Das zweite Buch Mose



Das 1. Kapitel


I. Die Israeliten mehren sich in Ägypten, darum trachtet der neue König da (welcher nichts von Josef wusste) danach, wie er sie möge unterdrücken v. 1. II. Und untersteht sich zuerst die Israeliten mit schwerer Arbeit müde zu machen: Danach befiehlt er den Hebammen, dass sie der Israeliten Kindlein sollen in der Geburt mit Hinterlist umbringen. Da solches nicht geschieht, lässt er ein Mandat ausgehen, dass man die Kindlein der Israeliten ins Wasser werfen soll v. 11.

1. Dies sind die Namen der Kinder Israels, die mit Jakob nach Ägypten kamen; ein jeglicher kam mit seinem Hause hinein {1Mos 46v8}:

Jakob: Ihrem Vater, der mit dem Zunamen, so ihm von Gott selbst gegeben war, Israel hieß.

Hause: Das ist: Personal oder Geschlechter.

2. Ruben, Simeon, Levi, Juda,

3. Isaschar, Sebulon, Benjamin,

4. Dan, Naphthali, Gad, Asser.

Asser: Diese Patriarchen des Jacobs Söhne waren mit ihrem Vater nach Ägypten gezogen. Denn Josef war damals bereits etliche Jahr zuvor in Ägypten gewesen.

5. Und aller Seelen, die aus den Lenden Jakobs gekommen waren, der waren siebzig. Josef aber war zuvor in Ägypten.

Seelen: Oder Menschen.

Lenden: Das ist: Die von des Jacobs Stamm hergekommen und seines Geblüts waren, wenn man die Söhne und Enkel oder Neffen zusammenrechnet und Jakob selbst auch mitzählt. Dazu den Josef mit seinen beiden Söhnen Manasse und Ephraim. Die ihm in Ägypten geboren wurden, nicht ausschließt.

Josef: Der mit seinen beiden Söhnen auch zu des Jakobs Geschlechter gehört und den siebzig Seelen mit eingerechnet werden, weil er von seinem Stamm gekommen ist. (Und hat Mose dies also mit wenig Worten wollen zu Anfang dieses anderen Buches hier wiederholen, damit Gottes Kraft und Allmacht desto besser gesehen würde. Der so wenig Leute in kurzer Zeit also gemehrt und ausgebreitet hat, dass sie schier unzählig wurden. Vor dieser Zeit haben des Ephraims Nachkommen noch bei Lebzeiten ihres Vaters, Ephraim die Philister zu Gath mit Gewalt zu überfallen, sich unterstanden, ohne Zweifel, weil sie wussten, dass den Israeliten der Philister Land nach der göttlichen Verheißung von Rechts wegen gebührte und zustehe. Weil sie aber vor der von Gott bestimmten Zeit die Sache angefangen haben und sich auf ihre große Menge verlassen, sind sie von den Philistern zu Gath erschlagen worden, wie im 1. Buch der Chronik Kapitel 8. v. 21. gelesen wird. Und lässt sich es ansehen, als habe dieses frevelhaftenge Vorhaben der Ephraimiten den folgenden Königen Anlass und Ursache gegeben, dass sie das israelitische Volk unterdrücken begehrt, als welches immer zu Neuem und Änderungen Lust habe, damit sie sich nicht einmal einst zu der Ägypter Feinde schlügen, und die Ägypter halfen zu bekriegen.

6. Da nun Josef gestorben war und alle seine Brüder und alle, die zu der Zeit gelebt hatten,

Brüder: Deren Namen zu Anfang dieses Kapitel sind erzählt worden.

Gelebt: Das ist: Jakobs Söhne und Enkel oder Neffen, die mit ihm nach Ägypten hinabgezogen waren.

7. wuchsen die Kinder Israel und zeugten Kinder und mehrten sich; und wurden ihrer sehr viel, dass ihrer das Land voll wurde {Ps 105v24 Apg 7v17}.

Mehrten sich: Im Hebräischen lautet es, dass sie sich also bewegt und gleichsam durcheinander gewimmelt haben, als wie man sieht, die kleinen Fischlein im Wasser durcheinander schwimmen, da sie in großer Anzahl beieinander sind.

Sehr viel: Dass sie auch von wegen großer Menge ein ganz großes Kriegsheer machen und wider die Feinde hätten ausziehen können.

Voll wurde: Es macht Mose gar viel Wort von der Vermehrung und Ausbreitung dieses Volkes, auf dass wir lernen, wie Gott wahrhaftig sei und seine Verheißungen gewisslich halte, obgleich es sich ein Zeit lang damit verzieht. Denn Gott hatte dem Abraham verheißen, dass er seine Nachkommen mehren wollte wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Meer.

8. Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef;

Wusste nichts: Das ist: Auf den vorigen frommen und gütigen König folgte ein anderer, der ein unfreundlicher harter Mann war und nicht wusste, wie wohl Josef um das Königreich Ägypten sich verdient gemacht hatte. Darum er desselben Verwandten und Nachkommen gar nicht gewogen war, sondern begehrte, ihnen auch alles Übel und Leid anzutun. Ist also dieser König nicht allein undankbar gegen die Israeliten, sondern will sie auch stracks tot haben, und so viel an ihm ist gar vertilgen. (Also geschieht es, dass man kein Ding so bald vergisst, wie die empfangenen guttaten. Und trägt sich es zu, dass auf fromme Fürsten gar selten bessere aber oft bösere folgen.)

9. und sprach zu seinem Volk: Siehe, des Volkes der Kinder Israel ist viel und mehr denn wir.

sprach: Er ging mit seinen vornehmsten Landherren darüber zu Rat.

10. Wohlan, wir wollen sie mit Hinterlist dämpfen, dass ihrer nicht so viel werden. Denn wo sich ein Krieg erhöbe, möchten sie sich auch zu unseren Feinden schlagen und wider uns streiten und zum Lande ausziehen.

Hinterlist: Dass man uns dennoch keiner öffentlichen Tyrannei beschuldigen könne.

Ausziehen: Nämlich nachdem sie das Land Ägypten haben helfen plündern und berauben. Das wir sie wohl in der Dienstbarkeit behalten können zu unserem großen Nutzen wenn wir nur darauf bedacht sind, dass sie nicht zu mächtig werden.

11. Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit schwören Diensten drücken sollten; denn man baute dem Pharao die Städte Pithon und Raemses zu Schatzhäusern.

Fronvögte: Welche sie mit allem Ernst zu harter und schwerer Arbeit antreiben gleichwie man die Leute zu treiben pflegt, wenn sie frönen müssen.

über sie: Nämlich über die Israeliten.

Baute: Durch der Israeliter Dienst und Arbeit, so sie mit Gewalt von den Ägyptern dazu gezwungen wurden.

Schatzhäusern: Dass er nämlich darin seine Schätze und den Vorrat an Korn in sicherem Gewahrsam hinterlegen könnte.

12. Aber je mehr sie das Volk drückten, je mehr es sich mehrte und ausbreitete. Und sie hielten die Kinder Israel wie einen Gräuel.

Drückten: Mit schwerer Arbeit und Last auflegen, weil sie hofften, dass sie dadurch an Kräften abnehmen und so weniger Kinder zeugen und desto eher sterben sollten.

Ausbreitet: Durch Gottes Segen. (Denn es hilft kein Rat wider den Herrn.)

13. Und die Ägypter zwangen die Kinder Israel zu Dienst mit Unbarmherzigkeit

Zwangen: Das ist: Sie herrschten über sie mit Gewalt und gingen unbarmherzig mit ihnen um, so als ob sie ihre leibeigene Knechte wären.

14. und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit im Ton und Ziegeln und mit allerlei Frönen auf dem Felde und mit allerlei Arbeit, die sie ihnen auflegten mit Unbarmherzigkeit.

Ton und: Das ist: Sie forderten von ihnen aufs Allerernstlichste, dass sie den Ton oder Leim mussten zurichten und eine unzählige Menge Ziegel daraus machen zum Aufbau der zuvor genannten beiden Städte.

Felde: Das ist: Sie mussten nichtsdestoweniger auch den Ackerbau versehen und wurde ihnen kein Platz gelassen, sich zu erholen.

Unbarmherzigkeit: Das ist: Sie gebrauchten sich gar keiner Freundlichkeit und hatten durchaus kein Mitleiden mit ihnen. (Gleich, wie aber Gott durch dies Unglück die Israeliten hat aufmuntern wollen, dass sie ein Verlangen bekämen nach dem gelobten Lande, welches ihnen verheißen war: Also legt uns Gott ein Kreuz auf und drückt uns damit auf, dass wir uns desto mehr sehnen nach dem anderen und ewigen Leben im Himmel.)

15. Und der König in Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen, deren eine hieß Siphra und die andere Pua:

Sprach: Nämlich, wie der zuerst gehörte Anschlag keinen Nachdruck hatte und nicht wollte vonstattengehen, weil die Israeliten viel mehr gemehrt wurden, darum er eine anderen, und zwar recht teuflischen List hatte.

16. Wenn ihr den hebräischen Weibern helft und auf dem Stuhl seht, dass es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist es aber eine Tochter, so lasst sie leben.

Wenn ihr: Oder andere Hebammen, denen ihr meine Gebote geheim und vertraulich sollt wissen und tun.

Stuhl: Das ist: Wenn ihr in der Geburt da das Weib auf dem dazu geordneten Stuhl sitzt, gewahr werdet, welches Geschlechts es ist, und sobald ihr solches unterscheiden könnt.

Sohn: Denn der König machte die Rechnung, dass er einmal von den Mannsbildern möchte Schaden empfangen und sein Reich dadurch in Gefahr gesetzt werde, wenn sie zu Waffen greifen würden: Wie er wiederum vor den weiblichen also schwachen Geschlechtern sich nichts Böses besorgte: Ja dieselben vielmehr zu einer schändlichen Dienstbarkeit zu erhalten begehrte, nicht dass er so ein großes Mitleiden mit ihnen hätte, sondern dass er und die Seinen ihren Mutwillen und Bosheit mit ihnen treiben könnten. So viel mehr aber die jungen zarten Kinder von allen äußerlichen groben Sünden befreit sind und keine Kraft noch Stärke haben, sich selber zu schützen: So viel desto größer ist die Übeltat und Bosheit, wenn man solche unschuldigen Kindlein ermordet und ums Leben bringt. (Es machte ihm aber der böse Feind damals die Hoffnung, er wollte solcher Gestalt das Geschlecht ausrotten, aus welchem Christus sollt geboren werden.)

17. Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König in Ägypten zu ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben.

Fürchteten Gott: Darum sie ihn mit solcher gräulichen Tat nicht erzürnen wollten. (Denn man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen, besonders wenn sie solche Dinge von uns begehren die wider alle Gerechtigkeit und wider Gottes Gebote sind.)

18. Da rief der König in Ägypten den Hebammen und sprach zu ihnen: Warum tut ihr das, dass ihr die Kinder leben lasst?

Der König: Den es heftig verdross, dass die Hebammen seinem Befehl nicht nachkommen waren.

19. Die Hebammen antworteten Pharao: Die hebräischen Weiber sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind harte Weiber; ehe die Wehmutter zu ihnen kommt, haben sie geboren.

Antworteten: Sie verschwiegen aber die Wahrheit, weil es nicht von nötig war, die selbige zu sagen: Denn es nicht es ging nicht um das Bekenntnis des Glaubens, so wurde auch dadurch der göttlichen Ehre nichts entzogen, sondern dieselbe vielmehr gefördert und den Nächsten damit gedient, darum sie nicht schuldig waren, die Wahrheit zu bekennen.

Harte: Nicht so zart und schwach wie die ägyptischen, sondern sie sind stark und können ohne Hilfe der Hebammen gebären.

20. Darum tat Gott den Hebammen Gutes. Und das Volk mehrte sich und wurde sehr viel.

Gutes: Nämlich weil sie Gott mehr fürchten als den König, und der Kinder verschonten.

21. Und weil die Hebammen Gott fürchteten, baute er ihnen Häuser.

Häuser: Das ist: Er hat ihre Geschlechter im Volk Gottes gemehrt und berühmt gemacht.

22. Da Gebot der Pharao all seinem Volk und sprach: Alle Söhne, die geboren werden, werft ins Wasser und alle Töchter lasst leben.

Geboren werden: Nämlich von den hebräischen Weibern. Denn weil der König sah, dass er mit seinen heimlichen Tücken und Hinterlist wider das Volk Gottes wenig ausrichtete. So erlaubt er jetzt seinen ägyptischen Untertanen durch ein öffentliches Edikt, dass sie die israelitischen Kindlein ertränken sollen, daran er denn nicht zweifelt, dass sie es fleißig ausrichten werden, weil sie den Israeliten ohnehin spinnefeind waren. (Und ist wohl zu vermuten, es sind viel israelitische junge Kinder auf solch ergangenem Befehl ertränkt worden mit der Eltern unsäglichen Schmerzen und Herzeleid. Und ist dennoch die Kirche Gottes damals im jüdischen Volk bei solcher großen Verfolgung nicht untergegangen noch vertilgt worden, sondern hat sich nichtsdestoweniger gemehrt und ausgebreitet. Und kann Gott darum keiner Ungerechtigkeit beschuldigt werden, dass er ein solches Unglück über die Kinder hat ergehen lassen, denn sie sind in Sünden empfangen und geboren, darum haben sie auch wiederum sterben müssen. Weil sie aber dennoch durch die Beschneidung in den Bund Gottes aufgenommen wurden, haben sie durch den Tod aus der Barmherzigkeit Gottes das ewige Leben erlangt. Aber ihre Eltern hatten sich zum guten Teil von der ägyptischen Abgötterei einnehmen und verführen lassen, wie Hesekiel klar bezeugt in Kapitel 20. Darum hat Gott einen solchen Strudel über sie ergehen lassen, damit er sie, also die in Abgötterei gefallen waren, wieder auf den rechten Weg brächte und zur Buße rief.)


Das 2. Kapitel


I. Mose wird geboren aufs Wasser gelegt von des Pharao Tochter daraus gezogen und an Kindes statt angenommen v. 1. II. Da er aber erwachsen war verachtet er die Hofpracht und macht sich aus Glauben davon zu seinen Brüdern den Israeliten v. 11. III. Da er aber einen ägyptischen Mann, der einem Israeliten Gewalt und Unrecht tat, erschlagen und darüber verraten worden, entweicht er ins Elend im Lande Midian v. 11. IV. Dort er des Priesters Reguels Tochter Zipora zur Ehe nimmt und Kinder mit ihr bezeugt v. 16.

1. Und es ging hin ein Mann vom Hause Levi und nahm eine Tochter Levis.

Ging hin: Dass er ein Weib nehme.

Mann: Amram hieß {2Mos 6}.

Hause: Oder Geschlechter und Stamm Levi. Welcher zwar für einen verworfenen Stamm etlichermaßen gehalten wurde. Aber es entspringt daraus der allervortrefflichste Prophet Mose.

2. Und das Weib wurde schwanger und gebar einen Sohn. Und da sie sah, dass es ein fein Kind war, verbarg sie ihn drei Monden {Apg 7v20 Hebr 11v23}.

Das Weib: Nämlich des Mose Mutter, welche Jochebed geheißen.

Schwanger: Welches doch nicht als das erste Mal zu verstehen ist: Denn sie etwa um die zwölf Jahr zuvor eine Tochter, Mirjam genannt, geboren und später den Aaron, darauf allererst Mose gefolgt, welcher von der geschieht, so sich mit ihm zugetragen den Namen bekommen hat.

Verbarg: Da der König Pharao mit seiner Tyrannei nicht nachließ, sondern der Israeliten Kinder überall zum Tode hervorsuchen hieß, hat sie dennoch ihr Kind für solcher Tyrannei so viel möglich bewahren wollen, weil sie im Glauben sich an die göttlichen Verheißungen gehalten, die den Patriarchen Abraham Isaac und Jacob geschehen waren, von der Vermehrung ihres Volkes und wie sie sollten wiederum ins Land Kanaan kommen: Wie auch, dass Christus aus ihrem Volk würde geboren werden {Hebr 11}.

3. Und da sie ihn nicht länger verbergen konnte, machte sie ein Kästlein von Rohr und verklebte es mit Ton und Pech und legte das Kind hinein und legte ihn in das Schilf am Ufer des Wassers.

Nicht länger: Sondern nunmehr alle stand und Augenblick musste gewärtig sein, dass man kommen würde und das Kind zum Tode hinreißen: Da erdenkt sie ein Mittel, wie es könnte beim Leben erhalten werden.

Pech: Damit das Wasser nicht durchdringen konnte.

Schilf: Da das Wasser keinen starken Lauf hatte, damit das Kind desto weniger Schaden nehmen möchte. Befahl ihn also ohne Zweifel mit vielen Tränen der göttlichen Güte und gnädigen Vorsehung.

4. Aber seine Schwester stand von ferne, dass sie erfahren wollte, wie es ihm gehen würde.

Seine: Des Kindes, welche Mirjam hieß, deren später zu öfter Meldung geschieht.

Erfahren wollte: Damit sie der traurigen und betrübten Mutter, welche dem Jammer nicht länger zusehen konnte, wie das Kind auf dem Wasser fortgetrieben wurde und vor großem Herzeleid hinweggegangen war, die Nachricht brächte, was es für ein Ende oder Ausgang mit dem Knaben nahm.

5. Und die Tochter des Pharaos ging hernieder und wollte baden im Wasser; und ihre Jungfrauen gingen an den Rande des Wassers. Und da sie das Kästlein im Schilf sah, sandte sie ihre Magd hin und ließ es holen.

Ging: Nämlich eben zur selben Zeit, da das Kind ausgelegt wurde. (Ist dieses ein Exempel der wunderbaren Güte Gottes, der für die kleinen Kinder so wohl als für die Alten sorgt)

Baden: Nach ihrer Gewohnheit.

Sie: Die Tochter des Pharaos.

6. Und da sie es auftat, sah sie das Kind; und siehe, das Kindlein weinte. Da jammerte es sie, und sprach: Es ist der hebräischen Kindlein eins.

7. Da sprach seine Schwester zu der Tochter des Pharaos: Soll ich hingehen und der hebräischen Weiber eine rufen, die da säugt, dass sie dir das Kindlein säuge?

Seine Schwester: Nämlich des Kindes, welche bald die Gelegenheit zur Erhaltung ihres Bruders an die Hand genommen hat.

8. Die Tochter des Pharaos sprach zu ihr: Gehe hin! Die Jungfrau ging hin und rief des Kindes Mutter.

Gehe hin: Und bringe mir ein solches Weib her.

Mutter: Taten doch alle beide nicht dergleichen, als ob das Kind ihnen angehörte.

9. Da sprach des Pharaos Tochter zu ihr: Nimm hin das Kindlein und säuge mir es, ich will dir lohnen. Das Weib nahm das Kind und säugte es.

Lohnen: Denn es wusste die Tochter des Pharaos nicht, dass sie das Kind seiner Mutter übergab, welche es für die größte Guttat geachtet, wenn sie es auf ihren Kosten hätte dürfen ernähren: Siehe, so wird ihr noch jetzt der Lohn dazu gegeben, dass sie das Kind säugt. (Denn wenn Gott aus Glauben angerufen wird, so pflegt er mit Abwendung des Bösen und Schenkung der wahren und heilsamen Güter mehr zu geben, als wir hätten bitten oder begehren dürfen. Und welche das Ihrige um Gottes willen und aus Glauben in Gefahr setzen, die empfangen es häufig und mit Freuden wieder.)

10. Und da das Kind groß wurde, brachte sie es der Tochter Pharaos, und es wurde ihr Sohn; und hieß ihn Mose, denn sie sprach: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.

Groß wurde: Nämlich, da sie ihn entwöhnt hatte, und er jetzt in dem Alter war, da die Kinder den Eltern pflegen die größten Vergnügen zu machen: damals hat sie ihn der Tochter Pharao wieder zugeführt und übergeben, wie sie miteinander übereingekommen waren, weil sie hoffte, dass er ihr angenehm sei und sie ihre Freude und Vergnügen mit ihm haben könnte.

Ihr Sohn: Das ist: Sie liebte ihn und aus königlicher Freigiebigkeit, dazu auch, weil sie ein besonderes Mitleiden mit ihm hatte, welches denn im weiblichen Geschlechte mehr haftet als bei den Männern, so nahm sie ihn für ihren Sohn auf: Und erzog also unwissend den auf, der das Volk Gottes aus ihrer Dienstbarkeit erlösen sollte.

Mose: (Nach Luther) Masa heißt ziehen, daher heißt Mose gezogen nämlich aus dem Wasser {Apg 7v24 v25}.

Gezogen: Denn der Name Mose hat in hebräischer wie auch ägyptischer Sprache, die damals nicht so ungleich waren, seine Bedeutung vom Ausziehen. (Also gebraucht unsere Herr Gott bisweilen auch seiner Feinde Dienst und Vorhaben zu Erhaltung seiner Kirchen.)

11. Zu den Zeiten, da Mose war groß wurden, ging er aus zu seinen Brüdern und sah ihre Last und wurde gewahr, dass ein Ägypter schlug seiner Brüder, der hebräischen, einen.

Groß wurden: Und in aller Weisheit der Ägypter unterwiesen war, wie Stephanus bezeugt {Apg 7v22}. Also, dass er von wegen seiner Weisheit und seines Verstandes wie auch von wegen seiner vortrefflichen Taten, die er bereits verrichtet zu Hof, ein großes Ansehen bekommen hat, nachdem er das vierzigste Jahr seines Alters erreicht v. 23. Da er aber durch den Glauben, den er an die göttliche Verheißung so vorzeiten seinen Vätern geschehen war und vernahm, dass er nicht durch der Ägypter falsche Abgötterei und Gottesdienst, sondern durch den gesegneten Samen des Weibes(Christus) Vergebung der Sünden und das ewige Leben erlangen müsste: Sah er es für das Beste an, dass er sich zum Volk Gottes hielte, welches die Verheißung hätte von Christo und von der Einnahme des Landes Kanaan. Als dass er sich wider sein Gewissen mit der Ägypter Gottlosen Abgötterei verunreinigen oder der Verfolgung damit dem Volk Gottes heftig zugesetzt wurde, teilhaftig machen sollt: Zog also die ewige Seligkeit den zeitlichen Gütern weit vor, wie der Apostel im Hebräer von ihm bezeugt. Darum er allerdings sich dahin entschlossen hatte, dass er des Gottlosen und tyrannischen Königs Hof verlassen und zu seinen Brüdern, den Israeliten, treten wollte und mit denselben viel lieber allerlei Ungemach und Schmach um Christi willen leiden, als mit bösem Gewissen an des Königs Hof der zeitlichen Freude und Ergötzlichkeit des Leibes genießen: Darum er auch nicht mehr ein Sohn der Tochter des Pharaos heißen wollte noch länger an solch gottlosen Hof bleiben.

Aus: Also dass er den königlichen Hof ganz und gar verließ. (Denn das ist des rechten Glaubens Art, dass er sich durch die guten Werke erzeigt und hervortut. Und da es sich zutragen sollt, dass wir bei großem Gut und Glück ohne Verletzung unseres Gewissens nicht bleiben können, so sollen wir viel eher die Austreibung ins Elend und andere allerhand Beschwerlichkeiten auf uns laden, als mit bösem Gewissen still sitzen damit wir nicht aus dem Himmelreich verstoßen werden.)

Last: Die sie aus Zwang und von den Ägyptern unrechter- und tyrannischerweise dazu gedrungen, tragen mussten: Welches ihn heftig verdrossen hat, darum er bald aus Anregung und Eingebung des Heiligen Geistes bei sich selber darüber zurate ging, welchergestalt das israelitische Volk aus solchem Jammer und Trübsal könnte errettet werden.

Schlug: Darüber Mose sehr erzürnt worden. Deswegen er aus einem besonderen und göttlichem Eingeben sich vorgenommen, solches Unrecht zu rächen wie es Stephan in der Apostelgeschichte Kapitel 7. genügend zu verstehen gibt.

12. Und er wandte sich hin und her, und da er sah, dass kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn in den Sand.

Wand: Damit er sich nicht mutwillig in eine unnötige Gefahr begebe.

Kein Mensch: Der es dem König erzählen möchte.

Erschlug: Dies ist eine besondere Heldentat gewesen, so aus Anregung des Heiligen Geistes geschehen und nicht einem jeden nachzufolgen freisteht.

13. Auf einen anderen Tag ging er auch aus und sah zwei hebräische Männer sich miteinander zanken; und sprach zu dem Ungerechten: Warum schlägst du deinen Nächsten?

Zanken: Denn der Teufel ist immer fleißig, dass er auch unter dem Volk Gottes allerhand Uneinigkeit und Zwietracht erregt.

sprach: Nämlich guter Meinung und dass er meinte, sich gütlich miteinander zu vertragen.

Schlägst du: Unbefugter- und unrechterweise.

14. Er aber sprach: Wer hat dich zum Obersten oder Richter über uns gesetzt? Willst du mich auch erwürgen, wie du den Ägypter erwürgt hast? Da fürchtete sich Mose und sprach: Wie ist das laut geworden?

Sprach: Mit großem Zorn und Unwillen.

Richter: Als wollte er sagen: Was gehen dich fremde Händel an? Sorge für das Deine und lass uns zufrieden.

Erwürgt: Er rückt dem Mose seine zuvor begangene Heldentat böslich auf, der doch auf nichts anderes bedacht war, denn wie er die Uneinigkeit und den Streit zwischen seinen Mitbrüdern hinlegen und Unglück verhüten möchte. (Also geschieht es, dass die Friedemacher und Schiedsleute oft von beiden streitigen Parteien übel empfangen werden, welches doch niemand abschrecken soll, dass er nicht zum Frieden helfen wollte.)

Laut geworden: Wer hat mein Tun an den Tag gebracht?

15. Und es kam vor den Pharao, der trachtete nach Mose, dass er ihn erwürgte. Aber Mose floh vor dem Pharao und hielt sich im Lande Midian und wohnte bei einem Brunnen {Apg 7v29 Hebr 11v27}.

Für Pharao: Wie nämlich Mose einen Ägypter erschlagen hätte.

Floh: Auf dass er Gott nicht versuchte mit allzu großer Freiheit oder Verwegenheit, so hat er sich aus dem Staub gemacht und ist freiwillig aus dem Lande Ägypten ins Elend hinweggewichen.

Hielt sich: Als ein Verjagter ließ er sich im selben Lande am Ersten nieder und ruhte darin.

Brunnen: Dass er sich dort wieder erholte von der Reise. Sobald nun, als Mose den Gottlosen Hof des ägyptischen Königs verlässt und sich zu dem Volk Gottes hält, da kommt er in Armut und Todesgefahr und muss ins Elend ziehen. (Den alle die in Christo gottselig leben wollen, müssen zur Verfolgung und allerlei Trübsal sich gefasst machen. Doch lindert auch Gott den Seinen ihren Unfall wiederum mit Gnaden.) Wie vom Mose gleich darauf weiter folgt.

16. Der Priester aber in Midian hatte sieben Töchter, die kamen, Wasser zu schöpfen, und füllten die Rinnen, dass sie ihres Vaters Schafe tränkten.

Schöpfen: Denn sie waren nicht in Müßiggang und Faulheit auferzogen, sondern von ihren Eltern zur ehrlichen Arbeit angehalten worden.

Tränkten: Aus dem Brunnen, bei welchem Mose sich niedergesetzt hatte, da er müde war von der Reise.

17. Da kamen die Hirten und stießen sie davon. Aber Mose machte sich auf und half ihnen und tränkte ihre Schafe.

Die Hirten: Aus der Nachbarschaft.

Stießen: Das ist: Sie trieben die Mädchen mit Gewalt ab von dem Brunnen, dass sie ihre Herde nicht tränken konnten. (Denn der Stärkere schiebt den Schwächeren in den Sack {Est 3v1 v6 Jer 20v1 v2}.)

Machte sich: Denn er solchen großen Mutwillen der Hirten nicht leiden konnte, als der sich der Gerechtigkeit und Frömmigkeit in allen Dingen bemühte. Darum er aus Anstiftung und Eingeben des Heiligen Geistes den Jungfrauen mit Hilfe beistand und hat sie wider der Hirten Überdrang geschützt. (Denn wir sollen den Unterdrückten zu Hilfe kommen und sie schützen nach unserem Vermögen so viel rechtmäßiger und ordentlicherweise geschehen kann.)

18. Und da sie zu ihrem Vater Reguel kamen, sprach er: Wie seid ihr heute so bald gekommen?

Reguel: Welcher auch mit einem anderen Namen Jethro geheißen {2Mos 18}.

19. Sie sprachen: Ein ägyptischer Mann errettete uns von den Hirten und schöpfte uns und tränkte die Schafe.

Ägyptischer: Dadurch sie Mose verstanden, den sie nicht kannten und für einen Ägypter ansahen.

20. Er sprach zu seinen Töchtern: Wo ist er? Warum habt ihr den Mann gelassen, dass ihr ihn nicht ludet, mit uns zu essen?

Gelassen: Warum habt ihr ihm nicht Herberge angeboten und zu Gast geladen? (Denn man hat sich vorzeiten viel freundlicher und leutseliger gegen den Fremden gestellt, als heutzutage es geschieht.)

Ludet: Aus dem Folgenden ist abzunehmen, dass er nach ihm ausgeschickt und ihn rufen lassen.

21. Und Mose bewilligte, bei dem Manne zu bleiben. Und er gab Mose seine Tochter Zipora.

Bewilligte: Denn da Mose sich eingestellt und Reguel sein aufrichtiges ehrliebendes Gemüt und den gottseligen Wandel aus seinen Reden und Tun erkannt, hat er ihm noch weiter Herberge angeboten und gebeten, dass er bei ihm wohnen wollte.

Gab: Nämlich zur Ehe und zum Weibe. Weil ihn der midianitische Priester von wegen seiner Frömmigkeit von Tag zu Tag immer lieber gewann. (Und soll man mit Bewilligung der Eltern sich verheiraten.)

22. Die gebar einen Sohn: Und er hieß ihn Gersom; denn er sprach: Ich bin ein Fremdling geworden im fremden Lande. (Und sie gebar noch einen Sohn, den hieß er Elieser, und sprach: Der Gott meines Vaters ist mein Helfer und hat mich von der Hand Pharaos errettet)

Gersom: (Nach Luther) Heißt ein Fremdling oder Ausländer, wie denn die Ursache solchen Namens gleich später gesetzt wird.

Fremdling: Aber Gott hat mich mit gnädigen Augen angesehen und der unbekannten Leute Herzen und Gemüter mir geneigt gemacht. Dazu hat er mir Weib und Kind beschert und mir einen frommen tugendhaften Mann zum Schwager gegeben. (Sollen deswegen fromme gottselige Leute in der Fremde gute Hoffnung haben, und wenn ihnen Gott geholfen hat, der göttlichen Guttaten bedenken und ihm dafür danken.)

Und sie gebar: (Nach Luther) Es stehen diese Worte nicht im hebräischen Text, sondern sind aus dem 18. Kapitel v. 3. dieses Buches hierher gezogen.

Eli Eser: (Nach Luther) Heißt Gott mein Helfer.

Hand Pharao: Der mir nach dem Leben stand.

23. Lange Zeit aber danach starb der König in Ägypten. Und die Kinder Israel seufzten über ihre Arbeit und schrien; und ihr Schreien über ihre Arbeit kamen vor Gott.

Der König: Welcher die jungen Kindlein der Israeliten ins Wasser werfen und den Israeliten allerlei schwere Lasten aufgelegt hatte. Doch hat sich ihr Unglück mit seinem Tod nicht beendet, denn seine Nachkommen waren nicht um ein Haar besser gewesen als er. (Denn es geschieht selten dass auf die Tyrannen bessere später folgen, in der Regierung ja wohl oftmals ärgere als die vorigen.)

Schreien: Zu dem Herrn ihrem Gott dass er sie aus solcher schweren Dienstbarkeit erlösen wollte.

Arbeit: Damit sie beschwert wurden.

24. Und Gott erhörte ihr Wehklagen und gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob.

Erhört: Das ist: Er hat solchem großen Unrecht nicht länger zusehen wollen.

Bund: Den er mit ihren Voreltern den Patriarchen gemacht hatte. Also dass Gott die Israeliten nicht um ihrer Gerechtigkeit willen aus solcher Dienstbarkeit erlöst hat, denn nicht wenig Abgöttische unter ihnen gewesen sind {Hes 20}, sondern ihr Elend und die Verheißung, so er ihren Vätern getan haben, ihn dazu bewegt, weil er denselben zugesagt und verheißen hatte, dass er ihrer Nachkommen sich gnädiglich annehme, sie aus dem Gefängnis und Dienstbarkeit zu retten {1Mos 15v14} und das Land Kanaan ihnen zu besitzen geben wollte. Deswegen wusste er wohl, dass jetzt die Zeit vorhanden war, da er solches wollte ins Werk richten.

25. Und er sah hinein und nahm sich ihrer an.

Sah hinein: Das ist: Da es bei den unglückhaften Israeliten das Ansehen hatte, als hätte Gott ihrer vergessen oder wüsste nicht, wie man mit seinem Volk umginge, da hat er sich nicht mehr vor ihnen verbergen wollen und im Werke und mit der Tat angefangen, sich zu zeigen, dass er sie nicht aus der acht gelassen, sondern sehe ihr Unglück und sorge für sie. Was aber der Anfang zu ihrer Erlösung war, wird das folgende Kapitel lehren.


Das 3. Kapitel


I. Als Mose seines Schwagers Schafe hütet, erscheint ihm Gott in einem brennenden Busch, der doch nicht verbrannte v. 1. II. Und ruft ihn, dass er ihn zum Pharao sende und zu den Israeliten, welche er aus Ägypten führen soll v. 4. III. Da nun Mose Gott fragte, wie er heiße, offenbart er ihm seinen Namen Herr v. 13.

1. Mose aber hütete die Schafe Jethros, seines Schwagers, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe hinter in die Wüste und kam an den Berg Gottes Horeb.

Hütet: Und hatte in solchem Stande vierzig Jahr zugebracht, wie aus dem 7. Kapitel der Apostelgeschichte zu sehen ist. (Denn welche in ihrem Beruf fleißig sind, die pflegt Gott zu höheren und größeren Sachen zu gebrauchen)

Berg Gottes: Welcher später von den Israeliten also ist genannt worden, da Mose dies beschrieb, nicht allein darum, dass sich Gott dem Mose am selben Ort erstlich geoffenbart, sondern auch, weil er später das Gesetz auf demselben mit großer Majestät und Herrlichkeit gegeben hat. Und ist derselbe Berg in der Wüste Arabia gelegen, welche Sinai heißt und mit einem anderen Namen genannt wird Horeb.

2. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Busch. Und er sah, dass der Busch mit Feuer brannte, und wurde doch nicht verzehrt.

Der Engel: Das ist: Der Sohn Gottes, der an diesem und etlichen mehreren Orten der Heiligen Schrift darum ein Engel genannt wird, weil er zu seiner Zeit durch die Menschwerdung von seinem himmlischen Vater in diese Welt würde gesandt werden. Denn das Wörtlein Engel in seiner sprach so viel heißt als ein Gesandter.

Flammen: Das ist: In Gestalt einer Feuerflamme so mitten aus dem Busch hervorleuchtete.

Sah: Mit großer Verwunderung.

Nicht verzehrt: Denn es hat Gott Mose mit diesem Wunderzeichen aufmuntern und in seinem Glauben stärken wollen, damit er gewisslich und ohne Zweifel schließen könnte, es wären göttliche Weissagungen und Befehle, was er da hören würde.

3. Und sprach: Ich will dahin und besehen dies große Gesicht, warum der Busch nicht verbrennt.

Sprach: Bei sich selbst.

Gesicht: Das seltsame Wunder. Die Alten haben es davor gehalten, dass die Menschwerdung des Sohnes Gottes in diesem Gesicht sei vor- und abgebildet worden. Denn gleich, wie der Busch von dem Feuer erleuchtet und doch nicht verzehrt wird, also wird die Menschheit Christi, von wegen der persönlichen Vereinigung mit der göttlichen Natur, erleuchtet mit göttlicher Herrlichkeit und doch nicht verzehrt noch in die Gottheit verwandelt.

4. Da aber der Herr sah, dass er hinging zu sehen, rief ihm Gott aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.

Hinging: Näher hinzutrat.

5. Er sprach: Tritt nicht herzu! Zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der Ort, da du auf stehst, ist ein heiliges Land.

Schuh: Auf dass du diesen Ort mit denselben nicht verunreinigst. (Es wird aber durch die Ausziehung der Schuhe bedeutet, dass diejenigen, welche mit Gott reden, das ist, beten wollen, alle Unreinigkeit des Lebens ausziehen und von sich ablegen müssen)

Heiliges Land: Es nennt Gott diesen Ort heilig, nicht der Meinung, dass er an sich selber heiliger wäre als andere Örter, sondern weil sich Gott darin mit seinem Wort offenbarte und willens war, und künftig durch Auskündigung des Gesetzes sich noch klarer und deutlicher zu offenbaren.

6. Und sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen {Mt 22v32 Mk 12v26 Lk 20v37 Apg 7v31 v32}.

Ich bin: Das ist: Ich bin derselbe Gott, der ich mich deinen Vätern Abraham Isaac und Jacob geoffenbart habe, die mich auch durch den Glauben erkannt und ehrten, die ich auf Erden väterlich erhalten und obwohl sie an ihren Leibern hier zeitlich gestorben sind, so leben sie doch mit ihren Seelen vor mir in der ewigen Seligkeit.

Verhüllte: Denn er über die offenbare unverhoffte Gegenwart des allmächtigen Gottes sich entsetzt. Und ist die menschliche Natur viel zu schwach dazu, als dass sie könnte eine etwas hellere Offenbarung der Majestät Gottes erdulden.

7. Und der Herr sprach: Ich habe gesehen das Elend meines Volkes in Ägypten und habe ihr Geschrei gehört über die, so sie treiben; ich habe ihr Leid erkannt.

Gesehen: Das ist: Obwohl ich zuvor immer gesehen habe, wie es ihnen gegangen und wie sie bedrängt wurden, auch wohl gehört habe, wenn sie zu mir geschrien haben. Weil aber die Zeit ihrer Erlösung noch nicht vorhanden war, hab ich mich so gestellt, als ob ich weder sehe, noch hörte, was ihnen widerführe. Jetzt aber kann ich nicht länger stillschweigen von wegen der Unbarmherzigkeit ihrer Treiber, die meinem Volk gar zu schwere Bürden aufladen. Denn ich weiß, in was großen Ängsten mein Volk steckt. Darum will ich mich ihnen offenbaren, dass ich bei ihnen gegenwärtig bin und will sie erretten.

8. Und bin herniedergefahren, dass ich sie errette von der Ägypter Hand und sie ausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, nämlich an den Ort der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter.

Fließt: Das ist: In welchem sie aller Dinge, deren sie bedürfen, einen Überfluss haben werden, denn es ist ein sehr lustiges und fruchtbares Land.

Jebusiter: Denn dieselben Völker alle miteinander wohnten damals im gelobten Land, welches den Patriarchen verheißen war. Dasselbe (spricht Gott) will ich den Israeliten einräumen und sie nicht länger in Ägypten lassen.

9. Weil denn nun das Geschrei der Kinder Israel vor mich kommen ist, und habe auch dazu gesehen ihre Angst, wie sie die Ägypter Ängsten,

10. so gehe nun hin, ich will dich zum Pharao senden, dass du mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten führst.

Pharao: Dem Könige in Ägypten.

Aus Ägypten: Aus der elenden Dienstbarkeit. (Denn Gott weiß seinem Volk, wenn es unterdrückt wird, zur rechten Zeit zu Hilfe zu kommen und verachtet ihr Wehklagen und Seufzen nicht.)

11. Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Kinder Israel aus Ägypten?

Wer bin: Weil Mose bei sich betrachtet und zu Gemüt führt, wie es zwar eine sehr herrliche und gewaltige Tat sei, aber wiederum gar schwer und viel Gefahr auf sich habe, dies arme unterdrückte Völklein aus solcher tyrannischer Dienstbarkeit zu erlösen. So achtet er sich zu gering und zu schwach dazu, dass er solches verrichten könnte. (Denn dass einer mäßig von sich selber hält, ist eine Tugend die Gott wohl gefällt {1Petr 5v5}.)

12. Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge.

Ich will: Als wollte er sagen: Ich weiß sehr wohl, dass du kein Ansehen noch Kräfte dazu hast, ein solches zu verrichten, so viel an dir ist. Aber sei getrost, ich will dir mit meiner Gegenwart beistehen, dir ein Ansehen machen, dazu Rat Hilfe und Beistand tun.

Zeichen: Das ist: Ich verheiße dir für gewiss, dass du mein Volk aus Ägypten führen soll ,und nicht allein das, sondern sage dir noch dazu, dass du und das israelitische Volk eben an diesem Ort da du jetzt und bei mir bist, mir dienen werdet, dazu wirst du mit der Tat überwiesen und bekennen müssen, dass ich wahrhaft gewesen bin.

13. Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mir sagen werden: Wie heißt sein Name? Was soll ich ihnen sagen?

Spreche: Auf deinem Befehl.

Sie: Die Kinder Israel.

Name: Nämlich desselben Gottes, der dich zu uns gesandt hat und sagen werden, wir wissen nicht, was du uns für einen Gott verkündigst. Er sei gleich, wer er wolle, so hat er sich unser bisher in unserem Elende wenig angenommen.

14. Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: Also sollst du den Kindern Israel sagen: Ich werde es sein, der hat mich zu euch gesandt.

Ich werde es sein (Nach Luther) Wenn ihr dahin kommt, so will ich bei euch sein und mich so erzeigen, dass ihr erkennen sollt, dass ich es sei.

Werde es sein: Als wollte er sagen: Was fragst du viel nach meinem Namen? Ich will in der Tat und Wahrheit eben derselbe Gott sein, der ich kurz zuvor zu dir gesprochen habe: Ich will mit dir sein: Das ist: Ihr sollt erfahren und innewerde, dass ich euer Gott und Helfer sein will, den ich mich zu sein verheißen habe, sofern ihr nur an mich glauben wollte. Also werdet ihr mich viel besser aus den Taten und Werken als aus dem Namen erkennen. (Denn es wird Gott aus seinen Werken etlichermaßen erkannt {Röm 1v20}.)

Werde es sein: Das ist: Derselbe wahrhaftige Gott, der mit uns und unser Helfer sein wird, und uns seine Güte und Macht mit der Tat erklären wird, der hat mich jetzt zu euch gesandt.

15. Und Gott sprach weiter zu Mose: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: Der Herr, eurer Väter Gott, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name ewig, dabei soll man mein denken für und für.

Herr: Im Hebräischen steht das Wörtlein Jehova, welches den einigen wahren Gott bedeutet, wie er in seinem göttlichen Wesen ist, und hat vier Buchstaben: Der Erste Jod bedeutet Gott den Vater; der anderer He, den Sohn Gottes, wie er vom Vater von Ewigkeit her geboren ist, der dritte Bau, Gott den Heiligen Geist; der vierte, nämlich das anderer He, zeigt auf die Menschheit Christi, welcher wegen er auch ein Sohn des Menschen genannt wird. Obwohl derselbe Name in seiner Sprache und nach seiner Art kann gelesen werden, dass er Jehova lautet, so halten ihn doch die Juden in so hohen Ehren, dass sie ihn auch vor großer Ehrerbietung nicht nennen dürfen, und heißen ihn den unaussprechlichen Namen Gottes. Er wird in der Heiligen Schrift nirgend einer bloßen Kreatur zugeeignet, sondern nur allein dem wahren Gott in einem einigen Wesen und drei Personen. Da er auch bisweilen Christo gegeben wird, geschieht es darum, weil er von Natur ein wahrer Gott ist und die ganze Völle der Gottheit leibhaftig in ihm wohnt {Kol 2v9}. Im Deutschen brauchen wir das Wörtlein Herr, weil wir kein besseres haben, und wird zum Unterschied von anderen leiblichen oder weltlichen Herren mit großen Buchstaben geschrieben.

Väter Gott: Der sich euren Vätern geoffenbart hat und den sie im Glauben und rechtem Gehorsam geehrt und angebetet haben, der ihnen auch das ewige Leben geschenkt hat, dass sie noch vor ihm im Leben sind in alle Ewigkeit.

Nennen soll: Das ist: Ich will künftig immer diesen Namen haben. Nicht allein dieweil ihr lebt, sondern es sollen auch eure Nachkommen wissen bis ins tausendste Glied, dass dies mein Name sei. Und obwohl der Name Herr oder Jehova auch im 1. Buch Mose gelesen wird so, ist er doch darum den Patriarchen nicht bekannt gewesen, sondern es hat Mose, da er der Patriarchen Geschichte beschrieben hat, solche Wörter und Name Gottes gebraucht wie sie zu seiner Zeit, da er lebte, üblich waren, denn wie das Wörtlein Jehova auch eines war. Und wird später im 6. Kapitel ausdrücklich gemeldet, dass dieser Name den Vätern Abraham Isaac und Jacob nicht geoffenbart wurde.

16. Darum so gehe hin und versammle die Ältesten in Israel und sprich zu ihnen: Der Herr, eurer Väter Gott, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, und hat gesagt: Ich habe euch heimgesucht und gesehen, was euch in Ägypten widerfahren ist.

Ältesten: Die vor anderen im Volk ein Ansehen haben.

Heimgesucht: Das ist: Meine Zeit ist jetzt vorhanden, dass ich mich euer in Gnaden annehme.

17. Und habe gesagt: Ich will euch aus dem Elend Ägyptens führen in das Land der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter, in das Land, darin Milch und Honig fließt.

Gesagt: Das ist: Ich hab bei mir beschlossen dass ich das große Unrecht, so euch zugefügt wird, nicht länger leiden will.

Elende: Damit ihr geplagt werdet.

Jebusiter: Denn dieselben Völker wohnten damals im gelobten Lande.

fließt: Das ist, welches sehr lustig und fruchtbar ist.

18. Und wenn sie deine Stimme hören, so sollst du und die Ältesten in Israel hineingehen zum Könige in Ägypten und zu ihm sagen: Der Herr, der Hebräer Gott, hat uns gerufen. So lass uns nun gehen drei Tagesreisen in die Wüste, dass wir opfern dem Herrn, unserem Gott.

Hören: Dass sie solche fröhliche Botschaft mit Freuden annehmen und dir glauben.

Hebräer Gott: Das ist: Der Gott unserer Väter, welche Israeliten waren, wie auch wir sind.

Gerufen: Oder befohlen hat, dass wir ihm außerhalb des Landes Ägypten einen Gottesdienst erzeigen sollen.

So lass: Das ist: Erlaube uns, dass wir mit unseren Weibern Kindern und aller Habe mögen hinausziehen. Es heißt sie aber Gott, ihre Flucht zu verschweigen, welche sie vorhatten, da sie aus Ägypten ins verheißene Land ziehen wollten. Denn sie nicht schuldig waren, dem Pharao anzuzeigen, dass sie Gott aus Ägypten abforderte. (Ist deswegen das Schweigen nicht immer Unrecht oder Sünde, sondern häufig eine Klugheit, damit nicht, wenn wir im denkbar ungünstigsten Moment unsere Meinung rund heraus erklären und an Tag geben, unsere Hoffnung und Anschläge zurückgehen und verhindert werden.)

19. Aber ich weiß, dass euch der König in Ägypten nicht wird ziehen lassen ohne durch eine starke Hand.

Starke Hand: Das ist: Bis ich ihn mit Gewalt zwinge und dahin anhalte, dass er euch endlich muss ziehen lassen, wie ich denn tun will.

20. Denn ich werde meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit allerlei Wundern, die ich darin tun werde. Danach wird er euch ziehen lassen.

Ausstrecken: Das ist: Ich will meine Macht erzeigen und sehen lassen, das Königreich Ägypten zu strafen.

Tun werde: Das ist: Alle Wunderzeichen, die ich werde in Ägypten geschehen lassen, will ich dahin richten, dass sie dem Königreich Ägypten zur Strafe gereichen sollen, damit ich die Tyrannei an ihnen räche, die sie an euch geübt haben. Darum will vonnöten sein, dass ihr glaubt und geduldig seid, damit nicht, wenn ihr des Königs Pharao verstockte Bosheit sehen werdet, dass er euch nicht lassen will, ihr darum an eurer Erlösung verzagt.

Lassen: Nachdem er durch viel Wunderzeichen und Plagen genügend gestraft wurde.

21. Und ich will diesem Volk Gnade geben vor den Ägyptern, dass, wenn ihr auszieht, ihr nicht leer auszieht {1Mos 15v14 2Mos 11v2}.

Ägyptern: Dass alles, was die Israeliten von den Ägyptern begehren werden, sie leicht erlangen können.

22. sondern ein jegliches Weib soll von ihrer Nachbarin und Hausgenossin fordern silberne und goldene Gefäße und Kleider; die sollt ihr auf eure Söhne und Töchter legen und den Ägyptern entwenden.

Fordern: Das ist: Eure Weiber sollen von den ägyptischen Weibern leihen, das heißt, allerlei köstlichen Hausrat, die besten Kleider, schönen Schmuck und Zierden, goldenes und silbernes Geschirr unter dem Schein, als wolltet ihr solche Ding nur so lange gebrauchen, bis ihr euer Fest und Opfer in der Wüste verrichtet und danach einem jeden das Seine wiederum zustellt, wenn ihr zurückkommt. Ich aber will verschaffen, dass die Ägypter zur selben Zeit euch nichts abschlagen werden. Wenn ihr nun solche Güter und Reichtümer der Ägypter bekommen habt, sollt ihr ihnen nichts wiedergeben.

Legen: Dass sie alles mit sich tragen ins Land Kanaan. Es taten aber die Israeliten keine Sünde daran, dass sie die Ägypter also beraubten, denn sie hatten deshalb einen besonderen ausdrücklichen Befehl von Gott. Und geschah den Ägyptern nicht unrecht, weil er die ganze Welt ist und der alles erschaffen hat, ihnen ihre Güter nimmt und gibt sie den Israeliten, denen sie ihren gebührenden Lohn eine lange Zeit vorgehalten und sie vergebens ihnen zu dienen mit Unbarmherzigkeit gezwungen hatten. (Und geschieht es noch heutzutage, dass Gott zu seiner Zeit, die zu Unrecht Gut besitzen, davonstößt, dass sie es nicht lange genießen können, und gibt es, wem er will. Wie aber niemand zugelassen ist, dass er einen Totschlag begehe, er habe denn einen besonderen Befehl von Gott oder trage das Amt einer ordentlichen Obrigkeit. Also soll man dies Exempel des Diebstahls oder Raubs nicht freventlich begehren nachzutun.)


Das 4. Kapitel


I. Mose entschuldigt sich, auf dass er nicht durfte nach Ägypten ziehen. Aber Gott hält bei ihm an und gibt ihm Befehl an den König, heißt ihn auch, dreierlei Wunderzeichen tun, v. 1. II. Wie nun Mose mit seinem Weib und seinen Kindern nach Ägypten zieht, muss Zipora ihren Sohn wider ihren Willen beschneiden, v. 18. III. Aaron kommt seinem Bruder Mose entgegen und bringt mit ihm den Israeliten die göttliche Botschaft, durch welche die Israeliten erfreut werden v. 27.

1. Mose antwortete und sprach: Siehe, sie werden mir nicht glauben noch meine Stimme hören, sondern werden sagen: Der Herr ist dir nicht erschienen.

Glauben: Als wollte er sprechen: Mir zweifelt zwar nicht, du bist der wahrhaftige Gott meiner Väter und merken, dass du mich dazu geordnet hast, dass ich die Kinder Israel aus Ägypten führen soll. Aber sie, die Israeliten, zu denen du mich sendest, werden meinen Worten keinen Glauben geben, dass ich Befehl von dir habe, sie zu erlösen.

Hören: Sie werden sich nicht überreden lassen, dass es also sei, wie ich ihnen sage.

Nicht erschienen: Du wirst vielleicht die Sache auf unsere Gefahr spielen und anfangen wollen, nur damit du dadurch einen Namen bekommst. Und wenn es würde einen bösen Aufstand gebe, so würden wir herhalten und deshalb gestraft werden. (So groß ist unsere Schwachheit, wenn man uns heißt, unserem Beruf nachzukommen.)

2. Der Herr sprach zu ihm: Was ist, das du in deiner Hand hast? Er sprach: Ein Stab.

Was ist es: Gott hält mit dem Mose ein so freundliches Gespräch, wie ein Freund mit dem anderen spricht.

3. Er sprach: Wirf ihn von dir auf die Erde! Und er warf ihn von sich; da wurde er zur Schlange. Und Mose floh vor ihr.

Schlangen: Weil Gott mit seiner Allmacht solches zuwege brachte.

4. Aber der Herr sprach zu ihm: Strecke deine Hand aus und erhasche sie bei dem Schwanz. Da streckte er seine Hand aus und hielt sie; und sie wurde zum Stab in seiner Hand.

Strecke: Als wollte er sagen: Du darfst dich nicht vor ihnen fürchten.

Seiner Hand: Das ist: Weil er die Schlange mit der Hand beim Schwanz hielt, ist sie bald wiederum in den Stab verwandelt worden. Dies erste Wunderzeichen (will Gott sagen) sollst du den Kindern Israel zeigen.

5. Darum werden sie glauben, dass dir erschienen sei der Herr, der Gott ihrer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs.

Glauben: (Denn die Wunderzeichen, welche die Propheten Christus und die Apostel getan haben, sind gleichsam als Siegel und Merkzeichen, dadurch ihre Lehre bestätigt wurde. Und bedeutet dieser Stab, der in eine Schlange verwandelt war, das Amt Mose, nämlich die Predigt des Gesetzes, welches das Ansehen hat, als ob es uns auffressen wollte, bis wir es am Ende zu fassen bekommen, das heißt: Bis wir verstehen, wie es darum gegeben sei, dass wir nach der Erkenntnis unsere Sünden und wenn wir von Herzen davor erschrecken, unsere Zuflucht zu Christo haben.)

6. Und der Herr sprach weiter zu ihm: Stecke deine Hand in deinen Busen. Und er steckte sie in seinen Busen und zog sie heraus; siehe, da war sie aussätzig wie Schnee.

Stecke: Als wollte er sagen: Ich will dir noch ein anderes Wunder zeigen, dass du vor den Kindern Israel tun sollst.

Schnee: Denn das ist die Farbe eines rechten Aussatzes.

7. Und er sprach: Tu sie wieder in den Busen. Und er tat sie wieder in den Busen und zog sie heraus; siehe, da wurde sie wieder wie sein anderes Fleisch.

Fleisch: Das ist: Sie war nicht aussätzig. Sondern wiederum gesund. (Dies Wunderzeichen bedeutet, wie das Amt Mose uns aussätzig macht, das ist: Es zeigt uns den Aussatz der Sünden, davon wir später durch Christus gereinigt werden {Gal 3v19 v22 v24 v26 v27}.)

8. Wenn sie dir nun nicht werden glauben noch deine Stimme hören bei einem Zeichen, so werden sie doch glauben deiner Stimme bei dem anderen Zeichen.

Anderen Zeichen: Das ist: Wenn sie sich durch das erste Wunderzeichen mit dem Stabe sich nicht wollen bewegen lassen, dass sie glauben, du bist von Gott gesandt, so wird doch dies andere Zeichen so viel bei ihnen ausrichten, dass sie deine Rede nicht allerdings in den Wind schlagen können.

9. Wenn sie aber diesen zwei Zeichen nicht glauben werden noch deiner Stimme hören, so nimm des Wassers aus dem Strom und gieß es auf das trockne Land, so wird dasselbe Wasser, das du aus dem Strom genommen hast, Blut werden auf dem trocknen Lande.

Glauben: Dass du von Gott gesandt bist.

Blut werden: Dies dritte Wunderzeichen bedeutet, dass unsere Werke durch Mose Amt blutig, das heißt, unrein werde. Aber wir werden durch das allerreinste Blut des Sohnes Gottes von solcher unsere Unreinigkeit gesäubert und abgewaschen {1Joh 1v7}.

10. Mose aber sprach zu dem Herrn: Ach, mein Herr, ich bin je und je nicht wohl beredet gewesen, seit der Zeit du mit deinem Knecht geredet hast; denn ich habe eine schwere Sprache und eine schwere Zunge.

Sprach: Nachdem er der Wichtigkeit seines ihm anbefohlenen Amtes und was große Ding er zu verrichten hätte weiter nachgedacht.

Schwere Sprache: Das ist: Ich bitte dich, du wollest mich nicht für deinen Gesandten zu den Israeliten und dann weiter zum König abfertigen. Denn obwohl du mir die Gabe, Wunderzeichen zu tun, mitteilen willst. So urteile ich doch, dass ich etliche Zeit her übel beredet bin; und besonders jetzt, da du mit mir geredet hast, empfinde ich nicht, dass ich daher beredeter worden bin, sondern bin vielmehr durch deine Erscheinung und Erklärung deiner Gegenwart so erschrocken, dass ich viel schwerer reden kann als zuvor. Darum achte ich mich nicht tauglich genug dazu, dass ich den Israeliten deinen Befehl vortrage. (Denn je näher wir zu Gott kommen und mit ihm gleichsam in Kundschaft geraten, je ungeschickter wir uns selber fühlen zu Verrichtung wichtiger Sachen {Lk 24v25 v26 v27 v28 v29 v30 v31 v32}.)

11. Der Herr sprach zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen oder wer hat den Stummen oder Tauben oder Sehenden oder Blinden gemacht? Habe ich es nicht getan, der Herr {Ps 94v9}?

Wer hat: Gerade, als stünde es nicht bei mir und in meiner Macht, dass ich dir so viel gutes Reden und Sprache mitteilen könnte, als du zu diesem deinem Amt nötig ist, der ich doch den Menschen kann beredet oder stumm hörend oder taub sehend oder blind machen. (Darum wenn wir wollen die Gabe der guten Rede erlangen, so müssen wir sie von Gott bitten und seine Ehre samt der Kirchen Heil anwenden und gebrauchen.)

12. So gehe nun hin: Ich will mit deinem Munde sein und dich lehren, was du sagen sollst {Mt 10v19}.

Gehe: Folge deinem Beruf, dass du ausrichtest, was ich dir befohlen habe, und darfst nicht auf dein Wohl oder Übel reden achthaben, sondern sollst auf meine Verheißung und Hilfe dich verlassen, darauf ich dich vertröstet habe.

Munde: Das ist: Ich will durch dich reden und deine Zunge regieren.

Sagen: Nämlich beide vor den Israeliten und vor dem Könige Pharao.

13. Mose sprach aber: Mein Herr, sende, welchen du senden willst!

Sprach: Denn er solche große und hochwichtigen Sachen noch nicht auf sich nehmen dürfte. Zudem fürchtete er seiner Haut, weil er des Totschlags noch nachdenkt, den er in Ägypten begangen hatte.

Senden will: Das ist: Lieber suche dir einen anderen aus, den du hinsendest, und lege mir solche große Bürde nicht auf den Hals.

14. Da wurde der Herr sehr zornig über Mose und sprach: Weiß ich denn nicht, dass dein Bruder Aaron aus dem Stamm Levi beredet ist? Und siehe, er wird herausgehen dir entgegen, und wenn er dich sieht, wird er sich von Herzen freuen.

Sehr zornig: Nicht dergestalt, wie er über die Gottlosen zürnt, welche er verdammt, sondern wie ein Vater über seinen Sohn unwillig wird, wenn er nicht recht tut, den er darum züchtigt zur Besserung, aber nicht hasst.

Weiß ich: Als wollte er sprechen: Weil dich es denn ja so schwer erscheint, diese Sache allein auf dich zu nehmen, darum dass du nicht wohl beredet bist. Siehe, so will ich dir dieses Hindernis auch aus dem Wege räumen, und deiner Schwachheit etwas zugutehalten. (Denn Gott, der Herr, verstößt die Schwachen nicht, sondern richtet sie auf und stärkt sie.)

Aaron: Welchen ich längst dazu geordnet und ausersehen habe, dass er das Priesteramt verwalten soll, weil er aus dem Stamme Levi ebenso wohl als du seine Herkunft hat, welchem Stamm ich das Priestertum übergeben will.

Gehen: Aus Ägypten auf meinen Befehl.

15. Du sollst zu ihm reden und die Worte in seinen Mund legen. Und ich will mit deinem und seinem Munde sein und euch lehren; was ihr tun sollt.

Reden: Nämlich, was ich dir gesagt habe von der Ausführung der Kinder Israel und von den Wunderzeichen.

Legen: Das ist: Du sollst ihm befehlen, dass er es den Kindern Israel in meinem Namen vorbringe, was du von mir gehört hast.

Und seinem: Es rede gleich du oder er in Ägypten zu den Kindern Israel oder zum Könige Pharao, so will ich eure Zunge dahin richten, dass ihr redet, wie sich es gebührt.

Tun sollt: Nämlich zu jeder Zeit nach der Sachen Beschaffenheit und wie es die Gelegenheit geben wird.

16. Und er soll für dich zum Volk reden; er soll dein Mund sein, und du sollst sein Gott sein {2Mos 7v1}.

Gott sind: Als wollte er sprechen: Du sollst sein Oberherr oder Fürst sein (denn der Name Gottes wird häufig in der Schrift auch der Obrigkeit zugemessen) und soll Aaron gleichsam als zum Kanzler haben in dieser Sache, dem du zu befehlen hast was er in deinem oder viel mehr meinem Namen reden soll.

17. Und diesen Stab nimm in deine Hand, damit du Zeichen tun sollst.

Diesen Stab: Welcher kurz zuvor zur Schlange und denn wieder zum Stab worden ist.

Zeichen: Das ist: Große Wunderwerk, dadurch du dir bei dem israelitischen Volk und denn auch bei dem Könige Pharao ein Ansehen machst und sie dir glauben geben müssen, dass ich dich zu ihnen gesandt habe.

18. Mose ging hin und kam wieder zu Jethro, seinem Schwager, und sprach zu ihm: Lieber, lass mich gehen, dass ich wieder zu meinen Brüdern komme, die in Ägypten sind, und sehe, ob sie noch leben. Jethro sprach zu ihm: Gehe hin mit Frieden.

Ging hin: Nämlich von dem Berge, auf welchem ihm der Herr erschienen war, damit er sich zu der Reise rüstete und gefasst machte, denn er solche auf sich zu nehmen sich nicht länger weigern durfte, noch es weiter abschlagen könne.

Schwager: Dass er mit gebührender Ehrerbietung ihn darum ersuchte und um Erlaubnis anhielt, dass er möchte wieder in Ägypten umkehren.

Leben: Oder was sie tun und wie es ihnen geht, denn es ist richtig, dass ich sie einmal heimsuche. (Und sollen wir unsere Verwandten nicht aus der acht lassen, obgleich wir weit von ihnen sind.) Es verschweigt aber Mose die rechte Ursache seiner Reise und rühmt mit keinem Wort übermütigerweise, wie er so große und hochwichtige Sachen zu verrichten vor ihm habe, sondern er wartet der Zeit, bis er sie ins Werk gerichtet und zu Ende gebracht, was er im Sinn hatte. (Denn wir sollen unsere Anschläge, damit wir umgehen, nicht zur Unzeit aussagen und ans Licht bringen, zur Verhütung allerhand Unrichtigkeit, so diese dazwischenkommen und uns verhindern kann.)

Gehe hin: Als wollte er sagen: Ich kann dir solche ehrliche Bitte nicht abschlagen, wünsche dir darum viel Glück und Heil von Gott zu deiner Reise.

19. Auch sprach der Herr zu ihm in Midian: Gehe hin und zieh wieder nach Ägypten; denn die Leute sind tot, die nach deinem Leben standen.

In Midian: Da er von dem Berge Horeb wieder umkehrte zu seinem Schwager.

zieh: Wie ich dir zuvor befohlen habe.

Tod: Darum darfst du dich keiner Gefahr besorgen von wegen des Totschlags, den du darin vorzeiten begangen hast.

20. Also nahm Mose sein Weib und seine Söhne und führte sie auf einem Esel und zog wieder nach Ägyptenland; und nahm den Stab Gottes in seine Hand!

Stab Gottes: Damit ihm Gott Wunderzeichen zu tun befohlen hatte.

Hand: Dass er sich also der göttlichen Verheißungen erinnerte.

21. Und der Herr sprach zu Mose: Siehe zu, wenn du wieder nach Ägypten kommst, dass du alle die Wunder tust vor dem Pharao, die ich dir in deine Hand gegeben habe; ich aber will sein Herz verstocken, dass er das Volk nicht lassen wird.

Hand gegeben: Das ist: Darüber ich dir Gewalt gegeben, dass du sie tun könntest.

Nicht lassen: Das ist: Ich sage dir hiermit zuvor, wie es gehen wird, auf dass, wenn es geschieht, du nicht an der Erlösung meines Volkes verzagst. Der Pharao ist durchaus gottlos und weder Haut noch Haar ist gut an ihm. Darum wenn er wird mein Wort hören und die Zeichen sehen, die du tun wirst, so wird er dadurch nur desto halsstarriger, widerspenstiger, verstockter und grausamer werden. Nicht zwar, dass ich oder mein Wort und Wunderzeichen schuldig daran sind. Denn ich bin nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt {Ps 5v5}, sondern die Schuld ist sein eigen. Den also sind die Gottlosen von Natur geartet, dass je heller ihnen mein Wort vorleuchtet, je mehr sie von wegen ihrer verdorbenen Natur geblendet werden, je unsinniger sie derselben widersprechen und widerstreben: Es sei denn, dass ich durch meine göttliche Allmacht ihre Herzen umkehre und zur Buße bekehre.

22. Und sollst zu ihm sagen: So sagt der Herr: Israel ist mein erstgeborener Sohn;

Herr: Der Gott des israelitischen Volkes.

Erstgeborener: Das ist: Dies Volk liebe ich und hab es in guter Obhut als einen erstgeborenen Sohn: Denn sie sind durch den Glauben meine Kinder und Erben aller himmlischen Güter: Und soll aus diesem Volk der rechte Erstgeborene von allen Kreaturen herkommen und geboren werden, nämlich mein lieber Sohn, um welches willen ich dies Volk und alle die selig werden sollen, lieb habe.

23. und ich gebiete dir, dass du meinen Sohn ziehen lässt, dass er mir diene. Wirst du dich des weigern, so will ich deinen erstgeborenen Sohn erwürgen.

Meinen Sohn: Das Volk Israel.

Diene: Dass er mir meinen gebührenden Gottesdienst erzeige in der Wüste.

Deinen: Dazu alle Erstgeburten deiner Untertanen. Diese Drohungen sind später zu seiner Zeit erfüllt worden.

24. Und als er unterwegs in der Herberge war, kam ihm der Herr entgegen und wollte ihn töten.

Er: Mose mit seinem Weibe und beiden Söhnen.

Entgegen: Vielleicht in einer menschlichen oder engelischen Gestalt.

Töten: Das ist: Er tat dergleichen, als ob er den Mose also bald und zur Stunde umbringen wollte, darum dass Mose einen von seinen Söhnen noch nicht beschnitten hatte nach Ausweisung des Bundes, welchen Gott mit dem israelitischen Volk gemacht hatte {1Mos 17}. Und geben die Umstände dieser Geschichte so viel zu verstehen, dass des Mose Weib daran schuldig war, dass der Sohn nicht beschnitten war, welche entweder des Knaben Schonung in Betrachtung des Schmerzes, den er leiden müsste, oder aber dass sie meinte, es wäre ihrem midianitischem Geschlecht, daraus sie ihre Herkunft gehabt, eine Schande, wenn sie ihren Sohn auf jüdische Weise beschnitte. Es hätte aber Mose seines Weibes Willen dem göttlichen Gebote nicht vorziehen sollen. Darum hat Gott, der Herr, sich so ernstlich gegen ihm erzeigt, als ob er ihn gleich erwürgen wollte. (Wir sollen aus diesem Exempel Gott lernen, zu fürchten und nicht dem Weibe oder jemand anderes zu gefallen, den Geboten Gottes folge zu tun verziehen und aufschieben. Und weil Moses in solche Gefahr gerät, dass er seinen Sohn unbeschnitten hingehen lassen, können wir daraus abnehmen, wie hoch sich diejenigen an Gott versündigen und ihn erzürnen, die ihre Kinder zu taufen keine Sorge tragen, weil die Taufe anstatt der Beschneidung aufgekommen ist {Kol 2v11}. Und Christus {Joh 3} dieselbe mit nicht geringem Ernst gefordert, als vormals die Beschneidung geboten war.)

25. Da nahm Zipora einen Stein und beschnitt ihrem Sohn die Vorhaut; und rührte ihm seine Füße an und sprach: Du bist mir ein Blutbräutigam.

Da nahm: Weil Zipora, Mose Weib, vor der Zeit von ihrem Manne gehört, dass ihr Sohn nach dem Befehl Gottes müsste beschnitten werden, welches sie bisher nicht geachtet hatte und jetzt die Gefahr sah, darin deshalb ihr Mann geraten, daher sie in Ängsten war, dass sie nicht etwa ihren Mann verlieren und die Kinder ihres Vaters möchten beraubt werden, so ist sie aus Not dahin gedrungen worden, dass sie ihren Sohn beschnitten hat.

Stein: Das ist ein sehr scharfes Messer, das an einem Stein gewetzt war.

Füße: Das ist: Sie fiel ihrem Mann zu Füßen und erkannte, dass indem sie mit der Beschneidung ihres Sohnes verzog, sie schier ihren Mann verloren hätte.

Blutbräutigam: Sie hat sich dennoch beklagt, dass sie einen solchen Mann bekommen habe, um dessen Willen sie ihren Sohn beschneiden musste und sein Blut bei der Beschneidung vergießen, ihn anderes beim Leben nicht erhalten konnte. Als ob sie hätte sagen wollen, weil ich dich zur Ehe genommen, bin ich gezwungen worden, meinen Sohn, den ich inniglich liebe, mit großem Schmerz und Herzeleid zu beschneiden.

Blutbräutigam: (Nach Luther) Das ist: Sie wurde zornig und sprach: Es kostet Blut, dass du mein Mann bist, und ich muss mein Kind beschneiden, welches ich ungern tue und eine Schande ist unter den Heiden. Bedeutet aber des Gesetzes Volk, welches gern einen Gott wollte. Aber es will das Kreuz nicht leiden, noch den alten Adam beschneiden lassen, bis sie es tun muss.

26. Da ließ er von ihm ab. Sie sprach aber Blutbräutigam um der Beschneidung willen.

Ließ er: Dass er ihn nicht getötet, wie er ihm anfangs gedroht hatte. Denn nachdem der Sohn beschnitten war, ist auch Mose bei Gott wiederum ausgesöhnt worden und zu Gnaden gekommen.

Beschneidung: Das ist: Weil sie den Sohn wider ihres Willens beschneiden müsste und nun sah, dass Mose der Gefahr entronnen war, so wiederholte sie ihre Klage und verwies ihren Manne, dass sie seinethalben in den Jammer geraten war. Es ist aber aus dem 18. Kapitel dieses Buches klar zu sehen, dass Mose sein Weib und die Kinder wiederum zurück zu seinem Schwager geschickt habe, und ist vermutlich, dass solches eben an diesem Ort geschehen sei. Denn da Mose gesehen hat, wie sein Weib sogar kleinmütig wäre, dass sie allerhand widerwärtige Zustände so ihnen auf der Reise und besonders in Ägypten möchten begegnen und zustoßen könnte, nicht würde ertragen können, und damit sie ihm in seinem Amt und schweren Verrichtungen nicht hinderlich wäre, hat er sie mit den Kindern wieder zu seinem Schwager geschickt, bis nach ausgestandener vieler Mühe er sie zur anderen und bessern Gelegenheit wiederum zu sich nehmen könnte, wie denn später geschehen ist, da er die Kinder Israel aus Ägypten geführt und solches im folgenden 18. Kapitel gelesen werden kann.

27. Und der Herr sprach zu Aaron: Gehe hin Mose entgegen in die Wüste. Und er ging hin und begegnete ihm am Berge Gottes und küsste ihn.

Mose: Deinem Bruder.

Wüste: Denn weil Gott dem Mose solches zuvor verheißen hatte, dass es geschehen würde, so musste es erfüllt werden.

Berg Gottes: Nämlich am Berge Horeb, der später den Namen bekam, dass er Gottes Berg genannt wurde, weil Gott sich darin mit herrlicher Erscheinung offenbarte.

Küsste ihn: Nämlich seinen Bruder Mose. (Denn es ist ein alter Brauch gewesen, dass sich die Freunde untereinander mit dem Kuss begrüßt und empfangen haben.)

28. Und Mose sagte Aaron alle Worte des Herrn, der ihn gesandt hatte, und alle Zeichen, die er ihm befohlen hatte.

Wort: Das ist: Er hat ihm den Inhalt angezeigt alles dessen, was Gott mit ihm geredet und ihm zu verrichten auferlegt hatte bei dem Volk Gottes und bei dem König in Ägypten.

Zeichen: Damit er beides vor den Kindern Israel und denn auch für den König Pharao tun und beweisen könnte, dass er wahrhaftig von Gott gesandt wäre.

29. Und sie gingen hin und versammelten alle Ältesten von den Kindern Israel.

Gingen hin: In Ägypten.

Ältesten: Das ist: Die Vornehmsten im Volk Gottes und welche vor anderen bei ihnen im Ansehen waren und hochgehalten wurden.

30. Und Aaron redete alle Worte, die der Herr mit Mose geredet hatte, und tat die Zeichen vor dem Volk.

Zeichen: Auf dass sie desto eher glaubten, wie ihnen solches alles aus Gottes Befehl verkündigt würde. So hat Mose dem Volk auch bald die Zeichen sehen lassen, welche ihm Gott befahlen, als dass er den Stab in eine Schlange verwandelt und wieder zum Stab werden lassen desgleichen seine Hand in einem Augenblick aussätzig und wieder gesund machte und das Wasser in Blut verwandelte.

31. Und das Volk glaubte. Und da sie hörten, dass der Herr die Kinder Israel heimgesucht und ihr Elend angesehen hätte, neigten sie sich und beteten an.

Glaubte: Nämlich, wie Mose und Aaron von Gott dazu gesandt wären, dass sie die Kinder Israel aus Ägypten führen sollten.

Hörten: Mit besonderen Freuden.

Heimgesucht: Das ist: Dass er ein gnädiges Auge auf sie haben wollte, deren er bisher dem Ansehen nach nicht viel geachtet hätte.

Angesehen: Und sie zu erlösen beschlossen hätte.

Neigten: Das ist: Sie sind auf die Knie niedergefallen und haben dem ewigen Gott demütig Dank gesagt, dass er sie mit Gnaden ansehen wollte, welche mit so vielem und mancherlei Unglück beladen überhäuft und niedergedrückt würden. Sie nahmen aber das Wort Gottes mit Freuden an, solange sie an dem glücklichen Ausgang nicht zweifelten. Aber später, wie die Sache nicht bald nach ihres Herzenswunschs vonstattenging, beschuldigten sie Mose und Aaron aufs Höchste. Also nehmen etliche das Evangelium Christi am Anfang mit willigem Herzen an, wenn sie aber sehen, was für eine Gefahr ihnen begegnen könne, sie schwerlich in ihrem gottseligen Vorhaben beharren: Da man auch wohl Leute findet, die sich nicht scheuen, die Kirchendiener darüber anzufeinden und zu lästern, als ob sie alles Unglück anstifteten und Ursache daran wären {2Mos 16v2 v3}.


Das 5. Kapitel


I. Mose und Aaron begehren vom Könige, dass er die Kinder Israel ziehen lassen soll in der Wüste zu opfern, aber sie empfangen eine harte Antwort v. 1. II. Der Pharao legt den Kindern Israel doppelte Arbeit auf und werden darüber etliche vom Volk geschlagen v. 6. III. Darum zeigen die Israeliten solches dem Mose und Aaron und bringt Mose die Sache vor Gott, dass er die verheißene Erlösung aufschiebe v. 20.

1. Danach gingen Mose und Aaron hinein und sprachen zum Pharao: So sagt der Herr, der Gott Israels: Lass mein Volk ziehen, dass mir es ein Fest halte in der Wüste.

Ging: Wie sie nämlich den Kindern Israel die göttlichen Verheißungen von der künftigen Erlösung verkündigt hatten und mit Wunderzeichen ihr Anbringen bestätigt.

Hinein: Nämlich zum König in Ägypten, welches nicht ohne Gefahr des Leibes und Lebens geschehen ist, weil man sie für Aufrührer hätte mögen ausrufen. Aber der Glaube und dass sie ein festes Vertrauen auf Gott setzten solches alles überwunden.

2. Der Pharao antwortete: Wer ist der Herr, des Stimme ich hören müsse und Israel ziehen lassen? Ich weiß nichts von dem Herrn, will auch Israel nicht lassen ziehen.

Wer ist: Als wollte er sagen: Was frage ich nach eurem Gott, den ich für keinen Gott halte, darum ich mich seines Gebots oder Verbots wenig achte. (Dergleichen ruchlose Leute darf man noch wohl finden, welche, wenn sie durch das Wort Gottes um ihre Abgötterei oder anderer Sünden wegen gestraft und herausfahren: Was gehen mich eure Predigten an. Ich frage nicht nach den Pfaffen.)

3. Sie sprachen: Der Hebräer Gott hat uns gerufen; so lass uns nun hinziehen drei Tagereisen in die Wüste und dem Herrn, unserem Gott, opfern, dass uns nicht widerfahre Pestilenz oder Schwert.

Hebräer Gott: Das ist: Der Gott, welcher sich unseren Voreltern, den Patriarchen, so Israeliten genannt wurden, geoffenbart hat, welchen wir auch ehren und anbeten, der ist derselbe wahrhaftige Gott, von dem wir zu dir abgefertigt sind.

Widerfahre: Das ist: Damit wir nicht von Gott mit Pestilenz oder Krieg gestraft und aufgerieben werden, wenn wir ihm unseren schuldigen Gottesdienst nicht leisten. Und sagten zwar recht, dass sie in der Wüste dem Herrn opfern wollten, aber vom anderen, dass sie nicht wieder in Ägypten kommen wollten, schwiegen sie. (Es wird auch zugleich mit an diesem Ort das zu verstehen gegeben, dass die gemeinen Landstrafen durch Aufrichtung des rechten Gottesdienstes und fleißiger Übung desselben entweder abgewendet oder doch gelindert werden. Daher der Brauch der Litaneien in der Kirche aufgekommen ist.)

4. Da sprach der König in Ägypten zu ihnen: Du, Mose und Aaron, warum wollte ihr das Volk von seiner Arbeit frei machen? Geht hin an eure Dienste!

Frei machen: Warum reizt ihr meine Untertanen zum Aufruhr an, dass sie durch Hoffnung der Freiheit aufgebracht künftig ihre gewöhnliche Arbeit nicht mehr werden verrichten und davonziehen wollen? Darum steht ab von eurem Vorhaben, sofern ihr anderes nicht euch selber von Leib und Leben bringen wollt.

Dienst: Trollt euch und arbeitet, verrichtet euer Tagwerk mit Ziegel machen und Tragen, wie ihr mir zu tun schuldig seid.

5. Weiter sprach der Pharao: Siehe, des Volkes ist schon zu viel im Lande, und ihr wollte sie noch feiern heißen von ihrem Dienst.

Schon zu viel: Das ist: Die Israeliten haben in meinem Reich sich sehr gemehrt und ausgebreitet.

Feiern heißen: Als wollte er sagen: Was würde wohl ein solcher großer Haufen Volkes für Unruhe und Aufruhr im Reich erregen, wenn sie müßiggingen, da sie so nicht ruhig sein können, indem sie mit Arbeiten und Last tragen beschwert werden.

6. Darum befahl der Pharao desselben Tages den Vögten des Volkes und ihren Amtleuten und sprach:

Amtleuten: Die er dem israelitischen Volk vorgesetzt hatte, dass sie dieselben zur Arbeit und zum gesetzten Tagwerk antreiben sollten.

7. Ihr sollt dem Volk nicht mehr Stroh sammeln und geben, dass sie Ziegel brennen, wie bis anher; lasst sie selbst hingehen und Stroh zusammenlesen;

Stroh: Welches sie mit Leimen vermengen und Ziegel daraus machen, welche ihr ihnen bis daher gereicht habt.

8. und die Zahl der Ziegel, die sie bisher gemacht haben, sollt ihr ihnen gleichwohl auflegen und nichts mindern; denn sie gehen müßig, darum schreien sie und sprechen: Wir wollen hinziehen und unserem Gott opfern.

Nichts mindern: An der vorigen Zahl.

Müßig: Dadurch sie verderbt und nur desto verwöhnter wurden.

Opfern: Suchen also unter diesem Schein Gelegenheit, einen Auflauf zu machen und Unruhe zu erregen.

9. Man drücke die Leute mit Arbeit, dass sie zu schaffen haben und sich nicht kehren an falsche Rede!

Drücke: Das ist: Man treibe sie zur Arbeit an, damit man sie könne im Zwang und unter dem Gehorsam behalten.

Falsche Rede: Das ist: Dass sie dem Mose und Aaron nicht gehorchen und aus einem närrischen Wahn ihnen eine vergebliche Hoffnung machen, ihre Freiheit zu erlangen, deshalb sie sich etwas Neues unterfangen möchten. (Und hat man hier an dem Pharao ein Exempel eines grausamen Tyrannen, welcher, indem er seine Untertanen mit unerträglichen Lasten beschwert, ihrer noch dazu höhnisch spottet, als ob sie vor Müßiggang nicht wüssten, was sie anfangen sollten {Spr 28v15}.)

10. Da gingen die Vögte des Volkes und ihre Amtleute aus und sprachen zum Volk: So spricht Pharao: Man wird euch kein Stroh geben.

Volk: Nämlich zu den Kindern Israel.

11. Geht ihr selbst hin und sammelt euch Stroh, wo ihr es findet; aber von eurer Arbeit soll nichts gemindert werden.

Nichts gemindert: Das ist: Obwohl ihr mit Strohsammeln eine gute Zeit werdet müssen zubringen, so sollt ihr dennoch nichtsdestoweniger die gewöhnliche Anzahl der Ziegel machen. (Hier ist zu merken, dass je näher die göttliche Hilfe bei der christlichen Kirche ist, je beschwerlicher das Kreuz wird.)

12. Da zerstreute sich das Volk ins ganze Land Ägypten, dass es Stoppeln sammelte, damit sie Stroh hätten.

Zerstreute: Das ist: Es zerteilte sich und lief hin und her auf dem Lande, dass es Stroh zusammenbrächte.

13. Und die Vögte trieben sie und sprachen: Erfüllt euer Tagwerk, gleich als da ihr Stroh hattet!

14. Und die Amtleute der Kinder Israel, welche die Vögte Pharaos über sie gesetzt hatten, wurden geschlagen, und wurde zu ihnen gesagt: Warum habt ihr weder heute noch gestern euer gesetztes Tagwerk getan, wie vorhin?

15. Da gingen hinein die Amtleute der Kinder Israel und schrien zum Pharao: Warum willst du mit deinen Knechten also fahren?

Amtleute: Welche geschlagen waren, damit sie sich über dieses Unrecht vor dem Könige beklagten, weil solche Tyrannei gar zu groß und leidvoll war.

Also: Nämlich so ungnädig und unbarmherzig.

16. Man gibt deinen Knechten kein Stroh, und sollen die Ziegel machen, die uns bestimmt sind; und siehe, deine Knechte werden geschlagen, und dein Volk muss Sünder sein.

Geschlagen: Von deinen Vögten, die du über uns gesetzt hast.

Sünder sind: Das ist: Obwohl wir nichts verschuldet, so müssen wir doch unrecht haben und werden mit Schlägen übel zugerichtet, als ob wir die ärgsten Buben wären. Darum so erbarmen dich unser, die wir deine getreuen Untertanen sind, und befehle deinen Vögten, dass sie mit uns und den anderen Israeliten, denen wir vorgesetzt sind, nicht so unbarmherzig umgehen.

Sünder sein: (Nach Luther) Das ist: Deine armen Leute müssen unrecht haben und Sünder sein, man sucht Schuld bei deinem Volk.

17. Der Pharao sprach: Ihr seid müßig, müßig seid ihr; darum sprecht ihr: Wir wollen hinziehen und dem Herrn opfern.

Sprach: Mit großem Übermut und Stolz, denn er sich ihre rechte Klage und gerechte Sache nicht bewegen ließ. (Es soll aber eine Obrigkeit der Untertanen gerechte Klage nicht in Wind schlagen, damit nicht Gott der Obrigkeit, wenn sie zu ihm schreien und beten, auch die Ohren zustopfe.)

18. So geht nun hin und frönt! Stroh soll man euch nicht geben, aber die Anzahl der Ziegel sollt ihr reichen.

19. Da sahen die Amtleute der Kinder Israel, dass es ärger wurde, weil man sagte: Ihr sollt nichts mindern von dem Tagwerk an den Ziegeln.

20. Und da sie von dem Pharao gingen, begegneten sie Mose und Aaron und traten gegen sie

Gegen sie: Und weil sie durch des Königs Pharao ungnädigen Bescheid in ihrem Herzen und Gemüt sehr entrüstet waren und darüber vergessen hatten, dass Gott eben sowohl des Pharaos Verstockung als ihre Erlösung ihnen verkündigen lassen, stoßen sie mit großer Ungeduld allen solchen Unmut und Widerwillen auf Mose und Aaron aus.

21. und sprachen zu ihnen: Der Herr sehe auf euch und richte es, dass ihr unseren Geruch habt stinkend gemacht vor dem Pharao und seinen Knechten und habt ihnen das Schwert in ihre Hände gegeben, uns zu töten.

Richte es: Das ist: Gott wolle nach seinem gerechten Urteil an euch rechte Strafe üben.

Stinkend: Das ist: Ihr habt gemacht, dass uns der König und die Ägypter viel mehr anfeinden als zuvor, und halten uns wie aufrührerisches Personal, für einen Gräuel und Scheusal.

Hände gegeben: Das ist: Ihr habt durch eure Botschaft, die ihr unter dem Schein des Namen Gottes verrichtet, die Sache dahin gebracht, dass man zukünftig nur desto gräulicher mit uns umgehen wird und nicht eher ruhen, man habe uns dann tyrannischerweise hingerichtet und ganz und gar vertilgt. (Denn wenn das Wort Gottes in der Welt gepredigt wird, und darauf doch aus anderen Ursachen größere Unglücke entstehen, als vorhin gewesen sind, so wird oft die Schuld den Kirchendienern zugemessen, als ob sie mit ihren Predigten alle solche Unglücke verursacht hätten.)

22. Mose aber kam wieder zu dem Herrn und sprach: Herr, warum tust du so übel an diesem Volk? Warum hast du mich hergesandt?

Kam wieder: Das ist: Er wandte sich zum Herrn und fing etlichermaßen einen Hader mit ihm an. Denn der Israeliten Elend und daher entstandene Klage hatten ihn nicht wenig erschreckt oder viel mehr ungeduldig gemacht.

So übel: Dass sie jetzt und mit zweifacher Bürde beschwert und geplagt werden, da sie zuvor die einfache Last kaum ertragen konnten.

Hergesandt: Nämlich zum Könige Pharao. Denn es viel besser gewesen wäre, dass man den Handel gar nicht angefangen hätte, und der Erlösung aus Ägypten nie wäre gedacht worden, als dass man den gottlosen König noch mehr wider das das Volk aufgebracht und verbittert hat.

