Der Prophet Amos


Dieser Amos ist aus einem Hirten zum Propheten gemacht worden. Hat seine Herkunft aus dem Städtlein Thekoa, welches sechs Meilen von Bethlehem gegen dem Mittag gelegen ist. Und hat geweissagt zu der Propheten Jesaja und Hosea Zeiten. Da Usia, der auch Asaria genannt wird, in Juda König gewesen und im Königreich Israel Jerobeam, der Sohn Joas, regiert. Es reimt sich auch sein Name zu seiner Weissagung nicht übel. Denn Amos heißt eine Last, so hat er des Volkes Sünden und Bosheit hart angezogen und schreckliche Strafen darauf gedroht, die freilich eine schwere Last gewesen. Obwohl nun er auch von der benachbarten Heiden und des Königreichs Juda herzunahenden Unglück weissagt, so verkündigt er doch besonders des israelitischen Königreichs Zerstörung und Untergang. Welche Weissagung denn Salmanasser, der König in Assyrien, erfüllt hat, der das Königreich Israel in seine Gewalt gebracht und das israelitische Volk in Assyrien gefangen weggeführt hat {2Sam 17}. Er weissagt aber auch von Christo, wie wir an seinem Ort hören wollen. Und wird im Neuen Testament zweimal angezogen, als erstlich von Stephanus {Apg 7} von wegen der Juden Abgötterei: Danach {Apg 15} in der Versammlung oder Konsilium der Apostel, vom Reich Christi. Darum man ihm nicht weniger als den anderen Propheten glauben soll.


Das 1. Kapitel


I. Erstlich wird gehandelt von des Propheten Namen und Stand und zu welcher Zeit er gelebt. v. 1. II. Danach von dem Zorn Gottes wider die gottlosen Heiden. Und erzählt der Prophet was für Unglück über Damaskus, Syrien, Philisterland, Tyrus, die Edomiter, Ammoniter und Moabiter ergehen werde. v. 2.

1. Dies ist es, das Amos, der unter den Hirten zu Thekoa war, gesehen hat über Israel zur Zeit Usias, des Königs Judas und Jerobeams, des Sohnes Joas, des Königs Israels, zwei Jahre vor dem Erdbeben.

Erdbeben: Will so viel sagen: Was Gott der Herr dem Propheten Amos (der seines Tuns und Standes ein Hirte zu Thekoa gewesen) geoffenbart hat, das sind sehr große und hochwichtige Sachen. Und ist solche Offenbarung geschehen, da die Könige, Usia in Juda und Jerobeam in Israel, regiert haben, zwei Jahr zuvor, ehe das große Erdbeben im Lande Kanaan entstanden. Dessen auch gedenkt der Prophet (Sacharia in Kapitel 14). [Aus dieser Überschrift hat man dreierlei zu lernen. Erstlich, dass Gott bisweilen vor der Welt unansehnliche Leute erwählt, durch die er große Dinge ausrichtet, auf dass er diejenigen zuschanden macht, welche sich bedenken etwas zu sein. Denn bei Gott gilt kein Ansehen der Person. Danach, dass Gott sein Volk, wenn es in fleischliche Sicherheit sich vertieft hat, durch getreue Lehrer aufmuntere und den trägen Leuten die Schlafsucht vertreibe, damit sie nicht in ihren Sünden sterben und verderben, obwohl sich oft nicht viele daran bessern. Denn beide Könige, Usia und Jerobeam, des Namens der anderer, hatten ihre Feinde mit großem Ruhm glücklich überwunden und stand es unter ihrer Regierung wohl: In Maßen des Jerobeams glückliche Verrichtungen {2Sam 14}. Und des Usias tapfere Taten {2Sam 15}, beschrieben werden. Da aber Usia seines guten Glücks sich ganz zu viel überhoben, dass er auch das Priesteramt versehen und das heilige Räucherwerk anzünden wolle, ist er darüber von Gott mit dem Aussatz geschlagen und gestraft worden {2Chr 26}. Zum dritten, dass Gott nach einer ernsten Bußpredigt, wenn dieselbe nicht Frucht schafft, Wunder und Zeichen schicke, als da sind Erdbeben, Kometen, Wundergeburten und dergleichen, damit das Volk dadurch in eine Furcht gebracht werde und Buße tue].

2. Und sprach: Der Herr wird aus Zion brüllen und seine Stimme aus Jerusalem hören lassen, dass die Auen der Hirten jämmerlich stehen werden und der Karmel oben verdorren wird {Jer 25v30 Joel 3v16}.

Sprach: Nämlich der Prophet, welcher nach der Überschrift den Vortrag tut und die Summe oder den Inhalt seiner fast ganzen Weissagung anzeigt.

Hören lassen: Das ist, Gott der Herr, dessen Tempel auf dem Berge Zion in der Stadt Jerusalem steht, ist über der Menschen Bosheit sehr erzürnt, darum er seinen Grimm sowohl über die benachbarten Heiden als über sein Volk ausschütten wird wie ein brüllender Löwe, dem sich niemand widersetzen darf. [Denn eben derselbe Gott, welcher gegen den Bußfertigen als ein gnädiger Vater sich verhält, ist den Unbußfertigen ein gestrenger aber doch gerechter Richter].

Karmel: Auf welchem Berge sonst eine große Anzahl Viehs konnte geweidet und unterhalten werden. Es will aber der Prophet so viel sagen: Das Land, darin das Volk Gottes wohnt, wird jämmerlich verwüstet werden und der Obrigkeit, welche Hirten des Volkes sind, wird es übel gehen. Denn wenn die Landschaften aus gerechtem Urteil Gottes verwüstet werden, so steht es auch um die Obrigkeit nicht wohl, welche entweder ganz von der Regierung verstoßen oder doch an ihrem jährlichen Einkommen sehr geschmälert wird, weil die Untertanen durch Krieg ganz erschöpft sind.

3. So spricht der Herr: Um drei und vier Laster willen Damaskus will ich ihrer nicht schonen, darum dass sie Gilead mit eisernen Zacken gedroschen haben,

So: In den vorigen Worten hat der Prophet im Allgemeinen von den Strafen geredet, so vom Zorn Gottes herrühren: Jetzt weissagt er insbesondere von der benachbarten Völker Untergang und macht den Anfang von den gottlosen Heiden, die Gottes Wort nicht gehört hatten, anzuzeigen, weil Gott der Heiden nicht schonen wolle, die aus Unwissenheit gesündigt haben, so werde er es seinem Volk viel weniger übersehen, das in seinem Wort unterrichtet wurde und dennoch den Geboten Gottes mutwillig zuwider handelte. [In dergleichen Beispiele sollen wir heutigentags uns auch bespiegeln und denken, da Gott die benachbarten Länder, welche die reine Lehre des Evangeliums nicht haben, dennoch von wegen ihrer Sünden und gottlosen Wesens so hart straft, wie wird es denn uns wohl ergehen, die wir das Wort Gottes mit großer Undankbarkeit verachten und mit einem nicht löblichen Wandel anderen Ärgernis geben, dass um unseretwillen dem Evangelium übel nachgeredet wird?]

Damaskus: Welches die Hauptstadt in Syrien ist, da auch die Könige in Syrien ihren Sitz haben.

Nicht schonen: Weil sie das Maß ihrer Bosheit und Sünden erfüllt hat. Denn drei und vier machen sieben, die siebte Zahl aber ist eine Zahl der Vollkommenheit. [Es wird aber die siebte Zahl durch der Menschen Sünden als denn erfüllt, wenn sie Sünde mit Sünden häufen und sich nicht bekehren wollen, ja ihre Sünden für Tugend und Heiligkeit rühmen dürfen, als denn sind schwere Strafen vor der Tür].

Gedroschen: Dies ist die Ursache, warum Gott der Syrer nicht mehr schonen wolle, weil sie nämlich sein Volk heftig geplagt und gräulich mit ihnen umgegangen, als wenn sie es gedroschen hätten. Denn im jüdischen Land hatte man besondere Instrumente, die mit Eisen beschlagen und ganz schwer gewesen, so man über die Früchte gezogen und das Korn also ausgedrückt hat, welches heutigentags nicht mehr im Brauch ist. Die Landschaft Gilead aber ist durch Mose den Stämmen Ruben, Gad und halben Stamm Manasse zugeteilt worden {4Mos 32 Jos 21}. Hat deswegen das israelitische Volk solche Orte bewohnt. So hat der Prophet Elisa solche Grausamkeit der Syrer zuvor verkündigt {2Sam 8}. Denn also spricht er zum Hasael, der in Syrien sollte König werden: Du wirst ihre (der Israeliten) feste Städte mit Feuer verbrennen, ihre junge Mannschaft mit dem Schwert erwürgen und ihre jungen Kinder töten und ihre schwangeren Weiber zerhauen. Und 2. Samuel 13 steht: Und des Herrn Zorn ergrimmte über Israel und gab sie unter die Hand Hasael, des Königs zu Syrien, und Benhadad, des Sohnes Hasael, ihr Leben lang. Und bald später: Denn es war des Volkes Joahas (Königs in Israel) nicht mehr übergeblieben denn fünfzig Reiter, zehn Wagen und zehntausend Fußvolks. Denn der König zu Syrien hatte sie umgebracht und hatte sie gemacht wie Drescherstaub. [Obwohl nun das israelitische Volk mit seinen Sünden solche Strafen verdient hatte, so ist doch Gott auch über die Syrer erzürnt, dass sie aus feindlichem Gemüt gegen das Volk Gottes solche Strafen mit großer Grausamkeit vollstreckt hatten. Denn Gott zürnt zwar heftig über die Sünden seines Volkes, wenn aber die Feinde mit dem Volk Gottes ganz zu gräulich umgehen, so schüttet er seinen übrigen Zorn über die Feinde aus und straft sie schwer].

4. sondern ich will ein Feuer schicken in das Haus Hasaels, das soll die Paläste Benhadads verzehren.

Sondern: Folgen jetzt die Strafen, welche Gott über die Syrer beschlossen hat.

Benhadad: Es ist aber Benhadad des Hasaels, Königs in Syrien Sohn gewesen, obwohl auch vor dem Hasael des Namens etliche Könige in Syrien regiert haben. Will deswegen der Prophet sagen, Gott wird nach seinem gestrengen Gericht das Königreich Syrien verwüsten und zerstören. [Denn Gott ist der Grausamkeit an ihr selbst feind. Wenn nun solche noch dazu wider das Volk Gottes vorgenommenen wird, so folgt der Herrschaften Untergang darauf].

5. Und ich will die Riegel zu Damaskus zerbrechen und die Einwohner auf dem Felde Aven samt dem, der das Zepter hält, aus dem Lusthause ausrotten, dass das Volk in Syrien soll gen Kir weggeführt werden, spricht der Herr.

Riegel: Das ist, die Festungen des Königreichs Syrien will ich zerstören, besonders die königlichen Städte, auf welche sie ihr Vertrauen und Hoffnung setzen. [Denn wider den Zorn Gottes kann keine Festung jemand schützen].

Aven: Dies Wörtlein heißt Traurigkeit und Bekümmernis, daher die abgöttischen Orte Beth Aven, das ist, Häuser der Trübsal heißen, weil die Götzendiener von ihrer Abgötterei keine Hilfe zu erwarten haben, sondern nur Mühe und Traurigkeit daher bekommen. Will deswegen Gott so viel sagen: Ich will die abgöttischen Einwohner in Syrien ausrotten.

Zepter hält: Nämlich die Obrigkeit in Syrien will ich aus dem Wege räumen, so nur in Wollüsten leben. [Es verwirft doch hiermit Gott nicht, dass die Oberherren und Regenten mit ehrlicher Freude und Ergötzlichkeit bisweilen sich nicht erquicken sollten, sondern wenn eine Obrigkeit Gottes Ehre und der Untertanen zeitliche und ewige Wohlfahrt nach hinten setzt und nur der zeitlichen Wollüsten ergeben ist, das kann Gott nicht leiden].

Kir: Welche Stadt sonst auch Cyrene genannt wird und am libyschen Meer liegt, dahin die Syrer von dem Könige in Assyrien, Thiglath Pillesser, gefangen sind hinweg geführt worden {2Sam 16}. [Denn die in ihrem Vaterland schändlich leben, die müssen später im Elend ihre Strafe darüber ausstehen].

6. So spricht der Herr: Um drei und vier Laster willen Gasas will ich ihrer nicht schonen, darum dass sie die Gefangenen weiter gefangen und ins Land Edom vertrieben haben,

So: Von den Syrern kommt der Prophet jetzt zu den Philistern, welche des jüdischen Volkes stetige Feinde waren, damit, wenn ja die Israeliten an den Syrern sich nicht stoßen wollten, dennoch durch der Philister Strafen sich bewegen ließen, dass sie Buße taten.

Gasas: Welches eine von den vornehmsten Städten der Philister gewesen.

Vertrieben: Die Philister haben die gefangenen Israeliten den Edomitern in eine harte und schwere Dienstbarkeit verkauft, da sie doch wohl gewusst, dass die Edomiter den Israeliten spinnefeind wären, deshalb die Israeliten von denselben sehr gedrängt wurden. Zu welcher Zeit aber und mit was Gelegenheit solches geschehen sei, meldet die Schrift nicht ausdrücklich. Das ist aber gewiss, dass die Israeliten von den Philistern viele und große Niederlagen erlitten. Und wurden zur selben Zeit die überwundenen in eine leibeigene Dienstbarkeit verkauft, gleichwie auch noch heutigentags den Christen begegnet, wenn sie vom Türken gefangen werden. [Es ist aber eine große Bosheit, wenn man den elenden Leuten nicht allein ihren Jammer nicht erleichtert, sondern sie auch in noch größeres Unglück stürzt].

7. sondern ich will ein Feuer in die Mauern zu Gasa schicken, das soll ihre Paläste verzehren.

Verzehren: Das ist, ich will verschaffen, dass die reiche und wohl erbaute Stadt Gasa von den Feinden verbrannt werde. [Denn die köstlichsten Paläste, so mit armen Leuten saurem Schweiß erbaut sind und die Einwohner darin solche mit gräulicher Schande und Lastern besudeln, die werden in den Staub und in die Asche gelegt].

8. Und will die Einwohner zu Asdod samt dem, der, das Zepter hält, aus Askalon ausrotten und meine Hand wider Akron kehren, dass umkommen soll, was von den Philistern noch übrig ist, spricht der Herr.

Asdod: Welche auch eine von den vornehmsten Städten gewesen, so im Philisterland gelegen.

Zepter: Ich will die Obrigkeit und Untertanen miteinander ausrotten in allen Städten der Philister.

Kehren: Sie zu verwüsten. [Wo aber Gott selber feind ist, da kann keine menschliche Gewalt widerstehen].

Übrig ist: Es soll auch das unachtsame gemeine Gesindlein unter den Philistern zugrunde gehen, dass vom selben Volk nichts mehr überbleibe als der bloße Name. [Denn Gott züchtigt zwar sein Volk oft scharf, aber ihre Feinde rottet er endlich ganz aus].

9. So spricht der Herr: Um drei und vier Laster willen der Stadt Zor will ich ihrer nicht schonen, darum dass sie die Gefangenen weiter ins Land Edom vertrieben haben und nicht gedacht an den Bund der Brüder,

So: Jetzt verkündigt der Prophet auch den Tyrern ihre Strafe, denn die Stadt Tyrus auch sonst Zor geheißen.

Land Edom: Da sie die Israeliten ihren ärgsten Feinden in eine jämmerliche Dienstbarkeit verkauft haben, dagegen ihre Knechtschaft unter anderen Völkern eine Freiheit sein möge. In welchem Stück denn die Tyrer und Philister einander gleich gewesen, obwohl der Prophet später einen Umstand hinzusetzt, dadurch der Tyrer Sünde desto beschwerlicher wurde.

Bund: Denn die Einwohner zu Tyro haben viele Jahre her mit den Israeliten gute Nachbarschaft gehalten, wie auch beider Völker Könige eine Zeit lang miteinander einen Bund hatten. Als da der König zu Tyro dem David Zedernholz, Baumeister und Künstler zugeschickt, dass sie ihm den königlichen Palast auf dem Berge Zion gebaut {2Sam 5}. Wie ebenmäßig dem Könige Salomo vom Könige zu Tyro Holz zukommen zum Bau des Tempels und des königlichen Schlosses und sind diese beide Könige mit Freundschaft einander so wohl zugetan und gewogen gewesen, dass sie sich auch untereinander Brüder genannt {1Sam 9}. Daher kein Zweifel, dass auch ihrer beider Untertanen sich miteinander wohl betragen haben. Aber später haben die Tyrer solches aus der acht gelassen und um Gelds willen die Israeliten den Edomitern verkauft. [Dabei man sieht, was der Geiz tut, denn deshalb der Apostel Paulus recht eine Wurzel alles Übles genannt hat. Aber Gott ist aller Falschheit und Treulosigkeit feind, da jemand denen Übles tut, die sich alles Gute von wegen vorher unter ihnen gewesener Freundschaft zu ihm versehen hätten].

10. sondern ich will ein Feuer in die Mauern zu Zor schicken, das soll ihre Paläste verzehren.

Sondern: Folgt jetzt auch der Tyrer Strafe. Als wollte er sprechen, ich will verschaffen, dass die Stadt Tyrus, so sehr fest und wohl verwahrt, dazu ganz stattlich erbaut ist, erobert, zerstört und verbrannt werde. Und ist zwar die Stadt Tyrus zweimal zerstört worden. Erstlich durch den König Nebukad-Nezar. Danach aber durch den großen Alexander. Es haben auch von der Tyrer Untergang geweissagt. [Es ist aber die Stadt Tyrus eine vornehme Handelsstadt gewesen, so am Meer gelegen, darum diese Weissagung zu erkennen gibt, dass Gott der Kaufleute Leichtfertigkeit, Geiz und Üppigkeit endlich mit Ernst strafe].

11. So spricht der Herr: Um drei und vier Laster willen Edoms will ich sein nicht schonen, darum dass er seinen Bruder mit dem Schwert verfolgt hat und dass er ihre Schwangeren umgebracht und immer zerrissen in seinem Zorn und seinen Grimm ewig hält,

So: Jetzt kommt der Prophet auf die Edomiter selbst.

Ewig hält: Das ist, weil der Edomiter und Israeliten Voreltern, nämlich Esau, der mit dem Zunamen Edom geheißen {1Mos 25} und Jakob mit dem Zunamen Israel, leibliche Brüder und Zwillinge gewesen, so soll zwischen den Edomitern und Israelitern von Rechts wegen eine große Freundschaft und Einigkeit sein. Aber das Widerspiel geschieht. Denn gleichwie Esau seinen leiblichen Bruder, den Jakob, gehasst und ihm nach dem Leben gestanden, weil er das Recht der ersten Geburt an sich gebracht. Also hat er solche Feindschaft gleichsam erblich seinen Nachkommen hinterlassen, dass sie die Israeliten immer angefeindet und mit allerhand bösen Praktiken sie zu vertilgen sich unterstanden, dass sie also nicht allein ihre Todfeinde gewesen, sondern auch einen ewigen Hass wider das Volk Gottes getragen. In Maßen auch der 137. Psalm solches bezeugt: Darum von wegen solches grausamen und unmenschlichen Hasses der Edomiter wider die Israeliten, Esau und seine Nachkommen etlichermaßen im Mutterleibe Ungerechte und gottlose gewesen, als die ihre eigenen Blutsfreunde mit einem so grimmigen und bitteren Hass verfolgt. [Es pflegen aber die Feindschaften zwischen Brüdern, Verwandten und Schwägern viel größer und heftiger zu sein als zwischen Fremden. Aber solche unnatürliche Störrigkeit ist vor unserem Herrn Gott ein Gräuel, da Blutsverwandte einander verlassen und verachten oder auch verfolgen. Und handeln die böslich, welche ihrem Grimm nachhängen. Denn sie nicht allein der Gottseligkeit den Rücken kehren, sondern handeln auch wider alle menschliche Natur, dass, weil sie sterblich sind, dennoch einen immerwährenden Hass behalten, wiederum lehrt der Apostel Paulus, dass wir sollen zürnen und nicht sündigen, sollen auch die Sonne nicht über unseren Zorn lassen untergehen {Eph 4}].

