regierung mehr Schutz suchen, weil sein Reich allerdings zerstört wurde, und zugrunde gegangen. [Wir sollen heutigen Tages bitten für die christlichen Regierungen, dass sie Gott lange erhalten wolle, damit wir unter ihrem Schatten sicher ruhen können).

13. und alle Vögel des Himmels auf seinem umgefallenen Stamm saßen, und alle Tiere im Felde legten sich auf seine Äste,

Saßen: Aber viel auf eine andere Gattung als zuvor. Denn da sie solches Königreich zuvor hoch achteten und in Ehren hielten, so haben sie es später aus Verachtung mit Füssen getreten. [Solche Veränderungen tragen sich in der Welt zu, dass diejenigen, welche zuvor jedermann ein Schrecken gewesen, oder doch ein großes Ansehen hatten, bald später von ihrem Ort verstoßen, und jedermanns Spott werden, bisweilen auch von denen sich müssen lassen mit Füssen treten, welchen sie zuvor viel Gutes erzeigt haben).

14. auf dass sich forthin kein Baum am Wasser seiner Höhe erhebe, dass sein Wipfel unter großen, dicken Zweigen stehe, und kein Baum am Wasser sich erhebe über die anderen; denn sie müssen alle unter die Erde und dem Tode übergeben werden, wie andere Menschen, die in die Grube fahren.

Erhebe: Über andere. [Wenn deswegen Gott einen großen Herrn, oder sonst einen vortrefflichen Mann, von seiner vorigen Hoheit und Würde stürzt, so sollen andere ein Beispiel daran nehmen, auf dass sie in der Demut beharren).

Gruben: Das ist, welche sterben und begraben werden. [Solches sollten alle, die so im Stande der Obrigkeit sind, wohl bedenken, dass sie eben so wohl sterben müssen als andere gemeine Leute, und wie sie einmal Gott ihrer Regierung halben müssen Rechenschaft geben. Dergestalt würden sie viele Dinge besser und mit mehr Vorsichtigkeit und Bescheidenheit verrichten).

15. So spricht der Herr Herr: Zu der Zeit, da er hinunter in die Hölle fuhr, da machte ich ein Trauern, das ihn die Tiefe bedeckte, und seine Ströme stillstehen mussten; und die großen Wasser nicht laufen konnten, und machte, dass der Libanon um ihn trauerte und alle Feldbäume verdorrten über ihm.

Nicht laufen: Auf dass sie nicht mehr konnten hervorquellen, diesen Baum zu befeuchten: Denn es kommt der Prophet wieder auf die vorigen Gleichnisse.

Libanon: Der große Berg und Wald, so voller hoher Zedernbäume steht.

Verdorrten: Das ist, die vornehmste Landherren im Königreich Assyrien waren heftig darüber bekümmert, dass solches Königreich also zugrunde gehen soll, dieweil sie auch zugleich mit mussten draufgehen, und sich nicht mehr schützen konnten. [Denn welche sich auf hohe Häupter verlassen, die gehen auch mit ihnen zugrunde).

16. Ich erschreckte die Heiden, da sie ihn hörten fallen, da ich ihn hinunterstieß zur Hölle mit denen, so in die Grube fahren. Und alle lustigen Bäume unter der Erde, die edelsten und besten auf dem Libanon, und alle, die am Wasser gestanden waren, gönnten es ihm wohl.

Heiden: Welche sich zuvor über der großen Macht desselben Königreichs verwunderten.

Stieß: Da ich ihn, samt seinen Fürsten, so erwürgt wurden, ließ ins Grab und zur Hölle verstoßen werden. [Denn es wird je einer durch des anderen Falles geschreckt, besonders, wenn es sich unversehens zuträgt, weil sie sich vor dergleichen auch fürchten müssen: Aber doch verlöscht solche Furcht bald bei den Gottlosen, und schleicht die vorige Sicherheit wieder ein).

Gönnten es: Das ist, die Könige und Fürsten des israelitischen Königreichs haben sich sehr darüber gefreut, dass die assyrische Monarchie zugrunde gegangen, welche das israelitische Königreich sehr geplagt, und endlich ganz zerstört hatte. Denn es werden durch die Zedern Libanon nicht allein die Fürsten der Assyrer, sondern auch andere mächtige Herren verstanden.

17. Denn sie mussten auch mit ihm hinunter zur Hölle, zu den Erschlagenen mit dem Schwert, weil sie unter dem Schatten seines Arms gewohnt hatten unter den Heiden.

Gewohnt: Das ist, sie sind unter der Gewalt der Assyrer gewesen. Und ob sie wohl als Untertanen von dem Könige in Assyrien geschützt wurden, und also unter seinem Schutz gelebt, so sind sie ihm doch ungern unterworfen gewesen, welche aber dem Volk Gottes Überdrang antun, denen geht es nicht lange ungestraft hin. Weil auch alle israelitischen Könige der zehn Stämme gottlos gewesen, und viele Untertanen im selben Königreich gleiche Bosheit gelernt, so ist kein Zweifel, solche sind auch wahrhaftig mit den gottlosen Assyrern zugrunde gegangen, und an Leib und Seele verdorben, dass sie mit einander hinunter zur Hölle gefahren. [Und will der Heilige Geist hier zu verstehen geben, was für eine große Bosheit in den Verdammten stecke, dass sie nicht allein kein Mitleiden haben, über eines anderen Elend, sondern je einer dem anderen seine Verdammnis wohl gönnen, welches den Verdammten ihre Pein desto größer mache. Dergestalt wünschen sich auch die Teufel nichts lieberes, denn dass sie viele Leute mit ihnen mögen ins Verderben bringen, weil sie wissen, dass sie ohne das ewig verdammt sind, damit sie viele Gesellen haben).

18. Wie groß meinst du denn, dass du (Pharao: seist mit deiner Pracht und Herrlichkeit unter den lustigen Bäumen? Denn du musst mit den lustigen Bäumen unter die Erde hinabfahren und unter den Unbeschnittenen liegen, so mit dem Schwert erschlagen sind. Also soll es Pharao gehen samt all seinem Volk, spricht der Herr Herr.

Wie: Nach dem der Prophet des assyrischen Königreichs Hoheit, und desselben Zerstörung, durch den König zu Babel, mit einem schönen Gleichnis vor Augen gestellt, kommt er jetzt wieder zu dem ägyptischen Könige und Königreich, und zeigt an, dass es den Ägyptern eben also gehen werde, wie den Assyrern.

Pracht: Was prangst du denn du König in Ägypten, mit deiner Herrlichkeit, Macht, und Majestät, damit du dich bisher allen Königen des Volkes Gottes vorgezogen hast, gerade als ob du allein dieselben hättest können entweder verderben oder erhalten? Aber hörst du es, du sollst es nicht besser haben, als sie. Denn du wirst auch vom Stuhl gestürzt, und unter die Erde kommen, so wohl als die israelitischen Könige. Ja du wirst eines schändlichen und schnöden Todes sterben, gleichwie andere gottlose Heiden, und wirst denen zugesellt werden, die durch das Schwert gefallen sind. Denn gleichwie Gott den stolzen König in Assyrien samt seinem Königreich durch den König zu Babel herunter gestürzt hat. Also wird er dich auch durch eben denselben König zu Babel lassen von deinem Stuhl stoßen, dass dein Königreich zerstört und deine Untertanen vertilgt werden. Welches gewisslich geschehen wird, weil es der Herr geredet hat, an dem kein Falsch oder Irrtum zu spüren ist. [Denn wenn Gott strafen will, da jemand mit seinen Gaben prangt, und sich derselben überhebt, so achtet er keine Person. Darum sollen wir der wahren Demut uns mit ernst bemühen).


Das 32. Kapitel


1. Der Prophet fährt weiter fort, von dem Fall des Königreichs Ägypten zu weissagen und lehrt, dass die Ägypter zugleich mit ihrem Könige sollen erwürgt und von der Erde vertilgt werden, mit anderen mächtigen Königen und Völkern, die zum Teil bereits umgekommen, zum Teil noch zugrunde gehen würden. Welche doch der Welt schrecklich gewesen waren, oder noch waren, oder auch zukünftig sein würden. Denn es einem gehen werde, wie dem anderen.

1. Und es begab sich im zwölften Jahr, am ersten Tage des zwölften Monden, geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Zwölften Jahr: Von der Zeit an, da Jojachin der König Juda gen Babel gekommen war.

Zwölften Monden: Der zum Teil mit unserem Februar, zum Teil auch mit dem März eintrifft.

2. Du Menschenkind, mache eine Wehklage über Pharao, den König zu Ägypten, und sprich zu ihm: Du bist gleichwie ein Löwe unter den Heiden und wie ein Meerdrache und springst in deinen Strömen und trübst das Wasser mit deinen Füßen und machst seine Ströme trübe.

Wehklage: Beschreibe mit einer Klageschrift, den herzunahenden Untergang des Königs Pharao.

Löwe: Du hast dich bisher unter anderen Völkern wie ein Löwe verhalten, der wider andere Tiere wütet, und seines Gefallens mit ihnen umgeht.

Trübest: Dass du unsauber und hässlich machst, was zuvor lauter und klar gewesen. Das ist, du bist den anderen Völkern, wie auch deinen eigenen Untertanen sehr überlästig gewesen, und hast den gemeinen Wohlstand unruhig und verwirrt gemacht, also dass andere vor dir keine Ruhe haben konnten, der Güter mit Liebe zu genießen, die ihnen von Gott verliehen sind. [Denn etliche meinen, man wisse nicht, dass sie regieren, wo sie nicht anderen Völkern in der Nachbarschaft und ihren Untertanen viel zu verdrieß tun. Gleichwie etliche im gemeinen Stand auch tun, die sich also erzeigen, als ob sie nur darum geboren wären, dass sie Unruhe stiften sollten).

3. So spricht der Herr Herr: Ich will mein Netz über dich auswerfen durch einen großen Haufen Volkes, die dich sollen in mein Garn jagen {Hes 12v13 17v20};

Über dich: Nämlich, über Pharao, den König in Ägypten.

Volkes: Ich will viele Leute dazu benutzen, die dich, wie Fischer, ins Netz treiben sollen. [Wenn deswegen Gott eine Menge vom fremden Volk in ein Land schickt, so ist es eben, als wenn er sein Netz auswürfe, dass er die unbußfertigen Obrigkeiten und Untertanen fange).

4. Und will dich aufs Land ziehen und aufs Feld werfen, dass alle Vögel des Himmels auf dir sitzen sollen, und alle Tiere auf Erde von dir satt werden.

Feld werfen: Dass du Wassers halben wirst müssen Mangel leiden und sterben.

Satt werden: Das ist, ich will dich von deiner Macht und Würde verstoßen, und dich samt deinen Untertanen durch der Feinde Schwert fällen, dass fremde Völker alle das eurige rauben sollen.

5. Und will dein Aas auf die Berge werfen und mit deiner Höhe die Täler ausfüllen.

Werfen: Dass die Körper hin und wieder zerstreut liegen, und faulen sollen.

Aus füllen: Denn es werden der Erschlagenen so viel sein, dass die Täler, darin man sie werfen wird, zur Ebene davon gemacht, und etlichermaßen damit aufgefüllt werden.

6. Das Land, darin du schwimmst, will ich von deinem Blut rot machen bis an die Berge hinten an, dass die Bäche von dir voll werden.

Schwimmst: Nämlich, Ägyptenland, in dem du jetzt und mit großem Übermut herrschst.

Hinten an: Dass die ganze Ebene deines Königreichs mit Blut soll bedeckt werden.

Voll werden: Das ist, der Ägypter Niederlage wird so groß sein, dass alles gleichsam voller Blut sein wird, und ganze Bäche sich davon ergießen werden. [Denn grobe Sünden verursachen schwere Strafen. So gingen in Ägypten die Abgötterei, Tyrannei, Hoffart, Vertrauen auf eigene Kräfte, Üppigkeit, und Unzucht, bei dem Überfluss aller Dinge im Schwange.

7. Und wenn du nun ganz dahin bist, so will ich den Himmel verhüllen und seine Sterne verfinstern und die Sonne mit Wolken überziehen, und der Mond soll nicht scheinen.

Dahin bist: Dass du von der Erde allerdings bist hinweg geräumt worden.

Verhüllen: Ich will den Himmel mit dicken Wolken überziehen, dass es finster werden soll.

Verfinstern: Dass sie nicht mehr auf Erde scheinen. Will so viel sagen, du sollst in große Angst und Traurigkeit geraten, dass du nirgends her keine Hoffnung haben könntest, noch einigen Trost und Hilfe von jemanden wirst zu erwarten haben. Es wird dir eben kein Stern leuchten, sondern eitel Finsternis, Traurigkeit, Angst, Not und Jammer um dich sein. [Denn welche zu Friedenszeiten, und wenn es wohl geht, Gott verachten, die werden endlich mit großem Jammer, als mit dicker Finsternis überfallen. Sofern sie als denn rechtschaffene Busse tun, so geht ihnen Christus, als die Sonne der Gerechtigkeit, in ihren Herzen, wieder auf, dass sie das Kreuz, welches ihnen von Gott auferlegt ist, geduldig tragen, und aus der Finsternis dieses Lebens endlich zum ewigen Leben eingehen. Verharren sie aber in ihrer Bosheit, so geraten sie aus der traurigen Finsternis dieses Lebens in die äußerste Finsternis der ewigen Verdammnis).

8. Alle Lichter am Himmel will ich über dir lassen dunkel werden, und will eine Finsternis in deinem Lande machen, spricht der Herr Herr.

9. Dazu will ich viele Völker Herz erschreckt machen, wenn ich die Heiden deine Plage erfahren lasse und viel Länder, die du nicht kennst.

Nicht kennst: Das ist, wenn ich dich unter den Heiden werde zu Boden stoßen, und umbringen, so werden die anderen Völker aus solchem deinem unversehenen schnellen und schrecklichen Fall sehr irre gemacht und geschreckt werden, Ja es wird von deinem jämmerlichen Fall nicht ohne Verwunderung und Entsetzung an weit abgelegenen Orten gesagt werden, welche dir allerdings unbekannt sind. Also ganz weit und breit wird man von deinem Untergang zu singen und zu sagen wissen.

10. Viel Völker sollen sich über dir entsetzen, und ihren Königen soll vor dir grauen, wenn ich mein Schwert wider sie blinken lasse, und sollen plötzlich erschrecken, dass ihnen das Herz entfallen wird über deinem Fall.

Grauen: Denn sie werden denken, ist das Königreich Ägypten von dem Könige zu Babel so bald zerstört worden, welches doch sehr mächtig gewesen, wie wird es denn uns wohl ergehen, die wir an Macht und Stärke demselben nicht zu vergleichen sind?

Entfallen: Denn es wird sich ein jeder seiner Haut fürchten. [Wie man sieht, dass viele Leute darüber sich entsetzen, wenn sie von einem schrecklichen Fall hören, aber wenig bessern sich daraus).

11. Denn so spricht der Herr Herr: Das Schwert des Königs zu Babel soll dich treffen.

Treffen: Das ist, ich will dich Pharao samt deinem Volk, von des Königs zu Babel Kriegsgurgeln umbringen lassen, welches rechte Bluthunde sind, und aus allerlei Völkern zusammen gebracht wurden.

12. Und ich will dein Volk fällen durch das Schwert der Helden und durch allerlei Tyrannen der Heiden; die sollen die Herrlichkeit Ägyptens verheeren, dass all ihr Volk vertilgt werde {Hes 28v7}.

Verheeren: Sie werden die festen Städte zerstören, und die lustigen und fruchtbaren Länder verwüsten, dass sie zu einer grausamen Einöde und Wildnis werden, damit das Land Ägypten jetzt so sehr prangt.

13. Und ich will alle ihre Tiere umbringen an den großen Wassern, dass sie keines Menschen Fuß und keines Tieres Klauen trübe machen soll.

Tiere: Denn ich nicht allein die Menschen, sondern auch das Vieh aus demselben Königreich vertilgen will, dass es allerdings wüst und unbewohnt liegen soll.

Fuß: Es sollen die Ägypter sich nicht mehr zu ihrem Vergnügen in den fließenden Wassern baden. Denn dass solches bei den Ägyptern gebräuchlich gewesen, kann man abnehmen {2Mos 2}.

Klauen: Man wird das Vieh nicht mehr durch das Wasser treiben, weil es die Feinde geschlachtet oder weggeführt haben.

14. Alsdann will ich ihre Wasser lauter machen, dass ihre Ströme fließen wie Öl spricht der Herr Herr,

Wie Öl: Will so viel sagen, bis daher hat Ägypten eine solche große Menge Leute und Vieh, dass sie auch die Wasserflüsse zum guten Teil ausgetrunken haben. Aber ich will verschaffen, nach dem die Ägypter erschlagen, und das Vieh meistenteils geschlachtet, oder doch weggetrieben wurde, dass die Wasser viel größer und tiefer werden sollen, als zuvor, daher sie auch langsam fließen werden, wie ein Öl. Denn die tiefen Wasser schleichen ganz sanft daher, und rauschen nicht, wie die seichten Wasser.

15. wenn ich das Land Ägypten verwüstet und alles, was im Lande ist, öde gemacht und alle, so darin wohnen, erschlagen habe, dass sie erfahren, dass ich der Herr sei.

Öde gemacht: Dass weder Menschen noch Vieh mehr darin werden zu finden sind, auch keine Früchte mehr darin wachsen.

Herr sei: In dessen Gewalt alle Reiche der Welt stehen. [Wenn wir deswegen in unserem deutschen Vaterland der Leute Menge sehen und betrachten, welches freilich eine große Gabe Gottes ist: Desgleichen, die feinen Städte, starke Festungen, lustige Felder, schönes Vieh, und alles was zu dieses zeitlichen Lebens Nahrung und Aufenthaltung, vonnöten ist, ein Überfluss spüren, so sollen wir Gott dafür danken, und ihn demütig anrufen, dass er uns nicht von wegen unserer Undankbarkeit, gegen sein göttliches Wort, aller solcher Güter wiederum beraube, und entblöße, wie er den Ägyptern getan).

16. Das wird der Jammer sein, den man wohl mag klagen; ja, viele Töchter der Heiden werden solche Klage führen über Ägypten und all ihr Volk wird man klagen, spricht der Herr Herr.

Klagen: Das ist, die Verwüstung eines solchen herrlichen Königreichs, wie Ägypten gewesen, ist wohl Wert, dass man heiße Tränen darüber vergießen möge.

Führen: Sie werden über dem Jammer dieses Königreichs besondere Klagelieder machen. Denn es werden viele Völker über den Untergang, eines solchen mächtigen Königreichs sich entsetzen und sehr bestürzt werden. [Und sollen, wenn ein Königreich zugrunde geht, andere Herrschaften und Länder sich erinnern, was ihnen auch begegnen könne).

17. Und im zwölften Jahr, am fünfzehnten Tage desgleichen Monden, geschah des Herrn Wort zu mir und sprach:

Zwölften Jahr: Nach dem der König in Juda Jojachin gefangen weggeführt wurde.

Desgleichen: Dessen, nämlich, zu Anfang dieses Kapitel auch ist gedacht worden, so der zwölfte gewesen.

18. Du Menschenkind, beweine das Volk in Ägypten und stoße es mit den Töchtern der starken Heiden hinab unter die Erde zu denen, die in die Grube fahren.

Stoße: Das ist, verkündige ihnen, wie sie mit anderen Heiden müssen verstoßen werden.

Grube fahren: Das ist, ins Grab, und ins Verderben. Will so viel sagen: Du Prophet, tu eine klägliche Predigt von den Ägyptern und allen anderen mächtigen Völker Untergang. Denn sie sollen alle miteinander in der Hölle zusammen kommen, welche zum Teil bereits umgekommen sind, zum Teil noch draufgehen werden. [Denn Gott erniedrigt, was hoch ist, und erhöht, was niedrig ist).

19. Wo ist nun deine Wollust? Hinunter, und lege dich zu den Unbeschnittenen {Hes 28v10}!

Wollust: Deine große Pracht und Übermut. O Ägypten, hat dir nichts geholfen, und ist deinen Schönheiz nicht verschont worden. [Denn Gott kehrt sich an die lustigen Landschaften nicht, dass er sie darum nicht sollte lassen verwüstet werden, wenn die Einwohner gottlos sind).

Unbeschnittenen: Zu den anderen gottlosen Heiden.

20. Sie werden fallen unter den Erschlagenen mit dem Schwert. Das Schwert ist schon gefasst und gezückt über ihr ganzes Volk.

Schwert: Es wird ihnen eben auch gehen, wie den anderen Völkern, die der König zu Babel zerstört und umgebracht hat. [Denn Gott erweckt große und mächtige Potentaten, dass sie andere Länder anfallen und verwüsten, damit er also sein gerechtes Urteil vollstrecke. Darum soll man sich nicht so hoch bemühen, wie man sich wider die Feinde zur Gegenwehr rüsten möge, als dass man dahin trachte, wie man bei Gott zu Gnaden komme).

21. Davon werden sagen in der Hölle die starken Helden mit ihren Gehilfen, die alle hinuntergefahren sind und liegen da unter den Unbeschnittenen und Erschlagenen vom Schwert.

Helden: Die mächtigen Könige und Fürsten in dieser Welt, so zuvor gestorben sind, werden zu dem Könige Pharao Willkommen sagen, wenn er mit einer großen Menge seines erschlagenen Volkes der Hölle zuziehen wird. Gnade Herr, werden sie sprechen, was sucht ihr hier? Ein ungefähres Beispiel liest man auch im Propheten (Jesaja, Kapitel 14). Da die verstorbenen Könige ganz zierlich und artig eingeführt werden, wie sie den König zu Babel, da er zu ihnen in die Hölle kommt, empfangen. [Es wird aber dies nicht der Meinung vorgebracht, als ob die Seelen der Gottlosen in die Hölle also mit einander scherzten, sondern der Prophet will damit andeuten, dass, welche in dieser Welt gleiche Sünden begangen, später in der Hölle auch gleiche Strafen werden gewärtig sein, und dass die Tyrannen endlich an einen Ort der Verdammnis zusammen kommen, welche auf dieser Erde an unterschiedlichen Orten die Kirche Gottes verfolgt haben).

22. dort liegt Assur mit all seinem Volk umher begraben, die alle erschlagen und durch das Schwert gefallen sind.

Assur: Der König in Assyrien mit seinem gottlosen Haufen.

Umher: Um ihres Königs Grab. Welcher zuvor der ganzen Welt einen Schrecken eingejagt hat. [Sollen wir deswegen uns viel mehr vor Gott, als vor den sterblichen Menschen fürchten. Denn wenn sie ins Grab hinunter verstoßen sind, so können sie niemand mehr schaden).

23. Ihre Gräber sind tief in der Grube, und sein Volk liegt überall umher begraben, die alle erschlagen und durch das Schwert gefallen sind, da sich die ganze Welt vor fürchtete.

24. Da liegt auch Elam mit all seinem Haufen umher begraben, die alle erschlagen und durch das Schwert gefallen sind und hinuntergefahren als die Unbeschnittenen unter die Erde, davor sich auch alle Welt fürchtete; und müssen ihre Schande tragen mit denen, die in die Grube fahren.

Elam: Der König in Persien, welcher auch dermal eins zum Könige Pharao in die Hölle kommen wird. Denn es wird hier von zukünftigen Sachen geredet, als wenn sie bereits geschehen wären.

Gefahren: Das ist, die unbeschnittenen Perser, so von des Feindes Schwert erwürgt wurden, werden auch um ihren König her begraben liegen, und in der Hölle zugleich mit ihm gepeinigt werden.

Grube fahren: Das ist, die ins Grab und in die Hölle kommen, da sie mit Schanden und mit großem Jammer werden überschüttet werden, die vorzeiten anderen Leuten sehr übel gedroht, wie sie mit ihnen umgehen wollten.

25. Man hat sie unter die Erschlagenen gelegt samt all ihrem Haufen, und liegen umher begraben; und sind alle wie die Unbeschnittenen und die Erschlagenen vom Schwert, vor denen sich auch alle Welt fürchten musste; und müssen ihre Schande tragen mit denen, die in die Grube fahren, und unter den Erschlagenen bleiben.

Unbeschnittene: Das ist, alle unbeschnittenen Perser, die im Kriege umkommen werden, wird man neben ihrem Könige begraben.

Schande tragen: Sie werden schändlich umkommen, und unter die anderen gerechnet werden, denen es auch also gegangen. [Denn der Stolz und Übermut nimmt ein schändliches Ende).

26. Da liegt Mesech und Thubal mit all ihrem Haufen umher begraben, die alle unbeschnitten und mit dem Schwert erschlagen sind, vor denen sich auch die ganze Welt fürchten musste {Hes 27v1},

Da liegt: Oder werden liegen. Denn dies alles damals noch zukünftig war, und vielleicht noch jetzt nicht allerdings erfüllt ist.

Und Thubal: Obwohl nun Mesech sonst von den Einwohnern des größeren Armenien, und Thubal von den Italienern und Spaniern verstanden wird, so lässt sich es doch ansehen, als ob an diesem Ort andere mitnächtigen Könige und Völker dadurch verstanden würden, von denen später in (Kapitel 38) auch gehandelt wird, als da sind die Moskowiter, Tartern, und Türken.

27. und alle anderen Helden, die unter den Unbeschnittenen gefallen sind und mit ihrer Kriegswehre zur Hölle gefahren und ihre Schwerter unter ihre Häupter haben müssen legen, und ihre Missetat über ihre Gebeine gekommen ist, die doch auch gefürchtete Helden waren in der ganzen Welt; also müssen sie liegen.

28. So musst du freilich auch unter den Unbeschnittenen zerschmettert werden und unter denen, die mit dem Schwert erschlagen sind, liegen.

Zerschmettert: Das ist, Mesech und Thubal, darunter der Prophet die letzten leiblichen Feinde der Kirche versteht, werden nicht dergestalt im Kriege umkommen, wie die anderen streitbare Helden und Völker, welche mit ihren Rüstungen ehrlich sind zur Erde bestätigt worden, weil sie in der Schlacht ritterlich umgekommen sind. Darum, dass Gott ihre Tyrannei, welche anderen ein Schrecken gewesen, gerächt hat, sondern Gott wird den Mesech und Thubal selber zerschmettern und umbringen, dass sie zwar unter den anderen Erschlagenen sollen gefunden werden, und aber doch viel mehr durch die göttliche Rache, als von Menschen Händen umkommen. Denn später zeigt der Prophet an in(Kapitel 39). Wie auch {Apg 20} geweissagt wird, dass dieselben Völker, Mesech, Thubal, Gog, und Magog, durch das Feuer vom Himmel sollen vertilgt werden. [Denn Gott hat nicht allein auf seiner Kirche Wohlfahrt Acht, sondern gedenkt auch an seinen heiligen Namen, dass der in der ganzen Welt gepriesen werde).

29. Da liegt Edom mit seinen Königen und all seinen Fürsten unter den Erschlagenen mit dem Schwert und unter den Unbeschnittenen, samt anderen, so in die Grube fahren, die doch mächtig gewesen sind.

Edom: Der Edomiter wird man auch einen guten Teil in der Hölle finden. Es waren aber die Edomiter den Israelitern verwandt, und taten ihnen dennoch viel Überdrang an.

Unbeschnittenen: Denn obwohl die Edomiter am Leibe beschnitten gewesen, so hatten sie doch unbeschnittene Herzen. [Werden deswegen die falschen Brüder, welche der Kirche mehr Leid antun, als die öffentliche Feinde, endlich von Gott vertilgt).

30. Ja, es müssen alle Fürsten von Mitternacht dahin und alle Zidonier, die mit den Erschlagenen hinabgefahren sind, und ihre schreckliche Gewalt ist zuschanden geworden, und müssen liegen unter den Unbeschnittenen und denen, so mit dem Schwert erschlagen sind, und ihre Schande tragen samt denen, so in die Grube fahren.

Mitternacht: Alle gottlose Tyrannen zu Babel, und in derselben Gegend herum gegen Mitternacht zu, wird man auch in der Hölle antreffen. Denn sie müssen auch an die Reihe. [Und wenn Gott die Ruten, damit er sein Volk züchtigt, ausgebracht hat, so wirft er sie endlich ins Feuer).

31. Diese wird Pharao sehen und sich trösten mit all seinem Volk, die unter ihm mit dem Schwert erschlagen sind, und mit seinem ganzen Heer, spricht der Herr Herr.

Sehen: Weil ihrer etliche, als die Assyrer, jetzt bereits in der Hölle sind, andere aber mit der Zeit später folgen werden.

Trösten: Dass andere mächtige Könige, Fürsten, und Völker auch umgekommen sind, und in der Hölle liegen. [Welches doch nicht dahin zu verstehen ist, als ob irgend ein Trost in der Hölle zu hoffen wäre, sondern dass bei den Verdammten sich so eine große Bosheit finde, dass einer dem anderen noch mit giftigem Gespött darüber zusetze, und gern sehen, dass viele andere auch mit ihnen sind verdammt worden).

32. Denn es soll sich auch einmal alle Welt vor mir fürchten, dass Pharao und alle seine Menge soll liegen unter den Unbeschnittenen und mit dem Schwert Erschlagenen, spricht der Herr Herr.

Fürchten: Ich will verschaffen, dass durch solche große Niederlagen der mächtigen Könige und Völker, die Leute mich einmal auch werden fürchten müssen. [Denn wenn Gott mächtige Fürsten und Völker ins Verderben stürzt, tut er es darum, dass er gefürchtet werde, weil ihm keine menschliche Kraft oder Gewalt widerstehen kann, wenn er zornig ist).


Das 33. Kapitel


1. Der Prophet erklärt mit dem Gleichnis des Wächters, eines getreuen Kirchendieners Amt, und ermahnt seine Zuhörer ernstlich, dass sie sollen Busse tun. v. 1. 2. Aus Jerusalem kommt Botschaft, wie die Stadt von den Chaldäern sei erobert und zerstört worden, welcher Nachricht doch der Prophet mit seiner Weissagung zuvorkommt. v. 21. 3. Des Propheten Spötter werden gescholten. v. 30.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Jetzt wendet der Prophet seine Rede wieder zum israelitischen Volk, und zeigt erstlich an, wie der Kirchendiener Amt sei, dass sie des Volkes Sünden strafen sollen, damit sie nicht an denen Seelen schuldig werden, welche ohne Buße in ihren Sünden verderben. Danach ermahnt er seine Zuhörer, dass sie sollen Busse tun, und in der Gottseligkeit beharren, denn die Unbußfertigen werden umkommen, welche aber Busse tun, die werden wiederum zu Gnaden aufgenommen werden.

2. Du Menschenkind, predige wider dein Volk und sprich zu ihnen: Wenn ich ein Schwert über das Land führen würde, und das Volk im Lande nähme einen Mann unter ihnen und machten ihn zu ihrem Wächter,

Führen würde: Dasselbe mit Krieg zu strafen, von wegen der Einwohner Bosheit.

3. und er sähe das Schwert kommen über das Land und bliese die Trompete und warnte das Volk:

Kommen: Wenn er gewahr würde, dass der Feind mit bewaffneter Hand ins Land fiele.

Warnte: Dass er ein Zeichen gebe, wie der Feind käme, und also ihnen solches zeitlich genug zu wissen tat, damit sie sich vor ihm vorsehen könnten. Der wäre seinem Amt recht und gebührlich nachgekommen.

4. wer nun der Trompeten Hall hört und wollte sich nicht warnen lassen, und das Schwert käme und nähme ihn weg, desselben Blut sei auf seinem Kopf;

Nicht warnen lassen: Dass er sich nicht vorsehe, und also in des Feindes Hand käme.

Ihn weg: Dass er von dem Feinde umgebracht würde.

Seinem Kopf: Und wird er niemand die Schuld geben können, als sich selbst, geschieht ihm auch recht, dieweil er sich nicht wolle warnen lassen.

5. denn er hat der Trompeten Hall gehört und hat sich dennoch nicht warnen lassen; darum sei sein Blut auf ihm. Wer sich aber warnen lässt, der wird sein Leben davonbringen.

Auf ihm: Denn er ist selber schuldig, und eine Ursache an seinem Verderben, und empfängt seine rechte Strafe für seine Unvorsichtigkeit und Sicherheit.

6. Wo aber der Wächter sähe das Schwert kommen und die Trompete nicht bliese noch sein Volk warnte, und das Schwert käme und nähme etliche weg: Dieselben würden wohl um ihrer Sünde willen weggenommen, aber ihr Blut will ich von des Wächters Hand fordern.

Nicht bliese: Sondern würde in seinem Amt fahrlässig erfunden.

Weg: Dass der Feind etliche vom Volk umbrächte.

Weggenommen: Dass sie stürben, nach meinem gerechten Urteil.

Fordern: Denn derselbe Wächter ist vor mir wie ein Totschläger und des Totschlags schuldig. Weil ein solcher Mensch durch seine Fahrlässigkeit ums Leben gekommen. Darum werde ich ihn, auch als einen Totschläger strafen.

7. Und nun, du Menschenkind, ich habe dich zu einem Wächter gesetzt über das Haus Israel, wenn du etwas aus meinem Munde hörst, dass du sie von meinetwegen warnen sollst.

Und nun: Folgt jetzt die Erklärung des vorigen Gleichnisses.

Menschenkind: Du Prophet Hesekiel, merke auf, und lerne bei diesem Gleichnis, was du für ein Amt auf dich hast.

Warnen sollst: Vor der Gefahr Leibes und der Seelen, darin mein Volk um seiner Sünden willen steckt.

8. Wenn ich nun zu dem Gottlosen sage: Du Gottloser musst des Todes sterben, und du sagst ihm solches nicht, dass sich der Gottlose warnen lasse vor seinem Wesen, so wird wohl der Gottlose um seines gottlosen Wesens willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern.

Sage: Vor deinen Ohren, dass du ihm solches von meinetwegen wieder anzeigen sollst.

Solches: Was ich dir befohlen habe, dass du ihm von meinetwegen anzeigen solltest.

Wesen: Nämlich, vor seinem gottlosen Wesen und Leben, dass er davon abstünde.

Sterben: Und um seiner Sünden willen zeitlich und ewig verderben.

Fordern: Denn ich will es dahin rechnen, dass du an solches Sünders Verderben und Verdammnis schuldig bist. Darum ich dich Strafen will, als einen, der eine Seele dem Teufel übergeben hat. [Sollen deswegen die, so zum Predigtamt sich begeben, wohl achthaben, was sie für eine Last sie auf sich nehmen, und sollen neben emsiger Anrufung des Namens Gottes mit Fleiß dahin trachten, dass sie keiner Seelen Wohlfahrt versäumen, denn sie werden einmal vor ihrer Zuhörer Seelen Gott Rechenschaft geben müssen {Hebr 13}. Und sollen sich nicht die Gedanken machen, solche Zuhörer würden um ihrer Sünden willen einer wie der andere verdammt werden, sie (die Prediger) tun gleich ihr Amt oder nicht. Denn sie sind dadurch nicht entschuldigt. Die Zuhörer aber sollen nicht unwillig darüber werden, wenn sie hören, dass sie ihrer Sünden halben ernstlich zu Rede gesetzt und gewarnt werden, auch wo sie nicht Busse tun, ihnen die ewige Verdammnis gedroht wird: Sondern sollen denken, der Prediger verrichte in dem Stücke das Amt eines getreuen Wächters, und suche alsdann der Zuhörer Seligkeit am allermeisten).

9. Warnst du aber den Gottlosen vor seinem Wesen, dass er sich davon bekehre, und er sich nicht will von seinem Wesen bekehren, so wird er um seiner Sünde willen sterben, und du hast deine Seele errettet.

Seinem Wesen: Dass er von seinem gottlosen Tun ablassen soll.

Errettet: Du hast deiner Seligkeit Rat geschafft, weil du dein Amt verrichtet hast, und wird dir solches gottlosen Menschen Verdammnis nicht zugerechnet werden. [Wenn deswegen die Kirchendiener ihrem Amt fleißig und treulich nachkommen, so sollen sie das übrige Gott befehlen und über der unbußfertigen Leute Verderben sich nicht zu viel bekümmern).

10. Darum, du Menschenkind, sage dem Hause Israel: Ihr sprecht also: Unsere Sünden und Missetaten liegen auf uns, dass wir darunter vergehen; wie können wir denn leben?

Auf uns: Das ist, wir empfinden, dass wir von wegen unserer großen und schweren Sünden so bedrückt werden, dass wir täglich in Verzweiflung schier verschmachten. Denn wie können wir uns vieler Gnaden zu Gott vertrösten, und das ewige Leben von ihm hoffen, weil wir ihn so oft und schwer beleidigt haben? Darum so ist es mit uns verloren. [Denn nach begangenen Sünden begehrt der Teufel die Leute in Verzweiflung zu stürzen, dass gleichwie sie zuvor die göttlichen Drohungen gering geschätzt. Also später die Verheißungen der Gnaden schwer vergreifen. Aber man soll den zerschlagenen Gewissen beständigen Trost aus Gottes Worten vorhalten, dadurch sie zur Hoffnung des ewigen Lebens aufgerichtet werden).

11. So sprich zu ihnen: So wahr als ich lebe; spricht der Herr Herr, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. So bekehrt euch doch nun von eurem bösen Wesen! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel {Hes 18v32}?

Tode: Nämlich, an seinem Verderben und Verdammnis.

Lebe: Ich will, dass er der Strafen, und besonders der ewigen Verdammnis entgehen möge. [Sollen deswegen die bußfertigen Sünder an ihrer Seligkeit keineswegs verzweifeln, sondern wissen, dass ihnen von Gott Verzeihung und das ewig Leben angeboten werde, wenn sie nur an Christus glauben. Denn dem geben alle Propheten Zeugnis, dass durch seinen Namen Vergebung der Sünden empfangen, alle, die an ihn glauben {Apg 10}.

Bekehrt euch: Zu Gott dem Herrn, auf dass ihr Verzeihung erlangt, und bei Gott wieder zu Gnaden kommt.

Sterben: Warum wollt ihr in euren Sünden umkommen, und verdammt werden, da euch der Weg zur Seligkeit gezeigt wird? [Denn man soll Gott nicht die Schuld geben, dass die Gottlosen verdammt werden, sondern ihrem unbußfertigen Herzen muss man es zumessen, weil, wenn sie zur Busse berufen werden, die angebotene Gnade, durch den Unglauben von sich stoßen).

12. Und du, Menschenkind, sprich zu deinem Volk: Wenn ein Gerechter Böses tut, so wird es ihm nicht helfen, dass er fromm gewesen ist; und wenn ein Gottloser fromm wird, so soll es ihm nicht schaden, dass er gottlos gewesen ist. So kann auch der Gerechte nicht leben, wenn er sündigt.

Gerechter: Der vorhin einen gerechten Wandel geführt, und unsträflich gelebt hat.

Böses tut: Dass er anfängt, ein gottloses Leben zu führen.

Gewesen: Sein voriges frommes und rechtes geführtes Leben wird ihm vor dem Gericht Gottes nichts nutzen, sondern wird gestraft und verdammt werden, um seiner jetzigen Bosheit willen. [Darum sollen wir in der wahren Gottseligkeit bis ans Ende beharren).

Fromm wird: Dass er sich ernstlich zu Gott bekehrt.

Nicht schaden: Vor dem Gerichte Gottes. Sondern wird, sobald er wahrhaftig Busse tut, Verzeihung und die Seligkeit erlangen. [Darum sollen wir um unseres vorigen bösen Wandels Willen nicht verzagen).

13. Denn wo ich zu dem Gerechten spreche, er soll leben, und er verlässt sich auf seine Gerechtigkeit und tut Böses, so soll all seiner Frömmigkeit nicht gedacht werden, sondern er soll sterben in seiner Bosheit, die er tut.

Nicht gedacht: Will so viel sagen, wenn ich gleich einem frommen Menschen alle glückliche zeitliche und ewige Wohlfahrt verheiße, er aber um solcher seiner Frömmigkeit willen sich überhöbe, und anfing, ein lasterhaftes, gottloses Leben zu führen, der Meinung, als ob er dennoch nicht könnte verdammt werden, weil er vormals eine gute lange Zeit fromm gewesen, so werde ich mich seiner vorigen Frömmigkeit wenig mehr achten, sondern um seines folgenden gottlosen Lebens willen, darin er geraten, ihn ewig verdammen. [Darum sollen wir in der Furcht Gottes, und in der wahren Demut bleiben, auf dass unser vorigen Frömmigkeit nicht wiederum vergessen werde).

14. Und wenn ich zum Gottlosen spreche, er soll sterben, und er bekehrt sich von seiner Sünde und tut, was recht und gut ist,

Sterben: Und um seines gottlosen Wesens willen ewig verdammt werden.

Bekehrt sich: Dass er von der Bosheit absteht, und ein gottseliges gerechtes Leben zu führen anfängt, dazu er durch meine Drohungen verursacht wurde.

15. also dass der Gottlose das Pfand wiedergibt und bezahlt, was er geraubt hat, und nach dem Wort des Lebens wandelt, dass er kein Böses tut, so soll er leben und nicht sterben {2Mos 22v26 5Mos 24v13}.

Also: Jetzt erzählt der Prophet etliche Anweisungen der wahren Buße, besonders im bürgerlichen Wandel.