23. Denn seit dem, dass ich hinein bin gegangen zu dem Pharao, mit ihm zu reden in deinem Namen, hat er das Volk noch härter geplagt; und du hast dein Volk nicht errettet.

Namen: Nämlich, da ich ihm deinen Befehl anzeigte, dass er das Volk soll von sich lassen.

Nicht errettet: Wie du zu tun versprochen hast, und stellst dich gleich, als ob du es vergessen hättest. (Hier sieht man ein Exempel der menschlichen Schwachheit und des Unglaubens. Denn es war Mose schon aus dem Sinne gekommen, dass Gott gesagt hatte, der Pharao würde das Volk nicht gleich lassen von sich ziehen. Darum sollen wir unsere Schwachheit erkennen, mit den Augen unseres Herzens auf die göttliche Verheißungen sehen und mit den Aposteln beten: Herr mehre uns den Glauben.)


Das 6. Kapitel


Gott wiederholt dem Mose die Verheißung von der Israeliten Erlösung aus Ägypten, welches Mose den Kindern Israel wieder sagt. Die aber vor großer Angst seine Rede nicht beachten. Wie nun Mose befohlen wird, dass er zu dem Pharao gehen soll, weigert er sich dessen noch einmal. Danach wird des Mose und Aaron Stamm oder Geschlechter beschrieben.

1. Der Herr sprach zu Mose: Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao tun werde; denn durch eine starke Hand muss er sie ziehen lassen, er muss sie noch durch eine starke Hand aus seinem Lande von sich treiben {2Mos 12v33}.

Zu Mose: Auf seine zuvor angebrachte Klage, als ob er das israelitische Volk nicht erlösen wollte.

Tun werde: Das ist: Obgleich es bei dir das Ansehen hat, als hätte ich mein Volk aus der acht gelassen, so habe ich doch immer ein Auge darauf gehabt. Aber die Zeit der Erlösung ist noch nicht vorhanden gewesen: Jetzt aber will ich den Pharao um seiner Tyrannei und Verstockung willen strafen und ihn mit Gewalt dazu zwingen, dass er mein Volk wider seinem Willen von sich lassen muss.

Starke Hand: Das ist: Ich will ihm durch große und schreckliche Wunderzeichen meine Macht sehen lassen und ihn so Angst und Bange machen, dass jedermann spüren soll, die Kinder Israel sind ihm mit Gewalt genommen. Den er wird die Israeliten nicht mehr wider ihrem Willen begehren, aufzuhalten, sondern es werden ihn meine göttlichen Strafen und Plagen so schrecken, dass er sie selbst wird heißen, ausziehen oder vielmehr austreiben, welches er zuvor nicht erlauben wollte.

2. Und Gott redete mit Mose und sprach zu ihm: Ich bin der Herr,

3. und bin erschienen Abraham, Isaak und Jakob, dass ich ihr allmächtiger Gott sein wollte; aber mein Name, Herr, ist ihnen nicht offenbart worden.

Nicht offenbart: (Nach Luther) Die Patriarchen haben Gott wohl erkannt. Aber eine solche öffentliche Predigt war zu der Zeit von Gott noch nicht ausgegangen, wie durch Mose und Christus geschehen ist.

Nicht offenbart: Das ist: Ich habe mich euren Vätern zwar geoffenbart und ihnen angezeigt, dass ich der wahre allmächtige Gott sei und heiße. Aber von meinem Namen Jehova, welcher vom Sein oder Bestehen herkommt, haben sie nichts gewusst. Denn obwohl Mose auch im vorigen 1. Buch diesen Namen Gottes gebrauchte, so ist doch solches darum nicht ein Zeichen, dass zur selben Zeit der Name Gottes Jehova den Vätern sei kundgetan worden. Denn die Geschichtsschreiber pflegen solche Wörter zu gebrauchen, die zu ihren Zeiten üblich sind, obgleich sie von Sachen schreiben, die sich lange vor ihren Lebzeiten zutrugen. Aber von dem Namen Jehova ist zuvor im 3. Kapitel dieses 2. Buches auch geredet worden, so viel davon zu wissen, was nötig ist. Ist darum hier und an diesem Ort das die Meinung, dass Gott jetzt wollte anfangen, durch eine öffentliche und herrliche Erlösung seines Volkes seinen Namen vollkommener zu erklären und an den Tag zu geben. Dass wie sein Name Jehova, dass ein selbstständiges Wesen bedeutet, also sei und bestehe auch wahrhaftig sei, was er verheiße.

4. Auch habe ich meinen Bund mit ihnen aufgerichtet, dass ich ihnen geben will das Land Kanaan, das Land ihrer Wallfahrt, darin sie Fremdlinge gewesen sind.

5. Auch habe ich gehört die Wehklage der Kinder Israel, welche die Ägypter mit Frönen beschweren, und habe an meinen Bund gedacht.

Wehklage: Über ihre harte und schwere Arbeit, die sie tun müssen.

Gedacht: Das ist: Jetzt ist es Zeit, dass ich erzeige, wie ich meines Bundes nicht vergessen habe, da ich meinem Volk die Erlösung aus Ägypten und Besitzung des Landes Kanaan verheißen.

6. Darum sage den Kindern Israel: Ich bin der Herr und will euch ausführen von euren Lasten in Ägypten und will euch erretten von eurem Fronen und will euch erlösen durch einen ausgereckten Arm und große Gerichte;

Lasten: Dass ihr damit nicht weiter sollt beschwert werden.

Arm: Das ist: durch meine wunderbare Kraft.

Gerichte: Ich will mit vielen und schrecklichen Strafen mein gerechtes Gericht wider die Ägypter erklären.

7. und will euch annehmen zum Volk und will euer Gott sein, dass ihr es erfahren sollt, dass ich der Herr bin euer Gott, der euch ausgeführt habe von der Last Ägyptens

Annehmen: Das ist: Ich will für euch sorgen, ernähren, erhalten und ewig selig machen.

8. und euch gebracht in das Land, darüber ich habe meine Hand gehoben, dass ich es gäbe Abraham, Isaak und Jakob; das will ich euch geben zu eigen, ich, der Herr.

Hand gehoben: (Nach Luther) Das ist: geschworen {1Mos 22v16}.

Und Jakob: Euren Vätern: Das sie zwar im Glauben und in der Hoffnung besessen haben. Aber ihr, weil die Zeit da ist, dass die Verheißung muss erfüllt werden, werdet es mit der Tat tatsächlich besitzen und bewohnen nicht als Fremdlinge, sondern als Herrn des Landes.

Ich der Herr: Himmels und der Erde, der ich es verheißen habe und es halten kann und will. Es sind aber dies keine neuen Verheißungen, sondern werden hier und später zu etlichen Malen wiederholt zum Trost des israelitischen Volkes. (Den so oft wir in Trübsal stecken und Trostes bedürfen, sollen wir nicht nach neuen Offenbarungen vom Himmel uns umgaffen, sondern die göttlichen Verheißungen, so den Gläubigen vorzeiten geschehen sind, uns gut einbilden.)

9. Mose sagte solches den Kindern Israel; aber sie hörten ihn nicht vor Seufzen und Angst und harter Arbeit.

Seufzen: Das ist: Sie waren sogar bestürzt und erschlagen von wegen der elenden und harten Dienstbarkeit, dass sie von Moses Worten einen schlechten Trost empfingen und nichts anderes meinten, als dass er ihnen wollte eine vergebliche Hoffnung einschwätzen. (Denn wie wir gar zu frech und verwegen sind, wenn es uns gut geht: Also werden wir gar kleinmütig und verzagt, wenn uns ein Unglück überfällt. Es sollten aber die Trübsale das in uns wirken, dass wir Gottes Wort mit desto mehr Fleiß und Ernst anhörten und darauf merken.)

10. Da redete der Herr mit Mose und sprach: Gehe hinein und rede mit Pharao, dem Könige in Ägypten, dass er die Kinder Israel aus seinem Lande lasse.

Gehe: Weil die Kinder Israel Mose nicht hören wollen, so schickte ihn Gott zu Pharao.

11. Mose aber redete vor dem Herrn und sprach: Siehe, die Kinder Israel hören mich nicht, wie sollte mich denn Pharao hören? Dazu bin ich von unbeschnittenen Lippen.

Redete: Und sich abermals widerwillig Gott gehorsam in Verrichtung seines Amtes begibt.

Mich nicht: Sie glauben und trauen mir nicht viel weniger, dass sie mir folgen sollten.

Pharao hören: Der wird sicherlich keine Gnade haben wollen.

Lippen: Das ist: Ich bin gar nicht beredet und werde ihn nicht so leicht bereden können. (Das ist aber unsere Art, wenn wir sehen, dass unsere Arbeit zu Anfang nicht will vonstattengehen, so denken wir bald unseren Beruf zu verlassen und etwas anderes anzufangen, welches doch nicht sein soll.)

12. Also redete der Herr mit Mose und Aaron und tat ihnen Befehl an die Kinder Israel und Pharao, den König in Ägypten, dass sie die Kinder Israel aus Ägypten führten.

Also redet: Das ist: Gott hielt dennoch bei ihnen an und hieß sie von Neuem, sich zu der Reise gefasst zu machen. (Denn wir sollen in unserem Beruf bleiben und fortfahren)

Den König: Dass er das Volk von sich ließe.

13. Dies sind die Häupter in jeglichem Geschlechter der Väter. Die Kinder Rubens, des ersten Sohnes Israels, sind diese: Hanoch, Pallu, Hezron, Charmi. Das sind die Geschlechter von Ruben.

Dies sind: Weil der Heiligen Geist jetzt vorhat, des Mose und Aarons Stamme und Herkommen zu beschreiben, durch welche Gott die Kinder Israel wunderlich erlöst hat: So fängt er zuvor an, etwas zu sagen von dem Stammen Ruben und Simeon als die älter waren denn Levi aus welchem Mose und Aaron ihre Herkunft hatten.

14. Die Kinder Simeons sind diese: Jemuel, Jamin, Ohad, Jachin, Zohar und Saul, der Sohn des kanaanäischen Weibes, das sind Simeons Geschlechter.

Kanaanäischen: Das ist: Diesen Sohn hatte Simeon nicht mit einem Weibe so aus dem Geschlechter Israel gewesen gezeugt, sondern aus der Kanaaniter Geschlechter, so eine Heirat doch den Hebräern verboten war.

15. Dies sind die Namen der Kinder Levis in ihren Geschlechtern: Gerson, Kahath, Merari. Aber Levi wurde hundertsiebenunddreißig Jahre alt.

16. Die Kinder Gersons sind diese: Libni und Simei in ihren Geschlechtern.

17. Die Kinder Kahaths sind diese: Amram, Jezear, Hebron, Usiel. Kahath aber wurde hundertunddreiunddreißig Jahre alt.

18. Die Kinder Meraris sind diese: Maheli und Musi. Das sind die Geschlechter Levis in ihren Stämmen {1Chr 7v19}.

19. Und Amram nahm seine Muhme Jochebed zum Weibe, die gebar ihm Aaron und Mose. Aber Amram wurde hundertsiebenunddreißig Jahre alt.

Und Mose: Es ist aber sonst der levitische Stamm ein verworfener und verfluchter Stamm war {1Mos 49}. (Darum kann Gott und pflegt auch bisweilen aus einem unansehnlichen und verachteten Geschlecht große und vortreffliche Leute erwecken, die der Kirchen dienen und nützlich vorstehen können.)

20. Die Kinder Jezears sind diese: Korah, Nepheg, Sichri.

21. Die Kinder Usiels sind diese: Misael, Elzaphan, Sithri.

22. Aaron nahm zum Weibe Eliseba, die Tochter Amminadabs, Nahassons Schwester; die gebar ihm Nadab, Abihu, Eleasar, Ithamar.

23. Die Kinder Korahs sind diese: Assir, Elkana, Abiasaph. Das sind die Geschlechter der Korahiter.

24. Eleasar aber, Aarons Sohn, der nahm von den Töchtern Putiels ein Weib; die gebar ihm den Pinehas. Das sind die Häupter unter den Vätern der Levitengeschlechter.

Häupter: Das ist: vornehmste Männer im Geschlecht oder Stamm Levi, von welchen die anderen Leviten hergekommen sind.

25. Das ist der Aaron und Mose, zu denen der Herr sprach: Führt die Kinder Israel aus Ägyptenland mit ihrem Heer.

Der Aaron: Das ist: Diese beide Söhne Amrams, nämlich Aaron und Mose, von welchen kurz zuvor gesagt ist, sind eben dieselben vortrefflichen Männer und Helden, deren später oft und vielmals Meldung geschieht, als der vornehmsten Propheten und Obersten im Volk Israel.

26. Sie sind es, die mit Pharao, dem Könige in Ägypten, redeten, dass sie die Kinder Israel aus Ägypten führten, nämlich Mose und Aaron.

Redeten: Auf Gottes Befehl.

27. Und des Tages redete der Herr mit Mose in Ägyptenland

Mit Mose: Und gab ihm den Befehl, was er bei dem Könige Pharao ausrichten soll. (Es wiederholt es aber die Schrift so oft, dass diese beiden von Gott dazu berufen sind, damit wir auf vortreffliche Männer, die von Gott dazu erweckt sind, dass sie große Sachen verrichten sollen, ein Auge und Aufsehen haben, doch also dass wir den Herrn Christus immer für unseren obersten Meister halten und erkennen.)

28. und sprach zu ihm: Ich bin der Herr; rede mit Pharao, dem Könige in Ägypten, alles was ich mit dir rede.

Der Herr: Der wahrhaftige Gott und euer Erlöser.

Rede: Und lass dich durch sein verstocktes Gemüt nicht abschrecken, dass er meine Gebote verachtet.

29. Und er antwortete vor dem Herrn: Siehe, ich bin von unbeschnittenen Lippen; wie wird mich denn Pharao hören?

Antwortet: Es will Mose auch noch damals nicht gar gerne daran, dass er Gott mit Willen Gehorsam geleistet hätte.

Unbeschnittenen: Das ist: Ich bin nicht beredet.

Hören?: Das ist: Er wird meine kindische Rede verachten, darum bitte ich dich du wollest mich nicht weiter zu ihm senden. (Sind deswegen Mose und die anderen Israeliten nicht durch ihr Verdienst aus dem ägyptischen Dienst erlöst worden, als die ihren Unglauben und Ungehorsam so oft an Tag geben: Gleich, wie auch keiner durch sein Verdienst von der ewigen Verdammnis erlöst wird, weil wir alle gar zu wenig glauben und viel weniger Gehorsam leisten, als Gott von uns gefordert: Wir werden aber gerecht aus lauter Gnade und Güte Gottes durch den obwohl unvollkommenen Glauben, welcher aber doch die Gnade Gottes ergreift, so uns in Christo verheißen ist.)


Das 7. Kapitel


I. Mose und Aaron begehren vom Könige Pharao, dass er die Kinder Israel wolle von sich lassen v. 1. II. Aarons Stab wird zur Schlange, desgleichen bringen die ägyptischen Zauberer auch zuwege, aber ihre Stäbe werden verschlungen v. 8. III. Mose und Aaron verwandeln alle Wasser in Ägypten in Blut, desgleichen tun auch dem Ansehen nach die Zauberer. Der König aber wird verhärtet und will das Volk nicht lassen v. 14.

1. Der Herr sprach zu Mose: Siehe, ich habe dich zu einem Gott gesetzt über Pharao; und Aaron, dein Bruder, soll dein Prophet sein.

Sprach: Denn obwohl Gott von wegen des Unglaubens seines Volkes und des Mose Kleinmütigkeit gute Ursache hätte, dass er die Kinder Israel in der ägyptischen Dienstbarkeit hätte mögen stecken lassen, so hat er doch das gute Werk, welches er in ihnen angefangen, vollführen wollen.

Gott gesetzt: Das ist: Ich habe dich über den König Pharao gesetzt, dass du sein Herr und Richter sein sollst und in meinem Namen durch deinen Bruder Aaron ihm mit ernst gebieten, was ich dich heißen werde. Und dass du ihn mit schrecklichen Wunderzeichen und schwören Strafen heimsuchst, wenn er dir nicht gehorchen will.

Prophet: Das ist: Er soll dein Fürsprecher sein und das Wort tun, dass du durch ihn, dem Pharao, deinen Befehl anzeigen lässt.

2. Du sollst reden alles, was ich dir gebieten werde; aber Aaron, dein Bruder, soll es vor Pharao reden, dass er die Kinder Israel aus seinem Lande lasse.

Reden: Nämlich zu deinem Bruder Aaron.

Für Pharao: Nämlich was er von dir gehört hat. (Denn obwohl Gott selber mit dem Pharao hätte können reden, so hat es ihm doch also gefallen und gefällt ihm noch, dass er uns seinen Willen offenbare durch der Menschen Dienst, die uns von seinem Wesen und Willen unterweisen.)

3. Aber ich will Pharaos Herz verhärten, dass ich meiner Zeichen und Wunder viel tue in Ägyptenland.

Verhärten: Das ist: Weil seine Natur durch die Sünde ganz und gar verdorben ist, so will ich ihn also bleiben lassen, wie ich ihn finde, und will dennoch mit meinem Wort bei ihm anhalten und auf ihn dringen, dass er die Israeliten von sich lasse. Da wird es geschehen, dass er je länger je mehr verhärtet und widerspenstiger werden wird, nicht zwar, dass mein Wort daran schuldig sei, sondern seine Bosheit. Wie wir sehen, dass der Leim desto härter wird je heftiger und heißer die Sonne auf ihn scheint, dagegen eben dieselbe Sonne das Wachs nicht härter, sondern weicher macht.

Viel tue: Das ist: Mit solcher Gelegenheit will ich durch viele und große Wunderzeichen meine Majestät Allmacht und Gerechtigkeit zu erkennen geben, den verstockten Pharao zu strafen.

4. Und der Pharao wird euch nicht hören, auf dass ich meine Hand in Ägypten beweise und führe mein Heer, mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägyptenland durch große Gerichte.

Nicht hören: Das ist: Er wird mein Volk auf euer Begehren nicht bald von sich lassen, er werde denn mit Gewalt dazu gezwungen.

Hand: Das ist: Ich will machen, dass die Ägypter meine große Kraft und Allmacht sollen erfahren und innewerden.

Gerichte: Nämlich, weil ich mein gerechtes Gericht und Urteil der Rache vollstrecken werde, die Ägypter zu strafen.

5. Und die Ägypter sollen es innewerden, dass ich der Herr bin, wenn ich nun meine Hand ausstrecke über Ägypten und die Kinder Israel von ihnen wegführen werde.

Innewerden: Mit ihren großen Schaden und Nachteil und auch endlich Verderben, so sie sich selbst über den Hals ziehen werden.

Herr bin: Der wahrhaftige Gott, Schöpfer des Himmels und der Erden. (Denn Gott lässt seine Kirche darum angefochten werden und Trübsal leiden, dass er sie später mit desto größer Herrlichkeit erlöse.)

6. Mose und Aaron taten, wie ihnen der Herr geboten hatte.

Taten: Das ist: Sie haben ihre Botschaft bei dem König Pharao zu verrichten wiederum von Neuem auf sich genommen zur Erlösung des israelitischen Volkes. (Denn das Wort Gottes, welches ihnen so oft wiederholt wurde, ist des Heiligen Geistes Werkzeug gewesen, dadurch sie Gott zum Gehorsam bewegt hat.)

7. Und Mose war achtzig Jahre alt und Aaron dreiundachtzig Jahre alt, da sie mit dem Pharao redeten.

Jahre alt: Nämlich, da sie diese Botschaft verrichteten, deswegen sie auch ihres Alters und grauen Haares wegen ein Ansehen bei dem König gehabt, dass er sie nicht verachten durfte.

8. Und der Herr sprach zu Mose und Aaron:

9. Wenn der Pharao zu euch sagen wird: Beweist eure Wunder, so sollst du zu Aaron sagen: Nimm deinen Stab und wirf ihn vor den Pharao, dass er zur Schlange werde.

Wunder: Oder Zeichen, dadurch ihr eure Botschaft gewiss macht und bekannt werde, dass ihr von Gott gesandt seid.

10. Da gingen Mose und Aaron hinein zum Pharao und taten, wie ihnen der Herr geboten hatte. Und Aaron warf seinen Stab vor Pharao und vor seinen Knechten; und er wurde zur Schlange.

Taten: Das ist: Sie begehrten auf göttlichem Befehl die Auslassung des israelitischen Volkes und bekräftigten solchen ihren Befehl mit Wunderzeichen.

11. Da forderte Pharao die Waisen und Zauberer. Und die ägyptischen Zauberer taten auch also mit ihrem Beschwören.

Waisen: Das waren die Naturkundigen und die ägyptischen Priester.

Zauberer: Oder Schwarzkünstler. Unter denen auch Jannes und Jambres waren {2Tim 3}, welche in Ägypten ein großes Ansehen hatten: Und wollten den Pharao versuchen, was seine Pfaffen konnten, damit sie ihre Religion wider Mose verteidigten. Denn Mose und Aaron bezeugten vor dem Pharao, dass sie von dem wahren Gott als Propheten gesandt wären: Welches der Pharao mit den seinen leugnete. Es ist also zwischen den wahrhaftigen Propheten Gottes und den ägyptischen Pfaffen über den Beruf Mose und Aarons ein Streit entstanden. (Denn es werden immer gefunden und finden sich noch, werden sich auch künftig finden, die sich den Dienern Gottes böslich widersetzen: Und weil es Gott von wegen der Menschen Bosheit zulässt, so betrügen und blenden die falschen Propheten ihre Zuhörer mit ihren falschen Wunderwerken, dass sie der Wahrheit nicht glauben, wie dergleichen im Papsttum viel geschehen ist bei den heiligen Bildern. Jedoch sind dieselben Wunderwerke also beschaffen, dass wenn einer fleißig darauf merkt und Acht darauf hat, warum sie geschehen und wohin sie angesehen sind, können sie von einem Liebhaber der Wahrheit leicht von den wahrhaften Wunderzeichen unterschieden werden, wie auch hier geschehen ist.)

12. Ein jeglicher warf seinen Stab von sich, da wurden Schlangen daraus; aber Aarons Stab verschlang ihre Stäbe.

Verschlang: Darum hat Pharao seines Unglaubens keine Ursache oder Entschuldigung vorzuwenden gehabt. Denn dass die durch seiner Zauberer Schwarze Kunst gemachten Schlangen von des Aarons Schlange verschlungen wurden, ist ein deutliches Zeichen gewesen, dass des Aarons Wunderwerk von Gott, aber der Zauberer eine lautere Blendung des Teufels war.

13. Also wurde das Herz des Pharaos verstockt und hörte sie nicht, wie denn der Herr geredet hatte.

Verstockt: Dass er Gottes Gebote von der Auslassung des Volkes je länger je mehr verachtete und in den Wind schlug, gleichwie eine Nachteule, nur desto weniger sieht und heftiger geblendet wird, je heller die Sonne scheint. (Darum wie auf die Versammlung Mose und der ägyptischen Priester keine Einigkeit in der Religion erfolgt: Also ist unter den Kirchendienern der rechten Kirchen und den Werkzeugen oder Aposteln des Teufels nie keine Vergleichung in Religionssachen zu hoffen.)

14. Und der Herr sprach zu Mose: Das Herz des Pharaos ist hart; er weigert sich, das Volk zu lassen.

15. Gehe hin zu Pharao morgen. Siehe, er wird ans Wasser gehen; so tritt gegen ihm an das Ufer des Wassers und nimm den Stab in deine Hand, der zur Schlange wurde,

Gegen ihm: Das ist: Du sollst dich an einen gelegenen Ort stellen, da du ihn gut anreden könntest.

16. und sprich zu ihm: Der Herr, der Hebräer Gott, hat mich zu dir gesandt und lassen sagen: Lass mein Volk, dass mir es diene in der Wüste! Aber du hast bisher nicht wollen hören.

17. Darum spricht der Herr also: Daran sollst du erfahren, dass ich der Herr bin. Siehe, ich will mit dem Stabe, den ich in meiner Hand habe, das Wasser schlagen, das in dem Strom ist, und es soll in Blut verwandelt werden,

Herr bin: Der wahrhaftige Gott Himmels und der Erden, dessen Befehl du nicht ungestraft verachten wirst.

Ich will: Nämlich ich, Mose, auf Befehl des Herrn, welcher der Israeliten Gott ist.

Strom: Dadurch der große und berühmte Fluss Nilus in Ägypten verstanden wird.

Verwandelt: Darum, wenn du dieser Strafe entfliehen willst, so musst du das Volk Gottes von dir lassen.

18. dass die Fische im Strom sterben sollen und der Strom stinken, und den Ägyptern wird ekeln, zu trinken des Wassers aus dem Strom.

19. Und der Herr sprach zu Mose: Sage Aaron: Nimm deinen Stab und recke deine Hand aus über die Wasser in Ägypten, über ihre Bäche und Ströme und Seen und über alle Wassersümpfe, dass sie Blut werden, und sei Blut in ganz Ägyptenland, beide in hölzernen und steinernen Gefäßen {Ps 78v44 105v29}.

Nimm: Weil der Pharao allen Rat Gottes verachtete wider sich selbst und seine Bedrohungen in den Wind schlug, so erfolgte die Strafe.

Sei Blut: Nämlich anstatt des Wassers, nach dem du deine Hand ausgestreckt hast.

20. Mose und Aaron taten, wie ihnen der Herr geboten hatte, und hob den Stab auf und schlug ins Wasser, das im Strom war, vor dem Pharao und seinen Knechten. Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt.

Verwandelt: Dies ist eine sehr große Plage und schreckliche Strafe gewesen, weil man des Wassers zur täglichen Nutzung nicht entbehren kann. (Eine solche und dergleichen Strafe widerfährt uns, wenn zu unseren Zeiten die Wasser an- und auslaufen oder vor Dürre austrocknen, ein großer Schaden entsteht, dadurch wir zur Buße gerufen werden.)

21. Und die Fische im Strom starben, und der Strom wurde stinkend, dass die Ägypter nicht trinken konnten des Wassers aus dem Strom; und wurde Blut in ganz Ägyptenland.

22. Und die ägyptischen Zauberer taten auch also mit ihrem Beschwören. Also wurde das Herz Pharaos verstockt und hörte sie nicht, wie denn der Herr geredet hatte.

Auch also: Das ist: Sie haben dem Ansehen nach auch etwas dergleichen getan, dass das Wasser, so man aus der Erde gegraben, wie Blut eine kurze Zeit geschienen. Aber Mose Wunderwerk hat ganze sieben Tage aneinander gewährt und ist nicht nur ein wenig Wasser, sondern der ganze große Fluss Nilus mit allen Sümpfen und was sonst für Wasser in Ägypten gewesen von Mose in Blut verwandelt worden. Daher der Pharao die Nichtigkeit der zauberischen Wunderwerke vor den wahrhaften, so Mose getan, leicht hätte sollen und können erkennen. Aber er hat sich durch solche große und dazu gefährlichen Wunderwerke nicht bewegen lassen, sondern je mehr und größere Wunderzeichen er gesehen, je weniger er geglaubt hat.

23. Und der Pharao wandte sich und ging heim und nahm es nicht zu Herzen.

Wandte sich: Nämlich von Mose und Aaron hinweg.

Nahm es nicht: Das ist: Er hat auch noch zu diesem Mal der Wunderzeichen nicht geachtet. (Denn die Gottlosen haben immer etwas vorzuwenden, damit sie ihren Unglauben meinen zu entschuldigen.)

24. Aber alle Ägypter gruben nach Wasser um den Strom her, zu trinken; denn des Wassers aus dem Strom konnten sie nicht trinken.

Gruben: Damit sie nicht mit ihrem Vieh des Durstes stürben.

25. Und das währte sieben Tage lange, dass der Herr den Strom schlug.

Sieben Tage: Das ist: Von der Zeit an, da Aaron mit seinem Stabe das Wasser geschlagen, ist dasselbe in Blut verwandelt worden und ganze sieben Tage aneinander also stehen geblieben. (Und soll man hier auch das in Achthaben, wie Gott der verstockten Leute beharrliche Bosheit immer mit schweren Plagen straft. Darum sollen wir zusehen, dass wir es nicht so weit kommen lassen, dass uns Gott die Strafen von Tag zu Tag schärfen müsse.)


Das 8. Kapitel


I. Mose führt Frösche über Ägypten v. 1. II. Danach bringt er Läuse hervor, welches ihm die ägyptischen Zauberer nicht nachmachen können v. 16. III. Darauf lässt er Ungeziefer kommen v. 20. IV. Und verheißt zwar dem Pharao etliche Male, dass er die Kinder Israel wolle ziehen lassen, kommt ihm aber nicht nach v. 25.

1. Der Herr sprach zu Mose: Gehe hinein zum Pharao und sprich zu ihm: So sagt der Herr: Lass mein Volk, dass mir es diene!

2. Wo du dich des weigerst, siehe, so will ich alle deine Grenzen mit Fröschen plagen,

Grenze: Das ist: dein ganzes Königreich durch und durch von einem Ende bis zum anderen.

Fröschen: (Nach Luther) Oder Kröten.

3. dass der Strom soll von Fröschen wimmeln; die sollen heraufkriechen und kommen in dein Haus, in deine Kammer, auf dein Lager, auf dein Bett; auch in die Häuser deiner Knechte, unter dein Volk, in deine Backöfen und in deine Teige;

Wimmeln: Das ist: Sie sollen in großer und unzähliger Menge daraus hervorkriechen.

Bett: Darauf du schläfst, welches sie beschmeißen und verunreinigen werden, dass du Ekel und Abscheu davor haben wirst.

Knechte: Dass ihr ihnen nicht werdet wehren können, weil ein Jeder für sich selber wird genug zu tun haben und damit geplagt wird. Denn es wird nichts sein womit sie sich davon befreien können und alles verunreinigen.

4. und sollen die Frösche auf dich und auf dein Volk und auf alle deine Knechte kriechen.

5. Und der Herr sprach zu Mose: Sage Aaron: Recke deine Hand aus mit deinem Stabe über die Bäche und Ströme und Seen und lass Frösche über Ägyptenland kommen.

sprach: Weil der Pharao durch die vorgesetzte Bedrohung sich nicht bewegen ließ.

6. Und Aaron reckte seine Hand über die Wasser in Ägypten; und kamen Frösche herauf, dass Ägyptenland bedeckt wurde.

Kamen Frösche: Dies ist eine große Strafe der Sünde gewesen, dadurch Gott die Ägypter zur Buße gerufen hat. (Darum, so oft wir von irgend einer Art der Tiere oder Würmer angefochten und beleidigt werden, so sollen wir denken, dass es Gottes Rute sei, damit er uns züchtigt und zur Buße lockt.)

7. Da taten die Zauberer auch also mit ihrem Beschwören und ließen Frösche über Ägyptenland kommen.

Auch also: Denn der Teufel mit seinen Gliedern ist gleichsam unseres Herrn Gottes Affe und tun die Gottlosen etliche Zeichen zum Schein, damit sie die Leute von der wahren Erkenntnis Gottes abführen. Welches Gott zulässt, dass die Auserwählten dadurch versucht und bewährt werden, die doch solcher Wunderzeichen Nichtigkeit entweder aus den Umständen oder aus der daraus folgenden Gottlosen Lehre, die jedermann erkennen kann, und welche die falschen Lehrer damit bestätigen wollen, leicht merken können. Also hier, obwohl die ägyptischen Zauberer wie es das Ansehen gehabt mit ihren Verblendungen etliche Frösche haben können hervorbringen, so ist es ihnen doch unmöglich gewesen, dass sie die andere große Anzahl, so von Mose und Aaron waren über sie geführt, hätten mögen abtreiben und wiederum hinwegbringen, darum der Pharao endlich die Größe der Strafe, so ihm von Gott zugeschickt war, hat erkennen müssen, wie aus dem Folgenden zu sehen.

8. Da forderte der Pharao Mose und Aaron und sprach: Bittet den Herrn für mich, dass er die Frösche von mir und von meinem Volk nehme, so will ich das Volk lassen, dass es dem Herrn opfere.

9. Mose sprach: Habe du die Ehre vor mir und stimme mir, wann ich für dich, für deine Knechte und für dein Volk bitten soll, dass die Frösche von dir und von deinem Hause vertrieben werden und allein im Strom bleiben.

Für mir: Das ist: Ich will dir die Ehre lassen oder solche Ehre erzeigen.

Stimme mir: Nämlich eine bestimmte Zeit, auf dass du verstehst, wie dir diese Strafe von Gott zugeschickt und nicht Gleiches widerfahren sei, und dass sie Gott auf meine Bitte werde wiederum hinwegnehmen.

10. Er sprach: Morgen. Er sprach: Wie du gesagt hast. Auf dass du erfährst, dass niemand ist wie der Herr, unser Gott,

Morgen: Verstehen soll, für mich bitten und von Gott erlangen, dass die Frösche weggenommen werden.

Erfährst: Nämlich durch die zugeschickte und wiederum hinweg genommene Strafe.

Unser Gott: Das ist: Dass kein anderer Gott zu finden sei, als der, den wir ehren und dass eure Götter, die ihr anbetet, nicht Götter sind, sondern böse Geister und Teufel, welche dem einigen wahren Gott müssen unterworfenen sein, außerdem kein anderer Gott ist.

11. so sollen die Frösche von dir, von deinem Hause von deinen Knechten und von deinem Volk genommen werden und allein im Strom bleiben.

12. Also ging Mose und Aaron von dem Pharao. Und Mose schrie zu dem Herrn der Frösche wegen, wie er Pharao zugesagt hatte.

Frösche wegen: Das ist: Er bat Gott, dass er wollte bestätigen und im Werke erzeigen, was er dem Pharao von der wegnahme der Frösche verheißen hatte.

13. Und der Herr tat, wie Mose gesagt hatte; und die Frösche starben in den Häusern, in den Höfen und auf dem Felde.

Tat: (Denn Gott erhört der frommen Gebet, wenngleich sie auch vor der Gottlosen zeitliche Wohlfahrt geschehen.)

14. Und sie häuften sie zusammen, hier einen Haufen und da einen Haufen; und das Land stank davon.

stank: Weil die toten Frösche faulten. Und hat derselbe Gestank bezeugt, dass es rechte wahrhafte Frösche waren und nicht nur den Leuten durch Verblendung hervorgebracht wurden.

15. Da aber der Pharao sah, dass er Luft gekriegt hatte, wurde sein Herz verhärtet und hörte sie nicht, wie denn der Herr geredet hatte.

Luft gekriegt: Weil die Plage der Frösche von ihm genommen und er von ihnen befreit war.

Verhärtet: Das ist: Er ist noch widerspenstiger und verstockter geworden als zuvor.

Hörte sie nicht: Dass er das Volk gelassen hätte. (Denn die Gottlosen, welche in einen verkehrten Sinn gegeben sind, tun nicht wahrhaftige Buße, dass es ihnen ein Ernst damit wäre, sondern stellen sich ein Zeit lang dergleichen, als ob sie fromm wären, weil sie im Unglück stecken. Danach, wenn das Unwetter vorüber ist, treten sie wieder in die vorigen Fußstapfen und es hat alle Frömmigkeit ein Ende. Eine solche ist des Königs Ahabs heuchlerische Buße gewesen, die nur eine kurze Zeit dauerte. Dennoch vergilt Gott dergleichen zeitliche Bußen mit zeitlichen Belohnungen und Linderung der Strafen: Damit wir desto mehr sollen gelockt werden, dass wir rechtschaffene wahre Buße tun.)

16. Und der Herr sprach zu Mose: Sage Aaron: Recke deinen Stab aus und schlage in den Staub auf Erden, dass Läuse werden in ganz Ägyptenland.

sprach: Damit der vorigen Plage der Frösche nichts ausgerichtet wurde.

Läuse werden: Nämlich aus dem Staube, welcher in Läuse verwandelt wurde.

17. Sie taten also, und Aaron reckte seine Hand aus mit seinem Stabe und schlug in den Staub auf Erden; und es wurden Läuse an den Menschen und an dem Vieh; aller Staub des Landes wurde Läuse in ganz Ägyptenland.

18. Die Zauberer taten auch also mit ihrem Beschwören, dass sie Läuse heraus brächten, aber sie konnten nicht. Und die Läuse waren beide an Menschen und an Vieh.

Taten: Das ist: Sie unterstanden sich, solches auch nachzutun.

Konnten nicht: Hier hat unser Herr Gott den Teufel gespottet, welcher ihm alle Wunderwerke nachtun wollte. (Denn der böse Feind hat nicht mehr Macht, als so viel ihm Gott zulässt, darum da es ihm hier von Gott verboten wird, so kann er auch nicht eine einzige Laus hervorbringen. Deswegen sollen wir nicht den Teufel, sondern Gott fürchten {Röm 16v20}.)

An Menschen: Denen diese Plage war hart und hat sie stark bedrückt. (Denn der Läuse, Flöhe, Mücken und dergleichen Würmer große Menge damit die Menschen und das Vieh geplagt werden, ist eine Strafe der Sünden, darum Herodes von Würmern gefressen und elendiglich gestorben ist {Apg 12v23}.)

19. Da sprachen die Zauberer zu dem Pharao: Das ist Gottes Finger. Aber das Herz des Pharaos wurde verstockt und hörte sie nicht, wie denn der Herr gesagt hatte.

Gottes Finger: Weil demnach die Zauberer durch das Wunderwerk der Läuse überwunden wurden, welches sie nicht nachtun konnten, haben sie die Wahrheit bekennen müssen und sagen: Dass dies Wunderwerk allein aus göttlicher Macht und mit keinen menschlichen Beschwörungen könne verrichtet werden. (Ist also endlich genügend bekannt geworden, welcherlei der Zauberer vorige Wunderzeichen gewesen sind, nämlich nichtige und falsche Betrügereien und haben müssen wider ihres Willens Gott die Ehre geben. Können darum die falschen Wunderwerke von dem Wahrhaften leicht unterschieden werden, wenn die Frommen mit dem Urteil nicht gar zu sehr eilen.) Es hat aber dennoch solch freies Bekenntnis der Zauberer den verstockten Pharao zu keiner Buße bringen oder bewegen können.

20. Und der Herr sprach zu Mose: Mache dich morgen frühe auf und tritt vor den Pharao (siehe, er wird ans Wasser gehen) und sprich zu ihm: So sagt der Herr: Lass mein Volk, dass es mir diene;

sprach: Weil der Pharao mit Sündigen immer fortfährt, so hält Gott mit der Strafe auch an.

21. wo nicht, siehe, so will ich allerlei Ungeziefer lassen kommen über dich, deine Knechte, dein Volk und dein Haus, dass aller Ägypter Häuser und das Feld und was darauf ist, voll Ungeziefer werden sollen.

Ungeziefer: (Nach Luther) Das die Griechen heißen Kynomyia, ist alle bösen Würmer, so da Schaden tun im Felde, Raupen, Fliegen, Ameise, Käfer und dergleichen, dass Bäume und Gewächse verderben.

Ungeziefer: Das ist: Allerlei böse Würmer als Mücken Käfer Raupen und dergleichen Geschmeiß, das im Felde Schaden tut die Bäume und Gartengewächse verderben, dazu den Menschen und Tieren überlästig ist.

22. Und will des Tages ein Besonderes tun mit dem Lande Gosen, da sich mein Volk enthält, dass kein Ungeziefer da sei, auf dass du inne werdest, dass ich der Herr bin auf Erden überall.

Besonderes tun: Das ist: Ich will das Land Gosen mit einem neuen Wunderwerk befreien.

überall: Der ich strafen kann, welche ich will, und beschützen, die mir gefallen.

23. Und will eine Erlösung setzen zwischen meinem und deinem Volk: Morgen soll das Zeichen geschehen.

Erlösung setzen: Das ist: Indem ich mein Volk Israel vor der Strafe des Ungeziefers bewahren und befreien werde, will ich damit anzeigen, wie es so ein großer Unterschied sei zwischen meinem Volk, zu dem ich eine väterliche Fürsorge trage, und zwischen dir samt deinem Volk, die ich aus gerechtem Urteil strafe.

24. Und der Herr tat also, und es kam viel Ungeziefers in Pharaos Haus, in seiner Knechte Häuser und über ganz Ägyptenland; und das Land wurde verdorben von dem Ungeziefer.

Tat also: Wie er dem Pharao gedroht hatte.

Verdorben: Zu dem, dass das Ungeziefer den Menschen und Vieh sehr überlästig war, so tat es auch auf dem Felde großen Schaden, dass es alles verwüstete und verdarb.

25. Da forderte der Pharao Mose und Aaron und sprach: Geht hin, opfert eurem Gott hier im Lande.

Fordert: Durch diese Plage hat sich der Pharao etwas erweichen lassen.

Geht hin: Ich will euren Gottesdienst nicht mehr hindern.

hier im Lande: Und nicht in der Wüste. Will also den Gottesdienst zum Teil zulassen. (Dergleichen tun etliche im Stande der Obrigkeit, welche ihre Untertanen die evangelische Religion nicht total verhindern, sondern nur halb und etwas davon zulassen {Apg 3v15}.)

26. Mose sprach: Das taugt nicht, dass wir also tun; denn wir würden der Ägypter Gräuel opfern unserem Gott, dem Herrn; siehe, wenn wir denn der Ägypter Gräuel vor ihren Augen opferten, würden sie uns nicht steinigen?

Gräuel: Das ist: Wir werden solche Opfer schlachten, welche die Ägypter für Götter ehren, davor sie eine Abscheu haben werden. Denn sie Ochsen Schafe Böcke Ziegen und andere dergleichen mehr unvernünftige Tiere von Fischen und Vögeln anbeten.

Steinigen: Weil wir ihre Götter beleidigt hätten.

27. Drei Tagereisen wollen wir gehen in die Wüste und dem Herrn, unserem Gott, opfern, wie er uns gesagt hat {2Mos 3v18}.

Wüste: Damit wir unseren Gottesdienst sicher und ohne Gefahr verrichten können.

Gesagt hat: Und nicht in Ägypten, denn solches hat uns Gott nicht befohlen. (Und bringt der rechtschaffenen Diener des Wortes Gottes Amt mit sich, dass sie zwar der Menschen Schwachheit, die sie in diesem Leben an sich haben tragen sollen. Aber von dem ausdrücklichen Wort und Befehl Gottes in der Religion müssen sie nicht ein Haarbreit abweichen.)

28. Der Pharao sprach: Ich will euch lassen, dass ihr dem Herrn, eurem Gott opfert in der Wüste; allein; dass ihr nicht weiter zieht, und bittet für mich.

Nicht weiter: Als drei Tagesreisen.

Für mich: Euren Gott, dass er das Ungeziefer von mir und meinem Volk wegnehme.

29. Mose sprach: Siehe, wenn ich hinaus von dir komme, so will ich den Herrn bitten, dass dies Ungeziefer vom Pharao und seinen Knechten und von seinem Volk genommen werde, morgen des Tages; allein täusche mich nicht mehr, dass du das Volk nicht lässt, dem Herrn zu opfern.

Nicht lässt: Auf dass der Herr dich nicht mit größeren Plagen strafe. Denn obwohl Mose zu etlichen Malen bereits vom Pharao angeführt und betrogen war, so bietet er dennoch ihm seinen Dienst und Hilfe an, da er mit Worten sich vernehmen lässt, dass er wolle Buße tun. (Also obwohl ein Kirchendiener von denen, die sich stellen, dass sie wollen Buße tun betrogen wird, so soll er doch denen, welche Besserung verheißen, seine Hilfe in Reichung der Sakramente nicht abschlagen. Denn ein Mensch ist ein Diener und nicht Gott oder ein Herzenskundiger.)

30. Und Mose ging hinaus vom Pharao und bat den Herrn.

Bat: Dass er das Ungeziefer wegnehme.

31. Und der Herr tat, wie Mose gesagt hatte, und schaffte das Ungeziefer weg von dem Pharao, von seinen Knechten und von seinem Volk, dass nicht eins überblieb.

Tat: (Denn Gott erhört bisweilen auch der Seinigen Gebet, das sie für die tun, so es sonst nicht wert sind.)

32. Aber der Pharao verhärtete sein Herz auch dasselbe Mal und ließ das Volk nicht.

Verhärtete: Das ist: Er ist durch seine eigene Schuld noch viel verstockter geworden als je zuvor.


Das 9. Kapitel


I. Der Ägypter Vieh stirbt auf dem Felde an der Pestilenz v. 1. II. Die Ägypter und besonders die Zauberer werden mit bösen Blattern angegriffen und geplagt v. 8. III. Der Ägypter Knechte Vieh und etliche Früchte werden auf dem Felde vom Hagel geschlagen von welchen Plagen allen miteinander die Israeliten nichts erlitten v. 17. IV. Aber der Pharao, obgleich er viel verspricht, so lässt er doch das Volk nicht v. 27.

1. Der Herr sprach zu Mose: Gehe hinein zum Pharao und sprich zu ihm: Also sagt der Herr, der Gott der Hebräer: Lass mein Volk, dass sie mir dienen!

Lass: Nämlich aus deinem Lande ziehen, wie ich dir oft befohlen habe.

Dienen: In der Wüste.

2. Wo du dich des weigerst und sie weiter aufhältst,

Aufhältst: Wider meinem und ihrem Willen.

3. siehe, so wird die Hand des Herrn sein über dein Vieh auf dem Felde, über Pferde, über Esel, über Kamele, über Ochsen, über Schafe mit einer fast schwören Pestilenz.

Hand: Das ist: Ich will meine Macht mit solcher Strafe erklären, dass ich dein Vieh, welches zur selben Zeit auf dem Felde wird sein, sterben lassen. (Denn es ist auch das Viehsterben eine Strafe der Sünden, dadurch uns Gott zur Buße ruft. Und ehe denn er die Menschen mit der Strafe der Pestilenz heimsucht, so pflegt er sie erstlich unter das Vieh zu schicken, fängt also mit einer geringen Strafe an, und wenn die nicht helfen will, greift er danach die Menschen selber an mit einer noch beschwerlicheren Strafe {Hi 1v14 v15}.)

4. Und der Herr wird ein Besonderes tun zwischen dem Vieh der Israeliten und der Ägypter, dass nichts sterbe aus allem, das die Kinder Israel haben.

5. Und der Herr bestimmte eine Zeit und sprach: Morgen wird der Herr solches auf Erden tun.

Bestimmte: Wenn er die Strafe schicken würde, damit der Pharao nicht meinen möchte, es wäre ihnen Gleiches widerfahren.

6. Und der Herr tat solches des Morgens; und starb allerlei Vieh der Ägypter; aber des Viehes der Kinder Israel starb nicht eines.

Allerlei Vieh: Welches nämlich damals auf dem Felde angetroffen wurde und auf der Weide ging.

Nicht eines: Damit herumspräche, dass dies Volk dem wahren Gott angenehm wäre. Wenn aber das Volk Gottes auf dieser Welt auch geplagt wird und Ungemach leidet, geschieht solches entweder darum, dass es wider den Herrn gesündigt und einer Züchtigung bedarf. Oder aber, dass es unter dem Kreuz im Zaum gehalten werde, damit es des Fleisches Lüsten nicht zu sehr nachhänge.

7. Und der Pharao sandte danach, und siehe, es war des Viehes Israel nicht eins gestorben. Aber das Herz Pharaos wurde verstockt und ließ das Volk nicht.

Wurde verstockt: Obwohl der Pharao durch solches augenscheinliches Wunderwerk sich hätte sollen bewegen lassen, hat es doch alles nichts bei ihm bewirkt.

8. Da sprach der Herr zu Mose und Aaron: Nehmt eure Fäuste voll Ruß aus dem Ofen, und Mose sprenge ihn gen Himmel vor dem Pharao,

Nehmt: Weil der Pharao die Sünde mit Sünden häuft, so häuft Gott auch die Strafen.

Sprenge: Dass es ein Mittel und Werkzeug sei zur Strafe.

9. dass über ganz Ägyptenland stäube, und böse schwarze Blattern auffahren, beide an Menschen und an Vieh, in ganz Ägyptenland.

Blattern: Als da sind Karfunkel und andere dergleichen böse Geschwüre, damit beide Menschen und Vieh geplagt werden.

10. Und sie nahmen Ruß aus dem Ofen und traten vor den Pharao, und Mose sprengte ihn gen Himmel. Da fuhren auf böse schwarze Blattern, beide an Menschen und an Vieh,

Sie: Nämlich Mose und Aaron und taten, wie ihnen befohlen war.

11. also dass die Zauberer nicht konnten vor Mose stehen vor den bösen Blattern; denn es waren an den Zauberern eben sowohl böse Blattern als an allen Ägyptern.

Stehen: Sondern haben müssen hinwegweichen von wegen der großen Schmerzen, den sie an ihrem Leibe empfanden. (Darum, wenn wir mit bösen Blattern und Geschwüren geplagt werden, sollen wir unsere Sünde erkennen und um Verzeihung bitten.) Und hat man an diesem Ort genügend erkennen können, dass die vorigen Wunderwerke der Zauberer nichts anderes als eine teuflische Blendung waren. (Denn welche falsche Wunderzeichen tun, die werden darüber zuschanden, wie hier die Zauberer, wenn man nur mit dem Urteil nicht zu schnell zufährt {1Thes 5v21 v22}.)

12. Aber der Herr verstockte das Herz Pharaos, dass er sie nicht hörte, wie denn der Herr zu Mose gesagt hatte.

Verstockte: Das ist: Er hat ihn durch die vielen Wunderzeichen nur desto verstockter gemacht, gleich, wie man sagt, dass der eine Nachteule blendet, ihr ein Licht vorstellt, da doch die Schuld nicht des Lichtes, sondern viel mehr der Eulen ist, oder dass einer Kalk entzündet, der Wasser hineingießt. Also in solcher Weise ist auch der Pharao verhärtet worden.

Nicht hörte: Und das Volk nicht von sich ließ.

13. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dich morgen frühe auf und tritt vor den Pharao und sprich zu ihm: So sagt der Herr, der Hebräer Gott: Lass mein Volk, dass mir es diene!

14. Ich will anderes diesmal alle meine Plagen über dich selbst senden, über deine Knechte und über dein Volk, dass du innewerden sollst, dass meinesgleichen nicht ist in allen Landen.

Meine Plage: Das ist: Ich will nicht ablassen eine Plage nach der anderen dir und deinem Volk zuzuschicken, damit ihr sollt gequält werden.

Nicht ist: Das ist: Dass du endlich gezwungen wider deinen Willen wirst gestehen und bekennen müssen, dass ich allein der einzige wahre Gott sei, dem du dich bis daher halsstarrig widersetzt hast.

15. Denn ich will jetzt meine Hand ausrecken und dich und dein Volk mit Pestilenz schlagen, dass du von der Erde sollst vertilgt werden.

Vertilgt: Das ist: Ich will endlich dich mit den Deinen vertilgen und ausrotten. Welches zum Teil ist erfüllt wurde, da später im 12. Kapitel alle Erstgeburten der Ägypter gestorben sind, zum Teil auch, da der Pharao mit seinem ganzen Heer im Roten Meer umgekommen ist.

16. Und zwar darum habe ich dich erweckt, dass meine Kraft an dir erscheine, und mein Name verkündigt werde in allen Landen {Röm 9v17}.

Erweckt: Das ist: Weil du vorhin durch die Erbsünde ganz und gar verdorben und so hartnäckig und verstockt bist, dass du von wegen deiner verdorbenen Natur nur je länger je ärger wirst, je mehr Strafen und Wunder ich geschehen und ergehen lasse, damit ich dich zur Buße rufe. Siehe, so habe ich dich unbeugsamen Menschen, an dem alle Strafe und Warnung verloren ist, dazu ausgesondert, dass du ein Spiegel und Exempel sein sollst, an dem ich erzeige und sehen lasse, wie mächtig ich bin, die Hartnäckigen zu strafen, damit durch solche Gelegenheit meine Macht und Gerechtigkeit den Leuten überall bekannt werde. Als wollte er sagen: Du bist mir eben ganz recht dazu, dass ich meine Gewalt und strenge Gerechtigkeit an dir beweise. Und auf diese Meinung hat der Apostel Paulus {Röm 9} diesen Spruch gezogen.

17. Du trittst mein Volk noch unter dich und willst es nicht lassen.

Trittst: Gott fährt noch weiter fort, dem verstockten Pharao sein Unrecht vorzuhalten und zu beweisen.

18. Siehe, ich will morgen um diese Zeit einen sehr großen Hagel regnen lassen, desgleichen in Ägypten nicht gewesen ist, seit der Zeit es gegründet ist, bisher.

19. Und nun sende hin und verwahre dein Vieh und alles, was du auf dem Felde hast. Denn alle Menschen und Vieh, das auf dem Felde gefunden wird und nicht in die Häuser versammelt ist, so der Hagel auf sie fällt, werden sterben.

Sende hin: Wo du nicht willst großen Schaden leiden an deinem Vieh, so dir von der vorigen Pestilenz übergeblieben und errettet wurde.

Sterben: Von dem Hagel, der so groß sein wird, dass er das Vieh wird zu Tode schlagen. (Denn der Hagel ist eine Strafe der Sünden, dadurch die Menschen zur Buße ermahnt werden {Hag 2v18}.)

20. Wer nun unter den Knechten des Pharaos des Herrn Wort fürchtete, der ließ seine Knechte und Vieh in die Häuser fliehen.

Fürchtete: Sind also auch unter den Ägyptern fromme Leute gefunden worden, die sich zur rechten Religion bekehrt und Gott gefürchtet haben. (Denn die Kirche Gottes ist auf Erden hin und wieder weit ausgebreitet.)

21. Welches Herz aber sich nicht kehrte an des Herrn Wort, ließen ihre Knechte und Vieh auf dem Felde.

Wort: Das durch Mose und Aaron verkündigt wurde.

Ließen: Darum sie auch um ihren Unglauben und Mutwillen gestraft wurden mit Verlust ihrer Knechte und Vieh.

22. Da sprach der Herr zu Mose: Recke deine Hand gen Himmel, dass es hagle über ganz Ägyptenland, über Menschen, über Vieh und über alles Kraut auf dem Felde in Ägyptenland.

23. Also reckte Mose seinen Stab gen Himmel; und der Herr ließ donnern und hageln, dass das Feuer auf die Erde schoss. Also ließ der Herr Hagel regnen über Ägyptenland,

Seinen Stab: Damit er die vorigen Wunderzeichen getan hatte.

24. dass Hagel und Feuer untereinander fuhren, so grausam, dass desgleichen in ganz Ägyptenland nie gewesen war, seit der Zeit Leute darin gewesen sind.

25. Und der Hagel schlug in ganz Ägyptenland alles, was auf dem Felde war, beide Menschen und Vieh, und schlug alles Kraut auf dem Felde und zerbrach alle Bäume auf dem Felde.

26. Ohne allein im Lande Gosen, da die Kinder Israel waren, da hagelte es nicht.

Hagelte es nicht: Nicht zwar, dass die Israeliten so fromm gewesen und durchaus keine Sünde getan hätten, sondern auf dass die Ägypter erkannten, wie derselbe Gott, welchen die Kinder Israel verehrten, der wahrhaftig einige und ewige Gott wäre.

27. Da schickte der Pharao hin und ließ Mose und Aaron rufen und sprach zu ihnen: Ich habe dieses Mal mich versündigt; der Herr ist gerecht, ich aber und mein Volk sind gottlose.

Versündigt: Weil ich durch die vorige Strafen mich nicht bewegen lassen habe, dass ich das Volk Gottes gelassen hätte.

Herr: Euer Gott.

Gottlosen: Und Ungerechte, darum wir richtig und gerechterweise diese Strafe leiden, weil wir euren Gott verachtet haben.

28. Bittet aber den Herrn, dass aufhöre solche Donnern und Hageln Gottes, so will ich euch lassen, dass ihr nicht länger hier bleibt.

Lassen: Wenn ich von solcher Strafe befreit bin.

Nicht länger: Sondern eurem Gott dienen mögt in der Wüste, wie er euch befohlen hat. (Dies war eine gleisnerische falsche Buße und dem Pharao durch die schwere Strafe abgerungen. Denn sobald er davon erlöst wurde, schlägt er wieder um sich, wie aller Heuchler Art ist.)

29. Mose sprach zu ihm: Wenn ich zur Stadt hinaus komme, will ich meine Hände ausbreiten gegen den Herrn, so wird der Donner aufhören, und kein Hagel mehr sein, auf dass du innewerdest, dass die Erde des Herrn sei.

Ausbreiten: Und ihn bitten, dass er diese Strafe wegnehme.

Kein Hagel: Welcher doch nur außerhalb der Stadt auf dem Feld fiel und darin Schaden tat.

Die Erde: Das ist: Auf dass du weißt, dass der Gott der Kinder Israel ein Herr und Regierer sei des Himmels und der Erden.

30. Ich weiß aber, dass du und deine Knechte euch noch nicht fürchtet vor Gott dem Herrn.

Nicht fürchtet: Das ist: Mir zweifelt nicht, obgleich du dich jetzt stellst, als wäre es dir ein Ernst mit der Buße, dass dennoch du und dein Personal euch bald wieder umkehren werdet. Jedoch will ich eure angemeldete Buße für bekannt annehmen und tun, was mein Amt ist, dass ich den Herrn für euch bitte, bis ihr eure Heuchelei wieder bekennt.

31. Also wurde geschlagen der Flachs und die Gerste; denn die Gerste war gewachsen und der Flachs Knoten gewonnen.

32. Aber der Weizen und Roggen wurde nicht geschlagen, denn es war spät Getreide.

Spät Getreide: Das ist: Es war noch nicht so hoch und stark aufgewachsen, dass es von dem Hagel hätte verletzt werden können und Schaden nehmen.

33. So ging nun Mose vom Pharao zur Stadt hinaus und breitete seine Hände gegen den Herrn, und der Donner und Hagel hörten auf, und der Regen troff nicht mehr auf Erden.

34. Da aber Pharao sah, dass der Regen und Donner und Hagel aufhörten, versündigte er sich weiter und verhärtete sein Herz, er und seine Knechte.

Sein Herz: Ist also der Pharao selbst und nicht Gott an seinem Verderben schuldig gewesen.

35. Also wurde des Pharaos Herz verstockt, dass er die Kinder Israel nicht ließ, wie denn der Herr geredet hatte durch Mose.

Geredet hatte: Dass nämlich der Pharao nicht gehorchen würde. (Gleich, wie aber Mose obwohl er zu etlichen Malen vom Pharao angeführt und betrogen wurde, dennoch seinen Beruf nicht verlassen hat: Also sollen auch die Kirchendiener nicht aufhören, ihr Amt zu verrichten, obgleich sie ihrem Fühlen nach vergeblich arbeiten {1Thes 5v14}.)


Das 10. Kapitel


I. Ägypten wird mit Heuschrecken gestraft v. 1. II. Danach kommt eine Finsternis über Ägyptenland, welche drei ganze Tage aneinander währte: Da unterdes die Kinder Israel die ordentliche Veränderung der Tage und Nächte hatten v. 21. III. Endlich wird der Pharao über Mose so erzürnt und erbittert, dass er bei Leibes Strafe ihm verbietet, er soll nicht mehr vor ihn kommen v. 28.

1. Und der Herr sprach zu Mose: Gehe hinein zum Pharao; denn ich habe sein und seiner Knechte Herz verhärtet, auf dass ich diese meine Zeichen unter ihnen tue,

Verhärtet: Als wollte er sagen: Lass dich nicht verdrießen, dass du wiederum zum Pharao hineingehst, wenn er dich doch so oft betrogen hat. Denn dass er euch bis jetzt nicht von sich gelassen hat, ist nicht ohne meinen Rat geschehen: Und hat sich es mit der Erlösung nicht darum so lange verzogen, dass ich euch nicht erretten wolle, sondern damit euer Auszug desto herrlicher sei. Denn weil der Pharao und seine Knechte von Natur so verdorben und gottlos sind, so lass ich sie also bleiben, wie sie sind. Darum je öfter sie meinen Befehl hören und meine Zeichen sehen, je unsinniger und verstockter sie werden, geschieht nicht durch meine, sondern durch ihre eigene Schuld.

2. und dass du verkündigst vor den Ohren deiner Kinder und deiner Kindeskinder, was ich in Ägypten ausgerichtet habe und wie ich meine Zeichen unter ihnen bewiesen habe, dass ihr wisst; ich bin der Herr.

Ausgerichtet: Nämlich dass ich Ägypten mit mancherlei Plagen gestraft habe.

Ihr wisst: Das ist: Ihr Israeliten sollt dies alles zu seiner Zeit euren Nachkommen erzählen und kundtun damit also mein Name gepriesen werde und sie mich den wahren einigen und ewigen Gott lernen, ehren und fürchten. (Denn die Eltern sollen die rechte Erkenntnis Gottes auf ihre Kinder und Nachkommen fortpflanzen.)

3. Also gingen Mose und Aaron hinein zum Pharao und sprachen zu ihm: So spricht der Herr, der Hebräer Gott: Wie lange weigerst du dich, vor mir zu demütigen, dass du mein Volk lässt, mir zu dienen?

Demütigen: Dass du meinem Befehl nicht willst Gehorsam leisten.

4. Weigerst du dich, mein Volk zu lassen, siehe, so will ich morgen Heuschrecken kommen lassen an allen Orten,

5. dass sie das Land bedecken, also dass man das Land nicht sehen könne; und sollen fressen, was euch übrig und errettet ist von dem Hagel, und sollen alle eure grünenden Bäume fressen auf dem Felde;

Bedecken: Eine große Menge.

6. und sollen erfüllen dein Haus, aller deiner Knechte Häuser und aller Ägypter Häuser, desgleichen nicht gesehen haben deine Väter und deiner Väter, seit der Zeit sie auf Erden gewesen, bis auf diesen Tag. Und er wandte sich und ging vom Pharao hinaus.

Erfüllen: Mit Haufen, dass du einen großen Unwillen und Ekel darüber haben wirst.

Wandte sich: Nachdem er ihm die zukünftige Strafe verkündigt hatte.

7. Da sprachen die Knechte des Pharaos zu ihm: Wie lange sollen wir damit geplagt sein? Lass die Leute ziehen, dass sie dem Herrn, ihrem Gott, dienen! Willst du zuvor erfahren, dass Ägypten untergegangen sei?

Knechte: Das ist: Seine Räte und Diener, die bei den Königen und Fürsten pflegen zu sein.

Geplagt: Das ist: Wie lange sollen wir leiden, dass der Mose uns eine Plage nach der anderen verkündigt und über den Hals führt darum, dass sein Volk nicht hinweg gelassen wird? Lass uns viel mehr darauf bedacht sein, wie wir solche Unglücke von uns abwenden.

8. Mose und Aaron wurden wieder zum Pharao gebracht, der sprach zu ihnen: Geht hin und dient dem Herrn, eurem Gott. Welche sind sie aber, die hinziehen sollen?

Zum Pharao: Welcher sich durch seiner Diener Rede bewegen ließ, dass er in die Hinzuziehung der Kinder Israel etlichermaßen bewilligt. (Denn es sollen die Räte ihre Herren, wenn sie sich irren, frei und ohne Scheu zurechtweisen.)

Geht hin: In die Wüste, dass ihr euren Gottesdienst da verrichtet.

9. Mose sprach: Wir wollen ziehen mit Jung und Alt, mit Söhnen und Töchtern, mit Schafen und Rindern; denn wir haben ein Fest des Herrn.

Jung und Alt: Das ist: Wir wollen nichts zurück in Ägypten lassen von allem dem, das uns gehört.

10. Er sprach zu ihnen: Awe ja, der Herr sei mit euch! Sollte ich euch und eure Kinder dazu ziehen lassen? Seht da, ob ihr nicht Böses vorhabt!

Der Herr: Das ist: Also soll Gott euch zu eurem gaunerhaften bösen Vorhaben Glück geben, wie ich euch gedenke hinwegzulassen, welches niemals geschehen soll.

Böses vorhabt: Dass ihr wollt ausreisen und fliehen.

11. Nicht also, sondern ihr Männer zieht hin und dient dem Herrn; denn das habt ihr auch gesucht. Und man stieß sie heraus von dem Pharao.

Nicht also: Das ist: Es soll nicht so gehen, wie ihr meint und begehrt.

Gesucht: Das ist: Ihr habt anfangs eurer Kinder und eures Viehes mit keinem Wort Meldung getan.

Stieß sie: Mit Schimpf und Spott.

12. Da sprach der Herr zu Mose: Recke deine Hand über Ägyptenland um die Heuschrecken, dass sie auf Ägyptenland kommen und fressen alles Kraut im Lande auf samt alle dem, das vom Hagel übergeblieben ist.

Die Heuschrecken: (Nach Luther) Heißen hier nicht Hagab auf Hebräisch, wie an etlichen Örtern, sondern Arbe. Es sind aber vierfüßige fliegende Tiere gewesen und rein zu essen, wie Hagab {3Mos 11v22} uns aber unbekannt, aber dass sie den Heuschrecken gleich sind.

Kommen: In großer Anzahl und Menge.

13. Mose reckte seinen Stab über Ägyptenland. Und der Herr trieb einen Ostwind ins Land den ganzen Tag und die ganze Nacht; und des Morgens führte der Ostwind die Heuschrecken her.

Morgens: Nämlich am anderen folgenden Tage.

Heuschrecken: Welche Gott, der Herr, geschaffen hatte. Und sind vierfüßige fliegende Tiere gewesen, so sie uns in jetziger Zeit unbekannt sind.

14. Und sie kamen über ganz Ägyptenland und ließen sich nieder an allen Orten in Ägypten, so sehr viel, dass zuvor des gleichen nie gewesen ist, noch künftig sein wird.

Sehr viel: Darum sie den Ägyptern so viel desto mehr beschwerlich und überlästig gewesen sind. (Sind darum auch die Heuschrecken, wenn sie in großer Menge an einen Ort einfallen und Schaden tun eine göttliche Strafe, dadurch die Menschen zur Buße angemahnt werden.)

15. Denn sie bedeckten das Land und verfinsterten es. Und sie fraßen alles Kraut im Lande auf und alle Früchte auf den Bäumen, die dem Hagel waren übergeblieben, und ließen nichts Grünes übrig an den Bäumen und am Kraut auf dem Felde in ganz Ägyptenland.

16. Da forderte Pharao eilend Mose und Aaron und sprach: Ich habe mich versündigt an dem Herrn, eurem Gott, und an euch.

forderte: Weil ihn die große und schwere Strafe dazu zwang und antrieb.

Eurem Gott: Dessen Gebote ich so oft verachtet habe.

Euch: Seine Diener, die ich kurz zuvor mit Schimpf und Spott von mir austreiben ließ.

17. Vergebt mir meine Sünde diesmal auch und bittet den Herrn, euren Gott, dass er doch nur diesen Tod von mir wegnehme.

Diesmal: Denn ich habe euch zuvor oftmals, entweder, dass ich euch mit harter Antwort abgewiesen oder aber meine Zusage nicht gehalten, gröblich beleidigt, solches bitte ich wollte er mir verzeihen.

Diesen Tod: Nämlich diese schreckliche Strafe, die mir Gott zugeschickt hat. Denn es haben vorzeiten auch die Heiden erkannt, dass eine große Menge der Heuschrecken, wenn sie gekommen sind und die Früchte des Feldes verwüstet und verdorben haben, eine Strafe von Gott sei, deswegen sie es der Götter Zorn genannt.

18. Und er ging aus von dem Pharao und bat den Herrn.

Bat: Denn obwohl der Pharao Mose etliche Male betrogen hatte und noch keine wahre Busse tat. Jedoch weil Mose als ein Diener des Wortes Gottes nicht ein Herzenskundiger sollte sein, so lässt er sich abermals bitten.

19. Da wendete der Herr einen sehr starken Westwind und hob die Heuschrecken auf und warf sie ins Schilfmeer, dass nicht eine übrig blieb an allen Orten Ägyptens.

Wendet: (Den eben derselbe Gott, welcher die Strafen zuschickt, der kann sie auch wiederum hinwegnehmen, wenn es ihm gefällt. Und welche eine zeitliche aber nicht beständige wahre Buße tun, die erlangen auch wohl eine zeitliche aber nicht ewige Errettung.)

20. Aber der Herr verstockte Pharaos Herz, dass er die Kinder Israel nicht ließ.

Nicht ließ: (Denn die Gottlosen sind so lange fromm und tun dergleichen, als ob sie sich bekehrt hätten, weil die Strafe noch gegenwärtig ist und bei ihnen anhält. Sobald aber die Selbige nachlässt, so fallen sie auch wieder zurück und treten in die vorigen Fußstapfen.)

21. Der Herr sprach zu Mose: Recke deine Hand gen Himmel, dass es so finster werde in Ägyptenland, dass man es greifen mag.

Sprach: Gott fährt noch weiter fort und straft des Pharaos Gottlosigkeit mit einer neuen Plage. (Denn wenn die Menschen ihre Sünde häufen, so häuft Gott auch die Strafe.)

Greifen mag: Das ist: Es soll stockfinstere und gar schreckliche Finsternis sein.

22. Und Mose reckte seine Hand gen Himmel; da wurde eine dicke Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage,

23. dass niemand den anderen sah noch aufstand von dem Ort, da er war, in drei Tagen. Aber bei allen Kindern Israel war es licht in ihren Wohnungen.

Noch aufstand: Das ist: Es durfte keiner in drei Tagen fortgehen, dazu hat solche Finsternis den Leuten einen großen Schrecken und Furcht eingejagt, wie denen zu widerfahren pflegt, die im Finsteren ein Gespenst sehen oder sich doch davor fürchten, und hat keiner die selbige Zeit über von wegen der sehr großen und stockfinsteren Finsternis etwas von seinen Geschäften verrichten können. (Solche gräuliche Finsternis ist eine Strafe der Sünden gewesen. Aber das ist noch eine viel eine größere und schrecklichere Strafe über die Sünde, wenn Gott der Menschen Herzen lässt verblendet werden, dass sie mit einer erkennbaren und groben Abgötterei oder aber mit einem verruchten gottlosen Leben sich verunreinigen und danach mit ihren närrischen Anschlägen sich ins Verderben stürzen, wie denn heutigentags die Juden und Heuchler verblendet sind.)

Kindern Israel: Nämlich im Lande Gosen.

Licht: Auf dass damit bestätigt und erwiesen würde, dass der Kinder Israel Gott der wahre und einzige Gott wäre und dass das israelitische Volk wäre Gottes Volk, welches Gott mit väterlichen Augen ansehe und sorge. (Gleich, wie aber die ägyptische Finsternis der Gottlosen Verblendung bedeutet: Also bezeugt wiederum das Licht bei den Israeliten, dass diejenigen, welche das Wort Gottes hören, so von den Propheten Christo und den Aposteln ist gepredigt und durch ihre Schrift auf uns gebracht wurde, nicht im Finsteren, sondern in dem selig machenden Licht wandeln. Denn dein Wort ist meines Fußes Leuchte, spricht der Psalm.)

24. Da forderte der Pharao Mose und sprach: Zieht hin und dient dem Herrn; allein eure Schafe und Rinder lasst hier; lasst auch eure Kindlein mit euch ziehen.

Da forderte: Durch die ungewöhnliche und schwere Strafe wird der Pharao dem äußerlichen Ansehen nach abermal bewegt, dass er sich zur Buße schickt.

Zieht hin: Nämlich in die Wüste.

Schafe: Denn der Pharao trachtete danach, wie er zum wenigsten der Israeliten Vieh behalten möchte, wenn die Israeliten selbst die Flucht nehmen wollten, also gar unterließ er nichts, damit er ihnen Schaden tat und ihre Güter an sich zöge.

25. Mose sprach: Du musst uns auch Opfer und Brandopfer geben, das wir unserem Gott, dem Herrn, tun mögen.

26. Unser Vieh soll mit uns gehen und nicht eine Klaue dahinten bleiben; denn von dem unseren werden wir nehmen zum Dienst unseres Gottes, des Herrn. Denn wir wissen nicht, womit wir dem Herrn dienen sollen, bis wir dahin kommen.

Dahin kommen: Dort uns Gott allererst wird wissen lassen und anzeigen, mit welcherlei Opfer wir ihm dienen sollen. (Denn solche Vergleichungen und Verträge in Religionssachen, dadurch uns die Übung des rechten Gottesdienstes nicht gänzlich zugelassen wird, gefallen Gott gar nicht {Hos 12v1}.)

27. Aber der Herr verstockte das Herz Pharaos, dass er sie nicht lassen wollte.

28. Und Pharao sprach zu ihm: Gehe von mir und hüte dich, dass du nicht mehr vor meine Augen kommst; denn welches Tages du vor meine Augen kommst, sollst du sterben.

Gehe: Es ist zwar der Pharao über Mose sehr erzürnt gewesen und hat ihn dennoch nicht töten dürfen. (Denn wer in seinem Beruf wandelt, der verliert auch nicht ein Haar von seinem Haupt vor der bestimmten Zeit von Gott, er habe gleich so viel und gewaltige Widersacher als er immer wolle.)

Nicht mehr: Denn es hatte Mose nicht im Sinn, wieder zum Könige zu kommen, bei dem er sah, dass er nichts ausrichtete. Aber doch ist er noch einmal von Gott zum Pharao geschickt worden, dass er ihm die letzte Strafe verkündigte. (Und geschieht es, dass es wohl fromme Kirchendiener gleicher Gestalt wie Mose hier ihnen vorsetzen, dass sie bei den verstockten und halsstarrigen Leuten Gottes Wort nicht mehr predigen sollen, so werden sie doch auf Gottes Befehl und Anregung dahin angehalten und gleichsam gezwungen, dass sie wiederum den Mund auftun müssen {Jon 1v10 3v1 v2}.)

29. Mose antwortete: Wie du gesagt hast; ich will nicht mehr vor deine Augen kommen.


Das 11. Kapitel


I. Den Israeliten wird befohlen dass sie von den Ägyptern allerlei köstliche Gefäße leihen sollen v. 1. II. Danach verkündigt Mose dem Pharao die letzte Plage, nämlich den Untergang aller ersten Geburt in Ägypten, doch der Kinder Israel ausgenommen v. 4.

1. Und der Herr sprach zu Mose: Ich will noch eine Plage über Pharao und Ägypten kommen lassen, danach wird er euch ausziehen lassen und wird nicht allein alles lassen, sondern euch auch von euch treiben.

Sprach: Ehe denn Mose das letzte Mal vom Pharao ausging, befiehlt Gott Mose, dass er ihm die letzte und schrecklichste Strafe verkündigen soll.

Treiben: Viel weniger wird er euch wider euren Willen länger aufhalten.

2. So sage nun vor dem Volk, dass ein jeglicher von seinem Nächsten und eine jegliche von ihrer Nächsten silbernes und goldene Gefäße fordere.

Dem Volk: Den Kindern Israels.

Nächsten: Nämlich von den Ägyptern.

Nächsten: Nämlich den ägyptischen Weibern.

Fordere: Das ist: Die Israeliten sollen von den reichen Ägyptern allerlei köstliches Geschirr leihen und vorgeben, dass sie nach vollendetem Fest, welches sie in der Wüste halten werden, ihnen alles mit großem Dank wiederum zustellen wollen.

3. Denn der Herr wird dem Volk Gnade geben vor den Ägyptern. Und Mose war ein sehr großer Mann in Ägyptenland vor den Knechten Pharaos und vor dem Volk.

Gnade geben: Also dass die Ägypter ihnen nichts abschlagen werden. Es haben aber die Kinder Israel recht und wohl daran getan, dass sie sich gestellt, als ob sie es leihen wollten und haben darüber Ägyptenland beraubt. Denn sie taten es auf einem besonderen Befehl Gottes, der auf solche Weise den Israeliten ihren angemessenen Lohn erstatten wollte für ihre schwere Arbeit, die sie den undankbaren Ägyptern viele Jahr umsonst tun mussten. (Wir sollen aber diese Tat den Israeliten nicht nachtun, denn wir haben keinen ausdrücklichen Befehl, sondern es ist uns allen gesagt: Du sollst nicht stehlen.)

Und Mose: Es hätte sich einer nicht unbillig verwundern mögen, dass der Pharao den Mose so oft Gehör gegeben und vor sich kommen lassen und nicht viel mehr längst Hand an ihn gelegt hat, darum wird hier die Ursache hinzugesetzt. Denn es hat Mose den Pharao nicht gefürchtet, sondern der Pharao hat sich vor ihm, den Mose, fürchten müssen, als der in seinem Beruf und unter dem Schutz Gottes gewandelt hat.

Großer Mann: Das ist: Er war in großem Ansehen von wegen der vielen und großen Wunderzeichen, die er tat. Darum, obwohl der König heftig über ihn erzürnt war, so besorgte er sich dennoch, er möchte in ein viel ein größeres Unglück geraten, wenn er den Mose ein Leid zufügte. (Denn die in ihrem Beruf einhergehen und ihr Amt fleißig verrichten, denen gibt Gott ein Ansehen und erhält sie wunderbar unter seinem Schutz.)

Großer Mann: (Nach Luther) Das sagt er darum, dass es ein Wunder ist, weil er nicht von den Ägyptern getötet wurde. Sie haben sich vor einem Aufruhr gefürchtet.

4. Und Mose sprach: So sagt der Herr: Ich will zur Mitternacht ausgehen in Ägyptenland;

Mose sprach: Nämlich zum Pharao und verkündigt ihm mit großem Ernst die letzte Plage, so sie über die Ägypter ergehen und eine Ursache sein werde der Erlösung und Ausziehung der Kinder Israel.

Ausgeben: Und einen Engel mit mir führen, der ein Verderber sein wird und mein gerechtes Urteil vollstrecken wird.

5. und alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, von dem ersten Sohn des Pharaos an, der auf seinem Stuhl sitzt, bis an den ersten Sohn der Magd, die hinter der Mühle ist, und alle Erstgeburt unter dem Vieh.

Stuhl sitzt: Das ist: Welchen der König bereits zu seinem künftigen Nachkommen erklärt hat.

Mühle: Das ist: Welche die allergeringste und eine gefangene, leibeigene Magd ist: Will so viel sagen: Ich will keines Menschen, er sei gleich hohes oder niedrigen Standes verschone.

Dem Vieh: Soll auch sterben.

6. Und wird ein groß Geschrei sein in ganz Ägyptenland, desgleichen nie gewesen ist, noch werden wird;

Geschrei: Von wegen solches empfangenen Schadens.

7. aber bei allen Kindern Israels soll nicht ein Hund mucken, beide unter Menschen und Vieh, auf dass ihr erfahrt, wie der Herr Ägypten und Israel scheide.

Hund mucken: Das ist: Es soll alles still und sicher bei ihnen sein und kein Mensch noch Vieh im Geringsten beschädigt werden.

Scheide: Das ist: Was für ein großer Unterschied sei zwischen dem israelitischen Volk, welches Gott liebt und beschützt, und den Ägyptern, welchen der Herr von wegen ihres vielfältigen gottlosen Lebens und Wesens feind ist.

8. Dann werden zu mir herabkommen alle diese deine Knechte und mir zu Fuße fallen und sagen: Zieh aus, du und alles Volk, das unter dir ist. Danach will ich ausziehen, und er ging von Pharao mit grimmigem Zorn.

Denn werden: Als wollte er sagen: Bis daher hab ich oh König niemals erlangen können, dass du das israelitische Volk von dir gelassen hättest und wenngleich ich gemeint, ich hätte etwas erhalten, so bist du doch schnell wieder umgeschlagen und anderen Sinnes geworden. Aber jetzt wirst du uns müssen von dir lassen und solltest du darüber zerspringen: Ja du wirst uns noch dazu bitten, dass wir nur eilend ausziehen.

Knechte: Die jetzt vor dir stehen und solches hören.

Ausziehen: Wenn wir endlich mit eurem großen Schaden den Auszug erlangt haben. (Darum, auf dass uns nicht dergleichen auch begegne, wenn uns Gott etwas zu tun und auszurichten befiehlt, so sollen wir es viel lieber mit Willen tun, damit er nicht den Gehorsam wider unseres Willens von uns herauszwinge, wie es hier den Ägyptern geschehen ist.)

Er ging: Nämlich Mose, nachdem er seine Rede beendet, und ist weiter nicht mehr zu dem gottlosen König gekommen, dass er ihm etwas Weiteres von Gottes Wege anzeigt, sondern hat ihn dem gestrengen Gericht Gottes zu strafen übergeben.

Grimmigem Zorn: Das ist: Voll göttlichen Eifers. Dies ist also zwischen Mose und dem Pharao vorgefallen und gehandelt worden von der Zeit an, da Mose angefangen, die göttliche Botschaft beim Pharao zu verrichten bis auf den Tag, da er ihm die letzte Plage verkündigt, so sie über Ägypten noch vor dem Auszug der Kinder Israels ergehen soll. Welche Zeit über Mose zu oft vom König verachtet, ja bisweilen auch verlacht worden ist. Jedoch hat er sich solches alles nichts hindern, noch kleinmütig machen lassen, obwohl er gesehen und erfahren, dass der König allerdings verhärtet und verstockt geblieben war. (Eine solche Beständigkeit steht einem getreuen Diener Gottes zu, dass er der Welt widerspenstige Halsstarrigkeit aushält und überwindet.)

9. Der Herr aber sprach zu Mose: Der Pharao hörte euch nicht, auf dass viele Wunder geschehen in Ägyptenland.

Euch nicht: Ich aber will seine vorsätzliche Bosheit und seinen Ungehorsam gebrauchen zu meines Namens Preis und Ehre.

Viel Wunder: Weil er auf die Wunderzeichen nichts gibt, bis ich durch die vielen derselben meine Majestät und Allmacht jedermann kundtue und erkläre.

10. Und Mose und Aaron haben diese Wunder alle getan vor dem Pharao; aber der Herr verstockte ihm sein Herz, dass er die Kinder Israel nicht lassen wollte aus seinem Lande.

Getan: Die bis daher sind beschrieben worden. Denn sie ihren Beruf darum nicht verlassen, obgleich der König Pharao ein gottloser verstockter Mensch war.

Sein Herz: Weil er sich nicht erweichen ließ, welches er ihm nicht schuldig war zu tun, sondern ließ ihn, wie er war, daher er durch die Wunderzeichen, die ihm Gott vorhalten ließ, Anlass und Gelegenheit nahm, seines Herzen verstockte Bosheit je länger je mehr an Tag zu geben.

Nicht lassen: Bis er durch eine große Niederlage dahin gezwungen und gedrungen wurde, dass er sie nicht länger behalten könne. Dies ist gleichsam ein Beschluss alles dessen, was zwischen Mose und dem Pharao von Anfang des fünften bis zum Ende dieses Kapitels gehandelt wurde.


Das 12. Kapitel


I. Das Osterlamm wird zu essen geboten, welches Christus bedeutete, durch den wir aus der Tyrannei und Gewalt des Teufels erlöst worden sind v. 1. II. Der Engel des Herrn tötete in einer Nacht alle Erstgeburt in Ägypten. Aber den Kindern Israels widerfährt nichts Böses, v. 29. III. Sie ziehen aus der Dienstbarkeit und berauben die Ägypter v. 34. IV. Endlich werden etliche Gebote und Satzungen gestellt von der Haltung des Osterfestes v. 43.

1. Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland:

Herr: Da Gott, der Herr, das Volk Israel aus der ägyptischen Dienstbarkeit ausführen will, setzt er die Feier des Passah- oder Haltung des Osterfestes ein, damit die Erlösung aus Ägypten im Gedächtnis behalten und zugleich das Leiden Christi vorgebildet würde.

2. Dieser Mond soll bei euch der erste Mond sein; und von ihm sollt ihr die Monde des Jahres anheben.

Dieser Mond: Welchen die Israeliten Nisan heißen, vom Fliehen, weil sie in diesem Monat aus Ägypten geflohen sind. Sonst wird er auch mit einem anderen Namen, Abib, genannt, weil die Erde im selben Monat zu grünen anfängt. Derselbe Monat fällt nach unserer Rechnung zum Teil im März und zum Teil im April an.

3. Sagt der ganzen Gemeinde Israel und sprecht: Am zehnten Tage dieses Monden nehme ein jeglicher ein Lamm, wo ein Hausvater ist, je ein Lamm zu einem Hause!

Ein Lamm: (Nach Luther) Was das Osterlamm bedeutet, lehrt Paulus {1Kor 5v7}, da er spricht: Unser Osterlamm ist Christus, der für uns geopfert ist.

Ein Lamm: Dies Osterlamm ist ein Vorbild Christi gewesen, wie Paulus bezeugt {1Kor 5v9}. Darum wollen wir sie beide gegeneinander halten. Es wird aber Christus mit einem Lamm verglichen, weil er ein Opfer geworden ist für unsere Sünde und von wegen der Geduld, die er in seinem Leiden gehabt hat.

Einem Haus: (Denn wo eine christliche Gemeinde oder Versammlung ist, die hat den ganzen Christus bei sich, welcher in einer jeden rechten Kirche ganz gegenwärtig ist, Gott und Mensch mit seinem ganzen Verdienst und allen Wohltaten.)

4. Wo ihrer aber in einem Hause zum Lamm zu wenig sind, so nehme er es und sein nächster Nachbar an seinem Hause, bis ihrer so viel wird, dass sie das Lamm aufessen mögen.

Er es: Nämlich der Hausvater.

Hause: Der am nächsten an seinem Hause wohnt.

So viel: Das ist: Er soll so viel Nachbarn zu sich nehmen, bis er meine, dass er Leute genug habe, die das Lamm aufessen zu können.

5. Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, das keinen Fehler hat, ein Männlein und eines Jahres alt; von den Lämmern und Ziegen sollt ihr es nehmen.

keinen Fehler: Welches nicht hinkt, nicht blind noch schäbig ist. (Denn Christus ist von aller Befleckung der Sünden befreit gewesen, als der keine Sünde getan und in dessen Munde kein Betrug erfunden wurde {1Petr 2v22}.)

Männlein: (Denn des Weibes Same, der der Schlangen den Kopf zertreten soll, musste eines männlichen Geschlechts sein, obwohl er von einer Jungfrau sollt geboren werden.)

Jahres alt: Das ist: in seinem rechten und besten Alter nicht zu alt noch zu jung. (Also ist Christus nicht in seiner Kindheit wie auch nicht im hohen Alter, sondern da er zu seinen männlichen Jahren kam, in seinem besten und blühenden Alter für uns geopfert worden {Jes 53v2}.)

Lämmern: Das ist: von der Herde. (Denn Christus hat nicht eine engelische, sondern menschliche Natur an sich genommen, und ist unter den Menschen umgegangen, denen er auch allerdings gleich gewesen, doch die Sünde ausgenommen, und wurde von wegen seiner Erniedrigung und Demut nicht anders geachtet als ein anderer allgemeiner und schlechter Mensch, wie er denn aus Verachtung eines Zimmermanns Sohn ist genannt worden.)

6. Und sollt es behalten bis auf den vierzehnten Tag des Monden. Und ein jegliches Häuflein im ganzen Israel soll es schlachten zwischen abends.

Vierzehnten: Musste deswegen das Lamm von der anderen Herde abgesondert bis auf den vierten Tag (vom Zehnten da sie es nehmen und absondern sollten zu rechnen) zu Abend aufbehalten werden. (Also da Christus nach empfangener Taufe den Anfang zu predigen und Wunderzeichen zu tun gemacht hatte und sich also erzeigte, dass er mehr denn ein schlechter Mensch, nämlich Gottes Sohn wäre. Obwohl er die Juden bald zu Feinde bekommen hat, so hat er dennoch in seinem Predigtamt bis ins vierte Jahr gelebt. Denn er im dreißigsten Jahr seines Alters getauft und im vier und dreißigsten gekreuzigt wurde. Hat also ein Tag ein Jahr bedeutet.)