12. sondern ich will ein Feuer schicken gen Theman, das soll die Paläste zu Bazra verzehren.

Bazra: Denn diese waren der Edomiter vornehmste Städte, von denen, meines Erachtens, auch die umliegende Landschaften also genannt wurden. [Verwirft deswegen und straft Gott nicht nur andere Sünden und Laster, sondern auch den Hass und Neid und urteilt, dass solche die damit behaftet, sofern sie nicht Buße tun, das Reich Gottes nicht ererben werden {Gal 5}].

13. So spricht der Herr: Um drei und vier Laster willen der Kinder Ammon will ich ihrer nicht schonen, darum dass sie die Schwangeren in Gilead zerrissen haben, damit sie ihre Grenze weiter machten,

Kinder Ammon: Dass aber die Ammoniter den Israeliten auch verwandt gewesen, ist aus der Historie des Patriarchen Lot bekannt {1Mos 19}. Dennoch haben sie sich gegen das Volk Gottes ganz grausam und feindlich erzeigt.

Gilead: In welchem Lande die Rubeniter, Gadditer und der halbe Stamm Manasse gewohnt.

Weiter machten: Darum die Israeliten ihnen, entweder durch Krieg oder sonst, nicht Ursache gegeben zu solcher Grausamkeit, sondern der Ehrgeiz hat sie dahin getrieben, auf dass sie später ein desto größeres Land hätten. Denn dass die Ammoniter etliche Male vom Lande Israel etwas an sich ziehen wollen, ist aus dem Buch der Richter Kapitel 11 und 1. Sam. 11 bekannt, dass sie auch endlich das Land Gilead einbekommen, bezeugt Jeremias in Kapitel 49. [Diesen Ammonitern sind die Könige und Fürsten nicht ungleich, welche blutige Kriege erregen, damit sie ihre Königreiche und Herrschaften erweitern mögen, da denn ihnen keine Grausamkeit zu viel ist und keines Alters noch Geschlechts geschont wird. Aber sie werden für solches vergossene Blut Gott schwere Rechenschaft geben müssen. Und ist dies auch ein Beispiel, daraus man sehen kann, wozu der Geiz die Leute bringt, dass sie, nämlich weder Ehrbarkeit noch Freundlichkeit mehr achten].

14. sondern ich will ein Feuer anzünden in den Mauern Rabbas, das soll ihre Paläste verzehren, wenn man rufen wird zur Zeit des Streits und wenn das Wetter kommen wird zur Zeit des Sturms.

Sondern: Jetzt erzählt der Prophet der Ammoniter Strafe.

Rabba: Welches der Ammoniter königliche Hauptstadt gewesen, dieselbe, will er sagen, soll verwüstet und in die Asche gelegt werden, wenn die Feinde mit großem Geschrei werden hineinfallen und die ammonitischen Bürger darin erschlagen und verjagen und wird der Überwinder über dieselbe Stadt kommen wie ein schreckliches Unwetter, dass er sie einnehme und die Einwohner ohne alle Barmherzigkeit erwürge, die Stadt aber verbrenne. [Solches Glück haben die zu erwarten, welche, damit sie ihre Güter mehren, fremdes Gut zu sich reißen].

15. Da wird dann ihr König samt seinen Fürsten gefangen weggeführt werden, spricht der Herr.

Gefangen: [Denn welche zuvor mit großem Übermut und Grausamkeit über andere geherrscht, die müssen endlich noch übermütigeren und grausameren Herren dienen. Denn es ist bei Gott kein Ansehen der Person, wie man in Historien hin und wieder Beispiele hat].


Das 2. Kapitel


1. Von den gottlosen Heiden wendet sich der Prophet zum Königreich Juda und Israel und verkündigt ihnen ihre Strafen. v. 4. 2. Danach erzählt er die geistlichen Guttaten Gottes, so die Juden empfangen haben und erinnert sie wiederum der Strafen, damit Gott ihre Undankbarkeit heimsuchen werde. v. 6.

1. So spricht der Herr: Um drei und vier Laster willen Moabs will ich ihrer nicht schonen, darum dass sie die Gebeine des Königs zu Edom haben zu Asche verbrannt,

Verbrannt: Das ist, weil die Moabiter ihres Sieges wider die Edomiter so ganz sehr missbraucht haben, dass sie der Edomiter König lebendig verbrannt und zu Asche gemacht haben: Von welcher Historie, wie auch etlichen anderen mehr, man in der Heiligen Schrift weiter nichts ausdrücklich findet. Denn es ist genug, dass man so viel beschrieben findet, als wir zu unserer Seligkeit bedürfen. [Weil demnach der Edomiter König gottlos gewesen und Gott dennoch über die Moabiter erzürnt wurden, dass sie ganz zu gräulich mit ihm umgegangen, daraus zu lesen ist, dass Gott so gerecht und der Gerechtigkeit gemäß handle, dass er auch die Unbilligkeit, so den gottlosen Leuten zugefügt wird, nicht wolle ungerächt lassen. Denn man kann sich auch an einem bösen Menschen versündigen, wenn man ihm zu viel tut. Darum sollen wir in allem unserem Tun von der Richtschnur der Gottseligkeit, Gerechtigkeit und Gerechtigkeit nicht abweichen].

2. sondern ich will ein Feuer schicken in Moab, das soll die Paläste zu Kirioth verzehren; und Moab soll sterben im Getümmel und Geschrei und Posaunenhall.

In Moab: Damit dasselbe Königreich verwüstet werde.

Kirioth: In der vornehmsten Hauptstadt des Königreichs Moab, dass sie verbrannt und in die Asche gelegt werde.

Hall: Das ist, die Moabiter sollen im Krieg umkommen und erschlagen werden, da man mit Posaunen (oder wie bei uns mit Trompeten) bläst und durcheinander ein großes Geschrei und Getümmel sich erhebt. [Es ist aber auch eine Strafe der Sünden, wenn man nicht im Bette und in einem ruhigen Alter stirbt, sondern vom Feinde in der Schlacht erwürgt wird].

3. Und ich will den Richter unter ihnen ausrotten und alle ihre Fürsten samt ihm erwürgen, spricht der Herr.

Richter: Die hohe Obrigkeit. Diese Weissagung ist erfüllt worden durch den König zu Babel Nebukad Nezar. [Denn Gott straft ohne Ansehen der Personen, sowohl die gottlose Obrigkeit als die gottlosen Untertanen und müssen Groß und Klein Haus miteinander herhalten).

4. So spricht der Herr: Um drei und vier Laster willen Judas will ich sein nicht schonen, darum dass sie des Herrn Gesetz verachten und seine Rechte nicht halten und lassen sich ihre Lügen verführen, welchen ihre Väter nachgefolgt haben,

So: Damit die, so im Königreich Israel gräulich sündigen, nicht meinten, der Heiden Strafen gingen sie nichts an, so schreitet der Prophet etwas näher hinzu und weissagt von dem Königreich Juda, dass er soll gestraft werden, damit die im Königreich Israel daraus zu lesen ist, wenn Gott des Königreichs Juda nicht verschonen würde, da doch die Religionsübungen etwas besser gewesen, so werde er freilich die Laster, so im Königreich Israel vorgehen, nicht ungestraft lassen.

Verachten: Das ist, das Königreich Juda hat das Gesetz und Gottes Wort gehabt, dessen die gottlosen Heiden in Mangel gestanden und haben dennoch weder ihren Gottesdienst noch Wandel nach dem ihnen vorgeschriebenen Worte Gottes angerichtet, sondern sie haben das Gesetz aus der acht gelassen und ihren Gelüsten nachgehängt, auch ihrer Väter Religion, die sich nicht auf die Wahrheit, sondern auf die Lügen gründeten, gefolgt. Denn obwohl Gott etliche fromme Könige in Juda erweckt, welche die rechte Religion wieder angerichtet, so ist doch nach ihrem Absterben der gemeine Haufen bald wieder umgeschlagen und in die vorige Abgötterei gefallen. [Haben deswegen die keine Entschuldigung vor Gott, welche das ausdrücklichen Wort Gottes aus der acht lassen und auf ihrer Voreltern irriger Meinung halsstarrig bleiben. Denn man muss nicht darauf achthaben, was die Voreltern getan, sondern was der Herr geboten hat. Und straft Gott nicht nur die gottlosen Heiden, sondern auch seine ungehorsamen Kinder ganz ernstlich. Er tut es aber darum, dass sie sollen Buße tun und selig werden].

Nach Luther: Abgötterei und falsche Lehre.

5. sondern ich will ein Feuer in Juda schicken, das soll die Paläste zu Jerusalem verzehren.

6. So spricht der Herr: Um drei und vier Laster willen Israels will ich ihrer nicht schonen, darum dass sie die Gerechten um Geld und die Armen um ein Paar Schuh verkaufen.

So: Endlich und zuletzt kommt der Prophet auf sein vornehmstes und eigentliches Vorhaben, dass er des Königreichs Israel Laster strafe und ihnen den Untergang ihres Reiches verkündige.

Paar Schuh: Denn die Israeliten sind durch den Geiz also geblendet und verdorben, dass sie einen armen Mann, der nichts mehr zum besten hat, zur Knechtschaft verkauften, um einer geringen Schuld willen, die kaum ein Paar Schuh mag wert sein. [Es ist aber der Geiz ein schädliches und verderbliches Ding in einem Regiment und muss man den Reichen, die mit der Strenge auf ihr Recht dringen, nicht zu viel einräumen, dass sie die Dürftigen ihres Gefallens unter dem Schein des Rechten wollten unterdrücken).

Nach Luther: Der Gottlose gebe um aller Pfarrherren nicht ein altes Paar Schuh.

7. Sie treten den Kopf der Armen in Kot und hindern den Weg der Elenden. Es schläft Sohn und Vater bei einer Dirne, damit sie meinen heiligen Namen entheiligen.

Elenden: Das ist, sie unterdrücken die Armen mit Fleiß und wenn die elenden Leute gleich eine gute Sache haben, so können sie doch dieselbe nicht erhalten. [Es soll aber eine Obrigkeit sich erinnern, dass sie denn Gewalt von Gott empfangen habe, die unschuldigen und welche unrechterweise unterdrückt werden, zu retten und zu schützen {Jes 1}].

Es: Folgen andere mehr gräuliche Sünden des israelitischen Volkes.

Einer Dirne: Begehen also eine gräuliche Blutschande. Welche Missetat mit dem Tode, ja mit dem höllischen Feuer muss gestraft werden. [Und trägt sich es bisweilen zu, dass dergleichen abscheuliche Laster auch unter dem Volk Gottes vorlaufen, besonders wo der rechte Gottesdienst mit der Abgötterei verfälscht ist. Denn an der geistlichen Hurerei, welche ist die Abgötterei, klebt auch die leibliche Unzucht, wie der Schatten am Leibe, darauf der Königreiche Untergang erfolgt].

Entheiligen: [Denn von wegen der Laster, so in der Kirche begangen werden, wird dem Namen Gottes bei den Heiden übel nachgeredet. Weil demnach auch heutzutage ihrer viele mit ihrem unordentlichen und gottlosen Leben machen, dass die Lehre des Evangeliums bei den Feinden Gottes verlästert wird, so werden sie um solches gegebenen Ärgernis willen Gott einmal schwere Rechenschaft geben].

8. Und bei allen Altären schlemmen sie von den verpfändeten Kleidern und trinken Wein in ihrer Götter Hause von den Gebüßten.

Gebüßten: Das ist, sie behalten das Pfand, Kleider und Hausrat der armen Leute, welches alles sie ihnen sollten wieder zustellen vor Untergang der Sonne, nach dem Gesetz {5Mos 24}. So legen sie auch den unschuldigen und armen Leuten wider alle Recht und Gerechtigkeit eine Geldstrafe auf. Danach wenn sie ihren Göttern geopfert und nach dem Opfer ein Wohlleben, wie gebräuchlich, angerichtet haben, so benutzen sie der armen Leute verpfändeten Hausrat und kaufen zu ihrem Wohlleben den Wein von den unrechten und mit Gewalt abgerungenen Geldstrafen armer Leute. Dergestalt ehren sie ihre Götter mit den Sachen, die sie wider alles Recht und Gerechtigkeit anderen entzogen haben. [Also ist es im Papsttum auch zugegangen. Denn wenn etliche viele Jahre nacheinander fremde Güter mit großem Geiz und Betrug an sich gebracht, so haben sie danach etwas davon ausgespendet zur Unterhaltung der Messe, haben auch bisweilen Kleider, so von Gold und Edelsteinen gestarrt, aus der Armen Schweiß erkauft, dass sie einen abgöttischen Messpfaffen damit zierten].

9. Nun hab ich ja den Amoriter vor ihnen her vertilgt, der so hoch war wie die Zedern und seine Macht wie die Eichen und ich vertilgte oben seine Frucht und unten seine Wurzel.

Amoriter: Nämlich den König Sihon, der ein grausamer Feind war und mit einer gewaltigen Kriegsmacht ihren Voreltern entgegenzog, ihnen den Einzug ins Land Kanaan zu wehren.

Wurzel: Denn ich die Amoriter in Grund ausgerottet habe, welche der Israeliten mächtigsten Feinde und vor vielen anderen Völkern ein Ausbund waren, dazu wie ein starker Eichbaum zu überwältigen unmöglich schien, dieselben habe ich in den Grund vertilgt, nichts anders, als wenn jemand einen Baum samt seiner Frucht und Wurzel herausrisse und zu Boden würfe. Darauf auch die Israeliten bald später dasselbe ganze Königreich der Amoriter eingenommen. In Maßen {4Mos 21 5Mos 2} solcher Sieg ausführlich beschrieben wird. Sollten deswegen (will Gott sagen) die Israeliten mich als ihren Gott und Guttäter allein ehren, aber sie haben mich verlassen und aus großer Bosheit an falsche Gottesdienste sich gehängt. [So groß ist die Undankbarkeit der menschlichen Herzen gegen Gott, dem allergütigsten Helfer. Der Amoriter aber, als eines mächtigen Volkes Untergang, erinnert uns, dass keine menschliche Gewalt so groß ist, die Gott nicht stürzen könnte].

10. Auch habe ich euch aus Ägyptenland geführt und vierzig Jahre in der Wüste geleitet, dass ihr der Amoriter Land besäßet {2Mos 12v37},

Geführt: Und eure Voreltern aus der elenden Dienstbarkeit errettet, sie auch in ihre völlige Freiheit eingesetzt, derer ihr euch heutigentags noch zu freuen und zu genießen habt, dafür ihr mir doch wenig Dank zeigt.

Geleitet: Dass ich euch ernährt, geschützt und erhalten habe.

Besäßet: Denn ich eben der Ursache halben die Amoriter verstoßen, auf dass ihr desto besser Platz und Gelegenheit zu eurer Wohnung hättet. [Obwohl nun dies für eine bereits alte Guttat hätte mögen angesehen werden, als die der Israeliten Voreltern vor vielen Jahren begegnet. Jedoch, weil diejenigen, so noch damals im Leben waren, auch großen Nutzen davon empfangen, haben sie es richtig nicht anders aufnehmen und verstehen sollen, als wenn sie selber wären aus Ägyptenland geführt worden. Ebenermaßen kann es uns auch Gott heutigentags als undankbaren Leuten mit aller Gerechtigkeit vorwerfen, dass er unsere Voreltern aus der dicken Finsternis des Papsttums und aus der unerträglichen Dienstbarkeit der römischen Päpste errettet hat].

11. und hab aus euren Kindern Propheten auferweckt und Nazaräer aus euren Jünglingen. Ist es nicht also ihr Kinder Israel? Spricht der Herr.

Und: Jetzt rückt auch Gott seinem Volk die geistliche Guttaten auf, damit er sie reichlich überschüttet hatte.

Nicht also: Ihr könnt es freilich nicht leugnen, sondern müsst gestehen, dass es wahr sei. Denn ich hab euch aus eurem eigenen Volk Propheten erweckt, die euch von dem Willen Gottes Unterricht geben und den Weg zur ewigen Seligkeit, dass ihr dieselbe erlangen möchtet, gezeigt. So hab ich auch den Nazaräer Stand und Orden gestiftet, dass sie mit ihrem Beispiel euch zur Mäßigkeit Anleitung geben. [Der Nazaräer Orden aber beruhte auf drei Dingen. Erstlich, dass der, der ein besonderes Gelübde getan, solange dasselbe wehrte, sich enthalten sollte vom Wein und allem dem, was aus Wein gemacht oder zugerichtet war: Danach durfte er auch sein Haupt und Bart nicht abscheren, bis die Zeit des Gelübdes aus war. Und dann musste er auch dieselbe ganze Zeit über zu keiner Leiche oder toten Menschen gehen. Und stand es einem jeden frei, dass er ein solches Gelübde auf sich nehmen möchte oder nicht, dazu auch, der das Gelübde tat, möchte sich selber ein langes oder kurzes Ziel dazu bestimmen. Es hatte auch Gott solchen Orden seinem Volk nicht der Meinung zugemutet, als wenn er an sich selber ein rechter Gottesdienst wäre, sondern, dass er dergestalt abwehrte, damit das Volk nicht aus eigener Andacht Übungen auf sich lüden, die Gott nicht gefielen. Die päpstliche Möncherei aber hat mit der Nazaräer Orden nichts ungefähr. Denn der Nazaräer Gelübde währte den meisten Teil nur eine Zeit lang. Aber der Mönche Gelübde bleibt ihr Leben lang auf ihnen. Die Nazaräer enthielten sich vom Wein, damit sich der größere Teil Mönche überfüllen. Die Nazaräer lebten daneben im Ehestande und liest man nirgends, dass ihnen die eheliche Beiwohnung verboten gewesen, ja vielmehr bezeugt des Simions Beispiel das Widerspiel, denn obwohl derselbe die ganze Zeit über seines Lebens ein Nazaräer gewesen, hat er dennoch ein Weib gehabt: Dagegen aber müssen die Mönche den Ehestand schwören. Die Nazaräer dürften zu keinem Toten gehen, die Mönche aber laufen zu den Leichen und Begräbnissen als wie die Adler zum Aas fliegen. Die Nazaräer dürften die ganze Zeit über ihres Gelübdes die Haare nicht abscheren, die Mönche aber sind fast übers ganze Haupt beschoren. Die Nazaräer hielten ihre Satzungen nicht der Meinung, dass sie ihre oder anderer Leute Sünden damit begehrten zu büßen oder zu versöhnen. Aber die Mönche begeben sich darum in ihren Stand, dass sie vor ihren und anderer Leute Sünden wollen genug tun und sich selbst samt anderen den Himmel dadurch verdienen, obwohl sie solches jetzt unverschämt leugnen und nicht mehr gestehen wollen. Der Nazaräer Gesetze waren von Gott gestellt und gegeben. Der Mönche Regeln aber haben keinen Grund in Gottes Wort. Welche deswegen die Nazaräer mit den Mönchen vergleichen wollen, die tun eben, als wenn sie einen weißen Schwan neben einem schwarzen Raben stellten und danach sagen wollten, sie wären einander an der Farbe ganz gleich].

12. So gebt ihr den Nazaräern Wein zu trinken und gebietet den Propheten und sprecht: Ihr sollt nicht weissagen!

Zu trinken: Reizt sie also an, dass sie meine Ordnung übertreten sollen. [Es ist aber ein Zeichen eines verkehrten Gemüts, wenn jemand die guten und heilsamen Ordnungen begehrt zu schwächen oder zu beugen].

Nicht weissagen: Ihr wehrt meinen Knechten, den Propheten, dass sie ihr Amt nicht tun sollten, und wollte sie nicht hören. [Es ist aber eine schreckliche Sünde, wenn man das Wort Gottes nicht mehr hören will und um die Sünde oder Irrtum wollen ungestraft sein. Von welcher Sünde geschrieben steht: Wer seine Ohren abwendet zu hören das Gesetz, des Gebet ist ein Gräuel {Spr 28}].