Wiedergibt: Seinem dürftigen Nächsten, aus einem gottseligen Mitleiden, und behält es nicht mit unbarmherzigem geizigen Herzen, weil der arme Schuldner dessen nicht entbehren kann. Solche Freundlichkeit gegen den armen Schuldigern zu erzeigen hatte Gott den Juden befohlen {5Mos 24}. [Denn man soll mit den armen Leuten nicht unbarmherzig umgehen).

Geraubt: Dass er es nicht mit Gewalt oder durch böse Praktiken behält, was er mit Unrecht erworben. [Denn die tun nicht rechtschaffene Buße, welche unrecht erworbenes Gut nicht wieder geben, wenn sie es wohl tun können).

Wort des: In meinen heilsamen Geboten. [Denn das Gesetzt zeigt für sich selbst den Weg zum Leben, aber die Sünder verdammt es).

Kein böses: Dass er nicht mehr in öffentlichen groben Sünden lebt. [Denn der ist nicht für gerecht zu schätzen, welcher von etlichen Sünden sich enthält, und daneben in andere sich wälzt).

16. und aller seiner Sünden; die er getan hat, soll nicht gedacht werden; denn er tut nun, was recht und gut ist; darum soll er leben.

Nicht gedacht: Sondern er wird bei Gott das Ansehen haben, als wenn er nie nichts Unrechtes getan hätte.

Er leben: Weil er Busse getan, und sein Leben mit Ernst gebessert hat, so soll er nicht verdammt werden, sondern die Seligkeit erlangen. [Deswegen sollen wir unserem gütigen Gott Lob und Dank dar für sagen, dass er unserer Sünden nicht mehr bedenkt sein will).

17. Noch spricht dein Volk: Der Herr urteilt nicht recht, so sie doch Unrecht haben {Hes 18v25}.

Unrecht haben: Sie urteilen nicht recht von der Sache. Aber was ich tu, das ist wahrhaftig, recht, und richtig, denn der Gestalt pflege ich mit den Gerechten umzugehen, wenn sie wieder in Sünden fallen, und mit den Sündern, wenn sie Busse tun. [Welches zwar der menschlichen Vernunft scheint ungereimt sein, dass Gott aller vorigen Frömmigkeit nichts achten sollte, und meint, man sollte es der vorigen Verdienste halben übersehen, wenn ein Mensch, der zuvor fromm gewesen, in Sünde falle, wiederum will es der menschlichen Vernunft auch nicht eingehen, dass ein bußfertiger Sünder bald von allen seinen vorigen Sünden sollte losgesprochen werden. Und sind in diesem Stücke die Katholiken mit den Juden einer irrigen Meinung, in dem sie die Verdienste ihrer Werke so hoch aufmotzen, und die Rechtfertigung des bußfertigen Sünders, so aus Gnaden geschieht, verwerfen).

18. Denn wo der Gerechte sich kehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Böses, so stirbt er ja richtig darum;

Richtig: Dass er um seiner begangenen Sünden willen verdammt wird.

19. und wo sich der Gottlose bekehrt von seinem gottlosen Wesen und tut, was recht und gut ist, so soll er ja richtig leben.

Leben: Er soll erhalten und selig werden, darum dass er Buße getan hat, welches je nicht unrecht ist.

20. Noch sprecht ihr: Der Herr urteilt nicht recht, so ich doch euch vom Hause Israel einen jeglichen nach seinem Wesen urteile.

Wesen: Wie ich befinde, dass ein jeder gehandelt habe, also gehe ich mit ihm um. [Darum sollen wir uns mit allem Fleiß hüten, dass wir nicht in Sünden wider das Gewissen ergriffen werden, wenn die Stunde des Todes unversehens uns überfällt, da wir nicht Gottes Urteil strafen können, sondern viel mehr unserer Bosheit werden müssen die Schuld geben).

21. Und es begab sich im zwölften Jahr unseres Gefängnisses, am fünften Tage des zehnten Monden, kam zu mir ein Entronnener von Jerusalem und sprach: Die Stadt ist geschlagen.

Zwölften Jahr: Von der Zeit an, da Jojachin der König in Juda war gefangen weggeführt worden.

Zehnten Monden: Der zum Teil in unseren Dezember, zum Teil im Januar fällt.

Geschlagen: Die Chaldäer haben die Stadt Jerusalem erobert.

22. Und die Hand des Herrn war über mir des Abends, ehe der Entronnene kam, und tat mir meinen Mund auf, bis er zu mir kam des Morgens, und tat mir meinen Mund auf, also dass ich nicht mehr schweigen konnte.

Mund auf: Gott reizte und trieb mich an den Abend zuvor, ehe der Bote des anderen und später folgenden Morgens kam, dass ich von der Bosheit der Bürger zu Jerusalem und von ihrem Untergang getrost reden sollte. Und also die Eroberung der Stadt zuvor verkündigte, ehe der Bote herzukäme.

Nicht mehr: Wie wohl ich wusste, dass ich damit niemand zu Dank tun würde, oder auch von etlichen wohl dafür möchte geachtet werden, als ob ich mit der Unwahrheit umginge. [Denn man soll die Wahrheit nicht verschweigen, es gefalle gleich den Zuhörern oder nicht).

23. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

24. Du Menschenkind, die Einwohner dieser Wüste im Lande Israel sprechen also: Abraham war ein einziger Mann und erbte dies Land; unser aber ist viel, so haben wir ja das Land billiger.

Wüste: Die noch bis daher im jüdischen Land geblieben sind, welches von den Chaldäern ist verwüstet worden.

Einziger: Denn er noch keinen männlichen Erben hatte, da ihm Gott das Land Kanaan verhieß zur Besitzung.

Viel: Die wir von demselben Patriarchen unsere Herkunft haben.

Billiger: Und werden es in unsere Gewalt zu unserer Besitzung behalten, wenn gleich die Stadt Jerusalem zerstört und verwüstet ist. Denn weil Gott dies einigen Abrahams so wohl gepflegt, so wird er unser, die wir seine Kinder und viele sind, viel mehr bewahren. Denn die Juden, so nach der Stadt Jerusalem Zerstörung im Lande noch geblieben waren, unter einem edreischen Fürsten Gedalja, der ihnen vom Könige Nebukad Nezar vorgesetzt war, hatten im selben Jahr viel Wein und Korn eingesammelt {Jer 40}. Darum fingen ihrer etliche an, den Hals wiederum zu strecken, und hofften, sie würden niemals aus demselben Lande kommen, da sie doch noch an keine Buße gedachten. Später aber da Gedalja erschlagen wurde, gerieten sie in solche große Verwirrung und Zagheit des Gemüts, dass sie wider des Propheten Jeremia Vermahnungen und Warnungen aus dem Lande Kanaan hinwegflohen {Jer 43}. [Denn wenn es wohl geht, so ist des Menschen Herz übermütig. Aber wenn traurige Zeiten einfallen, so ist es ganz weich und verzagt. Es rühmten sich aber die Juden des Abrahams, gleichwie die römischen Päpste der Apostel Petri und Paulus Namen ihren Handlungen fälschlich vorwenden, da doch weder die Juden rechte Kinder Abrahams waren, noch viel weniger die römischen Päpste der Apostel Nachkommen sein können. Denn die Juden folgten des Abrahams Glauben nicht nach, so verfolgen die römischen Päpste der Apostel Religion viel mehr, als dass sie derselben folgen sollten).

25. Darum sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Ihr habt Blut gefressen und eure Augen zu den Götzen aufgehoben und Blut vergossen; und ihr meint, ihr wollte das Land besitzen?

Gefressen: Von den Tieren, wider das ausdrücklichen Gebote Gottes im Gesetz Mose

Blut: Nämlich, unschuldiges Blut der Propheten, und eurer frommen Mitbürger.

Besitzen: Freilich habt ihr es mit eurer Bosheit wohl verdient, dass man euch zur Belohnung das Land sollte besitzen lassen.

26. Ja, ihr fahrt immer fort mit Morden und übt Gräuel, und einer schändet dem anderen sein Weib, und meint, ihr wollt das Land besitzen?

Gräuel: Schreckliche und gräuliche Laster. Wollt also auch nach der Stadt Jerusalem Verwüstung und Zerstörung noch von euren Sünden nicht ablassen. Dass er aber von unrechten Morden sagt, sieht ihm gleich, als ob der Prophet auf des Ismaels, des Sohnes Nethanja, verräterisches Bubenstück und mörderische Tat bedeutete, der nach der Stadt Eroberung den frommen Fürsten Gedalja samt anderen frommen und unschuldigen Leuten erschlug {Jer 41}. Und hat man hierbei zu lesen, was für gräuliche Bosheit in des Menschen Herzen stecke, weil es auch mitten in der Strafe von seiner Bosheit nicht abstehen kann. Also ist keine Kraft im menschlichen Willen, dass er sich zu Gott bekehren könnte, wo nicht Gott den Menschen durch das Predigtamt bekehrt. Fast ein ungefähres Ding ist es mit denen, welche, wenn sie von wegen ihres zuvor geführten gottlosen Lebens mit Krankheit oder Armut gestraft werden, dennoch in währender ihrer Krankheit oder auch in höchster Armut der Unzucht oder anderen Lastern nachhängen. Solche haben sich keiner Milderung der Strafen zu getrösten, sondern müssen viel eher noch beschwerlicher und größerer Strafen gewärtig sein).

27. So sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: So wahr ich lebe, sollen alle, so in den Wüsten wohnen, durch das Schwert fallen, und was auf dem Felde ist, will ich den Tieren zu fressen geben; und die in Festungen und Höhlen sind, sollen an der Pestilenz sterben.

Zu ihnen: Zu den unbußfertigen und widerspenstigen Leuten.

Leben: So wahr ist auch, was ich jetzt drohen will.

Wüsten: Nämlich, in dem verwüsteten Lande Juda.

Festungen: In denen sie meinen sicher zu sein.

Sterben: Denn welche Gott strafen will, die können nirgends entfliehen, wenn sie nicht wahre Busse tun.

28. Denn ich will das Land ganz verwüsten und seiner Hoffart und Macht ein Ende machen, dass das Gebirge Israel so wüst werde, dass niemand dadurch gehe.

Ende machen: Ich will verschaffen, dass sie mit ihrer Gewalt keine Pracht mehr treiben sollen, wie sie vor der Zeit getan haben, denn ich will ihnen nichts übrig lassen, damit sie prangen könnten.

Gebirge: Welches zuvor sehr wohl erbaut, lustig und fruchtbar gewesen.

Gehe: Denn es soll das Land Kanaan allerdings wüste und zerstört liegen.

29. Und sollen erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich das Land ganz verwüstet habe um aller ihrer Gräuel willen, die sie üben.

Üben: [Denn die falsche Religion, und ein gottloses Leben sind schuldig daran, dass ein herrliches wohl erbautes Land verwüstet, und zur Wüste gemacht wird).

30. Und du, Menschenkind, dein Volk redet wider dich an den Wänden und unter den Haustüren und spricht je einer zum anderen: Lieber, kommt und lasst uns hören, was der Herr sage!

Du Menschenkind: Ich will dir sagen, was du für Zuhörer hast.

Volk: Deine Zuhörer, denen du zu predigen pflegst.

Wänden: Wenn die faulen Tropfen sich da an der Sonnen lehnen.

Haustüren: Wenn sie da müßig stehen, und schwätzen.

Herr sage: Lieber lasst uns eine Weile zuhören, was uns der Pfaffe will von unserem Herrn Gott sagen. Welches sie also spöttischer Weise reden, und deine Predigten damit auslachen.

31. Und sie werden zu dir kommen in die Versammlung und vor dir sitzen als mein Volk und werden deine Worte hören, aber nichts danach tun, sondern werden dich anpfeifen und gleichwohl fortleben nach ihrem Geiz.

Mein Volk: Welches um der Gewohnheit willen in die Kirche geht, die Predigt des göttlichen Wortes anzuhören, da es ihnen doch mit der Sache kein Ernst ist.

Tun: Sie werden dir nicht glauben, noch viel weniger deinen Predigten nachkommen. [Zu wünschen wäre es, dass nicht auch noch heutigen Tages ihrer viele von den Predigten und Predigen so verächtlich hielten, und nicht zur Predigt kämen, dass sie dieselbe auslachten und verlästerten, sondern dass sie begehrten etwas daraus zu lernen. Das ist einmal gewiss, dass man nicht viel finden wird, die dem Worte Gottes angemessenen Gehorsam leisten).

Anpfeifen: Und ihr Gelächter und Begnügen mit deinen Predigten haben, aber ihr Leben nicht danach anrichten, sondern in ihren Sünden wider das Gewissen immerfort fahren und leben, wie es ihnen gefällt. [Denn wo ein Herz mit dem Geiz besessen ist, da verachtet und verlacht es Gottes Wort, weil es einen anderen Gott, nämlich, dem Mammon dient {Mt 6}.

32. Und siehe, du musst ihr Liedlein sein, das sie gerne singen und spielen werden. Also werden sie deine Worte hören und nichts danach tun {Jes 28}.

Liedlein: Sie vertreiben ihre Zeit mit dir, wenn sie deiner bei ihrem Wohlleben, oder wo sie sonst zusammenkommen, denken, dass sie von dir etwas zu singen und zu sagen wissen, deiner spotten und lachen. [Ist es deswegen nichts Neues, wenn gottlose sichere Leute in ihren Zechen die frommen und getreuen Kirchendiener auslachen, und ihre Predigten verlästern).

Nach Luther: Die Juden kamen zur Predigt, nicht dass sie glaubten, oder sich bessern wollten, sondern dass sie den armen Propheten anpfiffen und spotteten, und etwas hörten, da von sie später hätten zu scherzen und zu singen. Also ehrten sie das liebe Gotteswort, wie man es zu unserer Zeit in der Welt ehrt.

33. Wenn es aber kommt, was kommen soll, siehe, so werden sie erfahren, dass ein Prophet unter ihnen gewesen sei.

Kommen soll: Und ihnen bereits auf dem Halse liegt.

Prophet: Der sie zwar treulich gelehrt und gewarnt hat, sie aber alle treuherzige Erinnerungen zu ihrem großen Unglück verachtet und verlacht haben. [Denn endlich wenn die Verächter des göttlichen Wortes in die Gefahr geraten, welche die Kirchendiener ihnen zuvor verkündigt haben, so merken sie, dass sie göttlichen Drohungen verachtet haben. Und gehen alsdann ewig zugrunde, wo sie nicht Busse tun).


Das 34. Kapitel


1. Der Prophet predigt wider die Hirten oder Lehrer des göttlichen Wortes, welche nicht der Kirche Wohlfahrt, sondern nur ihren eigenen Nutzen suchten. v. 1. 2. Und verheißt die Zukunft des Heilands Christi, der eines getreuen Hirten und frommen Königs Amt verrichten werde. v. 11. 3. Wie er auch über etlicher Schafe Bosheit sich beklagt, und ihnen die Strafen droht, aber den frommen Schäflein verheißt er den Erzhirten Christus, und allerlei geistliche Güter. Und ist zu vermuten, dass diese Predigt geschehen sei lange vor der Zerstörung Jerusalem, da die israelitischen Priester in der Kirche des Volkes Gottes noch übel haushielten, und sie nicht weideten, wie sie sollten. v. 23.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, weissage wider die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen nicht die Hirten die Herde weiden?

Wehe den Hirten: Denn es wird ihnen übel gehen, und müssen hart darum gestraft werden, dieweil sie sich nicht dahin bemühen, wie sie ihre Zuhörer mit dem reinen Worte Gottes weiden mögen, und sie von aller Abgötterei, Menschensatzungen, und anderen Irrtümern, als von einer vergiften Weide abführen, sondern sind nur darauf bedacht, wie sie ihre Küche versorgen, und unter dem Schein der Religion viel Geld und Gut zusammen bringen.

Herde weiden: Ist es nicht richtig und gebräuchlich, dass die Hirten ihre Herde zu weiden pflegen, die ihnen anbefohlen ist?

3. Aber ihr fresst das Fette und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete; aber die Schafe wollt ihr nicht weiden.

Ihr: Nämlich, ihr Hirten, oder vielmehr Mietlinge im jüdischen Volk.

Wolle: Ihr lasst euch und den eurigen Kleider machen aus der Wolle, die ihr von den Schafen nehmt.

Gemästete: Wie die bösen Hirten zu tun pflegen, welche die feisten Schafe fressen, und geben danach vor, die Wölfe haben sie zerrissen.

Nicht weiden: Wie sich es gebührt, mit dem Worte Gottes.

4. Der Schwachen wartet ihr nicht und die Kranken heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht und das Verlorene sucht ihr nicht, sondern streng und hart herrscht ihr über sie.

Heilt ihr nicht: Dass sie möchten wieder zu ihrer vorigen Gesundheit kommen.

Über sie: Dass ihr ihnen mit Gewalt zusetzt, und sie hart bedrängt. [Hier hat man ein lebendiges Konterfei der römischen Päpste, und derer, die unter ihrem Schutz in der Kirche sich für Hirten ausgeben. Denn sie bringen von der Zuhörer Gütern großen Reichtum zuwege, dass ihrer etliche auch den Fürsten und Königen nichts bevor geben. Welches nichts anders heißt, als der Schafe Milch essen, und mit ihrer Wolle sich kleiden. So berauben sie die reichen Leute, welche die Lehre des Evangeliums lieb haben, ihrer Güter, oder bringen sie auch wohl ganz ums Leben, auf dass sie ihre Güter an sich ziehen können. Unterdes aber predigen sie entweder nie, oder doch nichts Heilsames: Die blöden und schwachen Gewissen stärken sie nicht mit dem Worte Gottes: Die bekümmerten und vom Zorn Gottes zerschlagenen Herzen richten sie mit dem Worte Gottes auf, und geben ihnen keinen Trost: Die Irrenden bringen sie aus ihrem Irrtum nicht wiederum richtig: Welche von dem Wege der Seligkeit abgewichen sind, und einen gottlosen Wandel führen, weisen sie nicht wieder auf den rechten Weg, sondern meinen, sie haben ihr Amt alsdann wohl verrichtet, wenn sie über ihre Zuhörer übermütig und tyrannisch herrschen).

5. Und meine Schafe sind zerstreut, als die keinen Hirten haben, und allen wilden Tieren zur Speise wurde und ganz zerstreut {Jes 53v6 Mt 9v36 1Petr 5v3}.

Zerstreut: Von meinem Schafstall, dass ihrer viele bisher in höchste Gefahr ihrer Seligkeit geraten sind.

Keinen Hirten: Der tauglich und treu wäre, und für sie sorgte, wie sich es gebührte.

Ganz zerstreut: Also, dass ihrer viele von dem Satan, als einem grimmigen Löwen, mit Hinterlist hintergangen und umgekommen sind, etliche zwar, weil sie mit falscher Lehre verführt wurden, andere, dass sie in ein sicheres und rohloses Leben geraten, ein teils auch für großen Ängsten des Gewissens verschmachtet sind.

6. und gehen irre hin und wieder auf den Bergen und auf den hohen Hügeln und sind auf dem ganzen Lande zerstreut, und ist niemand, der nach ihnen frage, oder ihrer achte.

Hügeln: Da die Israeliten geopfert, und je größeren Eifer sie zum selben falschen Gottesdienst hatten, je weiter sie von dem Wege der Seligkeit irre gegangen.

Zerstreut: Dass ein jeder seine Religion annahm, die ihm gefiel.

Frage: Dass er die irrenden und verlorenen Schäflein mit der gesunden Lehre suche, und auf den Weg zu meinem Schafstall wieder bringe. Denn die Hirten suchen nur das ihr, und nicht die Schäflein. Denen die Mietlinge nicht ungleich sind, welche zwar nicht falsch lehren, aber doch nur um ihre Besoldung predigen, und unterdes sich wenig achten, ob die Schafe verloren oder selig werden. [Weil es deswegen ein großer Jammer ist, wo fromme und getreue Hirten mangeln, so soll die Kirche den obersten Hirten Christus fleißig und inbrünstig anrufen, dass er treue Hirten seiner Kirche gebe und erhalte).

7. Darum hört, ihr Hirten, des Herrn Wort!

Darum: Folgt jetzt, was für Strafen solche Hirten zu erwarten haben, die ihrem Amt nicht nachkommen.

8. So wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, weil ihr meine Schafe lasst zum Raube und meine Herde allen wilden Tieren zur Speise werden, weil sie keinen Hirten haben, und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragen, sondern sind solche Hirten, die sich selbst weiden, aber meine Schafe wollen sie nicht weiden,

Tieren: Den bösen Geistern, welchen sie durch eure Fahrlässigkeit zuteilwerden, dafür ihr sie hättet warnen und eines besseren berichten sollen.

Nicht fragen: Dass sie dieselben mit der Weide meines Wortes fütterten, und die Schäflein, so in Gefahr stecken, begehrten zu erhalten.

9. darum, ihr Hirten, hört des Herrn Wort!

Darum: Dieweil ihr in eurem Amt so untreu und fahrlässig gewesen.

Wort: Dadurch euch die Strafen verkündigt werden.

10. So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; und will es mit ihnen ein Ende machen, dass sie nicht mehr sollen Hirten sein und sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Maul, dass sie sie forthin nicht mehr fressen sollen.

Fordern: Sie sollen mir schwere Rechenschaft geben für die Seelen, welche aus ihren Versäumnissen umgekommen sind. [Sollen deswegen die Kirchendiener ihr Amt mit Fleiß und treulich verrichten, die Zuhörer aber sollen folgen und gehorchen. Denn die Hirten oder Lehrer werden müssen Rechenschaft geben für die Seelen, welche ihnen befohlen gewesen {Hebr 13}.

Ende machen: Ich will sie ihres Amtes entsetzen, und sie vertilgen.

Nicht mehr: Sie sollen nicht mehr wider meine Herde wüten. [Also hat Gott aus besonderen Gnaden viel Kirche in Deutschland von den untreuen Hirten befreit, welche sie mit der päpstlichen Tyrannei unterdrückt hatten, Für welche herrliche Guttat wir Gott dem Herrn richtig dankbar sein sollen).

11. Denn so spricht der Herr Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.

Denn: Jetzt verheißt der Sohn Gottes, dass er selber wolle seiner Kirche getreuer Hirte sein.

Herr: Nämlich, Jesus Christus, der ewige und wesentliche Sohn Gottes.

Annehmen: Dass sie wieder auf den rechten Weg gebracht werden, recht geweidet, von des Teufels Gewalt erlöst, und ewig selig werden.

12. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, also will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Örtern, dahin sie zerstreut waren, zurzeit, da es trübe und finster war {Lk 15v4}.

Verirrt sind: Und er am meisten damit bemüht ist, dass er die zerstreuten Schäflein wieder suche und zusammen bringe. [Denn wo Christus die irrenden Schäflein nicht sammelt, so kommen sie nie von sich selbst zu der Kirche und zum Schafstall. Er sammelt sie aber durch das Predigtamt des Evangeliums, bei dem der Heilige Geist kräftig ist, und mitwirkt).

Finster war: Das ist, zur Zeit der Trübsal, da Gott sein gnädiges Angesicht von ihnen gewandt, und unter einer finsteren und dicken Wolke bedeckt hatte. [Es werden aber die Schäflein Christi dann zumal wahrhaftig und vollkommen aus dem Elend wieder heimgebracht, wenn sie zum himmlischen Vaterland reisen. Welcher Erlösung Vorbild, die Wiederkunft der Juden ins Land Kanaan gewesen, so unter dem Könige Kores geschehen).

13. ich will sie von allen Völkern ausführen und aus allen Ländern versammeln und will sie in ihr Land führen; und will sie weiden auf den Bergen Israels und in allen Auen und auf allen Angern des Landes.

Angern: Da sie möglich weiden und bleiben können. Und will sie mit aller Gelegenheit versehen, die zur Viehweide gehört. Denn es bleibt der Prophet immer in dem Gleichnis von Schafen.

14. ich will sie auf die beste Weide führen, und ihre Hürden werden auf den hohen Bergen in Israel stehen; dort werden sie in sanften Hürden liegen und fette Weide haben auf den Bergen Israels {Ps 23v2}.

15. ich will selbst meine Schafe weiden und ich will sie lagern, spricht der Herr Herr.

Lagern: Dass sie unter meinem Schutz sicher liegen sollen, gleichwie ein Hirte seine Herde weidet und versorgt.

16. ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte wiederbringen und das Verwundete verbinden und des Schwachen warten; und was fett und stark ist, will ich behüten, und will ihrer pflegen, wie es recht ist.

Wieder suchen: Denn ich bin gesandt (spricht Christus, Matth. 15) zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel, das ich sie suchen und versorgen soll.

Wiederbringen: Zu dem Schafstall, davon es durch Irrtum in der Religion, oder durch andere begangene schwere Sünden sich verlaufen.

Recht ist: Wie einem guten Hirten zusteht. [Diese Weissagung ist erfüllt worden, nicht allein da Gott der Herr sein Volk wieder ins Land Kanaan gebracht, und ihnen eine Zeit lang getreue Fürsten und Lehrer gegeben, sondern vornehmlich damals, da Jesus Christus selber im Lande Kanaan das israelitische Volk gelehrt hat, so wohl im Tempel, als auf dem Berge, und bei dem See Genezareth, und hat die Israeliten auf fette und heilsame Weide geführt. Denn dass dies von ihm zu verstehen sei, ist aus dem genügend zu lesen, dass er von ihm selber spricht {Joh 10}: Ich bin ein guter Hirte. Als ob er sagen wollte, ich bin der rechte getreue Hirte, von dem der Prophet Hesekiel vor der Zeit geweissagt hat. Eben derselbe Christus aber weidet auch noch heutigen Tages seine Kirche mit dem Predigtamt seines göttlichen Wortes, dass sie nicht allein ihre himmlische Speise und Trank haben, sondern auch, dass die schwachen und blöden Gewissen dadurch gestärkt werden. Und sollen diesem Obersten Hirten seine Knechte, die Kirchendiener, aufs Fleißigste nachfolgen, dass sie nicht allein die gesunden und starken Schafe mit dem Wort und Sakramenten ernähren und erhalten, sondern auch, dass sie der matten und schwachen mit aller Treue fleißig pflegen. Dergestalt werden sie, wenn der Erzhirte Christus erscheinen wird, die unverwelkliche Krone der Ehren empfangen {1Petr 5}.

17. Aber zu euch, meine Herde, spricht der Herr Herr also: Siehe, ich will richten zwischen Schaf und Schaf und zwischen Widdern und Böcken.

Herd: Hörte, was ich richtig über euch zu klagen habe. Denn gleichwie der Sohn Gottes oben in diesem Kapitel über die untreuen Hirten geklagt hat. Also klagt er jetzt im Folgenden auch über etliche böse Schafe. Und bin ich der Meinung (wie ich auch zu Anfang dieses Kapitel erinnert habe) dass diese Predigt vom Propheten gehalten wurde vor der Zerstörung Jerusalem.

Böcken: Das ist, ich will die Unbilligkeit rächen, welche die Schafe einander, und die Widder den Böcken zufügen. [Und nennt hier der Herr die Israeliten seine Herde, über welcher Ungerechtigkeit er sich doch beklagt, damit anzuzeigen, dass die Gemeinde, welche das Wort Gottes und die Sakramente hat, die Kirche sei, ob gleich viel böse, ungerechte, und verkehrte darunter vermengt sind. Wider der Wiedertäufer Schwarm, welche keine Kirche für recht erkennen, darin etliche böse zu finden sind).

18. Ist es nicht genug, dass ihr so gute Weide habt und so überflüssig, dass ihr es mit Füßen tretet, und so schöne Borne zu trinken, so überflüssig, dass ihr hineintretet und sie trübe macht,

Trübe macht: Will so viel sagen, ihr Israeliten, die ihr mit leiblichen und geistlichen Gaben eure Mitbrüder übertreffen, habt allen Mutwillen geübt und meiner Gaben missbraucht, in dem dass ihr die Schwachen sehr gedrängt, und ihnen viel Leid zugefügt. [Denn es geht in der Kirche Gottes viel ungerades und unbilliges vor, welches Gott zu seiner Zeit rächt).

19. dass meine Schafe essen müssen, was ihr mit euren Füßen zertreten habt, und trinken, was ihr mit euren Füßen trübe gemacht habt?

20. Darum so spricht der Herr Herr zu ihnen: Siehe, ich will richten zwischen den fetten und magern Schafen,

Zu ihnen: Nämlich, zu den fetten, und verwundeten Schafen.

Richten: Ich will die Unbilligkeit rächen, welche die fetten und mächtigeren, den mageren und schwächeren Schafen antun. [Denn des Menschen Herz ist so böses, dass es der Gaben Gottes zur Ungerechtigkeit, Hoffart, und Tyrannei missbraucht).

21. darum dass ihr leckt mit den Füßen und die Schwachen von euch stößt mit euren Hörnern, bis ihr sie alle von euch zerstreut.

Leckt: Ihr schlagt hinten aus, und stoßt die elenden Schafe zu Boden.

Stoßt: Dass ihr mit eurem unbilligem Tun, die armen Schäflein von euch getrieben, und sie nicht neben euch bleiben können. Darum will ich eure Bosheit nicht ungestraft lassen.

22. Und ich will meiner Herde helfen, dass sie nicht mehr sollen zum Raube werden, und will richten zwischen Schaf und Schaf.

Helfen: Und mich der elenden Schafe annehmen, die ihre Zuflucht bei mir suchen.

Will richten: Das ist, ich will, wie oben auch gemeldet, die armen geplagten Schäflein von der gewaltigen Tyrannei erretten. [Sollen deswegen diejenigen wissen, welche andere mit unbilliger Gewalt beschweren, dass sie Gott selbst zum Widersacher haben. Welche aber unterdrückt werden, die sollen ihre Sache und Rache Gott befehlen).

23. Und ich will ihnen einen einigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David. Der wird sie weiden und soll ihr Hirte sein {Jes 40v11 Jer 30v9 Hes 37v24 Hos 3v5 Hebr 13v10 1Petr 2v25 5v4}.

Und: Der Prophet wendet sich wieder zu der Verheißung vom Reich Christi, und verheißt die Zukunft Christi, des guten Hirten {Joh 10}.

Einigen: Den Erzhirten, und Obersten über alle anderen Hirten.

Knecht David: Das ist, meinen eingeborenen Sohn, der aus der Jungfrauen Maria menschliche Natur an sich nehmen wird, welche Jungfrau vom Geschlecht des Königs David ihre Herkunft haben soll. Derselbe wird in Knechtsgestalt auf der Erde herum gehen, das Gesetz für sie erfüllen, und die Strafen der Sünden auf sich nehmen.

Hirte sein: Nämlich, ihr guter und getreuer Hirte, der sein Leben für seine Schäflein lassen wird, und wird sie niemand aus seiner Hand reißen {Joh 10}. [Denn Christus hat seine Schäflein mit seinem Blut erlöst, und erhält sie, dass sie nicht umkommen, ernährt sie auch mit dem Wort des Evangeliums, und mit dem Sakrament des heiligen Abendmahls).

24. Und ich, der Herr, will ihr Gott sein; aber mein Knecht David soll der Fürst unter ihnen sein. Das sage ich, der Herr.

Und ich: Gott der Vater, will sie zu Gnaden aufnehmen. [Denn der Vater liebt uns, weil wir an seinen eingeborenen Sohn Jesum Christus glauben {Joh 16}.

Knecht David: Der Sohn Maria, der aus dem Geschlecht des Königs Davids hergekommen ist.

Unter ihnen: Dass er sie regiere mit seinem Wort und Geist, und wider des Teufels List und Wüten schütze, und ihnen immer beistehe. [Denn Christus hat uns verheißen, dass er bei uns sein wolle alle Tage, bis an der Welt Ende {Mt 28}. Wie er auch gesagt, Dass, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da sei er mitten unter ihnen {Mt 18}.

Sage ich: Der ich leisten kann und will, was ich versprochen habe.

25. Und ich will einen Bund des Friedens mit ihnen machen und alle bösen Tiere aus dem Lande ausrotten, dass sie sicher wohnen sollen in der Wüste und in den Wäldern schlafen {Hes 37v26 Hos 2v18}.

Machen: Ich will einen neuen Bund mit ihnen aufrichten, nämlich, den evangelischen Bund, in dem ich ihnen alle ihre Sünde verzeihen will {Jer 31}. [Denn wenn wir durch den Glauben sind gerecht geworden, so haben wir Frieden mit Gott {Röm 5}. Weil Gott um des Mittlers Christi willen, wenn wir ihn mit Glauben ergreifen, uns wiederum versöhnt wird. Also, dass, da wir zuvor Gottes Feinde gewesen, später seine lieben Kinder werden, und als Kinder, Erben Gottes und Miterben Christi sind {Röm 8}.

Tiere: Die sonst der Herde pflegen gefährlich und schädlich sind.

Schlafen: Dass sie von den wilden Tieren nicht beschädigt werden. [Es ist aber dies keine fleischliche, sondern geistliche Sicherheit, dadurch die Gläubigen wissen, dass sie unter ihrem Hirten Christo gewisslich erhalten werden zum ewigen Leben {Röm 8}. Welche Sicherheit hier im Glauben angefangen wird, und später im ewigen Leben, wenn alle Feinde sind vertilgt worden {1Kor 15}, völlig sich wird erzeigen).

26. ich will sie und alle meine Hügel umher segnen und auf sie regnen lassen zu rechter Zeit. Das sollen gnädige Regen sein {Ps 68v10 Jes 44v3},

Segnen: ich will verschaffen, dass sie an ihren Orten überall, wo sie wohnen werden, alles reichlich und überflüssig haben sollen, und meinen Segen beide mit geistlichen und leiblichen Gütern über sie ausschütten. [Wie wohl nun Gott seinem Volk auch fruchtbare Zeiten gegeben hat, so deutet doch der Prophet hier vornehmlich auf den Segen und Regen des Evangeliums, welches der rechte himmlische Segen ist, wie der Apostel Paulus davon redet {Röm 15}. Ich weiß, wenn ich zu euch komme, dass ich mit vollem Segen des Evangeliums Christi kommen werde. Und {Eph 1}. Gelobt sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichen Segen in himmlischen Gütern, durch Christus).

27. dass die Bäume auf dem Felde ihre Früchte bringen, und das Land sein Gewächs geben wird; und sie sollen sicher auf dem Lande wohnen und sollen erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich ihr Joch zerbrochen und sie errettet habe von der Hand derer, denen sie dienen mussten.

Wohnen: Sie sollen in guter Ruhe und ohne Sorgen sein. [Obwohl nun die himmlischen Güter den zeitlichen weit vorzuziehen sind, so sollen wir dennoch auch für die zeitlichen Guttaten Gott unserem himmlischen Vater Lob und Dank sagen).

Erfahren: Sie werden es aus meinem Wort und Guttaten erkennen.

Dienen mussten: Denn ich will sie aus ihrer harten Dienstbarkeit wieder zu ihrer Freiheit bringen. [Die rechtschaffene Freiheit aber ist, da uns Christus frei gemacht und erlöst hat, von der Gewalt des Teufels, von der Herrschaft des Todes, und aus dem Gefängnis der Hölle, nach dem Spruch Christi {Joh 8}. Wenn euch der Sohn frei macht, so werdet ihr recht frei sein).

28. Und sie sollen nicht mehr den Heiden zum Raube werden, und kein Tier auf Erde soll sie mehr fressen, sondern sollen sicher wohnen ohne alle Furcht,

Raub werden: Wie sie bisher gewesen, da sie von den Heiden geplündert, und in eine elende Dienstbarkeit hinweggeführt wurden.

Sicher: [Von solcher geistlichen Sicherheit schreibt der Apostel Paulus also {Röm 8}: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalt, weder gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder hohes noch tiefes, noch kein andere Kreatur uns scheiden mag von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserem Herrn).

29. Und ich will ihnen eine berühmte Pflanze erwecken, dass sie nicht mehr sollen Hunger leiden im Lande und ihre Schmach unter den Heiden nicht mehr tragen sollen.

Pflanze: Nämlich, Christus, des Name und Taten in der ganzen Welt soll bekannt werden.

Hunger leiden: Denn Christus wird die Seelen mit dem Wort des Evangeliums reichlich speisen.

Tragen: Sie sollen nicht mehr den Heiden zum Spott werden. [Diese Weissagungen Erfüllung werden wir in jenem Leben erfahren, da wir in himmlischer Herrlichkeit werden leuchten wie die Sonne {Mt 13}.

30. Und sollen erfahren, dass ich, der Herr, ihr Gott, bei ihnen bin, und dass sie vom Hause Israel mein Volk sind, spricht der Herr Herr.

Bei ihnen bin: Der ich sie regiere und schütze, und allerhand zeitliche und himmlische Güter ihnen mitteile.

Hause Israel: [Es sind aber die rechten Israeliten heutigentags es nicht die Juden, welche nach dem Fleisch von dem Patriarchen Abraham hergekommen sind, sondern die Christen, welche Abrahams Glauben haben {Röm 4 Gal 6}. Die wissen, dass sie Gottes Kinder sind und Erben des ewigen Lebens. Denn der Geist Gottes gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind {Röm 8}. Sind deswegen die Katholiken nicht recht daran, welche lehren, dass man an der Gnade Gottes zweifeln soll).

31. Ja, ihr Menschen sollt die Herde meiner Weide sein, und ich will euer Gott sein, spricht der Herr Herr.

Ihr Menschen: Das ihr an mich, Jesum Christus, glaubt, ihr seid gleich Juden oder Heiden.

Meiner Weide: Die ich zu weiden und zu schützen angenommen habe.

Herr: Nämlich, der Sohn Gottes, der an diesem Ort Jehova genannt wird, und sich zum Hirten der Kirche darstellte. [Haben wir deswegen zu unserem geistlichen Seelenhirten nicht nur einen Menschen, sondern den wahren und ewigen Gott, und Sohn Gottes, der mit dem Vater eines Wesens ist. Darum wird uns, seine Schäflein, niemand aus seiner Hand reißen. Denn er und der Vater sind eins {Joh 18}.


Das 35. Kapitel


1. Die Edomiter, so von Esau des Patriarchen Jakobs Bruder herkamen, und auf dem Gebirge Seir wohnten, waren der Israeliten stetige Feinde, und taten ihnen entweder öffentlich Schaden, wenn sie nur konnten, oder trieben doch ihr giftiges Gespött von ihnen, wenn sie, die Israeliten, von anderen geplagt wurden, wie die Schrift hin und wieder bezeugt. Darum lässt ihnen Gott durch den Propheten weissagen, dass er solche ihre Bosheit ernstlich strafen wolle.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, richte dein Angesicht wider das Gebirge Seir und weissage dagegen

Richte: Mache dich gefasst, dass du wider die Edomiter weissagst, welche auf dem Gebirge Seir wohnen. Denn es hat Esau, der Edomiter Altvater auf demselben Gebirge seinen Sitz {1Mos 39}. Und auf dass deine Zuhörer verstehen, wie es dir mit der Sache ein Ernst sei, und wider wen du weissagst, so wende dein Angesicht zu der Edomiter Land.

3. und sprich zum selbigen: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will an dich, du Berg Seir, und meine Hand wider dich ausstrecken und will dich ganz wüst machen.

Wüst machen: Dass deine Bürger zum Teil ins Elend sollen weggetrieben werden, zum Teil durch Schwert umkommen, und die Städte verwüstet werden, auch soll das ganze Land wüst und unerbaut liegen.

4. ich will deine Städte öde machen, dass du sollst zur Wüste werden und erfahren, dass ich der Herr bin,

Wüste werden: Weil du keine Einwohner mehr haben wirst.

Herr bin: Der gerechte Richter und Rächer aller Ungerechtigkeit, welches deine Einwohner die Edomiter mit ihrem Schaden innewerden sollen. Und hat solche göttliche Rache, davon auch Jeremias Kapitel 49 geweissagt, der große Alexander vollstreckt, den der Prophet Jeremias einen Jüngling nennt. So hat zwar auch Judas Makkabäus die Edomiter oder Idumeer (wie sie auch genannt wurde) hart bedrängt.

5. darum dass ihr ewige Feindschaft tragt wieder die Kinder Israel und triebet sie ins Schwert, da es ihnen übel ging und ihre Sünde ein Ende hatte.

Darum: Folgt die Ursache, um welcher willen der Edomiter Land soll verwüstet werden.

Tragt: Und eure Blutsverwandten, die Israeliten, immer anfeindet, ihnen auch alles Leid zufügt, wo ihr könnt und mögt.

Treibt: Ihr helft den Feinden des Volkes Gottes, und habt die Israeliten genötigt, dass sie vor Furcht und Angst voller Schrecken, den Feinden in die Hände und Schwerter gelaufen sind, und sich selbst weder zu raten noch zu helfen gewusst, oder entrinnen können. Gleichwie ein Wild von den Hunden also in die Flucht getrieben wird, dass es wider seinen Willen ins Garn fällt, und gefangen wird.

Ende hatte: Das ist, eben zur selben Zeit, da sie von Gott ernstlich gezüchtigt wurden, und bereits von Sünden abstanden und Buße taten, darum ihr vielmehr hättet sollen ein Mitleiden mit ihnen haben. [Sieht man deswegen hier, wie sehr Gott dem Herrn ein alter Hass und Neid zuwider ist. Denn wir sollen die Sonne nicht lassen untergehen über unserem Zorn {Eph 4}. Und werden auch erinnert, dass man den Trübseligen nicht allererst noch mehr Leides zufügen soll. Auch soll man des Nächsten alsdann am allermeisten schonen, wenn er Busse tut).