Häuflein: Das ist: Ein jeder Hausvater soll solches Lamm schlachten für sein Personal. (Denn wer da will selig werden, der muss des ganzen Christi teilhaftig sein und kann keiner außer Christo die Seligkeit erlangen.)

Abends: (Wie zuvor ein Tag ein Jahr bedeutet hat, also muss man hier durch den einigen Tag die Dauer der ganzen Welt verstehen. Denn Christus ist geopfert worden, um den Abend der Welt, als sie bereits viertausend Jahre stand und nicht viel über zweitausend Jahre mehr übrig waren, neigte sich also schon damals die Welt zum Abend, daher Johannes sagt {1Joh 2}, Kindlein es ist jetzt die letzte Stunde. Es ist aber Christus für uns geschlachtet, das heißt, getötet worden und hat sein Blut auf dem Altar des Kreuzes für unsere Sünde vergossen.)

7. Und soll seines Blutes nehmen und beide Pfosten an der Tür und die oberste Schwelle damit bestreichen an den Häusern, da sie es innen essen.

Bestreichen: (Denn es ist vonnöten, dass die Vergießung des Blutes Christi uns zugeeignet werde, welches geschieht, wenn wir durch das Evangelium als durch einen Büschel Ysopen, so er von uns mit der Hand des Glaubens ergriffen wird, mit dem Blut Christi in unser Herzen besprengt und also von Sünden gereinigt wurden. Denn das Blut Jesu Christi, Gottes Sohnes, reinigt uns von allen Sünden {1Joh 1v7}.)

8. Und sollt also Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot, und sollt es mit bitteren Salsen essen.

Derselben Nacht: (Denn wir sollen es nicht aufschieben bis auf den Morgen; sondern heute, wenn wir des Herrn Stimme hören im Evangelium erschallen, sollen wir unser Herzen nicht verstocken, sondern bald an Christus glauben, dass wir seiner durch den Glauben teilhaftig werden.)

Gebraten: (Denn Christus ist am Kreuz wie an einem Bratspieß angeheftet worden, an dem er aus hitziger Liebe gegen uns die allergrößten Schmerzen erlitt.)

Ungesäuert: Das mit keinem Sauerteig versäuert, sondern noch süß ist. Denn die Christi zur ewigen Seligkeit genießen wollen, die müssen sich hüten vor der Verfälschung der christlichen Lehre, welche von Christo mit dem Sauerteig verglichen wird, {Mt 16}. Und müssen sich auch enthalten von dem Sauerteig der Bosheit und Schalkheit, wie denn Paulus solche Vergleichung gebraucht {1Kor 5v8}.)

Salsen: Von bitteren Kräutern so zerstoßen und zerrieben wurden zugerichtet. (Denn die Christen müssen durch viel Trübsal ins Himmelreich eingehen. Und obwohl die Trübsale unserem Fleisch sehr herb und bitter ankommen, so erwecken sie dennoch eine Lust und Begierde in uns, dass wir Christus, der uns durch das Evangelium vorgetragen wird, desto lieber annehmen. Gleich, wie die saure oder herbe Speise eine Lust zu essen macht.)

9. Ihr sollt es nicht roh essen, noch mit Wasser gesotten, sondern am Feuer gebraten, sein Haupt mit seinen Schenkeln und Eingeweide.

Nicht roh: (Den wir sollen nicht einen solchen Christus annehmen, der nicht wahrhaftig am Kreuz gelitten und gebraten wurde, wie der Mohamed und etliche andere einen solchen Christus erdichtet haben und vorgeben, dass ein anderer an Christi statt gekreuzigt wurde.)

Gesotten: Dass wir es alles in einer Summe sagen. (Wir sollen keinen anderen Christus annehmen, denn der für uns gekreuzigt ist. Denn er hat sollen am Kreuz, da er am Holz gehangen, ein Fluch für uns wurde, damit er die so unter dem Fluch waren erlöste {Gal 3v13}.)

Eingeweide: (Denn wir sollen den ganzen Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift beschrieben ist und im Evangelium vorgetragen wird, mit dem Glauben ergreifen und uns nicht das Geringste, weder von seiner Person noch von seinem Verdienst, wegnehmen lassen.)

10. Und sollt nichts davon überlassen bis morgen; wo aber etwas überbleibt bis morgen, sollt ihr es mit Feuer verbrennen.

Überlassen: (Denn wir sollen in dieser gegenwärtigen Zeit an Christus glauben und den Glauben nicht aufschieben bis auf den Tag der anderen Herkunft Christi und bis in jene Welt.)

11. Also sollt ihr es aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und Stäbe in euren Händen, und sollt es essen, als die hinwegeilen; denn es ist des Herrn Passah.

Lenden: Das ist: Ihr sollt zur Reise gerüstet sein. Denn weil die Völker in den Morgenländern lange Kleider trugen, so schürzten sie dieselben mit einem Gürtel auf, damit sie zum Gehen und andere Geschäfte zu verrichten desto fertiger wären.

Schuh: Die sich von Stunde an auf die Reise begeben wollen.

Stäbe: Daran ihr euch, wie die Wandersleute zu tun pflegen, halten sollt, dass ihr desto besser fortgekommen könnt.

Eilen: Auf dass ihr zum Auszug bald gerüstet seid (Denn die Christen sollen sich erinnern, dass sie auf dieser Welt keine bleibende statthaben {Hebr 11v24 13v14}, sondern nach dem rechten Vaterland trachten müssen. Und weil es ungewiss ist, zu welcher Stunde und welchen Augenblick sie aus dieser Welt abziehen werden, sollen sie im Glauben und heiligem Wandel sich also bereiten und gefasst machen, dass sie zu solcher Reise alle Zeit fertig und geschickt erfunden werden.)

12. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland, beide unter Menschen und Vieh. Und will meine Strafe beweisen an allen Göttern der Ägypter, ich, der Herr.

Passah: Welches ein Durchgang oder Durchzug heißt. Will so viel sagen: Diese Zeremonie soll euch alle Zeit erinnern, wie Gott durch Ägypten gegangen sei, und nachdem er viel Ägypter getötet, euer verschont und euch aus Ägypten geführt habe.

Göttern: Das ist: Richtern und Obrigkeiten. Will so viel sagen: Ich will ohne Unterschied strafen die großen und vornehmen Herren sowohl als den gemeinen Pöbel. Denn ich bin der Herr, der ich im Himmel und auf Erden herrsche und bei dem kein Ansehen der Person ist.

13. Und das Blut soll euer Zeichen sein an den Häusern, darin ihr seid, dass, wenn ich das Blut sehe, vor euch vorüber gehe, und euch nicht die Plage widerfahre, die euch verderbe, wenn ich Ägyptenland schlage.

Zeichen: Das ist: Das selbige Blut soll euch zum Zeugnis sein, dass ihr vor dem Würger sicher seid.

Vorüber gehe: Also dass ich den bösen Engel, welcher Ägypten schlagen wird, nicht zulassen wird in eure Häuser zu kommen.

Schlage: Mit Würgung aller ersten Geburten

14. Und sollt diesen Tag haben zum Gedächtnis und sollt ihn feiern dem Herrn zum Fest, ihr und alle eure Nachkommen, zur ewigen Weise.

Feiern: Künftig alle Jahre.

Ewigen Weise: Bis auf die Zukunft Christi. (Gleich, wie aber die Juden alle Jahr mussten das Osterlamm essen zum Gedächtnis ihrer Erlösung aus der ägyptischen Tyrannei bis zu der ersten Zukunft des Messias, also sollen wir Christen das rechte Osterlamm im heiligen Abendmahl des Herrn oft essen und sein Blut trinken, nicht als durch das Brot und Wein bedeutet, sondern dass sie uns gegenwärtig dargereicht werden. Und sollen uns erinnern der Guttat des Todes Christi, dadurch wir von des Teufels Tyrannei erlöst sind, und zugleich mit dem Tod des Herrn verkündigen, bis der Messias zum anderen Mal kommen wird zu richten die lebendigen und die Toten {1Kor 11v26}.)

15. Sieben Tage sollt ihr ungesäuertes Brot essen; nämlich am ersten Tage sollt ihr aufhören mit gesäuertem Brot in euren Häusern. Wer gesäuertes Brot isst vom ersten Tage an, bis auf den siebten, des Seele soll ausgerottet werden von Israel.

Sieben: Auf dass in so viel Tagen die Wohltaten der Erlösung euch wohl eingebildet werden. (Und sollen die Christen das Leiden Christi und desselben Nutzens nicht nur zu dieser Zeit, sondern stetig und immerdar die ganze Zeit über ihres Lebens betrachten und wohl zu Herzen nehmen.)

Ersten: (Denn sobald wir Christus lernen erkennen und seines Fleisches und Blutes im heiligen Abendmahl begehren, teilhaftig zu werden, sollen wir von der Zeit an aller falschen Lehre und unehrbarem Wandel absagen und nicht wissentlich oder mit Willen etwas dergleichen, das Gott zuwider ist, an uns behalten, sondern unseren erkannten Irrtum und unsere Sünde ohne Verzug von uns ablegen und mit Ernst davor fliehen. Und obwohl wir unsere verdorbene Natur in diesem Leben nicht ganz ausziehen können, so sollen wir doch solchen Mangel vor Gott beweinen und uns herzlich lassen leid sein und den bösen Gedanken nicht mit Willen nachhängen und den Zaum lassen.)

Ausgerottet: Darum so enthaltet euch vom gesäuerten Brot. (Den welcher unwürdig, das heißt, ohne wahre Buße, indem er mit Willen den Sauerteig der Sünden bei sich behält, zum Nachtmahl des Herrn geht, der empfängt ihm selber das Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet {1Kor 11}.)

16. Der erste Tag soll heilig sein, dass ihr zusammenkommt; und der siebte soll auch heilig sein, dass ihr zusammenkommt. Keine Arbeit sollt ihr darin tun, ohne was zur Speise gehört für allerlei Seelen, dasselbe allein mögt ihr für euch tun.

Zusammenkommt: (Nach Luther) Das ist: Sie sollen an demselben Tage predigen das Benedicte und Gratias beten für das Passah und Erlösung aus Ägypten. Darum braucht er das Wort Kara, welches heißt, Predigten lesen in der Versammlung.

Zusammenkommt: Das ist: Am ersten und siebten Tag soll das Volk zusammen berufen werden, Gottes Wort zu hören und die Opfer zu verrichten.

Darin: Nämlich am ersten und siebten Tage.

Tun: Das ist: Speise möchtet ihr für euch zubereiten und kochen, aber von aller anderen Arbeit sollt ihr euch enthalten.

17. Und haltet ob dem ungesäuerten Brot, denn eben an demselben Tage habe ich euer Heer aus Ägyptenland geführt; darum sollt ihr diesen Tag halten und alle eure Nachkommen zur ewigen Weise.

Tage: Da ihr anfange werdet, ungesäuert Brot zu essen.

Ewigen Weise: Bis auf die Zukunft des Messias, welcher das rechte und nicht figürliche Passah oder Osterlamm sein wird.

18. Am vierzehnten Tage des ersten Monden, des Abends, sollt ihr ungesäuertes Brot essen, bis an den einundzwanzigsten Tag des Monden an dem Abend,

19. dass man sieben Tage kein gesäuertes Brot finde in euren Häusern. Denn wer gesäuertes Brot isst, des Seele soll ausgerottet werden von der Gemeinde Israel, es sei ein Fremdling oder Einheimischer im Lande.

Isst: Nämlich in den sieben Tagen.

Fremdling: Nämlich von den Heiden, da jemand aus denselben die jüdische Religion und Beschneidung angenommen hat.

Einheimischer: Das ist: Von der geborenen Hebräer, so sie aus dem Stamm der Patriarchen hergekommen sind. (Also sind die, so sie aus der Heidenschaft zum Christentum bekehrt werden, nicht weniger schuldig, den Sauerteig der Irrtümer und Sünden auszufegen, als die vom Judentum zu Christo kommen.)

20. Darum so esst kein gesäuertes Brot, sondern eitel ungesäuertes Brot in allen euren Wohnungen.

Kein gesäuertes: Nämlich die sieben Tage über.

21. Und Mose forderte alle Ältesten in Israel und sprach zu ihnen: Lest aus und nehmt Schafe jedermann für sein Personal und schlachtet das Passah.

Ältesten: Das ist: Die vor anderen unter dem israelitischen Volk in großem Ansehen waren.

Passah: Das ist: Ihr sollt ein Lamm schlachten und essen und also das Passah als ein Fest des Herrn feiern.

22. Und nehmt ein Büschel Ysop und tunkt in das Blut in dem Becken und berührt damit die Überschwelle und die zwei Pfosten. Und gehe kein Mensch zu seiner Haustür heraus bis an den Morgen.

Das Blut: Nämlich des Lammes.

Becken: Darin ihr es gefasst und aufgefangen habt.

Pfosten: Der Tür in euren Häusern.

Morgen: Damit er sich nicht in Gefahr des Todes stecke.

23. Denn der, Herr wird umhergehen und die Ägypter plagen. Und wenn er das Blut sehen wird an der Überschwelle und an den zwei Pfosten, wird er vor der Tür vorübergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen zu plagen.

Plagen: Nämlich dass er alle ihre Erstgeburt umbringen wird.

Blut sehen: (Also behütet uns heutzutage das Blut Christi, so es durch die Predigt des Evangeliums (welche mit Glauben von uns ergriffen wird) unsere Herzen besprengt, damit der Satan als der rechte Mörder keine Macht des Todes über uns habe, und verschont Gott unser, indem er uns gleichsam überhüpft, damit wir nicht von wegen unserer ersten verdorbenen Natur und von wegen der Sünden, so sie daher entsprießen, des ewigen Todes sterben müssen wie andere Ungläubige {Ps 103v11 v12 130v7 v8}.)

24. Darum so halte diese Weise für dich und deine Kinder ewig.

Halt: Nämlich du mein Volk Israel.

Kinder: Und Nachkommen.

ewig: Bis auf des Messias Zukunft.

25. Und wenn ihr ins Land kommt, das euch der Herr geben wird, wie er geredet hat, so haltet diesen Dienst.

Dienst: Nämlich dass ihr das Fest des Passah feiert.

26. Und wenn eure Kinder werden zu euch sagen: Was habt ihr da für einen Dienst?

Was habt: Das ist: Was bedeuten solche Zeremonien? Alsdann sollt ihre eure Kinder von der rechten Religion unterrichten und ihnen die Offenbarungen und Guttaten Gottes verkündigen. (Denn es ist der frommen gottseligen Eltern Amt, dass sie die rechte Religion auf ihre Nachkommen fortpflanzen.)

27. sollt ihr sagen: Es ist das Passahopfer des Herrn, der vor den Kindern Israel überging in Ägypten, da er die Ägypter plagte und unsere Häuser errettete. Da neigte sich das Volk und bückte sich.

Passah Opfer: Das ist: Wir schlachten dies Lamm und halten das Passahfest, damit wir uns erinnern und in Gedächtnis behalten, wie der Herr durch Ägypten gegangen ist und alle Erstgeburten der Ägypter erwürgt hat.

Überging: Dass er ihnen nicht schadete.

Errettete: Von dem Verderber.

Neigte: Das ist: Sie haben mit großer Ehrerbietung und mit einem gläubigen und dankbaren Herzen das Gebot Gottes von der Schlachtung des Osterlamms angenommen und nicht gezweifelt es werde der Ägypter Untergang und ihre Erlösung darauf erfolgen.

28. Und die Kinder Israel gingen hin und taten, wie der Herr Mose und Aaron geboten hätte.

Taten: Das ist: Sie schlachteten das Osterlamm.

29. Und zur Mitternacht schlug der Herr alle Erstgeburt in Ägyptenland, von dem ersten Sohn des Pharaos an, der auf seinem Stuhl saß, bis auf den ersten Sohn des Gefangenen im Gefängnis, und alle Erstgeburt des Viehes.

Erstgeburt: (Das Sterben der Erstgeborenen in Ägypten bedeutet, dass unsere Erstgeburt nicht allein dem zeitlichen, sondern auch dem ewigen Tode unterworfenen sei. Darum müssen wir aus Wasser und Geist in der Taufe wiedergeboren werden {Joh 3v5}.)

Stuhl saß: Und bereits zum Nachkommen im Reiche erklärt war.

Gefangenen: Dass er durchaus keines Standes verschont. (Hat also Gott auf diese Weise erklärt, dass er wahrhaftig sei in seinen Drohungen und allwissend, indem er alle Erstgeburt erwürgt: So sieht man hier auch den Ernst Gottes bei des verstockten Königs Strafe und seine Güte in der Israeliten Beschützung und Erlösung.)

30. Da stand der Pharao auf und alle seine Knechte in derselben Nacht und alle Ägypter, und wurde ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, da nicht ein Toter innen wäre.

Großes Geschrei: Weil ihnen ein solcher schrecklicher Unfall begegnet war.

31. Und er forderte Mose und Aaron in der Nacht und sprach: Macht euch auf und zieht aus von meinem Volk, ihr und die Kinder Israel; geht hin und dient dem Herrn, wie ihr gesagt habt.

Und Aaron: Welchen der König Pharao kurz zuvor aufs Ernstlichste verboten hatte, dass sie nicht mehr vor seine Augen kommen sollten, die muss er jetzt, aus Not dazu gezwungen, selber wieder zu sich fordern.

Dem Herrn: In der Wüste.

32. Nehmt auch mit euch eure Schafe und Rinder, wie ihr gesagt habt; geht hin und segnet mich auch.

Segnet mich auch: Das ist: Bittet den Herrn für mich, dass ich mit den Meinen nicht gar zugrunde gehe.

33. Und die Ägypter drangen das Volk, dass sie es eilend aus dem Lande trieben; denn sie sprachen: Wir sind alle des Todes.

Des Todes: Nämlich, wenn die Kinder Israel nicht bald aus dem Lande kommen.

34. Und das Volk trug den rohen Teig, ehe denn er versäuert war, zu ihrer Speise, gebunden in ihren Kleidern, auf ihren Achseln.

Teig: Daraus sie ihnen Brot backen wollten und Speise zubereiten. Denn die Ägypter, so auf sie drangen, dass sie nicht Zeit hatten, ihr Brot zu backen, welches sie mit auf den Weg nehmen wollten, das sie es in der Wüste nach Verfließung der sieben Tage des Passahfestes zur Speise gebrauchen könnten.

35. Und die Kinder Israel hatten getan, wie Mose gesagt hatte, und von den Ägyptern gefordert silbernes und goldene Geräte und Kleider.

Gefordert: Es haben aber die Israeliten hieran nicht gesündigt, dass sie solche Sachen von den Ägyptern begehrt und danach behalten haben, denn sie hatten es auf Gottes Befehl getan. Und wollte der Herr auf diese Weise die Kinder Israels belohnen für die große Mühe und schwere Arbeit, die sie viele Jahre her in Ägypten verrichteten, davor sie von den Ägyptern noch nie einen Lohn empfangen hatten. Und ist zugleich auch die göttliche Verheißung erfüllt worden, da Gott der Herr dem Abraham vor vierhundert Jahren {1Mos 15v14}) zuvor gesagt hatte, dass seine Nachkommen aus ihrem Gefängnis ausziehen würden mit großem Gut und Reichtum. (Heutzutage berauben die Christen so die Ägypter, wenn sie aus der Heiden Schriften und Büchern allerlei gute und freies Künste studieren und sie zum guten Nutzen anwenden, dass es zur Ehre Gottes und Erbauung der Kirchen diene.)

36. Dazu hatte der Herr dem Volk Gnade gegeben vor den Ägyptern, dass sie ihnen leihten; und entwandten es den Ägyptern.

Leihten: Weil sie verlauten ließen, sie wollten es nur allein aufs Fest gebrauchen und danach ihnen wiedergeben.

Entwandten: Dass sie es alles behielten und mit sich hinwegnahmen.

37. Also zogen aus die Kinder Israel von Raemses gen Suchoth, sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Kinder.

Raemses: Welches ein Ort im Lande Gosen war, von fort von dort sie ausgezogen sind und haben ihr erstes Nachtlager in Suchoth gehalten.

38. Und zog auch mit ihnen viel Pöbelvolk und Schafe und Rinder und fast viel Viehes.

Pöbelvolk: Welches nicht von dem Samen Israels war, sondern zum Teil erkaufte Knechte und Mägde zum Teil auch anderer fremdes Personal, so es sich zu ihnen geschlagen hatte. (Welches bereits ein Zeichen war, dass auch die Heiden einst der göttlichen Verheißungen teilhaftig werden sollten, die den Israeliten gegeben waren.)

39. Und sie backten aus dem rohen Teig, den sie aus Ägypten brachten, ungesäuerte Kuchen; denn es war nicht gesäuertes, weil sie aus Ägypten gestoßen wurden, und konnten nicht verziehen und hatten sich sonst keine Nahrung zubereitet.

Zubereitet: Auf den Weg. Denn nur den ungesäuerten rohen Teig.

40. Die Zeit aber, die die Kinder Israel in Ägypten gewohnt haben, ist vierhundertunddreißig Jahre {1Mos 15v13 Apg 7v6}.

Vierhundert: Diese Jahre muss man nicht zu zählen anfangen, da Jakob in Ägypten hinabgezogen war, sondern von der Zeit an, da Gott Abraham aus Chaldäa berufen und ihn heißen, ins Land Kanaan, in der Fremde herumziehen mit der Verheißung, dass Christus aus seinem Samen soll herkommen und geboren werden und dass er das Land Kanaan besitzen soll, um welche Zeit er auch aus Hungersnot getrieben in Ägypten ziehen musste, von dort er doch bald später wieder auszog. Denn Paulus fängt diese 430 Jahre an, zu zählen von der Verheißung, so sie dem Abraham geschehen ist, welche ihm gegeben wurden im 430. Jahr vor dem Ausgang der Kinder Israel aus Ägypten.

41. Da dieselben um waren, ging das ganze Heer des Herrn auf einen Tag aus Ägyptenland.

42. Darum wird diese Nacht dem Herrn gehalten, dass er sie aus Ägyptenland geführt hat; und die Kinder Israel sollen sie dem Herrn halten, sie und ihre Nachkommen.

Gehalten: Das ist: Dieselbe Nacht wird jährlich Gott zu Ehren gefeiert.

43. Und der Herr sprach zu Mose und Aaron: Dies ist die Weise, Passah zu halten: Kein Fremder soll davon essen.

Weise: Das ist: Über die vorerzählten Zeremonien sollt ihr auch diese Satzungen in Achthaben, wenn ihr das Passah haltet.

Passah: (Nach Luther) Heißt ein Gang, darum, dass der Herr durch Ägyptenland des Nachts ging und schlug alle Erstgeburt tot. Bedeutet aber des Christus Sterben und Auferstehen, damit er von dieser Welt gegangen ist und in demselben Sünde, Tod und Teufel geschlagen und uns aus dem rechten Ägypten geführt hat zum Vater, das ist unser Passah oder Ostern.

Fremder: Der nicht ein Jude und noch nicht beschnitten noch dem Volk Gottes einverleibt ist. (Denn wer durch den Glauben im Herzen nicht beschnitten ist, noch durch die Taufe wiedergeboren und also der christlichen Kirchen nicht einverleibt wurde, der kann auch der Guttaten Christi nicht fähig sein und zum Brauch des heiligen Abendmahls nicht zugelassen werden.)

44. Aber wer ein erkaufter Knecht ist, den beschneide man, und dann esse er davon.

Beschneide man: Wenn er mit euch vom Osterlamm essen will. Denn sonst kann er dieser Speise nicht teilhaftig werden.

45. Ein Hausgenosse und Mietling sollen nicht davon essen.

Mietling: Welche nicht sind von dem Samen Abrahams, auch durch die Beschneidung dem Volk Gottes nicht einverleibt sind.

Davon: Solange sie sich nicht beschneiden lassen.

46. In einem Hause soll man es essen; ihr sollt nichts von seinem Fleisch hinaus vor das Haus tragen; und sollt kein Bein an ihm zerbrechen.

Tragen: (Denn es ist eine einzige wahre christliche Kirche, außer welcher keine Seligkeit ist. Es sind aber die Glieder dieser Kirchen durch die ganze Welt zerstreut.)

Kein Bein: (Also sind auch des Herrn Christi Gebeine, welcher das rechte Osterlamm gewesen ist, am Kreuz nicht zerbrochen worden, wie der Evangelist Johannes im Kapitel 19 solches erklärt. Und obwohl seine Glieder die Gläubigen in dieser Welt auf mancherlei Weise geplagt und umgetrieben werden: So werden sie doch nicht allerdings zerbrochen und zunichtegemacht, sondern auch im Tode selbst zum ewigen Leben erhalten.)

47. Die ganze Gemeinde Israel soll solches tun.

Ganze Gemeinde: So viel ihres Alters wegen solche Zeremonie verrichten können.

Solches tun: Nämlich, dass sie das Passah schlachten und essen. (Gleich, wie aber die kleinen Kinder in der Wiege an dies Gebote nicht gebunden waren, dass sie auch hätten vom Osterlamm essen müssen: Also soll man auch die jungen Kinder, welche sich selber noch nicht prüfen können, zum Nachtmahl nicht zulassen {1Kor 11v28 v29}.)

48. So aber ein Fremdling bei dir wohnt und dem Herrn das Passah halten will, der beschneide alles, was männlich ist; als dann mache er sich herzu, dass er solches tue, und sei wie ein Einheimischer des Landes; denn kein Unbeschnittener soll davon essen.

Fremdling: Der nicht aus eurem Volk ist.

Wie ein Einheimischer: Das ist: Alsdann soll er so gut geachtet werden als ein geborener Jude.

49. Einerlei Gesetz sei dem Einheimischen und dem Fremdling, der unter euch wohnt.

Gesetz: Nämlich, so viel diese Zeremonie betrifft.

50. Und alle Kinder Israel taten, wie der Herr Mose und Aaron hatten geboten.

51. Also führte der Herr auf einen Tag die Kinder Israel aus Ägyptenland mit ihrem Heer.

Ihrem Heer: Denn es hat das ganze Volk Israel ein sehr großes Heer gemacht, als darin an streitbarer Mannschaft gewesen sind, sechs Mal hunderttausend. (Und ist diese herrliche Erlösung ein Vorbild unserer Erlösung gewesen, da der Sohn Gottes uns vom Tod, Teufel und Hölle durch die Kraft seines Verdienstes erlöst und ausgeführt hat.)


Das 13. Kapitel


I. Gott befiehlt wiederum, dass man das Osterfest jährlich halten solle v. II. Und eignet ihm die Erstgeburten zu, welche ein Vorbild Christi des rechten Erstgeborenen, waren. v. III. Die Israeliten nehmen die Gebeine Josephs mit sich aus Ägypten. v. 19. IV. Gott geht vor den Israeliten her und weist ihnen den Weg, bei Tag in der Wolkensäule und zu Nacht in der Feuersäule. v. 20.

1. Und der Herr redet mit Mose und sprach:

2. Heilige mir alle Erstgeburten, die allerlei Mutter bricht bei den Kindern Israel, beide unter den Menschen und dem Vieh, denn sie sind mein {2Mos 22v30 34v19 4Mos 3v13 8v17 v18 15v16 5Mos 15v19 Lk 2v23}.

Heilige: Also dass du sie mir absonderst von allem weltlichen Tun und zur Erhaltung des Gottesdienstes aufbehältst. Denn sie gebühren mir von Rechts wegen, weil ich durch Errettung der Ägypter Erstgeburt mein Volk zur Freiheit gebracht habe.

Mutter bricht: Das ist: So zum ersten aus Mutterleibe kommt oder das eine jegliche Mutter unter Menschen und Vieh zum ersten Mal auf die Welt bringt.

3. Da sprach Mose zum Volk: Gedenkt an diesem Tag, an dem ihr aus Ägypten aus dem Diensthause gegangen seid, dass der Herr euch mit mächtiger Hand von hinnen hat ausgeführt. Darum sollst du nicht Sauerteig essen.

Diensthause: Also nennt er das Ägyptenland, weil sie darinnen in harter Dienstbarkeit gewesen.

Mächtiger Hand: Indem, dass er seine große Macht hat sehen lassen.

Essen: Nämlich die ganzen sieben Tage über, in denen ihr jährlich das Passahfest halten sollt, zum Gedächtnis dieser göttlichen Wohltat.

4. Heute seid ihr ausgegangen in den Mond Abib.

Abib: (Luther) Ist der Mond, den wir April heißen, denn die Hebräer heben ihr neues Jahr an, nach der Natur, wenn alle Dinge wieder neu grünen und wachsen. Darum heißt er auch Mentis Novorum, dass denn alles neu wird.

Abib: Welcher Mond zum Teil in unseren März, zum Teil in April fällt, zu welcher Zeit des Jahres die Erde und Bäume wieder grünen.

5. Wenn dich nun der Herr bringen wird in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Heviter und Jebusiter, dass er deinen Vätern geschworen hat, dir zu geben, ein Land, da Milch und Honig innen fließt. So sollst du diesen Dienst halten und diesem Mond.

Und Jebusiter: Denn dieselben Völker haben im Lande Kanaan gewohnt.

Geschworen: Oder mit einem Eid den Patriarchen verheißen hat.

Und Honig: Das ist: Welches überflüssig hat alles, was man zur Unterhaltung dieses zeitlichen Lebens benötigt.

Dienst: Nämlich diese Zeremonien, die euch Gott zu halten geboten hat.

6. Sieben Tage sollst du ungesäuertes Brot essen und am siebenten Tage ist des Herren Fest.

Fest: Da ihr sollt zusammenkommen, Gottes Wort zu hören, das gemeine Gebet zu tun und die Opfer zu verrichten.

7. Darum sollst du sieben Tagen ungesäuertes Brot essen, dass bei dir kein Sauerteig noch gesäuertes Brot gesehen werde an allen deinen Orten.

Ungesäuertes Brot: (Luther). So hart wird der Sauerteig verboten, dass man ja das lautere Evangelium und Gottes Gnade nicht unser Werk und Gesetz soll predigen nach der Auferstehung Christi. Wie S. Paulus {1Kor 5v6} auch zeigt: Und ist solch Essen nichts anderes denn Glauben an Christus.

kein Sauerteig: [Denn welche Christi als das rechte Osterlamm genießen wollen, die müssen allen Sauerteig der falschen Lehre und bösen Lebens ausfegen.] Von welchem Gleichnis droben Bericht geschehen.

8. Und sollt euren Söhnen sagen an dem selbigen Tage: Solches halten wir um des Willen, dass uns der Herr getan hat, da wir aus Ägypten zogen.

Sagen: Das ist: Ihr sollt diese Zeremonien, und das Gedächtnis der Erlösung auf eure Nachkommen fortpflanzen.

Tage: Wenn ihr das Passah oder Osterfest halten werdet.

Getan hat: Das ist: Um der Erlösung Willen, die uns von Gott widerfahren ist, halten wir dies fest zum Zeichen unserer schuldigen Dankbarkeit.

9. Darum sollt ihr sein ein Zeichen in deiner Hand und ein Denkmal vor deinen Augen, auf dass des Herrn Gesetz sei in deinem Munde, dass der Herr dich mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt hat.

Zeichen: Nämlich solche Zeremonie mit dem ungesäuerten Brote und Haltung des Passah. Es will aber Gott nicht, dass sie diese Sache auf einen Zettel schreibt und auf die Kleider nähen sollen und also mit sich herumtragen, wie die letzten Juden aus einem närrischen Wahn getan haben. Sondern dass sie das Gedächtnis der göttlichen Guttat immerdar behielten und in keinen Vergeß stellten, gleichwie wir solcher Sachen nicht bald vergessen können, die wir in den Händen tragen und immerdar vor Augen haben.

Gesetz: Vom Essen des ungesäuerten Brotes aufs Osterfest und Aufopferung der Erstgeborenen.

10. Darum halte diese Weise zu seiner Zeit jährlich.

Zeit: Nämlich den vierzehnten Tag des Monden Abib.

11. Wenn dich nun der Herr in das Land der Kanaaniter, wie er dir und deinen Vätern geschworen hat und dir es gegeben,

12. so sollst du aussondern dem Herrn alles, was die Mutter bricht und Erstgeburt unter dem Vieh, das ein Männlein ist.

Aussondern: Dass es zum Gottesdienst gebraucht und angewendet werde. Darum wurden die Leviten anstatt aller männlichen Erstgeborenen unter den Israeliten zum Gottesdienst bestimmt und ausgesondert.

13. Die Erstgeburt vom Esel sollst du lösen mit einem Schaf, wo du es aber nicht löst, so brich ihm das Genick. Aber alle erste Menschengeburt unter deinen Kindern sollst du lösen.

Vom Esel: Weil nicht alle Tiere zum Opfer tauglich waren, so folgt jetzt, wie es mit derselben Erstgeburt soll gehalten werden.

Schaf: Weil man den Esel nicht opfern soll, so magst du dem Esel, wenn du ein Schaf dafür den Leviten zugestellt hast, behalten und zu deinem Nutzen gebrauchen.

Lösen: Hernach wird angezeigt werden, wie viel man von einem erstgeborenen Sohn zahlen solle. Nämlich fünf Sekel des Heiligtums, welche um die dritthalb Taler macht, solch Geld ist den Leviten zugutegekommen, die dem Herrn dienten im Kirchenamt.

14. Und wenn dich heute oder morgen dein Kind wird fragen: Was ist das? Sollst du ihm sagen: Der Herr hat uns mit mächtiger Hand aus Ägypten von dem Diensthause geführt.

Dein Kind: Das ist: Wenn jemand aus deinen Kindern dich fragen wird, was die Ursache sei, darum du die Erstgeburt opferst oder löst.

Was ist das?: Warum tust du das?

Geführt: Und hat uns von der allergrößten und grausamsten Dienstbarkeit erlöst.

15. Denn da Pharao hart war, uns loszulassen, erschlug der Herr alle Erstgeburt in Ägyptenland, von der Menschen Erstgeburt an bis an die Erstgeburt des Viehs. Darum opfere ich dem Herrn alles, was die Mutter bricht, das ein Männlein ist und die Erstgeburt meiner Kinder löse ich.

Hart war: Und sein Herz allerdings verstockte.

Des Viehs: Dessen er ebenso wenig als der Mensch verschonte.

Löse ich: Mit Geld.

16. Und das soll dir ein Zeichen in deiner Hand sein und ein Denkmal vor deinen Augen, dass uns der Herr hat mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt.

Das soll: Nämlich die Opferung der Erstgeburten.

Denkmal: Dadurch du zur Dankbarkeit gereizt werdest gegen Gott. [Gleichwie aber Mose zu Anfang dieses Kapitels die Haltung des Passah oder Osterfestes den Kindern Israel fleißig einbildet, weil das Osterlamm ein Vorbild war des unbefleckten Lämmleins Christi und durch die Erlösung aus Ägypten bedeutet war unsere Erlösung von der Tyrannei des Teufels: Also bringt er hier mit Fleiß auf die Opferung der Erstgeburt: Erstlich, damit die Erlösung aus Ägypten ihnen nicht aus dem Gedächtnis käme und dann dass die Leviten von den Opfern der Erstgeborenen als von ihrer Besoldung ihren Aufenthalt und Nahrung hätten. Und also das Kirchenamt erhalten würde. Sonderlich aber geschieht der Erstgeborenen so oft Meldung, dass wir uns erinnern sollen, gleichwie in Ägypten alle Erstgeburt ist umgebracht worden. Also sind alle Menschen nach ihrer Erstgeburt, wie sie Adams Kinder sind, nicht allein dem Zeitlichen, sondern auch dem ewigen Tode unterworfen. Und wiederum, dass, wenn wir hören von der Heiligung und Aufopferung der Erstgeborenen, wir unsere Augen des Glaubens auf Christus wenden, welcher der rechte Erstgeborene ist, weil er von Ewigkeit her vor allen Kreaturen auf unaussprechliche Weise ein Sohn vom Vater geboren und mit dem Vater eines Wesens ist, daher er der Erstgeborene vor allen Kreaturen genannt wird {Kol 1v15}. Und danach, weil er menschliche Natur an sich genommen, ist er auch der erstgeborene Sohn der Jungfrau Maria geworden. So ist er auch der Erstgeborene von den Toten {Kol 1v18}. Als der zuallererst von den Toten erweckt zum himmlischen und ewigen Leben eingegangen ist. Dieser Erstgeborene ist wahrhaftig heilig gewesen und von allen anderen Sündern abgesondert {Hebr 7v26}. Dazu Gott seinem Vater geheiligt und zum Gottesdienste verordnet, wie dass er Opfer von unvernünftigen Tieren brächte, sondern als der rechte Hohepriester sich selber aufopferte für der ganzen Welt Sünde, auf dass alle, die ihr Vertrauen auf ihn setzen, von wegen ihrer ersten fleischlichen und sündlichen Geburt und von wegen der daher entstehenden Sünde nicht umkommen, sondern durch des Erstgeborenen Christi Guttat das ewige Leben haben.]

17. Da nun Pharao das Volk gelassen hatte, führt sie Gott nicht auf der Straße durch der Philister Land, die am nächsten war. Denn Gott gedacht, es möchte das Volk bereuen, wenn sie den Streit sehen und wieder in Ägypten umkehren.

Da nun: Bis daher ist vom Fest des Passah und von Aufopferung der Erstgeburt weitläufig genug geredet worden. Jetzt kommt Mose wieder zur Beschreibung des Auszugs der Kinder Israels aus Ägypten.

Das Volk: Die Kinder Israel.

Nächsten: Denn es hätte Gott sein Volk auf dem nächsten Weg aus der Philister Land führen können. Weil aber die Philister den Israeliten spinnefeind waren, hat Gott die Israeliten verschonen wollen, als die im Glauben von der göttlichen Hilfe und Beistand noch nicht gar stark waren.

bereuen: Dass es sich hätte lassen aus Ägypten führen.

Streit sähen: Da die Philister sich ihnen widersetzen würden und den Durchzug nicht gestatten.

Umkehren: Weil sie sich würden schrecken lassen und gar zu sehr fürchten.

18. Darum führt er das Volk um auf die Straße durch die Wüste am Schilfmeer. Und die Kinder Israel zogen gerüstet aus Ägyptenland.

Die Wüste: Da ihnen keine Feinde würden entgegenkommen. [Also lässt uns Gott, als dem unsere Schwachheit am besten bekannt ist, nicht versucht werden über unser Vermögen.]

Schilfmeer: (Luther) Die Griechen heißen es das rote Meer von dem roten Sand und Boden. Aber die Hebräer heißen es das Schilfmeer von dem Schilf.

Schilfmeer: Welches also genannt worden von wegen, dass viel Schilf darin gestanden. Wird ansonsten auch das rote Meer geheißen, weil es roten Sand und einen roten Grund oder Boden hat.

gerüstet: (Luther) Hebräisch gefünftet. Was das sei, lassen wir andere suchen. Ob es sei, dass sie bei fünf Haufen gezogen oder bei fünfen nebeneinander gegangen sind oder was solche fünf sind. Denn von der fünften Rieben, so das Harnisch erreicht am Leibe (wie die Juden hier klügeln), verstehen wir nichts.

gerüstet: [Also auch wir, wenn wir in das himmlische Vaterland, dessen Vorbild das Land Kanaan gewesen, eingehen wollen, sollen mit den geistlichen Waffen als mit dem Schild des Glaubens und Schwert des Geistes etc. {Eph 6} gerüstet sein, damit wir den Sieg wider den Teufel erhalten.]

19. III. Und Moses nahm mit sich das Gebein Josephs, denn er hatte einen Eid von den Kindern Israel genommen und gesprochen: Gott wird euch heimsuchen, so führt meine Gebeine mit euch von hinnen {1Mos 50v25 Jos 24v32}.

Genommen: Da er sterben wollte.

Gott wird: Das ist: Gott wird mit der Tat gnädig sich erzeigen, dass er für euch sorge und wird euch aus Ägypten in das sehr lustige und fruchtbare Land Kanaan führen.

Gebeine: Auf dass mein Leib bei meinen Vätern ruhe, welche im Lande Kanaan begraben sind. Diesen des Josephs Befehl und letzten Willen haben die Israeliten nachgesetzt und die Gebeine Josephs mit sich genommen. [Denn die Testamente, welche ordentlicherweise gemacht sind, soll man aufrichtig und ohne falsch halten und keineswegs schwächen.]

20. Also zogen sie aus von Suchoth und lagerten sich in Etham vorn an der Wüste.

21. Und der Herr zog vor ihnen her, des Tages in einer Wolkensäule, dass er sie den rechten Weg führte. Und des Nachts in einer Feuersäule, dass er ihnen leuchtet zu Reisen Tag und Nacht {4Mos 14v14 Neh 9v12 Ps 78v14 Ps 105v39 1Kor 10v1}.

Rechten Weg: Auf welchem sie dem Land Kanaan zuziehen sollten.

22. Die Wolkensäule weicht nimmermehr von dem Volk des Tages noch die Feuersäule des Nachts.

Weicht nimmer: Solange sie in der Wüste gereist, bis sie zum Lande Kanaan gekommen sind. [Denn Gott ist immerdar bei seiner Kirche gegenwärtig, leitet und regiert sie. Welches er uns heutigen Tags leistet durch das Amt des Worts und der heiligen Sakramente. Denn durch das Wort weist er uns den Weg zum ewigen Vaterland und durch die Sakramente (wie die Israeliten durch die Wolken und Feuersäule) werden wir vergewissert, dass Gott wahrhaftig und dazu mit seiner Gnade bei uns gegenwärtig ist.]


Das 14. Kapitel


I. Die Ägypter fängt es an, zu bereuen, dass sie die Kinder Israels haben ziehen lassen, darum jagten sie ihnen mir einer großen Heereskraft nach v. 1. II. Da gereute es die Israeliten auch, dass sie aus Ägypten gezogen sind und beschuldigen Mose v. 10. III. Aber Gott führt die Israeliten unbeschädigt mitten durch das Meer v. 21. IV. Und ersäuft die Ägypter in demselben. Wird also die Kirche errettet und gehen die Tyrannen zugrunde, v. 26.

1. Und der Herr redete mit Mose und sprach:

Der: Jetzt erzählt Mose das große Wunderwerk, wie Gott sein Volk sicher und ohne alle Gefahr durch das Meer geführt hat, aber den König Pharao darin lassen ersäufen mit allem seinem Volk.

2. Rede mit den Kindern Israel und sprich, dass sie sich herumlenken und sich lagern gegen dem Tal Hiroth, zwischen Migdol und dem Meer, gegen Baal-Zephon, und darin gegenüber sich lagern ans Meer.

3. Denn der Pharao wird sagen von den Kindern Israel: Sie sind verirrt im Lande, die Wüste hat sie beschlossen.

Verirrt: Und wissen nicht, wo sie hinaus sollen: Sind des Landes und Weges unerfahren, darum sie von der rechten Straße sich verirrt haben.

Beschlossen: Das ist: Sie sind mit der Wüste, mit Meer und Bergen überall umgeben und wie eingeschlossen, dass sie nirgends hinaus entfliehen können, darum sind sie mir ins Garn gefallen.

4. Und ich will sein Herz verstocken, dass er ihnen nachjage, und will an dem Pharao und an aller seiner Macht Ehre einlegen, und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der Herr bin. Und sie taten also.

Verstocken: Das ist: Der Pharao wird nach Art seines gottlosen Herzens durch diese Gelegenheit, die ich ihm vorstellen will, wider mein Volk nur desto mehr erhitzt werden.

Ehre einlegen: Das ist: Ich will meine herrliche Majestät und große Gewalt sehen lassen, wenn ich den Pharao und sein Volk vertilge.

Inne werden: Also dass sie es mit ihren unwiederbringlichen Schaden und Verderben erfahren sollen.

Der Herr: Der ewige und wahre Gott, außerdem kein anderer Gott ist, und sollen sehen dass ihre ägyptischen Götzen nichts sind und durchaus keine Gewalt haben, weil sie die Ägypter von meiner Hand nicht erretten können. (Gleich, wie aber die Israeliten, da sie einmal aus Ägypten gegangen und vom Pharao losgelassen wurden, dennoch nicht aller Gefahr entronnen sind, sondern die Sache sich allerdings ansehen ließ, als wären sie in ein neues Unglück geraten, daraus sie doch Gott wunderlich wiederum erlöst: Also auch wir, die wir durch den Glauben an Christus und durch die Taufe von des Satans Gewalt befreit sein müssen, dennoch in dieser Welt mancherlei Anläufe des Teufels ausstehen, zu deren Überwindung uns Gott mit seinem Geiste Kraft gibt, dass wir nicht unten liegen.)

Taten also: Nämlich die Kinder Israels, wie ihnen befohlen war, dass sie ans Meer ihr Lager geschlagen haben.

5. Und da es dem Könige in Ägypten wurde angesagt, dass das Volk geflohen war, wurde sein Herz verwandelt und seiner Knechte gegen das Volk, und sprachen: Warum haben wir das getan, dass wir Israel haben gelassen, dass sie uns nicht dienten?

Geflohen: Denn die Ägypter verstanden jetzt, wie die Israeliten nicht der Meinung aus Ägypten gezogen waren, dass sie nach geendetem Fest in der Wüste und nach etlichen Tagen zur vorigen Dienstbarkeit wieder umkehren wollten, sondern dass sie die Flucht an die Hand genommen und nie wieder kommen wurden, welches dem König, da er es erfahren, sehr übel verdrossen.

Verwandelt: Denn es sie angefangen, zu bereuen dass sie das Volk Israel von sich gelassen hatten.

Das getan: Was ist uns in den Sinn gekommen?

Dienten? Weil ihre Dienstbarkeit uns so viel genutzt hat. Denn es treten der Pharao und die Ägypter wiederum in ihre vorige Fußstapfen, und es ist ihnen leid, dass sie dem Gebote und Befehl Gottes nachgekommen sind, und die Israeliten von sich gelassen haben, darum sie ihrem eigenen Unglück nachgehen, bis sie sich ins Verderben stürzen. (Denn wenn die Feinde Gottes durch eine schwere Strafe von Gott gedemütigt sind, so stellen sie sich eine Zeit lang, als ob sie sich wollten bekehren, oder doch zum wenigsten freundlicher sich erzeigen. Wenn sie aber Gelegenheit bekommen, so halten sie nicht Glauben, durch welche Treulosigkeit sie sich selber ins Verderben stürzen.)

6. Und er spannte seinen Wagen an und nahm sein Volk mit ihm

Volk: Das zum Kriege tauglich war.

7. und nahm sechshundert auserlesene Wagen, und was sonst von Wagen in Ägypten war, und die Hauptleute über all sein Heer.

Wagen: Denn man hat vorzeiten besondere Kriegswagen gehabt, deren man in Schlachten gebraucht und von denselben gestritten hatte: Solche Wagen hat auch der Pharao wider die Kinder Israel ausgeführt.

8. Denn der Herr verstockte das Herz des Pharaos, des Königs in Ägypten, dass er den Kindern Israel nachjagte. Aber die Kinder Israel waren durch eine hohe Hand ausgegangen.

Hohe Hand: Das ist: Gott hatte sie mit großer Herrlichkeit aus Ägypten geführt. Denn sie waren in ihrer Ordnung ausgezogen dazu in großer Menge über die sechsmal Hunderttausend und zwar mit vielem Gold und Silber und allerlei köstlichem Hausrat.

9. Und die Ägypter jagten ihnen nach und ereilten sie (da sie sich gelagert hatten am Meer) mit Rossen und Wagen und Reitern und allem Heer des Pharao im Tal Hiroth, gegen Baal-Zephon.

10. Und da der Pharao nahe zu ihnen kam, hoben die Kinder Israel ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her; und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem Herrn.

Kam: Mit seinem Heer.

Schrien: Weil ihrer etliche sehr Schwachgläubige waren: Zum Teil auch Gottlose darunter gefunden wurden, die mit Mose darüber einen Hader anfingen.

11. Und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns musstest wegführen, dass wir in der Wüste sterben? Warum hast du das getan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?

Sterben?: Wenn wir von des Königs Pharao Kriegsvolk erschlagen und umgebracht werden.

Das getan: Warum hast du einen so bösen und schädlichen Anschlag vor die Hand genommen.

12. ist es nicht das, dass wir dir sagten in Ägypten: Höre auf und lass uns den Ägyptern dienen? Denn es wäre uns ja besser, den Ägyptern zu dienen, denn in der Wüste sterben.

Sagten: Das ist: Haben wir nicht auch, da wir noch in Ägypten waren, dich davor gebeten, dass du uns nicht ausführen solltest, weil wir uns vor diesem Unglück besorgten.

Höre auf: Du darfst unserethalben nicht mehr anhalten, dass man uns aus Ägypten ziehen lasse.

Besser: Du hättest viel besser getan, wenn du von deinem Vorhaben abgestanden wärest.

Sterben: Da wir jetzt jämmerlich umkommen müssen. (Also trägt sich es noch wohl heutzutage zu, dass etliche welche sich zum Evangelium bekannt, oder einen anderen göttlichen Beruf angenommen haben, wenn Gefahr vorhanden ist, gar zu zaghaft sind und aus Ungeduld anfangen, die Kirchendiener mit Schmachworten anzugreifen, als wären sie an solchem allen schuldig.)

13. Mose sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. Denn diese Ägypter, die ihr heute seht, werdet ihr niemals sehen ewig.

Euch nicht: Vor dem Pharao, sondern setzt euer Vertrauen auf die göttlichen Verheißungen, welche von eurer Erlösung zu euch geschehen sind und euch nicht fehlen werden.

Steht fest: Seid nicht wankelmütig noch verzagt, sondern bleibt beständig.

Heil: Nämlich seine wunderbare Hilfe. Denn er wird euch heute mit großer Kraft und Herrlichkeit von euren Feinden erretten.

Niemals: Denn sie werden alle von Gott erwürgt und vom Wasser verschlungen werden.

14. Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

Stille sein: Und wird nicht nötig sein, dass ihr den Feinden eine Schlacht liefern müsstet. (Also ist der Kirchendiener Amt, dass sie die Leute in widerwärtigem glückhaftem Zustande trösten, beherzt machen und aufrichten sollen.)

15. Der Herr sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Kindern Israel, dass sie ziehen!

Was schreist du: (Nach Luther) Merke hier ein treffliches Exempel, wie der Glaube kämpft, zappelt und schreit in Nöten und Gefahr. Und wie er sich an Gottes Wort hält und von Gott Trost empfängt und überwindet.

schreist du: Warum bist du so kleinmütig und zaghaft. Ich hab dein Seufzen längst erhört. (Denn Gott erhört auch der frommen Seufzen wenngleich sie mit dem Munde kein Wort reden: Und weil Mose die Israeliten nicht allein mit Worten tröstet und stärkt, sondern auch mit innerlichem Seufzen und im Herzen emsig zu Gott betet und ihn seiner Verheißungen in so großer Gefahr erinnert, so erhört ihn Gott)

Ziehen: Näher hinzu zu dem Schilfmeer.

16. Du aber hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es voneinander, dass die Kinder Israel hineingehen, mitten hindurch auf dem Trockenen.

Stab: Damit du so viel Wunder und Zeichen in Ägypten getan hast.

teile es: Durch ein Wunder, dass es auf beiden Seiten weiche und den Israeliten Platz gebe, damit sie also einen sicheren Weg bekommen, auf dem sie dem Pharao und seiner Macht entgehen können.

17. Siehe, ich will das Herz der Ägypter verstocken, dass sie euch nachfolgen. So will ich Ehre einlegen an dem Pharao und an aller seiner Macht, an seinen Wagen und Reitern.

Ehre einlegen: Das ist: Mein Name soll dadurch geehrt und gepriesen werden, wenn man hören wird, dass ich den Pharao mit seinem mächtigen Heer ins Wasser gestürzt und ersäuft habe. (Denn obwohl wir unwürdig sind, dass uns Gott erlösen soll, so kommt er uns doch zu Hilfe um seines Namens Ehre willen.)

18. Und die Ägypter sollen es innewerden, dass ich der Herr bin, wenn ich Ehre eingelegt habe an dem Pharao und an seinen Wagen und Reitern.

19. Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und machte sich hinter sie; und die Wolkensäule machte sich auch von ihrem Angesicht und trat hinter sie {Ps 78v14 105v39}.

Der Engel: Das war der Sohn Gottes, welcher die Kinder Israel geleitete des Tages in einer Wolkensäule und des Nachts in der Feuersäule.

Hinter sie: Das ist: Der Sohn Gottes, welcher sich seinem Volk in der Wolkensäule gegenwärtig erzeigte und bis daher vor die Israeliten hergegangen war, wendet sich zu dem letzten Haufen der Israeliten, als dass er denselben jetzt nachging, vor die er zuvor hergegangen war.

20. und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Es war aber eine finstere Wolke und erleuchtete die Nacht, dass sie die ganze Nacht, diese und jene, nicht zusammenkommen konnten.

Finster: Nämlich auf der Seite, da sie sich den Ägyptern zuwandte, also dass die Ägypter in einer stockdichten Finsternis waren.

Erleuchtet: (Nach Luther) Das ist: Es war ein Wetterleuchten in den dicken Wolken.

Erleuchtet: Auf der anderen Seite gegen die Israeliten zu, also dass die Kinder Israels dieselbe Nacht wie zuvor keines anderen Lichts bedurften.

Nicht zusammen: Waren also die Kinder Israels versichert, obwohl sie die Feinde nahe auf den Hals hatten, bis sie durch das Meer hindurch kamen.

21. Da nun Mose seine Hand reckte über das Meer, ließ es der Herr hinwegfahren durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken; und die Wasser teilten sich voneinander.

Reckte: Nämlich mit dem Stabe.

Teilten: Also dass sie den Israeliten einen Platz in der Mitte ließen, dadurch sie gehen konnten und der Boden im Meer auch ausgetrocknet wurde von einem Ostwinde, dass sie trockenen Fußes hindurchgingen.

22. Und die Kinder Israel gingen hinein, mitten ins Meer auf dem Trockenen; und das Wasser war ihnen für Mauern zur Rechten und zur Linken {Jos 4v23 Ps 78v13 106v9 1Kor 10v1 Hebr 11v29}.

Mauern: In die Höhe aufrecht stehend.

23. Und die Ägypter folgten und gingen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharaos und Wagen und Reiter, mitten ins Meer.

Folgten: Denn sie meinten, der Weg durch das Meer stünde ihnen ebenso frei und offen wie dem Volk Israel und besorgten sich durchaus keiner Gefahr.

24. Als nun die Morgenwache kam, schaute der Herr auf der Ägypter Heer aus der Feuersäule und Wolke und machte ein Schrecken in ihrem Heer;

Schaute: Aus einem gerechten Zorn als ein gerechter und strenger Richter.

Aus der: Denn der Sohn Gottes war in derselben Wolke und Feuersäule.

Schrecken: Dass sie sich schändlich in die Flucht begaben.

25. und stieß die Räder von ihren Wagen, stürzte sie mit Ungestüm. Da sprachen die Ägypter: Lasst uns fliehen von Israel! Der Herr streitet für sie wider die Ägypter.

Die Räder: Also dass sie in einem Augenblick zerbrachen oder abliefen und die Wagen umgestürzt wurden.

Ungestüm: Das ist: Gott hat den Pharao samt seinem Heer mit großer Gewalt zur Erde und zu Boden gestürzt.

Der Herr: Ihr Gott. Denn die Ägypter empfanden, dass die göttliche Gegenwart ihnen zuwider war. (Und kann Gott seinen Feinden und in der Eile einen solchen Schrecken einjagen, dass sie auch vor einem rauschenden Blatt fliehen.)

26. Aber der Herr sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, dass das Wasser wieder herfalle über die Ägypter, über ihre Wagen und Reiter.

Wasser: Welches bis daher wie eine Mauer aufrecht gestanden war.

Über die Ägypter: Denn die Kinder Israel waren bereits hindurchgekommen und standen jenseits des Wassers auf dem trockenen Erdboden.

27. Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer; und das Meer kam wieder vor Morgens in seinen Strom, und die Ägypter flohen ihm entgegen. Also stürzte sie der Herr mitten ins Meer,

Flohen: Da sie wiederum zurückkehren wollten und zum Meer hinaus begehrten.

28. dass das Wasser wiederkam und bedeckte Wagen und Reiter und alle Macht des Pharao, die ihnen nachgefolgt waren ins Meer, dass nicht einer aus ihnen überblieb.

Nicht einer: So großen Ernst brauchte Gott wider die Ägypter.

29. Aber die Kinder Israel gingen trocken mitten durch das Meer; und das Wasser war ihnen für Mauern zur Rechten und zur Linken.

Für Mauern: Und hatte ihnen einen sicheren Pass oder Durchzug gelassen. (Gleich, wie aber nicht alle Israeliten so durch das Meer gegangen in das Land Kanaan gekommen sind, sondern um ihrer Bosheit willen in der Wüste danieder geschlagen wurden: Also gehen nicht alle Christen, so sie getauft sind, zum ewigen Leben ein, sondern nur allein die, welche im wahren Glauben sterben: Die anderen, so sie den Glauben mit Worten oder Werken verleugnen und nicht Buße tun, kommen um, wie Paulus lehrt {1Kor 10}.)

30. Also half der Herr Israel an dem Tage von der Ägypter Hand. Und sie sahen die Ägypter Tod am Ufer des Meers,

Also half: Mit diesem herrlichen Wunderwerk hat Gott bezeugt, dass er der einzige ewige und wahrhaftige Gott sei, außerdem kein anderer mag gefunden werden. Und dass er seine Verheißung genau halte, dazu ein mächtiger Erretter sei derer, die ihre Hoffnung und all ihr Vertrauen auf ihn setzen: Dass er auch ein strenger Richter sei und an die Feinde seiner Kirchen ernstliche Strafe übe.)

31. und die große Hand, die der Herr an den Ägyptern erzeigt hatte. Und das Volk fürchtete den Herrn, und glaubten ihm und seinem Knechte Mose.

Fürchtete: Das ist: Sie haben des rechten Gottes Majestät, Wahrheit, Güte und Ernst erkennen lernen.

Glaubten: Das ist: Sie haben geglaubt, dass dies der rechte und wahrhaftige Gott sei und erkannt, dass Mose kein Betrüger, sondern Gottes getreuer Diener und ein Prophet wäre, dessen Worten sie ebenso wohl Glauben geben und gehorchen müssten, als wenn Gott selbst von Himmel mit ihnen redete. (Denn wir sollen aus den göttlichen Guttaten immer je länger je mehr von Tag zu Tage im Glauben zunehmen. Und sind durch dies Wunderzeichen alle Schriften Mose bestätigt worden.)


Das 15. Kapitel


I. Mose und die Kinder Israel singen Gott einen Lobgesang, in dem sie Gottes Güte, Weisheit und Allmacht preisen, der seine Kirche wunderlich erhält v. 1. II. Da die Israeliten drei Tage Durst leiden, zeigt ihnen Gott ein Holz, dadurch das bittere Wasser süß gemacht wird v. 22.

1. Da sang Mose und die Kinder Israel dies Lied dem Herrn und sprachen: Ich will dem Herrn singen; denn er hat eine herrliche Tat getan: Ross und Wagen hat er ins Meer gestürzt {Ps 106v12}.

Sang: (Denn man soll Gott für seine Guttaten danken und seine Macht und herrliche Taten preisen und auf unser Nachkommen bringen und verkündigen lassen.)

Singen: Gott Lob und Dank sagen.

Herrliche Tat: Welche ewigen Lobes wert ist.

Ross und: Nämlich das ganze Heer der Ägypter und des Königs Pharao, welche meistenteils Reiter und zu Pferde waren.

2. Der Herr ist meine Stärke und Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen; er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben {Ps 118v14}.

Und Lobgesang: Das ist: Der Herr hat mit seiner Stärke und Allmacht mich beschützt, darum will ich ihm Lob singen.

Heil: Der mich von meinen Feinden errettet hat.

Preisen: Mit meinem Lob so viel in mir ist.

Vaters Gott: Nämlich meiner Voreltern, welchen Abraham, Isaac und Jacob geehrt haben. Denn er ihnen viel und große Guttaten erzeigte, darum will ich ihm dankbar sein.

Erheben: Das ist: Ich will seine Güte und Allmacht hoch rühmen.

3. Der Herr ist der rechte Kriegsmann. Herr ist sein Name.

Kriegsmann: Der so viel tausend Feinde zugleich umbringen und daniederlegen kann.

Name: Das ist: Dieser Gott wird richtig Jehova geheißen von seiner Beständigkeit und seinem Wesen. Denn dieser Gott besteht wahrhaftig, dagegen alle andere Götzen der Heiden nichts sind als nur vergebliche Namen. Derselbe Gott hat durch die Erschaffung allen Dingen ihr Wesen gegeben, dass sie sein, welche ohne ihn zunichtewürden. Dieser Herr leistet wahrhaftig, was er versprochen hat und hält sein Versprechen für gewiss.

4. Die Wagen Pharaos und seine Macht warf er ins Meer, seine auserwählten Hauptleute versanken im Schilfmeer.

Die Wagen: Jetzt fährt Mose weiter fort und erklärt insbesondere, was Gott kurz zuvor ausgerichtet, dabei er seine große Kraft sehen lassen hat.

Hauptleute: Welche für andere streitbar und des Kriegs erfahren waren.

5. Die Tiefe hat sie bedeckt, sie fielen zugrunde wie die Steine.

Tiefe: Des Meers.

6. Herr, deine rechte Hand tut große Wunder; Herr, deine rechte Hand hat die Feinde zerschlagen.

Hand: Das ist: deine Allmacht und unermessliche Gewalt.

Große Wunder: Das ist: Sie hat sich herrlich erzeigt in der großen Niederlage der Feinde.

Feinde: Pharao mit seinem ganzen Heer.

Zuschlagen: Aufgerieben und vertilgt.

7. Und mit deiner großen Herrlichkeit hast du deine Widerwärtigen gestürzt; denn da du deinen Grimm ausließest, verzehrte er sie wie Stoppeln.

Gestürzt: Darum sollen wir in Gefahr unser Vertrauen auf solchen mächtigen Gott setzen, gegen welchen der ganzen Welt Kräfte nichts vermögen.

Denn da: Bis daher hat er Gottes Kraft und Allmacht gepriesen, jetzt zeigt er auch seinen Ernst an, die Gottlosen zu strafen.

Ausließest: Das ist: Sehen ließest wider die Feinde deines Volkes.

Wie Stoppeln: Das ist: Sie sind in einem Augenblick untergegangen und umgekommen.

8. Durch dein Blasen taten sich die Wasser auf, und die Fluten standen auf Haufen; die Tiefe wallte voneinander mitten im Meer.

Blasen: Das ist: Sobald dein Zorn als ein Feuer aufgeblasen wurde und du dir vorgenommen hast, die Ägypter zu vertilgen.

Haufen: Zu beiden Seiten gleichsam aufgehäuft als Berge, bis die Israeliten hindurchgingen, denen es einen trockenen Weg hindurch machte.

Wallt: Also dass es nicht nacheinander abfloss, sondern über sich stieg und fest stand, als ob es wäre gefroren gewesen.

9. Der Feind dachte: Ich will ihnen nachjagen und erhaschen und den Raub austeilen und meinen Mut an ihnen kühlen; ich will mein Schwert ausziehen, und meine Hand soll sie verderben.

Feind: Nämlich der Pharao, der sich sehr überhob und gute Hoffnung hatte, er wollte den Sieg davonbringen.

Ihnen: Den flüchtigen Israeliten.

Austeilen: Wenn ich den Feind überwunden habe.

Ausziehen: Das ist: Ich will sie mit keckem Mut anfallen und das Schwert nicht in die Scheide stecken, ehe ich sie vertilgt habe. (Also pflegen die Feinde des Volkes Gottes vor dem Sieg zu rühmen. Wenn sie aber so gar sicher und übermütig sind, so ist ihr Untergang am nächsten vor der Tür.)

10. Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie, und sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser.

Wind: Das ist: Du hast mit der Kraft und Stärke deines Heiligen Geistes der Feinde unzeitigen Ruhm daniedergelegt.

Wasser: Also dass sie zum Ausschwimmen nicht Platz fanden. (Darum soll man Gott fürchten als einen strengen Richter und Rächer über alles gottlose Wesen.)

11. Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig sei?

Den Göttern: Ist auch kein anderer Gott in der Welt, der mit diesem unserem Gott verglichen werden könnte. Als wollte er sagen: Es ist keiner. Darum gebührt dir einigen Gott allein alle Ehre und Ruhm.

Mächtig: Von großer unermesslicher Kraft und Stärke.

Heilig: Den man von wegen seiner Heiligkeit, da man ihn keiner Sachen wegen beschuldigen kann, richtig in hohen Ehren halten soll.

Schrecklich: Wen du ein Exempel deines Zorns sehen ließest die Gottlosen zu strafen.

Löblich: Als ein gerechter und allmächtiger Gott.

Wundertätig: Der große und herrliche Wunderwerke tut.

12. Da du deine rechte Hand ausreckst, verschlang sie die Erde.

Ausreckst: Das ist: Deine Macht wider sie sehen ließest.

Verschlang: Das ist: Sie sind schnell untergegangen, als wenn sie die Erde verschlungen hätte, da du unterdes den Israeliten deine Güte erzeigt hast.

13. Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast, und hast sie geführt durch deine Stärke zu deiner heiligen Wohnung.

Geleitet: Das ist: Du hast dein Volk gnädiglich und väterlich durch das Meer geführt.

Stärke: Wunderbare Kraft.

Wohnung: Welche du wirst heißen aufrichten in deinem Volk. Denn Mose wusste, weil er durch einen prophetischen Geist erleuchtet war, dass man bald später Gott eine Hütte würde aufrichten müssen, welche gleichsam als eine Wohnung und Zeugnis wäre der Gegenwart Gottes in seinem Volk. (Denn obwohl wir unwürdig dazu sind, dass uns Gott helfen soll, so will doch Gott um seines Namens Ehre Willen seine bußfertige Kirche und Gemeinde nicht verlassen.)

14. Da das die Völker hörten, erbebten sie; Angst kam die Philister an;

Völker: Zu denen wir ziehen zur Einnahme des Landes Kanaan.

Hörten: Das ist: Hören werden. Denn es ist eine Weissagung von der zukünftigen Furcht der Völker, da sie der Kinder Israel Herkunft vernehmen würden. Und pflegen die Propheten von zukünftigen Dingen zu reden, als ob sie schon geschehen wären von wegen der Gewissheit ihrer Weissagung. Will darum sagen: Wenn die Leute werden erfahren mit was großem Wunderwerk uns Gott durch das Schilfmeer geführt hat und den Pharao mit seinem Heer darin ersäuft, werden sie davor erschrecken.

Philister: Zu denen wir ziehen, die werden sich auch sehr entsetzen.

15. da erschraken die Fürsten Edoms; Zittern kam die Gewaltigen Moabs an; alle Einwohner Kanaans wurden feige.

Erschraken: Das ist: Sie werden vor Furcht nicht wissen, wo sie hinsollen.

Feige: Das ist: Sie werde allerdings verzagt und kraftlos sein und uns nicht widerstehen dürfen.

16. Lass über sie fallen Erschrecken und Furcht durch deinen großen Arm, dass sie erstarren wie die Steine, bis dein Volk, Herr, hindurchkomme, bis das Volk hindurchkomme, das du erworben hast.

Lass: Jetzt wendet sich Mose zum Gebet und bittet Gott, dass er in Kurzem erfüllen wolle, was er durch ihn allererst lassen weissagen und zuvor verkündigen. (Denn je gewissere Verheißungen wir von Gott haben, je emsiger sollen wir ihn um Erfüllung derselben bitten und anrufen.)

Arm: Das ist: durch deine unermessliche Andacht.

Erstarren: Dass sie sich wider uns nicht regen dürfen.

Hindurch komme: Durch ihre Länder, welche die Kinder Israel werden durchziehen müssen, wenn sie ins Land Kanaan reisen.

Erworben: Auserwählt hast, dass es dein eigen und liebes Volk sei, dem du wohltust und das dich ehrt.

17. Bringe sie hinein und pflanze sie auf dem Berge deines Erbteils, den du, Herr, dir zur Wohnung gemacht hast, zu deinem Heiligtum, Herr, das deine Hand bereitet hat.

Hinein: Die Israeliten ins Land Kanaan.

Pflanze: Dass sie einen ständigen Sitz haben.

Erbteils: Das ist: Im verheißenen Lande darin du dir einen Berg auserwählen wirst, dass deine Hütte darin aufgerichtet werde, da deine Kirche und Gemeinde sich versammle und dich ehre, welche du zum Erbteil erwählt hast: Gleich, wie die Fürsten ihre Untertanen zum Erbteil in ihrer Besitzung haben, von denen sie geehrt werden.

Gemacht hast: Oder wirst machen lassen zu Jerusalem.

Heiligtum: Das ist: zum heiligen Ort in deiner Hütte.

Bereiter: Das ist: Welches auf deinen Befehl und mit deiner Hilfe wird erbaut werden. (Obwohl nun aber die Hütte und der Tempel zu Jerusalem längst zerstört sind, jedoch so pflanzt der Sohn Gottes nichtsdestoweniger sein Volk, das ist: Er beschützt und erhält seine Auserwählten und lässt sie wiedergeboren werden in seiner himmlischen Wohnung oder seinem Heiligtum, nämlich in der christlichen Kirche, da das Wort Gottes unverfälscht gepredigt wird und die Sakramente nach der Ordnung Gottes recht ausgespendet werden, da werden die Auserwählten durch den Heiligen Geist erhalten, dass sie niemand aus der Hand Christi, ihres getreuen Hirten, reißen kann)

18. Der Herr wird König sein immer und ewig.

Der Herr: Jetzt beschließt Mose sein Lied.

König sein: Gnädig und gütig gegen den Frommen, aber ernsthaft und streng gegen den Gottlosen ohne Ende. Wie er dessen ein augenscheinliches Exempel vorgestellt hat. (Wir aber sollen bei der Erzählung der Titel und Namen Gottes, wenn, wir hören, dass Gott gerecht, gütig, allmächtig und gnädig sei, uns erinnern und aufmuntern, Gott zu trauen und ihn zu fürchten.)

19. Denn Pharao zog hinein ins Meer mit Rossen und Wagen und Reitern, und der Herr ließ das Meer wieder über sie fallen. Aber die Kinder Israel gingen trocken mitten durch das Meer.

Fallen: Und ersäuft sie alle miteinander im Wasser.

20. Und Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand; und alle Weiber folgten ihr nach hinaus mit Pauken am Reigen.

Und Mirjam: Mose hatte mit seinem Lobgesang die Männer aufgemuntert, den Herrn zu loben. Es haben aber auch die Weiber solche wunderbare Guttat Gottes rühmen und preisen sollen. (Denn obwohl die Weiber nicht öffentlich in der Gemeinde lehren sollen, so ist es doch recht und wohlgetan, dass sie lernen und Psalmen singen, auf dass sie dadurch auch im Glauben und in der Furcht Gottes gestärkt werden.)

Prophetin: Welche mit der Gabe der Weissagung und dass sie zukünftige Ding zuvor verkündigen konnte, vom Heiligen Geist geziert war.

Pauken: Sie hat ein solch musikalisches Instrument genommen, darin sie das Lied Mose auf eine besondere Weise singen könne mit solchen Worten, wie wir allererst gehört haben.

21. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen; denn er hat eine herrliche Tat getan, Mann und Ross hat er ins Meer gestürzt.

Ihnen: Nämlich den Lobgesang, welchen Mose gemacht hatte, und der Anfang desselben hier wiederholt wird. Den es hat Mirjam mit den Weibern denselben bis zu Ende ausgesungen. (Obwohl nun Gott mit den mancherlei Stimmen im Gesang und den musikalischen Instrumenten nicht belustigt wird, so gefällt ihm dennoch ein solcher Gesang wohl, welcher aus einem dankbaren Herzen herkommt. Darum ist die Musik, als eine Gabe Gottes, in der Kirche zu Gottes Lobe recht.)

22. Mose ließ die Kinder Israel ziehen vom Schilfmeer hinaus zu der Wüste Sur. Und sie wanderten drei Tage in der Wüste, dass sie kein Wasser fanden.

Ziehen: Und da sie meinten, dass sie aller Gefahr entronnen wären, so überfällt sie allererst wiederum ein neues Unglück. (Denn wenn Gott aus einer Gefahr errettet, hat es darum nicht die Meinung, dass uns künftig in unserem ganzen Leben nichts Widerwärtiges zustehen soll, sondern will, dass wir uns immer auf andere und größere Zufälle gefasst machen, bis wir endlich nach dem zeitlichen Tode von allem Übel erlöst mit ihm der ewigen Seligkeit im Himmel teilhaftig werden.)

Wasser: Haben also drei ganze Tage, weil sie in der Wüste gereist sind, Durst gelitten.

23. Da kamen sie gen Mara; aber sie konnten des Wassers zu Mara nicht trinken, denn es war fast bitter. Daher hieß man den Ort Mara.

Mara: (Nach Luther) Heißt bitter und bedeutet Leiden und Anfechtung, welche durch das Kreuz Christi im Glauben auch süß werden {Mt 11v29 v30}.

Mara: Welcher Ort, da dieser gegenwärtig geschieht, so sich dabei zugetragen später also genannt wurden. Denn Mara heißt Bitterkeit. Und obwohl sie nach langem Umherziehen zu diesem Ort kamen, wo sie Wasser angetroffen haben, sie doch den Durst damit nicht löschen konnten, weil es gar zu bitter war.

24. Da murrte das Volk wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken?

Murrte: Aus Ungeduld von wegen des großen Durstes.

Was sollen: Wir haben in drei Tagen kein Wasser gehabt, und da wir jetzt einmal Wasser bekommen, ist es so bitter, dass wir es nicht genießen können. Daraus ist gut abzunehmen, dass wir in dieser Wüste eines jämmerlichen Todes und Durstes sterben werden: Darum es viel besser gewesen wäre, dass wir entweder in Ägypten geblieben oder zugleich mit dem Pharao im Schilfmeer untergegangen, denn so hätten wir innerhalb einer Stunde des Todes Bitterkeit überwunden. Jetzt werden wir mit einer langwierigen Marter geplagt und gepeinigt, bis wir endlich gar kraftlos werden und verschmachten. (Hier sieht man, welch ein großer Unglaube in der Menschen Herz steckt, denn sie kurz zuvor so viel herrliche Wunderwerk in Ägypten gesehen hatten und waren kaum durch das Schilfmeer geführt worden, dennoch fangen sie an, an der Güte und Allmacht Gottes zu zweifeln. Damit uns aber dergleichen auch nicht begegne, sollen wir uns hüten, dass wir unsere Augen nicht allzu sehr auf das gegenwärtige Unglück wenden, sondern vielmehr auf das Wort und die Verheißungen Gottes sehen, so werden wir den Glauben behalten.)

25. Er schrie zu dem Herrn; und der Herr zeigte ihm einen Baum, den tat er ins Wasser; da wurde es süß. Dort stellte er ihnen ein Gesetz und ein Recht und versuchte sie

Schrei: (Denn wir können in unserem widerwärtigen Zustande keine bessere noch gewissere Arznei finden, als wenn wir mit unserem Gebet, so es aus Glauben kommt, zu Gott unsere Zuflucht haben.)

Baum: Dass er denselben soll ins Wasser werfen und so das Wasser süß und lieblich zu trinken machen.

Süß: Also dass keine Bitterkeit mehr daran gespürt wurde. (Gleich, wie aber die Kinder Israel das bittere Wasser nicht haben können trinken, bis dass der Baum, den Gott ihnen gezeigt hatte, hineingeworfen wurde: Also kann die Bitterkeit der Trübsale nicht recht von uns geduldet und aufgenommen werden, wo wir nicht den Baum des Kreuzes Christi mit dem Glauben dazutun, das ist: Es sei denn, dass wir glauben, dass Christus durch sein Leiden uns das ewige Leben erworben habe, so werden uns die bitteren Wasser der Trübsale süß.)

Er ihnen: Nämlich Gott, der Herr, dem israelitischen Volk.

Gesetze: Das ist: Gott hat einen Anfang gemacht, des Gesetzes und dem Volk folgende Satzung vorgehalten, dadurch er sie immer gewöhnen wollen, dass sie das Joch des Gesetzes auf sich nehmen, welches er ihnen später in Sinai auflegen würde.

Versuchte: Ob sie des Jochs gewöhnen wollten.

26. und sprach: Wirst du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und zu Ohren fassen seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich der Krankheit keine auf dich legen, die ich auf Ägypten gelegt habe; denn ich bin der Herr, dein Arzt.

Halten: Gott fordert den Gehorsam seiner Gebote mit vielen Worten, und damit das Volk desto williger gehorchte, setzte er eine liebliche Verheißung hinzu.

Keine: Das ist: Du sollst den Krankheiten nicht unterworfenen sein, damit ich die Ägypter geplagt habe. (Ist deswegen das allerbeste Mittel wider alle Krankheiten, der Gehorsam und die Einhaltung der Gebote Gottes.)

Arzt: Das ist: Ich kann und will dir deines Leibes Kräfte erhalten und stärken, solange und viel es vonnöten ist. (Darum, welche entweder am Leibe oder Gemüt krank sind, die sollen zuallererst mit ihrem Gebet, das sie aus Glauben tun, diesen allerbesten erfahrensten und bestbewährten Arzt suchen und danach die ordentlichen Mittel und Hilfe der Arznei gebrauchen.)

27. Und sie kamen nach Elim, da waren zwölf Wasserbrunnen und siebzig Palmbäume; und lagerten sich dort ans Wasser.

Elim: Welches ein sehr lustiger Ort war.

Wasserbrunnen: Mit hellem und gesundem Wasser.

Palmbäume: Welche guten, wohlschmeckende Früchte trugen, damit sie sich erlabten.

Ans Wasser: An einen Ort, der ihnen wohl gelegen war und da es ihnen am besten gefiel. (Denn Gott pflegt seinen Gläubigen ihre Unfälle und Trübsal zu lindern und mit untergemengter Erquickung zu erfrischen.)


Das 16. Kapitel


I. Die Israeliten lagern sich an einen lustigen Ort und ergötzen sich dort ihres Leides v. 27. II. Später, da sie um Speise murren, gibt ihnen Gott des Abends Wachteln und des Morgens man oder Himmelsbrot, und solches alle Tage außerhalb des Sabbats v. 2. III. Auch befiehlt Gott, dass man ein Gomor voll Man am Heiligen Ort gut behalten soll zum ewigen Gedächtnis der göttlichen Güte v. 15.

1. Von Elim zogen sie, und kam die ganze Gemeinde der Kinder Israel in die Wüste Sin, die da liegt zwischen Elim und Sinai, am fünfzehnten Tage des anderen Monden, nachdem sie aus Ägypten gezogen waren.

2. Und es murrte die ganze Gemeinde der Kinder Israel wider Mose und Aaron in der Wüste

Murrte: Denn weil die Speise, so sie mit sich aus Ägypten genommen, verzehrt war und sie in der Wüste und Einöde herumzogen, haben sie angefangen, an ihrem Leben zu verzagen.

3. und sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des Herrn Hand, da wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten die Fülle Brot zu essen! Denn ihr habt uns darum ausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde hungers sterben lasst.

Sprachen: Aus Ungeduld und Misstrauen gegen Gott.

Hand: Das ist: Es wäre uns viel besser gewesen, dass uns Gott in Ägypten umgebracht hätte, als dass er uns in die Wüste geführt hat, da nichts zu essen ist.

Fülle Brot: Das ist: Obwohl wir in harter Dienstbarkeit waren, so hatten wir doch keinen Mangel an Brot und Fleisch und allerlei Speise. Jetzt aber werden wir müssen hungers sterben.

Hungers: Was werdet ihr denn wohl für eine Strafe verdient haben, dass ihr so viel tausend Menschen ins Verderben stürzt? Ist es aber nicht ein seltsamer und wunderlicher Handel? Es hatten die Israeliten innerhalb wenig Tagen aller Wunderwerke vergessen, die Gott in Ägypten getan, und dass sie unverletzt trockenen Fußes durch das Schilfmeer gegangen waren. Auch neulich das bittere Wasser in süß verwandelt gesehen: Und glauben dennoch nicht, dass sie Gott wolle oder könne in der Wüste ernähren, darum wünschen sie ihnen selbst aus großer Ungeduld den Tod und lästern Gott und seine Diener Mose und Aaron. (Es klebt aber die Ungeduld und das Misstrauen und die Widerwärtigkeit allen Menschen von Natur an, denen man widerstehen soll mit Gegenüberstellung der göttlichen Verheißungen und mit einem inbrünstigen Gebet, aber nicht mit Schmähen und Lästern, dadurch Gott noch heftiger erzürnt wird: Wie noch wohl heutzutage etliche tun, welche der papistischen Tyrannei vergessen haben, so sie erlitten, und sobald ihnen etwas mangelt, sehen sie sich wieder um zurück nach den ägyptischen Fleischtöpfen. Das ist: Sie begehren, sich wieder unter die päpstliche Abgötterei zu begeben.)

4. Da sprach der Herr zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und sammeln täglich, was es des Tages bedarf, dass ich es versuche, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht.

Da sprach: Es hätte zwar Gott die Israeliten nach seinem gerechten Gericht und ihrem Verdienst können in Grund und Boden vertilgen, um solches ihres großen Unglaubens und gottlosen Wesens willen: Aber weil er ihnen verheißen hatte, dass er sie wollte ins Land Kanaan führen, hat er lieber wollen an seine Wahrheit, als an ihre Bosheit denken. Darum er sich vornimmt, sie viel mehr zu ernähren, als zu strafen.

Regnen: Das ist: Ich will euch künftig vom Himmel Speise und Nahrung geben.

Versuche: Das ist: Ich habe sie bisher versucht mit Widerwärtigkeit, Hunger und Durst dadurch ich dieses Volkes Unglaube und gottloses Wesen an Tag komme und bekannt würde: Jetzt will ich ihnen Gutes tun und Nahrung geben, damit man sehe, wie dankbar oder undankbar sie sein werden. (Denn Gott versucht uns auf mancherlei Weise mit widerwärtigem und glücklichem Zustand, damit wir unsere verdorbene Natur erkennen und uns vor Gott demütigen und lernen, dass wir nicht durch unsere Verdienste, sondern aus lauter Gnaden Gottes durch den Glauben die Seligkeit erlangen.)

5. Des sechsten Tages aber sollen sie sich schicken, dass sie zwiefältig eintragen, weder sie sonst täglich sammeln.

Zwiefältig: Damit sie auch des siebten Tages, welcher der Sabbat ist, an dem die Israeliten nicht arbeiten dürften, zu essen haben.

6. Mose und Aaron sprachen zu allen Kindern Israel: Am Abend sollt ihr innewerden, dass euch der Herr aus Ägyptenland geführt hat,

Am Abend: Das ist: Der Herr wird in Kurzem mit neuen und herrlichen Wunderwerken bezeugen, dass wir nicht aus eigener Willkür oder aus Vorwitz euch aus Ägypten geführt haben, sondern aus einem göttlichen Befehl.

7. und des Morgens werdet ihr des Herrn Herrlichkeit sehen; denn er hat euer Murren wider den Herrn gehört. Was sind wir, dass ihr wider uns murrt?

Er: Nämlich Gott, der Vater.

Den Herrn: Das ist: Wider Gott den Sohn. Und hättet ihr gar wohl eine harte Strafe verdient Aber Gott wird nach seiner großen Güte viel mehr ansehen, was zur Erstattung eures Mangels vonnöten ist, als was euer Murren wohl verschuldet hätte, und wird euch ernähren, obwohl ihr dessen nicht wert seid. (Und hat man hier den Unterschied der Personen in der Gottheit in Acht zu nehmen. Denn eine andere Person ist, die da sagt, sie habe das Murren gehört, aber ein andere, wider welche die Kinder Israel gemurrt hatte.)

8. Weiter sprach Mose: Der Herr wird euch am Abend Fleisch zu essen geben und am Morgen Brot die Fülle, darum dass der Herr euer Murren gehört hat, das ihr wider ihn gemurrt habt. Denn was sind wir? Euer Murren ist nicht wider uns, sondern wider den Herrn.

Die Fülle: Das ist: Zu voller Genüge, bis ihr satt werdet. Durch das Brot versteht er aber, das Man, von dem bald später folgen wird.

Nicht wider: Das ist: Es ist uns gar nicht, um unser großes Ansehen oder unsere Hoheit zu tun, die wir nur Diener Gottes sind, aber weil ihr uns unschuldigerweise mit aufrührerischen Schmach- und Lästerworten angreift, so tut ihr solches unserem Herrn Gott selbst an. (Also wenn wir wider diejenigen murren und uns auflehnen, oder ihnen übel nachreden, die uns Gott vorgesetzt hat, es sind gleich getreue Kirchendiener oder im Stand der Weltlichen Obrigkeit, welche ihrem Amt begehren, treu nachzukommen, so geht solche Lästerung und Nachrede nicht so sehr ihre Person an, sondern geschieht wider Gott selbst.)

9. Und Mose sprach zu Aaron: Sage der ganzen Gemeinde der Kinder Israel: Kommt herbei vor den Herrn; denn er hat euer Murren gehört.

Kommt: Das ist: Versammelt euch und stellt euch vor den Herrn.

Gehört: Und wird mit einem augenscheinlichen Zeichen euch allen seine Gegenwart erklären, dass ihr sehen werdet, wie Gott noch bei euch sei und euch in der vorstehenden Not, da ihr sonst Mangel leiden müsstet, erhalte: Die Widerspenstigen aber und Unbußfertigen wird er zu seiner Zeit wohl finden und zur Strafe ziehen.

10. Und da Aaron also redete zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel, wandten sie sich gegen die Wüste; und siehe, die Herrlichkeit des Herrn erschien in einer Wolke.

Gemeinde: Die sich versammelt hatten, und denen er ihren Unglauben und Ungeduld vorhielte.

Erschien: Das ist: Die Wolke, welche sonst das Volk immer begleitet, hat mit einer viel größeren Herrlichkeit geschienen und sich sehen lassen denn zuvor also, dass jedermann wohl merken konnte, wie Gott wahrhaftig gegenwärtig wäre.

11. Und der Herr sprach zu Mose:

12. Ich habe der Kinder Israel Murren gehört. Sage ihnen: Zwischen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen Brot satt werden und innewerden, dass ich der Herr, euer Gott bin.

Gehört: Und hätte Ursache, einen Ernst wider sie zu gebrauchen. Aber auch diesmal will ich sie lieber mit Wohltaten zufriedenstellen als mit Plagen, Strafen und Verderben.

Innewerden: Ihr sollt durch meine Wunderzeichen und Guttaten lernen.

Euer Gott: Der ich bisher für euch gesorgt und weiter Sorge tragen will.

13. Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Heer. Und am Morgen lag der Tau um das Heer her.

Bedeckten: Denn es hat Gott in einem Augenblick eine solche Menge Wachteln herzu gebracht, dass der Israeliten Lager ein Ansehen gehabt, als wäre es mit Wachteln bedeckt und überzogen, welche sich leicht fangen lassen von denen sich die Israeliten später ihre Speise zubereiteten. Im 4. Buch Mose, Kapitel 11, haben sie zum anderen Mal durch ihr Murren Wachteln erlangt und damals ist die schwere göttliche Rache darauf erfolgt. Aber jetzt hat er ihnen ihre Sünde oder Ungeduld verziehen. (Denn wenn Gott mit einer Sünde oft erzürnt wird, straft er solche zuletzt aufs Schärfste.)