13. Siehe, ich will es unter euch kirren machen, wie ein Wagen voll Garben kirrt,

Kirrt: Von wegen der großen Last, als ob er dieselbe kaum ertragen könnte, also seid ihr auch mit euren Sünden überhäuft, dass ihr es die Länge nicht mehr werdet treiben können. Darum muss ich euch derselben abhelfen und euch ins Elend hinaus vertreiben. [Deswegen sollen wir uns hüten, dass wir uns mit Sünden nicht so gar überladen, bis wir es nicht mehr ertragen können].

14. dass der, so schnell ist, soll nicht entfliehen noch der Starke etwas vermögen und der Mächtige nicht soll sein Leben erretten können;

Vermögen: Es werden auch die allerstärksten Kriegsleute ihre vorige Stärke nicht mehr behalten und nichts ausrichten können.

15. und die Bogenschützen sollen nicht bestehen und der schnell laufen kann, soll nicht entlaufen und der da reitet, soll sein Leben nicht erretten;

Bestehen: Sondern sie werden die Flucht müssen an die Hand nehmen und ausreißen.

Entlaufen: Er wird dem Tode mit seiner Schnelligkeit nicht entlaufen.

Reitet: Der Reiter wird vor dem Tode auch nicht befreit sein.

16. und der unter den Starken der mannhafteste ist, soll nackend entfliehen müssen zu der Zeit, spricht der Herr.

Mannhafteste: Der sonst unter anderen Helden der vornehmste gewesen und alle Gefahr verachtet hat.

Nackend: Dass er die Waffen und Kleider von sich werfen wird.

Zeit: Wenn ich meines Volkes Sünden strafen werde. [Denn wenn Gott sein Volk strafen will, so wirft er gleichsam um die, welche er zur Strafe bestimmt hat, ein Netz, dass sie dem Tode nicht entgehen können, sie wenden sich gleich hin, wo sie wollen. So macht er auch den Helden ein verzagtes Herz, dass sie nicht daran denken, wie sie den Feind zurücktreiben wollen, sondern setzen ihre Sachen nur auf die Flucht].


Das 3. Kapitel


1. Gott droht dem Königreich Israel schwere Strafen, von wegen des Volkes Undankbarkeit und Bosheit. Und bezeugt der Prophet, dass er und andere Propheten dazu von Gott genötigt und gedrungen werden, wider das Volk Israel zu weissagen. Es werde auch Gott der Herr nicht ablassen, bis er die Strafen geschickt, welche er durch die Propheten gedroht habe. Doch werde es geschehen, dass mitten in der Strafe der Gerechte verschont werde.

1. Hört, was der Herr mit euch redet, ihr Kinder Israel, nämlich mit allen Geschlechtern, die ich aus Ägyptenland geführt habe und sprach:

Kinder Israel: Denn mit euch handelt der Herr, ob er euch von euren Sünden möchte wieder auf den rechten Weg bringen, damit ihr nicht umkommt.

Geführt: Darum, ob es wohl besonders auf das Königreich Israel angesehen ist mit dieser Weissagung, so geht sie doch etlichermaßen das Königreich Juda auch an. Denn welche in gleiche Sünde sich vertiefen, die werden auch in gleiche Strafen gestürzt. [Denn die Bußpredigten gehören allen Menschen zu, weil niemand ist, der nicht etwas an sich hätte, das der Besserung bedürfte].

2. Aus allen Geschlechtern auf der Erde hab ich allein euch erkannt; darum will ich auch euch heimsuchen in all eurer Missetat.

Erkannt: Denn ob ich wohl auch andere Völker mit vielen zeitlichen Guttaten überschüttet, dass sie große Herrschaften in dieser Welt erlangt haben, so hab ich doch nur euch, das israelitische Volk, dazu erwählt, dass ich euch mein Wort offenbarte, und habe euch den rechten Weg der ewigen Seligkeit gezeigt, wie der 147. Psalm auch bezeugt. Weil aber ihr mir undankbar seid, also dass ihr zum Teil meine Gottesdienste, die ich selber eingesetzt habe, aus der acht lasst oder verfälscht, zum Teil auch ein schändliches Leben führt, dass ich mich euer vor anderen Völkern schämen muss, so will ich euch um solcher eurer Bosheit und Sünden willen aufs ernstlichste strafen. [Also möchte uns Gott in Deutschland auch lassen zu Ohren tragen: Ich habe bisher euch Deutschen allein der reinen Lehre des Evangeliums gewürdigt. Weil aber euer etliche zu der Zwinglianer Lehre abfallen, etliche auch ein lasterhaftes unchristliches Leben führen, dass um euretwillen dem Evangelium übel nachgeredet wird, so will ich eure Leichtfertigkeit und Sünden schwer strafen].

3. Mögen auch zwei miteinander wandeln, sie sind denn eins untereinander?

Mögen: Als wollte der Prophet sagen: Damit ihr Israeliten nicht meint, meine Drohungen sind nur vergebliche und nichtige Schreckworte, so möchte ich gar wohl leiden, dass ihr die Übereinstimmung der Propheten in dieser Sachen wohl bedächtet. Denn ich bin es nicht allein, der ich eures Königreichs Untergang verkündige, sondern es tun es auch meine Mitgehilfen, die anderen Propheten, als Hosea und Micha zwar im Königreich Israel, Jesaja aber im Königreich Juda.

Eins: Denn sonst würde keiner des anderen Gefährte auf der Reise sein wollen, wenn er nicht mit ihm eins wäre. Ihr seht aber, dass die anderen Propheten allerdings mit mir übereinstimmen, eure Bosheit zu schelten und die Strafen zu verkündigen, da doch keiner unter uns der Sache halben sich mit dem anderen beratschlagt hat, sondern es hat Gott an unterschiedlichen Orten Propheten erweckt, die in höchster Einigkeit von einem Dinge weissagen, darum ihr dabei gut zu lesen ist, dass es des Heiligen Geistes unwandelbarer Wille und Meinung sei. [Denn man soll der frommen Kirchendiener einmütige Übereinstimmung, da sie die falsche Lehre und ein gottloses Leben verwerfen, nicht in den Wind schlagen. Denn solche Verachtung rächt Gott aufs Ernstlichste].

4. Brüllt auch ein Löwe im Walde, wenn er keinen Raub hat? Schreit auch ein junger Löwe aus seiner Höhle, er habe denn etwas gefangen?

Keinen Raub: Denn wenn die Löwen einen Raub sehen, nämlich ein anderes wildes Tiere, das sie zerreißen wollen, so fallen sie dasselbe mit großem Geschrei und Brüllen an, dass sie es damit schrecken und verzagt machen. Ist deswegen das Brüllen ein Zeichen, dass der Löwe wider den Raub erhitzt und mit Zorn bewegt und dem armen Tier der Tod nahend sei. Also brüllt Gott der Herr und ist über eure Bosheit und gottloses Wesen erzürnt, lässt euch auch seinen Zorn durch seine Propheten verkündigen. Darum ist kein Zweifel, es stehe euch euer endliches Verderben darauf, wo ihr nicht beizeiten Buße tut. Und da euch etwa ein Unglück wird zu Händen gehen, dürft ihr nicht meinen, es geschehe ungefähr und habt euch weiter nichts Beschwerlicheres zu besorgen, sondern es wird nur ein Anfang eures Unfalls sein, welcher vom Herrn und nicht schlumpfweise herkommen wird, der auch nicht wird ablassen, bis er euch verstrickt und verwickelt in großen Jammer stürze.

5. Fällt auch ein Vogel in den Strick auf der Erde, da kein Vogler ist? Hebt man auch den Strick auf von der Erde, der noch nichts gefangen hat?

Strick: Dass er gefangen werde. Also geraten auch die Leute nicht ungefähr in Unglück, sondern die Sünder werden von Gott, dem gerechten Richter, als mit dem Netz gefangen. [Darum sollen wir in unseren Trübsalen auf Gott sehen als auf den Vogler, auf dass wir Buße tun und das Kreuz in der Gottseligkeit geduldig tragen).

Hebt: Denn der Vogler geht nicht leicht von dem Vogelherd hinweg mit dem Garn, er habe denn zuvor etliche Vögel gefangen, damit er das Netz nicht vergebens ausgebreitet habe. [Also wenn Gott im Sinn hat, sein Volk um der Sünden willen ins Unglück zu verwickeln und zu verstricken, so lässt er nicht ab, er hab es denn hinaus geführt, sofern die Sünder nicht Buße tun].

6. Bläst man auch die Posaune in einer Stadt, da sich das Volk davor nicht entsetze? Ist auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tue?

Entsetze: Wenn der Wächter mit der Posaune ein Zeichen gibt, dass der Feind sich zur Stadt naht, da entsetzt sich freilich jedermann in der Stadt. Was ist denn das für eine schändliche Sicherheit, darinnen ihr Israeliten steckt, da wir Propheten, die Gott zu Wächtern über sein Volk gesetzt hat {Hes 3} unsere Stimme, wie eine Posaune hören lassen und dieselbe erheben, dass wir euch eure Sünden und Strafen verkündigen {Jes 58}. Dass dennoch in so großer Gefahr euer keiner erschrickt oder sich vor dem Verderben fürchtet? [Auf solche große Sicherheit folgt alles Übel].

Nicht tue: Als wollte er sprechen: Was euch für Unglück zukünftig begegnen wird, sollt ihr wissen, dass euch solches alles von Gott zugeschickt werde, damit ihr für eure große Bosheit die rechte Strafe empfangt und also endlich euer hartes Herz erweicht werde, dass ihr Buße tut. [Denn das Unglück oder Übel, dadurch Gott die Sünden straft, kommt alles von ihm, ob er wohl mancherlei Mittel dazu gebraucht].

7. Denn der Herr tut nichts, er offenbare denn sein Geheimnis den Propheten, seinen Knechten.

Tut nichts: Also dass er seinem Volk kein Unglück unversehens zuschickt, sondern ehe er straft, entdeckt er zuvor den Propheten seinen Willen und Meinung, auf dass sie das Volk zur Buße ermahnen. Darum sollt ihr nicht denken, dass wir die Weissagungen aus unserem Hirn vorbringen, sondern aus göttlicher Offenbarung. [Also sollen wir der getreuen Kirchendiener Warnungen und Schelten nicht verachten, denn sie werden von dem Heiligen Geist aufgemuntert, dass sie die herzunahende Strafe verkündigen].

8. Der Löwe brüllt; wer sollte sich nicht fürchten? Der Herr redet; wer sollte nicht weissagen?

Brüllt: Das ist, Gott ist gar sehr wider euch ergrimmt.

Nicht fürchten: Wie sollte es möglich sein, dass ihr nicht erschreckt, wenn ihr von solchem großen Zorn Gottes erinnert werdet, sofern ihr anders noch bei Verstand seid?

Redet: Zu uns Propheten und droht euch euer endliches Verderben.

Nach Luther: Das ist, ich muss wohl predigen, eure Sünde strafen und Gottes Zorn euch ankündigen, Gott heißt mich es und ihr seid die Ursache mit eurem bösen Wesen.

Weissagen: Wie könnten wir es unterlassen, dass wir euch die künftigen Strafen nicht verkündigen sollten und vor so großer Gefahr warnen, sofern wir anders nicht an der Verdammnis eurer Seelen und an allem Unglück, das euch treffen wird, wollen schuldig sein? [Denn wenn Gott dem Gottlosen sagt, er müsse des Todes sterben, der Kirchendiener aber ihm solches nicht anzeigt, so wird zwar der Gottlose in seinen Sünden sterben, aber sein Blut will Gott von des Kirchendieners Hand fordern {Hes 3 33}. Sollen deswegen die widerspenstigen Zuhörer der Kirchendiener Schelten und Strafpredigten nicht den Kirchendienern, sondern sich selbst zumessen. Denn wenn der Kranke mit Essen und Trinken sich nicht recht halten will, so muss der Arzt auch desto herber Mittel zur Arznei vor die Hand nehmen].

9. Verkündigt in den Palästen zu Asdod und in den Palästen im Lande Ägypten und sprecht: Sammelt euch auf die Berge Samaria und seht, welch ein großes Zetergeschrei und Unrecht darin ist!

Verkündigt: Jetzt fängt der Prophet an, auf der Israeliten Bosheit heftig zu schelten. Als wollte er sagen: Wenn jemand den gottlosen Heiden aus den Philistern und Ägyptern herzu riefe ins Königreich Israel oder Samaria und sie sehen und hörten, mit was grausamer Tyrannei eins das andere unterdrückte, wie gewalttätiger und unrechterweise einer wider den anderen tobte, so zweifelt mir nicht, es würde der Israeliten schändliches Wesen ihnen zum höchsten Missfallen und zuwider sein. [Denn das Volk Gottes schlägt bisweilen so ganz aus der Art, dass es solche Dinge tun darf, davor sich auch die Heiden scheuen. Wenn es aber dahin gekommen ist, so züchtigt Gott seine Kirche mit großem Ernst].

10. Sie achten keines Rechten, spricht der Herr, sammeln Schätze von Frevel und Raub in ihren Palästen.

Rechten: Und sind so ganz verderben, dass sie nichts Rechtes tun noch an etwas Rechtes denken.

Palästen: Sie füllen ihre Häuser und Paläste mit unrecht erworbenen Gütern. [Denn wo der Geiz Platz bekommt, da findet keine Gerechtigkeit mehr statt].

11. Darum spricht der Herr also: Man wird dies Land ringsumher belagern und dich von deiner Macht herunterreißen und deine Häuser plündern.

Land: Nämlich die Städte und Schlösser im Königreich Israel.

Reißen: Dass dies Königreich Israel an seinen Kräften sehr wird geschwächt werden.

Plündern: Denn was man mit Unrecht erworben hat, das werden die Feinde hinwegnehmen, nach dem Sprichwort, Übel gewonnen, übel zerronnen.

12. So spricht der Herr: Gleichwie ein Hirte dem Löwen zwei Knie oder ein Ohrläpplein aus dem Maul reißt, also sollen die Kinder Israel herausgerissen werden, die zu Samaria wohnen und haben in der Ecke ein Bett und zu Damaskus eine Sponde.

Ecke: Nämlich auf der Grenze des Königreichs Israel, zu Bethel, bei den abgöttischen Altären, da sie Abgötterei treiben, wie auch die, so zu Damaskus wohnen, ebenmäßig mit den Götzen sich verunreinigen. Denn die Israeliten haben eine Zeit lang auch die Stadt Damaskus inne, wie die Bücher der Könige bezeugen. [Und werden die abgöttischen Kapellen und Altare in der Schrift Betten oder Sponden genannt. Darum dass die Götzendiener in und bei denselben mit geistlicher Hurerei und Ehebruch sich verunreinigen. Es werden aber, spricht der Prophet, von den Abgöttischen wenige überbleiben. Denn wenn Gott die Götzendiener ausrottet, so lässt er etliche wenig bleiben, die durch großes Unglück und Jammer mürbe gemacht und wenn sie gedemütigt wurden, Buße tun und selig werden].

Nach Luther: Bette und Lager heißen Kirche und Altar {Jes 57v7}, darauf sie Hurerei, das ist, Abgötterei treiben. Will demnach der Prophet so viel sagen, sie dienen den Göttern zu Damaskus und in der Ecke, das ist, zu Dan oder Bethel.

13. Hört und bezeugt im Hause Jakobs, spricht der Herr, der Gott Zebaoth.

Hört: Nämlich ihr Propheten, das Wort des Herrn.

Bezeugt: Predigt den Israeliten die Buße.

Zebaoth: Das ist, der Heerscharen, weil alle Kreaturen gleichsam unter ihm streiten und zu Felde liegen.

14. Denn zur Zeit, wenn ich die Sünde Israels heimsuchen werde, will ich die Altäre zu Bethel heimsuchen und die Hörner des Altars abbrechen, dass sie zu Boden fallen sollen.

Heimsuchen werde: Dass ich sie mit gebührendem Ernst strafe, sofern sie nicht Buße tun.

Bethel: Welcher Ort vor anderen mit schrecklicher Abgötterei durch den ersten König in Israel Jerobeam nach der Zerteilung verunreinigt war, der zwei goldene Kälber zum Anbeten aufgestellt, eins zu Bethel, das anderer zu Dan {1Sam 12}.

Hörner: Welche zur Zierde oben auf den vier Ecken des Altars gemacht waren.

Fallen: Das ist, die Altare sollen umgerissen und der falsche Gottesdienst abgetan werden und solches durch die gottlosen Heiden, die ebenso kein nütze sind, nämlich durch die Assyrer. [Denn wenn Gott die Abgötterei mit äußerlicher Macht zu strafen im Sinn hat, so erweckt er oft gottlose Völker, die der Abgötterei sonst auch ergeben sind, und straft durch dieselben als mit einer Geißel die Abgötterei, so in seiner Kirche eingerissen ist, braucht also zu einem grindigen Kopf eine scharfe Lauge. Es soll aber auch eine christliche Obrigkeit an den Orten, da sie völlige Gewalt und die Ober-Herrlichkeit hat, die abgöttischen Bilder und Altare hinweg tun, wenn die reine Predigt des Evangeliums vorhergegangen ist. Aber dem gemeinen Haufen soll man nicht zulassen, dass sie aus eigener Willkür oder vielmehr gefastetem tollen Mut in der Kirche die Altäre und Bilder stürmen. Denn ein solcher bildstürmischer Geist trägt einen anderen aufrührerischen Geist oft mit sich auf dem Rücken].

15. Und will beide, Winterhaus und Sommerhaus, schlagen; und sollen die elfenbeinernen Häuser untergehen und viele Häuser verderbt werden, spricht der Herr.

Schlagen: Das ist: Ich will die Gebäude im Königreich Israel zerstören, welche die Israeliten nach ihrer besten Gelegenheit zu Sommer- und Winterhäusern erbaut haben, wie auch andere stattliche und köstliche Gebäude, so alle aus Überfluss und zur Üppigkeit aufgebaut wurden, und sollen mit denselben der gemeine Bürger schlechte Behausungen auch zugleich im Rauch gen Himmel aufgehen. [Heutigentags befindet sich auch bei gemeinen Leuten eine große Pracht mit bauen von Häusern, da man es nicht köstlich und stattlich genug alles herausstreichen kann. Denn obwohl Gott der Sauberkeit nicht feind ist, so ist er aber doch denen feind, die diesem Leben also ergeben sind, dass sie nur dahin sich bemühen, wie sie dies Leben können mit guter Gelegenheit hinbringen und nach dem ewigen Leben kein Verlangen haben. Viel schwerer aber sündigen diejenigen, welche auch vom Wucher und Betrug oder der Armen Schweiß und Blut aufs Stattlichste bauen und es daneben gering schätzen, dass sie die lebendigen Tempel Gottes mit Wucher und Übersatz erschöpfen und Hungers sterben lassen. Diese alle mit einander haben ebensolches Glück zu erwarten, wie es den Israeliten zu Samaria begegnet ist, dass, nämlich ihre Häuser und Paläste verbrannt und geschleift werden].


Das 4. Kapitel


1. Der Prophet schilt jetzt auch auf der Obersten, Räte und Fürsten im Königreich Israel, Sicherheit und ruchloses Leben, v. 1. 2. Und beklagt sich, dass die Israeliten, weder durch Hunger noch durch Pestilenz noch Krieg gebessert wurden, v. 6. 3. Ermahnt sie deswegen, dass sie mit zeitiger Buße den gerechten Zorn Gottes abwenden, v. 12.

1. Hört dies Wort, ihr fetten Kühe, die ihr auf dem Berge Samaria seid und den Dürftigen Unrecht tut und untertretet die Armen und sprecht zu euren Herren: Bringe her, lass uns saufen!

Dies Wort: Das mir der Herr geoffenbart hat.

