Das fünfte Buch Mose



Das 1. Kapitel


I. Mose verweist den Kindern Israel, dass, da sie Gott bis an die Grenze des Landes Kanaan gebracht, sie sich gewidert hatten, hineinzuziehen, v. 1. II. Und führt mit ein, wie er, von wegen der großen Menge des Volkes, und Überdrangs halben, so sie ihm getan, hätte müssen nach Gehilfen sich umsehen, und Richter und Amtleute verordnen, dass sie neben ihm dem Volk vorstünde, v. 9.

1. Das sind die Worte, die Mose redete zum ganzen Israel jenseits des Jordans in der Wüste, auf dem Gefilde gegen dem Schilfmeer, zwischen Paran und Thophel, Laban, Hazeroth und Disahab,

Gefilde: Nämlich der Moabiter, welches an die Wüste stößt.

Schilfmeer: Welches von den Hebräern also genannt wurde, weil viel Schilf darin gewachsen. Die Griechen nennen es das Rote Meer, weil es einen roten sandigen Grund oder Boden hat.

2. elf Tagesreisen von Horeb durch den Weg des Gebirges Seir bis gen Kades-Barnea.

Den Weg: Das ist: Wenn einer von Horeb hätte wollen ausziehen bis gen Kades Barnea (von dort der Kinder Israel Lager nicht weit war) und seinen Weg über das Gebirge Seir nehme, der hätte elf Tage zu reisen, da doch die Kinder Israel ganze vierzig Jahre damit zubrachten, weil sie nicht der Nähe nach über das Gebirge Seir, sondern um dasselbe weit umherziehen müssen.

3. Und es geschah im vierzigsten Jahr, am ersten Tage des elften Monden, da redete Mose mit den Kindern Israel alles, wie ihm der Herr an sie geboten hatte,

Elften Monden: Welcher zum Teil im Januar oder Jenner, zum Teil im Februar oder Hornung gefällt. Und weil demnach von der ersten Bekanntmachung des Gesetzes bis daher fast ganze vierzig Jahre verflossen, dazu meistenteils, die das Gesetz gehört hatten, wie es ihnen verkündigt wurde, in der Wüste gestorben waren, so hat man dasselbe den Zuhörern, welche damals gelebt, einmal wiederum erneuern müssen. (Denn es ist vonnöten, dass das Wort Gottes zum öfteren Mal wiederholt und den Leuten wohl eingebildet werde, weil das Gute oft in der Menschen Herzen, von wegen ihrer verdorbenen Natur, am wenigsten haften will.)

4. nachdem er Sihon, den König der Amoriter, geschlagen hatte, der zu Hesbon wohnte, dazu Og, den König zu Basan, der zu Astharoth und zu Edrei wohnte {4Mos 21v24 v33}.

5. Jenseits des Jordans im Lande der Moabiter fing an Mose auszulegen dies Gesetz, und sprach:

Auszulegen: Das ist: Er hat den Kindern Israel etlicher der vornehmsten und denkwürdigen Sachen, so sich in der Wüste unter ihnen zugetragen, wiederum erinnert und zu Gemüte geführt, auch die Zehn Gebote samt anderen mehr Satzungen, die ihnen Gott gegeben und zu halten befohlen, wiederholt und erklärt, damit sie also, was sie entweder vergessen, wieder ins Gedächtnis brächte, und behielten, oder da sie etwas nicht recht verstanden, desto besser begriffen.

6. Der Herr, unser Gott, redete mit uns am Berge Horeb und sprach: Ihr seid lange genug an diesem Berge gewesen;

7. wendet euch und zieht hin, dass ihr zu dem Gebirge der Amoriter kommt und zu allen ihren Nachbarn im Gefilde, auf Bergen und in Gründen, gegen Mittag und gegen die Anfurt des Meers im Lande Kanaan, und zum Berge Libanon bis an das große Wasser Phrath.

Kommt: Auf dass ihr es einnehmt samt den anderen umliegenden Orten im Lande Kanaan.

Des Meers: Das ist: Gegen Abend.

8. Siehe da, ich habe euch das Land, das da vor euch liegt, gegeben; geht hinein und nehmt es ein, das der Herr euren Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat, dass er es ihnen und ihrem Samen nach ihnen geben wollte.

Gegeben: Hat es deswegen an Gott nicht gemangelt, dass ihr das verheißene Land nicht bald hineingekommen seid, weil ihr nicht hinein wolltet, davon später folgen wird.

9. Da sprach ich zu derselben Zeit zu euch: Ich kann euch nicht allein ertragen {2Mos 18v17 v18};

Zeit: Da wir noch in der Wüste herumzogen.

Ertragen: Das ist: Ich kann nicht allein alle Sachen schlichten und alle streitigen Händel entscheiden.

10. denn der Herr euer Gott, hat euch gemehrt, dass ihr heutigen Tages seid wie die Menge der Sterne am Himmel.

Stern: Wie er dem Abraham zuvor verheißen hat, dass er seine Nachkommen wolle vermehren, dass sie vor großer Menge nicht sollen gezählt werden {1Mos 15}. Also hat er solches treulich geleistet.

11. Der Herr, eurer Väter Gott, mache eurer noch viel tausend mehr und segne euch, wie er euch geredet hat!

Segne: Nicht allein, dass er eure Zahl vermehre und größer mache, sondern auch, dass er euch mit allerlei geistlichen und leiblichen Guttaten überschütte.

12. Wie kann ich allein solche Mühe und Last und Hader von euch ertragen?

Wie kann: Als wollte er sagen: Die Last der Regierung, so allein auf mir liegt, ist mir zu schwer, nicht allein, dass so viele Sachen vorkommen, sondern auch sonst des Überlaufens und Anschnarchens ganz zu viel ist. (Denn es soll einer keine schwere Last und Bürde auf sich nehmen, als er tragen kann. Und ist die Regierung, da jemand derselben recht vorstehen und dienen will, viel mehr eine Beschwerde als Zierde.)

13. Schafft her Weise, verständige und erfahrene Leute unter euren Stämmen, die will ich über euch zu Häuptern setzen.

Weise: Die da wissen, was Recht oder Unrecht ist.

Verständige: Die der Gesetze Schärfe, der Billigkeit nach, wissen zu mäßigen und zu lindern.

Erfahrene: Von denen man weiß, dass sie redlich und aufrichtig handeln.

Stämmen: Das ist: Dass ihr aus jeglichem Stamm etliche erwählt, damit nicht, wenn man sie nur aus einem oder zwei Stämmen nehme, die anderen meinen möchten, man verachtete sie oder es würde ihnen zu kurz geschehen.

Häuptern: Dass sie eure Sachen entscheiden. (Denn eine Rats- oder Gerichtsversammlung, soll von weisen, verständigen und ehrliebenden Personen besetzt werden.)

14. Da antwortetet ihr mir und spracht: Das ist ein gutes Ding, davon du sagst, dass du es tun willst.

Gut Ding: Welches der Regierung sehr nützlich sein wird. (Denn die Untertanen sollen ihrer Oberherrn nützliche Anschläge nicht verwerfen, noch denselben mutwilligerweise widerstreben.)

15. Da nahm ich die Häupter eurer Stämme, weise und erfahrene Männer, und setzte sie über euch zu Häuptern, über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, und Amtleute unter euren Stämmen;

Amtleute: Damit ihr zu Kriegs- und Friedenszeiten hättet, die euch vorstünden und regierten.

16. und gebot euren Richtern zur selben Zeit und sprach: Verhört eure Brüder und richtet recht zwischen jedermann und seinem Bruder und dem Fremdling {3Mos 19v15 5Mos 16v18 2Chr 19v6 Spr 24v23 Joh 7v24}.

Verhört: (Denn wenn man in einer Sache urteilen will, so muss man zuvor beide Parteien mit Fleiß verhören.)

Fremdlinge: Das ist: Es soll einem wie dem anderen Recht gesprochen werden, er sei gleich, welchen Standes und Herkommens er wolle, und soll niemand mit einem unrechten Urteil beschwert und unterdrückt werden.

17. Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen, sondern sollt den Kleinen hören wie den Großen und vor niemandes Person euch scheuen. Denn das Gerichtsamt ist Gottes. Wird aber euch eine Sache zu hart sein, die Last an mich gelangen, dass ich sie höre.

Aussehen: Das ist: Ihr sollt weder um Gunst noch aus Hass einer Person etwas tun.

Kleinen: Das ist: Die verachteten und geringen Standespersonen sollt ihr sowohl hören als die Gewaltigen und die in großem Aussehen sind.

Scheuen: Das ist: Ihr sollt euch vor der Mächtigeren Zorn nicht fürchten, wenn ihr einem Armen in seiner gerechten Sache beisteht.

Gottes: Das ist: Ihr seid nicht Herrn über die Gesetze, dass es euch freistünde, eures Gefallens den Unschuldigen verdammen und den Gottlosen, der eine böse Sache hat, loszusprechen, sondern ihr seid Gottes Statthalter, darum sollt ihr achthaben, dass ihr eurem Amt also nachkommt, damit ihr einmal eines eurem Herrn und Gott, dessen Diener ihr seid, könnt Rechenschaft geben. (Hier werden die, so im Stand der Obrigkeit sind, erinnert, dass sie ihrem Amt mit Fleiß und recht dienen sollen. Und weil das Gericht-Amt Gottes ist und ein göttliches Werk, Gott aber nichts Böses will oder tut, so kann ein Christ wohl und mit gutem Gewissen im Stand der Obrigkeit sein.)

Hart sind: Dass sie verwirrt ist und ihr euch nicht darin richten, noch etwas Gewisses davon schließen könnte.

Höre: Und nach Erkenntnis der Sachen oder auch eingenommenen Bericht von Gott, anzeige, wie ihm zu tun sei. (Denn es ist besser, dass man in einer zweifelhaften Sache mit dem Urteil innehalte, als aufs Ungewisse zu einer Seite den Ausschlag gebe, welches ohne Verletzung des Gewissens nicht abgeht.)

18. Also gebot ich euch zu der Zeit alles, was ihr tun solltet.

Tun solltet: Das ist: Ich hab euch angezeigt, wie man das Regiment zukünftig führen soll.

19. Da zogen wir aus von Horeb und wandelten durch die ganze Wüste, die groß und grausam ist, wie ihr gesehen habt, auf der Straße zum Gebirge der Amoriter, wie uns der Herr, unser Gott, geboten hatte, und kamen bis gen Kades-Barnea.

Da zogen: Als wollte er sagen: Lasst uns jetzt wieder zu unserer Reise kommen und vernehmen, wie wir weiter fortgezogen sind.

Wüste: Dadurch uns Gott väterlich geführt und geleitet hat.

Zum Gebirge: Darüber wir hätten ziehen sollen.

Kades Barnea.: Welche Stadt grenzt an der Wüste Kades.

20. Da sprach ich zu euch: Ihr seid an das Gebirge der Amoriter kommen, das uns der Herr, unser Gott, geben wird.

Geben wird.: Samt dem ganzen umliegenden Lande.

21. Siehe da das Land vor dir, das der Herr, dein Gott, dir gegeben hat; zieh hinauf und nimm es ein, wie der Herr, deiner Väter Gott, dir geredet hat. Fürchte dich nicht und lass dir nicht grauen!

Geredet hat: Das ist: Du hast die göttliche Verheißung, dass du dasselbe Land besitzen sollst. Darum so darfst du dich munter auf solche Zusage verlassen, und wage getrost darauf, solchen Erbteil, ohne weitere Bedenken anzufallen.

Dich nicht: Dass du dir irgend eine große Gefahr wolltest selber einbilden, so dich daran verhindern möchte, denn der Herr unser Gott ist mächtig und stark genug, dass er das Land, welches er dir verheißen, dir kann unterworfen machen und dich darin wider alle deine Feinde handhaben und schützen.

22. Da kamt ihr zu mir alle und spracht: Last uns Männer vor uns hinsenden, die uns das Land erkunden und uns wieder sagen, durch welchen Weg wir hineinziehen sollen, und die Städte, da wir einkommen sollen {4Mos 13v3}.

Einkommen: Das ist: Welche wir auf dem Wege am ersten Antreffen werden, damit wir bei Zeit darüber können zu Rat gehen, welchergestalt sie zu erobern sind. Es hatten aber die Israeliten des Tages die Wolkensäule und des Nachts die Feuersäule bei sich, dass es deshalb sich nicht bedurft hätte, zu erkundigen, durch welchen Weg sie konnten ins Land kommen. So war auch nichts daran gelegen, an was für Städte sie am ersten gerieten, denn sie wären Gleichwie sie wollten, so soll man sie einnehmen. Es sieht ihm aber gleich, als sei dieser Ratschlag aus einem heimlichen und meisterlich verdeckten Misstrauen von den Israeliten vorgebracht worden, dass sie gezweifelt, ob das Land so gut auch sein möchte, als es Gott in seinen Verheißungen gerühmt hatte, und ob es auch könnte erobert werden, wie Gott gesagt hatte, dass es zu erobern stünde. Aber Gott sah zu diesem Ratschlag durch die Finger und ließ ihn für sich gehen, nicht dass er einen Gefallen daran hätte, sondern weil er der gottlosen Leute Unglauben strafen wollte. (Also pflegen die Ratschläge, so aus fleischlicher Klugheit her fließen, ein böses Ende zu nehmen, wenn man sie in wichtigen Sachen ohne Anrufung Gottes vorbringt.)

23. Das gefiel mir wohl und nahm aus euch zwölf Männer, von jeglichem Stamm einen.

Gefiel: Das ist: Ich sah es für gut an, also dass ich mich eurem Vorhaben damals nicht widersetzte, weil ich merkte, dass es Gott auch geschehen ließ und nichts dagegen sagte {4Mos 13}.

24. Da die selbigen weggingen und hinaufzogen auf das Gebirge und an den Bach Eskol kamen, da besahen sie es

Gebirge: Des Landes Kanaan.

Bach Eskol: Das ist: Der Traubenbach, welcher Ort später von der Tat also genannt wurden, so die Kundschafter der Kinder Israel dabei verrichtet, denn sie eine fast große und köstliche Traube dort abgeschnitten und mit sich hinweg getragen, daher dem Bach am selben Ort später der Name geblieben, dass man ihn den Bach Eskol oder Traubenbach geheißen.

25. und nahmen der Früchte des Landes mit sich und brachten sie herab zu uns; und sagten uns wieder und sprachen: Das Land ist gut, das der Herr, unser Gott, uns gegeben hat.

Ist gut: Sie setzten aber auch weiter hinzu {4Mos 13}, dass es starke Einwohner, dazu große und feste Städte darin hätte, darum zu besorgen, stünde, dass es die Kinder Israel nicht würden überwältigen und einnehmen können. Da gereute es die Israeliten, dass sie aus Ägypten gezogen wären, und dass sie vergeblich in der Wüste so viel Ungemach erlitten und ausgestanden hätten, weil sie das Land, deshalb sie ausgezogen waren, nicht würden behaupten können, und gingen mit denen Gedanken um, wie sie wollten wieder zurück und in Ägypten umkehren.

26. Aber ihr wolltet nicht hinaufziehen und wurdet ungehorsam dem Munde des Herrn, eures Gottes;

Hinauf ziehen: Nämlich ins gelobte Land.

27. und murrtet in euren Hütten und spracht: Der Herr ist uns gram; darum hat er uns aus Ägyptenland geführt, dass er uns in der Amoriter Hände gäbe zu vertilgen.

Murrtet: Da ihr wünschtet, dass ihr nie aus Ägypten gezogen, dauerte, und begehrtet noch viel lieber in der Wüste zu sterben, als nach dem Befehl Gottes des Herrn ins Land Kanaan zu ziehen.

Gram: (Also pflegen auch bisweilen wohl fromme Christen ihnen die Gedanken machen und fälschlich schließen, wenn es ihnen übel geht, Gott sei ihnen feind: Wie wiederum und im Gegenteil die Gottlosen nicht anders meinen, Gott habe sie ganz lieb, wenn es ihnen wohl und alles nach ihres Herzen Wunsch hinausgeht.)

28. Wo sollen wir hinauf? Unsere Brüder haben unser Herz verzagt gemacht und gesagt, das Volk sei größer und höher denn wir; die Städte sind groß und bis an den Himmel vermauert; dazu haben wir die Kinder Enakim dort gesehen.

Wo sollen: Als wollten sie sprechen: Was sollen wir anfangen? Sollen wir uns selbst freiwillig den Kanaanitern auf die Schlachtbank liefern, dass sie uns erwürgen?

Höher: Es wohnen große Riesen in dem Lande, gegen uns zu rechnen.

Vermauert: Darum werden wir sie nicht übersteigen noch die Städte erobern können.

Enakim: Das ist: Riesen, die von Enak, auch einem Riesen, erzeugt wurden, darum wollen wir unsere Leben, samt unseren Weibern und Kindern, nicht so liederlich in die große Gefahr stecken, sondern vielmehr durch die Wüste wiederum zurück in Ägypten ziehen. (Sobald wir aber unsere Augen von der Verheißung des Evangeliums (wie die Juden von den Verheißungen, die ihnen vom Lande Kanaan geschehen waren) abwenden, so untersteht sich der Satan uns in Verzweiflung zu stürzen, als ob wir nicht könnten in den Himmel kommen.)

29. Ich sprach aber zu euch: Entsetzt euch nicht und fürchtet euch nicht vor ihnen!

Sprach: Das ist: Ich begehrte euch zu trösten und wiederum ein Herz einzusprechen, da ich sah, dass ihr so ganz kleinmütig und verzagt wart.

30. Der Herr, euer Gott, zieht vor euch hin und wird für euch streiten, wie er mit euch getan hat in Ägypten vor euren Augen

Streiten: Das ist: Unser Gott, der euch einmal aufgenommen hat, dass er euch wolle ins Land Kanaan bringen, der wird eure Feinde wunderlicherweise hinrichten und aus dem Wege räumen, gleichwie er auch mit den Ägyptern schrecklich umgegangen ist, in Massen ihr zum Teil selbst gesehen habt.

31. und in der Wüste, da du gesehen hast, wie dich der Herr, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt, durch allen Weg, daher ihr gewandelt habt, bis ihr an diesen Ort kommen seid.

Getragen hat: Das ist: Ihr habt die große Kraft Gottes und seine Güte gegen euch in der Tat erfahren und könnt nicht leugnen, Gott habe bis daher väterlich für euch gesorgt, warum wolltet ihr denn nicht weiter euer Vertrauen auf ihn setzen, dass er zukünftig auch mit seiner gnädigen Hand, ob euch halten und eure Feinde für euch her vertreiben werde?

32. Aber das galt nichts bei euch, dass ihr an den Herrn, euren Gott, hättet geglaubt,

Galt nichts: Ihr wolltet euch nicht weisen noch eines Besseren berichten lassen.

33. der vor euch her ging, euch die Stätte zu weisen, wo ihr euch lagern solltet, des Nachts im Feuer, dass er euch den Weg zeigte, darin ihr gehen solltet, und des Tages in der Wolke {2Mos 13v21 4Mos 10v33}.

Feuer: Nämlich in der Feuersäule, die euch vorleuchtete.

Wolken: Das ist: Mit der Wolkensäule, welche euch geleitete und den rechten Weg führte.

34. Als aber der Herr euer Geschrei hörte, wurde er zornig und schwur und sprach:

Geschrei: Damit ihr eurer Misstrauen, Ungehorsam und Ungeduld genügend zu verstehen gäbet.

35. Es soll keiner dieses bösen Geschlechts das gute Land sehen, das ich ihren Vätern zu geben geschworen habe {4Mos 14v23 v29 26v65 Jos 14v8 v9},

Keiner: Weil sie alle Wunderzeichen aus der Acht lassen, und so oft an meiner Güte und Allmacht zweifeln. (Wie wohl aber diejenigen unter den Israeliten, welche sich später bekehrt und Buße getan, selig geworden sind, ob ihnen gleich der Eingang ins Land Kanaan ist abgeschlagen und gewehrt worden, so wird jedoch an diesem Ort durch eine geistliche Auslegung verstanden: Dass das Volk des Gesetzes, das ist, welches im Gesetz die Gerechtigkeit sucht, ins Land Kanaan, das ist, zum ewigen Leben nicht eingehe, von wegen seines Unglaubens.)

36. ohne Kaleb, der Sohn Jephunnes, der soll es sehen, und ihm will ich geben das Land, darauf er getreten hat, und seinen Kindern, darum dass er treulich dem Herrn gefolgt hat.

Kaleb: Mit Josua, welche beide in wahrem Vertrauen und Gehorsam gegen mir beständig verharrt sind.

Getreten: Da er neben anderen das Land erkundigt hat.

37. Auch wurde der Herr über mich zornig um euretwillen und sprach: Du sollst auch nicht hineinkommen {4Mos 20v12 27v14 5Mos 3v27 34v4}.

Um euretwillen: Als wollte er sagen: Ihr habt mit eurem Unglauben und übermachtem Geschrei mich dahin gebracht und verursacht, dass ich selber auch zu zweifeln angefangen, da ich Wasser aus dem Felsen bringen sollen, darum Gott damals über mich auch zornig wurden.

38. Aber Josua, der Sohn Nuns, der dein Diener ist, der soll hineinkommen. Denselben stärke; denn er soll Israel das Erbe austeilen.

Hineinkommen: Und das Volk Israel ins gelobte Land führen.

Stärke: Das ist: Sprich ihm zu, dass er einen Mut fasse, und sich der Sachen ohne weiteres Nachdenken unterfange.

39. Und eure Kinder, davon ihr sagtet, sie würden ein Raub werden, und eure Söhne, die heutigen Tages weder Gutes noch Böses verstehen, die sollen hineinkommen; denselben will ich es geben, und sie sollen es einnehmen.

Weder Gutes: Das ist: Welche noch einfältige und unverständige Kinder sind, und nicht wissen, wie es mit den Sachen beschaffen, von wegen ihres zarten Alters.

Geben: Nämlich das verheißene Land, welches ihr verachtet habt.

40. Ihr aber wendet euch und zieht nach der Wüste den Weg zum Schilfmeer!

Wendet euch: Denn ich will euch in der Wüste ganze vierzig Jahr lassen herumschweifen, bis alle diejenigen gestorben und umgekommen sind, welche in Ägypten meine herrlichen Wunderzeichen gesehen und mir doch nicht glauben noch gehorchen wollen. (Denn obwohl Gott den bußfertigen Sündern ihre Übertretung vergibt, dass sie nicht verdammt werden, so legt er ihnen doch oftmals eine zeitliche Strafe auf, damit sie in wahrer Buße und Erkenntnis Gottes zunehmen, und das andere abgeschreckt werden, damit sie sich vor Sünden hüten.)

41. Da antwortetet ihr und spracht zu mir: Wir haben an dem Herrn gesündigt; wir wollen hinauf und streiten, wie uns der Herr, unser Gott, geboten hat. Da ihr euch nun rüstetet, ein jeglicher mit seinem Harnisch, und wart an dem, dass ihr hinaufzöget aufs Gebirge {4Mos 14v40},

Gesündigt: Dass wir nicht hinaufziehen wollen, aber jetzt sind wir bereit und wollen fort. (Also ist unsere verdorbene Natur geartet, dass sie kein Maß zu halten weiß. Denn zuvor, da sie Gott fortziehen hieß, waren sie ganz zu furchtsam, jetzt, da es ihnen verboten wird, dass sie nicht fortziehen sollen, sind sie ganz zu kühn und verwegen. Und kann die menschliche Natur, wenn sie ihr selbst gelassen wird, nichts anders, denn Gott widerstreben.)

42. sprach der Herr zu mir: Sage ihnen, dass sie nicht hinaufziehen, auch nicht streiten; denn ich bin nicht unter euch; auf dass ihr nicht geschlagen werdet vor euren Feinden.

Unter euch: Nämlich dergestalt, dass ich euch helfen oder beistehen wolle wider eure Feinde, denn sonst ist Gott überall gegenwärtig.

43. Da ich euch das sagte, gehorchtet ihr nicht und wurdet ungehorsam dem Munde des Herrn und wart vermessen und zogt hinauf aufs Gebirge.

Vermessen: Als ob ihr den Sieg bereits in Händen hättet.

44. Da zogen die Amoriter aus, die auf dem Gebirge wohnten, euch entgegen, und jagten euch, wie die Bienen tun, und schlugen euch zu Seir bis gen Horma {Ps 118v12}.

Bienen: Welche denen, die sie fliehen, nur desto heftiger und schneller nacheilen. (Also pflegen die Ratschläge und Händel ein böses Ende zu nehmen, welche wider Gott und sein Wort angefangen werden, da man sich auf menschliche Kraft und Stärke verlässt.)

45. Da ihr nun wiederkamt und weintet vor dem Herrn, wollte der Herr eure Stimme nicht hören und neigte seine Ohren nicht zu euch.

Weintet: Und batet ihn, dass er euch wollte ins Land Kanaan ziehen lassen, und den Sieg wider die Feinde verleihen.

46. Also bliebt ihr in Kades eine lange Zeit.


Das 2. Kapitel


1. Mose zeigt Ursachen an, warum Gott die Israeliten nicht den nähern Weg durch der Edomiter, Moabiter, und Ammoniter Land, ins Land Kanaan geführt habe, v. 1. 2. Und führt ihnen wiederum zu Gemüt, wie der Herr ihnen das ganze Königreich Sihons, des Königs der Amoriter geschenkt habe, v. 24.

1. Da wandten wir uns und zogen aus zur Wüste auf der Straße zum Schilfmeer, wie der Herr zu mir sagte, und umzogen das Gebirge Seir eine lange Zeit.

Wandten: Nämlich von dem Lande Kanaan hinweg und wiederum zurück, nach dem Schilfmeer.

Sagte: Das ist: Wie mir Gott geboten hatte.

2. Und der Herr sprach zu mir:

3. Ihr habt dies Gebirge nun genug umzogen; wendet euch gegen Mitternacht.

Wendet euch: Das ist: Gleichwie ihr zuvor, da ihr von Kades auszogt, dem gelobten Lande, den Rücken wandtet, und abwärts zogt: Also wendet euch jetzt wieder zu dem selbigen.

4. Und gebietet dem Volk und sprich: Ihr werdet durch die Grenze eurer Brüder, der Kinder Esau, ziehen, die da wohnen zu Seir; und sie werden sich vor euch fürchten. Aber verwahrt euch mit Fleiß,

Brüder: Das ist: eurer Verwandten, die von Esau, des Jacobs Bruder, her entsprungen.

Fürchten: Dass ihr sie nicht aus ihrem Lande treibt.

Verwahrt: Oder hütet euch und seht euch vor.

5. dass ihr sie nicht bekriegt; denn ich werde euch ihres Landes nicht einen Fußbreit geben; denn das Gebirge Seir habe ich den Kindern Esau zu besitzen gegeben {1Mos 36v8},

Nicht einen: Darum sollt ihr nicht im Sinn haben, sie zu überziehen oder Leid zu zufügen, beides, weil sie eure Verwandten sind, und dann, weil ich ihnen dies Land zur Besitzung eingeräumt habe, daraus sie niemand ohne meinen Willen vertreiben wird, wie mächtig er auch sei. (Denn Gott ist der allerweiseste und gerechteste Haushalter, der die Königreiche, Fürstentümer und Herrschaften, ja auch allgemeiner Leute Güter recht und wohl auszuteilen weiß. Darum soll keiner mit Betrug oder Gewalt nach fremder Leute Güter streben, denn er sie entweder nicht erlangen oder doch wiederum schändlich verlieren wird.)

6. Speise sollt ihr ums Geld von ihnen kaufen, dass ihr esst, und Wasser sollt ihr ums Geld von ihnen kaufen, dass ihr trinkt.

Wasser: Denn es ist in denselben Ländern nicht ein solcher Überfluss des Wassers gewesen, das man zum Trinken nützlich gebrauchen mögen, wie bei uns. (Und sind der jetzigen Kriegsleute Durchzüge zu unserer Zeit diesem sehr ungleich, welche gewöhnlich die Freunde sowohl als die Feinde berauben, ob sie gleich ihren Sold haben.)

7. Denn der Herr, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. Er hat dein Reisen zu Herzen genommen durch diese große Wüste und ist vierzig Jahre der Herr, dein Gott, bei dir gewesen, dass dir nichts gemangelt hat.

Gesegnet: Das ist: Du hast durch Gottes Gnade und reichen Segen so viele Güter und Geld, dass du damit kaufen kannst, was du zur Not bedarfst, und ist vonnöten, dass du dich des Raubes und im Stegreif nähren wolltest.

Reisen: Das ist: Gott weiß deine Mühe und Gefahr, die du in der Wüste ausgestanden hast, und trägt väterliche Vorsorge für dich, denn er dich mit seiner Hilfe und Beistand nie verlassen hat, wird dich auch zukünftig nicht verlassen.

Nichts gemangelt: Das ist: Er hat dich ernährt und erhalten. (Denn obwohl sie nicht immer alles überflüssig zur Hand gehabt, so ist ihnen doch Gott zur rechten Zeit zu Hilfe gekommen und hat ihnen aus ihren Nöten geholfen. Und sollen wir in der Wüste dieser Welt mit dem täglichen Brot uns begnügen lassen.)

8. Da wir nun durch unsere Brüder, die Kinder Esau, gezogen waren, die auf dem Gebirge Seir wohnten, auf dem Wege des Gefildes von Elath und Ezeon-Gaber, wandten wir uns und gingen durch den Weg der Wüste der Moabiter.

Durch unsere Brüder: Nämlich durch ihre äußerste Grenze, weil sie uns den Durchzug durch ihr Land nicht gestatten wollen, ob wir ihnen gleich an Eides statt verhießen, dass wir ihnen keinen Schaden zufügen wollten, wie 4. Mose 20. ausdrücklich gelesen wird.

Wandten: Das ist: Wir wurden aus Not gedrungen, dass wir von der rechten Landstraßen mussten abweichen, welche auf das Gebirge Seir zuführte. Und da wir nach etlichen Lagern nicht weit von der Stadt Elath uns niederließen, sind wir von dort auf die Stadt Ezeon-Gaber zugezogen, da uns, dem Lande Kanaan zu, der Moabiter Land am nächsten war.

9. Da sprach der Herr zu mir: Du sollst die Moabiter nicht beleidigen noch bekriegen; denn ich will dir ihres Landes nichts zu besitzen geben, denn ich habe Ar den Kindern Lot zu besitzen gegeben.

Bekriegen: Das ist: Du sollst dich nicht unterstehen, die Moabiter aus ihrem Lande zu vertreiben. Welches doch dem vorigen Befehl nicht zuwider ist {4Mos 25}, da den Kindern Israel geboten wird, dass sie sich an dem midianitischen und moabitischen Volk rächen sollten, durch welcher Weiber sie waren verführt worden: Denn die Rache soll also gemäßigt werden, dass sie die Moabiter dennoch nicht ganz vertilgen oder aus dem Lande trieben.

Kindern Lot: Denn die Moabiter hatten von dem Altvater Lot ihre Herkunft, wie 1. Mose 19. zu sehen.

10. Die Emim haben vorzeiten darin gewohnt; das war ein groß, stark und hoch Volk wie die Enakim.

Die Emim: Jetzt führt Mose neben zu mit ein, was für Völker vorzeiten dieselben Länder bewohnt haben, deren er kurz zuvor Meldung getan, welche Gott daraus verstoßen und vertilgt hat (wiewohl sie stark und mächtig gewesen sind), auf dass die Moabiter Platz über kämen, da sie wohnen könnten, und solches von des frommen Patriarchen Lots willen, wie auch die Edomiter der Horiten Land einbekommen, weil sie von des frommen Patriarchen Isaacs Sohne, den Esau, der auch Edom hieß, herkamen. (Denn Gott ist seinen Gläubigen so wohl gewogen, dass er um ihren Willen, ihren Nachkommen, wenn sie gleich aus der Art schlagen und ihrer Voreltern Glauben nicht annehmen, dennoch mit leiblichen Gütern eine Zeit lang segnet und überschüttet, ob sie vielleicht dadurch sich wollten bewegen lassen, dass sie Gott recht lernten erkennen.)

Darin: Nämlich im selben Lande, das die Moabiter später eingenommen und bewohnt haben.

11. man hielt sie auch für Riesen, gleichwie Enakim; und die Moabiter heißen sie auch Emim.

Emim: Das ist: Schrecklich. Enakim heißt prächtig und hochtrabend, die mit köstlichen Halsbändern ihre Pracht treiben. Horim heißt die Herrlichen oder Vortrefflichen, daher die Horiter ihren Namen haben.

12. Auch wohnten vorzeiten in Seir die Horiter; und die Kinder Esau vertrieben und vertilgten sie von ihnen und wohnten an ihrer statt, gleichwie Israel dem Lande seiner Besitzung tat, das ihnen der Herr gab.

13. So macht euch nun auf und zieht durch den Bach Sared. Und wir zogen herdurch.

So: Jetzt kommt Mose wieder zu seiner Beschreibung von den Reisen der Kinder Israel, wie sie gezogen.

Macht: Verstehe, sagte der Herr: Denn die ersten Worte werden gesetzt als von Gott gesprochen.

14. Die Zeit aber, die wir von Kades-Barnea zogen, bis wir durch den Bach Sared kamen, war achtunddreißig Jahre, auf dass alle die Kriegsleute stürben im Lager, wie der Herr ihnen geschworen hatte {4Mos 14v29}.

Kades Barnea: An welchem Ort sie aufrührerisch wurden und nicht ins Land Kanaan ziehen wollen.

Kriegsleute: Die sich widerspenstig erzeigt hatten.

15. Dazu war auch die Hand des Herrn wider sie, dass sie umkämen aus dem Lager, bis dass ihrer ein Ende würde.

Wider sie: Das ist: Gott schickte allerlei Plagen und Krankheiten unter denen, die gesündigt hatten, dass sie desto zeitlicher sterben und aufgeräumt wurden.

16. Und da alle der Kriegsleute ein Ende war, dass sie starben unter dem Volk,

17. redete der Herr mit mir und sprach:

18. Du wirst heute durch die Grenze der Moabiter ziehen bei Ar;

Heute: Das ist: Bald oder in kurzer Zeit.

Ziehen: Mit dem israelitischen Volk.

Ar: Welches die Hauptstadt der Moabiter ist.

19. und wirst nahe kommen gegen die Kinder Ammon. Die sollt du nicht beleidigen noch bekriegen; denn ich will dir des Landes der Kinder Ammon nichts zu besitzen geben, denn ich hab es den Kindern Lot zu besitzen gegeben.

Nahe kommen: Denn wenn du ins Land Kanaan reisen will, so musst du zwischen den Moabitern und Amonitern hinziehen.

Kindern Lot: Denn die Ammoniter haben auch ihre Herkunft von dem Patriarchen Lot, wie die Moabiter {1Mos 19}.

20. Es ist auch geschätzt für der Riesen Land, und haben auch vorzeiten Riesen darin gewohnt; und die Ammoniter heißen sie Sammesumim.

Gewohnt: Nämlich ehe die Ammoniter sie daraus vertrieben.

Sammesumim.: Das ist: Boshafte. Denn weil sie sich auf ihre Stärke verlassen, ist ihnen kein Bubenstück zu viel gewesen, also, dass sie große Tyrannei geübt und allen Mutwillen getrieben haben.

21. Das war ein großes, starkes und hohes Volk, wie die Enakim; und der Herr vertilgte sie vor ihnen und ließ sie dieselben besitzen, dass sie an ihrer statt da wohnten,

Vertilgte sie: Das ist: Gott hat solche Tyrannen durch die Ammoniter vertrieben und ausgerottet. (Denn er stößt die Gewaltigen vom Stuhl, welche ihrer großen Macht und Stärke missbrauchen und allerlei Schande und Laster treiben.)

22. gleichwie er getan hat mit den Kindern Esau, die auf dem Gebirge Seir wohnen, da er die Horiter vor ihnen vertilgte, und ließ sie dieselben besitzen, dass sie da an ihren statt wohnten bis auf diesen Tag.

Getan hat: Wie davon kurz zuvor eben in diesem Kapitel gemeldet wurde.

23. Und die Kaphthorim zogen aus Kaphthor und vertilgten die Avim, die zu Hazerim wohnten bis gen Gaza, und wohnten an ihrer statt dort.

Kaphthorim: Welche mit den Philistern einerlei Herkunft gehabt, von Ham, dem Sohn Noah {1Mos 10}. (Wir sollen hierbei lernen, wenn die Einwohner mit ihrem gottlosen Leben ihr Maß erfüllt haben, so erweckt Gott ein anderes Volk, das dieselben Einwohner entweder vertreibt oder ganz vertilgt.)

24. Macht euch auf und zieht aus und geht über den Bach bei Arnon. Siehe, ich habe Sihon, den König der Amoriter zu Hesbon, in deine Hände gegeben mit seinem Lande. Hebe an einzunehmen, und streite wider ihn!

Macht: Nachdem Mose Bericht getan, von den Vorfahren der Ammoniter und anderer Völker, wie sie vertrieben wurden, schreitet er jetzt wieder zu seinem Vorhaben, wie die Kinder Israel fortgereist sind: Und setzt abermals Gottes eigenes Wort.

Hebe an: Das ist: Wenn du den König samt seinem Volk überwunden und erschlagen hast, so nimm sein Land ein zu deiner Besitzung.

25. heutigen Tages will ich anheben, dass sich von dir fürchten und erschrecken sollen alle Völker unter allen Himmeln, dass, wenn sie von dir hören, ihnen bange und wehe werden soll vor deiner Zukunft.

Fürchten: Darum darfst du dich nicht besorgen, dass du ihnen nicht möchtest stark genug sein.

Bange: Dass sie vor Angst und Zittern nicht wissen werden, was sie tun oder anfangen sollen, oder wie sie wollen Widerstand tun. (Denn, wenn Gott den Kriegsleuten das Herz und den Mut nimmt, da hilft als denn keine äußerliche große Macht noch Kraft mehr, das man könnte Widerstand tun.)

26. Da sandte ich Boten aus der Wüste von morgenwärts zu Sihon, dem Könige zu Hesbon, mit friedlichen Worten und ließ ihm sagen {4Mos 21v21 5Mos 20v19}:

Friedlichen: Das ist: Ich ließ von meinem und des israelitischen Volkes wegen bei ihm freundlich anhalten, dass er uns einen freien Pass und Durchzug samt einem sicheren Geleit durch sein Land bewilligen und gestatten wollte, damit wir könnten weiter bis ins Land Kanaan kommen. Denn Mose wusste aus göttlicher Offenbarung, dass der König ihnen ihr Begehren abschlagen würde, hat aber doch sein Land nicht eher sollen mit Gewalt anfallen, bis er ihm zuvor friedliche Mittel vorgeschlagen. (Denn man soll den Handel zuerst mit Glimpf anfangen, bis es die Notdurft fordert, dass wir einen größeren Ernst gebrauchen müssen.)

27. Ich will durch dein Land ziehen, und wo die Straße geht, will ich gehen; ich will weder zur Rechten noch zur Linken ausweichen.

Ich will: Das ist der Inhalt der Werbung, welche die Gesandten an den König getan.

Linken: Das ist: Wir wollen ohne Schaden durchziehen und keine Äcker, Weinberge oder Wiesen verderben, auch Städte und Dörfer unangefochten lassen und auf der gemeinen Landstraße bleiben.

28. Speise sollt du mir ums Geld verkaufen, dass ich esse, und Wasser sollt du mir ums Geld geben, dass ich trinke; ich will nur zu Fuß hindurch gehen;

Ums Geld: Das ist: Was wir unterwegs verzehren, das wollen wir dankbar bezahlen.

29. wie mir die Kinder Esau getan haben, die zu Seir wohnen, und die Moabiter, die zu Ar wohnen; bis dass ich komme über den Jordan, in das Land, das uns der Herr, unser Gott, geben wird.

Kinder Esau: Von denen doch gelesen wird {4Mos 20}, dass sie den Israeliten den Durchzug nicht gestattet haben, welches also zu verstehen ist, dass sie nicht mitten durch das Land gezogen sind, aber doch auf den Grenzen sich gelagert haben, wie im vorgemeldeten Kapitel steht.

Zu Ar: Das ist: Welcher Hauptstadt Ar ist, die haben uns auch lassen durch ihr Land ziehen, darum wollest du uns den Pass durch dein Land auch bewilligen.

30. Aber Sihon, der König zu Hesbon, wollte uns nicht durchziehen lassen; denn der Herr, dein Gott, verhärtete seinen Mut und verstockte ihm sein Herz, auf dass er ihn in deine Hände gäbe, wie es jetzt ist am Tage {4Mos 21v23 5Mos 29v7}.

Verhärtet: Das ist: Gott ließ ihn stolz und sicher werden und hat ihn durch die Bitte um den Durchzug nur desto mehr aufgebracht und wider die Kinder Israel erbittert und geblendet, dass er nicht gemerkt, wie ihm sein und seines Volkes Untergang so nahe sei. (Denn wenn Gott den Gottlosen sein Wort vorhält und sie nach dessen Anhörung durch ihre eigene Schuld nur ärger und gleichsam unsinnig werden, dass sie dagegen wüten und toben, so wird gesagt, dass sie Gott verhärte und verstocke, nicht dass er sie aus geschlachteten und zarten, hart und ungeschlachtet mache, sondern dass er sie bei ihrem gottlosen Wesen bleiben lässt und den Heiligen Geist ihnen nicht gibt, der sie mit Gewalt und gleichsam bei den Haaren herzuziehe. Da geschieht es denn, dass je heller und klärlicher sie das Wort Gottes hören, je halsstarriger und widerspenstiger sie werden. Gleichwie diejenigen, welche ein blödes Gesicht haben, je heller die Sonne scheint, je mehr sie geblendet und am Gesicht beschädigt werden, da jedermann leicht versteht, dass nicht die Sonne, sondern das blöde Gesicht daran schuldig ist.)

Tage: Das ist: Wie du vor Augen siehst und in der Erfahrung befindest, dass es geschehen sei. Als wollte er sagen: Gott hat ihm darum sein Herz nicht wollen lenken, dass er den Frieden annehme, damit er einmal eins um seine Bosheit gestraft würde und in deine Hände geriete, dass du ihn samt seinem Volk vertilgtest.

31. Und der Herr sprach zu mir: Siehe, ich habe angefangen, zu geben vor dir den Sihon mit seinem Lande; hebt an, einzunehmen und zu besitzen sein Land {Am 2v9}.

Angefangen: Das ist: Jetzt will ich den Anfang machen, dass ich deine Feinde dir unterwerfen will und ihr Land meinem Volk zu besitzen übergeben, wie ich längst zu tun verheißen habe.

32. Und Sihon zog aus uns entgegen mit all seinem Volk zum Streit gen Jahza.

33. Aber der Herr, unser Gott, gab ihn vor uns, dass wir ihn schlugen mit seinen Kindern und seinem ganzen Volk.

Für uns: In unsere Hände, dass wir die Oberhand wider ihn behielten und einen herrlichen Sieg davonbrächten.

34. Da gewannen wir zu der Zeit alle seine Städte und verbannten alle Städte, beide Männer, Weiber und Kinder, und ließen niemand überbleiben.

Und Kinder: Als wollte er sagen: Wir verschonten keinen Menschen, welchen Standes, Alters und Geschlechtes er auch sein möge: (Welches doch keine übermachte Grausamkeit gewesen, sondern eine göttliche Rache, damit er die unbußfertigen Amoriter um ihrer vielfältigen schweren Sünden willen zur gerechten Strafe gezogen. Darum, welche dergleichen Strafen entfliehen wollen, die hüten sich, dass sie nicht durch Unbußfertigkeit Sünde mit Sünden häufen und Gottes Zorn auf sich lade, der, wenn er anbrennt, ihnen ganz zu schwer fallen würde.)

35. Ohne das Vieh raubten wir für uns und die Ausbeute der Städte, die wir gewannen,

36. von Aroer an, die am Ufer des Bachs bei Arnon liegt, und von der Stadt am Wasser bis gen Gilead. Es war keine Stadt, die sich vor uns schützen konnte; der Herr, unser Gott, gab uns alles vor uns.

Keine Stadt: Das ist: Es war nichts so feste, wir eroberten es alles mit bewaffneter Hand.

37. Ohne zu dem Lande der Kinder Ammon kamst du nicht, noch zu allem, das am Bach Jabbok war, noch zu den Städten auf dem Gebirge, noch zu allem, das uns der Herr, unser Gott, verboten hatte.

Verboten: (Denn was wir nach dem Worte und Willen Gottes erwerben, das besitzen wir sicherlich und ohne Gefahr.)


Das 3. Kapitel


1. Mose führt dem Volk wiederum zu Gemüt, wie Gott ihnen das Königreich des Königs Og zu Basan übergeben habe, v. 1. 2. Und beklagt sich, dass der Israeliten Unglaube ihn dazu verursacht, dass er Gott erzürnt, und das Land Kanaan zwar sehen, aber nicht hinein kommen werde, v. 26.

1. Und wir wandten uns und zogen hinauf den Weg zu Basan. Und Og, der König zu Basan, zog aus uns entgegen mit all seinem Volk, zu streiten bei Edrei {4Mos 21v33 5Mos 29v7}.

Hinauf: Dem Lande Kanaan zu.

Edrei: Nahe bei der Stadt, also genannt.

2. Aber der Herr sprach zu mir: Fürchte dich nicht vor ihm, denn ich habe ihn und all sein Volk mit seinem Lande in deine Hände gegeben; und sollt mit ihm tun, wie du mit Sihon, dem Könige der Amoriter, getan hast, der zu Hesbon saß.

Ich habe: Das ist: Durch meine Kraft soll ihn überwinden. (Gleichwie aber die Kinder Israel, je näher sie dem Lande Kanaan kommen, je furchtsamer sie werden, daher sie immer des Trostes bedürftig waren, dass ihnen Gott ein Herz machte: Also geht es uns auch, je näher wir dem himmlischen Vaterland sind, dass wir durch den Tod zu demselben eingehen sollen, je mehr wir uns zu fürchten pflegen. Aber wir sollen uns alsdann mit den Verheißungen des Evangeliums trösten und aufrichten, dass uns niemand scheiden könne von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist {Röm 8}.)

Mit Sihon: Welchen du mit seinem ganzen Volk vertilgt hast.

3. Also gab der Herr unser Gott, auch den König Og zu Basan in unsere Hände mit all seinem Volk, dass wir ihn schlugen, bis dass ihm nichts überblieb {4Mos 21v33}.

Also gab: Wie er verheißen hatte.

4. Da gewannen wir zu der Zeit alle seine Städte, und war keine Stadt, die wir ihm nicht nahmen; sechzig Städte, die ganze Gegend Argob, im Königreich Ogs zu Basan.

Nicht nahmen: Denn es konnte sich keine vor unserer Gewalt aufhalten.

Gegend Argob: Das ist: dieselbe Landschaft, welche also geheißen.

5. Alle diese Städte waren fest, mit hohen Mauern, Toren und Riegeln, ohne andere sehr viel Flecken ohne Mauern.

Fest: Nichtsdestoweniger eroberten wir sie alle.

Ohne Mauern-: Welche deshalb leicht zu gewinnen waren.

6. Und verbannten sie, gleichwie wir mit Sihon, dem Könige zu Hesbon, Taten. Alle Städte verbannten wir, beide mit Männern, Weibern und Kindern.

Kindern: Das ist: Wir vertilgten die Einwohner ganz und gar. (Und hat Gott mit dieser schrecklichen Strafe derselben Leute schwere Sünden gerächt, die sie viele Jahre her zuvor begangen und nicht Buße tun wollen.)

7. Aber alles Vieh und Raub der Städte raubten wir für uns.

8. Also Namen wir zu der Zeit das Land aus der Hand der zwei Könige der Amoriter jenseits des Jordans, von dem Bach bei Arnon an bis an den Berg Hermon,

9. welchen die Zidonier Sirion heißen, aber die Amoriter heißen ihn Senir;

10. alle Städte auf der Ebene und das ganze Gilead und das ganze Basan bis gen Salcha und Edrei, die Städte des Königreichs Ogs zu Basan.

11. Denn allein der König Og zu Basan war noch übrig von den Riesen. Siehe, sein eisern Bette ist hier zu Rabbath der Kinder Ammon, neun Ellen lange und vier Ellen breit nach eines Mannes Ellenbogen.

Übrig: Denn was sonst für Riesen in den Ländern Seir, Moab, und Amon gewohnt hatten, die waren von den Edomitern, Moabitern, und Amonitern fast alle vertrieben, und keiner mehr übergeblieben als allein dieser König Og zu Basan.

Neun Ellen: Aus welches Bettes Länge man von der Größe des Königs mutmaßen kann.

12. solche Land Namen wir ein zu derselben Zeit, von Aroer an, die am Bach bei Arnon liegt. Und ich gab das halbe Gebirge Gilead mit seinen Städten den Rubenitern und Gaditern {4Mos 32v33 5Mos 29v8 Jos 12v1 v2}.

13. Aber das übrige Gilead und das ganze Basan des Königreichs Ogs gab ich dem halben Stamm Manasse, die ganze Gegend Argob zum ganzen Basan; das heißt der Riesen Land.

Riesen Land: Darum, dass vorzeiten Riesen darin gewohnt haben.

14. Jair, der Sohn Manasses, nahm die ganze Gegend Argob bis an die Grenze Gessuri und Maachathi; und hieß das Basan nach seinem Namen Havoth-Jair bis auf den heutigen Tag.

Gessuri: Welches benachbarte Völker waren.

Havoth Jair: Das ist: Flecken oder Dörfer Jair.

15. Machir aber gab ich Gilead.

Machir: Und seinen Nachkommen, der auch Manasse Sohn war.

Gilead: Nämlich ein Stück von demselben Lande.

16. Und den Rubenitern und Gaditern gab ich des Gileads einen Teil bis an den Bach bei Arnon mitten im Bach, der die Grenze ist, und bis an den Bach Jabbok, der die Grenze ist der Kinder Ammon;

17. dazu das Gefilde und den Jordan, der die Grenze ist, von Cinnereth an bis an das Meer am Gefilde, nämlich das Salzmeer, unten am Berge Pisga gegen dem Morgen.

Cinereth: Welches sonst der See oder das Meer Genezareth genannt wird, denn die Israeliten ein jegliches schlechtes Wasser Meer hießen.

Salzmeer: Welches auch das Tote Meer heißt, da vorzeiten Sodoma und Gomorra gestanden.

18. Und Gebote euch zu derselben Zeit und sprach: Der Herr, euer Gott, hat euch dies Land gegeben einzunehmen; zieht nun gerüstet vor euren Brüdern, den Kindern Israel, her, was streitbar ist {4Mos 32v17};

19. ohne eure Weiber und Kinder und Vieh (denn ich weiß, dass ihr viel Vieh habt) lasst in euren Städten bleiben, die ich euch gegeben habe;

20. bis dass den Herr eure Brüder auch zur Ruhe bringe, wie euch, dass sie auch das Land einnehmen, das ihnen der Herr, euer Gott, geben wird jenseits des Jordans; so sollt ihn dann wiederkehren zu eurer Besitzung, die ich euch gegeben habe.

Ruhe: Das ist: Bis eure Bundes- und Geschlechtsverwandten, die übrigen Israeliten, auch einen gewissen und ruhigen Sitz zur Wohnung bekommen. (Denn es sollen die Beschwerden und Gefahr in einem Regiment, so viel dessen sein kann, gleich sein.)

21. Und Josua gebot ich zur selben Zeit und sprach: Deine Augen haben gesehen alles, was der Herr, euer Gott, diesen zwei Königen getan hat. Also wird der Herr auch allen Königreichen tun, da du hinziehst.

Zwei Königen: Nämlich Sihon und Og, die er den Israeliten übergeben hat, mit ihrem ganzen Lande.

Hinziehst: Nämlich im Lande Kanaan.

22. Fürchtet euch nicht vor ihnen; denn der Herr, euer Gott, streitet für euch.

Vor ihnen: Nämlich für die Könige, die noch zu bekriegen sind. (Denn sooft wir uns unseres vorigen Glücks erinnern, welches zwar oft geschehen soll, so sollen wir dadurch beherzter und mutiger werden und aufs künftige mit herzlichem Vertrauen auf Gott auch gute Hoffnung haben.)

Streitet für euch: Als wollte er sagen: Ihr werdet zwar die Waffen führen und den Feind angreifen, aber Gott wird euch Kräfte und Stärke verleihen und den Feinden den Mut nehmen, dass ihr den Sieg erhaltet.

23. Und ich bat den Herrn zu derselben Zeit und sprach:

24. Herr, Herr, du hast angehoben zu erzeigen deinem Knechte deine Herrlichkeit und deine starke Hand. Denn wo ist ein Gott im Himmel und auf Erden, der es deinen Werken und deiner Macht könnte nachtun?

Herrlichkeit: Wie du so ein herrlicher Gott bist, der da wahrhaftig und gütig ist und seine Verheißungen hält.

Starke Hand: Das ist: Deine Gewalt und Allmacht, die du hast erzeigt und sehen lassen, durch unsere Feinde Niederlage und Untergang.

Denn wo: Das ist: Du hast mit der Tat bewiesen, dass du allein der einzige wahre Gott bist, denn dergleichen göttliche Werke und Wunderzeichen, die du bis daher vielfältig zu unsere Erhaltung getan hast, kann dir niemand nachtun.

25. Lass mich gehen und sehen das gute Land jenseits des Jordans, dies gute Gebirge und den Libanon.

Gute Land: Welches du den übrigen Israeliten geben und austeilen willst.

Libanon: Denselben hohen Berg, der zwischen Morgen und Mitternacht die Grenze ist des Landes Kanaan.

26. Aber der Herr war erzürnt auf mich um euretwillen und erhörte mich nicht, sondern sprach zu mir: Lass genug sein, sage mir davon nicht mehr {4Mos 27v13 5Mos 1v37 4v21 13v2}!

Eurer Willen: Als wollte er sagen: Weil ihr durch eure Ungeduld bei dem Haderwasser mich zum Unglauben gereizt, so wurde Gott damals deshalb über mich erzürnt, (wie ein Vater über seinen Sohn, wenn er nicht recht tut) und sagte, dass ich nicht soll ins Land Kanaan kommen, dessen er später bedenkt gewesen, also, dass er mir es rund abgeschlagen, da ich wieder darum anhielt.

Lass genug: Das ist: Du hast jetzt oft begehrt, ins Land Kanaan zu kommen, aber ich habe rechte Ursachen, warum ich es nicht zulasse, darum sei mir nicht weiter lästig. (Gott hatte Mose nicht verworfen, und dennoch schlägt er ihm seine Bitte ab, welche ihm zur Seligkeit nichts nutzte: Darum sollen wir auch nicht meinen, dass wir deshalb von Gott verstoßen sind, wenn wir nicht immer in zeitlichen Sachen nach unserem Begehren erhört werden.)

27. Steige auf die Höhe des Berges Pisga und hebe deine Augen auf gegen den Abend und gegen Mitternacht und gegen Mittag und gegen den Morgen, und sieh es mit Augen; denn du wirst nicht über diesen Jordan gehen.

Deine Augen: Das ist: Siehe dich überall um und beschaue das gelobte Land, dabei du es sollst bleiben und in diesem Leben dich begnügen lassen, dass du es gesehen hast.

Wirst nicht: (Dass Mose als ein Gesetzgeber das Volk Israel nicht ins verheißene Land führt, sondern Josua wird dadurch vorgebildet und bedeutet, dass wir durch das Gesetz, so von Mose gegeben, nicht können in das himmlische Vaterland kommen, sondern durch das Verdienst Jesu Christi, welcher der rechte Josua ist, wenn wir ihn mit Glauben annehmen.)

28. Und gebietet dem Josua, dass er getrost und unverzagt sei; denn er soll über den Jordan ziehen vor dem Volk her und soll ihnen das Land austeilen, das du sehen wirst {Jos 1v6 14v1}.

Getrost: Das ist: Sprich ihm zu und mache ihm ein Herz, dass er sich der Sachen unerschrocken unterfange.

Vor dem Volk: Als ihr oberster Feldherr.

29. Also blieben wir im Tal gegen dem Hause Peor.

Gegen dem: Das ist: Welches Teil gegen einer abgöttischen Kirche oder Kapelle über gelegen war, da die Midianiter ihren Abgott Peor angebetet.

Hause: (Nach Luther) Der abgöttischen Kirche oder Tempel.


Das 4. Kapitel


1. Mose tut eine lange und ernste Rede zum Volk, darin er die Strafen und göttliche Guttaten erzählt, und ermahne die Kinder Israel, dass sie den Geboten Gottes sollen gehorsam sein, v. 1. 2. Besonders aber warnt er sie fleißig, dass sie sich für Abgötterei hüten sollen, v. 15. 3. Danach werden jenseits des Jordans, da sie noch damals waren, drei Freistädte für die Totschläger ernannt, v. 41.

1. Und nun höre, Israel, die Gebote und Rechte, die ich euch lehre, dass ihr sie tun sollt, auf dass ihr lebt, und hineinkommt und das Land einnehmt, das euch der Herr, eurer Väter Gott, gibt.

Höre: Obwohl alles, was bis daher in diesem Buch, durch die drei ersten Kapitel vorgebracht wurde, darauf angesehen gewesen, damit das Volk aufgemuntert würde, dass sie mit Fleiß dem Gesetze Gottes aufmerkten, welches ihnen Mose wiederum vorhalten und erzählen wollte: Dennoch ermahnt er die Israeliten in diesem Kapitel mit noch mehr und größerem Ernst, dass sie fleißig zuhören sollen und es also hören, dass sie es auch im Werke erfüllen, dessen er viele große und hochwichtige Ursachen anzeigt. (Denn das Gesetz Gottes wird nicht allein darum gegeben, dass man es hören soll, sondern dass man es auch halte und erfülle, und da jemand wäre, der es vollkommen erfüllen könnte, der erlangte das ewige Leben dadurch und hätte auch auf dieser Welt allerlei Glück und Segen dabei zu erwarten. Weil es aber von wegen unsere verdorbenen Natur niemand erfüllen kann, so müssen wir uns mit Glauben an Christus halten, dass wir durch seinen Verdienst, den wir uns durch den Glauben zueignen, vor Gott gerechtfertigt werden und also zum ewigen Leben kommen, dazu auch in dieser Welt viel Guttaten von Gott empfangen, sofern sie zu unserer Seelen Seligkeit uns förderlich und nützlich sind. Denn das ist Gottes Gemeindeordnung, dass es den Frommen wohl gehen soll, obwohl dieselbe besonderer Ursachen wegen bisweilen überschritten wird.)

2. Ihr sollt nichts dazutun, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon tun, auf dass ihr bewahren mögt die Gebote des Herrn, eures Gottes, die ich euch gebiete.

Dazu tun: Nämlich zu dem Gesetz und Wort Gottes.

Auf dass: Mose setzt die Ursache hinzu, warum man nichts zu dem Worte Gottes tun soll, nämlich auf dass, wenn wir die Menschensatzungen halten, dadurch nicht verhindert werden, dass wir die Gebote Gottes nicht halten können. (Wenn man aber das Gesetz und Wort Gottes weitläufiger erklärt und auslegt, das heißt darum nicht etwas dazu getan, gleichwie auch, wenn man es mit wenigen Worten kurz begreift, nicht heißt davon tun: Sondern der den Leuten Satzungen auflegt, die von Menschen erdacht sind, und gebietet dieselben bei Strafe der ewigen Verdammnis zu halten, der tut etwas zu dem Worte Gottes hinzu, und wer solche Sachen zulässt und damit dispensieret, die im Worte Gottes verboten sind, der tut von dem Worte Gottes, welches beides der römische Antichrist, der Papst, im Brauch hat.)

Bewahren: (Nach Luther) Denn Menschenlehre hindert Gottes Gebote und führt von der Wahrheit {Tit 1v14}.

3. Eure Augen haben gesehen, was der Herr getan hat wider den Baal-Peor; denn alle, die dem Baal-Peor folgten, hat den Herr, dein Gott, vertilgt unter euch {4Mos 25v2 Jos 22v17}.

Wider den: Das ist: Wider die Abgötterei, so ihr mit dem midianitischen Götzen getrieben.

Folgten: Das ist: Alle diejenigen, welche sich mit der Abgötterei verunreinigt.

4. Aber ihr, die ihr dem Herrn, eurem Gott, anhingt, lebt alle heutigentags.

anhingt: Die ihr den wahren Gott ehrtet und euch von der Abgötterei enthieltet.

Lebt alle: Darum lasst euch der anderen Beispiele eine Warnung sein, dass ihr witziger werdet.

5. Siehe, ich habe euch gelehrt Gebote und Rechte, wie mir den Herr, mein Gott, geboten hat, dass ihr also tun sollt im Lande, darin ihr kommen werdet, dass ihr es einnehmt.

Geboten hat: Das ist: Die ich nicht von mir selber erdacht habe.

Also tun: Das ist: Dass ihr solche Gebote halten und erfüllen sollt.

6. So behaltet es nun und tut es! Denn das wird eure Weisheit und Verstand sein bei allen Völkern, wenn sie hören werden alle diese Gebote, dass sie müssen sagen: Ei, welch weise und verständige Leute sind das, und ein herrliches Volk!

So behaltet es: Denn wenn ihr solche Gebote werdet verachten und in Wind schlagen, so werdet ihr nicht meine Befehle verachten, sondern die Gebote Gottes, denen ihr zu gehorsamen schuldig seid.

Weisheit: d. i. Wenn ihr die Gebote Gottes haltet, so werden andere Völker sich über eurer großen Weisheit verwundern.

Herrliches Volk: Das an Weisheit und Verstand alle anderen Völker übertrifft. (Denn es ist keine größere Weisheit noch höherer Verstand, als dass man wisse, wie man an Gott recht glauben und nach seinem geoffenbarten Willen gottselig leben soll.

7. Denn wo ist so ein herrliches Volk, zu dem Götter also nahe sich tun, als der Herr, unser Gott, so oft wir ihn anrufen {Ps 145v18}?

Denn wo: Das ist: Es ist kein Volk von Gott so hoch gewürdigt und zu solchen Ehren erhoben worden, dass er sich demselben so klar und eigentlich geoffenbart hätte, als uns. Denn er uns nicht allein seinen Willen entdeckt, sondern sooft wir in Widerwärtigkeit mit unserem Gebet zu ihm fliehen, so erhört er uns und errettet uns: Wird es auch noch weiter so viel desto mehr und williger tun, je mehr ihr euch bemühen werdet, dass ihr seine Gebote und Satzungen haltet.

8. Und wo ist so ein herrlich Volk, das so gerechte Sitten und Gebote habe, als all dies Gesetz; das ich euch heutigen Tages vorlege?

Sitten: Das ist: Allerlei feine Zeremonien und Kirchengebräuche, dabei wir erinnert werden, wie wir dem Gottesdienst recht dienen sollen.

Gebote: Das ist: Gute Gesetze und Ordnungen im weltlichen Regiment, wie die in diesem Buch begriffen sind.

9. Hüte dich nur und bewahre deine Seele wohl, dass du nicht vergisst der Geschichten, die deine Augen gesehen haben, und dass sie nicht aus deinem Herzen kommen all dein Leben lange.

Bewahre: Das ist: Je heiligere Zeremonien und billiger Gesetze euch gegeben werden, je fleißiger ihr sie halten sollt.

Gesehen: Nämlich auf dem Berge Horeb, denn welche unter zwanzig Jahren gewesen, als das Volk nicht wollen ins Land Kanaan ziehen, die waren in der Wüste nicht gestorben, und haben Alters halben sich ganz wohl erinnern und bedenkt sein können, beides was sich bei dem Auszug aus Ägypten, als in der Wüste bei Bekanntmachung des Gesetzes für große Wunder und Zeichen zugetragen.

10. Und sollt deinen Kindern und Kindeskindern kundtun den Tag, da du vor dem Herrn, deinem Gott, standest an dem Berge Horeb, da der Herr zu mir sagte: Versammle mir das Volk, dass sie meine Worte hören und lernen mich fürchten all ihre Lebtage auf Erden und lehren ihre Kinder {2Mos 19v16 v17}.

Kundtun: Das ist: Du sollst ihnen er zählen, mit was großer Majestät und Herrlichkeit Gott sein Gesetz gegeben habe, welches du mit deinen Ohren hast hören mit einer schrecklichen Stimme verkündigen.

Fürchten: Das ist: Dass sie mir gebührliche Ehre erzeigen und meine Gebote nicht mutwilligerweise übertreten.

Ihre Kinder: (Denn der Eltern Amt ist, dass sie die rechte Religion auf ihre Nachkommen fortpflanzen.)

11. Und ihr tratet herzu und standet unten an dem Berge; der Berg brannte aber bis mitten an den Himmel; und war da Finsternis, Wolken und Dunkel.

Finsternis: Das ist: Der Berg brannte mit Feuer, aber um das Feuer her waren stockdicke und finstere Wolken und war der ganze Himmel mit schwarzen Wolken überzogen, daraus es sehr hell leuchtete und blitzte, dazu wurden auch viele starke und schreckliche Donner gehört, dass der ganze Berg zitterte und sich erschütterte {2Mos 19}. Also, dass es alles voller Schrecken war. (Denn das Gesetz soll mit einem solchen schrecklichen Aussehen gegeben werden, dass seine Wirkung in eines sündigen Menschen Gewissen dadurch bedeutet würde, wenn das Gesetz im Herzen recht geoffenbart wird. Denn da denkt den Menschen nicht anders, als höre und empfinde er Gott als ein verzehrendes Feuer und sei alles voller grausamen Schreckens und er mit Finsternis des Todes umgeben.)

12. Und der Herr redete mit euch mitten aus dem Feuer. Die Stimme seiner Worte hört ihr; aber kein Gleichnis saht ihr außen der Stimme.

Feuer: Daraus die Stimme des Engels gehört wurde, durch welchen Gott sein Gesetz auskünden ließ {Apg 7}.

Kein Gleichnis: Darum, weil er euch keine Gestalt oder irgendein Bildnis zeigen wollen, so sollt ihr euch hüten, dass ihr keine Bilder macht, die ihr anbeten und Gott darin dienen wolltet. Denn wenn er durch eine Figur oder Bildnis hätte wollen verehrt werden, so hätte er euch selber etwa eine Gestalt gezeigt und sehen lassen, danach ihr ein Bild machen und formieren können.

13. Und verkündigte euch seinen Bund, den er euch Gebote zu tun, nämlich die zehn Worte; und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.

Zehn Wort: Das ist: Die Zehn Gebote: Denn in denselben hat Gott einen Bund mit seinem Volk gemacht, dass er ihnen wollte Gutes tun, wenn sie seine Gebote hielten.

Steinernen Tafeln: (Denn das Gesetz Gottes findet in einem Menschen, der nicht wiedergeboren oder auch geistlich wiederum gestorben ist, kein fleischliches Herz, das ist ein solches, das da weich wäre und mit sich umgehen ließe, sondern ein steinernes, hartes und ungeschlachtes, bis es von Gott erneuert wird.)

14. Und der Herr gebot mir zur selbigen Zeit, dass ich euch lehren soll Gebote und Rechte, dass ihn danach tätet im Lande, darin ihr zieht, dass ihr es einnehmt.

Gebote: Die zum Gottesdienst gehören.

Rechte: Weltliche Satzungen, dadurch ein Regiment wohl bestellt wird.

15. So bewahrt nun eure Seelen wohl; denn ihr habt kein Gleichnis gesehen des Tages, da der Herr mit euch redete aus dem Feuer auf dem Berge Horeb,

Bewahrt: Das ist: Hütet euch mit allem Fleiß, dass ihr euch nicht mit Sünden befleckt, besonders aber der Abgötterei müßig geht.

Gleichnis: Das ist: Kein Bilde, darin euch Gott erschienen wäre.

16. auf dass ihr euch nicht verderbt und macht euch ein Bild, das gleich sei einem Mann oder Weib {2Mos 20v3 v4}

Verderbt: Damit ihr nicht durch eure Sünde alle Verheißungen, die euch geschehen sind, wiederum vernichtet und aufhebt.

Ein Bild: Dadurch ihr Gott wolltet abbilden.

17. oder Vieh auf Erden, oder Vogel unter dem Himmel,

18. oder Würmer auf dem Lande, oder Fisch im Wasser unter der Erde.

19. Dass du auch nicht deine Augen aufhebst gen Himmel und siehst die Sonne und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und fällst ab und betest sie an und dienst ihnen, welche der Herr, dein Gott, verordnet hat allen Völkern unter dem ganzen Himmel.

Des Himmels: Und ihr herrliches Aussehen dich betrügen und verführen lässt. (Denn Gott hat die Lichter und Sterne am Himmel nicht dazu erschaffen, dass sie von den Menschen sollen angebetet und verehrt werden, sondern dass sie mit ihrem vorleuchten den Menschen dienen, und dass die Menschen aus diesen Kreaturen Gott ihren Schöpfer etlichermaßen erkennen lernen und ihn nach seinem Willen, wie er sich in seinem Worte geoffenbart hat, ehren.)

20. Euch aber hat den Herr angenommen und aus dem eisernen Ofen, nämlich aus Ägypten, geführt, dass ihr sein Erbvolk solltet sein, wie es ist an diesem Tage.

Angenommen: Für alle anderen Völker aus besonderen Gnaden.

Eisernen Ofen: Das ist: Aus der unerträglichen Dienstbarkeit, damit ihr in Ägypten beschwert wurdet, daraus ihr euch ebenso wenig als aus einem eisernen Ofen nimmermehr hättet können erretten.

Erbvolk: Das ist: Er ist euch so wohl gewogen gewesen, dass er euch, da ihr solches ganz nicht um ihn verdient, erwählt hat, zu seinem Eigentum, und für die er, als für sein Erbe, fleißig sorgte, sie in Acht hätte und beschützte, wie er denn bisher getan, und noch tut. Ihr aber habt euch gegen euren Guttäter nicht fast dankbar erzeigt, sondern ihn mit Misstrauen, Ungehorsam und Ungeduld zu mehrmals erzürnt.

21. Und der Herr war so erzürnt über mich um eures Tuns willen, dass er schwur, ich soll nicht über den Jordan gehen, noch in das gute Land kommen, das dir der Herr, dein Gott, zum Erbteil geben wird {5Mos 1v37 3v26},

Eures Tuns: Als wollte er sagen: Ihr seid schuldig daran, dass Gott über mich erzürnt wurden, da ihr bei dem Haderwasser durch eurer Misstrauen und Ungeduld mich zu Unglauben gereizt.

Gute Land: Da alles vollauf ist, was man zur Notdurft bedarf und haben muss.

22. sondern ich muss in diesem Lande sterben und werde nicht über den Jordan gehen. Ihr aber werdet hinübergehen und solches gute Land einnehmen.

Diesem Lande: Nämlich da wir jetzt sind, in dem Gefilde der Moabiter.

23. So hütet euch nun, dass ihr des Bundes des Herrn, eures Gottes, nicht vergesst, den er mit euch gemacht hat, und nicht Bilder macht einerlei Gleichnis, wie der Herr, dein Gott, geboten hat.

So hütet: Als wollte er sagen: Ich fürchte gewisslich, ihr werdet nach meinem Tode eure vorige Weise wieder anfangen und der Abgötterei nachhängen.

Gemacht hat: Da ihr ihm verheißen, dass ihr diesen einigen Gott allein anbeten und verehren wolltet.

24. Denn der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifriger Gott {5Mos 9v3 Hebr 12v29}.

Verzehrendes: Dessen Zorn, wenn er entweder zeitliche oder auch ewige Strafen schicken will, niemand widerstehen kann.

Eifriger: Der viel weniger leiden kann, dass jemand einen Abgott ehrt, als ein ehrliebender Biedermann kann zulassen, dass ein Fremder mit seinem Weibe zu schaffen habe. (Denn die Bilder, welche zum Gottesdienst aufgestellt werden, sind ein Gräuel vor Gott: Sonst ist es unverboten, Bilder und Gemälde oder Konterfei zu haben, dabei man sich geschehener Sachen erinnert, aber nicht anbetet oder verehrt.)

25. Wenn ihr nun Kinder bezeugt und Kindeskinder und im Lande wohnt und verderbe euch und macht euch Bilder einerlei Gleichnis, dass ihr übel tut vor dem Herrn, eurem Gott, und ihr ihn erzürnt,

Verderbe: Dass ihr die gnädigen Verheißungen Gottes verscherzt und vernichtet oder aufhebt.

26. so rufe ich heutigen Tages über euch zu Zeugen Himmel und Erde, dass ihr werdet bald umkommen von dem Lande, in welches ihr geht über den Jordan, dass ihr es einnehmt; ihr werdet nicht lange darin bleiben, sondern werdet vertilgt werden.

Zu Zeugen: Das ist: Ich will solches bezeugt haben für allen himmlischen und irdischen Kreaturen.

27. Und der Herr wird euch zerstreuen unter die Völker; und werdet ein geringer Pöbel übrig sein unter den Heiden, dahin euch der Herr treiben wird.

Zerstreuen: Das ist: Er wird euch aus dem Lande vertreiben und ins Elend ziehen lassen.

Geringer: Das ist: Es werden eurer ganz wenige überbleiben in der Fremde.

28. dort wirst du dienen den Göttern, die Menschenhände Werke sind, Holz und Stein, die weder sehen, noch hören, noch essen, noch riechen.

Holz und Stein: Das ist: Den hölzernen und steinernen Götzen und Bildern.

Weder sehen: Das ist: In denen kein Leben ist, darum sie auch nicht helfen können. Will so viel sagen: Da werdet ihr ins Teufels Namen den stummen Götzen dienen, in eurem Jammer und Elend, weil ihr je zu denselben so große Lust habt, da euch im Lande Kanaan zu wohl war, und euch an dem einigen wahren Gott nicht begnügen ließet.

29. Wenn du aber dort den Herrn, deinen Gott, suchen wirst, so wirst du ihn finden, wo du ihn wirst von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen.

Suchen: Da du ihn demütig um Verzeihung bittest, wenn du dich sehnst nach dem Lande Kanaan und begehrst aus dem Elende wieder heimzukommen.

Finden: Das ist: Er wird dich erhören und wieder zu Gnaden aufnehmen.

Herzen: Dass es dir ein Ernst ist mit deiner Bekehrung zu Gott, und nicht Heuchelei treibst.

30. Wenn du geängstigt sein wirst, und dich treffen werden alle diese Dinge in den letzten Tagen, so wirst du dich bekehren zu dem Herrn, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchen.

Treffen: Das ist: Wenn zuletzt, nachdem du alle Warnungen verachtet und in Wind geschlagen hast, alle dies Unglück über dich kommen wird, das ich dir jetzt zuvor verkündige: So wirst du endlich aus solchen Strafen lernen erkennen, dass dir alles solches Übel darum überfallen hat, weil du von deinem Gott abgewichen bist.

Bekehren: Durch wahre Buße.

Gehorchen: Das ist: Du wirst zukünftig größeren Gehorsam leisten. (Denn wir verachten gewöhnlich die Warnungen und Vermahnungen, so uns aus dem Worte Gottes vorgehalten werden, bis wir darüber in Unfall geraten, davor man uns gewarnt hat. Und wenn wir es uns alsdann lassen von Herzen leid sein, dass wir gesündigt haben und glauben, dass uns Gott um des Verdienstes willen seines eingeborenen Sohnes, uns die Sünde verzeihen wolle, mit dem Vorsatz, dass wir zukünftig, mit der Hilfe Gottes unsträflich leben wollen, so will uns Gott nicht verstoßen, sondern wiederum zu Gnaden aufnehmen.)

31. Denn der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht lassen noch verderben, wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat.

Barmherziger: Der sich wieder erbarmt über die, welche rechtschaffene Buße tun und ihnen ihre vorigen Sünden nicht zurechnet.

Verderben: Das ist: Er wird dich nicht ganz und gar vertilgen und ausrotten.

Vergessen: Das ist: Er wird den Bund nicht aufheben, den er deinen Voreltern den Patriarchen zu halten mit einem Eid verheißen hat, dass er sich ihrer Nachkommen annehmen, für sie sorgen und sie erhalten wolle, und wird viel mehr in Achthaben, was seine Wahrheit und Barmherzigen erfordere, als was du mit deinen Sünden wohl verdient hättest.

32. Dann frage nach den vorigen Zeiten, die vor dir gewesen sind, von dem Tage an, da Gott den Menschen auf Erden geschaffen hat, von einem Ende des Himmels zum anderen, ob je ein solche groß Ding geschehen, oder desgleichen je gehört sei,

Denn frage: Als wollte er sagen: Auf dass du deinem Gott desto williger Gehorsam leistest und seine Gebote hältst, so soll auch das wohl betrachten und in Acht nehmen, dass Gott um kein anderes Volk sich so wohl verdient hat als um dich.

Dem Tage: Das ist: Von Anfang der Welt her.

Ende: Das ist: So weit die Welt ist. Will so viel sagen: Wenn du gleich aller Völker Geschichte und Historien durchsuchst, die sich unter dem Himmel auf der ganzen Welt hin und wieder zugetragen haben, solange das menschliche Geschlechter auf Erden gelebt, so wirst du nirgends finden, dass jemals so herrliche Wunderwerke sind gesehen worden, noch so große Guttaten irgendeinem Volke von Gott widerfahren sind als dir.

33. dass ein Volk Gottes Stimme gehört habe aus dem Feuer reden, wie du gehört hast, und dennoch lebst {2Mos 19v18 v19}?

Stimme: Die mit so großer und schrecklicher Majestät mit ihm geredet hätte wie mit dir.

Lebst: Das ist: Da kein Wunder gewesen, dass die Menschen für die Anschauung einer solchen Majestät Gottes versunken und gestorben wären, so hat dich doch dein Gott durch seine Güte erhalten.