Morgen: Nämlich des folgenden Tages. (Das aber Gott ihnen nicht bald noch denselben Abend Brot dazu gegeben zum Fleisch, hat er sie und uns damit lehren wollen, dass wir uns mit dem sollen begnügen lassen, was zu Erhaltung unseres Lebens vonnöten ist, obgleich wir nicht alles zum Überfluss haben können, wie wir es begehren.)

14. Und als der Tau weg war, siehe, da lag es in der Wüste rund und klein, wie der Reif auf dem Lande {Neh 9v15 Ps 78v24}.

15. Und da es die Kinder Israel sahen, sprachen sie untereinander: Das ist Man; denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der Herr zu essen gegeben hat {Joh 6v31 1Kor 10v3}.

Man: (Nach Luther) Das heißt, eine Gabe, welches bedeutet, dass uns das Evangelium ohne unsere Verdienste und Gedanken aus lauter Gnaden vom Himmel gegeben wird, wie dies Man auch gegeben wurde.

Man: Heißt auf Deutsch eine Gabe, und wird darunter verstanden Gottes oder von Gott. (Es wird aber das Evangelium dadurch gedeutet, welches ohne unsere Verdienst und Gedanken aus lauter Gnaden vom Himmel gegeben wird wie dies Man.)

Wussten nicht: Das ist: Obwohl sie so viel merken und verstehen konnten, dass es eine göttliche Gabe und ein Geschenk wäre, so konnten sie doch nicht wissen, was es für eine Materie sei.

Sprach: Weil sie sich darüber verwunderten und nicht wissen konnten, was sie daraus machen sollten.

Gegeben hat: Und weiter geben wird.

16. Das ist es aber, das der Herr geboten hat: Ein jeglicher sammle des, soviel er für sich essen mag, und nehme ein Gomor auf ein jegliches Haupt, nach der Zahl der Seelen in seiner Hütte.

Geboten hat: Dass ihr halten und in Acht nehmen sollt, wenn ihr das Himmelsbrot einsammelt.

Essen mag: Nämlich auf einen Tag.

Gomor: Welches ein Maß war einer täglichen Speise, so viel man in einem Tag essen möge.

Zahl: Das ist: nachdem der Personen viel oder wenig sind. Also, dass so viel Menschen ein jeder in seiner Hütte bei sich hat, so viel Maß oder Gomor soll er sammeln.

17. Und die Kinder Israel taten also und sammelten, einer viel, der andere wenig.

18. Aber da man es mit dem Gomor maß, fand der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht drunter, der wenig gesammelt hatte, sondern ein jeglicher hatte gesammelt, soviel er für sich essen mochte.

Nicht darüber: Nämlich nicht mehr als seine Notdurft erforderte. Welches denn ein besonderes Wunderwerk war. Denn obwohl sie ungleich gesammelt hatten, also dass einer dem Ansehen nach weniger bekommen, als er Personen in seiner Hütte hatte: Hingegen andere meinten, sie hätten mehr aufgesammelt als vonnöten sein möchte, so ist doch überall eine große und richtige Gleichheit gefunden worden. (Also, obwohl etliche aus Geiz viel Güter zusammenbringen, werden sie doch darum nichts desto mehr ernährt als andere, denen Gott nur allein das tägliche Brot gibt, das heißt, ihnen ihre notdürftige Unterhaltung gibt. Und da Gott etliche Fromme reichlich segnet, andere aber mangeln lässt, so sollen die Reichen mit ihrem Überfluss den Dürftigen zu Hilfe kommen, damit solcher Gestalt unter den Christen eine gebührliche Gleichheit gehalten werde, wie Paulus uns ermahnt {2Kor 8}, da er diese Geschichte anzieht.)

Nicht drunter: Das ist: Nicht weniger, denn so viel er zur Erhaltung der Seinen bedürfe.

Essen mochte: Täglich mit seinem Personal.

19. Und Mose sprach zu ihnen: Niemand lasse etwas davon über bis morgen.

Bis Morgen: Nämlich des folgenden Tages. Denn weil man täglich fand, war es vonnöten, dass man etwas aufbewahrte. (Und verwirft Gott der geizigen Leute Misstrauen hiermit, welche nicht ruhig sein können, sie haben denn einen großen Vorrat auf viel Jahr hinterlegen. Wiederum aber weil nicht täglich, sondern nur einmal des Jahres Ernte wird, so lehrt uns Salomon in seinen Sprichwörtern, Kapitel 6, dass, weil wir Gelegenheit haben, ehrlicher- und gebührlicherweise etwas einzusammeln, so sollen wir es tun, damit wir uns selbst und anderen aufhelfen können, wenn Hungersnot einfällt.)

20. Aber sie gehorchten Mose nicht. Und etliche ließen davon über bis morgen; da wuchsen Würmer darin, und wurde stinkend. Und Mose wurde zornig auf sie.

Etliche: Welche gar zu geizig waren.

Stinkend: Nämlich, dass es zu nichts mehr Nutzen war.

Zornig: Weil sie es wider des ausdrücklichen Befehls Gottes aufbehalten hatten, da sie es dessen nicht bedurften. (Also, welche aus Geiz wider Gottes Gebote und durch verbotene Mittel Reichtum zusammenbringen oder aus gar zu großer Kargheit dieselben behalten, da sie den Armen sollten damit zu Hilfe kommen, die werden erfahren, dass sie entweder von den zu Unrecht erworbenen Gütern, oder die sie zu genau gespart haben, keinen Nutzen noch Freude haben werden.)

21. Sie sammelten aber desselben alle Morgen, so viel ein jeglicher für sich essen mochte. Wenn aber die Sonne heiß schien, zerschmolz es.

Verschmolz: Darum man es beizeiten auflesen musste. (Und soll man die Gelegenheiten in Verrichtung gebührender Sachen nicht versäumen.)

22. Und des sechsten Tages sammelten sie des Brot zwiefältig, je zwei Gomor für einen. Und alle Obersten der Gemeinde kamen hinein und verkündigten es Mose.

Für einen: Das ist: Für einen jeden Menschen, da sonst die andere Tage keiner mehr als ein Gomor fand, wie viel er auch aufgesammelt hatte.

Verkündigten: Mit Verwunderung über den Ratschluss und Güte Gottes, dass sie am sechsten Tage das doppelte Maß gefunden hatten.

23. Und er sprach zu ihnen: Das ist es, das der Herr gesagt hat: Morgen ist der Sabbat der heiligen Ruhe des Herrn; was ihr backen wollt, das backt, und was ihr kochen wollte, das kocht; was aber übrig ist, das lasst bleiben, dass es behalten werde bis morgen.

Gesagt hat: Der hat euch heißen, am sechsten Tage zwiefältig einzusammeln, darum hat er es auch doppelt gegeben.

Ruhe: Das ist: Morgen müsst ihr still sein und ruhen von der Einsammlung der Speise, denn der morgende Tag, welcher der siebte ist in der Woche, ist zu der Ruhe geheiligt und eingesetzt, dass ihr von eurer gewöhnlichen Arbeit feiern sollt, damit ihr das Wort Gottes hören und den Gottesdienst halten könnt.

Übrig ist: Nämlich vom Man, dass ihr nicht alles auf den heutigen sechsten Tag verzehren werdet, den anderen Teil hebt auf, damit ihr den anderen Tag auch zu essen habt.

24. Und sie ließen es bleiben bis morgen, wie Mose geboten hatte; da wurde es nicht stinkend, und war auch kein Wurm darin.

Bleiben: Nämlich, den Teil des man, so sie gesammelt hatten, behielten sie auf.

Nicht stinkend: Welches doch sonst zu geschehen pflegte, da sie etwas überbleiben ließen, wie zuvor gemeldet wurde.

25. Da sprach Mose: Esst das heute, denn es ist heute der Sabbat des Herrn; ihr werdet es heute nicht finden auf dem Felde.

Heute: Nämlich was ihr gestern gesammelt und aufbehalten habt.

Nicht finden: Obgleich ihr hinausgingt und sammeln wolltet.

26. Sechs Tage sollt ihr sammeln, aber der siebte Tag ist der Sabbat, darin wird‘s nicht sein.

27. Aber am siebten Tage gingen etliche vom Volk hinaus zu sammeln, und fanden nichts.

Siebten Tage: Der dem Sabbat und der Ruhe zugeeignet war.

Zu sammeln: Ungeachtet, dass es Mose ausdrücklich verboten hatte.

Fanden nichts: (Also, was für Arbeit in Feiertagen geschieht und den Gottesdienst versäumt, da ist kein Glück bei)

28. Da sprach der Herr zu Mose: Wie lange weigert ihr euch, zu halten meine Gebote und Gesetze?

Weigert: Das ist: Warum häuft ihr eine Sünde über die andere?

29. Seht, der Herr hat euch den Sabbat gegeben; darum gibt er euch am sechsten Tage zwei Tage Brot. So bleibe nun ein jeglicher in dem Seinen, und niemand gehe heraus von seinem Ort des siebten Tages!

Gegeben: Dass ihr darin ruhen sollt.

Darum: Auf dass ihr eure Ruhe haben mögt an demselben siebten Tage.

Des Seinen: Das ist: in seiner Hütte.

Von seinem Ort: Das ist: Aus seiner Hütte in der Wüste, dass er wollte Man sammeln.

30. Also feierte das Volk des siebten Tages.

Feierte: Dass es ruhte und den Gottesdienst abwartete mit Beten und Opfern.

31. Und das Haus Israel hieß es Man. Und es war wie Koriandersamen und weiß, und hatte einen Geschmack wie Semmel mit Honig.

Hieß es: Nämlich dieselbe Speise und das Brot, welches sie in der Wüste auflasen.

Man: Das ist: eine Gabe nämlich von Gott.&

Mit Honig: Nämlich durcheinandergemengt und gebacken. Solche süße und liebliche Speise haben die Kinder Israels die ganze vierzig Jahr über gegessen, weil sie in der Wüste gewandelten.

32. Und Mose sprach: Das ist es, das der Herr geboten hat: Fülle ein Gomor davon, zu behalten auf eure Nachkommen, auf dass man sehe das Brot, damit ich euch gespeist habe in der Wüste, da ich euch aus Ägyptenland führte.

Geboten: Denn es hat Gott gewollt, dass dies Gedächtnis solcher Wohltat nie erlösche.

Davon: Nämlich, von dem Man oder Himmelsbrot.

Behalten: An einen besonderen und heiligen Ort.

Sehe: (Denn es hat Gott gewollt, ein Zeugnis hinterlassen, dass er diejenigen, welche in ihrem Beruf wandeln, zu ernähren pflege.)

33. Und Mose sprach zu Aaron: Nimm ein Krüglein und du ein Gomor voll Man hinein; und lass es vor dem Herrn, zu behalten auf eure Nachkommen.

Vor dem Herrn: Das ist: Stelle es an einen Ort, der zum Gottesdienst geheiligt und geweiht ist und da die Opfer verrichtet werden.

34. Wie der Herr Mose geboten hat, also ließ es Aaron dort vor dem Zeugnis, zu behalten.

Zeugnis: (Nach Luther) Das ist: An dem Ort, da man opfert und betet, und der Predigtstuhl war, ehe die Hütte waren, gemacht.

Zeugnis: Das ist: An dem Ort, da Gott seine Gegenwart mit Offenbarung seines Willens erklärte.

35. Und die Kinder Israel aßen Man vierzig Jahre, bis dass sie zu dem Lande kamen, da sie wohnen sollten; bis an die Grenze des Landes Kanaan aßen sie Man.

Wohnen sollten: Denn, wie sie das Land Kanaan mit ihrem Heerführer Josua erreicht und Getreide haben konnten, hat Gott kein Man mehr regnen lassen {Jos 5}. Aber vor der Zeit ist auf eine jede Person alle Tage ein Maß, welches man ein Gomor genannt, gesammelt worden. (Mit welchem großen Wunderwerk Gott seinem Volk zu verstehen geben wollte, dass er der wahre ewige und einzige Gott sei, außerdem kein anderer Gott ist, und dass Mose und Aaron nicht aus eigenem Mutwillen oder Vorwitz das Volk Israel ausgeführt haben, sondern auf Gottes Befehl. Besonders aber hat Gott auch damit bezeugen wollen, dass der Mensch nicht allein vom Brot lebe, sondern von einem jedem Worte, das aus dem Munde Gottes geht. Das ist: Dass Gott nicht daran gebunden sei, als ob er sonst keine Speise geben könnte. Denn durch solche Mittel, welche uns dazu tauglich und bequem zu sein erscheint, sondern vielmehr dass, so oft er Veränderung verheiße, habe er auch bald bereit und zur Hand, damit er den Menschen ernährt. Zudem so ist das Man ein Vorbild Christi gewesen. Denn der wird durch die Predigt des Evangeliums den Christen vorgetragen und wer an ihn glaubt, der isst Christus, das rechte Himmelsbrot wahrhaftig und lebt ewig wie Christus selbst, von dieser Sache weitläufig lehrt {Joh 6}.)

36. Ein Gomor aber ist das zehnte Teil eines Epha.


Das 17. Kapitel


I. Die Kinder Israel leiden abermals Durst und murren darüber: Da gibt ihnen Gott Wasser aus einem Felsen, welcher Christus bedeutete. v. 1. II. Die Amalekiter streiten wider die Israeliten: Welche doch obsiegen, solange Mose im Beten die Hände gen Himmel emporhebt. v. 8. III. Mose baut einen Altar zum Gedächtnis des Sieges, den sie von Gott erlangt hatten. v. 15.

1. Und die ganze Gemeinde der Kinder Israel zog aus der Wüste Sin, ihre Tagereisen, wie ihnen der Herr befahl, und lagerten sich in Raphidim. Da hatte das Volk kein Wasser zu trinken.

Ihre Tagesreisen: Das ist: Sie zogen mit dem ganzen Heer in ihrer Ordnung fort und lagerten sich an den Orten, da sie Gott eine Zeit lang bleiben hieß. Nach etlichen solchen Tagesreisen, welche im 4. Buch in Kapitel 33 ordentlich beschrieben werden, aber hier aus der Kürze willen ausgelassen sind, sind sie an dem Ort ankommen, der hier gemeldet wird, da sie des Durstes wegen wieder Not litten.

2. Und sie zankten mit Mose und sprachen: Gebet uns Wasser, dass wir trinken! Mose sprach zu ihnen: Was zankt ihr mit mir? Warum versucht ihr den Herrn?

Zankten: Aus ihrem gewöhnlichen Unglauben, ihrer Ungeduld und verkehrtem Wesen.

Mit mir? Als ob es meine Schuld wäre, dass ihr kein Wasser hättet.

Versucht ihr: Weil ihr zweifelt, ob ich euch auf Gottes Befehl aus Ägypten an diesen Ort geführt habe: Und traut seiner Güte nicht, dass er euch werde zu rechter Zeit Wasser geben.

3. Da aber das Volk dort dürstete nach Wasser, murrten sie wider Mose und sprachen: Warum hast du uns lassen aus Ägypten ziehen, dass du uns, unsere Kinder und Vieh Durst sterben ließest?

Ziehen: Als wollten sie sagen: Wer will glauben, dass du von Gott zu uns gesandt seist, dass du uns aus Ägypten führen solltest und nicht vielmehr vom Teufel geblendet wurdest, dass du uns also aus unbedachtem Mut in diesen Jammer gebracht hast: Denn wir können keine Gegenwart Gottes spüren. (Also pflegt unsere Fleisch und Blut unwillig und ungeduldig zu werden, auch in unserem ordentlichen Beruf, wenn uns widerwärtige Sachen zustoßen. Es ist aber das eine sehr große Sünde, wenn man Gott also versucht, dass man an seiner Gegenwart und Güte zweifelt.)

4. Mose schrie zum Herrn und sprach: Wie soll ich mit dem Volk tun? Es fehlt nicht viel, sie werden mich noch steinigen.

Tun? Das ist: Wie soll ich es stillen und zu Frieden bringen?

Steinigen: Wo du Gott ihnen nicht wirst Wasser geben, dass sie den Durst damit löschen. (Und tut Mose recht an diesem Ort, dass er sich mit dem Gebet zu Gott wendet. Denn wenn es uns übel geht, so sollen wir nicht anfangen zu fluchen und lästern, sondern unseren Herrn Gott um Hilfe anrufen. Obwohl aber die Geschichte in 4. Mose 20, da Mose und Aaron aus Unglauben gesündigt haben, mit dieser Historie in vielen Umständen übereintrifft und ihr sehr gleich seht, so ist es doch eine andere und auch nicht zu gleicher Zeit geschehen.

5. Der Herr sprach zu ihm: Gehe vorhin vor dem Volk und nimm etliche Älteste von Israel mit dir; und nimm deinen Stab in deine Hand, damit du das Wasser schlugst, und gehe hin {2Mos 14v21}.

Sprach: Obwohl Gott die Kinder Israels von ihres Unglaubens willen hätte können zur gerechten Strafe ziehen, so hat er sie doch viel lieber auch diesmal durch Guttaten wollen wiederum auf den rechten Weg bringen. (Also sollen wir auch lernen, von unserem Recht etwas nachgeben und zum Wohltun geneigter sind, als zu strafen.)

Volk: Welches dir nachfolgen soll bis zum Felsen in Horeb.

Ältesten: Als Zeugen des Wunderwerkes, so ich dort tun will.

Schlugst: Da du in Ägypten das Wasser in Blut verwandeltest.

6. Siehe, ich will dort stehen vor dir auf einem Fels in Horeb; da sollst du den Felsen schlagen, so wird Wasser heraus laufen, dass das Volk trinke. Mose tat also vor den Ältesten von Israel {4Mos 20v11 Ps 78v15 1Kor 10v4 Ps 95v9}.

Ich: Der Sohn Gottes.

schlagen: Mit deinem Stabe.

Laufen: In großer Menge dadurch alles Volk und ihr Vieh sollen erlabt werden und zu trinken haben, solange sie an diesem Ort bleiben. (Der Fels aber bedeutet Christus {1Kor 10}. Welcher der rechte Fels ist und die im Glauben auf ihn erbaut sind, werden unüberwindlich sein und unbeweglich bestehen wider allen Anläufen des Teufels {Mt 16}.) Gleich, wie aber Christus im heiligen Abendmahl seinen Leib durch des Kirchendieners Hand darreicht und zu essen gibt, denen die hinzu gehen, sie sind gleich würdig oder unwürdig: Also tränkt auch eben derselbe dort mit seinem Blut alle, die hinzugehen: Und welche dort das Blut Christi ohne wahren Glauben trinken, die trinken zwar auch von dem geistlichen Felsen, aber sind aus derjenigen Zahl, an denen Gott kein Gefallen hat, das ist: Welche der Sohn Gottes von wegen ihrer Unbußfertigkeit für keine Brüder erkennt. Die aber im gläubigen Herzen hinzugehen und das Himmelsbrot essen, desgleichen auch von dem geistlichen Fels Christo trinken, die werden nicht hungern noch dürsten ewig {Joh 6}. Das ist: Sie werden mit dem Fleisch und Blut des Sohnes Gottes erquickt, den Frieden eines guten Gewissens gegen Gott haben {Röm 5}. Gleich, wie aber unter den Israeliten viel Gottlose waren, welche doch nichtsdestoweniger das Wasser von dem Felsen tranken und dennoch nicht sind ins gelobte Land kommen, sondern später in der Wüste niedergeschlagen wurden {1Kor 10}. Also essen und trinken zwar ihrer viel unter den Christen den Leib und das Blut Christi, welche doch von wegen ihres Unglaubens nicht werden in das ewige Leben eingehen.)

Tat also: Nämlich: Mit dem Stabe, wie ihm befohlen war, dass er den Fels damit schlüge. Darauf das Wasser häufig herauslief.

7. Da hieß man den Ort Massa und Meriba um des Zankes willen der Kinder Israel, und dass sie den Herrn versucht und gesagt hatten: Ist der Herr unter uns oder nicht?

Massa: (Nach Luther) Heißt Versuchung.

Meriba: (Nach Luther) Heißt Zank.

Zanks: Dass sie mit Mose gezankt hatten.

Unter uns: Als hätten sie sagen wollen: Jetzt wollen wir in der Tat erfahren, ob Gott für uns sorge oder nicht, und ob Gott oder der Teufel uns aus Ägypten geführt hat? (Es wird aber diese Sünde den Israeliten in der Heiligen Schrift zu etliche Malen vorgeworfen, damit wir das verkehrte Wesen und Misstrauen des menschlichen Herzens lernen erkennen, welches schnell an der Güte Gottes zweifelt, so oft seine Hilfe nicht sofort erscheint und sich sehen lässt.)

8. Da kam Amalek und stritt wider Israel in Raphidim {4Mos 24v10 5Mos 25v17 1Sam 15v2}.

Da kam: Die Israeliten geraten abermals in ein neues und sehr gefährliches Unglück. (Denn welcher durch den Glauben vom Reich des Satans- wie die Kinder Israels aus Ägypten - einmal ausgegangen ist, der darf in dieser Welt von keiner beständigen Glückseligkeit sich träumen lassen, bis er das Ziel des ewigen Lebens erreicht hat, da wir einer vollkommenen und immerwährenden Glückseligkeit teilhaftig sein werden.)

Amalek: Dasselbe Volk welches man von einem mit Namen Amalek, der des Esaus Enkel gewesen {1Mos 36}, seinen Ursprung hatte.

Streit: Es haben aber die Amalekiter die Letzten im Haufen des Volkes Israel angegriffen, welche ferne des Wegs und anderer Beschwernis wegen ermüdet waren, dazu vor Hunger und Durst ermattet, dass sie dem ganzen Lager nicht gleich gehen oder folgen konnten, dieselben schlugen die Amalekiter und scheuten weder Gott (dem solche Grausamkeit zum Höchsten missfiel) noch die Blutsfreundschaft damit sie einander verwandt waren {5Mos 25}. (Es ist aber eine unmenschliche Grausamkeit, da man einen betrübten Menschen aus lauter Mutwillen noch mehr Bekümmernis macht, wie denn dergleichen Bosheit die Christen von der Welt oft erfahren und leiden müssen.)

9. Und Mose sprach zu Josua: Erwähle uns Männer, zieh aus und streite wider Amalek; morgen will ich auf des Hügels Spitze stehen und den Stab Gottes, in meiner Hand haben.

Josua: Seinem Diener. Der ein frommer Mann und streitbarer Held war.

Männer: Aus unserem Volk den Kindern Israels, welche dich fühlen werden, dass sie den Amalekitern an der Zahl und Kräften gleich sind und ihnen genügenden Widerstand tun können.

Zieh aus: Nämlich auf den morgenden Tag.

Stab Gottes: Dessen ich mich bisher gebraucht habe, wenn ich Wunderzeichen tun wollte.

Meiner Hand: Und will Gott bitten, dass er euch Sieg gebe, auch zugleich den Stab wider die Amalekiter ausstrecken. Es hat aber der Stab nicht selber die Kraft gehabt, dass, wenn er ausgestreckt wurde, die Feinde zu Boden schlagen, sondern weil Gott dem Propheten Mose dies Werkzeug in die Hand gegeben hatte, dass er sich dessen gebrauchen sollt, wenn er Wunderzeichen tun soll: So ist es geschehen, dass aus Kraft der göttlichen Verheißung, wenn der Stab ausgestreckt wurde und Mose betete, die Feinde geschlagen wurde.

10. Und Josua tat, wie Mose ihm sagte, dass er wider Amalek stritte. Mose aber und Aaron und Hur gingen auf die Spitze des Hügels.

11. Und dieweil Mose seine Hände emporhielt, siegte Israel; wenn er aber seine Hände niederließ, siegte Amalek.

Emporhielt: Dass er den Stab ausstreckte und den Herrn anrief, dass er die Feinde unterdrücken wollte.

12. Aber die Hände Moses waren schwer; darum nahmen sie einen Stein und legten ihn unter ihn, dass er sich darauf setzte. Aaron aber und Hur stützten ihm seine Hände, auf jeglicher Seite einer. Also blieben seine Hände steif, bis die Sonne unterging.

Schwer: Dass er sie so lange nicht emporheben konnte, wie es die Notdurft erforderte. (Also ist unser Fleisch, wenn es mit dem Satan streitet, träge und faul zum Gebet, darum muss man es durch die Kirchendiener mit dem Wort Gottes aufmuntern und stärken, bis der Satan unter unsere Füße getreten wird {Röm 16} und wir den Sieg davonbringen.)

Setzte: Und denselben ganzen Tag dem Gebet anhalten könnte.

13. Und Josua dämpfte den Amalek und sein Volk durch des Schwerts Schärfe.

Schwerts Schärfe: Das ist: Er hat die Amalekiter mit den Waffen darnieder gelegt und sie an Kräften so geschwächt, dass sie in die Länge nicht mehr widerstehe konnten.

14. Und der Herr sprach zu Mose: Schreibe das zum Gedächtnis in ein Buch und befiehl es in die Ohren Josuas; denn ich will den Amalek unter dem Himmel austilgen, dass man sein nicht mehr gedenke {4Mos 24v20}.

Gedächtnis: Das ist: Verzeichne beide Geschichten in ein Buch, nämlich der Amalekiter grausamen Wüterei, die müde und letztendlich von den Israeliten erschlagen wurden. Damit Josua und die Israeliten solcher bösen Tat der Amalekiter bedenkt sind und dieselbe zu seiner Zeit mit Ernst räche.

Austilgen: Von wegen dieser Grausamkeit, die er wider die armen Israeliten tat. (Es will aber Gott hiermit keineswegs die eigene oder private Rache befohlen oder gebilligt haben, sondern begehrt, dass die Obrigkeiten zuweilen einen gerechten Krieg führen, eine große Grausamkeit zu strafen, auf dass ein öffentliches Zeugnis in der Welt vorhanden sei, wie hoch es Gott missfalle und zuwider sei, wenn einer einen Menschen, der in einem göttlichen Beruf wandelt und vorhin viel Mühe und Gefahr ausstehen muss, mutwillig noch mehr betrübt oder gar unterdrücken sich untersteht.) Darum er später in 5. Mose 25 den Israeliten abermals befiehlt, dass sie die Amalekiter einmal einst vertilgen sollen. Und weil Saul, da ihm solches vom Samuel auf Gottes Befehl zu tun auferlegt wurde, es nicht fleißig ausrichtete, sondern der Amalekiter Könige und anderer köstlichen Sachen verschonte, wurde er darum von Gott verworfen {1Sam 15}.

15. Und Mose baute einen Altar und hieß ihn: Der Herr Nissi.

Baute: Zum Gedächtnis solches wunderbaren Sieges, den er erhalten hatte.

Nissi: (Nach Luther) Das heißt mein Panir.

Nissi: Bedeutet ein Panir oder Fähnlein. Als wollte er sagen: Der Herr ist in diesem Streit unser Fähnrich gewesen, der hat tapfer und glücklich in die Feinde gesetzt und einen herrlichen Sieg davongebracht und wird solches auch weiter tun, dass er die übrigen Amalekiter zu seiner Zeit ganz vertilgen wird.

16. Denn er sprach: Es ist ein Malzeichen bei dem Stuhl des Herrn, dass der Herr streiten wird wider Amalek von Kind zu Kindeskind.

Stuhl: Das ist: Gott hat auf dem Stuhl seiner Majestät mit aufgehoben Händen, wie die zu tun pflegen, welche einen Eid leisten, geschworen, dass er auch künftig die Amalekiter und ihre Nachkommen mit Krieg verfolgen wolle, bis er sie von der Erden vertilge.


Das 18. Kapitel


I. Jethro, der Priester in Midian, führt seinem Tochtermann Mose sein Weib Zipora und seine Kinder zu v. 1. II. Hörte danach, wie Mose die Wunderwerke und Guttaten Gottes erzählt, welche er den Israeliten erzeigt, und lobt Gott darüber v. 8. III. Gibt aber Mose einen gute Rat, wie er so ein großes Volk wohl regieren könne, und zeigt an, mit was für Tugenden eine Obrigkeit soll begabt sein v. 17.

1. Und da Jethro, der Priester in Midian, Moses Schwiegermuttervater, hörte alles, was Gott getan hatte mit Mose und seinem Volk Israel, dass der Herr Israel hätte aus Ägypten geführt,

Hörte: Denn das Gerücht von den Wunderzeichen, so sie in Ägypten geschehen waren, und wie die Kinder Israel durch das Schilfmeer gegangen waren, wurde überall erzählt und ist also auch dem Jethro kund geworden.

2. nahm er Zipora, Moses Weib, die er hatte zurückgesandt,

Zurück: Nämlich zu seinem Schwager mit seinen beiden Söhnen, da er auf dem Wege war nach Ägypten, wie in Kapitel 3. gehört wurde. Damit er seinen Beruf und sein Amt, so ihm von Gott auferlegt war, desto besser und ohne Hindernis nachkommen könnte in Ägypten.

3. samt ihren zwei Söhnen, der eine hieß Gersom; denn er sprach: Ich bin ein Gast wurden in fremdem Lande {2Mos 2v22};

Sprach: Nämlich, dass er Ursache anzeigte, warum er ihm solchen Namen gegeben hat.

Fremdem Lande: Nämlich im Lande Midian, welches mir Herberge und Unterschlupf gegeben hat, da ich aus Ägypten floh, damit mich der König Pharao nicht umbringen ließe. Denn Gersom heißt so viel als ein Fremdling.

4. und der andere Elieser; denn er sprach: Der Gott meines Vaters ist meine Hilfe gewesen und hat mich errettet von dem Schwert Pharaos.

Meines Vaters: Das ist: Der wahrhaftige Gott, welchen meine Väter und Voreltern geehrt haben.

Errettet: Dass mich der Pharao nicht zur Strafe gezogen hat wegen des Totschlags. Denn es hatte Mose aus einem besonderen Heldenmut einen ägyptischen Mann erschlagen, der einem Israeliten unrecht tat. Wie gehört in Kapitel 2.

5. Da nun Jethro, Moses Schwager, und seine Söhne und sein Weib zu ihm kamen in die Wüste, an den Berg Gottes, da er sich gelagert hatte,

Den Berg Gottes: Das war der Berg Horeb, welcher also genannt wurde, weil Gott seine Gegenwart darauf besonders geoffenbart hatte. Erstlich, da er dem Mose im brennenden Busch erschienen {2Mos 3} und danach {2Mos 17}, da er durch Mose zu tun Wasser aus dem Felsen hervor brachte.

Da er: Nämlich Mose mit dem Volk Israel.

6. ließ er Mose sagen: Ich, Jethro, dein Schwager, bin zu dir gekommen, und dein Weib und ihre beiden Söhne mit ihr.

Sagen: Durch einen Boten, dass er ihm seine Zukunft kundtat. Welches dem Mose eine fröhliche Botschaft war, da er vernommen hatte, wie er sein liebes Eheweib mit seinen lieben Kindern wiederbekäme, die er ein Zeit lang hatte verlassen müssen, damit er seiner hochwichtigen Verrichtung in Ägypten, da er der Kinder Israels Auszug zu befördern Befehl hatte, desto besser erledigen könnte. (Denn wenn wir in unserem Beruf durch den Willen Gottes ein Zeit lang etwas verlieren müssen und in die Schanze schlagen, so gibt uns Gott solches zu seiner Zeit häufig und reichlich wieder. Und weil Mose sein Weib wiederum zu sich genommen hat, lehrt er damit, dass der Ehestand an den Kirchendienern nicht zu verwerfen sei.

7. Da ging ihm Mose entgegen hinaus und neigte sich vor ihm und küsste ihn. Und da sie sich untereinander begrüßt hatten, gingen sie in die Hütte.

Neigte: Welches ein Stück der Höflichkeit war.

Küsste: Denn der Kuss ist vorzeiten im Brauch gewesen, da einer den anderen empfangen hat, wie es auch noch heutzutage in etlichen Ländern geschieht.

Begrüßt: Dass sie einander alles Gutes gewünscht. (Diese Demut und Höflichkeit Mose sollen wir von ihm lernen, dass er seinem Schwager so große Ehre antut, obwohl er viel höher war denn derselbe. Denn je höher wir sind, je demütiger wir uns erzeigen sollen und soll einer dem anderen mit Ehrerbietung zuvorkommen {Röm 14}.)

8. Da erzählte Mose seinem Schwager alles, was der Herr Pharao und den Ägyptern getan hatte Israels wegen, und alle die Mühe, die ihnen auf dem Wege begegnet war, und dass sie der Herr errettet hätte.

Getan hatte: Mit welcherlei Plagen Gott die Ägypter angegriffen und gestraft hätte, weil sie die Kinder Israel nicht von sich lassen wollten.

Begegnet war: Was sie für Beschwernisse erlitten und ausgestanden haben, da der Feind ihnen nachgejagt, wie sie sich ans Schilfmeer gelagert, desgleichen später da sie in der Wüste jetzt an Brot denn an Wasser Mangel hatten.

Errettet: Aus allen Nöten.

9. Jethro aber freute sich all des Guten, das der Herr Israel getan hatte, dass er sie errettet hatte von der Ägypter Hand.

Freute sich: Dieser Jethro, obwohl er nicht vom Volk Israel war (Obwohl er vielleicht vom Midian des Abrahams Sohn aus seinem anderen Weibe Ketura mag hergekommen sein, so ist er doch nicht vom Stamme Isaacs oder Jacobs gewesen), dennoch hat er durch Moses Zutun (dem er vor etliche Jahren seine Tochter zur Ehe gegeben) den wahren Gott Israels erkannt, welche Erkenntnis Gottes durch Erzählung der göttlichen Wunderzeichen bei ihm noch mehr zugenommen und gestärkt wurden. (Und hat der Heilige Geist mit diesem Exempel anzeigen wollen, dass auch die Heiden zur heilsamen Erkenntnis Christi berufen wären.)

10. Und Jethro sprach: Gelobt sei der Herr, der euch errettet hat von der Ägypter und Pharaos Hand, der weiß sein Volk von der Ägypter Hand zu erretten.

Hand: Das ist: von der schweren und unerträglichen Dienstbarkeit.

11. Nun weiß ich, dass der Herr größer ist denn alle Götter, darum dass sie Hochmut an ihnen geübt haben.

Weiß ich: Das ist: Jetzt erkenne ich viel gewisser und besser als zuvor, dass dieser Gott, welchen das Volk Israel ehrt und anruft, sei der wahre einzige und allmächtige Gott, außerdem kein anderer ist. Denn die anderen Götter, so diese hin und wieder von den Heiden geehrt und angebetet werden, sind nicht Götter, sondern Götzen. Aber dieser ist der größte und höchste Gott, welcher die Ägypter nach ihrem Verdienst gestraft hat. (Und sehen wir hier, wie der Glaube immer zunimmt)

Geübt: Da die Ägypter das Volk Israel für ihre leibeigene Knechte gehalten und sie mit einer überaus harten und schweren Dienstbarkeit tyrannischerweise begehrt, zu unterdrücken.

12. Und Jethro, Moses Schwager, nahm Brandopfer und opferte Gott. Da kam Aaron und alle Ältesten in Israel, mit Moses Schwager das Brot zu essen vor Gott.

Opferte: Damit er Gott seine Dankbarkeit erklärte für so viel und mancherlei Wohltaten, die er seinem Volk erzeigt und dass er unter Gottes Geleit und Schutz seinen Tochtermann angetroffen hätte, der durch so große und vielfältige Wunderzeichen berühmt und von Gott zu solchen hohen Ehren ist erhoben worden: Auch damit er öffentlich bezeugte, dass er denselben Glauben annehme, welchen das Volk Gottes hatte.

Ältesten: Das ist: Die Vornehmsten so unter dem Volk vor anderen im Ansehen waren.

Zu essen: Das ist: Dass nach Verrichtung des Opfers sie mit Jethro das Mal einnahmen und also dem Mose und seinem Schwager alle gebührende Ehre und Willigkeit erzeigten. Denn vorzeiten ist der Brauch gewesen, dass nach geschehenem Opfer gute Freunde ehrliche Mahlzeiten miteinander gehalten haben, eben am selben Ort, da man dem Herrn geopfert hatte: Spürt also endlich Mose des israelitischen Volkes Freundschaft und geneigten Willen, dessen Klagen und Verlästerung er bisher fast immer gehört hat.

13. Des anderen Morgens setzte sich Mose, das Volk zu richten; und das Volk stand um Mose her von Morgen an bis zu Abend.

Richten: Dass er nämlich nach seiner Gewohnheit des Volkes streitige Sachen entschied und recht darin spräche.

Abend: Also, dass ihm auch der Tag zu kurz wurde und er unter so großem Volk nicht alle Sachen wohl entscheiden konnte.

14. Da aber sein Schwager sah alles, was er mit dem Volk tat, sprach er: Was ist, das du tust mit dem Volk? Warum sitzt du allein, und alles Volk steht um dich her von Morgen an bis zum Abend?

Tust: Das ist: Warum gehst du mit der Sachen auf diese Weise und nicht anderes um, damit dem Volk recht geholfen werde?

Allein: Dass du so viel unrichtige Sachen allein zurechtbringen willst.

15. Mose antwortete ihm: Das Volk kommt zu mir und fragen Gott um Rat.

Fragen Gott: (Denn der Obrigkeit rechtmäßige Urteile und Aussprüche sind in der Wahrheit nichts anderes als Gottes Stimme, der man soll Gehorsam leisten und Folge tun soll, nicht allein darum, dass wir der Strafe entgehen, sondern auch damit wir durch unseren Ungehorsam unsere Gewissen nicht verletzen {Röm 13}.)

16. Denn wo sie was zu schaffen haben, kommen sie zu mir, dass ich richte zwischen einem jeglichen und seinem Nächsten und erzeige ihnen Gottes Rechte und seine Gesetze.

Rechte: Was recht ist und welchergestalt sie nach dem Willen Gottes ein ehrlich Leben führen sollen, welches zu leisten ich ihnen nicht abschlagen kann.

17. Sein Schwager sprach zu ihm: Es ist nicht gut, das du tust.

Nicht gut: Das ist: Die Verwaltung des Regiments, wie du es mit dem Volk vorhast, ist gar nicht richtig.

18. Du machst dich zu müde, dazu das Volk auch, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer, du kannst es allein nicht ausrichten.

Zu müde: Du legst dir selber und dem Volk gar zu viel Mühe und Arbeit auf, dass du alles Volk allein regieren willst und es ist nicht möglich, dass du es die Länge werdest können aushalten und ertragen. (Denn wer größere Arbeit auf sich nimmt, als er ertragen kann, der wird vor der Zeit von der Last unterdrückt und, indem er begehrt, allen zu raten, kann er nicht jedermann recht tun.)

19. Aber gehorche meiner Stimme; ich will dir raten, und Gott wird mit dir sein. Pflege du des Volkes vor Gott und bringe die Geschäfte vor Gott;

Mit dir: Das ist: Du wirst dies Volk glücklich und wohl regieren mit der Hilfe Gottes, der dir Kraft und einen glücklichen Zustand dazu verleihen wird.

Geschäfte: Welche wichtig und schwer sein werden.

20. und stelle ihnen Rechte und Gesetze, dass du sie lehrst den Weg, darin sie wandeln, und die Werke, die sie tun sollen.

21. Sieh dich aber um unter allem Volk nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahrhaftig und dem Geiz feind sind; die setze über sie, etliche über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn,

Sieh dich: Das ist: Es wird allerdings vonnöten sein, dass du die Arbeit mit anderen teilst. Und sollst du zwar solche Sachen vornehmen, hierbei du wirst müssen, den Willen Gottes durch eine besondere Offenbarung erkundigen, wenn da eine Frage vorfallen wird, mit welchen Zeremonien man Gott verehren müsse, was für Gebote und Rechte er wolle von seinem Volk gehalten haben, dass es ein unsträfliches und Gott wohlgefälliges Leben führe: Solches lass dein Amt sein, dass du es handelst und dem Volk lehrst. Wenn aber etwa sonst streitige Händel und Sachen vorfallen, besonders daran nicht so gar hoch gelegen ist, die lass andere schlichten.

Redlichen: Tapferen Männern, die nicht leichtfertig noch unachtsam sind.

Wahrhaftig: Das ist: Die selber nicht Lügner sind und dazu aller Lügen Lästerung und Falschheit feind sind, aber zur Wahrheit und Redlichkeit Lust haben.

Geiz feind: Dass sie sich nicht mit Geschenken bestechen lassen. (Zu wünschen wäre es, dass alle die, so sie im Stand der Obrigkeit gesetzt sind, mit solchen Tugenden begabt wären, denn sie notwendig sind, wo man dem Regiment recht vorstehen will.)

Über zehn: Das ist: Setze Ober- und Unteramtleute und Befehlshaber ein, da immer die unteren die Oberen um Rat fragen können, wenn es nötig ist.

22. dass sie das Volk immer richten; wo aber eine große Sache ist, dass sie dieselbe an dich bringen, und sie alle geringen Sachen richten. So wird dir es leichter werden, und sie mit dir tragen.

Große Sache: Und ihnen zu schwer ist, dass sie kein Urteil darüber sprechen können.

Bringen: Dass du, sofern es vonnöten ist, Gott um Rat fragst und sie danach lehrst, wie sie sich zu verhalten haben.

Leichter werden: Dass du mit dem Volk besser wirst zurechtkommen und sie leichter richtig halten kannst.

23. Wirst du das tun, so kannst du ausrichten, was dir Gott gebietet, und all dies Volk kann mit Frieden an seinen Ort kommen.

Gebietet: Das ist: Darüber man von Gott Bericht haben muss, dessen Gebote du also lehren und deinem Amt mit Lob und Ruhm viele Jahre wirst vorstehen können.

Dies Volk: Welches jetzt nicht ohne Verdruss dasteht und wartet, bis du allein ihnen allen Bescheid gibst.

Mit Frieden: Bei guter Zeit, da ein jeder mit geringer Mühe bei seinem Amtmann viel eher seines Rechtes sich holen kann, als wenn alle strittigen Parteien den ganzen Tag oder länger der Entscheidung ihrer Sachen von dir allein erwarten müssen. Hat deswegen Jethro dem Mose eine andere und bessere Weise zu regieren gezeigt, nämlich diese, dass er das Volk abteilen solls und über ein jedes Tausend einen Oberherrn oder Richter zu wählen, der zehn andere Befehlshaber unter sich hätte, deren jedem hundert Personen untergeben wären, samt zwei unterer Amtsleute, deren jeder über fünfzig bestellt und jeder wiederum noch fünf andere Amtspersonen hätte, da ein jeder nur über zehn zu gebieten hat. Da nun einer eine Sache vorzubringen gehabt, der hat zuerst bei dem untersten Amtmann über zehn sich Bericht einholen können: Hat es der für ratsam angesehen, so hat er ihn zum anderen verwiesen, der über fünfzig gesetzt war. Welcher, nachdem die Sache beschaffen, es weiter dem, der über hundert zu gebieten gehabt, vorgebracht. Ist sie den gar wichtig gewesen, so hat man sie müssen dem Obersten über tausend oder auch dem Mose selber vorbringen, da sie sonst keiner verstehen könne. (Es hat aber Gott gewollt, dass Mose diese Weise zu regieren von seinem Schwager Jethro lernte, welcher doch sonst in anderen Gaben dem Mose gar nicht gleich war, damit er uns lehrte und zu erkennen gebe, wie einem allein nicht alle Gaben von Gott mitgeteilt werden; sondern dass Gott einem dieses dem anderen ein anderes gebe, auf dass also je einer dem anderen diene mit Raten und Helfen.)

24. Mose gehorchte seines Schwagers Wort und tat alles, was er sagte,

Gehorchte: (Denn es soll niemand geringer und schlechter Leute heilsamen Rat verachten.)

25. und redliche Leute aus dem ganzen Israel und machte sie zu Häuptern über das Volk, etliche über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn

Redliche Leute: Mit oben angezeigten Tugenden begabt.

26. dass sie das Volk immer richteten, was aber schwere Sachen wären, zu Mose brächten, und die kleinen Sachen sie richteten.

27. Also ließ Mose seinen Schwager in sein Land ziehen.

Ziehen: Da er alles verrichtet, deshalb er gekommen war. Und ist Jethro wieder in Midian umgekehrt zu seinem Hause und Geschlecht mit großen Freuden, dass er seinem Tochtermann sein Weib und Kinder frisch und gesund wieder zugeführt hätte, von dem er die großen Wunderwerke, so Gott durch ihn getan, angehört und erfahren, da durch Jethro in der Erkenntnis Gottes sehr zugenommen, also dass er ihm für gesetzt sobald er heim käme wollte er solche Religion in seinem Hause auch fortpflanzen und weiter ausbreiten.


Das 19. Kapitel


I. Gott verheißt denen, die sein Gesetz halten werden, alles Glück und Heil: Und die Kinder Israels sagen zu, dass sie wollen Gehorsam leisten v. 1. II. Die Israeliten werden mit Reinigkeit und Keuschheit zubereitet zur Anhörung des Gesetzes Gottes und wird aufs Ernstlichste verboten, dass das Volk nicht zu nahe an den Berg komme v. 10. III. Gott macht mit Donner und Blitzen dem Gesetz, welches er geben will, ein Ansehen.

1. Im dritten Mond nach dem Ausgang der Kinder Israel aus Ägyptenland kamen sie diesen Tages in die Wüste Sinai.

Dritten: Jetzt fängt Mose an, zu beschreiben was Gott, der Herr, für eine Vorbereitung unter dem Volk Gottes gemacht und angestellt hat, damit sie die Bekanntmachung des Gesetzes anhören können. Welches, weil es ein Stück der göttlichen Lehre ist, so vom Himmel gegeben wurde, dadurch wir zur Erkenntnis der Sünden kommen und zur rechtschaffenen wahren Buße gereizt werden. So ist das, was jetzt folgen wird wohl wert, dass man es mit allem Fleiß betrachte und in Acht nehme.

Diesen Tages: Das ist: Da sie am fünfzehnten Tage des ersten Mondes aus Ägypten gezogen waren und der andere Mond in der Wüste auch vorübergegangen, dass sie jetzt den dritten Mond von ihrem Ausgang erreicht, sind sie an den Berg gekommen, darauf bald später Gott das Gesetz gegeben hat.

2. Denn sie waren ausgezogen von Raphidim und wollten in die Wüste Sinai; und lagerten sich in der Wüste dort gegen dem Berg {4Mos 33v15}.

3. Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und verkündigen den Kindern Israel {Apg 7v38}:

Rief ihm: Dass man seine Stimme deutlich hören und vernehmen konnte.

4. Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern getan habe, und wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln und habe euch zu mir gebracht {5Mos 29v2}.

Getan habe: Mit wie vielen und mancherlei Plagen ich sie angegriffen habe, bis ich sie mit Gewalt dahin gezwungen, dass sie euch von sich lassen müssen.

Adlers Flügeln: Das ist: Dass ich euch, nachdem ihr aus Ägypten gezogen seid, bisher so väterlich behütet und gleichsam getragen habe, wie die Adler ihre Jungen tragen und fliegen lernen. (Denn Gott richtet sich aus seiner großen Güte nach unserer Schwachheit.)

Zu mir: Das ist: Ich hab euch mit dieser Guttat freundlich gelockt, dass ihr mich erkennen und ehren sollt.

5. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.

Bund halten: Das ist: Wenn ihr meinen Geboten, die ich euch vorlegen will, werdet Gehorsam leisten.

Ganze Erde: Das ist: Obwohl ich ein Herr bin über die ganze Welt und alle Völker unter meiner Gewalt habe, so will ich doch für euch, als meinem liebsten und auserwählten Schatz, besondere Vorsorge tragen, also dass ich andere Völker ungeachtet mich euch offenbaren und zu erkennen geben will, und euch zur Erbschaft des ewigen Lebens zulassen.

6. Und ihr sollt mir ein priesterlich Königreich und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Kindern Israel sagen sollst {1Petr 2v9}.

Heiliges Volk: Das ist: Ich will unter euch eine äußerliche Polizei oder weltliches Regiment und ein Priestertum anrichten, und will euch absondern von den anderen Völkern, dass ihr ein solches Volk seid, unter dem das Gesetz Gottes erhalten werde, mit dem Gott seinen Bund habe, bei dem die Verheißungen von Christo hinterlegt werden und aus welchem Volk einmal Christus geboren werde. (Es sind aber beide Regimente, als geistlich und weltlich, auf Erden hoch vonnöten und kann man jeder nicht entbehren. Aber im Neuen Testament ist das priesterliche Königreich die christliche Kirche, wie Petrus bezeugt in seiner 1. Epistel, Kapitel 2. In welcher Christus unsere Hohepriester durch das Amt des Evangeliums und dem Heiligen Geist in der Gläubigen Herzen regiert und sie beschützt, dass sie niemand aus seiner Hand reißen kann. Und gleich, wie vorzeiten bei dem jüdischen Volk die unverfälschten göttlichen Weissagungen gefunden wurden: Also wird heutzutage in der christlichen Kirche die unverfälschte Stimme des Evangeliums gehört und werden die Sakramente ausgeteilt, in denen Gott einen Bund mit uns macht und bestätigt und Christus, nachdem er Mensch wurde, uns gegeben wird.)

Sagen sollst: Dass sie nach gehaltenem Rat dir eine Antwort wiederum wissen lassen, ob sie meine Gebote, die ich ihnen geben will, zu halten auf sich nehmen wollen oder nicht.

7. Mose kam und forderte die Ältesten im Volk und legte ihnen alle diese Worte vor, die der Herr geboten hatte.

Ältesten: Das waren die Vornehmsten, so vor anderen unter den Israeliten hoch angesehen waren.

8. Und alles Volk antwortete zugleich und sprachen: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun. Und Mose sagte die Rede des Volkes dem Herrn wieder.

Alles Volk: Nach dem die Ältesten oder Vornehmsten die Sache dem Volk vorgetragen hatten.

Tun: (Denn zuvor und ehe wir den rechten Verstand des Gesetzes fassen oder seine große Macht empfinden, so überreden wir uns selbst, dass es gar leicht von uns könne gehalten und erfüllt werden, weil wir unsere Schwachheit nicht erkennen.)

9. Und der Herr sprach zu Mose: Siehe, ich will zu dir kommen in einer dicken Wolke, auf dass dies Volk meine Worte höre, die ich mit dir rede, und glaube dir ewig. Und Mose verkündigte dem Herrn die Rede des Volkes.

Höre: Denn es erforderte die Notdurft, dass Gott dem Mose, als seinem Gesandten und Gesetzgeber, bei dem Volk ein Ansehen machte, und es auf den Augenschein führte, dass sie ihm glaubten und nicht irgendeinen Argwohn schöpfte, als ob Mose etwas für sich selbst und aus seinem Kopf erdacht hätte.

Verkündigt: Oder: Hatte verkündigt.

Rede: Damit sie verheißen hatten, Gott und seinem Worte gehorsam zu sein.

10. Der Herr sprach zu Mose: Gehe hin zum Volk und heilige sie heute und morgen, dass sie ihre Kleider waschen.

Heilige: Das ist: Lass sie sich rüsten und gefasst machen, dass sie bereit sind, mein Gesetz zu hören.

Waschen: Auf das sie durch die äußerliche Abwaschung erinnert werden, wie sie ihre Herzen und Gemüter von Sünden reinigen sollen, und soll sie die ehrliche Kleidung aufmuntern damit sie das Gesetz Gottes auf solchem großen Festtag mit desto mehr und größerem Fleiß lernen.

11. und bereit sind auf den dritten Tag. Denn am dritten Tage wird der Herr vor allem Volk herabfahren auf den Berg Sinai.

Herabfahren: Das ist: Er wird durch besondere Zeichen seine Gegenwart offenbaren. (Und merke hier, dass der Herr von dem Herrn redet, nämlich Gott, der Vater, von Gott, dem Sohn.)

12. Und mache dem Volk ein Gehege umher und sprich zu ihnen: Hütet euch, dass ihr nicht auf den Berg steigt, noch sein Ende anrührt; denn wer den Berg anrührt, sollst des Todes sterben.

Gehege: Zum Ziel. Dass sie wissen, wie nahe sie zu dem Berge kommen dürfen.

Berg: Auf welchem der Herr erscheinen wird.

Anrührt: Das ist: Wer näher hinzutritt, als ihm gebührt und zugelassen ist. (Es wird aber hier der Vorwitz der menschlichen Vernunft verboten, welche Gottes Wesen und Gestalt erforschen will. Solche, die in diesem Leben in der göttlichen Majestät geheime Ratskammer steigen wollen und mit der göttlichen Offenbarung, welche die Heilige Schrift uns lehrt, sich nicht begnügen lassen, die überschreiten das Ziel und kommen um.)

13. Keine Hand soll ihn anrühren, sondern er soll gesteinigt oder mit Geschoß erschossen werden; es sei ein Tier oder Mensch, so soll er nicht leben. Wenn es aber lange tönen wird, dann sollen sie an den Berg gehen.

Keine Hand: Das ist: Wenn ein solcher Frevel an einem, soll er gestraft werden. So wird derselbe so unwert sein, dass man ihn auch nicht gut genug achten wird, dass er durch Menschen Hände umkommen soll.

Tönen wird: Mit der Posaune, welche Gott, der Herr, durch die Engel wird erschallen lassen.

An den Berg: Nämlich bis zum bestimmten Ziel.

14. Mose stieg vom Berge zum Volk und heiligte sie, und sie wuschen ihre Kleider.

heiligte: Das ist: Er hat sie mit der äußerlichen Reinigung zubereitet. Welches eine Anmahnung sein soll, dass sie der innerlichen Reinigkeit nachstrebten.

15. Und er sprach zu ihnen: Seid bereit auf den dritten Tag, und keiner nahe sich zum Weibe.

Dritten Tag: An welchem euch der Herr erscheinen wird.

Nahe sich: Das ist: Ihr sollt euch diese drei Tage über enthalten, dass ihr mit euren Weibern nicht beiliegt. (Welches nicht darum geboten wird, als ob die eheliche Beiwohnung die Eheleute verunreinigte, denn solches ist Gottes Ordnung: Sondern auf dass sie am dritten Tage mit desto größerem Fleiß Anmutung und Ehrerbietung Gott zuhörten und ihm aufmerkten, wenn er mit ihnen reden würde, darum hat sie Mose zuvor dessen erinnern wollen, dass sie sich enthielten. Welche äußerliche Zucht auch Paulus die Korinther lehrt, dass nämlich die Eheleute, wenn sie dem Fasten und Beten mit gebührendem Fleiß und Eifer obliegen und abwarten wollen, sich ein Zeit lang von der ehelichen Beiwohnung enthalten sollen, doch dass es geschehe mit beider Bewilligung, und später wieder zusammenkommen {1Kor 7}.) Ist darum solche äußerliche Zucht den Israeliten wohl angestanden in dieser hohen Sache, dergleichen vom Anfang der Welt her sich nie zugetragen hatte. Denn sie bald später Gott, den Herrn, selber hören würden, dass er sein Gesetz mit einer großen und schrecklichen Majestät und Gegenwart so vieler Tausend Leute würde aussprechen und geben.)

16. Als nun der dritte Tag kam und Morgen war, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dicke Wolke auf dem Berge und ein Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak {Hebr 12v18}.

Kam: Welcher zuvor von dem Herrn selbst bestimmt und ernannt war.

Ton: Welcher von den Engeln gemacht wurde.

Starken Posaunen: Die sehr stark und schrecklich lauteten. (Und hat Gott durch diese schreckliche Majestät, darüber man erzittern müsse, seinem Gesetz, welches er bald später geben wollte ein Ansehen gemacht, dass wir daraus zu lernen hätten, mit was großem Ernst Gott die Haltung seines Gesetzes von dem menschlichen Geschlechte fordere.)

17. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen; und sie traten unten an den Berg {5Mos 4v11}.

Gott entgegen: Nämlich zu dem Berge, auf welchen Gott seine Gegenwart offenbaren wollte.

18. Der ganze Berg aber Sinai rauchte, darum dass der Herr herab auf den Berg fuhr mit Feuer; und sein Rauch ging auf wie ein Rauch vom Ofen, dass der ganze Berg sehr bebte.

Mit Feuer: Das ist: weil Gott seine Gegenwart durch das Feuer offenbarte. Denn Gott steigt oder fährt sonst weder auf noch ab, weil er ein Geist ist und vorhin alles erfüllt.

Ging auf: Nämlich von dem Berge, welcher war, als ob er brannte.

19. Und der Posaunen Ton wurde immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete ihm laut.

stärkere: Das ist: Er mehrte sich und wurde je länger je schrecklicher. (Dergleichen Schrecken wirkt auch das Gesetz Gottes in dem Gewissen eines Sünders, dass derselbe je länger je mehr geschreckt und niedergeschlagen wird, bis er endlich ganz verzagen muss, wo ihm nicht Gott mit dem Trost des Evangeliums zu Hilfe kommt.)

Laut: Also, dass es alle Israeliten hören konnten, deren an der Zahl über die sechsmal hundert tausend erwachsene Mannspersonen waren, darum man keinen Betrug brauchen können: Da hat ihnen Gott die zehn Gebote nacheinander her erzählt, wie sie im folgenden Kapitel stehen. Es hat aber Gott mit Mose durch einen Engel geredet, welcher durch ein besonderes Wunderwerk eines Menschen Stimme an sich genommen und in der Person Gottes so selber gegenwärtig gewesen, als sein Kanzler das Gesetz ausgesprochen, wie Stephanus bezeugt {Apg 7} und Paulus {Gal 3}.

20. Als nun der Herr hernieder gekommen war auf den Berg Sinai, oben auf seine Spitze, forderte er Mose oben auf die Spitze des Berges, und Mose stieg hinauf.

Berg Sinai: Das ist: Auf den Berg Horeb, welcher in der Wüste Sinai gelegen war.

Spitzen: Dort er seine Gegenwart den Kindern Israels erklärt hat, wie kurz zuvor gemeldet.

Fordert: Dies alles ist geschehen, ehe denn die zehn Gebote gegeben wurden.

21. Da sprach der Herr zu ihm: Steig hinab und zeuge dem Volk, dass sie nicht herzubrechen zum Herrn, dass sie sehen, und viele aus ihnen fallen.

Zeuge: Das ist: Verbietet ihnen aufs Ernstlichste.

Herzubrechen: Aus Vorwitz, dass sie mein Ansehen und meine Gestalt nach meinem Wesen besichtigen wollten.

Ihn sehen: Nämlich den Sohn Gottes.

22. Dazu die Priester, die zum Herrn nahen, sollen sich heiligen, dass sie der Herr nicht zerschmettere.

Priester: Welche bisher die Opfer und Brandopfer verrichtet haben. Denn es sind die Kinder Israels nicht ohne Priester gewesen, auch zuvor und ehe das levitische Priestertum eingesetzt wurde.

Nahen: Das ist: Die sonst davor geachtet sind, dass sie in Verrichtung des Gottesdienstes einen nähern Zugang zu Gott haben als andere.

Heiligen: Allerdings wie das anderer Volk, und sollen sich nicht einbilden, dass sie von wegen ihres Amtes also rein sind, dass sie keiner Heiligung mehr bedürfen.

Zerschmettere: Wenn sie nicht gereinigt sind. (Denn obwohl es geschehen kann, dass ein Kirchendiener durch sein Amt andere selig macht, er aber von wegen seines Unglaubens oder gottlosen Lebens verloren werde {Mt 7 1Kor 9}.)

23. Mose aber sprach zum Herrn: Das Volk kann nicht auf den Berg Sinai steigen; denn du hast uns bezeugt und gesagt: Mache ein Gehege um den Berg und heilige ihn.

Kann nicht: Als wollte er sagen: Es darf sich es nicht, dass ich deshalb hinuntersteige und dem Volk abwehre.

Gehege: Das ist: Du hast befohlen, dass ich den Berg allerdings von dem anderen umliegenden Lande absondern soll, damit keiner leicht hinzu nahen könne, er sei den vom Herrn berufen. Weil ich nun solchen deinen Willen den Kindern Israel aufs Fleißigste vorgehalten, zweifelt mir nicht, sie werden sich gehorsam danach verhalten.

24. Und der Herr sprach zu ihm: Gehe hin, steige hinab; du und Aaron mit dir soll heraufsteigen; aber die Priester und das Volk sollen nicht herzubrechen, dass sie hinaufsteigen zu dem Herrn, dass er sie nicht zerschmettere.

Hinab: Und hält es dem Volk noch einmal vor. (Denn wenn Gott etwas gebietet, soll man nichts dagegen reden, und was er befiehlt, soll man sich oft erinnern, es geschieht dennoch wohl, dass nicht jedermann folgt und gehorcht.)

Du und Aaron: Denn Mose hat eines Königs und Aaron eines Priesters Amt verwaltet, darum steigen diese beide allein hinauf zu Gott. (Also kennt Christus, der unser König und Hohepriester ist, allein seinen himmlischen Vater vollkommen {Mt 11}.) Und kommt niemand zum Vater, denn durch seinen eingeborenen Sohn.)

Zerschmettere: Um ihres Frevels willen.

25. Und Mose stieg herunter zum Volk und sagte es ihnen.

Herunter: Nämlich, nachdem er solchen Befehl von Gott empfangen hatte.

Sagte es ihnen: Nämlich, dass sie sich hüteten und nicht aus Mutwillen oder Vorwitz hinzunahten.


Das 20. Kapitel


Die zehn Gebote werden mit großer Herrlichkeit gegeben, v. 1. II. Das Volk erschrickt darüber und bittet davor, dass es nicht müsse Gott weiter reden hören, v. 18. III. Danach wird die Verehrung der Bilder auf ein Neues verboten v. 22. IV. Und zeigt Gott an, was für einen Altar man ihm bauen soll, v. 24.

1. Und Gott redete alle diese Worte {5Mos 5v6 Ps 81v11}:

Redet: Nämlich durch den Engel.

Worte: Nämlich die zehn Gebote mit einer so starken und schrecklichen Stimme, dass es nicht allein sechshunderttausend Mann hören können, sondern dass sie auch davor erzittert und hinweggeflohen sind.

2. Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe.

Ich bin: Dies ist eine Vorrede und ein Eingang, damit Gott den folgenden Geboten ein Ansehen macht. Die nicht von einem Monarchen dieser Welt herkommen, sondern von Gott selbst, welcher mit Ausführung der Kinder Israels aus Ägypten (Da er zuvor viel und große Wunderwerk getan) und derselben Erlösung aus der schweren Dienstbarkeit seine Allmacht Majestät und Güte erklärt hatte, für welche Guttaten es richtig war, dass die Israeliten mit einer gehorsamen Haltung seiner Gebote sich dankbar erzeigten. (Eben derselbe Gott hat uns seinen eingeborenen Sohn gesandt und uns aus den Rachen des Teufels Tod und der Hölle gerissen und ausgeführt. Darum wir ihm nicht weniger Gehorsam und Dankbarkeit schuldig sind als die Israeliten.)

3. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben {Jos 24v14 Ps 113v4 v5}.

Du sollst: Das ist: Du sollst keinen anderen Gott ehren ohne mich allein Vater, Sohn und Heiligen Geist in drei Personen und einem göttlichen Wesen. Denn es ist kein Gott im Himmel oder auf Erde außer mir. Du sollst mir aber auf keine andere Weise dienen, denn wie ich dir gebiete. Dein Vertrauen soll allein auf mich und auf keiner Kreatur Kraft oder irgendeiner Stärke oder eines anderen setzen. Du sollst mich über alle Kreaturen fürchten und ehren und sollst mich von ganzem Herzen und von ganzer Seele und aus allen deinen Kräften mehr lieben als alle Kreaturen. Wirst du eine einzige Kreatur mehr fürchten oder mehr lieben denn mich oder mehr Vertrauen zu derselben haben, so sollst du wissen, dass du eine Abgötterei begangen hast.

4. Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist {5Mos 4v15 v16 Ps 97v7}.

Bildnis: Damit du meintest, entweder meine Gestalt nachzumachen oder dass du mit Verehrung desselben Bildnisses mir Ehre erzeigen wolltest.

Unter der: Denn du wirst mit keinem Bilde oder Konterfeit, von irgendeiner Kreatur genommen, mein Wesen oder meine rechte eigentliche Gestalt abmalen können: So will ich auch in keinem Bild geehrt oder angebetet werden.

5. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen,

Sie nicht an: Sie sind gleich geschnitzt oder gemalt, dass du ihnen eine göttliche Ehre erzeigen wolltest, weil solches ohne gräuliche Abgötterei nicht geschehen kann. Es sind aber darum den Christen, dergleichen Bilder zu haben, nicht verboten, welche uns an Sachen erinnern, die im Alten oder Neuen Testament geschehen sind, sofern sie niemand anbetet. Denn sonst, wenn sie abergläubischer weise verehrt werden, so sollen solche abgöttischen Bilder von einer ordentlichen Obrigkeit den Leuten aus den Augen und beiseite getan werden.

Dein Gott: Den du allein ehren und anbeten sollst.

Eifriger: Das ist: Ich bin ein solcher Gott, der ich ebenso wenig leiden und dulden kann, dass sich jemand einem anderen Gott als mir allein unterwerfe: Als wie ein redlicher Ehemann im Ehestande kann leiden oder zulassen, dass sein Weib mit einem anderen Manne zuhalte. Darum muss einer mir allein dienen.

Heimsucht: Das ist: Ich bin ein strenger Gott, der alle andere Sünden, also auch und besonders die Abgötterei, zu strafen.

Kindern: Das ist: Ich strafe der Väter Bosheit auch an den Kindern, wenn sie in ihrer gottlosen Eltern Fußstapfen treten, bis auf ihre Kinds Kinder und der Kinder Neffen oder Enkel.

Hassen: Das ist: Welche mit ihrem Ungehorsam die Verachtung und den Hass wider den wahren Gott erklären. (Wenn aber der gottlosen Kinder durch wahre Buße sich zu Gott bekehren, so sollen sie der Strafen nicht teilhaftig werden, die ihre Eltern verschuldet haben {Hes 18}.)

6. und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich liebhaben und meine Gebote halten.

Tausenden: Das ist: bis in die unzähligen Glieder.

Halten: Das ist: Welche mit wahrem und nicht erdichtetem Gehorsam in der Tat zu erkennen geben, wie hoch sie von mir halten und wie herzlich sie mich lieben. Also haben wir beides, die Drohung und Verheißung dadurch wir richtig sollen bewegt werden, dass wir die Gebote Gottes halten.

7. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht {3Mos 19v12 5Mos 5v11 Mt 5v33}.

Nicht missbrauchen: Nämlich, dass du ihn zu Unrecht brauchst zur Bestätigung oder Fortpflanzung einer irrigen falsche Lehre in Religionssachen: Auch sollst du meinen Namen nicht zum Missbrauch haben, dein böses Vorhaben damit zu beschönigen, als ob du etwas verrichtetest nach meinem Wort und Befehl, was deinem verdorbenen Fleisch gelüstet und wohltut: Desselben gleichen soll man auch meinen Namen nicht gebrauchen zum Schwören, Fluchen, Gotteslästerung, Aberglauben und zur Gottlosen Zauberei, wie du auch keine Lügen durch den Eid mit dem Zeugnis meines Namens zu bestätigen dich unterstehen solltest: Ja du sollst, auch in leichtfertigen schlechten Sachen daran nicht viel gelegen ist, wenngleich du die Wahrheit redest, dennoch nicht bei meinem Namen schwören, es sei denn, dass es die Obrigkeit ordentlicherweise von dir begehrt oder dass es meines Namens Ehre oder des Nächsten großer Nutzen und die hohe Not gefordert. Auch sollst du von Gott und göttlichen Sachen nicht lächerlich, spöttisch oder verächtlich reden, sondern bekenne mich vor der Welt mit Bestätigung der Wahrheit und göttlichen Lehre: Ruf mich an in deinen Ängsten und wenn dir geholfen wird, so danke mir auch und breite meines Namens Ehre aus, dass er auf deine Nachkommen fortgepflanzt werde. In der Summe enthalte dich von allen Worten und Taten, welche meinen Namen in Verachtung bringen.

Nicht ungestraft: Das ist: Obwohl es sich möchte ansehen lassen, dass Gott den Missbrauch seines allerheiligsten Namens ein Zeit lang durchgehen ließe, als ob er dessen nicht achtete, so wird er doch zu seiner Zeit mit der Strafe desto herber anhalten.

8. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst {2Mos 23v12 34v21 35v2 5Mos 5v13 Jer 17v21 Hes 20v12}.

Sabbats: Das Wörtlein Sabbat heißt so viel als eine Ruhe und ist den Juden der Sabbat Tag gewesen, welcher bei uns der Samstag oder Sonnabend, an dem wir Gott feiern oder heiligen, dass bedeutet, er will, dass die Kinder Israels am selben Tage von den äußerlichen bürgerlichen und häuslichen Werken ruhen und mit heiligen Sachen umgehen, dass sie zusammenkommen, das Wort Gottes zu hören, zu beten und zu opfern.

9. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken;

Alle: (Nach Luther) Das ist: Was du zu tun hast.

Dein Ding: Was du daheim zu Hause im Felde oder sonst zu tun hast und die Woche über verrichten willst.

10. aber am siebten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Werke tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist.

Gottes: Das ist: Es ist dir von Gott, deinem Herrn, geboten und befohlen worden, dass du von allen weltlichen und häuslichen Geschäften ruhen sollst. Denn also wird dies Gebote später in Kapitel 34 erklärt, da er spricht: Du sollst nicht pflügen noch ernten.

Toren: Das ist: Ich will, dass du mit deinem ganzen Personal am selben Tag ruhst.

11. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darin ist, und ruhte am siebten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn {1Mos 2v1 2v3 Hebr 4v4}.

Ruhte: Denn nachdem Gott diese Welt erschaffen und gemacht, hat er keine andere Welt mehr erschaffen, obwohl er diese gegenwärtige Welt mit seinem allmächtigen Wort immer erhält, solange es ihm gefällt.

Segnet: Das ist: Er hat diesen Tag in der Woche dem jüdischen Volk geordnet und eingesetzt, dass sie an demselben aller weltlichen Geschäfte abstehen und mit heiligen Sachen umgehen sollen, damit das einfältige Volk durch die Heiligung und Ruhe dieses Tages erinnert würde von der Erschaffung der Welt und anderen guttaten, die sie von Gott, ihrem Schöpfer, empfangen hätten, dass sie also durch die Betrachtung des göttlichen Wortes, ihren Schöpfer, den wahren Gott, erkennen lernten und von ihm aus Gnaden die selige Ruhe des ewigen Lebens erlangten, da sie aller Mühe und Arbeit werden überhoben sein, welche ewige Ruhe durch die Heiligung des Sabbats ist abgebildet und bedeutet worden. Später im 5. Buch Kap. 5. wird auch noch ein anderer Nutzen des Sabbats gemeldet, dass nämlich die Knechte und Mägde ruhen sollen, damit sie von ihrer Arbeit sich erholen und erquicken. Dieser andere Nutzen hat bei den Christen seinen Grund, denn was seine Ruhe nicht hat, das kann nicht lange wären oder bestehen. Aber doch sind wir Christen zur Ruhe des siebten Tages nicht so genau gebunden wie die Juden {Kol 2}. Und das nach Art christlicher Freiheit, welche uns Christus erlangt hat, wir sind aber nichtsdestoweniger schuldig, dass wir in den Tagen, welche in den Ordnungen der Kirche dazu geordnet und eingesetzt sind, sie feiern sollen und von anderen Geschäften und täglicher Handarbeit ablassen und mit Anhörung, Lesung und Betrachtung des Wortes Gottes umgehen. Das Gemeindegebet halten und die Sakramente der Taufe und des Herrn Abendmahl austeilen und empfangen. Denn obwohl die christliche Freiheit an gewisse Tage, die wir in Achthaben und halten müssten, kein Gesetz ist: Dennoch weil es in der Kirche alles ehrlich und ordentlich zugehen soll {1Kor 14}. So sollen wir die gebräuchlichen Festtage, die in den christlichen Kirchen eingesetzt sind, nicht in Werktage verändern, sondern bei der Abhandlung göttlicher Sachen mit Nüchternheit, dazu in Zucht und Ehrbarkeit uns finden lassen, damit wir im Wort Gottes unterrichtet je länger je mehr lernen, Gott einen immerwährenden geistlichen Sabbat zu halten, das bedeutet, dass wir von Sünden ruhen und ein heiliges Leben führen. Diese drei ersten Gebote sind später in der ersten Tafel beschrieben worden und halten in sich, welchergestalt wir uns gegen Gott verhalten sollen.

12. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebst im Lande, das dir der Herr, dein Gott gibt {5Mos 5v16 Mt 15v4 Eph 6v2}.

Ehren: In diesem vierten Gebote wird befohlen, dass wir zwar zuerst die Eltern, danach alle anderen, welche uns zu lehren und zu regieren vorgesetzt sind, ehren sollen, darunter denn begriffen werden Vormünder, Kirchendiener, Zucht- und Lehrmeister, Obrigkeiten und dergleichen: Weiter sollen wir auch die alten grauen Leute in Ehren halten, dass wir ehrlich von ihnen halten und reden, ihnen Ehre erzeigen, gehorchen, ihre Fehler und Mängel zudecken und unser Dankbarkeit und Ehrerbietung gegen ihnen erklären mit allerhand Diensten und Guttaten.

Lebst: Das ist: Damit du des fruchtbaren und herrlichen Landes Kanaan, welches dir der Herr zu besitzen geben wird, lange genießen mögest. (Obwohl nun wir zwar heutzutage das Land Kanaan nicht bewohnen: Jedoch, sofern wir unsere Eltern ehren, so werden wir den reichen Segen Gottes empfinden. Darum erklärt der Apostel Paulus diese Verheißung also {Eph 6}: Dass dir es wohl gehe und du lange lebst auf Erden. Das ist: Dass du allerlei Guttaten von Gott empfängst und lange lebst.)

13. Du sollst nicht töten {Mt 5v21}.

Töten: Mit diesen Worten wird verboten aller Hass, Neid, Rachgierigkeit, fleischlicher Zorn im Herzen, böse giftige Worte auf der Zunge, scheußliches Ansehen und ungestaltetes Gebärden. Endlich alles unterstehen und vornehmen, damit man dem Nächsten heimlich nach seinem Leibe stellt oder auch öffentlich ihn am Leibe verletzt. Es wird aber hier das Amt der Obrigkeit nicht verdammt. Denn die selbige hat das Schwert von Gott empfangen, nicht dass sie in eigenen Sachen, da sie ihren bösen Zuneigungen und Begierden nachhängt eine eigene oder besondere Rache übe, sondern dass sie die Bösen öffentlich und ernstlich strafe und die Frommen schütze. Es wird auch hier der gottselige Eifer nicht verworfen, da man vielmehr über die Sünde als über die Person zürnt. Hingegen wird uns befohlen, dass wir sollen unseren Nächsten lieben, gelinde und sanftmütig sein in Worten und Gebärden und dass wir des Nächsten Leben schützen und handhaben, so viel uns immer möglich ist.

14. Du sollst nicht ehebrechen {Mt 5v27 Hebr 3v4}

Ehebrechen: In diesem Gebote werden verworfen, alle unreine Gedanken des Herzens, schandbare Worte und Lieder, unzüchtige Anblicke und Gebärden, Üppigkeit in der Kleidung, so sie zur Unzucht reizt und Anleitung gibt, unehrliche Tänze; insbesondere aber Ehebruch, Hurerei und allerlei Unzucht, wie davon Paulus in Römer 1. und 2. Kor. 6. ein langes Register nacheinander erzählt. Es wird auch hier das Übermaß in Essen und Trinken, die Völlerei und Trunkenheit verboten, weil sie zur Unzucht reizen. Hingegen wird befohlen dass man ein keusches, züchtiges und nüchternes Leben führen sollst, wie auch die eheliche Beiwohnung im Ehestand zugelassen ist.

15. Du sollst nicht stehlen.

Stehlen: In diesem Gebote verbietet Gott nicht allein den äußerlichen Diebstahl und Kirchen- oder Straßenräuberei, sondern auch allerlei Betrug, Finanzen, geschwinde Renke und listige Praktiken, damit der Nächste übervorteilt und an seinen Gütern beschädigt wird: Besonders aber wird der Geiz verworfen, daraus allerlei Diebereien und Betrügereien herkommen. Hingegen werden die Tugenden, so sie den vorgemeldeten Lastern zuwider sind, geboten, wie Guttätigkeit, Freigiebigkeit, Gerechtigkeit im Handel und Wandel, Almosen und dergleichen.

16. Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Falsch Zeugnis: Dies Gebote verbietet ernstlich, solche falsche Zeugnisse, die vor einem öffentlichen Gericht ausgesagt werden: Danach wehrt es allen Lästerungen, Lügen, bösen Nachreden und unrechten Argwohn, damit wir die Unschuldigen beschweren. Und wird darin gefordert, dass wir die Wahrheit reden mit dem Nächsten aufrichtig handeln, seine Fehler und Mängel, so viel sie mit gutem Gewissen sind, zudecken und von jedermann doch vorsichtig und weislich das Beste reden.

17. Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles, das dein Nächster hat {Röm 7v7 13v9 Jak 1v14}.

Gelüsten: Diese beide Gebote werden später {5Mos 5} in einer anderen Ordnung erzählt. Also, dass im 9. Gebote die Lust nach eines anderen Hauses verboten wird. Aber daran ist nichts gelegen was für eine Ordnung Gott gehalten oder wie Mose sie gesetzt habe. Denn es hat Gott aus einem besonderen Bedenken einerlei Sachen, als nämlich die böse Lust in zwei unterschiedlichen Geboten verbieten und solches ausdrücklich und mit Fleiß wohl einbilden wollen, dass nämlich mit der äußerlichen Haltung des Gesetzes, welche mit äußerlichen Werken allein geübt wird, ihm nicht genug geschehe: Sondern dass er auch einen innerlichen und vollkommenen Gehorsam erfordere, also dass wir nicht allein die Hände vom Diebstahl und öffentlicher Übervorteilung und Betrug enthalten: Sondern auch das Herz und Gemüt von allen bösen Begierden und Gelüsten frei behalten. Deswegen hat Gott die böse Lust in zwei Geboten verbieten wollen, um damit anzuzeigen, dass er auch die vorhergehenden Gebote nicht allein von äußerlichen Werken, sondern auch von den innerlichen Bewegungen des Herzens wolle verstanden haben. Es hat aber unsere Herr Gott die zehn Gebote als das Gesetz der Natur, welches in unser Herzen gepflanzt ist, wiederum in uns erneuern wollen, weil das natürliche Wissen, wie man soll den Tugenden nachstreben und die Laster fliehen, durch die Erbsünde in der Menschen Herzen sehr verdunkelt wurde. Und ist das Gesetz nicht darum gegeben, dass wir müssten daraus lernen, wie wir, sofern wir dasselbe halten, Vergebung der Sünden und das ewig Leben erlangen sollen, weil das Gesetz einen vollkommenen Gehorsam fordert, welche kein Mensch in diesem Leben leisten kann: Sondern dass wir daraus lernen, wie weit wir der wahren Vollkommenheit verfehlen und erkennen, dass wir den ewigen Fluch und der Verdammnis unterworfenen sind {5Mos 27 Apg 7 Röm 3}. Es wird uns aber unsere Verdammnis gezeigt und vor die Augen gemalt, nicht dass wir in Sünden verharren und darin verzweifeln sollen, sondern dass wir uns wenden zu der grundlosen Barmherzigkeit Gottes und zu unserem Mittler Christo unsere Zuflucht haben. Denn wer an Christus glaubt, dem wird der Gehorsam Christi, welchen er dem Gesetz vollkommen geleistet hat zugerechnet {Röm 5} und wird durch die Kraft des Leidens Christi von dem Fluch und der ewigen Verdammnis erlöst, also dass er um Christi willen den Segen und das ewige Leben erlangt {Joh 3 Röm 3 Gal 3}. Obwohl nun aber niemand, auch der Wiedergeborenen keiner, dem Gesetz Gottes vollkommen genug tun kann: Jedoch nachdem wir durch den Glauben an Christus gerecht geworden sind, so sollen wir unsere Dankbarkeit mit guten Werken gegen Gott, dem himmlischen Vater, samt seinem Sohn und dem Heiligen Geist bezeugen. Da denn das Gesetz wiederum seinen großen Nutzen hat, weil es lehrt, mit welchen Werken Gott von uns will geehrt sein und nach welcher Regel wir unser Leben anrichten sollen, dass es Gott gefalle. Denn es fordert das Gesetz in einer Summe von uns, dass wir Gott, unseren Herrn, lieben sollen von ganzem Herzen von ganzer Seele von allen unseren Kräften und unseren Nächsten als uns selbst. Obwohl wir nun in diesem Leben weder Gott noch unseren Nächsten also vollkommen lieben können, wie es das Gesetz fordert, so gefällt doch Gott unser angefangener neuer Gehorsam wohl von Christi willen, dessen Vollkommenheit alle unsere Unvollkommenheit zudeckt. Und so viel sei an diesem Ort genug gesagt zur Erklärung der zehn Gebote, und wie dieselben nützlich und recht gebraucht werden sollen. Jetzt wollen wir wieder zur Historie schreiten.

18. Und alles Volk sah den Donner und Blitz und den Ton der Posaune und den Berg rauchen. Da sie aber solches sahen, flohen sie und traten von ferne;

Sahen: Das ist: Da das Volk sah, wie es blitzte und hörte den Donner samt der starken Posaunen Schall oder Klang.

Flohen: Das ist: Sie sind nicht stehen geblieben unten am Berge, an dem Ort da sie Mose hingeführt hatte, sondern sind ausgerissen und davongelaufen.

19. und sprachen zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen gehorchen, und lass Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst sterben {Röm 3v20 4v14 5v13 7v7 Hebr 12v20}.

Rede du: Wenn uns der Herr etwas weiter befehlen will.

20. Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht; denn Gott ist gekommen, dass er euch versuchte, und dass seine Furcht euch vor Augen wäre, dass ihr nicht sündigt.

Euch nicht: Gebt euch zufrieden und seid ohne Sorge, denn es ist euch der Herr nicht darum erschienen, dass er euch töte, sondern hat mit einer solchen ungewöhnlichen Stimme mit euch geredet, dass er sehe, ob ihr ihn als euren Gott würdet in Ehren halten.

Nicht sündigt: (Denn wo die Gottesfurcht aus der Menschen Herzen vertrieben wird, da werden auch leicht allerlei schwere Sünden begangen.)

21. Also trat das Volk von ferne; aber Mose machte sich hinzu ins Dunkel, da Gott innen war.

Ferne: Und durfte nicht mehr so nahe zu dem Berg kommen.

Dunkel: (Es wird aber von Gott darum in diesem Leben gesagt, dass er im Dunkeln wohne, weil er nach seinem Wesen mit leiblichen Augen nicht gesehen werden kann, noch dass die menschliche Natur seine Majestät erforschen könne: Aber durch den Glauben wird er erkannt, welcher nicht auf das äußerliche Ansehen noch auf der Vernunft Urteil, sondern auf das Wort Gottes sich gründet. Dass aber das Volk durch den Donner und die Stimme der zehn Gebote erschreckt, Gott nicht weiter durfte reden hören, sondern gebeten, dass Mose der Unterhändler oder Mittler zwischen Gott und ihnen wäre {Gal 3 Apg 7}. Dadurch wird bedeutet, dass kein Mensch, der den Zorn Gottes empfindet, die Stimme des Gesetzes Gottes in seinem Gewissen erdulden könne, weil uns Sündern der Fluch droht, und dass wir vor Furcht nicht dürfen zu Gott nahen. Darum bedürfen wir eines Mittlers, der sich in Mitte stelle, zwischen Gott und uns, dieser Mittler aber und rechte Prophet – den wir in der Stimme des Evangeliums können hören mit uns reden – , ist der Sohn Gottes, Jesus Christus, welcher hier durch Mose vorgebildet wird und in 5. Mose 18, dem Volk Gottes ist verheißen worden, wie es Stephanus bezeugt in der Apostelgeschichte 7.)

22. Und der Herr sprach zu ihm: Also sollst du den Kindern Israel sagen: Ihr habt gesehen, dass ich mit euch vom Himmel geredet habe.

Also sollst du: Nach dem das Gesetz der Natur, welches in den zehn Geboten begriffen wird, gegeben wurde, folgen jetzt später weiter viel und mancherlei andere Gesetze, so sie aus den zehn Geboten oder aus dem Gesetz der Natur herkommen: Deren etliche sind von den Zeremonien, die man beim Gottesdienst brauchen soll, solange das levitische Priestertum währen würde. An solche Gesetze sind die Christen heutzutage, nachdem Christus durch seine Zukunft die Schatten des Gesetzes hinweggetan und aufgehoben hat, nicht gebunden. Etliche sind von Gerichtssachen, damit die Regierung der israelitischen Polizei angerichtet wurde, welche auch die Christen nichts angehen, nachdem die jüdische Polizei ab- und hinweggetan ist, denn nur sofern sie das Gesetz der Natur erklären: Wiederum sind andere eingemengt, das ist, die etwas von den Zeremonien oder auch von weltlichen Gerichtsverhandlungen in sich begreifen, wie an seinem Ort soll angezeigt werden. Auch werden bisweilen etliche Gesetz zu mehrmals wiederholt, weil vonnöten ist, dass es den Zuhörern des Gesetzes fleißig eingebildet werde, was das Gesetz von ihnen fordert und ihnen wider ihren Willen auflegt, wie denn deren eines ist, so bald später folgt.

Vom Himmel: Und habt nicht bei einer Säulen oder Bildnis meinen göttlichen Willen vernommen, denn ich will in keinem Bilde erkannt oder geehrt werden.

23. Darum sollt ihr nichts neben mir machen, silberne und goldene Götter sollt ihr nicht machen.

Goldene: Denn mir nichts daran gelegen ist, aus was köstlicher Materie ihr euch Götzen macht dieselben zu verehren, welche ich aufs Äußerste hasse und verwerfe.

24. Einen Altar von Erde mache mir, darauf du dein Brandopfer und Dankopfer, deine Schafe und Rinder opferst. Denn an welchem Ort ich meines Namens Gedächtnis stiften werde, da will ich zu dir kommen und dich segnen.

Von Erde: Wie in Kapitel 27 folgt, so hat man müssen einen Altar von Holz und inwendig hohl machen und danach mit Erz, zu breitem Blech geschlagen, überziehen, und dann Erde oben darauf schütten, auf welcher später die Opfer verbrannt wurden. (Und wird hier die Menschheit Christi vorgebildet, welche von Erde gewesen – wie denn alle Menschen von Erde sind – und um seinetwillen sind unsere Werke Gott angenehm.)

Brandopfer: Das ist: Solche Opfer, die ihr zur Versöhnung opfern werdet.

Dankopfer: Damit ihr eure Dankbarkeit gegen Gott bezeugen wollt für die empfangene Guttaten.

Schaf und Rinder: Denn diese waren meistenteils die Materie, daraus man die Brandopfer und Dankopfer machte.

Gedächtnis: Das ist: Da ich meinen ordentlichen Gottesdienst will anrichten lassen, und da ich die heilige Hütte werde heißen aufschlagen.

Kommen: Das ist: Ich will dort meine Gegenwart offenbaren.

Segnen: Das ist: Wenn du meine Gesetz und Zeremonien mit Fleiß halten wirst, wie ich dir gebieten werde, so will ich dich mit allerlei zeitlichen und geistlichen Gütern begaben.

25. Und so du mir einen steinernen Altar willst machen, sollst du ihn nicht von gehauenen Steinen bauen; denn wo du mit deinem Messer darüber fährst, so wirst du ihn entweihen.

