20. Mai

Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

Matthäus 5,28

Wenn nicht mehr Werke geboten wären als die Keuschheit allein, so hätten wir alle genug zu schaffen daran, weil die Unkeuschheit so ein gefährliches und wüstes Laster ist, denn sie tobt in allen Gliedern, im Herzen mit Gedanken, in den Augen mit dem Gesicht, in den Ohren mit dem Gehör, in dem Munde mit Worten, in Händen, Füßen und ganzem Leibe mit Werken. Es haben alle Heiligen darüber geklagt und geweint. Wenn aber das Werk der Keuschheit bestehen soll, so treibt es zu vielen anderen guten Werken, zum Fasten und Mäßigkeit gegen Völlerei und Trunkenheit, zum Wachen und frühen Aufstehen wieder die Faulheit und den übrigen Schlaf, zur Arbeit und Mühe wider den Müßiggang. Denn Fressen, Saufen, viel Schlafen, Faulenzen und Müßiggehen sind Waffen der Unkeuschheit. Über das alles aber ist die stärkste Waffe das Gebet und Wort Gottes, dass, wo die böse Lust sich regt, der Mensch zum Gebet fliehe, Gottes Gnade und Hilfe anrufe, das Evangelium betrachte und darin Christi Leiden ansehe. Also sagt der 137. Psalm: Selig ist der, der die Jungen von Babylonien ergreift und zerschmeißt sie an dem Fels; das heißt: wenn das Herz mit bösen Gedanken, während sie noch jung und im Anfange sind, zu Christus, dem Felsen, läuft, an welchen sie zerrieben werden und vergehen.