34. Oder ob Gott versucht habe, hineinzugehen und ihm ein Volk mitten aus einem Volk zu nehmen durch Versuchung, durch Zeichen, durch Wunder, durch Streit und durch eine mächtige Hand und durch einen ausgereckten Arm und durch sehr schreckliche Taten, wie das alles der Herr, euer Gott, für euch getan hat in Ägypten vor deinen Augen?

Versucht: Das ist: Hat Gott auch jemals ein so seltsames wunderliches Ding zu tun sich unterstanden.

Zu nehmen: Dass er nämlich dasselbe Volk, welches er in seinen Schutz genommen, aus einem anderen Volk heraus führte.

Versuchung: Damit ihr seid umgetrieben und dennoch in der Wüste erhalten worden.

Wunder: Die er in Ägypten getan hat, bis er euch aus der ägyptischen Dienstbarkeit herausgebracht.

Streit: Da er euch im Streit, als ihr wider die Amalekiter und Amoriter strittet, wunderlich errettet und erhalten hat.

Mächtige: Das ist: Weil er seine große Kraft und Allmacht mit herrlichen Wunderwerken vielfältig erzeigt und sehen lassen, indem dass er euch beschützt und die Feinde niedergedrückt hat.

Schreckliche: Für welche Wunder und Zeichen die Menschen zittern und erschrecken mussten, wie besonders in Ägypten geschehen.

Für euch: Oder um euren willen, aber für kein anderes Volk.

1 In Ägypten] Da die größten Wunderwerke geschehen sind.

Deinen Augen: Das ist: Ihr habt solches alles meistenteils gesehen, so viel eurer mit aus Ägypten gegangen sind, und könnt es bezeugen.

35. Du hast‘s gesehen, auf dass du wissest, dass der Herr allein Gott ist, und keiner mehr.

Wissest: Das ist: Solche großen Wunder hat Gott vor deinen Augen getan, auf dass du daraus lernst erkennen, dass er der einzige wahrhaftige Gott sei und kein anderer außer ihm, darum sollt du ihm alleine dienen und Ehre erzeigen.

36. Vom Himmel hat er dich seine Stimme hören lassen, dass er dich züchtigte; und auf Erden hat er dir gezeigt sein großes Feuer, und seine Worte hast du aus dem Feuer gehört,

Züchtigte: Nämlich durch seine Gesetze, dadurch er dir deine Sünde und Unrecht zu erkennen gab, und du dich so viel desto mehr für ihm demütigtest.

Feuer: Das ist: Er hat nicht durch Menschen mit dir reden lassen (gleichwie er sonst durch die Propheten getan), sondern ist selber vom Himmel kommen und hat dir sein Gesetz verkündigt und seine Gegenwart auf Erden, nämlich auf dem Berge Horeb durch das Feuer erklärt.

37. darum dass er deine Väter geliebt und ihren Samen nach ihnen erwählt hat, und hat dich ausgeführt mit seinem Angesicht durch seine große Kraft aus Ägypten {2Mos 12v41 13v21 2Mos 13v16},

Geliebt: Das ist: Er hat dir so viele Ehre angetan, dass er selber mit dir geredet hat, nicht von wegen deiner Frömmigkeit oder Gerechtigkeit, deren du keines an dir gehabt, sintemal du ein halsstarriges Volk bist, sondern um deiner Voreltern der Patriarchen willen, welche durch den Glauben an den zukünftigen Christus gerechtfertigt wurden und deshalb Gott lieb gewesen sind.

Erwählt: Das ist: Er hat bei sich beschlossen, dass er auch euch Israeliten als ihren Nachkommen wolle Gutes tun und mit leiblichen und geistlichen Gütern segnen.

Angesicht: Das ist: Er hat mit seiner wunderbaren Kraft und durch die herrlichen Wunderzeichen dir gleichsam den Weg gemacht, da du aus Ägypten gegangen bist, und ist als ein oberster Heerführer immer vorne daran gewesen.

Nach Luther: Indem er dich durch die Wolkensäule des Tages und durch die Feuersäule des Nachts geleitet.

38. dass er vertriebe vor dir her große Völker und stärkere, denn du bist, und dich hineinbrächte, dass er dir ihr Land gäbe zum Erbteil, wie es heutigen Tages steht.

Steht: Das ist: Wie solches zum Teil bereits erfüllt wurde.

39. So sollt du nun heutigentags wissen und zu Herzen nehmen, dass der Herr ein Gott ist oben im Himmel und unten auf Erden, und keiner mehr;

Wissen: Das ist: Du sollt hieraus lernen, dass ein einiger wahrer Gott sei, ein Herr Himmels und der Erden, der alles gegenwärtig regiert.

40. dass du hältst seine Rechte und Gebote, die ich dir heute gebiete; so wird dir es und deinen Kindern nach dir wohl gehen, dass dein Leben lange währe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, gibt ewig.

Wohl gehen: Nämlich an Leib und Seele, und wirst das Land Kanaan lange besitzen. (Dass aber Mose in diesem Kapitel, wie auch an anderen mehr Orten, ein Ding so oft wiederholt, zeigt er damit an, unsere Trägheit und Unlust im Lernen, und wie wir Gott so ungern Gehorsam leisten. Darum fordert es die hohe Notdurft, dass uns einerlei oft wiederholt und wohl eingebildet werde und dass man immer daran uns treibe, damit wir der Gebote Gottes nicht vergessen und aus Unachtsamkeit desto eher überschreiten.)

41. Da sonderte Mose drei Städte aus jenseits des Jordans gegen der Sonnen Aufgang {4Mos 35v6 5Mos 19v2 Jos 20v2},

Da sonderte: Nachdem Mose diese Vorrede getan, wie man das Gesetz Gottes mit Fleiß in Acht nehmen und halten soll, so bezeichnet er jetzt, zuvor und eher denn er die Zehn Gebote erzählt, die Freistädte auf der einen Seite des Jordans, da sie damals noch waren, und mengt also, nach seiner Ermahnung vom Gesetz, ein weltliches Geschäft mit unter, welches er zugleich mit verrichtet.

Jenseits: Das ist: Auf derselben Seite, da sie neulich die Amoriter vertrieben und ihr Land eingenommen hatten, welches danach den Rubenitern, Gadditern und dem halben Stamm Manasse zuteilwürde.

42. dass dort hinflöhe, wer seinen Nächsten totschlägt unversehens und ihm vorhin nicht feind gewesen ist; der soll in der Städte eine fliehen, dass er lebendig bleibe:

Unversehens: Aus keinem Vorsatz und dass er nicht im Willen gehabt, seinen Nächsten umzubringen.

Feind gewesen: Dass er aus keinem Hass oder Neid seinem Nächsten nach dem Leben gestanden, sondern ihn ungefähr entleibt hat.

Fliehen: Dass er darin sicher sei und nicht wiederum zur Strafe gezogen werde.

43. Bezer in der Wüste im ebenen Lande unter den Rubenitern; und Ramoth in Gilead unter den Gaditern; und Golan in Basan unter den Manassitern.

Wüste: Das ist: Welche Stadt auf ebenem Lande in der Wüste liegt und dem Stamm Ruben in der Teilung heimgefallen ist.

Manassirern: Also dass in einem jeden Stamm eine Freistadt gewesen. (Denn man soll eine Gleichheit halten, so viel dessen immer möglich ist.)

44. Das ist das Gesetz, das Mose den Kindern Israel vorlegte.

Das ist: Da Mose das Gesetz der Zehn Gebote ablesen und dem Volk vorhalten will, so macht er zuvor einen kurzen Eingang, wie bei den Hebräer gebräuchlich, und zeigt den Ort an, wo es geschehen sei, damit, sooft die Kinder Israel später am selben Ort gerieten, sich solcher Geschichte erinnerten, was ihnen da wäre vorgehalten wurden.

45. Das ist das Zeugnis und Gebote und Rechte, die Mose den Kindern Israel sagte, da sie aus Ägypten gezogen waren,

Zeugnis: Er nennt das Gesetz ein Zeugnis, dieweil es von dem Willen Gottes zeugte.

Gebote: Nämlich die Kirchengebräuche und Zeremonien.

Rechte: Weltliche Satzungen und Ordnungen.

Gezogen: Vor vierzig Jahren, und jetzt auf den Grenzen des Landes Kanaan lagen.

46. jenseits des Jordans im Tal gegen dem Hause Peor, im Lande Sihons, des Königs der Amoriter, den zu Hesbon saß, den Mose und die Kinder Israel schlugen, da sie aus Ägypten gezogen waren,

Hause Peor: Das ist: Gegen einen Götzentempel oder Kapelle über, da die Midianiter ihren Abgott Peor verehrt hatten.

47. und Namen sein Land ein, dazu das Land Ogs, des Königs zu Basan, der zwei Könige der Amoriter, die jenseits des Jordans waren gegen der Sonnen Aufgang {4Mos 21v24},

Aufgang: Denn derselben beider Könige Land war, nach dem Lande Kanaan zu rechnen, gegen Aufgang gelegen.

48. von Aroer an, welche an dem Ufer liegt des Bachs bei Arnon, bis an den Berg Sion, das ist der Hermon,

Sion: Welcher nicht der Berg Zion im Lande Kanaan ist, dessen in den Psalmen und sonst oft gedacht wird, sondern ein anderer, der auch Hermon geheißen.

49. und alles Blachfeld jenseits des Jordans, gegen den Aufgang der Sonne, bis an das Meer im Blachfelde, unten am Berge Pisga.

Meer: Dadurch der See Genezareth verstanden wird, der an dasselbe Blachfeld oder eben Land stößt, und nach Art der hebräischen Sprache ein Meer genannt wird. Dies Land alles miteinander, will Mose sagen, hatten die Kinder Israel damals bereits innen, und weil sie dennoch leicht daraus spüren und abnehmen könnten, dass ihnen Gott keineswegs eine vergebliche Hoffnung gemacht, so hat Mose im selben Lande das Gesetz Gottes wiederholen und erklären wollen, dass sie nach demselben lebten und also mit schuldiger Dankbarkeit gegen Gott, ihrem Schöpfer und Guttäter, sich erzeigten.


Das 5. Kapitel


1. Mose wiederholt die Zehn Gebote, v. 1. 2. Und hält ihnen für, mit was Majestät und Herrlichkeit sie von Gott gegeben wurden, auf dass sie desto williger sind, die Gebote Gottes zu halten, v. 23.

1. Und Mose rief das ganze Israel und sprach zu ihnen: Höre, Israel, die Gebote und Rechte, die ich heute vor euren Ohren rede, und lernt sie und behaltet sie, dass ihr danach tut!

Gebote: Nämlich die Kirchenzeremonien, die ihr bei dem Gottesdienst gebrauchen sollt.

Rechte: Landesordnungen und weltliche Gesetze.

Ohren: Dass ihr es alle hören könnt.

2. Der Herr, unser Gott, hat einen Bund mit uns gemacht zu Horeb {2Mos 19v5}.

Bund: Da wir ihm zusagten und uns verpflichteten, dass wir ihm gehorchen wollten.

Mit uns: Darum sind wir schuldig, unserem Herrn Gott zu gehorsamen, wo wir anders nicht als Treulose und Übertreter des Bundes wollen gestraft werden. Denn wir können ja keine Unwissenheit vorwenden.

3. Und hat nicht mit unseren Vätern diesen Bund gemacht, sondern mit uns, die wir hier sind heutigen Tages und alle leben.

4. Er hat von Angesicht zu Angesicht mit uns aus dem Feuer auf dem Berge geredet.

Feuer: Das ist: Ihr habt das Feuer selbst gesehen, welches die Gegenwart Gottes bezeugte, so habt ihr auch die Auskündigung des Gesetzes mit euren Ohren gehört.

5. Ich stand zu derselben Zeit zwischen dem Herrn und euch, dass ich euch ansagte des Herrn Wort; denn ihn fürchtetet euch vor dem Feuer und gingt nicht auf den Berg. Und er sprach:

Ich stand: Als wollte er sagen: Weil ihr vor Furcht nicht mehr hören konntet, dass Gott mit euch redete, so stellte ich mich dar zu einem Mittler, dass ich euch die übrigen Satzungen, Kirchengebräuche und weltlichen Rechte verkündigte, weil ihr davor batet, dass ihr sie selbst von Gott nicht anhören dürftet.

Fürchtetet: Das ist: Ihr erschrakt vor dem Feuer, das ihr auf dem Berge saht, und zwischen der dicken und finsteren Wolken schrecklich anzusehen war.

Gingt nicht: Denn es war euch von Gott verboten und wenn es euch gleich freigestanden wäre, so war doch keiner unter euch, der nicht viel lieber begehrte weit davon zu bleiben, als nahe hinzuzugehen, darum habt ihr mir die Sache gutwillig übergeben, dass ich die übrigen Gesetze von Gott hören und euch wiederum verkündigen soll.

6. Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus dem Diensthause.

Ich bin: Die Erklärung der Zehn Gebote mag man oben suchen {2Mos 20},

7. Du sollst keine anderen Götter haben vor mir.

8. Du sollst dir kein Bildnis machen einerlei Gleichnis, weder oben im Himmel, noch unten auf Erden, noch im Wasser unter der Erde.

9. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, ein eifriger Gott, der die Missetat der Väter heimsucht über die Kinder ins dritte und vierte Glied, die mich hassen {2Mos 34v7 Jer 32v18},

10. und Barmherzigkeit erzeige in viel tausend, die mich lieben und meine Gebote halten.

11. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht {2Mos 20v7 3Mos 19v12 Mt 5v33}.

12. Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligst, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat {1Mos 2v3 2Mos 20v8 31v13 Jer 17v21}.

13. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.

14. Aber am siebten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Ochse, noch dein Esel, noch all dein Vieh, noch der Fremdling, der in deinen Toren ist, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhe, gleichwie du.

Ruhe: Denn es ist richtig, dass den Knechten und Mägden eine Erquickung gelassen werde von ihrer Arbeit, damit sie nicht von der stetigen schweren Last der Arbeit endlich unterdrückt werden und liegen bleiben.

15. Denn du sollst denken, dass du auch Knecht in Ägyptenland warst, und der Herr, dein Gott, dich von dort ausgeführt hat mit einer mächtigen Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der Herr, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollt.

Auch Knecht: Das ist: Weil du vorzeiten in Ägypten hast können lernen und erfahren, wie ein elendes Ding es sei um die Dienstbarkeit, daraus dich Gott durch seine wunderbare göttliche Kraft und Allmacht erlöst hat: So will dir in immer gebühren, dass du dich auch mitleidig erzeigst gegen deinen Knechten und Mägden, und also aus schuldiger Dankbarkeit gegen Gott mit deinen Hausgenossen freundlich umgehst. (Soll deswegen ein frommer Hausvater in Achthaben, dass er seine Knechte und Mägde nicht ganz zu hart halte, weil sie auch zu Ebenbilde Gottes erschaffen und mit dem Blut des Sohnes Gottes erlöst sind.)

Halten sollt: Das ist: Neben anderen Ursachen sollst du auch darum am siebten Tage von deiner täglichen und gewöhnlichen Arbeit feiern, damit dein Personal sich wiederum erholen könne. Gleichwie aber hier an diesem Ort die Ursache der Ruhe, dass man des Gesindes schonen soll, nach der Länge ausgeführt wird, davon oben {2Mos 20} mit wenig Worten Meldung geschieht: Also was hier von dem Sabbat oder von der Ruhe des Herrn aufs kürzeste angeregt wird, davon wird oben ausführlich gehandelt, wie nämlich Gott den siebten Tag, nachdem er die Welt erschaffen und vollendet, zum Tage der Ruhe, und besonders, dass man mit heiligen und göttlichen Sachen darauf umgehen soll, geordnet und eingesetzt habe.

16. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebst, und dass dir es wohl gehe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird {Mt 15v4 Eph 6v2}.

Wohl gehe: Was oben {2Mos 20} vom langen Leben gesagt wird, solches erklärt Mose hier, indem er hinzusetzt, dass dir es wohl gehe. Denn je länger ein unglückhaftes und armseliges Leben währte, je elender es ist. (Verheißt darum Gott frommen Kindern, nicht allein ein langes, sondern auch glückhaftes Leben.)

17. Du sollst nicht töten {Mt 5v21}.

18. Du sollst nicht ehebrechen {Mt 5v27}.

19. Du sollst nicht stehlen.

20. Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

21. Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Weib. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochsen, Esel noch alles, was sein ist {Röm 7v7 13v9}.

Weib: Oben {2Mos 20} ist dies Gebot, dass man des Nächsten Weib nicht begehren soll, das zehnte in der Ordnung, und das hier zuletzt folgt, wie man nicht soll des Nächsten Haus begehren, ist dort das neunte: Weil aber einerlei Meinung in bei den Geboten wiederholt wird, auf dass wir es uns desto besser einbilden, wie nicht allein die äußerliche böse Werke, sondern auch die böse Lüste Sünde sind, so ist so ganz viel nicht daran gelegen, welches vor oder nachgesetzt werde.

Acker: Dies Wort ist auch nur hinzugesetzt als eine Erklärung des vorigen {2Mos 20}, findet man eine weitläufigere Auslegung der Zehn Gebote, da man es lesen kann, den solches hier zu wiederholen, achte ich, um geliebter Kürze willen, vonnöten sein.

22. Das sind die Worte, die der Herr redete zu eurer ganzen Gemeinde auf dem Berge aus dem Feuer und der Wolke und Dunkel mit großer Stimme, und tat nichts dazu; und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln und gab sie mir.

Redet: Nämlich zur selben Zeit, da er sich auf dem Berge Horeb erzeigte.

Ganzen Gemeinde: Nicht zu einem oder zwei alleine, darum so seid ihr alle miteinander schuldig, dieselben aufs Genaueste und fleißig zu halten.

Dunkel: Denn aus einer dicken und finsteren Wolke brannte und schien hervor ein aneinander währendes Feuer, aus welchem Gott durch einen Engel redete und die Zehn Gebote euch verkündigte.

Nichts dazu: Denn die Zehn Gebote begreifen einen allerdings vollkommenen Bericht in sich, wie man gottselig, aufrichtig und ehrlich leben soll, also, dass alle anderen guten Gesetze und Ordnungen nichts Neues vorbringen, sondern sind nur eine Erklärung der Zehn Gebote. (Darum darf man der Menschensatzungen ganz nicht welche neue Gebote vorschreiben, wie man Gott dienen und dazu recht und gottselig leben soll: Ja sie verhindern vielmehr den wahren Gottesdienst, wie derselbe von Gott geboten und vorgeschrieben ist. Doch werden hiermit die löblichen Kirchengebräuche, so man guter Ordnung halben in der Kirche hält, nicht verworfen.)

Schreib sie: Nämlich die Zehn Gebote, nachdem er sie zuvor mit heller Stimme ausgesprochen und verkündigt hatte.

Steinernen Tafeln: (Dadurch die Härtigkeit des menschlichen Herzens ist angedeutet worden, als welches sich nicht von ihm selber beugen oder bewegen lässt, dass es Gott Gehorsam leiste, sofern es nicht durch eine besondere Kraft und Wirkung des Heiligen Geistes erweicht und von Gott hinzugezogen wird.)

23. Da ihr aber die Stimme aus der Finsternis hört und den Berg mit Feuer brennen saht ihr zu mir; alle Obersten unter euren Stämmen und eure Ältesten,

Die Stimme: Das ist: Da ihr die Stimme Gottes gehört hattet, der durch den Engel aus dem Feuer, welches mit einer dicken und finsteren Wolke überall umgeben war, zu euch redete.

Ältesten: Das ist: Vornehmsten im Volk.

24. und spracht: Siehe, der Herr, unser Gott, hat uns lassen sehen seine Herrlichkeit und seine Majestät; und wir haben seine Stimme aus dem Feuer gehört. heutigen Tages haben wir gesehen; dass Gott mit Menschen redet, und sie lebendig bleiben.

Gesehen: Und in der Tat erfahren.

Bleiben: Das ist: Wir hätten es zuvor nicht geglaubt, dass es geschehen könnte, dass ein Mensch hörte Gott selber mit ihm reden, der nicht von Stunde an verginge und stürbe. Aber wir haben Gott reden hören und sind nicht gestorben, obwohl wir so erschrocken sind, dass wir es nicht länger werden ausstehen können, wenn er weiter fortfährt.

25. Und nun, warum sollen wir sterben, dass uns dies große Feuer verzehre? Wenn wir des Herrn, unseres Gottes, Stimme mehr hören, so müssen wir sterben {2Mos 20v19},

Verzehre: Das ist: Wir sind so zaghaft, dass wir besorgen, wir möchten von dem schrecklichen Feuer als arme Sünder angegriffen und verzehrt werden, oder von der Stimme Gottes, da er weiter mit uns redet, vor Furcht sterben.

26. Denn was ist alles Fleisch, das es hören möge die Stimme des lebendigen Gottes aus dem Feuer reden, wie wir, und lebendig bleibe?

Was ist: Als wollten sie sagen: Die menschliche Natur ist an ihr selber viel zu schwach dazu, dass sie könne Gott in die Länge beharrlich mit ihr reden hören und solche große Majestät erdulden, dass sie nicht darüber vergehe und umkomme.

27. Tritt du hinzu und höre alles, was der Herr, unser Gott, sagt, und sage es uns. Alles, was der Herr, unser Gott, mit dir reden wird, das wollen wir hören und tun.

Tritt du: Als den Gott besonders liebt und mit einem wunderbaren Heldenmut begabt hat.

Sag uns: Hat deswegen Mose dem Volk nichts anders vorgebracht, denn was er von Gott gehört.

Und tun] (Denn wenn eines sündigen Menschen Herz den Zorn Gottes empfindet und dadurch erschreckt wird, so verheißt er Gott viel mehr, als er sein Lebtage leisten kann.)

28. Da aber der Herr eure Worte hörte, die ihr mit mir redetet, sprach er zur mir: Ich habe gehört die Worte dieses Volkes, die sie mit dir geredet haben; es ist alles gut, was sie geredet haben.

Gehört: Dass sie nämlich meine Gesetze von dir hören und mit höchstem Fleiß darauf bedacht sein wollen, dass sie dieselben halten.

Alles gut: Das ist: Es gefällt mir ihr guter und geneigter Wille sehr wohl und wäre zu wünschen, dass sie ihrer Zusage auch nachkämen.

29. Ach, dass sie ein solche Herz hätten, mich zu fürchten und zu halten alle meine Gebote ihr Leben lang, auf dass es ihnen wohlginge und ihren Kindern ewig!

Herz hätten: Das ist: Zu wünschen wäre es, dass sie in solchem guten Vorsatz beständig blieben.

Fürchten: Dass sie sich für Sünden hüteten.

Wohl ginge: Das ist: Damit ich ihnen und ihren Nachkommen könnte immer beides, Geistliches und Himmlisches, und denn auch zeitliche und leibliche Güter geben und mitteilen. (Denn Gott hat vielmehr Lust den Menschen Gutes zu tun, als Böses, wenn nur wir uns selber nicht im Wege stünden und hinderlich wären.)

30. Gehe hin und sage ihnen: Geht heim in eure Hütte!

Geht heim: Denn es ist vonnöten, dass ihr alle miteinander da wartet, bis ich die übrigen Gesetze nacheinander her erzähle.

31. Du aber sollst hier vor mir stehen, dass ich mit dir rede alle Gesetze und Gebote und Rechte, die du sie lehren sollst, dass sie danach tun im Lande, das ich ihnen geben werde einzunehmen.

Und Rechte: Das ist: Kirchenordnungen und weltliche Satzungen. (Das aber das Volk Gott nicht wollen oder können hören: Sondern Mose gebeten, dass er sich zum Mittler zwischen Gott und ihnen gebrauchen ließe und ihnen den Rat und Willen Gottes verkündigte, wurde dadurch bedeutet, weil das menschliche Geschlechter von wegen der Sünde zu Gott nicht nahen dürfte, so müsste uns ein Mittler gegeben werden, der uns mit Gott versöhnte, welcher ist Christus.)

32. So behaltet nun, dass ihr tut, wie euch der Herr, euer Gott, geboten hat, und weicht nicht, weder zur Rechten noch zur Linken,

So behaltet: Dies sind Moses Worte, damit er den Kindern Israel zuspricht und sie ermahne, dass sie dem Befehl Gottes sollen nachkommen, wie sie denselben zum Teil selber gehört haben, in den Zehn Geboten, die ihnen Gott durch die Stimme des Engels verkündigen lassen, zum Teil auch von Mose vernommen, da er nach vierzig Tagen wieder von dem Berge herabgekommen war.

Linken: Das ist: In Erfüllung der Gebote Gottes müsst ihr Schwiegermuttertochter recht und gerade zugehen, also, dass ihr zu keiner Seite ausschlagt und entweder nichts von dem euren hinzutut, dass ihr wolltet etwas weiteres und neues erdenken, damit ihr gedächtet Gott zu dienen, als euch im Gesetz geschrieben ist. Denn das heißt, zur Rechten ausweichen: Oder aber, dass ihr aus Nachlässigkeit und Verachtung etwas von dem unterlassen wolltet, was euch zu tun und auszurichten befohlen ist, denn das wäre zur Linken ausgewichen: Sondern ihr sollt tun und dem nachleben, was euch Gott geboten hat, so geht ihr gerade zu und seid auf dem rechten Weg.

33. sondern wandelt in allen Wegen, die euch der Herr, euer Gott, geboten hat, auf dass ihr leben mögt, und euch wohl gehe, und lange lebt im Lande, das ihr einnehmen werdet.

Leben mögt: Das ist: Damit ihr nicht das ewige Leben und eurer Teil Himmelreichs verscherzt, dazu auch das zeitliche Leben auf dieser Welt euch abgekürzt werde.

Wohl gehe: Dass ihr Glück und Segen habt.

Einnehmen: Nämlich im Lande Kanaan, welches euch versprochen ist. Darum, wer begehrt, dass es ihm glücklich und wohl ergehe, der hüte sich nicht allein vor den äußerlichen groben Sünden, davor auch die Welt ein Abscheu hat, sondern sehe zu, dass er nicht abergläubische Gottesdienst aus ihm selber erdenke und sich vergeblich damit martere, Gott aber nur desto mehr damit erzürne, sondern bleibe auf der richtigen Bahn der Gebote Gottes, so kann er nicht fehlen oder irregehen.)


Das 6. Kapitel


1. Mose erklärt das erste Gebot und streicht es weitläufig aus, v. 1. 2. Danach befiehlt er ihnen, dass sie die rechte Religion und wahre Gottseligkeit auf ihre Nachkommen fortpflanzen sollen, v.

1. Dies sind aber die Gesetze und Gebote und Rechte, die der Herr, euer Gott, geboten hat, dass ihr sie lernen und tun sollt im Lande, dahin ihr zieht, dasselbe einzunehmen.

Dies sind: Weil Mose die Zehn Gebote zu erklären und auszulegen für sich nehmen will, so macht er abermals zum Eingang eine kurze Vorrede, die Kinder Israel damit aufzumuntern, dass sie fleißig aufmerken sollen.

Geboten: Nämlich geistliche und weltliche Rechte.

2. dass du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, und hältst alle seine Rechte und Gebote, die ich dir gebiete, du und deine Kinder und deine Kindeskinder, alle eure Lebtage, auf dass ihr lange lebt.

3. Israel, du sollst hören und behalten, dass du es tust, dass dir es wohl gehe, und sehr vermehrt wirst; wie der Herr, deiner Väter Gott, dir geredet hat, ein Land, da Milch und Honig innen fließt.

Hören: Nämlich die Gebote deines Gottes.

Vermehrt: (Denn die Menge des Volkes ist ein Segen Gottes.)

Geredet: Nämlich dass er dich vermehren und ausbreiten wolle und dir ein sehr köstliches und fruchtbares Land zu besitzen eingeben, darin allen Dingen ein Überfluss ist.

4. Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr {5Mos 4v35}.

Einiger Herr: Darum sollst du keinem dienen als diesem einigen Gott und Herrn in einem Wesen und drei Personen.

5. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem Vermögen {5Mos 10v12 Mk 12v30 Lk 10v27}.

Ganzem Herzen: Das ist: Dein ganzes Herz soll von rechtschaffener und ungefärbter Liebe Gottes brennen und voll sein und so viel du menschlicher Kräfte und Vermögens an dir hast, das soll alles auf Gott gewandt und gerichtet sind, dass du ihn auf das aller vollkömmlichste liebst, dergestalt, dass du keine Kreatur so hoch liebst als Gott, viel weniger sollst du einzige Kreatur mehr lieben, als deinen Schöpfer. Dies ist die Summe und der Inhalt der ersten Tafeln im Gesetz oder vielmehr des ganzen Gesetzes, wie Christus selber bezeugt {Mt 22}, da er diesen Spruch einführt. (Wenn nun eine solche vollkommene Liebe in irgendeinem Menschen gefunden würde, der würde sich auch in keiner Sache vergreifen und an Gott versündigen, denn er zöge den Schöpfer der Kreatur immer vor und stürbe lieber tausendmal, eher er Gott im Geringsten zuwider tat. Aber es ist nie keiner erfunden worden (allein Christus ausgenommen), der eine solche vollkommene Liebe jemals gehabt, darum kann auch keiner das Gesetz Gottes mit seinen Werken erfüllen oder demselben genug tun und ist vonnöten, dass wir allein durch den Glauben an Christus, ohne des Gesetzes Werken, müssen gerecht und selig werden.)

6. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen.

Zu Herzen nehmen: Das ist: Diese Worte und Gebote sollst du so wohl und tief in dein Herz schließen, dass du derselben nie mehr vergisst, sondern einzig und allein allen deinen Fleiß darauf legst, dass du Gott herzlich und inbrünstiglich liebst.

7. Und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder auf dem Wege gehst, wenn du dich niederlegst oder aufstehst.

Schärfen: Das ist: Du sollst sie oft und fleißig wiederholen und immer mit ihnen treiben, dass sie dieselben stets in frischem Gedächtnis behalten und nicht vergessen.

Nach Luther: Immer treiben und üben, dass sie nicht verrosten noch verdunkeln, sondern stets im Gedächtnis und Wort, als neu und Hölle bleiben. Denn je mehr man Gottes Wort handelt, je heller und neuer es wird, und heißt richtig je länger je lieber. Wo man es aber nicht treibt, so wird es bald vergessen und nicht mehr kräftig sein.

Niederlegst: Du sollst Tag und Nacht das Gesetz deines Gottes betrachten und damit umgehen, besonders aber diese des ganzen Gesetzes kurze Summe und Inhalt wohl in Achthaben, dass du Gott deinen Herrn zu lieben nie in Vergessen stellst.

8. Und sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sollen dir ein Denkmal vor deinen Augen sein.

Zeichen: Das ist: Du sollst den vorgemeldeten kurzen Begriff und summarischen Inhalt des Gesetzes auf einen Zettel schreiben und an deine Hand heften oder hängen und also tragen für ein Armband, auch für ein Stirnblatt an deiner Stirn, damit du dich immer erinnern könntest, wie du Gott über alle Ding lieben sollst: Ja du sollst auch die selbigen Worte an die Pfosten deines Hauses und an die Tore der Stadt lassen schreiben und malen, dass also, wohin du deine Augen wendest, du deines Amtes, was du zu tun schuldig bist, dich erinnern könntest und um der Liebe Gottes willen von Sünden dich enthaltest. Dies ist dem Volk Israel eine besondere Zuchtlehre gewesen, dadurch sie im Zwang gehalten wurden, gleichwie ihnen am anderen Ort Gott befohlen, dass sie an den Säumen ihrer Kleider besondere Denkzettel hefteten, auf dass, wenn sie dieselben ansehen, sich der Gebote Gottes, die sie halten sollten, erinnerten.

9. Und sollst sie über deines Hauses Pfosten schreiben und an die Tore.

10. Wenn dich nun der Herr, dein Gott, in das Land bringen wird, das er deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat, dir zu geben, große und feine Städte, die du nicht gebaut hast,

11. und Häuser alles Gutes voll, die du nicht gefüllt hast, und ausgehauene Brunnen, die du nicht ausgehauen hast, und Weinberge und Ölberge, die du nicht gepflanzt hast, dass du isst und satt wirst:

Gefüllt: Das ist: Allerlei Güter und reiche Schätze, die du nicht gesammelt hast, sondern von anderen gesammelt, gefunden. (Es ist aber nicht eine geringe Glückseligkeit auf dieser Erden, dass man der Dinge genießt, die von anderen hinterlassen und ohne unsere Arbeit uns zukommen.)

Ausgehauen: Daran du nichts gearbeitet oder gegraben, auch keine Kosten darauf gewendet hast.

12. so hüte dich, dass du nicht des Herrn vergisst, der dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt hat,

Diensthause: Das ist: Gott hat dich aus der elenden Dienstbarkeit, damit du in Ägypten geplagt und beschwert wurdest, erlöst, darum soll wohl in Achthaben, dass, wenn du alles vollauf und einen Überfluss hast, du alsdann nicht übermütig und verwöhnt wirst, und gegen dem Herrn deinem Gott dich undankbar erzeigst. (Denn es ist nicht eine schlechte Kunst, dass man bei großem Gut und da man aller Dinge einen Überfluss hat, fromm bleibe: Also ganz sind wir von Natur verderbt und zum Bösen geneigt.)

13. sondern sollst den Herrn, deinen Gott, fürchten und ihm dienen und bei seinem Namen schweren {5Mos 10v20 Mt 4v10 Lk 4v9}.

Dienen: Nach den Geboten und Rechten, die er dir vorgeschrieben hat.

Schweren: Aber nicht bei dem Namen fremder Götter, denn solche Ehre gebührt der Heiden Götzen ganz nicht, sondern allein dem einigen wahren Gott. (Obwohl nun das vergeblich und leichtfertig schweren, so bei dem Namen Gottes geschieht, Christus der Herr verboten hat {Mt 5} so ist es doch so ganz nicht Sünde, wenn man in einer wichtigen und wahrhaften Sache bei dem Namen Gottes schwört, dass es auch noch ein besonderes Stücke des Gottesdienstes ist, dadurch Gott das Lob der Wahrheit zugemessen wird.)

14. Und sollst nicht anderen Göttern nachfolgen, der Völker, die um euch her sind;

Göttern: Das ist: Ihr sollt die Abgötter nicht ehren oder anbeten, welche ihr sehen werdet, dass sie von den benachbarten Heiden, die um das Land Kanaan her wohnen, geehrt und angebetet werden. (Denn es geschieht ganz leicht, dass man der benachbarten Religion und Sitten begehrt nachzufolgen.)

15. denn der Herr, dein Gott, ist ein eifriger Gott unter dir; dass nicht der Zorn des Herrn, deines Gottes, über dich ergrimme und vertilge dich von der Erde.

Eifriger: Das ist: Der fremden Götter Verehrung ebenso wenig dulden kann, als ein ehrlicher Ehemann seines Eheweibes Ehebruch leiden mag, da sie mit einem anderen zuhält. Darum sollt ihr euch nicht mit Abgötterei verunreinigen, sie habe gleich einen Schein der Heiligkeit, wie sie immer wolle.

Vertilge: Dass du mit deinen Nachkommen müssest zugrunde gehen. (Denn Gott straft die Abgötterei mit Veränderung und Verwüstung der Königreiche und Herrschaften.)

16. Ihr sollt den Herrn, euren Gott, nicht versuchen, wie ihr ihn versuchtet zu Massa {Mt 4v7 Lk 4v12 2Mos 17v2 4Mos 21v5},

Versuchen: Alsdann versucht man aber den Herrn, wenn jemand der Hilfe Gottes gewärtig ist, und braucht nicht die ordentlichen Mittel dazu, dadurch Gott zu helfen pflegt, und die einer gebrauchen könnte, wenn er wollte: Oder auch, da man dieselben Mittel nicht haben kann, nicht glauben wollen, dass Gott anders helfen könne, als auf diese Weise, die ihm einer selber vorschreibt.

Massa: Welcher Ort von der Geschichte so sich dabei zugetragen, also genannt wurden, da er sonst Raphidim hieß. Massa aber heißt Versuchung. Dort (spricht Mose) versuchtet ihr den Herrn, als ihr kein Wasser hattet {2Mos 17} und spracht: Ist Gott unter uns oder nicht? Als ob ihr hättet wollen sagen: Ist es auch möglich, dass uns Gott an diesem sehr dürren Ort könne Wasser genug zu trinken geben, da keine Flüsse noch Brunnen vorhanden sind, welches dennoch geschah, da er aus dem Felsen Wasser brachte.

17. sondern sollst halten die Gebote des Herrn, eures Gottes, und seine Zeugnisse und seine Rechte, die er geboten hat,

18. dass du tust, was recht und gut ist vor den Augen des Herrn, auf dass dir es wohl gehe, und eingehst und einnimmst das gute Land, das der Herr geschworen hat deinen Vätern,

Gut ist: Alsdann aber wirst du tun, was recht und Gott wohlgefällig ist, wenn du seinem Wort und nicht deinem eigenen Gutdünken folgst.

19. dass er verjage alle deine Feinde vor dir, wie der Herr geredet hat.

Feinde: Dass er die Kanaaniter aus ihrem Lande treibe, welches sehr köstlich und fruchtbar ist, und du dasselbe lange mit gutem Glück und reichem Segen besitzt, bis der Herr zum ewigen und himmlischen Vaterland dich abfordere.

20. Wenn dich nun dein Sohn heute oder morgen fragen wird und sagen: Was sind das für Zeugnisse, Gebote und Rechte, die euch der Herr, unser Gott, geboten hat?

Fragen wird: Das ist: Wenn irgend eurer Kinder einer sich darüber verwundern wird, warum ihr nach den euch vorgeschriebenen Gesetzen Gott mit so viel und mancherlei Zeremonien verehrt und (wie die Kinder pflegen) dessen Ursache von euch wissen will.

Was sind: Das ist: Wie kommt es, dass ihr so viel und mancherlei Zeremonien und Satzungen in geistlichen und weltlichen Sachen zu halten gebunden seid, die euch der Herr vorgeschrieben hat? Müsst ihr sie alle aus Not also halten oder nicht?

21. so sollst du deinem Sohn sagen: Wir waren Knechte des Pharao in Ägypten, und der Herr führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand;

Knechte: Das ist: Wir und unsere Väter wurden in Ägypten mit einer harten Dienstbarkeit beschwert, daraus uns Gott, der uns diese Gesetze gegeben, gnädiglich geholfen und erlöst hat, darum wir diese seine Gebote und Satzungen, wie viel deren auch sind, richtig halten.

Mächtiger Hand: Das ist: Durch seine wunderbare Kraft und Allmacht, dazu mit großer Herrlichkeit.

22. und der Herr tat große und böse Zeichen und Wunder über Ägypten und Pharao und all seinem Hause vor unseren Augen;

Böse Zeichen: Die nämlich den Ägyptern sehr schädlich und nachteilig waren.

Hause: Das ist: Es wurden mit ihm alle seine Hofleute und Untertanen mit göttlichen Strafen wunderlich von Gott geplagt und geängstigt.

23. und führte uns von dort, auf dass er uns einführte, und gäbe uns das Land, das er unseren Vätern geschworen hatte;

Geschworen: Dass er uns dasselbe Land zur Besitzung geben und einräumen wollte.

24. und hat uns geboten, der Herr, zu tun nach allen diesen Rechten, dass wir den Herrn, unseren Gott, fürchten, auf dass uns wohl gehe alle unsere Lebtage, wie es geht heutigen Tages.

Rechten: Die er uns vorschreiben lassen.

Heutigen: Das ist: Gleichwie Gott bereits viele und große Wohltaten uns erzeigt hat und noch erzeigt.

25. Und es wird unsere Gerechtigkeit sein vor dem Herrn, unserem Gott, so wir halten und tun alle diese Gebote, wie er uns geboten hat.

Unsere Gerechtigkeit: Das ist: Wir werden gerecht und selig sein, wenn wir alle Gebote Gottes nicht allein vor den Leuten, sondern auch vor Gott vollkommen halten, wie er uns dieselben befohlen und wie er sie will verstanden und erfüllt haben. (Denn man kann nicht leugnen, dass, wenn wir vor Gott seinen Geboten vollkommenen Gehorsam leisteten, sowohl mit den innerlichen Gedanken des Herzens als mit dem Munde und äußerlichen Werken, so wäre derselbe Gehorsam unser Gerechtigkeit, dadurch wir das ewige Leben erlangten: Gleichwie von solchen Geboten am anderen Ort gesagt wird, wer sie tut, der wird dadurch leben. Weil aber niemand vor dem Herrn oder für den Augen Gottes allen seinen Geboten genug tun kann, so wird auch keiner durch des Gesetzes Werke gerecht. Wir werden aber für gerecht gehalten und geschätzt allein durch den Glauben, um des vollkommenen Gehorsams, Leidens und Verdienstes Christi willen, welche alle miteinander vor dem Richterstuhl Gottes uns zur Gerechtigkeit zugerechnet werden.)


Das 7. Kapitel


1. Gott befiehlt den Israeliten, dass sie die Völker im Lande Kanaan, samt ihren abgöttischen Bildern und Altären vertilgen sollen, v. 1. 2. Danach lockt er sie zum Gehorsam der Geboten Gottes, mit Erzählung der empfangenen Wohltaten, und Verheißung vieler Glückseligkeit, v. 6. 3. Sagt ihnen auch Hilfe zu, wider die Kanaaniter, welche der Herr nach und nach zu vertilgen willens war, damit nicht das Land unerbaut läge, und sich die wilden Tiere darin häuften, v. 17.

1. Wenn dich der Herr, dein Gott, ins Land bringt, darin du kommen wirst, dasselbe einzunehmen, und ausrottet viele Völker vor dir her: die Hethiter, Girgositer, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind denn du;

Einzunehmen: Dass er dir nämlich Macht und Stärke verleiht, die Völker, so darin wohnen, zu vertreiben und du ihr Land zur Besitzung einnähmest, in Massen er deinen Vätern und dir vor der Zeit längst verheißen hat.

Größer: Das ist: Welche beides an Menge, wenn sie dich miteinander zugleich überfallen sollten, und dazu an Größe und Stärke des Leibes dir weit überlegen wären, wo nicht Gott ihnen das Herz und den Mut nehme und sie dir unterworfen machte, dass sie dir gehorsam sein müssten.

2. und wenn sie der Herr, dein Gott, vor dir gibt, dass du sie schlägst: So sollst du sie verbannen, dass du keinen Bund mit ihnen machst, noch ihnen Gunst erzeigst {2Mos 23v32 34v12}.

Gibt: Wenn er dir hilft und beisteht, dass du sie überwindest und unter deine Gewalt bringst, wie du denn dessen gänzlich dich zu ihm versehen und gewisslich getrösten sollst.

Verbannen: Das ist: Du sollst es nicht dabei bewenden lassen, dass du sie bestritten und dir unterworfenen hast, sondern sollst sie allerdings ausrotten und in Grund und Boden vertilgen.

Keinen Bund: Dass, wenn sie gleich in ihrem gottlosen Leben verharren, du sie dennoch wolltest im Lande Kanaan wohnen lassen, neben dir.

Gunst erzeigst: Sondern sollst sie ohne alle Barmherzigkeit erwürgen. (Dies Gebot war doch nicht auf dergleichen Leute und Einwohner des Landes Kanaan zu verstehen, welche von ihrem bösen und gottlosen Leben abstünden und sich zu der Israeliten Religion bekannten. So geht solcher Befehl uns im Neuen Testament nicht an, dass man fremde Völker, die nicht unsere Religion und Glaubens sind, überziehen und umbringen müsste, sondern es wollte Gott damals und zur selben Zeit die Völker des Landes Kanaan um ihrer Sünde willen strafen und vertilgen, wie er dem Patriarchen Abraham längst zuvor verkündigt hatte. Heutigentags soll man die abgöttischen Völker und Ketzer mit dem Schwert des Geistes bestreiten und überwinden, dass sie sich der rechten Religion unterwerfen {2Kor 10}.)

3. Und sollst dich mit ihnen nicht befreunden. Eure Töchter sollt ihr nicht geben ihren Söhnen, und ihre Töchter sollt ihr nicht nehmen euren Söhnen;

Ihnen: Nämlich mit den Völkern im Lande Kanaan.

Nicht geben: (Heutigentags ist zwar den Christen nicht verboten, dass sie nicht dürften mit dergleichen Personen sich verheiraten, die nicht ihrer Religion sind, aber doch findet sich in solcher eher allerlei Ungelegenheit.)

4. denn sie werden eure Söhne mir abfällig machen, dass sie anderen Göttern dienen; so wird dann des Herrn Zorn ergrimmen über euch und euch bald vertilgen.

Abfällig: Das ist: Es wird die Gefahr dabei sein, dass eure Kinder durch fremde Heirat in Abgötterei geraten.

Vertilgen: Das ist: Du wirst in dem verheißenen Lande nicht lange wohnen, sondern zum Teil von den Feinden erschlagen und erwürgt, zum Teil in eine elende Dienstbarkeit umgetrieben und unter die Heiden zerstreut werden, da du für Traurigkeit und Angst verschmachten wirst.

5. sondern also sollt ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr zerreißen, ihre Säulen zerbrechen, ihre Haine abhauen und ihre Götzen mit Feuer verbrennen.

Altar: Die sie zur Abgötterei aufgerichtet und ihre Götzen darauf gestellt haben, dass man sie anbeten soll.

Haine: Das ist: Ihre Lustwälder in den Tälern und anderen lustigen Orten, die sie ihnen dazu ausersehen, dass sie darin ihre Abgötterei treiben.

Verbrennen: Auf dass ihr nicht durch den äußerlichen Schein und feinem Aussehen der heidnischen Religion, in gleiche Sünden mit ihnen fallt, weil ihr ein unverständiges einfältiges Volk seid. (Dies Gebot bindet die Christen auch nicht, dass sie müssten alle Bilder und Säulen wegtun, gleichwie auch das vorige, von Ausrottung der Heiden, sie nichts angeht: Denn man liest im Neuen Testament nichts davon, dass es geboten wäre, oder auch die Apostel dergleichen getan hätten. Da aber irgend Bilder vorhanden wären, bei denen man Abgötterei triebe, dieselben sollen von einer ordentlichen Obrigkeit hinweg getan und ganz nicht von dem gemeinen Haufen ineinander geworfen werden, wenn zuvor die Abgötterei durch die Predigt des göttlichen Wortes aus der Zuhörer Herzen meistenteils gerissen und ausgefegt wurden.)

6. Denn du bist ein heiliges Volk Gott, deinem Herrn. Dich hat Gott, dein Herr, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind {2Mos 19v6 v5 5Mos 14v2 26v18}.

Denn du: Mose setzt die Ursache hinzu, warum die Kinder Israel sich hüten sollen, dass sie durch der Heiden Bilder nicht gereizt werden, ihre Abgötterei nachzufolgen.

Heilig Volk: Das ist: Gott hat dich von allen anderen Völkern abgesondert, damit du beides von geistlicher und leiblicher Unreinigkeit befreit bleibst und in rechtschaffener Heiligkeit und Gerechtigkeit ihm möchtest dienen.

Erwählt: Das ist: Unter allen Völkern auf dieser Welt hat Gott dich allein erwählt, dass er sich dir offenbarte und dich selig machte, und dass du ihm wiederum Gehorsam leisten solltest nach seinem dir geoffenbarten Willen. Und hat damals in der Wahrheit kein anderes Volk außer diesem rechte Hoffnung zur Seligkeit haben können. (Denn außer der Kirche ist keine Seligkeit zu hoffen.)

7. Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, dass eurer mehr wäre denn alle Völker; denn du bist das wenigste unter allen Völkern;

Nicht hat: Als wollte er sagen: Es bedarf sich ganz nicht, dass ihr euch dieser eurer Wahl halben überheben und damit prangen wolltet, denn es ist nicht eurer Würdigkeit Schuld, dass ihr von Gott zu seinem Volk erwählt und angenommen seid, oder dass er darum so ein großes Verlangen nach euch gehabt, weil eurer so viel wären, oder dass ihr mächtiger dauerte, als andere Völker.

Wenigste: Also, dass Gott wohl andere größere und mächtigere Völker hätte finden können.

8. sondern, dass er euch geliebt hat, und dass er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat, hat er euch ausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von dem Hause des Dienstes, aus der Hand Pharaos, des Königs in Ägypten.

Geliebt: Indem, dass er sich über euch erbarmt hat.

Mächtiger Hand: Das ist: Durch seine wunderbare Kraft und Allmacht.

Hause des: Das ist: Aus der sehr schweren Dienstbarkeit, damit ihr in Ägypten überlästig würdet. Will so viel sagen: Gott hat euch ganz nicht um eurer Frömmigkeit und gelben Haares willen erwählt und aus Ägypten geführt, sondern allein auf seine Barmherzigkeit und Wahrheit gesehen, weil er euch aus lauter Gnaden gewogen war, und der Zusage wollte Nachkommen, die er Euren Vätern und besonders dem Abraham getan, zu dem er gesprochen: Ich will dein Gott sein und deines Samens nach dir {1Mos 17}(Also werden wir Christen heutigentags nicht gerecht und selig um der Würdigkeit willen unsere Person, sondern weil uns Gott geliebt und seinen Sohn gesandt hat, der für uns ein Opfer wurde und allein durch den Glauben uns zu Erben des Himmelreichs macht.)

9. So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, ein Gott ist, ein treuer Gott, der den Bund und Barmherzigkeit hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, in tausend Glied {2Mos 20v5 v6 34v7 5Mos 4v39}.

Wissen: Das ist: Du sollst aus so vielen und großen Guttaten Gottes, die er dir erzeigt hat, erkennen, wie auch aus den Wunderzeichen, die er deinethalben geschehen lassen, dass kein anderer Gott sei, außer deinem Gott.

Treuer: Der in allem seinem Tun wahrhaft ist und niemand betrügt.

Hält: Dass er nämlich euer Gott sein wolle, der dich und deine Nachkommen auf viele Jahre mit allerhand Guttaten überschütten wird, wenn ihr in der Gottseligkeit beständig fortfahrt.

10. und vergilt denen, die ihn hassen, vor seinem Angesicht, dass er sie umbringe, und säumt sich nicht, dass er denen vergelte vor seinem Angesicht, die ihn hassen.

Hassen: Die nämlich durch ihr böses lasterhaftes Leben zu verstehen geben, dass sie Gott nicht lieben, sondern ihm zuwider und seine Feinde sind.

Angesicht: Das ist: Dass sie Gott nicht entgehen noch sich für ihm verbergen können, wenn er sie strafen will.

Säumt: (Denn Gott straft oft bald, damit die Gottlosen wissen, was sie getan und dass sie wider Gott misshandelt haben.)

11. So behalte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.

Rechte: Nämlich die Kirchen-Zeremonien und weltlichen Satzungen.

Gebiete: Das ist: Die dir zuvor gegeben und verkündigt sind, und ich jetzt wiederhole.

12. Und wenn ihr diese Rechte hört und haltet sie und danach tut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und Barmherzigkeit, die er deinen Vätern geschworen hat, und wird dich lieben und segnen und mehren {2Mos 23v22 3Mos 26v3 5Mos 28v1}.

Rechte: Das ist: Meine Gebote und Satzungen.

Geschworen: Da er euren Vätern mit einem Eid versprochen und zugesagt hat, dass er sich barmherzig, gnädig und gütig gegen dir erzeigen wolle.

Segnen: Das ist: Er wird verschaffen, dass dir alles Glück mit Haufen gleichsam zufließe, in allem, was du anfängst und vornimmst.

13. und wird die Frucht deines Leibes segnen und die Frucht deines Landes, dein Getreide, Most und Öl, die Früchte deiner Kühe und die Früchte deiner Schafe auf dem Lande, das er deinen Vätern geschworen hat, dir zu geben.

Leibes: Das ist: Er wird dich mehren und viele Kinder bescheren, daran du deine Lust und Freude erlebst. (Denn Kinder sind ein Segen Gottes.)

Landes: Das ist: Er wird dir fruchtbare Zeiten geben, dass das Land wohl trage, und eine feine Viehzucht haben könnest.

14. Gesegnet wirst du sein über alle Völker. Es wird niemand unter dir unfruchtbar sein, noch unter deinem Vieh {2Mos 23v26}.

Völkern: Also, dass kein anderer Volk dir an Glückseligkeit sich wird gleichen können.

Niemand: Das ist: Es wird an beiderlei Geschlechter weder Mann noch Weibspersonen keinen Mangel der Fruchtbarkeit erscheinen. (Deswegen, wenn man die Gebote Gottes hält, und denselben mit möglichem Fleiß nachsetzt, so hat man den Nutzen davon zu erwarten, dass es in der Haushaltung wohl und glücklich zugehe und alles, was uns vonnöten ist, überflüssig dargereicht werde: Gleichwie wiederum die Verachtung der Gebote Gottes Unfruchtbarkeiten und alles Unglück verursacht.)

15. Der Herr wird von dir tun alle Krankheit und wird keine böse Seuche der Ägypter dir auflegen, die du erfahren hast; und wird sie allen deinen Hassern auflegen.

Seuche: Das ist: Er wird dir nichts dergleichen beschwerliche Krankheiten zuschicken oder über dich kommen lassen, damit die Ägypter sind überfallen und gestraft worden, wie du gesehen hast. (Denn es sind auch die Krankheiten eine Strafe der Sünden.)

16. Du wirst alle Völker fressen, die der Herr, dein Gott, dir geben wird. Du sollst ihrer nicht schonen und ihren Göttern nicht dienen; denn das würde dir ein Strick sein.

Fressen: Das ist: Vertilgen und ausrotten.

Geben: Das ist: Welche du im Streit mit der Hilfe Gottes überwinden wirst.

Schonen: Sondern sollst sie ohne alle Barmherzigkeit erwürgen.

Strick: Das ist: Die Abgötterei wird dir zwar wohl zuschlagen, aber endlich ins Verderben bringen.

17. Wirst du aber in deinem Herzen sagen: Dieses Volkes ist mehr, denn ich bin; wie kann ich sie vertreiben?

Sagen: Als wollte er sprechen: Du sollst dir nicht die vergeblichen Gedanken machen und selber einbilden, wenn du einen Haufen unter ihnen angreifst und denselben vertilgen willst, dass die anderen alle miteinander sich zusammen wider dich verbinden möchten, und dich also einstmals mit großem Ungestüm überfallen. Deshalb du dir vornimmst, sie im Lande Kanaan zu dulden, sofern sie dir auch nur einen Platz zur Wohnung gutwillig eingeben.

18. so fürchte dich nicht vor ihnen. Gedenke, was der Herr, dein Gott, Pharao und allen Ägyptern getan hat

Fürchte: Schlage dir solche furchtsamen und kleinmütigen Gedanken aus dem Sinn.

19. durch große Versuchung, die du mit Augen gesehen hast, und durch Zeichen und Wunder, durch eine mächtige Hand und ausgereckten Arm, damit dich der Herr, dein Gott, ausführte. Also wird der Herr, dein Gott, allen Völkern tun, vor denen du dich fürchtest.

Versuchung: (Denn wenn Gott mancherlei und viele harte Strafen einem Lande oder Volk zuschickt, so versucht er, ob sie sich bekehren wollen.)

Wunder: Damit Gott die Ägypter geplagt.

Arm: Das ist: Die große Kraft und Allmacht Gottes, so er in Ägypten geübt und sehen lassen.

Tun: Das ist: Er wird nicht ablassen, andere Völker und ungläubige Heiden mit seiner gewaltigen Hand auch zu stürzen, bis er dich in die ruhige Besitzung des Landes Kanaan einsetze.

20. Dazu wird der Herr, dein Gott, Hornissen unter sie senden, bis umgebracht werde, was übrig ist und sich verbirgt vor dir.

Hornissen: Das ist: Er wird sie schrecken und verzagt machen, dass sie werden anfangen zu fliehen, ehe du an sie gelangst.

Verbirgt er: Das ist: Er wird auch deren nicht verschonen, welche aus der Schlacht entronnen und sich versteckt haben, sondern wird sie alle ausrotten.

21. Lass dir nicht grauen vor ihnen; denn der Herr, dein Gott, ist unter dir, der große und schreckliche Gott.

Grauen: Habe eine gewisse Zuversicht und ein gutes Vertrauen zu der Hilfe Gottes, die du in Ägypten gesehen hast.

Unter dir: Du hast den wahren Gott bei dir gegenwärtig und auf deiner Seite, dass er dir beistehe und dich beschütze.

Schreckliche: Das ist: Er ist so mächtig und einer solchen Majestät, dass kein Feind für seinem Anlauf bestehen kann, wie stark und mutig er auch sein mag.

22. Er, der Herr, dein Gott, wird diese Leute ausrotten vor dir, einzeln nacheinander. Du kannst sie nicht eilend vertilgen, auf dass sich nicht wider dich mehren die Tiere auf dem Felde {2Mos 23v23 32v33 Jos 24v11}.

Vor dir: Das ist: Er wird die Völker im Lande Kanaan vertilgen, dass du dabei sein sollst und es mit deinen Augen sehen.

Einzeln: Nicht auf einen Tag oder Monat.

Nicht eilend: Denn es würde auch dein Nutzen nicht sein.

Die Tiere: Das ist: Du würdest das ganze Land Kanaan nicht bald bauen und bewohnen können, dass es viel leere und wüste Plätze geben würde, da die wilden Tiere ihren Aufenthalt hätten, welche dir großen Überdrang und Schaden würden zufügen.

23. Der Herr, dein Gott, wird sie vor dir geben und wird sie mit großer Schlacht erschlagen, bis er sie vertilge.

Großer Schlacht: Das ist: Er wird sie durch etliche Schlachten nach und nach dir in deine Hände überliefern, bis du sie aufreibst.

24. Und wird dir ihre Könige in deine Hände geben, und sollst ihren Namen umbringen unter dem Himmel. Es wird dir niemand widerstehen, bis du sie vertilgst {Jos 10v22 11v12 12v7}.

Namen: Dass man ihrer nicht gedenke oder etwas Löbliches von ihnen sage.

Vertilgst: Alle, die sich wider dich setzen.

25. Die Bilder ihrer Götter sollst du mit Feuer verbrennen und sollst nicht begehren des Silbers oder Goldes, das daran ist, oder zu dir nehmen, dass du dich nicht darin verfängst; denn solches ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel.

Daran ist: Daraus sie gemacht oder damit sie geziert sind.

Nehmen: Dass du es wolltest in deinen Nutzen wenden und gebrauchen.

Verfängst: Das ist: Dass du dich nicht vom Geiz verführen und betrügen lässt und begehst eine Kirchenräuberei, deshalb du später müsstest gestraft werden.

26. Darum sollst du nicht in dein Haus den Gräuel bringen, dass du nicht verbannt wirst, wie dasselbe ist, sondern du sollst einen Ekel und Gräuel daran haben, denn es ist verbannt.

Verbannt: Das ist: Auf dass Gott nicht auch einen Abscheu ab dir bekomme und dich vertilge.

Es ist: Das ist: Gott will, dass auch die goldenen und silbernen Götzen zermalmt und allerdings zunichtegemacht werden. Gleichwie Mose das goldene Kalb zu Staub und Asche verbrannt und aufs Wasser verstreut hat. (Mit diesem Ernst hat Gott der Herr wollen anzeigen, wie eine große und schwere Sünde die Abgötterei sei. Da er auch die allerköstlichsten Metalle nur darum, weil sie zu der Abgötterei Zierde und Schmuck sind gebraucht worden, heißt zu Pulver verbrennen und allerdings zunichtemachen. gleichwie aber die Christen nicht gebunden sind, dass sie fremde Völker vertreiben und vertilgen sollen, die nicht ihrer Religion sind: Also ist vonnöten, dass man das Gold oder andere köstliche Materie, so zur Abgötterei missbraucht wurden, allerdings verderbe und zunichte mache, wenn es nur den Armen zunutze kommt oder auch zu anderen ehrlichen und christlichen Sachen gebraucht und nicht mit Üppigkeit vertan und verschwendet wird.)


Das 8. Kapitel


1. Mose erzählt, wie gnädig Gott die Kinder Israel in der Wüste unter vielen Trübsalen und mancherlei Gefahr erhalten habe: Hingegen aber ihnen viel Gutes erzeigt und weiter erzeigen wolle: Auf dass sie zur Dankbarkeit Gott desto williger gehorchten, v. 1. 2. Aber den Undankbaren droht er ihren Untergang, v. 19.

1. Alle Gebote, die ich dir heute gebiete, sollt ihr halten, dass ihr danach tut, auf dass ihr lebt und gemehrt werdet und einkommt und einnehmt das Land, das der Herr euren Vätern geschworen hat.

Gebote: Mose fährt weiter fort, auf Befehl des Herrn die Kinder Israel zum Gehorsam der Geboten Gottes zu ermahnen.

Danach tut: (Denn es steht nicht in unsere Willkür, dass wir etliche Gebote wollten für uns auslesen und dieselben halten, aber andere, die uns auch zu halten befohlen sind, verachten und in Wind schlagen.)

Lebt: Denn wenn jemand wäre, der alle Gebote Gottes vollkommen halten und erfüllen könnte, der hätte das ewige Leben. Aber der ewige Tod bleibt über die Übertreter. Doch welche an Christus glauben, denen bleiben die göttlichen Verheißungen gewiss und feste, sie sind gleich Leiblichen oder Geistlichen: Darum sollen wir aus Glauben, so viel uns immer möglich, die Gebote Gottes halten, auf dass unser zeitliches Leben auch desto länger währe.)

Gemehrt: (Denn die vielen des Volkes ist ein Segen Gottes, obgleich die Welt das Widerspiel glaubt.)

Geschworen: Dass er es euch geben wolle.

2. Und gedenkst all des Weges, durch den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, dass kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.

Gedenkst: Das ist: Du sollst dich erinnern, wie viele und große Guttaten Gott dir erzeigt hat, die ganze Zeit über, weil er dich in der Wüste herumgeführt hat, auf dass du desto mehr angereizt und aufgemuntert wirst, seine Gebote zuhalten.

Demütigte: Das ist: Obwohl in der Wüste dir auch viel Widerwärtigkeit zu Händen gestoßen, so hat doch Gott solches in guter Meinung und dir zum Besten geschehen lassen, damit du dich der großen Gnaden Gottes nicht überhebst und stolz würdest und also an dem Herrn dich versündigst.

kundwürde: Das ist: Gott hat dir Trübsal zugeschickt, auf dass du dich selber recht erkennen lernst und empfindest, wie schwach du im Glauben wärest und wie ungeduldig du dich unter dem Kreuz erzeigt, samt anderen mehr Schwachheiten und Gebrechlichkeiten, die dir ankleben. Und denn damit sich es in der Tat befände, ob du Gott von Herzen liebst. (Denn es erscheint nie besser, wie wir gegen Gott gesinnt sind, als wenn es uns übel geht, weil welche alsdann von dem Gehorsam der Gebote Gottes nicht abweichen, die geben genügend zu verstehen, dass sie ihrem Gott mit reinem Herzen anhangen und ihm vertrauen.)

3. Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Man, das du und deine Väter nie erkannt hattest, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebe vom Brot allein, sondern von allem, das aus dem Munde des Herrn geht {2Mos 16v35 4Mos 11v7 Lk 4v4}.

Hungern: Nämlich da du in der Wüste, nachdem du aus Ägypten gegangen, nicht mehr zu essen hattest, und hat dich dennoch auch nicht Hungers sterben lassen, sondern, nachdem er dich probiert, ist er dir zu Hilfe kommen.

Nie erkannt: Das ist: Von dergleichen Speise ist in den vorigen Zeiten nie gehört worden.

Nicht lebt: Das ist: Er hat dich darum lassen hungern, aber doch nicht Hungers sterben, sondern dir das Man gegeben, auf dass du daraus solltest erkennen lernen, wie der Mensch nicht allein mit leiblicher Speise erhalten würde, sondern auch durch den Glauben an die göttlichen Verheißungen. (Denn solange sich der Mensch auf die selbigen Verheißungen fest verlässt, so hat er keinen Mangel, sondern Gott gibt ihm zu rechter Zeit auch seine leibliche Speise und Nahrung, damit er seinen Verheißungen nachkomme. In solchem Verstand zieht auch Christus diesen Spruch an {Mt 4} und setzt ihn der Versuchung des bösen Feindes entgegen. Es bedeutet aber auch der Israeliten Hunger die Angst eines angefochten und betrübten Gewissens, welches Christus, als das rechte Man oder Himmelsbrot, so vom Himmel hernieder kommen ist {Joh 6} wiederum erquickt und erfrischt.)

4. Deine Kleider sind nicht veraltet an dir, und deine Füße sind nicht geschwollen diese vierzig Jahre.

Veraltet: Denn es haben ihre Kleider, die sie mit sich aus Ägypten genommen, ganze vierzig Jahr gewährt, welches auch nicht ein schlechtes Wunderwerk war.

Geschwollen: Das ist: Ob ihr wohl in der rauen und harten Wüste gegangen seid, so sind doch eure Füße in so langer Zeit im wenigsten nicht verletzt worden, weil euch Gott wunderlich erhalten und väterlich für euch gesorgt hat.

5. So erkennst du ja in deinem Herzen, dass der Herr, dein Gott, dich gezogen hat, wie ein Mann seinen Sohn zieht.

Gezogen: Das ist: Er hat dich in der Wüste mit allerlei widerwärtigen Anstößen gezüchtigt, welche nichts anderes als väterliche Ruten gewesen sind, damit er dich hat wollen unter seinem Gehorsam behalten. (Denn welche mit Trübsalen von Gott heimgesucht werden, die halten die Gebote Gottes viel fleißiger als andere, denen es immer wohl und nach ihres Herzen Wunsch und Willen geht.)

6. So halte nun die Gebote des Herrn, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und fürchtest ihn.

Wandelst: Das ist: Dass du nach den Geboten Gottes lebst, wie dir dieselbe vorgeschrieben sind.

7. Denn der Herr, dein Gott, führt dich in ein gut Land, ein Land, da Bäche und Brunnen und Seen innen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen;

Brunnen: Das ist: In ein solches Land, das nicht dürre ist, oder da man an Wasser Mangel hätte, sondern das wasserreich ist und hin und wieder frische Brunnquellen hat, da auch Bäche und Seen gefunden werden, die eine große Menge Fische geben.

8. ein Land, da Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel innen sind; ein Land, da Ölbäume und Honig innen wächst;

9. ein Land, da du Brot genug zu essen hast, da auch nichts mangelt; ein Land, dessen Steine eisernen sind, da du Erz aus den Bergen haust.

Brot genug: Das ist: Da du durch den mildreichen Segen Gottes deine Nahrung reichlich haben kannst.

Eisernen: Das ist: Da man aus den Steinen das Eiserne scheiden kann. Will so viel sagen: Dasselbe Land trägt nicht allein Korn und anderes, so zur Nahrung dient, sondern gibt auch allerlei notwendige Metalle, der man zur täglichen Notdurft nicht entraten kann, als da sind Erz und Eisernen. Darum ist es richtig, dass du dich für solche großen Wohltaten dankbar erzeigst, indem, dass du die Gebote Gottes hältst. (Die Fruchtbarkeit und Köstlichkeit dieses Landes bildet uns unser himmlisches Vaterland vor, da uns nichts mangeln wird an allem, so zur wahren Glückseligkeit gehört.)

10. Und wenn du gegessen hast und satt bist, dass du den Herrn, deinen Gott, lobst für das gute Land, das er dir gegeben hat!

Lobst: (Es erzeigt uns aber Gott noch heutigentags auch so viele und große Wohltaten, dass wir ihm davor richtig zu danken haben.)

11. So hüte dich nun, dass du des Herrn, deines Gottes, nicht vergisst damit, dass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst;

Vergisst: Indem, dass du alle Furcht Gottes von dir stößt.

Rechte: Das ist: Die Kirche, Zeremonien und weltliche Satzungen.

Gebiete: Wie ich vormals dir oft geboten habe und nun aber wiederhole.

12. dass, wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst,

Satt bist: Nämlich im Lande Kanaan, wenn du es eingenommen hast und besitzt.

13. und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt,

Mehrt: Das ist: Wenn du spüren wirst, wie du an Gütern und Reichtum je länger je mehr zunimmst, so hüte dich mit allem Fleiß, dass du nicht stolz und übermütig wirst und die Gebote Gottes darüber aus der acht lässt, dass sie dir wenig mehr angelegen sind. (Denn es ist eine nicht geringe Kunst, dass einer bei großem Glück fromm bleibt.)

14. dass dann dein Herz sich nicht erhebe, und vergisst des Herrn, deines Gottes, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus dem Diensthause,

Diensthause: Das ist: Aus der schweren Dienstbarkeit, daraus er dich erlöst und sich so wohl um dich verdient hat, wie du selbst bekennen musst und nicht in Abrede sein kannst.

15. und hat dich geleitet durch die große und grausame Wüste, da feurige Schlangen und Skorpione und eitel Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen gehen {2Mos 17v6},

Feurige: Von deren, bis die Leiber der Menschen mit einer giftigen und tödlichen Hitze entzündet war.

Dürre: Also, dass das israelitische Volk oftmals großen Durst litte.

Felsen: Welches auch ein großes Wunderwerk Gottes gewesen, dessen du mit dankbarem Herzen zu jederzeit bedenkt sein und dich erinnern sollst.

16. und speiste dich mit Man in der Wüste, von welchem deine Väter nichts wussten haben, auf dass er dich demütigte und versuchte, dass er dir später wohltäte.

Man: Das ist: Mit Himmel-Brot, so er dir vom Himmel regnen ließ.

Wussten: Das ist: Welche Speise keinem Menschen vor deinen Zeiten bekannt gewesen.

Demütigte: Das ist: Dies alles, wie jetzt erzählt, hat Gott der Herr vorgehen und geschehen lassen, auf dass, wenn du durch solche Trübsal wohl umgetrieben und bewehrt wurden, wärest, du daraus deines Fleisches Schwachheit erkennst und kundwürde, ob du dennoch nichtsdestoweniger bei deinem Gott beständig verharren und dich an ihm halten wolltest: Auf dass er Ursache und Gelegenheit hätte, sein gnädiges und väterliches Herz gegen dich zu erklären, wenn er dir aus allen deinen Nöten helfe.

17. Du möchtest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir dies Vermögen ausgerichtet;

Sagen: Das ist: Auf dass du deinen glücklichen Zustand nicht deinen Kräften und Fleiß zuschriebest, so hat dich Gott lassen in äußerste Gefahr kommen, damit du an deinem eigenen Witz und Vermögen verzagtest und gedrungen würdest, von Gott allein Hilfe und Rettung zu bitten und zu erwarten. (Denn nach ausgestandenem und erlittenem Unglück tut Gott den Seinen wiederum Gutes, aber zuvor drückt er sie mit dem Kreuz, auf dass, wenn sie davon erlöst sind, sie alsdann erfahren, wie sie alles von Gott gewärtig sind und erlangen müssen.)

18. sondern dass du gedächtest an den Herrn, deinen Gott; denn er ist es, der dir Kräfte gibt, solche mächtigen Taten zu tun, auf dass er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, wie es geht heutigentags.

Taten: Das ist: Dass du könntest aus allem Unglück dich herausreißen und den reichen Segen erlangen.

Geschworen: Da er verheißen, dass er dir wollte wohltun, welches er bis daher reichlich geleistet hat und zukünftig leisten wird, ohne dein Zutun und Verdienst. (Gleichwie aber die Israeliten ihre zeitliche Guttaten, die sie von Gott empfingen, keineswegs dem Verdienst ihrer Werke zuschreiben konnten: Also ist Gott das ewige Leben, samt anderen geistlichen Gaben, den Menschen um ihrer Werke Verdienst willen viel weniger schuldig.)

19. Wirst du aber des Herrn, deines Gottes, vergessen und anderen Göttern nachfolgen und ihnen dienen und sie anbeten, so bezeuge ich heute über euch, dass ihr umkommen werdet;

Vergessen: Dass du die Furcht Gottes von dir stößt und den reinen Gottesdienst, wie dir derselbe ist vorgeschrieben worden, fahren lässt.

Göttern: Welche von den Heiden geehrt werden.

Bezeuge: Ich verkündige euch frei öffentlich.

Umkommen: Das ist: Dass euch Gott der Herr aus dem guten Lande vertreiben und vertilgen wird.

20. eben wie die Heiden, die der Herr umbringt vor eurem Angesicht, so werdet ihr auch umkommen, darum, dass ihr nicht gehorsam seid der Stimme des Herrn, eures Gottes.

Die Heiden: Wie denn bereits ein gut Teil derselben, als die Amalekiter, Midianiter und Amoriter darauf gegangen und von den Kindern Israel vertilgt waren. (Weil denn Gott seines eigenen Volkes vorzeiten nicht verschont hat, da sie gesündigt, so wird er unsere auch nicht schonen, wenn wir ohne Buße in unserem gottlosen Leben fortfahren und seinen gerechten Zorn auf uns laden {Röm 11}.)


Das 9. Kapitel


1. Mose stärkt die Israeliten, und vergewissert sie von der Besitzung des Landes Kanaan, v. 1. 2. Damit sie aber solche Glückseligkeit nicht ihrem Verdienst zuschrieben, so erzählt er etliche grobe Fehler und Missgriffe, derenthalben sie nicht allein die Einnahme und Besitzung des Landes Kanaan verscherzt, sondern auch zeitliche und ewige Strafen verdient hätten, v. 6.

1. Höre, Israel, du wirst heute über den Jordan gehen, dass du einkommest, einzunehmen die Völker, die größer und stärker sind denn du, große Städte, vermauert bis in den Himmel,

Heute: Das ist: In kurzer Zeit und nach wenigen Tagen. Und tut Mose abermals eine Ermahnung zu dem Volk, das sie sollen beherzt sein, das Land Kanaan einzunehmen.

Stärkere: Denn es wohnen Leute im Lande Kanaan, die sehr mächtig an der Zahl und stark von Leibe sind.

2. ein groß, hoch Volk, die Kinder Enakim, die du erkannt hast, von denen du auch gehört hast: Wer kann wider die Kinder Enaks bestehen?

Enakim: Welche Riesen sind.

Wer kann: Dies ist das Geschrei und der Ruhm, so von ihnen gegangen, dass niemand ihnen widerstehen, viel weniger sie überwinden könne.

3. So sollst du wissen heute, dass der Herr, dein Gott, geht vor dir her, ein verzehrendes Feuer. Er wird sie vertilgen und wird sie unterwerfen vor dir her und wird sie vertreiben und umbringen bald, wie dir der Herr geredet hat {5Mos 4v24 Hebr 12v29}.

Wissen: Das ist: Du sollst es für gewiss glauben.

Für dir: Dass er deine Feinde vertilgen will, darum, obwohl die Völker im Lande Kanaan das Ansehen haben, als sind sie unüberwindlich, so werden sie doch vor dir nicht bestehen können.

Feuer: Der die Feinde, wie das Feuer die Stoppeln, verzehren wird.

Unterwerfen: Das ist: Welche er nicht bald vertilgen wird, die wird er dir doch unterworfen und untertänig machen, dass du sie nicht mehr wirst dürfen fürchten oder besorgen, sie möchten dir zu Häupten wachsen.

Bald: Ehe du dich es versiehst und ehe du es hättest hoffen dürfen.

Geredet hat: Darum halte dich an diese Verheißung. (Uns ist das himmlische Vaterland verheißen, und obwohl unsere geistlichen Feinde, die Sünde, der Teufel und die Hölle, uns zu mächtig sein fühlen, als dass wir sie sollten können überwinden: So werden wir doch wider sie den Sieg erhalten, wenn wir uns auf die Verheißungen des Evangeliums fest verlassen und also gen Himmel kommen.)

4. Wenn nun der Herr, dein Gott, sie ausgestoßen hat vor dir her, so sprich nicht in deinem Herzen: Der Herr hat mich hereingeführt, das Land einzunehmen, um meiner Gerechtigkeit willen, so doch der Herr diese Heiden vertreibt vor dir her um ihres gottlosen Wesens willen.

Wenn nun: Bis daher hat Mose den Israeliten einen Trost gegeben wider die Kleinmütigkeit, dass sie nicht sollten zaghaft werden und sich die Feinde schrecken lassen: Jetzt warnt er sie auch vor der geistlichen Hoffart und begehrt zu verhüten, dass die Kinder Israel nicht ihrem Verdienst zurechnen sollen, was ihnen Gott umsonst und aus Gnaden schenkt.

Sprich: Das ist: Mach dir nicht die Gedanken, dass du dich dessen selber bereden wolltest.

Vertreibt: Welche Gott zu vertilgen im Sinn hat, wenn du gleich nie daher gekommen wärest. (Viel weniger können wir um unserer eigenen Gerechtigkeit oder Verdienstes willen, das Himmelreich besitzen, welches durch das Land Kanaan für gebildet wurden.)

5. Denn du kommst nicht herein, ihr Land einzunehmen, um deiner Gerechtigkeit und deines aufrichtigen Herzens willen, sondern der Herr, dein Gott, vertreibt diese Heiden um ihres gottlosen Wesens willen, dass er das Wort halte, das der Herr geschworen hat deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob.

Gerechtigkeit: Dass du so fromm wärest und dich so wohl gehalten hättest.

Herzens: Dass dein Gemüt so aufrichtig und dem Gesetz Gottes gleichförmig wäre.

Von ihres: Aus seinem gerechten Urteil. (Wenn deswegen uns Gott unsere Feinde unterwirft, so sollen wir die Ursache dessen nicht unsere Unschuld und gerechten Sache zumessen, sondern dem gerechten Urteil Gottes, den sie mit ihren Sünden erzürnt haben.)

Halte: Darum habt ihr es der göttlichen Wahrheit zu danken, dass es euch so wohl und glücklich hinausgeht, wider eure Feinde. Denn Gott will seiner Zusage genug tun und ganz nicht deine Verdienste und guten Werke vergelten, deren du ohne das keine hast.

6. So wisse nun, dass der Herr, dein Gott, dir nicht um deiner Gerechtigkeit willen dies gute Land gibt einzunehmen, weil du ein halsstarriges Volk bist.