Machen: Nämlich an irgendeinem Ort außerhalb der Hütte, des Stifts, da du dessen einen besonderen Befehl von mir hast.

Fährst: Das ist: Sobald du dich wirst unterstehen, die Steine mit einem eisernen Werkzeug auszuarbeiten und glatt zu machen, so wird derselbe Altar durch dieses gar zu unzeitigen und unnötigen Fleiß verunreinigt werden. Also, dass weder der Altar noch die Opfer mir angenehm sein werden. Einen solchen Altar hat Mose auch, nachdem die Hütte des Stiftes bereits fertig und aufgerichtet war, im Lande Kanaan machen heißen {5Mos 27}, welchen Befehl Josua nachkam, wie im Buch Josua Kapitel 8. zu sehen ist. (Es hat aber Gott damit anzeigen wollen, wie ihm nicht gefalle, dass ein Mensch seinen Fleiß darauf lege, wie er den Gottesdienst zierlich anrichten möge, außerhalb seines ausdrücklichen Worts und Befehls.)

26. Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar steigen, dass nicht deine Scham aufgedeckt werde vor ihm.

Stufen: Das ist: Du sollst nicht einen solchen Altar machen, zu dem der Priester aufwärtssteigen muss, wenn er opfern will.

Aufgedeckt: Das ist: Damit nicht, wenn der Priester höher steht denn das anderer Volk, welches besser darunter bleibt und über sich sehen muss an dem Priester, da seine Kleider sich ausbreiten, solche Glieder des Leibes gewahr werde, welche die Natur will bedeckt haben. (Denn es soll in der Kirche alles ehrlich und ordentlich zugehen)


Das 21. Kapitel


I. In diesem Kapitel werden etliche weltliche Satzungen erzählt, welche zum äußerlichen Regiment des israelitischen Volkes gehörten, an denen die Christen zwar nicht verbunden sind, aber doch kann eine christliche Obrigkeit ihre Satzungen danach richten, dass sie der Gerechtigkeit gemäß sind.

1. Dies sind die Rechte, die du ihnen sollst vorlegen:

Rechte: Das ist: Satzungen und Ordnungen, nach denen man dem israelitschen Volk recht sprechen soll. (Denn Gott lässt sich die weltliche Regierung gefallen und will, dass die weltlichen Gesetze, welche nicht wider die zehn Gebote streiten, gehalten werden {Röm 13}.)

2. So du einen hebräischen Knecht kaufst, der soll dir sechs Jahre dienen; im siebten Jahr soll er frei ledig ausgehen {5Mos 15v12 Jer 34v14}.

Hebräischen: Der aus dem Volk Israel seine Herkunft hat. Den man kaufte vorzeiten die Knechte und Mägde, dass sie Leibeigene wurden, wie es noch heutzutage bei den Türken geschieht.

Ledig: Also, dass er sich nicht mit Gelde durfte frei und aus der Dienstbarkeit losmachen. (Obwohl nun jetziger Zeit im Römischen Reich die Knechte nicht gekauft, sondern gedingt werden, so will doch Gott dieselbe Dienstbarkeit und den Unterschied zwischen Herren und Knechten auch haben. Und sollen die Knechte tun, was ihr Amt und ihre Verrichtung ist und ihre Freiheit nicht missbrauchen, sondern sollen Gott danken, dass sie heutzutage in einem weit besseren Zustand dienen als vorzeiten. Auch sollen die Herren den Knechten nicht zu streng sein.)

3. Ist er ohne Weib gekommen, so, soll er auch ohne Weib ausgehen. Ist er aber mit einem Weib gekommen, so soll sein Weib mit ihm ausgehen.

Ausgeben: Nämlich im siebten Jahr, da sollen sie alle beide frei gelassen werden.

4. Hat ihm aber sein Herr ein Weib gegeben und hat Söhne oder Töchter gezeugt, so soll das Weib und die Kinder seines Herrn sein; er aber soll ohne Weib ausgehen.

Gegeben: Nämlich während seiner Dienstbarkeit.

Herrn sein: Also, dass das Weib mit ihrem Ehemann und die Kinder mit ihrem Vater nicht ausgehen auch nicht frei gelassen werden: Sondern bei demselben Herrn in Diensten verbleiben, der dem Knecht das Weib gegeben hat. (Was aber der allweise Gott, als der allerbeste Gesetzgeber, für Ursache gehabt hat, dass er diese Satzungen gestellt hat, steht uns nicht zu, vor witzigerweise nach unserer Vernunft davon zu urteilen oder demselben nachzuforschen. Es ist aber kein Zweifel, dass nach Gelegenheit derselben Zeit und Leute nicht unrichtig gewesen sind.)

5. Spricht aber der Knecht: Ich habe meinen Herrn lieb und mein Weib und Kind, ich will nicht frei werden,

Spricht: Wenn das siebte Jahr vorhanden ist und er wieder frei werden kann, wenn er will.

Lieb: Weil er mich bisher gnädiglich und wohl gehalten hat.

Kind: Die ich in der Dienstbarkeit bekommen habe.

Nicht frei: Ich will meinen Herrn, dazu mein Weib und meine Kinder nicht verlassen, sondern viel lieber bei ihnen in der Dienstbarkeit bleiben.

6. So bringe ihn sein Herr vor die Götter und halte ihn an die Tür oder Pfosten und bohre ihm mit einem Pfriemen durch sein Ohr; und er sei sein Knecht ewig.

Götter: Das ist: vor die Obrigkeit. (Denn also wird die Obrigkeit genannt, von wegen des göttliche Amtes, so sie trägt.)

Ohren: Dass er ihn an die Tür oder Pfosten hefte, und mit solcher Zeremonie vor der Obrigkeit öffentlich bezeuge, wie derselbe Knecht sich gutwillig in eine ewige Dienstbarkeit begebe, also dass er an dem Hause seines Herrn gleichsam wolle angeheftet sein und seinen Worten und Befehl als mit durchbohrten Ohren immer gehorsam sein.

Ewig: Das ist: Er kann weiter nicht frei werden, wenngleich das siebte Jahr wieder herumkommt, sondern soll dienen, bis er das Jubeljahr erreicht, welches alle fünfzig Jahr war, in dem alle Knechte frei gelassen werden mussten, sie wären gleich in die Dienstbarkeit geraten auf was Weise und Wege es immer geschehen mögen.

7. Verkauft jemand seine Tochter zur Magd, so soll sie nicht ausgehen wie die Knechte.

Seine Tochter: Welches zwar ein hartes zu sein scheint, jedoch weil es die Not manchmal im selben Volk erfordert hat, ist darauf diese Satzung gestellt und mit etwas Lindigkeit gemäßigt wurde.

Knechte: Das ist: Sie soll in der Dienstbarkeit nicht dergestalt gebunden sein, dass sie vor Ablauf der sechs Jahren nicht konnte frei werden, wie den Knechten geschah.

8. Gefällt sie aber ihrem Herrn nicht und will ihr nicht zur Ehe helfen, so soll er sie zu lösen geben. Aber unter ein fremdes Volk sie zu verkaufen, hat er nicht Macht, weil er sie verschmäht hat.

Lösen geben: Das ist: Da innerhalb der sechs Jahre jemand das Mädchen zum Weibe begehren würde, und ihr Herr, der sie gekauft hat, ihrem Vater nicht versprechen will, dass er bald später das Mädchen anderwärts mit einer ehrlichen Heirat versehen wolle, so kann sie ihr Herr unter dem Schein der Dienstbarkeit nicht länger bei sich behalten, noch hindern, dass sie nicht freien müsste. Deswegen soll er zulassen, dass sie ihr Vater wiederum mit Gelde nach Schätzung frommer Leute oder der Obrigkeit von ihm löse.

Verschmäht: Das ist: Er soll nicht böslich oder hinterlistig mit ihr handeln, dass er sie fremden Leuten wollte zu kaufen geben, damit er dergestalt der Mühe loswürde und sie mit keiner Heirat versehen durfte. Denn das wäre unehrbar und gar nicht edel gehandelt.

9. Vertraut er sie aber seinem Sohn, so soll er Tochterrecht an ihr tun.

Sohn: Weil er sieht, dass es ein frommes ehrliches und wohlerzogenes Mädchen ist.

Tochterrecht: Das ist: Er soll ihr die Heimsteuer geben und sie nicht anderes halten, als wenn es seine eigene Tochter wäre, die er ausgesteuert hätte, ungeachtet, dass sie ihm bis daher als eine leibeigene Magd gedient.

10. Gibt er ihm aber eine andere, so soll er ihr an ihrem Futter, Decke und Eheschuld nicht abbrechen.

Ihm: Nämlich seinem Sohn, also dass das Mädchen deshalb keine Hoffnung mehr haben kann.

Eheschuld: Oder Morgengabe. Das ist: Er soll ihr so viel geben, dass sie etliche Wochen oder Monate ihre Nahrung haben könne, wenn sie einen anderen freit, über das soll er ihr auch Kleider und Decke samt der Morgengabe reichen, wie die neuen Ehemänner ihren Weibern nach dem ersten Beischlaf zu tun pflegen, dass sie also begabt desto eher einen Ehemann finden könne.

11. Tut er diese drei nicht, so soll sie frei ausgehen ohne Lösegeld.

Drei nicht: Das ist: Da das Mädchen in währenden Jahren der Dienstbarkeit von jemanden zur Ehe begehrt würde, und aber ihr Herr sie um ein angebotenes Lösegeld nicht von sich lassen will, und dennoch dem Sohn auch nicht zulassen, dass er sie eheliche, wenn er sein mannbares Alter erreicht hat, dazu ihr ein Zeit lang keine Nahrung, Kleider und Morgengabe gebe: So steht dem Mädchen von Stunde an frei, es sei gleich noch wenig oder viel Zeit bis zu dem siebten Jahr übrig, dass sie aus der Dienstbarkeit mag austreten, ihr selbst mächtig und von dem Joch der Dienstbarkeit los sei. Durch dies Gesetz hat Gott so viel zuwege gebracht, dass die Mädchen entweder nicht gekauft wurden, obgleich so ungeschliffenen Eltern sich gefunden, die alle väterliche Liebe und Zuneigung abgelegt oder aus Not der Armut dies Mittel vor die Hand genommen und sie zu verkaufen feilgeboten hat. Oder aber, da man sie gleich gekauft, dennoch eine erträglichere Dienstbarkeit gehabt habe, als die Mannspersonen. (Denn man soll mit dem weiblichen Geschlechte gelinder und glimpflicher umgehen als mit den Männern, und sollen alle Gesetze mit Lindigkeit und Sanftmut temperiert und gemäßigt werden.)

12. Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, der soll des Todes sterben.

Todes sterben: Also, dass die Obrigkeit ihn zur Strafe ziehe. Und dies ist ein allgemeines Gesetz. Darauf folgt ein besonderes Fall und Ding, so unter solche Regel nicht gehört.

13. Hat er ihm aber nicht nachgestellt, sondern Gott hat ihn lassen in seine Hände fallen, so will ich dir einen Ort bestimmen, dahin er fliehen soll.

Fallen: Dass er von ihm erschlagen wird, da er doch keinen Vorsatz hatte, ihn umzubringen.

Fliehen: Damit er sicher sei und nicht zur Strafe hingerissen werde. Es sind aber später im Land Kanaan sechs Städte von Gott ausgesondert worden zu Freistädten, dass dahin flöhen und Sicherheit suchte, wer einen Totschlag begangen hat, wie im Buch Josua, Kapitel 10, zu sehen ist.

14. Wo aber jemand an seinem Nächsten frevelt, und ihn mit List erwürgt, so sollst du denselben von meinem Altar nehmen, dass man ihn töte.

Frevelt: Aus Mutwillen und vorsätzlicherweise.

Altar nehmen: Dass er sich durchaus keiner Freiheit zu freuen oder zu behelfen habe. (Denn man soll die vorsätzlichen Totschläge mit Ernst strafen, damit sie desto weniger begangen werden. Wo aber nicht aus Bosheit, sondern Gleiches und wider Erhoffen gesündigt wird, da muss man nicht allein die Tat, sondern auch das Vorhaben des Täters in Achthaben, damit des Gesetzes Schärfe nicht gar zu streng fahre.)

15. Wer seinen Vater oder Mutter schlägt, der soll des Todes sterben.

Schlägt: Obgleich er sie nicht tötet.

Sterben: Das ist: Die Obrigkeit soll solche undankbaren Kinder umbringen lassen. (Da sieht man, mit was großem Ernst Gott fordert, dass man die Eltern in Ehren halten soll.)

16. Wer einen Menschen stiehlt und verkauft, dass man ihn bei ihm findet, der soll des Todes sterben.

Stiehlt: Welches sich vorzeiten oftmals zugetragen hat, besonders da man kleine Knaben und Mädchen heimlich entführt und zur leibeigenen Dienstbarkeit verkauft hat, nur damit solche Menschendiebe Geld bekämen.

Findet: Dass er über den Diebstahl betroffen wird oder indem, dass er den entführten Diebstahl verkauft, ergriffen wird. (Und soll man hier in Acht nehmen, dass die Umstände der Tat die Strafe mehren oder mindern.)

17. Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben {5Mos 27v16 Spr 20v20 30v17 Mt 15v4 Mk 7v10}.

Flucht: Dass er ihnen alles Böses wünscht.

Sterben: Hier sieht man auch, wie hoch Gott die Eltern geehrt haben will.)

18. Wenn sich Männer miteinander hadern, und einer schlägt den anderen mit einem Stein oder mit einer Faust, dass er nicht stirbt, sondern zu Bette liegt:

Zu Bette: Dass er von wegen der Wunde krank und unmöglich ist und seine gewöhnlichen Geschäfte nicht versehen kann.

19. kommt er auf, dass er ausgeht an seinem Stabe, so soll, der ihn schlug, unschuldig sein, ohne dass er ihm bezahle, was er versäumt hat, und das Arztgeld geben.

Kommt er auf: Dass er sich von solcher Krankheit wiederum erholt.

Stabe: Damit er sich behelfen und stützen muss, weil er noch nicht allerdings erstarkt ist.

Unschuldig sind: Obgleich es später wieder mit ihm umschlagen würde und stürbe, so soll doch der, welcher ihn geschlagen, nicht als ein Totschläger gestraft werden. (Doch ist solcher Mensch vor Gott nicht allerdings freigesprochen, sofern er nicht Buße tut {Mt 5}; sondern es wird hier nur von der Strafe der weltlichen Obrigkeit gesagt, da Gott will, dass der Richter soll geneigter sein, freizusprechen, als zu verdammen.)

Versäumt: Das ist: Was dem Verwundeten unter des an seiner häuslichen Nahrung abgegangen ist, weil er der Haushaltung nicht erledigen konnte.

20. Wer seinen Knecht oder Magd schlägt mit einem Stabe, dass er stirbt unter seinen Händen, der, soll darum gestraft werden.

Gestraft werden: Nämlich als ein Totschläger.

21. Bleibt er aber einen oder zwei Tage, so soll er nicht darum gestraft werden; denn es ist sein Geld.

Sein Geld: Das ist: Weil er seinen Knecht oder seine Magd um sein Geld gekauft hat, darum er mehr Macht über sie gehabt als über Fremde. Und ist dies auch ein weltliches Gesetz, welches zwar einen solchen grausamen Herrn von der zeitlichen Strafe losspricht, aber darum vor dem ewigen höllischen Feuer nicht befreit, sofern er nicht Buße tut und Gott um Verzeihung bittet.

22. Wenn sich Männer hadern und verletzen ein schwangeres Weib, dass ihr die Frucht abgeht, und ihr kein Schaden widerfährt, so soll man ihn um Geld strafen, wie viel des Weibes Mann ihm auflegt, und soll es geben nach der Amtsleute erkennen.

Verletzen: Nämlich indem sie sich miteinander schlagen und überwerfen.

Weib: Welche vielleicht hinzuläuft, ihren Mann zu retten oder den Streit zu entscheiden, oder auch durch irgend eine andere Gelegenheit an den Ort gerät, da sich zwei miteinander raufen, wie dergleichen sich zutragen mag.

Abgeht: Dass sie das Kind tot zur Welt bringt oder doch bald stirbt, weil es zu früh und noch unzeitig geboren wird.

Geld: Welches er des schwangeren Weibes Ehemann zahlen soll.

Erkennen: Denn es sonst auch oft geschieht, dass etliche für ihren Schaden gar zu viel und übermäßig fordern.

23. Kommt ihr aber ein Schaden daraus, so soll er lassen Seele um Seele {3Mos 24v20 5Mos 19v21 Mt 5v38}.

Ihr: Nämlich dem schwangeren Weibe.

Seele: Das ist: Er soll sein Leben verlieren und von der Obrigkeit zum Tode verurteilt werden, weil er eine Ursache war an des schwangeren Weibes Tode.

24. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß,

25. Brand um Brand, Wunde um Wunde, Beule um Beule.

Beule: Das ist: Dies ist hiermit also ein allgemeines Gesetz, dass, welchergestalt einer seinen Nächsten beschädigen wird, derselbe gleichermaßen von der ordentlichen Obrigkeit gestraft werde. Als wer einem ein Auge ausgestochen, dem soll die Obrigkeit nach Erkenntnis der Sache wiederum ein Auge ausstechen lassen, also soll es in allen anderen Fällen gehalten werden, wie Mose etliches nacheinander erzählt. (Dies Gesetz wird auch 3. Mose. 24. und 5. Mose 19. wiederholt. Welches zu Zeiten, da Christus sichtbar auf Erden gewandelt, in einen Missbrauch gekommen war, da die Juden meinten, es stünde ihnen frei, so jemand von seinem Nächsten eine dergleichen Ungerechtigkeit empfangen hat, dass er meinte, sich selbst rächen dürfte und dem Nächsten wiederum dergestalt beschädigen, wie er von ihm beschädigt wurde. Solche Rachgierigkeit und unrechte Bosheit will Christus wehren, da er verbietet, man soll dem Übel nicht widerstehen {Mt 5} und ist seine Meinung gar nicht, dass er die öffentliche Rache aufheben wolle, welche die Obrigkeit gegen denen gebrauchen soll, die den gemeinen Frieden zerstören und ein Unglück über das anderer anrichten. Solchen soll man wehren und widerstehen, wie hier ausdrücklich befohlen wird. Aber es soll niemand sein eigener Rächer sein, sondern Gott und der ordentlichen Obrigkeit, welche Gottes Dienerin ist {Röm 13}, die Rache befehlen.) Was aber hier von der Wiedervergeltung gesagt wird, geht allein die Personen an, welche frei und nicht die erkauften Knechte oder Mägde waren, wie aus dem Folgenden zu sehen ist.

26. Wenn jemand seinem Knecht oder seiner Magd ein Auge ausschlägt und verdirbt es, der soll sie frei loslassen um das Auge.

Frei: Also, dass der Verlust des Auges oder Zahnes den Knechten oder Mägden mit der Freilassung vergolten werde, welches damals eine große Wiedervergeltung war, wie es auch die Gerechtigkeit gefordert hat. Und hat Gott hiermit auch den armen Knechten und Mägden Rat schaffen wollen und die Herren im Zaum halten, dass sie es mit der Grausamkeit nicht zu groß machten.

27. Desselbigengleichen, wenn er seinem Knecht oder seiner Magd einen Zahn ausschlägt, soll er sie frei loslassen um den Zahn.

28. Wenn ein Ochse einen Mann oder ein Weib stößt, dass er stirbt, so soll man den Ochsen steinigen und sein Fleisch nicht essen; so ist der Herr des Ochsen unschuldig.

Steinigen: (Also hoch missfällt unserem Herrn Gott der Totschlag, dass er ihn auch an den unvernünftigen Tieren nicht ungestraft lassen will und des gesteinigten Ochsen Fleisch zu essen verboten hat, weil es ein abscheuliches Ding und dazu das Fleisch vom Steinigen so zerquetscht würde, dass es vom Blut nicht zu reinigen wäre. So durften die Juden ohnehin kein Blut essen.)

Unschuldig: Also, dass er nicht von wegen des begangenen Totschlags müsse gestraft werden.

29. Ist aber der Ochse vorhin stößig gewesen, und seinem Herrn ist es angesagt, und er ihn nicht verwahrt hat, und tötet darüber einen Mann oder ein Weib, soll man den Ochsen steinigen, und sein Herr soll sterben.

Vorhin: Also, dass er gewöhnlich die Leute pflegte anzufallen und mit den Hörnern um sich gestoßen hat.

Angesagt: Das ist: Wenn man tun kann, dass der Herr des Ochsen ernstlich darüber gesprochen und gewarnt wurde, dass er soll verhüten, damit der Ochse keinen Schaden tue.

Verwahrt: Sondern hat ihn frei herumlaufen lassen und sich um solche Warnung nicht gekehrt.

Sterben: Also, dass die welche im Amt der Obrigkeit sind, ihn zum Tode verurteilen.

30. Wird man aber ein Geld auf ihn legen, so soll er geben, sein Leben zu lösen, was man ihm auflegt.

Geld: Damit er sein Leben löse.

Legen: Aus Befehl der Obrigkeit.

Auflegt: Das ist: so viel die Obrigkeit von ihm fordern wird.

31. Desselbigengleichen soll man mit ihm handeln, wenn er Sohn oder Tochter stößt.

Handeln: Nämlich mit dem Ochsen und desselben Herrn. Dass er eben derselben Strafe unterworfenen sei, wenn er eine noch minderjährige und unverheiratete Person umbringt, als dass er einen erwachsenen und alten Menschen zu Tode gestoßen hätte.

32. Stößt er aber einen Knecht oder eine Magd, so soll er ihrem Herrn dreißig silbernes Sekel geben, und den Ochsen soll man steinigen.

Oder Magd: Dass sie der Ochse umbringt.

Ihrem: Nämlich desselben Knechts oder Magd.

Dreißig: Welche Gleiches an die acht oder zehn Goldstücke macht.

Steinigen: Damit der Mord nicht ungestraft bleibe.

33. so jemand eine Grube auftut, oder gräbt eine Grube und deckt sie nicht zu, und fällt darüber ein Ochse oder Esel hinein,

34. so soll es der Herr der Grube mit Geld dem anderen wieder bezahlen; das Aas aber soll sein.

Der Herr: Welcher weil er seine Grube nicht wieder zugemacht hat, Ursache daran gewesen ist, dass das Vieh umgekommen ist.

Wieder bezahlen: Nämlich das Tier oder Vieh, so es in die Gruben zu Tode kam.

Sein: Dass er es seines Gefallens gebrauche.

35. Wenn jemandes Ochse eines anderen Ochsen stößt, dass er stirbt, so sollen sie den lebendigen Ochsen verkaufen und das Geld teilen und das Aas auch teilen.

Teilen: Nämlich, der dessen Ochse eines anderen Ochsen zu Tode gestoßen und der andere, dessen Ochse umgekommen ist, damit eine Gleichheit gehalten werde.

36. ist es aber kund gewesen, dass der Ochse zuvor stößig gewesen ist, und sein Herr hat ihn nicht verwahrt, so soll er einen Ochsen um den anderen vergelten und das Aas haben.

Kund gewesen: Nämlich dem Herrn des stößigen Ochsen, dass er wusste, wie sein Ochse so untreu sei.

Vergelten: Das ist: Er soll für den toten Ochsen einen anderen Lebendigen erstatten und den Toten behalten. (Denn wir sollen uns nicht allein hüten, damit wir unseres Nächsten Leben durch unser Versäumnis nicht in Gefahr setzen, sondern auch acht darauf haben, dass seine Habe und Güter durch unsere Fahrlässigkeit nicht geschmälert werden.)


Das 22. Kapitel


I. Erstlich werden weltlichen Gesetze gestellt von mancherlei Sachen, daran die Christen heutzutage nicht gebunden sind, als da sind vom Diebstahl und dergleichen v. 1. II. Was aber von den Zauberern und der unnatürlichen Unzucht zu strafen gemeldet wird, ist solches aus dem natürlichen Recht genommen v. 18. III. Die Zeremonien von den Erstlingen und ersten Geburten gehören ins Alte Testament v. 29.

1. Wenn jemand einen Ochsen oder Schaf stiehlt und schlachtet es oder verkauft es, der soll fünf Ochsen für einen Ochsen wiedergeben und vier Schafe für ein Schaf {2Sam 12v6 Spr 6v31}.

Schlachtet es: Also, dass er es dem rechten Herrn nicht mehr wieder zustellen kann.

Wiedergeben: (Dass aber heutzutage im Römischen Reich die Diebe gehenkt und stranguliert werden, ist dem Worte Gottes darum nicht zuwider. Denn wir sind an die weltlichen Gesetze der Juden nicht gebunden. Und steht es einer Obrigkeit frei, dass sie zuweilen nach Gelegenheit der Zeit die Strafen schärfen dürfen, besonders wenn die Bosheit überhandnimmt. Dies Gesetz lehrt auch, wie es Gott haben wolle, dass ein jeder seine eigenen Güter habe und behalte und sei gar nicht vonnöten, dass man eine wiedertäuferische Gemeinschaft der Güter anrichte. Aber Gott verurteilt die Diebe, so sie nicht Buße tun vor seinem Gericht, nicht allein zum Strick, sondern auch zum höllischen ewigen Feuer.)

2. Wenn ein Dieb ergriffen wird, dass er einbricht, und wird darüber geschlagen, dass er stirbt, so soll man kein Blutgericht über jenen gehen lassen.

Einbricht: Damit er etwas stehlen möge.

Kein Blutgericht: Das ist: Die Obrigkeit kann ihn nicht zur Strafe fordern, als einen Totschläger. Es soll aber ein gottseliger Mann sich mit Fleiß hüten und achthaben, wie er sonst den Dieb könne aus dem Hause bringen und treiben, dass er ihn nicht durften umbringen: Es sei denn, dass der Dieb ihn aus Not dahin dringen würde, dass er sich beschützen müsste, wo er nicht wolle in Leibes- und Lebensgefahr darüber kommen.

3. Ist aber die Sonne über ihm aufgegangen, so soll man das Blutgericht gehen lassen. Es soll aber ein Dieb wiedererstatten. Hat er nichts, so verkaufe man ihn um seinen Diebstahl.

Aufgegangen: Da er nämlich den angetroffenen und bei der Tat erhaschten Dieb umbringt.

Gehen lassen: Das ist: Er muss sich des Urteils bewusst sein, so die Obrigkeit über ihn aussprechen wird, von wegen, dass er Blut vergossen hat. Es kann aber geschehen, dass die Obrigkeit nach Betrachtung der Umstände dem Täter eine Geldstrafe auflege.

Wiedererstatten: Nämlich, wenn er ergriffen, aber nicht getötet wurde, und soll es fünf oder vierfach wiedergeben, wie oben geordnet.

Verkaufe: Nämlich, zur leibeigenen Dienstbarkeit und von dem Gelde, so aus ihm erzielt wird, soll der bezahlt werden, welchem das Seine gestohlen wurde. Und solches hat man tun müssen, wenn man das Gestohlene nicht wiederbekommen könne.

4. Findet man aber bei ihm den Diebstahl lebendig, es sei Ochse, Esel oder Schaf, so soll er es zwiefältig wiedergeben.

Zwiefältig: Nämlich für einen Ochsen zwei und also fort. Welches doch dem Vorigen von den vier oder fünffachen Bezahlung nicht zuwiderläuft. Denn jenes galt, da man das Gestohlene nicht konnte wiederhaben. Hier aber wird gesagt, wenn der Diebstahl wieder angetroffen wird, so soll die zweifache Bezahlung geschehen. (Wer aber den Diebstahl nicht wiedererstattet, da er es tun kann, der zeigt an, dass er nicht wahre oder rechtschaffene Buße getan hat.)

5. Wenn jemand einen Acker oder Weinberg beschädigt, dass er sein Vieh lässt Schaden tun in eines anderen Acker, der soll von dem Besten auf seinem Acker und Weinberge wiedererstatten.

Lässt: Dass er seinem Vieh nicht abwehrt.

Besten: Nicht an dem Ort, da es nicht wohlgeraten, sondern da er genügende und völlige Erstattung tun kann. (Denn wenn aus unserer Fahrlässigkeit etwas übersehen und verwahrlost wird, so können wir die Schuld niemanden als uns selbst zumessen.)

6. Wenn ein Feuer auskommt und ergreift die Dornen und verbrennt die Garben oder Getreide, das noch steht, oder den Acker, so soll der wiedererstatten, der das Feuer angezündet hat.

Dornen: Das ist: Da jemand bei einer Dornenhecke, so sie neben einem Acker steht, ein Feuer anzündet und das Feuer unter die Dornen gerät, von da es weiter das stehende Korn oder Garben erreicht und verbrennt.

Wiedererstatten: Das ist: Er soll dem genugtun, dem der Schaden geschehen ist.

7. Wenn jemand seinem Nächsten Geld oder Geräte zu behalten tut, und wird demselbigen aus seinem Hause gestohlen: Findet man den Dieb, so soll er es zwiefältig wiedergeben.

Zu behalten: Dass er es bei ihm hinterlegt.

er es: Nämlich der Dieb soll es dem wiedergeben, dem es tatsächlich gehört.

8. Findet man aber den Dieb nicht, so soll man den Hauswirt vor die Götter bringen, ob er nicht seine Hand habe an seines Nächsten Habe gelegt.

Hauswirt: Bei dem die Sachen hinterlegt wurden.

Götter bringen: Das ist: Man soll ihn vor die Obrigkeit führen, welche der Sache aufs Genaueste nachforschen und erkundigen sollen, ob er das, so ihm zu treuen Händen hinterlegt worden, nicht vielleicht selber für sich behalten habe und danach ausgebe, es sei ihm gestohlen worden. Auf dass, wenn es sich findet, dass er es selber, bei dem es hinterlegt gewesen, aufbehalten habe, darum ernstlich gestraft werde, oder aber dass man ihn freispreche, sofern er unschuldig ist. Es wird aber hier von keinem Eid gemeldet, den der Beklagte tun soll, aber später wird in gleiche Fall der Eid ausdrücklich gefordert.

Götter: (Nach Luther) Heißen die Richter, darum dass sie an Gottes statt nach Gottes Gesetz und Wort nicht nach eigenen Meinungen richten und regieren mussten, wie Christus sagt {Joh 10v35}.

9. Wo einer den anderen schuldigt um einerlei Unrecht, es sei um Ochsen oder Esel oder Schaf oder Kleider oder allerlei, das verloren ist, so sollen beider Sachen vor die Götter kommen. Welchen die Götter verdammen, der soll es zwiefältig seinem Nächsten wiedergeben.

Unrecht: So ihm vom anderen widerfahren ist.

Zwiefältig: Als Exempel, wenn jemand überwiesen wird, dass er die Ursache daran sei, dass der andere ein Schaf verloren hat, so soll der Überzeugte dem Kläger zwei Schafe wiedergeben.

10. Wenn jemand seinem Nächsten einen Esel oder Ochsen oder Schaf oder irgend ein Vieh zu behalten tut, und stirbt ihm, oder wird beschädigt, oder wird ihm weggetrieben, dass es niemand sieht,

Beschädigt: Dass es ein Bein bricht oder sonst am Leibe einen Schaden bekommt.

Niemand sieht: Der deshalb vor der Obrigkeit Zeugnis geben könnte.

11. so soll man es unter ihnen auf einen Eid bei dem Herrn kommen lassen, ob er nicht habe seine Hand an seines Nächsten Habe gelegt; und des Gutes Herr soll es annehmen, dass jener nicht bezahlen müsse.

Eid: Das ist: Der Streit soll durch den Eid gerichtet und entschieden werden, nämlich dass der Beklagte schwört, er habe es nicht in seinen Nutzen gewandt.

Annehmen: Dass er sich damit befriedigen und abweisen lasse.

Jener: Dem das Vieh anzubehalten befohlen ist.

Nicht bezahlen: Weil es nicht aus seiner Schuld oder Fahrlässigkeit verloren wurde oder umgekommen. (Ist deswegen zugelassen, dass man in einer wichtigen Sache mag einen Eid fordern und leisten)

12. Stiehlt es ihm aber ein Dieb, so soll er es seinem Herrn bezahlen.

Er es: Nämlich, der des Diebstahls überwiesen wurde.

Bezahlen: Nämlich dergestalt, wie oben gemeldet, dass er es zwiefältig wiedergebe.

13. Wird es aber zerrissen, so soll er Zeugnis davon bringen und nicht bezahlen.

Zeugnis: Nämlich, dass er ein Partikel davon erzeige und bezeugen könne, dass es vom wilden Tiere sei zerrissen wurden.

Nicht bezahlen: Sondern unschuldig erkannt werde.

14. Wenn es jemand von seinem Nächsten leiht, und wird beschädigt oder stirbt, dass sein Herr nicht dabei ist, so soll er es bezahlen.

Leiht: Nämlich ein Vieh.

Sein Herr: Nämlich, der es ausgeliehen hat.

Er es: Nämlich, der es geliehen hat.

Bezahlen: Denn es vermutlich, dass er schuldig daran sei, dass es beschädigt wurde oder umgekommen ist.

15. Ist aber sein Herr dabei, so soll er es nicht bezahlen, so er es um sein Geld verliehen hat.

Sein Herr: Der es geliehen hat.

Dabei: Wenn es stirbt oder beschädigt wird.

Er es: Der es geliehen hat.

Verliehen hat: Denn der Herr selbst, wenn es ihm bewusst war, dass es nicht durch des Entlehners Schuld umgekommen ist.

16. Wenn jemand eine Jungfrau beredet, die noch nicht vertraut ist, und beschläft sie, der soll ihr geben ihre Morgengabe und sie zum Weibe haben.

Beredet: Mit guten Worten {5Mos 22v28 v29}.

Beschläft: Bringt sie um ihre Ehre und macht sie zuschanden.

Haben: Das ist: Er kann die Morgengabe oder Heimsteuer nicht von seinem Schwager fordern, sondern soll der Person, die von ihm verfällt ist, aus seinen Gütern eine Heimsteuer und Morgengabe verordnen und sie noch dazu zum Weibe haben. (Obwohl nun solchergestalt der Obrigkeit den Eltern und den Jungfrauen auf dieser Welt mag etlichermaßen genug geschehen, so wird doch solche Notzüchtigung vor Gott weder mit der Morgengabe noch durch die folgende Ehe ausgesöhnt. Denn wer eine Jungfrau schändet, die er noch nicht zum Weibe genommen hat, der ist ärger als ein Hurer. Die Hurer, aber wo sie nicht wahre Busse tun, werden das ewig Leben nicht besitzen {1Kor 6}.)

17. Weigert sich aber ihr Vater, sie ihm zu geben, so soll er Geld geben, wie viel einer Jungfrau zur Morgengabe gebührt.

Weigert sich: Weil der Schänder ein loser Mensch ist oder sonst nichts wert ist.

18. Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen {3Mos 20v27}.

Zauberinnen: Das ist: Alle dergleichen Personen, so sie mit Zauberei und dergleichen teuflischen Künsten umgehen, damit sie anderer Leute an Leib oder Gütern begehren Schaden zuzufügen. (Sollen darum alle Christen mit solchen teuflischen Künsten nichts zu tun haben, denn die damit umgehen, werden das Reich Gottes nicht ererben {Gal 5}.)

19. Wer ein Vieh beschläft, der soll des Todes sterben {5Mos 27v21}.

Beschläft: Denn der eine solche unmenschliche Tat begeht, ist nicht wert, dass ihn die Sonne bescheinen soll.

20. Wer den Göttern opfert, ohne dem Herrn allein, der sei verbannt,

Göttern: Das ist: Wer einen anderen Gott, als dem einigen und ewigen Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geiste opfern wird, der soll ausgerottet und vertilgt werden. (Also kann Gott die Abgötterei nicht leiden. Soll darum eine Obrigkeit die Abgötterei verbieten, obwohl sie nicht gebunden ist, dass sie dieselbe heutzutage mit dem Schwert verfolgen müsste.)

21. Die Fremdlinge sollst du nicht schinden noch unterdrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen {3Mos 19v33 5Mos 10v18 v19 24v17 Sach 7v10}.

Fremdlinge: Die nicht aus eurem Geschlechte herkommen, aber doch bei euch wohnen und sich ein Zeit lang bei euch aufhalten.

Schinden: Denn es pflegen etliche den Fremdlingen im Handel und Wandel unrechterweise so viel sie immer können entziehen und meinen es stehe ihnen frei, weil sie nichts mit Einheimischen zu tun haben, aber es ist unredlich gehandelt.

Unterdrücken: Denn es werden gefunden, die den Fremden alles Leid zufügen und sie nicht bei sich leiden oder aufkommen lassen wollen.

Ägyptenland: Darum, wie ihr damals begehrt und gewünscht, dass man mit euch umgegangen wäre, also sollt ihr euch jetzt gegen die Fremdlinge auch verhalten. (Wir sollen uns auch freundlich und gutwillig gegen den Fremden und Ausländischen erzeigen, weil es geschehen kann, dass wir auch in die Fremde geraten und herumziehen müssen.)

22. Ihr sollt keine Witwen und Waisen beleidigen.

Beleidigen: Das ist: Ihr sollt ihnen nicht zuwider sein, noch sie unrechterweise betrüben.

23. Wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören;

Schreien: Weil sie sonst niemand haben, der sie zu schützen begehrte.

24. so wird mein Zorn ergrimmen, dass ich euch mit dem Schwert töte und eure Weiber Witwen und eure Kinder Waisen werden.

Waisen: Darum, wer solche schwere Strafe nicht will gewärtig sein, der sehe zu, dass er Witwen und Waisen nicht Unrecht noch Gewalt tue, sondern sie viel mehr schütze und ihnen helfe.

25. Wenn du Geld leihst meinem Volk, das arm ist bei dir, sollst du ihn nicht zu Schaden dringen und keinen Wucher auf ihn treiben {3Mos 25v36 5Mos 23v19}.

Meinem Volk: Nämlich jemanden vom Volk Israel.

Dringen: Dass er mit seinem großen Schaden gezwungen werde, was er dir schuldig ist zu zahlen. Welches etliche tun, da sie also auf die Bezahlung dringen, dass sie die Schuldner, was sie noch übrig an Gütern haben, verkaufen müssen.

Nach Luther: Dringen und wuchern sind zweierlei. Dringen ist, wenn du deinen Nächsten zwingst, zu bezahlen mit deinem Vorteil und seinem Nachteil. Wuchern, da weiß man wohl, was es sei.

Treiben: Das ist: Du sollst kein Wucher von ihm nehmen. Was aber der Wucher eigentlich sei, kann man aus den weltlichen Gesetzen und Rechten erlernen. Denn die jährlichen Zinsen, wie man es nennt, weil die weltliche Obrigkeit es also für gut angesehen hat, dass es ordentliche und rechtmäßige Verträge sind, soll man nicht unter den Wucher zählen.

26. Wenn du von deinem Nächsten ein Kleid zum Pfand nimmst, sollst du es ihm wiedergeben, ehe die Sonne untergeht {5Mos 24v12 v13}.

27. Denn sein Kleid ist seine einzige Decke seiner Haut, darin er schläft. Wird er aber zu mir schreien, so werde ich, ihn erhören; denn ich bin gnädig.

Seiner Haut: Dass er den Leib damit bedecke und vor dem Unwetter bewahre. Darum will es dir gebühren, dass du ihm die Freundschaft und den guten Willen erzeigst, damit nicht, wenn er des Kleides mangelt, er deinetwegen Frost leiden muss oder doch nicht haben kann, dass er sich und die Seinen ehrlich bedecke.

Schreien: Weil du gar zu rau und hart mit ihm fährst und ihm sein Kleid nicht wiedergeben willst.

Gnädig: Darum lass ich mir der Armen Not, und da ihnen von den Reichen unrechter Gewalt zugefügt wird, angelegen sein und kann solchen Übermut und Mutwillen zu rächen, nicht unterlassen. (Es verbietet Gott hier nicht, dass man gar keine Bezahlung seiner Schuld von dem Schuldiger einfordern soll. Wie er auch durchaus nicht verbietet, dass man kein Pfand vom Schuldiger empfangen soll. Denn ohne dergleichen Handlungen kann man in diesem zeitlichen Leben nicht sein. Sondern das will er, dass wir mit unserer Härtigkeit die betrübten Armen nicht noch mehr betrüben, und dass wir aus christlicher Liebe, so viel immer möglich, ihrer verschonen und ihr Elend wenden sollen.)

28. Den Göttern sollst du nicht fluchen und den Obersten in deinem Volk sollst du nicht lästern {Apg 23v5}.

Den Göttern: Das ist: der ordentlichen Obrigkeit.

Fluchen: Das hebräische Wörtlein begreift beides in sich, nämlich, dass man einem übel nachredet und Übles wünscht, die alle beiden Stücke hier verboten werden. (Denn es pflegt die Gesellschaft, auf die Obrigkeit fast immer zu fluchen und übel nachzureden, so oft dieselbe etwas ordnet oder tut.)

Obersten: Ist einerlei Meinung mit dem Vorigen und nur mit anderen Worten beschrieben, wie es denn in der Schrift sehr gebräuchlich ist.

29. Deine Fülle und Tränen sollst du nicht verziehen. Deinen ersten Sohn sollst du mir geben {2Mos 13v12 Hes 44v30}.

Fülle und Tränen: Das ist: die Früchte und danach dein Wein und Öl. Denn das trockene Getreide nennt er Fülle und was feucht oder nass ist, Tränen. Solches will er sagen, bist du von deinem jährlichen Einkommen den Priestern und Leviten zu geben schuldig, damit das Kirchenamt und die Armen unterhalten werden. Denn Gott will, dass wir von unseren Gütern geben sollen zur Erhaltung der Kirchendiener und Armen.)

Fülle: (Nach Luther) Heißt er alle Früchte, als da sind Korn, Gerste, Äpfel und Birnen, aus denen man Speise macht.

Tränen: (Nach Luther) Heißt er alle weichen Früchte, da man Saft und Trank von macht, als da sind Weintrauben und Öl.

Geben: Das ist: Du sollst ihn mit Geld lösen, welches später den Leviten zugutekomme, die Gott anstatt aller ersten Geburt der Kinder Israels ihm abgesondert und geheiligt hat, dass sie dem Gottesdienst bei der Hütte des Stifts helfen sollen.

30. So sollst du auch tun mit deinem Ochsen und deinem Schaf. Sieben Tage lass es bei seiner Mutter sein, am achten Tage sollst du mir es geben {3Mos 22v27}.

Auch tun: Nämlich, dass du die erste Geburt deines Viehes und deiner Herde mir aufopferst und solches zum Gedächtnis, dass ich in Ägypten alle erste Geburt erwürgt und dich durch solche Wunderwerk aus der harten Dienstbarkeit erlöst habe. Es wird aber von der Aufopferung der ersten Geburt im 13. Kapitel weitläufig genug gehandelt, ohne allein, dass hier das einzige Stück oder Bedingung hinzugesetzt wird, wie man es soll daheim behalten, bis auf den achten Tag, da es den Leviten soll geliefert werden, damit es nicht, wenn es noch gar zu zart ist und zu bald oder zu Unzeiten von der Mutter genommen wird, umkomme und sterbe, ehe es zum Opfer tauglich werde.

31. Ihr sollt heilige Leute vor mir sein: Darum sollt ihr kein Fleisch essen, das auf dem Felde von Tieren zerrissen ist, sondern vor die Hunde werfen {3Mos 22v8 Hes 44v31}.

Heilige: Das ist: Weil ich euch aus allen Völkern mir erwählt und abgesondert habe, so will ich, dass ihr ohne Tadel seid.

Kein Fleisch: Dies ist eine äußerliche Reinigkeit gewesen, welche nach Gelegenheit derselben Zeit von dem israelitischen Volk gefordert wurde. (Von uns aber wird begehrt, dass wir uns vor aller Unreinigkeit und Unsauberkeit der Sünden hüten und aus Glauben an Christus ein heiliges und unsträfliches Leben führen.)


Das 23. Kapitel


I. Der Obrigkeit und den Untertanen wird vorgeschrieben, was ihre Verrichtungen sein sollen v. 1. II. Die Haltung des Sabbats wird bestätigt und werden etliche Feste zu feiern verordnet v. 12. III. Die Israeliten werden ermahnt, dass sie dem Sohn Gottes, als dem Heerführer ihrer Reisen, nicht beleidigen sollen, sofern sie wollen, in das Land Kanaan glücklich ankommen und besitzen v. 20.

1. Du sollst falscher Anklage nicht glauben, dass du einem Gottlosen Beistand tust und ein falscher Zeuge seist {3Mos 19v16}.

Nicht glauben: Das ist: Du Richter sollst keinen verdammen oder strafen von wegen eines bösen Geschreies, so es von ihm ausgeschrien wurde.

Beistand: Das ist: Du sollst mit dem Gottlosen nicht unter der Decke liegen, dass du ihm zugefallen wider deines Gewissens durch ein falsches Zeugnis die Wahrheit mit Gewalt wolltest unterdrücken. Welches Gesetz den Untertanen vorgeschrieben ist.

2. Du sollst nicht folgen der Menge zum Bösen und nicht antworten vor Gericht, dass du der Menge nach vom Rechten weichst.

Menge: Denn der größer Teil oftmals am ärgsten tut und urteilt {Mt 7}.

Weichst: Das ist: Du sollst im Gericht, wenn du das Urteil fällen willst, nicht einem Teil geneigter sein als dem anderen, oder einem darum Recht sprechen, weil der größere Teil seiner Meinung ist: Denn es sonst oft geschieht, dass der größer Teil dem Bessern überlegen ist, und soll man die Urteile oder Stimmen nicht abzählen, sondern abwägen.(Viel weniger sollen wir in Religionssachen die Menge oder das große Ansehen, derer die einen Irrtum verteidigen, uns bewegen lassen, denn das hilft dem Irrtum nicht zu Recht, wenngleich ihrer viel damit behaftet sind.)

3. Du soll den Geringen nicht schmücken in seiner Sache.

Schmücken: Das ist: Du sollst ihm seine böse Sache nicht helfen bemänteln oder beschönigen, darum dass er arm ist, sondern sollst jedermann Recht sprechen ohne Ansehen der Person.

4. Wenn du deines Feindes Ochsen oder Esel begegnest, dass er irrt, so sollst du ihm denselben wieder zuführen {5Mos 22v1}.

5. Wenn du des, der dich hasst, Esel siehst unter seiner Last liegen, hüte dich und lass ihn nicht, sondern versäume gerne das Deine, um seinetwillen.

Lass ihn nicht: Das ist: Ungeachtet dessen, dass er deines Feindes Esel ist, so solltest du ihn dennoch nicht unter der Last liegen lassen und nicht deine eigenen Geschäfte zur Ausrede gebrauchen, sondern lass unterdes das Deine zurück und richte deines Feindes Esel auf, der unter der Last niedergefallen ist. (Will darum Gott in beiden Gesetzen, dass wir auch den Feinden Gutes tun sollen. Darum hat Christus kein neues Gesetz gegeben, wie etliche meinen, da er gesagt hat in Mattäus 5: ”Liebt eure Feinde”, sondern hat den rechten und wahren Verstand des Gesetzes Mose erklärt.)

6. Du sollst das Recht deines Armen nicht beugen in seiner Sache.

Nicht beugen: Das ist: Wie ich kurz zuvor erinnert habe, dass du eines Armen böse Sache nicht recht heißen soll: Also gebiete ich dir jetzt und wiederum, dass du des Armen gerechte und gute Sachen nicht verkehren oder verdammen solltest mit deinem Urteil.

7. Sei ferne von falschen Sachen. Den Unschuldigen und Gerechten sollst du nicht erwürgen; denn ich lasse den Gottlosen nicht recht haben.

Sei ferne: Das ist: Hüte dich vor Lügen und Lästerungen, du sollst sie weder ausschreien noch gutheißen.

Nicht erwürgen: Wenn du nämlich merkst, dass man mit falschen Verleumdungen ihn zu unterdrücken begehrt, man wende gleich solcher abscheulichen Tat einen Schein der Nutzbarkeit oder Notwendigkeit vor, wie immer man wolle. Und sollst es nicht tun, wenngleich es dir von der höheren Obrigkeit befohlen wird.

Nicht recht: Das ist: Ich will den nicht ungestraft lassen, welcher sich mit Vergießung des anschuldigen Blutes befleckt und besudelt es tut. Es ist gleich, wer es wolle, es sei klein Hans oder groß Hans, von sich selber oder vom anderen angetrieben.

8. Du sollst nicht Geschenke nehmen; denn Geschenke machen die Sehenden blind und verkehren die Sachen der Gerechten {5Mos 16v19}.

Geschenke nehmen: Der du eines Richters oder Ratgebers Amt trägst oder im Stande der Obrigkeit gesetzt bist.

Blind: Dass er, durch die Geschenke geblendet, die Grausamkeit der Übeltat nicht sehen kann.

Verkehren: Das ist: Die Geschenke bringen oft zuwege, dass der Gerechte seine gute Sache verlieren muss, er bringe gleich seine Unschuld dem Richter so klar vor die Augen und so deutlich an den Tag, als es immer sein kann. (Es werden aber der Obrigkeit bisweilen Verehrungen gegeben, nicht dass man dadurch ihre Herzen und Gemüter verkehren wolle, sondern dass die Untertanen ihre Liebe Gehorsamkeit, Ehrerbietung und Dankbarkeit begehren zu erzeigen, von welchen Geschenken an diesem Ort nicht gehandelt wird. Denn 1. Samuel 10 wird es den Untertanen übel nachgeredet, dass sie dem neu erwählten Könige Saul keine Geschenke gebracht hatten.)

9. Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, dieweil ihr auch seid Fremdlinge in Ägyptenland gewesen {2Mos 22v21 3Mos 19v33 5Mos 10v19}.

Wisst: Das ist: Ihr habt es aus der Erfahrung gelernt, wie hoch es einen Fremdling ängste und bekümmere, wenn er sieht, dass er unrechterweise geplagt und unterdrückt wird. (Und wiederholt Gott dies Gesetz, welches im vorigen Kapitel auch gefunden wird, dass wir daraus sollen abnehmen und vermerken, wie er für die Fremdlinge und Ausländer sorge und durchaus nicht leiden wolle, dass man sie zu hart halte.)

10. Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und seine Früchte einsammeln.

11. Im siebten Jahr sollst du es ruhen und liegen lassen, dass die Armen unter deinem Volk davon essen; und was überbleibt, lass das Wild auf dem Felde essen. Also sollst du auch tun mit deinem Weinberge und Ölberge.

Liegen lassen: Dass du es im selben Jahr nicht baust und was alsdann von ihm selber wächst, soll nicht eingesammelt noch dein Nutzen werden, sondern es auf dem Acker bleiben lassen.

Überbleibt: Das auch die Armen es gebrauchen.

Auch tun: Nämlich, dass du sie im siebten Jahr nicht baust, noch was von ihm selber wächst, einsammelst, sondern sollst es den Armen und den wilden Tieren lassen. Es hat aber Gott später {3Mos 25} den Israeliten verheißen, dass er ihre Früchte, so sie im sechsten Jahr wachsen werden, so segnen wolle, dass die Äcker, Weinberge und Ölberge im selben Jahr dreier Jahr Früchte tragen sollen, damit sie im siebten und achten bis zum neunten Jahr Nahrung haben können. (Und will Gott mit diesem Gesetz uns lehren, dass er auch für den Ackerbau sorge, darum, wenn derselbe uns unsere Arbeit wohl belohnt und reichlich trägt, so sollen wir ihm darum danken, bringt uns aber die Erde unsere Nahrung kärglich, so sollen wir unsere Sünde erkennen und Buße tun und die Züchtigung des Herrn geduldig tragen, bis er uns denselben zeitlichen Segen wieder gibt. So muss man dem Lande auch seine Ruhe lassen welches bei uns in Deutschland im dritten Jahr zu geschehen pflegt, weil die Äcker nicht mehr so fruchtbar sind. Auch will uns Gott durch dies Gesetz erinnern, dass wir die Armen versorgen sollen.

12. Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun, aber des siebten Tages sollst du feiern, auf dass dein Ochse und Esel ruhen und deiner Magd Sohn und Fremdling sich erquicken {2Mos 20v8 34v21 5Mos 5v12 v13}.

Feiern: Nicht allein, dass du Gottes Wort hörst und dem Gottesdienst desto besser abwarten könntest, sondern auch darum, dass du dein Vieh und deine Ehe halten ruhen lässt, dass sie sich von ihrer Arbeit wieder erholen.

Magd Sohn: Das ist: dein Knecht.

Fremdling: Der ein Tagelöhner bei dir ist. Denn ein Hausvater soll nicht so streng über der Arbeit halten, dass er den Seinen gar keine Ruhe lassen wollte.

13. Alles, was ich euch gesagt habe, das haltet. Und anderer Götter Namen sollt ihr nicht denken, und aus eurem Munde sollen sie nicht gehört werden.

Haltet: Das ist: Ich will, dass ihr alle meine Gebote mit Fleiß in acht habt, besonders aber was ich jetzt wiederhole.

Denken: (Nach Luther) Ihr sollt von keinem Heiligen predigen als von Göttern, die euch helfen, noch davor danken, sondern Gott allein. Denn denken heißt hier so viel als predigen, rühmen, danken, Gottesdienst pflegen.

Eurem Munde: Das ist: Ihr sollt euch von der Verehrung anderer Götter enthalten, also dass ihr auch nicht davon denken oder reden sollt, es erfordere es denn die hohe Notdurft. Sondern sollt durchaus einen Abscheu vor ihnen haben, sie an allen Orten meiden und fliehen.

14. Dreimal sollt ihr mir Fest halten im Jahr {5Mos 16v16}.

Dreimal: (Nach Luther) Das ist das Osterfest im April, Pfingsten im Brachmond und das Laubhüttenfest. Davon lies im 23. Kapitel des dritten Buch Mose.

Fest halten: Dass ihr zusammen kommt an dem Ort, welchen der Herr erwählt und dazu verordnet hat, dass der gewöhnliche Gottesdienst darin verrichtet werde.

15. Nämlich das Fest der ungesäuerten Brote sollst du halten, dass du sieben Tage ungesäuertes Brot esst(wie ich dir geboten habe) um die Zeit des Monden Abib; denn in demselbigen bist du aus Ägypten gezogen. Erscheint aber nicht leer vor mir {2Mos 13v3 34v18 3Mos 23v4}!

Ungesäuerten: Das war das Osterfest im April.

Sieben Tage: So lange das Fest währte.

Geboten: Nämlich im 12. Kapitel (Dies Fest hat die Juden erinnert ihrer Erlösung aus der ägyptischen Dienstbarkeit: Wir halten auch dasselbe Fest, auf dass wir uns zu Gemüt führen, was uns Christus für Wohltaten erzeigt hat, in dem er uns durch seinen Tod und seine Auferstehung von der Tyrannei des Teufels und dem ewigen Tode errettet und befreit hat.)

Nicht leer: Sondern sollt ein Geschenk mitbringen zur Erhaltung des Kirchenamtes und dass die Priester und Leviten ihre Nahrung haben mögen. (Also sollen auch wir von unseren Gütern reichlich geben zur Erhaltung des Kirchenamts und der Armen, obwohl wir an keine gewisse Zeit des Jahres gebunden sind.)

Vor mir: Das ist: An dem Ort, da die Hütte des Stifts sein wird.

16. Und das Fest der ersten Ernte der Früchte, die du auf dem Felde gesät hast. Und das Fest der Einsammlung im Ausgang des Jahres, wenn du deine Arbeit eingesammelt hast vom Felde.

Ersten Ernte: Das ist: Das Pfingstfest, zu welcher Zeit des Jahres die Früchte auf dem Felde sind zeitig geworden, die du gesät hast, also dass du von denselben die Erstlinge Gott aufopfern kannst. Denn auf solche Fest brachten die Juden die Erstlinge ihrer Früchte zum Opfer und durften von den Früchten nicht essen, sie hätten dann zuvor die Erstlinge davon Gott durch die Priester aufopfern lassen. So waren im jüdischen Lande, weil es ein warmes Land war, zur selben Zeit die Früchte schon zeitig wuchsen auf dem Felde. (Das Pfingstfest erinnerte auch die Juden, wie ihnen das Gesetz um dieselbe Zeit gegeben wurde: Uns aber führt es zu Gemüte die Sendung des Heiligen Geistes, so aufs Pfingstfest geschehen, und die öffentliche Bekanntmachung und Ausbreitung des Evangeliums in der ganzen Welt)

Ausgang: Zu welcher Zeit des Jahres die Arbeit mit Einsammlung und Wiederaussaat der Früchte zum Ende läuft. Solch Fest fiel im jüdischen Lande in unseren Monat Herbst: Sonst waren bei den Juden der Anfang und das Ende des Jahres im März.

Nach Luther: Des Jahres Ausgang heißt Weinmonat, dass als denn aus ist mit Frucht wachsen und sammeln.

Eingesammelt: Dies Fest wurde sonst mit einem anderen Namen genannt: das Fest der Laubhütten. Denn sie mussten jährlich sieben Tage in Hütte wohnen zum Gedächtnis der Guttat, dass Gott der Herr, sie in der Wüste in Hütten erhalten und ernährt hatte ganze vierzig Jahre. (Also sollen auch wir erkennen und Gott danken, dass er uns in der Wüste dieser Welt unter so viel Gefahr väterlich erhält und ernährt.) Der Anfang dieses Festes wurde gemacht den fünfzehnten Tag des siebten Monats {3Mos 23}, welcher siebte Monat der Juden zum Teil mit dem Monat Herbst und zum Teil mit dem Weinmonat bei uns eintrifft. Es fiel aber auch noch zwischen dem Fest der Erstlinge oder Pfingsten (welches auch mit einem anderen Namen das Fest der Wochen genannt wurde) und zwischen dem Laubhüttenfest das Fest der Versöhnung, auf welches der Hohepriester einmal im Jahr in den innersten Teil der Hütte ging, und wenn er die Opfer geschlachtet und mit derselben Blut gegen dem Gnadenstuhl gesprengt hatte, versöhnte er damit seine und des ganze Volkes Sünde. (Damit Christus, unser Hohepriester, vorgebildet wurde, welcher einmal vor das Angesicht Gottes eingegangen ist und durch sein eigenes Blut, das er am Kreuz vergossen, der ganzen Welt Sünde gebüßt und versöhnt hat {1Joh 2 Hebr 9}.) Dieses Fest wurde zu feiern angefangen am ersten Tage des siebten Mondes und war der zehnte Tag desselben Monats, von welchem Fest später in 3. Mose. 23. und 4. Mose 29, gesagt wird. Weil aber das Ende des Versöhnungsfestes und der Anfang des Festes der Laubhütten oder der Einsammlung in eine Woche gerieten, also dass die Israeliten, wenn sie im Herbstmonat zusammenkamen, beide Fest halten mussten, ehe sie von dem Ort wegziehen konnten, da die Hütte war: Darum lässt Mose das Fest der Versöhnung hier außen und heißt sie nicht viermal im Jahr zusammenkommen zu halten die Feste, denn wenn sie die dritte Reise verrichteten, so hielten sie in einem Monat zwei Feste, wie gemeldet.

17. Dreimal im Jahr sollen erscheinen vor dem Herrn, dem Herrscher, alle deine Mannsbilder.

Erscheinen: Das ist: Sie sollen an dem Ort zusammenkommen, da Gott verheißen hat, dass er wolle bei der Hütte des Zeugnisses seinem Volk beistehen. Nämlich, dass sie auf der ersten Reise das Osterfest halten: zum anderen Mal das Pfingstfest, und zum dritten Mal das Fest und die Versöhnung der Laubhütten. Aber doch hörten sie zwischen derselben Zeit nichtsdestoweniger daheim, das Gesetz erklären und die Predigten von dem Messias. (Obwohl wir nun im Christentum an die Feste der Juden nicht gebunden sind: So haben dennoch unsere Voreltern recht und wohl daran getan, dass sie zu den Vornehmsten Guttaten Christi dieselben dem Volk vorzuhalten, besondere Feste geordnet und eingesetzt haben: Auf welchen die vornehmsten Artikel unserer Religion jährlich erklärt und ausgelegt werden, als da sind das Fest des Advents, oder von der Zukunft Christi, das Fest der Geburt, der Beschneidung, der Erscheinung Christi, das Osterfest, Auffahrt und Pfingstfest, und das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit. Denn also werden die vornehmsten Artikel gleichsam als an einen höheren Ort gestellt, dem einfältigen Volk desto besser eingebildet, und haften desto steifer in ihrem Sinn. Doch sollen solche Feste auch gehalten werden ohne heuchlerischen Aberglauben einiges Verdienstes oder Notwendigkeit, dass es also sein müsste.)

18. Du sollst das Blut meines Opfers nicht neben dem Sauerteig opfern, und das Fette von meinem Fest soll nicht bleiben bis auf morgen.

Das Blut: (Nach Luther) Das ist: Du sollst das Osterlamm nicht schlachten noch opfern, ehe denn alles gesäuerte Brot aus deinem Hause hinweggeschafft ist.

Sauerteig: Das ist: Du sollst das Osterlamm nicht schlachten, es sei denn, zuvor aller Sauerteig und gesäuertes Brot aus deinem Hause weg ist. Denn der kann Christi (welcher das rechte Osterlamm ist) nicht teilhaftig sein, der entweder falsche Lehre oder ein sündiges Leben mit Willen bei sich behält.

Nicht bleiben: Das ist: Es soll von dem Osterlamm nichts, auch das Fett nicht übergelassen werden bis auf den anderen Tag, denn also erklärt es Mose selber später in Kapitel 34. (Denn wer in diesem Leben Christi durch den Glauben nicht ist teilhaftig wird, der wird im anderen, das ist am jüngsten Tage seiner nicht genießen.) Aber von der Weise wie man das Osterlamm schlachten und essen sollst, ist in Kapitel 12. genug gesagt worden.

19. Das Erstling von der ersten Frucht auf deinem Felde sollst du bringen in das Haus des Herrn, deines Gottes. Und soll das Böcklein nicht kochen, dieweil es an seiner Mutter Milch ist {2Mos 34v26 5Mos 14v21 26v2}.

Haus: Das ist: An dem Ort, da die Hütte sein wird, sollst du dem Herrn die Erstlinge deiner Früchte bringen und aufopfern, wie davon auch kurz zuvor in diesem Kapitel Meldung geschehen ist. Denn es werden die Gesetze oftmals wiederholt, weil bei einem hartnäckigen Volk der Gehorsam schwerlich erhalten werden kann, wenngleich es ihm immer wieder vorgehalten wird.

Nicht kochen: Das ist: Du sollst nicht so ein Unmensch und grausam sein, dass du ein Böcklein oder Lämmlein, welches kaum in die Welt geboren wurde, ehe denn es seiner Mutter eine Freude mache und ehe es entwöhnt werde, bald von der Mutter wegreißt und kochst, denn das ist gar unmenschlich gehandelt. So wird solche Speise des Menschen Leibe mehr schädlich als nützlich sein. (Obwohl nun dergleichen Gesetze das jüdische Volk allein angingen, so sollen wir doch daraus lernen, dass wir auch gegen dem wilden Tiere uns nicht grausam erzeigen sollen, damit wir uns nicht daran gewöhnen und auch wider die Menschen grausam werden, wie wir auch nicht weniger unserer Gesundheit wahrnehmen sollen in Zubereitung der Speise.)

20. Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und bringe dich an den Ort, den ich bereitet habe {5Mos 7v21 31v3 Jos 24v11}.

Siehe: Jetzt setzt Gott Drohungen und Verheißungen hinzu, dadurch das Volk gereizt und aufgemuntert werde, die Gebote Gottes zu halten.

Ich: Spricht Gott, der Vater.

Engel: Nämlich, meinen eingeborenen Sohn, der mit mir eines Wesens ist.

Behüte: Denn der Sohn Gottes ist seiner Kirchen Hüter.

Bringe: Denn der Sohn Gottes hat das israelitische Volk geleitet {1Kor 10}(Derselbe führt uns auch in das himmlische Vaterland.)

Ort: Nämlich ins Land Kanaan.

21. Darum hüte dich vor seinem Angesicht und gehorche seiner Stimme und verbittere ihn nicht; denn er wird euer Übertreten nicht vergeben, und mein Name ist in ihm.

Seiner Stimme: Glaube an ihn und sei ihm gehorsam. (Es ist aber die Stimme des Sohnes Gottes, eigentlich davon zu reden das Evangelium, in welchem allen bußfertigen Sündern die Vergebung ihrer Sünden verkündigt wird.)

Verbittere: Das ist: Reize ihn nicht zu gerechtem Zorn durch deine Widerspenstigkeit.

Vergeben: Das ist: Er wird dich nicht ungestraft lassen, wenn du sündigst. (Denn obwohl die Obrigkeit nicht alle Übeltat weiß und straft: So sieht es doch Gott und straft es ernstlich in diesem und zukünftigen Leben, wo wir nicht rechtschaffene Buße tun. Die allergrößte Sünde aber ist, wenn man nicht glaubt an den Sohn Gottes.)

In ihm: Das ist: Ich bin nicht von ihm abgesondert, weil ich mit ihm eines Wesens bin und hab ihm das Amt befohlen, dass ich denen, die ihm gehorsam sind, durch ihn wohl tun und die Widerspenstigen und Ungehorsamen strafen will. (Denn der Vater hat alles Gericht dem Sohn übergeben {Joh 5}.)

22. Wirst du aber seine Stimme hören und tun alles, was ich dir sagen werde, so will ich deiner Feinde Feind und deiner Widerwärtigen Widerwärtiger sein.

Feind: Das ist: Du sollst mich zum Beschützer und Rächer haben wider deine Feinde. (So viel aber das Gesetz angeht, weil solches niemand jemals vollkommen gehalten noch halten kann, so wären alle Verheißungen vergebens und umsonst, welche denen, die das Gesetz halten, Glück und Wohlfahrt verheißen, wo nicht Gott uns durch den Glauben an Christus aus lauter Gnaden gerecht erklärt. Bleiben darum denen, die an den Sohn Gottes glauben (denn das heißt, eigentlich seine Stimme hören), auch die leiblichen Verheißungen des Gesetzes stets und unverrückt: Sofern die Erfüllung derselben ihnen zur Beförderung ihrer Seligkeit dienlich sein mag.)

23. Wenn nun mein Engel vor dir hergeht und dich bringt an die Amoriter, Hethiter, Pheresiter, Kanaaniter, Heviter und Jebusiter, und ich sie vertilge,

Jebusiter: Denn diese Völker alle miteinander haben im Lande Kanaan gewohnt, wie die Kinder Israels hineingekommen sind.

24. so sollst du ihre Götter nicht anbeten noch ihnen dienen und nicht tun, wie sie tun, sondern du sollst ihre Götzen umreißen und zerbrechen.

Dienen: Du sollst ihnen nicht nachfolgen in ihrem Gottesdienst, den du im Lande Kanaan antreffen und von ihnen sehen wirst.

Sie tun: Nämlich, die Kanaaniter. Das ist: Du sollst nicht von ihnen lernen Abgötterei und treiben.

Umreißen: (Dies ist der ordentlichen Obrigkeit befohlen, dass sie in ihren Herrschaften die abgöttischen Bilder hinwegtun sollen: Und ist gar nicht die Meinung, dass der Gemeinde Pöbel aus eigenem Gutdünken einen Tumult anfange und die Bilder umreiße.

25. Aber dem Herrn, eurem Gott, sollt ihr dienen, so wird er dein Brot und dein Wasser segnen, und ich will alle Krankheit von dir wenden.

Segnen: Das ist: Durch euren Gottesdienst wird er Ursache bekommen, euch eure Nahrung reichlich mitzuteilen.

Wänden: Das ist: Damit ich euch lange frisch und gesund erhalte und nicht verursacht werde, um eurer Abgötterei willen euch mit Hunger, Pestilenz und anderen Krankheiten und Plagen zu strafen. (Geschieht es darum, dass durch Absagung der Abgötterei und mit einem gottseligen Leben die Regimenter in Wohlstand kommen.)

26. Und soll nichts Unträchtiges noch Unfruchtbares sein in deinem Lande, und will dich lassen alt werden {5Mos 7v14}.

Unfruchtbares: (Denn vorzeiten war die Unfruchtbarkeit eine Schande: Jetzt, weil wenig Gott vertrauen, dass er ihre Kinder ernähren werde, wünschen sie aus Unglauben viel eher eine unfruchtbare als fruchtbare Ehe.)

Alt werden: Das ist: Ich will dich nicht durch einen unzeitigen Tod hinwegnehmen. (Wer aber gerne und willig stirbt, dass er dieses Lebens müde und satt ist, der stirbt nicht zu zeitlich, obgleich es einem Frommen in seiner Jugend widerfährt)

27. Ich will mein Schrecken vor dir hersenden und alles Volk verzagt machen, dahin du kommst; und will dir geben alle deine Feinde in die Flucht.

Vor dir: Das ist: Ich will deinen Feinden eine Furcht einstecken, dass sie sich vor dir entsetzen und erschrecken sollen, ehe sie dich sehen.

Flucht: Das sie dir nicht werden dürfen das Angesicht bieten noch dir widerstehen, sondern sobald sie das Gerücht hören werden, dass du kommst, wird ihnen das Herz entfallen und werden so kleinmütig und verzagt sein, dass sie sich vor dir verkriechen werden.

28. Ich will Hornissen vor dir hersenden, die vor dir her ausjagen die Heviter, Kanaaniter und Hethiter {5Mos 7v20}.

29. Ich will sie nicht auf ein Jahr ausstoßen vor dir, auf dass nicht das Land Wüste werde, und sich wilde Tiere wider dich mehren.

Ein Jahr: Und dasselbe deines Nutzens wegen.

Wüste werde: Denn du würdest ein solche großes und weites Land nicht alles bebauen können, wenn alle Einwohner zugleich auf einmal vertilgt würden.

30. Einzeln nacheinander will ich sie vor dir her ausstoßen, bis dass du wachsest und das Land besitzest.

Wachsest: Das ist: Bis dass ihr euch mehrt und euer so viel werden, dass ihr das Land behaupten könnt.

31. Und will deine Grenze setzen das Schilfmeer und das Philister Meer und die Wüste bis an das Wasser. Denn ich will dir in deine Hand geben die Einwohner des Landes, dass du sie sollst ausstoßen vor dir her.

Grenze: Also, dass ich dir ein großes weites Land zu bewohnen übergeben will.

Philister Meer: Welches auch das Mittelländische Meer genannt wird.

Wasser: Nämlich bis an den Fluss Euphrat.

Hand: Das ist: in eure Gewalt.

32. Du sollst mit ihnen oder mit ihren Göttern keinen Bund machen {2Mos 34v12 5Mos 7v2}.

Mit ihnen: Sag ihnen keinen Frieden zu, dass du ihnen gutwillig Platz lässt, bei dir im Lande zu wohnen.

Ihren Göttern: Dass du dich zu ihnen verpflichtest, sie zu ehren und anzubeten.

33. sondern lass sie nicht wohnen in deinem Lande, dass sie dich nicht verführen wider mich. Denn wo du ihren Göttern dienst, wird dir es zum Ärgernis geraten.

Nicht wohnen: Sondern stoße sie aus und vertilge sie aus den Orten, welche du selbst bewohnen kannst.

Nicht verführen: Das ist: Dass sie dich nicht lehren, Abgötterei zu treiben.

Ärgernis: Oder Strick. Das ist: Du wirst durch Beiwohnung des abgöttischen Volkes leicht als mit einem Strick verwickelt und gefangen werden, dass du dich ihrer Abgötterei teilhaftig machen wirst und dich also selber ins Verderben stürzt. Es hat aber Gott wider die kanaanitischen Völker ein solch hartes Urteil gefällt, weil sie vom Gottlosen Ham, welcher seinen Vater Noah verspottet hatte, hergekommen waren, und dazu sie selbst allerlei Abgötterei und Götzendienste angerichtet, desgleichen mit abscheulicher Unzucht sich befleckt hatten, wie Mose am anderen Ort bezeugt. So hatten sie auch etliche hundert Jahr her von der Sündflut an bis auf die Zeit, da die Kinder Israel ins Land Kanaan angekommen, keine Buße getan. Sondern die Nachkommen wurden immer ärger als ihre Vorfahren: Also, hatten sie auch, da sie das Gerücht gehört von der Israeliten Herkunft, dennoch von ihrer Abgötterei und anderen Bubenstücken nicht begehrten abzustehen. Darum mussten sie aus dem gerechtem Urteil Gottes von dem israelitischen Volk vertilgt werden, welche deshalb einen besonderen Befehl von Gott hatten. (Wir sollen uns hierbei erinnern, wie Gott der gottlosen Eltern Sünde auch an ihre Gottlosen Kinder und Nachkommen zu strafen pflege, und dass die göttliche Rache zwar langsam kommt, aber danach nur desto schwerer werde.)


Das 24. Kapitel


I. Das Volk verheißt nach Anhörung der zehn Gebote samt anderen Zeremonien und weltlichen Gesetzen abermals, dass es wolle Gott gehorsam sein, darüber Mose einen Bund zwischen Gott und den Kindern Israel aufrichtet v. 1. II. Gott erscheint Mose, Aaron und seinen Söhnen samt den siebzig Ältesten in einer himmlischen Majestät v. 9. III. Darauf wird Mose wiederum befohlen, dass er soll hinauf auf den Berg zu Gott steigen, dort fastet er vierzig Tage und vierzig Nacht v. 12.

1. Und zu Mose sprach er: Steig herauf zum Herrn, du und Aaron, Nadab und Abihu, und die siebzig Ältesten Israels, und betet an von ferne.

Und zu: Wie das Volk die schreckliche Stimme der zehn Gebote gehört, waren sie der Sachen mit Mose eins worden, dass er weiter allein Gott reden hörte, das Volk aber den Willen Gottes von Mose vernehme. Nachdem nun Mose solche Gesetz, so sie meistenteils weltliche Sachen betrafen und er von Gott empfangen ihnen vorgehalten hatte, wird ihm befohlen, dass er wieder hinaufsteige, damit er Befehle empfange vom Bund, den er zwischen Gott und dem Volk machen soll. Auch wird ihm gesagt, dass er diesmal Aaron mit seinen zwei Söhnen und den siebzig Ältesten mit sich auf den Berg nehmen soll, aber nicht auf die Spitze des Berges. (Denn es hat Gott dem menschlichen Geschlechte sich je länger je mehr und gleichsam näher und besser wollen offenbaren und lassen bekannt werden: Doch also, dass Christus, dessen Vorbild Mose hier war, immer den Vorzug behielte. Denn niemand kennt den Vater denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren {Mt 11}.)

Ältesten: Die vornehmsten Ratsherren und Obersten im Volk.

2. Aber Mose alleine nahte sich zum Herrn, und lass jene sich nicht herzunahen; und das Volk komme auch nicht mit ihm herauf.

Nahte sich: Nämlich nach oben auf die Bergspitzen.

Auch nicht: Sondern bleibe unten am Berge an seinen bestimmten Ort.

3. Mose kam und erzählte dem Volk alle Worte des Herrn und alle Rechte. Da antwortete alles Volk mit einer Stimme und sprachen: Alle Worte, die der Herr gesagt hat, wollen wir tun.

Kam: Und steig wieder vom Berge herunter mit deinen Gefährten, nachdem er die weltlichen Satzungen, welche in den vorhergehenden drei Kapiteln erzählt wurden, empfangen hatte, samt dem Befehl von der Aufrichtung des Bundes.

Rechte: Nämlich die Aussprüche der weltlichen Satzungen.

Alle Wort: Das ist: Die Satzungen gefallen uns wohl und wollen wir unsere Regimente und unsere Leben nach derselben Meinung anrichten. (Denn wir versprechen viel leichter Gott gehorsam zu sein, als dass wir es tun.)

4. Da schrieb Mose alle Worte des Herrn und machte sich des Morgens frühe auf und baute einen Altar unten am Berge mit zwölf Säulen nach den zwölf Stämmen Israels.

Da schrieb: Das ist: Es hat Mose nach dem Befehl Gottes die gegebenen Gesetze mit folgenden Zeremonien bestätigt.

Alle Worte: Nämlich, die zehn Gebote, wie auch nicht weniger die anderen weltlichen Satzungen, welche er alle miteinander in ein Buch verzeichnet.

Zwölf Stämmen: Das ist: Das Oberteil des Altars stand auf zwölf Säulen, welche die zwölf Stämme Israel bedeuteten, so sie bei demselben Altar mit Gott einen Bund machen würden. Fast eine gleiche Geschichte liest man im 1. Buch der Könige, Kapitel 18, in des Propheten Elisa Historie.

5. Und sandte hin Jünglinge aus den Kindern Israel, dass sie Brandopfer darauf opferten und Dankopfer dem Herrn von Farren.

Jünglinge: Das waren die Leviten, welche die Opfer zurichteten.

Opferten: Nämlich, die Priester, auf dass sie sich und das Volk mit Gott versöhnten.

Dankopfer: Damit sie ihre Dankbarkeit gegen Gott ihrem Wohltäter erzeigten.

6. Und Mose nahm die Hälfte des Blutes und tat es in ein Becken; die andere Hälfte sprengte er auf den Altar.

Blutes: Vom Opfer.

7. Und nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes. Und da sie sprachen: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun und gehorchen,

Buch: In welchem nämlich die zehn Gebote und andere weltliche Satzungen geschrieben standen.

Ohren: Dass sie alle wissen konnten, zu welchen Gesetzen sie zu halten sich vor Gott verpflichteten, wenn sie den Bund mit ihm eingingen.

Alles: (Denn die menschliche Natur, ehe sie den rechten Verstand des Gesetzes geistlicherweise vernimmt und ihre Schwachheit erkennt, urteilt nicht anderes, als ob die vollkommene Erfüllung der Gebote Gottes nicht schwer sei.)

8. da nahm Mose das Blut und sprengte das Volk damit und sprach: Seht, das ist Blut des Bundes, den der Herr mit euch machte über allen diesen Worten.

Das Blut: Welches er im Becken aufbewahrt hatte.

Des Bundes: Das ist: Mit diesem ausgesprengten Blut wird der Bund bestätigt.

Mit euch: Das ist: Alle dies Volk, so mit dem Blut der Opfer besprengt wurde, ist von Gott in den Bund aufgenommen und hat sich ihm mit diesem Bund und Zeremonien verpflichtet, dass er desselben Volkes Gott sein will, das ist, er will ihm Gutes tun und es auf dieser Welt väterlich beschützen, besonders aber im Lande Kanaan, welches das Volk einnehmen wird: Aber im anderen Leben wird er ihnen die himmlische Erbschaft schenken, doch mit der Bedingung, dass dies Volk das Gesetz Gottes vollkommen halte und alle Gebote Gottes im Werke erfülle. Wiederum hat das Volk mit diesem Bund und diesen Zeremonien gegen Gott sich auch verpflichtet, dass es in allen seinen Geboten wandeln und vollkommenen Gehorsam leisten wolle. (Und zwar wenn die Israeliten dem Gesetz Gottes durchaus genuggetan und solchen Bund, den sie mit Gott gemacht, vollkommen gehalten hätten, wären sie nicht allein im Lande Kanaan glückselige Leute gewesen, sondern hätten auch durch die Erfüllung des Gesetzes das ewige Leben erlangt. Weil aber niemand in diesem Leben solchen Gehorsam leistet, wie er vor Gott schuldig ist, so hat das menschliche Geschlechter einen anderen Bund oder Testament haben müssen, dadurch uns Gott von seiner Gnade und Besitzung des ewigen Lebens vergewisserte. Das ist nun das Neue Testament des Sohnes Gottes, in welchem uns Christus die Vergebung der Sünden verheißt und anbietet, samt des himmlischen Vaters Gunst und Gnade und endlich das ewige Leben umsonst. Welches Testament oder welcher Bund wie an anderen Orten also auch, wie in Jeremia im 31. Kapitel, ausdrücklich verheißen worden ist. Und ist solches Testament oder Neuer Bund nicht gegründet auf unseren Gehorsam, sondern fordert allein den Glauben, damit wir die angebotene Gnade ergreifen und annehmen. Gleich, wie nun Mose, indem er mit dem Blut des Opfers das Volk besprengt, erstlich den Bund und das Testament bestätigt, welches doch die Israeliten nicht gehalten haben {Jer 31} und macht, dass alle, welche mit dem Blut des Testaments besprengt wurden, in solchen Bund begriffen und eingeschlossen werden, bis sie aus freiem Willen durch ihren Ungehorsam von dem Bund austreten: Also werden wir durch das Amt des Evangeliums mit dem Blut des Sohnes Gottes, welcher ein Opfer wurde für unsere Sünde besprengt, dass wie viel ihrer mit Glauben solche Besprengung ergreifen und sich zueignen in dem Gnadenbund Gottes sind, das ist, sie haben Vergebung der Sünden, einen gnädigen Gott und das Anrecht auf das ewige Leben, so lange wie sie diese himmlischen Güter durch den Unglauben nicht verlieren. Diese Vergleichung beider Testamente ehrt der Apostel in Hebräer Kapitel 9.

9. Da stiegen Mose und Aaron, Nadab und Abihu und die siebzig Ältesten Israels hinauf

Da stiegen: Nämlich, nachdem der Bund gemacht wurde.

Hinauf: Auf dem Berg.

10. und sahen den Gott Israels. Unter seinen Füßen war es wie ein schöner Saphir und wie die Gestalt des Himmels, wenn es klar ist.

Sahen: Nicht zwar nach seinem Wesen, welches ein Geist ist {Joh 4}, und ein Geist mit leiblichen Augen nicht gesehen werden kann, er nehme denn eine sichtbare Gestalt an sich, gleich, wie man auch die Engel nicht sehen kann, sie nehmen denn eine Zeit lang eine andere Gestalt an: So haben sie auch die vollkommene Majestät Gottes nicht gesehen, denn ein sterblicher Mensch dergleichen keines in diesem Leben gesehen hat, noch sehen wird, sondern sie haben eines Menschen Gestalt gesehen, nämlich das Bild des Sohnes Gottes, der zu seiner Zeit sollt Mensch werden, welches ihnen die Gegenwart Gottes erklärte.

Saphir: Das ist: Wie ein Stuhl oder Thron, der aus einem Edelstein, Saphir genannt, gemacht wäre, welcher Edelstein die blaue Farbe des Himmels an sich hat. Eine solche Erscheinung Gottes wird auch beschrieben im Propheten Hesekiel im 1. Kapitel. Und hat Gott mit diesem leiblichen Gesicht anzeigen und bezeugen wollen, dass er sich den Bund gefallen lasse, den er mit seinem Volk gemacht und das er Denselben bestätige.

11. Und er ließ seine Hand nicht über dieselben Obersten in Israel. Und da sie Gott geschaut hatten, aßen und tranken sie.

Seine Hand: (Nach Luther) Er erschreckt sie nicht mit Donner und Blitz, wie zuvor das Volk erschreckt war {2Mos 20v18}.

Hand nicht: Das ist: Er hat ihnen kein Leid getan, wenn sie auch näher zu ihm getreten sind als die andere Israeliten, so sie unten am Berge geblieben waren. Welches nicht ohne Gefahr geschehen war, weil sie dessen keinen sondern Befehl hatten. (Denn Gott lässt nicht alle Zeit seinen Ernst, sondern auch seine Güte gegen uns sehen.)

Geschaut: Und ihn angebetet.

Aßen: Denn es war ein allgemeiner Brauch, dass man nach Verrichtung der Opfer ehrliche Mahlzeiten und Gastmahle anrichtete, besonders an den Festtagen. Darum hat das Volk am selben Tage ein allgemein Freudenfest gehalten, weil das Gesetz bestätigt und ein Bund zwischen Gott und dem Volk gemacht war.

12. Und der Herr sprach zu Mose: Komm herauf zu mir auf den Berg und bleibe dort, dass ich dir gebe steinerne Tafeln und Gesetze und Gebote, die ich geschrieben habe, die du sie lehren sollst.

Sprach: Nämlich nach diesen Geschichten und vielleicht nach etlichen Tagen.

Bleib: So lange ich es dir sagen werde.

Geschrieben: Mit meinem Finger. (Es hat aber Gott das Gesetz nicht mit Wachs, sondern in steinerne Tafeln geschrieben: Dass er damit anzeigte, wie unser Herzen von Natur härter wären denn irgend ein Stein, bis sie Gott durch seinen Geist aus steinernen fleischern und weich macht, dass man mit ihnen umgehen kann {Hes 11 2Kor 4}.)

13. Da machte sich Mose auf und sein Diener Josua und stieg auf den Berg Gottes.

14. Und sprach zu den Ältesten: Bleibt hier, bis wir wieder zu euch kommen. Siehe, Aaron und Hur sind bei euch; hat jemand eine Sache, der komme vor dieselben.

Bleibt: Ihr sollt jetzt nicht mit mir auf den Berg steigen wie zuvor, sondern im Lager bleiben.

Sache: Darin er Rats bedarf und gern bei mir sich Bescheid und Unterricht einholen wollte.

Dieselben: Dass nach Anhören ihrer Meinung sie einem jeden Recht sprechen. (Denn man soll mit Fleiß acht darauf haben, dass die weltliche Regierung oder Haushaltung nie ohne taugliche Regenten gelassen werde)

15. Da nun Mose auf den Berg kam, bedeckte eine Wolke den Berg.

16. Und die Herrlichkeit des Herrn wohnte auf dem Berge Sinai und deckte ihn mit der Wolke sechs Tage; und rief Mose am siebten Tage aus der Wolke.

Wohnte: Das ist: Gott hat seine Gegenwart auf dem Berge mit einer großen Majestät und Herrlichkeit den Kindern Israels sehen lassen.

Wolken: Es hat aber Gott sich in der Wolken etlichermaßen verwickeln und damit bedecken wollen, auf dass er anzeigte und zu verstehen gebe, wie die menschliche Natur an sich selber viel zu schwach sei, als dass sie Gott recht erkennen und zur Seligkeit begreifen möge: Gleich, wie die blöden Augen den Glanz der Sonnen nicht erdulden können. Darum gleich, wie diejenigen, welche ein blödes Gesicht haben, die Sonne viel besser durch die Wolken anschauen können, als wenn sie hinweg sind: Also tut Gott, wenn er sich nach unserer Schwachheit richten will, dass er sich im Wort und den Sakramenten einwickelt, da man seine Erkenntnis und Gegenwart suchen muss. Wer aber mit seinen Gedanken außerdem Worte Gottes umherschweift, der wird den wahren Gott niemals erkennen, sondern von der Majestät und Herrlichkeit Gottes vielmehr geblendet, als erleuchtet werden.

Rief: Mit lauter Stimme und hieß ihn näher zu dem Herrn hinzutreten, anzuhören, was Gott zu seinen vorigen Geboten noch weiter hinzusetzen wolle.

17. Und das Ansehen der Herrlichkeit des Herrn war wie ein verzehrendes Feuer auf der Spitze des Berges vor den Kindern Israel.

Herrlichkeit: Das ist: Desselben Gesichtes darin Gott erschien, nicht zwar Mose, sondern den Israeliten, welche den Berg von ferne anschauten.

Feuer: (Gleich, wie aber Gott, da er das Gesetz gegeben, sich schrecklich erzeigt hat: Also erscheint alle die ihre Sünde aus dem Gesetz erkennen, ehe sie aus dem Evangelium Trost empfangen, Gott wie ein verzehrendes Feuer sind, dessen Gegenwart sie nicht erdulden können, weil sie nichts anderes meinen denn, dass sie müssen von ihm verzehrt und verschlungen werden.)