Fetten Kühe: Das ist: Ihr trägen und faulen Tiere im Königreich Samaria, die ihr dem Regiment vorsteht und mit großer Sorgfältigkeit und Fleiß regieren solltet. Aber ihr seid fette und faule Kühe, dem Bauch ergeben und trachtet nur dahin, wie ihr eure Leiber wohl versorgen mögt. Denn etliche meinen, sie leben nur darum, dass sie essen und nicht dass sie darum essen, damit sie leben mögen. Daher sie nur einig und allein darauf umgehen, wie sie mit dem Reichen Schlemmer {Lk 16} immer mögen in Wollüsten schweben, solange sie leben.

Nach Luther: Kühe und ihr Herren sind die Abgöttischen mit ihren Götzen, davon sie reich werden.

Unrecht tut: Ihr unterdrückt die Leute, welche eines schlechten Vermögens sind, und reißt ihre Güter unter einem etwa ehrlichen Schein zu euch, da es doch euer Amt wäre, dass ihr sie vor aller unrechten Gewalt schützen und handhaben solltet. [Es ist aber eine zweifache Sünde, wenn die, so Priester der Gerechtigkeit sind und der armen Leute Überdrang verhüten oder doch rächen sollten, die elenden Leute selber schinden. Als wenn ein Hofmeister, der im Frauenzimmer der Weibsbilder Ehre und Zucht zu bewahren, bestellt ist, selber wollte ungebührliche Sachen mit ihnen treiben].

Die Armen: Welche ihr gleichsam mit Füßen tretet und allerdings zunichtemacht. [Diese ernste Strafpredigt des Propheten bezeugt, dass Gott für dieselben Sorge trage, welche unrechterweise unterdrückt werden. Der wird auch ihre Unbilligkeiten zu seiner Zeit mit allem Ernst rächen].

Bringe her: Den besten Wein und dessen die Menge, da wollen wir (sprechen die vollen Räte und vornehmsten Diener) miteinander um die Wette trinken und saufen, dass Binzen in uns wachsen möchten. [Es sündigen aber die ganz schwer, welche, da sie sollten ihren Herrn zur Nüchternheit und Mäßigkeit anmahnen, dieselben dazu reizen, dass sie der Trunkenheit sich ergeben. Wenn aber die Herren dem Wohlleben und der Trunkenheit nachhängen, so wird unterdes das Regiment übel versehen. So hasst auch Gott das Laster der Trunkenheit so hoch, dass er die Trunkenbolde von der Erbschaft des ewigen Lebens ausschließen wolle {1Kor 6 Gal 5}].

2. Der Herr hat geschworen bei seiner Heiligkeit: Siehe, es kommt die Zeit über euch, dass man euch wird herausrücken mit Angeln und eure Nachkommen mit Fischhäklein.

Heiligkeit: Und mit einem Eid beteuert, dass er solche rohlosen Leute so gewisslich strafen wolle, als gewiss und unzweifelhaft es ist, dass er der Allerheiligste Herr und Gott sei und ferne von aller Bosheit. [Wenn aber das schwören an sich selbst Sünde wäre, so würde freilich Gott selbst nicht schwören, weil er aller Sünden feind ist].

3. Und werdet zu den Lücken hinausgehen, eine jegliche vor sich hin und gen Harmon weggeworfen werden, spricht der Herr.

Harmon: Das ist an einem unreinen und verfluchten Ort. Und will der Prophet so viel sagen. Die Feinde werden euch als gottlose Buben, die ihr die Gerechtigkeit unterdrückt und ein rohloses Leben führt, in Stücke zerreißen und die Stücke auf die Straße an Säulen hängen, gleichwie die Metzger, wenn sie ein Vieh geschlachtet, dasselbe an krumme Hölzer aufhängen, die wie die Fischangel formiert sind. Und wenn ihr stinkend und abscheulich werdet, so wird man euch auf die Schindgruben werfen. Das heißt eine ernstliche Predigt. [Solche göttliche Bedrohungen sollen die Gottlosen Obrigkeiten und Räte sich lassen gesagt sein, welche keiner Gottseligkeit noch Gerechtigkeit achten].

Nach Luther: Ist vielleicht der Berg Amanus, jenseits welchen ist Israel in Assyrien weggeführt worden.

4. Ja, kommt her gen Bethel und treibt Sünde und gen Gilgal, dass ihr der Sünden viel macht; und bringt eure Opfer des Morgens und eure Zehnten des dritten Tages.

Ja: Jetzt schilt der Prophet auf die Abgötterei, welche im Königreich Israel getrieben wurde, und verweist es dem Volk ernstlich, dass ob sie wohl von Gott um ihrer Abgötterei willen gezüchtigt wurden, dennoch nicht Buße taten und spricht sie der Prophet spottweise an.

Bethel: An welchem Ort Jerobeam vorzeiten ein goldenes Kalb zu beten aufgestellt hat und ihr noch heutigentags mit vielfältiger Abgötterei euch darin besudelt.

Treibt Sünde: Nach eurer Gewohnheit, indem ihr solche Gottesdienste verrichtet, denen Gott feind ist. [Denn es sind die Abgöttischen unverdrossen dazu, dass sie auch weite Reisen auf sich nehmen, aus Andacht zur falschen Religion, da sie doch den wahren Gottesdienst, so von Gott selber eingesetzt wurde, zu verrichten nicht gern vor die Tür hinausgehen).

Gilgal: An einem solchen Ort, da die Abgötterei im Schwange geht.

Viel macht: Und das Maß eurer Bosheit erfüllt, damit ihr die Strafe wohl verdient und rennt nur spornstreichs der Hölle zu.

Euer Opfer: Nicht die, welche Gott zu Jerusalem zu opfern befohlen hat, sondern welche ihr und eure Priester aus gottloser Andacht selbst erwählt habt.

Zehnten: Damit ihr denselben Gottesdienst erhaltet und befördert und täglich eine ansehnliche Übung eurer Religion haben könnt. [Denn die Heuchler wissen es alles so artig anzuordnen, dass sie mit dem äußerlichen Gepränge der Menschen Augen blenden und anderen dazu Anleitung geben, dass sie sich der Abgötterei auch teilhaftig machen, gleichwie die Huren mit ihrer Zierde des Leibes und Anstreichung, ihre Liebhaber zur Unzucht reizen].

5. Und räuchert vom Sauerteig zum Dankopfer und predigt von freiwilligem Opfer und verkündigt es; denn so habt ihr es gerne, ihr Kinder Israel, spricht der Herr.

Sauerteig: Wider das ausdrücklichen Gebotes Gottes {3Mos 7}. Dass man keinen Sauerteig zum Dankopfer benutzen soll.

Verkündigt es: Wie es Gott so ein angenehmer Gottesdienst sei, wenn jemand viel Opfer bringe, die dazu Gott nie gefordert hat. [Mit diesen Worten wird der Abgöttischen Pfaffen Sinn kurz und meisterlich beschrieben. Denn weil ein Partikel von den Opfern den Priestern zum besten kam, wurden sie durch den Geiz angetrieben und gereizt, dass sie bei dem Volk anhielten, damit sie viele Opfer brächten und ihr Gewinn desto größer wäre. Ebenmäßig haben die Messpfaffen im Papsttum mit ihren gehäuften Messen und anderen Praktiken die Leute ums Geld gebracht. Und das ist eben dasselbe, was Petrus der Apostel zuvor verkündigt hat, da er sagt: Sie werden mit erdichteten Worten an euch hantieren {2Petr 2}].

Gerne: Dass euch die Pfaffen betrügen und eure Güter durch die Viele der Opfer an sich bringen, das gefällt euch selbst wohl. [Denn die Welt will betrogen sein und sind die Abgöttischen viel freigebiger in Beförderung der Abgötterei als den rechten Gottesdienst. [So viel aber die beide oben gemeldeten Orte Bethel und Gilgal betrifft, an denen man Abgötterei angerichtet hat, haben dieselben vor der menschlichen Vernunft einen großen Schein der Heiligkeit. Denn Bethel heißt Gottes Haus: Welchen Namen der Patriarch Jakob demselben Ort gegeben, weil er, in dem er sein Nachtlager darin gehalten, im Traum die Engel Gottes da gesehen an einer Leiter vom Himmel herab und wieder hinauf steigen, daher er auch den Stein, welchen er zu Häupten hatte, mit Öl begossen und ein Gelübde getan, wenn er würde gesund wieder kommen, dass er als denn Gott ein Haus dort bauen wollte {1Mos 28}. Gilgal aber ist auch ein berühmter Ort gewesen, da Josua die Israeliten beschnitten hat, welche in der Wüste waren unbeschnitten blieben, und ist daher Gilgal genannt worden, weil da die Schande von den Kindern Israel genommen wurde {Jos 5}. Darum achteten sich die Israeliten dessen nicht, dass nach Erbauung des Tempels zu Jerusalem, Gott ausdrücklich geboten hatte, man soll nirgends anders als zu Jerusalem im Tempel opfern, sondern sie gingen zu diesen beiden Orten Wallfahrten und opferten dort, obwohl die Propheten des Herren dagegen predigten. [Aber man soll in Religionssachen nicht tun, was unsere Vernunft wohl gefällt und gut bedünkt, sondern was Gott ausdrücklich in seinem Wort geboten hat {5Mos 4}. Und was im Königreich Israel Bethel und Gilgal gewesen, das sind im Papsttum die Klöster und andere Orte, da man die Heiligtümer zeigt und verehrt].

6. Darum hab ich euch auch in allen euren Städten müßige Zähne gegeben und Mangel an Brot an allen euren Orten. Noch bekehrtet ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

Müßige Zähne: Dass euch nicht viel Speise darin behangen blieben.

Nach Luther: Reine unschuldige Zähne, die dem Brot kein Leid tun.

Orten: Also dass keiner dem anderen hat können zu Hilfe kommen, weil ein jeder selbst Mangel hatte. [Ist deswegen die teure Zeit eine Strafe der Abgötterei und anderer Sünden).

Euch nicht: Dass ihr hättet Buße getan.

7. Auch hab ich den Regen über euch verhalten, bis dass noch drei Monden waren zur Ernte; und ich ließ regnen über eine Stadt und auf die andere ließ ich nicht regnen; ein Acker wurde beregnet und der andere Acker, der nicht beregnet wurde, verdorrte.

Verhalten: Also dass das Korn von wegen der Dürre nicht könne zeitig werden, sondern verdorrt ist.

Eine Stadt: Des Landes Kanaan in dem benachbarten Königreich Juda.

Verdorrte: Also dass er keine Frucht trug. [Dergestalt lässt Gott aus sonderbarem Rat oft etliche Äcker oder Weinberge vom Hagel beschädigt werden, der doch andere in der Nachbarschaft nicht trifft, auf dass er die Leute zur Buße rufe und will, dass man ihn fürchte).

8. Und zogen zwei, drei Städte zu einer Stadt, dass sie Wasser trinken möchten und konnten es nicht genug finden. Noch bekehrtet ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

Trinken möchten: Und ihren unleidentlichen Durst nur mit Wasser löschten.

Nicht genug: Sondern ich habe euch mit übermäßiger Dürre und folgendes auch daher entstandenen Durst also geplagt, dass ihr doch endlich an die Ursache solches Jammers gedächtet und Buße tätet. [Ob nun wohl bei uns solche Dürre nicht einzufallen pflegt, wie im Lande Kanaan, dass die Menschen von wegen Mangel des Wassers Durst leiden müssen, so plagt doch Gott oft die Menschen in hitzigen Krankheiten mit Durst, besonders die, welche, da sie noch gesund gewesen, mit gar zu vielem Wein sich überfüllt hatten).

9. Ich plagte euch mit dürrer Zeit und mit Brandkorn; so fraßen auch die Raupen alles, was in euren Gärten, Weinbergen, Feigenbäumen und Ölbäumen wuchs. Noch bekehrtet ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

Raupen: Wie denn durch dergleichen Plagen die Feldgewächse pflegen verderbt zu werden.

Gärten: In denen ihr viele fruchtbare Bäume hattet, die haben dasselbe Jahr nichts getragen. [Wenn deswegen die Raupen oder andere dergleichen Tiere alles verderben, so sollen wir es erkennen, dass es Strafen unserer Sünden sind. Denn obwohl natürliche Ursachen solcher Unfälle können vorgebracht werden, so ist doch die eigentliche und wahrhaftigste Ursache unser Ungehorsam, damit wir Gott zu rechtem Zorn bewegen, dass er die natürlichen Ursachen und Mittel an die Hand nimmt, unsere Bosheit zu strafen].

Nicht zu mir: [Denn viele Leute sind so widerspenstig, dass je mehr und härter sie von Gott dem himmlischen Vater gestraft werden, je weiter sie von ihm abweichen].

10. Ich schickte Pestilenz unter euch, gleicherweise wie in Ägypten; ich tötete eure junge Mannschaft durch das Schwert und ließ eure Pferde gefangen wegführen; ich ließ den Gestank von eurem Heerlager in eure Nasen gehen. Noch bekehrtet ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

Pestilenz: Dadurch ich euch eines schnellen Todes ließ hinwegsterben und in wenig Tagen eine große Menge Volkes aufgeräumt wurde. (Gleichwie ich vorzeiten auch tat in Ägypten, da ich in einer Nacht, wie ich euch ausführen wollte, alle Erstgeburt erwürgen ließ) Auf dass ihr doch endlich durch solche Strafe euch möchtet bewegen lassen und von Sünden abstehen. [Denn obwohl die recht Gottseligen zu jederzeit selig sterben, sie liegen gleich lange krank oder werden schnell hinweggerafft, so ist dennoch sonst und im Allgemeinen ein schneller Tod ein Zeichen des Zorns Gottes, über die Sünde und werden ihrer viel mit dem Schrecken und Schmerzen des Todes unversehens überfallen, dass sie an keine Buße denken noch einen Glauben an Christus schöpfen, sondern sterben also dahin in ihren Sünden und verderben ewig. Darum sollen wir Gott fleißig anrufen und bitten, dass er uns vor einem bösen schnellen Tod behüten wolle].

Wegführen: Nachdem ihre Reiter von den Feinden erschlagen wurden. Denn es ist das Königreich Israel auf eine Zeit so sehr geschwächt worden, dass nur fünfzig Reiter, zehn Wagen und zehntausend Fußvolk darin blieben {2Sam 12}.

Nasen gehen: Von euren erschlagenen Mitbürgern ließ ich euch riechen, wie sie so übel stinken auf der Walstatt, da sie lagen, und faulten, und tat das darum, weil ich meinte, ihr solltet der Ursachen solchen Jammers nachdenken und Buße tun, das doch nicht geschah. [Und zwar ist der Krieg eine von den vornehmsten und grausamsten Strafen Gottes, damit er entweder die Abgötterei oder auch andere Sünden straft. Und muss man hier auch das merken, dass Gott der Herr sagt, er habe die junge Mannschaft mit dem Schwert getötet: Daraus man sieht, wie Gott der Feinde Schwert dazu brauche, wenn er seines Volkes Sünden strafen will. Darum ist es gewiss, dass Gott bisher so viele Christen mit des Türken Schwert erwürgt habe, weil das Volk Gottes eins teils mit Abgötterei, eins teils mit gottlosen Leben sich versündigt hat].

11. Ich kehrte etliche unter euch um, wie Gott Sodom und Gomorrha umkehrte, dass ihr wart wie ein Brand, der aus dem Feuer gerissen wird. Noch kehrtet ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr {1Mos 19v24}.

Umkehrte: Das ist, ich schickte euch große und schreckliche Unfälle zu, dass euer viele umkamen und dass es das Ansehen gewann, als wäre euer endlicher Untergang vorhanden, dass ganz wenige von euch übergeblieben, gleichwie aus einer großen Brunst ein Brand oder zwei herausgerissen wird. [Denn es hat Gott unzählig viele Geißeln, damit er unsere Widerspenstigkeit strafen kann. Darum sollen wir uns hüten, dass wir seinen Zorn nicht auf uns laden].

12. Darum will ich dir weiter also tun, Israel. Weil ich denn dir also tun will, so schicke dich, Israel und begegne deinem Gott!

Darum: Weil du bisher nicht hast wollen Buße tun.

Nach Luther: Ich will auch fortfahren mit Plagen, darum tut Buße, das rate ich, ehe es angeht.

Also tun: Wie ich zuvor auch getan, das ich mit allerlei vorgemeldeten Strafen und Plagen dich habe heimgesucht.

Begegne: Das ist, bereite dich, dass du Gott deinen Herrn erweichst, tue Buße, damit Gott das herzunahende und bereits vor Augen schwebende Unglück abwende. Denn solches heißt dem Herrn begegnen. [Wenn deswegen Gott entweder durch sein Wort oder mit Plagen unseren Ungehorsam züchtigt, so sollen wir nicht von ihm weichen, sondern Buße tun und aus Glauben zu ihm treten, so werden wir wieder bei ihm ausgesöhnt und die bevorstehenden Strafen abgewandt].

13. Denn siehe, er ist es, der die Berge macht, den Wind schafft und zeigt dem Menschen, was er reden soll. Er macht die Morgenröte und die Finsternis; er tritt auf den Höhen der Erde: Er heißt Herr, Gott Zebaoth.

Reden soll: Darum hast, o Israel, mit keinem Stock oder Klotz zu tun, sondern mit dem Allmächtigen ewigen Gott, welches Macht niemand widerstehen kann und aller Menschen Herzen wendet, dass sie reden müssen, was er will, wenn sie gleich zuvor nie daran gedacht haben.

Höhen: Das ist durch schreckliche Unwetter, die über der Erde schweben, gibt er zu erkennen, dass er gegenwärtig sei.

Zebaoth: Das ist der Heerscharen, weil er ein großmächtiges Heer hat und alle Kreaturen gleichsam unter ihm zu Felde liegen, die er benutzen kann, sooft er will, seine gerechten Gerichte zu vollstrecken. [Darum sollen wir die Majestät unseres Gottes betrachten, ihn fürchten und Buße tun. Denn wer könnte einem solchen Herrn entfliehen, wenn er ihn erzürnte? Oder wer würde uns von seiner Hand erretten?]


Das 5. Kapitel


1. Der Prophet verkündigt den Israeliten abermals schwere Strafen und erzählt ihre Sünden, mit welchen sie die Strafen verdient hatten. Zeigt aber daneben Mittel und Wege an, wie sie der Geißel Gottes können überhoben sein, wo sie anders wollen.

1. Hörte, ihr vom Hause Israel, dies Wort; denn ich muss dies Klagelied über euch machen:

Machen: Ich kann mich nicht enthalten, dass ich nicht euren künftigen Unfall beweinen sollte. [Denn die Frommen haben mit denen auch ein Mitleiden, die rechte Strafe empfangen für ihre Bosheit].

2. Die Jungfrau Israel ist gefallen, dass sie nicht wieder aufstehen wird; sie ist zu Boden gestoßen und ist niemand, der ihr aufhelfe.

Aufhelfe: Das ist das israelitische Regiment, so vor Zeiten und vor etlichen hundert Jahren unter der Regierung des Königs Davids eine züchtige Jungfrau war und Gott durch den Glauben vertraut, jetzt aber mit schrecklicher Abgötterei, als einer abscheulichen Hurerei sich verunreinigt hat, wird durch die Assyrer so gar darnieder geschlagen und zu Boden gestürzt werden, dass es sich selbst nicht wiederum wird erholen, noch zu Kräften kommen könne noch sonst jemand sein, der ihr wieder aufhelfe und es wieder anrichte. [Denn wenn Gottes Langmütigkeit verachtet wird, so straft er später desto härter, je länger er der Menschen Bosheit geduldet hat].

3. Denn so spricht der Herr Gott: Die Stadt, da tausend ausgehen, soll nur hundert übrig behalten; und da hundert ausgehen, soll nur zehn übrig behalten im Hause Israel.

Stadt: So im Königreich Israel irgendwo gelegen ist.

Tausend: Streitbare Mannspersonen, zum Krieg tauglich und gerüstet.