6. Darum, so wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, will ich dich auch blutend machen, und sollst dem Blute nicht entrinnen; weil du Lust zu Blut hast, sollst du dem Blute nicht entrinnen.

Ich lebe: So gewisslich soll auch geschehen, was ich jetzt drohe.

Blutend: Das ist, ich will verschaffen, dass dein Blut auch soll vergossen werden, und das blutgierige und grausame Leute dich verfolgen sollen. Denn weil dir die Grausamkeit nicht zuwider gewesen, sondern sie viel mehr geliebt hast. Siehe, so wird der Feinde Grausamkeit wider dich auch nicht ablassen, bis du vertilgt bist. [Denn mit den Grausamen wird man grausam umgehen).

7. Und ich will den Berg Seir wüst und öde machen, dass niemand darauf wandeln noch gehen soll.

Gehen: Es soll dasselbe Land so wüste und öde werden, dass man nicht allein von den Einheimischen keine Leute mehr darin finden wird, sondern dass auch Fremde nicht mehr dadurch reisen werden, von wegen der ungeheuren Wüste. [Denn durch Schande und Laster werden die lustigen und wohlerbauten Länder allerdings verdorben, zerstört, und zur wilden Wüste gemacht).

8. Und will sein Gebirge und alle Hügel, Täler und alle Gründe voll Toter machen, die durch das Schwert sollen erschlagen daliegen.

Da liegen: [Denn welche das Land mit ihren Lastern verunreinigen, die müssen dasselbe später mit ihrem Blut auch besudeln).

9. Ja, zu einer ewigen Wüste will ich dich machen, dass niemand in deinen Städten wohnen soll, und sollst erfahren dass ich der Herr bin.

Ewigen Wüste: Dass du nicht mehr sollst gebaut noch bewohnt werden.

Erfahren: Ihr Edomiter, mit eurem unwiederbringlichen Schaden. Denn nach dem der Edomiter Land einmal wird sein verwüstet, soll es nimmer wieder zu seiner vorigen Herrlichkeit kommen.

10. Und darum dass du sprichst: Diese beiden Völker mit beiden Ländern müssen mein werden und wir wollen sie einnehmen, obgleich der Herr da wohnt,

Da wohnt: Das ist, du hast aus stolzem Mut bei dir selbst gesagt, es werde dahin noch kommen, dass die beiden Königreiche Israel und Juda dir müssen zuteilwerden, und wenn gleich unser Herr Gott ihnen auf dem Kopf säße, von dem sie sagen, dass er in ihrer Hauptstadt Jerusalem seine Wohnung habe. [Denn des Menschen Bosheit ist so groß, dass meint, er wolle tun was ihm gefällt, es sei gleich Gott lieb oder leid).

11. darum, so wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, will ich nach deinem Zorn und Hass mit dir umgehen, wie du mit ihnen umgegangen bist aus lauterem Hass und will bei ihnen bekannt werden, wenn ich dich gestraft habe,

Ich lebe: So wahr ist auch, was ich dir drohe.

Umhergehen: Wie du mit deinem Neid und Hass verdient, den du gegen den Israelitern bisher erzeigt hast.

Ihnen bekannt: Nämlich, den Israeliten, die sollen daraus abnehmen, dass ich ein gerechter Richter sei, und mich ihrer annehme, wenn ich an dir Strafe üben werde. [Denn der Gottlosen Strafe, dient den Frommen zur Klugheit und Erinnerung).

12. und sollst erfahren, dass ich, der Herr, all dein Lästern gehört habe, so du geredet hast wieder das Gebirge Israel und gesagt: Sie sind verwüstet und uns zu verderben gegeben.

Erfahren: Du sollst es mit deinen großen Schaden und Nachteil innewerden, dass ich deine Lästerungen und Schmachworte gehört habe, die du wider mein Volk aus großem Übermut ausgestoßen hast.

Gegeben: Wir wollen die übrigen Israeliten vollends vertilgen, und ihr Land unserem Regiment mit einverleiben. [Denn der Teufel begehrt die Kirche Gottes durch Zutun gottloser Leute zu verschlingen).

13. Und habt euch wider mich gerühmt und heftig wider mich geredet; das hab‘ ich gehört.

Gehört: Wie trotzig ihr nicht allein wider mein Volk, sondern auch wider mich allerlei übermütige Reden ausgestoßen habt. [Denn die Schmach, so dem Volk Gottes angetan wird, rechnet Gott dahin, als wenn sie ihm selbst geschehen wäre).

14. So spricht nun der Herr Herr: Ich will dich zur Wüste machen, dass sich alles Land freuen soll.

Spricht: Nämlich, von der Edomiter Landschaft, und ihren Einwohnern.

15. Und wie du dich gefreut hast über dem Erbe des Hauses Israel, darum dass es war wüst geworden, ebenso will ich mit dir tun, dass der Berg Seir wüst sein muss samt dem ganzen Edom; und sollen erfahren, dass ich der Herr bin.

Erbe: Nämlich, das Land Israel, welches du dir gleichsam als zu deinem Erbteil bereits heim gesprochen.

Dir tun: Dass du sollst verwüstet, anderer Leute Spott, und zuschanden werden. [Welche deswegen über das Unglück anderer Leute, aus einer fleischlichen Rachgierigkeit sich freuen, die machen bald später mit ihrem Untergang anderen Leuten wiederum eine Freude und Vergnügen. Darum sollen wir mit den Bekümmerten ein Mitleiden haben, so werden andere sich unser auch annehmen, wenn uns etwas Widerwärtiges zu Händen stößt).

Erfahren: Die deinen Untergang werden sehen, sollen daraus abnehmen, dass ich ein gerechter Gott bin, der alle Unbilligkeit und Grausamkeit rächt.


Das 36. Kapitel


1. Gott der Herr tröstet sein Volk auch in diesem Kapitel, und verheißt ihnen, dass er nicht allein an ihren Feinden Rache üben, sondern auch die Israeliten wieder ins Land Kanaan bringen wolle. Und mengt etliche Verheißungen mit unter von den geistlichen Guttaten, welche besonders vom Reich Christi und Neuen Testament zu verstehen sind.

1. Und du, Menschenkind, weissage den Bergen Israels und sprich: Hört des Herrn Wort, ihr Berge Israels!

Ihr Berge: Ihr Israeliten, die ihr im Gebirge des Landes Kanaan gewohnt habt, merkt auf, was ich euch von des Herrn eures Gottes wegen anzeigen soll.

2. So spricht der Herr Herr: Darum dass der Feind über euch rühmt: Heh, die ewigen Höhen sind nun unser Erbe geworden!

Nach Luther: Das ist, der ewige Gottesdienst.

Erbe: Ei wie ist es uns so wohl gegangen, wir werden nun zukünftig das Land Israel besitzen, darin der ewige Gottesdienst vorzeiten immer getrieben wurde. Denn es spotteten die Edomiter der Israeliten, als ob ihr ganzer Gottesdienst zu jederzeit nichtig, vergebens und umsonst gewesen wäre. [Also überheben sich die Gottlosen auch über die Kirche, wenn sie in Gefahr steckt, dass sie sprechen, es habe ihnen ihr Eifer in der Religion wenig geholfen. Ja (sprechen sie) ihr habt unserem Herrn Gott wollen die Füße abbeißen, was hilfst euch nun?)

3. darum weissage und sprich: So spricht der Herr Herr: Weil man euch überall verwüstet und vertilgt, und seid den übrigen Heiden zuteil geworden und seid den Leuten ins Maul kommen und ein böses Geschrei wurde,

Sprich: Weil die gottlosen Heiden meines Volkes Israel spotten, so tröste du sie.

Übrigen Heiden: Die umher im Lande Kanaan übergeblieben, und nicht wert sind, dass man sie nennen sollte.

4. darum hörte, ihr Berge Israels, das Wort des Herrn Herrn! So spricht der Herr Herr beide, zu den Bergen und Hügeln, zu den Bächen und Tälern, zu den öden Wüsten und verlassenen Städten, welche den übrigen Heiden ringsumher zum Raub und Spott geworden sind;

Wort: Damit ihr sollt getröstet werden.

Städten: Das ist, zu dem ganzen Lande der Israeliten, welches jetzt wüste liegt, davon gibt Gott wieder gute Hoffnung. Denn es werde geschehen, dass die Israeliten die Rache sehen werden an ihren Feinden, den benachbarten Heiden, welche ihrer in ihrem Unglück gespottet.

5. ja, so spricht der Herr Herr: Ich hab‘ in meinem feurigen Eifer geredet wider die übrigen Heiden und wider das ganze Edom, welche mein Land eingenommen haben mit Freuden von ganzem Herzen und mit Hohnlachen, dasselbe zu verheeren und plündern.

Übrigen Heiden: Die ums Land Israel her wohnen, wider welche ich aus großem Eifer ein hartes Dekret gestellt habe.

Eingenommen: Denn es waren die Edomiter und andere benachbarte Völker mit Bewilligung der Chaldäer, ins Land Israel gefallen, und hatten das Land Kanaan eingenommen, welches den Israeliten vorzeiten von Gott verheißen war, und zu eigen gegeben wurde. Und hatten sich sehr darüber gefreut, dass sie solches Land bekommen, welches ihnen doch von Rechts wegen nicht zu gehörte, hatten dazu der Israeliten gespottet, und was noch übrig im Lande gewesen, geplündert und verwüstet. Darum droht ihnen Gott die Strafen. [Denn Gott rächt die Unbilligkeit, so seiner Kirche zugefügt wird).

6. Darum weissage von dem Lande Israel und sprich zu den Bergen und Hügeln, zu den Bächen und Tälern: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich hab‘ in meinem Eifer und Grimm geredet, weil ihr (solche) Schmach von den Heiden tragen müsst.

Geredet: Ich habe ein hartes Dekret wider die Heiden gemacht, auf welche ich ganz zornig bin.

Tragen müsst: Dass die Heiden euer giftig gespottet haben. [Denn obwohl Gott über die Sünden seines Volkes zürnt, jedoch, nach dem er sein Volk gezüchtigt, so ist es ihm hoch zuwider, da seine betrübte Kirche jemand spottet).

7. Darum spricht der Herr Herr also: Ich hebe meine Hand auf, dass eure Nachbarn, die Heiden umher, ihre Schande wieder tragen sollen.

Nach Luther: Das ist, ich schwöre.

Tragen sollen: Und sollen eben die Schmach leiden, welche sie euch angelegt haben. [Denn wer sich eines anderen Unglück freut, der gerät selber hinein).

8. Aber ihr Berge Israels sollt wieder grünen und eure Frucht bringen meinem Volk Israel; und soll in kurzem geschehen.

Geschehen: Was ich jetzt zuvor gesagt habe. Darum ihr euch die Weile nicht sollte lassen lange sein. [Denn ob uns wohl bedünkt, Gott habe uns vergessen, wenn wir unter dem Kreuz stecken, so ist doch alsdann die Erlösung am allernächsten).

9. Denn siehe, ich will mich wieder zu euch wenden und euch ansehen, dass ihr gebaut und besät werdet,

Wenden: Mit Gnade und Barmherzigkeit, dass ich euch wieder in euren vorigen Stand bringe.

besät werdet: Denn ich will die Israeliten aus dem Gefängnis Babel wieder heimbringen, die euch wieder bauen und besäen sollen.

10. und will bei euch der Leute viel machen, das ganze Israel allzumal; und die Städte sollen wieder bewohnt und die Wüste erbaut werden.

Wüste: Die Örter, so jetzt wüst und öde liegen, sollen wiederum voll Leute und Vieh werden.

11. Ja, ich will bei euch der Leute und des Viehs viel machen, dass ihr euch mehren und wachsen sollt. Und ich will euch wieder einsetzen, da ihr vorhin wohntet; und will euch mehr Gutes tun denn zuvor je; und sollt erfahren, dass ich der Herr sei.

Einsetzen: Ins Land Kanaan, dass ihr sicher darin wohnen und bleiben sollt, wie vor der Zeit, ehe ihr gen Babel gefangen weggeführt wurdet.

Herr sei: Euer gütiger und gnädiger Gott, der ich mein bußfertiges Volk wiederum erquicke. [Denn die Sachen des Volkes Gottes stehen nie so über, dass sie Gott nicht könne wiederum richtig bringen. Ja die Erfahrung bezeugt es viel mehr, dass die Kirche nach der Verfolgung nur desto mehr zunehme).

12. ich will euch Leute herzubringen, die mein Volk Israel sollen sein, die werden dich besitzen; und sollt ihr Erbteil sein und sollt nicht mehr ohne Erben sein.

Sollen sein: Und sollen euch wiederum bauen und bewohnen.

Ohne Erben: Du sollst deiner Einwohner der Israeliten nicht mehr beraubt werden.

13. So spricht der Herr Herr: Weil man das von euch sagt: Du hast Leute gefressen und hast dein Volk ohne Erben gemacht,

Von euch: Nämlich, von den Bergen Israel reden die benachbarten bösen Heiden also.

Gemacht: Das ist, es wird dir, o du Land Kanaan, übel nachgeredet, als ob du dein Volk viel mehr fresst und verzehrst, als ernährst, weil im selben Lande, jetzt die Pestilenz regiert, bald die wilden Tiere wüten, und der Feind auch gräulich haust.

14. darum sollst du (nun: nicht mehr Leute fressen, noch dein Volk ohne Erben machen, spricht der Herr Herr.

Fressen: Dafür man dich bisher angesehen, und gehalten hat, solche Schmach und böse Nachrede will ich von dir wenden.

15. Und ich will dich nicht mehr lassen hören die Schmach der Heiden; und sollst den Spott der Heiden nicht mehr tragen und sollst dein Volk nicht mehr ohne Erben machen, spricht der Herr Herr.

Machen: Sondern es sollen deine Einwohner immer in dir erhalten werden. [Weil aber die Israeliten, nach dem sie den Sohn Gottes gekreuzigt haben, aus dem Lande Kanaan sind wiederum vertrieben worden, so ist es gewiss, dass der Prophet hier auf etwas weiteres sehe, nämlich, auf das Reich Christi. Denn im Himmelreich, welches durch das Land Kanaan vorgebildet wird, da werden die rechtschaffenen Israeliten, nämlich, alle Gläubigen an Christus, sich immer und ewig freuen, und der Besitzung des Himmelreichs nie wieder beraubt werden).

16. Und des Herrn Wort geschah weiter zu mir:

Und: Weil Gott den Israeliten die Erlösung aus der Babylonischen Gefangenschaft verheißen hatte, so zeigt er jetzt ihnen an, dass solches nicht ihres Verdienstes Schuld, sondern der Barmherzigkeit Gottes zuzumessen sei. Denn sie hätten sonst mit ihren gräulichen Sünden wohl nichts anders, als schwere Strafen verdient.

17. Du Menschenkind, da das Haus Israel in ihrem Lande wohnten und dasselbe verunreinigten mit ihrem Wesen und Tun, dass ihr Wesen vor mir war wie die Unreinigkeit eines Weibes in ihrer Krankheit,

Ihrem Lande: Nämlich, im Lande Kanaan, welches ich ihnen zu besitzen eingegeben hatte.

Wesen: Nämlich, mit der Abgötterei, und anderen gräulichen Lastern, die sie trieben.

Krankheit: Der für jedermann nicht unrecht einen Abscheu hat. [Reißen deswegen in der Kirche Gottes bisweilen grobe Irrtümer und Ärgernis ein, darunter doch Gott seine Auserwählten wunderlich erhält, dass sie nicht mit dem gottlosen Haufen zugrunde gehen).

18. da schüttete ich meinen Grimm über sie aus um des Blutes willen, das sie im Lande vergossen und dasselbe verunreinigt hatten durch ihre Götzen.

Grimm: Auf dass sie um ihrer gräulichen Sünde willen auch gräulich gestraft würden.

Vergossen: Denn sie die Propheten erwürgt, wie die Geschichte Zacharia ausweist {2Chr 24}, und Christus bezeugt {Mt 23}. So haben sie auch andere fromme und unschuldige Bürger ums Leben gebracht, wie vom Naboth gelesen wird {2Kön 21}.

Götzen: [Denn obwohl die Heuchler ihre Abgötterei für den größten Gottesdienst halten, so ist doch vor Gott nichts Abscheulicheres. Also, dass ganze Königreiche mit einer abgöttischen Religion verunreinigt, und endlich auch zerstört werden).

19. Und ich zerstreute sie unter die Heiden und zerstäubte sie in die Länder und richtete sie nach ihrem Wesen und Tun.

Zerstreute sie: Die Israeliten, durch die assyrische und Babylonische Gefangenschaft.

Länder: Die weit von ihrem Vaterland abgelegen waren.

Ihrem Wesen: Wie sie verdient hatten. [Denn obwohl Gott langmütig ist, so bringt er doch alles mit desto schwerer Strafe wiederum herein, wo man nicht Busse tut).

20. Und hielten sich wie die Heiden, dahin sie kamen, und entheiligten meinen heiligen Namen, dass man von ihnen sagte: Ist das des Herrn Volk, das aus seinem Lande hat müssen ziehen {Röm 2v24}?

Kamen: Dass sie in denselben Orten ihres Elends auch nicht fromm blieben.

Entheiligten: Denn weil sie ein gottloses Leben führten, so geschah es, dass die Heiden, von wegen solcher Bosheit meines Volkes, auch meinen Namen lästerten.

Ziehen: Seht, was der Gott für ein Volk hat, kann auch ein solcher Gott jemanden gefallen, der bisher ein solches verkehrtes Volk unterhalten hat? Dergestalt haben die Israeliten mir einen Schandflecken angehängt. Denn die Heiden haben aus ihrem Wandel von der ganzen Lehre, und von mir selbst falsch und böslich geurteilt, daran ihre Bosheit schuldig ist. [Also wird auch der Name Gottes und das heilige Evangelium Christi verlästert, um derjenigen Bosheit willen, welche das Evangelium mit dem Munde bekennen, aber mit den Werken ein ungöttliches Leben führen).

21. Aber ich verschonte um meines heiligen Namens willen, welchen das Haus Israel entheiligte unter den Heiden, dahin sie kamen.

Verschonte: Ob ich wohl rechte und deutliches Ursachen damals hatte, dass ich mein Volk allerdings vertilgen möge, so schonte ich doch, nicht zwar ihrer Bosheit, sondern mein selbst. Denn ich musste mich besorgen, dass die Heiden nicht etwa sagen möchten, ich hätte mein Volk im Elend nicht erhalten können, viel weniger aber daraus erretten.

22. Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht der Herr Herr: Ich tue es nicht um euretwillen, ihr vom Hause Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, welchen ihr entheiligt habt unter den Heiden, zu welchen ihr gekommen seid.

Hause Israel: Nämlich, zu den Israeliten, die jetzt im Elend sind.

Euretwillen: Dass ich euch wieder ins Land Kanaan aus der Babylonischen Gefangenschaft bringe.

Namens willen: Den ich von der Heiden Schmach retten will. Auf dass die Heiden nicht sagen, ich hab zwar die Erlösung euch verheißen, aber die selbige entweder nicht wollen oder nicht können leisten.

23. Denn ich will meinen großen Namen, der durch euch vor den Heiden entheiligt ist, den ihr unter denselbigen entheiligt habt, heilig machen. Und die Heiden sollen erfahren, dass ich der Herr sei, spricht der Herr Herr, wenn ich mich vor ihnen an euch erzeige, dass ich heilig sei.

Heilig sei: Das ist, wenn ich durch eure Erlösung erklären werde, dass ich ein wahrhaftiger, gütiger, gnädiger, und der allmächtige Gott bin. [Denn Gott erhält und errettet seine Kirche, nicht um der Kirche Verdienst willen, sondern dass er möge seine Ehre erhalten).

24. Denn ich will euch aus den Heiden holen und euch aus allen Landen versammeln und wieder in euer Land führen.

Euer Land: Nämlich, ins Land Kanaan. [Obwohl nun viele Juden unter der Regierung Cyri, oder Kores, des Königs in Persien, wieder ins jüdische Land gekommen sind, so sind doch viel mehr unter den Heiden hin und her zerstreut geblieben, die nie wieder ins Land Kanaan gelangten. Darum muss man dies vornehmlich vom Reich Christi verstehen, da der Sohn Gottes aus der ganzen Welt, durch die Predigt des Evangeliums, die Israeliten, das ist, die Auserwählten, sammelt, dass sie an ihn glauben und Bürger des Himmelreichs werden).

25. Und will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet von aller eurer Unreinigkeit, und von allen euren Götzen will ich euch reinigen {Sach 13v1}.

Reines Wasser: Gleichwie vorzeiten nach dem Gesetz Mose, Wasser zubereitet wurde, von der Asche der roten Kuh, dadurch die unreinen Leute besprengt und gereinigt wurden {4Mos 19}.

Reinigen: Dass die von euch begangene Abgötterei, welche eine geistliche Hurerei ist, und alle andere Unreinigkeit eures Lebens, euch nicht mehr soll zugerechnet werden, sondern verziehen, und vor den Augen Gottes vertilgt sein. [Hier wird das Predigtamt des Evangeliums versprochen, dadurch der Menschen Herzen mit dem Glauben gereinigt werden {Apg 15}. Und zwar werden wir in der Taufe gereinigt von der Sünden Unflat, dass uns die selbige nicht mehr zugerechnet wird {Eph 5}.

26. Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben; und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischliches Herz geben {Jer 32v39 Hes 11v19}.

Neuen Geist: Nämlich, meinen Heiligen Geist, der wird eure Herzen ändern, dass ihr viel anders werdet gesinnt sein, als zuvor, und der Sünden feind werden, aber die Gottseligkeit und Gerechtigkeit lieb haben, und die himmlische Güter allen menschlichen Sachen vorziehen.

Herz geben: Das ist, ich will euer hartes und unbändiges Herz ändern, dass es weich und lind werde, meinen Geboten zu gehorsamen. [Denn in der Taufe werden wir durch den Heiligen Geist wiedergeboren, der unsere Herzen erneuert, dass wir den Geboten Gottes einen, obwohl unvollkommenen, Gehorsam leisten {Tit 3}.

27. ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun {Hes 39v29}.

28. Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein.

Volk sein: Ich will euch für mein liebes Volk erkennen, darum ich mich als ein gnädiger Gott und gütiger Vater gegen euch verhalten will. [Denn obwohl Gott nach seiner unendlichen Güte allen Menschen, auch den aller undankbarsten, gutes erzeigt, so ist er doch seiner Kirche mit einer besonderen Liebe gewogen, und sorgt für sie).

29. ich will euch von aller eurer Unreinigkeit losmachen und will dem Korn rufen und will es mehren und will euch keine Teuerung kommen lassen.

Los machen: Das ist, ich will euch reinigen von allen euren Sünden, damit ihr verunreinigt seid, dass sie euch nicht mehr sollen zugerechnet werden. [Denn darum ist Christus von dem Engel Jesus genannt worden, dass er sein Volk von ihren Sünden sollte selig machen {Mt 1}. Solche Verheißung ist den Juden, die an Christus geglaubt, damals erfüllt worden, da der Sohn Gottes Mensch wurde, und den Juden sein Evangelium gepredigt hat, auch durch die Apostel predigen lassen, und wird noch heutigen Tages bei allen Menschen erfüllt, die an Jesum Christus wahrhaftig glauben).

Kommen lassen: Das ist, ich will dem Korn gebieten, dass es in großer Menge wachsen soll, damit ihr nicht Hunger leidet. [Wie wohl nun Gott seinen Kindern das tägliche Brot verheißen hat und gibt, so kann man doch nicht leugnen, dass auch noch bei der Apostel Lebzeiten, unter dem Kaiser Claudio, eine große Teuerung durch die ganze Welt entstanden. Also, dass die Christen übers Meer ihren Mitbrüdern und Christen im jüdischen Land mit einem Almosen müssen zu Hilfe kommen {Apg 11 2Kor 8 9}. Darum muss diese, wie auch die folgenden Verheißungen, viel mehr von der geistlichen Seelen Speise, nämlich, von dem Wort des Evangeliums, als von einem zeitlichen Überfluss der Güter und Nahrung verstanden werden. So ist zwar der leibliche Hunger viel leidentlicher als der geistliche. Doch hat Gott auch die zeitliche notdürftige Nahrung verheißen, und gibt sie auch {Mt 6}.

30. ich will die Früchte auf den Bäumen und das Gewächs auf dem Felde mehren, dass euch die Heiden nicht mehr spotten mit der Teuerung.

Spotten: Sie sollen sich nicht mehr über euch erheben, und sagen, dass ihr von Gott verlassen seid. [Denn das tut den Frommen allererst wehe, wenn die Feinde in ihrem Elend ihrer noch dazu spotten. So schießt auch der Satan seine feurigen Pfeile auf die frommen Christen, wenn er in ihren Herzen traurige Gedanken erregt, dass sie sich einbilden, Gott achte ihrer nicht, sondern sei ihnen viel mehr zuwider).

31. Alsdann werdet ihr an euer böses Wesen denken und eures Tuns, das nicht gut war, und wird euch eure Sünde und Abgötterei bereuen.

Nicht gut: Damit ihr mich erzürnt habt, weil ihr der Abgötterei und anderen Sünden nachgehängt.

bereuen: Dass ihr mich euren gnädigen Gott und Vater beleidigt habt. [Denn die Buße soll in den Gläubigen nie abnehmen, dass, wenn sie auch bereits durch den Glauben mit Gott wieder versöhnt sind, dennoch ob ihrem vorigen bösen Leben einen Abscheu haben, und Gott bitten, dass er sie nicht wolle wiederum in die vorige oder ärgere Sünde fallen lassen).

32. Solches will ich tun, nicht um euretwillen, spricht der Herr Herr, dass ihr es wisst, sondern ihr werdet euch müssen schämen und schamrot werden, ihr vom Hause Israel, über eurem Wesen.

Euretwillen: Dass ihr euch um mich so wohl verdient hättet. Denn wenn ich nach eurem Verdienst mit euch hätte sollen handeln und tun, so hätte ich viel anders mit euch umgehen müssen.

Schämen: Als wollte er sprechen, wenn ihr in euch selber gehen werdet, und euer Tun recht betrachtet, so werdet ihr befinden, dass ihr nichts habt, deswegen ihr euch rühmen könntet, sondern ihr werdet mit Schande bestehen. [Wenn deswegen uns Gott Gutes erzeigt, sollen wir es nicht unserem Verdienst zuschreiben, sondern der Gnade Gottes zumessen, und unserem gütigen Vater im Himmel darüber danken).

33. So spricht der Herr Herr: Zu der Zeit, wenn ich euch reinigen werde von allen euren Sünden, so will ich die Städte wieder besetzen, und die Wüste sollen wieder bebaut werden.

Reinigen werde: Das ist, wenn ich euch, die ihr Busse tut und an den Messias glaubt, alle eure Sünde verzeihen, mich euer erbarmen und euch wieder in euer Vaterland bringen werde.

Wüste: Was jetzt mit Dornen und Hecken überwachsen ist.

34. Das verwüstete Land soll wieder gepflügt werden, davor, dass es verheert war, dass es sehen sollen alle, die dadurch gehen,

Dadurch gehen: Nämlich, die Wandersleute, so dadurch reisen, und nicht geglaubt hätten, dass es jemals hätte können wiederum zu recht gebracht werden.

35. und sagen: Dies Land war verheert, und jetzt ist es wie ein Lustgarten, und diese Städte waren zerstört, öde und zerrissen und stehen nun fest gebaut.

Sagen: Mit großer Verwunderung, wenn sie sehen werden, wie dasselbe Land so herrlich und wohl wiederum erbaut wurde.

Feste: Sie sind so wiederum befestigt, dass sie keinen feindlichen Einfall fürchten dürfen.

36. Und die übrigen Heiden um euch her sollen erfahren, dass ich der Herr bin, der da baut, was zerrissen ist, und pflanzt, was verheert war. Ich, der Herr, sage es und tue es auch.

Verheert war: Das ist, sie werden erkennen, dass ich so ein mächtiger Gott bin, der ich könne wieder richtig bringen, was allerdings zerstört wurde, und niemand gemeint hätte, dass es möge wieder richtig kommen.

Tue es: Was ich verheiße, das halte ich. [Wenn wir deswegen von verwüsteten Städten und Landschaften hören, oder auch die selbigen sehen, so sollen wir den gerechten Zorn Gottes daraus erkennen, und ihn fürchten: Aber doch auch nicht zweifeln, Gott könne sie, wenn er wolle, wieder in ihren vorigen, oder auch bessern Stand richten).

37. So spricht der Herr Herr: Ich will mich wieder fragen lassen vom Hause Israel, dass ich mich an ihnen erzeige; und ich will sie mehren wie eine Menschenherde {1Sam 28v6 Hes 20v3}.

Erzeige: Will so viel sagen: Eben damit, dass ich ihnen Propheten gebe, die mich fragen, und ich ihnen von meinem Willen antworte, wie vorzeiten bei ihren Voreltern geschehen, will ich erklären, dass ich diesem Volk wiederum gewogen bin. Wie denn wieder geschehen. Denn nach der Babylonischen Gefangenschaft hat Gott seinem Volk zu Propheten gegeben, Haggai, Sacharja, und Maleachi. [Es ist aber eine große Gnade Gottes, wenn Gott seiner Kirche treue und reine Lehrer gibt, von denen wir das Wort Gottes unverfälscht hören können, ob wir gleich nicht solche Propheten haben, die uns von künftigen Sachen, so zu diesem Leben gehören, weissagen).

38. Wie eine heilige Herde, wie eine Herde zu Jerusalem auf ihren Festen; so sollen die verheerten Städte voll Menschenherden werden; und sollen erfahren, dass ich der Herr bin.

Festen: Das ist, ich will verschaffen, dass die Israeliten sehr wachsen und zunehmen sollen, also, dass, wenn sie auf die Feste zu Jerusalem zusammen kommen, in so großer Menge zum Tempel sich verfügen werden, als wenn man eine große Herde Schafe sehe hinzu treiben. Solche Herde aber wird aus allen Orten versammelt sein, und wird eine heilige Herde, und ein heiliges Volk sein, so durch den Glauben geheiligt ist. Darum ich sie auch als eine heilige Herde mit großer Lust anschauen werde. [Also hat Gott auch noch heutzutage seine Lust daran, wenn er eine große Versammlung der Kirche sieht, die bei einander versammelt ist, das Wort Gottes zu hören, und das Abendmahl des Herrn zu empfangen, als wenn eine große Herde Schafe beisammen wäre. Darum sollen wir fleißig acht darauf haben, dass wir nicht Böcke, Löwen, Bären, oder Wölfe, sondern Schafe sind.

Verheerten: Die vor der Zeit sind verheert und zerstört worden.

Menschenherde: Die in den Synagogen des Gesetzes und der Propheten Schriften in großer Anzahl werden anhören, und auch sonst auf den Gassen in großer Menge sich bei einander finden werden. [Ist deswegen eine große Menge der Leute keine Strafe, wie etliche unrecht davon urteilen, sondern ein Segen Gottes, dafür man Gott Lob und Dank sagen soll).


Das 37. Kapitel


1. Der Prophet sieht im Gesicht ein Vorbild der allgemeinen Auferstehung der Toten, v. 1. 2. Dadurch zu verstehen geben wird, dass die Israeliten wieder zu ihrem vorigen Tun kommen sollen. v. 6. 3. Danach wird mit Zusammenfügung zweier Hölzer angezeigt, dass aus dem Königreich Israel und Juda eine Kirche soll versammelt werden, der Gott allerlei geistliche Guttaten verheißt. v. 15.

1. Und des Herrn Hand kam über mich und führte mich hinaus im Geist des Herrn und stellte mich auf ein weites Feld, das voller Beine lag.

Und: Es hatte das Ansehen in der schweren babylonischen Dienstbarkeit und Gefangenschaft, unter einer so mächtigen Monarchie, als ob es unmöglich wäre, weil das jüdische Land so ganz verwüstet, und die Israeliten entweder erschlagen oder gefangen waren, dass die Juden jemals möchten wiederum zu ihrer Freiheit und vorigem Zustand kommen, weil es alles sich dazu ansehen ließ, als wäre es aus mit ihnen. Darum da Gott sah, dass sie eines guten Trostes wohl vonnöten war, so zeigt er dem Propheten ein Gesicht, in dem die verdorrten Menschenbeine wieder lebendig gemacht, mit Fleisch, Haut, und Adern überzogen werden und einen lebendigen Odem, als die Seele, wieder bekommen. Damit anzuzeigen, dass die Israeliten, welche den dürren Beinen ganz wohl zu vergleichen waren, ihre vorige Kraft wieder bekommen sollten. Er redet aber auch also vom Lande Kanaan, dass er genügend zu verstehen gibt, wie er vornehmlich vom Reich Christi und dem ewigen Leben handle.

Beine lag: Will so viel sagen, der Herr zeigte mir durch seinen Geist wunderlicher Weise ein Gesicht, dergestalt, dass mich nicht anders dachte, denn ich wäre auf einem weiten Felde, so voller Totenbeine lag, wie man dergleichen Orten zu sehen pflegt, da im Kriege eine große Schlacht und Niederlage geschehen.

2. Und er führte mich überall dadurch. Und siehe, (des Gebeins) lag sehr viel auf dem Felde; und siehe, sie waren sehr verdorrt.

Dadurch: Durch die Gebeine, so auf dem Felde hin und wieder zerstreut lagen, dass ich sie wohl beschauen sollte, geschah doch alles nur im Gesicht.

Sehr verdorrt: Also dass ganz kein Saft noch Kraft in ihnen war, wie man in einem Beinhause einen Haufen dürrer Toten Beine sieht über einander liegen, die man aus den Gräbern dahin geworfen.

3. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, meinst du auch, dass diese Beine wieder lebendig werden? Und ich sprach: Herr Herr, das weißt du wohl.

Lebendig werden: Welche allerdings sind verdorrt, und zunichte wurden.

Weißt du: Was du tun willst, denn dein ist der Wille und die Macht. [Also sollen wir Gottes Allmacht nicht nach unserer Vernunft abmessen).

4. Und er sprach zu mir: Weissage von diesen Beinen und sprich zu ihnen: Ihr verdorrten Beine, hört des Herrn Wort!

Herrn Wort: Dem ihr gehorchen sollt. [Denn Gott kann auch den unlebhaften Kreaturen gebieten, dass sie ihm gehorchen müssen].

5. So spricht der Herr Herr von diesen Gebeinen: Siehe, ich will einen Odem in euch bringen, dass ihr sollt lebendig werden.

6. ich will euch Adern geben und Fleisch lassen über euch wachsen und mit Haut überziehen; und will euch Odem geben, dass ihr wieder lebendig werdet; und sollt erfahren, dass ich der Herr bin.

Adern geben: Auf dass ihr die Weise, Ordnung und Maß wisst, welchergestalt ich es ins Werk richten, und lebendig machen wolle, so will ich also mit euch umgehen, ich will verschaffen, dass ihr eure vorigen Adern, Fleisch und Haut, doch alles erneuert, wieder bekommen sollt.

Herr bin: Dem nichts unmöglich ist. [Wie wohl nun dies alles im Gesicht den Propheten ist gezeigt worden, damit anzuzeigen, wie das Volk Israel aus dem Elend sollte wieder heraus kommen, und heimgebracht werden, so ist doch daneben dasselbe Gesicht auch in der Wahrheit ein Zeugnis von der Auferstehung der Toten. Denn wenn dieselbe nicht gewiss wäre, so hätte durch ein ungewisses und nichtiges Ding, dem Volk Gottes nichts rechtes können vorgezeigt werden).

7. Und ich weissagte, wie mir befohlen war; und siehe, da rauschte es, als ich weissagte; und siehe, es regte sich! Und die Gebeine kamen wieder zusammen, ein jegliches zu seinem Gebein.

Weissagte: Dass ich den Beinen gebot, sie sollten aufmerken, und ich sagte ihnen, wie sie würden mit Adern, Fleisch, und Haut überzogen, und wieder lebendig werden. [Denn ein Kirchendiener soll Gott gehorchen, was er ihm befiehlt, ob es gleich vor unsere Vernunft ein närrisches Ansehen hat).

Regte: Dass durch Gottes Schickung die Beine anfingen sich zu bewegen.

Gebein: An seinem Ort, da eins jeden Leibes Gebeine an einander gehörten.

8. Und ich sah, und siehe, es wuchsen Adern und Fleisch darauf, und er überzog sie mit Haut; es war aber noch kein Odem in ihnen.

9. Und er sprach zu mir: Weissage zum Winde; weissage, du Menschenkind, und sprich zum Winde: So spricht der Herr Herr: Wind, komm herzu aus den vier Winden und blase diese Getöteten an, dass sie wieder lebendig werden!

Getöteten: Die dem Ansehen nach vorzeiten im Krieg umgekommen sind, und erschlagen wurden.

10. Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam Odem in sie, und sie wurde wieder lebendig und richteten sich auf ihre Füße. Und ihrer war ein sehr großes Heer.

Weissagte: Dass ich dem Winde gebot, er sollte die noch toten Körper anblasen.

In sie: Nämlich, in dieselben toten Körper, dass sie wieder lebendig wurden, und eine lebendige Seele überkamen, da der Wind aus allen vier Orten sie anblies. [Man soll aber dies nicht also verstehen, als wäre des Menschen Seele nur ein Wind, sondern gleichwie Christus mit dem Anblasen seiner Jünger, ihnen den Heiligen Geist gegeben {Joh 20}. Da doch der menschliche Odem Christi nicht der Heilige Geist selber war. Also hat Gott mit diesem Anblasen des Windes den Körpern ihre Seelen (im Gesicht) wieder gegeben, da doch der Wind und die Seelen sonst von einander unterschieden waren).

11. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, diese Beine sind das ganze Haus Israel. Siehe, jetzt sprechen sie: Unsere Beine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren, und ist aus mit uns.

Und: Folgt jetzt die Erklärung des vorigen Gesichtes.

Haus Israel: Es bedeuten diese Gebeine, welche du hast gesehen wieder lebendig werden, mein Volk Israel, welches zum Teil erschlagen, zum Teil gefangen weggeführt wurde. Denn dieselben sind so jämmerlich verwüstet, unterdrückt, und schier ganz vertilgt, dass sie sich selber auch sollen dürren Beinen vergleichen.

Verdorrt: Wir sind wie verdorrte Beine, davon die Haut, Fleisch, und Beine allerdings verzehrt sind.

Ist aus: Also dass wir von unserer Wiederkunft ins Vaterland, oder wieder Aufrichtung und Erstattung unseres Volkes keine Hoffnung mehr haben. [Denn gleichwie das menschliche Herz in glücklichen Sachen ganz übermütig und verwegen ist. Also ist es in Widerwärtigkeit ganz zu furchtsam und verzagt).

12. Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will eure Gräber auftun und will euch, mein Volk, aus denselben herausholen und euch ins Land Israel bringen;

Auftun: Ich will euch aus den Höhlen und Gruben eures Gefängnisses, wiederum hervor bringen, nicht anders, als wenn ich euch aus dem Grabe heraus zöge, und wieder lebendig machte.

13. und sollt erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich eure Gräber geöffnet und euch, mein Volk, aus denselben, gebracht habe.

Herr bin: Der allmächtig und gnädige Gott, der ich meine Kirche nicht verlasse.

14. Und ich will meinen Geist in euch geben, dass ihr wieder leben sollt; und will euch in euer Land setzen, und sollt erfahren, dass ich der Herr bin. Ich rede es und tue es auch, spricht der Herr.

Setzen: Nämlich, ins Land Kanaan, das ihr solches ruhig und im Frieden besetzen sollt. [Es gebraucht aber Gott darum die Gleichnisse von der Auferweckung, da er die Wiedereinsetzung der Israeliten ins Land Kanaan vorbilden will, auf dass er damit anzeige, wie dass die rechte und beständige Erlösung sei, wenn wir am Jüngsten Tage werden aus der Erde wieder erweckt werden, auf dass wir im himmlischen Vaterland in Ewigkeit leben. So war solcher Trost den Israeliten hoch vonnöten, weil ihrer viel bereits im Elend gestorben waren, und noch viel sterben werden, ehe denn der König Kores oder Cyrus in Persien das Regiment überkäme, und sie in ihre Freiheit wieder einsetzte. Welche die Wiederkunft ins Land Kanaan nichts genutzt, darum sie von Not wegen an das himmlische Vaterland denken müssen).

15. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

Und: Weil der Herr den Israeliten durch den Propheten hatte zuvor verkündigen lassen, wie nach geendeter Babylonischen Gefangenschaft das Volk Israel, so in zwei unterschiedliche Reiche vorzeiten sich geteilt hatte, in ein Königreich sollte wiederum zusammen kommen, und eine Kirche werden, solches aber den Juden damals unglaublich vorkam, so hat Gott mit einem äußerlichen Zeichen und Wunder dasselbe bestätigen wollen.