Halsstarriges: Das ist: Ungehorsam und widerspenstig. Darum du viel eher zeitliche und ewige Strafen als ein gutes fruchtbares Land verdient hast.

7. Gedenke und vergiss nicht, wie du den Herrn, deinen Gott, erzürntest in der Wüste. Von dem Tage an, da du aus Ägyptenland zogst, bis ihr kommen seid an diesen Ort, seid ihr ungehorsam gewesen dem Herrn {2Mos 14v10 16v2}.

Von dem: Als wollte er sprechen: Lieber, wie oft hast du wohl die vierzig Jahr her, weil du in der Wüste gelebt, dich widerspenstig erzeigt, dadurch du freilich nichts Besseres als zeitliche und ewige Strafen verdient hast, also ganz kannst du dich keiner Gerechtigkeit oder eines Verdienstes rühmen.

8. Denn in Horeb erzürntet ihr den Herrn, also dass er vor Zorn euch vertilgen wollte;

Denn in: Will so viel sagen: Ich muss aus vielen nur etliche wenige und die vornehmste Geschichte zum Beispiel anziehen.

Horeb: Auf welchen Berge kurz zuvor das Gesetz mit großen und erschrecklichen Wunderzeichen euch war von Gott selber vorgehalten und verkündigt wurden.

Erzürntet: Mit dem goldenen Kalbe, das ihr euch zum Gott machtet und es davor anbetete.

9. da ich auf den Berg gegangen war, die steinernen Tafeln zu empfangen, die Tafeln des Bundes, den der Herr mit euch machte, und ich vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berge blieb und kein Brot aß und kein Wasser trank {2Mos 24v18 34v29},

Des Bundes: Das ist: Die Tafeln, auf welchen das Gesetz geschrieben war, dem ihr nachzuleben euch gegen Gott verpflichtet hattet: Und Gott wiederum euch verhieß, dass er euch alle zeitliche und ewige Wohlfahrt geben wollte, wenn ihr dasselbe halten und vollkommen erfüllen würdet.

Aß: Das ist: Ich brauchte die ganze Zeit über keine leibliche Speise noch Trank. (Denn wenn Gott will, so kann er den Menschen wohl beim Leben erhalten, ohne äußerliche Mittel des Essens und Trinkens. Aber dies des Mose vierzigtägige Fasten kann ihm niemand aus eigenem Vermögen nachtun, wie es auch nicht darum aufgezeichnet oder befohlen wurde, dass man es soll nachtun.)

10. und mir der Herr die zwei steinernen Tafeln gab, mit dem Finger Gottes beschrieben, und darauf alle Worte, wie der Herr mit euch aus dem Feuer auf dem Berge geredet hatte am Tage der Versammlung {2Mos 31v18 34v29},

Finger Gottes: Das ist: Die nicht mit Menschen Händen geschrieben, sondern von Gott selbst, durch ein göttliches Wunderwerk darin gegraben waren.

Wort: Nämlich die Zehn Gebote.

Versammlung: Das ist: Da ihr alle beieinander versammelt unten am Berge standet, wie man davon lesen mag {2Mos 19}.

11. Und nach den vierzig Tagen und vierzig Nächten gab mir der Herr die zwei steinernen Tafeln des Bundes

12. und sprach zu mir: Mache dich auf, gehe eilend hinab von hinnen; denn dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast, hat es verdorben. Sie sind schnell getreten von dem Wege, den ich ihnen geboten habe; sie haben ihnen ein gegossen Bild gemacht.

Von hinnen: Nämlich von dem Berge, dass du siehst, wie dein Volk unterdes hausgehalten und was sie angestiftet haben, weil du bei mir gewesen bist.

Verderbe: Das ist: Was ich wohl und recht mit ihnen angefangen hatte, nämlich dass ich sie zu der wahren und ewigen Glückseligkeit bringen wollte, das haben sie alles verscherzt und sind darum gekommen.

Wege: Der sie zu der wahren Glückseligkeit führte.

Geboten: Durch Bekanntmachung meiner Gebote.

Bild: Einen Abgott, den sie an meiner statt verehren.

13. Und der Herr sprach zu mir: Ich sehe, dass dies Volk ein halsstarriges Volk ist.

Halsstarriges: Als wollte er sagen: Die Tat an ihr selber erklärt es und weist genügend aus, dass dies Volk sich mir widersetzt und nicht gehorsam sein will.

14. Lass ab von mir, dass ich sie vertilge und ihren Namen austilge unter dem Himmel; ich will aus dir ein stärkeres und größeres Volk machen, denn dies ist {Ps 106v23}.

Lass ab: Das ist: Sei mir nicht mehr hinderlich mit deiner Fürbitte. (Denn die Frommen können Gott, wenn er zornig ist, durch ihr Gebet aufhalten, dass er nicht strafe.)

Austilge] Dass ihrer vergessen werde.

Aus dir: Das ist: Ich will deine Geschlechter wunderbarerweise also vermehren, dass es dies Volk, welches du jetzt führst, an Größe und Menge weit übertreffen soll. Darum (will Mose sagen zum Volk) weil ihr mit eurem gottlosen Wandel Gott so oft und sehr erzürnt habt, so bedarf sich es ganz nicht, dass ihr von eurer Gerechtigkeit oder Verdienstes viel Rühmen treiben wolltet.

15. Und als ich mich wandte und von dem Berge ging, der mit Feuer brannte, und die zwei Tafeln des Bundes auf meinen beiden Händen hatte,

Brannte: Wie er vor euren Augen ein Ansehen hatte.

16. da sah ich, und siehe, da hattet ihr euch an dem Herrn, eurem Gott, versündigt, dass ihr euch ein gegossen Kalb gemacht und bald von dem Wege getreten wart, den euch der Herr geboten hatte.

Kalb: Welches ihr anbetet und ihm göttliche Ehre erzeigtet.

17. Da fasste ich beide Tafeln und warf sie aus beiden Händen und zerbrach sie vor euren Augen.

Zerbrach: Aus einem göttlichen Eifer um eurer großen Sünde willen. (Dass aber die erste Tafeln der Gesetze zerbrochen wurde, bedeutet, dass das Gesetz niemand erfüllen könne, darum auch keiner dadurch selig werde.)

18. Und fiel vor dem Herrn, wie zuerst, vierzig Tage und vierzig Nächte und aß kein Brot und trank kein Wasser um aller eurer Sünden willen, die ihr getan hattet, da ihr solches Übel tatet vor dem Herrn, ihn zu erzürnen.

Fiel: Nämlich zum anderen Mal, nachdem ich wieder auf den Berg gestiegen war, das ich für euch bei Gott eine Fürbitte tat, auf das er euch nicht plötzlich vertilgte in seinem Grimm.

Um aller: Das ist: Ich habe ihn eure vorigen Sünden auch wiederum erinnert, die ihr wider ihn getan, und er euch dennoch verziehen hat, da er auch heftig wider euch erzürnt gewesen und habe mich von aller leiblichen Speise enthalten und nicht aufgehört für euch zu bitten, bis ich eure Verzeihung herausgebracht.

19. Denn ich fürchtete mich vor dem Zorn und Grimm, damit der Herr über euch erzürnt war, dass er euch vertilgen wollte. Aber der Herr erhörte mich dieses Mal auch.

Erhörte: Weil ich für euch bat, also, dass er euch nicht vertilgt, wie ihr wohl verdient hattet.

20. Auch war der Herr sehr zornig über Aaron, dass er ihn vertilgen wollte; aber ich bat auch für Aaron zur selbigen Zeit {2Mos 32v21}.

Aaron: Welchen ihr dazu gezwungen, dass er ein goldenes Kalb machen und dasselbe zum Gottesdienst einweihen müsse.

Bat: Dass ihn Gott nicht erwürgen wollte.

21. Aber eure Sünde, das Kalb, das ihr gemacht hattet, nahm ich und verbrannte es mit Feuer und zerschlug es und zermalmte es, bis es Staub wurde, und warf den Staub in den Bach, der vom Berge fließt.

Sünde: Das ist: Euren Abgott, damit ihr gesündigt und Gott erzürnt hattet.

22. Auch so erzürntet ihr den Herrn zu Thabeera und zu Massa und bei den Lustgräbern {4Mos 11v4 13v32}.

Auch so: Damit ihr seht, wie ihr so ganz keine Ursache euch zu rühmen habt, so hörte weiter zu.

Thabeera: Das ist: Ein Brand. Welcher Ort also genannt wurde von der Geschichte, so sich dort mit euch zugetragen. Denn von wegen eures Murrens entzündete sich des Herrn Feuer unter euch und brachte eurer viele um, davon bald später weiter.

Massa: Das ist: Versuchung. Welcher Ort auch also genannt wurde, weil die Kinder Israel, da sie Mangel an Wasser gehabt, den Herrn versucht hatten und gesagt: Ist der Herr unter uns oder nicht {2Mos 17}?

Lustgräbern.: Dies ist eben die vorige Geschichte von dem Brand. Denn derselbe Ort, welcher kurz zuvor Thabeera genannt wurde von wegen der Strafe des Brands, so die Kinder Israel darin erlitten, hat auch mit einem anderen Namen Lustgräber geheißen, weil das Volk, dem es nach Fleisch gelüstet hatte, da begraben war {4Mos 11}.

23. Und da er euch aus Kades-Barnea sandte und sprach: Geht hinauf und nehmt das Land ein, das ich euch gegeben habe, wart ihr ungehorsam des Herrn Mund, eures Gottes, und glaubtet an ihn nicht und gehorchtet seiner Stimme nicht.

Sandte: Nämlich die Kundschafter, dass sie das verheißene Land Kanaan erkundigen sollten.

Ungehorsam: Dass ihr nicht wolltet fortziehen zum Lande Kanaan, dadurch ihr Gott abermals erzürntet.

Ihn: Dass er euch das verheißene Land geben würde.

Stimme: Da er euch gebot, dass ihr die Einwohner desselben Landes mit keckem Mut anfallen und bekriegen solltet.

24. Denn ihr seid ungehorsam dem Herrn gewesen, solange ich euch gekannt habe.

Gekannt: Also dass ihr fast in keiner Sache dem Herrn Euren Gott freiwilligen Gehorsam geleistet habt, darum kein Wunder gewesen, dass er euch längst alle miteinander vertilgt hätte.

25. Da fiel ich vor dem Herrn vierzig Tage und vierzig Nächte, die ich da lag; denn der Herr sprach, er wollte euch vertilgen {2Mos 32v11 4Mos 14v13}.

Fiel: Wie ich kurz zuvor auch gemeldet. (Denn eines getreuen Kirchendieners Amt fordert, dass er Gott bitte, damit er das Volk nicht strafe nach ihrem Verdienst.)

26. Ich aber bat den Herrn und sprach: Herr, Herr, verderbe dein Volk und dein Erbteil nicht, das du durch deine große Kraft erlöst und mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt hast!

Erbteil: Denn das Volk Gottes ist gleichwie ein Erbteil, das eines Fürsten Sohn erblich heimgefallen wäre. (Also hat der Sohn Gottes uns zu seinem Erbteil durch sein Blut erworben.)

Kraft: Da du ihrethalben große Wunder und Zeichen geschehen lassen, dabei man deine große Kraft und Allmacht spüren müssen.)

27. Gedenke an deine Knechte, Abraham, Isaak und Jakob. Sieh nicht an die Härtigkeit und das gottlose Wesen und Sünde dieses Volkes,

Knechte: Welche dir treulich gedient haben und denen du auch verheißen hast, dass du ihren Nachkommen Gutes tun wolltest.

Sünde: Dadurch sie wohl längst eine harte Strafe verdient hätten.

28. dass nicht das Land sage, daraus du uns geführt hast: Der Herr konnte sie nicht ins Land bringen, das er ihnen geredet hatte, und hat sie darum ausgeführt, dass er ihnen gram war, dass er sie tötete in der Wüste.

Das Land: Nämlich die Einwohner des Landes Ägypten.

Konnte sie: Würde also solches auch deinem allerheiligsten Namen zur Schmach gereichen, wenn du das israelitische Volk ganz vertilgen wolltest.

29. Denn sie sind dein Volk und dein Erbteil, das du mit deinen großen Kräften und mit deinem ausgereckten Arm hast ausgeführt.

Arm: Das ist: Du hast an dem Auszug der Kinder Israel deine Allmacht und herrliche Majestät erzeigt. Darum möchtest du nicht zugeben, dass dieselbe von den Feinden deines Volkes verspottet und verlästert werden. (Denn wir können bei Gott am allerleichtesten ausbringen, was wir begehren, wenn wir ihn aus wahrem Glauben erinnern, dass er nicht zu gebe, dass seine göttliche Majestät und Allmacht verkleinert werde.)


Das 10. Kapitel


1. Mose gibt den Israeliten durch her Erzählung ihrer Sünden und Misshandlungen noch besser zu verstehen, dass sie alle göttliche Guttaten, aus lauter Gnaden, und nicht aus ihrem Verdienst empfangen haben: und ermahne sie, dass sie in Erwägung solcher Wohltaten, ihre Herzen geistlicherweise beschneiden sollen und Gott von ganzem Herzen dienen, v. 1. 2. Danach befiehlt er ihnen, dass sie mit den Witwen, Waisen und Fremdlingen freundlich umgehen und sie versorgen sollen, v. 16.

1. Zu derselben Zeit sprach der Herr zu mir: Haue dir zwei steinerne Tafeln, wie die ersten, und komm zu mir auf den Berg und mache dir eine hölzerne Lade {2Mos 34v1},

Zeit: Mose streicht des Volkes Sünden und die Guttaten Gottes noch weitläufiger aus, auf dass sie durch die Guttaten zur Dankbarkeit, durch ihre Sünden aber zur Demut bewegt würden.

Lade: Dass sie darin aufbehalten werden. (Es bedeuten aber die zuerst zugebrochenen und später wieder zugegerichteten Tafeln des Gesetzes, dass das Gesetz dergestalt, wie es anfangs gegeben ist, nicht recht aufgenommen noch erfüllt werde. Darum hat man es wiederum eingraben oder schneiden müssen, nicht zwar in steinernen Tafeln, sondern durch den Geist Gottes in den Tafeln des Herzens. Denn wenn der Mensch, nachdem er durch den Glauben gerechtfertigt wurde, mit dem Heiligen Geiste begabt wird, so fängt er an, das Gesetz mit willigem Herzen zu erfüllen, und obwohl solche Erfüllung auch unvollkommen ist, so gefällt sie dennoch Gott wohl, um Christi willen.)

2. so will ich auf die Tafeln schreiben die Worte, die auf den ersten waren, die du zerbrochen hast; und sollst sie in die Lade legen {5Mos 9v10 2Mos 32v19},

3. Also machte ich eine Lade von Föhrenholz und hieb zwei steinerne Tafeln, wie die ersten waren, und ging auf den Berg und hatte die zwei Tafeln in meinen Händen.

4. Da schrieb er auf die Tafeln, wie die erste Schrift war, die zehn Worte, die der Herr zu euch redete aus dem Feuer auf dem Berge, zur Zeit der Versammlung; und der Herr gab sie mir.

Schrieb] Nämlich Gott selber. Und will Mose ihnen damit zu verstehen geben, wie dies auch eine große Wohltat Gottes gewesen sei, dass er das Gesetz ihnen wieder erneuert und zugestellt, welche doch nicht wert gewesen, um ihrer begangenen Abgötterei willen, dass Gott sich ihrer weiter angenommen, darum sie Gott auch richtig davor danken sollen.

Feuer: Denn der Berg das Ansehen hatte, als wäre er voller Feuer.

Versammlung: Das ist: Die Zehn Gebote, welche Gott durch einen Engel mit einer starken und schrecklichen Stimme vor der ganzen Gemeinde des israelitischen Volkes aussprechen und verkündigen lassen, die hat er wiederum in die anderen Tafeln aufgezeichnet, weil die ersten zerbrochen waren.

5. Und ich wandte mich und ging vom Berge; und legte die Tafeln in die Lade, die ich gemacht hatte, dass sie dort wären, wie mir der Herr geboten hatte.

6. Und die Kinder Israel zogen aus von Beroth-Bne-Jakan gen Moser. dort starb Aaron und ist dort begraben; und sein Sohn Eleasar wurde für ihn Priester {4Mos 33v30 20v28 33v38},

Starb: Aus dem dreiunddreißigsten Kapitel des vorigen vierten Buches, da die Wohnungen und Lager der Kinder Israel ordentlich nacheinander erzählt werden, ist offenbar, dass die Kinder Israel von Moseroth aus, gen Bne Jakan gezogen sind, und von dort in Horgidgad: dar nach weiter bis in Jathbatha, von da aus sie noch drei Lager gehalten, eher sie an den Berg Hor gelangt, da Aaron gestorben ist, wie auch das 20. Kapitel des vorgemeldeten vierten Buches bezeugt. Darum Mose an diesem Ort, da er etliche Lagerstätte neben zu mit einführt, nicht genau abrechnet, wie sie ordentlich nacheinander gegangen, sondern lässt es dabei bewenden, dass er die Geschichte der Sachen, was sich zugetragen, anzeigt, und lässt die Umstände der Zeit und Orte ihm nicht so hart angelegen sind, welches ihm nicht zu verargen ist, weil er hier als ein Prediger mit dem Volk handelt und die Historien einführt, so viel sie ihm zu seinem Vorhaben dienlich sind. Will aber so viel sagen, dass Gott nach des Hohepriesters Aarons Tode sein Volk nicht verlassen habe, sondern eine andere taugliche Person an des vorigen statt geordnet. (Und soll man es für besondere Guttat Gottes halten und erkennen, wenn an den verstorbenen getreuen Kirchendiener statt andere von Gott aufgestellt, und der christlichen Kirche vorgesetzt werden.)

7. Von dort zogen sie aus gen Gudegoda; von Gudegoda gen Jathbath, ein Land, da Bäche sind.

Da Bäche: Da es einen Überfluss an Wasser gehabt, damit du dich wiederum hast erfrischen und erquicken können, welches abermals eine neue Guttat gewesen, denn sie sonst nicht immer in der Wüste gut und gesundes Wasser antrafen. (Solche und dergleichen leibliche Guttaten, die uns Gott reichlich mitteilt, sollen wir mit dankbarem Herzen erkennen.)

8. Zur selben Zeit sonderte der Herr den Stamm Levi aus, die Lade des Bundes des Herrn zu tragen und zu stehen vor dem Herrn, ihm zu dienen und seinen Namen zu loben, bis auf diesen Tag.

Sonderte: Das ist: Gott ordnete den levitischen Stamm zu dem Amt, dass derselbe (und sonst niemand aus anderen Stämmen) auf der Reise die Lade des Bundes und das übrige Gerät der Hütte trüge.

Dienen: Das ist: Dass derselbe Stamm für andere Israeliten des Gottesdienstes pflegte und abwartete.

Loben: Das ist: Dass die Priester aus demselben Stamm im Namen des ewigen Gottes, den sie darüber anriefen, die Kinder Israel segnen und ihnen alles Gutes von Gott wünschen sollten, davon 4. Mose 6. gemeldet wird.

Diesen Tag: Da Mose solches beschrieben. Es war aber der Stamm Levi auch vor dem Tode Aarons bereits zum Gottesdienst ausgesondert: Doch erscheint aus diesem Ort, dass, nach des Aarons Absterben, als ihm sein Sohn Eleasar im Hohepriesteramt nachgetreten, diese göttliche Ordnung sei wiederum erneuert worden: Weil von der ersten Einsetzung fast in die siebenunddreißig Jahr verlaufen waren: Von welcher Erneuerung und Wiederaufrichtung der Ämter Mose hier redet, als von einer neuen Einsetzung.

9. Darum sollen die Leviten kein Teil noch Erbe haben mit ihren Brüdern; denn der Herr ist ihr Erbe, wie der Herr, dein Gott, ihnen geredet hat {4Mos 18v20 5Mos 18v1 Jos 18v7}.

Kein Teil: Weil sie zum Gottesdienst und Kirchenamt bestellt wurden, so hat es Gott also geordnet, dass in Teilung des gelobten Landes die Leviten durch das Los kein Stück vom Lande Kanaan insbesondere einbekämen, gleich den anderen Israeliten.

Herr: Das ist: Sie sollen vom Gottesdienst ihre Nahrung haben, nämlich von den Opfern.

10. Ich aber stand auf dem Berge, wie vorhin, vierzig Tage und vierzig Nächte; und der Herr erhörte mich auch dieses Mal und wollte dich nicht verderben.

Ich aber: Das ist: Wie zuvor gemeldet, so war es an dem, dass ihr durch eure große Sünde der Abgötterei, die ihr mit dem goldenen Kalbe getrieben, euren Gott heftig erzürnt hattet, also, dass er willens war, euch ganz und gar zu vertilgen, welches denn auch euer rechter und verdienter Lohn gewesen wäre. Aber ich stellte mich wiederum bei Gott ein und tat eine Fürbitte für euch und brachte ganze vierzig Tage und so viele Nächte damit zu, bis ich euch endlich Verzeihung erlangte.

Nicht verderben: Darum hast du gute Ursache, ihm für solche große Gnade und Guttat zu danken.

11. Er sprach aber zu mir: Mache dich auf und gehe hin, dass du vor dem Volk her ziehst, dass sie einkommen und das Land einnehmen, das ich ihren Vätern geschworen habe, ihnen zu geben.

Ziehst: Wie du bisher getan: Denn ich hab ihnen ihre Sünde verziehen, und will ihnen halten, was ich ihren Vätern verheißen habe, ob sie es wohl nicht wert sind: So gütig und gnädig hat sich der fromme Gott gegen dich erzeigt.

12. Nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir, denn dass du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und liebst ihn und dienst dem Herrn, deinem Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele,

Fordert: Zur Dankbarkeit für solche große Guttaten.

Fürchtest: Nämlich wie die Kinder ihre Eltern fürchten und sich mit Fleiß hüten, dass sie dieselben nicht erzürnen.

Wegen: Das ist: Dass du alle seine Gebote hältst.

Dienst: Zum Zeugnis deiner waren Liebe.

Ganzem: Das ist: Also, dass es durchaus keine Heuchelei mit deiner Liebe sei, sondern dass du ihn mit herzlicher inbrünstiger Liebe und kindlicher Zuneigung ehrst, nach seinem Willen, den er dir geoffenbart hat, dass dein ganzes Herz und Gemüt nichts anders gedenke, dichte, trachte, tue und anfange, denn wie es diesem seinem gnädigen Gott und Vater möge gefallen, und solches musst du in der Tat beweisen.

13. dass du die Gebote des Herrn hältst und seine Rechte, die ich dir heute gebiete, auf dass dir es wohl gehe?

Wohl gehe] Denn der himmlische Vater will dich viel lieber, wenn du ihm gehorsam bist, mit allerlei Gütern und reichem Segen überschütten, als mit der Strafe immerdar hinter dir her sind, wenn du widerspenstig und ungehorsam dich erzeigst.

14. Siehe, Himmel und aller Himmel Himmel und Erde und alles, was darin ist, das ist des Herrn, deines Gottes.

Des Herrn: Das ist: Gott ist ein Herr, Schöpfer, Regierer und Besitzer aller Dinge, also, dass er der allermächtigste und allerreichste Monarch ist.

15. Noch hat er allein zu deinen Vätern Lust gehabt, dass er sie liebte, und hat ihren Samen erwählt nach ihnen, euch, über alle Völker, wie es heutigen Tages steht.

Vätern: Da ihrer noch sehr wenig, dazu für die Welt verachtet waren.

Liebt: Mit einer beständigen geistlichen Liebe.

Völker: Das ist: Er hat euch vor allen anderen Völkern aus Gnaden zu Kindern angenommen, und dass ihr sollt sein Eigentum sein.

16. So beschneidet nun eures Herzens Vorhaut und seid fürderhin nicht halsstarrig {5Mos 30v6 Jer 4v4 Apg 7v51 Röm 2v29}.

Beschneidet: Das ist: Legt ab die Blindheit eures Gemüts und Verstandes, daher allerhand Irrtum in geistlichen Sachen entstehen, und euren widerspenstigen Sinn, welcher verhindert, dass ihr den Geboten Gottes nicht könnt Gehorsam leisten.

17. Denn der Herr, euer Gott, ist ein Gott aller Götter und Herr über alle Herren, ein großer Gott, mächtig und schrecklich, der keine Person achtet und kein Geschenk nimmt {2Chr 19v7 Hi 34v19 Röm 2v11 Gal 2v6 Kol 3v25 1Petr 1v17}

Götter: Als wollte er sagen: Es werden zwar in der Welt hin und wieder viele Götter geehrt. Aber dieser ist der rechte wahre, einzige und ewige Gott, dazu der Höchste, außer dem kein anderer ist.

Herren: Das ist: Es sind zwar viele Herren in der Welt, aber was dieselben an Herrschaften und Gewalt haben, das haben sie von diesem Herrn empfangen, als der der oberste Herr über alles ist.

Schrecklich: Vor dem sich alle Kreaturen fürchten müssen, und niemand ist, der sich wider ihn auflehnen durfte.

Geschenke: Das ist: Er tut nicht, wie die ungerechten und geizigen Richter, welche sich mit Geschenken bestechen lassen, oder hohen Personen zu gefallen, durch die Finger sehen und das Unrechte nicht strafen, darum soll dich für diesen deinen Gott scheuen, dass du nicht unrecht tust.

18. und schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gebe.

Recht: Das ist: Wie ernstlich er sich erzeigt, die Gottlosen zu strafen, so barmherzig und gnädig ist er auch den Elenden, wenn sie fromm sind, zu helfen, dass ihnen Recht widerfahre.

Witwen: Die sonst verachtet und verstoßen sind. (Darum weil niemand die Witwen, Waisen und Fremdlinge mit Gewalt oder mit Hinterlist unterdrücken soll, er wolle denn Gott zum Feinde haben: So sollen fromme Witwen, Waisen und Fremdlinge nicht zu kleinmütig werden und sich des trösten, dass sie Gott zum Beschützer haben.)

19. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.

Gewesen: Darum, wie ihr damals gewünscht und gewollt, dass man freundlich mit euch umginge: Also sollt ihr auch gegen andere, die bei euch Fremde sind, euch verhalten.

20. Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten, ihm sollst du dienen, ihm sollst du anhangen und bei seinem Namen schwören {5Mos 6v13 Mt 4v10 Lk 4v8}.

Anhangen: Das ist: Diesen einigen Gott sollst du allein über alles fürchten, lieben und ihm vertrauen: Gleichwie ein ehrliches Eheweib allein ihrem Manne zu gefallen sich befleißigt und an ihm hing {Eph 5}. Denn auf dieses Gleichnis deutet die Heilige Schrift hier und an anderen mehr Orten. (Darum, wenn dies Gebote in seiner Würde bestehen soll, so kann der Heiligendienst im Papsttum nicht geduldet werden.)

Schwören: (Denn es ist ein Stück des Gottesdienstes, wenn man in einer wichtigen Sache Gott zum Zeugen anruft, die Wahrheit mit ihm zu bestätigen, als der alles weiß, und den Meineid rächen kann und will: Darum schwören die Wiedertäufer, dass sie allen Eid verdammen und Unrecht schelten.)

21. Er ist dein Ruhm und dein Gott, der bei dir solche großen und schrecklichen Dinge getan hat, die deine Augen gesehen haben.

Ruhm: Das ist: Du sollst dich nicht selbst verwundern und dich von wegen deiner Kräfte oder Tugenden rühmen: sondern vielmehr, dass du so einen gnädigen Gott und Herrn hast, der dein höchstes Gut ist.

Getan hat: Nämlich die herrlichen Wunder und Taten, beide in Ägypten und in der Wüste, weil er dir aus Gnaden wohl gewogen war.

22. Deine Väter zogen hinab nach Ägypten mit siebzig Seelen; aber nun hat dich der Herr, dein Gott, gemehrt wie die Sterne am Himmel.

Väter: Nämlich der Patriarch Jakob mit seinem ganzen Geschlecht, davon {1Mos 46}.

Gemehrt: Also, dass du vor großer Menge nicht wohl kannst gezählt werden, wenn man alles, klein und groß, rechnen wollte. (Denn obwohl die Kirche anfangs gering und verächtlich scheint, so nimmt sie doch immer zu, dass sie groß und unzählig wird.)


Das 11. Kapitel


1. Mose dringt noch weiter und mit allem Ernst auf die Haltung des ersten Gebots und fordert zugleich, dass man die anderen Gebote auch halten soll, mit Zeichen der Wohltaten, die sie von Gott empfangen haben: Welche aber nicht gehorchen wollen, denen droht er die Strafen, so darauf erfolgen werden, v. 1. 2. Danach heißt er sie die Gebote Gottes ihre Kinder auch fleißig lehren, v. 18. 3. Und befiehlt ihnen, dass sie im Lande Kanaan auf zwei Bergen, so nicht weit voneinander, die Segen und Flüche, für die, so das Gesetz halten, oder übertreten, öffentlich sollen ausrufen lassen, v. 29.

1. So sollst du nun den Herrn, deinen Gott, lieben und sein Gesetz, seine Weise, seine Rechte und seine Gebote halten dein Leben lange.

So sollst: Mose bemüht sich viel und lässt sich die Sache hoch angelegen sein, mit stetigem Anhalten bei dem Volk, dass es die Gebote Gottes nicht aus der acht lassen soll. Denn bei so großer Schwachheit unsere verdorbene Natur bedürfen wir immer, dass man uns antreibe und aufmuntere, den Geboten Gottes zu gehorsamen. Besonders aber dringt Mose mit allem Fleiß auf das erste Gebot, dass man es wohl in Acht nehmen soll.

Halten: Dass du nicht von ihm abweichst und andere Götter zu ehren begehrst. (Denn das heißt, Gott lieben, wenn man seine Gebote hält {1Joh 5}.) Darum wirst du deine Liebe gegen Gott damit bezeugen, wenn du nach seinen Geboten lebst.

2. Und erkennt heute, das eure Kinder nicht wissen noch gesehen haben, nämlich die Züchtigung des Herrn, eures Gottes, seine Herrlichkeit, dazu seine mächtige Hand und ausgereckten Arm

Nicht wissen: Das ist: Ihr habt die herrlichen Werke Gottes gesehen, die er getan hat, dass ihr deshalb keine Unwissenheit vorwenden könnt, dass ihr euch nicht wolltet dankbar gegen Gott wiederum verhalten. Denn ich rede jetzt mit euch und nicht mit euren Kindern, die solche Wunderwerke nicht gesehen haben.

Züchtigung: Da euch Gott mit mancherlei Versuchungen unter dem Kreuz geübt und bewährt hat und euch gezeigt, wie ihr der göttlichen Hilfe mit Geduld erwarten sollt und eure Hoffnung auf seine Güte und Gnade setzen.

Arm: Das ist: Seine wunderbare große Gewalt, die er überall unter euch sehen lassen.

3. und seine Zeichen und Werke, die er getan hat unter den Ägyptern, an Pharao, dem Könige in Ägypten, und an all seinem Lande;

Pharao: Den er mit großen Plagen strafte.

4. und was er an der Macht der Ägypter getan hat, an ihren Rossen und Wagen, da er das Wasser des Schilfmeers über sie führte, da sie euch nachjagten, und sie der Herr umbrachte, bis auf diesen Tag {2Mos 14v25 v27};

Wagen: Die sie zum Streit ausgerüstet hatten und euch damit nacheilten, der Meinung, dass sie euch alle aufreiben wollten.

Diesen Tag: Da ihr keiner mehr vorhanden ist, der von ihnen übergeblieben wäre.

5. und was er euch getan hat in der Wüste, bis ihr an diesen Ort gekommen seid;

Wüste: Welches ihr alles gegenwärtig altershalben sehen und verstehen können, wie er euch nämlich ernährt hat und eure Kleider bewahrt, dass sie nicht abgenützt wurden, dazu aus mancher Gefahr errettet hat.

6. was er Dathan und Abiram getan hat, den Kindern Eliabs, des Sohnes Rubens, wie die Erde ihren Mund auftat und verschlang sie mit ihrem Personal und Hütte und all ihrem Gut, das sie erworben hatten mitten unter dem ganzen Israel.

Dathan und: Denselben aufrührerischen Leuten.

Sohnes: Das ist: Welcher Eliab des Rubens Enkel oder Neffe gewesen, des Pallu Sohn, der Ruben zum Vater gehabt {4Mos 26}.

Auftat: Da sie sich unter ihren Füßen voneinander riss. Welches zwar eure Kinder, weil sie damals noch klein gewesen, nicht in Gedächtnis behalten, ihr aber euch dessen ganz wohl erinnern könnte, und nie in Vergessen stellen sollt.

Erworben: (Nach Luther) Lautet im Hebräischen eigentlich in ihren Füßen, dergleichen Art zu reden der Patriarch Jakob brauchte {1Mos 30v30}. Der Herr hat dich gesegnet durch meinen Fuß, ich bin gelaufen und gerannt, dass ich es zusammengebracht, es ist mir sauer geworden, ich hab es erjagt und erlaufen.

7. Denn eure Augen haben die großen Werke des Herrn gesehen, die er getan hat.

8. Darum sollt ihr alle die Gebote halten, die ich dir heute gebiete, auf dass ihr gestärkt werdet, einzukommen und das Land einzunehmen, dahin ihr zieht, dass ihr es einnehmt;

9. und dass du lange lebst auf dem Lande, das der Herr euren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben und ihrem Samen, ein Land, da Milch und Honig innen fließt.

Da Milch: Das ist: Da kein Mangel erscheinen wird, an allem, was man zur Notdurft bedarf.

10. Denn das Land, da du hinkommst, es einzunehmen, ist nicht wie Ägyptenland, davon ihr ausgezogen seid, da du deinen Samen säen und selbst tränken musstest wie einen Kohlgarten,

Wie Ägyptenland: Dass man es mit großer Mühe und Beschwernis bauen müsste.

Selbst tränken: Nämlich was du gesät hattest. Denn wie man davon schreibt, so soll es in Ägypten nicht regnen. Und obwohl der große Fluss Nilus alle Jahr einmal aufläuft, so ist es dennoch vonnöten, dass, nachdem der Same ausgesät wurde, die Felder mit großer Mühe von den Leuten müssen befeuchtet und gewässert werden, gleichwie bei uns mit den Kräutern in Gärten geschieht, wenn es eine Zeit lang nicht regnet, oder wie man die Wiesen wässert: Also (will Mose sagen) ist es mit dem Lande Kanaan nicht beschaffen, dass es so großer Mühe und Arbeit bedürfte.

11. sondern es hat Berge und Auen, die der Regen vom Himmel tränken muss,

12. auf welch Land der Herr, dein Gott, achthat, und die Augen des Herrn, deines Gottes, immer darauf sehen von Anfang des Jahres bis ans Ende.

Sehen: Das ist: Obwohl Gott über die ganze Welt herrscht und überall seine Kreaturen erhält, so hat er doch ein besonderes Auge auf dies Land, und lässt es ihm mehr, als irgend ein anders, angelegen sein, damit er dir zu jeder Zeit des Jahres ein solches Gewitter gebe, wie es dem Samen zur Fruchtbarkeit am nützlichsten ist. Und ist auch kein Wunder, dass er sich dieses Landes vor anderen angenommen, weil er wusste, dass in demselben sein eingeborener liebster Sohn menschliche Natur an sich nehmen würde.

13. Werdet ihr nun meine Gebote hören, die ich euch heute gebiete, dass ihr den Herrn, euren Gott, liebt und ihm dient von ganzem Herzen und von ganzer Seele,

Gebiete: Wie zuvor oftmals geschehen und ich euch jetzt zum Überfluss abermals wiederhole und vorhalte.

Ganzem Herzen: Das ist: Wenn ihr des rechten Gottesdienstes, nicht allein mit äußerlichen Werken, sondern auch aus allen Kräften und mit höchstem Fleiß pflegen werdet.

14. so will ich eurem Lande Regen geben zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen, dass du einsammelst dein Getreide, deinen Most und dein Öl {5Mos 28v12 Jer 5v24};

Frühregen: Das ist: Solche Regen, die zu rechter Zeit im Frühling und im Herbst das Land befeuchten. (Darum, welche gutes Wetter und ein fruchtbares Land haben wollen, daher sie ihre Nahrung haben können, die müssen Gott mit Ernst und von Herzen dienen.)

15. und will deinem Vieh Gras geben auf deinem Felde, dass ihr esst und satt werdet.

16. Hütet euch aber, dass sich euer Herz nicht überreden lasse, dass ihr abtretet, und dient anderen Göttern und betet sie an,

Überreden: Das ist: Lasst euch von den abgöttischen Leuten nicht verführen, dass ihr euch mit guten Worten einen anderen Gottesdienst wolltet lassen einschwätzen. (Denn der Teufel kann sich durch seine falschen Propheten wohl in einen Engel des Lichts verstellen, damit er die einfältigen und unschuldigen Herzen von dem rechten Weg der Wahrheit auf einen Irrweg abführe.)

17. und dass dann der Zorn des Herrn ergrimme über euch und schließe den Himmel zu, dass kein Regen komme, und die Erde ihr Gewächs nicht gebe, und bald umkommt von dem guten Lande, das euch der Herr gegeben hat.

Ergrimme: Weil er die Abgötterei weniger dulden kann, als ein ehrlicher Mann seines Weibs Ehebruch.

Kein Regen: Ist eine Erklärung des vorigen, was da heiße, den Himmel zu schließen, nämlich wenn dürre Zeiten einfallen und Mangel am Regen erscheint.

Umkommt] Nämlich durch Hunger oder anderer Plagen und Unglück, so Gott über euch verhängen wird, um eurer Sünde willen.

18. So fasst nun diese Worte zu Herzen und in eure Seele und bindet sie zum Zeichen auf eure Hand, dass sie ein Denkmal vor euren Augen sind {5Mos 6v8}.

Zu Herzen: Das ist: Habt gut Acht darauf, was ich euch jetzt sage, den es trifft eurer Seelen Heil und Seligkeit an.

Denkmal: Denn die Juden brauchten zu ihrer Tracht Stirnblätter oder Zettel, die sie vorn auf der Stirn hefteten, wie oben Kapitel 6. auch gemeldet, darauf sie die vornehmste Lehre- und Trostsprüche aus der Heiligen Schrift verzeichneten, auf dass sie dadurch erinnert würden, wie sie sich gegen Gott verpflichtet, dass sie seine Gebote halten wollten. Welche Zuchtlehre, da sie ohne Aberglauben gebraucht wurde, ihren Nutzen gehabt, bei dem unverständigen jüdischen Volk.

19. Und lehrt sie eure Kinder, dass du davon redest, wenn du in deinem Hause sitzt oder auf dem Wege gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst.

Redest: Das ist: Du sollst sie deinen Kindern immerdar wiederholen und fleißig einbilden. (Denn es steht frommen Eltern zu, dass sie ihre Kinder mit Fleiß in der waren Gottseligkeit auferziehen {Eph 6}.)

20. Und schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und an deine Tore,

Pfosten (Das ist: Ihr sollt hin und wieder, ein jeder an seinem Hause und dann auch auf den gemeinen Plätzen, als an den Toren der Stadt, da jedermann aus- und eingeht, etliche vornehme Sprüche der Heiligen Schrift verzeichnen und malen lassen, dabei ihr euch erinnert, dass ihr die Gebote Gottes halten sollt.)

21. dass du und deine Kinder lange lebst auf dem Lande, das der Herr deinen Vätern geschworen hat, ihnen zu geben, solange die Tage vom Himmel auf Erden dauern.

Solange: Das ist: Solange die Welt steht. Und zwar wenn das israelitische Volk mit seiner Undankbarkeit Gott nicht erzürnt hätte, so wäre es vor dem Jüngsten Tage aus dem Lande Kanaan nicht vertrieben worden und hätte auch lange gelebt. (Denn es ist keine bessere Arznei wider den unzeitigen Tod, als dass man die Gebote Gottes halte.)

22. Denn wo ihr diese Gebote alle werdet halten, die ich euch gebiete, dass ihr danach tut, dass ihr den Herrn, euren Gott, liebt und wandelt in allen seinen Wegen und ihm anhängt,

Wegen: Das ist: Wenn ihr nach allen seinen Geboten eurer Leben anrichten werdet.

Anhängt: Nämlich Ihm allein, dass ihr keinen fremden Göttern nachfolgt.

23. so wird der Herr alle diese Völker vor euch her vertreiben, dass ihr größere und stärkere Völker einnehmt, denn ihr seid.

Vertreiben: Dass sie euch im Lande Kanaan keine Unruhe mehr machen werden.

Größer: An der Anzahl und Stärke des Leibes mächtiger.

24. Alle Orte, darauf eure Fußsohle tritt, sollen eurer sein; von der Wüste an und von dem Berge Libanon und von dem Wasser Phrath bis ans äußerste Meer soll eure Grenze sein {Jos 1v3 14v9}.

Eurer sein: Das ist: Es soll kein Land, welches ihr einzunehmen euch unterstehen werdet, sich eures Jochs entledigen können.

Wüste: Die gegen Ägypten liegt.

Libanon: Welcher auf der anderen Seite des Landes Kanaan Grenze ist.

Phrath: Welchen Fluss man heutigentags Euphraten nennt.

Meer: Welches das große oder auch Mittelländische Meer genannt wird, und dem Lande Kanaan gegen Niedergang ist.

Grenze: Welche vier Grenzen ein großes und fruchtbares Land in sich begreifen.

25. Niemand wird euch widerstehen mögen. Eure Furcht und Schrecken wird der Herr über alle Lande kommen lassen, darin ihr reist, wie er euch geredet hat.

Widerstehen: Wenn sie sich gleich gerne wollten wider euch auflehnen, so werdet ihr doch die Oberhand behalten.

Alle Lande: Das ist: Wo ihr hinzieht, da wird Gott verschaffen, dass ihr jedermann ein Furcht und Schrecken einjagen werdet, dass sie sich nicht werden wider euch setzen dürfen.

26. Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch:

Segen: Dass ihr erwählen mögt, welches ihr wolltet. (Denn so jemand den Geboten Gottes vollkommenen Gehorsam leistete, der erlangte in der Wahrheit nicht allein durch solche seine Verdienste den zeitlichen Segen, sondern auch die ewige Wohlfahrt. Und ist das Gesetz Gottes ganz nicht Ursache daran, dass wir solchen Segen mit unseren Werken nicht zuwege bringen, welches an ihm selber gut ist, und nicht unmögliche Sachen für sich selbst fordert, sondern die von wegen unserer verdorbenen Natur uns unmöglich sind, zu erfüllen, darum müssen wir uns durch den Glauben an Christus halten, der am Kreuz den Fluch von uns genommen und den ewigen Segen erworben hat. Was aber die Verheißungen vom zeitlichen Segen und Glück belangt, so werden dieselben den Gläubigen auch stets und festgehalten, wenn sie aus Glauben den Geboten Gottes Gehorsam leisten, so viel in dieser Schwachheit des Fleisches geschehen kann. Denn die wahre Gottseligkeit hat Verheißungen dieses und des zukünftigen Lebens, wie Paulus bezeugt, welches doch nicht allerdings ohne Kreuz und Trübsal in dieser Welt abgeht, denn wir müssen auch des Leidens Christi teilhaftig werden und etwas davon versuchen.)

27. den Segen, so ihr gehorcht den Geboten des Herrn, eures Gottes, die ich euch heute gebiete {5Mos 28v1};

28. den Fluch aber, so ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des Herrn, eures Gottes, und abtretet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, dass ihr anderen Göttern nachwandelt, die ihr nicht kennt.

29. Wenn dich der Herr, dein Gott, in das Land bringt, da du einkommst, dass du es einnimmst, so sollst du den Segen sprechen lassen auf dem Berge Grisim und den Fluch auf dem Berge Ebal {5Mos 27v12 v13 Jos 8v34},

Sprechen: Denn es war von Gott also geordnet, dass sechs Stämme der Israeliten auf dem Berge Grisim den Segen aussprechen sollten, über die, so das Gesetze Gottes halten würden: Und die übrige sechs Stämme auf dem Berge Ebal stünden, und den Fluch verkündigten denen, die das Gesetze Gottes übertreten, damit also das ganze Volk mit der öffentlichen Ausrufung angereizt und aufgemuntert würde, die Gebote Gottes zu halten. Von welcher Zeremonie später Kapitel 27. weiter folgen wird. Und ist diesem Befehl nachgesetzt worden {Jos 8} auf vorgemeldeten beiden Bergen.

30. welche sind jenseits des Jordans, der Straße nach gegen der Sonnen Niedergang, im Lande der Kanaaniter, die auf dem Blachfelde wohnen gegen Gilgal über, bei dem Hain More.

31. Denn du wirst über den Jordan gehen, dass du einkommst, das Land einzunehmen, das euch der Herr, euer Gott, gegeben hat, dass ihr es einnehmt und darin wohnt.

32. So haltet nun, dass ihr tut nach allen Geboten und Rechten, die ich euch heute vorlege.

Vorlege: (Denn es soll ihm keiner ein gutes Leben einbilden, wenn er die Gebote Gottes verachtet.)


Das 12. Kapitel


1. Mose dringt noch auf die Haltung des ersten Gebots, und ermahne die Kinder Israel, dass sie die abgöttischen Orte im Lande Kanaan zerstören sollen, v. 1. 2. Verbietet auch, dass sie an keinem anderen Ort, als den der Herr ihnen zeigen wird, ihren Gottesdienst verrichten sollen, v. 4. 3. Lässt ihnen doch zu, dass sie daheim Fleisch essen mögen, aber ohne das Blut: Und dass sie die Erstlinge zu der heiligen Stätte bringen sollen, v. 15. 4. Endlich ermahne er sie, dass, wenn sie ins Land Kanaan kommen, sie nicht der Gottlosen Kanaaniter falsche Gottesdienste ihnen ablernen und nachtun sollen, v. 29.

1. Das sind die Gebote und Rechte, die ihr halten sollt, dass ihr danach tut im Lande, das der Herr, deiner Väter Gott, dir gegeben hat einzunehmen, solange ihr auf Erden lebt.

Sind: Mose fährt weiter fort, auf das erste Gebote zu dringen, dass man dasselbe halten soll.

Solange: (Denn man soll die ganze Zeit über, solange man lebt, die Gebote Gottes halten.)

2. Verstört alle Orte, da die Heiden, die ihr einnehmen werdet, ihren Göttern gedient haben, es sei auf hohen Bergen, auf Hügeln oder unter grünen Bäumen {5Mos 7v5 2Chr 7v12},

Einnehmen: Die ihr überwinden und euch unterwerfen werdet.

Bergen: Das ist: Wo irgend ein hoher Berg oder lustiger Ort gewesen, da haben die Heiden Altäre aufgerichtet und einen Gottesdienst darin ihres Gefallens gestiftet, solche Orte, die also mit Abgötterei verunreinigt sind, sollt ihr verwüsten und zerstören.

3. und reißt um ihre Altäre und zerbrechet ihre Säulen und verbrennt mit Feuer ihre Haine; und die Götzen ihrer Götter tut ab und vertilgt ihren Namen aus demselben Ort.

Säulen: Darauf sie ihre Abgötter gestellt und dieselben angebetet haben.

Haine: Ihre Lustwälder, die sie zur Abgötterei gepflanzt und angerichtet haben.

Vertilgt: Also dass ihr auch die geringsten Zeichen einer Abgötterei nicht da lasst bleiben, und der Abgötter Namen in künftigen Zeiten nicht mehr gedacht werde. (Denn Gott ist der Abgötterei so feind, dass er auch vorzeiten die Orte hat heißen wüst und öde machen, die damit verunreinigt wurden. Doch haben die Christen aus christlicher Freiheit gute Macht, die päpstliche Kirche, darin nicht weniger der falsche Gottesdienst oder auch Heiligendienst getrieben wurde, zum rechten Gottesdienst zu verwenden, dass man das Wort Gottes rein und lauter in denselben predigen kann, wenn man das Gebäude gleich stehen lässt und nicht bis auf den Boden niederreißt, sofern nur die Abgötterei und Götzendienste aus Geheiß und Befehl der weltlichen Obrigkeit ausgemustert sind und an derselben statt der rechte Gottesdienst angerichtet und die reine Lehre des Evangeliums eingeführt ist worden. Wie es auch der Obrigkeit zusteht, die Bilder aus dem Wege zu räumen, mit denen man Abgötterei treibt, dass man sie an Gottes statt anbetet.)

4. Ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, nicht also tun,

Nicht also: Nämlich wie die Heiden vor euch getan haben, dass ihr nach eurer Lust und Wohlgefallen an einem jeden Ort, wo es euch gut bedünkt, einen neuen Gottesdienst wolltet anrichten.

5. sondern an dem Ort, den der Herr, euer Gott, erwählen wird aus allen euren Stämmen, dass er seinen Namen dort lässt wohnen, sollt ihr forschen und dahin kommen {2Mos 20v24 2Chr 7v12}

Erwählen: Den Ort sollt ihr suchen und da zusammen kommen, welchen Gott selber zum öffentlichen Gottesdienst bestimmen und verordnen wird, da er durch das Predigtamt euch seinen Willen wird offenbaren, und darin wollen angerufen und mit den Opfern verehrt werden.

Wohnen: Denn da hat Gott seine Wohnung, da er mit den Menschen durch das Predigtamt seines Wortes handeln lässt.

6. und eure Brandopfer, und eure anderen Opfer und eure Zehnten und eurer Hände Hebe und eure Gelübde und eure freiwilligen Opfer und die Erstgeburt eurer Rinder und Schafe dahin bringen.

Hebe: Das ist: Eure Opfer und andere Gaben, welche nach Gewohnheit in die Höhe gehoben werden, davon im dritten Buch etliche Mal gesagt wurde.

Erstgeburt: Welche den Priestern zur Erhaltung des Gottesdienstes gegeben wurden.

7. Und sollst dort vor dem Herrn, eurem Gott, essen und fröhlich sein über allem, dass ihr und euer Haus bringt, darin dich der Herr, dein Gott, gesegnet hat.

Essen: Nämlich von dem, was von den Opfern übergeblieben ist. Denn es zugelassen war, dass etliche Stücke der Opfer auch denen zu essen freistanden, die nicht Leviten oder Priester waren, und hielt man nach geendeten Opfern ehrliche Mahlzeiten oder Gastmahle.

Fröhlich sein: Das ist: Ihr sollt auch eine ehrliche Freude und Ergötzlichkeit haben von euren Gaben, die ihr Gott zum Opfer gebracht habt. (Welches Gott nicht zuwider ist.)

Haus: Das ist: Euer Personal oder Hausgenossen.

8. Ihr sollt der keins tun, das wir heute hier tun, ein jeglicher, was ihn recht erscheint.

Tun: Nämlich im Lande Kanaan, wenn ihr hineinkommt. Denn weil wir noch jetziger Zeit in der Wüste sind und herumziehen, so übersieht uns Gott etwas, ob wir gleich nicht alles recht und ordentlich verrichten, wie wir wohltun sollten, weil wir noch keinen ruhigen Sitz und Wohnung haben, da man die Polizei recht anrichten und dem Kirchenamt gebührlich aufwarten könnte. Aber wenn ihr das verheißene Land eingenommen habt und es mit Frieden besitzt, da will vonnöten sein, dass ihr alles, beide im geistlichen und weltlichen Regiment, Schnur recht nach dem Befehl und Geboten Gottes anfängt und verrichtet.

9. Denn ihr seid bisher noch nicht zur Ruhe kommen noch zu dem Erbteil, dass dir der Herr, dein Gott, geben wird.

10. Ihr werdet aber über den Jordan gehen und im Lande wohnen, das euch der Herr, euer Gott, wird zum Erbe austeilen, und wird euch Ruhe geben von allen euren Feinden um euch her, und werdet sicher wohnen.

Gehen: Nach meinem Tode.

Wohnen: Da mögt ihr in der Religion und Polizei alle Sachen ordentlich anstellen, wenn euch Gott Friede und Ruhe vor euren Feinden geben wird.

11. Wenn nun der Herr, dein Gott, einen Ort erwählt, dass sein Name darin wohne, sollt ihr da hinbringen alles, was ich euch gebiete: eure Brandopfer, eure anderen Opfer, eure Zehnten, eurer Hände Hebe und alle eure freien Gelübde, die ihr dem Herrn geloben werdet.

Erwählt: Welchen er dir zeigen wird.

Name: Das ist: Da er den Gottesdienst will verrichtet haben.

12. Und sollt fröhlich sein vor dem Herrn, eurem Gott, ihr und eure Söhne und eure Töchter und eure Knechte und eure Mägde und die Leviten, die in euren Toren sind; denn sie haben kein Teil noch Erbe mit euch {4Mos 18v29 5Mos 10v9 18v1}.

Söhne: (Denn man soll die Kinder und das Personal zum Gottesdienst anweisen und gewöhnen und ihnen danach eine ehrliche Freude und Ergötzlichkeit gönnen.)

Kein Teil: Das ist: Die Leviten sollen auch von euren Opfern erhalten und damit ergötzt werden, weil ihnen kein Land durch das Los zum Erbteil heimfallen wird, wie den anderen israelitischen Stämmen, sondern sie werden von den Opfern ihren Aufenthalt und Nahrung bekommen müssen, darum so seht zu, dass ihr die Leviten mit euch sich erlaben lasst. (Denn man soll die Kirchendiener mit notdürftiger Unterhaltung versorgen, weil sie sonst nichts Eigenes haben, davon sie sich ernähren könnten.)

13. Hüte dich, dass du nicht deine Brandopfer opferst an allen Orten, die du siehst,

Siehst: Das ist: Die dir in deinem Sinn wohl gefallen. (Es hat aber Gott das israelitische Volk mit ihrem Gottesdienst an einen gewissen Ort verbinden wollen und zu einem einigen Tempel beweisen, (welcher Tempel auch ein Vorbild Christi war, in dem die ganze Völle der Gottheit leibhaftig wohnt {Joh 2 Kol 2}.) Damit nicht das Volk, wenn es mancherlei Tempel oder Kirche suchte, auch auf mancherlei Religion und Glauben geriete: Und denn, dass damit bedeutet würde, wie außer Christo keine Vergebung der Sünden sei und dass Gott ohne den Glauben an Christus, sonst kein anderer Gottesdienst gefalle, wie herrlich und scheinbar er auch immer mehr sein möge.

14. sondern an dem Ort, den der Herr erwählt in irgendeinem deiner Stämme, da sollst du dein Brandopfer opfern und tun alles, was ich dir gebiete.

15. Doch magst du schlachten und Fleisch essen in allen deinen Toren nach aller Lust deiner Seele, nach dem Segen des Herrn, deines Gottes, den er dir gegeben hat; beide, der Reine und der Unreine mögen es essen, wie ein Reh oder Hirsch.

Doch magst du: Das ist: Wenn dich etwa unterdes gelüstet, Fleisch zu essen, eher du zu dem Ort ziehst, da die Stiftshütte sein wird, so ist dir zugelassen und frei gestellt, dass du daheim und in deiner Behausung allerlei reine Tiere magst schlachten und nach deinem Wohlgefallen essen, bis du satt wirst, was Gott durch seinen milden Segen dir beschert hat, an welchem Ort du wohnst. Und kannst zwar alsdann mit dir essen lassen, wen du willst, auch die nach den levitischen Gesetzen für unrein geschätzt werden: Da sonst von dem geopferten Fleisch nur die nach dem Gesetz reine Personen essen dürften. Du sollst aber solches Fleisch nicht als ein geopfertes Fleisch essen, sondern, als ob du einen Hirsch oder Reh essest, deren Fleisch zwar auch rein geachtet wird, aber zu Opfern nicht tauglich ist: Und sollst wissen, dass ein großer Unterschied sei zwischen dem heiligen Fleisch, das von den Opfern überbleiben ist, und an einer heiligen Stätte soll gegessen werden, und zwischen dem Fleisch, das du daheim zu deinem eigenen und besonderen Nutzen schlachtest. (Das Fleisch aber, so vom Opfer gegessen wurde, bedeutet Christus, der am Kreuz ein Opfer wurde und im Nachtmahl unsere Speise ist. Darum muss man sein Fleisch im Heiligen Nachtmahl unterscheiden und absondern von aller anderen gemeinen Speise, damit nicht, wenn wir den Leib des Herrn nicht unterscheiden, wir schuldig werden an dem Leib und Blut des Herrn {1Kor 11}.)

16. Ohne das Blut sollst du nicht essen, sondern auf die Erde gießen, wie Wasser {1Mos 9v4 3Mos 3v17 7v26 19v26}.

Ohne das Blut: (Durch diese äußerliche Zuchtlehre hat Gott die Juden, welche ohne das ein halsstarriges Volk waren, von der Grausamkeit abhalten wollen, dass aber {Apg 15} auch den Christen das Blut zu essen verboten wurde, ist solches nur auf eine gewisse Zeit angesehen gewesen, damit man den Juden, so sich zu Christo bekehrt hatten und aber doch schwach im Glauben waren, etwas nachgebe, auf dass sie sich nicht ärgerten, wenn sie die Heiden sehen Blut essen, daran sie einen Abscheu und Ekel hatten.)

17. Du magst aber nicht essen in deinen Toren vom Zehnten deines Getreides, deines Mosts, deines Öls, noch von der Erstgeburt deiner Rinder, deiner Schafe oder von irgend einem deiner Gelübde, die du gelobt hast, oder von deinem freiwilligen Opfer, oder von deiner Hand Hebe;

Toren: Noch irgend an einem anderen Ort, außerhalb da die Hütte des Stifts ist, da man es musste den Leviten zuvor überantworten, die den gebührenden Teil davon zum Opfer dem Herrn gebrauchten und verbrannten, von dem übrigen aber durften sie, die das Opfer gebracht, am selben Ort, da das Opfer geschehen und verrichtet war, samt den Leviten essen, also, dass sie der Leviten Gäste gewesen sind, wie aus dem 26. Kapitel dieses Buches zu vernehmen: Aber daheim war ihnen dergleichen zu essen nicht erlaubt.

18. sondern vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du solches essen an dem Ort, den der Herr, dein Gott, erwählt, du und deine Söhne, deine Töchter, deine Knechte, deine Mägde und der {3Mos}, der in deinem Tor ist; und sollst fröhlich sein vor dem Herrn, deinem Gott, über allem, das du bringst.

Mägde: Das ist: Dein ganzes Personal, so viel du dessen am selben Ort bei dir hast und mit dir führst, da du dein Opfer verrichtest.

Deinem Tor: Denn wenn die Leviten nicht dürften bei der Stiftshütte dienen und aufwarten, nach ihrer Ordnung, so hatten sie ihre Wohnungen hin und wieder in der Israeliten Vorstädte.

19. Und hüte dich, dass du den Leviten nicht verlässt, solange du auf Erden lebst.

Nicht verlässt: Dass du den Leviten nicht treulich geben und geben wolltest, was ihnen Gott verordnet hat, zu ihrem gebührenden Anteil von den Opfern. (Denn es ist richtig, dass die, welche dem Predigtamt vorstehen, auch davon ihre Unterhaltung haben {1Kor 9}.)

20. Wenn aber der Herr, dein Gott, deine Grenze erweitern wird, wie er dir geredet hat, und sprichst: Ich will Fleisch essen, weil deine Seele Fleisch zu essen gelüstet, so iss Fleisch nach aller Lust deiner Seele {1Mos 28v14 5Mos 19v8}.

Wenn aber: Mose wiederholt eben dasselbe wiederum, was er allererst gesagt, dass nämlich einer insbesondere und für sich selbst vom ungeheiligten, aber doch reinem Fleisch daheim oder wo er wolle und so oft es ihm geliebt essen möge. Aber von dem, was zum Opfer bestimmt und geordnet ist, soll er nicht essen, ohne allein an den Ort, welchen Gott zu den Opfern erwählt hat. Und ist diese Wiederholung bei dem halsstarrigen Volk sehr hoch vonnöten gewesen.

Erweitern wird: Dass du ein großes weites und breites Land in Besitzung hast.

Geredet hat: Dass er deine Grenzen erweitern wolle.

21. Ist aber die Stätte ferne von dir, die der Herr, dein Gott, erwählt hat, dass er seinen Namen dort wohnen lasse, so schlachte von deinen Rindern oder Schafen, die dir der Herr gegeben hat, wie ich dir geboten habe, und iss es in deinen Toren nach aller Lust deiner Seele.

Von dir: d. i. Von deiner Behausung, da du wohnst.

Wohnen lasse: Da er sich, als in seiner Wohnung, oder Behausung, will finden lassen und wenn man seinen Namen dort anrufen wird, erhören will.

Gegeben hat: (Denn wir sollen mit dankbarem Herzen erkennen, dass alles, was wir haben, uns von Gott gegeben sei.)

Toren: Das ist: In deiner Stadt, darin du wohnst, und in deinem Hause.

22. Wie man ein Reh oder Hirsch isst, magst du es essen; beide, der Reine und der Unreine mögen es zugleich essen.

Essen: Nur allein, dass es nicht Fleisch oder Früchte sind, die man zum Heiligtum zum Opfer bringen soll.

23. Allein merke, dass du das Blut nicht essest; denn das Blut ist die Seele, darum sollst du die Seele nicht mit dem Fleisch essen {3Mos 7v26 17v11 5Mos 15v23},

Die Seele: Das ist: In den unvernünftigen Tieren hat die Seele gleichsam ihren Aufenthalt im Blut, also, dass die Tiere im Blut das Leben haben, daher es das Aussehen gewinnt, dass, wer der Tiere Blut isst, zugleich ihr Leben nicht ohne Grausamkeit in sich schlucke und verzehre.

Essen: Nicht zwar dass die Seele oder das Leben eines Tiers könnte gegessen werden, sondern dass es ein Aussehen einer solchen Grausamkeit hat, wenn jemand das Fleisch in sich frisst, welches vom Blut noch nicht allerdings gesäubert und gereinigt ist.

24. sondern sollst es auf die Erde gießen, wie Wasser.

25. Und sollst es darum nicht essen, dass dir es wohl gehe und deinen Kindern nach dir, dass du getan hast, was Recht ist vor dem Herrn.

Wohl gehe: Die Enthaltung vom Blutessen ist an ihm selber keines Glücks oder Unglücks Ursache, sondern weil Gott dem jüdischen Volk solches zu essen verboten, so hatten die Gehorsamen Belohnung: die Ungehorsamen aber ihre Strafe zu erwarten.

26. Aber wenn du etwas heiligen willst von dem Deinen, oder geloben, so sollst du es aufladen und bringen an den Ort, den der Herr erwählt hat,

Heiligen: Das ist: Zum Gottesdienst verordnen und aussondern will.

Aufladen: Weil du es nicht daheim allein essen darfst.

27. und dein Brandopfer mit Fleisch und Blut tun auf den Altar des Herrn, deines Gottes. Das Blut deines Opfers sollst du gießen auf den Altar des Herrn, deines Gottes, und das Fleisch essen.

Fleisch: Dass etwas davon verbrannt werde.

Blut: Dass es auf den Altar gesprengt werde.

Gießen: Nämlich durch die Priester gießen lassen.

Essen: Was nämlich überbleibt und nicht ist verbrannt worden. Denn es bleibt von etlichen Opfern ein Teil über, welches dem wieder zugestellt wurde, der das Opfer gebracht hatte, dass er eine ehrliche Mahlzeit und Wohlleben damit anrichtete, dazu er später die Leviten und sonst seine guten Freunde zu Gaste lud.

28. Siehe zu und höre alle diese Worte, die ich dir gebiete, auf dass dir es wohl gehe und deinen Kindern nach dir ewig, dass du getan hast, was recht und gefällig ist vor dem Herrn, deinem Gott.

Gebiete: Sowohl von den Opfern als anderen Sachen, die ich dir bisher vorgehalten habe.

Wohl gehe: Denn die Gottseligkeit hat Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.

Vor dem: Denn wir wandeln und leben immer vor den Augen Gottes und sind ihm unsere guten oder bösen Werke nicht verborgen.

29. Wenn der Herr, dein Gott, vor dir her die Heiden ausrottet, dass du hinkommst, sie einzunehmen, und sie eingenommen hast und in ihrem Lande wohnst,

Wenn: Folgt eine andere Ermahnung.

Ausrottet: Dass sie zum Teil erschlagen, zum Teil aus dem Lande vertrieben, zum Teil auch unters Joch gebracht sind und dir Platz geben müssen, in ihre Lande zu wohnen.

30. so hüte dich, dass du nicht in den Strick fällst ihnen nach, nachdem sie vertilgt sind vor dir, und nicht fragst nach ihren Göttern und sprichst: Wie diese Völker haben ihren Göttern gedient, also will ich auch tun {5Mos 18v9 Jos 23v7 Ps 106v34 v35}.

Strick fällst: Dass du nicht in ihr gottloses Leben dich einmengst und verwickelst.

Göttern: Dass du sie begehrst anzubeten und zu verehren.

31. Du sollst nicht also an dem Herrn, deinem Gott, tun; denn sie haben ihren Göttern getan alles, was dem Herrn ein Gräuel ist, und das er hasst; denn sie haben auch ihre Söhne und Töchter mit Feuer verbrannt ihren Göttern.

An dem Herrn: Das ist: Wenn du dem wahren Gott dienen willst, so soll ihn nicht auf die Weise verehren, wie die Heiden getan haben, sonst wirst du eine gräuliche Abgötterei begehen. (Denn wenn man dem wahren Gott anders dienen will, als er befohlen hat, so begeht man eine Abgötterei.)

Denn sie: Nämlich die Heiden, welche aus dem Lande Kanaan sollen vertrieben werden.

Verbrannt: Und ihren Göttern aufgeopfert, welche unmenschliche Abgötterei ohne Zweifel daher entsprungen, dass sie des Abrahams Beispiel und Gehorsam in Aufopferung seines Sohnes Isaac haben wollen nachfolgen, da sie doch deshalb keinen Befehl hatten.

32. Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten, dass ihr danach tut. Ihr sollt nichts dazu tun noch davon tun {5Mos 4v2 Spr 30v6}.

Dazu tun: Das ist: Du sollst nichts aus deinem Kopf zum Gottesdienst einsetzen, welches der Herr nicht befohlen hat, noch etwas zu verrichten dich unterstehen, das Gott verboten hat. (Denn es soll ein frommer Christ keinen Gottesdienst aus eigenem Vernunftsdenken anrichten, noch von dem vorgeschriebenen Worte Gottes abweichen, sonst wird der rechte Gottesdienst gefälscht. Und kann wider die selberwählten Gottesdienste nichts deutlicher vorgebracht werden, als wie Mose an diesem Ort von der Sache redet.)


Das 13. Kapitel


1. Mose warnt die Kinder Israel, dass ihrer keiner, weder von den falschen Propheten, noch von seinen Verwandten, Weib, Kindern, oder guten Freunden, sich von der rechten Religion abführen lasse, v. 1. 2. Und heißt, dass man solche Verführer umbringen soll, v. 5. 3. Wie er auch befiehlt, dass man eine ganze Stadt, die von der reinen Religion abfällt, mit allem was darin ist, in Grund vertilgen soll, v. 12.

1. Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch wird aufstehen und gibt dir ein Zeichen oder Wunder,

Wenn ein: Mose bleibt noch alles in dem, dass das Volk das erste Gebot nicht übertreten soll und sich nicht mit Abgötterei verunreinigen. Darum tut er jetzt eine Ermahnung, dass sie sich von keinem falschen Propheten oder irgendjemand sollen verführen lassen, Abgötterei zu treiben.

Träumer: Denn es pflegten etliche Propheten auch durch Gesichte im Traum von dem Willen Gottes Bericht empfangen.

Zeichen: Welches künftig geschehen werde zur Bestätigung seiner Lehre und seines Berufes.

2. und das Zeichen oder Wunder kommt, davon er dir gesagt hat, und spricht: Lass uns anderen Göttern folgen, die ihr nicht kennt, und ihnen dienen:

Anderen: (Nach Luther) Dieser Prophet lehrt wider die alte und bestätigte Lehre, und will (wie er sagt andere Götter) die erste nicht lassen bleiben. Welchem man nicht soll glauben, wenn er gleich Zeichen tat. Aber im 18. Kapitel v. 22. wird der Prophet verdammt, der nicht wider die erste, sondern neue Lehre vorgibt, der soll Zeichen tun oder nicht gehört werden.

Folgen: Das ist: Wenn er dich heißen wird, entweder an einen anderen Gott glauben, als an den, welchen du bis daher recht erkannt hast: Oder heißt dich, dass du denselben wahren Gott auf eine andere Weise verehren sollst, als du bisher getan, und aus dem Worte Gottes recht gelernt hast.

3. so sollst du nicht gehorchen den Worten solches Propheten oder Träumers; denn der Herr, euer Gott, versucht euch, dass er erfahre, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieb habt.

Nicht gehorchen: Und dich durch das Zeichen oder Wunder nicht bewegen lassen, welches er zuvor verkündigt hat und geschehen ist, dass du ihm darum Beifall geben und seinen Worten glauben wolltest.

Versucht: Das ist: Gott lässt dem Teufel zu, dass er einen Gottlosen verkehrten Menschen entweder durch einen Traum oder auf andere Weise betört und überredet, dass er sich für einen Propheten rühmt und ausgibt. Und verkündigt aus Eingebung des Teufels ein Zeichen oder Wunder, welches der Teufel, aus Verhängnis Gottes, später ins Werk richtet, darauf sich denn der falsche Prophet verlässt und begehrt, die Leute zur Abgötterei zu bereden und abzuführen, wie er denn auch ihrer etliche an sich zieht, dass sie ihm beifallen. Solchem Propheten (sagt Gott durch Mose), der dich von der einmal bestätigten rechten Lehre abführen will und auf eine neue, die der vorigen zuwider ist, weisen, dem soll nicht folgen. Denn Gott lässt dergleichen geschehen, damit in der rechten Kirche bekannt werde, welche rechtschaffene fromme und beständige Diener Gottes sind, die an der reinen Lehre festhalten, und im wahren Erkenntnis Gottes und ungefärbtem Glauben steif verharren. Es redet aber dieser Text hier von denen Propheten, die eine neue und falsche Religion einführen wollen, so der vorigen rechten Lehre zuwider ist, denen soll man nicht glauben noch Beifall geben, wenn sie gleich Wunderzeichen tun. Später aber Kapitel 18. wird von denen Propheten gesagt, die keine verkehrte Lehre vorbringen, denen soll man glauben, wenn ihre Weissagungen erfüllt werden. (Und kann man aus dem ersten Teil dieses Kapitel recht schließen, das die päpstliche Geschichte, Träume und andere Wunderzeichen, damit man das Messopfer samt der Heiligen Anrufung und anderen abergläubischen Gottesdiensten, die der Lehre des Alten und Neuen Testaments widerstreben, hat bestätigen wollen, lauter Betrügereien und Blendungen des Satans gewesen sind, denen die Leute nicht hätten glauben sollen, wenn es ihnen mit der Religion ein Ernst gewesen wäre, wie man auch noch heutigentags nichts darauf halten soll.)

4. Denn ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, folgen und ihn fürchten und seine Gebote halten und seiner Stimme gehorchen und ihm dienen und ihm anhangen.

Folgen: Dass ihr ihm allein dient, und zwar keiner anderen Gestalt, denn wie er es geboten hat.

Fürchten: Wie ein Sohn seinen Vater.

Anhangen: Also dass ihr euch von ihm und seinem rechten Gottesdienst durch niemands wendig machen lasst.

5. Der Prophet aber oder der Träumer soll sterben, darum dass er euch von dem Herrn, eurem Gott, der euch aus Ägyptenland geführt und dich von dem Diensthause erlöst hat, abzufallen gelehrt und dich aus dem Wege verführt hat; denn der Herr, dein Gott, geboten hat, darin zu wandeln, auf dass du den Bösen von dir tust.

Sterben: Und das nicht unrichtig, denn ob es wohl geschehen kann, dass jemand meint, er werde durch einen göttlichen Traum erinnert, da es doch nichts denn lauter Teufels Betrug ist, und er selbst also auch in seiner Meinung selbst betrogen wird: So hat er doch nichtsdestoweniger den Tod verschuldet, sintemal sich selber hätte besser sollen vorsehen und seinen Traum nach Anleitung des Wortes Gottes wohl betrachten, damit er nicht andere mit sich ins Verderben stürzte, welches zu verhüten man ihn ab dem Brot tun soll.

Diensthause: Das ist: Von der schweren Dienstbarkeit, damit ihr in Ägypten seid belegt worden.

Von dir tust: Denn ein solcher Mensch ist nicht wert, dass er leben soll, als der euch von Gott hat heißen abfallen, welches die allergräulichste Sünde ist. (Es ist aber dies Gebot von Erwürgung der falschen Propheten allein die mosaische Polizei angegangen, denn im Neuen Testament findet man nicht, dass etwas davon geboten wäre, und heißen Christus und die Apostel die falschen Lehrer nicht umbringen, sondern mit dem Worte Gottes widerlegen und die hartnäckigen Verstockten meiden {Tit 3}.)

6. Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn, oder deine Tochter, oder das Weib in deinen Armen, oder dein Freund, der dir ist wie dein Herz, überreden würde heimlich und sagen: Lass uns gehen und anderen Göttern dienen, die du nicht kennst, noch deine Väter,

Mutter Sohn: Als wollte er sagen: wenn es gleich dein leiblicher Bruder wäre, der dich verführen wollte.

Armen: Die du herzlich liebst.

Dein: Den du so sehr liebst als dich selbst.

Heimlich: Das ist: Wenn er gleich nicht öffentlich auftritt und seine falsche Lehre ohne Scheu predigt, sondern heimlich herumschleicht und begehrt, dich und die Deinen zu verführen.

Nicht kennst: Das ist: Die weder dir noch deinen Vätern, den heiligen Patriarchen, sind kundgetan worden, sie haben gleich Namen wie sie wollen.

7. die unter den Völkern um euch her sind, sie sind dir nahe oder ferne, von einem Ende der Erde bis an das andere:

Ende: Das ist: Was es auch für ein Volk sei, dessen Abgötter dir jemand einschwätzen will.

8. so bewillige nicht und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge seiner nicht schonen, und sollst dich seiner nicht erbarmen noch ihn verbergen,

Bewillige nicht: Ob er dir gleich lieb ist.

Erbarmen: (Nach Luther) Das heißt Gott über alles lieben.

9. sondern sollst ihn erwürgen. Deine Hand soll die erste über ihm sein, dass man ihn töte, und danach die Hand des ganzen Volkes {5Mos 17v5 18v20}.

Erwürgen: Nämlich also, dass er mit zwei Zeugen zum wenigsten zuvor überwiesen werde, wie denn solches später Kapitel 19. ausdrücklich geboten wird. Und dürfte keiner eigenes Gefallens einen umbringen, sondern wenn er zuvor öffentlich vor Gericht gestanden und von der ganzen Gemeinde zum Tode war verurteilt worden, so musste der, so ihn angeben, zuerst Hand an ihn legen, wie aus dem folgenden genügend zu lesen ist.

Erste: Denn es mussten die Zeugen den Anfang machen, wenn einer soll gesteinigt werden, dass sie auf ihn würfen.

10. man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich wollen verführen von dem Herrn, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland von dem Diensthause geführt hat,

Deinem: Dass du ihm nicht allein dienst.

11. auf dass ganz Israel höre und fürchte sich, und nicht mehr solche Übel vornehme unter euch.

Höre: Wie man den zur Strafe gezogen, welcher gelehrt, dass man von Gott abfallen soll.

Fürchte: Das ist: Auf dass die anderen durch dies Beispiel der ernstlichen Strafe klug vor dergleichen Sünde der Abgötterei sich desto fleißiger hüten, und weder für sich selbst danach trachten, noch andere begehren dazu zu reizen. (Dieses Gesetz von Ertötung seines abgöttischen Freundes oder Verwandten gehört auch allein zu der mosaischen Polizei und nicht zum Christentum, allerdings wie das vorige von den falschen Lehrern. Doch soll ihm keiner jemand so lieb sein lassen, dass er ihm zu Gefallen sich mit Abgötterei beflecke, wo er anders nicht will der ewigen Verdammnis darüber gewärtig sein.)

12. Wenn du hörst von irgendeiner Stadt, die dir der Herr, dein Gott, gegeben hat, darin zu wohnen, dass man sagt:

Hörst: Wenn ein allgemeines Geschrei geht, dass man davon redet, und dir solches zu Gehör kommt.

13. Es sind etliche Kinder Belials ausgegangen unter dir und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Last uns gehen und anderen Göttern dienen, die ihr nicht kennt,

Belial: gottlose Leute, böse Buben und Teufels Kinder.

Unter: Von deinem Volk und Geschlechter.

14. so sollst du fleißig suchen, forschen und fragen. Und so sich findet die Wahrheit, dass gewiss also ist, dass der Gräuel unter euch geschehen ist,

Also ist: Das ist: Wenn sich es befindet, dass deiner Städte eine ist verführt worden und hat sich von der reinen Religion zur Abgötterei gegeben.

15. so sollst du die Bürger derselben Stadt schlagen mit des Schwertes Schärfe und sie verbannen mit allem, das darin ist, und ihr Vieh mit der Schärfe des Schwertes.

Vieh: d.1. Alles was lebt und Odem hat, es sind gleich Menschen oder Vieh, so sollst du solches alles erwürgen.

16. Und allen ihren Raub sollst du sammeln mitten auf die Gassen und mit Feuer verbrennen, beide Stadt und allen ihren Raub miteinander dem Herrn, deinem Gott, dass sie auf einem Haufen liege ewig und nie gebaut werde.

Raub: Das ist: Alle ihre Habe und Güter, die sonst als ein Raub zur Ausbeute anderen möchten zugutekommen, wie köstlich und stattlich sie auch sein mögen.

Verbrennen: Dass also durch solche abgöttische Stadt Strafe und Untergang die Ehre Gottes gerettet werde.