18. Und Mose ging mitten in die Wolke und stieg auf den Berg; und blieb auf dem Berge vierzig Tage und vierzig Nächte.

Vierzig Tage: In denen er weder gegessen noch getrunken hat. (Also hat Christus auch vierzig Tage und vierzig Nacht gefastet, desgleichen Elias auch tat. Solches aber ist nicht darum geschehen und verzeichnet worden, dass wir es nachtun sollen: Sondern dass Gott denselben Lehrern ein Ansehen machte und die Leute durch solche Wunderwerke bewegt würden, dass sie ihre Lehre desto weniger verachteten, und dass sie selbst durch die wunderbare Erhaltung desto beherzter gemacht würden, ihr anbefohlen Amt desto unerschrockener und freudiger zu verrichten.)


Das 25. Kapitel


I. Gott befiehlt, dass man allerlei köstliche Sachen geben soll zur Aufrichtung der Stiftshütten v. 1. II. Und werden darauf die Lade des Bundes der Gnadenstuhl, der heilige Tisch, der goldene Leuchter, die Lampen und Lichtdochte beschrieben, welches alles miteinander den Mittler Christus und das Amt des Neuen Testaments abbildete v. 8.

1. Und der Herr redete mit Mose und sprach:

Redete: Nachdem die zehn Gebote und etliche andere weltliche Gesetz gegeben wurden, fährt jetzt Gott weiter fort, den Gottesdienst mit seinen Zeremonien anzurichten, dadurch des Herrn Christi Priesteramt bedeutet wurde. So hat es Gott also gefallen, dass ihm eine Hütte oder Heiligtum als in Tempel oder eine Kirche, so man diese herumtragen könnte, gemacht und gebaut, und andere Geräte zugerichtet wurden, dessen man in Verrichtung des Gottesdienstes gebrauchen könnte. Von welchen etliche folgende Kapitel nacheinander ausführliche Meldung tun. Aber die Zeremonien der Opfer werden im dritten Buch weitläufig beschrieben.

2. Sage den Kindern Israel, dass sie mir ein Hebeopfer geben; und nehmt dasselbe von jedermann, der es willig gibt {2Mos 35v5}.

Hebeopfer: Das ist: Dass sie mir Gaben aufopfern von allerlei Sachen, so sie zum Bau der Hütte oder des Heiligtums vonnöten sind. Denn solche Opfer wurden eine Hebe genannt, weil sie dieselbe vor dem Altar pflegten in die Höhe zu heben, um damit anzuzeigen, dass sie Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erden, mit dankbarem Herzen ihre Geschenke wiederum verehrten, die sie von ihm empfangen hätten. (Und ist es richtig, dass wir von unseren Gütern, die wir von Gott umsonst empfangen haben, zur Dankbarkeit etwas wiederum herausgeben zur Unterhaltung des Kirchenamtes, dadurch die Ehre Gottes befördert wird.)

willig: Nämlich, solche Hebeopfer. (Denn einen fröhlichen Geber, von dem man die Gaben nicht mit Unwillen herauszwingen muss, sondern sie mit willigem Herzen und Gemüt Gott und dem Nächsten darreicht, denselben liebt Gott {2Kor 9}.)

3. Das ist aber das Hebeopfer, das ihr von ihnen nehmen sollt: Gold, Silber, Erz,

Von ihnen: Von den Kindern Israels zur Vorbereitung der Hütte und derselben Geräte.

4. gelbe Seide, Scharlaken, Rosinrot, weiße Seide, Ziegenhaar,

Scharlaken: Seide, so sie Purpurfarbe hat.

Rosinrot: Das ist: Seide von Karmesinfarbe, welches auch eine rote Farbe ist, aber etwas lichter als Purpur und schier wie violette Farbe.

5. rötliche Widderfelle, Dachsfelle, Föhrenholz,

Dachsfell: Welches das Wasser hält, dass es nicht dadurch regnet.

Föhrenholz: Im Hebräischen wird es Sethim genannt, und kann man nicht sogar eigentlich wissen, was es für eine Art von Holz es gewesen sein muss. Etliche meinen, es sei das allerbeste Zedernholz gewesen, hat aber ohne Zweifel ein solches Holz sein müssen, welches gar lange hielt und nicht bald faulte. Wozu man aber so viel und mancherlei Sachen in Aufrichtung der Hütte brauchte, wird später an seinem Ort gemeldet.

6. Öl zur Lampe, Spezerei zur Salbe und gutem Räucherwerk,

Lampen: Denn man brauchte auch Lampen oder Lichter in der heiligen Wohnung der Hütte.

Salben: Damit man die Priester salbte.

Räucherwerk: Denn man musste in der Hütte zu gewisser bestimmter Zeit räuchern.

Onyxsteine und eingefasste Steine zum Leibrock und zum Schildlein.

7. Onychstein, und eingefasste Steine zum Leibrock, und zum Schildlein

Leibrock: Welches ein priesterliches Kleid war, davon später weitläufiger gemeldet wird. Solches Kleid hatte das Brustschild und war mit Edelsteinen besetzt.

Schildlein: Dies war eine Zierde von Seide, Gold und Edelsteinen gemacht, so der Hohepriester auf der Brust trug. Ist also aus diesen Sachen die Hütte gefertigt und die priesterliche Kleidung gemacht worden, wie später an seinem Ort von einem jeden insbesondere gesagt wird. (Weil demnach Gott zur Aufrichtung der Hütte heißt, nicht allein Gold und Edelsteine bringen, sondern auch Ziegenhaar, Widderfell und Dachsfell, zeigt er damit an, dass er sich allerlei Gaben und Verehrungen gefallen lasse, die ein jeder willig nach Vermögen gibt und darreicht zur Erhaltung des Predigtamtes, wenn auch nicht jedermann das Beste geben kann.)

8. Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich unter ihnen wohne {Hebr 9v2}.

Heiligtum: Das ist: Die Kinder Israels sollen mir aus vorgemeldeter Materie eine Hütte machen; zum Heiligtum darin der Gottesdienst verrichtet werde mit Anhörung des Wortes Gottes, und dass sie durch die Sakramente der Opfer ihren Glauben stärken, und dort zusammenkommen, den Herrn, ihren Gott, anzurufen und zu loben. (Denn in einem wohl bestellten Regiment kann man einer Kirche ebenso wenig entbehren als eines Rathauses.)

Wohne: (Denn obwohl Gott Himmel und Erden erfüllt, Jeremia 23, und nicht dergestalt in Tempeln oder Kirchen, die mit Händen gemacht sind, wohnt, dass er sonst nirgends gegenwärtig wäre {Apg 7}, so wird doch von ihm gesagt, dass er in der Hütte wohne, weil er sich dort den Israeliten durch sein Wort geoffenbart hat und durch die Opfer sie vergewissert von seinem geneigten Willen gegen sie. Also wohnt er auch noch heutzutage an dem Ort, da sein Wort gelehrt wird und die Sakramente recht gebraucht werden.)

9. Wie ich dir ein Vorbild der Wohnung und alles seines Geräts zeigen werde, so sollt ihr es machen {2Mos 26v30}.

Vorbild: (Nach Luther) Dies ist der Hauptsprüche einer, darin Mose bezeugt, dass sein Regiment soll aufhören und nicht das rechte endliche Wesen sein, sondern ein Vorbild des Reichs Christi. Und ohne allen Zweifel hat hiervon Christus mit den 2. Jüngern zu Emmaus geredet {Lk 24v27}.

Zeigen: Denn es hat Gott dem Mose auf dem Berge Horeb ein Vorbild oder Muster der ganzen Hütte und alles Gerätes zum Gottesdienst gehörig gezeigt und sehen lassen, dass er nach demselben das Heiligtum machen hieße. (Denn es gefällt Gott solcher Gottesdienst gar nicht, der nach unserem Denken anderes angerichtet wird, als er uns es vorgeschrieben hat. Welches zwar nicht darum gesagt wird, dass man die mosaischen Zeremonien in der christlichen Kirchen hätte behalten sollen oder dieselben wieder einführen müsste, weil solche nur bis auf die Zukunft Christi und bis zu seiner Auferstehung sollten geordnet bleiben: Sondern dass wir keine neuen Gottesdienste aus unserem Kopfe und nach unserem Wohlgefallen oder Vernunftsdenken erdichten.)

10. Macht eine Lade von Föhrenholz. Dreieinhalb Ellen soll die Länge sein, anderthalb Ellen die Breite und anderthalb Ellen die Höhe {2Mos 37v1}.

Lade: (Hier und nachfolgend muss man in Achthaben, dass beides in dem Gebäude der Hütte und im ganzen levitischen Priestertum der einzige Christus durch viele und mancherlei Figuren vorgebildet wurde, darum der Leser sich nicht daran stoßen oder ärgern muss, wenn er hört, dass vielerlei Sachen dem einzige Christo zugeeignet und auf ihn allein gedeutet werden. Also bedeutet nun erstlich die Lade den Herrn Christus. Denn gleich, wie die aus dem Holz und Gold gemacht wurden, also besteht Christus aus der menschlichen und göttlichen Natur. Die Tafeln aber des Gesetzes, so in der Laden gelegt waren, zeigen an, dass Christus des Gesetzes Erfüllung sei, das ist, dass er das Gesetz für uns erfüllt hat, damit wir, wenn wir an ihn glauben, wegen seines Gehorsams durch den Glauben vor Gott gerecht werden {Mt 5 Röm 5}. Das Mana oder Himmelsbrot in der Lade lehrt uns, wie Christus das rechte und wahre Himmelsbrot sei, und wer denselben im Glauben isst, der habe das ewige Leben {Joh 6}. Die Rute Aarons, so dürre gewesen und wieder grün wurde, ist ein Zeugnis gewesen, dass Aaron von Gott zum Hohepriesteramt erwählt wurde, malt Christus ab, da er am Kreuz gestorben und am dritten Tage wiederum vom Tode auferstanden und durch das Evangelium unser Hohepriester wurde. Dass die Lade an den vier Ecken Ringe hat, darin man Stangen tat, damit man sie tragen können, wohin es vonnöten gewesen werde, dass wir dadurch erinnert werden, dass Christus durch die Predigt des Evangeliums soll getragen werden zu allen Völkern gegen Aufgang, Niedergang, Mittag und Mitternacht. Denn ihr Schall, das ist die Predigt der Apostel von Christo, ist in alle Land ausgegangen. Der goldene Kranz oben auf der Lade bezeichnet die wunderbare Gabe des Heiligen Geistes, welche dem Menschen Christo nicht nach dem Maß gegeben sind, sondern in solcher Fülle, dass wir alle davon empfangen haben {Joh 1 3}.)

11. Und sollst sie mit feinem Gold überziehen, inwendig und auswendig; und mache einen goldenen Kranz oben umher.

12. Und gieß vier goldene Ringe und mache sie an ihre vier Ecken, also dass zwei Ringe sind auf einer Seite und zwei auf der anderen Seite.

13. Und mache Stangen von Föhrenholz und überzieh sie mit Gold.

14. Und stecke sie in die Ringe an der Lade Seiten, dass man sie dabei trage;

15. und sollen in den Ringe bleiben und nicht herausgetan werden.

16. Und sollst in die Lade das Zeugnis legen, das ich dir geben werde.

Zeugnis: Das ist: die Tafeln des Gesetzes.

Geben werde: Denn es sollten Mose steinerne Tafeln gegeben werden, darauf die zehn Gebote geschrieben wären, und sind in der Lade neben denselben steinernen Tafeln des Gesetzes auch gelegt worden das Man oder Himmelsbrot, damit die Kinder Israels in der Wüste ganze vierzig Jahr gespeist wurden. Und die Rute Aarons so wiederum gegrünt hatte {4Mos 17 Hebr 9}.

17. Du sollst auch einen Gnadenstuhl machen von feinem Gold; dreieinhalb Ellen soll seine Länge sein und anderthalb Ellen seine Breite {2Mos 37v6}.

Gnadenstuhl: (Durch diesen Gnadenstuhl wird Christus auch bedeutet, wie der Apostel Paulus ausdrücklich bezeugt in Römer 3. Denn wie Gott verheißen hat, dass er weiter bei demselben Gnadenstuhl gegenwärtig sein wollte: Also, wenn jemand Gott suchen und ihn anrufen will, der findet ihn in der Person Christi ganz sicher. Den in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig {Kol 2}.) Und Gott ist geoffenbart im Fleisch, das ist, in dem Menschen Christo {1Tim 3}. Und wie Gott mit Mose geredet hat durch eine Stimme, so vom Gnadenstuhl ausgegangen, welche ihn von seinem Willen berichtet: Also hat uns der himmlische Vater sein Gemüt und seinen Willen geoffenbart durch Christus, welcher dem menschlichen Geschlecht das Evangelium gepredigt und gesagt hat. Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben {Joh 3}. Und gleichwie das Volk, wenn es Vergebung der Sünden erlangen wollte, musste den Hohepriester schicken, dass er in das allerheiligste Teil der Hütte ging, nämlich zur Lade, des Zeugnisses und zum Gnadenstuhl: Also müssen alle diejenigen, so sie Vergebung ihrer Sünden suchen, in Christo, welcher der rechte Gnadenstuhl ist, die selbige erlangen. Denn Gott der Vater vergibt dem menschlichen Geschlechter die Sünde allein um Christi willen und allein durch den Glauben an Christus. Die zwei Cherubim, so sie einander ansehen und ihre Angesichter auf den Gnadenstuhl gewendet haben, bedeuten die zwei Testamente, das Alte und Neue, welche einander erklären und auslegen. Denn das Alte, in dem es Christus im Priestertum abbildet, zeigt mit seinen Figuren auf das Neue: Das Neue, aber erklärt die Figuren des Alten Testaments. Und sind sie alle beide gerichtet auf den einigen Mittler Christus, welcher ist die Versöhnung nicht allein für unsere Sünde, sondern auch für die ganze Welt {1Joh 2}. Dass die Cherubim mit ihren Flügeln den Gnadenstuhl und die Lade bedecken, zeigt an, dass das Amt des Evangeliums unter dem Schutz der Engel sei.) Es sind aber Cherubim geflügelte Gestalten gewesen von allerlei Tieren, wie im Propheten Hesekiel zu sehen ist, hier aber meinte man, dass sie menschliche Angesichter gehabt haben.

18. Und sollst zwei Cherubim machen von dichtem Gold, zu beiden Enden des Gnadenstuhls,

19. dass ein Cherub sei an diesem Ende, der andere an dem anderen Ende, und also zwei Cherubim sind an des Gnadenstuhls Enden.

20. Und die Cherubim sollen Flügel ausbreiten, oben überher, dass sie mit ihren Flügeln den Gnadenstuhl bedecken, und eines jeglichen Antlitz gegen dem anderen stehe; und ihre Antlitze sollen auf den Gnadenstuhl sehen {2Mos 37v9}.

21. Und sollst den Gnadenstuhl oben auf die Lade tun und in die Lade das Zeugnis legen, das ich dir geben werde.

Zeugnis: Das ist: Das Gesetz ist in die Tafeln geschrieben.

22. Von dem Ort will ich dir zeugen und mit dir reden, nämlich von dem Gnadenstuhl zwischen den zwei Cherubim, der auf der Lade des Zeugnisses ist, alles, was ich dir gebieten will an die Kinder Israel.

Dir zeugen: (Nach Luther) Das ist: Dabei als bei einem gewissen Zeichen und Zeugnis will ich dich wissen lassen, dass ich da bin gegenwärtig, dass ich dort reden werde.

Reden: Das ist: Wie ich bisher aus der Wolkensäule mit dir geredet habe: Also soll künftig meine Stimme von dem Gnadenstuhl zwischen den beiden Cherubim herausgehen und gehört werden, dadurch ich dir meinen Willen offenbaren will. Und du, wenn du mich etwas fragen willst, sollst zu dem Gnadenstuhl gehen. Da will ich mich dir gegenwärtig erzeigen und gnädig finden lassen und dir meinen Willen erklären.

23. Du sollst auch einen Tisch machen von Föhrenholz; zwei Ellen soll seine Länge sein und eine Elle seine Breite und anderthalb Ellen seine Höhe.

Tisch: (Der Tisch bedeutet das Amt des Evangeliums. Das Brot, so es uns vorgelegt wird, ist das Brot des Lebens, nämlich Christus {Joh 6}. Der ist durch Zutun der zwölf Apostel im heiligen Abendmahl den geistlichen Priestern, das ist, den Christen zur Seligkeit zu essen vorgelegt worden, welches auch noch heutzutage in der christlichen Kirchen geschieht. Und sollen zum heiligen Abendmahl nicht zugelassen werden, die nicht Priester sind, das ist, die noch keine Christen sind. Der Weihrauch, so er auf die Brote gelegt wurde, erinnert diejenigen, so sie im heiligen Abendmahl Christus essen, dass sie zum Empfang inbrünstige Gebete und Danksagungen sollen hinzutun. Das übrige Geschirr, deren man zum Opfer gebraucht und aus dem allerbesten Gold gemacht ist, ermahnt die Gläubigen an Christus, dass sie sollen mit Fleiß darauf achten, damit sie nicht aus Erde, sondern golden, das ist, reine und lautere Gefäße herstellen, die von aller Unsauberkeit der Sünden gereinigt sind, auf dass sie nicht unter die Gefäße des Zorns gestellt werden, an welcher Verderben Gott seinen gerechten Zorn sehen lässt, sondern unter die Gefäße der Gnaden und Ehren in der Erhaltung und Seligmachung Gottes, wo die unermessliche Güte und Barmherzigkeit hervorleuchtet. Und dass sie auch Gefäße oder Werkzeuge sind zu allen guten Werken geschickt und zubereitet {Röm 9 2Tim 2}.)

24. Und sollst ihn überziehen mit feinem Gold und einen goldenen Kranz umher machen

25. und eine Leiste umher, einer Hand breit hoch, und einen goldenen Kranz um die Leiste her.

Leisten: Das ist: Um den Tisch herum soll eine Leiste gemacht werden von lauterem Gold, welche eine Handbreit hoch sei und den Tisch rings umher umfassen, damit nichts leicht herabfalle.

Kranz: Das ist: Dem goldenen Kranz, davon kurz zuvor gesagt ist, sollst du goldene Leisten anfügen, dass er zur Zierde darauf stehe und also zugleich mit um den Tisch rings herum gehe.

26. Und sollst vier goldene Ringe daran machen an die vier Orte an seinen vier Füßen.

Füßen: Darauf der Tisch stehen soll.

27. Hart unter der Leiste sollen die Ringe sein, dass man Stangen hinein tue und den Tisch trage;

28. Und sollst die Stangen von Föhrenholz machen und sie mit Gold überziehen, dass der Tisch damit getragen werde.

29. Du sollst auch seine Schüsseln, Becher, Kannen, Schalen aus feinem Gold machen, damit man aus und einschenke.

30. Und sollst auf den Tisch immer Schaubrote legen vor mir {1Sam 21v6}.

Schaubrote: Die sind darum also genannt, dass man sie vor dem Angesicht und Anschauen Gottes, der auf der Bundeslade wohnte, legen soll. Es würden aber alle Wochen zwölf frische Schaubrote auf den Altar gelegt, sechs übereinander und obenauf wurde Weihrauch gelegt, und durfte niemand davon essen als nur allein die Priester {3Mos 24}.

31. Du sollst auch einen Leuchter von feinem dichten Gold machen; daran soll der Schaft mit Röhren, Schalen, Knäufen und Blumen sein {2Mos 37v17}.

Leuchter: (Dieser ist ein Vorbild der Kirchendiener gewesen, denn gleich, wie aus dem Schaft ,der auf den Boden steht, die Röhren ausgehen, welche die Lampen heben: Also ist Christus der oberste Lehrer in seiner Kirchen und das wahre Licht. Dieser hat seine Mitwirker oder Mitarbeiter, die zugleich mit ihm leuchten oder viel mehr, dass er durch sie seine Kirche mit der reinen und unverfälschten Lehre des Evangeliums erleuchtet, dieselben sind die Röhren, welche sich nie von Christo dem wahren Licht der Welt absondern sollen. Es müssen aber auch die Diener des Evangeliums in der Kirchen leuchten, nicht allein, dass sie das Wort Gottes – welches eine Leuchte unserer Füße ist – rein und lauter predigen, sondern auch mit einem unsträflichen Leben und Wandel den Leuten vorleuchten, und müssen alle, so viel ihr sind auf den einigen Christus sehen, dass sie ihre Arbeit verrichten zur Ausbreitung der Ehre seines Namens. Und gleich, wie alle Röhren an einem Schaft zusammengefügt sind und mit dem Leuchter ein Ganzes machen: Also sollen fromme Kirchendiener in Christo der gottseligen Einigkeit sich bemühen und sich nicht voneinander scheiden oder trennen lassen. Der Schalen Knäufe und Blumen, welche des Leuchters Zierde gewesen sind, bedeuten die Gnade und Gaben des Heiligen Geistes, die er den frommen Kirchendienern mitzuteilen pflegt. Die Lichtdochte erinnern fromme Kirchendiener, dass sie sich fleißig vorsehen und hüten müssen, damit nicht das Licht des göttlichen Wortes entweder mit Menschensatzungen oder mit fleischlichen und philosophischen Gedanken nach Art der weltweisen Leute immer verfinstert werden. Und sooft sie irgend dergleichen Verfälschung sich spüren lasse, dass sie bald die Lehre säubern und rein behalten.)

32. Sechs Röhren sollen aus dem Leuchter zu den Seiten ausgehen, aus jeglicher Seite drei Röhren.

33. Eine jegliche Röhre soll drei offene Schalen, Knäufe und Blumen haben; das sollen sein die sechs Röhren aus dem Leuchter.

Blumen: Also, dass unter einer jeden Schalen ein Knauf und Blume sei.

34. Aber der Schaft am Leuchter soll vier offene Schalen mit Knäufen und Blumen haben

35. und je einen Knauf unter zwei Röhren, welcher sechs aus dem Leuchter gehen.

Unter zwei Röhren: Das ist: Zuoberst am Schaft soll eine Schale sein mit einem Knauf und einer Blume: Danach unter den nächstfolgenden beiden Röhren, so sie zugleich von dem Schaft zu beiden Seiten ausgehen, wiederum unter das anderer und dritte Paar auch so.

36. Denn beide ihre Knäufe und Röhren sollen aus ihm gehen, alles aus lauter Gold.

37. Und sollst sieben Lampen machen obenauf, dass sie gegeneinander leuchten,

Obenauf: Nämlich über die sieben obersten Schalen, so sie auf den sechs Röhren und auf dem Schaft sind.

Gegeneinander: Das ist: Dass drei Lampen auf der rechten Seite und drei auf der linken Seite gegeneinander überstehen, sich gleichsam untereinander ansehen und zu der Lampe kehren, die in der Mitte auf dem Schaft steht.

Leuchten: In der Hütte.

38. und Lichtdochte und Löschnäpfe von feinem Gold.

39. Aus einem Zentner feinen Goldes sollst du das machen mit allen diesen Geräten.

Zentner: Das hebräische Wörtlein Kikar wird auf zwei Wege verstanden (wie auch die Sekel zweierlei waren). Denn man ein Gemeines gehabt und ein anderes des Heiligtums, welches immer doppelt so viel als das andere gegolten hat. Es wird aber ohne Zweifel an diesem Ort ein Kikar oder Zentner des Heiligtums müsse verstanden werden, wie aus dem später folgenden 38. Kapitel zu sehen ist, so doch ungewiss und jetziger Zeit nicht genügend bekannt wie viel es Wert war.

Zentner: (Nach Luther) Dreißig Pfund Goldes.

40. Und siehe zu, dass du es machst nach ihrem Bilde, das du auf dem Berge gesehen hast {2Mos 36v8 Apg 7v44 Hebr 8v5}.

Und siehe zu: (Nach Luther) Er wiederholt es hier zum anderen Mal, dass er oben in diesem Kapitel sagt: Es soll alles eitel Vorbild und Figur sein mit Mose, auf dass es zweimal gesagt, ja gewisslich geglaubt werde.

Bilde: Denn es hat Gott dem Mose auf dem Berge ein Bild oder Konterfei vor Augen gestellt und sehen lassen, danach der Leuchter und die anderen Sachen, so sie dazu gehören, gemacht werden sollen.


Das 26. Kapitel


I. Das Gebäude der heiligen Stiftshütten wird beschrieben: Es ist aber Christus der wahre und allerheiligste Tempel der Heiligen Dreifaltigkeit.

1. Die Wohnung sollst du machen von zehn Teppichen, von weißer gezwirnter Seide, von gelber Seide, von Scharlaken und Rosinrot. Cherubim sollst du daran machen künstlich.

Wohnung: Darin die Lade und der Tisch samt dem Leuchter und alle anderen Geräte gestellt werden sollen.

Künstlich: Das ist: Du sollst die Gestalten der Cherubim aus mancherlei Farben und Faden nehmen und sticken lassen. Es erscheint aber aus dem vierten Kapitel des vierten Buch Mose, dass die mancherlei Farben in diesen Teppichen also sind durcheinander vermengt gewesen, dass doch eine Farbe vor anderen hervorschien, daher sie am gemeldeten Ort ein teils gelb eins Teils rosinrot genannt werden.

2. Die Länge eines Teppichs soll achtundzwanzig Ellen sein, die Breite vier Ellen; und sollen alle zehn gleich sein.

3. Und sollen je fünf zusammengefügt sein; einer an den anderen.

4. Und sollst Schläuflein machen von gelber Seide an jeglichen Teppichs Orten, da sie sollen zusammengefügt sein, dass je zwei und zwei an ihren Orten zusammengeheftet werden,

5. fünfzig Schläuflein an jeglichem Teppich, dass einer den anderen zusammenfasse.

6. Und sollst fünfzig goldene Hefte machen, damit man die Teppiche zusammenhefte, einen an den anderen, auf dass es eine Wohnung werde.

7. Du sollst auch eine Decke aus Ziegenhaar machen zur Hütte über die Wohnung von elf Teppichen {2Mos 36v14}.

Decke: Weil die vorgesetzten Teppiche die Hütte inwendig bedeckten und mit mancherlei Farben geziert waren, als die aus Seide gemacht und gar schön waren, so war vonnöten, dass etwas über sie gedeckt würde vor dem Unwetter und Regen. Darum hat Gott befohlen, dass man andere Teppiche oder Decken machen müsse von geringerer und schlechterer Materie.

Über die: Das ist: Dass man mit denselben Teppichen die seidenen Teppiche überdecke.

8. Die Länge eines Teppichs soll dreißig Ellen sein, die Breite aber vier Ellen; und sollen alle elf gleich groß sein.

9. Fünf sollst du aneinanderfügen und sechs auch aneinander, dass du den sechsten Teppich zwiefältig machst vorne an der Hütte.

Fügen: Dass sie also zusammengeheftet ein Stück des Dachs machen.

Zwiefältig: Denn es hat das Dach zum Eingang der Hütte müssen zweifach sein, auf dass es desto stärker wäre und nicht in der Mitte hässlich herabhinge, wenn es zu dünn wäre.

10. Und sollst an einem jeglichen Teppich fünfzig Schläuflein machen, an ihren Orten, dass sie aneinander bei den Enden gefügt werden.

11. Und sollst fünfzig eiserne Hefte machen und die Hefte in die Schläuflein tun, dass die Hütte zusammengefügt und eine Hütte werde.

12. Aber das Überlänge an den Teppichen der Hütte sollst du die Hälfte lassen überhängen an der Hütte,

Überlänge: Das ist: Was die Teppiche von Ziegenhaar zu lange sind, so soll man sie also überdecken, dass sie auf beiden Seiten gleich herabhängen bis auf die Erde, da die seidenen Teppiche nicht so weit reichen, dass also diese Teppiche von Ziegenhaar auf jeglicher Seite eine Elle weiter herabhängen als die seidenen Teppiche und dieselben ganz und gar überdecken.

13. auf beiden Seiten eine Elle lange, dass das übrige sei an der Hütte Seiten und auf beiden Seiten sie bedecke.

14. Über diese Decke sollst du eine Decke machen von rötlichen Widderfellen, dazu über sie eine Decke von Dachsfellen.

Widderfellen: Dies ist die dritte Decke gewesen, welche über die Hütte gelegt wurde, um den Regen damit aufzuhalten.

Dachsfellen: Welche keinen Regen durchlassen. Ist also das Dach der Hütte vierfach gewesen von seidenen Teppichen, Ziegenhaar, Widderfellen und Dachsfellen. (Es hat aber Gott angeordnet, das Dach der Hütte zuerst zu bauen, damit er anzeigen wollte, dass er zeitlich genug daran denke, wie er seine Kirche bewahren und schützen wolle.)

15. Du sollst auch Bretter machen zu der Wohnung von Föhrenholz, die stehen sollen {2Mos 36v20}.

Bretter: Jetzt werden in folgenden Worten die Zusammensetzung und der Aufbau der Hütte beschrieben.

Stehen sollen: Das ist: Du sollst sie aufrecht stellen, dass sie zusammengefügt eine Hütte machen.

16. Zehn Ellen lange soll ein Brett sein und anderthalb Ellen breit.

17. zwei Zapfen soll ein Brett haben, dass eins an das andere möge gesetzt werden. Also sollst du alle Bretter der Wohnung machen.

Haben: Nämlich, dass die Zapfen unten an jeglichem Brett sind, welche in den Füßen eingezapft sind und die Bretter heben, dass sie aufrecht stehen bleiben.

18. Zwanzig sollen ihrer stehen gegen dem Mittag.

19. Die sollen vierzig silbernes Füße unten haben, je zwei Füße unter jeglichem Brett an seinen zwei Zapfen.

20. Also auf der anderen Seite, gegen Mitternacht, sollen auch zwanzig Bretter stehen

21. und vierzig silbernes Füße, je zwei Füße unter jeglichem Brett.

22. Aber hinten an der Wohnung, gegen dem Abend, sollst du sechs Bretter machen.

23. Dazu zwei Bretter hinten an die zwei Ecken der Wohnung,

Zwei Bretter: Das ist: Den sechs Brettern sollst du noch zwei andere Bretter hinzutun, eines auf die Mittags-Ecke, und das anderer auf die Mitternachts-Ecke, und sollst sie mit den Brettern gegen Mittag und gegen Mitternacht also zusammenfügen, dass eine jegliche Ecke gerade einschließe.

24. dass ein jegliches der beiden sich mit seinem Ortbrett von unten auf geselle und oben am Haupt gleich zusammenkomme mit einer Klammer,

Klammer: Das ist: Ein jegliches Eckbrett soll mit einer Klammer an seinem Ort an das andere gefügt sein, auf dass es nicht davon könne abgerissen werden.

25. dass acht Bretter sind mit ihren silbernen Füßen; deren sollen sechzehn sein, je zwei unter einem Brett.

26. Und sollst Riegel machen von Föhrenholz, fünf zu den Brettern auf einer Seite der Wohnung

27. und fünf zu den Brettern auf der anderen Seite der Wohnung und fünf zu den Brettern hinten an der Wohnung gegen dem Abend.

28. Und sollst die Riegel mitten an den Brettern durchhinstoßen und alles zusammenfassen von einem Ort zu dem anderen.

29. Und sollst die Bretter mit Gold überziehen und ihre Ringe von Gold machen, dass man die Riegel hinein tue.

30. Und die Riegel sollst du mit Gold überziehen. Und also sollst du denn die Wohnung aufrichten nach der Weise, wie du gesehen hast auf dem Berge {2Mos 25v9}.

Gesehen: (Denn in Aufrichtung des Gottesdienstes sollen wir auch nicht ein Haarbreit von dem vorgeschriebenen Worte Gottes abweichen.)

31. Und sollst einen Vorhang machen von gelber Seide, Scharlaken und Rosinrot und gezwirnter weißer Seide; und sollst Cherubim daran machen künstlich.

Vorhang: Auf dass die Hütte des Stifts unterschieden würde in das Allerheiligste, das ist in die heiligste Wohnung Gottes, in welcher niemand denn der Hohepriester, und zwar nur einmal im Jahr, eingehen durfte: Und in das Heilige, das ist in die nächste Wohnung daran, in welcher die Priester täglich gehen durfte: So hat man auch einen Vorhang haben müssen, darum hier derselbe beschrieben wird, wie er es gemacht werden soll.

32. Und sollst ihn hängen an vier Säulen von Föhrenholz, die mit Gold überzogen sind und goldene Knäufe und vier silbernes Füße haben.

33. Und sollst den Vorhang mit Heften anheften und die Lade des Zeugnisses inwendig des Vorhangs setzen, dass er euch ein Unterschied sei zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten.

Anheften: An die vier Säulen, welche fein ordentlich und gleichförmiger weise stehen sollen, da eine so viel Platz hat als die andere.

Inwendig: In dem innersten Teil der Hütte, welcher mit dem Vorhang eingeschlossen und abgesondert wurde.

34. Und sollst den Gnadenstuhl tun auf die Lade des Zeugnisses in dem Allerheiligsten.

35. Den Tisch aber setze außer dem Vorhang und den Leuchter gegen den Tisch über, zu mittagwärts der Wohnung, dass der Tisch stehe gegen Mitternacht.

Vorhang: Nämlich, nicht in dem innersten Teil der Hütte, ins Allerheiligste, sondern in dem ersten und vorderen Teil, der durch den Vorhang vom Innersten abgesondert wird.

36. Und sollst ein Tuch machen in die Tür der Hütte, gewirkt von gelber Seide, Rosinrot, Scharlaken und gezwirnter weißer Seide.

Tuch: Damit der andere Teil der Hütte auch abgeteilt wäre, welcher das Heilige genannt wurde, so musste man noch einen Vorhang haben, welcher jetzt beschrieben wird.

37. Und sollst aus demselben Tuch fünf Säulen machen von Föhrenholz, mit Gold überzogen, mit goldenen Knäufen, und sollst ihnen fünf eiserne Füße gießen.

Fünf Säulen: Denn weil die Priester in demselben Teil der Hütte oftmals eingingen, hat man deswegen mehr Säulen haben müssen, auf dass es desto stärker wäre, weil es anstatt einer Tür sein sollte. Es gehört aber zum ganzen Gebäude der Hütte noch der dritte Teil der Wohnung, nämlich der Hof, davon im folgenden Kapitel gesagt wird. Solcher Hof war für das Volk verordnet, denn da durfte jedermann hineingehen, der auch nicht Priester war. (Es hat aber die ganze Hütte außerdem, da sie zum Gottesdienst im Volk Israel gestiftet worden war, auch bedeutet, den geistlichen Leib Christi oder Christus mit seinem ganzen Leibe, welcher ist die Kirche. Denn Christus ist mit der Kirche, als mit seinem Leibe zusammengefügt, die geistliche Wohnung der Gottheit. Und hat der innerste und vornehmste Teil der Hütte, so das Allerheiligste genannt wurde, darin die Lade des Bundes war mit dem Gnadenstuhl und goldenem Rauchfass, und in den Teil niemand hineingehen durfte, denn nur der Hohepriester allein, dazu des Jahres einmal, nämlich aufs Fest der Versöhnung. Das bedeutet, dass unsere Haupt Christus, der Sohn Gottes, sei die allerheiligste Wohnung Gottes, in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig oder persönlich wohnt {Kol 2}.) In diesem Teil der Hütte wurden die zehn Gebote aufbehalten und verwahrt, denn dem einigen Christo steht die vollkommene Erfüllung des Gesetzes allein zu. Dieser ist der rechte Gnadenstuhl, weil um seinetwillen allein der himmlische Vater den Gläubigen gnädig sein will, denn er ist allein unser Mittler und Fürsprecher, in welchen Sachen er keinen Gehilfen haben will. Der andere Teil der Hütte, so das Heilige hieß, in den auch die anderen Priester gehen durften, und wo der Rauchaltar, Tisch und Leuchter standen, hat bedeutet, dass die Kirchendiener und Lehrer des Evangeliums, welchen befohlen ist, dass sie fleißige Vorsorge tragen sollen, damit das Licht des Evangeliums durch das Amt des Wortes und Austeilung der Sakramente überall ausgebreitet werde, für die Kirche beten. Der dritte Teil, der Hof, bezeichnet die andere Gemeinde Christen, welche zwar nicht das Amt führen, das Evangelium zu lehren und die Sakramente auszuteilen: Nichtsdestoweniger, gleichwie die drei Teile eine Hütte machten, also machen Christus die Kirchendiener und ihre Zuhörer einen Leib und eine Wohnung Gottes. Der erste Vorhang, damit das Allerheiligste beschlossen war, lehrte, dass zu der Zeit Christus noch nicht gekommen war, welcher in das Allerheiligste eingehen soll vor dem Angesicht Gottes, dass er eine ewige Erlösung erwürbe {Hebr 9}. Und dass keinem der Zutritt zu Gott offen stünde, wo nicht Christus der Hohepriester mit seinem Eingang durch den Tod den Himmel geöffnet hätte {Joh 14}. Der andere Vorhang oder die Decke des anderen Teils, so das Heilige genannt wurde, erinnert uns, dass niemand aus Mutwillen ohne ordentlichen Beruf und der keine deutlichen Gaben hat, die an einem Kirchendiener gefordert werden, sich selber eindringe, das Evangelium öffentlich zu lehren und die Sakramente auszuteilen. Der Zierrat der Teppiche und Säulen bedeutet, die Gaben und Kräfte des Heiligen Geistes, so an die Kirchendiener, wie auch an anderen Christi gefunden werden. Die Haften und Knäufe, damit die Teppiche zusammengeheftet und -gefügt werden, bezeichnet die Liebe, welche die Lehrer untereinander und auch die andere Christen miteinander verbinden soll. Weil die Liebe das Band der Vollkommenheit ist {Kol 3}. Die äußeren Teppiche von Ziegenhaar und die Decke von Widderfellen samt der anderer von Dachsfellen geben zu verstehen, dass die Kirche Christi mit allen ihren Gliedern wohl und aufs Beste verwahrt sei, wider allerlei Unwetter und Sturmwinde oder Anfechtungen, so vom Teufel erregt und aufgeblasen werden. Denn die Schäflein Christi wird niemand aus seiner Hand reißen {Joh 10}. Und ist Gott treu, der uns nicht lässt versucht werden über unsere Vermögen, sondern gibt das Auskommen, dass wir es ertragen können {1Kor 10}.


Das 27. Kapitel


I. Das Brandopfer des Altars mit seinen zugehörigen Werkzeugen wird beschrieben v. 1. II. Wie auch der Hof der Hütte v. 9 III. Und befiehlt Gott, dass man soll Öl zu den Lampen geben v. 20.

1. Und sollst einen Altar machen von Föhrenholz, fünf Ellen lange und breit, dass er gleich viereckig sei, und drei Ellen hoch.

Altar: Dieser Altar ist inwendig hohl gewesen und von vier Seitenstücken zusammengesetzt worden, wie später angezeigt wird.

2. Hörner sollst du auf seine vier Ecken machen, und sollst ihn mit Erz überziehen.

Hörner: Das ist: Aufgerichtete kleine Säulen oder Zinken, so über sich gehen zur Zierde.

Nach Luther: Das ist: Aufgerichtete kleine Säulen oben mit Knäufen oder Blumen.

Erz: Auf dass das Holzwerk nicht vom Feuer angezündet werde und verbrenne, wenn man die Opfer auf dem Altar verbrennt.

3. Mache auch Aschentöpfe, Schaufeln, Becken, Kreuel, Kohlpfannen; alle seine Geräte sollst du von Erz machen.

Aschentöpfe: Darin die Asche aufgehoben werden soll, welche von dem verbrannten Holz und von den Opfern überbleibt.

Schaufeln: Damit man die Asche aus dem Wege räume.

Becken: Darin man die Asche aufhebe, ehe denn sie in die Töpfe geschüttet werde.

Kreuel: Damit man das Holz oder die Kohlen in das Feuer lege.

Kohlpfannen: Dies waren solche Geschirre, darin man die Kohlen aufbewahrte, wenn man sie ein Zeit lang vom Altar hinweg tun musste, da man denselben an einen anderen Ort verrücken wollte.

4. Du sollst auch ein eisernes Gitter machen wie ein Netz und vier eiserne Ringe an seine vier Orte.

5. Du sollst es aber von unten auf um den Altar machen, dass das Gitter reiche bis mitten an den Altar.

Bis mitten: Das ist: Der Altar soll um seine Mitte etwas haben, das um denselben hergehe als eine breite Leiste. Unter derselben Leiste aber war ein eisernes Gitter, wie ein Netz gemacht, welches rings um den Altar herging zur Zierde von der Erde an bis an des Altars Mitte, dort es an seinen vier Orten vier Ringe hatte, darin die Stangen gestoßen wurden. Und zwar hat man den Altar solcher Gestalt am besten tragen und fortbringen können, viel besser, als wenn die Ringe oben oder unten am Altar gewesen wären, damit aber das Gitter nicht höher am Altar aufwärts hinaufging, war die breite Leiste gut dazu, es zu verhindern.

6. Und sollst auch Stangen machen zu dem Altar von Föhrenholz, mit Erz überzogen.

7. Und sollst die Stangen in die Ringe tun, dass die Stangen sind an beiden Seiten des Altars, damit man ihn tragen möge.

Ringe: Welche oben an den Ecken des Gitters sind.

Tragen: Denn man hat diesen Altar mit der Hütte auch tragen müssen, so oft die Israeliten ihr Lager verändert und fortgereist sind.

8. Und sollst ihn also von Brettern machen, dass er inwendig hohl sei, wie dir auf dem Berge gezeigt ist.

Hohl: Wie eine Lade oder Truhen, so sie weder Boden noch Deckel hätten. Denn sonst hätte ein solcher großer Altar nicht ohne große Mühe können fortgebracht werden. Sooft aber die Hütte an einen Ort aufgeschlagen wurde, hat man ihn mit Erde aufgefüllt und über dieselbe Erde wurden die Opfer verbrannt, wie in Kapitel 20 gesagt wird. Einen Altar von Erde mache mir. (Diesen Altar malt uns Christus abermals vor {Hebr 12}, denn in seiner Person ist er Gott, dem himmlischen Vater, ein angenehmes Opfer, aufgeopfert worden, damit er der ganzen Welt Sünde versöhnt sind. Die darin gefüllte Erde, darauf die Opfer verbrannt wurden, bedeutet die Menschheit Christi, welche der Sohn Gottes angenommen hat, dass in derselben das Opfer der Versöhnung geschehen könnte. Die Hörner des Altars oder vier kleine Säulen, so auf den vier Ecken hervorguckten, lehrte, dass die Kraft des Opfers Christi durch die Predigt des Evangeliums in die vier Örter der Welt soll ausgebreitet werden. Denn er ist die Versöhnung nicht allein für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde {1Joh 2} Die übrigen Werkzeuge dienten zum Altar und zur Verrichtung der Opfer.)

9. Du sollst auch der Wohnung einen Hof machen, einen Umhang von gezwirnter weißer Seide, auf einer Seite hundert Ellen lange, gegen dem Mittag,

Hof: Dieser Hof ging rings herum um die ganze Hütte, gleich, wie bei uns die Kirchhöfe um die Kirche hergehen. In diesem Hof wurden die Opfer verrichtet und wuschen sich die Priester in demselben, wie wir an seinen Ort hören werden.

10. Und zwanzig Säulen auf zwanzig eisernen Füßen, und ihre Knäufe mit ihren Reifen von Silber.

Säulen: An denen der Umhang geheftet wurde.

Füßen: Darauf die Säulen, wenn sie aufgerichtet werden, fest und unbeweglich stehen bleiben.

11. Also auch gegen Mitternacht soll sein ein Umhang, hundert Ellen lang; zwanzig Säulen auf zwanzig eisernen Füßen, und ihre Knäufe mit ihren Reifen von Silber.

12. Aber gegen dem Abend soll die Breite des Hofes haben einen Umhang fünfzig Ellen lange, zehn Säulen auf zehn Füßen.

13. Gegen dem Morgen aber soll die Breite des Hofes haben fünfzig Ellen,

14. also dass der Umhang habe auf einer Seite fünfzehn Ellen, dazu drei Säulen auf drei Füßen,

Also dass: Die Meinung ist diese: Die Seite gegen Morgen, als der vordere Teil des Hofes, soll in gleicher Breite sein, mit deren gegenüber, so das Hinterteil und gegen Abend stehen soll. Und soll von einer jeden Ecken an zu der Mitte ein Umhang fünfzehn Ellen lange an drei Säulen gemacht werden, dass in der Mitte noch ein Platz übrig gelassen werde, zwanzig Ellen weit zum Eingang, welcher als eine Tür oder Tor mit einem besonderen Tuch bedeckt werden soll, wie denn dessen Beschreibung später folgt.

15. und aber fünfzehn Ellen auf der anderen Seite, dazu drei Säulen auf drei Füßen.

16. Aber in dem Tor des Hofes soll ein Tuch sein, zwanzig Ellen breit, gewirkt von gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide, dazu vier Säulen auf ihren vier Füßen.

Tor: Das ist: in dem über gelassenen Platz zum Eingange des Hofs.

Weißer Seide: Dass es also mit mancherlei Farben und Formen künstlich gestickt sei.

Säulen: Daran das Tuch des Tors hing.

Füßen: Darauf die Säulen stehen konnten.

17. Alle Säulen um den Hof her sollen silbernes Reife und silbernes Knäufe und eiserne Füße haben.

18. Und die Länge des Hofes soll hundert Ellen sein, die Breite fünfzig Ellen, die Höhe fünf Ellen, von gezwirnter weißer Seide; und seine Füße sollen eisernes sein.

Höhe: Nämlich des Umhangs und des Tuchs im Tor, damit der Hof der Hütte umfangen war.

19. Auch alle Geräte der Wohnung zu allerlei Amt und alle seine Nägel und alle Nägel des Hofes sollen eisernes sein.

Amt: Das ist: Was zu Verrichtung der Opfer im Hofe vonnöten sein wird.

Nägel: Damit die Umhänge, so sie die Hütte bedeckten, ausgespannt wurden, wie auch im Hof, damit sie nicht vom Winde hin und her getrieben wurden.

Eisernes: Aber die anderen Werkzeuge, so man sie in dem Heiligen und Allerheiligsten gebrauchte, mussten nicht aus Erz, sondern aus Gold gemacht werden, wie oben angezeigt. (Also haben wir auch den Bau des Hofs, welcher wie zuvor auf Anregung geschah, bedeutete die allgemeine christliche Kirche. Und war der Hof viel weiter und größer als das Heilige oder Allerheiligste, darin viel Menschen zugleich stehen konnten. Denn obwohl viele berufen aber wenig auserwählt sind, wenn die Auserwählten gegen der unzähligen Mengen der Verdammten gerechnet werde: So ist doch derselben auch ein großer Haufen, und fast unzählige, welche von Anfang der Welt her zu Christo sind bekehrt worden und bis zum Ende derselben noch bekehrt werden und die ewige Seligkeit erlangen. Das Tuch im Tor des Vorhofes erinnert uns, dass den Unbußfertigen der Eingang in die Kirche nicht offenstehen soll. Die Säulen des Hofs mit silbern Reifen geziert, zeigen an, dass Gott seine Gnade und Gaben des Heiligen Geistes nach eines jeden Maßes austeile, auch unter den Christen, welche nicht im öffentlichen Lehr- oder Predigtamt sind. Die eisernen Füße lehren, dass die christliche Kirche wider des Teufels Anlauf bestehe, dass auch die Pforten der Höllen nichts dagegen vermögen. Die Umhänge von weißer Seide geben zu verstehen, dass die Kirche Christi durch den Glauben an Christus von ihren Sünden (so viel die Vergebung belangt) gereinigt und weißer denn der Schnee sein werde {Ps 51 Esra 1}.)

20. gebietet den Kindern Israel, dass sie zu dir bringen das allerreinste lautere Öl von Ölbäumen gestoßen, zur Leuchte, das man immer oben in die Lampen tue

Gebietet: Bis daher ist das äußerliche Gebäude der Hütte beschrieben worden. Jetzt folgt, noch etwas so zu machen übrig ist, damit das Werke ganz sei und vollendet werde.

Gestoßen: Denn die Frucht der Ölbäume, wenn sie gestoßen und ausgepresst wird, gibt Öl so zur Speise und in die Lampen zu brennen gut ist.

21. in der Hütte des Stifts außerhalb des Vorhangs, der vor dem Zeugnis hing. Und Aaron und seine Söhne sollen sie zurichten, beide des Morgens und des Abends, vor dem Herrn. Das soll euch eine ewige Weise sein auf eure Nachkommen unter den Kindern Israel.

Des Stifts: Da nämlich das Volk soll zusammenkommen Gottes Wort zu hören und zu opfern.

Nach Luther: Das hebräische Wort Moed haben wir nicht im Deutschen. Es soll aber so viel heißen, als ein gewisser Ort oder eine Stätte, wie ein Pfarrkirche oder Stift, dahin das Volk Israel kommen und Gottes Wort hören soll, damit sie nicht ihren eigenen Andachten nach hin und her liefen, auf den Bergen, in Gründen und anderen Örtern Gott zu opfern.

Zeugnis: Das ist: Vor das Allerheiligste, darin das Zeugnis, nämlich die Tafeln des Gesetzes aufbehalten wurden.

Sie: Nämlich die Lampen, dass sie Öl hineingießen, sooft es dessen bedarf.

Ewige Weise: Das ist: Diese Zeremonie soll gehalten werden, solange das levitische Priestertum währte. (Der Leuchter bedeutete die Diener und Prediger des Evangeliums, wie oben gemeldet, dieselben sollen besonders in der Kirche den anderen vorleuchten mit der Predigt des Wortes Gottes. Es gebietet aber Gott, dass die Lampen abends und morgens brennen sollten, denn Gott will nicht, dass das Licht des Evangeliums in der Finsternis dieses Lebens bei der christlichen Kirchen verlösche. Und gleich, wie der Hohepriester Öl zugießen müsste, damit es nicht verlösche: Also gießt der Sohn Gottes mit dem Öl des Heiligen Geistes zu und gibt den Kirchendienern Kraft und Stärke und das Gedeihen zu ihrer Arbeit, damit das Evangelium nicht vergebens gepredigt werde oder in der Kirchen endlich gar verlösche.)


Das 28. Kapitel


I. Aaron und seine Söhne werden zum Priesteramt geordnet und ausgesondert, v. 1. II. Und werden ihre priesterliche Kleider beschrieben, besonders aber die, welche der Hohepriester auf den vornehmsten Festen anziehen soll, v. 4.

1. Und sollst Aaron, deinen Bruder, und seine Söhne zu dir nehmen aus den Kindern Israel, dass er mein Priester sei, nämlich Aaron und seine Söhne, Nadab, Abihu, Eleasar und Ithamar.

2. Und soll Aaron, deinem Bruder heilige Kleider machen, die herrlich und schön sind.

Und soll: Nachdem Gott bisher von vielen Sachen zur Übung des Gottesdienstes nötige Befehle getan hat: So beschreibt er jetzt weiter des Priesters oder Bischofs oder Pfarrherrn Person, Kleidung und Weihe, welcher den Gottesdienst im Volk Israel anrichten und treiben soll.

Herrlich: Das ist: Dadurch sie in ihrem priesterlichen Amt Ansehen und Würde bekommen. (Es bedeutete aber der Hohepriester Aaron, unseren Hohepriester Christus: Seine herrlichen Kleider, so diese später beschrieben werden, zeigen an die Majestät und Kraft Christi unseres Priesters vor dem Angesicht Gottes, der Engel und aller Heiligen. Obwohl nun aber jetzt, nachdem das Opfer Christi vollbracht, nicht vonnöten ist, dass die Kirchendiener solche levitische Kleidung tragen, so sollen sie doch ehrlich und gebührlich bekleidet sein, besonders in öffentlichen Versammlungen der christlichen Kirchen, damit alles zu des Kirchenamts Ehre und zur Erbauung der christlichen Kirchen diene.)

3. Und sollst reden mit allen, die eines Waisen Herzens sind, die ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe, Aaron Kleider machen zu seiner Weihe, dass er mein Priester sei.

Herzen: Das ist: mit erfahrenen und kunstreichen Werkmeistern.

Geist: Das ist: Welche dergleichen Gabe des Heiligen Geistes empfangen haben. (Denn es ist der Werkmeister Kunst eine Gabe des Heiligen Geistes, darum man sie von Gott bitten soll.)

Weihe: Das ist: Welche er anziehen soll und darin geweiht werden, dass er später das Priesteramt in denselben verrichte.

4. Das sind aber die Kleider, die sie machen sollen: das Schildlein, Leibrock, Seidenrock, engen Rock, Hut und Gürtel. Also sollen sie heilige Kleider machen deinem Bruder Aaron und seinen Söhnen, dass er mein Priester sei {2Mos 39v1}.

Leibrock: Ist ein kurzer Rock gewesen ohne Ärmel, damit man den Leib eingefasst und der Rock nicht über die Knie herabhing.

Seidenrock: Nämlich von gelber Seide.

Engen Rock: Von weißer Seide gemacht, und der dem Leibe näher war als der seidene Rock. Wie aber alle Kleider miteinander sollten gemacht und zubereitet werden, wird bald später folgen.

5. Dazu sollen sie nehmen Gold, gelbe Seide, Scharlaken, Rosinrot und weiße Seide.

Dazu: Nämlich zu den Kleidern.

Seide: Denn aus solchem Zeuge sollten die Kleider gemacht werden.

6. Den Leibrock sollen sie machen von Gold, gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide, künstlich {2Mos 39v2}.

Künstlich: Das ist: Du sollst dies Kleid mit goldenen und seidenen Fäden von mancherlei Farben künstlich wirken und sticken lassen, wie es die Seidensticker zu tun pflegen.

7. dass er auf beiden Achseln zusammengefügt und an beiden Seiten zusammengebunden werde.

Gefügt: Das ist: Der vordere und hintere Teil des Leibrocks soll auf den Achseln also zusammen geheftet werden, dass er die Brust und Achseln bedecke und mit einem Gürtel in den Seiten zusammen gebunden werde.

8. Und sein Gurt darauf soll derselben Kunst und Werks sein, von Gold, gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide.

Derselben Kunst: Das ist: Der Gürtel soll allerdings wie der Leibrock von mancherlei Farben gewirkt und gestickt sein.

9. Und sollst zwei Onyxsteine nehmen und darauf graben die Namen der Kinder Israel,

Und sollst: Folgt jetzt noch ein anderer Zierrat des Leibrocks.

Onyxstein: Es vergleicht sich aber der Onyxstein fast mit den Edelsteinen, ist von mancherlei Farben, die einander umringen und gleichsam umgürten, wie Plinius bezeugt.

Kinder Israel: Nämlich der zwölf Stämme, die von dem Altvater Israel herkommen.

10. auf jeglichen sechs Namen, nach der Ordnung ihres Alters.

Alters: Das ist: Du sollst die Namen in solcher Ordnung in die Steine graben, wie die Patriarchen nacheinander geboren sind, dass der erste sei Ruben der anderer Simeon der dritte Levi und sofort an.

11. Das sollst du tun durch die Steinschneider, die da Siegel graben, also dass sie mit Gold umher gefasst werden.

Gefasst: Das ist: Die gegrabenen Steine sollen danach künstlich in Gold lassen einfassen, wie die Goldschmiede oder Steinschneider Edelsteine in goldene Ringe einzufassen pflegen.

12. Und soll sie auf die Schultern des Leibrocks heften, dass es Steine sind zum Gedächtnis für die Kinder Israel, dass Aaron ihre Namen auf seinen beiden Schultern trage vor dem Herrn zum Gedächtnis.

Heften: Also das der eine Stein sei auf der rechten und der andere auf der linken Schulter.

Trage: Wenn er in die Hütte gehen und das Priesteramt verrichten will.

Gedächtnis: Das ist: Dass Gott der Herr durch dieselben Steine gleichsam erinnert werde, dass er die zwölf Geschlechte Israel in seinen Schutz genommen und mit väterlichen Gnaden für sie sorgen wolle. (Der Priester Aaron bedeutet Christus, und die zwölf Stämme Israel bezeichnen die christliche Kirche. Dieselbe trägt und erhält Christus auf seinen Schultern, besonders die Schäflein, so sie verloren gewesen aber wieder gefunden und wiederum zu Gnaden aufgenommen wurden. Denn der Sohn Gottes, unser Priester, vertritt uns immer bei unserem himmlischen Vater und erhält die christliche Kirche auf seinen Schultern, das ist, mit seiner Allmacht, dass die Pforten der Höllen nichts dagegen vermögen {Mt 16}.)

13. Und sollst goldene Spangen machen

Spangen: Künstlich ausgegraben, mit denen die Steine recht an den Leibrock angeheftet werden.

14. und zwei Ketten von feinem Gold mit zwei Enden, aber die Glieder ineinander gehangen, und sollst sie an die Spangen tun.

Zwei Enden: Das ist: Die nicht zusammengelötet und zugemacht sind, sondern in die Länge gehen und zu beiden Enden an etwas anderes können angeheftet werden.

Hängend: Das ist: gewundene Ketten wie ein Seil gedreht. Daran die Spangen mit den Steinen hängen und also an den Leibrock mit den Ketten auf beiden Achseln angeheftet werden.

15. Das Amtsschildlein sollst du machen nach der Kunst wie den Leibrock, von Gold, gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide {2Mos 39v8}.

Amtsschildlein: Das ist: Welches man gebrauchen soll, wenn Aaron von Amtes wegen den Israeliten Bericht geben und Gottes Rechte vorlegen soll, dunkle und zweifelhafte streitige Sachen zu entscheiden.

Kunst: Mit mancherlei Farben von Gold und Seide gewirkt und gestickt.

Wie den: Das ist: Von eben dergleichen Materie davon der Leibrock gemacht ist.

16. Viereckig soll es sein und zweifach; eine Hand breit soll seine Länge sein und eine Hand breit seine Breite.

Zweifach: Das ist: Es muss noch so dick gewirkt und gemacht sein als der Leibrock.

17. Und sollst es füllen mit vier Riegen voll Steine. Die erste Riege sei ein Sarder, Topaser; Smaragd ;

Steine: Nämlich, Edelsteine wie sie später benannt werden, also dass eine jede Riege drei Steine habe.

18. die andere ein Rubin, Saphir, Demant;

19. die dritte ein Lynkurer, Achat, Amethyst;

20. die vierte ein Türkis, Onyx, Jaspis. In Gold sollen sie gefasst sein in allen Riegen.

21. Und sollen nach den zwölf Namen der Kinder Israel stehen, gegraben vom Steinschneider, ein jeglicher seines Namens, nach den zwölf Stämmen.

Namen: Also, dass der erste Stein des Rubens Name habe, der anderer Simeons und also weiter.

22. Und sollst Ketten zu dem Schildlein machen mit zwei Enden, aber die Glieder ineinander gehangen, von feinem Gold,

23. und zwei goldene Ringe an das Schildlein, also dass du dieselben zwei Ringe heftest an zwei Ecken des Schildleins

Ecken: Nämlich am oberen Teil des Schildleins.

24. und die zwei goldenen Ketten in dieselben zwei Ringe an den beiden Ecken des Schildleins tust.

25. Aber die zwei Enden der zwei Ketten sollst du in zwei Spangen tun und sie heften auf die Schultern am Leibrock, gegeneinander über.

Schultern: Das ist: Die beiden Ketten, so eine jede mit einem Ende oben an das Schildlein geheftet sein soll, mit dem anderen Ende über sich reichen bis auf die Schultern des Leibrocks, dort sie mit goldenen Spangen sollen angeheftet werden, welche gegeneinander gegenüberstehen, eine auf der linken, die andere auf der rechten Schulter.

26. Und sollst zwei andere goldene Ringe machen und an die zwei anderen Ecken des Schildleins heften an seinem Ort, inwendig gegen dem Leibrock.

Anderen Ecken: Nämlich unten am Schildlein.

Gegen dem: Das ist: Welche Seite des Schildleins unterwärts des Leibrocks hängt gegen den Gürtel zu.

27. Und sollst aber zwei goldene Ringe machen und an die zwei Ecken unten am Leibrock gegeneinander heften, da der Leibrock zusammengeht, oben an dem Leibrock, künstlich.

Zusammengeht: Das ist: Die beide Ringe sollen auf beiden Seiten des Leibrocks gerade gegenübereinander angeheftet werden, an dem Ort da der Leibrock oben über den Gürtel zusammen geht.

28. Und man soll das Schildlein mit feinen Ringen mit einer gelben Schnur an die Ringe des Leibrocks knüpfen, dass es auf dem künstlich gemachten Leibrock hart anliege und das Schildlein sich nicht von dem Leibrock losmache.

29. Also soll Aaron die Namen der Kinder Israel tragen in dem Amtsschildlein auf seinem Herzen, wenn er in das Heilige geht, zum Gedächtnis vor dem Herrn immer.

Gedächtnis: Das ist: Dass an Gott etlichermaßen erinnert werde, dass er nicht aufhöre die zwölf Geschlechter Israel mit seiner väterlichen Güte zu schützen und acht auf sie zu haben.

immer: Solange das levitische Priestertum währen wird.

30. Und sollst in das Amtsschildlein tun Licht und Recht, dass sie auf dem Herzen Aarons sind, wenn er eingeht vor den Herrn, und trage das Amt der Kinder Israel auf seinem Herzen vor dem Herrn allewege {4Mos 27v21 3Mos 8v8}.

Licht und Recht: Der Brauch und Nutzen des Schildleins ist gewesen, dass die Priester, wenn sie Gott um etwas Rat fragen wollten, den Leibrock angezogen haben, darauf das Schildlein geheftet war, wie kurz zuvor gemeldet; und wenn sie also Gott gefragt haben, sie durch das Schildlein Antwort empfingen. Es meldet aber die Schrift nicht ausdrücklich, ob irgendeine Stimme sei gehört worden, oder dem Priester, der das Schildlein getragen, ein Gesicht vorgekommen sei, oder ob er eine innerliche Erleuchtung des Heiligen Geistes hatte, dadurch der Priester von dem Willen Gottes erinnert wurden und Bericht empfangen hat. Etliche meinen, so oft Gott dem Priester, der ihn in einer zweifelhaften Sache um Rat fragte, mit dem Jawort hat wollen beantworten, so haben die Edelsteine gar hell geleuchtet.

Nach Luther: Was das gewesen sei weiß man jetzt nicht mehr. Hebräisch heißt es Urim und Thumin.

Eingeht: Nämlich in das Heiligtum.

Amt: Das ist: Das Schildlein, durch welches Mittel der Priester den göttlichen Bescheid und Antwort den Kindern Israels anzeigte.

Allewege: Nämlich, so oft er in die Hütte eingeht und gleichsam als vor Gottes Angesicht tritt. (Es bedeutet aber das Amtschildlein ebenso viel wie die beiden Onyxsteine, und gibt der Heilige Geist ein Ding mit zwei Figuren zu verstehen, da doch einer etwas deutlicher und klarer ist denn die andere. Denn gleich, wie die Onyxsteine so sie auf den Schultern getragen wurden, anzeigen, dass Christus, unser Hohepriester, mit seiner Allmacht seine Kirche trage und hebe: Also lehrt uns das Schildlein, welches in einem jeden Edelstein einen Namen der Patriarchen eingegraben hatte, dass der Sohn Gottes uns herzlich liebe als die, die er auf seinem Herzen trägt. Und dass uns nicht allein die Gemeinde Verheißungen des Evangeliums sagt– welches die sechs Namen in einem jeden Onyxstein gegraben erinnerten, sondern auch die besonderen Verheißungen angehören, wie sie in dem Bericht zu einem jeden Christen insbesondere gesagt und von ihm gehört werden, dass wir sie uns durch den Glauben zueignen, weil wir lesen, dass alle Namen in einem jeden Edelstein des Schildleins eingegraben wurden. Dies Schildlein, so es auf dem Leibrock fest und steif angeheftet war, also dass es der Hohepriester nicht von sich legen konnte, wo er nicht auch den Leibrock zugleich mit auszöge, lehrt uns, dass die christliche Kirche an Christus so gleichsam angeheftet und gebunden sei, dass uns niemand scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist {Röm 8}. Gleich, wie aber die göttliche Antwort und der Bericht von dem Willen Gottes, aus dem Schildlein gehört und verstanden wurden, also muss der, welcher von dem Willen Gottes begehrt, vergewissert werden die Stimme Gottes in der Kirchen hören, da Christus unser einiger Hohepriester sich finden lassen will: Denn außerhalb der Kirche ist kein Wort Gottes zu finden.)

31. Du sollst auch den Seidenrock unter den Leibrock machen, ganz von gelber Seide {2Mos 39v22}.

Ganz: Das ist: Der nicht mancherlei Farben durcheinander habe, sondern nur eine Farbe, nämlich durchaus gelb sei.

32. Und oben in der Mitte inne soll ein Loch sein und eine Borte um das Loch her zusammengefaltet, dass es nicht zerreiße.

Mitten: Nämlich zwischen den beiden Schultern, dass es dem Priester um den Hals gehe.

33. Und unten an seinem Saum sollst du Granatäpfel machen von gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot um und um, und zwischen dieselben goldene Schellen, auch um und um,

Granatäpfel: So von dem Saum abwärts hänge.

Schellen: (Die goldenen Schellen bedeuten den Laut oder Schall der evangelischen Verheißungen. Denn der Schall der apostolischen Predigt ist in alle Land ausgegangen {Ps 18 Röm 10}. Darum, wer ohne die evangelischen Verheißungen freventlicher weise zu Gott nahen will, der geht zu einem verzehrenden Feuer {Hebr 12}.)

34. dass eine goldene Schelle sei, danach ein Granatapfel und aber eine goldene Schelle und wieder ein Granatapfel um und um an dem Saum desselben Seidenrocks.

35. Und Aaron soll ihn anhaben, wenn er dient, dass man seinen Klang höre, wenn er aus und eingeht in das Heilige vor dem Herrn, auf dass er nicht sterbe.

36. Du sollst auch ein Stirnblatt machen von feinem Gold und ausgraben, wie man die Siegel ausgräbt: die Heiligkeit des Herrn {2Mos 39v30}.

Stirnblatt: Dies war ein halber Zirkel.

Heiligkeit: Diese Worte sind im Stirnblatt gegraben gewesen, damit zu verstehen gegeben wurde, dass Gott mit seiner Heiligkeit denselben Priester geheiligt habe, dass, was er für Gaben und Geschenke der Israeliten dem Herrn opfern würde, in ihrem Namen, dieselben obwohl sie nicht allerdings rein und vollkommen sind, so werden sie doch vor den Augen Gottes für heilig und angenehm geachtet.

37. Und sollst es heften an eine gelbe Schnur vorne an den Hut,

38. auf der Stirn Aarons, dass also Aaron trage die Missetat des Heiligen, das die Kinder Israel heiligen in allen Gaben ihrer Heiligung; und es soll allewege an seiner Stirn sein, dass er sie versöhne vor dem Herrn.

Missetat: Das ist: Der Israeliten Opfer, welche sie Gott opfern und heiligen und dem Gottesdienst zueignen, sind nicht so heilig, wie sie sein sollten, also dass auch ihre heiligen Gaben etwas Unreines und Unrechtes an sich kleben haben und könnten Gott nicht gefallen, wo sie nicht von dem Hohepriester(der durch des Herrn Heiligkeit geheiligt ist, dessen zum Zeugnis und anzeigen er das Stirnblatt trägt) geheiligt und die Unreinigkeit ihrer Opfer ausgesöhnt würde.

Allewege: Wenn er die Opfer verrichtet.

Versöhne: (Also wenngleich wir uns selber Gott heiligen und zu eigen geben mit allem unseren Gehorsam {Röm 12}, so findet doch Gott an uns immer etwas, das er verwirft und verdammt, weil auch unsere guten Werke mit Sünden befleckt und gar unvollkommen sind: Darum ist vonnöten, dass der Sohn Gottes, unser Hohepriester Christus, die Unvollkommenheit unserer guten Werke und die uns anklebende Unreinigkeit mit seiner Reinigkeit und Heiligkeit also zudecke, dass um seines Verdienstes und seiner Unschuld willen sowohl unsere Person, als unser guten Werke Gott gefallen und also um seinetwillen einen gnädigen Gott haben)

39. Du sollst auch den engen Rock machen von weißer Seide und einen Hut von weißer Seide machen und einen gestickten Gürtel {2Mos 39v27}.

Engen Rock: Dies ist ein ungenähter Rock gewesen und von oben an durchaus gestickt oder gewirkt, wie des Herrn Rock, darüber die Kriegsknechte das Los geworfen haben {Joh 19}. Und wurde das innerste Kleid schneeweiß, so den ganzen Leib überall umher bedeckte. (Dies Kleid hat die Unschuld unseres Hohepriesters Christi in seiner Menschheit bedeutet, welcher nie eine Sünde getan hat und in dessen Munde nie ein Betrug gefunden wurde {1Petr 2}.)

Hut: Ist eine besondere Gattung von Hütte gewesen, welche die Fürsten und Könige vorzeiten gebrauchten. An welchem Hut an der Stirn das goldene Stirnblatt geheftet war. (Denn unser Hohepriester Christus ist auch ein König, obwohl sein Reich nicht von dieser Welt ist.)

Gürtel: Dieser Gürtel ist künstlich bestickt gewesen und wurden die anderen Kleider damit gegürtet und eingefasst, dass sie nicht voneinander gingen. (Es gebrauchten aber die orientalischen Völker Gürtel, damit sie zu allen Sachen desto fertiger und geschickter wären und von den langen Kleidern, die sie trugen, wenn dieselben sich ausbreiteten und voneinandergingen nicht gehindert würden. Darum ist unser Hohepriester und König Christus immer gegürtet, damit er sein Amt, in dem er als ein Priester für uns bittet und als ein König uns regiert und verteidigt, ungehindert verrichten könne.)

40. Und den Söhnen Aarons sollst du Röcke, Gürtel und Hauben machen, die herrlich und schön sind.

Söhnen: Welche etwas geringeren Standes und unter dem Hohepriester das Kirchenamt gepflegt haben.

Röcke: Dass diese Röcke von weiser Seide waren, wird im 39. Kapitel ausdrücklich gemeldet. Obwohl es schier das Ansehen hat, als habe Mose die weiße Seide und das zarteste leinene Tuch ohne Unterschied gebraucht, weil vielleicht damals der Unterschied gar schlecht gewesen war.

Gürtel: Damit sie ihre lange Röcke umgürtet und zusammengefasst haben.

Hauben: Welche eine andere Gestalt gehabt, als der zuvor beschriebene Hut des Hohepriesters, daran das Stirnblatt gewesen und niemand trage durften als der Hohepriester alleine.

Schön: Dass sie mit denselben angetan und geziert das Priesteramt zierlich war. (Denn obwohl man heutzutage in der Kirche solcher Kleider nicht bedarf, so soll doch alles ehrlich darin zugehen.)

41. Und sollst sie deinem Bruder Aaron samt seinen Söhnen anziehen und soll sie salben und ihre Hände füllen und sie weihen, dass sie meine Priester sind.

Salben: Nämlich, mit dem heiligen Öl, von welcher Salbung wie auch von dem Öl, wie es soll zugerichtet werden, später an seinem Ort folgen wird.

Füllen: Das ist: Wenn sie gesalbt sind, so soll man ihnen die Opfer in die Hand geben, welche sie dem Herrn opfern sollen. Denn das heißt, der Priester Hände füllen, damit sie dem Herrn zu Priester geweiht werden.

Nach Luther: Dies füllen ist eine hebräische Sprache, an die man sich gewöhnen muss. Und war das, wie im folgenden Kapitel steht, dass in der Weihe den Priestern die Hände mit Opfern gefüllt wurden für den Herrn.

Weihen: Von welcher Weihe das folgende Kapitel uns berichten wird.

42. Und sollst ihnen leinene Niederkleider machen, zu bedecken das Fleisch der Scham, von den Lenden bis an die Hüften.

Ihnen: Nämlich, Aaron und seinen Söhnen.

Niederkleider: (Die leinenen Niederkleider, deren sowohl Aaron als seine Söhne bei Strafe des Todes sich gebrauchen müssen, die Glieder der Scham damit zu bedecken, erinnern uns nicht allein, dass wir der Zucht und Ehrbarkeit uns bemühen sollen, sondern geben auch zu verstehen, dass Gott auch für dergleichen Glieder der Kirchen, das ist, für dieselben Christen Sorge trage, welche vor der Welt in großer Verachtung sind, und will, dass wir sie nicht aus der acht lassen sollen {1Kor 12}. Die übrige Kleidung der Söhne Aarons, dass der Unterpriester, so von des Aarons Kleidung weit unterscheiden war, lehrt, dass zwar alle Christen vor Gott Priester sind, als die ihre Gebet und Danksagungen ja auch ihre Leiber {Röm 2} und von ihren Gütern zu Unterhaltung der Armen Gott zu ihren Gaben aufopfern sollen, aber doch sei ein großer und mächtiger Unterschied zwischen ihnen und dem Sohn Gottes als dem rechten Hohepriester. Denn der ist von Natur ein ewiger Gott und der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen, der sich selbst für die Sünde der ganzen Welt aufgeopfert hat. Deren findet sich bei den Christen keines. Die weißen engen Röcke der Priester bedeuten, dass alle Christen in der Taufe Christus angezogen haben, mit dessen Heiligkeit alle ihre Schwachheiten und Sünde zugedeckt werden {Gal 3}. Die Gürtel erinnern uns, dass ein jeder zur Verrichtung seines Amtes und Berufes soll gegürtet, das ist, gerüstet und fertig sei. Die Haube auf dem Kopf verheißt denen, die in ihrem Beruf wandeln göttlichen Schutz und Hut.)

43. Und Aaron und seine Söhne sollen sie anhaben, wenn sie in die Hütte des Stifts gehen oder hinzutreten zum Altar, dass sie dienen in dem Heiligtum, dass sie nicht ihre Missetat tragen und sterben müssen. Das soll ihm und seinem Samen nach ihm eine ewige Weise sein.

Dienen: Mit Verrichtung der Opfer.

Ewige Weise: Nämlich solange das levitische Priestertum dauern wird.


Das 29. Kapitel


Aaron und seiner Söhne Weihe zum Priesteramt wird beschrieben v. 1. II. Desgleichen die Weihe des Brandopfers Altars v. 9. III. Und wird befohlen, dass man auf denselben Altar täglich morgens und abends ein Lamm, so ein Vorbild Christi war, opfern soll v. 38.

1. Das ist es auch, dass du ihnen tun sollst, dass sie mir zu Priestern geweiht werden: Nimm einen jungen Farren und zwei Widder ohne Wandel {3Mos 8v2}.

Ist es: Folgen jetzt die öffentlichen und mit einem besonderen Gepränge gehaltene Zeremonien, damit Gott den Aaron und seine Söhne zu Priester weihen hieß. Und hat das zum Teil darum zu tun befohlen, auf dass die Priester, durch diese Zeremonien ihres Berufes vergewissert, mit desto mehr Standhaftigkeit und stärkerem Glauben überwinden, was ihnen in ihrem Beruf Widerwärtiges zu Händen stieße: Zum Teil, dass der gemeine Mann desto mehr auf sie hielte, als welche Diener Gottes von Gott berufen und erwählt wären, und das Kirchenamt nicht verachteten. (Heutzutage ist es zwar im Neuen Testament nicht nötig, dass man in Einweihung der Kirchendiener solche levitischen Zeremonien gebrauche, welche durch die Zukunft Christi abgetan wurden: Aber doch ist es nützlich und gut, dass die ordentliche Berufung der Kirchendiener mit öffentlicher Auflegung der Hände und der Kirchen Gebet bestätigt werde. Denn solche Zeremonien haben auch die Apostel in der ersten Kirchen gebraucht, sooft sie neue Kirchendiener erwählten, und können dergleichen Zeremonien noch heutigentags der Kirchendiener Gewissen stärken, dass sie die Beschwernisse so sie ihnen in ihrem Beruf vorgekommen, mit unerschrockenem Gemüt überwinden, und denken, sie sind von Gott zu solcher Verrichtung gefordert und von der Kirchen angenommen, und erinnern die Zeremonien das Volk, dass es diese vorgesetzten Kirchendiener hören und nicht verachten soll, weil sie das Amt in der Kirche zu lehren und sie zu regieren nicht aus eigener Willkür sich unterfangen, sondern von Gott und allgemeiner Zustimmung der christlichen Kirchen ihnen solches auferlegt und befohlen wurde.)

Ihnen: Nämlich Aaron und seinen Söhnen.

Ohne Wandel: Daran kein Fehler ist.

2. ungesäuert Brot und ungesäuerte Kuchen, mit Öl gemengt, und ungesäuerte Fladen, mit Öl gesalbt. Von Weizenmehl sollst du solches alles machen;

Alles: Nämlich das ungesäuerte Brot, Kuchen und Fladen.

3. und sollst es in einen Korb legen und in dem Korb herzubringen samt dem Farren und den zwei Widdern.

Herzubringen: Dass man sie habe, wenn man ihrer bedarf.

4. Und sollst Aaron und seine Söhne vor die Tür der Hütte des Stifts führen und mit Wasser waschen;

Waschen: Denn sie müssen sich zuvor waschen ehe sie die heiligen Kleider anziehen und dem Priesteramt abwarten. (Diese Abwaschung hat die Taufe bedeutet. Denn obwohl Christus für seine Person nicht bedurfte, dass man ihn hätte taufen müssen, so hat er doch solche Sakramente mit seiner Taufe wollen heiligen und einweihen, ehe denn er sein Amt, das Evangelium öffentlich zu predigen und unsere Sünden mit seinem Tode zu versöhnen angefangen hat. Es werden aber Aarons Söhne auch gewaschen, weil alle Christen, das ist, geistliche Priester vor Gott werden wollen, müssen zuvor mit der Taufe Christi gereinigt und geheiligt sein. Viel weniger aber soll man einen zum Kirchenamt aufnehmen, der noch nicht getauft ist.)

5. und die Kleider nehmen und Aaron anziehen den engen Rock und den Seidenrock und den Leibrock und das Schildlein zu dem Leibrock; und sollst ihn gürten außen auf den Leibrock

Kleider: Nämlich die heilige Kleider, wie sie im vorigen Kapitel beschrieben wurden.

6. und den Hut auf sein Haupt setzen und die heilige Krone an den Hut.

Krone: Das ist: Der halbe goldene Zirkel, so im vorigen Kapitel das Stirnblatt genannt wird, weil es vorn am Hut auf der Stirn stand.

7. Und sollst nehmen das Salböl und auf sein Haupt schütten und ihn salben.

Salböl: Von dessen Zurichtung im folgenden Kapitel gemeldet wird. (Gleich, wie aber das heilige Öl nicht gegossen wurde, denn nur allein über das Haupt des Hohepriesters. Obwohl die anderen Priester mit demselben Öl ein wenig auf die Kleider besprengt wurden ,wie wir an seinem Ort hören werden: Also hat Christus allein den Heiligen Geist in seiner Menschheit empfangen, ohne Maß, über den er auch in Gestalt einer Tauben herabgefahren war {Mt 3}. Also, dass wie viel ihrer desselben Geistes, ein jeder nach seinem Maß, begehren, teilhaftig zu werden, die müssen denselben von Christo oder aus seiner Völle empfangen {Joh 2}.) Denn er ist mit dem Freudenöle, das ist, mit dem Heiligen Geiste gesalbt worden über alle seine Gesellen oder Mitgenossen {Ps 45}.)

8. Und seine Söhne sollst du auch herzu führen und den engen Rock ihnen anziehen;

9. und beide Aaron und auch sie mit Gürteln gürten und ihnen die Hauben aufbinden, dass sie das Priestertum haben zu ewiger Weise. Und sollst Aaron und seinen Söhnen die Hände füllen

Weise: Nämlich solange das levitische Priestertum währt, soll das Amt bei des Aarons Nachkommen bleiben.

Füllen: Das ist: Heiligen, damit dass du ihnen die Opfer in die Hand gibst, welche sie opfern sollen.

10. und den Farren herzuführen vor die Hütte des Stifts; und Aaron samt seinen Söhnen sollen ihre Hände auf des Farren Haupt legen.

Legen: Das sie mit solcher Zeremonie bezeugen, wie sie diesen jungen Farren, dazu verordnet haben, dass er ein Opfer werden soll für ihre Sünde.

11. Und sollst den Farren schlachten vor dem Herrn, vor der Tür der Hütte des Stifts.

Vor der Tür: Das ist: Im Hof der Hütte, denn in der Hütte offenbarte Gott seine Gegenwärtigkeit.

12. Und sollst seines Blutes nehmen und auf des Altars Hörner tun mit deinem Finger und alles andere Blut an des Altars Boden schütten.

Hörner: Nämlich auf den vier Ecken des Altars. (Den die Guttat des Todes Christi soll durch die Predigt des Evangeliums unter die Heiden ausgebreitet werden in alle vier Örter der Welt.)

Boden: (Damit bedeutet wurde, dass das Blut Christi von etlichen mit Füssen getreten werde {Hebr 1}.) Denn solche genießen der Guttat des Todes Christi von wegen ihres gottlosen Lebens nicht gleich, wie auch alle diejenigen, so sie nicht wahrhaftig an Christus glauben, darum sie auch nicht selig werden.

13. Und sollst alles Fett nehmen am Eingeweide und das Netz über der Leber und die zwei Nieren mit dem Fett, das darüber liegt, und sollst es auf dem Altar anzünden.

Nieren: (Durch die Leber und Nieren wird verstanden die Wollust und Begierde. Und hat zwar der Hohepriester Christus seinem himmlischen Vater die Nieren und das Netz über der Leber aufgeopfert, das ist, seine höchste Lust und Begierde auf dieser Erde ist gewesen, dass er den Willen seines Vaters tat, dem er sich ganz und gar zum Gehorsam aufgeopfert hat {Ps 39}. Aber die anderen Priester soeben dasselbe geopfert lehren, dass alle Christen und besonders die Kirchendiener sollen die fleischlichen Wollüste und ungebührliche Begierden, so sie von Gott verboten sind, dämpfen und töten.)

Anzünden: Gott zum angenehmen Opfer.

14. Aber des Farren Fleisch, Fell und Mist sollst du außen vor dem Lager mit Feuer verbrennen, denn es ist ein Sündopfer.

Sündopfer: Das für die Sünde aufgeopfert wurde. (Denn Christus hat am Kreuz gelitten für unsere Sünden außerhalb der Stadt Jerusalem, wie der Apostel zu Hebräer im 13. Kapitel erklärt.)

15. Aber den einen Widder sollst du nehmen, und Aaron samt seinen Söhnen sollen ihre Hände auf sein Haupt legen.

Aber: Folgt jetzt das anderer Opfer, welches man in Einweihung der Priester opfern musste. Denn der Heilige Geist hat das einige Opfer Christi durch mancherlei Opfer abmalen und abbilden wollen.

16. Dann sollst du ihn schlachten und seines Blutes nehmen und auf den Altar sprengen ringsherum.

Rings herum: (Denn die Kraft des Blutes und Todes Christi soll durch die Predigt des Evangeliums in die ganze Welt ausgesprengt und ausgebreitet werden.)

17. Aber den Widder sollst du zerlegen in Stücke und sein Eingeweide waschen und Schenkel; und sollst es auf seine Stücke und Haupt legen

18. und den ganzen Widder anzünden auf dem Altar; denn es ist dem Herrn ein Brandopfer, ein süßer Geruch, ein Feuer des Herrn.

Ein Feuer des Herrn: Das ist: Ein Opfer dabei Gott zufriedengestellt und versöhnt wird, weil das Wort Feuer hier so viel heißt als ein Opfer. (Denn Christus, der sich selbst ganz dem Vater aufgeopfert hat, da er in einem hitzigen Feuer der Liebe gegen uns am Kreuz entbrannt mit einem solchen herrlichen Opfer den Vater versöhnt hat, dass er dadurch zufriedengestellt wurde.)

Nach Luther: Das Wort (ein Feuer des Herrn) braucht Mose sehr viel, und wir sollen uns daran gewöhnen, dass es so viel heißt, als ein Opfer des Herrn. Als wenn du von ferne ein Feuer siehst und fragst, was ist das? So spreche man: Es ist Gottes Feuer, das heißt, man opfert darin Gott.

19. Den anderen Widder aber sollst du nehmen und Aaron samt seinen Söhnen sollen ihre Hände auf sein Haupt legen.

Den anderen: Dies ist das dritte Opfer, welches in der Priester Einweihung musste aufgeopfert werden.

20. Und sollst ihn schlachten und seines Blutes nehmen und Aaron und seinen Söhnen auf den rechten Ohrknorpel tun und auf den Daumen ihrer rechten Hand und auf den großen zehn ihres rechten Fußes; und sollst das Blut auf den Altar sprengen ringsherum.

Ohrknorpel: (Denn gleich, wie Christus, da er das Gesetz für uns erfüllt, nicht mit tauben, sondern gehorsamen Ohren die Gebote seines himmlischen Vaters gehört hat, also steht es allen Christen und besonders den Kirchendienern zu, dass sie die Predigten des Evangeliums von dem Leiden und Sterben Christi fleißig und mit dankbarem Herzen lernen: Und dass die Zuhörer mit den rechten Ohren zuhören und ihrer Ohren nicht missbrauchen, dass sie den bösen Begierden den Zaum lassen.)

Fußes: (Denn, gleichwie Christus in allen seinen Werken und in seinem ganzen Wandel heilig und allerdings unsträflich gewesen ist, also sollen wir achthaben, dass wir mit unseren Werken Gutes tun, und recht zu handeln des Glaubens Früchte bringen: Und dass wir recht und gerade einhergehen, und in unserem Beruf wandeln zur Ehre des Sohnes Gottes, der uns mit seinem Blut erlöst hat.)

Ringsherum: (Denn das Gedächtnis des Todes Christi soll in der ganzen Welt ausgebreitet werden.)

21. Und sollst das Blut auf dem Altar nehmen und Salböl und Aaron und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider besprengen, so wird er und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider geweiht.

Aaron: Welcher an diesem Ort, obwohl er der Hohepriester gewesen, mit dem Blut auch hat müssen ausgesöhnt und gereinigt werden. (Damit anzuzeigen, dass auch die levitischen Hohepriester nicht so vollkommen gewesen sind, dass sie keiner Reinigung bedurft hätten. Darum hat man einen anderen Hohepriester, Christus, haben müssen, durch dessen Blut sie auch gereinigt wurden. Die anderen Priester aber wurden auch mit dem Blut besprengt und mit dem Salböle gesalbt (aber nicht so viel als der Hohepriester, dem das Öl aufs Haupt gegossen wurde, wie zuvor gehört wurde), damit angezeigt ist, dass alle Christen durch den Glauben mit der Predigt des Evangeliums müssen besprengt und mit dem Blut Christi gereinigt werden und dass ihnen die Erstlinge des Heiligen Geistes gegeben werden, damit sie die Wiedergeburt, so durch die Taufe in ihnen angefangen täglich vollkommener zu machen sich bemühen.)

22. Danach sollst du nehmen das Fett von dem Widder, den Schwanz und das Fett am Eingeweide, das Netz über der Leber und die zwei Nieren mit dem Fett darüber und die rechte Schulter (denn es ist ein Widder der Fülle)Nehmen: Ihre Weihe oder Heiligung zu Ende zu bringen.

Fülle: Das ist: weil mit dem Opfer dieses Widders die Priester geweiht wurden. Denn in anderen Opfern so außerhalb der Priester Weihe geschahen, wurde die rechte Schulter nicht angezündet und verbrannt, sondern fiel dem Priester heim.