16. Du Menschenkind, nimm dir ein Holz und schreibe darauf: Des Juda und der Kinder Israel samt ihren Zugetanen. Und nimm noch ein Holz und schreibe darauf: Des Josef, nämlich das Holz Ephraim, und des ganzen Hauses Israel samt ihren Zugetanen,

Des Juda: Das ist, dies Holz gehört dem Königreich Juda zu.

Zugetanen: Das ist, samt den anderen Israeliten, die zum Königreich Juda gehören, die haben auch teil an diesem Holz. Denn die Hauptstadt des Königreichs Juda, war im Stamm Benjamin gelegen, darum gehörte zum Königreich Juda auch noch ein anderer volkreicher Stamm.

Des Josef: Das ist, dies Holz gehört dem Stamm Josef zu.

Hauses Israel: Nämlich, aller Israeliten, die zum Königreich Israel gehören, dessen Könige oft aus dem Stamm Ephraim gebürtig waren, der von Josef herkam. Es gehörten aber vorzeiten zum Königreich Israel die übrigen zehn Stämme.

17. und tue eins zum anderen zusammen, dass ein Holz werde in deiner Hand.

Hand: Das ist, wenn du die beide Hölzer in deiner Hand zusammenfasst, so will ich verschaffen, dass aus denselben beiden ein Holz werde, damit anzuzeigen, dass auch die beide Königreiche Juda und Israel wieder sollen unter ein Regiment kommen, und eine Kirche werden.

18. So nun dein Volk zu dir wird sagen und sprechen: Willst du uns nicht zeigen, was du damit meinst?

Meinst: Dass du der beiden Königreich Namen auf zwei Hölzer schreibst, und aus zwei eins machst, das wird etwas Besonderes bedeuten müssen, Lieber so sage es uns doch?

19. so sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will das Holz Josephs, welches ist in Ephraims Hand, nehmen, samt ihren Zugetanen, den Stämmen Israels, und will sie zu dem Holz Judas tun und ein Holz daraus machen, und sollen eins in meiner Hand sein.

Nehmen: Das ist, ich will das Zepter und Königreich, welches in des Josephs Geschlecht gewesen ist, und zwar im Stamm Ephraim, nehmen, und will solches samt den anderen israelitischen Stämmen so zum selben Königreich gehört haben, mit dem Königreich Juda vereinigen, das aus zwei Königreichen ein Regiment und eine Kirche werden soll, die ich regieren und versorgen will.

20. Und sollst also die Hölzer, darauf du geschrieben hast, in deiner Hand halten, dass sie zusehen.

Zusehen: Wie sie in deiner Hand zusammenkommen, und zu einem Holz werden, auf dass sie durch solche Zeichen sich bewegen lassen, und dir Glauben geben. Denn es sah ihm sonst gleich, als wäre es ein unglaubliches Ding, dass, da die beiden Königreiche noch aufrecht gestanden, immer Uneinigkeit und heimlicher Neid sich zwischen ihnen erzeugte, also, dass es auch bisweilen unter ihnen zu einem öffentlichen Krieg ausbrach, wie die Bücher der Könige bezeugen. Jetzt sollten in ein Königreich wiederum zusammen kommen. [Wir sollen Gott bitten, dass er die zwieträchtige Kirche durch eine gottselige Einigkeit wiederum wolle zusammen bringen).

21. Und sollst zu ihnen sagen: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will die Kinder Israel holen aus den Heiden, dahin sie gezogen sind, und will sie überall sammeln und will sie wieder in ihr Land bringen.

Ihr Land: Nämlich, ins Land Kanaan, welches ich vorzeiten ihren Voreltern verheißen habe, und daraus sie um der Sünden willen ins Elend vertrieben wurden. [Obwohl nun das Vaterland sehr lieb und angenehm ist, so sollen wir jedoch, wenn es Gott also gefällt, das Elend geduldig tragen, und uns an den begnügen lassen, wenn uns das himmlische Vaterland gewiss bleibt).

22. Und will ein einig Volk aus ihnen machen im Lande auf dem Gebirge Israel, und sie sollen allesamt einen einigen König haben; und sollen nicht mehr zwei Völker noch in zwei Königreiche zerteilt sein,

Einig Volk: [Wie wohl nun dies damals auch erfüllt wurde, da nach geendeter babylonischer Gefangenschaft, alle israelitischen Stämme, so viel ihrer wieder ins Land Kanaan kommen, unter einem Regiment gelebt, so sieht doch hier der Prophet weiter, und versteht durch die Berge Israel, die Königreiche und Fürstentümer, in denen das Evangelium Christi soll gepredigt werden, und darin der Sohn Gottes mit der Stimme des Evangeliums sich eine Kirche sammelt. Solche Berge Israel sind nicht nur im Lande Kanaan, sondern durch die ganze Welt, wo unter frommen Regenten rechtschaffene Israeliten, das ist, rechte Gläubige an Christus wohnen).

Einigen König: Nämlich, Christus. [Denn derselbe regiert mit seinem Geist durch das Wort alle Christen, sie sind gleich aus den Juden oder Heiden hergekommen, und erhält sie zum ewigen Leben wider alle Anläufe des Teufels. Darum weil wir unter einem Könige unsere Ritterschaft üben, so sollen wir Frieden halten mit jedermann, so viel mit gutem Gewissen geschehen kann).

23. sollen sich auch nicht mehr verunreinigen mit ihren Götzen und Gräueln und allerlei Sünden. ich will ihnen heraushelfen aus allen Orten, da sie gesündigt haben, und will sie reinigen, und sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Sünden: [Denn obwohl die Christen, so lange sie in dieser Welt leben, nicht allerdings ohne Sünde sind, so regiert doch Christus seine Auserwählten also, dass sie in keiner Todsünde ohne Buße beharren, sondern dass sie Busse tun, und vor Gott, um seinetwillen für gerecht gehalten werden. Alsdann aber werden sie wahrhaftig und gänzlich von allen Sünden rein sein, wenn sie im anderen Leben das Reich Christi vollkommen mit ewiger Freude anschauen werden).

Gesündigt: Das ist, ich will sie aus denen Orten wieder holen, da sie im Elend gewesen, und die vorige Sünde mit anderen folgenden noch mehr gehäuft haben.

Reinigen: Nämlich, dergestalt, dass ich ihnen ihre Sünden verzeihe, durch den Glauben an den Messias.

Gott sein: Das ist, die Gläubigen werden mir gehorchen, und will ich väterlich für sie sorgen.

24. Und mein Knecht David soll ihr König und ihrer aller einiger Hirte sein. Und sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.

David: Das ist, Christus, der aus dem Samen Davids, nach seiner Menschheit hergekommen, und um ihretwillen ein Zeit lang Knechtsgestalt an sich nehmen wird, bis er das Werk der Erlösung verrichtet hat.

Hirte: [Denn Christus ist der gute Hirte {Joh 10} der sein Leben hat gelassen für seine Schafe, und weidet sie mit dem Wort und Sakrament des heiligen Abendmahls, der auch die irrenden Schäflein wiederbringt, und der Schwachen pflegt {Hes 34}. Ja er erhält sie auch, dass sie ihm niemand kann aus seiner Hand reißen {Joh 10 Röm 8}.

Tun: [Welche deswegen in Sünden wider das Gewissen beharren, und den Geboten Gottes nicht mit Ernst begehren zu gehorsamen, die sind Christi Untertanen nicht, noch unter seine Schäflein zu zählen).

25. Und sie sollen wieder im Lande wohnen, das ich meinem Knechte Jakob gegeben habe, darin eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen ewig; und mein Knecht David soll ewig ihr Fürst sein.

Wohnen: [Ob nun wohl Gott den Christen heutigen Tages das Land Kanaan nicht zur Wohnung eingegeben hat, sondern sie enthalten sich hin und wieder an unterschiedlichen Orten in der Welt, so werden sie doch einmal in alle Ewigkeit wohnen im Himmel, der durch das lustige und fruchtbare Land Kanaan vorgebildet wurde).

26. Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens machen, das soll ein ewiger Bund sein mit ihnen; und will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein ewig.

Frieden: Das ist, ich will einen Bund mit ihnen aufrichten, dadurch sie sollen vergewissert werden, dass ich mit ihnen zu Frieden bin. [In solchem Bund werden alle Christen begriffen, so getauft sind, und an Christus glauben). Denn wenn wir durch den Glauben sind gerecht geworden, so haben wir Frieden mit Gott {Röm 5}, und ist das Abendmahl des Herrn ein Siegel, damit solcher Bund versiegelt wird, wie auch die Taufe {1Petr 3}.

Ewiger Bund: Der nie soll aufgehoben werden. [Denn obwohl die Christen bisweilen zu ihrem Teil durch Ungehorsam diesen Bund überschreiten, so steht ihnen doch, so lange sie leben, der Zugang offen zur Versöhnung mit Gott. Also dass die Bußfertigen wieder zu Gnaden aufgenommen werden, und des Bundes sich nicht weniger zu freuen und zu trösten haben, als wenn sie ihn niemals übertreten hätten).

Erhalten: [Denn obwohl viel Tyrannen und Ketzer die Kirche haben wollen vertilgen, so wird sie doch von Gott erhalten, und immer weiter ausgebreitet. Weil zu der Versammlung der Gläubigen an Christus täglich mehr hinzutreten).

Heiligtum: Nämlich, der rechte Gottesdienst. [Denn Christus wird das Predigtamt seines Wortes und die Sakramente, so durch das Heiligtum zu Jerusalem vorgebildet wurde, in der Kirche erhalten bis zu der Welt Ende).

27. Und ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein {3Mos 26v11 v12 2Kor 6v16},

Wohnen: [Denn Gott Vater, Sohn, und Heiliger Geist, sind bei uns alle Tage, bis zu der Welt Ende, dass sie uns von allem Übel erlösen, und zum ewigen Leben erhalten).

28. dass auch die Heiden sollen erfahren, dass ich der Herr bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum ewig unter ihnen sein wird.

Heilig macht: [Denn Gott heiligt durch das Predigtamt seines Wortes und durch die Sakramente die Herzen der Christen, dass auch die Heiden spüren, wie ein großer Unterschied sei zwischen den wahren Christen, und anderen gottlosen Heiden. Weh aber den Christen, die unter dem Namen Christi heidnisch, das ist, gottlos und böslich leben).


Das 38. Kapitel


1. Weil beides die Heilige Schrift, und die tägliche Erfahrung bezeugen, dass je näher wir zu der Welt Ende kommen, je größere Sicherheit und mehr Sünden unter den Menschen gespürt werden, so droht Gott in diesem und folgendem Kapitel eine gräuliche Verfolgung, die nicht lange vor dem Jüngsten Tage hergehen, und den Christen von grausamen Völkern soll zugefügt werden, von wegen der großen Sicherheit und Sünden der Christen, damit sie den Namen Gottes entheiligen. Doch verheißt Gott daneben auch, dass solche grausamen Völker sollen vertilgt, und die Christen wunderlich errettet werden. Es braucht aber der Prophet solche Wörter, die zu seiner Zeit gebräuchlich waren, und versteht durch die Israeliten die Christen, durch die Berge Israel, die Königreiche und Herrschaften der Christen, durch Gog und Magog und andere Völker deutet er auf den Türken und dergleichen rohlose Heiden, die ihm bereits beistehen, oder aber im selben Zug sich zu ihm schlagen werden, unter welche ich auch die Tartaren rechne.

1. Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach:

2. Du Menschenkind, wende dich gegen Gog, der im Lande Magog ist und der oberste Fürst ist in Mesech und Thubal, und weissage von ihm

Gog: Das ist, wider den mächtigen Monarchen, den Türken, der meine Kirche vor dem Jüngsten Tage gräulich plagen und betrüben wird.

Nach Luther: Mesech und Thubal] sind auch Tattern, die man Schutten oder Schotten nennt. Wiewohl Mesech lautet, als kommen die Moskowiter von ihnen, das ist, die Reußen.

Und Thubal: Das ist, wider den tatarischen König, der zur selben Zeit auch über die Moskowiter und Walachen herrschen wird. Denn obwohl ihrer etliche das Wörtlein Thubal auf die Spanier deuten, durch Mesech aber die in Cappadocia, eins teils auch die Armenier verstehen, so geben es doch alle Umstände, dass an diesem Ort mitnächtige Völker gemeint werden, die zum Teil auch gegen Morgen ihre Herrschaft haben. Und sieht es ihm gleich, als ob der Heilige Geist mit dem Wörtlein Mesech auf der Moskowiter Namen deute. Denn die Moskowiter sind so ein grausames Volk, dass die Türken dagegen für fromm möchten angesehen werden. Und mag es leicht geschehen, dass die Moskowiter unter des tatarischen Königs Gebiet kommen, sintemal die Moskowiter zu etlichen Malen von den Tartaren große Niederlagen erlitten, darum halt ich es dafür, dass Gog den Türken, Magog die Tartaren, Mesech die Moskowiter, Thubal die Walachen bedeute. Also dass der Türke und der Tartar in diesem Kriege dem Vorzug haben werden. Denn in der Offenbarung Johannis werden Gog und Magog unterschieden, und werde doch Gog, das ist, der Türke, der vornehmste in diesem Handel sein. [Es lässt aber Gott die Gefahr der Kirche, so ihr bevorsteht, durch den Propheten zuvor verkündigen, auf dass wir wissen, es widerfahre uns nichts Widerwärtiges, und dass Gott, der solche Trübsal der Kirche zuschickt, auch bei ihm beschlossen, wie er sie wiederum daraus erlösen wolle, unterdes aber sollen wir uns mit dem Worte Gottes zu einer gottseligen und standhaften Geduld gerüstet und gefasst machen).

3. und sprich: So spricht der Herr Herr: Siehe, ich will an dich, Gog, der du der oberste Fürst bist aus den Herren in Mesech und Thubal.

Oberste Fürst: Der du zur selben Zeit der oberste Feldherr sein wirst über das ganze Heer, ich will mich an dich machen, dass ich dich übers Seil werfe. Denn ich will dich zwar dazu benutzen, dass ich meine Christen durch dich züchtige. Aber will dir doch nicht zulassen, dass du frei und ungehindert einfallen mögest, wo du willst, oder deine Wüterei treibst, wo dir es gefällt, sondern ich will dich leiten und lenken, wo ich hin will.

4. Siehe, ich will dich herumlenken und will dir einen Zaum ins Maul legen und will dich herausführen mit all deinem Heer, Ross und Mann, die alle wohl gekleidet sind, und ist ihrer ein großer Haufen, die alle Tartschen und Schilde und Schwert führen.

Lenken: Dass du deinen Zug vornehmen musst, wo ich dich hinführen werde, gleichwie man die Pferde mit einem Zaum regiert und lenkt, wo man sie hinhaben will. [Denn obwohl die Tyrannen mancherlei Anschläge machen, so richtet doch Gott heimlich ihr Vorhaben dahin, dass sie Gottes Befehl, auch ohne ihr Wissen und Willen, ausrichten müssen, und können nicht weiter kommen, noch jemand überfallen, denn so weit es Gott ihnen zulässt, der den Zaum in der Hand hat).

Schwert führen: Die alle wohl gewappnet sind, mit ihren gewöhnlichen Rüstungen, wie bei den Türken und mitnächtigen Völkern gebräuchlich ist, die führen zu Ross, Spieß, Tartschen und Säbel.

5. Du führst mit dir Perser, Mohren und Libyer, die alle Schild und Helme führen,

Nach Luther: Persien stoßen an Reich Arabia, darum wird der Türken auch der etliche haben.

6. dazu Gomer und all sein Heer samt dem Hause Thogarma, so gegen Mitternacht liegt, mit all seinem Heer; ja, du führst ein großes Volk mit dir.

Gomer: Der des Japhets Sohn gewesen, von dem nach etlicher Meinung die Wenden herkommen, so redet man am tückischen Hof auch die wendische Sprache.

Nach Luther: Gomer und Thogarma sein Sohn {1Mos 10v3}, achte ich, sind die Wenden, denn am türkischen Hofe redet man wendisch.

Hause Thogarma: Das ist, es werden dir auch die Völker beistehen, welche vom Thogarma des Japhets Enkel ihre Herkunft haben, und gegen Mitternacht wohnen.

Großes Volk: Die du alle wider die Christen anführen wirst. Ob nun wohl der Türke heutigen Tages nicht ohne Mittel über alle vorgemeldeten Völker herrscht, so kann es doch wohl geschehen, dass er aus allen denselben Ländern ein mächtiges Kriegsvolk wird zusammen bringen. Denn e es ziehen auch die Deutschen andere Nationen im Kriege zu, unter welcher Herrschaft sie doch nicht sitzen.

7. Wohlan, rüste dich wohl, du und alle deine Haufen, so bei dir sind; und sei du ihr Hauptmann!

Ihr Hauptmann: Sei du der oberste Feldherr, dem sie alle folgen, und unterworfen sind. [Denn der Krieg kann ohne einen obersten Feldherrn nicht recht geführt werden).

8. Nach langer Zeit sollst du heimgesucht werden. Zur letzten Zeit wirst du kommen in das Land, das vom Schwert wiedergebracht und aus vielen Völkern zusammenkommen ist, nämlich auf die Berge Israels, welche lange Zeit wüst gewesen sind und nun ausgeführt aus vielen Völkern und alle sicher wohnen.

Heimgesucht: Daraus zu sehen, dass der Prophet in den vorigen Worten spottweise redet, und anzeigt, wie der Türke zwar mit einem großen Kriegsheer und nach vielen Anschlägen die Christen überziehen werde, aber doch nicht zu dem erwünschten Ende seines Vorhabens komme. Als wollte er sprechen: Es wird zwar Gott der Herr dir zulassen, dass du die Christen ein Zeit lang plagst, und verfolgst, und endlich auch mit einer gewaltigen Kriegsmacht, die du aus vielen grausamen Völkern zusammen gebracht, ihnen einen unglaublichen Schrecken einjagst. Aber eben derselbe Gott und Herr wird dich mitten in deinem Lauf danieder schlagen, und an dir und deinem Kriegsvolk Strafe üben. [Denn wenn die Feinde der Kirche meinen, sie haben das Volk Gottes bereits in ihrer Kluppen, so kommt Gott seiner Kirche eilends zu Hilfe, und macht die Gottlosen zuschanden).

Zur: Jetzt beschreibt der Prophet den Zug des Tyrannen Gog.

Völkern: Darunter es gefangen gewesen, und im Elend gelebt hat.

Sicher wohnen: Dass sie sich für keines so mächtigen Feindes Einfall besorgen. Will so viel sagen, du wirst das Land Israel plötzlich mit Krieg überziehen, nach dem das Volk darin von den vorigen Kriegen, und von der Babylonischen Gefangenschaft sich wiederum erholt hat, und im Frieden lebt, auch nicht anders meint, denn es sei jetzt allem Unglück entronnen. [Wir haben aber oben gemeldet, dass der Prophet seiner Zeit Reden brauche in Beschreibung einer neuen Sache, da er etwas anders darunter versteht. Und will so viel sagen. Wenn die Christen von des römischen Antichristen Tyrannei frei werden (als der auch an ihre Leiber und Güter Hand angelegt) und aus dem Gefängnis der Menschensatzungen, samt den Stricken der Gewissen (die des babylonischen Gefängnisses nicht ganz ungleich gewesen) erlöst sind, auch die Verwüstungen der Kirche etlichermaßen verbessert und wieder richtig gebracht haben, so werden sie alsdann in großer Sicherheit leben, und von dir plötzlich überfallen werden. Denn die Berge Israel sind der Christen Königreiche und Herrschaften).

9. Du wirst heraufziehen und daherkommen mit großem Ungestüm und wirst sein wie eine Wolke, das Land zu bedecken, du und all dein Heer und das große Volk mit dir.

Ungestüm: Gleichwie ein gräuliches Unwetter sich ansehen lässt, als ob es mit Hagel und Blitzen alles erschlagen und verwüsten werde: Also wirst du auch mit großer Gewalt und mächtigem Kriegsvolk, die Christen überfallen, und ein Ansehen haben, als ob du nur allein mit der großen Menge, wie mit einer Sintflut, sie unterdrücken wirst. [Denn der Satan hofft vergebens, dass er durch die große Menge der Feinde, die Kirche Gottes allerdings überfallen und vertilgen wolle). Und wirst zwar du O Gog dir gewisslich den Sieg verheißen, und meinen, deine weisen Anschläge können dir nicht fehlen.

10. So spricht der Herr Herr: Zu der Zeit wirst du dir solches vornehmen und wirst es böse im Sinn haben

Sinn haben: Du wirst grausame Anschläge machen, und es alles aufs ärgste meinen.

11. und denken: ich will das Land ohne Mauern überfallen und über die kommen, so still und sicher wohnen, als die alle ohne Mauern dasitzen und haben weder Riegel noch Tor,

Überfallen: Ich will sie an denen Orten anfallen, da sie nicht viel feste Städte und Schlösser haben. Wie Polen ist.

Kommen: Unversehens, und wenn sie es am wenigsten hoffen.

Sicher wohnen: Dass sie sich dergleichen nichts besorgen, da will ich sie unterdrücken.

Tor: Nämlich, solche die eines so mächtigen Feindes Gewalt aufhalten könnten. [Es weissagt aber der Prophet mit diesen Worten nicht so eigentlich von den Städten und Schlössern Untauglichkeit, und Schwachheit, als von der Menschen Sicherheit, welche gewisslich heutigen Tages bei den Christen ganz groß ist, auch mitten in der Gefahr, die sich überall erregt. Solche Sicherheit wird so wohl den Regenten und Obrigkeiten, als Untertanen einmal übel bekommen).

12. auf dass du rauben und plündern mögest und deine Hand lassen gehen über die Verstörten, so wieder bewohnt sind, und über das Volk, so aus den Heiden zusammengerafft ist und sich in die Nahrung und Güter geschickt hat und mitten im Lande wohnt.

Plündern mögest: Denn um dieser Ursache willen, wirst du einen solchen gewaltigen Kriegszug wider mein Volk vorhaben, dass du eine reiche Beute von ihm mögest davon bringen.

Bewohnt: Das ist, dass du meines Volkes Land abermal verwüstest, welches etliche Jahre lang zuvor während der Babylonische Gefangenschaft unerbaut gelegen. Jetzt aber wiederum gebaut wird. Und braucht, wie vorgemeldet, der Prophet seiner Zeit Reden. [Denn der Satan hasst die wieder angerichtete und von der Abgötterei gereinigte Kirche aufs höchste, und untersteht sie sich wieder umzukehren und zu verunreinigen).

Wohnt: Dass es nach der Wiederkunft aus dem Elend wieder Vieh und Güter angefangen zu bekommen, und mitten im Lande Kanaan sicher lebt. [Denn wenn in der Kirche, wie auch im weltlichen Regiment eine richtige Ordnung wieder gemacht wurde, so stellt ihnen der Satan am meisten nach, dass er sie von neuen wiederum zerrütte).

13. Das Reicharabien, Dedan und die Kaufleute auf dem Meer und alle Gewaltigen, die dort sind, werden zu dir sagen: Ich meine ja, du seist recht gekommen zu rauben, und hast deine Haufen versammelt zu plündern, auf dass du wegnimmst Silber und Gold und sammelst Vieh und Güter und großen Raub treibst.

Das: Jetzt lehrt der Prophet, wie die gottlosen Völker, welche dem Türken unterworfen sind, oder doch es mit ihm halten, demselben mit großer Heuchelei werden Glück wünschen, wenn er wider die Christen zu Felde ziehen wird.

Dedan: Welche Völker auch zum Reich Arabien gehören, da Mohammed begraben ist.

Nach Luther: Dedan ist ein Stück des Reiche Arabia, so liegt der Mohammed in Reich Arabia begraben, zu Mekka.

Nach Luther: Das ist: Du bist der rechte Kaiser und Herr, o du tust recht und wohl, fahre immer fort, Glück zu.

Treibst: Als wollten sie sprechen, ei du mächtiger Monarch, wie tust du ihm so recht, dass du den Zug wider die Christen vornimmst, welches Volk von allen anderen Heiden angefeindet wird. O wie wirst du eine so reiche Beute davon bringen. [Denn es sind ihrer mehr, die sich über der Kirche Unglück freuen, als dass sie ein Mitleiden mit ihr hätten).

14. Darum so weissage, du Menschenkind, und sprich zu Gog: So spricht der Herr Herr: Ist es nicht also, dass du wirst merken, wenn mein Volk Israel sicher wohnen wird?

Merken: Du wirst spüren, wenn die Christen, als die rechten Israeliten, sich nichts vor dir besorgen, und wirst deine Kundschafter in der Christenheit hin und wieder haben, die dir von ihrem Zustand zu jeder Zeit werden können Bericht tun. [Es wäre aber zu wünschen, dass nicht so viele Verräter in der Christenheit gefunden würden).

15. So wirst du kommen aus deinem Ort, nämlich von den Enden gegen Mitternacht, du und ein großes Volk mit dir, alle zu Ross, ein großer Haufe und ein mächtiges Heer.

Mitternacht: Welches Land zum Teil sich auch gegen dem Morgen erstreckt, von dort wirst du einen Einfall tun auf mein Volk.

Zu Rosse: Es wird fast dein ganzes Kriegsvolk beritten sein.

Heer: Das schier unzählig sein wird, vor großer Menge.

16. Und wirst heraufziehen über mein Volk Israel wie eine Wolke, das Land zu bedecken. Solches wird zur letzten Zeit geschehen. Ich will dich aber darum in mein Land kommen lassen, auf dass die Heiden mich erkennen, wie ich an dir, o Gog, geheiligt werde vor ihren Augen.

Wolke: Die schwarz, dicke, und grässlich aussieht und ein großes Unwetter droht.

Zu bedecken: Denn man wird meinen, dass du mit deinem Kriegsvolk die ganze Christenheit unterdrücken wirst. [Und trotzen die Gottlosen auf ihre große Menge, damit sie alles nach ihrem Willen meinen auszurichten).

Letzten Zeit: Nicht lange vor dem Jüngsten Tage, da wirds geschehen, was ich jetzt rede.

Erkennen: Denn ich tue es nicht darum, dass ich wolle die Christenheit durch dich vertilgen lassen, sondern auf dass die Heiden daraus lernen erkennen, wie ich allein der einzige wahre Gott sei, der ich diejenigen erhalte, so mir Vertrauen, und meinen eingeborenen Sohn Jesum Christus ehren, und dass ich die endlich vertilge, welche meine Kirche verfolgen.

Augen: Das ist, wenn ich dich mit meiner göttlichen Allmacht werde zu Boden schlagen, und einen herrlichen Sieg davon bringe, so wird dadurch mein Name überall gepriesen und gerühmt werden. [Denn Gott erhält die Christen nicht um ihres Verdienstes willen, sondern dass er seines Namens Ehre rette).

17. So spricht der Herr Herr: Du bist es, von dem ich vorzeiten gesagt habe durch meine Diener, die Propheten in Israel, die zur selbigen Zeit weissagten, dass ich dich über sie kommen lassen wollte.

Gesagt habe: Wie wohl nun (so viel mir bewusst) die anderen vorigen Propheten von den Tyrannen Gog und Magog nirgends ausdrücklichen Meldung tun, so haben sie aber doch viele Dinge geweissagt, von dem schrecklichen Unfall, die über die Kirche ergehen werde. Welche Weissagungen, meines Erachtens, auch eines guten Teils auf den Gog und Magog mögen verstanden werden. So sind vielleicht etliche Bücher der Heiligen Schrift verloren worden, derer doch die Kirche ohne Nachteil der Seligkeit entbehren kann. [Es lässt aber Gott die künftigen Strafen zuvor verkündigen, auf dass wir uns bei Zeit zur Geduld und Beständigkeit gefasst machen, damit wir nicht unter die Trübsal vom Glauben Christi abfallen, wie oben auch erinnert wurde).

18. Und es wird geschehen zur Zeit, wenn Gog kommen wird über das Land Israel, spricht der Herr Herr, wird heraufziehen mein Zorn in meinem Grimm.

Und: Jetzt zeigt der Prophet die Ursache des Krieges an, dass es, nämlich, der Zorn Gottes wider der Christen Sünde sein werde, der den Gog werde aufbringen, einen solchen gewaltigen und schrecklichen Zug vorzunehmen.

Nach Luther: Das ist, Gog ist mein Zorn und Rute um meiner Christen Sünde willen.

Grimm: Denn weil ich über mein Volk von wegen ihrer vielfältigen Sünden werde erzürnt sein, so werde ich den Türken zu meiner Rute benutzen.

19. Und ich rede solches in meinem Eifer und im Feuer meines Zorns. Denn zur selbigen Zeit wird großes Zittern sein im Lande Israel {Mt 24v29 v30 Lk 21v25 v26},

Meines Zorns: Das ist, weil ich bereits jetzt sehe, mit was großen Sünden die Christen damals mich zum Zorn reizen werden, so sage ich es ihnen auch also bar jetzt zuvor, dass ich sie in den letzten Zeiten durch den Gog und Magog strafen wolle. [Denn die Sünden der Christen erregen den Türken, und wappnen ihn wider die Christenheit).

Zittern sein: Die Christen werden von Herzen erschrecken.

20. dass vor meinem Angesicht zittern sollen die Fische im Meer, die Vögel unter dem Himmel, das Vieh auf dem Felde und alles, was sich regt und bewegt auf dem Lande, und alle Menschen, so auf der Erde sind; und sollen die Berge umgekehrt werden, und die Wände und alle Mauern zu Boden fallen.

Angesicht: Von wegen dass sie meinen Zorn empfinden.

Umgekehrt: Es soll in der Summe die Erde erbeben, dass die Berge darüber zu Haufen fallen. [Es will aber der Prophet mit solcher verblümten Rede den großen Schrecken zu verstehen geben, den der Türke mit seiner Zukunft der Christenheit verursachen wird. Denn gleichwie das menschliche Herz bei großem Glück ganz trotzig und aufgeblasen ist. Also zittert es in Widerwärtigkeit, und kann nicht bestehen, wo es nicht mit dem Worte Gottes durch den Heiligen Geist gestärkt wird).

21. ich will aber über ihn rufen das Schwert auf allen meinen Bergen, spricht der Herr Herr, dass eines jeglichen Schwert soll wieder den anderen sein.

Rufen: Also dass, wenn es ein Ansehen hat, als ob es ganz und gar mit der Christenheit aus und verloren wäre, so will ich mit meiner Hilfe den Christen beistehen, und den Tyrannen Gog zugrunde stürzen. Denn ich will in den Königreichen, Fürstentümern, und Herrschaften, die Christen aufbringen, welche sich zur rechten Religion bekennen, dass sie sollen wider ihn zur Wehr greifen. Doch will ich verschaffen, dass der Ruhm des Sieges allein mir bleiben soll, weil ich des Gogs Kriegsvolk Wille wieder einander kommen lassen, dass sie einander selbst erwürgen sollen, wie vorzeiten die Midianiter einander aufgerieben und ermordet haben. Danach so will ich ihn auch mit anderen Waffen meines Zorns angreifen und vertilgen.

Nach Luther: Das ist, die Feinde meines Volkes sollen sich selbst unter einander erwürgen und aufreiben.

22. Und ich will ihn richten mit Pestilenz und Blut und will regnen lassen Platzregen mit Schloßen, Feuer und Schwefel über ihn und sein Heer und über das große Volk, das mit ihm ist.

Blut: Denn es soll mein Volk nicht einen geringen Haufen unter ihnen erschlagen.

Platzregen: Ich will einen Wolkenbruch über ihn fallen lassen, die ihn hinwegreißen soll.

Und Schwefel: Das ist, ich will ihn mit einem schrecklichen Unwetter und Wetter zu Boden schlagen, wie den Feinden Josua geschehen (Josua 109, und wie den Sodomitern begegnet {2Mos 19}. Diese Reden des Propheten lauten dahin, dass der Feind Gog also werde umgekommen, dass jedermann werde bekennen und sagen müssen, er sei nicht durch Menschen, sondern von Gott selbst vertilgt worden. [Denn Gott will, dass ihm alle Ehre gegeben werde, die ihm auch allein als unserem Erlöser gebührt).

23. Also will ich denn herrlich, heilig und bekannt werden vor vielen Heiden, dass sie erfahren sollen, dass ich der Herr bin.

Bekannt werden: Es soll mein heiliger Name hin und wieder in der Welt dadurch erkannt und gepriesen werden.

Herr bin: Der wahre, einzige, ewige, und allmächtige Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, und meiner Kirche getreuer Beschützer. [Denn der Feinde der Kirche Untergang dient zur Ausbreitung der Güte und Allmacht Gottes. Darum sollen wir Gott bitten, dass er uns zu erhalten, seines Namens Ehre wolle in Acht haben, und nicht auf unsere vielfältigen Sünden und Schwachheiten sehen).


Das 39. Kapitel


1. Der Prophet weissagt abermals von des Gogs und Magogs Untergang, und von dem herrlichen Sieg des Volkes Gottes wider ihn, dadurch der Name Gottes werde gerühmt und gepriesen werden.

1. Und du, Menschenkind, weissage wider Gog und sprich: Also spricht der Herr Herr: Siehe, ich will an dich, Gog, der du der oberste Fürst bist in Mesech und Thubal {Apg 20v8}.

Und: Was der Prophet im vorigen Kapitel vom Gog summarischerweise vorgebracht hat, das streicht er jetzt weitläufiger heraus.

Oberst: Der du der oberste Feldherr sein wirst über das ganze Heer, welches aus Türken, Tartern, Moskowitern und Walachen zusammen gebracht ist.

2. Siehe, ich will dich herumlenken und locken und aus den Enden von Mitternacht bringen und auf die Berge Israels kommen lassen.

Lenken: Und dich gleichsam mit dem Zaum führen, nicht wo du hin willst, sondern wo mir es gefällt.

Nach Luther: Was die Rabbinen hier mit ihrem Sextiren machen, lassen wir fahren. Wir halten es mit S. Hieronyino.

Bringen: Wider meine Christen, die du durch die Örter von Mitternacht anfallen sollst. Welches dahin lautet, als ob der Türke durch Polen nach Deutschland komme, und dasselbe überfallen würde.

Berge Israel: Das ist, wider die Königreiche und Fürstentümer der Christen. [Denn Gott mahnt die Feinde selbst auf durch sein heimliches Eingeben, auf dass seines Volkes Sünden gestraft werden, die Auserwählten aber Busse tun, und selig werden).

3. Und will dir den Bogen aus deiner linken Hand schlagen und deine Pfeile aus deiner rechten Hand werfen.

Werfen: Das ist, wenn ich mein Volk genug geschreckt und gedemütigt habe, so will ich dich o Gog vertilgen. Denn ich will verschaffen, dass dein Vorhaben soll zurückgehen, und du nicht ins Werk richten könntest, was du dir in den Sinn genommen hattest. [Denn eben derselbe Gott, der die Feinde herzu bringt, sein Volk zu züchtigen, der macht dieselben auch wiederum zuschanden, und stürzt sie ins Verderben).

4. Auf den Bergen Israels sollst du niedergelegt werden, du mit all deinem Heer und mit dem Volk, das bei dir ist. ich will dich den Vögeln, woher sie fliegen, und den Tieren auf dem Felde zu fressen geben.

Bergen Israel: Auf der Christen Grund und Boden wirst du umkommen.

Zu fressen: Dass sie eure Körper zerreißen. [Denn die ganz großen und gewaltigen Züge gewinnen oft einen ganz schimpflichen Ausgang).

5. Du sollst auf dem Felde daniederliegen; denn ich, der Herr Herr, hab es gesagt.

Liegen: Und nicht wieder in dein Vaterland kommen.

6. Und ich will Feuer werfen über Magog und über die, so in den Inseln sicher wohnen; und sollen es erfahren, dass ich der Herr bin.

Werfen: Das ist, ich will lassen Feuer vom Himmel fallen, dass die Tartaren und andere Mitgehilfen des Türken, die ihm zugezogen, verzehren soll. [Denn obwohl diese Reden auch schlecht dahin können verstanden werden, als dass des Türken Volk die göttliche Strafe empfinden müsse. Jedoch weil auch die Offenbarung Johannis (Kapitel 20). vom Gog und Magog gleiche Worte setzt und wiederholt, so ist vermutlich, dass der Türke viel mehr durch das Unwetter vom Himmel, als durch Menschen Hände umkommen werde. Weil Gott, wie richtig, den Ruhm des Sieges allein wird wollen davon tragen).

Inseln: Das ist, daheim, in Gogs Lande wird es auch brennen, und alles voller Unruhe und Aufruhr sein, dass große Veränderungen sich darin zutragen werden.

Nach Luther: Das ist, in Gogs Lande, daheim soll es auch brennen.

Herr bin: Die Türken sollen es mit ihrem großen Schaden und Nachteil innewerden, dass ich der wahre und ewige Gott bin, der ich für die Christen sorge, und meines Namens, wie auch meines eingeborenen Sohnes Jesu Christi Majestät räche.

7. Denn ich will meinen heiligen Namen kundmachen unter meinem Volk Israel und will meinen heiligen Namen nicht länger schänden lassen, sondern die Heiden sollen erfahren, dass ich der Herr bin, der Heilige in Israel.

Kundmachen: Die Christen werden aus solcher Erlösung meine Macht und Herrlichkeit desto besser kennen lernen. [Denn obwohl Gott vornehmlich aus seinem Wort erkannt wird, so machen doch seine wunderbaren göttlichen Werke seinen Namen noch herrlicher und besser, und geben uns ihn noch besser zu erkennen).

Schänden lassen: Ich will nicht zulassen, dass mich die Heiden noch mehr lästern, als ob ich nicht wahrer Gott wäre, oder als ob ich meinem Volk nicht wollte behilflich sein, und beistehen, welches auf mich hofft, sondern ich will den Heiden in der Tat zeigen, dass ich der allmächtig wahre Gott sei, der ich die Christen in so großer Gefahr nicht verlasse. [Denn wenn die Gottlosen sehen, dass die Frommen unter dem Kreuz geängstigt werden, so verspotten sie ihre Religion, und lästern dadurch auch Gott im Himmel).

8. Siehe, es ist schon gekommen und geschehen, spricht der Herr Herr; das ist der Tag, davon ich geredet habe.

Schon gekommen: Das ist, ich habe es gänzlich bei mir beschlossen, dass ich den Gog und Magog wider die Christen anführen will, und darüber schrecklich zugrunde gehen lassen, welches so gewiss bei mir ist, als wenn es bereits geschehen wäre. Und das soll die Zeit seiner Zukunft und seines Untergangs sein, nämlich, die ich ihm in meinem Wort bestimmt habe, welches ist die letzte Zeit, so kurz vor dem Jüngsten Tage hergehen soll. [Und soll man an Gottes Wort nie zweifeln, ob gleich noch eine lange Zeit dahin ist, bis die Weissagungen erfüllt werden).

9. Und die Bürger in den Städten Israels werden herausgehen und Feuer machen und verbrennen die Waffen, Schilde, Tartschen, Bogen, Pfeile, Fauststangen und langen Spieße und werden sieben Jahre lang Feuerwerk damit halten,

Heraus gehen: Nämlich, nach dem Gog umgekommen ist, und mit seinem Volk auf dem Felde erschlagen liegt, da werden die Christen aus ihren Städten, in denen sie sich vor Furcht verschlossen, heraus machen.

Fauststangen: Oder Regimentsstecken, damit die türkischen Hauptleute ihr Kriegsvolk schlagen, und mit Gewalt zwingen, dass sie müssen die Schlacht antreten, oder stürmen.

Halten: Dass sie zur Notdurft eine lange Zeit Holz genug haben werden zu brennen. [Mit diesen Worten wird der Sieg desto herrlicher gemacht, da so viele Feinde auf dem Platz bleiben werden, welches aus der unsäglichen Menge der Waffen zu lesen ist. Es wird aber der Sieg nicht durch die große Menge der Waffen und Kriegsleute erhalten, sondern steht in Gottes Hand).

10. dass sie nicht dürfen Holz auf dem Felde holen noch im Walde hauen, sondern von den Waffen werden sie Feuer halten; und sollen rauben, von denen sie beraubt sind, und plündern, von denen sie geplündert sind, spricht der Herr Herr.

Beraubt sind: Das ist, die Christen sollen von den erschlagenen Türken eine reiche Beute davon bringen, von denen sie zuvor einesteils geplündert und beraubt wurden. [Denn welche fremde Güter mit Gewalt und Unrecht zu sich reißen, die müssen solches von anderen wiederum gewärtig sein, dass ihnen eben also auch mit gefahren werde).

11. Und soll zu der Zeit geschehen, da will ich Gog einen Ort geben zum Begräbnis in Israel, nämlich das Tal, da man geht am Meer gegen Morgen, also dass die, so vorübergehen, sich davor scheuen werden, weil man dort Gog mit seiner Menge begraben hat; und soll heißen Gogs Haufental.

Zeit: Wenn ich den vorgemeldeten Feind umgebracht habe.

Am Meer: Am selben Ort soll man den Gog mit seinem erschlagenen Kriegsvolk begraben. Es ist aber von der Stadt Jerusalem zu rechnen, den Israeliten gegen Morgen gelegen das Tote Meer, eben am selben Ort, da vorzeiten Sodom und Gomorrha gestanden. Da ist jetzt das Tote Meer, zum ewigen Zeugnis des göttlichen Zorns. [Und wird mit solchem Ort das Begräbnis, so nicht weit ist von dem Meer, da Sodoma und Gomorrha gestanden, angedeutet, dass die Türken nach ihrem Tode der ewigen Hölle Qual zu peinigen werden übergeben werden. Dass aber das Land Israel die Christenheit bedeutet, ist oft gemeldet).