Haufen: Und sind ein Zeichen des göttlichen Zorns wider die Abgötterei. (Obwohl nun dies letzte Stück von Zerstörung der abgöttischen Stadt auch zu der mosaischen Polizei gehört und den Christen nichts davon befohlen ist, dass sie die abgöttischen Länder oder Orte und Städte mit äußerlicher Gewalt einnehmen und von wegen der begangenen Abgötterei aufs gräulichste mit den Einwohnern dort umgehen sollen: So zeigt doch dieser großer Ernst Gottes klar an, dass die Abgötterei das größte Laster sei unter allen, und dass keine größere Sünde könne begangen werden, als wenn die Leute von dem rechten Gottesdienst zur Abgötterei abfallen.)

17. Und lass nichts von dem Bann an deiner Hand hängen, auf dass der Herr von dem Grimm seines Zorns abgewendet werde und gebe dir Barmherzigkeit und erbarme sich deiner und mehre dich, wie er deinen Vätern geschworen hat,

Hängen: Das ist: Es soll dir vom Raub nichts zu köstlich sein, dass du dir solches wolltest belieben lassen und für dich aufbehalten, dadurch du dich verunreinigen würdest, sondern sollst es alles mit Feuer verbrennen.

Grimm: Da er sonst über das ganze Land möchte erzürnt werden und es durchaus verwüsten ließe, wo man die schreckliche Sünde der Abgötterei nicht mit gebührendem Ernst strafen wollte, darum soll man der göttlichen Rache vorkommen, dass sie nicht zu groß werde, und zuletzt kein Schonen mehr da sei.

Erbarme: Dass er sich deiner mit Gnaden annehme.

Geschworen: Dass er dich mehren und dir wohl tun, aber dich nicht vertilgen wolle.

18. darum dass du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorcht hast, zu halten alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, dass du tust, was Recht ist vor den Augen des Herrn, deines Gottes.


Das 14. Kapitel


1. Mose verbietet den Kindern Israel, dass sie ihren Leib nicht kahlscheren, noch ihnen selbst Mal stechen sollen, wie die Heiden im Brauch gehabt, v. 1. 2. Und erinnert sie abermals, dass sie sich von unreinen vierfüßigen Tieren, Fischen und Vögeln, enthalten sollen, v. 3. 3. Endlich gebietet er ihnen, dass sie ihre Zehnten zur Erhaltung des Gottesdienstes und der Armen, treulich reichen sollen, v. 28.

1. Ihr seid Kinder des Herrn, eures Gottes; ihr sollt euch nicht Male stechen noch kahl scheren über den Augen über einem Toten {3Mos 19v28 21v5}.

Kinder: Nämlich also, dass ihr aus Gnaden von Gott an Kindes statt aufgenommen seid, auf dass ihr um des Messias willen das himmlische Erbe erlangt, welches da ist das ewige Leben: Darum so hütet euch, dass ihr nichts tut, welches eurer Person nicht wohl anstehen und eurem Beruf nicht geziemen würde.

Toten: Das ist: Ihr sollt nicht nach Art der abergläubischen Heiden bei eurer Freunde oder Verwandten Leiche und Begräbnis mit Nägeln oder Messern eure Haut auf eurem Leibe ritzen, dass Blut später gehe: Wie ihr auch nicht sollt das Haar euch selber ausreißen oder abscheren, damit ihr eure Bekümmernis und Herzeleid über den Toten wolltet an Tag geben.

2. Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott, und der Herr hat dich erwählt, dass du sein Eigentum seist aus allen Völkern, die auf Erden sind {2Mos 19v5 5Mos 5v6 26v18}.

Heilig: Weil du vor Gott durch den Glauben an den zukünftigen Messias geheiligt bist.

Erwählt: Das ist: Er hat dich abgesondert von allen anderen Völkern und dazu auserwählt, dass er sich dir offenbare und dich selig mache, und dass du ihm wiederum gebührenden Gehorsam leistest indem, dass du heilig und unsträflich lebst. Darum soll dich den Schmerzen nicht so ganz überwinden lassen, dass du deinen Leib wolltest beleidigen und demselben eine Unehre antun, dass du ihn zerzerrst und die Haare ausraufst um eines Toten willen. (Also soll ein Christ bei der Seinigen Absterben auch nicht ganz zu traurig sein {1Thes 4}.

3. Du sollst keinen Gräuel essen.

Gräuel: d. i. Nichts Unreines. (Und hat Gott mit diesem Verbot nicht allein ein Arzt sein wollen seines Volkes, sondern auch und besonders sie mit dieser äußerlicher Zuchtlehre wollen erinnern, dass sie sich vor aller Unreinigkeit des Herzens, nämlich vor Sünden hüten und davon enthalten sollten. Denn was zum Munde eingeht, das verunreinigt an ihm selber des Menschen Gewissen nicht {Mt 15}. Jedoch haben die Juden diese äußerliche Zuchtlehre von der Enthaltung gewisser Speise nicht dürfen in Wind schlagen. Die aber auch im Neuen Testament auf den Unterschied der Speise noch dringen, wie im Papsttum geschieht, die führen und bringen verkehrter Weise den Schatten des Alten Testaments in der Kirche Christi und berauben dieselbe ihrer Freiheit.

4. Dies ist aber das Tier, das ihr essen sollt: Ochsen, Schafe, Ziegen {3Mos 11v2 v3},

5. Hirsch, Rehe, Büffel, Steinbock, Tendeln, Urochs und Elen

6. und alles Tier, das seine Klauen spaltet und wiederkäut, sollt ihr essen.

7. Das sollt ihr aber nicht essen, das wiederkäut und die Klauen nicht spaltet. Das Kamel, der Hase und Kaninchen, die da wiederkäuen und doch die Klauen nicht spalten, sollen euch unrein sein.

Euch unrein: Nämlich von euch Juden sollen sie für unrein geachtet werden, denn sie sind euch verboten, sonst sind an ihnen selbst alle Kreaturen Gottes gut {1Mos 1 1Tim 4}.

8. Das Schwein, ob es wohl die Klauen spaltet, so wiederkäut es doch nicht, soll euch unrein sein. Ihres Fleisches sollt ihr nicht essen und ihr Aas sollt ihr nicht anrühren.

Nicht anrühren.: Sonst werdet ihr euch verunreinigen und bis an den Abend für unrein geachtet werden.

9. Das ist, dass ihr essen sollt von allem, dass in Wassern ist: Alles, was Floßfedern und Schuppen hat, sollt ihr essen.

10. Was aber keine Floßfedern noch Schuppen hat, sollt ihr nicht essen; denn es ist euch unrein.

11. Alle reinen Vögel esst.

12. Das sind sie aber, die ihr nicht essen sollt: der Adler, der Habicht, der Fischaar;

13. der Taucher, der Weihe, der Geier mit seiner Art

14. und alle Raben mit ihrer Art,

15. der Strauß, die Nachteule, der Kuckuck, der Sperber mit seiner Art,

16. das Käuzlein, der Uhu, die Fledermaus,

17. die Rohrdommel, der Storch, der Schwan,

18. der Reiher, der Häher mit seiner Art, der Wiedehopf, die Schwalbe;

19. und alles Gevögel, das kriecht, soll euch unrein sein, und sollt es nicht essen.

Kriecht: Das ist: Welches zugleich Flügel und vier oder mehr Füße hat, also dass es nicht hüpft wie andere Vögel, sondern nur kriecht.

20. Das reine Gevögel sollt ihr essen.

21. Ihr sollt kein Aas essen; dem Fremdling in deinem Tor magst du es geben, dass er es esse, oder verkaufe es einem Fremden; denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Du sollst das Böcklein nicht kochen, weil es noch seine Mutter säugt {3Mos 7v24 11v11 2Mos 23v19 34v26}.

Aas: Das entweder von ihm selbst an einer Krankheit gestorben oder von wilden Tieren zerrissen wurde.

Fremdlingen: Der zwar bei dir wohnt, aber deine Religion noch nicht allerdings angenommen hat.

Esse: Sofern es ihm geliebt, denn er auch dazu ungezwungen sein soll.

Heiliges: Darum sollst du dich vor aller Unreinigkeit hüten, wie zu Anfang des Kapitels angezeigt wurde, wer mehr von den verbotenen Speisen zu lesen Lust hat, der findet es {3Mos 11}. (Und hat Gott neben anderen oben erzählten Ursachen, mit diesen und dergleichen Satzungen auch einen Unterschied machen und erhalten wollen zwischen dem jüdischen Volk und den anderen Heiden, auf dass dies Volk (daraus Christus sollte geboren werden) mit den anderen nicht vermengt würde, damit man wissen könnte, aus welchem Volk und Geschlechter man des Herrn Christi, als des einigen Heilands der ganzen Welt, gewärtig sein müsste.)

Säugt: Das ist: Du sollst das neulich geborene Böcklein, welches noch nicht entwöhnt ist von seiner Mutter Euter nicht hinreißen zur Fleischbank: Denn solches nicht allein ein Aussehen der Grausamkeit haben würde, sondern es ist auch der Gesundheit zuwider und zur Nahrung des menschlichen Leibes ganz nicht tauglich. (Und soll man neben der Gesundheit auch der Ehrbarkeit nach leben.)

22. Du sollst alle Jahr den Zehnten absondern alles Einkommens deiner Saat, das aus deinem Acker kommt {3Mos 27v30 5Mos 12v6 v7 v18};

23. und sollst es essen vor dem Herrn, deinem Gott, an dem Ort, den er erwählt, dass sein Name dort wohne, nämlich vom Zehnten deines Getreides, deines Mosts, deines Öls und der Erstgeburt deiner Rinder und deiner Schafe, auf dass du lernst fürchten den Herrn, deinen Gott, dein Leben lange.

Essen: Nämlich was davon überbleibt, wenn ein Teil von den Priestern des Herrn aufgeopfert und verbrannt wurde.

Wohne: Das ist: Da er mit Opfern und Anrufung will verehrt werden.

Fürchten: Denn wenn die Kinder Israel ihre Zehnten zu der Hütte des Stifts oder zu dem Tempel Gottes brachten, so hörten sie darin das Gesetze Gottes und die Verheißungen von Christo, der Welt Heiland erklären und auslegen, und sahen die Opfer schlachten, dadurch das Leiden Christi des Sohnes Gottes vorgebildet wurde, welches alles zur wahren Erkenntnis des Heils sehr nützlich und förderlich war, und erweckte die Furcht Gottes in der Menschen Herzen.

24. Wenn aber des Weges dir zu viel ist, dass du solches nicht hintragen kannst, darum dass der Ort dir zu ferne ist, den der Herr, dein Gott, erwählt hat, dass er seinen Namen dort wohnen lasse (denn der Herr, dein, Gott, hat dich gesegnet),

Gesegnet: Also dass du von einem reichen und überflüssigen Einkommen deiner Äcker viel Zehnten gesammelt hast.

25. so gib es um Geld und fasse das Geld in deine Hand und gehe an den Ort, den der Herr, dein Gott, erwählt hat,

26. und gib das Geld um alles, was deine Seele gelüstet, es sei um Rinder, Schafe, Wein, starken Trank oder um alles, das deine Seele wünscht. Und iss dort vor dem Herrn, deinem Gott, und sei fröhlich, du und dein Haus

Wünscht: Das ist: Was für Speise oder Trank du am liebsten begehrst.

Haus: Dein ganzes Personal, so du mit dir hast dahin geführt.

27. und der 3. Mose, der in deinem Tor ist; du sollst ihn nicht verlassen, denn er hat kein Teil noch Erbe mit dir {4Mos 18v24 5Mos 12v19}.

Tor: Das ist: Die Leviten, so unter euch wohnen, sollen auch euren Zehnten genießen, deren Wert ihr zu der Hütte des Stifts oder zum Tempel bringt. Nach geendetem Wohlleben aber, wenn der Hausvater wieder heimzog, ließ er den Leviten, was noch von den Zehnten übrig sein möchte. So missgönnten auch die Leviten dem Hausvater nicht, dass er eine ehrliche Mahlzeit von den Zehnten zurichten ließ. (Denn es sollen die Kirchendiener nicht karg oder geizig sein, sondern mögen sich von ihren Besoldungen wohl häufig freigiebig erzeigen, so viel dessen sein kann.)

Kein: Denn es war den Leviten kein gewisses und besonderes Stücke Landes zur Besitzung gegeben und eingeräumt worden, wie den anderen israelitischen Stämmen. Sondern sie mussten sich von den Opfern und Zehnten ernähren. (Und sollen wir das Kirchenamt mit unserer Freigiebigkeit erhalten.)

28. Über drei Jahre sollst du aussondern alle Zehnten deines Einkommens desselben Jahres und sollst es lassen in deinem Tor.

Tor: Das ist: An einen gemeinen Ort, der dazu geordnet ist, dass man darin die Almosen austeilen soll. Denn es wurden von solchen Zehnten nicht allein die Leviten unterhalten, welche zwar auch ihr Anteil daran hatten, sondern es war besonders auf die Armen diesmal angesehen.

29. So soll kommen der Levit, der kein Teil noch Erbe mit dir hat, und der Fremdling und der Waise und die Witwe, die in deinem Tor sind, und essen und sich sättigen, auf dass dich der Herr, dein Gott, segne in allen Werken deiner Hand, die du tust {5Mos 28v2}.

Tor sind: Welche Personen bei dir in deiner Stadt wohnen, denen soll man dieselben Almosen gebührlich austeilen.

Segne: Das ist: Damit Gott dir solche deine Freigiebigkeit reichlich wiederum vergelte und zu allem deinem Tun und Vorhaben Glück gebe, dass es alles wohl gerate. Denn diese Zehnten wurden nicht hinweggeführt zur Hütte des Stifts, wie in den vorigen beiden Jahren. (Es geht aber dadurch unseren Gütern so ganz nicht ab, wenn wir den Armen davon Gutes tun, dass viel mehr, welche karg und geizig sind, desto weniger Fortgang und Glück haben, in allem was sie anfangen. Wenn man aber die Almosen, so man zu geben schuldig ist, nicht darreicht, so beraubt man die Armen ihrer Nahrung, welche Übeltat Gott nimmer ungestraft hingehen lässt.)


Das 15. Kapitel


1. Den Kindern Israel wird geboten, das sie auf ein jedes siebente Jahr ihren Brüdern, den Israeliten, ihre Schuld nachlassen sollen, und dass sie die Armen nicht sollen Not leiden, noch betteln gehen lassen, v. 1. 2. Auch wird geboten, dass die Knechte und Mägde, so Israeliten sind, im siebten Jahr frei gelassen, und mit einer Verehrung begabt sollen werden, v. 12. 3. Und wird zugleich begehrt, dass man die Erstgeburten dem Herrn opfern soll, v. 19.

1. Über sieben Jahre sollst du ein Erlassjahr halten {3Mos 25v8}.

Erlassjahr: Dass du in demselben Jahr deinem Nächsten seine Schuld und Beschwerden nachlässt, wie bald später gemeldet wird.

2. Also soll es aber zugehen mit dem Erlassjahr: Wenn einer seinem Nächsten etwas borgt, der soll es ihm erlassen und soll es nicht einmahnen von seinem Nächsten oder von seinem Bruder; denn es heißt ein Erlassjahr dem Herrn.

Erlassen: Nämlich sofern es die Schuldiger vor dem siebten Jahr nicht wieder erstattet haben. Denn das ist des Herrn deines Gottes Wille und Meinung, dass ihr den Israeliten, euren Mitbrüdern, alle Schuld im selben Jahr erlasst.

3. Von einem Fremden magst du es einmahnen; aber dem, der dein Bruder ist, sollst du es erlassen.

Einmahnen: Im selben siebten Jahr, wenn er dir etwas zu tun schuldig ist.

Bruder: Das ist: Dein Geschlechtsverwandter, ein Israelit.

Erlassen: (Dies siebte und Erlassjahr hat das Reich Christi bedeutet, in welchem alle rechten Israeliten, das ist: Alle Gläubige in Christus frei sind, von allen Schulden der Sünden.)

4. Es soll aller Dinge kein Bettler unter euch sein; denn der Herr wird dich segnen im Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird zum Erbe einzunehmen;

Kein Bettler: Das ist: Ihr sollt es nicht zugeben noch dahin kommen lassen, dass euer Mitbruder, der Israeliten einer, gezwungen werde, vor den Türen herumzugehen und das Brot zu betteln. (Denn die Gewohnheit, da man das Brot vor den Türen bettelt, bringt viele Ungelegenheiten mit sich und soll in christlichen wohlbestellten Regimentern richtig verbessert werden.)

Segnen: Gott wird euch so viele Güter geben, dass ihr den Dürftigen reichlich werdet können zu Hilfe kommen, damit sie nicht hin und wieder herumzuschweifen gedrungen werden und also ihre Nahrung suchen müssen. Denn es wird euch Gott reichlich segnen, dass ihr immer werdet bei Händen haben, davon ihr den Armen und Dürftigen werdet können Hilfe tun.

5. allein dass du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchst und hältst alle diese Gebote, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust {5Mos 28v1 v2}!

6. Denn der Herr, dein Gott, wird dich segnen, wie er dir geredet hat. So wirst du vielen Völkern leihen, und du wirst von niemand borgen. Du wirst über viele Völker herrschen, und über dich wird niemand herrschen.

Niemand herrschen: Außerhalb deiner ordentlichen Obrigkeit aus deinem Volk.

7. Wenn deiner Brüder irgendeiner arm ist in irgendeiner Stadt in deinem Lande, das der Herr, dein Gott, dir geben wird, so sollst du dein Herz nicht verhärten noch deine Hand zuhalten gegen deinen armen Bruder {3Mos 25v35 Mt 5v42 Lk 6v35},

Brüder: Nämlich von den Israeliten einer, der unter euch wohnt.

Nicht verhärten: Dass du ihn ohne alle Barmherzigkeit von dir treiben wolltest, wenn er deiner Hilfe begehrt.

Zuhalten: Das ist: Alsdann ist nicht Zeit an sich zu halten, sondern auszugeben.

8. sondern sollst sie ihm auftun und ihm leihen, nach dem er mangelt.

Auftun: Das ist: Du sollst dich freigiebig gegen ihn erzeigen und ihm Hilfe leisten.

9. Hüte dich, dass nicht in deinem Herzen ein Belialstück sei, das da spreche: Es naht herzu das siebte Jahr, das Erlassjahr, und siehst deinen armen Bruder unfreundlich an und gibst ihm nicht; so wird er über dich zum Herrn rufen, so wirst du es Sünde haben;

Belialstück: Das ist: Siehe zu, dass dir der böse Feind nicht böse Gedanken eingebe.

Es naht: Darum, wenn ich meinem Bruder oder Nächsten etwas leihen werde, so darf ich wohl ganz darum kommen. Denn wo er mir es nicht bald wiedergibt, eher das siebte Jahr kommt, so muss ich es danach in Mangel stehen, weil ich es nicht wieder fordern darf.

Unfreundlich: Und treibst ihn also von dir.

Sünde haben: Das ist: Gott wird dir das zur Sünde zurechnen und dich strafen. (Denn obwohl die Armen den Reichen nicht sollen mit giftigen Schmachworten übel nachreden, so klagen doch ihre Seufzer der Reichen Unbarmherzigkeit vor Gott an.)

10. sondern du sollst ihm geben, und dein Herz nicht verdrießen lassen, dass du ihm gibst; denn um solches willen wird dich der Herr, dein Gott, segnen in allen deinen Werken und was du vornimmst.

Nicht verdrießen: Tue es nicht mit Unwillen, dass du sauer darüber aussiehst oder ihn auch wohl mit rauen Worten anfährst. (Denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb {2Kor 9}.)

Von solches Willen: Dass du nämlich deinem Nächsten mit Willen Gutes erzeigst und ihm zu Hilfe kommst.

Vornimmst: Das ist: Er wird verschaffen, dass dir all dein Tun glücklich vonstattengehe.

11. Es werden immer Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande {Mt 26v11 Joh 12v8}.

Arme sein: Denen du kannst die Werke der Liebe erzeigen und also deinen Glauben mit der Tat beweisen.

12. Wenn sich dein Bruder, ein Hebräer oder Hebräerin, dir verkauft, so soll er dir sechs Jahre dienen; im siebten Jahr sollst du ihn frei losgeben {2Mos 21v2 3Mos 25v35 Jer 34v14}.

Verkauft] (Denn vorzeiten kaufte man die Knechte und Mägde ums Geld, und hatte der Herr oder Käufer allen Gewalt über sie, dass er mochte seines Gefallens mit ihnen umgehen, sie zu töten oder leben zu lassen: Und was sie erwarben, das war nicht ihr, sondern ihres Herrn: Welche Dienstbarkeit auch eine Strafe der Sünde gewesen und sind zu unserer Zeit die Knecht und Mägde Gott nicht fest dankbar davor, dass sie viel einen besseren und leidentlicheren Stand haben, als vorzeiten bei den Juden und Heiden gebräuchlich gewesen.)

Frei los: Dass er wiederum für sich selbst und sein eigener Herr sei, wie er zuvor war, eher denn er sich in deine Dienstbarkeit begeben.

13. Und wenn du ihn frei losgibst, sollst du ihn nicht leer von dir gehen lassen,

14. sondern sollst ihm auflegen von deinen Schafen, von deiner Tenne, von deiner Kelter, dass du gibst von dem, dass dir der Herr, dein Gott, gesegnet hat.

Auflegen: Das ist: Du sollst ihm eine Verehrung tun.

Kelter: Das ist: Du sollst ihm etwas geben von deinem Vieh, Korn und Wein.

Gesegnet: Das ist: Was er durch Gottes Segen mit seiner Handarbeit dir hat helfen erwerben. Denn es ist richtig, dass du ihm etwas schenkst, weil er dir ganze sechs Jahre vergebens gedient und keinen Lohn empfangen hat, sondern allein mit Speise und Kleidern sich begnügen lassen, daneben aber harte und schwere Arbeit tun müssen, dessen soll dich erinnern und ihn mit Gnaden bedenken.

15. Und gedenke, dass du auch Knecht warst in Ägyptenland, und der Herr, dein Gott, dich erlöst hat; darum gebiete ich dir solches heute.

Erlöst: Darum soll diesem deinem Erlöser zu schuldiger Dankbarkeit dich gegen armen Leuten wiederum freundlich verhalten und ihnen Gutes tun, weil du vorzeiten in gleichem elenden Zustande gelebt hast.

16. Wird er aber zur dir sprechen: Ich will nicht ausziehen von dir, denn ich habe dich und dein Haus lieb (weil ihm wohl bei dir ist),

Sprechen: Nämlich dein Knecht im siebten Jahr, wann die Zeit vorhanden ist, dass du ihn sollst frei lassen.

Ausziehen: Ich begehre nicht frei zu werden.

Haus: Dein Personal im Hause.

Wohl bei: Das ist: Weil er von dir und den Deinen die ganze Zeit über seiner Dienstbarkeit wohl gehalten wurde und ihm sein Dienst nicht so ganz beschwerlich gewesen, sondern vielmehr alle Freundlichkeit und guten Willen gespürt.

17. so nimm einen Pfriemen und bohre ihn durch sein Ohr an der Tür und lass ihn ewig deinen Knecht sein. Mit deiner Magd sollst du auch also tun.

Tür: Das ist: Du sollst ihn mit den Pfriemen an die Türpfosten heften und mit solcher Zeremonie bezeugen, dass er deinem Hause gleichsam angeheftet sei, davon er nicht weichen wolle.

ewig: Das ist: Bis auf das Halljahr oder Jubeljahr, welches das fünfzigste Jahr war, da ein jeder wieder zu seiner Freiheit und zu seinen Gütern kam.

Magd: Die im siebten Jahr ihre angebotene Freiheit nicht annehmen will.

Tun: Dass du sie mit dem Ohr an die Tür heftest.

18. Und lass dich‘s nicht schwer dünken, dass du ihn frei losgibst: Denn er hat dir als ein zwiefältiger Tagelöhner sechs Jahre gedient; so wird der Herr, dein Gott, dich segnen in allem, was du tust.

Nicht schwer: Das ist: Lass dich es nicht verdrießen oder zuwider sein, ihnen ihre Freiheit wiederum zu zustellen, wenn sie im siebten Jahr begehren frei zu werden.

Doppelt: Das ist: Wenn du die Zeit über hättest sollen einen Tagelöhner halten, so wäre dir doppelt so viel darauf gegangen, darum hast dich dessen ganz nicht zu beschweren, dass du ihn mit einer Verehrung abfertigst.)

19. Alle Erstgeburt, die unter deinen Rindern und Schafen geboren wird, dass ein Männlein ist, sollst du dem Herrn, deinem Gott, heiligen. Du sollst nicht ackern mit dem Erstling deiner Ochsen und nicht bescheren die Erstlinge deiner Schafe {2Mos 13v2 22v30 34v19 4Mos 3v13 8v17}.

Heiligen: Dass es gebraucht und angewendet werde zur Erhaltung des Gottesdienstes. Denn man musste die Erstgeburten den Priestern bringen zu der Hütte des Stifts, zur Gedächtnis der herrlichen und großen Wohltat Gottes, da er alle Erstgeburt in Ägypten erwürgt und sein Volk aus der harten Dienstbarkeit erlöst hatte. (Dadurch denn auch bedeutet wird, dass unsere aller Erstgeburt, die wir von Adam haben, des Todes schuldig und demselben in Ewigkeit unterworfenen sein müsste, wo nicht der rechte Erstgeborne Christus für sich selbst heilig gewesen wäre und uns mit seinem Blut geheiligt hätte.)

Nicht ackern: Das ist: Du sollst ein solches Rind nicht zu deinem Nutzen gebrauchen, dass es entweder am Wagen oder im Pflug ziehen müsse.

Nicht bescheren: Denn dieselbe Wolle gehört nicht dir zu, sondern ist der Leviten.

20. Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du sie essen jährlich an der Stätte, die der Herr erwählt, du und dein Haus.

vor dem Herrn: Das ist: Bei der Hütte des Stifts, dahin du es bringen sollst.

Essen: Was nämlich vom Opfer überbleibt, und sollst es mit den 3. Mose verzehren, dass sie auch ihr Anteil daran haben.

Jährlich: Wenn du nämlich sonst auf die Feste hinaufziehst, zu opfern.

21. Wenn es aber einen Fehler hat, dass es hinket, oder blind ist, oder sonst irgendeinen bösen Fehler, so sollst du es nicht opfern dem Herrn, deinem Gott {3Mos 22v21 5Mos 17v1 Mal 1v13},

Fehler hat: Dass es zum Opfer nicht tauglich ist.

Nicht opfern: Darum ist es vonnöten, dass du es zur Hütte oder zum Tempel bringst, wie andere Erstgeburten.

22. sondern in deinem Tor sollst du es essen, du seist unrein oder rein, wie ein Reh und Hirsch;

Deinem Tor: Das ist: Daheim und in deinem Hause.

Hirsch: Das ist: Gleichwie ein Hirsch oder Rehe dem Herrn nicht zum Opfer gebracht werden und davon beide, reine und unreine Personen, essen mögen, da sonst von dem, was vom Opfer überbleibt, niemand essen darf, er sei denn rein: Also steht es jedermann in deinem Hause frei, dass von solchen Erstgeburten, die einen Mangel haben, essen mag, wer Lust dazu hat.

23. allein dass du seines Blutes nicht essest, sondern auf die Erde gießt, wie Wasser.


Das 16. Kapitel


1. Mose fordert, dass man die vornehmen Feste des Jahres halten soll, v. 1. 2. Und will, dass die Kinder Israel auf solche Feste immer etwas zuschießen zum Gottesdienst, v. 17.

1. Halte den Mond Abib, dass du Passah hältst dem Herrn, deinem Gott; denn im Mond Abib hat dich der Herr, dein Gott, aus Ägypten geführt bei der Nacht {2Mos 12v18 13v4 3Mos 23v5 4Mos 9v2 28v16}.

Abib: Welcher Monat zum Teil in unserem März, zum Teil im April gefällt. Von dem die Juden ihr Jahr zu zählen anfangen.

Hältst: Das ist: Dass du jährlich im selben Monat das Osterfest feierst, zum Gedächtnis deiner Erlösung aus der ägyptischen Dienstbarkeit.

2. Und sollst dem Herrn, deinem Gott, das Passah schlachten, Schafe und Rinder, an der Stätte, die der Herr erwählen wird, dass sein Name dort wohne.

Rinder: Das ist: Du sollst nicht allein auf das Osterfest das Osterlamm schlachten, sondern auch anderes Vieh opfern. (Durch das Osterlamm ist Christus vorgebildet worden, welcher für uns geopfert ist, und hat uns mit seinem Blut von allen Sünden gereinigt, dass der Teufel keine Macht über uns hat {1Joh 1}. Eine weitläufigere Erklärung dieser Figur findet man oben {2Mos 12}. Die anderen Opfer, so neben dem Osterlamm zugleich mit geopfert wurden, haben auch auf den Tod Christi gedeutet, weil Gott denselben seinem Volk mit mancherlei Figuren wollen zu verstehen geben und einbilden.)

Erwählen wird: Das ist: Du sollst das Osterlamm und deine anderen Opfer nicht an einem jeden Ort schlachten, der dir gelegen ist oder dich für das Beste ansieht, sondern nur einzig und allein an den Ort, da Gott den öffentlichen Gottesdienst hingelegt und geordnet hat, dass man die Opfer darin verrichte. Welcher Ort endlich Jerusalem gewesen. (Und wurde damit angezeigt, dass wir keinen anderen Christus für einen Mittler und Erlöser sollen erkennen, denn allein den einzigen Jesum von Nazareth, welcher als das wahre Lamm Gottes, so der ganzen Welt Sünde getragen, zu Jerusalem leiden sollst.)

3. Du sollst kein Gesäuertes auf das Fest essen. Sieben Tage sollst du ungesäuertes Brot des Elends essen; denn mit Furcht bist du aus Ägyptenland gezogen, auf dass du des Tages deines Auszugs aus Ägyptenland gedenkst dein Leben lange.

Das Fest: Der Ostern.

Elends: Damit das ungeschmackte Brot dich erinnere, in was Nöten und Ängsten du in Ägypten gesteckt, und Gott dankst für die empfangene Erlösung.

Furcht: Da dich nämlich die Ägypter drangen, dass du schnell aus ihrem Lande hinausziehen solltest.

Gedenkst: Weil dem Volk Gottes eine solche große Guttat dasselbe Mal widerfahren ist, welches du nie in Vergessen stellen sollst. (Viel weniger sollen wir vergessen der Erlösung unseres Herrn Jesu Christi, da er uns von der Tyrannei des Teufels errettet hat. Die ungesäuerten Brote aber bedeuten, dass man das reine Evangelium mit keiner heuchlerischen Lehre verfälschen und vergiften soll, noch mit einem gottlosen Leben dasselbe besudeln {Mt 16 1Kor 15}.)

4. Es soll in sieben Tagen kein Gesäuertes gesehen werden in allen deinen Grenzen; und soll auch nichts vom Fleisch, das des Abends am ersten Tage geschlachtet ist über Nacht bleiben bis an den Morgen.

Bleiben: Sondern was vom Osterlamm nicht kann aufgegessen werden, das soll man mit Feuer verbrennen. (Denn wer Christus in diesem Leben nicht mit Glauben isst, dem wird in jenem kein anderer Osterlamm mehr übrig sein, dessen Blut ihn von der Verdammnis errette.)

5. Du kannst nicht Passah schlachten in irgend deiner Tore einem, die dir der Herr, dein Gott, gegeben hat {2Chr 35v1},

6. sondern an der Stätte, die der Herr, dein Gott, erwählen wird, dass sein Name dort wohne, da sollst du das Passah schlachten des Abends, wenn die Sonne ist untergegangen, zu der Zeit, als du aus Ägypten zogst;

Abends: Nämlich des vierzehnten Tages im ersten Monden. (Denn Christus hat im letzten Teil der Welt gelitten, wenn man die Zeiten der Welt, wie lange sie dauern soll, in drei gleiche Teile abteilt.)

7. Und sollst es kochen und essen an der Stätte, die der Herr, dein Gott, erwählen wird, und danach dich wenden des Morgens und heimgehen in deine Hütte.

Wenden: Das ist: Wenn du das Osterlamm an dem Ort gegessen hast, welchen Gott dazu ausersehen, und das Osterfest nach geendeten sieben Tagen zu Ende gelaufen ist, so magst du am achten Tage des Morgens dich wieder aufmachen und zu Hause ziehen.

8. Sechs Tage sollst du Ungesäuertes essen, und am siebten Tag ist die Versammlung des Herrn, deines Gottes; da sollst du keine Arbeit tun.

Versammlung: Da das Volk zur Predigt, zum Gebet und zum Opfer in großer Anzahl und öffentlich soll zusammen kommen.

Arbeit tun: Ebenso wenig als auf einen anderen Sabbat-Tag. (Denn man muss auch bisweilen von den weltlichen und häuslichen Geschäften ruhen, dass wir dem Worte Gottes mit Fug können dienen, dasselbe anzuhören und zu lernen und die heiligen Sakramente zu gebrauchen.)

9. Sieben Wochen sollst du dir zählen und anheben zu zählen, wenn man anfängt mit der Sichel in der Saat.

Sieben: Jetzt fährt Mose weiter fort und handelt auch vom Pfingstfest.

Anfängt: Denn am anderen Tage in den Ostern musste man etliche Garben von den ersten und neuen Früchten desselben Jahres zur Hütte oder später zum Tempel bringen und opfern {3Mos 23}.

10. Und sollst halten das Fest der Wochen dem Herrn, deinem Gott, dass du eine freiwillige Gabe deiner Hand gibst, nachdem dich der Herr, dein Gott, gesegnet hat;

Halten: Nämlich nach geendeten sieben Wochen.

Wochen: Welches sonst auch das Pfingstfest hieß.

Deinem Gott: Nämlich zu ehren.

Freiwillige: Das ist: Über und ohne die ordentlichen bestimmten Opfer, die du aufs Pfingstfest von Rechts wegen zu tun schuldig bist, soll nicht zu genau an dich halten, sondern von freien Stücken etwas zum Opfer mitbringen, das du sonst nicht schuldig bist.

Gesegnet: Das ist: Nachdem dir Gott der Herr viele Güter beschert hat, soll desto reichlicher deine milde Hand auftun und nach Vermögen zum Opfer bringen.

11. und sollst fröhlich sein vor Gott, deinem Herrn, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht; deine Magd und der Levit, der in deinem Tor ist, der Fremdling, der Waise und die Witwe, die unter dir sind, an der Stätte, die der Herr, dein Gott, erwählt hat, dass sein Name da wohne.

Fröhlich sein: Nämlich bei deiner Gasterei oder Wohlleben, welches du nach geendetem Opfer halten sollst. (Denn eine ehrliche Freude ist unserem Herrn Gott nicht zuwider.)

Tor ist: Das ist: Der unter euch wohnt.

Witwen: Diese sollen deine Freigiebigkeit genießen, wenn du eine fröhliche Mahlzeit hältst, dass du derselben nicht vergisst, sondern etwas zu ihrer Unterhaltung darreichst.

12. Und gedenke, dass du Knecht in Ägypten gewesen bist, dass du hältst, und tust nach diesen Geboten.

Knecht: Als wollte er sagen: Du hast dich gar nicht zu beschweren, dass du armen Leuten zu Hilfe kommst, wenn du dich erinnern wirst, in was Elend du selbst vorzeiten auch gesteckt bist, da es dir alsdann ohne Zweifel sehr lieb und angenehm gewesen, wenn dir jemand Gutes erzeigt hat. Darum, weil du weißt, wie armen, elenden und verlassenen Leuten zumute ist, so soll desto eher ein Mitleiden mit ihnen haben und dich ihrer herzlich annehmen.

Geboren: Nämlich das Fest der Wochen zu feiern. (Dies war das Pfingstfest, dadurch die Kinder Israel erinnert wurden, wie sie die Zehn Gebote auf dem Berg Horeb in der Wüste von Gott empfangen hatten, welches den fünfzigsten Tag nach ihrem Ausgang aus Ägypten geschehen war. Dadurch denn das andere Pfingstfest bedeutet wurde, welches in künftigen Zeiten, im Neuen Testament soll gehalten werden. Da nämlich nicht das Gesetz, sondern die Lehre des Evangeliums von Jesu Christo, der uns vom Fluch des Gesetzes erlöst hat, soll verkündigt werden. Und ist diese Figur des Alten Testaments erfüllt worden {Apg 2}. Da die Apostel Christi, nachdem sie am Pfingsttage den Heiligen Geist empfangen, das Evangelium Christi, beides zu Jerusalem, und durch die ganze Welt ausgebreitet haben.) Was mehr von dem Pfingstfest zu wissen vonnöten, und wie es bei den Juden gehalten wurde, was auch damit gemeint, findet man {2Mos 23 3Mos 23 4Mos 28}.

13. Das Fest der Laubhütten sollst du halten sieben Tage, wenn du hast eingesammelt von deiner Tenne und von deiner Kelter;

Das Fest: Folgt von einem anderen Fest.

Laubhütten: Doch dass das Fest der Versöhnung vorhergehe, welches mit dem Laubhüttenfest so nahend eintraf, dass, wenn jenes ausging und beendet war, dies bald darauf seinen Anfang nahm. Darum Mose zum Öfteren nicht vier, sondern nur dreier hohen Feste Meldung tut, weil die vorgemeldeten letzten beiden von den Israeliten auf einer Reise verrichtet wurden. Denn am zehnten Tage des siebten Monden wurde das Fest der Versöhnung gehalten und fiel auf den fünfzehnten Tag desselben Monats das Fest der Laubhütten, wie Mose lehrt {3Mos 23v34}.

14. und sollst fröhlich sein auf deinem Fest, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, der 3. Mose, der Fremdling, der Waise und die Witwe, die in deinem Tor sind.

15. Sieben Tage sollst du dem Herrn, deinem Gott, das Fest halten an der Stätte, die der Herr erwählen wird. Denn der Herr, dein Gott, wird dich segnen in all deinem Einkommen und in allen Werken deiner Hände; darum sollst du fröhlich sein.

Segnen: Darum darfst du dir keine Gedanken deshalb machen, als ob du die Zeit würdest vergeblich hinbringen, und noch wohl dazu an deinen Gütern Schaden leiden.

Fröhlich: Auf dies Fest, dass du dich nicht bekümmerst oder Anfechtungen machst: Denn wenn du diese Satzungen des Herrn deines Gottes halten wirst, dass du sein Wort fleißig hörst und die angemessenen Opfer verrichtest, so wird dir der Herr deine Güter segnen und mehren. (Man musste aber auf dies Fest der Laubhütten dem Volk dies fünfte Buch Mose vorlesen, wie aus dem folgenden 31. Kapitel dieses Buches zu sehen ist. Und wurden die Kinder Israel durch die Feier dieses Festes, da sie sieben Tage in Hütten wohnten, erinnert von den Guttaten Gottes, die sie in der Wüste ganze vierzig Jahre über, in denen sie in Hütten gewohnt, von Gott empfangen hätten, da er sie ernährt, geschützt und erhalten hat. Über das lehrt dies Fest im Allgemeinen, dass wir unsere Herzen nicht auf große und stattliche Gebäude oder Sitz in dieser Welt wenden sollen, sondern bedenken, dass wir hier auf Erden keine bleibende statthaben, darum wir immer nach dem himmlischen Vaterland trachten sollen.)

16. Dreimal des Jahres soll alles, was männliches ist unter dir, vor dem Herrn, deinem Gott, erscheinen an der Stätte, die der Herr erwählen wird: aufs Fest der ungesäuerten Brote, aufs Fest der Wochen und aufs Fest der Laubhütten. Es soll aber nicht leer vor dem Herrn erscheinen {2Mos 23v17 34v23},

Dreimal: (Denn ob wir wohl die Guttaten Gottes, so uns erzeigt werden, täglich und immer betrachten sollen und Gott dafür danken: So ist dennoch auch nützlich und gut, dass man die vornehmsten Hauptstücke der christlichen Lehre, auf besondere dazu geordnete Feste, gleichsam als auf einen hohen Ort stelle, damit sie in der Menschen Herzen desto besser haften. Aus solcher Ursache und christlicher Gewohnheit nach feiern wir Christen heutzutage die Feste von des Herrn Christi Geburt, Beschneidung, Auferstehung, Himmelfahrt, das Pfingstfest und dergleichen.)

Männliches: Nämlich die Alters und Leibes Kräften halben, zu dem bestimmten Ort reisen könnten.

Ungesäuerten Brot: Das ist: Das Osterfest.

Der Wochen: Nämlich das Pfingstfest.

Laubhütten: Für welche nur fünf Tage vorherging das Fest der Versöhnung, darum es zu den anderen der Laubhütten mit eingerechnet wird.

17. ein jeglicher nach der Gabe seiner Hand, nach dem Segen, den dir der Herr, dein Gott, gegeben hat {2Mos 23v17 34v23}.

Nach der Gabe: Das ist: Sooft jemand auf einem der vorgemeldeten Feste zur Hütte oder zum Tempel zieht, so soll er nach seinem Vermögen etwas zum Opfer bringen, dadurch der Gottesdienst erhalten und arme Leute ernährt werden. (Denn solche Dankbarkeit sind wir Gott zu erzeigen schuldig, dass, ob wir wohl im Christentum an gewisse Zeit oder Tage etwas zu erlegen nicht gebunden sind, so sollen wir dennoch, nachdem uns Gott Güter beschert hat, etwas geben, zur Erhaltung der Kirche, Schulen und armer Leute. Denn was man denselben Gutes tut, das hat der Sohn Gottes verheißen, dass er es annehmen und vergelten wolle, als wenn es ihm selber geschehen wäre {Mt 10 25}.)

18. Richter und Amtleute sollst du dir setzen in allen deinen Toren, die dir der Herr, dein Gott, geben wird unter deinen Stämmen, dass sie das Volk richten mit rechtem Gericht.

Toren: Denn vorzeiten wurden alle Sachen in den Toren einer Stadt abgehandelt, wie bei uns auf dem Rathause geschieht.

Stämmen: Also, dass die Städte in einem jeglichem Stamm ihre besondere Obrigkeiten haben. (Denn es kann ein Regiment ohne Obrigkeit ebenso wenig bestehen als ein Leib ohne ein Haupt.)

Richten: Und nicht dass sie es tyrannischerweise unterdrücken. Alsdann aber werden sie recht richten, wenn sie nicht nach ihrem Vernunftsdenken und Gefallen, sondern nach wohlgestellten ehrlichen Gesetzen die Urteile aussprechen werden.

19. Du sollst das Recht nicht beugen und sollst auch keine Person ansehen noch Geschenk nehmen; denn die Geschenke machen die Weisen blind und verkehren die Sachen der Gerechten {2Mos 23v8 3Mos 19v15 5Mos 1v17 Spr 15v27}.

Beugen: Das ist: Du sollst den rechten Verstand des Gesetzes nicht verkehren noch verdrehen, denn solches steht keinem ehrlichen Mann zu.

Ansehen: Das ist: Du sollst dem Gewaltigen in seiner bösen Sache von wegen seiner Hoheit nicht Beifall geben, noch den Armen, wenn er eine unrechte Sache führt, aus einem unzeitigen Mitleiden begehren zu schützen, sondern sollst jedermann zu seinem Recht geholfen sein, ohne Aussehen der Personen.

Nehmen: Nämlich von den streitigen Parteien.

Blind: Dass sie durch die Geschenke einer Partei günstig werden und ihren Verstand nicht mehr recht gebrauchen können, die Sachen zu unterscheiden.

Verkehren: Das ist: Ein solcher Richter, der sich mit Geschenken bestechen und blenden lässt, der hat nicht mehr so genau Acht darauf, welches Teil in seiner Anklage oder Verantwortung recht habe. (Darum sündigen diejenigen Richter sehr und versuchen Gott, welche zwischen Parteien urteilen sollen und Geschenke annehmen, der Meinung, dass sie dennoch nichtsdestoweniger recht richten wollen. Aber von anderen Geschenken und Verehrungen so außerhalb vorgemeldeten Fälle zur Dankbarkeit und Ehrerbietung, der Obrigkeit von den Untertanen verehrt werden: Oder auch, da gute Freunde aus Gutherzigkeit einander mit Geschenken begaben, wird hier nicht gehandelt, wie denn auch dergleichen Gott nicht missfallen.)

20. Was recht ist, dem sollst du nachjagen, auf dass du leben und einnehmen mögest das Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

Nachjagen: Also, dass du dich weder durch Gunst davon abhalten noch durch Drohungen schrecken lässt.

Leben: Das ist: Dass dein Leben auf Erden lange währt und später in der ewigen Seligkeit ewig leben mögest. (Denn die Ungerechten werden Gottes Reich nicht besitzen.)

21. Du sollst keinen Hain von Bäumen pflanzen bei dem Altar des Herrn, deines Gottes, den du dir machst.

Hain: Einen grünen Lustwald. Denn die Heiden pflegten zu der Zeit neben den Altären ihrer Götzen Lustwälder zu pflanzen, welchen Gottesdienst der Herr verwarf und gar nicht leiden konnte.

22. Du sollst dir keine Säule aufrichten, welche der Herr, dein Gott, hasst.

Säule: Dass du sie Gott zu Ehren aufrichten wolltest und einen Gottesdienst dabei anrichten, wie der Heiden Brauch gewesen. (Darum soll man sich mit allem Fleiß hüten und vorsehen, dass wir Gott auf keine andere Weise zu dienen begehren, denn wie er uns in seinem Wort vorgeschrieben.)


Das 17. Kapitel


1. Mose befiehlt, dass man soll Obrigkeiten ordnen, und beschreibt dieselben, wie sie sollen beschaffen sein, v. 18. 2. Verbietet auch, dass man keine abgöttischen Haine pflanzen, noch Bilder zur Abgötterei aufstellen soll, v. 21. 3. Und soll man nicht schad- oder gebrechliches Vieh zum Opfer bringen, v. 1. 4. Weiter gebietet er, dass man die Israeliten, welche zur Abgötterei abfallen, töten soll, doch dass sie zuvor mit zwei oder drei Zeugen überwiesen wurden, v. 1. V. Danach wird das oberste Gericht unter die Israeliten besetzt, da von niemand appellieren dürfe, v. 2. VI. Und wird endlich beschrieben, was des Königs Amt und Verrichtung im Volk Gottes sein soll, v. 14.

1. Du sollst dem Herrn, deinem Gott, keinen Ochsen oder Schaf opfern, das einen Fehler oder irgendetwas Böses an ihm hat; denn es ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel {3Mos 22v20 5Mos 15v21}.

Schaf: Oder irgendein anderes Tiere, so man zu opfern pflegte.

Fehler: Als dass es blind, lahm, schäbig oder sonst gebrechlich ist. (Gleichwie diejenigen tun, welche böse Pfennige ins Almosen geben und ihre Kinder, die von wegen ihres Unverstandes oder anderer Gebrechen halben, sonst nirgends zu tauglich sind, zum Studieren anhalten, da sie doch wissen, dass sie nichts Fruchtbares dabei ausrichten werden.)

Gräuel: Das ist: Solche Opfer wird ihm nicht angenehm sein, sondern wird es vielmehr verwerfen.

2. Wenn unter dir in der Tore einem, die dir der Herr, dein Gott, geben wird, gefunden wird ein Mann oder Weib, der da Übels tut vor den Augen des Herrn, deines Gottes, dass er seinen Bund übertritt {5Mos 13v6}

Tor: Das ist: In eurer Städte eine.

Geben wird: Zu besitzen.

Vor den Augen: Weil er alles sieht und ihm nichts verborgen ist.

3. und hingeht und dient anderen Göttern und betet sie an, es sei Sonne oder Mond, oder irgendein Heer des Himmels, das ich nicht geboten habe,

Hingeht: Ist eine Erklärung des vorigen, was da sei, den Bund Gottes übergehen.

Sonne: Wie die Perser getan.

Ein Heer: Das ist: Irgendein Gestirn am Himmel.

4. und wird dir angesagt und hörst es, so sollst du wohl danach fragen. Und wenn du findest, dass gewiss wahr ist, dass solcher Gräuel in Israel geschehen ist,

Fragen: (Denn man soll dem gemeinen Geschrei nicht ganz zu bald noch leicht glauben, sondern die Sache zuvor wohl und recht erkundigen.)

5. so sollst du denselben Mann oder dasselbe Weib ausführen, die solches Übel getan haben, zu deinem Tor und sollst sie zu Tod steinigen {5Mos 13v9}.

Steinigen: Nämlich, wenn man die Sache gewiss erfahren und erkundigt hat. (Obwohl nun im Neuen Testament deshalb weder von Christo noch den Aposteln einiger Befehl nicht vorhanden ist, dass man die Abgötter mit dem Tode strafen soll, so ist es doch gewiss, dass sie des ewigen Todes werden müssen sterben, wo sie nicht Buße tun {Gal 5}.)

6. Auf zweier oder dreier Zeugen Mund soll sterben, wer des Todes wert ist; aber auf eines Zeugen Mund soll er nicht sterben {5Mos 19v15 Mt 18v16 Joh 8v17 2Kor 13v1 Hebr 10v28}.

Mund: Das ist: Dass er mit zwei oder drei Zeugen seiner Übeltat überwiesen wird. (Dies ist eine sehr nützliche Regel, die man auch noch heutigentags richtig in Achthaben soll, besonders, wenn schwere Sachen vorfallen, damit nicht jemand auf eines einigen Mannes Anklage als bald verdammt werde.)

7. Die Hand der Zeugen soll die erste sein, ihn zu töten, und danach die Hand alles Volkes, dass du den Bösen von dir tust.

Erste sein: Das ist: Sie sollen zum Ersten mit Steinen auf ihn zuwerfen, damit sie desto mehr in sich selbst gehen, ehe sie ein Zeugnis aussagen, und denken, wie eine gräuliche Sünde sie würden auf sich laden, wenn sie falsche Zeugnisse geben.

Von dir: (Denn eine Obrigkeit kann zwar nicht verhüten, dass nicht bisweilen ein großes Laster begangen werde, aber wenn sie dasselbe straft, so kann sie der göttlichen Rache zuvorkommen, dass dieselbe nicht über ein ganzes Land gehe.)

8. Wenn eine Sache vor Gericht dir zu schwer sein wird, zwischen Blut und Blut, zwischen Handel und Handel, zwischen Schaden und Schaden, und was zänkische Sachen sind in deinen Toren, so sollst du dich aufmachen und hinaufgehen zu der Stätte; die dir der Herr, dein Gott, erwählen wird {2Chr 19v10},

Schwer: Dass du dich nicht daraus verrichten kannst.

Blut: Das ist: Da irgendein Totschlag begangen und du noch im Zweifel stehst, ob der Mord genügend bewiesen sei oder wie er, nachdem die Umstände sind, soll gestraft werden.

Handel: Das ist: Ob man, was abgehandelt und beschlossen, ins Werke richten und vollstrecken soll, oder aber, ob man die Sache aufschieben, wieder übersehen und vielleicht den vorigen Beschluss ganz ändern und aufheben soll.

Schaden: Das ist: Wie man soll darüber urteilen, wenn jemand eine Wunde gehauen oder gestochen wurde.

Toren: Das ist: Wenn man über dergleichen Fälle vor deinem Stadtgericht einen großen Streit hat.

Stätte: Nämlich zur Hütte des Stifts oder zum Tempel.

9. und zu den Priestern, den Leviten und zu dem Richter, der zu der Zeit sein wird, kommen und fragen; die sollen dir das Urteil sprechen {Mal 2v7},

Richter: Das ist: Du sollst beides, die geistliche und weltliche hohe Obrigkeit Rats fragen, was ihre Meinung sei, von dem unrichtigen Handel.

Sprechen: Das ist: Sie sollen dich lehren und unterrichten, was du für ein Urteil fällen sollst. Gleichwie heutzutage in Rechts-Sachen, so etwas verwirrt sind, die Richter in kleinen Städten, bei den Rechtsgelehrten auf den Universitäten und hohen Schulen, sich Berichte einholen.

10. Und du sollst tun nach dem, dass sie dir sagen an der Stätte, die der Herr erwählt hat, und sollst es halten, dass du tust nach allem, dass sie dich lehren werden.

Tun: Das ist: Du sollst ihr Urteil eröffnen und aussprechen und darauf vollstrecken.

Erwählt: Da die Priester und der Richter oder die hohe Obrigkeit ihre Wohnung haben.

11. Nach dem Gesetz, das sie dich lehren, und nach dem Recht, dass sie dir sagen, sollst du dich halten, dass du von demselben nicht abweichst weder zur Rechten noch zur Linken.

Gesetz: Denn sie das Urteil nicht aus ihrem Gehirn, sondern aus dem Gesetze Gottes fassen sollen.

12. Und wo jemand vermessen handeln würde, dass er dem Priester nicht gehorchte, der dort in des Herrn, deines Gottes, Amt steht, oder dem Richter, der soll sterben; und sollst den Bösen aus Israel tun,

Amt steht: Das ist: Der zur selben Zeit das Priesteramt verwaltet.

Richter: Wenn der Hohepriester nicht zugleich mit dem Richter anzutreffen ist. (Es missbrauchen aber die römischen Päpste diesen Text zur Bestätigung ihrer Tyrannei, da sie der Kirche, alles was ihnen gefällt, zu glauben, zu tun und zu lassen, auflegen, als ob ihrem Vorbringen, wie unrichtig und gottloses auch sein möchte, dennoch niemand widersprechen dürfte. Aber das reimt sich zu diesem Handel ganz und gar nicht. Denn nachdem die mosaische Polizei abgetan wurde, hat Christus nicht eine dergleichen neue Polizei in seiner Kirche angerichtet: Weil sein Reich nicht von dieser Welt ist und solange der römische Papst uns nicht einen besonderen göttlichen Befehl zeigt und auflegt, darin uns befohlen wird, dass wir seinen Dekreten und Satzungen (wie die Israeliten ihrer Hohepriester und Richter Aussprüche) bei Strafe des Todes gehorsam sein müssen, so achten wir uns seiner selbst angemaßten Gewalt ganz nichts. Und war der Hohepriester vorzeiten nicht ein Vorbild des römischen Papsts, sondern des Sohnes Gottes, von dessen Ausspruch freilich keiner darf, noch soll appellieren und sich auf einen anderen berufen. Daneben muss man hier das auch nicht stillschweigend lassen vorüberrauschen, dass zu Anfang dieses Texts, nicht dem Priester allein die Sache zu entscheiden zugelassen wird, sondern zugleich den Priestern und dem weltlichen Richter. Darum, wenn es gleich wahr wäre, dass man heutigentags die Geistlichen, als Geistliche, auch in weltlichen Händeln mit zu Rat ziehen müsste (welches doch Christus vielmehr zu tun nicht gut geachtet, da er sagt, er sei nicht darum da, noch darauf bestellt, dass er unter den Brüdern das Erbe teilen soll). So könnte doch der römische Papst hieraus keineswegs seine Tyrannei bestätigen, damit er die Kirche Christi und die weltliche Obrigkeit dazu mit Füßen tritt und jämmerlich unterdrückt. Es hat aber Gott dies höchste Gericht in der mosaischen Polizei darum eingesetzt, damit des Streits, ein Ende würde: Gleichwie bei uns schwere Sachen endlich an das Kammergericht gereicht werden oder in Frankreich an die Parlamente, welche die höchsten Gerichte in Deutschland und Frankreich sind. Und hat Mose gewollt, dass man den am Leben strafen soll, der an der höchsten Richter unter dem israelitischen Volk Ausspruch nicht würde vergnügt sein, auf dass ein solcher Ernst dem Gerichte ein Aussehen machte.)

13. dass alles Volk höre und sich fürchte und nicht mehr vermessen sei.

Vermessen: Dergestalt, dass er auch dem obersten Richter im Volk Gottes nicht wollte Gehorsam leisten. (Denn die Ungehorsamen und Widerspenstigen, welche ihrer Obrigkeit rechtmäßige Gebote aus Hochmut verachten, muss man hart strafen, damit nicht andere auch zu gleichem Ungehorsam gereizt werden.)

14. Wenn du ins Land kommst, das dir der Herr, dein Gott, geben wird, und nimmst es ein und wohnst darin, und wirst sagen: Ich will einen König über mich setzen, wie alle Völker um mich her haben {1Sam 8v5},

Alle Völker: Welche immer ihre gewissen Könige und Oberherren haben.

15. so sollst du den zum Könige über dich setzen, den der Herr, dein Gott, erwählen wird. Du sollst aber aus deinen Brüdern einen zum Könige über dich setzen. Du kannst nicht irgendeinen Fremden, der nicht dein Bruder ist, über dich setzen.

Erwählen: Als wollte er sagen: Gott wird zwar deinem Begehren statt Tun und zulassen, dass du einen König über dich setzt, doch nicht deines Gefallens, sondern wie Gott will.

Brüdern: Das ist: Aus deinem Volk und Geschlechtsverwandten.

Fremden: Der kein Israelit ist. (Damit der Heilige Geist wollen zu verstehen geben, dass der rechte König in Israel, Christus, aus dem Volk Israel hergekommen würde.)

16. Allein, dass er nicht viele Rosse halte, und führe das Volk nicht wieder in Ägypten um der Rosse Menge willen, weil der Herr euch gesagt hat, dass ihr fort nicht wieder durch diesen Weg kommen sollt.

Allein: Obwohl das folgende, so von des Königs Amt (wie auch das vorige von seiner Erwählung) hier gesagt wird, besonders das israelitische Volk angegangen ist, und wenn man es dem Buchstaben nach ansieht, zu unserer Polizei nicht gehört. So findet man dennoch auch etwas darin, dessen eine christliche Obrigkeit sich bei ihrem Amt zu erinnern hat.

Rösser: Das ist: Er soll nicht eine ganz zu große Reiterei haben. (Denn über das, dass ein großer Kosten darauf geht, und den Untertanen die Beschwerden desto mehr gehäuft werden, so macht es der Könige und Fürsten Herzen ganz zu übermütig, dass sie sich auf ihre Macht verlassen und darauf mehr ihr Vertrauen setzen, als auf Gott richten, danach desto eher Unruhe und unnötige Kriege anfangen. Daher der Heilige Geist in den Psalmen die Fürsten oft abmahnt, dass sie sich nicht auf die Menge ihrer Rosse und Wagen verlassen sollen.)

Ägypten: Der Meinung, dass er solches Land einnehmen und überwältigen wolle.

Weg kommen: Das ist: Gott hat es verboten, dass ihr nie wieder nach Ägypten kommen sollt. Weil er euch nicht Ägypten, sondern das Land Kanaan zu besitzen eingegeben und verordnet hat. (Denn es soll ein jeder sich an seinem Stande begnügen lassen, darin ihn Gott durch ordentliche Mittel gesetzt hat. Auch hat der Heilige Geist durch eine geistliche Deutung wollen zu verstehen geben, wie das Volk Gottes geistlicherweise nicht soll wieder in Ägypten kommen. Welches alsdann geschieht, wenn die Christen, nachdem sie durch das Blut Christi aus der Tyrannei des Teufels erledigt und erlöst sind, wieder in schwere Sünden fallen und sich von neuen der Sünden und des Teufels Knechte machen.)

17. Er soll auch nicht viele Weiber nehmen, dass sein Herz nicht abgewandt werde; und soll auch nicht viel Silber und Gold sammeln.

Abgewandt: Das ist: Auf dass er nicht von der rechten Religion abfalle und zum Mamelucken werde. (Denn ein abgöttisches Weib, wo Gott mit seiner Güte nicht besonders verhütet, kann mit ihren glatten Worten den Mann wohl endlich dahin bewegen und überreden, dass er der rechten Religion absage und zur falschen sich bekenne, wie des weisesten Königs Salomons Beispiel genügend bezeugt {1Sam 11}.)

Sammeln: (Denn gleichwie die unnütze Verschwendung nicht zu loben ist: Also gibt der Geiz einem Fürsten viel ungebührliche Renke und Fündlein ein, seine Untertanen auszusaugen. Und ist der Geiz eine Abgötterei oder Götzendienst {Eph 5}. Weil eines geizigen Menschen Herz vielmehr dem Reichtum als Gott anhängt, und hat sich dem Gelde ganz und gar ergeben, dass auch kein so großes Bubenstück mag erdacht werden, welches ein Mensch aus Eingeben und Antrieb des Geizes nicht dürfte ins Werk richten.)

18. Und wenn er nun sitzen wird auf dem Stuhl seines Königreichs, soll er dies andere Gesetz von den Priestern, den Leviten, nehmen und auf ein Buch schreiben lassen.

Sitzen: Dass er im Königreich bestätigt ist.

Andere Gesetz: Nämlich dies fünfte Buch Mose, welches darum das anderer Gesetz genannt wird, weil in demselben die vornehmsten Gesetze wiederholt werden.

Priestern: Denn dieselben sollten die Bücher des Gesetzes in Verwahrung haben.

19. Das soll bei ihm sein und soll darin lesen sein Leben lange, auf dass er lerne fürchten den Herrn, seinen Gott, dass er halte alle Worte dieses Gesetzes und die Rechte, dass er danach tue {Jos 1v7 v8}.

Fürchten: Das ist: Mit rechtem Gehorsam dienen. (Denn es steht einer frommen Obrigkeit zu und gebührt ihr, dass sie sich um die Religion und Glaubenssachen ebenso wohl verstehe als um die weltlichen Gesetze, auf dass nicht allein sie fromm sind, sondern dass sie auch die rechte Religion fortpflanze und ihre Untertanen bei ihrem Recht und Gerechtigkeit handhabe. Und sieht man hier auch das, wie uns die Heilige Schrift, als ein Instrument und Werkzeug vorgehalten wird, dadurch der Heilige Geist in den Menschen die wahre Gottseligkeit und Gottesfurcht pflanze.)

20. Er soll sein Herz nicht erheben über seine Brüder und soll nicht weichen von dem Gebote, weder zur Rechten noch zur Linken, auf dass er seine Tage verlängere auf seinem Königreich, er und seine Kinder in Israel.

Brüder: Nämlich über die anderen Israeliten. (Denn es soll ein König oder Fürst denken, dass er auch ein Mensch sei, und von Gott zu solchen Ehren erhaben wurde, nicht darum, dass er seine Untertanen versäumen und verachten soll, viel weniger, dass er sie mit Gewalt unterdrücke, sondern dass er sich der Armen und Verlassenen gnädig annehme und den Unterdrückten aufhelfe.)

Gebote: Nämlich Gottes.

Linken: Das ist: Er soll nicht tun, was ihm recht denkt, sondern was Gott im Gesetz ihm zu tun befohlen hat. (Denn es ist der allersicherste Weg, wenn man dem Worte Gottes folgt, als welches eine Leuchte unsere Füße ist.)

Verlängere: Das ist: Auf dass sein Reich lange auf seine Nachkommen bleibe. (Denn es können die Könige und Fürsten, mit keinem Rat- und Anschlägen ihre Reiche und Herrschaften besser befestigen, sowohl für sich selbst, als ihre Nachkommen, als wenn sie Gott wahrhaftig fürchten und in rechtschaffener Gottseligkeit dienen: Gleichwie auch ein jeder Hausvater seine Güter auf keine bessere Weise behalten und seinen Nachkommen hinterlassen kann, als wenn er der Gottseligkeit und eines christlichen Wandels sich befleißigt.)


Das 18. Kapitel


1. Den Priestern und Leviten wird ihr Unterhalt und Nahrung verordnet, v. 1. 2. Und werden den heidnischen Aberglauben, wie auch die Zaubereien, und Wahrsager Künste verboten, v. 9. 3. Mose verheißt den höchsten Propheten Christus, v. 17. 4. Aber die falschen Propheten heißt er verwerfen und töten, v. 20.

1. Die Priester, die Leviten des ganzen Stammes Levi, sollen nicht Teil noch Erbe haben mit Israel. Die Opfer des Herrn und sein Erbteil sollen sie essen {4Mos 18v20 5Mos 10v9 12v12 14v27 1Kor 9v13}.

Nicht Teil: Das ist: In Austeilung der Güter im Lande Kanaan sollen sie nicht wie die andere Stämme der Kinder Israel gewisse und von den anderen Stämmen abgesonderte Örter zur Besitzung einbekommen.

Essen: Das ist: Sie sollen von dem, was von den Opfern überbleibt, ihre Nahrung haben.

2. Darum sollen sie kein Erbe unter ihren Brüdern haben, dass der Herr ihr Erbe ist, wie er ihnen geredet hat.

Kein Erbe: Dass sie keine eigenen Güter besitzen.

Erbe ist: Das ist: Der Gottesdienst wird ihnen ihre Nahrung und Kleider zur Genüge verschaffen, ebenso wohl, als wenn sie eigentümliche Güter hätten, und wird ihnen zu ihrer für fallenden Notdurft nichts mangeln.

3. Das soll aber das Recht der Priester sein an dem Volk und an denen, die da opfern, es sei Ochse oder Schaf, dass man dem Priester gebe den Arm und beide Backen und den Wanst

Recht: Das ist: Dazu sollen die Priester ihre Gerechtigkeit und Ansprache haben, dass sie von dem Volk, wenn sie opfern wollen, ihre Gebühr nehmen.

Priester: Der das Opfer verrichtet.

Wanst.: Den Bauch mit dem Eingeweide.

4. und die Erstlinge deines Korns, deines Mosts und deines Öls und die Erstlinge von der Schur deiner Schafe.

5. Denn der Herr, dein Gott, hat ihn erwählt aus allen deinen Stämmen, dass er stehe am Dienst im Namen des Herrn, er und seine Söhne ewig.

Ihn: Nämlich den levitischen Stamm.

Stehe: Das ist: Dass er nach seinem Beruf, den er von Gott empfangen hat, dem Gottesdienst abwarte.

Er: Nämlich der Priester.

ewig: Das ist: Das Priestertum soll erblich sein und bei dem Stamm Levi, im Geschlechter Aarons bleiben, solange die mosaische Polizei dauern wird.

6. Wenn ein 3. Mose kommt aus irgendeinem deiner Tore oder sonst irgend aus ganz Israel, da er ein Gast ist, und kommt nach aller Lust seiner Seele an den Ort, den der Herr erwählt hat,

Aus ganz: Das ist: Es gilt, gleich, in welchem Ort Landes des Königreichs Israel die Stadt gelegen sei.

Gast ist: Da er seine Herberge und Unterschlupf hat.

Lust: Das ist: Sofern er dem Herrn seinem Gott bei dem heiligen Amt von Herzen begehrt zu dienen.

Erwählt.: Dass darin die ordentlichen Opfer verrichtet werden.

7. dass er diene im Namen des Herrn, seines Gottes, wie alle seine Brüder, die Leviten, die dort vor dem Herrn stehen,

Diene: Das ist: Dass er zu seinem Teil, nach seinem Vermögen zum Gottesdienst helfen will.

Brüder: Das ist: Geschlechtsverwandten.

Stehen: Das ist: Welche zur selben Zeit dem Gottesdienst dienen.

8. die sollen gleichen Teil zu essen haben, über das er hat von dem verkauften Gut seiner Väter.

Teil: Nämlich von den Opfern, wie die andere haben.

Über das: Das ist: Über die Einkommen, welche er hat von seinem verkauften Gut. Denn es wird hier von denen Leviten gesagt, welche aus Begierde zum Gottesdienst ihre Güter verkauften und zur Hütte zogen, die hatten von den Opfern und zugleich vom Gelde, das sie aus ihren verkauften Gütern erzielt, zu leben.

9. Wenn du in das Land kommst, das dir der Herr, dein Gott, geben wird, so sollst du nicht lernen tun die Gräuel dieser Völker {3Mos 18v26 5Mos 12v31}.

Völker: Die vor dir im Lande Kanaan gewohnt haben.

10. Dass nicht unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder Tochter durch das Feuer gehen lasse, oder ein Weissager oder ein Tagewähler, oder der auf Vogelgeschrei achte, oder ein Zauberer {3Mos 20v27},

Feuer: Denn es wurden etliche abgöttische Heiden gefunden, welche glaubten, das Feuer wäre ein Gott, darum sie ihre Kinder durch das Feuer gehen ließen und meinten, sie weihten und heiligten dieselben mit dieser Zeremonie Gott, dass sie alsdann gereinigt und Gott zu eigenen übergeben wären: Welche gottlosen Werke, ob es wohl hier ernstlich verboten wird, dennoch etliche israelitische Könige später getan haben.

Weissager: Der sich ausgibt, dass er verborgene Sachen könne an Tag bringen: Als wenn einem etwas gestohlen ist, dass er den Dieb anzeige, oder was verloren ist, wiederbringen könne und dergleichen.

Tagewähler: Welcher auf gewisse Tage und Standen achthat, nicht zwar aus Anleitung der Natur, da man sich nach dem Lauf des Monds oder anderer Planeten etlichermaßen richtet, sondern abergläubischerweise, aus keiner genügend scheinbaren Ursache, als dass einer am Freitag kein Pferd beschlagen lässt, nicht pflügen noch sonst etwas anfangen will, weil er denselben Tag für nicht glückhaft und verworfen hält.

Vogelgeschrei: Welche aus dem Gesang der Vögel oder auch aus ihrem Flug zukünftig Glück oder Unglück verkündigen: Dahin auch gehören diejenigen, welche auf der Reise es für ein böses Zeichen halten, wenn ihnen ein Hase begegnet oder aufstößt, und andere, so aus der Nachtvögel oder Eulengeschrei meinen, dass es ein Tod in derselben Nachbarschaft bedeute.

Zauberer: Der sich unterstehen darf, durch seine Kunst ein Unwetter zu verursachen, davon die Früchte Schaden nehmen: Oder auch Menschen und Vieh mit seiner Zauberei zu verletzen ihm vornimmt, nicht dass solche Leute dergleichen etwas tun, oder ins Werk richten könnten, sondern, dass sie vom Teufel also geblendet werden, dass sie meinen, sie tun es, da es doch der böse Feind, durch Gottes Verhängnis, an ihrer statt verrichtet.

11. oder Beschwörer oder Wahrsager oder Zeichendeuter, oder der die Toten frage.

Beschwörer: Der vorgibt, er könne die Schlangen und Skorpione, ja die Teufel selbst also beschwören, dass sie unter seiner Gewalt sich ergeben und tun müssen, was ihm gefällig.

Wahrsager: Da einer von sich rühmt, er könne die Toten aus den Gräbern hervorbringen, da doch nicht die Toten, sondern die Teufel in ihrer Gestalt sich sehen lassen. Wie dergleichen sich zugetragen, da der König Saul den verstorbenen Samuel um Rat fragen wollen {1Sam 28}.

Zeichendeuter: Welche besondere Zeichen machen und daraus von künftigen Dingen abergläubischerweise etwas zuvor verkündigen wollen.

Toten frage: Wie diejenigen tun, welche von den verstorbenen Seelen begehren zu wissen, in was Zustand sie leben, und wie es mit dem Fegefeuer beschaffen sei.

12. Denn wer solches tut, der ist dem Herrn ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt sie der Herr, dein Gott, vor dir her.

Vertreibt: Nämlich wenn du sie zu deinem Einzug vertilgen wirst.

13. Du aber sollst ohne Wandel sein mit dem Herrn, deinem Gott.

Ohne Wandel: Das ist: Du sollst rein und Fremden sein von allen solchen Gräueln, dass du dich damit nicht verunreinigst, sondern dem Herrn deinem Gott anhängst.

14. Denn diese Völker, die du einnehmen wirst, gehorchen den Tagewählern und Weissagern; aber du sollst dich nicht also halten gegen den Herrn, deinen Gott.

Gehorchen: Das ist: Sie fragen solche abergläubischen und gottlosen Leute um Rat, welches auch zwar kein Wunder ist, weil sie den wahren Gott nicht erkennen und allerdings geblendet sind, darum sie der Strafe Gottes nicht entgehen werden.

Also: Nämlich wie die Gottlosen und blinden Heiden. Denn du wirst Lehrer und Propheten genug haben, die dir ohne die vorgemeldeten zauberischen Künste werden können sagen, was dir zu wissen vonnöten ist.

15. Einen Propheten wie mich wird der Herr, dein Gott, dir erwecken aus dir und aus deinen Brüdern, dem sollt ihr gehorchen {Joh 6v14 Apg 3v22 7v37}.

Propheten: Als wollte er sagen: Unter allen Propheten und Lehrern, derer du zu jederzeit viele haben wirst, wird dir Gott den vortrefflichsten und höchsten Propheten geben, der aus deinem Geschlecht nach seiner menschlichen Natur hergekommen wird.

Erwecken: Nämlich seinen eingeborenen Sohn, Jesum Christus, waren Gott und Menschen, den einigen Mittler zwischen Gott und den Menschen. Denn dass dieser Spruch von Christo weissage, ist aus dem 3. und 7. Kapitel der Apostelgeschichte offenbar.

Nach Luther: Hier wird klar eine andere Predigt verheißen. Denn Moses predigt, welche nicht kann das Gesetz sein, das genügend durch Mose gegeben, darum muss es das Evangelium sein. Und dieser Prophet ist niemand anders, denn Jesus Christus selbst, der solch eine Predigt auf Erden gebracht hat.

Gehorchen.: Denn er wird euch das Evangelium lehren, welches er aus des ewigen Vaters Schoß hervorgebracht hat, dass nämlich alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben {Joh 3}, solches Evangelium sollt ihr mit Glauben annehmen, also werdet ihr ihm gehorchen.

16. Wie du denn von dem Herrn, deinem Gott, gebeten hast zu Horeb am Tage der Versammlung und sprachst: Ich will fort nicht mehr hören die Stimme des Herrn, meines Gottes, und das große Feuer nicht mehr sehen, dass ich nicht sterbe {2Mos 20v19 5Mos 9v10}.

Horeb: Da die Zehn Gebote mit herrlicher und schrecklicher Majestät gegeben wurden. Denn du damals den Herrn gebeten, dass er weiter nicht mit dir reden oder handeln wollte ohne einen Mittler.

Versammlung: Da ihr alle beieinander versammelt standet unten am Berge.

Feuer: Denn der ganze Berg vor euren Augen gleichsam, als ob er brannte, und voller Feuer wäre, gesehen wurde.

17. Und der Herr sprach zu mir: Sie haben wohl geredet.

Wohl geredet: Denn wer ohne einen Mittler zu mir kommt, der naht zu einem verzehrenden Feuer, besonders, wenn er nichts anders hörte, als die Stimme des Gesetzes, welche den Sünder nur schreckt und verdammt. Darum will ich ihnen einen Mittler geben, der sich zwischen uns ins Mittel stellen soll, die Sünde versöhnen, dem Gesetz genug tun und das Evangelium von der Vergebung der Sünden und Erbschaft des ewigen Lebens ihnen verkündigen.

18. Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde {Joh 1v45}.

Wie du bist: Das ist: Der eben ein solches großes Aussehen habe wie du: Und gleichwie du die Kinder Israel aus der leiblichen ägyptischen Dienstbarkeit geführt hast: Also wird er sie ausführen aus der geistlichen Dienstbarkeit der Sünden, des Teufels, des Todes und der Hölle.

Brüdern: Das ist: Der nach seiner Menschheit aus dem jüdischen Volk seinen Ursprung haben wird.

Geben: Dass er dem Volk anzeigen soll, was meine Meinung sei und was er verheißen wird, das will ich halten.

Gebieten: Darum wer ihn hören wird, der wird mich hören.

19. Und wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen reden wird, von dem will ich es fordern.

Nicht: Das ist: Wer das Evangelium nicht annehmen will, darin er, mein Sohn, mein väterliches Herz gegen das menschliche Geschlecht entdecken wird.

Fordern: Denn wer dem Evangelium nicht glauben wird, der soll verdammt werden. (Weil es eine ganz zu große und übermachte Undankbarkeit und der ewigen Verdammnis wert ist, da jemand die im Evangelium angebotene Gnade und Güte Gottes halsstarrigerweise von sich stößt und verachtet.)

20. Doch wenn ein Prophet vermessen ist, zu reden in meinem Namen, das ich ihm nicht geboten habe zu reden, und welcher redet in dem Namen anderer Götter, derselbe Prophet soll sterben.

Doch: Was bisher gesagt wurde, ist auf den höchsten Propheten Christus gegangen: Jetzt folgt eine Ermahnung, dass man sich vor falschen Propheten hüten soll.

Vermessen: Das ist: Da jemand aus Vermessenheit sich würde unterstehen, etwas vorzubringen, dessen er von mir keinen Befehl hätte und ihm nichts offenbart wäre.

Sterben: (Diese Satzung geht auch nur allein die israelitische Polizei an, denn Christus und die Apostel haben befohlen, dass man die falschen Lehrer, wenn sie überwiesen wurden, dass sie Unrecht lehren, und sich dennoch nicht bekehren wollen, meiden soll, aber nicht töten {Mt 7 Tit 3}.)

21. Ob du aber in deinem Herzen sagen würdest: Wie kann ich merken, welches Wort der Herr nicht geredet hat?

Merken: Das ist: Wie kann ich unterscheiden und erkennen, ob der Prophet Gottes Wort oder seines Herzen Dünkel vorbringt?

22. Wenn der Prophet redet in dem Namen des Herrn, und wird nichts daraus und kommt nicht, das ist das Wort, das der Herr nicht geredet hat: Der Prophet hat es aus Vermessenheit geredet, darum scheue dich nicht vor ihm.

Des Herrn: Das ist: Wenn er sich rühmt, er verkündige etwas zuvor, aus Gottes Befehl, dass es gewiss geschehen werde.

Nichts daraus: (Denn Gott kann nicht lügen, darum fehlen die nie, welche aus seinem Befehl zukünftige Dinge verkündigen.) Sagte er aber, es würde etwas geschehen, und der Ausgang bezeugt es, er aber darauf dich hieße anderen Göttern nachfolgen, so sollst du ihm dennoch nicht glauben, wie oben Kapitel 13. angezeigt wurden.