23. und ein Brot und einen Ölkuchen und einen Fladen aus dem Korb des ungesäuerten Brot, der vor dem Herrn steht.

Brot: Nämlich, das ungesäuert sei.

Vor dem Herrn: Das ist: In der Hütte des Stiftes, da Gott verheißen hatte, gegenwärtig zu sein.

24. Und lege es alles auf die Hände Aarons und seiner Söhne und webe es dem Herrn.

lege es: Nämlich, ehe es angezündet wurde.

Webe: Das ist: Die Priester sollen es mit den Händen gegen die vier Örter der Welt hin und wieder bewegen. (Diese Zeremonie auch die Ausbreitung des Evangeliums in die ganze Welt bedeutet hat.)

25. Danach nimm es von ihren Händen und zünde es an auf dem Altar zum Brandopfer, zum süßen Geruch vor dem Herrn; denn das ist ein Feuer des Herrn.

Zum Brandopfer: Nämlich, zum vorigen Brandopfer des ersten Widders, dass dies gleichsam eine Zugabe dasselbe sei.

Feuer: Das ist: An solchem Opfer hat Gott ein Wohlgefallen. (Und geschah also abermal ein Sühneopfer für die Priester, um damit anzuzeigen, dass auch die Leviten Christi eines Versühners bedürfen.)

26. Und sollst die Brust nehmen vom Widder der Fülle Aarons und sollst es vor dem Herrn weben. Das soll dein Teil sein.

Und sollst: Bis daher ist der erste Teil des Opfers beschrieben worden, so man dem Herrn aufopfern müsse: Die anderen beiden Teil gehörten, der eine dem Priester, der da diente und das Opfer verrichtete: Der übrige dem, der das Vieh zu opfern gebracht hatte.

Dein Teil: Das ist: Das Bruststück, welches sonst dem Aaron als dem Priester gebührte, sollst du in die Hände nehmen und erstlich vor dem Herrn zeigen, danach für dich zur Speise behalten, denn du, Mose, bist jetzt etlichermaßen, anstatt eines Priesters. (Und hat Gott gewollt, dass die Priester von den Opfern ihre Nahrung hätten. Gleich, wie er auch will, dass welche das Evangelium lehren sich vom Evangelium ernähren sollen {1Kor 9}.)

27. Und sollst also heiligen die Webebrust und die Hebeschulter, die gewebt und gehoben sind von dem Widder der Fülle Aarons und seiner Söhne.

Heiligen: Das ist: Du sollst absondern und zu diesem Mal für dich behalten, die Brust, welche vor dem Herrn hin und wieder gezeigt ist, und die Schulter, so in die Höhe über sich gehoben wurde, welcher Teil sonst dem Aaron und seinen Söhnen zugehören sollen. Denn etliche Stücke der Opfer wurden in die Höhe über sich gehalten, um ihre Dankbarkeit damit zu zeigen, als dass sie Gott wieder geben, was sie bekannten, dass sie es von ihm empfangen hätten: Solche Opfer wurde eine Hebe genannt, gleich, wie wiederum die Webe hin und wieder zu allen Seiten bewegt wurde. Darum, weil Mose an diesem Ort das Amt eines Priesters verrichtete, bei der Einweihung seines Bruders und dessen Söhne, so hat Gott befohlen, dass Mose die Brust samt der linken Schulter des Widders für sich behielte.

28. Und sollst Aarons und seiner Söhne sein ewiges Anrecht an den Kindern Israel; denn es ist ein Hebeopfer. Und die Hebeopfer sollen des Herrn sein von den Kindern Israel an ihren Dankopfern und Hebopfern.

Und sollst: Jetzt verordnet unsere Herr Gott in den folgenden Worten, wie es weiter soll gehalten werden, wenn die Israeliten dergleichen Opfer brächten.

Söhne sind: Das ist: Künftig soll die rechte Schulter, so bei diesem Opfer verbrannt wurden, und die Brust des Widders den Priestern gegeben werden, so oft die Kinder Israel dergleichen Opfer tun, das nicht vom Feuer verzehrt wird.

Hebeopfer: Das ist: Die rechte Schulter, welche über sie gehoben wird, in dem das Opfer, so es nicht allein zur Versöhnung der Sünde, sondern auch zur Dankbarkeit geopfert wird, soll künftig der Priester sein, dass sie daher ihre Nahrung haben und dem Herrn dienen können {3Mos 7}.

29. Aber die heiligen Kleider Aarons sollen seine Söhne haben nach ihm, dass sie darin gesalbt und ihre Hände gefüllt werden.

Aber: Jetzt tut Gott wiederum mit wenig Worten Anregung der heiligen Priester Kleider.

Kleider: Welche Aaron gebrauchen und anziehen soll bei der Verrichtung der Opfer.

Gefüllt: Das ist: Derselbe so dem Aaron in seinem Hohepriesteramt nachfolgen wird, soll in solchen Kleidern geweiht werden.

30. Welcher unter seinen Söhnen an seiner statt Priester wird, der soll sie sieben Tage anziehen, dass er gehe in die Hütte des Stifts, zu dienen im Heiligen.

Zu dienen: Anstatt Aarons seines Vaters.

31. Du sollst aber nehmen den Widder der Füllung und sein Fleisch an einem heiligen Ort kochen.

Du sollst: Jetzt wendet der Herr seine Rede wiederum zu dem Widder, dessen allererst zuvor gedacht wurde, welche Brust und linke Schulter er dem Mose zu diesem Mahl gegeben hatte: Und lehrt was dem Aaron und seinen Söhnen von demselben Widder gebühre.

Der Füllung: Das ist: damit die Weihe geschehen ist.

Fleisch: So viel dessen noch überbleibt. Denn das Fett samt den Nieren, Schwanz, Leber und der rechten Schulter war alles verbrannt, die linke Schulter und die Brust waren Mose zugeteilt worden, dass übrige sollten Aaron und seine Söhne haben.

Heiligen: Nämlich im Hof der Hütte.

32. Und Aaron mit seinen Söhnen soll desselben Widders Fleisch essen samt dem Brot im Korb vor der Tür der Hütte des Stifts {3Mos 8v31 24v9}.

Brot: Nämlich, so ungesäuert war, davon zu Anfang dieses Kapitel Meldung geschehen.

Vor der Tür: Das ist: im Hof der Hütte.

33. Denn es ist Versöhnung damit geschehen, zu füllen ihre Hände, dass sie geweiht werden. Kein anderer soll es essen, denn es ist heilig.

Versöhnung: Das ist: Weil die Priester durch dasselbe Opfer mit Gott versöhnt geweiht und geheiligt sind zum heiligen Amt, darum soll dasselbe übrige Fleisch des Widders an einem heiligen Ort, nämlich im Hof der Hütte, gekocht und gegessen werden.

Anderer: Der nicht ist von den Söhnen Aarons.

Heilig: Das ist: eine heilige Speise. Es gehörte aber derselbe dritte und übrige Teil des Dankopfers (das nämlich zur Dankbarkeit geopfert und auf diesmal Aaron und seinen Söhnen gegeben wurde) zukünftig und später dem, der das Vieh zum Opfer gebracht hatte, wie im folgenden dritten Buch an seinem Ort gemeldet wird. (Denn es hat Gott gewollt dass auch dem Volk, welches die Dankopfer gebracht hatten, so diese Gott zur Dankbarkeit aufgeopfert wurden, etwas davon zu Nutzen käme. Auf dass wir lernen sollen, was wir Gott von unseren. Gütern mit dankbarem Herzen opfern, dass wir es entweder anwenden zur Erhaltung des Kirchenamtes oder den Armen um Gottes willen Hilfe leisten, das sei keineswegs verloren, sondern gereiche auch zu unserem selbst eigenen Nutzen, weil es Gott reichlich wieder erstattet.

34. Wo aber etwas überbleibt von dem Fleisch der Füllung und von dem Brot bis an den Morgen, das sollst du mit Feuer verbrennen und nicht essen lassen; denn es ist heilig.

Der Füllung: Das ist: Von dem Widder, damit Aaron und seine Söhne geheiligt wurden.

Brot: Desgleichen von den ungesäuerten Kuchen oder Fladen.

35. Und soll also mit Aaron und seinen Söhnen tun alles, was ich dir geboten habe. Sieben Tage sollst du ihre Hände füllen

Geboten: Dass du sie aufs vorgeschriebene Maß einweihst, damit die Priester von ihrem Beruf desto mehr vergewissert werden und das anderer Volk erkenne, dass dieselben zum Gottesdienst verordnet sind.

Sieben Tage: Das ist: Ganze sieben Tage nacheinander soll er Aaron und seinen Söhnen die Opfer in die Hände geben, die sie Gott opfern sollen, zur Bestätigung der Weihe, welche am ersten Tage geschehen ist, da sie mit dem heiligen Öl gesalbt und mit dem Blut besprengt wurden. (Gleich, wie aber vor dem siebten Tag die Weihe nicht vollkommen war: Also sind wir in diesem zeitlichen Leben nicht vollkommen.)

36. und täglich einen Farren zum Sündopfer schlachten zur Versöhnung. Und sollst den Altar entsündigen, wenn du ihn versöhnst, und sollst ihn salben, dass er geweiht werde.

Und täglich: Dies hat zur Versöhnung und Einweihung des Altars gehört.

Versöhnung: Nämlich, des Altars, will so viel sagen: Du sollst den jungen Farren zur Aussöhnung des Altars ebenermaßen opfern, wie die Opfer geopfert werden, welche man zu der Menschen Sünde zu opfern pflegt.

Entsündigen: Das ist: Reinigen von seiner Unreinigkeit mit dem Opfer.

Nach Luther: Das ist: Absolvieren und lossprechen, wie in Psalm 51. v. 9, entsündige und absolviere mich mit Ysopen.

Versühnst: Zu seiner Einweihung.

Salben: Mit dem heiligen Öl.

Geweiht: Und zugerichtet oder geheiligt werde, dass man darauf opfern könne.

37. Sieben Tage sollst du den Altar versöhnen und ihn weihen, dass er sei ein Altar, das Allerheiligste. Wer den Altar anrühren will, der soll geweiht sein.

Weihen: Dergestalt, dass du alle Tage einen jungen Farren opferst.

Anrühren: Das ist: Es soll keiner zum Altar sich nahen, dass er opfere, er sei denn, zuvor mit gewöhnlichen Zeremonien angemessen gereinigt und geheiligt, und wurde dieser Altar durch den Willen Gottes also heiliggehalten, dass niemand aus eigenem Gutdünken durfte auf einem anderen Altar opfern, sofern er nicht eine gräuliche Kirchenräuberei begehen wollte. Denn der Rauchaltar (von dem an seinem Ort) hatte einen anderen besonderen Nutzen. (Es wird aber dieser Altar mit so viel Mühe geweiht, dass darauf allein die Opfer geschehen, uns zu erinnern, dass wir keinen anderen Gottesdienst anrichten sollen, denn welchen Gott selbst eingesetzt und befohlen hat. Und die Aussöhnung des Altars, darauf der Gottesdienst verrichtet wurde, lehrt uns, dass auch unsere guten Werke, welche ein Opfer vor Gott und unser Gottesdienst sind, nicht ohne Sünde geschehen, darum sie der Vergebung und Aussöhnung durch das Blut Christi bedürfen.)

38. Und das sollst du mit dem Altar tun. Zweijährige Lämmer sollst du allewege des Tages darauf opfern {4Mos 28v3}.

Und das: Folgt weiter, was der tägliche Brauch desselben Altars sei.

Immer: Durch das ganze Jahr.

39. ein Lamm des Morgens, das andere zwischen Abends.

40. Und zu einem Lamm ein Zehnten Semmelmehls, gemengt mit einem Vierteil von einem Hin gestoßenen Öls und einem Vierteil vom Hin Weins zum Trankopfer.

Zehnten: Nämlich den Zehnten Teil vom Epha, welches so viel gewesen, als ein Mensch in einem Tage essen möge. Wird sonst ein Gomor genannt.

Hin: Der vierte Teil eines Hin mag gleiches oder etwas weniger als ein halb Maß gehalten haben.

Nach Luther: Ist eine halbe Metze.

41. Mit dem anderen Lamm zwischen Abends sollst du tun wie mit dem Speiseopfer und Trankopfer des Morgens, zu süßem Geruch, ein Feuer dem Herrn.

Anderen Lamm: Das ist: Du sollst beide Lämmer zum Brandopfer aufopfern und mit Feuer verbrennen, wie bei den Brandopfern gebräuchlich war. Denn also wird solches Opfer später in 4. Mose 18 beschrieben.

Süßen: Dass es vor Gott angenehm sei.

42. Das ist das tägliche Brandopfer bei euren Nachkommen vor der Tür der Hütte des Stifts, vor dem Herrn, da ich euch zeugen und mit dir reden will.

Nachkommen: Das ist: Welches auch eure Nachkommen opfern sollen.

Tür: Das ist: im Hof der Hütte.

Zeugen: Das ist: Ich will meinen Willen dort durch mein Wort verkündigen lassen. (Es ist aber dies Opfer von zweierlei Art der Opfer vermengt gewesen. Denn das Opfer des Lammes war ein Brandopfer und bedeutete Christus, welcher das Lamm Gottes ist, und ist getötet vom Anfang der Welt her, das heißt, die Kraft seines Leidens, erstreckt sich bis zum Anfang Mitte und Ende der Welt: Darum wird auch zu abends das anderer Lamm geopfert, das Speiseopfer des Semmelmehls mit Öl bestrichen und das Trankopfer des Weins, ist das anderer Opfer und bedeutet, dass Christus für uns geopfert sei, unsere Speise und Trank, und da wir sein mit Glauben genießen, haben wir das ewige Leben. Obwohl nun auf diese täglichen Opfer viel Unkosten ging, so ist dennoch die Nutzbarkeit derselben Opfer viel größer gewesen, als dass man einige Unkosten daran hätte sparen sollen. Denn das israelitische Volk wurde dadurch vergewissert, dass es einen gnädigen Gott gegenwärtig und bei sich hätte, wie die folgende Verheißung in diesem Kapitel bezeugt, und predigten diese Opfer von dem damals zukünftigen Messias, der die Sünde der ganzen Welt büßen und für uns genugtun uns das ewige Leben schenken würde, allen die an ihn glauben. Dies sind die allergrößten Wohltaten gewesen, mit denen keine Güter noch Reichtum dieser Welt zu vergleichen sind. Im Neuen Testament aber wird alsdann das tägliche Opfer geopfert, wenn die Wohltat des Todes Christi durch die Predigt des Evangeliums den Leuten täglich vorgehalten und wohl eingebildet wird.)

43. dort will ich den Kindern Israel begegnen und geheiligt werden in meiner Herrlichkeit.

Herrlichkeit: Das ist: Durch Offenbarung meiner Gegenwart und Herrlichkeit will ich die Hütte wahrhaftig heiligen. Und hat Gott diese Verheißung mit einer herrlichen Erscheinung erfüllt in Einweihung der Hütte, da sie allerdings fertig war {2Mos 40}.

44. Und will die Hütte des Stifts mit dem Altar heiligen und Aaron und seine Söhne mir zu Priestern weihen.

45. Und will unter den Kindern Israel wohnen und ihr Gott sein,

Wohnen: Weil die Israeliten die Hütte haben und nach dem ihnen vorgeschriebenen Worte Gottes mich ehren sollen sie wissen, dass sie mich gegenwärtig bei sich haben.

Ihr Gott: Von dem sie allerlei zeitliche und geistliche Güter empfangen und gewärtig sein sollen.

46. dass sie wissen sollen, ich sei der Herr, ihr Gott, der sie aus Ägyptenland führte, dass ich unter ihnen wohne, ich, der Herr, ihr Gott.

Führte: Nicht, dass ich sie verderbe in der Wüste, sondern sie erhalte schütze und endlich selig mache.

Der Herr: Der ich kann und will halten und tun, was ich ihnen verheißen habe.


Das 30. Kapitel


I. Der Rauchaltar wird beschrieben, wie er zugerichtet werden soll v. 1. II. Und wird den Kindern Israel eine Schatzung oder Steuer auferlegt zum Gebäude der Hütte v. 11. III. Danach wird befohlen, das Handfass zu machen, darin sich die Priester waschen sollen, wenn sie das heilige Amt verrichten wollen v. 17. IV. Auch wird beschrieben, wie man das heilige Öl machen und zubereiten soll, damit der Priester und die heiligen Gefäße mussten gesalbt werden v. 22. V. Endlich wird auch angezeigt, wie man das heilige Räucherwerk zurüsten soll, damit täglich zu räuchern v. 34.

1. Du sollst auch einen Räucheraltar machen zu räuchern, von Föhrenholz,

Rauchaltar: (Nach Luther) Dieser Altar ist außen vor dem Vorhang im Heiligen und nicht hinter dem Vorhang im Allerheiligsten gestanden.

2. Eine Elle lange und breit, gleich viereckig, und zwei Ellen hoch mit seinen Hörnern.

Hörnern: Nämlich auf den vier Ecken.

3. Und sollst ihn mit feinem Gold überziehen, sein Dach und seine Wände rings umher und seine Hörner. Und sollst einen Kranz von Gold umher machen

Dach: Ist darum das Oberteil dieses Altars auch von Holz gemacht worden, wie die Seiten oder Wände, aber doch mit Gold überzogen. Und ist wohl zu vermuten, wie auch die Israeliten selbst es davor hielten, dass die glühenden Kohlen in einem Rauchfass auf den Altar sind gesetzt worden, darauf man das Räucherwerk geworfen hat.

Kranz: Zur Zierde und Wohlstand.

4. und zwei goldene Ringe unter dem Kranz zu beiden Seiten, dass man Stangen hinein tue und ihn damit trage.

Trage: Wenn es vonnöten ist, da man fortreist.

5. Die Stangen sollst du auch von Föhrenholz machen und mit Gold überziehen.

6. Und sollst ihn setzen vor den Vorhang, der vor der Lade des Zeugnisses hängt, und vor dem Gnadenstuhl, der auf dem Zeugnis ist, von dort ich dir werde zeugen.

Vorhang: Also, dass dieser Altar gestanden ist in dem Heiligen vor dem Vorhang, damit das Allerheiligste beschlossen wurde.

Zeugnis: Das war das Gesetz in steinernen Tafeln gegraben, welche waren ein Zeugnis des göttlichen Willens und wurden in der Bundeslade aufbehalten und mit dem Gnadenstuhl bedeckt.

Zeugen: Das ist: Mit dir reden, sooft es vonnöten sein wird.

7. Und Aaron soll darauf räuchern gut Räucherwerk alle Morgen, wenn er die Lampen zurichtet.

8. Desselbigengleichen, wenn er die Lampen anzündet zwischen Abends, soll er solches Geräuch auch räuchern. Das soll das tägliche Geräuch sein vor dem Herrn bei euren Nachkommen.

Nachkommen: Das ist: Dieser Brauch, täglich zu räuchern, soll bleiben, solange das levitische Priestertum anhalten wird.

9. Ihr sollt kein fremdes Räucherwerk darauf tun, auch kein Brandopfer noch Speiseopfer und kein Trankopfer darauf opfern.

Fremdes: Sondern nur alleine, welches so später zum Ende dieses Kapitel beschrieben wird.

Kein Brandopfer: Denn er nur zu zweierlei Verrichtungen dienen soll. Erstlich, dass alle Tage zweimal darauf geräuchert werde. Danach, dass aufs Fest der Versöhnung einmal im Jahr die Hörner dieses Altars mit Blut besprengt werden.

10. Und Aaron soll auf seinen Hörnern versöhnen einmal im Jahr mit dem Blut des Sündopfers zur Versöhnung. Solche Versöhnung soll jährlich einmal geschehen bei euren Nachkommen; denn das ist dem Herrn das Allerheiligste {Hebr 9v7 10v9 v14}.

Versöhnen: Nämlich das israelitische Volk mit Gott, indem, dass er das Blut des Opfers über die Hörner dieses Altars sprenge, damit Gott dem Volk gnädig sei und ihnen ihre Sünden verzeihe. (Es ist aber derselbe übergoldete Altar und dasselbe Räucherwerk ein Vorbild Christi, als Gott und Mensch. Das Räucherwerk, so man es darauf räuchern soll, ist unser Gebet, welches auf Christus soll gegründet sein, wenn wir ihn mit dem Glauben ergriffen haben: Und sollen wir dasselbe immer tun, welches durch das Morgens- und Abends-Räucherwerk ist zu verstehen gegeben worden. Es soll aber nichts anderes angebetet werden, denn was uns der Heilige Geist im Wort Gottes vorgeschrieben hat, das ist, wir sollen nicht etwas bitten, das nicht im Vater unser eingeschlossen wäre, welches alles in sich begreift, was uns zur Leibes Notdurft und der Seelen Seligkeit vonnöten ist. Denn das hieße, ein fremdes Räucherwerk räuchern. Es könnten solche unsere Gebet nichts, was auch immer geschehe, wo nicht Christus einmal mit seinem eigenen Blut wäre in das Heilige eingegangen und hätte uns mit Gott dem Vater versöhnt, welche Versöhnung durch die Predigt des Evangeliums an die vier Orte der Welt soll ausgesprengt werden. Denn das bedeutet das Blut, so es auf die vier Hörner des Altars gesprengt wurde.)

Allerheiligste: Das ist: Dies ist die allerheiligste Zeremonie, damit das Volk einmal im Jahr bei dem Rauchaltar öffentlich mit Gott versöhnt wird.

11. Und der Herr redete mit Mose und sprach:

12. Wenn du die Häupter der Kinder Israel zählst, so soll ein jeglicher dem Herrn geben die Versöhnung seiner Seele, auf dass ihnen nicht eine Plage widerfahre, wenn sie gezählt werden.

Geben: Denn mit dieser Gabe, die sie dem Herrn opferten, bekannten diejenigen, welche ihr männliches Alter erreicht hatten, dass sie den Herrn für ihren Gott erkannten, dem sie zur Dankbarkeit etwas geben zur Erhaltung des Gottesdienstes: Mit solcher Gabe wurde gesagt, dass sie ihre Seelen vom Tode erretteten, dass sie nicht stürben. Denn da jemand solche Steuer, die zu Unterhaltung des Kirchenamts geordnet war, aus Verachtung unterlassen, der wäre richtig um seiner Undankbarkeit willen mit dem Tode gestraft worden.

13. Es soll aber ein, jeglicher, der mit in der Zahl ist, einen wegen Sekel geben, nach dem Sekel des Heiligtums (ein Sekel gilt zwanzig Gera). Solcher halber Sekel soll das Hebeopfer des Herrn sein {3Mos 27v25 4Mos 3v47 Hes 45v12}.

Gera: Ein Gera gilt vier Württembergische Pfennig und noch ein Achtel eines Pfennigs, ungefähr einen Meißnischen Groschen, welche Summa zwanzigmal zusammengekommen mit dem Wert des Heiligtum Sekel zählt.

Nach Luther: Gera gilt bei uns drei Löwenpfennige oder ein Drei-Gröschlein.

Hebeopfer: Wurde deswegen solcher halber Sekel zuvor vor dem Herrn in die Höhe gehoben, ehe denn man ihn in den Gotteskasten legte. (Denn was wir an Gelde haben, müssen wir bekennen, dass wir es aus Gottes Güte haben und solches mit dankbarem Herzen bezeugen.)

14. Wer in der Zahl ist von zwanzig Jahren und darüber, der soll solche Hebeopfer dem Herrn geben.

Hebeopfer: Des wegen Sekels.

15. Der Reiche soll nicht mehr geben und der Arme nicht weniger als den halben Sekel, den man dem Herrn zur Hebe gibt für die Versöhnung ihrer Seelen.

Nicht mehr: (Denn es sind Reiche und Arme zu gleichen Teilen einer, wie der andere schuldig, dass sie mit ihrem Gehorsam Gott ihre Dankbarkeit erzeigen. Und werden die Armen vor den Augen Gottes ebenso viel geachtet wie die Reichen.)

16. Und du soll solches Geld der Versöhnung nehmen von den Kindern Israel und an den Gottesdienst der Hütte des Stifts legen, dass es sei den Kindern Israel ein Gedächtnis vor dem Herrn, dass er sich über ihre Seelen versöhnen lasse.

Solches: Dieses Geld ist zum Bau der Hütte angewendet worden, wie das folgend 38. Kapitel bezeugt.

Ihre Seele: Das ist: Auf dass mit dieser Steuer sie gleichsam in das Register der himmlischen Bürgerschaft eingeschrieben werden und bezeugen, dass sie Gottes Volk sind und dass sie Gott etlichermaßen sich solcher Sachen erinnern, damit er ihnen von wegen dieser Gutwilligkeit und dieses Gehorsams desto gnädiger bleibe. (Denn sonst ist zwar unser Lösegeld weder Gold noch Silber {1Petr 1}.Aber doch gefällt Gott unser Gehorsam wohl, der aus Glauben kommt.)

17. Und der Herr redete mit Mose und sprach:

18. Du sollst auch ein eisernes Handfass machen mit einem eisernen Fuß, zu waschen; und sollst es setzen zwischen der Hütte des Stifts und dem Altar und Wasser hinein tun {2Mos 38v8 40v30}.

Handfass: Das ist: Ein Wassergeschirr darin des Wassers aufbehalten wurde.

Zu waschen: Nämlich für die Priester.

Zwischen der Hütte: Das ist: im Hof der Hütte.

19. dass Aaron und seine Söhne ihre Hände und Füße daraus waschen,

20. wenn sie in die Hütte des Stifts gehen oder zum Altar, dass sie dienen mit Räuchern, einem Feuer des Herrn,

Hütte: Nämlich im Hof der Hütte.

Altar: Nämlich zum Räucheraltar in das Heilige.

21. auf dass sie nicht sterben. Das soll eine ewige Weise sein ihm und seinem Samen bei ihren Nachkommen.

Ewige Weise: Solange das levitische Priestertum bestehen wird. (Gleich, wie aber kein Priester in das Heilige eingehen dürfte, entweder zum Tisch oder zum Leuchter oder zu räuchern, oder auch in dem Hof zu opfern, er hätte sich denn zuvor mit Wasser gewaschen. Also gebührt keinem Christen, dass er sich zum heiligen Tisch des Herrn nahe oder mit seinem Gebet vor Gott trete, er habe denn zuvor den Unflat der Sünden, damit er durch böse Werke im täglichen Wandel sich besudelt, durch wahre Buße, welche mit der Reue und im Glauben geschieht, abgewaschen und sich gereinigt {Jes 1 1Kor 11}.)

22. Und der Herr redete mit Mose und sprach:

23. Nimm zu dir die besten Spezereien, die edelsten Myrrhen, fünfhundert (Sekel), und Zimt, die Hälfte so viel, zweihundertfünfzig, und Kalmus, auch zweihundertfünfzig,

24. und Kassia, fünfhundert, nach dem Sekel des Heiligtums, und Öl vom Ölbaum ein Hin,

Ein Hin: Zwei Württemberger Maß oder vier Kannen.

25. und mache ein heiliges Salböl nach der Apotheker Kunst.

Salböl: Damit man die Priester und die Gefäße des Heiligtums salbe.

Kunst: Wie die Apotheker zu pflegen machen.

26. Und soll damit salben die Hütte des Stifts und die Lade des Zeugnisses,

Zeugnis: Das ist: Darin das Zeugnis von dem Willen Gottes, nämlich die Tafeln des Gesetzes aufbehalten wurden.

27. den Tisch mit all seinem Geräte, den Leuchter mit seinem Geräte, den Räucheraltar,

28. den Brandopferaltar mit all seinem Geräte und das Handfass mit seinem Fuß.

29. Und sollst sie also weihen, dass sie das Allerheiligste sind; denn wer sie anrühren will, der soll geweiht sein.

Weihen: Dass du sie mit dem Öl salbst.

Geweiht sind: Das ist: Es soll sich keiner unterstehen, die oben aufgeführten Sachen anzurühren, der nicht zuvor die priesterliche Weihe empfangen habe.

30. Aaron und seine Söhne sollst du auch salben und sie mir zu Priestern weihen.

Salben: Mit diesem Öl, wie im vorigen Kapitel genügend Bericht geschehen.

31. Und sollst mit den Kindern Israel reden und sprechen: Dies Öl soll mir eine heilige Salbe sein bei euren Nachkommen.

Heilige: Das ist: Ich will nicht haben noch zugeben, dass es zu anderen gemeinen Sachen angewendet und gebraucht werde.

32. Auf Menschen Leib soll es nicht gegossen werden, soll auch seinesgleichen nicht machen; denn es ist heilig, darum soll es euch heilig sein.

Menschen Leib: Der nicht zum Priesteramt berufen ist.

Seinesgleichen: Das ist: Es soll keiner solche Salbe nachmachen, dass er seinen Leib damit salben wollte. Denn sonst brauchten die Völker in Orient allerlei köstlich Öle oder Salben, damit sie sich salbten.

Heilig sind: Das ist: Weil ich solches zum heiligen und nicht gemeinen Brauch verordnet habe, so will ich, dass man desselben nicht missbrauchen soll.

33. Wer ein solches macht oder einem anderen davon gibt, der soll von seinem Volk ausgerottet werden.

Davon gibt: Das ist: Wer etwas dergleichen für sich selbst machen wird, oder wenn er es gemacht hat, einem anderen etwas davon mitteilt, der kein Priester ist.

Ausgerottet: Das ist: Er soll von Gott gestraft werden und sterben. (Dies Öl bedeutet den Heiligen Geist mit seinen Gaben. Der ist zwar auf Christus nach seiner Menschheit überflüssig und ohne Maß ausgegossen worden {Joh 3}.) Aber doch wird auch ein jeder Christ, der zu der Kirche Gottes gehört mit dem Heiligen Geist nach seinem Maß begabt geheiligt und wiedergeboren und mit notwendigen Gaben geziert, so viel er zu seinem Beruf bedarf. Und wird keinem Fremden, der nicht zu dem geistlichen Leib Christi gehört, der Heiligen Geist gegeben, so viel die Gabe der Heiligung oder der Wiedergeburt betrifft.

34. Und der Herr sprach zu Mose: Nimm zu dir Spezerei, Balsam, Stakte, Galban und reinen Weihrauch, eines so viel als des anderen,

35. und mache Räucherwerk daraus, nach Apothekerkunst gemengt, dass es rein und heilig sei.

Apothekerkunst: Das ist: Es soll ein erfahrener Meister aus gemeldeten wohlriechenden Sachen ein solches Pulver zurichten.

Heilig: Zum Gottesdienst geordnet und ausgesondert.

36. Und soll es zu Pulver stoßen und soll desselben tun vor das Zeugnis in der Hütte des Stifts, von dort ich dir zeugen werde. Das soll euch das Allerheiligste sein.

Stoßen: Das ist: Vom Apotheker stoßen und zurichten lassen.

Vor das: Das ist: Du sollst mit dem Räucherwerk auf den Altar, der mit Gold überzogen räuchern, welcher Altar vor der Lade stehen soll (doch dass der Vorhang dazwischen sei), in welcher das Zeugnis, das ist, die Tafeln des Gesetzes sollen gelegt werden und soll also einen lieblichen Geruch machen in dem Teil der Hütte, darin der Tisch Leuchter und Rauchaltar stehen wird, nämlich vor dem inneren Teil der Hütte, welches das Allerheiligste soll genannt werden.

Zeugen: Das ist: Meinen Willen erklären werde.

Allerheiligste: Darum man es nicht zu anderen Sachen gebrauchen soll.

37. Und desgleichen Räucherwerk sollt ihr euch nicht machen, sondern es soll dir heilig sein dem Herrn.

Dem Herrn: Und allein zum heiligen Brauch in der Hütte angewendet werden. (Das Räucherwerk bedeutet der Frommen Gebet, wie zuvor auch gemeldet. Gleich, wie nun solches Räucherwerk allein Gott, dem Vater, Sohn und Heiligem Geist geräuchert wurde. Also soll man niemand als den einigen ewigen und wahren Gott in drei Personen anrufen, von welcher Anrufung Christus nach seiner Menschheit nicht soll ausgeschlossen werden, weil er mit dem Sohn Gottes eine Person ist. Sonst soll man keinen Menschen anbeten, er sei gleich so heilig, als er immer wolle: Denn dergestalt wurde das heilige Räucherwerk des gottseligen Gebets, so es allein Gott gebührt, verunheiligt und entweiht.)

38. Wer ein solches machen wird, dass er damit räuchere, der wird ausgerottet deswillen von seinem Volk.


Das 31. Kapitel


I. Gott bestimmt und unterrichtet mit seinem Geist die beiden vornehmsten Werkmeister und Künstler Bezaleel und Ahaliab als Aufseher und Anweiser zum Bau der Hütte und Zubereitung der heiligen Gefäße. Danach wird die Haltung des Sabbats ernstlich und bei Leibes Strafe den Israeliten abermals auferlegt v. 12. Mose werden von Gott zwei steinerne Tafeln gegeben v. 18.

1. Und der Herr redete mit Mose und sprach:

Redete: In den vorigen Kapiteln hat Gott gezeigt, was für eine Hütte man ihm machen soll und was die Priester für Kleider und Geschirr brauchen sollen, wenn sie das heilige Amt verrichten: Jetzt bestimmt und erneuert er zwei kunstreiche Werkmeister, die das ganze Werk sollen unter Händen haben, andere Arbeiter anrichten und unterweisen und acht darauf haben, dass es alles nach dem ausdrücklichen Befehl Gottes gemacht werde.

2. Siehe, ich habe mit Namen berufen Bezaleel, den Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda {2Mos 35v30}.

3. und habe ihn erfüllt mit dem Geist Gottes, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit allerlei Werke,

Erfüllt: Das ist: Ich hab ihm besondere Gaben des Heiligen Geistes mitgeteilt, die zur Verrichtung solchen Werkes vonnöten sind.

4. künstlich zu arbeiten am Gold, Silber, Erz,

Künstlich: Das ist: Damit er leicht erdenken und sich besinnen könne, wie ein Jedes fein, hübsch, zierlich und aufs Beste könne gemacht werden. (Ist darum die künstliche Arbeit der Handwerksleute eine Gabe des Heiligen Geistes. Darum sie derselben recht und wohl gebrauchen sollen und den Heiligen Geist um Hilfe und Beistand anrufen, auf dass sie angemessen damit umgehen und handeln können.)

5. künstlich Stein zu schneiden und einzusetzen und künstlich zu zimmern am Holz, zu machen allerlei Werke.

6. Und siehe, ich habe ihm zugegeben Ahaliab, den Sohn Ahisamachs, vom Stamm Dan, und habe allerlei Waisen die Weisheit ins Herz gegeben, dass sie machen sollen alles, was ich dir geboten habe:

Zugegeben: Zum Mitgesellen, dass er zugleich mit dem Bezaleel dem ganzen Werke vorstehe. (Denn es soll keiner sich selber bereden, dass er einig und allein tauglich genug sei, viel und hochwichtige Geschäfte zu verrichten: Sondern soll andere Mitgehilfen begehren und gern um sich leiden.)

Waisen: Die fleißige und aufrichtige Männer sind, das ist, welche vorhin von dem Heiligen Geist mit gutem Verstand begabt waren, in denen habe ich solche Gaben gemehrt und gebessert. (Denn es ist Gottes Tun, die Gaben mehren oder mindern.)

Machen: Denn es hätten die beiden, Bezaleel und Ahaliab, ein solch großes Werk allein nicht können zu Ende bringen ohne viele Mitgehilfen.

7. die Hütte des Stifts, die Lade des Zeugnisses, den Gnadenstuhl darauf und alle Geräte der Hütte {2Mos 35v11},

8. den Tisch und sein Gerät, den feinen Leuchter und all sein Gerät, den Räucheraltar,

Feinen: Als der von lauterem Gold gemacht war.

9. den Brandopferaltar mit all seinem Geräte, das Handfass mit seinem Fuße,

10. die Amtskleider und die heiligen Kleider des Priesters Aaron und die Kleider seiner Söhne, priesterlich zu dienen,

Amtskleider: Die Israeliten verstehe hier etliche sonderbare Kleidungen, darin der Leuchter gewickelt und damit der Altar bedeckt wurde, wenn man sie fortreisen und an einen anderen Ort tragen musste.

11. das Salböl und das Räucherwerk von Spezerei zum Heiligtum. Alles, was ich dir geboten habe, werden sie machen;

Sie machen: Nämlich die beiden vorgenannten Männer mit den anderen, die neben ihnen verständig und aufrichtig sind.

12. Und der Herr redete mit Mose und sprach:

13. Sage den Kindern Israel und sprich: Haltet meinen Sabbat; denn derselbe ist ein Zeichen zwischen mir und euch auf eure Nachkommen, dass ihr wisst, dass ich der Herr bin, der euch heiligt {1Mos 2v2 2Mos 20v9 Hes 20v12}.

Sabbat: Und dass ihr besonders an den Festtagen zu meiner Hütte euch versammelt, welche ich mit so vielen Unkosten und großer Mühe habe lassen aufrichten.

Wisst: Das ist: Durch meinen Sabbat, darauf ihr zusammen kommt, mein Wort zu hören und euren Glauben mit den Sakramenten der Opfer zu bestätigen, erinnere ich euch, dass ich euer Gott sei, der ich euch gewogen bin und durch mein Wort euch heilige, dass ihr durch den Glauben an mich gerechtfertigt vom Heiligen Geist wiedergeboren und erneuert werdet, auf dass ihr täglich je mehr und mehr heilig und unsträflich lebt.

14. Darum so haltet meinen Sabbat; denn er soll euch heilig sein. Wer ihn entheiligt, der soll des Todes sterben, denn wer eine Arbeit darin tut, des Seele soll ausgerottet werden von seinem Volk {4Mos 15v35}.

Heilig sind: Das ist: Ich hab diesen Tag geweiht, dass ihr an demselben mein heiliges Wort handeln sollt, dadurch ihr geheiligt werdet.

Entheiligt: Das er tägliche Hausarbeit darin tut, welche auf andere Tage geschehen sollen und einer Mühe bedürfen, als da sind pflügen, zimmern, Kaufmannschaft treiben und dergleichen.

Sterben: Das ist: Die Obrigkeit soll in dieser mosaischen Polizei einen solchen Menschen am Leben strafen, der den Sabbat nicht hält.

15. Sechs Tage soll man arbeiten; aber am siebten Tage ist Sabbat, die heilige Ruhe des Herrn. Wer eine Arbeit tut am Sabbattage, soll des Todes sterben.

Ruhe: Dass man nämlich von täglichen Hausgeschäften Ruhe und dem Gottesdienst und Heiligen Werken abwarte.

16. Darum sollen die Kinder Israel den Sabbat halten, dass sie ihn auch bei ihren Nachkommen halten zum ewigen Bunde.

17. Er ist ein ewiges Zeichen zwischen mir und den Kindern Israel. Denn in sechs Tagen machte der Herr Himmel und Erde; aber am siebten Tage ruhte er und erquickte sich {1Mos 1v31 2v1 2Mos 20v11}.

Ewig Zeichen: Solange das Priestertum und die israelitische Polizei währen werden.

Erquickte sich: Denn es redet die Schrift nach Menschen Weise von Gott, gleich, wie ein Mensch sich zu erquicken pflegt, wenn er sich müde gearbeitet hat. Es hat aber Gott am siebten Tage geruht, also dass er keine andere Welt mehr erschaffen, unterdes aber erhält und regiert er die einmal erschaffene Welt immer: Und hat gewollt, dass die Juden durch die Ruhe des siebten Tages von der Erschaffung der Welt und ihrem Schöpfer erinnert würden, damit sie denselben als den wahren Gott recht ehrten. (Es wiederholt aber Gott das Gebot vom Sabbat hin und wieder im Gesetz und in den Propheten und fordert die Ruhe darauf darum so oft auf, dass er uns lehre, wie es so ein wichtiges Ding sei, dass man das Kirchenamt und die Predigt des Wortes Gottes erhalte, damit man auf gewisse Tage der Predigt und der Betrachtung des göttlichen Wortes abwarten könne.) Was weiter vom Sabbat zu sagen ist, findet man im zwanzigsten Kapitel in der Erklärung der zehn Gebote.

18. Und da der Herr ausgeredet hatte mit Mose auf dem Berge Sinai, gab er ihm zwei Tafeln des Zeugnisses; die waren steinernen und geschrieben mit dem Finger Gottes.

Ausgeredet: Dass er ihm die weltlichen Gesetze gegeben und die Form der Hütte gestellt hatte.

Zeugnis: Das ist: Des Gesetzes, in welchem Gott von seinem Willen zeugte.

Steinernen: (Anzuzeigen die Härtigkeit des menschlichen Herzens und seine ungeschlachtete Art, wenn er das Gesetz Gottes halten soll {Hes 36}.)

Finger: Das ist: Es hat Gott selbst auf seine besondere himmlische Weise die zehn Gebote in die Tafeln geschrieben. Derselbe Gott schreibt sein Gesetz durch den Heiligen Geist, welcher der Finger Gottes ist, in unser Herzen durch das Amt des Wortes, damit, wenn wir dem Worte des Evangeliums glauben, anfangen, nach dem wiedergeborenen Menschen das Gesetz Gottes freiwillig, obwohl nicht vollkommen, zu halten {Jer 31}.


Das 32. Kapitel


I. Das israelitische Volk zwingt Aaron im Abwesen Moses dahin, dass er ein goldenes Kalb zum Abgott machen muss, und verunreinigt sich also mit gräulicher Abgötterei v. 1. II. Mose wirft vor Zorn die steinernen Tafeln des Gesetzes von sich, dass sie zerbrechen, und befiehlt den Leviten, dass sie viel Abgöttische am Leben strafen sollen v. 19. III. Nichtsdestoweniger tut Mose bei Gott für das Volk eine Fürbitte und erlangt den Bußfertigen Verzeihung v. 31.

1. Da aber das Volk sah, dass Mose verzog, von dem Berge zu kommen, sammelte sich es wider Aaron und sprach zu ihm: Auf, und mach uns Götter, die vor uns hergehen! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat {Apg 7v40}.

Verzog: Denn bereits dreißig oder wohl mehr Tage vielleicht vergangen waren, dass sie Mose nicht gesehen hatten, und besorgten sich, sie möchten irgendwie von ihrem Führer Mose verlassen sein, dass sie in der Wüste umkommen müssten.

Nach Luther: Das redet Moses mit einem Wort also, als habe er das Volk verlassen mit Schanden und sei geflohen, dass sie nicht wissen, wie sie nun tun sollen. Gleich, als wenn uns Gott eine kleine Zeit verlässt, denken wir, er lasse uns in Schanden stecken und müssen wir anderswo Hilfe suchen, da wird denn solch ein Kalb unser Gott.

Wider Aaron: Weil derselbe ihren Bedenken nach, weder dem geistlichen noch dem weltlichen Regiment gut vorstünde, darum sie sich wider ihn empörten und einen Hader mit ihm anfingen.

Sprach: Haben ihn ohne Zweifel mit dergleichen Worten angefahren: Worauf wartest du und siehst dich lange um? Wir sind nun viele Tage hier verharrt und wissen nicht, wann oder wohin wir ziehen sollen, weil Mose nicht da ist: Und will sich sonst keiner finden lassen, der das heilige Amt und den Gottesdienst verrichte, dadurch Gott versöhnt würde, damit wir ins Land Kanaan kämen: Und so viel wir sehen, so lässt du dir die Sache auch nicht hoch angelegen sein. Darum so mache dich auf und siehe wie uns zu helfen sei, damit wir etwas haben, darauf wir fußen und uns verlassen können.

Götter: Es war aber das Volk nicht sogar unbesonnen, dass sie meinten, Aaron könnte Götter machen, denn wie sollte ein sterblicher Mensch einen unsterblichen Gott erschaffen oder machen können? Sondern begehrten sie, dass Aaron ihnen eine Figur oder ein Bild machte, welches sie von der Gegenwart Gottes erinnerte und dabei sie den Gottesdienst verrichten könnten mit Opfern und anderen Zeremonien, auf dass sie also einen gnädigen Gott behielten, von dem sie aus Ägyptenland geführt wurden.

Widerfahren: Das ist: Es hat ihn jetzt in vielen Tagen niemand gesehen und kann man nicht wissen, ob er noch bei Leben sei, oder nicht vielleicht ist er von dem himmlischen Feuer, so wir auf dem Berge gesehen haben verzehrt worden. Sollten wir darum immer einen Fürsten oder Heeresführer müssen in Mangel stehen und keinen Gottesdienst mehr haben, weil er nicht wiederkommt? (Es ist aber wohl zu verwundern, dass das Volk so kurz zuvor ausdrücklich das Gesetz von Gott selbst hatte hören mit großem Ernst verkündigen: Du sollst keine anderen Götter haben: Du sollst dir kein Bildnis machen: Dennoch so schnell in eine gräuliche Abgötterei gerät. Dabei wir erinnert werden, von unseres Fleisches Schwachheit und verdorbenen Natur, und von des Teufels List und Gewalt, der uns zu schweren Sünden treibt und reizt, sooft Gott der Herr seine Hand von uns abzieht. Darum sollen wir bitten, dass wir nicht in Versuchung geführt werden.)

2. Aaron sprach zu ihnen: Reißt ab die goldenen Ohrenringe an den Ohren eurer Weiber, eurer Söhne und eurer Töchter und bringt sie zu mir.

Aaron: Als Aaron den Auflauf des Volkes gesehen und ihr Fordern gehört, hat er ohne Zweifel sie zuerst von ihrem Vorhaben begehrt, abwendig zu machen und sie angefangen zu ermahnen, dass sie des Mose Wiederkunft erwarteten. Aber weil das Volk rumort und auf ihn gedrungen, hat er sich schrecken lassen, dass er in ihre Anforderung bewilligte.

Ohrenringe: Denn die orientalischen Völker zu dergleichen Schmuck eine besondere Lust hatten.

Bringt: Dass ich daraus ein Bild machen lasse, dessen bei unserem Gottesdienst zu gebrauchen. Und hat vielleicht Aaron gehofft, das Volk würde von seinem Vorhaben abgeschreckt werden, wenn sie ihr goldenes Kleinod sollten hergeben, und gemeint, er wollte also des Volkes Aufruhr stillen. Obwohl nun weltweise Leute sich möchten bedenken lassen, er hätte die Sache nicht unweislich angegriffen, so ist es doch ein sehr schwerer Fall gewesen an einem so vortrefflichen Mann, der zugleich mit Mose in Ägypten Gott hatte hören mit ihnen reden, und er selbst viel Wunderzeichen getan hatte. (Darum soll keiner meinen, dass er von wegen seiner vortrefflichen Gaben Gottes gesichert sei, als ob er nicht könnte in einen schweren Fall geraten.)

3. Da riss alles Volk seine goldenen Ohrenringe von ihren Ohren und brachten sie zu Aaron.

Brachten: Damit der Gottesdienst befördert würde, verschonen sie auch ihres Schmucks nicht, den sie am Leibe haben. (Denn die Leute erzeigen sich häufig viel freigebiger zur Erhaltung und Aufrichtung der Abgötterei, als zur Beförderung des rechten Gottesdienstes.)

4. Und er nahm sie von ihren Händen und entwarf es mit einem Griffel und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben {Ps 106v20}!

Entwarf: Das ist: Er hat ihnen eine Form des Kalbs vorgemalt, danach das abgöttische Bilde sollte gemacht werden. Da nun die Kinder Israels sich solches gefallen lassen, lässt er es gießen.

Nach Luther: Das ist: Er malt es ihnen vor, was sie für ein Bild machen sollten. Das bedeutet, dass Menschenlehrer dem Volk vorbilden, was sie für Werke tun sollen, damit sie Gott dienen. Denn hier siehst du, dass sie in diesem Kalbe meinten, dem rechten Gott zu dienen, weil Aaron rufen lässt, es sei des Herrn Fest, und baut ihm einen Altar.

Kalb: Denn es ist glaubhaft, dass ihnen solche Gestalt des Abgotts besonders gefallen habe, weil sie in Ägypten gesehen hatten, dass man einen Ochsen verehrt und anbetete.

Sprachen: Einer zum anderen.

Götter: Das ist: Wer diesem goldenen Kalbe Ehre erzeigt und vor diesem Bilde opfert, der leistet demselben Gott einen angenehmen Dienst, der uns aus Ägyptenland geführt hat, weil wir dies Kalb ihm zu Ehren aufgerichtet haben.

5. Da das Aaron sah, baute er einen Altar vor ihm und ließ ausrufen und sprach: Morgen ist des Herrn Fest!

Sah: Nämlich, dass das Volk so andächtig war zur Bestätigung des neuen Gottesdienstes und von ihrem unzeitigen Eifer nichts nachließe.

Baut: Ohne Zweifel auf die Forderung des Volkes.

Ihm: Nämlich dem Kalbe.

Fest: Das ist: Aaron ließ ein allgemeines und herrlich Fest ausrufen zur Einweihung des neuen Gottesdienstes, den er und die Israeliten ihrer Meinung nach keinem fremden Gott, sondern dem Herrn angerichtet hatten, nämlich dem Gott, der sie aus Ägyptenland geführt hat. Nichtsdestoweniger aber, weil sie von dem ausdrücklichen und ihnen vorgeschriebenem Worte Gottes abgewichen, und einen neuen Gottesdienst erdacht haben, davon sie keinen Befehl hatten, so haben sie sich mit gräulicher und abscheulicher Abgötterei befleckt. (Sind darum alle Gottesdienste, so sie von Menschen in guter Meinung erdacht und auf die Bahn gebracht werden, lauter schändliche Abgötterei, obgleich sie nicht den heidnischen Götzen, sondern dem wahren Gott zu Ehren gemeint sind.)

6. Und standen des Morgens frühe auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer. Danach setzte sich das Volk zu essen und zu trinken, und standen auf zu spielen.

Opferten: Nämlich am selben Ort, da das Kalb aufgerichtet war.

Brandopfer: Nämlich, dem Herrn ihn zu versöhne.

Dankopfer: Damit sie ihre Dankbarkeit erklärten für die empfangenen Wohltaten.

Setzte sich: Nämlich nach vollendetem Opfer, wie es denn gebräuchlich war, besonders an hohen Festen, dass sie nach Verrichtung der Opfer Gastmahle hielten.

Spielen: Was sie für Spiel gehalten haben, ist aus den folgenden Worten abzunehmen, da Mose sagte, dass sie einen Tanz gehalten haben, welches heilige Tänze waren mit Lob- und Freudengesängen, um Gott zu ehren. Denn, dass solche heiligen Tänze gebräuchlich waren, erscheint aus des Davids Tanzen {2Sam 6}. Aber diese Spiele der Israeliten waren ein Gräuel vor Gott, weil sie bei dem abgöttischen goldenen Kalbe geschahen. Wie auch Paulus dies Essen und diese Spiele unter die Abgötterei zählt {1Kor 10}. Ist deswegen bei den Israeliten alles voller Freuden und Wonne gewesen mit Singen und Springen, welches sie meinten, dass es Gott alles sehr angenehm wäre. Aber lasst uns hören, wie solches Wesen Gott gefallen habe.

7. Der Herr aber sprach zu Mose: Gehe, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat‘s verderben {5Mos 9v12}.

Dein Volk: Denn es ist nicht mehr mein.

Verderbe: Sie haben meinen Bund übergangen und mit ihrer Abgötterei und ihrem gottlosen Wesen alles zu Haufen gestoßen und alle ihre Hoffnung dadurch zunichtegemacht, weil sie eine so große Sünde wider mich getan haben.

8. Sie sind schnell von dem Wege getreten, den ich ihnen geboten habe. Sie haben ihnen ein gegossen Kalb gemacht und haben es angebetet und ihm geopfert und gesagt: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben.

Von dem Wege: Das ist: Sie sind in dem Gehorsam meiner Gebote nicht gewandelt.

Angebetet: Der Meinung, dass sie durch solchen von ihnen selbst erdachte Gottesdienst mich ehren und anbeten wollen.

9. Und der Herr sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarrig Volk ist {2Mos 33v3}.

Halsstarrig: Das sich durch mein Wort nicht will regieren lassen, sondern nach seinem eigen Willen leben, welches ich nicht leiden kann.

10. Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie ergrimme und sie auffresse, so will ich dich zum großen Volk machen.

Lass mich: Halt mich nicht weiter auf durch dein Gebet, dass ich solche Sünde nicht strafen sollt. (Es begehrt aber Gott, dass ihn Mose lasse, weil er mit der Frommen Gebet gleichsam gefangen gehalten wird, dass er nicht so oft straft, als die Leute sündigen.)

Ergrimme: Dass ich meinen Zorn wider sie ausstoße.

Großen Volk: Das ist: Gleich, wie ich aus des Abrahams geringem Geschlechte und wenig Personen ein solch großes Volk gemacht habe, also will ich jetzt solchen undankbaren und Gottlosen Haufen vertilgen und deine Nachkommen mehren und mir zum Volk annehmen, dem ich in diesem und künftigem Leben wohltun will. (Denn die Abgötterei wohl wert ist, dass unter Beachtung all dieser Dinge ganze Völker zugrunde vertilgt und ausgerottet werden. Weil es nichts anderes ist als eine Verleugnung Gottes.)

11. Mose aber flehte von dem Herrn, seinem Gott, und sprach: Ach, Herr, warum will dein Zorn ergrimmen über dein Volk, dass du mit großer Kraft und starker Hand hast aus Ägyptenland geführt {4Mos 14v13 Ps 106v23}.

Flehte: Weil Mose verstand, dass Gott durch sein Gebet könnte aufgehalten werden, damit er nicht an dem Volk Strafe übte, hat er ihn keineswegs wollen von sich lassen. (Denn das ist eines frommen Kirchendieners Amt, dass er mit seinem Gebet zwischen den zornigen Gott und das Volk sich stelle, das gesündigt hat.)

Dein Volk: Das ist: Warum wolltest du deinem zwar gerechten Zorn nachhängen, dein Volk zu verderben, welches Erlösung du so oft deine Majestät und Allmacht erzeigt hast, da du so große Wunder und Zeichen in Ägypten getan hast, welche alle miteinander vergebens würden geschehen sein, wenn du jetzt dein Volk vertilgtest, deshalb solche Wunderwerk geschehen sind.

12. Warum sollen die Ägypter sagen und sprechen: Er hat sie zu ihrem Unglück ausgeführt, dass er sie erwürgte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich von dem Grimm deines Zorns und sei gnädig über die Bosheit deines Volkes!

Sagen: Wenn sie von der Niederlage dieses Volkes hören würden. Dazu du ihnen mit dieser deiner harten Strafe Anlass und Gelegenheit gibst.

Gebirge: So in der Wüste ist. Als wollte er sprechen: Lieber Herr, bedenke doch, wie übel man deshalb deinem Namen nachreden würde in Ägypten. Denn sie würden sagen, du wärest kein getreuer Vater oder frommer Gott, sondern ein Verführer und Tyrann, der du das Volk mit guten Worten aus Ägypten in die Wüste gelockt hättest, dass du dort so viel tausend Menschen jämmerlich ums Leben brächtest: Wie würde solches deinem allerheiligsten Namen so übel anstehen, da du doch viel mehr der Ursache wegen dein Volk ausgeführt hast, dass du nicht allein deine Macht, sondern viel mehr deine Güte sehen ließest und ein herrlich Exempel erzeigtest, damit dein Name auch unter den Heiden kund und gepriesen würde.

Kehre: Das ist: Ändere solche streng Urteile, so du sie über das Volk gefällt hast, und lass Gnade für Recht gehen.

13. Gedenke an deine Diener, Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und ihnen verheißen hast: Ich will euren Samen mehren wie die Sterne am Himmel, und alles Land, das ich verheißen habe, will ich eurem Samen geben, und sollen es besitzen ewig {1Mos 15v5 22v17 26v24}.

Diener: Die dir insbesondere lieb gewesen. Darum sei dessen bedenkt, was du denselben Patriarchen verheißen hast.

Selbst: Denn du bei keinem höheren Gott schwören könntest, weil kein anderer Gott ist als du.

Verheißen: Darum, wenn du jetzt dies Volk in der Wüste umbrächtest und vertilgtest, wie würden deine Verheißungen erfüllt werden? Würde es nicht das Ansehen gewinnen, dass du mehr verheißen hättest, als du gedächtest zu halten? (Mit diesem Gebet hat Mose von Gott erlangt, was er wollte, weil er ihm seine Verheißungen vorgehalten, so er diese den Vätern getan hat. Darum, wenn wir die göttlichen Verheißungen mit Glauben ergreifen und sie Gott dem Herrn in unserem Gebet vorlegen, besonders aber wenn wir ihn seiner Ehre und Wahrheit erinnern, so erlangen wir, was wir erbitten.)

Land: Nämlich das Kanaan.

14. Also gereute den Herrn das Übel, das er drohte seinem Volk zu tun.

Gereute: Das ist: Er hat sich zur Barmherzigkeit bewegen lassen und hat seine vorige Meinung geändert.

Volk: Dass er nämlich alles Volk miteinander nicht verderbe, welches sich mit der Abgötterei befleckt hatte.

15. Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand, die waren geschrieben auf beiden Seiten.

Zeugnis: Das ist: des Gesetzes.

16. Und Gott hatte sie selbst gemacht und selbst die Schrift hinein gegraben.

17. Da nun Josua hörte des Volkes Geschrei, dass sie jauchzten, sprach er zu Mose: Es ist ein Geschrei im Lager wie im Streit.

Josua: Der vor etlichen Tagen Mose das Geleit gegeben hatte, da er auf dem Berge stieg und jetzt demselben wiederum nachfolgte, da er wieder herunterkam.

Jauchzten: Aufs Freudenfest, welches sie feierten bei dem goldenen Kalbe.

Sprach er: Nämlich, ehe denn er sehen konnte und gewahr wurde, was sie machten.

Streit: Vielleicht haben die Feinde aus der Nähe das Volk unversehens überfallen, oder aber sie sind sich selbst untereinander der Sachen uneins geworden, und haben einen Aufruhr erregt und erwürgten einander.

18. Er antwortete: Es ist nicht ein Geschrei gegeneinander, deren, die obliegen und unterliegen, sondern ich höre ein Geschrei eines Singetanzes.

Obliegen: Wie im Streit zu geschehen pflegt, da es alles durcheinandergeht.

Singe-Tanzes: Die miteinander singen, spielen, tanzen und ein Freudengeschrei machen. Denn es wusste Mose aus göttlicher Offenbarung bereits zuvor, was das Volk tat.

19. Als er aber nahe zum Lager kam und das Kalb und den Reigen sah, ergrimmte er mit Zorn und warf die Tafeln aus seiner Hand und zerbrach sie unten am Berge.

Reigen: Den sie bei dem Kalbe Gott zu Ehren angestellt hatten. Denn sie meinten, wenn sie also singen und tanzten, so erzeigten sie Gott einen angenehmen Dienst.

Ergrimmte: (Denn wir sollen über das gottlose Wesen zürnen, aber doch soll ein jeder seines Berufes bedenkt sein und das Maß nicht überschreiten. Und muss man nicht bald allem, was heilige Leute etwa aus einer besonderen Anregung getan nachfolgen? Dass aber die ersten Tafeln zerbrochen worden ist, damit wird angezeigt, wie das Gesetz Mose nicht würde gehalten werden, bis Christus dasselbe durch den Heiligen Geist in den Tafeln unseres Herzens erneuerte.)

20. Und nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und verbrannte es mit Feuer und zermalmte es zu Pulver und stäubte es aufs Wasser und gab‘s den Kindern Israel zu trinken.

Zu trinken: Das ist: Er hat das Pulver in den Bach oder Fluss geworfen daraus die Kinder Israels pflegten zu trinken in der Wüste am selben Ort, dass also kein ganzes Stück vom Kalbe überbleibt, dessen die Kinder Israels zur Abgötterei weiter hätten missbrauchen können. (Es ist aber damit den Christen kein Gesetz vorgeschrieben worden, als ob man heutzutage köstliche Sachen deren unsere Voreltern zur Abgötterei missbraucht haben, nicht durfte zu einem guten und bessern Nutzen anwenden als zur Erhaltung des reinen Kirchenamtes und Unterhaltung der Armen, welches uns aus christlicher Freiheit zugelassen ist. Auch ist der Obrigkeit Amt – gebührt aber anderen gemeinen Leuten keineswegs – , dass sie die abgöttischen Bilder aus dem Wege räumen.)

21. Und sprach zu Aaron: Was hat dir das Volk getan, dass du eine so große Sünde über sie gebracht hast?

Zu Aaron: Nachdem Mose das Kalb zermalmt hat, wendet er sich im Zorn an seinen Bruder Aaron, der zu Aufrichtung der Abgötterei sich gebrauchen ließ, deshalb denn auch Gott so über ihn erzürnt war, dass sofern Mose nicht für ihn gebeten hätte, ihn der Herr umzubringen im Willen hatte {5Mos 9}.

Getan: Das ist: Womit hat es dies Volk verdient, dass du sie mit Zubereitung des abgöttischen Kalbes zu einer solch schrecklichen Sünde verursacht hast, damit sie sich alle miteinander ins zeitlich und ewige Verderben gestürzt haben, wenn nicht Gott gnädig mit ihnen gewesen wäre. (Denn wir sollen weder Freunde noch Verwandten schonen, ja auch den Oberen es nicht übersehen, sondern ihnen ihre Sünde anzeigen und sie darum nach dem und so viel unser Beruf fordert strafen.)

22. Aaron sprach: Mein Herr lasse seinen Zorn nicht ergrimmen. Du weißt, dass dies Volk böse ist.

Mein Herr: Aaron hat sich heftig darüber entsetzt, da ihm Mose so hart zugeredet und ihn beschimpfte, darum er sich für seinen Bruder gedemütigt, weil er weiß, dass derselbe richtig wider ihn zürne.

Böse ist: Und zu allem Bösen geneigt, darum hab ich dem Volk nicht Anlass dazu geben, sondern viel mehr haben sie deshalb bei mir angehalten und mit Gewalt mich dahin gedrungen, dass ich ihnen nachgegeben habe, um diese Sünde zu begehen.

23. Sie sprachen zu mir: Mache uns Götter, die vor uns hergehen; denn wir wissen nicht, wie es diesem Mann Mose geht, der uns aus Ägyptenland geführt hat.

24. Ich sprach zu ihnen: Wer hat Gold, der reiße es ab und gebe es mir. Und ich warf es ins Feuer; daraus ist das Kalb geworden.

Ich sprach: Nämlich, da ich mich lange gewehrt hatte und ihnen nicht mehr widerstehen konnte.

Feuer: Das ist: Ich habe das Gold geschmolzen und es in eine dazu gemachte Form gegossen.

25. Da nun Mose sah, dass das Volk zuchtlos geworden war (denn Aaron hatte sie zuchtlos gemacht durch ein Geschwätz, damit er sie fein wollte anrichten),

Zuchtlos geworden: Das ist: Da Mose sah und merkte, dass das israelitische Volk von wegen ihrer begangenen schweren Sünde der Abgötterei von Gott zuchtlos und gleichsam vogelfrei wurden, war er und sein Volk wegen dieses Mutwillens in die Hände seiner Feinde Tyrannei übergeben: Auch mit Schande und Spott von den Feinden musste höhnisch verlästert werden, und weiter keinen göttlichen Schutz und Beistand wider die Feinde haben würde, wo nicht zum wenigsten etliche Abgöttische zur Strafe gezogen würden, damit die Sünde etlichermaßen versöhnt werde (Gleichwie später die Israeliten nicht siegen konnten wider ihre Feinde, bis des Achans Diebstahl gestraft wurde {Jos 7}.) So hat er es fürs Beste und Nötigste angesehen, dass etliche aus dem ganzen Haufen, die zwar alle miteinander den Tod verschuldet hatten, hingerichtet würden, auf dass Gott mit derselben wenigen Strafe sich begnügen ließe und nicht strenger wider das Volk vornehmen würde, dass die übrigen, wenn sie solchen Ernst sehen, sich weiter desto fleißiger vor dergleichen Sünde der Abgötterei hüten möchten. Darum weil Mose im Amt der weltlichen Obrigkeit war, hat er aus Erinnerung eines göttlichen Befehls, wie wir bald hören werden, erkannt dass er die Abgötter und besonders, die sich am meisten widerspenstig erzeigten, strafen musste.

Nach Luther: Das Wort Phrea lautet und heißt schier dem Deutschen gleich frei, will so sagen: Aaron hatte das Volk frei los und ledig gemacht von Gottes Wort und Gehorsam, wie die Menschenlehre tut, macht das Volk wild frei los und bereit zu aller Abgötterei. Und tuts doch der Meinung, als wollte sie den Leuten aufhelfen und besser machen. Und ist doch ein Schemets und Schamà, ein Gehör oder ein Geschwätz, da nichts Gutes mit ist.

26. trat er in das Tor des Lagers und sprach: Her zu mir, wer dem Herrn angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Kinder Levi.

Angehört: Das ist: So jemand die angerichtete Abgötterei sich lässt zuwider sein und mir will nachfolgen, und dass er den rechten Gottesdienst begehrt handzuhaben, wie er von Gott geboten ist, der komme eilends her zu mir. Und hat Mose mit solchem Ausrufen verhüten wollen, dass nicht auch derselben etliche unter dem abgöttischen Haufen mit aufgerieben würden, die in der Abgötterei nicht bewilligt und viel mehr einen Abscheu davor gehabt hatten.

Kinder Levi: Deren denn nicht eine geringe Anzahl war.

27. Und er sprach zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Gürte ein jeglicher sein Schwert auf seine Lenden und durchgeht hin und wieder von einem Tor zum anderen im Lager, und erwürge ein jeglicher seinen Bruder, Freund und Nächsten.

Bruder: Das ist: Ihr sollt nicht aus Gunst oder Mitleiden jemanden verschonen auch nicht eure eigenen Freunde oder Blutsverwandten. Fast dergleichen findet man auch in den Geschichten der heidnischen Kaiser, wenn sie ein ganzes Regiment Kriegsvolk, dass irgend eine Meuterei angerichtet und aufrührerisch geworden, zur Strafe gezogen, da sie den zehnten Mann wie einen jeden das Glück, oder viel mehr sein Unglück getroffen hervorgezogen und mit dem Schwert richten lassen, auf dass sie also nicht das ganze Regiment austilgen duften und dennoch ein ernstliches Exempel sehen ließen, damit der Aufruhr gestraft würde.

28. Die Kinder Levi taten, wie ihnen Mose gesagt hatte, und fiel des Tages vom Volk dreitausend Mann.

taten: Das ist: Sie brachten um, wer ihnen am Ersten vorkam.

Volk: Die von den Leviten umgebracht waren.

29. Da sprach Mose: Füllt heute eure Hände dem Herrn, ein jeglicher an seinem Sohn und Bruder, dass heute über euch der Segen gegeben werde.

Sprach: Oder hatte gesprochen: Nämlich zu den Leviten, da er sie ausschickte zu strafen.

Füllt: Das ist: Heiligt. Als wollte er sprechen: Weil Gott zuvor über euch beschlossen hatte, dass er eures Diensts in Verrichtung der Opfer und anderer heiliger Werke gebrauchen wolle, wohlan so leistet jetzt dem Herrn auch euren Dienst treulich, die Abgöttischen zu strafen und vollstreckt die göttliche Rache, so sie euch befohlen ist, mit einem besonderen Eifer fleißig, also dass ihr auch eure eigenen Brüder und Verwandte nicht verschont, die sich mit Abgötterei befleckt haben. Denn also werdet ihr als mit einer allerheiligsten Salbe dem Herrn geheiligt werden, wenn ihr der Abgöttischen Blut vergossen habt, dass euch der Herr das Priesteramt übergeben und bestätigen wird, und werdet die Makel, so sie vorzeiten euer Altvater eure Geschlechter angehängt hat, da er die Sichimiter unrechterweise erwürgt und also einen Fluch über euch brachte mit dieser eurer Heldentat abwischen und in einen Segen verändern. Denn also wird es geschehen, dass obwohl ihr kein eigenes und besonderes Erbteil im Lande Kanaan besitzen werdet, dennoch von dem priesterlichen Amt euer gutes Einkommen haben könnt, als ihr sonst von einem reichen Lande nicht erlangen würdet. Zudem wird man euch noch lieb und wert halten und viel Ehre erzeigen. (Es haben aber die Leviten hier einen besonderen ausdrücklichen Befehl von Gott gehabt, dass sie die Abgöttischen umbringen müssten, darum sie mit solchem Totschlag keine tyrannische Tat begangen haben, so tut die Obrigkeit ein heiliges und Gott angenehmes Werk, wenn sie die Übeltäter ernstlich straft.)

30. Des Morgens sprach Mose zum Volk: Ihr habt eine große Sünde getan; nun will ich hinaufsteigen zu dem Herrn, ob ich vielleicht eure Sünde versöhnen möge.

Zum Volk: Sie zu ermahnen, dass sie wahre und ernstliche Buße tun. Denn obwohl sie alle über die Hinrichtung der dreitausend Mann richtig erschrecken müssten, so ist doch kein Zweifel, es habe der größte Teil die Abgötterei noch heimlich im Herzen stecken gehabt, darum begehrt sie Mose zur Erkenntnis ihrer Sünden zu bringen.

Getan: Indem, dass ihr das goldene Kalb aufgerichtet und angebetet habt, darum so tut ernstliche Buße und bittet Gott um Verzeihung, auf dass ihr nicht ewig verloren werdet. So will ich euch dazu behilflich sein, so viel mir möglich ist und mein Beruf möglich ist, aber daran ich nicht schuldig geworden bin.

Steigen: Und für euch bitten.

Versöhnen: Dass er nicht allein mit der leiblichen und zeitlichen Strafe euer verschonen wolle, sondern darauf ihr besonders gut achthaben sollt, dass ihr nicht von wegen eurer begangenen Abgötterei ewig verdammt werdet. (Denn es soll ein Kirchendiener das Volk zur Buße ermahnen und Gott daneben anrufen, dass er den Irrenden aus Gnaden ihre Sünde um Christi willen verzeihen wolle.)

31. Als nun Mose wieder zum Herrn kam, sprach er: Ach, das Volk hat eine große Sünde getan und haben sich goldene Götter gemacht.

Große: (Denn wir sollen die Sünde vor Gott nicht bemänteln oder verklügeln.)

Gemacht: Welches du aufs Allerernstlichste ihnen verboten hast, aber doch kann ich es nicht unterlassen, für sie zu bitten, weil ich sie so herzlich liebe.

32. Nun vergib ihnen ihre Sünde! Wo nicht, so tilge mich auch aus deinem Buch, das du geschrieben hast.

Vergib: Dass sie nicht verdammt werden, um ihrer Abgötterei willen, die sie angerichtet haben.

Tilge: Das ist: Ich will viel lieber zugleich mit ihnen verdammt werden, als dass du mich allein selig machst, sofern ich solcher großen Menge keine Verzeihung bei dir herausbringen kann. (Solche große Liebe hat Mose zur selben Zeit zum Volk getragen, dass er nicht allein dem zeitlichen, sondern auch dem ewigen Tod sich ihrethalben begehrt unterwürflich zu machen: Da er doch von solchen undankbaren Leuten öfter viel Ungemach erleiden und ausstehen müsse. Darum sollen wir auch lernen, unsere Feinde zu lieben, ihnen Gutes tun und für ihre Seligkeit Gott treulich bitten.)

33. Der Herr sprach zu Mose: Was? Ich will den aus meinem Buch tilgen, der an mir sündigt.

Was?: Das ist: Ich lass mir es zwar gefallen, dass du dein Volk so hoch liebst und so treulich für sie bittest. Aber dass ich den Unbußfertigen sollte die Sünde verzeihen, oder dich, meinen frommen und getreuen Diener, zugleich mit ihnen verstoße, das kann meine Gerechtigkeit nicht dulden.

Tilgen: Das ist: Ich will sie nicht mehr für Glieder der Kirchen erkennen die wider mich sündigen und nicht Busse tun, darum bleibt ihre Verdammnis gewiss, weil außerhalb der Kirchen kein Heil ist. (Denn wenn man alle Sprüche der Heiligen Schrift, die vom Buch des Lebens reden fleißig betrachtet werden, so befindet sich es, dass die im Buch des Lebens eingeschrieben heißen, welche der Kirche Gottes durch das Amt des Wortes und Sakramentes einverleibt sind, oder doch durch ihrer frommen Eltern christliches Gebet, da sie entweder vor oder in der Geburt darauf gehen, Gott aufgetragen werden, und die mit Glauben das Evangelium annehmen, von deren Seligkeit man nach Anleitung christlicher Liebe nicht zweifelt, dass man von einem sagen kann: Es ist kein Zweifel, der sei ein rechtschaffener Christ und frommer gottseliger Mensch. Wie wiederum aus demselben Buch Gottes oder Buch des Lebens derjenige ausgetilgt wird, der durch schreckliche grobe Sünden der himmlischen Erbschaft sich unfähig macht. Denn derselbe, sofern er nicht Buße tut, bleibt nicht im Buch des Lebens stehen, obgleich er in der äußerlichen Gemeinschaft der Kirchen verharrt und nicht davon ausgeschlossen wird.)

34. So gehe nun hin und führe das Volk, dahin ich dir gesagt habe. Siehe, mein Engel soll vor dir hergehen. Ich werde ihre Sünde wohl heimsuchen, wenn meine Zeit kommt heimzusuchen {2Mos 23v20}.

Gehe: Verrichte dein Amt, das ich dir befohlen habe, denn ich dich um fremder Sünde willen nicht verdammen will, weil du dich mit keiner Abgötterei befleckt hast.

Gesagt habe: Nämlich, zum Lande Kanaan: Und darfst dich deshalb von dem Volk nicht absondern oder von ihnen aussetzen, weil du verstehst, dass sie nicht alle werden Buße tun noch die Seligkeit erlangen. (Denn wir sollen unser Amt verrichten, obwohl nicht alles nach unserem Willen vonstattengeht.)

Engel: Das ist: Mein eingeborener Sohn soll dir in deinem Amt beistehen und dir dies Volk helfen, führen und regieren.

Ich werde: (Nach Luther) Niemand soll der Strafe seiner Sünde entgehen.

Kommt: Alsdann will ich die unbußfertigen Götzendiener mit ewiger Strafe verderben und unterdes auch mit zeitlicher Strafe hinter sie her sein.

35. Also strafte der Herr das Volk, dass sie das Kalb hatten gemacht, welches Aaron gemacht hatte.

Der Herr: Denn die Leviten hatten die Abgöttischen nicht aus eigener Willkür, sondern auf Gottes Befehl umgebracht. Darum wird hier recht gesagt, dass sie von Gott gestraft sind, welche die Leviten auf Gottes Befehl erwürgt hatten. (Wir sollen dabei gewarnt und erinnert sein, dass Gott keine Sünde mehr zuwider sind, als die Abgötterei, sie sei der menschlichen Natur so anmutig, wie sie immer wolle: Denn Gott straft sie mit zeitlichem und ewigem Verderben.)


Das 33. Kapitel


I. Damit das Volk desto ernstlicher Buße tue, stellt sich Gott, als ob er die Israeliten verlassen wolle v. 1. II. Und wird die heilige Hütte, wie sie damals war, außen vor dem Lager aufgeschlagen v. 7. III. Mose aber erhält endlich bei Gott so viel, dass er verheiße, er wolle die Israeliten begleiten v. 12. IV. Mose begehrt, Gott in der Majestät der Herrlichkeiten zu sehen, erlangt aber nicht so viel, als er begehrt hatte v. 18.

1. Der Herr sprach zu Mose: Gehe, zieh von dort, du und das Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, ins Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe und gesagt: Deinem Samen will ich es geben {1Mos 12v1}.

Herr: Obwohl Mose mit Worten und Taten allen seinen möglichen Fleiß angewandt hatte, dass er die Israeliten dahin bringen möchte, dass sie ihre große Sünde erkannt hätten, weil sie das goldene Kalb angebetet und mit Seufzen und Tränen von Gott Verzeihung begehrt hätten: So liest man doch nichts davon, dass er damals etwas Fruchtbares bei ihnen verrichtete. (Denn es können die abgöttischen Heuchler viel schwerer zur Erkenntnis der Sünden und zur Buße gebracht und bekehrt werden als die offenbaren Sünder.) Darum gibt Gott dem Mose einen traurigen Befehl, damit das Volk dadurch, wenn es solches hören würde, zur Buße möchte angemahnt und gereizt werden.

2. Ich will vor dir hersenden einen Engel und ausstoßen die Kanaaniter, Amoriter, Hethiter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter {5Mos 7v21 Jos 24v11};

Engel: Das ist: Meinen eingeborenen Sohn, wie ich noch wohl bedenkt bin, dass ich den Israeliten verheißen habe {2Mos 23}.

3. ins Land, da Milch und Honig innen fließt. Ich will nicht mit dir hinaufziehen; denn du bist ein halsstarriges Volk. Ich möchte dich unterwegs auffressen.

Ich will: Das ist: Ich hab zwar den Patriarchen und ihren Nachkommen verheißen, dass ich ihnen das Land Kanaan wolle zu besitzen geben, und dass ich sie mit meinem Engel gnädiglich geleiten und die Völker, so sie im Lande Kanaan wohnen, für sie ausstoßen wolle, weil aber das Volk Israel meinen Bund den ich mit ihnen gemacht habe, so bald übergangen hat und eine schreckliche Abgötterei angerichtet, welche Sünde sie noch nicht erkennen noch bereuen, so bin ich auch ihnen nicht mehr verpflichtet, dass ich sie ins verheiße Land führen sollt. Darum so ziehe du hin mit deinem Volk, auf welchen Weg es dir am besten gefallen wird. Ich will mich euer nicht mehr achten oder annehmen.

Halsstarrig: Das ist: Du bist ein unbändiges Volk und lässt dich durch mein Wort nicht leiten noch regieren, darum will ich nicht mehr bei dir sein, denn ich könnte solche große Bosheit nicht leiden.

4. Da das Volk diese böse Rede hörte, trugen sie Leid, und niemand trug seinen Schmuck an ihm.

Böse Rede: Das ist: Die schrecklichen Drohworte, dass sie Gott nicht mehr führen, noch begleiten wollte.

Leid: Das ist: Sie haben endlich angefangen, ihre Sünden zu erkennen, und dieselben sich leid sein.

Schmuck: Sondern ließen sich mit geringen Kleidern begnügen, mit welcher äußerlicher Demut sie ein Zeichen gaben ihrer Buße.

5. Und der Herr sprach zu Mose: Sage zu den Kindern Israel: Ihr seid ein halsstarriges Volk. Ich werde einmal plötzlich über dich kommen und dich vertilgen. Und nun lege deinen Schmuck von dir, dass ich wisse, was ich dir tun soll.

Ihr seid: Auf dass sie ihre Sünde desto besser lernten erkennen und von Herzen bereuten, so hält Gott mit Schelten noch weiter an.

Plötzlich: Das ist: Wenn ich mit dir zöge, so möchte sich es leicht zutragen, dass ich einstmals über deine Widerspenstigkeit erzürnt würde und dich in einem Augenblick vertilgte. Darum so ist es viel besser, dass ich nicht mit dir ziehe.

Und nun: Wenn es dir Ernst ist mit deiner Buße, wie du denn dessen ein Zeichen von dir gibst, so fahre also fort, deine Sünde zu erkennen darüber Reue und Leid zu haben und solches mit äußerlichen Gebärden zu beweisen. Ziehe einen Sack und ein leinernes Kleid an und gehe schlecht herum, dabei beide, Große und Kleine, erinnert werden, welch eine große und schreckliche Sünde sie begangen.

Tun: Das ist: Wenn du das tun wirst und gewisse Anweisungen gibst einer wahren Buße, so will ich auch tun, was mir gebührt. Diese Drohungen, so zwar sehr ernstlich gewesen sind, den Israeliten nicht darum vorgehalten wurden, dass sie an allen Verzeihungen verzagen sollten, sondern dass die Härtigkeit ihres Herzen gebrochen würde und sie rechtschaffene Buße taten.

6. Also taten die Kinder Israel ihren Schmuck von sich vor dem Berge Horeb.

Also taten: Ist darum solcher Ernst Gottes, den er mit seinem Volk vorgenommen hat, nicht ohne Frucht abgegangen, denn sie endlich sich zur Buße gekehrt und Klagekleider angetan haben, damit sie ihr Leid über ihre begangene Sünde öffentlich bezeugten. (Es ist aber über deren Leute Hartnäckigkeit und Halsstarrigkeit wohl zu verwundern, welche, wenn sie aus Gottes Wort hören die schrecklichen Drohungen von den zeitlichen und ewigen Strafen der Sünden, dieselben dennoch mit großer Sicherheit verachten und keine Zeichen einer wahren Buße spüren lassen. Sind also viel hartnäckiger als diese Juden. Doch sind die Christen an solche jüdische Zeremonien nicht gebunden, sondern mögen sich nach des Landes Gewohnheit schicken, dass sie sind, wie es an einem jeden Ort gebräuchlich ist, zu klagen und Leid zu tragen.)

7. Mose aber nahm die Hütte und schlug sie auf, außen ferne vor dem Lager, und hieß sie eine Hütte des Stifts. Und wer den Herrn fragen wollte, musste herausgehen zur Hütte des Stifts vor das Lager.

Mose aber: Nämlich, damit er dem Volk noch besser zu verstehen gebe, welch eine schreckliche Sünde sie begangen hätten.

Hütte: Welche er unterdes zum Brauch der Opfer ein Zeit lang aufgerichtet hatte, ehe denn die herrliche Hütte, deren Bild ihm auf dem Berge gezeigt, gefertigt wurde.

Lager: Damit anzuzeigen, dass die Kinder Israels sich an Gott so vergriffen hätten, dass er nicht mehr bei ihnen in ihrem Lager wohnen wolle, sondern sich mit seiner Hütte von ihnen abgesondert hätte.

Stift: Welche dazu gestiftet war, dass sich das Volk dabei versammelte, das Wort Gottes anzuhören und die Opfer zu verrichten, auch strittige Händel in weltlichen Geschäften, daraus man sich sonst nicht entrichten könnte zu entscheiden. War also solche Hütte beides, eine Kirche und auch ein Rathaus.

Fragen: Es treffe gleich die Religion oder den weltlichen Handel, darüber er begehrte, einen göttlichen Bericht vom Mose zu erkundigen.

8. Und wenn Mose ausging zur Hütte, so stand alles Volk auf, und trat ein jeglicher in seiner Hütte Tür und sahen ihm nach, bis er in die Hütte kam.

Stand: Das ist: Es erzeigte ihm jeder große Ehre, als einem Propheten Gottes, den sie kurz zuvor verachtet hatten. Denn sie waren jetzt gedemütigt und erzeigten rechte Früchte der Buße.

Sahen ihm nach: Das ist: Soweit sie ihn mit dem Gesicht erreichen könnten, wandten sie ihre Augen nicht von ihm.

Nach Luther: Den Rücken Mose sehen alle Werkheiligen, die das Gesetz nicht verstehen noch denselben unter die Augen kommen.

9. Und wenn Mose in die Hütte kam, so kam die Wolkensäule hernieder und stand in der Hütte Tür und redete mit Mose.

Wolkensäule: In welcher der Sohn Gottes gegenwärtig war und Mose seinen Willen offenbarte. Mit welcher Erscheinung Gott dem Mose abermals wollte ein Ansehen bei dem Volk machen, dass es glauben sollte des Mose Worte wären solche Sprüche, die Gott selber geredet hätte.

10. Und alles Volk sah die Wolkensäule in der Hütte Tür stehen, und standen auf und neigten sich, ein jeglicher in seiner Hütte Tür.

Standen: Nämlich, wenn sie sahen, dass sich die Wolkensäule niederließ.

11. Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet. Und wenn er wiederkehrte zum Lager, so wich sein Diener Josua, der Sohn Nuns, der Jüngling, nicht aus der Hütte {4Mos 12v7}.

Angesicht: Das ist: Er erscheint ihm in menschlicher Gestalt, die er ein Zeit lang an sich genommen hatte, wie dergleichen Erscheinung Gottes dem Propheten Hesekiel auch vorgekommen war {Hes 1}.

Josua: Der dem Gebet und Gottesdienst abwartete, so viel sein Beruf erforderte. (Dieser Josua ist ein Vorbild Christi gewesen, welcher uns immer vertritt vor dem Angesicht Gottes {Röm 8}.)

12. Und Mose sprach zu dem Herrn: Siehe, du sprichst zu mir: Führe das Volk hinauf, und lässt mich nicht wissen, wen du mit mir senden willst, so du doch gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, und hast Gnade vor meinen Augen gefunden.

Sprach: Was bis von der Hütte geredet wurden, hat Mose daneben mit eingeführt. Jetzt kommt er wieder auf das Gespräch, welches Gott mit ihm gehalten hat, da er über die Kinder Israel zornig war, weil sie über ihre begangene Sünde nicht wollten ernstliche Busse tun, und hatte Gott ihnen gedroht, dass er sie nicht mehr führen und geleiten wollte, darauf gibt hier Mose Antwort.

Führe: Als wollte er sprechen: Du legst mir eine schwere Last auf, dass du mir sagst, die Kinder Israel ins Land Kanaan zu führen, und willst nicht mit uns ziehen, sagst auch nicht was wir für einen Wegweiser haben werden. Denn obwohl du vor der Zeit verheißen hast, dass du uns einen Engel zugeben wollest, so willst du doch solches nicht weiter zulassen, weil das Volk mit seiner Bosheit und Halsstarrigkeit dich erzürnt hat. Und lässt mich jetzt im Zweifel stecken, wer mir den Weg zeigen wird, darüber ich mich denn zum höchsten verwundere, dass du solches vor mir verbergen willst, da du dich doch vor der Zeit gegen mir erklärt hast, dass du mich vor anderen liebst und dich meiner annehmen wollest.

13. Habe ich denn Gnade vor deinen Augen gefunden, so lass mich deinen Weg wissen, damit ich dich kenne und Gnade vor deinen Augen finde. Und siehe doch, dass dies Volk dein Volk ist.

Gefunden: Dass du mich so hoch liebst.

Wissen: Das ist: Erzeige mir, auf welchen Weg und durch was für Mittel du uns wollest durch diese große Wüste und vor so mancherlei Feinde ins Land Kanaan bringen. (Denn wenn es das Ansehen bei uns gewinnt, als ob Gott sich unser nicht mehr achte, so fangen wir an, an der Gnade und Barmherzigkeit Gottes zu zweifeln. Welchen Zweifel und schwere Versuchung wir doch mit Glauben und emsigem Gebet überwinden sollen.)

Dein Volk: Welches du einmal in deinen Schutz aufgenommen hast, darum lieber verlass mich nicht.

14. Er sprach: Mein Angesicht soll gehen, damit will ich dich leiten.

Er sprach: Nämlich, der Herr, welcher sich durch solch eifriges und inbrünstiges Gebet bitten lassen will, besonders nachdem die Kinder Israels genügende Anweisungen gegeben hatten einer wahren Buße, indem sie ihren Schmuck abgelegt und Trauerkleider angezogen hatten.

Mein Angesicht: Als wollte er sagen: Obwohl die Kinder Israel es wert wären, dass ich sie ganz und gar verließe und von mir verstieße, jedoch weil sie sich bekehren und du so fleißig für sie bittest, so will ich bei euch bleiben und mit einem gewissen Zeichen, als da sind die Wolkensäule des Tages und die Feuersäule des Nachts, immer bezeugen, dass ich bei euch sei und euer Führer und Helfer sei in allen euren Nöten.

Nach Luther: Angesicht heißt hier, die Wolkensäule und feurige Säule, darin Gott gegenwärtig war.