Scheuen: Sie werden die Nasen vor dem unleidentlichen Gestank zuhalten, der von der Türken toten Körpern entstehen wird. [Denn die Feinde der Kirche hinterlassen einen schändlichen Namen nach ihrem Tode).

Nach Luther: Die Nasen vor dem Gestank zuhalten.

Nach Luther: Darum, dass darin die große Menge und Haufen Gogs begraben liegen.

Haufental: Weil im selben Ort viele tausend von des Gogs Kriegsvolk werden begraben liegen.

12. Es wird sie aber das Haus Israel begraben sieben Monden lange, damit das Land gereinigt werde.

Sieben Monden: So viel Zeit werden sie müssen damit zubringen, dass die toten Körper begraben werden, weil ihr eine große Menge sein wird.

13. Ja, alles Volk im Lande wird an ihnen zu begraben haben, und werden Ruhm davon haben, dass ich des Tages meine Herrlichkeit erzeigt habe, spricht der Herr Herr.

Alles Volk: Es wird nicht nur weniger Leute Arbeit sein, sondern es wird jedermann im ganzen Lande dazu helfen müssen, dass die toten Körper unter die Erde gescharrt werden. Und dient dies alles zur Zeichen der Feinde großer Menge, die erschlagen sind.

Davon haben: Es wird den Christen rühmlich sein, dass sie den Feind unter die Erde verscharren, und wird auch zu meines Namens Ehre gereichen, dass ich mein Volk so herrlich und wunderlich erlöst habe. [Denn durch die Vertilgung der Feinde Gottes, wird der Name Gottes ausgebreitet).

14. Und sie werden Leute aussondern, die stets im Lande umhergehen und mit denselbigen die Totengräber, zu begraben die Übrigen auf dem Lande, auf dass es gereinigt werde; nach sieben Monden werden sie forschen.

Übrigen: Nämlich, von den Feinden, so hin und wieder, da sie in der Irre herum gezogen, im Lande erschlagen wurden, und noch unbegraben liegen.

Gereinigt: Von dem Gestank und Unflat der toten Körper.

Forschen: Ob hin und wieder von den Feinden mehr zu finden, die noch nicht begraben wären.

Nach Luther: Ob sie alle begraben sind, oder etwa noch jemand unbegraben liegt.

15. Und die, so im Lande umhergehen und etwa eines Menschen Bein sehen, werden dabei ein Mal aufrichten, bis es die Totengräber auch in Gogs Haufental begraben.

Bein: Als eine Hirnschale, Schenkel, oder dergleichen etwas.

Mal: Sie werden dabei ein Zeichen aufstecken, auf dass die Totengräber daher abnehmen können, wie noch etliche Gebeine darin vorhanden sind, die sie alsdann auflesen, und zum vorigen Haufen ins Tal begraben werden.

16. So soll auch die Stadt heißen Hamona. Also werden sie das Land reinigen.

Hamona: Das ist, ein Haufen oder Menge. Also wird man die Stadt nennen, welche nahe bei demselben Tal sein wird, da die große Menge der Feinde begraben liegt, und wird solcher Name der Stadt zum ewigen Gedächtnis bleiben. [Denn man soll die Guttaten Gottes in stetigem Gedächtnis behalten).

Nach Luther: Menge oder großer Haufen.

Reinigen: Von den Toten Körpern der Erschlagenen. [Es wird aber dann zumal die Erde von aller Unsauberkeit gereinigt werden, wenn alle Gottlosen zur Hölle sind verstoßen worden, und Gott einen neuen Himmel und neue Erde erschaffen wird {2Petr 3 Apg 21}.

17. Nun, du Menschenkind, so spricht der Herr Herr: Sage allen Vögeln, woher sie fliegen, und allen Tieren auf dem Felde: Sammelt euch und kommt her! Findet euch überall her zuhauf zu meinem Schlachtopfer, das ich euch schlachte, ein großes Schlachtopfer auf den Bergen Israels, und fresst Fleisch und sauft Blut {Apg 19v17},

Nun] Jetzt malt der Prophet mit einer verblümten Rede ganz meisterlich ab, was für eine große Niederlage der Feinde, Gog und Magog, sein werden. Denn er richtet den Tieren und Vögeln ein niedliches Gastmahl und Bankett an, von den toten Körpern der erschlagenen Feinde.

Sauft Blut: Denn gleichwie sonst nach verrichteten Opfern man ein Wohlleben anzurichten pflegte, von dem, das von den Opfern übergeblieben, und nicht hat dürfen verbrannt werden. Also will ich euch auch ein herrliches Bankett zurüsten, von meiner Feinde Fleisch und Blut, die ich schlachten, und gleichsam opfern will. [Denn der Gottlosen Untergang ist Gott ein angenehmes Opfer, weil die göttliche Gerechtigkeit wider die Bosheit daraus erscheint und erkannt, auch der Zorn Gottes dadurch versöhnt wird).

18. Fleisch der Starken sollt ihr fressen und Blut der Fürsten auf Erde sollt ihr saufen, der Widder, der Hammel, der Böcke, der Ochsen, die allzumal feist und wohl gemästet sind.

Fürsten: Der mächtigen Könige und Potentaten: Heißt das nicht herrlich traktiert?

Der Ochsen: Es vergleicht aber der Prophet die Könige Fürsten, und Herren, den Widdern, Böcken, Ochsen, und anderen feisten Tieren, von wegen ihrer großen Macht und Reichtum.

19. Und sollst das Fette fressen, dass ihr voll werdet, und das Blut saufen, dass ihr trunken werdet von dem Schlachtopfer, das ich euch schlachte.

Trunken: Denn ich euch nicht kärglich oder genau, sondern köstlich und herrlich halten will im selben Bankett, das ich euch zugerichtet habe.

20. Sättigt euch nun über meinem Tisch von Rossen und Reitern, von Starken und allerlei Kriegsleuten, spricht der Herr Herr.

Tisch: Den ich euch auf dem Felde will lassen zurüsten, da die erschlagenen Feinde liegen. [Obwohl nun einem frommen Menschen, so viel seiner Seelen Seligkeit betrifft, es nichts schadet, wenn er gleich von wilden Tieren gefressen wird: So ist es doch an den Gottlosen ein Stück des göttlichen Fluchs, als die des Begräbnisses nicht Wert geachtet werden, sie sind denn zuvor von den wilden Tieren und unreinen Vögeln zerrissen wurden).

21. Und ich will meine Herrlichkeit unter die Heiden bringen, dass alle Heiden sehen sollen mein Urteil, das ich habe ergehen lassen, und meine Hand, die ich an sie gelegt habe,

Bringen: Dass ich sie ihnen erweise und kundtue. Das ist, die Heiden sollen meine Allmacht und Majestät erkennen, und bekennen, dass mein Urteil recht gewesen sei, damit ich des Gogs Tyrannei gestraft habe, und werden merken, dass meine Gewalt unermesslich sei, damit ich die Feinde zu Boden geschlagen habe. [Denn es werden auch die gottlosen Heiden bisweilen mit der Tat durch die wunderbaren Werke Gottes überwiesen, dass sie unserem Gott das Lob der Gerechtigkeit und der Majestät geben müssen: Welches die erste Staffel zur Bekehrung ist).

22. und also das Haus Israel erfahre, dass ich, der Herr, ihr Gott bin, von dem Tage und weiter,

Erfahre: Das ist, die Christen werden daraus erkennen, dass ich ihr gnädiger Gott, und gütiger Vater sei, der ich zur selben Zeit ihre Sache treulich gehandhabt, und weiter auch für sie sorgen will. [Denn die göttlichen Guttaten sollen unseren Glauben stärken, auf dass wir fest glauben, Gott sorge jetzt für uns, und werde auch uns künftig mit seiner Gnade bei uns wohnen, dass wir nimmer abgesondert werden von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu unserem Herrn {Röm 8}.

23. und die Heiden erfahren, wie das Haus Israel um seiner Missetat willen sei weggeführt, und dass sie sich an mir versündigt hatten. Darum habe ich mein Angesicht vor ihnen verborgen und habe sie übergeben in die Hände ihrer Widersacher, dass sie allzumal durch das Schwert fallen mussten.

Heiden erfahren: Damals (will Gott der Herr sagen) werden die Heiden merken, dass die Christen, so von den Türken viele Jahr lange gefangen weggeführt und erwürgt wurden, nicht aus Mangel des göttlichen Schutzes solches erlitten, dass ich sie nicht hätte können retten oder schützen, sondern weil die Christen mit vielen und großen Sünden und Lastern mich so erzürnt hatten, dass ihr unreines und gottloses Leben zu strafen ich ihnen meine Hilfe entzogen, und sie den Feinden zu plagen und zu strafen übergeben habe. [Denn es tut es nicht der Feinde große Menge, dass die Christen unten liegen, sondern ihre Sünde macht ihre Feinde so mächtig).

24. Ich habe ihnen getan, wie ihre Sünde und Übertreten verdient haben, und also mein Angesicht vor ihnen verborgen.

Nach Luther: Da steht es, dass Gog um unserer Sünden willen mächtig sei, und so viel Glück und Sieg habe.

25. Darum so spricht der Herr Herr: Nun will ich das Gefängnis Jakobs wenden und mich des ganzen Hauses Israel erbarmen und um meinen heiligen Namen eifern.

Jakob: Das ist, meines Volkes, welches vom Patriarchen Jakob seine Herkunft hat.

Erbarmen: Das ist, ich will mein Volk von ihren vorigen Trübsalen wiederum erquicken, und solches nicht nur oben hintun, sondern mit einem großen und inbrünstigem Eifer, und will in ihrer Erlösung die Majestät meines Namens retten. [Denn Gott hat in der Handhabung seiner Kirche nicht Acht darauf, was sie wohl verdient hätte, sondern, was seines Namens Ehre fordert, auf dass derselbe nicht verlästert werde).

26. Sie aber werden ihre Schmach und alle ihre Sünde, damit sie sich an mir versündigt haben, tragen, wenn sie nun sicher in ihrem Lande wohnen, dass sie niemand schrecke,

Tragen: Das ist, wenn ich mein Volk aus ihrem Gefängnis mit großer Herrlichkeit wieder in ihr Vaterland gebracht, und also meinen Namen unter die Heiden berühmt gemacht habe, sie auch sicher und ohne Sorge in ihrem Lande wohnen werden, so werden sie mir nicht fast dankbar dafür sind, sondern ihren bösen Gelüsten den Zaum lassen: Das wird die Ursache sein, dass ich den Gog und Magog schicken werde, durch welches Herkunft sie in große Angst und Not geraten werden, und werden sich selber schämen müssen, weil sie erkennen, dass sie für ihre Sünden rechte Strafe empfangen. [Denn weil die Christen von des Antichristen Tyrannei erlöst sind, die viel beschwerlicher gewesen, als die Babylonische Gefangenschaft, so leben sie in ganz zu großer Sicherheit, und verhängen dem Fleisch den Zaum ganz zu viel, darauf schwere Strafen erfolgen werden).

27. und ich sie wieder aus den Völkern gebracht und aus den Landen ihrer Feinde versammelt habe und ich in ihnen geheiligt wurde bin, vor den Augen vieler Heiden.

28. Also werden sie erfahren, dass ich, der Herr, ihr Gott bin, der ich sie habe lassen unter die Heiden wegführen und wiederum in ihr Land versammeln und nicht einen von ihnen dort gelassen habe.

Also: Nämlich, wenn sie werden in sich selber gehen, ihre Sünde bereuen, und um Verzeihung bitten, die sie auch erlangen werden.

Gott bin: Bei dem sie allein Hilfe suchen sollen, und dieselbe auch finden werden.

Nicht einen: Der anderes nur selber aus dem Elend hat wollen wieder heimkommen. Will aber so viel sagen, die Christen werden erkennen, dass ich ihr getreuer Gott bin, der ich sie zwar um ihrer Sünde willen ins Gefängnis übergeben, aber doch sie auch wiederum daraus erlöst habe. Darum werden sie in ihren letzten Nöten über des Gogs Einfall mit dem Gebet zu mir fliehen, und erhalten werden. [Denn das Kreuz vertreibt uns die Schlafsucht, dass wir Gott den Herrn mit Ernst suchen).

29. Und will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen; denn ich habe meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen, spricht der Herr Herr {Hes 36v27}.

Nicht mehr: Als wollte er sagen, dies soll die letzte Verfolgung sein, welche vom Gog ihnen widerfahren wird, danach will ich ihrer schonen.

Ausgegossen: Dass die, so nicht nur mit dem Namen, sondern auch mit der Tat Christen sind, aus Erleuchtung des Heiligen Geistes ihr Leben nach meinen ihnen vorgeschriebenem Worte anrichten werde. [Wenn deswegen die Christen die letzte Verfolgung vom Gog überstanden haben, so werden zwar die Frommen im Glauben beharren. Die anderen aber werden in große fleischliche Sicherheit geraten, und darin durch die Zukunft Christi plötzlich überfallen werden. Die Frommen aber werden in einem Augenblick verwandelt werden, und Christo in den Wolken entgegen kommen, und also bei dem Herrn sein immer {1Thes 4}.


Das 40. Kapitel


1. Weil die Stadt Jerusalem von den Chaldäern verwüstet und zerstört war, und das israelitische Volk gefangen weggeführt wurde. Also, dass es ein Ansehen hatte, als ob es mit der Kirche Gottes ganz und gar aus wäre, so hat Gott sein Volk durch ein prophetisches Gesicht trösten wollen, dadurch die Wiederaufrichtung der Kirche, und die Ausbreitung des Reiches Christi, unter der Figur des neuen Gebäudes, des Tempels und der heiligen Stadt, vorgebildet würde.

1. Im fünfundzwanzigsten Jahr unseres Gefängnisses, im Anfang des Jahres, am zehnten Tage des Monden, das ist das vierzehnte Jahr, nachdem die Stadt geschlagen war, eben am selbigen Tage kam des Herrn Hand über mich und führte mich dort hin

Jahr: Nämlich, von der Zeit an zu rechnen, da der Prophet Hesekiel mit dem Könige Jojachin von Jerusalem gen Babel gefangen weggeführt wurde.

Mondes: Nämlich, des ersten, der zum Teil in unserem März zum Teil in den April fällt.

Geschlagen war: Da, nämlich, die Stadt Jerusalem unter dem Könige Zedekia mit Gewalt erobert und allerdings zerstört wurde, welches denn über elf Jahr nach des Jojachins Wegführung geschehen.

Über mich: Das ist, Es geschah aus Gottes wunderlicherweise und sonderbarer Kraft, dass mich nicht anders gedachte, denn ich würde in einem Augenblick aus Chaldäa hinweg geführt, und ins Land Kanaan gebracht.

2. durch göttliche Gesichte, nämlich ins Land Israel, und stellte mich auf einen sehr hohen Berg, darauf war es wie eine gebaute Stadt vom Mittag herwärts.

Gesichte: Denn er nicht mit dem Leibe ins jüdische Land gekommen, sondern es ist ihm nur im Gesicht also vorgekommen, und von Gott geoffenbart worden, als ob er das Land Israel sehe. Hat deswegen der Prophet im Geist gesehen das Neue Testament, mit den neuen Werkzeugen, so zum Gottesdienst gehören. Desgleichen die neuen Ämter der Priester, die neue und große Heilige Stadt, und eine neue Austeilung des gelobten Landes in seine Stämme. Durch welches alles das Neue Testament und das Reich Christi vorgebildet wurde, darin durch die Predigt des Evangeliums Christo eine Kirche gesammelt wird, welche der geistliche Tempel Gottes ist {2Kor 6}, und ist derselbe Tempel mit lebendigen Steinen erbaut {1Petr 2}. So wird eben dieselbe Kirche auch durch die israelitischem Stämme vorgebildet {1Petr 2}. Diese christliche Kirche ist auch die Stadt Gottes, auf dem Berge gelegen {Ps 89 Mt 5}. Wie sie denn aufs allerschönste heraus gestrichen, und beschrieben wird {Apg 21}. Solche geistlichen Gebäude werden durch das Wort und die Sakramente in dieser Welt angefangen, aber im künftigen ewigen Leben werden sie vollkommen gemacht und ergänzt werden. Und malt uns Gott die einzige Kirche Christi mit mancherlei Figuren vor. Denn gleichwie wir eines großen Herrn, auf den wir viel halten, Bildnis, gemalt, geschnitzt, auf Kupfer gestochen, oder auch von Silber oder Gold geschmolzen, gerne haben und zeigen. Also hat Gott seine Kirche, die er inniglich liebt, durch mancherlei Figuren abmalen, und vor dem Augen stellen wollen. Die Juden haben hier ihre besondere närrische Fantasie, dass sie diese prophetischen Gesichte gerne von einem äußerlichen Tempel verstehen wollten, welcher, ihrem Vorgeben nach, der letzte sein soll: Und meinen, dass ein solcher Tempel und Stadt allerdings nach dem Buchstaben auf der Erde, von Holz und Steinen werde erbaut werden, wie er in diesen letzten Kapiteln des Propheten beschrieben wird: Sehen aber nicht, was für vielerlei ungereimte Sachen daraus folgen würden, davon bei dem Text an einem jeden Ort soll Erinnerung geschehen, den wir aufs einfältigste nach der Richtschnur des christlichen Glaubens erklären wollen.

Berg: Von dem ich überall herum weit und breit um mich sehen konnte.

Mittag: Diese Umstände von der Stadt Gelegenheit, gibt bereits so viel zu verstehen, dass dies Gesicht nicht handle von wieder Auferbauung der Stadt Jerusalem, weil dieselbe Stadt dem Berge Zion nicht auf der Mittagsseite, sondern gegen Mitternacht gelegen war, wie der 48. Psalm bezeugt. [Es hat aber der Prophet die neue Stadt auf einen sehr hohen Berge erbaut gesehen, weil die Kirche, welche Gottes Stadt ist, auf die heiligen Berge gegründet ist {Ps 87}. Also dass sie keine menschliche Gewalt erobern oder überwältigen kann).

3. Und da er mich dort hingebracht hatte, siehe, da war ein Mann, des Gestalt war wie Erz; der hatte eine leinerne Schwiegermuttertochter und eine Messrute in seiner Hand und stand unter dem Tor.

Gebracht hatte: Nämlich, im Gesicht etwas näher hinzu zu derselben Stadt, darin der Tempel des Herrn aufs allerköstlichste erbaut war.

Erz: Sein Leib glänzte, wie ein glühendes Erz im Feuer.

Schwiegermuttertochter: Damit man das Gebäude abzumessen pflegte, ob sie gerade aufrecht stehen.

Messruten: Damit man die Länge, Breite, und Höhe eines Gebäudes erkundigt.

Tor: Nämlich, des Herrn Hauses. [Denn Christus ist der rechte Baumeister seiner Kirche und Stadt, der sie nicht allein mit dem Predigtamt seines Wortes baut, dass sie je länger je mehr zunimmt, sondern er erhält sie auch immer, dass sie nicht umfalle, und zugrunde gehe).

4. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, siehe und höre fleißig zu und merke eben darauf, was ich dir zeigen will! Denn darum bist du hergebracht, dass ich dir solches erzeige, auf dass du solches alles, was du hier siehst, verkündigst dem Hause Israel.

Und er: Nämlich, der Sohn Gottes, der dem Propheten in Gestalt einer glänzenden Mannsperson erschienen war.

Siehe: Beschaue es alles wohl und fleißig, was ich dir zeigen will.

Höre: Was ich dir daneben anzeigen und sagen werde, so dein Volk Gottes zur Lehre und zum Trost dienen wird.

Verkündigst: [Denn die Kirchendiener werden mit dem Worte Gottes darum erleuchtet, und mit notwendigen Gaben des Heiligen Geistes geziert, dass sie die Kirche von dem Willen Gottes unterrichten sollen).

5. Und siehe, es ging eine Mauer auswendig am Hause ringsumher. Und der Mann hatte die Messrute in der Hand, die war sechs Ellen lange; eine jegliche Elle war eine Handbreit länger denn eine Elle. Und er maß das Gebäude in die Breite eine Rute und in die Höhe auch eine Rute.

Und: Jetzt fängt die Beschreibung des Tempels an, mit seinem zugehörigen Gebäuden.

Umher: Das ist, die Mauer begriff den äußeren Hof des Tempels in sich.

Ellen lang: Weil der Prophet anzeigen will, wie hoch und breit die Mauer um den Hof des Tempels gewesen, und damit er die Größe der anderen Gebäude desto richtiger beschreiben könne, so setzt er vorher, was die Messruten für eine Länge hatte, die der Sohn Gottes in Größe des ganzen Gebäudes, so wohl des Tempels, als der Stadt, gebraucht hat.

Länger: Denn das Maß des Heiligtums war immer länger, als das gemeine, gleichwie auch des Heiligtums Gewicht schwerer war, als das gemeine Gewicht. [Dabei Gott uns erinnern will, dass wir zur Beförderung des Gottesdienstes freigebiger sein sollen, als zu anderen weltlichen Sachen).

Ruten: Ist deswegen die Mauer ganz dick und hoch gewesen, und gleichsam ins Gevierte, dass sie nicht leicht umfallen, noch umgestoßen mögen werde. [Wie wohl nun der Tempel besonders Christus bedeutet, als in dem die ganze Völle der Gottheit leibhaftig wohnt {Kol 2}. Darum er auch selber seinen Leib einen Tempel nennt {Joh 2}. Jedoch weil die Kirche der geistliche Leib Christi ist, so bedeutet in diesem Gesicht der Tempel die christliche Kirche. Dieselbige nun ist mit einer ganz hohen und dicken gevierten Mauer des göttlichen Schutzes wieder alle Anläufe des Teufels so umfangen und befestigt, dass die Pforten der Hölle dagegen nichts vermögen {Mt 16}. Und was von der ganzen Kirche gesagt wird, dass soll man auch von allen und jeden Gliedmaßen derselben verstehen {Röm 8}.

6. Und er kam zum Tor, das gegen Morgen lag, und ging hinauf auf seinen Stufen und maß die Schwellen am Tor, eine jegliche Schwelle eine Rute breit.

und er: Nämlich, der Sohn Gottes, in Gestalt eines Mannes.

Stufen: [Diese Stufen bedeuten, dass die Kirche immer zunehme in der wahren Erkenntnis Gottes, und von den irdischen Sachen immer höher aufsteige zu den himmlischen {Kol 3}.

Tor: Dadurch man in den anderen Vorhof gehen musste. [Christus aber ist das Tor oder die Tür, dadurch wir zu Gott kommen).

7. Und die Gemächer, so beiderseits neben dem Tor waren, maß er auch, nach der Länge eine Rute und nach der Breite eine Rute; und der Raum zwischen den Gemächern war fünf Ellen weit. Und er maß auch die Schwellen am Tor neben der Halle von inwendig eine Rute.

Gemach: Deren auf jeglicher Seiten des Tors an den Mauern drei gewesen, in denen die Priester ihre priesterliche Kleider anlegten, wenn sie den Gottesdienst verrichten wollten, und nach Verrichtung desselben wiederum ablegten, ehe sie in den äußeren Vorhof hinaus gingen, wie später Kapitel 42. und 44. zu sehen. [Denn es sollen die Christen, so alle miteinander vor Gott Priester sind {1Petr 2} und Gott dem Herrn recht dienen wollen, den alten Menschen ausziehen oder anlegen, der durch Lüste in Irrtum sich verderbe, und den neuen Menschen anziehen, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit {Eph 4}.

8. Und er maß die Halle am Tor von inwendig eine Rute.

Halle: Welches, nämlich, gleichsam ein Vorgemach des inneren Hofes war, derselbe Platz hatte eine Rute in die Länge und eine in die Breite.

9. Und maß die Halle am Tor acht Ellen und seine Erker zwei Ellen und die Halle von inwendig des Tors.

Am Tor: Welches Vorgemach, nämlich, nach dem äußeren Hof hinaus gebaut war, das hatte in die Länge und Breite acht Ellen.

Erker: Deren es zwei hatte in eine jegliche Ecke des Vorgemachs eine, so zur Zierde daran gebaut gewesen, dieselben Erker haben jeglicher in die Länge und Breite zwei Ellen hatte, also dass es alles viereckig gewesen. [Es bedeutet aber solche Hallen oder Vorgemach mit ihren Erkern, dass diejenigen, welche das Predigtamt verwalten sollen, zuvor in guten Künsten unterrichtet werden, ehe sie das Predigtamt antreten).

10. Und der Gemächer waren auf jeglicher Seite drei am Tor gegen Morgen, je eins so weit als das andere; und standen auf beiden Seiten Erker, die waren gleich groß.

Gemach: Von denen kurz zuvor auch Anregung geschehen.

11. Danach maß er die Weite der Tür im Tor, nämlich zehn Ellen, und die Länge des Tors dreizehn Ellen.

Zehn Ellen: Denn es ist das Tor auswendig etwas weiter gewesen, als inwendig.

Länge: Das ist, die Höhe des Tores. [Solche Höhe aber und Breite hat bedeutet, dass man Christo dem Könige der Ehren die Tore der Welt auftun soll, auf dass er mit der Predigt des Evangeliums hinein ziehe, und selig mache alle, die an ihn glauben {Ps 24}.

12. Und vorne an den Gemächern war Raum auf beiden Seiten, je einer Elle; aber die Gemächer waren je sechs Ellen auf beiden Seiten.

Raum: Dass man vor den Gemachen Platz hatte, da man konnte auf und nieder spazieren gehen [Dadurch bedeutet wurde, dass man den Kirchendienern auch Platz lassen müsse, damit sie von der Arbeit sich wiederum erholen und erquicken können. Daher auch Christus zu seinen Aposteln sagte, kommt in einen wüsten Ort, und ruht ein wenig {Mk 6}.

Seiten: Nämlich, inwendig waren sie sechs Ellen weit, und sechs lange.

13. Dazu maß er das Tor vom Dache des Gemachs bis zu des Tors Dach, fünfundzwanzig Ellen breit; und eine Tür stand gegen der anderen.

Ellen breit: Das ist, der Platz, so von einem Gemach, bis zu dem anderen gegen über gerade hinaus ging, hatte fünfundzwanzig Ellen, und waren die Türen an den Gemachen, je eine gegen der anderen über. [Solche Ordnung der Kammern und Türen, bedeutet, dass im Predigtamt und in der Kirche alles ordentlich zugehen soll).

14. Er machte auch Erker sechzig Ellen und vor jeglichem Erker einen Vorhof am Tor ringsherum.

Sechzig Ellen: Das war die Höhe der Erker.

Am Tor: Das ist: Die Vorhöfe der Erker reichten bis ans Tor. Welches alles zu mehr Zierde angesehen und gemacht war. [Denn Gott ziert seine Kirche auf mancherlei Weise).

15. Und bis an die Halle am inneren Tor, da man hineingeht, waren fünfzig Ellen.

Fünfzig Ellen: Das ist, der ganze Platz des Hofes hatte fünfzig Ellen.

16. Und es waren enge Fensterlein an den Gemächern und Erkern hineinwärts, am Tor ringsumher. Also waren auch Fenster inwendig an den Hallen herum, und an den Erkern umher war Palmlaubwerk.

Hineinwärts: Das ist, die Fenster waren inwendig enger als auswendig. Denn dergestalt können die, so im Gemach sind, viel weiter um sich sehen, als die draußen sind, und durch die Fenster ins Gemach begehren hinein zu sehen. [Damit angezeigt wurde, dass die Kirchendiener eine völlige Erkenntnis der göttlichen Geheimnisse haben sollen als andere, denen sie zu regieren, und sie zu lehren vorgesetzt sind).

Palmlaubwerk: Zur Zierde. [Denn Gott ziert die treuen Kirchenlehrer in beiderlei Lehre des Gesetzes und des Evangeliums mit notwendigen Gaben des Heiligen Geistes, die zur Erbauung der Kirche vonnöten sind).

17. Und er führte mich weiter zum äußeren Vorhof; und siehe, da waren Kammern und ein Pflaster gemacht im Vorhof herum und dreißig Kammern auf dem Pflaster.

Kammern: In denen man aufbehalten konnte, was man zum Opfer bedurfte [Dadurch zu verstehen wurde, dass Gott das Kirchenamt versorgen, und in dieser Welt erhalten wolle).

Pflaster: Der Boden war nicht unsauber oder schlüpfrig, auch im äußeren Vorhofe, da das Volk zusammen kommen sollte. [Denn der Christen Glaube, wenn sie gleich Laien sind, besteht auf einen gewissen Grund des göttlichen Wortes).

18. Und es war das höhere Pflaster an den Toren, so lang die Tore waren, am niedrigen Pflaster.

Niedrigen Pflaster: Das ist, der Weg, so ziemlich breit gerade von einem Tor zum anderen ging, war etwas mehr erhöht, als das andere Pflaster auf beiden Seiten, welches etwas niedriger war, damit das Wasser ablaufen konnte, und der Vorhof nicht unsauber gemacht würde, oder voller Wasser stehen blieb. [Denn welche Gott einen angenehmen Gottesdienst leisten wollen, die müssen sich mit keinen unreinen Wandel besudeln).

19. Und er maß die Breite des untern Tors vor dem inneren Hofe, auswendig hundert Ellen, beide, gegen Morgen und Mitternacht.

Breite: Das ist, es ist von den Mauern des äußersten Vorhofs bis an die Mauern des inneren Vorhofes (gerade gegenüber) gewesen ein Platz, hundert Ellen breit.

20. Also maß er auch das Tor, so gegen Mitternacht lag, am äußeren Vorhofe, nach der Länge und Breite.

Also: Jetzt beschreibt der Prophet den äußeren Vorhof noch ausführlicher.

Mitternacht: Das hatte einerlei Maß mit dem Tor gegen Morgen, davon zuvor gesagt wurde. [Solche Tore bedeuten, dass auch die mitnächtigen Völker zur Erkenntnis Christi kommen werden, ob sie wohl ganz wild und unbändig sind).

21. Das hatte auch auf jeder Seite drei Gemächer und hatte auch seine Erker und Hallen, gleich so groß wie am vorigen Tor, fünfzig Ellen die Länge und fünfundzwanzig Ellen die Breite.

Gemach: In denen vielleicht solche Sachen aufbehalten wurden, die das Volk zum Gottesdienst benutzen müssen. [Denn wenn die wilden rohlosen Völker zu der Erkenntnis Christi kommen, so geben sie reichlich und willig zur Erhaltung des Evangeliums).

Wie am vorigen: [Denn die Heiden haben gleich so einen freien Zugang zu dem Heiland Christo, als die Juden, wie geschrieben steht. Es ist kein Unterschied unter den Juden und Griechen. Es nennt aber der Apostel Paulus die Griechen alle Heiden, an welchem Ort Landes sie auch sind. Denn es ist aller ein Gott und Herr, Reich über alle, die ihn anrufen. Weil wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll selig werden {Röm 10}.

22. Und hatte auch seine Fenster und seine Hallen und sein Palmlaubwerk, gleichwie das Tor gegen Morgen; und hatte sieben Stufen, da man hinaufging, und hatte seine Halle davor.

Gleichwie: [Denn es müssen alle Menschen auf einerlei Weise zum Himmelreich eingehen, wo sie anders wollen selig werden, sie kommen gleich her aus welchem Lande oder Ort sie wollen).

Stufen: [Dadurch bedeutet wurde, dass man in der Erkenntnis Gottes, und in der Frömmigkeit immer zunehmen soll, bis man zu einer solchen Vollkommenheit (die durch die siebte Zahl vorgebildet wird) kommt, wie dieselbe immer mehr in diesem Leben sein kann).

23. Und es war das Tor am inneren Vorhof gegen das Tor, so gegen Mitternacht und Morgen stand; und maß hundert Ellen von einem Tor zum anderen.

Hundert Ellen: Ist deswegen derselbe Vorhof ganz weit und groß gewesen. [Denn es sollten viele Heiden zur Erkenntnis Christi kommen).

Zum anderen: Nämlich, von dem Tor des inneren Vorhofes, das gegen Mitternacht stand, bis zu dem Tor des äußeren Vorhofes, auch gegen Mitternacht.

24. Danach führte er mich gegen Mittag, und siehe, da war auch ein Tor gegen Mittag; und er maß seine Erker und Hallen, gleich als die anderen.

Gegen Mittag: [Denn es sollten auch die Völker vom Mittag zu der christlichen Kirche versammelt werden).

Anderen: Also, dass an den Maßen und am Gebäude kein Unterschied war, sondern ein Ansehen hatte, wie die anderen Tore.

25. Die hatten auch Fenster und Hallen umher, gleichwie jene Fenster, fünfzig Ellen lang und fünfundzwanzig Ellen breit.

26. Und waren auch sieben Stufen hinauf und eine Halle davor und Palmlaubwerk an seinen Erkern auf jeglicher Seite.

27. Und er maß auch das Tor am inneren Vorhof gegen Mittag, nämlich hundert Ellen von dem einen Mittagstor zum anderen.

28. Und er führte mich weiter durch das Mittagstor in den inneren Vorhof; und maß dasselbe Tor gegen Mittag, gleich so groß wie die anderen,

Anderen] Es ist dies Tor den anderen an Größe und Gestalt allerdings gleich gewesen.

29. mit seinen Gemächern, Erkern und Hallen und mit Fenstern und Hallen daran, ebenso groß wie jene umher, fünfzig Ellen lange und fünfundzwanzig Ellen breit.

30. Und es ging eine Halle herum, fünfundzwanzig Ellen lang und fünf Ellen breit.

31. Die selbige stand vorne gegen den äußeren Vorhof und hatte auch Palmlaubwerk an den Erkern; es waren aber acht Stufen hinaufzugehen.

Stufen: Auf denen man, nämlich, aus dem äußeren Vorhof, in den inneren Vorhof der Priester gehen müsste. [Denn die Erkenntnis Gottes hat ihre unterschiedlichen Grade, und soll man in der Gottseligkeit immer zunehmen, auf dass wir von den zeitlichen Sachen je länger je mehr uns abziehen, und zu den himmlischen gewöhnen).

32. Danach führte er mich zum inneren Tor gegen Morgen und maß dasselbe, gleich so groß wie die anderen,

33. mit seinen Gemächern, Erkern und Hallen und ihren Fenstern und Hallen umher, gleich so groß wie die anderen, fünfzig Ellen lang und fünfundzwanzig Ellen breit.

34. Und hatte auch eine Halle gegen den äußeren Vorhof und Palmlaubwerk an den Erkern zu beiden Seiten und acht Stufen hinauf.

35. Danach führte er mich zum Tor gegen Mitternacht; das maß er, gleich so groß wie die anderen,

36. mit seinen Gemächern, Erkern und Hallen und ihren Fenstern und Hallen umher, fünfzig Ellen lange und fünfundzwanzig Ellen breit.

37. Und hatte auch eine Halle gegen den äußeren Vorhof und Palmlaubwerk an den Erkern zu beiden Seiten und acht Stufen hinauf.

38. Und unten an den Erkern an jedem Tor war eine Kammer mit einer Tür, darin man das Brandopfer wusch.

Nach Luther: Diese Kammern sind Gemache gewesen, die in den Evangelien Gazophylacia, Gotteskasten heißen, derselben waren viele, etliche für die Priester, Leviten, Sänger, darin sie legten ihr Geräte und Kleider. Etliche reiche Leute ihr Geld, Korn und anderes, so zum Opfer oder sonst zum Gottesdienst behalten wurde, wie fast bei uns die Sakristeien.

39. Aber in der Halle vor dem Tor standen auf jeglicher Seite zwei Tische, darauf man die Brandopfer, Sündopfer und Schuldopfer schlachten sollst.

Und Schuldopfer: Von diesen dreierlei Opfern findet man ausführlichen Bericht {3Mos 1v4 v7}.

40. Und herauswärts zur Seite, da man hinaufgeht zum Tor, gegen Mitternacht, standen auch zwei Tische und an der anderen Seite unter der Halle des Tors auch zwei Tische.

41. Also standen auf jeder Seite vor dem Tor vier Tische; das sind acht Tische zuhauf, darauf man schlachtete.

42. Und die vier Tische, zum Brandopfer gemacht, waren aus gehauenen Steinen, je anderthalb Ellen lange und breit und einer Elle hoch, darauf man legte allerlei Geräte, damit man Brandopfer und andere Opfer schlachtete.

Geräte: Als, Messer, Beil, Becken, darin man das Blut von den Tieren auffing, und andere Werkzeuge, die man in Zurüstung der Opfer haben musste.

43. Und es gingen Leisten herum, hineinwärts gebogen, einer Querhand hoch. Und auf die Tische sollte man das Opferfleisch legen.

Leisten: Damit nicht leicht etwas von dem Tisch herabfallen möchte. [Es bedeuten aber solche Tische das Predigtamt des Evangeliums. Und sind in vier Ecken der Hallen oder des Vorgemachs gesetzt worden, weil das Evangelium von Christo, der für uns am Kreuz geopfert wurde, sollte ausgebreitet werden in die vier Örter der Welt. Wo aber das Evangelium Christi rein gepredigt wird, da töten die Gläubigen den Alten Adam, und opfern sich selbst Gott zu einem angenehmen Opfer {Röm 12}. Zu solcher Tötung braucht Gott mancherlei Werkzeug, nämlich, Kreuz und Trübsal, die doch den Gottseligen ganz heilsam sind).

44. Und außen vor dem inneren Tor waren Kammern für die Sänger im inneren Vorhofe: eine an der Seite, neben dem Tor zur Mitternacht, die sah gegen Mittag; die andere zur Seite gegen Morgen, die sah gegen Mitternacht.

Sänger: Wie auch vor die anderen Priester, als bald folgen wird. [Es sind aber die Sänger in der Christenheit alle fromme und gottselige Leute, die Gott von Herzen für seine Guttaten Lob und Dank sagen, besonders, wenn sie von Herzen geistliche Psalmen singen {Kol 3}.

45. Und er sprach zu mir: Die Kammer gegen Mittag gehört den Priestern, die im Hause dienen sollen;

46. aber die Kammer gegen Mitternacht gehört den Priestern, so auf dem Altar dienen. Dies sind die Kinder Zadoks, welche allein unter den Kindern Levi vor den Herrn treten sollen, ihm zu dienen.

Zadok: Nämlich, des Hohepriesters Zadoks, der den König Salomo zum Könige gesalbt, Nachkommen, sind vor allen anderen Geschlechtern des Stammes Levi dazu gewidmet und verordnet, dass sie dem Herrn opfern sollen. [Denn gleichwie Gott der Eltern Missetat an den gottlosen Kindern straft. Also belohnt er auch der frommen Eltern Frömmigkeit an ihren frommen Kindern und Nachkommen). Denn Ab Jathar wurde von wegen der Kinder Eli als seiner Voreltern Bosheit, vom Hohepriesteramt verstoßen, und kam Zadok an seine statt {1Sam 1}.

47. Und er maß den Platz im Hause, nämlich hundert Ellen lang und hundert Ellen breit ins Gevierte; und der Altar stand eben vorne vor dem Tempel.

Altar: Darauf man opfern sollte. [Es ist aber kund, dass des Herrn Christi einiges Opfer, so er am Kreuz verrichtet hat, das Lösegeld sei für der ganzen Welt Sünde. Doch wird auch noch heutigen Tages dem Herrn mit seinem Maß geopfert, wenn das Evangelium von Christo gepredigt, und das Abendmahl des Herrn zur Stärkung des Glaubens oft empfangen wird).

48. Und er führte mich hinein zur Halle des Tempels und maß die Halle, fünf Ellen auf jeder Seite, und das Tor drei Ellen weit auf jeder Seite.

Halle: Welche Halle als ein Vorgemach vor der Tür des Tempels war.

Fünf Ellen: Nämlich, von der Säulen an zu messen, die mitten im Tor der Hallen stand, daran beide Flügel des Tores zusammen gingen.

Drei Ellen: Denn das Tor zwei Flügel hatte, wie man an großen Kirchentüren auch sieht, da in der Mitte eine Säule ist, daran die Flügel zusammen gehen: Solche Säule ist hier einer Ellen breit gewesen, wie aus dem folgenden zu lesen ist. [Es hat aber dieses zweifache Tor bedeutet, dass beide Juden und Heiden zu der Kirche Christi kommen werden).

49. Aber die Halle war zwanzig Ellen lang und elf Ellen weit und hatte Stufen, da man hinaufging; und Pfeiler standen unten an den Erkern, auf jeder Seite eine.

Elf Ellen: Denn weil (wie zuvor gemeldet) auf jeder Seite fünf Ellen waren, so musste die Mittelsäule eine Ellen breit sein, und also der ganze Platz der Hallen elf Ellen in der weite haben.

Stufen: [Denn man soll in der Erkenntnis Christi immer zunehmen, auf dass die Herzen je länger je mehr von den zeitlichen Dingen zu Gott erhoben werden).

Erkern: Denn es hat diese Halle auch ihre besonderen Erker auf den beiden Seiten in den Ecken, die waren mit Pfeilern untersetzt, auf dass sie desto stärker wären. [Solche Pfeiler bedeuteten, dass Christus seine Kirche unterhalte und befestige wider alle Anläufe des Satans).