Vermessenheit: (Nach Luther) Hier redet Mose von den Propheten, so neue Lehre über die alte und vorige Lehre vorgeben. Solchen soll man ohne Zeichen nicht glauben, denn Gott alle Zeit sein Wort mit neuen Zeichen bestätigt. Aber oben Kapitel 13. v. 2. redet er von den Propheten, so wider die alte bestätigte Lehre predigen, diesen soll man nicht glauben, wenn sie gleich Zeichen tun.

Vor ihm: Nämlich vor den falschen Propheten, sondern verachtet alle seine Weissagungen kecklich, wenn er dir gleich alles Unglück droht, sofern du ihm nicht gehorchst. (Denn man soll den Teufel mit seinen Lügenpropheten und falschen Aposteln aus Glauben verlachen und verachten.)


Das 19. Kapitel


1. Mose heißt Freistädte verordnen für die Totschläger, und zeigt an, welche sich solcher Freiheit zu freuen haben, v. 1. 2. Danach verbietet er, dass man die Grenzen oder Marksteine nicht soll böslich ändern, v. 8. 3. Und sagt, dass niemand auf eines Zeugen Aussage soll gestraft werden, da er zugleich lehrt, wie man die falschen Zeugen strafen soll, v. 15.

1. Wenn der Herr, dein Gott, die Völker ausgerottet hat, welcher Land dir der Herr, dein Gott, geben wird, dass du sie einnimmst, und in ihren Städten und Häusern wohnst,

Wohnst: Das ist: Wenn du das Land Kanaan allerdings eingenommen und in völliger Besitzung haben wirst.

2. sollst du dir drei Städte aussondern im Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird einzunehmen {2Mos 21v13 4Mos 35v11 5Mos 4v41 Jos 20v2}.

Aussondern: Welche im Lande Kanaan je eine von der anderen also gelegen sein sollen, dass einer in einem jeden Ort Landes, wo er ist, in kurzer Zeit dahin fliehen könne.

3. Und sollst gelegene Orte wählen und die Grenze deines Landes, das dir der Herr, dein Gott, austeilen wird, in drei Kreise scheiden, dass dahin fliehe, wer einen Totschlag getan hat.

Gelegene Ort: Dahin es nicht unwegsam ist.

Drei Kreise: Also dass ein jeder Kreis der vorgemeldeten Freistädte eine in sich begreife.

Fliehe: Nämlich zu der Städte eine, das er darin sicher sei.

4. Und das soll die Sache sein, dass dahin fliehe, der einen Totschlag getan hat, dass er lebendig bleibe: Wenn jemand seinen Nächsten schlägt, nicht vorsätzlich, und hat vorhin keinen Hass auf ihn gehabt,

Sache sein: Das ist: Wenn jemand einer Stadt Freiheit genießen will, so muss seine Sache folgendermaßen beschaffen sein, wie bald später steht.

Schlägt: Dass er stirbt.

Nicht vorsätzlich: Nicht mit Fleiß, sondern ungefähr und wider seinen Willen.

Keinen Hass: Das ist: Wenn es offenbar und am Tage ist, dass vor dem Totschlag zwischen dem Totschläger und Entleibten keine Feindschaft gewesen, daraus man mutmaßen und einen Argwohn schöpfen könnte, dass er ihm nach dem Leben gestanden wäre.

5. sondern, als wenn jemand mit seinem Nächsten in den Wald ginge, Holz zu hauen, und holte mit der Hand die Axt aus, das Holz abzuhauen, und das eisernen führe vom Stiel und träfe seinen Nächsten, dass er stürbe, der soll in dieser Städte eine fliehen, dass er lebendig bleibe,

Holte: Damit er desto tapferer darin hauen könne und sich nichts Böses darüber befahret.

6. auf, dass nicht der Bluträcher dem Totschläger nachjage, weil sein Herz erhitzt ist, und ergreife ihn, weil der Weg so ferne ist, und schlage ihm seine Seele, so doch kein Urteil des Todes an ihm ist, weil er keinen Hass vorhin zu ihm getragen hat.

Bluträcher: Des Erschlagenen Verwandter, der seines Freundes Tod zu rächen begehrt.

Erhitzt ist: Vom Zorn und Schmerzen.

Ferne ist: Bis zur Freistadt, dass er sie in der Eile nicht erreichen kann.

Seine Seele: Das ist: Dass er ihn wieder umbringe.

Kein Urteil: Das ist: Da er doch den Tod nicht verschuldet hat.

7. Darum gebiete ich dir, dass du drei Städte aussonderst.

8. Und so der Herr, dein Gott, deine Grenze erweitern wird, wie er deinen Vätern geschworen hat, und gibt dir alles Land, das er geredet hat, deinen Vätern zu geben {1Mos 28v14 5Mos 12v20}

9. (so du anders alle diese Gebote halten wirst, dass du danach tust, die ich dir heute gebiete, dass du den Herrn, deinen Gott, liebst und in seinen Wegen wandelst dein Leben lange), so sollst du noch drei Städte tun zu diesen drei {5Mos 4v43 Jos 20v7 v8},

Leben lange: Das ist: Wenn du immerdar nach Gottes Geboten leben wirst, so wird es geschehen, dass Gott die Grenzen des israelitischen Königreichs weiter ausstrecken wird.

Noch drei: Darum man im ganzen Lande neun Freistädte hat aussondern sollen, wenn es die Kinder Israel alles miteinander eingenommen hätten, was zum Lande Kanaan gehörig gewesen. Denn drei waren bereits diesseits des Jordans, da sie noch damals sich verhielten, vom Mose bestimmt, wie wir oben Kapitel 4. vernommen. Danach werden drei andere mitten im Lande Kanaan über den Jordan auszusondern befohlen, und wenn sich die Grenze weiter erstreckt, so hätte man noch drei andere sollen dazu tun, wie hier ausdrücklich steht.

10. auf, dass nicht unschuldig Blut in deinem Lande vergossen werde, das dir der Herr, dein Gott, gibt zum Erbe, und kommen Blutschulden auf dich.

Vergossen: Da ohne Unterschied zur Strafe gezogen würde, wenn einer gleich nur ungefähr und unversehens einen Totschlag begangen, damit nicht ein Mord über den anderen gehäuft werde.

Auf dich: Das ist: Damit das ganze Volk, dessen nicht entgelten müsse, weil man unschuldig Blut vergossen hat. (Denn eine Obrigkeit soll nicht allein die, so den Tod verschuldet haben, aus dem Wege räumen, sondern auch und viel mehr darauf gut achthaben, damit nicht diejenigen, deren man richtig verschonen soll, zur unrechten Strafe gezogen werden: Wird sie das nicht tun, so wird sie einmal eins Gott schwere Rechenschaft davor geben müssen.)

11. Wenn aber jemand Hass trägt wider seinen Nächsten und lauert auf ihn und macht sich über ihn und schlägt ihm seine Seele tot und flieht in dieser Städte eine {4Mos 35v20},

Macht sich: Wenn er seine Gelegenheit ersehen hat.

Seele Tod: Dass er ihn erwürgt.

Flieht: Nämlich der Totschläger.

12. so sollen die Ältesten in seiner Stadt hinschicken und ihn von dort holen lassen und ihn in die Hände des Bluträchers geben, dass er sterbe.

Holen lassen: Dahin er geflohen ist und verhoffet, dass er darin wolle sicher sein.

Hände: Das ist: In des nächsten Freundes Gewalt, dass der ihn anklage und gebührliche Rache begehre.

Sterbe: Nämlich der seinem Nächsten mit Hinterlist nach getrachtet, dass er durch der Richter Urteil zum Tode verdammt und abgetan werde: Da aber ein Totschläger, eher denn er zur Freistadt kommen können, des Erschlagenen Verwandten einem in die Hände geraten wäre, und derselbe ihn wieder umgebracht, so dürfte er deshalb nicht vor Gericht gestellt werden {4Mos 35}.

13. Deine Augen sollen sein nicht verschonen, und sollst das unschuldige Blut aus Israel tun, dass dir es wohl gehe.

Wohl gehe: (Denn solange ein vorsätzlicher und mutwilliger Totschlag ungestraft bleibt, solange ist das Land durch das Vergießen unschuldigen Blutes verunreinigt. Darum soll eine Obrigkeit die Totschläger, so aus Hinterlist oder Zorn geschehen und begangen werden, mit Ernst strafen, damit das Land vom unschuldigen Blut gereinigt werde. Daneben soll man hier lernen, dass der Totschlag alsdann eigentlich ein Totschlag zu nennen sei, wenn er aus Hass oder Zorn verursacht wird. Daher gut zu lesen ist, dass der Hass und Zorn für Gottes Augen nichts anders als ein Totschlag sei. Darum, da Christus {Mt 5} den Hass und Zorn verbietet, hat er kein neues Gesetz gestellt, sondern das alte recht erklärt: Was weiter von dieser Sache zu wissen, findet man {4Mos 35}.)

14. Du sollst deines Nächsten Grenze nicht zurücktreiben, die die Vorigen gesetzt haben in deinem Erbteil, dass du erbst im Lande das dir der Herr, dein Gott, gegeben hat einzunehmen.

Zurücktreiben: Das ist: Du sollst die Marksteine nicht listig ändern, dass du dadurch ein Stücke Ackers oder Güter deines Nächsten an dich ziehst. (Denn solche Praktiken und Fündlein, damit wir unseres Nächsten Grund und Boden mit Unrecht an uns bringen, auf dass wir unser Grenzen erweitern, missfallen Gott nicht allein sehr, sondern werden auch den Fluch unterworfen und ist weder Glück noch Segen dabei.)

15. Es soll kein einzelner Zeuge wider jemand auftreten über irgendeiner Missetat oder Sünde, es sei, welcherlei Sünde es sei, die man tun kann, sondern in dem Munde zweier oder dreier Zeugen soll die Sache bestehen {4Mos 35v30 5Mos 17v6 Mt 18v16 Joh 8v17 2Kor 13v1 Hebr 10v28}.

Auftreten: Das ist: Der Richter soll kein Urteil sprechen auf eines Zeugen Aussage, es sei gleich mit der Tat beschaffen, wie es wolle.

Bestehen: Das ist: Alsdann soll die Übeltat für bewiesen geachtet werden, wenn zwei genügende Zeugen von der Tat gleich aussagen. (Diese Regel, welche von Gott selbst gegeben und im Alten und Neuen Testament so oft wiederholt wird, soll eine Obrigkeit fleißig in Achthaben, auf dass nicht unschuldige Leute durch Verleumdungen und falsche Anklagen verkürzt und niedergedrückt werden.)

16. Wenn ein freveler Zeuge wider jemand auftritt, über ihn zu bezeugen eine Übertretung,

Freveler: Das ist: Wenn einer so verwegen ist, dass er sich nicht scheut, wider sein eigenes Gewissen einem unschuldigen Menschen ein Laster aufzudrängen und falsches Zeugnis wider ihn vorbringt.

17. so sollen die beiden Männer, die eine Sache miteinander haben, vor dem Herrn, vor den Priestern und Richtern stehen, die zur selben Zeit sein werden;

Beide: Nämlich der Beklagte und der falsche Zeuge.

Priestern: Denn das heißt vor dem Herrn oder vor dem Angesicht Gottes stehen.

18. und die Richter sollen wohl forschen. Und wenn der falsche Zeuge hat ein falsches Zeugnis wider seinen Bruder gegeben,

Forschen: (Weil es wohl geschehen kann, dass, wenn eine Obrigkeit den Zeugen nach allen Umständen fleißig fragt und auf alle seine Reden genau achthat und dieselben wohl erwägt, dass seine Falschheit an Tag kommt und derselben öffentlich überwiesen wird.)

19. so sollt ihr ihm tun, wie er gedachte seinem Bruder zu tun, dass du den Bösen von dir wegtust {Spr 19v5},

Zu tun: Das ist: Ihr sollt dem falschen Zeugen eben dieselbe Strafe zu leiden auferlegen, welche der Beklagte hätte müssen ausstehen, da die Anklage auf ihn wäre bewiesen wurden.

Weg tust: Das ist: Dergestalt wird die Übertretung, so durch das falsche Zeugnis begangen wurde, wiederum ausgesöhnt werden, damit nicht das ganze Land darüber in Gefahr komme, wenn man solche Übel ungestraft hingehen ließe.

20. auf dass die anderen hören, sich fürchten und nicht mehr solche böse Stücke vornehmen zu tun unter dir.

Fürchten: Das ist: Dies ist auch eine Ursache, darum man solche Übeltat nicht soll lassen ungestraft hingehen. Damit zukünftig dergleichen Bosheit vermieden bleibe und andere böse Buben sich daran stoßen, welche sonst leicht, wenn sie meinten frei auszugehen, sich dergleichen auch unterstehen würden. (Denn obwohl die weltliche Obrigkeit der Menschen Herzen nicht ändern oder verbessern kann: So kann sie doch mit einem gerechten Ernst verhüten, dass die Laster nicht allzu allgemeines werden.)

21. Dein Auge soll sein nicht schonen. Seele um Seele, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß {2Mos 21v24 3Mos 24v20 Mt 5v38}.

Sein: Nämlich des falschen Zeugen.

Seele um: Das ist: Wenn der Beklagte, sofern er überwiesen wurde, mit dem Leben hätte zu büßen müssen und gestraft werden: So soll man den falschen Zeugen auch ums Leben bringen: Hätte der Beklagte ein Auge müssen im Stich lassen, so soll man mit dem falschen Zeugen auch also verfahren, und soll es in anderen Fällen ebenermaßen gehalten und gleich mit gleich vergolten werden, dass der falsche Zeuge dieselbe Strafe leide, dazu er mit seiner Lügen seinen Nächsten bringen wollen. (Es ist aber außer Zweifel, dass hier vom Amt der Obrigkeit gehandelt wird, die soll solche Strafen von den schuldigen Personen erfordern. Aber den anderen gemeinen Standespersonen ist keineswegs zugelassen, dass sie sich selber rächen sollen, darum, als Christus {Mt 5}. diesen Ort anzieht und erklärt, hebt er damit das Amt der Obrigkeit nicht auf, wie die Wiedertäufer schwärmen: Gibt auch kein neues Gesetz, wie die Katholiken meinen: Sondern zeigt an, wie dies Gesetz, so vom Amt der Obrigkeit redet und dasselbe bestätigt, sei von den Pharisäern mit einer falschen Deutung auf die eigene und private Rache gezogen wurden, als ob dieselbe hiermit zugelassen wäre und jedermann frei stünde, sich selber zu rächen, welche Meinung allerdings falsch und dieser Satzung zuwiderläuft, weil der Privatrache dadurch abgewehrt und dieselbe der Obrigkeit anheimgestellt wird.)


Das 20. Kapitel


1. Mose lehrt, wie die Israeliten im Kriege wider ihre Feinde sollen beherzt gemacht werden, und welche man wieder zu Haus schicken soll, v. 1. 2. Die sich ergeben (wo sie anders keine Kanaaniter sind) soll man zu Gnaden aufnehmen, und ihrer schonen, v. 10. 3. weiter verbietet er, dass man in währender Belagerung einer Stadt, die fruchtbare Bäume dort herum nicht verderben soll, v. 19.

1. Wenn du in einen Krieg ziehst wider deine Feinde und siehst Rosse und Wagen des Volkes, das größer sei, denn du, so fürchte dich nicht vor ihnen; denn der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, ist mir dir.

Krieg: (Denn es ist einem Christen zugelassen, dass er wohl einen gerechten und nötigen Krieg wider seine Feinde führen mag, wenn er keinen Frieden für ihm haben kann, oder dessen einen besonderen Befehl von Gott erlangt.)

Fürchte: Denn ob du wohl vielleicht bei weitem nicht so stark und mächtig bist als deine Feinde, so sollst du doch deine Hoffnung auf Gott setzen, der wird dir beistehen und deine Feinde schlagen helfen.

Mit dir: Der wird dich nie verlassen, sondern mit seiner väterlichen Güte ob dir halten.

2. Wenn ihr nun hinzukommt zum Streit, so soll der Priester herzutreten und mit dem Volk reden

Priester: Als ein Feldprediger.

3. und zu ihnen sprechen: Israel, höre zu! Ihr geht heute in den Streit wider eure Feinde. Euer Herz verzage nicht; fürchtet euch nicht und erschreckt nicht und lasst euch nicht grauen vor ihnen;

Israel: Ihr Kriegsleute des israelitischen Volkes. (Obwohl es nun nicht jedermann tun ist, dass er sich zum Kriege könne gebrauchen lassen: Jedoch so führt ein jeglicher Christ einen stetigen Krieg wider den Teufel als einen sehr mächtigen Feind, dazu mit großer Gefahr, dass er nicht unten liege. Aber der Sohn Gottes steht ihm bei und verleiht seinen Auserwählten den Sieg.)

4. denn der Herr, euer Gott, geht mit euch, dass er für euch streite mit euren Feinden, euch zu helfen.

5. Aber die Amtleute sollen mit dem Volk reden und sagen: Welcher ein neu Haus gebaut hat und hat es noch nicht eingeweiht, der gehe hin und bleibe in seinem Hause, auf dass er nicht sterbe im Krieg, und ein anderer weihe es ein.

Amtleute: Die Obersten und Hauptleute oder Befehlshaber.

Gebaut: Und aber jetzt im Kriegsheer sich findet, dass er mit fortziehen will.

Eingeweiht: Dass er noch nicht hinein gezogen oder es bewohnt und also seiner Arbeit noch nicht genossen.

Nach Luther: Ein Haus einweihen heißt auf Hebräisch, wenn man hineinzieht, darin zu wohnen.

6. Welcher einen Weinberg gepflanzt hat und hat ihn noch nicht Allgemeines gemacht, der gehe hin und bleibe daheim, dass er nicht im Kriege sterbe, und ein anderer mache ihn Allgemeines.

Allgemeines gemacht: Das ist: Dass er noch keine Nutzung davon gehabt. Denn in den drei ersten Jahren (wie bekannt) tragen die neu eingelegten Reben keine Frucht. Und musste man die erste neue Frucht, so im vierten Jahr wuchs, zu der Hütte des Stifts oder zum Tempel bringen: Dass also der Weingärtner im fünften Jahr allererst, die Früchte aus seinem Weinberge einsammelte.

Allgemeines.: Dass er die ersten Trauben davon lese.

7. Welcher ein Weib ihm vertraut hat und hat sie noch nicht heimgeholt, der gehe hin und bleibe daheim, dass er nicht im Kriege sterbe, und ein anderer hole sie heim.

Daheim: Und waren die neuen Ehemänner von dem Tage der Hochzeit an zu rechnen, ein ganzes Jahr befreit, dass sie nicht in Krieg ziehen dürften. (Denn unser himmlischer Vater ist uns so wohl gewogen, dass er uns auch unsere zeitliche Freude nicht missgönnt: Deren wir doch also gebrauchen sollen, dass wir solchem unserem gütigen Vater davor von Herzen danken sollen, und wiederum in stetiger Bereitschaft sitzen, wenn es sein gnädiger Wille ist und unser Beruf solches fordert, dass wir die zeitlichen Güter, so er uns beschert, mit Willen von Händen lassen.)

8. Und die Amtleute sollen weiter mit dem Volk reden und sprechen: Welcher sich fürchtet und ein verzagtes Herz hat, der gehe hin und bleibe daheim, auf dass er nicht auch seiner Brüder Herz feige mache, wie sein Herz ist.

Seiner Brüder: Nämlich der anderen Israeliten, seiner Spießgesellen, mit denen er fortziehen will.

Feige mache: Wenn er nur immer an die Flucht gedachte. (Denn was furchtsame Leute sind, die taugen nichts im Kriege, und ist viel besser, sie sind davon, als nahe dabei.)

9. Und wenn die Amtleute ausgeredet haben mit dem Volk, so sollen sie die Hauptleute vor das Volk an die Spitze stellen.

Spitze: Dass sie nicht im Hinterhalt bleiben und lassen unterdes ihre ihnen untergebenen Kriegsleute in der Gefahr stecken. (Denn der Hauptleute Gegenwart, da sie sich mit ihrem Volk tapfer hineinwagen, hilft viel zur Erhaltung des Sieges, weil die Kriegsleute dadurch mutig und beherzt gemacht werden.)

10. Wenn du vor eine Stadt ziehst, sie zu bestreiten, so sollst du ihr den Frieden anbieten {4Mos 21v21}.

Stadt: Die nämlich nicht im Lande Kanaan gelegen ist.

Frieden: Dass du sie ermahnst, sie sollen sich ergeben.

11. Antwortet sie dir friedlich und tut dir auf, so soll all das Volk, das darin gefunden wird, dir zinsbar und untertan sein.

Friedlich: Dass sie die vorgeschlagene Bedingung annimmt.

Zinsbar: Das ist: Du sollst keine fernere Gewalt wider die Einwohner gebrauchen, ohne allein dass du ihnen einen Tribut auflegst und sie dir, als deine Knechte gehorsam sein müssen.

12. Will sie aber nicht friedlich mit dir handeln und will mit dir kriegen, so belagere sie.

Nicht friedlich: Dass sie sich auf vorgeschlagene Mittel und Bedingung nicht ergeben will.

13. Und wenn sie der Herr, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles; was Männliches darin ist, mit des Schwertes Schärfe schlagen;

Hand: Dass du sie mit bewaffneter Hand eroberst.

Schlagen: Du sollst alle Mannsbilder erwürgen.

14. ohne die Weiber, Kinder und Vieh und alles, was in der Stadt ist, und allen Raub sollst du unter dich austeilen; und sollst essen von der Ausbeute deiner Feinde, die dir der Herr, dein Gott, gegeben hat.

Weiber: Deren sollst du verschonen.

Austeilen: Denn nach erhaltenem Sieg musste man den Raub gebührlich austeilen unter die Kriegsleute und unter die anderen, so daheim geblieben, wie davon an seinem Ort gesagt wurden {4Mos 31}.

Essen: Von dem Vieh, das du geraubt und geschlachtet hast.

Gegeben: (Denn was man in einem wohl befugten Kriege raubt und zur Ausbeute bekommt, das ist auch Gottes Gabe, davor man ihm danken soll.)

15. Also sollst du allen Städten tun, die sehr ferne von dir liegen und nicht hier von den Städten sind dieser Völker.

Dieser Völker: Die im Lande Kanaan wohnen. Denn dieselben sollten sie allerdings vertilgen, wie folgt.

16. Aber in den Städten dieser Völker, die dir der Herr, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was den Odem hat,

Geben: Das ist: Von denen, die du im Lande Kanaan einnehmen sollst.

Odem hat: Das ist: Du sollst alles, was da lebt, erwürgen, beide, Menschen und Tiere, ohne was deine Religion annehmen wird.

17. sondern sollst sie verbannen, nämlich die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat,

Verbannen: d. i. In Grund vertilgen und ausrotten.

Geboten: Denn von solchem Ernst man hin und wieder in Mose sehr oft Erinnerungen findet. (Gleichwie aber die erste Ermahnung, dass man diejenigen, so sich ergeben, zu Gnaden aufnehmen sollen, uns lehrt, dass wir uns sollen zur Versöhnung bewegen lassen: Also werden wir wiederum durch den Ernst Gottes in Vertilgung der Kanaaniter erinnert, dass wir mit Unbußfertigkeit die göttliche Strafe uns selbst nicht häufen. Denn es hatten die Kanaaniter ganze vierhundert Jahr Raum und Platz gehabt zur Buße, vor der Zukunft der Kinder Israel, aber sich nicht bessern wollen.)

18. auf dass sie euch nicht lehren tun alle die Gräuel, die sie ihren Göttern tun, und ihr euch versündigt an dem Herrn, eurem Gott.

Lehren tun: (Denn böse Beispiele reizen besonders die Einfältigen bald zur Sünde, und ist kein Laster oder Bubenstück, das Gott so hoch missfalle, als eben die Abgötterei.)

19. Wenn du vor einer Stadt lange Zeit liegen musst, wider die du streitest, sie zu erobern, so sollst du die Bäume nicht verderben, dass du mit Äxten daran fährst; denn du kannst davon essen, darum sollst du sie nicht ausrotten. Ist es doch Holz auf dem Felde und nicht Mensch, dass es vor dir ein Bollwerk sein möge.

Darum: Nämlich weil du die Nutzung davon haben kannst, nachdem du die Stadt erobert und eingenommen hast.

Ist es doch Holz: (Nach Luther) Was willst du dich wider die Bäume legen und hauen, als wäre es ein Mensch oder Bollwerk vor dir. Es ist Holz auf dem Felde und nicht in der Stadt, es tut dir nichts und ist dir nützlich. Welches geistlicherweise dahin kann gedeutet werden, dass man nicht soll wider dieselben streiten, so für uns und nicht wider uns sind.

20. Welches aber Bäume sind, die du weißt, dass man nicht davon isst, die sollst du verderben und ausrotten und Bollwerk daraus bauen wider die Stadt, die mit dir kriegt, bis dass du ihrer mächtig wirst {Jer 6v6}.

Nicht: Die unfruchtbar sind und sonst zu nichts dienen. (Dies ist eine feine Ordnung und Kriegsregiment, dadurch verhütet wird, das wir dasjenige, was uns zukünftig nützlich sein kann, nicht mutwilligerweise und ohne Not verderben.)


Das 21. Kapitel


1. Mose heißt eine junge Kuh töten für einen Erschlagenen, mit Zeichen, dass man den Täter nicht wisse, v. 1. 2. Danach lehrt er, mit was Bedingung man eine gefangene Weibsperson ehelichen könne, v. 10. 3. Und wird weiter geordnet, dass der erstgeborene Sohn seiner Freiheit nicht soll beraubt werden, v. 15. 4. Aber die ungehorsamen und widerspenstigen Söhne soll man steinigen, v. 18. V. Und wird denn auch geboten, dass man einen Gehängten am Holz vor dem Sonnenuntergang begraben soll, v. 22.

1. Wenn man einen Erschlagenen findet im Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird einzunehmen, und liegt im Felde, und man nicht weiß, wer ihn erschlagen hat,

2. so sollen deine Ältesten und Richter hinausgehen und von dem Erschlagenen messen an die Städte, die umher liegen.

Hinausgehen: Nämlich aus den umher benachbarten Städten.

3. Welche Stadt die nächste ist, derselben Ältesten sollen eine junge Kuh von den Rindern nehmen, damit man nicht gearbeitet noch am Joch gezogen hat,

Nächste ist: Denn dieselbe soll von Rechts wegen schuldig sein den Totschlag mit angemessenen Zeremonien, wie die hernach beschrieben werden, zu versöhnen. (Und wenn eine Obrigkeit die Gemeinde-Landstraßen nicht sicher hält, oder die Mörder und Totschläger zu rächen etwas langsam ist, die sollen wissen, dass sie deshalb vor Gott einmal schwere Rechenschaft werden geben müssen.)

Junge Kuh: (Durch diese junge Kuh ist unsere Erlöser Christus bedeutet worden, der in seinem besten und blühenden Alter sich für unsere Sünde hat lassen zum Tode hinführen.)

4. und sollen sie hinabführen in einen kiesigen Grund, der weder gearbeitet noch besät ist, und dort im Grunde ihr den Hals abhauen.

Kiesigen: (Diese Umstände des Orts bilden uns die Schädelstadt vor, auf welcher Christus getötet wurde und sein Blut für unserer Sünde vergossen hat.)

5. Da sollen herzukommen die Priester, die Kinder Levi; denn der Herr, dein Gott, hat sie erwählt, dass sie ihm dienen und seinen Namen loben, und nach ihrem Munde sollen alle Sachen und alle Schäden gehandelt werden.

Dienen: Mit Verrichtung der Opfer und anderer Zeremonien, die zum Gottesdienst gehören.

Loben: Das ist: Es ist ihr Amt, dass sie den Namen Gottes anrufen und über die Kinder Israel den göttlichen Segen aussprechen sollen.

Gehandelt werden.: Das ist: Es soll den Priestern aus dem levitischen Stamm gebühren und Amtes halben obliegen, dass sie zugleich mit den Richtern den streitigen Parteien aus dem Gesetz Recht sprechen und die Sachen entscheiden, besonders, wo über einen Totschlag oder Schaden gehandelt wird. (Jetziger Zeit aber, nachdem die mosaische Polizei abgetan und das levitische Priestertum aufgehoben ist, haben die Kirchendiener, nach Auskündigung des Evangeliums, nicht einen dergleichen Beruf in ihrem Amt. Denn ihnen, als Kirchendienern, nicht befohlen ist, dass sie in weltlichen Händeln rechtsprechend oder die streitigen Parteien aus den Gesetzen entscheiden sollen, denn das steht der weltlichen Obrigkeit zu.)

6. Und alle Ältesten derselben Stadt sollen herzutreten zu dem Erschlagenen und ihre Hände waschen über die junge Kuh, der im Grunde der Hals abgehauen ist,

Hände waschen: (Wir waschen alsdann unsere Hände über Christus, wenn wir uns an sein Leiden halten und uns darauf verlassen und fest glauben, dass wir durch seine Reinheit und Genugtuung vor Gott seinem himmlischen Vater gereinigt und geheiligt sind.)

7. und sollen antworten und sagen: Unsere Hände haben dies Blut nicht vergossen, so haben es auch unsere Augen nicht gesehen.

Nicht gesehen: Wer das unschuldigen Blut vergossen hat, sonst wären wir davor gewesen und hätten abgewehrt oder doch mit allem Ernst den Mord gerächt.

8. Sei gnädig deinem Volk Israel, das du, der Herr, erlöst hast; lege nicht das unschuldige Blut auf dein Volk Israel! So werden sie über dem Blut versöhnt sein.

Erlöst: Aus der ägyptischen Dienstbarkeit.

Lege nicht: Das ist: Rechne diesen Totschlag nicht dem ganzen Volk zu, weil uns der Täter unbewusst und verborgen ist, auf dass nicht unser ganzes Volk dieser Missetat halben gestraft werde.

Versöhnt: Das ist: Gott wird es dem Lande nicht zurechnen und deshalb keine Strafe über das ganze Volk schicken.

9. Also sollst du das unschuldige Blut von dir tun, dass du tust, was Recht ist vor den Augen des Herrn.

Von dir tun: Dass du dein Land von solcher Sünde reinigst und es das Aussehen gewinne, als ob solches Blut nicht vergossen wäre.

Was Recht ist: In Maßen, wie du angehört hast, dass man mit dergleichen Sachen umgehen soll.

10. Wenn du in einen Streit ziehst wider deine Feinde, und der Herr, dein Gott, gibt dir sie in deine Hände, dass du ihre Gefangenen wegführst,

11. und siehst unter den Gefangenen ein schönes Weib und hast Lust zu ihr, dass du sie zum Weibe nimmst,

Schönes Weib: Welche zwar ihrer Herkunft halben eine heidnische Weibsperson ist, aber doch nicht von den kanaanitischen Völkern hergekommen, die Gott allerdings auszurotten und zu vertilgen aufs ernstlichste befohlen.

12. so führe sie in dein Haus und lass ihr das Haar abscheren und ihre Nägel beschneiden

Haus: Dass sie darin eine Zeit lang sich verhalte, eher du dich zu ihr tust.

Haar: Das ist: Ehe du sie ehelichst, soll sie zuvor ihr Haupt bescheren und andere Haare wachsen lassen.

13. und die Kleider ablegen, darin sie gefangen ist, und lass sie sitzen in deinem Hause und beweinen einen Mond lange ihren Vater und ihre Mutter; danach schlaf bei ihr und nimm sie zur Ehe und lass sie dein Weib sein.

Ablegen: Und andere antun, die du ihr machen lässt.

Beweinen: Von denen sie mit Gewalt zur Dienstbarkeit ist hinweg genommen worden.

14. Wenn du aber nicht Lust zu ihr hast, so sollst du sie auslassen, wo sie hin will, und nicht um Geld verkaufen noch versetzen, darum dass du sie gedemütigt hast.

Nicht Lust: Dass du sie zum Weibe behaltest. Denn es stand den Juden frei, dass sie auch ihre ehelichen Weiber dürften von sich stoßen und sich von ihnen scheiden.

Auslassen: Nämlich frei, ledig und los als ein Weib und nicht als eine leibeigene Dienstmagd.

Verkaufen: Wie man andere Gefangene zu verkaufen macht hatte.

Versetzen: Von ein gewisses Geld austun.

Gedemütigt: Das ist: Weil du mit ihr beigelegen und ihrer Jungfrauenschaft (sofern sie noch ledig gewesen) sie beraubt hast, darum soll sie, gleichsam als zu Wiedervergeltung solcher Tat, die du an ihr geübt, freilassen. (So vieles und mancherlei Unglück bringt der Krieg mit sich, dass die Eheleute voneinander geschieden und die Kinder von den Eltern in eine elende oder wohl auch schändliche Dienstbarkeit hingerissen werden. Jedoch hat Gott mit diesem Gesetz angezeigt, dass er der Gefangenen Elend, mit Gnaden Aussehen und ihre Gefängnis oder auch Dienstbarkeit lindere, auf dass wir wissen, dass er für die Elenden und Verlassenen sorge und ihren harten Zustand mildern wolle. Auf eine geistliche Deutung aber wird durch dies heidnischen gefangene Weibsbild verstanden, die Philosophie oder Weltweisheit, deren sich die Christen wohl gebrauchen mögen, wenn sie zuvor, was unnütz und gottloses daran ist, als Haar und Nägel, abschneiden, danach ist einem reinem Christen alles rein.)

15. Wenn jemand zwei Weiber hat, eine, die er lieb hat, und eine, die er hasst, und sie ihm Kinder gebären, beide, die liebe und die feindselige, dass der Erstgeborene der Feindseligen ist,

Zwei Weiber: Nämlich zugleich und auf einmal, welches denn bei den Juden sehr gebräuchlich war.

Hasst: Die ihm nicht fast lieb ist und darum sich ihrer nicht viel annimmt.

16. und die Zeit kommt, dass er seinen Kindern das Erbe austeile, so kann er nicht den Sohn der liebsten zum erstgeborenen Sohn machen für den erstgeborenen Sohn der feindseligen,

Austeile: Das ist: Wenn er ein Testament machen will seiner zeitlichen Güter halben, wie es mit denselben nach seinem Tode soll gehalten werden. Welches denn verständige Hausväter zu tun pflegen, weil sie noch bei ihren Leibeskräften und guter Vernunft sind.

Kann er: Das ist: Es steht ihm nicht frei, dass er im Testament das Recht und den Vorzug der ersten Geburt des feindseligen Sohns, dem es von Rechts wegen gebührt, entwenden wollte und der Liebsten Sohne übergeben.

17. sondern er soll den Sohn der feindseligen für den ersten Sohn erkennen, dass er ihm doppelt gebe alles, das vorhanden ist; denn derselbe ist seine erste Kraft, und der Erstgeburt Recht ist sein {1Chr 6v1 v2 1Mos 49v3}.

Erkennen: Dass er ihn bei seinem Recht bleiben lasse.

Doppelt: Also dass, da des liebsten Weibes Sohn ein Teil der Güter empfängt, der Feindseligen, da er der Erstgeborene ist, zwei Teile nehme.

Gebe: Oder im Testament vermache.

Erste Kraft: An dem hat sich sein Geschlecht am ersten zu vermehren und stärkere zu werden angefangen.

Recht: Das ist: Die Freiheit, so der ersten Geburt von Rechts wegen zusteht. (Und haben hier die Väter eine gute Lehre zu merken und zu behalten, dass sie nicht ihren Weibern zu Gefallen (besonders was Stiefmütter sind) den Kindern aus der ersten Ehe ihre Freiheiten und Güter, die ihnen von Rechts wegen zugehören, entziehen, sondern ohne vorgefasste Zuneigung mit der Austeilung des Erbes umgehen, wie es die Gerechtigkeit an sich selbst fordert und dem Rechten gemäß ist. Danach wird uns auch hier vorgebildet unser Herr und Heiland Christus, als der ewige eingeborene Sohn Gottes, der mit dem Vater eines Wesens ist, und denn auch wahrhaftiger Mensch, der rechte Erstgeborne, welcher an Gaben alle andere Menschen weit übertrifft: Denn ihm ist der Heilige Geist nicht nach dem Maß gegeben, und hat er die Herrschaft, ja alle Gewalt empfangen, im Himmel und auf Erden {Mt 28}.

18. Wenn jemand einen eigenwilligen und ungehorsamen Sohn hat, der seines Vaters und Mutter Stimme nicht gehorcht, und wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will,

Nicht gehorcht: Dass er alle ihre Befehle verachtet und ihre Vermahnungen in Wind schlägt.

Züchtigen: Dass sie ihn gerne wollten wiederum richtig bringen.

19. so soll ihn sein Vater und Mutter greifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor desselben Orts

Tor: Das ist: An dem Ort, da man öffentlich Gericht hält, welches damals unterm Tor geschah, wie bei uns auf dem Rathaus.

20. und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist eigenwillig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Schlemmer und Trunkenbold.

Trunkenbold.: Ein loser versoffener Bube, der nichts kann denn fressen und saufen und sich unflätig halten.

21. So sollen ihn steinigen alle Leute derselben Stadt, dass er sterbe, und sollst also den Bösen von dir tun, dass es ganz Israel höre und sich fürchte.

Steinigen: Nämlich nachdem die Richter desselben Orts, ihn, seines Frevels und Widerspenstigkeit halben, zum Tode verurteilt haben.

Bösen: Nämlich den verruchten, Gottlosen und übergebenen Menschen, der zu nichts Gutem mehr taugt oder von Nutzen ist. (Denn es ist viel besser, wenige und fromme als viele und böse Leute haben. Und obwohl dies zu denselben Zeiten ein großer Ernst gewesen, so war es doch bei dem Volk wohl nötig, welches sonst ganz halsstarrig war. Und wird damit angezeigt, dass die ungehorsamen Kinder vor Gott nicht allein den zeitlichen, sondern auch den ewigen Tod verschuldet haben.)

Höre: Dass man den Ungehorsam eines Sohnes so hart gestraft habe.

Fürchte: (Besonders aber die Jugend ein Beispiel habe, damit sie gewarnt und klug werde, dass sie ihrer Eltern gutherzige Vermahnungen nicht mutwilliger und freventlicherweise verachten.)

22. Wenn jemand eine Sünde getan hat, die des Todes würdig ist, und wird also getötet, dass man ihn an ein Holz hängt,

23. so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern sollst ihn desselben Tages begraben; denn ein Gehenkter ist verflucht bei Gott, auf dass du dein Land nicht verunreinigst, das dir der Herr, dein Gott, gibt zum Erbe.

Begraben: Wenn du ihn vom Holz herab genommen hast.

Verflucht: (Denn obwohl ein Übeltäter, der auf diese oder andere Weise hingerichtet wird, sofern er Buße getan ist selig geworden, so ist doch die Strafe des Henkens an ihr selber bei den Juden so ein abscheulich Ding gewesen, dass sie nichts anderes dachten, denn die Erde und der Luft würde durch die Gehenkten verunreinigt und vergiftet, wo sie nicht vor dem Sonnenuntergang wieder wären abgenommen und begraben worden. Es ist aber durch dies Gesetz abgebildet, wie Christus sollte für uns ein Fluch am Kreuz werden, das ist, dass er würde den Fluch für uns und um unsertwillen auf sich nehmen, auf dass wir durch den Glauben an ihn den rechten und wahrhaftigen Segen erlangen, nämlich die Gunst und Gnade Gottes des himmlischen Vaters und das ewige Leben {Gal 3}.)


Das 22. Kapitel


1. Mose erzählt etliche weltliche Satzungen nacheinander, welche meistenteils allein die Israeliten angingen, aber doch den Christen auch so viel Nachricht geben, dass sie sich der Ehrbarkeit und Gerechtigkeit bemühen sollen, v. 1. 2. Als da sind unter anderen, was von Jungfrauen, Ehegelübden und geschwächten Weibspersonen gelesen wird, v. 13.

1. Wenn du deines Bruders Ochsen oder Schaf siehst irre gehen, so sollst du dich nicht entziehen von ihnen, sondern sollst sie wieder zu deinem Bruder führen {2Mos 23v4}.

Nicht entziehen: Also dass du dich es nicht achten wolltest, es möchte deinem Nächsten wiederum zugestellt werden oder nicht.

2. Wenn aber dein Bruder dir nicht nahe ist und kennst ihn nicht, so sollst du sie in dein Haus nehmen, dass sie bei dir sind, bis sie dein Bruder suche, und dann ihm wiedergibst.

Nicht nahe: Das ist: Wenn der, so das Vieh verloren hat, nicht in der Nähe bei dir wohnt, dass du es leicht ihm wieder zuführen möchtest, so sollst dennoch in Achthaben, dass er nicht darum komme.

Kennst: Dass du nicht weißt, wem es gehört.

Bruder: Das ist: Dein Nächster, der des israelitischen Stammens und Herkommens ist.

3. Also sollst du tun mit seinem Esel, mit seinem Kleide und mit allem Verlorenen, das dein Bruder verliert, und du es findest; du kannst dich nicht entziehen.

Mit allem: Das ist: Was du für Sachen findest, dass einem anderen gehört, das gib entweder von Stunde an wieder, oder wenn du nicht weißt, wem es gehört, so behalte es bei dir auf, bis es der, so es verloren hat, wieder fordere, doch sollst du es auch anderen Leuten kundtun, dass du etwas gefunden hast.

4. Wenn du deines Bruders Esel oder Ochsen siehst fallen auf dem Wege, so sollst du dich nicht von ihm entziehen, sondern sollst ihm aufhelfen {Mt 12v11 Lk 14v5}.

Fallen: Entweder unter der Last oder sonst, dass er nicht wieder auf stehen kann.

Entziehen: Das ist: Du sollst nicht stillschweigend vorübergehen und tun, als ob du es nicht siehst. (Und werden wir hier erinnert, dass wir für unseres Nächsten Sachen ebenso große Sorge tragen sollen, als für unsere eigenen, dass sie nicht verloren werden, denn wir sollen unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Danach haben wir auch das hierbei zu lernen, dass Gott auch für das Vieh sorge, nicht zwar eigentlich ihrethalben, sondern um der Menschen willen, denen sie zum Guten erschaffen sind. Darum sollen wir uns derselben mit Danksagung gebrauchen. Endlich hören wir, wenn, wir etwas finden, dass andere verloren haben, so sollen wir es dem rechten Herrn, wo es immer möglich sein kann, wieder zustellen, wo wir anders nicht vor Gott als Diebe und Räuber wollen geachtet werden.)

5. Ein Weib soll nicht Mannsgeräte tragen, und ein Mann soll nicht Weiberkleider antun; denn wer solches tut, der ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel.

Geräte: (Denn weil Gott in der Natur beiderlei Geschlechter unterschieden hat, so soll ein jedes Geschlecht solche Kleidung tragen, die ihm gebührt. Weil bei Abwechslung der Kleider viel Böses mit unterlaufen kann, und stehen keine Verstellungen einem Christenmenschen wohl an. Wie auch Gottes Wille und Meinung ist, dass ein jeder nach seinem Stande sich angemessen und ehrlich kleiden soll.)

6. Wenn du auf dem Wege findest ein Vogelnest auf einem Baum oder auf der Erde mit Jungen oder mit Eiern, und dass die Mutter auf den Jungen oder auf den Eiern sitzt, so sollst du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen,

Sollst nicht: Denn es hat das Aussehen eines grausamen Gemüts, wenn man die Mutter mit den Jungen fängt, und ist die Mutter genügend betrübt, wenn sie die Jungen verlassen muss. Zu dem, welcher die Mutter zugleich mit den Jungen hinweg nimmt, der gibt schier damit zu verstehen, dass er, so viel an ihm ist, des unschuldigen Tieres Art ganz begehre auszurotten, die doch nach der Ordnung Gottes soll erhalten und fortgepflanzt werden. Darum verheißt auch Gott einem gelinden und sanftmütigen Menschen, der die Kreaturen Gottes begehrt zu erhalten, ein langes Leben.

7. sondern sollst die Mutter fliegen lassen und die Jungen nehmen, auf dass dir es wohl gehe und lange lebst.

8. Wenn du ein neues Haus baust, so mache eine Lehne drum auf deinem Dache, auf dass du nicht Blut auf dein Haus ladest, wenn jemand herabfiele.

Lehne: Denn es war im jüdischen Lande gebräuchlich, dass man ebene Dächer baute, darauf man gehen könnte, wie bei uns die Altanen sind, daher um der Gefahr willen, dass nicht jemand aus Unvorsichtigkeit herabstürze, wenn er auf dem Dach spazieren ging, hier befohlen wird, dass man Lehnen herum bauen soll. (Denn wir sollen uns hüten, dass wir an niemands unzeitigem Tode schuldig werden.)

9. Du sollst deinen Weinberg nicht mit mancherlei besäen, dass du nicht zur Fülle heiligst solchen Samen, den du gesät hast neben dem Einkommen des Weinberges {3Mos 19v19}.

Mancherlei: Das ist: Du sollst nicht in deinen Weinberg, der schon besät ist, noch anderer mehr Samen säen.

Heiligst: Das ist: Damit nicht, wenn du deine Erstlinge und Zehnten aus solchem Weinberg zur Hütte des Herrn bringst zum Opfer, dasselbe aus viel Samen, der mancherlei Art ist, zusammen kommen, welche Vermischung durcheinander dem Herrn missfällt, und etlichermaßen abscheulich ist. (Obwohl nun dies Gebote auf die Haushaltung scheint gerichtet zu sein, davon auch im 3. Mose 19. gelesen wird. Und man hier hörte, dass solche Vermischung der Samen den göttlichen Segen nicht haben, weil eines das andere verhindert, so wird doch auf eine geistliche Deutung hier verstanden, dass, wenn jemand viel Sachen zu verrichten sich untersteht, die nicht seines Berufes sein, das gefalle Gott nicht und sei kein Glück dabei.)

10. Du sollst nicht ackern zugleich mit einem Ochsen und Esel.

Zugleich: Das ist: Wenn du pflügen willst, so soll man nicht einen Ochsen und Esel zusammenspannen, dass sie miteinander unter einem Joch ziehen müssen. (Und ist dies auch ein Gebot, dass zur Haushaltung gehört, damit anzuzeigen, dass eine solche Weise zum Ackerbau nicht möglich und kein Glück dabei sei. Also wird auch dem Regiment übel vorgestanden, wenn die Regierung solchen Leuten übergeben wird, die nicht gleichgesinnt sind, besonders wenn sie gleiche Gewalt haben, denn daher gewöhnlich allerlei Unrichtigkeiten und Verwüstungen der Stände entstehen. Also ist es auch beschaffen, wo eine ungleiche Ehe ist, da eins hier, das anderer dort hinaus will, da kann nicht viel Ruhe oder Glück dabei sein.)

11. Du sollst nicht anziehen ein Kleid von Wolle und Leinen zugleich gemengt.

Anziehen: (Diese Hausregel gehört auch zur jüdischen Polizei allein und geht uns Christen dem Buchstaben nach nichts an: Aber geistlicherweise wird dadurch bedeutet, das Gott gar keinen Gefallen daran habe, wenn jemand zugleich widerwärtigen Glauben annehme, wie die tun, welche die rechte Religion des Evangeliums mit papistischen Aberglauben vermengen und eine neue interimistische Religion machen, die weder päpstlich noch evangelisch ist.)

12. Du sollst dir Läpplein machen an den vier Fittichen deines Mantels, damit du dich bedeckst.

Fittichen: Oder Ecken. Und kann man aus diesem Text etlichermaßen abnehmen, was die Juden damals für eine Kleidung getragen, nämlich, dass sie sich hinten und vorne damit bedeckt haben, und an den Seiten offen gewesen, welche mit Schleiflein oder Haften zusammengefasst und zugemacht wurden, doch auch nicht ganz bis zu unterstem Saum. Daher es geschehen, dass ein solches Kleid unten vier Ecken gehabt, zwei am Vorderteil auf beiden Seiten, und zwei am Hinterteil auch auf beiden Seiten: Diese Ecken sollten sie mit gelben Läpplein oder Zötlin zieren. Und das zu dem Ende, damit, sooft sie dieselben ansehen, der Gebote Gottes sich erinnerten, auf dass sie nicht nach ihrer eigenen Willkür und Vernunftsdenken, sondern nach dem vorgeschriebenen Worte Gottes alles taten {4Mos 15}. (Obwohl nun wir im Christentum zu dieser Zuchtlehre nicht gebunden sind, so sollen wir jedoch durch vielfältige Betrachtung des Wortes Gottes uns zum Gehorsam der Gebote Gottes aufmuntern und uns selber im Zaum halten.)

13. Wenn jemand ein Weib nimmt und wird ihr gram, wenn er sie beschlafen hat,

14. und legt ihr was Schändliches auf und bringt ein böses Geschrei über sie aus und spricht: Das Weib habe ich genommen, und da ich mich zu ihr tat, fand ich sie nicht Jungfrau:

Schändliches: Dass er sie verschrien gemacht, als die sich nicht ehrlich gehalten.

15. so sollen der Vater und Mutter der Dirne sie nehmen und vor die Ältesten der Stadt in dem Tor hervorbringen der Dirne Jungfrauenschaft.

Tor: An dem Ort, da man Gericht hält.

16. Und der Dirne Vater soll zu den Ältesten sagen: Ich habe diesem Manne meine Tochter zum Weibe gegeben; nun ist er ihr gram geworden

17. und legt ein schändliches Ding auf sie und spricht: Ich habe deine Tochter nicht Jungfrau gefunden; hier ist die Jungfrauenschaft meiner Tochter. Und sollen die Kleider vor den Ältesten der Stadt ausbreiten.

Kleider: Das ist: Die Tücher, in denen die neuen Eheleute beieinander gelegen sind, darin das Zeichen der Jungfrauenschaft noch gesehen wird, und die Eltern der Weibsperson ihren Tochtermann damit überweisen sollen, dass sie ihm eine Jungfrau zum Weibe gegeben haben.

18. So sollen die Ältesten der Stadt den Mann nehmen und züchtigen

Den Mann: Der gegen sein frommes Weib eine unbillige Klage geführt und sie ohne Ursache in ein böses Geschrei bringen wollte.

Züchtigen: Das ist: Mit der Geißel schlagen lassen, welche Strafe damals denen zuerkannt wurde, die das Leben nicht ganz verwirkt hatten.

19. und um hundert Sekel Silbers büßen und dieselben der Dirne Vater geben, darum dass er eine Jungfrau in Israel bezichtigt hat; und soll sie zum Weibe nehmen, dass er sie sein Leben lange nicht lassen möge.

Hundert Sekel: Machen fünfundzwanzig Taler.

In Israel: Das ist: Weil er dem ganzen Volk Israel begehrt ein Schandfleck anzuhängen indem, dass er eine ehrliche Jungfrau für eine unzüchtige gemeine Metze ausgeschrien hat.

Haben: Es sei ihm lieb oder leid, und sollte er daran erwürgen.

Nicht lassen: Das ist: Obwohl sonst den Juden zugelassen wird, dass sie ihre Weiber, denen sie gram werden, mögen von sich stoßen, so kann doch der, welcher sein Weib bezichtigt hat, dieselbe nimmermehr von sich lassen, und das ihm selbst zur wohl verdienten Strafe. (Bei welchem Beispiel wir zu lernen haben, dass man die Lästerer und Verleumder mit allem Ernst strafen soll, und dass Gott ein Auge auf die Habe, welche mit Verleumdungen und falscher Anklage unrechterweise beschwert werden.)

20. ist es aber die Wahrheit, dass die Dirne nicht ist Jungfrau gefunden,

Wahrheit: Das ist: Wenn der Ankläger tun und beweisen kann, dass sein Weib vorhin, ehe er sie genommen, verfällt gewesen, und die Eltern mit vorgemeldeten augenscheinlichen Zeichen ihrer Tochter Jungfrauenschaft nicht tun können.

21. so soll man sie heraus vor die Tür ihres Vaters Hauses führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, darum dass sie eine Torheit in Israel begangen und in ihres Vaters Hause gehurt hat; und sollst das Böse von dir tun.

Torheit: Das ist: Eine Übeltat oder böses Stück. (Denn es ist die Hurerei ein schändliches Laster, sowohl unter allen Heiden als besonders und insbesondere unter den Christen, deren Leiber durch die Taufe dem Sohn Gottes sind geweiht und geheiligt wurden. Und wer mit Hurerei sündigt, der verunreinigt seinen eigenen Leib, welcher ein Tempel und Wohnung des Heiligen Geistes sein soll: Wer aber den Tempel Gottes verunreinigt und befleckt, den wird Gott nicht ungestraft lassen {1Kor 3}.)

Das Böse: (Denn ob man wohl nicht verhüten kann, dass kein Unrecht noch Böses begangen werde, so wird jedoch ein ganzes Land und Volk wiederum bei Gott ausgesöhnt und von dem begangenen Laster gereinigt, wenn eine Obrigkeit die schuldige Person angemessen und ernstlich straft.)

22. Wenn jemand erfunden wird, der bei einem Weibe schläft, die einen Ehemann hat, so sollen sie beide sterben, der Mann und das Weib, bei der er geschlafen hat; und soll das Böse von Israel tun {3Mos 20v10}.

Jemand: Er sei gleich ein Ehemann oder noch eine ledige Person.

Sterben: (Heutigentags wird der Ehebruch nicht so hart gestraft, darum ist es kein Wunder, dass dergleichen Sünden oft geschehen und im Schwange gehen, welche später mit besonderen Plagen und auch gemeinen Landstraßen von Gott heimgesucht werden.)

23. Wenn eine Dirne jemand vertraut ist, und ein Mann kriegt sie in der Stadt und schläft bei ihr,

Stadt: Das ist: Nicht an einem einsamen Ort, da sie nicht um Hilfe und Rettung schreien könnte, sondern an einem Ort, da viele Leute um sie her wohnen.

24. so sollt ihr sie alle beide zu der Stadt Tor ausführen und sollst sie beide steinigen, dass sie sterben: Die Dirne darum, dass sie nicht geschrien hat, weil sie in der Stadt war; den Mann darum, dass er seines Nächsten Weib geschändet hat; und sollst das Böse von dir tun.

Nicht geschrien: Von Hilfe wider den, so sie mit Gewalt begehrt zu schänden.

Nächsten: (Denn wenn zwei einander mit Bewilligung ihrer Eltern oder Vormündern zur Ehe versprochen sind, so sind sie vor Gott rechte Eheleute, ob sie gleich noch nicht Hochzeit gehalten oder beigelegen haben. Darum, welche Person nach geschehener

Ehe oder Verlobung Hurerei treibt, die begeht einen Ehebruch.)

25. Wenn aber jemand eine vertraute Dirne auf dem Felde kriegt und ergreift sie und schläft bei ihr, so soll der Mann allein sterben, der bei ihr geschlafen hat.

Felde: An einem einsamen Ort, der da weit von den Leuten abgelegen und niemand in der Nähe vorhanden ist.

Ergreift: Dass er sie mit Gewalt anfällt.

26. Und der Dirne sollst du nichts tun, denn sie hat keine Sünde des Todes wert getan, sondern gleichwie jemand sich wider seinen Nächsten erhöbe und schlüge seine Seele tot, so ist dies auch.

Nichts tun: (Darum, gleichwie eine Obrigkeit mit Fleiß dahin sehen soll, dass die vorsätzlichen und aus Mutwillen begangenen Laster gestraft werden: Also soll sie wiederum in diesem und anderen dergleichen Fällen vorsichtig handeln und die Strafe mäßigen, damit nicht die Unschuldigen zugleich mit den Schuldigen hingerichtet werden.)

Erhöbe: Das ist: Gleichwie jemand eine unrechte Gewalt nicht widerstehen kann, da er unversehens von einem Mächtigeren überfallen und erwürgt wird: Also ist es mit diesem Fall auch, dass sie mit Gewalt geschändet wurden.

27. Denn er fand sie auf dem Felde, und die vertraute Dirne schrie, und war niemand, der ihr half.

28. Wenn jemand an eine Jungfrau kommt, die nicht vertraut ist, und ergreift sie und schläft bei ihr, und findet sich also,

Findet: Dass die Tat nicht kann geleugnet werden.

29. So soll, der sie beschlafen hat, ihrem Vater fünfzig Sekel Silbers geben und soll sie zum Weibe haben, darum, dass er sie geschwächt hat; er kann sie nicht lassen sein Leben lange {2Mos 22v16}.

Sekel: Nämlich zur Strafe, weil er ihm seine Tochter geschändet, die ihm noch nicht gebührlich versprochen gewesen.

Haben: (Heutigentags wird zwar niemand gezwungen, dass er diejenigen haben muss, die er verfällt hat, sofern er ihr die Ehe nicht verheißen. Wer aber ein aufrichtiges und redliches Gemüt hat, der wird dieselbe nicht verachten, dass er sie eheliche, denn er sie ihres größten Schmucks und Zierde, als da ist die Jungfrauenschaft, beraubt hat.)

Nicht lassen: Da es sonst zur selben Zeit einem freistand, dass er sein Weib durfte von sich stoßen, wenn es gleich nicht Ehebruchs halben geschah.

30. Niemand soll seines Vaters Weib nehmen und nicht aufdecken seines Vaters Decke {3Mos 18v7 20v11 5Mos 27v20}.

Vaters Weib: Denn wer seine Stiefmutter zum Weibe nimmt, der entdeckt seines Vaters Scham, weil sein Vater und seine Stiefmutter ein Fleisch gewesen. (Und hat die Natur selbst ab solcher Tat ein Abscheu, also dass auch die Heiden solche Laster geflohen haben, wie Paulus bezeugt {1Kor 5}.)


Das 23. Kapitel


1. Erstlich wird gelehrt, was für Personen, und aus was Volk zu Ämtern können gebraucht werden, v. 1. 2. Danach werden etliche Kriegsordnungen gemacht, v. 9. 3. Und wird den Knechten, die ihren tyrannischen Herren entlaufen, Sicherheit heranschaffen, v. 15. 4. Auch wird die Hurerei verboten, v. 17. V. Und der Wucher, den Juden mit den Fremden zugelassen. Aber mit ihren Geschlechtsverwandten zu treiben, untersagt, v. 19. VI. Rechtmäßige Gelübde soll man halten, v. 21. VII. Endlich wird angezeigt, was in des Nächsten Weinberg oder Acker zugelassen oder nicht zugelassen sei, v. 24.

1. Es soll kein Zerstoßener noch Verschnittener in die Gemeinde des Herrn kommen.

Zerstoßener: Der zur Ehe untauglich ist.

Kommen: Das ist: Man soll ihm kein Amt befehlen oder irgendetwas zu verwalten eingeben: Denn er soll dem Volk nicht vorgesetzt werden als eine Obrigkeit. Nichtsdestoweniger aber ist ihm vergönnt und zugelassen, dass er unter den anderen Israeliten wohnen und bei Verrichtung des Gottesdienstes sich finden lassen möge. (Und hat Gott mit diesem Gesetz der Heiden Gewohnheit verwerfen wollen, welche damals sehr im Brauch hatten, dass sie die Mannsbilder verschnitten und danach das Frauenzimmer zu verwahren ihnen übergaben, oder aber auch wohl zu anderen Ämtern gebrauchten. Denn Gott will nicht, dass man die ordentliche Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts verhindere, und gibt zugleich mit zu verstehen, dass die Verschnittenen, da man ihnen gleich Ämter zu verwalten untergeben würde, von niemand würden groß geachtet oder angesehen werden, weil sie weder Männer noch Weiber sind, obwohl nun solche Leute vorzeiten bei den Juden nicht Platz gefunden, dass sie hätten zum Stand der Obrigkeit gereichen mögen und denselben erlangen, so ist ihnen doch darum der Himmel nicht abgeschlagen, sofern sie in der wahren Gottseligkeit verharren, wie Jesajas bezeugt, Kapitel 56.)

2. Es soll auch kein Hurenkind in die Gemeinde des Herrn kommen, auch nach dem zehnten Glied, sondern soll schlecht nicht in die Gemeinde des Herrn kommen.

Gemeinde: Das ist: Er soll kein Amt tragen noch zum Stand der Obrigkeit genommen werden. (Und ist dieser Spruch darum dem anderen nicht zuwider, da gesagt wird, dass die Kinder nicht sollen gestraft werden um der Väter willen. Denn es wird hier ein unehelicher Sohn nicht gestraft um seines Vaters Sünde willen, sondern wird allein gelehrt, welche Personen zum Regiment tauglich sind oder nicht, und will Gott zugleich mit zu verstehen geben, wie sehr ihm die Hurerei und Unzucht zuwider sei, weil er die Hurenkinder in der jüdischen Polizei zu keinem Amt oder Ehrenstand wollte kommen lassen.)

3. Die Ammoniter und Moabiter sollen nicht in die Gemeinde des Herrn kommen, auch nach dem zehnten Glied, sondern sie sollen niemals hineinkommen {4Mos 22v4 v5 Jos 24v9},

Niemals: Das ist: Unter allen ihren Nachkommen soll keiner kein Amt tragen im Volk Gottes: Denn das heißt nicht in die Gemeinde Gottes kommen, wie kurz zuvor auch gemeldet.

4. darum dass sie euch nicht zuvorkamen mit Brot und Wasser auf dem Wege, da ihr aus Ägypten zogt, und dazu wider euch dingten den Bileam den Sohn Beors von Pethor aus Mesopotamien, dass er dich verfluchen soll {Neh 13v2}.

Brot: Das ist: Da ihr von wegen der langen Reise erlegen wart und in der Wüste etliche viele Jahre hin und wieder umzogt, endlich aber durch ihre Grenzen nach dem Lande Kanaan euren Weg nehmt, wollten sie euch ganz und gar keine Freundlichkeit noch einigen guten Willen erzeigen, dass sie euch Proviant ums Geld hätten zukommen lassen, da doch beide Völker von Lot, des Patriarchen Abrahams Vettern, ihre Herkunft haben, sondern haben sich ganz unfreundlich gegen euch gehalten. (Denn wenn man den Nächsten, da er unsere Hilfe bedarf, verachtet und versäumt, das ist nicht allein eine Unfreundlichkeit, sondern auch etlichermaßen eine Grausamkeit, welche Gott nicht ungestraft hingehen lässt.)

Bileam: Den falschen Propheten, welche Geschichte droben, 4. Mose 22. 23. 24. und 25. zu finden ist.

Verfluchen: Dass er dich in Abgrund der Hölle verdammte, damit die Moabiter dich überwinden und vom Erdboden vertilgen möchten.

5. Aber der Herr, dein Gott, wollte Bileam nicht hören und wandelte dir den Fluch in den Segen, darum, dass dich der Herr, dein Gott, lieb hatte {4Mos 22v12 Jos 24v10}.

Nicht hören: Das ist: Er wollte ihm nicht zulassen, dass er dich verflucht hätte, obwohl er es gern getan.

Fluch: Darauf er sich schon bedacht hatte.

Segen: Also dass er dir wider seinen Willen alles Gute wünschen und lauter Glück von dir weissagen musste.

Lieb hatte.: Das ist: Es geschah nicht der Meinung, als ob du solchen Segen von Gott verdient hättest, sondern aus lauter Liebe Gottes gegen dich. (Denn die rechte wahre Ursache unsere Seligkeit ist nicht unsere Liebe, damit wir Gott unvollkommen lieben, sondern die Liebe Gottes, damit er uns erst geliebt hat und uns Unwürdige noch liebt, um seines geliebten Sohnes willen. Daneben lernen wir auch hierbei, dass diejenigen, welche anderen begehren Böses zu wünschen, ihnen selbst die göttlichen Strafen über den Hals lade, wie dem Bileam geschehen ist, der später mit den Midianitern von den Kindern Israel erwürgt wurde.)

6. Du sollst ihnen weder Glück noch Gutes wünschen dein Leben lange ewig.

Wünschen: Das ist: Du sollst nichts tun, dadurch ihr Glück und Wohlstand befördert werden möchte. Denn diese Völker hatten nicht allein die Israeliten begehrt, ums zeitliche Leben zu bringen, so viel an ihnen, sie auch an ihrer ewigen Seligkeit zu verhindern sich unterstanden, weil sie den Kindern Israel ihre Weiber und Töchter zur Hurerei übergeben und sie mit solcher Gelegenheit zur Abgötterei gereizt hatten {4Mos 25}. (Gleichwie aber Gott den Israeliten durch ein besonderes Mandat auferlegt und befohlen, dass sie die Ägypter berauben sollten, da sonst im Allgemeinen der Diebstahl verboten ist: Also ist dies auch ein besonderes Gesetz, welches das jüdische Volk allein angegangen. Die allgemeine Regel aber, so über alle Christen geht, ist diese, dass wir auch die Feinde lieben und ihnen Gutes tun sollen, dass aber auch der fromme Boas die Moabitin Ruth geheiratet und der König David mit dem Könige der Ammoniter in guter Korrespondenz stand, sind solches besondere Heldentaten gewesen, die darum nicht ein jeder Israelit nachtun durfte.)

7. Den Edomiter sollst du nicht für Gräuel halten; er ist dein Bruder. Den Ägypter sollst du auch nicht für Gräuel halten; denn du bist ein Fremdling in seinem Lande gewesen {1Mos 25v25 v26 v30}.

Für Gräuel: Also dass du ihn nicht wolltest zu ehrlichen Ämtern kommen lassen.

Bruder: Denn die Edomiter sind von Edom hergekommen, der auch mit einem anderen Namen Esau geheißen, darum sie der Israeliten Blutsverwandte waren, weil diese vom Jakob und jene von dessen Bruder Esau ihre Herkunft hatten.

Fremdling: Das ist: Ob du wohl kurz vor deinem Auszug aus Ägypten darin hart gehalten wurdest, so sind doch deine Voreltern, da sie aus Hungersnot dahin ziehen müssen, zur Herberge von den Ägyptern aufgenommen und dergestalt in der großen Teuerung, die über die ganze Welt ging, erhalten wurden. (Sollen deswegen die zuvor empfangenen Wohltaten mehr bei uns gelten, als die später geschehenen Beleidigungen.)

8. Die Kinder, die sie im dritten Gliede zeugen, sollen in die Gemeinde des Herrn kommen.

Dritten Glied: Nämlich nachdem sie der Israeliten Religion angenommen, alsdann mag man sie zu Ämtern brauchen.

9. Wenn du aus dem Lager gehst wider deine Feinde, so hüte dich vor allem Bösen.

Gehst: Das ist: Wenn du ausziehst zum Kriege.

Bösen: Das ist: Du sollst dich wohl vorsehen, dass du nicht mit groben Sünden und Lastern behaftet seist. (Denn weil diejenigen, so rechtmäßige Kriege führen, die Gerechtigkeit handhaben und das Böse strafen, so sollen sie sich hüten, dass sie nicht selbst auch sträflich sind. Darum sollen die, so sich in Krieg begeben wollen, sich zuvor durch wahre Buße mit Gott versöhnen, ehe sie ausziehen, auf dass, wenn sie bei Gott in Gnaden sind, wissen können, dass sie wohl und selig sterben, ob sie gleich im Streit, als in ihrem Beruf, darauf gehen und erschlagen werden. Aber heutigentags wird dies von meistenteils Kriegsleuten wenig geachtet, welche meinen, es stehe ihnen alles frei, dass sie ihres Gefallens leben mögen.)

Nach Luther: Dass du selbst nicht sträflich seist und also den Sieg zur Strafe verlierst und geschlagen wirst, wie zur Zeit Eli und Saul geschah.

10. Wenn jemand unter dir ist, der nicht rein ist, dass ihm des Nachts was widerfahren ist, der soll hinaus vor das Lager gehen und nicht wieder hineinkommen,

Wenn jemand: Folgen jetzt etliche Kriegsgesetze und Ordnungen.

Widerfahren: Dass ihm der Same im Schlaf entgangen.

Hinaus: Damit es nicht das Aussehen gewinne, als wollte er mit seiner Gegenwart das Lager verunreinigen. (Denn obwohl die Verschüttung des Samens so wider und ohne des Menschen Willen geschieht, ihn nicht verdammt: So wird dennoch damit so viel zu verstehen gegeben, dass derselbe Mensch durch die Gelüste des Fleisches für Gott etlichermaßen sei verunreinigt worden. Denn sonst, wenn des Menschen Herz ganz rein und ohne Sünde wäre, so widerführe ihm dergleichen auch im Schlaf nicht. Darum sollen wir uns durch den Glauben mit dem Blut Christi besprengen und waschen, so oft wir gestrauchelt und gesündigt haben, damit wir gereinigt und von der Kirche und Gemeinde Gottes nicht ausgeschlossen werden.)

11. bis er vor Abends sich mit Wasser bade. Und wenn die Sonne untergegangen ist, soll er wieder ins Lager gehen.

12. Und du sollst außen vor dem Lager einen Ort haben, dahin du zur Not hinausgehst.

Not: Dahin du deines Leibes Notdurft tun kannst.

13. Und sollst ein Schäuflein haben, und wenn du dich draußen setzen willst, sollst du damit graben; und wenn du gesessen bist, sollst du zuscharren, was von dir gegangen ist.

Schäuflein: Ein Instrument, damit du graben kannst, wenn es die Not fordert.

14. Denn der Herr, dein Gott, wandelt unter deinem Lager, das er dich errette, und gebe deine Feinde vor dir. Darum soll dein Lager heilig sein, dass keine Schande unter dir gesehen werde, und er sich von dir wende.

Wende: Und du danach, wenn dir Gott seine Hilfe entzogen, dem Feinde zuteilwirst. (Nicht zwar, dass es Gott zuwider sein soll, wenn der Mensch verrichtet, was seines Leibes Notdurft fordert, sondern es wird durch solchen Mist des Leibes vorgebildet der Sünden Wust und Laster, die aus des Menschen Herzen herkommen {Mt 15}. dieselbe sollen wir nicht vor dem Angesicht Gottes und seiner Engel hervorziehen, sondern unter dem Gehorsam Christi zudecken und verdrucken. Daneben wird auch zugleich mit von der Höflichkeit gelehrt, deren man sich gebrauchen soll gegen den Nächsten, dass wir ihm nicht mit unserer Unsauberkeit eine Unlust und Ekel machen. Denn weil auch die Natur etliche unvernünftige Tiere dahin weist und treibt, dass sie verbergen, und bedecken, was von ihnen gekommen ist, so stünde es freilich einem Christenmenschen übel an, da er nicht dergleichen auch zu tun begehrte, besonders weil auch solche Reinlichkeit die Luft rein und gesund behält.)

15. Du sollst den Knecht nicht seinem Herrn überantworten, der von ihm zu dir sich entwand hat.

Herrn: Von dem er ganz zu harter und streng tyrannischerweise gehalten wurde.

Zu dir: Als zur ordentlichen Obrigkeit.

Entwand: Weil er seines Herrn Grausamkeit nicht mehr erdulden noch ertragen könne.

16. Er soll bei dir bleiben an dem Ort, den er erwählt in deiner Tore einem ihm zu gut; und sollst ihn nicht schinden.

Gut: Da er bleiben und sich betragen kann.

Schinden: Das ist: Dass du ihn mit Wucher oder anderen bösen Praktiken aussaugen wolltest, weil er ein Fremdling ist. (Denn welche eine Obrigkeit mit gutem Fug von anderer Leute Tyrannei erretten kann, die soll sie schützen und ihnen Unterschlupf geben.)

17. Es soll keine Hure sein unter den Töchtern Israels, und kein Hurer unter den Söhnen Israels.

Hure: (Darum tun die bei den Christen auch übel, welche die Hurerei, da es ihnen Amtes halben gebührt, nicht strafen: Und handeln diejenigen noch ärger, welche öffentliche Gemeinde-Hurenhäuser dulden: Die aber sind gar kein nütze, welche unverschämt vorgeben dürfen, es sei keine Sünde, wenn ledige Personen miteinander Unzucht treiben.)

18. Du sollst keinen Hurenlohn noch Hundegeld in das Haus Gottes, deines Herrn, bringen aus irgendeinem Gelübde; denn das ist dem Herrn, deinem Gott, beides ein Gräuel.

Hurenlohn: Das jemand durch Hurerei erworben und zuwege gebracht hat.

Hundegeld: Was man aus einem verkauften Hunde erzielt hat. Weil ein Hund ein unverschämtes Tiere ist und sich nicht scheut, seine Werke mit der Hündin öffentlich für jedermann zu verrichten.

Gelübde: Das ist: Wenngleich jemand so unbesonnen wäre gewesen und ein Gelübde getan hätte, dass er einen solchen Lohn in den Gotteskasten legen wollte, so soll man es nicht zulassen, denn es geschieht, dass die Heuchler häufig einen Teil von ihren Gütern, die sie mit dergleichen Büberei erlangt und zuwege gebracht, zum Gottesdienst geben, der Meinung, dass sie ihre begangene Sünde und Schande damit begehren abzubüßen und zu bezahlen. Und sind bei den Heiden den Göttern besondere Feste von solchem Gelde zu Ehren gehalten worden.

Gräuel: Weil demnach Gott ab solchem Geld ein Missfallen und Gräuel hat, wie vielmehr meint man wohl, dass ihm die Hurerei selbst werde zuwider sein.

19. Du sollst an deinem Bruder nicht wuchern, weder mit Geld, noch mit Speise, noch mit allem, damit man wuchern kann {2Mos 22v25 3Mos 25v36 Ps 15v5}.

Bruder: Das ist: Deinem Nächsten, der deines Stammens und Geschlechts ist und aus dem israelitischen Volk seine Herkunft hat.

20. An dem Fremden magst du wuchern, aber nicht an deinem Bruder, auf dass dich der Herr, dein Gott, segne in allem, das du vornimmst im Lande, dahin du kommst, dasselbe einzunehmen.

Magst du: Das ist: Es soll dir hiermit vergönnt und zugelassen sein, dass du einem, der nicht deines Geschlechts und Stammens ist, Geld oder Korn auf Wucher leihst.

Segne: (Denn wenn wir unserem Herrn Gott zu Gefallen einen Gewinn ausschlagen und fahren lassen, so will Gott dasselbe an einem anderen Ort mit reichem Segen wiederum erstatten. Es ist aber den Juden an diesem Ort zugelassen worden, dass sie möchten von den Heiden Wucher nehmen, nicht dass ein jeder Wucher unter den Christen auch zugelassen sei: Sondern weil damals die Juden unter den Heiden wohnen würden, die sie zum Teil allerdings erwürgen, zum Teil unters Joch zwingen und ihnen dienstbar möchten machen, so war ihnen auch erlaubt, dass sie die Heiden mit Wucher übersetzen durften. Darum, gleichwie es den Christen nicht zugelassen ist, dass sie die benachbarten Völker und Heiden vertilgen dürfen, wie die Juden getan, also steht ihnen auch das Wuchern nicht frei. Was aber wucherliche Händel und Verträge sind, mag man aus den weltlichen Rechten erlernen.)

21. Wenn du dem Herrn, deinem Gott, ein Gelübde tust, so sollst du es nicht verziehen zu halten; denn der Herr, dein Gott, wird es von dir fordern, und wird dir Sünde sein {4Mos 30v3}.

Fordern: Dass du deinem Gelübde nachkommst, wo du anders nicht willst von Gott gestraft werden. (Und redet dies Gesetz von solchen Gelübden, die ehrlich zugelassen und möglich zu halten sind: Ist aber keineswegs von dergleichen Gelübden zu verstehen, welche, wenn man sie hält, Gott seine Ehre entziehen oder des Nächsten und unsere selbst Heil und Wohlfahrt in Gefahr bringen. Und wie man nichts unbedachtsamerweise verrichten soll, also soll man auch aus Unbedachtsamkeit getane oder gefährliche Gelübde nicht halten.)

Sünde sein: Wenn du nämlich nicht halten noch mit der Tat erfüllen willst, was du gelobt hast.

22. Wenn du das Geloben unterwegen lässt, so ist dir es keine Sünde.

Keine Sünde: Das ist: Es steht dir frei, du magst ein Gelübde tun oder nicht, wenn du aber ein Gelübde getan hast, so bist du deiner selbst nicht mehr mächtig, sondern bist gebunden, demselben nachzukommen, was du versprochen hast.

23. Aber was zu deinen Lippen ausgegangen ist, sollst du halten und danach tun, wie du dem Herrn, deinem Gott, freiwillig gelobt hast, das du mit deinem Munde geredet hast.

24. Wenn du in deines Nächsten Weinberg gehst, so magst du der Trauben essen nach deinem Willen, bis du satt hast; aber du sollst nichts in dein Gefäß tun.

Magst du: (Dies wurde den Juden im Lande Kanaan zugelassen, als das sehr fruchtbar war, und keines ganz großen Kosten bedürfte. Jetziger Zeit aber hat man in unseren Landen andere Satzungen und Gebräuche, nach denen man nach leben soll {Röm 13}. Doch findet man noch heutzutage an etlichen Orten in Deutschland diese löbliche Gewohnheit, dass ein Wandersmann im Vorübergehen zu seiner Erlabung, eine Traube oder zwei abbrechen und essen mag.)

25. Wenn du in die Saat deines Nächsten gehst, so magst du mit der Hand Ähren abrupfen; aber mit der Sichel sollst du nicht darin hin und her fahren {Mt 12v1 Mk 2v22 Lk 16v1}.


Das 24. Kapitel


1. Den Juden wird die Ehescheidung zugelassen, v. 1. 2. Und werden die neuen Ehemänner insbesondere vorm Kriegszug befreit, v. 5. 3. Danach wird an unterschiedlichen Orten in diesem Kapitel gemeldet, wie man die Pfand nehmen und wiedergeben soll, v. 6. 4. Desgleichen, dass man den Lohn zeitlich erstatten soll, v. 14. V. Dass die Eltern nicht für den Söhnen sollen Strafe leiden, v. 16. VI. Und dass man die Früchte der Erden nicht ganz zu genau einsammeln soll, v. 16.

1. Wenn jemand ein Weib nimmt und ehelicht sie, und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen um etwa einer Unlust willen, so soll er einen Scheidebrief schreiben und ihr in die Hand geben und sie aus seinem Hause lassen {Mt 5v31 19v7 Mk 10v4}.

Ehelicht: Dass er sie für sein eheliches Weib hat und hält, ihr auch eheliche Beiwohnung tut, wie die Eheleute pflegen.