Zehn: Gott wird nicht nur den zehnten Teil von euch umbringen, sondern neun Teile, also dass nur der zehnte Teil überbleibe, die anderen aber werden vom Feinde erwürgt werden oder doch durch Hunger oder Pestilenz in der Belagerung umkommen. [Denn dass wenige Leute in einem Lande gefunden werden, solches ist ein Stück des göttlichen Fluchs. Die vielen aber und große Menge der Einwohner ist für ein Segen Gottes zu halten {Spr 14}. Aber geizige Leute sagen das Widerspiel].

4. Darum so spricht der Herr zum Hause Israel: Sucht mich, so werdet ihr leben!

Darum: Der Prophet streut eine tröstliche Ermahnung mit unter, wie man nämlich den Zorn Gottes abwenden könne, sofern man nur wolle Buße tun.

Sucht: Das ist, tut Buße, so wird eure Sache wohl stehen, denn ihr werdet der zeitlichen Strafe entrinnen und vor dem ewigen Tode auch befreit bleiben. [Denn wenn wir ernstlich Buße tun, so wird Gott uns nicht allein wiederum gnädig und versöhnt, sondern er nimmt auch die Strafen hinweg, welche er zuvor gedroht hat oder lindert sie doch zum wenigsten {Jer 18}].

5. Sucht nicht Bethel und kommt nicht gen Gilgal und geht nicht gen Berseba. Denn Gilgal wird gefangen weggeführt werden und Bethel wird Beth-Aven werden.

Nicht Bethel: Dass ihr das goldene Kalb darin verehren wolltet und also Abgötterei treiben, sondern erzeigt es mit der Tat und im Werke, dass es euch mit der Buße ein Ernst sei, mit Vermeidung der abgöttischen Orte, dass ihr darin keinen Gottesdienst oder Opfer mehr verrichtet, wo ihr anders klug seid. [Denn so spürt man, dass wir rechtschaffene Buße tun, wenn wir von Sünden abstehen. Und rühmen sich die vergebens, dass sie Buße getan haben, welche vorsätzlich in Sünden fortfahren].

Berseba: An welchem Ort die Israeliten auch Abgötterei getrieben, da sie, wie die Heuchler zu tun pflegen, des frommen Patriarchen Isaaks Beispiel nachfolgen wollen, der dem Allmächtigen Gott, so ihm da erschienen war, einen Altar am selben Ort aufgerichtet und geopfert hatte {1Mos 26}].

Weggeführt: Wenn ihr nämlich also in eurer Abgötterei fortfahren werdet. Und sieht der Prophet hier auf die Bedeutung des Namens: Denn Gala heißt ein Gefängnis, als wollte er sprechen, das Volk, so darin wohnt und aus einer Andacht zur Religion dahinzieht, wird in Assyrien gefänglich geführt werden, alsdann wird derselbe Ort recht Gilgal heißen.

Beth-Aven: Welches ebenso viel heißt als ein Haus der Eitelkeit, Ungerechtigkeit und Bosheit, da sonst Bethel ein Haus Gottes bedeutet, dahin der Prophet hier sieht, als wollte er sprechen: Es wird bei dem falschen Gottesdienst kein Glück sein, sondern derselbe Ort soll verwüstet werden, das Volk aber wird müssen ins Elend hinwegziehen.

6. Sucht den Herrn, so werdet ihr leben, dass nicht ein Feuer im Hause Josephs überhandnehme, das da verzehre und niemand löschen möge zu Bethel,

Leben: Wenn ihr rechtschaffene Buße tut. [Denn man soll den Sündern auch die Verheißungen der Gnaden vorhalten, damit sie nicht aus Verzweiflung von einer Sünde in die andere fallen. Denn wie wollte einer können rechtschaffene Buße tun, der keine Hoffnung zur Seligkeit hätte?]

Feuer: Nämlich der Zorn Gottes, dass er nicht mit schrecklichen Plagen im Königreich Israel rumore und das ganze Königreich zugrunde richte und verzehre. Es nennt aber der Prophet das Königreich Israel Josephs Haus darum, dass dasselbe Königreich der größte Teil im Stamm Ephraim gewesen. So war aber Ephraim Josephs Sohn {1Mos 48}. [Und wird der Zorn Gottes dem Feuer recht verglichen. Denn gleichwie ein Feuer, wenn es überhandnimmt, alles verzehrt, was es antrifft. Also wütet auch der Zorn Gottes wider die unbußfertigen Sünder ohne Ansehen der Person].

7. die ihr das Recht in Wermut verkehrt und die Gerechtigkeit zu Boden stößt {Am 6v12}.

Verkehrt: Darum er seinen Zorn richtig über euch ausstößt und besonders über euch Oberen im israelitischen Lande, weil ihr so verkehrte Urteile fällt, dass die Untertanen ihres Rechten halben in eurem Gericht wenig sich zu getrösten haben. Denn eure Gerichte sind durchaus verkehrt und etlichermaßen vergiftet. [Es wird aber das Recht in Wermut verkehrt und die Gerechtigkeit auf der Erde mit Füßen getreten, nicht allein, wenn unrechte Urteile ausgesprochen werden, sondern auch, wenn man einen solchen gerichtlichen Prozess anstellt, dass die streitigen Parteien, besonders welche gerechte Sache haben, keinen Ausspruch des Urteils oder Vollstreckung desselben erlangen können. Solche Prozesse hat der Teufel erdacht, der aller Gerechtigkeit feind ist. Wo auch ein solches Recht ist, da ist es ebenso viel, als wenn kein Recht wäre].

8. Er macht die Glucke und Orion; der aus der Finsternis den Morgen und aus dem Tage die finstere Nacht macht; der dem Wasser im Meer ruft und schüttet es auf den Erdboden: Er heißt Herr {Hi 38 31v22 Am 9v6},

Er macht: Nämlich der allmächtige ewige Gott. Darum ihr Richter ihn richtig fürchten sollt.

Nach Luther: Die sonst auch Plejades genannt sind {Hi 9v9}.

Orion: Die hell leuchtenden himmlischen Gestirne: Welche er alle miteinander versteht, indem er nur eins oder zwei nennt, die ihm als einem Hirten und Bauersmann besonders bekannt waren.

Nacht macht: Einen solchen Herrn sollt ihr fürchten, denn es kann sonst kein Monarch auf der ganzen Welt, wie mächtig er auch sei, einen einzigen Tag oder Nacht ändern oder verlängern, allein Gott kann solches tun.

Ruft: Dass er es durch die Sonnen Hitze in die Höhe und in die Wolken hinaufzieht.

Schüttet: Durch den Regen, wenn, wie oft und wie viel er will.

Heißt Herr: Und ist allein der ewig wahre Gott. [Man soll aber nicht allein aus diesen göttlichen Werken Gottes die ewige Gottheit und Majestät erkennen {Röm 1}. Sondern auch so oft die Obrigkeit oder Rechtsgelehrten das Gestirn ansehen und die Veränderung des Tages und Nachts betrachten oder einen starken Platzregen sehen herabfallen, sollen sie denken, dass sie demselben allermächtigsten Herren, in dessen Hand solches alles steht, einmal werden müssen Rechenschaft geben, wie sie dem Regiment vorgestanden sind und ob sie es recht verwaltet haben oder nicht].

9. der über den Starken eine Verstörung anrichtet und bringt eine Verstörung über die feste Stadt.

Feste Stadt: Das ist, der die Mächtigen stürzt und feste Städte und Schlösser lässt verwüstet werden. [Denn obwohl die, so im Gericht unterdrückt werden, der Mächtigen unrechte Gewalt leiden müssen. So stürzt doch Gott solche Mächtigen wiederum zu Boden und macht sie zunichte. Weil er ein Rächer ist aller derer, die unrechterweise unterdrückt werden).

10. Aber sie sind dem gram, der sie im Tor straft und haben den für einen Gräuel, der heilsam lehrt.

Lehrt: Was gottselig, recht und richtig ist: Das können sie nicht leiden, wenn die Kirchendiener auf der Kanzel dagegen predigen sollten, was auf Rathaus Unrecht vorgeht, da man Gericht hält und die Regimentssachen abhandelt. So verdrießt sie es auch ganz übel, wenn jemand in ihrer Räteversammlung seine Meinung, die ihnen zuwider ist, frei heraus sagt. [Welches das Allerärgste ist, dass die, so Unrecht daran sind, oft nicht dulden oder zulassen wollen, dass man sie zum besten und ihres Nutzen willen, warne. Solchen Leuten ist weder zu raten noch zu helfen, die weder von den unteren noch oberen oder auch ihresgleichen sich wollen weisen lassen, sondern tun alles Schlechte nach ihrem Kopf, wenn sie gleich mit augenscheinlichen Ursachen ihres Irrtums und unrechten Vorhabens überwiesen werden. So werden auch heutigentags ihrer viele gefunden, welche, wenn sie von den Kirchendienern ihrer Ungerechtigkeit und gottlosen Wesens öffentlich überzeugt wurden, dürfen sagen: Die Pfaffen sind unruhige Köpfe und wollten gern einen Fuß auf dem Rathaus und den anderen auf der Kanzel haben, geben vor, die Kirchendiener suchen Gelegenheit, damit sie die päpstliche Tyrannei wieder aufrichten mögen: Da unterdes solche falschen Ankläger und Verleumder selbst danach trachten, wie sie über die Kirche tyrannischerweise herrschen können].

11. Darum, weil ihr die Armen unterdrücket und nehmt das Korn mit großen Lasten von ihnen, so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Werkstücken gebaut habt und den Wein nicht trinken, den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzt habt.

Darum: Der Prophet wendet sich wiederum zu seinem ersten Vorhaben, dass er den gottlosen Israeliten die Strafen verkündigt, weil sie in ihrer Bosheit beharren.

Unterdrückt: Dass sie nicht zu ihren Rechten kommen können, und raubt ihnen, was sie noch an Gütern übrig haben.

Von ihnen: Nämlich von den armen Nachbarsleuten, denen ihr es um ein geringes Geld abgaunert und danach teuer verkauft, welchen euren Geiz ich ernstlich strafen will. [An diesem Ort werden die wucherischen Kontrakte verworfen, da jemand das Korn bisweilen, auch ehe es zeitig wird, um ein schlechtes und kaum halbes Geld von den Ackerleuten kauft, später aber eben denselben oder anderen wiederum ganz zu teuer verkauft. Das sind die rechten Kornwürmer, welche Land und Leute verderben. Man findet aber solche wucherischen Kontrakte auch in anderen Waren und Hantierungen].

Nicht wohnen: Denn ihr zuvor im Elend zum Teufel fahren werdet, ehe ihr von eurem Geiz einen Nutzen haben könnt.

Nicht trinken: Denn die Feinde werden euch aus dem Lande gefangen hinwegführen. [Was nützt es denn den geizigen Leuten, wenn sie gleich mit Betrug oder Gewalt anderer Leute Güter zu sich reißen und danach stattlich bauen oder auch lustige Gärten, Äcker und Wiesen für sich kaufen, davon sie doch, aus gerechtem Urteil Gottes, keinen Nutzen bekommen, sondern nur Nachteil und Schaden, ja zeitliches und ewiges Verderben daher zu erwarten haben].

12. Denn ich weiß eurer Übertreten, des viel ist und eure Sünden, die stark sind, wie ihr die Gerechten drängt und Blutgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt.

Stark: Das ist, groß und unleidentlich. Darum kann ich solcher eurer Bosheit nicht länger zusehen. [Denn die Unbußfertigen häufen eine Sünde über die andere und sammeln sich selbst den Zorn Gottes auf den Tag des Zorns {Röm 2}].

Drängt: Dass ihr ihnen alles Leid antut und sie heftig plagt.

Blutgeld: Dass ihr um Gelds und Geschenk willen unrechte Urteile über die Unschuldigen fällt.

Tor: Dass ihr in euren Ratsversammlungen (die man vorzeiten unter den Toren gehalten, wie bei uns auf Rathaus geschieht) der armen Leute gute Sachen verkehrt, weil ihr sie entweder nicht recht vorbringt oder aber das vornehmste, so zur Sachen dienlich ist, außen lasst, damit sie nicht zu ihrem Rechten gelangen können, sie haben euch denn mit Geschenken weidlich geschmiert. [Aber Gott wird solche Bestecher fressen übel umbringen].

13. Darum muss der Kluge zur selbigen Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit.

Schweigen: Weil sie nicht können zum Verhör kommen, was fromme und verständige Leute sind und nicht ohne Gefahr über solche große Unbilligkeit der gerichtlichen Prozesse frei heraus sich beklagen dürfen, darum seufzen sie darüber. [Es steigen aber solche Seufzer der frommen und gottseligen Leute hinauf gen Himmel und bringen Gott auf zur Rache].

Nach Luther: Man darf nicht predigen, es will niemand hören noch leiden.

14. Sucht das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben mögt, so wird der Herr, der Gott Zebaoth, bei euch sein, wie ihr rühmt {Ps 34v15 97v10 Röm 12v9}.

Sucht: Der Prophet streut abermals eine liebliche Ermahnung mit unter, dass sie der göttlichen Güte sich getrösten und Buße tun sollen, damit sie nicht ewig verloren werden. [Denn man muss sauer und süß durcheinander mengen, ob vielleicht die Sünder Buße tun wollten].

Böse: Strebt nach der wahren Gottseligkeit und führt einen solchen Wandel, der dem Volk Gottes wohl ansteht, enthaltet euch auch von der Abgötterei und Ungerechtigkeit und von allen anderen Sünden.

Leben mögt: Und beide, der zeitlichen und ewigen Strafe, entgeht.

Rühmt: Dass ihr pflegt zu sagen, Gott werde euch nicht verlassen, sondern mit seiner Hilfe euch erscheinen wider eure Feinde. Welche Hoffnung vergebens ist, solange ihr in euren Sünden und mit Abgötterei fortfahrt. Aber wenn ihr rechtschaffene Buße tut, so wird euch Gott wahrhaftig helfen. [Denn welche in Todsünden mutwillig beharren, die haben sich keiner göttlichen Hilfe zu getrösten].

15. Hasst das Böse und liebt das Gute, bestellt das Recht im Tor, so wird der Herr, der Gott Zebaoth, den übrigen in Josef gnädig sein.

Gute: Nämlich den rechten und ordentlichen Gottesdienst und befleißigt euch eines gottseligen unsträflichen Wandels. [Denn ein rechtschaffener Eifer in einem frommen Menschen meidet die Bosheit nicht allein, sondern ist ihr auch von Herzen feind].

Recht: Lasst jedermann recht widerfahren vor Gericht. [Denn Gott hasst alle Ungerechtigkeit und unrechte Gewalt und kann ein Regiment nicht lange bestehen, darin Recht und Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird].

In Josef: Das ist im israelitischen Königreich, welches sehr geschwächt ist: Und wird die herzurückenden Strafen entweder allerdings aufheben und hinwegnehmen oder doch gnädiglich mildern. [Denn es steht geschrieben, als wahr ich lebe, spricht der Herr, will ich nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe. Was aber die zeitlichen Strafen belangt, werden dieselben nicht immer allerdings abgewandt, obgleich die Sünde verziehen ist].

16. Darum so spricht der Herr, der Gott Zebaoth, der Herr: Es wird in allen Gassen Wehklagen sein und auf allen Straßen wird man sagen: Wehe! Wehe! Und man wird den Ackermann zum Trauern rufen und zum Wehklagen, wer da weinen kann.

Der Herr: Oder Herrscher, unter welches Gewalt alle Dinge sind.

Weinen kann: Es wird kein Scherz oder Spiegelfechten sein, wie man bisher bei der reichen Leute Leichen hat pflegen, besondere Leute ums Geld dazu zu dingen, dass sie sich leidig stellen müssen und zum Schein die Verstorbenen beweinen. Aber jetzt wird ein Ernst daraus werden, denn es werden Bürger und Bauern, ein jeglicher sein eigenes Elend und den allgemeinen Jammer herzlich beklagen und beweinen.

17. In allen Weinbergen wird Wehklagen sein; denn ich will unter euch fahren, spricht der Herr.

Weinbergen: Darin man zuvor zu singen pflegte, besonders im Herbst, zur Zeit der Weinlese.

Wehklagen: [Denn welche zur fröhlichen Zeit die Furcht Gottes von sich werfen, die werden mit Traurigkeit und Herzeleid überfallen].

Fahren: Mit meiner Strafe will ich mitten durch das Königreich Israel überall her durch ziehen.

Nach Luther: Ich will euch Mores lehren.

18. Wehe denen, die des Herrn Tag begehren! Was soll er euch? Denn des Herrn Tag ist eine Finsternis und nicht ein Licht {Jer 30v7 Joel 2v11}.

Begehren: Will so viel sagen, wie sind das so unglückselige elende Leute, welche aus Ungeduld von wegen des zeitlichen Unfalls wünschen, entweder dass Gott mit dem Jüngsten Tage komme oder doch sie durch den Tod, je ehe je lieber aus diesem Leben hinweg nehme.

Finsternis: Also dass, wenngleich der Jüngste Tag käme, oder aber ihr durch den Tod in eine andere Welt hingerissen würdet, dennoch solches euch keine Erleichterung bringen würde, denn ihr werdet aus dem zeitlichen Jammer in ewige Pein und Qual gestürzt werden. Dass aber Finsternis, Traurigkeit und Unglück in der Schrift bedeutet und wiederum das Licht Freude und Glück, ist oft gemeldet.

19. Gleich, als wenn jemand vor dem Löwen flöhe und ein Bär begegnete ihm und als wenn jemand in ein Haus käme und lehnte sich mit der Hand an die Wand und eine Schlange steche ihn.

Haus käme: Auf dass er der Gefahr draußen entrinne.

Lehnt: In willens, ein wenig zu ruhen und von der Flucht sich wiederum zu erholen.

Steche ihn: Geriete also in größere Gefahr denn zuvor, ja hätte nichts Gewisseres als den Tod zu erwarten, von der giftigen Schlangen Biss. [Welche deswegen sich selbst den Tod wünschen und aber daneben nicht Buße tun, die wünschen sich selbst das größte Unglück und Übel. Und welche aus Verzweiflung sich selbst den Tod antun, die stürzen sich aus der zeitlichen Angst in die ewige Pein. Darum sollen wir uns den Tod nicht selber wünschen noch zu demselben eilen, sondern vielmehr Buße tun, auf dass wir mögen bei Gott wiederum zu Gnaden kommen und die Strafen uns gemildert werden, auch das Kreuz, so uns von Gott aufgelegt wird, geduldig tragen, also wird es geschehen, dass dieses Lebens Jammer und Elend in ewige Freude wird verkehrt werden].

20. Denn des Herrn Tag wird ja finster und nicht licht sein, dunkel und nicht hell.

21. Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag nicht riechen in eure Versammlung.

Ich: Der Prophet fängt abermals an, auf der Israeliten Abgötterei heftig zu schelten.

Feiertagen: Damit ihr gemeint, mir einen herrlichen Gottesdienst zu leisten.

Nicht riechen: Nämlich eure Rauchopfer, welche ihr mir tut, wenn ihr in großer Anzahl zusammenkommt, den Gottesdienst zu verrichten.

Nach Luther: Das ist: Euer Rauchopfer gefällt mir nicht, ich hab die Schnuppe.

22. Und ob ihr mir gleich Brandopfer und Speiseopfer opfert, so hab ich keinen Gefallen daran; so mag ich auch eure feisten Dankopfer nicht ansehen.