Das 41. Kapitel


1. Zu Ende des vorigen Kapitels hatte der Prophet die Halle des Tempels mit ihrem Tor beschrieben, Jetzt wird auch der Tempel selbst mit seiner Tür und anderen Stücken vorgestellt.

1. Und er führte mich hinein in den Tempel und maß die Erker an den Wänden; die waren zu jeder Seite sechs Ellen weit, soweit das Haus war.

Erker: Welche an der Tür des Tempels inwendig zu beiden Seiten gewesen.

Haus war: Nämlich, der Tempel. Also dass die Erker inwendig im Tempel zur Zierde wie ein Schwibbogen anzusehen gewesen, gleichwie man inwendig in den Fürsten Gemachen pflegt schöne, hohe und breite, herrliche Türgestelle zu machen.

2. Und die Tür war zehn Ellen weit, aber die Wände zu beiden Seiten an der Tür waren jede fünf Ellen breit. Und er maß den Raum im Tempel; der hatte vierzig Ellen in die Länge und zwanzig Ellen in die Breite.

Wände: Das ist, der innere Platz vor der Tür inwendig war fünf Ellen lang, also, dass ein jeglicher Erker nach der Breite des Tempels zu rechnen, sechs Ellen, nach der Länge aber fünf Ellen hatte.

Raum: Nämlich, den Teil des Tempels, der das Heilige sonst genannt wurde.

3. Und er ging inwendig hinein und maß die Tür, zwei Ellen; und die Tür hatte sechs Ellen und die Weite der Tür sieben Ellen.

Inwendig: In den innersten Teil des Tempels, welches man das Allerheiligste zu nennen pflegte.

Zwei Ellen: Nämlich, auf jeglicher Seite der Tür vor dem Allerheiligsten war etwas wie ein Erker heraus gebaut zur Zierde, zwei Ellen weit.

Sechs Ellen: Also, dass ein jeglicher Flügel drei Ellen hatte, die in der Mitte an einer Säule auf und zu gemacht wurde, welche Säule eine Elle breit gewesen, daher die ganze Weite sieben Ellen hatte. Es beschreibt aber der Prophet die Türen so fleißig, auf dass wir der Tür, die zum Himmelreich führt, nicht vergessen sollen. Christus aber ist dieselbe Tür. Denn durch ihn haben wir einen Zugang zum Reich Gottes {Joh 10 14}.

4. Und er maß zwanzig Ellen in die Länge und zwanzig Ellen in die Breite am Tempel. Und er sprach zu mir: Dies ist das Allerheiligste.

Am Tempel: Nämlich, desselben Teils, so das Allerheiligste genannt wurde.

Allerheiligste: Darin der Hohepriester einmal im Jahr geht, des Volkes Sünde zu versöhnen. [Und hat solches innerstes Gebäude bedeutet, das Licht, darin Gott wohnt, zu welchem niemand kommen kann. Aber der Sohn Gottes ist mit dem Opfer seines Todes einmal in das Allerheiligste eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erworben {Hebr 9}.

5. Und er maß die Wand des Hauses, sechs Ellen hoch; darauf waren Gänge überall herum, geteilt in Gemächer, die waren überall vier Ellen weit.

Des Hauses: Nämlich, des Heiligen. [Die Steine, aus denen die Wand am Tempel Gottes erbaut wurde, sind die Christen, wie Petrus spricht: Auch ihr, als die lebendigen Steine, baut euch zum geistlichen Hause, und zum heiligen Priestertum {1Petr 2}.

Gemach: Das ist, auf den Gängen, so auswendig am Tempel herumgingen, waren Kammern, in denen sich die aufhielten, welche dem Gottesdienst abwarteten. [Denn Gott gibt den Frommen in dieser Welt ihren Unterschlupf, bis sie den Lauf ihres Berufes vollenden).

6. Und derselben Gemächer waren auf jeder Seite dreiunddreißig, je eins an dem anderen; und standen Pfeiler unten bei den Wänden am Hause überall herum, die sie trugen.

7. Und über diesen waren noch mehr Gänge umher, und oben waren die Gänge weiter, dass man aus den untern in die mittleren und aus den mittleren in die obersten ging.

Umher: Welches doch nur von drei Seiten des Hauses im Heiligen zu verstehen ist.

8. Und stand je einer sechs Ellen über dem anderen.

9. Und die Weite der oberen Gänge waren fünf Ellen, und die Pfeiler trugen die Gänge am Hause.

10. Und es war je von einer Wand am Hause zu der anderen zwanzig Ellen.

Zwanzig Ellen: Ist eben das, was zuvor im Anfang dieses Kapitel auch gesagt wurde, nämlich, die Weite des Hauses oder Tempels.

11. Und es waren zwei Türen an der Schnecke hinauf, eine gegen Mitternacht, die andere gegen Mittag; und die Schnecke war fünf Ellen weit.

Schnecken: Auf der man auf die Gänge hinauf ging.

Weit: Nämlich, in gerader Linie mitten durch.

12. Und die Mauer gegen Abend war fünfundsiebzig Ellen breit und neunzig Ellen lange.

Breit: Nämlich, die ganze Breite des Tempels gegen Abend mit den Kammern und Gängen.

13. Und er maß die Länge des Hauses, die hatte durchaus hundert Ellen, die Mauer und was daran war.

Hundert Ellen: Nämlich, des ganzen Gebäudes, zum Tempel gehörig. [Solcher großer Platz des Tempels bedeutet, dass die Kirche Gottes allen bußfertigen Sündern offen stehe, und jedermann, der hinein begehrt, Platz darin habe).

14. Und die Weite vorne am Hause gegen Morgen mit dem, was daran hing, war auch hundert Ellen.

Am Hause: Nämlich, des Vorhofes, so vor dem Tempel gegen Morgen war.

15. Und er maß die Länge des Gebäudes mit allem, was daran hing, von einer Ecke bis zur anderen; das war auf jeder Seite hundert Ellen mit dem inneren Tempel und Hallen im Vorhofe

16. samt den Türen, Fenstern, Ecken und den drei Gängen und Tafelwerk überall herum.

Herum: Das ist, das ganze Gebäude des inneren Tempels, samt den Hallen, Kammern, Fenstern, und Gängen, war alles miteinander zusammen gerechnet, hundert Ellen. Denn dies ist eine Wiederholung und Erklärung des vorigen.

17. Er maß auch, wie hoch von der Erde bis zu den Fenstern war, und wie breit die Fenster sein sollten; und maß vom Tor bis zum Allerheiligsten, auswendig und inwendig herum.

Und inwendig: Dass also ein jegliches sein gewisses Maß hatte, und alles wohl und ordentlich gemacht war. [Denn obwohl uns bedünkt, dass in der Kirche viel Unordentliches vorgeht, oder auch etwas geschieht, so ist doch vor den Augen Gottes alles so wohl geordnet und abgemessen, dass auch alle unsere Haare auf unserem Haupte gezählt sind).

18. Und am ganzen Hause herum, von unten an bis oben hinauf an der Tür und an den Wänden, waren Cherubim und Palmlaubwerk unter die Cherubim gemacht.

Cherubim: Nämlich, geflügelten Gestalten oder Angesichter, wie man die Engel malt. Die zur Zierde daran gemacht wurden.

Unter die: Also, dass je eines ums anderer war, nach einem Cherub, ein Palmenlaub. [Die Cherubim bedeuten die Kirchendiener, welche in der Schrift hin und wieder Engel, das ist, Boten Gottes, genannt werden. Dieselben sollen gegen ihrer ihnen anbefohlene Herde, und besonders gegen die zerschlagenen Gewissen, sich freundlich und holdselig erzeigen. Gegen die Ketzer aber und Tyrannen einen tapferen Helden- und Löwenmut haben, und sich nicht von dem Bekenntnis der Wahrheit göttliches Wortes abschrecken lassen. Welche also gesinnt sind, die werden den Palmenzweig, das ist, den Sieg erhalten und davon bringen. Darum ihnen auch beigelegt ist die Krone der Gerechtigkeit, wie Paulus spricht {2Tim 3}.

19. Und ein jeder Cherub hatte zwei Köpfe, auf einer Seite wie ein Menschenkopf, auf der anderen Seite wie ein Löwenkopf.

20. Vom Boden an bis hinauf über die Tür waren die Cherubim und die Palmen geschnitzt, desgleichen an der Wand des Tempels.

21. Und die Tür im Tempel war viereckig, und war alles artig ineinandergefügt.

Gefügt: [Denn die Kirche Christi ist nicht allein stark und fest gebaut, sondern auch hübsch und zierlich heraus gestrichen vor den Augen Gottes).

22. Und der hölzerne Altar war drei Ellen hoch und zwei Ellen lange und breit; und seine Ecken und alle seine Seiten waren hölzern. Und er sprach zu mir: Das ist der Tisch, der vor dem Herrn stehen soll.

Altar: Darauf man das Rauchfass stellen sollte, und das heilige Räucherwerk vor dem Herrn anzünden. [Dieser Altar deutet auf Christus, um welches willen unser Gebet und Danksagungen erhört werden, nach dem Spruch {Joh 15}. Was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben).

23. Und die Tür, beide, am Tempel und am Allerheiligsten,

24. hatte zwei Blätter, die man auf und zu tat.

Blätter: Oder Flügel, also dass eine Säule in der Mitte dazwischen war, daran sie zugingen.

25. Und waren auch Cherubim und Palmlaubwerk daran, wie an den Wänden. Und davor waren starke Riegel, vor die Halle {Hes 40v26}.

Riegel: Damit man die Türen zuriegelte, dass nicht jedermann leicht hinein laufen konnte. [Denn die Kirche Christi ist unüberwindlich {Röm 8}.

26. Und waren enge Fenster und viel Palmlaubwerks herum an der Halle und an den Wänden.

Enge Fenster: Nämlich, im Tempel. [Denn es ist Stückwerk, was wir in diesem Leben erkennen {1Kor 13}. Also dass unsere Erkenntnis in diesem Leben nicht vollkommen ist).

Herum: (In dem ganzen Tempel). [Denn die ganze Kirche Christi erhält einen gewissen Sieg, wider den Teufel].


Das 42. Kapitel


1. Folgt von den Gemachen der Priester, darin sie gegessen. Auch von ihren geistlichen und täglichen Amtskleidern. v. 1. 2. Und von der Größe des äußeren Vorhofes. v. 15.

1. Und er führte mich hinaus zum äußeren Vorhof gegen Mitternacht unter die Kammern, so gegen dem Gebäude, das am Tempel hing, und gegen dem Tempel zu Mitternacht lagen,

2. welcher Platz hundert Ellen lang war von dem Tor an gegen Mitternacht und fünfzig Ellen breit.

Platz: Der, nämlich, zwischen dem Tempel und den Kammern war.

3. Zwanzig Ellen waren gegen den inneren Vorhof und gegen das Pflaster im äußeren Vorhof und dreißig Ellen von einer Ecke zur anderen.

4. Und inwendig vor den Kammern war ein Platz zehn Ellen breit vor den Türen der Kammern, das lag alles gegen Mitternacht.

5. Und über diesen Kammern waren andere, engere Kammern; denn der Raum auf den unteren und mittleren Kammern war nicht groß.

6. Denn es war drei Gemächer hoch, und hatten doch keine Pfeiler, wie die Vorhöfe Pfeiler hatten, sondern sie waren schlecht aufeinandergesetzt.

7. Und der äußere Vorhof war umfangen mit einer Mauer, daran die Kammern standen; die war fünfzig Ellen lang.

Kammern: Es wurde aber in denselben allerlei Sachen aufbehalten, die man zum Gottesdienst brauchte. [Und wurde dadurch bedeutet, dass Gott geben und mitteilen würde, was zur Erhaltung des Predigtamts vonnöten ist).

8. Und die Kammern standen nacheinander, auch fünfzig Ellen lang, am äußeren Vorhofe; aber der Raum vor dem Tempel waren hundert Ellen lange.

Hundert Ellen: Wie kurz zuvor auch gemeldet wurde.

9. Und unten vor den Kammern war ein Platz gegen Morgen, da man aus dem äußeren Vorhof ging.

Ging: Das ist, vor den untersten Kammern war ein Raum, dadurch man aus dem äußeren Vorhof von norgenwärts her zu den Kammern kommen konnte.

10. Und an der Mauer von Morgen an waren auch Kammern.

11. Und war auch ein Platz davor, wie vor jenen Kammern, gegen Mitternacht; und war alles gleich mit der Länge, Breite und allem, was daran war, wie oben an jenen.

12. Und gegen Mittag waren auch eben solche Kammern mit ihren Türen; und vor dem Platz war die Tür gegen Mittag, dazu man kommt von der Mauer, die gegen Morgen liegt.

Eben solche: Sie waren den vorigen allerdings gleich, die gegen Morgen und gegen Mitternacht standen. [Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern der Ordnung).

13. Und er sprach zu mir: Die Kammern gegen Mitternacht und die Kammern gegen Mittag gegen dem Tempel, die gehören zum Heiligtum, darin die Priester essen, wenn sie dem Herrn opfern das allerheiligste Opfer. Und sollen die allerheiligsten Opfer, nämlich Speiseopfer, Sündopfer und Schuldopfer, dort hineinlegen; denn es ist eine heilige Stätte.

Essen: Nämlich, was von dem Opfer der Versöhnung, so das Allerheiligste genannt wurde, überblieb. [Gleichwie aber die Priester von eben demselben Opfer aßen, damit Gott versöhnt wurde: Also essen die Christen, welche alle vor Gott Priester sind, eben denselben Christus, der auf dem Altar des Kreuzes das Opfer gewesen zur Versöhnung der ganzen Welt Sünden, im Heiligen Abendmahl, zum Gedächtnis seines Leidens, und dass sie im neuen und geistlichen Leben erhalten werden. Es soll aber Christus an einer heiligen Stätte gegessen werden. Das ist, wir sollen nicht zum Abendmahl des Herrn gehen mit unreinem und unbußfertigem Herzen).

Legen: Nämlich, in die heiligen Kammern werden sie solche Sachen aufbehalten, davon man die allerheiligsten Opfer anzurichten pflegt, von denen im dritten Buch Mose ausführlich gehandelt wird.

Heilige Stätte: Die dazu geordnet ist, dass man heilige Sachen darin aufbehalten soll.

14. Und wenn die Priester hineingehen, sollen sie nicht wieder aus dem Heiligtum gehen in den äußeren Vorhof, sondern sollen zuvor ihre Kleider, darin sie gedient haben, in denselben Kammern weglegen, denn sie sind heilig; und sollen ihre anderen Kleider anlegen und alsdann heraus unter das Volk gehen.

Hinein gehen: Nämlich, im Tempel, dass sie mit den heiligen Kleidern angetan sind, den Gottesdienst zu verrichten.

Sind heilig: Nämlich, die Kleider, weil sie zu heiligen Sachen beim Gottesdienst gebraucht werden, und dazu geordnet sind.

Volk gehen: In den äußeren Vorhof. [Dass aber dem Propheten besondere Kammern zur Aufbehaltung der heiligen Kleider im Gesicht gezeigt wurde, hat Gott nicht damit wollen zu verstehen geben, als ob man die levitischen Gebräuche im Neuen Testament wieder anrichten soll. (Denn das wäre der Lehre Christi und der Apostel zuwider) sondern das hat er wollen lehren, dass die Christen, so alle Priester vor Gott sind, wenn sie ihm recht dienen wollen, den Alten Adam ablegen und ausziehen sollen, der durch Lüste in Irrtum sich verderbe, und den neuen Menschen anziehen, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit {Eph 4}.

15. Und da er das Haus inwendig ganz gemessen hatte, führte er mich heraus zum Tor gegen Morgen und maß von demselbigen überall herum.

Haus: Nämlich, den Tempel, von dem bisher ausführlich gesagt wurde.

Herum: Das ist, er maß die ganze Mauer von einer Seite des Tors an, das gegen Morgen war, bis er zu der anderen Seite herum wieder an dasselbe Tor kam. Und begreift solche äußerste Mauer den äußeren Vorhof in sich, darin sich der gemeine Mann versammelte.

16. Gegen Morgen maß er fünfhundert Ruten lang

Ruten lang: Das ist, die Länge der Mauern hatte auf jeder Seite fünfhundert Ruten. So ist zu Anfang, da dies Gebäude im 40. Kapitel beschrieben wird, gesagt wurde, dass eine solche Messrute sechs Ellen lang gewesen, dazu eine jede Elle einer Handbreit länger gewesen, als eine gemeine Elle. Daraus zu lesen ist, wie ein weiter Platz des äußeren Vorhofes muss gewesen sein, darin das Volk solle zusammen kommen. [Dadurch bedeutet wurde, dass alle Gläubige einen freien Zugang zu Gott und zu dem Heiland Christo haben, an welchem Ort der Welt sie auch wohnen).

17. und gegen Mitternacht maß er auch fünfhundert Ruten lang,

18. desgleichen gegen Mittag auch fünfhundert Ruten.

19. Und da er kam gegen Abend, maß er auch fünfhundert Ruten lang.

20. Also hatte die Mauer, die er gemessen, ins Gevierte auf jeder Seite herum fünfhundert Ruten, damit das Heilige von dem Unheiligen unterschieden wäre.

Unterschieden: [Solche Unterscheidung des Heiligen vom Unheiligen gibt zu verstehen, dass alle Menschen, so außer der Kirche Gottes leben, vor Gott unrein und ein Gräuel sind, wenn sie gleich noch so gelehrt, weise, tugendhaft oder auch mächtig wären).


Das 43. Kapitel


1. Des neuen und geistlichen Tempels Herrlichkeit wird beschrieben. v. 1. 2. Und Ursache angezeigt, warum Gott aus dem vorigen Tempel zu Jerusalem gewichen sei. v. 10. 3. Danach wird gehandelt von dem geistlichen Gottesdienst der geistlichen Israeliten. v. 12. 4. Endlich wird die Einweihung des Tempels und Altars, samt den Opfern, so man dort opfern soll, beschrieben. v. 18.

1. Und er führte mich wieder zum Tor gegen Morgen.

2. Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam von Morgen und brauste, wie ein großes Wasser braust; und es wurde sehr licht auf der Erde von seiner Herrlichkeit.

Herrlichkeit: Das ist, ich sah durch dasselbe Tor, das gegen Morgen war, Christus auf seinem Triumphwagen, in großer Herrlichkeit einziehen, wie ich ihn vor etlichen Jahren auch gesehen hatte. [Denn Jesus Christus ist der wahre Gott Israels, das ist, aller, die seinem Evangelium glauben).

Brauste: Das ist, das Rasseln der Tiere und des Triumphwagens machte ein Geräusch, wie ein großes Wasser zu rauschen pflegt. [Dadurch bedeutet wurde, dass der Schall des Evangeliums weit und breit würde gehört werden).

Licht: Denn das Licht des Evangeliums, damit Christus die Welt er leuchtet, ist ganz hell, und erleuchtet die Auserwählten, welche es auch lebendig macht, die Verkehrten aber blendet und tötet es {2Kor 4}. Welches letzte doch nicht aus Mangel des Evangeliums, sondern der Zuhörer geschieht).

3. Und war eben wie das Gesicht, das ich gesehen hatte am Wasser Chebar, da ich kam, dass die Stadt soll zerstört werden. Da fiel ich nieder auf mein Angesicht {Hes 1v4}.

Kam: Das ist, da mich Gott schickte, dass ich den Gefangenen zu Babel verkündigen soll, wie die Stadt Jerusalem sollte erobert und zerstört werde, inmassen zu Anfang dieses Buches gemeldet.

Fiel: Weil ich vor dem Anblick einer solchen herrlichen Majestät mich entsetzte. [Denn die göttliche Majestät ist zu groß, dass sie die menschliche Schwachheit nicht ertragen kann).

4. Und die Herrlichkeit des Herrn kam hinein zum Hause durch das Tor gegen Morgen.

Hause: Nämlich, in den Tempel, mit seinen Triumphwagen.

5. Da hob mich ein Wind auf und brachte mich in den inneren Vorhof; und siehe, die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus.

Erfüllt: Weil der Sohn Gottes mit seinem Triumphwagen darin gezogen war.

6. Und ich hörte einen mit mir reden vom Hause heraus. Und ein Mann stand neben mir,

7. der sprach zu mir: Du Menschenkind, das ist der Ort meines Throns und die Stätte meiner Fußsohlen, darin ich ewig will wohnen unter den Kindern Israel. Und das Haus Israel soll nicht mehr meinen heiligen Namen verunreinigen, weder sie noch ihre Könige, durch ihre Hurerei und durch die Leichen ihrer Könige in ihren Höhen,

Der sprach: Das ist, eben derselbe, der aus dem Tempel mit mir redete, stand auch neben mir.

Wohnen: Hier (spricht der Sohn Gottes) will ich meinen Sitz haben, und der Demütigen Gebet erhören, die mir gleichsam mit großer Ehrerbietung zu Fuß fallen, hier will ich mich alle Zeit finden lassen, und als in meiner Behausung daheim sein, auf dass ich meines Volkes Wohlfahrt befördere. [Weil aber ohne Zweifel durch diesen Tempel, der dem Propheten Hesekiel im Gesicht gezeigt wurde, die Kirche Christi vorgebildet ist, so folgt daraus, dass Christus Gott und Mensch, alle Zeit bei seiner Kirche sei, sie regiere, rette, und schütze. Denn der auf dem Thron gesessen, hatte eines Menschen Gestalt, wie oben Kapitel 1. zu sehen).

Und: In den folgenden Worten verheißt Christus, dass er seine Kirche erhalten wolle. Denn dass er die Israeliten lasse gefangen wegführen, sei nicht darum geschehen, dass er sie gehasst, sondern um ihrer großen Sünde willen. Als wollte er sprechen, ich will meine Kirche mit meinem Heiligen Geiste regieren, dass die christliche Religion durch sie nicht soll verunehrt oder entheiligt werden, gleichwie vorzeiten die Israeliten und ihre Könige meine Religion verunreinigt haben: Welche mit Abgötterei, als mit einer geistlichen Hurerei, meinen Tempel besudelt, und ihre Gräber neben demselben zurichten lassen, auch Kapellen, welche sie Höhen zu nennen pflegen, daran gebaut. [Obwohl es nun heutigen Tages nicht Unrecht ist, dass vornehme und um die Kirche oder auch weltliches Regiment wohl verdiente Leute, in der Kirche begraben werden, auf dass ihr Gedächtnis auf die Nachkommen desto länger bleibe, so findet man doch deren wohl, die nach ihrem Tode in der Kirche begehren zu liegen, da sie bei ihren Lebzeiten selten hineinkommen, oder auch was darin gehandelt, sich wenig geachtet haben).

8. welche ihre Schwelle an meine Schwelle und ihre Pfosten an meine Pfosten gesetzt haben, dass nur eine Wand zwischen mir und ihnen war, und haben also meinen heiligen Namen verunreinigt durch ihre Gräuel, die sie taten, darum ich sie auch in meinem Zorn verzehrt habe.

Ihre Schwellen: (Nach Luther) Das ist, die Könige haben Kapellen aufgerichtet neben dem Tempel, darin ihr Begräbnis war, und wurden dabei auch verbotene Gottesdienst gehalten.

Gesetzt: Das ist, sie haben ihre abgöttischen Kapellen ganz nahe an meinem Tempel gebaut, also dass sie am Tempel gestanden, und nur eine Wand oder Mauer die wahre und falsche Religion von einander geschieden hat. [Wie man im Sprichwort sagt: Wo Gott eine Kirche baut, da baut der Teufel eine Kapelle daneben, das ist, wo die rechte Religion gepredigt wird, da führt der Teufel entweder Abgötterei ein, oder streut doch Ketzereien aus, damit er den rechten Gottesdienst fälsche).

Gräuel: Das ist, durch ihre Abgötterei, die vor Gott der größte Gräuel ist. [Denn obgleich die falsche Religion oft einen großen Schein der Heiligkeit hat, so ist sie doch nichts anderes, als eine gräuliche Gotteslästerung und Entheiligung des göttlichen Namens).

Verzehrt: Ich hab sie vertilgt, weil sie mich zu billigem Zorn gereizt hatten. [Denn um der Abgötterei willen werden endlich die Königreiche zerstört, wenn die Götzendiener keiner guten und heilsamen Ermahnung mehr folgen wollen).

9. Nun aber sollen sie ihre Hurerei und die Leichen ihrer Könige ferne von mir wegtun; und ich will ewig unter ihnen wohnen.

Wohnen: Das ist, zukünftig wird die Kirche im Neuen Testament sich enthalten von der Abgötterei, und die Religion nicht verunreinigen, darum will ich mich alle Zeit bei meiner christlichen Kirche finden lassen. [Welches von der Juden und Heiden Bekehrung zu Christo zu verstehen ist. Denn damals haben die Juden ihren Gottlosen Aberglauben, und die Heiden ihre Abgötterei fahren lassen, und sind die Auserwählten entweder vor der Abgötterei befreit geblieben, oder haben doch nicht darin beharrt. Aber die päpstliche Abgötterei kann mit diesem und dergleichen Sprüchen der Heiligen Schrift nicht verstrichen werden, denn die sind nicht immer die Kirche, welche sich für Säulen der Kirche rühmen. Darum kein Wunder ist, dass sie nicht allein in die geistliche Hurerei, nämlich, in die Abgötterei, sondern auch in schändliche leibliche Unzucht geraten sind).

10. Und du, Menschenkind, zeige dem Hause Israel den Tempel an, dass sie sich schämen ihrer Missetat, und lass sie ein reinlich Muster davon nehmen.

Zeige] Das ist, predige den Israeliten von diesem neuen Tempel, den ich zu meines Namens Ehre in der Welt aufrichten will, auf dass sie verstehen, wie sie mit ihren Sünden und Ungehorsam Ursache dazu geben haben, dass ich den vorigen Tempel von den Feinden verwüsten lassen.

Missetat: Die sie vor der Zeit und bisher begangen haben, und Busse tun.

Nehmen: Also, dass sie aus deinen Reden sich ein Muster einbilden eines neuen künftigen Tempels.

11. Und wenn sie sich nun alles ihres Tuns schämen, so erzeige ihnen die Weise und Muster des Hauses und seinen Ausgang und Eingang und alle seine Weise und alle seine Sitten und alle seine Weise und alle seine Gesetze und schreibe es ihnen vor, dass sie alle seine Weise und alle seine Sitten halten und danach tun.

Schämen: Dass sie ihre Bosheit und Übertretungen bereuten, damit sie mich erzürnt haben.

Eingang: Die Wege und Türen, da man zu diesem Tempel geht.

Sitten: Die Gebräuche und Rechte, so man in diesem Hause oder Tempel wird müssen in Acht haben.

Weise: Die Ordnung, so man bei dem Gottesdienst und mit den Opfern halten muss.

Schreibe: Zeichne es alles fleißig auf, und lass sie zu sehen, damit nichts in Vergess gestellt werde.

Tun: [Wille deswegen Gott, dass den Sündern, die ihre Sünden erkennen, das Evangelium vom Reich Christi verkündigt werde, auf dass sie der Vergebung ihrer Sünden vergewissert und versichert, die übrige Zeit ihres Lebens nicht nach den Gelüsten ihres Fleisches, sondern in dem rechten Gottesdienst, und Gehorsam nach dem Willen Gottes, zubringen).

12. Das soll aber das Gesetz des Hauses sein: Auf der Höhe des Berges, soweit es umfangen hat, soll es das Allerheiligste sein; das ist das Gesetz des Hauses.

Gesetze: Es soll mit diesem Hause oder Tempel die Gelegenheit haben, dass es alles überall, soweit der Berg reicht, der ganze Umkreis des Hauses für das Allerheiligste soll gehalten werden, als wenn es der innerste Teil des Tempels wäre. [Denn die ganze rechte Kirche Christi ist mit seinem Blut durch den Glauben geheiligt, dass Gott darin wohnt. Darum sie auch überall, im ganzen Wandel und Leben, der Heiligkeit, Reinigkeit, und Gottseligkeit sich bemühen soll, dass sie an allen Orten heilig scheine. Welches letzten allererst in jener Welt vollkommen sein wird).

13. Dies ist aber das Maß des Altars nach der Elle, welche einer Hand breit länger ist denn eine gemeine Elle: Sein Fuß ist eine Elle hoch und eine Elle breit; und der Altar reicht hinauf bis an den Rand, der ist eine Spanne breit umher; und das ist seine Höhe.

Altars: Nämlich, des Brandopferaltars, der im Hof der Priester sein wird.

Reicht: Das ist, der Altar hat viele Absätze gehabt, bis an das oberste Blatt. Gleichwie man mit schönem Gesims ein Gebäude absetzt, da etliche Gesimse außen herum gehen, etliche einwärts zierlich vertieft sind.

14. Und von dem Fuß auf der Erde bis an den untern Absatz sind zwei Ellen hoch und eine Elle breit; aber von demselben kleinen Absatz bis an den größeren Absatz sind es vier Ellen hoch und eine Elle breit.

Ellen breit: Und da ist wiederum ein breites dickes Leistenwerk herum gegangen.

15. Und der Harel vier Ellen hoch und vom Ariel überwärts vier Hörner.

Nach Luther: Harel heißt Gottes Berg, Ariel Gottes Löwe, so nennt er das Oberteil des Altars, darauf man opferte. Asara heißt er den unteren oder kleineren, und den größeren Absatz am Altar, da man konnte stehen, etliche auf den unteren, etliche auf den höheren. So heißt er den obersten Platz des Altars auch Asara. Asara heißt sonst auf Deutsch, Hilfe oder Beistand, nach der Sprachen Art. Den Fuß des Altars nennt er einen Schoss oder Bosem.

Hörner: Oder kleine Säulen, die zur Zierde auf den vier obersten Ecken des Altars, gesetzt waren, gleichwie wir künstlich geschnitzte Äpfel oder Kugeln auf etwas, zu oberst, zum Wohlstand setzen. Was aber die Wörtlein Harel und Ariel belangt, halt ich es dafür, dass sie hier einerlei Bedeutung haben, denn die Propheten lassen bisweilen einen Buchstaben außen. Sonst heißt Harel Gottes Berg, Ariel aber Gottes Löwe, und nennt der Prophet Jesaja Kapitel 29. Die Stadt Jerusalem und den Brandopferaltar auch mit solchem Namen, darum dass die Stadt unüberwindlich war, als ein Löwe Gottes, so lange die reine Lehre darin bleib. [Durch den Altar aber wurde Christus bedeutet, durch dessen Sieg, als des Löwen vom Stamm Juda, wir auch unüberwindlich sind wider den Tod, Teufel, und Hölle, wenn wir das Opfer Christi, welches er am Kreuz verrichtet, aus wahrem Glauben uns zueignen werden. Die vier Hörner auf den vier Ecken bedeuten, dass das Evangelium von Christo, der für uns geopfert wurde, in alle vier Örter der Welt soll ausgebreitet werden. Denn Christus nicht allein durch die Opfer, sondern auch durch den Altar vorgebildet wurde, weil unsere geistlichen Opfer, als da sind, das Gebet, die Tötung des sündlichen Fleisches, die Almosen, sind Gott nicht angenehm, wo wir uns nicht mit Glauben auf unseren Heiland Christus verlassen, denn um seinetwillen sind wir mit unserem neuen Gehorsam Gott angenehm. Ein solches großes Gebäude und künstliche Arbeit des Altars, so nicht allein zur Zierde, sondern auch zur Stärke angesehen war, hat auch bedeutet, dass das Evangelium von dem gekreuzigten Christo durch keine menschliche Kraft noch Gewalt könne unterdrückt werden).

16. Der Ariel war aber zwölf Ellen lang und zwölf Ellen breit ins Gevierte.

Zwölf Ellen: Nämlich, am oberen Teil, aber doch nicht ganz zu oberst.

17. Und der oberste Absatz war vierzehn Ellen lang und vierzehn Ellen breit ins Gevierte; und ein Rand ging überall umher, einer halben Elle breit; und sein Fuß war eine Elle hoch, und seine Stufen waren gegen Morgen.

Oberste Absatz: Darauf man das Feuer machte, und die Opfer legte.

Umher: Nämlich, um den obersten Absatz, der dazu gemacht war, dass nichts von den Opfern oder Feuer herabfiele.

Stufen: Darauf die Priester zum Altar hinauf stiegen. Wie aber solche Stufen an dem Altar gemacht wurden, meldet die Schrift nicht. Ist aber doch kein Zweifel, sie sind ganz künstlich und zierlich daran gestanden.

18. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, so spricht der Herr Herr: Dies sollen die Sitten des Altars sein des Tages, da er gemacht ist, dass man Brandopfer darauf lege und das Blut darauf sprenge.

Und: Folgt jetzt von der Einweihung des Altars.

Er sprach: Nämlich, der Sohn Gottes, welcher in menschlicher Gestalt mich herumführte, und alles zeigte.

Sitten: Das man diese Zeremonien halten soll, wenn man den Altar einweihen will. Denn so bald der Altar fertig wurde, dass man darauf opfern kann, soll er zuvor, ehe man die Opfer darauf verrichtet, eingeweiht werden.

19. Und den Priestern von Levi aus dem Samen Zadok, die da vor mich treten, dass sie mir dienen, spricht der Herr Herr, sollst du geben einen jungen Farren zum Sündopfer.

Von Levi: Die aus dem Stamm Levi, und aus keinem anderen gebürtig sind.

Zadok: Des Hohepriesters, der zu des Königs Salomo Zeiten das Hohepriesteramt verwaltet hat.

Sündopfer: Dass man ein solches Opfer davon zurichte, der den Altar aussöhne und reinige, gleichwie sonst eines Menschen Unreinigkeit und Sünde mit einem Opfer muss versöhnt werden.

20. Und von desselben Blut sollst du nehmen und seine vier Hörner damit besprengen und die vier Ecken an dem obersten Absatz und um die Leisten herum; damit sollst du ihn entsündigen und versöhnen.

Entsündigen: Das ist, von aller Unsauberkeit reinigen. Warum man aber den Altar also entsündigen und reinigen müsse, wird bald später gesagt.

21. Und sollst den Farren des Sündopfers nehmen und ihn verbrennen an einem Ort im Hause, das dazu verordnet ist, außerdem Heiligtum.

Verordnet: Dies ist also zu verstehen: Von dem jungen Farren wurde auf dem Altar alles Fett verbrannt, als das Netz über der Leber, die zwei Nieren, mit dem Fett, das daran hing. Das Fleisch aber, Fell, und Mist wurde an einem anderen Ort außerdem Heiligtum verbrannt {2Mos 25}. [Denn Christus hat gelitten für unsere Sünde außer der Stadt Jerusalem, inmaßen der Apostel zu Hebräer solche Opfer also auslegt (Kapitel 13).

22. Aber am anderen Tage sollst du einen Ziegenbock opfern, der ohne Wandel sei, zu einem Sündopfer und den Altar damit entsündigen, wie er mit dem Farren entsündigte ist.

Sündopfer: Das ist, du sollst ihn eben auf die Weise opfern, gleichwie man andere Opfer zu opfern pflegt für der Menschen Sünde zu versöhnen, also soll es auch halten in der Entsündigung und Reinigung des Altars.

Damit: Nämlich, mit der Opferung und Besprengung des Blutes vom Ziegenbock.

23. Und wenn das Entsündigen vollendet ist, sollst du einen jungen Farren opfern, der ohne Wandel sei, und einen Widder von der Herde ohne Wandel.

Ohne Wandel: [Denn es musste der, welcher alle unser Unreinigkeit mit dem Opfer seines Leibes versöhnen soll, von aller Bosheit und Unreinigkeit befreit sein).

24. Und sollst sie beide vor dem Herrn opfern; und die Priester sollen Salz darauf streuen und sollen sie also opfern dem Herrn zum Brandopfer.

Vor dem Herrn: Das ist, auf dem Brandopferaltar, der vor dem Tempel des Herrn stand, da Gott versprochen hatte, dass er gegenwärtig sein und wohnen wollte.

Salz: [Christus aber ist das Salz, um welches willen wir Gott dem Vater wohl Geschmack und angenehm werden, der uns auch vor der ewigen Fäule und Verderben bewahrt).

25. Also sollst du sieben Tage nacheinander täglich einen Bock zum Sündopfer opfern; und sie sollen einen jungen Farren und einen Widder von der Herde, die beide ohne Wandel sind, opfern.

26. Und sollen also sieben Tage lang den Altar versöhnen und ihn reinigen und seine Hände füllen.

Füllen: Das ist, sie sollen ihn tauglich machen, dass man darauf opfern könne. Gleichwie von den Priestern im Gesetz gesagt wurde, dass man ihnen die Hände füllte, wenn sie mit besonderen Zeremonien und Opfern zum Gottesdienst geweiht wurden.

27. Und nach denselben Tagen sollen die Priester am achten Tage und später für und für auf dem Altar opfern eure Brandopfer und eure Dankopfer, so will ich euch gnädig sein, spricht der Herr Herr.

Dankopfer: Mit denen ihr eure Dankbarkeit gegen Gott erzeigt, für die empfangenen Wohltaten.

Gnädig sein: Dass ihr mir lieb und angenehm seid. [Was aber die Aussöhnung des Altars betrifft, wurde damit angedeutet, dass Christus, der durch den Altar vorgebildet wurde, ganz rein sein würde von allen Sünden. Denn er hat die Beschneidung angenommen, und nach seiner Mutter Kindbett, das Opfer für die Reinigung lassen geschehen, nicht dass er mit einiger Unreinigkeit befleckt gewesen, sondern weil er fremde, nämlich, des ganzen menschlichen Geschlechts Sünden zu versöhnen auf sich genommen hatte. Die Priester aber im Neuen Testament, das ist, die Christen {1Petr 2}, opfern auf dem Altar Christo (aus Glauben an ihn) nicht zwar, dass sie sein Versöhnungsopfer wiederholten, (welches eine gräuliche Tat ist) sondern, sie opfern sich selbst dem Herrn, wenn sie ihr sündliches Fleisch töten, und sich ganz und gar unter dem Gehorsam Christi ergeben {Röm 12}. Ja sie opfern Gott auch Gebet und Danksagungen, und dienen dem Nächsten mit ihren Gütern. Solche Opfer gefallen Gott wohl {Hebr 13}. Und solches Volk liebt Gott um Christi seines lieben Sohnes willen, um welches willen wir auch geliebt werden {Eph 1}.


Das 44. Kapitel


1. Erstlich wird von dem Tor des Tempels gegen Morgen geredet, welches niemand als Gott und dem Fürsten offen stehen soll. v. 1. 2. Danach dass die Unbeschnittenen und Unreinen nicht sollen ins Haus des Herrn geführt werden. v. 9. 3. Und dass die Leviten, welche Abgötterei getrieben, ihres Amtes sollen entsetzt, und zu einem geringeren Stand geordnet werden. v. 10.

1. Und er führte mich wiederum zu dem Tor des äußeren Heiligtums gegen Morgen; es war aber zugeschlossen.

Des äußeren: Das ist, durch welches Tor man in den äußeren Vorhof ging.

2. Und der Herr sprach zu mir: Dies Tor soll zugeschlossen bleiben und nicht aufgetan werden; und soll niemand da durchgehen, ohne allein der Herr, der Gott Israels, soll dadurch gehen; und soll zugeschlossen bleiben.

Nicht aufgetan: Dass das Volk dadurch nicht aus oder eingehe.

Gott Israel: Wie er denn zum selben hinein gezogen war, als im vorhergehenden Kapitel steht.

3. Doch den Fürsten ausgenommen; denn der Fürst soll darunter sitzen, das Brot zu essen vor dem Herrn; durch die Halle soll er hineingehen und durch die selbige wieder herausgehen.

Zu essen: Dass er da ein Gastmahl halte, nach vollbrachtem Opfer. [Und halt ich es dafür, dass durch dies verschlossene Tor der Leib der allerheiligsten Jungfrauen Maria vorgebildet wurde, dadurch unversehrt der Jungfrauenschaft, der Gott und Fürst des Friedens, Jesus Christus, in diese Welt gekommen ist).

4. Danach führte er mich zum Tor gegen Mitternacht vor das Haus; und ich sah, und siehe, des Herrn Haus wurde voll der Herrlichkeit des Herrn; und ich fiel auf mein Angesicht.

Vor das Haus: Dass ich mit dem Angesicht gegen den Tempel gewandt war.

Herrlichkeit: Das ist, ich sah Christus auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit im Tempel sitzen auf dem Triumphwagen. [Denn Christus ist bei seiner Kirche alle Tage, bis an der Welt Ende {Mt 28}.

Angesicht: Weil ich mich vor solcher großen Majestät entsetzte. [Denn die menschliche Schwachheit kann die göttliche Majestät nicht ertragen).

5. Und der Herr sprach zu mir: Du Menschenkind, merke eben darauf und siehe und höre fleißig auf alles, was ich dir sagen will von allen Sitten und Gesetzen im Hause des Herrn; und merke eben, wie man hineingehen soll, und auf alle Ausgänge des Heiligtums.

Eben darauf: Hab gut Acht darauf, was du siehst und hörst.

Gesetzen: Die man bei Verrichtung des Gottesdienstes halten soll.