Nicht Gnade: Das ist: Wenn ihr der Ehemann gram und abhold wird.

Unlust: Dass er dergleichen etwas an ihr gemerkt, darauf er ein Abscheu hat und deshalb nicht mehr bei ihr wohnen mag.

Scheidebrief: Das ist: Er soll ein offenes Schreiben darüber stellen, damit er bezeugt, dass er dies sein Weib von sich gelassen und ihr die Freiheit gegeben hat, dass sie einen anderen Mann nehmen möge. (Diesen Brauch von der Verstoßung der Weiber außerhalb des Ehebruchs oder mutwilligen Entlaufens hat Christus aufgehoben {Mt 19}. Denn er der ersten Einsetzung des Ehestandes zuwider ist, welcher ein unauflösliches Band sein soll, eines Mannes und eines Weibes, es sei denn, dass ein Ehebruch dazwischen komme, oder dass eins das andere böslich verlasse und von ihm entlaufe, von welchen zwei Fällen hier nicht gehandelt wird. Doch hat Gott die Ehescheidung unter den Juden, vor der Zukunft Christi, auch anderer mehr Ursachen halben, da gleich kein Ehebruch oder Entlaufung dazwischen komme, geduldet, nicht dass er ein Gefallen daran hätte, sondern, weil es von wegen der großen Halsstarrigkeit und unglaublichen Widerspenstigkeit der Juden besser war, ein geringeres Übel zu dulden und zu übersehen, als zu einer größeren Ursache geben. Denn es wäre die Gefahr dabei zu besorgen gewesen, wenn sie ihre Weiber, denen sie feind wurden, nicht hätten durften von sich lassen, dass sie dieselben mit Gift oder sonst hingerichtet hätten, damit sie ihrer abgekommen wären. Der Inhalt aber eines Scheidebriefes, wie er noch heutigentags bei den Juden im Brauch sein soll, lautet auf diese Meinung: Am vierten Sabbat, am zwanzigsten (Tage) des Monden Sivan, im fünftausensten, zweihundertsten und dreiundneunzigsten Jahr, von Anfang der Welt (Es wird aber diese Zeit des Jahres, Monats und Tages geändert, nach der Umstände derselben Zeit, wenn man den Scheidebrief gibt) hab hier und in dieser Stadt (Und wird der Ort genannt, wo der wohnt, welcher den Scheidebrief von sich gibt) Ich Jakob, mit dem Zunamen also geheißen (und wird der Name und Zuname, dessen der sein Weib verstößt, hier gesetzt) ein Sohn Rabbi Isaacs (oder eines anderen Juden) von Herzen gewollt (nämlich nachdem ich die Sache wohl bei mir bedacht und beratschlagt) und ohne einigen Zwang (freiwillig) diese (deren Name hier muss dazu gesetzt werden) ausgelassen und ausgestoßen, welche bis daher mein Eheweib gewesen, des Rabbi (oder eines anderen Juden) Tochter, und gebe ihr die Macht und Gewalt, dass sie nach ihres Herzen Wohlgefallen gehen mag, wo sie hin will, und dass sie könne von einem jeden anderen Manne (zum Weibe) genommen werden, und ihr keiner (in der Sachen) wehren durfte. Dessen zum Zeugnis, habe ich ihr diesen Scheidebrief gegeben und den Zettel der Auslassung und das Zeichen (oder Zeugnis) der Ehescheidung, nach der Einsetzung Mose und Israels. Dies ist (wie gesagt) der Inhalt eines jüdischen Scheidebriefes. Die alten Römer haben vorzeiten diese kurzen Worte bei der Ehescheidung gebraucht. Versorge deine Sachen, hab dir deine Sachen.)

2. Wenn sie dann aus seinem Hause gegangen ist und hingeht und wird eines anderen Weib,

Wenn sie: Nämlich das verstoßene Eheweib.

3. und derselbe andere Mann ihr auch gram wird und einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Hause lässt; oder so derselbe andere Mann stirbt, der sie zum Weibe genommen hatte:

Gram: Da er eine Zeit lang bei ihr gewohnt {Jer 3v1}.

4. so kann sie ihr erster Mann, der sie ausließ, nicht wiederum nehmen, dass sie sein Weib sei, nachdem sie ist unrein; denn solches ist ein Gräuel vor dem Herrn, auf dass du das Land nicht zu Sünden machst, das dir der Herr, dein Gott, zum Erbe gegeben hat.

Ist unrein: Denn ein solches Weib ist ihrem ersten Mann unrein, weil sie von der ersten Ehe ausgeschritten und einen anderen genommen hat. Und wenn sie wieder zu ihrem vorigen gewesenen Ehemann umkehrte, wäre solches eben so viel, als wenn ein anderer Mann die Ehe mit ihr gebrochen und dennoch bei dem ersten Manne, der um solchen Ehebruch Wissenschaft trüge, wohnen wollte. Und hat der Heilige Geist mit diesem Wort der Unreinigkeit wollen so viel zu verstehen geben, dass Gott die Hartnäckigkeit der Juden nicht gefallen habe, in Ausstoßung der Weiber und anderer Wiederannehmung.

Sünden machst: Das ist: Dass du das Land mit Lastern nicht verunreinigst. (Denn durch die Bosheit der Einwohner wird ein Land so verunreinigt, dass es von Gott später gestraft und wüste gemacht wird.)

5. Wenn jemand neulich ein Weib genommen hat, der soll nicht in die Heerfahrt ziehen, und man soll ihm nichts auflegen. Er soll frei in seinem Hause sein ein Jahr lang, dass er fröhlich sei mit seinem Weibe, das er genommen hat {5Mos 20v7}.

Ziehen: Sondern ein ganzes Jahr daheim bleiben und von allen Kriegszügen befreit sein, von dem Tage der Hochzeit an zu rechnen.

Auflegen: Er soll keine Beschwerden tragen, die ihm verdrießlich und zuwider sein möchten.

Fröhlich sei: Ehe denn das Kreuz kommt, welches sich gewöhnlich beim Ehestande findet, und ihm die Ehe versalze und etlichermaßen unlieblich mache. (Und hat Gott in der israelitischen Polizei den Ehestand mit dieser Freiheit begaben wollen, damit anzuzeigen, dass ihm die eheliche Liebe und liebliche Beiwohnung frommer Eheleute nicht missfalle.)

6. Du sollst nicht zu Pfand nehmen den untersten und obersten Mühlstein; denn er hat dir die Seele zu Pfand gesetzt.

Mühlstein: Damit der Hausvater sein Korn mahlt zur Haushaltung, wie unter den Juden bei gemeinen Leuten gebräuchlich gewesen.

Seele: Das ist: Weil er mit solchen Mühlsteinen sich seine Nahrung zubereitet, so würde es das Aussehen gewinnen, dass du ganz zu gräulich mit ihm umgingest, wenn du das zum Pfand wegnimmst, davon er seine Nahrung und Aufenthalt hätte. (Und erinnert dies Gesetz die Gläubiger, dass sie mit ihren Schuldigern also handeln und umgehen sollen, damit sie der Gottseligkeit, Gerechtigkeit und Mitleidigkeit nicht vergessen.)

7. Wenn jemand gefunden wird, der aus seinen Brüdern eine Seele stiehlt aus den Kindern Israel und versetzt oder verkauft sie, solcher Dieb soll sterben, dass du das Böse von dir tust {2Mos 21v16 1Tim 1v10}.

Gefunden wird: Dass man ihn bei der Tat erwischt.

Brüdern: Die seine Glaubensgenossen oder Geschlechtsverwandten sind.

Sterben: Denn er ist nicht wert, dass er leben soll, der einen Menschen, besonders aus seinem Geschlechter stiehlt, und denselben als ein Vieh zur leibeigenen Dienstbarkeit verkauft, daraus zu lesen ist, dass des Josephs Brüder, da sie ihn verkauft, den Tod verschuldet hatten, da man hätte den strengen Weg mit ihnen gehen wollen.

8. Hüte dich vor der Plage des Aussatzes, dass du mit Fleiß hältst und tust alles, das dich die Priester, die Leviten, lehren; und wie sie euch gebieten, das sollt ihr halten und danach tun {3Mos 13v8 14v3 2Sam 3v29}.

Aussatzes: Dass du damit nicht eingenommen und vergiftet wirst, wenn du irgend meine Satzungen, von Beschauung und Absonderung der Aussätzigen aus der Gemeinschaft anderer Leute nicht wirst halten oder in Achthaben: Also, dass diese Krankheit sich unter euch weit ausbreite, weil immer einer den anderen anzündet.

Tust alles: So wohl in diesem Fall, als in allen anderen Sachen.

Gebieten: Indem sie euch vorgeschrieben, was ihr tun sollt, nicht zwar nach ihrem eigenen Vernunftsdenken, sondern nach meinem Befehl.

9. Bedenke, was der Herr, dein Gott, tat mit Mirjam auf dem Wege, da ihr aus Ägypten zogt {4Mos 12v10}.

Mirjam: Der Schwester Mose und Aarons.

Wege: Da ihr noch in der Wüste euch verhieltet.

Zogt: Das ihr ins Land Kanaan reisen wolltet. Denn als Mirjam dort aus Übermut ihren Bruder Mose, den großen Propheten Gottes, mit harten Worten, ohne Ursache und unrechterweise anfuhr, wurde sie etliche Tage mit dem Aussatz gestraft. Darum so lernt ihr bei ihrem Beispiel, den Dienern Gottes, wenn sie euch mit der Lehre recht und treulich vorstehen, gehorsam sind. (Denn wir viel lieber bei anderer Leute Schaden, als mit unserem eigenen Unglück, sollen lernen witzig werden.)

10. Wenn du deinem Nächsten irgendeine Schuld borgst, so sollst du nicht in sein Haus gehen und ihm ein Pfand nehmen,

Pfand: Damit du der Bezahlung halben versichert wirst.

11. sondern du sollst draußen stehen, und er, dem du borgst, soll sein Pfand zu dir herausbringen.

Draußen stehen: (Also ist es geschehen, das einer nicht leichtlich etwas leiht, da er dessen können überhaben sein, weil es die Nachbarn sehen, wenn er etwas versetzt, da er es müssen heraus auf die Gasse tragen: Und hat wiederum der Gläubiger sich nicht ganz zu rau erzeigen dürfen vor anderen Leuten, wenn er das Pfand fordert, damit ihn die Nachbarn nicht für einen unbarmherzigen Mann ansehen. Denn es ist deren Leichtfertigkeit nicht zu loben, welche etwas zu leihen gar keine Scheu tragen: Gleichwie es denen im Gegenteil auch nicht wohl ansteht, die nie nichts ausleihen wollen, sie haben denn doppelt oder vierfach so viel zum Pfand dafür, da man doch bisweilen ausleihen soll, da man nichts wieder hofft, Lukas. am 6.)

12. Ist er aber ein Dürftiger, so sollst du dich nicht schlafen legen über seinem Pfand,

Dürftiger: Nämlich von dem du das Pfand nimmst.

13. sondern sollst ihm sein Pfand wiedergeben, wenn die Sonne untergeht, dass er in seinem Kleide schlafe und segne dich. Das wird dir vor dem Herrn, deinem Gott, eine Gerechtigkeit sein {2Mos 22v26}.

Kleide: Es sei gleich sein Kleid oder Bettgewand, wie dergleichen Sachen die armen Leute den Reichen zu versetzen pflegen, weil sie nichts anders noch besseres haben.

Segne: Das ist: Auf dass er dir von Gott alles Gutes wünsche, um deiner Gütigkeit willen, weil du ihn nicht des Nachts mit den Seinen frieren lässt.

Gerechtigkeit: Das ist: Solch dein gutes und gerechtes Werk wird Gott gefallen und angenehm sein lassen und wird dir dasselbe Zeugnis geben, dass du vor Gott durch den Glauben an den Messias gerechtfertigt seist. (Denn gute Werke geben Zeugnis, dass der Mensch gerechtfertigt sei.)

14. Du sollst dem Dürftigen und Armen seinen Lohn nicht vorbehalten, er sei von deinen Brüdern oder Fremdling, der in deinem Lande und in deinen Toren ist {3Mos 19v13},

Vorbehalten: Wie die geizigen Leute zu tun pflegen, welche unterdes solches Geld, das sie anderen zu tun schuldig sind, zu ihrem Nutzen wenden, und fragen nichts danach, es hungere oder mangele derselbe, dem sie schuldig sind.

15. sondern sollst ihm seinen Lohn des Tages geben, dass die Sonne nicht darüber untergehe; denn er ist dürftig und erhält seine Seele damit, auf dass er nicht wider dich den Herrn anrufe, und sei dir Sünde.

Seele: Das ist: Sein Leben.

Sünde: Dass du den Lohn, welchen du für die Arbeit zu geben schuldig bist, ihm länger vorenthältst, denn sich es gebührt. (Denn wenn man eines Fremden Sachen ihm zu lange vorenthält, ist solches ebenso wohl ein Diebstahl vor Gott, als wenn man einem anderen das Seine nimmt.)

16. Die Väter sollen nicht für die Kinder noch die Kinder für die Väter sterben, sondern ein jeglicher soll für seine Sünde sterben {2Chr 25v4 Hes 18v20}.

Kinder: Sofern die Kinder allein und nicht auch die Väter den Tod verschuldet haben.

Sterben: Nämlich dass sie vom Leben zum Tode gerichtet werden, um irgendeiner Misshandlung willen ihrer Väter. (Denn die Obrigkeit soll nicht aus ganz zu hitzigem Eifer unschuldige Personen zur Strafe ziehen, sondern denen ihren wohlverdienten Lohn widerfahren lassen, die eines groben Lasters öffentlich überwiesen wurden, und soll die Strafe bei den schuldigen Personen bewenden. Dass aber Gott oftmals ganze Geschlechter heißt ausrotten, ist darum geschehen, weil er gesehen, dass die Kinder es nicht besser machen würden als die Väter.)

17. Du sollst das Recht des Fremdlings und des Weisen nicht beugen und sollst der Witwe nicht das Kleid zum Pfand nehmen {2Mos 22v21 5Mos 27v19 Jer 5v28 Hes 22v29 Sach 7v10}.

Nicht beugen: Sondern sollst ihnen Recht sprechen, ob sie gleich sonst von jedermann verlassen sind, dass niemand sich bald ihrer annehmen und sie vertreten werde.

Pfand nehmen: Sondern aus Mitleidigkeit gegen sie dich dahin bewegen lassen, dass du nicht eben dem strengen Rechten nach mit ihr handelst. (Denn es ist eine Grausamkeit und Tyrannei, wenn man einen Betrübten noch mehr Bekümmernis macht.)

18. Denn du sollst denken, dass du Knecht in Ägypten gewesen bist, und der Herr, dein Gott, dich von dort erlöst hat. Darum gebiete ich dir, dass du solches tust.

Ägypten: Da du in eine schwere Dienstbarkeit gesteckt und große Last und Beschwerden zu tragen, ohne alle Barmherzigkeit gezwungen wurdest.

Erlöst: Ohne all dein Verdienst, da du dir selber weder raten noch helfen können.

Tust: Nämlich dass du dich mitleidig erzeigst gegen die elenden und betrübten Leute und dich dessen erinnerst, wie du auch vorzeiten in Jammer und Nöten gewesen bist. (Denn wenn wir selber eine Gefahr ausgestanden haben, so sollen wir einem anderen daraus zu helfen desto williger sein.)

19. Wenn du auf deinem Acker geerntet hast und einer Garbe vergessen hast auf dem Acker, so sollst du nicht umkehren, dieselbe zu holen, sondern sie soll des Fremdlings, des Waisen und der Witwe sein, auf dass dich der Herr, dein Gott, segne in allen Werken deiner Hände {3Mos 19v9 23v22}.

Umkehren: Nämlich wieder zurück auf denselben Acker.

Segne: (Denn es leiden fromme Leute durch ihre Freigiebigkeit keinen Schaden, sondern empfinden vielmehr aus Gottes Segen, dass ihre Güter sich vermehren und zunehmen.)

20. Wenn du deine Ölbäume hast geschüttelt, so sollst du nicht nachschütteln; es soll des Fremdlings, des Waisen und der Witwe sein.

Nachschütteln: Also in anderen Früchten auch, so auf den Bäumen wachsen, da irgendetwas zu hoch steht, dass man es nicht wohl erreichen kann oder sonst übersehen wurde, so soll man es stehen lassen, denn solche wenigen wird einem nicht viel helfen, aber die armen Leute wohl erfreuen.

21. Wenn du deinen Weinberg gelesen hast, so sollst du nicht nachlesen; es soll des Fremdlings, des Waisen und der Witwe sein.

Nachlesen: Da etwas im Lesen ist übersehen worden.

22. Und sollst denken, dass du Knecht in Ägyptenland gewesen bist; darum gebiete ich dir, dass du solches tust.

Ägyptenland: Da du Armut und Mangel littest.

Tust: Das ist: Dass du dich mild und freigiebig gegen den Armen und Elenden erzeigst, gleichwie du vorzeiten in Ägypten wünschen mögen, dass man sich gegen dir verhalten hätte. (Obwohl nun die Christen heutigentags an diese weltlichen Satzungen der Juden, dem Buchstaben nach nicht gebunden sind, so werden sie doch auch dabei erinnert, dass sie nicht zu genau und geizig sein sollen. Denn je mehr wir uns, nach unserem Vermögen freigiebig erzeigen gegen arme Leute, je reichlicher wird uns Gott wiederum segnen. Weil aber solches heutzutage ihrer wenig glauben und mit ihren Gütern genau an sich halten, so ist auch kein Wunder, dass Gott ihnen den Segen entzieht.)


Das 25. Kapitel


1. Erstlich wird gelehrt, wie man das Recht mildern, und die Strafen mäßigen soll, v. 1. 2. Und soll man den Ochsen, der da drischt, dass Maul nicht verbinden, v. 4. 3. Auch wird den Juden geboten, dass einer seines verstorbenen Bruders hinterlassene Witwe ehelichen soll, v. 5. 4. Dem Weibe aber, die bei einem Schlag-Handel einem fremden Mann bei seiner Scham erwischt, soll man die Hand abhauen, v. 11. V. Und soll man rechte Gewicht und Maß haben, v. 13. VI. Dem noch ein besonderes Befehl von Ausrottung der Amalekiter hinzugesetzt wird, v. 17.

1. Wenn ein Hader ist zwischen Männern, so soll man sie vor Gericht bringen und sie richten und den Gerechten rechtsprechen und den Gottlosen verdammen.

Hader: Das ist: Allerlei Uneinigkeit und streitige Sache, wie sich dieselbe begeben mag.

Richten: Das Urteil fällen, wer Recht oder Unrecht habe.

Recht sprechen: Dass man ihn absolviere und loslasse.

Verdammen: Dass er soll gestraft werden, nachdem er verschuldet hat. (Denn man soll die Unschuldigen nicht verdammen und die Schuldigen nicht loslassen, damit Gott nicht durch Grausamkeit zu Zorn bewegt werde: Oder durch allzu viel Lindigkeit die Bösen mehr Anlass zu sündigen bekommen.)

2. Und so der Gottlose Schläge verdient hat, soll ihn der Richter heißen niederfallen, und sollen ihn vor ihm schlagen nach dem Maß und Zahl seiner Missetat.

Gottlose: Der Schuldige oder Verbrecher.

Richter: Der das Amt einer ordentlichen Obrigkeit zur selben Zeit verwaltet.

Schlagen: Welches geschah mit Geißeln aus Riemen gemacht.

Zahl: (Denn weil die Misshandlungen und Vertretungen nicht gleich sind, so muss man auch die Strafen danach richten, dass man sie lindere oder schärfe.)

3. Wenn man ihm vierzig Schläge gegeben hat, soll man ihn nicht mehr schlagen, auf dass nicht, so man mehr Schläge gibt, er zu viel geschlagen werde, und dein Bruder scheußlich vor deinen Augen sei,

Zu viel: Das ist: Weil das Verbrechen nicht so groß, dass er den Tod damit verschuldet hätte, so soll man ein Maß halten, dass man ihn nicht zu einem arbeitsseligen Menschen mache. (Der Apostel Paulus hat um das Bekenntnis des Evangeliums willen diese Strafe fünfmal unschuldig gelitten {2Kor 11}, da er immer vierzig Streiche weniger eins empfangen. Denn die Juden pflegten denen einen Streich weniger zu geben, die sie nicht im Sinn hatten zu töten. Da sie aber den vierzigsten Streich ließen dazu geben, wurde dem Übeltäter dadurch angedeutet, wenn er noch einmal wiederkäme, dass er sich vergriffen hätte, so würde man ihn am Leben strafen.)

4. Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden {1Kor 9v9}.

Ochsen: Denn man hat vorzeiten und besonders im gelobten Lande das Korn nicht also ausgedroschen, wie bei uns gebräuchlich ist, sondern man brauchte Ochsen dazu, die ein besonderes Instrument darüber herumzogen, mit dem es aufgerieben wurde. Und weil so filzige Hausherren gefunden wurden, die dem Ochsen das Maul zubinden, damit er nicht im Herumziehen Ähren auffassen und essen könnte, so wird solche Unbarmherzigkeit und Geizigkeit hier verworfen. (Der Apostel Paulus lehrt mit diesem Spruch, da er ihn {1Tim 5} anzieht, dass man den Kirchendienern ihre Nahrung verschaffen soll. Und will Gott, dass wir auch gegen das unvernünftige Vieh uns nicht zu hart erzeigen sollen.)

5. Wenn Brüder beieinander wohnen, und einer stirbt ohne Kinder, so soll des Verstorbenen Weib nicht einen fremden Mann draußen nehmen, sondern ihr Schwager soll sie beschlafen und zum Weibe nehmen und sie ehelichen {Mk 12v19 Lk 20v28}.

Wohnen: In einer Stadt oder in einem Geschlechter.

Fremden: Der nicht des Verstorbenen Bruder oder nächster Verwandter ist.

Ehelichen: {Mt 22} Da diese Satzung angezogen wird, wird hinzugesetzt, dass er seinem Bruder Samen erwecke, welche Worte vielleicht aus dem 38. Kapitel des ersten Buches Mose genommen wurden. Und ist dies die Meinung, dass des Verstorbenen Bruder soll aus der hinterlassenen Witwe einen Erben zeugen, der dem Verstorbenen, als ob er sein Vater gewesen, mit dem Namen und im Erbteil nachfolge. Und haben die Juden dies Gesetz nicht allein von den leiblichen Brüdern verstanden, sondern auch von den nächsten Verwandten, wie aus dem Büchlein Ruth, Kapitel 4. zu sehen.

6. Und den ersten Sohn, den sie gebiert, soll er bestätigen nach dem Namen seines verstorbenen Bruders, dass sein Name nicht vertilgt werde aus Israel.

Nicht vertilgt: (Denn es ist ein Stück des göttlichen Fluchs, wenn ein Geschlecht untergeht.)

7. Gefällt es aber dem Manne nicht, dass er seine Schwägerin nehme, so soll sie, seine Schwägerin, hinaufgehen unter das Tor vor die Ältesten und sagen: Mein Schwager weigert sich, seinem Bruder einen Namen zu erwecken in Israel, und will mich nicht ehelichen {Rut 4v4}.

Tor: Da man vorzeiten alle Rechtssachen abhandelte.

Ältesten: Das ist: Sie soll bei der Obrigkeit um Hilfe ansuchen.

Weigert: Das ist: Er achtet es wenig, obgleich seines Bruders Name und Gedächtnis in diesem Volk untergehe.

8. So sollen ihn die Ältesten der Stadt fordern und mit ihm reden. Wenn er dann steht und spricht: Es gefällt mir nicht, sie zu nehmen,

Reden: Das ist: Sie sollen mit ihm handeln und fleißig bei ihm anhalten, dass er seines Bruders Namen nicht lasse untergehen.

9. so soll seine Schwägerin zu ihm treten vor den Ältesten und ihm einen Schuh ausziehen von seinen Füßen und ihn anspeien; und soll antworten und sprechen: Also soll man tun einem jeden Manne, der seines Bruders Haus nicht erbauen will.

Ältesten: Das ist: In Beisein der Obrigkeit.

Man tun: Ein solcher ist wert, dass er öffentlich zuschanden und schamrot gemacht werde und dass man ihn anspeie, der seines Bruders Geschlechter und Namen im Volk Gottes nicht begehrt zu erhalten.

10. Und sein Name soll in Israel heißen des Barfüßers Haus.

Barfüßers: Das ist: Ihm und seinem Geschlecht soll dieser Schandfleck angehängt werden, dass sie die Barfüßer genannt werden, weil ihm öffentlich und für jedermann der Schuh ausgezogen wurde, darum, dass er die brüderliche Liebe seinem verstorbenen Bruder entzogen. (Dies Gesetz hat sich allein auf die mosaische Polizei erstreckt, in welcher Gott gewollt, dass von wegen der unterschiedenen Stämme eines jeden Geschlechts, so viel dessen sein mögen, erhalten würde, damit nicht, wenn die Erbschaften und Geschlechter durcheinander vermengt würden, wenn Christus sollte geboren werden, niemand wissen könnte, aus welchem Stamm er hergekommen wäre. Heutigentags aber ist dies Gesetz durch feine und gute weltliche Satzungen abgetan worden, dass keinem zugelassen wird, seines verstorbenen Bruders Witwe zu ehelichen, ebenso wenig, als ihm erlaubt ist, zu ehebrechen oder zu stehlen.

11. Wenn sich zwei Männer miteinander hadern, und des einen Weib läuft zu, dass sie ihren Mann errette von der Hand des, der ihn schlägt, und streckt ihre Hand aus und ergreift ihn bei seiner Scham,

Ihn: Nämlich den fremden Mann, der ihren Mann schlagen will.

Scham: Der Meinung, dass er von wegen seiner eigenen Schmerzen, den sie ihm verursacht, von ihrem Mann ablassen soll.

12. so sollst du ihr die Hand abhauen, und dein Auge soll ihrer nicht verschonen.

Abhauen: Wenn man darüber öffentlich erkannt und das Urteil ausgesprochen hat.

Verschonen: (So sehr ist unserem Herrn Gott die Unzucht und Unschamhaftigkeit an den Weibspersonen zuwider.)

13. Du sollst nicht zweierlei Gewicht in deinem Sack, Groß und Klein, haben {3Mos 19v36 Hes 45v10},

Und Klein: Also dass, wenn die Obrigkeit dein Gewicht besichtiget, du das größere hervorzeigst, als ob du solches in Verkaufung deiner Ware gebrauchtest, hast aber ein anderes heimlich daneben, damit du die Einfältigen im Verkaufen betrügst, wenn du ihnen etwas zuwiegst.

14. und in deinem Hause soll nicht zweierlei Scheffel, groß und klein, sein.

Scheffel: Deren einen du zum Schein der Gerechtigkeit vorzeigst, den anderen zu deinem Vorteil und Betrug gebrauchst.

15. Du sollst ein völlig und recht Gewicht und einen völligen und rechten Scheffel haben, auf dass dein Leben lange währe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

Völlig: Das die Obrigkeit geordnet hat.

B Lange währe] (Verlängert deswegen die Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit im Handel und Wandel, einem Menschen das Leben, gleichwie wiederum Betrug und Falschheit dasselbe abkürzen. Darum auch kein Glück noch Segen dabei zu erhoffen ist, wenn jemand mit Betrug etwas zu gewinnen meint.)

16. Denn wer solches tut, der ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel, wie alle, die übel tun.

17. Gedenke, was dir die Amalekiter taten auf dem Wege, da ihr aus Ägypten zogt: {2Mos 17v8}:

18. Wie sie dich angriffen auf dem Wege und schlugen deine Hintersten, alle die Schwachen, die dir hinten nachzogen, da du müde und matt warst, und fürchteten Gott nicht.

Angriffen: Der Meinung, dass sie dich an deiner vorgenommenen Reise nach dem Lande Kanaan begehrten zu hindern.

Fürchten: Dass sie deiner verschont hätten, weil du vorhin genug geplagt warst. (Denn die Grausamkeit und Unbarmherzigkeit ist ein gräuliches Laster vor Gott, da man einen vorhin bekümmerten Menschen noch mehr betrübt und ihm sein Herzeleid größer macht.)

19. Wenn nun der Herr, dein Gott, dich zur Ruhe bringt von allen deinen Feinden umher im Lande, das dir der Herr, dein Gott, gibt zum Erbe einzunehmen, so sollst du das Gedächtnis der Amalekiter austilgen unter dem Himmel. Das vergiss nicht {1Sam 15v2 v3}:

Austilgen: Dass man ihrer nicht mehr gedenke. (Obwohl nun niemand freisteht oder zugelassen ist, dass er sich selber rächen möge: Jedoch, wenn Gott einem die Rache zu vollstrecken auferlegt, so ist derselbe als ein Statthalter Gottes das Übel zu strafen schuldig und soll es tun. Und weil der Amalekiter Nachkömmlinge nicht besser waren als ihre Voreltern, so ist ihnen auch nicht Unrecht geschehen, da sie etliche viele Jahre später aus dem Befehl des Herrn vom Könige Saul sind vertilgt worden.)


Das 26. Kapitel


1. Die Erstlinge musste man mit einer öffentlichen Danksagung für die göttlichen Wohltaten opfern, v. 1. 2. Gleichfalls wurden auch die Zehnten das dritte Jahr geopfert, mit öffentlicher Bezeugung, dass man die Gebote Gottes gehalten, v. 12. 3. Danach wird eine ernste Ermahnung hinzugesetzt, dass man das Gesetz Gottes halten soll, v. 16.

1. Wenn du ins Land kommst, das dir der Herr, dein Gott, zum Erbe geben wird, und nimmst es ein und wohnst darin,

2. so sollst du nehmen allerlei erste Früchte des Landes, die aus der Erde kommen, die der Herr, dein Gott, dir gibt, und sollst sie in einen Korb legen und hingehen an den Ort, den der Herr, dein Gott, erwählen wird, dass sein Name dort wohne {2Mos 23v19 34v26 3Mos 2v14 23v10 4Mos 15v20 5Mos 16v10},

Wohne: Das ist: Da der Gottesdienst mit Opfern, Predigen und Beten öffentlich geübt wird.

3. und sollst zu dem Priester kommen, der zu der Zeit da ist, und zu ihm sagen: Ich bekenne heute dem Herrn, deinem Gott, dass ich gekommen bin in das Land, das der Herr unseren Vätern geschworen hat, uns zu geben.

Da ist: Das ist: Der das Amt eines Hohepriesters zur selben Zeit verwaltet oder aber zu seiner Söhne oder Mitgehilfen einem in seinem Abwesen oder da er sonst zu tun hat.

Sagen: Dass du deine Dankbarkeit erklärst für so viele und große Wohltaten, die dir Gott erzeigt hat.

Kommen: Darum gebe ich meinem Gott das Lob der Wahrheit und zum Zeugnis, dass die Besitzung dieses Landes mir nicht aus meinem Verdienst, wie auch nicht aus meinen Kräften, sondern aus lauter Güte und Gnade Gottes ist eingeräumt worden. So bringe ich jetzt die Erstlinge aller meiner Früchte, Gott als einen Herrn dieses Landes, dessen Knecht und Untertanen ich mich erkenne und bekenne. (Denn wenn wir uns gegen Gott für die empfangene Wohltaten nicht allein mit Worten, sondern auch mit Freigiebigkeit zur Unterhaltung der Kirchendiener und der Armen dankbar erzeigen, so geben wir ihm Anlass und Ursache, dass er uns mit noch mehr und größeren Gaben überschütte.)

4. Und der Priester soll den Korb nehmen von deiner Hand und vor dem Altar des Herrn, deines Gottes, niedersetzen.

Korb: Mit den Früchten.

5. Da sollst du antworten und sagen vor dem Herrn, deinem Gott: Die Syrer wollten meinen Vater umbringen; der zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit geringem Volk und wurde dort ein großes, starkes und vieles Volk.

Die Syrer: Nämlich Laban mit seinem Personal, welchen er nicht wert achtet, dass er ihn bei seinem Namen nannte, da er dem Patriarchen Jakob nachjagte.

Vater: Nämlich den Jakob, mit dem Zunamen Israel, von dem wir unsere Geschlechter und Namen haben {1Mos 29v30 v31}.

Umbringen: Denn nachdem er den Jakob, seiner Schwester Sohn, da derselbe im Elend herumschweifte, zur Herberge aufgenommen und ihm Dienst geben hatte, brauchte er allerlei List und Praktiken wider ihn, damit er ihn betrügen und übervorteilen möchte, obwohl er sein Vetter und dazu sein Tochtermann war: Denselben (da er aus Not und großem Unrecht gedrungen, sich in die Flucht begeben hatte) setzte der Syrer Laban mit feindlichem Gemüt nach und hätte ihm gewisslich ein böses Stück bewiesen, wo ihn Gott nicht von aller Gewalttätigkeit abgehalten und abgewehrt hätte. Dieses Syrers, als eines geizigen und ungerechten Menschen listiges Vorhaben, hat der Herr unsere Gott gnädiglich von unserem Vater abgewandt und lassen zu Wasser werden, und unseren Vater durch seinen Segen von Tag zu Tage reicher gemacht, ihn auch mit seinem ganzen Personal frisch und gesund zu seinem alten verlebten Vater, dem Isaac, ins Land Kanaan kommen lassen. Und als nach etlichen Jahren, da eine große Teuerung und Hungersnot einfiel, damit das Land Kanaan sowohl als viel andere mehr Landschaften und Völker bedrückt wurden, trug Gott für unseren Erzvater Jakob gnädige Vorsorge, auf dass er nicht mit den seinem Hunger stürbe, und hieß ihn zu seinem Sohn Josef in Ägypten hinabziehen, dass er darin mit seinem Personal unterhalten würde.

Geringem: d. i. Als er in Ägypten sich enthielte, war sein Geschlecht noch in sehr geringer Anzahl und nicht über 70 Personen.

Viel Volk: Das ist: Gott hat unsere Geschlechter wunderbarerweise häufig gemehrt und ausgebreitet, dass unsere über die sechsmal hunderttausend Starken im Kriege sich können benutzen lassen.

6. Aber die Ägypter handelten uns übel und zwangen uns und legten einen harten Dienst auf uns.

Übel: Denn da uns Gott in Ägypten sehr mehrte und ausbreitete, verdross es die Ägypter über die Maßen, und erdachten mancherlei Weise und Wege, wie sie uns beikommen und unterdrücken möchten.

Dienst: Damit wir sehr beschwert und überladen würden.

7. Da schrien wir zu dem Herrn, dem Gott unserer Väter; und der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, Angst und Not

Sah: Darum es nicht um unsere Verdienst oder Würdigkeit geschehen, sondern nach seiner großen Gnade und Güte hat er sich über uns erbarmt.

Angst: Über der schweren Arbeit, die man uns auflegte.

8. und führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen und Wunder;

Mächtiger: Dass er seine Allmacht sehen ließ.

Schrecken: Also dass die Ägypter vor Furcht und Schrecken schier gestorben wären.

9. und brachte uns an diesen Ort und gab uns dies Land, da Milch und Honig innen fließt.

Diesen Ort: Da wir jetzt wohnen.

Fließt: Das ist: Da alles vollauf ist, was man zur Aufenthaltung dieses zeitlichen Lebens bedarf.

10. Nun bringe ich die ersten Früchte des Landes, die du, Herr, mir gegeben hast. Und sollst sie lassen vor dem Herrn, deinem Gott, und anbeten vor dem Herrn, deinem Gott,

Bringe: Nämlich weil ich solcher großen Wohltat noch ganz wohl bedenkt, bin und dieselben stetig betrachte.

Ersten: Damit zu bezeugen, dass ich alles aus lauter Güte Gottes, als eines frommen Vaters, empfangen habe, und dass ich mich selber samt allem, was ich habe, ihm schuldig sein erkenne.

Sie: Nämlich die Erstlinge der Früchte.

Deinem Gott: Dem du Lob und Dank sagen sollst für die empfangenen Wohltaten und ihn bitten, dass er auch künftig mit seiner väterlichen Liebe dir gewogen bleiben wolle.

11. und fröhlich sein über allem Gut, das dir der Herr, dein Gott, gegeben hat und deinem Hause, du und der Levit und der Fremdling, der bei dir ist.

Fröhlich: Das ist: Du sollst am selben Ort, den der Herr erwählt hat, ein Freudenfest halten und ein Wohlleben anrichten, von denen Sachen, die du entweder von Hause mit dir gebracht oder von deinem Gelde, das du mit dir genommen, erkauft hast.

Levit: Das ist: Du sollst zu diesem deinem Gastmahl einen Leviten oder zwei laden, samt etlichen Fremdlingen, die unter euch wohnen, dass sie mit euch fröhlich sind. Oder sollst ihnen doch zum wenigsten etwas von deinem Gastmahl schicken, damit sie sich erlaben und erfreuen mögen. (Denn solche Gastmahle sind Gott am aller angenehmsten, wenn man die ladet, welche einem zwar darum danken, aber es nicht wieder vergelten können {Lk 14}.)

12. Wenn du alle Zehnten deines Einkommens zusammengebracht hast im dritten Jahr, das ist ein Zehnten-Jahr, so sollst du dem Leviten, dem Fremdling, dem Waisen und der Witwe geben, dass sie essen in deinem Tor und satt werden.

Gebracht: Das ist: Wenn du zwei Jahre lang deine Zehnten den Leviten gereicht hast, wie du tun sollst.

Zehnten Jahr: Das ist: Die Zehnten, so im dritten Jahr gefallen, sollen anders ausgeteilt werden denn die vorigen.

Geben: Das ist: Du sollst sie nicht allein den Leviten zugute einsammeln, sondern auch für die Armen und verlassene Personen aufbewahren.

Tor: Damit sie nicht hin und wieder herumschweifen müssen und das Brot vor den Türen betteln.

Satt: Danach Gott danken und dir samt den Deinen alles Gute und reiche Erstattung von Gott wünschen.

13. Und sollst sprechen vor dem Herrn, deinem Gott: Ich habe gebracht, dass geheiligt ist, aus meinem Hause; und habe es gegeben den Leviten, den Fremdlingen, den Waisen und den Witwen nach all deinem Gebote, das du mir geboten hast; ich habe deine Gebote nicht übergangen noch vergessen.

Sprechen: Nämlich wenn du die Zehnten des dritten Jahres an einen bestimmten Ort hinterlegt hast.

Gott: Nämlich in der Hütte oder Tempel, den du nach Gewohnheit besuchen wirst.

Hause: Das ist: Was Gott von meinen Früchten den Kirchendienern und Armen zur Nahrung und Unterhaltung verordnet hat, das hab ich mit Fleiß beiseite und aus meinem Hause hinweg getan, weil ich wusste, dass es mir nicht zugehöre und keinen Segen von Gott hätte erwarten dürfen, wenn ich es bei mir behalten hätte.

Nicht übergangen: Nämlich in diesem Stücke. Und lehrt uns diese Protestation oder Bezeugung, dass der Segen Gottes alsdann reichlich bei uns sein werde, wenn wir dasjenige, was nicht zu unserem Nutzen, sondern zur Erhaltung des Gottesdienstes und Nahrung der Armen verordnet ist, von unseren eigenen Gütern aufs allergenaueste und fleißig absondern und uns an keinem Kirchenraub verschulden. Doch ist einem Hausvater freigestanden, dass er an der heiligen Stätte von den Zehnten hat mögen eine Mahlzeit zurichten, wie oben Kapitel 14. zu sehen, dazu er die Leviten und Fremdlinge laden und berufen müssen: Was aber von solcher Mahlzeit überblieb, das gehörte nicht mehr dem Hausvater, sondern den Leviten und Armen zu.

14. Ich habe nicht davon gegessen in meinem Leide und habe nicht davon getan in Unreinigkeit; ich habe nicht zu den Toten davon gegeben; ich bin der Stimme des Herrn, meines Gottes, gehorsam gewesen und habe getan alles, wie du mir geboten hast.

Leide: Das ist: Ich habe das Gastmahl nicht gehalten, wenn ich traurig gewesen bin und Leid getragen habe, weil ich weiß, das man von keiner heiligen Speise essen soll, wenn man traurig ist: So bin ich auch nicht unrein gewesen, dass ich mich an irgendetwas verunreinigt hätte, da ich von dem Heiligen gegessen, weil ich weiß, dass die Unreinen sich von heiliger Speise enthalten sollen: Auch hab ich nichts von denselben Zehnten gegeben oder dahin gewandt, dass man einer verstorbenen Leiche damit beschicken und zur Erden bestatten soll, denn ich weiß, wenn solches geschieht, dass die geheiligten Zehnten solchergestalt etlichermaßen verunreinigt werden. Es hat aber Gott nicht gewollt, dass die Traurigen, Unreinen oder welche mit einem Toten umgegangen, von der geheiligten Speise essen sollten, damit anzuzeigen, wie er ein Urheber und Anstifter sei der immerwährenden Freude, der wahren Reinigkeit und des ewigen Lebens.

Nach Luther: Gottes Opfer soll fröhlich, rein und heilig sein. Darum soll nichts in Traurigkeit davon gegessen, nichts in Unreinigkeit davon genommen, nichts den Götzen oder Toten davon gegeben werden.

Gehorsam: Nämlich in diesem Stücke. (Und ist dies nicht für eine pharisäische Ruhmsüchtigkeit zu achten, sondern eine öffentliche Bezeugung, damit der, so die Zehnten gegeben hatte, zu verstehen gab, dass er im selben ganzen Handel treulich und redlich sich gehalten hätte, und sei ihm keines Betrugs noch Hinterlist bewusst. Ja es würden die Hausväter durch diese Bezeugung oder Protestation, die man vor dem Angesicht Gottes tun musste, erinnert, dass sie die Zehnten recht darreichten und wohl anlegten, auf dass sie solche Bezeugung nicht wider ihr Gewissen taten und Gott zur gerechten Rache wider sich selbst reizten. Denn welche in Ausgebung der Zehnten dem Geiz und der Kargheit nachhängen, die können vor Gott nicht verborgen bleiben.)

15. Sieh herab von deiner heiligen Wohnung vom Himmel und segne dein Volk Israel und das Land, das du uns gegeben hast, wie du unseren Vätern geschworen hast, ein Land, da Milch und Honig innen fließt.

Segne: Dass du dein Volk gnädig mit allerlei Guttaten begabst, welches du dir aus Gnaden erwählt hast: Dem du deinen Willen hast geoffenbart und das deinen Geboten, so viel in der Schwachheit dieses Fleisches geschehen kann, begehrt zu gehorsamen: Auf dass das gute Land, welches du uns geschenkt hast, künftig reiche Früchte bringe und wir solcher deiner mildreichen Güte in der wahren Furcht Gottes lange mit Freuden genießen mögen.

16. Heutigentags gebietet dir der Herr, dein Gott, dass du tust nach allen diesen Geboten und Rechten, dass du sie hältst und danach tust von ganzem Herzen und von ganzer Seele.

Heutigentags: Folgt jetzt eine Ermahnung, dass man die Gebote Gottes halten soll.

Herzen: Das ist: Nach deinem höchsten Vermögen, dass du allen deinen besten Fleiß anwendest, ohne alle Heuchelei und aus herzlicher inbrünstiger Begierde zu gehorsamen. (Denn Gott fordert zur Erfüllung seiner Gebote den ganzen Menschen mit allem seinem Vermögen, Kräften und Zuneigungen: Weil aber solchen vollkommenen Gehorsam dem Gesetze Gottes niemand leisten kann, so ist es vonnöten, dass wir zu Christo, als einem Mittler unsere Zuflucht haben, auf dass wir allein durch den Glauben an ihn gerecht und selig werden.)

17. Dem Herrn hast du heute geredet, dass er dein Gott sei, dass du in allen seinen Wegen wandelst und hältst seine Gesetze, Gebote und Rechte und seiner Stimme gehorchst.

Geredet: Das ist: Du hast heute und bis daher dein Gemüt erklärt, dass du diesen deinen Herrn und Gott allein ehren wollest, und Fleiß bemühen, dass du seine Gebote hältst: Darum ist es richtig, dass du solchem deinem Versprechen nachkommst.

18. Und der Herr hat dir heute geredet, dass du sein eigen Volk sein sollst, wie er dir geredet hat, dass du alle seine Gebote hältst {2Mos 19v5 5Mos 4v7 7v6 14v2},

Geredet: Er hat sich wiederum gegen dich versprochen und dir zugesagt, dass er dich kenne und dir insbesondere gewogen sein wolle.

Eigen Volk: Dass er nicht allein beim zeitlichen Leben erhalten will, wie alle anderen Völker, sondern welches er aus sonderbarer Liebe und Zuneigung der himmlischen und ewigen Güter teilhaftig zu machen im Sinn hat.

19. und er dich das Höchste mache, und du gerühmt, gepriesen und geehrt wirst über alle Völker, die er gemacht hat; dass du dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk seist, wie er geredet hat.

Gerühmt: Das ist: Auf dass er von wegen seiner geoffenbarten großen Kraft und Allmacht und denn auch von wegen seiner Güte, die er in deiner Erhöhung und wunderbaren Beschützung erzeigt hat, gelobt und sein Name herrlich gepriesen werde und er den Ruhm, welcher ihm von wegen seiner unermesslichen Güte und unendlichen Gewalt gebührt, zu erhalten.

Heilig: Dass von aller Unreinigkeit des Gemüts und Befleckung des Leibes sich enthalte.

Geredet: Dass er nämlich dich gerecht, heilig und herrlich machen wolle. (Weil demnach auch wir in der Taufe, unserem Gott zu glauben versprochen haben, und er sich mit uns freiwillig wiederum gebunden hat, so sollen wir denselben Gott Vater, seinen eingeborenen Sohn, Gott und Menschen und den Heiligen Geist, einen einigen Gott in drei Personen, von ganzem Herzen ehren und eines heiligen und unsträflichen Lebens uns bemühen.)


Das 27. Kapitel


1. Gott befiehlt den Kindern Israel, dass sie im Lande Kanaan das Gesetz Gottes in eine steinerne Säule hauen sollen, und dass sie am selben Ort sollen einen Altar bauen und darauf opfern. v. 1. 2. Danach ordnet er, welche israelitischen Stämme auf dem Berge Grisim, über die so das Gesetz halten, den Segen aussprechen sollen und welche Stämme den Übertretern desselben auf dem Berge Ebal sollen den Fluch verkündigen: Darauf die Flüche nacheinander erzählt werden. v. 9.

1. Und Mose gebot samt den Ältesten Israels dem Volk und sprach: Behaltet alle Gebote, die ich euch heute gebiete!

Gebiete: Wie ihr sie nämlich von mir (Mose) bis daher habt hören erzählen und erklären.

2. Und zu der Zeit, wenn ihr über den Jordan geht ins Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird, sollst du große Steine aufrichten und sie mit Kalk tünchen

Steine: Das ist: Steinerne Säulen in die Höhe aufführen.

3. und darauf schreiben alle Worte dieses Gesetzes, wenn du hinüberkommst, auf dass du kommst ins Land, das der Herr, dein Gott, dir geben wird, ein Land, da Milch und Honig innen fließt, wie der Herr, deiner Väter Gott, dir geredet hat.

Wort: Nämlich die Zehn Gebote, darin das ganze Gesetz summarischerweise begriffen ist.

Kommst: Das ist: Wenn du ohne das dahin ziehst, dem Lande Kanaan zu.

Fließt: Dass ist: Da alles genug und vollauf ist.

4. Wenn ihr nun über den Jordan geht, so sollt ihr solche Steine aufrichten (davon ich euch heute gebiete) auf dem Berge Ebal und mit Kalk tünchen.

Tünchen: Auf dass die Zehn Gebote darauf geschrieben werden, wie kurz zuvor gemeldet.

5. Und sollst dort dem Herrn, deinem Gott, einen steinernen Altar bauen, darüber kein eisernen fährt {2Mos 20v25 Jos 8v31}.

Fährt: Das ist: Die mit keinem eisernen Instrument aufpoliert oder glatt gemacht sind.

6. Von ganzen Steinen sollst du diesen Altar dem Herrn, deinem Gott, bauen und Brandopfer darauf opfern dem Herrn, deinem Gott.

Ganzen: Von gewaltigen Stücken. (Denn Christus, der durch denselben Altar vorgebildet wurde, hatte in seinem Leiden keine Gestalt noch Ansehen. Und war dennoch der allervollkommenste, Gottes und des Menschen Sohn, dazu ohne alle Sünde, ja der stärkste Fels, dass alle, die so sich mit wahrem Glauben an ihn aufrichten, nicht ewig verloren werden.)

Brandopfer: Die ganz und gar vom Feuer mussten verzehrt werden. (Es ist aber Christus, der zuvor durch den Altar vorgebildet wurde, zugleich auch das Brandopfer der Priester dazu, durch welches wir mit Gott versöhnt werden. Und werden wir bei den Steinen, darin die Zehn Gebote gegraben wurden, (wie kurz zuvor gemeldet) erinnert, dass man die Lehre des Gesetzes in der Kirche fleißig treiben und den Zuhörern wohl einbilden soll: Der Altar aber gibt zu verstehen, dass man auch das Evangelium von Christo lehren müsse, auf dass diejenigen, so durch das Gesetz geschreckt sind, aus dem Evangelium wiederum Trost empfangen.)

7. Und sollst Dankopfer opfern und dort essen und fröhlich sein vor dem Herrn, deinem Gott.

Dankopfer: (Denn wir sollen uns gegen Gott dankbar erzeigen, mit Bekennen, Loben und Wohltun gegen den Armen und anderem, was den Geboten Gottes gemäß ist.)

Fröhlich: Das ist: Du sollst deine Mahlzeit da mit Freuden halten. (Welche Freude die ewige Seligkeit bedeutet, deren wir in der künftigen Welt durch die Kraft des Todes Christi genießen werden.)

8. Und sollst auf die Steine alle Worte dieses Gesetzes schreiben, klar und deutlich.

Steine: Die mit Kalk übertüncht sind.

Worte: Nämlich die Zehn Gebote, als einen summarischen Inhalt des ganzen Gesetzes.

Deutlich: Also dass es jedermann lesen könne und nichts Dunkles oder Unverständliches daran sei. (Denn das Wort Gottes ist an ihm selber nicht dunkel, sofern man nur die erleuchteten Augen des Gemüts dazu gebraucht.)

9. Und Mose samt den Priestern, den Leviten, redeten mit dem ganzen Israel und sprachen: Merke und höre zu, Israel! Heute dieses Tages bist du ein Volk geworden des Herrn; deines Gottes,

Volk geworden: Das ist: Gott hat sich bisher je länger je mehr erklärt, und besonders heute gibt er dir zu erkennen, dass er dich für sein Volk halte, welches er ihm vor anderen lasse angelegen sind und davor er Sorge trage.

10. dass du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorsam seist und tust nach seinen Geboten und Rechten, die ich dir heute gebiete.

Gehorsam: Dass du ihm glaubst und folgst. (Denn der kann unter dem Volk Gottes nicht Platz haben, welcher sich nicht unter den Gehorsam Gottes ergeben will, sondern sich halsstarrigerweise widersetzt.)

11. Und Mose gebot dem Volk desselben Tages und sprach:

12. Diese sollen stehen auf dem Berge Grisim, zu segnen das Volk, wenn ihr über den Jordan gegangen seid: Simeon, Levi, Juda, Isaschar, Josef und Benjamin {5Mos 11v29 Jos 8v33 v34}.

Segnen: Das ist: Sie sollen mit ihrem Wunsch den Segen sprechen denen, die das Gesetz halten.

Gegangen: Und ins Land Kanaan euren Fuß gesetzt habt.

Josef: Nämlich seine zwei Stämme, Ephraim und Manasse.

13. Und diese sollen stehen auf dem Berge Ebal, zu fluchen: Ruben, Gad, Asser, Sebulon, Dan und Naphthali.

Fluchen: Dass sie den Übertretern des Gesetzes alles Unglück wünschen und ihnen zeitliche und ewige Strafe verkündigen.

14. Und die Leviten sollen anheben und sagen zu jedermann von Israel mit lauter Stimme:

Leviten: Welche sonst bei der Hütte des Stifts dienen.

Lauter Stimme: Dass sie von jedermann können gehört werden.

15. Verflucht sei, wer einen Götzen oder gegossen Bild macht, einen Gräuel des Herrn, ein Werk der Werkmeister Hände, und setzt es verborgen! Und alles Volk soll antworten und sagen: Amen.

Verflucht: Das ist: Gott strafe ihn an Leib und Seele.

Gräuel: Denn die Abgötter, samt der Abgötterei und den Götzendienern, sind vor Gott alle miteinander ein Gräuel.

Hände: Was Menschenhände gemacht haben.

Verborgen: Das ist: Ob er wohl nicht öffentlich Abgötterei treibt, sondern gleich heimlich, so ist er doch vor den Augen Gottes nicht verborgen.

Volk: Das auf dem Berge Ebal steht.

Amen: Das ist: Gott gebe, dass es also geschehe und dass der, welcher die Missetat begeht, zeitlich und ewig verloren werde, ja es wird gewisslich geschehen. (Denn es haben die Wünsche einen gewaltigen Nachdruck, welche von frommen Leuten aus einem göttlichen Eifer jemanden gewünscht werden.)

16. Verflucht sei, wer seinem Vater oder Mutter flucht! Und alles Volk soll sagen: Amen {2Mos 21v17 3Mos 20v9 Spr 20v20 Mt 15v4 Mk 7v10}.

Flucht: Dass er sie übel hält oder verachtet. (Darum die ungehorsamen Kinder keinen beständigen, weder zeitlichen noch ewigen Segen zu erhoffen haben.)

17. Verflucht sei, wer seines Nächsten Grenze engert! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Engert: Der die Marksteine böslich verrückt. (Ist deswegen bei der Übervorteilung und Betrug kein Glück zu erlangen.)

18. Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Irren: Denn das ist ein unleidentlicher Mutwille und recht teuflische Bosheit. (Mit welchem Fluch, auch die getroffen werden, welche den einfältigen Leuten, die bei ihnen selbst nicht Rat finden können, solchen Rat mitteilen, darüber sie anlaufen und zu Spott werden.)

19. Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings, des Waisen und der Witwe beugt! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Beugt: Der entweder selbst solchen verlassenen Personen nicht will Recht sprechen oder zu ihrem Rechten geholfen sind: Oder auch andere verhindert, dass sie ihnen nicht Recht widerfahren lassen. (Denn Gott sorgt für die, welche von den Menschen verachtet und verlassen werden.)

20. Verflucht sei, wer bei seines Vaters Weib liegt, dass er aufdecke den Fittich seines Vaters! Und alles Volk soll sagen: Amen {3Mos 18v7}.

Liegt: Dass er sie beschläft oder Unzucht mit ihr treibt oder auch zur Ehe nimmt.

Aufdecke: Denn weil seines Vaters Weib ein Fleisch mit demselben ist, so folgt daraus, dass, wer mit seiner Stiefmutter zuhält, ebenso viel tue, als wenn er seinen Vater schändlich entblöße. (Und ist solches Laster auch bei den Heiden abscheulich gewesen, daher Paulus einen solchen bei den Korinthern in Bann getan hat {1Kor 5}.)

21. Verflucht sei, wer irgend bei einem Vieh liegt! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Vieh liegt: Es sei was für eine Art vom Vieh es wolle, denn das ist eine abscheuliche und schreckliche Tat und wider die Natur.

22. Verflucht sei, wer bei seiner Schwester liegt, die seines Vaters oder seiner Mutter Tochter ist! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Seiner Mutter: Das ist: Sie sei gleich nur allein seines Vaters oder seiner Mutter halben seine rechte Schwester. Denn das ist ein Laster, welches man nicht ungestraft soll hingehen lassen.

23. Verflucht sei, wer bei seiner Schwiegermutter liegt! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Schwiegermutter: Denn zugleich mit der Tochter und ihrer Mutter zu halten, ist ein Gräuel.

24. Verflucht sei, wer seinen Nächsten heimlich schlägt! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Heimlich: Dass er mit keinem Zeugen öffentlich dessen kann überwiesen werden. (Denn Gott lässt die heimlichen Mörder und Totschläger auch nicht ungestraft.)

25. Verflucht sei, wer Geschenke nimmt, dass er die Seele des unschuldigen Blutes schlägt! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Schlägt: Das ist: Die Obrigkeit müsse verflucht und vermaledeit werden, welche um Gaben und Geschenke willen einen unschuldigen Menschen zum Tode verdammt.

26. Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllt, dass er danach tue! Und alles Volk soll sagen; Amen.

Erfüllt: Das ist: Der irgendein Gebot des Herrn übergeht und nicht halten will. Diesen letzten Ausspruch hat Paulus {Gal 3} also erklärt: Verflucht sei ein jeder, der nicht bleibt in allen, was geschrieben steht im Buch des Gesetzes, dass er danach tue. Daraus gut zu lesen ist, dass nicht allein die vorgemeldeten Laster, wie sie jetzt erzählt wurden, dem göttlichen Fluch unterworfen sind, sondern auch alle anderen Sünden, wie sie Namen haben mögen, die dem Gesetze Gottes zuwiderlaufen. (Weil nun aber keiner ist, der nicht sündigt {1Sam 8 Röm 3}, so ist offenbar, dass wir alle unter dem göttlichen Fluch sind, davon wir auf keine andere Weise können errettet werden, wir glauben denn an Christus, der, da er am Kreuz gehängt, ein Fluch für uns geworden ist, auf dass er uns vom Fluch des Gesetzes erlöste und wir den Segen erlangten {Gal 3}.) Und obwohl an diesem Ort nur Flüche gesetzt werden: Jedoch weil oben auch des Segens Meldung geschehen, dass man ihn aussprechen soll lassen, und mit Zustimmung des Volkes, so auf dem Berge Grisim gestanden, soll bestätigt werden, ist gut, zu erachten, dass die vorgesetzten Flüche nur sind auf eine widerwärtige Meinung verkehrt und geändert wurden. Als im ersten Fluch: Gesegnet sei, der keine Götzen oder Bilder macht, dass er davor niederfalle und sie anbete, sondern den einen wahren und ewigen Gott von Herzen liebt, fürchtet und all sein Vertrauen auf ihn setzt: Und alles Volk (das auf dem Berge Grisim steht) soll sagen: Amen. Und also von den Folgenden auch. Es hat aber der Heilige Geist ohne Zweifel aus besonderem Bedenken nur allein die Flüche verzeichnen lassen, dass er damit anzeigte, wie die Menschen aus dem Gesetze nur den Fluch bekämen, nicht zwar, dass das Gesetz daran schuldig wäre, sondern weil niemand ist, der es vollkommen halten kann. Hingegen sind mehr Stämme zum Segnen als zum Fluchen geordnet worden, nämlich Simeon, Levi, Juda, Isaschar, Ephraim, Manasse und Ben Jamin, damit Gott wollen zu verstehen geben, dass er um Christi willen, zu segnen als zu fluchen geneigter sei.)


Das 28. Kapitel


1. Jetzt werden in diesem Kapitel allerlei Segen erzählt, welche denen widerfahren sollen, die Gott gehorchen, v. 1. 2. Und werden schreckliche Strafen gedroht, so die Verächter Gottes überfallen werden, v. 15.

1. Und wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst, und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, so wird dich der Herr, dein Gott, das Höchste machen über alle Völker auf Erden {3Mos 26v3},

Wenn: Mose fängt an zu erzählen, was für Guttaten diejenigen empfangen werden, welche das Gesetze Gottes halten, und setzt gleich darauf, was für Unglück wiederum die werden zu erwarten haben, welche Gottes Gebote übertreten: Auf dass das Volk beides, mit Verheißungen und Drohungen, aufgemuntert würde, die Gebote Gottes zu halten.

Höchste: Dass du vor anderen Völkern wirst berühmt sein und Glück haben.

2. und werden über dich kommen alle diesen Segen und werden dich treffen, darum dass du der Stimme des Herrn, deines Gottes, bist gehorsam gewesen.

Treffen: Das ist: Widerfahren und zu Händen stoßen.

3. Gesegnet wirst du sein in der Stadt, gesegnet auf dem Acker.

Acker: Das ist: Du wirst nicht allem daheim in deinem Hause Glück und Segen haben, dass deine Güter gemehrt werden, sondern es wird dir auch der Ackerbau glücklich vonstattengehen und dir viel Einkommen tragen.

4. Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes, die Frucht deines Landes und die Frucht deines Viehs und die Früchte deiner Ochsen und die Früchte deiner Schafe.

Frucht: Was Mose allererst kürzlich angeregt, das erklärt er jetzt im Folgenden, und streicht es weitläufiger und mit mehr Worten heraus.

Leibes: Das ist: Du wirst fromme und wohlerzogene Kinder haben und Freude und Ehre an ihnen erleben.

Landes: Welches dir wohl tragen und deinen Bau und Arbeit, so du darauf wendest, reichlich belohnen wird.

Viehs: Welches sich in großer Anzahl mehren und ausbreiten wird, dazu stark und gesund bleiben.

5. Gesegnet wird sein dein Korb und dein Übriges.

Korb: (Nach Luther) Das ist, was du gegenwärtig brauchst.)

Übriges: Das ist: Was du von deinem Tisch aufheben wirst, wenn du satt bist, das soll nicht abnehmen oder verderben, sondern dir wieder zu Nutzen und Gutem kommen.

Nach Luther: Was du beiseitelegst zu behalten.

6. Gesegnet wirst du sein, wenn du eingehst, gesegnet, wenn du ausgehst.

Ausgehst: Das ist: Wo du dich hinwenden wirst, da soll alles mit eitel Glück und Segen häufig zuschneien, und was du anfangen wirst, das wird dir glücklich vonstattengehen, und wirst es nach alles deinem Willen und Wohlgefallen verrichten können.

7. Und der Herr wird deine Feinde, die sich wider dich auflehnen, vor dir schlagen; durch einen Weg sollen sie ausziehen wider dich und durch sieben Wege vor dir fliehen.

Ausziehen: Mit großer Heereskraft.

Fliehen: Wenn du sie überwunden und zerstreut hast, dass sie nicht werden wissen, wo sie hinaus sollen, da sie möchten sicher sein.

8. Der Herr wird gebieten dem Segen, dass er mit dir sei in deinem Keller und in allem, dass du vornimmst, und wird dich segnen in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, gegeben hat.

9. Der Herr wird dich ihm zum heiligen Volk aufrichten, wie er dir geschworen hat, darum dass du die Gebote des Herrn, deines Gottes, hältst und wandelst in seinen Wegen,

Heiligen: Das ist: Du wirst ein besonderes Volk Gottes sein, welches er mit seinem Geiste heiligen, regieren, versorgen, beschützen und mit dem ewigen Leben begaben wird.

Wegen: Wenn du dich bemühen wirst, die Gebote Gottes zu halten, so wird der Herr seine Gaben, damit er dich begnadet, bei dir bestätigen und vermehren, wie er dir verheißen hat.

10. dass alle Völker auf Erden werden sehen, dass du nach dem Namen des Herrn genannt bist, und werden sich vor dir fürchten.

Genannt: Das ist: Dass du heißt, und seist ein Volk des wahren und ewigen Gottes. Als wollte er sagen: Sie werden vermerken, dass du den wahren Gott erkennst und ehrst und dass er für dich insbesondere sorge.

Fürchten: Dass sie dir nicht bald werden dürfen einen Krieg anbieten oder sich wider dich auflehnen.

11. Und der Herr wird machen, dass du Überfluss an Gütern haben wirst, an der Frucht deines Leibes, an der Frucht deines Viehs, an der Frucht deines Ackers, auf dem Lande, das der Herr deinen Vätern geschworen hat, dir zu geben.

Überfluss: Also dass du nicht nur hast, so viel du zur Notdurft bedarfst, sondern auch einen Überfluss befindest, damit du dich ehrlich ergötzen und ein herrliches Freudenfest halten könntest.

Leibes: Dass dir Gott viele schöne Kinder bescheren wird, daran du deine Freude sehen kannst.

12. Und der Herr wird dir seinen guten Schatz auftun, den Himmel, dass er deinem Lande Regen gebe zu seiner Zeit, und dass er segne alle Werke deiner Hände. Und du wirst vielen Völkern leihen, du aber wirst von niemand borgen.

Himmel: Das ist: Gott wird aus dem Himmel, als aus seinem Schatz, fruchtbare Zeiten und gutes Wetter geben, wie es dem Lande am besten sein wird.

Zeit: Wenn es die Notdurft fordert.

Hände: Dass du nicht vergeblich arbeitest.

13. Und der Herr wird dich zum Haupt machen und nicht zum Schwanz, und wirst oben schweben und nicht unten liegen, darum dass du gehorsam bist den Geboten des Herrn, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, zu halten und zu tun,

Haupt: Das ist: Er wird verschaffen, dass du bei anderen Völkern in großem Aussehen sein wirst und nicht unter die Geringsten oder Verachtesten möchtest gezählt werden.

Schweben: Das ist: Du wirst nicht anderen Völkern unter den Füßen liegen, sondern vielmehr über andere herrschen.

14. und dass du nicht weichst von irgendeinem Wort, das ich euch heute gebiete, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du anderen Göttern nachwandelst, ihnen zu dienen.

Rechten: Das ist: Wenn du nichts Neues von dir selber erdenken wirst, damit du mir begehrst zu dienen.

Linken: Das ist: Wenn du nichts versäumen oder zu tun unterlassen wirst, was dir in meinem Gesetz vorgeschrieben ist: Alsdann wirst du zur Belohnung die vorgemeldeten Segen empfangen und nicht allein zeitlich Glück haben, sondern auch die ewige Seligkeit erlangen. (Und zwar, wenn das menschliche Geschlechter allerdings rein und ohne Sünde wäre, so würde es in der Wahrheit mit allerlei Freude und Segen überschüttet werden und lauter Glück haben, beide in dieser und jener Welt. Aber weil niemand die Gebote Gottes hält, so ist Gott auch nicht schuldig, dass er die vorgesetzten Segen über das menschliche Geschlecht kommen lasse. Doch gibt er bisweilen auch den Ungläubigen, da sie äußerlich ein ehrbares Leben führen, etliche zeitliche Güter, nicht dass er ihnen dieselbe zu geben schuldig sei, sondern auf das andere dadurch auch zur Tugend gemahnt und gereizt werden. Weil sie aber aus Undankbarkeit, indem, dass sie ihren Schöpfer und Erlöser nicht erkennen, der zeitlichen Güter vielmehr missbrauchen, als derselben genießen, so werden sie der ewigen beraubt. Aber den Gläubigen bleiben diese Verheißungen fest, um Christi willen, dessen Vollkommenheit ihnen zugerechnet wird: Doch also, dass auch viel Unglück und Widerwärtigkeit mit unterläuft, dadurch sie beide von der ihnen anklebenden Erbsünde und vielen wirklichen Sünden, die sie begangen, erinnert werden. Und danach auch der Ursache halben, dass, wenn es uns am zeitlichen Segen zerrinnen will, wir Anlass bekommen, nach den himmlischen Gütern desto emsiger zu trachten und nicht ganz zu sehr auf dies zeitliche Leben unsere Hoffnung setzen.)

15. Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des Herrn, deines Gottes, dass du hältst und tust alle seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden alle diese Flüche über dich kommen und dich treffen {3Mos 26v14 Dan 9v11 Mal 2v2},

Wenn du: Folgen jetzt die Flüche, welche über die kommen sollen, so das Gesetz Gottes übertreten. (Und da ein Christenmensch von den künftigen Zufällen, Glück und Unglück etwas begehrt zu prognostizieren und zuvor verkündigt. Der kann die allergewisseste Praktik schreiben, nicht aus Anschauung des Gestirns und Lauf des Himmels, sondern aus diesem Register der Flüche, wenn er das verdorbene und verkehrte Wesen dieser Welt, wie es jetziger Zeit auf Eid geführt wird, dagegen hält.)

Flüche: Das ist: All der Jammer und das Unglück, davon du jetzt hören wirst.

Treffen: Das ist: Es wird dir gewisslich widerfahren.

16. Verflucht wirst du sein in der Stadt, verflucht auf dem Acker.

Acker: Das ist: Deine Güter werden geschmälert werden und in einen Abgang kommen, und wird dir alles unglücklich vonstattengehen, was du anfangen wirst, es sei gleich daheim in deinem Hause oder aber draußen auf dem Felde, mit deinem Ackerbau.

17. Verflucht wird sein dein Korb und dein Übriges.

Übriges: Das ist: Was dir überbleibt, wird abnehmen, verderben und dir nicht zunutze kommen.

18. Verflucht wird sein die Frucht deines Leibes, die Frucht deines Landes, die Frucht deiner Ochsen und die Frucht deiner Schafe.

Leibes: Das ist: Du wirst entweder keine oder doch böse und unglückhafte Kinder haben.

Landes: Das ist: Das Land wird dir deine Arbeit nicht belohnen, die du darauf wendest, wenn du es baust.

Schafe: Das ist: Du wirst keinen Fortgang mit deinem Vieh haben, es wird dir nicht gedeihen, sondern entweder unfruchtbar sein oder durch böse Seuchen dahinsterben oder sonst zu nirgends Nutzen sein.

19. Verflucht wirst du sein, wenn du eingehst, verflucht, wenn du ausgehst.

Ausgehst: Das ist: Ich will dir es in einer Summe mit wenigen Worten sagen: Wo du dich hinkehren oder wenden wirst, da wird alles Unglück vorher da sein und deiner warten, und was du anfangen wirst, da wird weder Glück noch Segen dabei sein.

20. Der Herr wird unter dich senden Unfall, Unrat und Unglück in allem, das du vor die Hand nimmst, dass du tust, bis du vertilgt wirst und bald untergehst um deines bösen Wesens willen, dass du mich verlassen hast.

Unfall: Dass du mit Schwermütigkeit und Herzensangst wirst überfallen werden.

Unrat: Dass du plötzliche Schrecken einnehmen wirst und vor Ängsten zittern.

Tust: Auf dass du Augenscheinliches wirst sehen und spüren müssen, wie du von Gott gezüchtigt wirst und empfindest, dass dir Gott in allem deinem Tun widerstehe.

Wesens: Dass du immer neue Gottesdienste erdacht, oder wie sie andere erdacht, angerichtet hast.

Verlassen: (Denn wer Gott nach seinem Kopf und Gutdünken dienen will, der verlässt eben dadurch den wahren Gott {Mt 15}.)

21. Der Herr wird dir die Sterbedrüse anhängen, bis dass er dich vertilge in dem Lande, dahin du kommst, dasselbe einzunehmen.

Anhängen: Das ist: Er wird dich mit der Pestilenz heimsuchen und strafen.

22. Der Herr wird dich schlagen mit Schwulst, Fieber, Hitze, Brunst, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe.

Hitze: Die sich durch den ganzen Leib austeilt und alle Kräfte schwächt.

Brunst: Wie denn der gleichen Krankheiten viele sind, die eines Menschen Leib mit ganz zu großer Entzündung jämmerlich martern.

Dürre: Das ist: Mit solchen Krankheiten, die allen Saft und natürliche Feuchtigkeit des Leibes verzehren, dass der Leib schier ganz ausgedorrt, matt und kraftlos wird, und nichts mehr an ihm ist als Haut und Pein, wie die Schwindsucht und dergleichen.

23. Dein Himmel, der über deinem Haupt ist, wird Ähren sein, und die Erde unter dir eisern.

Ähren: Er wird dir keinen fruchtbaren Regen geben.

Eisern: Das ist: Die Erde wird hart und dürre sein und keine Frucht tragen.

24. Der Herr wird deinem Lande Staub und Asche für Regen geben vom Himmel auf dich, bis du vertilgt wirst.

Staub und: Das ist: Weil kein Regen fallen wird, so werden die Früchte des Landes ausdorren und nicht zeitig werden können.

Vertilgt: Denn du endlich wirst müssen Hungers sterben.

25. Der Herr wird dich vor deinen Feinden schlagen. Durch einen Weg wirst du zu ihnen ausziehen, und durch sieben Wege wirst du vor ihnen fliehen; und wirst zerstreut werden unter alle Reiche auf Erden.

26. Dein Leichnam wird eine Speise sein allem Gevögel des Himmels und allem Tier auf Erden; und niemand wird sein, der sie scheucht.

Speise: Das ist: Es wird dir nicht so gut werden können, dass du in ein Grab kommst, sondern man wird dich also unbegraben liegen lassen, dass du von den Vögeln und wilden Tieren wirst gefressen werden.

27. Der Herr wird dich schlagen mit Drüsen Ägyptens, mit Feigwarzen, mit Grind und Krätze, dass du nicht kannst heil werden.

Drüsen Ägyptens: Mit bösen Geschwüren, damit die Ägypter geplagt werden.

Nicht kannst: Das ist: Da keine Arznei helfen will.

28. Der Herr wird dich schlagen mit Wahnsinn, Blindheit und Rasen des Herzens {Röm 1v28};

Herzen: Das ist: Gott wird dir den Verstand nehmen und seinen Heiligen Geist dir entziehen, dass du in groben, gräulichen und erkennbaren Irrtum in Religionssachen geraten wirst, und wirst in einem verkehrten Sinn gegeben werden, dass du dich nicht scheuen wirst, allerhand Schande und Laster zu treiben: So wirst du auch in deinen Rat- und Anschlägen in weltlichen Sachen und gerichtlichen Prozessen fehlen, da wird kein Witz, kein Verstand, kein Stern, kein Glück sein. (Welches das größte Übel ist unter allen, so noch bisher erzählt wurden.)

29. und wirst tappen im Mittag, wie ein Blinder tappt im Dunkeln; und wirst auf deinem Wege kein Glück haben und wirst Gewalt und Unrecht leiden müssen dein Leben lang; und niemand wird dir helfen.

Leiden: Das ist: Man wird dir deine Habe und Güter mit Gewalt nehmen oder mit Hinterlist abdingen.

Helfen: Es wird dich keiner bei deiner Gerechtigkeit begehren Hand zu haben.

30. Ein Weib wirst du dir vertrauen lassen, aber ein anderer wird bei ihr schlafen. Ein Haus wirst du bauen, aber du wirst nicht darin wohnen. Einen Weinberg wirst du pflanzen, aber du wirst ihn nicht Allgemeines machen (die Früchte nicht genießen).

Vertrauen: Das ist: Weil sie noch eine Braut ist, so wird sie von einem anderen geschändet werden, ehe du sie heimholst und Hochzeit mit ihr hältst oder wird dir vom Feinde entführt werden.

Wohnen: Denn der Feind wird es einnehmen und dich daraus vertreiben.

Allgemeines machen: Das ist: Zuvor und ehe denn er dir die ersten Früchte trage, die dir zu essen freistehen und erlaubt sind, wirst du ins Elend ausgestoßen und vertrieben werden, dass du von deiner großen Mühe und Arbeit keinen Nutzen noch Ergötzlichkeit haben wirst.

31. Dein Ochse wird vor deinen Augen geschlachtet werden, aber du wirst nicht davon essen. Dein Esel wird vor deinem Angesicht mit Gewalt genommen und dir nicht wiedergegeben werden. Dein Schaf wird deinen Feinden gegeben werden, und niemand wird dir helfen.

Geschlachtet: Von den Feinden.

Nicht davon: Sondern die Kriegsleute werden ihn verzehren und dich lassen zusehen.

Genommen: Dass du ihn nicht mehr zu deinen gewöhnlichen Geschäften wirst gebrauchen können.

Gegeben: Dass du es wirst sehen vor deinen Augen wegtreiben.

Helfen: Dass du sie retten und behalten möchtest.

32. Deine Söhne und deine Töchter werden einem anderen Volk gegeben werden, dass deine Augen zusehen und verschmachten über ihnen täglich, und wird keine Stärke in deinen Händen sein.

Gegeben: In eine harte und schwere Dienstbarkeit.

Verschmachten: Das ist: Du wirst vor großem Kummer und stetigem Wehklagen an deinen Kräften ganz und gar erschöpft werden, wenn du an den elenden und jämmerlichen Zustand deiner liebsten Kinder denken wirst.

Keine Stärke: Du wirst nicht so viel Kraft haben, dass du ihnen könntest zu Hilfe kommen und sie retten.

33. Die Früchte deines Landes und alle deine Arbeit wird ein Volk verzehren, das du nicht kennst; und wirst Unrecht leiden und zerstoßen werden dein Leben lang.

Arbeit: Das ist: Was du mit großer Mühe und harter Arbeit hast erworben und zuwege gebracht.

Nicht kennst: Das du zuvor nie gesehen hast und dessen Sprache du nicht verstehst.

Zerstoßen: Das ist: Wenn du gleich siehst und weißt, dass dir Unrecht und zu kurz geschieht, so wirst du doch viel zu schwach sein, dass du dich selber schützen und bei deinem Rechten handhaben könntest.

34. Und wirst unsinnig werden vor dem, dass deine Augen sehen müssen.

Unsinnig: Das ist: Du wirst von wegen solchem großen Unrecht von Sinnen kommen.

35. Der Herr wird dich schlagen mit einer bösen Drüse an den Knien und Waden, dass du nicht kannst geheilt werden, von den Fußsohlen an bis auf die Scheitel.

Drüse: Denn es hat Gott viele und mancherlei Plagen, damit er dein gottloses Wesen strafen und heimsuchen kann.

Fußsohlen: Das ist: Es wird nicht nur allein an einem Ort des Leibes sein, sondern den ganzen Leib einnehmen, wie heutigentags die Franzosen (Syphilis), wenn sie in eines Menschen Leibe überhandnehmen.

36. Der Herr wird dich und deinen König, den du über dich gesetzt hast, treiben unter ein Volk, das du nicht kennst noch deine Väter; und wirst dort dienen anderen Göttern, Holz und Steinen.

Treiben: Nämlich dass ihr miteinander gefangen hinweg geführt werdet.

Nicht kennst: Da ihr in eine harte und schwere Dienstbarkeit werdet leben müssen, unter einem Volk, von dem ihr wohl vor der Zeit nie gehört habt, von wegen der Ferne, welches euer Elend auch nur desto größer machen wird, weil ihr insoweit abgelegene Orte seid hinweggeführt worden.