23. Tu nur weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag deines Psalter Spiels nicht hören!

Nicht hören: Es ist mir deren keins angenehm. [Es hatte aber Gott an den Israeliten Gottesdienste besonders um dreierlei Ursachen willen kein Gefallen. Erstlich, weil sie die Gottesdienste, so von Gott selber eingesetzt waren, mit Menschensatzungen und anderen falschen Gottesdiensten besudelten und es alles durcheinander mengten. Danach opferten sie und verrichteten ihre Gottesdienste der Meinung, dass sie dadurch, als mit dem Werk an sich selber, begehrten ihre Sünden abzubüßen, glaubten aber nicht an den Messias, dass er allein die Versöhnung sein würde vor der ganzen Welt Sünde. Zum dritten, führten sie ein schändliches Leben, also dass um ihres gottlosen Wesens willen der Name Gottes unter den Heiden verlästert wurde. Also ist auch heutigentags mit der Katholiken Gottesdienste, da sie in der Kirche viel singen, beten und Messe halten, Gott nicht gedient, weil alles fast mit gleicher Abgötterei bei ihnen verunreinigt ist und meinen, es werden ihre Sünden durch solche Gottesdienste, als mit dem Werk an sich selbst, versöhnt und abgetilgt, setzen aber nicht alle ihre Hoffnung allein auf den Mittler Christus, so führen sie auch gar ein schändliches Leben, welches Christen übel ansteht: Ich sage nicht von allen, denn ich weiß, dass etliche gefunden werden, die ehrbar wandeln: Aber doch kann man auch nicht leugnen, dass hin und wieder viele Mönche und Nonnenklöster rechte Hurenhäuser sind. Wie auch der gemeine Mann im Papsttum lebt, ist am Tage].

24. Es soll aber das Recht offenbart werden wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein starker Strom.

Strom: Das ist, mein gerechtes Gericht wird euch überfallen und unterdrücken, damit will ich nach meiner strengen Gerechtigkeit eure Sünden rächen. Also dass die Strafen eurer Sünden wie eine große Flut euch hinweg reißen und umbringen werden und ihr kein Entrinnen hoffen dürft. [Denn wer kann der Hand des allmächtigen Gottes entfliehen?]

25. Habt ihr vom Hause Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre lange Schlachtopfer und Speiseopfer geopfert? Jawohl!

Geopfert: Als wollte Gott sagen, ihr Israeliten tut zwar nichts neues, sondern fahrt immer in euren alten Trappen fort, von der Zeit an, da ich euch aus Ägypten geführt habe, bis auf den heutigen Tag. Denn euer der größere Teil immer, wo nicht öffentlich, doch heimlich die Abgötterei meinem ordentlichen Gottesdienst, wie ich denselben eingesetzt, vorgezogen und habt meine Gottesdienste mit heimlicher Abgötterei verunreinigt.

26. Ihr trugt den Sichuth, euren König und Chiun, euer Bild, den Stern eurer Götter, welche ihr euch selbst gemacht hattet.

Sichuth: (Nach Luther) {Apg 7v42 v43} führt Lukas diesen Spruch anders, das magst du darin lesen. Es lautet aber gleichwohl, als sei es ein Gottesdienst gewesen, den sie Sichuth, das ist, Hut, Schutz, Schirm, genannt (wie wir S. Bastian einen Sichuth wider die Pestilenz angebetet haben), dadurch sie vor allem Übel haben sicher sein wollen. Also Chiun lautet, als gewiss, beständig, sicher, dass sie dadurch sicher das behalten haben, was sie gewesen und haben. Aller Dinge, wie wir die Heiligen angerufen, dass sie uns das gegenwärtige Gut erhielten und vor künftigem Übel uns behüteten.

Gemacht: Das ist, ihr hattet heimlich in der Wüste eure Götzen bei euch, als Bilder der Sterne oder Planeten und dergleichen, denen ihr dientet, damit sie euch vor Unglück bewahren sollten. Dieser Spruch wird zwar {Apg 7} von dem ersten Märtyrer Stephanus mit etwas anderen Worten angezogen, aber doch in einerlei Verstand. Und halt ich es dafür, dass zwar S. Stephan den hebräischen Text gebraucht habe, aber Lukas, der die Geschichte der Apostel beschrieben, sei der gemeinen griechischen Dolmetschung nachgegangen, welche, so viel die Worte betrifft, mit dem hebräischen Text nicht immer übereinstimmt. Denn die Dolmetscher es bei dem verbleiben lassen, wenn sie den rechten Verstand hatten, darauf sich später die anderen bezogen, sofern sie sich zu ihrem Vorhaben geschickt.

27. So will ich euch von hinnen jenseits Damaskus wegführen lassen, spricht der Herr, der Gott Zebaoth heißt.

Wegführen: Um solcher eurer Bosheit willen, die ihr von euren Voreltern ererbt und selbst bis daher immerfort getrieben.

Herr: Der solche eurer Bosheit und gottloses Wesen ernstlich strafen wird.


Das 6. Kapitel


1. Der Prophet schilt auf die Sicherheit, welche im Königreich Juda und Israel im Schwange ging. Denn die Obersten des Volkes richteten all ihr Tun dahin, wie sie der Üppigkeit und Wollust dienen möchten und fragten nicht viel danach, wie es in der Kirche oder weltlichem Regiment zuginge. Darum erzählt er hier das Unglück, damit Gott solche ihre Widerspenstigkeit und unordentliches Wesen strafen werde.

1. Wehe den Stolzen zu Zion und denen, die sich auf den Berg Samaria verlassen, die sich rühmen die Vornehmsten über die Heiden und gehen einher im Hause Israel!

Zu Zion: Nämlich den Einwohnern der Stadt Jerusalem, welchen es übel gehen wird, weil sie von wegen des Tempels zu Jerusalem ihnen viel herrliche Dinge träumen lassen, als würden sie um ihre Bosheit ungestraft bleiben.

Verlassen: Das ist, weh auch denen, die auf die große Macht des israelitischen Königreichs pochen und trotzen und sich rühmen, sie sind mächtiger als alle anderen Heiden, treten einher, als wollten sie den Boden eintreten, wie die stolzen großen Hansen zu tun pflegen. [Es ist aber eine gräuliche Sünde, wenn das Volk Gottes seine Stärke rühmt und nicht auf Gott, sondern auf seine Macht all seine Hoffnung setzt. Denn solche Hoffart ist ein Stück der Abgötterei und welche also gesinnt sind, die werden endlich jämmerlich zuschanden. Denn verflucht ist, der sich auf Menschen verlässt, und hält Fleisch für seinen Arm {Jer 17}].

2. Geht hin gen Kalne und schaut von dort gen Hemath, die große Stadt und zieht hinab gen Gath der Philister, welche bessere Königreiche gewesen sind, denn diese und ihre Grenze größer denn eure Grenze.

Geht hin: Und seht, wie es anderen Orten ergangen ist, die sich auf ihre Macht verlassen haben, auf dass ihr im Königreich Juda und Israel daraus abnehmen könnt, wie so ganz vergebens euer Vertrauen sei, das ihr auf eigene Kräfte habt.

Kalne: So vorzeiten eine mächtige Stadt im Königreich Assyrien gewesen. Ihrer wird gedacht {1Mos 10}.

Schaute: Wie sie so ganz zerstört und zunichtegeworden ist.

Große Stadt: Welche ihr großes Ansehen längst verloren hat.

Größer: Dennoch sind solche Königreiche durch andere Könige überwältigt und zerstört worden, darum dürft ihr euch nicht so rühmen, als ob dergleichen euch nicht auch begegnen könnte. [Heutigentags wollen sich schier unsere Deutschen ihrer Macht auch zu viel überheben, als ob sie aller anderen Nationen übertreffen. Aber sie sollten sich erinnern, dass viel mächtigere Völker denn sie überwunden, aus ihrem Lande vertrieben oder doch dienstbar sind gemacht worden. So wäre auch zu wünschen, dass alle Deutschen solchem Ruhm mit der Tugend begehrten nachzustreben].

3. Die ihr euch weit vom bösen Tage achtet und trachtet immer nach Frevelregiment,

Achtet: Und meint, es sei keine Gefahr vorhanden, darum ihr auch nur darauf seht, wie ihr tyrannischerweise und mit Gewalt über andere herrschen mögt. [Denn was rohlose Leute sind, die nehmen die Regierung nicht darum an, dass sie anderen begehrten zu raten und behilflich zu sein, sondern suchen die Herrschaft über andere, damit sie tun dürfen, was sie gelüstet].

4. und schlaft auf elfenbeinernen Lagern und treibt Überfluss mit euren Betten; ihr esst die Lämmer aus der Herde und die gemästeten Kälber

Betten: Dass ihr dieselben aufs Köstlichste lasst zurichten und gar kein Maß damit haltet. [Hier werden diejenigen gescholten, welche eine besondere Pracht treiben mit ihren Betten und des Beischlafs nicht angebracht benutzen zum Kinderzeugen oder zur Dämpfung der begehrlichen Lüste, sondern nur zur übermäßigen Wollust, welche Leute doch auch nichts mehr damit ausrichten, denn dass sie sich selbst an Leib und Gemüt schwächen].

Kälber: Das ist, ihr führt ein zärtliches Leben und lasst die beste Speise für euch zubereiten. [Hier wird auf den Überfluss bei den Gastmahlen, den Banketten, gedeutet. Und ist es freilich heutigentags dahin gekommen in Deutschland, dass ich es gänzlich dafür halte, wenn man der Israeliten Tun gegen das unsere rechnen soll, so würden jene das Lob der Sparsamkeit davontragen. Doch wird das am allermeisten und besonders Unrecht gescholten, dass sie der Wollust pflegten und darüber des Regiments Geschäfte versäumten. Sonst kann Gott ehrliche und köstliche Mahlzeiten zur angemessenen Zeit und Gelegenheit an Frommen wohl dulden].

5. und spielt auf dem Psalter und erdichtet euch Lieder, wie David,

Wie David: Es wird aber hiermit die Singkunst oder Musik nicht verworfen, sondern der Missbrauch derselben und dass man die Geschäfte seines Berufes darüber versäumt. Wie es auch nicht am David als Unrecht gescholten wird, dass er der Musik sich gebraucht, sondern es wird dadurch zu verstehen geben, dass sie des Davids Ergötzlichkeiten gebrauchten, aber in fleißiger Verrichtung ihres Berufes ihm es gar nicht nachtäten.

6. und trinkt Wein aus den Schalen und salbt euch mit Balsam und bekümmert euch nichts um den Schaden Josephs.

Schaden Josephs: Dies ist die Ursache, warum Gott alles vorgemeldete an der Israeliten Fürsten und Obersten verworfen und verdammt habe, denn sonst auch weder den Wein noch die Salben zu benutzen verboten ist, sondern das ist Unrecht, wenn man sich nur auf die Wollust legt und des Regimentes Geschäfte unterdes vergisst oder an einen Nagel hängt, wie hier den Regenten in Israel Schuld gegeben wird, dass sie nicht daran gedacht, was für ein elender Zustand in der Kirche und auch im weltlichen Regiment des israelitischen Landes damals gewesen, sondern nur dahin gesehen, wie sie möchten ein gutes Leben haben. [Solchen Obrigkeiten findet man auch noch wohl heutigentags, welche ihre Zeit in allerlei Üppigkeit und Wollust zubringen, aber unter des weder ihren Kirche noch Untertanen recht vorstehen, daher auch allerhand Ketzereien in ihren Landen mit Haufen einschleichen und werden die Untertanen von den Amtleuten übel gehalten und ausgesogen].

7. Darum sollen sie nun vornean gehen unter denen, die gefangen weggeführt werden und soll das Schlemmen der Pranger aufhören.

Vornean: Gleichwie sie zuvor anderen Leuten mit bösen Exempeln der Üppigkeit und Wollust vorgegangen, die ihnen darin nachgefolgt, also werden sie auch unter denen, die gefangen weggeführt werden, die ersten sein und vorn an der Spitze gehen.

Aufhören: Das Bankettieren der Schwelger wird ein Ende nehmen, darin sie kein Maß zu halten wissen. [Denn der Gottlosen lustiges Wohlleben hört mit ewiger Traurigkeit auf].

8. Denn der Herr hat geschworen bei seiner Seele, spricht der Herr, der Gott Zebaoth: Mich verdrießt die Hoffart Jakobs und bin ihren Palästen gram; und ich will auch die Stadt übergeben mit allem, was darin ist.

Seiner Seelen: Denn er bei keinem Höheren schwören kann, als er selbst ist.

Spricht: Hier hörte man, dass Gott von Gott redet, nämlich der Sohn von dem Vater und werden alle beide Herr oder Jehova geheißen, darum sie beide ewiger wahrer Gott sind.

Jakob: Das ist des israelitischen Volkes, welches von dem Patriarchen Jakob seine Herkunft hat.

Stadt: Nämlich Samaria, so die Hauptstadt des israelitischen Königreichs ist, die will ich lassen in der Feinde Hand kommen. [Und spürt man hier, wie der Frommen Nachkommen können aus der Art schlagen. Also ist auch die römische Kirche weit von derselben abgewichen, welche zur Apostel Zeit gewesen. Danach hat man auch in Acht zu nehmen, wie Gott der Hoffart und aller Üppigkeit feind sei, also dass er auch um des Willen Städte und Königreiche lasse zerstört werden und zu Trümmern gehen].

9. Und wenngleich zehn Männer in einem Hause übriggeblieben, sollen sie doch sterben,

Sterben: Denn welche des Feindes Schwert nicht hinrichten wird, die will ich mit Hunger und Pestilenz töten. [Und wo Gott über eine Stadt oder Land erzürnt ist, da ist kein Entrinnen, wenngleich der Feind begehrte zu schonen].

10. dass einen jeglichen seinen Vetter und seinen Ohm nehmen und die Gebeine aus dem Hause tragen muss und sagen zu dem, der in den Gemächern des Hauses ist: Ist ihrer auch noch mehr da? Und der wird antworten: Sie sind alle dahin! Und wird sagen: Sei zufrieden; denn sie wollten nicht, dass man des Herrn Namens gedenken soll.

Gebeine: Denn bei den Alten war es an etlichen Orten gebräuchlich, dass man die Toten verbrannte und danach die Asche und Gebeine begrub.

Hauses ist: Das ist, er wird seinen Verwandten fragen, der im Hause leidig sitzen geblieben.

Zufrieden: Bekümmere dich nicht zu sehr mit übermäßigem Weinen, denn dies sind Gottes gerechte Gerichte, weil sie die Propheten nicht hören wollten, welche ihnen das Wort Gottes verkündigten und nicht leiden konnten, dass man ihnen von unserem Herrn Gott sagte. [Man soll aber über Gottes gerechte Gerichte sich verwundern und dieselben demütig erkennen, aber nicht Unrecht heißen. Und sollen wir bei fremder Leute Strafen, die ihnen Gott zuschickt, ihn fürchten lernen].

11. Denn siehe, der Herr hat geboten, dass man die großen Häuser schlagen soll, dass sie Ritze gewinnen und die kleinen Häuser, dass sie Lücken gewinnen.

Geboten: Nämlich dem Feinde, welchen er dazu aufgebracht und angemahnt, dass er beide, die Paläste und gemeinen Häuser, im Königreich Israel soll niederreißen und verbrennen. [Denn bei Gott ist kein Ansehen der Person, welcher die Feinde aufbringt und antreibt, dass sie sein gerechtes Urteil vollstrecken müssen].

12. Wer kann mit Rossen rennen oder mit Ochsen pflügen auf Felsen? Denn ihr wandelt das Recht in Galle und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut

Felsen: Als wollte der Prophet sprechen: Mein Predigen ist vergebens, weil ich mit Leuten zu tun habe, die härtere Herzen haben als die Steine oder Felsen. [Obwohl nun eine große Halsstarrigkeit bei den Leuten gefunden wird, soll dennoch ein Kirchendiener fort predigen, damit, wenn er die anderen nicht erretten kann, er dennoch seine Seele erhalte {Hes 33}].

Wermut: Es ist mit euch dahin gekommen, dass man keinen Nutzen von eurem Gerichtszwang darf erwarten. Denn gleichwie man in der Speise nichts essen kann, was mit Gallen oder Wermut bitter gemacht ist. Also können auch die Leute von den Gerichten keinen Nutzen haben, weil sie so ganz verkehrt und verderbt sind, dass die unschuldigen Leute darin unterdrückt werden und welche eine rechte Sache haben, die können keinen Ausspruch erlangen oder aber die Vollstreckung nicht zuwege bringen. [Wo aber solche gerichtlichen Prozesse sind, da findet die Gerechtigkeit und Gerechtigkeit nicht statt].

13. und tröstet euch des, das so ganz nichts ist und sprecht: Sind wir denn nicht stark genug mit unseren Hörnern?

Nichts ist: Ihr unverständigen Israeliten verlasst euch auf solche Sachen, die nichts wert sind, weil nämlich euer König Jerobeam, der Sohn Joas, die Grenzen des israelitischen Königreichs etlichermaßen wiederum erweitert hat {2Sam 14}.

Hörnern: Wir haben aus eigenem Vermögen uns so stark und wohl verwahrt, dass wir auch andere Heiden anfallen können. [Denn wenn es wohl geht, so erhebt sich des Menschen Herz].

14. Darum siehe, ich will über euch vom Haus Israel ein Volk erwecken, spricht der Herr, der Gott Zebaoth, das soll euch Ängsten von dem Ort an, da man gen Hemath geht, bis an den Bach in der Wüste.

Siehe: Es wird euch euer Übermut übel ausschlagen.

Hemath geht: Dass eben im selben Lande die Feinde euch am heftigsten zusetzen und verfolgen werden, von dem ihr pflegt zu rühmen, dass ihr es durch eure Kraft neulich zum Königreich Israel gebracht und gewonnen habt. [Denn Gott kann es nicht leiden, dass wir uns unserer Kräfte und Tugenden rühmen, weil geschrieben steht: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums, sondern wer sich rühmen will, der rühme sich des, dass er mich wisse und kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf der Erde, denn solches gefällt mir, spricht der Herr {Jer 9}].


Das 7. Kapitel


1. Der Prophet wird durch etliche Gesichte von dem Unglück, so über das Volk Gottes ergehen soll, berichtet. v. 1. 2. Danach wird beschrieben, wie der Prophet bei dem Könige eines Aufruhrs bezichtigt und aus List gewarnt wurde, dass er wider die Abgötterei, so zu Bethel getrieben wurde, nicht predigen soll. v. 10. 3. Aber der Prophet verlässt sich auf seinen göttlichen Beruf und fährt in seinem Amt fort, mit Zeichen, wie übel es dem Amazia und seinem ganzen Geschlecht ergehen werde. v. 14.

1. Der Herr zeigte mir ein Gesicht und siehe, da stand einer, der machte Heuschrecken im Anfang, da das Grummet aufging; und siehe, das Grummet stand, nachdem der König seine Schafe hatte scheren lassen.

Der: Gott zeigt dem Propheten im Gesicht etliche Strafen, die über das Volk Israel ergehen sollten und aber aus Fürbitte des Propheten gemildert wurden.

Scheren: Das ist, da es alles grüne und daher wuchs und es eben um die Zeit war, dass man die Schafe zu bescheren pflegte, da dachte es mich nicht anders, als sehe ich einen, der eine große Menge Heuschrecken machte, die das Kraut abfressen und verzehren sollten. [Es sind aber die Viele der Heuschrecken eine Strafe der Sünden, weil sie alles abfressen und eine Teuerung verursachen, daher sie auch bei den Heiden der Götter Zorn genannt worden. So hat auch Gott des Pharao Verstockung mit einer großen Menge Heuschrecken gestraft {2Mos 10}].

2. Als sie nun das Kraut im Lande ganz abfressen wollten, sprach ich: Ach, Herr, sei gnädig! Wer will Jakob wieder aufhelfen? Denn er ist ja gering.

Abfressen wollten: Und bereits mit aller Macht daher fraßen.

Sei gnädig: Deinem Volk und wende diese wohlverdiente Strafe der Sünden ab.

Geringe: Er ist sehr geschwächt und schier ganz erschöpft, darum bitte ich dich, dass du die übrigen deines Volkes nicht Hungers sterben lässt.

3. Da reute es den Herrn und sprach: Wohlan, es soll nicht geschehen!

Nicht geschehen: Ich will nicht zulassen, dass die Heuschrecken alles verderben, sondern will sie wiederum hinwegnehmen. [Es wird aber von Gott gesagt, dass ihn ein Ding bereue, nicht dass er etwas tue, welches ihm später Leid sei, sondern es wird damit zu verstehen geben, dass Gott an der Sünder Strafen kein Gefallen trage]. Und halt ich es dafür, dass zwar die Heuschrecken ins Land Israel gekommen sind, aber bald wiederum hinweggenommen wurden.