Ausgänge: Das ist, gib gut Achtung darauf, wie ich will, dass es an einem jeden Ort des Tempels soll gehalten werden. Denn der Eingang und Ausgang eines Dinges wird in der Schrift oftmals für ein Tun oder Handlung genommen und verstanden. [Und hat man hierbei zu lernen, dass der Gottesdienst nicht müsse nach Menschen Gedünken angerichtet werden, sondern nach Gottes Wort. Denn es wird Gott mit Menschen Geboten vergeblich geehrt {Mt 15}.

6. Und sage dem ungehorsamen Hause Israel: So spricht der Herr Herr: Ihr macht es zu viel, ihr vom Hause Israel, mit allen euren Gräueln;

Zu viel: Es ist Zeit, dass ihr einmal von eurem gottlosen Wesen ablasst, und Busse tut, auch zukünftig meinen Geboten fleißiger nachkommt, denn bisher geschehen. Denn ihr habt bis daher übrig genug und nur zu viel mit eurem falschen Gottesdienst gesündigt, und habt, wenn ihr opfern wollt, die Gottlosen und unbeschnittenen Heiden, als unheilige und unreine Leute, die dazu von euer rechten Religion fremd, und derselben abhold sind, mit euch in den Tempel geführt, durch welcher Eingang mein heiliger Tempel nicht geehrt, sondern viel mehr verunehrt wurde. Und ob ihr wohl öffentlich einen Bund mit mir gemacht, in dem ihr euch gegen mich versprochen, dass ihr meine Gebote halten wolltet, so habt ihr doch solchen Bund schändlich übergangen: Weil ihr meinen Gottesdienst, wie ich befohlen, gebührlicherweise nicht verrichtet, sondern abgöttische Opfer, und Menschensatzungen an statt meiner Zeremonien erdacht und eingesetzt. [Hierbei sieht man, dass die Kirche irren könne, und hat man zwar im Papsttum, der gottlosen Heiden, als des Aristotelis und anderer Sprüche, in die geistlichen Schulen, und in die Kirche eingeführt, dass man viel eher einen Spruch aus dem Aristoteles, als aus Paulus hat hören erzählen. So hat man den rechten Gottesdienst aus der acht gelassen, und an dessen statt, die Anrufung der Heiligen, Anbetung der Bilder, und viele andere Dinge mehr eingeführt. Endlich ist der rechte Gottesdienst von den Menschensatzungen allerdings unterdrückt worden).

7. denn ihr führt fremde Leute, eines unbeschnittenen Herzens und unbeschnittenen Fleisches, in mein Heiligtum, dadurch ihr mein Haus entheiligt, wenn ihr mein Brot, Fettes und Blut opfert, und brecht also meinen Bund mit allen euren Gräueln

8. und haltet die Sitten meines Heiligtums nicht, sondern macht euch selbst neue Sitten in meinem Heiligtum.

9. Darum spricht der Herr Herr also: Es soll kein Fremder eines unbeschnittenen Herzens und unbeschnittenen Fleisches in mein Heiligtum kommen aus allen Fremdlingen, so unter den Kindern Israel sind,

Fremder: Der weder seines Herkommens ein Israelit ist, noch der Israeliten Religion mit Ernst angenommen hat.

Unbeschnittenen: [Weil demnach die Taufe an statt der Beschneidung aufgekommen ist, so kann man aus diesem Ort abnehmen, dass diejenigen, welche nicht wieder geboren sind, aus dem Wasser und Geist, zu der rechten christlichen Kirche nicht gehören, Doch werden hiermit die nicht ausgeschlossen, welche nicht aus Verachtung, sondern von Not wegen die Taufe nicht empfangen können).

10. ja, auch nicht die Leviten, die von mir gewichen sind und samt Israel von mir irregegangen nach ihren Götzen. Darum sollen sie ihre Sünde tragen.

Tragen: Das ist, die Leviten, welche zugleich mit dem Volk sich mit Abgötterei befleckt haben, und bei der rechten Religion nicht beständig beharrt, aber doch später wieder sich bekehrt haben, die sollen dennoch um ihrer Sünden willen etlichermaßen gestraft werden, dass sie, nämlich, ihres Standes entsetzt, in einem geringeren Tun dienen müssen. [Denn obwohl Gott den Bußfertigen die Sünde verzeiht, dass sie nicht ewig verdammt werden, so legt er ihnen dennoch bisweilen leibliche Strafen auf, damit sie zukünftig behutsamer sind, und andere sich an ihrem Beispiel stoßen, und sich vor dergleichen Sünden hüten).

11. Sie sollen aber in meinem Heiligtum an den Ämtern, den Türen des Hauses und dem Hause dienen und sollen nur das Brandopfer und andere Opfer, so das Volk herbringt, schlachten und vor den Priestern stehen, dass sie ihnen dienen.

Dienen: Sie sollen nicht mehr Priester, sondern Messner und Torhüter sein, und die geringsten Geschäfte im Hause Gottes verrichten, auch den anderen Priestern auf den Dienst warten.

12. Darum dass sie jenen gedient vor ihren Götzen und dem Hause Israel ein Ärgernis zur Sünde gegeben haben, darum hab ich meine Hand über sie ausgestreckt, spricht der Herr Herr, dass sie müssen ihre Sünde tragen.

Jenen: Nämlich, den Israeliten, welchen sie zu ihrem falschen Gottesdienst geholfen.

Ärgernis: Weil sie mit ihrem Beispiel viele andere verführt, und dem falschen Gottesdienst nachgehängt haben.

Tragen: Als wollte er sprechen: Ich hab es ihnen geschworen, das sie um ihrer Sünde willen zeitlich sollten gestraft werden.

13. Und sollen nicht zu mir nahen, Priesteramt zu führen, noch kommen zu einigem meinem Heiligtum, zu dem Allerheiligsten, sondern sollen ihre Schande tragen und ihre Gräuel, die sie geübt haben.

Zu führen: Sie sollen nicht in ihrem vorigen Stande bleiben, und zu meinem Altar nicht kommen, dass sie meine Opfer anzünden, noch sonst auf dem Altar damit umgehen, ja sie sollen die heiligen oder allerheiligsten Opfer und andere heilige Sachen nicht anrühren.

Schande tragen: Sie sollen etlichermaßen verachtet und verschmäht sein, von wegen der gräulichen Abgötterei, damit sie sich und das Volk verführt haben. [Diese Satzung erinnert uns, dass man die nicht ganz und gar verstoßen soll, wenn sie sich bekehren, welche in Religionssachen nicht allerdings beständig blieben. Aber doch sollen sie auch damit für gut nehmen, wenn die Kirche ihrer zu geringeren Ämtern braucht, denn sie zuvor versehen, und sollen ihre Sünden demütig erkennen und tragen).

14. Darum hab ich sie zu Hütern gemacht an allem Dienst des Hauses und zu allem, das man drin tun soll.

15. Aber die Priester aus den Leviten, die Kinder Zadoks, so die Sitten meines Heiligtums gehalten haben, da die Kinder Israel von mir abfielen, die sollen vor mich treten und mir dienen und vor mir stehen, dass sie mir das Fette und Blut opfern, spricht der Herr Herr.

Gehalten: Die sich weder mit Aberglauben noch Abgötterei verunreinigt haben.

Abfielen: Dass sie mich verließen, und der Abgötterei nachhingen.

Dienen: Mit den Opfern. [Denn welche in ihrem Beruf treu sind, die empfangen immer mehr Gaben von Gott). Es braucht aber der Prophet in diesem und anderen Kapiteln solche Worte und Reden, die zu seiner Zeit gebräuchlich waren, vom levitischen Gottesdienst, da er doch den geistlichen Gottesdienst des Neuen Testaments darunter versteht.

16. Und sie sollen hineingehen in mein Heiligtum und vor meinen Tisch treten, mir zu dienen und meine Sitten zu halten.

Tisch: Der im Heiligtum oder Tempel steht, dass sie die heiligen Schrotbrote darauf legen. Von welchem Tisch und Schaubroten man geschrieben findet {2Mos 25 3Mos 24}. [Es bedeutete aber solcher Tisch das Predigtamt des Evangeliums, darin uns Christus, das Brot des Lebens vorgetragen wird {Joh 6}, den man mit dem Glauben essen soll. Eben dasselbe himmlische Brot, wird auch im Abendmahl des Herrn unter dem Brot und Wein mit dem Munde empfangen).

17. Und wenn sie durch die Tore des inneren Vorhofes gehen wollen, sollen sie leinerne Kleider anziehen und nichts Wollenes anhaben, weil sie in den Toren im inneren Vorhofe dienen.

Leinerne Kleider] Die dazu sind gemacht worden, dass man den Gottesdienst darin verrichten soll. [Durch solche Kleider aber wird die Aufrichtigkeit des Gemüts an den Christen, besonders aber an den Kirchendienern gefordert, wie auch ein reines Gewissen, und unsträfliches Leben).

Nichts Wollenes: Kein Kleid von Wolle gemacht. [Denn es soll keine Unbeständigkeit des Gemüts an den Christen, und zu zuerst an den Kirchendienern erfunden werden).

18. Und sollen leinenen Schmuck auf ihrem Haupt haben und leinenen Niederkleider um ihre Lenden; und sollen sich nicht im Schweiß gürten.

Schmuck: Das waren besondere Hauben von weißer Seide gemacht {2Mos 39}. [Welche den göttlichen Schutz bedeuteten, damit die, so in ihrem Beruf wandeln, geschützt und erhalten werden).

Niederkleider: Damit sie ihre Glieder bedecken, welche die Natur will bedeckt haben. [Denn es soll nichts Unehrliches oder Schändliches an einem Christen, viel weniger aber an einem Kirchendiener gespürt werden).

Im Schweiß: Sie sollen ihren Schweiß zuvor abwaschen, und ihren Leib von allem Unflat reinigen, ehe sie die heiligen Kleider anziehen. [Denn es steht den Christen die Reinigkeit des Leibes und Gemüts wohl an).

Nach Luther: Dass sie die heiligen Kleider nicht beschmutzen mit Schweiß, wie die Dorfpfarrherren ihr Messgewand. Hieronymus deutet es, sie sollen sich nicht zu hart gürten, das ist, nicht gezwungen, sondern alles willig tun, ohne Schweiß oder Mühe.

19. Und wenn sie etwa zu einem äußeren Vorhof zum Volk herausgehen, sollen sie die Kleider, darin sie gedient haben, ausziehen und dieselben in die Kammern des Heiligtums legen und andere Kleider anziehen und das Volk nicht heiligen in ihren eigenen Kleidern.

Gehen: Dass sie ihr priesterliches Amt im Tempel ausgerichtet haben.

Kammern: Die dazu geordnet sind, dass man die heiligen Kleider darin aufbehalten soll.

Nicht heiligen: Denn was von einer geheiligten Sache angerührt wurde, das wurde auch für heilig geachtet. [Es ist aber nicht die Meinung als ob Gott nicht gewollt, dass das Volk heilig würde, sondern es wird damit zu verstehen geben, dass man die heiligen und gemeinen Sachen nicht soll durcheinander mengen).

20. Ihr Haupt sollen sie nicht bescheren und sollen auch nicht die Haare frei wachsen lassen, sondern sollen die Haare umher verschneiden.

Bescheren: Wie die Mönche und Narren zu tun pflegen.

Frei wachsen: Wie die Weiber. [Es will aber Gott der Herr damit zu verstehen geben, dass man von aller Leichtfertigkeit sich enthalten soll. Und soll ein Christ kein hässliches, weibisches, oder lotterbübisches Ansehen haben, sondern sich ehrbar, züchtig, und bescheiden verhalten).

21. Und soll auch kein Priester keinen Wein trinken, wenn sie in den inneren Vorhof gehen sollen.

Gehen sollen: Dass sie dem Herrn dienen. Gleiche Gebote hat auch Mose den Priestern gegeben. [Denn es sollen die Christen zu jederzeit sich der Nüchternheit bemühen, besonders aber, wenn sie mit heiligen Sachen umgehen. Und sollen die Kirchendiener ihren Zuhörern mit dem Beispiel der Nüchternheit vorgehen).

22. Und sollen keine Witwe noch Verstoßene zur Ehe nehmen, sondern Jungfrauen vom Samen des Hauses Israel, oder eines Priesters nachgelassene Witwe.

Hauses Israel: Keine heidnischen, sondern israelitische. [Obwohl es nun heutigen Tages den Christen und Kirchendienern freisteht, dass sie mögen Witwen oder Jungfrauen, aus einem oder anderem Geschlecht und Volk nehmen, so sollen doch die Christen, und besonders die Kirchendiener solche Weiber sich ausersehen, dessen sie sich nicht schämen dürfen, und die zum Eingang des Reiches Gottes ihnen nicht hinderlich sind).

23. Und sie sollen mein Volk lehren, dass sie wissen Unterschied zu halten zwischen Heiligem und Unheiligem und zwischen Reinem und Unreinem.

Unreinem: Das ist, die Priester sollen wissen, mit welchen Sachen die Leute verunreinigt werden, auf dass sie dieselben vor dergleichen Unreinigkeit warnen können, dass sie sich dafür hüten. [Denn es steht einem Christen zu, dass er nicht allein wisse, mit welchen Sachen sein Gewissen verunreinigt und beschwert wird, sondern dass er den Nächsten von dergleichen Unreinigkeit, so viel möglich abhalte). Und wolle hier der Leser abermals sich erinnern, dass der Prophet mit den Worten und Reden, die zu seiner Zeit gebräuchlich gewesen, des Neuen Testaments Sachen abgemalt und vorgebildet hat.

24. Und wo eine Sache vor sie kommt, sollen sie stehen und richten und nach meinen Rechten sprechen und meine Gebote und Sitten halten und alle meine Feste halten und meine Sabbate heiligen.

Sprechen: Das ist, wenn unter den Israeliten eine streitige Sache vorfällt, die man nach Ausweisung des Gesetzes entscheiden soll, so sollen sie fleißig achthaben, dass sie nach meinen Geboten das Urteil fällen. Denn weil die Israeliten vorzeiten eine besondere mosaische Polizei hatten, und das Gesetz Gottes so wohl weltliche Satzungen und Ordnungen von guten Sitten, als Kirchen Gebrauch in sich hielt, so waren die Priester und Leviten, welche stets mit den Büchern des Gesetzes umgingen, und darin studierten, an statt der Rechtsgelehrten. Also dass die Richter selbst in zweifelhaften und dunklen Sachen die Priester zu sich zogen, gleichwie man heutigen Tages der Rechtsgelehrten Bedenken in wichtigen Sachen anhört. [Es hat aber Gott mit diesem Befehl nicht andeuten wollen, dass die Prediger im Neuen Testament sich in weltliche Händel und Sachen mit einmengen sollen, und einen Fuß auf die Kanzel, den anderen aufs Rathaus stellen: Sondern will, dass die Christen ihr Urteil dem Worte Gottes gemäß aussprechen sollen, und wissen was recht und richtig, auch was Unrecht sei, und im Fall der Not andere unterrichten können. Besonders aber steht es den Kirchendienern zu, dass sie die Religionsstreitigkeiten verstehen, und davon aus dem Worte Gottes recht urteilen können).

Heiligen: Das ist, ich will, dass die Priester auf den Feiertagen und Sabbaten der Kirche Gebräuche fleißig wahrnehmen, und dieselben recht üben. [Also gebührt es den Kirchendienern besonders, dass sie ihr Amt in der Kirche fleißig und mit gebührendem Eifer verrichten).

25. Und sollen zu keinem Toten gehen und sich verunreinigen, ohne allein zu Vater und Mutter, Sohn oder Tochter, Bruder oder Schwester, die noch keinen Mann hatte habe; über denen mögen sie sich verunreinigen.

Keinen Mann: Denn welche sich verheiratet hat, die ist etlichermaßen aus ihres Vaters Geschlecht in ein anderes gekommen.

Verunreinigen: Dass sie zu den abgestorbenen Körpern sich verfügen, und mit zur Leiche gehen. Denn ob sie wohl, dem Ansehen nach, etlichermaßen nach Ausweisung des Gesetzes Mose, möchten unrein geworden sein, so hat man doch der menschlichen Zuneigung, und der nahen Verwandtschaft des Geblüts etwas übersehen müssen. [Es will aber Gott die schuldige Freundlichkeit und menschliche Zuneigung der Blutsverwandten gegen einander im Neuen Testament nicht aufheben, sondern die Christen erinnern wollen, dass, so viel möglich, sie die Toten sollen lassen ihre Toten begraben {Mt 8}. Das ist, sie sollen es nicht dahin kommen lassen, dass sie durch der gottlosen Leute Gemeinschaft, welche Gott gestorben sind, sich von ihrem ordentlichen und gottseligen Beruf wollten lassen abhalten). Da es aber je nicht könne verhütet werden, dass der Priester über einen Toten sich ungefähr verunreinigt, so hat er nach dem Gesetz Mose mit besonderen Zeremonien müssen wiederum gereinigt und ausgesöhnt werden. Welche aber sonst in der mosaischen Polizei einen toten Menschen, oder Grab, oder sonst dergleichen etwas angerührt hatten, die wurde am dritten und siebten Tage mit dem Wasser von der Asche der Roten Kühe besprengt, und wuschen ihre Kleider, danach wurde sie für rein geschätzt, dass sie dürfte zu der Hütte des Stifts gehen, und zur Erlangung der völligen Reinigung, ein Opfer tun {4Mos 19}.

26. Und nach seiner Reinigung soll man ihm zählen sieben Tage.

Reinigung: Die mit Besprengung des vorgemeldeten Wassers am dritten und siebten Tage geschehen.

Sieben Tage: Über die vorigen sieben, in denen er noch nicht zum Heiligtum sich nahen soll, auf dass man gewiss wisse, wie er wieder gereinigt sei. [Denn welche anderen vorstehen wollen, die sollen sich auch viel mehr, als andere, befleißigen, dass sie von allerlei Unreinigkeit mögen befreit sein).

27. Und wenn er wieder hinein zum Heiligtum geht in den inneren Vorhof, dass er im Heiligtum diene, so soll er sein Sündopfer opfern, spricht der Herr Herr.

Geht: Nämlich, nach dem vierzehn Tage verflossen sind, dass er wieder in das Heiligtum gehen darf.

Opfern: [Also sollen die Christen, so oft sie im täglichen Wandel etwa sich versündigt haben, mit Fleiß dahin trachten, dass sie durch den Glauben an Christus, der für uns am Kreuz geopfert ist, bei Gott wieder ausgesöhnt werden).

28. Aber das Erbteil, das sie haben sollen, das will ich selbst sein. Darum sollt ihr ihnen kein eigenes Land geben in Israel; denn ich bin ihr Erbteil.

Erbteil: Daher sie ihre und der ihrigen notdürftige Unterhaltung haben können.

Selbst sein: Das ist, von meinem Gottesdienst sollen sie eben so wohl ihre Nahrung und Kleider zur Genüge haben, als wenn sie viel fruchtbare Äcker und Güter besäßen. Denn die Opfer des Herrn des Gottes Israel waren der Leviten Erbteil, wie {Jos 13} gesagt wird.

29. Sie sollen ihre Nahrung haben vom Speiseopfer, Sündopfer und Schuldopfer, und alles Verbannte in Israel soll ihr sein.

Sie: Jetzt werden etliche Einkommen der Priester erzählt, daher sie ihren Aufenthalt haben sollten.

Verbannte: Was, nämlich, die Israeliten dem Herrn geloben werden, das soll den Priestern zu Nutzen kommen.

30. Und alle ersten Früchte und Erstgeburt von allen Hebopfern sollen der Priester sein. Ihr sollt auch den Priestern die Erstlinge geben von allem, das man isst, damit der Segen in deinem Hause bleibe {4Mos 18v12 5Mos 18v4 Neh 10v37}.

Hebopfern: Das ist, allerlei Opfer, aus was Materie sie sind, die man vor Gott in die Höhe zu heben pflegt, ehe sie geopfert werden.

Isst: Das man vom Mehl zum Teige macht und backt, und die Israeliten zur Dankbarkeit dem Herrn aufopfern.

Bleibe: Das ist, dass der Priester dir alles Gute wünschen, und Gott dir solche deine Frömmigkeit und Guttat mit reichem Segen und aller Dinge Überfluss wiederum vergelte. [Mit diesen Geboten wird die Kirche erinnert, dass sie ihre Diener mit Nahrung und Kleidung versehen soll {1Kor 9}. Und haben wir dabei zu lernen, dass Gott solches, was wir zur Erhaltung des Predigtamts, oder sonst zu frommer Leute Nahrung darlegen, mit reichem Segen wiederum belohnen wolle. Denn wer einem aus diesen geringsten nur mit einem Trunk kalten Wassers in eines Jüngers Namen tränken wird, wahrlich ich sage euch, (spricht Christus) es wird ihm nicht unbelohnt bleiben {Mt 10}.

31. Was aber ein Aas oder zerrissen ist, es sei von Vögeln oder Tieren, das sollen die Priester nicht essen.

Aas: Eines Tiers, das von sich selbst gestorben ist.

Nicht essen: Auf dass sie nicht verunreinigt werden. Denn die Christen sollen sich von allen Sachen enthalten, damit ihr Gewissen befleckt wird. Es wird aber das Gewissen nicht mit der Speise befleckt, die durch den Mund in den Bauch geht, sondern dadurch, was aus dem Munde heraus geht, und aus dem Herzen kommt, als da sind böse Gedanken, Totschlag, Ehebruch, Hurerei, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Gotteslästerungen, durch solche und dergleichen Sachen wird der Mensch verunreinigt, wie Christus bezeugt {Mt 15}.


Das 45. Kapitel


1. Jetzt bestimmt der Prophet den Platz des Heiligtums, samt der Priester und der Fürsten Wohnung. v. 1. 2. Und stellt etliche weltliche Gesetze die Gerechtigkeit und Gerechtigkeit belangend, v. 9. 3. Erzählt auch etwas von den Gebräuchen, die man bei den Opfern halten soll. v. 13.

1. Wenn ihr nun das Land durch das Los austeilt, so sollt ihr ein Hebeopfer vom Lande absondern, das dem Herrn heilig sein soll, fünfundzwanzigtausend (Ruten) lang und zehntausend breit. Der Platz soll heilig sein, soweit er reicht.

Austeilt: Nach dem ihr aus dem Gefängnis wieder heimgekommen seid, gleichwie euch vorzeiten Josua das Land Kanaan durch das Los ausgeteilt hat.

Absondern: Dass ihr zuvor ein gut Teil davon gebt zum Platz, da man den Gottesdienst übe, und da die Priester wohnen sollen.

Heilig sein: Dass man denselben ganzen Platz zu keinem unheiligen Tun brauche. [Denn weil alles, was wir besitzen, durch Gottes Güte und Mildigkeit, keineswegs aber aus unserem Verdienst, sondern gleichsam durch das Los uns zukommt, so ist es richtig, dass wir dem Predigtamt des göttlichen Wortes mit dankbarem Gemüt wiederum behilflich sind. Besonders aber hat Gott wollen damit anzeigen, dass er unter so viel Unordnungen und mancherlei Verwirrungen dieser Welt seiner Kirche einen Platz aufbehalte, bis zu der Welt Ende. Es ist aber die Kirche heilig, weil sie durch die Zurechnung des Verdienstes Christi vor Gott geheiligt ist, und mit dem Heiligen Geist begabt wird, der sie heiligt).

2. Und von diesem sollen zum Heiligtum kommen je fünfhundert (Ruten) ins Gevierte und dazu ein freier Raum umher fünfzig Ellen.

Ruten: (Nach Luther) Wie oben im (42. Kapitel am Ende steht.

Gevierte: Dass eine jede Seite fünfhundert Ruten habe.

Umher: Außerhalb der Mauern. Welcher Raum aber doch auch zum Tempel gehören soll, und heilig ist.

3. Und auf demselben Platz, der fünfundzwanzigtausend Ruten lang und zehntausend breit ist, soll das Heiligtum stehen und das Allerheiligste.

Stehen: Nämlich, auf einem Ort desselben Platzes, von fünfhundert Ruten, ins Gevierte, wie zuvor gemeldet.

4. Das übrige aber vom geheiligten Lande soll den Priestern gehören, die im Heiligtum dienen und vor den Herrn treten, ihm zu dienen, dass sie Raum zu Häusern haben, und soll auch heilig sein.

Häusern: Darin sie nahe bei dem Tempel ihre Wohnung haben können.

Heilig sein: Dass niemand vom gemeinen Volk eine Behausung für sich darauf baue. [Ob nun wohl vor Gott wenig daran gelegen ist, wo und wie die Kirchendiener wohnen, so ist es doch einer Obrigkeit löblich und rühmlich, wenn sie Anordnung tut, dass der Prediger Behausung nicht weit von der Kirche sind, damit sie dem Predigtamt desto besser dienen können).

5. Aber die Leviten, so vor dem Hause dienen, sollen auch fünfundzwanzigtausend (Ruten) lang und zehntausend breit haben zu ihrem Teil zu zwanzig Kammern.

Kammern: Die auf demselben Platz sollen erbaut werden. [Denn man soll die Christen auch nicht versäumen, und aus der acht lassen, welche nicht so vortreffliche Gaben als andere haben, und darum nicht mit denselben in gleichem Ansehen sind).

6. Und der Stadt sollt ihr auch einen Platz lassen für das ganze Haus Israel, fünftausend (Ruten) breit und fünfundzwanzigtausend lang, neben dem abgesonderten Platz des Heiligtums.

Ganze Haus: Also dass ein jeder, er sei gleich aus welchem Stamm er wolle, Macht habe, wenn er will, in derselben Stadt sich eine Behausung zu bauen, und darin zu wohnen. [Denn die Kirche nimmt alle bußfertigen Sünder in ihren Schoß auf, sie sind gleich wes Standes oder Herkommens sie wollen).

Neben dem: Also dass der Platz des Heiligtums oder Tempels, und der Stadt Platz aneinanderstoßen, und miteinander grenzen.

7. Dem Fürsten aber sollt ihr auch einen Platz geben zu beiden Seiten zwischen dem Platz der Priester und zwischen dem Platz der Stadt, gegen Abend und gegen Morgen; und sollen beide gegen Morgen und gegen Abend gleich lang sein.

Beiden Seiten: Also dass der Tempel und die Stadt zwischen des Fürsten Besitzung begriffen sind.

Gleich lang: Wie der Tempel und die Stadt. Hat deswegen der Fürst seine Besitzung gegen dem Abend und gegen dem Morgen. Danach reichte sein Land von der linken Seiten des Tempels und der Stadt von Abend gegen Morgen, also auch von der rechten Seiten des Tempels langte seine Besitzung von Abend gegen Morgen: Dass der Tempel und die Stadt mit des Fürsten Besitzung und Gütern umringt waren. [Denn die Besitzung des Friedefürsten, unseres Herrn Jesu Christi, begreift einen großen Platz in sich, weil ihm alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf der Erde {Mt 28}. Der umringt und schützt auch seine Kirche überall).

8. Das soll sein eigen Teil sein in Israel, damit meine Fürsten nicht mehr meinem Volk das Ihre nehmen, sondern sollen das Land dem Hause Israel lassen für ihre Stämme.

Eigen Teil: Dass er ein eigentümlich Erbgut, welches ganz groß, und seinem Stande gemäß ist, unter den Israeliten besitzen soll.

Ihre nehmen: Dass sie nicht anderer Leute Güter an sich ziehen. Gleichwie Ahab der König in Israel des Naboths Weinberg zu sich gerissen.

Stämme: Sie sollen einem jeglichen Stamm und Geschlecht in Israel seine Güter frei lassen. [Denn Christus nimmt so gar nicht anderen Leuten das ihre, dass er auch viel mehr, da er für sich selbst reich gewesen, um unseretwillen arm wurde, auf dass wir durch seine Armut reich würden {2Kor 8}.

9. Denn so spricht der Herr Herr: Ihr habt es lange genug gemacht, ihr Fürsten Israels; lasst ab vom Frevel und Gewalt und tut, was recht und gut ist, und tut ab von meinem Volk euer Austreiben, spricht der Herr Herr.

Denn: Weil des Fürsten Meldung geschehen, so nimmt der Prophet die Gelegenheit an die Hand, und erinnert die Obrigkeit mit wenig Worten ihres Amtes.

Genug gemacht: Dass ihr lange genug habt Gewalt geübt in meinem Volk, und ihre Güter zu euch gerissen.

Austreiben: Stoßt mein Volk, eure Untertanen, nicht mehr aus ihren Gütern. [Denn es steht der Obrigkeit nicht frei, dass sie möge die Untertanen aus ihren Gütern entweder mit öffentlicher Gewalt, oder unter dem Schein des Rechten vertreiben).

10. Ihr sollt rechte Gewichte und rechte Scheffel und rechtes Maß haben.

Haben: Ihr sollt Achtung darauf geben, dass die Untertanen mit einander recht und redlich handeln, und kein Betrug mit unterlaufe.

11. Epha und Bath sollen gleich sein, dass ein Bath das zehnte Teil vom Homer habe und das Epha auch das zehnte Teil vom Homer; denn nach dem Homer soll man sie beide messen.

Epha: Damit man Korn, und was trockene Sachen sind, misst.

Nach Luther: Epha ist ein Kornmaß.

Bath: Damit man Wein und Öl, und andere nasse Waren misst.

Nach Luther: Bath ist ein Wein- oder Ölmaß.

Messen: Dass also ein Epha Korn, und ein Bath Wein eins so viel gewesen ist, als das andere.

12. Aber ein Sekel soll zwanzig Gera haben; und eine Mina macht zwanzig Sekel, fünfundzwanzig Sekel und fünfzehn Sekel.

Sekel: Es hat aber ein allgemeiner Sekel auf ein Orts goldene oder Taler, und ein Sekel des Heiligtums noch so viel antrafen.

Nach Luther: Eine Mina hat hier sechzig Sekel, darum muss man diese Zahlen zusammen summieren, und hält ein allgemeiner Sekel zwei Drachmaß, das ist bei uns ein Ortsgulden.

Und fünfzehn: Diese Zahl zusammen summiert, macht sechzig, so viel Sekel war eine Mina. Warum aber der Prophet solche ganze Summe in drei Teilen abteilen wollte, ist ungewiss. [Durch diese Satzungen aber und Ordnungen an sich selbst, wird angezeigt, dass die Christen im Handel und Wandel der Gerechtigkeit sich bemühen sollen, damit keiner den anderen entweder mit dem Maß, oder in der Münze mit dem Gelde betrüge. Und wird richtig ein gewisser Wert auf die Münze gesetzt, was sie gelte, wider böse Buben, welche entweder die Münzen verfälschen, oder ihren Wert, wie es ihnen gefällt, steigern, oder ringern, zu ihrem Vorteil, und zu anderer Leute Schaden. Solche Leute haben nicht nur einen Tod verschuldet, denn sie vielfältigen Diebstahl begehen, und so viel an ihnen ist, alle Gerechtigkeit unter den Leuten zurücktreiben).

13. Das soll nun das Hebeopfer sein, das ihr heben sollt, nämlich das sechste Teil eines Epha von einem Homer Weizen und das sechste Teil eines Epha von einem Homer Gerste.

Heben sollt: Dass ihr zur Dankbarkeit dem Herrn im Tempel opfern sollt, und zuvor in die Höhe heben, ein jeder von seinen Früchten.

14. Und vom Öl sollt ihr geben einen Bath, nämlich jeden zehnten Bath vom Kor und den zehnten vom Homer; denn zehn Bath machen einen Homer.

Öl: Es war aber solche Materie des Korns und Öles zu Speiseopfern bestimmt davon {3Mos 2} gehandelt wird. [Und wurde Christus dadurch bedeutet, der das Brot des Lebens ist, so vom Himmel um unseretwillen herabkomme {Joh 6}.

15. Und je ein Lamm von zweihundert Schafen aus der Herde auf der Weide Israels zum Speiseopfer und Brandopfer und Dankopfer, zur Versöhnung für sie, spricht der Herr Herr.

Zur Versöhnung: Also dass von den vorgemeldeten Lämmern allerlei Opfer verrichtet werden, so wohl zur Versöhnung der Sünden, als zur Bezeugung der Dankbarkeit gegen Gott für die empfangenen Guttaten, auf dass Gott seinem Volk wiederum versöhnt, und gnädig werde. [Es wurde aber durch die Opfer, welcher Blut vergossen wurde, Christus vorgebildet, wie er für uns am Kreuz geopfert ist, und sein Blut für unsere Sünde vergossen hat).

16. Alles Volk im Lande soll solche Hebeopfer zum Fürsten in Israel bringen.

Bringen: Dass er aus solcher Materie der Opfer für sich und das ganze Volk opfern lasse.

17. Und der Fürst soll sein Brandopfer, Speiseopfer und Trankopfer opfern auf die Feste, Neumonden und Sabbate und auf alle hohen Feste des Hauses Israel, dazu Sündopfer und Speiseopfer, Brandopfer und Dankopfer tun zur Versöhnung für das Haus Israel.

Feste: Nämlich, auf die drei Hauptfeste, als Ostern, Pfingsten, und der Laubhütten.

Neumonden: Denn der erste Tag eines jeglichen Monats war bei den Juden ein Feiertag, und hatte seine besonderen Opfer. [Obwohl nun die Priester, und nicht die Fürsten zu opfern pflegten, so redet doch hier der Heilige Geist mit Fleiß also, auf dass er anzeige, wie unser Fürst Jesus Christus auch ein Priester sein würde, und alle priesterlichen Ämter verrichten, auch des Hohepriesters statt vertreten soll, dass er uns mit dem himmlischen Vater wiederum versöhnte).

18. So spricht der Herr Herr: Am ersten Tage des ersten Monden sollst du nehmen einen jungen Farren, der ohne Wandel sei, und das Heiligtum entsündigen.

So] Folgt jetzt etwas von des neuen Heiligtum Aussöhnung oder Einweihung.

Ersten Monden: Der zum Teil in unserem März, zum Teil in den April fällt.

Entsündigen: Mit dem Opfer des jungen Farren. [Es heißt aber Gott das Heiligtum, welches ein Vorbild der Kirche war, entsündigen oder aussöhnen, als ob es mit irgend einer Sünde wäre verunreinigt gewesen, anzuzeigen, dass die Kirche mit dem Blut Christi gereinigt sei, der uns reinigt von allen unseren Sünden {1Joh 1}. Und dass wir täglich gereinigt und entsündigt werden, wenn wir Busse tun, und durch den Glauben unsere Herzen mit dem Blut Christi besprengen).

19. Und der Priester soll von dem Blut des Sündopfers nehmen und die Pfosten am Hause damit besprengen und die vier Ecken des Absatzes am Altar samt den Pfosten am Tor des inneren Vorhofes.

20. Also sollst du auch tun am siebten Tage des Monden, wo jemand geirrt hat oder verführt ist, dass ihr das Haus entsündigt.

Verführt ist: Das ist, wie man ein Versühnungsopfer für einen Menschen, der aus Unwissenheit gesündigt hat, opfert, also soll man den Tempel auch entsündigen.

21. Am vierzehnten Tage des ersten Monden sollt ihr das Passah halten und sieben Tage feiern und ungesäuert Brot essen.

Passah halten: [Es ist aber unser Passah oder Osterlamm Christus, der für uns am Kreuz geopfert ist {1Kor 5}. Welche deswegen seiner Guttaten nicht wollen beraubt werden, die sollen sich dahin bemühen, dass sie sich enthalten von dem Sauerteig der falschen Lehre {Mt 15} und unreinen Wandels {1Kor 5}.

22. Und am selbigen Tage soll der Fürst für sich und für alles Volk im Lande einen Farren zum Sündopfer opfern.

Fürst: [Es wird aber dem Fürsten befohlen, dass er aufs Osterfest für sich und fürs ganze Volk opfern soll, nicht zwar, als ob Christus für seine Sünde sich selbst aufopfern würde. Denn er keine Sünde hatte, aber fremde Sünden hatte er auf sich genommen: Sondern weil er dem Vater aufs Osterfest würde gehorsam sein, bis zum Tode, ja zum Tode des Kreuzes {Phil 2}. Welcher Gehorsam Gott dem Vater das aller angenehmste Opfer gewesen. Für das ganze Volk aber hat Christus sich selbst am Kreuz geopfert, und ist die Versöhnung oder das Versöhnungsopfer geworden, nicht allein für unsere Sünde, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt {1Joh 2}. Eben derselbe Christus, der sein Fleisch am Kreuz geopfert hat, zum Versöhnungsopfer reicht, und gibt uns auch dasselbe zu essen im Heiligen Abendmahl).

23. Aber die sieben Tage des Festes soll er dem Herrn täglich ein Brandopfer tun, je sieben Farren und sieben Widder, die ohne Wandel sind, und je einen Ziegenbock zum Sündopfer.

24. Zum Speiseopfer aber soll er je ein Epha zu einem Farren und ein Epha einem Widder opfern und je ein hin Öls zu einem Epha.

Hin: hält ungefähr zwei Maß.

Epha: Hält so viel als zehn Menschen auf einen Tag benutzen zur Speise.

25. Am fünfzehnten Tage des siebten Monden soll er sieben Tage nacheinander feiern, gleichwie jene sieben Tage, und ebenso halten mit Sündopfer, Brandopfer, Speiseopfer samt dem Öl.

Siebten: Der zum Teil mit unserem Herbstmonat, zum Teil mit unseren Weinmonat eintrifft.

Feiern: Nämlich, das Fest der Laubhütten {3Mos 23}.

Jene: Aufs Passah oder Osterfest. [Es wird aber dem Fürsten befohlen, auch aufs Fest der Laubhütten zu opfern, anzuzeigen, dass Christus mit seinem Leiden uns erlangt habe, dass uns Gott der Vater in dieser Welt, als in einer wilden Wüste erhalte, bis wir den Lauf unseres Berufes vollendet haben, und habe derselbe durch sein Opfer zuwege gebracht, dass wir um seinetwillen in die ewige Hütte aufgenommen werden. Auf dass auch unser Glaube deshalb versichert werde, so speist uns der Herr Jesus Christus in seinem heiligen Abendmahl mit seinem Leibe, und tränkt uns mit seinem Blut).


Das 46. Kapitel


1. In diesem Kapitel wird gehandelt. 1. Welchergestalt, beide der Fürst und das Volk zum Tempel kommen sollen. v. 1. 2. Und von des Fürsten Opfern. v. 11. 3. Wie auch von seinen Gaben, und bei wem sie erblich bleiben sollen oder nicht. v. 16. 4. Desgleichen von den Küchen, in denen der Priester Teil, des Fleisches, so von den Opfern übergeblieben, soll gekocht werden. v. 19.

1. So spricht der Herr Herr: Das Tor am inneren Vorhofe gegen morgenwärts soll die sechs Werktage zugeschlossen sein; aber am Sabbattage und am Neumonden soll man es auftun.

Werktage: Da man weltliche und häusliche Geschäfte zu versehen pflegt.

Auftun: Doch dass nur allein der Fürst, und sonst niemand dadurch hineingehe, wie oben Kapitel 44 angezeigt wurde. [Denn es ist Christus allein aus dem Leibe der Jungfrau Maria in diese Welt geboren worden, und keiner mehr).

2. Und der Fürst soll auswendig unter die Halle des Tors treten und draußen bei den Pfosten am Tor stehenbleiben. Und die Priester sollen sein Brandopfer und Dankopfer opfern; er aber soll auf der Schwelle des Tors anbeten und danach wieder hinausgehen. Das Tor aber soll offen bleiben, bis an den Abend.

Bleiben: Und da warten, bis die Opfer für ihn verrichtet werden.

Anbeten: Auf seine Knie. [Und wird hier Christus eingeführt in der Knechtsgestalt, und im Stande seiner Erniedrigung. Denn da er in demselben gewesen, dass er sich unserthalben erniedrigt hatte {Phil 2}, hat er nach geendetem Kindbett seiner Mutter lassen ein Opfer für sich tun {Lk 2}. Als wenn er auf die gemeine Weise in Sünden wäre empfangen und geboren wurde, da er doch von allen Sünden durchaus rein und befreit gewesen. Derselbe Christus hat auch in seiner Knechtsgestalt seinem himmlischen Vater Dank gesagt, und ihm alle seine Werke zugeschrieben, welches heißt, Dankopfer opfern. Ja er hat auch im Stande seiner Erniedrigung mit seinem Gebet, da er auf sein Antlitz auf der Erde gelegen, besonders am Ölberge, den Vater um Hilfe angerufen, welches durch das Anbeten auf der Schwelle bedeutet wurde).

3. Desgleichen das Volk im Lande soll in der Tür desselben Tors anbeten vor dem Herrn an den Sabbaten und Neumonden.

Herrn: Wenn, nämlich, das Volk zum Tempel sich in großer Anzahl verfügt, dass es den Herrn begehrt anzubeten. [Denn um Christi willen, der für uns den himmlischen Vater bittet, wird auch unser Gebet erhört, das im Namen Christi geschieht, welches eben so viel ist, als in dem Tor des Fürsten anbeten. Es steht aber dieselbe Tür offen bis an den Abend. Denn wir haben einen Zutritt und Zugang zum Vater, weil wir das Licht des Evangeliums haben, welcher Gelegenheit wir gottselig gebrauchen sollen, weil wir Zeit haben).