Steinen: Als wollte er sagen: Da wirst du ins Teufels Namen den hölzernen und steinernen Götzen genug zu dienen haben, nach denen dich bisher so oft verlangt hat, weil du der Abgötterei immerdar nachgehängt und derselben nie satt werden konntest.

37. Und wirst ein Scheusal und ein Sprichwort und Spott sein unter allen Völkern, da dich der Herr hingetrieben hat.

Sprichwort: Das ist: Welche dich sehen, werden vor deinem Unglück sich entsetzen, sich vor dir scheuen, das Gespött aus dir treiben und dich mit Fingern anweisen: Und werden von deinem Tun und Zustand eine gemeine Sage machen und ein Liedlein von dir singen und nur ihre Possen damit reißen, so verachtet und verschmäht wirst du sein und von jedermann angefeindet werden.

38. Du wirst viel Samens ausführen auf das Feld und wenig einsammeln; denn die Heuschrecken werden es abfressen {Mi 6v15 Hag 1v6 2v17};

Du wirst: Als wollte er sagen: Weil du noch in deinem Lande daheim bist und ehe du in die Fremde wirst gefangen weggeführt werden, so wirst du dennoch kein Glück noch Segen haben, deine Arbeit wird dir nichts erschießen.

Ausführen: Das ist: Du wirst viel aussäen und wenig einernten.

Abfressen: Wenn die Saat erst ausgegangen ist, ehe denn es ein wenig hoch aufwächst.

39. Weinberge wirst du pflanzen und bauen, aber keinen Wein trinken noch lesen; denn die Würmer werden es verzehren.

Verzehren: Das ist: Das Ungeziefer wird es verderben, dass du keinen Nutzen davon wirst haben können.

40. Ölbäume wirst du haben in allen deinen Grenzen, aber du wirst dich nicht salben mit Öl; denn dein Ölbaum wird ausgerissen werden.

Grenzen: Es wird nirgends kein Mangel erscheinen an Ölbäumen.

Salben: Denn neben anderen Nutzungen des Öls gebrauchte man es auch zur Salbe, dass man den Leib damit salbte und schön machte {Ps 104}.

41. Söhne und Töchter wirst du zeugen und doch nicht haben; denn sie werden gefangen weggeführt werden.

Nicht haben: Das ist: Du wirst sie nicht behalten können und wirst keinen Nutzen davon haben in deiner Haushaltung, dass sie dir dieselbe helfen und deine Güter durch ihren treuen Beistand sich mehrten: So werden sie dir auch im Alter keine Freude machen, weil sie nicht bei dir sind und der Feind sie gefangen weggeführt hat.

42. Alle deine Bäume und Früchte deines Landes wird das Ungeziefer fressen.

Fressen: Dass du keinen Nutzen davon wirst haben können.

43. Der Fremdling, der bei dir ist, wird über dich steigen und immer oben schweben; du aber wirst heruntersteigen und immer unterliegen.

Bei dir: Der bitteweise bei dir wohnt und Unterschlupf bei dir gesucht hat.

Steigen: Das ist: Er wird dir zu Häupten wachsen, je länger je größer werden, und zunehmen an Gütern, Gewalt und Aussehen.

Unten liegen: Das ist: Du wirst immer an Gütern, Gewalt und Aussehen abnehmen und geringer werden.

44. Er wird dir leihen, du aber wirst ihm nicht leihen; er wird das Haupt sein, und du wirst der Schwanz sein.

Haupt sein: Das ist: Er wird über dich herrschen und du wirst ihm dienen und seiner Gnade leben müssen, dazu in großer Verachtung.

45. Und werden alle diese Flüche über dich kommen und dich verfolgen und treffen, bis du vertilgt wirst, darum dass du der Stimme des Herrn, deines Gottes, nicht gehorcht hast, dass du seine Gebote und Rechte hieltest, die er dir geboten hat.

Flüche: Nämlich alles das Unglück, welches du bisher nacheinander hast hören erzählen.

Treffen: Das ist: Du wirst ihnen nicht entgehen können.

46. Darum werden Zeichen und Wunder an dir sein und an deinem Samen ewig,

Wunder: Das ist: Die vorgesetzten Unfälle werden dich und deine Nachkommen so und so häufig überfallen, dass sich jedermann darüber verwundern wird und für ein besonderes Zeichen des göttlichen Zorns halten muss.

ewig: Dass du deines Unglücks kein Ende wirst sehen oder erleben können.

47. dass du dem Herrn, deinem Gott, nicht gedient hast mit Freude und Lust deines Herzens, da du allerlei genug hattest.

Und Lust: Das ist: Mit fröhlichem und willigem Gemüt, wie dir wohl gebührt hätte, dass du die Gebote Gottes mit besonderem Fleiß gehalten hättest.

Genug hattest: Damit dich Gott gnädig überschüttet hat. Darum, weil du für solche große Wohltaten undankbar gewesen bist und deinem himmlischen Vater nicht hast dienen wollen, sondern vielmehr ihm zuwider gehandelt und seinen reichen Segen zu allerlei Schande und Laster missbraucht hast, so magst du jetzt dem Feinde dienen, den dir Gott über den Hals geschickt hat, nicht zwar in allem Überfluss, sondern dass du daneben großen Mangel wirst leiden müssen, mit guten Zähnen übel essen und weder Brot noch Kleider haben.

48. Und wirst deinem Feinde, den dir der Herr zuschicken wird, dienen in Hunger und Durst, in Blöße und allerlei Mangel, und er wird ein eisernes Joch auf deinen Hals legen, bis dass er dich vertilge.

Eisernes Joch: Das du weder zerbrechen noch von dir werfen könntest und aus der harten Dienstbarkeit dich keineswegs mögest ledig machen, sondern darunter erliegen und verschmachten müssest.

49. Der Herr wird ein Volk über dich schicken von ferne, von der Welt Ende, wie ein Adler flieht, des Sprache du nicht verstehst,

Flieht: Das ist: Welches so schnell wird fortziehen, dass es eher wird bei dir sein, eher du von ihm wirst gehört haben, dass es komme.

Sprache: Darum du es zu keiner Barmherzigkeit wirst bewegen oder erweichen können.

50. ein freches Volk, das nicht ansieht die Person des Alten noch schont der Jünglinge;

Freches: Das sich für niemand scheut.

Alten: Das sich keines grauen Haares achtet.

Jünglinge: Oder auch der kleinen unmündigen Kinder, die ihn nicht zum Mitleiden bewegen können, sondern eines grausamen und unbändigen Gemüts ist.

51. und wird verzehren die Frucht deines Viehs und die Frucht deines Landes, bis du vertilgt wirst; und wird dir nichts überlassen an Korn, Most, Öl, an Früchten der Ochsen und Schafe, bis dass dich‘s umbringe;

Viehs: Was von deinem Vieh dir soll zunutze und zugutekommen.

Umbringe.: Dass du vor Angst und Sorgen verschmachtest und vor Leid stirbst.

52. und wird dich ängstigen in allen deinen Toren, bis dass es niederwerfe deine hohen und festen Mauern, darauf du dich verlässt, in all deinem Lande; und wirst geängstigt werden in allen deinen Toren, in deinem ganzen Lande, das dir der Herr, dein Gott, gegeben hat.

Ängsten: Nämlich in der Belagerung, da du von ihm wirst belagert werden in deinen Städten.

Lande: Das ist: Was du für Festungen in deinem Lande haben wirst, die wird es erobern und einnehmen und dir nirgends keinen sicheren Ort lassen.

53. Du wirst die Frucht deines Leibes fressen, das Fleisch deiner Söhne und deiner Töchter, die dir der Herr, dein Gott, gegeben hat, in der Angst und Not, damit dich dein Feind drängen wird.

Fressen: Nämlich in währender Belagerung, in der großen Hungersnot.

Söhne: Derer du nicht verschonen wirst vor unleidlichem Hunger, welcher dich dahin dringen wird, dass du alle Freundlichkeit und natürliche Zuneigungen wirst müssen fahren lassen.

54. dass ein Mann, der zuvor sehr zärtlich und in Lüsten gelebt hat unter euch, wird seinem Bruder und dem Weibe in seinen Armen und dem Sohn, der noch übrig ist von seinen Söhnen, vergönnen,

Übrig ist: Den er noch nicht geschlachtet hat.

55. zu geben jemand unter ihnen von dem Fleisch seiner Söhne, das er frisst, weil ihm nichts übrig ist von allem Gut, in der Angst und Not, damit dich dein Feind drängen wird in allen deinen Toren.

Nichts übrig ist: Damit er sich des Hungers erwehren könnte.

Drängen wird: Weil er mit der Belagerung so hart und beharrlich anhalten wird.

56. Ein Weib unter euch, das zuvor zärtlich und in Lüsten gelebt hat, dass sie nicht versucht hat, ihre Fußsohlen auf die Erde zu setzen vor Zärtlichkeit und Wollust, die wird dem man in ihren Armen und ihrem Sohn und ihrer Tochter vergönnen

Fußsohlen: Das ist: Ein zartes stolzes Fräulein, das für Zärtlichkeit nicht hat wollen über eine Gasse gehen, sondern sich zum dritten oder vierten Haus in einem Wägelein oder Kütschlein fahren lasse, dieselbe wird auch das allerschwärzeste Brot nicht haben, welches sie zuvor nicht gern angesehen hätte, sondern wird vor großem Hunger ganz rasend werden, dass sie ihre eigenen Kinder fressen wird.

Armen: Das ist: Den sie zuvor herzlich lieb gehabt und ihm alles Gutes gewünscht und erzeigt hat.

Vergönnen: Oder missgönnen, weil sie es gern allein essen wollte.

57. die Aftergeburt, die zwischen ihren eigenen Beinen ist ausgegangen, dazu ihre Söhne, die sie geboren hat; denn sie werden sie vor allerlei Mangel heimlich essen, in der Angst und Not, damit dich dein Feind drängen wird in deinen Toren.

Aftergeburt: Ein abscheuliches Ding, darum es auch von den Weibern beiseite getan und verborgen gehalten wird, dass es von niemand gesehen werde. Ein solch abscheuliches Ding, will er sagen, wird die zarte Mutter zu jeder Speise gebrauchen und darauf so gierig sein, dass sie auch ihrem eigenen Mann und Kindern nicht das geringste Partikel davon mitzuteilen begehrt.

Nach Luther: Oder die Kinder, so kaum zur Welt gekommen sind.

Geboren: Die wird sie auch zugleich vor Hunger anfangen zu fressen.

Heimlich: Weil sie sich fürchten, es möchte ihnen jemand die Speise aus dem Maul reißen.

58. Wo du nicht wirst halten, dass du tust alle Worte dieses Gesetzes, die in diesem Buch geschrieben sind, dass du fürchtest diesen herrlichen und schrecklichen Namen, den Herrn, deinen Gott,

Fürchtest: Das ist: Wo du nicht mit großer Ehrerbietung und Demut in der Furcht Gottes leben wirst, der sich durch große Wunder und Zeichen genügend erklärt hat, dass er ein herrlicher Gott sei, einer unendlichen Majestät, dazu allen seinen Feinden und gottlosen Leuten schrecklich, als die er dem zeitlichen und ewigen Tode unterwirft: So wird er dir nicht schlechte und bekannte, sondern seltsame und unerhörte Plagen zuschicken.

59. so wird der Herr wunderlich mit dir umgehen, mit Plagen auf dich und deinen Samen, mit großen und langwierigen Plagen, mit bösen und langwierigen Krankheiten,

Plagen: Die man nicht abwenden kann.

Krankheiten: Die man nicht heilen kann.

60. und wird dir zuwenden alle Seuche Ägyptens, davor du dich fürchtest, und werden dir anhangen.

Ägyptens: Welches Land um der Einwohner Bosheit willen mit vielen Krankheiten ist gestraft worden.

Fürchtest: Dass du nicht auch damit möchtest geplagt werden.

Anhangen: Dass du sie nicht wirst vertreiben können.

61. Dazu alle Krankheit und alle Plage, die nicht geschrieben sind in dem Buch dieses Gesetzes, wird der Herr über dich kommen lassen, bis du vertilgt wirst.

Nicht geschrieben: Denn Gott kann und pflegt auch neue Krankheiten zu schicken, die zuvor unbekannt gewesen sind, wenn sich die Laster häufen.

62. Und wird eurer wenig Pöbels überbleiben, die ihr vorhin gewesen seid, wie die Sterne am Himmel nach der Menge, darum dass du nicht gehorcht hast der Stimme des Herrn, deines Gottes.

Wenig Pöbels: Aus solchem großen Haufen.

Nicht gehorcht: Dass du seine Gebote gehalten hattest.

63. Und wie sich der Herr über euch zuvor freute, dass er euch Gutes tat, und mehrte euch, also wird er sich über euch freuen, dass er euch umbringe und vertilge; und werdet verstört werden von dem Lande, da du jetzt einziehst, es einzunehmen.

Freute: Das ist: Gleichwie Gott nach seiner unaussprechlichen Güte und Barmherzigkeit solches gleichsam mit Lust und Freuden getan, dass er euch mit allerlei Guttaten überschüttete.

Freuen: Nach seiner Gerechtigkeit.

Umbringe: Nämlich von eurer Widerspenstigkeit und gottlosen Wesens willen.

64. Denn der Herr wird dich zerstreuen unter alle Völker, von einem Ende der Welt bis ans andere; und wirst dort anderen Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter, Holz und Steinen.

Zerstreuen: Aus deinem Lande ins Elend vertreiben.

Göttern: Das ist: Weil du dem rechten wahren Gott in einem sehr guten Lande nicht hast dienen wollen, so wird man dich in einem fremden Lande zwingen, dass du den Götzen wirst müssen dienen, die von Holz und Steinen gemacht sind, davon weder du noch deine Väter zuvor nichts wussten, noch gehört habt.

65. Dazu wirst du unter denselben Völkern kein bleibendes Wesen haben, und deine Fußsohlen werden keine Ruhe haben. Denn der Herr wird dir dort ein bebendes Herz geben und verschmachtete Augen und verdorrte Seele,

Völkern: Bei denen du in der Fremde und im Elend bist.

Bleibend: Das ist: Du wirst nicht lange an einem Ort bleiben können.

Ruhe: Sondern wirst von anderen wiederum ausgetrieben werden, oder selber aus Misstrauen und Furcht den Ort mit Zittern verändern.

Bebendes Herz: Das ist: Die Kräfte deines Leibes und Gemüts werden vor Furcht, Zittern, Schrecken und Traurigkeit abnehmen und verzehrt werden.

66. dass dein Leben wird vor dir schweben. Nacht und Tag wirst du dich fürchten und deines Lebens nicht sicher sein.

Schweben: Das ist, Du wirst deines Lebens nicht sicher sein, es wird nur an einem seidenen Faden hängen. Wie einmal ein Tyrann bekannt, dass es mit seinem Leben beschaffen wäre, da er seinem Gast ein scharfes Schwert über den Kopf lässt aufhängen.

67. Des Morgens wirst du sagen: Ach, dass ich den Abend erleben möchte! Des Abends wirst du sagen: Ach, dass ich den Morgen erleben möchte! Vor Furcht deines Herzens, die dich schrecken wird, und vor dem, das du mit deinen Augen sehen wirst.

68. Und der Herr wird dich mit Schiffen voll wieder nach Ägypten führen durch den Weg, davon ich gesagt habe: Du sollst ihn nicht mehr sehen. Und ihr werdet dort euren Feinden zu Knechten und Mägden verkauft werden, und wird kein Käufer da sein.

Schiffe voll: Das ist: Man wird ganze Schiffe füllen mit den Gefangenen aus deinem Volk, welche man wieder in die ägyptischen Dienstbarkeit führen wird.

Nicht mehr: Das ist: Ich habe dir zwar verheißen, sofern du meine Gebote halten würdest, dass ich nicht zugeben wollte, dass du solltest wieder in die ägyptischen Dienstbarkeit geraten, aber wenn du mir nicht gehorchen willst, so wird es geschehen, dass gleichwie du zuvor durch das Rote Meer trockenen Fußes aus Ägypten entgangen bist: Also wirst du mit Schiffen über dasselbe Rote Meer wieder in Ägypten geführt werden.

Feinden: Die euch hassen und welche ihr auch hasst.

Verkauft: In eine harte Dienstbarkeit.

Kein Käufer: Das ist: Du wirst in so großer Verachtung sein und von jedermann so angefeindet werden, dass eurer ein großer Teil, die ihr seid gefangen weggeführt wurdet, keine Käufer finden werdet, die euch für eure Arbeit nur ein wenig Speise und Nahrung geben, weil sie von euch nicht anders halten werden als von verworfenen nichts werten Leuten, die auch nicht gut genug sind, dass sie das trockene schwarze Brot essen sollten. (Und soll man nicht meinen, Gott werde die Übertretung seiner Gebote nur mit den vorgesetzten zeitlichen Flüchen und Plagen strafen, sondern auf die zeitlichen Strafen wird allererst das ewige höllische Feuer folgen, wo anders solche Übertreter des Gesetzes nicht Buße tun und an Christus glauben. Denn welche der Fluch und der Zorn Gottes verfolgt, die werden nicht allein hier zeitlich, sondern auch dort ewig gestraft. Welches uns denn bewegen soll, dass wir ernstliche Buße tun, damit wir durch den Glauben an Christus Vergebung der Sünden erlangen und der zeitlichen Strafen Linderung uns zu getrösten haben.)


Das 29. Kapitel


1. Mose ermahnt die Israeliten, mit Erzählung der empfangenen Guttaten, v. 1. 2. Und Bedrohung schrecklicher Strafen, dass sie gleichsam von neuem anfangen sollen, nach dem göttlichen Bund, der mit ihnen gemacht wurden zu leben. v. 16.

1. Dies sind die Worte des Bundes, den der Herr Mose geboten hat, zu machen mit den Kindern Israel in der Moabiter Land, zum andermal, nachdem er denselben mit ihnen gemacht hatte in Horeb.

Wort: Mose hält bei dem Volk noch weiter an mit Ermahnung, dass sie die Gebote Gottes sollen wohl in Achthaben.

Des Bundes: Nämlich die Gebote Gottes von dem Bund, den Gott mit den Kindern Israel gemacht hatte.

Andermal: Das ist: Dies ist eine Wiederholung und gleichsam Erneuerung des Bundes, den Gott der Herr vor vierzig Jahren mit seinem Volk gemacht hat: Welchen sie zu mehreren Malen übergangen, darum man denselben an diesem Ort gleichsam von Neuem wieder einsetzen oder aufrichten müsse. (Und wurde durch diese Erneuerung des Bundes bedeutet, wie es einmal geschehen würde, dass das Alte Testament, welches nur solche Verheißungen hatte, so mit gewissem Bedingung geschehen waren, würde abgetan werden, und an dessen statt das Neue Testament aufgekommen, darin die Gnade Gottes und das ewige Leben umsonst und ohne alle Bedingung unserer Verdienst uns aufgetragen und den Gläubigen an Christus soll geschenkt werden.)

2. Und Mose rief dem ganzen Israel und sprach zu ihnen: Ihr habt gesehen alles, was der Herr getan hat in Ägypten vor euren Augen dem Pharao mit allen seinen Knechten und seinem ganzen Lande {2Mos 19v4},

3. die großen Versuchungen, die deine Augen gesehen haben, dass es große Zeichen und Wunder waren {5Mos 7v19}.

Versuchungen: Damit dich Gott probieren wolle, ob du an ihm beständig oder unbeständig sein würdest, wie er dich in der Wüste bisweilen an deiner täglichen Notdurft ließ Mangel leiden.

Wunder: Dadurch er euch zu Hilfe kam, als er Brot vom Himmel regnen und Wasser aus dem Felsen fließen ließ.

4. Und der Herr hat euch bis auf diesen heutigen Tag noch nicht gegeben ein Herz, das verständig wäre, Augen, die da sähen, und Ohren, die da hörten {Esra 6v10}.

Verständig: Das ist: Es haben eurer der meiste Teil noch heutigentags, ob ihr wohl so viele und große Wunderwerke gesehen, die Gewalt und Güte Gottes daraus nicht erkennen können (denn das heißt, ein verständig Herz und sehende Augen haben). Und ist euer Wille noch nicht dahin gerichtet, dass ihr von Herzen begehrtet den Geboten Gottes zu gehorsam sein (welches ist, hörende Ohren haben). (Denn solange Gott der Herr des Menschen Verstand nicht erleuchtet, so bleibt er blind und ungehorsam.)

5. Er hat euch vierzig Jahre in der Wüste lassen wandeln; eure Kleider sind an euch nicht veraltet, und dein Schuh ist nicht veraltet an deinen Füßen {5Mos 8v4}.

Veraltet: Weil sie Gott wunderbarerweise erhalten, damit ihr nicht ohne Kleider wäret. (Denn wir haben auch unsere Kleidung von Gott.)

6. Ihr habt kein Brot gegessen und keinen Wein getrunken noch starke Getränke, auf dass du wissest, dass ich der Herr, euer Gott, bin.

Kein Brot: Nämlich das von Menschen wäre zubereitet worden und hat euch Gott dennoch eurer Leben und Gesundheit erhalten.

Wissest: Nämlich aus so großen Wunderzeichen und Guttaten.

Gott bin: Der ich nicht allein alle Kreaturen in meiner Gewalt habe, sondern auch ein väterliches Herz zu euch trage.

7. Und da ihr kamt an diesen Ort, zog aus der König Sihon zu Hesbon und der König Og zu Basan uns entgegen, mit uns zu streiten. Und wir haben sie geschlagen {4Mos 21v23 v33 5Mos 2v30 3v1}.

Kamt: Nämlich nachdem ihr in der Wüste eine lange Zeit wart herumgezogen.

Zog aus: Mit bewaffneter Hand und großer Heereskraft.

8. und ihr Land eingenommen und zum Erbteil gegeben den Rubenitern und Gaditern und dem halben Stamm der Manassiter.

Geschlagen: Mit der Hilfe und Beistand Gottes. Darum ihr solche großen Guttaten Gottes mit dankbarem Herzen und Gemüt wohl betrachten sollt.

9. So haltet nun die Worte dieses Bundes und tut danach, auf dass ihr weislich handeln mögt in all eurem Tun.

Bundes: Das ist: Die Gebote Gottes, wie euch dieselben im Gesetz vorgehalten werden.

Weislich: (Denn also verrichten wir unsere Sachen weislich, wenn wir nach dem Wort Gottes leben.)

Eurem Tun: (Nach Luther) Ohne Gottes Wort ist all unser Tun Narrheit.

10. Ihr steht heute alle vor dem Herrn, eurem Gott, die Obersten eurer Stämme, eure Ältesten, eure Amtleute, ein jedermann in Israel,

11. eure Kinder, eure Weiber, dein Fremdling, der in deinem Lager ist, beide, dein Holzhauer und dein Wasserschöpfer,

Lager ist: Das ist: Der zwar nicht deines Geschlechts ist, aus dem Samen Israel, aber doch in deinem Auszug aus Ägypten, von wegen der großen Liebe zur wahren Religion, sich zu euch geschlagen hat.

Wasserschöpfer: Das ist: Es sind auch die von dieser Versammlung nicht ausgeschlossen, welche die geringsten Ämter unter diesem Volk haben.

12. dass du einhergehen sollst in dem Bunde des Herrn, deines Gottes, und in dem Eide, den der Herr, dein Gott, heute mit dir macht,

Bunde: Das ist: Dass der Bund wieder erneuert werde, welchen der Herr dein Gott mit dir gemacht hat, denn denselben hat er dir wollen wiederum zu Gemüt führen und dich dessen erinnern.

13. auf, dass er dich heute ihm zum Volk aufrichte, und er dein Gott sei, wie er dir geredet hat und wie er deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat {1Mos 17v7}.

Volk: Von dem er geehrt werde.

Geschworen: Dass er ihre Nachkommen, die ihr seid, sich gnädig annehmen wolle.

14. Denn ich mache diesen Bund und diesen Eid nicht mit euch alleine,

15. sondern beide mit euch, die ihr heute hier seid und mit uns steht vor dem Herrn, unserem Gott, und mit denen, die heute nicht mit uns sind.

Nicht mit: Die entweder altershalben bei dieser Versammlung nicht sein können oder auch noch nicht geboren sind: Die sind alle in diesem Bund mit begriffen und unter dem Gehorsam Gottes zu leben gebunden.

16. Denn ihr wisst, wie wir in Ägyptenland gewohnt haben und mitten durch die Heiden gezogen sind, durch welche ihr zogt,

Gewohnt: In einer harten Dienstbarkeit.

Gezogen: Nicht ohne große Gefahr, daraus uns doch Gott gnädig errettet hat.

17. und saht ihre Gräuel und ihre Götzen, Holz und Stein, Silber und Gold, die bei ihnen waren.

Götzen: Darum, weil ihr ohne das zur Abgötterei geneigt seid, so sollt ihr euch mit allem Fleiß vorsehen und hüten, dass ihr nicht etwas davon an euch kleben lasst und euch versündigt.

18. Dass nicht vielleicht ein Mann, oder ein Weib, oder ein Personal, oder ein Stamm unter euch sei, des Herz heute sich von dem Herrn, unserem Gott, gewandt habe, dass es hingehe, und diene den Göttern dieser Völker, und werde vielleicht eine Wurzel unter euch, die da Galle und Wermut trage {Apg 8v23 Hebr 12v15},

Völker: Durch die ihr gezogen seid und noch ziehen werdet.

Wurzel: Das ist: Dass nicht jemand unter euch ist, der ein Herz habe, voll gottloses Gift der Bosheit, daraus nichts anders, als giftige Gedanken, Wort und Taten wider den wahren Gott und sein Wort entstehen.

19. und ob er schon höre die Worte dieses Fluchs, dennoch sich segne in seinem Herzen und spreche: Es geht mir wohl, weil ich wandle, wie es mein Herz erscheint; auf dass die Trunkene mit der Durstigen dahinfahre.

Fluchs: Das ist: Wenn er gleich die Flüche erzählen hörte, so über die gehen sollen, welche dies Gesetz übertreten und besonders wider die Götzendiener.

Segne: Das ist: Ihm selber heuchele und alles Gutes verheiße.

Es geht mir wohl: (Nach Luther) Das ist der ruchlosen Leute Wort und Gedanken, sei die Hölle ist nicht so heiß, es hat nicht Not, der Teufel ist nicht so gräulich, als man ihm malt. Welches alle Werkheiligen frech und durstig tun, ja noch Lohn im Himmel erwarten.

Mir wohl: Das ist: Es hat keine Gefahr, ja vielmehr geht mir es alles glücklich vonstatten, was ich anfange, ob ich gleich nicht allerdings mich nach dem vorgeschriebenen Gesetz, sondern meines Herzens Gut Bedünken folge im Gottesdienst. (Denn die abgöttischen Heuchler verheißen sich selbst alle Wohlfahrt dabei, wenn sie neue Gottesdienste, die sie nach ihrem Kopf angerichtet, üben, und fürchten sich keiner Strafe dabei.)

Weil ich wandle: (Nach Luther) Das ist, weil ich so tue und meine Abgötterei treibe, ist eitel Glück da, wer Gott dient, dem geht es niemals wohl.

Durstigen: Ist Sprichworts Weise geredet, dass nicht Durstige und Trunkene miteinander gestraft werden, oder wie man in unserer deutschen Sprache zu sagen pflegt: Dass nicht voll und leer, Kühe und Kalb müssen miteinander darauf gehen. Und ist die Meinung: Auf dass Gott der Herr durch solche schreckliche und abscheuliche Sünde erzürnt, nicht allein den Anstifter der Abgötterei hernehme und zur Strafe ziehe, sondern dass auch andere seine Mitbürger mit ihm herhalten müssen, die einen solchen schändlichen Menschen unter sich gelitten haben. (Denn wenn man die Laster übersieht und duldet, denen man wohl hätte können wehren, so ist es eben so viel, als wenn man dazu geholfen hätte.)

20. Da wird der Herr dem nicht gnädig sein, sondern dann wird sein Zorn und Eifer rauchen über solchen Mann, und werden sich auf ihn legen alle Flüche, die in diesem Buch geschrieben sind. Und der Herr wird seinen Namen austilgen unter dem Himmel

Nicht gnädig: Das ist: Derselbe Mensch, der sich mit Abgötterei vergriffen, wird gewisslich nicht ungestraft bleiben, deswegen ein jeder vor Abgötterei sich aufs fleißigste hüten soll, will er anders nicht sich selbst Gottes Zorn und Strafe über den Hals laden.

Rauchen: Das ist: Anbrennen oder angehen.

Legen: Das ist: Über ihn kommen und ihn treffen.

Buche: Nämlich im vorhergehenden 28. Kapitel.

21. und wird ihn absondern zum Unglück aus allen Stämmen Israels laut aller Flüche des Bundes, der in dem Buch dieses Gesetzes geschrieben ist.

Unglück: Das ist: Er wird ein besonderes Beispiel des Zorns Gottes wider ihn sehen lassen.

22. So werden dann sagen die Nachkommen eurer Kinder, die nach euch aufkommen werden, und die Fremden, die aus fernen Landen kommen, so sie die Plagen dieses Landes sehen und die Krankheiten, damit sie der Herr beladen hat,

Sie: Nämlich die Einwohner dieses Landes.

23. dass er all ihr Land mit Schwefel und Salz verbrannt hat, dass es nicht besät werden mag, noch wächst, noch kein Kraut darin aufgeht, gleichwie Sodom und Gomorrha, Adama und Zeboim umgekehrt sind, die der Herr in seinem Zorn und Grimm umgekehrt hat {1Mos 19v25}.

Verbrannt: Dass es ganz dürre und unfruchtbar ist.

Zeboim: Die vier Städte, davon 1. Mose 19. zu lesen ist.

Umgekehrt: Von ihrer schändlichen Büberei und Unzucht willen.

24. So werden alle Völker sagen: Warum hat der Herr diesem Lande also getan? Was ist das für so großer, grimmiger Zorn {1Sam 9v9 Jer 22v8}

Sagen: Das ist: Wenn sie gegenwärtig anschauen oder von fernen Landen hören werden, wie dies Land von der Abgötterei willen (welche alle andere Sünden übertrifft) so jämmerlich sei verwüstet und verheert worden, so werden sie sich darüber entsetzen und fragen, was doch die Ursache sein möge eines so schrecklichen Zorns Gottes?

25. So wird man sagen: Darum dass sie den Bund des Herrn, ihrer Väter Gott, verlassen haben, den er mit ihnen machte, da er sie aus Ägyptenland führte;

So wird: Das ist: Diejenigen, welche von der Sache Wissenschaft tragen, werden antworten.

Verlassen: Weil sie seinen Geboten nicht gehorchen wollen, sondern von dem wahren und recht erkannten Gott abgefallen sind, zu anderer neuer und von ihnen selbst erdachter Abgötterei.

26. und sind hingegangen und haben anderen Göttern gedient und sie angebetet, solche Götter, die sie nicht kennen, und die ihnen nichts gegeben haben;

Nichts: Das ist: Welche Götter den Israeliten das Land Kanaan nicht eingeräumt oder ausgeteilt hatten, noch ihnen sonst einzige Guttat erzeigt. Dennoch sind sie zu ihnen abgefallen von dem wahren Gott, der sie mit allerlei Guttaten und reichem Segen überschüttet gehabt.

27. darum ist des Herrn Zorn ergrimmt über dies Land, dass er über sie hat kommen lassen alle Flüche, die in diesem Buch geschrieben stehen;

28. und der Herr hat sie aus ihrem Lande gestoßen mit großem Zorn, Grimm und Ungnade und hat sie in ein anderes Land geworfen, wie es steht heutigentags.

Zorn: Den er an der schrecklichen Strafe dieses Volkes hat erzeigt.

Steht: Wie es vor Augen ist und die Sache an ihr selbst bezeugt. Dies (will Mose sagen) sei euch Israeliten hiermit als eine treue gutherzige Warnung zuvor angemeldet, und wollte es wohl zu Herzen führen, damit ihr euch nicht in Jammer und Unglück bringt und den Heiden zum Spott werdet.

29. Das Geheimnis des Herrn, unseres Gottes, ist offenbart uns und unseren Kindern ewig, dass wir tun sollen alle Worte dieses Gesetzes {Ps 147v19 v20}.

Geheimnis: Welches zuvor und noch jetzt den Heiden ist verborgen geblieben, wie man nämlich Gott recht erkennen und anrufen soll, das ist uns kundgetan.

Nach Luther: Er will sagen: Uns Juden hat Gott vor allen Völkern auf Erden seinen Willen geoffenbart und was er im Sinn hat. Darum sollen wir auch desto fleißiger sein.

ewig: Also dass es auch auf unsere Nachkommen eine lange Zeit soll fortgepflanzt werden. Darum kann hier niemand eine einzige Unwissenheit zu seiner Entschuldigung vorwenden. (Gleicher Gestalt haben wir auch heutigentags in unserer Kirche, durch Gottes sonderbare Güte und Gnade die rechte und klare Predigt, beide, des Gesetzes und des Evangeliums, davor wir Gott danken sollen, und sollen auch die Bekenntnisse unseres Glaubens mit einem christlichen Wandel und Leben bezeugen. Denn es kann hier auch unser keiner eine einzige Unwissenheit vorwenden, und wird der Knecht, der des Herren Willen weiß, und tut ihn nicht, mit zweifachen Streichen geschlagen werden.)


Das 30. Kapitel


1. Gott verheißt den bußfertigen Sündern Verzeihung und Milderung der Strafen, von Christi des Mittlers willen, der uns im Evangelium vorgetragen wird. v. 1. 2. Und wird angezeigt, dass die, welche verloren werden, durch ihr eigenes Verschulden ins Verderben kommen, weil sie die Gnade Gottes, so ihnen im Evangelium angeboten wird, mit Füßen von sich stoßen. v. 17.

1. Wenn nun über dich kommt dies alles, es sei der Segen oder der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und in dein Herz gehst, wo du unter den Heiden bist, da dich der Herr, dein Gott, hin verstoßen hat,

Wenn: Dieses ganze Kapitel ist eine evangelische Predigt von Vergebung der Sünden, die uns Christus erworben hat und die wir mit Glauben ergreifen sollen. Denn Mose lehrt hier, dass die, welche von Herzen Buße tun und mit wahrem Glauben, den sie aus dem Evangelium gelernt, zu Christo fliehen, noch Hoffnung haben zur Verzeihung.

Vorgelegt: Das ist: Wenn du in der Tat erfahren hast, dass Gott denen wohltue, die das Gesetz halten und wiederum den Übertretern allerlei Plagen und Unglück zuschicke, wie ich dir bisher mit Fleiß vorgehalten habe.

Herz gehst: Das ist: Wenn du von deiner Übertretung willen, weil du die Gebote Gottes nicht gehalten hast, aus dem Lande Kanaan bist vertrieben worden und im Elende in einer jämmerlichen Dienstbarkeit unter den Feinden lebst: Und aber dir es von Herzen lässt leid sein, dass du Gott, deinen himmlischen Vater, mit deinen großen und vielen Sünden so heftig erzürnt hast, und daneben eine Hoffnung schöpfst zu seiner grundlosen Güte und Barmherzigkeit.

Verstoßen: Es sei gleich an welchem Ort Landes, wo die Sonne untergeht.

2. und bekehrst dich zu dem Herrn, deinem Gott, dass du seiner Stimme gehorchst, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele in allem, das ich dir heute gebiete {3Mos 26v40 Neh 1v9}.

Bekehrst: Durch rechtschaffene Buße, also dass du die fremden Götter fahren lässt und dem einigen Gott allein zu dienen anfängst in wahrer Gottseligkeit und unsträflichem Wandel.

Gehorchst: Das ist: Wenn du nicht Falschheit und Heuchelei treibst mit deiner Buße, dass du zum Teil dich stellst, als wolltest du Buße tun, besudelst dich aber daneben mit anderen groben Lastern: sondern, wenn du dich befleißest, dein ganzes Leben zu bessern.

Kinder: Das ist: Es widerfahre solches Unglück dir oder deinen Kindern und Nachkommen, dass ihr von Gott gestraft werdet und begehrt darauf Buße zu tun.

3. so wird der Herr, dein Gott, dein Gefängnis wenden und sich deiner erbarmen und wird dich wieder versammeln aus allen Völkern, dahin dich der Herr, dein Gott, verstreut hat {Ps 106v45 Jer 32v37}.

Wenden: Und wird dich wieder bringen in dein Vaterland oder doch zum wenigsten deinen Zustand ändern, dass es dir besser gehe als zuvor: Dergestalt, dass wenn du gleich an dem Ort bleibst, dahin du weggeführt worden bist, darin dennoch dir alles Gute erzeigt werde: Wie denn vielen bekehrten Juden geschehen, die nie wieder ins Land Kanaan gekommen sind.

Erbarmen: Nämlich wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt und wird dir deine Sünde von Christi willen verzeihen und auch die äußerlichen zeitlichen Strafen lindern. (Denn welche wahrhaftige Buße tun, denen verzeiht Gott um Christi willen, und da er ihr zeitliches Unglück nicht ganz hinwegnimmt, so ändert er doch dasselbe in eine heilsame Seelen-Arznei, auf dass der alte Adam dadurch im Zaum gehalten werde: Und mäßigt es also, dass wir es ertragen können.)

Versammeln: Er wird dich aus dem Elend wieder heimfordern.

4. Wenn du bis an der Himmel Ende verstoßen wärest, so wird dich doch der Herr, dein Gott, von dort sammeln und dich von dort holen;

Ende: Das ist: Wenn du gleich wärest in ganz fernen Landen und an weit abgelegenen Orten gefangen weggeführt worden.

5. und wird dich in das Land bringen, das deine Väter besessen haben, und wirst es einnehmen, und wird dir Gutes tun und dich mehren über deine Väter.

Über deine: Das ist: Er wird dir mehr und größere Guttaten erzeigen als deinen Vätern und wird die Menge deines Volkes sich so sehr ausbreiten als zuvor nie. (Obwohl nun Gott an diesem Ort den bekehrten Juden verheißt, dass sie sollen wieder in ihr Vaterland kommen, wie denn auch nach dem babylonischen Gefängnis unter dem Esra und Nehemia geschehen ist: So sind doch auch viele bekehrte Juden in Assyrien und Babylonien gestorben und nie wieder ins Land Kanaan gekommen, und ist deren, die wieder darin gekommen sind, eine sehr geringe Anzahl gewesen. Darum hier mit verdeckten Worten von der wahren Wiederbringung des Volkes Gottes ins gelobte Land geweissagt wird, da die Juden und Heiden durch das Evangelium zu der christlichen Kirche sind versammelt worden, und wird hier von den geistlichen Guttaten geredet, die durch das Evangelium häufig in der Kirche sind ausgeschüttet worden, damit die Christgläubigen an Glückseligkeit viele alte Väter und fromme Könige übertroffen haben {Lk 10}. Und wird an diesem Ort gehandelt von der großen Menge der Christen, welche jetzt der rechte Same Abrahams sind, wie aus den folgenden Worten gut zu lesen ist.)

6. Und der Herr, dein Gott, wird dein Herz beschneiden und das Herz deines Samens, dass du den Herrn, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, auf dass du leben mögest {5Mos 10v16 Jer 4v4 32v39 Hes 11v19 36v26 Röm 2v29}.

Beschneiden: Das ist: Er wird dich durch das Wasser der Taufe und durch seinen Heiligen Geist wiederum lassen neu geboren werden {Joh 3 Kol 2 Phil 3} und wird dein Herz ändern und erneuern.

Liebst: Wenn du mit ihm durch Christus versöhnt bist.

Leben: Das ist: Du wirst nicht heuchlerischerweise begehren Gott zu lieben, sondern wahrhaftig und mit reinem Herzen, und dich nach allem Vermögen befleißigen, dass du seinem Willen gehorsam leisten mögest, damit du seine Gnade nicht wiederum verscherzt.

7. Aber diese Flüche wird der Herr, dein Gott, alle auf deine Feinde legen und auf die, die dich hassen und verfolgen.

Feinde: Das ist: Er wird seinen gerechten Zorn und Grimm ausschütten über die Gottlosen, die dem Evangelium Christi nicht glauben wollen. (Denn welcher dem Evangelium nicht glaubt, der wird verdammt werden {Mk 16}. Und rächt auch Gott seine Kirche oftmals an ihren Feinden noch in diesem Leben.)

8. Du aber wirst dich bekehren und der Stimme des Herrn gehorchen, dass du tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete.

Gehorchen: (Denn welche durch den Glauben sind gerecht geworden, die tun rechtschaffene gute Werke, welcher Gehorsam, ob er wohl nicht allerdings vollkommen ist, so gefällt er doch Gott wohl um Christi willen, als ob er ganz und durchaus vollkommen wäre.)

9. Und der Herr, dein Gott, wird dir Glück geben in allen Werken deiner Hände, an der Frucht deines Leibes, an der Frucht deines Viehs, an der Frucht deines Landes, das dir es zugutekomme. Denn der Herr wird sich wenden, dass er sich über dich freue, dir zugute, wie er sich über deine Väter gefreut hat {Jer 32v41},

Glück: Du wirst den reichen Segen Gottes spüren und allerdings einen Überfluss haben.

Leibes: Das ist: Du wirst viele Kinder zeugen.

Viehs: Dein Vieh wird auch fruchtbar sein.

Landes: Das Land wird auch seine Früchte reichlich hervorbringen.

Zu gut: Das ist: Dass du den Nutzen davon hast. Denn es sonst wohl geschehen kann, dass, was an ihm selber gut ist, dennoch dem, der es besitzt, Schaden bringt, als da ein Reicher von seiner Güter willen erwürgt wird. Dergleichen will er sagen, soll dir nichts widerfahren, sondern sollst lauter Glück und Segen haben.

Wenden: d. i. Er wird gleichsam anderen Sinnes werden und anstatt der Strafe dir mit väterlicher Zuneigung gewogen sein.

Dir zu gut: Das ist: Dass er dir alles Gutes erzeige.

Nach Luther: Denn die Gottlosen haben auch wohl Ehre und Gut, oft mehr denn die Heiligen, aber zu ihrem und anderen Verderben.

Vätern: Denen er viel Gutes getan.

10. darum dass du der Stimme des Herrn, deines Gottes; gehorchst, zu halten seine Gebote und Rechte, die geschrieben stehen im Buch dieses Gesetzes, so du dich wirst bekehren zu dem Herrn, deinem Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele.

Bekehren: Das ist: Wenn es dir mit deiner Buße ein Ernst ist, dass du dich von Herzen zu Gott bekehrst. (Denn den Unbußfertigen ist keine Wohlfahrt oder Seligkeit verheißen, haben auch dergleichen nichts zu erwarten. Und obwohl Gott die Juden, da sie aus dem babylonischen Gefängnis wieder heimgekommen sind, auch mit zeitlichen Guttaten wiederum ergötzt hat und auch noch heutigentags die Christen mit Speise und Kleidung väterlich versorgt: So hat er dennoch auch durch die vorgemeldeten leiblichen Guttaten die vielfältigen geistlichen Gaben vorbilden wollen, damit Christus seine Kirche reichlich zu erfüllen pflegt.)

11. Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht verborgen, noch zu ferne,

Verborgen: Das ist: Es ist nicht zu dunkel oder unverständlich, dass du es nicht fassen oder verstehen konntest.

Ferne: Dass du es nicht erlangen oder dazu kommen konntest.

12. noch im Himmel, dass du möchtest sagen: Wer will uns in den Himmel fahren und uns holen, dass wir es hören und tun {Röm 10v6 v7 v8}?

13. Es ist auch nicht jenseits des Meers, dass du möchtest sagen: Wer will uns über das Meer fahren und uns holen, dass wir es hören und tun?

14. Denn es ist das Wort fast nahe bei dir in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Munde: Dass du es mit dem Munde bekennen und mit dem Herzen annehmen kannst. (Und legt der Apostel Paulus {Röm 10} diesen Text aus von dem Evangelium Christi und zeigt an, es sei nicht vonnöten, dass wir unseren Heiland Christus entweder aus dem höchsten Himmel herabholen oder aus der Tiefe und aus dem Grabe hervorziehen, denn er werde uns mit seinen Guttaten durch das Amt des Evangeliums täglich vorgetragen, und liegt nur an uns, dass wir ihn mit Herzen durch den Glauben ergreifen und annehmen und ihn mit dem Munde vor der Welt unerschrocken bekennen: Also werde es geschehen, dass wir die ewige Seligkeit gewisslich erlangen. Darum, weil keiner den Mose besser erklären und auslegen konnte als der Apostel Paulus selbst, so muss man schließen, dass Mose an diesem Ort, durch das Wörtlein Gebote (welches auch sonst ohne das, bei den Hebräern so viel heißt als eine Lehre) nicht das Gesetz, sondern das Evangelium wolle verstanden haben, weil (wie zu Anfang gemeldet) dieses ganze Kapitel in der Wahrheit nichts anders ist als eine evangelische Predigt, von Vergebung der Sünden, weil es lehrt, dass auch diejenigen, welche Gott heftig erzürnt haben und bereits unter der Strafe genommen wurden, dennoch Barmherzigkeit und Verzeihung ihrer Sünden erlangen, sofern sie sich nur wahrhaftig zu Gott bekehren. Dass aber das vornehmste Stück einer wahren Bekehrung zu Gott der Glaube an Christus sei, ist am Tage. Und wenn man dies, was jetzt gesagt, fleißig in Acht hat, so kann man auch das Folgende leicht recht verstehen.)

15. Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse;

Leben: Die Erklärung dieser Worte wird bald später folgen.

16. der ich dir heute gebiete, dass du den Herrn, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen, und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst und leben mögest und gemehrt wirst, dass dich der Herr, dein Gott, segne im Lande, da du einziehst, dasselbe einzunehmen.

Liebst: Es ist aber keine rechte Liebe Gottes, denn allein die, welche aus Glauben an Christus herkommt.

Hältst: Es kann aber auch kein rechtschaffener und Gott wohlgefälliger Gehorsam sein, er komme denn her aus dem Glauben an Christus. Denn was nicht aus Glauben ist, das ist Sünde {Röm 13}.

Leben: (Denn welche durch den wahren Glauben sind gerechtfertigt worden und denselben Glauben mit Früchten einer wahren Buße erklären, die sind Erben des ewigen Lebens und spüren auch in diesem Leben ihres himmlischen Vaters gnädiges Gemüt.)

17. Wendest du aber dein Herz und gehorchst nicht, sondern lässt dich verführen, dass du andere Götter anbetest und ihnen dienst,

Wendest du: Nämlich von dem wahren Gott ab.

18. so verkündige ich euch heute, dass ihr umkommen werdet und nicht lange in dem Lande bleiben, da du hineinziehst über den Jordan, dasselbe einzunehmen.

Nicht lange: Denn ihr werdet entweder eines unzeitigen Todes sterben oder bald ins Elend vertrieben werden. (Denn Gott straft die Abgöttischen auch in diesem Leben mit zeitlichen Plagen und werden sie das Reich Gottes nicht ererben {Eph 5}.)

19. Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen. Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst und du und dein Same leben möget,

Über euch: Das ist: In dieser Sache, die euch betrifft. Will so viel sagen: Ich bezeuge hiermit öffentlich vor allen Kreaturen, welche, wenn es die Notdurft erforderte, mir dessen Zeugnis geben könnten, dass ich nichts unterlassen habe, euch zu lehren, was euch zu eurer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt dienlich sein mag.

Und Tod: Denn ich habe euch den Weg gezeigt, nämlich die Erfüllung der Gebote Gottes, welcher Weg euch zum Leben und zur Glückseligkeit führt: Und habe euch daneben auch gewarnt, dass ihr euch vor den Abweg hüten sollt, welcher ist die Übertretung der Gebote Gottes, der da zum Tod und zu allem Unglück führt. Und weil dem Gesetz niemand vollkommen genug tun kann, ja ihrer viele mit groben Sünden Gott heftig erzürnen, so kann auch keiner durch seine eigenen Kräfte oder Werke auf dem Wege gerade einhergehen, der zum ewigen Leben führt, daher alle in den ewigen Tod müssten gestürzt werden, so hab ich auch in dieser Predigt angezeigt, dass den Bußfertigen und die ihr Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit setzen, so von Christi willen widerfährt, Vergebung der Sünden und das ewige Leben gegeben werde, sofern sie nur den Messias, welcher im Wort des Evangeliums vorgetragen wird, mit Glauben annehmen. Darum, wenn du wirst ungläubig und gottlos bist, so werden der Fluch und der Tod über dir schweben: Wirst du aber Buße tun und dem Evangelium des Messias glauben, so wirst du einen gnädigen Gott haben, der dich segnen und mit dem ewigen Leben begaben wird.

Erwählst: Dass du an den Messias glaubst.

Same: Dass auch deine Kinder und Nachkommen durch den Glauben selig werden.

20. dass ihr den Herrn, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhängt. Denn das ist dein Leben und dein langes Alter, dass du im Lande wohnst, das der Herr deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat, ihnen zu geben.

Liebt: Aus einem wahren und lebendigen Glauben.

Anhängt: Mit rechtem Vertrauen, dass ihr alles Gute von ihm hofft und ihn gebührlich verehrt.

Langes Alter: Denn durch Christus, wahren Gott und Menschen, erlangst du das wahre und ewige Leben: Und derselbe sorgt auch für dies dein zeitliches und vergängliches Leben, dass er dasselbe beschütze und verlängere, so viel es zu seiner Ehren und deinem Heil dienlich sein mag. Darum sollst du dich immer befleißigen, dass du mit einem gottseligen Leben dich gegen solchen deinem Guttäter dankbar erzeigst.

Zu geben: (Denn Gott belohnt ein gottseliges und ehrbares Leben auch mit zeitlichen Guttaten.)


Das 31. Kapitel


1. Mose verordnet Josua abermals an seine statt, und ermahnt ihn, dass er dem Regiment mit einem beherzten Mut vorstehen soll, welchen des Josua Beruf, Gott bei der Stiftshütte bestätigt. v. 1. 2. Mose verzeichnet dieses andere oder wiederholte Gesetz, und stellt es den Priestern zu, dass es alle sieben Jahre öffentlich soll verlesen werden. v. 9. 3. Und heißt Gott den Mose ein Lied machen für die Israeliten, dass sie dadurch von der Abgötterei abgehalten werden. v. 14.

1. Und Mose ging hin und redete diese Worte mit dem ganzen Israel;

Mose: Nach geendeter Predigt des Evangeliums, welche Mose im nächst vorhergehenden Kapitel getan hat, da er gemerkt, dass die Zeit seines Abscheidens herannahte, schien es ihm Zeit zu sein, dass er die Regierung seinem Diener Josua abermals übergebe, weil derselbe vorlängst von Gott dazu ausersehen war.

2. und sprach zu ihnen: Ich bin heute hundertundzwanzig Jahre alt, ich kann nicht mehr aus und ein gehen; dazu hat der Herr zu mir gesagt: Du sollst nicht über diesen Jordan gehen {5Mos 34v7 3v26 32v50 34v4}.

Aus und: Das ist: Ich kann die Last der Regierung nicht mehr ertragen, darum will ich sie dem Josua übergeben. (Denn wenn wir gleich lange gelebt haben, so müssen wir doch endlich sterben, und zwar oft zu der Zeit, da es uns am wenigsten gelegen ist.)

Sollst nicht: Deswegen, weil es Gott nicht haben will, dass ich euch ins verheißene Land führen soll, und aber die Zeit vorhanden ist, dass ihr hinein ziehen sollt, so ist es richtig, dass ich mein Amt einem anderen übergebe.

3. Der Herr, dein Gott, wird selber vor dir hergehen; er wird selber diese Völker vor dir her vertilgen, dass du sie einnimmst. Josua, der soll vor dir hinübergehen, wie der Herr geredet hat {4Mos 27v18}.

Hergehen: Der wird dein Führer sein und deinen Feinden vor dir eine Furcht und Schrecken einjagen.

Vertilgen: Dass sie nicht werden vor dir besehen können, denn sie müssen fort.

Einnimmst: Nämlich welche du mit der Hilfe und Beistand Gottes wirst überwinden.

Josua: Das ist: Gott wird dir zwar den Sieg verleihen, aber Josua, der ein gottesfürchtiger Mann ist und mir bis daher treulich auf den Dienst gewartet hat, ist von Gott dazu verordnet und mit notwendigen Gaben geziert, dass er gleichsam sein Leutenamt sein soll, und als sein getreuer Diener dir das Land zu besitzen eingeben. Denn er ihn längst an meine statt erwählt hat. (Und verlässt hier Mose den Kindern Israel, da er sterben will, zum Schluss, Gott den Herrn zum Beschützer und Beschirmer: Also können wir unseren Kindern und Freunden keinen bessern Vormund lassen als Gott, dem wir sie mit einem emsigen Gebet treulich befehlen sollen: Daneben aber sollen wir uns nach frommen und redlichen Leuten umsehen, die in solchem Tun Gottes Gebote verwahren.)

4. Und der Herr wird ihnen tun, wie er getan hat Sihon und Og, den Königen der Amoriter, und ihrem Lande, welche er vertilgt hat {4Mos 21v24}.

Ihnen: Nämlich den Heiden, die noch im Lande Kanaan wohnen.

Lande: Welches er euch zu besitzen eingegeben, nachdem ihr die Könige darin überwunden habt.

5. Wenn sie nun der Herr vor euch geben wird, so sollt ihr ihnen tun nach allem Gebote, das ich euch geboten habe.

Sie: Nämlich die übrigen Völker.

Tun: Das ist: Ihr sollt nach Kriegsrecht und Brauch mit ihnen umgehen, wie ich euch dieselbe in diesen Büchern aus Gottes Befehl vorgeschrieben haben.

6. Seid getrost und unverzagt, fürchtet euch nicht und lasst euch nicht vor ihnen grauen; denn der Herr, dein Gott, wird selber mit dir wandeln und wird die Hand nicht abtun noch dich verlassen {5Mos 7v2 Jos 1v5 Hebr 13v5}.

Nicht abtun: Das ist: Er wird dich schützen und den Sieg verleihen.

Verlassen: Er wird dich in keiner Gefahr stecken lassen, sondern herrlich daraus erretten. (Also verlässt uns Gott nie, wenn wir mit unseren geistlichen Feinden, als da sind der Teufel, die Welt und unser eigenes Fleisch streiten und kämpfen müssen, da wir dem himmlischen Vaterland zuziehen.)

7. Und Mose rief Josua und sprach zu ihm vor den Augen des ganzen Israel: Sei getrost und unverzagt; denn du wirst dies Volk ins Land bringen, das der Herr ihren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben, und du wirst es unter sie austeilen.

Sprach: Mit Übergebung des Regiments über das israelitische Volk.

Augen: Das ist: Im Beisein und Gegenwart alles Volkes.

Austeilen: Denn Gott wird sie jetzt in völliger Besitzung des gleichen Landes bestätigen.

8. Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun noch dich verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht!

Mit dir: Wird dir beistehen und helfen.

Erschrick nicht: Nämlich vor der Feinde Anblick oder aus Betrachtung vieler anderer Gefahr, die einem in der Regierung zu Händen stoßen. (Denn ein Regent muss großmütig und beherzt sein, und es ist besser, wenn ein Haufen Hirsche einen Löwen zum Führer haben, als ein Haufen Löwen, die ein Hirsch anführen soll: Doch soll der Oberste und Führer nicht auf seine Macht und Stärke sich verlassen, sondern auf Gott seine Hoffnung setzen.)

9. Und Mose schrieb dies Gesetz und gab es den Priestern, den Kindern Levi, die die Lade des Bundes des Herrn trugen, und allen Ältesten Israels;

Dies Gesetz: Nämlich dies fünfte Buch, denn die vorigen viere waren bereits verzeichnet und wurden an ihrem Ort aufbewahrt.

Gab: Als einen summarischen Inhalt des ganzen Gesetzes und ein Handbüchlein.

Bundes: In welcher das Gesetz, als der Bund des Herrn aufbewahrt wurde, nämlich die Zehn Gebote in steinernen Tafeln geschrieben.

Trugen: Nämlich auf die Reise und wenn man fortziehen musste.

Ältesten: Denn es war denselben auch daran gelegen, dass sie wüssten, wie man Gott recht dienen und dem Regiment recht vorstehen soll. (Soll man deswegen die weltliche Obrigkeit in Entscheidung der streitigen Religionssachen nicht ausschließen, ja auch die Untertanen nicht, welche Glieder sind in der Kirche des Sohnes Gottes.)

10. und gebot ihnen und sprach: Je über sieben Jahre, zur Zeit des Erlassjahrs, am Fest der Laubhütten {5Mos 15v1},

Erlassjahrs: Da nämlich man den Schuldnern alle ihre Schuld erlassen musste und die Knechte ihre Freiheit wieder erlangten, wenn sie wollten.

Laubhütten: Von welchem Fest zu mehreren malen gesagt wurde.

11. wenn das ganze Israel kommt, zu erscheinen vor dem Herrn, deinem Gott, an dem Ort, den er erwählen wird, sollst du dies Gesetz vor dem ganzen Israel ausrufen lassen vor ihren Ohren,

Ganze Israel: Denn es dürfte keine Mannsperson von diesem Fest fernbleiben, sofern sie Alters und Schwachheit halben erscheinen könnten, mit denen ihre Weiber auch ziehen möchten, welche wollten und konnten.

Vor dem: Das ist: Dass sie dort Gott gegenwärtig nach seinem Willen verehren und dienen. (Wir haben heutigentags Gott bei uns auch gegenwärtig in dem Wort des Evangeliums und in den Sakramenten, denn er sich in denselben uns zu erkennen gibt.)

Erwählen: Das ist: An welchem Ort die Hütte des Stifts aus dem Befehl Gottes sein wird.

Ausrufen: Das ist: Es soll dies fünfte Buch Mose, als ein kurzer Begriff des ganzen Gesetzes, öffentlich abgelesen werden.

12. nämlich vor der Versammlung des Volkes, beide, der Männer und Weiber, Kinder und deines Fremdlings, der in deinem Tor ist; auf dass sie hören und lernen, damit sie den Herrn, ihren Gott, fürchten und halten, dass sie tun alle Worte dieses Gesetzes,

Tor: Das ist: Dem du Platz gegeben hast, dass er bei dir wohnen möge.

Lernen: Wie sie nämlich Gott und seinen Willen sollen recht erkennen.

13. und dass ihre Kinder, die es nicht wissen, auch hören und lernen; damit sie den Herrn, euren Gott, fürchten alle eure Lebtage, die ihr auf dem Lande lebt, darin ihr geht, über den Jordan einzunehmen.

Nicht wissen: Das ist: Die in der Religion noch nicht genügend und nach Notdurft unterrichtet sind, die sollen auch mit und dabei sein. (Muss man deswegen auch den einfältigen Laien und Kindern die Heilige Schrift vorlesen und erklären, und sollen die Eltern darauf bedacht sein, dass sie ihre Kinder von Jugend auf in der wahren Gottseligkeit unterrichten. Und wurde zwar das Gesetz dem ganzen israelitischen Volk alle sieben Jahre einmal vorgelesen, aber doch las man dasselbe nichtsdestoweniger auch in allen Schulen und Synagogen dem Volk und besonders am Sabbat vor, wie Paulus bezeugt {Apg 15v21}. Damit das Volk daraus Gott recht erkennen lernte und ihm nach seinem Willen diente. Daher unwidersprechlich folgt, dass die Predigt, wie auch das Lesen und die Betrachtung des Wortes Gottes das Mittel und Werkzeug seien, so von Gott dazu gegeben und geordnet wurden, dass die Menschen daher Gott recht sollen erkennen lernen, ihn mit rechtem Gottesdienst verehren und also das ewige Leben erlangen.)

14. Und der Herr sprach zu Mose: Siehe, deine Zeit ist herbeikommen, dass du stirbst. Rufe Josua und tretet in die Hütte des Stifts, dass ich ihm Befehl tue. Mose ging hin mit Josua, und traten in die Hütte des Stifts.

Befehl tue: Nämlich wie ich wolle, dass es zukünftig soll gehalten werden.

15. Der Herr aber erschien in der Hütte in einer Wolkensäule; und dieselbe Wolkensäule stand in der Hütte Tür.

Wolkensäule: Welche ein Zeichen und Zeugnis war der göttlichen Gegenwart. (Wenn Gott heutigentags uns sich offenbaren und seine Gegenwart anzeigen will, so wickelt er sich gleichsam etlichermaßen in die Wolke seines Wortes und seiner heiligen Sakramente.)

Tür: Dadurch man in das Heilige hineinging.

16. Und der Herr sprach zu Mose: Siehe, du wirst schlafen mit deinen Vätern; und dies Volk wird aufkommen und wird fremden Göttern nachhuren, des Landes, darin sie kommen, und wird mich verlassen und den Bund fahren lassen, den ich mit ihm gemacht habe.

Vätern: Das ist: Du wirst sterben und dein Leib wird eine Zeit lang in der Erde ruhen, aber deine Seele wird zu deinen Vätern versammelt werden in den Schoß Abrahams, das ist, sie wird in einem seligen Zustande leben, bis der Leib auch wiederum wird auferweckt werde.

Aufkommen: Nämlich nach deinem Abschied aus dieser Welt.

Nachhuren: Das ist: Es wird nicht beständig bleiben bei der Lehre der rechten Religion, wie du ihnen dieselbe hinterlassen hast, sondern wird sie mit Abgötterei verunreinigen, welche eine geistliche Hurerei ist, wenn ein Mensch Christus seinen Bräutigam verlässt und sich mit einer falschen Religion befleckt, von welcher gräulichen und abscheulichen geistlichen Unzucht man nach der Länge lesen mag {Hes 16}.

Fahren: Und wird also einen geistlichen Ehebruch begehen.

17. So wird mein Zorn ergrimmen über sie zur selben Zeit und werde sie verlassen und mein Antlitz vor ihnen verbergen, dass sie verzehrt werden. Und wenn sie dann viel Unglück und Angst treffen wird, werden sie sagen: Hat mich nicht dies Übel alles betreten, weil mein Gott nicht mit mir ist?

Ergrimmen: Denn ich aus einem gerechten Eifer heftig über sie werde erzürnt werden.

Verlassen: Das ist: Ich werde dies Volk von mir verstoßen und verwerfen, dass sie nicht mehr mein Volk sind, noch Teil an der himmlischen Erbschaft haben werden, und will zur Strafe ihres Ehebruchs allerlei Unglück über sie schicken.

Verbergen: Ich will ihnen nicht zu Hilfe kommen in ihren Nöten.

Verzehrt: Das ist: Die Feinde werden schrecklich mit ihnen umgehen, ihre Güter rauben und sie ohne alle Barmherzigkeit erwürgen.

Sagen: Das ist: Wenn dies Volk endlich durch viel und mancherlei Unglück gebändigt und mürbe geworden ist, so werden sie ihre Sünde und Übertretung erkennen, damit sie solche Strafen verdient haben.

Betreten: Das ist: Ich merke, dass mich Gott von wegen meiner vielfältigen Sünden verlassen hat und mir seinen Segen und gnädige Hilfe entzogen, daher ist so viel Unglück über mich gekommen. (Und ist das ein guter Anfang zur wahren Buße, wenn man erkennt, dass die Strafen uns von Gott zugeschickt werden, um unserer Sünde willen, damit wir Gott erzürnt haben.)

18. Ich aber werde mein Antlitz verbergen zu der Zeit um alles Bösen willen, das sie getan haben, dass sie sich zu anderen Göttern gewandt haben.

Anderen Göttern: Weil sie sich nicht nach mir, sondern nach anderen Göttern umgesehen haben, und ihre unzüchtige Augen von mir, als ihrem rechten Ehemann, zu fremden Göttern abgewandt, mit denen sie ihre geistliche Hurerei getrieben: Darum will ich sie wiederum nicht also bald erhören, wenn sie in Nöten und Gefahr stecken, sondern will mit meiner Hilfe verziehen und hinter dem Berge halten, bis sie zuvor wohl gedemütigt sind, alsdann will ich mich ihrer endlich wieder erbarmen und ihnen helfen. (Denn es ist kein Wunder, auch nicht unrichtig, wenn Gott lange umsonst zur Buße hat vermahnen lassen, dass er uns danach eine Zeit lang unter dem Kreuz stecken und seufzen lässt, da er doch die Bußfertigen nicht von sich stoßen will, wie er im vorigen 30. Kapitel gelehrt hat.)

19. So schreibt euch nun dies Lied und lehrt es die Kinder Israel und legt es in ihren Mund, dass mir das Lied ein Zeuge sei unter den Kindern Israel.

Lied: Wie dasselbe im nächstfolgenden Kapitel steht.

Zeuge: Das ist: Solches Lied, welches eine Weissagung ist, von dem zukünftigen Abfall meines Volkes wird bezeugen, dass ich sie zuvor väterlich gewarnt habe, dass sie nicht sollten in Abgötterei fallen, und wird anzeigen, dass ihnen die Hoffnung zur Verzeihung nicht abgeschlagen sei, wenn sie wahrhaftig Buße tun, und ist beiderlei Ermahnung, wie sie dem Liede einverleibt, sehr hoch vonnöten.

20. Denn ich will sie ins Land bringen, das ich ihren Vätern geschworen habe, da Milch und Honig innen fließt. Und wenn sie essen und satt und fett werden, so werden sie sich wenden zu anderen Göttern und ihnen dienen, und mich verlästern und meinen Bund fahren lassen.

Fließt: In ein sehr lustiges und fruchtbares Land, für welche Wohltat sie mir doch einen schlechten Dank sagen werden.

Essen: Nämlich die herrlichsten und süßesten Früchte desselben Landes.

Fett werden: Das ist: Wenn sie mit meinen vielfältigen Guttaten und Gaben gleichsam überschüttet werden, dass sie zu hohen Ehren erhaben und gewaltig sind und in großem Glück schweben.

Wenden: Nämlich von mir, von dem sie doch solches alles empfangen haben.

Verlästern: (Denn welche von der rechten Religion zur Abgötterei abfallen, die reden gewöhnlich ihrer vorigen Religion, welche sie verlassen, übel nach.)

Bund: Damit ich mich mit ihnen und sie sich mit mir wiederum verbunden haben. Welche große Undankbarkeit und große Bosheit ich mit allerlei Plagen und Unglück strafen will.

21. Und wenn sie dann viel Unglück und Angst betreten wird, so soll dies Lied ihnen antworten zum Zeugnis; denn es soll nicht vergessen werden aus dem Munde ihres Samens. Denn ich weiß ihre Gedanken, damit sie schon jetzt umgehen, eher ich sie ins Land bringe, das ich geschworen habe.

Samens: Das ist: Es sollen auch ihre Nachkommen dieses Lied singen, da es denn alle Zeit, sooft es gesungen wird, mir wird Zeugnis geben, dass ich sie mit Fleiß vor der Abgötterei gewarnt habe, und dass ich nicht schuldig daran bin, wenn sie von ihrer begangenen Abgötterei willen rechte Strafe empfangen.

Gedanken: d. i. Ich weiß, wie geneigt sie zur Abgötterei sind und wie leicht sie sich werden verführen lassen.

Eher: Was meinst du denn (will er sagen), dass sie wohltun werden, wenn sie nach deinem Tode das Land in völlige Besitzung haben bekommen. Darum fordert es die hohe Notdurft, dass die Frommen mit dem vorgemeldeten Liede zurückgehalten werden, und welche einmal gefallen sind, daher Anlass zur Buße nehmen. (Und haben die Psalmen und geistliche Lobgesänge einen großen Nutzen im Volk Gottes, denn weil sie aus dem Worte Gottes genommen sind, so kann es nicht fehlen, sie müssen durch mit Wirkung des Heiligen Geistes etwas ausrichten, dass die Sünden gestraft und die erschrockenen und zerschlagenen Gewissen dadurch wieder aufgerichtet werden, wie sie auch zur Anstellung eines gottseligen Lebens und Wandels fast dienlich sind.)

22. Also schrieb Mose dies Lied zur selbigen Zeit und lehrte es die Kinder Israel.

Und lehrte: Ließ also an ihm, weil er lebte, nichts ermangeln, an allem, was zu des Volkes Heil und Wohlfahrt förderlich sein möchte. (Also soll eine Obrigkeit ihren Untertanen und die Eltern ihren Kindern, wenn sie sterben wollen, gute Erinnerungen und Lehren zum Gedächtnis hinterlassen, dadurch sie zur Beständigkeit in der wahren Religion aufgemuntert werden.)

23. Und befahl Josua, dem Sohn Nuns, und sprach: Sei getrost und unverzagt; denn du sollst die Kinder Israel ins Land führen, das ich ihnen geschworen habe, und ich will mit dir sein {Jos 1v6}.

Befahl: Nämlich Gott der Herr, was Josua nach dem Tode Mose verrichten soll.

Mit dir: d. i. Ich will dir gegenwärtige Hilfe leisten, dass du könntest ausrichten, was ich befohlen habe. (Denn welchen ein gewisser Beruf ordentlicherweise auferlegt ist, denen gibt Gott Kräfte und glücklichen Fortgang.)

24. Da nun Mose die Worte dieses Gesetzes ganz ausgeschrieben hatte in ein Buch,

25. Gebot er den Leviten, die die Lade des Zeugnisses des Herrn trugen, und sprach:

26. Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es in die Seite der Lade des Bundes des Herrn, eures Gottes, dass es dort ein Zeuge sei wider dich.

Dieses Gesetzes: Nämlich dies fünfte Buch, darin das ganze Gesetz summarischerweise ist wiederholt worden.

Zeuge: Das ist: Damit dies Buch des Gesetzes, wenn es zu seiner Zeit ans Licht gebracht und gelesen wird, euch Israeliten eurer Sünde überzeuge und beweist, wenn ihr das Wort Gottes verachtet, es hinter euch zurückwerfen und euren eigenen Gedanken und verdorbenen Begierden nachhängen werdet.

27. Denn ich kenne deinen Ungehorsam und Halsstarrigkeit. Siehe, weil ich noch heute mit euch lebe, seid ihr ungehorsam gewesen wider den Herrn; wie viel mehr nach meinem Tode.

Halsstarrigkeit: Als wollte er sagen, ich bin genügend innen geworden und habe es die Zeit her, weil ich bei euch gewesen bin in der Wüste, wohl erfahren, wie ungehorsam und widerspenstig ihr seid.

Tode: (Denn wenn vornehme und von der christlichen Kirche wohl verdiente Männer absterben, so pflegt es zu geschehen, dass ihre Nachkommen das Volk selten bei dem Bekenntnis der reinen Religion erhalten. Und das bisweilen aus ihrer eigenen Schuld und verkehrtem Wesen (weil sie etwa eine heimliche Tücke an sich haben, die sie bis daher zurückgehalten, und allererst nach Absterben ihres Vorfahren damit hervorkommen und auf die Bahn treten, bisweilen ist auch des gemeinen Pöbels Wankelmut und Unbeständigkeit daran schuldig.)

28. So versammelt nun vor mich alle Ältesten eurer Stämme und eure Amtleute, dass ich diese Worte vor ihren Ohren rede und Himmel und Erde wider sie zu Zeugen nehme.

Versammelt: Nämlich auf eine gewisse bestimmte Zeit und Tag, den ihr ernannt.

Wort: Nämlich das Lied, welches vom Herrn selber gemacht ist, dass ich es euch hererzähle und vorsage.

Und Erde: Das ist: Ich will alle Kreaturen zum Zeugnis anrufen und öffentlich protestieren und anzeigen, dass ich sie ernstlich ermahnt habe, dass sie sich nicht mit Abgötterei verunreinigen sollten, noch ihnen oder ihren Nachkommen alles Unglück über den Hals führen, oder auch wohl ins ewige Verderben stürzen, sofern sie nicht bei Zeit Buße tun: Ob sie vielleicht durch solche ernste und scharfe Erinnerung desto länger könnten im Zaum gehalten werden.

29. Denn ich weiß, dass ihr es nach meinem Tode verderben werdet und aus dem Wege treten, den ich euch geboten habe. So wird euch dann Unglück begegnen später; darum dass ihr übel getan habt vor den Augen des Herrn, dass ihr ihn erzürnt durch eurer Hände Werk.

Verderben: Das ist: Ihr werdet das wohl angerichtete und nach Notdurft wohlbestellte Regiment, beides im geistlichen und weltlichen Stand, zerrütten und über den Haufen stoßen.

Wege: Nämlich der Gebote Gottes, darin ihr wandeln solltet.

Später: Das ist: Der Ausgang wird eurem gottlosen Wesen gleich sein. (Und weissagt hier Mose zugleich mit von der Verstoßung des jüdischen Volkes, weil sie den Messias nicht annehmen wollen.)

Augen des Herrn: Weil ihm nichts verborgen sein kann.

Werke: Das ist: Durch eure Abgötterei und andere abscheuliche Sünden.

30. Also redete Mose die Worte dieses Liedes ganz aus vor den Ohren der ganzen Gemeinde Israel:

Dieses: Welches gleich später folgt.

Ganz aus: Das ist: Er hat es ihnen her erzählt von Anfang bis zu Ende. (Denn obwohl die Kirchendiener wissen, dass sie mit der Predigt des göttlichen Wortes nicht jedermann können fromm machen oder vom Bösen abhalten, so sollen sie dennoch ihr Amt tun, auf dass sie vor Gott entschuldigt sind, und denen, die da selig werden sollen, es nicht an angemessenen Mitteln ermangele: Und sollen danach Gott um sein Gedeihen anrufen, das übrige aber seiner Weisheit und Güte heimstellen.)


Das 32. Kapitel


1. In diesem Lied wird erstlich Gottes Güte gerühmt gegen sein Volk, und werden die Wohltaten erzählt, die dem Volk Israel erzeigt sind, v. 1. 2. Denen wird darauf entgegen gehalten, der Israeliter Undankbarkeit, und wird geweissagt von der Juden Verblendung, v. 15. 3. Darum droht Gott den verstockten Juden ihre Verstoßung, und verkündigt ihnen der Heiden Berufung, v. 19. 4. Doch verheißt er den bußfertigen Juden Verzeihung, v. 36. V. Und wird den Feinden der Kirche ihr Untergang gedroht, darüber sich die christliche Kirche freut, v. 37. VI. Mose und Josua vermahnt das Volk zum Gehorsam, v. 44. VII. Und heißt Gott Mose auf den Berg steigen, und da sterben, v. 48.

1. Merkt auf, ihr Himmel, ich will reden; und die Erde höre die Rede meines Mundes!

Merkt: Folgt das Lied, welches Mose im vorigen Kapitel zu machen befohlen wurde, und dass er es die Israeliten lehren soll, dass sie dadurch erinnert würden der großen Wohltaten, die sie bis daher von Gott empfangen hatten, und dass sie wüssten, in was Unfall und Jammer sie sich stürzen würden, wenn sie von Gott abfielen und ein gottloses Wesen trieben.

Himmel: Ist eine verblümte Rede, dass er Himmel und Erden anspricht, auf dass die Israeliten desto mehr aufgemuntert werden und desto fleißiger acht auf sein Wort haben, als ob er sagen wollte: Ich will von so großen und hochwichtigen Sachen reden, dass nicht unrichtig Himmel und Erden, und alle Kreaturen aufmerken möchten, will geschweigen, dass ihr Israeliten es vielmehr von Rechts wegen zu tun schuldig seid.

2. Meine Lehre triefe wie der Regen, und meine Rede fließe wie Tau, wie der Regen auf das Gras und wie die Tropfen auf das Kraut.

Triefe: Das ist: Gleichwie der Regen oder Tau das Land befeuchtet und fruchtbar macht: Also wolle Gott, dass diese meine Worte und Reden in den Herzen der Zuhörer viel Frucht und Nutzen schaffen. (Denn Gott wirkt in den Auserwählten, durch das Amt des Wortes, so viel ihnen zu ihrer Seligkeit vonnöten ist.)

3. Denn ich will den Namen des Herrn preisen. Gebt unserem Gott allein die Ehre!

Preisen: Das ist: Ich will Gottes Werke und Taten rühmen. Und fängt zugleich mit an von der herrlichen Majestät und Kraft Gottes zu predigen.

Allein die Ehre: Das ist: Eignet ihm alle Ehre allein zu, denn sie gebührt ihm allein und keinem anderen.

Nach Luther: Lasst unseren Gott allein Gott sein und alle Ehre haben und keinen anderen.

4. Er ist ein Fels. Seine Werke sind unsträflich; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm; gerecht und fromm ist er.

Fels: Das ist: Ein starker Schutz und Sicherung, dass, wer sich im wahren Glauben auf ihn verlässt, in Ewigkeit nicht wird zuschanden werden: Und dieses Felsen Werke sind ganz und vollkommen, dass sie im Geringsten nicht können getadelt werden.

Nach Luther: Die hebräische Sprache heißt Gott einen Fels, das ist ein Trotz, Trost, Hort und Sicherung allen, die sich auf ihn verlassen und ihm vertrauen.

Treue: Das ist: Wahrhaftig und beständig seine Verheißungen zu erfüllen.

Kein Böses: Das ist: An Gott ist kein Unrecht, Ungerechtigkeit oder Betrug, sondern in allem seinem Tun ist er die höchste Gerechtigkeit, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit selbst. (Darum sollen wir aus Glauben alle seine Werke recht heißen und uns gefallen lassen, ob sie gleich der menschlichen Vernunft zuwider scheinen.)

Gerecht: (Nach Luther) Bei den Gottlosen muss Gott immer Unrecht haben und sich meistern lassen, {Mt 11v19}. Die Weisheit muss sich lassen rechtfertigen von ihren Kindern) die wissen alles besser, wie es Gott macht, so taugt es nicht.