4. Der Herr zeigte mir ein Gesicht und siehe, der Herr rief dem Feuer, damit zu strafen; das sollte eine große Tiefe verzehren und fraß schon einen Teil dahin.

Gesichte: Nämlich noch ein anderes übers vorige.

Tiefe: Nämlich die Täler. Ich halt es aber dafür, dass durch dies Feuer auf den Nordwind gedeutet werde, der mit seiner Kälte die Weinberge verderbe, dass sie aussehen, als wären sie verängstigt. [Denn es hat Gott auch die Winde in seiner Hand].

5. Da sprach ich: Ach, Herr, lass ab! Wer will Jakob wieder aufhelfen? Denn er ist ja gering.

Lass ab: Handle nicht also mit deinem Volk.

6. Da reute den Herrn das auch und der Herr sprach: Es soll auch nicht geschehen.

Nicht geschehen: Hat also dem Übel gewehrt, dass der Schaden nicht so groß geworden, es wären sonst Berg und Tal erfroren. [Denn der Frommen Gebet wendet oft großes Unglück ab, bis endlich das Volk so gottlos wird, dass ihm nicht mehr zu helfen ist und Gott nicht mehr schonen kann {Hes 14}].

7. Er zeigte mir aber dies Gesicht und siehe, der Herr stand auf einer Mauer, mit einer Bleischnur gemessen; und er hatte die Bleischnur in seiner Hand.

Gemessen: Ob die Mauer gerade aufrecht stünde oder nicht.

8. Und der Herr sprach zu mir: Was siehst du, Amos? Ich sprach: Eine Bleischnur. Da sprach der Herr zu mir: Siehe, ich will eine Bleischnur ziehen mitten durch mein Volk Israel und ihm nichts mehr übersehen {Am 8v2},

Übersehen: Ich will meines Volkes nicht mehr schonen, wenn ich ihr Tun nach der Bleischnur genau abmessen und mildern werde, sondern will die Israeliten zugrunde richten, gleichwie eine Mauer eingerissen wird, die ohne das bald einfallen will. [Denn wenn Gott auf der Menschen Tun genau achthat und ihre Sünde hervor zeigt, so muss das Verderben darauf folgen).

9. sondern die Höhen Isaaks sollen verwüstet und die Kirche Israels zerstört werden; und ich will mit dem Schwert mich über das Haus Jerobeams machen.

Höhen Isaak: Nämlich die abgöttischen Kapellen und Altäre auf den Bergen, welche die Israeliten mit dem Beispiel des Patriarchen Isaaks zu verteidigen pflegen, weil derselbe auch hin und wieder an vielen Orten Altare gebaut haben. [Denn die Heuchler pflegen ihre selbsterwählten Gottesdienste mit der heiligen Leute Beispiel zu beschönigen. Und aber nicht darauf achthaben, dass solche Leute ihres Tuns halben einen besonderen Befehl von Gott hatten. Sie aber, als Heuchler, dergleichen nachzutun, nie keinen Befehl von Gott empfangen haben. Darum gleichwie der Heiligen Gehorsam Gott angenehm gewesen, also ist der Heuchler böse und närrische Fortsetzung Gott dem Herrn ein Gräuel].

Nach Luther: Die Kirche wird also genannt sein nach Isaak dem Erzvater oder werden das Volk Israel auch Isaak genannt haben, aber der Prophet deutet es zum Spott, denn Isaak heißt spotten.

Nach Luther: Das Heiligtum.

Zerstört werden: Weil sie ohne und wider Gottes Wort erbaut wurde und Abgötterei darin getrieben wird. [Also braucht Gott jetziger Zeit des Türken Zutun (gleichwie vorzeiten bei den Juden, die Assyrer) die päpstliche Kirche zu zerstören, so mit vielfältiger Abgötterei verunreinigt wurde].

Machen: Das ist, ich will das Geschlecht Jerobeam ausrotten. Denn des Jerobeams Sohn, Zacharia, ist als ein gottloser König von Sallum erwürgt worden, da er nur sechs Monate regiert. damals ist das Königreich Israel von des Jehn Nachkommen auf ein anderer Geschlecht verändert worden {2Sam 15}. [Denn Gott rottet bisweilen die Gottlosen abgöttischen Könige und Fürsten aus und lässt ihre Herrschaften auf ein anderes Geschlecht kommen. Wenn aber dergleichen auch frommen Regenten begegnet, so sollen sie wissen, dass ihnen und ihren frommen Nachkommen das Himmelreich zubereitet ist].

10. Da sandte Amazia, der Priester zu Bethel, zu Jerobeam, dem Könige Israels und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr wider dich im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht leiden.

Zu Bethel: Da die vornehmste Abgötterei in Israel getrieben wurde.

Nicht leiden: Alle seine Predigten lauten ketzerisch und aufrührerisch, darum man solches ihm nicht übersehen noch von ihm dulden soll.

11. Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durch das Schwert sterben und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden.

Schwert sterben: Es verleumdet aber und verlästert der gottlose Heuchler den frommen Propheten Amos, denn er nicht von des Königs Person, sondern von seinem Geschlecht solches geredet hatte. Aber die Priester wollten den Propheten verdächtig machen, als ob er mit etlichen hätte zusammen geschworen und dem Könige nach dem Leben trachtete.

Weggeführt: Ins Elend. Darum er auch von dem ganzen israelitischen Volk nichts Gutes weissagt, gerade als ob Gott sein Volk verstoßen würde, welches ihn ehrt und ihm dient. Oder aber dass Gott solche Gottesdienste nicht achten soll, die wir mit so großen Kosten unterhalten und nicht ohne viel Mühe und Arbeit verrichten. [Es beschuldigen aber die Heuchler die rechten Diener Gottes nicht allein der Ketzerei, sondern auch der Aufruhr, doch fälschlich. Denn sie meinen, wenn eine Obrigkeit solches höre, so werde sie die Kirchendiener von Stand an lassen ums Leben bringen].

12. Und Amazia sprach zu Amos: Du Seher, gehe weg und flieh ins Land Juda und iss Brot dort und weissage dort.

Seher: Oder Prophet, denn dieselben also genannt wurden, von wegen ihrer prophetischen Gesichte.

Nach Luther: Du Prophet und Prediger {1Sam 9v9}.

Land Juda: Da man solche ketzerischen Lehrer gerne hat, wie du einer bist und predige darin, solange dir es gefällt, suche auch am selben Ort deinen Unterhalt, denn bei uns hast du nicht Platz. [Troll dich zu deinen lutherischen Ketzern: Anderswo ist auch gut Brot essen]. Denn weil der König mit der Sache verzog und den Propheten nicht bald auf sein Begehren umbringen ließ, meinte der Priester, er wollte mit seinem Drohen es dahin bringen, dass der Prophet sich auf die Füße machte und aus dem Königreich Israel ins Land Juda hinwegzöge.

13. Und weissage nicht mehr zu Bethel; denn es ist des Königs Stifts und des Königreichs Haus.

Stifts: Das ist, die israelitischen Könige haben da zu des ganzen Königreichs Nutzen eine Kirche gebaut und große Kosten darauf gewandt, dass der Gottesdienst darin angerichtet würde, zu des ganzen Königreichs zeitlicher und ewiger Wohlfahrt. Du aber predigst wider diesen allerheiligsten Ort, nennst ihn abgöttisch und sprichst: Er werde zerstört und werde das Volk um dieser Religion willen ins Elend weggeführt werden. Meinst du denn, dass der König diese deine Gotteslästerungen leiden werde und nicht vielmehr an dir ein Beispiel sehen lassen, was auf einen aufrührerischen und gottlosen Menschen gehört? [Darum sag ich dir Pfaffe, mach dich aus dem Staube oder der Teufel wird dich erlaufen. Denn die gottlosen Leute meinen, man müsse die Predigten des göttlichen Wortes nach der Zuhörer Wohlgefallen richten, wie sie es gerne hören].

14. Amos antwortete und sprach zu Amazia: Ich bin kein Prophet noch keines Propheten Sohn, sondern ich bin ein Kuhhirte, der Maulbeeren abliest.

Kein Prophet: Will so viel sagen: Ich bekenne gerne, dass ich keine gelehrte Person bin, so in Schulen zum Predigtamt erzogen und unterrichtet wäre, wie etliche andere Propheten, als Elisa und seines gleichen. So bin ich auch keines Propheten Jünger, dass ich die Propheten täglich gehört hätte, sondern bin ein Kuhhirte und hinter dem Vieh hergegangen, hab Maulbeeren aufgelesen und meistenteils unter dem freien Himmel mein Leben zugebracht. Da meine geringsten Gedanken nie gewesen, dass ich jemals ein Prediger werden soll. Aber Gott hat mich zum Predigtamt berufen und mit seinem Geist begabt und gesandt, dass ich dem Volk Israel predigen und seine Sünde anzeigen soll. Darum kann ich aus solchem Beruf nicht schreiten noch denselben verlassen, obgleich meine Predigten weder dir noch dem Könige noch dem Volk zuschlagen. [Denn man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen, wenn die Menschen solche Sachen gebieten, die dem Worte Gottes zuwider sind].

Nach Luther: Das ist: Ich bin nicht vom Orden oder Sammlung der Propheten.

15. Aber der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Gehe hin und weissage meinem Volk Israel!

16. So höre nun des Herrn Wort! Du sprichst: Weissage nicht wider Israel und träufle nicht wider das Haus Isaak!

Wort: Welches mir Gott allererst geoffenbart hat.

Träufle nicht: Mit deinen Predigten. [Es nannten aber die Gottlosen das Predigen des göttlichen Wortes träufeln, weil es ihnen, wie ein stetiger Dachtrauf, verdrießlich und zuwider war. Aber welche dies göttliche und heilsames Träufeln des Wortes Gottes nicht leiden können, die müssen die höllischen Flammen leiden].

17. Darum spricht der Herr also: Dein Weib wird in der Stadt zur Hure werden und deine Söhne und Töchter sollen durch das Schwert fallen und dein Acker soll durch die Schnur ausgeteilt werden; du aber sollst in einem unreinen Lande sterben und Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden.

Darum: Weil du mir es wehren willst, dass ich nicht weissagen soll, so wird das Unglück, welches die Israeliten von den Assyrern werden ausstehen müssen, dich und die deinen am allermeisten treffen.

Huren werden: Dass sie von den Assyrern geschändet werden.

Schwert fallen: Dass sie die Feinde ohne alle Barmherzigkeit erwürgten werden.

Ausgeteilt werden: Von den neuen Einwohnern, welche der König aus Assyrien in dies Land führen und es ihnen zu bewohnen eingeben wird. Die werden deine liegenden Güter unter sich teilen. Man maß aber vorzeiten die Felder mit Schnüren aus, wie man jetzt mit Ruten tut.

Unreinen Lande: Nämlich in Assyrien, welches Land mit vieler Abgötterei und Sünden verunreinigt wurde. Denn eine unreine Person und eine unreine Herberge gehören zusammen.

Vertrieben werden: In Assyrien. In Maßen solches, dass es also ergangen, beschrieben wird {2Sam 17}. Die jetzt erzählten Strafen aber sind Flüche, welche Gott den Übertretern seiner Gebote gedroht hat {5Mos 28}. [Denn wer die göttlichen Drohungen verachtet, der erfährt endlich mit seinem großen Schaden und Verderben, dass Gott ein ernster Rächer aller Bosheit sei. Und welche den Lauf des Predigtamts vom göttlichen Wort begehren zu hindern, die müssen schwerere Strafen als andere von Gott gewärtig sein].


Das 8. Kapitel


1. Folgt das vierte Gesicht des Propheten, dadurch die gefängliche Wegführung des israelitischen Volkes in Assyrien vorgebildet wurde. v. 1. 2. Darauf straft der Prophet den Geiz und die Ungerechtigkeit, derer die Israeliten sich beflissen, dass sie reich würden. v. 4. 3. Und wird eine Bedrohung hinzugetan von den schweren Strafen und vom Hunger, das Wort Gottes zu hören. v. 7.

1. Der Herr zeigte mir ein Gesicht und siehe, da stand ein Korb mit Obst.

Gesichte: Welches das vierte gewesen, dadurch Gott der Herr die vorigen drei, so im nächst vorhergehenden Kapitel stehen, bestätigt hat.

Korb: (Nach Luther) Im Hebräischen lauten die zwei Worte (Korb und Ende) fast gleich, Kaitz und Ketz. Also kommt er von einem zu anderen und spricht: Der Korb, ja das Ende ist gekommen, wie wir sagen möchten, ich will mit dir reden, ja ich will dich rädern.

Mit Obst: So von den ersten neuen Baumfrüchten war und frühzeitig wird, dazu nicht lange bleibt.

2. Und er sprach: Was siehst du, Amos? Ich aber antwortete: Einen Korb mit Obst. Da sprach der Herr zu mir: Das Ende ist gekommen über mein Volk Israel; ich will ihm nichts mehr übersehen.

Ende: Das Gleichnis der hebräischen Worte Kaitz und Ketz lautet in derselben Sprache viel artlicher als sonst, da Kaitz ein frühzeitiges Obst, Ketz aber ein Ende heißt. Als wenn er sagte, du siehst Kaitz (frühzeitiges Obst), dadurch wird zu verstehen gegeben, das Ketz (das Ende) vor Händen sei. Denn gleichwie die Sommerfrüchte beizeiten abgebrochen werden, damit sie nicht auf den Bäumen verfaulen. Also sollst du wissen, dass die Zeit nahe vorhanden sei, da mein Volk aus seinem Lande wird hingerissen und in Assyrien weggeführt werden, dass es da verfaule und zunichtewerde. [Denn wenn die gottlosen Leute nicht wollen Buße tun, so kann Gott nicht mehr übersehen noch schonen].

3. Und die Lieder in der Kirche sollen in ein Heulen verkehrt werden zur selbigen Zeit, spricht der Herr; es werden viel toter Leichname liegen an allen Orten, die man heimlich wegtragen wird.

Verkehrt: Also dass anstatt eures Geplärrs, welches man in euren Kirchen hört, wenn ihr opfert und Gott auf euer Weise ehrt, ein Heulen und Wehklagen wird gehört werden, damit ihr euren Jammer beweinen werdet.

Heimlich: Das ist, ihr Israeliten werdet in der Belagerung viele vortreffliche Bürger durch die Pestilenz verlieren, welcher toten Leichname ihr, so viel möglich, heimlich wegwerfen werdet und werdet solche vielfältige Menge der toten Körper vor dem Feinde begehren zu verbergen, damit er euren jämmerlichen Zustand nicht merke. [Das ist aber ein großer Jammer, wenn einer mit Unglück überfallen wird, und muss dennoch dazu stillschweigen und solches verdrücken].

4. Hört dies, die ihr den Armen unterdrückt und die Elenden im Lande verdirbt.

Hört dies: Ihr Geizwänste. Denn es ist dies eine besondere Predigt des Propheten, da er auf des israelitischen Volkes Geiz heftig schilt.

Verdirbt: Weil ihr sie an Güter so ganz erschöpft, dass sie Hungers sterben müssen, da ihr unterdes von ihrem Schweiß und Blut Pracht treibt und eure Güter mehrt.

5. und sprecht: Wann will denn der Neumond ein Ende haben, dass wir Getreide verkaufen und der Sabbat, dass wir Korn feil haben mögen und den Epha ringern und den Sekel steigern und die Waage fälschen,

Ende haben: Es war aber der erste Tag eines jeden Monats bei den Juden ein Feiertag und hatte seine besonderen Opfer. Darum war es den Juden leid, dass sie so viele Feiertage über keinen Wucher treiben durften. Denn ihr Abgott, der Mammon, ließ ihnen keine Ruhe und war ihnen leid, dass ein Tag vorüber ging, in dem sie nicht etwas schnappen sollten.

Sabbat: Dass er aufhöre und vorüber sei. [Denn die geizigen Leute achten sich der Heiligung des Sabbats gar nicht. Und wenn es bei ihnen stünde, so würden sie die Feiertage alle abtun, damit sie nur nicht in ihrer Hantierung und Geiz gehindert würden. Noch viel ärger aber sind die, welche auch die Feiertage an ihren wucherischen Verträgen sich nichts hindern lassen, sondern eben zu der Zeit, wenn sie sollten Predigt hören, laufen sie hinaus in andere Flecken und rennen dort am Feiertage mit dem Judenspießlein. Daher es geschieht, dass sie auch andere von Anhörung des göttlichen Wortes abhalten].

Epha ringern: Und den Armen um viel Geld wenig Korn verkaufen, weil wir ihm kleinere Maß geben, denn sich es gebührt.

Sekel steigern: Dass die Armen die groben Münzen in höherem Wert von uns abwechseln oder ja einen Aufschlag geben müssen und uns also mehr gelten, denn darauf sie gemünzt sind, wenn sie dieselben haben wollen.

6. auf dass wir die Armen um Geld und die Dürftigen um ein Paar Schuh unter uns bringen und Spreu für Korn verkaufen?

Paar Schuh: (Nach Luther) Das ist, um allerlei Notdurft, dass sie teuer bezahlen müssen.

Verkaufen: [Denn mit dergleichen Fündlein werden die Armen von den Geizigen ausgesogen und unterdrückt. Erstlich, dass sie mit kleinerem Maß, was sie verkaufen, ausmessen. Danach steigern sie die groben Sorten, welche die Armen in höheren Wert als sie gelten, von ihnen nehmen müssen, die sie später nicht so hoch wieder ausbringen können. Weiter haben sie zweierlei Gewicht, dass sie mit kleinem Gewicht ausgeben und mit großem Gewicht einnehmen. Zum vierten, wenn ihnen die Armen etwas schuldig sind, so dringen sie dieselben mit großem Ungestüm und Gewalt zur Bezahlung, dass die Armen darüber ihr Gütlein und was sie noch übrig haben, verkaufen müssen, wenngleich die Schuld kaum ein Paar Schuh wert ist, bis sie endlich auch die Leute, welche sie in äußerste Armut gesetzt, zur leibeigenen Knechtschaft ihnen unterwerfen. Zum fünften, so verkaufen sie böse Ware für gute, die des Geldes kaum halb wert ist. Aber Gott zerstäubt solche Güter, die mit dergleichen bösen Praktiken und Ränken zuwege gebracht werden und schließt die Mammonsdiener von der Erbschaft des Himmelreichs aus {Mt 6}].

7. Der Herr hat geschworen wider die Hoffart Jakobs: Was gilt es, ob ich solcher ihrer Werke ewig vergessen werde?

Der: Folgen jetzt die göttlichen Drohungen.

Hoffart Jakob: Dass er des israelitischen Volkes Übermut und Bosheit strafen wolle.

Vergessen werde: Dass ich nicht einmal ein Beispiel meines gerechten und gerechten Zorns an ihnen sehen lasse. [Denn Gott hat ein sehr gutes Gedächtnis, dass er der Sünden nicht vergisst. Wenn wir aber wahre Buße tun, so will Gott unsere Sünde nicht mehr bedenken {Hes 33}].

8. sollte nicht um solches willen das Land erbeben müssen und alle Einwohner trauern? Ja, es soll ganz, wie mit einem Wasser, überlaufen werden und weggeführt und überschwemmt werden, wie mit dem Fluss in Ägypten.

Erbeben: Weil es solche übermachte Bosheit nicht mehr ertragen mag.

Trauern: Es werden solche gottlosen Einwohner mit großem Jammer und Herzeleid überfallen werden.

Fluss: (Nach Luther) Das ist der Nil, welcher alle Jahre das Land Ägypten überschwemmt im Sommer.

Ägypten: Das ist, gleichwie der Fluss Nil in Ägypten dasselbe ganze Land jährlich überschwemmt. Also wird ein allgemeines Unglück über das ganze israelitische Königreich ergehen. Und zwar allerdings widersinnigerweise. Denn wenn der Nil überläuft, so macht er Ägyptenland fruchtbar. Aber das Unglück, welches über die Israeliten kommen wird, das wird dasselbe ganze Königreich zugrunde richten.

9. Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will ich die Sonne im Mittag untergehen lassen und das Land am hellen Tage lassen finster werden.

Finster werden: Das ist, es soll dies Volk plötzlich und unversehens mit großer Angst und Traurigkeit überfallen werden, gleich als wenn im Mittage oder da es noch heller Tag ist, plötzlich eine Finsternis würde. [Denn welche die Werke der Finsternis lieben und das Licht hassen, die werden später mit der Finsternis des Jammers und der Trübsal überfallen].

10. ich will eure Feiertage in Trauern und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln; ich will über alle Lenden den Sack bringen und alle Köpfe kahl machen und will ihnen ein Trauern schaffen, wie man über einen einzigen Sohn hat und sollen ein jämmerliches Ende nehmen.

Verwandeln: [Denn welche der Feiertage zur Üppigkeit und Trunkenheit missbrauchen, die geraten endlich in großes Herzeleid].

Kahl machen: Denn zum Zeichen der Traurigkeit legten damals etliche einen Sack, das ist, ein grobes geringes Kleid an und ließen sich das Haupthaar glatt abscheren. Will deswegen der Prophet so viel sagen. Anstatt eurer köstlichen Kleidung und ganz zu prächtigen Zierde des Leibes, will ich euch einen groben Kittel von Sacktuch anziehen und machen, dass ihr euer Haar abscheren oder vor großem Unmut und Herzeleid ausreißen sollt. [Denn Gott straft den Überfluss in Kleidern, (da man den Leib zur Hoffart oder Unzucht ziert) mit Dürftigkeit und Blöße].

Sohn hat: Das ist, ich will sie in solche Traurigkeit geraten lassen, als wie eine Mutter ihren verstorbenen einzigen liebsten Sohn beweint.

Ende nehmen: [Denn die von Gott verbotenen Wollüste hören mit großem Jammer und Traurigkeit auf).

11. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn zu hören,

Siehe: Was Gott der Herr bisher dem israelitischen Volk durch den Propheten für Unglück drohen lassen, ist alles groß und schwer, Aber was später folgt, ist noch viel ärger.

12. dass sie hin und her, von einem Meer zum anderen, von Mitternacht gegen Morgen umlaufen und des Herrn Wort suchen und doch nicht finden werden.

Suchen: Dass sie daraus Trost und Unterricht nehmen könnten in ihren vorfallenden Nöten.

Nicht finden: [Denn wenn die Leute an dem Worte Gottes einen Verdruss und Widerwillen bekommen, dass sie es verachten und ihm feind werden, so nimmt Gott sein Wort hinweg. Einen solchen Hunger und Durst hat Deutschland auch zu erwarten, wenn es von der Undankbarkeit gegen das Wort Gottes nicht abstehen und ernstliche Buße tun will. Es ist aber das auch ein Hunger und Durst des Wortes Gottes, wenn dasselbe verfälscht und nicht rein gelehrt wird].

Nach Luther: Wer Gottes Wort nicht will, dem soll es fern genug kommen, dass er es nimmermehr finden mag, wenn er es gerne hätte.

13. Zu der Zeit werden schöne Jungfrauen und Jünglinge verschmachten vor Durst,

Verschmachten: Also dass auch die Personen, welche von wegen ihres starken, geraden und völligen Leibes, dem Ansehen nach, den Durst am längsten dulden und überstehen können, dennoch verschmachten werden. [Es redet aber der Prophet gleichnisserweise und will zu verstehen geben, dass diejenigen, welchen das Wort Gottes oft verkündigt ist und aber es freventlich verworfen haben, endlich aus Mangel desselben in ihren Sünden verzagen und verzweifeln).

14. die jetzt schwören bei dem Fluch Samaria und sprechen: So wahr dein Gott zu Dan lebt, so wahr die Weise zu Berseba lebt! Denn sie sollen also fallen, dass sie nicht wieder aufstehen mögen.

Nach Luther: So nennt er den Abgott, darum, dass sie sich daran versündigen und den Fluch verdienen.

Zu Dan: Da auch Abgötterei getrieben wurde bei dem goldenen Kalbe, welches Jerobeam am selben Ort hat aufrichten lassen.

Weise: Das ist der falsche Gottesdienst zu Berseba. [Wird deswegen nicht schlecht verworfen, dass sie geschworen, sondern dass sie durch falsche Götter und Gottesdienste geschworen haben. Denn welche entweder bei den heidnischen Göttern oder bei den falschen Gottesdiensten schwören, die entziehen Gott dem Allmächtigen seine Ehre und geben sie böslich den Teufeln oder doch den Kreaturen].

Aufstehen: Sie werden aus der assyrischen Gefangenschaft nicht wieder kommen in ihr Vaterland, sondern unter ihren Feinden im Elend jämmerlich und der mehrere Teil übel sterben. Denn man findet in der Heiligen Schrift nichts davon, dass die Israeliten, so in Assyrien weggeführt wurden, mit den anderen Juden wären unter der Regierung Cyri oder Kores wieder in ihr Vaterland gekommen und ihren vorigen Sitz im Lande Kanaan wieder eingenommen hätten. Und ist kein Zweifel, es sei der größere Teil der Israeliten auch an der Seele ewig verloren worden. [So schwere Strafen gehen über die, welche in Irrtum und Sünden beharrlich fortfahren und alle heilsamen Warnungen, die ihnen aus Gottes Worte vorgetragen werden, mutwillig in den Wind schlagen].


Das 9. Kapitel


1. Der Prophet erzählt sein fünftes und letztes Gesicht, in dem der Untergang der Kirche und des Regiments im Königreich Juda vorgebildet wurde. Danach wird zu Ende des Kapitels ein evangelischer Trost hinzugesetzt, vom Reich Christi, darin die rechten Israeliten, nämlich alle Gläubigen an Christus sollten gesammelt werden.

1. Ich sah den Herrn auf dem Altar stehen und er sprach: Schlage an den Knauf, dass die Pfosten beben! Denn ihr Geiz soll ihnen auf ihren Kopf kommen und will ihre Nachkommen mit dem Schwert erwürgen, dass keiner entfliehen noch einiger davon entgehen soll.

Sah: Im Gesicht, spricht der Prophet.

Altar: Nämlich vor dem Brandopferaltar zu Jerusalem.

Beben: Denn es soll auch der Tempel zu Jerusalem von wegen des jüdischen Volkes Bosheit zerstört werden.

Kopf kommen: Also dass diese Sünde zugleich mit den anderen großen Misshandlungen an ihnen aufs Ernstlichste soll gestraft werden. [Denn der Geiz ist eine gräuliche Sünde wider die erste und andere Tafel, weil die Geizigen auch Götzendiener sind {Mt 6 Eph 5} und sind ungerechte wider ihren Nächsten. Daher Paulus recht gesagt, dass der Geiz eine Wurzel alles Übels sei {1Tim 6}].

Entgehen: Ist einerlei Meinung mit anderen Worten wiederholt. Als wollte er sprechen: Es wird ihr keiner mit dem Leben davon kommen oder erhalten werden.

2. Und wenn sie sich gleich in die Hölle vergrüben, soll sie doch meine Hand von dort holen; und wenn sie gen Himmel führen, will ich sie doch herunterstoßen;

Vergrüben: Das ist, wenn sie sich gleich in die untersten Orte der Erde verbergen könnten.

Himmel führen: Dass sie in hohe und feste Orte sich begeben und darin Sicherheit suchen wollten.

3. und wenn sie sich gleich versteckten oben auf dem Berge Karmel, will ich sie doch, dort suchen und herabholen; und wenn sie sich vor meinen Augen verbergen im Grunde des Meers, so will ich doch den Schlangen befehlen, die sie dort stechen sollen;

Karmel: Welcher der allerhöchste Berg im jüdischen Land gewesen.

Stechen sollen: Und sie umbringen. [Denn wer kann der Hand und Gewalt des allmächtigen Gottes entrinnen, wenn er Rache üben will, weil er der allergrößte und überall gegenwärtig ist {Ps 139 Jer 23}. Darum sollen wir durch wahre Buße seinen Zorn mildern, damit wir einen solchen Herrn vielmehr zu einem gnädigen Vater als grausamem Feinde haben und behalten mögen].

4. und wenn sie vor ihren Feinden hin gefangen gingen, so will ich doch dem Schwert befehlen, dass sie es dort erwürgen soll. Denn ich will meine Augen über sie halten zum Unglück und nicht zum Guten.

Feinden: Denen sie sich in ihre Gewalt ergeben.

Erwürgen: Dass sie auch dergestalt ihr Leben nicht erretten werden. Denn ich will ihrer Herren Gemüter wider sie erbittern, dass sie um einer geringen und liederlichen Ursache willen das Schwert wider sie zucken und als die allerheillosesten leibeigenen Leute umbringen werden.

Guten: Ich will mein Tun nur dahin richten, dass ich sie plage und nicht, dass ich ihnen Gutes tue. [Denn Gott ist nicht nur barmherzig, sondern auch gerecht und tut nicht allein Gutes, sondern straft auch].

5. Denn der Herr Zebaoth ist ein solcher: Wenn er ein Land anrührt, so zerschmilzt es, dass alle Einwohner trauern müssen, dass es soll ganz über sie her laufen wie ein Wasser und überschwemmt werden wie mit dem Fluss in Ägypten.

Zebaoth: Das ist der Heerscharen. Weil alle Kreaturen gleichsam unter ihm zu Felde liegen.

Anrührt: Mit seiner mächtigen Hand, dass er es strafen will.

Zerschmilzt: Das ist, es kann vor seinen Feinden nicht bestehen, die Gott der Herr sie über den Hals schickt.

Fluss: Nil genannt, der dasselbe ganze Land mit seiner Überschwemmung bedeckt und gleichsam versenkt. [Denn wenn die Strafen der Sünden herzurücken, so fallen sie mit Haufen herein und geht nach dem gemeinen Sprichwort: Es kommt ein Unglück selten allein].

6. Er ist es, der seinen Saal in dem Himmel baut und seine Hütte auf der Erde gründet; er ruft dem Wasser im Meer und schüttet es auf das Erdreich; er heißt Herr.

Er ist es: Der Prophet fährt weiter fort, in Beschreibung der Majestät Gottes des Rächers.

Gründet: Der mit großer Majestät und Herrlichkeit im Himmel und auf der Erde wohnt und überall gegenwärtig herrscht. [Denn Gott erfüllt Himmel und Erde {Jer 23}].

Ruft: Das ist, er zieht es durch die Hitze der Sonnen in die Höhe.

Schüttet es: Wenn er die Wolken wieder lässt zu Wasser werden und herabregnen.

Heißt Herr: [Den man einig und allein ehren, fürchten und lieben soll).

7. Seid ihr Kinder Israel mir nicht gleichwie die Mohren? Spricht der Herr. Hab ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaphthor und die Syrer aus Kir?

Mohren: Denn gleichwie ich durch die Mohren etliche andere Völker aus ihren Ländern vertrieben habe, desgleichen die Kanaaniter durch euch ausgestoßen und durch die aus Caphthor oder Cappadocia die Völker austreiben lassen, so zuvor im Philister Lande gewohnt, durch die von Kir oder Cyrene die Völker ausgejagt, so vorzeiten Syrien innehatten: Also kann ich euch auch leicht aus dem Lande Kanaan wieder ausrotten und andere Völker als die Assyrer an euer statt herkommen lassen. [Denn Gott ist nicht also an uns gebunden, dass er seine Guttaten uns nicht wiederum entziehen dürfte und dieselben anderen Völker austeilen].

Nach Luther: Gott treibt immer ein Volk durch das andere aus um der Sünde willen. Gleichwie er durch Israel die Kanaaniter, die Syrer durch die von Kir und die Caphthorer durch die Philister vertrieben und wie die Mohren viele andere Völker vertrieben haben.

8. Siehe, die Augen des Herrn sehen auf ein sündiges Königreich, dass ich es vom Erdboden ganz vertilge, wiewohl ich das Haus Jakob nicht ganz vertilgen will, spricht der Herr.

Sehen: Er hat ein wachendes und scharfes Auge über die, so da sündigen.

Vertilge: Ich will nicht nachlassen, bis ich der unbußfertigen Israeliten Königreich zugrunde gerichtet und von der Erde hinweggeräumt habe. [Denn gleichwie ein frommer Hausvater nicht allein dahin sieht, dass sein Weib, Kinder und Personal ihre Nahrung und was sie sonst zur Notdurft bedürfen, haben mögen, sondern auch damit umgeht, dass sie recht regiert, gebessert und die sich nicht wollen weisen lassen, zum Hause hinausgestoßen werden: Also sieht auch der himmlische Vater nicht nur darauf, dass er der Kirche Gutes tue, sondern auch, dass er sein Volk, wenn es in die Irre geht und schwer sündigt, züchtige, auf dass die Auserwählten wieder auf den rechten Weg kommen und selig werden, die Unbußfertigen aber allerdings zugrunde gehen und ein Beispiel des gerechten Zorns Gottes hinter sich lassen].

Nicht ganz: Der Prophet mengt jetzt etwas Trost mit unter und zeigt an, dass die Israeliten dennoch nicht alle werden ausgerottet werden, obgleich ihr Königreich werde zugrunde gehen.

9. Aber doch siehe, ich will befehlen und das Haus Israel unter allen Heiden sichten lassen, gleichwie man mit einem Siebe sichtet und die Körnlein sollen nicht auf die Erde fallen.

Heiligen Luther: Die übrigen gläubigen Israeliten sollen in solcher allgemeinen Zerstreuung erhalten werden, aber die ungläubigen Synagogen will ich verstoßen und vertilgen.

Sichten lassen: Das ist, ob ich wohl mein Volk beides in das assyrische und babylonische Gefängnis verstoßen werde, so will ich es darum nicht allerdings lassen ausgerottet werden unter den Heiden, sondern einen Unterschied halten, dass gleichwie das Korn, nachdem es ausgedroschen wurde, mit einem Sieb von den Spreuern und anderen tauben Körnern gesichtet und aufbehalten wird. Also will ich mein Volk durch mancherlei Anfechtungen und Trübsal sichten, auf dass die Frommen und Guten wunderlicherweise erhalten werden, die Bösen aber und Gottlosen verderben und umkommen. Und will diejenigen vertilgen, welche bis daher halsstarrig alle heilsamen Warnungen verachtet haben. [Denn Gott kann auch in den allergrößten Unfällen und allgemeinen Landstrafen die seinen wunderlich erhalten. Weil aber dennoch viele Israeliten auch die wahrhaftige Buße getan haben, im Elend geblieben und gestorben sind, so wird mit dieser Weissagung zu verstehen geben, dass die Auserwählten unter der zeitlichen Strafe zum ewigen Leben erhalten werden. Und wird zugleich angedeutet, dass die Gottlosen und verstockten Juden sollen verstoßen werden, welche aber den Heiland Christus erkennen werden, die werden die ewige Seligkeit erlangen].

10. Alle Sünder in meinem Volk sollen durch das Schwert sterben, die da sagen: Es wird das Unglück nicht so nahe sein noch uns begegnen.

11. Zur selbigen Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Lücken verzäunen und was abgebrochen ist, wieder aufrichten; und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist,

Zur: Jetzt weissagt der Prophet klar vom Reich Christi und beschließt seine Weissagung mit einer Verheißung von Christo, welche vom Apostel Jacobus in dem Konsilium der Apostel angezogen wird {Apg 15}.

Hütte: Das ist des Davids Königreich, welches dem Ansehen nach allerdings wird zunichtegeworden sein.

Gewesen ist: Also dass dies neue Königreich des neuen Davids dem vorigen nichts bevor geben wird. [Dieser David aber, von dem der Prophet hier sagt, dass sein Königreich soll wieder angerichtet werden, ist Jesus Christus, der aus dem Samen Davids nach der Menschheit seine Herkunft hat {2Sam 7}. Daher ihn auch der Prophet Hesekiel David nennt (K. 34). Und wird sein Reich erstlich eine Hütte genannt, danach geschieht auch des Verzäunens Meldung. Es bedeutet aber die Hütte die christliche Kirche, weil dieselbe wie eine Hütte oftmals von einem Ort zum andern verändert wird. Denn sie ist an keinen gewissen Ort gebunden. Danach wird durch die Verzäunung zu verstehen gegeben, dass auch etliche weltliche Regimenter und Polizeien das Evangelium Christi annehmen werden, unter welcher Schatten die Kirche zunimmt].

12. auf dass sie besitzen die übrigen zu Edom und die übrigen unter allen Heiden, über welche mein Name gepredigt sein wird, spricht der Herr, der solches tut.

Zu Edom: Ihre Feinde. Es werden aber die Edomiter von den Christen besessen, wenn die Verfolger zu Christo bekehrt werden, welche zuvor mit Morden und Blutvergießen unter den Christen gräulich rumort. Also sind auch andere Heiden von den Christen besessen worden, da sie in großer Anzahl zu dem christlichen Glauben beigetreten sind.

Gepredigt: Das ist, dass sie nach meinem Namen genannt werden. [Denn es haben auch die Heiden nach ihrer Bekehrung nicht mehr Heiden, sondern Christen heißen wollen].

13. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass man zugleich ackern und ernten und zugleich keltern und säen wird; und die Berge werden mit süßem Wein triefen und alle Hügel werden fruchtbar sein.

Nach Luther: Das ist die Zeit des Evangeliums und des Reiches Christi.

Säen wird: Das ist, es wird eine solche Fruchtbarkeit im Lande Kanaan sein, dass es alles miteinander zugleich wird vonstattengehen, das Aussäen und Einernten. [Solches wird im Reich Christi erfüllt, wenn das Wort Gottes gepredigt wird und Leute darauf von Stand an zu Christo bekehrt werden und also die Ernte gleich da ist, wenn man kaum den Samen ausgestreut hat. Also ist es gegangen, da der Apostel Petrus zu Jerusalem in einer Predigt dreitausend Menschen zu dem Heiland Christo bekehrt hat {Apg 2}. Welches freilich eine reiche Ernte gewesen, wie davon auch Christus {Joh 4} und an anderen mehr Orten redet, dass er sagt: Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber wenig, bittet aber den Herrn der Ernte, dass er getreue Arbeiter in seine Ernte sende].

Fruchtbar sein: Es wird überall an Korn und Wein ein Überfluss sein. [Der Wein aber bedeutet die Freude in dem Heiligen Geist, so man aus dem Evangelium schöpft, durch die reiche Ernte wird die Menge der guten Werke bei den rechtschaffenen Christen zu verstehen gegeben. Denn die rechten Christen werden nicht unfruchtbare Dornhecken sein und werden in ihrem Gewissen Freude und Lust gegen Gott haben {Mt 7 Röm 14}].

14. Denn ich will das Gefängnis meines Volkes Israel wenden, dass sie sollen die wüsten Städte bauen und bewohnen, Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten machen und Früchte daraus essen.

Wenden: Dass sie die rechte Freiheit wieder erlangen.

Essen: Das ist, es wird der Fluch von dem Volk Gottes hinweggenommen und der reiche Segen über sie ausgeschüttet werden. Denn dass einer einen Weinberg pflanzt und baut und keinen Wein davon trinkt, ist ein Stück des Fluchs {5Mos 28}. [Es wird aber hiermit zu verstehen gegeben, dass Gott seiner Kirche den geistlichen Segen, nämlich allerlei himmlische Güter mitteilen werde].

15. Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, dass sie nicht mehr aus ihrem Lande gerottet werden, das ich ihnen geben werde, spricht der Herr, dein Gott.

Pflanzen: Ich will ihnen eine beständige Besitzung in ihrem Lande einräumen. [Es werden aber die rechten Israeliten alsdann wahrhaftig in ihr Land gepflanzt und nicht mehr ausgerissen, wenn die Christen ins ewige Leben, welches ihr rechtes Vaterland ist, versetzt werden. Denn aus demselben wird uns niemand vertreiben, so wird auch in diesem Leben uns niemand scheiden können von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu unserem Herrn {Röm 8}. Welchem samt dem Vater und Heiligem Geist, sei Lob Ehre und Preis in alle Ewigkeit, Amen].