4. Das Brandopfer aber, so der Fürst vor dem Herrn opfern soll am Sabbattage, soll sein sechs Lämmer, die ohne Wandel sind, und ein Widder ohne Wandel

Lämmer: [Denn Christus ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, und ist kein Mangel oder Fehler an ihm. Die viele aber der Lämmer bedeutet die große Kraft des Verdienstes Christi, als der die Versöhnung ist, nicht allein für unser, sondern auch für der ganzen Welt Sünde {1Joh 2}.

5. und je ein Epha Speiseopfer zu einem Widder zum Speiseopfer. Zu den Lämmern aber, soviel seine Hand gibt, zum Speiseopfer und je ein Hin Öls zu einem Epha.

Speiseopfers: Von Mehl oder Korn. Also dass er so viel Epha dazu brauche, als er Widder opfert.

Gibt: So viel ihm gefällt aus freiem Willen zu opfern, zu den Lämmern, also dass er an kein gewisses Maß gebunden sei. [Dass aber eben derselbe Christus, welcher am Kreuz ein Opfer gewesen, auch unsere Speise sei, ist oft gesagt. Denn er ist das Brot des Lebens, welches vom Himmel herab gekommen ist {Joh 6}.

Hin Öl: Dass er so viel Hin Öles brauche, als Epha Korn. Ein Hin aber fasst ungefähr zwei Württemberger Maß, oder vier Kanten.

6. Am Neumonden aber soll er einen jungen Farren opfern, der ohne Wandel sei, und sechs Lämmer und einen Widder, auch ohne Wandel {4Mos 28v11},

Neumonden: Denn der erste Tag eines jeden Monden war ein Feiertag.

Jungen Farren: [Gleichwie aber die Lämmer auf die Unschuld Christi deuten, der Widder aber, dass Christus der Fürst und Führer seiner Herde sei. Also wird durch den jungen Farren dar männliche Altar Christi vorgebildet, da er für uns gekreuzigt wurde).

7. und je ein Epha zum Farren und je ein Epha zum Widder zum Speiseopfer. Aber zu den Lämmern so viel, als er greift; und je ein Hin Öls zu einem Epha.

Öl: [Das Öl gibt zu verstehen, dass in denen, welche Christus, das Himmelsbrot mit Glauben essen, die Gaben des Heiligen Geistes gemehrt werden, dass sie im Glauben, samt der Hoffnung und Liebe zunehmen).

8. Und wenn der Fürst hineingeht, soll er durch die Halle des Tors hineingehen und desselben Weges wieder herausgehen.

Geht: Nämlich, in den Vorhof des Tempels, dass er sein Opfer verrichtete, und dem Gottesdienst beiwohne.

Heraus gehen: [Denn Christus ist vom Vater in diese Welt gekommen, und wieder zum Vater gegangen, daher er gekommen war. Denn niemand fährt gen Himmel, ohne allein der Sohn des Menschen, der im Himmel ist). Mit uns aber hat es viel eine andere Meinung, die wir nicht vom Himmel gekommen sind, davon später folgt.

9. Aber das Volk im Lande, so vor den Herrn kommt auf die hohen Feste und zum Tor gegen Mitternacht hineingeht anzubeten, das soll durch das Tor gegen Mittag wieder herausgehen; und welche zum Tor gegen Mittag hineingehen, die sollen zum Tor gegen Mitternacht wieder herausgehen und sollen nicht wieder zu dem Tor hinausgehen, dadurch sie hinein sind gegangen, sondern stracks vor sich hinausgehen.

Sollen nicht: [Denn wir müssen durch einen anderen Weg aus dieser Welt gehen, als den wir hinein gegangen sind. Denn wir gehen in die Welt durch die fleischliche Geburt von Adam her. Aus der Welt aber sollen wir gehen durch Christus, und mit Christo, wenn wir von Sünden gereinigt, und durch den Heiligen Geist wieder geboren wurden).

10. Der Fürst aber soll mit ihnen beide hinein und herausgehen.

Mit ihnen: Doch eine jede Partei ihren besonderen Weg, aber dass sie im Tempel beim Gottesdienst sich zu einer Zeit zusammen finden. [Denn Christus ist bei seiner Kirche alle Tage, bis an der Welt Ende {Mt 28}. Und wo zwei oder drei in meinem Namen (spricht Christus) versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen {Mt 18}.

Hinein: [Denn Christus ist der getreue Hirte, der seine Schafe ein und ausführt, auf die heilsame und selig machende Weide {Ps 23 Joh 10}.

11. Aber an den Feiertagen und hohen Festen soll man zum Speiseopfer je zu einem Farren ein Epha und je zu einem Widder ein Epha opfern und zu den Lämmern, soviel seine Hand gibt, und je ein Hin Öls zu einem Epha.

Aber: Der Prophet wendet sich wieder zu den Opfern des Fürsten, dass er damit zum Ende komme.

Hand gibt: Das ist, er mag zu einem jeden Lamm zum Speiseopfer nehmen, so viel ihm beliebt.

12. Wenn aber der Fürst ein freiwilliges Brandopfer oder Dankopfer dem Herrn tun wollte, so soll man ihm das Tor gegen morgenwärts auftun, dass er sein Brandopfer und Dankopfer opfere, wie er sonst am Sabbat pflegt zu opfern; und wenn er wieder herausgeht, soll man das Tor nach ihm zuschließen.

Freiwillig: Dazu er nicht gebunden ist, und dass er zu jeder Zeit aus freiem Willen tun mag. [Es wurde aber durch die freiwilligen Opfer des Fürsten angedeutet, dass Christus nicht gezwungen, sondern freiwillig den Willen seines Vaters tun würde {Ps 40}.

Auftun: Dass er in den Vorhof der Priester gehen könne. [Denn Christo steht der Zugang zu seinem himmlischen Vater immer offen, als der zu der Rechten des Vaters sitzt, dass er uns vertrete {Röm 8}. Aber ohne Glauben an Christus hat niemand einen Zugang zu Gott, nach dem Spruch, niemand kommt zum Vater ohne durch mich {Joh 14}. Den anderen allen ist die Tür, da man zu Gott kommt, zugeschlossen).

13. Und er soll dem Herrn täglich ein Brandopfer tun, nämlich ein jähriges Lamm ohne Wandel; dasselbe soll er alle Morgen opfern.

Jähriges Lamm: [Denn Christus ist wie ein jähriges Lamm in seinem besten Alter, für uns am Kreuz geopfert worden. Und hat sein Leiden so viel gegolten, als wenn er immer von Anfang der Welt her, das ist, frühmorgens wäre geschlachtet und geopfert wurde).

14. Und soll alle Morgen das sechste Teil von einem Epha zum Speiseopfer darauf tun und ein drittes Teil von einem Hin Öls, auf das Semmelmehl zu träufeln, dem Herrn zum Speiseopfer. Das soll ein ewiges Recht sein, vom täglichen Opfer.

Ewiges Recht: Dass solche Opfer nicht sollen unterlassen werden, sondern immer im Brauch sind. [Es wird aber dann zumal immer und täglich geopfert, wenn das Evangelium von dem gekreuzigten Christo bis zum Ende der Welt gepredigt, und sein Gedächtnis durch die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl erhalten wird. Die Katholiken aber bringen hier schier lächerliche Sachen vor, dass sie aus diesen und dergleichen Sprüchen das Opfer der Messe sich unterstehen handzuhaben, gerade, als ob die Schatten des Alten Testaments bei dem hellen Licht des Evangeliums müssten wieder eingeführt werden).

15. Und also sollen sie das Lamm samt dem Speiseopfer und Öl alle Morgen opfern zum täglichen Brandopfer.

16. So spricht der Herr Herr: Wenn der Fürst seiner Söhne einem ein Geschenk gibt von seinem Erbe, dasselbe soll seinen Söhnen bleiben, und sollen es erblich besitzen.

So] Jetzt wird des Fürsten Stand beschrieben, und wie er soll freigiebig sein.

Geschenk: Als irgendein Gut oder Acker, von seinem eigenen Erbgut.

Erblich: Das ist, seine des Fürsten Söhne, sollen solche liegenden Güter, die ihnen von ihrem Vater geschenkt wurden, für eigen behalten, und auf ihre Nachkommen erblich hinterlassen.

17. Wo er aber seiner Knechte einem von seinem Erbteil etwas schenkt, das sollen sie besitzen bis aufs Freijahr, und soll alsdann dem Fürsten wieder heimfallen; denn sein Teil soll allein auf seine Söhne erben.

Freijahr: Oder Halljahr, da einem jeden seine Erbgüter sollen wieder zugestellt werden {3Mos 25}. Also dass der Knecht solche Güter nicht eigentümlich immer behalten darf, sondern auf bestimmte Zeit wieder von sich geben muss.

Söhne erben: Die sollen es in stetiger Besitzung haben und behalten. [Denn Christus ist der Fürst des Friedens, welcher seinen Söhnen (das ist, den Gläubigen) Geschenke gibt. Ja er gibt auch den Knechten (das ist, den Gottlosen) etliche Gaben. Denen sie aber doch wiederum genommen werden, weil sie derselben nicht recht gebraucht haben. Aber den Frommen werden sie bestätigt und gemehrt, bis sie im anderen Leben alles vollkommen besitzen werden).

18. Es soll auch der Fürst dem Volk nichts nehmen von seinem Erbteil, noch sie aus ihren eigenen Gütern stoßen, sondern soll sein eigenes Gut auf seine Kinder erben, auf dass meines Volkes nicht jemand von seinem Eigentum zerstreut werde.

Stoßen: Dass er fremde Güter nicht mit Gewalt zu sich reiße.

Eigen Gut: Von demselben mag er freigiebig sein, und nicht von eines anderen. [Mit diesen Worten gibt der Prophet zu verstehen, wie ungleich unser Fürst Christus, etlichen weltlichen Fürsten auf dieser Welt sei. Denn deren etliche nehmen den Untertanen oder doch den Fremden das ihre. Er aber nimmt nicht allein niemand nichts, sondern schenkt uns auch seine Güter).

Meines Volkes: Der Israeliten, dass sie ihrer Güter nicht beraubt werden, und als ob sie im Elend wären, hin und wieder herum ziehen müssen.

19. Und er führte mich unter den Eingang an der Seite des Tors gegen Mitternacht zu den Kammern des Heiligtums, so den Priestern gehörten, und siehe, dort war ein Raum in einer Ecke gegen Abend.

Und: Jetzt wird auch etwas von den Küchen geredet, in denen man das Fleisch kochen soll, welches von den Opfern übergeblieben war, davon die Priester ihre Nahrung hatten.

Er] Nämlich, der Sohn Gottes, in der Gestalt eines Menschen oder Engels.

Kammern: Von denen zuvor Meldung geschehen in Kapitel 42.

20. Und er sprach zu mir: Dies ist der Ort, da die Priester kochen sollen das Schuldopfer und Sündopfer und das Speiseopfer backen, dass sie es nicht hinaus in den äußeren Vorhof tragen dürfen, das Volk zu heiligen.

Kochen sollen: Was, nämlich, an Fleisch von den Opfern übergeblieben ist.

Backen: Denn etliche Speiseopfer wurde von Kuchen zugerichtet und gebacken.

Nicht hinaus: Denn es sollen solche Küchen im inneren Vorhof zubereitet werden, da es die Priester kochen sollen oder backen, was vom heiligen Fleisch übergeblieben war.

Zu heiligen: Von Anrührung des heiligen Fleisches, welches den Priestern allein gebührt. [Es missgönnte aber Gott dem Volk die Heiligung nicht, sondern hat sie uns damit erinnern wollen, dass man das Heilige und Unheilige nicht soll untereinander mischen).

21. Danach führte er mich hinaus in den äußeren Vorhof und hieß mich gehen in die vier Ecken des Vorhofes.

Äußeren Vorhof: Der für das gemeine Volk angesehen war.

22. Und siehe, da war ein jeglicher der vier Ecken ein anderes Vorhöflein zu räuchern, vierzig Ellen lang und dreißig Ellen breit, alle vier einerlei Maß.

Zu räuchern: Oder zu feuern, dass man Feuer darin hielte, und kochte.

Breit: Also dass sie ins Gevierte gebaut waren, und vier Ecken hatten, aber doch länglich waren.

23. Und es ging ein Mäuerlein um ein jegliches der vier; da waren Herde herum gemacht unten an den Mauern.

An den Mauern: Das ist, die Herden stießen an die Mauern, und war doch auch Platz übrig genug, dass man an vielen Orten des Herdes zugleich kochen konnte.

24. Und er sprach zu mir: Dies ist die Küche, darin die Diener im Hause kochen sollen, was das Volk opfert.

Volk opfert: Das ist: Die Leviten sollen da in den vier Vorhöflein kochen, was vom Opfer des Volkes übergeblieben ist, davon das Volk selber auch essen darf. Denn nach geendetem Opfer hielt man auch ehrliche Mahlzeiten. [In der christlichen Kirche aber wird das Fleisch der Opfer gekocht, wenn die Kirchendiener die evangelischen Predigten von Christo den Zuhörern nicht ohne vorgenommenen Bedacht ordentlich vorhalten, und das Volk von der Religion recht und gründlich unterrichten).


Das 47. Kapitel


1. Der Zustand des Neuen Testaments wird beschrieben, da der Heilige Geist gesandt wird, und die Apostel zu Menschenfischern bestellt werden, die Kirchendiener aber, und ihre Zuhörer blühen wie ein Palmenbaum, und bringen rechtschaffene Früchte der Busse, v. 1. 2. Danach werden die Grenzen des Heiligen Landes beschrieben, welches unter die Israeliten sollte ausgeteilt werden, v. 13.

1. Und er führte mich wieder zu der Tür des Tempels. Und siehe, da floss ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels gegen Morgen; denn die Tür des Tempels war auch gegen Morgen. Und das Wasser lief an der rechten Seite des Tempels neben dem Altar hin gegen Mittag.

2. Und er führte mich auswendig zum Tor gegen Mitternacht vom äußeren Tor gegen Morgen; und siehe, das Wasser sprang heraus von der rechten Seite.

Gegen Morgen: Will so viel sagen, er führte mich durch das Tor gegen Mitternacht hinaus, und lenkt sich danach mit mir herum, gegen morgenwärts, dass ich wieder etwas näher zum Wasser kam.

3. Und der Mann ging heraus gegen Morgen und hatte die Messschnur in der Hand; und er maß tausend Ellen und führte mich durch das Wasser, bis mir es an die Knöchel ging.

Mann: Nämlich, der Sohn Gottes, der mir solches alles zeigte.

Tausend Ellen: Von dem Ort da ich stand in die Länge gegen dem Morgen.

Durch das Wasser: Nämlich, an dem Ort, da er auf hörte zu messen die vorgemeldeten tausend Ellen.

4. Und maß abermals tausend Ellen und führte mich durch das Wasser, bis mir es an die Knie ging. Und maß noch tausend Ellen und ließ mich dadurch gehen, bis es mir an die Lenden ging.

Maß abermals: Von dem Ort, da er zuvor aufgehört, und mich hindurch geführt hatte.

Führt: An dem Ort, da er zum anderen Mal zu messen aufgehört hatte.

Und maß: Vom selben Ort an, da ich zum anderen Mal durch gegangen war.

5. Da maß er noch tausend Ellen, und es war so tief, dass ich nicht mehr gründen konnte; denn das Wasser war zu hoch, dass man darüber schwimmen musste und konnte es nicht gründen.

Noch tausend: Also, dass er in allem vier tausend Ellen den Fluss in die Länge gemessen hatte, da das Wasser, je weiter es floss, je tiefer wurde.

6. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, das hast du ja gesehen. Und er führte mich wieder zurück am Ufer des Bachs.

Gesehen: Nämlich, den Ursprung dieses Flusses, und wie er je länger je tiefer wurde. Darum bilde dir solches wohl ein, auf dass du zu seiner Zeit erfährst, was dadurch bedeutet werde. [Es wird aber durch diesen Fluss das Predigtamt des Evangeliums von Jesu Christo vorgebildet, welches die Lehre, Taufe, und Abendmahl in sich begreift, und ist von Christo im Lande Kanaan angefangen worden. Denn der Geist Christi, welcher durch die Predigt des Evangeliums gegeben wird, erquickt die Seele, so nach der Gnade Gottes dürstet. Wie von solchem lebendigen Wasser Christus redet {Joh 7}. Gleichwie aber dieser Fluss hier anfangs ganz klein und schmal ist, aber je weiter je größer und tiefer wird, bis man ihn nicht mehr gründen könne. Also hat das Evangelium zuerst einen schlechten Anfang, da Christus im Tempel gelehrt. Aber später, da es auch außerhalb des jüdischen Landes gepredigt wurde, hat sich es in der ganzen Welt hin und wieder weit ausgebreitet, und als ein großer tiefer Fluss, nicht mögen aufgehalten oder gehindert werden, ob gleich die mächtigsten Monarchen und Potentaten in der ganzen Welt mit aller Macht sich dagegen gesetzt).

Ufer: Dass ich dasselbe besser besichtigen sollte.

7. Und siehe, da standen sehr viele Bäume am Ufer auf beiden Seiten.

Bäume: [Solche Bäume bedeuten die Gläubigen, so aus Wasser und Geist in der Taufe wieder geboren sind, und guten Bäumen verglichen werden {Mt 7}.

8. Und er sprach zu mir: Dies Wasser das da gegen Morgen herausfließt, wird durch das Blachfeld fließen ins Meer und von einem Meer ins andere, und wenn es dahin ins Meer kommt, da sollen dieselben Wasser gesund werden.

Wasser: Des Toten Meers. Von dem man sonst auch bei den heidnischen Skribenten geschrieben findet, dass kein lebendiges Tier darin gefunden werde. Denn es sind vorzeiten die Städte Sodom und Gomorrha, Adama und Zeboim, am selben Ort gestanden, welche um der Einwohner Bosheit und gottlosen Lebens willen, mit Schwefel und Feuer vom Himmel vertilgt, und in solchen stinkenden Sumpf oder See verwandelt wurden. [Aber das Predigtamt des Evangeliums, darunter auch die Taufe begriffen wird, macht gesund und lebendig, diejenigen, so in Sünden tot waren, und zu allem guten Werke untüchtig).

9. Ja alles, was darin lebt und webt, dahin diese Ströme kommen, das soll leben, und soll sehr viele Fische haben; und soll alles gesund werden und leben, wo dieser Strom hinkommt.

Fische haben: Da zuvor kein lebendiges Tiere inne bleiben könne. [Denn wo zuvor in der Welt als in einem Meer, durchaus keine frommen Leute sich gefunden, sondern mit grausamer schrecklicher Abgötterei, und heidnischer Unreinigkeit, alles erfüllt gewesen, da hat man später viel Christen gefunden, als der Fluss des Evangeliums zu ihnen gekommen).

10. Und es werden die Fischer an demselben stehen; von Engeddi bis zu En-Eglaim wird man die Fischgarne aufspannen; denn es werden dort sehr viel Fische sein, gleichwie im großen Meer.

En Eglaim: Ist auch ein Name eines Städtleins. Will aber so viel sagen, von einem Ende des Meers bis ans andere, wird man viel Fischer sehen.

Großen Meer: Welches sonst auch das Mittelländische Meer genannt wird.

11. Aber die Teiche und Lachen daneben werden nicht gesund werden, sondern gesalzen bleiben.

Gesalzen bleiben: Das ist, wenn das Wasser aus dem Meer wird herausfließen, und an den Orten umher Lachen oder Sümpfe machen, so werden dieselben nicht gesund sein, sondern eine Bitterkeit und unlieblichen Geschmack haben, und je länger je ärger werden. [Durch die Fischer werden die Apostel und ihre ordentlichen Nachkommen bedeutet. Die Fische sind, welche das Evangelium annehmen {Mt 13}. Wenn deswegen Christo eine Kirche gepflanzt wurde, da zuvor keine gewesen, da hat das Tote Meer Fische bekommen, und hat man geistliche Fischer darin gefunden, die zuvor nichts da zu tun hatten. Die Lachen aber und Teiche, sind die Ketzer, so von der Kirche ausgehen, und alle gottseligen Warnungen verachten, auch sich keines besseren bedenken, sondern allerdings sich nicht wollen raten oder helfen lassen. Daher Paulus spricht: Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermals ermahnt ist, und wisse, dass ein solcher verkehrt ist, und sündigt, als der sich selbst verurteilt hat {Tit 3}.

12. Und an demselben Strom, am Ufer auf beiden Seiten, werden allerlei fruchtbare Bäume wachsen; und ihre Blätter werden nicht verwelken noch ihre Früchte verfaulen; und werden alle Monden neue Früchte bringen, denn ihr Wasser fließt aus dem Heiligtum. Ihre Frucht wird zur Speise dienen und ihre Blätter zur Arznei.

Ihr Wasser: Dadurch dieser gleichsame Lustgarten gewässert wird.

Arznei: [Es wachsen aber aus der Predigt des Evangeliums, und Abhandlung der Sakramente hin und wieder viel Christen, als gute und fruchtbare Bäume. Und gleichwie die Bäume mancherlei Art sind, und mancherlei gute Früchte bringen. Also werden sie, die Christen, nach den unterschiedlichen Gaben, auf viel und mancherlei Weise ihrem Nächsten dienen, doch dass es alles zu Gottes Lob und Ehren gereiche. Ihre Blätter werden nicht verwelken, das ist, sie werden von der Hitze der Anfechtungen nicht verderben, sondern frisch und grünend erhalten werden. Ihre Frucht verfault nicht, weil ihre Arbeit nicht vergebens ist im Herrn, sondern großen und wehrhaften Nutzen bringt, und hat reiche Belohnung, aus Gnaden. Sie tragen auch alle Monat neue Früchte, und werden reich sein in guten Werken, auch nie aufhören reichlich gute Früchte zu bringen. Sie werden aber darum so fruchtbar sein, weil sie mit dem Predigtamt des Evangeliums erhalten und erquickt werden, welches aus keiner Lachen oder Pfützen der menschlichen Weisheit hervor kommt, sondern aus der Brunnquelle der himmlischen Geheimnisse, ja aus dem Schoss des himmlischen Vaters durch Christus zu uns herausfließt {Joh 1}. Der Christen Arbeit und Verrichtungen aber, als da sind allerlei Werke der Liebe, darunter der Trost der Bekümmerten aus dem Wort Gottes genommen, nicht das geringste ist, stärken und erfrischen die Gesunden, den Kranken aber sind sie einer Seelen Arznei, dass sie auch gesund werden).

13. So spricht der Herr Herr: Dies ist die Grenze, nach der ihr das Land sollt austeilen den zwölf Stämmen Israels; denn zwei Teile gehören dem Stamm Josef.

So] Jetzt fängt der Prophet an die Grenzen des gelobten Landes zu beschreiben, welches unter die Kinder Israel soll ausgeteilt werden. Dadurch zu verstehen gegeben wird, dass die Kirche Christi soll fortgepflanzt und erweitert werden, in alle vier Örter der Welt.

Austeilen: Das ist, ich will euch die Grenzen beschreiben, in denen die Landschaft soll begriffen sein, welche ihr unter die zwölf Stämme Israel austeilen sollt. [Denn obwohl die Kirche Christi in der Welt hin und wieder verstreut ist, so ist doch nicht die ganze Welt die Kirche. Und sind noch heutigen Tages etliche Örter in der Welt, da ohne Zweifel allerdings keine christliche Kirche ist).

Stamm Josef: Von wegen seiner zwei Söhne Ephraim und Manasse, deren jeder einen besonderen Stamm in Israel machte. So war der Stamm Levi von dem Erbteil des Landes ausgeschlossen, wie zuvor auch gemeldet wurde. [Josef aber, als ein Fürst unter seinen Brüdern, war ein Vorbild Christi, der die Gaben des Heiligen Geistes nicht nach dem Maß empfangen hat, wie andere Menschen, sondern hat in allen Dingen den Vorzug {Joh 3 Eph Kol 1}.

14. Und ihr sollt es gleich austeilen, einem wie dem anderen; denn ich habe meine Hand aufgehoben, das Land euren Vätern und euch zum Erbteil zu geben.

Dem anderen: Wie es recht und richtig ist. [Denn in Besitzung des Himmelreichs, welches durch das Land Kanaan verstanden wird, wird sich keiner zu beklagen haben, noch einem anderen etwas missgönnen, weil es alles aufs Allergerechteste wird geordnet und abgeteilt sein).

Zu geben: Darum ihr es gewisslich erlangen sollt, weil ich es mit einem Eid versprochen habe. [Welche deswegen rechtschaffene Kinder Abrahams sind, als da sind alle, die an Christus wahrhaftig glauben, die werden gewisslich Erben sein des ewigen Lebens, daran sie nicht zweifeln sollen. Denn ich bin gewiss (spricht der Apostel Paulus) dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder hohes noch Tiefes, noch kein anderer Kreatur, uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu unserem Herrn {Röm 8}.

15. Dies ist nun die Grenze des Landes gegen Mitternacht von dem großen Meer an, von Hethlon bis gen Zedad:

16. nämlich Hemath, Berotha, Sibraim, die mit Damaskus und Hemath grenzen; und Hazar-Tichon, die mit Haveran grenzet.

17. Das soll die Grenze sein vom Meer an bis gen Hazar-Enon; und Damaskus und Hemath sollen das Ende sein gegen Mitternacht.

18. Aber die Grenze gegen Morgen sollt ihr messen zwischen Haveran und Damaskus und zwischen Gilead und zwischen dem Lande Israel, am Jordan hinab bis ans Meer gegen Morgen. Das soll die Grenze gegen Morgen sein.

19. Aber die Grenze gegen Mittag ist von Thamar bis ans Haderwasser zu Kades und gegen das Wasser am großen Meer. Das soll die Grenze gegen Mittag sein.

Haderwasser: Da Mose und Aaron aus Unglauben gesündigt, wie sie sollten Wasser aus dem Felsen bringen.

Dem Wasser: Das ist, bis an den Fluss Nil, da er an der Grenze des gelobten Landes ins Mittelländische Meer fällt.

20. Und die Grenze gegen Abend ist vom großen Meer an stracks bis gen Hemath. Das sei die Grenze gegen Abend.

Gegen Abend: [Dass aber die Grenzen des Landes Kanaan gegen die vier Örter der Welt beschrieben werden, wird dadurch bedeutet, dass das Reich Christi durch die Predigt des Evangeliums in alle vier Örter der Welt sich erstrecken würde. In dem die unermessliche Allmacht Christi erscheint).

21. Also sollt ihr das Land austeilen unter die Stämme Israels.

22. Und wenn ihr das Los werft, das Land unter euch zu teilen, so sollt ihr die Fremdlinge, die bei euch wohnen und Kinder unter euch zeugen, halten gleichwie die Einheimischen unter den Kindern Israel;

Wohnen: Und eure Religion angenommen haben, dadurch sie eurer Kirche mit einverleibt wurde, und unter einem Regiment leben.

Halten: Dass ihr ihnen etliche Güter zu ihrem Erbteil einräumt.

Einheimischen: Denen sie allerdings sollen gleich gehalten werden, und gleiche Freiheiten haben, als wenn sie von dem israelitischen Geschlecht gebürtig wären. [Diese Fremdlinge sind die Christen, welche nicht vom jüdischen Volk, sondern von den Heiden ihre Herkunft haben. Dieselben werden des Himmelreichs eben so wohl teilhaftig, als welche aus den Juden, denen Christus insbesondere verheißen war, zu dem Erlöser Christo sind bekehrt worden).

23. und sollen auch ihren Teil am Lande haben, ein jeglicher unter dem Stamm, dabei er wohnt, spricht der Herr Herr.


Das 48. Kapitel


1. Jetzt ernennt der Prophet eines jeden israelitischen Stammes Landschaften, und ihre Gegenden, beschreibt auch vollends, was zur Austeilung des gelobten Landes noch gehörte.

1. Dies sind die Namen der Stämme. Von Mitternacht, von Hethlon gegen Hemath und Hazar-Enon und von Damaskus gegen Hemath; das soll Dan für seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

Mitternacht: Das ist, die von dem Tempel zu rechnen gegen Mitternacht wohnen werden. [Weil aber diese ganze Austeilung des Landes und der Stämme, mit der Geschichte Esdre und Nehemia, so die Wiederkunft der Juden aus Babel, und die wieder Erbauung der Stadt und des Tempels, auch Aufrichtung des Regiments beschrieben, gar nicht übereinstimmt, so ist es gewiss, dass hier von keiner Abteilung eines irdischen Reiches gehandelt wird, sondern von dem himmlischen Reich Christi, in dem alles aufs Beste, weislich, und zierlich angeordnet ist).

Soll Dan: Ist also dem Stamm Dan die äußerste Grenze des Landes unter den Stämmen gegen Mitternacht abgeschätzt worden. [Gleichwie aber den israelitischen Stämmen gewisse Örter zur Wohnung bestimmt wurden, also hat Gott bereits seinen Auserwählten im Himmel die Wohnungen zugerüstet, nicht zwar zeitliche und vergängliche, sondern voller unaussprechlicher Freude und himmlischer Herrlichkeit, nach dem Spruch Christi: In meines Vaters Hause sind viel Wohnungen {Joh 14}.

2. Neben Dan soll Asser seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

3. Neben Asser soll Naphthali seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

4. Neben Naphthali soll Manasse seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

5. Neben Manasse soll Ephraim seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

6. Neben Ephraim soll Ruben seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

7. Neben Ruben soll Juda seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

8. Neben Juda aber sollt ihr einen Teil absondern vom Morgen bis gegen Abend, der fünfundzwanzigtausend Ruten breit und lange sei, ein Stück von den Teilen, so von Morgen bis gen Abend reichen; darin soll das Heiligtum stehen.

Absondern: Das ist, ihr sollt von eurem Lande ein großes Stück dem Herrn gleichsam als zum Hebeopfer aussondern und geben, dass der Tempel und die Wohnungen der Priester und Leviten am selben Ort gebaut werden. Auch zur Stadt zu bauen, und für die, welche dem Regiment mit ihrer Arbeit dienen, wie später weitläufiger wird gesagt werden. [Denn was aus Glauben zur Erhaltung des Gottesdienstes und des weltlichen Regiments gesteuert wird, das ist Gott ein angenehmes Opfer).

9. Und davon sollt ihr dem Herrn einen Teil absondern, fünfundzwanzigtausend Ruten lang und zehntausend Ruten breit.

Davon: Nämlich, von dem vorgemeldeten ganzen Platz, soll zum Heiligtum und für die Priester zu ihrer Wohnung etwas abgesondert werden, wie im Text folgt. [Denn Gott will die Kirchendiener auch mit Behausungen versorgen).

10. Und dasselbe heilige Teil soll der Priester sein, nämlich fünfundzwanzigtausend Ruten lang gegen Mitternacht und gegen Mittag und zehntausend breit gegen Morgen und gegen Abend. Und das Heiligtum des Herrn soll mitten darin stehen.

11. Das soll geheiligt sein den Priestern, den Kindern Zadoks, welche meine Sitten gehalten haben und sind nicht abgefallen mit den Kindern Israel, wie die Leviten abgefallen sind.

Das soll: Nämlich, das oben verzeichnete Stück Landes.

Kindern Zadok: Die von dem Hohepriester Zadok, der zu Zeiten des Königs Salomo gelebt, ihre Herkunft haben, und seine ordentlichen Nachkommen sind. [Denn Gott belohnt der frommen Eltern Standhaftigkeit in der rechten Religion, auch den frommen Kindern).

Leviten: Welche den Israeliten zu ihrer Abgötterei geholfen, und dieselbe befördert haben.

12. Und soll also dies abgesonderte Teil des Landes ihr eigen sein, darin das Allerheiligste ist neben der Leviten Grenze.

Leviten Grenze: Welche an der Priester Grenze stieß gegen dem Mittag, wie aus dem Folgenden zu sehen ist.

13. Die Leviten aber sollen neben der Priester Grenze auch fünfundzwanzigtausend Ruten in die Länge und zehntausend in die Breite haben; denn alle Länge soll fünfundzwanzigtausend und die Breite zehntausend Ruten haben.

Haben: Nämlich, von dem oben gemeldeten gemeinem viereckigen großen Platz, der neben dem Stamm Juda sollte abgesondert werden. Also dass der Leviten Teil an der Priester Teil stieß, aber doch das Heiligtum nicht in diesem der Leviten, sondern in dem vorigen Teil der Priester war.

14. Und sollen nichts davon verkaufen noch verändern, damit des Landes Erstling nicht wegkomme; denn es ist dem Herrn geheiligt.

Verändern: Dass sie es mit einem anderen Stücke Landes umwechseln wollten.

Geheiligt: Und zum Gottesdienst geordnet. [Dadurch zu verstehen gegeben wurde, dass die Kirchendiener sich wohl vorsehen sollen, damit sie in Religionssachen nichts tun, was sie ohne Nachteil der Wahrheit und der reinen Lehre nicht tun können. Denn Christus spricht: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist {Mt 22}. So soll man auch sonst achthaben, dass die Kirchengüter nicht also entfremdet werden, damit die Kirchendiener und Armen später mangeln müssen).

15. Aber die übrigen fünftausend Ruten in die Breite gegen die fünfundzwanzigtausend Ruten in die Länge, das soll unheilig sein zur Stadt, darin zu wohnen, und zu Vorstädten; und die Stadt soll mitten darin stehen.

Übrigen: Denn weil der ganze Platz, so wohl in die Breite als in die Länge fünfundzwanzigtausend Ruten hatte, und also allerdings viereckig war, auch davon der Breite nach zehntausend Ruten den Priestern samt dem Tempel zugesprochen waren, und aber zehntausend Ruten den Leviten zuerkannt, waren noch fünftausend in der Breite übrig, von denen wird hier gehandelt.

Unheilig: Dass es nicht zum Gottesdienst geweiht sei, wie die vorigen zwanzigtausend Ellen, so den Priestern und Leviten zustanden.

16. Und das soll ihr Maß sein: viertausend und fünfhundert Ruten gegen Mitternacht und gegen Mittag; desgleichen gegen Morgen und gegen Abend auch viertausend und fünfhundert.

17. Die Vorstadt aber soll haben zweihundertfünfzig Ruten gegen Mitternacht und gegen Mittag; desgleichen auch gegen Morgen und gegen Abend zweihundertfünfzig Ruten.

Vorstadt: Welche insgesamt mit der Stadt auf allen vier Seiten fünftausend Ruten hatte.

18. Aber das übrige an der Länge desselben neben dem Abgesonderten und Geheiligten, nämlich zehntausend Ruten gegen Morgen und gegen Abend, das gehört zur Unterhaltung derer, die in der Stadt arbeiten.

Gegen Abend: Nämlich, auf jeglicher Seite der Stadt, dass die Stadt in der Mitte sei.

Arbeiten: Das ist, es sollen zu beiden Seiten der Stadt schlechte und arme Leute wohnen, die ums Taglohn arbeiten, und allerlei Arbeit in der Stadt verrichten, die den Bürgern zu tun ungelegen ist, so sollen sie auch auf beiden Seiten des vorgemeldeten Platzes von dem Ackerbau und Viehzucht darin ihre Nahrung haben, auf dass sie sich desto besser hinaus bringen können.

19. Und die Arbeiter sollen aus allen Stämmen Israels der Stadt arbeiten,

20. dass die ganze Absonderung der fünfundzwanzigtausend Ruten ins Gevierte eine geheiligte Absonderung sei zu eigen der Stadt.

Der Stadt: Dass ein Stück davon auch einen Platz zur Stadt gebe. [Es bedeutete aber solche Stadt, die nicht weit vom Tempel sollte gebaut werden, auch die christliche Kirche, als die Gottes Stadt ist. Denn es ist auch in der Wahrheit, in einer Christlichen Polizei die Kirche Gottes. Doch ist unter den Christen ein Unterschied. Dass etliche im Predigtamt Gott dienen, welche besonders zum Heiligtum gehören: Etliche stehen dem weltlichen Regiment vor, die wohnen in der Stadt: Andere aber treiben ihr Handwerk, und wohnen in den Vorstädten, etliche dienen ihrem Nächsten auch mit ganz geringer Arbeit, und die sind, so außerhalb den Vorstädten sich aufhalten: Wohnen aber dennoch alle an dem Ort der Gott geheiligt und abgesondert ist. Denn sie sind alle Glieder der Kirche Gottes, wenn sie nur wahrhaftig an Christus glauben).

21. Was aber noch übrig ist auf beiden Seiten neben dem abgesonderten heiligen Teil und neben der Stadt Teil, nämlich fünfundzwanzigtausend Ruten gegen Morgen und gegen Abend, das soll alles des Fürsten sein. Aber das abgesonderte heilige Teil, und das Haus des Heiligtums soll mitten innen sein.

Heiligen Teil: Welches den Leviten und Priestern samt dem Heiligtum zustehe.

Mitten inne: Also, dass der Priester, der Leviten, des Heiligtum, und der Stadt Teil von des Fürsten Erbteil umringt werde.

22. Was aber dazwischen liegt, zwischen der Leviten Teil und zwischen der Stadt Teil und zwischen der Grenze Judas und der Grenze Benjamins, das soll des Fürsten sein.

Fürsten sein: Also, dass, wie das Heiligtum samt der Priester, Leviten, und Stadt Teil von des Fürsten Erbteil umringt wird. Ebener maßen des Fürsten Erbteil, von den anderen israelitischen Stämmen umfangen sei. Hat deswegen der Fürst seine Güter auch gegen alle vier Örter der Welt. [Denn Christus hält das Predigtamt und die christliche Polizei in seinem Schutz, und regiert mächtig von Abend gegen Morgen, und von Mittag gegen Mitternacht, das ist, überall. Denn ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde {Mt 28}.

23. Danach sollen die anderen Stämme sein: Benjamin soll seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

Danach: Jetzt wird auch unter die übrige Stämme Israel das Land ausgeteilt, auf der anderen Seite des geheiligten und abgesonderten Platzes.

Sein Teil: Welches an des Fürsten Erbteil stieß von mittagwärts.

24. Aber neben der Grenze Benjamins soll Simeon seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

25. Neben der Grenze Simeons soll Isaschar seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

26. Neben der Grenze Isaschars soll Sebulon seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

27. Neben der Grenze Sebulons soll Gad seinen Teil haben von Morgen bis gen Abend.

28. Aber neben Gad ist die Grenze gegen Mittag, von Thamar bis an das Haderwasser zu Kades und gegen das Wasser am großen Meer.

Wasser: Dadurch der Fluss Nilus verstanden wird, der in derselben Gegend ins Mittelländische Meer fließt.

29. Also soll das Land ausgeteilt werden zum Erbteil unter die Stämme Israels; und das soll ihr Erbteil sein, spricht der Herr Herr.

Stämme Israel: [Die rechten Israeliten aber sind heutigen Tages nicht die verstockten Juden, sondern die Christen, welche mit reinem Herzen an Christus glauben {Gal 6}. Darum gehört ihnen, und nicht jenen, die Besitzung des Himmelreichs zu, welches hier durch das Land Kanaan vorgebildet wird).

30. Und so weit soll die Stadt sein: viertausend und fünfhundert Ruten gegen Mitternacht.

Stadt sein: Es wird hier die Größe der Stadt, wie sie zuvor auch beschrieben wurde, wiederholt.

Ruten: So lang wird die Mauer sein auf der Seiten gegen Mitternacht, und auf allen anderen Seiten. Denn die Stadt gleich viereckig sein soll.

31. Und die Tore der Stadt sollen nach den Namen der Stämme Israels genannt werden, drei Tore gegen Mitternacht: das erste Tor Ruben, das andere Juda, das dritte Levi.

32. Also auch gegen Morgen viertausend und fünfhundert Ruten und auch drei Tore: nämlich das erste Tor Josef, das andere Benjamin, das dritte Dan.

33. Gegen Mittag auch also: viertausend und fünfhundert Ruten und auch drei Tore: das erste Tor Simeon, das andere Isaschar, das dritte Sebulon.

34. Also auch gegen Abend viertausend und fünfhundert Ruten und drei Tore: ein Tor Gad, das andere Assur, das dritte Naphthali.

Gegen Abend: Soll die Länge der Mauer den vorigen allerdings gleich sein.

Tor: [Die zwölf Tore bedeuten, dass die Lehre des Evangeliums, so durch die zwölf Apostel gepredigt wurde, allen Gläubigen an Christus den Zugang öffne in die Stadt Gottes, nämlich, zum ewigen Leben, sie sind gleich an einem oder anderen Ort daheim).

35. Also soll es um und um achtzehntausend Ruten haben. Und alsdann soll die Stadt genannt werden: Hier ist der Herr!

Achtzehentausend: Denn so viel macht die ganze Summe der vier Seiten. [Und bedeutet ein solcher weiter Umgriff die weite Ausbreitung der Kirche).

Der Herr: Oder wie man sagen möcht, Gottes Wohnung: Und nicht Jerusalem. [Denn der Eingeborene, ewige, und wesentliche Sohn Gottes ist Mensch geworden, auf dass Gott bei den Menschen wohnte. Derselbe Gott und Mensch ist bei seiner Kirche gegenwärtig, regiert, erhält, und schützt sie in diesem Leben, und wird her nach im ewigen Leben alles in allen sein. Welchem mit dem Vater und Heiligem Geist, sei Lob, Ehre, und Preis in alle Ewigkeit, Amen).