5. Die verkehrte und böse Art fällt von ihm ab; sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder.

Fällt: Als wollte er sagen: Das israelitische Volk soll zwar einem solchen Gott mit höchster Demut und in aller Gottseligkeit dienen und alle seine Gebote auf fleißigste halten: Aber was Gott mit seinem Wort recht und wohl unter ihnen angefangen, das hat sein Volk mit seinem Ungehorsam wiederum verdorben und zunichtegemacht, mit ihrer Abgötterei und anderen Sünden, damit sie sich besudelt und auch den heiligen Namen Gottes etlichermaßen einen Schandfleck angehängt, als ungeratene Kinder, die aus der Art schlagen, denn sie sind ein unbändiges und widerspenstiges Personal.

6. Dankst du also dem Herrn, deinem Gott, du tolles und törichtes Volk? Ist er nicht dein Vater und dein Herr? Ist es nicht er allein, der dich gemacht und bereitet hat?

Dankst du: Jetzt rückt Mose dem israelitischen Volk ihre große Undankbarkeit mit harten Worten ernstlich auf.

Gott: Für seine großen Guttaten.

Dein Vater: Der dich aus Gnaden und gar nicht aus deinem Verdienst zum Kinde angenommen.

Herr: Der dich aus der Dienstbarkeit erlöst hat, darum er nicht allein als ein Vater, sondern auch als ein Herr über dir zu gebieten hat.

Gemacht: Das ist: Der dich erschaffen und dazu ausersehen hat, dass du ihm gehorchen solltest zu seines Namens Ehre. Denn um solcher Ursache willen sind wir Menschen zu vernünftigen Kreaturen von Gott erschaffen worden, dass wir ihn preisen und sein Lob ausbreiten sollen.

7. Gedenke der vorigen Zeit bis daher und betrachte, was er getan hat an den alten Vätern. Frage deinen Vater, der wird dir es verkündigen, deine Ältesten, die werden es dir sagen.

Gedenke: Das ist: Erinnere dich aus den vorigen Geschichten, wie große Wohltaten von vielen hundert Jahren her Gott dir und deinen Voreltern erzeigt hat.

Betrachte: Denke nur ein wenig hinter dich und zurück, wie Gott nicht heute erst angefangen hat, eure Geschlechter mit Guttaten zu überschütten, sondern von eurer Väter und Altväter Zeiten her nacheinander nie aufgehört habe, sich wohl um euch zu verdienen.

Verkündigen: Wie große Dinge er diesem Volk getan hat.

Ältesten: Alte Leute, die lange gelebt und um solches gute Wissenschaft tragen, die können dir allen Bericht mitteilen, so du es selber noch nicht weißt.

8. Da der Allerhöchste die Völker zerteilte und zerstreute der Menschen Kinder, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Kinder Israel.

Da der: Als wollte er sagen: Wir wollen die Sache etwas von ferne anfangen und hören, wie es ergangen sei vor dieser Zeit.

Zerteilte: Dass er einem jeden seinen Ort zur Wohnung gebe.

Zerstreute: Bei der Sprachen Verwirrung {1Mos 11}, dass ein jedes Geschlechter seinen Platz einnehme.

Der Zahl: Das ist: Er bezeichnete den Kindern Israel ihre Grenzen des Landes, darin sie wohnen sollten, nachdem ihre Anzahl groß war, dass sie Platz haben könnten, es zu besitzen und zu behaupten. Und hat es also beschlossen, dass, was in solchem Bezirk und Umkreis begriffen würde, sollte solches den Israeliten, wenn sie hineinziehen würden, eingeräumt werden, dergestalt, dass andere Heiden keinen Platz darin zu wohnen behalten könnten, sondern daraus weichen müssten.

9. Denn des Herrn Teil ist sein Volk; Jakob ist die Schwiegertochter seines Erbes.

Schwiegermuttertochter: Das ist: Gleichwie jemand das Stück Land, welches ihm zum Erbteil heimfällt, fleißig baut: (man maß aber vorzeiten die Felder mit Schnüren oder Seilen ab, wie bei uns mit Stangen oder Ruten geschieht.) Also hat Gott dies Volk, welches vom Patriarchen Jakob seine Herkunft hat, insbesondere ihm, als zu seinem Erbteil, erwählt, und liebt es vor allen anderen Völkern, darum er es auch bei Zeit mit einer Wohnung versehen wollen.

10. Er fand ihn in der Wüste, in der dürren Einöde, da es heult. Er führte ihn und gab ihm das Gesetz. Er behütete ihn wie seinen Augapfel,

Wüste: Das ist: Als dies Volk nach dem Ausgang aus Ägypten in der Wüste herumschweifte und da Mangel litt an allem, was zur täglichen Notdurft und Unterhaltung gehörte, und deshalb seinen elenden Zustand beweinte, da erscheint ihnen der Herr mit seiner gegenwärtigen Hilfe. Eben als wenn ein frommer Mann einen elenden Menschen antreffe, der an unbekannten Orten und in der Einöde herumzöge und demselben tröstlich zuspreche, seiner pflegte und ihn wieder auf den rechten Weg brächte: Also hat Gott auch das israelitische Volk geführt und geleitet, da er ihnen vorgegangen des Tages in einer Wolkensäule und des Nachts in einer Feuersäule, dass er ihnen den rechten Weg zeigte, wohin sie ziehen sollten.

Gesetz: Nämlich die Zehn Gebote, die Kirchen-Ordnungen und weltlichen Satzungen.

Augapfel: Dass ihm nichts Schädliches widerführe oder zu Händen stieße.

11. wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt. Er breitete seine Fittiche aus und nahm ihn und trug sie auf seinen Flügeln {2Mos 19v4}.

Ausführt: Dass er sie siegen lerne, indem er ihnen nicht allein sein Beispiel vorzeigt, sondern auch, wenn sie z. B. noch nicht fliegen gewohnt sind, und nicht darauf geübt, sie auf den Rücken nimmt und in die Höhe führt, wie man davon schreibt: Also hat Gott das israelitische Volk in der Wüste getragen, da er ihnen ihre vielfältigen Schwachheiten und Gebrechen zugutegehalten, bis er sie ins gelobte Land Kanaan eingeführt, und hat sich so großer Freundlichkeit gegen die Israeliten gebraucht, dass er sie gleichsam auf seinen Achseln vielmehr getragen als geleitet hat. (Gleichermaßen duldet auch Gott noch unsere Größe und mancherlei Schwachheiten nach seiner unermesslichen Güte und muntert uns immer wieder auf, dass er den Glauben in uns stärke, samt der Hoffnung und der Liebe, bis er uns durch die wilde Wüste dieser Welt ins ewige Vaterland einführe.)

12. Der Herr allein leitete ihn, und war kein fremder Gott mit ihm.

Allein: Das ist: Solche Guttat, dass sie ins gelobte Land gekommen sind, haben sie keinem anderen fremden Gott zu danken, außerhalb dem einigen wahren Gott, der sie allein ins gelobte Land gebracht hat.

13. Er ließ ihn hoch herfahren auf Erden und nährte ihn mit den Früchten des Feldes, und ließ ihn Honig saugen aus den Felsen und Öl aus den harten Steinen,

Herfahren: d. i. Gott hat dies Volk mit großer Herrlichkeit aus Ägypten und durch die Wüste, wie auch durch die Länder der benachbarten Völker, bis ins Land Kanaan gebracht.

Saugen: Das ist: Dasselbe Land Kanaan ist sehr fruchtbar von Öl und Honig, also dass auch auf den harten Felsen leicht und überflüssig zu finden ist, was man zur genügenden Unterhaltung dieses zeitlichen Lebens bedarf. (Durch eine geistliche Deutung aber wird hier verstanden, dass Christus, als der rechte Fels und der allersüßeste Honig des Evangeliums hervorbringe und begabe uns mit dem Öl des Heiligen Geistes.

14. Butter von den Kühen und Milch von den Schafen, samt dem Fett von den Lämmern, und feiste Widder und Böcke mit fetten Nieren, und Weizen, und tränkte ihn mit gutem Traubenblut.

Butter: Verstehe: Hat Gott seinem Volk im Lande Kanaan vollauf gegeben.

Weizen: Nämlich den allerbesten.

Traubenblut: Das ist: Köstlichen roten Wein. Und redet Mose von diesen Sachen allen, als ob sie schon geschehen wären, weil sie nach Einnahme der Länder, auf der eine Seite des Jordans, da sie waren, solcher Güter bereits genießen konnten: Zum Teil bald, weil sie im kurzem über den Jordan gehen würden, derselben teilhaftig werden sollten.

15. Da er aber fett und satt wurde, wurde er geil. Er ist fett und dick und stark geworden und hat den Gott fahren lassen, der ihn gemacht hat. Er hat den Fels seines Heils gering geachtet;

Da er: Bisher haben wir die Guttaten Gottes gehört, so diesem Volk erzeigt wurden: Jetzt folgt, wie undankbar es sich dagegen verhalte.

Geil: Gleichwie die Pferde und Ochsen zu tun pflegen, dass sie vor Mutwillen auch wohl nach ihren eigenen Herren schlagen dürfen, welche ihnen genug und vollauf zu essen geben: Also hat das Volk Gottes für solche große Gaben und Guttaten gegen Gott, seinem Guttäter, sich sehr undankbar erzeigt.

Fahren lassen: Und ist zur Abgötterei abgewichen.

Gering: Das ist: Das israelitische Volk hat Gott, von dem es doch alles Gutes und reichen Segen empfangen, verachtet und nicht viel auf ihn gehalten.

16. und hat ihn zu Eifer gereizt durch Fremde, durch die Gräuel hat er ihn erzürnt.

Eifer: Das ist: Weil Gott die Abgötterei viel weniger dulden kann als ein frommer Mann seines Weibes Ehebruch, so haben die Israeliten Gott auch dazu verursacht, das er wider sie geeifert und erzürnt wurde.

Fremde: Verstehe: Götter.

Gräuel: Das ist: Durch die Bilder der Götzen.

17. Sie haben den Feldteufeln geopfert und nicht ihrem Gott, den Göttern, die sie nicht kannten, den neuen, die zuvor nicht gewesen sind, die eure Väter nicht geehrt haben.

Nicht ihrem: Das ist: Sie haben neue Gottesdienste erdacht und eingesetzt, davon Gott ihren Vätern nichts geboten hatte. (Und ist hier das wohl in Acht zu haben, dass, wenn irgendein Gottesdienst ohne Gottes Befehl geübt wird, so diene man dem Teufel an Gottes statt, obgleich solche andächtigen Leute sich selber überreden wollten, sie leisteten dem wahren Gott einen angenehmen Gottesdienst.)

Nicht kannten: (Nach Luther) Davon sie keinen Befehl noch Gottes Wort hatten, sondern neuen Gottesdienst aus eigener Andacht erwählt haben.

Neuen: Nämlich den neuen Göttern, die sie angenommen haben.

Väter: Das ist: Sie haben die rechte Religion verlassen, welche ihren Vätern von Gott gegeben war, das denn eine überaus schreckliche Sünde ist.

18. Deinen Fels, der dich gezeugt hat, hast du aus der acht gelassen und hast vergessen Gottes, der dich gemacht hat.

Fels: d. i. Den wahren Gott, der nicht lässt zuschanden werden alle, die auf ihn hoffen und ihr Vertrauen auf ihn setzen.

Gezeugt: Das ist: Der dich er schaffen hat und durch sein Wort wiederum von neuem gezeugt.

Vergessen: d. i. Du hast getan, als würdest du ihn nicht kennen.

Gemacht: Von dem du alles hast, was du um und an bist.

19. Und da es der Herr sah, wurde er zornig über seine Söhne und Töchter.

Söhne: Welchen es viel weniger zu tun gebührte als anderen.

20. Und er sprach: Ich will mein Antlitz vor ihnen verbergen, will sehen, was ihnen zuletzt widerfahren wird; denn es ist eine verkehrte Art, es sind untreue Kinder.

Verbergen: Das ist: Ich will solche große Undankbarkeit strafen dergestalt, dass ich sie will machen lassen, nach ihrem Vernunftsdenken und Wohlgefallen, und mögen sie sich selbst regieren und schützen, wie sie wollen, ich will zusehen, aber ihnen nicht helfen, und will schauen, was es mit ihrem gottlosen Wesen für ein Ende nehmen wird und wie es ihnen wird hinausgehen. (Dies redet Gott auf menschliche Weise, gibt aber damit zu verstehen, dass er mit seiner Gnade von diesem Volk weicht und sie verlassen wolle, welches denn die allergrößte Strafe der Sünden ist, darüber sonst keine sein mag.)

21. Sie haben mich gereizt an dem, das nicht Gott ist; mit ihrer Abgötterei haben sie mich erzürnt und ich will sie wieder reizen an dem, das nicht ein Volk ist; an einem närrischen Volk will ich sie erzürnen.

Gereizt: Nämlich zu Zorn, weil sie der Abgötterei nachgehängt.

Abgötterei: Das ist: Mit ihren abergläubischen Gottesdiensten, die ich nicht geboten habe.

Wieder reizen: Das ist: Ich will ihnen Gleiches mit Gleichem vergelten: Will so viel sagen, gleichwie sie mich haben eifern gemacht in dem, dass sie fremde Götter geehrt, da sie mir allein hätten sollen anhangen, allerdings, wie sich ein frommes Eheweib zu ihrem Manne hält: Also will ich sie wieder eifern machen. Denn ich will die Juden verstoßen und die Heiden durch den Glauben mir vertrauen, welche ich weiß, dass sie von den Juden aufs Äußerste verachtet und gehasst werden, denn sie dieselben kaum wert achten, dass man sie ein Volk nennen soll, als tolle, blinde und unverständige Leute. Und will das darum tun, ob vielleicht etliche aus den Juden ihnen nacheifern wollten, dass sie Buße tun und dem Evangelium glaubten und also zugleich mit den Heiden der ewigen Seligkeit teilhaftig würden. Denn dass dies der rechte Verstand dieses Texts sei, lehrt Paulus ausdrücklich, Römer 10. und 11. Kapitel. Und hat zwar die Geschichte die Weissagung bestätigt, denn es haben sich etliche Juden zu Christo bekehrt. Von den anderen Juden aber, die entweder vor Christi Geburt der Propheten Predigten verachtet haben und in ihrem gottlosen Wesen verharrt sind oder auch nach der Zukunft Christi sein Evangelium ohne Aufhören verfolgt, redet Mose in den nächstfolgenden Worten.

22. Denn das Feuer ist angegangen durch meinen Zorn und wird brennen bis in die unterste Hölle; und wird verzehren das Land mit seinem Gewächs und wird anzünden die Grundfeste der Berge {Jer 15v14 Röm 10v19}.

Angegangen: Das ist: Ich will dies Volk aus meinem gerechten und ernsten Zorn, der wie ein Feuer alles verzehrt, in Grund und Boden vertilgt, welcher Zorn sie auch noch verfolgen soll, wenn sie schon bis in die Hölle hinuntergestoßen wurden.

Land: Das ist: Es wird ganz und gar verwüstet werden, dass kein Gebäude mehr ganz wird stehen bleiben, ja es wird auch das Kraut auf dem Felde und was auf den Bergen wächst, zertreten und zunichtewerden, als ob es vom Feuer verzehrt wäre, wie denn solches in der letzten Zerstörung Jerusalem genügend erfüllt wurde.

23. Ich will alles Unglück über sie häufen, ich will alle meine Pfeile in sie schießen.

Häufen: Das ist: Ich will verschaffen, dass sie mit vielem und großem Unglück zugleich sollen überfallen werden.

Pfeile: Das ist: Ich will nicht aufhören, bis ich alle meine Strafen und Plagen (welches meine Pfeile sind) über sie ausgeschüttet habe.

24. Vor Hunger sollen sie verschmachten und verzehrt werden vom Fieber und jähem Tode. Ich will der Tiere Zähne unter sie schicken und der Schlangen Gift.

Tiere Zähne: Dass sie von ihnen sollen zerrissen und gefressen werden.

Schlangen Gift: Das ist: Sie sollen von giftigen Würmern angefochten und geplagt werden.

25. Auswendig wird sie das Schwert berauben und inwendig das Schrecken; beide, Jünglinge und Jungfrauen, die Säuglinge mit dem grauen Manne.

Berauben: Das die Eltern ihre Kinder, als die junge erwachsene Söhne, zu denen sie gute Hoffnung gehabt, im Kriege verlieren werden, da man sie entweder erschlagen oder gefangen hinwegführen wird, wie auch wiederum die Kinder ihre Eltern durch gleichen Unfall werden zurücklassen.

Nach Luther: Das ist: Außen sollen sie Witwen und Waisen werden, durch das Schwert und Gefängnis der Kinder, Männer und Weiber beraubt. Was aber ihnen bleibt, soll durch Schrecken, das ist durch Hunger, Pestilenz, Aufruhr jämmerlich umkommen.

Schrecken: Das ist: Daheim werden sie sich immer fürchten und den Tod vor Augen schweben haben, bis sie durch Hunger, Pestilenz und Aufruhr jämmerlich umkommen.

Grauen Manne: Wird also keines Geschlechts noch Alters verschont werden.

26. Ich will sagen: Wo sind sie? Ich werde ihr Gedächtnis aufheben unter den Menschen,

Sagen: Das ist: Ich will ihrer höhnisch dazu spotten.

Wo sind sie: Nämlich die meine Gebote nicht geachtet, meinen Bund übergangen, und wenn sie zur Buße ermahnt wurden, solches verachtet und in Wind geschlagen haben und den Messias, welchen ich ihnen zugeschickt, nicht annehmen wollen? (Denn Gott erhält endlich den Sieg wider die Gottlosen.)

Aufheben: Das ist: Ich will ihren guten Namen auf Erden vertilgen. Denn obwohl die Juden in der Welt hin und wieder zerstreut noch übrig sind, so leben sie doch in großer Verachtung und sind verhasst bei jedermann und haben weder Aussehen noch Ehre.

27. wenn ich nicht den Zorn der Feinde scheute, dass nicht ihre Feinde stolz würden, und möchten sagen: Unsere Macht ist hoch, und der Herr hat nicht solches alles getan.

Scheute: Das ist: Wenn ich nicht besorgte, die Feinde möchten es ihrer Kraft und Tugend zuschreiben, dass sie dies Volk vertilgt hätten, so wollte ich sie zugrunde ausrotten.

Hoch: d. i. Unüberwindlich, der niemand widerstehen kann.

28. Denn es ist ein Volk, da kein Rat innen ist, und ist kein Verstand in ihnen.

Kein Rat: Das ist: Sie sind so ganz verblendet und verstockt, dass sie nicht können noch wollen sehen, was zu ihrer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt ihnen dienlich wäre, und wollen die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkennen.

Nach Luther: Sie achten Gottes Wort nicht, wissen es wohl besser.

29. O dass sie weise wären und vernähmen solches, dass sie verstünden, was ihnen später begegnen wird!

Vernehmen: Was nämlich zu ihrem Frieden und Heil diente {Lk 19}.

Verstünden: Das ist: Zu wünschen wäre es, dass sie ihren Untergang könnten oder wollten zuvor sehen und denselben durch wahre Buße abwenden. (Denn Gott hat keinen Gefallen an der Gottlosen Verderben.) Aber sie werden ihr Unglück durch wahre Buße nicht begehren abzuwenden, darum müssen sie von den Feinden überwunden und niedergelegt werden.

30. Wie geht es zu, dass einer wird ihrer tausend jagen und zwei werden zehntausend flüchtig machen? Ist es nicht, dass sie ihr Fels verkauft hat, und der Herr hat sie übergeben?

Wie geht es: Als wollte er sprechen: Man wird ein allgemeines Sprichwort daraus machen und wird jedermann fragen, lieber, wie kommt es doch, dass die Juden so ganz erschrocken und verzagt sind, da sie doch vor der Zeit dem Feinde immerdar tapferen Widerstand getan haben?

Einer: Nämlich von den Feinden.

Tausend: Nämlich Juden.

Ist es nicht: Als wollte er sagen: So werden antworten, die der Sachen Wissenschaft haben.

Fels: Das ist: Ihr Gott, den sie schändlich verlassen, weil sie den Messias verworfen haben.

Verkauft: Das ist: Er hat sie den Heiden unterworfen gemacht.

Übergeben: Als Gefangene, die er zusammen in einen Klumpen beschlossen, dass sie dem Unglück nicht entgehen noch entrinnen können, welches denn unter dem römischen Kaiser Vespasiano ist erfüllt worden, da in der Stadt Jerusalem aufs Osterfest alle Juden zusammen gekommen waren und die Stadt darauf belagert wurde.

31. Denn unser Fels ist nicht wie ihr Fels, des sind unsere Feinde selbst Richter.

Ihr Fels: Das ist: Ihre Religion, darauf sie bauen, ist nicht die rechte Religion, sie ehren den wahren Gott nicht, welcher seine Diener nicht lässt zuschanden werden: Darum kein Wunder ist, dass sie den Kürzeren ziehen und unten liegen müssen.

Feinde: Das ist: Auch die Heiden selbst, so doch sonst gottlos sind, werden aus so großem Unfall, der den verstockten Juden begegnen wird, urteilen, dass sie von dem wahren Gott abgefallen sind, darum so habe sie Gott wiederum verstoßen.

32. Denn ihr Weinstock ist des Weinstocks zu Sodom und von dem Acker Gomorrhas; ihre Trauben sind Galle, sie haben bittere Beeren;

Zu Sodom: Das ist: Da sie aus Glauben sollten gute Früchte bringen und gute Werke tun: Der Gottseligkeit Liebe und Keuschheit sich bemühen: So bringen sie aus ihrer verruchten Sicherheit und mit Verachtung des Evangeliums die allerärgsten Früchte, als da sind Unzucht, Geiz, Verachtung und Versäumung der Armen, und sind in der Summe mit den allergrößten und schändlichsten Lastern behaftet oder vielmehr ganz und gar überdeckt.

Galle: Das ist: Solche verfluchten Reben, die allerdings aus der Art schlagen, bringen böse verdorbene Trauben, voller Galle und Bitterkeit.

33. ihr Wein ist Drachengift und wütiger Ottern Galle.

Drachengift: Das ist: Was von ihnen, als von verdorbenen Reben herkommt, das ist eitel tödlich Gift.

Ottern Galle.: Nämlich bringen sie hervor anstatt des Weins. Will so viel sagen: Sie werden Christus und sein Evangelium wie auch alle, die demselben glauben, mit bitterem Hass und Neid verfolgen: Also dass auch, wenn sie nur könnten und dürften, die Christen alle miteinander umbringen, sie keinen verschonen würden.

34. Ist solches nicht bei mir verborgen und versiegelt in meinen Schätzen?

Verborgen: Als wollte er sagen: Was ich bisher von der Juden Verstockung geredet habe (wie sie nämlich das Evangelium verfolgen werden und deshalb verstoßen sind) ist noch ein Geheimnis und für den Juden verborgen, welches niemand glauben wird, dass es geschehen könne, bis zu seiner Zeit, da es der Ausgang genügend wird bezeugen.

Versiegelt: (Nach Luther) Sie glauben es nicht, bis sie es erfahren, denn es ist vor ihren Augen verborgen.

35. Die Rache ist mein; ich will vergelten. Zu seiner Zeit soll ihr Fuß gleiten; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und ihr Künftiges eilt herzu {Röm 12v19 Hebr 10v30}.

Die Rache: Will so viel sagen: Es werden zwar die Juden die christliche Religion mit äußerstem Hass anfeinden und verfolgen: Aber es wird ihnen solches nicht ungestraft hingehen. Denn es erfordert mein Amt, dass ich solches strafen muss, beides, was die Sünde der Lästerung wider den Messias und andere Misshandlungen sowohl dieses Volkes als aller anderen Menschen betrifft.

Vergelten: Ihre Übertretung und gottloses Wesen will ich rächen und strafen.

Zeit: Wenn es mir gelegen sein wird, darum ich niemand Rede und Antwort zu geben schuldig bin, denn ich weiß in allen Dingen seine Zeit und Maß zu geben, wie lange es dauern und wenn es aufhören soll.

Gleiten: Das ist: Sie sollen je länger je mehr anlaufen und an den Eckstein Christus anstoßen, durch ihre eigene Schuld und Unglauben, wie sie auch in allen anderen Sachen, die sie sich unterstehen werden, kein Glück haben sollen, sondern überall schändlich straucheln und fallen.

Ist nahe: Als wollte er sagen: Sie dürfen sich selber nicht einbilden und die Gedanken machen, als werde es noch lange anstehen mit ihrer Strafe, denn es wird sie das Unglück schnell überfallen, eher sie sich es versehen hätten. Denn wie sie vor vierzig Jahren angefangen hatten, das Evangelium zu verachteten und zu verfolgen und sich dabei ganz und gar keiner Gefahr befürchteten, war die Zeit vorhanden, dass Jerusalem musste zerstört und das ganze jüdische Volk in ein ewiges Elend weggeführt werden. Daraus sie niemals wieder heimkommen können.

36. Denn der Herr wird sein Volk richten und über seine Knechte wird er sich erbarmen. Denn er wird ansehen, dass ihre Macht dahin ist, und beides, das Verschlossene und Verlassene, weg ist.

Richten: Das ist: Er wird nicht länger können zusehen zu des jüdischen Volkes (welches vorzeiten sein Volk gewesen war) Undankbarkeit, Bosheit und Mutwillen.

Erbarmen: Das ist: Weil dennoch Gott in demselben Volk auch seine Auserwählten hat, so wird er sie nicht ganz und gar ausrotten, sondern noch etliche aus ihnen zu Christo bekehren und selig machen.

Dahin ist: Das ist: Er wird ihm zu Gemüte führen, dass es aus ist und ein Ende hat mit der Macht und Herrschaft dieses Volkes, weil sie kein Regiment mehr haben.

Verschlossene: Das ist: Weil nicht allein diejenigen unter ihnen umgekommen und vertilgt sind, welche vor anderen im Aussehen, dazu reich und mächtig gewesen sind, sondern auch die Gefangenen (deren man sich doch sonst nicht viel achtet) haben herhalten müssen. Also dass von solchem großen und mächtigem Volk, wie sie vorzeiten gewesen, nichts übergeblieben ist.

Nach Luther: Dass alles dahin, beides, dass sie wert hielten und dessen sie nicht groß achteten und also nichts mehr übrig blieb.

37. Und man wird sagen: Wo sind ihre Götter, ihr Fels, darauf sie trauten,

Sagen: Wer an dieses Volkes Untergang und desselben Ursache denken wird.

Trauten.: d. i. Wo ist nun ihre falsche und heuchlerische erdichte Religion, damit sie stolzierten und so hoch prangten, dass sie meinten, sie wären allem Unglück überwachsen und könnte ihnen nichts Widerwärtiges zu Händen kommen: Was hat es nun für einen Ausgang gewonnen mit ihrem falschen und selbsterwählten Gottesdienst oder vielmehr Götzendienst?

38. von welcher Opfer sie Fett aßen und tranken den Wein ihres Trankopfers? Last sie aufstehen und euch helfen und euch schützen!

Fett aßen: d. i. An welchen Opfern und Gottesdiensten sie ihre Lust und Freude hatten und fröhlich dabei waren. Denn man hielt vorzeiten, nach verrichtetem Opfer, von dem, was überbleibt und nicht verbrannt war, ein Freudenmahl. Weil aber den Juden verboten war, dass sie das Fett vom Opfer nicht essen durften noch den Wein des Trankopfers trinken, sondern solches alles auf den Altar gießen und schütten: So will Gott hier damit anzeigen, dass sie in solchem ihrem Tun auch Abgötterei getrieben haben, weil sie die rechte Weise, wie man Gott dienen soll, nicht in Acht genommen haben. (Denn wenn wir Gott auf eine andere Weise dienen wollen, als er geboten hat, so heißt eben dasselbe den Abgöttern dienen.)

Helfen: Nämlich eure selberdachten Götter, denen ihr gedient habt. (Denn man hat sich keiner Hilfe oder Schutzes bei der falschen Religion zu trösten.)

39. Seht ihr nun, dass ich es allein bin, und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen; ich kann schlagen und kann heilen, und ist niemand, der aus meiner Hand errette {5Mos 4v35 1Sam 2v6}.

Allein: Als wollte er sagen, erkennt doch einmal, dass ich allein der rechte und wahrhaftige Gott bin, der erhalten kann und will alle, die auf ihn hoffen. Und bedarf keines anderen Gottes neben mir, der mir Beistand tue. So habt ihr auch keines anderen Gottes bedurft, dem ihr neben mir dienen musstet, darum so bekehrt euch zu mir.

Töten: Das ist: Ich pflege die Menschen durch das Gesetz zu töten, dass sie ihre Sünden und Unrecht erkennen und nahe zur Verzweiflung (welche der Seelen Tod ist) kommen: Und mache sie durch die liebliche Predigt des Evangeliums wieder lebendig, dass sie wieder zu sich selber kommen und ihnen ist, als ob sie von den Toten wiederum erweckt und hervorgekommen wären. Und welche ich mit meiner Geißel der Strafe und Züchtigung verwunde, dass sie Buße tun, die heile ich auch wiederum und mache sie durch das Wort des Evangeliums gesund. Verachteten sie aber diese väterliche Anmahnung zur Buße auch, so werden sie der ewigen Verdammnis nicht entrinnen. Denn es kann sich keiner vor mir verstecken oder verbergen. Darum so bekehrt euch zu mir, dass ihr durch das Verdienst Jesu Christi, meines Sohnes, den ihr mit Glauben ergreifen müsst, selig werdet.

40. Denn ich will meine Hand in den Himmel heben und will sagen: Ich lebe ewig.

Denn ich: Jetzt wendet Gott seine Rede zu den Feinden seines Volkes, wenn es sich bekehrt hat, und droht ihnen aufs ernstlichste beide zeitliche und ewige Strafen. (Denn wenn Gott die Feinde als Ruten, damit er sein Volk züchtigt, ausgebraucht hat, so pflegt er sie in das ewige höllische Feuer und Verderben hinwegzuwerfen.)

Will sagen: Das ist: Ich will ihnen einen aufgereckten Eid im Himmel schwören, dass ich es meinen Feinden nicht nachlassen will, was sie meinem Volk getan haben, so wahr ich in Ewigkeit lebe, sondern will Rache an ihnen üben, dass sie es mit ihrem ewigen Unheil und Schaden sollen erfahren und innewerden, wie ich kein Unrecht ungestraft lasse.

41. Wenn ich den Blitz meines Schwertes wetzen werde, und meine Hand zur Strafe greifen wird, so will ich mich wieder rächen an meinen Feinden und denen, die mich hassen, vergelten.

Wenn ich: Jetzt erklärt er sich weiter, wie er mit ihnen umgehen und nach ihrem Verdienst mit ihnen handeln wolle.

Blitz: Das ist: Mein Schwert, das wie ein Blitz hell leuchtet und scheint.

Greifen: Das ist: Wenn ich werde anfangen das Urteil, welches ich längst über meine Feinde gefällt habe, an ihnen mit allem Ernst und nach der Schärfe zu vollstrecken.

Meinen Feinden: Denn welche meines Volkes Feinde sind, die sind meine Feinde auch.

Vergelten: Ich will mit ihnen umgehen, wie sie verdient haben.

42. Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert soll Fleisch fressen über dem Blut der Erschlagenen und über dem Gefängnis und über dem entblößten Haupt des Feindes.

Trunken machen: Das ist: Ich will unter den Feinden eine solche Schlacht tun und sie so danieder legen, dass meine Waffen von dem Blut sollen gefärbt werden und dasselbe gleichsam in sich schlucken, so viel, dass es davon, wenn es ein Mensch wäre, möchte betrunken werden und als bei einem herrlichen Gastmahl mit dem Fleisch der Feinde sich sättigen.

Nach Luther: Das sind die drei Strafen des Schwertes. Die erste, dass ihr viele erschlagen werden. Die andere, dass sie gefangen geführt werden. Die dritte, dass ihr Haupt soll bloß werden. Das ist: Ihr Königreich und Priestertum soll von ihnen genommen werden, welche durch das Haar auf dem Haupt bedeutet ist.

Entblößten: Das ist: Ich will die Feinde, welche ich überwunden und gefangen habe und nun traurig und jämmerlich mit bloßem Haupt (wie damals gebräuchlich war) einhergehen, in einen Triumph führen. (Dieser Sieg wird zum Teil erhalten, mit dem Worte des Evangeliums, wenn der Unglaube und das gottlose Wesen zu Boden geschlagen wird: Zum Teil, wenn Gott, auf dass er das Evangelium schütze, seine Feinde umbringt und also warm und blutig der Hölle schickt, wie dem Abtrünnigen Juliano und anderen Tyrannen und Verfolgern des Evangeliums mehr widerfahren ist.)

43. jauchzt alle die ihr sein Volk seid; denn er wird das Blut seiner Knechte rächen und wird sich an seinen Feinden rächen und gnädig sein dem Lande seines Volkes.

Jauchzt: Folgt zum Beschluss eine Glückwünschung und Freudengeschrei der Kirche Gottes über den Untergang ihrer und Gottes Feinde.

Alle: Nämlich alle Juden und Heiden. (Denn es wird hier gelehrt, dass der größte Teil der christlichen Kirche aus den Heiden bestehe, die zu Christo bekehrt sind. Weil im hebräischen Text das Wörtlein Goim steht, dadurch die Heiden gemeint werden.)

Rächen: Das ist: Er wird ihr Blut wiederum vergießen, welche zuvor das unschuldige Blut der Frommen grausam und tyrannischerweise vergossen haben.

Gnädig sein: Das ist: Er wird seine Kirche ernähren, erhalten und endlich ewig selig machen. (Denn wer sein Leben von Christi willen hier auf Erden verliert, der wird es dort in der ewigen Herrlichkeit und Seligkeit wiederfinden {Mt 10}. Und wenn wir mit Christo leiden, so werden wir auch mit ihm herrschen {2Tim 2}. Ja es gibt auch Gott bisweilen seiner Kirche den zeitlichen Frieden, dass sie nach den großen und schweren Verfolgungen sich wiederum erholen könne, bis sie den Kampf mit dem Tode ausgestanden und überwunden hat und der ewigen Seligkeit teilhaftig wird.)

44. Und Mose kam und redete alle Worte dieses Liedes vor den Ohren des Volkes, er und Josua, der Sohn Nuns.

Kam: Nämlich zu der ganzen Gemeinde des israelitischen Volkes, wie zu Ende des vorigen Kapitels auch gemeldet wurden.

Ohren: Das ist: Dass alles Volk zuhörte.

Und Josua: Der Mose an der Seite stand, als sein Nachkomme und erwählter Fürst des jüdischen Volkes.

45. Da nun Mose solches alles ausgeredet hatte zum ganzen Israel,

46. sprach er zu ihnen: Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge, dass ihr euren Kindern befiehlt, dass sie halten und tun alle Worte dieses Gesetzes.

Bezeuge: Das ist: Was ich euch die Tage her, mit Wiederholung des Gesetzes, vorgehalten habe.

Befiehlt: Das ist: Ihr sollt diese Lehre auch auf eure Nachkommen fortpflanzen und euren Kindern gebieten, dass sie dem Gesetz Gottes auch gehorsam sind und nicht davon abweichen.

47. Denn es ist nicht ein vergebliches Wort an euch, sondern es ist eurer Leben; und solches Wort wird euer Leben verlängern auf dem Lande, da ihr hingeht über den Jordan, dass ihr es einnehmt.

Vergeblich: Das ist: Es trifft nicht ein schlechtes geringes Ding an, daran nicht viel gelegen ist und der Mühe nicht wert wäre, dass ihr es erkundigt, sondern es wird hier von eurer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt gehandelt. Denn wer den Geboten Gottes vollkommen genug tun könnte, der würde ewig leben.

Verlängern: Nämlich wenn ihr aus Glauben an den zukünftigen Messias tut, soviel euch in dieser menschlichen Schwachheit möglich ist. (Denn Gott belohnt auch aus Gnaden den unvollkommenen Gehorsam, welcher aus wahren Glauben herkommt, mit allerlei zeitlichen Gaben und Gütern.)

48. Und der Herr redete mit Mose desselben Tages und sprach:

49. Gehe auf das Gebirge Abarim, auf den Berg Nebo, der da liegt im Moabiterlande gegen Jericho über, und besiehe das Land Kanaan, das ich den Kindern Israel zum Eigentum geben werde {4Mos 20v12 27v12},

Nebo: Das ist: Welcher Berg auch sonst und mit einem anderen Namen Nebo genannt wird, oder aber, dass Nebo ein Stück von dem Gebirge Abarim gewesen ist, welches sonst auch das arabische Gebirge heißt.

50. und stirb auf dem Berge, wenn du hinaufkommen bist, und versammle dich zu deinem Volk, gleichwie dein Bruder Aaron starb auf dem Berge Hor und sich zu seinem Volk versammelte {4Mos 20v28 33v38},

Stirb: Nämlich wenn du das Land Kanaan besehen hast.

Versammle: Das ist: Du sollst in den Schoss Abrahams aufgenommen werden oder du wirst zu deinen Voreltern kommen, die in wahrem Glauben aus dieser Welt zum himmlischen Vaterland abgeschieden sind.

51. darum, dass ihr euch an mir versündigt habt unter den Kindern Israel bei dem Haderwasser zu Kades in der Wüste Zin, dass ihr mich nicht heiligtet unter den Kindern Israel {4Mos 20v12};

Versündigt: Darum gebührt es euch nicht, dass ihr in diesem Leben ins gelobte Land kommt.

Heiligtet: Das ist: Weil ihr mir damals vor dem Volk nicht das Lob der Wahrheit und Allmacht gegeben habt, dass ich könnte, und wollte Wasser aus dem Felsen bringen, sondern ihr selbst an meiner Zusage öffentlich im Beisein aller Israeliten gezweifelt habt, da sie, die Israeliten, Wasser begehrten, und mit mir und euch darum zankten, dass sie wären an einen dürren Ort geführt worden, da sie kein Wasser haben könnten: Wie man die ganze Geschichte hiervon lesen mag {4Mos 20}.

52. denn du sollst das Land gegen dich sehen, das ich den Kindern Israel gebe, aber du sollst nicht hineinkommen:

Nicht hinein: Gott war Mose nicht feind und verkündigt ihm dennoch seinen Tod, dass er sterben müsse, und lässt ihn nicht ins gelobte Land kommen, darin er doch gern gezogen wäre. (Daraus wir lernen sollen, dass die, so an Christus glauben, dennoch von Gott geliebt werden, ob sie gleich zeitlich sterben müssen und nicht immer in diesem Leben erlangen, was sie gerne wollten.)


Das 33. Kapitel


1. Mose rühmt Gottes Güte gegen die Israeliten, und redet danach auch bescheidentlich davon, was er ihnen Gutes erzeigt habe. v. 1. 2. Erzählt darauf die geistlichen und leiblichen Segen, damit Gott die zwölf Stämme Israel begaben würde. v. 6. 3. Welche er mit dem Lobe Gottes beschließt. v. 26.

1. Dies ist der Segen, damit Mose, der Mann Gottes, die Kinder Israel vor seinem Tode segnete,

Mann Gottes: Das ist: Der Mann, welcher von Gott dazu erweckt wurde, dass er große Sachen verrichten solle: Der auch mit herrlichen Gaben des Heiligen Geistes geziert war.

Segnete: Das ist: Er hat ihnen alles Gute gewünscht und zukünftige Dinge verkündigt. Denn es hatten die heiligen Patriarchen im Brauch, dass sie aus Offenbarung des Heiligen Geistes ihren Nachkommen vor ihrem Tode zuvor verkündigten, wie es ihnen künftig ergehen würde, und ihnen zugleich alles Gute wünschten: Welche Weissagungen und Beglückwünschungen Segen genannt wurden. Darum auch Mose als ein vornehmer Prophet im Volk Gottes die Israeliten vor seinem Tode gesegnet und von einem jeden Stamm insbesondere geweissagt hat.

2. und sprach: Der Herr ist von Sinai kommen und ist ihnen aufgegangen von Seir; er ist hervorgebrochen von dem Berge Paran und ist gekommen mit viel tausend Heiligen; zu seiner rechten Hand ist ein feuriges Gesetz an sie.

Herr: Welcher ein Urheber und Geber ist alles Segens und der wahren Glückseligkeit, der hat bis daher mit vielen und großen Guttaten seinen väterlichen Willen gegen euch genügend erklärt: Daraus gut zu lesen ist, dass er euch Gutes gönne und euch segnen wolle.

Sinai: Als wollte er sagen: Dass ich dessen allen geschweige, was die Erlösung und Ausführung aus der ägyptischen Dienstbarkeit anlangt, so hat er seine Gegenwart geoffenbart, da er von der Wüste Sinai auf dem Berge Horeb das Gesetz gegeben hat.

Seir: Das ist: Er hat sich darin auch erklärt und gegenwärtig erzeigt, wie wir das Gebirge Seir umzogen und unten an dem selbigen Gebirge in Salmona feurige Schlangen unter dem Volk wüteten und viele umbrachten {4Mos 20}. Da uns der Herr die Arznei mit der ehernen Schlange gewiesen, dass, welche sie ansähen, geheilt und vor dem Tode bewahrt wurden. (Welche Schlange ein Vorbild Christi gewesen, wie er am Kreuz gehangen hat {Joh 3}.)

Paran: Denn man seine Gegenwart am selben Ort auch spüren müsse, da er dem ganzen Volk Israel Wachteln gab und siebzig Älteste erwählte, denen er Befehl tat, dass sie mit mir die Last der Regierung tragen sollten.

Tausend: Als wollte er sagen: Unter allen anderen ist das die vornehmste Offenbarung und Erscheinung gewesen, da er das Gesetz gegeben hat, davon kurz zuvor gemeldet wurde. Denn Gott selber damals vom Himmel herabgestiegen ist mit unzähligen Engeln, die ihn begleiteten und dienten.

Feuriges: Das ist: Er hat das Gesetz mit sich herabgebracht, welches nicht allein mit vielem Donnern und Blitzen von ihm durch den Engel verkündigt wurde, sondern auch den Israeliten in ihrem Gewissen als ein brennendes und verzehrendes Feuer gewesen. (Denn das Gesetz Mose erschreckt, brennt und ängstigt die Gewissen heftig. Daneben ist auch zugleich damit angedeutet worden, dass einmal eins ein anderer, und zwar auch feuriges Gesetz, nämlich der Heilige Geist in der Menschen Herzen sollt geschickt werden, denn derselbe ist in feuriger Gestalt am Pfingsttage erschienen {Apg 2}. Welches Feuer des Heiligen Geistes doch nicht brennt oder tötet, sondern vielmehr lebendig macht und die Herzen erfreut, erquickt und erweicht und den alten Adam, das ist die Sünde, so noch in uns wohnt, nach und nach verzehrt.)

3. Wie hat er die Leute so lieb! Alle seine Heiligen sind in deiner Hand; sie werden sich setzen zu deinen Füßen und werden lernen von deinen Worten.

So lieb: Das ist: Ob er wohl das Gesetz mit einer großen und schrecklichen Majestät gegeben hat, so hasst er doch darum die Menschen, besonders aber euch Israeliten nicht, sondern hat euch lieb und wert, darum sollt ihr alles Gute und reichen Segen von ihm gewärtig sein.

Hand: Das ist: Er erhält, ernährt, regiert und versorgt alle Gläubigen.

Füßen: Das ist: Sie werden sich erzeigen als fleißige Zuhörer und aufmerken, wenn sie der Herr sein Wort lehre und darin unterrichten wird.

Lernen: Nämlich den Weg zu der ewigen Seligkeit und wie man hier auf Erden ein gottseliges Leben führen soll.

4. Mose hat uns das Gesetz geboten, dem Erbe der Gemeinde Jakobs.

Mose hat: Der Prophet Mose redet hier von sich selber als von einer anderen Person und das darum, damit seine Rede desto mehr Ansehen habe, weil er hier nicht von seiner eigenen Sache, sondern von göttlichen Sachen handelt.

Erbe: Als wollte er sagen, das Gesetz, welches Gott durch mich Mose gegeben, soll das israelitische Volk für seinen höchsten Schatz halten und als ein reiches Erbe annehmen. Es begreift aber hier das Gesetz nicht allein die Zehn Gebote in sich, sondern auch die ganze göttliche Lehre und das Evangelium von Christo, welches in der Wahrheit der allerköstlichste Schatz ist.

5. Und er verwaltete das Amt eines Königs und hielt zusammen die Häupter des Volkes samt den Stämmen Israels.

Königs: Nämlich in Anstellung und Verrichtung aller Geschäfte unter dem Volk Israel, dieweil er durch seine Frömmigkeit, Weisheit und herrlichen Verstand sowohl die Obersten und Amtleute im Volk als das Volk selber in Einigkeit und zur Gebühr, so viel ihm immer möglich, angehalten. Und hat Mose dies in der Kürze zum Eingang wollen vorher erzählen, von den Guttaten Gottes, so diesem Volk widerfahren, wie auch von seiner Person und Amt: Später erzählt er den Segen eines jeden Stammes.

Nach Luther: Er wurde nicht König, hatte auch nichts davon und hielt doch das Volk zusammen, also dass es ein Haupt hatte, wie ein König und nicht zerstreut in der irre ging.

6. Ruben lebe und sterbe nicht, und sein Pöbel sei gering!

Lebe: Das ist: Obwohl Ruben von wegen seiner Blutschande, mit seiner Stiefmutter begangen, wert gewesen, dass er nicht allein von das Königreich und Priestertum kommen, die ihm beide sonst von wegen seiner Erstgeburt gebührt hätten: sondern auch wohl verschuldet, dass er mit allen seinen Nachkommen vertilgt würde: So will doch Gott nach seiner großen Güte nicht, das dieser Stamm untergehe: Aber die Herrschaft ist dennoch von ihm genommen und dem Stamm Juda gegeben worden, welcher nicht allein an Herrlichkeit, sondern auch an der Menge des Volkes es dem Stamm Ruben weit vor tun wird: Wie auch nicht weniger das Priestertum von ihm genommen und dem Stamm Levi zugeeignet ist.

Gering: Das ist: Seine Nachkommen werden nicht so volkreich sein wie der Stamm Juda. (Denn wenn sich ein Geschlecht mehrt, das ist ein Segen Gottes. Und soll man hier achthaben, dass der Eltern Sünde auch an den Nachkommen gestraft werden, deswegen die Eltern sich der Frömmigkeit bemühen sollen, wenn sie wollen, dass es ihren Kindern wohl gehe.)

7. Dies ist der Segen Judas. Und er sprach: Herr, erhöre die Stimme Judas, mache ihn zum Regenten in seinem Volk und lass seine Macht groß werden, und ihm müsse wider seine Feinde geholfen werden {1Mos 49v10}!

Erhöre: Das ist: Wenn er dich um Hilfe anrufen wird, so möchtest du ihm Beistand tun, ihn zu seinem Land und Leuten bringen und ins Regiment einsetzen.

Macht: Das ist: Vermehre ihm seine Herrschaft und leiste ihm Hilfe wider seine Feinde. (Es bittet aber Mose auch zugleich, dass Gott der Vater wolle seinen Sohn schicken, den wahren himmlischen König des Israels (der dem Evangelium glaubt) welcher soll Mensch werden und menschliche Natur an sich nehmen, aus dem Stamm Juda, und dass er denselben stärken wolle, seine und unsere Feinde, den Tod, die Welt, den Teufel und die Hölle zu überwinden.)

8. Und zu Levi sprach er: Dein Recht und dein Licht bleibe bei deinem heiligen Mann, den du versucht hast zu Massa, da ihr hadertet am Haderwasser.

Recht: Ich wünsche, dass du das Amt, mit den göttlichen Geheimnissen umzugehen, auch zukünftig bei des Aarons Geschlechter und Nachkommen wollest bleiben lassen. Denn man hält es davor, dass das Amtsschildlein auf der Brust des Hohepriesters, darin zwölf Edelsteine gefasst waren, darum das Licht und Recht sei genannt worden, weil es eine gewisse Weissagung und Antwort von sich geben. Denn es haben die Edelsteine hell geleuchtet und einen klaren Schein von sich gegeben, wenn Gott die Frage mit einem Jawort bestätigen wollte, wie wiederum das Widerspiel geschehen, wenn es Nein gewesen, davon oben {2Mos 28} auch zu finden. Solchen Vorzug der Weissagung begehrt Mose, dass es bei des Aarons Nachkommen möge verbleiben. Es ist aber auch hier zu merken, dass Mose des Stammes Simeon keine ausdrückliche Meldung tut, sondern begreift ihn mit unter den Stamm Levi. Gleichwie auch der Patriarch Jakob {1Mos 49}. Diese beiden Stämme zusammennimmt und einerlei Weissagung von ihnen beiden vorbringt. Und hält man es dafür, dass der meiste Teil im Stamm Simeon sind Schriftgelehrte gewesen, welche das Gesetz Mose lehrten und dem Volk erklärt haben: Dass also dieser Ursache wegen Mose die beide Stämme, weil sie fast gleiche Ämter getragen, hier auch zusammengefasst, darum man die folgende Weissagung ihnen beiden, doch mit etwas Unterschied, zueignen soll.

Nach Luther: Das ist, wie 2. Mose 28, v. 30. steht, dass Heiligtum auf dem Brustlatzen. Will also sagen: Dein priesterliches Amt sei glückselig vor Gott und den Menschen, mit Beten und Lehren.

Versucht: Das ist: Ich bitte, dass du den Aaron und seine Kinder bei der Würde des Hohepriester-Amtes erhalten wollest, ob er gleich aus Schwachheit gestrauchelt, da du seinen Glauben und Beständigkeit am Haderwasser probiertest, als die Israeliten mit großem Ungestüm Wasser haben wollten und darüber einen Hader mit ihm und mir anfingen, den er damals mit Unglauben sündigte {4Mos 20}. Solchen Fall wollest du ihm zugutehalten und an seinen Nachkommen nicht strafen.

9. Wer zu seinem Vater und zu seiner Mutter spricht: Ich sehe ihn nicht, und zu seinem Bruder: Ich kenne ihn nicht, und zu seinem Sohn: Ich weiß nicht: Die halten deine Rede und bewahren deinen Bund;

Wer zu: Jetzt zeigt Mose an, wie die Leviten und Lehrer der Kirche sollen beschaffen sein.

Die halten: Das ist: Welche von des Wortes Gottes willen (dass sie rein und lauter lehren und mit einem gottseligen Wandel zieren) ihren Eltern, Kindern und Verwandten und allem, was sie haben, absagen und bereit sind, dass sie auch viel eher das Leben darüber zu büßen wollen, als von dem Wort Gottes ein Haarbreit abweichen: Die sind recht geschickt und tauglich zum Kirchenamt. (Solche Großmütigkeit und Standhaftigkeit fordert Christus in seinen Aposteln und anderen getreuen Dienern des Evangeliums {Mt 10}.) Und haben zwar die Leviten zur Beförderung der rechten Religion und Ausrottung der Abgötterei treulich geholfen, da sie aus einem besonderen göttlichen Befehl (denn das Beispiel steht uns nicht nachzufolgen) ermahnt wurden, dass sie die abgöttischen Rädelsführer umbringen sollten. Denn als die Kinder Israel das goldene Kalb angebetet hatten, haben sie auch ihrer Nächsten Verwandten nicht verschont {2Mos 32}. Welcher Eifer Gott so wohl gefallen, dass er das Kirchenamt diesem Stamm, um solcher ihrer Treue willen, bestätigt hat.

10. die werden Jakob deine Rechte lehren und den Israel dein Gesetz; die werden Räucherwerk vor deine Nase legen und ganze Opfer auf deinen Altar.

Legen: Das ist: Sie werden dich, O Gott, versöhnen, mit ihren Opfern und Räuchern, wenn du über dein Volk von wegen ihrer Sünde zürnen wirst. (Mit welchem ihrem Amt sie des rechten Hohepriesters Christi und Heilandes der Welt Vorbild gewesen sind.)

11. Herr, segne sein Vermögen und lass dir gefallen die Werke seiner Hände; zerschlage den Rücken derer, die sich wider ihn auflehnen, und derer, die ihn hassen, dass sie nicht aufkommen.

Vermögen: Das ist: Gib, dass die Kirchendiener in ihren Amtsverrichtungen glückselig, mutig und beherzt sind, damit sie die wahre Lehre können fortpflanzen und die Irrtümer widerlegen.

Gefallen: Nimm es für gut an, was sie von wegen ihres Amtes verrichten.

Zerschlage: Brich die Gewalt der Feinde des göttlichen Wortes.

Aufkommen: Dass sie keinen Fortgang haben, sondern alle ihre Anschläge zurückgehen, die das Kirchenamt des göttlichen Wortes entweder bei sich selbst verachten oder auch verfolgen. (Dieser Fluch schlägt die Feinde des Evangeliums zu Boden. Also dass das Evangelium von Gott erhalten wird, sie aber schändlich umgekommen.)

12. Und zu Benjamin sprach er: Das Liebliche des Herrn wird sicher wohnen; immer wird er über ihm halten und wird zwischen seinen Schultern wohnen.

Liebliche: d. i. Der Tempel des Herrn und der Gottesdienst, daran Gott einen Gefallen hat, wird in diesem Stamm sein und ohne Gefahr sicher getrieben werden. Denn die Stadt Jerusalem, in welcher später dem Herrn der Tempel vom König Salomon erbaut wurde, war im Stamm Ben-Jamin gelegen.

Nach Luther: Das ist: Der Tempel und Jerusalem und Königreich war in Ben Jamin.

Halten: Gott wird seinen Tempel immer beschützen, nämlich solange er ein Tempel des Herrn bleibt und zu keiner Mördergrube gemacht wird.

Schultern: Das ist: Gott wird seine Kirche, darin man den rechten Gottesdienst übt, erhalten und gleichsam auf seinen Schultern tragen.

13. Und zu Josef sprach er: Sein Land liegt im Segen des Herrn. Da sind edle Früchte vom Himmel, vom Tau und von der Tiefe, die unten liegt.

Segen: Das Land, welches diesem Stamm durch das Los heimfallen wird, hat einen reichen Segen von Gott zu erwarten und wird sehr fruchtbar sein.

Edle Früchte: Das ist: Was Gutes von einer gesunden und wohl temperierten Luft oder Befeuchtigung des Taues wächst: Und was mitten aus der Erde an allerlei Metall gegraben und hervorgebracht wird, das soll diesem Stamm zugutekommen.

Nach Luther: Das ist vom Königreich Israel gesagt, welches hoch gesegnet wurde mit allem, das Himmel, Sonne, Mond, Erden, Berg, Tal, Wasser und alles zeitliche Gut trug und gab, dazu auch Propheten und heiligen Regenten hatte.

14. Da sind edle Früchte von der Sonne und edle reife Früchte der Monden

Sonne: Was auch durch der Sonnenhitze und aus des Mondes Ab- und Zunehmen auf Erden zubereitet, erhalten und gemehrt wird, das wird dieser Stamm zu genießen haben.

15. und von den hohen Bergen gegen Morgen und von den Hügeln für und für

Bergen: Was auf den hohen Bergen und fruchtbaren Hügeln Gutes und Hübsches hervorkommt, das soll auch dieses Stammes sein.

16. und edle Früchte von der Erde, und was darin ist. Die Gnade des, der in dem Busch wohnte, komme auf das Haupt Josephs und auf den Scheitel des Nasir unter seinen Brüdern {2Mos 3v2 Apg 7v30}.

Darin: Was man von Gütern auf Erden finden mag, wie sie denn mit vielen nützlichen Sachen erfüllt ist. Solches alles miteinander, damit man dies zeitliche Leben wohl und glücklich zubringen kann, wird diesem Stamm gegeben werden.

Gnade: Das ist: Was Gott (der vorzeiten dem Mose im feurigen Busch erschienen ist, da er ihn senden wollte, die Kinder Israel zu erlösen) nach seiner Güte den Menschen an zeitlichen Gütern reichlich gibt, das wird in diesem Stamm besonders dem zustehen, der unter die anderen Israeliten seine Brüder mit der königlichen Krone auf seinem Haupt wird geziert und begabt sein und das Regiment führen. Wie denn viele israelitische Könige (nachdem das Königreich unter der Regierung Rehabeams zerteilte, wurden) aus dem Stamm Ephraim ihre Herkunft hatten. Hat also Gott den israelitischen Königen (die doch alle abgöttisch und gottlos gewesen) die herrlichsten zeitlichen Wohltaten verheißen und geleistet: Nicht zwar, dass er an ihrem gottlosen Leben und Wesen einen Gefallen getragen, sondern dass er sie durch so viele und große Guttaten zur Buße lockte. (Wie auch noch heutigentags wohl geschieht, dass die Gottlosen mit zeitlichem Segen und Gütern von Gott überschüttet und dadurch zur Besserung ihres Lebens angemahnt werden, damit sie nach den himmlischen Gütern ein Verlangen bekämen, ist aber alles vergebens.)

17. Seine Herrlichkeit ist wie ein erstgeborener Ochse, und seine Hörner sind wie Einhörners Hörner; mit denselben wird er die Völker stoßen zuhauf bis an des Landes Ende. Das sind die tausendste Ephraims und die tausendste Manasses.

Herrlichkeit: Das ist: Das Königreich Israel wird herrlich und weit berühmt sein von wegen seiner Macht und Stärke, damit es verfasst und versehen ist, dass es kann eine unrechte Gewalt abwehren und andere Völker überziehen.

Ende: d. i. Obwohl die benachbarten Völker sich dagegen auflehnen werden, so werden doch die Israeliten sie mit Gewalt abtreiben und aus ihren Grenzen jagen.

Ephraim: Das ist: Dies, was bisher gesagt, wird dem sehr volkreichen Stamm Ephraim begegnen, und zum Teil auch dem Stamm Manasse, der Ephraims Bruder ist, und sie alle beide Josephs Söhne gewesen sind. Wird auch deswegen der Stamm Manasse etwas von der vorgemeldeten Glückseligkeit erlangen, obwohl Ephraim an Würde, Macht und Menge allewege den Vorzug haben wird.

18. Und zu Sebulon sprach er: Sebulon, freue dich deines Auszugs! Aber, Isaschar, freue dich deiner Hütte!

Auszugs: Denn weil du am Anfurt des Meers wohnen wirst {1Mos 49}, wirst du mit Schiffen auf dem Wasser fahren und in fremde Länder reisen, daher du großen Nutzen haben wirst.

Nach Luther: Dies hat Debora und Barak getan.

Hütte: Weil du nach einem ruhigen Leben trachten wirst, so wirst du recht glückselig sein und deiner Ruhe nach dem allerbesten genießen.

19. Sie werden die Völker auf den Berg rufen und dort opfern Opfer der Gerechtigkeit. Denn sie werden die Menge des Meers saugen und die versenkten Schätze im Sande.

Sie: Nämlich die beiden erstgemeldeten Stämme. Denn was folgt, geht auf alle beide Stämme, Sebulon und Isaschar.

Berg: Da der Tempel des Herrn ist. Will so viel sagen: Sie werden auch andere Völker aus fremden Landen an sich ziehen und dahin bewegen, dass sie die wahre Religion annehmen.

Gerechtigkeit: Das ist: Sie werden dem wahren Gott recht dienen und ihm einen solchen Gottesdienst leisten, der ihm gefällig ist. (Es hat aber in derselben Gegend Christus zu vielen Malen gepredigt und viele Wunderzeichen getan, also dass dort nicht eine geringe Anzahl durch die Predigt Christi zum Reich Gottes berufen und zur wahren Erkenntnis Christi gebracht wurde {Mt 4} ist deswegen damals diese Weissagung recht erfüllt worden.)

Saugen: Das ist: Was man aus dem Meer von Gütern und Nutzungen haben kann, als von Fischen und anderen Kaufmannswaren, die man auf dem Wasser hin und wieder führt, das werden diese beide Stämme bekommen.

Sande: d. i. Sie werden ihnen auch aus dem Grunde des Meers Schätze sammeln. Denn das Meer an etlichen Orten Perlen, Purpurschmuck, Korallen, Agstein, und an anderen Orten andere Sachen hervorbringt, dazu weil das Meer immer ab- und zuläuft, so geschieht es oft, dass man im Abfluss allerlei köstliche Sachen findet, die durch Schiffbruch untergegangen sind.

20. Und zu Gad sprach er: Gad sei gesegnet, der Raummacher; er liegt wie ein Löwe und raubt den Arm und die Scheitel.

Gad: (Nach Luther) Den Segen Gad hat der König Jehu ausgerichtet {2Sam 9v10}, da er Baal vertilgt und das Volk wieder zurechtgebracht und schlug zwei Könige tot, dazu auch Jesebel.

Raummacher: Das ist: Diesem Stamm wird es auch wohl gehen, denn er wird ein weites und wohlerbautes fruchtbares Land besitzen.

Löwe: Das ist: Es werden auch streitbare Helden in diesem Stamm gefunden werden.

Arm: Er wird seiner Feinde Macht schwächen und die Oberhand über sie gewinnen.

21. Und er sah, dass ihm ein Haupt gegeben war, ein Lehrer, der verborgen ist, welcher kam mit den Obersten des Volkes und verschaffte die Gerechtigkeit des Herrn und seine Rechte an Israel.

Er sah: Jetzt fängt er an, von der geistlichen Regierung der Kirche zu reden.

Lehrer: Das ist: Diesem Stamm wird ein vortrefflicher, aber doch geistlicher Regent gegeben werden, nämlich der Prophet Elias, aus der Landschaft Gilead im Stamm Gad gebürtig. Denn es ist Gilead ein Ort Landes gewesen, welches in der Austeilung dem Stamm Gad heimgefallen {Jos 13}.

Nach Luther: Dieser Lehrer ist Elia der Prophet, der in den Himmel genommen und verborgen ist.

Verborgen: Nämlich da er sich eine Zeit lang verborgen und heimlich gehalten, als er die dreijährige teure Zeit zuvor verkündigt hatte, und dieselbe ganze Zeit über für den König Ahab sich nicht durfte sehen lassen, derselbe stellte sich später vor den König und ließ zusammenrufen die vornehmsten Häupter samt dem ganzen Volk, besonders aber befahl er, dass man die Baalspfaffen fordern sollte, da er denn durch sein Gebet mit einem herrlichen Wunderzeichen Feuer vom Himmel brachte, welches seine Brandopfer verzehrte, und also dadurch die rechte Religion im Volk Israel wieder angerichtet und die Auserwählten in der wahren Erkenntnis Gottes bestätigt hat {2Kön 17v18}. Welches in der Wahrheit geheißen, die Gerechtigkeit des Herrn und sein Recht an Israel verschaffen, obgleich solche Verbesserung in der Kirche nicht lange gewährt hat.

22. Und zu Dan sprach er: Dan ein junger Löwe; er wird fließen von Basan.

Junger Löwe: Nämlich von wegen seiner Großmütigkeit und Stärke.

Basan: Das ist: Er wird wie ein freudiger starker Löwe (deren im Lande Basan viel gefunden werden) seine Feinde anfallen. Welche Weissagung Simson erfüllt hat, der aus dem Stamm Dan seine Herkunft gehabt. Denn er mit einem rechten Heldenmut und einer Löwenstärke die Philister seine Feinde angefallen hat.

23. Und zu Naphthali sprach er: Naphthali wird genug haben, was er begehrt, und wird voll Segens des Herrn sein; gegen Abend und Mittag wird sein Besitz sein.

Begehrt: Wozu er Lust hat, das wird er bekommen.

Voll Segens: Gott wird ihn segnen und mit vieler Glückseligkeit begaben.

Mittag: d. i. Sein Land wird sich strecken dem Meer zu, gegen der Sonnen Niedergang und denn auch gegen den Mittag.

24. Und zu Asser sprach er: Asser sei gesegnet mit Söhnen; er sei angenehm seinen Brüdern und tunke seinen Fuß in Öl!

Söhnen: Gott wird ihm viele Kinder bescheren.

Brüdern: Das ist: Die anderen Israeliten werden diesen Stamm besonders lieben.

Öl.: Das ist: Er wird ein reiches fruchtbares Land haben, das viel Korn und Öl trägt, und wird in einer rechten Schmalzgrube sitzen.

25. eisernen und Erz sei an seinen Schuhen; dein Alter sei wie deine Jugend.

Schuhen: d. i. Er wird mit Wehren und Waffen wohl versehen und verwahrt sein wider die Feinde, welche er, wenn es vonnöten tut, mit einem beherzten Mut angreifen wird.

Jugend: Das ist: Deine Bürger und Einwohner werden auch in ihrem Alter bei guten Leibeskräften bleiben: Es wird starke und gesunde alte Leute bei dir geben. (Denn die gute Leibesgesundheit im Alter ist eine große Gabe Gottes.)

26. Es ist kein Gott als der Gott des Gerechten. Der im Himmel sitzt, der sei deine Hilfe, und dessen Herrlichkeit in Wolken ist.

Es ist: Bis daher hat Mose die Segen und Weissagungen erzählt, wie es nämlich den Kindern Israel und einem jeglichen Stamm insbesondere ergehen werde: Jetzt kommt er wieder zu dem Lob und Preis Gottes, von dessen Güte und Kraft alles Glück und aller Segen kommt.

Gerechten: Das ist: Des israelitischen Volkes, welches aus Gnaden durch den Glauben an den zukünftigen Messias vor Gott für gerecht und fromm geachtet wird.

Sitzt: Der ein Herr ist über alle Himmel in einer unaussprechlichen Majestät und Herrlichkeit.

Wolken: d. i. Man muss seine große Kraft und herrliche Majestät auch spüren an den Wolken und Gewittern.

27. Das ist die Wohnung Gottes von Anfang und unter den Armen ewig. Und er wird vor dir her deinen Feind austreiben und sagen: Sei vertilgt!

Nach Luther: Gottes Wohnung ist im Volk Israel von Anfang, unter welchen sie bleiben ewig, als die Küken unter den Armen oder Flügeln der Hennen.

Armen: d. i. Gott hat immerdar unter seinem Volk gewohnt und wird auch weiter seine Wohnung bei ihm haben und es gleichsam in seine Arme fassen und beschützen.

Austreiben: Nämlich aus dem Lande Kanaan.

Vertilgt: Das ist: Ich will, dass du vertilgt wirst: Und es wird auf den Befehl des Herrn geschehen. (Denn Gottes Reden ist so viel als tun.)

28. Israel wird sicher alleine wohnen; der Brunn Jakobs wird sein auf dem Lande, da Korn und Most ist; dazu sein Himmel wird mit Tau triefen {Jer 23v6 33v16}.

Alleine: Wenn er alle anderen Völker aus dem Lande Kanaan vertrieben hat, die ihm könnten überlästig sein und Unruhe machen.

Brunn: Das ist: Das Land wird wasserreich sein und fruchtbar an Korn und Wein.

Triefen: d. i. Der Tau wird auch zur Fruchtbarkeit des Landes helfen. (Es wird aber auch hier verstanden der Tau des Evangeliums, welcher der gläubigen Herzen erfrischt und erquickt, dass sie aus Glauben viele Früchte der guten Werke hervorbringen können.)

29. Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den Herrn selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist! Deinen Feinden wird es fehlen; aber du wirst auf ihrer Höhe einher treten.

Gleich: Beides an leiblichen und an ewigen Gütern.

Selig: d. i. Welches Gott ewig selig machen wird und auch in diesem Leben nie verlassen. (Diese Beglückwünschungen gehen die rechten Israeliten an, nämlich die an Christus als ihren wahren Gott und Seligmacher glauben.)

Schild: Der dich beschützt vor allem Unglück.

Sieges: d. i. Er streitet für dich und macht dich zu einem Überwinder des Todes, der Sünden, des Teufels und der Hölle, dass du in Ewigkeit herrlich triumphieren kannst.

Fehlen: d. i. Es wird ihnen nicht hinausgehen nach ihren blutigen Anschlägen, sondern Gott wird sie abwenden und vernichten. Denn der im Himmel wohnt, spottet ihrer {Ps 2}.

Höhe: Nämlich alles was hoch ist, darauf sich deine Feinde verließen, wirst du herunterstürzen und zertreten. (Gleicherweise stürzen auch die Christen mit ihren geistlichen Waffen zu Boden und treten mit Füßen der Welt Weisheit, Macht und heuchlerische Gerechtigkeit samt allen dem, was dem Evangelium Christi widerstrebt, von welchem Sieg man lesen mag {2Kor 10}.)


Das 34. Kapitel


1. Gott zeigt dem Mose auf dem Berge das Land Kanaan, danach stirbt Mose, und wird von Gott begraben, v. 1. 2. Dem tritt Josua im Regiment nach, und wird von Gott mit Weisheit und einem besonderen Aussehen begabt, v. 9. 3. Endlich wird Mose Person gerühmt, als eines vortrefflichen Propheten, v. 10.

1. Und Mose ging von dem Gefilde der Moabiter auf den Berg Nebo, auf die Spitze des Gebirges Pisga, gegen Jericho über. Und der Herr zeigte ihm das ganze Land Gilead bis gen Dan {5Mos 3v27 32v49}

Ging: Nämlich nachdem er seinen Lauf auf dieser Erden erfüllt und zu Ende gebracht hatte.

2. und das ganze Naphthali und das Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis an das äußerste Meer

Land Juda: Das ist: Welches Land dieselben Stämme später eingenommen und besessen haben.

Meer: Nämlich das Mittelländische Meer, welches gegen Niedergang des Landes Kanaan Grenze gewesen.

3. und gegen Mittag und die Gegend der Breite Jerichos, der Palmenstadt, bis gen Zoar.

Palmenstadt: Das ist: Von welche Stadt her viel Palmenbäume gestanden, so die köstlichsten Früchte getragen.

4. Und der Herr sprach zu ihm: Dies ist das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe, und gesagt: Ich will es deinem Samen geben. Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollt nicht hinübergehen {1Mos 12v7 13v15 15v18 26v4}.

Sollst nicht: Denn es hatte Mose am Haderwasser mit seinem Unglauben diese Strafe verschuldet, dass er nicht ins Land Kanaan kommen durfte. (Straft also Gott ohne Aussehen der Person, welche Menschen sündigen, sie sind gleich im hohen oder niedrigen Stande. Und welche der Kirche mit öffentlichen Ärgernissen schaden, die müssen auch öffentlich entweder durch Menschen oder von Gott gestraft werden, anderen zum Beispiel, dass sie sich vor Sünden hüten. Und sollen wir nicht ungeduldig sein, wenn uns Gott aus diesem Leben abfordert, ehe wir alles zu Ende gebracht, was wir zu verrichten vorgenommen haben. Denn Mose hätte auch gern das Volk vor seinem Tode ins verheißene Land eingeführt und also gleichsam seine Verrichtung zum Ende gebracht. Aber Gott hat es ihm nicht zulassen wollen, ob er ihn gleich sonst besonders lieb hatte.)

5. Also starb Mose, der Knecht des Herrn, dort im Lande der Moabiter nach dem Wort des Herrn.

6. Und er begrub ihn im Tal, im Lande der Moabiter, gegen dem Hause Peor. Und hat niemand sein Grab erfahren bis auf diesen heutigen Tag.

Er begrub: Nämlich Gott.

Peor: d. i. Gegen einer abgöttischen Kapelle, welche damals das Haus des Abgotts Peor genannt wurde.

Erfahren: d. i. Es hat niemand finden können. Man meint aber, dass Josua, aus Eingeben des Heiligen Geistes, dies letzte Kapitel beschrieben und der Historien Mose hinzugesetzt habe, dass sie ganz wäre. Soviel nun des Mose Begräbnis antrifft, wird in der Epistel Juda davon gemeldet, dass der Erzengel Michael mit dem Teufel sich gezankt habe über dem Leichnam Mose. Daher wohl zu glauben ist, dass der böse Feind habe wollen mit des Mose Körper eine Wallfahrt anrichten und das jüdische Volk, welches ohne das zu allerlei Aberglauben und Abgötterei sehr geneigt war, durch eine neue Abgötterei von dem rechten Gottesdienst abzuführen: Dass der Erzengel Michael ohne Zweifel aus göttlichem Befehl verboten. (Denn Gott will nicht, dass man irgendeinen Menschen, wie heilig und fromm er auch gewesen, göttliche Ehre erzeigen soll, sondern er sagt, du sollst Gott deinen Herrn anbeten und ihm allein dienen {Mt 4}.)

7. Und Mose war hundertundzwanzig Jahre alt, da er starb. Seine Augen waren nicht dunkel geworden, und seine Kraft war nicht verfallen {5Mos 31v2}.

Dunkel: Wie sonst den Alten zu geschehen pflegt.

Verfallen: (Denn Gott kann, welche er will, auch im Alter bei guter Gesundheit und Leibeskräften erhalten, dass sie der Kirche desto länger mit Nutzen vorstehen können.)

8. Und die Kinder Israel beweinten Mose im Gefilde der Moabiter dreißig Tage. Und wurden vollendet die Tage des Weinens und Klagens über Mose

Beweinten: d. i. Sie erzeigten ihr Leid öffentlich, nach Brauch derselben Zeit, mit Kleidern und anderen Gebärden. (Denn über vornehmen Personen soll man Leid tragen, wenn sie absterben, und Gott bitten, dass er andere taugliche Personen an ihre statt ordnen wolle und die bevorstehende Gefahr gnädiglich abwenden, weil es oft zu geschehen pflegt, dass auf den tödlichen Abgang höherer und vortrefflicher Personen schreckliche Unfälle folgen.)

Vollendet: d. i. Als dreißig Tage herumkommen, haben sie die Klage abgetan und wieder eingestellt. (Den die Frommen sollen in der Traurigkeit ein Maß halten {1Thes 4}.)

9. Josua aber, der Sohn Nuns, wurde erfüllt mit dem Geist der Weisheit; denn Mose hatte seine Hände auf ihn gelegt. Und die Kinder Israel gehorchten ihm und taten, wie der Herr Mose geboten hatte {4Mos 27v18}.

Josua: Der von Gott selber zu des Mose Nachkommen im Regiment war ernannt worden.

Weisheit: d. i. Gott hat ihn neben anderen Gaben zur Regierung notwendig auch besonders mit Weisheit begabt. (Denn welche Gott ordentlicherweise zum Ämt fordert, denen teilt er auch deutliche Gaben mit, dass sie demselben mit Frucht und Nutzen können.)

Hände: d. i. Mose hatte ihn öffentlich mit besonderen Zeremonien aus Gottes Befehl durch Auflegung der Hände zu seinen Nachkommen bestimmt und Gott gebeten, dass er ihm notwendige Gaben mitteilt und zu seinem Amt Verrichtung und Glück verleihen wollte. (Und gehen der Frommen Wünsche und Gebete, wenn sie die Diener des Wortes mit Auflegung der Hände der Kirche öffentlich vorstellen, nicht ohne Frucht ab.)

Geboten: Denn es hatte Gott noch bei des Mose Lebzeiten befohlen, dass die Kinder Israel diesem seinem Nachkommen Gehorsam leisten sollten.

10. Und es stand künftig kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der Herr erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht

Kein Prophet: Nämlich der ein solches Aussehen gehabt und mit so herrlichen Gaben wäre begnadet und geziert gewesen: Denn obwohl Josua ein herrlicher Mann war, so haben doch weder er noch die andere folgende Regenten oder Propheten im Volk Israel diesem Propheten Mose gleichen mögen.

Angesicht: Denn es hat Gott niemals mit keinem anderen so oft und freundlich gesprochen, wie ein Freund mit dem anderen, und zwar in sichtbarer Gestalt, als mit Mose, und hat kein Prophet einen solchen großen Namen und Ruf gehabt, als Mose.

11. zu allerlei Zeichen und Wundern, dazu ihn der Herr sandte, dass er sie tat in Ägyptenland, an Pharao und an allen seinen Knechten und an all seinem Lande,

Pharao: Mit jedermanns großer Verwunderung, aber zu seinem und der seinigen Verderben und Untergang.

Lande: Welches durch die Wunderzeichen übel zugerichtet und schier ganz und gar verwüstet wurden.

12. und zu aller dieser mächtigen Hand und großen Gesichten, die Mose tat vor den Augen des ganzen Israel.

Hand: Das ist: Es hat Gott durch ihn seine große Macht sehen lassen.

Gesichten: Nämlich mit schrecklichen Wunderzeichen, die den Ägyptern eine große Furcht einjagten, da immer eines auf das andere folgte.

Nach Luther: Oder auch Schrecken.

Augen: Nämlich nicht allein in Ägypten, sondern auch in der Wüste die vierzig Jahr über. Soll deswegen Mose auch bei uns richtig in großem Aussehen sein, weil er vor anderen von Gott dazu erweckt worden ist, dass er das Gesetz hervorbrächte und erklärte, daraus wir die Sünde lernen erkennen, und von Christo (zu dem die Sünder fliehen sollen) beides mit Verheißungen und mit der Einsetzung des ganzen levitischen Priestertums weissagte und beiderlei Lehre mit herrlichen Wunderwerken bestätigte. Obwohl nun auch die anderen Propheten sowohl das Evangelium als das Gesetz gelehrt haben, so muss man doch diesen Erz-Propheten Mose den anderen allen vorziehen, weil er der Älteste ist unter den Kirchen-Skribenten, der die Erschaffung der Welt, den Fall des Menschen und andere Sachen, die sich von Anfang der Welt her bis auf seine Zeit zugetragen, aus Eingebung und Erleuchtung des Heiligen Geistes verzeichnet hat, daraus ohne Zweifel die folgenden Propheten viel gelernt haben. Und obwohl die Juden seine Schriften mit ihren seltsamen und ungeschickten Auslegungen sich unterstehen zu verdunkeln, so sind sie doch von den Aposteln, dazu auch von Christo selbst, nicht allein angenommen und recht geheißen, sondern auch erklärt worden. (Darum sollen wir aus seinen Schriften unsere Sünde erkennen, und zu Christo, der uns darin vorgelegt, und mit so viel und mancherlei Opfern gleichsam vorgemalt wird, unsere Zuflucht haben: Auf dass wir auch einmal eins mit Mose die Herrlichkeit Christi in Ewigkeit anschauen mögen, Amen.