15. Er aber sprach zu ihm: Wo nicht dein Angesicht geht, so führe uns nicht von dort hinauf.

Uns nicht: Denn ich begehre, keinen Fuß fortzusetzen, dies Volk weiterzuführen, wenn ich nicht weiß, dass du gegenwärtig bei uns bist.

16. Denn wobei soll doch erkannt werden, dass ich und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden haben, ohne wenn du mit uns gehst? Auf dass ich und dein Volk gerühmt werde vor allem Volk, das auf dem Erdboden ist.

Gehst?: Und große Wunder an uns beweist, dass du uns durch diese große Wüste führst und für uns streitest wider unsere Feinde.

Gerühmt: Das ist: Damit durch deine großen und vielen Wunder, durch welche dein Name und deine Ehre gerühmt und gepriesen wird kund und offenbar werden, dass ich und dies Volk vor allen anderen Völker unter deinem Schutz leben.

17. Der Herr sprach zu Mose: Was du jetzt geredet hast, will ich auch tun: denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.

Auch tun: Nämlich, dass durch große und herrliche Wunderzeichen, die ich weiter unter euch tun will mein Name gepriesen und du samt diesem Volk in der Welt berühmt gemacht werdest. (Hier sieht man, wie viel ein frommer Mann mit seinem Gebet bei Gott erhalten wird, auch für böse Leute, sofern sie von ihrem gottlosen Leben abstehen. Und wie Gott, obwohl er sich anfangs sehr hart und rau gegen uns erzeigt, dennoch endlich aufs freundlichste mit uns handelt. Darum wenn wir in unserem Gewissen bei uns befinden, dass wir einen zornigen Gott haben, so sollen wir nicht eher vom Gebet ablassen, wir haben ihn denn uns wieder gnädig und geneigt gemacht, welches gewisslich geschehen wird.)

18. Er aber sprach: So lass mich deine Herrlichkeit sehen.

Er aber: Nämlich Mose, der von einer solchen gnädigen Antwort einen Mut bekommen und beherzter wurde, dass er mehr begehren durften.

Herrlichkeit: Dass ich dich wahrhaftig sehe und den Kindern Israels von deiner Majestät und deinem Wesen predigen könne, damit sie dich zukünftig mehr fürchten und ehren. Denn bis daher hast du dich nur in einer Wolke oder an der angenommenen Gestalt, darin du dich gleichsam gewickelt und verdeckt sehen lassen. (Denn wir sind von Natur gar zu vorwitzig und wollten gern Gottes Wesen und Majestät mit leiblichen Augen sehen, als wenn jemand einen König oder Fürsten in seiner Majestät anschaut.)

19. Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht her alle meine Güte gehen lassen und will lassen predigen des Herrn Namen vor dir. Wem ich aber gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wes ich mich erbarme, des erbarme ich mich {2Mos 34v5 v6}.

Und er: Nämlich der Herr.

Güte: Das ist: Ich will dir zeigen und sehen lassen nicht zwar mein Wesen und göttliche Majestät welches zum künftigen Leben gehört, sondern will dir meine Güte im Wort offenbaren, dass du mich viel mehr mit den Ohren als mit den Augen erkennen soll.

Predigen: Das ist: Ich will dir meine Zunamen verkündigen und offenbaren daraus du meinen Willen erkennen kannst, wie ich gegen die menschlichen Geschlechter gesinnt bin.

Gnädig: Das ist: Dies ist mein Wille, nämlich: Ich bin dem menschlichen Geschlecht gnädig und erbarme mich sein. Aber ohne Ansehen einiger Hoheit oder Verdienst: Sondern aus Gnaden, mache ich selig, welche ich will, auf dass keiner habe, dessen er sich vor mir rühmen könne. Auf diese Meinung wird solcher Spruch von Paulus angezogen {Röm 9}.

20. Und sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.

Mein Angesicht: Das ist: Meine eigentliche Gestalt nach meinem Wesen und in meiner völligen Herrlichkeit lässt sich mit leiblichen Augen nicht sehen. Sondern es würde ein Mensch von Stund an vergehen und sterben müssen, dass er von meiner großen Majestät unterdrückt würde, die ihm zu ertragen unmöglich ist, weil ein Mensch kaum der Engel Erscheinungen ausstehen kann, dass er nicht darüber zu Boden fällt und in eine Ohnmacht sinkt. (Es wird aber die vollkommene Anschauung und Erkenntnis Gottes aufbehalten bis ins künftige ewige Leben, da werden wir Gott sehen, wie er ist {1Joh 3} und werden ihn erkennen, wie wir erkannt sind {1Kor 13}.)

Nach Luther: Hier heißt Gottes Angesicht nicht die Wolke noch die Säule, sondern er selbst, wie Er spricht: Der Mensch wird nicht leben, so mich sieht. Aber es ist alles von Christo gesagt, welcher soll erscheinen in der Menschheit, später wenn Moses Reich ein Ende hätte. Indes soll Moses im Fels stehen und den verheißenen Christus sehen und predigen, bis er komme, dass also Israel Gottes Wort habe bis auf Christus rc.

21. Und der Herr sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen.

Siehe: Ich will hier in der Hütte (denn dort ist dies Gespräch gehalten worden) von der Sache nichts mehr reden, aber wenn du in Kurzem wieder zu mir auf dem Berge Sinai steigen wirst, da will ich dich etwas Weiteres sehen lassen und mich dir besser offenbaren.

Raum: Dahin ich dich stellen will.

22. Wenn denn nun meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in der Felskluft lassen stehen, und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergehe.

Lassen stehen: Da will ich dich ein Partikel von meiner Majestät und Herrlichkeit sehen lassen, so viel du in diesem zeitlichen Leben ertragen kannst, damit du nicht plötzlich erschreckt werdest und zu Boden fällst und also auch deines Lebens wegen in Gefahr kämst.

Halten: Das ist: Ich will dich beschützen und erhalten, dass dir nichts Böses widerfahre, und will gleichsam deine Augen zudecken bis ich in der meiner damals angenommenen Gestalt bin vor dir vorübergegangen, in der ich dir etwas von meiner Majestät sehen lassen will.

23. Und wenn ich meine Hand von dir tue, wirst du mir hinten nachsehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Hinten nachsehen: Den von vorn her kannst du mich nicht ertragen, darum musst du dich auf diesmal mit solcher Erscheinung begnügen lassen, da du etwas von mir siehst, wenn ich vor dir vorübergegangen bin: Davon im folgenden Kapitel ausführlicher gesagt wird. (Gleich, wie aber Mose in der Hütte die Predigt gehört hat von dem Willen Gottes, und später auf dem Berge die geoffenbarte Gegenwart und Majestät Gottes von hinten, dessen er fähig sein konnte, zu sehen: Also wird Gott in diesem Leben aus seinem Wort erkannt, darin er uns von seinem Willen predigt und wird von hinten sehen sein, das ist, aus seinen Werken, dadurch seine Güte Macht und Gerechtigkeit geoffenbart wird, erkennen aber mit fleischlichen Augen oder begreifen mit menschlichem Verstand kann man ihn in diesem Leben nicht.)


Das 34. Kapitel


I. Es werden neue steinerne Tafeln des Gesetzes ausgehauen v. 1. II. Der Sohn Gottes erscheint Mose und predigt von der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes v. 5. III. Mose bewegt Gott abermals zur Barmherzigkeit gegen die Kinder Israels v. 8. IV. Der Sohn Gottes wiederholt dem Mose etliche Gesetze, dass sie die Heirat mit den Kanaanitern fliehen sollen und Abgötterei meiden: Feste halten: Die Erstlinge und andere Gaben opfern v. 11. V. Wie Mose zum anderen Mal vierzig Tage gefastet und die Tafeln des Gesetzes mit sich ins Lager gebracht hat, er sein glänzendes Angesicht mit einer Decke bedeckt v. 28.

1. Und der Herr sprach zu Mose: Haue dir zwei steinerne Tafeln, wie die ersten waren, dass ich die Worte darauf schreibe, die in den ersten Tafeln waren, welche du zerbrochen hast {5Mos 10v1}.

Haue dir: Durch diesen Befehl hat Gott zu verstehen gegeben, dass er den Israeliten wieder versöhnt sei, weil er ihnen sein Gesetz von Neuem vorschreiben will.

2. Und sei morgen bereit, dass du frühe auf den Berg Sinai steigst und dort zu mir tretest auf des Berges Spitze.

Steigst: Dass ich dir darin etwas von meiner Majestät sehen lasse, wie ich dir unlängst in der Hütte verhieß.

3. Und lass niemand mit dir hinaufsteigen, dass niemand gesehen werde um den ganzen Berg her; auch kein Schaf noch Rind lass weiden gegen diesem Berge.

Gegen diesem: Von welchem Ort man auf diesen Berg sehen konnte. (Und wird hier der Vorwitz verboten derjenigen, welche in göttlichen Sachen nach höheren Dingen forschen, als ihnen zugelassen ist.)

4. Und Mose hieb zwei steinerne Tafeln, wie die ersten waren, und stand des Morgens frühe auf und stieg auf den Berg Sinai, wie ihm der Herr geboten hatte, und nahm die zwei steinernen Tafeln in seine Hand.

5. Da kam der Herr hernieder in einer Wolke und trat dort bei ihn und predigte von des Herrn Namen.

Wolken: Das ist: Er hat seine Gegenwart geoffenbart, da er sich in einer dicken Wolken herniederließ.

Predigt: Das ist: Der Sohn Gottes hat von dem Namen, das ist: von dem Willen und der allmächtigen Gewalt seines himmlischen Vaters gepredigt. Denn solches hatte er dem Mose im vorigen Kapitel in der Hütte verheißen.

Nach Luther: Mose beschreibt hier das Geheimnis, dass Christus der Herr sei, der vor ihm (das ist vor dem Volk des Gesetzes) werde übergehen und predigen, dass alle Welt sündig, allein aus Gnaden selig werden müsse, wie er in Kapitel 33, 19. sagt: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig. Das ist: Es soll keiner mit Werken verdienen. Es soll Gnade sein und kein anderes. Wie denn das Evangelium also lehrt.

6. Und da der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber, rief er: Herr, Herr Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue {2Mos 20v6 Ps 86v15 Ps 103v8 Ps 145v8}.

Vorüber: Nämlich, der Sohn Gottes, welcher gleichsam mit seiner Hand des Mose Angesicht gehalten und bedeckte, dass er von vorn her Gott nicht anschauen konnte, aber von hinten zu ihm nachsah, wie er ihm zuvor angezeigte. Es war, als wenn einer einen Fürsten, der in seiner Majestät vorüberzieht, begehrt zu sehen und aber doch, weil er zu langsam dazu kommt, nur den Rücken von ihm sehen kann.

Rief er: Nämlich, der Sohn Gottes, welcher folgende Worte ausgesprochen von seinem himmlischen Vater und vom Heiligen Geist, wie auch von ihm selbst. Denn es nicht Mose Worte sind, wie es bei etlichen möchte das Ansehen haben, sondern des Sohnes Gottes Wort.

Herr, Herr: Nämlich, Gott Vater und Heiliger Geist, mit denen ich der Sohn Gottes ein Herr eines Wesens und Willens bin, ein ewiger einiger und wahrer Gott in drei Personen.

Gnädig: Den Menschen gewogen.

7. der du beweist Gnade in tausend Gliedern und vergibst Missetat, Übertretung und Sünde, und vor welchem niemand unschuldig ist; der du die Missetat der Väter heimsuchst auf Kinder und Kindeskinder bis ins dritte und vierte Glied {2Mos 20v5 5Mos 5v9 Jer 32v18 Hi 9v2 Ps 143v2};

Gnade: Oder Guttat, der dem menschlichen Geschlechte Gutes zu tun sich freut, und ist ein getreuer Freund der, nicht betrügt, noch verlässt diejenigen, so sie auf ihn hoffen.

Glied: Nämlich denen, die dich ehren und dir dienen.

Unschuldig ist: Das ist: Wenn jemand vor dem Gericht Gottes unschuldig zu sein meint, wie es die Heuchler tun, den wird Gott darum nicht auch bald für unschuldig urteilen, sondern verdammen. (Denn wie Gott den Sündern, die ihre Sünde bekennen und um Verzeihung bitten, die Sünde vergibt {Ps 32 1Joh 1}, also verwirft und verdammt er wiederum die Heuchler, welche sich auf ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott verlassen {Mt 5 Lk 18}. Wir sollen aber unseres Herrn Gottes Zunamen wohl in Achthaben, damit sich der Sohn Gottes, den Mose und uns besser zu erkennen gegeben hat, als wenn wir ihn mit leiblichen Augen anschauten. Denn über das, dass uns das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit in diesem Spruch vorgemalt ist, wird uns auch der Ernst Gottes vor die Augen gestellt, auf dass wir Buße tun, damit unsere Geschlechter und Nachkommen nicht auch in einem verkehrten Sinn gegeben und mit uns gestraft werden. Es wird aber auch Gott geduldig oder langmütig gepriesen, der lange zusehen kann, aber später mit der Strafe desto härter anhält. Derselbe Gott wird auch genannt, dass er barmherzig sei und die Sünde oder Missetat verzeihe, damit wir nicht von wegen unserer begangenen Sünden verzagen. Weiter wird von ihm gemeldet, dass er den Heuchlern feind sei, welche sich auf ihre eigene Gerechtigkeit verlassen, damit wir uns nicht selbst betrügen, wenn wir uns eine eigene Gerechtigkeit einbilden wollten. Hingegen wird seine Gnade, Güte, Wohltat und Treue gerühmt, dass wir von einem solchen gnädigen Vater allerlei geistliche und leibliche Wohltaten gewärtig sein sollen, und ihn von Herzen lieben.)

8. Und Mose neigte sich eilend zu der Erde und betete ihn an,

Neigte sich: Das ist: Da er die wunderbare und holdselige Predigt des Sohnes Gottes gehört, hat er sich ehrenhalben vor dem Sohn Gottes geneigt und ihn angebetet.

9. und sprach: Habe ich, Herr, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe der Herr mit uns; denn es ist ein halsstarriges Volk, dass du unserer Missetat und Sünde gnädig seist und lässt uns dein Erbe sein.

Gefunden: Das ist: so du mich liebst.

Gehe: Als ein Heerführer, dass du uns den Weg zeigst und uns beschützt. Denn deine gnädige Gegenwart ist uns immer vonnöten.

Halsstarrig: Welches sich nicht ziehen lässt und oft sündigt, darum so geleite uns.

Gnädig bist: Denn wo viel Sünden sind, da bedarf man viel Vergebung. So hast du selber gesagt, dass du die Sünden und Vertretungen vergibst.

Erbe sind: Das ist: Obwohl wir bisweilen sündigen, so verstoße uns darum nicht ganz und gar, sondern wenn du uns gezüchtigt hast, so nimm uns wieder zu Gnaden auf, sei unsere Gott und lass uns dein Volk und deine Kinder sein, denen du das ewige Leben schenkst. (Gleich, wie Mose aus den Worten des Sohnes Gottes Anlass und das Vertrauen mimt zu beten: Also auch wenn wir beten wollen, so müssen wir uns an die göttlichen Verheißungen halten, damit unser Glaube aufgemuntert und gestärkt werde.)

10. Und er sprach: Siehe, ich will einen Bund machen vor all deinem Volk und will Wunder tun, dergleichen nicht geschaffen sind in allen Landen und unter allen Völkern; und alles Volk, darunter du bist, soll sehen des Herrn Werke; denn wunderlich soll es sein, das ich bei dir tun werde.

Bund: Mose erlangt einen gnädigen Bescheid von Gott und ist das die Meinung: Ich will meinen Bund, den ich neulich mit dem Volk gemacht habe, wiederum erneuern: Und obwohl sie denselben übertreten haben, so will ich sie zu Gnaden wieder an- und aufnehmen, und denselben Bund ihnen zum anderen Mal aus Gnaden bestätigen und dies Volk in der Wüste nicht verlassen.

Wunder: Denn es hat Gott viel und herrliche Wunderwerk in der Wüste getan, wie sie in den folgenden Büchern erzählt werden.

Wunderlich: Das ist: Ich will durch meine Wunderwerke, die ich durch dich verrichten werde, verschaffen, dass du bei diesem Volk ein größeres Ansehen bekommen soll als du zuvor jemals gehabt. (Erlangt also Mose mehr, als er gebeten hatte. Denn Gott ist reich, der uns, wenn wir aus Glauben beten, mehr zu geben pflegt, als wir jemals hätten bitten oder begehren durften.)

11. Halte, was ich dir heute gebiete. Siehe, ich will vor dir her ausstoßen die Amoriter, Kanaaniter, Hethiter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter.

Halte: Jetzt fängt der Herr an, etliche weltliche Gesetze und Zeremonien zu wiederholen und zu erneuern, damit das Volk verstehe, wie der vorige Bund und die Gesetze, so sie ihnen gegeben wurden, um ihrer begangenen Abgötterei willen nicht aufgehoben seien, sondern Gott sorge noch für seine Kirche und Gemeinde, die er im israelitischen Volk hatte.

12. Hüte dich, dass du nicht einen Bund machst mit den Einwohnern des Landes, da du hinkommst, dass sie dir nicht ein Ärgernis unter dir werden {2Mos 23v32 5Mos 7v2};

Des Landes: Nämlich Kanaan, welches du einnehmen und besitzen soll. Solche Gebote gehen insbesondere über das israelitische Volk und über die Einwohner des Landes Kanaan. Den sonst durften sie wohl mit anderen Heiden sich verbinden.

Ärgernis: Das ist: damit nicht die Einwohner immer dich zur Abgötterei reizen.

13. sondern ihre Altäre sollst du umstürzen und ihre Götzen zerbrechen und ihre Haine ausrotten.

Haine: Lustwälder, darin sie ihren Göttern geopfert haben.

14. Denn du sollst keinen anderen Gott anbeten. Denn der Herr heißt ein Eiferer, darum dass er ein eifriger Gott ist.

Keinen: Darum sollst du ihre Bilder zerbrechen, auf dass sie nicht angebetet werden. (Deswegen wo des Anbetens wegen keine Gefahr vorhanden ist, da hat man sich auch vor den Bildern nichts zu besorgen.)

Eiferer: Das ist: Gleich, wie ein ehrlicher Biedermann nicht dulden kann, dass sein Eheweib mit einem anderen Mann zuhalte: Also kann Gott viel weniger leiden, dass sein Volk einem anderen Gott diene oder ihn auf andere Weise ehren wolle, denn er geboten hat. (Ist deswegen die Abgötterei vor Gott ein viel größeres Gräuel als irgend ein Ehebruch)

15. Auf dass, wo du einen Bund mit des Landes Einwohnern machst, und wenn sie huren ihren Göttern nach und opfern ihren Göttern, dass sie dich nicht laden, und du von ihrem Opfer essest;

Landes: Welches ich dir will zu besitzen geben.

Einwohnern: Die ich allerdings zu vertilgen und auszurotten willens bin. Darum sollst du dich in kein Bündnis mit ihnen einlassen, dass du ihnen Raum oder Platz ließest, im Lande Kanaan zu wohnen.

Huren: Denn die Abgötterei ist vor Gott eine geistliche Hurerei und die allergrößte Sünde.

Laden: Nämlich zum Opfer und Gastmahl. Denn nach Verrichtung der Opfer wurden Gastmahle gehalten.

Essest: Welche kurz zuvor den Abgöttern geopfert sind und also immer ihrer Abgötterei zu folgen gereizt werdest. Denn in den meisten Opfern wurde ein Teil mit Feuer verbrannt und der anderer Teil zur Gasterei und zum Wohlleben aufbehalten.

16. und nehmest deinen Söhnen ihre Töchter zu Weibern, und dieselben dann huren ihren Göttern nach und machen deine Söhne auch ihren Göttern nachhuren {4Mos 25v1 1Kön 11v2 v3}.

Weibern: Das ist: Damit ihr nicht durch die Gelegenheit der abgöttischen Gastmahle euch mit ihnen verheiratetet. (Denn wer die Sünde meiden will, der muss auch die Gelegenheit der Sünde fliehen.)

Dieselben: Das ist: Damit nicht, wenn ihre Töchter mit euren Söhnen verheiratet sind, sie dennoch ihre Götter verehren und ihre Männer auch zur Abgötterei reizen. (Den es ist ein sehr gefährliches Ding, da einer mit einem abgöttischen Weibe sich in Heirat einlässt. Und ob es geschehen kann, dass das Weib von der Abgötterei abstehen mag, so ist es doch ungewiss und nicht darauf zu bauen. Und da es nicht geschieht, so verführt sie entweder den Mann mit guten Worten oder ist ihm überlästig und macht ihm viel Sorge, dass er fürchten muss, sie unterrichte die Kinder heimlich in der Abgötterei, und kommen also miteinander ins ewige Verderben. Es ist aber dem israelitischen Volk insbesondere verboten worden, dass sie mit den Einwohnern des Landes Kanaan keine Heirat eingehen sollten, weil sie Gott ausrotten wollten: Sonst war es ihnen zugelassen, dass sie wohl durften aus anderen Völkern Weiber nehmen, welche sie im Krieg gefangen hatten {5Mos 21}. Weil nicht bald zu vermuten ist, dass eine elende gefangene Weibsperson ihren Herrn und Mann würde dazu antreiben wollen, dass er eine andere Religion annehme, weil sie vielmehr eine Dienerin als eine Frau im Hause, solchem Ehestande zu schätzen. Ein anderes aber wäre es gewesen, wenn die Israeliten und Kanaaniter nach vorher geschehenem Bündnis unter gleichen Personen an Würde und Gütern eine Heirat eingegangen wären.)

17. Du sollst dir keine gegossenen Götter machen.

Gegossene: Das ist: Du sollst dir keine Abgötter machen, die entweder aus Gold Silber Erz oder irgend einer anderen Materie gegossen sind, siehe Kapitel 20, weitläufiger gehandelt wurde.

18. Das Fest der ungesäuerten Brote sollst du halten. Sieben Tage sollst du ungesäuert Brot essen, wie ich dir geboten habe, um die Zeit des Mondes Abib; denn in dem Mond Abib bist du aus Ägypten gezogen {2Mos 12v15 23v15}.

Halten: Zu rechten Zeit und mit angemessenen Zeremonien, davon im 12. Kapitel berichtet wird.

19. Alles, was seine Mutter am ersten bricht, ist mein; was männlich sein wird in deinem Vieh, das seine Mutter bricht, es sei Ochse oder Schaf {2Mos 13v2 22v30 4Mos 18v15}.

Ersten: Das ist: alle Erstgeburt.

Mein: Und soll solches nicht in deinen Nutzen werden, sondern mir zur Erhaltung des Gottesdienstes heiligen, oder ihm das Genick brechen. Und wurden solche Erstgeburten entweder zum Opfer gebraucht oder kamen den Leviten und Priestern zu ihrer Unterhaltung.

20. Aber den Erstling des Esels sollst du mit einem Schaf lösen. Wo du es aber nicht lösest, so brich ihm das Genick. Alle Erstgeburt deiner Söhne sollst du lösen. Und dass niemand vor mir leer erscheine {Lk 2v23 5Mos 16v16}!

Esels: Weil der Esel zum Opfer nicht tauglich ist.

Schaf: Das ist: Du sollst den Leviten ein Schaf opfern und den Esel für dich behalten zu deinem Nutzen.

Genick: Denn die Erstgeburten sind nicht dein, sondern mein.

Lösen: Nämlich mit Gelde als fünf Sekel Silber, welches gleiches dritthalben Talers Wert {4Mos 3}. Was mehr von den Erstgeburten zu wissen ist, steht in Kapitel 13.

Leer: Das ist: Wenn du auf den vornehmsten Festen zu dem Ort der Hütte ziehst, so sollst du etwas nach deinem Vermögen mitbringen zur Erhaltung des Gottesdienstes.

21. Sechs Tage sollst du arbeiten; am siebten Tage sollst du feiern, beide mit Pflügen und mit Ernten {2Mos 20v9 23v12 31v15 35v2}:

Feiern: Das ist: Dich enthalten von der täglichen mühseligen Arbeit. (Und gibt dieser Ort zu verstehen, dass nicht alle Werke den Juden am Sabbat verboten waren, sondern allein die, welche sie verhinderten, dass sie am selben Tage zur Anhörung des Wortes Gottes und die Opfer zu verrichten nicht Zeit haben könnten, und die man mit viel Mühe und schwerer Arbeit tun musste, als wenn man täglich zu Hause und auf dem Felde zu tun hatte.)

22. Das Fest der Wochen sollst du halten mit den Erstlingen der Weizenernte und das Fest der Einsammlung, wenn das Jahr um ist {5Mos 16v10}.

Wochen: Das war das Pfingstfest, da man nach dem Osterfest sieben Wochen zählte.

Erstlingen: Das ist: Auf dasselbe Fest soll man Gott opfern von den Erstlingen deiner neu gewachsenen Früchte, und besonders vom Weizen. Denn im Lande Kanaan als einem warmen Lande wurden die Früchte des Landes eher reif als bei uns.

Einsammlung: Das ist: Wenn nach vollendeter Arbeit, so auf dem Felde zu geschehen pflegt, alle Früchte des Feldes eingesammelt worden sind. Fast auf gleiche Zeit mit diesem Fest traf auch ein das Fest der Versöhnung, welches am Zehnten Tage des siebten Monden seinen Anfang nahm und etliche Tage dauerte. So wurde das Fest der Hütte oder der Einsammlung der Früchte am fünfzehnten Tage desselben siebten Monden zu halten angefangen, von welchen Festen auch zuvor in Kapitel 23, gesagt wurde.

23. Dreimal im Jahr sollen alle Mannsnamen erscheinen vor dem Herrscher, dem Herrn und Gott Israels {2Mos 23v17 5Mos 16v16}.

Dreimal: Nämlich zuerst aufs Osterfest, danach aufs Pfingstfest, und dann zum Dritten auf beide Feste zugleich, als da waren das Fest der Laubhütten und das Fest der Versöhnung.

Vor dem: Das ist: An dem Ort, da die Hütte das Zeugnis oder auch später der Tempel sind, da nämlich die Opfer verrichtet wurden, darin sollen alle Mannsbilder sich finden lassen, welche des Alters wegen kommen können oder von ihren Eltern dahin mögen geführt werden.

24. Wenn ich die Heiden vor dir ausstoßen und deine Grenze erweitern werde, soll niemand deines Landes begehren, dieweil du hinaufgehst dreimal im Jahr, zu erscheinen vor dem Herrn, deinem Gott.

Heiden: Das ist: die Kanaaniter.

Ausstoßen: Und dich an ihre statt einsetzen werde.

erweitern: Dass du ein groß Land besitzen und vor dir her viele Feinde haben wirst.

Begehren: Dass er einen Einfall tut, oder es einnehme oder verwüste, darum sollst du dich durch keine Furcht abschrecken lassen oder abhalten, dass du nicht wolltest zu den vorgemeldeten Festtagen hinaufziehen. (Denn Gott wacht und bewahrt als denn unsere Habe und Güter und des ganzen Landes glücklichen Zustand, am allermeisten, wenn wir dem Gottesdienst mit Fleiß obliegen. Und wenn wir von wegen unseres Berufes unserer Geschäfte und Verrichtungen müssen vom Haus und in der Fremde umherziehen, so trägt Gott unterdes eine väterliche Fürsorge für unser Haus und Personal daheim, wenn wir sie mit einem eifrigen Gebet ihm befehlen.)

25. Du sollst das Blut meines Opfers nicht opfern auf dem gesäuerten Brot; und das Opfer des Osterfestes bleiben bis an den Morgen.

Gesäuerten: Das ist: Du sollst das Osterlamm nicht schlachten, es sei denn zuvor aller Sauerteig aus deinem Hause hinweggetan und ausgeräumt.

Über Nacht: Das ist: Du sollst von dem Osterlamm nichts übrig behalten oder aufheben bis an den anderen Tag, davon in Kapitel 12 und 23 geredet wurde.

26. Das Erstling von den ersten Früchten deines Ackers sollst du in das Haus des Herrn deines Gottes, bringen. Du sollst das Böcklein nicht kochen, wenn es noch an seiner Mutter Milch ist {5Mos 14v12}.

Bringen: Dass man davon opfere, und von dem Übrigen die Priester und Leviten unterhalten werden.

Milch ist: Das ist: Du sollst nicht das noch gar zarte Vieh, so kaum es auf die Welt gekommen ist, bald von der Mutter hinwegreißen und zum Opfer bringen, noch schlachten und essen: Sondern lass es zuvor etliche Tage bei seiner Mutter sein, denn das fordert die Gerechtigkeit, und ist die Speise desto gesünder. Aber von diesen Geboten allen haben wir in Kapitel 23 ausführlich vernommen.

27. Und der Herr sprach zu Mose: Schreibe diese Worte; denn nach diesen Worten habe ich mit dir und mit Israel einen Bund gemacht.

Bund: Das ist: Nach den Gesetzen, die ich zuvor gegeben und jetzt zum Teil wiederholt habe, hab ich einen Bund mit euch gemacht, dass ihr sie halten sollt und dass ich euer Gott sein wolle, von dem ihr allerlei zeitliche und ewige Güter zu erwarten habt. Solche Gesetz will ich, dass du sie aufzeichnest und in Schriften verfasst, auf dass die Kinder Israels verstehen, wie der erste Bund zu ihrem Teil zwar übergangen und gebrochen sei, aber jetzt durch mich, indem ich ihnen die Sünde verziehen, wiederum bestätigt wurde. (Eben dasselbe geschieht mit uns auch, wenn wir durch die Sünde den Bund der heiligen Taufe übergehen, dass uns solche Sünde verziehen und vergeben werde, wenn wir ernstliche Buße tun, und wird der Gnadenbund von Gott wiederum bestätigt und für kräftig geachtet, als wenn wir nie dagegen etwas getan hätten.)

28. Und er war dort bei dem Herrn vierzig Tage und vierzig Nächte und aß kein Brot und trank kein Wasser. Und er schrieb auf die Tafeln solchen Bund, die zehn Worte {2Mos 24v4 5Mos 9v18 5Mos 4v13}.

Er war: Nämlich Mose zum andermal.

Aß kein: Das ist: Er hat die ganze Zeit über keiner leiblichen Speise oder keines Tranks gebraucht. (Mit welchem Wunderwerk Gott dem Gesetzgeber Mose nicht allein ein Ansehen machen wollte und ihn aufmuntern, dass er sein hohes und schweres Amt zu verrichten auf sich nehme und demselben begehrte, nachzukommen: Sondern hat auch uns lehren wollen, dass er den Menschen ernähren könne, wenngleich keine äußerlichen Mittel vorhanden sind.

Er schrieb: Nämlich Gott.

Tafeln: Die Mose wiederum ausgehauen hatte.

Zehn Worte: Das ist: Die zehn Gebote so auch in den ersten Tafeln, welche Mose zerbrochen hatte, geschrieben waren, deren Erklärung findet man im zwanzigsten Kapitel.

29. Da nun Mose vom Berge Sinai ging, hatte er die zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand; und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte davon, dass er mit ihm geredet hatte.

Zeugnis: Welche also genannt wurden, weil Gott in denselben von seinem Willen zeugte.

30. Und da Aaron und alle Kinder Israel sahen, dass die Haut seines Angesichts glänzte, fürchteten sie sich, zu ihm zu nahen.

31. Da rief ihnen Mose; und sie wandten sich zu ihm, beide Aaron und alle Obersten der Gemeinde; und er redete mit ihnen.

Rief: Dass sie zu ihm gehen und sich nicht vor ihm fürchten sollten.

32. Danach nahten alle Kinder Israel zu ihm. Und er gebot ihnen alles, was der Herr mit ihm geredet hatte auf dem Berge Sinai.

33. Und wenn er solches alles mit ihnen redete, legte er eine Decke auf sein Angesicht.

Decke: Nämlich, sooft er mit den Kindern Israels sprach, hielt oder unter ihnen umging. (Also geschieht es, wenn das Gesetz Mose recht erklärt wird, dass es der Menschen Herzen so blendet, dass sie es nicht ertragen können. Denn sie wohl verstehen, dass niemand dasselbe erfüllen kann und das alle Menschen nach des Gesetzes Urteil müssten ewig verloren sein, wo Gottes Gnade und Barmherzigkeit nicht dazwischen käme. Darum erdenkt die menschliche Vernunft eine Decke, damit sie das Angesicht Mose eines solchen strengen Gesetzgebers bedeckt: Nämlich, sie bringt einen Wahn hervor, das Gesetz erfordere nur einen äußerlichen Gehorsam und könne der Mensch denselben vollkommen leisten: Durch welchen Gehorsam er das ewige Leben erlange. Diese Decke liegt auf aller Heuchler Herzen, dass sie den rechten Brauch des Gesetzes nicht sehen. Welche aber durch die Predigt des Wortes Gottes vom Heiligen Geist erleuchtet werden, die verstehen das Gesetze recht, dass es darum gegeben sei, damit wir unsere Sünde daraus recht lernen erkennen und bei dem Mittler Christus unsere Zuflucht suchen: Und diese werden selig. Solche Deutung zeigt uns Paulus {2Kor 3} aus diesem Text. Gleich, wie aber Moses Angesicht aus dem Gespräch, und weil er mit Gott umging, eine Klarheit und Glanz bekam: Also wenn wir Gott in seinem Wort anschauen und mit ihm ein Gespräch halten, da wir nämlich ihn in seinem Wort reden hören und wir mit unserem Gebet ihn ansprechen, so geschieht es aus Kraft des Heiligen Geistes, dass wir mit himmlischen Gaben der Erkenntnis Gottes und daraus entspringenden Tugenden geziert werden und von einer Klarheit zur anderen fortschreiten, das ist, dass wir von Tag zu Tag immer je mehr zunehmen und wachsen und zu demselben Ebenbild Gottes verklärt werden, zu welchem Adam anfangs ist erschaffen worden {2Kor 3}.)

34. Und wenn er hineinging vor den Herrn, mit ihm zu reden, tat er die Decke ab, bis er wieder herausging. Und wenn er herauskam und redete mit den Kindern Israel, was ihm geboten war,

35. so sahen dann die Kinder Israel sein Angesicht an, wie dass die Haut seines Angesichts glänzte; so tat er die Decke wieder auf sein Angesicht, bis er wieder hineinging, mit ihm zu reden.


Das 35. Kapitel


I. Die Haltung des Sabbats wird abermal ernstlich geboten v. 1. II. Und ermahnte Mose die Kinder Israels, dass sie köstliche Sachen gaben zum Gebäude der Hütte: Welche alles willig geben v. 4.

1. Und Mose versammelte die ganze Gemeinde der Kinder Israel und sprach zu ihnen: Das ist es, das der Herr geboten hat, das ihr tun sollt:

2. Sechs Tage sollst ihr arbeiten; den siebten Tag aber sollt ihr heilig halten, einen Sabbat der Ruhe des Herrn. Wer darin arbeitet, soll sterben {2Mos 20v9 23v12 34v21}.

Halten: Dass ihr ruht von eurer täglichen Arbeit und den heiligen Sachen abwartet, so diese zur Erkenntnis Gottes und Verrichtung des Gottesdienstes gehören.

Sterben: Also, dass ihn die weltliche Obrigkeit zur Strafe ziehe. (Und hat Gott mit so großem Ernst im Alten Testament den Sabbat zu halten befohlen, auf dass wir erinnert werden, wie man zuallererst das Reich Gottes suchen soll {Mt 6}.)

3. Ihr sollt kein Feuer anzünden am Sabbattage in allen euren Wohnungen.

Feuer: Dies hat Gott vielleicht darum verboten, damit sie den Sabbat nicht missbrauchten zum übermäßigen Schwelgen und Paketieren.

4. Und Mose sprach zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel: Das ist es, das der Herr geboten hat:

Und Mose: Jetzt fängt Mose an, dem Volk seinen Befehl vorzulegen, den er von Gott empfangen hatte vom Aufbau der Hütte.

Nach Luther: Was Gott vom 25. Kapitel an bis aufs 32. Mose befohlen hat, von der Wohnung und allen ihren Geräten zu machen, das hält Mose dem Volk vor in diesem Kapitel.

5. Gebet unter euch Hebeopfer dem Herrn, also dass das Hebeopfer des Herrn ein jeglicher willig bringe, Gold, Silber, Erz {2Mos 25v2},

Hebeopfer: Das ist: Eine Gabe, die vor dem Herrn über sich gehoben wurde, von welcher Zeremonie oben Kapitel 25. gesagt ist. Er nennt aber an diesem Ort ein Hebeopfer allerlei notwendige Materie zum Aufbau der Hütte.

Bringe: Zur Beförderung des Gottesdienstes. (Denn wie von uns gefordert wird, dass wir zur Unterhaltung des Gottesdienstes geben sollen: Also ist wiederum solche Gabe Gott nicht angenehm welche mit Unwillen und kärglich gegeben wird.)

6. gelbe Seide, Scharlaken, Rosinrot, weiße Seide und Ziegenhaar,

7. rötlich Widderfell, Dachsfell und Föhrenholz,

8. Öl zur Lampe und Spezerei zur Salbe und zu gutem Räucherwerk,

9. Onyx und eingefasste Steine zum Leibrock und zum Schildlein.

10. Und wer unter euch verständig, ist, der komme und mache, was der Herr geboten hat:

Verständig: Das er machen kann, was zum Aufbau der Hütte gehört.

11. nämlich die Wohnung mit ihrer Hütte und Decke, Ringe, Brettern, Riegeln, Säulen und Füßen;

Decken: Nämlich, den seidenen Teppichen und anderen drei Überdecken von Ziegenhaar, Widderfell und Dachsfell. Es ist aber von allen diesen Sachen vorhin in etlichen Kapiteln, da Mose das Gebäude der Hütte auf dem Berge gesehen, ausführlich gesagt worden. Und hält es hier Mose dem Volk vor, dass ein jeder nach seinem Vermögen Handreichung dazutun sollte, entweder mit Arbeiten, wer die Gaben des Verstandes dazu hat, oder mit allerhand Sachen, so diese zum Bau der Hütte dienlich sind. (Und obwohl keiner ohne Berufung sich in ein Amt oder eine Verrichtung bei der Kirche einbringen soll, so ist doch auch wiederum einem jeden erlaubt, dass er der Kirche seinen Dienst anbieten möge, so viel er aus einfältigem Herzen meint, dass er derselben zur Beförderung der Ehre Gottes nützlich sein könne.)

12. die Lade mit ihren Stangen, den Gnadenstuhl und Vorhang;

13. den Tisch mit seinen Stangen und alle seinem Geräte und die Schaubrote;

14. den Leuchter, zu leuchten, und sein Gerät und seine Lampen und das Öl zum Licht;

15. den Räucheraltar mit seinen Stangen, die Salbe und Spezerei zum Räucherwerk; das Tuch vor der Wohnung Tür;

16. den Brandopferaltar mit seinem eisernen Gitter, Stangen und alle seinem Gerät; das Handfass mit seinem Fuße;

17. den Umhang des Vorhofes mit seinen Säulen und Füßen und das Tuch des Tors am Vorhof;

18. die Nägel der Wohnung und des Vorhofes mit ihren Säulen

19. die Kleider des Amts zum Dienst im Heiligen, die heiligen Kleider Aarons, des Priesters, mit den Kleidern seiner Söhne zum Priestertum.

20. Da ging die ganze Gemeinde der Kinder Israel aus von Mose.

Da ging: Nämlich, wie sie den Willen Gottes verstanden hatten.

21. Und alle, die es gerne und willig gaben, kamen und brachten das Hebeopfer dem Herrn zum Werke der Hütte des Stifts und zu alle seinem Dienst und zu den heiligen Kleidern.

Gaben: Dass sie den Gottesdienst befördern halfen.

22. Es brachten aber beide, Mann und Weib, wer es willig tat, Hefte, Ohrringe, Ringe und Spangen und allerlei goldene Gerät. Dazu brachte jedermann Gold zur Webe dem Herrn.

Webe: Dass für den Herrn gegen alle vier Örter der Welt gewebt wurde.

Nach Luther: Diese zwei Worte Heben und Weben müssen wir lernen gebrauchen und verstehen. Denn ein Opfer oder eine Gabe zum Opferdienst heißt darum ein Hebe oder Hebeopfer, dass man es dem Herrn emporhob. Webe aber heißt, dass man es hin und herzog in vier Örter gegen Morgen, Abend, Mittag und Mitternacht.

23. Und wer bei ihm fand gelbe Seide, Scharlaken, Rosinrot, weiße Seide, Ziegenhaar, rötlich Widderfell und Dachsfell, der brachte es.

24. Und wer Silber und Erz hob, der brachte es zur Hebe dem Herrn. Und wer Föhrenholz bei ihm fand, der brachte es zu allerlei Werke des Gottesdienstes.

25. Und welche verständige Weiber waren, die wirkten mit ihren Händen und brachten ihr Werke von gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und weißer Seide.

Verständige: Die künstlich stricken und wirken konnten, brachten auch herzu, was sie gemacht hatten und man zur Aufrichtung der Hütte nützlich gebrauchen könnte. (Denn man soll den Weibern auch ihr Teil und Ort gönnen unter der Zahl der Auserwählten in der Kirche Gottes, obwohl sie zum öffentlichen Predigtamt nicht sollen zugelassen werden.)

Brachten: (Heutzutage legen die Weiber vielmehr auf ihren Leibesschmuck und missbrauchen zur Üppigkeit und Hoffart, ehe sie zur Erhaltung des Gottesdienstes etwas geben sollten.)

26. Und welche Weiber solche Arbeit konnten und willig dazu waren, die wirkten Ziegenhaar.

27. Die Fürsten aber brachten Onyx und eingefasste Steine zum Leibrock und zum Schildlein

Fürsten: (Denn es steht den Fürsten und großen Herren zu, dass sie von ihrem Reichtum das Kirchenamt erhalten und befördern.)

28. und Spezerei und Öl zu den Lichtern und zur Salbe und zu gutem Räucherwerk.

29. Also brachten die Kinder Israel willig, beide Mann und Weib, zu allerlei Werke, das der Herr geboten hatte durch Mose, dass man es machen soll.

Willig: (Denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb {2Kor 9}.)

30. Und Mose sprach zu den Kindern Israel: Seht, der Herr hat mit Namen berufen den Bezaleel, den Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda,

Herr: (In diesen Worten steckt auch das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit verborgen. Denn der Herr, als Gott der Vater, hat Bezaleel erfüllt mit dem Geist, welcher war der Heiligen Geist und ein Geist Gottes, nämlich Christi des Sohnes Gottes. Ist also eine andere Person, welche erfüllt eine andere, der Geist und aber eine andere, deren Person der Geist ist.)

31. und hat ihn erfüllt mit dem Geist Gottes, dass er Weise, verständig, geschickt sei zu allerlei Werke,

Erfüller: Das ist: Er hat ihm herrliche und feine Gaben des Heilige Geistes mitgeteilt so zu dem bevorstehenden Werken vonnöten sind und ein weiser Baumeister habe muss.

32. künstlich zu arbeiten am Gold, Silber und Erz,

Erz: (Man liest von keinem eisernen Werkzeug, das zum Bau der Hütte gebraucht wurde, damit vielleicht anzuzeigen, dass der Gottesdienst nicht soll gezwungen sein.)

33. Edelstein schneiden und einsetzen, Holz zimmern, zu machen allerlei künstliche Arbeit.

Künstliche Arbeit: (Denn der Werkmeister Kunst und subtile Arbeit ist auch eine besondere Gabe Gottes, die man mit dankbarem Herzen erkennen soll.)

34. Und hat ihm sein Herz unterweist samt Ahaliab, dem Sohne Ahisamachs, vom Stamm Dan.

35. Er hat ihr Herz mit Weisheit erfüllt, zu machen allerlei Werke, zu schneiden, wirken und zu sticken mit gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und weißer Seide und mit Weben, dass sie machen allerlei Werke und künstliche Arbeit erfinden.


Das 36. Kapitel


I. Die Israeliten bringen so reichlich allerlei Materie zum Bau der Hütte, dass man sie muss heißen aufhören v. 1. II. Die Teppiche, Bretter, Füße und Säulen, so sie zur Hütte vonnöten werden, zugerichtet, wie auch beide Vorhänge fertig werden, deren einer das Allerheiligste, der anderer aber das Heilige beschlossen v. 8.

1. Da arbeiteten Bezaleel und Ahaliab und alle Waisen Männer, denen der Herr Weisheit und Verstand gegeben hatte, zu wissen, wie sie allerlei Werke machen sollten, zum Dienst des Heiligtums nach allem, das der Herr geboten hatte.

Arbeiteten: Was weiter folgt, bis zu Ende dieses Buches ist vorhin in etlichen Kapiteln erklärt worden, darum solches weitläufig zu wiederholen nötig ist: Darum wir es kürzlich durchlaufen wollen und wo es die Notdurft erfordert, was etwas dunkel geredet ist, erklären. Denn was dem Mose in den vorigen Kapiteln vom Bau der Hütte ist befohlen worden, das wird in den folgenden Kapiteln gelesen, wie man es ins Werk gerichtet und vollendet habe.

Alle Weise: Das ist: Es verfügten sich zu den beiden als obersten Barmeistern noch viel mehr andere verständige und kunstreiche Meister und halfen ihnen, das Werke zum Ende bringen.

2. Und Mose rief dem Bezaleel und Ahaliab und allen Waisen Männern, denen der Herr Weisheit gegeben hatte in ihr Herz, nämlich allen, die sich willig erboten und hinzutraten, zu arbeiten an dem Werke.

Willig: (Denn wir sollen zum Gottesdienst willig und ungezwungen sein und denselben gern befördern helfen.)

3. Und sie nahmen zu sich von Mose alle Hebe, die die Kinder Israel brachten zu dem Werke des Dienstes des Heiligtums, dass es gemacht würde. Denn sie brachten alle Morgen ihre willige Gabe zu ihm.

Alle Hebe: Als Edelsteine, Gold, Silber, Erz, Seide, Ziegenhaar, Widderfelle und Dachsfelle, welche alle miteinander an diesem Ort, wie auch zuvor etliche Mal eine Hebe genannt wurde, das ist ein Opfer, welches vor dem Herrn in die Höhe über sich gehoben wurde, wenn es die Israeliten brachten, dass man es zum Bau der Hütte gebrauchen sollte.

Willige: Das ist: Obwohl bereits allerlei Sachen in großer Menge vorhanden waren und übrig genug dargereicht wurden, so war doch des Gebens kein Ende und trug jedermann mit Haufen zu. (Heutzutage wird bei uns eine solche Freigiebigkeit zur Erhaltung des Kirchenamts selten gespürt.)

4. Da kamen alle Waisen, die am Werke des Heiligtums arbeiteten, ein jeglicher seines Werks, das sie machten,

5. und sprachen zu Mose: Das Volk bringt zu viel, mehr denn zum Werke dieses Dienstes Not ist, das der Herr zu machen geboten hat.

Zum Werke: Nämlich zum Bau der Hütte und zu derselben Geräte. (Es ist aber dieser Werkmeister Aufrichtigkeit und Redlichkeit lobenswert, dass sie des Volkes Freigiebigkeit nicht missbrauchen zu ihrem Vorteil und eigenem Nutzen.)

6. Da gebot Mose, dass man rufen ließ durch das Lager: Niemand tue mehr zur Hebe des Heiligtums! Da hörte das Volk auf zu bringen.

Hebe: Dass er es der Meinung opfere, damit es zum Bau der Hütte gebraucht werde.

7. Denn des Dinges war genug zu allerlei Werke, das zu machen war, und noch übrig.

8. Also machten alle Waisen Männer unter den Arbeitern am Werke die Wohnung, zehn Teppiche von gezwirnter weißer Seide, gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot, Cherubim, künstlich.

Also: Jetzt gehen das Werk und der Bau an, und fängt Mose an, alles weitläufig zu wiederholen, was er zuvor auch beschrieben hat. (Es ist aber solche Wiederholung nicht vergebens geschehen. Denn damit wird angezeigt, wie gehorsam und willig die Israeliten allerlei Vorrat heranschafften, was zum Gottesdienst nötig war. Solche Freiwilligkeit sollen wir lernen nachfolgen. Und wird danach durch die weitläufige Erzählung vom Bau der Hütte und alles Gerätes derselben angezeigt, wie Gott sich den rechten Gottesdienst, den er selber angerichtet hat, so hoch angelegen sein lasse: Daher sollen wir darauf achten, was wir von der rechten Religion halten sollen. Dazu so wird es nicht unrichtig, dass ein jedes besonders ausführlich erzählt und wiederholt wird, weil die Aufrichtung der Hütte eine figürliche Predigt war von dem Sohn Gottes, dass er sollte Mensch werden und ein Mittler sein zwischen Gott und dem menschlichen Geschlecht, wie zuvor an seinem Ort gemeldet wurde. Darum sollen wir diese wiederholte Erzählung nicht für eine vergebliche Arbeit ansehen.)

Cherubim: Welche sie auf die Teppiche stickten oder hineinwirkten.

9. Die Länge eines Teppichs war achtundzwanzig Ellen und die Breite vier Ellen, und waren alle in einem Maß.

10. Und er heftete je fünf Teppiche zusammen, einen an den anderen.

Zusammen: Also, dass aus fünf Teppichen immer ein Stück des Dachses gemacht wurde.

11. Und machte gelbe Schläuflein an eines jeglichen Teppichs Ort, da sie zusammengefügt werden.

12. je fünfzig Schläuflein an einen Teppich, damit einer den anderen fasste.

13. Und machte fünfzig goldene Häklein; und fügte die Teppiche mit den Häklein einen an den anderen zusammen, dass es eine Wohnung würde.

Wohnung: Das ist: ein Dach der inneren Hütte.

14. Und er machte elf Teppiche von Ziegenhaaren zur Hütte üben die Wohnung,

Zur Hütte: Auf dass mit den geringeren Teppichen von schlechter Materie die andere köstlichere aus Seide gewebt überdeckt und vor dem Unwetter bewahrt würden.

15. dreißig Ellen lange und vier Ellen breit, alle in einem Maß.

16. Und fügte ihrer fünf zusammen auf ein Teil und sechs zusammen aufs andere Teil.

Ein Teil: Das ist: Die fünf Teppiche sollten den einen Teil der Hütte bedecken.

Anderer Teil: Das ist: Die sechs übrigen Teppiche sollten den anderen Teil der Hütte überdecken, also dass vorn an der Hütte der sechste Teppich über den fünften geschlagen und doppelt oder zweifach würde, auf dass er desto stärker wäre. Darum man auf der einen Seite sechs Teppiche hatte.

17. Und machte je fünfzig Schläuflein an jeglichen Teppich am Ort, damit sie zusammengeheftet würden.

18. Und machte je fünfzig eiserne Häklein, damit die Hütte zusammen in eins gefügt würde.

19. Und machte eine Decke über die Hütte von rötlichen Widderfellen und über die noch eine Decke von Dachsfellen.

20. Und machte Bretter zur Wohnung von Föhrenholz, die stehen sollten,

Und machte: Nachdem das Dach fertig wurde, wird jetzt an der Hütte selbst ein Anfang gemacht.

Bretter: Zu den Wänden.

Stehen: Das ist: Sie waren also zugerichtet, dass sie aufrecht stehen konnten.

21. ein jegliches zehn Ellen lange und anderthalb Ellen breit,

22. und an jeglichem zwei Zapfen, da mit eins an das andere gesetzt würde. Also machte er alle Bretter zur Wohnung,

Zapfen: Das ist: Ein jegliches Brett hatte unten an beiden Ecken zwei Zapfen oder Zinken, damit sie in die silbernen Füße eingefügt wurden und also aufrecht stehen blieben.

Zur Wohnung: Das ist: dass eine Wohnung oder Hütte daraus würde.

23. dass derselben Bretter zwanzig gegen Mittag standen;

24. und machte vierzig silberne Füße darunter, unter jegliches Brett zwei Füße an seinen zwei Zapfen.

Füße: Darin die beide Zapfen an jegliches Brett gestoßen wurden.

25. Also zur anderen Seite der Wohnung, gegen Mitternacht, machte er auch zwanzig Bretter

26. mit vierzig silbernen Füßen, unter jegliches Brett zwei Füße.

27. Aber hinten an der Wohnung gegen den Abend machte er sechs Bretter,

28. und zwei andere hinten an den zwei Ecken der Wohnung,

Zwei andere: Das ist: An beiden Enden der sechs Bretter hat er also an jede Seite ein anderes Brett hinangesetzt, dass es eine Ecke auf beiden Seiten beschlösse: Das eine Brett an der Seite gegen Mittag, und das anderer an der anderen Seite gegen Mitternacht, und mit den zwanzig Brettern einer jeden Seite zusammengefügt würde.

29. dass ein jegliches der beiden sich mit seinem Ortbrett von unten auf gesellte und oben am Haupt zusammenkäme mit einer Klammer,

30. dass der Bretter acht würden und sechzehn silbernes Füße, unter jeglichem zwei Füße.

31. Und er machte Riegel von Föhrenholz, fünf zu den Brettern auf der einen Seite der Wohnung

Riegel: Vom oberen Teil der Bretter an bis unten zu den Füssen in gleicher Weite voneinander, dass sie die Bretter zusammenhielten, damit sie nicht, wenn sie vom Winde oder sonst bewegt würden, voneinander fielen, sondern als eine Wand fest und steif eins an das andere standen.

32. und fünf auf der anderen Seite und fünf hinten an, gegen den Abend.

33. Und machte die Riegel, dass sie mitten an den Brettern durchhin gestoßen würden, von einem Ende zum anderen.

34. Und überzog die Bretter mit Gold; aber ihre Ringe machte er von Gold zu den Riegeln und überzog die Riegel mit Gold.

35. Und machte den Vorhang mit den Cherubim daran künstlich mit gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide.

Vorhang: Dieser erste Vorhang beschloss das Allerheiligste oder den allerheiligsten Teil der Hütte mitten in der Hütte, so er übergoldet war.

36. Und machte zu demselben vier Säulen von Föhrenholz und überzog sie mit Gold und ihre Köpfe von Gold; und goss dazu vier silbernes Füße.

Säulen: Dass der Vorhang daran aufgehängt würde.

Köpfe: Mit welchen der Vorhang an die Säulen geheftet wurde.

37. Und machte ein Tuch in der Tür der Hütte; von gelber Seide, Scharlaken, Rosenrot und gezwirnter weißer Seide gestickt,

38. und fünf Säulen dazu mit ihren Köpfen und überzog ihre Köpfe und Reife mit Gold; und fünf eiserne Füße daran.

Reife: Welche um die Säulen her zur Zierde gemacht waren.


Das 37. Kapitel


I. Es werden gefertigt die Lade des Bundes samt dem Gnadenstuhl und Cherubim v. 1. II. Desgleichen der goldene Tisch v. 10. III. Der goldene Leuchter v. 17. IV. Der Rauchaltar v. 25. V. Die heilige Salbe v. 29. VI. Und das heilige Räucherwerk v. 29.

1. Und Bezaleel machte die Lade von Föhrenholz, dreieinhalb Ellen lange, anderthalb Ellen breit und hoch {2Mos 25v10},

Lade: Darin man das Gesetz legen sollte, welches in steinerne Tafeln gehauen war.

2. und überzog sie mit feinem Gold, inwendig und auswendig; und machte ihr einen goldenen Kranz umher.

Kranz: Welcher oben um die Lade ging.

3. Und goss vier goldene Ringe an ihre vier Ecken, auf jeglicher Seite zwei.

4. Und machte Stangen von Föhrenholz und überzog sie mit Gold

5. und tat sie in die Ringe an der Lade Seiten, dass man sie tragen konnte.

6. Und machte den Gnadenstuhl von feinem Gold, dreienhalb Ellen lange und anderthalb Ellen breit {2Mos 25v17}.

Gnadenstuhl: Damit die Bundeslade bedeckt wurde.

7. Und machte zwei Cherubim von dichtem Gold an die zwei Enden des Gnadenstuhls,

8. einen Cherub an diesem Ende, den anderen an jenem Ende.

9. Und die Cherubim breiteten ihre Flügel aus von oben her und deckten damit den Gnadenstuhl; und ihre Antlitze standen gegeneinander und sahen auf den Gnadenstuhl.

10. Und er machte den Tisch von Föhrenholz, zwei Ellen lange, eine Elle breit und anderthalb Ellen hoch.

11. Und überzog ihn mit feinem Gold und machte ihm einen goldenen Kranz umher.

12. Und machte ihm eine Leiste umher, einer Hand breit hoch; und machte einen goldenen Kranz um die Leiste her.

Von: Das ist: Oben über die Leiste hat er den goldenen Kranz, davon er allererst zuvor gesagt, umhergemacht, die Leiste damit nicht leicht etwas vom Tisch herabfiele und den Kranz zur Zierde oben darauf.

13. Und goss dazu vier goldene Ringe und tat sie an die vier Orte an seinen vier Füßen

Füßen: Doch nicht gar zuunterst an den Füßen, sondern wohl oben und nicht weit vom Blatt des Tisches.

14. hart an der Leiste, dass die Stangen darin wären, damit man den Tisch trüge.

15. Und machte die Stangen von Föhrenholz und überzog sie mit Gold, dass man den Tisch damit trüge.

16. Und machte auch von feinem Gold das Gerät auf dem Tisch: Schüsseln, Becher, Kannen und Schalen, damit man aus- und einschenkte.

17. Und machte den Leuchter von feinem, dichtem Gold. Daran waren der Schaft mit Röhren, Schalen, Knäufen und Blumen.

Leuchter: Von dessen Erklärung und wie er gemacht wurde, mag man lesen im vorigen 25. Kapitel.

18. Sechs Röhren gingen zu seinen Seiten aus, zu jeglicher Seite drei Röhren.

19. Drei Schalen waren an jeglichem Rohr mit Knäufen und Blumen.

Knäufen und Blumen: In gleicher Anzahl ein jegliches, nämlich drei Knäufe oder drei Blumen zur Zierde des Leuchters.

20. An dem Leuchter aber waren vier Schalen mit Knäufen und Blumen,

Und Blumen: Auch eines so viel wie das andere, nämlich vier Knäufe und vier Blumen den Leuchter damit zu zieren.

21. je unter zwei Röhren ein Knauf, dass also sechs Röhren aus ihm gingen,

Sechs: Das ist: Es waren drei Paar Röhren, die von dem Schaft des Leuchters ausgingen, je zwei und zwei immer einander gegenüber, und ein Paar höher als das andere, dazwischen waren am Schaft zwischen einem jeden Paar ein Knauf, eine Schale und Blume, welche gleichsam etlichermaßen die Röhren voneinander unterschieden.

22. und ihre Knäufe und Röhren daran, und war alles aus dichtem, feinem Gold.

23. Und machte die sieben Lampen mit ihren Lichtschneuzen und Löschnäpfen von feinem Gold.

24. Aus einem Zentner feines Goldes machte er ihn und alle seine Geräte.

25. Er machte auch den Räucheraltar von Föhrenholz, eine Elle lange und breit, gleich viereckig und zwei Ellen hoch, mit seinen Hörnern {2Mos 30v1}.

26. Und überzog ihn mit feinem Gold, sein Dach und seine Wände rings umher und seine Hörner. Und machte ihm einen Kranz umher von Gold

27. und zwei goldene Ringe unter dem Kranz zu beiden Seiten, dass man Stangen hinein tat und ihn damit trüge.

28. Aber die Stangen machte er von Föhrenholz und überzog sie mit Gold.

29. Und machte die heilige Salbe und Räucherwerk von reiner Spezerei nach Apothekerkunst.

Salbe: Damit die Priester gesalbt und zur Verrichtung des Gottesdienstes geheiligt wurden.


Das 38. Kapitel


I. In diesem Kapitel werden gefertigt und ausgemacht erstlich der Brandopfers Altar v. 1. II. Danach das Handfass, darin die Priester ihre Hände und Füße wuschen v. 8. III. Und der Hof der Hütte mit seiner Decke v. 9. IV. Weiter werden die Baumeister der Hütte Bezaleel und Ahaliab gerühmt v. 21. V. Endlich wird der Kosten angeschlagen, wie viel von Gold Silber und Erz zum Bau der Hütte ausgegangen sei v. 24.

1. Und machte den Brandopferaltar von Föhrenholz, fünf Ellen lange und, breit, gleich viereckig und drei Ellen hoch {2Mos 27v1}.

Brandopfers Altar: Darauf man die Brandopfer und andere Opfer opfern sollte.

Lange und breit: Also, dass die Länge fünf Ellen und die Breite auch fünf Ellen hatte.

2. Und machte vier Hörner, die aus ihm gingen, auf seinen vier Ecken; und über zog ihn mit Erz.

3. Und machte allerlei Geräte zu dem Altar Aschentöpfe, Schaufeln, Becken, Kreuel, Kohlpfannen: alles von Erz.

4. Und machte am Altar ein Gitter, wie ein Netz, von Erz umher, von unten auf bis an die Hälfte des Altars.

Hälfte: Nämlich, bis an die breiten Leisten, welche in der Mitte um den Altar her gemacht waren und das Gitter aufhielt, dass es nicht weiter über sich rutschen konnte, wenn man den Altar tragen musste.

5. Und goss vier Ringe an die vier Orte des eisernen Gitters zu Stangen.

6. Dieselben machte er von Föhrenholz und überzog sie mit Erz.

7. Und tat sie in die Ringe an den Seiten des Altars, dass man ihn damit trüge; und machte ihn inwendig hohl.

Hohl: Das ist: Er hat nur allein seine vier Seiten oder Wände umher gehabt, und so oft die Kinder Israel an einem Ort sich niederließen und ihr Lager aufschlugen, so wurde er mit Erde aufgefüllt bis obenan und also darauf geopfert.

8. Und machte das Handfass von Erz und seinen Fuß auch von Erz, gegen den Weibern, die vor der Tür der Hütte des Stifts dienten {2Mos 30v18}.

Handfass: Welches mit lauterem Wasser gefüllt wurde, und wuschen die Priester ihre Hände und Füße darin wenn sie in den Teil der Hütte gehen wollten, so das Heilige genannt wurde, oder aber, dass sie im Hof opfern wollten.

Weibern: Dies waren die andächtigen gottseligen Weiber und Witwen, welche vor der Tür der Hütte Gott dienten mit Wachen und Beten {1Sam 2 Lk 2}.

Nach Luther: Diese Weiber waren die andächtigen Witwen und Weiber, die mit Fasten und Beten für der Hütte Gott dienten, wie 1. Sam. 2 22. bezeugt. Und Paulus 1. Timoth. 5 v5. beschreibt. Wie auch S. Lucas die heilige Prophetin Hannah rühmt {Lk 2v37}.

9. Und er machte einen Vorhof gegen Mittag mit einem Umhang hundert Ellen lange von gezwirnter weißer Seide {2Mos 27v9},

Vorhof: Dies war das dritte Teil der Hütte.

10. mit ihren zwanzig Säulen und zwanzig Füßen von Erz, aber ihre Knäufe und Reife von Silber;

Ihre Knäufe: Nämlich der Säulen, daran die Teppiche aufgehängt wurden.

Reife: Welche um die Säulen hergingen und zur Zierde daran gemacht waren.

11. desselben gleichen gegen Mitternacht hundert Ellen mit zwanzig Säulen und zwanzig Füßen von Erz, aber ihre Knäufe und Reife von Silber;

12. gegen den Abend aber fünfzig Ellen mit zehn Säulen und zehn Füßen, aber ihre Knäufe und Reife von Silber:

13. gegen den Morgen aber fünfzig Ellen,

14. fünfzehn Ellen auf jeglicher Seite des Tors am Vorhof, je mit drei Säulen und drei Füßen,

Seiten: Das ist: Die breite des Hofs gegen Morgen hat ganz fünfzig Ellen gehabt, ist aber in drei Teil abgeteilt worden. Also dass von der einen Ecken her gegen die Mitte zu fünfzehn Ellen gingen, somit drei Säulen unterstützt wurden, und von der anderen Ecke gleichfalls fünfzehn Ellen mit drei Säulen. Was aber in der Mitte noch übrig blieb, nämlich zwanzig Ellen, das war der Eingang oder das Tor der Hütte, und wurde mit einem besonderen Tuch bedeckt, wie später folgen wird.

15. und auf der anderen Seite fünfzehn Ellen, dass ihrer so viel war an der einen Seite des Tors am Vorhofe als auf der anderen, mit drei Säulen und drei Füßen,

16. dass alle Umhänge des Vorhofes waren von gezwirnter weißer Seide

17. und die Füße der Säulen von Erz und ihre Knäufe und Reife von Silber, also dass ihre Köpfe überzogen waren mit Silber; aber ihre Reife waren silbern an allen Säulen des Vorhofes.

18. Und das Tuch in dem Tor des Vorhofes machte er gestickt, von gelber Seide, Scharlaken, rosinrot und gezwirnter weißer Seide, zwanzig Ellen lange und fünf Ellen hoch, nach dem Maß der Umhänge des Vorhofes {2Mos 27v16};

19. dazu vier Säulen und vier Füße von Erz und ihre Knäufe von Silber und ihre Köpfe überzogen und ihre Reife silbern.

Säulen: Daran das Tuch des Tors aufgehängt und unterstützt wurde.

Knäufe: Damit das Tuch an die Säule geheftet wurde.

20. Und alle Nägel der Wohnung und des Vorhofes ringsherum waren von Erz:

21. Das ist nun die Summa zu der Wohnung des Zeugnisses, die erzählt ist, wie Mose gesagt hat, zum Gottesdienst der Leviten unter der Hand Itamars, Aarons, des Priesters, Sohnes,

Zeugnis: In welcher Wohnung das Gesetz in steinernen Tafeln gegraben sollte aufbehalten werden, so von dem Willen Gottes zeugte: Und in welcher der Herr zwischen den Cherubim von seinem Willen durch eine göttliche Antwort künftig zeugen würde, was sein Begehren wäre, das die Kinder Israel glauben und tun sollten.

Unter der Hand: Das ist: Nachdem alle Stücke der Hütte samt den Geräten von den Werkleuten ausgemacht und gefertigt wurden, hat Mose befohlen, dass Itamar, Aarons Sohn, solches alles aufzählte und den Leviten zu ihren Hände lieferte, damit ein jeder wüsste, welches Stück in Aufrichtung oder Zerlegung der Hütte ihm anbefohlen wäre.

22. die Bezaleel, der Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda machte, alles, wie der Herr Mose geboten hatte;

23. und mit ihm Ahaliab, der Sohn Ahisamachs, vom Stamm Dan, ein Meister zu schneiden, zu wirken und zu sticken mit gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und weißer Seide.

24. Alles Gold, das verarbeitet ist in diesem ganzen Werke des Heiligtums, das zur Webe gegeben wurde, ist neunundzwanzig Zentner, siebenhundertunddreißig Sekel nach dem Sekel des Heiligtums.

Zur Webe: Das ist: Welches Gold von den Kindern Israels geopfert wurde und von den Priestern, ehe denn man es den Barmeistern zugestellt, vor dem Herrn hat müssen gewebt werden gegen die vier Örter der Welt, wie die Leviten im Brauch hatten.

Sekel des Heiligtum: Welcher Sekel(wie oft gemeldet) doppelt so viel galt als ein allgemeiner Sekel. Wie auch ein Zentner oder Kikar des Heiligtums ins Doppelte wertgeschätzt wurde gegen die allgemeinen Zentner zu rechnen, wie viel aber derselbe jetzt wert ist, kann man jetziger Zeit keine deutliche Nachricht haben.

25. Des Silbers aber, das von der Gemeinde kam, war hundert Zentner, tausendsiebenhundertfünfundsiebenzig Sekel, nach dem Sekel des Heiligtums.

Gemeinde kam: Das ist: Welches die Gemeinde der Kinder Israels dem Herrn opferte zum Bau der Hütte.

Hundert Zentner: Die Summe dieses Silbers hat gemacht in die ? Hundertundsechzigtausendachthundertundachtundachtzigst halben Taler.

26. So manch Haupt, so mancher halber Sekel, nach dem Sekel des Heiligtums, von allen, die gezählt wurden, von zwanzig Jahren an und darüber, sechshundertmal tausend dreitausendfünfhundertundfünfzig.

27. Aus den hundert Zentnern Silbers goss man die Füße des Heiligtums und die Füße des Vorhangs, hundert Füße aus hundert Zentnern, je einen Zentner zum Fuß.

28. Aber aus den tausendsiebenhundertundfünfundsiebenzig Sekeln wurden gemacht der Säulen Knäufe, und ihre Köpfe überzogen und ihre Reife.

29. Die Webe aber des Erzes war siebzig Zentner, zweitausendundvierhundert Sekel.

Erzes: Die Summe des Erzes hatte sechstausendneunhundert und siebenunddreißig Pfund, dessen Wert sich erstrecken möchte bis in die tausendsechshundert und sechs deutsche goldene Taler.

30. Daraus wurden gemacht die Füße in der Tür der Hütte des Stifts und der eiserne Altar und das eiserne Gitter daran und alles Geräte des Altars,

Tür: Nämlich, im selben Teil der Hütte, welcher das Heilige genannt wurde, da der Tisch und Leuchter standen.

Eiserne Altar: Nämlich der Brandopfers Altar, der mit Erz überzogen war.

31. dazu die Füße des Vorhofes ringsherum und die Füße des Tors am Vorhof, alle Nägel der Wohnung und alle Nägel des Vorhofes ringsherum.

Nägel: So viel ihrer gewesen sind, welche in die Erde geschlagen waren, dass die Teppiche daran ausgestreckt und steif angezogen wurden, damit sie nicht vom Winde möchten hin und her getrieben werden. Dieselben Nägel alle miteinander waren von Erz gemacht. Der ganze Wert allen Goldes, Silbers und Erzes hat ungefähr in die sechseinhalb Tonnen Goldes betragen. (Dabei wir zu lernen haben, dass wir uns keine Kosten sollen bedauern lassen, die zur Fortpflanzung der reinen Religion angewandt werden.)


Das 39. Kapitel


I. Die priesterlichen Kleider werden gefertigt für Aaron, dem Hohepriester, und für die anderen Priester v. 1. II. Desgleichen wird die heilige Hütte mit alle ihren Geräten, wie sie gefertigt wurden, Mose vorgestellt, welcher den Segen spricht über die Israeliten, dass sie so willig und freigiebig sich erzeigt hatten v. 32.

1. Aber von der gelben Seide, Scharlaken und Rosinrot machten sie Aaron Kleider, zu dienen im Heiligtum, wie der Herr Mose geboten hatte.

Zu dienen: Das ist: Wenn er sein Priesteramt verrichtete in der Hütte.

2. Und er machte den Leibrock mit Gold, gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide.

3. Und schlug das Gold und schnitt‘s zu Faden, dass man es künstlich wirken konnte unter die gelbe Seide, Scharlaken, Rosinrot und weiße Seide,

4. dass man es auf beiden Achseln zusammenfügte und an beiden Seiten zusammenbände.

5. Und sein Gurt war nach derselben Kunst und Werke von Gold, gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide, wie der Herr Mose geboten hatte.

6. Und sie machten zwei Onyxsteine, umher gefasst mit Gold, gegraben durch die Steinschneider, mit den Namen der Kinder Israel,

Namen: Das ist: Die Namen der zwölf Söhne Jacobs sind in den Onychsteinen gegraben gewesen, also dass auf einem jeden Stein sechs Namen standen, nach der Ordnung ihres Alters, wie in Kapitel 28. gesagt worden.

7. und heftete sie auf die Schultern des Leibrocks, dass es Steine sind zum Gedächtnis der Kinder Israel, wie der Herr Mose geboten hatte.

8. Und sie machten das Schildlein nach der Kunst und Werke des Leibrocks von Gold, gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide,

9. dass es viereckig und zweifach war, einer Hand lange und breit.

Zweifach: Nämlich, gegen dem Leibrock zu rechnen, dass es noch so dick war als derselbe.

10. Und füllten es mit vier Riegen Steinen. Die erste Riege war ein Sarder, Topaser und Smaragd;

11. die andere ein Rubin, Saphir und Demant;

12. die dritte ein Lynkurer, Achat und Amethyst;

13. die vierte ein Türkis, Onyx und Jaspis, umher gefasst mit Gold in allen Riegen.

14. Und die Steine standen nach den zwölf Namen der Kinder Israel, gegraben durch die Steinschneider, ein jeglicher seines Namens, nach den zwölf Stämmen.

Zwölf Namen: Das ist: In einem jeden Edelstein war der Name eines der Patriarchen von den zwölf Söhnen Jacobs eingegraben, denn nach derselben Namen wurden die zwölf Stämme genannt.

15. Und sie machten am Schildlein Ketten mit zwei Enden von feinem Gold

Zwei Enden: Das ist: In die Länge ausgestreckt wie ein Seil, das die, zwei Enden voneinander blieben, ein jegliches besonders und nicht zusammen gemacht wurden in die Runde, damit man sie unten am Schild und oben am Leibrock anheften konnte.

16. und zwei goldene Spangen und zwei goldene Ringe: und hefteten die zwei Ringe auf die zwei Ecken des Schildleins.

17. Und die zwei goldenen Ketten taten sie in die zwei Ringe auf den Ecken des Schildleins.

18. Aber die zwei Enden der Ketten taten sie an die zwei Spangen und hefteten sie auf die Ecken des Leibrocks gegeneinander über.

Des Leibrocks: Nämlich oben auf beiden Schultern, da die zwei Spangen an den Leibrock standen auf jeglicher Schultern eine.

19. Und machten zwei andere goldene Ringe und hefteten sie an die zwei anderen Ecken des Schildleins an seinen Ort, dass es fein anläge auf dem Leibrock.

Anderen Ecken: Nämlich unten am Schild.

20. Und machten zwei andere goldene Ringe, die taten sie an die zwei Ecken unten am Leibrock gegeneinander über, da der Leibrock unten zusammengeht,

unten zusammen: Nämlich, da der Gürtel gestanden, auf jeglicher Seite einen Ring.

21. dass das Schildlein mit seinen Ringen an die Ringe des Leibrocks geknüpft würde mit einer gelben Schnur, dass es auf dem Leibrock hart anläge und nicht von dem Leibrock los würde, wie der Herr Mose geboten hatte.

22. Und er machte den Seidenrock zum Leibrock, gewirkt ganz von gelber Seide,

Seide Rock: Welchen der Hohepriester unter dem Leibrock anzog {2Mos 28v31}.

23. und sein Loch oben mitten inne und eine Borte ums Loch her gefaltet, dass er nicht zerrisse.

Loch: Das dem Priester um den Hals ging.

24. Und sie machten an seinem Saum Granatäpfel von gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot und gezwirnter weißer Seide.

Saum: Nämlich unten am Rock.

25. Und machten Schellen von feinem Gold; die taten sie zwischen die Granatäpfel ringsumher am Saum des Seidenrocks,

26. je ein Granatapfel und eine Schelle um und um am Saum, darin zu dienen, wie der Herr Mose geboten hatte.

27. Und machten auch die engen Röcke, von weißer Seide gewirkt, Aaron und seinen Söhnen {2Mos 28v39},

28. und den Hut von weißer Seide und die schönen Hauben von weißer Seide und Niederkleider von gezwirnter weißer Leinwand

Hut: Für den Hohepriester Aaron, welcher allein solchen Hut trug.

Hauben: Für die anderen Priester, Aarons Söhnen.

29. und den gestickten Gürtel von gezwirnter weißer Seide, gelber Seide, Scharlaken, Rosinrot, wie der Herr Mose geboten hatte.

30. Sie machten auch das Stirnblatt, nämlich die heilige Krone, von feinem Gold und gruben Schrift hinein: Die Heiligkeit des Herrn.

Die Heiligkeit: Die Erklärung dieser Schrift findet man in Kapitel 28.

31. Und banden eine gelbe Schnur daran, dass sie an den Hut von oben her geheftet würde, wie der Herr Mose geboten hatte.

32. Also wurde vollendet das ganze Werke der Wohnung der Hütte des Stifts. Und die Kinder Israel taten alles, was der Herr Mose geboten hatte,

Werke: Nämlich, was zum Bau der Hütte Gottes gehörte, samt allem Geräte darin.

33. und brachten die Wohnung zu Mose: die Hütte und alle ihre Geräte, Häklein, Bretter, Riegel, Säulen, Füße;

34. die Decke von rötlichen Widderfellen, die Decke von Dachsfellen und den Vorhang;

Vorhang: Welcher das Allerheiligste beschloss.

35. die Lade des Zeugnisses mit ihren Stangen; den Gnadenstuhl;

36. den Tisch und alle seine Geräte und die Schaubrote;

37. den schönen Leuchter, mit den Lampen zubereitet, und alle seinem Geräte, und Öl zu Lichtern;

38. den goldenen Altar und die Salbe und gut Räucherwerk; das Tuch in der Hütte Tür;

Hütte Tür: Nämlich für das Heilige.

39. den eisernen Altar und sein eisernes Gitter mit seinen Stangen und alle seinem Gerät; das Handfass mit seinem Fuß;

40. die Umhänge des Vorhofes mit: seinen Säulen und Füßen; das Tuch im Tor des Vorhofes mit seinen Seilen und Nägeln und allem Geräte zum Dienst der Wohnung der Hütte des Stifts;

41. die Amtskleider des Priesters Aaron, zu dienen im Heiligtum, und die Kleider seiner Söhne, dass sie Priesteramt taten.

42. Alles, wie der Herr Mose geboten hatte, taten die Kinder Israel an alle diesem Dienst.

43. Und Mose sah an alle dies Werke; und siehe, sie hatten es gemacht, wie der Herr geboten hatte. Und er segnete sie.

Segnete: Das ist: Er hat Gott angerufen, dass er solche Gutwilligkeit und Freigiebigkeit der Israeliten, die sie in Beförderung des Gottesdienstes erzeigt, mit geistlichen und leiblichen Guttaten wiederum vergelten wollte. (Solche Gebete und Wünsche der frommen Leute gehen nicht leer ab, sondern sind kräftig. Und wie die Israeliten, so sie von ihren Gütern willig zur Erhaltung des Gottesdienstes beigesteuert und dazu geholfen, den Segen erlangt haben, also werden diejenigen den Fluch auf sich laden, welche der Kirchen Güter rauben und das Predigtamt nicht helfen unterhalten.)


Das 40. Kapitel


I. Gott befiehlt, dass man die Hütte aufrichte und lehrt, wie man alle Stücke ordnen soll v. 1. II. Gebietet auch, dass man alle Stücke der Hütte mit dem heiligen Öl salbe, und dass die Priester sich waschen und gesalbt werden sollen v. 9. III. Demselben Befehl kommt Mose nach v. 16. IV. Und da die Hütte aufgerichtet wurde, erfüllt sie Gott mit einer dicken Wolke und weiht sie gleichsam ein v. 34. V. Und nachdem sich dieselbe Wolke bewegt oder still gestanden, haben die Kinder Israels von der Zeit an ihre Reise angestellt oder sich gelagert v. 36.

1. Und der Herr redete mit Mose und sprach:

2. Du sollst die Wohnung der Hütte des Stifts aufrichten am ersten Tage des ersten Monden.

Aufrichten: Demnach jetzt alle dazugehörigen Stücke und alle Geräte ausgemacht und fertig sind.

Ersten Monden: Welcher zum Teil in unserem März, zum Teil unserem April entspricht.

3. Und sollst darin setzen die Lade des Zeugnisses und vor die Lade den Vorhang hängen.

Zeugnis: Das ist: Darin die Tafeln des Gesetzes wahren.

Vorhang: Das es das Allerheiligste beschließe.

4. Und sollst den Tisch darbringen und ihn zubereiten und den Leuchter darstellen und die Lampen darauf setzen.

Darbringen: Nämlich im anderen Teil der Hütte, so das Heilige genannt wurde.

Zubereiten: Nämlich mit den Schaubroten und anderem.

Darstellen: Nämlich im selben anderen Teil der Hütte ins Heilige.

5. Und sollst den goldenen Räucheraltar setzen vor die Lade des Zeugnisses und das Tuch in der Tür der Wohnung aufhängen.

Setzen: Nämlich auch im Heiligen.

Tuch: Dies war der andere Vorhang im Eingang des Heiligen.

6. Den Brandopferaltar aber sollst du setzen heraus vor die Tür der Wohnung der Hütte des Stifts

Wohnung: Das ist: vor die Tür des Heiligen.

7. und das Handfass zwischen der Hütte des Stifts und dem Altar, und Wasser hinein tun;

8. und den Vorhof stellen umher und das Tuch in der Tür des Vorhofes aufhängen.

Tuch: Dies war der dritte Vorhang zum äußeren Teil der Hütte, da man zuerst durch ihn ging und in den Vorhof kam.

9. Und sollst die Salbe nehmen und die Wohnung und alles, was darin ist, salben; und sollst sie weihen mit alle ihrem Geräte, dass sie heilig sei {2Mos 30v26}.

Salbe: Wie dieselbe hat müssen zugerichtet werden, mag man lesen im vorigen 30. Kapitel.

10. Und sollst den Brandopferaltar salben mit alle seinem Geräte und weihen, dass er allerheiligste sei.

11. sollst auch das Handfass und seinen Fuß salben und weihen.

12. Und soll Aaron und seine Söhne vor die Tür der Hütte des Stifts führen und mit Wasser waschen {2Mos 29v4};

13. und Aaron die heiligen Kleider anziehen und salben und weihen, dass er mein Priester sei;

Priester: Von welcher Zeremonie auch in Kapitel 29. berichtet wurde. (Es wird aber Aaron vor seinen Söhnen gesalbt, weil Christus, dessen Vorbild Aaron gewesen, in allen Dingen den Vorzug hat vor seinen Brüdern.)

14. und seine Söhne auch herzuführen und ihnen die engen Röcke anziehen;

15. und sie salben, wie du ihren Vater gesalbt hast, dass sie meine Priester sind. Und die Salbung sollen sie haben zum ewigen Priestertum bei ihren Nachkommen.

Haben: Das ist: Mit solcher Einweihung soll ihnen zugleich das Priesteramt übergeben und bestätigt werden, welches sie erblich auch auf ihre Nachkommen hinterlassen soll.

16. Und Mose tat alles, wie ihm der Herr geboten hatte.

17. Also wurde die Wohnung aufgerichtet im anderen Jahr, am ersten Tage des ersten Monds.

Anderen Jahr: Nämlich nach dem Ausgang der Kinder Israel aus Ägypten.

18. Und da Mose sie aufrichtete, setzte er die Füße und die Bretter und Riegel und richtete die Säulen auf.

Aufrichtete: Ein jegliches an seinen Ort.

19. Und breitete die Hütte aus zur Wohnung und legte die Decke der Hütte oben darauf, wie der Herr ihm geboten hatte.

20. Und nahm das Zeugnis und legte es in die Lade; und tat die Stangen an die Lade und tat den Gnadenstuhl oben auf die Lade.

Zeugnis: Die zwei steinernen Tafeln des Gesetzes.

Obenauf: Das er anstatt einer Decke der Lade wäre.

21. Und brachte die Lade in die Wohnung und hing den Vorhang vor die Lade des Zeugnisses, wie ihm der Herr geboten hatte.

Für die Lade: Dass sie von niemand mehr konnte gesehen werden.

22. Und setzte den Tisch in die Hütte des Stifts, in den Winkel der Wohnung gegen Mitternacht, außen vor dem Vorhang.

Für dem: Nämlich in das Heilige.

23. Und bereitete Brot darauf vor dem Herrn, wie ihm der Herr geboten hatte {2Mos 25v30}.

24. Und setzte den Leuchter auch hinein gegen dem Tisch über, in den Winkel der Wohnung gegen Mittag.

25. Und tat Lampen darauf vor dem Herrn, wie ihm der Herr geboten hatte.

26. Und setzte den goldenen Altar hinein, vor den Vorhang.

27. Und räucherte darauf mit gutem Räucherwerk, wie ihm der Herr geboten hatte.

28. Und hing das Tuch in die Tür der Wohnung.

29. Aber den Brandopferaltar setzte er vor die Tür der Wohnung der Hütte des Stifts; und opferte darauf Brandopfer und Speiseopfer, wie ihm der Herr geboten hatte.

30. Und das Handfass setzte er zwischen die Hütte des Stifts und den Altar; und tat Wasser hinein zu waschen.

Altar: Nämlich den Brandopfer Altar.

31. Und Mose, Aaron und seine Söhne wuschen ihre Hände und Füße daraus.

32. Denn sie müssen sich waschen, wenn sie in die Hütte des Stifts gehen oder hinzutreten zum Altar, wie ihm der Herr geboten hatte {2Mos 30v19}.

Zum Altar: Zu opfern.

Geboten: (Es wird aber in diesem Kapitel so oft wiederholt, dass Mose alles getan, wie ihm der Herr geboten hat, auf dass wir lernen, es gefalle Gott kein anderer Gottesdienst, außer den er selbst befohlen hatte.)

33. Und er richtete den Vorhof auf, um die Wohnung und um den Altar her, und hing den Vorhang in das Tor des Vorhofes. Also vollendete Mose das ganze Werk.

34. Da bedeckte eine Wolke die Hütte des Stifts, und die Herrlichkeit des Herrn füllte die Wohnung {4Mos 9v15 1Sam 8v10}.

Bedeckte: Das ist: Es hat sich eine dicke Wolke herniedergelassen in die Hütte des Stiftes, damit Gott seine Gegenwart vor allem Volk durch ein herrlich Zeugnis zu erkennen geben konnte. (Und hat Gott mit dieser Erscheinung die Hütte gleichsam als zu seiner Wohnung eingeweiht, und also bezeugt, dass er bei derselben Hütte sich wolle finden lassen, die Sünde dort verzeihen, und deren die ihn anrufen, Gebet erhören. Weil aber die Hütte Christus und die Kirche bedeutet, wird hier angezeigt, dass nicht allein die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig in Christo wohne, sondern auch dass er bei seiner Kirche, welche der Leib Christi ist, gegenwärtig sei, die Sünde vergebe und der Gläubigen Gebet erhöre.)

35. Und Mose konnte nicht in die Hütte des Stifts gehen, weil die Wolke darauf blieb, und die Herrlichkeit des Herrn die Wohnung füllte.

36. Und wenn die Wolke sich aufhob von der Wohnung, so zogen die Kinder Israel, so oft sie reisten.

Aufhob: Obwohl dieselbe Wolke nicht immer dergestalt die Hütte füllte, dass niemand darin gehen konnte, so ist sie doch immer bei oder auf derselben Hütte in der Wüste geblieben, aus deren Stillstand oder Bewegung die Israeliten vernahmen, wenn sie fortziehen, oder aber an einem Orte still liegen sollten.

So oft: Das ist: Sie nahmen sich keine Reise vor, es hätte sich denn die Wolke von der Hütte erhoben und den Israeliten zu verstehen gegeben, dass sie reisen sollten.

37. Wenn sich aber die Wolke nicht aufhob, so zogen sie nicht, bis an den Tag, da sie sich aufhob.

38. Denn die Wolke des Herrn war des Tages auf der Wohnung, und des Nachts war sie feurig, vor den Augen des ganzen Hauses Israel, solange sie reisten {2Mos 13v21 4Mos 14v14 5Mos 1v33 Neh 9v19 Ps 78v14 Ps 105v39 1Kor 10v1}.

Ganzen: Das ist: Immer, so oft man fortreisen sollte, sahen die Kinder Israels alle miteinander, wie sich die Wolke aufhob. (Also sollen auch die Christen all ihr Tun nach dem vorgeschriebenen Worte und Willen Gottes richten und anstellen, und sich nichts unterfangen, das unserem Herrn Gott zuwider ist.)